Kr. 161. Konnabeni», de«(3. Juli 1889. 6. Jahrg. «1 ,fc(» erlincrlolblilalt. Drgan für die Interessen der Ardeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnen,entspreis für Berlin frei in s Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Rummer 5 Pf. Sonntags- Rümmer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmcrstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemeni 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der Postzeitungsoreisliste für 1889 unter Rr. 866.) ffi* das Ausland: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. I n s e r t i o n s g e b ii h r beträgt für die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pf. Inserate weroen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstrabe 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt vi. Ur. 4106, Vedscktton: Veukhptrsltze S.— Expedition: MmmevZtroHe 44. Mt? Die Muii Einfnlxv. Die Herren Rheder zu Hamburg, die auf ihren Dam- pfern statt deutscher Arbeiter und Matrosen nunmehr Reger und Chinesen eingestellt haben, erfreuen sich sonst zwar einer sehr dicken Haut gegenüber den Angriffen der Preffe. Dies- mal haben sie sich indeffen doch veranlaßt gesehen, sich zu vertheidigen, weil sie sehen, daß die Aufregung über die Ein- fuhr überseeischer billiger Arbeitskräfte eine große und all- gemeine ist, und weil sie bei aller Protzenhaftigkeit denn doch auch fühlten, daß sie sich hier im Unrecht befinden, wenn sie es auch öffentlich nicht eingestehen. Denn die Herren Rheder wiffen recht wohl, daß sie sich zu allen Zeiten im In- und Auslande mit ganz besonderer Vorliebe als„Patrioten" auf- ge'pielt haben, und sie wiffen auch sehr gut, wie schlecht der Kuli- Import zu dem Begriff des Patriotismus stimmt. Der Patriotismus ist keine Sache, die von einzelnen patrio- tischen Kliquen in Erbpacht genommen werden kann, wenn auch zur Zeit hinterpommersche, wendische, masurische und kaffubische Junker sich als die„besten Patrioten" in Deutsch- land ausspielen. Ein Patriot im wahren Sinne des Wortes ist Jedermann, welcher die Jntereffen seines Gesammtvater- landes wahrt, und daher können die Vertreter der Kasten- interessen eigentlich auf diesen Namen gar keinen Anspruch machen. Ebensowenig aber die Unternehmer, die schnöden Gewinnes halber sich fremde und billige Arbeitskräfte ver- schaffen, während sie dadurch ihre deutschen Volksgenossen aufs Pflaster werfen und darben laffen. Der schreiende Gegensatz, in dem sich das Benehmen der Rheder zu allen patriotischen Interessen befindet, hat sie zu einer Erklärung getrieben. Nicht daß die Herren etwa leugnen wollten, daß sie Chinesen und Neger im Schiffsdienst verwenden, nein, sie bieten dem Gesammt- interesse Deutschlands noch die Stirn und gestehen ein, daß sie Asrikaner und Asiaten auf ihren Schiffen eingestellt haben. Aber das Organ der Rheder, in dem sich die„Recht- fertigung" befindet, weiß auch gleich einen Sündenbock zu finden, und zu diesem werden natürlich die deutschen Schiffs- arbeiter und Mattosen selbst erkoren. Es heißt, die Ein- stellung der Chinesen und Neger sei nothwendig geworden, weil man in Deutschland zu wenig Arbeitskräfte habe be- kommen können, und weil infolge deffen die Lohne uner- träglich hoch geworden seien. Auch eigneten sich die Neger bester zum Dienst als Heizer, wie die Deutschen. Man sieht ohne Mühe, welch faule Ausrede diese „Rechtfertigung" ist. Denn wenn Mangel an deutschen Arbeitskräften war, so hätte man nicht nothwendig ge- habt, die deutschen Matrosen und Arbeiter, die sich auf den Schiffen befanden, zu entlassen. Auch die Ausrede, daß die Neger bester als Heizer verwendbar seien, ist keineswegs stich- haltig, denn es giebt eben unter den Negern auch Leute von verschiedener Arbeitskraft und Abhärtung, wie bei dem Europäer. Nein, der einzige Grund ist, daß durch die Nach- Femlletcm. lRachdruck onbotcn.]_ [ii Golvmenfzh. Roman von Mauru» Zükai. Es war eine Mädchenstimme, aus der etwas wie Vor- wurf herausklang, aber auch viel Liebe nnd mädchenhafte Schüchternheit. Es war eine sympathische Stimme. Timar schaute umher; zuerst wollte er wiffen, woher der Ruf kam, und dann, wen er anging? Wer der Gerusene war, konnte er bald erfahren, denn auf den Ruf war das weiße Kätzchen plötzlicy seitwärts gesprungen, und, den Schwanz ringelnd, schnurstracks auf einen ästigen Birnbaum hinauf geklettert, durch dessen dichtes Laub Timar etwas wie ein weißes Frauen- gewand blinken sah; zu weiteren Untersuchungen jedoch blieb rhm keine Zeit, denn Almira ließ einige tiefe Kehllaute hören, welche in der Vierfüßlersprache so viel bedeuten mochten, als:„Was brauchst Du hier herum zu spähen!" und so war er genöthigt, seinem Führer zu folgen, wenn er mcht Gefahr laufen wollte, daß ein Stück seines Mantels Zwischen dessen Zähnen blieb. Almira führte Timar auf einem schönen Rasenpfad das Ufer entlang, bis zu der Stelle, wo fem Kahn angebunden 9; In diesem Augenblicke zogen zwei Sumpfschnepfen mit geltendem Pfiff durch die Lüfte der Insel zu. Timar's erster Gedanke war, welch' leckeren Braten sie für den Abcndtisch Trmea s abgeben würden. Im Nu hatte er seine Jagdflinte ®er Schulter genommen und mit zwei wohlgezielten Schüssen die beiden Schnepfen erlegt. Im nächsten Augenblick stand er aber selber nicht mehr auf den Beinen. Sowie er nämlich die Flinte abgefeuert, hatte, war er.von Almira am Kragen gepackt und wie von einem Blitzstrahl zu Boden geschleudert worden. Er wollte frage nach Heizern und Matrosen die Löhne gestiegen waren. Um an Stelle der Nachfrage ein bedeutendes Angebot zu setzen und dadurch die Löhne hinabzudrücken, das ist der wahre und alleinige Grund, weshalb man Chinesen und Neger auf deutsche Schiffe gebracht hat. Der rücksichtslose Egoismus der Herren Rheder erscheint in um so bedenklicherer Beleuchtung, als man annehmen muß, daß sie als Hamburger Kaufherren sich vollständig bewußt gewesen sind, welch' folgenschweren Schritt sie gethan haben. Nachdem den Chinesen einmal die Bahn gezeigt ist, steht nun der massenhafte Kuli-Jmport, dies furchtbare Schreckgespenst für alle europäischen Arbeiter, dicht vor der Thür. Bald werden sich zahlreiche Chinesen als Heizer und dergleichen auf den Schiffen einstellen lasten, um dafür nach Deutschland befördert zu werden, so daß die Rheder auch dadurch noch Gratis-Arbeiter bekommen. Arbeiter und Handwerker aller Art werden erscheinen. Haben sie sich erst einmal festgesetzt, so beginnt der Masten-Import, denn die Chinesen überschwemmen bald alle Plätze, wo sie einmal festen Fuß gefaßt haben. Dann werden sie die deutschen Arbeiter aus einer Reihe von Branchen ver- drängen, denn sie arbeiten ja so billig und— so willig. Die Unternehmer sind aber als solche keine Patrioten, sondern sehen nur auf den niedrigsten Lohn. Dann werden Tausende von deutschen Arbeitern arbeitslos umherliegen müffen und der„Vagabondage" anheimfallen, auch die Ar- beiterkolonien frequentiren, während die Geschäftsleute, die bisher für ihre Waaren Absatz bei den Arbeitern gefunden, nichts mehr verdienen werden. Denn die Chinesen leben nicht nur so, daß an ihnen kaum etwas zu verdienen ist, sondern sie bringen auch ihre eigenen Geschäftsleute mit, die sich nach chinesischer Art einrichten und ihnen Waaren und Lebensmittel aus Asien liefern. Während so der Kuli-Sklavenhandel im größten Handels-Empirium Deutschlands uns mit einer neuen Krisis bedroht, haben wir ein Geschwader in den ostafrikanischen Gewässern, um dem Treiben der arabischen Sklavenhändler zu steuern. Nicht die Arbeiter allein sind durch die Chinesen-Jnva- sion bedroht, auch die Geschäftswelt müßte unsäglich darunter leiden. Sogar der Staat müßte eines beträchtlichen Ausfalls an Steuereinnahmen gewärtig sein. Wir wollen die Pflicht nicht versäumen, bei Zeiten auf die Kalamität hinzuweisen, die über Hamburg auf Deutschland hereinzubrechen droht. Mögen Andere dies auch thun! Nur dann, wenn die öffentliche Meinung bei Zeiten sich gegen die neue Kalamität wendet, kann man hoffen, den unheilvollen Wirkungen vorzubeugen, die aus dem Unfug einiger gewinnsüchttger Rheder zu entstehen im Begriffe sind. aufspringen, fühlte aber bald, daß er es mit einem über- mächtigen Feinde zu thun hatte, mit dem nicht zu spaßen war. Nicht als ob Almira ihm etwas zu Leide gethan hätte, allein sie hielt ihn fest am Kragen und ließ ihn nicht aufstehen. Timar versuchte auf jede erdenkliche Weise sie milder zu stimmen, nannte sie Fräulein Almira, seine liebe Freundin, und hielt ihr eine Vorlesung über Jagd und Jagdgebrauch; wo zum Teufel sehe man einen Hund, der apportirt? Er möge doch lieber die Schnepfen aus dem Gebüsch holen; aber er predigte tauben Ohren. Aus dieser gefährlichen Situatio befreite ihn endlich die Jnselfrau, welche auf den Knall des Gewehres herbeigelaufen kam, und von weitem schon Almira beim Ramm rief, woraus dieser seltsame Geselle den Kragen los ließ. „Z Du mein Gott," jammerte sie, über Stock und Stein dem Orte der Gefahr zueilend.„Ich vergaß Ihnen zu sagen, daß Sie nich schießen sollen, weil sonst Almira sie packt. Ueber einen Schuß gerähth sie in großen Zorn. Nein, wie ich so dumm sein konnte, Ihnen das nicht zu sagen." „Machen Sie sich darüber keine Sorgen, gute Frau," . sagte Timar lachend.„Almira würde in der That einen | prächtigen Waldhüter abgeben. Aber sehen Sie, ich habe ein ; paar Schnepfen geschossen; ich dachte mir, das wird eine gute ' Beisteuer sein für das Nachtesten, das Sie Ihren Gästen vor- setzen wollen." „Ich werde sie mir schon holen; steigen Sie nur in Ihren Kahn, und wenn sie zurückkommen, lasten Sie die Flinte hübsch daheim, denn glauben Sie mir, wenn der Hund Sie mit der Flinte am Arm erblickt, nimmt er sie Ihnen auf der Stelle weg. Mit dem ist nicht zu spaßen." �._ „Das Hab' ich an mir erfahren. Ein gewaltiger, treff- licher Hund das! Ehe ich noch daran denken konnte, mich zu wehren, lag ich schon auf dem Boden; ich kann ßommt er. oder komm! er nlcht. nämlich der russische Zar zum Besuche seines„Vetters und lieben Verwandten" des deutschen Kaisers nach Berlin? Diese Frage beschäftigt augenblicklich unsere politischen Kannegießer auf das lebhafteste und man kann kaum eines der großen„ton- angebenden" Blätter in die Hand nehmen, in dem man nicht mindestens zwei oder drei Depeschen und außerdem noch ein paar redaktionelle Notizen, wenn nicht gar einen besonderen Leitartikel, findet, die sich alle mit der Frage beschäftigen, ob Väterchen wohl dieses Jahr Deutschland und dessen Kaiser noch mit seinem Besuche beehren wird oder nicht. Lägen nun nicht besondere Umstände vor, so könnte ja für ein Blatt wie das unsere es sehr gleichgiltig sein, wie viel von ihren Spalten die„maßgebende" Presse darauf verwenden will, ihren Lesern Nachrichten von den Absichten und Reiseplänen des russischen Zar zu geben. Auch diese Reisen Väterchens selbst sind uns und gewiß unseren Lesern nicht minder im höchsten Grade gleichgiltig. Wenn wir trotzdem von den darauf bezüglichen sich jetzt täglich wiederholenden und immer widerspruchsvoller werdenden Nachrichten Notiz nehmen, so geschieht es, weil die- selben ein ungemein bedeutsames Symptom für die politische Situation sind, in der sich Europa befindet. Und zwar ein bedeutsames Symptom nach zweierlei Richtungen. Die sich ewig widersprechenden Nachrichten über die Zarenreise werden einmal erklärt mit der bekannten„Vorsicht", mit der der Be- Herrscher aller Neuffen zu reisen gewohnt ist. Andererseits aber will man in der endlichen Entscheidung der Frage ob„Er kommt oder nicht kommt?" einen bestimmten Fingerzeig dafür haben, ob der„große Weltkrieg", dem Europa za unvermeidlich entgegen gehen soll, schon demnächst ausbrechen wird, oder, ob „dieses Jahr" der Frieden noch erhalten bleibt. Ist es nun nicht eine Erscheinung bedeutsamster Art, wenn der Monarch Europas, der mit unumschränkter Machtvollkom- menheit über hundert Millionen Menschen dies- und jenseits des Urals gebietet, dem das zahlreichste Heer zu Gebote steht und der von seinen„Unterthanen" als letzter Quell aller staatlichen Autorität verehrt und anerkannt werben muß, sich nicht einmal getraut, oder wenigstens glaubt, sich dieses nicht getrauen zu dürfen, eine beabsichtigte Reise ein paar Wochen vorher ankündigen zu lassen? Und womit wird diese Vorsicht gerechtfertigt? Bekanntlich damit, daß unter den Unter- thanen des Väterchens die Zahl jener, Anarchisten und Nihi- listen genannten Fanatiker, welche entschlossen sind, selbst mit Gefahr des eigenen Lebens, Alexander>11. einer vorzeitigen Himmelfahrt zu verhelfen, so groß sein soll, daß deren Vor- haben nur unter Anwendung der außergewöhnlichsten Vorsichts- maßregeln hintertrieben werden kann. Ob das zutrifft, wissen wir nicht. Thatsache ist aber, daß die Nachrichten über geplante und vereitelte Attentate gegen den Kaiser aus Rußland gar nicht abbrechen; wobei freilich nicht außer Acht gelassen werden darf, daß eben gerade auch dort die Zahl Jener, welche von der Entdeckung von Attentats- anschlügen und deren Vereitelung leben— und zwar nicht schlecht— außergewöhnlich groß ist. Mag dem aber sein, wie ihm will, die Tbatsachc steht fest, daß Alexander III. stets unter dem Eindrucke der Attentatsgefahr steht, daß die Rücksicht auf diese Gefahr ihn bei allen seinen Handlungen beeinflußt. Und von den Entschlüssen dieses noch Gott danken, daß er mir nicht den Hals entzwei ge- bissen hat." „Oh er beißt keinen Menschen; wenn sich aber Jemand zur Wehr setzen will, packt er seinen Arm so zwischen die Zähne, als wäre er in Fesseln gelegt. Und dann hält er ihn fest, bis wir kommen, ihn wegzuholen. Nun, mein Herr, auf Wiedersehen! Es war noch keine Stunde verstrichen, als der größere Nachen mit seinen Gästen am Jnselufer anlegte. Vom Schiff bis zum Ufer erzählte Tinrar Timea beständig von Almira und Narzista, um das arme Kind sein Unwohlsein und seine Furcht vor den Wellen vergessen zu machen. Sowie sie den Fuß au das Ufer gesetzt hatte, war übrigens das Unwohl- sein verschwunden. Timar ging als Wegweiser voran, Timea, in Euthym's Arm eingehängt, folgte, zwei Schiffsknechte und der Steuer- mann trugen hinter ihnen auf einem Schrägen in Säcken das Aequivalent für die Tauschwaare. Schon von weitem hörte man das Gebell Almira's. Es waren dies jene Bewill- kommnungslaute, mit denen der Hund die Annäherung auter Bekannter zu signalisiren pflegte. In einem solchen Falle lief er den Ankommenden entgegen. Almira erreichte die Gelandeter: auf halbem Wege; zuerst umbellte er die ganze Gesellschaft, dann wechselte er der Reihe nach Zwiegespräche mit dem Steuennann, mit den Schiffsknechten und mit Timar, — Hieraus zu Timea trollend, wußte er es so anzustellen, daß er ihr die Hand küßte; sowie er aber zu Euthym ge- kommen war, verstummte er, begann von der Fußsohle auf- wärts ihn zu beschnüffeln, und wich dann nicht von seiner Ferse; er schnupperte beständig und schüttelte inzwischen ge- waltig sein Haupt und schlug die Ohren zusammen, daß eS nur so knallte. Er hatte bei diesem Punkte seine besonderen Benrerkungen. Die Frau der Jnselwohnung erwartete im Flur die Ankömmlinge und rief, als diese zwischen den Bäumen auf- tauchten, mit lauter Stimme:„No�mi!" 1 Mannes, von dem deutsche, für offiziös geltende Blätter, ohne Widerspruch erfahren zu haben, behaupten konnten, daß sein psychischer Gesundheitszustand schwer gestört sei— was angesichts der Jahre lang quälenden AttcntatSfurcht wohl erklärlich — hängt der Friede Europas ab! In den Händen dieses Monarchen, der, wenn er sie benützen will, die Eisen- bahnen erst absuchen läßt, ob keine Minen unter den- selben angelegt sind,. der außerdem nicht fährt, ohne daß der Bahndamm links und rechts von 100 zu 100 Schritt mit Militärposten besetzt ist, und der trotz all' dieser Maß- nahmen aus dem Tag seiner Reise noch ein Geheimniß macht, um vor seinen Untenhanen sicher zu sein, liegt die Entscheidung über Krieg und Frieden und damit über Wohl und Wehe, Leib und Leben nicht nur der Millionen eigener, sondern auch der„Unterihanen" der diversen LandeSväter im übrigen Europa! Und wir schreiben 1889! Kann es ein vernichtenderes Urtheil über die Zustände, unter denen sich Europa befindet, geben, � als die Thatsache, daß die Frage, ob der Zar den schuldigen Besuch in'Berlin abstatten wird oder nicht, nun seit Wochen die öffentliche Meinung in Aufregung erhält, und daß diese Aufregung darin ihre volle Berechtigung findet, weil man in den Händen Alexanders III. die Entscheidung über Krieg oder Frieden weiß, das Unterbleiben oder] Eintreffen seines Besuches in Deutschland aber mit Recht als ein ausschlaggebendes Symptom dafür betrachtet werden kann, nach welcher Richtung diese Eni- scheidung fallen wird! Ein Alexander III. als Herr über Krieg oder Frieden in Europa! Braucht es mehr als die Konstatirung dieser That- fache, um zu zeigen, wohin wir gekommen sind? Nopnefporrdenzorr. In der Angelegenheit der Erweiterung � versendet der leitende Aus- xbeiterbundeS folgendes Zirkular an die � Zürich, 10. Juli. schuß des schweiz. Sektionen: Wir ersuchen Sie recht höflich, uns gefälligst Ihre An- sichten über die Frage der Erweiterung des FabrikgesetzcS(zu unterscheiden von einen: später zu schaffenden Gewerbegesetze) mittheilen zu wollen und zwar womöglich innerhalb der nächsten 14 Tage und speziell über folgende Punkte: a) Auf welche Gewerbe kann das Fabrik- gesetz mit seinem vollen Inhalte ausge- dehnt werden? d)Jn welcher Richtung scheint Ihnen eine Revision des Fabrikgesetzes nöthia? Wir sind Ihnen dankbar, wenn Sie uns Ihre Ansichten über nachstehende Fragen kundgeben: Abkürzung des Normalarbeitstages, Einschränkung der Stunden, in denen er sich bewegt, gleichmäßige Regulirung der Pausen, Nonnaluhren, gänzliches Verbot der Ärbeit in den Nächten vor und nach dem Sonntag, Freigabe des Sonnabend- Nachmittags, Schichtenwechsel bei konstantem Betriebe, lieber» zeitarbeitsbewilligung, Hilfs- und Reinigungsarbeiten außer der Normalzeit, weitere Einschränkung von Kinder- und Frauen- arbeit, Nonnalreglemente und Mitwirkung der Arbeiter bei Aufstellung und Genehmigung derselben, Einschränkung der Abzüge und des Bußenwesens, hessere Kontrole der Ver- wendung von Bußengeldern und Klagerecht der Arbeiter, kürzere Lohntermine und Baarzahlung in Landesmünze, Vcrsicherungs- abzüge und Kenntnißgabe der Versicherungsverträge, Lohn- Depositen, Förderung der Gewinnbetheiligung der Arbeiter und Minimallohn, schriftliche Beurkundung von Anstellung und Kündigung, höhere Strafininima für Geletzesverletzungen, Publi- kation und amtliche Mittheilung der Urtheile, bessere Organi- sation der Fabrikinspektorate und der lokalpolizeilichen Aufsicht, strengere Folgen für Nichtanwendung von Schutzvorrichtungen, die