Nr. 155. Konnabnrd, den 6. Juli 1889. 6. Jahrg. KMerVckMM. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erfchcint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei ins Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Rummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Erpcdition Zimmerstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemem 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der Postzeitungsvreisliste fiir 1889 unter Nr. 866.) Kir da« Ausland: Täglich uutcr Krcuzbano durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene PetiO.eile oder deren Raun: 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pf. Inserate weroen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und nesttagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -• Fernsprecher: Amt VI.|tr. 410(5.•-*- Aevaktion: VeukhlkrAße S.— Expedition: AimntevpkeMe 44. Ein Miinigsnrnvk. Man kennt die Sage, wie die berühmte Burg von Weinsberg den Namen„Weibertreu" bekommen hat. Als der deutsche König K o n r a d III., der Hohenstaufe, Weins- berg 1140 belagerte, war er ärgerlich über den jähen Wider- stand der Stadt und wollte nach der Uebergabe alle männ- lichen Bewohner derselben tödten laffen. Die Frauen sollten verschont werden und ihre theuersten Kleinodien mit sich nehmen dürfen. Hierauf trugen die Frauen von Weinsberg ihre Männer, als ihr Theuerstes, auf dem Rücken davon. Konrads Ritter behaupteten, die Auslegung sei nicht zulässig; aber Konrad war von der Treue der Weiber gerührt und ließ ihnen ihre Männer, indem er sagte:„Ein Königs- wort soll man weder drehen noch deutel n". Die Burg zu Weinsberg aber hieß von da ab die Weibertreu. Dies sagenhafte Königswort wird von den hyper- loyalen Geschichtsprofefforen bei jeder Gelegenheit angewendet. Zur Abwechslung wollen auch wir es heute verwenden, wenn auch für eine Sache, für welche die modischen Historiker schwerlich zu haben sind. Der König von Belgien hat in einer Fabrik zu Sewing zu einer Arbeiterdeputation gesagt:„Alle Arbeiter gehören einer Familie an und müssen sich die Hand reiche n."— Der König betonte dabei, daß Einigkeit stark mache. „Aber," rufen da schon die loyalen Politiker,„es ist nicht gestattet, aus diesen Worten einen Schluß zu Gunsten der sozialistischen Bewegung.. Gemach, ihr Herren, und nur nicht so voreilig! Wir werden schon die richtige Nutzanwendung finden. Wir drehen heute den Spieß um und rufen:„An einem Königswort soll man weder drehen noch deuteln." W i r deuteln und drehen nicht daran. Aber wenn Jemand die Arbeiter zur Solidarität und zur Einigkeit er- mahnt, so stimmen wir ihm zu, wer es auch sein mag. Zn der Arbeiterbewegung hat man längst erkannt, welche Bedeutung und welche Macht im Solidaritätsgefühl und in der Einigkeit liegt. Die Arbeiter fühlen sich in der That wie eine große Familie, trotzdem die heutige Industrie sie zwingt, sich untereinader Konkurrenz zu machen. Trotz- dem unaufhörlich eine„industrielle Reserve- a r m e e" auf der Straße liegt, welche die Löhne durch das starke Angebot von Händen drückt; trotzdem also die Ar- beiter sich in einem Strudel entgegengesetzter Interessen be- wegen müssen, hat es noch nirgends schönere und rührendere Beispiele von Solidarität und Brüderlichkeit gegeben, als gerade in der Arbeiterklasse. Aber so schön auch wohlgefügte Worte und Sprüche klingen mögen— es ist nicht" alles Gold, was da glänzt. Die Thatsachen stehen leider zu dein belgischen Königswort in einem schreienden Gegensatz. In den meisten europäischen IRackdruck verbotcn.I Feuilleton. 15 Ein GoldmsnfÄr. Roman von Maurus Jükai. Drittes Kapitel. Ein Snlio mortale mit einem M a m m u t h. Timar hatte übrigens jetzt auch keine Zeit zum Märchenerzählen; denn noch hatte er sich kaum ausge- schnauft von den Anstrengungen des lebensgefährlichen Kampfes, als Euthym das Fernrohr ihm hinreichte und nach rückwärts auf die Stelle wies, nach welcher er aus- schauen solle. „Kanonenboot... mit vierundzwanzig Rudern... Brigantine„Saloniki." Timar setzte nun das Fernrohr nicht mehr ab, bis dicht hinter den Felsen der Perigrada-Znsel das andere Schiff seinen Blicken sich entzog. Dann plötzlich ließ er das Fernrohr sinken und führte das Horn zum Munde, in das er zuerst dreimal, dann sechsmal hintereinander stieß, rvorauf die Treiber ihre Pferde schärfer antrieben. Die Felseninsel Perigrada ist von zwei Donauarmen umstoßen. Der am serbischen Ufer gelegene Arm ist der- /?�chem Lastschiffe donauaufwärts fahren können. Ties ,st hier die bequemere, sicherere und billigere Fahr- straße� denn hier kann man mit der halben Anzahl Pferde das Schiff aufwärts ziehen. Dem rumänischen Felsenufer entlang ist zwar auch ein schmales Felsenbett ausgehöhlt, in welchem gerade für ein Schiff Raum ist; hier aber kann man das Schiff nur mit Ochsen ziehen, von denen manch- mal bis hundertzwanzig vorgespannt werden. Der andere Tonauarm wird oberhalb der Perigradainsel noch durch die Staaten verbietet die Gesetzgebung den Arbeitern, sich thatsächlich unter einander zu vereinigen, ihr Solidaritäts- gefühl mag sonst so ausgeprägt sein als nur möglich. Bei allen anderen gesellschaftlichen Schichten und Kategorien ist die Vereinigung etwas Selbstverständliches; nur den Arbeitern werden Schwierigkeiten in den Weg gelegt, weil die Gesetzgebung glaubt, die Jntereffen der Unter- nehmer in höherem Maße berücksichtigen zu muffen. Die meisten Länder haben auch noch eine besondere Gesetzgebung gegen die politischen Verbindungen der Arbeiter. Wir entnehmen den Worten des belgischen Königs, daß derselbe die Forderung der Koalitionsfreiheit für die Arbeiter als berechtigt anerkennt. Sonst würde er nicht sagen, die Arbeiter sollten sich die Hand reichen. Sie können dies nur, indem sie sich vereinigen. Seit Jahren belagern die deutschen Arbeiter das Par- lament mit Petitionen, indem sie die Koalitionsfreiheit zurück- verlangen, die ihnen die Gewerbeordnung zwar ausdrücklich gewährt, die ihnen aber durch das Sozia- l i st e n g e s e tz sowohl als auch durch die vom P u t t- kamer'schen Geiste getragene Anwendung der Vereinsgesetze genommen ist. Die Politiker, die der herrschenden Strömung dienen, haben sich daran gewöhnt, diese Forderung der Arbeiter unter nichtssagenden Porwänden ab- zuweisen. Diese Politiker brauchen Autoritäten; gut, so mögen sie sich nach dem Worte des Königs der Belgier richten und den Arbeitern die Koalitionsfreiheit wieder ge- währen. Wir zweifeln auch gar nicht daran, daß unter einer Gesetzgebung, die den Arbeitern eine freie uno ungehinderte Vereinigung gestattete, die wirthschaftlichen Kämpfe zwischen Arbeitern und Unternehmern lange nicht die Erbitterung erzeugen würden, die manchmal entsteht, wenn die Arbeiter verhindert werden, ihre Jntereffen geltend zu machen. Die Koalitionsfreiheit wäre ein Kampfmittel, welches zu fried- sicheren Zuständen führen müßte, weil die Arbeiter mittels derselben ihre Jntereffen bester wahren könnten. Da spricht man immer von„sozialen Re- formen" und den Arbeitern bleibt das unter den heutigen Verhältniffen wichtigste Mittel, ihre Lage zu bessern, nämlich die Freiheit, sich zu verbinden, vorenthalten. Wenn aber dieses Recht der Arbeiter auf freie Ver- einigung in der Gesetzgebung prinzipiell aner- k a n n t ist, wenn selbst Könige sich dafür aussprechen, warum bleibt es ihnen dennoch vorenthalten? Nun einfach deshalb, weil der Kapitalismus eben so mächtig ist, daß er die Gesetzesauslegung zu seinen Gunsten beeinflußt und die Staatsmacht auch da, wo sie wirklich den Arbeitern beistehen will, lahm zu legen bestrebt ist. Allerdings, so lange der Geist P u t t k a m e r' s noch über dem Wasser schwebt, braucht der Kapitalismus nach dieser Richtung hin keine Anstrengungen zu machen. kleinere Insel Reskival, welche sich quer vorlegt, eingeengt. (Gegenwärtig ist diese Insel schon zur Hälfte in die Luft gesprengt, zur Zeit unserer Geschichte jedoch existirte noch die ganze Insel.) In dem durch beide Inseln entstandenen Engpaß schoß der Strom pfeilschnell dahin; oberhalb dieses Engpasses aber bildet er zwischen den beiden Felswänden gleichsam einen großen See. Nur daß dieser See keinen glatten Spiegel hat, denn es wogt beständig in ihm, und er friert selbst im strengsten Winter nicht zu. Der Boden dieses Sees ist nämlich mit Klippen übersäet; einige derselben sind unter dem Waster verborgen, während andere mehrere Klafter hoch als ungeschlachte Steingebilde hervorragen. 6s ist dies die gefährlichste Stelle für Schiffer aller Nationen. Noch jetzt wagen sich gestählte Seefahrer, Englän- der, Türken, Italiener, welche auf allen Meeren zu Haufe sind, nur mit ängstlicher Scheu in dies Felsenbett. An dieser Stelle ereignen sich die meisten Schiffbrüche. Hier scheiterte auch im Krimkriege das prächtige eiserne Kriegsschiff der türkischen Regierung, die„Silistria". Es war nach Belgrad beordert und hätte vielleicht den Dingen eine ganz neue Wendung gegeben, wenn nicht die Spitze einer für die weise Friedenspolitik schwärmenden Klippe der Insel Reskival ihm einen so unsanften Stoß in die Rippen versetzt hätte, daß es genöthigt war, dort siegen zu bleiben. Und dieser See mit dem gefährlichen Klippengrund hat dennoch eine Durchfahrt, nur daß die wenigsten Schiffe sie kennen und nicht leicht Einer sie zu benützen wagt. Diese Durchfahrt ermöglicht den Schiffern, vom serbi- schen Ufer in den Felsenkanal am rumänischen Ufer überzu- setzen. Den letzteren Kanal sperrt seiner ganzen Länge nach eine fortlaufende Felsenbank von der übrigen Donau ab, man kann nur bei Szvincsa in denselben einfahren und nur bei Szkela-Gladova herauskommen. Dies ist der Salto mortale mit einem schwimmenden Mammuth. We Jorddeiitsche Aligemille Zettung". Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die demokratische „Züricher Post" einen Artikel, den wir wörtlich zum Abdruck bringen, weit damit dem Oberreptil in der Wilhelmstraße gründlich heimgeleuchtet wird. Der Artikel lautet: „Eine der reichsten Quellen politischer Jrrthümer war immer die Verwechslung von Ursachen und Wirkungen. Indem man beide vertauscht, gelingt es ohne Schwierigkeit, die Schuld, die man selbst auf sich zu nehmen hätte, einem andern zuzuwälzen, und es bedarf bei diesem Beginnen nur einiger Hartnäckigkeit, so ist der Versuch selten resultatlos. Die„Norddeutsche Ällg. Zeitung" hat hiervon in der inneren Politik des Deutschen Reiches schon zahlreiche Beweise geliefert; sie thut jetzt dasselbe mit einer Unermüdlichkcit, die bereits Wochen dauert, in dem seltsamen Streithandel mit der Schweiz, und wenn das Publikum glaubt, das Faß entleere sich allmälig, so kündet ein neuer Schwall sich an. Den Protokollen Herrn Wohlgeinuths folgten einige sogenannte Tagesleistungen Herrn Pindters; darauf erschien ein Artikel von ernsterer Physiognomie, welcher die kleinen Drohungen durch eine große ersctzte:nachher wurde die schweizerische Neutralität durch wiederholte Erörterungen in Frage gestellt und zuletzt brachten eine Menge von Nummern des Blattes das weitschichtige Sündenregister unserer Polizei. Endlich dachten wir, am Schlüsse angekommen zu sein, nun aber weiß das„Wiener Fremdenblatt", welches Eingebungen vom Berliner Preßbureau empfängt, soeben zu berichten, daß die Artikelreihe der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"„nur die Grundlage für eine weitere diplomatische beziehungsweise politische Ver- solgung der Angelegenheit bieten wolle." Die neue Organisation unserer Fremdenpolizei gelte nicht als genügend, solange keine Sicherheit darüber bestehe, ob dieselbe auch„in zweckdienlichem Geiste" gchandhabt werde oder nicht. „In zweckdienlichem Geiste",— der Ausdruck ist, bei- läusig gesagt, gut, sehr gut.... Ww können uns auch denken, welcher Zweck hier gemeint ist, oder welche Zwecke, da es ihrer offenbar mehrere sind. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat uns dieselben ver- rathen. Wir haben deutsche Sozialdemokraten aufgenommen, welche die Ausnahmegesetze über dre Grenze des Reichs hetzten, und das soll in Zukunft nicht mehr geschehen dürfen. Nur wir verschulden es— nach jener Logik, die Alles umkehrt—, daß die deutsche Sozialdemokratie sich behauptet und vermehrt. Wie merkwürdig! In Deutschland gehen 800 000 Sozialdemokraten zur Wahlurne und das sind noch nicht einmal alle Anhänger dieser politischen Richtung, denn man ist dort erst mit dem 25sten ÄlterSjahrc wahlfähig. Mit diesen Leuten im eigenen Schooße kann die deutsche Regierung nicht fertig werden; wir aber sollten das Wunder bewirken, sie von der Bildfläsche verschwinden zu machen. Natürlich glaubt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" nicht entfenrt an eine solche Möglichkeit. Aber„zweckdienlich" wäre die Anwendung des Niederlassungsvertrages in dem geforderten, absurden Sinne und die Beseitigung der letzter: Reste des Asylrechts insofern, als damit einigermaßen erreicht werden könnte, was der deutsche Reichstag selbst der deutschen Regierung zu gewähren verweigert hat. Wir sind ohne Zweifel die Uebelthäter, welche das geplante Expatriimngsgesetz zu Der Kommiffär hat dreimal und dann sechsmal nach- einander ins Horn gestoßen; die Treiber wissen schon, was das zu bedeuten hat, auch der Schiffszugführer ist abgesessen — er hat seine guten Gründl dafür— und nun beginnen sie mit großem Geschrei und Peitschengeknalle die Pferoe an- zutreiben. Das Schiff fährt schnell gegen den Strom. Das Horn bläst neunmal. Die Treiber hauen wie rasend in die Pferde hinein; die armen Pferde verstehen den Zuruf und die Schläge, und ziehen an, daß das Tau bis zum Reißen gespannt ist. Fünf Minuten solcher Arbeit sind aufreibender als eine ganze Tagesarbert. Jetzt tönt das Horn zwölfmal nacheinander. Menschen und Pferde raffen den letzten Rest ihrer Kraft zusammen; jeden Augenblick glaubt man, sie werden zusammenbrechen; das Schiffstau, das drei Zoll dicke Seil, ist straff, wie die ausgespannte Ärmbrustsehne, und der eiserne Kolben, um den das Seil gervunden, wird brennend heiß, als wäre er im Feuer geglüht; der Schiffskommissär steht neben dem Seil, ein scharfes Schiffsbeil in der Hand. Als das Schiff am schnellsten dahinschoß, hieb er mit einem Beilschlag das Tau am Schiffsschnabel entzwei. Das gespannte Seil schnellte dröhnend, wie eine gespannte Riesensaite hoch in die Lüfte empor; die Pferde des Schiffszuges fielen der Reihe nach um, und das vorderste brach sich das Genick; sein Reiter war deshalb wohlweislich schon früher abgestiegen; das des Zugseils ledige Schiff änderte plötzlich seinen Kurs, indem es, den Schnabel dem nördlichen Ufer zugekehrt, gegen die Strömung den Fluß quer zu durch- schneiden begann. Die Schiffer nennen dies kühne Manöver das„Durch- hauen". Das schwere Schiff wird jetzt durch nichts getrieben, weder durch Dampf, noch durch Ruder; eS hat sogar die Strömung gegen sich: es ist lediglich die Nachwirkung 1 Fall gebracht haben!? Oder weil nicht wir es sind, sondern die Abgeordneten des deutschen Volkes, so soll die Schweiz nun wenigstens helfen, daß die deutsche Regierung ohne das ExvatriiruugSgesetz erreicht, was sie mit demselben zu erreichen hoffte. In der That ist der Deutsche„voaelftei", ist er ein ge- Hehles Wild, wenn er nicht blas durch Strafen und Aus- Weisungen zum Verlassen seiner Heimath gezwungen werden kann, sondern auch in einem anderen Staate nicht Auf- nähme finden darf. Zu Hause werden ihm seine Papiere nicht erneuert, wir aber sollen ihre Papiere dann nicht mehr dulden. Die Schweiz hätte allen Grund, sich darüber zu beschweren, daß das Regime des Fürsten Bismarck so viele deutsche Bürger zwingt, einzig wegen ihrer politischen Gesinnung ihre Heimath zu verlassen und zu uns zu kommen. Wir könnten seiner Härte die Mentchlichkeit, welche uns Pflicht ist, entgegen- halten. Aber wir müssen bekennen, Pindter und Genossen sind uns in der Beweisführung überlegen. Sie setzen voraus, daß wir zu thun haben, was sie wollen; daß eine Partei, welche fie als staatsfeindlich erklären, eS auch für unfern Staat sei, welcher nichts damit zu thun hat, und daß wir— vermuthlich weil wir ein„wildes" Land sind— die Keule der Barbarei für das Szepter des Jahrhunderts ansehen. Der schweizerische Bundesrath hat einen Lockspitzel, welcher deutscher Beamter war, als solchen bezeichnet und des ein Landes verwiesen. Run sehe man, wie die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" sich den Fall zurechtlegt! Ihre Schlußfol- gerung ist, wenn man ihre Artikel recht liest, folgende: ein Staat, welcher einen Lockspitzel ausweist, verfügt nicht über eine tüchtige Polizei. Eine solche würde ja wohl Sozialdemokraten ausweisen, sicherlich aber nicht Lockspitzel.... Und wie die Forderungen des Blattes darauf abzielen, den Aufenthalt Deutscher in der Schweiz zu erschweren, so verfolgen seine Einschüchterungen den weitern Zweck, es unmöglich zu machen, daß die schweizerischen Behörden fortan vom Gesichte der Unruhestifter die Larve heben, um zu zeigen, was deren „Nam' und Art". Die Welt hat kaum jemals, vielleicht nicht einmal unter den Cäsaren Roms, erlebt, was wir beute erleben. So denkbar lag doch, moralisch angesehen, kein Fall wie derjenige UN Herrn Wohlgemuths, und dennoch wurde gerade dieser zum Ausgangspunkte der Preßfehde und der diplomatischen Aktion gegen uns genommen.