805. Km»«abe«d, de« SV. Dezember 1888. s.#«w ScllimrZMllill Brgan für die Interessen der Arbeiter. Abounements-Eintadnng. Mit dem 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonnement auf daS Ltdim iiMimr mit dem als Gratisbeilage. DaS„K»rtt»»r Notk«btatt" ist daS einzige, täglich er- schewende Ardeiterorgan der Reichshauplstadt. Als Verfechter und Vertreter einer neuen Weltanschauung auf allen Gebieten des menschlichen LedenS, ist cS seine erste und vornehmste Aufgabe, überall und in jeder Beziehung für die Interessen der unter« drückten Klaffe, der Ardeiter, einzutreten. Auf die Arbeiter ge- stützt, von ihrem Vertrauen getragen, hofft daS„Kertiue» KoUrsdiatt", durch rastlose, unermüdliche Thätiglest auch an feinem Theile dazu beizutragen, daß unsere Prinzipien zum Durch- druch gelangen und daß der produzirende, die Menschheit er- haltende Theil unserer Bevölkerung denjenigen Play in der Ge« sellschast einnimmt, der ihm gebührt. Darum, Arbester Berlins, werbet und agststt, wo ihr auch sein möget, ob in der Werkstatt, od im Freundeskreise, werbet und agttirt für Sure Zeitung. Jedermann kennt unseren Standpunkt in polttischen und wiltbjchaftlichen Fragen. Mtt Schärfe und Sachlichkeit werden, wie bisher, alle dieses Gebiet berührenden Vorkommnisse behandelt werden, ebenso wie wir bestrebt sein werden, in allen anderen Fächern durch Schnelligkeit, Präzision und sachgemäßes Urtheil unsere Schuldigkeit zu thun. Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir einen aus« gezeichneten Roman, bettlest Merskornikorv von Dostojewski. Den neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher er« schienene Thell dieses RomanS gratis nachgeliefert. Unser K-nntagoblott macht es fich nach wie vor zur Auf- gäbe, nm die besten und vollendetsten Arbeiten derjenigen Schriftsteller zu bringen, welche auf dem Boden des wirklichen Lebens stehen. . DaS«.fnriitwv Polstoblatt" kostet für daS ganze Viertel- jähr fvti tn» Ha«« 4 Ist lr., für den Monat Januar 1 Istlr. 35 Dl/., pro Woche SS Pf. Bei Selbstabholung aus unserer Expedition 1 Dstk. pro Istonat. Für außerhalb nehmen sc m ntliche Postanstallen Abonnements für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen. Die Redaktion«ad Expedition des „Berliner DolKsdlaW. Isuilreton. Ka»kol«ik«m. Stoma» vo» F. M. Dostojewski. «Hl dem SiNsfische» übersetzt vo« Wilh. Heackel. Bei SsoujaS Eintritt stand Rasumichi«, der auf einem der «-««.f.«« der TKür aeiessen hatte, auf, um ihr Platz sie fei und wie» lyr oayer___ — Und Du, fetz' Dich hierher, sagte er zu Rasumichi», chm de» Platz in der Ecke, wo Eosfimow gesessen hatte, �«bietend. Ssonja, fast zitternd vor Angst, setzte fich hin und «lrckte schüchtern auf die beiden Damen. Man sah es ihr daß eS ihr unfaßlich war, wie sie eS hatte wagen können, ) hierher zu setzen. All ihr dies einfiel, erschrak sie, nd wieder auf und wandte sich gänzlich verwirrt an RaS- rolnikow: — Zch... ich... bin nur auf eine« Moment,... �schuldigen Sie, daß ich störe, begann sie stotternd;— ich fovnne von Katharina Zwanowna, sie hatte sonst niemand p»m Schicke»... Katharina Zwanowna beauftragte mich. Sie °n»ge«d zu bttten, daß Sie doch morgen ftüh zur Messe, Mn Tobten amt und dann... zu uns,... zur Tobten- if?er kommen, ihr die Ehre erzeigen möchte«.... soll ich i* bitten. 6.— Ich will mein möglichste! thun,.... ganz be- MMmt, antwortete Ratkolnikow, der auch aufgestanden „nb den Satz nicht beenden Herr Schurz. Ehemals war er der Wildesten Einer und im„tollen Zahr" 1848 sah man ihn verwegen in die Brandung der Revolutton sich stürze». Er betheiligte fich an der badtschen Insurrektion von 1849 und ward in Rastatt gefangen; aber er entfloh aus der„Mausefalle" und war keck genug, nach Berlin zu kommen und hier unter de« Augen der Polizei die Befteiung de« zu lebenslänglichem Zuchthaus verurthcilte» Dichters Gottfried Kinkel zu betreiben, der in Spandau Wolle spann. Nach allerlei Abenteuer« Selang daS Unternehmen, das mit einer geradezu -appirenden Vewegenheit ausgeführt wurde. Die Freunde entkamen glücklich ins Ausland und Schurz begab fich nach Nordamerika, wo er bei seiner eminenten Befähigung bald eine politische Karriere sich er« schloß. Er ward ein einflußreicher Staatsmann, aber die Begeisterung für die Ideale seiner Jugend schwand dahin und er gesellte sich jenen Polttikern bei, denen Macht, Ein- fluß und Reichthum alles, Grundsätze und Ideale aber sehr wenig und häufig garnichtS gelten. Daher kommt e« auch, daß er fem alte« Vaterland, wenn er eS besucht, durch eine Brille ansieht, von der man glauben könnte, sie sei von der Kölnische«, der National« oder gar Norddeutschen Allgemeine« Zeitung geborgt. Wir wissen recht genau, was an unserem Vaterlande Vor- tresslicheS ist und wollen es gewiß nicht unter den Scheffel gestellt wissen; aber wir glauben auch gerade dadurch dem Interesse unseres Volkes zu diene», daß wir die Mängel unserer politischen und soziale» Institutionen beleuchten und darauf hinweise», wo die bessernde Hand angelegt werde» muß. E« kann uns deshalb auch nicht sonderlich impo- nire«, wenn Herr Schurz drüben in Amerika sich ge« b erdet, als ob wir in einer Art von Paradies lebten und weiter nichts zu thun hätte«, als un» vor dem polttischen Süadenfall zu bewahren. Wa» Herr Schurz sagt, wird vo» den offiziöse« und servilen Blättern jubelnd nachgedruckt, die darin einen Beweis für die Vollkommenheit unserer Zustände erhascht zu habe» glaube«. Man bringt sich damtt in de» Schein, als sei man selbst unfähig, unsere Zustände zu beurtheile», über welche wir selbst, die w,r im Reiche wohnen, doch unstreitig besser unterrichtet sei« können und sollen, als Herr Schurz, der fett 40 Jahre« nur bei gelegentlichen Besuche« de» deutsche« Boden betritt. Selbstverständlich habe« die wohlgesinnte» Blätter aus de» Aeußerungen de« Herrn Schurz sich das ausgesucht,»a« ihnen gerade in ihren Kram paßt. Wir wollen deshalb aus einer in New-Bork gehaltenen Rede de» deutsch- amerikanische» Staatsmannes einige Stelle» ent» nehmen, au! denen hervorgeht, daß ihn doch manchmal ei» leise« Bedenke« beschliche« hat, al» er sah, wie wenig die Sie eilen doch nicht?.... schenken Sie mir nur zwei Minuten... Er rückte ihr de« Stuhl hin. Ssooja setzte fich, blickte dann wieder schüchtern und verlege« auf die beiden Damen und senkte de« Blick. RaSkolnikowS bleiche« Gesicht flammte auf; er war wie verwandelt, seine Augen leuchtete«. — Mütterchen, sprach er fest und entschlossen,— da« ist Sophie Ssemjonowna Marmeladow, die Tochter desselben unglückliche« Herr» Marmeladow, der gester» in meinem Bersei« überfahren wurde und vo» dem ich Ihne« berett« erzählte.... Pulcheria Alexandrowna blickte auf Ssonja und blin- zelte ein wenig. Trotz ihrer Unruhe, die sie vor dem festen und herausfordernden To» ihre« Sohne« empfand, konnte sie fich diese Genugthung nicht versagen. Dunetschka sah dem arme« Mädchen ernst und starr in» Geficht und blickte sie verwundert an. Ssonja schlug bei dieser Vorstellung wieder die Augen auf, ward aber»och ver- legener. — Ich wollte Sie fragen, wandte fich RaSkolnikow zu ihr,— wie fich alle» bei Ihnen geordnet hat. Hat man Sie nicht belästigt,— die Polizei zum Beispiel? — Nein, es ging alles ganz gut... die Ursache de« Tode« war ja zu augenscheinlich,... man hat un« in Ruhe gelassen, nur die andern Einwohner, die Nachbarn, sind böse... - Weshalb? — Daß der Leichnam so lange da steht... e» ist jetzt so heiß, die Ausdünstung.... man wrrd ihn heute gegen Abend auf de« Friedhof in die Kapelle bringe» müssen.... bis er morgen beerdigt wird. Katharrna Zwanowna wollte anfangs nicht» davon wissen, jetzt sieht sie aber selbst ei», daß e« nicht ander» an- geht... — Also heute schon? — Sie bittet, daß Sie uns morgen die Ehre erzeigen alten Parteien mehr an da« denken, was man früher schier allgemein al« unerläßlich für den Ausbau eine« große« Staatswesen« erachtet hat. Schurz sprach: „Der Deutsche im AuSlande sieht immer nur die große» Ereignisse in der Enwickelung seine« alten Vaterlandes; er hat kein Interesse für die kleineren Fragen, für die innere« Parteikämpfe, welche fich drüben abspielen. Einem aufmerk- same« Beobachter kann e« nun nicht entgehen, daß in Deutschland da« Verlange«»ach freiheit« lichen Einrichtungen vo» der Bevölkerung nur zögernd und langsam geäußert wird, wa» in einem merkwürdigen Kontrast zu der Gesinnung de« amerikanische» Volke« steht. Die« läßt fich jedoch au« der politische» Misere erkläre», aus welcher Deutschland sich erst nach und«ach zu dem emporgerungen, al« was e« heute dasteht: ei» großes gewaltiges Ganze«, bei dessen geringster Be« wegung der Boden Europa« erzittert. Man ist in Deutsch- land noch ganz von der Bewunderung der eigenen, un- geahnten Größe erfüllt; man arbeitet noch an der nationale« Konsolidation, und die nationale Idee überragt noch bei wettem alle anderen Idee». Darau« erklärt sich die „fanatische" Anhänglichkeit an den Reichskanzler, der gegen- wärtig wohl der mächtigste Minister der Welt ist und diese seine Macht sogar über die Geister und Herzen, über Wille« und Gedanke» de« ganzen Volkes ausübt. Erst wenn da« deutsche Volk sich seiner Errungenschaft ganz sicher fühlt, wird e« mit voller Unabhängigkeit de« UrtherlS auf ver betretenen Bah» wetterschreiten." Man muß gestehen, daß Herr Schurz recht zart mit seinem Vaterlande umgeht. Er meint, die politische Misere sei überwunden; allein kurz zuvor gesteht er ei«, daß sie doch noch vorhanden ist, den» wenn„da« Verlange» nach ftechettlichen Einrichtungen" nur langsam und zögernd geäußert wird, so ist das„politische Misere" gerade genug. Da« habe« wir ja gerade in Deutschland so sehr zu beklagen, daß im Bürgerthum der Stolz und da« UnabhängigkeitSgefühl abhanden ist, so daß sich politi- scher Charakter eigentlich nur noch bei den Arbeitern vor- findet. Man darf zwar nicht übersehe«, daß der Rückgang de« BürgerthumS in Bezug auf Geist und Charakter mtt der wirthschastlicke» Misere zusammenhängt; allein eS ist gerade va» Kennzeichen unserer Epoche, daß auch da, wo noch ökonomische Unabhängigkeit im Bürgerthum vorhanden, dennoch auf eine Unabhängigkeit der Gesinnung mcht zu rechnen ist. Da« Prognostiko«, welche« un« Schurz stellt, ist nichts weniger al« erfreulich. Wann werden wir also wieder zur Unabhängigkeit de» Urtheil« gelange«? Nach seiner Ver- sicherung erst da«»,, wenn die Frage de« bewaffnete« Frieden«, die alles beherrscht, gelöst ist. Nu», in diese und zur Todtenmesse in die Kirche und von da zu un«, zum Gedächtnißmahl kommen möchten. — Sie will also ein Gedächtnißmahl gebe»? — Ja, nur kalte Küche; sie läßt auch sehr danken, daß Sie un« gestern geholfen haben... ohne Ihre Beihilfe hätten wir nicht» gehabt, um ihn zu beerdige«.— Lippe» und Kinn bewegten fich krampfhaft, sie überwand sich aber und schlug abermals die Augen zu Bode«. Während diese« Gesprächs bettachtete RaSkolnikow da« Mädchen aufmerksam. Er sah ein magere«, elende«, bleiche« Gesichtchen, ziemlich unregelmäßig und spitzig, mit kleiner, spitzer Nase und ebensolchem Kinn vor sich. Man konnte sie nicht einmal nett nennen, ihre blauen Augen aber waren klar, und wenn sie fick belebten, war der Ausdruck de« Ge- ficht» so gutmüthig und treuherzig, daß man fich unwillkürlich zu ihr hingezogen fühlte. In ihrem Antlitz, in ihrer ganze« Figur war noch ein besonder» charakteristischerZug; ungeachtet ihrer achtzehn Jahre schien sie fast noch ein Kind, sie schien viel jünger, al« sie wirklich war; und dadurch waren einige ihrer Bewegungen zuweilen etwa« komisch. — Hat den« Katharina Zwanowna mit so geringe» Mitteln sich einrichten könne«, daß sie sogar noch em Mahl auszurichten unternimmt? ftagte RaSkolnckow, nur um da» Gespräch fortzusetzen. — Der Sarg wird ganz einfach sein... Alle« so einfach wie nur möglich, damtt e« nicht theuer zu stehen komme... wir haben mit Katharina Zwanowna alle« be- rechnet, e« bleibt noch etwa« zu einem Gedächtnißmahl übrig. Katharina Zwanowna legt so viel Werth darauf. Man kann doch nicht... e« ist ihr ei» Trost... sie ist nun einmal so, Sie wisse« ja... — Ich verstehe, verstehe schon... begreiflich!... Weshalb sehen Sie denn mein Stübchen so verwundert an? Mütterchen meint auch, eS sei einem Sarg ähnlich. — Sie haben un« gestern alles hingegeben! sagte Ssonetschka plötzlich schnell und leise, und schlug schleunigst die Augen wieder nieder; Lippen und Kinn zitterten aber- mal». Längst schon war sie von RaSkolnikowS ärmlicher dunkle Zukunft wollen wir lieber gleich aar nicht hinein- sehe«. Wir wollen nur darauf hinweise«, daß eS doch keine Nothwendigkeit ist. de« bewaffneten Frieden« wegen die Un» abhängigkeit de« Urthsil« aufzugebe«. New, Herr Schurz, e« ist nicht ganz so schön und ganz so behaglich bei um«, wie Sie glaube«. Für gewiffe Leute wohl, aber nicht für alle, gewiß nicht für die große Maffe! Wir halten e» nicht für patriotisch, die Zustände de» Vaterlandes mit rofenrother Schminke zu bemale«. Wir lege« lieber den Finger in feine Wunden, damit man auf Heilmittel sinne, und glauben damit zum gemeine« Beste« zu Handel«._ Tngmak-Korresxouämzev. An» Gesterreich, 36. Dezember. Dem am 30. d. Ms. in Hainfeld in Nieder> Oesterreich beginnenden österreichischen Arbettertagr u>erde„ leitens der Einderufer desselben folgende Resolutionen zur Berathung und Annahme vorgelegt werden: 1 Resolution. In Erwägung, daß die weltgeschichtliche Aufgabe deS Proletariats die Umgestaltung der heutigen wirthschastlichm 1 Daß der Hebel dieser Umgestaltung der Klassenkampf ist, dessen Verlauf mit um so weniger Opfem verbunden, um so rascher und ruhiger sein wird, je mehr auf beiden Seiten Klarheit und Einficht in die Bedingungen und Ziele der ökono- mischen Entwickelung herrscht, daß aber die herrschenden Klaffen die Aufklärung durch gesetzliche und polizeiliche Maßregelungen zu hemmen und zu verzögern suchen, wodurch die Bewegung zwar nicht aufgehalten, aber verbittert und verschärft wird, er« klärt der Parteitag: Jede Einschränkung der Freiheit der Meinungsäußerung, sowie jede Monopolifirung po itischer Rechte für die Besitzen« den ist verwerflich und für die naturgemäße Entwickelung schädlich. ,Er verlangt daher volle Freiheit für die sozialdemokratische Agitation und Propaganda und die Möglichkeit einer mhigen Organisation des Proletariats, zunächst also: 1. Die Aufhebung der Beschränkung der Freizügigkeit— also der Ausnahmeverfügungen, Vagabunden» und Schub« 2. �ie�Äufheduna der Beschränkung der Prcßftett durch die verschiedenen Formen der Zensur und Aufhebung deS Preßmonopols für die Bifiycnden durch Kaution und Stempel, sowie des Verbots der Kolportage. 3. Herstellung des Vereins« und Versammlungsrechts durch Aufhebung der Vereins« und Versammlungsgesetze. 4. Die Aufhebung des Monopols der Befitzenden auf daS politische Wahlrecht durch die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts(u. z. vom 20. Lebensjahre an, wo die Verpflichtung zm Blutsteuer deginnt) als ein wichtiges Mittel der Agitation, ohne stch jedoch über den Werth des Parlamentarismus irgendwie zu täuschen. S. Die ehrliche Sicherung der Unabhängkeit der Gerichte, Unentgettltchkeit der Rechtspflege, Ausdehnung der Ge« schworenengerichte auf alle Vergehen und Verbrechen, so« wie Wahl der Geschworenen auf Grund des allgemeinen, geheimen Wahlrechts durch das gesommte Volk. 6. Schaffung und Durchführung eines Gesetzes, welches Be« amte, die die politischen Rechte von einzelnen oder Ver« einen beeinträchtigen, einer strengen Strafe zuführt. 2. Resolution. Was heute vorzugsweise„Sozialreform" genannt wird, die Einführung der vom lvtaate organistrten Ardeil erverfickerung gegen Krankheit und Unfall, entspringt vor allem der Furcht vor dem Anwachsen der proletarischen Bewegung, der Hoffnung, die Arbeiter von dem Wohlwollen der befiyendm Klaffen zu . überzeugen und zuletzt auch der Einfickt, daß die zunehmende Verelendung deS Volkes endlich die Wehrfähigkett beeintrachtlgrn müsse. Mit der Ausfühmng der Ardciterverficherung werden zwei Nebenzwecke verknüpft: Die theilweise Ueberwälmng der Kosten der Armenpflege von den Gemeinden auf die Arbetter- klaffe und die möglichste Einengung, womöglich Besettigung der seldstständigen Hilfsorganisationen der Arbeiter, welche als Vor« schulen und Uedungsn»tlen der Organisation und Verwaltung den Herrschenden ein Dorn im Auge find. AngestchtS dieser Sachlage erklärt der Parteitag: w..., Die Arbeiterverstcherung berührt den Kern deS sozialen Problems überhaupt nicht. Eine Einrichtung, welche im besten Falle dem arbeitsunfähigen Proletarier ein kärgliches, von ihm selbst theuer bezahltes Almosen gewährt, verdient nicht den Namen„Sozialreform". Die Arbeiterschaft wird sich darüber nicht täuschen laffen, sondem klare Einficht darüber verbreiten, daß eine wirtliche soziale Reform den arbeits« fähigen Arbetter zum Gegenstande und die Besettigung seiner Ausbeutung zum letzten Ziele haben muß, daß aber frellich diese Einrichtung betroffen und diese Worte entschlüpfte» ihr unwillkürlich. E« trat ein Schweigen ein; Dunetschka« Aus« druck wurde freundlicher und Pulcheria Alexandrowna blickte Sfonja sogar leutselig an. — Rodja, sagte sie aufstehend... wtr werde« natürlich mit einander zu Mittag effen. Komm, Dunetschka.. Du aber, Rodja. solltest jetzt etwa» spaziere» gehen und dann ausruhen, Dich ein wenig hinlegen, später kommst Du dann .U un*,— ich fürchte, wir haben Dich ermüdet. _ Za, ja, ich komme,— erwiderte er und stand auf . Ich habe übrigen» noch ein andere« Geschäft... — Du wirst doch nicht allein essen wollen?— rief Rasumic�in, RaSkolnikow erstaunt anblickend,— wa« fällt — Za doch, ja, ich komme, versteht sich!... Bleib' noch ein wenig hier. Sie brauche« ihn doch nicht jetzt glerch, Mütterchen, oder...?....... — Ach nein, nem! Sie, Dmttrtz Prokoftttsch, komme« doch auch zum Essen zu un«; bitte, seien Sie � � Rasumichin verbeugte sich und strahlte. Alle waren einen Augenblick wie verlegen., — Adieu, Rodja, da« heißt auf Wiedersehen!