anbefohlen worden, hygienische Vorschriften, Vorschriften betreffend Anlage und Aufstellung von Maschinen und bezüg- liche Raumverhaltnisse, Vorschläge zu besserem Vollzuge der Haftpflicht bei Gewerbekrankhciten, ärztliche Zeugnisse für Zu- lassung von Minorennen in Fabriken, Aenderung der Begriffs- bestimmung der Fabrik u. s. w. Wir sind keineswegs der Meinung, daß in allen ange- deuteten Punkten eine Revision oder Erweiterung des Fabrik- gesetzes möglich sei; ebensowenig glauben wir alle Punkte er- wähnt zu haben, die in Betracht zu ziehen sind. Wollen Sie daher die speziell erwähnten Fragen lediglich als einzelne Anregungen auffaffen, im übrigen aber uns über die Frage der Erweiterung des Fabrikgesetzes im allgemeinen wie im Einzelnen Ihre geschätzten Ansichten und Erfahrungen mittelen, � ßw werthe Mitarbeit zum Voraus unfern wärmsten Dank ab und versichern Sie unserer vorzüg- liehen Hochachtung. Der leitende Ausschuß des schweiz. ArbelterbundeS. Der Präsident: H. Scherrer, Advokat. Auf diesen Ruf nähert sich Jemand aus dem Innern des Gartens. Zwischen zwei hohen, dichten Hecken von Himbeersträuchern, die wie zwei grüne Mauern sich oben beinahe zu einer Wölbung schließen, tritt ein junges Mädchen hervor. Gesicht und Gestalt sind die eines Kindes, das in der Entwickelungsperiode begriffen; es ist mit einem weißen Hemdchen und weißen Röckchen bekleidet und trägt in dem aufgeschürzten Oberrock frisch vom Baume gepflücktes Obst. Die aus dem grünen Haine hervorkommende Gestalt ist eine idyllische Erscheinung. Das feine Inkarnat ihres Ge- sichtes scheint der zarten Fleischfarbe der weißen Rose ent- lehnt zu sein, sobald sie ernsthaft dreinschaut, und nimmt die der rothen Rose an, wenn sie erröthet, und dann wird sie roth bis über die Stirne. Der Ausdruck dieser rundgewölbten klaren Stirne ist die personifizirte Gutbmüthig- keit, in vollem Einklang mit dem unschuldigen Blick der ausdrucksvollen blauen Augen; auf den zarten Lippen aber liegt der Schmelz holder Aufmerksamkeit und züchtiger Scham. Das reiche� goldbraune, prächtige Haar scheint von Natur gelockt; eine seitwärts geschobene Locke läßt ein allerliebst kleines Ohr sehen. Ueber das ganze Gesicht ist harmlose Sanftmuth ausgebreitet. Möglich, daß ein Bild- Hauer die einzelnen Züge sich nicht zum Modell nehmen würde, und vielleicht fänden wir dies Gesicht, wenn es in Marmor gehauen wäre, nicht einmal schön, aber das Haupt und die ganze Gestalt, so wie sie sind, umdämmert eine Lieblichkeit, die auf den ersten Blick bezaubert, und je länger wir Hinblicken, um so mehr feffelt. Von der einen Schulter ist das Hemdchen herabgerutscht, aber um auch diese nicht un- bedeckt zu lassen, sitzt dort eine weiße Katze, die ihr Köpf- chen an die Wange des Mädchens schmiegt. Die niedlichen Füße des Mädchens sind nackt- warum soll sie nicht barfuß gehen? Wandelt sie doch auf einem Teppich, auf dem prachtvollsten Sammetteppich- der herbstliche Rasen ist jetzt durchwirkt mit blauen Veronikas und rothen Geranien. Euthym, Timea und Timar blieben am Ausgang der Himbeerallee stehen, um die herankommende Gestalt zu er- Das Kind glaubte die Gäste nicht freundlicher empfangen Die in einem Zentralverbande organisirten katholischen Männer- und Arbeitervereine der Schweiz hielten am verflossenen Sonntag hier in Zürich ihre Generalversamm- lung ab, die von ca. 1200 Personen besucht war. Der bekannte Sozialpolitiker Dr. D e c u r t i u s, Arbeitersekretär Greulich u. a. hielten treffliche Vorträge über die sozialen Aufgaben der Gesetzgebung. Daß die Arbeiten dieser Versammlung ihren Zweck gewiß erreichen, bedachte sie der Papst mit seinem tele- gravhischen Segen und die schweizerischen Bischöfe mit einem Gluckwunschtchreiben; da kann's also nicht fehlen.— Mit 1. Juli haben diese katholisch-sozialen Organisationen auch ein eigenes Organ erhalten, die„A r b e i t e r- P o st", die wöchent- lich in Luzern erscheint. Der„Basler Arbeiterfreund" berichtet, daß in der West- schweiz neue Ausweisungen stattgefunden haben. Doch macht das Blatt keine weiteren Mittheilungen, wie wir solche auch in anderen Blättern nicht gestmden haben. Die schweizerischen Reaktionäre haben einen neuen Bissen erhascht. Am letzten Sonntag hielten die organisirten Arbeiter in Bern ein W a l d f e st. Wie in der ganzen Schweiz üblich, so zogen auch die Berner Arbeiter durch verschiedene Straßen der Stadt dem Festplatze zu. Dem Zuge voran trug ein Mann ein Buch, auf welchem mit großer Schrift die Worte standen„Pflichtenhcft des eiden. Staatsanwaltes." Femer sollen an den Seiten eines ebenfalls vorangetragenen schwarzen Kastens verschiedene politische Gesichter mit launigen Inschriften „ausgestellt" worden sein. Darüber ist die alte Börsenjobberin, die„N. Z. Ztg." in grenzenlose Wuth gcrathen und in ihrem übergeschnappten Zustande fordert sie strenge Untersuchung event. Ausweisung der betheiligten Ausländer. Die Sozialisten in der Schweiz werden gut thun, angesichts der hohen Temperatur der Geister sich reichlich mit Eis zu versehen und es den Tollgewordenen um den Kopf zu schlagen, damit es kein Unglück giebt. Im„Basler Arbeiterst." lesen wir: „ Eh r e n"- A t t e n h o f e r lebt gegenwärtig in Wonne. Die perfiden Angriffe der„Norddeutscheu" gegen die Schweiz und die Kreirung der Stelle eines eidg. Generalanwalts haben ihn in eine wahre Ekstase versetzt. Zum Dank dafür, daß er in seinern„Stadtboten" die Wortführer der schweiz. wie der deutschen Sozialisten, sowie auch bekannte Demokratenführer fortwährend mit seinem Gifte bespritzt und unser Land als einen „Herd der Revolution" dem Ausland unablässig denunzirt hat war ja seine Kloake die Hauvtquelle für die pöbelhaften Aus- fälle der offiziösen Lügenpresse Deutschlands—, möchte er nun gar noch die Bürgcrkrone! Wenigstens geberdet er sich derart, als ob er das Vaterland aus der größten Gefahr errettet habe und ihm dasselbe biersür selbstverständlich die große~ ......„. Anerkennung schuldig sei." Sein Prozeß gegen die„Arbeiterst." wurde vertagt. Am nächsten Sonnabend sollen nach Beschluß des Bundes- raths die im deutsch-schwcizerischen Konflikte gewechselten Noten III extenso im Bundesblatte in deutscher und französischer Sprache veröffentlicht werden. puimfrfte MelicvstUit. Zu dem famosen Uorfchlag, die Schule gegen die Sozialdemokratie mobil zu machen, schreibt das„Sächsische Wochenblatt" treffend: Bedeutsam ist diese offiziöse Auslassung (in den„Verl. Pol. Nachr.') zunächst insofern, als sie zeigt, wie ungeheuerlich die durch das Sozialistengesetz inner- halb der„Ordnungsparteien" gestiftete sittliche Korruption ist. Man denke: die Schule wird in den Dienst politischer Par- teien gestellt! Die Jugenderziehung sollte doch selbstverständ- lich jeder bestimmten Politik gegenüber neutral bleiben, so sehr sie auch den Kindern die Pflicht des PolitisirenS einschärfen müßte. Haben die Lehrer aus der Geschichte denn nicht ge- lernt, daß eine freie Konkurrenz der Gedanken die Fort- entwickelung der Menschheit beschleunigt, und daß daher die Unterdrückung von Ideen aufS Entschiedenste verworfen wer- den muß.—„Aber," wird eingewendet,„hier handelt eS sich nicht um die Unterdrückung von Ideen, sondern von Irr- lehren!"— Natürlich! Die von Selbstsucht geblendete Bourgeoisie kann oder will sich nicht aufschwingen, sei eS auch nur zur Annahme der bloßen Möglichkeit, daß in der Sozial- demokratie eine Wahrheit stecke. Und dann— wie unsinnig ist der Plan, durch eine Schulreform die Sozialdemokratie todt zu machen! Alan wirft uns vor, wir seien Utopisten; doch giebt es eine üppigere Blüthe des Utopismus, als jenen Plan? Sind denn unsere Gegner mit Blindheit geschlagen, daß sie nicht sehen, wie trotzZkgcivalisamer Unterdrückung unserer Agitation die Sozialdemokratie lawinengleich anwächst, und wie unsere Bewegung demnach eine ganz andere Ursache, als die Agitation, nämlich eine wirthschaftliche Ursache hat? Unsere WirthschaftS- entwicklung schuf die Sozialdemokratie und läßt sie unaufhalt- sam fortschreiten!" Repreffalien Deutschland« segen dir Schwei?. Aus zu können, als indem es ihnen mit dem Obst, das es im Rockschoß trug, aufwartete. Es waren schöne, rothgestreifte Bergamottebirnen. Sie wandte sich zuerst an Timar. Timar suchte die schönste heraus und reichte sie Timea. Beide Mädchen zuckten ärgerlich mit den Achseln; Timea, weil sie das andere Mädchen um das weiße Kätzchen auf seiner Schulter beneidete, Noemi aber, weil Timar das Obst Timea dargereicht hatte. „Ei, Du ungeschicktes Ding!" rief die Herrin der Hütte ihr zu.„Konntest Du das Obst nicht in einen Korb legen, statt aus dem Schurz Deines Kleides damit aufzuwarten? Schickt sich das?" Die Kleine wurde roth wie eine Feuerrose und lief zur Mutter hin; diese flüsterte ihr einige Worte ins Ohr, so daß die andern es nicht hören konnten, dann küßte sie das Kind auf die Stirne und sagte wieder mit lauter Stimme: „Geh' jetzt und nimm den Schiffern ab, was sie gebracht haben, trage es in die Kammer und fülle dann die Säcke mit Kukuruzmehl, die Töpfe mit Honig und ihre Körbe mit reifem Obst; von den Zicklein wähle zwei für sie heraus." „Ich wähle keine," flüsterte das Mädchen,„mögen sie das selber thun!" „Närrisches Kind," sagte mit freundlichem Vorwurf die Frau,„wenn es auf Dich ankäme, Dn würdest alle jungen Ziegen behalten wollen, und nicht eine einzige schlachten lassen.— Gut denn, lass' sie selber wählen. Niemand soll sich beschweren können. Ich werde unterdessen in die Küche sehen." „Noemi rief die Schiffer zu sich und öffnete ihnen die Speise- und die Obstkammer, deren jede in einer besonderen Höhle sich befand und mit einer Thür versperrt war. Der Felsen, welcher die Spitze der Insel bildete, war einer jener Wanderblöcke, welche der Geologe„erratische", der Italiener „trovanti", der Skandinaviar„Aezzar" nennt, ein einsamter Felsen, ein Monolith, der von einem weit entlegenen Gebirge sich einst abgelöst hatte, ein Kalkfelsen im Dolomiten- Thal, im Kieselbett. Er war voll größerer und kleinerer Löcher, welche der erste Mensch, der von ihm Besitz nahm, sinnreich für seine Zwecke zu benutzen gewußt; Süddeutschland kommt die Nachricht, daß in Lindau veffl aus der � 9. Mai b und strengere Kontrolmaßregeln gegen'alle aus der„j,™ anlangenden Reisenden eingeführt wurden. Man habe'~®" zwei Tagen die„schärfste Kontrole gegen die Schweiz# Aukerden München aus in Lindau angeordnet, und zwar seien}* mr-,• M~|■ M wj qr-s Maßnahmen auf eine Anregung der Reichsrcgierung führen.— Ebenso meldet man aus Karlsruhe, daß auä ________ s.._.- r r r• T Y /ü di worden t| Badens Beschränkungen des badisch-schweizerischeu Grenz» r Ars Sit*# 4 ,> am M# A\ AM TZ.. S... S. S. � ri\ Ii nul___-.. kehrS in Aussicht genommen worden sind und demnächst gg ordnet werden würden.— Hierdurch dürfte sich doch DM.t,ach �nr lanb lediglich ins eigene Fleisch schneiden, und wenn- �iininatl Schweiz mit ähnlichen Maßnahmen antwortet, dann entww unj. sich Zustände, welche man allgemein nur lebhaft bedauern ba fa(j.„ m — lind dies Alles wegen des Herrn Wohlgemuth! Auch ei« netter Professor. Als Verfasser von Ö b riefen gegen die Schweiz im„Hamb. Korresp." ist jetzt ew1 der schweizerischen Universität Basel angestellter deutscher? fessor v. Pflugk-Hartung entlarvt worden. In diesen Bn» wurden alle Deutschen, welche sich nicht auf den Stands der Offiziösen stellen, als vaterlandslos bezeichnet. Es w? darauf gepocht, daß Deutschland der Schweiz einfach p» könne, wenn sie binnen acht Tagen nicht nachgebe, so jj es seine Regimenter an die Grenze marschiren. denke sich," so schreiben die„BaSler Nachrichten",„einein einer deutschen Universität lehrenden Professor schmeizerA Nationalität, der sich herausnehmen würde, in bewegter Ze» solcher Weise das Wort in einer schweizerischen Zeitung K greifen. Man würde dies als die gröbste Taktlosigkeit b$| nen und er würde von dem Tage an, wo dies bekannt n"» keine Zuhörer mehr bei sich sehen. Aehnlich geht es& kraftig zu v. Pflugk-Hartung jetzt. Seine Zuhörer habeir beschloffen,» 1' mehr zu ihm ins Kolleg zu gehen." Hern v. Pfluak ¥, 13 unter den uüge. E scheint zu Bannbrui Polizei bi rend, daf 5 Uhr 18 ügung st Beefsteak den Wag der Zug knecht seh daß ihm dorben w Zur Deutsche denn auch vorgezogen, sich aus der Schweiz zu drücken. i Auch Schweiz hat übrigens nicht viel Glück mit den deutschen? hat abgen fessoren. Eine ganze Anzahl derselben begann in der SÄ verurtheil ihre Universitätslaufbahn, und dankte der Schweiz damit,' sie sich als wahre Schubiaks benahmen. Die Lehrlhätigkeits ihnen erst in der Schweiz eröffnet; so wie sich aber ihn� III Vtl tlUlsUCl,|U IUIC(IUJ UUCl IV'T� deutscher Lehrstuhl erschloß, dann ging bei ihnen das GeschO auf die Schweiz los, die in ihren Augen doch nur bensj Fehler hatte, daß sie dem Servilismus und der Speichel' nicht Raum�genug bot. »j lle» Todes Zucht! Gefan Festur Haft Gelds! Die KLudigung de« Niederlassungsvertrag«»� Verwe der Schweiz ist seitens Deutschlands noch nicht erfolgt.?,, A,�m.. Mittheilungen aus Bern fürchtet man aber in schweizer� JL � ,u lichen Kreisen die Folge einer Aufhebung des Vertrages kÄ Verbrechei weas. Die Schweiz selbst hatte zuerst angesichts der auf Ä£'7 J,™ bezüglichen Ansprüche Deutschlands von einer Abänderung! ßn.&' Vertragsverhältnisses gesprochen, indem sie dieselbe für* 1�7■ 4 r schensmerther erachtete, als die Austechterhaltung eines VerM mit einer wesentlichen, widersprechend ausgelegten Bestinn? Die Schweiz wird auch nicht die Initiative zu Verhandln� Unicrschla über einen neuen Vertrag ergreifen, denn das Fehlen/ solchen durste nachtheiliger für die Deutschen in der StW: etwa 100000, als für die Schweizer in Deut'chland, etwa 30» verlctmna sei». Durch die Kündigung werden die Kanton- und GemÄ% � wegen Jahre di! 18t Der dert fort. de» Prin nach der behörden volle Handlungsfreiheit gegenüber den Deutsche'!! Winnen. Man wird ihnen dringend empfehlen, die DeuÄ nicht ungünstiger als zur Zeit der Geltung des NiederlaW Vertrages zu behandeln. Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt. Erst jetzt, � dem der Kohlenstreik schon seit vielen Wochen beigelegt ist,' Herr v. Kardorff im„Deutschen Wochenblatt" mit dem»3 von ihm erwarteten unvermeidlichen Nachweis hervor, daß Maßregel! lich die Goldwährung Schuld daran tcage, daß ein Streu» auf nichts gebrochen sei. j Manier, Z« de« Maßregeiuugen der Bergleute wird' trachtet d „Bert. Tagebl." aus Dortmund folgendes berichtet: Auf.q für abgeb „Borussia" bei Marten wurden am Dienstag den Kohlenh»? nach Ron im Flötz 9 pro Wagen 5 Pf. am Gedinge abgezogen-> Stelle bei man den Obersteiger darüber zur Rede stellte, stellte scheu Nor später noch schärfere Abzüge in Aussicht! Zu der Arbett«einstellung im Snnrrevier auf Grube„Dechen" bei Neuenkirche» wird der„Franks. Ztg- schrieben, daß die Arbeitseinstellung erfolgte, nicht weis. Montag erst zwei Wortführern der Grube„Dechen" geku»? wurde, sondern weil bereits vor 14 Tagen jenen Dctfö'j die nichts gethan halten, als bei der Inspektion die% Grubenordnung mit dem Bedeuten zurückzureichen, daß, selbe den Arbeitern noch nicht genug Zugeständnisse machl,. Abkehr gegeben worden war. Die Zahl der Streikende», vermische trug nur 200 von 1100. Bezeichnend für die Arbeiter�.%%% Bergen h> bereit gefi gen habe» Unfug en Unt Stanhl sei in Egi 0000 Mai lichkeit der königlichen Gruben'verwaltung ist es, daß. smnh Organ derselben, die„Saarbrücker Ztg.", sofort die......'"aSaö wirst, ob die Streikenden überhaupt noch zur Arbeit zuge� xjniac bri werden konnten, und am Schluß ihres Artikels die DrojJ gur! ausspricht, daß die Bergwerksdirektion es in der Hand?, Dorsethi, dem ganzen Treiben ein Ende zu machen und den Jnent" QUl theiltveise einzustellen.„ Die Dresden, 11. Juli. In der gestrigen Hauptverham, vor dem Landgericht gegen diejenigen vier Arbeiter, mW—- nichts bar das größte mit dem aufwärts steigenden Schornsteinhak!-| 1 p Küche, das höchste als Taubenhaus, die übrigen zu st"" j ,,,, lichen und winterlichen Aufbewahrungsorten. Er haste! r.' angesiedelt auf dem Felsen und gleich den wilden und fieb• dort sein Nest gebaut.„ Das Kind besorgte das Tauschgeschäft mit den Sch'� garisch u klug und gerecht. Zuletzt gab sie jedem noch einen befand si trunk von ihrem Weichselwein, empfahl sich ihrer KundsÄ„ut wenn sie wieder einmal vorüberkommen sollten, und lr dann in die Küche zurück. j Hier wartete sie nicht erst ab, bis man ihr den ertheilte, den Tisch zu decken. Ueber den kleinen Tisch,, in der Veranda stand, breitete sie eine feine Binse»�,-Ar und stellte darauf vier Teller mit Messer, Gabel und � löffei. Und die fünfte Person? � Eine Die wird am Katzentisch sitzen, an einem wahrhas� ber Welt, Katzentisch. Neben der Treppe, die zur Veranda führst, h von Hans eine kleine Holzbank; in die Mitte derselben kornirst, welchem irdenes Tellerchen mit einem winzigen Mefferchcn und»1 Ingenieur solchen Gabel, nebst einem Löffelchen und � bei eben solchen Gabel, nebst einem Löffelchen und( beiden Ende je ein Holzteller, der eine für Almira, � im(.If.r„ dere für Narcissa. Diese bekommen kein Besteck. Systems i die drei Gäste mit der Hausfrau sich um den Tisch �'ströme zun und sich aus der Schüssel genommen haben, wandert MJateme de auf den Katzentisch, wo Noemi ihren Gästen vorlegt-� s�anwe vi verfährt bei der Vertheilung mit großer Gerechtigkeit> z, �'e Baron weicheren Bissen erhält Narcissa, die Knochenstücke j brennen" 1 ffe selbst nimmt sich zuletzt. Jene dürfen nicht ef�Sänge nick reifen, als bis sie durch Anblasen die Speisen ab« � Stelle im at, mag auch Almira die Ohren noch so sehr'ABrennpunt und das Kätzchen sich noch so sehr an die Schulter I auf zwei Herrin anschmiegen. Sie müssen dem Kinde pariren-/ Warter ä, Die Jnselfrau wollte— nach guter oder schlech'.�' Aarischer Sitte, vor ihren Gästen sich zeigen und Mellt'en"( Timar den Beweis liesern, daß ihre Küche seiner?a�UnreaeImö nicht bedurfte. Die beide,» Schnepfen hatte sie W* i ,rird! den grütze zubereitet; vorher aber hatte sie Timar in's �Lampe, I raunt, das sei nur ein Essen für Damen, für die»Akraft und habe sie gutes Schweine- Schmorfleisch zubereitet, j' sprach auch dem letzteren wacker zu, Euthym jedoch ch� . „ig fnbc* '9. Mai bei den? Aufhissen einer rothen Fahne betroffen wurden, srnd sämmtliche Anacklagte wegen Störung der Tclcphon- ,■ leitungen verurtheilt worden, u??d zwar Stcudteinann� zu 10, y I Johne zu 8, Richter z?i 7 und Berck zu 5 Monaten Gefangmß. � ü Außerdem erhielten dieselben?vegen Schießens auf öffentlichen Plätzen je fünf Wochen Haft zuerkannt, ivelche Strafe indessen 8) durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet m l.d worden ist. Berel wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. . r[t L Gffenbach. An? Dienstag Nachmittag fuhr Herr Abg. lochst� W. Liebknecht hier vorbei, um über Frankfurt, Mainz und Metz ch � i nach Paris zu reisen. In Frankfurt wurde derselbe von einem Kriminalkommissar und einem guten Dutzend Schutzleuten?n i entww un� nnjf0nn empfangen und ihm eröffnet, daß die e???