>t hat. ZerhandluB »eutsch wM ziehen," wöls Stnnt« Nachts# stände laltäreich/ � die Schn«» Nr.>7-?. Freitag, de« 36. Juli 1889. 6. Jahrg. an. Sonntag fnet. iß 00« Ulli ng 46 der Wl DMnMksdl«». Argan für die Inleresstn der Albeüer. 433M— o-mmeruroBC 44 1 iUi'avf pro Monal. Poiraoonncmeni» uvllll, >23 899*2# Kr in.,(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1889 unter Nr. 866 Ämaaft'S � A«sta»i>. Täglich uutcr Kreuzband durch unsere Expedition 3 Ma »Ätil ####### 4«�-.-----'<-"■-----------' Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlung«. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., ijimmerstrabe 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und festlagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -» Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4166.«-•*- Mednktion: Veukhptvstze S.— Expedition: JimmerpkesHe 44. UUM Äbei» aus iSsB ) 037 M Wi vor einer offiziellen Vertretung der Arbeiter, uiid unk»-: � dieselben allerdings vollständig unabhängig Ä ,5� bleiben sollten, � mußte� geradezu komisch knrn,. 4 466 619 5 302 ns; � «nb» die wirkliche Meinung der sonst stets sowohl von Ab- ausgesprochen ?«es 74 3WÖ1 ßraanifS �!.°buftion nothwendig verbundene natural[15,101 hj« �'ffernuijil, bereits haben, die Arbeitskammern also -4(«'f'"�ssen, gleichgiltig, ob ihnen dies lieb ist oder 03»•# i�ii|"»liebst d"r ,*! selbst, als in der Art und Äleise, wie die diesen gewählt werden so 93.»'ii»■ j v"e'bi» � Mitglieder etwa in der Form gewählt wür- jl'y,; 4&'j«' vtkßch Veisitzer zu den Schiedsgerichten bei der Un- ..wann 2 Reichsversicherungsamt, könnte Arbeitskammern mit lyjjf js[#.:W .......... sollten. Mit Arbcits- c' �ie' blf � Mitglieder etwa in der Form '"llversich,' �°>scher zu den Schiedsgerichten RKSS-««�. K 61.81"«« w die"Leu als weiblichen Arbeiter, das brächte la, wie �ikte'1-°�beutsche Allgemeine Zeitung" einmal aus- ein. �...bas sozialdemokratische Agitatorenthum nicht �hsung«'"che Folre, sondern auch eine„bequeme Ver- dieser Aeußerung des offiziösen Blattes Vichts Verdächtigung betrifft, so ist darauf weiter fein Wer selbst jeder Gesinnung baar ist SFH W ft i »-«rnu.»r�?�euaung wechselt, so oft es von r�bniji j. wird, dem fehlt natürlich das Ver- /Bit, oBn. w'. daß Jemand eine Ueberzeugung haben >, ßiirf! x- � bezahlt zu sein. Herr Pindter darf des- ittb6*r--sozialdemokratischen Agitatoren" beschimpfen sein$1�', so viel er Lust hat, je toller, desto Keffer. BibletfAp nr �"rden sie sich verbitten. Sonst aber ist die — 1„ iuslaffunn ein glänzendes Zeugniß für die Aus- WZ s» ./eutUcfoit. [22 ihn wieder herauszubringen. Auch von seinem Stuhl vor Timea auf. >'SSW iHlc„wl"""*«*-*»♦«■ �UMDWENSZS iprann■—'vnu, lun Siii s...... >5 48 19 0 Il9 hülst tj,- � �tuiuiivn Ulli WH yu.- «tut" Blit Miü�pf�e ihr Timar etwas zn; das Mädchen ZK/!?«' a wjss »-Hobe B neuen Schwester um den Hals fallen Timea Nicht usj' rft gl i„r 7� OlP c".7"� ywuv IICUIU UUÜ AU|i4t UV. vvi«;» tg aesib-n ols das antipathische Hirschleder. Athalie �«äs bo a w"' �ve Augen warfen einen stammenden Tim&i'g und schukn. s'o warf ihre Livven gMÜnSTw«' ihre Augen warfen einen flammenden ficht Timea's und einen zweiten auf den warf ihre Lippen noch mehr auf. Herr ganz verloren in den bewundernden Anblick ' Miidch!.»-"ich( wenig verlegen.— Wie soll er ». d«°» � «4 Wz, dehnung und die führende Rolle, welche die Sozialdemokratie unter der deutschen Arbeiterschaft spielt. Denn wenn die sozialdemokratischen Agitoren eine„Versorgung" in den Ar- beitskammern hätten finden sollen, so hätten sie doch in die- selben gewählt werden müffen, was ja nicht möglich wäre, wenn sie nicht Vertrauen und Ansehen unter der Arbeiter- schaft genöffen. Uebrigens ist es mit dem Versorgen der Agitatoren so eine eigene Sache; es müffen da immer zwei sein, einer der versorgt und einer der sich versorgen läßt. Nun sind zwar Briefe eines gewiffen Lothar Bucher an einen gewiffen Karl Marx bekannt, worin letzterer dem ersteren eine reich dotirte Mitarbeiterschaft am preußischen„Staats- anzeiger" anbietet und auch für Herrn Liebknecht war ja ein recht warmes Plätzchen an der„Nordd. Allg. Ztg." vorge- sehen, leider haben aber die genannten beiden„Agitatoren" kein Verständniß für diese Art Versorgung gehabt. Ein paar andere Agitatoren aber, die freilich zu der Bedeutung vou Marx und Liebknecht in einem Verhältniß stehen wie ein Maulwurfshaufen zum Montblanc, die Herren Körner und Finn, haben zwar die Versorgung angenommen, aber sie sind in derselben auch so untergegangen, daß man in der deutschen Arbeiterschaft heute kaum mehr ihre Namen kennt. Die Besorgniß also, daß die Arbcitskammern eine Ver- sorgungsanstalt für sozialdemokratische Agitatoren werden könnten, dürfte von ihrer Einführung schwerlich abgehalten haben, denn wir gehen wohl schwerlich fehl, wenn wir an- nehmen, daß man an gewissen Stellen gerne bereit wäre, die Kosten dieser Versorgung zu tragen, wenn nur Ver- sorgungslustige vorhanden wären. Was nun die Forderung von Arbeitskammern betrifft, so hat dieselbe mit der Sozialdemokratie und ihren Grund- sätzen in Wirklichkeit gar nichts zu thun. Die sozialdemo- kratische Partei strebt die Aufhebung der kapitalistischen Pro- duktionsweise, also die Beseitigung der Scheidung der Menschheit in Unternehmer und Arbeiter an und eine ge- sonderte Organisation nach Berufsständen hat also mit dem Endziel der Sozialdemokratie nichts zu schaffen. Wenn die Sozialdemokraten trotzdem die Organisirung der Arbeiter betreiben und in ihrem Arbeiterschutzaesetzentwurf sogar einen Plan dafür aufstellten, so geschah dies eben nur, weil sie als praktische Sozialpolitiker mit den Dingen rechnen wie sie sind. Eine Organisation, wie sie der Arbeiterschutzgesetz- Entwurf vorsieht, soll vor Allem dazu dienen, den Arbeitern ein Organ zu schaffen, durch welches sie in legaler aber nachdrücklicher Weise ihre Wünsche und Forderungen zur Geltung bringen können. Ganz richtig führte seinerzeit der Abgeordnete Kayser im Reichstag aus: So gut, wie das Kleinhandwerk in den Innungen und Gewerbevereinen, der Handel und die Großindustrie aber in den Handelskammern und der Großgrundbesitz in den anerkannten und mit Staats- Mitteln unterstützten landwirthschaftlichen Vereinen ihre Herr Brazovics half ihm aus seiner Verlegenheit. Mit großem Gepolter fiel er zur Thüre herein. Er hatte soeben unten im Kaffeehaus— zum Erstaunen aller Stammgäste — aus der„Augsburger Allgemeinen Zeitung" die Nachricht laut vorgelesen, daß der durchgegangene Bascha und Khazniar, Ali Tschorbadschi sammt seiner Tochter auf dem Fruchtschiff „Sankt Barbara" sich geflüchtet, die Wachsamkeit der türkischen Behörden getäuscht und sich nach Ungarn in Sicherheit gebracht habe. Die„Sankt Barbara" ist sein Schiff. Ali Tschorbadschi ist ein alter guter Bekannter von ihm, ja ihm mütterlicherseits verwandt! Ein merk- würdiges Weltereigniß! Man kann sich denken, wie Herr Atanas den Stuhl zurückwarf, als der Bediente ihm die Meldung brachte, Herr Timar sei eben angekommen mit einem schönen Fräulein, und unter dem Arm eine Bronzechatouille tragend. „So ist's also richtig wahr!" schrie Herr Athanas auf und rannte in seine Wohnung hinauf, nicht ohne unter- wegs einige an den Kartentischen sitzende Gäste von ihren Stühlen herabgeworsen zu haben. Brazovics war ein in seinem Fette schwimmender, kor» pulenter Mann, sein Schmeerbauch war ihm beständig um einen halben Schritt voraus, sein Gesicht war kupferroth, wenn er blaß war, und violett, wenn er roth wurde; hatte er sich am Morgen rasirt, so war am Abend sein Kinn schon borstig, sein struppiger Schnurrbart aber war parfümirt mit Rauch- und Schnupftabak und diversen Spirituosen; seine Brauen bildeten einen buschigen Wall über seinen weit vor- stehenden und stets roth unterlaufenen Glotzaugen. (Ein schrecklicher Gedanke, daß die Augen der schönen Atha- lie, wenn diese alt geworden, denen ihres Vaters gleichen werden.) Wenn dann Herr Brazovics seinen Mund aufthat, so begriff man vollständig, warum Frau Sophie so kreischte. Auch ihr Mann konnte nnr schreiend sprechen, mit dem Unterschiede jedoch, daß er eine tiefe Baßstimme hatte, wie offizielle Vertretung haben, so müßte auch für den Arbeiter eine anerkannte Vertretung geschaffen werden. Alle Berufs- klaffen haben derartige Vertretungen mit mehr oder minder offiziellem Anstrich. Nur den Arbeitern hat man bis jetzt die Schaffung einer solchen sowohl auf dem Wege der Gesetzgebung venveigert, wie auch die Gründung von solchen auf dem Wege der fteien Vereinsthätigkeit durch Polizei- liches Eingreifen und Chikaniren ihrer Vereine zu verhindern gewußt. In allen freien Staaten bestehen anerkannte Arbeiter- Vertretungen, deren Votum von den Regierungen wie Volks- Vertretungen gehört und beachtet wird, wenn es sich um Arbeiterangelegenheiten handelt. In England wie Amerika kommen hier die großen gewerkschaftlichen Arbeiter- Verbindungen in Betracht, in Frankreich sind es die Arbeitersnndlkate und die Schweiz hat in dem Arbeitersekretariat, dessen erster Beamter von der gesammten organisirten Arbeiterschaft gewählt wird, eine mustergiltige Einrichtung zur Förderung der Arbeiterintereffen getroffen. Sogar in dem reaktionären Oesterreich steht die Frage der Einführung von Arbeitskammern auf der Tagesoro- nung, und wenn sie auch dort heute oder morgen noch nicht ins Leben gerufen werden, so hat das Parlament sich doch ernsthaft mit der Einführung derselben beschäftigt und es sind sich alle in Betracht kommenden Kreise bis hinein in die Regierung darüber einig, daß eine solche oder ähnliche offizielle Vertretung der Arbeiter geschaffen werden müffe. Nur bei uns in Deutschland verhält man sich der Forderung, ein offizielles Organ zur Wahrnehmung der Arbeiterintereffen zu schaffen, durchaus ablehnend gegenüber und speist sie mit der billigen Verdächtigung ab, daß es sich da nur um„Versorgung sozialdemokratischer Agitatoren" han- deln würde. Es ist dieser Vorgang für die Stellung, welche das Reich dem Arbeiterstand gegenüber einnimmt, ungemein be- zeichnend. Die ganze vielgepriesene Sozialreform, soweit sie sich direkt mit dem Arbeiter befaßt, läuft darauf hinaus, neben einer Entlastung der Armenpflege die Bevormundung der Arbeiter durch die Shoddy- Aristokratie der Schlot- Junker, wo sie bereits vorhanden, zu festigen, und wo sie noch nicht ist, einzuführen. Die Bevorzugung der Betriebs- und Zwangskaffen aus dem Gebiete der Krankenversicherung, die Ausschließung der Arbeiter in der Verwaltung der Un- fallgenossenschaften und die überall zur Schau gestellte Feindschaft gegen die freien Hilfskaffe«, zu der in neuerer Zeit auch noch die Abneigung gegen die gewerblichen Schiedsgerichte kommt, sobald dieselben auf dem Prinzipe allgemeiner Wahlen beruhen, dieses Alles sind untrügliche Zeichen dafür, daß bei uns der Arbeiterstand mehr als je als unmündig betrachtet wird und man ihn deshalb nach jeder Richtung unter Vormundschaft und Aufsicht stellen ein Nilpferd. Natürlich mußte Frau Sophie, wenn sie neben seiner Stimme die ihrige zur Geltung bringen wollte, diese bis znm gellenden Kreischen steigern. Es war, als hätten Beide unter sich gewettet, wer von ihnen sich früher eine Luftröhrenschwindsucht oder einen Schlaganfall zuziehen wird. Wer den Sieg davontragen wird, ist zweifelhaft; doch hat Brazovics seine Ohren stets mit Baumwolle verstopft, Frau Sophie aber trägt beständig eiu Linnentuch um den Hals geschlungen. Herr Brazovics brach, vor Eile keuchend, in das Frauen- gemach herein, wohin sein Donnergebrüll schon vor ihm ge- drungen war.„Ist Michael da mit dem Fräulein? Wo ist das Fräulein? Wo ist Michael?" Michael war ihm entgegen geeilt, um ihn in der Tchür aufzufangen. Mit Herrn Brazovics selbst wäre es ihm vielleicht gelungen; aber die Wucht seines vorausgehenden Schmeerbauches, wenn er sich einmal in Bewegung gesetzt hat, ist nichts aufzuhalten im Stande. Michael winkte ihm dann mit den Augen, daß ein Besuch drinnen sei.„Ah, das thut nichts! Vor dem kannst Du reden! Wir sind unter uns. Der Herr Oberlieutenant gehört auch zu unserer Familie. Haha! Aergere Dich nicht, Athalie. Alle Welt weiß es ja schon. Du kannst ungenirt sprechen, Michael! Es steht ja schon in der Zeitung." „Was steht in der Zeitung?" rief Athalie gereizt. „Nun, nun. Du stehst nicht darin, sondern daß mein Freund Bascha Ali Tschorbadschi, mein leiblicher Vetter, der Khazniar, auf meinem Schiff, auf der„heiligen Bar- bara", sich nach Ungarn geflüchtet hat mit seiner Tochter und seinen Schätzen! Nicht wahr, das ist die Tochter? Das liebe Ding das!" Damit stürzte Herr Brazovics plötzlich über sie her, schloß sie in die Arme, und drückte ihr zwei Küsse aus das weiße Gesicht, zwei schnaltzende, übel dustende, naffe Küffe, so daß das Mädchen ganz verstört war.„Bist ein braver Junge, Michael, daß Du sie glück- lich bis her gebracht hast. Habt Ihr ihm schon ein GlaS will. Daß der deutsche Arbeiterstand dieser Vormundschaft nicht bedarf, haben wir schon oft ausgeführt; daß er sich derselben auch erwehren wird, davon sind wir überzeugt. Ob man aber nicht besier thäte, auch bei uns die Arbeiter mehr als Bürger und weniger als Kinder zu behandeln, welche der Ruthe bedürfen, darüber nachzudenken, müsien wir jenen überlasten, welche darüber noch Zweifel haben. Wir theilen diess Zweifel nicht. Merndtilmlüer Arbetterlmgreß zv Varls. czn. In der Sitzung vom 18. Juli führte der Pariser Stadtrath Daum as den Vorsitz und theilte zuerst einge- laufene Depeschen, Briefe und Zustimmungsadressen mit. Morris ergriff darauf das Wort zu einem Situations- bericht über England. Der Redner will nicht in die Lage und Verhältnisse der englischen Arbeiter eingehen. Die Lage des Proletariats ist überall die gleich elende, und für England liegt so viel Material über den Gegenstand vor, daß der Be- richt die vom Kongreß bestimmte Zeit bei weitem überschreiten müßte. Er wird sich also auf einen summarischen Ueberblick über die sozialistische Bewegung in England beschränken. Vor ungefähr 6 Jahren konnte von einer sozialistischen Bewegung in seinem Lande kaum die Rede sein. Man fand noch unbe- deutende Reste der alten Chartistenpartei unter dem Proletariat, ferner den Einfluß der sozialistischen Bewegungen des Konti- nents. Die Massen blieben von diesen Elementen unberührt, und ein heuchlerischer Liberalismus herrschte in politischer Be- ziehung. Die ökonomische Entwicklung hat dies geändert. Der Sozialismus ist zu einer Macht geworden, mit der man rechnen muß. Den Herrschenden flößt er Furcht, den Arbeitern Hoffnung ein. Die Reformler und Vertreter eines oberfläch- lichen Sozialismus sehen sich veranlaßt, sich das Beiwort sozio- listisch zuzulegen, um das Vertrauen der Masse behufs deren Täuschung weiter zu erhalten. Diese vorgeblichen Sozialisten der Bourgoisie leugnen jedoch das Prinzip des Klassenkampfes, und sie kümmern sich nur um das Wohl der Arbeiterklasse, wenn diese selbst für die Kosten dieses Wohles aufkommt. Diese Art von Sozialismus konnte höchstens die Trades-Unions oder richtiger einige von deren Fnhrenr gewinnen. Eine geistige Bewegung, welche in hervorragender Weise von Gliedern des Proletariats der Kopfarbeit getragen ward, änderte allmälig die Situation. Dank dieser Bewegung erwachte das englische Proletariat und erkannte seine Lage als Theil der Maschinerie. Die Propaganda an den Straßenecken, welche das kleine Häuflein überzeugter Sozialisten betrieb, trug ihre Früchte. Waren die Straßenredner früher von den Arbeitern selbst unterbrochen, ver- höhnt und ausgepfissen worden, so fanden sie jetzt eine aufmerksame Zuhörerschaft. Die Arbeiter sahen ein, daß unter den heutigen Verhältnissen die berühmte Organisation der Trades-Unions ollein unzulänglich sei, dem Proletariat menschenwürdige Be- dingungen zu schaffen. Man erkannte, daß die Trades-Unions nicht erzieherisch genug wirkten, und daß sie unter den moder- uen Verhältnissen immer weniger im Stande wären, die Ar- beiter ökonomisch zu schützen. Diese Erkenntniß trug dazu bei, daß sich der Sozialismus rasch ausbreitete. Ganz besonders wirkt zu letzterem Umstände mit, daß in England kein Gegen- fatz zwischen Arbeitern und Bauern besteht. Bei dem in wenige Hände konzcntrirten Großbesitz, der in England existirt, ist die Mehrzahl der englischen Landbevölkerung zu agrikalen Proletanern geworden. Dieselben bilden einen leicht entzünd- lichen Theil der englischen Bevölkerung und wer- den in Masse in die englische Bewegung eintreten. Von welcher Bedeutung die sozialistische Bewegung in England geworden, und wie dieselbe anfängt, die Haltung der politischen Parteien zu beeinflussen, beulet das Wort des Ministers Harcourt an, welcher erklärte:„Wir sind jetzt Alle Sozialisten." Die politischen Parteien wissen nicht, was thun, um so mehr, da die irische Frage, zu der die Sozia- listen Stellung genommen, die alten politischen Gruppirungen gesprengt hat. Ihrer Rathlosigkeit und Böswilligkeit gegenüber hat die Arbeiterklasse alles Vertrauen in das Parlament ver- lassen, das die sozialen Schäden mit kleinlichen Mitteln kuriren will, während es das Uebcl ruhig an der Wurzel weiter fteffen läßt. Um das Proletariat zu leithammeln, gefällt es der Reak- tion, wenn Arbeiter in das Parlament, wenn sie zu offiziellen Stellungen gelangen. So sind z. B. verschiedene Führer der Trades-Unions in das Schlepptau der Bourgeoisie ge- rathen. Die Bourgeoisie nimmt die einzelnen Führer der Arbeiter ins Parlament auf, um sie zu bestechen und um zu erfahren, wohin die Strömung unter den Arbeitem geht. Die Interessen des Volkes sind wie ein Ball, den sich die verschiedenen bür- oerlichen Parteien zuwerfen, für die es sich bei dem Spiel nur darum handelt, wer den Ball fangen und werfen wird. Unter solchen Verhältnissen ist das englssche Parlament mehr und mehr zu einem Ausschuß der herrschenden Klasse geworden. Die Sozialisten erwarten deshalb weniger von seiner Aktion, Wein gegeben? Geh', Sophie, bring' ihm geschwind ein Glas Wein!" Frau Sophie that, als hörte sie nicht, Herr Brazovics aber warf sich in einen Armstuhl, zog Timea zwischen seine Kniee, und streichelte freundlich ihr Haar mit seinen fetten Handtellern.