X Bow? , stellen, xehmen, gelmS lern: r schw°> lerlw-- i W b dal/!? ■ oft f", ßr et dai in»»? .Ä idet.% -Ä U -- ld»«& " V SM (net fr. 181. Dirnstag, den 6. August 1889. 6. Jahrg. lerliiierDolksblatL Brgan für die Interefsen der Arbeiter. «i'fe Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonneincnispreis für Berlin frei 5»t r?"'erteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer - Rummer mit dem.Sonntags-Blair- 10 Pf. Bei Abholung aus unserer "l®" Z»mmerstrabe 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemen, 4 Mark pro Quartal. fi» x...(Eingetragen in der Postzeitungsoreisliste für 1889 unter Nr. 866.) :®'ner Schadenfreude nicht vergessen, daß er eS �wber seinen Erfurter Parteigenossen den Rath gab: US als Kapell!" �..�euilletoii. Roma« vo» Ma«ru» ZSkai. [31 wieder aus- Fruchthändler sich O' er si*""? von seinen Strapazen ausruhen zu können, "ersällt Dingen zu schaffen, auf die sonst keine sV Eis fir* u pachtet er den Plattensee und läßt unter 1 dteilin.•k"' �vlängst haben seine Leute auf einen der ,77'dert Zentner sä WÄ 7; Ä nicht ausgeplündert haben, daß nicht ein einzi Das ist den einziger ■m�fBosche uilles nach Wien hinauf...... —': nn t qv ,�ulaton wüchsen, damit die Deutschen sie (kef L, �'eser verdammte Schlingel! Man sollte von und j mt, laß' ich ihn von zwei Schiffsknechten � � idicß�»« d,e Donau werfen.— Ich werde einer ;b.? � l�cht am Q�ulden zahlen, damit sie ihn, wenn er IN 163-�x-, �chilfccrljauä vorübergeht, von ungefähr er- «dj? von-�vre einen wüthenden Hund in seinen Hof, •%"9it l"'int K I®d>ffcn werde, wenn er des Morgens STW SV AM# kerstr- 10 Hängen sollte man den Schurken! Er ver- ' mehr, als der Angyal Bandi oder ."ge-"«icii Wälder berüchtigte Räuber; denn der aber W( L viir nur das Geld, was ich bei mir � 3olitisU,o Mebsrstchk. Gin Musterstückr»0« Heuchelei leistet sich die„Natlib. Korresp." in einem Artikel über die von dem„sozialdemokratischen „Berliner Volksblatt" mit so lärmender Siegesgewißheil" an- gekündigte Berliner Lohnbewegung. Nachdem nämlich das offizielle Organ der Partei der Gentlemen das„Mißlingen" dieser Bewegung konstatirt und dem durch die Streiks über viele Arbeiterfamilien hereingebrochenen Elend ein paar Krokodilsthränen gewidmet hat, untersucht es die Ursachen des Mißlingens der Äeweaung und findet dieselben in der„Un- h i l l i g k e i t der gestellten Forderungen", welche nicht die Sympathien der öffentlichen Meinung finden. Den Arbeitern wird deshalb der Rath gegeben, aus der diesjährigen Lohn- bewegung die Lehre zu ziehen,„nicht wieder so plan- und zwecklos zu einem Ausstand sich anreizen zu lassen, vor allen Dingen dann nicht, wenn das große Publikum nicht bereits von der Gerechtigkeit und Billigkeit der Arbeiter- forderungen überzeugt ist". Um aber feststellen zu können, wie das„große" Publikum über die Arbeiterforderungen denkt, so „würde das wohl am besten geschehen, bezw. die Zwecklosigkeit spitze Stoßklinge aus seinem Bambusrohr heraus.) Da ist es! Bei der ersten Gelegenheit, wo wir Beide allein uns begegnen, stoß, ich es ihm in den Leib, so! und spieße ihn an die Wand wie eine Fledermaus. Das schwör' ich!" Und er bemühte sich, durch das Rollen seiner roth unterlaufenen Augen der Drohung Nachdruck zu geben. Ee trank stehend den Rest seines Kaffees auS, zog seinen Ueberrock an und sagte, er gehe jetzt inS Geschäft.(Ja, „Färbeln".) Er werde zeitig nach Hause kommen.(DaS heißt, frühzeitig am Morgen.) Jeder war froh, daß er ging. Wie nun Herr Brazovics die enge Wendeltreppe de- hutsam hinabstieg— denn seine Korpulenz war nicht dazu angethan, eine Treppe rasch hinabzueilen— wer kommt ihm von nnten entgegen? Timar. Jetzt also hat er ihn in der Hand! Auf Messerstich- weite! Und an einem dunklen Ort, wo Niemand die Beiden sieht. Wir wissen aus der Geschichte, daß die meisten Meuchelmorde auf der Stiege verübt werden. Timar hatte keine Waffe bei sich, nicht einmal einen Spazierstock, Herr Athanas dagegen ein zwei Fuß langes Stilet. Als Herr Athanas Timar erblickte, schob er seinen Dolchstock unter die Achsel und rief, den Hut ziehend, mit lauter Stimme:„Gehorsamer Diener! Wünsche guten Tag. Herr von Levetinczy!" Timar antwortete mit einem:„Servus Nazi! Gehst schon wieder ins Geschäft?" „Hehehe!" lachte gemüthlich Herr Athanas, wie ein Knabe, der bei einem lustigen Streich ertappt wird.„Nun, Michel, willst Du uns nicht einmal Gesellschaft leisten?" „Fällt mir nicht ein. Wenn eS Euch nur darum zu thun ist, mir ein paar hundert Gulden abzugewinnen, so zahl' ich sie lieber gleich; aber die ganze liebe Nacht am eines unbilligen AuSstandeS würde am sichersten vorher erkannt werden, wenn die Arbeiterfoi derungen stets zuerst einem mög- Wichst unparteiisch zusammengesetzten Schiedsgericht zur Entscheidung vorgetragen würden. Die Einrichtung von Schiedsgerichten nnd Einigungsämtern liegt also auch durchaus im Interesse der Arbeiter, vorausgesetzt, daß ste mit dem moralischen Gewichte rechnen wollen, welches der Entscheidung dieser Instanzen auch ohne besondere Zwangsgewalt jeder Zeit zukommen würde." Um die Heuchelei, die in dem vorstehenden Zeilen liegt, voll würdigen zu können, erinnere man sich, daß dieselbe„Natlib. Korresp", welche hier so entschieden für die Schiedsgerichte eintritt, die Ablehnung derselben von Seiten der rheinisch- westfälischen Bergwerks- Direktionen durchaus billigte und mit der Phrase, daß durch solche In- stitutionen die nothwendige Autorität und Disziplin unter den Arbeitern leiden würde" voll und ganz einverstanden war! Die Ansprache de» König« Albert von Sachsen an die Leitung des dortigen Kriegerverbandcs hat Aufsehen erregt, da die Rede die Kriegervereine ausdrücklich zu politischer Thätigkeit im Dienste der Ordnungsparteien ermuntert. Einzelne deutschfreisinnige Organe weisen besonders darauf hin, daß die Kriegervereine doch unpolitische Verbindungen find, und daß durch ein Eingreifen derselben in die Wahlen des- halb direkt die Bestimmungen des sächsischen Vereinsgesetzes verletzt werden. Das letztere ist theoretisch durchaus richtig, hat aber weder für die Krieger noch andere„nichtpolitische" sächsische Vereine irgend welche praktische Bedeutung; voraus- gesetzt allerdings daß dieselben ihre ungesetzliche politische Thätigkeit nur den Ordnungsparteien zu Gute kommen lassen. Ganz desselben Lobes, welches den Kriegervereinen zu Theil geworden, haben sich nämlich auch die sächsischen Handwerker- vereine würdig gemacht, welche einen„Sächsischen Handwerker- bund" bilden, dessen Vorstand zu den Faschingswahlen 1887 einen Aufruf erlassen hat, in welchem, nachdem der Opposition im Reichstag nochgesagt ist:„daß sie den wärmsten Dank sich — in Paris" verdient habe— sich wörtlich folgende Stelle befindet:„In Verfolg der Beschlüsse von Dresden und Kösen sprechen wir deshalb die dringende Bitte aus: Vereinigen Sie sich schleunigst mit allen Jnnunasgenossen, allen Handwerkern ihres Heimathsortes, ihres Wahlkreises zu gemeinsamer Wahlagitation."— Daß der sächsische Handwerkerbund oder die denselben bildenden Vereine wegen dieser offenkundigen Verletzung des Vereinsgesetzes icmals zur Verantwortung gezogen worden waren, ist natürlich ausgeschloffen. Dagegen wird wohl das Organ der Unternehmer im Töpfergewcrbe seine Hoffnung in Eifüllung gehen sehen, der es im Anschluß an die Nachricht über' die polizeiliche Schließung des Dresdener Fachvereins der Töpfer mit folgenden Worten Aus- druck giebt:„Wir glauben uns keinem Jrrihum hinzugeben, wenn wir annehmen, daß ein Fachverein nach dem anderen mit der Zeit diesem Loose verfallen wird. Eia Theil der TageSpresse, besonders die fortschritt- liche„Vossische Zeitung", ereifert sich hierüber ganz unnöthig. Es ist zweifellos erwiesen, daß die Tendenzen der Fachvereine polnischer Natur sind. Politischen Vereinen ist auf Grund d es Vere ins g ese tz eS eine Verbindung untereinaner nicht gestattet. Derartige Verbindun- gen aber sind dem Dresdener Fachverein nachgewiesen worden, und ist auf Grund dieses die Auflösung erfolgt." Um diese Aeußerung des Unternehmerblattes ganz wllr- digen zu können, sei bemerkt, daß dasselbe das Organ des „Verein deutscher Ofenfabrikanten" ist. Diese Unternehmer- Verbindung, welche über ganz Deutschland verbreitet ist, sammelt in den einzelnen Orten ihre Mitglieder in Lokalvereinen, welche laut§ 2 des Verbandsstatuts„Ortsgruppen" genannt werden, für welche„je nach den Verhältnissen" abgeänderte Statuten aufgestellt werden und deren Anschluß an den Verband der Zcntralvorstand besorgt. Dieser Unternehmerverband setzt sich also notorisch aus einer Reihe von selkstständigen Vereinen zusammen. Zweck des Verbandes aber ist, laut � 2 Abschnitt c des Statuts:„Direkte Wahr- nel.mung der Kachangelegenheiten bei den Reichs- uud Landesbehörden, bei Reichstag und Landtagen durch Deputationen und Petitionen behufs Regelung des Submissionswesens..... Einwirkung bei Zoll, und Handelsverträgen auf „Die w ir th s ch a ft li ch e und gewerbliche Gesetzgebung des Reiches und der Einzel st aaten und deren Abänderungen, sowie auf die Gestal- tung derEisenbahntarise." Der Verband hat also den ausgesprochenen Zweck, sich mit öffentlichen Angelegenheiten zu beschäftigen und außerdem auf die Gesetzgebung einzuwirken, also Politik zu treiben. Denselben Zwecken dienen auch die Lokalvereine des Verbandes, welche nach§ 9 des Verbandsstatuts auf den Generalversammlungen durch Delegirte oertreten werden. Die ganze Organisation dieses Verbandes steht also im offenen Widerspruch mit den Bestimmungen der meisten deutschen VereinSgesetze und müßte, wenn diese Gesetze auch auf Unter- Spieltisch zu sitzen und zu schwitzen, dafür bedank' ich mich schön." „Hehehe! Nun, so geh' nur hinauf zu den Frauen- sie sind oben. Gute Unterhaltung. Heute sehe ich Dich schon nicht mehr." Hierauf schieden sie von einander mit einem herzlichen Händedruck. Denn die Drohungen veS Herrn Athanas sind nicht ernstlich zu nehmen. Es fürchtet sich auch Niemand vor ihm trotz seiner schrecklichen Stimme und imponirenden Gestalt; selbst seine Frau mcht; die erst recht nicht. Herr AthanaS weiß recht gut, daß Michael sein HanS fleißig besucht und er richtet eS so ein, daß er dann nicht zu Hause ist. Frau Sophie hat ihm ihre Vermuthung nicht verhehlt, daß diese Besuche ohne Zweifel den schönen Äugen Athaliens gelten.- Run, das ist die Sache des Herrn Katschuka. Wenn Herr Katschuka den Rivalen nicht aufspießt wie einen Frosch, dann ist es seine Schuld. Das Aviso hat er schon erhalten. Wie eS scheint, will er ihn aber doch nicht aufspießen, trotz- dem Timar mit Athalie oft genug beisammen ist. Den Teufel auch forderte der Hauptmann Timar zum Duell heraus! Sie blieben dieselben guten Freunde wie früher. Nie hat die Welt eine Gesellschaft beisammen gesehen, die sich besser vertragen hätte, als die Bewohner dieses Hauses. Herr Brazovics ahnte, ja vermöge seiner Ver- bindungen mochte er auch Gewißheit darüber erlangt haben, daß kem Anderer, als Hauptmann Katschuka es gewesen, welcher Timar das Pförtchen geöffnet, durch das er zu seinem Reichthum emporgestiegen. Auch warum er dies gethan, konnte er errathen. Er möchte gern von Athalie loskommen. Ihm wäre es ganz erwünscht, wenn Herr Brazovics sich ins Mittel legte und ihm das Haus verböte.