Kr. 156. Konntag, den 7. I«U 1889. 6. Jahrg. j�erlinerHolfeblttlt Lrgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Bolksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festlagen. Abonnementspreis für Berlin frei ins Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Erpedition Zimmerstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemein 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzeitungSvreisliste für 1889 unter Nr. 866.) i*v da» Anstand: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 4gefpaltcne Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VcrsammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werben bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstrabe 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -• Fernsprecher: Amt vi. Ur. 4166.«- VevAlttion: Deukh�kvsTe S.— Expedition: Ainrnteritentze 44. Der heutigen Uummer liegt für unsere Abonnenten Dr.»7 de»„Sonntags KIatt bei._ Der liclziiliiic LtbovAlisrnus. DaS Lockspitzel-Ministerium in Brüssel ist noch immer nicht zurückgetreten, sondern trotzt mit eherner Stirn den Anklagen seiner Gegner. Die brutale Scham- losigkeit der ultramontanen Klique, die das„Muster- land des Konstitutionalismus" unterdrückt, bringt es fertig, die gebrandmarkte Regierung zu halten, weil dieselbe die kirchenpolitischen und ökonomischen Znter- esien des Ultramontanismus in allen Stücken zu fördern bemüht ist. Wenn dies geschieht, so fragen die ultramon- tanenen Bourgeois nicht darnach, ob eine Regierung auch noch eine Ehre hat, oder nicht; was Ehre, wenn man nur den Rahm abschöpfen darf von der nationalen Arbeit! Der belgische Liberalismus regt sich kräftig und bietet alle Mittel auf, die ultramontane Klique zu stürzen. Mit der Zeit wird dies auch gelingen, denn die im ganzen Lande gährende und anschwellende Entrüstung inuß denn doch endlich die Minister hinwegfegen, dessen Lockspitzel so vortrefflich arbeiteten, daß ihre Thaten sogar im-'Deutschen Reichstage von Herrn von P u t t k a m ni e r als„erschreckende Wirkungen der sozialdemokratischen Agitation" dem entsetzten Philister vorgehalten wurden. Dre Arbeiter Belgiens haben sicherlich das größte Intereffe daran, daß das ultramontane Ministerium verdrängt wird. Aber sie gehen in der Sache ihren eigenen Weg und hüten sich wohl, sich vom Liberalis- mus in's Schlepptau nehmen zu lassen. Und sie haben auch ganz Recht; denn sie dürften ihre Liberalen wohl kennen. Der moderne Liberalismus ist in allen Ländern dasselbe zwicschlächtiqe, unzuverlässige und heuchlerische Geschöpf. Der belgische Liberalismus hat sich der antiministeriellen Bewegung, die auf die Lockspitzcl-Enthüllungen gefolgt ist mit raschem Griff bemächtigt und sich an deren Spitze gestellt. Diese Liberalen haben aber für die Arbeiterinteressen bisher nie- mals Gefühl gehabt, und die Schuld an den elenden Zuständen Belgier, s in Äezug auf Fabrikgesetzgebung trägt dort der Libe- ralismus ebensowohl als dcrUltramontamsmus. Herr Fröre- O r b a n, das Haupt des belgischen Liberalismus, ein Staatsmann der alten Schule, gehört der sogenannten aristo- kratischen Bourgeoisie, an und seine ganze politische Thätig- kcit gipfelte stets in einer Art sehr zahmen„Kulturkampfes" und zwar ohne Ausnahmegesetzgebung— eine Sache, die für die große Masse der Arbeiter sehr gleichgiltig ist. INackdruck verboten.! Feuilleton. i« ®in(BoliMnenfifr. Roman von Maurus Jükai. Die letzten Worte hatte er Euthym ins Ohr geflüstert- Euthyms Augen blitzten zustimmend. Der Kommissär aber sprang in den Kahn, und fing an selbst zu rudern, um schneller das am Ufer gelegene Haus zu erreichen, wo Zugthiere zu bekommen waren; er trommelte in aller Ge- schwindigkeit achtzig Stück zusammen; inzwischen wurde das neue Zugtau am Schiff befestigt, die Ochsen wurden vorge- spannt, und ehe noch eine halbe Stunde verstrichen war, fetzte die„heilige Barbara" ihren Weg durch das Eiserne Thor fort, und zwar an der entgegengesetzten Uferseite. Als Tiniar an Bord des Schiffes zurückkehrte, waren ihm infolge der großen Anstrengungen schon alle Kleider am Leibe getrocknet. Das Schiff war gerettet,— vielleicht zweifach gerettet und mit ihm die ganze Schiffsladung, Euthvm und Timea. Was aber gehen ihn diese an, oaß er sich so abmüht? Er ist ja doch nur der Kommissär, der„Schiffsschreiber", und bezieht als solcher eine knapp genug bemessene Jahres- besolduna: ihm kann es einerlei sein, ob das Schiff in seinem Bauche Weizen, oder geschwärzten Tabak, oder echte Perlen führt; sein Lohn bleibt derselbe. So dachte auch der„Purisikator" bei sich, der, als sie den rumänischen Kanal erreicht hatten, sein Zwiegespräch mit| ccin Steuermann wieder aufnahm, wozu bis dahin, keine- Zeit gewesen.„Gesteht nur, Landsmann, daß wir in unserm Leben noch nie so nahe daran gewesen, alle mit einander m Hölle zu fahren, als am heutigen Tage." �„Damit hat's seine Richtigkeit," antwortete Johann .rabula. „Aber wozu hatten wir nöthig, das Experiment zu ■machen, ob man am heiligen Michaeltage ersaufen kann?" «Hm!" machte Johann Fabula, und that einen fiirzen Wenn Fröre-Orban an der Spitze der Regierung stand, so erfuhren die Arbeiter ganz dieselbe Behandlung sivie unter dem ultramontanen Regiment. Besteht eine Garantie dafür, daß die früheren liberalen Regierungen k e i n e L o cks p i tz e l g e h a b t h a b en un d daß die künftigen keine haben werden? Nein, denn die Staatskunst des Herren Fröre-Orban wird wohl mit denselben„kleinen Mittelchen" gearbeitet haben, die heute so vielfach im Brauche sind. Der Liberalismus benutzt die Strömung gegen die ultra- montane Regierung, um selbst wieder die Leitung veröffentlichen Angelegenheiten m die Hand bekommen. Dazu werden die Arbeiter wohl auch gebraucht, die bisher, bevor eine feste Arbeiterpartei sich organisirt hatte, vielfach von den alten Parteien gegängelt und gegen ihr eigenes Interesse benutzt worden sind. Die liberalen Führer haben denn auch ge- fühlt, daß man diesmal den Arbeitern etwas anderes bieten müsse, wenn man sie in Bewegung setzen wolle. Auf der großen Bersöhnungsfcier der liberalen Partei zu Brüssel wurden daher die Punkte des liberalen Programms dahin festgestellt, daß die Regierung zu vernichten, die Kammer aufzulösen und die Ungerechtigkeiten auf sozialem Gebiete zu zer st reuen seien. Der letztere Punkt ist auf die Arbeiter berechnet und der Liberalismus verspricht ihnen sehr viel, derselbe Libe- ralismus, der seit Jahrzehnten das Manchesterthum auf die Spitze getrieben und die Forderung gesetzgeberischer Maß- regeln zu Gunsten der Arbeiter, um sie nur von den drückendsten Mißständen zu befreien, geradezu mit Hohn abgewiesen hat. Es werden auch nicht gerade lauter ultramontane Grubenbesitzer gewesen sein, welche ihre Ar- beiter entlassen haben, weil dieselben vor der parlamen- tarischen Untersuchungskommission über die Zustände in den Gruben die Wahrheit gesagt haben. Nein,„gährend Drachengift" verwandelt sich nicht über Nacht in„Milch der frommen Denkungsart". Wir gestehen den belgischen Liberalen gerne zu, daß sie sich der Bewegung gegen die Lockspitzel züchtenden Minister mit großer agita- torischer Geschicklichkeit und mit demagogischen Künsten be- mächtigt haben, aber wir glauben nun und nimmer, daß aus diesen hart gesottenen Manche st er- männnern über Nacht einsichtige und hu- mane Sozialpolitiker geworden sind, die in der That erkannt haben, daß das Heil des Landes, ja aller Länder in der Beseitigung der sozialen Ungerechtig- leiten liegt. Aber was versteht der Liberalismus unter sozialen Un- gerechtigkeiten? Entweder nimmt er den Begriff ernst und dann hat er sich eine Aufgabe gestellt, die er nicht lösen Schluck aus der Branntweinflasche.„Was für eine Löhnung hat der Herr?" „Zwanzig Kreuzer täglich," anttvortete der Purisikator. „Warum also hat der Teufel Sie hierher geritten, um für zwanzig Kreuzer Ihr Leben zu wagen? Ich Hab' Sie nicht gerufen. Ich bekomme einen Gulden täglich und freie Kost. Ich Hab' also um vierzig Kreuzer mehr Ursache, mein Leben aufs Spiel zu setzen, als der Herr. Was für Schmerzen haben Sie jetzt?" Der Purisikator schüttelte den Kopf und warf die Ka- puze zurück, um besser verstanden zu werden. „Hört," sagte er,„mir kommt es vor, als ob dies tür- tische Schiff aus das Eurige Jagd machte, und als suchte die„heilige Barbara" ihm jetzt zu enttommen." „Hm!" machte abermals der Steuermann, sich stark räuspernd, wovon er plötzlich so heiser wurde, daß er keinen Laut mehr von sich geben konnte. „Na, mir liegt nichts daran," sagte achselzuckend der Purisikator,„ich bin österreichischer Granitschar, ich habe nichts gemein mit den Türken; aber ich weiß, was ich weiß." „Nun, so erfahre der Herr, was er noch nicht weiß," sagte Johann Fabula, der plötzlich seine Stimme wieder bekommen hatte.„Freilich verfolgt uns das türkische Schiff und um seinetwillen haben wir uns aus dem Staub ge- macht; denn sieht der Herr, das Mädel dort mit dem weißen Gesicht hat man in den Harem des Sultans nehmen wollen; aber ihr Vater hat's nicht zugegeben; lieber ist es mit mir aus der Türkei gurchgebrannt, und jetzt handelt sich's darum, schleunigst ungarisches Land zu erreichen, dort kann ihnen der Sultan nichts mehr anhaben. Na, jetzt weiß der Herr Alles; fragen sie also nichts weiter, sondern gehen Sie lieber zum Heiligenbild der Sancta Barbara und zünden Sie das Lämpchen davor frisch an, wenn die Sturzwelle es etwa ausgelöscht hat; und dann vergessen Sie auch nicht, drei geweihte Weidenkätzchen daran zu verbrennen, wenn Sie ein richtiger katholischer Christ find." Der Purisikator richtete sich schwerfällig auf und suchte sein Feuerzeug hervor, dann brummte er langsam vor sich in den Bart. kann, es sei denn, daß er sich zum Sozialismus be- kehrte. Oder man hat es mit einer bloßen Phrase zu thun, wobei das Ende vom Liede sein wird, daß die kreisenden Berge die lächerliche Maus gebären. So saßt auch offenbar die belgische Arbeiterpartei die Sache aus und zeigt durch ihre Haltung, daß sie zwar das Ministerium aufs Aeußerste bekämpfen, aber mit dem Libera- lismus nicht paktiren will. Der Liberalismus wird wieder an die Regierung kom- men und es wird sich dann gleich zeigen, ob er dem"Lande das allgemeine Stimmrecht und die so dringend erheischte sozialpolitische Gesetzgebung be- willigen wird. Aber wir haben eine Vorahnung, als werde man dann allerlei Wenn inid Aber hören, und die belgischen Arbeiter thun recht wohl daran, die Zeit abzuwarten. Die Zukunft der Arbeiterklasse hat mit dem abgelebten Liberalismus nichts zu schaffen. MlwreFprmdrttzim. Krakau, den 26. Juni. Die Frage der Agenis provo- cateurs oder„Lock-Spitzel", wie es zu deutsch einfach und ver- ständlich heißt, ist in den Zeitungen fast aller Länder auf der Tagesordnung, nur nicht in den polnischen Zeitungen, was an und für sich sehr charakteristisch ist, um so mehr, da die Polen, wie es sich im Nachiolaenden zeigen wird, wohl ebensoviel Ur- fache haben, sich mit Viesen Angelegenheiten zu befassen. Die nachfolgende Mittheilung sende ich Ihnen, weil dieselbe auch Berlin direkt berührt und in Mitleidenschaft zieht. Sodann ist sie auch deshalb interessant und wichtig, weil sie uns in Aus- ficht stellt, daß vielleicht ähnliche Zustände und Fragen, wie zwischen den preußischen und schweizerischen Behörden in dem bekannten Falle„Wohlgemuth" erörtert worden, auch zwischen zweien der Mächte auftauchen können, die ihre wenn auch nicht gleichlautenden, so doch gleichaesinnten Noten nach Bern ge- schickt haben. Ob und wann dieser interessante Fall eintreten dürfte, ist ja nicht so genau vorher zu bestimmen. Es hängt ja von vielerlei Umständen ab, so z. B. von der mehr oder minder großen Geschicklichkeit der gewählten Werkzeuge. Ob Rußland seinen beiden Nachbarn gegenüber immer in der Wahl seiner Agenten sehr glücklich gewesen, wollen wir nicht untersuchen, dieser Kall hier, auf den wir hier uns insbesondere beziehen, beweist es gerade nicht. So spricht man jetzt hier schon seit einiger Zeit lebhaft davon, daß derartige von Rußland ausgeschickte Spione und Agenten unter der Maske von„großen" und„heißblütigen", polnischen Patrioten seit einiger Zeit auch in Krakau, Lemberg, sodann unter der studi- „Ob ich ein rechtgläubiger Katholik bin! Aber von Euch erzählt man sich, daß Ihr nur auf dem Schiff Papist seid, und Kalviner, sobald ihr den Fuß ans Land setzet; daß Ihr, so lange Ihr auf dem Wasser seid, betet, aber sobald Ihr trockenes Land unter den Füßen habt, kaum erwarten könnt. Euch auszufluchen. Dann sagt man mir auch, daß Euer Name Johann Fabula ist, und daß Fabula auf lateinisch so viel bedeutet, als Lügenbeutel. Nun, trotzdem glaub' ich Alles, was ich von Euch gehört habe, nur seid nicht böse." Und daran thut der Herr auch recht; jetzt aber gehen Sie und kommen Sie nicht wieder, bis ich Sie rufe." Die vierundzwanzig Ruderer brauchten von dem Punkt, wo sie die„heilige Barbara" zuerst in Sicht bekommen hatten, drei Stunden bis zur Perigradainsel, wo die Donau sich in zwei Arme theilt. Die Felsenmaffen der Insel was- kirten die ganze Donaubucht und auf der Brigantine konnte man nicht sehen, ivas hinter den Felsen vorging. Schon unterhalb der Insel war die Brigantine auf schwimmende Schiffstrümmer gestoßen, welche der Strudel an die Oberfläche ausgeworfen hatte. Es waren Ueberreste der untergegangenen Mühle; doch war nicht mehr zu er- kennen, ob sie einem Schiff oder einer Mühle angehört hatten. Sowie die Brigantine die Pengrada hinter sich hatte, lag vor ihr die Donau in einer Länge von anderthalb Meilen offen da, mit freier Aussicht. Weder im Fluß, noch am Ufer war ein Lastschiff zu erblicken. Was an den Ufern lag, waren durchgehends Schifferkähne und kleine Burdschellen. Die Brigantine fuhr noch ein Stück weiter, kreuzte aus der Donau umher und kehrte dann an's Ufer zurück. Dort erkundigte sich der türkische Schiffslieutenant bei den Ufenvächtern nach dem ihm voraus gesahrenen Last- schiff. Die Uferwächter hatten nichts gesehen, bis hierher fei das Schiff nicht gekommen. Noch weiter fahrend erreichte die Brigantine den Schiffszug der„heiligen Barbara". Der Schiffslieutenant nahm auch die Zugtreiber ins Verhör. Es waren lauter wackere Serben und diese klärten nun die Türken darüber auf, wo sie die heilige Barbara zu suchen hätten. I renken polnischen Jugend im Auslande, hauptsächlich in Wim, Berlin, Gens, Zürich und Paris, aber auch in Würzbura, Karls- ruhe, Dresden, Leipzig und Chemnitz ihr Unwesen treiben und die polnische Jugend, aber auch den Arbeiter und Handwerker »u höchst unbesonnenen Thaten zu verleiten suchen. Leider sollen oiese Bemühungen in einzelnen Fällen nicht ganz