„Und wo ist mein werther Freund, der Khazniar Bascha? Wo ist er?" „Der ist unterwegs gestorben," sagte Timar leise. „Ah, das ist fatal!" sagte Herr Brazovics, indem er sich bemühte, seinem runden Gesicht eine fünfeckige Form zu geben, und die Hand vom Kopf des Kindes ziehend.„Es ist ihm aber doch sonst kein Unglück passirt?" Eine kuriose Frage das. Aber Michael verstand sie. „Sein Vermögen hat er mir anvertraut, um es Ihnen sammt seiner Tochter zu übergeben; Sie sollen ihr Pflege- vater und der Verwalter ihres Vermögens sein." Auf dieses Wort wurde Herr Brazovics wieder senti- mental; er nahm den Kopf Timeas zwischen beide Hände, und drückte ihn an seine Brust.„Als ob sie mein eigenes Kind wäre! Ich will sie betrachten, wie meine leibliche Tochter." Und nun ging es wieder Schmatz! Schmatz! einen Kuß um den andern auf Stirn und Wange des armen Opfers.„Und was ist hier in dem Kästchen?" „Das mir anvertraute Geld, das ich ihnen über- geben soll." „Ah, sehr aut, Michael! Wie viel ist darin?" „Tauseno Dukaten." „Was," schrie Herr Brazovics, und schob Timea von seinen Knieen weg-„nur tausend Dukaten? Michael, das andere Geld hast Du gestohlen!" Auf Timars Gesicht zuckte etwas.„Hier ist das eigenhändig geschriebene Testament des Verstorbenen. Er selbst schreibt darin, daß er mir tausend Dukaten baares Geld über- geben hat, sein übriges Vermögen steckt in der Schiffsladung, die aus zehntausend Metzen Weizen besteht." „Ah, das ist etwas Anderes. Zehntausend Metzen Weizen, der Metzen zu zwölf Gulden fünfzig Kreuzer Wiener Wäh- rung, das macht Hundertfünfundzwanzigtausend Gulden, oder 50 000 Gulden Silber. Komm her, kleiner Schatz, und setze Dich auf meine Knie; nicht wahr. Du bist müde? als von der der„covoiy-councüs", der Gemeinde- und Provinz- rälhe. So betheiligen sie sich mehr an den Wahlen zu den letzteren Körperschaften, als an den Legislativwah'.en.— Der Sozialismus ist es auch, welcher in England dem Jingoismus, d. h. dem Mordspatriotismus entgegentritt. Die sozialistische Bewegung muß intemational sein, und dadurch tritt sie überall dem Chauvinismus entgegen. Die Organisationen, in welchen das sozialistisch gesinnte Proletariat gruppirt ist, lassen noch viel zu wünschen übrig. Daß dem so ist, sind et zum Theil seine Erklärung darin, daß ein trügerischer Scheinliberalismus der Masse eine relativ große politische Freiheit ließ. Aber die ökonomische Ahhängigkeit macht diese Freiheit mit jedem Tag mehr illusorisch. Die englische Bourgeoisie erweist sich dem Proletariat gegenüber als die elendeste und grausamste aller Bourgeoisien, denen sie durch ihre raffinirte, zum System er- hobene Heuchelei überlegen ist. Politische Reformen können der Lage gegenüber nichts helfen, dies kann nur einzig und allein eine durch das Volk bewerkstelligte Umgestaltung der Gesellschaft thun. Diese Umgestaltung, welche auf einer neuen Wirthschaftsordnung beruht, wird den Arbeitern zu ihrem Recht verhelfen. Die Arbeit wird durch eine zweckgemäße Orga- nisation ihrer Mühen entkleidet werden, sie wird zu der„anziehen- den" Arbeit, von der Fourier gesprochen. Gegenwärtig ist die neue Arbeiterpartei noch im Entstehen, in der Bildung begriffen. Die Trades-Unions sind nicht mehr die berufenen Vertreter der Arbeiterbewegung. In ihrer alten Gestalt und Charakter gehen dieselben ihrer Auflösung entgegen. Binnen kurzem wird der größte Theil der Trades-Unions mit sozialistischem Geiste erfüllt sein, zum Träger der sozialistischen Bewegung werden. Der übrige Theil wird reaktionär bleiben und all- mäl'g verschwinden. Aktuell giebt es zwei größere sozialistische Fraktionen in England, die„sozialistische Liga" und die„sozial- demokratische Federation". Jede von ihnen hat ihre Organe, erstere„Commonweal" und letztere„Justice", sowie eine Zeit- schrift. Die Bewegung ist entschieden international, und wenn eS auf dem Kontinente erscheint, daß die englischen Sozialisten nur langsam marschiren, so darf man nicht vergessen, daß die- selben ihrem Rationalcharakter entsprechend praktische Leute sind. Sie gehen langsam und sicher, aber wohin sie einmal den Fuß gestellt, von da weichen sie auch um keinen Schritt zurück. (Lebhafter Beifall.) Dr. Adler aus Wien verbreitet sich dann in längerer, sehr geistreicher Rede über die sozialistische Bewegung in Oester- reich. Mit Stolz kann er darauf verweisen, daß in Oesterreich eine lebensfähige sozialistische Partei eristirt, welche arbeitet und nicht vor Schwierigkeiten zurückschreckt. Tausende von Sozialisten aus allen Theilen des Landes haben ihn beauftragt, auf dem internationalen Kongreß die sozialistischen Vertreter aller Länder zu begrüßen. Es war ihnen unmöglich, ihrem Repräsentanten ein anderes Mandat durch Versammlungen und Vereine zu ertheilen. Die österreichische Freiheit ist nämlich ein eigenes Ding, welches die Mitte zwischen der deutschen und der russi- schen Freiheit hält. Sie ist deutsch, was ihre Form, sie ist russisch, was ihre Ausführung anbelangt. England und Frank- reich ausgenommen, hat vielleicht kein Land Europa's liberal gefaßtere Gesetze wie Oesterreichs Es gleicht in dieser Beziehung ast einer Republik an deren Spitze nur kein Präsident, son- lern Seine Majestät der Kaiser steht. Das Schlimme dabei ist nur, daß in Oesterreich nicht das Gesetz ist, was im Kodex steht, sondern das, was jeder Polizeikommissar will. Der Polizeikommissar hat das Recht, Alles zu konfiziren, und er macht von seinem Recht Gebrauch. Mit diesen eigenthümlichen Verhältnissen muß die Arbeiterbewegung in Oesterreich zählen, und sie besitzt ihnen zu Folge keine feste Basis, auf die sie sich stellen könnte. Schon mehrere Male war die österreichische Bewegung sehr stark, und stets war sie gelödtet, ohne daß es besonderer Ausnahmegesetze bedurft hätte. Zwar ist in den letzten Jahren ein solches, das Gesetz gegen die Anarchisten, in Kraft getreten, allein dasselbe ändert an der Situation nichts. Es kann den Sozialisten gleich sein, ob sie von Richtern oder Geschworenen verurtheilt werden, vcrurtheilt werden sie so oder so. Bekanntlich kam 1884 gegen die anarchistischen Elemente das Ausnahmegesetz zu Stande. Wie dasselbe gehandhabt wird, zeigt die Thalsache, daß in einer einzigen Woche von 1884 mehr als 400 Männer aus Wien und Florisdorf ausgewiesen wurde; die Mehrzahl der Aus- aewiefenen waren harmlose Leute, welche die Polizei aus den Listen der Gewerkschaften schöpfte. Wer zu dem Vorstand einer Gewerkschaft gehörte und nicht aus Wien war, der ward unter allen Umständen ausgewiesen. Die junge Arbeiter- bewegung ward durch das Gesetz mit einem Schlag getödtet. Nun ist für die österreichische Regierung charakteristisch, daß sie nie Etwas lange aushält, weder die Gerechtigkeit, noch die Repressivmaßregeln. Aus die letzteren folgt regelmäßig binnen kurzem eine Besserung, gemischt mit Schlamperei, auf die Schlamperei wieder die Strenge und so fort. Dieser Umstand kam der österreichischen Bewegung zu Statten. Unter der Arbeiterpartei bestanden tiefgehende Zwistigkeiten, die sich hauptsächlich darum drehten, ob sich die Arbeiter als poli- Und hat mein treuer, unvergeßlicher Freund mir sonst noch etwas befohlen?" „Er trug mir auf, Ihnen zu sagen, Sie möchten per- sönlich dabei sein, wenn die Säcke ausgeleert werden, damit man die Frucht nicht austauscht, denn er hat reinen Weizen gebracht." „Natürlich werde ich dort sein, in eigener Person. Wie sollte ich nicht! Und wo ist das Schiff mit dem Getreide?" „Unterhalb Almas, auf dem Gmnde der Donau." Nun aber stieß Herr Brazovics Timea von sich und sprang wüthend vom Stuhl auf.„Was, mein schönes Schiff untergegangen, mitsammt den zehntausend Metzen Weizen? O, Ihr Galgenstricke, Ihr Schurken! Gewiß wäret Ihr Alle betrunken. Ich lasse Euch Alle einsperren. Den Steuermann lasse ich in Eisen schlagen. Euch Allen halt' ich die Löhnung zurück. Auf Deine Kaution aber von zehn- tausend Gulden lege ich Beschlag; Du bekommst sie nicht heraus. Geh' klagen, wenn Du willst." „Ihr Schiff war nicht mehr werth, als sechstausend Gulden, und ist zum vollen Werth bei der Komorner Schiffsassekuranz versichert. Sie sind zu keinem Schaden gekommen." „Wenn hundertmal, deshalb verlange ich doch Schaden- ersatz von Dir, wegen des l»nrnm cessans. Weißt Du, was das loci um ceseans ist? Nun, wenn Du es weißt, so begreifft Du auch, daß Deine zehntausend Gulden Kaution bis auf den letzten Kreuzer draufgehen." „Sei's darum/'jantwortete Timar ruhig.„Darüber sprechen wir ein andennal. Das hat noch Zeit; aber jetzt müssen wir überlegen, was mit der versunkenen Schiffsladung zu geschehen hat; denn je länger sie unter Wasser bleibt, um so schneller geht sie zu Grunde." „Was kümmert's mich, was mit ihr geschieht." „Also Sie wollen sie nicht übernehmen? Sie wollen nicht persönlich anwesend sein bei der Bergung?" „Den Teufels auch will ich. Was soll ich mit zehn- tausend Metzen ertränktem Weizen anfangen? Ich werde doch nicht Stärke machen sollen aus zehntausend Metzen Frucht? Oder soll ich Mehlkleister daraus bereiten? Der tiscbe Partei, mit dem allgemeinen direkten Stimmrecht konstituiren sollte oder nicht. Tie Arbeiter hatten um? zwar das Stimmrecht noch nicht und werden eS auch scheinlich nicht so bald haben. Allein die Frage ßS�. ander platzen ließen. So zerfiel die sozialistische Parici_ reiche in die sogenannten radikalen und gemäßigten® � Eine Einigung ward erst möglich, nachdem die w'T � angebenden Persönlichkeiten verschwanden, für Prinzipienstreit nach und nach fast eine persönliche OOss» geworden war. Eine weitere Schwierigkeit ward der � lung der sozialistischen Bewegung durch das Gesetz u Kolportage bereitet. Jeder, der eine Zeitung verbreitete, wegen Verletzung des Preßgesetzes bestiaft werden. Auch die Nationalitätenfrage erweist sich oft als b' Jm Gegensatz zu der Bourgeoisie, welche in ihrer M Haß unter den Naiionalitäten schürt, zeigt zwischen den Proletariern der verschiedenen Länder a der größten Einigkeit und Sympathie. Allein dieser! heil der Nationalität mit der Verschiedenheit der Sprw dingt eine große Schwierigkeit für die Propaganda. � Dazu kommt, daß der Volksunterricht in den A Ländern, welche zu Oesterreich gehören, auf einem veya � und im Allgemeinen sehr niedrigen Niveau steht. L nand dem Katholischen hat man in Oesterreich mn Schwert im buchstäblichen Sinne des Wortes gegen mk-, bildung gewüthet. So ist Oesterreich nicht ein latholifaP sondern, was schlimmer, ein zurückgebliebenes Land. Trotz aller dieser Schwierigkeiten kann der Redner> ten, daß in den Distrikten, wo sich die moderne Jaduim � gesetzt hat, auch eine sozialistische Partei existirt, welche der Bourgeoisie Furcht einflößt. j Ein weiteres Moment, welches Oestenem, anderen Ländern unterscheidet, ist, daß wa.. noch Reste der alten Feubalität findet.% ij reich ganz,� in Deutschland thcilweise dieselbe" in"Oesterr eich noch eineservorragende lojj«-_ und unter dem Drucke der wuthschaftüchen Lage steht � wärtig im Begriff, sich in eine Bourgeoisie zu verwand nisterium bestätigt dann diesbezügliche Bestimmung�, � Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften einer solchen Beob_._______ zugeben, daß das Gesetz die Lage der Arbeiter in inrniffritz» nprfipfiVrf fmt hio 9Tiiflßß%r Industrie verbessert hat.' Das Gesetz zog die Austu� auf sich, auch war du- des österreichischen Proletariats...... inspektion besser wie in Deutschland, oder richtiger war noch nicht gut, aber wenigstens doch nicht so letztere. Die Zahl der Fabrikinspektoren war nicht Die Bourgeoisie behauptete, daß sie kein Geld für fowxi habe, der Militarismus verschlänge zu viel, und Geld hätte, würde sie eS doch auch nicht geben. GGjlw' 15 Fabrikinspektoren, deren Bitte bis jetzt unerhört gsbu.> möge einem jeden von ihnen ein junger Mann zugcstu � welcher sich nach und nach mit der Inspektion vertra»' und der ja so sehr billig zu haben sei. Trotzdem � Fabrikinspektion gute Dienste geleistet; sie hat die AuW* reit auf Zustände gelenkt, die bis jetzt so gut wie uu geblieben., � Der Arbeiterbewegung kam ferner zu statten, dav: Industrie ein kleiner Aufschwung zu verzeichnen Folge davon war, daß es auch den Arbeitern ßima ging; es ward ihnen möglich, sich hier und da Kapitalisten aufzubäumen, und sie thaten dies auch," f,< ihre Lage zu verbessern. Der sozialistischen Bewegung; auch die bestehenden Zwangsgenosscnschasten zu? Sozialisten benutzten dieselben überall, wo sie dicsclt, fanden, um innerhalb der ossiziellen Organisation''- energische Propaganda und Agitation zu betreibe� konnten bei derselben um so energischer vorgehen, Zo 5� im Grunde wenig darauf ankam, ob der reaktionäre �! einer Zwangsgenossenschaft ausgelöst wurde. sm Wie denken nun die österreichischen Sozialisten. Frage der Arbeiterschutz-Gesetzgebung?. ij' Im Kampfe für die Emanzipation des Prolctorl � mit allen Mitteln darauf hingewirkt werden, das geistig und physisch zu heben. Die Arbeit crschutz-�'Zss l verwirklicht nicht etwa das Endnel der ArbeiterbewcgU� Teufel soll sich das Zeug holen, wenn er es �nn.". „Der freilich kaum; aber das Getreide m# W verkauft werden; die Müller, die Fabrikanten,,~ es a;,r «b» Uli, «kles, un Mn wir SZterschus Hygiene. sie hat zum Theil noch Interessen, welche denen des � geoisie entgegengesetzt sind. Deshalb liebäugelt sie was sich der Bourgeoisie entgegenstellt, also auch nnt beitern. Wie die Bourgeoisie in Gestalt eines pol'W"?�> ralismus mit den Arbeitern liebäugelt, so thut dicS o, dalität in Gestalt von Arbeiterschutzgesetzen. In existirt eine Arbeiterschutzgesetzgebung, welche, die der.�4 und Englands ausgenommen, die beste überhaupt 0� Arbeiterschutzgesetzgebung ist,— natürlich auf dem p Oesterreich hat den llstündigen Noi malarbeitStoS',» bot der Nachtarbeit der Kinder und Frauen f u. f. w.- wie es absolute Preßfreiheit W Y der Konfiskation hinterher. Das Gesetz f'ss?-«,- Normalarbeitstag, aber die Behörde kam für gewisse zwei, drei und noch mehr Stunden mehr�bewilligen, werden schon etwas dafür bieten, und auch die J welche Roth an Saatkorn haben; das Schiff wV». f geleert werden. So läßt sich wenigstens noch PSm herausschlagen." (Fortb Aus iTutn« unfr M»-»-«- S-tzmaschin- ist, wie der„Xck Zeitung aus London geschrieben wird, von einctf Samens Mergenthaler, konmA ifpsp WMffW vi«Qi n n eifl SC amerikanischen Erfinder,& in London aufgestellt. Diese Maschine, Linotypeml»� nannt, soll sür W Setzerei eine noch größere Umgcstß Folge haben als für die gewöhnliche Schrift d't/ Maschine, welche wegen ihres übermäßigen hohen Jw' (250— 450 M.) zunächst voraussichtlich noch keines � allgemeinere Verbreitung finden dürfte. Auch bei jjr Maschine findet sich eine vollständige Klaviatur � f die Form eines aufrechten Pianinos mit 4 Tasten,.v Berührung aus 60—80 senkrechten Kanälen k» � nach oben spazieren, sich aneinander reihen und, nirgend Lettern da sind, um eine Zeile zu bilden, �„ y zur Linken des Setzers gleiten; dieser setzt da f ebel in Bewegung, die Matrizen marschiren gegen � ein SR S �.eite eines Gußapparats, in welchem ein cfeutt.. ,1 schmelzendem Zustanve erhält, und 1 Sekunde nacyv � Satz stereotypirt. Zugleich werden die Matrizen � andere automalische Vorrichtung wieder in die Ho? � und in die Kanäle zurückgeführt. Der Setzer soü. je Maschine 6 Zeilen in der Minute setzen können. ,/ »FC i: Tagen erlernbar. Der Erfinder der Maschine behaA�' sie'/ o bis Vio der Zeit erspart, welche eine gewohn, j) Maschine in Anspruch nimmt, auch die Kostenerspar»'y ähnliches Verhältniß ergeben. Eine einzige aM �, Zeitung soll infolge Einführung der Linotypc-Mai® wöchentliche Ersp anriß von 6300 M. erzielt ha ,s die Matrizen nur für lateinische Lettern berechnet l" Maschine in deutschen Offizinen vorerst nicht venoen" Ü Ii 'und! mecht « 7«' i# rK st« Gesetz ud- �breitete, >en., : als bw ??Y nbet da nba. den m versff �blid die Proletarier fähig machen soll, das «WlMSKiSCS -W�WWWZ WKWRM Hygiene. vermeinen. ist, uns Aber auf was m diesen unserer Moment :gen die** Volittplhe Ueberstcht. fc!W'MÄZkK.»NW MK Our hßr e and. � ZS MMM'-UMZ estcrreilh , n# In ;a&5 ien der s mit dies die In-°- ae der d- deitsiag.- uen u. fj '# s/s "wngm-.? iften«/ r m der� AufmsK oar Sie � m cht ür � o wenn K Es g-F 'rt ged/if� ugeM«�, 'ertraut �. �%%!(; ■ rtrt Vv— Orr* kuchuna ft,,* zu bringen, und— um dieser Heim- entschied 1 dem Weg zu gehen und zum Schluß zu kommen, Elutionen mv l'ch sür summarische Annahme der Re- ylr zu», cm abweichende Ansichten hatte, konnte nach- ',?