Kr. 158. Mittwochs den 10. Juli 1889. 6. Jahrg. lerlinerDolblilölt. Lrgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens auher nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1.35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt� 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Erpedition Zimmerstraste 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemein 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der Postzeitungsvreisliste für 1889 unter Nr. 866.) Kur da» Ausland: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 4 gekästelte Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin KW., Zimmerstraste 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentaaen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festlagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -*•-» Fernsprecher: Amt vi. Jlt. 4106.,- Nrvnltbion: VeuthstrMe S.— Expeditton: 44. Dss Mngliick von »Sotnl-Etienne. Verstümmelte Leichen, weinende Wittwen und Waisen, schreckenbleiche Menschen beweisen wieder einmal, wie gefähr- lich der Beruf des Bergmannes ist und welche Opfer, welches Elend er in seinem Gefolge haben kann. Dunkle und furchtbare Naturgewalten, gegen welche menschliche Vorsicht und Kunst sich nicht als ausreichend erwiesen haben und die man deshalb im Volksglauben so gern zu bösen Dämonen gemacht hat, walten in der unheimlichen Tiefe der Bergwerke und brechen zuweilen mit furchtbarer Zerstörungs- kraft mitten in das Menschenwerk. So ist es auch in St. Etienne geschehen; ein schlagendes Wetter, das man weder voraussehen noch abwehren konnte, ent- lud sich in den tiefen Kohlengruben mit einem furchtbaren Knall, der auf der Oberfläche weit- hin gehört wurde und alle Herren erbeben machte, denn man wußte sofort, daß nun der Tod in den Gruben eine reichliche Ernte gehalten habe. Man blieb auch nicht lange in Un- gewißheit; bald wurden Leichen und verstümmelte, noch athinende Menschen an's Tageslicht aus der Tiefe gefördert, vor einer zusammengeströmten erregten Menschenmenge und vor den Augen der Ihrigen. Zn diesem Moment zählt man 213 Todte oder Vermißte. Der Zammer in den vom Unglück betroffenen Familien ist unbeschreiblich. Die Gruben von Saint-Etienne sollen, so lesen wir, zu den reichsten unter den bis heute aufgedeckten und be- kannten gehören. Die Mächtigkeit einer fruchtbaren Kohlen- schicht steigt dort nämlich manchnial bis gegen 30 Nieter, die zwischen den nach der Tiefe sich folgenden Kohlen- lagern liegenden Felsbänder sind dünn und brüchig, die Kohle selbst meist stark zersplittert, so daß sie schlecht trägt und zudem durch ihre große Oberflächenentwickeluna der Zersetzung und Gasbildung besonderen Vorschub leistet. Zum Bettieb und zur Sicherung der Werke sind daher stets die sinnreichsten und kühnsten Vorkehrungen notwendig. und doch bildet die Tiefe des zwischen Rive de Gier und Finning gelegenen, 32 Kilometer langen und 8 Kilometer breiten Grubenfeldes einen Herd steter Todesgefahr. Ab und zu wird die Gefahr zu einer furchtbaren Katastrophe und doch finden sich immer wieder die Menschen. die sich für kärglichen Lohn bei harter Arbeit dem gefährlichen Berufe widmen, in die Tiefe der Schächte hinab zu steigen, und die dem heutigen menschlichen Gemeinwesen unentbehr- liehe Kohle ans Tageslicht zu fördern. Man stelle sich einmal vor, welche Wirrmß in der heutigen Gesellschaft entstehen müßte, wenn sie einmal vierzehn Tage ohne Kohlen sich behelfen sollte! Beleuchtung, Heizung und was damit zusammenhängt, wäre unmöglich; der ganze ungeheure Verkehrsapparat, der d,e fünf Erdtheile so nahe aneinander gebracht hat, müßte stille stehen. Das Feuilletott. lNackdruck verbolcn.I I» Ein GollvmeitFiV. Roman von Maurus Jükai. Fünftes Kapitel. Die herrenlose Znsel. Die auf dem serbischen Ufer zurückgelaffenen Zugpferde setzten noch in derselben Nacht sammt den, gekappten Schiffsseil in Ueberfuhrplätten auf das ungarische Ufer über, unterwegs überalldieKundeverbreitend.dasTauseibeidemgefährlichenPeri- grader Strudel von selbst geriffen und das Schiff mit Mann und Maus zu Grunde gegangen. Am Morgen war dann im Orsovaer Hafen keine Spur mehr von der„heiligen Barbara". Wäre zufällig der Kommandant der türkischen Brigantine auf den Einfall gerathen, auf dem Kanal in- mitten des Eisernen Thores bis nach Orsova hinauf zu rudern, so hätte er hier schon nicht mehr gesunden, was er suchte; und über Orsova hinauf bis Belgrad gehört ihm nur die Hälfte der Donau; auf dem ungarischen Ufer hat er nichts zu befehlen. Die Festung auf der Neu-Orsovaer Insel gehört noch ihm. Um 2 Uhr Nachts war die„Heilige Barbara" von Orsova aufgebrochen. Nach Mitternacht pflegt der Nord- wind in der Regel auszusetzen, und so mußte man die günstige Zeit benutzen. Die Mannschaft hatte, um sie bei gutem Muthe zu erhalten, eine doppelte Ration Branntwein erhasten, und oberhalb Orsova ertönte wieder das melancho- tische Getute des Schiffshorns. Der Aufbruch erfolgte in aller Stille; von den Wällen der Neu-Orsovaer Jnselfeswng tönten die lang gezogenen Rufe der türkischen Schildwachen herüber. Das Schiffshorn gewaltige Beförderungs- und Betriebsmittel, das heute alles bewegt, der Dampf, wäre lahm gelegt. Die Kohle kann uur mit Mühsal und harter An- strengung dem dunkeln Schoost der Erde entrissen werden; der Mensch, der sich dieser Arbeit widmet, muß dem goldnen Sonnenlicht entsagen und sich in eine geheimnißvolle und unheimliche Tiefe begeben, in ungesunde Sticklust, wo sich die furchtbaren schlagenden Wetter zusammenballen. Der Mensch auf der Erdoberfläche,„der da athmet im rosigen Licht", sollte von der größten Hochachtung erfüllt sein für die opfermuthigen Brüder, die der Gesellschaft so große Dienste leisten, indem sie in die Tiefen der Erde hinab- steigen. Man wird, wenn man in die Vergangenheit zurückblickt, finden, daß das früher anders war als heute. Wir wollen uns glücklich preisen, daß so manche finsteren Gespenster und Schreckgestalten der Vergangenheit verschwunden sind; andererseits aber wollen wir auch nicht verkennen, daß die hinter nns liegenden Jahrhunderte Man- ches aufzuweisen haben, was wir heute mit Schmerzen ver- missen. Es hat Zeiten gegeben, da die rasende Jagd nach Erwerb und Gewinn noch nicht den groben Materialismus großgezogen und die Menschenseclen verhärtet hatte; es gab Zeiten, da die Konkurrenz noch nicht dahin geführt hatte, durch Herabdrückung der Produktionskosten das Arbeitsver- hältniß zu einem Knechtschaftsverhältniß zu machen. Unsere Altvordern hatten vor der Arbeit mehr Respekt als die Neu- zeit und ließen ihr eine Achtung und Verehrung zu Theil iverden, die man heute nicht mehr kennt. Den Berg- bau betrachteten unsere Vorfahren als eine würdige und hochzuverehrende Kunst; die Bergknappen bildeten weit- hin angesehene und geachtete Körperschaften und sie ver- dienten auch soviel, daß sie eine Rolle in der Gesellschaft spielen konnten, denn der Lohn wurde nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern er war fest regulirt und man hatte es dahin gebracht, daß kein Grubeneiqenthümer weniger Lohn zahlen durfte, als die anderen.„Die Berg- meister," so heißt es in einer alten Bergordnung,„sollten ein ehrbar christlich Bedenken haben, daß sie den Bergarbei- tern ein zi emlich Lohn machen und ordnen, davon sie sich erhalten können, auf daß sie nicht aus Mangel ihres EntHalts zu stehlen') versucht werden.", Wir führen diese Dinge an, um den Geist der früheren Auffassung zu zeigen im Gegensatz zu dem der heutigen. Die Opfer von Saint-Etienne mögen dem Philisterthum von heute wieder den Beweis liefern, welche Gefahren der Grubenbetrieb mit sich bringt und wie es nur eine einfache Pflicht der Humanität und des Anstandes wäre, wenn man dafür sorgen würde, daß die Bergarbeiter, die der Gesell- *) Die Bergordnung bezieht sich auf Bergwerke, in denen nach edlen Metallen gegraben wurde. gab erst dann ein Signal, als auch der Gipfel des„Allion" hinter den neuen Bergriesen verschwunden war. Auf das Hornsignal kam Tiniea aus der Kabine heraus, wo sie einige Stunden geschlafen hatte, und ging, eingehüllt in ihren weißen Burnuß, zuin Schiffsschnabel, um Euthyin zu suchen, welcher die ganze Nacht sich nicht schlafen gelegt und die Kabine gar nicht betreten, ja— was noch auffallender war— nicht einmal geraucht hatte. Es war nicht erlaubt, bei Nacht irgend ein Feuer an Bord des Schiffes anzuzünden, damit man auf der Neu-Orsovaer Insel nicht aufmerksam auf das Schiff werde. Timea mochte fühlen, daß sie einen Fehler gut zu machen habe; denn sie sprach Timar an und befragte ihn über die Sehenswürdigkeiten an beiden Ufern. Der Instinkt ihres kindlichen Herzens flüsterte ihr zu, daß sie diesem Manne zu Dank verpflichtet sei. Die Morgendämmerung traf das Schiff in der Gegend von Ogradina. Der Kommissär lenkte dort die Aufmerk- samkeit Timea's auf ein achtzehn Jahrhunderte altes Denkmal. Es war dies die in die Felsenwand eingehauene„Trajan- Tafel", welche von zwei geflügelten Genien gehalten wird und von Delphinen umgeben ist; auf der Tafel stehen die Gedenkzeilen, welche das Menschenwerk des göttlichen Jmpe- rators verewigen. Wenn auf dem serbischen Ufer die Berg- spitze des„großen Sterbeez" verschwindet, folgt wieder ein neuer Felsenkorridor, welcher die Donau in ein fünfhundert Klafter breites Bett zusammendrängt. Diese sGebirgshalle führt den Namen„Kaßan". Zwei- bis dreitausend Fuß hohe steile Felswände erheben sich rechts und links, deren Wendungen sich in opalfarbene Nebel verlieren. Von der einen Steilwand stützt ein tausend Fuß hoch aus einer Höhle hervorquellender Bach herab, wie ein zartes Silber- band, das sich in Nebel auflöst, bevor es die Donau erreicht. Die beiden Felswände laufen ununterbrochen fort, nur an einer Stelle spaltet der Berg, und durch diesen Spalt lacht die blühende Landschaft eines Hochgebirgthals hernieder, mit schaft so große Dienste leisten, nicht allzulange zu arbeiten hätten und im Verhältniß zu den Mühseligkeiten und Ge- fahren des Bergbaus auch bezahlt würden. Aber welche Vorurtheile sind da aufgetaucht bei Ge- legenheit des letzten großen Bergarbeiterstreiks. Die Kata- strophe von Saint-Etienne wird das Pathos der Philister herabstimmen. Leider, daß erst immer solch eine Katastrophe kommen muß! Cinigungslimter. Eine recht interessante Notiz fanden wir dieser Tage in der Frkf. Ztg." Dieselbe lautete: „Eine eigenthümlichc»nd bedauernswerthe Erschci- nung ist eS, daß von den Theilnehmern an den vielen Streiks, die in letzter Zeit in unserer Stadt ausbrachen, fast noch keine Partei daran gedacht hat, das eigens zu diesem Zweck geschaffene Einigungsamt des städtischen Schiedsgerichtes um Vermittestmg anzugehen. Die Ar- bester sind doch in diesem Amt ebenso gut vertreten, wie die Unteniehmer, und die Leitung des Schieds- gerichtes liegt bekanntlich auch in durchaus humanen Händen." Was mag sich wohl Dr. Max Hirsch gedacht haben, als ihm diese Notiz zu Gesicht kam? Das Einigungsamt soll ja nach diesem Sozial-Quacksalber das unfehlbare Hilfsmittel gegen die Streiks und ihre für Ar- beiter wie Unternehmer gleich unliebsamen Wirkungen sein. Erst vor wenigen Wochen, als die Lohnbewegung in Deutsch- land imnier weitere Kreise zu ziehen begann, ivartete Herr Hirsch mit seinem Heilmittel wieder auf, indem er in einer Versaminlung seiner Gewerkoereine eine Reso- lution annehmen liest, nach welcher die„gesetzlichen" Ar- beiter die Lohnfrage„ohne schädliche Streiks auf dem Wege der Organisation und durch Einigungsämter" zu lösen ent- schlössen sind. Und kaum ist diese Resolution angenommen und durch den Druck veröffentlicht, da kommt aus Frankfurt, wo ein solches EinigungSamt, wenn auch nicht genau nach der Hirsch- schen Schablone, schon seit Jahren besteht, die Nachricht, daß in der Zeit, wo gerade diese Institution in Wirksamkeit treten soll, d. h. bei ausbrechenden Lohnkämpfen, sich kein Mensch, weder Unternehmer noch Arbeiter, um dieselbe kümmert. Was aber von Frankfurt berichtet wird, das hat sich mit geringen Ausnahmen überall wiederholt, wo eS bisher zu Lohnkämpfen gekommen ist. Bestehen auch Einrichtungen wie sie, im An- fchlust an das dortige Geiverbeschiedsgericht, in Gestalt des Einigungsamtes eingeführt sind, nur an sehr ivenigen Orten, so hat es doch an Versuchen, die Lohnstreitigkeiten auf fried- lichem Wege, d. h. ohne Niederlegung der Arbeit, zu regeln, nirgends gefehlt, und doch wie selten sind diese Bemühungen von Erfolg bealeitet gewesen! Uns ist augenblicklich nicht ein einziger Fall bekannt, daß in der diesjährigen Lohnbewegung ein Streik durch das Eingreifen eines von beiden Theilen an- erkannten Schiedsspruches verhindert worden märe. Herr Hirsch behauptete zwar in der vorstehend erwähnten einem weißen Thunn im fernen Hintergrund. Es ist der Thurm von Dubova; dort ist Ungarn. Timea wandte ihre Blicke von diesen: Schauspiel nicht ab, bis das Schiff an demselben vorüber war und die Berge sich wieder schloffen über der reizenden Landschaft und die tiefe Schlucht mit ihren Schatten verhüllten. „Mir ist," sagte Timea,„als gingen wir durch einen langen, langen Kerkergang in ein Land, aus dem man nicht mehr zurück kann. Die Bergwände werden immer höher, der Wafferspiegcl der Donau immer dunkler und zum Abschluß des wild romantischen Panoramas zeigt sich am nördlichee Abhang eine Höhle, deren Mündung von einer Brustwehr umgeben ist, mit Schießscharten für Kanonen. „Das ist die Veterani- Höhle," sagte der Kom- miffär zu Timea.„Hier kämpften vor hundertvierzig Jahren dreihundert Mann mit fünf Kanonen gegen eine ganze türkische Armee und hielten sich vierzig Tage lang." Timea schüttelte de» Kopf. Der Kommissär wußte aber noch mehr von der Höhle zu erzählen. „Vor vierzig Jahren vertheidigten die Unserigen diese Höhle in einem blutigen Kampf gegen die Türken. Die Osmanen verloren über zweitausend Mann unter den Felsen." Timea zog ihre zarten Augenbrauen zusammen und warf dem Erzähler einen eisig kalten Blick zu, so daß ihm jedes weitere ruhmredige Wort im Halse stecken blieb. Timea verhüllte sich den Mund mit ihrem Burnus, wandte sich von Timar ab, ging in die Kajüte und kam bis zum Abend nicht wieder zum Vorschein. Sie sah nur durch das kleine Käbinenfenster, wie am Ufer der Reihe nach verfallende Burgthürme, alterthümliche, vereinsamte, massive Wachthäuser, die bewaldeten Felsen des Klissura-Thales und inmitten der Donau aus den Fluthen hervorragende Felsenkoloffe an ihr vorüberzogen. Sie frug nicht einmal nach der Geschichte jenes achteckigen Schloßthurmes in der Nachbarschaft vcm Versammlung feiner Getreuen, daß die öffentliche Meinung in Deutschland mehr als jemals für seine Einigungsämter ge- wannen sei, daß in England es die Regel, durch dieselben die Differenzen über Lohnhöhe und Arbeitszeit austragen zu lassen nnd daß auch bei uns die Buchdrucker seit 1873 durch ihr EinigungSamt es bewiesen haben, daß mit beiderseitigem guten Willen erträgliche Arbeitsbedingungen auch ohne die schweren Lohnkämpfe früherer Jahre zu erzielen seien.— Man muß wirklich die Stirne eines Max Hirsch haben und vor Gewerk- vereinlern, d. h. vor Arbeiten» reden, welche um ihrer Kassen- ansprüche willen sich fürchten müssen, Opposition zu machen, um den Muth zu finden, die Thatsachen so auf den Kopf zu stellm, wie Hirsch es in den vorstehend wiedergegebenen Aus- führungen thut. Was es mit dem Gewinnen der öffentlichen Meinung für die Einigungsämter auf sich hat, das zeigt die Notiz der �Franks. Ztg." so drastisch, daß es darüber keines weiteren Wortes bedarf. Die behauptete vortreffliche Wirkung des Einigungsamtes in der Buchdruckerorganifation steht aber mit den Thatsachen in so offenkundigem Widerstreit, daß selbst der„Correspondent" dagegen sehr energisch Widerspruch er- hebt und der doch sonst so tammftomm gewordene Härtel seinem Kollegen vom Eisenacher Kathedersozialistenkongreß her eins Abfertigung zu Theil werden läßt, die dieser sich schwer- lich hintern Spiegel steckt. Und nun gar die Behauptung, daß es in England„die Regel" bilde, Differenzen über die Arbeits- und Lohnbedin- gungen durch Einignngsämter zu erledigen, ohne sich zu „fchadlichen Streiks" fortreißen zu lassen! Ja, lesen denn die Mitglieder der Hirsch'schen Gewerkvereine gar keine Zeitung, daß der Herr Doktor, den diese Ar- beiter mit 3000 M. jährlich besolden, ihnen dafür solche offen- kundige— Unwahrheiten aufbinden kann? Zu einer Zeit, wo in den englischen Jndustrieplätzen— nachdem die Jahre lang andauernde Krisis auch dort endlich gewichen ist— die Arbeiter überall sich entweder zum Streik rüsten, oder sich bereits in demselben befinden: wo in Glasgow allein ca. 6000 Matrosen und Dockarbeiter sich im Ausstand�, befinden, weil die Rhedereifirmen wohl bereit wären die Lohn- forderungen der Arbeiter zu bewilligen, sich aber weigern, den Verband der Matrosen und Dockarbeiter anzuerkennen, da hat Herr Hirsch die Kühnheit, in einer Arbeiterversammlung zu be- haupten, in England wäre zur Regelung der Lohnfrage der Streik ein überwundener Standpunkt und die Erledigung der- selben durch die Einigungsämter die Regel. Genau das Umgekehrte ist der Fall, und weil dies so ist, und unter der Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise auch gar nicht anders sein kann, deshalb haben die Sozial- demokraten sich von jeher gegen die von Hirsch und Konsorten angepriesenen sozialen Allheumittel ablehnend verhalten. Nicht weil die Sozialdemokratie ihre Freude am Umsturz und an der Unzufriedenheit der Arbeiter hat, ist von ihrer Seite die Lehre von der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit stets bekämpft worden, sondern darum, weil diese Lehre nichts weiter als ein arger Humbug ist, erfunden zu dem Zwecke, durch sie die Ar- beiter über ihre wirkliche Stellung dem Kapitalismus gegenüber zu täuschen. Die Sozialdemokratie hat sich nie blind gezeigt gegenüber den Schäden, welche jeder Streik auch für die Arbeiter im Ge- folge hat. Es ist eine der grötzten Lügen, die im politischen Kampfe je gebraucht wurden, wenn behauptet wird, der Streik fei ein sozialdemokratisches Rüstzeug und werde von dieser Partei den Arbeitern nur empfohlen, um durch ihn den so- zialen Frieden zu stören. Das Koalitionsrecht und in dessen Gefolge der Streik sind liberale Errungenschaften in des Wortes vollster Bedeutung, sie sind die Gegenleistung des Liberalismus an die Arbeiter für die unbedingte Ausbeutungsfreiheit, die dem Kapitalismus durch die Beseitigung der früher bestandenen wirthschaftlichen Schrankeu eingeräumt wurden! Nicht die Sozialdemokraten„Hetzen" zum Streik, sondern unsere heutige WirthschaftSordnuna bedingt ihn. Unter derselben gestaltet sich die Frage«ach den Arbeitsbedingungen einfach zu einer Machtfrage und Machtfragen werden heutzutage eben noch nicht entschieden nach den Schiedssprüchen philantropischer Gemüther, sondern nach dem Recht des Stärkeren. Sind die Arbeiter die Stärkeren, d. h. ist die Nachfrage nach„Händen" größer als das Angebot, so müssen die Unternehmer den For- derungen der Arbeiter entgegenkommen j die Löhne steigen, die Arbeitszeit wird verkürzt. Verringert sich die Nachfrage nach Arbeitern und tritt ein Ueberfluß oerselben ein, so sinken die Löhne und wird regelmäßig die Arbeitszeit wieder verlängert. Die aus diesem Verhältniß resultirenden Kampfe zwischen den Unternehmern und Arbeitern durch EiniaungSämter und Schiedsgerichte aus der Welt schaffen zu wollen, erweist sich schon um deshalb als eine Unmöglichkeit, weil unter der Herr- schaft der freien Konkurrenz es bei der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen viel weniger auf den guten Willen des Einzelnen als auf die allgemeine Lage des Geschäftes und den Stand der Konkurrenz unter einander ankommt. Was hilft es, wenn von 10 Fabrikanten 6 den Entscheid des Einigungsamtes annehmen, die übrigen 4 aber denselben drei kleineren Thürmen, um welche eine Basteimauer herum- läuft. Und doch hätte sie dann von dem Schicksal der schönen Cäcilie Rozgonm. der Gefahr des ungarischen Königs Sigis- mund und der Niederlage der Ungarn gehört. Jene Ruine dort ist die Galamboczer Burg. Von Anfang bis Ende ist diese doppelte Uferreihe ein versteinertes Geschichtsbuch zweier Nationen, welche eine tolle Schicksalslaune dazu ausersehen hat, sich gegenseitig zu ver- Heren und die hier bei Beginn jedes Krieges aufeinander- prallten.