- Iictn fache Anmeldung seiner Durchreise durch Frankfurt, die sonst unter dem Präsioium des Herrn von Köster genügte, iiicht ge- nüge. Es wurde ein Protokoll aufgenom?nen; die Polizei scheint zu beabsichtigen, Herrn Liebknecht den Prozeß wegen Bannbruch zu machen. Uebrigens war die Aufmerksamkeit der Polizei dem Herrn Liebknecht gegenüber recht rührend, so rührend, daß sich ein KommissariuS während der Zeit von 4 bis auern« *4 Ä3 Stands- ICllU/ VU D|lUj CUV dtUUlill i| I ui iWv"V*-'• ES# 5 Uhr 18 Minuten fast ganz zu seiner Bewachung zurVer- äch erktt sügung stellte, mit Hern, Liebknecht, als er gemuthlich em be, s-L Beefsteak verzehrte, am gleichen Tische Platz nahm,, hm bis ,n -en. ß den Wagen folgte und seine Aufgabe erst für gelost ansah, als einen' der Zug abdampfte. Da wir das Naturell des Herrn Lieb- SS S' nma darben wurde. ifeit fxjfl Zur Statistik der U erbrechen und Vergehen im ?nnt Deutschen Reiche. Die Zahl der Angeklagten, welche rechts- ca 61'kräftig zu Zuchthaus verurtheilt sind, hat betragen: lotfcn, i 1882 1883 1884 1885 1886 cf,.lf u 13 429 12 364 12 026 11 543 11373. rfiffcn. 1 Auch die Zahl der mit Gcfängniß bestraften Personen rtschcn# hat abgenommen: Von je 100 verurthojlten Personen wurden der verurtheilt damit,' 5 Gesch- ir den/? peichelle» trogffj folgt. J iweijet» nderung! - M etwa 30? d Gemcp �euischt?! ie 3% eberloH 1882 1883 1884 1885 1886 Todesstrafe 0,03 0,03 0,02 0,02 0,02 Zuchthaus 4,07 3,74 3,48 3,36 3,22 (Äefängniß 69,13 68,00 66,89 65,72 64,65 Festungshaft 0,03 0,05 0,05 0,05 0,02 Haft 0,44 0,44 0,42 0,37 0,37 Geldstrafe 25,33 26,70 28,10 29,36 30,58 Verweis 0,97 1,04 1,04 1,12 1,14 Im einzelnen kamen in den Jahren 1882— 1887 von 10000 über 12 Jahr alten Einwohnern Verurtheiltc wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Person im Jahre 1882: 33,6, im Jahre 1887: 41,3. Dagegen betrug die Zahl der Personen, welche verurtheilt wurden wegen Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen im Jahre 1882: 52,9, im Jahre . m,rwt 1887: 46,4. Hier ist also eine Abnahme, ivelche hauptsächlich n entfällt auf die Abnahme des Diebstahls, der Hehlerei und der t, Md Unterschlagung, während sich in der Kategorie Betrug und Sach- rhano j bcschädigung ein gewisses Anwachsen zeigt. Das Anwachsen der Verbrechen und Vergehen gegen die Person entfällt zu einem großen Theil auf die Zunahme der gefährlichen Körper- Verletzungen. Es kamen nämlich auf 10 000 Strasmündige wegen dieser Vergehen Verurtheiltc im Jahre 1882: 11,9, im Jahre 1887: 16,7. Schweden«nd ßlorwegen. Der S e tz e r st r e i k in C h r i st i a n i a dauert unverän- st jetzt, � dert fort. Die Typographen versuchten, Verhandlungen mit -leat iß-' den Prinzipalen anzuknüpfen. Obgleich sie eine Forderung t dein � nach der andern zurückzogen(z. B. die Lehrlings frage und die ir daß l«' Maßregelung der Streikbrecher), gingen die Prinzipale dennoch n Streik� auf nichts ein, sondern schrieben in der bekannten protzigen Manier,„der norwegische Buchdruckerverein(Prinzipale) be- trachtet die weiteren Unterhandlungen mit den Typographen für abgebrochen." Die patriotischen englischen Rheder, welche nach Norwegen schrieben, um Fcuerleute und Matrosen an Stelle der Streikenden zu bekommen, haben bei den patrioti- fchen Norwegern Gehör gefunden. Agenten in Christiania und Bergen haben sich zur Beschaffung des nöthigen Arbeitsfleisches bereit gefunden. Aber die Sozialisten in Christiania und Ber- gen haben auch gleich Versammlungen einberufen, um dem Unfug entgegenzuarbeiten. Großbritannien. Unterhaus. DerStaatssekretär desKrieges, St an Hope, theilt dem Hause mit, das Heer der Derwische sei in Egypten eingedrungen. Die Stärke desselben werde auf 6000 Mann mit 800 Kamelen geschätzt. Gestern hätten die Derwische einen Marsch von 7 Meilen gemacht und seien 3 Meilen südlich von Abu Siinbel, mithin 33 Meilen nördlich von Wady Halfa angcla??at. Der Oberst Greenfell befinde sich in Assuan, wohin Verstärkungen, unter denen sich auch einige britische Truvpenabtheilunge?? befänden, abgegangen seien. Zur Verstärkung der Garnison in Ober-Egypten seien das „Dorsethire-Regiment" aus Malta und das„Porkshire-Regi- ment" aus Clwrus zeitweise nach Egypten beordert worden. Die irischen Abgeordneten Gill und Cox, welche auf Grund des Zwangsgesetzes. der Theilnahme an einer verbrecherischen Verschwörung(FeldzugSplan) und an einer rmgesetzlichen VolkSversammlting am 11. Juni angeklagt waren, sind vom Zwangsgericht in Drogheda freigesprochen worden, weil der Richter die Aussagen eines Polizeikonstablers, des Hauptbelastungszeugen, nicht als zuverlässig erachtete. Frankreich. D e p u t i r t e n k a?n m e r. Le H 6 r i s s e interpellirte die Regierung wegen der angeblich jüngst in Angouleme vor- gekommenen Verletzung der Gesetze und der Verfassung. Der Minister des Inneren, Constans, erwiderte, er habe die Auf- gäbe, die Ordnung auf den Straßen aufrecht z?> erhalten, und er werbe sie unter steter Beobachtung der Gesetze aufrecht er- halte??, so lange er i?n Amte sei. Die Regierung habe das Recht, sich zu vertheidigen??nd werde sich vertheidigen. Die parlamentarische Jmm??n?tät komme nicht in Frage, sobald es sich um die Betretung auf frischer That bei Verllbung eines Verbrechens oder Vergehens handle. Laguerre äußerte sich in heftigster Weise über die Vorko?nmnisse in Angouleme, wurde deshalb zur Ordnung gerufen, fuhr aber gleichwohl fort, den obersten Staatsgerichtshof als eine Parodie auf die Justiz hin- zustellen. Laguerre tvurde darauf zu?n zweiten Male zur Ord??u??g gerufen mit den? Bemerke??, daß der Ordnungsruf zu Protokoll genommen werden würde, ließ sich dadrtrch aber nicht abhalten, den Minister Constans aufs Neue zu beleidige». Auf den Antrag des Kammerpräsidenten Mölme wurde Laguerre darauf das Wort entzöge??, und, als Laguerre dessen ungeachtet auf der Redncrtribü??e blieb, bedeckte der Ka?nmerpräsidcnt Mölme sein Haupt, verließ den Sitzungssaal und ließ die Tribünen räumen. Um 4 Uhr 55 Min. wurde die Sitzung lvicder eröffnet. Der Präsident erklärte Laguerre, welcher in der Zwischenzeit die Rednertribüne nicht verlassen hatte, daß über ihn, wenn er bei dem bisherigen Benehmen bleibe, die sensur mit zeitweiliger Ausschließung verhängt werden würde. laguerre erwiderte darauf, in seiner Person sei vor einemMonat die panamentarische Immunität verletzt worden,heute verletze nun a?uh die Kammer das Recht des freien Wortes; er werde sprechen. Präsident Mölme befragte nunmehr die Kammer, und diese verhängte alsbald über Laguerre die Zensur mit Ausschlieb??ng. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen.— Der Deputirte Laguerre war in der Erwartung, daß die um 5% Uhr geschlossene Sitzung der Kammer nochmals� wieder aufgenom???en werden könnte, im Sitzungssaale zurückgeblieben und ver- ließ die Rednertribüne, wo er Posta gefaßt hatte, erst gegen 6 Uhr. Das„Journal des Döbats" erwähnt das Gerücht, daß die Anklaaekammerdes ober st en StaatSaerichts- Hofes Beschluß fassen und Boulanger, Dillon und Rochefort unter der Änschuldig??ng, sich des Verbrechens des Attentats schuldig gemacht zu haben, vor den obersten Gerichtshof ver- weisen werde, vorbehaltlich des besonderen Vorgehe??s gegen Boulanger allein, welches etwa der General-Prokurator wegen Veruntreuung oder Untcrschleifs öffentlicher Gelder anzustrengen gesonnen sei?? sollte. ? wird f : Aus? kohlenh«? ezogen- l stellte 4 er auf' ff. Z'S: Ist«Ä m die? ?, daß' e mach" eilenden beiterftr? s, daß' c Frage? ut zuguß )ie Dr-jZ CT tverhan� r, welch� __ nichts davon an und sagte, er sei schon satt und Ti???ea rri"l stand plötzlich vom Tisch auf. Das war aber ganz natür- LhJ lich. Sie hatte schon bis dahin häufig nach jener anderen .Jl Tischgesellschaft neugierige Blicke hinübergeworfen; es?var oläl daher nichts Auffallendes darin, daß sie plötzlich sich erhob den � und sich neben Noemi an die Treppe setzte. Zunge Mädchen -j,:# schließen ja schnell Freu??dschaft. Timea verstand nicht un- � y Karisch und Noemi nicht griechisch; zwischen �#«der Narc#, �- un°lV gleich gut. und r den en unen ■ Kun die verstand (Fortsetzung folgt.) Sozisls Mebculrrkrk. Drechsler«nd Kerufsgenossen. Es wird E??ch??un- mehr allen bekannt sein, daß als Vertreter der de??tschen Drechsler- ge?verkschaft auf de?n internationalen Arbeiterkonareß in Paris unser Kollege Karl Legien in Hamburg gewählt ist, welcher die Reise mittlerweile schon angetreten hat. Die hieraus entstehen- den Unkosten sollen bekanntlich mittelst freiwilliger Beiträge aufgebracht werden und macht die zur Sammlung derselben gewählte Kommission hiermit bekannt, daß am nächsten Sonn- abend, Sonntag??nd Montag in den bereits bekannt gegebenen Zahlstellen noch Beiträge von den betr. Kom?nission§mitgliedern entgegengenommen werden. Dortselbst sind die noch aus- stehenden Sa?nmellisten abzuliefen?(für Norden: Lothringer- straße 67 bei Brückner: für Osten: Rüdersdorferstr. 8 bei Böhl; für Südwest: Zossenerstr. 35 bei Tahlke; im Süden: Dres- denerstr. 116 bei Gründe!(Wendt'S Restaurant). Da die Sammlung am Sonnabend, den 20. d. M., geschlossen werden soll, so bitten wir Jeden, das event. bisher Versämnte noch nachzuholen. Die Kommission. I. A.: Th. Leipart, Michael- kirchplatz 8, H. II. Aufruf un die Arbeiter Dentfchlaud». Arbeiter! Brüder! Unterzeichnete fühlen sich gezwungen, ein Wort an die Oeffe??tlichkeit zu richten. Die Lage der Bäckergesellen ist, wie bekannt, von alle?? Gewerken die traurigste. Vierzehn- bis achtzehnstündige Arbeitszeit, Sonntag wie Wochentag, bei einem Loh??, welcher in Deutschland zwischen 10—25 Pf. pro Stunde variirt inklusive Kost und Wohnung. Außerdem haben es unsere Jnnnungcn verstanden, die Arbeitsvermittlung allein zu dirigiren und??ns ein Kontrolbuch(Germania-Arbeitsbuch) auf- gcdrä??gt. Die überme??schliche Arbeitszeit in Verbindung?nit ver im Großen betriebenen Lehrlingszüchterei hat 40 000 arbeits den beiden beide Sprachen den_ t Tisch-- «rf Mus Nuukk und Leden. -<„üii„ Mine elektrische Riesenlampe, das stärkste Einzellicht oahrhail der Welt, ist auf dem vor kurzem aufgerichteten Leuchtthurme führ?-/, von Hanstholm aufgestellt worden. Der Leuchtthurn?, von koiuims welchem„Engineering" eine Beschreibung giebt, ist von ? und n Ingenieur Fleischer entworfen und ganz vorzüglich eingerichtet; .nd a» imei Dampfmaschinen von je 35 Pferdekräften, die in einem -„ per' Anbau des Erdgeschosses aufgestellt sind, dienen zum Betneb aiadr Mkier magnetisch- elektrischer Maschinen des verbesserten •.? J Systems de MöritenS. Diese Maschinen liefern die Wechsel- Tisch Wy ströme zum Betrieb der riesige?? elektrischen Lampe, welche die iirdert �Laterne des Leuchtthurms enthält. Es ist nämlich nur eine zrlegh I�ampe vorhanden, deren Regulirung nach bem System tigkrst'd Baron durch ein Uhrwerk in Vcrbind??ng mit Elektro- ie Auf? wagneten erfolgt, so zwar, daß der Lichtbogen durch das Ab- ,,..her 1"rennen der sehr starken Kerze?? nicht n??r hinsichtlich seiner , nbip'? sV'S6?"cht beeinflußt wird, landen? auch stets an derselben r ur R,»m Raum erscheint, das heißt die Lampe hat konstanten rl-v sä ,lf cm ,?5'6 Leuchtkraft des mächtigen Lichtbogens ist julter n auf zwei M?llwnen Normalkerzen angegebe??. Eine für den rirei?- � Warter a??ßerst angenehme Einrichtung ist damit geschaffen, j durch c?n Syste?n von Prismen und Sinsen ein Bild des ?b Heft? �Lichtbogens auf einen im Wärterzim???er des Erdgeschosses auf- r Jag?) gestellten«chtnu geworfen wird, so daß es nur in Fällen von mit � Unregelmaßmketten, sowie zum Ersatz von Kohlenkerzen nöthig CT]?lrb' bc" Thurm zu ersteigen. Die übrige Bedienung der �ampe. In- und Außerbrandsetzung, Regulirung der Leucht- ' 1,1 V kraft und des Platzes des Lichtbogens kann von unten itet., edoch aus vorgenommen werden. Die Da?npfmaschi??en sind außer mit den Wechselstrom-Maschinen noch mit großen Luftpmnpen zu verbinden, welche die zum Betrieb zweier Nebelhörner nöthige Druckluft zu liefen? haben. Alles in allem ist der Leuchtthurm von Hanstholm eine sehr praktische A??lagc und besonders wegen des ungeheuren Lichtes be- ?ncrkens?verth, welches erkennen läßt, was die Elektrizität auf dem Gebiete der Lichterzeugung zu leisten vermag. Es be stehen z?var schon seit einiger Zc?t Leuchtthürnre mit eben so starker Lichtausaabe oder sogar, wie bei der Statue der Freiheit im Newyorker Hafen, noch größerer, die aber nicht in Vergleich gezogen werden dürfe??, da sie nicht?nittels einer Lampe, son- oern durch Nebeneinanderreihen mehrerer jene Helligkeit her- vorbringen. Die größten Einzellampen waren bisher wohl die auf Kriegsschiffen verwendeten, deren z. B. daö englische Thurnrschiff„Devastation" eine von 500000 Kerzen Stärke Wacht des Aberglaubens. In der jüngsten (Sitzung der Berliner Geographischen Gesellschaft berichtete der Reisende Dr. Radde aus Tiflis zwei interessante Anekdoten aus seinen Reisen durch Sibirien, Mittelasien und dem Kau- kasuS. Als er am Amur ein beschauliches Urwaldleben fiihrte, war eines Tages ein Turtause in trunkene?» Zustande zu der einsamen Waldhütte des Gelehrten gekommen und hatte diesen mit der Waffe bedroht, war zedoch überwältigt und gefesselt worden. Andern Tages?vurde großes Gericht geholte??. Auf den rohen Tisch der Hütte breitete Rodde ein roheS Tuch, stellte zwei Kerzen auf dasselbe und legte rechts????d links dieser eine Epaulette seiner Majors uniform. Er selbst empfing in dieser Uniform, mit strengster Miene hinter dem Tische stehend, den zitternden Uebelthäter. Nach kurzem Verhöre fragte er ihn, auf die eine Epaulette deutend:„Kei?nst Du daS?"„Nein."„Das ist der weiße Zar!" Sofort fiel der Tunguse mit dem Gesichte auf die Erde Auf die andere Epaulette weisend, fragte der Richter weiter: „Kennst Du??un dieses?"„Rein."„Das ist die Frau des weißen Zaren!" Abermals berührte das Antlitz des Misse- thäters den Boden. Das Ende vom Siebe war, daß der arme Sünder nach einer scharfen Pauke begnadigt w?:rde und nun flehentlichst bat, man möge ihm erlauben, die Nacht neben der Hütte zu schlafen, in welcher der Zar und seine Frau, die beiden Epauletten nämlich, residirten. Die andere Geschichte verlief, wie folgt: Ein Chinese lag in der Nahe dem Fischfange ob, hatte aber mehrere Tage hinter etnander Ingluck, nichts zu angeln. Darauf kam er zum Vor- das Ungb lose Bäckergesellen gezeitigt, uitgerechnet der Taufende, welche nach beendigter Lehrzeit zu auderen Berufen übergehen. Um diesen unwürdigen Zustände??, durch?velche alle Berufe in Mit- leidenschaft gezogen werden, ein Ende zu mache??, hat sich die Berliner Bäckcrgesellenschaft in mehreren Versammlungen ent- chlossen, am 12. Juli die Arbeit niederzulegen. An Euch, de??tsche Arbeiter, appelliren wir, EurcnEinfluß bei??nsern Meistern geltend zu machen, daß unsere gerechten Forderungen baldigst be?villigt werden. Wohl haben sich unsere streikenden Kollegen ver- pflichtet, 14 Tage auf jede Unterstützung zu verzichten, doch haben wir unter uns viele Fa???ilienväter, welche schon 3 Monat und länger brotlos sind. Um diese nicht sinken zu lassen, möchten wir Eure U>?terst?itzung erbitten. Jeder, der sein Scherflein beiträgt, wird sich uns, die?vir förmlich von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen sind, zu Dank ver??flichten und jeder von uns wird bereit sein, von jetzt ab bei ähnlichen Kämpfen anderer Berufe voll und ganz seine Pflicht zu th????. Das Zu- Rm?nengehörigkeitsgcfühl mit allen anderen Arbeiter?? ist � bei Zen Bäckergesellen endlich erreicht und?vird für alle gute Früchte den!..........|__________________________ zeitigen. Alle Führer der einzelnen Berufe, so?vie die Arbeiter ??? einzelnen Wcrkstellen bitten?vir unsere Sache bei den Kollegen zu führen und et?vasgc Se??du??ge>? an R. Hoppe, Mulackstraße 17, 1 Tr., gelangen zu lassen. Mit brüderlichem Gruß! Die streikenden Bäckergesellen Berlins und Umgegend. Im Auftrage: Ernst Pfeiffer, Linien str. 7. Die Iflnelkstlderspießel-Kelegeu haben in der jüngsten Zeit einen bedeutenden Rückschritt zu verzeichnen, der jedoch kei??eS?vegS auf eine Vcnni??der??ng des Bedarfs, sonder?? darauf zurückzuführen ist, daß an Stelle des Quecksilbers end- lich das Silber mehr zum Belegen der Gläser verwendet wird. Die Verwendung von Silber als Belag der Gläser erfolgt ha??ptsächlich deswegen, weil die Spiegclbarone fürchten, es kä??nte?? ihire??, infolge der Erhebungen, die zur Zeit über das U?nsichgreifen des Merkurialismus gepflogen?vurden, Auflagen gemacht?verde??, deren Erfüllung???it einigen Kosten verknitpft ?väre. Eine Zeit lang schien eö ja, als ob unseren humanen Unternehmer?? gar kein Opfer zu groß?vLre,???n dein Merkur?.?