�usQd»(,, rt gekommen: und ist zum Wort gekommen, Hatte dn« m daß er sich nicht zu toll geberbete. Niiirden mi..P4 des Kongresses anders gehandelt, dann Und di-„5 gnnothigt gewesen sein, den ganzen Generalstab 10 Mann der„Anarchisten�— in Summa etwa milden o-�. �hinauszuwerfen, während es so mit einer einzigen Äem£?,? W gethan ivar. mein dof," M noch, daß alle Kongresse das miteinander ge- der letzte die nützlichen und praktischen Arbeiten erst in 3(ber den zwei letzten Sitzungen verrichtet werden. Mach« i,', Genosse, der die deutschen Parteikongresse mit- lehr natürlich das bestätigen. Und— es ist das ja auch 1 Si� r �'ichotttoemilitnabl in Halberstadt ist auf den ie Au wie n"' IP N, OUR! ien 'fit wegung i t«: SiSv .listen � M bestätigen. ggr T-mte Nn?�?werde, welche die Arbeiterdelegirten Schröder, Achtet n.r �teael an den Oberpräsidenten von Westsalen ge- nniben hat folgenden Wortlaut:„Ew. Exzellenz er- ?mtt,ch( uns gehorsamst mitzutheilen, daß die bisherige m Söetflie�,[uchung über die Berechtigung der Beschwerden �möglich. sn einer Weise geführt wird, welche es uns nicht haben, m' in dem Resultat der Untersuchung Vertrauen zu i? kine 9? ,d°n Mitgliedern der Untersuchunaskommifsson ,st h'sornii., M,. offenbar Partei, der andere Theil meist wenig vMuieu-n Ts? U'urer aber noch ist die Thatsache, daß die ver- .besten A�gleute meistens aus der Zahl der Knappschafts- Zehen, ober notorisch als die Günstlinge der Verwaltung Leitern„ den von der Zechenverwaltung vorgeschlagenen a>ee die RA�H'U'uen werden. Wollte man ein richtiges Bild i.elegschuk» �'Herden der Bergleute haben, dann mußte man die Kilver iu.�u.'-n Deputirten wählen lassen. So aber wird ein ob- ift M' hie wir K � w, ermittelt werden können. � Eine zweite w an ürsten Reichskanzler den Streik und eise beurtheilt hat, die für den ganzen rotestiren dagegen, prot-bü""t"una.e-Vereinigung bettanv oder geplant war. uen dagegen, daß der Zweck des für den 2. Juni Äir oroJ�jyuutionale Vereinigung bestand tYi ob irf>—•- ebc' L..idd CVr®ftQO Tff\ rck A fwdtfdl Mrtt* 5*"/ ob ich-y'.~.nayerte, fragie Mlcy einer ver moG; tle nichm" wäre, um der Erekution beizuwohnen. %or 8hn Volks m"/* llkhort, doch erfuhr ich von der Menge daß h"n Namen herum versammelt A ir vor,� ij f L Eine sandige Ebene breitet ssch vor Stg�«iniae o„rfl J�uppens zu sehen, � doch kamen bald >n ienle k y Sicht, die einen Tisch und ein paar Nntf-i. hineintrugen. Nun begann sich auch all- ob � einzufinden und plötzlich redete mich nack 2. gekommen wäre, um den„Spaß" zu «bO W ich de,,-3;? Richtung wendend, von welcher die Stimme mutz, besser t' Scharfnchter vor mir, der ein mächtiges Schwert beff-n wit zwei Händen geführt werden eilhf™ angemessen in einem ausgeschnitzten .. ele. WenigeMjnuten darauf langte eine Ab- «W« waren auf dem Rücken gebunden. �mer beklebten Täfelchen, welches an Ur. der am W-»-•' und n.'"»"! vtilt x"' auf einem mit Stock beseitigt 1- Setzt chochtT b�WogTO�M bem SÄnppen Me und feine Wächter stiegen ab. Es war verhungert aussehender Chinese. Lewe «, waren Er.witteilt eines Strickes auf dem Rücken yatte einen dünnen, schwarzen Schnurrbart, an L berufenen DelegirtentageS die Proklamation eines Streiks für das westliche Deutschland war. Uns ist von alledem nichts bekannt; wir müßten es aber wissen, wenn es die Wahrheit wäre. Die Versammlung vom 2. Juni sollte nur die be- rechtigten Beschwerden der Bergleute behandeln und gesetzliche Mittel zur Abhilfe in Berathung ziehen. An einen Streik hatte kein Mensch gedacht. Wir bitten Ew. Erzellenz gehorsamst, diese unsere beiden Beschwerden Hochgeneigtest berücklichtigen zu wollen und insbesondere der Dortmunder Handelskammer Ver- anlassung zugeben. Beweise für ihre Behauptungen beizubringen. Mit vollster Ergebenheit: Bunte. Schröder. Siegel." Der erste Beschwerdepnnkt ist durch die Verfügung beseitigt worden, daß Jedermann seine Beschwerde bei der Kommission vor- bringen kann. Unerhört harte Ktrafen haben diejenigen Walden- burger Bergleute getroffen, die sich in der ersten Aufregung der Lohnbewegung zu unüberlegten Schritten, Tumulten und Ge- waltthätigkeiten, hatten hinreißen lassen. Das„W. T. B." meldet darüber:„Schweidnitz, 25. Juli. Das Schwurgericht fällte heute die Urtheile gegen die erste Gruppe der aus Anlaß der Exzesse im Waldenburger Streikgebiet Angeklagten. Es wurden wegen schweren Landfriedensbruchs verurtheilt: der Arbeiter Henkel als Rädelsführer zu 7 Jahren Zuchthaus und 7 Jahren Ehrverlust, der Schlepper Sobek zu 3 Jahren, Schlepper Büttner und Lehrhauer Schiller zu 4 Jahren, Schlepper Scholz und Schlepper Schmidt zu je 5 Jahren, Schlepper Heydorn und Grubenarbeiter Zimmer zu je zwei Jahren, Schlepper Wilsch zu 3 Jahren, und Schlepper Konrad zu iz Jahren Zuchthaus. Ferner wurden unter Bewilligung mildernder Umstände 17 Schlepper zu 1 bis 4 Jahren Gefäng- niß, 5 wegen einfachen Landfriedensbruchs zu 1 bis 3 Jahren Gesängniß verurtheilt; Einer wurde freigesprochen."— Im Ganzen sind demnach mindestens 80 Zahre Zuchthaus oder Gefängniß verhängt worden. Uebe» die Unterschlagung bei der Marineverwaltung wird der„Weserzeitung" aus Kiel gemeldet, daß eine weitere Verhaftung aus Anlaß der Affaire der Teakholz- lieserungen stattgefunden hat und zwar diejenige des Werft- sekretärs L. Wie man erzählt, hatte L. von einer Bremer Firma ein Darlehn von einigen hundert Mark für feine Bemühungen beansprucht. Nach einer Mittheilung der„Schlesischen Zeitung" aus Kiel scheint die entdeckte Unterschlagung einen großen Um- fang zu haben. Am Montag wurde auch ein Oberkontroleur verhaftet und nach Kiel transportiert. Inzwischen hat sich in Berlin in der Nacht zum Dienstag ein in derselben Angelegen- heit Verhafteter, der Geheimsekretar Cremer, das Leben genom- men. Er öffnete sich die Pulsadern und wurde noch lebend in die Charitee überführt, wo er indessen bald verstarb. Die „Post" meldet, daß Cremer in der Sache gegen den„Ingenieur Pannack und Genossen in Kiel" verhaftet war. Damit ist zum ersten Male der Name desjenigen genannt, gegen welchen sich die Untersuchung zuerst richtete. Der Gntrüstungsrummel der Kolonialbrüder soll nun wirklich in Szene gesetzt werden. Die Berliner Sektion der „Deutschen Kolonialgeicllschaft" soll noch in dieser Woche eine Versammlung abhalten wollen, in welcher, wie es heißt, durch einen besonderen Beschluß Einspruch erhoben werden soll gegen die Schwierigkeiten, die dem deutschen Eminunternehmen von englischer Seite bereitet werden. Wie D« mir, so ich Dir. Die„Aach. Ztg." erzählt folgendes:„Kürzlich sprach ein bekannter deutscher Zentrums- abgeordneter einen ehemaligen russischen Minister, der noch bis vor nicht langer Zeit im Amte war, und erklärte diesem, cS sei doch ein Unrecht, so gegen das Deutschthum in den Ostsee- Provinzen vorzugehen.„Wüßte ich nicht," antwortete die Exzellenz,„wir haben es ja grade von den Deutschen gelernt." „Wenn's nicht wahr sein lallte," bemerkt dazu die„Franks. Ztg.",„ist's gut erfunden." Eiertd des Volke». In Lausanne faßte eine Lehrerin einer Primarschule in der Klasse folgendes Brieflein ab, daS eine Schülerin einer andern zustecken wollte:„Hiermit ein kleines Brieflein, um Dir zu sagen, daß ich seit Montag nicht mehr zu Morgen gespeist habe und ich kein Geld habe, um mich zu ernähren. Ich habe es Niemanden gesagt, aber sage eS der Marie nicht. Seit Sonntag habe ich alle Tage geweint und ich bin sehr unglücklich mit meiner Mutter. Niemand weiß es als Du. Aber ich sage Dir, baß wenn ich nicht an das Kinderfest kommen kann, ich mich im See ertränken werde, da ich nicht einmal 5 Cents besitze zu einem Spielball. Ich habe sehr Hunger. Antworte. Meine Grüße E. B." Eine andere Lehrerin einer Primarschule stellte ein Mädchen, das abge- magert und leidend aussah, zur Rede und brachte nach ein- dringlichen Fragen aus demselben heraus, daß es seit einigen Tagen nichts gegessen habe.— Geholfen wurde in beiden Fällen sofort; aber wer hilft den Tausenden, deren Leiden nicht zur Kenntniß von hilfsbereiten und zu helfen in der Lage besindlichen Leuten kommt? Den Tausenden, die verkümmern und verderben von frühester Jugend an, weil Jedem, der nicht zu allernächst und zu allermeist für sich selber sorgt, das gleiche Schicksal droht in unserer heutigen Gefellschaft? dem sich kleine Eiszapfen geformt hatten. Das Haar auf seinem unrasirten Kopf war lang gewachsen. Niemand redete ihn an. Er sprach zu Niemandem. Das einzige Zeichen, daß er sich um das, was um ihn vorging, kümmerte, war, daß er zweimal mit scharfem Auge nach dem Schuppen blickte. Es war ein Bild des Jammers. Fast nackt wie er war, mußte die bittere Kälte ihn ganz starr gemacht haben. Wenige Minuten darauf sah man im eiligen Trabe einen kleinen Wagen auf den Schuvpen zufahren, derselbe hielt vor demselben an und ein Mandarin stieg aus. Die Wächter schoben nun den Ge- fangencn nach dem Eingänge des Schuppens, zwangen ihn, seinen Kopf vor dem Mandarin zu beugen, und schleppten ihn dann schreiend wiederum bis zur Entfernung von wenigen Schritten von dem Schuppen. Kurze Zeit darauf sah ich eine Gruppe von Männer» um den knieenden Verbrecher stehen; dieselben hielten ihn eine Armlänge von sich, ihre Gesichter weggewendet und ihre Köpfe so weil wie möglich entfernt haltend. Die Volksmenge nahm mir im nächsten Augenblick die Ansicht weg, ich hörte einen dumpfen Schall. Das Volk sing an, sich im nächsten Augen- blicke zu zerstreuen und jetzt sahIman auf dem sandigen Boden den Kopf des Mannes liegen, die Züge unverändert, ausge- nommen, daß die Augen geschlossen waren. Um den Körper herum stand eine Schaar von jungen Leuten und Knaben, der Mandarin bestieg wiederum sein Fuhrwerk und fuhr fort. Zwei Männer knüpften das Ende des Zopfes des Hinge- richteten an das lange Haar, welches sich in der Nähe der Schläfe befand und befestigten eine etwa 10 Fuß lange Stange an das Haupt, welches sie darauf zum Hamen trugen. Inzwischen waren dem Leichnam seine Fesseln und Lumpen abgenommen worden, der Strick, mit welchem die Arme gebunden gewesen waren, wurde an die Knöchel befestigt und nun wurde der Körper, mit der Brust niederwärts, auf dem Sande nach dem Loche geschleift, welches sich wenige Schritte von ber Stelle der Hinnchtung befand. In die flache Aushöhlung wurde der Körper geworfen und die beiden Leute fingen an, Sand über ihn zu werfen. Ein Knabe versuchte, mit einem Messer ein Stück Fleisch von dem Nacken des Hingerichteten auszuschneiden; er wurde nicht unterbrochen, doch gelang ihm sein Versuch nicht— die Männer, welche das Einscharren be- sorgten, ftagten ihn aber nur, warum er nicht ein scharfes Messer mitgebracht hätte. Mehrere Leute, die herumstanden, fragten den Buben, wozu er das Fleisch gebrauchen wollte, doch gab er ihnen nur zur Antwort:„Ich gebrauche es zu etwas." Der Tisch und die Stühle wurden wieder fortgeschafft, Der Hultan von Sansibar äußerte sich, wie dem„Verl. Tageblatt" zufolge dem„New-Hork Herald" aus Sansibar gc- meldet wird, in einer Unterredung mit dem Korrespondenten des„New-Hork Herald" sehr abfällig und verdrießlich über bie Deutschen, die ihn bitter getäuscht hätten, und bezeichnete die Niederbrennung der Kllstenstädte und die Niedermetzelung der Eingeborenen als zwecklos und grausam. Hätten die Deutschen mehr Geduld gehabt, so wäre es ihm, dem Sultan, möglich geworden. Alles wieder friedlich ins richtige Geleise zu bringen; seine ganze Hoffnung beruhe jetzt auf England. Der Korrespondent des„Herald" ist auf dem Wege, Buschiri zu interviewen. Ans Gftafrika meldet ein Telegramm des Reutersschen Bureaus folgendes:„Sansibar, 24. Juli. Ein Angestellter der Deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft, welcher von dem Innern an der Küste angekommen ist, meldet, daß er mit einem Gefährten in Jmpwapua von Buschiri angegriffen worden sei. Er sei entkommen, sein Gefährte aber getödlet worden."— Der berühmte Buschiri lebt also noch und scheint sich auch nicht be- sonders geschlagen zu fühlen. Der bis zum Himmel gehobene Ruhm des Hauptmanns Wißmann schrumpft dadurch ziem- lich ein. Großbritannien. Der Ap a n a g en- A us s ch uß des Hauses der Gemeinen beendigte seine Arbeiten und einigte sich über seinen Bericht. Derselbe befünvortet eine Erhöhung der Apa- nage des Prinzen von Wales um 9000 Lstrl. per Quartal, aber hält gleichzeitig die Berechtigung der Königin aufrecht, sich an daS Parlament um Dotationen für andere Enkelkinder zu wenden. Mr. Gladstone's Zusatzanträge zu letzterer Be- stimmnng wurden verworfen, und infolge dessen stimmten Mr. Morley und verschiedene andere Mitglieder des Ausschusses gegen jedwede Erhöhung der Apanage des Thronfolgers. Die von der Regierung vorgeschlagene Erhöhung um 10000 Lstrl. per Quartal wurde auf Antrag Mr. Gladstones auf 9000 Lstrl. herabgesetzt, welches Amendement die Regierung annahm, ohne es*u einer Abstimmung kommen zu lassen.— Labouchere wird den Antrag auf Erhöhung der Apanage des Thronfolger? um 36 000 Lstrl. per annum mit folgendem Zusatzantrag be- kämpfen:„Es möge der Königin eine Adresse überreicht wer- den, welche vorstellt, daß in dem Ermessen des Hauses der Ge- meinen die gegenwärtig zur Verfügung der königlichen Famil-e stehenden Gelder vollauf hinreichen, um Fürsorge für die Enkel- kinder der Königin zu treffen, ohne weitere Anforderungen au. die Steuerzahler zu stellen, und daß, wenn weitere Summen erforderlich sind, dieselben durch die Abschaffung der über- flüssigen Aemter im königlichen Haushalt erlangt werde« sollten." Frankreich. Von der Oktroi- und Armenverwaltung sind etwa dreißig Beamte wegen Verbindung mit den Boulaiip'it.n ihrer Posten enthoben worden. Rochefort hat einen Ausius an die Wähler von Belleville erlassen, in welchem er die Kanvi- batur für die Deputirten kammer annimmt. Ändrieux mackt!>.- kannt, daß er die Gehälter der im Arondissement Foicalymer entlassenen Beamten bezahlen werde, bis dieselben wieder irr ihre Stellen mit Beförderung eingesetzt sein würden. K-lgi-n. In La Lou viere herrschte letzte Woche große Berne- guna. Der verhaftete Lockspitzel P o u b a i x ist bankerott erklärt worden und sein Haus(er war Druckereibesitzer) sollte öffenilick versteigert werden. Um den Besitz dieses Hauses, für das er 20000 Fr. bezahlte, entspann sich ein erbitterter Kampf. Dm Klerikalen wollten das Haus erringen, um ein Werk be« heiligen Joseph in ihm unterzubringen. Die Sozialisten der kooperativen Bäckerei in Joliment waren entschloffen, das Hans anzukaufen und es zum MaKon du peupe umzugestalten. Die Letzteren blieben mit 27 500 Fr. die Sieger. Meverstchk. Aufruf an alle Maurer Deutschland». Da alle Ver- suche von Seiten der Unternehmer, unseren Streik zu vereiteln, an dem Zielbewußtsein der gesammten deutschen Arbeitersckafr gescheitert sind, wagt es jetzt die Innung von Neuem, uns mit allerhand lügenhasten Berichten und Entstellungen bei dein Publikum in Mißkredit zu bringen und glaubt dadurch die Aufmerksamkeit der Behörde, die so wie'so schon scharf genug aus uns sieht, noch immer mehr auf uns zu lenken. Es be- findet sich in der Nr. 58 der von Herrn Fetisch redigirteu „Baugewerks-Zeitung" ein Artikel, worin er das jetzt noch bestehende Zentral-Bureau deutlich namhaft macht. In der vorhergehenden Nummer schreibt derselbe Herr, daß die noch namhaft zu machenden Streikführer in dieser BctUperiode keine Arbeit erhalten sollen, in der anderen Nummer veröffentlicht er die Namen auf indirektem Weae,(Nun, wir verzichten auf die Arbeit dieser Herren, die thatsächlich keine Arbeit Haben und der Schuppen abgebrochen, das Volk hatte sich bis auf den letzten Mann zerstreut und alles war wieder still. Als ich einige Tage später den Platz der Erekution passirte, sah ick die Fersen des Hingerichteten aus dem Sande heroorstrecken, einen seiner Arme hatten scheinbar Hunde abgefressen. Gin chinesische»' Zahnarzt. Aus New-Hork wird der „Frkf. Ztg." geschrieben: Den in Rew-Hork lebenden praktische» chinesischen Aerzten hat sich vor wenigen Wochen auch ein Zahn- arzt aus dem himmlischen Reiche zugesellt, welcher sich rühmen darf, der einzige seiner Art nicht nur in New-Bork, sonder« in ganz Amerika zu sein. Dr. Ah Li ist infolge dieser Konkurrenzlosigkcit seit dem Tage seiner Ankunft dernrr von Patienten bestürmt, daß sein Hiersein nicht lange ver- borgen bleiben konnte, obgleich die meisten Ereignisse des chinesischen Viertels gewöhnlich tiefstes GcHcimniß bleiben. Es thut wohl, berichten zu dürfen, daß Dr. Ah Li weit über seine prak- tischen Herren Kollegen hinausragt und beinahe so viel versteht, wie ein angehender Dorfbarbier; zu tadeln sind nur seine äußerst primitiven Werkzeuge und die Art und Weise, in welcher er seinen Kunden die Zähne ausbricht— bricht im wahren Sinne des Wortes. Dr. Ah Li empfängt seine Be- suchen in einem gänzlich schmucklosen Räume, ohne bequeme Stühle, ohne Waschbecken, ohne dcntistische Apparate una nöthigt sie förmlich zum— Niederknien. Auf dem einzigen niedrigen Holzsessel nimmt er selber Platz. Nun packt er den Kopf des vor ihm Knienden mit beiden Händen, giebt ihm einen Ruck, daß er auf den Rücken fällt und der Kopf also, das GesicU nach oben, auf den Schooß des Doktors zu liegen kommt. Der Patient ist nun unrettbar seinem Schicksale verfallen. Der Doktor klemmt den Kopf des Ersteren zwischen seine Knie und hälr fest wie der grimme Tod, während er mit der Linken die Kiefern des Patienten auseinander zwängt, mit der Rechten den Zahn ausbricht. Dies geschieht vermittelst einer großen Zange, aber mit einer Schnelligkeit, die wahrhaft verblüffen b wirkt und von amerikanischen oder europäischen Zahnärzten trotz aller Geschicklichkeit noch nicht erreicht ist. Allerdings soll das Abbrechen der Zähne bei Herrn Ah Li zu den gnvötir lichsten Vorkommnissen gehören, dafür ist er aber wiederum Meister im Ausfüllen hohler Zähne mit einer besonderen Su! stanz, welche hart unb glänzend wird, sobald sie in die Zah süllung geflossen ist. Außerdem benutzt der Doktor lec schwierigen Operationen eine schmerztödtende Flüssigkeit chineu scher Mache, die vielleicht den europäischen Kollegen etwas zu rathen aufgiebt. nur Hetzen und denunziren). Zweitens ist von dem Bund eine schwarze Liste angefertigt worden, worin verschiedene Namen genannt sind, die entweder gar nicht existiren, oder eS sind solche Kollegen, die Ihatsächlich gar nicht in der Bewegung stehen. Die bekommen auf irgend einem Bau Feierabend, weil sie keine Marken nehmen oder nicht im Akkord arbeiten wollen. Sie sind dann in der schwarzen Liste, und werden, wenn sie wieder auf einem anderen Bau anfangen, sofort entlasten. Wie nun bekannt, hatten die Maurer Berlins beschlossen, daß über ver- schiedene Äauterr die Sperre verhängt werden sollte, und hatten diese Angelegenheit dem Zentralkomitee überlassen. Der erste von diesen Bauten war der in der Willibald-Älexisstr. 