— Es ist eine lange Kippte, welche die Gebeine von vielen hunderttausend Helden m sich schließt. Timea kam weder an diesem Tage noch am nächsten aus der Kabine heraus. Sie zeichnete einzelne Landschaftsbilder in ihr Skizzenbuch, welche sie auf dem ruhig dahingleitenden Schiffe bequem festhalten konnte. Drei Tage vergingen darüber, bis das Schiff an die Stelle gelangte, wo die Marava in die Donau fällt. An der Mündutig des Flusses liegt Semendria. Auch auf den sechsunddreißig Thürmen dieser Festung hat oft bald die Fahne mit der Mutter Gottes, bald die mit dem Halb- inond geweht, und ihre braunen Rundmauern sind bespritzt mit dem Blute verschiedener Nationen. Bei der anderen Mündung der Morava stehen von der alten Beste Kulics nur noch die öden verwitterten Mauern, und jenseits der Oßtrovaer Insel starren auf ziner Berg- spitze die Ruinen der Burg Rama— jetzt nur ein Grab- stein— empor. Doch ist jetzt keine Zeit, sie anzustaunen. Heute kommt Niemand dazu, melancholischen Betrachtungen über dahinge- schwundene Größe verfallender Nationen nachzuhängen, denn man hat Dringenderes zu thun. So wie die ungarische Ebene sich zu öffnen beginnt, stürmt der Nordwind mit solcher Macht auf das Schiff ein, daß die Zugpferde es nicht mehr aufzuhalten im Stande sind, der Wind wirft es auf das jenseitige User. Es geht nicht weiter! lautet der Ausspruch. Trikaliß wechselt insgeheim einige Worte mit Timar, wo- rauf dieser zum Steuermann sich begiebt. Meister Fabula bindet das Steuerruder mit Stricken fest und läßt es stehen. Dann ruft er die Bootsleute an ablehnen und dadurch ihre Kollegen zwingen, von dem Ueber- einkommen zurückzutreten, wenn sie sich nicht einer ruinirenden Konkurrenz aussetzen wollen. In solchen Fällen, und diese bilden weitaus die Mehrzahl bei allen Lohnstreitigkeiten, bleibt eben als letztes wirksames Mittel nur der Streik, um die wider- haarigen Unternehmer zur Raison zu bringen. Das hat die große Mehrzahl der deutschen Arbeiter denn auch glücklich begriffen und wenn die„Frkf. Ztg." sich wundert, daß die Arbeiter ihre Lohnstrcitigkeiten nicht vor das dortige Einigungsamt bringeli, obwohl dasselbe doch alle Garantien für eine unparteiische Entscheidung biete— was wir, nebenbei bemerkt, gar nicht bezweifeln wollen— so brauchte die Redaktion des Blattes nur die früheren Jahrgänge desselben nachzuschlagen und sie würde die Antwort in den eigenm Spalten finden. Um ihr aber diese Arbeit zu ersparen, wollen wir hier die Gründe mittheilen, welche auf dem letzten Verbandstag der Gewerkvereine in Düffel- darf Herr Günzel, der Delegirte der Lederarbeiter, dafür an- führte, warum die Arbeiter vom„Vermitteln" so ivenia wissen wollen. Der genannte Delegirte verlangte, daß die Gewerk- vereine zur Frage des Normalarbeitstages und der Sonntagsruhe bestimmtere Stellung nehmen müßten:„Aber anstatt daß für diese zeitgemäßen Forderungen eingetreten werde, bekomme man vom Zentralrath die Weisung, aus gütlichen! Wege vorzu- gehen, aber der Arbeitgeber unterhandle mit dem Arbeiter einfach nicht." Herr Günzel ist, wie er von sich selbst sagt, ein überzeugter Gewerkvereinler, also gewiß ein klassischer Zeuge über den Werth der Harmonielehre. Hätte aber der verbissenste Sozial- demokrat ein verdammenderes Urtheil über sie abgeben können? poclmwre UeberUchk. Internationaler Arbeiterkongreß zu pari«. Das Versammlungslokal für den Kongreß ist Salle Petrelle, Rue Petrelle. Die Vertreter, die mit den Schnellzügen durch Belgien und durch das Elsaß S o n n a b e n d, d e n 13. d. M t s., Vormittags in Paris ankommen, werden an den Bahn- Höfen empfangen. Einzeln eintreffende Vertreter wollen sich direkt nach dem Versammlungslokal begeben. Die Zahl der aus Deutschland angemeldeten Vertreter ist auf 72 gestiegen. Die Pariser Friedenskongresse haben kein praktisches Ergebniß gehabt und höchstens gezeigt, wie unausführbar die Ausgabe ist, welche die Friedensschwärmer sich gestellt haben" — so Höhnt in allen Tonarten die chauvinistische Presse. Welches„praktische Ergebniß" sollten die zwei Friedenskongresse denn aber haben? Daß die Theilnehmer kein Ultimatum an die Regierungen Europas erlassen konnten, war doch wahr- haftig von vornherein selbstverständlich. Es konnte und sollte sich nur um eine agitatorisch- propagandistische Beeinflussung des öffentlichen Denken und Fühlens handeln, und was in dieser Beziehung geschehen konnte, ist geschehen. Von einer „UnauSführbarkeit" der Aufgabe zu reden, ist thöricht; die Feinde des Fortschritts haben zu allen Zeiten das erstrebte Neue für„unausführbar" erklärt, und doch ist zu allen Zeiten für„unausführbar" Erklärtes Wirklichkeit ge- worden. Die 10 bis 11 Millionen Soldaten, die Europa mitten im sogenannten Frieden in ein Kriegslager verwandelt haben und alle ökonomischen Nachtheile des Kriegs über die Völker verhängen, werden natürlich nicht durch einen Kongreßbeschluß den Beschäftigungen des Friedens und ihren Familien zurück- gegeben, allem sie legen den Völkem immer größere, immer erdrückendere Opfer auf, und das Hebel ist nachgrabe— eine winzige Minorität ausgenommen— so greifbar für Jeden und so unerträglich für Jeden geworden, datz die Verhandlungen und Beschlüsse der Friedenskongresse in immer weiteren Kreil en Wiederhall finden und dadurch unzweifelhaft auch eine praktische Bedeutung zu erlangen beginnen, lind war es etwa an sich unpraktisch, was die Kongresse beschlossen? Sie sprechen sich für internationale Schiedsgerichte aus. Nun, die englische und die amerikanische Regierung haben das Praktische und Ver- nünftige der Forderung bereits in der denkbar kräftigsten Weise anerkannt, indem sie selber internationale Differenzen durch Schiedsgerichte beseitigten. Und erst dieser Tage hat die eng- fische Regierung einen recht häßlichen Streit mit Portugal, der nach der guten alten Sitte zweifellos eine gesunde Hauerei und Schießerei nach sich gezogen hätte, durch Uebertragung der Sache an ein Schiedsgericht aus der Welt geschafft, ohne daß einem Menschen ein Haar gekrümmt worden wäre oder noch gekrümmt werden könnte. Man darf auch nicht sagen, die Fälle, in denen ein internatio- nales Schiedsgericht zur Anwendung gekommen, seien ohne sonderliche Tragweite gewesen. Der Alabama-Streitfall war ganz Bord und schreit ans Ufer hinüber, der Schiffszug möge halten. Hier hilft weder Rudern noch Ziehen. Das Schiff steht vor der Oßtrovaer Insel; sie streckt eine lange, spitzige Landzunge in die Donau hinaus; ihre nördliche Seite ist steil und zerklüftet, mit uralten Weidenbäumen be- wachsen. Die Aufgabe ist, auf die Südseite jener Insel zu ge- langen, wo dann die„heilige Barbara" in einem von dem Nordwinde geschützten Hafen ausruhen kann und zugleich vor den neugierigen Blicken der Menschen versteckt ist. Denn der breitere Donauann, welcher gegen Serbien zu die Insel umgürtet, wird von den Schiffern nicht befahren, weil er voller Sandbänke und Furten ist. Das Kunststück besteht jetzt darin, um die nördliche Seite herumzukommen;„Durchhauen" kann man nicht, denn des Wmdes wegen kann das Schiff nicht gegen das Wasser. Der einzige Ausweg ist das„Aufwinden". Das Schiff wirft Anker mitten in der Donau; das Zugseil wird von den Pferden losgebunden und ins Schiff gezogen. An das Ende des Zugseils wird dann der zweite Anker gebunden und in das Boot gelegt; die Ruderknechte fahren damit gegen die Oßtrovaer Insel, bis das Tau abgewickelt ist, dann werfen sie den Anker aus und kehren auf Schiff zurück. Nun ziehen sir den ersten Anker wieder heraus, binden das Tauende des zweiten oben versenkten Ankers an die Kreuzwinde und vier Männer fangen an, daZ Tau aufzuwinden. Das Tau rollt sich in langsamer Windung an der Haspel auf und das Schiff beginnt sich in der Richtung des ausgeworfenen Ankers vorwärts zu bewegen. Eine menschenquälerische Arbeit! Wenn das Schiff den ausgeworfenen Anker erreicht hat, läßt man den zweiten Anker ins Boot herab, rudert damit vorwärts, wirft den Anker neuerdings aus und windet das Tau wieder am Spill auf. So kommt man mit schweiß- treibender Mühe Schritt für Schritt vorwärts gegen Wind und Strömung; das ist das„Aufwinden". Es währte einen halben Tag, bis man aus der Mitte der Donau das große Lastschiff allein mit Menschenkraft bis zur Spitze der großen Insel aufgezogen hatte. darnach angethan, zwei der mächtigsten Reiche der Welt in einen Krieg von gewaltigster Ausdehnung und furchtbarster Verderblichkeit zu stürzen. Aber die Staatsmänner beider Reiche sagten sich, daß ein gerechter Friede tausendmal besser ist, als der ruhmvollste Krieg, und sie einigten sich, einem unparteiischen Dritten— der Schweiz— die Entscheidung über Recht und Unrecht zu geben. Uno der Friede blieb erhalten und beide Thcile sind mit dem Schiedsspruch zufrieden. Ist die Hoff- nung etwa aussichtslos, daß die Staaten des europäischen Festlandes Regierungen bekommen, die von ähnlichen Beweg- gründen der Humanität und echten Staatsmännischkcit geleitet werden, wie die englische und die amerikanische? Das hieße llen Völkem des Festlandes von Europa doch ein sehr schlechtes Zeugniß ausstellen. Die großen R«st«nge« und die große« Armee» Deutschland« finden in der„Köln. Volksztg." folgende inter- essante Darstellung:„Die 5 großen Staaten Europa's haben in einem zukünftigen Kriege 16 Millionen, nach anderen Schätzungen sogar 26 Millionen Mann unter den Waffen, und zwar Deutschland 31 Millionen(5,9 Millionen), Oesterreich-Ungarn 1 140060(4 315000), Italien 2 119 250 (3 530000), Frankreich 3 753 000(5 710 000), Rußland 5 500000(6 675 000) Mann. Die Friedenspräsenz dieser Staaten beträgt 2 315 000 Mann(Deutschland 492 000,; Oesterreich- Ungarn 301000, Italien 253 000, Frankreich 499 051, Rußland 770000), welche einen JahreSaufwand von 2'/, Milliarden Mark erfordern. Die KriegsbudgetS an ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben für Heer und Manne beziffem sich nämlich in Deutschland auf 735 Millionen, in Oesterreich-Ungam auf 228 Millionen, in Italien auf 318 Millionen, in Frankreich auf 610 Millionen und in Rußland auf 409 Millionen Mark. In den letzten 10 Jahren sind die Budgets der europäischen Großstaate» um 4 Milliarden Mark! gewachsen, wovon zwei Drittel auf die Heeresausgaben ent« fallen. Die öffentliche Schuld der genannten fünf Staaten be- trägt mnd 100 Milliarden Mark, wovon 42 Milliarden in de» letzten 25 Jahren, also nicht ein Mal der Lebenszeit der gegen- wartigen Generation, ausgenommen worden sind. Wenn diese Steigung der öffentlichen Schuld in gleicher Weise anhält, fi> wird die Staatsschuld Europa's am Ende des 20. Jahrhunderts 400 Milliarden Mark betragen. Das sind die Summen a» Geld für die Friedenszeit. Bei einer Mobilmachung steigern sich die Heeresausgaben für das Jahr von 2'/, auf 16> Millarden Mark; dazu kommt, daß dann 14 Millionen Menschen, welche sich eine selbstständige Existenz gegründet haben, mit einem Schlage ihreni Erwerb und ihrer Familie entrisse» werden. Unberücksichtigt sind bei diesen Summen überdies die: immer wachsenden Heeresausgaben Englands sowie diejenige» der kleinem Staaten Europas's(Spanien, die Balkanländrr, Skandinavim), welche gezwungen find, dem Beispiele der fünft Großstaaten zu folgen."— Die Unmöglichkeit, diesen Aufwand{ auf die Dauer zu ertragen, die Sorge, ihm ein Ende z» machen, wobei an eine Abrüstung nicht gedacht wird, bezeichnet das Blatt zum Schluß mit Recht als die Hauptquelle der euro- j päischen Knegsgefahren. Eine Rechtfertigung de» Kuli-Import« versucht das offizielle Organ der Hainburger Rheder, die„Ucbersee- Post", j in folgenden Ausführungen, die durch ihre Dreistigkeit iinpo- 1 niren können:„Die Einstellung von Chinesen und Negern auf> hamburgischen Dampfem ist lediglich auf Nachfrage und An- gebot zurückzuführen.(Welch' nationalökonomischer Tiefsinn!! Red!) Es ist bekannt, daß die Kauffahrteiflotten aller Nationen j in jüngster Zeit eine ungeheure Vermehrung an Schiffen er-j fuhren, und daß speziell die Hamburgischen Rhedereien ihres Schiffsbestände fortdauenid in einem bis dahin niemals statt- j gehabten Maßstabe erweitern. Die natürliche Folge ist der! wachsende Bedarf an Besatzungsmannschaft, namentlich auf Maschinen- und Heizerpersonal. Erinnern wir daran, daß die Bedienung eines einzigen Schiffes, des Exprcßdampfers der, Packetfahrt„Augusta Victoria", etwa hundert Feuerleutc er- forderte, so ergiebt sich aus dieser einen Thatsache augenfällig die große Nachfrage nach Arbeitskräften dieser Art, und sie mackft eS begreiflich, daß die Lohnforderungen sich st e i g e r t e n. In kurzer Zeit gingen die Löhne der Heizer von 55 auf 85 M. Alfen billigen Anforderungen wurde seitens der Rheder bereitwilligst nachgegeben. Als aber die Forde- rungen ins Ungemessene stiegen, als infolge sozialdemo-l kratischer Aufhetzereien(die Untemehmer können sich jetzt gar keine Arbeiterbewegung mehr denken, hinter der sie nicht die Sozialdemokratie vemruthen. Damit geben sie zu, was ihre Soloschreiber sonst mit Emphase bestreiten, daß näm- lich die deutsche Sozialdemokratie gleichbedeuiend mit den deutschen Arbeitern ist. Und je mehr sie dar- über schimpfen, desto mehr hat die Sozialdemokratie Grund, zufrieden zu sein. Red.) der überhaupt noch vorhandene kleine Bestand brauchbarer Arbeiter sich verführen ließ, die Arbeit ein- zustellen,(!) als diesesichweigerten,mit den zur KompletirungherangezogenenSchwarzenuud Gelben gemeinsam zu arbeiten(Bravo! Red.), mußte seitens der Rhedereien darauf Bedacht genommen wer- den, den Betrieb gegendie sozialdemokratische» Das wird ein mühseliger Tag für diejenigen, welche z» arbeiten haben, und ein langweiliger für die, welche zu- sehen. Das Schiff hatte den befahrenen Donauarm verlassen, wo man doch wenigstens von Zeit zu Zeit an alte» Ruinen vorüber kam, wo man anderen Schiffen begegnete, oder an langen Reihen klappernder Schiffsmühlen vorüber fuhr; statt dessen lief es jetzt in den nicht befahrene» Arm ein, wo ihm rechts die Aussicht verdeckt wird durch eine lange, reizlose Insel, auf der nur Pappeln und Weiden- bäume zu wachsen scheinen, nirgends eine menschliche Behau- sung am Ufer, links aber verliert sich das Wasser in ein dichtes Schilfmeer, aus dem nur an einer Stelle eine festen Boden verrathende Vegetation, eine Gruppe hochgeschossener, silberblättriger Pappeln hervorragt. In dieser von Menschen unbewohnten, stillen Gegend ruhte die„heilige Barbara" aus. Und jetzt stellte sich eine neue Kalamität ein. Alle Lebensmittel waren ausgegangen. Bei der Abfahrt von Galatz hatte man darauf gerechnet, daß man herkömmlicher Weise bei Orsova eine lange Rast halten und sich dort frisch verproviantiren werde. Nachdem man aber bei Nacht und plötzlich weitergefahren war, befand sich auf dem Schiffe, als dieses vor der Oßtrovaer Insel an- langte, weiter nichts, als etwas Kaffee und Zucker, und im Besitze Timea's eine Schachtel mit türkischer Dultschassa, Zuckerfrüchten, welche diese aber nicht öffnen wollte, weil sü als Geschenk für Jemanden bestimmt war. „Macht nichts," sagte Timar,„irgendwo an beide» Ufern wird doch eine Menschenseele wohnen; Lämmer und Zicklein giebt's überall, und für Geld wird hier Alles z» haben sein." Und noch eine andere Fatalität stellte sich ein. Das am Anker befestigte Schiff wurde von den Wogen, welche der sturmgepeitschte Fluß aufwarf, so hin und her geschaukelt, daß Timea förmlich seekrank wurde, Uebelkeiten bekam u»d in Angst gerieth. Vielleicht läßt sich dennoch eine Wohnstätte ausfindig machen, in welcher Timea mit ihrem Vater die Nacht ruhig verbringen kann. (Fortsetzung folgt.) Umtriebe und Verqewaltiaungen sicher zu st e l l e n, wenn die afrikanische und ostasiatische Linie die beste Gelegenheit fand. Für die Einstellung der fremd- ländischen Arbeiter stnd demnach mehrfache und gute Gründe maßgebend gewesen. Erstens der Mangel an Heizern und Trimmern an sich, zweitens sozialdemokratische Aufwiegelun- ?en, drittens die billigere Arbeitskraft der Far- igen.(!!) Dieser letzte Punkt ist keineswegs ohne Reden- tung(Das stimmt! Es ist sogar der einzige Grund) und zwar im Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit mit den anderen schiff- fahrttrcibenden Nationen, denn daß die Frachtraten mit den Arbeitslöhnen in Wechselwirkung stehen, wird niemand leug- neu wollen. Konkurrirende englische Linien haben schon seit Jahren die billigere farbige Arbeitskraft benutzt. Unseres Er- achtens sollten sämmtliche Rhedereien keine Gelegenheit verab- säumen, ihr Heizerpersonal aus den für den Feuerdienst wider st andsfähigeren Rassen zu entnehmen. Den mannigfaltigen hierfür angeführten Gründen läßt sich ein humanitärer(Pfui über' die Heuchelei! Zur näheren Orientirung über die„Humanität" der Rheder verweisen wir unsere Leser auf den Bericht über eine Verhandlung des Seeamtes in Bremerhaven, den wir in der Rubrik„Gerichtsztg." bringen. Red.) hinzufügen. Wer die schwere Arbeit vor den Feuerstellen der Dampf! chiffe kennt, wird zugeben müssen, daß der unter südlicheren Breitegraden geborene Kuli sich ungleich hesser für diesen sauren Dienst eignet, als der Europäer. Sach- liche und humane Erwägungen führen also dahin, die Ein- stellung von Chinesen und Negern als Heizer und Hohlen- zieher auf der deutschen Handelsmarine zu vertheidigen." So oie„Uebersee-Post", deren Ausführungen felbst den Beifall der ultramontanen„Germania" nicht finden. Das Blatt be- merkt ganz richtig:„Haben die Kulis einmal Boden gefaßt, so werden sie bald in größeren Schaaren kommen, namentlich, wmn sie erfahren, daß auch deutsche Landwirthe schon sehn- süchtig nach ihnen ausgeschaut haben sollen. Sie werden auf den Schiffen unentgeltlich arbeiten, nur um freie Fahrt nach Deutschland zu erhalten. Die Gefahr, daß die Kulis in Massen einzuwandern versuchen, ist gar nicht so fernliegend. Sie wird noch dadurch verstärkt, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika und die englischen Kolonien m Australien erst neuerdings energische Schritte gegen die stetig zunehmende chinesische Masseneinwanderung gethan haben. Die„Chinesen- gefahr" ist längst eine stehende Rubrik in weiterblickenden volkSwirthschaftlichen und handelspolitischen Schriften. An Bedürfnißlosigkeit wird der Chinese von keinem Europäer er- reicht und in der Vertheidigung der„Uebersee-Post" wird ja auch als ein Grund für die Einstellung solcher Arbeitskräfte deren„billigere Arbeitskraft" angeführt. Diese„billigere Arbeitskraft" scheint auch der Hauptgrund für die Hamburger Rheder gewesen zu sein. Es kann indessen durch diese„billigere Arbeitskraft" ein Kampf zwischen gelber und weißer Arbeit entfesselt werden, dessen Umfang und Tragweite sich heute noch aar nicht übersehen läßt.... Wir leben jetzt im Zeitalter der Streiks; Lohnkämpfe zwischen Arbeitern und Unternehmern sind jetzt in allen Staaten üblich. Da könnte es zu unüber- sehbaren Konsequenzen führen, wenn etwa das Vorgehen der Hamburger Rheder den Anstoß dazu geben sollte, daß gegen streikende europäische Arbeiter bediirfnißlose Kulis zu Hilfe ge- rufen würden. In englischen Unternehmerkreisen ist der Massen- Import von Kulis längst erörtert worden; lediglich aus Furcht vor den wohlorganisirten englischen Arbeitergewerkschaften hat man-die Idee bisher unausgeführt gelassen. Bei uns giebt es aber solche mächtige Arbeitergewerkschaften nicht. Die Gefahren «iner solchen Chineseneinwanderung für den sozialen Frieden aber und— bei den bekannten Lastern der Chinesen— auch für die Sittlichkeit sind so groß, daß sie von unserem Fest- lande wenigstens unter allen Umständen und zwar bei ihren etwaigen Ansängen schon unbedingt ferngehalten werden muß." Nicht gemildert sei der K o n f l i k t m i t d e r S ch w e i z, so schreibt man den Münchener„Neuest. Nachr." aus Bern, dort sei seit der Veröffentlichung der Bismarck'schen Noten im „Reichsanzeiger" unterdeß ein neuer Erlaß des deutschen Reichs- fanzlerS eingetroffen.