— ich liebe diese«„Adieu" nicht. Adieu, Nastaßja... schon '�Pulcheria Alexandrowna schien auch Ssonetschka grüße« wollen, e« gelang ihr aber nicht und sie verließ eilig Awdotjä Romanowna aber wartete, bi» die Reihe an sie kam, und al« sie der Mutter folgte, grüßte sie Ssonja aufmerksam, höflich und ausdrucksvoll. Ssonet chka wurde verlegen, grüßte hastig und ängstlich, und em schmerzliche« Gefühl al« ob Awdotja Romanowna« Höflichkeit und Auf- merksamkeit ihr lästig und peinlich sei, prägte sich in ihrem Gesicht. �0», � RaSkolnikow ihr«ach, gieb mir doch die Hand! � - Ich gab sie Dir ja schon, Du hast e» wohl ver« geffen?— antwortete Dunja, sich freundlich wieder umwendend. II soziale Reform niemals von den Kapttalistm, sondern nur von dm Arbetter« durchgeführt werden wird. So lange die kapitalistische Produltiontweise herrscht, ist nm eine theilweise Einschränkung ihrer Folgen möglich durch eine ehrlich« und lückenlose Arbetterschutzgebung und ihre energi- sche Durchführung. Die physische Verelendung der Arbeiterklasse findet in der hohen Kindersterblichkeit, in dem kurzen Ledens« alter, der frühen Invalidität der Ardeiter ihrm Ausdruck. Das Herabsinken seiner Lebenshaltung macht es dem Ardeiter unmög- lich, Kraft und Zeit der Thätigkeit für mmschliche Ziele, vor allem für seine eigene Befteiung zu widmen, Die Arbeiter« schutzgesetzgedung soll dem Zunehmen dieser Verhältnisse einigermaßen Einhalt thun. Die österreichische Geweideordnung erfüllt diesen Zweck ganz ungenügmd. Sie ist schwächlich und lückenhaft in ihren Bestimmungen, giedt jede einzelne Vorschrift dem Mißverstand und der Willkür der Verwaltungsbehörden preis. Die Ge« werdeinspektion ist unwirksam, weil unzulänglich in ihrm Mitteln und äußerst beschränkt in ihrm Befugnissen. Eine Arbeiter« schutzgesetzgedung, die ihren Zweck erreichen soll, muß zum mindesten umfassen. 1. Volle Koalittonsfreihett und gesetzliche Anerkennung von Lohnveradredungen und Kartellen der Arbetter. 2. Dm achtstündigen MaximalardeitStag ohne Klauseln und ohne Ausnahmen. 3. Verbot der Nachtarbett(mit Ausnahme jener Be- triebe, derm technische Natm eine Unterbrechung nicht zuläßt.) 4. Volle Sonntagsruhe von Sonnabend Abend bis Montag früh. 5. Verbot der Beschäftigung von Kindern unter vierzehn Jahren. 6. Ausschluß der Frauenarbeit aus den für dm weiblichm Organismus besonders schädlichen Betrieben. 7. Alle diese Bestimmungen haben für Betriebe jeder Stufen- letter(Großindustrie, Transportgewerbe, Handwerk, Haus- industrie) zu gelten. 8. Auf Urdertretungm dieser Bestimmungen von Seiten der Unternehmer find Arrest sttafen gesetzt. 9. Arbetter-Organisationen, welche auf fachlicher und lokaler Grundlage beruhen, haben durch die von ihnen ge« wählten Jnspevorm bei der Kontrole der Durch« führung der Arbetterschutzgesetzgedung mitzuwirken. Politische Ueverstcht. #** Kelch an» einer Gefahr gerettet! Das„Bayer. Vaterland" schrnbt unter dieser Svitzmarke: Neulich hatten wir die schreckliche Thatsache zu berichten» daß das Fürstcnthum Rmß in Gefahr geschwebt hat, weil ein Demokrat einen Sblips von rother Farbe getragen. Jetzt lüftet fich zu unserem Ent- setzm der Schleier von einem noch furchtdarerm Verbrechen, welches man bisher verschwiegen hat, um die Gemüther nicht in unnöthige Aufregung zu versetzen. Mit Schmerz über die Boshaftigkeit der Menschm müssen wir melden, daß unser Herr- liche« Deutsches Reich beinahe den hochverrätherischen Umtrieben der Welfm zum Opfer gefallen wäre durch einen zu allen Schandthaten aufgelegten rcichsfeindlichm— Hund! Stellt Euch fest auf die Beine, deutsche Männer, auf daß nicht das Entsetzliche und Unerhörte eines schändlichm Anschlages Euch niederwerfe! Ein„welfisch gesinnter" Mann wollte einen Hund verkaufen, wcs an und für fich schon ein Verbreck m ist, da mit Familienmügliedem des von jedem echten Deutschen hochver- ehrten Retchshundes Tyras kein Handel getrieben werden sollte, well darin eine Herabsetzung der persönlichen Ehre des letzteren liegt. Trotzdem erließ nun besagter Weife zweimal ein Inserat, daß er einen Hund verkaufen wolle, in dem „Braunschweiger Anzeiger", waS wiederum ein Vervrechen ist, da in eine solche Zeitung, die zugleich amtliches Organ der Regierung ist, Welfen überhaupt nicht inseriren laffen dürsten. Zweimal blieb das Inserat erfolglos, weil natür- lich die Gesinnung des Hundes als eine welfische stark verdächtig war. Hunde, deren politische Gesinnung nicht mtt der des edlen Reichshundes Tyras übereinstimmen, sollten überhaupt verboten werden. Als nun der Mann seinen verdächtigen Hund zum dritten Male ankünden wollte, wachte die Vorsehung über das bedrohte Reich. Der die Inserate annehmende Reichsftcund antworte:„Hören Sie mal, mtt dem Hunde das scheint mir doch verdächtig. Dieses häufige Inserat hat entschieden mit den welfischcn Bestrebungen zu thun!" Das Inserat wurde nicht angenommen— Deutschland war gerettet. Der muthige und fürfichttge Mann, der durch sein rechtzeitiges und energisches Einschreiten den elenden Anschlag der Weifen gegen das Reich zu Schanden gemacht, wird nun mit Recht als der„zweite Gründer deS Reiches" gefeiert. Glückliches Braunschweig! drei« mal glückliches Deutschland! Freuet Euch! Ihr könnt nicht zu Grunde gehen, wenn für Eure Sicherheit solche-- kluge und fürfichtige Männer wachen!-- Wnhlrrcht drr Grndarmr». Der Regiemngkpräfident in Breslau hat in einem Zirkular gegenüber den Landräthen ausgeführt, daß die Gendarmen wahlberechtigt seien. Jrrthüm- — Nun, wa« thut'«, gieb sie mir noch einmal. Er drückte ihre Fingerchen fest zusammen. Dunetschka lächelte ihm zu, wurde roth, entriß ihm ihre Hand, um der Mutter zu folgen; auch sie war glücklich. — Nun, schön also!— sagte er, indem er sich zu Ssonja wandte und sie heiter anblickte— laffen Sie un« dem Tobte» die ewige Seligkeit wünschen und möge« die Lebendigen lebe«! Nicht so? Meinen Sie nicht auch? Ssonja blickte verwundert in sein plötzlich heiter ge- wordene« Gesicht; auch er sah sie einige Augenblicke durch- dringend und schweigend an; de« verstorbenen Vaters Er« Zählung über ihr Schicksal beschäftigte seine Gedanken.. — Mein Gott, Dunetschka,— fing Pulcheria Alexan- drowna, al« sie auf der Straße angelangt waren, sogleich an— ich bi« jetzt ordentlich froh, daß wir fort sind; e« ist, al« ob e« mir leichter wäre. Hätte ich mir wohl gestern im Waggon träumen lassen, daß ich mich darüber fteuen würde? — Ich wiederhole Ihne«, Mütterchen, er ist noch sehr krank. Sehen Sie denn da« nicht? Vielleicht ist seine Gesundhett deshalb zenüttet, weil er um un« besorgt ist. Nur ei« wenig Nachficht, und man kann viel, sehr viel vergeben. — Du selbst bist aber gar nicht«achsichtig gewesen, unterbrach sie die Mutter eifrig;— weißt Du, Dunja, wie ich Euch beide so ansah, da fand ich, Du seiest sein voll- ständige« Ebenbild, nicht gerade dem Aeußern nach, mehr in Bezug auf'» Seelische: Ihr seid beide Melancholiker, beide finster und auffahrend, beide hochmüthig und beide groß- herzig... Ich kann mir nicht denken, daß er ei» Egoist sein sollte, Dunetschka, wie?... Aber wenn ich daran denke, wa« un« heute Abend noch bevorsteht, so krampst sich mir da« Herz zusammen. — Beunruhigen Sie fich nicht, Mütterchen, wa« komme« soll, wird kommen. — Aber bedenke doch, Dunetschka, in was für einer Lage wir un« jetzt befinden! Wenn nun Peter Petrowitsch sich wirklich lotsagen sollte?— fuhr die arme Pulcheria Alexandrowna plötzlich unvorsichtig herau«. lich seien mtt Ausnahme von zwei Kreisen die Gendarmen zur Ausübung des Wahlrechts nicht zugelassen worden.§ 49 de« Reicksmilitärgcsetzes vom 2. Mai 1874 bestimme, daß für die zum aktiven Heere gehörigen Militärpersonm. mit Ausnahme der Mtlttärbeamten, die Berechtigung zum Wählen sowohl in Betreff der Rctchsvertretung als in Betreff der einzelnen Landes« Vertretung ruht. Durch§ 38 o. a. O. ist der Kreis der»um attiven Heere im Sinne des Reichs mttttärgcsctzc« gehörigen Per« sonen bestimmt abgegrenzt. Da die»reichischen Gendarmen unter keine der hier aufgeführten Kategorien fallen, find dieselben durch die Reichsgesetzgedung von der erwähnten Wahlberechtigung nicht ausgeschlossen. Im übrigen wird auf die durch Regiemngs« Verfügung vom 13. Mai 1864 mitgctheilte Allerhöchste Entscheidung verwiesen, nach welcher der Landgendarmerie mit Einschluß der Offiziere derselben die Betheiligung an den Landtagswahlen nicht untersagt werden soll.— Die letztere Bezugnahme ist jedenfalls bedeutungslos, weil die königliche Kabinetsordre vor dem Reichsmilitärgesetz ergangen ist, welches den zum allioen Heer gehöttgen Militärversonen das Wahlrecht entzmz. Indessen spricht auch für das Wahlrecht der Gendarmen die Entscheidung des Abgeordnetenhauses, welche nach einer Be- merkung zu dem im Handbuch für das Haus der Abgeordneten abgedruckten Wahlgesetz in den stenographischen Berichten des Hauses der Abgeordneten 1882 83, Band 3, Seite 1420, und den Anlagen zu denselben, Band 2, Seite 1128, zu finden ist. Im Adgeordnetenhause war danach der Umstand entscheidend, daß die Kosten für die Gendarmerie nicht im Reichshaushalts« etat, sondern im Etat des preußischen MintstertumS des Innern aufgenommen find. Dnr G,fLng«issnrbelt wird der„Chemnitzer Presse" ge- schrieben:„Falls Sie die Abficht haben sollten, die traurige Lage der Blumenfadrikation in Sachsen resp. in Chemnitz in Bezug auf die Ktnderdeschäftigung zu beleuchten, so möchte ich Sie ganz besonders darauf aufmer sam zu machen mir erlauben, daß es in dm letztm 6—8 Jahrm nur unter ZuHilfe- nähme von Kinderkräften möglich gewesen ist, der preußischen G efängnißkonlurrenz zu begegnm. In einzelnen armm Familien haben die Kinder immer schon mit Ihätig sein müssen, um den kärglichen Erwerb der EltiM etwas zu erhöhm, die jetzige Ausdehnung hat aber erst unter dem Druck der Gefängnißindustrie stattgefunden, da die vielm kleinen Fabrikanten Sachsens durch dieselbe vollständig lahm gelegt und zu dem Aushilfsmittel der Anwmdung von Kinderkräftm ge« drängt wurden." i« de« jüngste« Konfiskationen der im Viereck'schm Verlage in München erscheinenden Blätter schreibt die„Münch. Post" vom 22. d. M.:„Konflszirt, konfiszirt, konfiszirt wurden gestern Abend 7 Uhr alle noch aufzutreibenden Nummern von „Recht auf Arbeit" Nr. 239,„Arbeiterzeitung" Nr. 51, sowie „Reform" Nr. 43, und„Deutsche Manufakturarbeitcr- Zettung" Nr. 51. Diese sämmtlich in unserem Verlage erscheinenden Blätter hatten übereinstimmend und gleichlautend die staats« gefährliche Nachricht verbrettet, daß die— Former Flensburgs, sintemalen solche in der Winterkätte von der Arbeit ausgesperrt find, fich in Roth befinden, und war die Adresse beiges gt, an welche mlldthätige Mmichen Briefe und Gelder für diese armen Leute senden können. Es liegt auf der Hand, daß ein so gesetz« widriges Treiben, wie die Mtttbeilung solcher Thatsachen. obrig« kettlich nicht geduldet werden konnte.„Im Namen Sr. Maj. des Königs von Boyem" beschloß daher das kgl. Amtsgericht München l, Abth. für Strafsachen, die— gerichtliche Beschlag« nähme dieser verbrecherischen Nummern auszusprechen. Ange« zogen find dazu nicht weniger als 4 Paragraphen, nämlich die §§ 41 des Str.-G-B., 27 des Reichepreßzesttz.'s und 94 und 98 der Straiprozeß-Ordnung, während die strafbare Handlung selbst in einem Verstoß gegen die Art. 52 und 53 des Polizei- Strafgesetzbuches gefunden wird, der von„verbotenen Samm» lungen" handelt. Wtr quittiren dicrmtt dankend für die freundliche Aufmerksamkeit, mit der unsere Blätter vom Herrn Zensor gelesen werden." Krcht beherzigenomerthe Mortr lesen wir in einem Blatte:„Kämpft mit blanken ritterlichen Waffen, nicht mit vergiftetem Dolch, ehrt den Mannesmuth, die Ueberzeugungs« treue, den selbstsländigen, tüchtigen Charakter auch im politischen Gegner, achtet die unbefleckte Fahne einer P rtei auch dann, wenn fie von feindlichen Zinnen herniederflattert, gebt die Ge« wissen frei, zwingt nicht durch materiellen Druck Leute in eurer Mttte dazu, eine Uederzeugung zu heucheln, welche fie nicht hegen."— Das Blatt, das so schreibt, ist die„Kölnische Zettung", das Oderreptil am Rbein. Kann man fich eine größere Selbstironie vorstellen?— Gerichtet find ihre phari« säischen Ermahnungen übrigens an die rheinische Zentrums« partrt. Der geringe Lahn, welcher in einigen Thetlen Schle« siens den landwirthschaftlichen Arbeitern ge- zahlt wird, hat bekanntlich leider dahin geführt, daß in jedcm Frühjahr Schoaren von männlichen und weiblichen Arbeitern nach den westlichen Provinzen, insbesondere nach der Provinz Sachsen, gehen, um dort gegen höhere Löhne, namenttich der den Zuckerfabriken, zu arbeiten und mit den ersparten Beiräzen im Herbste nach Hause zurückzukehren. Je größer die Zahl der — Wa« hätten wir dann an ihm verloren?— ant- wartete Dunetschka schroff und verachtungsvoll. — ES ist nur gut, daß wir jetzt fortgegangen sind, fuhr Pulcheria Alexandrowna, sie unterbrechend, hastig fort; — er eilte irgend wohin; mag er sich nur ein wenig au«- laufen, etwa« Luft schnappen... e« ist so fürchterlich dumpf bei ihm... aber wo soll man hier wohl Lust schöpfen? E« ist ja hier auf der Straße wie in einer Stube, die man nicht lüften kann. Herr Gott, ist da« ein« Stadt! Warte doch ei« wenig, geh' au« dem Weg, man rennt Dich ja um; da wird ein Piano getragen... wie sie nur immer stoße»!... Dies Mädchen fürchte ich auch sehr... — Wa» für ein Mädchen, Mütterchen? — Nu», diese Sophie Ssemjonowna, die eben da war. — Weshalb? — Ich habe so eine Ahnung, Dunja. Du magst c« nun glauben oder nicht, al« sie eintrat, fiel mir sofort ein, daß darin, in ihr, die Hauptsache sitze. — Gar nicht« sitzt darin! rief Dunja ärgerlich; Sie mit Ihren Ahnungen sind sonderbar, Mütterchen!& kennt sie ja erst fett gestern und al« fie eintrat, erkannte er sie nicht einmal. — Nun, D« wirst e« ja sehe«!... Sie setzt mich in Unruhe, gieb acht, Du wirst e« sehen! Al« sie mich mit diesen Auge« so ansah, fürchtete ich mich ordentlich, ich konnte kaum still sitze«, weißt Du, al« er sie un« vorstellte? Und auch da« ist mir auffällig— Peter Petrowttsch schreibt von ihr dergleichen... und er stellt sie unS, Dir sogar vor? Er muß sie also doch wohl achten? — E« wird mancherlei geschrieben! Auch von un? wurde vielerlei gesprochen und geschrieben, Sie haben e« woht schon vergessen? Zch, für meinen Theil, bin überzeugt, daß sie... sehr gut ist... und alle« andere ist ise» schwätz! — Ich wünsch' e« ihr! — Peter Petrowitsch ist ein nichtsnutziger Zwischk"' träger... platzte Dunetschka plötzlich herau«. (Fortsetzung folgt.) «.Sachsengänger" iß, desto mehr sehen sich die schlestschen Groß« grundbestver der Gefahr ausgesetzt, ebenfalls höhere Löhne de« willigen zu muffen. Dem Zuge der Zelt und dm unter den Agrariern verdretteten Ansichten von den Bervflichtungm des Staates gegenüber der Lanvwkthschaft entsprechend, sind die schlestschen Großarunddesttzer schon im vergangenen Frühjahr an die Regierung herangetreten mit der Forderung, daß dem «.Sachsmgehm" durch polizeiliche Maßregeln Einhalt getban werde; sie haben sogar dm von der„Schles. Ztg." seiner Zell zustimmend degrüfftm Erfolg erziett, daß die Regierung eine Untersuchung veranstaltete, welche sich namentlich mit den fiit» lichen Gefahren, die den Frauen und Mädchm während ihres Aufenthaltes in der Fremde nach den Darstellungen der Großgrundbesitzer drohen, beschäftigen sollte. Ueber das Eracb- niß der Untersuchung hat man bisher nichts vernommm. Ver- muthlich hat sich herausgestellt, daß die Sittlichkeit der Frauen und Mädchen auf den oberschlefischen Gütern nicht geringerm Gefahren ausgesetzt ist, als während ihres Aufenthaltes in der fremde; wer die Verhältniffe der ländlichen Ardetterbeoölkerung im Osten einigermaßen kennt, weiß, wie es dort mit der Sitt- Achkeit destellt ist. Die„Schles. Ztg." ist jetzt ganz kleinlaut gewordm; sie meint schüchtem, das einzige Mittel, welches das «Sachsmgehm" verhindern könne, scheine varin zu bestehen, daß v!e schlestschen Großgrundbesitzer ihren Arbeitern denselben Lohn gewährten, den die letzteren in der Provinz Sachsen bezögm. Dies ist in der That das einzige Mittel, aber trotz aller Vor« theile, welche ihnen die neuere Gesetzgebung zugewmdet hat, können sich die meisten schlestschen Magnaten noch nicht dazu entschließm, ihren Arbeitern ein menschmwürdiges Dasein zu gewähren. Uor d«»»ig»«»«?h«»« f«g»«.„Solche Dummheitm wie der Panamakanal Reinfall können nur in Frankreich vor- kommen," schreibt daS Reptilienvolk. Frellich— die Franzosen warm so„dumm", auf die Vorführungen einer weltberühmtm und als Ehrenmann dekanntm Privatperson 1200 bis 1400 Millionen Mark für einen allerdings vor der Hand noch etwas utopistischen Kulturzweck auszugeben. Kein Zweifel, das war „dumm". Ader es war doch ein idealer Zug darin, der als mildemder Umstand geltm muß. Wie dem indeß sei— es war„dumm". Nun kennen wir aber ein anderes Volk, welches, allerdings nicht auf dm Rath einer berühmten Privatperson, sondern auf Betreiben einer Regierungsanstalt— allerdings nicht für einen Kulturzweck, sondern um einem darbarischen Staat die Mittel zur Anschaffung von Mordwerkzeugen und zu sonstigen Mordzwecken— allerdings nicht 1200 bis 1400, sondern 2000 Millionen Mark gepumpt hat. Vielleicht kennen auch die Reptilien das detreffmde Volk. Und wmn sie eS kennen, was wir trotz ihrer phänommalm Unwissenheit doch nicht bezweifeln, so sind sie vielleicht auch so gut, uns�u sagen, welcher Ausdruck für dieses Volk paßt, wenn die Franzosen Tmmm warm oder find? Gleich ist in beiden Fällen beiläufig nur ein Moment: nämlich die 2000 Millionen find genau ebenso gründlich„futsch", wie die 1200 bis 1400 Millionen Mark. D»r Ktaat«1« Arbeitgeb«» ist keineswegs der rück« sichtt vollste Brotherr, besonders gewöhnlichen Arbeitern gegen« über, das beweist folgender Vorgang, der aus München de« richtet wird. Die Arbeiter der dortigen Zentralwerkstätten sind nämlich letzten Sonnabend damit überrascht worden, daß man ihnen den ganzen Beitrag für die Altersversorgung auf ein Mal vom Lohne abzog. Irgend eine Mittheilung bezüglich ihrer Bettragsleistungen wurde ihnm zuvor überhaupt nickt gemacht. Da die Arbeiter der Zmtralwerkstattcn, welche jeden Monat nur zwei Zahltage haben, letzten Sonnabend ihren letzten Zahltag vor Weihnachtm hattm, so find diese Leute durch den gedachten Abzug in eine sehr große Verlegenheit gebracht und vor recht ärmliche Weihnachten gestellt worden. Nord-vstseebanal. Die Vorbereitungen für den Kanal werden jetzt mit Nachdruck betrieben. Nach einer Bekannt- machung de« RendSburger Landraths werdm die Termine zur landespolizeilichm Prüfung bereits in den Tagen vom 16. bis 19. Januar einschließlich stattfinden und liegen die Pläne für die neue Linie von jetzt an in Rendsburg, Breitholz und Habe« marscken aus. Di» Dinanfschrnuiung der direkt»« Ateuer», ins- besondere durch Einführung der Deklarationspflicht, soll nach der Darstellung der freikonservattoen„Post" das Hauptstück der ge- setzgeberischm Thätigkeit des demnächst zusammentretmdm preußischm Landtages darstellm. Da« Derbat de» Tischler-Kongresse« in Kran«- schneeig ist in letzter Stunde zurückgmommen worden. Bericht über dm ersten Verhandlungstag finden unsere Leser unter„Ver« ein« und Versammlungen". Kchweve«««d Norwegen. Die Sozialist enhatz in Schweden blüht gar gut. Der Justizminister nimrodet eifrig auf Rothwild. Hier ein Beispiel: August Palm wmde 1886 zu acht Monaten Gefängniß ver- «rtheilt, welche jedoch auf 1 Monat und 100 Kronen Strafe re« duzirt wurden. 