— Nun that er'S erst recht nicht, sonoern überströmt von Zärtlichkeit für den Hauptmann, seinen Schwiegersohn. Jetzt giebt es keine Rettung mehr für ihn,— er muß Athalie heirathen. Hauptmann Katschuka ist seit langer Zeit her mit Fräulein Athalie verlobt, der ein gefährlicher Rivale, wie er täglich sieht, den Hof macht; ein reicher Manu, den er schon des- halb hassen mußte, weil er recht gut weiß, wie derselbe seinen früheren Gönner in der Fehde zwischen dem Hofkriegsrath nehmeroerbindungen angewendet würden, sofort der poli- zeilichen Auflösung und die Leiter der richterlichen Bestrafung verfallen. Warum letzteres nicht geschieht, liegt auf der Hand. Wer aber in dieser Beziehung etwa noch einer Aufklärung bedurft hätte, dem wird sie hoffentlich durch den Inhalt der Eingangs erwähnten Rede des Königs Albert in genügender Weise zu Theil geworden sein. Der ouSnahmegesetzliche Charakter braucht eben nicht immer in dem Wortlaut eines Gesetzes zu liegen, die praklische Anwendung seiner Bestimmungen kann diesen Mangel leicht ersetzen. Deshalb find auch die diversen beut- schcn Vereins- und Versammlungsgesetze thatsächlich längst schon zu Ausnahmegesetzen gegen die Arbeiterbewegung geworden. Wenn aber demnächst das Sozialistengesetz wirklich durch gemeinrechtliche Bestimmungen ersetzt werden sollte, dann werden wir in dieser Richtung gewiß noch weitere hübsche Erfahrungen zu sammeln Gelegenheit haben. Neben dem in die Verfassung geschriebenen gleichen Recht für Alle besteht eben auch der berühmte Wahl- spruch: suum cuique(Jedem das Seine). Und wenn in der praktischen Auslegung desselben auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungswesens für die Arbeiter und deren gewerk- liche Verbindungen die Auflösung und Bestrafung abfällt, während es den Unternehmern als patriotisch angerechnet wird, wenn sie den gesetzlichen Vorschriften ein Schnippchen schlagen, so sind wir die Letzten, die sich darüber wundern. Wir wissen uns eben in unsere Zeit nicht nur zu fügen, son- dern die Erscheinungen derselben gebührend zu würdigen. Ein Ausfluß dieser Würdigung aber ist es, wenn wir den elenden Denunziationen von Arbeiterorganisationen seitens der Unteniehmerorgane und der schadenfrohen Genugthuung der- selben, wenn es ihnen gelungen ist, den Arbeitervereinen den Staatsanwalt auf den Hals zu setzen, ein kräftiges„Pfui Teufel!" widmen. Der hundertste Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte ist am Sonntag vorübergegangen. In der Nacht zum 4. August des Jahres 1789 hat die fianzösische Nationalversammlung in schöner Begeisterung für Frankreich das Mittelalter weggefegt und diejenigen Grundsätze aufge- stellt, welche unantastbar bleiben sollten für Alles, was Menschen- antlitz trägt. Daß die Gleichheit eine Phrase geblieben, daß der Druck der ökonomischen Ungleichheit sich mit der Ent- faltung her bürgerlichen Produktionsweise verschärft hat, braucht an dieser Stelle nicht betont zu werden. Wohl aber verdienen die Grundsätze, die damals in feierlicher Sitzung von den Ver- tretern des dritten Standes festgestellt wurden, einmal hervor- geholt und denr heutigen Bürgerthum, dem entarteten Sohne der großen Revolution, vorgehalten zu werden. Die von Lafayette entworfene„Erste europäische Erklärung der Rechte der Menschen und der Bürger" lautet:„Die Natur hat die Menschen frei und gleich ge- schassen: die für die Gesellschaftsordnung nöthigen Unterschiede find nur auf den öffentlichen Nutzen begründet. Jeder Mensch kommt mit unveräußerlichen und unvorgreiflichen Rechten zur Welt. Solche Rechte sind: Die Freiheit all seiner Meinungen, die Sorge für seine Ehre und sein Leben, das Recht des Eigenthums, die freie Verfügung über seine Person, seine Ar- beit, all seine Fähigkeiten; die Mitthcilung seiner Gedanken auf jedem möglichen Wege, das Streben nach Wohlfahrt und der Widerstand gegen Unterdrückung. Die Ausübung der natürlichen Rechte hat keine Schranken, als die, welche anderen Mitgliedern der Gesellschaft den Genuß derselben sichern. Kein Mensch kann Gesetzen unterworfen werden, die nicht von ihm oder seinen Vertretern gebilligt, vorher bekannt gemacht und gesetzmätzig angewandt worden sind. Die Grundlage jeder Souveränelät ruht in der Nation. Keine Körperschaft, kein Einzelner kann eine Autorität haben, die nicht ausdrücklich aus dieser heroorgeht. Jede Regierung hat das Gemeinwohl zum einzigen Zweck. Dies Interesse fordert, daß die gesetz- gebende, vollziehende und richtende Gewalt geschieden und be- grenzt seien nnd daß ihre Organisation die freie Vertretung der Bürger, die Verantwortlichkeit der Beamten(agenis) und die Unparteilichkeit der Richter sicher stelle. Die Gesetze müssen klar, bestimmt und übe einstimmend sein für alle Bürger. Die Steuern müssen frei bewilligt und nach dem Vermögen um- gelegt sein. Und da das Eindringen von Mißbräuchen und das Recht kommender Geschlechter die Nachbesserung jeder menschlichen Einrichtung nölhig macht, so muß die Nation die Möglichkeit haben, in gewissen Fällen einen außerordentlichen Zusammentritt von Abgeordnelen zu veranlassen, deren einzige Aufgabe wäre, die Fehler der Verfassung, zu prüfen und wenn nöthig zu verbessern."— Dies also war der erste Entwurf einer Erklärung der Menschenrechte. In der Versammlung selbst wurde jedoch der Entwurf vielfach bekämpft. Mirabeau gab den Rath, den Entwurf zunächst ganz bei Seite zu legen und nickst im Voraus die Vorrede zu einer Verfassung zu schreiben, deren Inhalt eben noch Niemand kenne, aber die Versammlung vermochte sich nicht davon zu trennen. Einigen Mstgliedern gelang es aber, neben und sogar noch vor der Erklärung der Menschenrechte die Ab- fchaffung einer Reihe von Mißbrauchen und drückenden Vor- und der Hofkammer im Stich gelassen; trotzdem liebt der Hauptmann seinen alten guten Kameraden so sehr, daß er im Stande wäre, es ihm zu verzeihen, wenn er ihm seine Braut abspenstig machen würde. Athalie denkt geringschätzig von Timar, dem einstmaligen Schreiber ihres Vaters, behandelt ihn aber demungeachtet freundlich; sie ist leidenschaftlich in den Hauptmann verliebt, zeichnet aber dennoch Timar in dessen Gegenwart aus, um chren Geliebten eifersüchtig zu machen. Frau Sophie haßt Timar, empfängt ihn aber trotzdem mit so süßer Miene, als ob es ihr sehnlichster Wunsch wäre, ihn zum Schwiegersohn zu bekommen und unter einem Dach mit ihm zu leben. Timar endlich hat eS darauf abgesehen, sie Alle zu ver- derben. Den„Großherrn", die Hausfrau, das Hausfräulein mitsammt dem Bräutigam will er auf die Straße setzen; und dennoch besucht er dies Haus, küßt den Frauen die Hände, wechselt Händedrücke mit den Männern und bemüht sich, ein angenehmer Gesellschafter zu sein. Auch sie sind sehr zuvorkommend gegen ihn; Athalie setzt sich ans Klavier, um ihm vorzuspielen; Frau Sophie aber behält ihn zur Vesper und setzt ihm Kassee und ein- gesottene Früchte vor. Timar aber trinkt den Kaffee mit dem Gedanken, es könnte Rattengift darin sein. Wenn der Vespertisch hergerichtet wird, kommt auch Timea zum Vorschein und hilft aufdecken. Dann hört Timar nicht mehr, was Athalie spricht oder spielt; er hat nur Augen für Timea. Es war aber auch eine Freude, sie anzusehen. Sie steht jetzt schon in ihrem fünfzehnten Jahre und ist eine völlig entwickelte Jungftau; ihr Blick, ihre naive Unbe- holfenheit sind jedoch die eines Kindes. Sie spricht schon ungarisch, wenn auch mit einem fremdartigen Akzent; manch- mal verdreht sie wohl auch ein Wort oder wendet es un- richtig an; Dinge, wofür man bei uns bekanntlich schrecklich ausgelacht wird. Athalie hatte an Timea eine gute Akauisition gemacht. Sie hat nun Jemanden, den sie zum Besten haben kann. Das arme Kind muß ihr als Spielzeug dienen. Athalie gab Timea ihre alten Kleider z» tragen, welche vor Jahren rechten durchzusetzen: und so kam es, daß, während du ltchen Menschenrechte" erst am 26. August erklärt wurW der denkwürdigen Nachtsitzung vom 4. zum 5. Aucmit gefaßt wurden, in denen auch ein gut Theil Menschen tw einen, bisher nahezu rechtlosen Stande zurückgegeben wm°' Diese Beschlüsse sprachen aus:„Abschaffung der Lcibeuienft und der„Tobten Hand" in jeglicher Gestalt.- KauM-� Abschaffung der gutshenliche» , des ausschließlichen 3*8% lösuna der Heerenrechte.— Abschaffung der gutsherrlichen. richtsbarkcit.— Unterdrückung des ausschließliche» der Taubenhäuser und der Kaninchengehege.— Umwan»� des Zehnten in Geld.— Abkäuflichkeit aller Zehnten. fchaffung aller Geldvorrechte und Steuerbefreiungen.-- heil der Steucrpflickst von Anfang des 3#**. — Zulassung aller Bürger zu Aemtern in Staat>>» � — Unentgelilichkeit der Rechtspflege und Abschaff» 8,� Käuflichkeit der Aemter.— Aufhebung von Sondervo der Provinzen und Städte, Paris, Lyon, Bordeaur u. 1� jj, Abschaffung der Annaten und der Pftwnchenanhaufui'g- � fchaffung der ohne Recht erlangten Pensionen. Zum Magdeburger Iuckerschwindel wird da loniatwaaren-Zcstung", einem Blatte, das die Jntercn» Kolonialwaaren Händler vertritt, geschrieben:»Teut!« Verbrauch an fertigem Zucker beträgt nach Licht M � 6 Millionen Zentner im Jahre und dürfte im laustnden � dieser Verbrauch kaum überstiegen sein. Die PreiStrnda � Magdeburger Biedermänner begann im März/Apiu d. daß wir es also mit einem reichlichen Dritttheil deS o% und demnach mit einem Dritttheil des Verbrauchs» � haben. ES erhellt daraus als Thatiache, die dem lauw� Publikum nicht niedrig genug gehängt und nicht wiederholt werden kann, daß ein Dutzend etwa, und no � recht unfähiger Leute genügt hat, um dem kaufenden 4» ,, Millionen mal 10 Mark— 20 Millionen M®"' foBen, Ii? "Beitron % 1 P Neb ">»»>», fireß zu c ?urde so, ub-r sei«. '"ahrend icr zwei ihren Nebenmenschen die Taschen zu erleichtern suchen- N?» der Arbeit-vfänger-i*nr der Arbeiterparteien zum BoulangiSmuS gegeben un» andergesetz«, daß auch in denjeni, der jetzigen Regierung der Repul Aunojtune uiwri un*- angismus gegeben uno � figen Ai beile, kreisen,»*%* mblik am unzufriedensten J der BoulangiSmuS absolut keinen Anhang hat, well�M monarchische Diktatur umd den Krieg der Sache gar nicht erwähnen, wenn nicht von den und einigen von ihnen beeinflußten deutschen ZeitungS'»� denten hartnäckig ausgesprengt wurde, die französische»��! General" in der Person Boule's 21. Januar dem einen eigenen Ka» entgegenstellten, statt, gleich den Possibilisten, für den 9W5 kandidalcn zu stimmen,— wird jetzt hoffentlich aus dcnanfl° S2 Zeitungen verschwunden sein. UebngenS etne_ — wenn der Ausdruck erlaubt ist— haben die doch für sich gewonnen- nämlich die—„Anarwm yfj bekannte Pariser„Anarchistenführer Tli u r p h y, MLwj — die Quittungen sind gefunden worden— seit Solde des„braven Generals". Zum Gluck hat diestQ( »%' archistenführer" keinen Mann hinter sich— höchstens» jjt paar andere„Führer" von gleichem Einfluß und gleicht istd Berfa �«de k %% ?°chen( Srn, i ,&tis Es an I 3 w »«Ä ft?* tigkeit neben sich. Herr Hqnbman«, der bekannte englische tiker, der seiner Zeit, seinem eigenen Gestävdniß»a»', von den Tones bezog, berichtete vorige Woche in Lo»° ft den„Possibilistischen Kongreß", dem er als Vertreter »ialdcmocratic Federation" beiwohnte. Bei dieser... sagte er, der Unterschied zwischen dem Possibilisten kongl � dem internationalen Arbciterkongreß sei der geweiÄ/. bes?.?!ss oo, dieser bloS persönliche Mandate, jener aber richtige® /u�iot gehabt habe. Eine unverschämtere Lüge ist selbst Hyndmann niemals ausgesprochen worden. DaS lw?., f wäre der Wahrheit sehr nahe gekommen. deutschen Mandate allein vertreten hundertmal als sämmtliche„Delegirte" des PossibilistenkongresseS o- g yi genommen— wenn wir ein paar englische Trades U»!. z# nehmen, die höflichkeitshalber ein Mitglied gesch>�" Herr Hyndman selbst vertrat 28, wir schreiben:»; zwanzig Personen. Seine Sozial democrtic Fedet»».. � auf dem Papier in 15„Zweigen" 1926— in WirksiE.� ....... zählt, hatte im Ganzen 15— wir 1" 1000— Mitglieder �"Äe?