- lismus energisch zu Leibe z?? gehen. Als im Deutschen Reichs- tag die schauerlichen Zustände der Ouecksilberspiegelbelegen d??rch den Abgeordneten Bebel entsvrechende Beleuchtung fanden,?v?irde?? sofort einige Verbesserungen eingeführt, welche für die Allgemeinheit jedoch keine Bedeutung hatten. Nachdem der bayerische Bundesbevollmächiigle i?n Reichstag die Erklärung abgegeben hatte, daß er Erhebmigen pflegen?l??d für Beseitig????» der Mißstände sorgen wolle, da wurden die Unternehmer plötzlich„»??? das Wohl der Arbeite?" in hohem Grade besorgt, trotzdem der Vertreter des Fürther Wahlkreises, Herr v. Sla?iffe??berg, gestützt auf die Mitihei- lungen seines Souffle??rs, F., Spiegelfabrikant und Führer der Deutschfreisinnigen, vor den Schönlank'schcn„Uebertreib??ngen" gewarnt hatte. Es wurde ein Preisgericht nach Berlin berufen und für den besten Vorschlag, betreffend die Beseitig????» oder Verminderung der mit dem Geschäft verbundenen Gefahren für Leben und Gesundheit eine Prä???ie von 3000 M. sest- gesetzt. Die medizinischen Fakultäten und auch verschiedene Autoritäten haben Gutachten abgegeben und find zu de??? schon vorher pop??lären Resultat gelangt, daß, wer nicht in die Glasbclege geht, vo?n Merk??rialism??s verschont bleibt. — Seitdem ist es?vieder still geworden über den Ge- wässern; die Ä??fregu??g, welche sich der Unternehmer be- mächtig» hatte, hat sich gelegt, ko??statirt muß aber?ver- den, daß die Zahl der Quecksilber-Glasbclegen sich fort??nd fort ver???iudcrt und die Silberbelcgon sich mehr und mehr ein- bürgern. Letztere u?nsomchr, da man neuerdings eine Geschästs???elhode eingeführt hat, durch welche die silberbelegten Spiegel von den quccksilberbelegten sehr sch?ver zu?l??terscheiden sind. Früher wurden nämlich die silbcrbelcgten Spiegel auf der Rückseite mit ei??e?n rochen Anstrich verschen, wodurch Jedcrma???? erkannte, daß der Spiegel nicht mit Quecksilber, sondern???it Silber belegt sei. Gegen?värtig?vird ai? Stelle des rothen Anstrichs eine Zinnbronze aufgetragen, welche denr Quecksilber so täusche,?o_ ähnlich sieht, daß nur der Fachmann einen solchen Spiegel von einem mit Quecksilber belegten unterscheiden kann. Dieser Fortschritt ist gewiß mit Freuden zu begrüße??, wiewohl er sehr ge- eignet erscheint, das kaufende Publikum zu überoortheilen. Zu beklagen ist dagegen der Wechsel, der mit dicse?n technischen Fortschr?tt für d?e Arbeiter und Arbeiterinnen verbunden ist. Die Oucckt?lbcrbelcger und Beleaerinnen sind fast durchweg zu jeder anderen Beschäftigung unfähig und werden deshalb von den Fabrikanten aus„Hu???a??ilät" m die Silberspiegelbelegen tra>?sserirt. Aber unter welchen Bedingungen! Ein Qnccksilber- beleger verdient, bei einer Arbeitszeit von täglich 7 8 Stunden, wöchentlich 30 M., eine Wischerin, Pressen?? und Ablieserin 12 bis 15 M. In der Silberbelege verdient ein Arbeiter, bei täglich lOstündiger Arbeitszeit,?vöchcntlich 18 bis 20 M., eine Wischerin 7,20 M. Dabei müssen oie Leute in einer Tempe- ratur von 30— 35" Wärme(Röaumur) arbeiten. Für die Unter- nehmer hat die jetzige Fabrikations, nethode bedeutende Vortheile. Sie ersparen 1) den Zuschuß zur Gemeindekasse, 2) den Beitrag zum Glasbeleger-Hilfsverein, 3) den Einkauf von Flanell, da tragenden mit der drinaeuden Bitte, ihm doch einen neuen Gott zu machen, da sein bisheriger alt und schwach geworden sei und zum Fischfang nichts mehr tauge. Er zog dabei ein zusammen- gerolltes Papier aus einer Hülfe, die aus dc,n hohlen Stengel einer Pflanze angefertigt war, und siehe, auf den, Papier war ein Fisch, dabei ein Atann mit einem weißen Barte und einige andere Figuren zu sehen. Nun entsann sich Dr. Radde, daß ih,n der Chinese vor kurzem zugesehen hatte, als er eine,, Fisch zeichnete, und alsbald?var ihm die Sache klar. Er erklärte sich bereit, den Gott zu verfertigen, aber nur gegen Abtretung des halben Fanges, den er dem Besitzer bcscheere. Gut, sagte der Chinese, male mir aber den Gott mit einem sch,varzen Barte, denn sonst leistet er wohl, nieder nichts mehr. Schon am nächsten Tage kam der Angler freudestrahlend mit einem schweren Lachse an.„Dein Gott ist gut," sagteer,„ich wußte ja, daß Du die Sache verstehst, hier ist Dein Antheil." Kein? Morschiren In der Sonnenhike. Das Tabak- rauchen, sei es aus Pfeifen oder in Form von Zigarren, ist auf dem Marsch, besonders in die Sommerhitze, durchaus schädlich. Dasselbe ist der Fall mit de,n Brannt?vei,?genuß„ derselbe täuscht nur und erzeugt einen Ueberreiz, der den Magen und das Nervensysten? abstumpft und die Marsch- fähigkeit beeinträchtigt. Dagegen empfiehlt es sich, eine dünne Scheibe oder ein kle???es Stückchen von einer Ziviebel zwischen die Lippen oder auf die Zunge zu nehmen. Das regt die er- fchlafften Speicheldrüsen von neuem an????d erfrischt die Nerven. Noch besser wirkt das kleinste Stückchen Knoblauch. Ei?? Halm wilden Knoblauch, das Blatt oder der Stiel von wfldcm Sauerampfer thut ähnlichen Dienst, ja jeder Gras- oder Ge- treidehalm hat die wohlthätige Wirkung, das Austrocknen des Mundes zu verhüten. Sodann e??rpfiehlt sich die richtige Ein- theilung der Marschleistung in Marsch und Ruhe. Je heißer hie Temperatur, desto öfteres Rasten, un? Lunge und Herz vor Ueberspan??ung zu bewahren. Ein solcher Ehrgeiz, auf eine be- 1 andere Marschleistu??g pochen zu können, hat oft Opfer ge- ordert. Will???an den Marsch in der Hitze ganz vermeiden, o ist es besser,?hn bei Nacht zu?nachen, als mit der Morgen- wmmerung zu beginnen. Dir Cholera. Die Triester Seebchörde erhielt die ofsi- zielle Meld??ng, daß auf dem aus Singapore in Marseille ein- getroffenen Postdampfer„Caledonien"?vährend der Ileberfahrt. z?vei Passagiere an der Cholera starben. Der Dampfer hatte 177 Passag?erc an Bord und befindet sich augenblicklich in Mar». seille in Quarantaine. We filberbeleaten Spiegel in Papiereinlagen versandt werdm können, endlich find fie der lästigen Kontrole durch den Fabrik- inspektor überhoben und brauchen hoch schwangere Frauen und merkurialkranke Arbeiter nicht mehr zu verstecken, wenn dieser Beamte das Etablissement betritt. Die Beseitigung der Queck- silberbelegen ist im Interesse der darin beschäftigten Arbeiter sowie der gesammten Bevölkerung nur zu wünschen. Die Ver- bcsserung der Technik wird zu einer Herabsetzung der Preise führen, wenn auch vorläufig die Unternehmer oe den Gewinn noch allein einheimsen. Die Verbilligung der Spiegel wird einen vennehrten Absatz zur Folge haben, was den Schreiner-, Vergolder- und Glasgeschäften zu Gute kommt. Die Quecksilberbeleger haben aber den Nachtheil. Bei ge- nossenschaftlich organisirter Produktionsweise würde man diese Halb- und Ganzinvaliden, die zu anderer Arbeit nur schwer verwendet werden können, in einer, ihrer LeistungS- sähiakeit und ihren bisherigen Verhältnissen entsprechenden Weise beschäftigen oder entschädigen. Heute kümmert sich kein Mensch um diese Leute. Jeder Fortschritt kommt bei der kapitalistischen Produktionsweise nur den Unternehmern zu Gute. Meerane, 5. Juli. Der Streik der Fabrikweber der Firma E. Reinhold ist nunmehr endgiltig beendet, da unsere Forde- xungen zum größten Theil bewilligt wurden. Vovssmrmlmu'teu. Auf die Kefchwerde, welche der Vorfitzende Herr Trcplin gegen die Auflösung der öffentlichen Versammlung der Mechaniker zc. Berlins gefuhrt, ist demselben folgender Be- scheid zugegangen: Auf die Beschwerde vom 26. v. MtZ. erwidere ich Euer Wohlgeboren ergebenst, daß in der am 24. v. MtS. abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Mechaniker, r zc.«n dem Vortrage des Referenten die im§9 des Optiker Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 bezeichneten Bestrebungen so klar zu Tage getreten find, daß der überwachende Beamte die Versammlung auf Grund des genannten Gesetzespara- dre Versammlung auf Grund des genannten Ge>etzeSpara- graphen aufzulösen verpflichtet war. Ihre Beschwerde weise ich daher als unbegründet zunick. Der Polizeipräsident. Eine ösfeutliche Uersammlung der Stockarbeiter ertins fand am 10. Juli in Deigmüllers Saal, Alte Jakob- ftraße 48», unter dem Vorsitz des Kollegen Hildebrandt statt mit der Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Berliner Stock- arbeiter zur Lohnbewegung in diesem Jahre? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zunächst schilderte Kollege Hildebrandt die traurige Lage der Stockarbeiter. Er legte klar, welche Ursachen diese miserablen Löhne bedingen und führte sehr treffend aus, welche Mittel und Wege eingeschlagen werden müssen, und bessere Verhältnisse zu schaffen. Er ersuchte die Vnfc lung, sich zunächst über Punkt 1 der Tagesordnung& sprechen. Da sich niemand zum Wort meldete, wurde sammlung auf 10 Minuten vertagt, damit die Kollegen pri» ihre Meinung erst noch austauschen. Nach WiedererW der Versammlung wurde zu Punkt 2 der Tagesordnung- _____ lusführungen— wurde folgende Resolution einstimmig angenommen 3%** heutige Versammlung der Stockarbeiter Berlins erklärt w•Cr*"* den Ausführungen des Referenten voll nnd ganz einverß» und ersucht die bestehende Kommission, hin und wiedn öffentliche Versammlung einzuberufen, um die W' schuft immer mehr und mehr heranzuziehen, damit,' wir in einen Lohnkampf eintreten wollen, wir und ganz organisirt sind. Deshalb wünscht die heutig*, unö ganz organlfirt flno. Teshalb wünscht die heutig« sammlung, vorläufig noch Abstand zu nehmen von einer* bewegung und zunächst die Organisation zu stäckch Hierauf wird bekannt g ein acht, daß die Ortskrankenkl' Drechsler in nächster Zeit ein Vergnügeir abhält in Hofjäger, Hasenhaide, und wurde den Kollegen em dasselbe nicht zu besuchen, da der Besitzer sein Lokal Arbeiterversammlungeii hergiebt. Theater. Sonnabend, den 13. Juli. Theater. Die Jüdin. Friedrich- Mithelmstädtisches Theater. Der Bettelstudent. Uilrtaria- Theater. Die Kinder des Kapitän Graut. SeveaMance-Theater. Gefährliche Mädchen. Gstead-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Passage 1 Tr. 9 M.- 10 A. Kaiser-Panorama. Diese Woche: Eine höchstinteressanle Reise durch Norwegen. Seepartien; preisgekrönte astronom. Aufnahmen Hie«! paris� Weltausstellung 1889. Meise Kr. Wlas. Kchiss Hertha. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. Unserm Freund Buchholz zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch,' daß der ganze Wörther Platz wackelt. 196 O.-- C. W. F. Unserem lieben Freunde 689 Mileken Gelblich ein donnerndes Hoch, daß die Birkenstraße wackelt. Seine Freunde. I. A.; Bräsicke, Die selbst stän die Stab teien in nur mit letztere h hcrangezc H. Stramm, 123 Ritterstrasse 123, verbunden mit Fremdenlogis. Emvfehle meinen allbekannten vorzüglichen Frühstück-, Mittag» und Abendtisch. Sonstige Speisen und Ge- tränke in bekannter Güte. Zwei Zimmer, passend zu Zahlstelleu und Arbeitsnachweis, stehen zur Verfügung. [1449 Am KSnigsthor. TöM: Theater and und Victoria, Miß Blanche, Geschw. Mohr- mann, Geschw. Macon, Speci zc. Atrce 30 Pf. w?Än|!tn Im neuerbauteu Saale Ball. 4. Kriegsfeuemerk. Zum Schluß: GrMrmnng der Duppelkr Schanze«. Unter Mitwirkung von 160 Personen. m Bitte genau auf Firma u. Hau.nnmr er an achten. Ja BSE P, BERLIN N. Gesundbruniun, Badstr. 18 Haltestelle der Pferdebahn. 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Grosse General-Versammlung am Sonntag, den 14. Juli er.. Vorm. 10 Uhr, im„Kömgstadt-Kasino", Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegirten vom diesjährigen Handwerkstage zu Weimar und Beruht des Verbands-Ausschusses. 2. Wahl des Verbands-Ausschusses. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes in der Versammlung zu erscheinen; auch werden da- selbst Mitglieder aufgenommen. Ouittungsbuch legitimirt. 691 I. A.: Fr. Schreiber, Gneisenaustraße 82. Verein m Wahrung der Interessen der Ktelntrager und verw. Krrnfsgenossen Kerlin«. Sonntag, den 14. Juli, VonnittagS 11 Uhr, bei Scheffer, Jnselstr. 10, 2 Tr. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Wie gedenken wir ben monatlichen Beitrag zu erheben? 3. Innere Vereinsangelegenheiten und Ver- verwaltui Arbeiter Acußerste .scheidet ii beitecn d binnen 8 Rechtswe Vollstreck i_ Uebl hängig v welche in ziehungsi sitze des leuten) gi Ihre Au in Gewl von G Gewerbe Gewerbe schriften äußern. werbcaiu die Füh die Lehr! Lehrling und Fal mächtigt« Allen Freunden und Bekannten emps Beiß- inbKnirisch-BieB vrrbundr» mit reichhaltigem Früh? Mittags-«ad Abendtisch. Franz. 9 Hochachtungsvoll A. Erdmann, vormals W. Haugk, Weinstrasse P behörde erwähnte Nad Zirkular, vollmäch Fabriken stäiten h jährlich r auch auf und Lok vollführt .. Zufi gäbe es ftättcv- i der Wel anderen! ftaaten v Arbeiters Hauptsac an dem Vesserhandlung schiedeneS. OÜCfll Kollegen als Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 690 Der Vorstand/ Freie Vereinigung der Uergolder und Fachgrn. Geicrnl-ZZkrsnniniliili am Montag, den 15. d. Mts., Abends 8) Uhr, im Saale des Herrn Scheffer, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Neuwahl des 1. Vorsitzenden. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Bericht der Tarifkommission. 5. Verschiedenes. Gäste willkommen. 687 Der Vorst and. Sophaöezüge! Meste von 3t— 5 Meter Emil Lefivre Meter spottbillig. , Grauten ste. 158. Um meiner braven Konkurrenz hiermit nicht nachzustehen offerire Tchnhe i. Ctiefel. Größte Ausmahl tu deu billigsten preisen. C. Wolf, Adalbertstr. 80. Nur I Mark. Klageu,«iugabeu, K riefe. KMgejuche, Jurist. Rath tu alleu prozesssacheu. 627 Pollak, Alerauderstr. 89, II. platz Wa� Hödel. Sß'GgGl n. Polster* j Gr. Lager, bill. Emil Hey; . Brunnenstr. 28, HofJ Fabrik �beilx. nach UebereW 1 II(Ii eigene: sollen, m Bock zun Gemcind Bevollmi treibende zu einem noch höh fie werde Abhilfem Verwand Einzelne zugehen, weniger Freunde, Feinden an einer die kontr und eben Ausgabe vollsländ Vosaulentler- und ß#ltw fomic Wslhe eigener FB Ludw. Gerhard, sw.oroi�- Artikel für Herrenschneider, tRachdr Einen kräftigen, tüchtigen Messers*� 697 B. Brucklacher, OranienA Verlangt"## ein Schleifer, der gut körnen kann F. 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Arb-tt-u-chZ/ oattler und Fachgeno�l» Der unentgeltliche Vereins der Sattler und FachgenollljF sich Dresdenerstr. 116, Mendt'jjy Rin Mal Der kein Dick Laboriert stein und Briefcher „lprischei pr obiaei 'hm plö Manuskr ohne sich und bla Prinzip« hinterlisti in die B wühlte r>or ihm ladung t Her zw'schen Sekunde! ängstlich, scheitet f gedanken „sie" ge, Dokayer zeutischer haben S der mit Frühling sich's sag bracht. Verantwortlicher Redakteur: R- Grönheim tu Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2. m dieÄrs« dnung-k ourbc dl! jcbnung« llb eine d tt beigev muten: I erklärt M einverstü i wiedel ite Ke»! damit,• a, wir : heutig!. in einer! starken Beilage zum Berliner Bolksblatt. Mr. 161. Konnaveltd, den 13. Juli 1889. 6. Jahrg. äft, Id. 1,50« , 2,40' , 4�0 , 3," , 4�0 rmbä»*' Alf««» Ihr mitr raße � oisterw bin. M He»« 28, Hof Ueberi MM t FB W.Oroiw tciber. -sserschlA Dtnute# mn uisen-10 Mues ofort rhagrn' .traf*? »»-? ; a nS" v'K mV s«n Hit WortUt liMälnfptlittoii in den Jahren 1887—1888. (Fortsetzung.) Die Errichtung von? Hilfskassen beschließen die Gehilfen �elbststänbig, jedoch stellen die Mitglieder des Schiedsgerichts die Statuten fertig! auch ist die Verwaltung aus beiden Par- teien in gleicher Kopfzahl zu wählen obgleich die Unternehmer nur mit einem Drittel des Beitrags der Gehilfen, welcher für letztere höchstens 3 Prozent ihres Wachenlohnes betragen darf, herangezogen werden können. Vorsitzender der Kassen- werivaltung ist der Präses der Gewerbe-Korporation. Die Arbeiter sind also in ihrem Selbstbestimmungsrecht auf das Aeußerfte beschränkt. Wo keine Schiedsgerichte bestehen, ent- ffcheidet in allen Streitigkeiten zwischen Unternehmern und Ar- beitecn die Gewerbehörde erster Instanz, gegen deren Beschlüsse binnen 8 Tagen nach erfolgter Kundmachung der ordentliche Rechtsweg beschritten werden kann. Doch wird auch hier die Vollstreckung des Beschlusses dadurch nicht aufgeschoben. Ueber oen Gewerbe- Korporationen und vollständig unab- hängig von ihnen giebt es„gewerbebehördliche Bevollmächtigte", avelche in dem Gebiete der Geiverbebehörde erster Instanz, be- ziehungsweise zur Seite des Stuhlrichters, von den am Amts- sitze des Stuhlrichters wohnenden Gewerbetreibenden(Kauf- leuten) gewählt werden. Für die Wählbarkeit besteht ein Zensus. Ihre Aufgabe besteht darin, bei dem Erlab von Vorschriften in Gewerbeangelegenheiten, bei der gevlanten Expropriation von Gewerbe- Etablissements, bei der. Errichtung von Gewerbe- Korporationen, Prüfung der Statuten von Gewerbe- Korporationen und bei dem Erlaß von Vor- schriften für Gehilfen und Lehrlinge ihre Meinung zu -äußern. Sie sollen ferner Gutachten abgeben in allen auf Ge- Werbeangelegenheiten Bezug habenden Fragen; auch sollen sie die Führung der behördlich angeordneten Register kontroliren, die Lehrlingsschulen besuchen und darüber Bericht erstatten, die Lehrlinge in den Werkstätten kontroliren und die Werkstätten und Fabriken besichtigen. Die 20 gewerbebehördlichen Bevollmächtigten, die nach oem Gesetz an die Seite jeder Gewerbe- iehörde erster Instanz gewählt werden sollen, vertheilen die erwähnten verschiedenen Funktionen unter sich. Aach einer vom 21. Februar 1885 erlassenen ministeriellen Zirkularverordnung sollen diejenigen gewerbebehördlichen Be- vollmächtigten, welche mit der Jnspizirung der Werkstätten und Fabriken betraut sind, die unter ihrer Aufsicht stehenden Werk- stälten halbjährlich mindestens einmal, und die Fabriken viertel- jährlich mindestens einmal besichtigen,undsoll sich die Besichtigung auch auf die Arbeiterwohnungen und auf alle jene Arbeitsräume und Lokalitäten beziehen, in welchen Arbeiten für die Fabrik vollführt werden. Zufolge dieser gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen gäbe es al>o in Ungarn eine so umfängliche und häufige Werk« stätter- und Fabrikuntersuchung, wie in keinem anderen Lande der Welt. Dagegen müßte sich die Fabrikinspektion aller anderen Länder verstecken. Der jüngste der europäischen Kultur- ftaaten wäre der erste in Bezug auf einen wichtigen Theil des Arbeiterschutzes. Nur schade, daß die schöne Einrichtung in der Hauptsache auf dem Papiere steht. In erster Linie leidet sie an dem äroßen Fehler, daß die Interessenten selbst über ihre eigene Werkstätten- und Fabrikeinrichtung zu Gericht sitzen sollen, man macht also, nach einem deutschen Sprichwort, den Bock zum Gärner. Die von den Gewerbetreibenden einer Gemeinde oder eines Bezirks gewählten gewerbebehördlichen Bevollmächtigten sind ohne Ausnahme selbst Gewerbe- treibende, sie sind auch unzweifelhaft, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, Sachverständige, aber sie sind in noch höherem Grade Interessenten, als Sachverständige, und ne werden sich als solche hüten, Mängel zu denunziren oder Abhilfemittel vorzuschlagen, die nicht selten sie selbst oder ihre Verwandten und Freunde angehen. In der Regel hat der Einzelne keine Lust, mit Verbesserungen und Aendeningen vor- zugehen, die ihm Kosten und Nachtheile verursachen, noch viel weniger aber hat er wohl Neigung, sich seine Nachkam, Freunde, Verwandten, Geschäftsgenossen zu Gegnem und Feinden zu machen. Auch fehlt eS in Ungarn noch gänzlich an einer geistig aufgeweckten, intelligenten Arbeiterklasse, welche die kontrolirenoen Organe zwänge, ihre Schuldigkeit zu thun, und ebenso fehlt es ganzlich an einer Presse, welche sich dieser Ausgabe unterzöge. So beherrscht also das Klasseninteresse vollständig die kontrolirmden Organe. Ein zweiter großer (Nachdruck»erböte«.) In der Apotheke. Humoreske von Georg Hoffmann. Rings umduftet von der Coavallaria majalis Mag sie's ahnen, daß es Frühling auf ein Mal ist. Apothekergehilfe Karl Emmanuel Kuhlmann war iein Dichter. Nichtsdestoweniger hatte er heute, hinter dem Laboriertrsche der Johannes Sahlmann'schen Offizin Wein- stein und Natron abwägend und in kleine weiße und rothe Briefchen verpackend, den Stecken-Pegasus bestiegen und seine „lyrischen Frühlingsgedanken beim Botanisiren" bereits bis zu obigen Schlußversen der ersten Strophe abdestillirt, als ihm plötzlich das zwischen seinen Fingern freudezitternde Manuskript durch eine Hand entrissen wurde, die er, auch ohne sich umzuschauen, an dem zwanzigkarätigen Goldring und blaßgrünen Chrysoberyll als diejenige seines Herrn Prinzipals erkannte. Kuhlmann verzichtete also darauf, dem hinterlistigen Räuber die Stirne zu bieten, die überdies bis in die Wurzeln der semmelblonden Haare hinein erglühte, wühlte mit dem nervös ziiternden Hornlöffelchen in dem xw ihm fich thürm enden Natronberge nnd harrte der Ent- ladung des hinterrücks drohenden Gewitters. Herr Johannes Sahlmann, das glattrasierte Kinn Mischen Daumen und Zeigefinger gekniffen, starrte zehn ? ri?iett'an8 auf das Manuskript, dann, mit einem halb ängstliche,� halb malitiösen Blick auf den tadellosen Nacken- poetischen Gehilfen, brach er los:„Frühlings- gedanken;— Gereimte Frühlingsgedanken, und das an eine „sie genchtet? Herr! Sind Sie bei meinem Medizinal- Tora per gewesen? Frühlingsgedanken in einem phamra- zeitlichen Laboratorium?