Kr. 158. Donnerstag, den 4. Inli 1889. 6. Jahrg. SMerVckMM. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Jestlagen. Abonnemenlspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich IM Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem..Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Erpedition Zimmcrstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonneineni 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der Postzeitungsvreisliste für 1889 unter Nr. 866.) F«r das Anstand: Täglich uuter Kreuzbano durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstrabe 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux. ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und ivesttagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. ♦—• Fernsprecher: Amt VI. Nn 4106. i-*- Aedaktion: S.— Expedition: MmmeePtenHe 44. OffizitiTes Mlerkevinl. in. Die Lüge, daß der Polizeihauptmann Fischer ein Sozial» demokrat sei, haben wir bereits zurückgewiesen. Wenn wir trotzdem auf den Namen dieses Herrn noch einmal zurück- loinmei,, so geschieht es, weil die„Nordd. Allg. Ztg.", im Anschluß an'die Behauptung, Fischer sei„ausgesprochener Sozialdemokrat", schreibt, die von den Abgeordneten Singer und Bebel 1888 im Reichstag vorgebrachten Angaben über das Treiben der„Nichtgentlemänner" in der Schweiz seien von Fischer„zumeist auf Grund unwahrer Angaben der betheiligten Sozialrevolutionäre zusammengestellt wor- den, zu dem offenkundigen Zweck, auf die preußische Regie- rnng und die ihr unterstellten Organe dm Vorwurf der Provokation zu laden.." Warum Herr Polizeihauptmann Fischer den beiden Abge- ordneten auf ihre Anfrage eine bestätigende Antwort gab, dafür haben wir den Grund mit Fischers eigenen Worten gestern bereits angegeben. Nur diese Bestätigung liegt aber in den bekannten Schriftstücken vor, die der Ab- geordnete Singer am 27. Januar 1888 im Reichstag vor- legte. Daß Fischer den Abgeordneten auch das Material geliefert habe, das hat zwar der be— kannte Major Atten- hofer in seinem„Stadtboten" behauptet, es wird aber da- durch nicht wahrer, daß die„Nordd. Allg. Ztg." dem Attenhofer diese— Behauptung nachdruckt. Auf diesen Punkt wollm wir übrigens nicht weiter eingehen, weil wir die näheren Umstände, wie die beiden Abgeordneten zu ihrer Wiffenschaft kamen, nicht kennen. Was wir uns aber näher besehen wollen, das ist die Behauptung der„Nordd.", die von Singer und Bebel g e- druckt im Reichstag auf den Tisch des Hauses� nieder- gelegten Mittheilungen über das Treiben der Spitzel Schröder und' Haupt und deren Beziehungen zur deutschen politischen Polizei beruhen auf Grund„zumeist unwahrer Angaben der betheiligten Sozialrevolutionäre". Zunächst einmal die Frage: welche Sozialrevolutionäre waren denn betheiligt? Schröder und Haupt?— Will nun die„Norddeutsche" leugnen, daß diese beiden„Ehren- männer" Jahre lang— Haupt volle sieben Jahre— im Dienste der deutschen Polizei standen und Schröder dafür erst monatlich 200 M. und dann später 250 M., Haupt aber erst 100 M. und dann später 200 Fr. pro Monat erhielten? Sind nun diese beidm notorischen— und zwar das Wort nicht im Puttkamer'schen Sinne angewandt— Lock- spitze! die„betheiligtm" Sozialrevolutionäre? Wenn aber Schröder und Haupt nicht, wer denn sonst? Die dem Reichstag vorgetegmen Mitthcilungen gaben nur wieder, was Schröder und Haupt während ihrer Unter- suchung ausgesagt haben. Keine weiteren Angaben sind darin enthalten, mit Ausnahme der besonderen amtlich beglau- Zt'eiiiUetcm. INeckidruck Uftbolcn.] 13 (Ein GoAvmenfÄt. Roman von Maurus Jükai. Der Purifikator zog seine Nase noch tiefer in die Kapuze hinein und spuckte ein und das andere Mal Stücke seines Kautabaks in die Donau. „Spucken Sie doch bei solchem Wetter nicht ins Waffer; die Donau verträgt das nicht. Was aber der Ko- inorncr Kalender sagt, ist ein Evangelium. Gerade vor zehn Jahren hat er auch prophezeit, daß im November Frost ein- treten wird. Ich trachtete daher auch� mit aller Eile nach Haus zu kommen mit meinem Schiff. Ich war auch damals auf der heiligen Barbara. Die Änderen lachten mich aus. Am 23. November aber trat plötzlich Kälte ein, und die Hälfte der Schiffe fror ein, die einen bei Apathin, die An- der» bei Földvar. Da war an mir die Reihe zu lachen. — Hilf Jesu Christ!— Taucht an am Ruder! He.. e.. e!" Der Wind legte sich wieder wüthend gegen das Schiff. Dicke Schweißtropfen rannen dem Steuermann über die Wangen herab, während er bemüht war, das Steuerruder herumzureißen, doch bedurfte er dazu keiner Beihilfe. Er belohnte sich dafür mit einem Schluck Branntwein, nach dem ferne Augen noch gerötheter aussahen. ."Kun, wenn uns der Herr Jesus nur an diesem Stein- ptmer vorüber hilft," stöhnte er mitten in seiner Anstrengung. „Taucht an, Ihr Jungen, dort am Ruder! Wenn wir nur glücklich um diesen Stein herumkommen!" „Dann kommt noch ein Zweiter." „Ja, und noch ein Dritter, und ein Dreizehnter und wir müffen beständig den Meßnergroschen im Munde bereit bigten Aussage des Buchdruckers W. Bührer, daß er im Auftrage Schröders und für von diesem geleistete Bezahlung 1882 etwa acht Nummern der Most'schen „Freiheit" gedruckt habe. Von allen�sonst in den betreffenden Schriftstücken genannten Personen, Stellmacher, Kammerer, Kennel, Neve, Peukert und Kaufmann, sämmtliche Anarchisten und die beiden letztgenannten ebenfalls im D i e n st der Polizei stehend, wird keine Aeußerung oder Mittheilung aufgeführt, sondern nur— nach den Angaben Schröders— erwähnt, daß der letztere mit ihnen verkehrt, ihren Konfe- renzen präsioirt oder doch beigewohnt, und im Auftrag eines „Londoner Komitee's" und unter Assistenz von Stellmacher, Kaufmann, dem Maler Schneider und drei anderen Personen den Vertrag wegen des Druckes der„Freiheit" mit Bührer abgeschlossen hat. Wo stecken also die von Sozialrevolutionären her- rührenden unwahren Angaben? Wenn aber die„Nordd." mit den Sozialrevolutionären wirklich die beiden Lockspitzel Schröder und Haupt be- zeichnet haben will— wogegen w i r nichts einzuwenden haben, so bleibt immer noch die Frage unbeantwortet: welche Angaben von Schröder und Haupt sind denn un- wahr? Waren Haupt und Schröder nicht im Dienst der deutschen Polizei? Wurden sie für ihre Kundschafterdienste nicht bezahlt? Wurde bei Schröder keine Kiste Dynamit gefunden, die aus der Dynamitfabrik Opladen(Regierungsbezirk Düffel- dorf) stammte.? Hat Schröder 1883 dm Konferenzen der Anarchisten in der Schweiz beigewohnt oder nicht, auf denen die Mord- taktik beschlossen und auf die kurz darauf die bekannten grauenvollen Verbrechen in Straßburg, Stuttgart und Wien solgtm, die von Theilnehmern der betr. Konferenzen ausge- führt wurden? Ist es wahr oder nicht wahr, daß der Anarchist und Lockspitzel Kaufmann, übrigens auch ein Theilnehmer an den Konferenzen, den Verkehr zwischen der Polizei und Schröder vermittelte? Ist es weiter wahr oder ist es falsch, daß Schröder, als Vorsitzender der Holzarbeitergeiverkschaft, bei jeder Gelegen- heit den Anarchisten herausgekehrt, auf die„gemäßigten" Sozialdemokraten geschimpft und die Gewalt als das„ein- zige Mittel zur Rettung" angepriesen hat? Um auch auf Haupt zu kommen: Ist es wahr, daß derselbe in den Jahren 1881 und 1884 persönliche Besuche der Leiter der deutschen politischen Polizei in Genf hatte und bei diesen Gelegenheiten direkte Instruktionen eryielt, wie man es machen müsse, um aus den in Genf lebenden Russen und Polen„mehr" heraus zu bekommen? Oder ist es etwa unwahr, daß der Lockspitzel Schröder die„Freiheit" bei Bührer drucken ließ und bezahlt hat? Was also ist von allen diesen Angaben— andere befinden haltm, denn in jeder Stunde stolpern wir über unseren Sarg- decke! hinweg." „Hören Sie einmal, guter Freund," sagte der Puri- fikator, seine ganze Tabakrolle aus dem Munde heraus- nehmend,„Euer Schiff, glaube ich, führt nicht blos Weizen." Meister Fabula sah dem Purifikator unter die Kapuze und zuckte mit den Achseln.„Was kümmert's mich. Wenn Kontrebande auf dem Schiff ist, bleiben wir wenigstens nicht in der Ouarantaine und kommen auch schneller" vor- wärts." „Wiefo?" Der Steuermann beschrieb mit der Faust hinter seinem Rücken einen Zirkel, worauf der Purifikator in ein lautes Gelächter ausbrach. Hatte er wohl den Sinn der Panto- tomime verstanden? „Da sehen Sie nur," sprach Johann Fabula,„seitdem ich das letzte Mal hier gefahren bin, hat der Stromlauf sich schon wieder verändert; wenn ich jetzt nicht vor den Wind hinsteuere, so gerathen wir in den neuen Wirbel hinein, der unter dem„Felsen der Liebenden" entstanden ist.— Sehen Sie, wie dies höllische Ungethüm da beständig dicht neben unserem Schiff herschwimmt? Das ist ein alter Hausen. Er hat mindestens seine fünf Zentner. Wenn diese Bestie so mit dem Schiff um die Wette schwimmt, dann giebt's immer ein Unglück. Hilf Jesus! Wenn er mir nur so nahe käme, daß ich ihm den Enterhaken in den Rücken stoßen könnte. Hilf Jesus!— Dieser Kommissär schleicht schon wieder um die Griechin herum, statt den Vorreitern zu tuten. Die bringt uns auch nur Unglück. Seitdem sie auf dein Schiff ist, bläst immer der Nordwind. Mit der ist's auch nicht richtig. Weiß ist sie, wie ein Geist und ihre Augen- brauen stoßen aneinander, wie bei den Hexen.— Herr Timar, tuten Sie doch den Vorreitern: Ho— ho ho!" Herr Timar griff aber nicht zum Schiffshorn, sondern fuhr fort, der weißen Maid Märchen zu erzählen von den Felsen und Katarakten. sich aber nicht in den vor den Reichstag gebrachten Mit- theilungen Singers und Bebels— unwahr? Auf diese Frage möchten wir uns von der„Nordd. Allg. Ztg." eine unzweideutige und ehrliche Antwort ausgebeten haben. Da wir nun gerade einmal dabei sind, der„Nordd." auf ihren Pfaden zu folgen, so wollen wir auch gleich noch ein paar andere Punkte, die wir in Bezug auf sie in der- selben Sache noch auf dem Herzen haben, zur Erledigung bringen. Unter den Beschwerdepunkten gegen die Schweiz kommt das Blatt nämlich auch auf die Förderung der sozialdcmo- kratischen Propaganda unter der Jugend zu sprechen und sollen darnach mit dieser Förderung von der Partei beson- dere Personen beauftragt sein. Als eine dieser Personen wird nun der aus Büchow in Hannover gebürtige Gym- nasiallehrer Ernst Krüger genannt, über dessen Gepflogen- heiten die„Nordd." ein wenig schmeichelhaftes und wie wir nicht bestreiten wollen, ziemlich nach der Natur gezeichnetes Bild entwirft. Aber diese Gepflogenheiten Krügers, sein provokatorisches Auftreten gegenüber Personen, die nicht seiner Gesinnung sind, und die ebenso abgeschmackten wie zwecklosen beleidigenden Äeußerungen über deutsche Würdenträger an öffentlichen Orten haben den Züricher reichsdeutschen So- zialdemokraten und speziell den früher dort gewesenen Lei- tern des„Sozialdemokrat" schon vor Jahren den Anlaß ge- geben, mit K. den Verkehr abzubrechen oder doch auf das Äeußerste einzuschränken. Diese Tbatsache verschweigt aber die„Nordd.". Sollten sie ihre Jnfonnatoren in diesem Punkte nicht ge- nügend instruirt haben? Was die weitere Angabe der„Nordd." in Betreff des Parteiauftrags anbelangt, Krüger solle unter der studirenden Jugend den Sozialismus propagiren, so wäre es daraus um jede Antwort schade. Uns ist nur e i n Fall bekannt, wo ein solcher oder ähnlicher Auftrag als vorhanden hätte an- genommen werden können. Dieser aber betrifft nicht Krüger, sondern den Lockspitzel Friedemann. Wenn Herr Pindter den Fall nicht kennen sollte, so sind wir gerne bereit, ihn aus den Reichstagsakten wieder zu erzählen. Er ist sehr interessant und des Wiedererzählens wohl werth. Und nun, um wieder zum Ausgang zurückzukommen, noch ein Wort über den Schneider Lutz wohlgemuthen Andenkens. Unter den Vorwürfen gegen die Schweiz kehrt nämlich immer der wieder und davon rührt ja bekanntlich auch der ganze Spektakel her, daß die Schweiz für die Wirksamkeit der Lockspitzel und ihrer Auftraggeber kein„Entgegenkommen" zeigt: „Daß ein mit Einholung von Informationen(die beim„lustigen Wühlen" gesammelt sein sollten) be- schäftigter elfässischer Polizeibeamter verhaftet und von dem Bundesrath in derselben Weise ausgewiesen wurde, Denn vom Eisernen Thor angefangen bis hinauf nach Clissera knüpft sich an jede Felfenschincht, jede Höhle der beiden Ufer, an jede Klippe oder Insel und jeden Wirbel des Strombettes eine Geschichte- irgend ein Feenmärchen, eine Volkssage oder ein Räuber-Abenteuer, wovon die Ge- schichtsbücher erzählen, oder die in den Felsen gehauenen Inschriften, oder die Lieder der Volkssänger, oder die münd- lichen Ueberlieferungen der Fischer. Es ist dies eine zu Stein gewordene Bibliothek; die Benennungen der Felsen find die nach außen gekehrten Rücken des Einbands, wer die Bücher zu öffnen versteht, der kann einen Roman aus jedem herauslesen. Michael Timar war seit langem zu Hause in der Bib- liothek; er hat mit dem seiner Obhut anvertrauten Schiff den Weg durchs Eiserne Thor schon öfter zurückgelegt, jeder Stein, jede Insel ist ihm bekannt. Vielleicht mochte er mit seinen Geschichten und Märchen noch einen anderen Zweck verfolgen, als den der bloßen Be- friedigung der Neugierde des Mädchens. Wenn ein zart besaitetes Geschöpf eine große Gefahr durchzumachen hat, welche selbst das gestählte Herz starker Männer erbeben läßt, dann pflegen wohl diejenigen, die mit den Schrecknissen schon vertraut sind, die Aufmerksamkeit des damit noch Unbekannten abzulenken in das Reich der Wundernlärchen. War es vielleicht das? So lange Timea der Erzählung lauschte, wie der Helden- müthige Mirko mit seiner Geliebten, der treuen Milieva, sich auf die Spitze des Felsens Liubigaja dort mitten in der Donau geflüchtet; wie er dort, einer allein, den halsbreche- rischen Aufgang zu seinem Asyl gegen die ganze Söldner- schaar des ihm nachsetzenden Affan vertheidigte, wie die Beiden lange Zeit hindurch von den Zicklein sich nährten, welche der auf dem Felsen horstende Steinadler seinen Jungen ins Nest brachte— achtete sie gar nicht des Getöses, wel- ches die Wellenbrandung an dem in immer drohendere Nahe rückenden Liubigajafelsen verursachte und jagten ihr die rote der sozialdemokratische Schneider Lutz, der notorisch seit Jahren die in der Schweiz gedruckten Brand- schriften in Tausenden von Exemplaren nach Deutsch- land eingeschmuggelt hat."(„Nordd. Allg." Nr. 296 vom 28. Juni d. I.) Ob es wirklich Tausende von Exemplaren waren, die Lutz geschmuggelt, das wissen wir nicht. Geschmuggelt aber hat er, das ist erwiesen. Denn er hat Jahre hindurch zwölf Exemplare des„Sozialdemokrat" bezogen und sie an einen „Genossen" in Mühlhausen i. E. geschickt. Dieser„Genosse" aber hieß S t o h l e r und war, wie Herr Wohlgemuth in seinem Bericht über sein Abenteuer in Rheinfelden er- ählt, der Vertrauensmann der Mühlhauser ' o l i z e i. Die Bezahlung des Abonnementsbetrages für die zwölf von Lutz geschmuggelten Exemplare des„Sozialdemokrat" erfolgte auch durch Stohler unter dem Motto:„Die lustigen Brüder im Elsaß", und mit dem Betrag für die Blätter leistete dieser„lustige Bruder" stets auch einen Beitrag zum Unter st ützungsfonds der Partei. Und mit der Erzählung dieser lustigen Geschichte wollen wir schließen. �!cu'respottdcn;>m. f tew-UorK, 22. Juni. Es hat allen Anschein, als ob in ronin'schen Mordaffaire„geheime Mächte" am Arbeiten sind, um die Sache zu verwickeln.— Die beiden New-Porker Mitglieder des irischen Geheimbundes, deren Auslieferung der Gouventeur atts„formellen" Gründen verweigerte, konnten Seitens der von Chicago hierher gesandten Personen(die Zeugen, welche das Mobiliar nach dem Mordhause gefahren u. s. w.) nicht identifizirt werden. Man hatte die beioen mit ca. 20 anderen Gefangenen in eine Reihe aufgestellt, doch war es den Zeugen nicht möglich, sie heraus zu finden.— Es heißt jetzt, die Chrcagoer Polizei habe damit nur einen Koup aus- geführt, um einen anderen Verdächtigen Namens Martin Burki, alias Delang, sicher zu inachen, Ivelcher nach dem Mord aus Chicago verfchivunden war. Derselbe wurde vor eimgen Tagen in Winneveg(Manitoba) verhaftet, wo er voit einem Dampfschiff-Ägenten der Polizei als ver- dächtige Person denunzirt wurde, weil er bei Etmerbung eines Uebersahrtsbillets demselben gesagt, er habe Ursache, un- bemerkt so schnell als möglich außer Landes zu kommen. Da man gleich verinuthete, daß der Verhaftete mit der Cbicagoer Mordaffaire in Verbindung stände, telegraphirte man dorthin, und ein sofort abgesandter Detective erkannte ihn als den ge- suchten Burke. Jetzt ist man noch einem gewissen Michael Cooney auf der Spur, welcher mit dem einen der beiden Männer identisch sein soll, welche die Leiche Cronin'S nach dem Abzugkanal schafften. Von Burke hieß es erst, er habe sich so- fort bereit erklärt, freiwillig nach Chicago zu gehen, wenn man ihm gestatten würde, als Staatszenae aufzutreten. Dann aber soll er einen Advokaten engagirt haben, um seiner Ausliefe- rung entgegen zu arbeiten. Verschiedene Versuche, ihn zu photographiren, scheiterten an seinem Widerstand. Dann hieß es wieder, er habe ein volles Geständniß abgelegt, was aber heute dcmentirt wird.— Neuerdings heißt es, der Eis- Händler Sullivan fange an„knieschwach" zu werden und stehe im Begriff, ein Geständniß abzulegen.— Die Grand Jury hat nun formelle Anklage erhoben gegen M. Burke, P. O. Sullivan(den Eishändler), Frank Canghlin(den Detektive und Freund Schaack's) und Frank Woodruff., Die seitenlange Begründung des Richters Tuley für seine Entscheidung, A. Sullivan(den Advokaten und muthmaß- lichen Anstifter des Mordes) gegen 20000 Dollars Bürgschaft auf freien Fuß zu stellen, wird sehr abfällig beurtheilt. Es heißt in einem Blatte, er hätte sich kürzer Weit und entfach entscheiden können:„Gegen Sullivan sind im Laufe der letzten 15 Jahre drei schwere Anklagen erhoben worden: In Detroit tat er sein Schuhwaarengeschäft in Brand gesteckt; in New- stexiko hat er 10 000 Dollars Regierungsgelder unterschlagen; in Chikago hat er den Schuldirektor Hanford erschossen. Alle drei Anklagen hat er glücklich überstanden. Daher ist eS meine Ansicht, daß er auch diesmal wieder durchschlüpfen wird; darum gebe ich ihm lieber gleich die Freiheit.",.._,, f Da die Grand Jury gegen ihn keine Anklage erhoben, so wird erst durch die weiteren Ermittelungen(bisher hat man nur die Aussagen Woodruff's) genügendes Matenal gegen ihn erhalten; d. h. wenn nicht die Eingangs genannten„geheimen Mächte" dies verhindern. Wm. Pinkerton aus Chicago, der Sohn des bekannten Inhabers einer der größten Detektive- Agenturen der Welt und Vorsteher derselben, hat sich dieser Tage in New-Pork über den Cronin-Mord interviewen lassen und behauptet bei dieser Gelegenheit, was übrigens längst de- weißen aufschäumenden Wogen keine Furcht ein, welche der Strom hier m seinem verengten Bette dreht; die Schiffer haben diesen weißwolligen Wogenkämmen die Benennung „Ziegen" gegeben. „Wär' auch gescheidter, Sie würden, statt rückwärts, vorwärts schauen," bmmmte der Steuermann und strengte dann seine Kehle zu einem lauten Ruf an.„Haho... o! Herr Kommissär, was kommt uns da entgegen?" Der Kommissär sah sich uin und erblickte nun den Gegenstand, auf welchen der Steuermann ihn aufmerksam machte. � Das Schiff fuhr jetzt mitten im Tataliapaß, wo die Donau nur noch zweihundert Klafter breit ist und einen rapiden Fall hat. Sie hat hier das Aussehm eines herab- stürzenden Wildbaches— nur daß dieser Bach die Donau ist. Und dazu wird hier der Strom auch noch in zwei Theile getrennt durch eine Felsenmasie, deren First mit Moos und Gebüsch bewachsen ist; an der Westküste bricht sich das Wasser und gabelt sich in zwei Arme, von denen der eine unter den steilen Felsenwänden des serbischen Ufers dahinschießt, während der andere sich durch einen im Felsen- bett ausgehauenen fünfzig Klafter breiten Kanal ergießt, in welchem die größeren Schiffe stromab- und stromaufwärts fahren können. An diesem Orte ist's nicht räthlich, daß zwei Schiffe einander entgegenkommen, denn das Ausweichen ist mit großen Gefahren verbunden. Nördlich befinden sich unter dem Wasserspiegel viele Klippen, an denen das Schiff leicht scheitern kann, und südlich liegt de» große Strudel, dm die unterhalb der Insel wieder zusammenströmendm Arme bilden; erfaßt dieser das Schiff, so giebt es keine menschliche Wacht, die es retten könnte. Die Gefahr, welche der Steuermann in der Frage: „Was kommt uns dort entgegen?" angekündigt hatte, war sonach eine sehr ernste. Ein im Tatalia-Paß mtgegenkommmdes Fahrzeug bei so hohem Wasserstande und unter solchem Winddruck! Michael Timar verlangte das Fernrohr zurück, daS Timea in der Hand hielt und das er ihr gegeben hatte, um die Stätte besser betrachten zu könnm, von der aus einst Mirko die schöne Milieva vertheidigt hatte. kannt ist, daß der Chicagoer Polizei nicht zu trauen sei.