— Auch scheint die erste Maßregel gegen die Schweiz nunmehr ergriffen zu sein. Nach einer Mittheilung der„Zeitschrift für Eisenbahnen" in Wien hat sich die deutsche Regierung entschlossen, den zwischen Berlin und Rom einzu- führenden Blitzzug nicht über den Gotthard, sondern über den Brenner zu leiten. Nach der Nolizei ruft das Blatt der Grubendirektoren, die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", angesichts einer Ver- sammlung von Bergarbeitern in Dorstfeld. Das saubere Organ verlangt, daß die Behörden zur Ueberwachung der Bergarbeiterversammlungen wenigstens Beamte beordern, die im Stande seien, die Tragweite der dort gehaltenen Reden zu ermessen. Gleichzeitig nennt das Blatt einen Bergmann, der in der betreffenden Versammlung als Redner auftrat, einen „gottvergessenen Buben". Mehr als dieses Organ der Gruben- direktoren in Denunziationen gegen die Bergleute leistet, kann schlechterdings überhaupt nicht geleistet werden. Die Sold- schreiber der Grubenverwaltungen müssen bei solchem Fleiß sehr Kut bezahlt sein. Mus Muult tmö Leben. Das Eilenbahn-Ungluck bei München. Seit zwei Jahren, da das bekannte Unglück am Faulenberae bei Würz- bürg so vielen Menschen das Leben kostete, hat sich im Bereiche der bayerischen Eisenbahnen keine solche Katastrophe ereignet, wie die am Sonntag bei Röhrmoos. Dieser Ort ist zirka 27 Kilometer von München entfernt und mit eineni gewöhn- lichen Zuge in 50 Minuten zu erreichen. Der Eisenbahnzug, welchem das schwere Mißgeschick begegnete, bringt Passagiere aus Berlin und Frankfurt und ist für die Südrouten einer der wichtigsten Züge. In Treuchtlingen werden die Berliner, die f rankfurter und die bayerischen Wagen vereinigt. Es läuft er München-Kölner Schlafwagen mit. Der Schnellzug war sehr stark besetzt. Er hatte schon in Frankfurt sieben bayerische Wagen, zu denen in Aschaffenburg noch einige Schlafwagen kamen. Die Unglücksstätte liegt ungefähr 50 Meter von dem Bahnhofgebäude. Dicht daneben steht ein Bahnwärterhaus, welches merkwürdigerweise unversehrt blieb. Die Ursache des schreck- lichen Unglücks ist darauf zurückzuführen, daß ein durch lange Arbeit ermatteter Hilfswechfelwärter es unterlassen hatte, den Wechsel(Weiche) zu stellen, so daß der Schnellzug auf ein todtes Geleise fuhr, auf dem drei Wagen, darunter einer mit Kohlen beladen, standen. Der Lokomotivführer, welcher beim Bassiren des Wechsels die Katastrophe kommen sah, gab das Nothsignal und zog die Westinghouse-Bremse. Es war aber nicht mehr möglich, den Zug zum Stehen zu hringen. Die erste Maschine ist vollständig demolirt, die zweite weniger be- schädigt. Beide haben sich metertief in die Erde eingegraben. Einer der Wagen wurde über das Geleise hinausgeschleudert, einer aus den Schienen auf die linke Seite, der dritte kam unter die erste Maschine zu liegen. Ein Passagierwagen, welcher hinter den Lokomotiven zwischen dem Postwagen und einem Güterwagen eingeschaltet war, wurde vollständig zer- trümmert und die Insassen mit wenigen Ausnahmen getödtet Von Reisenden waren sofort tobt: Oberzollinspektor Junge, • Oberforstmeister Beyreuther, Postdirektor Renz mit Frau aus Elbenstock in Sachsen, Reservelieutenant Stoll aus Jngol- stadt, Bezirksamlmann Schöller aus Pfaffenhofen, Frau Menk aus Wien mit ihrem Kinde. Unter den Trümmern des verunglückten Zuges ist in der Zwischenzeit die Gattin des Hauptmanns Stoeger aus Bayreuth als Leiche gefunden . worden. Einige der verunglückten Reisenden lebten noch zwei Stunden unter den Trümmerhaufen und starben, als die Die internationale Arbeiterschuchkonferens wird die russische Regierung, wie dieselbe in Bern hat mlttheilen lassen, „aus Opportunitatsgründen" nicht beschicken. Wann diese Opportunitätsgründe bestehen, wird nicht gesagt. Vielleicht benutzt auch die russische Regierung den Konflikt mit der Schweiz wegen der Fremdenpolizei als Vorwand, um an den VerHand- lungen der internationalen Schutzkonferenz nicht theilnehmen zu brauchen. Deutschland soll bekanntlich die Theilnahme von dem Verlauf der diplomatischen Verhandlungen über den Fall Wohlgemuth abhängig gemacht haben. Nun hat es in seiner ablehnenden Stellung gegen die Konferenz wenigstens einen Kameraden— das heilige Rußland. Di-„schl-mm-nd-«" Arb-lt-r und-in Grs«« d-r lnddrutCchr« volüspart-i. Der demokratische„Nürnberger Anzeiger" läßt sich angeblich aus München einen Artikel schreiben, welcher an Unverschämtheit höchstens von der berüchtigten„Rheiuisch-Westfälischen Zeitung" übertroffen wird. — Nachdem er über einen Vortrag des frühere» Reichstaas- abgeordneten Auer im Münchener Wahlverein kurz referirt hat, schreibt er folgendes:„Nur eines haben wir in dem Vortrag des Herrn Auer vermißt, was unbedingt zu dem Thema ge- hört hätte und von einem Arbeiterführer im guten Sinne des Wortes geradezu zu sagen eine Pflicht wäre. Wir meinen die jetzigen nicht mehr seltenen Ausschreitungen der Arbeiter bei Festen, Ausflügen, Vergnügungsreisen, Bergtouren w., die hier (München) bei unseren Bauhandwerkern, Maurern, Hafnern "abelhafte Dimensionen annehmen, wie wir sie in der Bau- chwindelperiode der 70er und 60er Jahre auch nicht toller ge- ehen. Der Vorwurf, daß die Sozialdemokratie erzieherisch nichts zn leisten im Stande war bei unseren Arbeitern, kann ihr nicht erspart. Wer das hohe Roß der Wirthschafts- Politik a outrance vorreitet, sogar den Staat zu seinem Wirth- schaftssystem bekehren will, darf als Einzelner nicht so miserabel wirthschaften, wie es theilweise die Herren Arbeiter— zu ihrem eigenen und alleinigen Schaden allerdings— thun. Uns ist ein Fall bekannt, in dem eine Gesellschaft hiesiger Maurer bei einer auf— vier Tage berechneten Vergnügungsreise in'S Salz- kammergut sich sofort nach Ankunft in Salzburg zum Frühstück mit je 17 österreichischen Vierteln Wein gütlich that und toll und doll besoffen— die Reisekassa der zehn Mann ward zum Frühstück um etwas über 100 M. erleichtert— erst am nächsten Morgen die„Vergnügungsreise" fortsetzen konnte. Hier hätten doch die Herren Arbeiterftihrer ihren Einfluß nach der Rich- tung geltend zu machen, um den Arbeiter widerstandsfähiger gegen die Schundlöhne zu machen, welche demselben im Winter geboten werden, und um die er eben arbeiten wird müssen, wenn der Hunger bereits wieder an die Thüre pocht, die Wassersuppe kaum mehr zu be- schaffen ist, welche längst wieder an Stelle der„Gansvierteln" getreten. Die erste positive Leistung, welche wir von der Sozial- demokratie zu erwarten berechtigt sind, ist doch, daß sie die Massen wirthschaftlich erzieht und auch präventiv deren soziale Nothlage bekämpft.— Damit wollen wir nicht gesagt haben, daß wir den Arbeitern, zu denen auch wir uns rechnen, nicht ein vollgemessenes Maß an Erholung und Vergnügungen gönnten."— Der„N. Ä." entblödet sich also nicht, die Märchen, welche nationalliberale Blätter über die„Völlerei" der Arbeiter in de» Gründerjahren verbreitet haben, zu wiederholen. Ja noch gemeiner als die nationalliberalen Reptilien, wärmt der volksparteiliche„Anzeiger" den Kohl jetzt, d. h. zu einer Zeit auf, wo gerade Maurer und Töpfer in der ganzen Welt zur Verbesserung ihrer erbärmlichen Lebenshaltung das letzte Mittel ergreifen, die Arbeitseinstellung. Eine U-rjammlung von K-rgarb-it-r-D-l-girten bat am letzten Sonntag wieder in der Tonhalle in Dortmund stattgefunden. Bergmann Schröder wies hierbei die Be- hauptung zurück, daß er seine Entlassung erhalten habe, weil er die Erklärung über die Petition der Dortmunder Handels- kammer mit unterzeichnet habe. Einen Grund seine Entlassung wisse er nicht anzugeben. Auch in dieser Versammlung wurden wieder eine Reihe von Beschwerden vorgebracht, wonach viele der alten Uebelstände nach wie vor noch fortbestehen und auf vielen Zechen weder die Bedingungen des Essener noch des Berliner Protokolls streng erfüllt sind. Herr Siegel von der Zeche„Zollern" berichtete über die ihm ertheilte Abkehr. Auch ihm sei ein Grund für dieselbe nicht angegeben. Auf der Zeche „Lothringen" soll sogar ein Bergmann nach einer Auseinander- setzung mit einem Steiger bei verschlossener Thür mit einem Gummischlauch durchgeprügelt worden sein. Schröder sagte am Schlüsse: In einer ernsten Zeit muß man doppelt ruhig bleiben. G-g-« die Dortmunder Handelskammer erklärt sich die konservativen Anschauungen zuneigende„Schles. Ztg." in einem längeren Artikel, der sehr viel treffende Bemerkungen enthält. Den Gedanken der Dortmunder Handelskammer faßt die„Schles. Ztg." völlig richtig in folgende Worte zusammen: „Liefert uns die Arbeiter aus und schafft Gesetze, die sie uns gegenüber ohnmächtig machen!" Und über das Verlangen nach Slrafbestimmungen gegen den Kontraktbruch werden die folgen- den Bemerkungen gemacht, die ebenfalls durchaus richtig sind: „Rein geschäftlich würde es den Grubenverwaltungen gar letzteren entfernt werden konnten. Der Bezirksamtmann Schöller aus Pfaffenhofen stieg 7 Uhr 26 Minuten in den Zug ein; 20 Minuten später war er eine Leiche. Schwerverwundet sind: Schuhmacher Wicsner aus Eichstätt, Frau Beyrether aus Eiben- stock. Reifender Speh, Hutmacher Haderer aus Nürnberg, Adjunkt Colla und Kaufmann Bösmüller aus Ingolstadt, so- wie ein seinem Stande und seiner Herkunft nach bisher unba kannt gebliebener Mann Namens König. Von den Schwer- verwundeten ist einer auf dem Transport gestorben. Ein ver- unglückter Passagier, dessen Personalien nicht festgestellt werden konnten, liegt bewußtlos im Krankenhause. In dem Besinden der übrigen Verwundeten ist eine Wendung zum Besseren ein- getreten. Der Weöhselwärter hat sich sofort nach dem Unglück to den Wald geflüchtet. Die Leichen der Verunglückten sind in dem Güterschuppen des Bahnhofes in Röhrmoos unterge- bracht. Zahlreiches Landvolk war an der Unglücksstätte, welche mit den zertrümmerten Wagen, den Reiseutensilien, herum- liegenden Blumensträußen, Fächern%., ein erschütterndes Bild bot, versammelt. Die Grlebniffe eines Kalonwagens. Ein amüsanter Vorfall, der für die in den Kreisen des Bürgerthums und der Bureaukratie herrschenden Speichelleckerei bezeichnend ist, hat sich dieser Tage auf der Strecke Rom-Bologua-Modena ereignet.. In dem Zuge welcher sich nach der an- gegebenen Richtung in Bewegung setzt, erblickte ein Be- amter der Station Rom einen Salonwagen, wie er von Ministem und anderen hohen Würdenträgern auf Amtsreiscu benutzt wird. Aha, denkt der Beamte, der etwas von einer in Aussicht stehenden Reise des Ministerpräsidenten gehört hat, in jenem Wagen befindet sich seine Exzellenz und, wie es scheint, ganz inkognito. Bereiten wir die Freude eines freundlichen Empfanges auf den Hauptstationen und den Kollegen auf den letzteren die wünschcnswerthe Gelegenheit, dem Allmächtigen ihre Ergebenheit zu bekunden. Und die gute Seele telegraphirt an alle Hauptstalionen, daß in dem im Zuge Nummer soundsoviel befindlichen Salonwagen Herr Crispi nach Modena reise. Als der Stationschef in Modena die Mittheilung erhielt, fühlte er sich verpflichtet, davon den Sindaco, den Quastor, die Räthe der Präfektur und die übrigen sogenannten„Spitzen" in Kcnntniß zu setzen, und bereits eine halbe Stunde vor An- kunft des Zuges standen abgemeldete Herren, nach Rang und Würden geordnet und in feierliches Schwarz gekleidet, auf dem Perron des Bahnhofs. Zer Zug läuft ein, und der Salon- wagen hält unmittelbar vor den Autoritäten. Diese warten einen Moment; als aber im Salonwagen alles ruhig bleibt nichts genutzt haben, wenn die Bergleute 14 Tage vor Einstellung der Arbeit die vom Gesetz vorgeschriebene Kündigung hatten erfolgen lassen und die Dinge dann ihren normalen Gang genommen hätten. Denn es war absolut unmöglich, im Laufe von 14 Tagen für 110000 technisch geschulte Arbeiter Ersatz zu schaffen. Wmn aber die gesetzliche Bestrafung des Kontraktbmches der Arbeiter veranlaßt hatte, wirklich zu kün- digen, so würden die Gmbenverwaltungen zunächst in der Lage gewesen sein, alle diejenigen sofort zu entlassen, in dmen sie die Leiter der Bewegung zu erkennen glaubten, nammtlich diejenigen, welche namens ihrer Genossen die Kündigung über- bracht und die Äiederlegung der Arbeit angedroht hätten. Das aber würde sich vielleicht, ähnlich wie bei der hiesigen Straßen- bahn, als ein wirksames Mittel erwiesen haben, die übrigen Arbeiter einzuschüchtem und der Arbeitseinstellung zuvor- zukommen. Würde der Bruch des Arbeitsvertrages ge- etzlich unter Strafe gestellt, so würde also die Macht )es unpersönlichen Kapitals gegenüber den besitzlosen Arbeiter- massen noch verstärkt werden. Das aber erschiene doch be- denklich." Auch Herr Koffe, der Direktor des Reichsamt des Innern, ist von der juristischen Fakultät in Marburg zum Ehrendoktor promovirt worden, wahrscheinlich ebenfalls wegen einer Verdienste um das Zustandekommen des Jnvaliditäts- Versicherungsgesetzes. I« Stuttgart fanden letzte Woche mehrerefHaussuchungen bei Sozialisten und damit verbunden zwei Verhaftungen statt; Ursache unbekannt, doch vermuthet man die Thätigkeit eines anarchistischen Lockspitzels. Die Verhafteten wurden nach 1, Tage wieder in Freiheit gesetzt. Druckfehler- Kerichttguug. In unserer gestrigen Nummer befinden sich in der„Politischen Uebersicht" einige Druckfehler. In dem zweiten Stück:„Zu dm Notm des Reichskanzlers" muß es auf Zeile 4 statt:„beobachtet" be- trachtet; auf Zeile 25 statt:„Niederwalddenkmal" N i e d er- w a l d a t t e n t a t; auf Zeile 30 statt:„John" Zahn; auf Zeile 38 statt:„Jullanus" Intimus heißen. Außerdem ist im vierten Stück derselben Rubrik:„Aus Dresden" auf Zeile 25, 26 nicht„ereignete sich" sondem weigerte sich zu lesen. Großbritannien. Der Aufruhr anläßlich der Verhaftung des Nationalisten W. O. Bri en auf dem Bahnhof Cork ' at eine weit größere Bedeutung als anfänglich gemeldet wurde. sZ scheint, daß von der Polizei etliche dreißig Leute, worunter frauen und Kinder, verivundet worden sind. Der Nationalist Zatrick O'Brien liegt zur Zeit gefährlich verwundet darnieder. Die Leute wollten dem gefeierten Patrioten Lebewohl sagen; die Polizei gerieth in Alarm, glaubte, man wolle seine Be- freiung versuchen, und schlug mit Kolben und Knütteln darauf los. Bei der nächsten Station, Charleston, wo die Billcts be- sichtigt wurden, waren ebenfalls Leute auf der Plattform, welche von OBrien'S Verhaftung nichts wußten. Auch sie wollten ihn begrüßen, aber die Polizei machte von ihren Revolvem Ge- brauch und ein Schaffner wurde im Gesicht, ein Knabe am Bein verwundet. Diese Ausschreitungen kommen der Regierung sehr ungelegen, weil die irischen Voten noch ausstehen und die irischen Abgeordneten sich durchaus nicht das Recht wollm nehmen lassen, bei diesem Anlaß ihre Beschwerden zur Sprache zu bringen. Die hundertste Sitzung der Parnell- Kommission hat stattgefunden. Während der Dauer dieser Untersuchungen sind im Kreuzverhör über 90 000 Fragen gestellt und kennt- wartet wordm, und das Ende ist noch immer fern. Kürzlich wurde Michael Davitt vernommen. Seine frühesten Erinne- rungen reichten zurück in die Zeit, als die elende Hütte seines Vaters über seinem Kopf angezündet, und er mit seiner Mutter in die Welt hinausgetrieben wurde: selbst das staatliche Armen- haus verweigerte ihm die Aufnahme, weil die Mutter sich von dem Knäblein nicht trennen wollte. In Lancashire verlor er als neunjähriger Knabe seinen rechten Ann in einer Fabrik. Als er 20 Jahr alt war, wurde er als Ferner zu 20 Jahren Zuchthaus verurtheilt, weil er einen Brief geschrieben hatte, der scheinbar zur Ermordung eines VerrätherS aufforderte, thatfächlich aber diese verhinderte. Er hätte damals seine Vermthciluug verhindern können, aber er wollte die Männer, an die er seineu Brief adressirte, nicht verrathen, und weigert sich auch jetzt, die Namen zn nennen, weil er ihnen vor Jahren Stillschweigen zugeschworen. Unter der großen Zahl irischer Patrioten giebt es keine edlere Gestalt als diesen einarmigen Michael Davitt, dessen Selbstlosigkeit, Hingebung und Geradheit von Keinem übertroffen wird. Italien. N o m. D e p u t i r t e n k a m m e r. In Beantwortung der von Cavallotti am 4. d. M. eingebrachten Interpellation führte Ministerpräsident Crispi auZ, er habe infolge der Meinungsverschiedenheiten in der Affairc von Gabez(Tunis) eine Untersuchung angeordnet, welche jedoch ebensowenig, wie die von dem französischen Vertreter angeordnete bis jetzt be- endigt sei. In Betreff des in den istrischen Gewässern vor- gekommenen Zwischenfalls erklärte Crispi, der österreichische und niemand sichtbar wird, nähern sie sich ihm vorsichtig, werfen einen Blick hinein und fahren entsetzt zurück— der Salonwagen war menschenleer und war im Interesse des Dienstes nach Modena geschickt worden, wohin er gehörte oder wo er gebraucht wurde. Einen Trost haben die Honoratioren von Modena in ihrem Leid, daß nämlich dasselbe Schauspiel, das sie dem Publikum in Modena gegeben hatten, vorher sich auch in Bologna, Pistoia und Florenz ereignet hatte und auch dort der Salonwagen mit allen Ehren empfangen worden war. Dir Höste de« Wasserstandes absuhören, soll durch einen von Professor Dr. Seibt im preußischen geodätischen In- stitut erfundenen Apparat ermöglicht sein. Die Konstruktion ist, wie wir dem„Berl. Tagebl" entnehmen, folgende: Der direkt die Wasserhöhe anzeigende Theil des Instruments, ein sogenannter Schwimmer, ist durch eine Art gebogenen Hebel mit der Linie eines Pendels verbunden. Diese Linse ist auf der Pendelstange beweglich, so daß also die Bewegungen des Schwimmers auf die Linse übertragen werden. Dadurch wird also das Pendel, entsprechend dem jeweiligen Wasserstande, bald verkürzt, bald verlängert. Es wird also auch bald schneller, bald langsamer schwinden. Wird nun dieses Pendel in eine elektrische Leitung eingeschaltet, so können die einzelnen Schwingungen oder Schläge desselben auf beliebige Entfemung hörbar gemacht werden. Durch Vergleichung dieser Schläge mit denen einer am Zentralorte feststehenden Normaluhr können dann in der That aus der relativen Dauer jener Schläge die relativen Wasserstände abgehört werden. Das Prinzip dieses Apparates wird auch für die Beobachtung meteorologischer Elemente sich mit Vortheil verwenden lassen, wie denn derselbe der weitesten Anwendung fähig ist. Gin sond-erknre» Gesuch gelangte dieser Tage an die königliche Kurie in Budapest. Der ehemalige Finanzwachauf- feher Alexius Henter, der vom M.