— Sagen Sie doch, Herr Provisor, haben Sie schon einmal erlebt, daß ein Apothekergehilfe, 5?.,? c«Anfertigung von Brausepulvern betraut ist, Fnthlmgsgedanken fabrizirt? Nein? Nun, so lassen Sie stch s sagen, dieser Jüngling hier hat das Stück fertig ge- bracht. Aber, Herr! ich will nicht hoffen, daß Sie Ihre Fehler dieser Institution ist, daß sie ein bloßes Ehrenamt ist und den Gewählten, wenn sie halb- wegö gewissenhaft ihre Aufgabe erfüllen wollten, Opfer an Zeit zumuthet, die sie nicht oder nur in den allerseltensten Fällen bringen können. Man kommt fast auf die Vermuthung, es sei der ungarischen Regierung und den bezüglichen gesetzgebenden Körperschaften nur um eine Art ge- fetzgeberischen Schaugerichts zu thun gewesen, denn sie können doch unmöglich sich über die Leistungs- und Opferfähigkeit der zur Mitwirkung in Aussicht genommenen Bevölkerungskreise getäuscht haben. Die Verordnungen des Ministers für Ackerbau, Ge- werbe und Handel machen allerdings den Eindruck, daß er an die volle Durchführbarkeit der gesetzlichen Bestimmungen glaubte, er mag mittlerweile sehr eines anderen belehrt worden sein. Wie es mit der Ausführung der Vorschriften tn Bezug auf die Arbeitsbücher, die Arbeitsordnungen, die Arbeiterverzeich- nisse, die Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter und Kinder steht, darüber haben ihn bezüglich der Fabriken die Berichte der Fabrikinspektoren gründlich aufgeklärt. Es liegen aber sehr viel Gründe vor, anzunehmen, daß die Mängel der Zustände in den Fabriken durch die mangelhaften Zustände im Handwerk weit übertroffen werden. Das ist ja auch anderwärts der Fall. Die Fabrikinspektion in Ungarn datirt vom Jahre 1887 und liegen bis jetzt die Berichte über die Jahre 1887 und 1888 vor. In Bezug auf das Jahr 1888 ist also Ungarn mit seinen Jnspektorenberichten zuerst auf dem Plan. Die Zahl der In- spektoren beträgt vier, worunter einer die Oberaufsicht führt und, ähnlich wie in Oesterreich, den Spezialberichten einen General- bericht voraussendet. Aus dem Generalbericht für das Jahr 1887 entnehmen wir, daß die für die Fabrikinspektion ausge- worfenen Summen nur sehr geringe waren,„weil", wie der Berichterstatter in zustimmender Resignation meldet,„größere Summen innerhalb des Staats-Voranschlages nicht zur Ver- fügung standen und die Systematisirung neuer Organe unter den heutigen Verhältnissen des Staatshaushalts sich kaum rechtfertigen ließen". Es geht also Ungarn genau wie andern Staaten, die für alle möglichen Zwecke Dutzende und Hunderte von Millionen zur Verfügung haben, aber knapp an Mitteln sind, wenn es sich um wirklich nützliche Aus- gaben zum Wohle der arbeitenden Klasse handelt. Zunächst galt es nun, da das Gesetz keine Definition des Begriffs„Fabrik" enthält, festzustellen, welche Betriebe als Fabriken betrachtet und der Inspektion unterworfen werden sollten. Als solche kam man überein zu betrachten alle mit Elementarkraft(Dampf-, Wasser-, Gas- und kalorischer Kraft) arbeitenden Betriebe, ferner solche Unternehmungen, welche zwar in der Regel ohne Motor betrieben werden, bei welchen ledoch, wie bei Glas-, Chemikalien- und Zündwaarensabriken, aus der Natur des Betriebs Gefahren für die Arbeiter ent- stehen, endlich solche Betriebe, bei welchen sowohl die größere Zahl der Arbeiter, als die Ausdehnung des Betriebs fach- männische Beaufsichtigung wünschenswerth erscheinen ließen. Wie wenig die gewerbebehördlichen Bevollmächtigten ihrer Aufgabe entsprachen, mag dadurch bewiesen werden, daß z. B. im Handels- und Gewerbekammerbezirk Budapest noch 1887 40 Prozent der Fabriken keine Arbeitsordnung enthielten, 1888 im Temesoarer Bezirk ungefähr 2600 Arbeiter von 9500 keine Arbeitsbücher besaßen, die das Gesetz für alle erwachsenen Arbeiter vorschreibt, in einem dritten Bezirk in 60 von 67 Fabriken die Arbeiterlisten fehlten. In ähnlichem Verhältniß wurden in sämmtlichen 14 Handels- und Gewerbekammerbezirken des Landes, mit Ausnahme von Kroatien und Slavonien, woselbst eine Unter- suchung der Betriebe noch nicht stattfand, Mängel und Ueber- tretungen in Bezug auf die gesetzlichen Vorschriften und An- Ordnungen des Gewerbegesetzes und der ministeriellen Verord- nungen angetroffen. Insbesondere galt dies auch von den Ge- setzesbestimmungen über die Tages- wie die Nachtarbeit der lugendlichen Arbeiter und Kinder, die am häufigsten in den GlaS- und Zündwaarensabriken verletzt wurden. So waren beispielsweise im Preßburger Bezirk nicht weniger als 184 jugendliche Arbeiter die ganze Nacht, ohne be- hördliche Genehmigung, die höchstens nur auf die halbe Nacht ertheilt werden darf, beschäftigt. Außer- dem fand der inspizirende Beamte, daß 21 Kinder unter zwölf Jahren und 31 zwischen zwölf und vierzehn Jahren ebenfalls zur Nachtarbeit herangezogen wurden. Die Unternehmer ent- chuldigten sich in fast allen Fällen mit der Unkenntniß oder aschen Auffassung des Gesetzes, oder sie wiesen, wie in den „Sie" auf Kosten meiner Brausepulver angesungen haben, sonst..." Sahlmann schöpfte einen Moment Athem, dann lachte er höhnisch auf:„Also beim Botanisiren!— Köstlich, Herr Kuhlmann! Gehen Sie doch, holen Sie mir einmal Ihre Trommel! Ich bin doch neugierig, was Sie außer Ihren Frühlingsaedanken an ofsizinellen Pflanzen heimgebracht haben. Gott sei Dank, Herr Provisor, daß Sie dem Manne heute nicht die Bereitung der Morphiumpulver an- vertraut haben, er hätte sich und uns alle zu Giftmischern gemacht!" Ueber das beste Gewissen schien Kuhlmann in diesem Augenblick gerade nicht zu verfügen. Langsam folgte er dem Befehl seines Prinzipals und kehrte, die riesige Bota- nisirtrommel unter dem Arm, zurück. Schweigend reichte er sie dem Gestrengen, der hastig die Klappe öffnete und den ganzen Inhalt auf den Nebentisch ausschüttete. Ein lieb- licher Duft entströmte dem Pflanzenhaufen. Aber leider! Apothekernasen sind gegen Düfte jeglicher Art unempfindlich. Herr Johannes Sahlmann starrte daher den Pflanzenhaufen eine Weile an. „Maiblumen? Herr Kuhlmann.— Nichts wie Maiblumen?" „Convallarii, Herr Sahlmann", bestätigte der Ange- redete, schüchtern zu seinem Prinzipal aufblickend,„von- vallana majalis, Livnö". „Wie der botanische Name der Pflanze heißt, weiß ich, Herr Kuhlmann! Darüber bedarf ich keiner Belehrung von Ihnen. Aber was die ofsizinellen Eigenschaften anbelangt, so möchte ich doch wissen... Wollen Sie etwa Schnupf- tabak fabriziren, Herr Kuhlmann?" Aber Karl Emmanuel war in seinem Fache keineswegs unbewandert. „Nein, Herr Sahlmann!" antwortete er beleidigt,„aber die Pflanze enthält Convallarin und Convallamarin, die Wurzeln sind gegen Epilepsie..." „Ein vollständig obsoletes Mittel, Herr Kuhlmann! Wollen Sie vielleicht Ihre Urgroßmutter kuriren? he? Glasfabriken, auf die Konkurrenz der böhmischen Fabriken hin, in denen ähnliche Zustände bestehen sollen. Die meisten Kinder und Frauen wurden in den Druckereien, der Glas- und Thon- waarenindustrie und der Tabakfabrikation verwendet, wohin- gegen die Tertilindustrie, welche bekanntlich anderwärts am meisten die Arbeit der Frauen und Kinder in Anspruch nimmt, in Ungarn noch wenig entwickelt ist. Eine Ausnahme hiervon machen einzelne Theile Siebenbürgens, von woher gemeldet wird, daß in den Kronstädter, Schaßburger und Hermann- städterWebereien viele rumänische und szäkler Mädchen als Dienst- boten gegen volle Verpflegung und einen Jahreslohn von 10 bis 50 fl. in Arbeit stehen. Im Fiumner Bezirk ist die Zahl der weib- lichen Arbeiter größer als der männlichen, 61 Prozent gegen 39. Sie werden besonders in den Tabak-, Äeisschäl- und Stärke- fabriken angewandt. Da das Gesetz für die Frauen keine be- sonderen Schutzmaßregeln vorschreibt, so haben die Inspektoren auch keine„im Gesetz begründete Einwendung" zu erheben ge- habt, daß aber die Zustände an sich zum Erlaß solcher Schutz- maßregeln auffordern, davon erwähnen sie nichts. Die ungarischen Fabrikinspektoren finden überhaupt gar manches in der Ordnung oder nicht des Tadels werth, was anderwärts zu erheblichen Einwendungen Veranlassung gäbe. Der ganze Kulturzustand des Landes läßt vieles als natürlich erscheinen, was anderwärts bedeutenden Anstoß erregte. So z. B. der Zustand eines großen Theils der von den Unterneh- menr gewährten Arbeiterwohnungen. Sämmtliche Inspektoren be- richten ausführlich über die Ärbeiterwohnungen, welche die Unter- nehmer hier und da den Arbeitern zur Verfügung stellen. Diese Wohnungen bestehen in der Ueberzahl der Fälle in einer ein- zigen Stube und Küche, welch' letztere obendrein nicht selten von zwei Familien benützt wird. Die einzige Stube dient also der ganzen Familie, wie zahlreich dieselbe sein mag, als Wohn- und Schlafraum, hier ißt, trinkt, schläft, zeugt, gebiert und stirbt das Proletariat in ein und demselben Raum, und keiner der Inspektoren nimmt auch nur de» geringsten Anstoß daran. Wo eine Familie neben der Stube die Küche für sich hat, lebt sie, nicht selten 6—8 Köpfe stark, in der Küche und vermiethet die Stube an Aftermiether. Ein noch ganz anderes Bild ent- rollt der Inspektor über die Arbeiterwohnungen in den Haupt- städtischen Ziegeleien; dort herrschen Zustände, die wir nach unseren Begriffen ungeheuerlich und abscheulich finden; der Be- richterstatter znckt darüber nicht mit der Wimper, er findet sie ganz in der Ordnung. Hören wir: m„Die Arbeiter mit Familie sind in Zimmern, die Ledigen(während des Sommers) in Schuppen untergebracht. Im Ganzen sind 120 größere Zimmer, und in jedem einzelnen pflegen 3—4 Familien untergebracht zu sein. Bisher hat man bei Vertheilung der Wohnungen die Zahl der Familienmitglieder nicht in Betracht genommen und so kam es, daß manche Zimmer sehr überfüllt waren; dem größten Theil kann aber dieser Vorwurf nicht gemacht werden und die Wohnungen werden auch rein ge- halten." Der Fabrikinspektor nimmt also diesen neueren Zustand als einen solchen, gegen den weder vom gesundheitlichen, noch vom moralischen Standpunkt aus etwas eingewandt werden kann, in Schutz; er findet ihn wenigstens in der Ordnung; er hat nichts dagegen einzuwenden,wenn 3— 4 Familien/die doch aller mindestens 10—12 Köpfe repräsentiren, in einem einzigen Zimmer zusammen wohnen und dort die verschiedensten menschlichen Verrichtungen vollziehen. Da kann man auch sagen: ländlich, sittlich! lind dabei sind die Wohnungen keineswegs billig; für Zimmer und Küche zahlt der Arbeiter wöchentlich 1 fl. bis Ifl. 50 kr., selbst bis zu 2 fl. Viele Fabriken(Glashütten, Eisenwerke, Sagewerke-e.) liegen so isolirt und ent- fernt von menschlichen Wohnungen, daß die Unternehmer den Bau von Arbeiterwohnungen übernehmen müssen, um ihren Arbeitern Wohnung und Unterkunft zu ermöglichen. Hier verbindet dann nicht selten der Unternehmer neben der Rolle des Wohnungsvermiethers auch diejenige des Kaufmanns und Restaurateurs. Man kann sich darnach vorstellen, in welch' abhängiger Lage sich dessen Arbeiter befinden. Das Trucksystem steht vielfach in schönster Blülhe, obgleich es gesetzlich verboten ist. Mit dem Rechtsuchen Hapert'S auch, wenigstens auf dem Lande, wo der Fabrikant der Herr ist nnd der Stuhlrichter seine eigeirthümlich patriarchalischen Rechtsanschauungen besitzt, wonach sich die Stellung eines Fabrikarbeiters von der eines Hörigen nicht wesentlich unterscheidet. Ueber die idyllischen Zustande in der Verwaltung berichtet der Inspektor aus dem Temesoarer Bezirk einen hübschen Fall. Ein Fabrikant sendet Gehen Sie zum Teufel mit Ihrer Epilepsie sammt Ihren Maiblumen! Ein Apotheker hat auf offizinelle Pflanzen zu botanisiren und nicht aus Maiblumen und Frühlingsgedanken, verstehen Sie mich?" „Aber, Herr Sahlmann, außerdem..." „Nichts von außerdem! ich habe genug von ihren Kenntnissen," brauste der Prinzipal auf, mit der Hand zwischen den armen Maiglöckchen wühlend. Aber Kuhlmann hätte trotzdem wohl nicht geschwiegen, hätte der Chef nicht aus dem Berge loser Pflanzen einen Gegenstand hervorge- zogen, der ihm das Blut von Neuem bis unter die Haar- wurzeln trieb, seinen Mund verstummen, die Augenlider sinken ließ. Es war ein sauber gebundenes Bouquetchen der verhängnißvollen Blumengattung, mit rothseidenem Bande umwunden. „Ist rothe Seide etwa auch offizinell, Herr Kuhlmann," fragte Sahlmann spöttisch,„ooer hatten Sie diese, aller- dings vorzüglichen Exemplare der Pflanze für sich oder gar für Ihre„sie" reservirt? Das wäre allerdings gegen meine Offizin gerade nicht nett gehandelt; dem Geschäft sollten Sie stets nur das Beste gönnen, Herr Kuhlmann, verstehen Sie? Und nun will ich Ihnen etwas sagen, tragen Sie Ihre Maiblumen auf den Kehrricht, oder wohin Sie sonst wollen; heute Nachmittag aber gehen Sie gefälligst nochmals hinaus zum Botanisiren, und ich rothe Ihnen, diesmal Ihre Frühlingsgedanken zu Hause zu lassen und nur die Offizi- nalität der zu suchenden Pflanzen im Auge zu behalten. Zum zweiten Male könnte ich ernstlichere Maßregeln er- greifen, Herr Kuhlmann! Es ist eine Schande für einen jungen Mann wie Sie, sich von wer weiß welchem koketten Frauenzimmer den Kopf verdrehen zu lassen. So! und nun machen Sie Ihre Pulver fertig." Hätte Herr Johannes Sahlmann gewußt, wer dieses „kokette Frauenzimmer" war, er hätte sich wohl etwas zarter ausgedrückt. Denn das Mädchen, mit welchem Karl Emmanuel am Nachmittage, gleich nach dem Essen in der um diese Tageszeit vereinsamten Ulmenallee vor der Stadt zu- fällig zusammentraf, war niemand anders als Lili Saht- an den Stuhlrichter eine Arbeitsordnung, um ihr die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung ertheilen zu lassen. Der Stuhl- richter sandte sie aber an die Gewerbehörde zweiter Instanz, von wo sie nach zwei Jahren noch nicht zurückgelangt war. Derselbe Inspektor fand auch, daß bei 182 Lehrlingen in den Fabriken nur mit 35 vorschriftsmäßige schriftliche Üehrverträge abgeschlossen waren. Die im Lande vorhandenen Fabriken und revisionspflichti- flen Betriebe ausfindig zu machen, kostete die Inspektoren nicht geringe Mühe. Dieselben mußten erst aus den Registern der Gewerbe- und Handelskammern zusammengestellt werden, und darstellte sich denn bei Aufsuchung der Betriebe nicht selten -heraus, daß ein solcher schon einige Jahre geschlossen war oder aufgehört hatte, während wieder andere gefunden wurden, die gar nicht in den Verzeichnissen standen. Mit Ausnahme der revisionspflichtigen Betriebe in Slavonien und Kroatien und «inzelner zerstreut liegender Mühlen, die aufzusuchen zu viel Zeit und Kosten beanspruchte, sind innerhalb der Jahre 1887 und 1888 sämmtliche Betriebe einmal revidirt worden. Nicht revidirt wurden die landwirthschaftlichen Spiritusfabriken. Das in der Volks- Vertretung überwiegend vertretene Magnatenthum und agra- rische Interesse hat Sorge getragen, daß diese landwirthschaft- liehen Fabrikbetriebe von der Inspektion ausgeschlossen wurden. Im Ganzen sind in den zwei Jahren 938 Betriebe, die ins- gesammt 89 958 Arbeiter beschäftigten, revidirt worden. Von den Arbeitern waren 72 311 eigentliche Fabrikarbeiter— ein solcher ist nach ungarischem Begriff derjenige, der an einer Maschine thätig ist—, 2646 Lehrlinge und 15 001 Tagelöhner. Dem Geschlechte nach gab es 74,4 pCt. männliche und 25,6 Prozent weibliche Arbeiter. Die Zahl der jugendlichen Arbeiter betrug 8776 oder 9,7 pCt. der Gesammtzahl der Arbeiter. Davon waren 171 unter 12 Jahren oder 1,75 pCt. 2069 von 12 bis 14 Jahren oder 23,5, 6536„ 14„ 16„„ 74,55, Verhältnißmäßig am meisten jugendliche Arbeiter beschäf- tigten die Tabakfabrikation, nämlich 1784, die Eisen- und Metallindustrie 1414 und die Textilindustrie 923. Neben den schon gerügten Uebelständen ergab die Jnspek- tion der Betriebe einen meist sehr mangelhaften Zustand der Sicherheitsvorrichtungen. So fehlten fast allgemein die Leer- scheiden an den Transmissionen zum Auflegen der Trans- missionsriemen, den Zahnrädern fehlte die Umhüllung, die Kreissägen entbehrten fast überall der einfachsten Schutzvorrich- tungen, die Treppen waren vielfach schlecht, öfter ohne Ge- länoer, hier und da die Stufen verfault. Die Aufzüge, ob- gleich häufig ohne Bremsvorrichtung, wurden auch für die Personenbeförderung verwandt. Das autoritative Eingreifen des zuständigen Ministeriums, das im Jahre 1887, gestützt auf vorliegende Beschwerden, 70, im Jahre 1888 aber 258 Verfügungen an die Behörden erließ, wird dazu beitragen, einen nicht unerheblichen Theil der vorhandenen Uebel- stände allmälig zu beseitigen Ueberhaupt ist das energische Eingreifen des Ministeriums nothwendig, um dem unendlichen Schlendrian der unteren Behörden wenigstens einigermaßen ein Ende zu machen. Eine wesentliche Besserung der Zustände ist nur möglich, wenn auch die Arbeiter selbstbewußt zur Ver- besserung ihrer Lage eingreifen und das Vorgehen der Fabrik- infpektoren kräftig unterstützen. (Fortsetzung folgt.) UrrimleS. Uo« der Reise»ach pari« sendet«n« Milhelm Kiebk«echt folgende Angenblicksbilder: 8. 7. 89 Abends. Vor dem Eintritt ins„wilde" Land hatte ich ein zahmes Abenteuer. In Frankfurt, aus welcher erfreien Stadt ich ausgewiesen bin, wurde ich polizeilich ange- halten, weil ich der Polizei meine Ankunft, wie das in Leipzig verlangt wird, einfach angezeigt hatte und gekommen war, ohne die E r l a u b n i ß zur Durchfahrt erst abgewartet zu haben. Ich hatte ein Verhör zu bestehen, wobei es übrigens sehr höflich herging— und soll mich auf einen Prozeß wegen Bannbruch gefaßt machen. O diese„wilden" Franzosen, die so weit in der Kultur zurück sind, daß sie nicht einmal wissen, was ein kleiner Belagerungszustand mit obligaten Ausweisungen und anderen schönen Dingen ist!