« wf die„Delegation" der Possibilisten bA/ erhält aber am besten aus der Gesammtziffer der Es warcn�ojsi�iell anwesend 612 Delegirte, daruntc�� Gesammtziffer zösische. Die Franzosen waren fast ausschließlich da die Possibilisten in der Provinz so gut wie gar kr»M hang haben. Die fremden Delegirte»— von den E™ II K % w iT�frfäl % in der Mode gewesen. Man weiß, welchem rapide» m bei uns zivilisirten Nationen die Moden untcrwors A Welches Gelächter entstünde nicht auf der Straße, Jemand bei hellem Tage mit einer umfangreichen j sich zeigen würde; und doch, wie lange ist's her, hier herrschende Mode war? Es gab aber eine Zeit, wo man die Krin»! jp um die Hüfte, sondern um die Schultern hing. M.( waren nämlich so umfangreich, daß sie inwen»-�i Reifen auseinander gehalten werden mußten, und Ueberzug nicht Falten mache, waren sie über» Flaumfedern ausgestopft, wie ein Federkissen; das ss reichte bis zum Fußknöchel herab und war unten � besetzt. Die Mode vervollständigte ein hoch aufstc'g,, dann wieder abwärts gebogener Kamm, über»ssss Haare gezogen wurden; über der also aufgebaut prangte eine riesige Schleife von breitem Band. Diese Tracht war sehr schön, als sie noch>» � if, war; allein vier Jahre darauf, wo kein Mensch U trug, hätte man Denjeigen, der darin erschiene»" eine Maske gehalten. ,ii" Nun, Athalie fand Gefallen daran, Timea r& kiren. Der Geschmack des armen Kindes, das nie* Moden gesehen hatte, stand in diesen, Punkte t lieh auf gleicher Stufe mit dem einer wilden je auffallender ein Putz war, um so besser..Ai Sie freute sich so, als Athalie ihr die aus der J i [rcuie juij]o, cus Äiyaue lyr oie aus cWkiß�er.c>" kommenen grellen Seidenkleider anzog, und nun g �oS�P�agc •''-"•"'" bunte den hohen Kamm ihr ins Haar und die daraufsteckte. Sie dachte, jetzt müsse schön aussehen- das Lächeln der" begegneten, nahm sie für Bewunderung sie schnell sie konnte� nur um nicht angestaunt zu... nannte sie auch in der Stadt nicht anders, als,,»» Türkenmädchen". Und dann fö.« mi «W konnte man sich so machen, ohne daß sie es übel nahm. Sie war Kind, um das Beleidigende herauszufühlen, Ernst, was handgreiflicher Spott war. aber ein besonderes Vergnügen darin, I i janW A ■uti0 ittti'" b« � ulfc Z 'i -d- gjjatt ieHIÜ en ?'• lif asko-Ä Ken Ä ?.K B G len« zleich� ®ef4f mkoT 34% mir t,;™® etmge Musterchen zum Besten gegeben— wollen Mcrn m dem Spiele lassen. Wenn wir aber die «bntrnn™ e�ankreich beziehentlich für Paris auf Deutschland «inen �"destens viertausend! Und nun denke man sich Berlin.?"�onalen Arbeiterkongreß in Deutschland, zu dem ' Viertel sämmtlicker Delcgirten gestellt hätte! Possjkiu» JP"« dies das Verhältnis auf dem sogenannten nnit) �1?nflceB(nur bah man statt Berlin Paris setzen %lionm w or t'P Herren Possibilisten die Mandate des tnter» unter fnu �deiter'Rongrefies zu prüfen verlangten, würde tonnen" Umstanden als schlechter Witz aufgeführt werden wäre.'" die Forderung nicht gar zu— bescheiden gewesen «Wnn�iT Verhaftung de» Kergarbelter» Dieck- «rek' des TheilnehmerS am„Internationalen Arbeiterkon- «urb�r r�" schreibt man uns aus Gelsenkirchen: D. über s seiner Ankunft nach Bochum geführt und wiib, � �eußerungen in den Bergarbeiter-Versammlungen lyeil.�. des Streiks verhört. Er wurde in Haft behalten, fytj, T' der Untersuchungsrichter ihm eröffnete, der dringende ber N r 4�""P" vorliege, daß er durch Flucht ins Ausland 'onh»-"8 W entziehen wolle, daerjadochim Jn- "en ib� a � � Arbeit mehr bekäme.(!) Ferner wurde Auskunft über den Pariser Kongreß verlangt; er ver- 3Wc sie jedoch. "iicke Er erklärte nur, daß er a u S freien wurde D. entlassen. Haussuchung vorgenommen wc »ij,. �'wkratische Schriften zu Tage förderte, >! nach Paris gereist sei: gewählt hätte er aus dem jede in"®�be nicht werden können, weil die Behörde doch Ij,,, eegarbeiterversammlung mit der Tagesordnung: Be- �erbnk? Kongresses verboten haben würde. Gegen seine GH, segte D. sofort Beschwerde beim Landgericht in Ufiu'"' d°� am D i e n st a g seine schleunige Frei- 2 m � telegraphisch verfügte. Mittags um wurd- Während seiner Haft war in seiner worden, die einige Acht wcynsten zu-tage sorverte. Belastendes aber 5 � klebet D. soll Briefsperre verhängt sein.— Will auf Zeche Dahlbusch sind fünfzehn in j,"watet gemaßregelt, die sich mit ihren Angehörigen s'®" Roth befinden. Dieser Hinweis mag 4. Juli, schreibt man uns: Der größte �lndt ßpp Dortmund je gesehen, durchzog heute Mittag die -Wem waren die Bergleute, die ihr Verbandsfest feierten. Wien königlichen OberbergamtSgebäude Aufstellung ge- M L' pewegte sich der imposante Zug durch die Hauptstraßen '�>heii,r Penbaum. Als man an der Wohnung des alten wurde dfetä und Volksmannes C. W. Tölcke vorbeizog, x»Idil>«n„ durch Hochrufe und Senken der Fahnen eine TOidi» dargebracht. Der Alte im Silberhaar sah Ä o. oewegt die Arbeiterbataillone vorbei marschiren. N waren an 50 Vereine mit 17 Musikchören und 15 gunte �ewleuten. Am Festplatz angekommen wurde von W jpI°®a)töbcr zur Einnigkeit ermahnt und jedem an'S ?ü>er. dem Bergmannssiand, der Avantgarde der Ar- t? Sem, machen. Heber 200 Sänger unter Leitung wze. oh. Jakoby verschönerten das Fest durch ihre Vor- %%en,»?. Iest wird viel zur Einigung der Bergleute bei- i'chStooI,\ wurden Stimmen laut, Schröder müsse als "wer i,° wndidat aufgestellt werden. Geheimpolizei war wie vertreten. uderuÄ,Wen, 4. August, wird uns geschrieben: De« viel?'"eik im Wurmrevier fand gestern ein kleines ti�uldin,.dem hiesigen Schöffengericht. 15 Arbeiter waren i. Zivo» Arten anderen Arbeiter durch Anwendung korper- (t. habet, Ües und durch Drohungen zu bestimmen versucht i3n. an Verabredungen behufs Erlangung günstiger ,..°en n,j.»Arbeitsbedingungen Theil zu nehmen, sowie den- kl 8 z�winen geworfen zu haben. Jeder der Angeklagten k. Ap,®efangniß. «Ae inn,®"'». 4. August, meldet uns ein Privattelegramm: iwWerfonLr"''w großen Gürzenichsaale eine imposante blP�nker n?wng, die von 6000 Personen besucht war. Der in«%erp*r' skiuedt hielt eine zündende Rede über die„sitt- «in ni2 Buag der Bruno-Feier". Die Versammlung Dianen, �uder Triumph über den Fanatismus oer Ultra- W :n Rp%n b,. Frankreich. wn Sonntag stattgehabten 178 Stichwahlen nd x. wkrathe sind bis jetzt 154 Resultate bekannt und %, 113 Republikaner und 41 Konservative ge- Aepublikaner haben dabei 13 Sitze an die Konser- —————— hes Gespöttes zu machen, yjbbelte � darüber freute, wenn man sie t 'Ate. w, und a,.f s»xir„» D's iwendA f« % zumal vor Herren. „I„, animirte sie die- . ea die Kur zu schneiden, und es amüsirte sie wenn sie sah, wie Timea die ihr dargebrachten ernsthaft gemeint, ,_____,................Jiüie ein Fräulein ober auf Bällen irgend Jentand sie zum Tanz ri."«in tölpelhafter Anbeter ihr einen Strauß ' Wil liger Blumen überreichte und ihr dann irgend L�&en entlockte, über welche die ganze Gesellschaft . 4' O wie hell klang aus diesem schallen- e&nuß jedes Mal Athaliens sonore Stimme heraus! % gi"Phw nimmt Timea gegenüber einen viel ernst- �-rv«.»II .»S Sr" ein. Mädchen Sie zankt thut, wird sie beständig aus. von ihr getadelt chaule"(,u�.sind in der Regel' ungeschickt, und je mehr d., wird, um so öfter begeht sie eine Un- (Fortsetzung folgt.) und rcl'en. et':„Aw�-t-„Siebenbüroische deutsche Tageblatt" er ei,, �"s5"ag, den 12. d. M., ist im Steinbruch von L if'i"f J Und wefi® auf Mensch enknochen, einen Tobten- % sZSül.Ä? ; Zigeuner trugen ir, der den loldarbeiter erstattete aSzSSS das'«»,.der offenbar zum vorigen gehörte und auch -�iuieum erworben wurde. Der ganze Fund vativen verloren. Laguerre wurde in Larochelle gegen den Senator Barbedette gewählt. Der bekannte Schriftsteller und Revolutionär Felix P y a t ist gestorben. Dem„Journal des D-batS" zufolge beschloß der Präsident deS Senats, den ober st en Gerichtshof zum 3. August einzuberufen.,„, � Der Deputirte Laguerre erhielt eine Vorladung von dem Untersuchungsrichter wegen der Entwendung von Akten- stücken des Senatsgerich tshofes. �. Die feierliche Beisetzung der Gebeine Carnot's, Marceau'S, Latour d'Auvergne's und B a u d i n' S im Pantheon hat am Sonntag Vor- mittag stattgefunden. Der Präsident der Republik, die Minister und die Spitzen der Behörden wohnten der Feier bei. Der Ministerpräsident Tirard erinnerte in seiner Ansprache an die militärischen und bürgerlichen Tugen- den der gefeierten Tobten, wies auf die Nacht vom 4. August 1789 hin, und gab der Hoffnung auf Wiederaussöhnung aller Franzosen Ausdruck. Nachdem sodann die Truppen vor dem gemeinsamen Katafalk defilirt hatten, wurden die Sarge in dag Gewölbe hinabgelassen. In der Umgebung des Pantheons hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, welche den Präsidenten Carnot mit lebhaften Zurufen: Es lebe Carnot! Es lebe die Republik! begrüßte. H-tgie«. Die Kammersitzung hat auf's Neue klar gestellt, welche abscheuliche Mißbräuche in der belgischen Industrie bei der Verwerthung der Kinderarbeit herrschen. Kinder von 5 und 6 Jahren ab müssen in den Streichholzfabriken 12 und 14 Stunden arbeiten; in den Ziegeleien dauert die Ar- beitszeit der jüngsten Kinder'von 4 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends; in den Glaswerken wird den Kindern eine zwölf- ständige Tag- oder Nachtarbeit gegen 60 Pf. Tagelohn aufgebürdet, ja es giebt Fabriken, in denen Kinder eine 24stündige Arbeitszeit durchzumachen haben. Und Angesichts derartiger Mißstände wollte die Kammerlinke, die fast nur aus doktrinären Liberalen besteht, die Nichtberathung des Gesetzes über die Frauen- und Kinderarbeit erzwingen. Obwohl feit Jahren die ganze belgische Presse über diese Fragen verhandelt und zahllose Vorträge oieselben erörtert haben, erklärten die liberalen Volksver- treter, diese Fragen seien noch nicht spruchreif genug, um die ganze Industrie umwälzen. Der Finanzminister betonte dem gegenüber die soziale Pflicht, das Gesetz unter allen Umständen fertig zu stellen und die Kammermehrheit lehnte nicht nur das Ansinnen der Liberalen ab, sondern beschloß auch, sortab bis Ende August täglich vier Stunden zu tagen. Das Ministerium hat den Anträgen des Kammerausschusses zuge- stimmt und so wird das Gesetz zu Stande kommen. Ist auch die Arbeiterpartei von diesem Gesetze, welches die Arbeiter- forderungen nur im geringen Maße erfüllt, als ganz unzu- reichend wenig erbaut, so ist es doch als erster Anfang einer Besserung die>er Zustände beifällig zu begrüßen. Die Haltung der doktrinären Liberalen ist politisch ein schwerer Fehler; sie entfremdet ihnen die Sympathie weiter Kreise. Diese Partei glaubt noch immer, daß mit ihrem Kampfe gegen den Kleri- kaliZmuS und gegen das Priesterregiment allem genügt sei. Das ist ein grober Jrrthum; diese Partei hat nur dann An- spruch auf Existenzberechtigung, wenn sie mit der Zeit mitgeht und ihre Pflichten gegen alle Kreise der Nation erfüllt. Ihr jetziges Auftreten gefällt zwar den Großindustriellen, ist aber doppelt tadelnSwerth, da es die Klerikalen mit dem Nimbus, als ob sie die alleinigen Arbeiterfreunde sind, umgiebt. Holland. Haag, 3. August. Nach hier eingegangenen amtlichen Nachrichten haben die Ätchinesen am 25. Juli einen Artillerie- angriff auf die Festung Kottapohama unternommen. Die Gar- nison der Festung wies den Angriff zurück, verfolgte den Feind am 26. Juli, demontirte ein Geschütz und nahm die Festung Tjade Kediverveau im Sturm, wobei 30 Mann den Tod fanden. Die Holländer verloren an Tobten 3 Offiziere und 18 Mann, an Verwundeten 4 Offiziere und 87 Mann. Kalkanlander. Nach einer Meldung des„Reuter'fchen Bureau" aus Athen soll bei Kanea auf der Insel Kreta ein scharfes Ge- fecht stattgefunden haben, nach welchem sich die Aufständischen zurückgezogen hätten. Riza Pascha ist in Kreta eingetroffen und hat die türkischen Truppen angewiesen, sich in die Forts zuück- zuziehen, um jeden Zusammenstoß mit den Bewohnern zu ver- hüten. Afrika. Nach einer Meldung des„Reuter'fchen Bureau" aus T o