K». 806« Ko««tag. de» 30. Dezember 1888. s. Mg* SerliUrMM» Brgan für die Interessen der Arbeiter. JusertiouSgeiühr deträgt für die 4 gespaltet« Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. ArdeitSmartt 10 Pf. Vck größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden btS 4 Uhr Rachmittsst m ver Expedition, Berlin SW_ Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureanx, afm Erhöhung des Preises, angenommen. Kedaktto«: Keuthftraße 2.— Gepedition: Zimmerstraße 44. #**%;*****%****** liegt fiy»nsee» Zidonnente» U». 66 de«„K-»»tas»-Kl«tt" dei. Abonnements-Einladung. Mit dem 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonnement auf das Lniiin WkslilÄ" mit dem Sonntagsbtatt als Gratisbeilage. Da«„Kertiner Uolksblatt" ist das einzige, täglich er« scheinende Ardeiterorgan der Reichshauptstadt. Als Verfechter und Vertreter einer neuen Weltanschauung auf allen Gebieten des menschlichm Lebens, ist es seine erste und vornehmste Auf« gäbe, überall und in jeder Beziehung für die Interessen der unter« drückten Klaffe, der Ardeiter, einzutreten. Auf die Arbeiter ge« stützt, von ihrem Vertrauen getragen, hofft das Kolkablatt", durch rastlose, unermüdliche Thätigleit auch an seinem Thetle dazu beizutragen, daß unsere Prinzipien zum Durch« druch gelangen und daß der produzirende, die Menschheit er« haltende Theil unserer Bevölkerung denjenigen Play in der Ge« sellschast einnimmt, der ihm gebührt. Damm, Arbester Berlins, werbet und agvirt, wo ihr auch seift möget, ob in der Werkstatt, od im Freundeskreise, werbet und agttirt für Sure Zeitung. Jedermann kennt unseren Standpunkt in polttischen und wirtbichafUichm Fragen. Mtt Schärfe und Sachlichkeit werden, wie bisher, alle dieses Gebiet berührenden Vorkommnifle de« bandest werden, ebenso wie wir bestredt sein werden, in allen "nkttcn stäche«, durch Schnelliakett, Präztfion«ud fmygmMäb«. tlrtheil unsere Schuldigtest zu thun. .I» Feuilleton unseres Blastes veröffentlichen wir einen aus« gezeichneten Roman, bettlest AclsKolmKow von Dostojewski. Den neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher er« schiene«? Thest dieses Romans gratis nachgeliefert. Unser Konntagsblntt macht es fich nach wie vor zur Auf« Gabe, nur die besten und vollmdetsten Arbeiten derjenigen Schriftsteller zu bringen, welche auf dem Boden des wstllichen LedenS stehen. Daß„Kerltner Molkoblatt" kostet für das ganze Viertel- jabr frei in» Ann» 4 Wir., für den Monat Januar 1 Mir 35 Pf., pro Woche 36 Pf. Bei Selbstabholung aus unserer Expedition 1 Mir. pro Monat. Für außerhalb nehmen sämmlliche Postanstasten Abonnements für das nächste Vierteljahr zum Preise von 4 Mark entgegen. Die Redaktion«nd Erpedition des „Berliner Uolksblatt". 147 Ieuilreton. ■J- Kaskoluikow. Roma» von F. M. Dostojewski. Aus de« Rusfische» übersetzt von W i l h. Henckel. — Hör' einmal, ich habe da ein Anliegen... sagte laSkolnikow, Rasumichin anS Fenster führend. — Ich werde also Katharina Zwanowna melde», daß >ie kommen werde«... sagte Ssonja hastig und wollte Sf entfernen. — Gleich, Sophie Ssemjonowna, wir haben keine Ge» eimvisse; Sie stören uns nicht... ich möchte Ihnen noch m paar Worte sagen... Also, wandte er fich wieder an lasumichin,... Du kennst doch den... wie heißt er »ch gleich... Porphyrius Petrowitsch? — Versteht sich, wir sind ja Verwandte! Weshalb? igte er neugierig und eifrig hinzu. — Er hat doch diese Ängelegenhett jetzt... nun, « von dem Mord da... Ihr spracht noch gestern wo». — Ja.'... nun und... stierte ihn Rasumichin plötz, ch an. — Er hat die Pfandgeber verhört; ich habe auch lfänder da, Kleinigkeiten zwar, aber für mich sind sie werth» oll- einen Ring von der Schwester, de» sie mir beim Ab- hiev zum Andenken schenkte, und eine silberne Uhr,»och om Vater her. Alles in allem nur fünf bis sechs Rubel «rth. Was soll ich nun thun? Ich möchte nicht, daß diese >achen verloren gehen, besonders die Uhr. Schon vorhin trchtete ich, als von DunetfchkaS Uhr die Rede war, daß ie Mutter danach fragen würde. Es ist das einzige An- i»ke» vom Vater. Sie würde krank werden, wenn diese Der Dnellttnfug. Der tragische Ausgang des Duells Vlum-Eichler hat der Preise der verschiedenste« Parteien wieder Anlaß ge* geben, sich über daS Duell auszusprechen, wobei mit Aus- nähme der Ausführungen einiger ulttamontaner Organe meist nur Halbheiten zu Tage gefördert wurden. Die katholische Kirche verdammt daS Duell als unsittlich und verbrecherisch und würden Arbeiter oder sonstige arme Leute dumm genug sei» und zur„Rehabilitirung ihrer Ehre" ebenfalls auf abgemeffene Distanz und nachdem sie sich vorher entsprechend„eingeschossen" haben, sich gegenseitig todt schießen, dann würde die Kirche einem auf solche Weise umS Lebe« gekommene» Schuster- oder Schneidergeselle« ganz sicher ein ehrliches Vegräbniß verweigern, wie sie dies ja auch gegenüber ve« Selbstmördern aus der„niederen Klasse" thut. Da aber im Duell nur Angehörige der „besseren" Klasse fallen, einfach weil der„Plebs" zu ver- nünftig ist, solchen verbrecherischen Unsinn mitzumachen, so dürfte e« wohl noch nie vorgekommen sein, daß einem getödteten Duellanten die kirchliche« Ehren nicht er- wiesen worden wären, wie ja auch die Selbst- mörder aus den höhere« Klassen nie unter die KirchhofSmauer oder auf den KieSweg zu liegen kommen, da es einem Zweifel nicht unterliegt, daß die unglückselige That nur eine Folge geistiger Störung war, während die Proletarier natürlich nur aus purer Niedertracht und BoS- heit und um ihre Mitmenschen zu ärgern, zum Strick greifen oder in'S Wasser gehen. Verdientermaßen wird deshalb das Grab solcher ruchloser Menschen denn auch mitten im Wege angebracht, damit daß Andenken an sie an de» Stiefel« sohlen weggetragen wird. Abgesehen aber davon, daß die Kirche den im Duell Gefallene» die letzten Ehren und Segnungen nicht ver« weigert, muß man anerkenne», daß d,e einzigen ernsten Maßnahmen, die gegen den Duellunfug bisher ergriffe« worden sind, nur von der katholischen Kirche ausgehe«. Die katholischen Studentenverbindungen haben das Duell grundsätzlich ausgeschlossen, und e« hat sogar schon katholi« sche Offiziere gegeben, welche den Muth hatten, daS Duell abzulehnen und lieber aus ihre Zugehörigkeit zum Heere verzichtete», als daß sie sich auf solche verbrecherssche Weise mit dem Blute ihrer Nebenmenschen besudelten. Man kann solchen Männern die Hochachtung wirklich nicht versage», denn schließlich gehört bei den Vor- urtheile», wie sie nun einmal bei der„Elite der Nation" herrschen, mindesten» ebenfalls so viel Muth und sicherlich mehr Charakter dazu, die Annahme eines Duell» zu ver- weigern, als dazu gehört, in häufig sehr sicherer Entfernung einen Schuß auf sich abgeben zu lassen. Mit Ausnahme der katholischen Kirche aber befindet fich die gesammte „bessere" Gesellschaft— auch den bürgerlichen Liberalismus nicht ausgenommen— noch im Banne des Duellunfugs und das Gejammer und Geflenne aus Anlaß des Duell» Uhr verloren ginge! Du weißt ja,— Weiber! Also was ist da zu machen? Rathe mir! Ich weiß, daß eine Anzeige im Polizeibureau gemacht werden müßte; wäre e» aber nicht vielleicht besser, sich direkt an Porphyriu» zu wende», wie? Was meinst Du? Ich möchte diese Sache so schnell als möglich abmachen. Du wirst sehe«, Mütterchen wird beim Essen«ach der Uhr ftagen. — Durchaus nicht in» Polsieibureau, sonder« jeden- fall« zu PorphyriuS I rief Rasumichin, ganz besonder« auf- geregt. Nun, bin ich aber ftoh! Was ist da lange zu zögern, laß uns gleich hingehe», e« find nur zwei Schutt von hier, wir treffen ihn jetzt sicher! — Meinetwegen... komm'... — Und er wird sich sehr, aber sehr, sehr fteuen, Deine Bekanntschaft zu machen. Ich habe ihm schon viel von Dir erzählt, zu verschiedenen Zeiten... auch gestern noch. Gehen wir also! Also Du kanntest die Alte? so— so! Da» hat sich aber ausgezeichnet gewendet!... Ach ja... Sophie Zwanowna... — Sophie Ssemjonowna, korrigirte RaSkolnikow. Sophie Ssemjonowna, sehen Sie, da« ist mein Freund Ra- sumichin, ein guter Mensch... — Wenn Sie jetzt gehen müsse»,... begann Ssonja wieder, ohne Rasumichin anzusehe», und wurde noch ver« legener. — Wollen wir also gehe« I entschied RaSkolnikow,— ich werde heute«och zu Ihnen komme», Sophie Ssemjo« nowna, sagen Sie mir nur, wo Sie wohne«. Er wich ihren Blicken au» und schien zu eilen. Ssonja nannte ihre Adresse und erröthete. Sie entfernten fich gleichzeitig. — Verschließest Du nicht? fragte Rasumichin, als er ihnen auf der Treppe folgte. — Niemal« l... Schon seit zwei Jahren nehme ich mir vor. ein Schloß zu kaufe«. Glückliche Menschen, die Eichler-Blum erscheint uns deshalb gerade von dieser Seite als widerliche Heuchelei. Hier giebt e« nur ein Entweder — Oder. Ist die Auffassung richtig, daß die sogenannte» höheren Klassen eine besondere Ehre haben, und daß Krän» kungen, die unter Mitglieder» der„satiSfaktionSfähigen Gesellschaft gegenseitig vorkommen, nur mit Blut gesühnt werden können, dann hat daS Duell seine Berechtigung und eS ist eine Nothwendigkeit. Wa« hat aber dann dai Gr« flenne zu bedeute«, wenn diese Nothwendigkeit ihre Opfer fordert? Der erschossene Blum hat beleidigt, da» steht fest; er hat die Beleidigung mit seinem Leben gesühnt, da« ist nach den Regeln der Duellsitte ei« ganz normaler Vorgang. Also warum da» Geschrei und Gejammer? Stehe« aber die Jammerer und Schreier nicht auf dem Boden, daß eine Beleidigung nur mit Blut gerochen werde« kann, ja, warum erklären sie dann das Duell ntcht einfach für da«, was es nach unserer Ansicht allerdings ist, nämlich für einen verbrecherische« Unfug, der unter dir Rubrik der KörperverletzungS- und ToAtschlagSverbreche« im Strafprozeßbuch gehört und dementsprO� bestraft werde« muß? Man behandle ein Duell, wie daS-.�ieS ist, welches jetzt die„öffentliche Meinung" so sehr bqchäftigt, als da», wa» e» in Wirklichkeit ist, nämlich als hundsgemeinen Todt» schlag, der fich vom überlegten Mord kaum unterscheide« läßt. Man bestrafe s ä m m t l i ch e Theilnehmer an einer solchen Menschenschlächterei, den Arzt sowohl wie den Kartell- träger und die Duellanten selbst, als gemeine Verbrecher und wende die Praxis an, welche gegenüber politischen Sünder« so strikte innegehalten wird, nämlich man ba> gnädige grundsätzlich nicht und verweigere de» Znhastirte» alle Begünstigungen. Daß auch dtese strengen Maßnahmen da» Duell nicht au» der Welt schaffen werden, da» geben wir zu. Abeu hat man sich dadurch, daß die Bauernburschcn in Bayern z. B. trotzdem weiter„raufen", schon abhalten lasse,», Körperverletzungen oder Todtschlag strenge zu bestrafen? U nd doch ist der ungebildete und naturwüchsige Sohn der bciye» rischen Berae, der von Eifersucht gepeinigt seine« Ne'ben- buhler um die Gunst der drallen Dirne niederschlägt und in seiner brünstigen Wuth ihm die Knoche» entzwei britfit, eine tausend Mal angenehmere und vom menschlicher Standpunkt au» viel mehr entschuldbare Erscheinung, als jener„gebildete" Rowdy, der, nachdem e« ihm durch Au«- nützung eines blödsinnigen gesellschaftlichen Vorurtheil« ge- lunge« ist, einen sonst vielleicht durchaus friedfertige« Men- schen zur Annahme eine» Duells zu zwingen, sich Tage lang vorher e i n s ch i e ß t, um ja sein Opfer sicher in den Sand zu strecke». Also, der Einwurf, daß strenge Strafen dem Duell« unfug nicht zu steuern geeignet sind, ist durchaus hinfällig. Mit Strafen ist überhaupt noch kein Uebel au» der Welt geschafft worden, und wenn man alle jene Verbrechen und Vergehen, welche trotz aller auf sie gesetzten Strafen doch nicht» zu verschließen haben! wandte er sich lachend an Ssonja. Sie blieben am Thorweg stehe». — Ihr Weg geht recht», Sophie Ssemjonowna. Wie haben Sie mich denn finden können? fragte er, e» schien zedoch, als ob er etwas ganz andere« auf demjHerzen habe. Nur noch einmal wollte er in ihre klaren, ruhigen Augen blicke«, e« wollte ihm aber nicht recht gelingen... — Sie habe« ja Poletschka gestern Ihre Adresse gesagt I Polia, ach ja, Poletschka! Diese kleine... das ist Ihre Schwester? Richtig, also ihr habe ich es gesagt, wo ich wohne? — Haben Sie es denn vergessen? — Nein,... jetzt erinnere ich mich... — Schon ftüher habe ich von Ihnen gehört... Ich wußte nur ihren Namen nicht... Väterchen erzählte uns... er kannte ihn wohl selbst nicht einmal... Da ich nun gestern Ihren Namen erfuhr... so ftagte ich heute, wohnt hier Herr RaSkolnikow? Ich wußte nicht, daß Sie auch bei einer Vermietherin wohnen... Leben Sie also wohl... Ich werde e« Katharina Zwanowna sagen... Sie war sehr froh, endlich losgekommen zu sei« und eilte, um schneller au« dem Gesichtskreis zu entkomme«, mit niedergeschlagenen Augen die zwanzig Schritte bis zur nächste« Ecke, um dann, unbeachtet von jedermann, nachzu- sinne«, sich an da» soeben Erlebte zu erinner», jede« ge« sprochene Wort zu überlegen und sich jeden Umstand inS Gedächtniß zurück zu rufen. Noch niemals hatte sie ein ähnliche« Gefühl empfunden. Eine ganz neue Welt war unbewußt in ihrer Seele aufgegangen. Plötzlich siel ihr et«, daß RaSkolnikow heute zu ihr kommen wollte, vielleicht «och am Vormittag, vielleicht jetzt gleich. „Nur heute nicht, bitte, bitte, nur nicht heute!"— stammelte sie mit beklommenem Herzen, wie ein ängstliches immer wieder begangen werden, aus dem Strafkodcx strci- che« wollte, dann würde derselbe so zusammen schmelzen, daß schließlich nichts mehr von ihm übrig bliebe. Durch die Strafe— und zwar durch eine im Verhältniß zum Ver« gehen stehende Strafe— soll dem beleidigten Rechts- und Sitt- licykeitSgefühl Gcnugthuung geleistet und außerdem allerdings auch der Zweck der Besserung angestrebt werden. Die heute auf daS Duell stehenden Strafen genügen diesen Zwecke» aber nach keiner Richtung. Also, so oder so. Entweder man nenne die Katz eine Katz und den Todtschlag einen Todtschlag, und dann strafe man den Todtschläger, der mit kaltem Blut und nach reif- licher Ueberlegung im Duell seinen Gegner um's Leben bringt, so wie jeden anderen Todtschläger auch. Man setze ihn in's Gefängniß und lasse ihn dort für seine That büßen, genau so, wie jede» anderen Raufbold. Will man aber das nicht, will die herrschende Klasse zu allen anderen Privilegien, die sie hat, auch das noch weiter behalten, daß die aus ihrer Mitte hervorgehenden Raufbolde nicht mit demselben Maße gemessen werde», wie ihre Kollegen auS den„unteren" Schichten des Volkes, gut, dann ver- schone man uns aber auch mit dem Geheul und Gekreische darüber, wenn da und dorten einer ein Opfer dieser„stände?