— In B i n g e n sah ich das N i e d e r w a l d d e n k m a l zum zweiten Mal. Das erstemal— vor 5� Jahren— war es mir schon etwas klein vorgekommen. Seitdem bin ich in Amerika gewesen und habe die Freiheit im Hafen von Aew-Pork gesehen. D i e ist allerdings viel, viel größer, und die Germania erscheint mir noch weit kleiner, als das erste Mal. Sie ist entschieden zu klein für ihre hohe Stellung,— also der Situation nicht gewachsen, was ja nichts Seltenes ist. In einer minder erhabenen Stellung würde sie sich weniger klein ausnehmen. Einige Stunden später. Die Gräber beginnen. Wir treten in die Thäler und Hügel des Todes ein. Die Natur lacht, aber es ist mir, als erfüllte Leichengeruch die Luft. mann, des augenblicklich zu Mittag schlummernden Herrn Johannes Sahlmann leibhastige einzige Tochter, die, viel- leicht Kuhlmann ausgenommen, keiner mehr vergötterte und trotz ihrer sechsundzwanzig Jahre zärtlicher verhätschelte, als eben ihr Vater. Lili war ein gutes, leider aber kein über- mäßig kluges, und vor allen Drngen kein hübsches Mädchen. Letztere Mängel hatten neben dem Wunsche des alten Sahl- mann, einen Schwiegersohn zu erhalten, den er mit der Tochter zugleich eine Apotheke überlassen könnte, wohl be- wirkt, daß sich bis dahin noch kein Reflektant hatte finden wollen. Denn Sahlmanns Provisor war schon beweibt bei ihm angetreten, die Gehilfen aber, welche er während des letzten Jahrzehnts gehabt, hatten entweder im Examen die Konzession zum Betriebe einer eigenen Offizin nicht erhalten, oder sie waren begütert genug, um der weniger reizvollen Lili eine der sechs hübschen Töchter des gleichfalls wohl- habenden Doktors Harmsen vorzuziehen: fünf der letzteren hatten bereits ihren Gatten aus der Sahlmann'schen Apotheke bezogen. Mit Karl Emmanuel Kuhlmann stand es anders. Er hatte sein Staatsexamen mit der Eins bestanden, war auch, abgesehen von einigen närrischen Gewohnheiten, wie sie die Beschäftigung mit der Pharmazie leicht erzeugt, und von denen anch der alte Sahlmann keineswegs verschont ge- blieben war, ein durchaus umgänglicher Mensch, hatte jedoch keine Aussicht, je aus eigenen Mitteln eine Apotheke zu übernehmen. Was konnte ihm daher willkommener sein, als sich in Lili sterblich zu verlieben? Leider hinter dem Rücken ihres Vaters, der mit allen anderen Honorationen der Stadt glaubte, daß sein Gehilfe, der auf dem letzten Balle mit Doktor Harmsen's jüngster und letzter Tochter den Kotillon getanzt, auf derselben Fährte sei, wie alle seine Vorgänger. Gedachtem Verhältniß, welches den Alten gegen den sonst sehr brauchbaren Karl Emmanuel mit Grimm erfüllt hatte, sollte auch jene bissige Bemerkung über das„kokette Frauenzimmer" gelten. Kuhlmann seinerseits ahnte nicht, daß er mit seinem wirklichen Verhältniß den Wie viel Glück, wie viel Hoffnungen liegen da be- graben! Zum Glück lagern die Schatten der Nacht über die Stätten des Grausens. O wenn doch Alle, die den Krieg noch als Kulturthat preisen, die furchtbare Sprache verstehen könnten, die diese Steine und eisernen Kreuze reden!-- Pagny, Nachts(1 Uhr. Endlich im„wilden" Land. Das Gepäck wurde visitirt. Aber sehr zivil. Gar keine Schererei und nicht einmal grob. Es sind doch sonderbare Bursche von Wilden!— -- Weiter, weiter ins Land hinein. Die Eisenbahn- wagen unbequemer als unsere deutschen: man ist aber daran, sie zu verbessern, wie man mir sagt. —— Zum Glück kann ich mit Unterbrechungen schlafen, trotz der liebenswürdigen Gesellschaft, die ich gefunden. Wie im Traum sehe ich die Namen der Stationen,— Chalon sur Marne,— die KatalonischenFelder— Varennes, — wo das Schicksal den unglücklichen Ludwig XVI. ereilte—, welche Erinnerungen! Dort weiland die Hunnenfluth gebrochen, hier oaS Schicksal 6er alten Bourbonendynastie erfüllt.— Und nun nach Paris neben dem Marterweg her, den der gefangene Enkel des heiligen Ludwig vor 98 Jahren,„begleitet von seinem Volk", nehmen mußte. Die Erinnerungen häufen sich mehr und mehr. Fast kein Name einer Station, der nicht denkwürdige Ereignisse ins Ge- dächtniß zurückrief. Jeden Augenblick werden wir belehrt, daß wir auf geschichtlichem, auf weltgeschichtlichem Bo6en sind.—— D i e n st a g Morgen(9. Juli).— Wir sind jetzt ziemlich nahe Paris— es ist 9 Uhr Morgens. In 6em nämlichen Zug befinden sich noch ein paar Dutzend Deutsche, die meisten auf hundert Schritte als solche erkennbar. Ich selbst fahre in einem Koupee, in welchem außer mir bloß Fran- zosen sind, und war absichtlich bedacht, meine Nationalität nicht zu verbergen. Man war mir durchweg sieundlich, und unge- zwungen sreundlich. Und ebenso beobachtete ich auf den Auf- enthaltsstationen, welche Mühe sich die Franzosen mit etlichen, der französischen Sprache und Einrichtungen ganz unkundigen Landsleuten g rben, wie sie ihnen schlecht verstandene Zahlen mit den Fingern klar zu machen suchten und so fort. Und noch eine andere Bemerkung drängt sich mir auf. Die Einfachheit, mit der die Französinnen gekleidet sind. Viel weniger auffällige Frauentrachten als bei uns in Deutsch- land— das war mir schon früher aufgefallen. Paris, am Abend. Ich war in der A u s st e l l u n g. In Kürze nur den Haupteindruck: All' meine Envartungen sind weit übertroffen. Schön und großartig! Ich habe die beiden Londoner internationalen Ausstellungen mitgemacht, welche bisher jedenfalls die bedeutendsten waren— diese ist großartiger, reichhaltiger und unvergleichlich schöner. Und die Anordnung so übersichtlich, daß man sich sofort zurechtfinden kann. Auch sonst sehr praktisch. Für den inneren leib- l i ch e n Menschen z. B. ist vorlrefflich gesorgt. Und keine übertriebenen Preise. Wer sein Geld los werden will, hat allerdings die günstigste Gelegenheit. Wer aber nicht allzu viel„Arbeiteraroschen" in der Tasche hat, der kann auch gut und billig durchkommen. In der eigentlichen Stadt sind die Preise ganz unverändert. Ich aß mit Freunden im Palais Royal ausgezeichnet zu Mittag— es hieß freilich Dejeuner— und das kostet 2 Franks— ohne Trinkgeld— das heißt keinen Pfennig mehr als ich in Berlin hatte be- zahlen müssen— und dabei hatte ich umsonst, was ich sonst nirgends in der Welt haben könnte: vor meinen Augen den Platz, wo 1789 die Revolution ihr Hauptquartier halte, und wo u. a. C a in i l l e D e s m o u l i n s das Signal zum Kampfe gab, der den Fall der Bastille herbeiführte.— Auch in der Ausstellung selbst sind billige Restaurationen, — wer die Berliner 11 n f a l l- A u s st e l l u n g kennt, die nach dem Pariser Muster eingerichtet ist, wird sich in den Restaurationen der Pariser Ausstellung rasch heimisch fühlen— nur daß sie den internationalen Charakter an der Stirn tragen, was jedoch kein Nachtheil ist, sintemalen in solchen Dingen alle Völker einen guten Geschmack und obendrein wohlberechtigte Eigenthllmlichkeiten haben, die zu kennen und womöglich nach- zuahmen nur von Nutzen sein kann. Gleich der Unfall-Ausstellnng in Berlin ist die Pariser Weltausstellung der beste Aufenthalt am Abend— es soll feenhaft schön sein, und da der Eintritt blas 40 Centimes (32 Pfennig) kostet, auch ein äußerst billiger Aufenthalt! Und wohlgemerkt, für diese 40 Centimes sieht man alles, was wirklich groß und bedeutend ist in der Ausstellung. Ich will niemand daran hindern, die kostspieligen Extra'S zu betrachten— wer es unterläßt, hat aber nichts verloren.— Die mangelhafte Klebefähigkeit der Postwerthzeichen hat in letzterer Zeit wiederholt dem Publikum Anlaß zu Beschwerden gegeben und auch bei den Postbehörden sind Versuche gemacht, den als begründet anerkannten Klagen ab- zuhelfen. Ueber die Ursachen des Uebelstandes hat bisher etwas Bestimmtes nicht verlautet und es ist deshalb eine Mit- theilung nicht uninteressant, die von dem Kassirer eines größeren Kranken- und Sterbekassen-Jnstituts gemacht wird. Die be- treffende Kasse quittirt die sämmtlichen ihr gezahlten Beiträge durch Marken, welche sie herstellen läßt. Da etwa 80 000 Mitglieder der Kasse angehören, so ist der Markenverbrauch ein bedeutender und man kann sich von der Menge der von der Wünschen seines Prinzipals gar nicht so sehr widersprach, sonst hätte er sein Gedicht gewiß nicht vollendet, das er in rosa Kouvert nebst einem duftigen, von rother Seide um- wundenen Bouquet bei der letzten alten Ulme der Allee aus der Botanisirtrommel hervorzog und seiner geliebten Lili zum Abschied reichte, nicht ohne den ersten leisen Kuß auf die erschrockenen Lippen des Mädchens zu drücken. Während Karl Emmanuel auf einer unweit liegenden Wiese seine Botanisirtrommel mit L-eontockon taraxaeum füllte, kehrte Lili, von dem eben empfangenen Kusse träu- niend, in die Stadt zurück, um ihrem Vater, dem der Tod schon vor zwölf Jahren die Gattin geraubt, den Nachmittagskaffee zu bereiten. Es war drei Uhr, mithin noch dreiviertel Stunde, ehe Johannes Sahlmann ge- wohntermaßen von seinem Kanavee aufstand. Lili klingelte wie immer dem Mädchen, dem die Beforgniß des kochenden Wassers oblag, dann setzte sie sich und erbrach das rosa Kouvert. Das beseligte Lächeln einer zum ersten Male vom Geliebten angesungenen Jungfrau ward am Schluß der Lektüre zum lauten, herzlichen Lachen. Wie war dieser Karl Emmanuel doch so humoristisch. Da hieß es am Schluß: Es predigt ihr die ConTallaria nmjalis. Daß mir des Vaters Zorn sogar egal ist. Warum nur der Dichter so bescheidentlich in der dritten Form zu ihr gesprochen hatte? Er hatte sie ja doch soeben bereits gel... Aber wo blieb denn die Mine mit dem Kaffeewasser? Lili klingelte abermals, doch Mine erschien nicht. Aergerlich ging Lili hinaus und kehrte nach fünf Minuten mit Kessel und Kochtopf zurück, aber— klirr! klirr! lag beides am Fußboden, Lili selbst ohnmächtig im Fauteuil, denn am Tische, das Maiblumenbouquet in der einen, das Gedicht in der anderen Hand stand Herr Jo- Hannes Sahlmann, die Zornesader auf der blutrothen Stirne geschwollen. Einen Moment starrte er auf den zer- brochenen Kaffeetopf und den Kessel, dessen Inhalt sich fluthend über den Fußboden ergoß; aber ein Blick auf die Kasse verwendeten Marken eine Vorstellung machen, wenn> erfährt, daß die Kasse zum Bestreichen der Markenbogc« Klebeswff für den Betrag von 800 M. Gummiarabikn» kaufte. Als ein Viertel des gekauften Quantums oerfflß war, liefen von allen lokalen Verwaltungsstellen Kasse Klagen über die mangelhafte Klebfähigkeit neuen Marken ein. Es wurde von den Kasscnbee« nach der Ursache dieser Erscheinung geforscht und es blick die Annahme übrig, daß das Gummi in feiner Qualiw erheblich verschlechtert habe. Diese Annahme bestätigte NN der noch vorhandene Vorralh einer sachverständigen w suchung unterworfen wurde, welche ergab, daß das% arabikum mit anderen Stoffen vermischt war, welche keine» sähigkeit besaßen. Von den Händlern, welche das Gum»° liefert hatten, wurde die Sache damit erklärt, daß der» gegangen sei.. HZ von werwandt gaben nu jur Kirchi nur für I an Unters der höch! Kellten di sie betau| Thaler. schriften u Jahr in 53 Zahre zus Ausgabe säckel zur, den Erläi -ihn um d gegangenl lichen Ba meinen SO won 1000 der Star stellungssi mit den achtenswe Durch die dieser Waare plötzlich in die Höhe gegangen sei. welche für den alten Preis noch eine Waare unter bem%* Gummiarabikum weiter liefern, können dies nur, in de» dem reinen Produkt soviel fremde Bestandtheile ziffugeiw dadurch die Preisdifferenz ausgeglichen wird.— Venn« ist auf diese Thatsache auch die mangelhafte Klebsähiakeit Postmarken zurückzuführen und die verschiedenen Versuche dünnerem Papier für die Briefmarken und andere Erper«» welche von der Postverwaltung angestellt sind, dürsten en* lich lein, wenn man sich entschließt, einen höheren Prw gutes Gummiarabikum anzulegen. Trotz der tzervorragendrn SteUnng, welche Pferdebahnbetrieb leit mehr denn anderthalb Jahrzehnts Knechte d dem Gebiete des der Personenbeförderung gewidmeten* Einstelluu lichen Fuhrwesens in Berlin einnimmt, ist ein erheblicher s zahlte die gang in der Zahl und der Benutzung der sonstigen dein' lichen So blikum zur Verfügung stehenden öffentlichen PersönenfuhZ Die nicht eingetreten. Bei der Gesammtheit dieser Transport» der„Ber hat zwar die Zahl der Wagen und Pferde vom Jahre' bis 1885 abgenommen, seitdem aber ist sie wieder gewiss Was insbesondere die Droschken betrifft, so hat sich deren: stand im Ganzen seit dem Jahre 1881 nur wenig vern» Während bis zum Jahre 1878 eine Zunahme dieser Fuhss festzustellen war, ist von da ab eine geringe Abnah«» zum Jahre 1885 eingetreten, um alsdann wieder» mäßigen Anwachsen Platz zu machen. Innerhalb der Gesa» ziffer macht sich indessen eine nicht ganz bedeutungslose' Volkswitz schiebung geltend: die allmälige Vermehrung der% scheu Sei! I. Klasse und eine entsprechende Abnahme der Droschken's Poliklinik Die Anzahl der im Jahre 1881 vorhandenen Droschken f rn den S betrug 1651, der II. Klasse 2980 mit zusammen 7200 Pf» der Thorwagen 290 mit 500 Pferden, der Omnibusse 1% 1095 Pferden, insgesammt 5055 Wagen mit 8795 Pstss im Jahre 1885 betrug die Zahl der Droschken I. Klasse j der II. Klasse 2577 mit zusammen 6779 Pferden, der*} wagen 378 mit 569 Pferden, der Omnibusse 138 mit' Pferden, insgesammt 4950 Wagen und 8558 Pferde; im 3 1888 betrug Die Zahl der Droschken I. Kl. 2114, der IL§ 2581 mit zusammen 7132 Pferden, der Thorwagen 378 M»._ Pferden, der Omnibusse 217 mit 1812 Pferden, insgesaminl- Zweifel a snahme derjenigen Drosj kmnkung der zur Heilu lungsmetl arzt Char Sie befiel Schwebe, dehnender fältle aus! an diesen Volkswitz sammelt: Reihe noi Hängekon mit große Heilanstal Wort„au ist, verftel wird, daß worden Wagen mit 9531 Pferden. Mit Ausnahme derjenigen welche hiesigen Bahnhöfen Fuhren erhalten, ew Verkehrsmittel, als da sind: Pferdeeisenbahn, Omnibus j Stadtbahn, eine weniger häufige Benutzung der Droschke« beigeführt haben. Seit dem Jahre 1875, in welchem 6v> Droschken von den hiesigen Bahnhöfen aus zur Beförd» von Personen Verwendung fanden, hat diese Art der Benok stetig abgenommen: die Zahl der Droschken, welche auf ss Weise Fahrt erhielten, betrug 1881: 449 684, 1882: 4#j und 1885: 428 926; die Abnahme beträgt daher in dem 3! zehnt seit 1875 nahezu ein Drittel. Die Eröffnung der bahn im Februar 1883 scheint auf diesen Rückgang kam«' wesentlichem Einfluß gewesen zu sein, dagegen dürfte dieJJ dehnung des Pferdebahnnetzes und das Hereinziehen der 9% höse in die Maschen desselben erheblich mehr auf den fF derten Vorgang eingewirkt haben. Der Onnstzalt der Stadt Kerli« vor 70 Iatz»� in einer kleinen amtlichen echrift vom Jahre 1819 qeno«, schrieben, von der ein Eremplar auf der königlichen Biblss hier bewahrt wird. Die Schrift, nur 60 Oktavseiten staB betitelt:„Die Stadtverordneten zu Berlin an ihre Mllbss über die Verwaltung ihrer Kommunalangelegenheiten". I«! letzten Theile des Schriftchens ist der Budgetentwurf der®5 Berlin für die Jahre 1819—1822 mitgetheilt. Danach j sich die Summe aller städtischen Ausgaben für die drei ök zusammen auf 90 938 Thaler. Mehr als die Hälfte aller Humor ies Gin« von den heimkehre gewöhnlic setzt, und Möglichke der große formt, un 'Wagens Personen, baumeln, Innern d blick nicht er bereits Ka«. wurde gel sämmtlichl Schlafkoll nahmen e dem Jahr demokratis Korrespon P-U dem Umb mann Fei Höhe des Verletzung ww, uiSJ Uicck- schriften und Schreibmaterialien werden mit 1300 Thalern für das Jahr in Anschlag gebracht; für Brennmaterialien sollen für drei Jahre zusammen 4000 Thaler aufgewendet werden. Von dieser Ausgabe floh aber ein beträchtlicher Theil wieder in den Stadt- „ säckel zurück, weil die Behörden angewiesen waren, ihren Holz- f r ,'* bedarf an erster Stelle aus den Stadtforsten anzukaufen. Für Lj die städtischen Bauten und Bau-Rcparaturen wurden für die ™ Zeit von 1819 bis 1821 zusammen 5000 Thaler bestimmt; in den Erläuterungen zu diesem Posten wird bemerkt, daß man ihn um deswillen so hoch bemessen habe, weil in den vorauf- gegangenen Kriegsjahren wenia oder gar nichts für die öffent- lichen Bauten geschehen sei. Durch die Einführung der allge- meinen Wehrpflicht erwuchs der Stadt eine jährliche Ausgabe don 1000 Thalern. Sie wird zu einem Theile zur Anlegung der Stammrollen, Ausfertigung und Versendung der Ge- stellungsscheine verwandt, zum andern dazu, arme Rekruten mit den vorgeschriebenen Kleidungsstücken auszustatten. Be- achtenSwerth lst, wie der Rest dieser Summe verwendet wird. i, roeKF Durch die Einberufung zum Heere werden häufig Gesellen und ahrzehnt�- Knechte dienst- und brotlos, Wochen und Monate, ehe sie zur idmeten% Einstellung in das Militär gelangen. An solche junge Leute zahlte die Stadt in der Frist bis zur Einstellung einen wöchent- lichen Sold. Die„Hängekommisston". Seit Kurzem, so schreibt man der ,jBerl. Abendpost", wird in den Berliner Krankenhäusern zur Heilung der RückcnmarkSschwindsucht eine neue Behand- lungsmelhode geübt, die von dem berühmten Pariser Nerven- arzt Charcot angegeben ist und recht günstige Erfolge liefert. Sie besteht in der senkrechten Aufhängung der Kranken in einer Schwebe, so daß ihre Füße den Boden nicht berühren und ein dehnender Zug auf den ganzen Körper, insbesondere die Wirbel- säule ausgeübt wird. So ernst nun der Anlaß ist, der die meisten an diesen Apparat führt, so hat doch der unverwüstliche Berliner Volkswih sich bereits an ihm versucht und ihm seine humoristi- scheu Seilen abgewonnen. In der stark frequentirten Nerven- Poliklinik des Prof. M. war jüngst eine Anzahl Kranker, die in den Schwebeapparat„gehängt" wurden, um diesen ver- sammelt; in der Muße des Zusehens taufte einer, an den die 'Reihe noch nicht gekommen war, die versammelte Menge„die Hängekommission", welche Bezeichnung von den Umstehenden mit großem Gelächter aufgenommen wurde und nun in jener Heilanstalt zum geflügelten Wort geworden ist. Daß das Wort„aufhängen" selbst der Zielpunkt der verschiedensten Witze ist, versteht sich von selbst. Wenn man in Zukunft noch hören wird, daß jemand sich aufgehängt hat oder gar aufgehängt worden ist, so wird man die Nachricht wohl mit einigem Zweifel aufnehmen müssen. Des Rückenmark aber, dessen Er- krankung durch das Hängen geheilt werden soll, hat der Volks- Humor letzt„Hängemark" getauft. Einen sonderbaren Anblick gewähren allabendlich die von den Kirchhöfen an der Britzer Chaussee nach der Stadt heimkehrenden Leichenwagen. Der innere Raum derselben ist gewöhnlich mit den, Begleitungspersonal des Leichenzuges be- fetzt, und die einzelnen Personen haben es sich dort nach der Möglichkeit bequem gemacht. Die schwarzen Pferdedecken und der große Mantel des Kutschers werden zu Sitzpolstern ge- formt, und das kleine Gitter, welches die hintere Querseite des Wagens abschließt, wird entfernt. Hier sitzen gewöhnlich drei Personen, deren Beine hinter dem traurigen Wagen herab- baumeln, während mindestens die gleiche Zahl noch tiefer im Innen, des Wagens Platz genommen hat. Schön ist der An- blick nicht, aber für die Bewohner des Kottbufer Dammes hat er bereits, der Häufigkeit wegen, alles Ungewöhnliche verloren. Hauosuchnns- Bei dem Stellmacher Wilhelm Singert wurde gestern Nachmittag von U— 3 Uhr gehaussucht. Seine sämmtlichen Sachen, sow,e die Sachen seiner Wirthin und Schlafkollegen wurde» gründlich durchsucht. Die Beamten 2,n"ahmen eine Anzahl Exemplare des„Sozialdemokrat" aus ßfÜ'J dem Jahre 1884—85 sowie eine Sammlung älterer sozial- demokratischer Schriften mit, ebenso seine ganze Privat- Korrespondenz. polizribericht. Am 11. d. M. Morgens stürzte der auf dem Umbau des Hauses Leipzigerstraße 2 beschäftigte Zimmer- mann Fehlhaber beim Ausrichten eines Stützba kcns aus der Höhe des 1. Stocks hinab und erlitt anscheinend innerliche Verletzungen, so daß er nach der Charitee gebracht werden �versauen! mußte.