ohne Er- folg sein! Die unbedachte, leichtgläubige studirende Jugend und die polnischen Arbeiter fallen ia leider auf derartig patriotisch an- »gehauchte Vorspiegelungen und Verlockungen am leichtesten und ersten hinein. Speziell wird hier ganz bestimmt erzählt, daß vor 14 Tagen oder 3 Wochen ein derartiger russischer Agent wiederum direkt nach Berlin gereist ist. Auch der Name dieses russischen Agenten wird hier mit der grösiten Bestimmtheit genannt. Er soll in Wirklichkeit Jsumoff Heißen, treibt sich aber unter an- deren falschen Namen herum, sucht namentlich die studirende polnische Jugend an sich zu ziehen, bei der er sich als Student einführt. Er verschmäht es aber gar nicht, sich auch in Vereine, die insbesondere aus Arbeitern und Handwerkern sich rekru- tiren, meist unter der Maske eines rothen Sozialdemo- (raten, zu drängen. Der Äufenhalt dieses Herren in Deutschland giebt uns die interessante Aussicht, daß vielleicht in nächster Zeit neue diplo- matische Verwicklungen und Verhandlungen(-> u Wohlgemuth) zwischen Berlin und Petersburg eintreten können. Vottttsthe Mebsrstchk. Zum iuteruationale« Kongreß. Nach einem Briefe Lafargue's, des auswärtigen Sekretärs für das Kongreßkomitee, werden in Paris die Ausgaben für Logis und zwei Mahlzeiten täglich sich auf 6—7 Franks pro Tag belaufen, müssen die De- legirten aber, wenn Alles gerechnet wird, auf einen Durch- schnittsverbrauch von 10— 12 Franks, d. h. 8— 10 M. täglich vorbereitet sein. Die Zahl der zum intenrationalen Kongreß angemeldeten deutschen Vertreter ist auf 70 gestiegen. Die„UationnUibeeale Korrespoude«»" thut sehr ent- rüstet, daß die Politik Deutschlands der Schweiz gegenüber von der gesammten ausländischen Presse auf's Ungünstigste beurtheilt worden; und sie möchte gern den deutschen„Reichsfeinden", welche die Absichten der deutschen Reichsregierung stets in ein schlimmes Licht stellten, die Schuld dafür in die Schuhe schieben. Die„Nationalliberale Korrespondenz" scheint vergessen zu haben, daß es nationalliberale Kartellblätter waren, von denen der Plan einer Theilung der Schweiz aufs Tapet gebracht worden ist. UebrigenS wird keine Suppe so heiß gegessen, als sie ge- kocht ist. Und die einstimmige Verurtheilung, welche das Vor- gehen gegen die Schweiz gefunden hat, wird auch auf den deutschen Reichskanzler sicherlich nicht ohne abkühlende Wirkung bleiben. Die Veröffentlichung seiner drei Noten wird die Ver- urtheilung nur noch energischer machen. Mtbtv die Erlasse de« Reichskanzler« an die Schweiz schreibt treffend die„Voff. Ztg.":„Die im„Reichsanz." ver- öffentlichten Aktenstücke, welche die Unterschrift„von Bismarck" tragen und nach dem bisherigen Brauche der Unterzeichnung nicht von dem Staatssekretär des Auswärtigen, Grafen Herbert Bismarck, sondern von dem Reichskanzler persönlich herrühren würden, zeigen nach Forin und Inhalt eine Unsicherheit, deren man sich bei Erlassen des Fürsten Bismarck bisher nicht zu versehen hatte. Der leitende Staatsmann ist ein Meister des Stils. Seine Sprache ist gemeinhin von vollendeter Höflich- keit. Er bedient sich in seinen Schriftstücken eher einer iro- nischen als einer verletzenden Wendung. Er ist sich auch stets klar sowohl über die Rechtsgrundlage feiner Forderungen, als über Mittel und Wege zum Ziele. Es ist bedauerlich, aber unleugbar, daß nicht alle diese Vorzüge den deutschen Noten an die Schweiz nachgerühmt werden können. Läse man nicht den Namen des Kanzlers unter den amtlichen Verkündigungen, man würde ihn nimmermehr als Verfasser vermuthet haben. In den einzelnen Noten wird der Rechtsstandpunkt voll- kommen gewechselt. In der ersten Note stützt Deutschland seine Forderungen auf die Neutralität der Schweiz.„Dem Schutz der Reutralität durch die Mächte steht seitens der Eid- aenossenschaft die Verbindlichkeit gegenüber� nicht zu dulden, oaß von der Schweiz aus der Frieden und die Sicherheit anderer Mächte bedroht werde." Diese Auffassung ist irrig. Denn aus der Entstehung der Verträge geht zur Genüge her- vor, daß die Schweiz neutralisirt woroen ist, damit sie keiner Macht als Operationsbasis im Knege dienen könne. Auch Luxemburg ist neutralisirt worden. Man spricht jetzt von einer Reütralisirung der Delagoa-Bai. In keinem Falle hat man dabei beabsichtigt, den neutralisirtm Bezirk, sondem sich selbst zu schützen. Aus einer Wohlthat, die man sich selbst erweist, können aber Anderen Pflichten nicht erwachsen. Würde die Reulralität der Schweiz angetastet, so würde für das Interesse „Die hat der Perigrada-Strudel verschlungen mitsammt ihrer Fruchtladung und Mannschaft. Das Schiffsseil, wie hier zu sehen, ist abgeriffen." Die türkische Brigantine verließ die serbischen Treiber, welche sich in Lamentationen darüber ergingen, wer ihnen nun ihren Lohn bezahlen werde!(In Orsova, das wiffen sie recht gut, treffen sie wieder zusammen und ziehen das Schiff weiter.) Er selbst aber, als Türke, machte Kehrt und «ahm den Kurs stromabwärts. Als er wieder zur Znsel Periarada gelangt war, er- blickten die Matrosen ein auf den Wellen tanzendes Brett, das mit dem Wasser nicht weiter schwamm. Sie fischten es heraus; an dein Brett war mittelst eines Hakens ein Seil befestigt, das Brett aber rührte vom Schaufelrad der unter- gegangenen Mühle her. Man hißte das Seil herauf, an dessen Ende sich der Anker befand; auch dieser wurde her- aufgezogen, und auf seinem Querholz war, mit großen Buch- staben eingebrannt, der Name„Sanct Barbara" zu lesen. Nun war die ganze Katastrophe klar. Das Zugseil der heiligen Barbara war gerissen; dann warf sie ihren Anker aus, der aber war der Last nicht gewachsen. Das Schiff gerieth in den Strudel und jetzt treiben seine Bretter auf den Wellen umher, seine Bemannung aber ruht drunten in tiefer Felsengruft. Mash Allah! dahin können wir ihnen nicht folgen! Viertes Kapitel. Eine strenge Visitation. Zwei Gefahren war die heilige Barbara glücklich ent- angen, den Felsen des Eisernen Thors und der türkischen Brigantine; zwei waren noch übrig: die Bora und die Quarantäne in Orsova. Oberhalb der Bucht am Eisernen Thor wird der ge- waltige Strom von den steilen Uferwänden in eine, nur hundert Klafter breite Schlucht eingezwängt, durch welche die aufgestaute Waffermasse— stellenweise mit einem Fall von 28 Fuß— sich ergießt._ Die Berglehnen zeigen die über einander gelagerten Schichten von grünem, gelbem, rothem Gestein in bunter Abwechselung, während den höchsten Grad ein Urwald der der Schweiz sich keine Hand rühren. Jede Macht würde zu Gunsten dieser Neutralität nur einschreiten, wenn und soweit ihr eigenes Interesse es erfordert. Ob der Verfasser der Noten an Herrn von Bütow nachträglich diese Erkenntniß selbst ge- mannen hat, wissen wir nicht. Jedenfalls wechselt er sehr bald die Waffen. Was nach der ersten Note aus der Neutralität hervorgehen sollte, soll nach den folgenden Noten laut Artikel 2 des Nieder- laffungSvertrages gebotenes Recht sein. Diese Veränderung des Gesichtspunktes ist bemerkenswerth, aber unglücklich. Denn der Niederlaffungsvertrag hatnach seiner ganzen Entstehungsgeschichte, nach seinem Wortlaute, nach der Denkschrift der Reichsregierung und der bisherigen Handhabung nur das AuSweisungs recht der Schweiz beschränken, nicht eine neue Ausweisuims pflicht aussprechen sollen. Es ist recht lehrreich, daß die„Rordd. Allg. Ztz." die Beweisführung der Noten für so schwach zu halten scheint, daß sie ihnen noch einen Anhang zufügt, nach welchem es der Schweiz ein Leichtes gewesen wäre,„ans Grund des ihr nach dem Niederlassungsvertrage zustehenden Rechtes die An- siedlung der Sozialrevolutionare zu hindern". Mittelbar wird also zugegeben, daß die Answessunavon Personen ohne Heimath«- schein nur ein Recht, nicht eine Rechtspflichl der Schweiz lei. In den Noten an Herrn von Bülow ist noch der entgeaenge- setzte Standpunkt vertreten. Eben so widerspruchsvoll und un- zureichend wie die rechtlichen Erörterungen sind in den Noten auch die Uriheite über die schweizerische Regierung. In der ersten Note macht der Verfasser der„s ch w e i z e r R e g i e r u n g" klar und bündig den Vorwurf,„mindestens aleichgiltig gegen die Gefahren und Schäden" zu sein, mit welchen die Nachbar- reiche von eidgenössichem Boden aus bedroht werden. Das„Ver- halten der schweizer Behörden" wird gerügt. In der dritten Rote wird mit einem Male ein ganz anderer Standpunkt eingenom- men. Ja, Anfang und Ende dieser dritten Rote stehen noch in solchem Gegensatze zu einander, daß man kaum begreifen wird, wie sie aus einer und derselben Feder geflossen sein sollen. Am Anfange heißt es, Herr Wohlgemuth sei unter Mitwirkung„e i d g e n ö s s(scher Beamter"— was durchaus irrthümlich ist— auf Schweizer Gebiet gelockt worden; die Schweizer Zentralbehörde bringe deutschen Beamten nicht jene Duldung entgegen, deren„die dort befindlichen reichsfeindlichen Deutschen sich in so reichem Maße erfreuen." Und am Ende derselben Note heißt es, der Verfasser der Note erinnere sich nicht, der Eidgenossenschaft den Vorwurf gemacht zu haben, daß Regierung und Volk der Schweiz die Revolution fördern. Im Gegentheil, er zweifle nicht an der Absicht der eidgenössischen Zentralbehörde, die Pflichten internationaler Nachbarschaft zu erfüllen, und glaube nur, daß die bisherige Gesetzgebung der Schweiz der Zentralregierung nicht die nöthige Machtvollkommenheiten gegenüber den Lokaibehörden gebe. Das sind Widersprüche, bei denen man den Kopf schütteln muß. Dazu kommt der fortwährende Wechsel des Zieles: zuerst Aufhebung der Neutralität, dann Grenzmaßregcln, dann Kündigung des Niederlassungsvertrages, und die letzten Absätze der letzten Note lassen die Vermuthung zu, daß auch diese Kündigung unterbleiben werde, zumal der NiederlassungSver- trag im Weseatlichen den Zweck hatte, die durch die Bildung des Deutschen Reiches hinfällig gewordenen Verträge der süd- deutschen Staaten mit der Schwerz zu ersetzen." Ei« komische« Euidproquo. Die Reptilblätter be- richten den Ausbruch eines Streiks in Kopenhagen, und fügen hinzu, dieser Streik sei im voraus von dem.„Sozialdemokrat" angekündigt worden, woraus man ersehen könne, daß die Streiks von den Sozialdemokraten veranstaltet wurden. Wenn es unseren Gegnern Spaß macht, in Bezug auf die Arbeiter- bewegung sich selbst zu täuschen und keiner Belehrung zugäng- lich zu fern, so kann uns das in unserem Interesse nur neb sein, denn einen unwissendenen Gegner überwindet man leichter als einen wissenden. Also nicht zur Belehrung der Reptilblätter, an denen glücklicherweise Hopfen und Malz verloren ist, sondern zur Erheiterung unserer Leser sei hier mit- getheilt, daß der hier angeführte„Sozialdemokrat" nicht das so gefürchtete deutsche Organ, sondem das gleich- namige dänische Blatt ist, welches in Kopenhagen erscheint, und den dänischen Gewerkschaften als offizielles Organ dient— was die Herren Replilien beiläufig wissen mußten, wenn sie sich die Mühe genommen hätten, ihre Nase einmal in das Blatt hineinzustecken. Au» Dresden, 5. Juli, wird geschrieben: Der Boycott der Dresdener Arbeiter gegen die GambrinuS Brauerei hat mit einem Siege der Arbeiter geendet. Die Brauerei hat nachgc- «eben und bewilligte den Arbeitem den Trianonsaal zur Ab- altung von Versammlungen. Die erste soll denn auch bereits nächsten Sonntag Vonnittag stattfinden. Man muß den klaffen- bewußten Arbeitern Dresdens das Zeugniß ausstellen, daß sie sich sehr wacker gehalten haben; ihrem geschlossenen Vorgehen gegen alle, welche Gambrinuslner schenkten, ist der Sieg zu danken. Als sehr wirksam stellte sich der Boycott gegen die Verkäufer von Flaschenbier, insbesondere in den Kantinen der Fabriken heraus. Seitens des Festkomitees zur Wcttinfeier war der Gambrinusbrauerei der Bierschank auf dm zahlreichen Tribünen während des Festzuges übertrage» worden. Die Brauerei mag auch dabei ein ganz hübsches Geschäft gemacht verschiedensten Baumarten wie ein grüner üppiger Haar- wuchs krönt. Oben, noch über den dreitausend Fuß hohen Fels- spitzen, kreisen in majestätischem Flug die Steinadler in dem schmalen Streifen, der vom Firmament sichtbar ist und dessen reines Blau aus der todesschaurigen Tiefe gesehen, wie eine Glaswölbung erscheint. Und werter hinaus erheben sich noch neue Felsmassen. Traun, es ist ein Anblick, der alle Höllmgeister heraus- fordert: dies ohnmächtige Fahrzeug, das weder Hände noch Füße, noch Flossen hat, wie es— eine überlastete Nußschale — in diesem engen Felsenbett aufwärts schwimmt, gegm die Strömung und den Wind: darauf aber ein Häuflein Menschen, die stolz sind auf ihren Geist, ihre Kraft, ihre Schönheit. Und hier kann nicht einmal die Bora ihnen etwas anhabm, denn die doppelte Felsmmauer hält den Wind ab. Der Steuermann sowohl, als der Schiffszug habm jetzt leichtere Arbeit. Aber die Bora schläft nicht! Es war schon Nachmittag gewordm. Der erste Steuermann hatte dem Untersteuermann. das Steuer übergebm und war zum Schiffsheerd gegangen, der sich rückwärts befand. Hier machte er sich an die Zu- bereitung eines„Räuberbratens", dessen Rezept darin besteht, daß man auf einm langen Holzspieß ein Stück Rindfleisch, ein Stück Speck und ein Stück Schweinefleisch steckt und in dieser Ordnung fortfährt, worauf der Spieß über der frei lodernden Flamme so lange gedreht wird, bis das Fleisch gar ist. Da verfinsterte sich auf einmal das schmale Stück Himmel dort oben zwischen den überhängenden Felsen, die sich zu berühren schienen. Die Bora läßt ihrer nicht spotten. Plötzlich jagt sie ein Gewitter vor sich auf, welches das blaue Himmelsgewölbe zwischen den beiden Bergwänden im Nu umzieht, so daß unten im That finstere Nacht wird. Dort oben sich aufthürmende Wolken, zu beiden Seiten dunkle Felsen. Dann und wann zuckt in der Höhe ein greller Blitzstrahl, begleitet von einem kurzen, rasch ab- brechenden Donnerschlag, als vermochte die enge Felsenhöhlung nur einen vereinzelten Akkord aus dem schrecklichen Orgelkonzert in sich aufzunehmen dann wieder schießt auf haben, aber der tagliche Verlust durch die Einbuße eines er- heblichen Theils ihrer Kundschaft war denn doch weit empfind sicher, und so kapitalirte sie. . Die. hiesige Staatsanwaltschaft macht dem hier erscheinen- den„Sächsischen Wochenblatt" das Leben nach Kräften sauer; wo sie nur ein Häkchen für einen Prozeß finden kann, setzt sie 1 ein. Neuerdings interessirt sie sich auch für die vermeintliche Beleidigung von Privatpersonen, für deren Ehre sie im„öffent- Ilchen Interesse" eintritt. Das ist dieselbe Taktik, die Ende der siebenziger Jahre Herr Testen darf in Berlin gegen die Berliner„Freie Presse" in Anwendung brachte. Mit dem Unterdrücken der Blätter auf Grund des Sozialistengesetzes scheint man keine besonderen Erfolge erzielt zu haben, nun wird der Kampf in anderer Weise gegen die Arbeiterblätter aufgenommen. N«rstaatUch«ng. Mit keinem Worte wird in neuerer Zeit mehr Unfug getrieben, als mit dem Worte„Verstaat- lichung". Erfunden ist das Wort von deutschen Zeitungs- schreibern, die den englischen Ausdruck„Rationalisation", das heißt wörtlich„Nationalisirung"— der Kirchengüter, des Grund und Bodens iL.