- mäßigen Ehrenhändel" wird. Wenn in den„gebildeten" Schichten unseres Volkes noch eine solche Unsumme von Rohheit und Barbarei sitzt, daß eine persönliche Differenz nicht durch die Mittel der persönlichen Erklärung, Zurück- nähme der Brleidigung tc. ausgeglichen»erden kann, son- der» Blut fließen muß, und zwar Blut aus Wunden, zu deren Beibringung in den meisten Fällen sich die Thäter Tage lang vorher vorbereiten, so kann dies der Masse des Volkes schließlich sehr gleichgiltig sein. Das deutsche Volk besteht glücklicherweise nicht bloS aus Reserve- und anderen Offizieren, Studenten und Angehörigen der gelehrten und so- genannten liberalen Berufe. Nur bei diesen aber hat sich die Barbarensitte des Duells noch erhalten. Die übrige, arbeitende und nützliche Menschheit schlichtet ihre Händel ohne Duell. Und speziell aus den Reihen derjenigen Ar- beiter, welche sich mitj den Lehren des Sozialismus ver- traut gemacht und sich der großen Arbetterbewegung ange- schloffen haben, sind RohheitSauSbrüche, wie die früher so üblichen Schlägereien auf den Herbergen:c., fast gänzlich verschwunden. Die Arbeiter meiden die Raufbolde und schließen sie aus ihren Reihen aus; bei unserer gebildeten Zugend dagegen werden die besten„Schläger" förmlich ge- feiert, und jeder sucht es ihnen gleich zu thun. Es ist das auch ei« Unterschied zwischen der„gebildeten" und der un« gebildeten Welt, und zwar was für einer. Im übrigen aber, ivie gesagt, kann die große Masse des Volkes der Duell- Barbarei gegenüber sich mit de» Worten jenes türkischen SultanS begnügender da meinte: Es ist mir ganz gleich- giltig, ob der.Wnd das Schwein, oder das Schwei» den Hund frißt.__ Tnzmak-KorresxolläeAM Zürich, den 26. Dezember. Der St. Galler Hoff« mann, diese unheimliche Gestalt für die schweizerische Freiheit, hat im Stänverath am Sonnabend den Bundesrath mehr gerettet, als er gerettet sein wollte. Ruchonnet erklärte zu- frieden zu sein, wenn der Ständecath den Besctlüffcn des Nationmratbs zustimme. Ader damit war der Hoffmann nicht zufrieden. Er fand die beiden Postulate des Nationalratbcs betreffend die Ergänzung des Bundesstrafrechts mit Be- stimmungen gegen die Anarchisten, Polizeispione und»gents provocatenra und gesetzlicher Regelung der Fremdcnpolizei für mberflülsig uns beantragte seinerseits im Namen der ständeräth- liejhen Kommisston:...... >„Die Bundesversammlung der schweizerischen Eldgenoffen« schalt in Elledigung der Petitionen schweizerischer Grüllivereine, der.demokratischen Vereine von Zürich und Umgegend und an- der wc Vereine und Gesellschaften, die Fremdenpolizei betreffend; in-'Erwäpung: 1) dah die Miboerständniffe. welche infolge des 'oundesräthlichen Krcisschreidens vom 11. Mai 1888 entstanden find, durch das Schreiben des Bundesraths an die Regierung des Kantons Neuenbürg vom 12. Ottoder und durch dessen Er- klärung vorn 7. Dezember 1888, wonach die einzuführende Kon- trole nur auf die Anarchisten, Spione und agenta proyocateurg zu richten sei. als beseitigt betrachtet werden können; 2) daß der für die Fremdenpolizei bewilligte Kredit fich somtt nur auf die Ausübung dieser Kontrole bestehen kann; 3) daß aemaß Artikel 102, Ziffer 8, 9 und 10 der Bundes. Verfassung die Ausübung der in Artikel 70 daselbst vorge« Kind, als ob sie jemand anflehe. Herr Gott, er wird zu mir kommen... in diese Stube... o Gott! Sie war natürlich in diesem Moment nicht im Stande, «ine« stemde« Herrn zu bemerke», der sie eifrig verfolgte und ihr fast auf den Fersen war. Seitdem sie sich vom Thorweg entfernt hatte, begleitete er sie. Zur gleichen Zett, als sie alle drei auf dem Trottoir standen, hatte dieser Vorübergehende, als er SsonjaS Worte vernahm:„und fragte, wohnt hier Herr RaSkolnikow", aufgehorcht und sich umgewandt, um alle zu betrachten, insbesondere aber RaS- kolnikow, an den Ssonja ihre Worte gerichtet hatte; dann warf er einen Blick auf das HauS und merkte eS stch. Alles das geschah im Nu, im Vorübergehe», und der Unbekannte Sing ohne aufzufallen weiter; nur wurde« seine Schritte rvgsamer und es lag etwa« Lauerndes in feinen Bewe- gungen. Als er sah, daß Ssonja sich verabschiedete, er- wartete er sie und vermuthete, daß sie nach Hause gehe« mtbl'2öohm mag sie wohl gehen? Ich habe dies Gesicht doch schon gesehen," dachte er und sann nach,—„daS muß ich doch heraus bekommen..." Bei der Ecke angelangt, ging er auf die andere Seite der Straße hinüber, wandte sich um und sah, daß Ssonja, ohne ihn zu beachten, ihm folgte. Er ließ sie nicht auS de» Augen, ging dann wieder auf die gleiche Straßenseite hm- über und richtete e» schließlich so ein, daß er etwa fünf Schritt weit hinter ihr folgte. Es war ein etwa fünfziglährlger Mann, über mittel- groß, kräftig, mit breiten Schulter« und einer etwas un- geschickten Haltung. Er war elegant, aber bequem gekleidet und sah wie ein behäbiger, wohlhabender Herr aus Be, jedem Schritt stieß er mit seinem schonen Spaz,«stock auf das Trottoir, seine Handschuhe waren neu und fem brett- knochige« Gesicht nicht unangenehm; die Gesichtsfarbe ftisch, nicht pet«Sburglsch. D.e dichten Haare waren hellblond, mit einem leisen Anfluge von grau, und der breite, dichte Bart war heller als die Kopfhaare. Dre blauen Augen blickten kalt, starr und nachdenklich. ES schien em sehr gut konservirt« Herr zu sein, der weit jüng« aussah, als er wirklich war. fehencn Betugniffe dem Bundesrathe übertragen ist, beschließt: Heb« die Petition wird zur Tagesordnung geschrilten." D« Nationalrath war nachgiebig genug, seine eigenen Postulate zu opfern und fich mtt dem Ständerathe üb« bevorstehenden Beschluß zu einigen. Dieses Weihnachts- geschenk d« Bundesvät« kann die freiheitlich gesinnten Männer nicht b«uhigen und wohl vielen spricht Herr W i r t h im„St. Galler Stadtanzeiger" aus d« Seele, wenn er sagt: „Man will also, daß d« gegenwärtige gesetzlose Zustand in diesen Dingen fortdauere. Man will, daß auch künftig die vnbrecherische Handlung und die politische Ueberzcugung, der schuftige fremde Polizeispion und der ehrliche Schweizerbürger in einen Tiegel geworfen wnden. Man will, daß der ftere Mann im freien Schweizerland wider Gesetz und Recht, gleich einem Died. unter ständig« Polizeiaufsicht stehe. Man will, daß der„Gcßlerhut" auf der Stange bleibe, wie es unsere „freien deutschen Brüder" überm Rbern auch haben!" Bekanntlich ist d« Advokat Hoffmann ein ftüh«« Deutscher und merkwürdig« Weise wird diesem Erzreaktionär von kein« Seite daraus ein Vorwurf gemacht, während dem So- zialdemokraten Seidel, d« anfangs der siebzig« Jahre das schweizer Bürgerrecht erwarb, von allen Seiten der „Ausländer" und der„Schwöb" an den Kopf geworfen w«den. Gleiche Elle! Am Sonnabend ist die Bundesversammlung geschlossen worden und wird erst wieder im März zur Frühjahrssesfion zu- sammentreten. Während die P r e ß f r e i h e i t in den meisten Ländern den Machthabern ein Dorn im Auge ist, findet sie doch noch in der kleinen Schweiz einigen Schutz, wie folgender Prozeß sammt d« Entscheidung d« höchsten Justizbehörde d« Republik, des Bundesgerichtes beweist. Der Fall ist folgender: Die Redaftion des„Bien Public" in Freiburg«hielt im Juli 1887 von einem A. Rauß, Eisendahnangestellten, einen Brief, in welchem dieser ausführte, er und seine Eltern seien von Landjägern in höchst brutal« Weise überfallen und miß- handett worden. Die Redaktion v«öffentlichte den Brief und fügte demselben von fick aus folgende Bemerkung hinzu:„Unsere Erkundigungen bestätigen diese Thalsachen voll und ganz. Wir find übrigens nicht«staunt, zu erfahren, daß die Landjäg«- schafi die Gesetze verletzt und gewoltthätig in die persönliche Freiheit eingreift, denn wir kennen schon manche solch« Vor- fälle. Zur Zeit, als Herr Bumann Landjägerkommandant war, gingen die Sachen anders. Es muß den Landjägern ein son- derbar mangelhaft« Unterricht gegeben worden sein, daß diese Agenten der öffentlichen Gewalt fich für befugt, ja vielleicht für verpflichtet«achten, so vorzugehen, wie ste gegen die Familie Rauß vorgegangen find." D« Artikel des„Bien Public" schloß mit den Worten:„Nachdem die Polizei die ehrlichen Leute angreift, die fie schützen sollte, wnden die ehrlichen Leute die Sicherhest, die das herrschende Kadincts- system ihnen nicht zu gewähren vermag oder nickt gewähren will, in einer von den Behörden unabhängigen Organisation suchen müssen." Hiegegen erhob der Landjägerkommandant Mey« wegen Beleidigung des Landjägcrkoeps Strafklage und stellte fich vor Gericht mit zwei Landjägern, als Zivilpartei, mit dem Begebren um Auszahlung einer Entschädigung von 300 Fr ein. Das korreltionelle Bezirksgericht der Sarine verurtheilte den Redakteur des Blattes(L. Fragnisre) zu 50 Fr. Buße nebst Prozeß osten und ein« Vergütung von 1 Fr. an den Kläger, worauf erster« beim Bundesgericht eine staatsrechtliche Beschwerde wegen V«- letzuna der Preßfreiheit(Art. 55 der Bundesverfassung) einlegte. Das Bundesger'cht hieß dieselbe degründet und hob das re« kurrirte Sttafurtheil auf, gestützt auf folgende Erwägungen: Die Freihett der Presse, beziehungsweise das Recht der freien Meinungsäußerung desteht nicht allein in der Abschaffung von vexatorlschen Präventivmaxregeln; vielmehr muß eine Ver- letzung dieser Freiheit und der ste gewährenden Lefaffuvgs- bestimmung überall da angenommen werden, wo eine rechtmäßige Würdigung von Thatsachen, die kein«!« Rechten anderer Eintrag thut, als unerlaubte und strafbare Handlung»«folgt wird. Diese Garantie ist um so wichtig« da, wo es sich um die Kritik von Verwattunasmißdräuchen od« von will- kürlichen Handlungen der Rcgi«ungsagenten handelt. Da- durch, daß sie solche Mißbräuche od« Willkürakte öffentlich bekannt macht, übt die Presse nicht allein ein ihr un- destiettdar zustehendes Recht aus, sondern fie«füllt auch ihre Aufgabe als Wächterin der öffentlichen Jntneffen. Und diese in einem republikanischen Staate ganz besonders werthvolle Freiheit will der Art. 55 d« Bundesverfassung namentlich beschützen, weshalb jede entgegen derselben vorgenommene V«- folgung od« gefällte Bnurtheilung als Verletzung eines der vom Bundesgerichte zu schützenden verfassungsmäßigen Rechte «scheinen muß. Diesem Gerichtshöfe steht es also nicht blos zu, sondern es liegt ihm auch ob, in jedem einzelnen Falle zu untnsuchen, od das Grundgesetz der Preßfreihcit infolge un- richtig« Anwendung des kantonalen allgemeinen Rechts»«letzt worden sei. Damtt soll zwar nicht gesagt werden, daß das Bundesgettcht defugt sei, nachzuprüfen, ob die kantonalen Ge« richte Bestimmungen kantonaler Gesetze über Ehrverletzungen an Als Ssonja beim Kanal angelangt war, befanden sich beide allein auf dem Trottoir. Er konnte ihre Nachdenk- lichkeit und Zerstreutheit beobachten. Am Hause angekommen, wandte fich Ssonja zu d« Treppe rechts, im Hof, in d« Ecke.„Bah!" murmelte d« Unbekannte und stieg ihr nach, die Treppe hinauf. Jetzt erst bemerkte sie ihn. Sie ging bis in« dritte Stockwerk und klingelte bei Nr. 9, wo mit Kreide an d« Thür geschrieben stand: Kapernaumow, Schneider.„Bah!" wiederholte der Unbekannte, über das eigenthümliche Zusammentreffen verwundert, und schellte nebenan bei Nr. 8. Beide Thüren waren etwa sechs Schritt von eiaand« entfernt. — Sie wohnen bei Kapernaumow? ftagte« Ssonja lächelnd; er hat mit geft«n eine Weste umgemacht! Zch wohne hier nebenan, b« Madam RöSlich, Gertrud« Kar« lowna,... wie sich das eigenthümlich trifft. Ssonja blickte ihn aufmerksam an. — Wir sind afto Nachbarn, fuhr er heit« fort; ich bin erst seit drei Tagen in der Stadt. Nun, einstweilen also auf Wied«sehen! Ssonja antwortete nicht; die Thür ward geöffnet und sie schlüpfte m ihre Stube. Auf dem Wege zu PorphstriuS war Rasumichin ganz auß«gewöhnlich ausgeregt. — DaS ist prächtig, Bruder, wiederholte er einige mal, wie ich mich fteue!... Zch bin ordentlich ftoh! „Worüber Du wohl eigentlich ftoh sein magst?" dachte RaSkolnikow. — Davon wußte ich ja gar nichts, daß auch Du bei der Alten etwas»«setzt hattest. Ist'S denn schon lange h«, daß Du daS letzte Mal bei ihr warst? „Ist das ab« ein naiv« Einfaltspinsel?" — Wann ich dort war?... RaSkolnikow blieb stehen und schten sich zu besinnen,— ja, richtig,... etwa drei Tage vor ihrem Tode, glaub' ich. UebrigenS die Sachen auszukaufen, bin ich jetzt noch nicht im Stande,— fügte er hastig und für feine Sachen besorgt hinzu;— leider habe ich jetzt nur noch einen Rubel übrig... daran ist dieser gestrige verdammte Fieb«anfall schuld I... sich richtig od« unrichtig angewendet, beziehungsweise ausgelegt baben; allein das Bundesgericht als Staatsgericktsbof hat immerbin im Einzelfalle zu untnsuchen, od durch Bestrafung ein« offenbar b«echtigtm, kein Recbtsgut verletzenden Meinungs» ävßerung& egen die Freiheit der Meinungsäußerung durch die P.effe grundsätzlich verstoßen worden sei. Wendet man nun diese Grundsätze auf den streitigen Fall an, so muß man gewiß an«k?nnen, daß die inkriminirtcn Stellen des fraglichen Ar- tikels weder in der Form noch matenell irgend etwas enthalten, was die Grenzen einer durchaus berechtigten kritischen Wür- digung der Handlungsweise der fteidurgischen Polizei über- schreiten würde... Im Kanton W aad t tr'tt mit 1. Januar 1889 dos Gesetz betr. gewerbliche Schiedsgerichte und Unent» geltlickkeit der Lehrmittel, die nunmehr d« Staat den Sckül«» ohne Entgelt lief«» wird, in Kraft.— Das Volk des Kantons Zürich hat am 1. Januar für den zum Bundesraih avanzirten Herrn Häuser eine Ersatzwahl in den Regierungsraih ,u treffen und da er zugleich Ständeräth war, also auch einen Ersatz für ihn in diese Körperschaft zu wählen. Endgillige Kandidaturen für beide Aemter find noch nicht auf- gestellt.— Mit der Schaffung eines speziellen Arbeiter- s e k r e t a r i a t s für den Bezirk Zürich soll es in nächst« Zett ernst w«den.