s k i vom 3. d. M. verließ General G r e n f e l l um 5 Uhr Mar- gens Toski mit seiner ganzen Kavallerie und den Kameelreitcrn und rückte gegen das Lager der Derwische vor, welche sich vor seinem Feuer zurückzogen. Es gelang Greenfell die gesammte Armee der Derwische auf ein etwa vier englische Meilen von ToSki entferntes Terrain zu bringen, wo ein allgemeiner Kampf besteht nun aus folgenden Gegenständen: Zwei ganz schwarz gewordene Silberkrüge, an den Seiten mit Reliefarbeiten. Beide Krüge vollkommen gleich, die Reliefs einen Faun und eine Bacchantin in vier verschiedenen Tanzposittonen dar- stellend. Ein massives goldenes Armband. Einen Theil einer kranzförmigen Goldplatte. Ein größeres und ein kleineres emaillirtes Goldhaftel. Eine goldene Fibola, darauf ein Gold- kreuz. Fünf Stück hängende Ouasten, mit emaillirten Enden. Einen massiven Siegelring, am Kopfe unter einem Kreuz den Namen OMHARVS. Außerdem Menschenknochen, ein Todten- köpf und Ueberbleibsel eines Holzsarges. Ueber den ganzen Fund hat sich Dr. Finaly folgendermaßen geäußert:„Der ganze Fund ist ein Gräberfund, welcher jedenfalls aus der Zeit stammt, in welcher die Ostgothen noch Dacien bewohnten. Der Name„OMHARVS" ist zwar historisch nicht bekannt, aber so viel ist gewiß, daß der gothische Fürst(dessen Grabesschmuck der gefundene Schatz bildet) ein Christ war und etwa 285 bis 325 n. Chr. lebte. Franz Pulszky, der Direktor des Pester Nationalmuseums, hat an Dr. Finaly die Aufforderung ge- richtet, der ganze Fund möge Anfangs August in Pest, wo zu dieser Zeit auch die an der Eröffnung deS neuen Wiener Museums theilnehmenden ausländischen Gelehrten weilen werden, ausgestellt werden." Gin interessante» Resultat haben die neuesten Ver- Messungen der Ströme Brasiliens ergeben. Es hat sich heraus- gestellt, daß es dort Wasserfälle giebt, von denen einige den Niagarafall an Höhe übertreffen; zunächst die sogenannten „Sieben Wasserfälle"— Sctc Qurdas— des Parana. Auf eine Entfernung von 100 rn beträgt die Breite des Flußbettes 1500 m, die durchschnittliche Tiefe 12 m und die StrömungSgeschwindig- keit 1 m pro Sekunde; plötzlich verengt sich das Flußbett, und die Waffermenge, durch eine enge Schlucht von 70m zusammengedrängt, stürzt unter einem Winkel von 50 Grad 17 m tief hinab. Die Waffermenge, die in einer Sekunde herabstürzt, beträgt nicht weniger als 18 000 cdm. Der Wasserstaub, welchen die Gewässer in ihrem Anprallen gegen die Wände der Granit- spalte und gegen die aus dem Strombette emporragenden Felsen erzeugen, bildet Dampfsäulen, die auf viele Meilen hin sichtbar sind. Das Getöse des Wassersturzes ist 33 km weit noch vernehmbar. Wenn die herunterstürzende Wasser- menge der Sete Ouedas der des Niagarafalls mindestens gleich- kommt, so wird er in seiner Höhe durch den Wasserfall von Sipotuba um das Doppelte übertroffen. Derselbe befindet sich im Strome gleichen Namens, einem Zuflüsse des Paraguay und stürzt 132 m in senkrechter Linie hinab. Außer den Wasser- begann. Die egyptische Infanterie unter Oberst Wodehouse, die Artillerie unter Major Rundle trieben die Derwische von Stellung zu Stellung, wobei sie auf verzweifelten Widerstand seitens des Feindes stießen. Die Kavallerie unter Oberst Kitchener dcckie den rechten Flügel der egyptischen Armee und vereitelte durch rechtzeitiges Eingreifen mehrfache Versuche der Derwische, der egyptischen Arntee in die Flanke zu fallen. Der sieben- stundige Kampf endete mit einem vollständigen Siege der egyptischen Annee. Wad-el-Njumi und zwölf seiner Befehls- Haber sowie eine sehr große Anzahl der Mannschaften der Derwische wurden getödtet und 50 Fahnen genommen. Es wurden Kanonenboote zur Verfolgung der Ueberreste der zer- fvrengten Armee abgesandt, man glaubt, daß sich fämmtliche Derwische ergeben werden. Die Kanonenboote haben Befehl, alle Flüchtlinge und Verwundete an Bord zu nehmen. Der Verlust der Egypter ist bis jetzt noch nicht bekannt, doch soll derselbe nicht groß sein. General G ren fell hat in einer Depesche an die englische Regierung die Meldung von der gänzlichen Niederlage der Derwische und dem Tode Wad-el-Njumi's bestätigt. Die Streitkräfte Wad-el-Njumi's, welche den englischen und egypti- schen Truppen am 3. d. Mts. entgegenstanden, giebt der General auf 3000 Mann nebst einem zahlreichen Train an. Der General bemerkt in seinem Bericht, daß die englischen Truppen jetzt wieder nach Kairo zurückkehren könnten. Nach weiteren Meldungen betragt' der Verlust der egyptischen Truppen in dem Gefechte bei Toski am 3. d. etwa 100 Mann, darunter zwei englische Offiziere, von denen der eine leicht, der andere schwer verwundet ist. Stoztstle Setzerstreik in U-m-Uark. Aus N e w- Y o r k, 23. Juli, wird der„Franks. Ztg." berichtet: In den Sctzerräumen von vier der bedeutendsten hiesigen Morgenzeitungen,„Herald", „World",„Times" und„Sun", brach gestern ein allgemeiner Setzerstreik aus, der indessen noch am selben Tage auf güt- lichem Wege wieder beigelegt wurde. Hervorgerufen war der Ausstand durch ein Plakat, das die vier genannten Zeitunacn des Morgens früh in ihren Offizinen hatten anschlagen lasten, und welches unter anderen neuen Lohnbestimmungen auch die enthielt, daß den auf Zeit angestellten Setzern vier Dollars pro Tag gezahlt werden sollten. Das Erstaunen der Setzer über diese Ankündigung war leicht begreiflich, weil ihnen vorher keine darauf bezügliche Notiz zugegangen war und die betreffe». den Bestimmungen sofort in Kraft treten sollten. In den vier Offizinen wurde von den Setzern festgestellt, daß die Reduktion etwa 10 Prozent des bisherigen Lohnsatzes betrage, wenn man Alles in Betracht ziehe und der unter dem treffen- den Namen„Speck" bekannte Satz in Wegfall komme. Es wurde infolge dessen sofort der Präsident der„Typographicalj Union Nr. 6", W. E. Bofely, von der Lohnreduktion denach, richtigt. Dieser rief unverweilt das Streik-Komitee der Union zusammen, welches nach kurzen Verhandlungen, welchen je ein Vertrauensmann der Setzer in den betreffenden Zeitungen bei- wohnte, einen Streik in der„Sun", der„World", der „Timez" und dem„Herald" anordnete. Die betreffenden Ver- trauensmänner wurden angewiesen, denselben sofort zu verkün- den. Während noch die Verhandlungen stattfanden, wurde jedoch im Sctzerraum des„Herald" das Plakat, welches die Lohnreduktion ankündigte, von dem Geschäftsführer Hender- so n plötzlich wieder abgenommen und in Stücke zerrissen, was seitens der Setzer mit emem stürmischen Hurrah begrüßt wurde. Warum er seine eigene Ordre annullirte, darüber wollte Herr Henderson zwar kerne Auskunft geben, doch wurde von anderer Seite ermittelt, daß Herr Gordon Bennet, der sich zur Zeit in Europa befindet, auf Befiagen, ob man die mit anderen Zei- tunaen geplante Reduktion auch in Kraft treten lassen solle, hierher per Kabel die Antwort gesandt hatte:„Zerreißen Sie die Plakate." Damit war der Streik dort überflüssig geworden. Bei den drei anderen genannten Zeitungen ging es nicht so ruhig ab, denn kaum waren die Vertrauensmänner um 7. Uhr Abends daselbst eingetroffen und hatten die Streikordre ver- lesen, als sämmtliche Setzer die in Händen befindliche Arbeit niederlegten, die Lampen ausdrehten und ge- mcinfam die vetreffenden Räumlichkeiten verließen. Die Ausständigen versammelten sich auf den Trottoirs vor den betreffenden Zeitungen und bewachten alle Eingänge zu den Gebäuden, um sich zu vergewissern, ob und wieviele nicht zur Union gehörige Setzer die leer gewordenen Plätze einnehmen würden. Der Geschäftsführer der„Sun" schien sich bei Zeiten nach Ersatz für die Ausständigen umgesehen zu haben, denn schon 20 Minuten nach 8 Uhr kam derselbe mit einem Trupp von etwa 20 Setzern anmarschirt und um 10 Uhr Abends hieß es im Geschäftslokale der„Sun", daß man genug Setzer an der Hand habe, das Blatt zur üblichen Zeit fertig stellen zu können.— Anders bei der„World". Dort traten der Chef- redakteur des Blattes, Col. Cockerill, sowie einige Mitglieder fällen von Balto-Augusta, Jtapura und Jtu im Fluß Tiete in der Provinz St. Paulo sind noch die majestätischen Wasserfälle von Paulo Affaoso im San Franciscostrom zu nennen. Es sind 7 Wasserfälle, von denen 3 mitten im Strom und die 4 anderen zwischen schroffen Felfeneinfassungen rastlos einher toben. Die größte Höhe beträgt 80 m. Von wunderbarer Wirkung find die beiden Wasserfälle Anquinho und Don AmoraS. Weiter unter diesen die berühmte Höhle Furnados Morcegos, zu welcher man auf steilen Klippen hinabgelangi. Die eigentliche Höhle ist 48 m lang, hat eine Höhe von 88 m und kann etwa 2000 Menschen aufnehmen. Gin interessanter Versuch, den Herr Dr. Max Müller, Professor an der Braunschweiger technischen Hochschule, machte, hatte einen überraschenden Erfolg. Wie schon gemeldet, sind in der neuentdeckten oberen Hermannshöhle bei Rübcland zahl- reiche Ueberreste deS Höhlenbären gefunden worden, welche theils frei lagen, theils aber auch in Lehm eingebettet waren. Während nun die auf dem Boden der Höhle gesammelten Knochenreste so mürbe sind, daß man sie zwischen den Fingern zerdrücken kann, erweisen sich die dem Lehm entnommenen Reste als sehr fest. Herr Müller suchte nun festzustellen, ob noch Leim in diesen vom Lehm befreiten Höhlenbärenknochen nachzuweisen sei. Man war geneigt, dies zu bezweifeln, weil man annahm, daß die m der Höhle herrschende Feuchtigkeit in den sechs Jahrtausenden, welche die Reste überdauert haben, jede Spur von Leim aufgelöst haben würde, wie denn auch die Knochen, welche frei herum- lagen, völlig lennfrei waren. Der Zweifel erwies sich jedoch als unberechtigt. Herr Professor Müller fand vielmehr in den dem Lehm entnommenen Knochen so viel Leim, wie in den Knochen von heute. Auch erwies sich der Leim ebenso binde- kräftig, wie der aus frischen Knochen hergestellte. Ein„aus dem Leime" gegangener Stuhl hat es sich gefallen lassen müssen, mit wahrhaftigeni Höhlenbärenleim wieder zusammen- gefügt zu werden. In der herzoglich technischen Hochschule wird eine Probe jenes aus sechstausendjährigen Knochen herge- stellten Bindemittels aufbewahrt. Ueber 1000 fahrende Fräulein» haben anläßlich des Turnfestes in München ihren Einzug gehalten. Auch ein „Sittenbild". des Redaktionsstabes und mehrere Berichterstatter, welche das Schriftsefcen mehr oder minder verstehen, in die Bresche und Kollege Cockerill führte persönlich das Kommando im Seherraume. Geyen 10 Uhr Abends waren dort achtzehn Personen beschästiyt und verrichteten schwitzend die ungewohnte Arbeit. Ein kleiner Setzerjunge spielte den neuen„Setzern", die bei der ungewohnten Arbeit gerade keine große Schnelligkeit entwickelten, einen bösen Streich, indem er eine ganze Spalte mühsam fertig gestellten Satzes wie von ungefähr zusammenwarf, worauf er dann schnell ent- lassen wurde.— In dem Setzerraum der„Times" herrschte noch um zehn Uhr Abends tiefe Stille, denn nicht ein einziger „Jünger von der schwarzen Kunst" war dort eingetroffen. Im Redaktionszimmer häufte sich die„Copy" in bedenklicher Weise an. Während dieser Vorgänge hatte sich das Streik- komitee der Union wieder im Hauptquartier zusammen- gefunden und hielt eine Sitznng ab, an welcher sich die GeschästSführer der„Sun",„Times" und„World" betheiligten. Die Sitzung war eine geheime, doch kaum war dieselbe ge- schloffen, so hieß es, der Streik sei vorläufig beigelegt wor- den und mittlerweile sollten Konferenzen zwischen den Sedern und Repräsentanten der drei genannten Zeitungen stattfinden, um womöglich eine befriedigende Lösung der Streitfrage herbei- »»führen. Diese Nachricht wurde von harrenden Boten den vor den genannten Zeitungen wartenden Setzern mitgetheilt, mit Blitzesschnelle ging sie von Mund zu Mund und ein donnern- des Hurrah ertönte durch die Luft. Die neu angeworbenen Setzer der„Sun" mußten ihre Plätze aufgeben; Col. Cockerill verließ mit seinem Stabe den Setzerraum der„World", bald brannten wieder in denjenigen der„Times" alle Lichter und die siegreichen Setzer gingen an die Arbeit. Der K-ugreff der Weißgerber zu Arnstadt ist ver- boten worden. Derselbe findet in Altenburg statt. Vevlammlumum. Berliner MirkergejeUenverband. In der am 29. Juli in Bobert'S Saton, Weinstr. 