-Szigeter Gerichtshöfe zu einer dreimonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt wurde, bat den Obersten Gerichtshof, es möge ihm mit Rücksicht auf seinen lei- den Zustand gestattet werden, daß statt seiner seine Ehegattin, die sich der besten Gesundheit von der Welt erfreue, die Ge- fängnißstrafe absitze. Diesem Gesuch war auch eine Erklärung der Frau Henter beigeschlossen, wonach sie bereit ist, freiwillig die Strafe für ihren Gatten abzubüßen. Zu seinem Bedauern konnte jedoch der Gerichtshof das Opfer der heldenmuthigen. Frau nicht annehmen. Schifsskomman dant, welcher übrigens in die Luft und nicht auf das italienische Schiff„Ida" geschossen habe, sei seines Postens enthoben worden. Die Verhaftung der beiden Bürger, von denen der eine nicht italienischer Nationalität, der andere ein Deserteur, sei vallkommen gesetzlich, ebenso seien auch die gegen Ausflügler in Trieft und in Riva und Trento ergriffenen Mabregeln gerechtfertigt, indem gelegent- lich des Ausfluges irredentistische Kundgebungen vorgekommen wären. Die Erklärungen des österreichischen Ministers des Acufleren Grafen Kalnoky in den Delegationen seien würdig, klug und weise; Cavalotty selbst hätte in der Stellung Kol- uoky's nicht anders sprechen können, denn Würde und Klug- hcit erheischten die Änfrechterhaltung der Bündnisse. Crispi erklärte sodann noch hinsichtlich des Katholikenkongreffes, der- selbe habe ohne Betheiligung der österreichischen Regierung stallgesunden, und verwies in dieser Beziehung auf die Er- klärunnen des Grafen Taaffe gelegentlich der Beantwortung einer Interpellation, worin derjelbe die Aufrechlerhaltung der Freundschaft mit Italien als Hauptzweck bezeichnete. Cavallotti erklärte, von der Antwort des Ministers nicht befriedigt zu sein, stellte jedoch keinen Antrag. Hierauf beschlob die Kammer die Vertagung bis zum Herbst. DevseumnUmgen. Eine öffentliche Müllergelellen-Verlammlung fand am Donnerstag Abend 8 Uhr im Saale des Herrn Gerlach, Strom str. 28, statt. Der Vorsitzende Herr C. Wilke eröffnete die sehr mäßig besuchte Versammlung mit der Begrüßung im Namen des Verbandes um Sl Uhr. Auf der Tagesordnung stand: Berichterstattung des Delegirten über den in Eisenach abgehaltenen Müllerkongreß. Der Delegirte las die Ein- leitung, sowie den gefaßten Beschluß über die im Kongreß an- gesetzte Tagesordnung vor. Der Beschluß lautete wie folgt: Am!). und 10. Juni tagte in Eisenach ein von 17 Delegirten besuchter Kongreß der Müllergesellen, zu welchen folgende Orte Delegirte entsendet hatten: Nürnberg- Fürth, Berlin, Tegel bei Berlin, Halle a. S., Altona, Hamburg, Erfurt, Merseburg, Frankfurt a. M., Mainz, Hildesheim und Leipzip. Die Städte Neiffe a. N., Flensburg und Barmen ließen sich durch Eisenacher Kollegen vertreten. Auf der Tagesordnung� stand: 1. Tie Rothwendigkeit der Organisation; 2) Gründung eines deutschen Müllergesellen- Verbandes; 3) Organfrage; 4) die wirthschaftliche Lage der Müllergesellen: 5) Statutenberathung; 6) Sitz des Verbandes; 7) Wahl des Vorstandes. Zum ersten Punkt der Tagesordnung sprachen die Vertreter Halle, Berlin und Nürnbcrg-Fürth. Die Ausführungen sämmtlichcr Redner gipfelten darin, daß die traurige Lage der Müllergesellen nur durch Organisation der betreffenden Arbeiter verbessert werden könne. Unter Hinweis darauf, daß nahezu alle deutschen Arbeiter ihre Vereinigung haben, oder damit beschäfligl sind, solche ins Leben zu rufen, beantragten die Referenten, eine Zentral- oraanisation für die deutschen Müllergcsellen ins Leben zu rufen. In diesem Sinne wurde dann auch einstimmig Beschluß ge- faßt und unter dem Namen„Deutscher Müllcrgescllcnverband"eine Vereinigung begründet. Der Antrag, unter dem Namen„Deutsche Müllergeselleir-Zeitung" ein Verbandsorgan zu errichten und dasselbe obligatorisch einzuführen, fand ebenfalls einstimmige Annahme.— Ueber die wirthschaftliche Lage der Müllergesellen referirte der Vertreter von Nürnberg-Fürth, aus dessen Aus- sührungcn hervorzuheben ist, daß nirgends solche Mißstände wie im Müllergewerbe existiren, wo man das vielgerühmte vatriarchalische Vcrhältniß noch mit all' seinen Rachtheilen für die Arbeiter findet. In keinem Lande Deutschlands steht die Bezahlung und Verpflegung der Müllergesellen in einem mir annähernd richtigen Verhästniß zu diesen, gesundheitsschädlichen, gefahrvollen Berufe. Am schlimmsten liegen die Verhältnisse m Schlesien, wo das Zunftwesen noch in voller Blüthe steht. Die Arbeitszeit beträgt daselbst meistens 18 Stunden pro Tag und nur alle 14 Tage einen freien Tag. Bei dieser Arbeitszeit be- trägt der Wochenlohn 3 5M. nebst freier Verpflegung. Wer 5 M. erzielt.muß schon ein tüchtiger Geselle sein. DieKost ist sp Den Pelz muß sich der Geselle selber stellen. Ein bestimmlck Schlasgemach giebt es nicht; der Spreusack wird in eine» Winkel geworfen, wo gerade Platz ist, ,... und darauf streckt dn Arbeiter nach 18stündiger Arbeitszeit seine müden Glieder ai& In Baden ist es Gebrauch, daß der Arbeiter 36 Stunden oh« Unterbrechung arbeitet, wonach er dann 12 Stunden frei ha!- Aehnlich liegen die Verhältnisse in Bayern, Württemberg und anderen Staaten Deutschlands. Wandel könnte nur durch ei« stramme Organisation, welche sich die Aufklärung der Kollege» als Hauptaufgabe stellt, geschaffen werden. Der Verband stuhl sich auf§ 152 der Gewerbeordnung, gewährt ReiseunterstützM wie Rechtsschutz und stellt sich als Hauptausgabe du geistige und materielle Hebung seiner Mitglieder. Tn iiitz des Verbandes befindet sich in Eisenach. 3« Diskussion erhielt zuerst das Wort der Müller Ht* Senkbeil; er bemängelt, daß dem Verbandsvorsitzenden, da auch zu gleicher Zeit Hauptkassirer ist, ein zu großes Gehad bewilligt wäre. Der Delegirte meinte hierauf, daß die V«' liner Müller garnicht hier ein Gehalt festsetzen konnten, da« nicht wüßten, wie viel Stimmen dort vertreten sein würde« Es waren nur 500 Stimmen anwesend und würde das wohl nicht ein zu großes Einkommen sein, 5 pCt. der Gesaw«!' einnähme, denn jede Arbeit sei ihres Lohnes werth. Tu Vorstandswahl ist nur auf ein Jahr festgesetzt, und sind«» dann immer noch im Stande, bei vermehrter Mit gliederzahl das Gehalt zu reduziren, so gut wie uns die Herren Arbeit« geber die Löhne reduziren. Wer seine Arbeit nicht hezahlt er' hält, hat auch keine Lust zu arbeiten. In diesem Sinne sprw sich auch der Kollege Rode aus. Die Versammlung ist i> keinem Resultat gekommen, und mußte der Vorsitzende wcge» Uneinigkeiten die Versammlung um 11 Uhr schließen. _... t svottschlecht. Das Nachtlager des Müllers besteht in dieser Gegend aus einem mit Kleie gefüllten Sack und einem Pelz als Zudecke. I»ntral-Krankrn- und Sterbrkalr» der Tischer etc.(OtrllUf Verwaltungsstelle Berlin 8). Den Mitgliedern zur Nachricht, dah folgende ZaT stellen verlegt sind: 1. Von der Köpnickeriin 129 nach der AövnilkcrNraße 121' bei Müllen 2. Von der Oranienstn 80 nach der Alten Iakobilr 48 bei Zadel 3. Die Zahlstelle in der Jüdenslr 23 ist ausgebobeir Krankmeldungen o°? 7. Juli ab bei H. Großc-Ärcul, Reich enbergcrstr. 182, Hof links 4 Dr. Cie D™' Verwaltung, Theater. Mittwoch, den 10. Juli. #r#ir# Theater. Margarethe. Friedrich- Wilhrlmstädtische» Theater. Der Bettelstudent. UUrtaria-Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. Detteatliancc-Theater. Kyritz-Pyritz. Gstead-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. ,Paffage 1 Tr. 9 M.— 10 A. Kaiser-Panorama. Diese Woche: Eine höchstintcressante Reise durch «W Norwegen. Seepartien; preisgekrönte astronom. Aufnahmen. N»«• Nariser Weltausstellung 1889. Neil« Kr. Maj. Kchiff Hertha. Eine Reife 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. Hiermit den Mitgliedern des 672 Allgemeinen Metall-Arbeiter-Aereiss für Kerlin«nd Mmgegend zur Nachricht, daß am Donnerstag, den 11. Juli, die K.bliothe« eröffnet wird, und von da ab jeden Montag und Donnerstag von 8—9, Uhr die Bücher auSge- geben werden. Um recht rege Betheiligung ersucht Die Kibliothekkommiflio». I. A.: Paul Wünschmann. Mur I Mark. Klagen, Gingaden, K riefe, Kittgelnche, Jurist. Dath� in allen Prozeßsache«. 627 »oltah, Aleranderstr. 39, 11. #o(j0 öfmilMe Steinmel-Vetfammfoiu) UM am Mittmoch» den 10. Juli, Abends 8 Uhr, in Ahlgrimm's Salon, Sophienstr. 34. Tagesordnung: 1. Bericht der Kontrolkommission über Streikabrechnuna. 2. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Steinmetzen ist es, dieser Versammlung mit beizuwohnen. Gäste sind willkommen. Der Gindernfer. Heinrich Eltzschig. Durcü die Expedition, Zimmerstroße 44, zu beziehen: Von Dr. Eduard Avrling. Broschirt M. 1,50, Die Darwin' sche Theorie Geb. M. 2,-. Karl Marr' Oebonomiphe Kehren. Gemeinverständlich dargestellte erläutert von Karl Kantsky. Brosch. M. 1,50. Geb. M. 2—. Weltschöpfnvg und Weltunteryang. Die Entwickehmg von Himmel und Erde vom Standpunkt der Naturwissenschaften dargestellt von Gswald Köhler. Brosch. M. 2,—. Geb. M. 1,50. Die ländliche Arbeiterfrage» Nach dem Russischen des Kadinkow. Brosch. M. 1 Geb. M. 1,50. Thomas More und feine Utopie. Mit einer historischen Einleitung von Karl Kantskh. Brosch. M. 2,—. Geb. 2,50. Charles Fourier, sein Leben und seine Theorien. Von Angnst Kebel. Brosch. M. 2,-. Geb. M. 2,50. Da» moderne Glend«nd die moderne Uebernölbernvg. Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung, Von Mar Schlppel. Broschirt M. 1,50. Geb. M. 2,—. voiksbibliothek des gesammten menschlichen Wissens. Von M. Fiebknechl. a Heft 10 Pf. Heft 1—81 bereits erschienen. Von Heft 73 ab„Die französtsche Uevolulion" von M. Liedknecht,- Berliner Arbeiter-Dibliothek. Von Mar Kchippel. Erschienen Heft 1 bis 4. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Heftz 2: Der �Nutzen der Gewerk- schaften. Heft 3; Die Arbeiterinnen- und Frauenfiage der Gegenwart. Heft 4 Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. a Heft 15 und 20 Pf. Von A. K erger. Von Die Arbeitrrinnen-Kewegung Kerlins a Heft 30 Pf. Ferdinand Kalfalle eine Gedenkschrift zu seinem 25 jährigen Todestag. Mar Kegel.- 50 Pf. Arbeiter-Uotizbalender. Kleine Aufgabe a Exemplar 50 Pf. Die Klassengegensätze von 1789. Von Karl Kantaky. a Exemplar 50 Pf. 1 Die Sonnta gs Arbeit, Von August K-d-l. Brosch. M. 1—. Stabil. Roman von Diaraeli, übersetzt von Natalie Liedknecht. Die Uitter der Arbeit. Nach dem Amerikanischen des Zor von Natalie Liedknecht. Die französische Uevolnti««. Von Wilhelm Kl--. Wedunde« in prachtdand. a Exemplar M.�5,50. Ginbanddecken zu K-kert Klum a Exemplar 35 Pf. Mr. Geretti, Miß Anita und Miß Viola, Miß Blanche, Speci, Familie Andersen, Geschw. Mohrmann, Geschw. Macon jc. jeute, Mittwoch: kinderseriensest. Zolls- und Kinderbelustigungcr aller Art. Im Saale Ball. mr Entree 30 Pf."UZ» ä I Mark, ein Monat giltig. I Monatskarten, RUes RÜHere Sommerkarten,: ä® Mark, die Anschlagsäulen, ff Sommersaison giltig. gönnt 09: Neue Welt."VVI"' Puppentheater, Komiker VorfteUung, Konbonrege«, Mettlaufen. Htangenklettern Gratts-Uertoosnng lÄ1: Ztegenbockgespann. Von 4 Uhr Nachmittags ab: Militär-Concert.— Kaffeeküche geöffnet. Enfree für Erwachsene 15 Pf.— Kinder 10 Pf. Vorläufige Anzeige! Morgen Donnerstag: Massen- und Kunst-Feuerwerk. Perfammlung d. fr. Vereinigung der Lohgerber und Lederzurichter Berlins am Sonnabend, den 13. Juli er., Abends 8 Uhr, Weinstraße Rr. II bei B o b e r t. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Ouartal 1889. 1. Erledigung mehrerer Vereins- Angelegen Heilen. 664 Der Vor ft and. Derein».Regelung d.gewerdltche« Verhält« sse d. Töpfer Kerlins. Das Arbeitsmlhiicisdmtliii befindet sich Oreadener-Straase 116, in Wendf's Restaurant Wol (Jnh.: W. Grandel.) entags von 7— 9 Uhr Abends, Sonn- und eiertage von 10— 12 Uhr Vormittags. Sattler!!! 519 Der unentgeltliche Arbeitsnachweis des Vereins der Sattler und Fachgenossen befindet sich Dresdenerstr. 116, W e n d t's Restaurant. Der Arbetlsnachweis der Kiavierarbeiter befindet sich nach wie vor Waldemarstr. 61 im Restaurant Zilm(vorm. Pfistcr. Die Adressen- auSgabe findet jeden Abend von 8—9% Uhr und Sonntags Vormittags von 10—14% Uhr, sowohl an Mitglieder wie an NichtMitglieder unent- geltlich statt. 201 Die Arbeitsvermittelungs-K-mmiksto«. Die Beleidigung gegen den Maurer Spreu» witz nehme ich hiermit zurück. E. I ü r s ch. Möbel, eigen. Fabrik. Spiegel d. Foisterwaaiml Gr Lager, bill. Preise! Emil Heyn, Brunnenstr. 28, Hof pari. TheiU. nach UebereiokunfW preuWe fottcric-foofc offer. f. Hauptziehung 4. Klaff- 180. 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Verantwortlicher Redakteur: Eronhei« m Berlin. Druck und Verlag von Mar Kadiug in Berlin SW.. Beuthstraße 2. Hierzu ein« Keilag». Beilage zum Berliner VolMlatt. i Kr. 158. Mittwoch, de« 10. I«U 1889. 6. Jahrg. NerUrMi der ArdewM. Zu den erfreulichsten Erscheinungen der diesjährigen Lohn- beweaung darf es wohl gerechnet werden, daß tn der Arberter- schaft über daS, was sie m erster Linie und vor allem zu fordern hat, eine— man möchte fast sagen— wunderbare Ueberem- �Die�Arbeiter' in den großen Zentralplätzen des Reiches, die Bergarbeiter in Rheinland-Westfalen, sowie die hinten an der polnisch- russischen Grenze im Norden wie im Süden, überall, wo sie sich zusammen thaten, um Forderungen sür die Verbesserung ihrer Lage aufzustellen, überall stellten sie sie an die erste Stelle ihrer Forderungen: Das Verlangen auf Abkürzung der Arbeitszeit. Die Erkenntniß also, daß die Einschränkung der Arbeitszeit eine der wesentlichsten, ja die Hauptforderung ist, welche der Arbeiter behufs Hebung seiner Lebenshaltung zu erheben hat, sie ist Gemeingut der deutschen Arbeiterschaft geworden. Daß dies aber der Fall ist, das ist ein großartiger Erfolg, der für manches schwere Opfer, das im Laufe der Jahre in der Arbeiter- bewegung gebracht hat werden müssen, wohl zu entschädigen geeignet ist. Besonders möchten wir auf diesen Erfolg jene Klein- müthigen hinweisen, die ihr Erlahmen im Streben nach der Emanzipation des arbeitenden Volkes so gerne mit den: Einwurfe zu bemänteln und entschuldigen versuchen:„Es hilft ja doch nichts, was wird bei allen Kämpfen und Opfern denn erreichst 1' Die, welche so reden, mögen bei den Veteranen der Ge- werkschaftsbewcgung sich erkundigen, wie vor 20-25 Jahren selbst bei politisch fortgeschrittenen Arbeitern häusig noch das Verlangen nach Abkürzung der Arbeitszeit und, damals als unbedingt nothwendig verknüpft, der Erhöhung der Löhne, auf genommen wurde! Nur kleine Arbeitcrkreise waren es damals, welche diesen Forderungen volles Verständniß entgegen brachten, unter der Masse aber war der Glaube noch allgemein verbreitet, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit nothwendig eine Lohnreduzirung im Gefolge haben müsse. Vor uns liegt eine seinerzeit im Drucke erschienene Rede Theodor Borks über den Normalarbeitstag, welche dieser leider allzu früh verstorbene unermüdliche Förderer der Gewerkschafts- wie überhaupt der Arbeiterbewegung im Jahre 1871 gehalten hat. Wir wollen aus derselben ein paar Stellen zum Abdruck bringen, aus denen die Zweifler sehen mögen, wie vor achtzehn Jahren noch unter deutschen Ar- beilern— und zwar sogar solchen, welche sich zur sozialdemo- kratischen Partei zählten— über die Forderung des Normal- arbcitstages sowie der Verkürzung der Arbeitszeit überhaupt gedacht wurde. Nachdem Park in seiner prägnanten und packenden Weise die Einwürfe der kapitalistischen Gegner gegen den Normal- arbeitstag zurückgewiesen, fährt er fort: „Ich habe bisher den gewichtigsten uns aus Arbciterkreisen selbst gemachten Einwand gegen die Verkürzung der Arbeitszeit, gegen Einfuhrung eines zehnstündigen Normalarbeitstages zurückgehalten, um diesen Einwand desto eingehender und aus- flihrlicher widerlegen zu können „Ich sage, daß auch Arbeit... ,...______— gehörende Arbeiter, gegen die Einführung eines zehnstiindigen „Ich sage, daß auch Arbeiter, selbst unserer Richtung an- gehörende Arbeiter, gegen die Einführung eines zehnstündigen Normalarbeitstages sind, und dagegen geltend machen, daß die Einführung einer kürzeren Arbeitszeit auch im Interesse der Unteruehmcr selbst läge, waS dadurch bewiesen wäre, daß viele Fabrikanten schon die Initiative in dieser Richtung ergriffen hätten, mithin also von uns schließlich weniger das Interesse der Arbeiter, als daS der Fabrikanten gefördert wiirde. Aber nicht gegen diesen Einwand, der nur in der Theorie, und auch nur scheinbar be- grüirdet ist, will ich mich wenden, sondern gegen die Zweifler unter den Arbeitern, gegen die Schwachen an Erkenntniß, die da geltend machm, daß ja jetzt schon bei längerer Arbeitszeit die Arbeiter kaum im Stande sind, sich und ihre Familie zu ernähren, dazu also noch viel weniger bei kürzerer Arbeitszeit im Stande sein würden, und besonders die Akkord- und Etückarbeiter begegnen uns so häufig mit diesem Einwand, und fiir diese hat derselbe ja auch eine scheinbare Be- rechtiguna." Port geht nun daran, in glänzender Weise diese Ein- wände zu widerlegen und den Arbeitern zu zeigen, daß unter der Herrschaft des ehernen ökonomischen Loyngesetzes und innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise, wo die mensch- lichr Arbeitskraft vom Unternehmer gekauft wird, nach dem Gesetze von Angebot und Nachfrage, wie jede andere Waare auch, nur daß die Menschenwa we Arbeitskraft insofern schlimmer daran ist als Wolle, Leder, Eisen und ähnliche Halbfabrikate oder Rohstoffe, weil die erstcre nicht aufgespeichert werden kann s? dem Besitzer, d. h. dem Arbeiter, täglich den Unterhalt e theilmeise Mondfinsterniß am 17. Januar des gegenwärtigen Jahres war infolge schlechten Wetters hier nicht zu sehen, dagegen konnte sie in Brüssel gut beobachtet werden. Zur Verwunderung der Astronomen des dortigen Observatoriums sah man die früher in Köln wahrgenommene Erscheinung jetzt auch dort.