„Die Leute(Detektives), welche bei dieser Ge- legenheit auf Seiten der Verschwörer stehen, wissen zu viel über die krummen Transaktionen, welche angewanot worden sind, um die Verurtheilung der Anarchisten herbei zu führen, und könntm vorkommenden Falles Dinge erzählen, welche manche von den höheren Offizieren in sehr sonderbarem Lichte erscheinen laffm würden." Es ist anzunehmm, daß ein gewisser Theil der Chicagoer Polizei zu der Verschwörerbande gehört, welche mit den irischen Verbrechern unter einer Decke steckt, daß aber ein anderer Theil, worunter vielleicht der jetzige Polizeichef Hubbard, welcher Schaack kassirte, nicht dazu gehören.(D. h. nicht zu dieser Bande; daß sie irgmd einer andern zu Plünderungszweckm organisirtm „Gruppe" von Polizeiern angehören, ist damit nicht auSae- schloffen.) Merkwürvig ist ubrigms, daß man Schaack sich unbehindert von Chicago entfernm ließ, obwohl seine Hand- lungsweise in' der Cronin-Affäre mehr als verdächtig er- scheint. Derselbe ist gegenwärtig von dem Anwälte A. Sullivan'S engagirt, um„Entlastungsmaterial" für dessen Klienten zu sammeln; muthmaßlich handelt es sich um die Beschaffung von Zeugen, welche aus(irischem)„Patriotismus" oder gegen baare Zahlung zur Leistung diverser Meineide bereit sind! Bei dieser Gelegenheit sei auch mitgetheilt, daß der Auch- schuft Bonsield vor einigen Tagen verhaftet wurde; er soll an Diamantendiebstählen betheiligt gewesen sei». Das waren also die„Geschäfte", wegen deren er resignirte, da sie ihm mehr einbrachten, als das bis zur entgiltigen Entscheidung seiner An- gelegenheit laufende Gehalt. Die Chicagoer Mordaeschichte hat für die Arbeiter-Be- wegung in diesem Lande«und auch in England), wenn auch nicht direkt, so doch indirekt eine große Bedeutung. Aus diesem Grunde habe ich auch so ausführlich darüber berichtet. Es ist nämlich in Betracht zu ziehen, daß die große Masse der irischen Arbeiter, oder besser gesagt alle die, welche„irisches Blut" in den Adern haben, wenn auch schon ihr Urahne nach Amerika kam, blindlings hinter jenen Banditen herlaufen, welche zn dem„geheimen Ring" in dem geheimen Bunde gehören, und welche die Dummheit oder den Fanatismus dieser Schafe (die aber unter Umständen ganz wilde Bestien werden können, wenn man sie mittelst Schnaps und darauf folgendem Schwenken mit der grünen Fahne„begeistert") bentitzen, um sich da, wo sich dieses„Stimmvieh" in des Wortes vollster Bedeutung in der Majorität befindet, in die diversen einträg- lichen und mit wenig oder keiner Arbeit verbundenen Aemter wählen zu lassen, oder, wo das nicht der Fall ist, als„Reprä- fentanten großer Wählermassen" mit der einen oder anderen der politischen Parteien Boodle-Geschäste zu machen.— Wird diese Blase gründlich ausgestochen, so ist Hoffnung vorhanden, daß die irischen Arbeiter, so weit sie nicht schon hoffnungslos kornimpirt sind, anfangen, über ihren National- Horizont hinwegzusehen und Verständniß für die soziale Be- wegung zu gewinnen.— Roch Einiges über das, was von den Freunden Cronin's gegen Sullivan vorgebracht wird. Derselbe soll einen Theil des von den irischen Patrioten gesammelten Geldes 1884 in der Blaine'schen Wahlkampagne verpulvert haben, und zwar gegen das Versprechen, im Falle des Sieges der republikanischen Partei einen Ministerposten zn erhalten.— Die Verantwortung S.'s über die verausgabten Gelder war sehr einfach. Er hatte 97 000 Dollars dem Dr. Gallagher gegeben, der im Jahre 1882 nach England geschickt wurde, um Dynamitereien zu begehen. Gallagher ist zu lebenslangem Zuchthaus verurtheilt und kann nicht reden. Geld hat man bei ihm, als er ver- haftet wurde, nicht gefunden. Im gleichen Jahre wurde John Daly zu ähnlichen Arbeiten nach England gesandt und Sullivan gab ihm, wie er sagte, 25 000 Dollars. Daly sitzt ebenfalls fest und kann keine Auskunft geben. Ein gewisser Mackey Lomeny, der die Londoner Brücke m die Lust sprengen sollte, hat von Sullivan, wie dieser sagt, 50 000 Dollars erhalten. Unglücklicherweise ist dieser Daly in Detroit spurlos verschwunden und anscheinend ebenso beseitigt worden, wie Dr. Cronin. Ein wahrer Abgrund thut sich aber erst vor einem auf wenn man hört, welches das Schicksal der nach England gesandten Dynamiter im Allgemeinen war. Von 23, die vom„Triangel", der geheimen Oberleitung des Clan- na-GaelS, nach England geschickt wurden, sind 20 abgefaßt worden, ehe sie etwas verrichten konnten, und Cronin und sein Anhang behaupten, daß ihre Namen, Personalbeschreibung und ihr Vorhaben der eng ischen Polizei mitgetheilt worden sei, ehe sie drüben landeten. Die übrigen drei seien aber nur davon gekommen, weil sie sich nicht des Namens bedienten, mit dem sie dem Triangel bekannt waren, sich unkenntlich machten und an anderen Plätzen logirten, als mit jenen verein- bart worden war.— Es handelt sich also, wenn diese Dar- stellung von der Cronin-Seite richtig ist, nicht blos um die Unterschlagung großer Geldsummen, sondern Einer aus dem „Triangel"(oder mehrere?) soll auch die Agenten des Clan- na-Gael an's Messer geliefert haben; wieder hauptsächlich, um die Unterschlagungen zu verdecken. Was daran wahr ist, wird Bei der westlichen Krümmung der Donau zeigte sich eine dunkle Masse mitten im Wasser. Michael Timar fixirte sie mit seinem Fernrohr und rief dann dem Steuermann zu:„Eine Mühle!" „Heiliger Jesu! Dann sind wir geschlagene Leute!" Eine Donaumühle trieb in der raschen Strömung auf sie zu. Wahrscheinlich hatte der Sturm sie von der Ufer- kette losgerissen. Voraussichtlich ist das Fahrzeug ohne Steuermann, ohne Ruderer, die sich sonder Zweifel ans Ufer geflüchtet haben. So treibt es, sich selbst überlassen, in's Blinde einher, die Mühlen, die es auf seinem Weg findet, der Reihe nach wegfegend, und die ihm entgegen- kommenden Lastschiffe, wenn sie nicht rasch genug auszu- weichen im Stande sind, in den Grund fahrend. Wie aber soll man hier ausweichen zwischen Scylla und Charybdis? Michael Timar sprach kein Wort, gab Timea das Fern- rohr zurück und sagte ihr, wo sie damit noch besser das Nest der Adler sehen könne, deren Urahn einst die Liebenden ge- füttert; dann warf er eilig seinen Ueberrock ab, sprang ins Boot unter die Ruderknechte und hieß fünf derselben mit ihm in den Kahn hinübersteigen; den kleinen Anker und das dünne Tau sollten sie mitnehmen und dann den Kahn losbinden. Trikaliß und Timea verstanden seine Befehle nicht, die er ungarisch ertheilt hatte, in einer Sprache, deren sie unkundig waren. Ebenso unverständlich blieb ihnen, was der Kommissär dem Steuermann zurief. „Der Schiffszug soll nur weiter gehen, das Schiff weder nach rechts, noch links ablenken!" Nach wenigen Minuten konnte indessen Trikaliß schon selbst sehen, in welcher Gefahr sie schwebten.— Die losgerissene Mühle kam rasch in dem brausenden Strombette herabgeschwommen, und man konnte mit bloßem Auge das klappernde Schaufelrad wahrnehmen, mit dessen Breite sie die Fahrstraße des Kanals einnahm. Wenn sie mit dem Lastschiff zusammenstößt, werden alle beide unter- gehen. Der Kahn mit den sechs Männern fuhr fort, sich gegen die Strömung hinaufzuarbeiten. Vier der Männer rüder- wohl jetzt wenigstens-um Theil an's Tageslicht kommen. Auf- fällig bleibt blos das Eine, daß Sullivan eine solche Menge Leute ins Komplott gezogen haben soll, während er doch die Beseitiguna Comin's durch einen Bravo hätte besorgen lassen können. Aber die raffinirtesten Verbrecher haben sich solche Fehler zu Schulden kommen lassen. Aus dem„Todesthal" ist zu melhen, daß die Zahl der Verunglückten nach den letzten Feststellungen zwischen 8—10000 beträgt. Die erst angegebene Zahl von 15 000 soll dadurch entstanden sein, daß eine große Masse der Vermißten sich gerettet hatten, aber nicht in'S Thal zurückkehrten, sondern Ver- wandte in benachbarten Orten aufsuchten und bei diesen bliebe». — Daß im Thale eine Militär-Diktatur eingeführt wurde, ist wohl schon bekannt. Das Erste, was Der Herr Diktator, General HastingS, that, war die Reduzirung des Lohnes der mit den Aufräumungsarbeiten betrauten Arbeiter von 2 auf Ii Dollars, wovon sie auch die Kost bestreiten sollen, die sie vorher geliefert bekommen. Infolge dessen verließen sehr viele das Thal, doch gelang es, neue herbeizuschaffen. Aber seit vor- gestern kommen wieder Nachrichten, daß eine allgemeine Aus- reißerei im Gange ist. HastingS wußte, als„General und Feldmarschall", nichts Besseres zu thun, als eine Kompagnie Soldaten kommen zu lassen, damit dieselben— sich die noch massenhaft vorhandenen Trümmer ansehen können!— Vor- gestern trafen drei„Wagenladungen" Italiener ein, doch wurden die Leute von einigen Landsgenossen beredet, nicht an die Ar- beit zu gehen.— In Chicago tagt die erste Konvention der„Brüder- schaff derBereinigtenArbeiIerpartei"(BrotherhoodofUnitedLabor). Dieselbe wurde von dem früheren Mitglied des Ordens der „Knights of Labor" Th. B. Barry und einigen andern Oppo- nenten Powderly's gegründet. Die Präsidentschaft ist in der Organisation abgeschafft. Von der„Federation of Labor" unter- scheidet sie sich dadurch, daß sie ein„geheimer Orden" ist und Zweigvereine hat(r„sp. aufnimmt), deren Mitglieder verschiedenen Arbeitsbranchen angehören. Zu Delegirten zum Pariser Kon- greß(natürlich dem der Possibilisten) sind vorläusia zwei Mit- glieder gewählt. Vom Orden der„Knights of Labor" wird außer Powderly und„seinem" Sekretär wahrscheinlich auch der bekannte„Ritter" Archibald nach Paris gehen. Ob die Gesellschaft indessen dort etwas vom Sozialismus prositiren wird, ist eine große Frage; diese Leute stecken in ihrer Beschränktheit so voller Dünkel, daß ihnen mit irgend welchen Argumenten gar nicht beizukommen ist. Polilisckir ücl'evNck,!. Der Landesausschuff der deutschen Sozialisten in der«chweiz erläßt in der ichweizerischen Arbeiterpresse„Grüt- lianer",„Arbeiterstimme",„Arbeiterfreund" eine Erklärung. überschrieben: An unsere Partei- und Gesinnungsgenossen und an die Bevölkerung der Schweiz, in welcher er Stellung in dem Streit zwischen Deutschland und der Schweiz nimmt. Der Aufruf ist in der deutschen Presse nicht abdruckbar, weil er in besonders scharfer Weise mit den Lockspitzeln, die sich seit acht Jahren in der Schweiz gezeigt, ins Gericht geht, und dabei auch deutsche Behörden heftige Hiebe abbekommen. Der Aus- schuß sagt, was ihn veranlaßt in dem Streit zwischen den Re- gierungen Deutschlands und der Schweiz das Wort zu ergreff fen, das seien die Beschuldigungen und Anklage», die Deutsch- land gegen die Handhabung des Asylrechts in der Schweiz erhebe. Der Ausschuß wirft die ganze Schuld auf Deutsch- land, das seit langem einen Spitzel nach dem andern ins Land gesandt, die dann zu Lockspitzeln wurden. Die Namen derselben und ihre Thaten werden aufgeführt und da kommen sie dann nacheinander an die Reihe, die Friede- mann, die Schmidt, die Weiß, die Schröder und Haupt, die Kaufmann und v. Ehrenberg. Kein deutscher Sozialist habe sich in der Schweiz Hoch- oder Landesverrath gegen Deutsch- land zu Schulden kommen lassen oder habe Attentate geplant, wohl aber hätten die Hetzspitzel systematisch dazu gehetzt. Auch der„Sozialdemokrat" habe zwar Personen und Zustände in Deutschland sehr heftig angegriffen, aber auch er habe weder zu hoch- und landesverrätheriichen Unternehmungen, noch zu Attentaten gegen mächtige Personen in Deutschland aufgefordert, wohl aber habe er die Pläne der Most'schen„Freiheit" und anderer anarchistischer Organe bekämpft. Der Vorwurf, die Schweiz zu einem Herde hoch- und landesverrätherischer Unternehmungen gemacht zu haben, treffe die deuschen Sozialisten in der Schweiz nicht, die Versuche dazu seien von ganz anderer Seite ausgegangen. Der Ausschuß spricht sein Erstaunen darüber aus, daß Deutschland seinen Polizeiagenten nach all' den bösen Er- fahrungen, die es in ber Schweiz gemacht, nicht strenge Ordre gegeben, sich unter keinen Umständen Provokationen zu er- tauben, der Fall Wohlgemuth mit dem: Wühlen sie nur lustig darauf los! wäre dann unmöglich gewesen. Der Landesausschuß sieht in Dem Vorgehen Deutschlands gegen die Schweiz hochpolitische Gründe und Pläne, die er des ten, einer steuerte. Der Kommissär stand vorne im Kahne mit verschränkten Armen. Was ist ihr tolles Vorhaben? Was wollen sie in einem schwachen Kahne gegen eine Mühle, was mit mensch- lichen Sehnen und Muskeln gegen Strom und Sturm aus- richten? Wäre jeder von ihnen ein Simson, die Gesetze der Hydrostatik würden doch alle ihre Kraftanstrengungen zu Nichte machen. Der Stoß, den sie gegen die Mühle führen, wirb auf den Nachen zurückprallen. Entern sie auch die Mühle, so werden sie von ihr fortgerissen. Es ist, als wollte eine Spinne den Hirschkäfer in ihrem Netze fangen. Der Kahn hielt sich indessen nicht in der Mitte, son- dern bemühte sich, die südliche Spitze der Felseninsel zu ge- winnen. Der Strom warf solche Wogen auf, daß die fünf Männer wieder und wieder im Wellenthal verschwanden, und im nächsten Momente oben auf dem Kamm der wilden Wogen tanzten, hin- und hergeschleudert von der entfesselten Fluth, die unter ihnen schäumte, wie im Sudkessel brodeln- des Wasser. (Fortsetzung folgt.) Aus Munfl und£ clicn. Hungersnoth i« Mestindie«. Aus der westindischen Besitzung, der Insel Curasao, kommen haarsträubende Be- richte über die daselbst herrschende Hungersnoth. Es hat auf der Insel nunmehr seit 15 Monaten nicht mehr geregnet und es wird noch bis Oktober dauern, ehe der übliche Jahresregen fallen wird, wenn er nicht wie im vorigen Jahre überhaupt ausbleibt. Berge und Felder sind mit einer Schicht grauen StaubeS bedeckt, das wenige Grün, daS man hier und da sieht, wird von einem Glühwinde versengt. Tausende Stücke Vieh sind dem Hunger erlegen und häusig kann man beobachten, wie die Esel das halbverfaulte Stroh an den Dächern der Negerhäuser gierig verzehren. Infolge dieser langen Trockenheit ist die Ernte näheren entwickelt. Diese Pläne verpflichteten die deutschen Sozialisten in der Schweiz nichts zu thun, das die Schweiz kompromittircn könnte, wie sie das bisher auch nicht gethan hätten. Was sie bisher in der Schweiz gethan, sei nach Schweizer Recht gesetzlich. Aber es erwachse unter bcwandtcn Umständen für Die Sozialdemokraten noch die weitere Auf- gäbe, daß wo und unter welcher Gestalt immer Pläne oder Vor- schläge an einen unter ihnen heranträten, die der Schweiz schaden könnten, der Versucher am Kragen gepackt und mit Namen und Thaten sofort der Oeffentlichkeit überliefert werde, denn wer mit solchen Plänen komme, sei entweder ein Narr oder ein Hetzspitzel, damit nütze man am besten der Partei in Deutschland und dem Lande, dessen Gastfreundschaft man genieße, daß man solche Leute unmöglich mache. Dieses Vorgehen des Landesausschusses der deutschen So- zialisten in der Schweiz findet unsere volle Billigung. Es dient dazu, den Hetzereien der„Norddeutschen" und Blättern gleichen Kalibers den Boden zu entziehen, und giebt den schweizer Behörden die Sicherheit, daß die Hetzspitzel unter den deutschen Sozialisten in der Schweiz keinen Anhang finden, wohl aber, wo sie sich zeigen, auf einen wannen Empfang gefaßt sein dürfen. Die Erklärung, so deutlich sie ist, und sie ist im vorliegenden Wortlaute sehr deutlich, wird zwar die offiziösen Hetzer auch ferner nicht abhalten, ihre traurige Arbeit zu ver- richten, sie hat aber die Situation geklärt und das ist sehr wichtig. Die Kitzungen des inteniationalen Arbciterkongresscs finden in der Salle Petrelle, Rue Petrelle, Paris, statt.— Zum Kongreß sind bis jetzt deutscherseits 61 Vertreter angemeldet, und es dürften dieselben aus nahe an 70 wachsen. Die große Mehrzahl derselben wird sich am 12. Juli Abends in Köln treffen und von dort gemeinsam die Reise durch Belgien unter- nehmen, Ankunft in Paris am 13. d. Vormittags. Ein kleiner Theil reist durch Elsaß und trifft ebenfalls am 13. Vormittags in Paris ein. Am stärksten ist Norddeutschland vertreten, am schwächsten Bayern, das nur einen Vertreter sendet. Im übrigen sind alle Gegenden Deutschlands vertreten von Flens- bürg, Königsberg und Breslau im Norden und Osten bis Frciburg im Südwesten. Stadt und Fand. Man hat vielfach von dem Gegen- sah zwischen Stadt und Land gesprochen, und die Ausgleichung dieses Gegensatzes fiir die Vorbedingung einer gesunden wirthschaftfichen und politischen Entwicklung erklärt. Und das mit Recht. Daß der Gegensatz vorhanden ist, kann unmöglich geleugnet werden. Jahrhunderte, ja Jahrtausende lang— wenn wir die gesammtc Völkergeschichte nehmen— hat das Land sich in Abhängigkeit von der Stadt befunden, ist von der Stadt und aus der Stadt beherrscht und ausgebeutet morden. Ist nun auch seit der fianzösischen Revolution die politische Abhängigkeit und Unterordnung des Landes, durch gesetzliche Anerkennung des Prinzips der Rechtsgleichheit auf- gehoben worden, so hat der soziale oder wirthschaftliche Gegen- loch, nach Beseitigung des politischen, doch an Schärfe eher zu- genommen durch die moderne Großindustrie und deren Kon- zentrirung in den Städten. Der Gegensatz �zwischen Landwirthschaft und Industrie gab dem Gegensatz zwischen Land und Stadt frische Nahrung. Während die Großindustrie, ein Kind der Neuzeit, aus der Wissenschaft ihre Nahrung zieht und ihrem ganzen Wesen nach fortschrittlich ist, hat die Landwirth- schaft, als älteste Jnbustrieform, sich durch zähes Festhalten am Alten, Veralteten ausgezeichnet. Und das ist ihr Unglück geworden. Denn die„Roth der Landwirthschaft", so weit sie nicht blos tendenziöse Erfindung zu reaktionär-raub- ritterlichen Zwecken ist, besteht einfach darin, daß speziell unsere deutsche Landwirthschaft weit hinter_ der städtischen Industrie zurückgeblieben ist, und nicht begriffen hat, daß die Land- wirthschaft nur ein Zweig der Industrie und genau denselben Gesetzen unterworfen ist, wie die nicht landwirthschaftliche Industrie. Unsere Herren Agrarier wollen die patriarchalischen Ver- lhältnisse und Löhne aufrechterhalten, welch vor dem Aufkommen der Großindustrie allgemein waren, und aus den Städten und Jndustriebczirken längst weggefegt sind. Die Herren be- denken nicht, daß die„amenkanijche Konkurrenz", über welche sie so lehr jammern, nur deshalh so gefährlich und erdrückend geworden ist, weil in Anicrika der kapitalistische Großbetrieb auf dem Gebiete der Landwirthschaft genau edenso herrscht, wie aus dem Gebiete der Fabrikindustric. Im Großen und Ganzen spielt unsere deutsche Landwirthschaft der Fabrikindustrie gegen- über dieselbe Rolle, wie der zünftlerischc Handwerker gegenüber dem Fadrikanten. Es haben ja ohne Zweifel unsere deutschen Grundbesitzer in neuerer Zeit vieles gelernt, und es giebt viele unter ihnen, die durchaus rationell ihre Güter bewirthschaftcn, allein wer die deutsche Landwirthschaft mit der englischen und namentlich der amerikanischen vergleicht, muß ihr allerdings ein sehr ungünstiges Zeugniß ausstellen. Der Zopf hängt ihr hinten. And was für einer! Auf die schlimme Lage der Kleinbauern, überhaupt auf die eigentliche Grund- und Bodenfrage wollen wir heute nicht ein- durchaus vernichtet worden; der im März 1888 geerntete Mais ist vollständig verzehrt und wie die ausgehungerte Bevölkerung noch die lange Zeit bis zum nächsten März über- stehen wird, ist trotz aller seitens der Privatmohlthätigkeit dar- gebrachten Opfer ein Räthsel; die Arbeit auf den Pflanzungen steht vollständig still, da der harte, ausgetrocknete