11, abgehaltenen Versammlung des Berliner Wirkergesellenverbandes referirte Herr Thierbach über:„Innung und Fachverein." Redner wies zunächst auf den Zweck der Innungen hin. Die Innungen sind von jeher weiter nichts gewesen, als ein Hemmschuh in der wirthschaft- lichen Produktion; Elemente, welche jede freie Arbeiterbeweaung ersticken. Es ist falsch, wenn von anderer Seite be- hauptet wird, die heutigen Arbeitseinstellungen seien ein Produkt der neueren Zeit. Redner wies nach, daß schon im 15. bis 16. Jahrhundert in verschiedenen deutschen Städten bei verschiedenen Gewerken große Arbeitseinstellungen stattgefunden haben. Zu jener Zeit, als noch das Kleingewerbe mehr vertreten war, war es allgemein Sitte, daß die Gesellen als einen Theil ihres Verdienstes vom Meister Beköstigung erhielten. Schlechte, theilweise unzureichende Kost war zum großen Theil die Ursache obiger Arbeitseinstellungen ganzer Gewerke. Die heutigen Arbeitseinstellungen sind identisch mit jenen, auch heute handelt es sich um die Erzielung günstigerer Bedingungen, um den Anforderungen zu genügen, welche das Leben stellt. Das alte Sprüchwort:„Handwerk hat goldenen Boden" hat stets nur für die Meister gegolten, nie- mals für die Arbeiter, und von einem guten Einvernehmen zwischen den Arbeitern und den heutigen Innungen kann nicht die Rede sein, da dieselben jede freie Arbeiterentwickelung illu- sorisch machen. Die Innungen verlangen Regelung des Lehr- tingswesens. Von wem wirb das Lehrlmgswesen mehr auSge- beutet, als von der Innung? Ferner Einführung von Ar- beitSbüchern, um unliebsame Arbeiter zu kennzeichnen. Erbrin- gung eines Befähigungsnachweises; nun die heutigen Meister find selbst nicht in der Lage, einen Befähigungsnachweis zu erbringen, da die meisten von ihnen nicht durch Perständniß, sondern durch Geld sich dazu emporgeschwungen haben. Im Uebrigen werden die Innungen trotz ihrer mannigfachen Be- strebungen die Gewerbefieiheit nicht aufheben; denn dem großen Kapital und der heutigen Technik gegenüber find sie wehrlos und der Staat würde sich in sein eigene« Fleisch schneiden, würde er die Prinzipien der Innungen auf dem Wege der Gesetzgebung zur Durchführung bringen. Die Aufgabe des Arbeiters, des Volkes muß es sein, mit aller Macht Protest dagegen einzulegen, sich in Fachvereinen zu organifiren, das SolidarilätSgefühl und die Kollegialität zu pflegen. Vor allen Dingen ist es die Regelung der Arbeits- zeit; hier muß Abhilfe geschaffen werden, wenn man bedenkt, daß 500000„Vaaabonden" draußen auf der Landstraße liegen, denen es infolge der schlechten Erwerbsverhältnisse nicht möglich ist, Arbeit zu erhalten. Ein Maximalarbeitstag muß geschaffen werden. Von Seiten der gesetzgebenden Körperschaften ist hierin noch nicht« geschehen. Durch die Theil- und Akkordarbeit sowie moderne Technik hat die Leistungsfähigkeit ihren höchstem reicht.Durch die Verkürzung der Arbeitszeil werden jcneVagado» der Arbeit wieder zugeführt werden. Ein Staat kann nur stehen, wenn jeder seinen Pflichten genügen kann; wno°. in diesem Punkte keine Abhilfe geschafft, so muß unbedma Zersetzungsprozeß stattfinden. Es ist also eine Hauptau»■ der Fachvercine der Arbeiter, soviel wie möglich dahin zn' ken, die Gleichgiltigkeit zu beseitigen und selbstständig und kräftig einzugreifen. Die Arbeiter find diejenigen, die.. und Gesellschaft aufrecht erhalten, die alles schaffen, daru? es Sache derjenigen, die sich dessen bewußt sind, dienocW Kollegen aufzurütteln, die Massen zur Erkenntniß ZU gen und so zum Siege zu gelangen. Geicher belohnte den Redner für seine Ausführungen. In der hieran anschließenden Diskusfion führte Herr Gnadt% die Innungen völlig machtlos find gegenüber dem GroPP und der modernen Technik. Der kleine Meister ist konkun unfähig mit dem Großkapital und vermöge der mw Technik ist der Arbeiter heute leicht anzulernen. Es�ivr. noch mehrere Redner; sie alle schlössen sich den AuSführu L des Referenten voll und ganz an. Zum Schluß(F L folgende Resolution einstimmig zur Annahme:„Die yeu Robert's Salon tagende Versammlung des Berliner-u„ fellen-VerbandcS erklärt sich mit dem Referat de* J cz, O. Thierbach voll und ganz einverstanden und verpflw'- die Grundprinzipien desselben in ihrem Verband zur%- führung zu bringen.". D»r Wahlverein für den S. Berliner Reichst t Wahlkreis hielt am Mittwoch, den 31. Juli, Restaurant, Münzstr. 11, eine Versammlung ab. Naw lesung und Genehmigung des Protokolls der vorherW Versammlung, hielt Herr Julius Türk einen �„ „Die wirthschaftliche Umwälzung der sranzöfischen RevoU welcher sehr beifällig aufgenommen wurde. Die an der Diskussion war leohaft. Nachdem„Verschiedene-- einige Fragen erledigt waren, wurde die gutbesuchte-ven- lung mit der Aufforderung geschlossen, bei dem am ll'/" � stattfindenden Ausflug nach Friedrichsfelde sich recht rege i � theiligen. Abfahrt vom Alexanderplatz 1 Uhr 38 vom Schlesischen Bahnhof 1 Uhr 42 Minuten Nachw jj Treffpunkt Friedrichsfelde: Kaiser Wilhelm Restaura» Hampel. Theater. Dienstag, den 6. August. Theater. Die Mühle im Wisperthal. Ztd»l»h Ernst Theater. Die junge Garde BBtarlmmre-Theat-r. Kyritz-Pyri' Friedrich- WilhelmstSdtisthe« heater. Die Kinder des Kapitän Girofle-Girofla Utkt-ria-Thrater tArant. Gstend-Theater. Königin Margot, oder: Die Hugenotten. M"""r--- 1«r. S M.— 10 A. Kmlner-Pamopam#. flr In dieser Woche: Nen l Zweite Wanderung d. Zlartser Weltansstellnng. Zum ersten Male: Der Einzug König Humbert« in 882 Dem Uerelv der Klavierarbelter für die fieundliche Unterstützung meinen herz- lichsten Dank._ Wittwe Ziemer. Berlin. Im Ausstellungspark: Erster Cycl.: Pariser Meltaus stellung. Bin« Reffe 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. 8 Reffen 1 M. Große öffentliche Uersammlung de» Perein» der Klempner ßerllns und Wgegend Mittwoch, den 7. August, Abends 8 Uhr, in Lehmanns Salon, Schwedterstraße 23. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Cristeller: Ueber die erste Hilfe bei Unglücksfällen. 2. Diskussion. 3. Einschreibung neuer Mitglieder.«.Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet 983 Der vorstand. empfiehlt Karle, Lausitzerplatz 1, Ecke Waldemarstr. der Herren A. u. E. Massow, Bonander u. Hornig. Zum Schluß: Die Schlacht bei Wörth mit der Apotheose: Der Sieger von Wörth- Pyro-lechnisches Kriegsschau- spiel von ca. 160 Personen. Theater- u. Spezialitaten-Vorst. VolkSbelustig. aller Art. Bis 2 Uhr Kall. Entree 50 Pf. BilletS& 40 Pf. in den Handlungen. Alles Nähere die Anschlagsäulen. Crosse Versammlung des Vereins gewerbl. Hilfsarbeiter Kerlins«. Umg im Saale de# Herrn Uebel(Rena* Salon), Haunynstr. 27. T a g e S- O r d n u n g: kusfion. Pflicht. 1. Vortrag des Herrn Pirch über:„Internationale Arbeiterschutzgesetzaebung". 2. DiS- 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes.— Das Erscheinen�jedes�Mitgliedes ist Jeder Arbeiter ist als Gast willkommen. 1981) Der Vorstand. Große iisfeiltlilhe Bersimliig der Suchbinder und uerw. Derufsgenolsen am Mittwoch, de« 7. August, Abends 8% Uhr, in Jordan'# Salon, Neue Grünstr. 28. Tages-Ordnung: l. Bericht der Kommission. 2. Die neunstündige Arbeitszeit. 3. Die Organisationsfrage.____[986 Große öffentliche Versammlung aller in der Hansindußrie beschäftigter Arbeiter, als dn ßvd: Schneider. Schuhmacher. Tapezierer. Sattler. Suchbinder. Uosamentirer«. s.m. am Donnerstag, d. 8. August, Abends 8i Uhr, bei Jordan, Neue Grünstr. 28 I. Tages-Ordnung: ~ nlun I. Abrechnung der Kommission von den Sammlungen zur ihres Delegirten vom internationalen Kongreß. 2. Berichterstattung vom internationalen Kongreß zu Paris. Leonhardt Pfeiffer. 3. Diskussion und Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Bestreitung der Unkosten Referent: Schneider Der«tubrntfe». Durrfi die Expedition, S immer flraße 44, zu beziehen: Die DarWin'fche Theorie. Von Dr. Eduard Aveling. Broschirt M- 1/ß 1 Geb. M. 2,—. lind Marr' Oedonomische Lehren. Gemeinverständlich dargestellt� erläutert von Karl Kautsky. Brosch. M. 1,50. Geb. M. 2,—. Weltschöpfnng«ad Weltuntergang. Die Entwickelung von M*)' und Erde vom Standpunkt der Naturwissenschaften dargestellt von G«walb Oöhb�' Brosch. M. 2,-. Geb. M. 1,50. Die landliche Arbeiterfrage. Nach dem Russischen des KabluK-� Brosch. M. 1,—. Geb. M. 1,50. Thoma» More nnd feine Utopie. Mit einer historischen von Karl Kautsky. Brosch. M. 2,—. Geb. 2,50. Charles Fourier, sein Leben und seine Theorien. Von K-bel. Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Da» moderne Clend«nd die moderne Uebervölker«ol>' Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von Ma» Kchippel. Brosc? SD!. 1/50. Geb. SD?. 2,—. Berliner Arbeiter-Kibliotheb. Von Mar schwv»». Erschienen bis 5. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Heft 2: Der Nutzen der Gew�- schaften. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenfiage der Gegenwart. WL,, Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Heft 5: EhauW köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Osfip Zetkin-Paris t-* 15 und 20 Pf. Dir Arbriterinnrn-Krmrgnng Kerlins. Von a. Berger. - Heft 30 Pf. Ferdinand Faßallr. eine Gedenkschnft zu seinem 25 jährigen Todestag Mar Kegel.& 50 Pf. Arbeiter-Notizkalender. Kleine Ausgabe- Exemplar 50 Pf. Die Klaffengegen fahr von 1789. Von Karl Kautsky. -l Exemplar 50 Pf. Die Sonntags-Arbeit. Von August Bebel. Brosch. M. 1,-. Shbil. Roman von Disraeli» übersetzt von Natalie Liebknecht. Die Mitter der Arbeit. Nach dem Amerikanischen des Zar von Liebknecht. Die franzöfifche Revolution. Von Wilhelm Kl-». Gebnuben in prachtbanb. a Exemplar M. 5,50. Broschirt in Heften ä 20 Pf. Sßö'l Einbanddecke« zu K-bert Klnm a Exemplar 35 Pf. Bil� 800] Empfehle allen Freunden und Genossen meine Glaserei lind— Einrahmung. Bilder-Verkauf von Lastalle und Kafenelever als PräffÄ/ Allg. Deutsch. Arbeiter-VereinS, Bebel, Liebknecht, Lastalle und Marr�in ua.______ IHM»M.■.. M Vintes u. s. w. Bestellungen nach Auswärts brieflich. Carl Scholz, SBratil Sopßaö�üge! Keste von 3i— 5 Meter spottbillig. Emil Lefivre, Granienstr. 158. . ile mein Geschäft in frischt und Kränzen. Robert Mejf Nr. 2 Mariannenstraßc���U lISBl? CigarrenFakrik empfiehlt 383 Franz Frank, Wo. S, KOsllner» Strasse Wo. S. Mamsells anf Knabenanzuge verlangt 974] Ktei«, Oranienstr. 183. lll. iMobel/TsM ■ eigen. ■ F Fabrik. Spiegel n. A Brunneostr. 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Hebung der Produtivkräfte der Volkswirts »m' i.l �ßer Steigerung des ProduktionSvertrageS— wenn «ich». 1?* r",", n.S Bertheilung dieses Ertrages im wesentlichen �edr o«- iclbst uberläßt—' reicht man in der Sozialpolitik nicht ß:m.» v. �fluhing, daß diese Steigerung des ProduklionZ- �einkn» Zeichen immer noch reicher mache und von einer ,Mhl besonders geschickter Spekulanten blos zu dem ausgebeutet werde, daß somit die Armen ' ft ÜSt® uoch immer abhängiger werden, mit anderen i# k. Elches Eingreifen in den VertheilungSprozeß: das �..�"iilche Hauptaufgabe der Sozialpolitik.� Leutt, m®!, I�hr schön und muthig, und es giebt immer noch 'rchlm«« Handwerker, welche sich durch solche„ge- diesen o.."