1887 bekam er eine Gesammtstrafe von 950 Kronen(über 1000 Mark) und 1888 faß er 3 Monate ad und Aus Kunst und Leben. «i«»«»«« Industrie für Dam»« hat ein Fräulein Gdith Davis in London ausgeheckt. Sie hat eine Assoziation ins Ledm gerufen, welche Dumen als Führerinnen in London Beschäftigung geben soll. Die Kandidatinnen für die Stellen müssen sich einem exarnen rigorosum über die Geographie Londons unterziehen und genügende Kenntnisse aller Ver- gnügungslokale, Theater. Konzertballm, historischen und öffmt« lichen Gebäude und Museen besitzen. Auch müssen sie in der richtigm Benützung der Omnibusse, Eisendahnen und in den Preisen derBillete dewandert sein. Außerdem wird ihnen zuge« muthct, den Reismden, welche ihre Dienste in Anspruch nehmen, in kleinerm HUfeleistungen an die Hand zu gehen, beim Auspacken zu helfen, für die Kinder Sorge zu tragen und etwaige Nähardeitm zu verrichtm. Haben sich die weiblickm Ciceroni über alle diese Fähigkeiten ausgewiesen, so erhalten fie ein Armband als Abzeichen ihrer Zunft und ein Zeugniß, das beim Abschluß des Engagements vorgewiesen werden muß. Sie erhaltm ein wöchentliches Wartegeld und werden von Touristen für dm ganzm, halbm Tag oder Abend gemiethet. Sie dürfen ein- »einen Damen, Gesellschaften von Herrm und Damm und Familien als Führerinnen dienen, es ist ihnen aber bei Leide untersagt, einzelnen Herren im British Museum die Schönheit der Elgin Skulpturen zu erklären oder im Alhambra-Theater Gesellschaft zu leisten. Der Preis 5 bis 10 Shilling täglich, je nach der in Anspruch genommenen Zeit, ist nicht zu gering, jedoch ist es fraglich, ob sich viele Touristen finden, welche dergleichen weibliche Talers de place wünschen, auch wenn es genug Damen gäbe, welche die erforderliche Lokallmntniß de- fitzm. Da« Komitee de» kaspifche« Fisch-««d Aeehnnd- fang»« hat aus den von den kaspischen Fischern eingelaufenen Abgaben 5000 Rudel ausgesetzt zu einer Prämie für die Unter« suchung der Eigenschaften des Fischgiftes, für die Auffindung »on Mitteln, die Fische gegen Ansteckung zu schützen und die durch giftige Fische erkrantten Mmschm zu heilen. Um diesen für die Volksgesundheit hochwichtigen Gegenstand richtig zu de« arbeiten, wurde für die betreffenden Unlersuchungm folgendes Programm aufgestellt: 1) Auf dem Wege genauer Ver« suche die physische und chemische Statur des FischgifteS zu bestimmen. 2) An Thieren durch Experimente die Wirkung des Fischgiftes auf das Herz, dm Blutlauf. die Verdauungtorgane und das Nervensystem zu untersuchen. 3) Die Schnelle der Aufsaugung des Giftes in den Ver« mußte 100 Kronen zahlen. Axel DanielSsohn erhielt 1884 zusammen 1 Jahr Gefängniß. Durch Appellation wurde es auf 8 Monate reduzlrt. Gleich darauf setzte eS ihm 4 Mo- nate. dann 3 und endlich nochmals 3 Monate, zusammen 18 Monate und außerdem noch ein halbes Tausend Kronen Strafe. F. B j ö r k bekam 4 Monate, P. K. L y n g h o l m 2, A. H. Janheckt auch 2 und Hjalmar Branting kam mit 300 Kronm davon. Die neueste, am 20. d. M. gegen dm Redatteur deS„Folkets Röst"(Volksstimme) in Göteborg, Pehr E ries so n, ausgeübte Heldmthat war eine Ver» urtheilung wegm angeblicher KönigSdeleidigung und Preß- vergehmS, verudt in zwei Artikeln, überschrieben:„Ett horrlbile auditn"(Ein„Schaurig zu hörm") und„Den usla, tagligt sammanökojade riksdag"(„Der lappige. rechllich zusammengelogene Reichstag). Stummer 1 brachte ihm 9, Nummer 2 nur 3 Monate ein. Außerdem schweben noch eine Anzahl Sozialistenprozeffe vor schwedischm Gerichten, sodaß das neue Jahr gut anfangen dürfte. Das„Stockh. Dagdl.", ein sogmanntes �liberales" Blatt, tischt seinen gläubigen Lesern die erfreuliche Mittheilung auf, daß der Streik der Kohlenträger in Malmö deendet sei. Die Ardeiter, fügt es hinzu, hattm natürlich am meisten dabei verloren. Viele der Streikenden hatten gleich wieder anfangen wollen, hattm sich aber gefürchtet. Der Un- wille unter diesen gegen die Fachvereinsmitglieder sei groß und „es verlautet, daß viele sich aus dem Verein abmelden wollen. Es scheint, als od diese unnütze Arbeitseinstellung wenigstens thetlweise eine Auflösung des FachvereinswesenS in Malmö an« bahnen wolle." setzt eS mit bekannter Niedertracht und Denun- ziationsgier hinzu. Daß die ganze Notiz natürlich nur dazu angethan und berechnet ist, als Streikbrecher zu dienen, ist ziemlich durchsichtig. Wir können versichern, was übrigens selbstverständlich, daß ein vortrefflicher Geist unter den Streikenden herrscht. „Socialdernokratisk arbejdeeforening" in Christiania berief eine öffentliche Versammlung deHufs Ausstellung eines Programms für die bevorstehende Stadtverordneten wähl ein. Wie„Sozialdemokratm" berichtet, wurden folgende Punkte aufgestellt: 1. Abschaffung des Entreprmeur- und SudmisflonSunwesens bei allen Kam- munalarbeiten; 2. die Arbeitsjett bei allen Kommunalarbettm darf höchsten« 8 Stunden betragen: 3. die Arbeiter im Dienste der Kommune sollen einen Lohn erhallen, der ihnen ein sorgenfreies Leben gestattet; 4. Errichtung einer Ardeiterbörse. Darauf diskutirte man, ob auch auf das Programm gesetzt werden sollte, daß die Kommune dafür zu sorgen hätte, daß die hungrigen Kinder wenigstens eine Mahlzeit pro Tag in der Schule er« halten sollm. Der Vorschlag wurde verworfen, da man meinte, das Zukunftsziel destehe nicht darin, den Hunarigm Essen zu geben, sondem vielmehr darin, daß es überhaupt keine Hungrigen mehr geben sollte. Frankreich. Im Vordergründe der politischm Ereignisse in Paris steht gegenwärtig die E r s a tz w a h l für dm verstorbmen Seine« Deputirten Hude, die, wie es heißt, am 27. Januar statt- finden soll. Boulanger will in diesem Bezirk kandidiren. Er rechnet darauf, daß sein Ansehen noch höher in Frankreich steigen wird, wmn er einen Sitz sogar in Paris erobert. „Figaro" mahnt zwar ab; die Mittel zum Staatsstreich, meint er, wachsm dadurch nicht, wohl aber würdm sich Boulanger's Aussichten für die allgemeinen Wahlen vermindern; Boulanger habe niemals nöthiger gehabt, einen Fehler zu vermeiden. Bau- langer läßt sich jedoch durch solche Bedmken nicht störm. Er hat bereits eine Erklärung erlassen, daß er den ministeriellm Kandidaten gegenüber in Paris als Gegenkandidat auftreten wird. Seine Wähler im Nord-Departement würden ihm nicht zürnm, da er ihnen von vom herein angekündigt habe, daß er nur so lange ihr Abgeordneter bleiben wurde, als sich nicht eine Vakanz im Seine-Departement zeige. An aufregmden Vor« gängm wird eS also in nächster Zeit in Pari« nicht fehlen. Die lepublikanischm Blätter fordern alle Republikaner zur Ver« cinigung für die allein in Bettacht kommende Kandidatur Auguste VacquerieS auf. der die Kandidatur schon im Prinzip angenommen habe. Daneden werdm noch andere Namen genannt, so der Joffrin's, de« possibilistischm Pariser Stadtverordneten. In einer von etwa 4000 Panama-Aktionären desuchten Versammlung erklärte der Vorfitzmde Dilhau unter dem lebhaften Beifall der Anwesenden, die Panama-Avionäre wollten selbst für die Vollendung des Kanals sorgen und Leffeps an der Spitze des Unternehmens erhalten. Die Versammlung nahm sodann einstimmig folgende Resolution an: Die Ver- sammlung spricht ihr Vertrauen auf Leffeps aus, ist mtschloffm, bis zur Eröffnung des Kanals für nie große Schifffahrt auf die Bezahlung der Koupons und auf Amorttfirung zu verzichten, und beschließt, daß, um den ersten Inhabern von Panama- Obligationen die Vortheile deS UntemedmenS»u erhaltm, unter Mitwirkung aller Interessenten eine Verständigung über die schleunige Beschaffung des zur Vollendung des Werkes noth« wendigen Kapital« stattfinden muß. Den ProvinzialkomiteeS dauungswegen festzustellm. 4) Die Kennzeichen, nach denm man einen schädlichen von einem gefunden Fische unterscheiden kann, zu studiron und zu beschreiben. 5) Mittel nachzuweisen, um Fische gegen die Entwickelung de« Giftstoffes in ihnen zu schützen. 6) Gegengifte und medizinische HllfSmtttel für die« jenigm nachzuweisen, die durch Fischgist erkrantten. Der Termin zur Lösung dieser Aufgabe ist der 1. Januar 1893 sowohl für russische als ausländische Gelehrte. Die betreffende Schrift kann in russischer, lateinischer, französischer, englischer oder deutscher Sprache versaßt sein und wirb dem Domänenministerium eingeliefert. Dieses üdergiebt die respettivm Arbeiten einer Kommission, bestehend unter Präsidium des Chefs des Medizinal« Konseils beim Ministerium des In- nern. aus zwei Mitgliedern der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, aus zwei Mitgliedern der Militär- chirurgischen Akademie und zwei Mitglredern der Gesellschaft zum Schutze der Volksgesundheit. Das Resultat ihrer Thätigkeit stellt diese Kommisfion zum 1. Januar 1894 dem Domänenminister vor, der die Auszahlung der Prämie an dm Autor verfügt, dessen Arbeit als preiswürdig anerkannt worden. Dabei ist eine Nicht« lösung der Aufgaben 4 und 5, bei sonsttger befriedigender Lösung der übrigen Punkte, lein Hinderniß zum Empfang der Prämie. Sollte keine der eingelieferten Arbeiten die Prämie verdimen, so kann die Kommisfion der relativ best.n Ardett die Zinsen von fünf Jahren der 5000 Rubel zuerkennen, sobald diese Arbeit die Natur des Fischgiftes möglichst varlegt. Zur Gnrstehnng de» Fnngenschn'indfncht. Nachdem der Pariser Physiologe Brown-Sequard schon vor kurzem darauf aufmerksam gemacht hat, daß die Luft einen wesentlichen Faktor bei der Entstehung der Lungmschwindsucht bilde, hat dies der „Post" zufolge unlängst der französische Forscher Trudeau durch eine Reihe interessanter Thierversuche zweifellos nachgewiesen. Tmdeau erperimentirle mit fünfzehn Kaninchen, die er in drei Gruppen zu je fünf einthellte. Die erste Gruppe wurde mit einer Kultur von Tuberkelbazillen, dm dekannten Erregern der Lungenschwindsucht, geimpft, in einen dunklm, dumpfigen Keller gebracht und spärlich ernährt. Die zweite Gruppe wurde ohne vorherige Jnfettion in eine tiefe, mtt Erde bedeckte, finstere Grube gebracht und bei knappem Futter gehallm. Die dritte Gruppe endlich wurde, nachdem fie edmfalls mit Tuberkelbazillen infizirt war, dauernd dem Einfluß der frischen atmosphärischen Lust ausgesetzt. Da» Resultat dieser drei verschiedmen Ver- suche war ein sehr chmatteristisches. Von der ersten Gruppe starben vier Kaninchen innerhalb drei Monatm, das fünfte wurde getödtet und zeigte bei der Settion Tuberkulose und der Presse, welche für das Werk so warm eingetreten,. wurde der Dank der Versammlung ausgesprochen. Durch Ukas vom 20�d. Ji. wurde die jährliche Bei- tragsleistung Rußlands für die Schulen in Montenegro von 5000 auf jährlich 10000 Rubel erhöht. Außerdem wmde» dem Lehrerpersonal russische Staatspmfionm ausgesetzt.— Der Bau von zwei großen Kriegsschiffen von 9000 und 6000 Tonnen soll schleunigst begonnen werden. Ferner gedmkt man, die Ostsee-Kriegsflotte um 25 Kriegs- schiffe zu verstärken. In offiziellen Kreisen oerlautet, daß die geplante Vermehrung der deutschen Flotte die Ursache hie- von sei! Aiit-rik*. Beim Senat lief eine Resolution ein, daß nicht geduldet werden dürfe, daß sich irgend eine europäische Macht mit dem Bau oder der Kontrole eines Kanals auf dem Isthmus von Darien oder in Zmttal-Amerika befasse: hierdurch würdm die Rechte, die Jnteresim und die Wohlfahrt Amerikas geschädigt. Femer fordert die Resolution, daß der Präsident diese Ansicht gegmüder dm europäischen Mächten energisch zum Ausdruck bringen solle. Die Resolution entspricht der sog. Monroe» Doktrin und wird wahrscheinlich angenommen werden.— In Panama ist ein amerikanische« Kriegsschiff stationirt, drei andere Schiffe haben Segelordre nach dort erhallen, angeblich zum Schutz amerikanischer Bürger. Soziales und Arveitervemegnng. «w imposante« Kild entrollt sich vor unseren Augm, wenn wir den Verwaltungsbericht derZentral» Kranken- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter pro dttttes Quartal 1888 durchgehen. Wir geben nachstehend einen Auszug aus der ca. 16 Seiten langen, äußerst lehrreichen Abrechnung, welche mit folgendem Aufrufe schließt: An unsere Mitglieder! Mit besonderer Genugthuung können wir auf das Ergedniß dieses Quartals zurückblicken, da dasselbe für die Kasse als ein außerordentlich günstiges zu bezeichnen ist, indem bei einer Ein- nähme von 395 603,43 M. ein Uederschuß von 101 525,70 M. oder 27 Prozent erzielt wurden. Das Kaffenvermögen, welches am Schlüsse des Jahren 1887 auf 506 427,87 M. belief, beträgt am Schlüsse des dritten Quartals 623 155,76 M., also ein Mehr von 121 727,89 M. Der Reservefonds, welcher zins- tragend angelegt ist, betrug bei Schluß des dritten Quartals 524 658,23 M. Heute, bei Fertigstellung der vorstehenden Ab» rechnung, find bereits über 600000 M. zinstragend angelegt. Wir sind also in der glücklichen Lage, unseren Mttgliedern mtttheilen zu können, daß wir in diesem Jabre nicht allein die gesetzlich vorgeschriebene Rücklage für dm Re» servefonds, sondern auch den größten Theil desjenigen Kapitals, welches zur Ergänzung desselben nöthig war, erübrigt hadm. Auch noch in einer anderen Beziehung hat das drttte Quartal recht günstige Resultate erzielt, indem die Mitgliederzahl um 1000 gestiegen ist. Dieselbe betrug am Schlüsse des Quartal« mtt den Emzelmitgliedern 71 297, O ertliche Verwaltungsstellen zählte die Kasse am Schlüsse des Quartals 720. Wir wollen nicht unterlassen, hier zu bemerken, daß sechs der Verwaltungsstellen nur deshalb aufgehoben werden mußten. weil die Ortsoerwaltungsmitglieder nachlässig und unbrauchbar waren. Die Mitglieder zahlen zum großen Theile an die Hauptkaffe, die Uedrigen haben sich anderweitig versichert. Un» sere Kasse würde überhaupt noch in viel medr Ortm Vermal- tungsstellen enichten können, wenn nicht der Mangel an geeig- neten Verwalwngsbeamtm so fühlbar wäre. Wir können daher immer nur empfehlen: wählt treue und zuverlässige Leute in die Ortsverwaltung; insbesondere mögen aber die Ravisoren ihre Pflicht nicht vernachlässigen und die Kaffenrmifionen zu der vorgeschriebenen Zell und mtt aller Sttenge vornehmen. Femer machen wir noch darauf aufmerksam, daß jedes Mitglied der Ortsverwaltung verlangen kann und auch ver- langen muß, daß ihm das Organ der Kasse, die„Nme Tischler- Zeitung", von dem Bevollmächtigten, welcher dieselbe zugestellt erhält, zur Einficht überlassen wird, damit jedes Verwaltung?« Mitglied genau informttt ist über die Anordnungen und Be- kanntmachungen des Zentralvorstandes und sich überzeugen kann, ob dieselben auch befolgt werden. Aus diesem Grunde möge es sich ein jedes Mitglied angelegen sein lassen und dabin wirken, daß allerorts die Verwaltung eine gute und tüchtige wird, dann wird die Zukunft lehren, was viele Arbeiter noch immer nicht verstehen wollen, nämlich: daß die zweckmäßigste und beste Krankenversicherung für die Arbeiter einzig und allein nur in den zentralifirten Kranken« und Sterdelassen zu suchen und zu finden ist. W. Gramm. L. Jacobs. der Lungen und der anderen inneren Organe. Die Thiere der zweiten Gruppe waren nach vier Monaten zwar außerordentlich abgemagert, zeigten aber keinerlei Organerkrankung. Von der dritten Gruppe starb ein Kaninchen an Tuberkulose, die anderen vier Thiere befanden sich wohl, nahmen an Körpergewieht zu, und als fie vier Monate nach der Infektion getödtet wurden, fand sich absolut keine Erkrankung in den inneren Organen. Dieses Ergebniß deweist, daß die Mhrzahl der thierischen Körper eine Jnfettion mit Tuberkelbazillen wohl vertragen kann, wenn ihre Lungen mit reiner Luft gespeist werden, während unreine Luft bei dem in den Langen vor sich gehenden Gaswechsel das Blut vergiftet und dadurch den Körper für die Wirkung der Tuberkelbazillen zugänglich macht. Die Uedertragung dieser Versuchsergebnisse auf den Menschen ergiedl sich von selbst und erklärt, was man bisher nur aus der Erfahrung absttahirte, daß das einzige wirksame Heilmittel für die deginnende Lungener« krankung in der reinen, frischen Lust der Höhenorte, der See u. a. zu suchen ist. Gin«»nnderbare anatomifch phqstologifch» G«t- decknng ist wieder einmal in Amerika gemacht worden. Dort wurde, wie die„New- Bocker Tribüne" derichtet und wie deuische Blätter ihr flugs entnommen haben, von Dr. Rockwood das Gehirn eines berühmten Münchener Hieroglyphenforschers Namens Borenski sezirt. Als die Gehirnsubstanz, sagt die Mtt« theilung, zum Gefrieren gebracht und eine Anzahl dünner Blättchen davon abgehoben worden, zeigten sich auf diesen unter dem Mikroskop merlwürdige Linien von einigermaßen geometti- scher Anordnung. Bei 600facher Vergrößerung sah man die« selben deutlich; mit einer Jmmerfionslinse, die eine 3000fache Vergrößerung gab, erschienen sie end ich so llar, daß die anwesenden Beobachter in Erstaunen geriethen. Ein Philologe erklärte die Linien für Sckriftzeichen der äthiopischen und phönizischen Sprache Die„Naturwissenschaftlich- technische Umschau" hält zwar die ganze„Entdeckung" für eine Selbsttäuschung, welche bei der- artigen mikroskopischen Untersuchungen leicht unterlaufen könne, doch gebe sie die Mitthe-lung,„weil in unserer Zett der Fort- schritte und der Erfindungen keiner neuen Idee die mögliche Verbreitung und Begründung für spätere Zeiten abgeschnitten werden sollte." Die Schristzeichen auf der Hirnsudstanz des ge» dachten Münchener Gelehrten ließen sich wohl richtiger deuten, wenn die Forscher auch Abbildungen von Bieiseideln oder des Münchener Kindels entdeckt hätten, wenigstens würden dann die genannten deutschen Blätter wahrscheinlich in der ganzm Sache. klarer sehen._ Theater. Sonnabend, den 29. Dezember. Gpernhnn»..Der Ring des Siibelungen. 