Boden doch mcht von dein kraftlosen Zugvieh bearbeitet werden kann. Viele Arbeiter sind nach Venezuela gegangen, um daselbst Arbeit und Verdienst zu finden, Häven aber Frauen und Kinder im gräß- uchsten Elend zurückgelassen. Infolge des Mangels an der uothigsten Zcahrung herrscht unter der Bevölkerung der Skorbut, der bereits zahlreiche Opfer gefordert hat und sich mit der Zu- nähme der Roth stets weiter verbreitet. Mit Hohlen Augen, ent- zündetem Zahnfleilch und geschwollenen Beinen liegen die Opfer der Krankheit in ihren elenden Hütten, sind kaum mehr im Stande, sich zu bewegen und erwarten den Tod als willkoinnie- neu Erlöser. Eine recht merkwürdige«i-pchichte macht gegen- wartig die Runde durch die Presse. Im Jahre 1885 starb in Paris eine Amerikanerin, Namens Fessart, und setzte ihren Kammerdiener, den Schweizer Cadrian, zu ihrem Universal- erben ein. Cadrian gewann den Prozeß, welchen die Erden der Frau Fessart gegen ihn angestrengt hatten, allein das viele Geld, in dessen Besitz er plötzlich gelangt war, erschütterte seinen ohnedies schwachen Geist. Um das Ende des Jahres 1885 übergab der unglückliche Glückspilz den größten Theil seines Vermögens einer Schwindelbank der Rue Laffitte, deren Eigen- thümer Pary und Cbapotat sich beeilten, das anvertraute Depot zu veräußern. Als dieser dann sein Geld zurückhaben wollte, gaben ihm die beiden Schwindler Wechsel, deren Einlösungs- termine nahe bevorstanden. Cadrian hatte inzwischen mehrere Male seine Wohnung wechseln müssen, da sein religiöser Wahnsinn die Nachbarn störte, und fand endlich in der Rue Aea«, gegenüber der Kirche Saint-Michel-des-Batignolles, 1 Unterkommen. Er besuchte die Kirche sehr eifrig, erregte aber durch sein wüstes Treiben Unwillen. In der Nacht vom„9. Januar 1888 lief Cadrian halb nackt, mit einem Stock bewaffnet auf dieStraße hinunter, wurde aber durch den Haus- Meister in seine Wohnung zurückgebracht. Kurze Zeit darauf verließ er das Haus, diesmal vollständig angekleidet, und seither rst er spurlos verschwunden. Die Polizei stellte Nachforschungen an, die resultatlos blieben und das Gericht beauftragte einen Kurator, die Jnter- essen des Verschollenen zu wahren. Dieser erfuhr, daß Cadrian ehen. Wir wollen blos feststellen, daß die Landwirthschaft sinter der Fabrikindustrie zurückgeblieben und daß hierin die Hauptursache ihrer vergleichsweisen Rothlagc zu suchen ist. Der Gegensatz zwischen Landwirthschaft und Fabrikindustrie kann aber zum Glück auf die Dauer nicht bestehen; der Fabrikindustrie wird es in der Stadt zu eng, es drängt sie immer mehr auf das Land, wo die Anlagen und für einige Zeit auch die Arbeitspreise billiger sind. Freilich letzteres nur für einige Zeit, denn die Fabrikarbeiter streben Überall nach städtischen Löhnen. Und ivenn der ländliche Ableger einer Stadtfabrik ein paar Jahre bestanden hat, sind in der Regel die Löhne mit den städtischen voll- kommen gleich. Genug, die Fabrikindustrie hat die Tendenz, weil das Interesse: sich diejenigen Theile des Landes, wo die Arbeil am billigsten ist, auszusuchen— natürlich vorausgesetzt, daß die sonstigen Existenzbedingungen(Verkehrsmittel u. f. w.) vorhanden sind. Und auf diese Weise wirkt die Fabrikindustrie geradezu revolutionirend auf die Landwirthschaft. Sie schwemmt die Ueberreste des patriarchalischen Zopfthums weg, macht die ländlichen Arbeiter mit den Kultur- bedürfnissen bekannt und, o Graus! mit ihremfvatriarchalischen (Junker-)„Paradies"— unzufrieden. Die ländlichen Arbeiter vergleichen ihre Lage mit der ihrer Fabrikkollegen, und der Ver- gleich zeigt ihnen, baß sie weit schlechter gestellt sind, schlechter bezahlt und weniger frei und unabhängig. Die Folge ist: viele gehen in die Fabrik, die anderen bleiben nur unter der Bedingung höheren Lohns und besserer Behandlung. So gleicht sich der Unterschied zwischen ländlichen und Fabrikarbeitern mehr und mehr aus, die Landwirthschaft und damit das Land selbst verlieren mehr und mehr ihren patriarchalischen Charakter, der Gegensatz zwischen Stadt und Land verschwindet allmälig. Und das ist ein riesiger Vortheil und Fortschritt. Aus dem Gegensatz zwischen Stadt und Land beruht die Herrschaft der Reaktion, welche das„konservative" Land gegen die „revolutionären" Städte ausspielt. Das Kaiserreich in Frank- reich stützte sich auf die Bauern, die systematisch gegen Paris und den großstädtischen Radikalismus gehetzt wurden. Und welche Rolle dem„Bruder Bauer" in Deutschland zugetheilt ist, das weiß man; das Bismarck'sche System kopirt auch in dieser Beziehung den Bonapartismus. Der 21. Februar 1887 — die Faschingswahl— war ein Sieg des Lands über die Stadt. So lange der Gegensatz zwischen Stadt und Land be- steht, hat die Reaktion Trumpfkarten in der Hand. Hört er auf, so ist sie verloren. Mit dem Fabrikinspektor des Jnspektionsbezirkes Dresden, einem Herrn Siebdrat, hat das„Sächs. Wochenbl." schon verschiedentlich Veranlassung gehabt, ein kräftiges Wort zu sprechen. Auch jetzt ist das Dresdener Arbeiterorgan wieder m Auseinandersetzung mit diesen! Herrn, die an dieser Stelle mitgetheilt zu werden verdient. Das Blatt schreibt:„In dem Berichte der sächsischen Gewerbeinspektoren für 1888 ergeht sich der Beamte des Jnsvektionsbezirks Dresden, Gewerberath Siebdrat, wie gewöhnlich— und, wie es uns scheint, um die Mangelhaftigkeit seines Beobachtunqs- und Urtheilsvennögens zu verdecken,— in allgemeinen Raisonnements über die sehr guten Unternehmer, die bösen Arbeiter und die aAerbösesten Sozialdemokraten. Der Haß, den dieser Mann bei jeder Ge- legenheit gegen die„schlechten" Arbeit«' und die Arbeiterpresse zur Schau trägt, wirkt oftmals geradezu komisch, und es hieße Wasser in die Elbe schütten, wenn wir uns mit diesen Eigen- schaftcn dieses Mannes hier noch weiter beschäftigen würden, wenngleich wir nicht unbemerkt lassen wollen, daß sem Verhalten dem§ 2 der Dienstanweisung der Gewcrberäthe vom 24. Mai 1879(M.-Bl. 152) durchaus nicht entspricht.— Die geradezu verblüffende Unkenntniß einzelner Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung, deren Jnnehaltung zu überwachen die eigenste Funktion eines Gcwerbeinspektors ist, zwingt uns, auf diesen Bericht näher einzugehen. In diesem Bericht unter der Rubrik C. heißt es wörtlich:„Leider giebt sich die sozial- demokratische Presse dazu her, solche Verleuindungen möglichst zu verbreiten, ohne zu fragen, wieviel Wahres oder Unwahres daran ist. So war in einer größeren Gießerei vom Besitzer eine Kantine für die Arbeiter derart eingerichtet, daß sie gegen Baarzahlung oder Marken, die im Komtoir gekauft oder auch gegen Vorschuß entnommen werden konnten, Lebensmittel und Bier zu sehr mäßigen Preisen erhielten. Es war jedoch kein Arbeiter gezwungen, seinen Bedarf in der Fabrikverkaufsstelle zu entnehmen, da jedem gestattet ist, während der Ruhepausen die Fabrik zu verlassen und sich ihren Bedarf auch außerhalb derselben zu beschaffen. Gegen diese Einrichtungen erschien in einer Partcizeitung ein Artikel, welcher dem Arbeitgeber unlautere Absichten beim Verkauf der Lebenmittel unterlegte und nament- lich darauf hinwies, dasz jedem Arbeiter aus das Strengste verboten sei, die Fabrik während der Arbeitspausen zu ver- lassen. Nach Einsichtnahme dieses Artikels fand sich die Ge- werbe-Jnspektion veranlaßt, die Angelegenheit näher zu unter- kuchen, wobei der Thatbestand dahin ermittelt wurde, daß die Angaben des Parteiblattes als unwahr bezeichnet werden mußten, da es den Arbeitern erlaubt war, die Fabrik während der Ar- beitsvausen zu verlassen. Der unwahre Bericht war jedenfalls aus der Mitte einiger unzustiedener Arbeiter der Gießerei her- dem Pfarrer Lemoine der Kirche Saint-Michel einen Sack mit verschiedenen Effekten und Werthpapieren üdergeben hatte, war aber nicht wenig erstaunt, als der Sack geöffnet wurde; der- selbe enthielt keine Wcrthpapiere. Nun brachte der Kurator in Erfahrung, daß die Einkünfte Cadrians regelmäßig eingezogen wurden, und die Polizei entdeckte bald, daß der falsche Cadrian ein Geschäftsagent Namens Mongin war und daß der Mehner der Kirche, Favreuil, die Werthpapiere Cadrian's aus dem Sack, der in der Sakristei aufbewahrt war, gestohlen hatte und durch Vermittlung eines Vetters MonginS mit diesem in Ver- bindung gebracht worden war. Mongin ließ sich mit dem Raube in einer kleinen Ortschaft bei Paris nieder, gab sich da- selbst als Cadrian aus und wußte sich nach einem längeren Aufenthalte Jdentitätspapiere auf den Namen Cadrian's zu verschaffen, mit denen er.die Depots des Verschwundenen in ucrschiedenen Pariser Banken einzog und sogar die zwei Schwindler Pary und Chapotat zur Zahlung der ausgestellten Wechsel zu zwingen wußte. Jetzt sitzen diese, der falsche Cadrian, dessen Vetter und der Mehner hinter Schloß und Riegel und weitere Verhaftungen von Betheiligten stehen noch bevor, lieber den Aufenthalt Cadrian's. weiß man vorläufig nichts; man behauptet, er sei in einem Kloster ver- steckt, oder in irgend einem Jrrenhause nntcrgcbracht. Ob der Verdacht begründet ist, daß die Bande den verrückten Kammer- diener aus dem Leben geschafft hat, wird wohl die Untersuchung ergeben. Au» Londo«, I.Juli, schreibt man: Lambeth, der Stadt- bezirk, in welchem vorige Woche der Akrobat Letine von dem Ingenieur Curragh erstochen wurde, war in der Nacht zum Sonnabend der Schauplatz eines neuen größlichen Verbrechens, welches den Argwohn rege machte, daß„Jack, der Bauchauf- schlitzer" in dem Bezirk sein Wesen treibe. Am Sonnabend Morgen 3 Uhr wurde vor dem St. Thomas-Hospital, gegenüber dem Parlamentsgebäude in Westminster, ein Mann ermordet vorgefunden. Er hatte eine tiefe Stichwunde im Halse hinter dem linken Ohre. In dem Ermordeten wurde später der Steuermann einer Kohlenbarke Namens Hammond erkannt. Kurze Zeit nach der Entdeckung der Leiche wurde ein junger Mann verhaftet, von dem es hieß, daß er einer Frauensperson, Namens Margareth Webb, die auf einer Bank am Themseouai saß, eine Stichwunde beigebracht habe. Bald nach verübter That hatte er die Flucht ergriffen, aber auf das Hilfegeschrei des vermundeten Mädchens hatte ein Schutzmann den Alten- täter verfolgt und ihn in der Nähe der Lambethbrücke festge- nommen. Der Verhaftete ist ein schlankgebauter junger Mann vorgegangen; ob eine Berichtigung desselben stattgefunden hak, wurde hier nicht bekannt, jedenfalls ist aber der falsche Berickt von den meisten Lesern als baare Münze hingenommen worden." Aus den vorstehenden Sätzen geht hervor, daß der Gewerbe- Inspektor der Ansicht ist, eine Verletzung des§ 115 Abs. 1 der Gewerbeordnung, welcher die Verabreichung von Lebensmitteln an die Arbeiter, behandelt, liege erst dann vor, wenn die Ar- bester formell gezwungen werden, die Lebensmittel in der Kantine zu entnchnien. Das ist falsch. Das Reichs- gericht entschied in drei uns bis jetzt bekannt gewordenen Fällen folgendcnnaßen:„Die von einem Gewerbe- treibenden oder den ihm gesetzlich gleichgestellten Personen aus Anrechnung des Lohnes an die Arbeiter erfolgte Äushändi- gnng von Marken, auf welche bei dritten Perfonen Lebens- mittel entnommen werden können, ist unstatthaft und strafbar. Erk. d. R.-R. v. 22. September 1882. IV. S. 706. Die Verrechnung von Blcchmarken(für Lebensmittel und Waareu- beziigc) bei der Lohnauszahlung an die Arbeiter fällt unter das Strafverbot des§ 115 Abs. I der Gcw.-O. Erk. des R.-G. v. 23. November 1882. IV. S. 834. Die Verrechnung von Vorschußzettcln(für Lebensmittel) bei der Lohnzahlung an die Arbeiter fällt auch dann unter das Verbot der Gewerde- ordnung, wenn der ganze Lohnbetrag baar aufgezählt, dann aber vor Uebergabc des Geldes an den Arbeiter mit Zustim- mung desselben der dem Vorschußzcttel entsprechende Betrag abgezogen wird. Erk. d. R.-G. v. 20. April 1886. VIU. S. 304." Hier wird die bloße Verabfokgung von Marken oder Vorschußzetteln unter Strafe gestellt, und nicht erst die Be- strafung abhängig gemacht von einem erfolgten, juristisch nach- weisbaren Zwange, mittelst dieser Marken und Vorschußzettel in bestimmten Verkaufsstellen Waaren zu entnehmen. Der Fabrikinspektor Siebdrat führt diesen Fall a», um an ihm die Unzuverlässigkcit des„Sächsischen Wochenblatt", welches seiner- zeit diesen Mißstand in einer Gießerei zur öffentlichen Kennt- niß brachte, zu illustrircn, und hat damit die Zuverlässigkeit desselben und dessen Bestreben, dem Gesetze Achtung zu ver- schaffen, in das beste Licht gesetzt. In seinem Berichte wird er zum Ankläger wider Willen, und wir fordern nun- mehr die kgl. Staatsanwaltschaft auf, die An- klage zu erheben gegen den Gießercibesitzer Paul in Radeburg wegen llebcrtretung des * 115 Abs. 1 der Gewerbe-Ordnung, und zwar auf Grund des Berichtes des Gewerbeinspektors für den Jnspektions- bezirk Dresden." Die Konservativen haben eine Heidenangst vor den nächsten Reichstagswahlen. Das beweist deutlich ein Ar- tikel des Herrn Helldorff-Bedra in der„Konservativen Korre- spondenz". Es heißt da:„Die bevorstehende» Wahlen übe» schon jetzt ihre Wirkung auf die Haltung der Presse und der Partei- Agitation, und es kann nicht zweifelhaft sein, daß eine ge- schlossene Opposition, welche sich aus der Sozialdemokratie, der sieisinnigen Partei und den intransigenten Thcilen des Zentrums zusammensetzt, einen schweren Kampf in Aussicht stellt, in welchem von den Gegnern der bisherigen Gesetzgebung und der Tendenz, von der sie getragen mar, alle denkbaren Mittel zur Erregung der Massen in Anwendung komme» werden. Es wird der vollen Anspannung der Kräfte, es wird der gemein- samcn Anstrengung Derer, die gemeinsam jene Gesetzgebung gefördert haben, bedürfen, um diesem Ansturm zu widerstehen." Diejenigen, welche am lantesten den Respekt vor »Höheren" predigen und sich als die eistigstcn Hüter von Ordnung und Gesetz geberdm, vergessen diese schönen Lehren gewöhnlich selbst am schnellsten, wenn es sich um ihre lieben Eigeninteressen handelt. Das ist eine alte Erfahrung. Ein Theil der links-gouvcrnementalen Presse hat dies soeben wieder recht deutlich gezeigt. Als Mittel gegen den Massenstreik haben die„Köln. Ztg." und die„Rhein.-Westf. Ztg." in rührender llcbcreinstimmung den Unternehmem Lohnabzüge zur Her- stellung von Arbeiterkautionen cinpfohlen, ein Verfahren, welches von einem deutschen Landgericht als ungesetzlich gebrand- markt worden ist. lind in einer kurzlich mehrfach berührten Per- sonenstage, mit Bezug auf einen eventuellen Wechsel im p r e u ßi- s ch e n E i s e n b a h n m i n i st c r i u m, haben dieselben erst hypcrloyalen Nationallibcralen im Eifer des Egoismus und der Interessenvertretung, die sie besorgen, jeden Respekt vor ministeriellen Persönlichkeiten vergessen, lieber diese Angriffe schreibt jetzt zutreffend der Berliner parlamentarische Korre- spondent der„Bresl. Ztg.":„Der von der„Köln. Ztg." als Nachfolger fiir Herrn v. Maybach empfohlene Herr Jencke be- sitzt ohne Zweifel die Befähigung, Eiscnbahnminister zu wer- den. Diese Befähigung ist sehr selten. Herr Jencke hat außer- dem sehr angenehme Umganasfornien und verräth keine bureau- kratischen Neigungen. Der Hinweis auf ihn könnte unter Um- ständen sehr verdienstlich sein. Aber waS hat man eigentlich gegen Herrn Maybach?... Soweit mir erkennbar, gehen die Angriffe gegen Herrn v. Maybach nicht von denen aus, die ihm seine wirklichen Fehler zum Vonvurfe machen, sondern von denen, die sich darüber beklagen, von ihm nicht in ungerechter Weise begünstigt worden zu sein. Ich kann es mir sehr wohl erklären, daß man in den rhcinisch-westfälischen Kreisen den Wunsch hegt, einen Eisenbahnminister zu haben, der ihre Jnter- im Alter von 27 oder 28 Jahren, mit blondem Schnurrbart und heißt James Crickmann. Er ist ein beschästigungs- loser Kommis. Nicht mit Unrecht wird geargwöhnt, daß er der Mörder Hammonds ist. Eine Frau, die den Mordversuch auf Margareth Webb von Weitem sah, hat ihn als den Angreifer des Mädchens, das, beiläufig bemerkt, schwer verwundet ist, erkannt. Das Motiv der beiden Verbrechen scheint, soweit bis jetzt bekannt ist, reine Mordlust gewesen zn sein. Crickmann wurde am Sonnabend dem Polizeirichter in Lambeth vorgefiihrt unter der Anklage, Hammond ermordet und versucht zu haben, Margareth Webb zu ermorden. Nach kurzem Verhör wurde er zurückgestellt, damit der öffentliche Ankläger die Sache in die Hand nehme. Ei« Kirbrsdrama mit blutigem Ausgange beschäftigt gegenwärtig die Behörden der russischen Gouvernementsstadt Minsk. In einem dortigen Hotel fand man dieser Tage auf einem Fremdenzimmer die Leiche eines jungen, elegant ge- kleideten Reisenden, der einige Tage zuvor in diesem Gasthause abgestiegen war. In einem Nebenzimmer lag auf dein Fuß- boden eine junge schöne Dame mit einer Schiißwunde in der Brust. Die herbeigerufenen Aerzte brachten die Unglückliche zur Besinnung, und es konnte die schwerverwundete noch folgende Angaben machen: Ihr Name fei Amelie Johnson und der Tobte im Nebenzimmer ihr Geliebter Oskar Hugon, den sie soeben erschossen hätte. Sie seien beide Schweden und stammten aus sehr vermögenden Familien. Oskar Hugon, der mit ihr ein Verhältniß angeknüvst, habe ihr eines Tages zugestanden, daß er verheirathet sei, und sie deswegen gebeten, mit ihm nach Rußland zu fliehen. Sie ließ sich dazu überreden und ent- wendete auch auf seinen Wunsch ihrem Vater eine bedeutend,? Summe Geldes. Sie ließen sich nun in Wilna nieder. Hiev lenite aber Oskar Hugon eine schwedische Liedersängerin kennen und verließ seine bildschöne 23jährige Geliebte heimlich, um mit der Sängerin und der ganzen Sangertnippe nach Minsk zu gehen. Amelie Johnson erfuhr dies, kaufte sofort einen Re- volver und reiste nach. In Minsk machte die Verlassene ihren treulosen Geliebten in einem Hotel ausfindig und schoß ihn, ohne ein Wort mit ihm gewechselt zu haben, nieder. Dann eilte sie in ein Nebenzimmer, um sich das Lebe», zu nehmen� Nach Ansicht der Aerzte ist auch Ämelies Wuffde tö'dtlich. essen zur Richtschnur seines Verhaltens macht, und daß man daher frisch hineingreift und einen aus der eigenen Mitte zum Vorschlag bringt. Ich bin aber fest überzeugt, daß durch eine solche Begünstigung eines Jndustriekreises die anderen In- dustriebezirke, die übrigen Bcrufsstände und wohl auch die Gesammtheit der Steuerzahler sehr schwer geschädigt werden iDÜrde." Weber Ausnutzung der Kinderarbeit schreibt man dem„B. T." aus Danzig:„Zwischen Danzig und Nenfahr- wasser liegt am Ufer der tobten Weichsel eine Reihe von industriellen Etablissements, unter welchen sich auch die zur Ortschaft Schellmühl gehörige Danziger Glashütte bcsinoet. In einem seiner Schulberichte hatte der Lehrer von Schell- mühl angegeben, daß die Kinder der in der Glasfabrik beschäftigten Arbeiter während des Unterrichts häufig einschliefen, und daß dieselben sich damit entschuldigt hätten, sie müßten während ihrer schulfreien Zeit und auch öfter während der Nacht in der Fabrik arbeiten. Auf Grund dieses Berichtes begab sich der Landrath des Kreises Tanziger Höhe, zu welchem die Ortschaft Schcllmühl gehört, im Mai d. I. nach dem Schulhause und vernahm die betreffenden Kin- der über die Art und Weise ihrer Beschäftigung in der Fabrik. Tie Kinder sagten aus, sie hätten am Tage und häufig auch während der Nacht in der Fabrik gearbeitet und glühende Flaschen nach dem Kühlofen schaffen müssen. Auf Grund dieser Aussagen wurde gegen den kaufmännischen Leiter der Glas- Hütte, Schwidop, und gegen den technischen Direktor Müller eine Anklage wegen Vergehens gegen die§§ 135 nnd 136 der Reichs- Geiverbeordnung erhoben, welche heute vor der Straf- kammer des hiesigen Landgerichts verhandelt wurde. Der kauf männische Leiter Schwidop erklärte, von der ganzen Angelegen� heit nichts zu wissen, da er sein Kontor und auch seine Wohnung in der Stadt habe und bei seiner Anwesenheit in der Fabrik Kinder nicht habe arbeiten sehen. Auch der technische Direktor Müller stellte in Abrede, Kinder beschäftigt zu haben, gab aber zu, daß ab und zu Kinder ihre Eltern, die sich zu irgend einer häuslichen Bereich tu ng begeben hätten, auf kurze Zeit abgelöst hätten! Sämmt liehe Kinder, welche nunmehr vernommen wurden, waren offen- bar von ihren Elten: beeinflußt worden, denn ihre Aussagen wichen erheblich von denjenigen ab, welche sie früher unvor- bereitet vor dem Landrath gemacht hatten, so daß es mehrfachec Hinweise des Vorsitzenden, Landgerichtsraths Kanter, auf ihre früheren Aussagen bedurfte, um wenigstens einen Theil der Wahrheit zu erfahren. Nicht minder zögernd und zurückhaltend waren auch die Angaben der Eltern, welche meistens erst zu- gaben, daß ihre Kinder gearbeitet hätten, wenn ihnen vom Vor- sitzenden vorgehalten wurde, daß die Kinder dieses bereits ein- gestanden Hütten. Die meisten der dreizehn als Zeugen vorae- iadenen Kinder hatten ein blasses, zurückgekommenes Aussehen und tiefe blaue Ringe um die Augen, doch erklärte der ärztliche Sachverständige, daß dieselben_ in ihren Gesundheitsvcrhältnissen keine anormale Erscheinungen zeigten, und daß das blasse Aussehen derselben seinen Grund in den schlechten Ernährungsverhältnissen habe. Da- gegen erklärte der Lehrer', daß die Kinder in der Schule tchläfrig und unaufmerksam gewesm und geistig hinter ihren Altersgenossen zurückgeblieben seien. Der Gerichtshof sprach den kaufmännischen Leiter frei, indem er annahm, daß es nicht seine Sache gewesen sei, sich um die innere Leitung der Fabrik zu bekümmern, sondern daß dieses die Aufgabe des technischen Direktors gewesen sei. Dieser habe allerdings die Pflicht gehabt, darauf zu achten, daß Kinder unter 12 Jahren nicht beschäftigt würden, und er hätte es roisscn müssen, daß die Kinder länger, als nur zur zeitweiligen Ablösung ihrer Eltern gearbeitet hätten. Dagegen nahm der Gerichtshof als strasmilbernd an, daß nach der Angabe der ärztlicher: Sachverständigen körperliche Nachtheile durch die Arbeit für die Kinder nicht entstanden seien, und daß offenbar das Bestreben, den Eltern höhere Löhne zukommen zrr lassen, den Direktor Müller bewogen habe, die Kinderarbeit zu dulden. Ein Vergehen gegen den§ 136 der R.