?fdfce für die Konservativen einfangen lassen. ''MoIA s»V�' ium ersten die politisch-geschichtliche Einficht, »«iL..t Myomen nur von unten kommen können, zum für bfln!» arv"� so naiv, alles, was arbeiterfreundlich klingt, schreib« ,mK v""'* Zu nehmen, selbst wenn Herr Wagner es % 6,11? o'o �Kreuzzeitung" es druckt. Nun, diesmal folgt »oll,.°�verrath in eklatanter Form sogleich nach und wrr tan« ounageln. Professor Wagner kommt nämlich als- ' okn Zusammenhang der Unzufriedenheit mit dem Religiosität, an GotteSglauben. Er schreibt: wrr immer als eine der unbegreiflichsten Kurzsich- knq.�.�ooralismus vulgaris erschienen, dicsenZusammen- H birr ��unen, ihn nicht einmal zu fasten. Man braucht bloß»..t kwr mcht auf den Standpunkt des Gläubigen, sondern 2 Psychologen zu stellen; man kann ganz sein lassen, ob das Verschwinden 'iche z«?'""-«» des Glau'" V b'1°we Welt richtig � nothwendig bens an eine übersinn- , g oder unrichtig sei: DaS or erkennen, daß mit dem Siege der Jr- erade in unserem, die öko- »edingenden System der ,...... nung die äußerste soziale und ökonomische sicher nLV' b enh eit unter den Massen sich mit förm- 3)J®Tp'06'fges. Nun, wir wollen nicht weiter zurück- E verlAm' 7 arbeiten lassen", um vor einer Ann ö.lieflstfmÄ�? Wieder Herr DitgeS. Oder: �ülge an allen Berliner Baustellen ?>r>rn,.., gewahrend, wie viel Maurer arbeiten, wo B»>. 9mnen, ob Ueberstunden gemacht werden u. x» nur Herr Ditges. Wer hat die Red« jstys,,»"er Streik- Versammlungen und diejenigen »W»*«erboten.) Mlcrtfrh. Skizze von Ernst Leuthold. � tjm/ ot�, Kummer; Auftreten des Verwandlungskünstlers klatsch m seinen großartigen Leistungen. Nann� �kmischx Chansonnette Pepita Tonnini hatte den !. k»; die Geschwister Nell und Bob Smith in v" Drnk..c�ksflichen und unübertroffenen Leistungen auf den,«tri Kotten dann über den empfangenen Beifall U°"chen Lächeln quittirt, und nun kam Nummer 3 Ick, heran: der Verwandlungskünstler! ltauichj! mit einem nach der Kleinstadt verschlagenen kstzev'% stch in der Großstadt wieder einmal„geistig an- °5�-Tkent' ouf deffen besonderen Wunsch in ein Spcziali- jwgen? Per gegangen. Der Freund hatte noch aus den % When, auf dem Lande verlebten Kindheit eine b""*«w, P® für Kunstreiter, Feuersreffer, Schlangen- t JK Seiltänzer, Kugelläuferinnen und ähnliche f�Res q' Künstlerinnen, die auf der großen Wiese vor Gute gelegentlich ihre Leistungen zu produziren Mtr Ptn.i»- mein Freund ein Mensch von beweg- ,®r fip � oste und liebenswürdiger Gutmüthigkeit war, c�pfanh il®�tliches„Schrauben" nicht tragisch nahm, so �Pzialitöi. seiner Gesellschaft weniger Langweile bei den Der sn° � sonst gewesen wäre. III? Nowe> �"ndlungskünstler fesselte mich sogar. Schon 4, wenn klatsch! Der geliebte Klatsch... Wahr- s?M j. oas ein zurechtgestutzter Name war— und das fr,,®'® selbstverständlich an!— dann war er ent- * Kunstn>�?®.®h", und die idealen Beziehungen zwischen ouktion als solcher und dem tieferen geistigen Dienstag» den 6. Angnst 1889. 6. Jahrg. greifen, sondern beim Tage bleiben: ein so seltener Mann, wie Herr DitgeS, liefert der Diskussion täglich neuen Stoff. In der letzten Versammlung der Bauinteressenten entsandte er sein erstes Geschoß gegen die Innung. Zuvörderst behauptete er: Die Innung ist reaktionär. Man muß wissen, daß das ein bei Herrn Ditges beliebter kluger Schachzug ist. Jetzt glaubt nämlich alle Welt, Herr DitgeS sei ein freisinniger Mann: wird er aber darob angegriffen, so— hat er'S ja gar nicht gesagt. Sodann erklärte er: Die JnnungSmeistcr arbeilen nur für den Bedarf und verdienen an einem Bau mehr, als wir kaufmännisch rechnenden Spekulanten an vier Bauten. Seltsam zwar: doch ob Spekulant oder Jnnungsmeister besser zu seinem Vortheile rechnet, mischen wir uns nicht in den häus- lichen Streit! Mit der Innung war Ditges nach der Er- klärung:.Ich(Ditges) lasse hiernach die Innung links liegen" fertig und wandte sich flugs den Arbeitern zu, um diese noch großartiger hinzustrecken.'Die beiden Hauptleistungen mögen enugen: Herr DitgeS rief:„Sie wollen die Sstundige Ar- eitSzeit, Sie haben m schon die 8stündige— im Jahresdurchschnitt." Höchst geistvoll gewiß. Nach diesem Muster könnte man etwa auch sagen:„Wenn 10 Arbeiter des Herrn Ditges je 4 Mark täglich verdienen, Herr DitgeS aber 48 Mark, was wollen die Arbeiter mehr? dann hat ja jeder von den 11 Per sonen täglich 8 M.— im Durchschnitt." Wohl ist hier ein Unterschied, den taschenspielcrisch zu eskamotiren uns fern liegt: die Verschiedenheit der Individuen. Aber für den Arbeiter, der im Winter brotlos war und dafür im Sommer doppelt arbeiten soll; ist es ein schlechter— auch physiologisch schlechter Trost, daß er mit dem Arbeitslosen vom Winter dasselbe Individuum ist. Doch die andere Leistung? .Der alte schöne Spruch muß wieder zu Ehren kommen: Weß Brot ich esse, deß Lied ich singe." Die Tertianer bekommen zuweilen die Aufgabe, in ihrem Aufsatze nachzu weisen, daß dieser Spruch unsittlich ist. Und nun bringt Herr DitgeS ihn wieder„zu Ehren"! Man sieht, sein Ausspruch trifft zu, in einem etwas anderen Sinne freilich: Die Innung steht zwar weit„rechts", aber Herr DitgeS läßt sie immer noch „links" liegen. Denn offen auszusprechen, daß die L o h n- abhängigkeit zugleich eine Gesinnungsabhängig- k e i t begründet, davor würde wohl selbst mancher JnnungS meister zurückscheuen. Kon der F-Kalstommissto» erhalten wir folgende» Schreiben: Die von einer öffentlichen Arbeiteroerfammlung zur Regelung der Lokalftage gewählte Kommission sieht sich genäthiat, öffentlich gegen das Verhalten der meisten Fachvereins- sowie Krankenkassen-Vorstände in der Lokalftaae vorzugehen. Die Kommission hat festgestellt, welche Lokalbcsitzer in Berlin ihre Säle zu Arbeiterversammlungen hergeben. Die Kommission hielt es für selbstverständlich, daß sich nun auch die Vorstände, Einberufer, Referenten u. s. w. von Vereinen und Versamm- lungen nur an solche von der Lokalkommission ermittelte Wirthe wenden würden. Leider müssen wir das Gegentheil konstatiren. Nach wie vor werden Versammlungen, Vergnügungen bei Leuten abgehalten, die ausdrücklich erklärten, daß sie ihr Lokal nicht zu sozialdemokratischen Versammlungen hergeben. Allerlei elende Ausreden werden ersonnen, um diese, wir wollen einen sehr milden Ausdruck dafür gebrauchen, unkorrekte Haltung der Vorstände, Einberufer von Versammlungen zu bemänteln. Dieses Treiben entschieden zu bekämpfen, sind wir als Lokal- kommission verpflichtet, diejenigen, welche Versammlungen und Vergnügungen abhalten, ohne von unseren Feststellungen Notiz zu nehmen, sollten doch bedenken, daß dadurch die ganze Agitation gegen die lokalverweigernden Wirthe illusorisch ge- macht wird. Sie sollten doch einsehen, daß nicht die Lokal- kommission, sondern die Arbeiter, durch Nichtbesuchen jener Lokale, welche uns verweigert werden, die Wirthe zwingen müssen, uns ihre Lokale zur Verfügung zu stellen. Die Lokal- kommission kann doch, wenn man bedenkt, daß sie noch keine einzige Versammlung zur Berichterstattung genehmigt bekommen hat, weiter nichts machen, als feststellen, welcher Wirth sein Lokal aiebt und welcher nicht. Sache der Arbeiterschaft ist es dann, sich darnach zu richten und dementsprechend zu handeln. Ferner müssen wir gegen die privaten Abmachungen einzelner Einberufer und Arrangeure von Versammlungen und Ver- gnügungen mit den Wirthen protestiren. Wir müssen ent- schieoen daran festhalten, daß in Betreff der Lokalftage nur von uns mitgetheilte Thatsachen für kompetent gehalten wer- den. Wir werden in Zukunft dafür Sorge tragen, daß auch die Berliner Arbeiterpresse in diesem Sinne Stellung zu der Lokalfrage nimmt. Aus dem Vorhergesagten geht wohl für die Berliner Arbeiter klar hervor, welche Stellung sie uns gegenüber einzunehmen haben. Halten sie sich an unsere Vor- schläge, sorgen sie dafür, als Mitglieder von Arbeiter- und Fachvereinen, Krankenkassen ze., daß die Vorstände veranlaßt Kern derselben erschienen mir durch diesen Namen in einer fast geistreich zu nennenden Weise ausgedrückt. Die Gewandtheit des Mannes in der Verwandlungs- kunst war in der That verblüffend. Mit unglaublicher Ge- schwindigkeit metamorphosirte er sich, und mit Geschick und Berechnung des Effektes wechselte er Kostüme und Geberden- spiel. Er erschien als Philister und als Diplomat, als Hausknecht, als Stutzer, als karrikirter Backfisch, Altenburger Bäuerin, Svortman, langmähniger Virtuose, Tänzerin, Waschfrau, Kadett in Phantasieumform, Seemann, Seil- tänzer, Gemüsehändlerin, als„alte Zeit", als..modernes Zeitalter", als Franzose, Türke, Engländer und weiß der liebe Himmel als was sonst noch. Auf diese Produktion folgten noch mehrere andere, eine Taubenkönigin, ein paar imitirte Tiroler, Preisschützen und ein dressirtes kleines Schweinchen. Aber ich sah nur mit halbem Auge nach den zierlichen Täubchen, hörte gar nicht auf die„Juchezer" und die traurige Mär vom Diarndl un- term grünen Rasen, und wenn der Preisschütze noch besser zielte und schoß als weiland Wilhelm Tell, ich ließ es mich nicht kümmern. Meine Gedanken waren beim Klatsch und seinen mannigfaltigen Erscheinungsformen. Klatsch: Ein merkwürdiges Wort; eigentlich ist eS gar keines. Jedenfalls ist es in seiner onomatopoetischen Be- deutung nicht mehr immer übereinstimmend mit dem Be- iffe, den wir allmälia mit ihm verbunden haben. Im egentheil. Nur im Theater oder nach einem zündenden Vortrage wird geklatscht, daß eS schallt. Die Thätigkeit des Klatschens, bei der die Hände ruhen und nur Stimme und Blicke in Thätigkeit sind, ist bei weitem geräuschloser, wenn auch nicht minder wirksam. Der Klatsch als solcher ist auch ein Virtuose in der Verwandlung und übertrifft den geschicktesten„Metamorphosen- künstler" doch noch bedeutend. Ueberall ist er zu finden. werden, unter allen Umständen nur solche Wirthe zu berück- sichtigen, welche ihr Lokal ohne„Wenn" und„Aber" uns zur Verfügung stellen, so können wir auf Erfolge rechnen. Thun sie dieses nicht/ dann können wir weiter nichts, als erklären, die Lokalkommission steht ohne die genügende Unterstützung der Arbeiterschaft den Verhältnissen machtlos gegenüber und löst sich demzufolge auf. Vorläufig richten wir an alle Bethciligten das dringende Ersuchen, unser Vorgehen in der Lokalsrage zu unterstützen, damit wir den Wirthen zeigen können, daß wir nicht mit un» spielen lassen. Die Lokalkommisfion. In Keing auf die«nter der Spitzmarke„Moderne» Sklaoenleden" geschilderten Vorgänge, kann die„Verl. Ztg." jetzt folgende Paragraphen aus dem berüchtigten Kontrakt ver- öffentlichen. Es heißt da: § l. „Herr Urbach cngaairt Herrn Joserh Williams für seine Ncger-Truppe und als Gehilfe bei öffentlichen Schaustellungen zu Produktionen in seinen heimathlichen Sitten und Gebräuchen gegen ein festes Salair von monatlich 40 Mark, sowie freie Station und Reise auf die Dauer vom Tage der Geschäfts- Eröffnung bis inkl. 5. November." § 2. „Obiger Joseph Williams verpflichtet sich, alle Anordnungen des Herrn Urbach, sowie dessen Stellvertreters genau zu bo folgen; Ungehorsam und nicht willige Befolgung hat sofortige Entlassung zur Folge." „Das Geschäft resp. der Wagen darf ohne besonders einge- holte Erlaubniß. sei es bei Tag oder Nacht, nicht verlassen werden. Ein Zuspätkommen zur Vorstellung hat eine Geldstrafe von 1 Mark, ein Nichterscheinen oder Verbleiben in der Gar- derobe, ohne Wissen des Herrn Urbach, eine Strafe von 5 M. zur Folge." § 4. „Der Genuß von geistigen Getränken vor, während oder nach der Vorstellung ist streng untersagt: sollte sich pp. Joseph Williams durch Genuß derartiger Getränke unfähig machen, seinen Verpflichtungen nachzukommen, so tritt eine Ordnung«- strafe von 5 M., im Wiederholungsfalle sofortige Entlassung ein. Die gleiche Strafe trifft Denjenigen, der durch Einbringung solcher Getränke hierzu Gelegenheit bietet." § 6. „Die aus der Küche verabfolgten Speisen und Getränke sind in dem dazu bestimmten Raum einzunehmen und gegen die verabreichende Person jede unzufriedene Aeußerung zu unter- lassen."