— Ja Genf wird am 17. März 1889 die Einweihung des Denkmals für„Bat« Becker" stattfinden. Für ihre 10 V.rlreter im Rothe der Stadt Bern hat die dortige Arbeiterpartei für das Jahr 1889 folgendes Arbeiterpio- gramm beschlossen: 1. Ausführung aller Gemeindearbeiten sowett möglich m Regie; 2. Festsetzung eines Minimallohnes, sowie eines Normal- arbeitstages für alle von der Gemeinde an Untemehm« zu ver- gebende Arbeiten; 3. Unentgeltlichkett der Lehrmittel in den Primär- und wo möglich auch in den Sekundärschulen und anderen höhern Lehr- anstalten der G meinten; 4. Bessere Handhabung der Lebensmittelkonttole, Veröffent- lichung der Namen der Fälsch«; 5. Errichtung einer Gemcindebäckerei; 6. Errichtung von Gtmeindewirthschaften; Handel mit Ge- treibe, Mehl und den andern hauptsächlich gebrauchten Lebens- mittel» durch die Gemeinde. Em 47 jährig« Knecht im Kanton Luzern, d« eine Taschenuhr im Werthe von 20 Franks geraubt, wurde dafür zulebenslängrichem Zuchthaus verurtheilt. Der Verurtheilte hat wegen des gleichen Delikts schon eine Vorstrafe erlitten und für Raub im Rückfall giebts nach dem luzerischen Strafgesetzbuchs lebenslängliches Zuchthaus. In Freiburg wurde kürzlich ein jung-s Dienstmädchen, welches aus V«- Soeiflung sein Kind ermordete, zu 12 Jahren Zuchthaus verur- eilt. Die christlichsten Kantone der Schweiz zeichnen fich durch eine geradezu barbansche nnd vorfintfluthliche Hätte und Strenge der Gesetze aus. Für die Praxis kennen die henschenden Katholiken häufig keine„Nächstenliebe", wovon ihnen sonst immer der Mund übergeht. Politische Ueberstcht. Mie degrLudet urscre Ausfülrcngcn waren, welche wir im Anschluß an das schreckliche Unglück bei Gelegenhett des Fadrikbrandes in Neumünster in der Nr. 299 unseres Blattes brachten, dafür erhalten wir jetzt einen neuen Beleg aus Süddeutschland. Aus Anlaß eines Brandes am ersten Weihnachtsfeicrtag in München schreibt nämlich die dott«scheinende �Korrespondenz Hoffmann":„Wir hatten Gelegenheit, einen Theil der vom Brandl beschädigten Werkstätte zu befichtigen, und wunderten uns, daß einerseits kein größeres Unglück paistrt ist, andererseits ab«, daß für einen so umsangreicben Gesckättsdettteb— tS befinden fich nicht wenig« als etwa 14 fabrikmäßig arbeitende Geschäfte in dem genannte« Gebäude— in diesem Gebäude nicht mehr und beff«e Sick«- heitsvorkehrunzen getroffen find. Das ganze 44 Äet« lange Haus ist nämlich vom Erdgeschoß bis unters Dack nicht durch feuerfeste Mauern, sondern durchweg nur mittelst dünnen und dürren Holz- und Sparrenwerks adge» t h e i l t; lediglich an den beiden Endpunften befindet fich ein Kamin, in welchen dre auf eine Länge von etwa 40 Mtt« durch Holzwände geleiteten Ofenrohre einmünden. Für sämmt- liche Stockwerke des großen Gebäudes, in welchem Tags üb« mehr als 150 Personen zu arbeilen und zu wohnen haben, be- steht nur ein gemeinschafllich« Ein- und Ausgang. Die Gänge in den einzelnen Etagen find eng und finst«, Roth- ausgang ist keiner vorhanden! Zwar befindtt fich unter dem Dache ein Wasserreservoir; dieses füllt fich jedoch nur dann, wenn die Turbine der Pfister'schen Mormorschleifer« in Thäligkeit ist. Zur Zeit der Entstehung d« F uersbrunst war dieses Reservoir vollständig leer; auch Wissnschiäuche aus Havf find vorhanden, dieselben scheinen nach der Aussage fach» verständiger Feuerwehrmänner jedoch so alt und mürbe» baß fie, falls man fick ihrer bedient haben würde, den Dienst mög» licherwcise versagt hätten. In den Arbettclolaliläten find sämmt« DeS Fieberavfalls erwähnte« mtt besonderer Be- tonung. — Nun ja, ja! meinte Rasumichin— deshalb also warst Du damals... so betroffen!... Weißt Du, daß Du während deS Fiebers immer etwas von Ringen und Ketten erwähntest? Jetzt ist alles»«ständlich, alle» ganz klar. „Aha! also hatte sich dieser Gedanke doch bei ihnen eingenistet! Dies« Mensch da würde sich für mich kreuzige» lassen, und doch ist er jetzt froh, daß sich alle« aufgeklärt hat. Daß ich von Ringen und d«gl«chen phantasirte, hat ihnen allen doch zu schaffe» gemacht!" — Werden wir ihn auch zu Hause treffe»? ftagte er laut. — Gewiß, gewiß, bestätigte Rasumichin;— da« ist ei» prächtiger Bursche, Brüderchen, Du wirft'S ja sehe»! EtwaS ungelenk, das heißt nicht im Umgänge— ich meine ungelenk in einem andern Sinn. Ein gescheidter Kerl, nichts weniger als dumm; nur ist fei« Grdankengang ein ganz eigenthümlich«... Er ist sehr mißtrauisch, ei» Skeptiker, ein Eynik«... liebt andere anzuführen, das heißt, nicht gerade zu betrügen, sonder« mehr so, an d« Nase herum zu führen... Sein Geschäft ab« versteht er, daS versteht er gründlich...@ist_ im vorigen Jahre hat er einen Mord aufgedeckt, bei dem fast alle Spuren schon v«» wischt waren! Er wünscht sehr, Deine Bekanntschaft zu machen. — Ja, weshalb denn so sehr? — DaS heißt nicht etwa, daß.. siehst Du, in letzt« Zeit, seitdem Du krank wurdest, traf eS sich häufig, daß ich Dein« erwähnte... Nun, und da hörte er viel von D« ... als er dann noch«fuhr, daß Deine Verhältnrsse Dir nicht gestatten, das Studium d« Jurisprudenz zu beende», da sagte er: Wie schade! Ich schloß daraus...da* heißt nicht nur daS allein, sond«n alles zusammen genommen; ... noch gestttn hat Sametow... weißt Du, Rodja, was ich Dir gestern, als wir nach Haufe gingen, in d« Trunkenheit vorschwatzte... ich fürchte nämlich, Du wirst Gott weiß was denken, siehst Du... liche FmßerkScke fowmt ihren Vergitterungen je in einem Stücke in Eisen gegossen und ein Oiffnen derselben, mit Aus nähme von zwei winzigen„Guckerln", absolut unmög lich, welcher Umstand auch das rasche Eindringen der Feuer wehr gleich von Anfang an verhindert oder doch wesentlich er- schwert hat. Aus diesen Räumen sich allenfalls durch die Fenster zu retten, ist geradezu ein Ding der Unmög- Ii ch k e i t! Die Mehrzahl der im Pfister'schen Anwesen betrie- denen Geschäfte gehört dem sogenannten feuergefährlichen Ge- werdebettieb an; es seien hier nur kurz genannt: eine Möbelfabrik, welche bei großen Holzvorräthen mit 23 Hobelbänken ar« beitet und ungeachtet der eingerichteten Gasbeleuchtung fich der höchst gefährlichen Petroleumbeleuchtung bedient; ferner eine Drechslerei, eine Spunddreherei, eine Verbandstoff'abrik mit großen Wollevorräthen:c. Daß es bei so feuergefährlUen Zu ständen unsere wackere Feuerwehr fertig brachte, den ausge brochenen Brand auf seinen Herd zu deschränken und in so kurzer Zeit zu löschen, muß als ein Beweis der Tüchtigkeit un« serer ausgezeichneten Feuerwehr anerkannt werden."— Wenn solche Zustände, wie die hier geschilderten, in einer Stadt wie München herrschen könnm, wo man doch voraussetzen sollte daß die zur Prüfung der Feuergefährlichkeit eingesetzten Or gane halbwegs ihre Pflicht thun, wie mag es da erst in dm Fabriken auf dem Lande und an kleineren Orten aussehen? Uedrigms ist es wieder recht bezeichnmd, daß das Unglück in Nmmünster fast von der gesammten Preffe mit der kurzen Konstatirung der Thatsache adgethan wurde. Wäre es ein Theaterbrand gewesen, bei dem 20 Menschm den Tod gefunden oder schwer verwundet worden wärm, der Vorgang wäre in spaltenlangen Artikeln Wochen hindurch erörtert wor- den. Aber d l o s ein Fabrikbrand, bei dem„nur" Arbeiter geröstet wurden, darüber verlobnt es fich natüiiich nicht, eingehen- der zu berichten oder gar Vorschläge zu machen, wie solchen Unglücksfällm in Zukunft vorgebeugt werden könne. Mögen deshalb die Arbeiter ihre Sache selbst in die Hand nehmen und alle Fabrikm und Arbeitsstätten, wo Zustände gleichwie in Nmmünster oder München vorhanden find, in der Ardesterpreffe der Oeffmtlichkeit dmunziren. Die nun schon Monat» andauernd» Untersuchungshaft des Herrn Profeffo-s G e f f ck e n berührt auch in Kreisen, in welchen man fich sonst um Leute, welche hinter den schwe« dischen Gardinen fitzm, wenig lümmett, etwas unangenehm. Abgesehen davon, daß es bis heute, außer natürlich den„Ein- geweihten", noch niemandem hat gelingen wollen, zu entdecken, waS denn Geffckm eiaenllich verbrochen, liegt doch der That« bestand, um deffentwillm der in Ungnade gefallene Profeffor eingelocht wurde, so klar vor aller Augen, daß es dem Laien rein unverständlich wird, was dmn der Untersuchungsrichter sowie der Staatsanwalt noch immer zu iuchm habm. Für unS ist natürlich die Person des Herrn Gtffcken— abgesehen davon. daß wir jedes Opfer der modemen Jnquifition, genannt Untersuchungshaft, bedauern— sehr gleichgllttg. Wohl aber möchten wir zur Kmnzeichnung, wie sehr man fich in den belhelligtm Kreism dcS Werthes der Untersuchungshaft zur Er- zielung verurtheilcnder Erkenntnisse, bewußt ist, eine Aeußerung in den weiteren Kreis der Oeffmllichkeit bringen, welche ein Staatsanwast zum besten gab, der in einem der jetzt so zahlreichen Geh-imdundsprozeffe das Malheur halte, mit seiner Anklage total durchzufallen. Zu diesem Staatsanwalt kam nämlich nach der Verhandlung einer der freigesprochmen Angeklagten, um fich ein Aktenstuck auszubstten. Bei dieser Gelegenbest nun meinte der Vertreter der Staatsbehörde: „Nun. Herr N., dieses Mal haben Sie die Untersuchungszett, wo Sie auf freiem Fuß waren, tüchtig ausgenützt!" Der so Angeredete hatte die Empfindung, daß, wenn er noch einmal das Unglück baten und in einen der jetzt alltäglichen polttischen Prozesse verwickelt werden sollte, er dann die Untersuchungszeit nicht mehr auf freiem Fuße zubringen wird. Der Mann dürfte wahrschnnlich recht baden,— Anschluß hieran möge «och eine andere Äeußerung mitgethcllt werden. welche in derselben Stadt und aus Anlaß desselben Prozesses, aber noch im Stadium der Vorbereiluna desselben von einem sehr hoch gestellten Polizelbcamten gefallen ist. Zu diesem Beamten kam nämlich ein als Sozialdemokrat bekannter Geschäftsmann, um fich über eine der»°Ii Hosen Chikanen zu deschweren, deren ja heut zu Tage als„Reichsfcrnde" dekannte Geschäftsleute gewohnheitsmäßig ausgesetzt find. Der Beamte hörte die Beschwerde an, hielt fie selbstv-rftändlich für uobe- gründet und erNärte dann, als der Beschwerdeführer fich noch Einwände erlaubte:„Ach was, Sie können fich über die Polizei gar nicht beklagen, Sie verdanken es n u r u n s, daß Sie in dem jetzt anhängigen Sozialistenprozeß nicht mit angeklagt sind. Daß der Mann die Wahrheit gesprochen, unterliegt sicher keinem Zweifel, daß es aber von der Polizei abhängt, od gegen jemanden eine Anklage eingeleitet wird oder nicht, zeigt, wie sehr bei uns der„Rechtsstaat" fich schon ent- wickell hat. zlrudenffch» Neichstagswahlen. Die Debatten über die Heranziehung der~' erhasten eme treffende wir einem süddeutschen Karte — Was meinst Du denn eigentlich? Daß sie mich für »errückt halten? Vielleicht haben sie Recht. Er lachte gezwungen. — Za, ja... pfui doch, nein! meine ich!.. Nu», was ich da schwatzte(und auch alles Uebrige) war nur Un- sinn und eine Folge der Trunkenhest. — Weshalb entschuldigst Du Dich eigentlich? Wie mir das alles zuwider ist!... rief RaSkolnikow mst über- triebener Empfindlichkeit. Augenscheinlich verstellte er sich ein wenig.____ — Ich weiß, ich weiß, begreife eS. Ich versichere Dich, daß ich Dich verstehe. E» ist eine wahre Schande, so zu rede»..._, — Nu» also, wenn es eine Schande ist, so reden wir nicht weiter davon! (Fortsetzung folgt.) Ans Kunst und Keben. Gin» 44(engtisch») M»il»n lang» Aroschkenrvih» ist ein Anblick, der Emen schaudern machen könnte, und doch ist dies die Länge der Reihe, welche die Londoner Droschken einnehmen würden, wenn fie hinter einander aufgestellt wären. Wir verdanlen diese interessante Berechnung dem letzten Polizei- wef Londons, Sir Charles Warren, erfahren jedoch aus dem- selben Berichte, daß die Standplätze Londons nur eine Länge von 23 Mellen betragen, fich mithin in den Straßen Londons beständig eine Kutschenreihe von 21 Meilen Länge in Bewegung findet. g 9tt ärztliche Ktand scheint in Rußland nicht so über» llt zu sein, wie in anderen Ländern. Es giebt dort bei einer evötkerung von mehr als hundert Millionen Menschen(in Europa und Ästen) nur 18000 Acrzte. lieber vierzig Prozent Oer Gesammtbeoölkerung und vierundneunzig Prozent der sehr Armen sterben ohne jede ärztliche HUfe. Leider fehlt es in JtuWonb an statistischen Aufzeichnungen, od die Russen fich im Durchschnitt einer kürzeren oder längeren Lebensdauer erfreuen mä ihre westlichen Nachbarn, welche ausgiebiger mit ärztlichen -"athgedern versorgt find. bevorstehende Reichstagsnachwahl im Kreise Offenburg und sagt u. a. folgendes: „Der Kattellkandidat, Major a. D. v. Bodman« der vorübergehend Mitglied der badischen Abgeordneten kammer war. wird ähnlich wie sein Vorgeher, General v. Degenfeld, die Kriegervereine in ge schlossenen Reiben um sich versammelt sehen, an welche fich die gesammte Bevölkerung des Bezirks Kehl und die liberalen Elemente der zwei andern Bezirke anschließen werden." So ist es recht. Endlich wird fich für die zahllosen ver abschiedetm Mllitärs ein geeigneter Wirkungskreis finden. Man stellt sie einfach als Kandidaten für die parlammtarischen Körperschaften auf, und umgeben von den Kriegervereine« denen sich dann die etwa vorhandenen liberalm Elemente ge- horsamst anschließen dürfen, kann es den alten Haudegen nicht fehlen, daß fie in kurzer Zell die Majorttät in allen Landtagen und im Reichstage erringen. Welch' entzückende Ausficht! Es braucht dann an Stelle der parlamentarischen Geschäfts� ordnung dlos noch da» neue Erzerzicrreglement eingeführt zu werden und das Ideal des Parlamentarismus ist ver- wirklicht. Ans Kschs»« wird uns geschrieben: Die meisten der Vemrthellten des letzten Leipziger Sozialisten Prozesses haben gegen das Erkenntniß des Landgerichts keine Berufung oder richtiger keine Reviston eingelegt und werden in den ersten Tagm des neuen Jahres ihre Strafe an- treten. Apropos, die„Leipziger Zellung", welche— wie schon demerkt— mit dem Ausgang des letzten Prozesses außerordent- lich zufrieden ist, weil er die Existenz eines„Geheimdundes" erwiesen und damll indirekt die Verlängerung des kleinen Be- lagerungszustandes für Leipzig und Hingegen gerechtfertigt habe, — scheint ein sehr kurzes Gedächtniß zu befitzen. Im Laufe des vorigen Jahres, einige Monate nach den famosen Faschings« Angstwahlen, enthielt ein sehr angesehenes sächfisches L rgan der Ordnungsparteien einen Muster-Organtsalionsplan, welcher den sächfischen Ordnungsparteien aufs Wärmste empfohlen ward. Besagter Organisationsplan gleicht wie ein Ei dem andern, dem Organisaiionsplan, welchen die Polizei bei den Leipziger Sozialdemokraten entdeckt haben will, und welcher die Grundlage des Beweismaterials und des verurthellenden Erkenntnisses im letzten Lei» ziger Sozialistenprozeß bildete. Wohlan— das fragliche Organ der sächfischen Ordnungsparteien war die„Leipziger Zeitung", und bei der nächsten Sozialtstendebatte wird der von dem amtlichen Organ der sächfischen Regierung warm empfohlene Organisationsplan, dessen Befolgung einigen Leipziger Sozial« demokratcn eine Verurtheilung wegen Gchetmbündlei einbrachte, „auf den Tisch des Hauses" niedergelegt werden— neben dem derühmten schwarz-weiß-rothen Originalschnupftuch, das durch alle drei Instanzen hindurch für roth erklärt worden ist. Di» Angst vor d»n a!tg»mri«»v R»ichvtagswahl»» bestimmt die„Post", dem Finanzmintster zuzureden,„die drei teren Massen des Volles" ebenso„für das Regiment Kaiser Wihelms II. zu gewinnen", wie„die höher gedllveten Elemente des Volkes für dasselbe gewonnen seim durch die Ernennung des Herrn Herrfurth zum Minister des Innern, des Herrn von Bennigsen zum Oderpräfidenten und die Berufung deS Prof. Harnack nach Berlin". Denn„die brelleren Massen ves Volkes" seien„von der Branntweinsteuer und, sowett fie nicht bei der Getreivcproduktwn direkt oder indirekt betheiligt seien, von der Erhöhung der Getretdezölle am meisten betroffen". Als Mittel der Gewinnung der brelleren Massen schlägt die„Post" vor die Reform der direkten Steuern.