9—10 snicht Ufer, wie Herr Fetisch schreibt) und wir hatten dazu eine Avnonze im„Berliner Volksblatt"' veröffentlicht. Bemerkt sei noch, daß dieses der Bau ist, wo während der Streikzeit gcar- beitet wurde, und die Arbeit so mangelhaft ausgeführt ist, daß sie am Dienstag, den 23. d. M., Vormittags um%12 Uhr, mit donnerndem Krach und Getöse einstürzte, und einige von unseren Mitkämpfern unter ihren Trümmern begrub. Wenn nun auf diesem Bau die Sperre noch ein paar Tage gedauert hätte, so wären unsere Getreuen nicht unter den Trümmern begraben. Die Leute, die dieses gemauert haben, sind nämlich die von der Innung so vielgevriesenen guten, fleißigen Gesellen, die sich von den Hetzern nicht verleiten lassen. Diese unsere Annonze druckt die„Baugewerksztg." ab und bemerkt dazu:„So darf öffentlich die Vehme ausgesprochen werden!" Ja, wenn man eine Parallele zwischen den oben angeführten schwarzen Listen und der Bausperre zieht, so mag wohl jeder denkende Mensch, der nicht zu viel die Nacht über geschwiemelt hat, daraus finden, wo die Vehme ist! Darum, Brüder der Arbeit, so schwer unser Kampf auch war, können wir doch wohl sagen, daß die Erfolge, die wir bis jetzt nr ringen haben, nur gute zu nennen sind, und richten wir ucchmals die dringende Bitte an alle diejenigen, die es sich zr m Ziele gesteckt haben, daß eine Verbesserung unserer Lage errungen wird, daß sie sich nicht durch derartige Machinationen einschüchtern lassen, sondern unentwegt den Bahnen folgen, die wir uns vorgesteckt haben: 9 stündige Arbeitszeit, 60 Pf. Stundenlohn. Euch, Brüdern der Arbeit, ist ja bekannt: Der schlechtste Mann im ganzen Land— Das ist und bleibt der Denunziant. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. Mit kollegialischem Gruß! Wilhelm Kerstan, Lübbener- straße 4. KB. Die noch ausstehenden Sammellisten sind so schnell wie möglich an obige Adresse einzusendm. Gründlich reingefallen sind die deutschen Buchdrucker- Prinzipale. Unfern Lesern wird noch in Erinnerung sein, daß vor zwei Jahren ein großer Theil der Prinzipale sich der Ein- führung eines für die Gehilfen günstiger lautenden Tarifs bestig widersetzte, trotzdem die Einführung desselben von der Majorität der Prinzipale gebilligt war. Da sich diese Leute selber an der Abstimmung darüber betheiligten, so mußte man doch annehmen, daß sie auch geneigt waren, dem Willen der Majorität sich unterzuordnen. Da kannte man aber diese Leutchen schlecht. Die Begeisterung für die„Ordnung", welche sie sonst immer zur Schau zu tragen pflegen, war vollständig futsch, als sie sahen, daß sie in der Minorität blieben. Ihr Zorn ging soweit, ihre eigene Zentralleitung mit Beschuldigungen zu über- häufen. Man verlangte eine neue Abstimmung und fing mit den Gehilfen auf eigene Faust Krieg an. Der Spektakel war so groß, daß die Zentralleitung trotz heftigen Sträubens sich doch endlich herbeiließ, eine neue Abstimmung vornehmen zu lassen. Das Resultat war, daß die Majorität nun wieder geneigt war, zu revidiren, natürlich nach rückwärts. Aber auch die Ge- Hilfen waren nunmehr geneigt, eine neue Revision vorzu- nehmen, und zwar nach vorwärts. Diese mit großer Majorität von den Gehilfen gegebene prompte Antwort ist den Herren nun gewaltig in die G ieder gefahren. Vergessen ist, daß sie es waren, welchen der Stand der Dinge nicht behagte, vergessen, daß sie den getroffenen Vereinbarungen zum Hohn die frühere Abstimmung nicht anerkennen wollten, jetzt schimpfen sie wie die Rohrspatzen auf die„unverschämten" Gehilfen, die von Agitatoren verhetzt seien und denen man nun energisch entgegentreten müsse. Die Gehilfen sollten erst dafür sorgen, daß der kürzlich angenommene Tarif auch allgemein zur Durch- führung gelange ic. Ein kleiner Krauter vom Dorfe macht den genialen Vorschlag, es sollten sich die Zeitungsverleger, falls es zum Streik käme— und dazu käme es, denn die Prinzipale würden sich nichts bieten lassen— schon jetzt darüber einigen, nur eine einzige Zeitung erscheinen zu lassen und die Kunden immer darauf vorzubereiten, daß möglicherweise die Lieferungsfristen durch einen Streik unterbrochen werben können. Vielleicht wäre es noch praktischer, die Zeitungsverleger druckten ihre Zeitungen gleich auf ein halbes Jahr voraus. Wenn nur der Datum stimmt, es merken die Kartellbrüder— denn deren Zeitungen können ja hier nur in Frage kommen— sicherlich nichts davon.— Interessant aber ist es, wie dieselben Leute aus heftigsten Gegnern des bestehenden Tarifs zu eifrigsten Vertheibiaern desselben geworden sind, als sie merkten, die Ge- Hilfenschaft lasse keinen Spaß mit sich treiben. Die Herren mögen sich das hinter die Ohren schreiben und nicht wieder den Teufel an die Wand malen. Schneeberg(i. Erzgebirge), 22. Juli. Mit welchen Löhnen sich vielfach die erzgebirgischen Arbeiter und insbeson- dere die Arbeiterinnen begnügen müssen, geht aufs Neue aus einem Bericht hervor, der neuerdings die Runde durch eine Reihe sächsischer Zeitungen gemacht hat. Jenem Berichte zu- folge zahlt eine schwunghaft betriebene hiesige Puppenfabrik sür das Kleben von hundert Dutzend Puppenarmen(die Puppe ist etwa 12 Zentimeter groß) eine Mark. Da aber die Arbeiterin den Leim selbst zu liesern hat, so bleiben ihr höchstens 50 Pfg. als Verdienst. Das Ausfüllen der Puppenarme mit Säge- spänen und das Verpacken derselben in Packete von je sechs Dutzend wird für je 100 Dutzend mit drei Mark bezahlt, na- türlich müssen auch hier die Sägespäne von der Arbeiterin ge- liefert werden. Für das Ankleben der Köpfe, AuSwattiren der Brust und das Annähen von Rock, Hose und Gürtel werden pro Dutzend 20 Pfennige bezahlt. Von dieser letzteren Arbeit kann eine sehr fleißige Frau an einem Tage kaum mehr als ein Dutzend fertig stellen, wenn also ein täglicher Verdienst von 30 Pfemrige erzielt wird, so kann die Arbeiterin schon sehr zufrieden sein. In Schneeberg und Umgegend sind gegen 100 Arbeiterinnen bei der Puppenfabrikation be- schäftigt. VerlÄmmlmrgen. Dir Generalversammlnng de» sozialdemobrati� Mablvrrei«« des 6. Berliner Reichstagswahlkreises, am Dienstag, den 23. d. M., im Deutschen Volksthealer � verfiel nach kurzer Dauer der Auflösung. Auf der% Ordnung stand: 1. Wahl eines zweiten KassirerL und W; visoren. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Verschiedenes und R kästen. Zum zweiten Kassirer wurde Herr Karl Treidel M zu Revisoren die Herren Kuntze, Barth und Lützo. 9% gab der Vorsitzende einen Ueberblick über die beim Wl Präsidium angemeldeten Versammlungen. Genehmigt � 4 und zwar mit folgenderr Thematas: Ueber den Umstm bestehenden Gesellschaftsordnung, Referent Herr Stadlha� Die Aufgaben und Arbeiten des Reichstages, Referent Herr�s — Die Zersetzung der bürgerlichen Parteien, Reserew' Baake.— Die Arbeiter und die heutige Sozialreform, W Herr Schippel.— Nicht genehmigt wurden folgende! Verhandlungen des Reichstages, Referent Herr, knecht.— Kapital und Arbeit, Referent Herr Am» Der Maximal- Arheitstag, Referent Herr A!>|v Nachdem dieses erledigt war, gab der Kassirer den K, bericht; Einnahmen 176,79 M., Ausgabe 138,10 M-. � Kassenbestand 38,69 M. Nach Verlesung dieses Berichts� dem Kassirer Decharge ertheilt. Unter„Verschiedenes" der Vorsitzende die Mitglieder, die nächste GeneralverMM®� etwas zahlreicher zu befuchen und überhaupt mehr W'f für den Verein zu treiben. Im letzten Punkt: Fraget� nfrTnß h�r fnlnirnhe» hßf r . Arne; lZwemnu ichildeni. dlt treib, haben. Ties. Klei konnten, S"'l nationale Arbeiterkongreß uns zum Vorlheil und woriti i' derselbe? Hierauf erhob sich der überwachende Bea»«� sagte, daß der Fragekasten nicht aus der Tagesordnung. gemeldet sei, derselbe auch nicht erledigt werden darf._ gegen wendet sich Herr Thierbach und ersuchte den Vorsst� sich nicht einschüchtern zu lassen. Als nun diese Fragf', einmal verlesen werden sollte, löste der betreffende Ve Versammlung auf. Di» Derjammlung der Vereinigung deutscher-� macher(Mitgliedschaft Berlin) fand am Montag, de» 21"? im Saale des Herrn Funk, Bcrgstr. 12, statt. Die% ordnung lautete: 1. Gewerkschaftliches. 2. VereinsangiT Heiten. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Zunächst lA Kollege Böhm sein Bedauern darüber aus, daß noch t'* Kollegen dem Verein fern ständen. Diesen fehle nöthige Aufklärung, dann würden sie auch mit den zielbetf*? Kollegen Hand in Hand gehen. Zum 2. Punkt Vorsitzende bekannt, daß die hiesige Filiale 90 Mitglied«� Hierzu wurde angeführt, daß es für die Hauptstadt zu wenig sei, es müsse daher die Agitation mehr betrieb� den, um jeden Kollegen dem Verein zuzuführen. Aua! f?: man Agitationsreisen nach der Umgegend Berlins unter«J3 Darauf führte der Vorsitzende noch an, daß die Landpor»� Sonntag, den 28. Juli, stattfindet und zwar eine HerreMK partie, das Ziel der Reise ist Schildhorn-Pichelsberge. punkt Bahnhof Alexanderplatz, 6 Uhr 35 Minuten. es Theater. Freitag, den 26. Juli. Theater. Die Hugenotten. Srtedrich- Wilhelmstiidtifche» Theater. Orpheus. Diktorla-Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. AeVeaUiavre-Theater. Gefährliche Mädchen. WpeAd-Theatrr. Muttersegen, oder: Die neue Fanckon._ 9 M.— 10 31. X JT Kaiser-Panorama. Diese Woche: ZweiterCycl: pariser Welt- aulstellung 1889. Unter-Italien mit Pompeji. Keife Kr. Mai. Schiff Hertha. Sine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. 8 Reisen 1 M. teppdecken �; Fabrik, Granienstr. 158, Emil Lefäwre. Große Auswahl Steppdecken in Seide, Wolle und Satin von 4 bis 30 Mark. Einzelne wenig beschädigte Steppdecke« a 3 Mk. Zu beziehen �durch die Grpeditw«: Zimmer str. 44. Tischler-Uerein. Am Sonnabend, den 27. d.M., Abends 9 Uhr, Kottbuserstraße 4a: General- V« rsammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Vierteljahr. 2. Bericht über die Bibliothek. 3. Wahl eines Bibliothekars. 4. Vereinsangelegenheit. Rur Mitglieder haben Zutritt. 822 Ter Borstand. Uerein der Sattler «nd Fachgenossen. Am Sonnabend, den 27. Juli, Abends 8 Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Aßmann über Normalarbeitstag. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes und Fragekasten. Gäste sind willkommen.— Um zahlreichen Besuch bittet 831 Der Vorstand. S»».».»».»letz ii>»tnttg«»» WlMtca ttWaun: Der Akllt Welt-Kalendtt für 1890 Nierkehnler Jahrgang •rtatfcettaw.- Rückblick.-««ff« «»» WütJtt.— Im Xniilout be« Jahre»(mit Bilk).— viibchen au» dem volle(Illustration). — wte»erllebor«.hnen fand. Es sollen meistens„Hunnen" ge- iatiTm, i Ungarn von Geburt. Es wäre interessant zu er- c_ i' fTrttitfAo rtK/»»* titStfAo Itnnftfn öClDCfctl ich ts los sind'm!i* deutsche, slavische oder jüdische �eutzt��en Unglück ihrer Mitmenschen Nock, Mw ilngarische Landmann hat geivöhnlich weder Geld wke„»�ehmungsgeist zur Auswanderung. Es sind ganz WriZrif' non Hungerlöhnen lebende Menschen, schen k"'n�ihrer Einfachheit kein großes Unrech welche Unrecht darin die Schmucksachen «bzunehmen.� Wasser treibenden Leichen cz hSniL Invasion der Franzosen in Deutschland 1806 soll die ni,% vorgekommen sein, daß die Soldaten deutschen Frauen wenn abgerissen und auch die Finger zerbrochen haben, *mia vi genüge nicht schnell genug sich abstreifen ließen; habe tch dies aus dem Munde von damals lebenden S Wort. WAmnil �nnen sollen den Tobten Finger und Ohren ab- W, i„? haben. Sie dachten, diese Schmucksachen würden trbcnsaN-�'� � eingegraben werden. Schön ist solches Thun 7" Für Amerika ist der Diamant kein LuruS- lragt chj! ,1 sondern ein Lebensbedürsniß. Fast jeder Mann bions, �aen Finger einen Diamantring und auch Hemd- «�"dergleichen Edelsteinen. tohten ou �£ eine englische alte Jungfer auf ihren Thee ver- 'e Amerikanerin auf Diamanten. Vornehme Damen, »lies Ladenfräuleins, Arbeiterinnen, Dienstmädchen, einer Amerika Diamanten. Begegnet man einmal kann«Si cL gekleideten Frau ohne solche Ohrgehänge, so soitN OIUU UVftlt|VH«V Äiillen Li. sein, daß dieselben im Leihhaus sind. "ss der.'4 in Amerika Damen gesehen, die im Haar, »no«as>iü>ulter, an den Armen und Fingern, in den Ohren ioiflen Sf-*" �ieid Diamanten im Werthe von 2 Millionen Aallcn nL" Flauen der Millionäre lassen sich auf großen weit Ti.Lt-�ens dazu gemietheten Geheimpolizisten bewachen, "ohmeiiin' hie bei dergleichen Gelegenheiten nicht zu den Aus- 9? m n Moren. »och � UeUten sich aber, nachdem die Wasser abgelaufen, »ipiorf."ödere Sorte Hyänen ein, mit der deutlich aus- Toz Absicht, die Lebenden schonungslos zu berauben. wndera r" ober keine armen, unwissenden, elenden Ungarn, Ükuirte, geriebene, mit allen Salben gesalbte Mtcnblif Ti'k"' die das Verbrecherische, ja unter den ob- HtmdtuL. chr eckcnsum ständ en wahrhaft Todeswürdige ihrer Jhr,-?.??'so sehr wohl begriffen. "chev v.iV'chen sind auch stets in aufgeregten, ungluck- iiia, fL ebenso gut wie die Leichenräuber der Volks- hüyklivaj, ofer gefallen. Man knüpfte die Korn- und Lebens- Job?.? an den Laternenstangen gewöhnlich auf(z. B. vor Es w. Paris.) keine Spitzbuben und Räuber in des Wortes i,jh>ir Bedeutung, sondern ganz gemeine Wucherer, Klech,.„.Kroße Roth des Volkes benutzten, um billig und � orhfnh.I®' uf te Nahrungsmittel mit zehnfachem Profit den Di-kL""H Nothleidenoen anzuschwindeln. Semeine Profit ist aber, der verschleiernden Reben Miltes, a�Ekeidet, ebenso gut Raub zu nennen .Ctijy»»-* Uff f A/>»vi />♦»*. l/»v» Ca n vi v» av» � �Vrt ißX r>i wie her sogenannten„Hunnen". Ja, jedenfalls die viel d in an denn die Tobten halten keinen Schaden davon. �»ren jn'hven diesen irdischen Tand abnahm(die Erben ®wi Sg!,i°"ch, ertrunken). Aber die„Lebenden" wurden durch dieser echten Raubthiernaturen ihrer Existenzmittel & Die Iii W.den Bettelstab gebracht. t»s®ol(? j�ten HunnenJHing man aber leider nicht auf. �des'm"? Vereinigten Staaten ist von �art d>,.u.?ÜtchenmachenS. der Handels- und �e>dreH,s�Ü�cbt, daß es gar kein Verständn �schäst««.� des Wuchers hat, dem sich all der Respektabn Geldschneiderei, Verständniß mehr für das c— y-v �em sich alle Handels- und . lind?de hingegeben haben. �eikihn,. es hatte sich ruhig weiter ausplündern und die zur Athen rf« �'lte herbeeigeeilten Bürger es ganz ruhig ge- Vyänen ü» Diesen avscheulichen Bestien, Viesen wahren Atxien„i. Leichenfeldes, wußte man nicht anders beizu- ' vls das einige mitleidige, reiche Personen ebenfalls aufkauften und sie zum Selbstkostenpreis ab- jhf �m,n??Vyre der modernen, bürgerlichen Gesellschaft, die Kreiden TW.ss auch unter normalen Verhältnissen unverfroren Leut-.schonigen ihr verbrecherisches Treiben damit, daß sie Kstley zn.ka nicht zwingen, ihnen etwas abzukaufen, oder Geld Das von ihnen zu nehmen.� »jverah»«chicksal" den Wanderer dem un Watdesviclicht 2H", 2,* Gvr w den Weg führt, so ist eS hier die„größte l)Offp„l'hn zu dem in seinem Bureau im seidenen Schlaf- , Ät Wucherer treibt. #ote oi?f L% Unterschied darin, wenn ich Jemand die fiebel r Brust setze mit den Worten: - ober wenn ich ihm sage: .....---- ,.g...... w...........„Die Börse oder der Verl,,..'' T ader wenn ich ihm sage:„Dein Geld her, hungern!" Die so gut ein Wegelagerer wie der Andere. �Ldeiu.�-�houren, riesenhaften Vermögen nehmen in einem r&ich- A-�onden Verhältnisse zu. Dr. Ratzinger sagt sehr * decheal,?'® Ausbeutung der menschlichen Gesellschaft durch ' ves%r'd)e Kapital vollzieht sich mit der Regelmäßigkeit s>hun Kietzes. Wenn nichts geschieht,"™ kiem(Smhnlt -' I........ UM dem Einhalt Europa schon in einem halben Jahrhundert der �"d einiger Hunderts Bankhäuser� -«cceit w.diese Vermögen sind durch die Ausbeutung fv. Die /"derer entstanden. �erreich�kulatron" sagt Dr.Schäffle, ehemals Minister ,n 62o ctS?' durch den unverschämten Börsenwucher 2 Mllll- 'en s�.„'onen Franken über den Emissionswerlh der großer französischer Eisenbahnen gewonnen(die �geu""� zu diesem fabelhaften Gewinn die un- finanziellen und industriellen Unter- h�tune Ai V.