„Der Tropfen zum Ueberlaufen" soll es gewesen sein, daß der Bundesrath diese Anstiftung zu Ver- brechen gegen Staat und Gesellschaft ahndete. Spalten hin- durch werden unsere Polizeibehörden kritisirt, aus Aerger da- rllber, daß sie den Lockspitzeln nicht frei Quartier gaben, und man macht ein großes Wesen aus ihren„Fehlern", während doch die Verletzung von Formalitäten, wäre sie denselben wirk- (ich vorzuwerfen, ganz zurücktreten müßte vor der Unge- heuerlichkeit des Lockspitzelthums. Die„Norddeutsche Allge- meine Zeitung" schlägt wieder auf Fischer, welcher doch blas bescheinigt hat, was wahr ist, wenn es auch v. Putt- kamer läugnete. Sie schlägt auf Baumer, durch dessen Ver- fahren der Beweis erbracht wurde, daß Herrn von Puttkamers Läugnen keine Bedeutung hat,— und zu guter letzt, da nun die Lockspitzel von den Rockschößen nicht mehr abgeschüttelt wer- den können, verlangt man nicht bloS eine wirksamere Polizei — natürlich nicht für diejenigen, welche„lustig darauf los wühlen"—, sondern will sich auch vorbehalten, zu prüfen, ob die neuere Ordanisation"unserer Polizei„zweckdienlich" sei, daS heißt wohl ein Glied der deutschen Reichspolizei selbst bildet. Schicht um Schicht abzutragen, was die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" an falschen Angaben und kecken Behauptungen über einander gehäuft hat,— das hieße die Herkulesarbeit im Augiasstall thun. Zum Glück wissen Alle, daß auch die wach- samste Polizei so wenig jedes politische Verbrechen zu verhüten im Stande ist, als sie icdes gemeine Verbrechen verhüten kann, und Vielen wenigstens ist bekannt, daß die deutsche Polizei sich unfähig gezeigt hat, Attentate, die in ihrem Revier vorbereitet wurden, zu verhindem; fie halten deshalb die bezüglichen Anklagen des Blattes gegen die Schweiz für leichtfertig und lächeruch. Was aber eine Menge Dinge betrifft, welche das Blatt über einzelne Persönlichkeiten meldete, so befinden sich dieselben in einein Konflikt mit den Thatsachen, welchen nur die„Nordd. Alla. Ztg." selbst für gleichgiltig zu betrachten scheint.' Sie ist hochgestellt und fühlt sich des Wahren wie des Schicklichen überhoben. Leider sind es aber nicht lauter politisch unterrichtete Männer, welche das Blatt des Herren Pindter und die Blätter seiner Nachbeter lesen. Wir vennuthen sogar, darauf rechnen sie. Mag das Gesagte wahr oder unwahr, mag es ungerecht, illoyal und noch mehr sein,— es dringt doch in breite Kreise des deutschen Volkes und erzeugt dort eine der Schweiz feindliche Gesinnung. Systematisch wird vielleicht dieser Zweck verfolgt, und cS könnte dieser Zweck gerade einer der Hauptzwecke fein. Unterdessen dürften wir uns fragen, ob wir alle Unbill und Mißhandlung gelassen hinzunehmen verpflichtet sind. Ge- miß nicht! Wir hätten ein gutes Recht, auf Herrn Pindter das Wort anzuwenden, welches durch ein Zitat des Fürsten des erhaltenden Chocs, welche es zum jenseitigen Ufer hin- iiberträgt. Diese Fortbewegungskraft zu berechnen, mit der zu durchlaufenden Distanz und mit der sie vermindernden Gegenkraft ins richtige Verhältniß zu bringen, würde jedem fachmännisch gebildeten Ingenieur zur Ehre gereichen; der gemeine Schiffsmann hat dies auf empirischem Wege gelernt. Von dem Augenblicke an, wo Timar das Schiffsseil fekappt hatte, war das Leben aller auf dem Fahrzeug Äe- ndlichen in die Hände eines einzigen gelegt, in die des Steuermannes. Johann Fabula zeigte jetzt, was er zu leisten im Stande sei.„Hilf Jesu! Hilf Jesu Christ!" brüllte er; aber er legte die Hände nicht in den Schoß. Vor ihm rannte das Schiff mit beflügelter Geschwindigkeit in den von der Donau gebildeten See hinein; für das Steuer- rüder waren jetzt zwei Menschen nöthig, und auch diese vermochten kaum das ins Laufen gerathene Ungeheuer zu zügeln. Timar stand mittlenveile am Schiffsschnabel und maß mit dem Senkblei die Tiefe des Bettes, in der einen Hand hielt er die Schnur, die andere streckte er in die Luft empor und zeigte mit den Fingern dem Steuermann an, wie viel Fuß Kielwasser das Schiff noch unter sich habe. „Hilf Jesu Christ!" Der Steuermann kannte die Felsen, an denen sie vorüberkamen, so gut, daß er auch anzugeben im Stanoe gewesen wäre, um wie viel Fuß die Donau seit der letzten Woche an ihnen höher gestiegen war. In seiner Hand ruhte das Steuer sicher' würbe er eine einzige falsche Bewegung machen, wäre es auch nur um eine Spanne breit, würde das Schiff einen Ruck erhalten, der seinen Kurs auch nur eine Minute lang unterbräche, dann triebe das Schiff mit Allen, die daraus sind, schurstracks in den zwanzig Klafter breiten Perigrada-Strudel hinein; dort würde es der ver- funkenen Mühle und das schöne weiße Kind dem schönen weißen Kätzchen Gesellschaft leisten. Schon sind sie glücklich über die Untiefe vor den ReSkival- Katarakten hinweg. Das ist die schlimmste Stelle; der Gang des Schiffes wird schon langsamer, die Wirkung der bewegenden Bismarck Flügel bekommen hat:„l'appelw an Chat un chat" u. s. w. Aber ist es nicht besser, wir hüten uns vor einem Ton, welcher mit der Verwilderung in der offiziösen deutschen Presse selbst auch nur entfernte Aehnlichkeit haben könnte? Wir achten trotzdem die deutsche Geisteskultur, wir achten das deutsche Volk. Wir brauchen nicht zu schreien und zu schimpfen, weil wir im Bewußtsein unseres guten Rechtes sind und dieses Bewußtsein uns furchtlos macht. Die Geschichte wird einst von diesem Handel sagen, daß wir darin nicht klein, sondern groß waren, weil wir den Unterschied und der Bevölkerungszahl durch unsere ausglichen. des Landesumfanas Gesinnung mehr als Msrrefpondvnzvn. Zürich» 3. Juli. Hier hat bereits die schärfere Tonart in die polizeiliche Praxis ihren Einzug gehalten. Am Freitag hielten im Auftrage des eidgenössischen Justiz- und Polizei- departements in Bern drei Polizeibcamte in der Druckerei der „Arbeiterstimme"(Conzett) und deren Schriftenfilale Haus- such un g, um den Angaben auf den Grund zu kommen, ob der Londoner„Sozialdemokrat"�ganz oder theilweise in Zürich gedruckt und ob von hier ein Schriftenversandt nach Deutsch- land stattfinde. Die behördlichen Bemühungen waren völlig erfolglos und damit die Grundlosigkeit der bezüglichen von Berlin ausgegangenen Angaben erwiesen. Die Presse aller Schattirungen— mit Ausnahme der sozialistischen und einiger ;ut demokratischer Organe— ist von der T b a t s a ch e der er- olgten Hausdurchsuchung durchaus befriedigt, zum Theil ogar erfreut, was als ein Zeichen der Zeit zu konstatiren ist. Der„St. Galler Stadtanzeiger" bemerkt zu dieser polizei- lichen Aktion:„.... Wir Schweizer sind auch diesmal wieder gerechtfertigt aus der Unter- suchung hervorgegangen, das Kanzlerblatt aber hat sich neuerdrngs vor allem Volk h l a m i r t. So kühl wir, von diesem Gefichtspankte aus, über die Haussuchung im Conzettschcn Geschäft denken, so macht die- selbe andererseits doch einen höchst bemühenden Eindruck auf uns. Denn sie zeigt, uns, daß Bismarck nur den ersten besten Schweizerbürger als einen zu bezeichnen braucht, der thue, was ihm unangenehm sei, um denselben Maßregeln auszusetzen, die bei uns sonst nur gegen Verbrecher angewendet werden. Immerhin muß sich einem heute die Frage aufdrängen: Wenn das Leibblatt des deutschen Reichskanzlers in seinen Verdächti- gungen auftecht stehender, ehrlicher Schweizerbürger nun weiterfährt, was will der Bundesrath dann thun? Will er fortfahren, auf dieseu Wink hin heute da, morgen dort Haussuchungen vorzunehmen, sich also zum gehorsamen Diener ennedrigen? Oder gedenkt er das nächste Mal den Gehorsam zu klinden? Und dann? Haben wir nicht von jeher gesagt, er werde sich in eine Sackgasse ver- rennen- Wer hat jetzt Recht?" Den Haussuchungen folgten Verhöre, bei welcher Ge- legenheit Conzett sehr belastende Aussagen über Atten hofer gemacht haben soll. Daran anknüpfend sagt der„Grütlianer": „Dieser Attenhofer ist vermuthlich einer der Gewährsmänner der unausgesetzt gegen die Schweiz hetzenden„Norddeutschen". Sein obskures Blättcken, das anzurühren und zu lesen in der Schweiz jeder anständige Bürger sich schämt, liefert jenen Stoff für ihre lügenhaften Angriffe oder wird doch als Stützpunkt für letztere verwerthet. Die Artikel des Berliner Reptilieu- blatteg gegen die Schweiz sind nur das Echo dessen, was Atten- hofer seit Jahr und Tag aus seiner publizistischen Kloake in die Welt hinaus geschrien hat. Wer sein Blatt las und nicht die Wahrheit kannte oder sie nicht kennen wollte, der mußte ja allerdings zu der Meinung kommen, die Schweiz sei ein komplettes Verschwörer- und Verbrechernest. Erst jüngst noch forderte der„Stadlbote" vom neukreirten cid- genössischen Generalstaatsanwalt: „Nachdem er(der Staatsanwalt) alle alten und neuen Sozialisten- und Anarchisten-Prozeßakten untersucht, schreitet er zu Haussuchungen bei sämmtlichen deutschen Sozialisten, Gesellschaften, Arbeiterbildungsvereinen ze. Dann folgt Auflösung der„Sektionen oraanisirter deutscher Sozialdemo- kraten, Verhaftung sämmtlicher Mitglieder, also auch Ver- Haftung von Wellschleger und Otto Lang(Schweizer), mibe- kümmert ob Schweizer ob nicht. Gleichzeitiges Einschreiten gegen die Anarchistengruppen und Nihilisten als Äfsiliirte ver Sozialrevolutionäre ist selbstverständlich. Leisten G r ü t l i- vereine und Schweizer Sozialisten den fremden Genossen Vorschub, Auflösung auch dieser und Verhaftung sämmtlicher Mitglieder, unbekümmert darum, ob es einen Nationalrath, Regierungsrath oder Polizeihauptmann treffe." Im Uebrigen verurtheilt der„Grütlianer" scharf die er- folgten Haussuchungen und meint, einem Menschen wie Atten- ' oser hätte schon längst das Handwerk gelegt werden sollen.— ds. Mts. hat Conzett vor dem S ch w u r g e- m Kraft ist von der Gegenströmung schon paralysirt und der Wassergrund ist besäet mit spitzigen Klippen. Timea sah, über das Schiffsgeländer vorgebeugt, ins Waffer hinab. Von den durchsichtigen Wellen reflektirt er- schienen die Felfenmassen ganz nahe mit ihren lebhaften bunten Farben, eine Riesenmosaik aus grünen, gelben, rothen Steinfragmenten; zwischen ihnen schössen silberglänzende Fische mit ihren rothen Floßfedern hm und her. Sie er- götzte sich daran! Tiefes Schweigen war über diese Szene ausgebreitet; jedermann wußte, daß er jetzt über seinem Friedhofe schwamm; nur Gottes Barmherzigkeit hat er es zu verdan- ken, wenn er unter den vielen Steinen da unten nicht seinen Grabstein findet. Nur das Kind fühlte keine Regung von Furcht. DaS Schiff war jetzt in einen buchtarttgen Felsenkreis gelangt. Die Schiffer haben diesem Felsen die-Benennung „Glinten-Felsen" gegeben; vielleicht weil der Schall der Brandung an das veständige Knattern eines Gewehrfeuers erinnert. Der Hauptarm der Donau staut sich hier und bildet ein tiefes Bett. Die blinden Klippen sind hier nicht gefähr- (ich, weil sie tief unter dem Wasserspiegel liegen; unten in der dunkelgrünen Tiefe sieht man die nur selten sich bewegen- den trägen Massen der Meeresgäste, den riesigen Hausen und den zentnerschweren alten Hecht, bei dessen Erscheinen die bunte Schaar der ruhenden Fische auseinander stäubt. Timea staunte die Spiele der Wafferbewohner an; es war gleichsam ein Amphitheater— aus der Vogelperspektive betrachtet. Plötzlich fühlt sie sich von Timar am Arme ergriffen, der sie vom Schiffsgeländer wegreißt, in die Kajüte stößt und die Thür heftig hinter ihr zuschlägt. „Ausgeschaut! hahoo!" brüllte draußen das Schiffsvolk wie aus einem Munde. Timea wußte nicht, was da vorging, warum man so unsanft mit ihr verfuhr, und sie lief zum Kajütenfenster, um hinauszusehen. Es war weiter nichts geschehen, als daß das Schiff auch die Flinten-Felsenbucht glücklich passirt hatte und sich mit Atttenhofer, der fünf wegen Ehrverletzung ange- richte einen Prozeß Artikel der„Arbeiterstimme klagt hat. Die B u ndesversammlung wurde am 29. v. Mts., nachdem beide Räthe dem Generalanwalt zusttmmten, bis zum November vertagt.— Der angekündigte Streik der Z l g a r r e n a r b e i t e r in W y n e n t h a l hat am Montag begonnen. Derselbe wird voraussichtlich langwierig werden, da die Fabrikanten große Zigarrenvorräthe haben. Aber die Soli- dantat der Arbeiter hat sich bereits bewährt, indem vorige Woche in Zürich in einer öffentlichen Arbeiteroersammlung be- schloyen wurde, bis zur Erledigung der Streikangeleaenheit keine aargauischen Zigarren mehr zn rauchen. Diesem „Boykott" schlössen sich bereits die Arbeiter anderer Orte und ebenso eine Anzahl Arbeiterkonsumvereine an, so daß den ubermuthiaen Herren die Macht der Arbeiter doch fühlbar ge- macht werden wird. Inzwischen sind schon drei Firmen vom oltttsilhs(iLctirvNttlk. ___ Ueber den neuesten Schntzling der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", den„Gentleman" Maak erfahren wir nachträglich noch sehr erbauliche Dinge. Derselbe ist nicht bloß ein gemeiner Verbrecher, sondern er hat unzweifelhaft die Rolle eines Agent Provokateur, oder auf gut schweizerisch-deutsch: Lockspitzels gespielt— und die Deutschen in der Schweiz, welche ihn für einen sö.chen hielten, waren nicht auf dem Holzwege. Wer den Hern: Maak besoldet hat,— das können wir jetzt nicht genau sagen, allein der Minister des Innern, Herr Herr- furth, wird wohl Gelegenheit haben, die nöthigen Informationen sich zu verschaffen, so daß er Auskunft ertheilen kann, wenn die Sache in der nächsten Sozialistendebatte des Reichstags zur Sprache kommt. Dir Katze au» dem Sack. Als nach der bekannten Audienz die westfälischen Bergarbeiter bei dem Könige sich einige fortschrittliche Abgeordnete im ReichstagSgebäude mit den Mitgliedern der Deputation ins Vernehmen setzte, wurde von der nationalliberalen Presse sofort ein wildes Halloh er- Koben: Die Fortschrittler wollten Arbeiterfang treiben, und bloS dem braven Herrn Hammacher, dem durch seine Stellung im Bergbau berufenen Vermittler, den Wind aus den Segeln nehmen. Jetzt, nachdem die Vermittluna des Herrn Hammacher ausS kläglichste Schiffbruch gelitten hat, bringt die„Rationalliberalc Conrespondenz" einen recht lehrreichen und einen recht amüsanten Artikel„aus dem rheinisch- westfälischen Köhlenrevier". Es wird darin beklagt, daß die„Schroffheit" der Gruben- Besitzer die Bergarbeiter unzufrieden mache und zur Gründung selbstständiger— d. h. von den Grubenverwal- tungen nicht geleiteter„Wahlvereine" veranlasse. Mit Bezug hierauf heißt es dann wörtlich: „Ohne Zweifel müssen diese Vereinsgründungen ihren Einfluß auf die Reichstaaswahlen ausüben; es ist daher auch aus parteipolitischen Rücksichten zu bebauen,, daß die Zechen- venvaltungen sich so wenig entgegenkommend verhalten, den» die„ationalliberale Partei zählt dort viele Mandate, und diese sind, da die Bergarbeiter geneigt sein werden, die Verwaltungen mit der Partei zu verwechseln, nicht ungefährdet. Die Aufopferung Hammacher's, der ja selbst Führer der nationalliberalenPartei ist, wird kaum im Stande sein, den schlechten Eindruck zu verwischen, den so manche starrköpfige Venvaltung nicht blos im Revier, sonden, im ganzen Reiche macht. Daß sich die Sozialdemokratie die Ernte nicht enl- geben lassen wird, erscheint selb st ver st änd- l i ch" u. s. w. Da haben wir also, so deutlich es Worte nur sagen können, das Zugeständniß, daß„die Aufopferung" Hammacher's, wenn auch nicht direkt durch parteipolitische Rücksichten diktirt, doch im varteipolitischen Interesse verwerthet werden sollte. Wir nehmen das den Herren Nationalliberalen übrigens durchaus nicht übel, nur sollen sie aus ihrem Glashaiis nicht aus andere mit Steinen werfen. Was das Wahlangstfieber der Nationalliberalen anbelangt, so können wir mit Genuathuung feststellen, daß dasselbe aller- dings sehr wohl begründet ist. Das Verfahren der national- liberalen Grubenbesitzer hat die Bergarbeiter aufs äußerste e» bittert, und keiner Sophisterei wird es gelingen, die national- liberalen Grubenbesitzer, welche die bisherigen nationalliberalen Massen in jenen Gegenden durch abscheulichen Terrorismus und verwerflichste Kniffe zu Stande gebracht haben(man lese nur die Berichte der Wahlprllfungskommission des Reichstags!) von der nationalliberalen Partei zu trennen. Wenn die national- liberalen Grubenbesitzer wegfallen, dann giebt dort es überhaupt keine nationalliberale Partei. Sie sind oie Partei. nun anschickte, in den rumänischen Kanal einzufahren; ans dem Bett der Felsenbucht aber ergießen sich die Wasser so jäh in den Kanal, daß sie hier einen wahren Wasserfall bilden, und hier der gefährlichste Monient, das gallo mortale ist. Als Timea zum Kajütenfensterchen hinausschaute, sah sie nur, daß Timar am Schisssschnabel stand, einen Enter- haken in der Hand; dann entstand plötzlich ein schreckliches, tosendes Geräusch; ein riesiger schaumgekrönter Wellenberg schlug über den Vordertheil des Schiffes, seinen Gischt bis ans Kajütenfenster spritzeud, so daß Timea einen Augenblick ganz blind davon wurde. Als sie im nächsten Moment wieder hinausschaute, war der Kommissär schon nicht mehr am Schiffsschnabel zu sehen. Draußen war großer Lärm. Timea stürzte zur Thür hinaus. Dort traf sie mit ihrem Vater zusammen. „Gehen wir unter?" rief sie. „Nein! Das Schiff ist gerettet. Aber der Kommissär ist ins Wasser gefallen." Timea hatte das gesehen; vor ihren Augen hatte ja die Woge ihn vom Schiffsschnabel hinweggespült. Aber deshalb pochte ihr Herz nicht lauter als sie das ver- nahm. Seltsam! Als sie die weiße Katze in den Wellen un- tergehen sah, war sie in Verzweiflung gerathen; damals konnte sie ihre Thränen nicht zurückhalten und jetzt, wo die Wogen den Schlffskommiffär verschlangen, sagte sie nicht einmal:„der Arme!" Ja, aber die Katze hatte jedermann so kläglich ange- wimmert, und dieser Mensch trotzt der ganzen Welt. Das weiße Kätzchen war ein so herziges liebes Thier, der Schiffs- kommiffär aber ein garstiger Mann. Und endlich wußte das Kätzchen sich nicht selbst zu helfen; der Schiffskommiffär aber ist ein starker gewandter Mensch, der sich gewiß heraushilft — dafür ist er ja ein Mann. Das Schiff war nach dem letzten aalto mortale gerettet und schwam m im sicheren Fahrwasser des Kanals; die Schiffsknechte liefen mit Enterhaken zum Boot, um den verschwundenen Kommiffär zu suchen. Euthym hielt eine Börse hoch in der Hand als Preis für die Rettung Timars. Da« Invalideugesetz hat dem Minister v. Bötticher neben seiner Ordensauszeichnung auch den Doktortitel eingetragen, die juristische Fakultät der Marburger Universität hat ihn für seine Verdienste um das Gesetz zum Ehrendoktor beider Rechte ernannt. Uebev die Frage de« internationale« Ardeiter- lchntze« ist soeben das Memorial erschienen, welches Dr. De- -curtins im Auftrage des Bundesraths zu Händen der europäi- schien Konferenz ausgearbeitet hat. Auf 72 Seiten giebt dasselbe «ine Darstellung der bezüglichen Gesetzgebung der vcjfchiedenen Industriestaaten in folgenoen vier Kapiteln: 1. Regelung der Arbeit der Kinder und der Minderjährigen, 2. Regelung der Frauenarbeit, 3. Verbot der Sonntagsarbeit, 4. der Normal- arbeitstag. Indem wir uns vorbehalten, auf die Schrift zurück- zukommen, bemerken wir für heute, daß der Verfasser am Ende derselben zum Schlüsse kommt, die europäischen Industriestaaten könnten 1. ein Minimalalter für die Kinderarbeit in den Fa- briken und Bergwerken festsetzen, 2. die Nachtarbeit der Frauen und Minderjährigen, sowie 3. alle Frauenarbeit in gewissen ge- sundheitsschädlichcn oder gefährlichen Industrien und 4. die Sonntagsarbeit überhaupt verbieten, endlich 5. für die Minderjährigen einen Maximalarbeitstag einführen. Wie un« au« dem rheinisch-westfälischen Kohlenrevier gemeldet wird, drängen sich dort allerlei dunkle Ge- stalten, die sich als Berichterstatter ausländischer Blätter aus- geben, an die zum internationalen Arbeiterkongreß reisenden Delegirten heran und bieten große Summen für Berichte über Dinge, die sonst nicht in die Zeitungen gebracht würden. Aehn- liehe Versuchungen werden auch von anderwärts gemeldet. Wir empfehlen den Delegirten, denen solche lukrative Auer- bietungen gemacht werden, dieselben anzunehmen, aber mit ihren splendiden Auftraggebern auch von vornherein übereinzukommen, daß sie das gezahlte Geld be- halten dürfen, falls sie die gewünschten Geheimnisse nicht berichten, weil es keine*u berichten gab. Die Ehrenmänner, die sich einbilden, die deutschen Sozial- demokraten würden den internationalen Kongreß zu Konspira- tionen benutzen, werden sich grimmig täuschen. Einmal liegt zu Konspirationen nicht der geringste Grund vor, außerdem muß jeder Gimpel wissen, daß in Paris die intenmlionale Polizeispionage-n gros orgrnisirt ist, und jede geheime Berathung nicht nur sofort bekannt, sondern auch verleumderisch ausge- nutzt würde. Außerdem wer garantirt, daß unter den vielen Delegirten aus aller Herren Länder sich nicht auch einer oder einige fänden, die geneigt wären, Polizeispitzeldienste zu übernehmen? Hatte doch sogar auf dem St. Galler Parteitag die deutsche politische Polizei ihren Mann. In solcher Lage ist das einzig Richtige, nichts zu thun, was nicht Jedermann wissen kann. Und das wird geschehen. Die deutschen Reptilien, die den internationalen Arbeiterkongreß bisher wohl nur so leidlich rücksichtsvoll behandelten, weil sie hofften, nachher durch seine Tagung nur um so reichlichere Arbeit finden, werden bitter enttäuscht sein. Greifen sie aber zu Lügen, wie dies in ihrer Natur liegt, so schlägt man ihnen tüchtig auf den Kopf. Verstanden? Gin ansgezeichnete« Mittel, die Unzufriedenheit der rheinifch-westfälischen Bergarbeiter verstummen zu machen, haben die dortigen Grubenverwaltungen entdeckt: sie entlassen einfach jeden Arbeiter, der sich beschwert. Man kann daraus schließen, was bei der famosen amtlichen Enquete über die Verhältnisse der Bergarbeiter, die mit so vielem Ge- räusch angekündigt worden, herauskommen wird. Unsere Be- fürchtungen, die wir in einem Leitartikel über diese Angelegen- beit ausgesvrochen haben, werden vielfach noch hinter der Wirk- lichkeit zurückbleiben. Das berüchtigte Organ der Kohlenbarone, die nationalliberale„Rh.