— Reform der Steuern ist bekanntlich nur ein anderer Ausdruck für Steuererhöhung. Gegen Herr« Cremer tritt nunmehr angefichts seiner Broschüre ein Zeuge auf. Der konservative Abg. Dr. K r o- p a t s ch e l veröffentlicht in der„Kreuzzeitung" folgendes:„Als ich Anfang Februar v. I. eines Tages, ohne von den Gerüchten übtt die Bleichröder iche Spende irgend etwas zu wissen— ich hatte mich von der sogenannten„Berliner Bewegung" abfichtlich fern gehalten— ins Abgeordnetenhaus kam, sprach mir Herr Abg. Cremer, unverkennbar in der größtm Erregung, davon, daß man seinen Rücktritt von der Kandidatur des 6. Reichs- tagswahlbezirkes fordere, um eine große Summe Geldes von Herrn v. Bleichröder zu erhallen. Als er dabei immer heftiger wurde, warf ich ihm ein: ich würde an seiner Stelle mich nicht verdrängen lassen, sondern an meiner Kandidatur festhalten.— Die Worte mögen etwas anders gelautet haben, für dm Sinn stehe ich ein.— Darauf erwiderte er mir:„W e n n i ch d a s thue, will man mir auch meinen Landtags- Wahlkreis entziehen.(Die täglichm Diäten betragm dekannllich 15 M. Red.) Wen Herr Cremer mst dem„man" gemeint hat, überlasse ich anderen, zu vermuthen. Meinerseits kann ich nur sagen, ich gewann damals den Eindruck, daß sein Rücktritt nichts weniger als ein freiwilliger war."— Wir haben Herrn Cremer niemals für etwas anderes gcbaltm als für eine Figur, deren Kapriolm adhängm von den Fäden, welche von höherer Hand gezogm werden. Gl« Antrag» welcher den Gerichtsvollziehem ein festes Gehalt bestimmen soll, wird im Reichstage eingebracht werden. Derselbe würde wahrscheinlich eine sehr große Mehrheit und all- gemeine Zustimmung im Volke finden, wenn damit eine Ver- Minderung der Kosten herbeigeführt werden sollte. Davon ist jedoch in dem Antrag keine Rede und es wird dem detheihgten Publikum sehr gleichgiltig sein, ob es die Kostm des Voll- streckungSurlheils dem Gerichtsvollzieher oder an die Gerichts- lasse zahlt. Vielleicht giebt aber die Diskusfion über diesen An- trag Gelegenheit, die Frage der Gerichtskosten einmal wieder gründlich zu erörtern und dm Versuch ei, er Ermäßigung der- selben zumachen. Wünschenswerth wäre aber auch noch die Er- gänzuna des Antrags nach einer anderm Richtung hin, nämlich in der Weise, daß der Staat als haftbar erklärt wird für alle Nachtheile, welche dem prozeßführenden Publikum aus Nachlässtg- leiten oder aus Unterschlagungen sellens der Gerichtsvollzieher er- wachsen. In dieser Beziehung ist das Publikum heute voll- ständig schutzlos; es ist gezwungen, fich für gewisse Zwecke der l'iencbisvollziehcr zu dedienm, und es muß diesen oft ein sehr weitgehendes Vertrauen schenken. Es glaubt auch dies thun zu könnm, well es in der Äeamteneigenschaft der Gerichtsvollzieher eine Gewähr für ihre Zuverläsfigkell ficht: wenn aber einmal diese Zuverficht getäuscht wird, wmn ein Gerichtsvollzieher die fremden Gelder, welche er einkasfirt hat, unterschlägt, so sagt der Staat, deffm Autorität das einzige Motiv des Vertrauens zu einem ganz fremdm Mmschen gewesen ist, ganz ruhig: „Was geht die Sache mich an?" und der Geschädigte kann sehen, wie er zu seinem Gelde kommt. Man wird uns zugeben, daß dieser Zustand— und was wir vom Gerichlsvollzieher ge- sagt habm, gllt auch von allen anderm Beamten— kein normaler ist und daß es wohl an der Zeit wäre, einmal eine Am- derung, welche den Staat für seine Beamtm verpflichtet, eintreten äU 1 Wieder etwa« über„H»tt«l»i". Die Oldenburger Polizeibehörde scheint die Bremer und Geraer Behörde um ihre Lorbeeren, die fie fich auf dem Gebiete der„Bettelei" erworben, zu beneiden. Am 8. d. Mts. hatten die Oldenburger Tischler in einer öffentlichm Versammlung beschlossen, von Oldenburg einen Delegitten zum Tischlerkongreß nach Braunschweig zu entsenden und die Kostm durch eine freiwillige Samm- l u n g zu beschaffen, da der Delegirte ja doch nicht in der Lage ist, von seinem geringen Lohn eine solche Reise bestreiten zu könnm. Einige Koilegm erklärten fich bereit, die Sammlung vorzunehmen und so hatte man damit in voriger Woche in allm Tischlerwerkstätten begonnen. Am Sonntag Morgen gegen acht Uhr erschienen nun bei einem der Sammler, Tischler B., zwei Polizeidimer. B. war in der Werkstatt seines Brothenn mit der Anfertigung eines Sarges beschäftigt und wurde von der Arbeit weg von den beiden Polizeidienern nach dem Rathhaus ekkortitt, ohne daß man ihm vorher Zell gelaffm hatte, Weste. Rock und Hut mitzunehmen. Auf dem Rathhause wurde B. gefragt, wie viel Geld gesammelt sei und wo fich dasselbe de« findet. Zum Schluß wurde ihm dedeutet, daß man die Sc mm» lung, die doch in der vom Polizei-Wachtmeister überwachtm öffentlichen Versammlung deschloffen wurde, ohne daß der Herr Wachtmeister darin etwas Ungesetzliches erblickte,— als„feine Bettelei" ansehe. Gegen 10 Uhr erschien dann bei d.m Kasstrer, dem die gesammelten Gelder bereits übergeben waren, ein Polizeidiener und verlangte die Hergabe der Sammellisten und der gesammelten Gelder. Das Geld. welche« fich noch im Befitze des Kasfirer» befand, wurde aus» geliefert, die Listen waren aber nicht mehr in seinem Besitz. Eine vorgenommene gründliche Haussuchung förderte fie ebenfalls nicht zu Tage. Bei einem zweiten Sammler fand man endlich die gesuchte Liste. Nunmehr wurde auch B., der so lange auf dem Rathhaus bleiben mußte, entlassen. Auf seine Frage, waS er nun machen solle, seine Arbeit müsse fettig werden und man habe ihm daran verhindett, die Stunden vor der Kirchzell aus» zunützen: jetzt sei Kirchzell und folglich das Arbellen nicht mehr gestattet? wurde ihm die Antwort, er solle nur ruhig arbellen. Hoffentlich wird es ihm nickt ergeben wie dem Schneider, welcher während der Kirchreit eine Hose über die Straße trug. Er hat ja die polizelliche Erlaubniß und dürfte vor einem Strafmandat ficher sein. Der Delegitte ist natürlich trotz der beschlagnahmten Gelder zum Kongreß gegangen. Die Beschlagnahme des Geldes wird fich durch eine Anklage wegen Bettelei nicht auftccht er» halten lassen. Die Betheiligten müssen sofort den Beschwerde» weg beschreiten und im Falle einer Anklage einen tüchttgm Rechtsanwall zu Rathe ziehen. G«g»« di» freie« Atlfskasf»« wird jetzt ein offiziöser Feldzug eingeleitet, indem in der„Nordd. Allgem. Ztg." eine Zufchttft„aus Süddeutschland" abgedruckt ist, welche angeblich von„mehreren Ardellern" herrühtt. Dergleichen Zuschriften aus „Süddeutschland" kennt man nun schon zu genau; fie stammen, wie die„Frankfurter Ztg." meint, allesammt aus Berlin durch Vermittelung eines und desselben Bureaus. Zur Abwechselung könnte man wenigstens einmal solche Zuschriften aus„Welt- deutschland" datiren. Den freien Hilfskassen wird in dieser Zu» schttft zum Vorwurf gemacht, daß fie destimmte Anforderungen an die Gesundheit vor der Aufnahme stellen.— Dies liegt eben im Wesen der freien Hllfskaffen. Die Zwangskaffen nehme« ja auch nickt jedermann auf, sondern nur Personen aus den- jenigen Klaffen, die bei der Zwangseintheilung der Behörden der betreffenden Kasse zugewiesen find. Großbritaunie». Die Fischerei-Rechte in den Gewässern von Neufund» land geben den Anlaß eines diplomatischen Notenwechsels zwischen England und F r a n k r e i ch, der in der englischen Presse mit ziemlicher Ruhe besprochen wird. Die Regierung von Neufundland hat, wie es scheint, ein Gesetz erlassen, welches den Verkauf von Köder an die ftanzöfischen Fischer verbittet. Ferner beklagen fich die Franzosen darüber, daß die Engländer Faktoreien zum Pökeln von Hummern auf dem ftanzöfischen Gestade errichtet haben. Nun erfteut fich Neufundland, das bekanntlich der kanadischen Dominion nicht angehört, der Seldsttegierung und kann demgemäß Gesetze erlassen, gegen welche in London kttn Veto ttngelegt werden kann, so lang fie nicht andere Thttle des btttischen Reiches schädigen oder gegen die guten Sitten ver- stoßen. Nun bat der Vettrag von Uttecht den Franzosen aller» Vings gewisse Vorrechte auf dem sog. ftanzöfischen Ufer ttnge- räumt, allein diese find ftanzöfischerftits erst geltend gemacht worden, als fich herausstellte, daß die Konkurrenz der von de« Engländern errichteten und lange geduldeten Faftoreten der ftanzöfischen Industrie Eintrag that. Da nun im Jahre 1713 die Kunst des Einpökelns von Hummern in Zinnb.chsen noch nicht bekannt war, schttnt es mindestens unzeitgemäß, mit dem verstaubten Pergament von Utrecht gegen ttne moderne Jndusttte loszuziehen. Frankreichs Respett für alte Verträge ist nicht immer sehr groß. Im geaenwättigen Falle handelt es fick um Handelsvorrechte. Die beste Abhilfe wäre nicht die von Godlet vorgeschlagene Unterdrückung der englischen Faftoreien, sonder« die Auszahlung ttner gewissen Summe an Franftttch, um de« Engländern die bisher blos geduldete Erttchtung von Faktorttm als beständiges Recht zu fichern. Viellttckt ließe fich dieses Recht damit auswirken, daß man den ftanzöfischen Fischern die Er» laudniß zurückgiebt, Köder zu kaufen. DSttetnarit. DaS Folkething hat dtt der weiteren Berathung über den Krankenkassen-Gesetzentwurf eine wichtige Aende- rung in Betriff des Armenwesens vorgenommen. Nach dem Gesetzentwurf sollte derjenige, welcher Armenunterstützung empfangen hat, seine politischen Rechte verlieren, und bisher wurde öffentliche Krankenhilfe auch als Armenunterstützung ge» rechnet. Nach ttner langen Diskusston wurde nun der Vor» schlag, daß Krankenhilfe nicht als Armenunterstützung angesehen werden solle, btt der drllten Lesung angenommen. Glttchztttig wurde beschlossen, daß die Bestimmungen wegen Armenunter» stützung für den Bttreffmden nur 5 Jahre gelten sollen, sodaß ttn Unterstützter nach Verlauf dieser Zell seine politischen Rechte wieder erlangen kann. Dadurch ist eine der Forderungen, welche die Sozialdemokraten sehr eifttg befürwortet haben, erfüllt worden. 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Dezember 1888. 6. Jahrg. ZoKales. Innuttgsbestribunge«. Die Gesellen oder Gehilfen Hoden nach dem?lnnungsgcsetze zwar in der Regel in der In» nung nur soviel Rechte, als die Meister ihnen freiwillig ein« rSumen. Das heißt ins unumwundene Deutsch übersetzt: gar keine! Indessen, wenn die Innungen die Gesellen geradezu durch Geldbeitrag oder p rsönliche Leistungen belasten wollen, dann müssen die Gesellen doch mit dabei sein. Sie müssen dann gehört werden, ihre Zustimmung geben und auch bei der Verwaltung mst betheiligt sein. Deshalb können die Jnnungs- krankenkaffm und die Verknechtungseimichtungen, wie Innungs. Arbeitsnachweis, Jnnungs.Wanderunterstützung, Jnnungs.Her> dergm nur eingerichtet werden, wenn die Gesellen gehört worden find und zugestimmt haben, es sei denn, vre Herren JnnungSmeister nehmen die Kosten und Lasten ganz allein auf fich. Daß letzteres nicht geschehen wird, dafür sorgt der ganze Charakter der Jnnungemeister. Sie wollen nichts leisten, aber viel erhalten, Der§ 101 f der ReichZgewerbe- ordnung giebt dm Innungen das Reckt, auch von solchen Ge. sellen und Meistern Beiträge für ihre Jnnungseinrichtungen zu erhedm, die der Innung nicht angehören, wenn nach§ 100a diese Gesellen und Meister dabei ordnungsmäßig„gl hört" find. Außerdem dürsm Fabrikanten und deren Ardeiter nicht heran. gezogen werdm. Der Ausdruck„Fabrikant" ist ein sehr unbe- stimmter. Das Unfallvelfichemngsgesetz steht nickt nur jeden Betrieb als eine Fabrik an, in welchem mehr als 9 Arbeiter de» ichästigt werdm. oder daS mit einer Kraftmaschine arbeitet, sondern durch Entscheidung des Reichsgerichtes find auch noch andere Betriede, bei welchen dies nicht zutrifft» die aber ihrer Natur nach Fabrikdetriede find, wie die Zigarrenmachereien, auch in kleinerem Maßstabe für „Fabriken" erklärt. Es wäre danach fast ein jeder Betrieb ein Fadrikdetrieb. der nicht Mos auf Bestellung arbeitet, sondern Maffmartikel auf Spekulation zum Verkauf nach Ge> lcgmbeit herstellt. Es wäre also z. B. jede Steinmctzweristatt, jede Töpferei, auch wenn fie weniger als 10 Personen de. schäftigt und keine Kraftmaschine verwmdet, aber Waarm zum gelegentlichen Verkauf auf Lager verfertigt, ein Fabrik» Man mag hieraus wieder ersehen, wie werthlos die dm Innungen so ad und an, um ihre Geduld bei der Mitarbeit für reanionäre Zwecke zu stärken, zugeworsenm Beschwichti« gungsmiUel find. Wie die Arbeiter dabei durch Aufmerksam- seit Schadm von fich abwenden können, zeigt ein Beispiel, das in Münchm bei der Buchbinder- Innung fich ereignete. Diese Innung hatte fich um die Rechte deworbm, den Nicht» Innungsmeistern und dm Ardeitem Beiträge für ihre Jnnungszwecke abnehmen zu dürfen, und hatte das Recht im Juli dieses Jahres auch erhallen, weil fie fälschlich de» hauptet hatte, die Gesellen wärm dabei befragt und seien damit einverstandm. Die Gesellen protestirten zwar dagegen, aber ohne Erfolg vorläufig. Da beschlossen die Münchener Buch- dindergehilfm, der Innung Widerstand zu leisten und die ihnen aufgelegten Beiträge nicht zu zablen. Da die Gehilfen dabei fest zusammenstanden, mußte die Innung den Rückzug antreten und das ihr verliehene Recht der Besteuerung der Gehilfen fallen lassen. In allen solchen Fällm ist also den Gesellen ihr Verhall, n der Innung gegenüber vorgeschrieben. Kernen Innungsausschuß wählen. Das ist die gründ« lichstc Abwehr. Wo diese durchzuführen ist, ist wenig zu de- fürchten. Nur da, wo man die Wahl eines Jnnungsausschuffes nicht glaubt ganz verhindern zu können, sehe man zu, daß der Aus» schuß so zusammengesetzt wird, wie er dem Interesse der Gesellen mtsprickt. Dieser Ausschuß muß dann sofort die Forderungm der Gesellen vor die Innung bringen. Die Folge wird dann sein, wie die Erfahrung vielfach gelehrt hat, daß die Innung auf die fernere Mitwirkung deS Gcsellenausschuffes gerne verzichtet, denn so ist er nicht gemeint. Eigmtlich nützen kann der Gesellenausschuß der Innung dm Gesellen nie, aber er kann in dem angegebenen Fall freilich verhindern, daß die Gesellen durch einen aus Bachullen gedil» deten Ausschuß geschädigt werden. Ist ein Gesellenausschuß z. B. wie in Berlin bei der Bau» Innung durch ganz lächerliche Handlungen zusammmgemogell und versucht die Innung, gestützt auf diesen Ausschuß, die Ge» fellm zu belasten, so wäre sofort in großm Versammlungen Unsere Urnjahrsgratulanten. Au« dem Tagebuche eines Junggesellen. Humoreske von A. F. Thiele. Noch lag ich in tiefen Wehen, den Folgm des gestrigen Splvester-AbendS, der mit seinen Stürme» an mir vor- übergerauscht war, mehr todt als lebend in meinem Bette, aus dessen weichen Kissen, wie ich vermuthe, nur meine etwa« längliche Nase herausgesehen hat, als ich plötzlich durch et» sanftes Rütteln und Schütteln, da« unmöglich von dem durch meine Adern jagenden Fieber herrühren konnte, au« meiner Bewußtlosigkeit erweckt wurde. Erschreckt fuhr ich in die Höhe, schaute aber beruhigt in das gutmüthige Geficht der Frau Pumpel, meiner altm Schlaswirthin, bei der ich schon eine geraume Zell wohnte. „Guten Morgen, Herr Pfefferkorn!" krächzte sie mir mll freundlichem Grinsen entgegen.