°�on, beb, beigesteuert davon, was der der Kapitalien, Freitag, den 36. Juli 1889. 6. Jahrg. Es ist eine der einfältigsten Anmaßungen unserer Zeit, zu glauben, sie habe zuerst die Volkswirthschaft erfunden. Diejenigen, welche sich ftüher mit dieser Frage beschäftigten, waren nicht, wie heut zu Tage, heuchlerische, schlüpfrige Malthusianer, sondern häufig recht gute, fromme Menschen, er- griffen vom Anblick menschlichen Elends. Sie waren bestrebt, die Unebenheiten dieses Lebens auszugleichen, wie z. B. Karls des Großen Sohn, Ludwig der Fromme, der mit Etienne Boileau schon damals der Eintheilung der Arbeit sein Augen- merk zuwandte. Auch Mönche wie Thomas von Äquino, der sich bemühte, das Wesen des Kredits zu ergründen. Nach ihm sollte der Kredit ein christlicher und kein jüdischer sein. Er verstand unter demselben eine Hilfe für den Bruder und nicht eine Ausbeutung desselben, nicht die Mittel, die, welche wenig haben, zu unterdrücken und zu berauben, um denen, die mehr haben wollen, es möglich zu machen, dies ohne Mühe zu &em Gelbe, von dem solch' mißbräuchliche Anwendung gemacht wird, hätte er sicher denselben Namen gegeben, den das Volk ihm heut schon giebt, welches es„nichtswürdiges Kapital" nennt. Schon vor Aquino hat Chrysostomus das faule und gie- rige Geld angegriffen, daS ohne Arbeit schnöden Gewinn de- zweckt.„Wie unverständig", rief er auS,„säen zu wollen ohne Erde, Regen und Pflug?— Alle, die m so verwerflicher Weise ackern, werden nur Unkraut ernten, werth, in's ewige Feuer geworfen zu werden. Hinweg deshalb mit diesen Miß- geburten des Goldes und Silbers, Vernichtung jener scheuß- lichen Fruchtbarkeit." Es wächst hiemeden Brot genug Für alle Menschenkinder, Auch Rosen und Myrthen, Schönheit und Lust Und Zuckererbsen nicht minder. Ja, Zuckererbsen für Jedermann, Sobald die Schoten platzen. H. Ueber die Mitterung de» Monat» Inni d. I. äußerst sich das königliche Meteorogische Institut in seiner monatlichen Uebersicht, welche in der„Stat. Korr." veröffent- licht wird, folgendermaßen: Das ungewöhnlich warme und heitere Wetter, welches dem Mai einen so ganz außerordent- lichen Charakter verliehen hatte, hielt mit seltener Beharrlichkeit auch im Juni an. Mit Ausnahme einiger Tage um den 20., wo die nahezu normalen Wärmeverhältnisse durch den Gegen- satz zu den voraufgegangenen heißen Tagen den Eindruck ziemlich kühlen Wetters hervorriefen, war die Temperatur be- trächlich hoch. Das Monatsmittel zeigte in ganz Norddeutsch- land einen Ueberschuß von 3—4 Grad gegen den Durchschnitts- werth. Berlin gehörte wieder zu den wärmsten Orten des Landes und hat seit Beginn genauer meteorologischer Be- obachtungen nur einen noch wärmeren Juni(1756) aufzuweisen. ES ist somit eine höchst ausfallende Eiaenthümlichkett dieses Jahres, daß zwei unmittelbar auf einander folgende Monate Mitteltemperaturen zeigen, wie sie höher seit mehr als einem Jahrhundert in den gleichen Monaten nicht vorgekommen sind. Die Niederschläge waren, wie sich auS der Tabelle des Meteorologischen Instituts ergiebt, sehr ungleichmäßig vertheilt; sie rührten meist von Gewittern her, die in diesem Monat un- gemein häufig waren. Nur ein einziger Tag im Monat (der 18.) blieb ohne Gewittermeldung: einzelne Orte hatten 11 bis 12 Gewittertage. Im Osten waren die Niederschlags- tage sehr gering(2—8), doch wurde trotzdem die normale Hohe der Niederschläge vereinzelt erreicht. So hatte z. B. Neustrelitz in zwei Niederschlagstagen das normale Quantum von 61 Mm. Im Allgemeinen war der Monat viel zu trocken. Die Zahl der trüben Tage war durchweg sehr gering, die der heiteren an einzelnen Orten beispiellos hoch; Mcmel hatte 14, Lauenburg i. P. 17 und Köslin sogar 18 heitere Tage. Wir lesen in der„UolKs-Ieitnng": lieber Maßregelungen russischer Studenten geht uns von dem-r-Bericht- erstatter eine längere Mittheilung zu, welche wir nicht voll- ständig wiedergeben, weil wir die Richtigkeit derselben nicht kontroliren können, zumal die neuliche Mittheilung bezüglich der Auslieferung des Studenten Wildermann sich als falsch heraus- gestellt hat. Der Berichterstatter versichert heute, es hätten wirklich mehrere Auslieferungen stattgefunden, auch seien vielen russischen Studenten die alliährlich zu erneuernden Erlaubniß- scheine zum Aufenthalte in Berlin seitens der Polizei nicht verlängert worden. Bezüglich der Auslieferung nach Rußland wird bemerkt, daß diese Maßregel infolge der eigenthümlichen Verhältnisse bei den russischen Behörden nicht immer zur Aus- führung kommt. So gelang es auch dem Cand. med. Mendelssohn, der nach dem Posener Sozialistenprozeß in Plötzensee feine Strafe verbüßte und dann von hier an Rußland auSge- liefert wurde, noch an der Grenze sich mit dem russischen Strafchnik in Güte auseinanderzusetzen. Mendelssohn begab sich nach Paris und hat bekanntlich an dem internationalen Kongreß theilgenommen.....,...... Ritt Kezng nnf da« Dampfernnglnck bei Köpenick mit der„Voss. Ztg." geschrieben: Dieses Unglück, ebenso wie frühere derartige Unfälle, sind wesentlich der mangelhaften Bauart der Vergnügungsdampfer zuzuschreiben. Der Steuermann bezw. das Steuer dieser Dampfer befindet sich hinten am Heck; letz- leres ist tiefer gelegen als der Vordertheil des Schiffes; ferner befinden sich meist in der Mitte des Dampfers die hoch über- bauten Kajüten-Eingänge, sowie die Kapitänsbrücke und der Schornstein. Die schlechteste Aussicht durch diesen niedrigsten, ganz hinten gelegenen Platz und durch die angefiihrten Hinder- nisse vollkommen versperrt, hat der Steuermann— der gerade die beste, freieste Aussicht nöthig hat. Daß der Kapitan oben auf der Kommandobrücke dem Steuermann hin und wieder mit der Hand die ungefähre Richtung angiebt oder auch zuruft, ist doch keine Schiffssteuerung oder Schiffsführung, noch dazu fpät Abends, wenn die meisten Vergnügungsdampfer mit vielem Tumult und Musik zurückkommen; da kann der Steuermann den Kapitän weder sehen noch hören. Das Steuer muß in der Mitte des Schiffes frei und hoch gelegen sein, so daß der Steuermann freie Uebersicht hat und nicht wie ein Blinder auf Kommando oder Zeichen und Gutdünken steuert. Hätte der Dampfer, dem das Unglück passirt ist, ein in Mitten hoch ge- legenes Steuer gehabt, so hätte der Unfall nicht passiren können, denn der Steuermann hätte das Schiff haarscharf in der Ge- walt gehabt— so aber mußte er sich durch seinen unglücklichen Platz auf„llngesähr" verlassen." „Kindermagen und Hunde dürfen nicht in die' Markt- halle mitgebracht werden", so lautet wortgetreu der Inhalt von Plakaten, die neuerdings an den Eingängen sämmtlicher Berliner Markthallen angebracht sind. Geschmackvoll ist das nicht. Im Aquarium kam vorgestern eine ganze Sendung ver-- schiedmartiger Loris an, darunter reich orange und tiefroth auf der Brust gefärbte MoschuS-LoriS von den blauen Bergen. Es war ein interessanter Anblick, als die schönen Vögel nach langer Reise in engem Käfig die geräumige Voliere mit ficht- lichem Behagen durchflogen. In zwei Voliören daneben schwärmt es letzt von Hunderten von afrikanischen Prachtfinken, welche in buntestem Federschmuck schillern. Die beiden neuen Orangs, eine kostspielige Erwerbung, schlagen gut ein. Der eine geht bereits Strecken vollständig auftecht. Sie vertragen sich bestens mit dem jüngsten Chimpansen, mit dem sie ihre Wohnung theilen. Die großen Affenarten sind meist recht gut- müthige Thiere. Der größte der drei Chimpansen spielt würde- voll den Patriarchen und spendet den anderen gern von seinen Obstschätzen. Da ein ganzer Apfel durch das trennende Gitter nicht hindurchgeht, so hat er Ueberlegung genug, Stücke abzu- beißen und sie mit den Lippen hinourchzureichen, was höchst possirlich aussieht. Kerliner Mirthvhaus- Hnmor. In einem hiesigen Keller findet sich folgender Sinnspruch: „Wer am Teller leckt, Sagt mir, daß ihm's schmeckt; Wer mir'was läßt steh'», Muß zu Dressel geh'n." Recht eindringlich warnt ein Wirth in der Alten Jakobstraßc: „Seid gemüthlich, meine lieben Gäste, Thut, als wäret Ihr bei mir zu Haus, Laßt's Euch schmecken auf das Allerbeste, Streiten zweie, fliegen beide'raus." Sehr unparteiisch hält sich ein Wirth in Berlin O: „Mir sind alle Gäste gleich, Christen, Juden, Heiden; Nur auf die Hab' ich'nen Piek, Die politisch kohlen,— Die verfluchte Politik Soll der Teufel holen." Weisheitsvoller klingen die Sprüche in einigen vor- nehmeren Wirthshäusern. So heißt es im Pschorr: „Trinke nicht in Hast, als sei's ein Spiel, Der Weise trinkt bedächtig, aber viel." In den Restaurationsräumen emes Hotels im SW. mahnt ein Vers: „Drückt Dich ein Kummer, Quält Dich ein Schmerz, Trinke sechs Liter, Leicht wird das Herz." Ein anderer Spruch lautet philosophisch: „Die Menschen sagen immer, Die Zeiten werden schlimmer: Die Zeiten bleiben immer, Die Menschen werden schlimmer." In den von„gemischterer Gesellschaft" besuchten Lokalen haben die Sprüche meist praktischen Zweck, wie aus dem folgenden hervorgeht: „Wenn ich mein Brot verdienen soll, Mußt Du Dein Brot bezahlen, D'rum schlägst am Brote Du Dich voll, Denk' nicht, daß wir es stahlen!" Mit epigrammatischer Kürze predigt ein anderer Bierwirth seinen Gästen: „Pumpst Du, so lumpst Du!" Die Werdee'schen Gbftznchter haben in ihrer letzten Generalversammlung beschlossen, den Platz an der Spree in der Ziegelstraße, neben der königlichen Klinik, welcher 198 Ruthen groß ist, zu kaufen, um dortselbst den Obstverkauf für Berlin zu etabliren. Der Kauf soll indessen nur dann perfekt werden, wenn den Wcrderanern gestattet wird, dort anzulegen und ihre Produkte zu veräußern. Der Kaufpreis beträgt inkl. der Gerichtskosten 2c. ca. 600 000 M. Durch die Grplostan einer Granate wurden gestern Mittag gegen halb 12 Uhr zwei bei dem Metallwaarenhändler Cohn jun., Wassergasse 21, beschäftigte Arbeiter schwer verwundet. Cohn hatte bei einem seiner letzten Einkäufe unter anderen alten Eisenwaaren auch eine Granate erstanden, welche zwei Arbeiter in einem auf dem Hofe gelegenen Schuppen zerkleinern sollten. Natürlich waren Herr Cohn sowohl als auch die Ar- heiter der Ansicht, die Granate sei bereits entladen. DaS war aber nicht der Fall. Als einer der Arbeiter mit einem Hammer auf das Eisen schlug, muß er den Zündstift getroffen haben, denn plötzlich exvlodirte das Geschoß mit lautem Knall. Von den umherfliegenden Eiscnsplittern wurden die beiden Arbeiter am Kopf, am Unterleib und den Beinen schwer verletzt. Die sofort herbeigerufene Polizei ordnete die Ueberführung der Ver- unglückten nach dem Krankenhause Bethanien an. Uuhe am Einsturz. Laut einer an den Hofthüren des Hauses Älexanderstraße 61 angeschlagenen Bekanntmachung des WirthS ist der Durchgang des Hauses nach Königsgraben 10 resp. der Markthalle für die Bewohner genannter Straße und der anliegenden Straßen bis auf Weiteres gesperrt, da sich das Haus in sehr baufälligem Zustande befindet und dieser Tage einzustürzen drohte. Infolge einer sofort von Baumeistern vorgenommenen Revision des Hauses wurde dasselbe, um es vor plötzlichem Einsturz zu bewahren, mittelst Schienen, Balken- lagen und Trägern gestützt. DaS Gebäude ist eines der ältesten Berlins. Krieg in Frieden. Wie uns telephonisch gemeldet wird, wurde gestern ein Knabe, der die Fichtestraße von der Hasen- Haide nach dem Tempelhofcr Feld entlang ging, plötzlich von einer Kugel in den Oberschenkel getroffen, so daß er bewußtlos zu- sammenbrach. In den Schießständen der Hasenhaide geben Abtheilungen des Kllrassierregiments Schnellfeuer ab. Der Knabe, dessen Name und Wohnung nicht ennittelt werden konnte, wurde in das Elisabeth-Hospital geschafft. Doifoeibericht. Als am 24. d. Mts.Morgens der Zimmer- meister Eis behufs Besichtigung der Zimmerarbeiten auf dem Dach des im Bau begriffenen Hauses Antonstr. 17 umherging, stürzte er infolge eines Fehltrittes auf den Hof hinab und er- litt mehrere Rippenbruche, sowie innerliche Verletzungen, an deren Folgen er kurze Zeit darauf in der Universitäts-Klinik verstarb. Gertihks-Iettttttg. Interessante zzsychiologische Momente bot eine Ver- Handlung, welche gestern vor der Ferienstrafkammer am Land- gericht Ii. stattfand. Der 20jährige Kommis Robert Walther war vom Schöffengericht in Spandau wegen Diebstahls in 16 Fällen zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Sein Vater hatte dagegen Berufung eingelegt und hatte, nachdem erst Rechtsanwalt Arthur Stadthagen die Vertbeidigung übemom- men hatte, diesem noch den Rechtsanwalt Dr. Fritz Friedm inn zugesellt. Der Prozeß hatte folgende Vorgeschichte: Der Ange- klagte hatte bis zu seinem vollendeten 18. Lebensjahre in dem Ligarrengeschäft seines Vaters in Berlin gelernt. Weil der Sohn ein Verhältniß eingegangen zu sein schien, welches der Vater nicht billigte, wurde er einer exemplarischen Züchtigung unterzogen, worauf er das elterliche Haus verließ. Er fand bei dem Wein- und Cigarrenhändler Robain in Spandau Stelle mit freier Station und 25 Mark monateine lichem Gehalt, die er am 18. Dezember 1886 antrat. Robain hatte neben seinem Weingeschäfte eine Filiale der Zigarrenfabrik von F. Ringewaldt in Nauen. Da ihn sein Weingeschäft vielfach außer dem Hause hieltLbrauchte er den Kommis für das Ziaarrengeschäft, in welchem außerdem auch Frau Robain verkaufte. Der Geschäftsinhaber will nun nach einiger Zeit wiederholt Mankos in seiner Ladenkasse gefunden haben; er hatte Verdacht geschöpft, daß ihn sein KommiS be- stehle, konnte aber nicht dahinter kommen, denn wenn er dem Kommis Vorstellungen machte, so erwiderte dieser ihm im trockensten Tone:„Was weiß ich! Ich bin ja nicht allein im Laden, Ihre Frau verkauft ja auch und das Mädchen kommt auch in den Laden! Im Monat Mai 1887 beschloß Robain, seinen KommiS auf die Probe zu stellen. Er schickte eines Tages seine Frau und das Mädchen spazieren. Dann zählte er die Ladenkasse, deren Inhalt mit dem laufend fortgeführten Einnahmebuche(in welches selbst die kleinste Einnahme sofort eingetragen werden mußte) stimmte. Dann zählte er die Hauptkasse, die sich in einem Pulte des neben dem Laden befindlichen Zimmers befand. Darauf entfernte er sich, ließ aber den Schlüssel zum Pulte wie zufällig auf dem Tische des Nebenzimmers liegen. Als er nach etwa einer Stunde zurückkam, frug er zunächst, ob seine Frau oder das Mädchen dagewesen wäre. Der Kommis verneinte dies und erklärte, ganz allein gewesen zu sein. Jetzt zählte Robain die Ladenkasse. Nach den gemachten Eintragungen fehlten 8 M. Er zählte die Hauptkasse im Pult, an dieser fehlten 7 M. Robain sagte jetzt dem Kommis auf den Kopf zu, daß er ein Dieb sei. Der Kommis stritt, er stritt auch, als der Polizeikommissar Bunze geholt wurde und ihn ins Gebet nahm. Der Beamte gab ihm Bedenkzeit, eine Stunde lang redete Robain auf ihn ein, versprach ihm, keinen Strafantrag zu stellen, wenn er den Diebstahl eingestehe,— vergeblich. Als nunmehr aber ein Polizeidiener erschien und den Kommis für verhaftet erklärte, als dieser aus das Polizeibureau geführt wurde, wohin Robain folgte, da fiel er diesem um den Hals, gestand weinend seine Schuld und bat, ihn nicht unglücklich zu machen, er wolle alles gestohlene Geld wieder herausgeben. Er wurde vorsäufig wieder von der Polizei entlassen und sollte im Geschäft nunmehr das Geld herausgeben. Als Verwahrungsort bezeichnete er den Keller und wirklich holte er unter der Kellertreppe aus alten Ofenkacheln zwei kleine in Papier gewickelte Packete hervor, in denen sich Geld— zusammen 15 M.