— zu übersetzen hatten. Da das deutsche Wort „Nationalisirung" sich mit dem englischen Wort„Nationalisa- tion" keineswegs deckt, und von einer„Nationalisirung" des Landes, der Kirchengllter k., korrekt nicht gesprochen werden kann, so wurde das den Sinn besser wiedergebende Wort„Ver- staatlichung" in die Zeitungspresse eingeführt. Als dann für den BiSmarck'schen Polizei- und Militärstaat das Bedürsiiiß nach neuen Einnahmequellen immer brennender wurde und das Monopolideal am Horizont empor stieg, da verfiel etn streb- samer und streberhafter Professor(Wagner in Berlin— nicht zu verwechseln mit Herrn Wagener, oer zwar kein Professor, aber in seiner Allein Genie war, wenn auch ein reaktionäres) auf das Wort„Verstaatlichung", welches ihm besser zu klingen schien, als das anrüchige„Monopo". Und eines schönen Tages erfuhr die staunende Welt, daß Fürst Bismarck den wahren StaatssozialismuS entdeckt habe, daß die Tabak- industrie„verstaatlicht" werden solle, um daraus— nicht den Magen des Nimmersatten Militarismus zu füllen— behüte, sondeni„das Patrimonium der Enterbten" zu bilden; daifdieS aber nur der Anfang des tausendjährigen Reichs der sozial- reform sei, daß ein Erwerbs- und Betriebszweig nach dem andern der„Verstaatlichung" geweiht sei, kurz— daß nach und nach„alles verstaatlicht" werden müsse. Die Botschaft klang gar schön— für die G— elfter, die sich mit wohlklingenden Worten fangen lassen.„Alles verstaatlicht!" Das ist ja der Staatssozialismus in höchster Potenz, das ist ja die Lösung der sozialen Frage— der Stein der Weisen ist gefunden— ge- snnden natürlich von dem alleinseligmachenden Nationalgott Bismarck und seinem großen Propheten, dem kleinen Doktor und Professor Adolf Wagner. Und es gab G— eister. Die be- kannte Sorte von„Reinfall"-Kandidaten wird ja nicht alle. Freilich nicht allzu viel gingen auf den Leim und ins Netz. Die bösen Sozialdemokraten, welche den Braten rochen, lachten den kleinen, nein großen Propheten aus und verdarben den Fang. Das Patrimonium der Enterbten fiel elend ins Wasser. Das magische: Alles muß verstaatlicht werden des kleingroßen Pro- pheten und Professors verlor seine Zugkraft. Und Herr Wagener flüchtete sich unter die Rockschöße seines Freundes Stöcker. Wer weiß, ob er je wieder aufgetaucht wäre, wenn Stöcker nicht infolge bedenklicher, seine Gönner komprimittirender Prak- tiken untergetaucht worden wäre. Nun waren die Rockschöße fort, hinter denen, wie unter einem Scheffel, das Licht des großen und kleinen Propheten— wir wollen, um Mißdeu- tungen vorzubeugen, ausdrücklich konstatiren, daß das Benvort „klein" sich auf den Körper und das„groß" sich auf— andere Eigenschaften des Verstaatlichungsmessias beziehen soll— eine Zeitlang der Welt verborgen war. Jetzt ist er wieder da; ein siegreicher Held ist er eingezogen— eingezogen in die Spalten der„Kreuzzeitung", wo er seine Aussatze ablegt. Alles ver- staatlicht! Keine Privatwerkstätten mehr, keine Privatausbeuter mehr, kein Privatelend mehr— o nein! Alles wird verrun— j verstaatlicht; jeder Mann und jede Frau bekommt einen Staats- rock angezogen, statt der Privatwerkstätten haben wir die Staats- Werkstätten, statt der Privatausbeutcr„den Arbeitgeber Staat" und statt des Privatelends das Staatselend! Hosianna! K« dir Atmosphäre de» Iuchtrngrruch« glaubt man sich versetzt, so schreibt die„Franks. Ztg.", wenn man de« Schmerzensschrei liest, den in B erli n st u d ir en d e Russen in der„Voss. Ztg." laut werden lassen. Da hören wir von Verhaftungen seitens der Polizei der deutschen Reichshauptstadt, über deren Gründe nirgends Aufschluß zu erlangen ist, von von Verhaftungen, denen nicht, wie es doch gesetzlich vorge- schrieben ist, die gerichtliche Untersuchung auf dem Fuße folgte. Wenn man hört, daß der Versuch der Studenten, in Sachen eines ihrer vei hafteten Kameraden gerichtliche Untersuchung zu erwirken, daran gescheitert sei, daß dem zugezogenen Rechts- anwalt nicht gestattet wurde, sich mit dem Verhafteten in Ver- bindung zu setzen, und wenn man bedenkt, daß eine dieser Ver- Haftungen schon vor einem Monat vorgenommen wurde, so ist gewiß die Frage nicht unberechtigt, ob Deutschland, wie man rühmt, ein Rechtsstaat, oder ob es— um mit der„Nordd. einmal ein Blitz gerade vor dem Schiff in die Donau her- nieder, und in seinem Feuerschein gleicht nun auf einen Moment der ganze Felsen-Dom einem flammenden Höllen- pfuhl und rollt»er Donner mit einem Krachen, als sollte die Welt einstürzen, von einem Ende der widercönenden Titanenhalle zum anderen. Der Gußregen strömt in Bächen hernieder. Das Schiff aber muß vorwärts. Es muß vorwärts, damit die Nacht es nicht mehr in Orsova finde. Man sieht nichts mehr, außer beim Aufflackern des Blitzes; auch mit dem Horn dürfen keine Signale mehr gegeben werden, denn diese würde man auf dem rumänischen Ufer hören. Allein der erfinderische Mensch weiß sich den- noch zu helfen. Der Schiffskommissär tritt an den Schiffsschnabel, holt Stahl und Feuerstein hervor und fängt an, Feuer zu schlagen. Dies Feuer kann der Gußregen nicht auslöschen. Dies Feuer sehen auch die Zugführer durch den Regen, und so oft der Stahl einen Funken schlägt, wiffen sie aus diesem Zeiche« schon, was sie zu thun haben. Vom Ufer her geben sie gleichfalls Zeichen durch Feuerschlage«. Das ist die geheime Telegraphie der Schiffer und Schwärzer am Eisernen �hor. Diese stumme Sprache haben die von einander getrennten Uferbevölkerungen zu einer großen Vollkommenheit gebracht. Timea gefiel dies Ungewitter. Sie hatte sich ihre tür- kische Kapuze über den Kopf gezogen und sah zum Kajüten- fenster hinaus.„Sind wir in einer Gruft?" redete sie den Schiffskommissär an. „Nein," sagte Timar,„aber vor einem Grab«. Jener hohe Felsen dort, der im Flammenscheine der Blitze wie ei» Feuerbera glüht, ist das Grab des heiligen Petrus, die „Propa lui Petro". Und die beiden anderen Steingötzen neben ihm sind die beiden„alten Weiber". „Was für alte Weiber?" „Nach der Volkssage stritten sich ein ungarisches und ein walachisches Weib, zu welchem der beiden Länder das Grab Sankt-Petri gehöre. Der Apostel konnte vor dem Ge- zänke in seinem Grab nicht schlafen, und in seinem Zorn verwandelte er sie zu Stein." t It fa' in un S- Oi dei Mgem. Ztg." zu reden— ein„wildes" Land ist, vor dem sich der Fremde zu hüten hat. Begreiflich ist die„fürchterliche Ausregung", in welcher sich die in Berlin studirenden Russen definden; sie kann nicht größer in Moskau oder Petersburg sein, wenn dort einmal die Polizei zugreift, um Material für administrative Verschickungen nach Sibirien zu ge- Winnen. Muß nicht in den geängstigten Gemüthern der Verdacht Raum gewinnen, die preußische Polizei habe die Verdächtigen oder Verdächtigten ohne weiteres nach Rußland ausgeliefert, wo verdächtig sein so viel bedeutet, wie anderswo eines Verbrechens überführt sein? Hoffentlich bringt der Appell an die öffentliche Meinung, zu dem sich die jungen Russen in ihrer Angst entschlossen haben, Licht in diese dunkle Sache und belehrt uns zugleich, daß das Verhalten unserer Behörden dieses Licht nicht zu scheuen braucht, daß auch der Ausländer, der auf unserem Boden weilt, nicht rechtlos ist. Uel»-» die Keftrafung de» KonteaKtbruch»«och Ifina«» geht das Verlangen der konservativen Großgrundbesitzer im Osten. Die„Nordd. Allg. Zt.g" veröffentlicht einen spalten- langen Artikel eines Herrn Rogalla v. Bieberstein, Vorstand des landwirthschaftlichen Vereins für Gostyn-Sandberg und Umgegend. Bekanntlich können die landwirthschaftlichen Ar- beiter nach dem Gesetz vom 24. April 1854 wegen Konkrakt- druchs bestraft werden. Der Einsender klagt nun darüber, daß «s in den wenigsten Fällen gelingt, den kontraktbrüchigen Arbeiter, er spricht geschmackvoll von„entlaufenem Gesinde" zu ermitteln, da er in entfemten Landestheilen auf Arbeit geht. Das Freizügigkeitsgesetz soll daher nach seinem Vorschlag dahin beschrankt werden, daß Arbeitgebern verboten werden soll, Ar- beiter ohne Nachweis der zuständigen Ortspolizeibehörde des bisherigen Aufenthalts, daß der Annahme bczw. Beschäftigung als Arbeiter keine Hindernisse entgegenstehen, zu beschäftigen. — Das wäre dann freilich eine noch weit über die Paßpflicht, das Wanderbuch und das obligatorische Arbeitsbuch hinaus- gehende Stellung der Arbeiter unter Polizeiaufsicht. Nach der- selben Logik müßte man auch allen Kapitalisten verbieten, Guts- besitzem Geld zu leihen, bevor dieselben ein ortSpoiizeiliches Attest darüber beigebracht haben, daß sie bisher alle Verbind- lichkeiten ibren Gläubigern gegenüber streng erfüllt haben und das wäre doch vielen„hochgeborenen" Herren sehr unangenehm. Von der Kaar wird der„Franks. Ztg." geschrieben: Die äußerliche Ruhe in unserem Kohlenrevier ist ja soweit zurückgekehrt; aber im übrigen herrscht volle Zufriedenheit im allgemeinen in den Arbeiterkreisen noch nicht. Die Arbeiter hlen, daß eine gewisse Organisation ihnen noththut, um der ehörde gegenüber bei Wahrung ihrer Rechte mit mehr Erfolg als bisher operiren zu können, und so sind sie zur Bildung eines„Rechtsschutzvereins für die bergmännische Bevölkerung des Oberbcrgamtsbezirks Bonn" geschritten, dessen Statuten der Regienmg zu Trier eingereicht sind. Auch bezüglich ihrer politischen Vertretung wollen die Arbeiter in Zukunft selbstständiger vorgehen;(!) auch dafür »st eine Organisation in der Bildung begriffen. Man will bei den nächsten Reichstagswahlen einen Kandidaten aus den Handwerker- oder Arbeiterkreisen aufstellen und es wird bereits der Name des Hauptfiihrers bei der letzten Bewegung, des redegewandten Bergmanns Warken, genannt. Auf oer andern Seite läßt sich nicht verkennen, daß die Verwaltung neben ihren Maßregelungen auch einige anerkennenswerthe Schritte gethan hat, um ihren Zusagen gerecht zu werden. Die Zulagen bei der Löhnung seien hier beispielsweise erwähnt, ebenso die That- fache, daß dieser Tage zwei Steiger in Friedrichsthal entlassen worden sind. Weitere Entlassungen sollen bevorstehen. In Bergarbeiterkreisen wünscht man die Entfernung nicht nur auf die Unterbeamten beschränkt, sondern auch weiter nach oben hin ausgedehnt zu sehen. In der That muß in dieser Hinsicht die Taktik der Behörden als eine verfehlte bezeichnet werden. Dem Wunsche nach Entfernung unbeliebter und notonsch mit dem Arbeiter durchaus keine Füh- lung habender Beamten wird entgegengehalten, höhere Rück- sichten ständen dem im Wege, das Ansehen des Beamtenstandes könnte danmter leiden, die Arbeiter könnten in solchem Wechsel eine Schwäche sehen u. dgl. m. Dortmund, 3. Juli. In den„Dortmunder Nachrichten" giebt der bekannte Bergarbeiter Schröder eine Erklärung über seine gestern erfolgte Entlassung ab, der wir folgendes ent- nehmen:„Als ich gegen 20 Minuten vor 6 Uhr auf Zeche „Kaiserstuhl" ankam, wurde mir bedeutet, ich müßte mich beim Betriebsführer sofort melden. Ich that dasselbe. Derselbe er- klärte mir, er diirfe mich nicht mehr anfahren lassen. Auf meine Anfrage, ob ich mein Äezäh(Werkzeuge) herausholen und ab- geben müßte, oder ob man auch darauf verzichte, wurde mir zur Antwort, ich könne mir die nur getrost herausholen. Ich würde dann meine Abkehr(Entlassung) mit dem rückständigen Lohn pro Juni und für die 14tägige Kündigungszeit pro Juli erhalten. Ich habe dasselbe gethan, und als ich meinem Herrn Betriebsführer die Bescheinigung über die richtige Abgabe des Gezähs überreichte, hat mich derselbe eingeladen auf sein Bureau mitzukommen. Daselbst habe ich, wie oben angeführt, meine Entlassung und die Bescheinigung auf meinen Lohn erhalten. Auf die Anfrage des Herrn Betnebsführers, welchen Lohn ich Timea lachte nicht über diesen Scherz der Volksmythe. Sie fühlte das Scherzhafte gar nicht heraus.„Und woher weiß man, daß dies das Grab eines Apostels rst?" fragte das Mädchen. „Weil an jenem Orte viele heilkräftige Kräuter wachsen, die man gegen allerlei Krankheiten zu sammeln pflegt und weithin versendet." „Also nennt man einen Apostel denjenigen, der noch im Grabe Anderen Gutes thut?" fragte Timea. „Timea!" erscholl aus der Kajüte der gebieterische Ruf Euthyms. Darauf zog das Mädchen den Kopf durch das Fenster zurück und schloß die runde Zalousie. Als Timar sich wieder umsah, sah er nur noch das Heiligenbild allein. Das Schiff setzte trotz des Gewitters seinen Weg un- verdrossen fort. Mit einem Male hatte es endlich das finstere Felsen- grab hinter sich und so wie die beiden Felsenmauern weiter auseinander rückten, verschwand auch die dunkle Wölbung oben. So schnell die Bora die schwarzen Wetterwolken ge- bracht, so schnell war sie auch mit dem Ungewitter weiterge- zogen und plötzlich sahen die Reisenden das liebliche Esernathal vor sich ausgebreitet. Die Berglehnen an den Ufern waren bis hinauf mit Rebenpflanzktngen und Obst- gärten bedeckt; die Landschaft schimmerte im Golde der Abendsonne; aus grüner Ferne winkten weiße Häuser, schlanke Thürme, rothe Dächer herüber, und durch die krystallhellen Perlenschnüre der Regentropfen strahlte ein farbenprächtiger Regenbogen. Die Donau hatte ihr umheimliches Aussehen verloren, in erweitertem Bette konnte sie behaglich sich ausdehnen und in ihrem nach Westen sich ausbreitenden saphirgrünen Spiegel erblicken die Reisenden das auf einer Insel erbaute Orsova. ... Für sie das vierte, das größte Schreckbild. Der Tag war schon zur Rüste gegangen, als die „heilige Barbara" vor Orsova anlangte. „Morgen giebt's noch stärkeren Wind als heute," bmmmte der Steuermann, auf den rochen Himmel blickend. (Fortsetzung folgt.) pro Juli beanspruche, habe ich erwidert, den Durch- schnittS-Netto-Lohn, den ich pro Juni verdient hätte. Derselbe ist mir auch auf Anordnung des Herrn Be- triebsführers notirt worden. Er sei damit einverstanden. Auf meine Anfinge, aus welcher Veranlassung ich entlassen würde, erhielt ich zur Antwort: Auf Anordnung des Herrn Direktors. Ich muß noch bemerken, daß ich vom Herrn Be- triebSführer Mundscheid stets in der zuvorkommendsten und ficundlichsten Weise behandelt worden bin, auch bis zur letzten Stunde. Als ich dann am gestrigen Nachmittag meinen Lohn auf dem Bureau der Zeche„Westfalia" in Empfang nehmen wollte, traf ich unterwegs meinen Freund, den Bergmann Hein- rich Brinkmann. Derselbe war mein Leidensgefährte