— Vormittags wurde in dem Vorkeller der Brauerei braucht! 1,0,1 Oswald Berliner, Brunnenstraße 112, der Arbeiter Pohl Z ,00 IM mit gebrochenem Genick todt ausgefunden, nachdem derselbe sich :... ,al> kurz zuvor von den, Hofe mittel, t Fahrstuhls in den Keller be- wie eS, geben hatte. Pohl dürfie beim Hochgehen des Fahrstuhls mit dem alaa des T®'0pfe unter das Gewölbe neben dem Fahrstuhl, chacht gerathen sein üstralsbe� und auf diese Weise den Tod gefunden haben.- Zu derselben Summe i SCÜ stürzte der Heizer Brunkow zwischen Bude 4 und 5 der Gegen wälz HamburgerBahn von dem vonWittenberge kommcndenZuge, wurde ruf die S cheblicher< igen do*' sonenW lransW m Jahre ■der g, sich dl e?cr Fuh" Abnahm» wieder I der Gesl� tungsloK der W froschken Jrofcfitcn, 7200 W tibuffe 1� 8795 Psm l. Klaff«, en, der' 138 mit wde: im der& m 378 tfif sgesamMl igen DT halten, n jeder die Di T wohl! Omnibus Droschke«, clche», .r BefÄ der Bei llche auf .8820# in dem ng der fang kaM« ürfle die :hen der fuf den ZahH k0 chen eiten stall ihre Mitb« iten". 2% ourf der" Danach� die drei � fte aller morgen früh sind Sie mir aus Offizin und Haus! Ver- i,�i standen? Oder wenn Sie wollen, auch sofort! Mir um !"so lieber!" "in Man«!«w..®ann"modle er sich seiner Tochter zu, deren flehentliche > ApothÄ?-**, 0<5f seinem Zorn übersah. Kuhlmann nahm rurückuintf,.0uf und schlich langsam die Treppe hinab. äs »f.""b b»--'-m- [ fcfiütt«*- J10� iü ,n 61,1 oiten trostlosen Zustande war, und reichte iriefchens*lcm Doktor Harmsen ein Fläschchen:„für das gnädige Fräu- aurckauS«�'e,n S0" �errn Kuhlmann!" meldete sie. �| Der Doktor roch in die Flasche. Kuhlma«�. /Hm!� zwar ziemlich unschuldig, könnte aber probirt W an So« Sog«, b» -m der'hr d.e Stirn mit der Flüssigkeit und ließ sie einen hs ie me«�% derselben durch die Nase einziehen. Ein Athemzug folgte.„Gott sei Dank! Noch ein Mal, Herr Doktor! l>ar. rtronumst'L a- Doktor wiederholte das Experiment; die Kranke mhenb�och,���" -ituatio« hrieben- d. Er n«" � Pl*??? Johannes Sahlmann nahm erstaunt das_ lUttelte den Kopf und sah den Arzt fragend an. Abends, als Lili ganz wiederhergestellt war, hatte sie «ine längere Unterredung mit ihrem Vater unter vier Augen, zu welcher später Karl Emmanuel auch zugezogen „S## lumen! >men S>< »rl Ei lerfend Das Resultat war, Kuhlmann blieb in der Offizin. Er wtrd auch wohl immer darin bleiben.... überfahren und verstarb auf der Stelle.— Nachmittags wurde eine 81 Jahre alte Frau an der Ecke der Müller- und Triftstraße von einer Kutsche überfahren und blieb besinnungslos liegen. Sie scheint innere Verletzungen erlitten zu haben und ist nach der Charitee gebracht worden.— Um dieselbe Stunde stürzte der Dachdeckergeselle Krüger von dem an dem 4. Stock des tauses Saarbrllckerstr. 16 angebrachten Hängegerüste auf den of hinab und erlitt einen Bruch des linken Unterschenkels, sowie anscheinend innerliche Verletzungen. Er wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht.— Abends stürzte eine Frau von dem Dache des die Verbindung zwischen den, Vorderhause und dem Quergebäude bildenden Pferdestalls auf dem Grundstück Landsbergerplatz 1, als sie sich über dasselbe hinweg nach ihrer Wohnung begeben wollte, auf den Hof binab und erlitt dabei mehrere bedeutende Verletzungen, so baß sie nach dem iKrankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte. Gegen den unter dem Verdacht de» verstichten schweren Diebstahl» verhafteten Uhrmacher Ernst Julius Rüger stand am 9. d. M. Termin vor der 4. Strafkammer des könial. Landgerichts I an. Die Beschuldigung des ver- suchten schweren Diebstahls war bereits von der Anklagebehörde fallen gelassen, dagegen war er der Beihilfe zur Verbreitung verbotener Schriften und der Unterschlagung beschuldigt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung waren die Nummern 1, 3, 4, 7, 8, 9 und 11 des„Sozialdemokrat" gefunden, die er von ihm dem Nameu nach unbekannten Personen in verschiedenen Lokalen zur eigenen Belehrung gekauft hatte. Mit der Unter- schlagung hatte es folgende Bewandtniß: er hatte von einem Bekannten 2 Uhren zur Reparatur erhalten mit der Erlaubniß, eine der beiden, wenn sich eine Grlegenheit bieten sollte, zu verkaufen, ohne daß ihn, der Preis bestimmt wor. Er hatte nun, da er augenblicklich Geld zu Auslagen ge- brauchte, eine der Uhren versetzt, welche er am Tage seiner Verhaftung, eventuell am nächsten Tage einlösen wollte, auch überstieg der Reparaturpreis den entliehenen Betrag, und hatte er den Pfandschein in seinem Notizbuch. Der Staatsanwalt- hielt den Angeklagten beider Veraehen für überführt und be- antragte für die Beihilfe zur Verbreitung eine Strafe von 20 M. event. entsprechende Haft, für die Unterschlagung 1 Woche Gefängniß. Der Vertheidiaer, Rechtsanwalt Stadt- Hagen, hielt den Angeklagten beider Vergehen für nichtschuldig und plädirte für Freisprechung, im Falle der Gerichtshof aber zu einem Schuldig gelangen sollte, die Strafe durch die sechs- wöchentliche Untersuchungshaft für verbüßt jj,, erachten. Der Gerichtshof verkündete nach längerer Berathung das Urtheil, welches in beiden Fällen auf Freisprechung lau- tete, da es im 1. Falle nicht als erwiesen angesehen werden kann, daß der Angeklagte- die Absicht gehabt hat, den„Sozial- demokrat" weiter zu geben und so den gewerbsmäßigen Verbreiter in seiner straffälligen Thätigkeit zu unterstützen. Auch in dem zweiten Falle konnte ein Schuldig nicht ausge- sprachen werden, da dem Angeklagten durch die Erlaubniß des Verkaufs ohne Preisbestimmung ein großes Vertrauen geschenkt wurde, welches zu täuschen er nicht die Absicht gehabt haben kann, auch befand sich der Angeklagte in guter Arbeit, so daß ihm die Einlösung der Uhr jederzeit möglich gewesen wäre. Es mußte daher, wie geschehen, erkannt und die Kosten der Staats- lasse auferlegt werden. Der Drozest gegen den russtlchen Kammerdiener Carl Milst. prochnow wegen wiederholten ver- suchten Mordes seiner Ehefrau durch Beibring, mg von Gift fand gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts 1. unter grobem Andränge des Publikums statt. Den Vorsitz führt Landgerichtsrath Kannenberg, die Anklagebehörde vertritt Staatsanwalt Dr. Kindler, die Vertheidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Wronker. Es ist ein überaus trauriges Ehestandsdrama, welches durch die Verhandlung seinen Abschluß finden soll. Der Angeklagte ist ein Mann von 46 Jahren mit spärlichem, vollständig ergrautem Haupthaar und fahler Gesichtsfarbe. Er ist zu Kranzin, Kreis Arnswalde geboren, seit 14 Jahren mit seiner jetzigen Ehefrau ver- hcirathet und Vater eines 13jährigen Knabe», der heim Anblicke seines Erzeugers auf der Anklage- dank bitterlich weinte. Nach der Anklage hat Prochnow seiner Ehefrau, der allseitig das beste Zeugmß ausgestellt wird, zu zwei verschiedenen Malen, am 28. August und am 5. November v.J. Gift, und zwar Strychnin, beigebracht, wie angenommen wird, um ein junges Mädchen, zu den er in Be- ziehungen getreten war, nach dem Tode seiner Ehestau Heirathen zu können. Zur großen Enttäuschung des Publikums und be- sonders der stark vertretenen Damen(!), beantragte der Staatsanwalt wegen Gefährdung der guten Sitten Ausschluß der Oeffentlichkeit und der Gerichtshof gab diesem Antrage statt. Die Verhandlung verfiel übrigens nach dreistündiger Sitzung der Vertagung, da der ehemalige Dienstherr des Angeklagten, ein russischer Gesandschafts-Attachee, nicht erschienen war. Auf ein« eigentstümliche Meise ist der Apotheker Siegismund Schmidt zu einer Anklage wegen Ur- kundenfälschung gekommen, welche gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I wider ihn verhandelt wurde. Der Angeklagte hatte mit einer jungen Dame ein Liebesver- hältniß angeknüpft, das seinerseits aber nur als ein vorüber- gehendes angesehen wurde. Die Eitelkeit trieb ihn dazu, sich als Arzt auszugeben und zwar nannte er sich Dr. Haller. Im Laufe ihrer Bekanntschaft klagte die Dame über Schlaflosigkeit und bat ihn, ihr dagegen ein Mittel zu verschreiben. Der An- geklagte that dies, indem er ein Rezept, auf Bromkali-Lösung lautend,! ausstellte und mit dem Namen Dr. Haller unter- schrieb. Als die Dame später erfuhr, daß der Angeklagte sie in mehrfacher Beziehung hinters Licht geführt hatte und sogar vercheirathet war, rächte sie sich, indem sie die Rezeptfalschung zur Anzeige brachte. Der Angeklagte erklärte im Termine, er habe im eigenen Interesse des Mädchens gehandelt, dadurch, daß er ihm ein unschädliches Mittel und kein Morphium verschrieb, wie es wahrscheinlich ein Arzt gethan haben würde; bei der leichten Erregbarkeit'seiner Bekannten mußte er einenMißbrauch des GifteS befürchten. Der Staatsanwalt erachtete ihn der Urkunden- fälschung für schuldig, beantragte aber das zulässig niedrigste Strafmaß, einen Tag Gefängniß. Der Vertheidiaer Dr. Fried- mann führte aus, daß der Angeklagte nicht den Apotheker, son- der» nur die Patientin hatte täuschen wollen, er könneßdas Rezept als eine Urkunde im Sinne des Gesetzes nicht ansehm und stützte hierauf seinen Antrag auf Freisprechung. Der Ge- richtshof konnte sich den Ausführungen des VertheidigerS nicht an- schließen. Nach der Entscheidung des Reichsgerichts sei jedes Rezept als eine Urkunde anzusehen, welche zur Entscheidung von Rechten und Rechtsverhältnissen von Erheblichkeit ist. Wäre bei der Anfertigung des vorliegenden Rezeptes von dem Apotheker ein Jrrthum begangen worden, so würde derselbe strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können und das Rezept würde als Beweismittel gegen ihn dienen. Der Angeklagte müsse daher bestraft werden, es liege aber keine Ver- anlassung vor, über das niedrigste Strafmaß, wie der Staats- anmalt beantragt, hinauszugehen. Ei« kleine» unangenehme« Reifeerlebnist, das dem Versicherungsinspcktor Breslauer am 8, Januar d. I. auf dem Bahnhofe zu Brieg in Schlesien passirte, gelangte gestern zur Kenntniß der 87.Abtheiluna des Schöffen- gerichts, denn Herr Breslauer hatte sich wegen Beleidigung zu vcranworten. Der Bahnhofsvorsteher Schmidt zu Brieg hatte feine Bestrafung beantragt. An dem genannten Tage passirte der Angeklagte die Station Brieg in einem Schnellzuge, der daselbst nur einen ganz kurzen Aufenthalt hatte. Der Ange- klagte habe nach zweimaligem Läuten zur Abfahrt noch aus dem Trittbrett gestanden und mit dem Kellner über den Ankauf eines Glases Wein verhandelt. Als der Inspektor ihn aufforderte, in's Koupee zu gehen, der Zug solle abfahren, habe der Angeklagte erwidert:„Warten Sie noch ein Bischen" und als eine nochmalige Aufforderung ebenfalls kein Gehör fand, machte der Inspektor kurzen Prozeß, er schob den Angeklagten m'S Koupee und machte die Thür zu. Gleich darauf habe der Zug So schildert der Inspektor den Vorfall und im Wesentlichen gab der Beschuldigte den Vorfall zu. Er behauptete nur, daß der Inspektor ihn in verletzender Weise angeherrscht und ihm durch das rücksichtslose Zuwerfen der Thür körperliche Schmerjen verursacht habe. Er habe deshalb auch eine Beschwerde an die vorgesetzte Behörde des Inspektors gerichtet. Der Staats- anmalt beantragte für den Ausdruck„Unverschämter!" eine Geldstrafe von 50 M., der Gerichtshof erkannte nur auf 20 M. Dresden, 11. Juli. Wegen Störung von Telegraphen- anlagen im Sinne des§ 317 des Strafgesetzbuches hatten sich gestern vier Arbeiter vor dem hiesigen Landgericht zu verant- warten, welche man am frühen Morgen des 9. Mai dabei er- tappt hatte, als sie eben im Begriff standen, an den Telephon- drähten eine rothe Fahne anzubnngcn, welche die Inschrift trug: „Hoch die Freiheitskämpfer vom 9. Mai 1849." Außerdem wurde den Angeklagten, die seit jener Zeit in Untersuchungshaft ge- halten worden sind, auch nachgewiesen, daß sie sich von Jahresfrist, sowie am 25. Oktober v. I., aus Anlaß des 10 jährigen Bestehens des Sozialistengesetzes, an ganz ähnlichen Demonstrationen betheiliat haben. Der Gerichtshof verhängte deshalb über die Angeklagten Gcfängnißstrafen in Höhe von 10, 8, 7 und 5 Monaten. Weil sich die Angeklagten beim Emporschnellen des Bindfadens, an welchem die Fahne be- festigt werden sollte, einer Armbrust bedient hatten, so wurde außerdem über jeden derselben wegen in Mitthäterschaft ver- übten unbefugten Schießens eine 5 wöchentliche Haftstrafe ver- hängt, welche aber durch die Untersuchungshaft als verbüßt er- achtet werden soll. Derlüittiinluttgeir. Polizeilich aufgelöst wurde die öffentliche Versammlung der Möbelpolirer, welche am Montag in den Zcntral-Festsälen, Oranienstr. 180, unter Vorsitz der Herren Milbrodt, Schulz und Gräber tagte. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung: „Die verschiedene Auffassung der Selbstständigkeit und die Ausbeutung der jugendlichen. Arbeiter", hielt Herr Gustav Reuter das Referat. Derselbe führte der Versammlung ein düsteres Bild vor Augen, wie heute in unserem Berufe es schon Leute gäbe, welche als Unternehmer in den Tischler- Werkstätten die Polierarbeiten übernehmen und sich nicht scheuen, als Selbstständige aufzutreten, und vergessen, daß, wenn sie heute entlassen werden, morgen ebenso wieder Gehilse seien, wie jeder andere. Und gerade leisten Einige unter diesen Groß- artiges in Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter, und um recht viel in ihre Tasche stecken zu können, ohne zu be- denken, daß durch derartige Manipulationen auch die Löhne und Preise gedrückt werden. Redner führt hier einige Bei- spiele an, wo recht krasse Zustände bestehen, er zeigt aber auch, daß in den Polierwerkstätten vieles noch sehr im Argen liege, daß die Sonntags- und Nachfeicrabendarbeit gerade in den kleinen Polienverkstätten weiter bestehe und auch hier die Lehrlingszüchterei obenan stehe. Wie kann man es wohl über sich bringen, Leute von 23—40 Jahren als Lehrlinge anzu- nehmen und dieselben dann wieder laufen zu lassen, wenn das Geschäft flau geht und dieselben noch nichts können; und dann. klagen Unternehmer und Selbstständige, daß es keine ver- niinftigen Gehilfen gäbe. Zum Schluß seines längeren Vortrages empfiehlt Referent, allen derartigen Uebel- standen entgegenzutreten und sich mehr um die Organi- sation zu kümmern. In der Diskussion sprach zunächst Kollege Milbrodt. Auch er führte die Uebelständc des Berufs vor Augen. Redner glaubt, daß hier nur wirkliche Arbeiterschutzgesetze helfen können. Es läge im Interesse der Regierung, wenn durch einen neun- bis zehnstündigen Marimalarbeitstag und Verbot der Sonntagsarbeit die 500 000 Arbeitslosen von der Straße kämen und somit konsumsfähig und steuerzahlend ge- macht würden. Als nun Kollege Karl Curth ebenfalls auf die unregelmäßige Arbeitszeit sowie auf die SonntagSarbcit und andere Mißstände zu sprechen kam und alle Kollegen aufforderte, mit zur Ausrottung derselben Hand ans Werk zu legen und erklärte:„M. H., wenn derartige Zustände in unserem Berufe weiter herrschen sollen und wir nicht darnach trachten, dieselben aus der Welt zu schaffen, dann, kann ich Ihnen sagen, schäme ich mich, in einem solchen Berufe zu leben," löste der über» wachende Beamte die Versammlung auf Grund des§ 9 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 auf.— Beschwerde ist eingelegt. Eine öffentliche Verfammtung der Korbmacher tagte am 8. d. Mts. bei Roll, Adalbertstraße 21, unter dem Vorsitz des Herrn Ernst Fischer, mit der Tagesordnung: Streik- angelegenhciten, Diskussion und Verschiedenes. Herr Fischer hielt es für angebracht, bevor man in die Tagesordnung ein- trat, das Ableben des treuen Kämpfers der Arbeiterpartei, Wilhelm Hasencleoer, zu erwähnen und die Versammlung zu ersuchen, demselben noch die letzte Ehre dadurch zu erweisen, daß sich die Anwesenden von ihren Plätzen erheben. Zum 1. Punkt berichtete die Kommission, daß der Streik vollständig beendet ist und zu Gunsten der Arbeiter ausgefallen sei; es wurden über kleinere Werkstellen allerdings noch sehr mißliche Zustände erörtert, welche aber für die Gesammtheit keine Wir- hingen haben könnten. Herr Krüger beantragte, daß der Tarif im Druck erscheinen soll; dem schloß sich auch Herr Nielsch und Herr Wolf an, es sollte ferner über solche Werkstellen, die nicht. unterschrieben hätten, die Sperre verhängt werden. Dem An- trag gemäß ivurde eine Kommission von 7 Mann, die gleich die bestehende Lohnkommission bildet, gewählt, welche die nöthigen Schritte dazu thun wird. In Anbetracht der langen Debatte, die dadurch herbeigeführt wurde, beschloß die Ber- fammlung, den 2. Punkt der Tagesordnung fallen zu lassen. Unter„Verschiedenes" erklärte Herr Fischer, daß nach dem Be- schluß der öffentlichen Versammlung vom 17. Juni d. I. Herr Grillenberger mitgetheilt hätte, unsere Vertretung aus dem Kongreß zu Paris nicht annehmen zu können, da es ihm aus verschiedenen Gründe» unmöglich gemacht wäre, dort erscheinen zu können. Dafür hatte Herr Martin Segitz aus Fürth in Bayern die Vertretung übernommen. ES entspann sich noch aus Anlaß einer Aeußeiung des Herrn Franke eine so häßliche. Debatte, daß die Versammlung geschlossen werden mußte. Kisteumacher. Am Montag, den 8. d. M., tagte im Lokale des Herrn Jordan eine Mitgliederversammlung des Jntereffcnvereins der Kistenmacher. Auf der Tagesordnung stand: 1. Bericht über den Streik bei der Firma W. Gauert. 2. VereinSangeleaenheiten und Verschiedenes. Der zweite Vor- sitzende Herr Schlecht leitete die Versammlung. Zunächst tbeilte er mit, daß der erste Vorsitzende Herr Leichnitz nicht mehr in der Lage sei, das Amt weiter zu behalten und heut ein Anderer gewählt werden müsse. Auch müsse der Arbeitsnachweis, der bisher in der Franzstr. 