„Der Schatten der Erde war sichtbar außerhalb der Mondscheibe", so berichtet Herr Stuyvaert, das war der Eindruck, den diese beftemdliche Erscheinung auf mich machte!" Die Beobachter in Köln glaubten, daß das sichtbar gewordene Segment des Erdschattens in den höchsten Thcilen unserer Atmosphäre gelegen habe, der Astronom in Brüssel ist dagegen der Ansicht, daß damals der Erdschatten auf irgend etwas Körperliches im Räume sehr nahe beim Monde gefallen und dadurch sichtbar geworden sei. Eine Entscheidung zwischen diesen beiden Erklärungsversuchen ist nicht leicht. Jedenfalls bleibt es merkwürdig, daß bis zum 3. August 1887 niemals irgend jemand die Erscheinung wahrgenommen hat. Äugen- blicklich ist es völlig unnütz, das Für und Wider der gegebenen Deutungen zu erörtern, indem nur neue Beobachtungen einen Beitrag zur Entscheidung liefern können. Die Mondfinsterniß am Abend des 12. Juli aber findet nahe unter den gleichen Verhältnissen statt wie diejenige vom 3. August 1887, und es wird sich nun zeige::, ob auch dieses Mal der Erdschatten außer- halb der Mondscheibe im Himmelsraume sichtbar wird. Die Beobachtung geschieht am besten mit Hilfe eines lichtstarken Fernrohrs von schwacher Vergrößerung: möglicherweise ist auch ein gutes Opernglas hinreichend, den Erdschatten außerhalb der Mondscheibe zu zeige::, falls er dieses Mal überhaupt dort sichtbar wird. Auf die Keschwerde des Herrn Fritz Bcrndt, Vor- sitzenden des Wahlvereins fiir den 5. Berliner Reichstagswahlkreis, wegen der Auflösung und der Vorgänge nach der am 19. Juni bei Domack, Johannisstraße 20, tagenden Versammlung ist die Antwort des Polizeipräsidenten nunmehr eingetroffen. Die Beschwerde lautete: „Die Versammlung des Wahlvereins für den 5. ReichS- tagswahlkreis, die am Mittwoch, den 19. d., im Lokale des Hern: Müller, Johannisstraße 20, tagte, wurde von dem über- wachenden Beamten auf Grund des ß 9 des Sozialistengesetzes aufgelöst, als der Referent, Schriftsteller Baakc, äußerte:„Die Sozialdemokratie ist unbesiegbar; sie wird die Väter des So- zialfftengesetzes überdauern." Gegen diese Auflösung erhebe ich als 1. Vorsitzender des Vereins hiermit Beschwerde. Weder ist die letzte Aeußerung des Redners dan:ach an- gethan, als Äufteizung zu gelten, noch traten in dem voran- gehenden Theil des Vortrages Bestrebungen zu Tage, die auf den Umsturz der bestehenden Verhältnisse hinzielen. Der Vortrag war nichts als eine sozialpolitische Betrach- tung der Gründe, welche die Bildung des Kartells und den Rückgang des Deutschfreisinns herbeigeführt haben. Er gipfelte in dem Nachweis, daß eine liberale Aera für Deutschland nicht mehr zu erwarten sei. Für die sachliche Art der Kritik des Vortragenden spricht der Umstand, daß anwesende Gegner sich durchaus ruhig ver- hielten und Zwischenrufe aus der Versammlung heraus über- Haupt nicht laut wurden. Auch ist die Auflösung um so sonderbarer, als der Referent den Vortrag zwei Tage vorher im sozialdemokratischen Wahl- verein für den 1. Wahlkreis und Tags vorher seinem Haupt- theile nach auch in der Versammlung des Vereins zur Erzielung volks Ihümlicher Wahlen für den 4. Wahlkreis gehalten hat, ohne daß eine Auflösung dort erfolgt wäre. Des weiteren beschwere:ch mich über die Art des Vor- gehens, die der überwachende Beamte nach der Auflösung sür angemessen und mit dem Gesetze vereinbar gehalten hat. Zu- nächst forderte er die s o f o r t r g e Räumung des Saales, und als einige Theilnehmer der Versammlung wenigstens vorher ihr Bier auszutrinken wünschten, meinte er zu denselben: „Trinken Sie Ihr Bier draußen(im Garten) aus." Trotz dieser Zusage wurde auch der Garten sofort von der Schutzmannschaft geräumt. Auch den Aufenthalt an getrennten Tischen im abseits lie- aenden Gastzimmer des Lokals, in dem sich anderes Publikum befand, wollte der Beamte Theilnehmern der Versammlung nicht dulden. Ja, er hielt es sogar für angemessen, einen Trupp Ver- sammlungstheilnehmer, 20— 30 Mann, die in ein anderes Lokal der Johannisstraße(Münchener Brauhaus) gegangen waren und im Garten desselben an getrennten Tischen unter dem übrigen Theil des Publikums Platz genommen hatten, durch Einwirkung auf dem Wirth unter Aufgebot von Schutzmann- schaft aus dem Garten weisen zu lassen. Dieses Vorgehen halte ich für ungerechtfertigt und im höchsten Grade ungeeignet, auf uns Arbeiter versöhnend einzuwirken. Ich ersuche für Abhilfe Sorge tragen zu wollen. Fritz Berndt." Die Antwort des Polizeipräsidenten war folgende; „Berlin, den 3. Juli 1889. Aus die Beschwerde vom 23. v. Mts. erwidere ich Euer Wohlgeboren ergebenst, daß die im§ 9 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 bezeichneten Bestrebungen in der am 19. v. Mts. abgehaltene:: Versammlung des„Wahlvereins für den V. Berliner Reichstagswahlkreis" so klar zu Tage getreten sind, daß der überwachende Beamte ver- pflichtet war, die Versammlung aufzulösen. Die nach erfolgter Auflösung seitens dieses Beamten an die Versammelten gerichtete Aufforderung, das Versammlungslokal sofort zu verlassen, findet in§ 17 a. a. O. ihre gesetzliche Be- gründung. Das fernere Zusammenkommen eines erheblichen Theils der Versammelten in dem Münchener Brauhause, Johannis- straße 18/19, stellte sich nach den ermittelten Umständen als der Versuch einer Fortsetzung der aufgelösten Versammlung dar. Der Beamte war daher verpflichtet, die Ausführung dieses Versuches zu verhindern. Ihre Beschwerde muß ich daher in allen Punkten als un- fso �begründet zurückweisen. Der Polizei-Präsident. v. Richthosen. Die Ausnutzung der Hansslure als Verkaufsräume hat in unserer Stadt in so zahlreichen Fällen Anwendung ge- funden, daß die Polizei bereits vor längerer Zeit den Versuch machte, gegen diese Beengung der Eingänge zu den Häusern einzuschreiten. In einigen, damals zur gerichtlichen Entschei- dung gebrachten Fällen gründete die Behörde ihre auf Frei- lassung der Hausflure aerichtele Forderung auf die im Interesse der Feuer-Polizei nöthigen Einrichtungen, welche die Frei- Haltung des Durchgangs für die Mannschaften und Geräthe der Feuerwehr zu jeder Tageszeit, im Falle des Ausbruchs eines Feuers erheischten. Die Rechtsprechung zeigte sich damals den Anschauungen der Polizei nicht geneigt und hob deren Verfügungen in der betreffenden Angelegenheit auf. Neuer- dingS aber gehen nun in immer zahlreicheren Fällen bei den einzelnen Revier-Bureaus Klagen ein von den Miethern, über die Beengung der Hausflure durch Vermiethung derselben seitens der Hauswirthe. In einem Falle hat sogar ein Hauswirth im Südosten der Stadt den Hausflur in zwei Verkaufsläden getheilt und beide vermiethet und zwar den vorderen Theil an einen Grünkramhändler, den Hinteren Theil an einen Fleischer. In diesem besonderen Falle wird nun allerdings nach dem Ergebniß der angeordneten und stattge- habten Ermittelungen ein polizeiliches Einschreiten aus gesund- heitspolizeilichen Gründen möglich sein. Im allgemeinen aber, werden namentlich dieMicther mit derartigen Beschwerden von der Polizei auf den Weg des ordentlichen Prozeßversahrens verwiesen, bei dem sie aber stets insofern im Nachtheil sind, als der verklagte Hauswirth sich solcher Miether einfach durch Kündigung entledigt. Die neuerdings eingegangenen zahl- reichen Anzeigen über Hausflurvermiethungen dürften doch nochmalige Envägungen darüber veranlassen, in welcher Weise behördlicherseits dieser für die Hausbewohner und für alle in solchen Häusern Verkehrenden lästigen Einrichtung entgegenge- treten werden kann. Ueber die sogenannten„Spettalwagen" der Glien- tzasine« w:rd seitens de« reisenden Publikums lebhafte Klage geführt. Ein„anner Reisender" giebt solcher Klage folgenden beredten Ausdruck:„Das reisende Publikum sei hiermit betreffs der Benutzung jener Eisenbahnwagen 3. Klasse gewarnt, welche unter der Bezeichnung„Spezialwagen" seit einiger Zeit dm: hauptstädtischen Verkehr dienen. Einsender dieser Zeilen wurde bei seiner letzten Fahrt nach Friedrichshagm auf dem Schle- fischen Bahnhof mit der gesammten Familie m einen„Spezial- wagen(Nr. 9407) gewiesen, da die wenigen richtigen Wagen dritter Klasse bereits überfüllt ankamen. Diese„Spezialwagen", welche beinahe das Aeußere jmer Wagen zeigen, an denen zu lesen steht: 40 Mann oder 6 Pferde— sind mit kleinen Fenstem versehen und infolge dessen nicht freundlich erleuchtet. Die vielfach zum Zusammenklappen konstruirten, höchst steif und ungeschickt aussehmden Bänke sind wie die Decke und die Wände, an denen man zahlreiche Riegel, eiserne Ringe, auch Ketten, Stangen u. dgl. bemerkt, dunkel gestrichen, wodurch die Düsterheit ves Innern außerordentlich erhöht wird. Die Ungemüthlichkeit deS Ausenthaltes erfährt aber noch eine Steigerung, wenn mun die drei mit grobem Drahtgeflecht umgebenen Stalllatemen an der Decke hängen sieht. Noch vor der Abfahrt verließen mehrere Fahrgäste unter regen Auslassungen über solche unerhörte Zumuthung seitms der preußischen Staatsbahnvenvaltung an das fahrende Publi- kum den Wagen, um— in einem genau ebensolchen end- lich Platz zu finden. Als der Zug das Halbdunkel der Halle verlassen hatte, wurde die Sachlage dem Auge allerdings noch peinlicher. Auf den Bänken lagerte eine dicke Staubschicht, mit Papierfetzen und Speiseresten war der Boden verunreinigt, die zu athmende Luft war entsprechend eklig. Wie kann's auch anders sein! Sowohl das Publikum, als auch das Reinigunnspersonal werden solche Räume genau so respek- tiren, als das Aussehen derselben dazu auffordert und— mr- lich gestanden— für einen Raum, dem Stalllatemen das Ge- präge aufdrückten, war das Aussehen noch stattlich genug. Doch das Schlimmste folgt nach. Mit zunehmender Geschwindigkeit des Zuges begann nunmehr ein Getöse auf der Plattform und ein betäubendes Geraffel im Wagen, daß einem schier Hören und Sehen verging, und statt elastischer Gangart war nur anhaltendes Stoßen bemerkbar. Der Schaffner schrie aus Leibeskräften nach den Billeis, das Publjkum stellte schreiend erforderliche Fragen an ihn. Solch' eine Situation ist mir selbst in der verstecktesten Winkelbahn noch nicht vorgekommen. In Friedrichshagen angelangt, hielt sich Groß uud Klein den Kopf und längere Zeit bedurfte es erst, ehe sich Alle wieder so wohl fühlten, als vor der Ab- fahrt. Zu solcher Erholung laden die„Spezialwagen" ein.— Wie mag es angesichts dieser wenig verlockenden Schilderung erst in der vierten Wagenklasse aussehen!? Gin tziestger Kerichterftatter versendet folgende thränen- reiche Geschichte: Auf der Jubiläumskunstausstellung des Jahres 1886 hatte das Bild eines bisher wenig beachtet ge- wesenen MalerS allgemeine Aufmerksamkeit erweckt. DaS große Laienpublikum zollte jedoch mehr dem Gegenstand, welcher dem Maler zum Vorwurf gedient, als der Kunst, mit der er den- selben behandelt, seine Bewundemng. Denn das Sujet dieses Bildes war das lebensgroß gemalte Porträt einer jungen Dame von einer so berückenden Schönheit, daß vor diesem, von langen goldblonden Haaren umrahmten Gesicht, aus welchem zwei große blaue, von dunklen Wimpern beschattete Augen gar schwärmerisch und doch so schelmisch blickten. Jedermann halt »nachte und sich an dem lieblichen Antlitz gar nicht satt sehen konnte. Es überraschte daher Niemanden, als eines Tages unter dem Gemälde der bekannte Zettel hing, auf dem zu lesen stand: „Verkauft für zehntausend Mark." Verkauft! Das Original war eben keine Dame, sondern„nur" ein Modell, aber eS war kein Modell der gewöhnlichen Art. Er hatte das junge Mädchen auf einer Reise kennengelernt und hingerissen von ihrer Schön- heit hatte er sie, die Tochter eines achtbaren Bürgers, zu über- reden gewußt, ihm bei einem Gemälde als Modell zu dienen. Unter dem Vorgeberr, sich in Berlin eine Stellung zu suchen, war sie ihm hierher gefolgt, und hier hatte er zu ihr gesprochen: „Wenn mich bei diesem Bilde das Glück begünstigt, und bei solchem Sujet muß es mir hold sein— dann heirathe ich Dich!" Und sein Modell, sterblich in den Künstler verliebt, glaubte ihm. Doch als ihn das Glück begünstigt, als er das Bild für hohen Preis verkauft und dadurch neue Arbeiten ihm weiteren Ruhm und großen Gelderwerb versprachen, als er in der Künstler- und Finanzwelt anfing, eine Rolle zu spielen, da dachte er gar nicht mehr des Mädchens, welches ihn zu seinem großen Wurf begeistert und er stieß sie, welche um seinetwillen eine Bahn eingeschlagen, die das Mädchen um die Achtung seiner Familie gebracht, von sich. Von aller Welt verlassen, zu stolz, auch anderen als Modell zu dienen, brachte sie die Roth und der Kümmer um ihren Verstand, und als un- heilbar Tiefsinnige wurde sie in die Irrenanstalt nach Dall- dorf gebracht. Dort ist sie am Sonntag beerdigt worden, nach- dem sie über zrvei Jahre in dumpfem Schiveigen hinaebrritet. Nur einen Namen und eine Wohnung hatte sie stets im Munde geführt. Dorthin wandte sich die Direktion der An- stalt, in oer Meinung, daß es Verwandte seien, mit der An- frage, ob Man für ein besseres Begräbniß Sorge tragen wolle. Aber man ivar an den Künstler gerathen, der auf diese Weise zum ersten Male erfuhr, wie und wo sein Modell geendet und er gab eine namhafte Sumnie, so daß die Unglückliche wenig- stens ein ehrliches Begräbniß erhielt. Daß da» Schuppe« der Fische für unsere Haus- frauen eine nicht ungefährliche Beschäftigung ist, haben schon viele Fälle> bewiesen, in denen eine Verletzung der Hand Blutvergiftungen zur Folge gehabt. So hatte eine Frau O. vor kurzem sich beim Schuppen der Fische an einer Gräte ganz unbedeutend den Zeigesinger der rechten Hand verletzt. Bald jedoch schwoll die ganze Hand unter den heftig- sten Schmerzen und der hinzugezogene Arzt konstatirte eine Blutvergiftung. Es bedurfte der Bemühungen unserer ersten zur Hilfe gerufenen Autoritäten, um der Frau O. den Arm und das Leben zu erhalten, Bemühungen, die in einem gleichen Falle bei einer Frau M. fehl schlugen und nach unsäglichen Schmerzen den Tod der rüstigen und stets kerngesund ae- wesenen Frau nicht aufzuhalten vermochten. Auch Frau M. hatte sich an der rechten Hand beim Reinigen der Fische eine kleine ganz unbedeutende Wunde durch das Ritzen an einer Gräte zugezogen. Auch hier stellte sich eine Blutvergiftung heraus, welche den ganzen Körper mit einer solchen Schnellig- keit insizirte, daß selbst durch eine sofort vorgenommene Ampu- tation des rechten Armes die Tame nicht mehr gerettet werden konnte. Der Landrath de« Teltower Kreises erläßt eine Ver- fügung, in welcher auf die außergewöhnliche Vermehrung der Raupen in diesem Jahre nnd den durch sie angerichteten be- deutenden Schaden hingewiesen wird. Der Landrath bestimmt demnach den 10. Juli d. I. als denjenigen Termin, bis zu welchem die Vertilgung der lebenden Raupen in diesem Jahr im ganzen Umfange des Kreises bewirkt sein muß. Wer diesen Termin unbeachtet läßt, und die Vertilgung dieses gefährlichsten Feindes unserer Gärten versäumt, verfällt in die nach§ 368 zu 2 des Reichs- Strafgesetzbuchs angedrohte Strafe bis zu 60 M., ev. 14 Tage Haft! außerdem hat er auch die Aus- führung der unterlassenen Handlung durch einen Dritten auf seine Kosten zu gewärtigen. Die Zahl ver Selbstmorde im Grunemalv hat sich in diesem Jahre in erschreckender Weise vermehrt, und der kleine Selbstmörder-Kirchhof bei Schildhorn hat noch nie eine solche Bereicherung erfahren, wie_ in diesem Jahre. In den letzten 8 Tagen haben wieder fünf Selbstmorde im Grunewald stattgefunden; der letzte Fall betraf einen Reservelieutenant, dessen Leiche am Sonnabend am Ufer des Schlachtensees ge- fanden wurde; das Motiv zum Selbstmord war Mittel- und Erwerbslosigkeit. Die im Grunewald aufgefundenen Leichen von Selbstmördern werden, wenn sie nicht von Ver- wandten abgeholt werden, ohne Ausnahme auf dem kleinen Friedhof bei Schildhorn beerdigt. Von der Obcrförsterei Grunewald, mit der bekanntlich auch die Polizeiverwallung für den Forstbezirk verbunden ist, gehen die Anweisungen zur Fort- schaffung und Beerdigung der Leichen aus; das nöthige Material und Fuhnverk dazu wird gewöhnlich von Zehlenoorf aus gestellt. Vor ganz kurzer Aeit ereignete es sich, daß die Leiche einer Selbstmörderin zu spät von ihren Angehöriaen rekognozirt wurde, als dieselbe bereits auf dem Friedhof vei Schildhorn begraben war. Die Angehörigen erwirkten die Erlaubniß des Oberförsters zur Ausgrabung der Leiche, die denn auch in ihrem schmucklosen Sarge, einem echten sogenannten„Nasen- quetscher", wieder an das Tageslicht befördert wurde, um später in Berlin in feierlicher Weile beerdigt zu werden. Es giebt keinen Ort in der ganzen Umgegend von Berlin, der so viel von verlorenen Hoffnungen und zerstöltem Lebensglück erzählen könnte, wie der kleine Selbstmörderkirchhof bei Schildhorn. �„ Dom Klih zerschmettert. Bei einem am 5. d., Nachmittags 13 Uhr, über Lübben gegangenen schweren Gewitter — ohne Sturm— wurde hart an der Promenade im großen Hain von einem Blitzschlage eine Eiche im buchstäblichsten Sinne zerschmettert. Selten mag ein Baum mit solcher Gemalt von Blitzen getroffen werden, wie es hier geschah. Die Eiche, ein Baum von ca. 23 Meter Höhe, kemgesund und über der Wurzel von 2 t Meter Umfang, wurde durch den Schlag in einer Höhe von ca. 10 Meter nicht nur umgebrochen und ihr oberer Theil niedergelegt, sondern auch der stehen gebliebene Stamm von oben bis unten durch eine Menge Risse gespalten und voll- ständig geschält. Ein Hauptspalt theilt den übrig gebliebenen Stamm der Länge nach in zwei Hälften. Uever ein schaurige» D erbrechen geht der„Post" folgender Bericht zu:„Gestern gegen Mittag stürzte in der TreSkowstraße 17 das elfjährige Pflegekind Robert Lindemann aus dem Fenster der in der vierten Etage gelegenen Wohnung seiner Pflegeeltern, der Stadtmissionar Sanvrock'schcn Eheleute, hinab auf den asphaltirten Hof und blieb hier noch lebend, aber nur leise wimmernd liegen. Schon lanae war in der Nachbarschaft die Kunde verbreitet, daß die Pflegemutter ihren Pflegling mit grausamer Härte behandle, und als nun das Unglück, der Sturz aus dem Fenster geschehen, ging es mit Blitzesschnelle durch des Volkes Mund, daß das Kind von der Pflegemutter hinabgestoßen worden sei. Eine ganz besondere Fügung wollte es, daß der unglückliche Knabe trotz des fürchterlichen Sturzes nicht sofort seinen Geist aufgegeben hatte, daß er Z vielmehr noch sterbend dem inquirirenden Polizei-Lieutenant gegenüber eine furchtbare Anklage gegen die Pflegemutter erheben konnte. Die Reviervolizei hatte ebenfalls von oem schrecklichen Ereigniß sofort Kunde erhalten, und der Revier-Vorstand richtete den an der Erde liegenden Knaben, welcher das volle Bewußtsein behalten hatte, auf und fragte ihn, ernst und eindringlich, wie sich der Unglücksfall zugetragen und brechenden Auges, aber bestimmt und fest versicherte der Knabe, daß seine Pflegemutter ihn zum Fenster hinausgestoßen habe. Dann verschied der bedauernswerthe Kleine. Die Pflege- mutter, Frau Sandrock, welche alsbald von dem Reviervorstand vernommen wurde, erklärte, nicht zu wissen, wie sich der Unfall zugetragen habe. Bei dieser Aussage verharrte sie auch, als die kleine Leiche in die Wohnung gebracht wurde; sie behauptet, gar- nicht in der Küche gewesen zu sein, als der Knabe aus deren Fenster hinausgestürzt sei. Nach der Vernehmung entfernten sich die Beamten, doch schon am Nachmittag erfolgte die Verhaf- tung der Frau Sandrock. Es hatten sich binnen wenigen Stunden entsetzliche Verdachtsmomente gegen die Frau anae- sammelt, die wir hier folgen lassen: Der aus dem Fenster gestürzte Robert Lindemann hatte vor Jahren noch ein Brüder- chen, mit dem er gleichzeitig, vom Rhein her, hier m Pflege des Stadtmissionars Sandrock gegeben worden war. Vor etwa drei bis vier Jahren verstarb das Brüderchen in der Pflege des Stadtmissionars unter eigenthümlichen Umständen. Die Geschwister Lindemann hatten ein Vermögen von je 6000 M. Als dieselben nach Berlin in Pflege gegeben werden sollten, wandte man sich an einen bekannten Geistlichen Berlins, welcher als Vermittler der Pfleaerschaft mit dem Stadtmissionar dahin einen Kontrakt abschloß, daß dem Stadtmissionar als Entgelt für die Pflegerschaft die Zinsen des Ver- möaens der beiden Kinder gewährt werden sollte. Sollte aber eines der Kinder während der Pflegschaft versterben, so sollte die Hälfte des Vermögens des verstorbenen Kindes, also 3000 M., dem Stadtmissionar als Eiaenthum zu- fallen. Man glaubt nun allen Grund zu der Annahme zu haben, daß Frau Sandrock, um sich das Geld anzueignen, des ersten Kindes Tod herbeigeführt und jetzt, um auch in Besitz der zweiten 3000 M. zu gelangen, den Sturz des unglücklichen Knaben Robert aus dem Fenster herbeigeführt hat. Ferner ist festgestellt, daß der Knabe über alle Maßen hart behandelt worden und daß derselbe, aus Angst vor seinenIPflegeeltenr öfters davongelaufen ist. Ein Antrag auf Zwangserziehung refp. auf zwangsweise Unterbringung des Kleinen in eine Besserungsanstalt wurde seiner Zeit vom Gericht abgelehnt, weil der Knabe sich nur umhergetrieben, sich aber keiner straf- baren Handlung schuldig gemacht hatte.— Den Namen des Vermittlers der Pflegerschaft, welcher den Kontrakt mit den Sandrock'schen Eheleuten abgeschlossen hat, wollen wir ver- schweigen, weil die Nennung desselben zu viel Sensation er- regen würde." Was heißt hier Sensation. Das Publikum hat ein gutes Recht, Alles zu erfahren, und hoffentlich läßt die Wahrheit nicht auf sich warten. Da» Gpfer feines Leichtfmn» wurde gestern früh zwischen 3 und U Uhr der Manteuffelstr. 47 wohnende zwanzig- jährige Maler Kaminsky. Von einem Vergnügen zurückkehrend, versuchte derselbe in der Skalitzerstraße den in sehr langsamem Tempo� von der/ Niederschlesischen Bahn nach der englischen Gasanstalt fahrenden Zug zu überklettern, fiel dabei aber zwischen die Schienen und ward sofort todtgefahren. Zeugen des schrecklichsten Vorfalls hoben den entsetzlich Verstümmelten alsbald auf und sorgten für seine Ueberführung nach der Wohnung der verzweifelten Mutter, die sich nunmehr ihres einzigen Er- nährers beraubt sieht. Gemäß den Ueröffentlichungen de» Kaiferlichen Gefundheiisamt» sind in der Zeit vom 23. Juni bis 29. Juni cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurch- schnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 32,8, in Breslau 84% in Königsberg 35,4, in Köln 43/), in Frankfurt a. M. 26,1, in Wiesbaden 19,3, in Hannover 26/), in Kassel 25,9, in Magdeburg 52,1, in Stettin 44,5, in Altona 22,2, in Straßburg 20,8, m Metz 23,7, in München 28,7, in Nürnberg 35,9, in Augsburg 32,3, in Dresden 25,6, in Leipzig 29,8, in Stuttgart 18,7, in Karlsruhe 22,7, in Braunschweig 27/), in Hamburg 27,1, in Wien 23,6, in Pest 28/3, in Prag 24% in Trieft 18,4, in Krakau 32,5, in Amsterdam 25,2, in Brüssel 21,0, in Paris 20,2, in Basel—, in London 15,2, in Glasgow 21,6, in Liverpool 20,5, in Dublin 23,2, in Edinburg 14% in Kopenhagen 21,7, in Stockholm 21,0, in Christiania 32% in St. Petersburg 29,5, in Warschau 37/5, in Odessa 26,9, in Rom—, in Turin—, in Venedig 26,0, in Alexandria—.