-G.-O. nahm der Ge- richlshof nicht für erwiesen an und verurtheilte den Angeklagten wegen Vergehens gegen den§ 135 zu einer Geldstrafe von 300 M." An» der Mitte der hier stndirenden Russen geht der„Voss. Ztg." folgende Meldung zu:„Am Sonntag, den 23. Juni, wurden vei acht unserer Kameraden, Studirenden der Technische,: Hochschule, Haussuchungen vorgenommen, gleich- zeitig wurde einer derselben verhaftet. Vor etwa einem Monat kam ein ähnlicher Fall vor rmd sind zwei rrrssische Studirerrde an der Universität nach stattgehabten Haussuchungen rn Haft genommen worden. Wir wisierr nicht im mindesten, wodurch solche Maßregeln hervorgerufen sein könnten. Weder von der Polizei, noch von der Kriminalpolizei konnten wir über das Geschehene Aufschluß erhalten. Es wurde schließlich ein Ver- such gemacht, wenigstens in der Sache des verhafteten Kämeraden gerichtliche Untersuchung zu bewirken, aber auch dies scheiterte, indem dem zugezogenen Rechtsanwalt nicht gestattet wurde, sich mit dem Verhafteten in Verbindung zu setzen. Wir befinden rms in der fürchterlichsten Aufregung und es ist uns jedes ruhige Arbeiten unmöglich geworden. Es wäre doch erwünscht, diesem Zustande ein Ende zu machen. Wir wählen gerade diesen Weg der Oeffentlichkeit und appelliren an die öffentliche Meinung, weil uns jedes Mittel zur Entlastung des auf uns ruhenden, durch nichts verschuldeten Verdachts entzogen ist."— Nähere Aufklärung ist dringend nothwendig. Gr hat den Mnth verloren zu weiteren unnützen Kämpfen um den Befähigungsnachweis, der Hauptapostel des- selben, nämlich der Schonisternfeger M c tz n e r. Auf dem kürz- lich in Ratibor stattgcfundenen oberschlesischen InnungSverbandS- tage erklärte dieser Herr, der bekanntlich Reichstagsabaeordneter ist, nach der„Breslauer Morgenzeitung", daß er nach der ab- lehnenden Haltung der Regierung in Bezug auf Einführung des obligatorischen Befähigungsnachweises den Muth verloren habe, wieder ein ReichStaasmandat anzunehmen. Nach zllnft- lerischen Blättern müsitc Herr Mehner nun erst recht aushalten. Der Wortführer der östlichen JnnungSheiligen scheint aber doch zu merken, daß es mit der Zllnftelei absolut nicht acht. Ktellnng der UattonaUiderolen»um Hozialisten- aesetz. In seiner am 1. Juli in Halberstadt gehaltenen Wählerrede äußerte der nationalliberale Kandidat, Stadtrath Dr. Mar Weber, bezüglich der Frage des Sozialisten- q e s e tz e s, die er als eine Hauptaufgabe der nächsten Reicks- tagSsesfion bezeichnete:„ES würde unklug sein, ehe man die Vorschläge der Staatsregierung kennt, bindend zu erklären, daß man dies oder jenes thun werde. Aber so viel kann ich sckon jetzt erklären, daß ich in Uebereinstimmung mit hervorragenden Führern der nationalliberalen Partei eine einfache unveränderte Vettängerung des gegenwärtig bestehenden Sozialistengesetzes nicht für rathsam erachte."_, NoxeU- zum Kranken liassengrsetz. Vor mehreren Tagen wurde gemeldet, daß die Novelle zum Krankenversiche- rurrgsgesetze bestimmt noch während der nächsten Tagung den Reichstag beschäftigen werde. Die Meldung ist, nach dem„Rh. C." unwahrscheinlich. Es bedarf rrach der Erledigung des AltersversicherungSgesetzes einer ziemlich durchgreifenden, wenn auch übenviegend formalen Durchsicht des Krankenkassengesctzes. Diese ist, wie bestimmt angegeben werden kann, noch nicht rn Angriff genommen und es läßt sich hiernach, da die Novelle naturlich erst nach Vornahme dieser Abänderungen dcm Rerchs- tage vorgelegt werden wird, von dieser Vorlage zur Zeit nur sagen: sie ist vorläufig vertagt..._ Der nnttonallibrrale Reichstaasabgeordnete Gechel- bänfer wird vor: der„Rhein.-Westf. Ztg." gehörig abgekanzelt, weil er anläßlich des Bergarbeiterstreiks einen Artikel rn der „.Köln. Ztg." hat abdrucke,: lassen, in welchem er die Gruben- Verwaltungen zur Versöhnlichkeit mahrrte. Das Blatt sagt, Herr Oechelhäuser spreche über Dinge, von denen er' nichts verstehe. — Ist der Geldsack bedroht, so sind nach nationalliberaler Welt- anschauung nun einmal menschliche Rücksichten ausgeschlossen. Rothhansen(Rheinl.- Wests.), 30. Juni. Gestern sollte hier eine allgemeine Bergarbeiter-Vcrsammlung stattfinden, zu welcher die Bergleute aus__ der ganzen Gegend herbeigeströmt waren. Der Polizeikommissar von Stoppcnberg löste jedoch dieselbe unmittelbar nach der Eröffnung arrf, ohne einen Grund hierfür anzugeben. Die Aufregung unter den Bergleuten ist groß. Ansjßrannschmeig wird berichtet:„Ter seit einigen Wochen sich hier aushaltende frühere Notendrucker Hugo K i e ß l i n g ist auf Grund des Freizügigkeits-Gesetzes Polizei- lich ausgewiesen worden. Der§ 3 des Gesetzes läßt nämlich die polizeilichen Aufenthaltsbeschränkungen gegenüber irgend wie bestraften Personen oder solchen Personen, welche in irgend einem anderen Staate Aufenthaltsbeschränkungen unterliegen, in Kraft. Der Betreffende war gerade im Begriff, einen kleinen Handel anzufangen und hatte sich dazu verschiedene Utensilien angeschafft." Oesterreich-Ungar«. Die Textilarbeiter in Jägerndorf sind an die Fabrikanten mit folgenden Forderungen herangetreten 1. Für die Handweberei eine 20prozentige und für alle übrigen Arbeiter der Textilindustrie cineZ30prozenlige Lohnaufbesserung 2. Für das Anknüpfen der Ketten von der Scheer-Lcim- und Baummaschine pr. 100 Faden 2 kr. und für Kelten von der Hand gescheert, geleimt und gebäumt pr. 100 Faden 4 fr. 3. Für das Putzen des mechanischen Webstuhles 30 kr. 4. Eine 14tägige gegenseitige Kündigung. 5. Für unverschuldetes Feiern bei sämnrtlichen Arbeitem eine Entschädigung nach dem durch- schnittlichen Verdienst berechnet, zu gewähren und hat diese Entschädigung sckon bei einer Stunde Feiern einzutreten. 6. Für das Vorrichten ist ein entsprechender Lohn zu zahlen, sodaß der Arbeiter in seinen Verdienst nickt geschmälert wird. 7. Ein Arbeitstag von 10 Stunden. Diese Forderungen werden den Arbeitsherren mit dem Bemerken unterbreitet, daß, falls ihnen Unterhandlungen zu Aufklärung nothwendig erscheinen, die- selben binnen 3 Tagen erfolgen möchten und wenn nicht, bis längstens den 6. Juli um endgiltige Entscheidung ersucht wird. Tie Austragung dieser Angelegenheit wurde von Oer Versammlung dem Fachvcrein der Manufaktur-, Fabriks- und Hand arbciter übertragen. Prag, 2. Juli. Nach den bis jetzt vorliegenden Ergcb- nissen der Landtagswahlen in der: Landgemeindebezirken haben die Altczecheir 21 Sitze an die Jungczecheir verloren, welche in der früheren Landgemeindekurie sechs Vertreter hatten, nunmehr aber 27 Sitze erlangt haben. In den deutschen Be zirken sind bis jetzt alle früheren Abgeordneten wiedergewählt worden. Grostbritannie«. Unterhaus. Der Unterstaatssekretär F e r g u s s o n erklärte, der Vertrag zwischen Mexiko und Japan gewähre den Mexikanern volles Recht, überall in Japan zu reisen, zu wohnen und" Handel zu treiben. Der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika urrd Japan, welcher am 20. Februar unterzeichnet worden sei, gestatte amerikanischen Bürgern freie Niederlassung und freien Handel in Japan. Beide Verträge seien jedoch noch nicht ratifizirt. Die englische Regierung habe der japanischen ähnliche, sorgfältig erwogene Vorschläge gemacht und hoffe, mit der japanischer: Regierung bald wegen eines Ver- träges zu unterhandeln, welcher den Engländern gleiche Privi- legier: sichere. Betreffs Samoa bemerkte Fergusson, daß, bevor das Abkommen über Samoa von der Regierung der Vereinig ten Staaten von Nordamerika nicht ratifizirt sei, es ungehörig wäre, irgend einen Theil der Verhandlungen zu veröffentlichen: unbegründet sei jedoch, daß England eingewilligt habe, von der bisherigen Stellung als eine der drei Schutzinächte zurückzu- treten, und nur die Stellung eines Schiedsrichters in: Falle von Streitigkeiten zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika einzunehmen. Frankreich. In einer der letzten Sitzungen der französischen Deputirtenkammer kam die Schmutzgeschichte Jacques Meyer- Woestyne zur Sprache. Der Fall Meyer-Woestyne ist folgen- der. Ivan de Woestyne hat Jacques Meyer, als dieser in Brüssel im Untersuchungsgefängnisse saß, mündlich und schrift- lich aufgefordert, Briefe zu erfinden, die vorgeblich an einen republikanischen Minister gerichtet wären und diesen als Schwindler und Gauner hinstellen würden. Woestyne handelte im Auftrage Arthur Meyers, des Herausgebers des„Gaulois", der, als Woestyne nichts ausrichtete, selbst nach Brüssel kam und im Gefängnisse drei Stunden lang auf seine:: Namens- vetter losredete, um ihn zu der Schurkerei zu bestinnnen, die von ihm verlangt wurde. Der„Gaulois"-Mcyer versprach dafür den: Zuchthaus-Meyer volle Begnadigung, viel Geld nnd sogar Ehren und Stelle::, wenn die Reaktions- Parteien gesiegt haben würden. Ein Wort über die handelnden Personen dieser Geschichte. Von Jacques Meyer ist schon erzählt worden, daß er, ursprünglich Gym- nasiallehrer, dann Zeitungsschriststellcr und für kurze Zeit Leiter des Privatsekrctariats eines Ministers, später Börsenspekulant wurde und über 3 Millionen ihm anvertrauter Gelder in Baisse- geschäften auf Panama- und Banaue de Jrance-Antheilscheine verlor. Ivan de Woestyne ist ein Belgier, der zuerst belgischer Offizier war, seit fünfzehn Jahren aber in Paris als Zeitungs- berichterstatter lebt. Vor etwa drei oder vier Jahren widerfnhr ihm ein eigenthümliches Abenteuer. Er kündigte mit ge- waltigem Lärm eine Gesellschaftsreise nach dem skandinavischen Norden unter seiner persönlichen Führung an. Die Sache war ziemlich theuer, doch.fand Woestyne dank der riesigen Zeitungsreklame nnd der Neuheit des Gedankens für Frank- reich(Cook, Stangen u. s. w. sind hier unbekannte Be- griffe) zahlreiche Theilnehmer, die ihm den Preis der Reise voraus bezahlten und am bestimmten Tage in Havre eintrafen, um sich einzuschiffen. Da fanden sie aber weder ihr Schiff, noch den wackern Belgier, der ihr Geld einfach eingesteckt und sich aus dem Staube gemacht hatte. Die Opfer erhoben natürlich großes Geschrei, doch wurde es allmälig ganz still mit der Sache. Es scheint, daß Woestyne selbst oder Freunde von ihm die Geprellten später ganz oder theilweise entschädigt haben und so erlitt Woestyne's Ruf durch den bedenklichen Zwischenfall keine dauernde Einbuße. Arthur Meyer enblich, der Herausgeber des„Gaulois", ist eine wohl- bekannte Pariser Persönlichkeit. Von Haus aus Kaufmann, war er später Privatsekretär einer Modedame von gänzlich unzweideutigem Rufe, was ihm Drumont, der Verfasser der France juive", in vennchtenden Ausdrücken vorgeworfen hat. Er hatte dann, wie die meiste:: Boulevardexistenzen ohne festen Berus, seinen Finanz- und Börsenlebcnsabschnitt und sing schließlich unter die Zeitungsherausgeber. Er erwarb Jen„Gaulois", machte ihn zum Leibblatt des„Königs" Philipp VII. und trat von: Glauben seiner Väter zum Katholi- lismus über, um auch in dieser Hinsicht allen gerechten An- orderungen der ultramontan-reaktionären Partei, der er dient, zu entsprechen. Er ist nun der eifrigste Vorkämpfer des Thrones und der heiligen römischen Kirche, kleidet sich mit einer in dem eleganten Paris sprichwörtlich gewordenen Eleganz nnd nimmt bei de:: Festen und Empfängen des französische:: Hochadels den Ehrenplatz ein. Dieses würdige Kleeblatt nun beschäftigte die Kammer. Abg. Pichon fragte den Justizminister Thevenet, was es mit dem Versuche, Jacques Meyer zu einer Urkunden- älschung anzustiften, für Bewandtniß habe. Minister Thevenet antwortete, indem er die Briefe vorlas, die Jacques Meyer aus dem Gefängniß an seine in Paris lebende Mutter geschrieben hat und in denen er ihr die Einzelheiten von den Besuchen und lese Reden Woestyne's und Arthur Mcyer's erzählt. Diese Briefe wurden bei der Mutter Meyers beschlagnahmt, während Meyer selbst einen Brief Woestyne's an ihn' freiwillig heraus- gab. Wie die Verlesung dieser Schriftstücke wirkte, kann man sich denken Die Linke zubelte, die Rechte lärmte und schimpfte. In einem gegebenen Augenblicke rief Minister Thvenet Cassagnac, der ihn unterbrach, die Worte zu:„Haben Sie mich in Ihrem Blatte„Antorits" noch nicht genug beschimpft und verleumdet?" Cassagnac erwiderte:„Ich habe gesagt, daß Sie Jacgues Meper's Mitschuldiger sind und ich wiederhole es." Dafür wurde über Cassagnac die Zensur verhängt und seine Ausschließung aus den nächsten drei Sitzungen der Kammer be-- schloffen. Mit Cassagnac verließ fast die ganze Rechte den Saal' doch scheint die Partei draußen zu besserer Einsicht ge- kommen zu sein, denn sie kehrte kleinlaut wieder zurück und einer der Ihrigen, Cazenovc de Pradines, verwahrte sich sogar in unwilligen Worten gegen das Vorgehen Meycr's und Woestyne's, das jeder Partei zur Schmach gereiche. Schließlich drückte die Kammer ihren Abscheu über den Versuch, durch Fälschung politische Persönlichkeiten zu entehren, aus und forderte die Regierung auf, die Urheber des Versuchs strafrecht- lich verfolgen zu lassen. Schweix. Bern, 2. Juli. In der heutigen ersten Konferenz, be- treffend den Simplon-Tunnel, wurde dieser Durchstich für eines der nützlichsten Werke dieses Jahrhunderts erklärt. Ter italie- nischen Delegation wurde übertragen, nach erfolgtem Einver- nehmen mit der Schweiz durch technische Sachverständige die Trace zu bestimmen, welche den Wünschen der italienischen Re- gierung entspräche. Diese solle die Grundlage für die Dis- kussion der Konferenz bilden. Die schweizerischen Delegirten behielten sich die endgiltigen Entschließungen in Betreff der Trace ausdrücklich vor. Infolge der verdächtigenden Behauptung der„Nordd. Allgem. Ztg.", es werde ein T h e i l d e s„S o z i a l d e n: o- k r alt" in Zürich gedruckt, wurde auf Anordnung des eidgen. Polizcidepartements eine Haussuchung bei den: Buchdrucker C o n z e t t in Zürich vorgenommen und sein ganzes Personal verhört. Es ergab sich die vollständige Unwahrheit der ge- machten Behauptung.— Der Graf von Paris wollte seinen Sommeraufenthalt in Vcvey nehmen. Tie eidgenössischen Be- Hörden ließen ihn, wie die„Vossische Zeitung" berichtet, wisse::, daß sie ihm den Aufenthalt nur gestatten würden, wenn er sich politisch gänzlich ruhig verhalteu würde, da die Schweiz nicht auch mit Frankreich Schwierigkeiten haben wolle. Daraufhin verzichtete der Graf auf seine Reiseabsicht. Derßprozrss gegen die Milttairliefeeanten Mollanrlr nnd Hagemann gelangte am Mittwoch Mittag zum Ab- schlussc. Um 12 Uhr verkündete Landgerichtsdircktor Schmidt das Urtheil, aus dessen Begründung wir folgendes hervorheben. Die erste Frage: Sind die Zahlmesster Beamte in: Sinne des Gesetzes? hat der Gerichtshof bejaht. Allerdings haben sie keine Stimme in der Menagekommission, aber sie werden Gutachten über die zu prüfenden Gutachten aufgefordert,, haben die Verträge zu bearbeiten und diese Arbeiten sind als amt liche anzusehen. Thatsächlich haben sie Einfluß gehabt und auch geübt, denn sie hatten darin ein ge- wichtiges Wort mitreden können, ob ein bereit» bestehender Vertrag verlängert oder aufgegeben werden solle. Die konkrete Pflichtwidrigkess in jedem einzelnen Falle brauche nicht nachgewiesen werden, es genüge, wenn die Natur der Beamtcneigenschaft gekennzeichnet sei. Die mühselige und eingehende Beweisaufnahme habe ergeben, daß die Angeklagten diese Beamtennatur der Zahlmeister kannten. Sic wußten, welchen Einfluß die Letzteren zu ihren Gunsten im Kampfe mit der Konkurrenz geltend machen konnten, sie suchten dieselben daher zunächst günstig für sich zu stimmen. Sie ließen sich dann diskrete Mittheilungen machen und günstige Atteste ausstellen und die Angeklagten, sowohl Hage- mann wie Wollanck wußte::, daß sie die Beamten dadurch zu Pflichtwidrigkeiten verleiteten. Es waren große Opfer, die die Angeklagten zu diesem Zwecke auffvandten. Sie wandten den Zahlmeistern nicht nur baares Geld zu, sie hielten dieselben auch frei bei gemeinschaftlichen Ausgängen, sie machten deren Angehörigen Geschenke, sie gewährten Darlehne oder Schuld- schein. Daß die Angeklagten sich der Rechtswidrigkeit ihrer Handlungsweise bewußt gewesen, das beweise der Umstand, daß die laufenden Gelder in diskreter Weise geschickt morde:: und daß zur Buchung dieser Ausgaben eine Art Geheimschrift benutzt wurde, denn der Gerichtshof sei der festen Ueberzeugung, daß die oft cnvähntcn Zeicken eine solche darstellen sollten. Nach diesen allgemeinen Erörterungen geht der Präsident zu den einzelnen Fällen über. In sieben Fällen habe der Gerichtshof die Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten nicht gewonnen und deshalb ein sreispreckendes Urtheil gefällt. Der Gerichtshof hält den Angeklagten Hagemann in 19 und Wollanck in 12 Fällen schuldig. Was nun die Strafabmessuna anbelange, so müsse den Angeklagten Hagemann eine ungleich härtere Strafe tressen, als Wollanck. Hagemann sei die Seele der systematisch betriebenen Strafthaten gewesen, er habe- nicht blas während der Reihe von Jahren, in denen die Strafthaten begangen wurden, sondern auch während der Voruntersuchung und im Laufe der Verhandlung sich als ein Mann gezeigt, dem der Begriff von Ehre vollständig abhanden gekommen sei. Nicht so Wollanck. Derselbe habe besonders während der Verhandlung sich in einer Weise benommen, wodurch er die Achtung des Gerichtshofes gewinnen mußte, er habe nicht geleugnet und sich in einem Falle sogar lieber selbst be- lastet, als zugegeben, daß ein Zeuge seine falsche Aussage mit einem Eide erhärtete. Dieses müsse:hm unvergessen bleiben und dies sei bei der Strafabmessung auch gebührend berücksichtigt worden. Es sei demzufolge dahin erkannt worden, daß Haaemann zu fünf Jahren Gefängniß und fünf Jahren Ehrverlust, Wollanck zu anderthalb Jahren Gefängniß zu bestrafen sei. Jedem Angeklagten ind neun Monate durch die erlittene Untersuchungshaft abzurechnen. Ter Staatsanwalt beantragt daraus gegen Hagemann wegen der Höhe der Strafe die sofortige Wiedervcrhastung, ein Antrag, dem der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. F r: e d- m a n n, umsomehr widersprach, als er beabsichtige, gegen das Urtheil beim Reichsgericht Revision einzulegen. Der Gerichtshof verfügte indessen nach dem Antrage des Staatsanwalts und Hagemann wurde sofort in's Gefängniß abgeführt. Meverstzhk. Kottbn». In der an: 30. Juni stattgehabten Versammlung der hiesigen Töpfergescllen wurde bekannt gegeben, daß die Meister die Annahme des neuen Lohntarifs verweigert haben. Die Versammlung beschloß darauf, mit dem 1. Juli in den Streik einzutreten und die Arbeit nicht eher wieder aufzu- nehmen, bis die Meister nachgegeben und die Forderungen oe- willigt hätten. Infolge des anSaebrochcnen Töpferstreiks habe:: bereits eine Anzahl Gesellen die Stadt verlassen. Alle Kollegen werden gebeten, den Zuzug fern zu halten, dann ist der Siez gewiß. Verantwortlicher Redakteur: K. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW.. Beuthstraße 2. Hierzu eine Feilage. Beilage zum Berliner Voltsblatt. Nr. 153. Donnerstag, den 4. Inli 1889. 6. Jahrg. lieber die Erz- und Musserföhler. Erz- und Wasscrsiihler sind Leute, die behaupten, sie könnten mit Hilfe der Wünschelruihe, der baguette diyinatoire, im Boden verborgene Erz- und Wasseradern angeben. Nur zu oft kommt die geologische Wissenschaft in den Fall,, bei der Beurtheilung des Vorhanden- oder Nichtvorhandeu,einS von Quellen in einer bestimmten Gegend ihre eigene Unsicherheit ehrlich eingestehen zu müssen. Desto dreister und selbst» bemühter gebärden sich aber die Rüthlimannen. Das Geheim- msivolle, mit dem sie ihre Kunst zu umgeben pflegen, imponirt der Bevölkerung! sie werden vielortS dem ge- bildeien Oucllentechniker weit vorgezogen und so ist denn die Wünschelruthe in manchen Gegeilden noch sehr im Schwünge. Um Erz- oder Wasseradern anzusagen, bedienten sich die Rhabdomanten oder Stabweißsager von jeher entweder eines Pendels, der Wünschelruthe oder einer auf der Spche des Fingers balanzirendeil Stange von Metall. Besonders beliebt war im Anfang unseres Jahrhunderts das Schwefelkicspendel des Abbee Fortis. Man nimmt einen Würfel von Schwefel- kies oder gediegenem Schwefel oder irgend eines Metallcs und hängt ihn an einem meist etwas angefeuchteten Zwirnfaden auf, worauf der Faden mit zwei Fingern gefaßt und der Würfel in nicht zu weiter Entfernung über die Mitte eines Gefäßes mit Wasser oder irgend eines Metalles gehalten wird.. Der Würfel wird lebendig und bewegt sich bald in regelmäßigen und zwar angeblich von der linken nach der rechten Seite bei der Anwesenheit bestimmter Metalle, in entgegengesetzter Richtung bei der Anwesenheit von Wasser. Dieses Pendel sollte in der Hand des Rhabdomanten, der ein Gefühl der Metalle und des Wassers besitzt, die letzteren im Boden verborgenen Stoffe an- zuzeigen vermögen., t_„, Die Wünschelruthe besteht aus einem mestt dem Hasel- nnßstrauche entnommenen Zweige, der sich unten in zwei Aeste theilt. Manche Rüthlimannen befestigen am obern Theile der Ruthe ein Gläschen mit Quecksilber oder auch ein Stück eines ElephantenzahnS. Man klemmt die beiden Enden des Zweiges in die beiden Fäuste, deren Lage eine solche ist, daß die Innenseite des Armes sich nach oben kehrt. Die Unterarme bleiben beharrlich in horizontaler Lage. Der Rhabdomant betritt nun das zu untersuchende Ge- biet; die Wünschelruthe fängt an, sich in halben Rotationen zu bewegen und je nach der Beschaffenheit des Metalls, mit der Erperimentator in Berührung ist, oder je nach der An- oder Abwesenheit von Wasser, tollen die Bewegimgen der Wünschelruthe von Außen nach Innen oder von Innen nach Außen geschehen. Die auf der Spitze des Fingers balanzirendc Stange oder Platte von Metall soll sich nach rechts oder links zu bewegen anfangen, je nach Beschaffenheit des dritten Körpers, mu welchem der Rhabdomant in Berührung ist. Im 7. Bande von Schellings Werken finden sich zwei kleine Auffätzc über die Eigenschaften der Erz- und Wasser- tühler. Ritter in München fing 1806 das Studium ihrer Versuche mit den Pendelschwingungen des Abb« Fortis an, und Schclling referirtc darüber in Cotta's„Morgenblatt" 1807. Das Schweselkiespendel des Abbe Fortis bewegte sich nach Schelling so, daß dadurch die Polarität an den ver- schiedcnsten Dingen nachgewiesen werden konnte. Ueber dem Nordpol des Planeten bewegte sich das Pendel von links nach rechts, über dem Südpol umgekehrt, über Kupfer und Silber wie über dem Südpol, über Zink und Wasser wie über dein Nordpol. Die Schwingungen des Würfels zeigten weiter eine Polarität an den beiden entgegengesetzten Enden eines Äpfeln oder eines frischen Eies; am auffallendsten aber'ward da- durch die Polarität des menschlichen Körpers dargethan.„Der Würfel über den Kopf gehalten, schwingt wie über Zink, an die Fußsohlen: wie über Kupfer. An die Stini und Augen — Nordpol. Bei der Nase wendet er sich— Südpol, bei dem Munde— Südpol, bei dem Kinn ivie an der Stirn. Auf diete Art kann der ganze Körper durchexperimentirt werden." Natürlich betrachtete man es dann auch nicht als gleichgiltig, od man mit der rechten oder mit der linken Hand vperirte, da man des Glaubens war, daß zwischen der rechten und linken Seite der Gegensatz bei manchem bis Smr entschiedensten Polarität ausgebildet sei. Der Abbate Amoretti in Mailand hatte die Versuche über die angebliche Polarität des Körpers schon mit der Wünschelruthe vorge- nammen. In einer zweiten Notiz über die Eigenschaften der Erz- und Wasterfühler, dic'im Jntclligenzblatte der Jcnaischc» Allgemeinen Literaturzeitung im gleichen Jahre erschien, tbeikt Schelling die Geschichte und Resultate der von Ritter in München mit einem Erz- und Wasserfühler angestellten Versuche mit und giebt Er- flaningsversuchc, die, wie wir später sehen werden, unhaltbar sind. Ruter hörte, daß zu Guarignano am Guardasee ein junger Mensch, Camvetti, dieselbe Eigenschaft besitze, durch welche einst Bleton, mit dem Franklin erperimentirt hatte, und Pennet so bekannt geworden waren, die Eigenschaft, Wasser und Metalle nntcr der Erde zu siihlcn. Ritter begab sich nach Italien und brachte den tungen Campetti, von dessen Fähigkeit er sich über- zengl hatte, nach Miinchen, um durch fortgesetzte Nachforschungen weitere Aufschlüsse zu erhalten. Schelling wohnte einem Theil dieser Untersuchungen bei, deren wichtigste Momente ihm in Folgendem zu liegen Icheinen: Es giebt eine Kraft des menschlichen Körpers, andere wdtgcnannte Körper, zum Beispiel Metalle, dynamischer Wcije ohne alle Dazwischenkunft mechanischen Einflusses in Bewegung zu setzen. Es giebt Differenzen und Polaritäten unbelebter Körper, sowie aller Theile des belebten, welche mittelst der Baguette oder des Pendels gefunden werden können. Der Mensch hat nicht nur das Vermögen, andere Körper dynamischer Weise in Bewegung zu versetzen, er bat auch die Fälligkeit, von diesen Körpern, hauptsächlich Metallen und Wasser, innerlich in Bewegung gesetzt zu werden. Die eigen- thümlichcn Empfindungen beim Gefühl der Metalle bestehen in vermehrtem Duls, in dem Gefühl von Zusammenziehungen in der untenr Stirngegend, im bald sauren, bald bittenr Geschmack, ie nach Beschaffenheit des anwesenden Metalls. Ueber fließen- dem Wasser gesellt sich zu einem Theile der Symptome ein wirklicher Schlag, ja bei manchen Rhabdomanten zeigen sich ffbcr Wasser und Metallen sogar Zuckungen. Die eigcnthüm- --che Flihjakcit der Erz- und Wasscrfiihlcr ist nach dein, was nur über die Empfindlichkeit magnetisirter Personen für die anrauchen Körper, Wasser und Metalle wissen, nur als ein gennaerer Grad des Somnambulismus anzusehen. v-s!1 100''en nun für einen Augenblick einräumen, es gebe �Individuen, deren Nervensystem so empfänglich ist, daß sie un- bekannte� Wasser unter ihren Füßen und in der Erde ver- rwrgenc Metalle wirklich fühlten; wir wollen aber nicht unter- latten, die Resultats welche die Rhabdomanten zu Tage fördern, m pnifen und den Bewegungen des Pendels oder der Wünschel- ruthe einige Aufmerksamkeit zuzuwenden. ynr' büß dag am Faden mit zwei Fingern festge- Jßtzte Pendel nach Ablauf emer kleinen Zeit in Schwingungen gerathen muß; wir vermögen ja die Hand nicht lange voll- kommen nihig zn halten, sondern machen unwillkürliche Bewegungen, die es dann das eine Mal von rechts nach links, das andere Mal in entgegengesetzter Richtung schwingen heißen. Der Versuch wird Jedem gelingen; daß das über verborgenes Wasser gehaltene Pendel von links nach rechts schwingt, ist reiner Zufall. Die Bewegung der Wünschelruthe in den Händen des Rhabdomanten ist wieder ein sehr natürlicher Effekt ihrer Kriimmug und der unwillkürlich gemachten zitternden Bewegung der Arme, die man auf längere Zeit nicht in der absolut gleichen Lage zu halten vermag. Die Bewegungen der Wünschelrnthe vermögen niemals mit Sicherheit die Lage unter- irdischer Quellen anzugeben. Freilich könnte man einwerfen, die Wünschelruthe wirke nur in den Händen desjenigen, der ein Gefühl der Quellen habe. Aber der Franzose Charles war so glücklich, einen Automaten zu erstellen, der die Bewegungen der Wünschelruthe ebenso gut nachahmte, wie die des Ryabdo- manten Bleton, worüber denn auch die Bewunderer des letzteren nicht wenig erschracken. Der berühmte Oucllcnforscher Dumas theilt mit, daß in Frankreich gewöhnlich unter zehn mit der Wünschelruthe vor- genommenen Suchproben nur zwei Angaben richtig waren. Arnold(Sicher von der Linth ließ nach und nach mehrere Dutzend Wasscrschmöcker nach Zürich kommen und wies ihnen ein ihm genau bekanntes Quellgebiet an. Zwei Dritttheile der Leute machten durchaus fassche Angaben. Der übrige Dritttheil brachte richtige Resultate. Man konnte die diesen Drittel bildenden Leute in zwei Klassen bringen; die einen waren geübte, erfahrene Beobachter, die ihre Wünschelruthe nur mit sich führten, um ihrer Kunst und sich selbst einen impo- nirenden Anstrich zu geben; die Andern beobachteten ebenfalls gut, glaubten aber fest an die Wünschelruthe, durch deren Bewegungen sie sich selbst täuschen ließen. Sie hatten wohl beim Begehen der Gegend scharf rekognoszirt und dann fast un- bewußt die Ueberzeugung gewonnen, daß hier sich Wasser finden lassen müsse; diese Ueberzeugung wirkte in den feierlichen Momenten des ExpenmentireiiS auf ihren Organismus und rief in der Hand unwillkürliche Be- wegungen hervor, die dann der Ruthe sich mittheilten. Viele Riithlimannen machen nicht nur grundverkehrtc, sondern oft lächerliche Angaben. Nur selten bewähren sich ihre Resultate; das gilt so gut von unfern ländlichen Wasserschmöckern als von den weit wichtiger thuenden Rhabdomanten. Professor Heim kennt aus seiner quellentechnischen Praxis nur drei oder vier Fälle, in denen sich die Angaben der Stabweissager über- raschend bestätigten. Biot, vom Ouellcnforscher Dumas über seine Ansicht von der Rhabdornantie befragt, bestritt nicht die Möglichkeit, daß bestimmte Personen ein Gefühl des Wassers haben könnten, bedauerte es aber, daß man die Rhabdomanten nicht öffent- lichen, unter streng wissenschaftlicher Leitung vorgenannten Proben aussetze. Wir wissen: der berühmte Bleton log bewußt und absichtlich, und Pennet in Florenz täuschte mit seinem Bletallsuchen die Leute dadurch, daß er zum Voraus Gelegen- hcit hatte, die Plätze zu erfahren, an denen man Metalle in der Erde verborgen hatte. Ein anderer Rhabdomant, Aymar, gestand, wie Leibnitz erzählt, nachdem er lange die Betrü- gereien fortgesetzt hatte, leine Lügen selbst ein. Ob Campetti, von dem Schelling so begeistert spricht, als Betrüger entlarvt wurde oder nicht, ist mir nicht bekannt. Diese Sorte ist sehr zahlreich und es ist wahrscheinlich, daß auch Campetti dahin zu zählen ist, wie seine berühmten Amtsvor- gänger Bleton und Pennet. Daß unter den heute praktiziren- den Rüthlimannen sich ebenfalls geriebene Schwindler befinden werden, ist gewiß auch anzunehmen. Wir sahen, daß die Bewegungen der Wünschelruthe sehr natürliche sind und mit der An- oder Abwesenheit von Mc- lallen oder Wasser nichts zu thun haben und daß die Rhab- domanten fast immer entweder geübte Beobachter oder Schwindler oder aber gänzlich erfolglos Arbeitende sind, so daß ihr Handwerk mit einem besonderen Gefühl der Metalle oder des Wassers nichts zu thun hat. Nach alledem aber könnten einzelne Menschen dennoch ein dumpfes Gefühl empfinden, wenn sie über fließendes Wasser stehen. Aber auch dies ist kaum möglich, denn die Rüthlimannen behaupten in den aller- meisten Fällen, sie fühlten schon gefaßtes Wasser nicht. Man sollte doch denke», daß sie Wasser in Dramröhren ebenso gut erkennen müßten, als in Kiesadern; die vollständige Be- d eckung des Wassers ist ja in beiden Fällen vorhanden. Dieser Vorwand ist sehr bequem, sie benehmen einem damit das Mittel der Prüfling. Könnte letztere geschehen, so würde sich wohl ergebe», daß es mit der geheimen Kraft der Rhabdo- manten nichts ist. Nur äußerst selten hört man von einem Wasscrschmöcker, der behauptet, auch gefaßtes Wasser zu fühlen. Aber nicht blos Wasser und Metalle, auch Steinkohlen sollen mit Hilfe der Wünschelruihe aufgesucht werden können. Auch in der Schweiz ist dies oft versucht worden, natürlich ohne jeden Erfolg; es hat im Gegcntheil dieser Aberglaube große Summen verschlungen und manche» reichen, von schweizc- rischer Steinkohle träumenden Bauer mm gemacht. Wer einen Rhabdomanten kommen läßt, meint der Quellen- forscher Dumas, sollte mit diesem einen Vertrag abschließen, »ach welchem er bei jeder seiner falschen Angaben alle Kosten, welche die Nachgrabungen und die Arbeit selber verursachten, zu bestreiten hätte; dann würden sich die mit der Wünschet- ruthe bewehrten Ouellensucher rasch vermindern, oder würden, wie wir beifügen möchten, ganz aussterben. Ltt&etles. Die Arbeiten zum Erweiterungsbau der Potsdamer Kahn ruhen jetzt fast ganz. Rur hier und da sieht man einige Arbeiter in Thätigkeit, aber nichts deutet darauf hin, daß der Bahnverwaltung an einer schleunigen Ausführung der Arbeiten gelegen ist. An einigen Stellen, wo noch bis vor kurzem ein arbeitsreiches Leben herrschte, ist jetzt völlige Ruhe eingekehrt, obgleich kaum die Hälfte der Arbeit erledigt ist. Für die Vor- orte wirkt dieses Säumen recht störend, denn von der späteren Anlage der Unterführungen, der neuen Bahnhöfe-c., hängen zahlreiche Bauprojekte ab, deren Ausführung in weite Feme gerückt ist. Die Landstraße zwischen Dahlem und Schönow ist nun schon Jahr und Tag gesperrt, aber eine Vollendung der neuen Anlage steht»och lange nicht in Aussicht, den» die Auf- schüttungsarbciten zur Ueberfuhrung dieser sonst viel befahrenen Straße über den Bahnkörper befinden sich jetzt ebenfalls im Stillstand. Die meisten Vorortsbewohner sino einig in dem Wunsch, daß Alles so geblieben wäre, wie es vordem war. Das„Allg. Journal der Uhrmacherbnnst" enthält folgende Belehrung für das Uhren tragende Publikum. Damit die Uhr die Erivartungcn, die man an sie zu stellen berechtigt ist, erfüllen kann, muß ihr vor allen Dingen eine gute Bchand- luna zu Theil werden. Wenn man sich vergegenwärtigt, welch sorgsame ununterbrochene Pflege jede große Dampfmaschine erfordert, wie diese bei Tag und Nacht in ihrem Gange beobachtet und behütet wird, so sollte man von selbst auf den Gedanken kommen, daß die Uhr, die doch auch eine Maschine ist, aber eine solche, die den denkbar kleinsten und komplizir- testen Mechanismus in sich schließt, eines ganz besonderen Schutzes und der liebevollsten Theilnahme beoürfe. In den Taschen sammeln sich stets Schmutz und Fasern voin Futterstoff, die selbst in die bestscbließende Uhr eindringen; ein öfteres Um- kehren und Reinigen der Uhrtaschen ist deshalb sehr anzurathen. Um den Gang der Uhr möglichst gleichmäßig zu erhalten, sollte sie auch stets regelmäßig bchandelt, d. h. zu ein und derselben Zeit aufgewogen und während der Zeit, daß sie nicht getragen wird, je nach der Gewohnheit, entweder immer gelegt oder immer ge- hängt werden. Damenuhrcn gehen nicht allein ihrer Kleinheit wegen, sondern auch aus dem Grunde nicht so richtig, weil sie nie so regelmäßig getragen werden, wie dies bei Herrenuhren der Fall ist. Jede Uhr geht im Hängen anders, als im Liegen oder Tragen und nur bei ganz theucren und feineren Uhren ist dieser Unterschied so unbedeutend, daß er sich nur in Sekun- den bemerkbar macht. Man sollte sich gewöhnen, seine Uhr nicht allein aus dem Grunde Morgens aufzuziehen, weil das Aufstehen und Ankleiden in der Regel zu einer bestimmteren Zeit geschieht, als das Auskleiden und zu Bette gehen, sondern auch weil die voll aufgezogene Federkraft leichter die Stö- rungen übcnvindct, die den genauen Gang der Uhr während der Bewegung im Tragen beeinflussen. Das Springen der Feder wird nicht so häufig vorkommen, wenn die Uhr behutsam aufgezogen und nicht direkt aus der warmen Tasche an eine kalte Wand gehängt oder auf eine kalte Mannorplatte gelegt wird; eine schützende Unterlage ist sehr anzu- rathcn. Uebrigens ist die beste Feder nicht vor dem Springen zu bewahren, und früher oder später ist dies das Schicksal einer jeden. Die Verändernng des Oeles, die Schwankungen der Temperatur, die Dichtigkeit oder Feuchtig- keil der Lust äußert sich auf deu Gang einer jeden Uhr in sehr bemerkbarem Grade, und nur die mit höchster Vollendung ge- arbeitete Ankeruhr ist im Stande, diese Einflüsse ans ein ge- ringes Maß zu beschränken. Thatsächlich richtig geht keine Uhr und über den Gang der besten Zeitmesser, zum Gebrauch der Stennvarten und der Schifffahrt dienend, werden Tabellen an- gefertigt, um diejenigen Abweichungen feststellen zu können, denen auch diese Uhren unterworfen sind. Jeder geschickte und denkende Uhrmacher wird eine Uhr zu derjenigen Regulirung bringen können, deren sie überhaupt fähig ist, aber keinem wird es möglich fein, eine Uhr fertig rcaulirt seinem Kunden abzuliefern; denn das Tragen einer Uhr bringt wieder eine Gang- Veränderung hervor, die bei jeder Uhr verschieden ist und vor- her nicht bestimmt werden kann. Man lasse sich die Miihe nicht verdrießen, so oft bei seinem Uhrmacher vorbei zu kommen, als es Zeit braucht, die Uhr in des EiacnthiimerS Tasche fertig zu reguliren. Eine Uhr lasse man alle zwei, höchstens drei Jahre reiniaen, wenn man nicht selbst Schuld an dem Verderben derselben tragen will. Mit der Zeit zersetzt sich das Oel, vennischt sich mit dem Staube, der in die bestverschlossene Uhr dringt, wirkt so als Schmirgel und nutzt die wirkenden Theile ab. In der„Krenzzettung" findet sich folgende Bettelannonze: „Evangelische Bitte. Wer hilft fünf evangelisch getaufte Kinder der evangelischen Kirche erhalten � Eine ganz mittellose katholische Wittwe kann nicht ohne Hilfe ihre fünf Kinder erziehen. Bekommt sie keine Unterstützung, so muß sie es dulden, daß ihre katholischen Ver- wandten die Kinder in deren Konfession erziehen, während sie ihr dem sterbenden Vater gegebenes Versprechen halten inöcbte, die Kinder evangelisch zu erziehen. Zwei Mädchen, 11 und 9 Jahr�zwei Knaben, 7 und 4 Jahr, und ein kleines Mädchen von 5 Monaten hat die arme, schwächliche Frau zu erhalten. Wer nimmt ihr diese ab oder giebt ihr die Mittel, sie ganz an- spruchslos zu erziehen? Zu näheren Angaben sind bereit: Gräfin Blumenthal, Potsdam, Jäger-Allee 17 a, Hofprcdiger Stöcker, Berlin, Pastor Kahl, München." Herr Stöcker ist bekanntlich ein sehr reicher, kinderloser Mann. Er kann also hier seine Christenliebe, und noch dazu seine evangelische Christcnliebe in wirkliche Thate» umsetzen. Dann braucht er nicht zu betteln. Gin Albumdeckel aus Tischlerarbeit, ein gewiß eigen- artiges Produkt des Kunsthandwerks, ist dem Vorsitzenden der tentralkranken- und Begräbnißkasse der Tischler, Herrn Grau- arnburg, überreicht worden, der sich zur Zeit zur Abhaltung der Generalversammlung der erwähnten Kasse in Berlin be- findet.