-Wcstf. Ztg.", hat die feine Rolle des Denunzianten übernommen: es denunzirt den Namen jedes einzelnen Arbeiters, der öffentlich Beschwerde geführt hat, und verlangt kategorisch seine Entlassung. Mit Diesem Ver- langen stößt es bei den Grubenverwaltungen natürlich nur offene Thüren ein. Jetzt zählt das nationalliberale Organ die Arbeiter auf, welche in der letzten Bergarbeiter-Delegirten- Versammlung gesprochen haben, nennt deren Behauptungen durchweg Verdächtigungen und richtet dann folgende Auf- sorderung an die Arbeitgeber:„Daß eine solche Sprache und ein solches Auftreten der vorbezcichneten„Herren" Arbeiter ihrer Zeche rcsp. deren Verwaltung gegenüber ein tief ver- letzendes ist, darliber braucht wohl kaum ein Wort gesagt zu werden. Die Frage darf wohl aufgeworfen werden: Würde irgend ein Arbeitgeber sich eine solche Sprache seines Arbeiters ruhig gefallen lassen und demselben noch fortgesetzt Arbeit und Verdienst zukommen lassen? Ueber die Beantwortung dieser Frage braucht nicht ge- stritten zu werden, da sie der gesunde Menschen- verstand diktirt, mag der Betreffende nun Delegirter oder Nichtdelegirter sein. Jedenfalls mögen die hier ge- nannten Zechenverwaltungen darauf auf- merksam gemacht werden, daß eS nicht allein in ihrem Interesse, sondern in demjenigen der gesammten Industrie liegt, w enn sie una esä umt gegen die gegen sie geschleuderten Verdächtigungen— denn nicht „Hundert Dukaten als Belohnung demjenigen, der ihn lebend aus dem Waffer bringt!" ,„Behalten Sie nur Ihre hundert Dukaten, mein Herr!" erscholl die Stimme des gesuchten Mannes vom entgegen- gesetzten Schiffsende her.„Ich komme schon selbst." Man sah ihn, wie er am Hintertheil des Schiffes am Ankertau aus dem Waffer emporkletterte. Um den braucht man sich nicht zu ängstigen, der geht nicht so leicht verloren. Und dann als ob nichts vorgefallen wäre, fing er wieder an zu kommandiren.„Anker werfen!" Der drei Zentner schwere Anker wurde ins Waffer inabgelaffen, worauf das Schiff mitten im Kanal stehen lieb, Donau aufwärts durch die Felsen ganz den Blicke« entzogen. „Und jetzt mit dem Kahn ans Ufer!" befahl Timar drei Ruderknechten. „Ziehen Sie trockene Kleider an," rieth ihm Euthym. „Das wäre unnütze Zeitverschwendung," erwiderte Timar. „Ich werde heute noch mehr als eine Waffertaufe erhalten. Jetzt bin ich doch wenigstens schon wafferdicht. Wir haben Eile." (Fortsetzung folgt.) Mus Mrmfl und Leben. Taufend Geheimnisse liegen noch im Schöße der Ozeane. In schwarzer Finstennß scheint sich noch das Leben zu äußern, lebende Geschöpfe Hausen noch auf dem Grunde der Meere unter einem Wafferdruck, daß wir nicht begreifen, wie cur lebendes Wesen vonldemselben nicht zermalmt wird. Die Tiefen, welche das britische Schiff„Egeria" im südlichen Stillen Ozean gemessen, betragen über 8100 Meter; die nördlicher in demselben Meere gemessene größte Meerestiefe ergab 8513 Meter. Sie kommt also beinahe dem Höhendurchmesser des mächtigsten himalamschen Bergkolosses, des Gaurisankar, gleich. Unaufhörlich rasselt das Bathometer, wie man das Tieffeeloth nennt, in die dunkle Meeresnacht hinab und wenn es wieder heraufgeholt wird, bnngt es Zeugnisse dafür an das Licht von dem Leben ,n der Seetiefe. Der Photograph und die Elektrizität werden anders fassen wir dieselben auf— und deren Urheber einschreiten. Ein voniehmes Jgnoriren dieser Hetzereien ist hier durchaus nicht mehr am Platze. Es wird daher auch allgemein mit Genugthung begrüßt worden sein, daß die Ver- waltung der Zeche Kaiserstnhl dem sauberen Herrn Schröder, dem Leiter der Delegirtenversammlnng, sofort die Abkehr gegeben hat. Ebenso prompte Strafe ist dem Delegirten Brinckmann von Zeche„ver. Westfalia" geworden. Er ist sofort entlassen worden un d z war ohn e V e r- gütung an Lohn für Juli auf Grund des§ 82 des preußischen Berggesetzes, welcher diejenigen mit sofortiger Ab- kehr bedroht,„welche sich Thätlichkeiten oder Schmähungen gegen den Bergwerksbesitzer, dessen Stellvertreter oder die ihnen vorgesetzten Beamten erlauben". Nachdem alle Ermahnungen nichts geholfen haben, werden hoffentlich diese Maßregeln end- lich zur Abschreckung für alle diejenigen dienen, welche sich noch immer als die„Herren der Lage" betrachten und den Arbeit- gebern und deren so schmählich verdächtigen Beamten ihre Be- fehle diktiren zu dürfen glauben."— Jede weitere Bemerkung zu diesem Erguß ist überflüssig. Der jetzt selbst non be« GrubenverMnltnnge« ge- matzregelte Kergmann Schröder hat am vorigen Sonntag, an dem die Delegirten-Versammlung der Bergleute stattfand, selber die Maßregelung eines Kameraden veranlaßt, infofern nämlich als auf sein Betreiben dem Delegirten, Bergmann Peter Heep, der Zutritt zur Versammlung verweigert wurde. Herr Heep macht darüber folgende Mittheilungen:„An die Bergarbeiter der Zeche Minister Stein. Kameraden! Wie Ihr wohl wißt, fand am gestrigen Tage in der Tonhalle, Rhein. Straße hier, eine öffentliche Delegirten-Versammlung statt, in der Herr Schröder als Vorsitzender fungirte. Trotzdem die Belegschaft mich als ihren Delegirten gewählt hatte, schlug man Eurer Wahl dadurch ins Gesicht, daß man mich nicht zu dieser Versammlung, zu welcher ich doch vollberechtigt war, zuließ. An der Thür standen zwei Posten, welche mir er- klärten, daß sie auf Befehl des Herrn Schröder mich nicht in das Versammlungslokal einlassen dürften. Ich wich natürlich der brutalen Gewalt, auf welche sich solche Leute, wenn sie sich ihrer Sache nicht mehr sicher wissen, stützen. Kameraden! Ich appellire nunmehr an Eure Ehre und Euer Rechtsgefühl, daß Ihr dem so diktatorisch auftretenden Herrn Schröder über diese seine unberechtigte Gewaltthätigkeit den Standpunkt klar macht. Zum Schluß will ich noch bemerken, daß zu diesem Rumpfkongresse, um einen landläufigen Aus- druck zu gebrauchen, ungefähr 40 bis 50 Nich t-Delegirten-Bcrg- arbeiter zugelassen waren; darunter auch der Herr Rechtsanwalt Köhn. Dortmund, den 1. Juli 1889. Peter Heep, Delegirter der Zeche„Minister Stein"."— Herr Heep wird von der „Rh. Wests. Ztg." als Sozialdemokrat vom reinsten Hasser be- zeichnet unb eS scheint so, als hätte gerade dieser Umstand Herrn Schröder zu seinem nicht scharf genug zu verurth eilen den Vor- gehen bestlmmt. Genützt aber hat ihm das in den Augen seiner Grubenverwaltung auch nichts, denn er ist bekanntlich zetzt selber gemaßregelt. Gegen die Koalitionsfreiheit gerichtet ist ein Vor- schlag der„Preußischen Jahrbücher", welchen die„Post" lobend hervorhebt. Es heißt darin:„Man muß die Entschlossenheit haben, die sogenannte Koalitionsfreiheit einzuschränken. Man muß Ärbeiterausschüsse und Einigungsämter einrichten und dann verfügen, daß jede Aufforderung zur Arbeitseinstellung strafbar, jede Versammlung, Organisation, Bildung von Unterstützungs- fonds untersagt ist, wegen Zwistigkeitcn, die nicht vorher in dem Einigungsamt verbandelt worden sind." Abg. Delbrück will, wie wir der„Post" entnehmen, der Entscheidung der Geschäftsordnungs- Kommission nicht folgen und sein Mandat nicht niederlegen, bevor das Plenum das Er- löschen des Mandats infolge der Uebertragung einer besoldeten Professur bestätigt habe. Herr Delbrück beruft sich darauf, daß schon einmal das Plenum einen Kommissionsbeschluß umgestoßen habe, und daß hervorragende Mitglieder des Hauses von ver- schiedenen Parteien ihm erklärt hätten, den Beschluß nicht für richtig zu halten. Clne Interessant» Uerfammlung hielt am vergangenen Freitag der Arbeiterwahlverein Dresden-Altstadt ab. In der- selben hielt Herr Paschky, der für Dresden-Altstadt gewählte Delegirte zum Pariser Arbeitcrkongreß, einen Vortrag über das Thema: Ist das Streben nach gleichem Lohn für Männer- und Frauenarbeit unter heutigen Verhältnissen erreichbar? Nachdem der Redner die Ursachen, warum die Unternehmer lieber Frauen als Männer einstellen, erörtert und festgestellt, aus welchen Gründen der Lohn der Frauen verringert ist, unter welchen Gründen die Anspruchslosigkeit der Frau infolge jahrhundertelanger Unter- drückung durch den stärkeren Mann die größte Rolle spielt, kommt er zum Schluß, daß durch die Organisation der Ar- beiter allein die Frage im großen Ganzen nicht gelöst wer- den kann, höchstens auf Zeit in kleinen beschränkten Gebieten. Denn auch im Wirthschaftsleben herrscht die, Naturnothwendigkeit, und diese treibt dahin, die Frau immer mehr in den Produktionsprozeß hinein- zuziehm. Dies wird schließlich zur Gleichstellung des der Erforschung des ThierlcbenS in diesen Tiefen bis zu einem gewissen Grade den Weg ebnen, was aber dann noch ungelöst bleibt, das muß die Analogie mit anderen Lebenwesen klar machen. Sehen die Tiefseethicre? Das ist so eine Frage, welche unsere bis- herigen physikalischen Behelfe nicht zu lösen vermögen. Nach der Lehre Darwin's müssen Thiere, welche seit langer Zeit in lichlloscr Meerestiefe oder in dem Dunkel von Erdlöchern Haufen, augenloS sein oder mindestens durchaus verkümmerte Ao�ym haben, weil sich ja Organe, die nie gebraucht werden aumSw zurückbilden. Zweifel an dieser Behauptung haben Karl Heß veranlaßt, sich an die schwierige Untersuchung des Maulwurfs- auges zu machen: Früher hielt man das Thier für ganz blind und das Auge nur für einen funktionsunfähigen Rest eines vollkommenen AugeS. Das Maulwurfsauge ist ein winziges Organ, welches in feiner Achse kaum ein Millimeter lang ist und eine noch geringere Dicke besitzt. Dennoch gelang es Heß, mit Hilfe der neuesten mikroskopischen Technik Viesen kleinen Körper nach vielen Richtungen hin einer Prüfuna zu unterwerfen und diese Prüfimg ergab die überraschende Thatsache, daß der Maulwurf nicht nur nicht kurzsichtig ist, wie fiüher behauptet wurde, son- dern daß sein Auge auch bezüglich der Ärechungsverhältnisse von dem normalen sich nicht unterscheidet, und daß sonst alle zum Sehen erforderlichen Elemente der höchst entwickelten Augen vorhanden sind, nur daß das Thier den Sehapparat immer erst braucht, wenn es an die Oberfläche des Bodens kommt, während es sich in den finsteren Gängen seiner Wohnung lediglich mit Hilfe des Tastsinnes orientirt. Da» Kuch an» der Leihbibliothek besingt die„Schrift- stellerwelt": Das ich hier in Händen halte, Dies zermürbte Buch, dies alte, Blei- und Tinten- argbeschmierte, Eselsohren- reichgezierte, Kaffee-, Thee- und Bierbefleckte, Fliegen-, Fett- und Oelbekleckte, Dem als Spur der Wanderschaften Taufend schlechte Düfte haften, Dieses Buch, zerlumpt, entstellt: Dieses liest die ganze Welt! Liest die Küchenmaad am Herde Mit erregter Lustgeberde, Halb zerknüllt im Tischgefache— Auch der Krieger auf der Wache— Der Kommis bei seiner Elle— Lohnes von Mann und Frau führen, aber nur infolge Nieder- drückenS des Lohnes der Männer auf das Niveau der Frauen. Das Gute dieser Entwicklung liege darin, daß sie den Pro- duktionsprozeß für eine Umwandlung reif mache, der der Mantel der privatkapitalistischen Produktion zu enge sei und die den- elben sprengen müsse. Für eine Gleichstellung des Arbeits- tohnes heute einzutreten, fei utopistisch, für heute sei das best- angewandte Bestreben der Arbeiter das aus Verkürzung der Arbeitszeit gerichtete. Dadurch werde die industrielle Reserve- armee vermindert und der Lohn im Allgemeinen gesteigert.— In der sich an den Vortrag schließenden Debatte wird von Herrn Stelzer unterschieden zwischen eristenzberechtigter und nichtexistenzberechtigter Frauenarbeit. Erstere sei die der un- verheiratheten Frauen, letztere die der Verheiratheten, welche in das Haus und die Familie gehörten. Vom Vortragende»» wie anderen Rednern wurde Herrn Stelzer jedoch an der Hand der Entwickelungsgeschichte der Produktion die gänzliche Rückständig- keit solcher Ansicht, insbesondere des Hineinziehenö moralffcher Entrüstung nachgewiesen. Eine Haussuchung mit Blitzzugsgeschwindigkeit fand am Mittwoch in der Expedition des„Sächs. Wochenblatt" statt. Das Arbeitcrblatt erzählt darüber:„Der von der Staats- amvaltfchaft beauftragte Refereudar Wehinger erschien in eigener Person und allein bei uns, um ein Manuskript in Betreff der Rosenkranz'schen Streikangelegcnheit zu suchen. Ehe wir uns aber erkundigen konnten, welches Manuskript denn eigentlich gesucht würde, war die Haussuchung beendet und che wir uns eine Bescheinigung über deren Erfolglosigkeit erbitten konnten, war der Beamte schon mit unserm Redakteur Tcistlcr nach dessen Wohn»lng entschwunden, und so entbehren wir noch' des Beweises unserer Unschuld. Auch in der Wohnung Teistlers öll nichts gefunden worden sein." Gesterr-ich-Ungar«. Die Nachrichten über den Streik der Textil- arbeiter in Brünn widersprechensich insofern, als einmal der Streik fortdauere, zum andern aber viele Arbeiter die Be- schäftigung wieder aufgenommen hätten. Im Jntereffe der Fabrikanten dürfte es allerdings liegen, den Glauben an das letztere zu erwecken, um Arbeiter nach Brünn zu locken. Wie es mit den Erwerbsverhälti»issen der Brünncr Textilarbeiter- aussieht, darüber giebt uns ein Bericht Aufschluß, der im„Hamb. Korr." Aufnahme gefunden hat. Die Quelle ist also zweifels- ohne. Zwar druckt der„Hauch. Korr." den Bericht nicht ab aus Gerechtigkeit und Liebe fiir die Arbeiter— das kann man von dem„Hamb. Korr.", wie er jetzt ist, nicht verlangen— sondern um die deutsche Sozialpolitik zu verherrliche»». Sei's drum! Wenn dadurch nur die Wahrheit über die unmenschlichen Zustände eines Theils der arbeitenden Bevölkerung an den Tag kommt.— Also in dem Bericht heißt es:„Nach vergeblichen Berathungen zwischen Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Brünn ist der lange be- fiirchtete Arbeiterausstand am 1. Juli thatsächlich ausgebrochen. In dem österreichischen Manchester sind etwa 11 000 Textilarbeiter und 4000 andere Arbeiter beschäftigt, so daß im Ganzen 15 000 Arbeiter sich an dem Ausstande betheiligen werden. Im allgemeinen bekundet auch in Brünn die Bevölkcrilng Sym- pathien fiir die ausständischen Arbeiter, da die Löhne bei über« mäßiger Arbeitsdauer trotz des gesetzlichen Arbeitstages von 11 Stunden sehr niedrig sind und im allgemeinrn nicht ein- mal eine genügende Ernährung gestatten. In den Textilfabriken soll der Lohn im Durchschnitt 10 Mail wöchentlich betragen, er sinkt aber vielfach auf 4—5 M. herab, da in vielen Fabriken schlechtes Material verwendet»vird, dessen Bearbeitung größeren Aufwand erfordert: in der That hat die Brllnner Tertil-Jnduftrie den Ruf der Solidität längst verloren. Viele Fabriken entsprechen den gesundheilspolizei- lichen Bedingungen in keiner Weise, und es wird allgemem anerkannt, daß die Brünner Arbeiter, welche beiläufig zumeist tschechischer Nationalität sind, durchweg bleich und schlecht ge- nährt aussehen. Seit 1869 sind die Löhne fortwährend her- untergedrückt worden, und so erklärt sich die Forderung der Arbeiter nach Mindestlöhnen." Der Schluß aber lautet:„Alle unbefangenen Kenner der Verhältnisse stimmen darin übereil», daß die Altsbeutung der Arbeiter in Briinn, nament- l'ch durch die Textilfabrikanten, die Grenzen sozial- poutlscher Gerechtigkeit überschreitet und im öffent- lichen Interesse nicht länger geduldet werden kann. Beispielsweise mag mir angcfiihrt werden, daß im Bezirk Brünn die Zahl der Militärtauglichen in beständiger Abnahme begriffen ist."