„Wollen Sie denn heute ewig schlafen? Habm wohl gestern des Gute« ein wmig zu viel getha», wie? Hi, hi, hi! Nu», nun,— habe Ihnen hier Jhrm Kaffee hineingefetzt und auch etwa« Kuchen dazu! Hi, hi, hi! Du lieber Gott, es ist ja doch Feiertag! Herr Pfefferkorn— ich gratulire auch recht schön zum neum Jahre!" Und mll dem Anstände einer Hofmeisterin kaixte sie da- dei gravllätisch vor meinem Bette. Neujahr! Jetzt erst wurde mir die Situation klar. Mit einem Satz war ich au« dem Bette und mit einem eben- solche» Satze floh meine Alte zur Thür hinaus. Hatte ich denn so wenig Anziehende«? Mit nichten! Da lag ja, aller- ding« in nicht musterhafter Ordnung, vielmehr in der Stube verstreut, meine sehr vollzählige Garderobe, auf die ich mit Recht stolz sein konnte. Bedächtig fuhr ich in die UnauS- sprechlichen und in die Filzpantoffeln, hüllte mich behaglich in de» vielfach die Spuren häufigen Gebrauche« aufweisen- de» Schlafrock und nachdem ich mir noch mit der Hand durch Haar gestrichen, nahm ich auf dem Sopha Platz, mich meine» Gedanke» und Empfindungen überlassend. Protest bei den betteffenden Gemeinde« und Staatsbehörden zu erHeden, dezw. jede Bellraaleistung zu verweigern. Wir fürchten übrigens nicht, daß die Berechtigung des§ 101k oft von den Innungen verlangt werden wird. Man hat die Werthlofigkell desselben schon ziemlich überall begriffen. Die Berliner Schuhmacher, vorläufig freilich erst die Nicht» Jnnungsmeister, noch nicht vie Gesellen, haben auck schon einen Kamps in dieser Sache mll der Innung, auf dessen Ausgang man gespannt sein kann. Die Promenade« unserer Kindt zeigten fick während der W.ibnachtsseiertage in einem gänzlich verwahrlosten Zu- stände. Freilich hatte ja der unaufbaltsam nicdcrriesclnde Regen sein Möglichstes gethan, um den Boden zu erweichen, aber so unangenehm find die Uebelstände, welche aufgeweichte Parkwege und Chausseen verursachen, doch nie empfunden worden, wie in den verflossenen Weihnachtsfeiertagen. Sobald der Regen ein wenig nachließ— und das geschah an allen drei Feiertagen in den Abendstunden— strömten Hunderte und Tausende hinaus ins Freie, um fich durch einen Spaziergang und einen Athem- zug frischer Luft zu erquicken. Ader wehe dem, den das Schicksal etwa mll einigen kleinen Kindern nach der Treptower Chaussee oder nach dem Stralauer Wege oder auf irgend eine andere der östlichen Landstraßen trieb! Daß diese Sttaßen schlecht und völlig unzureichend erleuchtet find, könnte man vielleicht ent- schuldigen, aber dieser entsetzliche bodenlose Morast, in den fich diese Straßen namentlich an dm Kreuzungsstellen verwandeln, ist unerhört und unentschudbar! Ties aufgeweicht find die nur durch Kiesschüttungm befestigtm Seitenwege und eine reichlich einm Halden Fuß hohe, dickflüssige Breischlcht de deckt den Chauffeedamm; zwischen diesem aber und dem Sellen- wege lagern fußhohe zusammengckehlte Morasthaufen und wehe demjenigen, der fich etwa im Dunkeln einfallen läßt, den Ver such zu machen, von dem aufgeweichten Seitmwege, wo man dei jedem Schritt Mühe hat, die Fußbekleidung mitzuziehm, auf den mit solider Grundlage versehmen Chauffeedamm zu gelangen. Nur derjmige mag dies Wagniß unternehmen, der mit soliden Wasserstiefeln und zugleich mit der Fähig kell ausgerüstet ist, beim Rutschm, Glitschm und ähnlichen gewagten Körperhaltungen nicht aus der Balanze zu kommen. Kinder auf solchm Weg zu führen, verbietet fich von selbst und da diese Verhaltnisse bei den Berlinern wenig bekannt find, so kam es vor, daß man an dm Abendm, wenn der Regen aufgehört hatte, die Leute in Strömen in die Umgegend von Berlin gehen, aber alle nach kurzer Zell zurückkehren sah. Was blieb dm Leutm übrig, als das nächste Schanflokal auszusuchen, wo man zwar keine frische Lust, aber doch frisches Bier und Zerstreuung fand.— Die guten Leute, welche sonst geaen dm Schnapsteufel, Bierteufel und noch manchen anderen Teufel wettern, die sollten dafür sorgm, daß die Prommadenwege auch bei schlechtem Wetter in vasstrbarem Zustande fich definden, das würde dem unnöthigen Bier- und Schnapsgcnuß besser vorbeugen als das Gruselig» machm, das gewöhnlich erst dann seine Wirkung thut, wenns zu spät zu einer Hilfe ist.— Wir möchten dei dieser Gelegenheit noch einem weitverbreiteten Irrthum entgegentreten, daß es nämlich ein Fehler vieler Ar» beller sei, wenn fie nach Feieradmd die niedrigen Kellerlokale miffuch-n, statt in«vohlgelütteten Räumen noch ein Glas Bier zu verzehren. Sieht man fich zunächst die Leute an, die in solchen Kellcrlokalm verkehren, so find es fast ausschließlich Leute, die dm ganzen Tag über mit anstrengmder Muskelarbeit im Freien beschäftigt find, als Maurer, Bauarbeiter, Baukutscher, Sandfuhrleute u. Vgl. Die Leute haben fich in freier Lust weidlich müde gemacht und die schwüle Atmospäre des Schank« kelle:« hat für fie durchaus nicht das Belästigende, wie für jemanden, der den Tag über im wohlgebeizten Bureau hinter dem Schreibtisch zugebracht hat und dem nätürlich der Aufenthall in freier, gesunder Luft besser zusagt. Freilich giebt's unter den in der Schreibstube Beschäftigten auch recht viele armselige Bleichgestchter, denen infolge schlechter Ernährung das Blut nur träge dmch die Adern schleicht und fie gegm die Kälte desto empfindlicher macht. Diese verhungetten und ver» frorenen Iammergestallm brauchen allerdings zumeist eine kräftige warme Mahlzeit nöthiger als einen Spaziergang, der die Bestie des nur leife schlummernden Hunger« erwecken und zu voller Wuth reizen würde. Nichts desto weniger wollen wir auf diese traurigen Zustände der Promenadenwege im Osten der Stadt ausdrücklich hinweisen, deren Instandhaltung für Sonn- und Feiertage mit Rückficht auf die gerade in jenen Stadttheilen weit überwiegende Arbellerdevölkerung dringmd zu wünschm ist. Die gute Pumpel! Wie mütterlich sie für mich sorgt! Da stand wirklich der duftende Mokka, dm niemand fo gut zu bereiten versteht, wie sie, und richtig, da lagen auch vier große Stücke Kuchen dabei. Die gute Seele! Schnell ward nun eine Zigarre in Brand gesetzt und als erst die blauen Rauchwolken mich umschwebtm und die stärkmdm Kaffee- düfte einen Weg durch meine Nase fandm, da begannen allmälig die Nebel zu weichm, die den Gipfel meine« Leibe« umlagerten und e« wurde Licht auch vor meinem geistigm Auge. Also Neujahr! Wa« wird da« neue Jahr mir bringen? Wa« da« alte Jahr gebracht hat: nickt«! Wieder ist ein Jahr vorüber uno ich habe noch keine Frau. Wieder sitze ich al«„möblirter Herr" einsam und verlassen in meinem Afterstübchen, mit der wmig trostvollm Aussicht auf die Dächer und rauchendm Essm der gegen- überstehenden Häuser, auf denen momentan ein großer arzer Kater seine Katzenbuckel macht. Soll da» vielleicht erne Anspielung auf meine gegmwärtige Verfassung sein oder schwelgt er schon im Vorgefühl der Wonne der Triumphe, die sein Geschlecht in dresem Jahre feiern wird? Wer weiß e«? Jedoch— hoffen ja doch Alle vom kom» mende« Jahre, warum sollte ich es nicht? Sollte denn nicht einer meiner Wünsche erfüllt werden? Vielleicht eine reiche Frau, ein Lotteriegewinn, eine reiche Erbschaft oder -- Poch, poch, poch l klopfte e« an meine Thür. Wie? so ftüh schon Besuch? Und ich noch im tiefsten Neglige« — vielleicht gar eine Dame— meine Zukünftige-- RathloS stand ich da, ungewiß, ob ich öffnm sollte oder nicht. Fester wickelte ich mich in meine» Schlafrock' schlich leise zur Thüre und legte spähmd mein Auge an da« Schlüsselloch, um vielleicht von meinem Besucher etwa» zu ergründen,— da wurde auch schon die Thür, die ich bei meiner Nachhausekunft zu verschließen vergessen hatte, auf- gerissen und mem Kopf gerieth in eine etwa» unsanfte Be- rührung mit der Thürklrnke, so daß derselbe noch mehr brummte, al« bisher. Beschämt stand ich vor dem Brief- träger, der mich lächelnd betrachtete. Dt««rhühmtg de»«abakzoll». An den jetzigen Reichstag ist, wie wir beretts erwähnt haben, von verschiedenen Tadakbauern wieder da« Ansuchen gestellt worden, der„Noch« läge der tabakbauenden Landwirthe vadurch ad»uhelfen, daß durch einen höheren Zoll auf ausländischen Tabak dem heimischen Kraut die unangenehme ausländische Konkunenz abgenommen werde. Daß diese Agitation, wenn fie Erfolg haben sollte, auf nichts anderes hinauslaufen würde, als die Tabakindustrie dem Ruin entgegen zu tteiden, haben wir früher beretts ausgeführt und wir können diese unsere Anficht auch heute nur als richtig aufrecht hatten. Mit welcher geradezu kindlichen Naivetät übrigens die petttionirenden Tabakbauern ihre Gesuche begründen, das kann man einer aus Ohlau eingesandten Petttion entnehmen, in welcher die Erhöhung des Tabaizolles von 85 PL auf 100 M. verlangt und neben anderen gleickwetthigen Gründen für die Nothwen« digkett diesee horrenden Erhöhung folgendes Argument in's Feld geführt wird: „Anerkanntermaßen find selbst die geringeren aus« ländischen Tabake in der Qualität dm besseren inländi« schm Sorten überlegen, außerdem werden jme wegen ihrer durch größere Blätter mit dünnen leichten Rippen bedingten besseren Verwendbarkeit zur Zigarrmfadrikation dm inländischen vorgezogen." Also weil, wie die Tabakbauem aus Ohlau unbedenllich zugeben, das von ihnen gezogene Kraut einen Vergleich selbst mtt den geringeren ausländischen Qualitäten nicht aushätt, des- halb ziehen fie nicht etwa die naturgemäße Konsequmz, daß fie nun bestrebt sein müssen, durch verbeffette Kuttur die Qualität ihres Produttes zu heben— nein, fie verlangen, daß dmch einen Prohibitivzoll ihnen diesunliebsame Konkurrenz vom Halse gehaltm werdm soll. Zu welchen Zuständm wir wohl kämm, wenn die An« fichtm der Ohlauer Bauern maßgebend dei uns würden! Mit demselben Rechte wie die Tabakbauem könnten natürlich die Weinbauern kommen und sagen,„anerkanntermaßm" ist der franzöfische, spanische oder griechische Wein unserm Grüneberger überlegen, ergo muß der Zoll auf den ausländischen Wein so hoch sein, daß er nur in den settmsten Fällm mehr eingeführt werden kann. Und derselbe Gmnd ließe fich dei tausmd an» derm Gegenständen anführen. Vielleicht kämm auch noch die Zickorimfabrikantm und verlangten ein Einfuhrverbot auf Kaffeebohnen; denn es ist„anerkannt", daß eine Tasse Kaffee, selbst wenn fie aus dm leichtestm Bohnen gebraut ist. immer noch der besten inländischm Zichoriendrühe vorzuziehen ist. Natürlich ist nicht daran zu denlen, daß der Reichs» tag auf die Wünsche der Petentm eingeht. Allein eine andere Gefahr steckt in diesem fottgesetztm Petttionirm und Quemltrm der Tabakbauem doch, nämlich die. daß infolge dieser Vorgänge immer und immer wieder das Tadakmonopol auf der Tagesordnung erscheint und daß die Gegner desselben ficher nicht zahlreicher werden, wenn an dem gegenwärtigen Zustand fortgesetzt gerüttelt und hemm gemäkett wtrd. Neben dm in der Tabakindustrie beschäftigten Ardeitem dürfte» e« aber gnade die Tabakbauem sein, welche dei der Einfühmng deS Monopols am schlechtesten wegkämen. Schon heute find es die Scherereien, welche mit der Steuerkonttole verknüpft find, über welche die Tabakbauem fick zu beklagen gerechte Ursacke habm, würde aber die gesammte Industrie verstaatlicht, so würden fich diese Scherereim naturgemäß verzehnfachen. Wir dächtm also, die Tabakbauem thätm am besten, sich die Hunde nicht selbst aufzuwecken, denn schließlich find fie es, die am ärgsten von ihnen gebissen werdm. Dem Mobelschwindet soll nun— wie eine Lokal« Korrespondenz berichtet— seitens der Kriminalpolizei besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden und vor kurzem verlautete— vermuthlich aus derselben Quelle— daß auch gegen die„Piano- schiebet" energisch vorgegangen werden solle. Von einem Ein« schreiten gegen bestimmte Personm verlautet bisher zwar noch nichts, doch ist wohl anzunehmen, daß man in der That dm Auswüchsen auf dem Handelßgebiete etwas zu Leibe gehm will. Hierzu dürfte der bekannte Berrugeparagtaph unseres Strafgesetz» duches eine Handhabe bieten. Unzweifelhaft wird den Käufern eine falsche Thatsache vorgespiegett, wenn verkündet wird, daß Möbel-c.„wegen Todesfall" oder„aufgehobener Verlobung" verkauft werden sollen; und die„weinendm Wittwen", welche dm dekorativen Rahmen für das Phantafiestück bilden, würdm auch in der Anttage als besonders belastendes Moment ver« wetthet werden können. Ganz analog liegen die Sachen bei dem Pianoschwindel; in allen derattigm'Fallm hat der Verkäufer „An Herrn HyronimuS Pfefferkom, Schriftsteller. Richtig?" „Richtig!" „Wünsche viel Glück zum neum Jahre!" Dankend drücke ich dem Glücksboten ein Geldstück in die Hand, dankend verschwindet er. Ei» Brief! Wie pocht da» Her» in meinem Busen, welche bangen Ahnungm erfülle» merne Brust. Vielleicht halte ich, m eine leichte Papierhülle verschlossm, mein Erdenglück in Händen. Sollte vielleicht mein reicher Onkel— die Nachricht von seinem Tode— ich Universal- Erbe— Götter! Wäre e« möglich?— Ja, ja, der Brief ist vom Gericht— da» Format, da« große Siegel und die Handschrift, so aktenmäßig unleserlich— Hurrah, Pfefferkom! Freue dich! Der Onkel soll lebm!— Aber nein! Ich habe immer gehört, auch zu große Freude soll tödtlich wirken. Ich will mich erst fasse«, sammeln, ehe ich dm Brief erbreche und mich bis dahin an seinem Anblick weide». Mit zittemden Häadm legte ich da« Schreiben auf dm Tisch.