— Ferner in der 8. Juni er. in New- Bork 32,2, in Baltimore 14,0, in Kalkutta 25,1, Madras 48,5. Die Sterblichkeitsverhältnisse blieben auch in in dieser Be- richtswoche in den meisten Großstädten Europas, namentlich in den deutschen, keine günstigen, wenn auch in einer Anzahl der letzteren(wie in Berlin, München, Breslau, Königsberg, Danzig, Braunschweig u. a. OJ die Sterblichkeit etwas kleiner als in der Vorwoche wurde. Einer sehr geringen Sterblichkeit (bis 15,0 pro Mille) war die Sterblichkeit in Wiesbaden, Stutt- gart, Bremen, Trieft, London. Auch in Altona, Karlsruhe, Straßburg, Brüssel, Paris, Kopenhageu, Stockholm, Glasgow, Liverpool war die Sterblichkeit eine mäßig hohe(etwas über 20,0 pro Mille). Aus Köln, Königsberg, Magdeburg, Stettin, Nürnberg, Chemnitz, Charlottcnburg, Potsdam, Halle wurden von den deutschen Städten sehr hohe(über 35/) pro Mille) Sterblichkeitsziffern berichtet.— Die hohe Sterblichkeit wurde auch in dieser Woche durch die zahlreichen Todesfälle an Darm- katarrhen und Brechdurchfällen hervorgerufen, welche, wenn sie auch in einigen Städten(wie in Berlin, Breslau, Königsberg, Straßburg) abzunehmen beginnen, doch noch immer fast in allen größeren Orten, außer den bereits genannten, in Köln, Magdeburg, München, Hamburg, Dresden, Leipzig, Stettin, Braunschweig, Wien, St. Petersburg, Warschau, London, Paris u. a. unge- mein zahlreiche Opfer dahin rafften.— Der Antheil des Säug- lingSalterS an der Sterblichkeit blieb ein hoher, doch wurde er in Berlin und München kleinerer. Von je 10000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, in Berlin 207, in München 131 Säuglinge. Dagegen führten akute Entzündungen der Ath- mungsorgane seltener zum Tode.— Von den Jnfektionskrank- heilen gelangten Todesfälle an Keuchhusten, Unterleibstyphus und Pocken häufiger, an Masern, Scharlach und Diphtherie weniger zur Mittheilung.— So haben Todesfälle an Masern in Breslau, Frankfurt a. M., München, Nürnberg, Wien ab- genommen, während sie aus Köln, Paris, London, St. Peters- bürg etwas häufiger zur Anzeige kamen; auch neue Erkran- kungcn wurden aus Breslau, Wien, Petersburg und aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf in geringerer, aus Pest und Chri- stiania in etwas gesteigerter Zahl berichtet.— Das Scharlachfieber wurde in Königsberg und Petersburg häufiger, in London seltener Todesursache. Erkrankungen kamen aus Berlin, Wien, Kopenhagen etwas zahlreicher, aus St. Petersburg seltener, aus Hamburg und Edinburg in fast gleicher Zahl wie in der Vor- wache zur Berichterstattung.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Kroup war in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Wien, Pest und St. Petersburg eine etwas gesteigerte, vagegen in Breslau, Königsberg, Magdeburg, Hannover, Stettin, Braun- schweig, Kopenhagen, London eine verminderte: in Paris fast die gleich hohe, wie in der Vorwoche. Erkrankungen wurden ablr aus Berlin, Breslau, Hamburg, Nürnberg, dem Regie- rungsbezirk Schleswig, Pest und St. Petersburg in größerer, aus Kopenhagen in wenig gegen die Vorwoche verminderter fahl gemeldet. Sterbefälle an Unterleibstyphus waren in ondon, Paris und St. Petersburg gesteigert; auch neue Er- krankungen wurden aus Berlin und Pest in größerer, aus St. Petersburg in etwas verminderter Zahl zur Anzeige ge- bracht. An Flecktyphus kamen aus Danzig, Warschau je 1, aus St. Petersburg und Odessa je 2 Todesfälle, aus Edin- bürg und St. Petersburg auch je 1 Erkrankung zur Mittheilung.-Epidemische Genickstarre veranlaßte in Breslau 1 Todesfall, im Regierungsbezirk Aurich eine Erkrankung.— Der Keuchhusten forderte in Berlin und St. Petersburg weniger, in London, Liverpool, Paris mehr Opfer.— Vereinzelte Todesfälle an Pocken kamen aus Berlin, Wien und seinen Vororten, aus Brünn, Lemberg, Lyon, mehrfache aus St. Petersburg, Prag, Venedig und Warschau zur Anzeige; Erkrankungen aus Breslau 1, aus Berlin 2, aus Wien 3, aus Pest 4. eit vom 2. Juni bis Philadelphia 19,4, in in Bombay 27,5, in Der Gesundheitszustand in Berlin war auch in dieser K richtswoche kein günstiger und die Sterblichkeit eine hohe, m# auch eine gegen sie letzten Vorwochen verminderte. Noch in# war die Zahl der zum Vorschein kommenden und tödtlich endo den Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder eine* deutende, wenn auch die Zahl der Sterbefälle von 679 de Vorwoche auf 408 Lrrückging. Die Theilnahme des Söq lingsalters an der Sterblichkeit blieb eine hohe, wenngleich sie erheblich geringer war, als in den Vorwochen. Akute zündungen der Athmunasorgane riefen weniger Erkrankung« hervor. Unter den Infektionskrankheiten haben Mafaf Scharlach, Diphtherie und typhöse Fieber etwas mehr» krankungen als in der Vorwoche veranlaßt, doch kamen sie« keinem Stadtiheile in nennenswerther Zahl zum Vorschein, ne die Diphtherie zeigte sich in der jenseitigen Luisenstadt und« Moabit häufiger. Rosenartige Entzündungen des ZellgeweX der Haut veranlaßten etwas mehr Erkrankungen; Erkrankung« im Wochenbett kamen nur wenige zur Anzeige; dagegen# den 2 Erkrankungen und 1 Todesfall an Pocken aemeldi Das Vorkommen von Keuchhusten blieb ein beschränktes,* Verlauf überwiegend ein wilder. Rheumatische Beschwer� aller Art zeigten gegen die Vorwoche keine wesentliche% änderung. polireibericht. Am 7. d. M., Vormittags, gerietst ein« Elisabeth-Ufer 1 in Pflege befindlichen einjährigen Knaben« Gummi-Saugpsiopfen in die Kehle, so daß er daran erst# — Am 8. d. M., Morgens, wurde ein Tischler in seiner M nung in der Oderbergerstraße erhängt vorgefunden. DieLen wurde nach dem Schauhause geschafft.— Nachmittags stA auf dem Neubau Hussitenstraße 18 der Zimmermann©W beim Legen von Balken im zweiten Stock infolge eines fftt trittes in das erste Stockwerk hinab und erlitt OuetfchM an der Brust und Hüfte, so daß er nach dem Lazarus-Krai# hause gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit stürzte« lojähriger Knabe aus dem Fenster der im 4. Stock des Haut Tresckowstraße 17 belegenen Wohnung seiner Pflege-Eltern« den gepflasterten Hof hinab und verstarb nach Verlauf«jj Viertelstunde infolge schwerer innerlichen Verletzungen." Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft.— A« Zeit darauf fiel ein vierjähriger Knabe aus* Fenster der im ersten Stock des Hauses Oppel«« straße 41 belegenen elterlichen Wohnung auf den Hos- stj« und erlitt hierbei einen Bruch des rechten Oberschenkels.# Anlegung eines Nothvcrbandes wurde der Knabe nach' Krankenhause Bethanien gebracht.— Nachmittags sprang« anscheinend den besseren Ständen augehörender Mann vor» Hause Hallesches Ufer Nr. 16 in den Landwehrkanal,»«« jedoch, ohne Schaden erlitten zu haben, aus dem Wasser! zogen.— Abends sprang eine unbekannte, etwa 25 Jahre! Frauensperson von der eisernen Brücke in den Kupfergr«? und ertrank. Die Leiche wurde bald darauf aus dem W» gezogen und nach dem Schauhause geschafft. In der Nacht zum 9. d. M. wurde ein Hilfswächter« einer Schlägerei in der Badstraße von einem Strolch hinten» mit einem jogenannten Todtschläger über den Kopf gefchlrf so daß er eine schwere Kopfwunde erlitt. Als am 9. d. M. Morgens der Maler Kaminski vor» Sause Skalitzerstraße 108 unter einem in der Fahrt befind# isenbahn-Kohlenzug hindurch zu kriechen versuchte, wucd« von den Rädern eines Wagens erfaßt und auf der Stelle« tödtet. Eine Anklage wegen fahrlässtgen Meineide« gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgericht I den Kaufmann Nathan Flatow verhandelt. In einem Prozesse zwischen zwei ehemalige Kompagnons, in dem eS um einen Gegenstand von 10 000 Mark handelte, wurde Angeklagte von einem der Prozeßführenden als Zeuge««" schlagen und vernommen. Nach seiner Vereidigung wnck an ihn in üblicher Weise die Generalfragen gerichtet, n>» der Rechtsbeistand der gegnerischen Partei, welcher die G# Würdigkeit des Zeugen anfechten wollte, die Frage an ihn r# ob er bestraft sei. Der Zeuge antwortete vernei# und machte sich dadurch des fahrlässigen Meineides(chi# denn es stellte sich heraus, daß er, wenn auch vor langer? zwei nicht ganz unerhebliche Vorstrafen erlitten. Im gestrZ Termine behauptete er, daß die Fragen über seine Person«« keit schon an ihn gerichtet worden seien, bevor seine Be««* Sung erfolgte, die Beweisaufnahme ergab aber das Gegen# ,u Gunsten des Angeklagten wurde angenommen, daß derp tn der Ueberraschung und ohne gehörige Ueberlegung die verh# nißvolle Frage verneinte und somit nur eine Fahrlässigkeit be# Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnißstrase von« Wochen, der Gerichtshof hielt dies Strafmaß aber für zu g«� und erkannte auf drei Monate Gefängniß. Gin abgefeimter Ganner wurde gestern der zw«* Strafkammer des Landgerichts in der Person des 30jast«% Handlungskommis Jakob Gerson vorgeführt. Er ist schon«' fach, zuletzt mit drei Jahren Zuchthaus, vorbestraft. Kauw Freiheit, hat er die Verbrecherlaufbahn fortgesetzt und man ihm bei Ausübung seiner Schwindeleien eine gewisse w? seitigkcit nicht absprechen. Er suchte und fand seine Opfe«' sonders unter den jungen Verkäuferinnen. In einem B«# geschäft erkundigte er sich, ob der Prinzipal zu Hause sei entfernte sich unter dem Ausdruck des Bedauerns,! die Verkäuferin dies verneinte. Die Letztere sah d«. wie der Angeklagte sich mit zwei ihr bekiiw Nachbarn in einer anscheinend höchst freundschaftlichen unterhielt. Nach einigen Minuten kam der Angeklagte i»? Laden zurück und bat die Verkäuferin, sie möge ihm biSjr Abend 10 M. leihen, cr habe nur einen FünfhundertmarksAf den er nicht gewechselt bekommen könnte. Da der Angell® sich als Nachbar bezeichnete, so gab die Verkäuferin das«5 her. Später erkundigte sie sich vei den ihr bekannten H«? mit denen sie den Angeklagten hatte sprechen sehen, nach? letzteren und erfuhr, daß derselbe die Herren,% er vollständig fremd war,_ angeredet und in% zudringlicher Weise in ein Gespräch verwickelt habe. ZweilP hatte er dadurch nur das Vertrauen der Verkäuferin gcwoP wollen. In einem Laden in der Breitenstraßc gab er fiwj einen Angestellten des königlichen Marstalls aus und e«% auch hier ein Darlehn, dann wieder machte er bedeutend«- stellungen für irgend eine angesehene Persönlichkeit, ließ« aber auf vier Minuten 5 M. geben und so verfuhr er in«? verschieden in den nenn Fällen, die zur Anklage gelangt% Einen armen Droschkenkutscher prellte er um 14 M 50 j indem er sich für den Besitzer der„Fischerhütte" ausgab 5, mit seiner Braut, einer Kellnerin, dorthin fahren ließ, f Ziele angelangt, schlug er sich ohne Bezahlung seitwärts Büsche. Das Geständniß seiner Schuld konnte bei ein«� hartgesottenen Verbrecher nicht mildernd in Betracht koiwj der Gerichtshof erkannte nach drin Antrage des Staatsanw? auf eine Zuchthausstrafe von sechs Jahre» 1500 M. Geldstrafe event. noch 150 Tage Zuchthaus Gin« Beschuldigung schwerer Uatur gegen% Kollegen hatte dem an der Stadtbahn angestellten wärter Dietrich durch schöffengcrichtliches Erkenntnis.' Geldstrafe von 100 M. eingetragen. Er hoffte in g«f Verhandlung vor der zweiten Instanz ein günstigeres i' zu erzielen. Bei der Stadtbahn-Dirertion lief eines Tag� Schreiben ohne Unterschrift ein, in welchem der Verfasser die A» machte, daß er Tags zuvor Ohrenzeu gegewesen, als die S« «l ' wärter Dietrich und Bielke sich zankten. Dietrich habe dabei seinem Gegner in Gegenwart vieler Zeugen vorgeworfen, daß er sich die Prämie von drei Mark, ivelche die Direktion dem Anzeiger jebeä Schienenbruches zahlt, in höchst verwerflicher Weise zu ver- schaffen wisse, indem er mittelst eines großen Hammers der- artige Brüche selbst herbeiführen und sie dann als„gefunden zur Anzeige bringe. Die Direktion trat diesem wichtigen Gegen- stände näher. Es wurde festgestellt, daß Bielke innerhalb verhällnißmäßig kurzer Zeit eine ziemlich große Anzahl Schienenbrüche entdeckt hatte und wegen seiner Aufmerksam- keit in der üblichen Weise belohnt worden war. Auch Dietrich wurde vernommen und dieser behauptete sogar, er habe in einer bestimmten Nacht gesehen, wie Bielke mit einem großen Hain- mer in der Nähe des Bahnhofes Alexanderplatz gegen die Schienen geschlagen. Am Morgen des folgenden Tages hatte Bielke allerdings einen an jener Stelle entdeckten Schienen- bruch angemeldet und die Prämie dafür eingeheimst. Bielke gab als möglich zu, daß er mit einem Hammer hanlirt habe, aber wahrscheinlich nur, um die geborstene Schiene mit- telst eines Keils in vorgeschriebener und rationeller Weise zu dichten. Es wurde ferner festgestellt, daß der Angeklagte in jener Nacht gar keinen Dienst gehabt hatte und gar nicht auf der Strecke gewesen kein konnte und als schließlich der Bahnmeister sein Gutachten dahin abgab, daß es schwer sei einen Schienenbruch mittelst Schläge mit einem Hammer hervorzubringen, gelangte man zu der Ueberzcugung, daß Bielke nur eine Verleumdung ausgestoßen haben. Er wurde zur Anzeige gebracht und wie oben erwähnt verurtheilt. ' Die Beweisaufnahme in der zweiten Instanz ergab dasselbe Re- ' sultat wie in der ersten, es mußte allerdings unter denArbeitenr der Stadtbahn das Gerücht im Umlauf fein, daß man Schienen- brüche auf die erwähnte Art herstellen könne, aber daß dies wirklich von irgend Jemandem versucht worden sei, dafür sprach nichts. Der Gerichtshof setzte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte die beanstandete Behauptung nicht geradezu aus den Fingern gesogen, die Strafe auf 50 M. herab. Nor dem Senat in Krrmen stand ein Unfall zur Ver- Handlung, der am 28. September 1888 den Dampfer„Graf Bismarck" auf der Reife von Antwerpen nach Buenos Ayres betraf, indem an diesem Tage der Kohlenzieher Wilh. Busch über Bord sprang und ertrank. Die Untersuchung wurde seitens des Reichskanzlers angeordnet, da es im öffentlichen Interesse liegt, die Ursache der m der letzten Zeit häufig vorgekommenen Selbstmordfälle bei dem Kohlenzieherpersonal festzustellen. Es haben vielfache Vorvernehmungen stattgefunden, auch sind Er- Mittelungen über die Persönlichkeit des Verstorbenen angestellt worden. Zur mündlichen Vernehmung sind heute 12 Zeugen geladen. Der erstvernommene 2. Maschinist Neumann sagt aus: Zu meiner Wache gehörten zwei Heizer und ein Kohlenzieher, letzterer war Busch. Er war ein großer starker Mann, der wohl die Arbeit als Kohlenzieher verrichten konnte. Diese bestand darin, während der 4stündigen Wache das Brennmaterial für 6 Feuer herbeizuschaffen, es mögen im Durchschnitt 80 Körbe voll sein. Auf der Hinreise fielen die Kohlen aus den Bunkern direkt vor das Schott, so daß sie blas eingeschaufelt und etwa 5— 6 Schritt weit getragen zu werden brauchten. Der 4stündigen Wache folgte eine 8stundige Ruhepause, die allerdings dadurch um etwa% Stunde verkürzt wird, daß die Kohlenzieher erst am Schlüsse der Wache noch Asche hieven müssen. Nach dem Unglücksfalle find in jeder Wache 2 Kohlenzieher, wie es auf den anderen Dampfern, die stärkere Maschinen haben, schon immer der Fall ist, eingestellt. Wurde bei unserer Einrichtung der Kohlenzieher krank, so mußten die von den anderen Wachen 6 Stunden Dienst thun, oder es wurde ein Mann vom Deck dazu genommen. Der Kesselraum des Dampfers hat 4 Ventilatoren, die gut funktioniren. In den Tagen vor dem Unfall, wie an dem Un- falls tage selbst war es ziemlich heiß, im Maschiuenraum hatten wir 40—42 C. Busch hatte sich an den vorhergehenden Tagen i&cm einmal von der Arbeit gedrückt und auf Deck versteckt. Er kam dann später zweimal und meldete sich krank, worauf ich ihn zum Arzte schickte, der ihn aber für gesund erklärte. Ich habe ,hm wohl Vorhaltungen über sein lässiges Betragen gemacht, glaube aber nicht(Das glaubt so ein Kerl blas! Red.), daß ich ihn geschlagen oder mich zu anderen Thätlichkeiten gegen ihn habe hinreißen lassen. Ich habe ihm bei seiner Arbeit ge- Holsen, er blieb dann noch unten, erst später ging er hinauf und sprang gleich über Bord. Die Maschine wurde sofort auf „volle Kraft rückwärts" gestellt. In der ersten Zeit war Busch ein fleißiger Arbeiter. Der Spruch des Secamtes lautet: Der Selbstmord des Kohlenziehers W. Busch, welcher am 28. September 1888 vom Dampfer„Graf Bismarck" auf der Reise von Bremerhaven nach Brasilien über Bord sprang und ertrank, ist daraus zurückzu- führen, daß Busch bei der zu jener Zeit im Kesselraum herrschenden starken Hitze die Arbeit nicht aushalten zu können glaubte und sich daher entschloß, sich das Leben zu nehmen, nachdem er sich schon mehrere Tage hindurch mit diesem Ge- danken getragen hatte. Es geht aus den Verhandlungen hervor, daß der Dienst des Busch ein außergewöhnlich schwerer nicht gewesen ist, und daß er auch eine schlechte Behandlung seitens seiner Vorgesetzten nicht erfahren hat. Festgestellt ist, baß er vom zweiten Maschinisten Neumann, welcher ihn den Umständen nach für arbeitsunlustig halten mußte, am Tage des Selbst- mordes wegen lässigen Arbeitens energisch zur Rede gestellt und zur Arbeit angewiesen worden ist. Eine Mißhandlung des Busch seitens des zweiten Maschinisten hat nicht stattgefunden, vuch ist festgestellt, daß die angebliche Aufforderung des letzteren, den Busch mit der Schaufel auf den Kopf zu schlagen, nicht erfolgt ist. In Bezug auf die Beschaffenheit und insbesondere der Ventilation des Heizraumes auf dem Dampfer sind kemmei Ausstellungen zu machen. Zur Rettung des Venin- gluckten sind alle den Umständen nach möglichen Maßregeln getroffen ivorden. Den Kommentar hierzu finden unsere Leser an anderer stelle. SnziAle Ueverstchk. A« alle deutschen Arbeiter! Finsterwalde, den 8. Juli. Wir machen sämmtliche Kollegen hierdurch aufmerk- sam, daß mit dem heutigen Tage der Streik der Arbeiter in der Reichelt'schen Metallschraubenfabrik begonnen hat. Wir bitten sämmtliche Arbeiter aller Branchen, den Zuzug nach hier auf jeden Fall fern zu halten. Wir bauen aus das Solidari- tätsgefühl aller deutschen Arbeiter; wir haben unsere Pflicht stets gethan und werden auch in Zukunft voll und ganz unsere Schuldigkeit thun. Die Zahl der Streikenden beträgt 120 Mann, von denen ungefähr 100 verheirathet und Familienväter sind. Geldsendungen sind zu richten an unfern Kassirer Reinhold Ewald, Berlinerstr. 29. Mit kollegialischem Gruß: Die Ar- berter der Reichelt'schen Metallschraubenfabrik. ruf-' erfurftf�6"11��6 werden um Abdruck dieses Auf- Versammlungen.