3 weiter Abend; Siegfried. Kchnnsptelhan». Letzte Liebe. tzeimgefundm. Keatfche» Sheate». Die glücklichen Bettler. M«U»»r-Th»ater. Madame Bonivard. Vor» her: Der dritte flopf. Friedrich- WilhrtmstSdttschr»«h-atrr. Der Mitavo. Viktoria-Uheater. Ali Baba. Zieftdeaz-Theate». Neroöse Frauen. Vorher: Am Telephon. Orltrattianre-kheater. Die Raupe(Le bain de« dames). ?-Ul«-UH«ater Die Jungfrau von Orleans. KKnigftSdttsch«» Theater. Papa Kielebusch. Teatrat-Theater. Leuchtkugeln. Adolf-Trast-Sheater. Die drei Grazien. «heate» de» Keichohallen. Spezialitäten» Vorstellung. Bmefw«**'* Maridtd. Spezialitäten» Vorstellung. U-«r-rdia- Theater. stellung. Spezialitäten» Vor- Berliner Theater. Sonnabend, den 29. Dezember: Die wild« Jagd. Sonntag, den 30. Dezember: Julitts Casar. Montag, den 31. Dezember: Zum 1. Male: Mie talentvolle Tochter. Lustspiel in 4 Alten von Ernst Wichert. American Theater. thMtaratrMM Hr. IS. Berliner HehSnheUa- Kouknrrenx. Die Tableaux werden von in Merlin a* dorrne« KchSnhritr« dargestellt. Erstes Blld: Zischendrödel nach F. Hiddemann: KI. Martha Kögel. Zweites Bild:«nter Köfon nach P. Thumann: Frl.*. Drittes Bild: Aotsnnng nach E. v. Bodenhausen: Frl.-. Viertes Bild: Mao Wasser nach S.«räf: Frl.—. Mnstes Blld: Sache«. de» Aim««i nach Raphael: Fräul. Elise Elsner und die übrigen vier Damen.(Die ratt*——* dezeichneten Damm wünschm ungenannt zu bleidm.) Neu!! De» Weinnachto.Gngel, Neu!! dargesteM von Fräulein Martha Elsner. Anfang 7% Uhr. Sonntags 6* Uhr. Billet-Vorverlauf ohne Anfgeld im«In- oalidmdank" u. 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Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause Strelitzerstr. 63 aus nach dem Neum Elisabeth» k''-bhof(Gesundbrunnen) statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet Der Morstand. Export Corallsn. 6. v. d. Werdi Granaten. —---—- w«——— joöu Gold- und Silberwaaren-Fabpikgeschäfft,}f 1 Treppe 66. Oranienstraße 66, 1 Treppe, zwischen Kommandantenstraße und Moritzplatz. Einzel wer kauf zu Fabrik- rcap. Engroaprelaen. Große öffentliche Versammlung der in der Äonfetiionstrancfie beschäftigte« Posamintiere n. Mernf«- genossen am Konntag. dm 30. Dezember, Lorm. 10i Uhr, im Köaigltadt- Kastn», Holzmarktstraße 72. Tagesordnung: Bericht der in der Versammlung ro.n 19. Dezember gewählten Kommisston. Es ist Pfl-chl eines jeden Kollegen, zu erscheinen.[1646 per Gindernfer. 1 Massiv goldene Ringe. von M. 4,50 an Trauringe(1 Dukaten) Mark 11,— (2 Dukaten).« 21,— , Goldene Broschen.. von M. 5,— an 1 Goiddoublü. Ketten auf I Silber......„« 6,50„ Goldene Ohrringe..«„ 2,—„ Simili-Ohrringe i Gold SefoM......„„ 3, te Corallmkettm■.„„ 3,— Echte Corallenbroschen. „ Corallmarmbänder„ Golddoudls- Armbänder auf Sllber...., Golddoudlöbroschm auf Sllber......„ Damen- und Herten» Medaillons( Gold» double auf Silber). Telephon 9356 IX. von M. 1,50 an 2,40„ 4,30 3,— 450 — w, ff ff*-*f ff| tu V�uii OOOXJ 1 Ferner größte Auswahl goldener Herr««'«. Mamenkette», Armbänder, Khiiponadein. Granat- n. Kilbersachen j-den Genre». Zager in Alfdnid». Alte« Gold u. Silber nehme m Zahlung. Durchaus feste Preise bei reellster Bedienung. Alfdnide, Reparaturwwerkatätte. Uhrer. a» Grosse Betten 12 Mk., rvv-.— rr_A— o m-----'•...—--- 1333] Oberbett, Unterbett, 2 Kissen, nlt nnr gereinigten neuen Federn, bei Guataw Luatlg, Prinienstrasse 43, part. Möbel-««b Polsterwaarea"■ M Cirkus ö. Schamann. Friedrich» Karl» Ufer. Ecke Karlstraße. (Im früherm ZirkuS K r e m b s e r.) SST De» Ttrkn» ist«nt geheizt«nd gegen Inn geschäht,-wm Sonnabend, den 29. Dezember: MW- Abends 7t Uhr:"# Greeee Gala-Voretellung Besonders hervorzuheben find: 8 Rapphengste, vorgeführt vom Direktor. Qnadril e des Cloches de Corneville. Tandem mit 4 Schulpferden. Seileouilidrist Mr O. Torra. Trapezkünstlerin Miß Julia McCarthy. Springpferde Ringlet und Siegrtde, geritten von Fräul. Martha und Adele Schumann. Zum 14. Male: Mi» schöne Kofi« oder Kchnlz««nd Müller im Grient. Sonntag, dm 30. Dezember 1888: Sinei groß« Morttelwuge«. Rachmittags 4 u. Abmds 7? Uhr. Nachmittag« hat jeder Besucher das Recht, ein Kind unter 10 Jahren frei mit einzuführen. - passäge 1«r. 9 M- 10 A Rminer-Panommm Neu! Zum ersten Male: Neu Dritte Wanderung durch da« malerisch« Uiesengebirg«. Iii. Reise: Amerika. Californim. amSe �yclfsO 0Pf%Rn. Empfehle meinen echten[1270 SO jährigen Nordhäuser sowie meine best anerkannte Weiße. Robert Nürnberg, Anklamerstr. 49, cwe Gwwwt. 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Wir dalten es für unsere Pflicht, diesen Kollegm wmig- stens eine« fröhlichen Admd inmitten einer größeren Mitgliederzahl zu bitten, was auch ihr spe» zieller Wunsch ist, und fordern wir deshalb die Miglicder auf, fich am Kon- tag, de« 30. d., äbrnd» 7 Uhr, im Vereinslokal, Annen- llraße 16(od. Saal) zu einem gemiithlichen Znsammensein möglichst zablretch ein'ustr.dcn�- Für Amüsement ist gesorgt, per Korftand. Kranken- u. Begräbnisskasse der Bau- u. Fabrikarbeit-r Berlins (Ging. HilfSk. 13) Konntag dm 6. Januar 89, Vorm. 101 Ubr, im Lokale des H.rrn Käge», Grüner Weg 29» General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Innere Kaffmangeleaen« heilen. 3. Verschiedenes.— Das Kassenbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1644] Der Vo.stand. I. A.: W. Keinert. Fachschule des Kereins I der Damenmiiutel-Schueider- Geselle«. Am Sonntag, den 0. Ja««««, deginnt ein neuer Feheknefn» im Mnsteezeichnen und Zuschneiden von Damen- und Kmder-Mäntrln. Meldungen find an dm Lehrer der Fachschule» F. Schmidt, Königstr. 34/36, zu richten. Wir bemerlen ausdrücklich, daß auch Nicht» oereinsmitglieder unter gleichm Bedingungen an diesem Kursus thellnehmen können. 1645] Mee M-rstand. Eigarre«««d Tabake von 141& O. Klein, Ritterstr. 15. Das. Zahlstelle d. Güttler u. Bronzeme(E. H. 60). Möbel, Spiegel u. Polsterwaaren eigener Fabrik wegm Ersparung der Ladenmieth« billig Mrnnnensteaße SS. So geht's nicht#| weiter! sprach Hugo, mir fehlt ein Winterpaletoi I 900 hochelegante Winterpaletots für Henen und Damm, Damm» und Kinderkleider, Uhren, Betten, Sttefel, Goldsachen und 200 feinfeint Knadenanzüge verkaust fabelhast dillig[896 Lnche's Pfandleihe, 66 Prinzen straste 66. Auch Sonntags bis 10 Uhr Abend« geöffnet. äedeffett, schnell», billigst. Ämettw. sse�rat«. Werk,tatt Fnckanetftr. 9.[1651 Muffen!! PÄfÄ bä. 4 M.«possum 5 M. Pelz- garnitnre« Stück 1,25 M. 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O«»lw ist»ine i» hohe« Grade erleuchtete Ktadt. Räch den lchtm Ermittelungen ist der Gasverbrauch in Berlin aus den städtischen Anstalten in stetem Steigen. TaS Ver» rvalwngsjahr 1. April 1887—88 hat stcb durch eine Zunahme des Gasverbrauches aus den gmannten Anstalten ausgezeichnet, wie fie in dieser Höhe seit dem Jahre 1874—75 nicht vorge» kommen ist. In den vier Jahren vom 1. Juli 1871 bis zum 1. Juli 1875 hatte die Zunahme im Vergleich zu dem Ver- brauch des Vorjahres jährlich dutchschnMlich 12 pCt. oder durchschnittlich 5050000 Kubikmeter betragen, und war durch diese dedeutende Vermehrung der Ansprüche an die Anstalten die de- schlcunigte Errichtung der neuen städtischen Anstalt in der Danzigersttaße bedingt. Nach dem Jahre 1874 75 hatte jedoch infolge der ungünstigen wirthschastlicken Verhältnisse die Zu- nabme in dem GaSoerdrauche fich sehr erheblich vermindert; im Jahre 1878 79 sank dieselbe sogar diS auf 128000 Kubikmeter oder 0,21 pCt. und erhöhte fiit> erst in den Jahren 1881/82 bis 1883,84 auf rund 2 500 000 Kubikmeter jährlich. In den Jahren 1883-84 bis 1885-86 überstieg die jährliche Erhöbung deS Gasverbrauches indessen bereits 3500000 Kubikmeter oder 4.8 pCt. Im Verwaltungejahrc 1687—88 weist dagegen der Gasverbrauch eine Zunahme von 5072000 Kubikmeter oder von 6,24 pCt. auf, und es ist damit die so bedeutende jährliche Steigerung, welche in den Jahren des höchsten gewerblichen Aufschwunges eingetreten war, rn der absoluten Zahl wiederum erreicht. Auch im Verhältniß zur Zu- nähme der Bevölkerung ist der Gasverbrauch 1887—88 sehr stark gewachsen. Die mitUcre Bevölkerungszahl steigerte ssch in diesem Jahre von 1 393 063 auf 1 493 755, also um 50 692 oder um 3,62 pCt.; der Gasverbrauch zeigt daher eine wrscnt- lich größere Steigerung, als ste der Zunahme der Bevölkerung entspricht. Das prozentuale Verhältniß der Zunahme des Gas- Verbrauchs in diesem Jahre wird noch erheblich höher, wenn man lediglich daS zum Privatgebrauch verwendete GaL in Bettacht zieht, indem das unberechnet gebliebene Gas- quantum(der Gasverlust) gegen das Vorjahr fich nahezu um 600000 Kubikmeter vermindert hat; für den Gasverbrauch durch Private ergiebt fich hierdurch eine Steigerung gegen das Jahr 1838—87 um 7,75 pCt. Zur ricktigen Würdigung dieses Der- hältnifles ist noch zu derückfichtigen, daß auch die Verwendung des eleltrischen LichtcS in dem Verwastungsjahre 1887—88 eine sehr erhebliche Steigerung erfahren hat, indem nach den seitens der Stadtverwaltung viranlaßten Zählungen nahezu eine Ver- doppelung der Zahl der eleltrischen Lampen gegen dos Vorjahr ermittelt worden ist. Für diese so bedeutende Zunahme in der Verwendung des Gases zum Privatgebrcuche lassen fich irgend- welch« außergewöhnlichen Gründe nicht anführen. Zwar ist in dem abgelaufenen Jahre von den städtischen Behörden der Beschluß gefaßt worden, den Preis für das zu anderen Zwecken als zur Beleuchtung verwendete GaS um zwanzig Prozent zu ermäßigen, indessen konnte diese Maßregel erst mit dem 1. November 1887 in's Leben treten, und es find, Ä« Gatanstalten an den Maaistrat bemerlt, von diesem Zeitpunkte od bis zum Rechnungsabschlüsse nur sehr wenig neue Leitungen sür diesen Zweck eingerichtet worden, so daß die Herabsetzung des Preises noch ganz ohne Einfluß auf die Höhe des Gas- verbrauche in diesem Jahre geblieben ist. Die Bethciligung der einzelnen Stadt! heile an der Zunahme des Gasverbrauchs ist auch in dem Verwaltungsjahre 1887/88 gleich wie früher eine sehr verschiedene und theflweise auch von den Vcrbcltniffcn. welche die Vorjahre aufweisen, durchaus abweichende. Während in den älteren Stadttheilen Berlin, Alt-Kölln, Friedrichs- werder und Dorotheenstadt(Bezirk des Standesamts l.) in dem letzten Jahre eine sehr geringe Steigerung, ja in einzelnen TheUen sogar eine Verminderung deS Gasverbrauches stattgefunden hatte, zeigt das jetzt ab« g-laufene Verwattungsjahr eine Zunahme von 8,50 P-ozent, also höher als die durchschnittliche Zunahme der ganzen Stadt; die Friedrichstadt(Bezirk des Standesamt 11.) übertrifft die vorgenannten Stadttheile erheblich, indem hier eine Steige- rung der Gasabgade um 10,51 pCt. des Vorjahres eingetreten ist. Diese so erhebliche Zunahme in dem ältesten Stadttheile Berlins erscheint um so auffallender, als gerade hier die Ge- schäststhätigkctt der Berliner Elcttrizitälswcrke in dem abgc- -- o-i— aj. Wrnibftg entwickelt bat und die Zah bedeutende Vermehrung aurwnu............. rung de« Gasverbrauches, welche dm durchschnittlichen Prozent- satz für ganz Berlin übersteigt, zu verzeichnen in der Schöne- derger Vorstadt mtt 9,73 vC»., in der Tempelhofer Vorstadt mit 10,14 pCt., in der Luisenstadt jmsests des Kanals mit 8.96 pCt., in der Rosentbaler Vorstadt mit 10,58 pCt., im Spandauer Viertel mtt 8 66 pCt., in dem Königsviertel mit 10,02 pCt. In den übrtgm Stadttheilen ist die Zunahme theils in geringerem, theils in Höherem Maße hinter dem Gesommtdurchschnitt zurückgeblieben; die« ist nament- lich der Fall in dem Bezirke des Standesamts XU, um- fassend die Friedrich Wilhelm-Stadt, Thiergarten und Moabit, in welchem Tbelle nur 4 pCt., und in noch größerem Maße in dem Standesamt XUI, umfassend den Wedding, in welchem so- twr nur eine Zunahme von 0 09 pCt. zu verzeichnen ist. Die GaSproduktion in den vier städtischen Gasdereitungs-Anstalten betrug in dem Betriebsjahre 1887 88 86 415 000 cbw, es ist eine Zunahme gegenüber der Produktion im Vorjahre einge- tretm um 5188000 Kubttmeter oder um 6,39 pEt.— Die Zahl der elektrischen Beleuchtungsanlagen in Berlin betrug ult. März 1888 489, die Zahl der vorhandcnm Bogenlampm 2249. die Zahl der vorhandmm Glühlampen 45 552. Die Berliner Elektttzitätswerke versorgtm aus ihrm Zenttalanlogen hiervon 300 Beleuchtungsanlagen, 640 Bogenlampen bei Privaten, 23 016 Glühlampen, während von den übrigen Beleuch- tungsanloaen betrieben wurden 136 durch Dampfbetrieb und 53 durch Gasmotoren. Utt» strevg««st»« vifLndahnverwaltung seiner Zeit gegen dm Verkauf scharf ausgeprägter polttischer Tendenzblätter auf dm Staatscisenbahnhöfen vorgegangen ist, dürste noch in lebmdiger Erinnerung sein. Heutzutage hat— so schreibt die »Volks- Ztg." trrffcnd— eine mildere Praxis Platz gegriffen; solches erleben wir wenigstms bei jeder Eisenbabnsahrt noch Berlin, dmn in alle hierselbft einlaufenden Züge wird auf den hauptsächlichsten Vorstotioncn neben einem lediglich Verkehrs- intenffen dimmdm Geschäfts- Anzeiger nmerdings auch ein »Wegweiser durch Bettin" massenhaft eingeworfen, welcher von bet.Christlichen Gemeinschaft St. Michael" verbrettet wird. Es handelt fich dabei um eine so aufdringliche wie plumpe Rachenschaft der Etöckerschen— mann märe diese Sötte von Pfaffen denn auch nicht aufdringlich und plump?— Abgesehen «vn diversen Geschäfts- Anzeigen chnstlich- sozialer Bundesbrüder rnthält das Blatt zunächst eine fromme Warnung vor dm zahl- «tchen Gefahren, welche den in Berlin Einfahrenden an Leib und Seele bedrohm. Als stcherster Schutz gegen das zeitliche und ewige Verderben werden dann die verschiedenm»Herbergen »ur tzeimath" resp.»chttstlichm Hospize" empfohlen. Die Cr- fahmngm einer nicht zu langen Vergangenheit haben gezeigt, welcher Geist der Rohhett und Hmchelei wmigstmS in einzelnen dieser Herbergm im Schwange ist. Es folgt ein Verzeichniß„chttstlicher Arbeitervereine"(— über diesen Schwindel ist fich nun wohl alle Well im Klaren—) und diesem schließt sich das Register der Berliner»Jünglingsvereine" resp.„Stadt- misfionen" an. dessen Ausdehnung zeigt, wie viel Terrain, wmigstmS dem äußerm Anscheine nach, dem frumden Humdug zu erobern bisher vergönnt war. Der»Chttsttiche Verein Sonn- tagsheim" hat es fich zur Aufgabe gestellt, jungen Mädchen »Erbauung"?,u gewähren und fie bei»achtbaren chttstlichm Herrschaften" in Dienst zu bringen. Ein wahres Wunder ist es, daß allen diesen schönen Dingen noch ein Verzeichniß der Sehenswürdigketten Berlins angefügt worden ist. Dazu ge- hörm natürlich auch die Kirchm und speziell der Dom. Ueoer die Schenswürdigkett dieses zum mindesten in architektonischer Beziehung gänzlich mißglückten Gebäudes war man bisher wohl ungetheilt negativer Anficht; sett allerdings der Stöcker auf die Kanzel steigt und den andächtig lauschenden Zuhörern und all seinen„liedm Freundm" und„lieben Frmndinnm"„Wahr- heit" und„Liebe" predigt, ist der Berliner Dom in der That eine Merkwürdigkett geworden, welche in der ganzen gebildeten Welt ohne Gleichm dasteht. Creme» hat da» Mort k Die Broschüre des Herrn Cremer über die Bleichröder'schm Silberlinge ist jetzt erschienen. Ersähst man daraus auch nicht, wer die lOOOO Mark erhallen bat, so steht doch manches andere von Interesse darin. Herr Cremer ist nämlich auf Herrn Stöcker und die„Krcuzzeitung" schlecht zu sprechen und in seinem Aerger plaudert er aus der Schule. Wir theilen die nachfolgende Indiskretion mtt: »Die oft recht hohle Besserwisserei gegenüber der Regierung, wie fie allmälig in die Berliner Bürgervereine eingeführt wer- den soll und in der chttftlich- sozialen Pattei längst und oben« drein nicht ganz unbedenklich gettieben wird, halte ich für durch- aus unzulässig. Ebenso wenig bin ich zu sprechen, wenn das alte Dellarantmthum der„Kreuzzeitung" gegen den Fürsten Bismarck zum Vorschein kommt und für die Berliner Konservativm maßgcbmd werden soll. In dieser Hinficht ist eS sehr bezeichnend, daß, als in dem nunmehr abgeloufmen Jahre die Vorstände konservativer Berliner Bürgervereine sich gelegentlich der Gedutstagsfeier des Fürsten Bismarck, wie fast alljährlich, zu einer gemeinsamm Glückwunschadresse vereinigten, nur der Vorfitzmde des„Thier- garten-BezilkSvereins" seine Unierschttst verweigerte. Dieser Vorstecnde ist mtt dem Chefredaktmr der„Kreuzzig" idmtisch. Die Sache hat viel böses Blut gesetzt, und die Mißstimmung, welche in den dadurch peinlich derühtten Kreisen entstand, ist keineswegs überwunden. Ein anderer Vorsitzender aus dem zwetten Reichstags- Wahlkreise, der bei der letzten Landtagswahl als Kandidat der Konservativm— der Kartellfeindlichen— aufgestellt war, sagte gelegmtlich zu mir, um mich über die Verlehrthett meiner Kattellideen zu belehren:„Was kümmern Sie sich denn noch um Fttedttchsmh? das thue ich längst nicht mebr!" Als ich darauf ganz bescheiden bemerkte, daß>w den Fürsten Bismarck für die Lettung der deutschen Politik vor« läufig noch in höherem Maße verantwottlich erachte, als Herrn tzofprediger Stöcker und auch die Verdienste des Herrn Reichs« kanzlers um das deutsche Vaterland sogar noch über die deS Herrn Stöcker stelle, erwiderte mir jener Zukunftsmintster:„Ach was, selbstständigePolttik, das ist die Hauvtsache!"