geworden, auch er hatte seine Abkehr sofort erhalten, wobei man ihm als Grund zur Entlassung seine Aeußerungen von der Versamm- lung vom vorigen Sonntag vorhielt(er habe die Beamten der Zeche geschmäht). Auf dem Bureau zur Empfangnahme unseres Lohnes angekommen, wurden wir sogleich vom Herrn Direktor Hilbck ohne Gruß, wohl aber in sehr inhumaner Weise ange- sprachen. Der Anstand verbietet mir, alle Worte wiederzugeben. Als ich(Schröder) den Herrn Direktor Hilbck doch schließlich darauf aufmerksam machte, er möge sich doch mäßigen, er sehe doch, wie wir Arbeiter uns gar nicht aufregten, trotzdem man uns entlassen, auch möge er als höchster Beamter seinen Arbei- tern mit gutem Beispiel vorangehen. Diese Entlassung ließe mich vollständig ruhig, ebenso wie zuvor. Ich habe nie einen größeren Erfolg in so wenigen Worten erzielt, wie gerade bei meinem Herrn Direktor Hilbck. Ich erhielt meinen verrechneten Lohn, und auf meine Anfiage, ob ich an dm Herrn noch eine Frage richten dürfte, wurde mir fieundlichst erwidert: Ja. Ich sagte: Herr Direktor, meinen Lohn pro Juni und auch bis zum 15. Juli habe ich erhalten. Da aber die Arbeitsordnung uns vor- schreibt, nur mit Schluß eines jeden Monats unser Ärbeitsver- hältniß zum Abschluß bringm, so beanspruche ich auch meinm Lohn vom 15. Juli bis zum Schluß des Monats. XWir können nach der Arbeitsordnung nur jedm Monat am 15. kündigen.) Der Herr Direktor erwiderte mir, wmn ich denselben bean- spruche, so müßte und sollte er mir auch werdm. Er glaube aber, ich hätte mich des Morgens schon mit meinem Betriebs- führer geeinigt, und wäre mit der 14tägigm Vorausbezahlung zufrieden gewesen. Ich erwiderte, ich wäre ja auch jetzt noch zufrieden gewesen, mit dem, was man mir gezahlt, keinesfalls aber würde ich auf die mir mit Recht zustehenden 14 Tage Verzicht leisten. Der Herr Direktor hat mir erwidert, daß, wenn ich es verlange, ich dmselben sofort erhalten könne. Ich erwiderte, es käme mir auf ein paar Tage gar nicht an, ich würde mir denselben schon holen. Anders war es mit meinem Freunde Brinkmann: demselben wurde vom Herrn Direktor bedeutet, ihm würde man keinen Lohn betreffs der Kündigungszeit aus- zahlen, er habe mit Recht seine Abkehr erhalten, infolge Schmähung und grober Unwahrheiten über die Beamten, auch sei er schon vor 15 Jahren beim damaligen Betriebsführer Gehres derselbe gewesen. Brinkmann als alter Bergmann ar- beitete seit 20 Jahren auf Zeche Westfalia, da ist jedenfalls jeder Kommentar überflüssig."— Im Anschluß hieran sei mit- getheilt, daß auch der Bergmann Siegel, welcher auf„Zollern" arbeitete, gemaßregelt worden ist. Eine Untersuchung hinstchtlich der Mahlbeein- fluspunge« der Bergleute durch die Grubendirektoren hätte, so schreibt die„Trierer LandeSzeilung", auch in das Programm der Untersuchung über die Verhältnisse der Bergleute im Ruhr- revier aufgenommen werden sollen.„Es ist an vielen Orten vorgekommen, daß den Bergleuten ungewöhnlich große Stimm- zettel auSgetheilt wurdm, daß man sie in geordneten Reihen an das Wahllokal führte und auf ihre Finger, in denen sie den ihnen überaebenen Stimmzettel hielten, so lange schaute, bis sie ihn in die Urne geworfen hatten. Ist das„geheime Ahstimmung"? Die Männer, die tagtäglich in der gefährlichen Grubenarbeit ihr Leben auf das Spiel gesetzt und an dem einzigen Tage, an dem sie ihr politisches Recht als deutsche Männer ausüben dürfen, durch diese Beaufsichtigung während der Wahlhandlung dieses einzigen Rechtes beraubt worden, sie haben die Entwürdigung empfunden, welche in solcher Be- Handlung lag. Diese Wahltyrannei muß aufhören! Bergleute, führet auch hierüber Beschwerde, und es wird hierin anders werden." Auf die Art, i««elcher die Uerdreitung deutsch- freisinniger Losialbätter von Parteiwegen und auf Partei- kosten betrieben wird, wirft ein im Kmsblatte für die Ost- prignitz veröffentlichtes Zirkular des Vorstandes des fieisinnigen Vereins für Wiltstock und Umgegend einiges Licht. Dasselbe lautet im Wesentlichen:„Für das II. Quartal war seitens des Vorstandes des„Freisinnigen Vereins für Wittstock und Umgegend" für Sie bei der Post ein Exemplar der„Prignitzer Zeitung" bestellt worden. Da nun das Vierteljahr jetzt zu Ende geht, so bitten wir Sie, mit Rücksicht darauf, daß für uns große Schwierigkeiten entstehen, selbst die„Prignitzer Zei- lung" bei der Post zu bestellen. Sie haben daher wohl die Freundlichkeit, dem Briefträger 1 M. einzuhändigen, damit Sie die„Prignitzer Zeitung" auch im JH. Quartal erhalten. Den verauslagten Avonnementsbetrag von 1 M. erhalten Sie gegen Vorzeigung der untenstehenden Anweisung bei unserem Kassirer, Herrn Tuchfabrikanten Ernst Behn in Wittstock, zurückerstattet." Die erwähnte„Anweisung" lautet:„Vorzeiger dieses hat heute durch Tuchfabrikant Ernst Behn in Wiltstock den verauslagten Abonnementsbetrag von 1 M. für ein Exemplar der„Prignitzer Zeitung" zurückerstattet erhalten." Wie hoch sich wohl die Jahresbeiträge des fieisinnigen Vereins zu Wiltstock belaufen mögen, daß er seinen Mitgliedern jährlich 4 Mark Zeitungsabonnement„erstatten" kann. Ist die Bezeichnung„schneidig" für eine Amtshand- lung beleidigend für den Beamten? Die Frankfurter Straf- kammer hat eine solche Beleidigung in einer Verhandlung gegen die„Frankfurter Zeitung" nicht für vorhanden erachtet. In dem betreffenden Urlheil wird über den Ausdruck„schneidig" folgendes ausgeführt:„Wenn dann die Amtshandlung weiter als„schneidig" charakterisirt wird, so ist auch dieses Wort, wie das angefochtene Urthcil zutreffend annimmt, nicht in lobendem, sondern in ironischem Sinne gebraucht, aber keineswegs in dem von dem Schöffengericht darin gefundenen Sinn der„Liebe- dienerei gegenüber den maßgebenden Autoritäten unseres Staatslebens". Das, was dem Ausdruck„schneidig" eine ironische, persifflirende Nebenbedeutung im Volksmunde gegeben hat, ist das Bestreben der Angehörigen gewisser Berufsstände, insbesondere junger Offiziere, die an sich löbliche Eigenschaft auch im sozialen Leben zur Schau zu tragen, wo sie nicht hin- geHort, und das Wort selbst zur Bezeichnung von Verhältnissen zu gebrauchen, auf welche es seiner ursprünglichen Bedeutung nach keine Anwendung leidet. In dem Kontrast des in der Volkssprache ungewöhnlichen und dennoch hochtrabenden Aus- drucks und der Beziehung auf ein an sich alltägliches Verhält- niß liegt dabei daS Komische, welches die„Schneidigkeit" zu einem m Witzblättern stänoig geworbenen Gegenstand der Per- sifflage macht. Auf eine Amtshandlung zurückubertragen, wohnt dann dem ironisch gebrauchten Ausdruck die Bedeutung einer sachlich am unrechten Orte entwickelten Energie, eines jugend- lichen Eifers, der sich nicht lange besinnt und sich dann auch einmal vergreift, bei. In keiner Weise aber wird damit die Niedrigkeit der Gesinnung, welche sich darin bekundet, der Hesseren Erkenntniß zuwider aus Liebedienerei in einer be- stimmten Richtung amtlich zu handeln, gekennzeichnet." Ueber die Schicksale des Notendrucker Kießling, der aus Braunschweig vertrieben wurde, liegt jetzt ein näherer Bericht vor, den wir als Beitrag zur Kulturgeschichte der Zeit hier wiedergeben: Der Notendrucker Hugo Kießling aus Leipzig wurde am 23. November 1886 vom Schwurgericht zu Leipzig wegen Ausruhr und LandfriedenSbruch zu 2 Jahr 6 Monat Zuchthaus, 6 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt. Veranlassung zu dieser Verurtheilung war ein Tumult, welcher am 26. September betreffenden Jahres bei der Ausweisung eines Sozialoemofiaten stattfand. Mehrere hundert Arbeiter begleiteten den Ausgewiesenen eine Strecke Weges, und einer derselben knüpfte ein rothe« Taschen- tuch an den Spazierstock. Einschreitende Polizeibeamte in Zivil, welche die rothe„Fahne" gewaltsam entfernen wollten, wurden geschlagen und mußten resultatlo« abziehen. Kurz darauf fanden jedoch verschiedene Verhaftungen und spätere Verurtheilungen statt. K. wurde nun zu obiger Strafe ver- urtheilt und verbüßte dieselbe im Zuchthause zu Waldheim in Sachsen. Am 23. Mai d. I. wurde er entlassen und infolge der tadellosen Führung im Zuchthause die 6jährige Polizei- aufficht auf 3 Jahre herabgesetzt. 5 Wochen vor seiner Ent- lassung wurde auf seinen Wunsch seitens der Anftaltsdirektiou — K. wurde natürlich auf Grund§ 28 des Sozialistengesetzes aus seiner Heimath ausgewiesen— nach Braunschweia berichtet. daß K. dortselbst Aufenthalt nehmen würde, weil fem Bruder seit Jahre» seinen Wohnsitz dort hat, und auch seine alte 70jährige Mutter sich dort niederließ. Am 26. Juni nun, also nach einem vierwöchentlichen Aufenthalt, in welcher Zeit fich K., welcher infolge der Abschwächung in Waldheim krank war, etwas erholte, wollte derselbe einen Handel mit Grünwaaren eröffne»» und hatte sich bereits die nöthigen Utensilien angeschafft, freilich mit von seinem Bruder entliehenen Gelde. Doch mit des Ge- schickes Mächten und mit der heil'gen Hermanbad ist nie ein ewiger Bund zu flechten. K. erhielt den Bescheid, auf Grund des Freizügigkeitsgesetzes das Herzoathum Braunschweig binnen 3 Tagen zu verlassen. Fast aller Mittel entblöst, krank, fast erblindet, im Alter von 40 Jahren muß er nun wieder den Wanderstab ergreifen, und wird nun direkt der Vagabundage eventuell dem Verbrecherthum in die Arme getrieben.— Er hat ja keine Heimath Und auch kein Vaterhaus. Am Sonntag Morgen trafen eine größere Anzahl von Freunden auf der Bahn zusammen, um sich von demselben zu verabschieden. Aber auch die Polizei beehrte denselben noch durch ihre Anwesenheit, und die große Anzahl derselben erregte bei den mitfahrenden Passagieren allgemeines Aufsehen. Großbritaunie«. In der Sitzung des Oberhauses zog der Premier- minister Lord S a l i s b u r y bei der Berathung der Bill be- treffend die Erleichterung der Uebertragung von Grundbetz die Regierungsvorlage zurück, nachdem das Haus mit 122 gegen 113 Stimmen die von Bath beantragte, von der Regierung aber bekämpfte Streichung eines Artikels angenommen hatte. Unterhaus. Der Deputirte B r o o k f i e l d bea»tragte die Ernennung eines Komitees zur Untersuchung der Ursachen der anhaltenden Abnahme des Hopfenbanes in England und zur Berichterstattung über die geeignetsten Mittel zur Abhilfe. Der Kanzler der Schatzkammer, Goschen, erklärte, die Regierung erkenne die Wichtigkeit der Hopfenindustrie, sowie den Nothstand derselben an, der sich indessen zu heben scheine; sie könne jedoch keine Hoffnung auf irgend welchen Schutzzoll, sei es ein offener oder versteckter, machen. Die Regierung sei bereit, den Antrag anzunehmen, falls derferbe dahin abgeändert»verde, daß nach den Worten des Antrags,„Mittel zur Abhilfe", die Worte. „falls eine solche vorhanden", eingefugt würden. Das Haus nahm den so abgeänderten Antrag an. Frankreich. Deputirtenkammer. Bei der fortgesetzte? Be- rathung des Budgets wurde der Antrag, Zeitgeschäfte mit einer hohen Steuer zu belegen, mit 305 gegen 197 Stimmen abgelehnt. Der Munizipalrath von Paris votirte die Summe von 10 000 Frks. zur Unterstützung der Familien der bei der Katastrophe von St. Etienne verunglückten Berg- leute. Deputirtenkammer. Sämmtliche Artikel des Einnähmebudgets wurden angenommen. Bei der weiteren Berathung des Budgets erklärte Dailliercs im Namen der Rechten, daß er und seine Freunde ein Budget nicht votiren wurden, das weder Reformen noch Ersparnisse aufweise, und daß sie mit Vertrauen einer neuen aus dem Willen des Volkes hervorgegangenen Kammer entgegensähen. Der Finanzminister Rouvier erwiderte, die gegenwärtige Legislatur habe die Ver- mehrung der Ausgaben beschlossen und das Gleichgewicht im Budget vorbereitet. Das Land werde zu unterscheiden»visse, r zwischen denjenigen, deren Leidenschaften es verwirren, und denjenigen, welche ihm mit Achtung und Ergebenheit dienen.. Das gcsammte Budget wurde hierauf mit 379 gegen 91 St. angenommen und die Sitzung aufgehoben. Das Budget wurde sofort dem Senate zugestellt. Nach Meldungen aus S t. Etienne ist auf den Gruben von Villeboeuf ein Streik ausgebrochen. Die Arbeiter, welche Morgens angefahren waren, kehrten Mittags aus den Gruben zurück und erklärten, die Arbeit nicht eher wieder aufnehme»» zu wolle»», bis ihr Lohn erhöht sei. Soitele Moverstchk. Ueterfe«, den 4. Juli. In der hiesigen Zementfabrik ist am 26. v. M. ein Streik der Darrenarbeiter ausgebrochen. Formell proklamirt wurde derselbe a»n 29. v. M. in einer öffentlichen Arbeiterversammluna Hierselbst. Der Borsitzende, Herr Alb. Gröschner, legte der Versammlung die Gründe der Arbeitseinstellung klar und führte u. a. aus, daß die Oefen um ein Bedeutendes vergrößert seien, ivofür sie(die Darrenarbeiter) keine Zahlung erhielten. Nachdem>»och verschiedene Redner für Aufiechterhaltung der Forderung eingetreten und die Streikenden zum festen Zusammenhalten ermahnt hatten, ging folgende Resolution ein:„Die heutige, m» Lokale des Herrn Holst tagende öffentliche Ar- beiterversammlmrg erklärt die Forderungen der Darrenarbeiter für gerecht und siihlt sich verpflichtet, sie mit allen ihr zu Ge- ote stehenden gesetzlichen Mittel»» zu unterstützen und ihr zum Siege zu verhelfen." Diese Resolution wurde mit großer Ma- jorität angenommen. Nachdem vom Vorsitzenden der Jndiffe- rentiSmus, auf den der Geschäftsführer gerechnet hätte, gebührend gerrigt war, wurde allseitig die Nothwendiakeit einer Vereint- gung befürwortet. Es wurde sodann beschlossen, einen Arbeiter- verein für Uetersen und Umgegend zu gründen. Mit einem Hoch auf das Gelingen schloß die imposante, von 500 Manu besuchte Versammlung. Uttersrisrhes. De» Kesticher« de» Pariser Kongreste« und der tan f er Ausstellung kann Meyer's französischer prachf»ihrer, Konversations-Wärtcrbuch für Reise und Ha»ls von Emil Pollack,— Leipzig, Verlag des bibliographischen Instituts, Preis 2% M.,— aufs beste empfohlen werden.— Das sehr handliche, gut gebundene Büchelchen zeichnet sich vor ähnlichen Sprachführern dadurch aus, daß es durch die alpha- befische Ordn»mg das Sichz»lrcchtfinden außerordentlich erleich- tert, wie es denn überhaupt sehr praktisch eingerichtet ist. Die Aussprache der Wörter ist allerdings nicht angegeben, indeß, da die Ausspracheregeln gut und»ibersichtlich dargelegt sind, so kann dies nicht als Mangel betrachtet werden. Auch wer ohne jegliche Vorkenntniß der fianzösischen Sprache die Reise unter- nimmt, wird, wenn er das Büchelchen unterwegs fleißig zr» Rathe zieht, bei der Ankunft in Frankeich in Paris nicht voll».. kommen hilflos dastehen. Theater. Sonntag, den 7. Juli. Ar«!l'» Theater. Die Hugenotten. Montag: Lucrezia Bor! Montag: Lucrezia Borgia. Friedet�-Ulich-lmftadtif'che» Theater. Montag: Dieselbe Vorstellung. NUrtoria-Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. Montag: Dieselbe Vorstellung. KeUealliancr- Theater. Gefährliche Mädchen. Montag: Dieselbe Vorstellung. GSend-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. preOslhe ßMerle-loose i _ �St�.