- Di- D-rlammlung des sozialdemokratischen Mahl- verein» de»»weiten berliner Reichstags, nahlkreise». welche, wie inzwischen bereits andenveit bekannt geworden ist, dem Schicksale der polizeilichen Auflösung verfiel, fand am 2, d. M. im Saale der Habel'schen Brauerei statt. Der Saal war überfüllt, als um 9% Uhr der Vorsitzende Emst Wilschke die Versammlung eröffnete. Zum ersten Gegenstand der Tagesordnung: Vortrag über das Thema:«Die Partei-Ver- Hältnisse in Deutschland und die nächsten Wahlen" nahm Max Schippe! als Referent das Wort. Derselbe begann mit einer Darstellung der Parteiverhältnisse vor dem Beginne der Ver- fassung. Damals war die alte konservative Partei eine auf Besitz und Macht gegründete Partei, die sich stützte auf die Monarchie, den Adel und die Geistlichkeit und so die Feudal- Herrschaft gründete, wobei der Belitz von Grund und Boden als besonders wichtig angesehen wurde. So entstand der Groß- grundbcsitz als selbstständige Partei. Die Kirche diente sowohl als Stütze des Adels, wie als Stütze der absoluten Monarchie; sie war mit Privilegien und Machtbefugnissen ausge- stattet, und man konnte sie deshalb als eine' selbstständige Kirchenpartei betrachten. Diese sämmtlichen Parteien waren ihrer ganzen Natur und Entstehung nach Feinde des Bürgerthums und der Demokratie, jeder freien Anschauung und iedes Freidenkerthums. Durch die von oben her bevorzugte Pflege der Zünfte wurde die Macht der herrschenden Parteien nicht wenig gestützt; diese sicherten ihre Eristenz dadurch, daß sie den Bauer und Landmann gegen das Bürgerthum und die Demokratie hetzten, um jeden dieser Stände vor zu großer Machtentwickelung zu bewahren. In Wirklichkeit richtete sich damals schon der Kampf dieser Parteien unter einander gegen das Großkapital. Als dann nach der Revolution von 1848 dem liberalen Bürgerthum und der Demokratie Zugeständnisse gemacht werden mußten, hatten auch die Arbeiter insofern hiervon einigen Nutzen, als ihnen die KoalitionS-, Verfammlungs- und Preßfreiheit ebenfalls zu statten kämm. Unter dem Einfluß dieser Bildungsmittel erkannte die Masse bald, daß alle Errungenschaften der Revolution für sie nur auf dem Papier standen und die privilegirten Klassen alle diese Errungenschaften nur im Dienste und zum Nutzen des Kapitals gemacht hatten. So dauerte der Kampf der privilegirten Klassen und des Kapitals gegen die Arbeiter, gegen das Proletariat fort. Aber das Volk hatte seine Lage erkannt und eingesehen, daß es im Kampfe gegen das Kapital auf sich selbst angewiesen war, und so kam es, daß, als eine neueZPartei, die sozial- demokratische, ihre Forderungen in einem Programm aufstellte, diese neue Partei sich feindlich allen anderen gegenüberstellen mußte. Heute bilden alle anderen Parteien, einzeln und ge- meinsam, mit dem großen Militärapparat und der Bureaukratie das Bollwerk zum Schutze des Großkapitals. Von diesem Gesichtspunkte aus ist ihre Opposition der Regierung gegenüber nur Schein; das bewies die freifinnige Partei bei den Militär- vorlagen und beim Sozialistengesetz. Die Furcht vor einem Kriege muß den Großgrundbesitzern, den Großindustriellen und den Großkapitalisten dazu stimmen, wenn er'eine Macht und sein Ansehen nicht verlieren will. Das begriff die freisinnige Partei und darum stimmte sie im Reichstage für die Erweite- rung des Militärapparates, weil dadurch iyre Macht gestärkt wirv.— Bei diesen Worten löste der überwachcnbe Beamte unter Berufung auf§ 9 des Sozialistengesetzes die Versamm- lung auf. Mit einem donnernden Hoch auf die Sozialdemo- kratie ging die Versammlung auseinander. Der Vorstand wird gegen die Auflösung Beschwerde führen. Eine öffentliche schwach besuchte Neesanimlnng der Maler, Karftirer, Anstreicher und verwandter Berufs- genossen fand am Freitag, den 5. Juli, in Orschel'S Salon statt mit der Tagesordnung: 1. Wahl eines Delegirten zum internationalm Arbeiterkongreß in Paris. 2. In welcher Weise hat uns der Delegirte zu vertreten? Zum ersten Punkt der Tagesordnung theilt Herr Retzerau im Namen der Komniission, welche am 5. Juni in Mundt's Salon zur Aufbringung der Kosten für den Delegirten gewählt war, der Versammlung mit, daß die Kommission die Saminlung habe einstellen müssen, da am 24. Juni die Maler und Anstreicher in den Streik einge- treten seien, die bisher gesammelten Gelder aber nicht zum vierten Theil ausreichten, um einen Delegirten zu entfenoen, so sei sich die Kommission dahin einig geworden, das Mandat für Berlin dem in Hamburg, Lübeck und Bremen gewählten Delegirten, Kollegen Schweitzer(Berlins, zu übertragen. Herr Hohlwegler war anderer Meinung. Da die Sammlung noch nicht so viel ergeben hat, einen eigenen Delegirten zu entsenden, so sollte Berlin ganz Abstand nehmen, einen Delegirterr zu entsenden. Berlin dürfe sich nicht die Blöße geben und den in kleineren Städten gewählten Delegirten das Mandat zu übertragen. Die Herren Heidemann, Spuhr und Reddm waren ebenfalls dagegen, dem Kollegen Schweitzer das Mandat zu übertragen. Es wurde folgender Antrag Hohlwegler's angenommen: Stelle den Antrag, von der Wahl eines Delegirten Abstand zu nehmen, und die bestehende Kommission zu beauf- tragen, eine Sympathicadresse am Eröffnungstage nach Paris zu senden. Durch Annahme dieses Antrages war somit auch der 2. Punkt der Tagesordnung gefallen. Zum Schluß ehrte die Versammlung durch Erheben von den Plätzen das An- denken an den uns unvergeßlich bleibenden Arbeitervertreter und früheren Reichstagsabgeordneten Wilhelm Hasenclever. Eine Uersammlung der Wähler des S. Berliner Reichs- tagswahlkreiscs fand am Montag in Scbeffer's Lokal, Jnsel- straße 10, statt, um die Nothwendigkeit der Gründung eines Wahlvereins zu erörtern. Das Bureau bildete der Vorstand des schon in aller Stille gegründeten Vereins; von dem Vor- stanb ist uns nur Herr Klempner Arno Winter bekannt, der Vorsitzender ist und die Versammlung leitete. Derselbe begann sein Referat mit einer Reihe von Entschuldigungen wegen seines eigenmächtigen Vorgehens. Er habe von dem Wunsche, oaß im 3. Kreise kein Verein ins Leben treten solle, nichts ge- wüßt tRufe: Na, na!); er habe im Gegentheil geglaubt, recht praktisch gehandelt zu haben.(Zwischenruf: Wie ein Konser- vativer!) Man müsse sich jetzt schon zur Wahl vorbereite». (Oho! Unruhe.) Der Redner wird unverständlich nnd bittet um Ruhe, er sei doch in einer sozialdemokratischen Versamm- luna!(Ironisches Sehr richtig!) Redner fortfahrend: Der 3. Kreis müsse diesmal einen Vertreter ins Parlament schicken! Da der Verein nun einmal gegründet sei(Rufe: Wo- Um Spitzel zu züchten!), so sollten sich die Anwesenden als Mit- t lieber aufnehmen lassen(Rufe: Oho!), und er vertage die Versammlung auf 15 Minuten.(Rufe: Oho! Tumult, stür- mische Rufe: Zur Geschäftsordnung! Abstimmen! Erst fragen, ob wir wollen. Trauriger Kerl!) Schließlich beruhigte man sich. Nach Ablauf der Pause erklärte der Vorsitzende, daß er nur Wählern aus dem 3. Wahlkreise das Wort geben werde (Tumult, stürmischer Protest). Es wird davon Abstand ge- nommen. Tischler Winter protestirt gegen die Art und Weise des Vorgehens und der Geschäftsführung seines Namensvetters als undemokratisch; er erklärt dieselbe als denkbar dreist und zugleich, daß er den Verein nicht anerkenne. Wie könne man die Wähler so vergewaltigen und ihnen den Verein und den Vorstand aufdrängen.(Beifall.) Tapezierer Hamann erklärt, daß, so lange er in der Bewegung stehe, sei nie so etwas vor- gekommen.«Rufe: Im vierten! Gegenruf: Traurig genug!) Die Wähler sollen das Geld hergeben, das übrige thut der Vorstand. Die ganze Sache wäre ein Bubenstreich.(Beifall. Sehr richtig!) Tischler Glocke betont, daß die vorhergegangenen skandalösen Auftritte nur auf den Vorstand zurückfallen, da sie von ihm provozirt wurden. Er halte den Verein sür unnöthig; im 3. Wahlkreise wohnten meistens aufgeklärte und or- ganisirte Arbeiter, die in ihren Fachvereinen dieselben Referate und Referenten hörten, wie in den Wahlvereinen. Ein Wahlverein bedeute demnach nur Vereinsspielerei und Zersplitterung der Kräfte. Gegen den jetzigen Verein müsse opponirt werden, er sei nicht maßgebend, weil ohne den Willen der Masse gegründet. Sei die Zeit gekommen, dann werde ein Verein gegründet werden, natürlich nicht hinter verschlossenen Thüren. Tischler Seelig führt aus, daß ein Wahlverein nur eine Brutanstalt für Spitzel sei; er erinnere an Mahlow-Jhring und Naporra, die im Bezirksverein Osten ihr Wesen getrieben. Auch er protestire gegen den Verein, von dem er nicht einmal wisse, ob er auf dem Molkenmarkt gegründet wurde.(Lebhaftes Bravo; Rufe: Budikermache!) Käufhold erklärt, daß Arno Winter nach diesen Vorgängen nicht mehr als Genosse zu betrachten sei. Klempner Winter: So schlimm ist'S ja nicht!(Tumult, Rufe: Oho!) Arbeiter Granz glossirt unter Heiterkeit der Anwesenden die Gründung des Vereins-Vorsitzenden Winter: Ich gebe ja zu—(Zwischenruf: Sagen Sie;„Verzeihen Sie, meine Herren, ich bin grund- dämlich!" Dann sind wir zufrieden.) Schuhmacher Feske meint, daß die Gegner des Vereins sich an die Stirn zu schlagen hätten, wenn der Kreis verloren gehe!(Tumult, Oho!) Der Vorsitzende spricht, ist aber nicht zu verstehen: schließlich ruft er laut: Meine Herren, ich Hab' das Wort!(Gegenruf: Meine Herren, Herr Stöcker hat das Wort! Heiterkeit) Tischler Winter bittet, iiber seinen Antrag, betreffend Auflosung des Vereins, abzustimmen. Der Vorsitzende: Schön, es dürfen aber nur Mitglieder stimmen.(Stürmischer Tumult und Protest. Der Vorsitzende hört einige Schmeicheleien.) In- mitten des Tumultes ruft ein Arbeiter: Verlassen wir doch den Saal und lassen die Brüder sitzen! Dieser Aufforderung kamen fast alle Anwesenden nach und verließen in geschlossenen Reihen unter Protest den Saal, 9 Mann, einschließlich der Polizei, zurücklassend. Auf der Straße wurde das Verhalten des Vorsitzenden lebhaft kritisirt. Gine große öffentliche Uersaminlnng der Tischler Berlins fand ani 8. d. MtS., Abends 9 Uhr in den Bürger- sälen, DreSdenerstr. 96, statt. Die Tagesordnung lautete: Die Lage der streikenden Tischler in den verschiedenen Städten Deutschlands. Referent Herr Aßmann aus Ärannfchweig.— Zur Leitung der Versammlung wurden die Herren Millarg, Manien und Avelt gewählt. Herr Aßmann schilderte nun die Lohnbewegung der Tischler in Eilenbnrg und Kiel. Hier wur- den die Forderungen ohne Streik infolge der guten Oraani- sation durchgesetzt. Dann schilderte Redner den Streik der Lübecker Kollege», welche bereits 14 Wochen im Streik liegen und ihre Forderungen meistentheils durchgesetzt haben, nämlich 9< stündige Arbeitszeit und einen Minimallohn von 3 M.pro Tag. der Zuzug sei noch fern zu halten, da gegenwärtig noch 22 Kollegen im Streik liegen. Für die Bergedorfer Kollegen, welche 16 Wochen streikten, sei vor allen Dingen der Zuzug fern zu halten. Nun setzte Redner in längeren Ausführungen die einzelnen Details der Braunschweiger Kollegen, welche 6 Wochen streikten, auseinander. Die Forderungen ver Arbeiter sind: 1. Abschaffung der obligatorischen Entlassungsscheine. 2. Die Arbeitszeit beträgt 9si Stunden und Sonnabends 9 Stunden. Einschränkung der Sonn- und Nachfeicrabend- arbeit. 3. Der Minimallohn beträgt pro Stunde 32 Pf. Am Schluß der Woche muß der Lohn unverkürzt ausbezahlt werden. In denjenigen Werkstätten, wo der Arbeiter Werkzeug und Hobelbank halten muß, erfolgt ein Zuschlag von 1 M. wöchentlich. Sämmtliche Akkordarbeiten erhalten einen Zuschlag von 15 pCt. In sämmtlichen Werkstätten sind vom 3. Juni an Lohnbücher einzuführen. Dieses sind die Hauptfordenmgen, die doch gewiß nicht unverschämt sind, wie sich die Unternehmer ausdrückten. Es könne den Arbeitern auch keine Ungesetzlichkeit vorgeworfen werden, da sie sämmtlich die vierzehntagige Kün- digung rnnegehaltm hätten. Noch in letzter Stunde habeir die Unternehmer durch falsche Vorspiegelungen mittelst eines Aufrufs den Streik illusorisch zu machen versucht. Berner muß er konstatiren, daß vor vierzehn Tagen die ommission nicht im Stande gewesen ist, einen Pfennig Unter- stützung auszuzahlen, da keine Mittel vorhanden waren. Er richtet an die Berliner Kollegen die Bitte, da doch sonst bei ihnen Intelligenz! zu finden sei, den Zuzug fern zu halten und die Streikenden nach Kräften zu unterstützen, dann werde der Sieg unausbleiblich sein. Es folgte nun eine lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Blunie aus Hamburg, Apelt und Zubeil auf das lebhafteste Betheiligten. Es ging schließlich folgender Antrag ein:„Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und erklärt sich mit den auswärtigen Kollegen solidarisch. Em Jeder macht es sich ferner zur Pflicht, die streikenden Kollegen nach Kräften zu unterstützen." Der Antrag wurde mit großer Maionlat angenommen. Nachdem der Vorsitzende ammtliche Kollegen aufgefordert hatte, sich weiter an der Teller- ämmlung zu betheiligen, da die Unkosten nicht gedeckt seien, chließt er die Versammlung gegen 12 Uhr.— Listen können in Empfang genommen werden: bei Millarg, Lehrterstr 22, Ilr Lobstädt, Oranienstr. 171, III I.; A. Müller, Oppclnerstr. 49. Hof IV; Manien, Kreuzbergstraße 9, Ouergeb. III; F. Rüster, Lausitzerplatz 2, H. II. Der Fachverein fämmtlicher an Holtbearbeitn««»- maschinen beschäftigter Arbeiter hielt am Montag, 1. Juli. bei Gnadt, Brunnenstr. 38, seine Mitglieder-Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: I. Vortrag des Herrn Th. Glocke über Nutzen der Organisation. 2. Verschiedenes und Fragekasten.— Zum 1. Punkt erhielt Herr Glocke das Wort zu seinem Vortrage. Referent sprach in längerer Rede sehr eingehend über in- und ausländische Strcikgebiete nnd erntete am Schlüsse reichen Beifall.— Hierauf ent- spann sich eine lebhaste Diskussion, in welcher mehrere Redner für und gegen den Vortrag sprachen. Hierauf wurde von Herrn W. Wolff folgende Resolution eingebracht:„3>ie heutige in Gnadt's Saal tagende Versammlung fämmtlicher au Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden, und verpflichtet. sich, mit ganzer Energie und Kraft dafür einzutreten, unsere Berussorganisation groß und stark zu machen. Zum 2. Punkt „Verschiedenes" wurde ein Antrag gestellt, den streikenden Maurern und BauarbeitSleuten je 25 M. aus der Vereinskasse zu de- willige», worauf der Kassirer sich zum Wort meldete und be- kannt machte, daß die VereinSkasse augenblicklich sehr schwach gestellt ist und daß wir höchstens zusammen 30 M. bewilligen könnten, welches auch von der Versammlung einstimmig an- genonunen wurde. Nachdem noch verschiedene innere Ange- tegenheiten, sowie der Fragekasten erledigt und die nächste Ver- saminlung bekannt gemacht war, wurde die Versammlung um Iii Uhr geschlossen. Die öffentliche Manreroersantmlung. welche am 8. d. M. unter Vorsitz des Herrn Grothmann in der Tonhalle zwecks Stellungnahme zum internationalen Kongreß in Paris und Wahl eines Delegirten zu demselben abgehalten wurde, war trotz der wichtigen Tagesordnung nur mäßig besucht. Der Referent, Herr Wernau, wies Eingangs seines Vortrages darauf hin, daß das ganze gesellschaftliche Leben international durch- haucht sei. Ein Blick auf die Nahrungsmittel, Kleidung, Ver- kehrSmittel u. dal- m. liefern einen vollgiltigen Beweis dafür. Die modernen Verkehrsmittel hatten es dahin gebracht, daß von einer spezifischen Nation nicht mehr die Rede sein könne. Dies lehre wiederum ein Blick auf die statistischen. Tabellen über Ein- und Auswanderung. In Anbetracht dieses erscheine auch eine internationale Gesetzgebung geboten. Auch die moderne Produktionsweise gestalte sich international und sei auch hier eine internationale Regelung am Platze. Die Nothwendigkeit eineö internationalen Schutzes der Arbeit sei heute bereits allerorts erkannt worden. Das beweise die Zusage aller Kulturstaaten zu der von der demokratischen Schweiz ausgeschriebenen Konferenz mit Aus- nähme Deutschlands infolge des bekannten„Zwischenfalls". Redner hoffte einen baldigen Ausgleich der Differenzen zwischen Deutschland und der Schweiz eintreten zu sehen, um Deutschland die Theilnahme an der internationalen Konferenz zum Wohle seiner Bürger, der ganzen Menschheit zu ermögliche»». In welcher Weise der moderne JndustrialiSmuS schädigend •»irff, das lehren die AuShebungS- Tabellen für das Militär, indem immer mehr Untaugliche zu verzeichnen feien. Ern Schutz der Arbeit bezw. eine Verkürzung der Arbeltszelt dränge sich jcöcm Einsichtigen mit Gewalt auf. Angesichts der immer mehr um sich greifenden Frauellarbeit auf Kosteil der Männerarbeit sei auch eine Regelung der Frauen- arbeit dringend geboten, ohne der Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frauen mit den Mannern irgendwie Hinderniste in den Weg zu legen. Das Verbot der Sonntagsarbeit zu erreichen, müste ferner das Ziel aller Ar- beiter fein und mühten dieselben dahin drängen, daß die Re- girrung sich nicht länger ablehnend dieser Forderung gegenüber uerhalte. Von unten herauf müsse eine internationale Arbeiterschutzgesetzgebung sich entwickeln, deshalb sei der Pariser Kongreß einberufen worden und wünschte Redner, daß auch die Berliner Maurer einen Vertreter dorthin entsenden.(Bravo.) In der folgenden Diskussion befür- TOvrtete Herr Zöllner die Entsendung nur eines überzeugungS- treuen Arbeiters als Delegirten, ebenso besürwortete auch Herr Rllckert die Vertretung auf dem Kongreste, wenn auch gerade jetzt die Lage der Maurer eine sehr prekäre sei. Auch Herr Franz Schultz legte in längeren Ausführungen die Nothwendigkeit einer Beschickung des Kongresses dar, um eine Arbeiterschutzgesctzgebung zu veranlassen. Die staatlicheu „Sozialresouncn" seien nicht im Stande, die Wunden zu heilen, welche der Kapitalismus den Arbeitern geschlagen habe. Als Kandidaten für den Kongreß brachte Redner Herrn Julius Wernau in Vorschlag. Im Sinne der Vorredner sprachen noch die Herren Scherren Scheel und Kerstan, während Herr Karl Schmidt sich gegen die Beschickung des Kongresses erklärte. Er war der Meinung, daß die Kosten, die ein Delegirter verursache, jetzt bessere Verwendung finden könnten zur Speisung hungriger Kinder. Arbeiterverlreter wären auch genng dort, die auch die Maurer vertreten würden. Ein Delegirter würde nur das „Stimmviehs vermehren. Die Maurer sollten sich lieber seiner Zeit die Protokolle des Kongresses kaufen. Dies würde mehr von Nutzen sein, als die Entsendung eines Delegirten.(Bei- fall. Widerspruch). Die Ansicht des Herrn Schmidt wurde von Herrn Ferkel energisch bekämpft, welcher die große Kor- poration der Maurer aus dem Pariser Kongresse nicht unver- treten wissen wollte. Auch Herr Grothmann konnte Spar- samkcitsrücksichten nicht anerkennen im Interesse der großen Ar- beiterbeweaung. Als erster Faktor derselben in Deutschland dürf- tcn die Maurer auf dem Kongresse nicht fehlen, indem unter den bis jetzt gewählten Delegirten noch kein Maurer sich befinde. Rachdem noch�Herr Fritsche und Herr Heinze gegen die Beschickung deS internationalen Arbeiterkongresses m Paris gesprochen hatten, letzterer, weil die Versammlung zu schwach besucht sei, erhielt Herr Wernau das Schlußwort. Die Ver- sammluna erklärte sich(gegen 2 Stimmen) bereit, die Kosten für den Delegirten aufzubringen und erhob mit allen gegen drei Stimmen folgenden Antrag Laugsch zum Beschluß: „Die heute in der Tonhalle tagende Versammlung der Maurer Berlins möge beschließen, den internationalen Arbeiter- kongrcß in Paris beschicken zu wollen, da doch weit kleinere Korporationen ihre Delegirten gewählt haben, infolge dessen die Mmirer Berlins nicht zurückstehen können, da sie doch die größte Korporation Berlins sind." Allemiger Kandidat war Herr Julius Wernau. Derselbe wurde mit allen gegen zwei Stimmen zum Delegirten der Berliner Maurer für den internationalen Ar- dcilcrkongreß in Paris gewählt und versprach derselbe, nach besten Kräften oortselbst seine Schuldigkeit zu thun.(Bravo.) Die Kosten müssen durch freiwillige Sammlungen ausgebracht werden und wurden behufs Entgegennahme derselben 3 Vertrauensmänner, die Herren Kaufmann< bl.), Bernauerstr. 114h, Grube(S), Belle- alliancestr. 54 Jansch(O.), Münchebergerstr. 