— befand. Robain war damit nicht zustieden, er meinte:„Das ist das Geld, was Sie mir heule gestohlen- haben, aber wo ist das andere?" Der Kommis sagte darauf:„Seien Sie nur nicht böse, Sie haben ja versprochen, mich nicht unglücklich zu machen, aber es ist ein bischen viel! und wirklich holte er aus anderen Verstecken im Keller noch zwei Geldpackeke: in einem befanden sich 90 M. in Gold und 54 M. in Kourant. Auf Zureden eines zweiten Polizei-Kommissars, Herrn Würmann, der von der Ansicht ausging, daß solche junge Leute, wenn sie sich ent- deckt sehen, aber nicht bestraft werden, der menschlichen Ge- sellschaft eher als nützliche Mitglieder erhalten werden, als wenn sie in's Gefängniß wandern und dort noch mehr ver- dorhen werden, behielt Robain den Kommis bei sich, er machte aber eine gründliche Inventur und stellte dabei ein Manko an Waaren bezw. Geld von 1400 M. fest. Jetzt wurde der Vater des jungen Mannes benachrichtigt und ersucht, nach Spandau zu kommen. Ehe der Vater eintraf, war der Sohn verschwunden. Nach zwei Tagen erhielt sowohl Herr Robain wie der Vater eine» Brief, in welchem der Verschwundene schrieb, er sei zwar unschuldig, aber er könne die Schande nicht ertragen und werde sich das Leben genommen Häven, bevor die Briefe an ihre Adresse gekommen sein würden. In der That blieb er ver- schollen. Obwohl Niemand daran glaubte, daß er den Tod gesucht und gefunden, selbst der eigene Vater nickt, wurden alle Gewässer zwischen Spandau und Berlin abgesucht, natürlich vergeblich. Unterdessen hatte Robain den Mitinhaber der Firma Ringewaldt, Kaufnrann Becker, zugezogen und eine zweite In- ventur vorgenommen, bei welcher sich das Manko auf 1200 M. ermäßigte. Der Vater erklärte, er werde das Manko decken, wenn sein Sohn todt oder lebendig wiedergefunden würde, aber eher nickt. Der Sohn blieb verschollen. Es wurden Auf- rufe in den Zeitungen erlassen, wiederum vergeblich. Endlich nach% Jahren wurde der junge Mann an der rtaliemschen Grenze aufgegriffen und durch Vermittlung der österreichischen Behörden hierher gebracht. Am 22. April 1888 traf er bei seinem Vater ein. Diesem gegenüber betheuerte er wieder seine Unschuld, er behauptete,seinem Prinzipal nichts gestohlen zu haben. Die im Keller versteckten und an Robain gegebenen 159 M. feien sein Eigenthum gewesen und stammten von den im Elterhause ge- machten Ersparnissen her. Diese Darstellung veranlaßte den Vater, den Robain auf Herausgabe der seinem Sohne wider- rechtlich abgenommenen 159 M. zu verklagen. Durch diesen Zivilprozeß kam die bisher strafrechtlich nicht anhängig ge- mackte Angelegenheit zur Kenntniß der Staatsanwaltsckaft, welche das Verfahren wegen Diebstahls einleitete. Das Spandauer Schöffengericht nahm zu Gunsten des Angeklagten nur 16 einzelne Diehstähle an und setzte die Gesammtstrafe auf 4 Monate Gefängniß fest. Vor der Berufungsinstanz be- theuerte der Angeklagte in recht gewandter Weise seine Un- schuld. Das Geständniß habe er in Verwirrung und Angst abgegeben: das im Keller verborgene Geld sei sein Eigenthum gewesen. Im Geschälte seines Vaters habe er sich 200 M. gespart, das betreffende Sparkassenbuch habe er heimlich aus dem Elternhause mitgenommen, das Geld, um es stets parat zu haben, abgehoben und der Sicherheit halber im Keller ver- steckt. Die hermliche Flucht habe er�bewerkstelligt, weil ihn sclhst das Kind seines Prinzipals als einen Dieb gescholten habe. Das in der Ladenkasse vorgefundene Manko von 8 M. könne er sich nur dadurch erklären, daß er einen Käufer, der für 2 M. einkaufte und ein Zehnmarkstück bezahlte, 8 M. herausgegeben habe, ohne das Geldstück einzustecken, das alsdann der Käufer wahrscheinlich wieder an sich genommen habe. Das bedeutende Manko im Geschäft habe aber höchst wahrscheinlich Herr Robain selbst herbeigeführt. Derselbe habe viel in Lokalen mit weiblicher Bedienung verkehrt, dort große Zechen gemacht und infolge dessen wohl mehr ausgegeben, als wie er aus eigenen Mitteln bestreiten konnte. Auf diese Dar- stellung des Angeklagten stützten die Vertheidiaer ihre Angriffe gegen den Hauptbelastungszeugen Robam. Sie suchten die Sache so zu wende», als habe dieser seinen Kommis nur zum Diebe gestempelt, um seine Eingriffe m das Veimogen der Firma Ringewaldt zu verdecken und mit Hilfe des Vaters des Angeklagten ein Geschäft zu machen. Robain habe ja auch vom Vater in ziemlich kategorischer Weise und unter Drohungen mit strafrechtlicher Verfolgung den Ersatz der 1400 M. verlangt. Robain selbst parirte die Angriffe der Vertheidiger geschickt. Er gab ohne weiteres zu, daß er in Lokalen mit weiblicher Bedie- uung verkehre:„Ich bin Weinhändler und wenn ich was verkaufen will, muß ich vorher ordentlich Zeche machen. Man verkauft z. B. niemals Champagner, ohne vorher tüchtig Champagner zu zechen!"— meinte er. Vom Vater habe er niemals den Ersatz der 1400 M. verlangt, denn dieser hätte ihm selbst er- klärt, daß ihn sein Sohn ebenfalls bestohlen habe und zwar so sehr, daß er an den Bettelstab gekommen wäre. Die Kriminal- kommiffare Bunze und Würmann bezeugten, daß das Geständ- niß des Angeklagten nicht erzwungen, daß derselbe nicht in Verwirrung oder Angst war, und daß dasselbe ein aufrichtiges zu sein schien. Kommissar Würmann bestätigt obendrein, daß er dem Robain zugeredet habe, den Angeklagten mit einem ordentlichen Wischer davonkommen zu lassen, denselben aber nicht bestrafen zu lassen, sondern bei sich zu behalten, dann werde er sich wohl bessern. Der Vater des Angeklagten be- hauptet aber, daß Robain ihn um Ersatz der 1400 M. bestürmt hätte, daß er aber gar nicht daran gedacht habe, zu sagen, auch er wäre von seinem Sohne bestohlen worden. Schließlich mußte er aber doch wohl eine solche Aeußerung halb und halh zugeben, erklärte dies aber damit, daß ihn die Geschickte nahezu an den Rand des Wahnsinns gebracht hätte. Robain blieb jedoch dabei, daß er keinen Ersatz verlangt und berief sich zum Beweise dessen auf das Zeugniß des Kaufmannns Becker in Nauen, welcher von ihm als alter Bekannter des Vaters bei der Unterredung mit Letzterem zugezogen worden sei. Außer- den: berief er sich auch darauf, daß der Angeklagte auch bei dem Klavierlehrer Runphtel in Spandau ein Zwanzigmarkstück entwendet habe. Dr. Fritz Friedmann plaidirte mit großer Wärme für die Unschuld des Angeklagten und suchte den Räch- weis zu führen, daß die ganze Geschichte von Robain erfunden und geschickt geschoben sei. Der Gerichtshof beschloß aber nach langer Berathung, noch keine Entscheidung zu fällen, dieSache vielmehr zu vertagen und zu einem neuen Termin außer den gegenwärtigen Zeugen noch den Kaufmann Becker und den Klavierlehrer Runphtel zu laden.— Falls diese neuen Zeugen die Aussagen des Robain unterstützen sollten, dann dürfte das Schicksal des Angeklagten entschieden und die Bestätigung des ersten Urtheils sicher sein. Gin äußerst frecher Diebstahl führte gestern den„Ar- beiter" Karl R ä t s ch vor die dritte Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Der Gärtner Schmidt hatte am 27. Juni einen Wagen voll Gemüse nach der Markthalle gebracht. Auf dem Heimwege begriffen, hielt er wenige Minuten vor einem Hause in der Greifswalderstraße, um eine Bestellung auszurichten. Diese Gelegenheit benutzte der Angeklagte, sich auf den Wagen zu schwingen und davon zu jagen. Er ist aber in Weißensee ergriffen worden, bevor er den Raub zu Gelde machen konnte. Im Verhandlungstermine versuchte der Angeklagte anfangs, den„wilden Mann" zu spielen, er mochte aber wohl selbst ein- sehen, daß ihm die Geschicklichkeit hierzu fehlte und daß er seine Rolle höchst kläglich spielte, denn nach einigem Zureden gab er sie auf und benahm sich wie ein vernünftiger Mensch. Der Gerichtshof ahndete den Diebstahl mit einer Gefäng- niß st rase von 9 Monaten. Gegen den früheren Kriminatjchutzmann Ihring- Mahlow schwebt, wie vorgestern berichtet wurde, das Er- mittelungsverfahren wegen Abgabe einer unrichtigen Aussage gegen den Buchbinder Joseph Janiszewski in dem großen Posener Geheimbundsprozeß. Die mitgetheilte Notiz, daß in diesem Verfahren vor einigen Tagen auf Er- suchen der Staatsanwaltschaft in Posen die Vernehmung von 6 Zeugen vor dem Berliner Amtsgericht I stattgefunden hat, bedarf der Berichtigung resp. Ergänzung, pp. Janiszewski hat nicht erst neuerdings, sondern bereits im Sommer v. I. die Anzeige gegen den Beschuldigten erstattet, ist aber mit der- selben nicht nur von dem Ersten Staatsanwalt, sondern von dem Ober- Staatsanwalt zurückgewiesen worden, und selbst sein Antrag bei dem Oberlandes- zu Posen blieb ohne Erfolg. Dasselbe versagte Zeugin I a g e r t als der Braut des Antragstellers Der die Glaubwürdigkeit und erachtete einen zwingenden Beweis dafür nicht für erbracht, daß I. am 24. Januar 1886 nicht im Disputirklub bei Ebersbach ,gewesen sein könne, wie dies der Beschuldigte unter seinem Eide ausgesagt hat. Der Antrag- steller erstattete unter Ergänzung der Beweise eine erneute An- zeige und verlangte Vernehmung der sämmtlicken Zeugen durch das Gericht. Staatsanwalt und Oberstaatsanwalt lehnten dieses Ansinnen ab und wiesen auch die zweite Anzeige auf Grund der Aussagen der durch die politische Polizei vernommenen Zeugen zurück. Auch hiergegen hat Janiszewski durch seinen Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Ilatau den Antrag an das Oberlandesgericht zu Posen auf Erhebung der öffentlichen Klage gestellt, und auf dessen Ersuchen hat die gedachte Venrehmung der Zeugen durch das Gericht stattgefunden. Verfcuumlmrgen. Der Fachverein der Tischler hielt Sonnabend, den 20. d. M., seine ordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vierteljahresbericht. 2. Wahl eines ersten Schriftführers. 3. Ersatzwahl der Kommissionen. 4. Ver- einsangelegenheiten und Verschiedenes. Nach Verlesung und Annahme des Protokolls ertheilte Herr Apelt, welcher den Vorsitz führte, dem Rendanten Herrn Merkel das Wort zum Kassenbericht. Hiernach war vom April bis Juli eine Ein- nähme von 865,70 M., der verbliebene Bestand vom April 1112,11 M., in Summa also 1987,81 M. Diesem Betrage gegenüber stehen aber die Ausgaben von 1342,46 M., so daß der Bestand bis zum 1. Juli auf 645,35 M. zusammenschmolz. Der Unterstützungsfonds hatte eine Einnahme von 482,75 M. inkl.IBestand, und eine Ausgabe von 154,00 M., so daß als Fonds 328,75 M. verbleibt. Als hierauf von den Kontroleuren mitgetheilt wurde, daß obige Zahlen richtig seien und sie den Bestand gesehen hätten, wurde Herrn Merkel Deckarge ertheilt. Alsdann gab Herr Apelt einen Einblick in die Prozesse, welche im Vierteljahr geführt wurden. Darnach sind von den acht, welche geführt wurden, 1 verloren, 2 theil- weise gewonnen resp. Einigung erzielt, 3 ganz gewonnen und 2 schweben noch. Im Falle Heinz gegen Kölling(Admiralstr.), welcher vom Kollegen Heinz gewonnen wurde, ist dem Kölling der Offenbarungscid zugeschoben worden, um kein Mittel un- versucht zu lassen, dem Kollegen seine sauer verdienten 39 M. eventuell zu erkämpfen. Herr Werner theilte hierauf das Resultat des Arbeitsnachweises resp. der Arbeitsvermittlungs- kommission mit. Dieselbe hat tüchtig ihres Amtes gewaltet, ebenso als erfreulich ist, daß 221 Adressen mehr eingelaufen sind, als im Vierteljahr des Vorjahres. Die Werkstatt-Kontrolkommission hatte ebenfalls tüchtig gewaltet und günstige Resultate zu verzeichnen. Ferner iheilt die Kommission mit, daß die Statistik, welche sehr viel Arbeit verursacht, in der nächsten Versammlung das Tages- licht erblicken wird. Vom Schriftführer wurde konstatirt, oaß von April bis Juli 3 General-, 5 Mitglieder- und 3 Wander- resp. Äezirksversammlungen abgehalten sind und außerdem 7 Vorstandssitzungen stattfanden. Von der Benutzungder Biblio- thck wurde nur durchaus Erfreuliches konstatirl und aufgefor- dert, rastlos fortzufahren, da die Bibliothek wieder einen schönen Zuwachs von Büchern bekommen. Bei der Wahl des Schrift- führers fiel die Wahl auf Herrn Wende. Bei der Ersatzwahl der Werkstattkontrol-Kommission wurde der Antrag gestellt, die Kommission wieder auf 9 Mann statt der jetzt zählenden 15 zu stellen; derselbe wurde angenommen, und blieb somit nur die Wahl einer Person übrig. Die Wahl fiel auf Herrn Roggemann. Zur Arbeitsvermittlungs- Kam- Mission wurden Herr Siefert, Lehmann, Mews, Schubert, Roß, Werner, Seibt, Kuhnke, Stenz und Thaus gewählt.— Unter Vereinsangelegcnheiten wurde zunächst einem Kollegen ein Darlchn von 30 M. bewilligt und ein zweites noch nicht ganz abgezahltes gestundet. Ferner wurde, obwohl hervorge- hoben, daß die Kassenverhältnisse durchaus ungünstige seien, den Braunschweiger streikenden Kollegen weitere 100 M. über- miesen, um dieselben in ihrer tapferen Haltung nicht etwa durch mangelnde Unierstützung zur Ergebung zu bringen. Andere Wünsche, als Unterstützung der Bäcker und Maler, mußten zurückgestellt werden in Anbetracht der Kasse. Bedauert hierbei nur das gedankenlose Zusehen respektive M bleiben der nach Tausenden zählenden Masse gc#" dem Verein, denn obwohl ein riesiger Zuwachs Mitgliedern in letzter Zeit stattgefunden, so sei dieser noch nicht im Einklang mit der Sympathie, deren sich der Fach«?. thatsächlich unter den Kollegen erfreut, und dieserhalv M ihnen zugerufen werden: Kommt, bekundet Eure SymW" mit Thaten, alsdann werden die Sammellisten— man Wj® beinahe sagen Bettellisten— verschwinden, denn sckön o nicht, zu Zeiten, wo immer und immer Geld geschafft wa. muß, so oft von Kollege zu Kollege zu gehe». Dieses� vieles Andere fällt absolut fort, sobald Ihr den M unterstützt durch kräftiges Eintreten. Vom KoM Avel wird hierauf berichtet, daß in kurzer Zeit ein Sun®. fest von der Ortskrankcnkasse staltfindet, und er von sv rechtlich Denkenden erwartet, ebenso zu handeln wie emg/Z schloffen, nämlich da, wo die Wirthe ihr Lokal nickt zu sammlungen hergeben, auch kein Glas Bier zu trinken. muß hier� stattfinden, denn Kellers Hofjäger giebt fon, nicht zu Versammlungen. Beschlossen wurde ferner, am C«, tag, den 11. August, einen VereinSausflug mit Fainmcn, ,,, Johannisthal zu machen. Treffpunkt und Näheres wird jeden! bekannt gemacht., Der Fachverein der Marmor-»nd Granitl»)"'!, hielt am Sonntag, den 21. d. Mls., im Vereinslokal,'7 Jakobstr. 48a, seine Mitgliederversammlung ab, welche IWM besucht war. Die Tagesordnung war: 1. RechnungsuS g vom 2. Quartal 1889. 2. Diskussion über Arbeitszcü,�! Lohnfrage. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der Ä,, verlas den Bericht. Die Revisoren konnten aber die W'% desselben nicht bestätigen, da dieselben die Prüfung»och V, vollzogen. Zum 2. Punkt sprachen verschiedene Redner Verkürzung der Arbeitszeit und wurde angenommen, 1*1 9 stünoige Arbeitszeil festzusetzen, 2. den Stundenlohn"»f auf 45 Pf. zu erhöhen, 3. den Akkordtarif ganz A#**, regeln und einen DurchschnittSzuschlaa von 26 pCh*5 nehmen, um dadurch gute und schlechte Arbeit zu beseingsn�s auf die bessere 12—15 pCt. und die schlechtere 30- zuzuschlagen. Auch wurde bekundet, daß es schon giebt, wo nur 9 Stunden, die Stunde mit 44'/« Pß AÄ,! wird. Trotzdem stimmte die Mehrzahl für 9 Arbeitszeit. Es wurde befürwortet, daß mehrere von Kollegen glauben, wenn sie 12 oder gar 16 Stunden ar� •omi zu ge auszufüllen m VtiW aie Versani Wien§ v � l zweite wnns Sa ssn-n Lohn Wseftell Menen 3 es & «uucyeii yiuuue«, lueuu|ic ouer gar 10 wiuiiucw jr' � verdienen sie doch unbedingt mehr, wie bei 9 oder 10 denn die Meinung ist dahingehend, sie können bei der"�- längsten Arbeitszeit ihre Familie nicht ernähren. auch sehr einfach, denn durch die lange Arbeitszeit wo immer mehr und mehr Arbeitskräfte auf die Straße aber dem Arbeitgeber dafür die volle Gewalt in die geben und der Unternehmer kann den Lohn ganz nach IfQ Willen herunter drücken, denn sind Einige nicht zwss'J draußen vor den Thoren stehen 100 Andere, welche oder gar Monate lang am Hungertuch nagen. Da wegeu gerückter Zeil_ Punkt 2 noch nicht Lanz erledigt, n»ro 1 s&r ami Ä« ts? selbe zur nächsten Versammlung am Sonntag, den 18 vertatst. >(• ■foppen Der Derew zur Wahrung der Zuteresse», liner Knopfarbeiter hielt am 23. d. M. seine berliner Knopfarbeiter hielt am 23. liehe Generalversammlung mit folgender_„ 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Innere VcreinsaNAs� heilen. Bevor zur Tagesordnung geschritten wurde, eWfL": Anwesenden das Andenken des unoergeßlichbleibenden, 0*1 Vss schieden en Vertreters der Arbeiterpartei Wilh. Hasenclever° ck Erheben von den Sitzen. Zum Punkt 1 der Tagesoro'T erstattete der Kassirer Berickt. Demnach waren die Ei»»%4 vom letzten Vierteljahre 119 M. 70 Pf. Die Ausgabe» 80 Pf., bleibt 9 M. 90 Pf., zu Ueberschuß der letzte" x. rechnung 155 M. 40 Pf., bleibt Bestand 165 Hierauf wurde dem Kassirer Max Friedemann 4%,', ertheilt. Zu Punkt 2, Innere Vereinsangelegl"�, wurde vom Vorsitzenden mitgetheilt, daß die Buchss� Vereinsbibliothek eingebunden sind. Er empfahl d'ckV den Mitgliedern zur regen Benutzung. Ferner wurde, gctheilt, daß Billets zur Unfalloerhlliungs-Ausstellung Preise von 30 Pf. bei den Kassirern zu haben sind. � Schluß forderte der Vorsitzende die Mitglieder auf, rewlu für den Verein zu aaitiren, damit, wenn wir im nächste" � SSi» ÄS SEa' « «tniniJ, 1,! einen allgemeinen Knopfarbeiter inen Lohntarif zur Durchführung bring�U zahlreich im Verein vertreten lind. HicrawU e die Versammluna nienen i» frfimnrtipn I OT der Vorsitzende die Versammlung wegen zu schwachen um 9% Uhr. Die Maler und Anstreicher hielten am$!»' Abend eine öffentliche Versammlung in der Tonhalle% Vorsitz des Herrn Hohlwegler ab, um über die Schritte rJ rathen, die Forderungen in allen Werkstellen zur Durch TO« zu bringen. Herr Hohlwegler, der das Referat hielt, O den schwachen Besuch(zirka 600 Mann) als eine traurigen Lage der Maler ansehen zu können. Jetzt,"pch Ü L�om? die Gehilsen 5 Wochen lang im Streik ausgehalten müsse ihnen allerdings das Geld zum Nöthiasten Deshalb sei auch am Freitag beschlossen worden, die Arbei aufzunehmen, damit die Gesellen sich wieder erholen.% jjfi lauf dieser Ruhepause könnten weitere Schritte in der* wegung gemacht werden. Er halte es für das Beste,"j» � mit der Werkstellensperre vorzugehen. Wenn durtv ji Generalstreik nicht genug errungen wurde, so habe dies"F den unglücklichen Verhältnissen gelegen. Da die$eü dem Meister in pekuniärer Hinsicht bei einem Streik d"/,) nicht gleich widerstandsfähig entgegen treten können,/ nur von der Hand in den Mund leben, komme noch"y hängnißvoll hinzu, daß der Streik fast ohne jede und ohne Rücksicht auf Unterstützung der Streik s unternommen werden mußte. Die Gewerkschaften hR*�.� zu viel zur Unterstützung der Maurer und Zimmerer 0%) ji als daß auch noch die Maler etwas erhalten konnte"- � Streikkasse habe nur ca. 600 M., die ausschließlich Berliner Gesellen vor dem Streik gesammelt wurden, �„p aufzuweisen gehabt. Dann seien die Maler au«« nicht genügend aufgeklärt und zu siegesgew'" zie wesen; sie hofften in einer Woche die bescheidene"�/ derungen zu erringen. Die Bewegung, die mit 4500 ihren Anfang nahm, habe schon nach der ersten Wg* bedeutenden Rückschritt gezeigt: gegen 800 fielen ab./ Woche hatte schon über 1000 neue Fahnenflüchtige s zeichnen, deren Zahl sich von Woche zu Woche vergro»�/ daß jetzt nach Ablauf der fünften, nur noch 150—200�# außer Arbeit standen, resp. sich weigerten, zu den altert/ i», aungen weiter zu arbeiten. Der Hunger habe stt"' � Ueberzeugtesten wankelmüthig gemacht. Was zunächst*/ sei, sei, die ausgegebenen Fragebogen richOA, X zusüllen und schleunigst dem Zentralkomitee Dresdenerstraße zuzuschicken, damit man bald»'/ einen genauen Ueberblick über die augenblicklichen Lod' Arbeitsverhältnisse erhalte. Dies sei die unerläßlich.