(Andernfalls Geldstrafe.) § 7. „Ruhestörungen, Lärmen jc., sei es vor, während oder nach der Vorstellung, wird mit 5 M. Strafe gebüßt." § 8. „Joseph Williams leistet eine Kaution von 40 M., welche vom Salär zurückbehalten wird.... Hiergegen verpflichtet sich Herr Urbach, auf's Beste(!) für den engagirten Joseph Williams zu sorgen, etwaige Bedürfnisse, insofern dieselben dringend sind, auf Rechnung desselben(!) zu bestreiten, die monatliche Abrechnung möglichst(!!) streng einzuhalten, sowie u. s. w." Es ist nach alledem nur natürlich, wenn Williams am Monatsende noch Geld herauszuzahlen hatte. Etwas Stärkeres, als dieser Kontrakt— dessen Unterschrift durch einen könig- lichen Polizeitommissar in Hannover mit Stempel als richtig bescheinigt wurde(!!)— ist uns kaum vorgekommen. Das Weitere werden dem Herrn Urbach wohl die Gerichte sagen. I«m Kapitel der Ferienkolonie« macht die ultra- montane Korrespondenz Nienkemper einige immerhin beachtens- wertste Bemerkungen. Ihr Herausgeber schreibt: Zu den Schwärmern für Ferienkolonien gehöre ich nicht. Eine Ver- stärkung meiner Bedenken gegen diesen neumodischen Wohl- thätigkeitssport finde ich in dem Triumphgesang eines liberalen Blattes über das„außerordentliche Glück", welches das hiesige Komitee mit den neuen Ferienkolonien gehabt haben soll. Aus Prerow an der Ostsee, wohin man 60 Knaben geschickt hat, wird berichtet:„die Jungen schwelgen im Essen und Trinken; sie haben bis zu sieben Pfund an Körpergewicht zugenommen. Die Bauern nehmen die Knaben mit in'S Heu und unter Gesang kehren sie auf den hochbeladenen Wagen in'S Dorf zurück." Das läßt sich ja noch hören, wenngleich die Zunahme von sieben Pfund in höchstens drei Wochen mir nicht ganz geheuer vorkommt. Falls unter den Knechten und Mäg- den in Prerow eine gute Zucht herrscht, läßt sich gegen dre Theilnahme der Jungen an den Heuarbeilen nichts eimvenden. Aber nun fährt der Bericht fort:„Am Sonntag war Schützen- fest und die Badegäste traktirten die Knaben mit Pfefferkuchen, Im Familienzimmer sucht und behauptet er sein Plätzchen und auch im Dienstbotengelaffe ist er ein unentbehrlicher Genosse. Im eleganten Salon erscheint er, und ehe man sich'S versieht, spricht er mit, wenn von Premieren, von Ausstellungen, von allerlei Vorkommnissen in allen Welten geredet wird. Auf den Hintertreppen, in Hausfluren und Höfen wird„das Neueste" besprochen und mit er- regten Gesten begleitet; wer führt daS große Wort? Der Klatsch! Er wächst auch mit größeren Zwecken. Elastisch wie er ist, dehnt sich der begrenzte Klatsch auch zum Stadtklatsch, Nationalklatsch, Weltklatsch aus. Unter gedeihlichen Be- dingungen entwickelt er sich besonders üppig. Bekannt ist die Wirkung des Kaffees auf sein Gedeihen. Aber nicht allein als Kaffeeklatsch feiert er Triumphe. Das Bier und der Rebensaft, die der Rede Schwung und Flügel verleihen, sind ihm gleicherweise günstig. Und wie beim Kaffeetisch, so hat auch am„Stammtisch" der Klatsch sich als Stamm- gast eingenistet. An Anstrengungen, ihn Hinwegzugraulen, ihn geradezu hinauszuwerfen, hat es nicht gefehlt; aber er schmuggelt sich doch stets wieder ein. Er weiß, daß dir meisten Menschen nicht immer von ernsten, guten und wür- digen Dingen reden mögen, wenn sie ausruhend beisammen sitzen. Unbemerkt schleicht sich der üble Geselle in den Kreis, manchmal mit harmlosen Allüren, manchmal auch mit Vor- Haltung einer ganz einnehmenden Maske. Jeder Stand, jede gesellschaftliche Vereinigung hat neben dem allgemeinen Klatsch noch ihren Separatklatsch. Denn der Klatsch ist gesellig und je mehr Individuen er sich mit- theilt, je mehr ist er in seinem Elemente. 3 dies Vorkommniß im privaten, wie im öffentlichen Leben„begleitet er mit seinem Schwünge". Es kann kein Paar sich verloben, ohne daß der Klatsch sich hydraartig mit hundert Zungen erhebt; es kann kein Meiffch sterben, ohne eine Dame schüttete eine große Düte Konfekt unter die Schaar aus. Außerdem sammelten die Badegäste Beiträge für eine Dampferpartie nach Zingst.— In Peine spendeten die Bade- gaste den Kindern Wein und Kuchen." Alto die Kinder waren von fremden Leuten mit Leckereien beschenkt, zum Spaß für das Badepublikum müssen sie ausgeschüttetes Konfekt aufflesen, man aicbt denKindern geistigeGetränke, man kollektirt zu ihren Gunsten. Wenn das nicht eine Erziehung zur Nascherei und iur Schnorrerei ist, dann verstehe ich nichts von Pädagogik! Will man denn durchaus die Kinder zu leckermäuligen Beiteliungen machen! Ich halte es schon für bedenklich, daß die Kinder das Bewußtsein erhalten, von den Wohlthaten des KomiteS, und nicht ihrer Eltern, zu zehren. Aber wenn ste nun aar noch ge- wöhnt werden, vor allen möglichen wildfremden Menschen vre Hand aufzuhalten, dann muß doch das wirthschaftliche Ehr- gefühl und Selbstbewußtsein Schaden leiden. Die„sieben Pfund", welche der Körper der Kinder in den Ferienkolonien angesetzt haben soll, werden nach der Rückkehr in das gewöhn- liche häusliche Leben schnell wieder eingebüßt werden; aber die erweckte Begehrlichkeit bleibt und die im Ehrgefühl der Kinder gerissene Lücke wird schwerlich wieder ausgefüllt. Die entscheidende Frage ist nicht die, ob die Kinder sich in den Ferienwochen wohl befinden, sondern ob sie sich nach der Rück- kehr wohl befinden. Darüber sollte man mal eingehende, un- parteiische Erhebungen veranstalten. A«» Reinickendorf schreibt uns ein Mitarbeiter: Vor einigen Wochen wurde im Restaurant Friedrichsbad zu Reinicken- dorf eine Büste des Kaisers Friedrich enthüllt, welche der Re- staurateur auf eigene Kosten hatte aufstellen lassen. Ob dieses nun ein Herzensoedürfniß des Herrn Süß war oder aus einem anderen Grunde geschah, vermag ich nicht zu sagen., Zu dieser Enthüllungsfeierlichkeit waren die Spitzen der Behörden, die Geistlichkeit, die Dorfväter, das heißt die Gemeinderathsmit- glieder, und alle Dorfhonoratioren geladen. Die Schuljugend unter Leitung des Direktors sang fromme Lieder, der Geistliche hielt eine Festprcdigt, in welcher die Humanität, die Toleranz, die Nächstenliebe des Kaisers gefeiert wurde. Nun sollte man meinen, ein Mann, welcher ein derartiges Denkmal setzen läßt, müßte auch nach den Grundsätzen der Nächstenliebe und der Toleranz handeln, aber weit gefehlt! Neben dem Restaurant Friedrichsbad befindet sich das Restaurant Secschlößchen, welches, wie schon der Name sagt, auch am See gelegen ist. Hier kochen die Familien des Sonntags Kaffee, trinken ihr Bier und freuen sich des Sees, über dessen Fläche der Blick bis zur Tegeler Chaussee schweift. Nun hat der Restaurateur Süß, welcher der Pächter des SeeS ist— der See selbst gehört Berlin—, um seine Toteranz ins rechte Licht zu stellen, einen hohen Bretterzaun ungefähr 5 Fuß vom Ufer vor dem Garten feines Nachbarn ziehen lassen, damit so den Gästen desselben oie freundliche Aussicht auf den See entzogen und sein Nach- bar geschädigt wird. Kaiserdenkmal, Spitzen der Behörden, Gesang der Schul- jugcnd, Festpredigt, Toleranz, Nächstenliebe, Christenthum und dem Nachbar ein hoher Bretterzaun vor der Nase. Muß man da nicht lachen, ob solcher Komödie Der Tischler August Kiruer, der beim Tischlermeister Prochnow in Schöneberg in Arbeit stand, wurde gestern Mar- gen plötzlich entlassen, weil es am Sonntag nicht gearbeitet hatte.— Welche Unmassen von Kchreibmaterialie« u. s. w. die Stadtverwaltung einer Anderthalb- Millionenstadt wie Berlin verbraucht, ist aus einem Berichte der Deputation für Beschaffung der Schreibmaterialien u. s. w. an den Magistrat ersichtlich. Nach demselben waren im Verwaltungsjahr 1888/89 erforderlich 7 329 240 Bogen Papier, darunter 6 123 915 Bogen Druck- und 1 205 325 Bogen Schreibpapier. Zu metallogra- phischen Vervielfältigungen sind verbraucht worden 320 546 Bogen, zu hektographischen Abzügen 17 200 Bogen. Zusammen wäre das ein Papierverbrauch in einem Jahre von 7 676 986 Bogen. Hierzu treten noch 60 155 Stück Kouverts mit ge- druckter Adresse und 315 910 ohne gedruckte Adresse. Ferner ftnb noch verbraucht worden: 1886 Liter schwarze Dinte, 58t Liter rothe resp. blaue Dinte, 2725 Gros Stahlfedern, 41 Bund Federposen& 25 Stück, 18 123 Stück Bleistifte, 6356 Stück farbige Stifte, 637 Pfund Siegellack, 84 /, Pfund Oblaten, 211 Federmesser, 175 Papierscheeren ,�.444 Flaschen Stempelfarbe 2C. Die Längen Ausdehuunge« Berlin«, wie sie siih nach dem Bericht über die Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin für die Jahre 1882 bis 1888 bei der Kartirung ergeben haben, betragen nach allen Richtungen hin eine Meile. Am weitesten äst die Entfernung vom Südosten nach dem Nordwesten, d. h. von Treptow nach dem Forstbezirk Tegel, namlick 10 430 Meter. Hierbei handelt es sich aber nur um die fahrbare Weglange. Verbindet man dagegen den südöstlichen Punkt der Peripherie, Stralau, mit dem nordwestlichsten im Tegeler Forstbezirk durch «ine den Aleranderplatz schneidende Luftlinie, so kommt sogar eine Länge von 11 190 Meter heraus. Am kürzesten ist die Entfernung von Nord nach Süd, von Pankow nach der Hasen- Haide; immerhin aber beträgt auch diese Strecke 7800 Meter. Bon Südwest nach Nordost, Weißensee und Schöneberg, sind «s 8550, von Ost nach West, wobei Lichtenberg und Char» lottenburg die Endpunkte sind, 9300 Meter. Der Mittelpunkt Berlins lag früher am königlichen Schloß, gegenwärtig liegt er zwischen der Börse und der Garnisonkirche in der Neuen Friedrichstraße. baß der Klatsch sich nicht auch mit einem Trauerflor drapirte. „Nichts ist so hoch und nichts so fern", daß nicht der Klatsch sich damit beschäftige. Ihn schreckt keine Würde, keine Höhe- wie ihn auch keine Niedrigkeit und Gemeinheit abhält, sich mit ihr zu beschäftige«. Das Kleinliche ist seine eigenste Domäne und seine Geschicklichkeit gipfelt darin, aus Mücken Elephanten zu machen. Am häufigsten bedient er sich der gesprochenen Rede. Er weiß aber auch durch Blicke, Handbewegung, Achselzucken, Lächeln sich verständlich zu machen. Er nimmt dem Brief- schreiber unmerklich die Feder aus der Hand und führt sie selber. Ein wie vortrefflicher Nährboden aber die Drucker- schwärze für den Klatsch ist, daß haben wir oft genug „schaudernd miterlebt." Doch ist der Klatsch keinesfalls eine Erfindung der Neu- zeit. Die„gute alte Zeit" hat ihn auch gekannt, ja sein Alter reicht ohne Zweifel bis in die ur-urältesten Zecken hinauf. Wie manches, das wir gläubig als verbürgt histo- risch angenommen haben, ist von späterer Forschung als Klatsch aufgedeckt worden, dem allerdings die dicke Staub- kruste ein gewissermaßen ehrwürdiges Aussehen giebt. So verzerrt er nicht nur das Bild Lebender, sondern auch das Erinnerungsbild längst in Staub Zerfallener. Der Klatsch ist sehr geschmeidig und behende; er ist schwer zu fassen und noch schwerer aufzuhalten. Er schmeichelt kleinen Geistern und er macht denen das Leben gründlich schwer, die ihn ignoriren wollen. Er borgt sich von der Theilnahme die Züge und ahmt die Haltung der Wißbegierde nach. Die Neugierde ist seine geschickte Helfers- Helferin, und die Bosheit hängt sich gern an seine Fersen. Er ist nicht immer geradezu schädlich, aber immer lästig. Er ist zuweilen sogar amüsant und kann in gewissem Grade auch interessant sein, aber nie wirklich erfreuend.. Bei echter Liebenswürdigkeit und Herzenshöflichkeit fühlt sich der Klatsch nicht heimisch, und ein dem Kleinlichen abholder Geist wird Gin kvlvsskirker Auflauf fand gestern Morgen an der Jerusalemer Kirche statt. Wohl 200 Personen aus allen Stän- den standen daselbst auf dem Trottoir und starrten mit