— Also endlich, mdlich einmal ein Treffer! Wa« gedmkst du nun zu thu», Hyronimu«? Heirathm mußt du jetzt,— aber wen? Wmn meine Wirthin nur nicht zu att wäre, wir paßten ganz gut zusammm,— sie ist ja auch eine alte Jungfer— aber der Onkel wird wohl dieserhalb irgend welche Bestimmung in seinem Testammte getroffen habe«— will doch gleich einmal sehen... Ob ich ihn erbreche oder ob ich ihn mir noch aufspare? Ich werde die Knöpfe um sein Schicksal beftagm.... Ja— nein— ja— nein--- ja! Mit einem Sprunge war ich am Tische, hatte dm Verurtheiltm beim Schöpfe, da» Siegel erbrochm und ihn mtfaltet. Stumm und starr stand ich da, die erloschmm Blicke auf da« Papier geheftet. Da stand nichts von Tod und Onkel, nicht« von Erbschaft, Testammt und Frau,— nur ein einziges Wort grinste mir entgegen, ein inhaltsschwere« Wort und diese« Wort hieß: Esel! die Absicht, bei dem Kauflustigen einen Jrrthum zu erregen, um sich dadurch einen Vermögensvorthell zu verschaffen. Das Ver- gehen ist also da und der Staatsanwalt kann zugreifen. Aber weshalb soll der Staatsanwalt gerade nur die genannten Schwindler soffen? Giedt es nicht außer dm angeführten eine Unzahl von anderen Fällen, welche das nothwendige Requifit zur strafbarm Hanviung enthalten? Aus gleichen Gründen könnte auck gegen die Schwindelausverläufe, Scheinauttionen, falsche Ankündigungen und tausende von ähnlichen Dingen ein- geschritten werden. Schon die Anzeige, daß„wegen Aufgabe des Geschäfts" die Waaren zu„herabgesetzten Preisen" verkauft werden sollen, könnte eine polizeiliche Intervention zur Folge haben, falls die Angaben nicht genau der Wahrheit entsprechen würdm. Das wür e eine nette Geschichte werden, und die Leutchen, welche nur in dem Staatsanwatt den rettenden Hefland gegen alle Fäulniffe unserer gesellschafflichen Zustände erblicken, wurdm bald genug wie Gleichen im Faust rufen: Heinnch. mir graut's vor Dir!— Der Staatsanwalt kann also wohl einigen plumpen Schwindlem das Handwerk legen, wenn der Betrug bereits vollzogen worden ist, er kann aber nimmer den Schwindel in seinen verschiedenartigsten Gestattungen verhüten und beseitigen, dazu ist mehr erforderlich, als Polizei- liche Weisheit und Praktizirung der beliebten Abschreckungs- theorie. Um dm Schwindel zu verhüten und das Publikum vor Schaden zu bewahrm, ist vor allen Dingen Aufklärung nothwendig, welche zu verdretten Aufgabe der unadhängigm Preffe sein muß. |Uttj<>hr»«ötts'ch««nd Sylvesterscher»« erscheinen jetzt, wo die Weidnachtshentichleit verschwunden ist, wieder auf dem Plan, und Jedermann ergiedt fich gern dem„Studium" jener gereimten und noch öfter„ungereimten" Sinnsprüche, um für irgend einen guten Freund etwas Geeignetes auszuwählm; denn für den ilteujadrstag ist es ein aller, wenn auch nicht immer guter Brauch,„scherzend die Wahrhett zu sagen". Neben dm zarten, dusligen Blumengrüßen tretm daher auch wieder die Leinen, meist illustrirten Bosheitm in den Vordergrund. Da wird einer gewiffm„Schönm" zugerufen: „Daß kein Verleumder sage, Jugend sei von Dir gewichen— Kunstreich sorge alle Tage: Daß Du auch— frisch gestrichen." Und in Bezug auf einen Standesamtskandidatm heißt eS:„Wem zu wohl ist, der nimmt ein Weib." Einem hei- rathslustigen Mäochm wird ein ganzes Album von„Männer- schönheiten" gewidmet, die allerdings in Spaa nicht gekrönt wordm wären. Eher gllt von ihnen ein anderer, derber Spruch: „Getroffen ist Dein Bfld ganz gut, Doch steck' Dir's selber nur an den Hut, Dmn ich behatt's auf keinen Fall: Mein Album ist kein— Ochsenstall." Und da wir einmal bei dem„kräftigen" Gmre find, sei gleich ein wetterer Vers hierher gesetzt: „Den Werth in Dir hrt längst erkannt Die alte Bauernregel: Zum Dreschen wärst Du ganz brillant, Du bist ver größte— Flegel." Daß auch die Mitwett schon dankbar ist, bezeugt ein anderes Verschen: „Dir, dessen Geist das Wellall schätzt, Sei hier ein Monument gesetzt, Nun kann dereinst die Nachwelt schauen, Den— größten Esel ausgebauen." Ein Neujabrsscherz mit der Devise„Reichthum schändet nicht" ist in die Form einer Banknote gelleidet und lautet also: „Ich wünsche Dir 50000 Mal Von dieser Kopie das Original; Nichts sei so falsch an Dir und mir Wie diese Bankanweisung hier." Zu derselben Art zählt ein„Telegramm" aus dem„Reiche der Hoffnung": -Daß ird'scher Segen Dein Lebm verschöne, Wünsch' ich Dir's Vermögen von Rothschild und Söhne." Und zum Schlüsse gilt für alle unsere Leser das Wort: „Vergeffm sei das alte Jahr, Es hat nicht gut gemacht fich, Wir wünschen Euch Allen treu und wahr Ein fröhliches- 89." Mo« der Ehrlichkeit n« serer Droschkenkutscher. Der„Rat.- Ztg." wird geschrieben: Erlauben Sie mir, Ihnen zu dem Thema„Damentaschcn" oder„Berliner Droschkenlutscher" oder„Nachträgliche Weihnachtsfreuden" beifolgenden Beitrag zu smden, bei veffen etwaiger Verwendung ick aber bitte, meinen Namen nicht zu nennen. Vor einigen Tagen verlor meine Frau ihre recht wefthoolle goldene Taschenuhr nebst Keuchen und Kugelmedaillon, welche fie lose(!) in der Tasche trug, fintemalm die modernen„zugehakten" Kleider das Unterbringen der Uhr in dem früheren Busentäschlein nicht mehr ge- statten. Nichts natürlicher, als daß meine F-au beim Shopping, wobei zuweilen Börse oder Schnupftuch unter endlosm Schwierig- ketten aus der heutzutage so finnig und praitisch im Hinter- gründe angebrachten Tasche herausgeholt wurden, bei diesen Manipulationen ihre Udr verlor. Darob großes Herzeleid an den Ufern des Königin Augusta. Kanals, wo wir saßen und „Esel!" rief ich wüthend aus.„Esel, der Du bist, daß Du nicht daran gedacht, daß heute Neujahr ist, wo jeder Dummkopf das Recht hat, Dich zu narrm." Aergerlich sinke ich in die Sophaecke, um all meinen Groll entschwinden zu lassen mit dem Rauche meiner Havanna. Sie war erloschen.— Gierig greife ich«ach dem Mokka. den Brand zu dämpfen, der mein Innere» verzehrt. Er war kalt. „Zum Teufel! Hat sich dm» heut alle« wider mich verschworm? Die Zigarre ist aus, der Kaffee ist kalt, das Frühstück verdorbm, die gute Laune dahin, und alle« die« verschuldet der vermaledeite Brief, der mich 50 Pfennige gekostet, der mich au« dem siebenten Himmel zurück in'« irdische Jammerthal geschleudert hat. O, ich Esel! Ich E el\" Zornig schlug ich mir mit der geballtm Faust vor dm Kopf und traf unglücklicherweise gerade die vorher von der Thürklinke erhaltene Beule. Von Schmerz und Zorn übermannt, stürze ich zum Fenster, reiße die Flügel wuthmtbrannt auf und stürze den Bringer bitterer Enttäuschung, der mich fünf Groschm ge- kostet, meine gute Laune verjagt, da« Frühstück ver- dorben hat, vier Stockwerke tief auf das Sttaßmpflaster fiituib. Kaum hatte ich diesen Akt der Lynchjustiz bemdet, da ging e« leise poch, poch, poch an meiner Thür. Wie? Schon wieder em ungebetmer Gast? Viel- leicht wieder ein Brief? Aber warte, ich will Dir heim- le« te»! � auf, ein bekannte«, bärttge« Gesicht lacht mir entgegen. „Der Nachtwächter grawUrt zum neum Jahre!" Er hat mir schon manchen Dienst erwiesen, er ist wohl einige Nickel werth. Hätte ihm diese« Zartgefühl gar nicht zugetraut, mir zum neum Jahre Glück zu wünschen. Nu«, gebrauchm kann ich'« wahrlich! weintm, wmn wir des UhrleinS gedachtm. Und das war am 24. und 25. Dezember.— Der Verlust war der Polizei gemeldet, er wurde veröffentlicht(annonzirt), alles vergebens. Da über- rascht unS gestern Abend plötzlich ungewohnter Besuch in Ge- statt eines Droschkenkutschns 1. Klasse, der uns die Nachricht dringt, er habe die Uhr im Rinnstein einer Straße gefundm, dieselbe zu Hause in Verwahr genommen, den Fund bei der Polizei angcmelvet und sei durch diese an meine Adresse ver- wiesen worden. Als ich ihm mittheitte, daß er fich eine Be- lohnung von 60 M. erworben, von deren Zusicherung der Biedermann bisher nichts wußte, meinte er:„Det is ja sehr nett, darüber wird fich Mutter frmm. Da fahre ich lieber schnell nach Hause und hole ibr(d. h. die Uhr)". Es war der Droschkenkutscher Ferdinand Löke Nr. 2128 1. Klaffe, Kutscher (er defitzt kein eigenes Pferd) bei Herrn Streu, Rügmerstr. 38. In so schnellem Tempo wird das wackere Rößlein von Nr. 2128 schwerlich jemals die Strecke aus dem West nach dem hohen Norden und zurück abgelegt haben, wie gestern Abend. Im Westen blieb man indeß auch nicht müßig, und als der glückliche Finder mit der viel vermißten und betrauerten Uhr wieder erschien, diesmal in Begleitung des kleinen Ferdinand, des Stolzes der Familie, der zwar eigentlich um diese Stunde ins Bett gehöre, aber zur Feier des glücklichen Ereignisses auf dem Bock mitgmommen worden war, erwarteten ihn neben der verdienten Belohnung eine Anzahl magenstarkmdcr und erfrmmder Gegenstände in dm verschiedensten Aggregatzuständen, mit dmen der wackere Roffelmker ebenso hoch bepackt wie beglückt wieder von bannen »og. Ferdinand Löke jun. erhielt selbstverständlich einm Leb- kuchenmann. Man kann vielleicht achselzuckend bemerken:„Der Mann hat einfach seine Pflicht gethan!" Aber liegt nicht ge- rode in dem Worte„Pflichterfüllung" für jeden Menschen eine Fülle von Kämpfen und Konflikten des im Innern eines jeden schlummerndm Ahriman und Ahmamaza, aus denm das gute Prinzip noch lange nicht immer siegreich hervorgeht? Was mag in der Seele des dlutarmm Familienvaters vorgegangen sein, als ihn ein glücklicher Zufall am Weihnachtsabend auf einen so werthvollm und so leicht zu„versilbernden" Goldfund stoßen ließ? Aber unsere Berliner Droschkenkutscher find einmal Ehrenmänner, ihr Herz ist stets besser, wie ihre oft borsrige Hülle und dem wackeren Ferdinand Löke in der Rügenerstraxe wollm wir zum Jahreswechsel wünschen, daß seine Nummer 2128 fich unausgesetzt des Wohlwollens des Publikums, zumal unserer Leser erfreuen möge. Der hiestg» italienische Arbeiterverein(Societa Operaia Italiana), dessen Vorsitzender der ausgewiesme Korre- spondent Herr Federico Paronclli war, ist, wie Mailändischen Blättem von hier geschrieben wird, wegen seiner irredentistischen und antidynastischen. Tendenzen polizeilich unterdrückt wordm, und es sollm in dieser Angelegenbett weitere Ausweisungen bevorstehm.— Uns war ton der Existenz einer hiefigen Societa Operaia Italiana dislang noch nichts bekannt, die Bereinigung muß, dem Veilchen gleich, im Verborgenen geblüht habm. Es ist daher nicht ausgeschlossm, daß die Mafländischen Blätter mit dieser Meldung„hineingelegt" worden find. Da»«»«gierige Kerlin. Ueder die Neugierde der Bei- liner ist schon oft manche launige Bemerkung gemacht worden. Wenn ein Pferd gefallen ist, wmn ein Addeckergehllfe einen Hund fängt oder ein Tandem von einer Dame gefahren wird, so sammeln fich die geschäftigen Berliner in Schaaren. Gestem gegen 12 Uhr nun ereignete fich die ungehmre Begebenheit, daß ein Kaufmann in seine Wohnung, Sptttelmartt 13, ein Geld- spind trankporttten ließ. Dasselbe wurde von der Straße aus durch ein großes Fenster eingebracht. Dem wichtigen Ereigniß wohnten— zweihundert Personen, genau gezäbtt, bei, zu derm Inspektion drei Schutzleute zu Fuß und ein Bertttener aufge- boten warm. Der Ni»d»rf»r„Galg«»" existirt noch immer, obschon eine mit zahlreichen Unterscdriftm versehene Petition an den Kaiser abgesandt wordm ist. Am 21. c. ist seitens der ge« Heimen Kanzlei des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten folgendes Antwortschreiben auf diese Petttion eingegangen:„Auf die infolge Allerhöchsten Befehls vom diesseitigen Ministerium zur Prüfung zugefertigte Jmmediat> Vorstellung vom 1. Ottoder d.J. werden Ew. Wohlgeboren hiermit vorläufig benachrichtigt, daß eine nähere Prüfung des Sachverhalts veranlaßt worden ist."— Da wird's wohl noch geraume Zett dauern, bis die Rixdorfer ihren„Galgen" los werden. Der verhaftete Juwelier Worth Gebe», welcher fich seines leidendm Zustanves wegen bis jetzt auf der Gefangenen Station der Charrtee befand, ist am ersten Weihnachtsfeicrtage von dort wieder nach dem UntersuchungSgefängniß tn Moabit überfühtt worden. G. ist auch hier wieder m der Kranken- Station internttt worden. I« de» DSse'sche« Wordaffaire werden die Recherchen von der Krimtnalpoltzei mir größtem Eifer betrieben, doch leider bis jetzt mit wenig Aussicht auf Erfolg. Den einzigen Anhalts- punkt in der Mordsache bildet die anjchetnmd geraubte Uhr des Röse; dmn der Mörder hat am Thatort keine Spurm zurück- gelassen. Der Schnitt durch den Hals ist, wie bestimmt anae- nommen werden kann, mtt einem eigenm Messer des Röse, welches blutbefleckt auf dem Tische gefundm worden ist, aus- geführt. Die unbestimmte Beschreibung, welche von den beiden Personm gegeben worden ist, mit dmen man Röse zuletzt ge« Noch habe ich den Drücker der eben geschlossenen Thüre in der Hand, da geht e« auch schon dum, dum, dum, al« wäre e« darauf abgesehen, die Thürfüllungen heraus- zuschlagen. „Unverschämter! Wie können Sie sich unterstehm, einen solchen Heidmlärm zu machen? Wa« wollen Sie?" „Der Latemmanzünder gratulirt zum neuen Jahre!" „Schockschwerenoth! Hier habm Sie einen Nickel und nun machen Sie, daß Sie fortkommm!" Laternenmann! Für mich ganz überflüssig. Wmn ich nach Hause komme, brmnm die Laternen doch nicht mehr, wo ich fie gerade am nöthigsten brauche. Aber etwa« ge- nießen möchte ich doch, während ich Toilette zu mache» be- ginne, aber wa«? Der Kaffee ist leider kalt— o vermaledeiter Brief, der mich fünf Groschen gekostet— doch da ist ja Kuchm, den die liebe Frau Pumpel besorgt, vielleicht gar selber gebackm hat. Eine gute Alte! Wie fie auf mich bedacht ist. Ihr zum Lobe führe ich ein Stückchen Kuchen dem Munde zu, um e« mit Appetit zu verzehren, aber tan- taluSartig wird da« süße Gebäck von der geöffneten Pforte wieder abgezogen, dmn— e« klopft schon wieder an der Thür. Hinstürze« und öffne« war da« Werk eine« Augen- blick«. „WaS wollen Sie?" „Der Schornsteinfeger gratulirt zum neuen Iahte!" „Ich werde Ihm verdammtm Kehrau« bald dm Garau« machen!" Und krachmd flog die Thüre m's Schloß. Ist e« doch, al« hätte« alle Menschen da« Bedürfniß, mir heut Glück zu wünschm, wo ich doch so offenbare« Pech habe. Wenn da» so fort geht, mühte man ja mindesten« eine reiche Erbschaft— ach, dieser infame Brief, der mich fünf Groschen gekostet, mir mein Frühstück verdorben, meine gute Laune verjagt, meine Hoffnung getauscht hat!