�! bedingung jedes weiteren Vorgehens. Dann sollten"»M Kollegen dahin streben, die Gesellen, die nicht mit A f haben, aufzuklären und zur Organisation heran zu Äs ßK» M' M Iii tt ii yaven, auszunaren uno zur«�rgannanon heran zu»"sali»') übrigen aber das jetzt landläufige Wort beherzigen:"fW Sie nur lustig weiter!"(Beifall.) Die Diskussion ßp im; uus, i'.uujuc iHiu besser verprooiantiren müsse.-.--j nahm die Versammlung einen Antrag, die SammlunAß ,j� refp. 2,50 M.— pro Woche fortzusetzen, nicht an. WahN?� vollkommenem Einklänge mit den gehörte" J Allgemein wurde der Schluß gezogen, ■.................. W deshalb, weil der Antragsteller als Grund angab, die 0"?*; n sich in zu unterstützen. Dies ist aber nicht möglich, weil Kontrole aufgehört hat und nicht mehr festzustellen ist, lv „.r v, voryanden ist. Hier> — im» �°�iufi>llen> �' Hierauf wurde über einen Antrag beauftragen, von Bau zu «er mw) T,,. dm Sotteaer vorhanden ist. ner, Meister zuarfAi� S'>" l ein S°ws°' er von# i wie einst" imbt zu*' , zugeschickt. J gSÄÄÄ-wr™"f»:®s*j ,Kerli« Mord' Als Er- eine t(«' � Herrn»,u ordentliche Hauptversammlung tm Lokale r beserttg � � � � Mauerstraße 86, ab. � Die Tagesordnung !°W .nden orM Miweil< K welche r-MiBuo..« o„-> pro 2. Quartal. 2. Wahl des'gesammten bscn unk V 5- verschiedenes. Nachdem die Abrechnung ver- & Ä'ftÄw. «itraL W- � Treppen; als Kassirer Frau Lutz, Putt- -»•--ler. 7, vorn im fieller; als Kontroleur� Frau |Wrg%. 7-.om im....... °'!lenecftr� m � Mt- t8; als Beisitzerinnen Frau Weigelt, »d Nr. 15: ftrn,. rvtl,-"''-"" Mb die �crfn r�ercs vor und schloß der Vorschende um 5% Uhr "sammlung. ...........— OrtSvcrwaltung II(Stock. sind solnende Kollegen: Äoprtnftt. 90, H, 3 Tr, i Mortusslr, 33»,■». p.; SB. Schniher, ,?r7,rs,,f«'•••'">- atencleoer'. dd» Lsbr 38; Strsammuma. Tagesordnung: I. Vortrag des KKtz« Ann heil �..��»tallallarb-it-r Isgaben S ä»%, ' KZvxZ T°n„, S'griibnistkals» für vir im Krrlinrr«ürttrr- I>».?�g, de,!«. U'wrrbe belchästigten Personen(Eing. Hitsskasse Nr, 80.) ».oin sn—...i/'ii-- außerordentliche Generatoersamm- Steil, Oranienstr. 180. TageS- Errichtung eines Kaisenbureau. ,,—„.........—.JH mithin Sta Um regt Betheiligung wird gebeten, ie BÜchstiUl d>»Iir»ng 8»r Jntcr«IT«n der Sifchtrr. Versaminlung ZÄUMM ig bn»0�i � m,tk, . Hieraus ,�t f bi.im''"'"' Jimmtrltutt istotaiPcromiD»enin wachen i SotmfJ''. im o.,"'""imluim aus und findet dieselbe dasür am Sonntag, den �98 10 Uhr Herrn Hoffmann. Große Frankfurterstiahe 72 73. UM Ä 5%im' �*Uh?*�K Nagrlfchmird«. Sonntag, den 28. d M, Vor. s&W'"AtAar KiliESEt Z-t»,"'S sehalten tfiinfien te >len der/ r Cö'K'ngWTn.'S:»nd g.Migr verein» ain Freitag. m T-«T.?------..... Kaiserffcher im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28. �..ends 8 Uhr im Restaurant Hensel, Aleraii- der Maler und verwandter Berussgenossen' Brandenburgstr. 80.- Buchdinder-Manner- Gesangverein.FlöterscheS Doppel- »- �vNdS 9 Uhr Waldemars lra he 12 Neue Mitglieder e noch ie jede ISS««SMS Liedertafel des FachoereinS der Steintrüger Berlins. Gesangverein.Ohne. Gesangverein '8MWWWWWU froh und Frei"(Männer- issenschastlicher Verein sllr Ziethen, Dorotdcen. ..... ArcndSsscher Steno- —, Abends 8% Uhr im Restaurant Kolt, Steliographenverein„Apollobund" AbendS Verein ehemaliger Dr. Doebbelin scher ... Voigtscher Restaurant --> l,?.— Zitherverein„Alpenvnlcheil" Abends ...Wahlitatt", Betleallianeestrahe 89— Rauchklub -..... L-gg_ R„uch. j-iduiig 8X Uhr, Weißenburgerslraße 54. Dirigent h, r Ausnahme neuer Mitglieder.- Rauchtlub„Ohne im Restaurant W. Haugk, Weinftr, 22. eßlich urden. ler aul «!»let�ÄmanT E'm, vergrÖß�y a richüll lec na«, NorniischteS. die„Köln. einer der ersten in einer der *##### SS. / J i�ltete• Ipfcie» fSr*--- 00 und CasaS einigen Vorübergehenden angedeutet, daß sie sich von dem Trottoir entfernen sollten. Kaum war dies geschehen, so feuerte er einen Revolverschuß auf den General.ab. Die Kugel drang in den Hals. Erschreckt durch den Knall lief die ganze Nachbar- schaft zusammen. Da Lopez Jordan aber noch stehen blieb, so feuerte Cosas noch einen zweiten Schuß ab, der dem General in die Schläfe drang und ihn todt zu Boden streckte. Der Mörder rief darauf laut aus:„Ich bin kein Mörder, ich habe nur den Mörder meines Vaters getödtet!" Erst als aus der Menge der Ruf erscholl:„Kasino!"(Mörder), entfernte sich CasaS langsam. Ein Polizist zu Pferde holte ihn ein und brachte ihn zur Polizei. Dort machte er folgende Aussage:„Im Jahre 1873 war mein Vater, der Major Casas, Präsekt der Stadt Palmas in der Provinz Entre Rios. Um diese Zeit machte er eine Reise durch die Provinz, die den Zweck hatte, einige seiner Ländercien und lausend Schafe zu verkaufen, und mit dem erzielten Erlös seine Kinder, wovon ich der älteste Sohn war, in Buenos'Ayres erziehen zu lassen. Als er zurückkehrte, nahm er seinen Weg über Concordia und kam gerade durch das Lager, das der General Lopez Jordan zu jener Zeit bei Arroyo aufgeschlagen hatte. Als man dem General meldete, daß mein Vater durch sein Lager reite, befahl er ihn zu sich, und ohne Verhör und ohne Grund, nur um sich seine Güter gewaltsam anzueignen, ließ er ihn an einen Baum binden und durch den wilden Gaucho Martin wie ein Thier abschlachten. Damals war ich ein Knabe von 13 Jahren, und als ich die Mutter vor Gram hinsterben sah, that ich den Eidschwur, den Tod des Vaters und der Mutter zu rächen. Vaterlos und mutterlos standen wir vier Waisen, wovon ich von zwei Knaben und zwei Mäd- chen das älteste Kind war, ohne Verwandten und ohne Ver- mögen und jeglicher Stütze beraubt da. Die größte Annuth kam über uns, da uns der Raubmörder nichts gelassen hatte, als das Leben. Durch Vermittelung einiger Gönner wur- den meine Geschwister in bekannten Familien untergebracht und ich kam nach Montevideo. Als ich heranwuchs, suchte ich mir durch allerhand schwere Arbeiten meinen Unter- halt zu erwerben. Ueberallhin begleitete mich der Haß gegen den Mörder meines Vaters. In letzter Zeit lebte ich vom Zeitungsschreiben. Ich verdiente nur Ii Pesos täglich, lebte aber unter Entbehrungen nur von 50 Centavos, um einen Peso täglich zurückzulegen; denn ich nahm mir fest vor, die Spur von Lopez Jordan aufzusuchen und ihn zu vernichten. Lopez Jordan lebte, politischer Verbrechen an- geklagt, zehn Jahre lang im Auslande verborgen. Die Amnestie des Präsidenten Juarez Celman für politische Verbrecher brachte auch ihn in sein Vaterland zurück. Nun reiste ich nach Buenos Apres und klagte Lopez Jordan des Raubmordes an meinem Vater an, um ihn zur Herausgabe des den Eltern geraubten Vermögens zu zwingen. Doch alles war vergebens! Da faßte ich denn den Entschluß, Lopez Jordan zu erschießen. Ich wollte aber nicht als hinterlistiger Mörder erscheinen, und da- her trat ich mitten am Tage vor ihn und im Gedränge der Menschen, die meine That beurtheilen werden. Ich bin mir nichts Böses bewußt, denn ich habe nur den Mörder meines Vaters und so vieler geachteter Personen meines Vaterlandes erschossen!" Unterdessen war die Leiche des Ermordeten in sein HauS gebracht worden. Eine zahlreiche Menge umstand das Haus bis zur späten Abendstunde. Lopez Jordan hinterläßt sieben erwachsene Kinder, die sich in Buenos Apres den größten Luxus erlauben. Lopez Jordan war 1822 in Concepcion im Uruguay geboren. In dem Jesuiten-Kollcgium zu Buenos AyreS erzogen, trat er 1841 als Lieutenant in die argentinische Armee. In den revolutionären Kriegsjahren von 1849 war er Kommandant seiner Vaterstadt Concepcion. Als im Jahre 1851 sich der General Urquiza gegen den Tyrannen Rosas offen erklärte, ergriff Lopez die Partei des Tyrannen unb übte unter dessen schütz mehrere Gcwaltthatcn aus, wo- von die Ermordung des hochgeachteten Generals Urquiza und die des Majors Casas die allgemeinste und gerechteste Eni- rüstung zur Folge hatten. Der Gewaltchat überführt, wurde Lopez Jordan in Parana eingekerkert. Es gelang ihm aber, durch Bestechung der Wächter, aus der Festung zu entfliehen. Am 10. August 1878 verließ er, als Bettler verkleidet, auf den Arm einer seiner Töchter gestützt, die Stadt Parana. Zehn Jahre lang hielt er sich verborgen in der Nachbarrepublik auf, bis das Gesetz der Amnestie für politische Verbrechen ihn im Dezember 1888 wieder nach Buenos AyreS brachte. Hier ge- dachte er die Früchte seiner früheren Gewaltthatcn zu genießen — da ereilte ihm heute das Schicksal. Die wissenschaftliche Tieffre-Erpedition. Die Planktonexpedition, diese deutsche Expediiion zur Erforschung des atlantischen Ozeans zwischen Ascension und Island, die am Montag ihre Reise angetreten hat, nimmt gegenwärtig die Aufmerksamkeit weiterer Kreise in Anspruch. Das Unter- nehmen geht aus vom Geheimen Medizinalrath Professor Dr. Hensen. Außer ihm nehmen an der Expedition Theil: die Zoologen Professor Dr. Brandt und Dr. Dahl, Botaniker Dr. Schült, Geograph Professor Dr. Krümmel, Bakteriologe Professor Dr. Fischer, und Marinemaler Richard Eschke. Aus Staatsfonds hat der Kaiser der Erpedition 80 000 M. bewilligt, weitere 15 000 M. sind von der Aka- damie der Wissenschaften in Berlin aus der Humboldstiftung flüssig gemacht worden. Es handelt sich bei der Expedition um wissen- schaftliche Erforschung des Meeres, sowohl seiner Fauna wie auch seiner Lebewelt. Für die Unternehmung ist der Kieler Dampfer„National" gechartert, ein Schiff von etwa 1000 TonS Rauminhalt, das bisher den Güterverkehr zwischen den Ostsee- Häfen vermittelte. Zur Aufnahme der komplizirten Apparate ' at der Dampfer erhebliche Umgestaltungen erfahren. Ueber die Einrichtung des Dampfers entnehmen wir der„Kieler Ztg." folgende Einzelheiten. Das Schiff ist 190 Fuß lang, 29,3 Fuß breit und besitzt 15 Fuß Raumtiefe. Mit Hilfe einer Tripelexpansionsmaschine von 400 indizirten Pfcrdekräften wird demselben eine Schnelligkeit von 10 Knoten in der Stunde verliehen. Die Besatzung besteht aus ca. 80 Personen. Für die Mitglieder der Erpedition sind in den unteren Räumen vier Einzel- und zwei Doppelkabinen hergerichtet. Die Hauptarbeitsplätze befinden sich an Deck, dort weroen zahlreiche Holzlische aufgestellt, auf welcher das gefischte Thier- uud Pflanzemnaterial untersucht wird. Dieser Platz ist, wie das Deck überhaupt, mit einem großen Sonnen- segel überspannen. Am Großmast ist ein eigens er- bautes hölzernes Deckhaus angebracht, das in erster Linie für die bakteriologischen Untersuchungen des Stabsarztes Dr. Fischer bestimmt ist. Außer einer großen Kollektion von Gläsern und Flaschen aller Art, die auf festen Haltern oder in Oeffnungen unbeweglich ruhen, erblickt man darin einen Petroleumapparat zum Sterilisiren, eine Luftpumpe und eine ganze Reihe von Blechbüchsen mit sterilisirten Glasschalen. Auch Nährsubstanz für die Bakterien ist in reichem Maße vor- handen. Aus dem Achterdeck fallen von größeren Apparaten eine von der Admiralität zur Verfügung gestellte Tiesseeloth- Maschine und ein Regenmesser ins Auge. Ein länglicher weißer Trichter, an dem eine weiße ins Meer zu tauchende Scheibe angebracht wird, dient zur Beobachtung der Dichtigkeit des Wassers. In den unteren Räumen des Vorderiheils sind die hunderterlei Kasten und Geräthschaften für die Expedition verstaut. Rechts vom Eingange ist ein Hühnerstall eingerichtet, links eine Kammer für photographische Ausnahmen. Von vielem Interesse dürfte die 7000 Meter lange, durch Maschinerie zu bewegende Stahltrosse sein, welche eine Länge von einer deutschen Meile erreicht und die großen Netze heranzieht. Die Taucher- und BeleuchtungS- apparate bestehen aus einer unterseeischen elektrischen Laterne mit vier Glühlampen a 50 Normalkerzen und einer Hand- lampe mit einer Glühlampe a 50 Normalkerzen: auch für die inneren Räume des Schiffes ist elektrische Glllhlichtbeleuchtung eingerichtet. Ferner sind noch zwei Bogenlampen, jede von 10000 Normalkerzen Lichtstärke, in eigenartigen trich:er- förmigen Laternen untergebracht, welche in einem beschränkten Umkreise die Wasserfläche von oben beleuchten und Arbeiten der Erpedition auch zur Nachtzeit ermöglichen werden. Zu Bc- obächtungen unter Wasser selbst begleitet ein ausgebildeter Tauchcr die Erpedition, welchem ein vollständiger Taucherapparat, mit allen Einrichtungen der Neuzeit versehen, zu dem Zwecke mit- gegeben wird. Die Verständigung mit dem Taucher über seine Wahrnehmungen erfolgt durch eine Anwendung besonders kon- struirter Telephone unter Wasser. Eine Reihe von verschieden- Netz von 6 Quadratmeter Öeffnung ist bestimmt, vertikal aufgezogen zu werden und etwas größere Thiere des Planktons zu fangen. Ein mit cylindrischem Blech- mantel versehenes Netz aus Beuteltuch soll hinter dcm Schiffe hergezogen werden, es aestattet auch bei schneller Fahrt noch schonend zu fischen, ein Schwimmnetz für horizontalen Zug von 8 Dm. Oeffnung ist besonders eingerichtet, um bei Nacht junge Fische zu fangen. Interessant ist ein sogenanntes Spiegel- netz zum Fangen kleinerer Fische. Vor einer ziemlich engmaschigen Netzwand hängen beiderseiis Netzwände von weiteren Maschen, die Fische, welche auf dieses Netz stoßen, treiben den Theil des engeren Netzes vor sich her durch eine der weiten Maschen und bilden dadurch eine Art von Nctzbeutel, in dem sie sich fangen. Am wichtigsten von allen Apoaraten ist das Planktonnetz. Das- selbe besteht aus zwei trichterförmigen Theilen. Der obere Trichter besteht aus einem eisernen Gestell, welches mit un- durchlässigem Zeug überzogen ist und an der Spitze eine Oeff- nung von 0,1 Dm. hat; oer Zweck dieses Trichters ist, das Eindringen von Schlamm zu verhindern, den Fang auch der unruhigem Wasser im Netze zu behalten und das Aufziehcw desselben zu erleichtenr. Der untere Theil des Apparates dient zum Fangen, er besteht aus dem eigentlichen Netz ur le dem Eimer. Das Netz ist seidenes Beuteltnch, ein fctr feines Gewebe von quadratischen Maschen mit 0,053 Min. Weite. Zur Verstärkung dient ein Ueberzug von einem weitmaschigen Baumwollennetz und einigen den schweren Mejsingeimer tragenden Tauen, die Fläche des Rctzcs beträgt nahezu 3 Dm. Beim Fischen legt sich baS Plank', n überall an die Wände des Netzes, es wird nach dem Aufziehen dadurch in den Eimer gesammelt, daß man mit der Damiff- spritze des Schiffes überall die Wände von außen bespritzt, wr- durch das Plankton hinabgleitet. Der Eimer wird an einen Rmg des Netzes angeschraubt. Der größere Theil seiner Wanduno de- steht aus Beuteltuch. Unten an dem Eimer findet sich eine durch einen Stöpsel verschlossene Oeffnung, aus welcher man den In- halt hinausläßt, um ihn in einem ähnlichen Apparat zu konzen- triren. Geheimrath Hensen hat für die Planktonfahrt zwei solcher Netze aneinandergekoppelt und durch Spiralfedern mit dem Drahtseil, welches sie zu ziehen hat, verbunden. Die Federn sollen den Einfluß des rollenden Schiffes auf die Netze ve>- mindern, die Gewinnung von Parallelfängen sichert gegen Zufälligkeiten. Die Netze werden senkrecht herabgelassen und fangen, wenn man sie aufzieht. Die Theilnehmer der Expedition beabsichtigen, fünf große Meeresstrecken des Atlantischen Ozeans zu untersuchen. Der „National" geht zunächst nach der grönländischen Südküste und von dort nach der Neufundlandbank und dann nach der Bennudos-Jnseln, wo ein kurzer Aufenthalt zur Untersuchung der Korallenriffe genommen wird. Die zweite Fahrt geht von Bennudos nach den Kap Verdischen Inseln. Ueber die Gefahr der Uerbreitung de» Typhno durch die Genojfenjchafts-Maltrereien geht der„Hau- noverschen land- und forstwirihschaftlichen Zeitung" von de- amtcter ärztlicher Seite folgende Mittheilung zu: Im Sommer 1888 wurde in dem Kreise Lingen Typhus durch zw-r Molkerei-Genossenschaften verbreitet und zwar in so auffälliger Weise, daß ein Zweifel in diese VerbreitungSan nicht ge'exr werden kann. In Bawinkel, der wohlhabendsten Bauernsämit: dieses Kreises, mit großer Viehzucht, besteht seit dem Iah e 1887 eine Genossen schafts-Molkerei, die meisten Bauern liefern Milch in dieselbe, bis 100 Liter täglich. In dem Hause eines der größten Lieferanten brach Typhus aus und nach 14 Tagen verbreitete- sich die Epidemie über die ganze Bauernschaft so plötz- lich, daß bei der großen Entfernung her einzelnen Wohnungen von einander eine Verbreitung durch persönlichen Vertchr ausgeschlossen werden konnte. Offenbar waren in die Milch des vorhin erwähnten Lieferanten durch Ausspülen der Miltt* gefäße oder sonstwie Typhusbazillen gelangt. Diese kamen in die Molkerei und wurden mit der Milch in den gemeinschast- lichen Behälter geschüttet. Hiernach wurde die Milch entrahmt und diese dann wieder unter die einzelnen Lieferanten nach Maßgabe des gelieferten Quantums vertheilt. So empfing jeder Theilnehmer an der Genossenschafts-Molkerei sein Deputat an Typhusbazillen, undbald darauf würbe die Seuche allgemeiner� Vorzugsweise erkrankten Mägde und Frauen, weil diese von der aus der Ntolkerei zurückgelieferten Magermilch am meiste» in rohem Zustande genossen. Die Zahl der Erkrankten kann nicht mit Sicherheit angegeben werden, doch wird dieselbe sich jedenffills auf 100 belaufen. Es blieb jedoch fast kein Haus, welches Milch lieferte, verschont. Es war ein Glück, daß die Seuche- in so milder Fonn auftrat, daß sehr selten ein tödtlicher Ausgang erfolgte. Auch waren die mit der Krankheit verbundenem Beschwerden so gering, daß die Kranken noch ihren Geschäften nachgehen konnten. Nur die schwer Erkrankten suchten ärztlich« Hilse nach, zum Theil im Krankenhause zu Lingen; unb bei diesen wurden ganz unverkennbar die charakteristischen Merk- male von TyvhuS nachgewiesen. Auch in dem Kirchspiel Em«- büren, wo ebenfalls eine Molkerei-Genossenschaft besteht, lrar im vorigen Jahre Typhus und zwar in gleicher Weise wie in Bawinkel auf, und ist auch hier der Zusammenhang zwischen Typhus und Molkerei nicht zu bezweifeln. So viel ist klar: es können die Genossenschafts-Molkcreien eine Quelle. ernster Gefahr für das öffentliche Wohl werden dadurch,. daß sie die Verbreitung von allerlei Krankheilskeimen auf das Leichteste befördern; denn es ist ja bekannt, daß nicht allein Typhus, sondern auch Scharlach durch Milch verbreitet worden sind, und der Annahme, daß auch Keime von anderen Krankheiten in die Milch gelangen und dadurch in die verschiedenen -Däuser verthcilt werden können, steht zunächst nichts im Wege,. >iese Thatsachen fordern aber besondere Vorsichtsmaßregeln. heraus, denn nicht immer wird sich der Tnphus in milde Form zeigen; es wird sich auch ereignen, daß ber Bazillus von gefährlicher Beschaffenheit ist, dem unter gegebenen Verhüte- nissen Viele zum Opfer fallen werden. Als Vorbeügungsmaß- regeln sind zu empfehlen: 1) Warnung des Publikums vor brai Genüsse roher, d. h. ungekochter Milch, eventuell anhalten iv-r Kochen der eingelieferten Milch in der Molkerei; 2) strenge D.