�Vassage 1 Er. 9 M.— 10 A. Kaisep-Panorama. \IVlWEy Eine höchstinteressante Reise durch Amerika, Kalifornien. Seepartien; preisgekrönte astronom. Aufnahmen. Pe«! Pariser Weltausstellung 1889. »eise Kr. Mas. KchM Hertha. Sme Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. offer. s. Hanptziehung 4. Klasse 180. gott, v. 23. Juli bis 10. August. Hauptgewinne 600 000 M. 2x300 000 M. jc.[578 ■i Antheilloo ft WM '/» 84 M..>/.. 18 M..'/" 6 m., V« 3 y S. Labandtep, ältestes Totterie-Geschaft gegründet 1860.— Berlin, JohanniSstr. 5, pari Bringe mein Beiß- lild KairisOitr-Ltiktil allen Freunden und Genossen in Erinnerung. 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Soeben erschien: Die Keschichte der Krde. Von K. Heft 5. ä Heft 20 Pfennig». Zu beziehen durch die Expedition, Zimmerstraße 44. laUnsjtelliuui des Sifitofec-ieraeißes unter dem Protektorat Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, veranstaltet von der Schlosser-, Sporer-, Duchsen- und Mindenmacher-Innnng?« Kerli», bis 15. Juli 1889. Im Exepziephause des 2. Garde- Regiments zu Fuss, Karlstpa Geöffnet von Morgens 9 bis Abends 8 Uhr. Entree an der Kasse 50 Pf, Im Vorverkauf in den mit Plakaten versehenen Cigarrengeschäften k. 30 Pf. Eatatog 30 Pf. Jeden Donnerstag Nachmittag: Militär-Concert. sse 12» Fachverein der Former u. verwandter Kerufsgenossen. Montag, den 8. Juli, in Heydiich's Salon, Benthstratze 22: General-Versammlung. TageS-Ordnuna: «rages-�ronung: 622 1. Kassenbericht.— 2. Wahl des gesammten Vorstandes.— 8. Verschiedenes und Fragekasten. Grosse öffentliche Versammlung fretr Hatt-Arbeiter Deriins v. Umgegend WtSeäm am Dienstag, den 9. Juli. Ahends 8 Uhr, WWW in Renz' Salon, Uaunynstr. 27. Taaes-Ordnung: Bericht der Kommission über die Lage des Streiks. Beschlußfassung über die von Wallen- thin eingebrachte Resolution.— Diskussion und Verschiedenes. Das Erscheinen fämmtlicher Bau» arbeiter ist erforderlich. 632 Kronengarn ist da» beste Nähgarn für Aand- und Maschinen-Näherei, hat in allen Nummern garantirt volle« Maast, ist haltbarer als jedes andere Garn, näht infolge seiner Geschmeidigkeit auf jedem Maschinen- system gleich gut. Schwarzes Kronengarn, verändert seine Farbe nie. Weißes Kronengarn* nicmQte Man achte auf die nebenstehende Schutzmarke. Tb# In allen soliden Geschäften der Branche käuflich. Schutzmarke. Die seit 1877 bestehende, weitbekannte Uhrenfabrik von Max Busse 157 Invalidenstrasse 157, neben der Markthalle, verkauft jetzt sämmtliche Uhren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 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So rauschend sollte Dir verweh'« Dein Leben und verglühen;— In Glück und Roth Treu bis zum Tod Haft D« gewagt, gerungen. Für's Volk Dein Schwert geschwungen. Ans Deine Stirn das Volk heut drückt Des Lorbeers volle Spende; Dies Volk, unsäglich selbst bedrückt. Beweint Dein jähes Ende;— Treu bis zum Tod Der Fahne roth, So heiht es Dein gedenken. Daun vorwärts �-- kein Bedenken!— Fritz K« n- r t. Urckerles. G» dürfte für Niete nicht uninteressant sein» noch nachträglich zu erfahren, daß die Handlungsweise des Inhabers von„Äibbcrt'S Waldschlößchen" den Delegirten der Zentral- kasic der Tischler gegenüber nicht vereinzelt dasteht: derselbe handelte, wenn vielleicht anch unbewußt, nach„berühmten" Mustern.— Dem Wahlverein im 6. Berliner Reichstags ivahl- kreis wurde bei Gelegenheit seiner Landparthie am 2. Pfingst- fcicrtage nach„Waidmannslust" vom Wirthe des„Schweizcr- hihischen" daselbst das Singen mit der Motivinmg untersagt: „Ich bin hier neuer Wirth und habe davon Schaden."— Run Schaden sollte der gute Mann nicht haben und auf gings nach Hcrmsdorf ins Waldschlößchen. Vom Regen in die Traufe! Gesungen wurde hier zwar nicht, aber nach mehrstündigem Aufenthalt und nachdem Jeder etwas hatte draufgehen lassen, wurden wir auch hier, vom Wirthe in höchst eigener Person und unter dem Beistand der Gendarmerie, welche bis in den Garten geritten kam, und schließlich auch den Bahnhof besetzte, vertrieben. Es geht nichts über die Koulanz der Wirthe dem Arbeiter gegenüber! Merkt's Euch Arbeiter! Aenderungen in der Kiste derjenigen Wirthe, die ihre Säle zuallen Versammlungen hergeben. Die Lokalkommission theil« uns mit, daß das„ E l y s i u m", Landsberger Allee, so- wie Habel'S Brauerei zu streichen sind; dagegen kommt neu hinzu: Huth's Salon(Gottschalk), G e- sun dbrunnen._ G-rüchtr über Dlvhtherttis-Massenerkranknngen von Mannschaften des Fü>ilier-Bataillons des 2. Garderegi- ments zu Fuß waren gestern und vorgestern vielfach in der Fricdrichstadt und in unserem Nordviertel verbreitet. Dieselben haben sich jedoch, als völlig unwahr herausgestellt. Amtlich wird erklärt, daß in der Kaserne des Bataillons in der Karl- R C. Der gebildete Mensch hat Berlin längst ver- lassen. Was jetzt noch in den heißen Mauern weilt, gehört zum Pöbel, der nicht einmal Geld genug besitzt, um sich eine Badereise leisten zu können. Die saure Gurke tobt, und wäre nicht noch in letzter Stunde Buschiris Reitesel wieder einmal m die Spalten der Zeitungen gesprungen, man hätte fich ruhig mit dem Konflikt mit der Schweiz vorläufig noch begnügen müssen. Was den Schweizern UebleS nachgesagt werden konnte, ist von Halb- und Ganzoffiziösen mit wahrer Inbrunst ge- schehen. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" im Schim- pfen voran— das macht nichts, sie verdient fich damit ihr Brot— und bis in die letzten landrathsfreunolichen Kreis- blätter tönten die Unkenrufe nach daß von allen Wesen, welche die Natur hervorgebracht hat, der Schweizer das bei Weitem verächtlichste ist. Die Reichsfeindschaft hat ein Gutes: sie wechselt ab. Tritt uns und unserer nationalen Politik Jemand auf die geschätzten Hühneraugen, will er nicht ganz so, wie wir es für nöthig halten, so ist er ein Deutschenhasier, der zuerst mit kalten Waflerstrahlen zu behandeln ist, und wenn diese nicht mehr helfen, schließlich dem schwedischen Trunk verfällt, der bekanntlich nicht aus reinem Wafler besteht. Ein solches Stadium haben bisher fast alle europäischen Nationen durch- gemacht, und wenden wir das Gesagte auf unsere innere Politik an, so giebt es— außer Einem— wohl kaum einen Menschen oder eine Partei, die nicht schon im Gerüche der Reichsfeinschaft oder der Vaterlandslosigkeit gestanden hätte — was im Grunde genommen schließlich dasselbe ist. Wie gesagt, Buschiris Reitesel lenkte die öffentliche Auf- merksamkeit von dem mißlichen Fall auf angenehmere Gegenstände ab. Fehlt den Schweizern, wie der Stier wm Uri beweist, eine gewisse Hartnäckigkeit des straße sich zwei Kinder eines Unteroffiziers an der Diphtherie erkrankt befanden, von denen das eine dem tückischen Uebel erlegen, während das zweite Kind sich in der Besserung befindet. Von den Soldaten selbst ist auch nicht einer diphtheritiskrank, wohl aber befinden sich mehrere an Rachenkatarrh, Hals- schmerz:c. Leidende im Revier. Ein Feldwebel, welcher an- geblich dem tückischen Uebet erlegen sein sollte, litt an einer wenig schnierzenden Halskrankheit und wurde vor einigen Tagen todt in seinem Bett aufaefunden. Wie jedoch die ärzt- liche Untersuchung ergab, ist der sonst gesunde und kräftige Mann einem Herzschlag erlegen. Trost im Keid. Eine arge Enttäuschung mußte eine junge Daine erfahren, welche an einem der letzten Nachmittage um 5 Uhr am Brandenburger Thor stand und augenscheinlich auf ein Zusammentreffen mit einem gewissen Jemand wartete. Doch die fünfte Stunde war längst vorüber und das Sehnen der Harrenden hatte sich noch nicht erfüllt. Da trat plötzlich ein Dienstmann an dieselbe heran und überreichte ihr ein Billet, welches die Dame hastig öffnete und nach der Lektüre betrübt zusammenfaltete. Er konnte nicht kommen... Da trat der Dienstmann näher zu ihr, klopfte ihr freundlich ans die Schulter und sagte:„Na, Frileinkcn, trösten Se sich man, nehmen Se sich det nich so zu Herzen. Sie sind heite de Dritte, die ick von demselben Herrn solchen Brief bringe: ecnen um dreien, eenen um vieren un Ihren um fünfm. Bei die Vierte wird er nu woll alleene hinjehn." Gin Opfer ver Kurpfuscherei. Wie schwer gewisse Dinge selbst in der Stadt der Intelligenz auszurotten sind, zeigen die Fälle, in welchen allen Warnungeu zum Trotz wieder und immer wieder Menschen ihr Leben und ihre Gesundheit den unwissendsten Personen anvertrauen, als ob es in Berlin tar keine Anstalten gäbe, in denen auch dem Aermsten von llännern der Wissenschaft jede Hilfe geleistet wird. Aber es sind nicht einmal die Annen, welche zu den Kürpfuschern gehen, denn diese wollen eher bezahlt sein, als die Anstalt des Staats, und zu den Leuten, welche sogar einen Professor hätten hono- riren können, gehört auch die im Osten der Stadt wohlbekannte Großhändlerin Sch. Sie war auf ihren Marktwagen gestiegen, um beim Abladen von Grünkram behilflich zu sein, hatte aber wohl zu schwer gehoben, so daß der rechte Ann ihr aus der Kugel gefallen war. Statt nun aber sich an einen Arzt zu wenden, der ihr den Arm kunstgerecht wieder eingerenkt hätte, ging sie zu einem in ihrer Straße weit und breit berühmten „Homöopathen", der sie innerhalb acht Tagen so gründlich in die Kür nahm, daß die Frau vor Schmerzen fast den Verstand verlor und— jetzt zu einem Arzt ging. Der aber zuckte be- dauernd die Achsel.„Liebe Frau," sagte er,„Sie kommen zu spät! Der Ann ist verloren." Er wies sie nach der Charitec- Klinik und dort haben sie der Frau am vorgestrigen Tage den Arm amputirt. Seitens der Aerzte wird gegen den„Homöo- pathen" Anzeige erstattet werden. Gin mysteriöfer Vorfall hat die Aufmerksamkeit der Behörden erregt und dieselben veranlaßt, zur Aufhellung der Thatsache eine Untersuchung einzuleiten. Der Hergang der Sache selbst ist folgender: Der in einer der größten hiesigen Spritfabriken beschäftigte Arbeiter T. kam vor einigen Tagen zur gewöhnlichen Zeit, d. h. unmittelbar nach Schluß der Fabrik nach Hause. Hier setzte er sich in der Küche auf einen Schemel nieder, starrte eine Weile starr und stumm vor sich hin, begann plötzlich in in Krämpfe zu verfallen und verstarb dann, ohne mit irgend einem seiner Angehörigen über die Ursache seines Zustandes gesprochen zu haben, nach wenigen Minuten unter allen An- zeichen einer Vergiftung. Als der herbeigerufene Arzt zur Stelle war, konnte er nur noch den Tod des T. konstatiren, war aber unter den obwaltenden Umständen, da die Todesursache nicht genügend aufgeklärt war, außer Stande, einen Todtcnschein auszuschreiben. So gelangte der Fall zur Kcnntniß der Be- Hörde und dabei trat die ebenso merkwürdige als überraschende Thatsache zu Tage, daß wenige Tage zuvor ein in der näm- lichen Fabrik beschäftigt gewesener Arbeiter unter ganz denselben sonderbaren Umständen gestorben sei. Ob nun die Arbeiter sich selbst heimlich einen Schnaps destillirt und dabei an tödtlich wirkende Ingredienzen gerathen seien, oder ob die Verendeten in Räumen gearbeitet, in welchen sie so schädliche Gase ein- athmen mußten, daß sie dadurch vergiftet worden sind, wird die von der Staatsanwaltschaft gegen die betreffende Fabrik eingeleitete strenge Untersuchung ergeben. Selbstmord eines Arzte«. Der im Norden der Stadt wohnende junge Doktor V. hat sich gestern Abend das Leben genommen. Er hat seiner in Berlin wohnenden Braut ge- schrieben, daß sie ihn besuchen möge, da er sich nicht ganz wohl fiihle. Dieser Aufforderung war die Dame nachgekommen und V. unterhielt sich mit seiner Braut in der heitersten und un- Geistes keineswegs, so kann man ihnen vorläufig noch nicht gut mit unserer Schneidigkeit-zu Leibe, während Neger und Araber dagegen ein besseres Operations- seid bieten. Zu den Nationalhelden der letzten Tage gehört entschieden der Hauptmann Wißmann, das Interesse der Gutgesinnten an ihm übersteigt noch bei Weitem dasjenige, welches jeder Deutsche an Herrn Wohlgemuth zu nehmen verpflichtet war. Was kann es Schöneres geben in der Periode der all- gemeinen Mißerfolge als die lorbeergekrönten Nachrichten aus Afrika? Was giebt es Herrlicheres auf der Welt, als Siegesdepeschen, als Nachrichten von Triumphen der deutschen Waffen? Man müßte kein Herz im Leibe haben, welches höher hüpfen kann, wenn man kalt bleiben wollte bei ver Kunde von Thatm, wie sie jetzt von den Vorkämpfern für christlich-deutsche Sitte und nationalen Schnaps in Afrika verübt werden. Was dem Herrn Buschiri an Magerkeit abgeht, scheint er durch Schlauheit ersetzen zu wollen. Er hat es bis jetzt noch nicht für nöthig gehalten seinen eigenen geschätzten Schmerbauch zur Abstrafung dem Herrn Hauptmann Wißmann zu überliefern, er bleibt lieber in Sicherheit und läßt andere Leute durch die Staatsgewalt bestrafen, da' ihm selbst das Aufgehängtwerden nur wenig Freude zu bereiten scheint. An minderwerthigen Unter- thanen Sr. Majestät Buschiris ist dieses Experiment aller- dings mehrfach ausgeführt worden und zwar mit der Prä- zision und Exaktheit, die den preußischen Parademarsch auch in Afrika auszuzeichnen scheint. Erfreulich ist es übrigens auch für den Vaterlandssreund, zu sehen, daß alle he,mi- schen Sitten von Unteroffizieren und Mannschaften auch bis an die fernsten Küsten verpflanzt werden— in dem Brief eines Soldaten, der kürzlich von den Zeitungen veröffentlicht wurde, stand klar und deutlich zu lesen, daß die erste Hel- denthat, die an Arabiens entlegener Küste ausgeführt wurde, darin bestand, daß man die„schwarzen Mädels gezwungenster Weise. Als es später wurde und die Dame sich auf den Heimweg machen wollte, bat er sie zuvor, noch seiner Wirthin anzubefehlen, ihm eine Tasse Kaffee zu bereiten. Die Wirthin befand sich im Waschkeller, dorthin begab sich das junge Mädchen, ihren Auftrag auszurichten und als sie in das Zimmer ihres Bräutigams etwa nach 5 Minuten zurückkehrt, liegt der- selbe bereits entseelt über seinem Bette. Am Fußboden lag, seiner Hand entfallen, ein leer getrunkenes Glas, dessen scharfer Geruch darauf schließen ließ, daß sein Inhalt Karbol gewesen war. Der Schmerz der jungen Dame, welche so jählings all' ihres Glückes sich beraubt sah, war ein unbeschreiblicher, und mit Gewalt mußte sie von der Leiche ihres Verlobten entfernt werden, lieber die Motive, welche den jungen Mann in den Tod getrieben, herrscht noch ein vollständiges Dunkel. Wenn er auch noch keine Praxis hatte, so war er doch durch seine wohlhabenden Eltern vor jeder Sorge geschützt und noch tags zuvor hatte er von seinem in der Provinz wohnenden Vater eine bedeutende Geldsumme erhalten. Es bleibt der Beweg- grund um so räthselhafter, als er auch mit seiner Braut in glücklicher Harmonie verkehrte. Eine jugendliche Diedsgensssenschaft ist, der„Freist Ztg." zufolge, dieser Tage entlarvt worden. Ein Kaufmann in der Leipzigerstraße faßte am Dienstag seinen 15jährigen Lehr- ling dabei ab, als er eben einen Griff iu die Tageskasse ge- wagt hatte. Bei näherer Forschung stellte sich heraus, daß er und fünf gleichaltrige in andern Geschäften thätige Genossen systematisch ihre Chefs bestahlen, theils in baar, theils in Waaren, welche sie dann verkauften. Ein Theil der zuletzt geraubten Waaren wurde in dem möblirten Zimmer zweier Mitschuldigen beschlagnahmt. Gin bedeutender Dachstusildrand kam gestern im Hause Bülowstr. 