— Herr Grau ist seit zehn Jahren Vorsteher der ge- nannten Kasse, deren mannigfache Schicksale er in seiner leitenden Stellung mit durchlebt hat. Die Mitglieder der Zahlstelle Weimar haben nun in Anerkennung der Verdienste G r a u' S um das Kasseninstitut, dem Vorsteher desselben eine Dank- und Glückwunschadrcsse aus dem erwähnten Anlaß zugesendet, und zwar in einer sehr geschmackvoll in Tischlerarbeit ansgcführten buchartigen Umhiillung. Dieselbe ist in alldeutschem Styl aus Eichenholz hergestellt und namentlich auf der Vorderseite mit kunstvollen Metallverzicnnigcn ausgestattet. Die Arbeit fand in der Generalversammlung der Tischlerkrankenkasse, wo sie zur Besichtigung von dem Empfänger ausgestellt war, bei den fach- verständigen Mitglieder» der Versammlung allseitige Bewun- dcnuig und die kunstvolle Ausfühnnig wurde rückhaltlos gelobt. Aus der Liste der Reckksanwälte gestricken- Das „B. T." ist in der Lage, die Griinde, welche zur Ausstoßung des Rechtsanwalts Dr. Max S. aus dem Änwaltsstande geführt habe», des Näheren darzulegen: Dr. S. war mit der Führung eines größeren Prozesses betraut: von seinem Man- danten hatte er zu diesem BeHufe eine» Kostenvorschub von 3000 M. beansprucht und erhalte». Der Prozeß ging verloren, und da die Anwaltsgebühren ca. 2400 M. betrugen, für Gc- richtskosten aber noch 700 M. zu zahlen waren, so verlangte Dr. S. von seinem Mandanten die Nachzahlung von 100 M. und erklärte sieb bereit, alsdann auch die Gerichtskosten zu be- gleichen. Rachdem der Mandant hierauf eingegangen war, bemühte sich Dr. S. bei der Gerichtskasse wiederholt um Stun- dung der Kosten. Als die Geduld des Gerichts erschöpft war, mahnte dasselbe den Mandanten um Zahlung. Dieser letztere legte darauf dem Gerichte die Quittung der Dr. S. vor. Als man ihn nun mit dem Zivilanspnich auf den Rechtsweg ver- wies, während er regreßpflichtig blieb, wandte sich der Mandant in seiner berechtigten Entrüstung an die Anwallsknmmer, welche das bereits mitgetheilte Urtheil gegen Dr. S. fällte. Die Be- schwerde des Verurtheilten ist, wie bereits gemeldet, von der Oberinstanz zurückgewiesen worden. �.Schon dagewesen", und zwar vor 12 Jahren, ist auch der Spuk von Resau. In seinem„Lehrbuch der gerichtlichen Psychopathologie" erzählt nämlich Professor Dr. v. Krafft-Ehing nach eigenen Beobachtungen folgende Spukgeschichte: Am 29. November 1876 erstattete die Gendannerie Anzeige, daß im Hause des Bauern Kapper Geistererschcinungeu vorkämen, wegen deren das Publikum in wachsender Aufregung sei. Dieser Spuk dauerte mit Unterbrechungen bereits seit dem 23. November. Am Abend dieses Tages waren Marie, die zwölfjährige Tochter des Bauern, und die achtzehnjährige Magd, welche seit Jahren im Stallgebäude schliefen. Nachts ms Wohnhaus gelaufen und hatten behauptet, es„geistere" bei ihnen und sei vor Kratzen und Schlagen an ihrem Bett nicht auszuhalten. Am 27. flogen sogar Rüben und ein Korb in der Luft herum und wurde die Marie davon getroffeii. Am 28., als der bestürzte Bauer init seiner Tochter zum Pfarrer ging, flogen auf dem Hin- und Herweg Steine, Schnee und Erde in der Luft herum, und als sie in den Stall heimkamen, gab es wieder einen Rübenregen. — Es wird nun erzählt, wie Kürbisse in der Luft flogen, Geisterbeschwörungen vergeblich gemacht wurden:c. Endlich ertappte der Lehrer die Marie beim Werfen eines Küchcnmessers. Damit war der Spuk erklärt. Es wurde festgestellt, daß sie den Spuk aus krankhafter Lust, Aufsehen zu erregen, in Szene gesetzt hatte. Dieser Drang stand mit einer gleichzeitig aufge- tretenen Hysterie in Verbindung. Das Schicksal eine» Damen-Sommerhuts, der seine Bestimmung verfehlt hat, erzählt die„T. R" in der folgenden spaßhaften Geschichte: In Saatwinkel besteht bei Landpartien die idyllische Gewohnheit, das Fuhnverk bis zu der Stelle mit- zuführen, wo die Theilnehmer sich entweder im Grase lageni, oder bei fröhlichem Spiel sich ergötzen. Diese Nachbarschaft zwischen Mensch und Thier hat am Sonntag folgendes Er- eigniß herbeigeführt. Um bei den Spielen möglichst wenig be- hindert zu sein, hatte eine junge Dame an einen Baumast ihren Sommerhut aufgehängt. Derselbe war mit allerliebsten Mai- glöckchen verziert, welche aus frischen Gräsern hervorlugten, und diese waren so täuschend ähnlich, daß ein Rößlein, das bisher friedlich am Boden geweidet, diese etwas höher blühen- den Gräser bemerkte und nach ihnen lüstern wurde.Z�Es reckte den Hals, und mit einem Ruck holte es den Hut vom Ast herab und begann dessen Garnirung ganz so zu behandeln, wie ein Pferd leckeres Grünfutter zu behandeln pflegt. Als die Dame bei Beendigung des Spiels nach ihrem Hut greifen will, ist derselbe zum Theil bereits verweist, zum Theil von des edlen RosseZ Huf so zerstampft und zertreten, daß nur noch eine unkenntliche Masse von seinem einst so blühenden Dasein Zeugniß giebt. Große Massernotk ist im Norden unserer Stadt einge- treten. In den Tegler Wasserwerken ist ein Rohr geplatzt und brachte daher alle diejenigen, welche Tegler Wafler bekamen, in eine verzweifelte Lage. An sämmtlichen Brunnen des Nordens sieht man infolge dieses Ereignisses 40— 50 Frauen und Kinder stehen, welche vergeblich auf das kühle Naß warten. Gs« frecher Raubanfall ist am Dienstag Nachmittag gegen 3 Uhr an der Ojährigen Tochter des in der Linienstr. 245 wohnenden SchuhmachenncistcrS M. ausgeführt worden. Die Kleine war von ihren Elten: behufs Einkaufs eines Gegen- standcs fortgeschickt worden und hielt das zu diesem Zweck er- haltene Zweimarkstück, damit spielend, in der Hand. Vor dem Hause Linienstraße 6 trat eine junge, etwa 20jährige Jrauens- person an die kleine M. heran und frug das Kind, ob es vielleicht in diesem Hause bekannt sei, und als dies seitens der M. verneint wurde, bat die Fremde das Mädchen, doch zwei Treppen hinauf zu gehen und bei einem dort wohnenden Hern: Lehmann zu klingeln. Die Kleine gehorchte, ging hinauf, die Fremde folgte und in der Höhe der zweiten Etage ange- langt, meinte die letztere, daß die Adresse des L. doch nicht richtig sei und begann, daS Kind an der Hand fassend, die Treppe wieder hinab zu steigen Hierbei fragte die Person die kleine M., ob sie denn Geld in der Hand habe, und als dies bejaht wurde, forderte sie daS Kind auf, ihr doch zu zeigen, wie viel es sei. Die M. weigerte sich, leider aber vergebens, denn die räuberische Person brach nunmehr der Kleinen die festgeballte Hand auf und stieß dann die laut um Hilfe Schreiende die Treppe hinunter. Jnwischen waren durch den verursachten Lärm und das Geschrei der Beraubten Hausbe- wohner hinzugekommen, leider jedoch zu spät, denn die freche Person hatte mit ihrer Beute bereits die Flucht ergriffen und alle Anstrengungen, der Diebin noch habhaft zu werden, waren vergeblich. Auf der Polizeiwache, wohin die Eltern des be- raubten Kindes sich sofort behufs Anzeige zu erstatten begaben, konnte die Kleine nur eine unvollkommene Personalbeschreibung der räuberischen Diebin geben und nur konstatiren, daß dieselbe ein schwarzes Tuch und schwarzen Hut getragen habe, behauptet jedoch, die Person wiederzuerkennen. Wiederum ein Koot gekentert! Eme äußerst auf- regende Szene trug sich am Sonntag Vormittag in der Nahe von Hasselwerder aus der Oberspree zu. Den Fluß aufwärts bewegte sich ein Ruderboot, ein sogenannter„Seelenverkäufer, in welchem sich ein junger Mann befand, offenbar mit der Absicht, einen etwa 100 Meter vor ihm fahrenden Privat- Kämpfer zu überholen. Bei einer unvorsichtigen Bewegung des Fahrenden schlug der leichte Nachen um, den Insassen unter sich begrabend. Zwar gelang es dem Gefährdeten, sich unter dem Boot hervorzuarbeiten, doch die Versuche, sich an demselben festzuhalten, waren vergeblich, da der Kahn stets seinen Händen entglitt. Durch die Hilferufe einer Gesellschaft, die sich auf Halselwerder befand und den verzweifelten Kampf des mit den Wellen Ringenden mit ansah, wurde der Kapitän des oben- erwähnten Dampfers auf denselben ausinerksam und sofort zurückkehrend gelang es der Mannschaft' den bereits vollständig Ermatteten noch im letzten Augenblick den Fluthen zu ent- reißen. Kin Word. Der als vermißt gemeldete Schornsteinfeger- meister Kühne zu Wusterhausen a. D. ist inzwischen nicht weit vom Wege, welcher von Bantikow nach Tornow führt, in einem Graben als Leiche aufgefunden worden. Der Kopf steckte im Morast, während die Beine noch auf dem Ufer lagen. Die Obduktion der Leiche hat Mord ergeben. Der Tod ist durch einen Pistolenschuß herbeigeführt worden. Die Kugel ist hinter dem Ohre eingedrungen. Eine der That verdächtige Person ist verhaftet worden. Durch Urberfastre« auf der Stelle getödtet wurde am vorgestrigen Nachmittage gegen 5 Uhr an der Ecke der Bellealliance- und Gneisenaustraße ein etwa achtjähriger Knabe. Derselbe lief, allem Anschein nach durch die vielen Wagen beim Ueberschreiten des Fahrdammes erschreckt, direkt in eine Droschke hinein, wurde von derselben zu Boden gerissen, und cs ging ihm im nächsten Moment das eine Hinteriad so un- glücklich über den Nacken weg, daß er auf der Stelle seinen Geist aufgab.. � � Zwei Unalucksfalle ereigneten sich an gestrigen Tage. In der Klosterstraße glitt der 73jährige Weber und Hospitant Johann R. aus Rummelsburg auf einem achtlos fortgeworfenen Obstrest und Kirschensteinen aus, stürzte zur Erde und zog sich eine so schwere Verstauchung des Kniegelenkes zu, daß er in ein Krankenhaus geschafft werden mußte.— Dem Töpfer Karl H. fiel bei der Arbeit in der Perlebergerstraße ein Stück Treppengeländer, welches er befestigen sollte, auf die Füße und verletzte ihn derartig, daß er ebenfalls Aufnahme in einem Krankenhause finden mußte. I« einer furchtbaren Masfenschtägerei zwischen Koldaten und Ziviliste« kam es vorgestern Abend(Dienstag) gegen 19 Uhr in der Wranaelstraße nahe der Ska itzerstraße. Dort hatten sich sechs Soldaten des in der Wrangetstraße garnisonirenden 3. Garderegiment zu Fuß, welche sämmtlich dem 1. Bataillon desselben angehörten, auf dem Trottoir auf- gestellt und scherzten daselbst mit mehreren Mädchen, welche diese Straße passirten und mit einigen der Grenadiere bekannt waren. Nach Verlauf einer Viertelstunde kam eine Schaar halbwüchsiger Burschen vorüber und erlaubten sich Ungezogen- heilen gegen die Mädchen, welche alsbald den Schutz der Sol- daten anriefen. Diese verbaten sich anfänglich in höflichem, aber entschiedenem Tone das rohe Betragen der Burschen, was zu höhnischen Antworten der Letzteren Anlaß gab. Im Ver- laufe des Wortgefechts schlug einer der Burschen einen ihm nahestehenden Grenadier mit der geballten Faust ins Gesicht, ivas �für die Anderen das Signal zum Angriff auf die Soldaten gab. Nunmehr zogen einige der Letzteren blank und begannen sich mit der Waffe zu vertheidigcn; bis jetzt war noch kein Blut geflossen, dann aber schlich sich ein etwa 20jähriger Mensch hinter einen Grenadier, welcher noch nicht blank gezogen, riß ihm das Seitengewehr aus der Scheide und hieb hinterrücks auf den Kopf eines Soldaten(?? Red.), welcher sich ganz besonders wehrte, so daß dieser blutüberströmt mit klaffender Wunde zusammenbrach. Nunmehr gingen, aufs Aeußerste gereizt durch den Fall ihres Kameraden, die Soldaten rücksichtslos(!) vor und bald blutete ein großer Theil der An- greiser aus mehr oder weniger leichten durch Säbelhieben ver- ursachten Wunden(!!). Unterdessen kam die inzwischen alanmrie Schutzmannschaft hinzu, welche die Schlagenden aus- einander brachte und die Verhaftung des Rädelsführers, welcher den Säbel entrissen hatte und durch die Soldaten festgehalten wurde, veranlaßte und die Ueberführung nach dem Molken- markte bewirkte. Die venvundeten jungen Leute mußten ärzt- liche Hilfe in Anspruch nehmen, während der Soldat in die nahegelegene Kaserne gebracht wurde. Der Vorfall hatte eine ungeheure Menschenmenge angelockt, welche sich nur lang- sam zerstreute.— TiA. Schilderung, die uns von einem Re- porter zugeht, klingt sehr wenig glaubwürdig. Einer jener Wüstlinge, welche kleinen Mädchen nach- stellen, wurde gestern Nachmittags 2 Uhr auf dem Boden eines Hauses in der Friesen st raße abgefaßt, als er eben ein Attentat gegen ein achtjähriges Mädchen, welches er dort hinauf- gelockt, begehen wollte. Er ergriff die Flucht, wurde aber von vielen Personen sofort verfolgt. Ein kleiner Junge stellte ihm ein Bein, woraus er hinstürzte und verhaftet wurde. Der Ver- brecher, welcher einige zwanzig Jahre alt sein mag, verweigerte die Auskunft über seine Person. Er trug einen sehr e l e- ganten schwarzen A n z u g.(!) Schon Wieder ist ein Kind durch Uederfastren getödtet worden. Gestern Abend spielte der 4jährige Maurer- söhn Hans Röschkc, Höchstestr. 22 wohnhaft, mit feiner 7jährigen Schwester auf dem Bürgersteig in der Landsbergerstraße, als der Kleine plötzlich vom Bürgersteig auf den Straßendamm eilte und direkt in eine entgegenkommende Droschke 1. Klasse hineinlief. Dies geschah so schnell, daß der Kutscher nicht mehr im Stande war, das Pferd rechtzeitig zu pariren, und der be- dauernSwcrthe Knabe wurde von dem Pferde umgestoßen und dann gingen ihm die Räder der Droschke über Kopf und Leib. Ein in der Nähe wohnender Kaufmann nahm sich des bewußt- los an der Erde liegen bleibenden Knaben in liebevollster Weise an und brachte ihn zunächst zu einem Arzt, welcher aber nur die schleunige Ueberführung des unglücklichen Knaben nach dem nahegelegenen städtischen Krankenhause am Friedrichshain anzuordnen vermachte. Als der brave Wohlthäter dort ankam, trug er nur noch eine kleine Leiche hinein: der Knabe hatte seine Seele in den Armen seines Beschützers ausgehaucht. Den Droschkenkutscher trifft nach Angabe sämmtlicher Zeugen keine Schuld. Derlincr Alylverein für Obdachlose. Im verflossenen Monat Juni er. nächtigten im Männerasyl 8556 Personen, davon badeten 2056 Perionen: im Frauenasyl 1353 Personen, davon badeten 100 Personen. Polizridericht. Als am 29. d. Mts. Nachmittags der Böttchergesclle Grumbrecht in der Großböttcherei von Kantoro- ivicz, Koloniestraße 103, mit dem Beschneiden von eichenen Faßstäben beschäftigt ivar, löste sich beim Ansetzen des Schneide- messers ein Stab plötzlich aus seiner Befestigung und flog mit solcher Gewalt dem Grumbrecht gegen den Unterleib, daß dieser eine bedeutende Quetschung erlitt, an der er am 1. d. Mts. Nachmittags verstarb.— Am 1. d. Mts. Abends fand an der Ecke der Skalitzer-�nnd Wrangelstraße zwischen Zivilpersonen und Soldaten eine Schlägerei statt, wobei ein Arbeiter leicht und ein Soldat bedeutend am Kopf verletzt wurde.— Am 2. d. Morgens machte in der Gerichtsstraße ein unter sittenpolizeilicher Kontrole stehendes Mädchen in der Wohnung eines mit ihm in Konkubinat lebende» Kaufmanns infolge eines Streites mit demselben den Versuch sich zu erhängen. Es wurde jedoch noch rechtzeitig abge- schnitten und scheint keinen Schaden genommen zu haben.— An demselben Tage Vormittags_ fiel aus dem 4. Stock des Hauses Andreasstraße 58 eine Kaffeetasse auf die Straße herab und traf eine vorübergehende Frau am Kopfe, so daß sie eine bedeutende Verletzung erlitt.— Nachmittags wurde in der Nähe des Friedrichshains ein Kellner mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe todt aufgefunden.— Zu derselben Zeit wurde vor dem Hause Gueisenaustraße 1 ein 5jLhriger Knabe von einem Geschäftswagcn überfahren und erlitt eine ziemlich bedeutende Verletzung am Kopfe.— Abends wurde ein 3jäh- riger Knabe vor dem Hause Landsbergerstraße 68 von einer Droschke überfahren und so schwer verletzt, daß er auf dem Wege zum Krankenhause am Friedrichshain, wohin er gebracht werden sollte, verstarb. (ßj?»nAiki>-BciUmg. Eine» rnfstnirten Ketrugr» verdächtig, war der Kaufmann Misch vor die vierte Strafkammer des Landgerichts I geladen worden. Misch hatte in der Nähe von Bonn große Waldungen gepachtet und sich kontraktlich verpflichtet, dieselben binnen 9 Jahren abzuholzen. Um das abgeschlagene Holz besser zu verwerthen, legte Misch eine Schneidemühle mit Dampf- betrieb an und, um beständig Wasser zu haben, ließ er einen Brunnen bohren. Einer der hierbei belchäftigten Arbeiter ivurde eines Tages durch die Kurbelwindc so schwer in dem Gesicht getroffen, daß er besinnungslos zu Boden stürzte' und für längere Zeit arbeitsunfähig ivar. Da Misch die Arbeiter in einer Privat-Versichcrungsgesellschaft in Potsdam versichert hatte, so beanspruchte er eine Vergütung für den Verunglückten. Die Gesellschaft verweigerte eine solche unter dem Vorgeben, daß der Verunglückte nicht zu den ständig angenommenen Ar- beitcrn gehöre. Durch Vermitteluug eines Rechtsanwalts setzte Misch aber doch die Zahlung einer Vergütung in Höhe von 230 M. durch. Um diese zu erlangen, mußte der Arbeiter eine Quittung unterschreiben, welche zugleich die Klausel enthielt, daß der Entschädigte auf allen weiteren Ersatzanspruch ver- e. Misch begab sich mit dem Dokument zu dem Arbeiter, er mittheilte, die Gesellschaft habe ihm die Summe von 130 M. zuerkannt: Misch betrachte diese Zahlung als eine vor- läufige und werde versuche», später noch mehr zu erlangen. Hierbei legte er dem Verunglückten die Quittung zur Unterschrift vor, bedeckte aber den oberen Theil des PapiercS, der die Angabe der Summe enthielt. Der Arbeiter, in der Meinung, er auittirc nur Über 130M., setzte seinenNamen aufdasPapier und er- hielt nun die 130 M. Als der Arbeiter dann später eine Er- höhung der Vergütung bei der Gesellschaft beantragte, kam es zu Tage, daß er von Misch 100 M. weniger erhallen hatte. Da dieser sich weigerte, diesen Betrag noch herauszugeben, so kam die Angelegenheit zur Kenutniß der Staatsanwaltschaft zu Potsdam, welche Misch wegen Betruges in Verfolgung letzte. Die Strafkammer in Potsdam erkannte jedoch auf Freisprechung, weil Misch erstens in Abrede stellte, die Quittung theilweiic verdeckt zu haben, zweitens weil er behauptete, 80 M. an Kur- kosten für den Verunglückten und 20 M. für den Rechtsanwalt ansgegeben, sich also an de» 100 M. nur für seine Auslagen schadlos gehalten zu haben. Gegen dieses Erkenntniß legte die Staatsanwaltschaft die Revision ein, welche das Reichsgericht für begründet erachtete und die Sache zu aiidenveiter Ab- urtheilung vor das hiesige Landgericht venvieS. Obgleich hier die Bewcisausiiahme dallelbe Resultat ergab, wie in Potsdam, so erachtete die hiesige Strafkammer Misch des Betruges für schuldig und verhängte über ihn eine Strafe von zwei Mo- naten Gefängniß. Wegen Kindesansfetzung hatte sich am Mittwoch die unverehelichte Arbeiterin Anna Eich, zur Zeit in Charlotten- bürg wohnhaft, vor der zweiten Strafkammer am Landgericht ll zu verantworten. Es war die alte Geschichte von Liebe, Äer- lassensein und Roth, welche die geständige Angeklagte den Richten: erzählte. Sie war im Jahre 1862 in Heiligenwalde, Kreis Preuß.-Holland, geboren, durch Vermittlung eines Ge- i sindeageuten nach Lindenbcrg im Kreise Nieder-Barnim als Dienstmagd gekommen, hatte dort das Wohlgefallen des jungen Kossäthen Staeger erregt, der sie verließ, nachdem er seinen Zweck erreicht, denn das Mädchen war arm und er stammte aus gut situirter Familie. Als die Zeit ihrer Entbindung heran- kam, zog sie nach Berlin und von hier mit ihrem kleinen Knaben nach Charlottenburg. Zwei Jahre hatte sie denselben mit ihrer Hände Arbeit ernährt, der natürliche oder unnatürliche Vater des Kindes unterstützte sie dabei nicht mit einem Pfennig, da entschloß sie sich endlich, das Kind dem Vater in das Haus' zu tragen. Am 31. März d. I. führte sie diesen Vorsatz aus. Mit dem Kinde auf dem Anne ging sie zu Fuß von Charlotteu- bürg nach Lindenberg. Tort kam sie zur Mittagszeit a» und ging zunächst zum Bäcker Staeger, dem Bruder ihres Verführers, dessen Frau sie mittheilte, sie werde jetzt das Kind zu seinem Vater tragen und diesem die Sorge dafür überlassen. Vor dem Hause des Kossäthen Staeger ergriff sie aber die Furcht vor eventuellen Mißhandlungen, sie ging daher einige Häuser weiter und setzte das Kind vor di: Stubenthür einer Wittwe Albrccht, wo dasselbe — nachdem die Mutter sich entseliit— sehr bald weinend und frierend aufgefunden wurde. Es ist in Lindenberg in Pflege geblieben. Der Staatsanwalt hielt das Verbrechen der Kindes-: aussetzung im vollen Maße für erwiesen und brachte das Straf- minimum von sechs Monaten Gefängniß in Antrag. Der Ge- richtshof konnte sich aber nicht überzeugen, daß das Kind that- sächlich in„hilfloser Lage" ausgesetzt worden sei, denn die ganze Situation sei nicht dazu angethan gewesen, eine Gefahr für Leben und Gesundheit des Kindes herbeizuführen. Auch die Angeklagte habe wohl nicht das Bewußtsein gehabt, daß dort dem Kinde irgend eine Gefahr drohe und sei daher freizu- sprechen. Der Transport nach der Mache als grober Unfug. Auf eine Anklage wegen dieser Uebertretung hatte sich gesten: der Drechslei-meister Wilhelm Ziegler vor' der 97. Äbthcilung des Berliner Amtsgerichts l zu verantworten. Am 13. April d I. hatte ein 13jLhriger Schulknabe bei dem Angeklagten den Ver- such gemacht, ein falsches Zweimarkstück in Zahlung zu geben. Da sich derselbe nicht legitimiren wollte, forderte ihn der p. Zieglcr auf, mit ihm nach der nächsten Polizeiwache zu gehen. Hierzu fand sich der abgefaßte Knabe durchaus nicht bereit, und es mußte schließlich Gewalt angewendet werden, um die Feststellung desselben herbeizufiihren. Der Angeklagte faßte den sich gewaltig sträubenden Jungen bei den Schultern, sein Geselle bei den Beinen, und so ivnrde derselbe die kurze Strecke bis zur Wache ge- tragen, wobei es auch vorkam, daß dem renitenten Burschen während des �Transportes zuweilen ein Schlag auf die um sich greifenden Hände versetzt wurde. Ein Schutzmann kam erst in der Nähe der Wache hinzu. An diesem etwas eigenartigen Transport eines Frevlers durch zwei Zivilpersonen, welcher selbstverständlich eine zahlreiche Menschenmenge angelockt hatte, nahm der Kommunallehrer Buckowitz Anstoß und veranlaßte durch seine Anzeige, daß gegen Ziegler ein Strafmandat wegen groben Unfilgs erlassen wurde. Auf den von ihm erhobenen Widerspruch fand die oben gedachte Verhandlung statt. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung des Angeklagten, der durchaus berechtigt war, den abgefaßten Knaben zur Wache zu bringen und bei dessen Weigerung, zu folgen, Gewalt anzuwenden. Dortmund, 2. Juli. Vor dem hiesigcu Schwurgericht hat, wie der„Volksztg." geschrieben wird, gestern und heute eine Verhandlung gegen die bei dem Kraivalle auf Zeche Schleswig während des BergmannsauSstandcs betheiligten Ar- beiter stattgefunden.(Ueber die verhängten Strafen hat schon eine Depesche berichtet.) Angeklagt waren im Ganzen neuu Personen, von denen der älteste, der mit einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren belegte Otto Trautmann, 30 Jahre zählte, die drei jüngsten 20, 19 und 18 Jahre alt waren. Die Angeklagten hatten sich in der Nacht vom 9. zum 10. Mai mit einer Anzahl anderer Leute nach der Zeche begeben und dort sich grobe Ausschreitungen zu Schulden kommen lassen: u. a. ist ein Steiger durch Schläge und Messerstiche so schwer verletzt worden, daß er heute noch nicht wieder arbeitsfähig ist, ein anderer Steiger, sowie ein Fahrhauer wurden durch Schläge verletzt, Fensterscheiben, Laternen, Lampen und mehrere andere Gegenstände durch Steinwürfe und Schlagen mit Zaunpfählen und Stöcken zerstört und vernichtet. Einer der Angeklagten soll schon vorher versucht haben, einen Fördcrwagen in den Förderschacht, in welchem gerade die noch arbeitenden Berg- lcutc ausfuhren, zu werfen, andere sollen die Absicht gehabt haben, durch Vertreibung der Kesselwärter die Dampfkessel un- brauchbar zu machen oder gar zur Explosion zu bringen, doch sind diese beiden Punkte nicht völlig envicsen worden. Ter Betnebsführcr der Zeche, Steinivea, hat es ander uothwendign:(? Red. des„Berliner Volksbl.") Energie ohne Zweifel fehlen lassen. Auf die Bitte eines der, wie eS scheint, meist durch den Genuß geistiger Getränke aufgeregten Leute, ihm eine Mark zu schenken, hat Steinwcg diesem die Mark gegeben; das Geld ist ihm kurz darauf von einem andern Bergmann mit der Bemerkung, für die Mark ließen sie sich nicht kaufen, zurückgegeben worden, und Herr Steinweg hat es dann als vorsichtiger Mann für zweckmäßig gehalten, sich, so lange der Lärm dauerte, nicht wieder blicken zir lassen, obwohl er in den Beamten, Schmieden und Bergleuten, welche sich dem Ausstande nicht angeschlossen hatten, Hilfskräfte zur Seite hatte. Von Zeche Schlesivig sind seit Jahren Klagen laut gcivorden über die Beeinträchtigung der staatsbürgerlichen Rechte der Bergleute,: gegen einen Bergmann, der den Stein- weg der Fälschung einer Knappschaftswahl beschuldigte, hat Letzterer die Klage angestrengt, er ist aber abgeiviesen worden, weil der Bergmann sehr eiaenthümliche Dinge beweisen konnte. Eine Erörterung des Verhältnisses zwischen der Venvaltung der Zeche— sie gehört dem Härder Bergwerks- und Hüttenverein, dessen Generaldirektor Vorsitzender der Dortmunder Handels- kammer ist— und der Belegschaft verhinderte der Gerichtshof, weil sie nicht zur Sache gehörte. Trotzdem wurde die vorstehend erwähnte Angelegenheit Steinweg-Schön festgestcUt, auch mußte Herr Steinweg zugestehen, daß die„genullten" Wagen zuGunsten derZeche verwandt würden: er begründete dies damit, daß die Bergleute aus Böswilligkeit die Wagen öfter bis zu einem Drittel mit Steinen füllten. Einer der Vertheidiger bemerkte dazu in seinem Vortrag, man köune nicht annehmen, daß ei» veniünftigcrBergmaiin so handeln werde. DerselbeVertheidiger stellte auch fest, daß unter den vernommenen Zeugen ein Junge unter 16 Jahren gewesen sei, welcher den bergpolizeilichen Vor- Kriften zuwider als Bremser in der Grube beschäftigt worden . Angesichts der Rohheiten, welche die Angeklagten begangen hatten, hatte die Verthcidigung einen schweren Stand. Näheres über den Spruch der Geschworenen, der erst heute Abend in vorgerückter Stunde erfolgt ist, ist mir noch nicht bekannt, man darf aber aus der Höhe der Strafen schließen, daß die Ge- schworenen das Vorhandensein mildernder Umstände verneint haben. Dar dem Kchwurgericht Heildron» fand am Montag und Dienstag die Verhandlung statt gegen den Redakteur der demokratischen„Heilbr. Ztg." Dr. jur. Lipp aus Karlsruhe und den Gemein derath Hubcr aus Heilbronn, welche beide des Meineides angeklagt waren. Der Anklage lag folgender Sach- verhalt zu Grunde: Im Gasthaus„Zur Krone" in Heilbronn wurden die Versammlungen der Deutschen Partei abgehalten. Auffälligerweise brachte"die demokratische„Heilbronner Ztg.", deren Redakteur Dr. Lipp ist, über diese geheim abgehaltenen Versammlungen Berichte. Es wurden mehrere Personen der Verfasserschaft beschuldigt: ein Mitarbeiter der„H. Ztg." nannte als Verfasser zwei Herren, stud. jur Rosenthalerund Kaufmann Ambera. Die nationallibcrale„Neckarztg." bezeichnete nun beide Herren als Spione, worauf Rosenthaler einen Beleidi- gungsprozeh gegen oas Blatt anstrengte, in dessen Verlauf Lipp beschwor, den Verfasser nicht zu keirneir. Auch Huber beeidigte, daß er nicht der Verfasser sei und den Verfatser nicht kenne. Diese eidlichen Aussagen sollen wissentlich falsche gewesen. Die Geschworenen verneinten jedoch in Bezug auf beide Ange- klagte die Schuldfrage, infolge dessen beide freigesprochen wurden. Der Geisterseher. Der„Schwarzw. Ztg." erzahlt man folgende amüsante Geschichte. 1885 borgte Rentier Happle von Riedböhringen dem Landivirth Martin Schmidt(Rägel-Martc) von dort eine größere Summe Geldes. Bald darauf kam Schmidt durch'Bürgschaft in mißliche Vemtögens Verhältnisse, weshalb Happle aus Sicherstellung seines Guthabens, sei es durch Eintrag ins Pfandbuch oder durch Bürgschaft drang. Da Schmidt beides venveigerte, ersuchte Happle einen Rechts- anmalt, den Schmidt gerichtlich betreiben zu wollen, worauf derselbe Bürgschaft leistete und die bereits erwachsenen 38 M. Kosten bezahlte. Als Happle im Laufe dieses Frühjahrs starb, erachtete Schmidt die Zeit für gekommen, um jene 38 M. Kosten wieder zurückzuerhalten und verbreitete demzufolge in Riedböhringen das Gerücht, er und seine Familie hätten, so lange Happle todt sei, keine Ruhe mehr, Happle komme Nachts zwffchen 11—12 Uhr in schrecklicher Gestalt in die Schmidt'sche Wohnung, trage einen Geldsack in der Hand und belle wie ein Hnnd: auch trachte Happle jeweils in den Geldsack zu greifen, wobei ihm ein zweites Ungethüm stets auf die Hand schlage. Schmidt schrieb auch in diesen: Sinne an Wittwe Happle einen Brief und forderte sie zur Herausgabe des Geldes, damit ihr Mann Ruhe bekäme, auf. Obwohl letztere an die Geister- erscheinung nicht glaubte, sandte sie Schmidt die geforderten 38 M., damit dasGespräch ein Ende nehme, worauf der Geist den Schmidt auch wirklich nicht weiter belästigte. Die Staatsanwaltschaft, welche von diesem Vorfall Kenntnitz erhielt und an den Geister- besuch des Schmidt nicht glaubte, erhob wegen Betnigsver- suchs Anklage und stellte den Schmidt am 14. d. vor das Schöffengericht Donaueschingen. Schmidt versuchte in dieser Hauptverhandlung wirklich den Beweis zu liefern, daß ihm Happle's Geist erschienen sei, worauf der Vertreter der Staats- anwaltschaft in seinem Plaidoycr hervorhob, daß„ wenn der An- geklagte sich nicht so gut vertheidigt hätte, man an seinem Vcr- stände zweifeln könne: so aber beantrage er, den Schmidt zu bestrafen. Die Herren Schöffen waren auch der Ansicht, daß Schmidt den Happle'schen Geist nicht gesehen habe, daß es ihm vielmehr nur um die 38 M. zu thun war, und verurtheilte ihn zu acht Tagen Gefängniß. Soziale Meberflrhk. Jimmerlente Kerlin« und Umgegend. Als wir, durch Verhältnisse gezwungen, den Kampf für unsere Forde- rung einstellen mußten, da gelobten wir, daß, sobald die Ge- legenheit günstig und wir neu gekräftigt wären, wir die Fort- setzung des Kampfes wieder aufnehmen würden. Kameraden, mit dem Bewußtsein, daß wir diesmal Sieger sein müßten, eröffneten wir den Kampf. Sind nun auch die ersten Gefechte nicht glänzend siegreich, so sind sie doch immerhin von Erfolg gewesen, denn mehr als 2000 Gesellen haben die neunstündige Arbeitszeit erlangt. Die Zimmerer werden aber beseelt sein, ihr Wort voll und ganz einzulösen und somit heißt es jetzt:„Es wird vorbereitet zu neuem klüftigen An- stürm."— Kameraden, ein Interesse haben wir Alle, das ist die Sicherung unserer Existenz. Und lobnlb es sich um einen Kampf für dieselbe handelt, da müssen selbstverständlich alle persönlichen Zwistigkciten schweigen. Darum, Zimmerleutc, die alte Einigkeit beseele uns, denn sie führt ganz gewiß zum vollen Siege. Kameraden, wir haben fünf Wochen ehrlich ge- kämpft und jeder Zimmermann wird sicher sagen, vergeblich darf das nicht sein. Also auf zu neuem Vorgehen, denn wir sind es den Unternehmern, welche dieForderungen bewilligtm, schuldig, daß wir nun auch von �allen übrigen das Gleiche forden:. Kameraden, auch an die Sammlung mahnen wir. Ihr Alle wißt, daß Geld noch thut, Ihr Alle wißt, daß der neue Kampf neue, ja noch größere Mittel als sder erste erfordern wird. Da- her sammelt die von Euch beschlossene Mark pro Woche. Platz- listen sind zu haben bei den Kameraden Jäckel, Blumen str. 19; Küpfer, Greifswalderstr. 29, v. 3 Tr.; Zipke, Eisenbahnstr. 37; Schmidt, Lausitzerstr. 3: Raumann, Steinmetzstr. 28: Ordtland, Steglitzerstr. 58, bei Nellen: Stehr, Wilsnackerstr. 26, H. 4 Tr.; Leonhard I, Antonstr. 34, H. 4 Tr. Versammlungen. Dl».öffentliche Generalversammlung der Maurer Berlins und Umgegend, welche gestern Nachmittag unter Leitung der Herren Grothmann und Fieoler in den Bürgersälen, Drcs- denerstraße 96, abgehalten wurde, war der Wichtigkeit derselben entsprechend besucht, d. h. das Lokal war völlig überfüllt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wäre:: mehrere Anträge einge- fangen, dahingehend, daß alle diejenigen Personen, welche nicht lkaurer sind l desgleichen Putzer), den Saal zu verlassen haben. Die Versammlung nahm von einer diesbeziiglichen Ausweisung Abstand unter der Bedingung, daß nur diejenigen das Vcr- sammlungslokal verlassen sollen, welche nicht eng mit dem Bau- oewerbe verbunden sind. In die Tagesordnung eintretend, gab Herr Grothmann ein genaues statistisches Resultat bekannt. Demzufolge arbeite:: auf 547 Baute:: annähernd 4000 Gesellen, davon nur auf 32 Bauten zu 9 Stunden und 60 Pf. Stundenlohn ca. 286 Gesellen. Hr. Grothmann war derMeinung,daß entschieden andere Wege eingeschlagen werden müssen, um die Forderungen zur Durchfuhrung zu bringen. Der Zuzug sei nicht mehr fern- zuhalten. Bis zun: gestrigen Tage seien 983 Anmeldungen bei der Ortskrankenkasse erfolgt, davon gänzlich neue Arbeiter 256. Er forderte die Maurer Berlins und Umgegend entschieden auf, unter keinen Umständen von einen: neunstündigen Arbeitstage abzugehen. Die Arbeitskräfte, welche von den Arbeitgeben: nach Berlin hereingezogen worden seien, sie würden iiber kurz oder lang wieder abziehen; Sache der Berliner Maurer würde es aber sein, bei diesen Leuten den Schulmeister zu spielen, damit Nc aufgeklärter Berlii: verlassen, als sie es betreten haben. �oo nur sei eine Organisation der Massen zu ennöglichen. Noch stets haben die Berliner Maurer gewußt, was NC itwl'ic", und hätten es verstanden, dies znr Durchfuhrung_ zu bringen. Auch diesmal sei dies in erhöhten: Maße der Fall gewesen und die Berliner Maurer wurden auch rnesmal es verstehen, ihre Forderungen durchzusetzen, wenn es ihnen bis dahin auch noch nicht möglich gewesen sei. Wenn die Arbeit wieder werde aufgenommen werden, würden die Berliner Maurer erst die nöthige Krast gewinnen, die Forderungen durchzusetzen. Die„Baugewcrks- Zeitung" gab dem Redner sodann wiederum Gelegenheit zu lungeren Betrachtungen.— Die Aufforderung an die Meister, dem Zentralbureau bekannt zu geben, ob sie die Forderungen der Gesellen bewilligen wollen, und gleichzeitig die Zahl der einzustellenden Gesellen anzugeben, ist ohne nennenswerthcn Erfolg geblieben. Auch Herr v. Salewski rief seinen Kameraden zu: Komme es, wie es ivolle, nur haltet fest an dem neunstün- digen Arbeitstage!(Beifall.) Auch Herr Laugsch war der Mei- nuna, daß in kürzester Zeit die Arbeit um 7 Uhr Morgens auf- zunehmen sei, dann würde der neunstündige Arbeitstag sehr bald zur Thatsache werden. Den Lohn würden sich die Maurer auch zu erringen wissen. Herr Wernau gab ebenfalls seiner Ueberzcu- gung dahin Ausdruck, daß die Energie, welche die Maurer so lange beseelt habe, dieselben auch nach Aufhebung des Generalstreiks nicht verlassen werde. Herr Karl Schmidt äußerte sich im gegentheiligen Sinne und erklärte, nicht ein Verrälher an der Ärbeitersache werden zu wollen. Unter Zustimmung der Versammlung kon- statirte Herr Lehmam:, daß das Niemand wolle. Wohl aber sei es nothwendig, andere Wege einzuschlagen. Durch den Generalstreik sei nichts erreicht worden und werde nichts erreicht. Der Streik sei aber nicht 6 Wochen geführt worden, um nichts zu erreichen. Es werde weiter gestreikt werden, wenn auch in anderer Form. Die Maurer werden beweisen, daß sie nicht streiken, um nicht zu arbeiten, sondern gewillt sind, zu arbeiten, aber nur zu den geforderten Bedingungen.(Bravo.) Die Diskussion zog sich ziemlich in die Lange und äußerten sich fast alle Redner übereinstimmend mit den Vor- rednern, wenngleich es auch nicht an Vorwürfen gegen die Streikleitung fehlte. Nachdem Herr Grothmann diese zurück- gewiesen, gab er seiner Meinung in bestimmtester Weise dahin Ausdruck, daß der Streik der Maurer noch lange nicht ins Wasser gefallen sei. Nach Erledigung der Rednerliste nahm die Versammlung(gegen 15 Stimmen) folgende Resolution Grothmann an:„Die heute am 3. Juli tagende Versammlung der Maurer Berlins gicbt folgende Erklärung ab: 1. Die Einführung der neunstünoigen Arbeitszeit wird so lange zur For- derung erhalten, bis dieselbe streng durchgeführt:st. 2. Wo die neunstündige Arbeitszeit und 60 Pfg. Stundenlohn bewilligt sind, kann vo>: morgen(bei: 4. d. M.) ab die Arbe:t aufgenommen werden. Jeder Streikende, der unter diesen Bedingungen keine Arbeit erhält, hat sich täglich in seiner Filiale zu melden und wird derselbe unter- sticht. 3. Sämmtliche Maurer Berlins und Umgegend haben von der nächsten Woche ab die Sammlungen wieder aufzu- nehmen, jedoch nicht unter 1 M. pr. Woche, um die am 23. Mai dieses Jahres gefaßte Resolution zur vollen Durchführung zu bringen. Sämmtliche Bureaus bleiben bis Montag wie bisher bestehen. Auch sollen Fragebogen an- gefertigt werden.— Nächste Versammlung heute Nachmittag 2 Uhr in demselben Lokale. Herr Grothinann empfahl zum Schlüsse keine Ueberstürzung. Mit einem dreifachen Hoch ans die Arbeitersache wurde die Versammlung geschlossen. Dl» G»n»ralv»rsammlung d»s Fachv»r»ins für Schlostrr und K»ruf»g»nvsf»n tagte am Montag, den 1. Juli, Abends 8t Uhr, in Feuerstein's oberem Saal, Alte Jakobstr. 75, mit der Tagesordnung: 1. Abrechnung des Kassirers und Bericht der Revisoren. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes und Wahl der Revisoren. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Bericht vom Vergnügungskomitee. 5. Anträge, betreffend Reiseunterstützung, Herabsetzung der Eintrittsgelder und Regelung des Arbeitsnachweises. 6. Ersatzwahl der Arbeits- Nachweiskommission. 7. Verschiedenes und Fragekasten. Zum 1. Punkt verlas der Kaffirer den Kassenbericht. Danach bc- trugen: Einnahme..... 347,86 M. Ausgabe...... 286,89„ mithin bleibt Bestand 60,97 M. Nachdem die Revisoren mitgetheilt, daß die Kasse und Bücher in bester Ordnung gefunden worden sind, wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Zur Ergänzungswahl des Vorstandes wurden gewählt zum 2. Vorsitzenden Herr Bethge, zum 1. Schriftführer Herr Röder, zum 2. Kassirer Herr Rolle. Zum 1. Bibliothekar wurde Herr Dau wiedergewählt. Zu Revisoren wurden die Herreu Bultmann, Lampe und Celn: gewählt. Zur Aufnahme meldeten sich 19 Kollegen. Zum Bericht vom Ver- gnüaungskomitee wurde abermals auf die Dampferpartie auf- merksam gemacht und die Kollegen ermahnt, sich recht rege daran zu betheiligen, damit wir recht besetzte Dampfer haben. Die Dampferpartie ffndet am 20. Juli, Morgens 7 Uhr, von der SchillingSbrücke aus statt und sind Billets a 1 M. bei den Vorstands- und einigen Vereinsmitgliedern zu haben. Zum 5. Punkt„Anträge" wurde folgender Antrag einstimmig ange- nommen:„Die Unterstützung für durchreisende Schlosser und Berufsgenossen, welche wenigstens zwei Monate einem Fach- verein angehört und sich orbnungsmäßig abgenrcldet haben, wird von 30 Pfennige auf 1 Mark erhöht."— Die Unterstützung ist im Arbeitsnachweis- Lokal, Dresdner- straße 116, Abends von 8—10 Uhr, in Empfang zu nehmen. Der zweite Antrag, welcher besagte, daß die Äeitrittsgeldcr von 50 Pf. auf 30 Pf. herabgesetzt werden sollen, wurde nach einiger Diskussion ebenfalls angenommen. Der dritte Antrag, betreffend dieRegelnng des Arbeusnachiveises,? sowie der 6. Punkt der Tagesordnung:„Ersatzmahl der ArbeitSnachweiSkommission" wurde der vorgerückten Zeit wegen bis zur nächsten Versamm- lung vertagt. Zum„Verschiedenen" bemerkt Herr Miethe, daß die Arbeiter der Fabrik von Ludwig Löwe u. Co.(Aktien-Ge- sellschaft) darüber entrüstet wäre::, daß in der öffentlichen Ver- sammlung für Schlosser und Maschinenbanarbeiter gesagt wurde, es gehöre auch nicht Einer von jenen Arbeitern einer Organi- sation an. Die Arbeiter hätten ihm deshalb ein Vcrzeichniß gesandt, woraus zu ersehen war, daß 22 Mann(sage und schreibe zweiundzwanzig) von 800 Arbeitern der Fabrik von Ludwig Löwe u. Co. dem Metallarbciterverein angehören. Es wurde hierauf von Herrn Pirch auf die„Metallarbeiter-Ztg." aufmerksam gemacht und zum Abonnement eingeladen. Nach- dem noch eine Frage erledigt, schloß der Vorsitzende die Ver- sammlung nach 12 Uhr. Dl» Posam»ntl»r» und Krrufsgrnoffcn hielten am 1. d. Mts. in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10, eine gut besuchte Versammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Wie verbessen: mir unsere Lage? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nachdem das Bureau gewählt war, entspann sich eine recht rege Dis- kussion, in welcher als erster Redner Herr Schubert sprach. Redner erläuterte den Zweck der Zusammenkunft. Von Jahr zu Jahr würden die Kräfte des Arbeiters immer inehr ange- spannt, und er könne trotzdem nur ein kümmerliches Dasein fristen. Es müssen Mittel und Wege gesucht werden, durch welche wir unsere Lage verbessern. Herr Älschner führte aus, da der«taat immer größere Forde- rungen an die Arbeiter stellt und die Regierung sich ablehnend verhält zu dem in der Schweiz stattfinoenden Kongreß, betreffend eine internationale Arbeiterschutz- Gesetz- gebung, und die Technik immer mehr und mehr überflüssige Hände schafft, so müsse unbedingt die Arbeitszeit reduzirt wer- den. Redner stellt den Antrag, eine Kommission von fünf Mann zu wählen, welche den Geschäftsgang beobachtet und die nöthige:: Schritte thnt zur Aufbringung eines Streikfonds.