— Soweit der Bericht. Daß es im politischen Deutschland, in»„Reich", namentlich in Thüringen, Sachsen. Schlesien ebenso aussieht als in Brünn, ist leider traurige Thatsache, und„alle unbefangenen Kenner der Verhältnisse" wissen das— trotz gewisser schönklingenden Phrasen. Die Brünner Arbeiter wollen übrigens, wenn bis Donnerstag keine Verständigung erzielt sei, eine Abordnung nach Wien zum Minister senden. Auch die T i s ch l e r g e s e l l e n in Brünn fordern Lohn- erhöhung. Daß sie sich nicht in günstigerer Lage befinden als die Textilarbeiter, ist gewiß. Und der Sträfling in der Zelle— Und der Hagestolz im Bett— Und das ganze Lazareth, Alle schenken voll Noblesse Diesem Buche»hr Interesse. Dann:— die schönste aller Damen Mit dem gla,»zersüllten Namen Nimmt das Ding so wohldurchlüftet Und von jedem Dust durchdüftet In die zarte weiße Hand, Von des Dichters Kunst gebannt... Bis der Schönen, zartbesaitet, Eine Thräne sanft entgleitet. Und erfüllt den zarten Zweck: Nie ein Leser ohne Fleck! O Gedanke, hehr und mächtig, O Erfolg so wunderprächtig, Wie gesegnet der Poet, Der so eole Kunst versteht! Hoch und Niedrig, Arm und Reich: Diese Schmiere macht es gleich! Ach, wer noch im Dunkel lebt, Nach dem hohen Lorbeer strebt, Traun, er fühlt mit heißem Sehnen Einen Wunsch den Busen dehnen: Lieber Himmel", fleht er taglich, „Schenk auch mir das Gluck unsäglich! „Laß auch meine Dichterei'« „Einst so fett und schmierig sein!" Gin« Jettnns f«* dl» arme« Seele« Im Fegfener dürfte doch das Neueste auf literarischem Gebiete sein. In der Paradies druckerei in Nürnberg, einem Unternehmen, welches der dortigen Gesellenvereinsleitung, dem Verlage des„katho- lifchen Sonntagsblatt", Kreuz" nahesteht, erscheint vom I.Juli ab ein„Armen-Seelenblatt", Monatsschrift zum Tröste und z»»r Erleichterung der armen Seele im Fegfeuer! Das gefchäfts- katholische Blatt wird ins Leben gerufen, um einen» langst ge- fühlten Bedürfnisse zu genügen; in der Probenummer liest»nan von dem Berichte des aus dem Fegfeuer zurückgekehrten(!) Engländers Drithelm, in dem Artikel„Ein Blick in s Fegfeuer" über die Beschaffenheit bieser Strafanstalt im Jenseits. Dazu ist für diesen Bericht eine Art Approbation seitens des Kardmals Belarmin beigegeben. Die Bäckergesellen haben ihre Forderungentheil- weise durchgesetzt und arbeiten wieder. Kchwede« und Norwegen. Die Session des norwegischen Storthing ist plötzlich am 3. ds. geschlossen worden. Einen Beitrag zur Erklärung dieser Maßregel liefert folgende Korrespondenz, die der„Voss. Ztg." aus Christiania vom 2. d. M. zugeht:„Das Storthing trat heute in großer Erregung zusammen, weil alle Abgeordneten wußten, daß in einer gestern abgehaltenen Staats- rathssitzung das Verhalten der Regierung entschieden worden sei. Als der Mißtrauensantrag der Konservativen zur Ver- Handlung kommen sollte, verlangte Staatsminister Sverdrup das Wort zu einer Mittheilung im Namen der Regierung. Er erklärte dann, daß sämmtliche hiesige Mitglieder des Staats- raths ihre Abschiedsgesuche eingereicht hätten und daß diese am Nachmittage dem StaatSrath vorgelegt werden würden. Die Staatsrathsabtheilung in Stockholm habe telegraphisch ge- meldet, daß die Abschiedsgesuche ihrer Mitglieder heute nach Ehristiania abgesandt seien. Der Abg. Stang hielt die Si- tuation durch diese Mittheilung in dem Grade für verändert, daß der Mißtrauensantrag sich nicht mehr zur Verhandlung eigne; er schlug deshalb nunmehr einfach den Uebergang zur Tagesordnung vor, was auch einstimmig angenommen wurde. Die Lage ist höchst verwirrt; die angesehensten Mitglieder der Konservativen erklären offen, daß ihre Partei die Regierung jetzt unter keinen Umständen übernehmen werde, da sie auf eine Majorität im Thinge doch nicht rechnen könne. Andererseits ist zwischen den Ministeriellen und der reinen Linken eine Einigkeit durchaus noch nicht hergestellt; erstere verlangen, daß Johann Sverdrup die Neubildung des Ministeriums übernehmen soll, während die Linke in erster Linie seinen Rücktritt fordert." Wenn auch die Regierung das Storthing nicht auflösen darf, so hat sie doch das Recht seine Berathungen zu schließen, so- bald die Session über drei Monate gedauert hat. Daß Sverdrup von diesen« Rechte Gebrauch gemacht hat, ist eine Bestätigung der Mittheilungen des Korrespondenten. Weder ist es ihm gelungen, zivischen der Mittelpartci und der Linken ein Einvernehmen herzustellen, noch den Widerspruch dagegen zu beschwichtigen, daß er an der Spitze der Regierung bleibt. Run sind zwei Fälle möglich: Wenn Sverdrup die Zustim- mung des Königs gewinnt, behalten die Minister, nachdem ihre Entlassungsgesuche abgelehnt sind, ihre Portefeuilles, bis das Storthing aus eigener Machtvollkommenheit am ersten Wochentage des Februar 1890 zusammentritt,� um dann desto schmählicher zu fallen, oder der König entläßt Sverdrup««nd ernennt ei«i Beamtenmi>«isterium, dem bis zu den nächsten Storthingwahlen kein Hinderniß in den Weg gelegt werden würde. Großbritannien. Der Schatzsekretär Smith beantragt, die königlichen Botschaften, betreffend die Apanagen des Prinzen Albert Victor ««nd der Prinzessin Louise von Wales einem Sonderausschuß zur Berichterstattung zu überweisen über die allgemeinen Grund- sähe, welche in Zukunft betreffs solcher Dotationen zu befolgen sind. Bradlaugh beantragt ein Amendement, die Untersuchuirgcn des Ausschusses auf die königliche Zivilliste auszudehnen. Das Amendenrent wurde mit 313 gegen 125 St. verworfen und der Antrag Smilh's ohne Abstimmung angenommen. Afrika. Kairo, 4. Juli. Laut eingegangenen Depeschen von Oberst Woodhouse sind die Derwische noch in den Bergen, wo sie gestern augegriffen wurden und große Verluste erlitten. Mehr als hundert derselben, welche den Fluß zu erreichen ver- suchten, um Wasser zn holen, wurden getödtet. Im englischen Lager angekommene Deserteure bekunden, daß die Derwische an großem Wassermangel leiden, da egyptische Infanterie und Ka- vallerie sie verhindert, Wasser zu holen. Vculaumrlmrgen. Kehuf« Stellungnahme zum internationalen Arbeiter- kongreß zu Paris fand[am Sonnabend, den 29. d. M., eine öffentliche Steiudrucker- und Lithographen-Versammlung statt. Der Referent, Herr Lithograph Preuß, unterzog in einein lau- aeren, erschöpfenden Vortrage unsere Arbeiterschutzgesetze einer scharfen Kritik, besprach die �ntcrnationalität des Kapitals, des Handels und des Verkehrs u. s. w. und auf die Gemeinlamkelt der Interessen der gesaminten Arbeiterklasse aller Lander hm- weisend, regte er zur eifrigen Organisation an. Auf den Kon- areß selbst eingehend bespricht Redner die Tagesordnung des- kongrcsses auf den von Seiten der Schweiz einberufenen Staatenkongrcß nicht ohne Einfluß sein dürfte». Er räth zun, Schluß, wohl zu erwägen, ob man für oder gegen die Beschickung des Kongresses stimmen wolle, ledoch nicht, ohne auf die hohe. Bedeutung und Wichtigkeit desselben hingewiesen zu haben. In der hierauf folgenden Diskussion sprachen sich die Redner für und auch gegen Beschickung des Kongresses aus. Die letzteren führten der Versammlung vor Augen, welch großer Indifferent, smus namentlich noch unter den Steindruckern und Lithographen herrsche. Erst solle man darauf hin arbeiten, daß die Einigkeit in unserem Fache und die Theiluahme für derartige Bestre- Hungen eine größere werde. Ein Antrag, eine zweite Ver- sammlung mit derselben Tagesordnung einzuberufen, wurde abgelehnt aus den« Grunde, daß jeder, der Interesse an der Sache nehme, schon in der heutigen Versammlung hätte er- scheinen müssen. Die Diskussion breitete sich noch weiter aus und auch der Kostenpunkt wurde in Betracht ge- zogen. Wir hätten jetzt dafür Sorge zu tragen, daß die Nürnberger Kollegen recht fleißig und thatkräftig unter- stützt werden, damit dieselben nicht wankelmüthig und muthlos werden. Hierauf wurde folgende Resolution angenommen: Die heutige in Jordan's Salon tagende öffentliche Versamm- lung der Steiudrucker und Lithographen Berlins erklärte sich mit den Einberufen« des internationalen Arbeiterkongresses solidarisch und spricht die Hoffnung aus, daß die Berathungen und Beschlüsse dieses Kongresses der gesammten Arbeiterschaft fein möge. Dieselbe sieht aber von einer Beschickung desselben ab, da der Jndifferentismus unter den Steindrucken, und Lithographen ein zu großer ist.— Da weiter nichts vorlag, wurde die Versammlung geschlossen.„ Drechsler und tzrrufsaen offen! Freiwillige Beitrage zur Aufbringung des Reisegeldes für unser» Delcgirten zum rnternationalen Arbeiterkongreß in Paris werden von den Kommissionsmitgliedern am Sonnabend, Sonntag und Montag an folgenden Stellen entgegengenommen: Im Norden: Loth- ringerstr. 67 bei Brückner; im Osten: Rüdersdorferstr. 8 bei Böhl; im Süderi: Dresdenerstr. 116 bei Gründe!, und im Süd-Westen: Zossenerstr. 35 bei Talke.(Sonnabend und Montag von 71—10 Uhr Abends, Sonntag von 9—4 UhrF Die Holzarbeiter Kerliu»(Tischler, Bildhauer, Böttcher, Stellmacher-c. veranstalteten am Mittwoch Abend in der Ton- Jalle eine von etwa 600 Personen besuchte öffentliche Versamm- rng, um über die Beschickung des internationalen Arbeiter- kongrcsses zu Paris Beschluß zu fassen. Die Versammlung be- tont soll von diesem werden die internatianale Eiufuhnmg des achtstündigen Marimalarbeitstages, die Aufhebung der Kinder- arbeit und Regelung— nicht Beschränkung, wie von einer Seite vorgeschlagen war— der Frauenarbeit. Im Anschluß hieran geht uns folgender Aufruf zu: An die Tischler und gesammten Holzar- beiter,wie Bildhauer, Böttcher, Stellmacher, G l a s e r u. s. w. Kollegen! Am 14. Juli tagt in Paris ein internationaler Arbeiterkongreß; der Wichtigkeit der Tages- ordnung wegen ist von den Vertretern der deutschen Arbeiter- schaft im Reichstage an die deutschen Arbeiter die Aufforderung ergangen, von allen Gewerken Deutschlands Delegirte zu diesem Kongreß zu entsenden. Dieser Aufforderung sind wir nachgekommen und haben in der Versammlung am 3. Juli in der Tonhalle einen Delegirten gewählt. Es gilt nun, die Mittel zur Bestreitung der Kosten der Kongreßbeschickung aufzubringen. Holzarbeiter! Ihr wißt alle, daß wie in den meisten anderen Gewerken auch in der Holzarbeiterbranche die Ausnutzung der Arbeitskräfte in den letzten Jahren bis aufs Höchste gestiegen ist. Da durch das fortschreitende Maschinenwesen immer mehr Arbeiter arbeitslos werden, ist es den Unternehmern leicht, zu den niedrigsten Löhnen arbeiten zu lassen. Uebermäßige Arbeitszeit, Nacht- und Sonntagsarbeit wird unter den augenblicklichen Verhält- nissen allen Arbeitern zugemuthet. Durch die größtmöglichste Ausnutzung der Arbeitskraste der jugendlichen Arbeiter und in einigen Branchen auch durch die schlechtbezahlte Frauenarbeit, ist es uns für die Dauer nicht mehr möglich, unsere Familien zu erhalten, eine menschenwürdige Existenz zu führen und unsere Pflichten als Staatsbürger zu erfülleu. Ferner gefährden die unzureichenden sanitären Einrichtungen in den Werkstätten und Fabriken unsere Gesundheit, die unvollkommenen Schutzvorrichtungen im Maschinenbetrieb machen jährlich Hunderte von Ar- bcitern erwerbsunfähig. Es ist deshalb nothwendig,daß Arbeiter- schutzgesctze, und zwar auf internationalem Wege, eingeführt werden müssen. Es ist ferner nothwendig, daß in diesen Schutzgesetzen die Festsetzung einer Normal-Arbeitszeit vor- gesehen wird, daß alle oben angeführten Punkte berücksichtigt werden.— Da nun der Kongreß in Paris sich mit allen diesen tragen beschäftigt, und ferner die auf dein Kongreß von den rbeitern der ganzen Welt gefaßten Beschlüsse auf die von der schweizerischen Regierung einberufene Konferenz, welche eben- falls der Frage der internationalen Regelung der Arbeiterschutz- gesetzgebung näher treten will, einen Druck ausübt, so werden oie Holzarbeiter Berlins, die hier so zahlreich vertreten sind, und immer mit in den vordersten Reihen der Bewegung gestanden haben, den Werth der Vertretung sämmtlicher Holzarbeiter Berlins auf dem Kongreß einsehen. Gleichzeitig soll der Kongreß ein Ver- brüderilngsfest der Arbeiter der ganzen Welt sein.— Freiwillige Beiträge zur Deckung der Unkosten zur Beschickung des Kongresses nimmt die unterzeichnete in der oben angeführten Versammlung gewählte Kommission entgegen und giebt QuittungSlistsn aus. A. Apel(Tischler), Steglitzerstr. 91 H. II. G eelhaar(Stellmacher), Zionskirchstr. 22. W. O b e r s ch m i d t(Böttcher), Bellealliancestr. 60 IV. S. Klose(Bildhauer), Dennewitzstr. 25 H. I. Karge(Tischler), Teltowcrstr. 30 H. pari. Der Derein gewerblicher Hilfsarbeiter für S erlin und Umgegend bielt am 2. Juli im Lokale des Herrn Uebel (Renzj' Salon, Naunynstr. 27) eine Versammlung ab. Nach Verlesung des Protokolls und des monatlichen Kassenberichts, erhielt Herr Pirch das Wort zu einem Vortrag über„Groß- betrieb und Äroßvertrieb." Herr Pirch führte ungefähr fol- gendcs aus: Großbetrieb und Großvertrieb seien die beiden Faktoren, die dem heutigen wirthschaftlichen Leben den Stempel aufdrückten; darüber müsse sich jeder denkende Arbeiter klar werden. Während früher die Zunftmeister die Produktion in Händen hatten und dieselbe regelten und dadurch auch dm Vertrieb der Waarm und Fabrikate nach Belieben fördern oder hemmen konnten, habe sich im Anfang dieses Jahrhunderts durch Einführung der Maschinen der Großbetrieb herausgebildet, und mit ihm nothwendiger Weise der Kapitalismus mit allen seinen Auswüchsen, die je länger er bestände, um so stärkere Blüthen tricbm. Redner schildert die verderb- lichen Einflüsse der kapitalistischen Ringe auf das wirthschaft- liche Lebm. Als Beispiel führte er den Streik der Bergwerk- arbeiter in Pmnsylvanien an, wo die Arbeiter sozusagen um tägliche Brot gestritten hätten. Als man gesehen habe, daß die Arbeiter nicht nachgeben wollten, habe man ihnen die Woh- nungen gekündigt, welche inSgesammt der Bergwerksverwaltung gehörten. Natürlich unterlagen die Acrmsten und sahen sich dem größten Elende preisgegeben. Ein anderes Beispiel führte Redner in dm« großen Streik derÄrbeiter des Eisenbahukönigs Gould an. Als die Bürger des Städtchens, wo die Arbeiter wohnten, sich mit denselben solidarisch erklärten, sprach der Geldprotze das große Wort gelassen aus: Ich werde die Stadl dem Erdboden gleich machen. Und so geschah es. Er verlegte seine Bahnwerkstätte nach einer anderen Gegend, die Er- werbSquelle der Einwohner versiegte und die Stadt verödete. die kleinen Kapitalisten würden von den großen erdrückt und ins Proletariat hinabgestoßcn. Redner gab zu, daß es auch Unternehmerverbände gebe, die sich ihrer Kulturaufgabc mehr bewußt feien. Er führte den Stickerverband in der Schweiz an, der auch die Preise festsetze, aber auch die Löhne, sowie die Arbeitszeit seiner Arbeiter in normalem Zustande halte. Redner schilderte nunmehr die riesigen Fortschritte auf dem Gebiete der Technik. Es sei nur eine Frage der Zeit, dieselben zum Nutzen der Allgemeinheit und zum Segen der ganzen Menschheit zu verwcrthm. Das könne allein geschehen, durch den Uebergang der Produktionsmittel in die Hände der Gesammtheit. Großer Beifall lohnte den Redner für den schönen Vortrag. In der Diskussion knüpfte Kollege Schmidt an den Vortrag seines Vorredners an. Die Freiheit der Amerikaner sei bis ictzt nur dem Scheine nach da, so lange sie nicht die ökonomische Freiheit besäßen. Als ein Beispiel dafür, was ein Kapitalist sich heraus- nehmen könne, führte Redner den Vorfall in der Möbelfabrik des Kommerzienraths Paff an, wo die Hausdiener, zehn an der Zahl, auf ihre bescheiden vorgebrachte Bitte, man möge ihren Lohn von 16,50 M. auf 18 M. erhöhen, ohne weiteres entlassen worden sind. Herr Paff bemerkte dem einen, der ihn zur Rede stellte, ihr geschlossenes Vorgehen beweist, daß sie un- zufrieden wären und unzufriedene Leute könne er nicht ge- brauchen. Diese Mittheilung rief große Entrüstung in-her Versammlung hervor. Kollege Schmidt meinte weiter, daß der Eindruck, den dieser Vorfall in allen Kreisen hervorgerufen habe, keinesfalls durch die große Landpartie verwischt werde. Er appellire an das Solidaritätsgefühl der Kollegen; es müsse dieses Beispiel ihnen ein Ansporn sein, sich nunmehr fest zu- sammenzuschaaren, damit endlich einmal die Zeit komme, wo man den Unternehmern die Macht der Arbeiter zeigen könne. Der nächste Redner, Kollege Günther, wies darauf hin, wie der sogenannte gelernte Arbeiter immer mehr durch die Ma- schinentechnik überflüssig gemacht würde. Weiter führte Redner an, daß pielfach über schlechte Behandlung der Ärbeitsleute seitens ihrer sogenannten„gelernten" Arbeitskollegen geklagt würde. Das sei das unnatürlichste Verhültniß, was man sich denken könne. Kein Arbeiter sei mehr wie der andere. Redner schob aber die Hauvtschuld den Arbcitsleuten selbst zu, weil sie bis jetzt noch nicht in der Arbeiterbewegung mit marschirt wären. Deshalb müßten sie sich manches gefallen lassen. Herr Günther kam noch auf den Vorfall in der Pfaff'schen Möbel- fabrik zurück und geißelte in scharfen Worten das unerhörte Auftreten jener Herren. Hierauf sprach Herr Klüner. Er führte zu den Beispielendes Referenten noch den Nickel- undKupferringan. Auch Herr Zubeil geißelte nochmals die Pfaff'sche Angelegenheit. Er verlangte, daß sämmtliche Arbeiter der Pfaff'schen Fabrik gegen diese Beleidigung ihrer Kameraden prolestirten. Wenn die Unzufriedenheit der Arbeiter darin bestände, Lohnerhöhung zu erlangen, so wäre dies ihr natürliches Recht. Redner kriti- sirte»och den HauS- und Äodenschwindel, der gegenwärtig in Berlin herrsche, wodurch die Miethen künstlich in die Höhe ge- trieben würden, eine Erscheinung, die man fälschlich den strei- kenden Maurern in die Schuhe zu schieben suche. Es sprachen noch die Herren Nadler und Richter, sowie Herr Pirch zunl Schluß. Unter Verschiedenem wurde eine Fußpartie nach Jo- hannisthal am Sonntag, den 7. Juli, Morgens 7 Uhr(Treff- punkt: Caf Braun in Treptow am Bahnübergang) beschlossen. Hierauf wurde die Versammlung mit einem stürmischen Hoch auf die Arbeiterbewegung geschlossen. Der Verein zur Wahrung der Jnlereffen der Schuhmacher und verwandter Berufsgenossen tagte am Montag, den 1. Juli, im„Köuigstädtifchen Kasino". Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Dr. Brun» Wille über Kapit algewinn und Arbeitslohn. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Der Referent legte klar, daß der Arbeitslohn nicht analog dem Kapitalgewinn, wie von den Vertreten« des Kapitals häusig behauptet wird, steige, sondern, daß wenn der Kapitalgewinn steigt, der Arbeitslohn vielfach si�nkt. Redner macht dieS durch einige Beispiele klar und analisirt dann die von kapita- listischer Seite aufgestellte These:„Bei einer VerküyuiW der Arbeitszeit geht der Unternehmergewinn vollständig verloren." Die Erfahrung aber lehre, daß öfter nach einer Verkürzung der Arbeitszeit� mehr produzirt worden sei als vor derselben. Der von sozialdemokratischer Seite häufig aufgestellte Satz: die Verkürzuiig der Arbeitszeit bewirke eine Steigerung des Lohnes, entspreche ebenfalls nicht der Wirklich- keit, oa der größere Bedarf von Arbeitskraft meistens aus den Reihen der Frauen und Kinder gezogen und außerdem durch Verbesserungen der Maschinen sogar häufig bald übermäßig ge« deckt sei, mithin wäre die Voraussetzung, daß durch Verkürzung der Arbeitszeit nothwendig eine ge st eigerte Nach« frage nach Arbeitern stattfinde, falsch und infolge« dessen auch die Folgerung, daß bei Verkürzung der Arbeitszeit infolge der größeren Nachfrage nach menschlicher Arbeitskrast eine Lohnerhöhung eintreten müsse, falsch. Die Arbeiter müßten aber im Interesse ihrer Gesundheit, sowie um sich geistig ausbilden zu können, ununterbrochen auf Verkürzung der Ar« beitszeit hinarbeiten. Diesen letzteren Ausführungen schloffen sich einige Kollegen ergänzend an. Zu„Verschiedenes" ivurde auf das am 15. d. M. in„Weimanns Äolksgarten" geplante Sommerfest des Vereins aufmerksam gemacht, wozu Billets bei allen Vorstandsmitgliedern zu haben sind und außerdem auf die am 22. d. Mts. in demselben Lokal stattfin«: dende Generalversammlung des Vereins hingewiesen�—| Die Rkdatlion stellt die Benutzung des Sprechsuals, loweit Raum dafür abzu-' geben ist. dem Publikum zur Beipreltiung aon Augclegendcitcn allgemrineil.