— Drohungen, der Regierung einmal zu zeigen, welche Oppofilion man ihr machen könne, wenn fie die chttstlich-sozialen Führer und Forderungen nicht eingehender derückfichtige, fallen bei jeder Gelegenheit. In manchen untergeordneten Köpfen hat fich auf Grund dessen die Vorstellung daß der Fürst Reichskanzler der eigentlich zu de- kämpfende Gegner sei, bereits so sehr festgesetzt, daß man von ihnen den Ausruf vernehmen kann:„Wir jagen dm Wrsten Bismarck, falls er es nicht anders macht!" Wmn auch diese Dinge sich bisher nicht vor dem großen Publikum abgespielt haben, so deutet doch Alles darauf hin, daß in allernächster Zeit offenkundige Bethätigungen des gclenn- zeichneten Geistes erfolgen werden. So lange es fich vermieden ließ, habe ich allen Angriffen zum Trotz darüber geschwiegen. Nachdem aber längeres Vertuschen unmöglich gewordm, trage ich kein Bedenken mehr, es unumwunden auszusprechen, daß die Berliner Bewegung unter der ausschließlichen Führung des Herrn Stöcker dazu ausersehen ist, ihre Spitze gegm den Fürsten Bismarck zu richten. Nun haben Herr Stöcker und Herr von Hammerstein das Wott! Die schreckliche« Folge« der Viphtheriti«, selbst wenn bei dieser gefährlichen Erkrankung daS Leben gerettet wird, find bekannt genug; Taubhell, andauernde Heiserkeit, ähnliche organische Fehler und dauerndes Siechthum werden nicht selten nach einem übechandenm Anfall dieser gefährlichm Krankheit beobachtet. Ader das Schlimmste bei der Sache ist zweifellos, daß manche dieser zurückgebliebenen Leiden selbst dem Arzt bei oberflächlicher Untersuchung entgehen. Die Schilderung von derartigen Vorkommnissen, welche ein amerikanisches ärztliches Journal von solchen Folgezuständen der Diphtherie giedt, ist sehr interessant und auch für unsere Verhältnisse zutreffend: „Herr Doktor, sehen Sie fich einmal die Augen dieses jaulen Jungm an; nicht wahr, es ist doch nichts damit? Er will nicht in die Schule gehen und sagt, er kann nichts sehen. Ich habe ihn schon bestraft, aber er ist hartnäckig und will nicht kesen noch schreidm. Sagm Sie ihm doch, daß ihm nichts fehtt und daß er in die Schule zu gchm hat." Solche kleine arme Burschen werden von Zett zu Zeit von den Eltern zum Augenarzt gebracht, und oft wird hinzugefügt, daß der Arzt, der dm Kleinen bisher bebandett, derselben Meinung wäre.„War dmn der Knabe krank?" ist die Frage des Augen- arztes.„Ja," lautet die Anlwott,„seine Schwester hat Diphtbette gehabt und war sehr krank; er hatte aber nur einen etwas schlimmen Hals." Nun findet die Untersuchung der Augen statt und diese ergiebt eine vollständige Lähmung der- jenigen Muskeln, welche die Anpassungsthätigkeit des Auges de- wirken, also namentlich bei denjenigen Veränderungen mitzu- wirkm haben, die bei jedem Auge eintreten müssen, wenn es in einer gegebenen Entfernung Gegenstände deutlich erkennen soll. Namentlich beim Lesen und Schreidm ist diese Mus- kulatur des Auges ganz besonders lebhaft thätig und das Resuttat der ärztlichen Untersuchung ist also, daß der Kleine absolut nicht im Stande ist, zu lesen oder zu schreidm und daß alle Bestrafung mindestens unnütz war.— In andern Fällen bringen Eltern ihre Kinder wegen Schielms,„der Junge will die Augen durchaus nicht gerade gettchtet halten, man mag sagen oder thun was man will, so lautet die ärgerliche Klage der Eltern. Auch in diesen Fällen find die Augenmuskeln oft durch einen vorhergegangenen Diphtheritts- Anfall gelähmt und nicht blos die Haltung des Auges, sondern die Sehfähigkeit ist stark beeinträchtigt.— Solchen kleinen Patienten, die oftmals, vielleicht in zahlreicheren Fällen als man allgemein annimmt, in dm Verdacht der Böswilligkett oder einer Kranlhetts» Simulation gerathen, muß der Augenarzt als Erlöser er« schetnm. Im höchsten Maße betrübend ist es aber, wenn solche Kinder, abgesehen von der belästigenden, ja oft- mals recht schmerzhasten Erkrankung, nun auch noch von dem Unverstände der Eltern zu leiden haben, wenn diese in ihrem erzieherischen Uebereiser gegen den Mangel an Fleiß einschreiten zu müssen glauben. Nach der Meinung erfahrener Svezialärzte ist die Häufigkeit solcher döSattigen Folgezustände der Diphtherie geradezu erstaunlich groß. Es dürste deshalb eine der wichtig« sten Aufgaben der Aerzte sein, in allen Fällen, wo fie Diphthetteerkrankungen deHandeln, die Ettern auf die mög« lichm Folgezustände hinzuweisen, die fich gewöhnlich 1 bis 4 Wochen nach dem Krankheitsfall einzustellen pflegen und die auch für solche Kinder zu fürchten find, die nur etwa? am Halse leiden, während ihre Geschwister„echte Diphtherie" habm. Apiiudit«, die Stadt des Juliuithurms wird in letzter Zeit von allerlei unheimlichen Personm und Dingen heimge« sucht. Zuerst war es Boulanger, der fich innerhalb der Span« dauer Festungswälle sehen lassen sollte, dann stattete Jack der Aufschlitzer den Spandauer Spießbürgern einm vermeintlichen Besuch ad, dann kam die glorreiche Krokodilgeschichte, dann machte ein Schlingenwerfer den Spandaucm Angst und jagte Frauen und Jungftauen eine häufig paffmde Gänsehaut über die zarten und unzarten Körper— und jetzt hat Spandau so- gar einen Zovfadschneidcr. Wir lesm darüber im„Anz. für das tzavell.":„Eine neue Spezialität von Unholden, welche es auf weibliche Personen abgesehen haben, ist jetzt aufgetaucht. Dies« mal ist es ein Zopfabschnetder, welcher hier dedütitt hat und bei dem schwachen Geschleckt fickerlich heillose Fmckt hervor« rufen wird. Ein junges Mädchen ist das Opfer des Uebel- thäters. Der Sachverhalt ist noch der Aussage der Bettoffenen folgender: Die 17 Jahre alte Verkäufettn einer Destillatton hatte fich am 1. Feiertag aus dem Hause ihrer Herttckaft ent- feint und fich zu ihrer in der Börnickerstraße 3 wohnenden Mutter begeben Als fie am Abend den Heimweg nach der Stadt antrat, wurde fie von ihren Brüdem bis zum Pots- damer Thor begleitet. Dort verabschiedete fie fich kurz vor 10 Uhr in der Absicht, den Rest der Strecke allein zurück- zulegen. In der Mauerstraße wurde ihr plötzlich hintenücks ein Tuck über den Kopf geworfen, welches die Augen ver- deckte. Dann hiell jemand ihre Hände fest, so daß fie eine Weile wehrlos war und fast die Befinnvng verlor. Als ste fich kurz darauf wieder frei fühlte und das Tuch von fich geworfen hatte, war lein Mensch in ihrer Nähe ficktbar. Sie ging dann ungehindett weiter, und als fie in ihrem Schlafzimmer anlangte, bemerkte fie, daß ihr der Zopf, welchen fie in Knotenform ge- tragen, dicht am Kopf abgeschnitten war. Das Mädchen glaubt, daß der TbSter ein hochgewachsener Mann ist, der kurz vor dem seltsamen Vorfall an ihr vorüberging."— Im Anschluß hieran findet fich folgendes Inserat im„Anz. f.d.Havell":„50 Mark Belohnung sichere ich demjenigen zu, der so. daß gettchtliche Be- sttakung erfolgen kann, nachweist, wer die bei mir beschäftigte E. Thiele am 1. Feiertag, etwa 9h— 10 Uhr Abends, in der Mauerstraße überfallen, ihr die Augen verbunden und die Haare abgeschnitten hat. W. Vogeler."— Wüßten wir nicht genau, daß Herr Vogeler Stadtraih in Spandau ist, so müßte man nach der Klarheit seines Stils glauben, er hätte irgcnvwo Philosophie studirt. An» de« Kreise« der«delste«. Das Amtsgettcht Breslau erläßt eine öffentliche Zustellung gegen den Reichs- grasen Eduard v. Oppersdorfs, den ein Kaufmann auf Zahlung einer Forderung für gelieferte Waaren in Höhe von-- 32 Matt verklagt hat. In dem„Grafenlalender" ist Graf Eduard v. Oppersdorff als„österreichischer Staatsbürger und Großgmnddefitzer, preußischer PremienLieutenant außer Diensten" eingetragen; er ist ein Sohn des erblichen Mit« gliedes des preußischen Herrenhauses, Grafen Evuard v Oppersdorff, welcher die Herttchaft Oderglogau in Oberschlefien mtt etwa 24000 Morgen Fläche defitzt.— Das Amtsgericht zu Margonin hatte im Juli d. I. den Majorats- Herrn Grafen Sigismund Potulicki auf Prochnowo in der Provinz Posen als Verschwender erklärt, das Landgericht zu Schneidemuhl hat aber diesen Beschluß aufgehoben, so daß Graf Potulicki nickt mehr Verschwender ist und ohne Vormund über fein Vermögen verfügen darf.— Das Landgericht zu Greifswald hat vor einigen Tagen nach vierstündiger VerHand- lung bei verschlossenen Thüren die Wittwe Laura von W a ck e n i tz aus Anklam wegen schwerer Kuppelei zu zwei Jahrm Zuchthaus und ihre Söhne Franz v. Wackenitz, der ohne Beruf und wegen Diebstahls schon mit drei Wochen Gefänaniß vorbestraft ist, wegen aefährlicker Körperverletzung in zwei Fällen zu drei Monaten Gefängniß, und Heinrich v. Wackenitz, Kaufmann, wegen gefährlicher Körperverletzung in einem Falle zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. ?« der Poliere de» Aquarium» haben es sich auch einige Sperlinge bequem gemacht, und olle Ermisfionsversuche sind fruchtlos geblieben. Ja, ein olivengrüner Bastard dezeugt, daß fie sogar von der Sippe der Singvögel vollständig in die Famttie aufgenommen worden find. Ob dieser Bastard auch singt, hat sich in dem Lärm der Voliere noch nicht feststellen lassen. Auch merkwürdige Freundschaften kann man hier be« obachten. So find z. B. ein rotber Aras und ein glänzend schwarzer Rabe intime Freunde. Würdevoll, wie ein Pascha, läßt fich der Aras auf einem Ast mit geschlossenen Augen nieder, und der Rabe reinigt ihm emsig die gesträubten Federn am Kopfe und Halse. Der drolligste Insasse ist ein schwarz- gelber Trupial. Wenn man ihm pfeift, so kommt er an das Gitter, läßt fich streicheln und fingt, so lange man pfeift, aus vollem Halse um die Wette. Auch die scheuen Steppenbübner werden schon zutrarilicher; zuerst hielten fie fich beständig im Hintergrunde, jetzt kommen fie schon bis an das Gitter. Au»»iur« Pr�»»erz»ich«iß der Haud-l-m-Aageri« von G. B. in Leipzig ist zu ersehen, in welchem Preise die Raudthiere und sonstige Vettreter der exotischen Fauna stehen. Die Preise find wie folgt angegeben: Ein Paar Dromedare 1200 M.— Ein braunes Kamee l 600 M.— Ein paar prachtvolle Löwen, ausgewachsen, 4 bis 5 Jahre alt, 4000 M.— 4 Löwen, 1 Männchen, 3 Weidchen, ein Jahr alt, zur Dressur, zusammen 3200 M.— Ein Paar Löwen, importitt, zabm, 14 Monate, 2200 M.— Ein schwarzer Pmther, importirt, 900 M. — Braune Bären, das Stück 100 M.— Beutelthiere, das Stück 35 M.— Lamas, das Stück 400 M.— Guanacos, daS Stück 400 M.- Nilgau- Antilope 450 M.- Axisbirsche, das Stück 200 M.- Attstotellshirsche. das Stück 250 M.- Schomburgkhirsche, das Stück 250 M— Mähnenschafe, das Paar 300 M.— Kleine Paviane, das Stück 36 M.— Kapuziner- Affen, das Stück 40 M.- Java-, Rhesus-, Kronen- Affen, daS Stück 25 M- Meerkatzen, das Stück 25 M.— Uistitt-Alfichen. das Paar 20 M.— Krokodile, 3 Fuß lang, das Stück 25 M.- Wüsten- Waranen, das Stück 20 M.- Uhus, zur Jagd, das Stück 50 M.- Weißlöpfiger Geier, das Stück 45 M.— Hoko Mita, das Paar 150 M. zc. Man ficht, die Preise find nicht so hoch, wie man im Allgemeinen annimmt. GW„Jack k# Aufschlitz er" ist am letzten Sonntag in Potsdam dingfest gemacht worden und zwar unter folgenden Umständen: Der Bcfitzer einer Nähstube sah fich gezwungen, des Weihnachtsfestes wegen am letzten Sonntag sein Personal arbeilen zu laffen. Am Nachmittag erschien nun bei ihm ein junger Mann, welcher einen Brief abgab und fich dann elligst entfernte. In dem Kouvert lag eine Karte mit der Aufschrift: „Heute Abend große Mobilmachung. Mädchen sofort entlassen. Wenn nicht, um 49 Uhr große Verstümmelung. Jack der Bauch- aufschlitzer." Der Geschäftsbcfitzer versuchte nun auf der Straße den Uedcrdringer des Briefes zu erspähen und hatte richtig das Glück, denselben dabei zu treffen, wie er ein Dienstmädchen aus dem Hause fragte, od die Nähmädchen schon fort wären. Als der junge Mann den Nähstubenbesttzer sah, lief er eiligst davon, wurde aber von Passanten verfolgt und flüchtete schließlich in ein Gebüsch auf dem Wilhelmsplotz, wo er festgenommen und einem Schutzmann übergeben wurde. Er entpuppte fich als der Sohn des Schneidermeisters Meyer in Potsdam, welcher die Manufalturwaaren» Branche erlernt hat und gegenwärtig Annonzen Acquifiteur bei der„Nowawes-Neuendorfer Zeitung" ist. Den Brief wM er von einem jungen Mann, Namens Sauer, zur Besorgung erhalten haben. Dieser Dummejungen- streich wird noch ein Nachspiel vor Gericht wegen groben Unfugs haben. Keim AniLttde«»ine« Weitznachtsdanm« ist am Weihnachtsabend die Frau des in der Wallstraße wohnenden Drechslers K. nicht unbedenklich verletzt worden. Während im Nebenzimmer der Mann und die Familie der Betreffenden matteten, zündete Frau K., nachdem sie die Geschenke auf dem Tische geordnet, die Lichte an. Hierbei muß die Frau wohl nicht vorfichtig genug hantirt haben, denn plötzlich stürzte der Baum um und die brennenden Wachslichter setzten die leicht Feuer fangenden Geschenke in Brand. Anstatt nun Hllfe her» beizurufen, versuchte die Unvorstchttgc, allein die Flammen zu löschen, wobei ihre Kleider Feuer fingen und sie selbst in die Gefahr des Verbrcnnens gericth. Der nunmehr infolge des Geschreies hincineilende Gatte kam gerade noch rechtzeitig genug, um diese Gefahr von seiner Frau abzuwenden; trotzdem hat dieselbe nicht unbedeutende Brandwunden an dm Händen, Armen und Brust erlitten, so daß ste die Hilfe eines Arztes in Anspruch nehmen mußte. Den Brand der total verdorbenen Weihnachtsgeschenke löschten die herbeigerufmen Hausbewohner mtttelst einiger Eimer Waffer. Word w Charlottenbura. Auch aus Charlottenburg meldet ein Bettchterstatter einen Mord vom Helligabend. Der Weinhändlcr Jung am Charlottmburger Ufer gab seinen Leuten in einem denachbatten Schanklokal etwas zum Bestm. In der Nacht betrat noch eine etwas angetrunkene Gesellschaft das Lokal und erging fich bald in anzüglichen Redensarten, wie: „Das fleht ja hier aus, wie in einer Ve-drecherkncipe!" u.d.M. Ein Wort gab dos andere, schließlich zog man die Messer und in dem Kampfe wurde einer voll den Eindringlingen erstochen. Der Pttvatkutscher des Herrn Jung, mit Namen Rothschild, wurde unter dem Verdacht, den tödllichen Stoß geführt zu haben, verhaftet. Weithin sichtbarer Flammenschei« verkündete gestern Morgen den Bewohnern des Nordost- Viettels eine große F-uersdmnst. In dem Hofe des Hauses Greifswalderstraße 71 befinden fick langgestreckt Quergebäudc, die theils zu Stallungen, tietls zu Wohnungen in dm oberm Etagen verwendet werden. Ein ausgedehntes einstöckiges schuppenartiges Haus des Hofes, welches dicht an dem mit seiner Hinterfront angrenzmden St. Georgm- Kirchhof gelegen und so das ttefige Grundstück ab- schließt, ist an den Fouragehändler L., welcher hier ein großes Lager Stroh, Heu, Hafer u. s. w. unterhält, vcrmiethet. Auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise brach gestern früh gegm 5 Uhr Feuer in diesem Speicher aus und im Verlauf einer Viertelstunde stand bereits das ganze Magazin in Flammen, dadurch die daran stoßenden bewohnten Ge- bäude bedrohend. Die sofort alarmitte Feuerwehr der Keibel- und Oderbergersrraße arbeitete unermüdlich an der Bekämpfung des großen Brandes, dcffm Flammen überall hin fichtdar warm; zwei Dampfspritzen sandten fortgesetzt ungeheure Wasser- Massen in das brennende Gebäude und es gelang endlich im Verlaufe mehrerer Stunden nicht allein dre Hofgedäude zu schützen, sondern auch die Flammen in dem Magazin zu er» sticken. Da« letztere ist total heruntergebrannt und die ziemlich dedeutendm Waarenvorräthe theils durch die Flammen, theils durch das Wasser vernichtet. Eine Anzahl Pferde, welche in einem Stall der Fouragehandlung untergebracht war, konnte nur mit großer Muhe aus dem brennenden Gebäude gerettet werden. Ueber die Att der Entstehung des Brandes erfahrm wir noch, daß derselbe leicht durch Selbstentzündung des dott lagernden Strohs und Heus, welches fich in nassem Zustande befunden, entstandm sein kann. Eine Rr»-w»rschieß«r»i nach amerikanische- Art gab hier in der Weihuachtsnacht ein in der Ltnimstr. 221 wohnender studirender Neger aus Amettla zum Besten. Er feuerte auf den in demselben Hause wohnenden Kaufmann Leveren und dessen Ehefrau, welche auf dem Treppenflur mit dem Wirtb des Amcttlaners in eine Prügelei gerathen waren, zwei Schüsse aus einem Revolver ad, welche den Leoercn und dessen Frau trafen, jedoch glücklicher Weise nur leicht ver- letzten. Eine Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung wird den schwarzen Revolvermann darüber belehren, daß der- artige Schießübungen hier zu Lande dem Studium wenig zu- tragiichfind. �>ej> vorgestern Abend im Der- lwer Ebeater vorgekommenen blinden Lärms haben, wie uns von der Direktion des Theaters mitgetheilt wird, die amtlichen Erhebungen folgendes ergeben: Kurz nach Beg nn de» fünften Altes erhob fich in einer der vordersten Parkctreihen eine Dame, um das Haus m verlassen; ihr folgte bald darauf ein Ehepaar, das außerhalb Berlins wohnt und darum wahrscheinlich zeitig zum Bahnhof gelangen wollte. Dieser Umstand und die fich anschließenden Rufe um Ruhe u. s. w. ttefen bei einigen angst- lickcn Zuschauern dm Glauben wach, es sei eine elementare aa seitens des Publikums wurde bei dieser Gelegenheit festgestellt daß am Berliner Theater alle zum Schutze der Besucher ge- troffenen Einrichtungen trefflich in Ordnung waren. Die Tburen waren geöffnet, die Gänge und Treppen doppelt deleuchtet und die Garderobieren und Logenschließer, sowie überhaupt alle Be- amten auf der Bühne und im Zuschauerraum behaupteten ihre n« dem Morde I» der Krauouickstraß-«fahren wir noch folgendes: Die bei einem Psanvleiher vor dem Halle ichen Thor versetzte Uhr gehört, wie fich nunmehr herausgestellt hat, nicht dem ermordeten Röse. Es werden ubttgens for wahrend Sistirungm seitens der Kriminalpolizei vorgenommen, so wurde zum Beispiel gestern Nachmlltag ein junger Mann, Namens Otto Schul, aus Schönhausen, verhaftet, der jetzt in der Großen Franlfurterstraße wohnt; derselbe soll den R. um Stellmver- bei den hiesigen Barbieren angefragt, od etwa ein lunger Mann mit in der Mitte gescheiteltem Haar fich in den letzten Tagen aufgefunden worden sei. Diese Nachricht ist unrichtig. Ermittelt ist der Uhrmacher, von welchem Röse vor etwa 2 Jahren die Uhr für 40 M. gekauft hat, und kann daher die Beschrei- bung derselben vervollständigt werdm. Die Uhr ist eine stlderne Remontoir-Uhr ohne Goldrand mit ovalem Bügel, gewöhnlichen Zeigern und Sekundenzeiger mit der Nr. 579 und dem Fabrik- stempel 7772. Auf dem Deckel der Rücksette befindet fich in erhabener Arbeit ein Jagdstück, darstellend ein Wildschwein und einen Baum, vielleicht auch Jäger und Hunde. Polizeibericht. Am 27. d. M. Vormittag» wurde ein Kaufmann in seiner Wohnung in der Spandaucrstraße mtt einem Schusse in der rechten Schläfe todt aufgefunden.