— New, st hm hat, paßt auf so viele seiner Freunde, daß auch hierb.k kein AnHall gefunden werdm kann. Was nun die Geld» geschäfte anbelangt» welche nach hiefigm Zeitungsnotizen Röse gemacht haben soll, so ist dies dahin zu berichtigen, daß Röse einmal im Jahre 1875 auf einen Schuldschein 150 M» verborgt hatte. Von diesen 150 M. waren bald 100 M. abge. tragen worden; der Rest von 50 M. war seit 10 Jahren anscheinend gestundet, da der Schuldschein noch unter den Papieren des Röse gefunden worden war. Für die an das Ausfindm des Schuldscheins geknüpfte Kombination, Röse habe gewerbs- mäßig„Geldgeschäfte" betrieben, habm fich keinerlei betätigende Momente finden lassen. Im Jahre 1885 hatte man Röse, nach seinen damaligen eigenen Angaben, sein ganzes Vermögen im Betrage von über 1500 M. in daarem Oelde, ferner sämmtliche Kleidungsstücke und sonstige Wertbsachm gestohlen. Auch hieraus darf geschlossen werden, daß Röse keine Mittel zu Geld- geschästen in den letzten Jahren gehabt hat, und daß der Mörder nicht unter etwaigen Gclvlcihern, sondern rm unter seinen Freunden zu suchen sein wird. Di»«»«liche Uachricht, daß am Heiligabend in Chai- lottenburg ein Todtschlag stattgefunden habm sollte, bestätigt fich glücklicherweise nicht. Thatsächlich hat. wie die„Neue Zeit" mittheilt, eire Schlägerei in einem Lokal am Charlottenburger Ufer stattgefunden und einige der Schläger find von der Polizei vernommen worden. In demselben Lokal befand fich auch der Kutscher Rotbschlld, welcher dort an einem Lungenschlage plötzlich verstarb, an dem Streit aber vollständig undcthelligt war. Aus diesem Todesfall hat dann das Gerücht einen Todtschlag ent- stehen laffm. Der UeberfaU, bei welchem am ersten Weihnachtstage in Spandau einem jungen Mädchen auf offener Straße der Zopf abgeschnitten wurde, scheint nach dem dortigen„Anzeiger" ein Racheakt gewesen zu sein. Der Verdacht der Urbederschast lenkt fich auf eine Person, die einige Zeit vor dem Fest eine unde» stimmte Drohung gegen das Mädchen ausgestoßen hat. An dem Budenstück sollen zwei Personen detheiligt gewesm sein potizzibericht Am 23. d. M. Morgens wurde ein Schneider in seiner Schlafstelle in der Andreassttaße erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Leichenschaubause gebracht.— Abends entstand auf dem Boden des Hauses Andreas» straße 36 Feuer, wodurch der Tachstuhl und ein Thefl deS an» grenzenden Seitenflügels zerstört wurde. NerguSg»«g»-Chr»«ik. projektirte» Kepertoir der königliche« Kchav spiele vom 30. Dezember 1888 bis 7. Januar 1889. I m Opern» ha u se. Sonntag, den 30.: Die Quitzows; Montag, den 31.: Die lustigen Weiber von Windsor; Dienstag, dm 1. Januar 1889: Der Ring des Nibelungen Dritter Abend: Götter- dämmerung; Mittwoch, dm 2.: Marie, die Tochter des Regt» mmts, Solotanz; Donnerstag, dm 3.; Don Juan(Frl. Weiß als Debüt); Freitag, dm 4.; Der Troubadom; Sonnabend, dm 5.: Die Quitzows; Sonntag, dm 6.: Die Afrikanerin: Plontag, den 7.: Lohengrin.— Im Schauspielhaus e. Sonntag, den 30.: Der Waffenschmied, Solotanz; Montag, dm 31.: Ein Sommernachtstraum; Dienstag, dm 1. Januar 1389: Auf der Brautfahrt; Mittwoch, den 2.: Die Weisheit Salomos: Donnerstag, dm 3.: Letzte Liebe; Freitag, dm 4.: Othello(Hr. Matkowsky a. G); Sonnabend, 5.: Der Maurer, Eine Tänzerin auf Reism: Sonntag, den 6.: Auf der Braut» fahrt: Montag, dm 7.: Letzte Liebe. Wochen Nev«rtoir de« Kerliner Theater«. Sonn- tag: Julius Cäsar. Montag: Zum ersten Male: Die talentvolle Tockter. Lustspiel in 4 Akten von Emst Wichert. Dienstag: Die wilde Jagd. Mittwoch: Die talentvolle Tochter. Donnerstag: Julius Cäsar. Freitag: 16. Abonnements Vorstellung. Die talentvolle Tochter. Sonnabend: D i e w i 1 d e Ja g d. berliner Ktz-at-» In Ernst Wickert'» Lustspiel „Die talentvolle Tochter", das am Sylvesterabend zu« ersten Male in Szene gebt, werden die Hauptrollen durch An- tonie Baumeister, Helene Odilon, Nuscha Butze, Hedwig Pallat- schek, ferner von Aldett Eckert, Arthur Kraußncck, Ludwig Stahl und August Ellmenreich dargestellt. Die interessante« optische» Reise« im Kaiser- Panorama— Passage— waren in dm Festtagm derart besucht, daß Tausmde Besucher keinen Platz finden konnten, weshalb die zweite Reise durch das Riesengedirge noch verbleibt. Daneben gelangt zum ersten Male die zweite Reise durch die malerischm Alpen Frankreichs zur Aus- stellung._ Gerichts-Ieitnug. Kportleut».„Wenn fie jeder fünfzig Mark an die Armenkasse zahlen un tragen meine sämmtlickicn Un« un Ver« säumnißkosten un jebm mir'ne vollständije Ebrmerlläruna in alle Zeitungm, det fie mir tbeil« aus Mißoerständniß un theilS aus Neid un böswillige Erfindung irttbümlicherweise emm Be- trüjer jenannt haben, denn wäre ick ja nich adjmeigt, die Klage retuhr zu nehmen, sonst mag fie aber ihren jerechtm Jang jchn." So sprach mit großer Bestimmtdett und Würde der Barbier N., als der Vmfitzmde des Schöffengerichts. Abthellung für Injurien, vor Emtrttl in die Verhandlung dm üblichen nein, e« ist wahrlich nicht zum Au« halten, denn schon wieder klopft el an meinem separaten Eingange. „WaS giebt's?" brülle ich zur geöffaetm Thüre hinaus. „Die Zeitungsfrau gratulirt zum neuen Jahre!" „Bin nicht zu Hause!" Und klirrmd flog die Thür in'« Schloß, daß die Wände zitterten. Ist dmn heute der Teufel los? Will man mich zu ? ode ärgern? Keinen Augenblick Ruhe! Nicht eine Minute! Warum bin ich hier hinaufgezogen, Parterre vom Himmel, und habe mich bei Frau Pumpel in Pmsion gegebe«? Nur der lieben Ruhe wegen— und nun kommt schon wieder so ein Ruhestörer! Aber ich will Dir de« Weg schon wetsen, Bursche! Diesmal kannst Du Dir gratu. ltrm! „I Du meine Güte! Au! Au! Herrjemine! Sie er- würgen mich ja! Wa« ist denn lo«? Wa« fehlt Ihne« finn»?'nein Heiland I Mich alte Frau so zu er- fchreckm!" fah t«, Frau Pumpel? O Gott, verzeihm Sie, aber ich glaubte nicht anders, al« es wäre wieder so ein reu K8„ t.e,l'"jk fte m*r heute bereit« den ganzen Morgen dre Thür einlaufen. Hörm Sie nur! Hören Sie nur! Da pocht e« schon wieder! Aber ich will ihnen einm Tan» aufspielen, der flinke Beine machen soll!" Flug« ergriff ich mein Bambusrohr und mit diesem be- waffnet erle ich der Thüre zu, diese kampfbereit öffnmd. Aber mtsetzt pralle ich zurück. Em buntes Stimmmgewirr schlagt an mein Ohr, au« welchem Chao« mir Laute, wie: „Hausknecht- Schneider- Waschfrau- Laufbursche— unhetlverkündmd mtgegmdrangm. Schnell reterirte ich in« Zimmer zurück und mir nach ergoß sich in dasselbe der Strom der draußen Stehmdm. Hurtig ergriff ich Hut und Rock und meiner Wirthm die Sorge für des Zimmer« überlassend, stürzte ich zur ."hurt hinaus und die Stiegen hinab, immer eine Stufe überspringend. Aber mein Unglück hatte«och nicht se» Vergjleichungsvcrsuch machte. Der Kläger sah sich nach der Rede triumphirend und selbstbewußt im Saale um, die erwartete Wirkung blieb aber aus, denn die drei Beklagten, der Schank« rrrtrth B., der Zimmermann P. und der Schlächter H., erklärten einstimmig, daß fie sich auf derartige Bedingungen, welche auch vom Vorfitzenden als zu hoch gespannt bezeichnet wur» den. nimmermehr einlassen wurden.„Herr Präfident", ließ fich der Schankwirth B. vernehmen—„in mein Lokal steht der Spruch anjeschrteben: Trink, was klar is, red' was wahr is", und wenn et die Wahrheit is, wat wir den Kläjer jesagt haben, denn kann er uns nischt anhaben, denn die Wabrbeit kann doch nich bestrast wer'n.— Vors.: O ja, unter Umständen doch. Sie räumen also die Thatsache, daß Sie den Kläger im Lokale des Beklagten B. einen Lump und Betrüger genannt haben, ein. es kann sich also der Strafadmeffung wegen nur um die Ursache dieser Beleidigung handeln, Herr B. wollen Sie die Sache mal kurz vortragen.— B e klagt er B.:„Es ist beim Rennen, wie im Leben, die Dummen die bezahlen eben", is noch so'n oller deutscher Spruch, der lange «ich jenug beherzigt wird. In mein Lokal steht noch en anderer Spruch, der heeßt: Wer nich— Vors.: Erlauben Sie mal, Herr B., ich glaube, es ist besser, wenn hier Herr tz. das Wort nimmt. Ihre Sprüche interesfiren wirklich nicht. Treten Sie «al etwas zurück und lassen Sie Herrn H. reden.— Beklagter H.: Also wir viere find allzusommen jroße Liebhaber von't Rennen jewesen un haben den Sommer über keenen Sonn» tag in Chor'oitenbmg jefehlt. Weil dct nu fünf Mark kostet, um an den Tolisator ranzukommen, so hadden wir uns det so injericht', dct jeder zwölfenenhalb jab, wofor denn eener uf den Tallsatcrplatz jing un uf det Pferd setzte, wat wir vorher zu« sammen ausjemacht hatten. Wir andern jingen denn uf'n Fünf- jroschensplatz mang die Standespersonen. Wir hatten denn nu ooch regelrecht jedesmal unser Jeld injeschustert, denn entweder setzte der Jaul aus. oder der Reiter ad. Et is bci't Rennen ooch en reinet Lotteriespiel.— Vors.: Ader werden Sie doch nicht so weitschweifig, sondem kommen Sie zur Sache.— Beklagter: An eenen Sonntag kömmt hier der Kläger ganz wichtig an, un er hädde det aus die verbürgtesten und serschweejenstm Privat- Nachrichten, det an denseldigten Nachmittag ,.die Hornpicpe" je- Winnen würde, wat'n hochfeines englisches Pkerd is, un uf die „Hornpiepe" müßten wir alle setzen. Wir hadden nich allzuville Zutrauen zu„Hornpiepe" un zu den Barbier ooch nich, der uns noch immer mtt ferne Weissagungen rinjelegt hadde un fich zu die Kenner rechnete, well er mal eenen von Töpper-Laski'n seine Stallburschen die Haare jeschnitten hatte, aber well er uns so heftig zuredete, so wollten wir ihn doch noch mal folgen un schicken ihn Nach- middags rin an den Talisater, det er für jeden von uns zehn Mark uf die Hornpiepe setzen soll. Wir dreie jehn denn uf den dillijen Platz un verfolgen dct Rennen. Die Hornpiepe legte jleich mächtig aus un hadde ooch en vermosten Reiter, so det der Barbier det erste Mal Recht kriegte, die Hornpiepe jing als Sicjer durch's Ziel. Nu wir denn raus, haste wat kannste un warten draußen uf den Barbier, dct er mll die jewonncne Pinke rauskommen soll. Endlich kommt er an un hat wenigstens so'n Paar Hundert Mark in Silber in der Hand.„Wie ville is et? Wat kommt denn uf'jeden? Nu wollen wir den Raub mal dheclen", heeßt dct. Ja» mein Barbier macht en Jestcht, so ehrbar als'ne Töpperschürze un sagt janz brocken: Ihr habt Pech jehatt, Ihr kriegt jarnischt. An den Talisater war so'n jroßet Jedränge, det ick nich mehr rankommen konnte un zuletzt war et ,u spät zum Setzen, hier habt Ihr Euren Jnsatz wieder." Nanu? sagen wir, wo kommt denn det Jeld her, wat Du in der Hand hast?„Det is mein Privat- lewinnst, meent er, det jehört nich in die Kaprusche. Als ick «en Billet mehr krtejen konnte, Meente mein Nachbar, der Uhr« uiacher S., ob ick mit ihm Halbpart hallen wollte, er hädde ooch uf Hornpiepe gesetzt. Ick bin det Jeschäst injejangcn iä'SSSi p. hier, der sagde noch en Spruch aus seinem Lokal, den ick nich behallen habe un denn haben wir uns umjedreht un find ohne ihn nach Hause jejangen. Als wir am Abend janz jcmietblich wie jewöhnlich an den Stammtisch bei B. fitzen, da kömmt ooch mein Barbier rin un setzt fich bei uns, als wenn nischt pasfirt wäre un läßt janz jroßtoyig vier Kognaks kommen. Vor wen sollen die denn find? stagt der Wirtb. „Nu, vor mir un vor Euch," mcent er." Mit Dir drinken wir nich, uns kannst Du eenmal insecfen, aber nich mehr, sajen wir rhm un denn jab nu een Wort dct Andere un der Wirth kam noch mit seine anzüglichen Sprüche dazwischen un zuletzt haben wir ,hm denn stet in die Dogen jesagt,. det er en Lump un en Bcdrtejer is. Da iS er denn jejangen un hat uns verklagt.— Vors.: Ob Sie einen Anspruch auf seinen Gewinn hatten, ist «och noch die Frage, wenn der Kläger auch nickt gerade kolle- Sialisch gebardelt hat.— Beklagter B.: Ick kenne noch «enen Spruch, der heeßt— Vors.: Lassen Sie nur, wir haben genug von ihren Sprachen- Die Verhandlung' mdet mit Verurtheilung der Angeklagten ju je fünf Mark, ein Resultat, mll dem der Kläger augenschein» «tch höchst unzufrieden ist. Soziales««d Arbeitervemeaana. lüde erreicht. Kaum war ich auf diese Art zwei Treppe» mabgeflogen, als ich mich plötzlich am Rocke festgehalten ählte. „Lassen Sie los, Herr! oder.. „Aber Herr Doktor! der Barbier.. „Lassen Sie mich ungeschore»!' Und unaufhaltsam stürmte ich weiter. AthemloS kam h im Hausflur an. So schnell war ich noch nie die Himmelsleiter aus meiner Wohnung herabgekommen. Noch hnappe ich nach Luft, da öffnet sich auch schon deS Hauses Zforte und herein schlüpft Röschen, die adrette Näherin u« dem dritten Stock, mtt der ich auf ganz fteuvdfchaft- chem Fuße stehe. „Guten Tag, Herr Pfefferkorn!" flötete sie mir ent- ege«. „Grüß Gott, Fräulein Röschen!" sprach ich freundlich, hr unter das runde Kinn greifend. „Hier ist ein Brief für Sie, den Sie wahrscheinlich erloren haben!" Der Schelm! Gewiß ein HerzenSgruß zum neuen lahre, de» sie mir auf diese Weise übermitteln will. Weiß i ja längst, daß sie sich in mich verliebi hat. Lächelnd lahm ich zugleich mit dem Briefe das niedliche Händchen, oelcheS ihn mir darbot und drückte eine» herzhafte» Kuß arauf. Aber husch— war Röschen fort. „Ein Blitzmädel, da« Röschen! Da« muß man ihr »sse»! Was mag sie wohl geschrieben haben? Bin doch �gierig!" Aber kaum hatte ich einen Blick auf das Papier ge- Dorfen, so überlief e« mich siedend heiß.— E» war der- Übe Brief, den ich zum Fenster hinausgeworfen, der mich U»f Groschen gekostet, der mir mein Frühstück verdorben, i.!?® fiute Laune verscheucht, meine Hoffnung getäuscht Xttte— der Urheber aller meiner Leiden! ,.O ich Esel!" rief ich schmerzlich au« und lief davon, ueue Jahr hin, au« vollem Herzen verwünschend— Trawlante«! dessen Anlaß die hiesige Werst geschlossen wurde, wodurch zirka 1000 Ardeiter auf die Straße flogen, dauert unverändert fort. Hatte man durch das Schließen der Werft beabstchtigt, die aus- geschlossenen Arbeller gegen die Former aufzubringen, so mußte man bald einsehen, daß man fich in'.dieser Hinficht sehr getäuscht bat. Die Arbeiter von beute find eben nicht dahin zu bekommen, fich selbst ins Fleisch zu schneiden. So mußte man sich bequemen, die Werft wieder zu öffnen, nachdem selbst in Kreisen, wo die Phrase von„Ardeiteranmaßungen und zu hochgeschraubte Forde- rungen" stark kolportirt wird, die betreffende Maßregel, also das Schließen der Werft, abfällig beurthetll wurde. Jetzt sucht nun die Werst mit allen erdenklichen Mitteln Former von auswärts hierher zu bekommen. So ist ein auf'der Werst angestellter Former von auswärts, Namens Mühlbach aus Mühlhausen i. Th., auf der Suche, um Former hierher zu locken; er hat in Mühl- Hausen, wo er seine Familie hat, aber keine Former bekommen und nun ist er nach Gleiwitz in Dberschlefien abgereist, um daselbst sein Glück zu versuchen. Auf diesen Herrn wird gebührend aufmerksam gemacht.— Allen Freunden, welche uns bisher unterstützt haben, besten Dank und fröhliches Neujahr zurufend, drücken wir die Hoffnung aus, daß Ihr uns wie bisher auch weiter unterstützen werdet, bis wir den Sieg in Händen baden. Holtet den Zuzug fern und sendet Briefe an H.Jensen, Schles- wiger Chaussee 6. Vereine und Versammlungen. Kongreß d-ntscher Tischler. 