94, Abends gegen 7 Uhr, zum Ausbruch. Der an der Apostelkirche stationirte Feuerlöschzug war auf die Meldung „Mittelfeuer" alsbald zur Stelle und trat sofort in Thätigkeit. Weitere Unterstützung traf dann vom Feuerwehrdepot am Hafen- platz und gegen 7% Uhr auch eine Dampfspritze ein, welch' letz- tere jedoch nicht mehr in Thätigkeit kam, da es mit Hilfe zweier Handdruckspritzen gelang, des Feuers Herr zu werden. Der Dachstuhst wurde total zerstört und erst nach 8 Uhr konnte mit den AufräumungSarbeiten begonnen werden, lieber die Eni- stehungsursache verlautet nichts Bestimmtes. Uon einer Droschke überfahren wurde gestern am Oranienburger Thor die in der Linicnstraße wohnhaste schwer- hörige 7gjährige Ärbeitersmittwe Karolinc B., als sie im Begriff war, den Fahrdamm zu überschreiten. Das 7. Polizei-Revier sorgte für die Aufnahme der Verunglückten, welche einen Bnlch des linken Oberscheiikels erlitten hatte, in ein Krankenhaus. Infolge eines Schlaganfalles brach gestern Nachmittag der 46jährige Schlosser Johann H. in der Tieckstraße plötzlich zusammen. Der Verunglückte schlug mit dem Gesicht gegen eine Hausmauer. Mittelst Droschke wurde der Bewußtlose in ein Krankenhaus gebracht. Z« der angeblichen Diebstahlsaffäre in der Pot«- damer Straffe, bei welcher der Portier des Hauses von zwei Damen um 1500 M. eingezogener Miethen gebracht sein wollte, können wir folgende Einzelheiten berichten. Der Portier W. ist gestern sammt seiner Wirthschafterin, einer gewissen S., wegen Unterschlagung dieser Summe resp. wegen Betmgs ver- haftet werden. Die Kriminalpolizei glaubte von Anfang an an keinen Diebstahl, sondem hatte den W. gleich im Verdacht, den Diebstahl nur fingirt und die Summe unterschlagen zu haben. Dieser Verdacht erhielt seine feste Begründung, als sich herausstellte, daß W. zur Einziehung der Miethsgelder weder befugt noch beauftragt gewesen ist. Er war einfach zu den Miethem gegangen und hatte die Miethe für den HauSeigen- thümer erbeten und» einige Miether hatten denn auf Treu und Glauben an W. bezahlt. W. und die S. leugnen zwar noch die That, auch ist die Summe— 1500 M.— noch nicht aufgefunden worden, doch sind die Beweismomente für die Ver- dächtigen erdrückender Art. Die Geschädigten sind diesmal aber die Miether und nicht der Vcrmicther, wie sich aus Vor- stehendem ergicbt. Gin gefährlicher Ginbrecher hat als Radfahrer in letzter Zeit verwegene Diebstähle ausgeführt. Gestern früh um 4 Uhr wurde die in der Grünthalerstraße wohnhafte Malerfrau Stengel von einen: aus der Wohnstube dringenden Geräusch wach und weckte gleich ihren Ehemann. Dieser sprang aus dem Bett und bemerkte in der Nebenstube einen Mann im Radfahreranzug. Schnell entschlossen ging er auf dm Fremden zu, doch dieser schwang sich aus dem Fenster und lief die Grün- thalerstraße entlang auf die Verbindungsbahn zu. Doch Stmgel war ebenso schnell aus dem Fenster hinaus»md, unbekümmert darum, daß er nur mit einem Nachthemde bekleidet war, setzte poussirte." Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß ein zarter, innerer Drang die jungen Menschen gerade zu dieser ehrsamen Beschäftigung nach dem feriien Afrika führt— es ist nur Schade, daß man gerade in dieser Beziehung außer- ordentlich häufig furchtbar enttäuscht wird und daß man dann später zu Dienstleistungm herangezogen wird, die mit„Poussiren" auch nicht die allerentfernteste Aehnlichkeit haben. Doch da wir Kolonien haben müssen, müssen wir natür- lich auch Kolonialschwärmer haben. Diejenigen, welche zu Hause in gedeckter Stellung, hinter einer großen Weißen verschanzt, das Kannegießern vorziehen, hallen entschieden den llesseren Theil erwühlt, während diejenigen, die draußen mit Herrn Buschiri und Konsorten in unsanfte persönliche Be- rührung kommen, häusig ganz anders über unsere natio- nalen Errungenschaften denken. Doch der Erfolg ist Alles! Solange wir verschanzte Lager einnehmen können, ohne daß wir sie wieder von uns geben, haben wir die Sympathien der Gutgesinnten und nach den Anderm haben wir nicht zu fragen. Der Patriotismus wird durch gewonnene Schlachten stets gekräftigt. Mit dem gewonnenen Lager Buschiris ver- kleistern wir die Samoakonferenz, und hat Herr Wißmann Glück und erwischt er schließlich den Herrn Buschiri doch noch in höchst eigener Person, so wächst auch schließlich über den Schweizer Streitfall Gras; das Vaterland ist gerettet, und mehr braucht kein tapferer Spießbürger und wenn er in seinen Mußestunden noch so viel Weißllier trinkt. Das ist Herrn Buschiri's Antheil an unserer nationalen Politik— er ist nicht zu unterschätzen, und hoffentlich ist die Zeit nicht allzu fern, wo wir diesen Blitzäbleiter auch rn Berlin— und wenn auch nur in Wachs gegossen— bewundern dürfen.--- er dem Flüchtling nach, und mit Hilfe eines Nachtwächters gelang es denn auch, den Flüchtling an der Verbindungsbahn einzu- holen und festzunehmen. Dem beherzten Maler Oskar Stengel ist gewiß Dank zu wissen, denn der Gefaßte, welcher sich zunächst einen falschen Namen beigelegt hatte, war der schon mehrmals mit Zuchthaus bestrafte frühere Kellner Karl Michaelis, der auf die eindringlichen Vermahnuugen des betreffenden Kriminal- kommissars nicht weniger als acht Einbrüche zugab, die er in letzter Zeit ausgeführt hatte. In der Stengel'fchen Wohnung hatte der Verbrecher ein Stoffbeinkleid und eine silberne Zylinderuhr mit auf die Flucht genommen. Es wurde aber bei ihm noch ein ganzes Lager gestohlener Gegenstände aller Art entdeckt und so mußte er zugeben, daß er auf einem Bau in der Jerusaleinerstraße eingebrochen war; ebenso zweimal in der Greifswaldcrstraße, in der Badstraße, Landsbergerstraße, am Dönhoffsplatz u. f. w. Auch in München hat der Ein- brecher vor acht Wochen eine Gastrolle als„Radfahrer" ab- folvirt und unter anderen Einbrüchen auch einen ausgeführt, bei welchem ihm eine schwere goldene Uhr als Beute zuge- fallen war. Gin unverbesserlicher Schwindler, welcher seinen Lebensunterhalt trotz feiner vielen Vorstrafen durch Bettelbriefe zu bestreiten bemüht ist, wurde abgefaßt und der Staatsanwalt- fchaft als Untersuchungsgefangener überliefert. Der Schwindler ist ein Kaufmann Louis Sch., welcher unter dem Namen stud. Louis Richter mit Bettelbriefen sich an Personen wendet, und in den Briefen unter Angabe unwahrer Thatsachen Geldzu erschwindeln versteht. So wandte er sich zuletzt an einen Mi- nister, schrieb deniselben, er sei aus derselben Stadt gebürtig und hoffe,. foon seinem„Landsmann" nicht im Stich gelassen zu werden. In der That erhielt er auch 15 M. Unterstützung zugesendet, doch bald derauf ereilte ihn sein Geschick. Der Betniger ist bereits wegen der verschiedensten Verbrechen vor- bestraft. Gin« unverbesserliche Ladendiebi« wurde gestern zur Haft gebracht. Es ist ein 17iähriges Mädchen P. aus Polen oder Ungarn, das es hauptsächlich auf Juwelierläden abgesehen zu haben scheint. Am 2. Juli erschien in dein Geschäft des Goldarbeiters B. in der Chausseestraße die P. und ließ sich goldene Ketten vorlegen, von denen sie eine zur„Ein- segnung" kaufen wollte. Während des Bctrachtens und des Handems brachte die junge Diebin zwei von den Ketten in ge- schickter Weise an die Kante des Ladentisches und ließ dieselben dann ebenso geschickt in ihren Schirm gleiten. Der Laden- Inhaber hatte aber die diebische Handlungsweise bemerkt, nahm die Ketten aus dem Schirm und übergab die Ladendiebin der Polizei. Da das Mädchen bei den Eltern wohnte, wurde sie noch einmal unter enistlichcu Verwarnungen entlassen, doch gleich am andern Tage versuchte sie dasselbe Manöver in einem Golvwaarcngeschäfte in der Müuzstraße. Hier hatte sie eine goldene Damcnuhr verschwinden lassen. Nunmehr ist die un- verbesserliche Diebin in Untersuchungshaft abgeführt worden. Mirbmtm Hut das Aufgieße« von Petroleum auf den Feuerherd ein Menscheuleben auf das Aergste ge- fährdct. Die 18 jährige Tochter des in der Gartenstraße wohnenden Steindruckers W. war gestern mit der Zubereitung des Mittagessens beschäftigt. Bei dem Feuermachen bediente sich das Mädchen des Petroleums, welches sie aus einer Flasche auf das schwach brennende Holz goß; im nächsten Augenblick schlugen die Flammen hoch, der Inhalt der Flasche explodirte und oaS brennende Petroleum ergoß sich über die Kleidung des Mädchens, welches sofort in lichten Flammen stand. Ihr Jammergeschrei führte alsbald Hausbewohner herbei, welche die Flammen durch Ueberwerfen von nassen Decken erstickten. Das Mädchen hat jedoch so schwere Brandwunden an Unterleib und den Annen erlitten, daß sie mittelst Krankenwagens nach einem Krankenhause überführt werden mußte. In der Poliklinik von Professor Dr. Kitten, Uni- versitätsstraßc 5 werden innere Krankheiten täglich(außer Sonn- tags) von 12 bis 2 Uhr unentgeltlich behandelt. Auch sind dort Apparate zur besonderen Behandlung von Lungenkranken aufgestellt. �_, Polizeiberichf. Am 5. ds. Mts. wurde vor dem Hause Markusstraße Nr. 26a ein 4jähriger Knabe von einer Droschke überfahren und erlitt dabei eine bedeutende Verletzung des linken Unterschenkels.— Nachmittags siel ein Mann vor dem Hause Schlegelstr. 20 in der Trunkenheit zu Boden und zog sich einen Bruch des Nasenbeins zu, so daß er nach Anlegung eines Nothverbandes nach der Charitee gebracht werden mußte. — Aus dem Neubau in der verlängerten Göbenstraße, Parzelle l, fiel zu derselben Zeit dem Staakermeister Reich beim Abrüsten der Stanaenrüstung aus dem zweiten Stock eine Rüststange auf den Kopf, so daß er eine bedeutende Verletzung erlitt. Er wurde nach dein Elisabeth-Krankenhause gebracht. Kurze Zeit darauf wurde ein 4jähriger Knabe vor dem Hause Mittelstr. 6 von einem königlichen Küchenwagen überfahren und erlitt eine schwere Verletzung am Rücken.— Ein 12jähriges Mädchen stürzte sich Abends, angeblich wegen schlechter Behandlung seitens der Pflegemutter, von der Michaelbrücke in die Spree, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht.— Abends toste sich ein Klempner auf das Geländer des Kanals am Vasserthorplatz gesetzt und war eingeschlafen. Er stürzte infolge dessen ins Wasser, wurde jedoch noch lebend herausgezogen und vach der Charitee gebracht.— Nachmittags brach im Dachstuhl des Hauses Bülowstr. 94 Feuer aus, durch welches derselbe zum größten Theil zerstört wurde.— Außerdem fanden im Laufe des Tages an fünf verschiedenen Orten kleinere Brände statt, welche ebenfalls von der Feuerwehr gelöscht wurden. GKvtchks�Ieikung. Unschuldig verhaftet. Das Schöffengericht zu Rixdorf verurthcilte vor einiger Zeit drei Arbeiter, welche beschuldigt waren, einen Arbeitskollegen des Nachts überfallen und gemiß- handelt zu haben, zu 8 M o n a t e n G e f ä n g n i ß. In der Verhandlung stellte sich der merkwürdige Umstand heraus, daß, während der eine Angeklagte, der Arbeiter Becker aus Britz, seine Unschuld betheuerte, die Mitangeklagten ausdrücklich er- klärten, Becker sei an der Schlägerei nicht betheiligt gewesen. Der Verletzte wollte den Becker aber erkannt haben, und auf dessen alleiniges Zeugniß hin wurde Becker gleich den anderen beiden Angeklagten für schuldig befunden und verurtheilt. Mit Rücksicht auf die Höhe der Strafe ordnete der Vorsitzende, Amtsrichter Lampe, auch die sofortige Verhaftung der drei Angeklagten an. Während sich die beiden geständig ge- wesenen Mitangeklagten bei dem Urtheil beruhigten, legte Becker Berufung ein und erhob gleichzeitig Beschwerde wegen seiner sofortigen Verhaftung. Schon nach fünf Tagen wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, denn die zuständige Strafkammer des Landgerichts n erklärte die Beschwerde für begründet,� da bei dem Beschwerdeführer, der schon 14 Jahre in Britz ansässig sei, Fluchtverdacht nicht vorliege. In der Sache selbst entschied gestern die zweite Strafkammer am Landgericht Ii infolge der eingelegten Berufung, daß die Theilnahme des Angeklagten Becker nicht erwiesen sei. Das Urtheil lautete daher auf Frei- sprechung und Uebemahme der Kosten auf die Staatskasse. Geradezu komisch muß die Strafe genannt werden, welche gestern die dritte Strafkammer des Landgerichts I gegen den Tischler Wilhelm S t a m m e r verhängte. Er gehörte zur Streikkommission und hatte besonders die Aufgabe übernommen, etwa hier zureisende fremde Gesellen womöglich zur sofortigen Wiederabreise zu veranlassen. Zwei Gesellen, die aus Hamburg hier ankamen, wurden auch von ihm auf dem Bahnhofe abgefaßt, und seine Beredtsamkeit, sowie einein Aussicht gestellte Unterstützung zur Rückreise aus der Streikkasse vermochten auch, daß die Frenidlinge sich bereit erklärten, sofort zurückzukehren. Die Kosten der Rückfahrt trug die Streikkasse, und der Anae- kiagte brachte seine beiden Begleiter wieder nach dem Bahn- Hofe, löste ihnen die Billets und wollte nun ihre Abfahrt über- wachen. Bald wäre ihm aber ein Strich durch die Rechnung gemacht worden. Auf dem Perron des Abfahrtssignals harrend, ließ sich einer der Fremdlinge mit einem Manne in ein Gespräch ein, es stellte sich heraus, daß derselbe Tischlermeister war, der Arbeitskräfte benöthigte. Schon war der Geselle schwankend geworden, da griff der Angeklagte, der dem Ge- spräch zugehört hatte, zu einem summarischen Versahren, er nahm den Gesellen beim Kragen, schob ihn mit Riesenkrast in den Waggon hinein, in welchem sich der zweite Geselle schon befand, und erklärte kurz und bündig:„Jetzt fahrt Ihr, der Zug geht gleich ab." Dies geschah denn auch im nächsten Augenblicke. In diesem Verfahren erblickte der Staatsanwalt Nöthigung und Vergehen gegen die Gewerbeordnung.