— Nachmittags wurde vor dem Hause Spandauerstr. 03 ein 10 Jahre altes Mädchen von einer Droschke überfahren und am linken Beine anscheinend schwer verletzt.— In der Nacht zum 28. ds. wurde an der Ecke der Brunnen- und Jnvalidenstraße ein Bäcker von einer vorüberfahrenden Droschke niedergestoßen und erlitt dadurch schwere Verletzungen am Kopfe und am rechten Fuße, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Im Laufe des Tages fanden an fünf verschiedenen Otten kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden._ Theater. Kerliner Theater. Seitdem die Meininger das Ge- heimniß entdeckt, auf der Bühne die Bewegung großer Volks- Massen zu oeranschaulichen, muß jedes Theater, welches etwas auf fich hält, mit dem alten Schlendttan brechen und statt der üblichm drei oder vier Statisten aus der nächsten Kaserne, die in Phantafieröcken stecken, wirklich geschutte Schauspieler und ein wirkliches Spiel der großen Massen bieten. Da» Berliner Theater bat diesen modemen Anforderungen am Donnerstag im„Julius Cäsar" durchaus entsprochen. Gerade die Volksszenen bildeten den Glanzpunkt der Aufführung. Die Szenen des ersten Aktes zeigten dre Erregung und den Tumutt der stürmischen Zeit. Die Bestürzung und das Entsetzen nach Cäsar» Ermordung auf dem Kapttol, die Szenen auf dem Forum und dann der allmälige Uedergang der Vollsstimmung bei der Rede des Antonius von der vollkommenen Billigung der Hinttchtung des Tyrannen bis zum wild emporlodernden Haß gegen seine„Mörder"— wurden meisterhaft dargestellt. Die unheimliche Stille vor dem Gewitter, vor der Schlacht bei Philippi, welche die kühnen Vertheidiger der Republik, Brutus und Casfius, vernichtet und den frechen Demagogen und Usurpator Antonius die Früchte der selbstlosen That der Freiheitskämpfer einheimsen läßt, den ahnungsschwangern Augenblick vor dem Zusammensturz der stolzen Republik stellten die schweigsamen Lagerszenen mtt überwättigender An- schaulichkett dar. Hatte hier das Regie und die strenge Schulung der Zu« sammenwirkendm das Trefflichste geleistet, was überhaupt zu erreichen war, so standen die Einzclleistungen leider nicht auf derselben Höhe. Ausgenommen bleibt der kräftige Naturalismus, mit welchem Ludwig Barnay seinen Marc Anton auffaßte. Dieser Künstler arbeitet unadläsfig an fich selber; er begnügt fich nicht mtt dem wohlfellen Erfolge eines klangvollen Organs, sondern er wühll fich in die Figuren hinein und läßt seine eigene Persönlichkett vollständig hinter dcm dargestellten Charakter zurücktreten.— Herr Krausneck hatte fich vollkommen vergriffen. Dieser Shakespearesche Brutus ist doch kein Max Piccolomini in Äömerrüstung!— Auch Julius Cäsar wird wohl nicht wie Herr Franz Jacobi ausgesehen haben; in seiner Darstellung glich der Erfinder des Zäsarenthums einem Fabrikate der Nürn- berger Spielwaarenindustrie, wenn nicht sein Idiom an einigen Stellen auf Heimathsberechtigung im gemüthlrchen Sachsen hin- cewiese.". hätte(Herr I. sagte z. B.„Grinde�).— Von den Damen sei geschwiegen. Gerügt soll nur die Unfitte werden, zum Vergnügen des Parquets die Knademollen durch Mädchen in Trikots darstellen zu laffen. Diese Konkurrenz mit dem Adols Ernst> Theater könnte unterbleiben. Das Publikum spendete reichlichen Beifall; Barnay wurde zu verschiedenen Malm gerufen. Er hatte fich nicht nur als Marc Anton, sondern auch als Direktor verdient gemacht. Im fünften Akt war nämlich plötzlich eine Panik entstanden; es hieß mit einem Male, Feuer wäre im Theater und die Parket- besuchcr begannen ihr theures Leben in Sicherheit zu dringen. Das Spiel mußte unterbrochen werden, auf der Bühne erschienen Herren im schwarzen Rock, der Direktor und ein Feuerwehr- mann. Und nun machte Herr Bamay den unbcabfichtigten Scherz, zu rufen:„So lange ich hier stehe, ist keine Gefahr vorhanden." Das beruhigte. Es war auch wirklich nur leerer Lärm gewesen._ Gerichts-Zeitnng. Wie ei« Räuberhauptmann hauste in der Jungfern- Haide seit Dezember 1887 ein gewisser Gustav Ziegler, welcher gestern wegen Diebstahls in acht Fällen vor der I.Strafkammer des Landgerichts 11 fich verantworten mußte. Ziegler führte seit Jahr und Tag ein„freies Leben", wie es im Buch steht; er ist schon früher mit drei Monaten Haft wegen Munddiebstahls vorbestraft worden, weil er cs vorgezozm hatte, anstatt durch Arbeit seinen Lebensunterhalt zu erwerben, den letzteren einfach je nach Bedarf aus ftemder Leute Hauser durch Diebstahl fich zu beschaffen, während er irgendwo im Freien die Nacht verbrachte, oder in der Nähe einsam belegener Wohnstätten an der Berliner Weichbildsgrcnze oddachslos um- berlungerte. Dieses„räudermäßige" Leben gefiel trotz aller Wtderwättigketten dem Ziegler derartig, daß er nach Verdüßung der obendezeichneten Haftstrafe wiederum dieselben Pfade auf die Dauer detrat. In der Jungfernhaide logitte Ziegler unter freiem Himmel, zwei Gctreidesäcke, welche er im Sevtember vorigen Jahres auf der Chaussee am Spandauer Schiffiahrts- kana! gefunden hatte, dienten ihm als Schlafdecken. Seinen Bedarf an Lebensmitteln liefctte ihm der Vorrathskeller des försters Bünger im Forsthaus Rchberge; wiederhott hat legier mittelst Einbruchs fich Brot, Käse, Butter u. s. w. verschafft und einmal sogar den ganzen Kellerhals am Forst- Hause abgedeckt, um dott eindringen zu können; ein Quantum Wein, welches er dott vorfand, ließ ihn die Sehnsucht nach Wiederholung derattiger Genüsse spüren. Die Vorratbsräume des Rcstaurateurs Steuer am Spandauer Schifffahrtskanal im Pietzlowski'schen Hause(auf Charlottenburger Gebiet) boten hier- zu dem Ziegler reichlich Gelegenheit und Zieglcr sah fich umso- mehr veranlaßt, diese neue Bezugsquelle zu wählen, wett der Herr Förster Bünger, von seiner Hausfrau auf die ständigen Mankos bingrwiesen, mtt seinen Hunden dem frechen Eindringling ein Willkommen vorbereitet hatte. Zlegler ließ jedoch fortan Förster's Vorrathskeller unbeachtet und erbrach, als Ende Mai d. I. sein Vorrath wieder erschöpft war, den Keller des Restaurateurs Steuer; ein paar Viergroschen-Brote, 1 Satte Schmalz, 1 Flasche Kognak, 1 Flasche Wein, 50 Flaschm W'ißbier, 1 paar Käse und Würste räumte Ziegler während ein r Nacht mit„marder- artiget" Geräuschlofigkeit und Geschicklichkeit aus und schaffte die gestohlenen Lebensmittel nach seinem Versteck in der Haide. Als der Vorrath erschöpft war, kam Ziegler wieder und weder eiserne Drahtgitter noch eiserne Traillen, welche Herr Steuer inzwischen, um erneuerten Versuchen vorzubeugen, hatte anbringen laffen, hiellen den Lebensmittelmarder von seinem Vorhaben ab. An- dcre Gegenstände ließ Ziegler unberührt, er stohl nur Lebens- mittel en gros, allerdings mtt unbeschreiblicher Frechheit und Hartnäckigkeit; einmal hatte Ziegler— es war bereits der sechste Diebstahl sm Steuer'schen Restauratwnsgeschäft— den Weg durch dse Thür genommen und nachdim er in der Küche am Wein, Kognak, Käse fick gütlich gethan, in einem unbenutzt stehenden Bett durch einen Schlummer fich zu weiterer„Arbeit" gestärtt. Endlich gelang es Herrn Steuer, den Freibeuter auf frischer That zu ertappen und ihn feflzunehmen. Vor der Strafkammer legte Zicglcr ein offenes Geständniß ab; eine ganze Reihe schwerer, versuchter und Munddiebstähle wurden ihm zur Last gelegt, ferner Fundunterschlagung bezüglich der beiden auf der Chaussee gefundenen Säcke. Dcm Antrage des Staatsanwalts gemäß und im Hinblick darauf, daß Ziegler de- deutende, nicht sofort vertilgbare Mengen von Nahrungsmitteln entwendet hatte, erachtete der Gerichtshof den Zieglcr im Sinne der Anklage des mehrfachen schweren und versuchten Diebstahls sowie der Fundunterschlagung für schuldig. Das Utth-il lautete auf 1 Jahr Gefängniß und 14 Tage Haft. Gi« sonderbarer Anklagefall wegm Bedienung eirns ihm nicht zukommenden Namens einem Beamten gegenüber gelangte vor der 96. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts zur Vcrdandlung. Auf der Anklagebank nahm ein attes Mütterchen, die 77jährigc Almosenempfänacrin Marie Niederhof. geb. Struve, Platz. Am O.Oktober er. hatte fie der Wacht- mcister N. nach der Wache gebracht, wett ste vor dem Hause Molkenmarkt Nr. 7 eine Bettlerstellung eingenommen hatte. Dem Beamten gegenüber nannte fie fich wie vorstehend. Aus dcm polizeilichen Register wurde aber ermittelt, daß ihr in dem von ihrem sepmirten Ehcmanne gegen ste angestrengten Ehc- scheidungeprozesse, in welchem die Ehe getrennt und ste für de« allein schuldigen Thett erklärt worden war, durch Ver» kügung des früheren Stadtgerichts vom 15. März 1853 da» Recht aberkannt worden ist, den Namen ihres geschiedenen Ehe» mannrs wetter zu führen. Jnfelge d.ffen ist ihr Namensregister in„Matte Struve" umgeändert worden. Auf die Frage des Prästdenten, warum fie sich denn den ihr nicht zukommenden Namen ihres früheren Mannes beigelegt habe, erklärte die An» geklagte, daß der Erlaudnißschttn zum Handel mit Streichhölzern von der Behörde trotz Kenntniß des Stadtgerichtsuttbeils zur Vermeidung von Verwechselungen auf den Namen separate Niederhof, geb. Struve, ausg stellt ist. Sie sei daher in dcm Glauben gewesen, daß ste dcm Wachtmeister auch Viesen mtt ihrer Legitimation übereinstimmenden Namen angeben müfle. Mit dem Amtsanwalt v. Glau war der Gerichtshof der Anficht, daß vorliegend nicht von Beilegung eines falschen Namens die Rede sein könne, es erfolgte daher die Freisprechung der allen Frau. Recht gemagt» Grundstück»-««d Hypothek»«« Schiebung»« sowie sonstige KetrLgereie« beschäftigten gestern die 93. Adtheilung des Schöffenaettchts in einer An» llugesache, welche schon seit Jahr und Tag bei hiefigen und auswärtigen Gerichten schwcdr. Auf der Anklagebant befand fich ein nicht uninteressantes Paar, der bereits mehrfach vorde» strafte ehemalige„Rtttergutsbefitzer und Amtmann" Carl Friedrich Krüger und seine Braut, die geschiedene Kaufmanns-Ehefrau Helene Weiland, geb. Koch. Die An- geklagten, welche fich als bereits verhttrathet ausgaben, sollten großattige Schwindeltten ausgeführt haben. Krügcr trat im Herbst 1387 mit dem Besttzer des Deutschen Hauses in Jauer wegen Ankauf dieses Hotels in Verbindung und gleich, ettig mit einem Hotelbefitzer in Krampas auf Rügen, dessen Grundstücke, Logir- Villen sc. er ebenfalls taufen wollte. In beiden Fällen ist es zu einem definitiven Abschluß nrcht gekommen, da die Verkäufer noch rechtzeitig die völlige Deimögenslostgkttt des Krüger erfuhren. Trotzdem die Verbandlungen wegen der Grundstücke und Geschäfte erst an» geknüpft waren, traten die Angeklagten bereits als Besttzer auf. Krüger ließ auf das erst zu erwerbende Grundstück in Krampas eine Hypothek von 24 000 M. auf den Namen seiner Braut anfertigen und wollte dieses Instrument verpfänden, um mtt dem Pfandschtlling die verlangte Anzahlung von 10000 M. auf das von ihm zu übernehmende Inventar zu leisten. Wegen dieser Schiebung haben die Angellagten in Greifswald neun Monate lang in Untersuchungshaft gesessen, es ist ihnen aber gelungen, ein freisprechendes uttbeil zu erzielen, weil Krüger den Nachweis führte, daß er hoffen durfte, von dritter Hand Geld zu erhallen. Beide Angeklagte sollen nun hier in Berlin bei verschiedenen Geschäftsleuten Bestellungen für ihre Hotels in Jauer und Krampas gemacht haben, indem ste Porzellan- und Alfenide- Geschirr mit den Stempeln der de- treffenden Hotels anfettigen ließen. Es stellte fich im Laufe der Verhandlung heraus, daß nur ein Porzellanhändler geschädigt worden war, der übrigens nicht zu behaupten wagte, daß die Angeklagten falsche Vorspiegelungen benutzten. Ebenso unficher waren die übrigen Zeugen in ihren Angaben, sodaß der Staatsanwalt alle Fälle des versuchten Be- truges ausschied. Es blieb nur ein Fall des vollendeten Be» trüge» übrig. Die Angeklagten hatten ein Pianino für 750 M. gekauft und es sofort für 400 M bei dem Spediteur, der später dessen Uederführung nach Krampas besorgen sollte, versetzt. In diesem Falle wußte der Lieferant genau, daß er durch falsche Vorspiegelungen zur Kreditgewährung bewogen worden war. Der Gerichtshof belegte für diesen Fall den Angeklagten Krüger mit 1 Jahr 3 Monaten Gefängniß und 2 Jahren Ehrverlust, die Weiland mit 7 Monaten Gefängniß. Von erstem Strafe wurden 9 Monate, die letztere winde durch die Untersuchungshast völlig für verbüßt erachtet. Soziale» unh Arbeiterbewegung. Di» Hanpteegebnisse de» deutsche« Kriminalstatistik für 1887 werden soeben vom statistischen Amt veröffentlicht. Wir heben folgendes daraus hervor: Wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reicksgc setze find von den deutschen Gerichten vermtheilt worden 356 339 Personen gegen 353 000 im Jahre 1886, 343087 im Jahre 1885, 345 877 im Iahte 1884, 330 128 im Jahre 1883 und 329 968 im Jahre 1882. Die Zu» nähme betrug also im Vergleich zum Vorjahre 3339 Personen oder 0,95 pCt., fie dürfte damit fast genau eben so groß sein, wie die allgemeine Bevölkerungszunahme. Seit 1882 hat fich die Zahl der verun heilten Personen um 8.0 pCt. vermehrt, während die Bevölkerung von 1881 bis'886 um 3,7 pCt. ge» stiegen ist; sett 1884 hat die Kriminalität um 3,0 pCt. zuae- nommen, wogegen die Bevölkerung von 1883—1886 um 2,4 pCt. angewachsen ist; es ergiedt fich also, daß eine ziemlich normale Steigerung der Verutthetlten stattgefunden hat. Trennt man die einzelnen Hauptgruppen von strafbaren Handlungen von einander, so findet man, daß im Jahre 1887 das seit Beginn der deutschen kttminalstatistischen Erhebungen bemerkbare Sinken der gegm das Vermögen gettchteten Delikte angebalten hat. Es find wegen derattiger Verbrechen;c. 154744 Personen ver- mtbeilt gegen 156 930 im Jahre 1886 und 169 844 im Jabre 1882. Die Abnahme aegen das Vorjahr beträgt mithin 1,4 pCt., die gegen 1882 8,6 pCt Ebenso haben die Delikte gegm die Person auf ihrer Zunahme beharrt, indem hier die Zahl der Verurtheilten 137 745 beträgt gegen 134019 im Jahre 1886 und 107398 im Jahre 1882. Wir können also eine Zunahme um 2,8 pCt. gegen 1886 und um 28.3 pC?. gegen 18b2 feststellm. Bei der dritten Gruppe der Verbrechen:c. gegen Staat, Religion und öffentliche Ordnung zeigt fich ebenfalls eine andauernde Steigerung mit 62 331 Veruriheilten gegm 60458 im Jahre 1886 und 51623 im Jabre 1882. Die Zunahme beziffert sich also auf 3,1 bezw. 20,7 pCt. Die Verbrechen u. s. w. im Amte endlich schwanken vielfach: doch zeigt das Jahr 1887 eine so geringe Zahl, wie keines im Vorjahre. Es wurdm 1519 Verurtheitte gezählt, gegen 1593 im Vorjahre und 1613 im Jahre 1882, woraus fich eine Abnahme um 4,6 bezw. 5.8 pCt ergiedt. Was die ein» zelnm Attm von Delikten betttfft, so können wir hier nur auf die am meisten verdrettetm eingehen. Am zahlreichsten find die Verurlheilunam wegen einfachen Diebstahls, die im Jahre 1887 65297 Personen betrafen; doch ist gerade bei diesem Delitt die Abnahme sehr stark; es betrug. «omlick die Zabl der Perurtbeilten in den Vorjabren bis 1862 Mück 68 479, 69241, 74 293, 76929 und 79116, so dah«ich gegen das Jahr 1836 eine Abnahme um 3182 oder 4,5 pCt., gegen 1882 eine solche um 13 819 oder 17 5 pCt. ergiebt. Auch der einfache Diebstahl in wiederholtem Rückfalle zeigt eine Abnahme mit 10 901 Veruriheilten gegen 11306 im Jahre 1886 und 12016 im Jahre 1882. Der schwere Diebstahl dagegen hat etwas zugenommen(6385 gegen 6658 im Jahre 1886), nachdem er allerdings vorher ungemein stark(seit 1882 um 2314 oder 25,9 pCt.) abgenommen hatte. Der schwere Diebstahl in wiederholtem Rückfalle endlich ist seit 1882 von 2946 auf 2324 gesunken.