2. Sitzungstagam 27. Dezember. Herr Kloß eröffnet die Sitzung Morgens 8% Uhr. In der Berichterstattung über die Lage der Kollegen an den verschiedenen Orten wurde fortgefahren. Wohl fast jede Stadt hatte von dem rigorosen Vorgehen gegen gewerkschaftliche Organisationen zu berichten. Aus sDüffeldorf derichtete Herr Lehmann, daß die Gewerkschaftsversammlungen von der Polizei heimlich überwacht wurden und verschiedene Mitglieder des Fachvcreins auf Grund des§ 129 der Strafprozeßordnung angeklagt seien. Aus den sächstschen Städten wurde derichtet, daß in den Gewerkschaftsversammlungen gewöhnlich bis zu 15 Polizet- beamte anwesend seien. Was die Lohn- und Arbeits« verhällniffe anbelangt, so ging aus den verschiedenen Be- richten hervor, daß die Löhne überall gedrückt find und die Arbeitszeit in den größeren Städten 9j— 10 Stunden pro Tag, in den kleineren noch 11 Stunden beträgt und Ueberardeit stattfindet. Besonders niedrige Löhne werden in der Möbel- industrie in Etbendurg gezahlt und suchen dort die Tischler durch Auedehnung der Arbeitszeit bis ins Unendliche ihren winzigen Lohn zu erhöhen. Die Frühfitzung fand nach Beendi- gung ihren Schluß. Die Nachmittagsfitzung, welche um 4k Uhr eröffnet wurde, beschäftigte fich mit der Berathung über die zukünftige Form der Organisation des Tischlergewerbes. Als erster Redner nahm Herr Kloß das Wort und suchte nachzuweisen, daß die Zentralisation im Gewerk die beste Organisation sei, durch welche die Lage der Gewerksgenossen am wirksamsten aufgebessert werden könne und das Solidaritätsgefühl am meisten gestärkt und gepflegt würde. Redner unterzog ferner die von dem Regierungsbaumeister a. D. Herrn Keßler aufgestellten Lehrsätze über die jetzige Form der Gewerkschaftsoraanisation einer miß- billigenden Kritik. Am Schluß seiner Ausführungen erklärte Redner, so lange ihm nicht der Beweis gebracht würde, daß Lokalorganisationen mehr leisten wie Zentralorganisationen, müsse er an Zentralisation festhallen. Die hierauf das Wort ergreifenden Delegirtm aus Hamburg und Nürnberg bewegten fich in demselben Sinne, mit dem Unterschied, daß der eine oder der andere verschtrdene Argumente für die Zentralisation ins Feld führten. Der Schluß des 2. Sitzungstages erfolgte Abends 8 Uhr. Gin« gut besuchte Witgliederversamminng der freien Vereinigung der Fachgenoffen der Maurer tagte am 20. Dezember, Abends 8 Uhr, im Louisenstädtischen Konzert- hause. Alle Jakodstraße 37. Herr Theodor Glocke refe- rirte über die gewerkschaftlichen Bestrebungen der Arbeiter auf rein materieller Grundlage. Der Redner zeigte, wie aus dem natürlichen Verband zwischen Gesellen und Meister durch das Eingreifen der Maschine fich die heutige Industrie entwickelt hat und dadurch die alten Zustände unhaltbar würden. Es wurde der Versuch erwähnt, große gewerkschaftliche Ardeiterver- bände herzustellen, und erwähnte Redner besonders die Be- strebungen von Fritzsche und Nork. Diese Verbände hätten im Anfang einen einen sehr guten Erfolg gehabt, seien dann aber durch die Polizei zerstört wordm. So würde es auch jetzt solchen Verdändm wieder geben, denn das Sozialistengesetz stehe dazu jeden Tag zur Verfügung. Redner kam dann auf die Folgen der heutizen Herstellungsweise zu sprechen. Er zeigte, wie fich heute die Lage der Arbeiter durch den Fortschritt der Technik und deS Maschinenwesens immer verschlechtere. Wenn man Maschinen erfinden könnte, die alles, was gebraucht wird, allein machen, dann würden alle Arbeller zum Verhungern oerurtheilt sein. Da drängt fich die Frage auf, soll denn jeder Fortschritt nur zum Stutzen des Kapitals und zum Verderb der Arbeiter sein? Soll es da gar keinen Ausweg geben? Es giedt eine Losung, und die ist: Daß die Gesellschaft Eigcnthümerin der Herstellungsmittel werden muß. Die Ar« beiter müssen das Ziel zu erstreben suchen und in erster Linie überall Vereine gründen, um in denselben allen Arbeitern die wirtschaftlichm Schäden und die Mittel, sie zu hellen, klar zu machen. Man muß suchen, alle die heranzuziehen, die der Sache noch femstehen. In der Diskusston sprach Herr Scheel und deleuchtete die Votthelle der Gewerdesteiheit für die Ge- sellen, die dadurch unabhängiger geworden sind, daß fie ohne Meister ardellen dürfen. Herr Wernau betont, daß die Lebens- mittel immer dürstiger werden, und weist darauf hin, wie man ver- pflichtetsei, nach m slömmlichen Lohnoerhältnissen zustreben. LOPf. Stundenlohn sei für Berlin nicht auskömmlich, auch müsse regelmäßige Arbeitszeit eingchatten und dieselbe verkürzt werden Nachdem fich noch mehrere Redner im Sinne de» Referenten. ausgesprochen hatten, wurde die Diskusfion geschloffen.— Zum dritten Punkt der Tagesordnung wurde die Vorlage, die vom Vorstande ausgearbeitete Geschäftsordnung, für empfehlenswerth angenommen. Der Vorstand hat den Antrag gestellt, auch von gegnerischen Blättern, wie der„Baugewerks'Zellung", etnExem- plar anzuschaffm. Das wird genehmigt. Auf Antrag des Herrn Kerstm wird den Vorfitzenden, den Kasstrern und den Schrift- führern eine monatliche Entschädigung von 5 M. und den übrigen Vorstandsmttgliedem eine solche von 50 Pf. für jede Sitzung dewilligt. Der Vorstand setzt fich nunmehr folgendermaßen zusammen: 1. Vorfitzender: Julius Wernau, Zionskirchp atz 2. Stellvertretender Vorfiyender für den Süden: Gustav Raschken, Gitschinerstr. 54. Stellvertretender Vorfitzender für den Osten: F. Hermer- schmidt, Kopvenstr. 92. Stellvertretender Voi fitzender für den Norden: Däu- wichen, Schönhauser Allee 4. Stellvertretender Vorfitzender für dm Westen: Zellner, Zoffenerstt. 43. 1. Kasstrer: Karl Schmidt, Wrangelstr. 119. Stellvertretender Kasstrer für dm Süden: Hanisch, Nosttzstr 40, Hof 4 Tr._ Stellvertretenden Kasstrer für den Ostm: Moritz, Ost- dahnhof 14, 3 Tr. Stellvertretender Kasstrer für den Norden: Laugfeh, Hoch» meisterstr. 26 bei Pastre. Stellvertretender Kasstrer für den Westen: Röhl, Marier» dorferstr. 5, 3 Tr._ 1. Schriftführer: F. Müller, Grünauerstr. 7, Hof 2Tc. Stellvertretender Schriftführer für den Süden: Paul Schulz, Fürbringerstr. 12, Hof 1 Tr. Stellveftretender Schriftführer für dm Osten: Wegmer, Blummstt. 29. Stellvertretender Schriftführer für den Norden: Rade, Rheinsbergerstt. 22. Stellvertretender Schriftführer für den Westen: Silber- schmidt, Steinmetzstr. 33, Hof 3 Tr. Drei Revisoren: Franz Schmidt, Strelitzerstr. 53. Albert Schlöffer, Rheinsbergerstt. 22. Wilhelm Karde, Rosenthalerstr. 5, Hof 1 Tr. Di« erste Dereinsversammlung des allgetn. Metallarbeitervereins Berlins und Umgegend fand für den Norden am 27. Dezember, 11 Uhr Vormittags, im„Wedding. Park" statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Kendziora: Der Ardeiter ist nicht nur fähig, fich zu bilden, er ist auch ver» pflichtet dazu. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Fiagekastttr. Eröffnung der Versammlung sl2 Uhr. Nachdem der Vorsitzende Herr Reckner dm Anwesmdm seinen Dank ausgesprochen und zur regen Bctheiligung und Agitation aufgefordert, erlheilte er dem Vortragenden das Wort. Derselbe enttoWe ein nach allen Seiten kräftiges und markiges Bild, indem er befürwortete, daß in aller erster Linie in dem Arbeiter das Bewußtsein wurzeln muß, d u s o l l st und du kannst. Denn nur die allgemeine Bildung giebt in allen ihren Grundlagen dem Menschen eine feste, klare Lebensanschauung, die ihn berechtigt, jeder Krise und Zeitepoche entgegenzutreten. Die Resultate der Bildung müssen in einem wohlgeordneten Staate für jeden Mann zu hadm sein, dmn nur wo Millionen zusammen stebn, kann die allgemeine Bildung um fich greifen. Sie darf nicht nur ein Privileg der besser fituttten Klaffen sein, welche die Bildung als ihr ausschließliches Monopol betrachten, um durch dieselben Vortheile für ihre Ledensinteressm und Lebensbedürfnisse zu verlangen. Denn Reich- thum, gehäuft zu Bergm auf der einen Seite, führt zu Klüften der Armuth auf der mtgegmgesetzten. Und vor diesem Problem steht unsere ganze heutige Nationalökonomie. Ader ohne eine nach allen Seiten hin geregelte Volkswtrthschast ist ein wirklicher Staat unmöglich. Reichen Beifall erntete der Vortragende von den dankbare» ZuHörem. Der Vorfitzmde Reckner verlas zu Punkt 2 der Tagesordnung die Statuten.— Herr Ernst Fahrenwald legte dm Grund zur Gründung des Vereins klar, indem er auf die vor» herigen so gut desuchten Versammlungen hinwies und auf die kraffm Nothstände in der Metalldranche aufmerksam machte. Er richtete zum Schluß noch einen lebhaften Appell an die Ve» sammelten, recht tüchtig und andauemd für den Verein, der fich große Ziele gesteckt hat, zu agittren. Herr Otto Klein thellte mtt, daß Quittungsbücher für Mitglieder für den'Norden bei Adolf Wolf, Chauffeestraße 72 (Restaurant), zu haben seien und in kürzester Zeit Zahlstellm errichtet werden, und daß in den einzelnen Werkstätten Auf» nahmeltsten ztrkultten werden. Auf Antrag des Herrn König wird die Versammlung 10 Minuten vertagt zur Aufnahme von Mitgliedern. Nachdem dieselbe wieder begonnen, thettt Herr Mi et he mtt, daß die Versammlung im Osten(Volkstheater) weam eines Formfehlers nicht stattfinden konnte.— Herr Roland führte an, od der Verein mtt den Vorständen der Fachvereine nicht in Verbindung tteten wolle bebufs Anschluß derselben an denselben.— H. Reckner als Vorsttzender er- widerte, daß dieses gesetzlich verboten wäre. Die Fachvereine könnten deshalb doch bestehen. Vorläufig müsse man erst die» jenigen heranziehen, die noch nicht organifirt oder noch leine feste Branchenorganisation hadm, dmn nur durch Einigkeit und festes Zusammenhalten können wir. wenn auch durch schweren Kampt. doch endlich zum Ziele kommen. Wir veröffentlichen im Anschluß hieran noch einmal die Namen der Vorstandsmitglieder: Karl Miethe, Vorfiymder, Gitschinerstt. 82, Jul. Reckner, 1. Stellvertreter, Birkenstr. 76, Karl Hartmann, 2. Stellvertreter, Wimerstr. 19, Otto Klein, 1. Kasstrer, Ritterstr. 15, Karl Lenzner, 2. Kasstrer, Reinickendorf erstt. 48, Ernst Fahrenwald, Schriftführer, Dieffenbachstt. 72, Herrn. Beyer, Protokollführer, Manteuffelstr. 93a, Karl Schumann, Protokollführer, Schönleinstr. 17, Wilh. Groß, Protokollführer, Reichendergerstr. 166, Karl Wobig, Revisor, Reichmbergerstr. 20, Karl Tack, Revisor, Waldemarstt. 71, Wilh. Bredow, Revisor, Laufitzerstt. 31. Lachverii« der Kuchbinder und orrwandten f«. rnfsgenossr». Montag, dm 31. Dezember 1888, Abend« 8i Uhr: Sqloester-Feier im Vereinslokal„Louisenstädttsches Klubhaus", Annenstraße 16, 1.— Damen und Gäste willkommm. Tnrn»«nd gesellige Herein« am Sonntag. Lübeck'fcher Tumverein(2. Lehrlingsadthellung) Abends 6 Uhr Elisabeth» strafe 57-58. � Turnverein„Wedding"(2. Lehrlingsabtheilung) Nachmittags 4 Uhr Pankstt. 9.- Turnverein„Froh und Frei" (Lehrlingsadthellung) Nachmittags 4 Uhr Bcrgstt. 57.— Ver» MÜgungs-V-rein„Fröhlichkeit"(gegr. 1880) Nachm. 5 Uhr fluttet 9Q»Köff f»«*».» tust" Abends. s uyr Manner> im Restaurant, n„Weiße Rose" Landsbergerstraße 80. �„.......„—, Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Gerichtsstt. 10.— Männergesangverein„Eintracht l" Abends 9 Uhr Köpnickerstraße 68, im Restaurant.— Männergesangverein„Alte Linde" Abds.«.8—10 Uhr Mariannen» straße 31 32.— Gesangverein„Echo 1872" Abends 9 Uhr Oranim» straße 190.—„Deutsche Liedertafel" Abends 9 Uhr Oranimstr.190. — Tumverein„Hasenhaide"(Lehrlingsadthellung) Abends 8 Uhr Dieffmbachstraße 60—61.—„Berliner Turn genossen! chast" (7. Lehrlingsadthellung Abends 8 Uhr in der stöbt. Turnhalle, Britzerstr. 17—13!— desgl. 6. Männerabtheilung Abends 8 Uhr in der städttschen Tumhalle, Gubmerstt. 51.— Lüdeck» scher Tumverein(Männerabtheilung) Abends 8 Uhr Elisabeth» straße 57—58.— Verein ehemaliger Schüler der V1L Ge» meindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Poppe, Linden» straße 106.—„Friedrichs-Verein"(ehemalige Zöglinge de« Friedrichs-Waismhauses der Stadt Rerltnl Ak-oNt Rt iaismhauses der Stadt Berlin) Abmdi Si Uhr iormann, Ohmgasse 2.— Unterhaltungsklub Schiller Abends 8 Uhr im Restaurant Giesel, Triftstr. 41.— Verein Berliner Theaterfreunde Abends 8« Uhr bei Lülow, Admiralstraße 38. — Vergnügungsverein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm. Schönhauser Allee 28.— Verem„Ratibor" Abends 3i v T- im ' stadt-Kafino. Holzmarftstraße 72.— Armds'scher t...ro» Eenverein„Mercur" Abends 8& Uhr im Restaurant �Baertz" mstr. 10.— Armds'scher Stmographmverein„Apollobund" Abends 8% Uhr Thurmstt. 31(Moabit.)— Wissenschaft» licher Verein für Roller'sche Stenographich Abends 8% Uhr im München« Bräuhaus, Neue Friedrichsstr. 1, Unterricht«- und Uebungsstunde.— Rauchklub„Hellblau" Abends i9 Uhr, Skalitzerstt. 143._ Kriefkasten der Reaktion. Bei Anfragen bitten wir die Adannementb-Outttung beizusüge». BriestUtz» Antwort wird nicht ertheitt. K. W. 100. Em« unser« Les« wünscht zu wissen, wo fich augmblieUich Dörmann's Reptilien- Ausstellung defindet. Bielleicht ist jemand in d« Lage, ihm Auskunft durch unjere. Vermtttelung zu«thellm. 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Januar, beginnt ei« neuer Kehrknrsns im Musterzeichnen und Zuschneiden von Damen- und Krnder-Mäntelo. Meldungen find an den Lehrer der Fachschule» F. Schmidt, Köaigstr. 34/36, zu richten. Wir bemerken ausdrücklich, daß auch Nicht*- Vereinsmitglieder unter gleichen Bedingungen an diesem Kursus thetlnehmen können. 1645] De» Dorstsad. Kreutz. Lotterie-Loose offerire z. Hanptziehung 4. Kl 179 Lotterie. Hauptgew. 600 000 M.. 2- 300 000 M ic- Antheit- Loose:[1654 Vs»4 M.. 1« M., 6 M.,> m 8 M- S. Labandter, Lotteri"�«eschiio. gegründet 1860.— Aerli«, Johannisstr. 5, p- Eine frdl. Scblafst. für Herren mit sc?. Eins- n. vorn f. 7 M. Melchiorstr. 15, v. 3 Tr. l.[1667 Eine frdl. Schläfst,(fep. Eing.) fof. zu veno- b. Neichman«, Schönleinstr. 11,0.3 Tr. r.[1664 Eine frdl. Stube ist als Schläfst, für Herre» fof. zu verm. bei Dona», Briperstr. 1.[1663 Eine Schlafstelle für Herren zu vermiethen tej Kigatoky, Mariannenstr. 17, v. 3 Tr.[1661 Eine freundl. leere Stube ist zu vermiethen bei Winkelman«. Ftchtestr. 33, H. 1 Tr.[1658 Arheitsmarkt. Poeamentier-Handarbeiterinne« verlanifl H. Uefzcp, Sedastasttanstr. 76.[165° W»AiiS0llKliis.- Abtheitnng: Louisen Ufsp 28, alte Nr. 12 am Oranien« Platz. Firma„Ohne Eo«e«rr-«z". [612 crempt.!) Auch für korpulente Perionen paffend vorhanden. 6000 Damer «äntet(auch Regenmäntel) modern u. spottbillig! 8000 Knaben-, Knrfch«»' I u. Ginfeguuugs-An üge. Hüte, Schirme, Kieiderstoffr. Letten, goiden« u- ltbern» Khre«. Tbetlzohlunggrstattet. Hochfeine fchmarz» Salo«- u. Getz' ,ck« u. Anzüge. Ommdus u. Pferdebahn wird vergütet. Di« VrrwaltsnD» Verantwortlicher Revaltem: N-«ronheim m Berlin. Druck von Ma» Oadtn» in Berlin 8W., Bemhftraße 2.