- JnlereffeS zur Pcrfügung: ste acrwastrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit de« Inhalt desselben identistzirt zu werden. Wie vielen Lesern dieses Blattes bekannt, befindet sich der Unterzeichnete seit etwa einem Jahre in einer Differenz mit der Zentralkrankenkasse der Bäcker zc. Deutschlands(E. H. Dresden). Da die Sache jetzt einen formellen Abschluß erreicht hat, so sehe ich mich veranlaßt, auf diesem Wege den Verlauf dieser für weitere Kreise wichtigen Angelegenheit öffentlich bekannt zu geben. Seit etwa 5 Jahren bin ich als Vertrauensarzt der ge« nannten Kasse thätig gewesen; seit dem Juli 1888 hat der Vorsitzende der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin, Herr Richarl» Hoppe, Mulackstr. 17, mich— nicht formell, das gestatten die Statuten der Kasse nicht— aus meiner sehr bedeutenden Thätigkeit für diese Kasse zu verdrängen gewußt, und zwar deshalb, weil er sich an mir rächen wollte. Er hatte nämlich das Ansinnen an mich gestellt, ihm von dem aus(der Kasse mir gezahlten Honorar Prozente abzugeben und diesem Wunsche hatte ich nicht nachkommen wolle». Ich suchte diese Sache in jeder möglichen Weise zur öffent« lichen Kenntniß zu bringen, wandte mich zuerst an den Vorstand der örtlichen Verwaltungsstelle Berlin, derselbe gab mir gar keine Antwort, sodann an den Zentralvorstand in Dresden, der unter Vorschützung fornreller Gründe es ablehnte, auf die Sache einzugehen, in Wirklichkeit aber, wie ich aus einer mündlichen Unterhaltung entnehmen konnte, nicht den Muth hatte, dem ge« fürchteten Herrn Hoppe energisch entgegen zu treten. Sodann wurde auf meine Veranlassung vom 18. September 1888 im Königstadt-Kasino eine öffentliche Versammlung von Kassenmit- gliedern abgehalten, in der ich die Sache vortrug. Der Vor« stand der örtlichen Venvaltungsstelle nahm hier ganz offen Partei für Herrn Hoppe und fand gar nichts Anstößiges in seiner Handlungsweise. Ein von der Versammlung beantragtes Mißtrauensvotum brachte Herr Hoppe, der selbst den Vorsitz führte, nicht zur Abstimmung.(Bericht darüber in Nr. 220 d. Bl. 1880.) Endlich habe ich die am 24—26. Juni d. I. hier tagende 'Generalversammlung der Kasse ersucht, die Sache einer öffentlichen Besprechung zu unterziehen. Mir wurde die merkivürdige Ant- wart zu Thcil:„Nach dem Statut stehe den Mitgliedern die Wahl des Arztes frei, es könne also eine Beeinträchtigung irgend eines Arztes nicht stattfinden."— Indem ich diese Thatsachen hier nochmals der Oeffentlichkeit übergebe, überlasse ich das Urtheil darüber dem Gerechtigkeitsgefühle der Leser dieses Blattes. Die freien Hilfskassen behaupten doch durch die freieren, zwangloseren Prinzipien ihrer Verwaltung, durch ihren Sinn für Gerechtigkeit und Verhütung bureaukratischer Beeinflussung ein moralifches Ucbcrgewicht über andere Institute ihrer Art, zum Beispiel die Ortskassen, beanspruchen zu können. Die erwähnten Thatsachen zeigen, daß dieser Anspruch, wenigstens für die in Frage stehende Bäcker- kasse, durchaus unbegründet ist. Wenn der Vorstand ein« freien Hilfskasse aus Furcht davor, daß einer ihrer Beamten sie schadigen könnte, die Untersuchung einer so wichtigen Ange« legenheit unter Vorschiebung formeller Gründe ablehnt, so zeigt er dadurch, daß ihm der materielle Vortheil wichtiger ist als die Aufrechterhaltung sowohl seiner eigenen, als auch der allgemein giltigen, einfachsten Anstands- und Gerechtigkeitsprinzipien, und beweist damit, daß diese freie Hilfskasse nicht diejenige Reife in ihrer Organisation erlangt hat, die sie zu besitzen behauptet, und die sie eigentlich haben müßte, daß sie daher gar keinen Grund- HP- m«t Ueberhebung auf andere, ähnliche Institute herabzu- lehen. Daß etwas derartiges unbeanstandet vor sich gehen kann, ist vielmehr ein bedeutsames Zeichen für die herrschende Korruption, die alle Kreise unseres öffentlichen und privaten Lebens durchdringt,und auch diejenigen nicht verschont,welche durch ihre allgemeinen resp. sozialpolitischen Anschauungen davor ge« schützt sein sollten und könnten. Der neuerdings verhandelte Prozeß gegen die beiden Armeelieferanten hat gezeigt, wohin ein solches Korruptionssystem führt, man sieht, daß diese Kreise Nicht die einzigen sind, wo solche Zustände herrschen. Zum Schlüsse erklare ich noch, daß ich meiner ganzen Gesinnung nach den freien Hilfskassen durchaus sympathisch gegenüberstehe und darum bedauere ich doppelt, daß etwas derartiges gerade in einer solchen vorkommen konnte; aber gerade eine freie Hilfskasse wäre in diesem Falle verpflichtet gewesen, vor allein an den« das zu befolgen, was für alle frei und edel denkenden Menschen das oberste Prinzip sein muß:„Wahrheit und Ge» rechtigkeit!" Dr. med. Paul Christeller, prakt. Arzt, Alexanderstraße 1. Sterz« eine Keilas». Verantwortlicher Redakteur: K. Erontzeim in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin SW.. Beuthstraße 2. Beilage zum Berliner Bolksblatt. Sonnabend, den 6. I«U 1889. 6. Jahrg. Kr. 155. Leckeeles. Da« Arbeit erparlament, das gegenwärtig in Gestalt der Telegirten- Versammlung der Tischler-Zentral- Krankenkasse in Berlin tagt, hat, wie jedes andere Par- lament auch seine„Vielredner", welche vor ihren Spezialkollegen im Reichstage jedenfalls den nicht zu unterschätzenden Vorzug haben, daß sie sich kurz und präzise ausdrückten, was man von der„kleinen Exzellenz", dem Abg. Dr. W i n d t h o r st, dem Nielredner des Reichstages, nicht immer behaupten kann. Daß dieses Talent auch hier beachtet und gewürdigt wird, ergab eine Glückwunschadresse, die dem Hern, M ar t, c n sse n- Altona auS Anlaß seiner 100. Rede auf der diesmaligen Generalver- sammluug gewidmet wurde. Ein Blumenkranz trug die Inschrift: Den Blumen Hab' ich's anvertraut, Gefühle, die im Herzen laut. Rur giebt der Blumen süßer Mund Glückwunsch Dir und Grüße kund. Darunter standen folgende Verse: Damit'S bekannt wird einem Jeden! Marlieußen hielt jetzt 100 Reden! Und Sprechen wird für Manchen Dual, Martienssen sprach schon 100 Mal! tlm Sprechen Manche stnd zu faul, ie hielten ganz und gar das Maul. Martienssen aber hat den Preis Für feines Mundes regen Fleiß. Im Gegensatz zu vielem Sprechen Thät B ö j e r sich kein Wort entbrechen. Nur schweigend hörte er uns zu, Ließ aber Jedermann in Ruh! Nicht lange währte es, und der gleiche Glückwunsch konnte dem Delegirten E h lers- Hamburg dargebracht werden.— Im Bezirke des kleinen Belagerungszustandes Hamburg-Altona scheinen ja die Redner doch noch enngermaßen zu gedeihen. «in interessanter Krtefwechsel ist hier kürzlich zwischen einem Pfarrer und einem Fräulein geführt worden. Das auto- ornphirte Schreiben des Geistlichen war im Auftrage eines hiesigen Gemeinde-Kirchenraths erlassen worden und hat folgen- den Wortlaut: „Nachdem uns bekannt geworden, daß Ihnen am... ein Kind geboren ist, ersuchen wir Sie mit Rücksicht auf§ 1 des Kirchcngesetzes vom 30. Juli 1880, betreffend die Verletzung kirchlicher Pflichten in Bezug auf Taufe, Konfirmation und Trauung, welcher lautet:„Wenn Kirchenglieder ibre Pflicht verabsäumen, die unter ihrer Gewalt stehenoen Kinder taufen .... zu lassen, so ist auf dieselben vorerst durch seelsorgerischen Zuspruch des Geistlichen, sowie durch freundliche, ernste Mah- nnng eines oder mehrerer Aeltesten hinzuwirken," gefälligst uns binnen 14 Tagen zu Händen des unterzeichneten Pfarrers mit- zulheilen, ob und in welcher Parochie die Taufe des Kindes bereits stattgefundeu hat, oder ob Sie dasselbe im Laufe der nächsten Zeit taufen zu lassen beabsichtigen. Der Gemeinde-Kirchenrath der..... ...... Pfarrer." Adresfirt war der Brief:„An die Unverehelichte..." Auf das Schreiben ist nun folgende Antwort eingegangen: „Geehrter Herr! Auf Ihr sehr merkwürdiges Schreiben vom... erwidere ich Ihnen, daß für mich allein die staats- bürgerlichen Gesetze maßgebend sind, welche es in mein Er- messen stellen, ob und wann ich mein Kind taufen lassen will. Eine Venveisuna auf§ I des Kirchengesetzes, ohne dabei der bürgerlichen Gesetze Erwähnung zu thun, finde ich höchst sonder- bar.' Einen eventuellen Besuch Ihrerseits oder eines oder mehrerer Kirchenältester bitte ich zu unterlassen; ich weiß allein, was ich meinem Kinde schuldig bin. Im Uebrigen bin ich für Sie nicht die Unverehelichte, sondern das Fräulein.... Achtungsvoll...". Ma« für Pastor»»« gegenwartig zur Beförderung ge- langen, zeigt die JnauSsichtnahme des Pastors Mühe seitens des' Domkapitels in Naumburg für die gegenwärtig vakante zweite Domprediaerstelle in Naumburg a. d. Saale. Pastor Mühe ist der berühmte Pastor, der unlängst bei den Berliner Pastoralkonfercnzen einen Vortrag hielt darüber,„ob das Ende der Welt nahe sei". Das Domkapitel zu Naumburg aber be- steht aus Erminister v. Puttkamer, Minister v. Boetticher und General von Voigt-Rhctz. Dem Vernehmen nach ist Herr Mühe namentlich ocshälb in Aussicht genommen, weil den Herren v. Puttkamer und v. Boetticher dle biblischen Schriften des Pastors sehr geeignet erschienen sind für die Berusuno des- selben an die Domkirche zu Naumburg. Der Pastor Muhe hat nämlich 1863„Biblische Merkwürdigkeiten" in Leipzig erscheinen lassen, in welchen es wörtlich heißt:,.._. „Wie ganz anders faßt(hiernach) die Bibel die Bedeutung der kleinen Erde und der angeblich großen Sonne auf als un- lere Gelehrte»! Der fünfte Tag(Donnerstag): Wasserthiere und Vögel. Das Werk des zweiten Tages wirb fortgesetzt. Merk- würdig ist, daß Wasscrthicre und Vögel, beide aus Wasser ge- schaffen sind. Beide haben auch viel Aehnliches, z. B. das Vogelflcisch und das Fischfleisch, das Federkleid und das Schuppenklcid, das Schwimmen im Wasser und das schwim- mende Fliegen in der Lust."(S. 12.)—„Auch über den Raum(der Arche Roah) ist viel gesoottet. Man fragte zweifelnd, wie eS möglich gewesen sei, alle die Thiere und die Vor- räthe für dieselben auf ein Jahr unterzubringen. Doch auch hierbei ist die göttliche Weisheit zu bcwuudern. Die Arche wurde nach Gottes Anweisung in drei Boden, d. h. Stockwerken, errichtet. In diesen drei Etagen waren viele Kammern.... Unten im Grunde des Flosses ist sicherlich auch ein Brunnen zur Schöpfimg frischen Wassers eingerichtet worden."(S. 35.) „Es ist ganz verkehrt, wenn Schriftausleaer und Prediger (die sogenannten VermittelungSthcologen) d,e Wunder der Bibel durch ihre geistigen Demungen auch den Ungläubigen mundrecht und annehmbar machen wollen. Solche Luftbrücken ge- fallen blos dem alten Adam, aber zum beseligenden Glauben wird dadurch keine Seele gefuhrt. Solche falsch-geistlichen Auslegungen verflüchtigen und vernebeln das liebe, einfache, wahre Wort Gottes und machen es zur leeren Phrase... Wie haben denn nun aber rechte Ehristen die Geschichte von der redenden Eselin zu verstehen: Ganz einfach so, wie es jedes Kind verstehen wird, die Eselin hat wirklich mit Menschensprache gesprochen,— ja, sie hat ver- ""«stifte Worte geredet. In den Worten hat Jie nicht blos •wensthe Klagetöne oder Thiergedanken ausgedrückt, sondern sie stellt ihren Herrn über die ihr widerfahrene ungerechte Bchand- lung zur Rede und erinnert ihn an ihr bisheriges Betragen. dieses offenbar vernünstige Reden hat das an sich unvernunf- tige Thier freilich nicht aus sich selbst, sondern der Herr hat lur diesen Augenblick ihm solche Fähigkeit verliehen, ohne daß das Thier dadurch aufhörte, ein Thier zu sein oder gar zu nnem Menschen wurde. Also kurz: der Herr unser Gott hat Am ein Wunder gethan, und zwar ein volles, majestätisches Wunder seiner Schöpferkraft, wie derselbe Herr später in Menschengestalt auf Erden wandelnd, oft dasselbe that, indem er Taubstumme redend machte, und Todten den Mund öffnete." (S. 60. 61.) In seinem Hauptwerk:„Das enthüllte Geheimniß der Zu- kunft oder die letzten Dinge des Menschen und der Welt; auf Grund biblischer Forschungen für das Volk dargelegt. Leipz. 1883. 4. Auflage" kommen neben vielen anderen bezeichnenden Stellen folgende vor: „Gott konnte gewiß durch den seligen Menschen Elias an den Menschen Joram auf Erden in Menschensprache schreiben lassen. Das ist ganz der Würde der Schrift und dem Cha- rakter des Elias angemessen. Sollte er noch einmal auf Erden reden(sagt Kruminacher), so mußte er's thun aus den Wolken von oben heninter. Jedenfalls ist diese biblische Geschichte ein Beweis fiir die Möglichkeit eines persönlichen Verkehrs der Seligen mit uns."(S. 42—44.)—„Auch die beiden Ge- schlechter werden in der Ewigkeit fortdauern. Freilich heiraten und Kinder zeugen wird dort nicht mehr stattfinden. Aber dennoch sind wir berechtigt anzunehmen, daß Eheleute dort innerhalb der Seligkeit in besonders inniger Verbindung nach Geist, Seele und Leib einanber angehören... In der ehe- lichen Liebe giebt sich der Mensch nach Leib, Seele und Geist dem Geliebten hin und geht ganz in ihm auf. So wird es auch in der Ewigkeit in noch viel durchdringenderer und süße- rer Weise geschehen, wovon wir steilich jetzt noch keine Vor- stellung haben.(S. 178.)—„Darum haben auch die besten Glaubenslehrer der Kirche sich dafür entschieden, daß ein jeder Christ in dem Alter und in der Statur wieder auferstehen werde, in welcher er gestorben sei.(S. 180.) Kerlin vor 100 Iahren. Ueber die EinwohneMhl Berlins wurde vor 100 Jahren vom damaligen Berliner Ma- gistrat ein Verzeichniß aufgestellt, welches in den damals neu aufgesetzten Thurmknopf der Marienkirche eingelegt wurde und sich noch heute in demselben befindet. Das interessante Ver- zeichniß lautet:„Die Anzahl der Menschen in Berlin betrug im 1789. Jahre:->) Vom Bürgerstande. 1. Männer 23 745, 2. Frauen 28 541, 3. Söhne 19 960, 4. Töchter 23 553, 5. Gesellen 7504, 6. Knechte und Diener 3330, 7. Jungen 2680, 8. Mägde 10 404, Summa 119 717. Unter diesen befinden sich 1. Franzosen 4710, 2. Böhmen 997, 3. Juden 3397. b) Vom Militärstande. 1. Männer 15 895, 2. Frauen 5947, 3. Söhne 4144, 4. Töchter 4172, Summa 30 158. Anzahl der Häuser. 1. Ganz massive 3249, 2. Mit Ziegeldächern 3447, Summa 6696." AuS dem weitern Inhalt dieser Tabelle ist noch zu ent- nehmen, daß Berlin damals 28 Kirchen, 5215 öffentliche und Privatbrunnen, 7457 hölzerne und metallene Feuerspritzen, III Scheunen und 133 Braustellen besaß. Erhebliche Preio-Ermätzigungrn hat die Direktion der Stadt- und Ringbahn seit einigen Tagen für Rückfahrt- karten nach den an der Görlitzer und Schlesischen Bahn ge- legenen Vororten eintreten lassen. Jedoch haben die Preise, welche wir nachstehend folgen lassen, nur von 1 Uhr Mittags an Giltigkeit und muß das Billet am LösungStaae benutzt werden. Die Preise stellen sich demnach vom Schlesischen Bahnhof nach Sadowa II. Klasse 70 Pf., III. Klasse 50 Pf.; nach Köpenick II. Klasse 1 M., III. Klasse 60 Pf.; nach Friedrichshagen II. Klasse 1,10 M., III. 70 Pf.; nach Rahnsdorf Ii. Klasse 1,40 M., M. Klasse I M.; nach Erkner II. Klasse 1,80 M., III. Klasse 1,20 M. Ab Aleranderplatz, Friedrichstraße, Zoologischer Garten tritt ein Preisaufschlag von 10 bis 20 Pf. pro Billet ein. Für nachstehende Vororte haben die ermäßigten Preise nur bis 30. September d. I. Giltigkeit. Es sind dies; von dem Schlesischen Bahnhof nach Johannisthal II. Klasse 60 Pf., III. Klasse 40 Pf.; nach Adlershof II. Klasse 80 Pf., Iii. Klasse 60 Pf.; nach Glienicke an der Görlitzer Bahn Ii. Klasse 80 Pf., Iii. Klasse 60 Pf.; nach Grünau II. Klasse 1 M., III. Klasse 70 Pf. Auch hier tritt ab Alerander- platz, Friedrichstraße, Zoologischer Garten ein Preisaufschlag von 10 bis 20 Pf. pro Billet ein. Ein» kölnisch» Szene spielte sich am Mittwoch Nach- mittag in der Reichenbergerstraße ab. Ein in derselben woh- nender Bäckermeister bestitzt einen sehr harmlosen, aber überaus bissig aussehenden Hund, welchen er vielfach ohne Maulkorb vor seinem Hause umherlaufen läßt. Am Mittwoch nun, als der Köter wieder auf dem Trottoir einheraing, erschien plötzlich ein Hundefänger, und schon sauste die Schlinge durch die Luft, um den Maulkorblosen dingfest zu machen, als der Meister wie ein Verzweifelter auf die Straße stürzte und dem Hundefänger zurief:„Um Gotteswillen hüten Sie sich, er zereißt Sie!" Das machte den Beamten derartig stutzen, daß er einige Schritte zurücksprang und sich nach einer Deckung umschaute. Auf diesen Moment hatte der Meister aber gerechnet. Wie der Blitz ergriff er seinen Tyras und schleuderte ihn im hohen Bogen durch das offene Fenster seiner guten Stube und seiner Gattin, die mit einer Handarbeit beschäftigt dort saß, recht in den Schooß. Dann erst athmete er erleichtert auf— sein Liebling war ge- rettet. Der gefoppte Hundefänger aberschlug sich, begleitet von dem boshaften Lachen der zahlreichen Neugierigen, seitwärts in die Büsche. So ei« echte» und rechte« Gaudium fiir deu Ker- liner Trödler-Ring ergab eine Auktion, die am Mittwoch in Schöneberg stattfand. Schon lange vor Beginn derselben erschienen zwei Frauen im Auktionslokale, die sich mit mehreren anderen Anwesenden in ein Gespräch einließen und dabei er- zählten, daß sie Mutter und Tochter seien, die aus dem Ver- miethen von möblirten Zimmem ein Gewerbe machen. Unter anderen habe auch ein Herr Graf bei ihnen gewohnt, der aber ein Herr von Habenichts gewesen und einige 40 M. Mielhe schuldig geblieben sei. Sie hätten den Herrn Grafen verklagt und pfänden lassen, und heule sollte das abgepfändete gräfliche Eigenthum, bestehend aus einigen alten Kleidern, einigen Büchern und einer Brieftasche mit eingestickter Grafenkrone, unter den Hammer kommen. Nun waren sie aber von guten Freunden aufmerksam gemacht worden, daß die Berliner Trödler sich zu dem Zwecke vereinigt hätten, alle Sachen in der Auktion zu Spottpreisen zu erstehen und daß es daher rathsam sei, mitzubieten, um dadurch die Sachen in die Höhe zu treiben. Das wollten sie nun thun, um einigermaßen zu ihrem Gelde zu kommen. Die Äermsten! Sie ahnten nicht, daß es gerade Berliner Trödler waren, denen sie das er- zählten und nahmen von diesen den Rath als ernst gemeint, daß sie am besten thun würden, wenn sie die Sachen so hoch treiben würden, daß ihre ganze Forderung gedeckt würde. Die Auktion begann, die Händler machten einige kleine Gebote, die beiden Frauen aber boten mehr. Während die Trödler nur Mehrgebote von 50 Pf. machten, boten die Frauen gleichzeitig 2, 3, 4 und 5 M. mehr.