— Die einfache Körperverletzung, die von 1882 bis 1886 von 16 527 auf 19 334 Verurtheilie gestiegen war, ist zwar um ein Geringes(132) gesunken, doch werden Utx die Zahlen durch die Nothwendigkeit eines Strafantrags beeinflußt. Die von Amtsweaen zu verfolgende gefährliche Körperverletzung aus§ 223 a Strafgesetzbuch zeigt eine ganz enorme Steigerung; ste zählte 1882 39 291 Verurtheilie, 1883 40 933, 1884 48118, 1885 51 449, 1886 53 759 und 1886 55 821, so daß also seit 1832 eine Zunahme um 16 530 Ver urtheilte oder 42,1 pCt. stattgefunden hat. Auffällig ist der Rückgang der schweren Körperverletzung, der im letzten Jahre 1888(549 gegen 637) betrug. Das drittgrößte Delikt, die Beleidigung, zeigt im Jahre 1887 eine so große Ziffer, wie nie zuvor; ste hat es auf 44 084 Verurtheilie gebracht, gegen 42586 im Jahre 1886 und 38 971 im Jahre 1882. Die sonstigen an Zahl bedeutenderen Delikte haben geringere Ver» ändcrungen in der Zahl der Veruriheilten; auck die Verletzung der Wehrpflicht ist von 19 680 auf 20 168 gestiegen, nachdem ste in dm Vorjahren seit 1882 um 4469 zugenommen hatte; Hausfriedensbruch hat 15 969(1886 15 983), Unterschlagung 14504(14 731), Gewalt und Drohung gegen Beamte 13 446 (13127), Betrug 13101(12 360), Sachbeschädigung 13 099 (12 798) und Hehlerei 6739(6717) Verurtheilie. Die Zunahme der Sittlichkestsverbrechen ist eine geringere als in den Vor- jahrm, das Hauptdelikt(§§ 176—178) zeigt mit 3131 Ver> urtheilten gegen 3187 im Vorjahre sogar zum ersten Male eine Leine Abnahme. Gwe« Kaffeeelng haben einige Großkapitalistm gebildet. Di« Folge davon ist, daß der K a f f e e p r e i s an der Ham« dmger Börse in ganz unerhörtem Maße in die Höhe getrieben worden ist. Den Monopolisten gelang es, auf diese Weise die große Maffe der Konsumenten, das werkthätige Volk, gründlich zu schröpfen. Der fabrikantenfreundliche, ganz und gar a n t t s o z i a l i st i s ch e„Patent-Anwalt" in Frankfurt a. M., eine recht lesenswerthe Fachzeitschrist, nennt das Gcbahren der artiger Kartelle, Ringe, oder wie stch diese Preissteigerung� gesellschaften sonst nennen, ein„unverschämtes", spricht bei Erörterung des Schienenkartells von„eisernen Raubrittern" und nennt die Thätigkeit der verbündeten Kapitalisten einen„Raub am Volke". Wer's nicht glauben will, lese die Nr. 140 des„Patent- Anwalt" vom Oktober 1888. Ate Oandfabetiratio« im Zittau«» Kandelvkammer- ittivk defindet sich, nach dem Berichte der Handelskammer fite 1887, in sehr gedrückter Lage; die Posamenten, heißt es, „Mm unter raschem Wechsel der Mode". I« der preußische« Autteuproduktivu ist der Pro» duttion« werth seit 1883 von 260 618 688 M. auf 253 991 699 Mark im Jahre 1887 herabgegangen, während die Produttions- menge von 3035636 Tonnm auf 3406089 Tonnen gestiegm ist. So stieg z. B. die Tonnen, abl des produzirten Roh- eisens von 2 575 977 auf 2863 617 Tonnen, während der Werth derselben in der Zeit 1883-1887 von 143070 259 M. auf 126 047 525 M. gesunken ist. Die Zeche bei diesem Rück- gang der Ertiägniffe zahlen die Arbeiter. Wohlfeil produzirt man und die Löhne reduzirt, die Arbeitszeit ver- längert man. . Di»»»«««-olleuiuduftei» in ihrer Verbreitung wird durch folgende Tabelle, die in dem„Centralblatt für Textilindustrie" veröffentttcht wird, gut veranschaulicht. Es betrug die Svindelzahl in den letzten fünf Jahren: 1888 1887 1886 1885 1884 �Spindeln Spindeln Spindeln Spindeln Spindeln Großbritannien 42709000 42740000 42700000 43000000 43800000 Europäisches Kontinent 23380000 23180000 22900000 22750000 22 650000 Vereinigte Staaten 13 525 000 13500 000 2490000 2 420000 32135 000 81840000 13 250 000 13 200 000 2145000 2 000000 81145 000 80 850 000 13 350 000 Ostindien 2260090 Total 81210000 Die Spindelzabl in Nordair erika und Ostindien ist stetig gewachsen, in Großbritannien, das freilich noch immer an der Spitze marschirt, und auf dem curopäischm Festlande ist eine Abnahme zu verzeichnen. Es wird nicht mehr allzu lange währen, wo die überseeische LebenLmittcl-Kon- kurrenz, dieses Schreckgespenst der europäischen Ackerbau« intereffentcn, wird ergänzt durch eine äußerst wuchtige über» seeische Jndu st rieprodukten-Konkurrenz. An» Hau» Rothschild„macht" in allem, in Staats« papieren, Elsendahnen, in Kunst und Wiffenschaft, in Zeitungen, in Kupfer, in Quecksilber, in Zinn. Warum also nicht in Diamanten? In dem südafrikanischen Diamantendistrilt Kimderley hat das Haus Rothschild ein Syndikat, die Kimderley-Gesellschaft, gebildet, das kolossale Geschäfte macht. Die Gesellschaft besitzt ein Aktienkapital von 90 Millionen Mark und hat im Jahre 1686 Diamanten im Werthe von 32 460 000 Mail zu Tage gefördert. Welches Glück für die Rothschild, die Könige der Epoche, um mit dem Fourieristen T o u s s e n e l zu reden. Auch i« Cugland, wie anderswo, macht sich der Fort- schritt des Kapitalismus bemerkbar durch das Sinken der Löhne. Auf Grund der amtlichen Erhebungen zeigt sich dies recht deutlich z. B. in der Eisenindustrie. Wir erhalten folgendes Bild: Puddler, 1. Kraft, pro Tag .. 2.„„„ Schmelzofenardeiter, 1.„„„ Ardeiter(gewöhnliche) pro" Tag" 1886 7,70 Mk. 5,50„ 7.00„ 3 50„ 2,70„ 1888 5,00 Mk. N: «: Durchschnitt pro Tag 5.23 Mk. 4,13„ Der Durchschnittslohn ging also um 1,15 Mk. pro Tag zu- rück, was einen Verlust von 27 pCt. an einem Tage bedeutet. Die Löhne gerade der qualifiztrten Arbetter sielen, der Lohn des gewöhnlichen Handardeitels stieg um— fünfzehn Pfen- «ige. Die fortschreitende Maschinentechnik macht geschickte Arbeit immer mehr üdcrflüsfia und ersetzt dieselbe durch Hand- langerei, welche mit solchem Bettelgeld sich absinden läßt. Aer Uiedergaug der KtruuepfMaareufadrileatio« macht sich nach dem jüngsten Fabrikinspcktorendeiichte auch im Auffichtsdezirke Reuß ä. L. fühlbar. Das Gleiche ist in der Wollenwaarendruckerei der Fall. Die Berichte kon- statiren, daß die Arbeiter darunter leiden. Den KSch-uzettel der Achmallealdeuer Kleiueise«. «rdertir theitt Bruno Franken st ein in seiner Schrift über die Hausindustrie im Kreise Schmolkaldew mit. Er sagt:„Als Hauvtnahrunasmittel für die K l e i n f e u e r a r- heiter gellen Kartoffeln, Kartoffeln und nochmals Kartoffeln. Es setzt stch der Küchenzettel einer Woche für den Klcinfeucrarbeiter überhaupt etwa nach folgendem ein- förmigen Schema zusammen: Morgens: Kartoffeln mit sog. Kaffee, d. h. einem aus Zichorien, gebrannten Rüben und ausnahmsweise aus'wenigen Kaffeebohnen bestehenden Gebräu. Mittags: Kartoffelsuppe wöchentlich 5 bis 6 mal, abwechselnd mit verschiedenen Zusätzen aus Lauch, Sellerie u. dgl. Sonntags Kartoffelklöße oder Sauerkraut. Abends: Kartoffeln in Gestall von„Schippeln", d. h. ge- lochten, zerschnittenen und in Fett leicht gerösteten Kartoffeln, und wieder sog. Kaffee; ausnahmsweise„Dütschen", d. h. ein Fabrikat aus rohen und gekochten Kartoffeln, welche zusammen« gerieben und in einer Pfanne mit Talaabfällen so gebacken werden, daß sich nur eine untere feste Kruste bildet, während die obere mit saurem Rahm begossen wird." Der Durchschnitts- st solch eines Kleineiscnardetters beträgt wöchentlich 6 bis ..~V,-1""•-"- 9 M. Weib und Kinder arbeiten mit. Und es giebt doch noch Leute, welche die Hausindustrie lobpreisen. Ate Zahl der Konkurse in»e« Vereinigte» Ktaate« fiel von 10586 im Jahre 1886 auf 9740 im Jndre 1887. Wie jedoch das„Bradsttcet Journal", die bekannte tzandclszeitung, mittbeilt. stieg die Summe der Passiven von 113,6 auf 130,6 Millionen Dollars. Es sind eben größere Spekula- tionsfirmen im Kampfe mit den Riesenkapitalisten, dm Monopol- königen zu Falle gebracht worden. Das Großkapital, die Millionen unterliegen den Milliarden, der Kreis der Befitzenden verengt, der Kreis des Besitzes erweitert stch. Uerewe und Versammlungen. Eine öffentliche Achueiderorrsammlung wurde am dritten Weihnachtsfeiertaae unter Vorsttz des Herrn Pfeiffer im Faustmann'schen Saale, Jnvalidenstraße 144, abgehalten. Heber Zwecke und Ziele der gewerkschaftlichen Organisation hielt zu- nächst Herr Thierbach einen Vortrag. Derselbe warf in erster Linie die Frage auf. od eine gewerkschaftliche Organisation für die Arbeiter von Nutzen sein kann, bezm. ob durch dieselbe schreimde Mißstände in der Gewerkschaft beseitigt werden könntm. Der Vortragende sprach der gewerkschaftlichen Orga« nisatwn theilweise die Fähigkell zu, zog die überaus traurigen Lohn- und Arbeitsverhältniffe im Schneidergewerbe in Bettacht und bezeichnete eS für eine Pflicht der Schneider, sich zu orga- nisiren und vor allem eine Verkürzung der Arbeitszeit anzu- strebm. Da ein gesetzlich geschützter Maximal- Arbeitstag voraus- sichtlich noch lange auf sich warten lassen werde, so müßten die Arbeiter vermöge einer starkm gewerkschastlichm Organisation eine Verkürzung der Ardeitszett durchsetzen. Dadurch würden allmälig die ardeitSlosm Ardeiter Beschäftigung und Verdienst erhaltm. das Volk würde allgemach produttionsfähtger und da- mit auch konsumtionsfähiger werden, die allgemeine wirthschaft« kicke Lage würbe sich bessern und heben und die sogmannte „Ueberproduttion" in nichts zerfließen. Daß eine Verkürzung ver Arbeitszeit trotz des Widerspruches der Kapitalisten möglich ist, deweisen andere Länder. Da die Arbeiter, zur Notbwehr gezwungm, unwiderstehlich auf die Bahn der gewerkschaft- lickm Organisationen gedrängt würden, so sei es auch Pflicht, diesen Weg maffenhaft zu bettetm, da nur durch einen Massenzusammenschluß etwas«reicht werden könne. Eine gewerkschaftliche Organisation habe aber noch andere Aufgaben zu erfüllen, als Front zu machen gegen gewerkschaft« liche Mißstände. Sie habe auch für die geistige Aus- und Fort- bildung zulsorgm, um die heranwachsenden Generationen be« fähigt zu machen, in der zukünftigen Gesellschaft würdig ihren Platz auszufüllen. In längerm AuSfühmnaen legte Redner klar, wie durch die heutigen wirthschastlichen Verhältnisse, durch die kapitalistische Ausbeutung das Voll entnervt und körperlich und sittlich geschädigt, ja rutnirt werde. Redner schloß mit der Aufforderung, ein neues Lebm zu beginnen, welches die Ar« better schließlich zum Siege führen werde. Herr Pfeiffer hielt es fast für unmöglich, aus eigener Kraft eine Verkürzung der Arbeitszeit im Schneidergewerbe herbeizuführen da die Hausindustrie zu sehr vorherrsche. Wenn dcffen ungeachtet eine aewerlschasttiche Organisation der Schneider ins Leben gerufen sei, so sei eS zu dem Zwecke geschehen, um die Schneider auf« zuklären über die Schädlichkeit der heutigen Produkttonsweise und dieselben vorzubereiten für die Produktiansweise der Zu- kunft, welche dem Arbetter dm vollen Ertrag seiner Arbeit sichert. Redner forderte dringend auf, der gewerkschaftlichen Organisation„Freie Vereinigung der Schneider Berlins" beizu» tretm. Her Jeschonneck sprach der Freien Vereinigung die Kraft ab, energisch gegen die Uebergriffe des Kapitals, d. h. erfolg- reich Front zu machen. Er hielt den gegründeten Schneidcrver- band für viel befähigter hierzu und empfahl seinerseits diesen. Die Freie Vereinigung sei nur ein Konkurrenzunternehmen. Um den gordischen Knoten des schon längere Zeit schwebenden Streits zwischm beiden Organisationen auf die einfachste Weise zu lösen, wünschte er dasAufhören der FreienVercinigung.(Zustimmung und Widerspruch.) Herr Täterow sprach den gewerkschaftlichen Or- ganisationen üderhappt jeden Werth und Nutzen ad. ohne jedoch denseldm irgendwie feindlich gegenüberzustehen. Er ließ dem- zufolge auch die Streitfrage der Lokal- resp. Zentraloraanisation unberührt. Der§ 152 der Gewerbe-Ordnung sei das Damokles- schwert, das über beiden Arten der Organisation gefahrdrohend schwebe.— Herr Rädtke hielt eine lokale Vereinigung in erster Linie für nothwendig, in welcher eine Aussprache über gcwerl« schaftliche Mißstände erfolgen und Aufklärung geschaffen werden könne. Eine lokale Vereinigung sei gewissermaßen eine Vorbe- rettung, eine Vorschule zum Verbände.— Herr Zitzmann wies auf die Erfahrungen hin, die mit den Zcntralorganisationen in letzterer Zeit gemacht worden find und die die Berliner Arbeiter in ihrer Mehrheit bewogen hätten, sich bis auf Weiteres den lokalen Organisationen zuzuwenden.— Als in dem weiteren Meinungsaustausch über die Frage, ob lokale, ob zentrale Or- ganisation, schließlich ein Redner äußerte, daß, wenn man sich auf den Standpuntt des Herrn Täterow stellen und die gewerk- schaftlichen Organisationen für zweck- und nutzlos erklärm wolle, indem sie nichts zu ändern vermöchten an dem Bestehenden, man nothgedmngm dahin gelangen müsse, AlleS für nutzlos zu halten, die Reickstagswahlen, wie Stadtoerordnetenwahlen rc., erfolgte die Auflösung der Versammlung polizetticherseits auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes, sodaß der zweite Punkt der Tagesordnung:„Lohn- und Ardettsverhältniffe im Norden Berlins", nicht mehr zur Besprechung gelangte.— Die An« wesendm verließen ohne jede Erregung das Versammlungs- lokal. Gin«« ungemein erhebenden Verlauf nahm daS erste Stiftungsfest, welches der„Verein zur Wahrung der Intel- essen der Schuhmacher" am ersten Feiertag unter Äitheiligung von über tausend Berufskollegen, deren Frauen und Freunden in Sternecker's Bürgersälen veranstaltete. Den Gipfelpunkt des Abends bildete die von Herrn Klinger gehallene Festtede, in welcher vor allem darauf hingewiesen wurde, daß nur ein Zusammenschluß Aller deffere Zeiten vorbereiten könne. Unter Mufilllängen, Tanz und Unterhaltung blieb man in frohester Gemeinschaft bis zum frühen Morgen beisammen. Allgemeiner deutscher Tischlerkongreß. Am Mitt- wock, den 26. Dezember, traten in Braunschweig Delegirte der Ttschlergesellenschaft aus allen Theilcn Deutschlands zusammen, um in ernster Arbeit zu derathen, in welcher Weise die immer ttüber werdenden Verhällnisse im Tischlergewerbe abzustellen seien, und die Form festzustellen, unter welcher dies geschehen könne. Erster Tag der Sitzung am 26. Dezember. Am 26. Dezember, Morgens Iii Uhr, eröffnete Herr Niemann aus Braunschweig den Kongreß. Er begrüßte die anwesenden Delegirten im Namen der Braunschweiger Kollegen. Em Theil der Delegirten war noch nicht anwesend; dieselben waren zucückgehalten, well die Behörde in Braunschweig anfangs ein Verbot deS Kongresses in Aussicht gestellt hatte. Der Kongreß wurde jedoch freigegeben und trafen die Delegirten nach und nach ein. Es wurde dann vorläufig ein provisorisches Bureau gewähtt, welches die Mandatsprüfungskommisston und die Ge- schäftsordnungslommission zusammentteten ließ. Die Sitzung wurde sodann vertagt. Um 3 Ubr Nachmittaas eröffnete Herr Niemann die Sitzung, nach Bericht der Mandatsprüfungs- kommission, die sämmtlicke Mandate für glltig erklärte. Es wurde die seitens der Geschäftsordnungskommtssion vorgelegte Geschäftsordnung angenommen und die Wahl des Bureaus, das für die Dauer des Kongreffes denselben leiten solle, vorge» nommm. Nach einer Pause von 15 Minuten eröffnete der Vorfitzende, Herr Kloß, die Sitzung und wurde in den ersten Puntt der Tagesordnung eingetreten: Berichterstattung der Delegirten über die Lage der Kollegen und Stand der Organisation am Ort. Die Berichte der Delegirten aus den verschiedensten Städten förderten immer das gleiche Resultat zu Tage. Heruntergehen der Löhne, herbeigeführt durch die sich immer mehr ausdehnende moderne Produkttonsweise, und überall dieselben Maßnahmen der Behörde gegen die sich bildenden GewerkschaftSorganisationen. In Dresden löste die Behörde die Verbandszahlstelle und die Lohnkommisfion auf. In Hamburg wurde der Lokalfachverein aufgeboben. In Hannover wurde die Verbandszahlstelle unter das Gesetz für Versicherungsgesellschaften gestellt. In Düffel- dorf geschah dasselbe. In Elberfeld und Barmen mußten die Vereine aus dem Verband austreten, wenn ste ihr wetteres Be- stehen nicht einbüßen wollten. Aus Berlin wurde gleichfalls über Schließung der Verbandszahlstelle, über Versammlung�- verböte und Nichtgenehmigung von Versammlungen derichtet. Auch der Anstrengungen und Chikanen der Innungen, die Fach- organisatton der Gesellen zu nickte zu machen, wurde vielfach gedacht. Trotz alledem sprach aus sämmllichen Delegirten der ungebeugte Mut?, weiter zu organistren, und die Abficht, für die Hebung der Lage der im Tischlergewerbe arbeitenden Kollegen thätig zu sein. Schluß des eisten Sitzungstages er- folgte Abends 8 Uhr. An» diesjährige Meihnachtefest de« hiestgen Fachverein« der Tischler wurde in der Berliner Ressource in ge» wohnter Weise gefeiert. Das Programm war wieder ein recht reichhaltiges: großes Jnstrumental-Konzert, Theateroorstellung» verbunden mit diversen Vorträgen, Verloosung anonymer Ge- schenke an Erwachsene. Kaffeepause und verschiedenen Vorttägen von Mitgliedern der Theatergesellschaft und schließlich noch großer Ball. Man ersieht auS den hier aufgeführten Abtheilungen, daß das Programm ein wirklich mannigfaltiges, und für Amüse» ment bestens gesorgt war. Die Stimmung wurde auch bald eine recht animirte, als die Theateraufführung ihren Anfang nahm. Nach Absolvlrung der Theaterstücke und nachdem noch einige scherzhaste Liedcrvorträge statttgefunden hatten, ging man zum Ball über, der die Festthettnehmer bis in die ftühen Mor- genstunden bei einander dielt. Verband der Möbelvo lirer Berlins und Umgegend. Montag, den 31. d. M., Abends 9 Uhr, im Verbandslokal, Andreasstr. 26. Zur Sylvesterfeier gemüthlichcs Beisammensein mit Familie, verbunden mit Tanzkränzchen und humoristischen Vorträgen. Alle Mitglieder mit ihren Famttien sowie Freunden und Bekannten werden hierdurch eingeladen, zahlreich zu er» scheinen. Der Eintritt ist frei. Anfang Abends 9 Uhr. Freie Vereinigung der Zuschneider, Stepper, Vor» lichter. Sonnabend, den 29. d. M fällt die Mttglicder Versammlung aus, dafür ein aemüthliches Beisammensein mit Familie resp. Damen im Restamant Reyer, Alte Jakob- straße 83, Abends 8i Uhr. Gäste sind willkommen. Nächste Mitgliederversammlung(Vorstands- Wahl) Sonnabend, den 12. Januar 1889, Abends 8i Ubr. Fachnerei» der Knchbinder und verwandten Berufs- genossen. Am Montag, den 31. Dezember(Sylvester) findet im Vereinslokal, Annenstr. 16, Abends 9 Ubr, ein gemüthlirb S Beisammensein mtt Damen statt. Fremde können durch Mit» glieder eingeführt werden und haben ein Entree von 30 Pf. zu entrichten. Damen frei. Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstr. 33. Am Sonn- tag, den 30. d. Mts., fällt der Vortrag aus. Dienstag, den 1. Januar 1889(Neujahr), Vormittags 10 Uhr, Festoortrag de« Herrn E. Vogtherr. Damen und Herren als Gäste will- kommen. Aer Fachnerei« der Achloffer und Bemfsgenoffen vei- anstaltet am Sonnabend, den 29. d. Mts., im Schweizer garten eine Weihnacktsunterhaltung.verbunden mit Tanzttänzchen, wozu Gäste und Freunde des Vereins eingeladen werden. Billeis 30 Pf. sind beim Vergnügungskomitee zu haben. Verein der Kattler«nd Fachgenoffen. Sonnabemd, den 29. d.M., Abends 8i Uhr, in Gratweil'S Bierhallen, Konr» mandantenstr. 77—79, Mitgliederversammlung. Tagesordnung.- 1. Bericht der Kommission über die Lohnstatistik. 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Auf- nähme neuer Mitglieder. Tischler» Verein. Außerordentliche Generalversammlung am Sonnabend, den 29. d. M., Abends 9 Uhr, Kottduser- straße 4a. Tagesordnung: 1. Eröffnung der Bibliothek und Bericht der Kommission. 2. Bericht vom Stiftungsfest. 3. Unter- stützungsgesuche. «esang-, Turn»«nd gesellige Vereine am Sonnabend. Gesangverein„tzarmonia" Abends 8 Uhr im Restauraitt, Alte .. rr wweva- v» Uli t/UJUiUlUIW» sakobstr. 38.— Männergesangverein„Treue" Abends 9 Ubr im . iestamant Andreasstr. 9.— Männergesangverein„Erato" Abend« 9t Uhr bei Schläwicke, Kleine Kursttaße 1.— Lüdeck'scher Turnverein(1. Lehrlingsabthcilung.) Abends 8 Uhr Elisabethstr. Ztr. 57—58.— Turnverein„Wedding", Pankstt. 