-- Infektion der Äilchgefäßc. Letztere dürfte am besten durch hau.- Wasserdämpfe in der Molkerei zu erlangen sein, wozu allerdings die boppelte Anzahl von Gefäßen erforderlich wäre. Denn es wird ja jetzt die Äagennilch in demselben Blechgesäße zurück in die verschiedenen Häuser geliefert, in dem die Vollmilch zur Molkerei gelangt. Um aber ein Ausspülen der Gefäße in cen Häusern der Lieferanten zu vermeiden und um den Krankheiik- keim, der meist im Wasser sich befindet, von der Milch fern zu halten, müssen die Gesäße in der Molkerei, bevor sie d>-» Häusern zurückgegeben worden, in angegebener Wei'e, dcsinfizicr werden. Ferner dürfte es zweckmäßig sein, allen Lieferant!-,-. in deren Wohnungen ansteckende Krankheiten herrschen, auk'S Strengste bei hoher Strafe die Lieferung von Milch in>- e Molkerei zu untersagen, und zivar auf Monate hinaus. W e uns von anderer zuverlässiger Seite mitgetheilt wurde, herrscht augenblicklich in der Umgebung von Werlte im Kreise Hllm- ling Typhus in so ausgedehntem Maße, daß dessen Verbrei- hing jedenfalls durch die dortige Molkerei wenigstens befördert fein dürste. G» ist bekannt, daß die gezähmten Thiere gewisse Triebe ablegen, z. B. das Kameel das Säugen und Saugen, so daß der Araber Mutter und Junges hierzu erst anhalten muß. Die Beobachtungen im zoologischen Gärten ergeben, daß bei Löwen, Tigern, Bären:c. die Mutter mindestens Gleichgiltig- keit gegen oas Junge beweist, während der Vater sich an dem- selben zu vergreifen geneigt ist. Der Gegenstand ist noch nicht genügend im Einzelnen untersucht; sicher sind an der Umkehrung der sonst bei den Thieren so lebhasten Fürsorge für die Jungen die veränderten Lebensverhältnisse der Thiere Schuld, da z. B. die Tigerin im zoologischen Garten in Dresden sich ihr Junges ivegnehmen ließ, weil ihr Gesäuge vollkommen leer war und sie es also doch nicht hätte enrähren können. Was das Nilpferd betrifft, so hat die Zeitschrift:„Der zoologische Garten", welche überhaupt reich an hierher gehörigen Beobachtungen ist, bereits im 2. Jahrgang(1862, S. 178) ein Beispiel aus dem zool. Garten zu Amsterdam mitgetheilt, wo ein neugeborenes Nilpferd von der Mutter getödtet wurde in dem Bestreben, es vor den Angriffen des wüthenden Vaters zu retten. In dem neuesten Heft der genannten Zeitschrift(Juni 1889) findet sich ein Artikel über Nilpferdmcht im zoologischen Garten zu St. Petersburg, mitgetheilt von Alfred Seefeld, welcher um so interessanter ist, weil es sich dabei um die Beobachtung mehrfacher Ge- burten handelt. Die erste Geburt fand am 18. September 1885 statt; das Junge wurde mit Gefahr der sehr aufgeregten Mutter weggenommen und mit Milch ernährt; es ging am .4. Tage ins Wasser, wobei es von demselben trank, und starb am folgenden Tage, entweder infolge der schlechten Beschaffen- heit der Kuhmilch, oder durch das Trinken des unreinen Waffers im Bassin. Am 5. Juni 1886 fand die zweite Geburt statt; das Bassin war gerade wegen einer Reparatur ohne Wasser. Die Mutter stieß das Neugeborene in das leere Bassin hinab, wo es laut klagend liegen blieb. Sie suchte es durch Stoßen dann wieder herauszubringen, eS gelang jedoch nicht. Die Wärter entfernten mit vieler Mühe das Junge von der Alten; es starb am folgenden Tage, ohne Nahrung zu sich genommen m Haben, infolge der erlittenen Mißhandlungen. Am intereffan- testen war der Verlauf der 3. Geburt. Im Winter 86— 87 hatte der Berichterstatter mit Direktor Rost eine Reise nach London a macht und bei dem Direktor Bartlett des dortigen zoologischen Gartens(Regents Park) sich über diesen Gegenstand Raths rrdolt. Bartlett rieth, wie er selbst gethan, die Thiere vor der Geburt zu trennen. Dies hatte man schon bei der zweiten Ge- durt 1886 in St. Petersburg versucht, aber wegen der furcht- baren Austegung der Mutter wieder aufgeben müssen. In- folge dieser Beobachtung und der sonstigen Gutmüthigkeit der alten Threre, welche sogar ihren Wärter auf sich reiten ließen, sah man jedoch von der Trennung ab und nun verlief die Ge- burt des dritten Jungen am 27. Mai 1887 in folgender Weise, iicch schlimmer als in jenem Amsterdamer Fall. Gleich nach der Geburt begab sich das Junge ins Wasser, wo sich die Mutter d-.ieilS befand, und tauchte, auf dem Rücken desselben reitend, wieder auf. Aber nach wenigen Minuten erblickte es der Vater und stürzte sich mit weit geöffnetem Rachen auf seinen Sprößling, welcher ins Wasser stürzte. Der Vater folgte ihm taut brüllend dahin; so weit man in dem Durcheinander sehen konnte, suchte die Mutter ihr Junges zu vertheidiaen. Vcr- xrbenS: nach wenigen Minuten färbte sich das Wasser roth und der Vater tauchte auf, sein Junges mit den riesigen Zäh- nen zermalmend. Nun wandte sich die Mutter gegen ihren EhegesvonS und es entstand ein heftiger Kampf, welchem jedoch bald Beruhigung folgte. Natürlich wurde bei der am 17. Februar 1888 e» folgten vierten Geburt das Junge rasch von der Mutter getrennt, welche sich bald beruhigte. Das sehr kräftige Junge wird seitdem mit frisch gemolkener Ziegenmich gerührt. Im Februar nahm es 126 Pfd.(Apolhekergewicht), im März 650 Pfd., im Mai 870 Pfd. Milch zu sich. Seit 27. Juni wurde Gerstenmehl zugesetzt, seit Juli erhielt eS Heu t nd seit August Trockenfutler, seit Dezember keine Milch mehr, fondein das Futter der Alten. Bei Abfassung des Berichts war es 14 Monate alt, ein gesundes, munteres Thier. Gl« Stoß in da» fjerj de» Impfdogma». Die .Grazer Morgenpost" veröffentlichte im März d. I. einen in- lercssanten Aussatz aus der Feder Alfred Lill von Lilienthals 'wer neue Untersuchuugen bezüglich der Jmpffrage. Der Ge- 1 1; nie schreibt:„Unter den am tiefsten in die Rechte der Fa- uu>e und daS physische Gedeihen der gegenwärtigen ad jeder künftigen Generation eingreifenden Neue- langen dieses Jahrhunderts gehört unstreitig die zum Schutze gegen die Blatternkrankheit geübte Kuhpocken- r.npfung. Sie wurde, bevor man die Statistik wissenschaftlich v- behandeln und die Geschichte wie den Einfluß der Kuhpocke näher kennen gelernt hat, mit Ausnahme einiger weniger Skeptiker allerwegen als der größte Segen dieses Jahrhunderts gepriesen, den unter allen Schichten des Volkes hier und da, felbst mittels Zwang zu verbreiten, die Regierungen im Namen per Ausklärung und der Humanität eifrigst bestrebt sind. Grst seit einigen Dezennien haben unabhängig den- k nde Männer, Acrzte wie Laien, welche diesem 'wiegenstande eingehendes Studium gewidmen haben, offe- von Widerspruch gegen die Jmpflehre JeirnerS erhoben. Sie wiesen an der Hand von Ziffern und Thatsachen nach, laß der von Jenner in Aussicht gestellte Schutz illusorisch sei, die mit dieser Praxis verbundenen gesundheitlichen Nachtheile aber eine reelle Gefahr bilden. In neuerer Zeit hat sich zwar die Zahl der Jmpsgegner bedeutend vergrößert, in England strht eine wohl organisirte, von angesehenen Männern der Wissenschaft geleitete Liga, dem vom Staate reich dotirten, durch Zwangmaßregeln gestützten Jmpsinstitute entgegen. Da aber ■ie von dem herrschende» Jmpfdogma dissenlirenden Ansichten der Jmpsgegner sich weder einer einflußreichen Vertretung in Gesetzgedungskreiscn erfreuen, noch in der Tagespresse und den gangbaren Handbüchern Gehör verschaffen konnten, so war ihr Kampf bisher ein fruchtloser. Man ging über die Sektirer zur Tagesordnung über, und wenn einmal eine gelehrte Körper- ickmft, wie z. B. die Universität zu Charkow, die Impfung mit dem heutigen Stande der Wissenschaft, insbesondere der pathologischen Physiologie für unvereinbar erklärt, so bat inan dieses Gutachten ad acta gelegt. Auch die ..Kncyklopädla Biiiannia" brachte noch UN Jahre 1872 unter dem Artikel„Vaccinaiion" eine aus der Feder des damaligen Direktors der Statistik für Schottland, Dr. Stark, fließende Lobhymne auf die Segnungen der Kuhpockenimpfung. Aber mit der 18 Jahre später zu Stande gekommenen erneuten Auflage(1888) vollzog sich ein Umschwung, der eine Er- schülteurng des Jmpfdogmas in seinen Grundfesten bekundet. Im Jahre 1888 erhielt ein namhafter schottischer Gelehrter Dr. Creighton, von dem Herausgeber der Encyklopädie, Prof. Robertson Smith, den Auftrag, den Stand der Jmpffrage auf Grund der neuesten Forschungen darzulegen. Dr. Creighton begann die Arbeit, voreingenommen von oer allgemeinen Meinung über die wohlthätige Wirkungen des von Jenner gelehrten Impf- fchutzes. Bei fortgesetzten eingehenden Studien erging es ihm aber wie so vielen anderen Gelehrten in dieser Frage, nament- l:ch dem deutschen Altmeister der Statistik, Dr. Kolb— er er- kanntenämlich bei gewissenhafter Forschung seine bisherigeMeinung als eine auf falschen Grundlagen basirte, demnach den Beweis de« Impfschutzes als nicht erbracht. Dr. Creighton hat die diesfälligcn aus der Geschichte und den pathologischen Eigen- ichasten der Kuhpocke hergeleiteten umfangreichen Nachweisungen in dem für diese Frage epochemachenden Werke:„The natural hyaoiy of Cowpox a d vacclnal Syphilid" niedergelegt. Indem nun die Encyklopädie, ihrem Programm getreu, dem von Creighton verfaßten Artikel:„Vaccinatioo", der den Inhalt jenes Werkes in gedrängter Kurze wiedergibt. Auf- aahme gewährte, ist zum ersten Male der Fall eingetreten, daß ein über allen Parteien stehendes öffentliches Register der wissenschaftlichen Kritik und des Fortschritts mit dem hundert- jährigen Jmpfdogma gebrochen hat. Die vornehmsten kritischen Magazine, wie„Ccrncmporary" und„Westrninster Review" knüpfen an die Ausführungen Dr. Creightons die Vorhersage, daß es mit dem System der medizinischen Verfolgung in England ein Ende haben und die öffentliche Meinung die Abschaffung des Impfzwanges stür- misch verlangen werde', wenn es nicht gelingt, Creightons Behauptungen zu widerlegen. Denselben Gedanken drückt„Vaccinaiion Inquirei" vom Januar d. I. aus, indem er sagt:„Dr. Creighton hat den Jinpfbaum zum Umhauen gezeichnet. Wir wollen warten, ob dieses Zeichen, das er befestigt hat, entfernt werde; aber wenn dies nicht ge- schieht, ist sein Fall unvermeidlich." Die Widerlegung ist bis- her nicht erfolgt.—" Was wird dazu Herr Geheimrath Dr. Koch und das deutsche Gesundheitsamt sagen? Sollten die deutschen„Jmpfkralchrer" doch Recht behalten? Deprsrlio»r. (Motstf« Selegrapheu-Kurea«.) Schweidnitz, 25. Juli. Vor dem hiesigen Schwurgericht gelangte heute die zweite Gruppe der aus Anlaß der Exzesse nn Waldenburger Streikgebiet Angeklagten zur A6url% Von den 15 Zlnaeklagten wurden der Lehrhauer kkarl M wegen schweren Landfriedensbruchs zu 4 Jahren Mg drei andere ebenfalls des schweren LandsriedensbnichS«£ klagte zu 9 Monaten bis 2 Jahren Gefängniß verurV- Wegen einfachen Landfriedensbruchs wurde ein AngM zu 2 Jahren, sieben andere Angeklagte zu je 1) Jahre», � zu einem Jahr und einer zu 6 Monate Gefängniß verarg Ein Angeklagter ging wegen seines jugendlichen Alterst frei aus. Kerge-Korbeck, Donnerstag 25. Juli. Der Selber Zeche„Dahlbusch" scheint der Beendigung nahe, He»'"' sind wieder 480 Mann unter Tage angefahren. Rom» Donnerstag, 25. Juli. Einer Meldung des gero" zufolge sind in Prata(Provinz Avellino) bei deK läßlich einer religiösen Feierlichkeit veranstalteten 3 Personen getödtet und 45 Personen, darunter 28 schwn, wundet worden. Loudo«, Donnerstag 25. Juli. Die Parnell-KolN»»A beendete das Zeugenverhor und vertagte sich hierauf»»'l trag des Anwalts der„Times" bis zum 24. Oktober. S. Ziehung der 4. Klasse 180. Köuigl. Preug. Lotterie. Ziehlin« vom 2». Juli 1889,»ormittag«. Hut blt Sewinne Übet SMO 9'!at[ Sud Den bettetfeubtn Nummern in Pareulheie betgefügt. (Ohne gewollt.) 121 66 240 380 489[1500] 511 610"11 1127 90 287 331 39 48 76 470 537 40 728 35 65 848[300] 79 82«016 26 62 73 118 54 2.6 41 85 666 861 3005 163 68 277 434 72 812 4072 99 108 281 36 44 57 65 420[1500] 94 683 790 96 823 32 70 5034 125 239 418 56 554 747 841 923[1500] 6006[500] 249 407 14[500] 632 727 39 883 963 7 0 4 276 403 737 8033 99 103 217 35 491 590 629 77 849»13- 22844 446 97 963 1O023 34 183 233 48 313[500] 41 483[500] 792 929 1 1394 466 556 808 37 1*013 99 142 72 236 593 632 74 79 784 880[1500] 92 13192 310 13000] 475 80 81 681 942 1 4225 406 754 81 804 916 28[30001 15089 113 28 34 364[300] 97 415 38[5000] 57 637 69 792 840 951 11009 257 302 87 424[3000] 28[500] 3) 77 727 97 935 10 17>31 188 220 54 82 315 16 484 503 90 779 999 1*213 305 50 425 720 49 93 842 45 1300] 62[3000] 962 1»137 230 318 63 624[300] 815 ««045 86 135 262 378 503 743 929 35 55«1090 364 409 22 86 614 742 832[3000] 91««096 99 III 72 274[30] 94 373 500 53 646[SOOO] 76 753 96 913[3000]«3073 75 96 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Ziehuiig der 4. Klasse 180. Köuigl. Preuh. Lotterie. Ziehung vom 25. Juli 1889, 9M(timittmj3. Nur die iüeuiinne über*IO Morl finD den Deicenenden Nummern in Poreuiheie beigefügt. (Ohne iDemäbt.) 99 106 52 312 35 92 446 68 501[500] 761 892 1006 66 68 676 90 782[318)1 845 931«259 617 69 715 32[3000]»41 70 97 3128 269 425 510 662 73 718 29 83 970 4172 263 305 67 500 621 66 729 54 5134 76 244 81 351 64 455 594 606[lOOOO] 20[300] 85 700 832 63 68 905 «173 698 704 75 812 7219[500] 510 72 804[3000] 911 37*022 41 [5« OOOI 257 343[300] 50 414 30 81[300] 662 75 95 719 53 99 897 »1-6[3000] 241 98 306 92 508 616 94 727 905 10045 70 118 69[300] 252 366 467 544 724 31 67 840 93 11235 388 4.5[5001 519 85 612 34 77 724 80 849 901 1*043 60 87 219[500] 24 427 523 613 38 69 715 1 3152[500] 68 307 497 595 820 93[1500] 957[500] 14068[5000] 88 259 71 361 76! 68[300] 814 57 9-5 15039 75 150 211 91 456 58 6-3 714[5410] 960 11167 228 370 61 434 95 550 653 743 825 997 17024 60 338 55 410 39 669 70 74 727 55 56 882 907 48 79 1*071 107 62 208 9 87 302 36 426 569 98 613 801 11 30[500] 34 94 3 53 65[500] 1»Ü74 332 43 67 491 726 897 *0044 112 48 53 283 348 525 94 647 71032 861 6471 80 969«1106 16[3000] 47 205 36 77 405 70[300] 583 667 905 8 40«*282 422 651 52 61 750 860 947 61*3132 73 204 25 67 300 458 545 667 779 805 916 96«4093 149 214 360 93 674 769 850 86 95[300] 950*5190 285 34.8 84 513[3000] 52 679 957*«027 103 10 25 264 370 83 410 54 605 74*7054 161 370 446 59 557 73 92[3000] 673 727**154 440 62 63 644 58[300]-8 733 64 73 94 847 915 48 67*»032 504 36 42 61 92 847 66[300] 98 996 30072 222 325[300] 74 662 79 711 807 42 31132 38 64 88[5000] 96 504 16 609 46 714 814 998 3*103 263 525 683 818 24 3 3023 69 [1500] 129 63(300] 76 244 360 72 444 682 715 880 974 3 4022 35 823 70 488 697 742 960 3 5030 61 119 22 86 269-0 81 362 66 543 82 83 86 90 682[3o0] 92 792 857 956 8 0207 56 66 389 565 632 75749 8 7001 151 356 434 5-9 639 93 716 817 80 981[300] 3*072 105 92 309 453 607 33 602»»316 49 539[300] 663 958 40014)[1500] 47[500] 144 583 910 4 1065 256 67 86 353 59 540 695 756 83 840 4*001 13 116 91 283 402 44[300] 66 551 68 616 736 57 81 845 92 995 43062 63 254 428 75[5Ü0] 526 678 732 44128 227 403 608 12 869 925 44 4 5303 458 634 4» 632 776 77 87 863 41051 57 272 84 561 67 725 831 48 902 24 4 7009 106 18 44 68 78 317 420 658 68 730 66 805 10 915 16 4*115 250 81 357 79 421[500] 6.88 770 81 882 4»009 1-3 235 633[1500] 65 760 879 941 50087 98 99 119 227 59 83 343 472 525 75 664 718 62 971 5 1005 54 63 397 445 645 721 76 93 918»*029 77 126 232[300 j 432 38 592 603 7 67 80 775""'' 944 4- 96[500]»4091 156 Klj 75 831" 92? 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Eronheim in Berlin. Druck und Verlag von Wla» Kadwg m Berlin SW., Beuihstroße 2. 9�.�73[«l# 603 7 92 729 8-10 42