15 gegen 2 Stimmen gewählt. Die Kosten müssen noch in dieser Woche aufgebracht werden und wird eine entsprechende Anzeige im„Berliner Volksblatt" erlassen werden. Mit einem dreifachen Hoch auf die Jnternationalität schloß die Versammlung. Eine von ra. 300 Personen besuchte öffentliche AeNneroersammluna fand gestern Nachmittag im„Grand Hotel" am Aleranderplatz statt. In das Bureau wurden die Herren Herzberg, Klugmann und Rudolf gewählt. Herr Herzberg berichtigte zunächst in einem kurzen Referat über den Empfang der Kommission durch drn Gastwirthsverein einen falschen Bericht im„Gasthause" und im �Lokal-Anzeiger". Die Kommission solle die Frage verneint haben, ob die Gehilfen zufrieden sein würden, wenn sie 4,50 M. Lohn pro Tag empfingen und hiegegen auf Trinkgelder verzichteten. Die Frage sei aber nicht im allgemeinen gestellt gewesen, sondern allern mit Bezug auf die Pfinasttage. Die Versammlung beschloß denn auch einstimmig, daß man mit 4,50 M. Lohn bei Verzicht auf Trinkgeld vollauf zufrieden sei. Die Versammlung beschloß ferner:„An dem Lohnsatze von 3 M. für die Sonntage wird festgehalten. Für feste Stellen wird ein Mindest- geholt von 20 M. erstrebt. Jedem Kollegen wird der An- fchluß an die Freie Vereinigung der Berliner Gastwirthsgehilfen empfohlen. Herr Herzbera theilte ferner mit, daß der Besitzer des„Äelvedere" das Kellnergehalt von 30 auf 20 M. herabgesetzt habe, weil„die Kellnerschaft ja nicht mehr verlange". ES wurde demgegenüber der Begriff„minimal" kurz erläutert. Nachdem Herr Herzberg noch den Gastwirthstag in Stettin gestreift und bedauert hatte, daß derselbe sich mit den Gehilfen- Verhältnissen gar nicht beschäftigt habe, beschloß die Versamm- luna, ihre Erwartung auszudrücken,„daß die bestehenden freien Gastwirthsvereine die Einrichtung eines für die Gehilfen kostenlosen Arbeitsnachweises, sowie eines passenden Herbergs- lolals für stellenlose Gehilsen baldigst in Angriff nehmen werden". In der freien Diskussion führte u. a. ein Kellner darüber Klage, daß er in dem bekannten Lokale„Franziskaner" viertel- lährlich 43 M. und mehr„Tischgeld"(für Abnutzung:c.) habe zahlen müssen(!). Wo« dem Kchueider Herr« Adolf Schulz, Schmid- straße 9, erhalten wir folgendes Schreiben: Die öffentliche Schneiderversammlung, welche zum Montag, den 1. Juli, nach Gratweil'S Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79, mit der Tagesordnung: 1. Der internationale Arbeiterkongreß in Paris, 2. Wahl eines Delegirten hierzu, einberufen war, konnte be- kanntlich aus dem Grunde incht abgehalten werden, weil mir die Genehmigung nicht zugeschickt worden war. Ich erhielt dieselbe erst am 2. Juli. Auf meine hiergegen erhobene Be- schwerdc ist mir von der Post folgender Bescheid zugegangen: Tie verspätete Bestellung des mit Ihrer Eingabe vom 3. Juli vorgelegten Briefes, welcher Ihnen beifolgend wieder _ ä.__" V Ifi.— C a*«« /> S /in i oft hoe?. Kövnickerstraße, Name unleserlich.— An Herrn Adolph Schulz, Srhmidtstr. 9. * •r«l« aiT.ntüdre»>-rsam»Uung sämmtlicher Ktocharb»»-r «nrlin* am»littirodi. den 10. b. M.«benb« 7 Uhr. in Drigmüllkr 1 Saal. «Ut 3atoWlr. 48«•. Tagciorbnung. I Sind die Sl°-karbctler gkwilU. in riac yohnbnucQiuiQ in bititin Zahle einzutreie». 2. Diikulsion. 8 Vcrlchiebenei. IU wild pünlNich eröffnet werben. per«in>«r Berliner Suchdrn-i,»r und Kchrlstgieffrr. Verein«. «eriammlun» am Mittwoch, ben 10. Juli, jlbenb« 9 Uhr. in Orichcl i Salon, SedajUanflrahe 80. Tagciorbnung: 1. Vereinimtliheilungen. 2. Taritangelesen. betten. S. Berichterllailung über Hit am 24. Zuni stattgehabte Generalverlamm' Intta bei beutlchc» BuchbrmkergPrinztpallOVcrein«. 4. Btlprechung über den «eainn and Schluh unterer Vercinlversammlungen. «ceft«»Bentltch» Parsaiutnlun» der KchtnUb» Barlin« am MUtwock. den 10. Zuli 1889,«benb« 8% Uhr, In Scheffer« Salon, Znlelftr. 10. Znaelorbnuna 1..Sind wir berechtigt unsere Lage zu oerdeffern?" 2. Mit naMen Mihstünben haben wir in Berlin zu fflnuifen. 3. Berschiebene«. Zm JJnteiefft der guten Sache ist e« Shrenpslicht eine« leben Kollegen, biete«er. «»-»»'»Bantlied, Bar rammt ung dar Miittar Barlin« unb Umgegend stnbel am Donnerstag, ben 11 b. Di,«benb« Vi Uhr, im Saale be« dem gunt,«crgslrabc 12, stall. Tagelorbnung: 1. Wie stellen sich die Müller Berlin« und Umgegenb zum Beittill in den �entralverbonb deutscher Müller. gesellen. 2. DiSttlsston. 3. Verschiedene«. 4. Beftlltigung de« in der lehlen Ver» santmlung gewühllen Vorstände«. 5. Ausnahme von Mitgliedern. «r-ff«»Bantlich« ZUanraroarsainmlung am Freilag, den 12. Zuli. Abend« 8 Uhr, im„Eltstium" Landsberger Allee 37 40. TagcSordnung. 1 Berichterstattung über den Streik und uttlere wettere Stellung, tahme. 2 Ver. schiedcne« Pflicht eine« leben stameraden ist c«. zu erscheinen. AUgarnainar MataUarbaitaroarrin Kariin« und Zlmgrgand. Generalversammlung am Sonnabend, den 15. Zuli. Abend« 8 Uhr, im König. sladl.Ziastno. Holzmarklstr. 72. Zagesordnuitg: 1. Rechnuttg«legung de« Kasstrer« sowie der lstevisoreit. 2. Rechcnschasllberichi des Vorstände« und der Kommilsto. ncn. 3. Wahl der auSgcloosten VorstanbStititgliedcr eneitl. der«ommisstonen. 4. Anttäge. Milgliedibuch legilimirl Um rechl zahlreichen Besuch wird ge. beten. B-rdmachar Marlin«. Alle dieleniaen. welche noch im Besitz von Streit. listen sind, werden gebeten, dieselben abzuliesern, gleichviel, od beschrieben oder unbeschrieden. Die Streift ciinmission der Korbmacher Berlin« und Umgegend. Fuch«. Landsberger Allee 136 Dan Mitgliadarn da» Karlinar Kanität»»»r»in» ,ur Nachricht. dah die Zahlstelle 29 in der Zübcnftr. 33 nach der Köpitickerstr. 121» zu Müller verlegt ist. Daselbst werben Sonnabend Abend« von 8—10 Uhr Beitrüge ent- gegengenommen und Ausnahmen neuer Mitglieder veranlaßt Farstuarain dar Girchla». Die Zahlstellen de« Verein« sind zur Ent- gegcnnahme der Beitrüge und Ausnahme neuer Mitglieder jeden Sonnabend von 8—10 Uhr geöffnet, und zwar befindet sich Zahlstelle I Friedrichsbergcr. straße 25 bei Christen; 11 Stalitzerstraße 107 bei Kunstmann; in Belle.Aliancc. via« 6 bei Hilscher; IV Zionitirchplatz 11 bei Hohn: V Bülowstraße 52 bei Böhland; VI Maricnborserstraße. Ecke SolmSstraße bei Schmidt; VII Dresdener- straße 116 bei Wen dt. daselbst befindet sich auch der Zentralarbeitsnachwei« de« Verein«, vm Lübecker- und Thurmstraßenecke bei Zahnte. Die ArbcitSver. Mittelung geschieht unentgeltlich. Der Nachweis ist geöffnet an Wochentagen von 8%— 9% Uhr, Sonntag Abend« von 9%— 11 Uhr. Berichtigung. Zenlmltrantm■ und Sterbetaffe der Tischler u. s. w. Den Mitgliedern, welche früher in der Jllbenstr. 33 die Beitrüge befahlt haben. wird angezeigt, baß dieselben die Beiträge von jetzt ab in der Kövnickerstr. 121» bei Müller ober Alte Zalobstr. 48 bei Zaber zu entrichten haben. In dem srühcren Berichte hieß e« Zübenslr. 23, e« muß aber 33 heißen. «»rang-, Turn- und grseilia« zirrein« am Mittwoch, Münner. aesangverein.Zugendlust' Abend« 8% Uhr im Restaurant Passod, Garten. straße 162.— Münnergesangverein.Cücilia' Abends 9 Uhr im Restaurant, Kövnickerstraße 127a.— Gesangverein.Münnerchor Linde' Abend« 8% Uhr im Restaurant Haller. Naungnslraße 70.- Münnergesangverein.SangcSsreunde' Abend« 9 Uhr im Restaurant Musehold. LanbSbergcrftraße 31-.Frcga', Gesangverein der Freireligiösen Gemeinde, Abend« 8% Uhr im Restaurant Benecke. Große Hamburgerslraße 16.— Huppert'(dtt Sänger Vereinigung jeden Mittwoch nach dem ersten im Monat. Abend« 9 Uhr int Restaurant Heise, Lichtenbergerstraße 21.—.Secger'scher Gesangverein' Abend« 9 Uhr im Restaurant Schulz, Prenzlauerstraße 41.— Gesangverein.Schwungrad' Abend« 8% Uhr im Restaurant Sabin, Anncnstraße 16.— Mänitergesangverein.Lor- becrtranz' Abend« 9 Ubr im Restaurant Karsch, Oranieustraße 190.— Gelang. verein.Nord-Jubal' Abend« 9 Uhr in Bettin« Bierhau«, Veteranenstraße 19.— Münnergesangverein.Schneeglöckchen' Abends 9 Uhr im Restaurant Dober- stein, Mariannenstraße 31-82— Gesangverein.Süngerrunde' Abends 8% Uhr Buckowerftraße 9.— Verein.SangcStreue' im Restaurant Henckel. Brüder- straße 26. I UebttngSstunbe von 8% bi« 11 Uhr Abend«.— Gesangverein .Bruder hund' Abend« 9 Uhr bei Pätzoldt, Reichenhergerstraßt 16.- Lübeck'scher Turnverein(1. LehrlingSablheilungj Abend« 8 Uhr Elisabethstraßc 57-58.— Turnverein.Wcdding', Pantslraße 9. Mütmerabtheiluttg von 8% bi« 10j( Uhr Abend«; desgleichen 1. LehrlingSabtheilung von 8—10 Uhr Abend«.—.Mehr Licht', Verein für Scherz u. Ernst. Abends 8Zs Uhr im Rest. Heid, Fruchtstr. 36».— Schlestscher Verein.Holtci' Abends 9 Uhr im Restaurant Heute. Hollmann- straße 33.- VergnügungSverein.Fröhlichtcif Sbcttd« 9 Uhr im Restaurant Süger, Grüner Weg 29.— Wiffcnschastlicher Verein für Rollcr'sche Stenographie. Abend« 8% Uhr im Restaurant Beese. Alle Schönhauserstraße 42, Unterricht und UcbungSstundc.— Roller'scher Slenographenvercin Süd-Berlin Abend« 8% Uhr int Restaurant Prinzenslraße 97. Tihung und Uebung«. stunde.— ArendS'scher Steitographen-Verein.Atnitilia" Abend« 8% Uhr im Restaurant Behrend«. Schönebergerstraße Nr. 6.— ArendS'scher Steno- araphcnverei».Philia' Abend« 9 Uhr im Restaurant.WilbelmSgarten', Kochstraße 7.— Stenographische Gesellschaft Arcitd« im Restaurant Bürger- garten. Lindenstr. 105. Unenrgelrlicher Unterricht und Uebung.— Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemeindeschule Abend: 9 Übt int Restaurant Lehmann, Knrsürslenstraße 31.— Berliner Rauchklub.Wrangel' Abend« 9 Übt im Restaurant Foge,«öpnickerstraße 191.— Rauchtlub.Havanna SO" Abend» 8X Uhr im Restaurant Paetzoldt, Reichenbergerslraße 16— Rauchklub.Ge- müthllchkcit' Abends 9 Uhr im Restaurant Achsel, Köpnickcrslraßc 161.— Rauchklud.Columbia' Abend« A Uhr im fitestauraut Beger, Prinzenstraße 96. — Rauchklub.Frisch gewagt' Abend« 8% Uhr im Restaurant Tempel, Bres- lauerstraße 27.— Rauchklub.Vulkan' Abend« 9 Uhr im Restaurant Schulz. Grüseftraße 82.— Vergnügungsverein.Fröhlichkeit', gegründet 1880, Abend« 9 Uhr Grüner Weg 29.—.Pollack-Cluo.Eintrachr', jede» Mittwoch. Abends 8% Uhr bei G. Thiel. Wimerslrgße 68.— Gesangverein der Zavezirer Berlin«, jeden Mittwoch fiiestauranl Scvdelslraße 30, von 9—11 Ubr Abend«— Zambourverein Gut Heil", 8 Uhr Langeslr. 101. Geschäftliche Sitzung. Gülte keinen Zutritt.— UnterbaltungSvereln.Harmonie'. Sitzung Abend« 9 Uhr DreSdenerstr. 116 bei Wendt. Vermifihies. Ma» ist—„futsch?" Mit dieser Frage beschäftigt sich sehr ernsthaft ein interessantes sprachwissenschaftliches Werk von Dr. Franz Söhns. Die Parias unserer Sprache. Eine Samm- luna von VolkSaus ducken. Es heißt u a. Wohl- anständig genug, um schriftsässig zu sein, ist es zwar nicht, das Wort futsch, aber das hindert uns bekanntlich nicht, so recht mit Hochgenuß uns seiner zu bedienen. WaS ist nicht alles futsch— Geld und Gut, Ehre, der Mensch selbst, wenn er in's Jenseits gewandert ist, kurz alles, was eben verloren ist. Die Bedeutung ist klar, viel klarer als die Ableitung des Wortes. Von den bestehenden zwei bringt die eine es mit einem Verbum futschen zusammen, das nach Weigand in Thüringen gebräuchlich sein soll: indessen ist der Verfasser lange genug in dem angezogenen Lande ge- wesen, um zu wissen, daß dieses Wort dajelbst lediglich im Sinne von(heimlich-) lachen verwandt wird. Noch härter aber scheint es uns, das beliebte Wort gar mit dem viselen deS Altdeutschen in ableitliche Beziehung zu bringen, welches so viel ist, als„kleine kurze Bewegungen machen" und in unserem filscheln(mit der Gerte fttscheln) und endlich in der volksthümlichen Redensart,„da giebt es gar kein Gefitsche" bis heute sich erhalten hat. Das alles aber ist noch etwas ganz anderes als futsch. Daß man noch nicht darauf gekommen ist, das Wort mit dem in der llogna di st in ähnlichem, ja gleichem Sinne so häufig gebrauchten(vggtre und sfuggire zusammen zu stellen. Alcuna cosa ml ö fuagita della meinonae(es ist mir etwas aus dem Gedächtniß entschwunden), danarl mi soni sfnggltl(die Gelder sind mir ausgegangen), sfuggi'i danati, sfugglti eugini(Geld fort Freunde fort), ist das nicht die nämliche Aussprache, dieselbe Bedeutung, wie die unserrs beliebten Wortes? Und seltsam! Handelte nun der unter dem Einfluß eines ihm vielleicht selbst unbe- wußten sprachlichen Feingefühls, der zuerst die Rückverwälschung des Wortes in das heute recht gebräuchliche tuischtcaro vornahm(wovon sogar ein scherzhafter Superlativ futschi- carissimo sich hier und da, besonders bei gebildeteren Sprechenden findet)? Das Partizipium des italienischen fuggiaschiare(— davon laufen, flüchtig werden) einer Weiterbildung von fugglre heißt fuggiacchicato— was kann es Anklingeres geben als unser futschicato? AuS all' dem er- giebt sich unsere Ansicht, daß wir es in unserem Futsch mit einer sehr nahe liegenden Verbindung des italienischen fuggirc zu thun haben. Fuftverkäufer. Ein seltsames Gewerbe ist das der„Luft- Verkäufer", wie es solche in China giebt. Diese sind Gaukler, welche den Schiffern den Wind zur Reise verkaufen. Gewöhn- lich sitzen sie am Strande des Meeres und bieten den Seefahrern ihre Dienste an. Man findet fast immer zwei beisammen. Der Eine sitzt mit einem Buche in der Hand, aus welchem er zu- weilen etwas herausmurmelt, zwischen zwei zusammengebundenen Schilfbüscheln; er trägt auf dem Kopfe eine flache oder platteHaube unb über den Leib einen weiten Rock mit unzähligen Falten. Der Andere fitzt zwischen zwei Fischkörben und hat gleichfalls eine glatte Haube auf dem Kopfe; sein Oberkörper ist größten- theils unbedeckt. Mit der rechten Hand hält er das vordere Ende eines Schlauches, drr ihm über die Schulter herabhängt und mit Luft gefüllt ist. Dieseni Schlauche läßt er, je nach dem Gelde, das man ihm giebt, mehr oder weniger Luft ent- strömen. Dabei führt er in der linken Hand einen großen hölzernen Hammer, mit dem er wiederholt auf die Erde schlägt, oamii der Geist der Winde, welcher nach dem Volksglauben in der Gestalt eines Mannes mit einem breiten Hute und einem weiten Rocke auf einem großen Vogel in der Luft schwebt, herniederkommen möge. Zarte» Vewissen. Das stock-ultramontane„Straubinger Tagblatt" wies kürzlich die Ausnahme eines Inserates zurück, welches für den Freitag Abend— man höre und schaudak über diese Gottlosigkeit— frische Blut- und Leberwürßt empfahl! Die Seeschlauge hat sich in einen Schellfisch verwand«- Amerikanische Blätter melden nämlich folgendes: An der Kup Neufundlands wurde kürzlich ein riesiger Schellfisch gefangen, dessen Innern sich eine Frauenhand befand, an der zwei Fing« fehlten. An dem einen der drei noch vorhandenen Finger w« ein Ring, welcher die Buchstaben G. W. G. trug."— U* den Schellfisch mundgerecht zu machen, wird wohl im Laufe d» Sommers nach etwas mehr Senf hinzugethan werden. Det»ePlhon. (Molff'» Telegrapheu-Kureau.) pari», 9. Juli. Die Deputirtenkammer nahm bd Mililärgesetz in der von dem Senate beschlossenen Fassung a»- — In Beantwortung der Interpellation de Lanessan'S ertläm der Marineminister Krantz, daß die Regierung beabsichtig einen Nachtragskredil von 58 Millionen Franks für dk» Bau von Kriegsschiffen zu verlangen. Der Minist« Präsident Tirard bemerkte, wenngleich auch die Regit' rung auf die finanziellen Hilfsquellen Rücksicht zu nehmt» habe, so werde sie doch keinen Augenblick zögern, sich an dck Patriotismus der Kammern zu wenden, wenn neue Opfer die Vermehrung der Flotte nothwendig seien.(Beifall.) einfache Tagesordnung wurde hierauf angenommen. Die Zahl der Opfer bei der Katastrophe in St. Etieni» beträgt..nach der endgiltigen Feststellung 208. VviefkQsten. Bei Anfragen bitten wir bie AbonnemenlS-Quittung beijusügen. vrieslitt Anlwori wirb nichl erlbeill Anhaltiner. 1. Beschlagnahme des Arbeitslohnes>> weder für Gemeinde- noch für Staatseinkommensteuer zulässv 2. Die Frau des Beamten muß gegen ihren Mann klagen u»t dann durch das Amtsgericht die Pensionsforderung pfändt» und sich überweisen lassen. C. K. 105. Der Standesbeamte muß Ihnen auf JW Antrag die Papiere herausgeben, kann aber auf Ihre Kostet eine bei seinen Akten bleibende beglaubigte Abschrift anfertigt» lassen. J K. p. Lothringer str. Auch für das uneheliche Kim einer Witlwe muß dessen Vater Alimente zahlen. A. M. 1880. Eine rechtlich erzwingbare Pflicht, die.für eine hilfsbedürftige Familie gesammelten Gelder Rdv nung zu legen, besteht nicht, natürlich ist dies aber eine standspflicht. Durch eine Anzeige wegen Unterschlagung köiiä» man möglicherweise den Betreffenden zur Rechnungslegung v« anlassen. A. p- 98. Uns ist das Statut der betr. Kasse nicht K Hand, da muß ja stehen, was Sie zu wissen wünschen. � Uoftizftr. 1. Der Schulzwang dauert bis zum 1. Okto« des Jahres, in welchem das Kind 14 Jahre alt wird. Ist � Geburtstag nach dem 1. April, so ist der Schulbesuch noch« Jahr länger erforderlich, wenn nicht der Kreisschulrath DiSPt? ertheilt. 2. Wenn das Macherlohn im Voraus gezahlt ist, um die Schneidbrin das Kleid verbirbt, so muß sie das Lot» herausgeben und event. auch den Stoffwerth ersetzen. Maldenburg. Nachdem das Reichsversicherungsamt d* Urlheil gefällt hat, ist der Jnstanzenzug erschöpft; eine Uff zentuale Erhöhung kann nur gefordert werden, wenn nachtr» lich noch der Grad der Arbeitsfähigkeit sich erhöht. Daß J* folge unrichtiger Angaben seitens der Bergverwaltuna Z Jahresarbeitsverdienst zu niedrig angenommen wurde, läßt m jetzt nicht mehr rektifiziren; von einer Strafanzeige wegen tniges läßt sich irgend welcher Erfolg nicht versprechen. ,a der Berechnung des Jahresverdienstes sind stets 300 Arbei» tage zu Grunde zu legen. A. D, Acker Krasse. Wenn der Restaurateur bloS u� gewöhnlich viel Wasser gebraucht, nicht aber die Wasserleitim unnütz hat laufen lassen, so kann von einer Exmission kc>' Rede sein. Er möge eS daher jedenfalls auf die Klage o'' kommen lassen, die auch in rechtlicher Beziehung nicht zw ei st» frei ist. Rohter. 1. Den Unterstützungswohnsitz erwirbt w? durch 2jährigen ununterbrochenen Aufenthalt. 2. Wenn m# anderes ausgemacht ist, ist auch der Arbeiter an eine 14100% Kündigung gebunden, gleichviel ob er in Akkord oder L»? arbeitet. Verläßt er die Arbeit, so kann er zwar zur Riickk- Amtsgericht. Wenn Sie ein Armuthsattest einreichen, so kc»» Ihnen das Armenrecht bewilligt werden. A. 0. äOa. Sie können gegen den Wirth auf Un«. lassuna der nächtlichen Absperrung ver Wasserleitung klagt» vergessen Sie dabei nicht zu beantragen, daß die Sache m Feriensacbe betrachtet wird.. U. P. Schulftr. Schreiben Sie an denjenigen, der do Nachlaß in seinem Besitz hat, resp. an den Erben und verla? gen Sie Auszahlung des Geldes. Nützt dies nichts, und w« derselbe auch nicht nach, daß er das Geld an den von JbjE bevollmächtigten Schwiegervater gezahlt hat, so können® als gesetzlicher Vertreter Ihrer Kinder auf Zahlung klagen- H. Manteuffelssratze. Daß Sie schon einem Mäd Alimente zahlen, schützt Sie natürlich nicht davor, daß einem anderen Mädchen auch zahlen müssen; auch daß � Mädchen Sie nicht Heirathen will, befteit Sie nicht von � Alimentationspflicht. Ob das Mädchen Sie beleidigt hat, kön?? wir ohne Kenntniß des Wortlautes ihrer Aeußerungen beurtheilen., Imei Streitende. Auch in Preußen ist bis zum 24. 0-7 25. Jahre die väterliche Einwilligung zur Eheschließung nöWj Das betreffende Gesetz vom 6. Febr. 1876 gilt für das gß" Reich., A. K. Sie können Schadenersatz verlangen, also% ausgemachten Kaufpreis abzüglich aller Kosten, welche 57 gehabt haben oder bei Fertigstellung gehabt haben würden. F., Hochstr. Da Sie die Kosten des Zahlungsbeft� tragen, kann Ihr Wirth mit Recht bei Zahlung der M>tff auch Zahlung der Kosten verlangen. 4 M. ist aber offen*; viel zu hoch gegriffen. Lassen Sie sich die Höhe der Ks™ nachweisen.* C. S., Mauteuffelstr. Das läßt sich nicht mit kw Worten sagen; zu mündltcher Auskunft sind wir bereit.- p., VolluoWstraße. 1. Eine hloS thatfächlich"a Manne getrennt ledende Frau macht sich strafbar, wenn� Behörden gegenüber nur den Mädchennamen führt. 2. Ehescheidung kostet Geld, wenn man nicht etwa im Ar«- rechte klagt. Zu näherer Auskunft find wir bereit., u A. L. Lesen Sie doch Ihren Kontrakt. Da ist doch-a stimmt, daß der Miether sich bauliche Veränderungen ßtss lassen muß.... j ?. M. Im Falle einer Subhastation haben die Gläub'� er Erstehcr das Recht, den Miethern zu kündigen? Miether hat dieses Recht nicht., � Zwei Metteudr. Natürlich ist Selbstmord fW Vollendeter Selbstmord wird sogar mit dem Tode bestraft- verantwortlicher Redakteur: K.«r»«heim in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Sadiug in Berlin SWV Beuthstraße 2.