— Herr Boges bemerkt, daß der Kampf ein härterer wird, als der vorige; man möchte reiflich überlegen und nicht unüber- legt handeln; er selbst ist für Verkürzung der Arbeitszeit.— Für Abschaffung der Akkordarbeit sind d:e Ansichten getheilt. NachdetN sich sämmtliche Redner im Sinne der Vorredner aus- gesprochen haben und für eine neunstündige Arbeitszeit plädirt hatten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die in Scheffer's Salon an: 1. Juli 1889 tagende Versammlung der Posamentiere und Berufsgeuossen beschließt in Anbetracht, daß die Zustände im Posamentierergewerbe durch die immer größere Ausdehnung der Ueberstunden- und Sonntags- arbeit, sowie die immer westcr j um sich greifende Anwendung von Maschinen unhaltbar geworden ist, indem dadurch der Troß der Arbeitslosen ein immer größerer wird, welcher, durch die Roth gezwungen, die bisher errungenen Vortheile illusorisch macht, dafür einzutreten, daß erstens die Sonntagsarbeit und die Ueberstunden vollständig wegfallen, 2. die Arbeitszeit auf 9 Stund:,: vermindert wird; und wählt zur Durchführung dieser Beschlüsse eine Kommission von fünf Mann."— Unter„Verschiedenes" führt Herr Alschner an, daß die Fachvcreinsversammlungen von jetzt ab im Restau- rant Feuerstein stattfinden, und am Montag, den 8. d. M., ein Vortrag in Aussicht genommen ist, und bittet um recht zahlreichen Besuch; daß serner am 13. d. M. im Deutsche:: Volkstheater das Stiftungsfest stattfindet.— Herr Berger bittet um recht regen Besuch des Arbeitsnachweises. Da unter„Ver- schiedenes" nichts weiter vorlag, schließt der Vorsitzende um 11% Uhr die Versammlung. Dl» Mebrr hielten am Montag Abend bei Paster, Neue Königstraße 7, eine Versammlung ab, um zum internationalen Arbeiterkongreß Stellung zu nehmen. Nach längerer Diskussion wurde einstimmig beschlossen, einen Delegirtcn zu entsenden. Gewählt wurde Kollege Paul Wagner. Der Fachverein der Tapeilrer tagte am Montag, den 1. Juli, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, mit folgender Tages- ordnung: Welche Forderungen gedenkt der Fachvercin in Zu- kunft der Meisterschaft zu stellen?— Hierzu gab der Kollege Grässel einen kurzen Ueberblick über die im Tapczicrgewerk be- stehenden Mißstände, und wie es am besten durchzuführen ist, bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen. Auch Kollege Wildberger liefert in zündender Ansprache den Beweis an die Kollegen, daß endlich etwas zur Besserstellung gethan werden müsse. Es verlas eine kurze Statistik, dahingehend, daß von den in Berlin eri stiren den 2000 Kollegen höchstens 500 das ganze Jahr arbeiten. 1000 arbeiten pro Jahr acht Monate und der Rest höchstens 4 Monate. Es kommen dem- nach höchstens 203 Arbeitstage im Durchschnitt ans jeden Kollegen und der Verdienst deckt sich dadurch lange nicht mit den aller- nothwendigsten Ausgaben. Diese Zustände können nur durch die Verkürzung der 9stündigen Arbeitszeit auf eine 8stündige gebessert werden. Es wurden hierauf vom Kollegen Wildberger nachstehende Forderungen, welche fich in fast allen Punkten mit den von der Werkstatt- Kontrollkommission gestellten Forderungen deckten, einstimmig angenommen: 1. Einführung eines Mündigen Arbeits- tages mit einem Stundenlohn von 60 Pf. 2. Abschaffung sämmtlicher Stückarbeit. 3. Möglichste Beschränkung der lieber- stunden, Nacht- und Sonntagsarbeit: wenn es sein muß, dann soll ein Aufschlag ivon 50 pCt. für Ueberstunden, 100 pCt. für Nachtarbeit und für Sonntagsarbeit ebenfalls 50 pCt. gerechnet werden. IV. Generalstreik wurde als einzig richtiges Kampfmittel anerkannt. Zum 2. Punkt, Vereinsangelegenhciten, wurde eine Kom-- Mission von 16 Personen zu dein an: 22. Juli stattfindenden Sommerfest gewählt. Nachdem noch einige Fragen erledigt waren, schloß der Vorsitzende die Vetsammlung gegen 12 Uhr. Dl» Deleoirtenverlammtung der Zcntral-Krankcnkasse der Tischler setzte am Mittwoch die Berathung der auf A b- ä n d er u n g d e r Statuten gerichteten Anträge fort. Ein Antrag des Vorstandes, die M i n d e st l c i st u n g für Mit- glieder, welche in den ersten 26 Wochen ihrer Mitgliedschaft erkranken, im Höchstbetrage von 11,80 M. auf 14,10 M. pro Woche zu erhöhen, wird angenommen. Das Recht von Mitgliedern, welche sich auf längere Zeit:ns Ausland begeben und später ihre Wiederaufnahme in die Kasse nachsuchen, wird präzisirt und gegenüber den bisherigen Bestimmungen, günstiger für solche Mitglieder gestaltet. Für das Stundunasv er- fahren von Beiträgen werden die jetzt bestehe::- den Formalitäten vereinfacht, doch wird m:t schwacher Mehrheit(33 gegen 28 Stimmen) die Bestimmung angenommen, daß die Beiträge nur von vier zur vier Wochen Gestundet werden dürfen. Diese Bestimmung war von der ahlstelle Altona beantragt worden.— Sehr weit auseinander gingen die Anträge, welche die Festsetzung des Eintritts- geldes thefls erhöhen, theils ermäßigen wollten. Gegenwärtig bestehen für 4 Klassen folgende Sätze des Eintrittsgeldes: Für die 1. Klasse 75 Pf., 2. Klasse 1,50 M., 3. Klasse 2 M. und 4. Klasse 3 M. In Zukunft werden nur 3 Klassen bestehen und wurden die Sätze des Eintrittsgeldes festgesetzt für die 1. Klasse auf 50 Pf., 2. Klasse auf 1 M. und 3. Klasse auf 2 Mark. In der Nachinittagssitzung am Mittwoch wurden zunächst die an eine Kommission verwiesenen Bestimmungen bezüglich solcher Mitglieder berathcn, welche mehreren Kassen zugleich angehören. Die nach längerer Debatte gefaßten Beschlüsse lassen sich dahin zusammenfassen 7 Mitglieder einer gesetzlichen Zwangskassc können nur der zweiten Klasse beitreten. Jugendliche Arbeiter, die einer gesetzlichen Zwangskassc angehören, können nicht beitreten. Mitglieder Oer 3. Klasse, welche einer gesetzlichen Hilfskasse beitreten, müssen in die 2. Klasse zurücktreten. Mitglieder, welche durch Arbeits- Verhältnisse gezwungen sind, aus der Kasse auszuscheiden, können nach Lösung dieses Verhältnisses sofort in ihre alte Klasse wieder eintreten. Mitglieder, welche über diejenigen Thatsachen, welche ihre Aufnahme in eine geringere Klasse bedingen,::::- richtige Angaben gemacht haben, erhalten im llnterstützungsfalle nur die Mindestleistung. Mitglieder, welche bereits zwei Kassen angehören und einer dritten beitreten, scheiden aus. Eine ganze Reihe von Anträgen, welche die Aenderung der Beitragsskala- für die einzelnen Klassen bezweckt, wird nach längerer Be- sprcchung abgelehnt. Angenommen wird die Streichung der jetzigen vierten Klasse der Unterstützungsskalä. Diese Streichung ist bereits durch die früheren Beschlüsse über das BcitrittSgeld k. bedingt. Ein von Berlin A gestellter Antrag, Mitglieder::, welche zwei Jahre hindurch arbeitsfähig waren, werden vorhergehende Krankheiten beim Krankengelbbezug nicht mit auacrcchuet, ebenso ein Antrag von Hainburg I, welcher die Bestimmung der- Kranken- Häuser, in welches erkrankte Mitglieder nöthigenfallS Aufnahme suchen müssen, dem Ortsvorstande oder der Ortsvemmlwng Tag erhöht. D»r Fachv»r»ln drr Arbelt»rl>»n»n in d»r Dapier- branche und verwandten Berufsgeuossen, dessen Gründung letzthin erfolgte, hielt am 2. d. M. im Jordan'schcn Saale, Neue Grünstr. 28, seine erste Versammlung unter Theilnahnre von Herren ab. Zweck des Vereins ist nach§ 1 des angenommenen Statuts„Wahrung und Förderung der materiellen und geistigen Interessen seiner Mitglieder" und sollen diese Zwecke erreicht werden durch Erzielung möglichst günstiger Ar- beitsbedingungen, Gewährung von Rechtsschutz, Beschaffung einer Bibliothek, Pflege der Berufsstatistik, Gewähruug von Unterstützungen an in Nolh gerathene oder für ihre Thätigkeit im Interesse des Vereins geschädigte Mitglieder, Errichtung eines unentgeltlichen ArbeitsnachwciieS u. dal. m. Nachdem die Versammlung die Statuten sowie die Geschäftsordnung des Vereins genehmigt hatte, wurde zur Wahl des definitiven Vorstandes geschritten. Es wurden gewählt: Frau Greifenberg(erste Vorfitzende), Frau Heinke(zweite Vor- fitzende), Frau Aich und Fräulein Rabat(Kassircrinncii), Fräulein Fein und Bethge(Schriftführerinnen) und Fräulein Fromberg t Beisitzerin). Die Wahl zweier weiteren Bcisitzerinncir mußte wegen Mangel an Kandidatinnen vertagt werden. Nach Erledigung dieser Angelegenheiten folgte ein Vortrag der Schriftstellerin Frau Clara Muche über Frauenberuf und Frauenerwerb, welcher wohlverdienten Beifall erzielte. In der sich anschließenden Diskussion wurde das VorteagSthcma leb- Haft erörtert. Von den anwesenden Damen sprach besonders Fräulein Jagert. Auch nahmen mehrere Herren das Wort, wo- durch recht interessante und delikate Meinungsver'schiedcnheitcn zu Tage traten und lebhaft verfochten wurden. Die Diskussion wie auch die Versammlung nahmen indessen einen ungestörten Verlauf und wurde die Versammlung mit einem Hoch auf das Gedeihen des Vereins geschlossen. Friedrichsberg. Am 1. Juli fand in Volles Neustädter Garten, ProSkauerstr. 37—38 eine öffentliche Versammlung für Friedrichsberg und Umgegend statt. Nachdem die Herren Lange, Nofenkranz und Henkel in das Bureau gewählt waren, erhielt Herr Rechtsanwalt Stadthagen zu seinem Vortrage über Gesetz und Recht das Wort. Referent führte aus, daß das Gesetz Gesetzes- kenntniß von jedem Bürger verlange. Bei den gelehrten Richtern werde dieselbe Kenntniß vorausge>etzt, dennoch widersprechen sich viele Erkenntnisse und es herrscht ein Zustand derRechtsunsicherheit. Recht und Gesetz müßten in Einklang stehen. Von der Gesetz- gebung müsse erstrebt werden, daß Jever arbeiten müsse. Jeder müsse den Ertrag seiner Arbeit voll erhalten. So human mancher Untenrehmer auch denke, so könne er doch nicht mehr geben, als das richtig erkannte eherne Lohngesetz zulasse. Wenn heute z. B. ein Fabrikat bestellt würde, welches für 1000 Thlr. verkauft würde, so werde als Lohn vielleicht 50 Thaler gezahlt.— Hierauf löste der Polizeilieutenant die Versamm- lung auf. Zur LokalfraAe ist mitzutheilen, daß Herr Domack, Johannisstraße 20, lein Lokal zurückgezogen hat. Besonders bemerkerrswerth ist ferner die charaktenstische Haltung, die Herr Brunzlow, Landberger Allee, eingenommen hat! er erklärte, er brauche die Arbeiter nicht, er existire von den Soldaten. Als Ersatz dafür haben aber die Arbeiter im Osten jetzt das Elnsium, Landsberger Allee 39—41 und Neustädter Volksgarten, Pros- kauerstraße a. d. Frankfurter Allee,(schöner großer Saal) beides Sommcrlokale und allen Freunden und Genossen zum Besuch zu empfehlen. Die Lokalkommission. Wro)}« öffentlich« U-rsammlung d»r im N»rgold«rg»mrrb» d»- Ichäftigt»» Arbeiterinnen am©onnerftaa,''~" bm 4. Juli,«deiids 8 Uhr. im«Dtale btif Herrn Sdicfier, Jnlelftt. 10. SageäorbmmQ; I Vortrag der Ärau Ihrer ans Vellen. 2. DiSknlslon. 3. Grünbung eines Sereins. 4. Ver- Wliebcnes. M«inner haben als Gaste Zutritt. Ben Witgliebern de» zierein# tur Wahrung der Intereffen der Klanierarbeiter unb verwandten Bernfsgenoffen zur Nachricht, bah vom 1 Juli bis 1.. September b. J. bie Bidliother mit Ansnahme ber Tage, an welchen bie Vorstanbsiihungen stattstnben. geschloffen ist. Etwaige noth. wenbige Aufträge bittet ber Vorstanb perfönlich beim Bibliothetrir, Kollegen Spartelb. Sorauerstrahe Nr. 27. anzubringen. Perein der Aananfchlager Berlin« und Umgegend. Am Sonn. tag. ben 7. b. M., Vormittags 10 Uhr, Oranienftrahe 51 bei Preuß; General- Versammlung. QnittungSbuch legitimirt. Gesang-, Turn- und gefeUige vereine am Donnerstag; Männer. gesangverein.Sülitia" Abends 9 Uhr in Vettin s Restaurant. Veteranensir. 19. — Gesangverein.Breheischinh' Abenbs 8% Uhr im Restaurant Schumann. Alte Jatobstrahe 38.— Männergesangverein.Norbsletn" Abenbs 9 Uhr im Restaurant Pohl. Müllerstrahe 7.— Schäser scher Gesangverein.her Elser' Abenbs g Uhr bei Wolf u. Krüger. Skaliherstrahe 128, Gesang.— Gesang. verein.Blüthenkranz' Abenbs 9 Uhr im Restaurant Branbeuburgslrahe 80.— Männergelangverein.Aleronber" Abenbs 9 Uhr im Restaurant Roie. Straub- bergerstrahe 3,- Männergesangverein.Firmitas' bei Kinner, KöMickerstrahe Nr. 68.— Gesangverein Männerchor.St. Urban" Abenbs 9 Uhr Annen- (trabe 9.— Männergesangverein.Liebessreiheit" Abenbs 9 Uhr im Restaurant Miegel, Stralauerstrabe 57.— Gesangverein„Deutsche Liebertafel" AbenbS 9 Uhr Äöpnickerstrabe 100.— Gesangverein„Norbbeutsche Schleise" Abenbs von 9—11 Uhr Michaelkirchstrabe 38.—„Brunonia" Abends 9 Uhr Uebungs- ftnnbe bei Lehmann, Aieianbrineustrabe 32.— Turnverein„Hasenhaibe" iLehrl, Abtheilungt Abenbs 8 Uhr Dieffenbalhstrabe LO— 81.—„Berliner Turngenossen. schast"(7. Lehrlings-Abtheilnug) Abenbs 8 Uhr in ber stäbtischen Turnhalle. Briherstrabe 17—18!— beSgl. 6. Männer Abtheilung Abenbs 8 Uhr in ber itäbtischen Turnhalle. Gubenerftrabe 51.- Lübeffscher Turnverein iMänner- Abtheilungt Abenbs 8 Ubr Eiisabelhstrabe 57—58.— Allgemeineer ArenbSffcher Stenographenverein, Ahlheilung„Louisenstabt", AbenbS 8% Uhr im Restaurant Prenb. Dramcnftt. 51.— ArenbS scher Stenographenverein .Phalanr" Abends 8% Uhr im Restaurant.Zum Buckower Garten", Buckower. strahe 9.— Deutscher Verein ArenbSffcher Stenographen Abenbs 9 Uhr in Heidt S Restaurant, Koppenstr. 75, Unterricht und Uebnng.— Berliner Steno- graphen-Verein(Sqftcm ArenbSt Abends 9 Uhr im tlteitanrant Kriebrichstr. 208. — Stolze'schct Stenographenverein.Nord-Berlin" AbenbS 9 Uhr, Schlegel- strahe 44.— Verein ber.Natursreunbe" Abenbs 9 Uhr im Restaurant Wienerstrage 35- Verein ber Unruhsttibter Abends 8% Ubr im.Königstabt-Kasino", Holzmarklstrabe 72.— Verein ehemaliger F. W. illettschlagffcher Schüler am 1 unb 3. Donnerstag jeden Monats im Eass Schüler, Lanbsbergerstrabe 73, AbenbS 8 Uhr.— Rauchllnb.Kernspihe" Abends 8k Ubr im Restaurant Holz, marttstrabe 44.— Rauchllnb.Arcona" Abends 9 Uhr bei Pasche. Reichenberger- slrabe 118.- Rauchllnb..Dezimalwaage" AbenbS 9 Uhr im Restaurant Lock, KrantSftrabe 48.— Ranchklub„Vorwärts" AbenbS 9 Uhr bei Herrn Tempel. Restaurant„Zum Ambos", Breslanerstrabe 27.—„Orimtalischer Ranchklub" Abends 9 Uhr im Restaurant Wiechert. vranienstrabe 8.— Rauchllnb„Krumme Piepe" AbenbS 9 Uhr Rübersborserstrabe 67 bei Wunderlich.- Ranchklub „Eollegia" Abends 9 Uhr bei Thiemermaim, Skaiiherslrabe 65.— Privat- Theatergesellschast„Ablerschwinge" Sitzung 9z Uhr Gartenstrabe 14 bei Träger. — Musikverein„Vorwärts" Uebnng AbenbS von 9-11 Ubr Hiicheritrabe 41. Nene Mltalieber erwünscht.— Nergnügnngsverein„Farinellg" Abenbs 9 Uhr Jnvalibenftrabe 139. Gäste willkommen. Ausnahme neuer Mitglieder. Meuefle Metchrichken. Maßregelung eiue» Fuhrer« der rheinisch- well- fal, scheu Kerglente. Der„Volksztg," wird aus Westfalen geschrieben:„Der Führer der Deputation der Bergarbeiter, Ludwig Schröder, hat auf der Zeche Kaiserstuhl(der Ge- werkschaft Westfalia gehörig), deren Direktor Hilbeck Mitglied der Dortmunder Handelskammer ist, gestern, unter Auszahlung seines Lohnes bis zum 15. d. M. seine sofortige Ent- l a s s u n g erhalten. Wie nun schon neulich erwähnt, hatte der Direktor ihm_ diese angedroht, wenn noch einmal eine mit den Unterschriften„Bunte, Schröder, Siegel" versehene öffentliche Erklärung erscheine. Eine solche ist darauf als Erwiderung auf die Eingabe der Dortmunder Handels- kammer dennoch erschienen; es war in ihr die Bemerkung ent- halten, Mitglieder der Handelskammer hätten sich bei einer Kartenlegerin nach dem Ursprung des Streiks erkundigt, Herr Siegel hat in der Delegirten-Versammlung der Bergleute am. 30. v. Mts. diese Behauptung wiederholt. Depeschen. (Molsf's Telegraphpu-Kureau.) � Rom, 2. Juli. Deputirtenkammcr. Am Schlüsse der Sitzung interpellirte Jmbriani und zehn andere radikale Depu- tirte die Regierung wegen des Vorgehens anderer Regierungen gegen die Schwei«, und wegen des diesbezüglichen Verhaltens der italienischen Regierung. CriSpi antwortete, die italienische Regierung habe der Schweiz gegenüber keinerlei Aktion ein- geleitet. Theater. Donnerstag, den 4. Juli. Friedrich- Milhetmstädtische» Theater. Der Mikado. Viktoria-Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. KeUeaitianre-Theater. Gefährliche Mädchen. Äroll's Theater. Der Barbier von Sevilla. Gstead-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. _ Passage 1 Tr. 9 M.— 10 A. rMyrTV Kaiser-Panorama. Eine höchstinlecessante Reise durch Amerika, Californie«. Seepartien; preisgekrönte aftronom. Aufnahmen. Ue«! Pariser Weltausstellung 1889. Reise Sr. Maf. Schiss Hertha. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. Unserem Kollegen B. Vogel zu seinem heutigen Geburtstage die beste Gratulation! 002 Seine Kollegen. i$imhrrr(aft •«t i m it tt it «nd ander» Fruchtsäfte zu Fi mos» ade« dick eingekocht» Liter-Fl. ercl... 1,25 Ingderliqueur(Specialität).. 90 Kerl. Getreide-Kümmel(unüber- , trefflich)......... 90 Atter Pordhänser...... 75 empfehlt 6ie Groß-Destillation von & Hell. Kophienstrake#lr. 18. GeschäftLlchluß: Abd«. 8 Uhr, Sonntag« ffUtt. 1 Uhr. PreOslhe fottcric-pofe offer. f. Kanptziehung 4. Klasse 180. 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Jum in Eisenach abgehaltenen deutschen Müllergesellen-Kongreß. 2. Diskussion. 3. Wahl des Lokalvorstandes. 4. Zahlstellen. Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. C. Wilde. Soeben erschienen: Origin.- Einbanddecken zur Französtslyen RevoMion in vielen Farben, geschmachvoll ausgestattet. a Exemplar 1 Mark. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zu beziehen durch die Expedition dieses Blattes Zimmerstr. 44. Soeben erschien: Nur I Marks Klagen, Eingaben, K riefe, Kittgesuche, Jurist. Rath in allen Prozehsachen. 550 Pollab, Aleranderstr. 39, II. Rödel. eigen. Fabrik. Sp'egel n. PolslemareD. Gr. Lager, bill. Preise! Emil Heyn, Brunnenstr. 28, Hol pari. Tbeilz. nach Uebereinkuntt.J Die Feanzö�. Revolution Prachtband,(a Exemplar 5�0 M.) Broch, in 20 Heften(6 Heft 20 Pf.). Zu beziehen durch die Expedition dieses Blattes Zimmerstr. 44. Arbeitsmarkt. KlUnfWede. 580 P. Memmert, Straußberg. TulWe Arbeiterinnell auf jede Art Wäsche verlangt sofort M. Greifenhagen, 27 Chausseestrasse 27. 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Wahl der Delegirten zur außerordentlichen General- Versammlung. 2. Statuten- berathung. 3. Kassenangelegenheiten. ggz Das Erscheinen sämmtlicher Mitglieder wünschen ____ Die Ortswerwaltungen. Gr. Uerlannnlimg d. Uergolder Kerlw» im Lokale Inselstrasse No. 10 am Freitag, de» 5. Juli er.. Abends 8 Uhr. Tagcs-Ordnung: 1. Der internationale Arbeiterkongreß in Paris. Referent: Emil Böhl. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Grosse öffentliche Versammlung für sämmtliche Zimmerleute Kerlins und Umgegend am Freitag, ocn 5. Juli. Abends 8 Uhr. in der Ton-Halle, Friedrichstrasse No. 112. TageS-Ordnung. Beschlußfassung über das weitere Vorgehen in unserer Lohnbewegung I. A.: Jäckel. 576 Große öffentliche Versammlung der Maler«. Kerufsgenossen Kerlins a m F ncait rsm rlssn*5 I■■ I■ ÜhonHc ft IIBsm am Freitag, den 5. Juli, Abends 8 Uhr, in Orschel's Salon, S e bastianstrasse N o. 3 9. Tages-Ordnung: 1. Wahl eines Delegirten zum Pariser Arbeiterkongreß. 2. Auf welche Weise hat der Delegirte uns zu vertreten T ""-----■"■'" 571 Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. NO. Die Versammlung wird nicht weiter bekannt gemacht. Der Ginbrrufer. «fdchoemn den Aeromacher u. verw. Oeru�gen. Berlins und Umgegend General-Versammlung am Sonnabend, de« 6. Juli, Abend« 8 Uhr, im Lokale des Herr« Gnadt, KrunnenNrake 38. Tages-Ordnung: 1. Kassenrevisionsbericht. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Wahl des gesammten Vor- standes. 4. Verschiedenes. Um recht zahlreichen Besuch bittet Oer Vorstand. Soeben erschien: Die Alassengegensatze von 1789 Zum hundertjährige« Gedenktag der großen Revolution. Von Karl Kautsky. ä Gremplar 50 Pf. Miederverkäufer erhalte« Rabatt. Zu b».ziehen durch die Expedition, Zimmer st raße Nr. 44. Verantwortlicher Redakteur: R- Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2.