„Recht so", flüsterten ihnen bie Trödler ins Ohr,„Sie müssen sich'rausbieten!" und die Frauen boten weiter. Sie gerietben schließlich so in Aufregung, daß sie eS gar nicht bemerkten, daß die Trödler längst das Bieten eingestellt hatten, ja sie überboten sich gegenseitig. Erst als sie beinahe auf 50 M. gegangen waren, meinten die Trödler: „Nun hören Sie auf! Jetzt sind Sie schöne'raus!* Sie waren in der Thät„schöne'raus!", denn sie erhielten den Zu- schlag, worauf ein großes Gelächter ausbrach. Der„Herr Graf" wird sich wundern, daß die wenigen Sachen, welche ihm abge- pfändet worden sind, und die höchstens 15—20 Mark werth waren, seine ganze Schuld gedeckt haben, die armen Frauen aber werden sich in Zukunft schwerlich wieder heraus- bieten. Einer plumpen Schwindelei ist vorgestern ein junges in der Sebastianstraße wohnhaftes Dienstmädchen zum Opfer gefallen. Dasselbe hatte sich zur Wahrung eines Termins nach dein Kriminalgerichtsbäude zu Moabit begeben und wartete, da sie viel zu früh gekommen ivar, auf dem Korridor; sie ging unruhig hin und her, und dies erregte die Neugierde emer „Dame", welche schließlich auf das Mädchen zutrat, sich theil- nehmend nach ihren Verhältnissen erkundigte und schließlich das Vertrauen des armen Mädchens soweit errang, daß dieses ihr mittheilte, wegen Diebstahls angeklagt zu sein. Die Dame, welche sich Fräulein Krause nannte und angab, Friedrich- straße 12 zu wohnen, gab dem Dienstmädchen nu» den guten Rath, kein Geld und keine Schmucksachen mit in den GenchtS- saal zu nehmen, es käme häufig vor, daß die Verurtheilten gleichem Haft behalten oder wegen der GerichtSkosten Geld und Schmucksachen zurückbehalten würden. Das Dienstmädchen erschrak darüber sehr, worauf Fräulein Krause die Wahrheit ihrer Angaben nochmals bctheuerte mit dem Hinzufügen, es sei ihr selbst schon einmal so gegangen. Auf weiteres Zureden übergab das Mädchen der Gaunerin endlich ihr Portemonnaie mit ihren ge- sammtcn Ersparnissen im Betrage von 63 M. Die Gaunerin wollte so lange warten, bis sie wieder herauskäme, oder sie könne sich auch das Geld in ihrer. Wohnung abholen. Das Dienst- mädchen wollte sich nun noch ihre Ohrringe aus den Ohren machen. Brache und Ringe ablegen, da wurde sie in den Ge- richtssaal gerufen. Als sie wieder heraustrat, war„Fräulein Krause" verschwunden und die Nachsinge nach demselben in der Friedrichstr. 12 war auch vergebene Mühe, den» dort war die Gaunerin völlig unbekannt. Dieselbe ist etwa 27 Jahre alt, hat dunkle Haare, schwarze Augen, blasse Gesichtsfarbe und ist von schlanker Statur. Bekleidet war sie mit schwarzem Rock, schwarzer Taille und veilchengarnirtem Hut; ferner trug sie eine weiße Brache in Sternform. Giu bedeutende» Schadenfeuer wüthete in vergan- ener Nacht auf dem Grundstück der Spandauerberg-Brauerei ei Westend. Vor etwa zwei Jahren wurden daselbst schon einmal das Mälzcreigebäude und das Sudhaus ein Raub der Flammen. Diesmal kam das Feuer Nachts gegen zwei Uhr in der Nähe des Gebäudes für die elektrischen Anlagen, vermuth- lich durch die elektrische Leitung selbst, aus und zog bald die sogenannte Darre, den Schrotboden, das Schwcnkhaus, den Lagerboden fiir Salz-c. in Mitleidenschaft. Der von Spandau her wehende Wind begünstigte die Ausbreitung des Feuers ungemein, und die Baulichkeiten würden wohl total eingeäschert sein, wenn der Wind sich nicht bald gedreht hätte. Die Spritzen der Brauerei wurden sofort in Thätigkeit gesetzt, und bald traf auch ein Löschzug der Charlotten- burger Feuerwehr ein. Auf Ersuchen des Amtsvorstandes ent- sandte die benachbarte Schießschnle sogleich einige hundert Sol- baten zur Hilfeleistung. Die Löscharbeiten beschränkten sich, da das Feuer mit rapider Geschwindigkeit Dächer und Balkenlager der bezeichneten Gebäude ergriffen hatte, auf die Rettung der benachbarten Baulichkeiten. Dank der aufopferden Thätigkeit der auf der Brandstätte erschienenen Mannschaften gelang es denn auch, die Hauptgebäude der Brauerei, vor allem die Mälzerei, das Sudhaus, die Böttcherei ze. intakt zu erhalten. Von den oben bezeichneten Gebäuden indeß stehen nur noch die massive» Umfassungsmauern, sonst sind diefelbcn total aus- gebrannt: das verheerende Element hat fürchterlich in diesen Räumen gewuthet, denn die anndicken eisenien Wellen:c. waren durch die enorme Hitze glühend heiß gewor- den und hatten sich gebogen wie dünner Draht, während die schweren Schwung- und Zahnräder einfach aus ihren Lagern herausgefallen waren. Wäre das Feuer nicht sogleich� bemerkt worden, so hätte man sicherlich auch den Verlust von Menschen- leben zu beklagen gehabt; denn von der östlichen Grenze des Brandherdes ist das zweistöckige Arbeiterwohnhaus nur durch eine Mauer getrennt; freilich haben die Insassen der an des brennende Gebäude anstoßenden Wohnungen eine uiiliebsame Unterbrechungihrer Nachtruhe sich gefallen lassen müssen. Gegen 5 Uhr Morgens fand das Feuer in den massiven Gebäuden keine Nahrung mehr vor, und es konnte mit dem Ablöschen der noch glimmenden Holztheile und den Aufräumungsarbeiten begonnen werden. Selbstverständlich sind die beschädigten Baulichkeiten versichert und die Retablirungs- Arbeiten bereits in Angriff genommen. Der Betneb der Span- dauer Berg-Brauerei wird durch den Brandschaden keinerlei Unterbrechung erleiden. Vom Pferde geschlagen. Ein entsetzlicher Unglücksfall, dem wohl ein Menschenleben zum Opfer fallen dürfte, ereignete sich am Mittwoch in der Prinzen-Allee in dein Hause Nr. 16 dieser Straße wohnt der Fuhrherr D., welcher vor 2 Monaten von einem seiner Pferde geschlagen und erst infolge dessen An- fangö voriger Woche aus dem Krankenhause entlassen wurde. Die Frau desselben begab sich am Mittwoch Mittag nach der Stallung und wurde, sich bückend, von einem der Pferde, welches ausschlug, derartig am Kinn getroffen, daß sie bewußtlos zusammenbrach. Von einem Kutscher wurde die Bedauerns- werthe mit zerschmetterter Kinnlade auf dem Hofe, wohin sie sich noch geschleppt, in einer großen Blutlache liegend aufgc- funden. Auf Anordnung eines sofort geholten Arztes wurde Frau D. nach einem Krankenhause geschafft, woselbst konstatirt wurde, daß ein Knochenstück des zerschmetterten Kiefers infolge des Schlages in das Gehirn gedrungen sei. Der Zustand der Verletzten ist hoffnungslos. Kei dem Abspringen von dem Hinterperron der Pferdebahn«ernngliickt! Der I2jährige Sohn des in der Neuen Königstraße wohnenden Kaufnianns H., welcher die Bürgerschule in der Brunnenstraße besucht, benutzte am gestrigen Nachmittag um%5 Uhr auf dem Wege nach der elterlichen Wohnung einen Pferdebahnwagen der Linie Gesundbrunnen- Kreuzberg. In der Nähe des Rosenthaler Thores sprang der Knabe, einen Schulkollegen auf der Straße erblickend, trotz Verwarnung seitens des Schaffners von dem in ziemlich scharfer Fahrt begriffenen Wagen ab und fiel hierbei aus- gleitend so unglücklich auf das Straßenpflaster, daß er mit völlig zerschmettertem Hinterkopfe bewußtlos liegen blieb. Nach- dem ihm von einem zufällig vorübergehenden Arzte ein Roth- verband angelegt worden, wurde das schwerverletzte Kind mittelst Droschke nach der elterlichen Wohnung gebracht. _ poliseibericht. In der Nacht zum 4. d. M. wurde ein Schlosser in dem Keller eines Hauses am Kottbuser Ufer er- hängt vorgefunden.— Am 4. d. Ä. Morgens erlitt der Gerber Blumenthal, Wallstr. 17, beim Tragen von Fellen infolge eines Fehltritts einen Bruch des linken Fußgelenks. Er wurde nach dem Krankenhause Bethanien gebracht.— Mittags wurde ein Kaufmann in seiner Wohnung iu der Friedrich stiriße erhängt vorgefunden.— Nachmittugs fiel ein 5jähriger Knabe beim Spielen gegenüber dem Grundstück Kottbulcr Ufer Nr. 31 in den Landivehrkanal und ertrank.— Zn derselben Zeit wurde ein ehemaliger Student in seiner Wohnung in der Fehrbelliner- straße todt aufgefunden. Derselbe scheint seinem Leben durch Vergiften ein Ende gemacht zu haben.— Abends fiel in der Swmemünderstraße oer Kutscher Letsche von dem von ihm ge- führten leeren Mörtelwagen und wurde übe: beide Oberschenkel gefahren und schwer verletzt, so daß er nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde der Arbeiter' Burgemeister in der Andrcasstraße, zwischen der Blumen- und Großen Frankfurterstraße, von einem Schlächterwagcn überfahren und erlitt eine bedeutende Ver- letzung des des rechten Fußes. Er wurde nach dem Kranken- Hause am Friedrichshain gebracht.— Nachmittags brach in dem Dachstuhle des Hauses Wilsnackerstr. 53 Feuer aus, wodurch derselbe beinahe völlig zerstört wurde. Gertchks-Betktmg. An» dem Kammergericht. Um einer Hand voll Kirschen willen machten sich am 20. Juli v. I. die Obstpächter Gebrüder Pannach einer großen RoKhcit schuldig. Ein fremder Handwerksbursche hatte sich unter den von ihnen erpachtetcn Kirschen- bäumen einige herabgefallene Früchte aufgelesen. Dies war das Signal gewesen, daß Beide den alsbald die Flucht ergreifenden, ermatteten und schwächlichen Menschen verfolgten, nachdem sie ihn erreicht, zu Boden schlugen und mit Faustschlägen und Fußtritten ganz barbarisch behandelten. Sie hätten in ihrem verwerflichen Beginnen ganz sicher auch noch nicht innegehalten, hätten nicht Hinzukommende den blutüberströmt am Boden Liegenden befreit. Es erfolgte Anzeige und Verurtheilung des Karl zu 1 Monat, des Rudolf Pannach zu 14 Da gen Gefängniß, wovon nicht Berufung noch Revision be- freiten. Ift der in die Zehre genommene Pflegesohn als f rbeiter im Sinne der Gewerbeordnung anzusehen? Nach 107 der Gewerbeordnung dürfen Personen unter 21 Jahren als Arbeiter nur beschäftigt werden, wenn sie mit einem Ar- b e i t s b u ch e versehe» sind. Der Stellmachermeister Wilhelm I ä ck e l nahm am 1. April d. I. seinen Pflegesohn Hermann Henseleit, den Stiefbruder seiner Frau, den er schon seit seiner vor sieberr Jahren erfolgten Verheirathung ohne Entgelt in Pflege gcnommcir hatte, nach vorherigem Uebereinkommen mit dessen Vater, seinem Schwiegervater, in die Lehre, ohne daß für den neuen Lehrling ein Arbeitsbuch besorgt worden war. Zwar hatte sich Jäckel vorher um ein Arbeitsbuch an das Revierbureau gewandt, dort fertigte ihn aber der Wachtmeister mit dem Bemerken ab, daß er für seinen Pflegesohn ein Arbeitsbuch nicht zu haben brauche. Beim Einschreiben in die Innung kam der Mangel des Arbeits- bucheS zur Sprache, und da die Amtsanwaltschaft der Meinung ist, daß auch ein Pflegesohn, dessen Vater sich der Einwirkung auf denselben nicht eutschlagen hat, ein Arbeitsbuch haben müsse, bewirkte sie den Erlaß eines Strafbefehl in Höhe von 3 Mk. Gegen diesen erhob der Betroffene Einspruch, und kam infolge dessen diese Sache gestern vor der 95. Äbthcilung des Berliner Amtsgerichts I zur Verhandlung. Der Angeklagte berief sich für seme Straflosigkeit auf das Zeugniß des vorgenannten Wachtmeisters; der Gerichtshof verurtheilt ihn aber unter Be- jahung der Eingangsfrage zu 1 M., wobei er den durch den Polizeibcamten erregten Jrrthum nur als mildernd erwog. Durch die Geschästsunkenntnifl und Ungeichick- iichkeit eines Winkelkonsulenten sind die Arbeiter Rudolf Hübner und Friedrich KlauS zu einer Anklage wegen Beleidigung gekommen, welche gestern vor der 90. Ab- thellung des Schöffengerichts gegen sie verhandelt wurde. Die Genannten sind im März d. I. vom Schöffengericht zu Fürstenberg wegen Holzdiebstahls verurtheilt worden. Die Strafkammer zu Guben hat sodann die eingelegte Berufung verworfen. Die Angeklagten richteten nun an das Kammerge- richt ein Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahrens und un- tcrwarfcn gleichzeitig die Richter, die sie bisher verur- thcilt hatten, einer vernichtenden Kritik. Mit dürren Worten wurde behauptet, daß dieselben nicht unparteiisch, sondern bestechlich seien und in ihrer Strafsache hätten Eier und Butter eine wesentliche Rolle gespielt. Die Schreiben hatten nur den Erfolg, daß die Absender auf's Neue unter Anklage testellt wurden. Die Angeklagten gaben an, daß sie einen Vinkelkonsulenten mit der Abfassung des Schriftstückes beauf- tragt hätte», sie selbst hätten demselben allerdings das Material geliefert und dann unterschrieben. Wenn der Verfasser schon kein Bedenken getragen habe, das Schriftstück in dieser Weise abzufassen, so konnte ihnen noch weniger zugemuthet werden, daß sie ein Verständniß für das Unpassende und Beleidigende in dem Schriftstück haben mußten. Die Angeklagten wußten für die Wahrheit ihrer Behauptung, daß die Fürstenberger und Gubener Richter bestechlich wären, weiter nichts anzuführen, als daß ein Schneider mal in einer Kneipe sich in ähnlicher Weise ausgesprochen habe. Der Staatsanwalt war der Ansicht, daß die Angeklagten wohl das Beleidigende in dem Schriftstück er- kannt hätten, und hätten sie es nicht, so müßten sie doch das von ihrem Beauftragten Niedergeschnebene vertreten. Er be- antragte gegen den bereits wegen ähnlicher Vergehen vorbe- straften Hübner eine Gefängnißstrafe von 4 Wochen, gegen Claus 2 Wochen. Der Gerichtshof schloß sich diesen Aus- führungen an, ermäßigte aber die Strafe auf 2 Wochen bezw. eine Woche. Am zwei Pfennige ein Auge verloren. Am Abend des 5. Januar dieses Jahres saßen die Schlächterge- sellen Jeschke und Kreutzfeld in einer Kneipe in der Petristraße beim Kartenspiel. Bei der Abrechnung geriethen sie um zwei Pfennige, welche zu zahlen Kreutzseldt sich weigerte, in Streit und Jeschke rief ihm beim Verlassen des Lokals drohend zu: „Komme nur heraus auf die Straße, da werde ich meine zwei Pfennige schon bekommen!" Als Kreutzfeld die Straße betrat, befand er sich plötzlich dem Jeschke gegenüber, der ihn mit nerviger Faust am Halse packte und würgte. Krcutzfeld will in seiner Bestürzung nach dem Messer in der Tasche gegriffen haben, er schlug seinem Gegner damit in'S Gesicht und traf unglücklicher Weise dabei ein Auge. Laut aufschreiend sank der Getroffene zu Boden. Er wurde nach der UniversitätS-Augenklinik gebracht, das Auge ist aber nicht zu retten gewesen. Kreutzfeld stand gestern unter der Anklage der schweren Körperletzung vor der ersten Straf- kammer des Landgerichts I. Er gab den Thalbestand wie vor- stehend'zu. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte nur die Nothwehr überschritten habe, eine Gefängnißstrafe von 3 Monaten. Der Vertheidiger Rechts- anmalt Dr. Jvers, wollte hiervon noch die Untersuchungshaft abgerechnet wissen. Der Gerichtshof erkannte in Erwägung der schweren Folgen für den Verletzten auf eiue Gefängniß- strafe von sechs Monaten, wovon zwei Monate als verbüßt an- gesehen werden sollen. Eine Kommisston zur Anterstiitzung Streikender (der Schneider in Hamburg) war in einer öffentlichen Tischler- Versammlung zu Frankfurt a. M. gebildet und bald nach be- gonnener Tyätigkeit wegen unerlaubter Vornahme einer öffent- lichen Kollekte polizeilicherseits in Strafe genommen worden. Das dagegen angerufene Schöffengericht sowohl wie auch das Landgencht sprachen die Kommission frei. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Revision ein unter der Begründung, daß die Tischler Frankfurts keinen geschlossenen Personenkreis bil- deten und somit die gedachte Versammlung als eine Kollekte im Sinne der Regierungsverordnung vom 3. März 1877 anzusehen sei. Das Kammergericht erachtete die Revision für be- gründet und verwies die Sache behufs nochmaliger Verhand- luna an die Strafkammer in Frankfurt. Diese Behörde sprach die Angeklagten abermals frei, da sie nachgeiviesenermaßen nur in ihren Werkstätten, also im individuell getchlossenen Personen- kreise, gesammelt und somit gegen die angezogene Regierungs- Verordnung nicht verstoßen hatten. Soziale ttclicvlirfit. A« die Tischler Kerlin». Seit nunmehr 5 Wochen be- finden sich die Tischler Braunschweias im Streik. Sie kämpfen nicht allein um eine materielle Besserstellung, sondeni Haupt- sächlich um Abschaffung der von den Jnnungsmeistern obliga- torisch eingeführten Entlassungsscheine. Die Zahl der Strei- kenden beträgt noch 140. Ihr werdet wohl einsehen, daß dieser Kampf Mittel erfordert. Darum richten wir an Euch die Bitte, uns in diesem gerechten Kampfe zu helfen. Wir werden ae- gebenen Falls uns Eurer Opferfreudigkeit erinnern und für Euch dann auch eintreten. Sendungen sind zu richten an Weihkovs, Weberstr. 10, Tischlerherberge. Zeipzig, 3. Juli. Die Tarifkommission der deutschen Buchdruckergehilfen giebt bekannt, daß sich an der Abstimmung über den Antrag wegen Abänderung des Tarifs 9229 Gehilfen betheiligt haben, von denen 6617 für und nur 2612 gegen diesen Antrag gestimmt haben. Nur in Hannover und Rheinland- Westfalen haben die Anhänger der bestehenden Verhältnisse eine Majorität erzielt. Die FortfchrMe de» Fernsprrchwesen» im letzten Jahrsiinft werden durch folgende Zahlen gut veranschaulicht: schlachten der großen Revolution sich erstritten haben, ist er nicht Herr, sondern meist nichts als das Opfer von Bauern- legern und Geldwucherern. Fernsprecheinrichtungen Deutschland England.. Schweden.. Frankreich.. Italien... Schweiz... Rußland. den 1888 174 125 150 39 49 71 36 1882 21 75 5 18 13 2 6 Theilnehmer 1888 32 922 20000 15 000 10 800 9 600 8000 7 600 1882 3613 7287 1554 4437 5507 823 1351 In den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind 750 Fernsprechnetze mit 200000 Anschlüssen in Betrieb. Die Rübenzutkerproduktion Deutschland» betrug in dm letzten BetriedSjahren an Rohzucker in Tons(1 Tonne gleich 20 Zentner): 1871/72 1872/73 1873/74 1874/75 1875/76 1876/77 1877/78 1878/79 1879/80 1880/81 1881/82 1882/83 1883/84 1884/85 1885/86 1886/87 1887/88 1888/89 Die Exportprämien 186 441,9 TonS . 262 551,1„ . 291 040,7„ . 256 412,4„ . 358 048,2„ . 290 922,7„ . 380 509,1„ . 430 155,1„ . 415 415,2„ . 573021,4„ . 622 285,5„ . 848 922,6„ . 960 609,3„ . 1 146 730,3„ . 838 104,8„ . 1 023 733,9„ . 959 118,4„ . 