(Von wem die Denunziation ausgegangen, theilt der Berichterstatter leider nicht mit. Red.) Dwienigen, welche immer das Wort von dem„Recht auf Arbeit" im Munde führten, so meinte der Herr Staatsanwalt geistreich, sollten sich besonders hüten, dies Recht mit Füßen zu steten. Er beantrage eine Gcfängnißstrafe von 6 Monaten. Der Gerichtshof hielt ebenfalls beide Gesetzes- Paragraphen für verletzt und erkannte zwar unter das beantragte Strafmaß, aber doch immerhin auf drei Monate Ge- f ä n g n i ß. Gin kleines ,Jeu", welches von einigen Kriegs- kameraden während des französischen Feldzuges in Szene ge- setzt wurde, hat für einen der Bethciligten außerordentlich schwere Folgen nach sich gezogen. Es waren der damalige Lieutenant von Lossow, oer damalige Avantageur Gustav Rathke und noch ein dritter Kamerad, welche damals vor Paris einen„Tempel bauten", v. Lossow saß im Verlust, nicht nur seine Baarschaft wanderte in Rathki'S Tasche, sondern er mußte diesem glücklichen Gewinner noch 35 Thlr. schuldig bleiben. Nach H Jahren, im Jahre 1878, mahnte Raschke den inzwischen zum Hauptmann avanzirten Herrn v. Lossow an die Tilgung der Ehrenschuld, und als er das Geld nicht erhielt, wandte er sich an das Regimentskommando, wobei er gleichzeitig Anspruch auf 45 M. 50 Pf. Zinsen erhob. Jetzt sorgte Hauptmann v. L. für Tilgung der Schuld, seitens des Regiments wurde Rathke aber bewogen, auf weitere An- svriiche zu verzichten, indem man ihm mistheilte, daß es nicht üblich sei, von Spielschulden Zinsen zu verlangen. Herr von Lossow glaubte die Sache abgethan und war daher nicht wenig verwundert, als wiederum acht Jahre später, im Jahre 1886, ein Schreiben von Rathke eintraf, in welchem nochmals an die angeblich ungetilgte Spielschuld aus dein Feldzuge ge- mahnt und die Höhe derselben nun gar auf 300 Mark bemessen wurde. Der Adressat erfuhr, daß sein ehemaliger Kriegskamerad inzwischen Unglück gehabt hatte, er hatte seine Stellung als Berliner Polizeilieutenant aufgeben müssen und war in Vermögensverfall gerathen. Hauptmann von Lossow hielt sich fiir das Opfer einer versuchten Erpressung, er erstattete Anzeige, als Rathke wiederum mit dem Regiments- kommandeur drohte. Rathke ist dann auch vom Landgerichte zu Graudenz zu einer Gefängnißstrafe von 4 Monaten wegen versuchter Erpressung verurtheilt morden. Gestern hatte Rathke, der inzwilchen nach Bremen verzogen ist, vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I zu erscheinen, weil er in seinem Bemühen, in der Erpressungssache ein Wiederausnahme-Verfahren zu erzielen, zu weit gegangen ist und in Beschwerdeschriften, die er an das Kriegs- und Justizministerium richtete, den Hauptmann von Lossow des Meineides und der Bciseiteschaffung von Schrift- stücken beschuldigte. Der Angeklagte versuchte den Nachweis zu führen, daß er in Wahrnehmung berechtigter Interessen ge- handelt habe und dies gelang ihm auch. Dagegen hielt der Gerichtshof ihn wegen der Form und der Absicht der einfachen Beleidigung für schuldig und hierfür eine Geldstrafe von 50 M. für angemessen. Der Prozeß gen»« de« ZUanrer Milhelm Gnnschon» und Genossen wegen geheimer Verbindung findet am 13. d. M., Vormittags 9 Uhr, än Alt-Moabit 11— 12, 1 Tr., Saal 49, statt. Soziale Uetterstchk. Maurer Deutschland». Der Generalstreik der Berliner Maurer ist aufgehoben, aber um so heftiger wird der partielle Streik entbrennen. Die Bresche, welche im Generalstreik ge- schlagen wurde, ist so groß, daß wir direkt sagen können, der partielle Streik wird uns in Kürze den Sieg auf der ganzen Linie sichern. Wir fordern nun hiermit jeden Kollegen, wel- cher in Berlin verheirathet ist, auf, sofort zurückzukehren, denn nur mit den alten bewährten Kämpfern werden wir das Unternehmerthum bezwingen. Alle Unser- heiratheten und solche, welche nicht an Berlin gehalten sind, haben noch fern zu bleiben, und so viel in ihren Kräften steht, unbedingt den Zuzug fern zu halten. Wir verlangen strickte Befolgung unserer Aufforderung. Das Zentral-Streik-Komitee der Berliner Maurer. Alle Arbeiterblätter ersuchen wir um Nachdruck. I. A.j: Julius W e r n a u, ZionSkirchplatz 2, 3 Treppen. Der Streik in der Kiftenfabrik von W. Ganert ist beendet. Die Forderungen der Arbeiter sind bewilligt. Die Kommission. Verfttmmlttngett. Die Delegirten-Dersaminlung der Tischler-Zentral- frankenkasse beendete am Sonnabend ihre Berathungen. ie Gehälter der in Hamburg wohnenden Kassenbeamten wurden für jeden derselben um monatiich 10 M. erhöht und zwar mit Rücksicht aus die durch den Zollanschluß Hamburgs vertheuerte Lebenshaltung in dieser Stadt. Außerdem wurden für besondere im Auftrage und zu Nutzen der Kasse geleistete Arbeiten 60 M. und 50 M. für bestimmte Kassenbeamte be- willigt.— Die sämmtlichen Vorstandsmitglieder wurden wieder- gewählt.— Der Sitz des Ausschusses befindet sich gegenwärtig m Frankfurt a. M. Es wurde aus der Mitte der Versamm- lung beantragt, den Sitz des Ausschusses nach Berlin zu verlegen. Der Antrag fand bei mehreren Delegirten lebhaften Widerspruch und zwar wegen angeblicher Unzuträglichkeiten in den Berliner Lokalvenvaltungen der Kasse.— In geheimer Abstimmung wurden mit 38 gegen 35 Stimmen(von letzteren lauteten 33 aus Frankfurt a. M. und 2 auf München) Berlin als Sitz des Ausschusses gewählt.— Zu Ausschußmitgliedern wurden gewählt: Zubeil, Nöske, Ritter, Böhm, Klein au, Plev, E. Schmidt, Reese, Müller; zu Stellvertretern: W. Schmidt, R o h k o h l, Irr- gang, Paul, Ertel, Mertens, Frigge, PilaSky und Richter.— Für die Frauen-Sterbekasse wird wider- spruchslos folgender Vorstand vorgeschlagen und gewählt: Blume, erster Vorsitzender, S p e t t m a n n, Stellvertreter, Gramm, erster Kassirer, Jacobs, zweiter Kassirer, Maurer, Schriftführer, S ch m e l t e r, Stellvertreter, Wohld, Kohlig, Petersen, Beisitzer.— Zum Schluß wurde das Statut, wie es aus den Berathungen der General- Versammlung hervorgegangen, verlesen.— Hierauf wird die Generalversammlung mit den üblichen Förmlichkeiten, Dankes- reden für die Mühewaltungen der Vorsitzenden und einem Hoch auf das Kasseninstitut geschlossen. Gine große öffentliche Derfammwng der streike»- de« Maler fand gestern Vormittag in der„Tonhalle" unter dem Vorsitz des Herrn Hohlwegler statt. Derselbe erstattete auch den Bericht und streifte zunächst die Verhandlunaea zwischen Meistern und Lohnkommission am Freitage. Da Referent ermähnte: Kein Arbeitsherr hat unsere Forderung als ungerechtfertigt oder übertrieben bezeichnet, sie haben sich nur nicht durch den Beschluß eines Minimallohnes binden wollen. Daß die Gerechtigkeit unserer Forderung von den Arbeitsherre« nicht einmal bestritten wird, muß uns der stärkste Sporn sein, für diese Forderung zu kämpfen, bis sie errungen ist. Da Generalstreik muß ausrechtgehalten werden, denn mit dem partiellen Streik geht die Kontrole verloren und beginnt die Zersplitterung. Der starke Besuch der Versammlung, und zwar nachdem schon 1500—1600 Gehilfen abgereist sino, läßt die Situation als eine günstige erscheinen. Herr Heydemann sprach gleichfalls für die Fortdauer des Generalstreiks und berührte die Behauptung der Meister, die Gehilfen hätten ja jedenfalls kei» Geld zum Streiken. Nun, die Meister'vennuthen das blas, da sie in unsere Kasse noch nicht hineingeblickt haben; wir lassen sie auch nicht Hineinsehen, wissen aber dürfen sie, daß wir schon von heute ab Unterstützungen zahlen können. Nach« dem noch die Herren Schulz, Retzerau,Göschke u. a. gesprochen hatten, wurde folgender Belchluß einstimmig gefaßt: „Der Generalstreik besteht fort. Bedrängte Kollegen werde« unterstützt; um Unterstützung Nachsuchende erhalten: Unver- heirathete 5.M., Verheirathete 6 M. und für jedes Kind 50 Pfennig prö Woche. Die Unterstützung wird nur gezahlt, wenn sich der Nachsuchende seit 14 Tagen im Streik bestndet." Unter„Verschiedenem" wurde der unfeine Ton in der Meister- Versammlung getadelt und betont, daß die Gehilfen sich nicht durch Nachahmungen dieses Tones ein ungünstiges Bildungs- attest ausstellen durften. Schließlich gelangte die Frage der Gründung einer Assoziation zur Erörierung, und es wurde be- schloffen, eine neue Versammlung behufs Referates und Dis-! kussion hierüber zu veranstalten, in derselben soll die rechtliche Seite durch einen Juristen erörtert werden. Der polizeiliche« Austösung verfiel vorgestern die nach dem„Rothen Adler" in Spandau einberufene Versammlung der Maurer Spandaus und Umgegend. Es mochten wohl über 200 Personen erschienen sein, denn der kleine Saal war drückend gefüllt, als Herr Kersten gegen 9 Uhr die Versamm- lung eröffnete. Nachdem sich das Bureau gebildet, welches die Herren Wernau zum ersten, Kersten zum zweiten Vorsitzende» und Wald zum Schriftführer aufstellte, leitete der erste Vor- sitzende die Versammlung mit einer längeren Vorrede ein. Auf der Tagesordnung stand u. a.: Bericht der Kommission über hiesige Lohnverhältnisse. Hierzu nahm Herr Grothe das Wort und wies in einer aufgestellten Statistik nach, daß der Lohn, welchen die hiesigen Maurermeister resp. Bauunternehmer auf den einzelnen Bauten zahlen, sich zwischen 30 und 50 Pf. pro Stunde bewege. Es entspann sich nun eine längere Debatte, worin u. a. der Vorsitzende ausführte, daß es bei den jetzigen Verhältnissen, wo Steuern und Wohnungsrniethen eine enorme Höhe erreicht hätten, unmöglich sei, daß ein Familienvater bei 30 Pf. Stundenlohn sich und seine Familie auf rechtlichem Wege erhalten könne. Redner ersucht, unbedingt Abhilfe zu schaffen. Ein anderer Redner ist der Ansicht, daß man sich in dieser Angelegenheit den Arbeitgebern nicht schroff gegenüberstellen, sondern rersuchen solle, sich aus gütlichem Wege mit denfelbe» zu einigen, was auch von mehreren Seiten befürwortet wurde. Dem folgenden Redner, welcher ausführte, daß Maurer, die von ihren Meistern mit 30 Pf. pro Stunde entlohnt würden, nicht Maurergesellen zu nennen seien und auch nicht befähigt sind, in der Versammlung zu erscheinen, entgegnete der Vor- sitzende, daß auch diese Leute Maurergesellen seien, aber eben noch unter dem Drucke der Unternehmer stehen, was Haupt- sächlich ihr eigenes Verschulden sei, indem sie sich an keiner Bewegung betyeiligen und die Versammlungen, in welchen sie aufgeklärt werden könnten, zu meiden suchten. Ueberhaupt sei es sehr zu bedauern, daß es noch solche Leute gäbe, die schließ- lich 14— 16 Stunden pro Tag arbeiten, dabei vergessend, daß ihre Behandlung noch schlechter sei, als die des Viehes, welchem man mehr Schonung angcdeihen ließe. Bei diesen Worten erklärte der überwachende Polizeibeamte die Versammlung für aufgelöst. In ruhiger Weise räumten hierauf die Erschienenen den Saal. Der Fachverein der Sattler und Fachgenossen hielt am Sonnabend, den 29. v. M., in Deigmüllcr's Salon seine regelmäßige Sitzung ab, mit der Tagesordnung: Vortrag des Herr» Dr.Zadek überGeschlechtskrankheiten, ihreEntstehung undHeilung. Diskussion. Verschiedenes. Der Referent schilderte in umfangreicher Weise die Entstehung der Krankheit. Ueber die Heilung sprach sich der Referent dahin ans, daß die meisten Leute, oie mit einer solchen Krankheit behastet wären, erst dann Rath beim Arzt holen, wenn sie das Uebel schon längere Zeit besitzen und die Heilung ist dann um so schwieriger. Referent führte weiter aus, daß die„falsche Scham doch dabei schwinden müsse im Interesse der Menschen selbst. Großer Beifall wurde dem Vortragenden bei seinen Schlußworten zu Theil. An der Diskussion betheiligten sich nur wenige, weil alles sehr verständlich erklärt wurde.— Unter Verschiedenem berichtet ein Kollege von der sogenannten Sattlcrbörse in der Stcglitzerstraße. Jnhaher dieses macht in den Zeitungen bekannt, daß er im Stande ist, einem jeden eine passende Stelle zn verschaffen. Doch kommt man zu dem Herrn Restaurateur hin, da wird man eines Anderen belehrt. Derjenige, welcher genügend dort verzehrt, bekommt vielleicht eine Stelle, aber für die anderen ist der Vermittler nicht zu sprechen. Da schon mehrere Beschwerden von verschiedenen Seiten zugegangen sind, so muß ein Jeder gewarnt werden, dort eine Stellung zu suchen. Wer dorthin geht, muß erst seine letzten Groschen vertrinken, erst dann bekommt der Betreffende eine Stelle,„wenn eine da ist". Wer arbeitslos ist, gehe nach der Dresdenerstraße 116 in Wendt's Restaurant, dort findet unentgeldlich der Nachweis statt. Es wurde noch auf die am 21. d. Mts. stattfindende Kremserpartie nach Wannsee aufmerksam gemacht, damit sich recht viele betheiliaen möchten. Dann schloß der Vorsitzende die zahlreich besuchte Versammlung um 12« Uhr. Der Unlerstük«ng»b«nk der Hausdiener Kerll«« hielt am Dienstag, den 2. Juli, seine dritte ordentliche General- Versammlung ab, in welcher zum 1. Punkt mitgetheilt wurde, daß zur Zeit fünf Mitglieder Krankenunterstützung beziehen und eine Ertra-Unterstützung von 25 M. bewilligt wurde; ferner, daß Billets zur UnfallversicherungS-Ausstellung- 50 Pf. für Mitglieder im Bureau zu haben sind, des Weiteren, daß am Sonntag, den 4. August, ein Fest zum Besten des Stellen- Nachweises in der Philharmonie stattfindet, und daß der Ueber- schuß vom Sommerfest ca. 900 M. beträgt. Es wurden noch die in Schwebe befindlichen Prozesse in Betreff Lohnstreitigkeiten bekannt gegeben und weiter beschlossen:„Anspruch auf Unterstützung seitens des Unterstützungsbundes wird erst mit einjähriger Mitgliedschaft erreicht", und dann die Diskussion über diesen Punkt geschlossen. Zum 2. Punkt: Vierteljahrsberichte, ergab der Bericht des KassirerS für April— Juni eine Einnahme von 1715,98 M., Ausgabe 1044,65 M., mithin Bestand 67 1,33 M., dazu Effekten 1700 M-, also Gesammtvennögen 2371,33 M. Im Stellennachweis wur- den gemeldet 355 Stellen, besetzt davon 281. Die Abrechnung von der Landpartie ergab ein kleines Defizit. Bei der jetzt folgenden Aufnahme neuer Mitglieder, wurden 58 Kollegen aufgenommen. Hieran schloß sich die Wahl der RechtSschutzkom- Mission, deren Obmann n der nächsten Versammlung bekannt gegeben wird. Zum Komitee wurde Kollege Werner gewählt. Nachdem noch auf die am 4. Juli stattfindende öffentliche Haus- diener-Verfammlung hingewiesen worden, in welcher über die eventuelle Beschickung des Pariser Kongresses berathen werden soll und der Frageka>ten erledigt war, wurde die gutbesuchte Versammlung um 1% Uhr geschlossen. - aufgelöst wurde die am Montag, den 1. Juli, in m-' � �alon, Weinstraße II, abgehaltene Versammlung oeS Berliner Wirkergesellenverbandes mit der Tagesordnung: l Vortrag des Herrn Werner über:«Kapital und Arbeit". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Referent führte aus, daß rvohl zu keiner anderen Zeit als in der heutigen die Gegensätze von Kapital und Arbeit so scharf hervorgetreten sind. Von früheren National-Oekonomen wurde die Manchester-Theorie verbreitet, daß eine Harmonie zwischen Kapital und Arbeit zu erzielen wäre; aber die fortschreitende Entwicklung der Verhält- mffe zeigt uns das Geaentheil. Das Kapital eignet sich die Macht Oer Arbeit an. Durch den Kamps der Großindustrie gegen das Kleinhandwerk wird die Ernmaenschaft desselben vom Kapital ausgebeutet; denn das Kapital hat das Bedürfniß, sich stets zu vergrößern. Die Kapitallosen bilden die Macht der Arbeit, das Kapital bildet die Macht der Besitzenden; auf diese Weise wird die Macht der Arbeit durch die Macht des Kapitals untergraben. Infolge dessen wird ein steter Kampf zwischen Kapital und Arbeit stattfinden. Die Frau, welcher in ihrer Eigenschaft als Mutter die Erziehung der Kinder obliegt, ist ebenfalls mit hineingezogen in den Dienst des Kapitals; und nicht nur die Frau, sogar die Kinder müssen oft noch im zartesten Alter dem Kapital ihre Kräfte opfern. Es ist dies hauptsächlich der Fall in Distrikten, in welchen die Hausindustrie stark vertreten ist. Es ist kein Wunder, wenn durch solche Auswüchse des Kapitals die Ge- schlechter entkräftet werden und zurück flehen; und es muß eine Form geschaffen werden, durch welche diese Demoralisation durch daS Kapital verhindert wird. Redner wies darauf hin, daß, je weniger Arbeitskräfte vorhanden sind, je höher die Löhne sich gestalten: je mehr Arbeitskräfte, je niedriger die Löhne. Nun werden aber durch die fortschreitende Maschinentechnik, so- wie auch durch Gefängnißarbeit viele Arbeitskräfte überflüssig gemacht, wodurch die Löhne bedeutend herabsinken. Als Redner bemerkte, daß daS Kapital stets durch irgend welche Mittel sich seinen Besitz zu sichern weiß, wie zum Beispiel durch Schutz- zölle, daß aber dem Arbeiter hieraus noch nie ein Vortheil er- wachsen ist, löste der die Versammlung überwachende Beamte dieselbe auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes auf. Es wird hierüber Beschwerde eingereicht werden. Di, öffentliche Versammlung der Zimmerlente Derlin» und Umgegend, welche am 5. d. M. in der Tonhalle unter Vorsitz des Hern, Jäckel abgehalten wurde, war ein- berufen worden zum Zwecke der Beschlußfassung über das weitere Vorgehen der Lohnbewegung. Herr Jäckel hielt es an der Zeit, daß die Zimmerleute wieder anfangen, sich zu regen. Es sei ein gewisser Waffenstillstand gewesen, um den Gesellen Zeit zur Erholung zu lassen. Um eine klare Uebersicht über die Situation zu gewinnen, verlas Herr Jäckel zunächst einen aus- führlichen Bericht über die letzte Versammlung der Bauinnung (Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermcister). Herr Jäckel gab im Anschluß hieran die Versicherung ab, daß wenn die Zimmergesellcn standhaft wären und noch einmal vorgingen, so sei der Sieg gewiß. Die Unterbrechung der Bewegung sei nicht zum Schaden, londern zum Nutzen derselben erfolgt. Jetzt seien die Gesellen wieder etwas gekräftigt und der zweite Ansturm könne unten, ommen werden, wenn auch von einem nochmaligen Generalstreik abzusehen sein würde. Die Meinung der Arbeit- geber, daß die Maurer und Zimmerer fiir dieses Jahr«kalt gestellt" seien, wäre, so meinte der Redner, eine irrige. Er habe seinerseits das Vertrauen zu den Berliner Zimmergesellen, wie auch zu den sonstigen Bauhandwerkern, daß sie nicht ver- schiedene Wochen gestreikt hätten, um, nahe dem Ziele, hoff- nungslos vor demselben»mzukehren. Und dieses Ziel sei die Beseitigung der zehnten Arbeitsstunde. An einen Generalstreik würde, wie gesagt, nicht gedacht, um nicht diejenigen Arbeit- geber zu schädigen, welche die Forderungen der Gesellen be- willigt haben. Die Agitation müsse und werde von Neuem beginnen und die Arbeitgeber würden diesmal nicht Wider- stand zu leisten vermögen. Gearbeitet werde zwar jetzt auf den Bauten, jedoch mit Mißmuth. Man lasse das Baugewerbe erst wieder ordentlich in Fluß kommen, und wenn dam, die Zimmergesellen wieder kraftvoll den An- stürm unternehmen, dann wäre an einem Siege nicht zu zweifeln. Der Beauftragte, Herr Stehr, hielt auch dafür, daß den-Zimmerleuten nie eine derart günstige Gelegenheit würde wieder geboten werden, eine Priiiziprenfrage, wie die Verkürzung der Arbeitszeit, zur Lösung zu bringen, als in diesem Jahre. Würde die Bewegung in diesem Jahre einschlafen, so wäre zu bedenken, daß die Zimmerer sich auch sobald nicht wieder würden so zusammenbringen lassen, wie in diesem Jahre. Auch Redner rieth, die Bauthätigkeit erst voll und ganz wieder in Fluß kommen zu lassen, ehe vorgegangen werde und zwar planmäßig vorgegangen werde. Leider wären die beschlossenen Samm- lungcn nicht so ergiebig gewesen, wie erwartet werden konnte und sei fiir eine rege Betheiligung an den Sammlungen un- bedingt Sorge zu tragen. Herr Laß besiinvortete ebenfalls ein nochmaliges Vorgehen in 2—3 Wochen und hegte er dieselbe Zuversicht wie die Vorredner. Herr Wolter wies seinerseits darauf hin, daß schon jetzt viele Zimmerleute des Morgens um TgUhr zu arbeiten beginnen. Es sei dies ein erfreuliches Zeichen und müßten alle Zimmerleute dahin gelangen. Nach einer weiteren Debatte, die nichts wesentlich Neues bot und nur dazu diente völlige Klärung zu schaffen, wurde folgende Resolution gefaßt:«Die heute, am 5. Juli 1889, in der Tonhalle tagende öffentliche Versammlung der Zimmerleute Berlins und Umgegend beschloß: Sobald der Zeitpunkt günstig zur Durchdringung unserer Forderungen, so soll auf allen Plätzen, auf denen die ctordeningen nicht bewilligt sind, unbedingt die Arbeit ein- •gestellt werden, da sonst eine Schädigung derjenigen Arbeit- geber, welche die Forderung bewilligt haben, stattfindet und die- selben schließlich gedrängt werden, wieder zurückzutreten. So beschließen wir yeut, bei allen denjenigen Arbeitgebern, die bis zum 8. Juli 1889 die Forderung nicht bewilligt haben, «Z somit auf die Arbeitseinstellung erst ankommen lassen, soll in diesem Fall die Arbeitseinstellung mindestens 4 Wochen anhalten, gleichviel, ob dieselben in der Zeit bewilligen oder nicht. Jeder Platz, welcher nach dem 8. Juli gedenkt, die Ar- beit einzustellen, hat sich vorher unbedingt mit den Beauf- tragten in Verbindung zu setzen, um alles zu regeln. Die- jemgen Plätze, auf denen die Arbeitseinstellung erfolgen soll, werden dann von den Beauftragten resp. der Leitung bestimmt." Behufs Aufstellung einer genauen Arbeitsstatistik sind Frage- bogen verausgabt, um deren ehrliche und gewissenhafte Aus- füllung gebeten wird. In der nächsten Zeit soll dann eine öffentliche Generalversammlung sämmtlicher Berliner Zimmer- leute einberufen werden, welche endgiltigen Beschluß zu fassen haben wird. Mit einem dreisachen Hoch auf die Lohnbewegung ber Zimmerleute wurde sodann die Versammlung geschlossen. Der Verein ,«r Mahrnng der materiellen Inter- «ste« der Steintrager und verwandter Verufsgenossen Berlins hielt am 16. Juni er. eine außerordentliche Versammlung ab. Herr Rennthaler sprach über die Thätigkeit des Vereins; sodann wurde zur Wahl eines neuen Vorstandes geschritten. Es wurden gewählt: Herr Rennthaler als erster, Herr Beeskow als zweiter Vorsitzender; Herr Weber als erster, Herr Kohl als zweiter Schriftführer; Herr F. Schröder als erster, Herr Friese als zweiter Kafiirer; als Revisoren die Herren Steinberg, Kandale und Grimm. Zur Fachkommission sind die Herren Kohlstädt, Wobsa', Wernau, Furchner, Lehmann, Gebhardt, Krähm und Schlüter gewählt worden. Die nächste Versamm- sammlung findet am 14. Juli, Jnselstr. 10, statt. A« die Stockarbeiter Kerlin«! Die Kommission, welche am Montag, den 1. d. M., in Deigmüller'S Saal ge- wählt wurde, hat behufs Agitation unter den Hausarbeitern ein Flugblatt anfertigen lassen. Diejenigen Kollegen, welche es ernst mit unserer Bewegung meinen, werden ersucht, heute (Sonntag) von 10—12 Uhr bei Gründet, Dresdenerstraße 116, dieselben abholen zu wollen, um sie zur Vertheilung zu bringen, resp. an Adressen der ihnen bekannten Hausarbeiter abzugeben. Gleichzeitig zur Mittheilung, daß am Mittwoch, den 10. Juli, Abends 7 Uhr, eine öffentliche Versammlung der Stockarbeiter in Deigmüller'S Saal, Alte Jakobstraße 48», stattfindet. I« der am 5. Juli ftattgefundenen Generalver- sammluug der Urrgolder wurde mit allen gegen eine Stimme beschlossen, den aus Berlin ausgewiesenen, letzt in Branden- bürg a. H. wohnhaften Veraolder Ferdinand Ewald mit der Vertretung der Vergolder Berlins auf dem internationalen Arbeiterkongreß in Paris zu betrauen; ferner wurde eine Kom- Mission von 3 Mann gewählt, welche für die Aufbringung der Kosten Sorge tragen soll. Kerichtigung. In dem Bericht der öffentlichen Ver- sammlung der in Buchbindereien und verwandten Berufen beschäftigten Arbeiter befinden sich einige Fehler. Es muß natürlich nicht heißen, daß der Beschluß des Verbandvorstandes dahinging, die Arbeitszeit auf 100, sondern auf 10 Stunden zu reduziren. Ferner muß es in der Resolution nicht zehn- st ü n d l g e, sondern neunstündige Arbeitszeit heißen.« Perband deutscher Zimmerleute(färnrnttWit gokalverbewde Berlins! ©rofte Generalverlammluna am Sonntag, den 7. Inn, Vormittags 10 Uhr, im Königstadl.,«asino, HoUmarttstr, 72. Tagesordnung: 1. Bericht der Dcicgirtcn oom dteSjtihrigcn HandwertStage ,u Weimar und Bericht deS VerbandS-AuS- ichuffcS. 2. Wahl des VerbandS�AuSichuffeS. S. Verschiedenes. Es ist Ehrensache eines jeden Mitgliedes, in der Versammlung zu erscheinen. Such werden daselbst Mitglieder ausgenommen. OuittungSbuch lcgitimirt. trrri« der Mirthrr de» N«rd»n» gtirlix». Generalversammlung onntag, den 7. d.M.. Vormittags 10 Uhr, im Eolberger Salon, Coibergec. ltralie 23. Tagesordnung■ 1. Jahresbericht und Bericht der Revisoren. 2. Vor- standSwahl. 3. Vortrag des Herrn Pirch über• ,Dr. Stolp und die Lösung der Wohnungsfrage, 4. DrStuIston. 5. Verschiedenes und Kragekasten. Gäste will- kommen. DaS Erscheine» der Mitglieder ist nothivcndig. P«r»i« gewerblich»» Kitssarbeiter. Die zum Sonntag, den 7. Juli projcktirte Landpartie ftndet nicht statt. Perrin der Kauanschliiger Keriin» und Umgegend. Am Sonn. tag, den 7. d. M., Vormittags 10 Uhr, Orantenstrahe 51 bei Preuß: Generalversammlung. OuittungSbuch lcgitimirt. Perein der Miether de« P-rden Perlin». Sonntag, Vormittags 10 Uhr, im Eolbergcr Salon, Eolbergerstrahc 23: Generalversammlung. Tages- ordnung: 1. Jahresbericht und Bericht der Revisoren. 2. Vorstandswahl, 3, Vortrag des Herrn Pirch über-„Dr. Stolp und die Lösung der Wohnung». srage.' 4. Diskusston. 5. Verschiedenes und gragekallen. Da der in Aussteht genommene Referent abgeschrieben hat, kann der laut Söulcnanschlag angc- kündigte Vortrag nicht stattstnden. Pereinigung der Drechsler Denischtand« COrtSverwaltungBerlin III). Versammlung am Montag, de» S, d. M„ bei Lotzmann, AndrcaSstr. 26, AbendS 6X Uhr. TageSordnuup'. I Kastenbericht. 2. Innung, Gewerkvein und Fach- verein. Referent Kollege I, Hildebrandt, 3. Verschiedene» Da« Erscheinen sämmtlicher Kollegen ist erwünscht. Allgemein» Kranken- und Sterbekass» der Metallarbeiter lE. H. 29. Hamburg, Filiale Berlin VI). Montag, den 8. d. M, Abend» 8% Uhr, Gartensir. 12, bei Krüger, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Kastenbericht. 2, Stichwahl, s. Verschiedenes. Erscheinen ist Psticht eine« jeden Mitgliedes. Zehrkur fus der Serliner Arbeiter zur ersten Hilst bei Unglück«. fällen. Montag, den 8- Juli, AbendS 8% Uhr, Alte Jakobstr. 75, I. Vortrag deS prakt. Arzt Dr. Bernstein über i Krankheiten. 2. Ausgabe de» Statut«:c. 3. Aufnahme neuer Theilnehmcr. Dainen haben diesmal Zutritt. hierein der parquetbodenleger Perlin«. Montag, den 15 Juli, Landpartie nach Schilddorn. BilletS sind zu haben bei Grahl, Skallgerstr. 59; Arndt, Fehrbelincrstr. 48; Geiscler, Vcteranenslr. 4; Karpe. Teltowcrstr. 30; Schubert, Hollmannstr. 14. «rohe öffentlich» Persammlung derKchlxIser. Maschinenbauer und Berussgenosten am Montag, den 8. d. M.. im Eigstum, Landsberger Allee Nr. 39, AbendS 8% Uhr. Tagesordnung; 1. Wie stellen sich die Schlosser und Maschinenbauer zur Verkürzung der Arbeitszeit? 2. Diskussion. 3. Ver. schicdencs. Die Genehimgung ist ertheilt. Der wichtigm Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen Dl»«eneralorrsammlung der freien Kranken, und Begräbnihkaste der Schuhmacher und BerusSaenossen Berlins lE. H. Nr. 27) stndet am Montag, den 15. Juli, Abends 8 Uhr, im JnnlingShause, zischerstrahe 25, statt. Tage«. ordnung; 1. Vierteljährlicher Kastenbericht. 2. Innere Angelegenheiten.- OuittungSbuch legiliinirt. Der Vorstand. «rast» östfentllch« Uischler-Nersammlun» ain Montag, den 8. Juli Abends 8% Uhr, in de»„Büraersälen". Dresdenerstraße 96. Tagesordnung; 1. Die Lage der streikenden Tischler in den verschiedenen Städten Deutschland« Referent; Herr Al>n>a»n au« Braunschweig. 2. Diskussion. 8. Verschiedene» Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Eindcruscr. Fachaereln ber Pasan, entler« und BernsSgenossen. Versammlung am Montag, den 8. Juli, AbendS 8� Uhr, in Feuerstei» S Salon, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung; 1. Vortrag des Herrn Türk;„Die Arbeiterbewegung und die nioderne Poesie". 2. Rechuungsauslegung. 3. Revisorcnwahl. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Zu zahlreichein Besuch wird eingeladen. - DaS Stistungifest, bestehend in Konzert, Theater und Ball, findet am 13. Juli im„Deutschen VolkStheatrr". Schönhauser Allee 156, statt. BilletS zu 30 Pf. sind in der Versammlung und im Arbeitsnachweis, Oberwasserstr. 12, zu haben. Allgemein» Kranken-«nb sterbekass» ber Metallarbeiter . Hausdiener Berlins am Dienstag, den 9. Juli, Abends 9 Uhr, Neue Grünstr. 28 bei Jordan. Tagesordnung: 1. Vortag des Herrn I. Türk. Die wirth- schaftliche Umwälzung der französischen Revolution. 2. Diskussion. 3. Vierteljahresbericht. 3. Aufnahme neuer Mitglieder u. Verschiedenes 637 D e r V o r st a n d. Pttröipgs-Pttdü der Blllinn Zinumleiitt. Am 5. d. M. verschied nach längerem Leiden unser Kamerad, der Zimmerer Carl Bork# Die Beerdigung sind et Sonntag, Nachmittags 5l Uhr, von dem Augusta-Hospital, Scharnhorst- straße, nach dem alten Marienkirchhofe, Prenz- lauer Allee, statt. 640 Der Vorstand. Llchv. ßmmtL nngolzbenrbelmgs- Maschluen beslhWM Arbeiter. Montag, den 15. Iuli, bei Kaeger, Grüner Weg 59: General- Versammlung Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. Verschiedenes. 3. Fraaekasten. Gäste sind willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um recht zahlreichen Besuch vittet 648) Der Vorstand. Das Vereinslokal der Maler nnd»er- wandte« Kernfsgenoste« der Filale III (Ost) ist von der Andreasstraste 34, Restaurant Göttel, nach der Klnmenstraße Kr. 38 (Rcstamaiit I. Hcnkc) verlegt.(631 Der B e vollmächtigte. Mein Weiß- unb Bairislh-Bier-Lokal befindet sichjetzt Eisenbahiistr.35, pt. Carl Vfister. 544) 1 Spiegel und Polster Maaren #« reelle Maare zu solide« preisen. 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Druck und Verlag von Mar Kabing in Berlin SW., Beuthstraße 2.