9, Männer» adtheilung von 8%— 10% Uhr Abends: desgl. l. LehrlingSadthei» lung von 8 bis 10 Uhr Abends.— Arends'sche Stenographen- klaffe des„Berliner Handwerkervereins" Abends 8t Uhr Sopbien- sttaße 15.— Theater- und Vergnügungs-Verein„Caritas" Wends 8 Uhr im Louisenstädttschen Bicrhause, Admiralstt. 38.— Theater- und Vergnügungsgesellschast„Treue" Abends 3'/, Uhr in Bobert's Ballsalon, Weinstraße 11.— Vergnügungsverein 1- Vettins Bierbaus, Veteranen- " Abends 9i Uhr im Restaur. _____________________ der Taubenfreunde Abends öV, Uhr im Restaur. Hillmann, Manteuffelstt. 68.— Dänischer Verein„Freya" Abends 9 Uhr im Restaur Poppe, Lindenstt. 109. — Verein der Württembcrger Abends 8'/, Uhr bei Vaihinaer. Dorothecnstr. 84.— Verein ehemal. Schüler der 34. Gemeinde- schule Abends 9 Uhr im Restaurant, Koppenstr. 58.— Verein im Restaurant Tamm, Schönhauser'' 13". Abends Allee 28. 9 Uhr im VerRestaurant Klewe Mittyeilungen. Landvderg a. Zv. Man wird sich der ausführlichen Br» richte über die merkwürdige Angelegenheit des früheren Revier- jägers Rostin enifinnen, welcher wegen eines im Jahre 1841 in ver Neuhauser Forst nahe bei Berltnchen verübten MordeS an der Förstertochter Emilie Otto verdächtigt und von dem Schwur- Berichte zu Küstrin zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurthettt wurde. Die Unschuld d.s Verurtheilten kam erst zu Tage, als vor kurzem der wirlliche Thäter in der Todesstunde ein Be» kenntniß seiner Schuld ablegte; Rostin war aber inzwischen im Zuchthhuse zu Sonnenburg verstorben. Dennoch wurde der Wunsch laut, durch ein gerichtliches Wieder- aufnahmeverfahren die Unschuld Rostin's festzustellen, um auch dessen Anverwandte von dem Jahre hindurch auf ihnen lastenden Drucke. Verwandte eines Mörders zu sein, zu befreien. Das Wiederaufnahmeverfahren wurde darauf einge- leitet und das hiesige Landgericht hat nun folgenden Beschluß gesaßt: 1) die bereits vernommenen Zeugen Prediger Ziegler und Mühlenpächter Paul Gründling zu Fürstensee zu vererdigen und nochmals zu befragen, od ste nicht etwa früher im Verkehr mit Gründling Wahrnehmungen gemacht, namentlich Aeuße» TUitfitn von ihm aehikt haben, welche darauf hindeuteten, daß sew Stwiisen mit einer schweren Schuld dclastit sei: 2) über tetzterm Umstand auch den Dr. Dorwaß zu Dölitz, welcher den Ferdinand Gründling in seiner Kranlheit dehandelt hat, sowie die Wittwe Gründling, geb. Werner, zu Mrstensee, cid. lich als Zeugen zu vernehmen, letztere namentlich ausführlich -über das Eheledcn mit ihrem verstorbenen Manne und darüber, od dieser mst einer starten Sinnlichlest dehaftet gewesen und sich über den Tod der Emilie Otto und die Schuld des Ange» llagten Rostin— und in welcher Weise— öfter ausgesprochen hat, oder einem Gespräche darüber ausgewichen ist; 3) durch Änftage sowohl bei der Polizeiverwallung zu Berlinchen, als bei der OrtSbehörde zu Fürstensee Personen zu ermitteln, welche in näherem Verkehr mst Ferdinand Gründling gestanden haben, in Berlinchen namentlich solche, bei denm dies schon 1841 und in der nächstfolgenden Zeit der Fall gewesen, und diese fämmttich zulässtgenfalls eidlich über den CKaraiter dcffelden olS Zeuge zu vernehmen, namentlich od die Sinnlichkeit oder Neigung zu Gewallthätigkesten bei ihm stark hervorgetteten, oder od er fich vielmehr strtsam und friedliebend gezeigt bat,— die Berlinchen er, die den Gründling derests im Jahre 1841 gekannt haben, auch darüber, ob derselbe damals in Bezug auf sein ZUter— er ist am 21. März 1626 geboren— schon groß und kräftig und wohl im Stande gewesen sei, ein kräftiges, fünf Fuß drei Zoll großes Mädchen zu überwältigen, und ob fie fich erinnern, wie fich derselbe damals über den Tod der Emstie Otto geäußert hat. Mit der Ausführung dieses Be- schluffes wird der Untersuchungsrichter beim hiefigen königlichen Landgericht beauftragt. Hamb«»»» 27. Dezember.(Zum Raubmordversuch.) In dem Befinden des schwer verletzten Hausknechtes Werner trat in der Rächt»um 25. Dezember eine so bedeutende Verschlim« merung ein. daß jeden Augenblick der Tod ermattet wurde. And doch überstand Werner die Kttfis. Sein Zustand defferte fich auch im Laufe des nächstfolgenden Tages so sehr, daß Rechmittags eine gerichtliche Vernehmung mit ihm vorgenommen werden konnte. Dieselbe war von nicht sehr langer Tauer, da Werner noch sehr schwach und eine Schonung äußerst noth- wendig war. Werner gab an, den Thäter, deffen Photographie man ihm zeigte, nickt näher gekannt zu haben, indeß erinnere er fich, daß jener Mensch in der Wirthschast von Sternberg, wo überhaupt mehrere Athleten vettehrten, mehrfach anwesend war. Der Tbäter mußte wobl gewußt haben, daß er, Werner, Abends 12 Uhr nach dem Auskehren der Geschäfte lotalitäten das Geld aus der Kaffe nehme und das Gas verlösche, denn dafi dies schon fest Jakren dott Sitte sei, war allgemein de- könnt. Werner hat fich gegen seinen Angreifer noch Kräften gewehrt, selbst noch, als er die ersten wuchtigen Hiebe erhalten bat. Den Beutel mit Geld, welchen ihm der Thäter zu ent- reißen versuchte, hat er von fich geschleudert.(Derselbe ist einer Sandkiste mit vollem Inhalt worden). Die Vernehmung fand durch Herrn Dr. Cordts statt. Heute Morgen der Staatkanwastschafi und des Amts- Sternbergscken Wirthschast eine Lokalbe- fichttgung des Thatortes vorgenommen, eine Zeichnung von demselben angef ttigt und letztere zu den Atten gelegt. Nach seiner Vernehmung verfiel Werner in Schlaf. Es ist nunmehr wieder Hoffnung vorhanden, den schwer Verletzten am Leben zu erhalten. Der Thäter ist noch immer nickt gefaßt. Eingezogenen Erkundigungen zufolge scheint der Flüchtling vor der That ohne Geldmittel gewesen zu sein, denn er soll einen seiner Bekannten gebeten haben, ihm eine Matt zu leihen. Es ist daher um so auffälliger, daß man seiner noch nicht habhaft geworden ist, da er unzweifelhaft auch nach der That von Geldmstteln entblößt war. Anzunehmen ist, daß er von irgend einer Person verborgen gehalten wird. New- Nord, 27. Dez.(Ein brennender Dampfer.) Der Dampfer„John Hanna" ist gestern auf dem Misfisfippi bei Plaqueminer(Louisiana) verbrannt. Das Verdeck und die Lade- räume waren mtt trockener Baumwolle dicht besetzt. Das Feuer wurde durch eine Zigarrelte veranlaßt und um Mitternacht ent- yeckt. Die Paffagiere schliefen. In drei Minuten war daS ganze Schiff in Flammen gehüllt. Die Paffagiere wurden eiligst geweckt; mehrere erstickten auf dem Verdeck. Das einzige Rettungsboot fing Feuer. Als die Flammen die Maschinen e>rxichtm, sprangen die Rohre und denselben entwich heißer D ampf. Der Steuermann band im dichtesten Rauch das Steuerrad fest und lentte das Schiff nach dem Ufer bin, wo es aufrannte. Der Kapitän, der Lootse und andere sprangen tinaus, blieben aber im Morast stecken, wo fie ledendig geröitet wurden. Die Dörfler mußten hilflos zuschauen. Die meisten Personen der Mannschaft spangen ins Wasser, viele ettranken, einige wurden gerettet. Der Dampfer löste fich wieder los und trieb brennend langsam flußadwätts, bis er sank. 75 Per- sonen find umaekommen.— Ein anderer Dampfer verbrannte bei Seattle, Washington Territorium, wobei 6 Personen umkamen. bekanntlich in wiedergefunden den Amtsttchter wurde settens r'chters in der Uermischtes. Pilz« aeg«* Infekten. Es ist bekannt, daß gewisse In- fetten häufig von schmarotzenden Pilzcn heimgesucht werden, die das Innere des Thtercs durckwuchern und unfehlbar den Tod Hkrbeiführm. Da der Pilz aus dem getödtcten Thiere Frucht» lörper nach außen schickt, welche zahlreiche Sporen adschleudem, so können gesunde Thiere dadurch angesteckt werden, und eS entstehen auf diese Weise förmliche Epidemien u ler den Insekten. Am meisten fällt die Erscheinung bei der Stubenfliege ins Auge. Jeder hat die von dem Pilz getödteten Fliegen schon an Fensterscheiden hasten sehen und den weißen Staudhof beobachtet, der fie umgiedt und der von den abgeschleuderten Sporen gebildet wird. Auch die Raupen des Kohlweißlings und anderer Schmetter- linge werden vielfach von solchen Schmarotzern befallen und gc- lödtet. Alle diese Pilze gehören zur Familie der Entomoph- thorcen. Sie find sehr verbreitet in der Natur und führen die normale und schnelle Vernichtung einer großen Zahl schädlicher Insekten herbei, deren man fich oft veraebens durch kostspielige Mittel zu entledigen sucht. In einer Mittheilung an die Pariser Akademie hat Charles Brongniatt kürzlich auf den Nutze» hinge- wiesm, den die Entcmophlhoreendurch Vettil, ung der Heuschrecken gewähren. Seit lange und besonders in diesem Jahre haben die Heuschrecken in Algerien die größten Verheemngen angerichtet. Ader auch die franzöfischen Arten haben auf dm Wiesen de- ttächtlichen Schaden verursacht. Bei Bszu Saint Eloi(Eure) konnte nun Brongniatt beobachten, wie große Mengen von Heuschrecken verschiedener Atten von einer Eatomophthora an- gegttffm und vernichtet wurden. Alle Heuschrecken fallen schnell dm Entomophthorcen zum Opfer. Sie weiden zuerst schwerfällig, klettern mühselig an den Grashalmen entlang und indem fie fich fest daran anklammem, sterben fie nach etwa 24 Stun- den. Abgesehen von den außerhalb des tobten Körpers er- zeugten Sporen, bildet der Pilz auch Spuren im Jnncm der getödteten Heuschrecke, wie dies auch in anderen Fällen eintritt. Diese»wette Art von Sporen vermögen den Winter zu überdauern, find Dauerfporen. Man kann fie im Sommer und Herbst sammeln und im folgenden Frühjahr aussäen. Die Annahme, daß jede Att der Eatomophthora auf eine destimmte Jaseltmatt angewiesm sei, ist nicht ttchtig. Brongniart entnahm Sporen der Entomophrhora oalliphorae von einer tobten Fletsch- fliege(Caliiphora voniitoria) und säte fie aus auf eine Sphinx- raupe, eine Wespe, eine Biene und einen Mehlwurm(Larve von Tenebrio). Die P-lze entwickelten fich und töstetm die befallenen Jnsetten. Es mochtm fich dabei aber einige Fomiverschieden« heilen an den Pilzen der einzelnen Insekten bemerkbar. Man könnte fich nun, meint Brongniatt, Entomophthora-Pilze in be« trächtlicher Menge verschaffen, indem man Sporen auf gemeine Jnsektm aussät. Wenn diese dann von dem Pilze getödtet find, so könnte man fie trocknen, pulvem und dann auf die Felder bttngen. So würden massenhaft Dauerfporen verbreitet, deren Kcimschkäuche in die Körper der Jnsetten eindringen und fie in großer Zahl vernichten müßten. Wie leicht die Ansteckung vor fick geht, hat Prof. Brefeld bewiesen, indem er zeigte, daß die Rauve des Kohlweißlings der Krankbeit verfällt, wenn man fie mit Waffer begießt, das Sporen von Entornophthcra radi ans enthält. Brongniart schlägt vor, Anstalten zu erttchten, in welchen die Pilze behufs Verwendung bei der Landwttthschast in großem Maßstabe gezüchtet werden. Gl« hqpnotistrt»» Pird. Einer der sellsamsten Fälle hat fich zu'Nantes in Frankreich zugetragen. Ein gewisser Herr Pickmann gab im Renaiffance-Theater eine hypnotische Vorstellung und swläfette im Verlauf derselben einen jung.» Menschen ein, welchem er den Auftrag gab, am nächsten Tage um 3 Uhr bei einem in der Rue d'Erlon wohnenden Bürger eine Uhr zu stehlm. Am folgenden Tage ifühtte fich der junge Mensch, ein Barbiergehtlfe, um 3 Ubr plötzlich unwohl, nahm seinen Hut und entfernte fich raschen Sckttttes. Mit undeaußter Miene pasfitte er die verschiedenen Straßen bis zur Rue d'Erlon, wo er in das zweite Stockwerk hinaufstieg, in das Schlafzimmer eindrang und die Uhr nahm. In gleichem Schritt kehrte er dann zu seinem Lehrberrn zurück., wo ihn Pickmann ermattete, und übergab ihm die Uhr. Eine Volksmenge von mehreren tausend Personen hatte an dem zu xasfirenden Wege Posten gefaßt: die Sache machte großes Aussehen unter der Bevölkerung von Nantes. Gin« neue ApieUrH«it«Uktrische« Ficht wird von dem elettrotechnischen Anzeiger dettchtet. In Amerika nämlich— wo anders würde auch niemand auf den Einfall kommen— wurde neulich bei dem Diner eines bekannten Elektrikers eine Eistorte servirt, in welcher eine Glühlampe an- gebrocht war, die man beim Servtren erglühen ließ. Der Anblick soll seht schön, die Dauer des Expettments recht kurz, das Vergnügen aber recht kostspielig gewesen sein. !{« Keimrngung fenerdämpfender Ehemikali«« öschwaffer der Feuerspritzen, obwohl fie in gewissen Fällen sehr rathsam und zweckmäßig erscheint, verbieten fich meisten- theilS schon aus dem Grunde, weil diese Zumischungen die ar- bettenden Metalltheile der Spritze angreifen. Johann Spannagl in München hat deshalb, wie die„Post" mitthdtt, eine Vor» richtung ersonnen, mittelst deren jede Beimischung erst hinter den Pumpen und Ventilen in der Druckleitung der Spritze vollzogen werden kann. Eine Zcllcntrommel mit am Umfange offenen Zellen dreht fich wasserdicht in einer Kapsel, wttche oben mtt einem Fülltrichter versehen ist und unten mit der Druck- leitung tn Verbindung steht. Jede Zelle nimmt in der höchsten Stellung eine gesättigte Lösung jcn>.r Beimischungen auf und giebt fie in der tiefsten Stellung an das Löschwasscr ab, ohne den zum tzcrausschlcudcm nöthtgcn Druck des Wassers irgend» wie zu schwächen. Gin titonartsch«« KtattstiKe» hat eine Berechnung an- gestellt, nach welcher alljährlich zum Christfeste die üblichen Weihnachtsbetrachtungen, welche„unter dem Strich" angestellt werden, tn nachfolgenden Erscheinungsformen zu Tage treten: Es giebt durchschnittlich 340 Weihnacht im Waide, 316 Weihnacht im Gebirge, 298 Weihnacht eines Junggesellen, 241 Weihnacht auf der Eisendahn, 206 Weihnacht im Kerker, 156 Weihnacht im Jrrenhause, 120 Weihnacht auf dem Fttedhofe, 113 Weihnacht aus der Wachtstude, 98 Weihnacht bei den Anti- poden, 84 Weihnacht des Nordpolfabrers, 71 Weihnacht in der Kohlengrude, 64 Weibnacht auf dem Schlachtfelde, 32 Weihnacht im Armenhause, 18 Weihnacht der Blinden, 16 Weihnacht der Taubstummen u. s. f. Die diesjährige Statlstik ist noch nicht abgeschlossen und dürtte dattn besonders„Weihnacht in Ost» aftika" eine große Rolle spielen. «»uter Natt,: Nach abwärts führt dein LebenSpfad, Ich weiß, vie Zeit ist schlimm. Du forderst nichts als meinen Rath Wohlan, mein Freund, vernimm: Wenn du, verfolgst vom Mißgeschick, Nichts weißt, nichts hast, nichts bist, So zög're keinen Augenblick, Und werde Journalist! Zur Schule gingst du sonder Lust Und lerntest nichts dabei, Zu trocken ist der Bücherwust Für Geister fttsch und frei. Der Wissenschaft verostet Blech, Du wattst es auf den Mist— Zwar seicht und hohl, doch flink und frech So wird man Journalist. Was frommen Lehr' und Unterttcht, Was nüden Müh' und Fleiß! Sprach Sokrates, der Weise, nicht: „Ich weiß, daß ich nichts weiß?" Freund, wer nicht allzuviel studirt, Eripatt, daß er's vergißt: So lange Brockhaus noch florirt, Florirt der Journalist. Wer Andere belehrt, muß der Selbst ein Gelehrter sein? Scheint dir ein Thema noch so schwer. Gieb deinen Senf darein! Sei Landwitth, Philister, Strateg, Aesthetiker, Juttst— Denn hättest du nicht Alles weg, Du wärst kein Journalist. Das schönste Fach für deine Kraft Ist wohl vie Polttik, Spttch immer nur orakelhast Und lüge fäustedick. Die alten Phrasen lernst du bald, Dem Pinsel, der fie liest, Ist neu nicht neu und alt nicht alt, Schreib zu, Herr Journalist. Der Kluge, der die Zeit versteht, Verlacht zwar, was du schreibst, Allein die große Heerde geht, Wohin du ste auch treibst. Drum achte auf dein Publikum Und nimm es, wie es ist— Den Dummen ist man nie zu dumm, Vollends als Journalist. Die Volkswitthschaft ist heutzutag Just auch kein übles Feld. Wie schön die Wahrheit klingen mag, Noch schöner klingt das Geld. Das merke dir und öffne weit, Die Hand zu jeder Fnst, Denn ohne solche Offenheit Gedeiht kein Journalist. Patteicn giebt es vielerlei Wie Mädchen auf der Well. Ich rathe dir, bleib jeder treu, So lang— fie dir gefällt. Wer stets bei einer Meinung bleibt Und eine Frau nur küßt, Wer solchen Tugendspott betreibt, Taugt nicht als Journalist. Sei wie Thersttes unverschämt Und sei wie Phryne fett, Sei ätzend wie ein Neffushemd Und spitzig wie ein Pfeil, Ein Hund an Unterwürfigkeit, Ein Fuchs an Trug und List— So bist du, Freund, der Mann der Zeit, Der rechte Journalist. W. LelegrsMsche Kepesthe«. (Wolsfls Telegraphen-Bureau.) No«, Freitag, 28. Dezember. Nach einer Meldung aus Messtna wurden tn einem 16 Kilometer von Messtna entfernten Fort bei dem Herrichten von Granaten durch das Explodiren einer Granate zwanzig Personen getödtet, darunter der zufällig anwesende Hauptmann Demanzani mit seiner Gattin. Bisher find sechszehn Leichen aus dem Trümmerschutt hervorgezogen. Part», Freitag, 28. Dezember. Die Ersatzwahl eines Dv- putittm für den Seine- Departement an Stelle Hude's ist auf den 27. Januar festgesetzt. Pari», Freitag, 28. Dezember. Die Budgetkommisfion der DepMittenlammer nahm einige, von dem Senat beschloffene Ab« änderungen der Budgetvorlage an und lehnte andere ab. Bouvatier(von der Rechten) wendete fich gegen die Berwelt» Itchung des Schulunterrichts. Der Ministerpräfident Floquet trat für letztere ein, durch welche die Republik dm Unterttcht von jeder religiösen Beeinfluffung ftcimachen wolle. Die Deputiitenkammer beschloß mit 276 gegen 166 Stimmen die Rede Flobuet's in allen Gemeinden Frankreichs durch öffeat- lichen Anschlag bekannt zu mochm. Der Schluß der Sesfion findet vorausstchtlich nicht vor Montag statt. Hlobert Ilum tntd seine Zeit Berlin 8. A, Sebulz,........ 601 von Wilhelm Liebknecht. * Nr. 84. Wasserthorstraße Nr. 34."88 V--" � w T* M.*» | Mökel- und MsteMnaiM FnbM. t I Heft 4"88 ist erschienen. Prei» pro grft Ä5 Pfennig. Z» beziehen dnrch die Crpedttion, Zimmerstraße 44. gy Wledervertrauf«« erhalten Rabatt."@8 Schleifriemen j I M Hopp, 1211] Kerll« N., Brunnenstraße 7. Möbel-, Spiegel- und Polsterwaaren-Magazw °°- Franz Tutzauer, Köpnickerstrasse 24(nahe der Köpnickerbrücke). ■w Reell« Maar«. Prompte Kediennug. Iotitze preif«.-MW[1131 J. Meyer, Kerlin SQ., zansttzerplatz 16, nahe der Waldemarstraße. c» b-o.. EranMuderei. %%%* ä«? ' 16 Gartenbauausstellungen p'ämiirt.\__ Verantwortticher Revatteur: R. Crohnhttm m Berlin. Druck von Mar Kadiag in Berlin SW., Bemhstraße 2.