970000,0„ haben dafür gesorgt, daß die Engländer den deutschen Zucker billiger kaüsm, als die deutschen Steuerzahler. Die Zuckerbarone schwelgen in Didivenden, und wenn Arbeitskräfte in der Kampagne mangeln, stehen Soldaten zu ihrer Verfügung, was auch „Schutz der nationalen Arbeit"— vor Arbeit ist. Di- Ai-uahm- d«s Ki-rkousum« in Kayern und Mürtemberg zeigt uns die Reichsstatistik. Nach dem„S t a- tisti scheu Jahrbuch für das deutsche Reich", Jahrgang 1887, entfielen auf dm Kopf der jeweiligm Be- Liter. Diese Verminderung des Bierverbrauchs in Bayern, dem B i e r l a n d par excellerce, im trinkfesten Schwaben- land, wo, wie in Bayem, das Bier das H a u p t n a h r u n g s- mittel der breiten Massen, das flüssige Brot des Volkes ist, diese Verminderung bekundet mit erschrecken- der Deutlichkeit, daß die Lebenshaltung der arbei- t e n d e n K l a ss e n sich stetig verschlechtert hat. An die Stelle des Biers ist der Schnaps, der K a r t o f f e l f u s e l getreten. Tie von Jahr zu Jahr sich mehrenden Klagen der Bezirksärzte iiber den um sich greifenden S ch n a p s s u f f mit all den furchtbarm Wirkungm des Alkoholismus, bilden das erschüttende Pendant zu den von uns angeführten reichsamt- lichm Bierziffem. Der fra»»östsch- Grnndbrsttz, soweit er land- und forst- wirthtchaftlich bmütztes, der Steuer unterliegmdes Areal um- faßt— die Staatsforstm sind hier ausgeschlossen—, setzte sich nach der vom fianzösischm Ministerium für Handel und Ge- werbe im Jahre 1882 angestellten Erhebung zusammen DieS sind aus Betrieben von 0 bis 1„ 5„ 10„ 20„ 30„ über 1 ha 5„ 10„ 20„ 30„ 40„ 40„ {»(«»>«nett Zahl 2 167 667 1 865 878 769 152 431 353 198 041 77 828 142088 5«7Ä 007 mit einer Gesammtfläche von ha 1083833 5 597 634 5 768 640 6 470 295 4 951 025 3 424 330 22 266 104 49 561 861 Prozente d. Grundbesitzes S.S 11,3 11,6 13,1 9,9 6,9 45 Die 2167 667 Zwerg betriebe umfassen nur 2,2 pCt. des steuerbaren Grundbesitzes, die 142 088 Betriebe über 40 ha über das Zwanzigfache des„Besitzes" der unter der Schuldenlast zu Boden gedrückten Parzellenbauem. Von den über 40 ha großen Betrieben hatten 56 419 56866 20644 5 585 1653 704 217 eine Besitzfläche von 40— 50 ha „„„ 40— 100„ „ 100—200„ „„„ 200— 300„ „„„ 300— 400„ „ 400—500„ über 500 In Frankreich dominirt zwar der Großgrundbesitz, d. h. der Grund und Bodm ist direkt oder indirekt in dm Händm einer klemm Anzahl Eigenthümer, mögen dies nun aristokratische Familen, Bankokraten oder Kreditinstitute sein, aber die B e t r i e b S w e i s e ist diejenige des Klein- und Mittelbetriebes, das Land ist in zahllose Parzellchen und Parzellm zerlegt, die an Pächter und Untcrpächter, deren Lage sehr schlecht ist, vergeben sind. Wo der Bauer auf„seinem" Grund und Boden sitzt, den seine Vorfahren in den blutigen Dcvjammlmigtm. Die D-l-girt-nv-rsammwng der Z-tttotlkrattk-«- Kasse der Tischler führte am Freitag die Berathung der Statutm-AendenmgSanträgc zu Ende. Angesichts der in Aus- ficht stehmden Novelle zum Krankeiikassengesetz und der durch dieselbe für die freien Kassen möglicherweise envachsmden Schwierigkeiten fand man es für räthlich, wmigsteus die Möglichkeit ins Auge zu fassen, daß die Kasse in eine an- dere freie Kasse übertritt. Es wurde deshalb dem Schluß- varagraphm des Statuts folgender Zusatz gegeben: Beschließt die Generalversammlung den Uebertritt der Kasse in eine an- dere, so hat der Vorstand die Uebertrittsbedingungen so zu ver- einbarm, daß die Verbindlichkeitm der übertretenden Tischlerkasse nach Maßgabe des bestehenden Statuts voll ihre Erledigung finden. Die Amdeningen des Statutes, welche von der gegen- wärligen Gmeralversammlung beschlossm sind, treten mit dem 1. Oktober 1889 in Kraft. Für die Angehörigen der(aufge- hobenen) gegenwärtigen zweiten Klasse wurden noch besondere Uebergangssätze für das Krankengeld normirt. Damit sind die Statutenändenmgen beendet.— Es folgt der Bericht der B e s ch w e r d e- K o m m i s s i o n. Gegen den Kassirer einer Zahlstelle beantragt die Kommission die Ausschließung, Gegen diesen Beschluß hat die Generalversammlung iudeß Bedmkm, da derselbe nur zulässig ist, wenn dem Bctreffmdm Betrug nachgewiesen m-roen kann. Da dies indessm mindestens zweifelhaft ist, so beschließt die Versammlung nur, daß dem Betreffenden für die Dauer seiner Mitgliedschaft kein Kassmamt übertragm werben kann. Weiter werben zivilrechtliche Schritte wegen der der Kasse zugefügtm Schädigungen gegm dm Be- treffenden beschlossm.— Aus Grund eingegangener Beschwerden über angebliche Unregelmäßigteiten bei der Wahl des Vorstandes in Berlin G. beschloß die Versammlung, daß eine Nmwahl des Vorstandes in diesem Bezirk stattzufindm habe. Es sollen vom Kassmvorstande zehn Personen aus anderen Berliner Bezirken beauftragt werden, die Wahlm in unparteiischer Weise zu leiten. Für diesen Beschluß warm weniger die eingegangenen Beschwerden maßgebend, als vielmehr die Hoffnung, daß durch die vorzunehmende Neuwahl dem gegen- wärtig in diesem Kassmbezirk herrschenden Treiben zweier ein- ander befehdender Parteien ein Ende bereitet werden wird. In der Nachmittagsitzung am Freitag wurde die Beschluß- fassung über eingeaangme Beschwerden sortgesetzt. Es handelt sich meist um Fälle, in denen Unterstützungsansprüche zunick- gewiesen sind von den örtlichen Kassenvcnvaltungen und die Beschwerde bei der Hauptverwaltung nicht für begründet er- achtet«ist. In dm weitaus meisten Fällen wird das Verfahren der Hauptverwaltung gebilligt und nach den Vorschlägen der Beschwerdc-Kommission beschlossen. Dieselhe erhielt dm Auftrag, die Beschwerdeführer in jedem einzelnen falle von der Beschlußfassung der Generalversammlung in enntniß zu setzen.— Ein Antrag auf Einrichtung von söge- nanntm Doktorkosten, welche dm Mitgliedern gewiyer Bezirke gegen einm geringen Beitrag die Möglichkeit geben, sich bei Krankheitsfällen in ihrer Familie unentgcldlich der Hilfe eines Kassenarztes zu bedienen, wird dem Vorstande zur näheren Erwägung überwiesen.— Um nöthigenfalls beim In- krafttretm der Kassengesetznovelle die erforderliche Generalver- sammlung schleunigst einberufen zu können, werden die Formali- täten dazu vereinfacht. Eine össenttiche Veefammlung der in K«ch- dindereie» und verwandten Berufen beschäftigten Arbeiter war zum Mittwoch nach dem Restaurant Feuerstein ein Hern sm,' um zu dem Beschlüsse des in dm verflossenen Osterseiertagen stattgehabten Verbandstages, die Verkürzung der Arbeitszeit betreffend, Stellung zu nehmen. Der Referent, Kollege Paul Schneider, wies auf die schlechte Lage der Buchbinder:c., sowie aus die große Zahl der Arbeitslosen in diesm Branchm hin und folgerte daraus, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit durchaus nothwmdig sei. Der Beschluß des Verbands- Vorstandes, führt Redner aus, geht nun dahin, eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 100 Stunden, sowie einen Zuschlag für Ueberfeierabend-Arbeit von 83 /, pCt. und Sonn- tagsarbeit 50 pCt., sowie Bezahlung der auf Wochentage fallenden gesetzlich vorgeschriebenen Feiertage, zu verlangen. Die Kollegen John, Feldmann, Morbach:c. sprechen sich für die Normirung einer 9stündigm Arbeitszeit aus, betonen je- doch, daß sie sich wohl bewußt wärm, daß man diese Forde- rung in diesem Herbst noch nicht werde durchführen können, sondem erst eine alle Kollegen umfassmde Organisation schaffen müsse. Die Kollegen Jost, Marwitz und Schneider befünvorlm unter Hinweis auf die bestehenden schwachen Organisationen, sowie auf die früheren schlimmen Erfahrungen die Annahme der vom VerbandS-Vorstand gemachten Vorschläge. Nach längerer lebhafter Diskussion wurde folgende Resolution angenommen:„Die heute am 3. Juli iu Jeuerstein's Salon tagende öffentliche Versammlung der Buchbinder und verwandter Berufsgmossen erklärt, daß sie mit dem Beschlüsse des VerbandslageS, betreffend Einführung der zehn- stündigen Arbeitszeit nicht einverstanden ist, sondem Heist der Ansicht, daß, um das Ueberangebot der Arbeitskräfte einiger- maßen zu verringem, die Durchführung der zeh nstündigen Arbeitszeit unbedingt nöthig ist." Eine Resolution, welche die Annahme, der Verbandsanträge befiirwortete, wurde abgelehnt.� Zu der angenommenen Resolution stellte Kollege Schießt noch dm Antrag, eine Kommission von 5 Personen zu wählen, welche die Agitation für die gestellte Forderung zu betreiben hat. Die Versammlung wählte die Kommission in einer Zusammmstellung, die es ermöglichte, daß die hauptsächlich in Betracht kommendm Branchm auch in der- selbm vertreten sind. Es wurden gewählt als Buchbinder: M. Marwitz: Lederarbeiter P. Jahn; Luxuspapierarbeiter F. Feldmann; Albumarbeiter Röhlke; Kartonagearbeiter H. Greifenberg. Die bestehenden Organisationen wurden anerkannt und die Anwesendm aufgefordert, denselbm beizutreten. Nach Er- ledigung verschiedmer Angelegenheiten erfolgte sodann der Schluß der Versammlung um 12 Uhr. Eine Versammlung sämmtlicher Arbeiter der Fabrik von LudwigLöwe, Hollmann st r. 32 fand am Dienstag Abend 8 Uhr bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 72, statt. Die Versammlung war von gegm 200 Personen besucht. Buchdrucker Wemer, beleuchtete das heutige Äusbeutungs- system des Kapitals näher. An der Diskussion betheiligteu sich 16 Redner, unter anderen Herr Kolonnen führer Pfister, welcher ausführte, daß es von dm Arbeitern der L. Löwe'schm §abrik ein großes Unrecht wäre, die Schäden und Mängel der abrik, welche er selbst zugiebt, in einer Versammlung öffentlich zu besprechen: dagegen muß er anrathen, daß jeder Arbeiter selbst sich mit seinen Beschwerden an die Direktion wendet— um gemaßregelt zu werden!(Schallendes Gelächter). Unter großem Lärm der Versammlung forderte er die Arbeiter auf, fich doch nicht von einem Buchdrucker den Kopf mit leerm Redensartm verkeilen zu lassm, sondeni es den Herrn Beamten, nebst Meistem nnd Kolonnensührem zu überlasseu, den Arbeitem im Interesse des Kapitals dm nöthigm Verstand beizubringen.(Großes Gelächter.) Unter großem Beifall der Versammlung führte darauf Herr Wemer aus, daß es doch sehr faul im„Staate Nimm" sein muß, wmn sich die Herni so sehr getroffen fühlten, daß sie gleich in Wuth gerathen, wmn es an ihrm Geldbeutel geht. Da nach dm Ausführungen des Herrn Pfister klar auf der Hand liegt, daß die Herren Kolonnensuhrer ohne Rückgrat geboren sein müssen, sonst Prinzipale als Götter und die Arbeiter rohe Menschen hinstellen, blos weil beute! geht. So dumm wären die au Tage nicht, um sich von Ausbeutungsobjekt gebrauchen zu lassen. Von den andern Rednern wurden die können sse nicht die als unwissende und es an ihren Geld- Arbeiter aber heute solchen Herrn als (Anhaltender Beifall). vielen Uebelstände der Fabrik näher beleuchtet. Unter anderem, daß es 6 Wochen dauert, bevor ein neuer Anfänger sein gehöriges Geld aus- bezahlt bekommt. Femer daß der Arbeiter sein eigenes theures Werkzeug halten muß, welches er, wenn er abgeht oder entlassen wird, nicht mehr verwerthen kann. Ebenso sei die Ueberstunden- arbeit zu verurtheilen, welche des Arbeiters Untergang ist. Herr Zimmermann wendet sich gegen den Vorwurf des Herrn Pfister, daß er nicht gemaßregelt, sondern entlassen worden sei wegen verpfuschter Arbeit, indem er anführte, baß, wie jeder Arbeiter in der Fabrik weiß, die verpfuschte Arbeit, wozu jeder Arbeiter einmal kommen kann, der da ar- beitet, ersetzt resp. bezahlt werden muß, wozu die Kolonnen- führer natürlich nicht kommen können, weil die garnicht arbeiten und er doch laut Fabrikabrechnung bei seiner Entlassung noch 120 Mark herausbekommen hat.(Bravo.) Ebenso wendet sich Herr Ballhaar gegen Pfister, dem er den Vorwurf gemacht hat, daß er entlassen worden sei, weil er seinem betreffenden Meister eine Backpeife angeboten haben soll, welches Herr Ballhaar als eine fieche Lüge hinstellt. Zum Schluß wurde ein Antrag mit großer Majorität angenommen, welcher den Vorsitzenden ersucht, in allernächster Zeit eine allgemeine öffentliche Versammlung der sämmtlichen Metallarbeiter Berlins einzuberufen, um über die Fragen zu berathen: 1. Welches find unsere Forderungen? 2. Wie unterbreiten wir unsere Forderungen der Direktion, ohne daß Unsere Kollegen wieder gemaßregelt werden? 3. Wie verhalten wir uns im Falle einer Mdßregelung seitens der Direktion unseren Kollegen gegenüber? Zu dieser Versammlung sollen die Herren Direktoren nebst Beamten und Meistern eingeladen werden. Malermeister uub Zohnkammissto« der Maler be- riethen gestern im Deigmüller'schen Saale, Alte Jakobstraße, mit einander auf Einladung des Gehilfen Herrn H o h l w e g l e r. Zu Vorsitzenden wurden die Malernreister Herren Schulz und R o g g e jjewählt. Darauf erhielt Herr Hohlwegler das Wort. Derselbe führte aus, daß durch die Erhöhung des Stundenlohnes auf 56 Pf. das Jahreseinkommen eines Malers sich etwa von 900 auf 1000 oder 1050 M. erhöhe, was gewiß den allgemeinen Lebensverhältnissen entspreche. Die Abschaffung der Akkordarbeit, in welcher letzteren gerade die Schundkoukurrenz wurzele, liege auch im Interesse der Meister. Der Arbeitsnach- weis solle die von außerhalb kommenden Maler von der christlichen Herberge abhalten. Die Debatte, welche jetzt er- öffnet wurde, trug anfangs einen persönlichen Charakter. Ein Herr K. beklagte sich über„Rohhcit" der Gehilfen, worauf so- fort von einem Mitgliede der Lohnkommission eine überaus rohe Aeußerung zitirt wurde, die Herr K. den Gehilfen gegenüber gebraucht hatte. Der zweite Redner von der Seite der Meister war Herr I e r s ch atz. Dieser Herr erklärte: Es giebt drei Kategorien von Streiklustigen: erstens Leute mit einem Nebengeschäft, welche es aushalten können, zweitens solche, die überhaupt nicht arbeiteir wollen, drittens dumme Jungen, die. Weiter kam der Redner.nicht, da der Vorsitzende ihn zur Ordnung rief und nunmehr jede versöuliche Erörterung abschnitt. In der weiteren Debatte wurde über den Vorzug oder Nachtheil des Stücklohnes in technischer Beziehung gestritten; auch be- kamen die Vertreter der Innung eine scharfe Kritik zu hören. Ein Resultat hatten die Verhandlungen nicht. Die freie Vereinigung der Kartonarbriter tagte am 2. Juli bei Seegcr, Andreasstr. 29, zur Berathuna der Statuten. Diese Versammlung war gut besucht und Herr Möch- lich referirte über den Zweck der freien Vereinigung und über die Statuten. Er legte den Werth einer Vereinigung und ihre Ziele den Kollegen klar. Hierauf folgte die Statutenberathung, welche die Annahme des Status mit kleinen Abänderungen er- gab. Dann folgte Vorstandswahl. Es wurden gewählt als erster Vorsitzender Herr Thomm, als zweiter Vorsitzender Herr Siegfried; als Schriftführer die Herren Reuter und Stein und als Kassirer die Herren Tappert und Schwarzburger. Aufae- nommen wurden 40 Mitglieder. Die Kollegen betheiligten sich sehr lebhaft an der Debatte. Zum Schluß sprach Herr Thomm noch seinen Dank aus für seine Wahl und schloß die Versamm- lung mit einem kräftigen Hoch auf das Gedeihen des jungen Der Mahlverei« für den fünfte« Kerliner Reich»' fngswnhlkrei« hielt am Mittwoch, den 3. d., im Teutonia- Saal, Belforterstraße 15, eine öffentliche Versammlung unter Vorsitz des Herrn Fritz Berndt ab. Nach Genehmigung des Protokolls der letzten Versammlung hielt Herr Map BaginSki einen Vortrag über„Handwerker- und Arbeiterbestrebungen". Er schilderte den Zerfall des Kleinhandwerks, das in seiner Unklarheit sich von den kapitalistischen Parteien habe ins Schlepp- tau nehmen und sich vorgaukeln lassen, es könne durch eine Zunftpolitik wieder emporgebracht werden. Die Regierung be- finde sich aber gleichfalls im kapitalistischen Fahrwasser ganz im Sinne des bekannten Ausspruches des Ministers v. Bötficher die wegen der Lasten der Altersversicherung murrenden an Unternehmer:„Meine Herren, wir arbeiten ja nur für sie", die stetig fortschreitende ökonomische Entwicklung werde die Klein- meister allmälich geistig und materiell dem Proletariate nahe bringen, mit dem sie dann Hand in Hand marschiren würden. Als der Redner nun auf die Ziele der proletarischen Bewegung naher eingehen wollte und hierbei äußerte: Die Arbeiter haben erkannt, daß die Kluft zwischen denen, die arbeiten und nichts haben und... löste der überwachende Polizeibeamte die Vcr- sammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes auf. Auch gegen diese Auflösung wird Beschwerde erhohen werden. Im Anschluß hieran se, mitgetheilt, daß auch gegen die Auflösung der eine %UUB Ywran ,cr mugeiyeitt, dag auch gegen me AUfiofimg vorigen Versammlung Beschwerde geführt wurde, daß aber Antwort des Polizeipräsidenten, trotzdem zwei Wochen in- zwischen vergangen sind, noch immer nicht eingetroffen ist.— Auf der Straße wurde nach der Auflösung ein Arbeiter wegen einer sehr harmlosen Aeußerung zur Wache sistirt. Ka>tn>«r»in der Kxchbind«? und vrrwandtrr H«rus»genolr»n. Heute. Abends 9 Utjr, im VereinSlokat, Annen sttaße IS, Versammlung. TttgeS- Ordnung■. 1, Vortrag de» Herrn Zul, Titrck aber Die moderne Poesie und die Arbeiterbewegung, 2, Verschiedenes und Fragckasten. Gaste wlilkommen. Billcts zu der am 14. Juli staltftndciiden Kremsernartie sind' in der Vcrsamm- zu öffentlich« Kerfammlung fämmtticher Lackirer Keriin« und Dlmgegend am Sonnabend, den S, Juli, Abends vrtlz 8% Uhr. in Echesser's Salon, Jnselstraße 10, Tagesordnung; 1. Wie stellen stch die Lackirer Berlins zum Streit der Maler und Anstreicher? 2, Wie stellen sich die Lackirer zur Ausbestcrung ihrer eigenen Lage? Um zahlreiches Erscheinen wird Lachuerein der Tischler. Sonnabend, den 8. Juli, Abends 8 Uhr, in Jordan s Salon, Neue Grstnstr, 28, Versammlung, Tagesordnung; 1. Vortrag d-S Herrn DrVk h ri'st e ller über: Ernährung und Verdauung, 2, Diskussion, 3, VereinSangclegenheiten, 4 Verschiedenes und Fragekaften.� Neue Mitglieder werden ausgenommen,- Das diesjährige Sommerfe st findet Montag, den ».Juli, im Elgfium, Landsberger Allee 37-39, statt, LilletS find au, allen Zahlstellen der Vereins, sowie bei folgenden Herren zu haben: HeimbS, Scharn. »rfr 8, 3 St., Witte. Jnnalidenstr, 21; Millarg. Lehrterstr. 22, 2 St.; SL"!""1«?' 48. 4 St., Hemm Pallisadenstr, 83, 4 St.; Honer, ®TÜ,n" Weg TO Buchhoij. Fruchtftr, 85 bei Muller. 1 Tr,. Winter, Manteuffcl. strahe 6, 3 St.; Glocke; Eisenbadnitr, 32, 2 St., Wiedeinann. Wendenitrahe 2, 4 Sr.; Habcrlanb, Neiihenbergerstr, 161, 3 St. Schulz, Britzerstr, 42, 4 St.; Monicn. Krembergstr,» Quergebiiude 4 St.; Witte. Möckernstr, 95. 3 Tr, Elsafier, Nostizstr 40, ApeU, Scbastianstr, 27-28 Wdbelhandluna); Merkel, tm...---- �-•------ für Nord-West befindet sich Mittenwaldcrstr, 12,>s 4 Lt- DU................................ nicht bei Heinrich, wie irrthümlich angezeigt, sondern bei I a ir k e, Lübecker, und Shurmstrabeii'Ecke, «r«K« Öffentlich«»ersammlung der Modelltischter Kerlin» am Eonnabend, den 8, Juli. Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Taeger, Garten- TageS« Wafie 13. Tagesordnung; I OrganisationSsragc, 2. Wie stellen sich die Modelltischler Berlins zum internationalen Kongreh in Paris? 3. grete Dts. lunton. Tellersamnilung zur Deckung der Unkosten, Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist eS Pflicht eines Uden Äollegen, zu erscheinen. Nerfarmniuttg de» verein« zur Wahrung der Intereffen der Ktavierardeiter und verwandter Herufogenaffe« ain Eonnabend, den 6. Juli, SageSordnuna: 1. Bericht der RechtSschudldnunisston, 2, Lokal- frage, 3, VereinSangclegenheiten und Verschiedenes, Witgltederversamnrlung der Allgemeinen Kranken- und Kterbekaff» der Metallarbeiter. Montag, den 8. Juli, im Lokale Mohrenstraße 40, Generalversammlung. Tagesordnung, 1. Vierteljahrsbericht. 