6 war, wegen Schließung dieses Ge- schäfts verlegt werden. Es wurde sodann beschlossen, den Arbeitsnachweis zu Herrn Leichnitz, M ar k u S st r a b e 25, zu verlegen. Alsdann wurde zur Wahl des Vor» Menden geschritten, wozu auch Herr Leichnitz erschienen war; derselbe motivirte seinen Rücktritt damit, daß er ein Geschäft übernommen habe, und deshalb sein Amt nicht weiter behalten könne. ES wurde gewählt Herr Tschernig. Darauf folgte Be- richt der Streikkommission, welcher darin gipfelte, daß in der Kistenfabrikation ein Streik leicht durchzuführen sei, es müsse nur Einigkeit und die nöthige Umsicht vorhanden sein. Deshalb war auch der Sieg unser. Ferner kam ein Fall zur Sprache aus der Fabrik von Vallenthin, wo die Kreissägen- schneider die Arbeit niederlegten und die Kistenmacher zur Säge traten, was durch folgende Resolution verurtheilt wurde: „Die heutige Kistenmacherversammlung in Jordan's Lokal be- schließt, daß sich Kreissägenschneider und Kistenmacher solidarisch erklären, wo es gilt die Interessen der einen oder anderen zu wahren. Man hat sich nach Kräften zu unterstützen." Aufge- nommen in den Verein wurden 12 Kollegen. Die Feilenhauer-KefeUen K erlins hielten am 1. d. M. eine öffentliche zahlreich besuchte Versammlung ab, welche sich mit der Lohnfrage beschäftigte. Im Verlaufe der Debatte stellte sich heraus, daß die Preise fast in jeder Werkstätte andere, im Ganzen aber so geringe sind, daß dieselben dringend einer Auf- besserung bedürfen, da es bei einer Arbeitszeit von 10—11 Stunden kaum möglich ist, einen Wochenverdienst von 12 bis RS, im höchsten Falle 18 Mark zu erzielen. Es wurde nun eine Kommission von 11 Mitgliedern gewählt mit der Aufgabe einen Tarif auszuarbeiten, so daß ein gleichmäßiger, den heutigen Zeitverhältnissen angemessener Preis in allen Berliner Werk stätten gezahlt wird. Der Taris soll einer demnächst einzu berufenden Versammlung vorgelegt werden, welche dann über die zu ergreifenden Maßregeln Beschluß zu fassen hatte. Zu diesem Zwecke ist am Montag, den 15. Juli, eine öffentliche Versammlung in Kothmann's Salon, Brunnenstraße 34, Abends »/•S Uhr, einberufen. Um zahlreiches Erscheinen bittet die Lohn kommission. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Ab Der�Fachnerein der Tischler hielt am Sonnabend, den 6. Zuli, in Jordan's Salon, Neue Grunstraße, eine Mitglieder- Versammlung ab. Zum ersten Punkt der Tagesordnung hielt Herr Dr. Christeller einen beifällig aufgenommenen Vortrag über; Ernährung und Verdauung. Hierauf folgte Diskussion und Fragestellung. Verschiedene Fragen wurden von dem Vortragenden beantwortet. Zum zweiten Punkt„Vereins- asigclegenheiten" kamen die verleumderischen Redensarten des Tischler L a b e n s zur Sprache. Es wurde ein Mitglied des Vorstandes ersucht, den Klageweg gegen denselben zu beschreiten, um den Redereien, die derselbe im Westen verbreitet hat, ein Ende zu machen. Weiter wurden die Vorkommnisse in der K. Pfaff- schen Fabrik in betreff der Entlassung der Hausdiener einer Kbitik unterzogen und darauf hingewiesen, wie sehr dieLobpreisungen von Harmonie zwischen Kapital und Arbeit hierdurch wieder einmal in das richtige Licht gestellt worden sei. Es wurde von einem Redner darauf aufmerksam gemacht, wie man von Seiten des Kapitals bestrebt sei, durch Arrangements von Festlichkeiten, Landpartien u. s. w. eine künstliche Harmonie herbeizuführen. Die Arbeiter mögen sich aber nicht irrefuhren lassen und der- artige Festlichkeiten meiden. Speziell in dieser Werkstatt, wo in kurzer Zeit eiue große Landpartie stattsindet, erwartet man von allen aufgeklärten Arbeitern, datz sie schon wegen obiger Vorkommnisse sich entschieden von solchen Festlichkeiten fem halten. Wereinigung der Drechsler Deutschland». Ortsver- waltung Berlin I, Versammlung am Montag, dm 15. Juli, Abends 8'/, Uhr, Annenstraße 16. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Kollegen CanziuS über Dampf- kraft und Dampfmaschine, mit Erperimentm. 3. Vierteliahrlicher Kassenbericht. 4. Fortsetzung der Werkstellen-Stalistik. 5. Verschiedenes und Fragekastm. Die Mitglieder werden ersucht, die auSgesülltm Fragebogen zu unserer Lohnstatlstlk am Montag abzuliefern und sich überhaupt mehr an den Besuch der Versammlungen zu betheiligen. Es genügt nicht allein, die Beiträge zu bezahlen, sondern es soll auch l-der nach feinen Kräften thätig sein und für einen �kräftigen Mahnung: organitirt Euch, schließt Euch der Vereinigung an, denn nur auf diese Weise kann unter dm jetzt bestehmdm Ver- Hältnissen unserer Lage gebessert werdm und daß dieses Noch lhut, darüber sind doch wohl Alle einig, oder kann das heutige Lrbm noch eine Existenz gmannt werden? Neue Mitglieder werdm in jeder Versammlung ausgenommen. hielten ihre erste Ver' Die Kerlinee KäckeegeseUen fammtung nach Proklamirung des Gmeralltreiks gestern Nach- mittag im großen Saale der Tivoli-Brauerei ab, welche wie- derum außerordentlich zahlreich besucht war, trotzdem die Ar- beitseinstellung erst zu Mittag des gestrigen Tages erfolgt ist. Die Versammelte» waren scheinbar in bester Stimmung, mit dm Germania-Arbeitsbüchem wurde förmlich Fangeball ge- spielt, ein Beweis dafür, daß die Berliner Bäckergelellen mit diesen nichts mehr zu thun haben wolleu. Welcher Sympathie sich übrigens der Bäckerstreik im allgemeinen erfreut, dafür mögm hier einige Beispiele angeführt sein. Wie immer, so er- frmm sich auch die Versammlungen der streikenden Bäcker einer ganz besonderen Aufmerksamkeit. Währmd aber die Streikenden anderer Geiverkschaften nicht mit besonders freund- lichen Augen angesehen werdm, ist das Verhalten der Polizei- beamten den Bäcken, gegmüber ein geradezu leutseliges zu nmnen. Gar mancher wird in freundlicher Weise angehalten und aesiagt,„wie es morgm mit dm Schrippen stehe". Ferner wird das Gerücht kolportirt, daß die Meisterschaft sich an die Militärbehörde gewandt habe um Ueberlassung von Militär- backen,, doch sollen dieselben abschlägig beschieden sein. Der Gmcralstrcik der Berliner Bäcker ist nach allen größeren Städten telegraphisch berichtet worden. Die Spandauer Backer habm bereits die Arbeit eingestellt, in Hamburg wird die Arbeltsem- stelluug am Sonntag erfolgen. Aus Königsberg ,. Pr. ist die Nachricht eingegangen, daß von dort kern Zuzug zu erwartm sei. Ebenso haben die Königsberger Bäcker dm Berliner BoeCern die größte Sympathie bekundet. Von Hamburg sollen vorgestern 40 Meistersöhne hierorts eingetroffen sein. Dieselben würden aber, wie der Vorsitzmde Herr Pfeiffer meinte, sehr bald telegraphisch zurückberufen werden, wenn am Sonntag in Hamburg der Streik ausbricht. Ueber Berlin wurde von Herrn Pfeiffer berichtet, daß bereits mehrere große Bäckermeister die Forderungen der Bäckergesellen bewilligt haben. Die Ver- sammlung stimmte mit Herrn Pfeiffer darin überein, daß vor Sonntaa überhaupt die Arbeit nicht aufgenommen werben dürfe und dann erst, wenn die Meister folgende Willenserklärung unterschriebm haben: Ich Endesunterzeichneter erklare hiermit auf Ehrmwort durch eigmhändige Unterschrift die nachfolgenden Forderungen bei Berliner Backergesellmschaft zu bewilligen und m meiner Bäckerei aufrecht zu erhalten. 1. Die Arbeitszeit beginnt Abends 10 Uhr und dauert bis 9 Uhr Vormittags, des Sonntags nur bis 6 Uhr Morgens. 2. Kost und Logis gebe ich meinen Gesellen nicht, dafür �%r%)em Werkmeister mindestens 5 M., dem Kneter 4 M., dm weiterm Gesellen mindestens 3 M. Lohn pro Tag. 4. Ich verpflichte mich femer, eher keinen neuen Lehrling einzustelle», als bis der letzte Lehrling das letzte Lehriahr �"5! Erkläre ich die Regelung des Sprech- und Herbergs- wesms für eine Sache der Gesellen und verpflichte mich bei Bedarf nur bei dm von der Gesellmschaft gewählten Sprech- boten Gesellm zu bestellen.■ o, t 6. Erkläre ich die Germania- resp. Allemama-Arbei/S- bücher für vollständig zwecklos und werde folgedessen meinm Gesellen nie ein solches Buch abverlangen. 7. Erkläre ich keinen Kundm Rabatt oder Zugabe zu ge- währen und werbe ich Backwaare nicht mehr austragen lassen, sondem meinen Laden für Jedermann von Morgens 5 bis Abends 10 Uhr offen halten. 8. Gewähre ich meinm Gesellm an dm großen Festtagm Weihnachtm, Ostem und Psingstm vom zweitm bis drittm Feiertag freie Nacht. Berlin, den........ 1889. Unterschrift: Name. Wohnung. Verschiedentlich wurde darauf hingewiesen, daß die eingegangene Kündigungsfrist und Kautionsstellung bezüglich der Arbeitseinstellung respektirt werdm müsse, die Versammlung beschloß aber demgegenüber, daß die Arbeitseinstellung überall zu erfolgen habe, da der Generalstreik proklamirt|et. Um die Kollcam daran zu verhindem, daß sie nach dm Nach- mittagS-Versammlungm wieder in Arbeit gehen, werden die Versammlungm fortab Vormittags abgehalten werden und zwar findet die nächste Versammlung heute Vormittag um 10 Uhr, die nächstfolgende am Montag Vormittag um 10 Uhr auf Tivoli statt. Der Segm der Arbeitsbücher wird treffend illustrirt durch folgendes, von Herm Hoppe bekannt ge- gebenes, in ein Germania-Arbeitsbuch eingetragenes Zeugniß: _ W- Wegen Streik aufgehört!"(!) Vorläufig soll der Generalstreik anstecht erhalten werden. Doch erklärten sich die Gesellen be reit, mit den Meistern zu unterhandeln über die Forderungen der Gesellen, was von denselben anstecht erhalten werden soll und was fallen gelassm werdm kann. Herr Hoppe beaniragte demzufolge auch, eine UnterhandlungS- Kommission zu wählen. Die Beschlußfassung hierüber wurde wegen Vertagung der Versammlung auf 55 Minuten ausgesetzt. Nach Wieder- aufnähme der Verhandlungen gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme:„Die heute am 12. d. M. tagende Versammlung der Bäckergesellen Berlins und Umgegend erklärt, an den aufgestellten Forderungen festzuhaltm. Ehrenpflicht jedes Kollegen, welcher feine traurige Lage zu ver- bessern wünscht, ist es, auf keinen Fall die Arbeit eher aufzu- nehmen, als bis die allgemeine Versammlung den Generalstreik für beendet erklärt. Zu gleicher Zeit beschließt die Versamm- lung, daß die Vertrauensmänner berechtigt sind, in Verhand- lungen mit der Meisterschaft zu treten und ersucht die Ver- sammlung die Meisterschafl, eine Kommission von 5 Personen zu wählen und dieselbe behufs Verständigung mit den Gesellm zu beauftragen. Die beiden Kommissionen gelten als sogenanntes Schiedsgericht. Die gefaßten Beschlüsse bleiben jedoch der Generalversammlung der Gesellen zur Be- stätigung überlassen." Zum Schlüsse wurden interne Angelegenheiten erörtert. Mit einem dreifachen Hoch auf die Bewegung fchloß die Versammlung. An die Arbeiterinnen Berlins«nd Umgegend. Arbeiterinnen! Wie oft hat man Euch zur Wahrung Eurer Interessen zugerufen:„Organisirt Euch! Schließt Euch zu- sammm!" Dennoch bleibt oie Mehrzahl taub für diesen Ruf. Während einerseits sich eine kleine Zahl überzeugter Arbeiterinnen alle erdenkliche Mühe giebt, dem Ausbeutungssystem der Unternehmer mit Erfolg entgegen zu treten, läßt sich die Mehrheit unterjochen. Arbeiterinnen! Wie wollt Ihr da noch sagen, daß Ihr Herrinnen Eures Handelns seid? Seid Ihr nicht vollständig dem heutigen System ver- fallen? Ist es nicht die höchste Zeit, daß Ihr erwacht, daß Ihr Euch von diesem Joch zu befreien sucht? Arbeiterinnen! Lernt von Euren Mitarbeiterinnen, seht Ihr nicht, wie diese sich organisirm? Wie wollt Ihr Eure Interessen vertreten, wenn Ihr vereinzelt und haltlos dm Gegnern gegenübersteht? Was hält Euch ab, womit wollt Ihr Euch mtschuldigm, daß Ihr Euch nicht der Vereinigung anschließt? Etwa die kleinen Opfer, die Ihr da bringen müßt? Bedmkt, kann der Ackersmann ernten, wenn er nicht ein gewisses Ouantum des stüher gewonnenen Produktes zur Aussaat opfert? Oder hat das Leben unter dm heutigen Verhältnissen soviel Werth für Euch, daß Ihr Euch mit Eurem Lohn zufrieden gebt? Wird Euch denn nicht von allen Seilen der Kampf aufgedrungen, wenn Ihr Eure Existenz behaupten wollt? Meint Ihr denn. Eure sogenannten Arbeitgeber vereiniam sich, um Euch eine bessere Lebmslage zu verschaffen, um für Euch als die lieben Väter zu sorgen? Nun, das glaubt Ihr wohl selbst nicht. Nein, das Prinzip jener Vereinigung hat von jeher den Standpunkt vertretm. Euch so zu erhalten, daß jedes selbst ständige Denken erstickt wird. Darum, Ärbeiterinnm, schließt Euch zusammen, nehmt Theil an den Kulturerningmschafim, welche Ihr durch Eure Arbeit gefördert habt, schafft vernunftgemäße Einrich- lungen, welche der Allgemeinheit zu Gute kommen. Auf! es mtbrenne der Kampf der Emanzipation auf der ganzen Linie, zeigt, daß Ihr Arbeiterinnen seid, welche der Mission des 19. Jahrhunderts gewachsen sind. Nur dann wird man Euch als Vorkämpferinnm der Frauenbewegung anerkmnen. Ar- beiterinnen, Ihr wißt, welche Forderungen wir zu stellen haben. Nur ein wenig Energie, nur ein Bischm Selbstvertrauen, und Ihr sollt sehen, was Einigkeit zu leisten im Stande ist, dämm nochmals: Schließt Euch dem Verein der Nähmaschinm- und Handarbeiterinnm an und erscheint alle vollzählig am Donnerstag, dm 18. Juli, Abends 8% Uhr, in Schesfer s Salon, Jnselstr. 10. Dortselbst wird Euch Gelegenheit gegeben werden. Euer Anliegm klarzulegen. Ter Vorstand des Vereins der Nähmaschinen- und Handarbeiterinnen Berlins und Umgegend. I« dem gestrige« Bericht der Ortsverwaltung III der Vereinigung der Drechsler muß es heißen: Abrechnung vom 2. Quartal 1889(nicht 1. und 2.) Einnahme 120,48 M., Ausgabe 109,69 M., Bestand 10,79 M. Fachvirri« btr jöuchbinder«nd»»r«mttM»r Keruf«g«noss»n. '* Uhr Versammlung im VcreinSlotal, Annenstr"~ Heute Abend 9 Uhr Versammlung im Vcreinslotlll, Anntnslr 16. Tages ordnung: Verschiedene VereiuSangelcgcnhcitcn und Fragekailcn. Ausnahine neuer Mitglieder. Billcts zu der morgen, den 14. d. M., statt sindenden Krcmscrpartie nach Friedrichshagen sind noch in der Versammlung zu haben. Um recht rege Bethciligung wird gebeten. Perein der Sattl-r«nd Fachginoss««. Am Connabend, den 18. Juli, Abend« 8% Uhr, in Deigmüller S Salon. Alte Jakobstr. 48*, geschlossene Mit- glitdcrversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes 2. Abrechnung. Wahl der Reoisorc». 4 Verschiedenes und Fragekasten. Ausnahme neuer Mitglieder. Mitgliedsbuch lcgitimirt.- In dieser Versammlug Schluß des BillctocrkausS zur Kreinierpartie am 21 Juli. Der Arbeilinachioets besindet sich DreSdcnerstr. 116 bei Wendt. Pkrsammluno der freien Pereinignng der jaligerber und Zedeelurichtrr Berlin» am Sonnabend, de» 18 Juli, Abends»Uhr, Wer». siraße 11 bei Bobert. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1889. 2. Erledigung mehrerer Verciniangciegenbeiten. ZiUgemein» �tranken- und Kterbekass» der WetaUarbeiter sie durch Sammeln von Unterschriften wen Dclegirten der Berliner 3* Herrn Julius Wernau, beauftragt, ihre gute Sache aus dein Pariser 8'* Konareß mit zu vertreten. ver verband der Mäbelpalirer Kerlin»«nd»mget. ain Montag, den 15. Juli, Abend« 8 Uhr. im AndrcaSgarten, Andrea«! seine ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung• 1 Via Kastendericht. 2. Antröge. 3 Ersatzwahl für einen Revisor. 4. Verst.. - Alle Mitglieder sowie Kollegen, welche Mitglieder werden wollen, ittid durch eingeladen. Ebenso lade» wir alle Freunde und Kollegen zu" 21. Juli stattfindenden Famtlien-Kremserparthie nach Hakenselde ein. sind zu haben in obiger Versammlung, sowie bei den Kollegen: Gröber. Weg Nr. 65 Buck. Sorauerstraßc Nr. 5: Rau, Brunnenstraße 94; Swincmünderftr. 132; Wendt, Franksurter Allee 118»: Sanfte, Reiä. strafte 29 und Weber, Fliederstr. 6. Fahrpreis 1,50 M.. Kinder, welche eigenen Platz einnehmen. 75 Pf. Schluß de« Billetverkauf« ain 17. De» Dollegen zur Nachricht, das aus London zwei Berichte über die Arbeilsverbültnistc eingetroffen sind. Dieselben kommen in obiger Vcrsr unter Verschiedene! zur Diskussion. Facharrol» der Tischler. Am Montag, den 15. Juli, im„El,, Landsberger Allee 39-41 tarn Friedrichshain): Große« Eommersest un! verbunden mit Theatervorstellung und Konzert. BilletS sind aus alle« stelle» des Verein«, sowie bei solacnden Herren zu baden: HeimbS, Scho strafte 3, 3 Tr. Witte, Invalidensir. 21. Millara. Lchltcrstr. 22, 2 Tr. mann, Barnimstr. 46, 4 Tr. Hein». Palliladcnllr 63, 4 Tr. Hoger. Weg 70. Buchholz. Fruchtstr. 65, 1 Tr. bei Müller. Winter, Manteu! 3 Tr. Glocke, Eisenbadnstr. 32, 2 Tr. Wicdemaun. Wcndenitr. 2_. Habcrland, Rcichcnbergerslr. 161, 3 Tr. Schulz, Britzerstr. 42, 4 Tr. v* Kreuzbergslr. 9, Quergcb. 4 Tr. Witte, Möckernstr. 95, 3 Tr. Eliaffcr. st strafte 40 Apclt, Tebastianstr. 27-28 lMöbclhandlung). Merkel, Mille«» strafte 13, Hof 4 Tr. Fachvrreln der Tischl»?. Die Zahlstellen de» Vereins sind zw gegennahme der Beitrüge und Ausnahme neuer Mitglieder seden So? von 8-10 Uhr geöffnet,»nd zwar befindet sich Zadlslelle I Friedris strafte 25 bei Christen: II Skalitzerstrafte 107 bei Kunstmann; III Belle platz 6 bei Hillcker; IV Zionskirchplatz 11 bei Hohn: V Bülowstrafte Böhla, Id, VI Mariendorferstrafte. Ecke Solmsstraftc hei Schmidt: VII Dt strafte 116 bei Wendt, daselbst befindet sich auch der ZcnlralarbeitSnacht Verein»; Vlll Lübecker- und Thurmstraftenecke bci Jahnkc. Die Ar! Mittelung geschieht unentgeltlich. Der Nachweis ist geöffnet an s von 8%-% Uhr, Sountag Abend» von 9%-ll Übt. Zrntrnt Kranken-»nd Kterbekair» der»Ischer«tr. luiuzvi» iauitv.—,, man von einem sehr weisen Manne sagt:„Er verstsv* Sprichwörter." Einige der charakteristischesten sind die folgt?-, E Der Faden ist gewohnt, der Nadel zu folgen.— Die, kommt in allen Schmutz des Weges.— Höre beide W« ehe Du entscheidest.— Der Steigbügel ist der Vater des �_ (Aller Anfang ist schwer.)— Ohne Pulver ist die FlinK« � ein Stock.— Fast bringt nichts ins Haus.— Heute ist der, üinea Bruder von morgen.— Ein Tag Regen macht die DnriL weißen Wochen gut.— Das Schlinggewächs will mit jedem Roümi' verwandt sein.— Wenn der Fuchs stirbt, trauert keine«u Tin — Wenn der Fisch getödtet ist, steckt man ihm den Schwaß, Maul.— Wer den Schaden hat, braucht für Spott j'?- ihren s sorgen.— Die Leute meinen, der Arme sei nicht so klnlß ö« n' Oer hpnn. frnrtpn ftp tr»tp fntttttc pr rtntt fpi«.« H Reiche, denn, fragen sie, wie könnte er arm fein,--j»? klug wäre?— Wohin ein Mann sich wendet, sein- 1 geht mit ihm.— Wer eine schöne Frau nimmt, nimmt ü) �mubet ins Haus.— Man soll den Fisch nicht fragen, was% N Lande geschieht.— Zorn zieht Pfeile aus dem Köcher, Liebltn Nüsse aus dem Sack.— Afrikanische Räthsel sind z. B. stW mischte Welchen kleinen Berg kann niemand ersteigen?— e,,) frembe Was kann jeder zerschneiden, ohne zu sehen, wo er es zerlf. 4 tmn, t hat?- Das Wasser!-Wie heißt die kleine vers«»"»-,' Kammer, die voll Nadeln ist?— Der Mund mit den Z4)»«�0 — Solche und ähnliche Räthsel geben die Familienmü�. sich am Abend im offenen Hofe auf, welcher den Mü%Q der Wohnung ausmacht, und über glückliche und un Lösungen pflegt sich ausnahmslos ein ganz unbändiges zu erheben. DopeMien. (MolfT« Trlegraphm-Ktirra«.) wurde. Mädch, wenn 9 „Horas Noemi Schwai das üb zerkratz Ti pari«, Freitag, 12. Juli. Deputirteukammer- Berathung der Anträge, betreffend die Amnestie, Diskussion gestört durch einen lebhaften Wortwechsel, � ein großer Lärm in den Wandelgängen folgte. Die Dep Laur und Thomsen sandten sich gegenseitig ihre Zeuge» »Äls. der Becanlworlltcher Redakieur: K- Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2.