2. Wichtige GeschästS- beichlüsse. Lachverein der Kischler. Die Zahlstellen des Vereins sind zur Entgegennahme der Beiträge und Auwahme neuer Mitglieder jeden Sonnabend von 8-10 Uhr geöffnet,»nd ztvar befindet sich Zahlstelle I FricdrichSderger- straße 25 bei Christen; II Skaltßcrstraßc 107 bei Kunstmann; III Belle-Alianrc- plaß 8 bei Hilscher; IV ZionSkirchplaß 11 bei Hohn; V Bülowstraße 52 bei Böhland; VI Mariendorserstraße, Ecke SolmSstraße bei Schmidt; VII Dresdener- straße 118 bei Mendt, daselbst befindet sich auch der ZentralarbeitgnachweiS des Vereins, VIII Lübecker- und Thurinstraßenecke bei Jahnke, Die ArbcitSvcr- Mittelung geschieht unentgeltlich. Der Nachweis ist geöffnet an Wochentagen von 8X-9% Uhr, Sonntag AbendS von 9X-11 Uhr, Zentral-Kraukeu- und Kterbekaff« der Tischer ete.(Oertliche Verwaltungsstelle Berlin 3), Den Mitgliedern zur Nachricht, daß solgende Zahlstellen verlegt sind; 1. Von der Köpnickcrür, 129 nach der Köpnickerstraßc 121« bei Müller, 2 Von der Oranicnstr, 89 nach der Alten Jakobstr, 48 bei Zabee. 3. Die Zahlstelle in der Jüdenstr. 23 ist ausgehoben, Krankmeldunge» vom 7. Juli ab bei H, Große-Kreul, Rcichenbergerstr, 182, Hof links 4 Dr. Oie Orts- verwalümg, Gesang-, Turn- und gesellige verein« ain Sonnabend; Gesangverein.Harmonia" AbendS 8 Uhr im Restaurant, Alte Jakobstr. 38,— Männcrgesangvercin.Treue' AbendS 9 Uhr im Restaurant AndrcaSstraßc 9,— Männeraesangvercin„Erato" AbendS 9% Uhr bri Schläwicke, Kleine Kurstr, 1. - Lüdeckscher Turnverein(1. LehrlingSadtheilung). Abends 8 Uhr Elisabeth- straße 57-58.- Turnverein„Wedding", Pankstr. 9, Männerabi hciluirg von 8X-1% Uhr AbendS; dcSgl. 1. LehrlingSabtheilnng von 8 bis 10 Uhr AbendS, - ArcndSstche Stenographcnklasse des„Berliner Handwerkcrvercins" Abends 8% Uhr Sophicnstr, 15.— Theater- und Vergnügungsverei»„Caritas" AbendS 8 Uhr im Louisenstädtiichcn Bierhause, Admiralstr, 38.- Theater- und Ver gnügungsgesellschast„Treue" Abends 8% Uhr in Bobersts Ballsalo», Weinstr, 11. — BcrgnügungSverein„Schneeglöckchen", Abends 9 Uhr in VettinS BierhauS, Veteranenstr, 19.— Geselligkeitsklub„Lustig" AbendS 9% Uhr im Restaurant Wckchelt, Taubenstr, 45.— Verein der Taubenfrcundc AbendS 8% Uhr im Restaurant Hillmann, Manteuffelstraße 68,- Dänischer Verein„Frepa" AbendS 9 Uhr im Neslaurant Poppe, Üindenstr, 108.— Verein der Württembergcr AbendS 8% Uhr bei Vaihinger, Dorothecustr, 84,— Verein ehem. Schüler der 34. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant, Koppenstr, 58.— Verein ehem. M, C, Luthersscher Schüler Abends 9)f Uhr im Restaurant Bormann, Ohmgaffe 2.- Rauchklub„Portorico" Abends 9 Uhr bis 11 Uhr Köpnickerstraßc 157 bei Schulz,— Rauchklub„Qualm" AbendS 8 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.- VergnügnngSverein„Lustige 13 AbendS 9 Ubr Amienftr, 9.— Tambourverein„Sedan" Sißung Abends im Restaurant Albrecht, 9 Uhr, Grüner Weg 9-10, Ausnahme neuer Mitglieder Die Redaktion stellt die Benußuna des Sprcchsaals, soweit Raum dafür abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgeincinen Jntcreffes zur Verfügung. sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben idcntisizirt zu werden. Auf die von dem Vorsitzenden der„Freien Vereinigung der Schneider Berlins" gebrachte Erklärung habe ich als Bor- sitzender der AgitationS- Kommission sowie der betreffenden öffentlichen Versammlung zu erklären, daß ich von einer von jenen Herren einzuberufenden Versammlung keine Kenntniß hatte. Schon am Mittwoch, den 12. Juni, hatte ich die Genehmigung zu meiner Versammlung. Sie ist auch am Donnerstag und Freitag, außer in dieser Zeitung in in der„Volks-Zeittnig", der„Berliner Zeit" und„Presse", sogar im„Deutschen Blatt" und„Lokalanz." im redaktionellen Theil bekannt gegeben worden; dagegen ist die Versammlung bei Heydrich erst am Sonntag bekannt gemacht worden. Was nun die Aeußemng des Herrn Jeschonnek betrifft, so muß ich die beiden fieiwilligen Bericht- erstatter der Freien Vereinigung bitten, künftig genauer zuhören zu wollen und gleich in der betreffenden Versammlung dagegen zu protestiren. Es wurde über- Haupt nur Herr Täterow als Delegirter Kongresses zu Erfurt sachlich kritisirt und es lag keinerlei Veranlassung vor uns mit jenem Herrn anders zu befassen. Paul Steinmar, Ripdorf, Bergstraße Nr. 3. NU. Am 15. Juli findet eine öffentliche Versammlung der Schneider im Königstadt-Kasino statt. D. O. Meuepte Molchrichken. Die Ueichsko-mmissio« hat entschieden, daß die Auf- lösung des Arbeiterwahlvereins in Offen bürg endailtig bestätigt wird. Die Gründe, welche von dem badischen Lanoeskommissär für die Unterdrückung des Wahlvereins vorgebracht wurden, waren bei der Reichskommission mit einer einzigen Ausnahme nicht stichhaltig. Sie erklärt es(wie das „Südwestdeutsche Volksblatt" mitlheilt) als nicht ungesetzlich. wenn der Verein Sozialdemokraten in den Vorstand, in'de« Reichstag oder in sonstige politische Körperschaften wählt oder wenn er für demokratisch-ultramontane Gemcinderäthe stimmt. Dagegen glaubt die Reichskommission, daß die Voraussetzung des§ 1 Absatz 2 des Sozialistengesetzes vorliege und es sich um eine den öffentlichen Frieden gefährdende Thätigkeit handelte, als der Verein ein Wahlkomitce wählte und mit Geld- Mitteln unterstützte, dessen Thätigkeit sozialistengesetzlich(durch Verbot seiner Wahlflugblätter) beanstandet werden mußte, ohne daß der Wahlverein diese Thätigkeit öffentlich mißbilligt hätte. Detztostlmr. (Molff's Telegraphen-Kur»««.) Kerlin, 5. Juli. Der Bundesrath hielt am 4. d. M. unter dem Vorsitz des Vizc-Präsidenten des Staatsministeriums Staatssekretärs oes Innern von Bötticher eine Plenarsttzung ab. Ein Antrag Anhalts, welcher bezweckt, für gewisse Arten leichten Bieres von geringem Alkoholgehalt das Feilbieten im Umherziehen zu gestatten, wurde dem Ausschuß sür Handel und Verkehr zur Vorberathung überiviesen. Der Vorsitzende machte Mittheilung davon, daß über die Fundstücke der Ausgrabungen auf dem Boden des alten Olympia in der vom Bundesrath bereits früher genehmigten Weise nunmehr Verfügung getroffen worden ist. Zur Besetzung der bei bei mehreren DiSziplinarkammem erledigten Stellen wurden die erforder ichen Wahlen vorgenommen. Auf Grund des lln- fallversicherunaSgcsetzes wurde genehmigt, daß für die nord- deutsche Textil-Berufsgenossenschaft statt eines Schiedsgerichts, deren mehrere nach Bezirken gebildet werden. Den Anträgen der zuständigen Ausschüsse gemäß gelangte eine Reihe von Vorlagen aus dem Bereich oes Zoll- und Steuenvesens zur Erledigung, so die Bestimmungen wegen Veröffent'ichimg terwdischer Mitteilungen über den jeweiligen Stand der lranntweinproduktion und-Versteuerung, die Bestimmungen zur Ausfuhrung des§ 7 des Zuckersteuergesetzes vom 9. Jutt 1887, die schließliche Feststellung der gemeinschaftlichen Ein- nahmen an Zöllen und Verbrauchs steuern, sowie der bezüglichen Verwaltungsausgaben für das Rechnungsjahr 1885/8«, die Br- stimmungen über die im Zollverkehr auf Grund des§10 Vereins- Zollgesetzes neben den Zöllen für Rechnung des Reichs zu er- hebenden Gebühren, die Bestimmungen über die Bewilligung von Thcilungslagcrn an die kaiserlichen Marine-Verpflegungs- ämter, serner die Vorschläge über die Vergütung der Än- schaffungskosten für Brennerei-Einrichtungen, über die Ver- brauchSabgabe von Zuckervorräthen, welche iin Fabriklager durch Zufalls zu Grunde gegangen sind, über die Verbrnuchsabqabe �" z« von Zuckervorräthen, welche im Fabriklager durch Zufall zu Grunde gegangen sind, über die Zollfmheit der Austernfetz- rnige, endlich über die zoll- und steueramtliche Bebandluna der w- steueramtliche Behandlung der Erport-Hefebreunereien im früheren Hamburg-Altonaer Frei- hasengeblet. Auch wurde genehmigt, daß die von„Er. Heiligkeit" dem Papste an Kirchen und Klöster innerhalb der deutschen Follgebiele überwiesenen Jubiläumsgeschenke aus BilligkeitSnick- sichten zollftei eingelassen werden dürfen. Den Entwürfen neuer Vorschriften über die Prüfung der Zahnärzte, sowie ergänzender Vorschriften über die Prüfung der Thierärzte und Apotheker. wurde die Zustimmung ertheut, ebenso einer Abänderung je. der Friedens- Transportordnung rücksichtlich der Beförderung von Raketen und geladenen Raketenhülsen, ferner den zur Ans- führung des Gesetzes, betreffend die Erwerbs- und Wirth- schaftsgenossenschaften erforderlichen Bestimmungen über die Führung des Genossenschaftsregisters und die Anmeldungen zu. demselben. Einer gemeinnützigen Gesellschaft wurde die Aus- gäbe von auf Namen lautenden Aktien zu einem geringere« Betrage als 1000 M. ausgestattet: der dentsch-ostafrikamsche« Gesellschaft wurden die im im§ 8 des Reichsgesetzes über die Rechtsverhältnisse der Schutzgebiete vorgesehenen Rechte der juristischen Persönlichkeit gewährt. Ein Antrag auf Ertheilung der Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung von Belei- digungen des Bundesraths durch die Presse, wurde in ab- lehnendem Sinne erledigt. Schließlich ivurde dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen über Gnmdcigenthum,. Hypothekenwescn und Notariatsgebiihreu, sowie dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen über die Hypothekengebühren in der vom Landesausschuß beschlossenen Fassung die Zustim- mung ertheilt. Kt. Etienne, 5. Juli. DaS Aufsuchen der Leichen der verunglückten Bergleute ist gegenwärtig ganz unmöglich und es wird zunächst alle Mühe darauf verwanot, oes Feuers Herr zu werden, welches an 4 verschiedenen Punkten des Bergwerks ausgebrochen ist. Pari», 5. Juli. Deputirtcnkammer. Heute Vormittag wurde der Antrag betreffend die Gewährung des Wahlrechts an Frauen für die Wahlen zu Handelskammern angenommen, ebenso gelangte hierauf der Gesetzentwurf betreffend die Er- richtung von Pensionskassen für die Minenarbeiter nach kurzer Debatte zur Annahme.— Die Nachricht von dem beabsichtigten Rücktritt des Marineministers Krantz ist unrichtig; im Gegen- theil beabsichtigt derselbe demnächst den Kredit zur Verstärkung der Flotte zu fördern. �,' Pari«, 5. Juli. Die republikanischen Journale demcntiren die von boulangistischen Journalen verbreiteten Gerüchte von der Demission des Generalstaatsanwalts Banrepairc und von Meinungsverschiedenheiten im Kabinet. Rom, 5. Juli, früh. Depntirtenkammer. Von Cavalotti wurde eine Interpellation darüber eingebracht, ob und welche Erklärungen die Regierung über den Zwischenfall in Gabez (Tunis) und betreffs der von tunesischen Zollwächtern festgehaltenen Barke„Ida" erhalten habe, ferner darüber, ob und welche Auskunft der Regierung ertheilt worden sei über die Verhaftung zweier italienischer Staatsangehörigen in Trieft, von welchen einer ausgewiesen worden sei, während der andere sich noch in Haft und Untersuchung befinde, endlich darüber, welche Anschauungen und Absichten die Regierung be- treffs sämmtlicher jüngst in Trieft, Fiume, Trient und anbereu Orten vorgekommenen Zwischenfälle hege, ingleichen betreffs der österreichischen Kundgebungen über die Beziehungen Italiens zu Oesterreich-Ungam und über die vom Grafen Kalnoky in der Budgetkommission der österreichischen Delegation bezuglich Italiens abgegebenen Erklärungen. Ministerpräsident CriSpi erklärte, daß er die Interpellation am Dienstag beanfiydfteir werde. Theater. Sonnabend, den 6. Juli. Kroll« Theater. Der Trompeter von Säckingen. Friedrich- MUHelnrstiidtische« Theater. Der Bettdsludenl. Viktoria Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. Bevealliaure-Theater. Gefährliche Mädchen. Sstead-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. ,Passag- 1 Tr. 9 M.— 10 A. Kaiser-Panorama. Eine höchstinteressante Reise durch Amerika, Californien. Seepartien; preisgekrönte astronom. Aufnahmen. Ue«! Pariser Weltausstellung 1889. »eise Kr. Mas. Kchisf Hertha. Sine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. Schweizer-Garten. Am Königsthor.— Am Friedrichshain. K»««ai.end: Sommerfest des Vereins ehemaliger Alexander. Sonntag: Gr. Extra- Vorstellung. Neue SpeziaUtäten. Neues Programm. Dienstag: 3. Feuerwerk. Beschiessung von Metz. MemiWkM Jerusalem erstr. Nr. 56, Hof part. Reiche Auswahl in jeder Art, billigst, auch Theilzahlung.620 Nur I Mark. Klagen, Gingaben, Kriefe, Kittgesuche Inristl Math in allen Prozeß fachen. Pollaie, Aleranberstr. 39, 550 II. Gokä�cklmecle. Am 4. d. M. verstarb der Goldarbeiter Kerrmann Hildebraudt. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. M., Nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Städtischen Krankenhauses Friedrichs- Hain, nach dem Neuen Jakoby-Kirchhof bei Britz aus statt. 623 I. A.: L. H e n n i g, Rendant. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Wch- null BairA-Mn-LM, verbunden mit reichhaltigem Frühstücks-, Mittags- und Abendtilch. Franz. Billard. Hochachtungsvoll A. Erdmann, vormals W. Haugk, Meinstraße Nr. 22. Reftmirliilt H. Stramm. 123 Ritterstrasse 123, verbunden mit Fremdenlogis. Empfehle meinen allbekannten vorzüglichen Frühstück-, Mittag- und Abendtisch. Sonstige Speisen und Ge- tränke in bekannter Güte. Zwei Zimmer, passend zu Zahlstelleu und Arbeitsnachweis, stehen zur Verfügung.[1449 Mllmntter- vnd �djuittnjanren, smle Masche eigener Fabrik. Ludw. Gerhard, sw.0ranicuftr.89. Artikel für Herrenschneider.(1369 Soeben erschien Der wahre Darob Nr. 77. Zu beziehen durch die Expeditiou, Zimmer- strafte 44. Ausstellungspark Hasenhaide. Sonnabend, den 6. Juli s I| des ganzen Ausstellungsparkes MBBaSMBMMS and des Zoologischen Museums. ■■■■HaiHHBBB etc. GROSSES DOPPEL- CONCERT bei freiem Eintritt. Am 13 Juli: Eintreffen der Carl Hagenbeck'schen Singhalesen-Karawane _ mit Elefanten und Zebus. WWWWWWMWMIlZMWWWWMMWWWWlWfWIZIsZIlZWI Corallen. Q. V. d. Granaten, g Gold- und Silberwaaren-Fabrikgeschäft, 1 Treppe 66, Ora»ie«straße 66, 1 Treppe, zwischen Kommandantenstrafte und Moritzplatz. WWW» Billiger wie in jedem Laden. Massiv goldene Ringe. Trauringe(l Dukaten). «.(2 Dukaten). Goldene Broschen.. Golddouble- Ketten auf Silber...... Goldene Ohrringe.. Simili-Ohrringe i. Gold tfaftt von M. Mark von M. 3,— an 11— 21- 5,— an 6,50„ 2,—„ 3,—„■ 2,50„ von M. Echte Eorallenbroschcn. „ Eorallenarmbänder � Goldduble- Armbänder auf Silber....„ Golddoublebroschen auf Silber....... Damen- und Herren- Medaillons tGold- double auf Silber).„ Telephon 9356/lX. 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Quittungsbuch legitimirt. I. A.: 616 Fritz Schreiber, Gneisenaustr. 32. Gr. öffentl. Tisohler-Versammhmg am Montag, den 8. Inli, Abends 8� Uhr, in den „Bürgersälen", Dresdenerstr. 96« Tages-Ordnung: 1. Die Lage der streikenden Tischler in den verschiedenen Städten Deutschlands. Referent: Herr A ft m a n n aus Braunschweig. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. _ Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Ginberufrr. Fachverein der Former n. oermandter Derufsgenossen. Montag, den 8. Inli, in Heydrich's Salon, Benthftratze 22: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 62 1. Kassenbericht.— 2. Wahl des gesammten Vorstandes.— 3. Verschiedenes und Fragekasten.__ Große öfeatt. iotömadißc-ÜBtl'aiRiiitaiig sindet am Montag, den 8. d. M., Abends 8t Uhr, in Rolfs Salon, Adalbertstrasse No. 21, statt. Tages-Ordnung 621 1. Strcikangclegenheiten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer: C. Fuchs. Die bkiictalticrinmiiiliiiiii ber freien Kranken- und Kegräbnitzkasse der Schuhmacher und Serufsg. Berlins (E. H. Nr. 27) findet am Montag, den 15. Juli, Abends 8 Uhr, im JnnungShause, Fischerstr. 25, statt. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Innere Angelegenheiten. Quittungsbuch legitimirt. 617 Der Vorstand. Verein der Miether des Uorden Derlins. General-Versammlu«« am Sonntag, den 7. d. M., Vormittags 10 Uhr, im„Colberger Salon", Colbergerstr. 23. Tagesordnung: 1. Jahresbericht und Bericht der Revisoren. 2. Vorstandswahl. 3. Vortrag des Herrn Pirch über;„Dr. Stolp und die Lösung der Woh- nungssiage. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes und Fraaekasten. Gäste willkommen. Das Erscheinet: der Mit- glieder ist nothwendig. Oer Vorstand. I. A.: E. D a m e r o w, Schriftführer. Möbel, eigen. Fabrik. Spienel n. Poistemaim Gr, Lager, bill. Preise! Emil Heyn, Brunnenstr. 28, Hof part. TheiU. nach Uebereinkunft Ardritsmarkt. «liWe Xtbeltttinncii auf jede Art vertanat sofort _. Greifenhagen, 27 Chausseestrasse 27. Tüchtige Kistenmacher finden dauernde Be» schäftigung in der Kistenfabrik Mühlenstr. 8. Fachverein der Posamentiere »nd Kernfsgenojse«. Versammlung am Montag, den 8. Juli, Abends 8 5 Uhr, in Feuer st ein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk:„Die Arbeiter- bewegung und die moderne Poesie". 2. Rech- nungslegung. 3. Revisoren-Wahl. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Zu zahlreichem Besuch ladet ein l 615 Der Vorstand. NB. Das Stiftungsfest, bestehend in Konzert, Theater und Ball, sindet am 13. Juli, im „Deutschen Volkstheater", Schönhauser Allee 156, statt. Billets ä 30 Pf. sind in der Versamm- lung und im ArbeilS-Nachweis, Obenvasserstr. 12, zu haben._ Arbeilsmlhivcis für Wler. Der vom Fachverein der Tischler begründet� Arbeitsnachweis befindet sich Dresdeners aste 116. im Restaurant Gründe!(früher Mendt). Die Arbeitsvermittelung geschieht für Meister und Gesellen(auch Nichtmitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Adressenausgabe erfolgt an Mochentagen von 8—9t Uhr Abend«, Sonntag» von 9—11 Uhr Vormittag«. Da sich die 4 Kassirer der„Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins" ver- pflichtet haben, sich ihrerseits jeder Adressenaus-' gäbe zu enthalten, ersuchen wir, nur den oben-. genannten Arbeitsnachweis zu benutzen. 3821, Der Vorstand. UerelniWg der Wechsler Deulschl. OrtsVermalwng Berlins. Der unentgeltliche Arbeits-Nachweis befindet sich Dresdenerstr. 116 bei Gründer. Geöffnet Abends 8t— 9) Uhr, Sonntags 9) bis 11t Uhr Vormittags. 614 Die Kommissto«. Der Arbeitsnachweis der Kiavierarbeiter befindet sich nach wie vor Waldemarstr. 61 in1 Restaurant Zilm(vorm. Pfister. Die Adressen- ausgäbe findet jeden Abend von 8— 9t Uhr und Sonntags Vormittags von 10— 14t Uhr, sowohl an Mitglieder wie an Nichtmitglieder unent» geltlich statt. 20l Die Arbeitsvermittelnngs-KommW-n. SattlerM Der nnentgellliche Arbettsnachmei« deS Vereins der Sattler und Fachgenossen befind �,""3 uci runter uno tzaatgenogen oepiu sich Dresdenerstr. 116, W en d t's Restaura Verantwortlicher Redakteur: M.«eonhelm in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Fading in Berlin SW., Beuthstrafte 2.