einer Aufmerksamkeit nach der obersten Etage des gegenüber liegen- den Hauses, als ob sich dort irgend eine furchtbare Tragödie abspiele, welche die Zuschauer, deren Schaar sich immer noch vermehrte, in athemloser Spannung erhalte. Auf dem Dach des betreffenden Hauses lagen einige, jedenfalls schwindelfreie Männer, den Oberleib in besorgnißerregender Weise über die Dachrinne gebeugt, und stierten ebenfalls nach dem geheimnißvollen Etwas, welches die Gemülher in so große Aufregung versetzte. Der an der Kirche stationirte Schutzmann brauchte seine ganze Energie, um die Passage frei zu halten und die ihre Nasen be- harrlich in die Luft reckende Menge zurückzudrängen. Und was war die„kleine. Ursache" der„großen Wirkung?" Auf dem Balkon eines Photographen standen, kaum mit den Köpfen über die Balustrade hervorragend— zwei alte Indianerinnen, Mitglieder irgend einer exotischen Truppe, die sich wahrschein- lich da oben aufnehmen ließ, und ihren höchst Zweifelhaften Reizen gelang es, fast eine Stunde lang die„Wißbegierde" einer so großen Anzahl von„Weltstädtern" zu fesseln. Großfeuer in Charlottenburg. Eine verheerende Feuersbrunst setzte in der Nacht vom Sonntag zum Montag die Bewohner Charlottenburgs in begreifliche Aufregung. Das- selbe war gegen 12 Uhr auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise in den Charlottenburger Ufer 1, la und 2 belegenen Glashütten- und Kohlenstaubwerken von Otte ausgebrochen und behüte sich in kurzer Zeit derartig aus, daß das ganze nord- westliche Firmament von mächtigem Feuerschein blutroth gefärbt erschien. Die Charlottenburger Feuerwehr, welche balb nach erfolgter Feuermelbung auf der Brandstätte eintraf, bemühte sich m erster Linie, die Glasfabrik und das Kesselhans, welche noch unberührt waren, zu schützen, was ihr denn auch gelang. Inzwischen waren bie Feuerwehren der Nachbarorte eingetroffen und auch von Berlin langte ein Lösch- zug mit einer Dampfspritze an. Leider wurden die neu erst aufgestellten Maschinen zur Anfertigung von Preßkohlen arg beschädigt und ein Stapel von 100 000 Stück Preßkohlen ein Raub der Flammen. Trotz eneyjischen Angriffs der ge- sammten Spritzen auf das entfesselte Element bahnten sich die Flammen doch sehr bald einen Weg nach dem nebenanlieaen- den Holzplatz und wlltheten unter den dort aufgestapelten Nutz- holzbeständen mit unwiderstehlicher Gewalt, dabei eine so starke Hitze erzeugend, daß es den Löschmannschaften fast unmöglich war, dem eigentlichen Feuerheerde beizukommen. Die Fenster- scheiden in den benachbarten Häusern zersprangen infolge der Gluthhitze insgesammt. Der Dampsspritze blieb es vorbehalten, die Flammen auf ihren Herd zu beschränken und schließlich zu bewältigen, freilich erst, nachdem das Feuer Mangels neuer Nahrung an Stärke abgenommen hatte. Am frühen Morgen war man noch stark mit dem Ablöschen der kleineren Brand- stellen beschäftigt. Krleuchtungobatterie«. Die ganz ausgezeichneten Vorzüge, die das elektrische Licht vor allen übrigen BeleuchtungS- arten voraus hat, lassen auch in minder begüterten Kreisen den Wunsch aufsteigen, ihre Häuslichkeit elektrisch zu beleuchten. Für geringen Bedurf an Elektrizität sind nun die elektrischen Batterien die billigsten und zugleich bequemsten Quellen der Elektrizität. Kein Wunder deShald, daß allenthalben der Wunsch rege wird, in derselben Weise, wie man die Haus- telegraphen durch Batterien versorgt auch auS diesen den noth- wendigen Strom für BeleuchtuugSapparate zu entnehmen; die elektrotechnischen Fachjournale können ganze Berge von Briefen vorweisen, in denen um brauchbare Beleuchtungsbatterien angefragt wird. Die einzige Antwort, die all diesen Frage- stellern bisher zu Theil geworden ist, lautete immer, daß eS keine rationell funklionirenden BeleuchtungS- batterien giebt und auch wohl nie geben wird. Nichtsdestoweniger tauchen alle Augenblicke, ieder wissen- schaftlichen Erfahrung zum Trotz, in vielen Fachjournalen Anpreisungen und Empfehlungen von elektrischen BeleuchtungS- batterien auf, die angeblich billiger als jede andere Quelle der Elektrizität sein sollen. Die folgenden Zeilen werden dazu dienen, das Publikum vor Betrügereien auf diesem Gebiete zu warnen. Die elektrische Beleuchtung durch Batterien ist sehr wohl möglich. Da aber die Erzeugung des nothwendigen Stromes in Batterien immer nur durch Verbrauch von Zink hervor- gebracht wird, und die entstehenden Zinkoerbindungen mehr oder weniger weithlos sind, so stellt sich der Betrieb von elek- irischen Beleuchtungsbatterien immer wesentlich theurer als die Verwendung von Dynamomaschinen oder Akkumulatoren. Eines der Hauptmittel, dessen die Beleuchtungsbatterie- schwindler sich bedienen, um das Publikum anzulocken, ist nach dem„Elektr. Anzeiger" folgendes: Dieselben führen eine Be- leuchtung mittelst Batterie vor, wobei eine Glühkampe mit zu hoher Spannung betrieben wird. Sie weisen dann mit großer Emphase darauf hin, wie viel heller das Batterielicht ist, als dasjenige der Dynamomaschinen, und wie stetig und ruhig eS brennt. Was nun den ersteren Punkt betrifft, fo weiß der Laie ja nicht, daß eine Lampe mit Ueberspannung nicht betrieben werden darf und deshalb in einer richtigen Anlage auch nicht betrieben wird. Er sieht nur das hellere Licht und ist davon sehr erbaut. Die größere Stetigkeit, die ja selbstverständlich der elektrische Strom hat, imponirt ihm gleichfalls. Daß aber die Spannung nach kurzer Zeit her- untergeht, davon weiß er nichts, weil die ganze Vorführung ihm immer unbehaglich. Liebenswürdigkeit und geistige Vor- nehmheit schützen wohl davor, daß ein Mensch sich gewisser- maßen mit dem Klatsch liire; daß sie ihn aber gegen seine Angriffe Garantie böten, das ist leider nicht der Fall. Der Klatsch mag eine Erscheinung wählen, welche er wolle, er mag eine noch so bieder scheinen wollende Maske vorhalten, er hat immer so etwas, etwas.... Bis zu diesem Punkte meiner Gedankenreihe war ich gekommen, als das dressirte Schweinchen zum letzten Male aufquiekte, und dann dem Schauplatz seines künstlerischen Wirkens entzogen wurde. Die Vorstellung war beendet, und wir begaben uns auf den Heimweg; mein provinzieller Freund und ich. Ich neckte ihn mit seiner Anhänglichkeit an Kind- heitserinnerungen und seinen Phantasiesprüngen, die in jenen „Artisten" auch ein Maß von Künstlerschaft entdecken wollten. „Nur den Verwandlungsvirtuosen Klatsch will ich anerkennen! Der Mensch hat wirklich Geist. So etivas zu produziren und sich Klatsch zu nennen und mit so ausdrucksvoller Mimik jeden Charakter zu illustriren!" Mein Freund sah mich an und lachte. „Da sieht man den Kurzsichtigen," sagte er.„Du irrst übrigens, wenn Du meinst, er habe sich den Namen Klatsch geistreicherweise zugelegt. Er heißt wirklich so. Ich kenne ihn von früher. Er ist sehr geschickt, aber von Geist keine Spur. Und was die Mimik anbetrifft! Da hat Dir Deine Phantasie etwas vorgespiegelt. Ich sah immer nur, in allen Verwandlungen, dasselbe ordinäre Gesicht!" Ich war geschlagen und doch nicht. Denn diese Be- merkung meines Freundes bildete gerade den Schlußstein zu meiner Gedankenbrücke. Das war das Etwas, das mir vorschwebte, das �ich aber nicht in die rechten Worte fassen konnte. „Er mag eine Erscheinung wählen, welche er wolle, er mag sich schmücken und wandeln, bei genauer Betrachtung zeigt er unverkennbar dasselbe ordinäre Gesicht!" nur einige Minuten, im schlimmsten Falle eine Stund- f dauern pflegte.„ , Was nun die Kostenfrage anbetrifft, so rechnen dt- stesten der Batterie-Schwindler heraus, daß die entsteh-" Nebenprodukte wenhvoller find, als die verwendeten;r; und das Licht nicht nur unentgeltlich, sondern sogar einttanMl' im schlimmsten Falle rechnen sie höchstens 2t bls 3, für die 16kerzige Lampenstunde.. t. Iber wie schon erwähnt, giebt eine Lampenbattene, 1 die Verhältnisse des praktischen Lebens in Frage durchaus keine werthvollen Nebenprodukte, da das d-it vn Zp-itNOl im derselben schon viel zu umständlich ist, und eS auch kein-• nehmer für dieselbe giebt. Selbst der Preis von 15-'?' o* ueymer sur otejeioe gteot.©elbst Oer Preis von für die 16 kerzige Lampenstunde ist beim Betriebe durch leuchtungsbatterien noch zu niedrig gerechnet, wahr-?.. .„...... U p.............. yi Betrieb der Dynamomaschinen sich auf höchstens ü P?" Aber auch der Zuverlässigkeit und Einfachheit im Betned«. spricht keine einzige der bisher auf den Markt 0«% y Beleuchtungsbatterien. Jede neu angepriesene Batterie 9 � bisher immer noch als Schwindelprodukt entpuppt, un � warnen deshalb unsere Leser ganz dringend, vor 1»-� trauenSseligkeit den Anpreisungen von Lampenbatterien"« über. Wir thun dies um so energischer, weil in Amcrit � sende von Leuten durch diesen Schwindel gefangen woro-»■| deren Verlufte sich nach Millionen von Mark berechne'; auch in Deutschland sind erst neulich von einem Finanz'ow.i 30 000 M. für das Patent auf eine ganz werihlose*. � tungsbatterie eines Erfinderlings bezahlt worden. der Verdacht gerechtfertigt, daß auch wir bald in diestin ausgebeutet werden dürsten. Die Witterung de» M-uak« Juli er. beiden Vormonate sehr unähnlich. Während der Ma-? uj» Juni ungemein hetß, heiler und trocken gewesen waren.' y im Juli vorwiegend kühles, trübes und zu Niedersch�. � gen des Wetter. Nur die Tage vom 7. bis 13. M iel % es| b-jahlte N: ■iTll W Unnu» Wer d Mante % «nebet ei Nett( unb eine N )ei normalem Monatsanfang einen hochsommerlichen- � während alsdann, mit einer kleinen Unterbrechung 21., eine nach der vorhergegangenen Hitze sich recht unMe � fühlbar machende rauhe, oft fast herbstliche Witten*, V dauerte, die besonders durch heftige Winde beachl-n§wem, Im Einzelnen war der Verlauf der Witterung nach, y dieser Zeitung täglich veröffentlichten Beobachtungen � königlichen meteorologischen Statiom im SW. der fo' Barometer stand im Monatsmittel 754,3 Mm., während� Die Schwankungen ff rl(»rfiT#Tf fi ff» � Juli 757,4 Mm. normal sind. am 18. und 25. beträchtlich, sonst verhielt sich da« im Allgemeinen sehr ruhig. Auch die Ertreme weit auseinander: das Maximum wurde mit 1.,• das Minimum mit 745,0 76o|W erreicht. Hieraus ergiebk sich eine mittlere MonatStemperat � 18,3 Gr., während nach 40jährigem Durchschnitt jT/i 19,0 Gr. zukommen. Der Monat war also um 9.7, Es fei daran erinnert, daß der diesjährige Mai temperatur von 19,2 Gr. und der Juni eine solche«""«ck hatte, so daß also der Juli, der gewöhnlich die höchst"« ratur hat, hinter diesen beiden Monaten erheblich Der wärmste Tag war der 10. mit 24,3 Gr. der kälteste der 18. mit 15/) Gr. Das absolute fiel mit 32,5 Gr. auf den 10., das absolute Mit'!"- 10,9 Gr. auf den 31. Am Erdboden betrugen d>" an denselben Tagen 32,7 und 8,5 Gr. Als So« (mit einer Maximaltemperatur von mehr als-{ konnten nur 7 Tage im Monat(im Juni 24,'j gelten. Zu warm waren 13, zu kalt 18 Tage.. Jst herrschenden Windrichtungen waren West mit 33. A"-. C 24 und Südwest mit 14 Beobachtungen. Sudww�� 8 mal, Nordwind 5 mal, Nordost und Südost je � 1 mal beobachtet. Die Windstärke war beträchtlich*'-i im Monatsmittel 3, 4 der 12(heiligen Skala. gtig grab 6 wurde 8 mal und der Stärkegrad 8 2 w". Windstille konnte nur zweimal festgestellt werd�zv K ps P r- hä, «iitet Uel Nlag* fc». M in i «?°"twot M 'fi'getfi •«ftfe R)( sonders heftig waren die westlichen und nordwestlich�. an den 6 letzten Monatstagen. Die Bewölkung b-tru- 0 ganz heiter und 10 ganz bedeckt bedeutet, im M"'. 6,4. Kein einziger Tag im Monat konnte im met--". Sinne als heiter(Bewölkung unter 2) gelten; aber (über 8) waren nur 7 Tage; alle übrigen hatten g"!*W wölkung. Die relative Feuchtigkeit der Luft war w>> genau der normalen entsprechend. Ebenso kam auch j,? der Niederschläge, die sich auf 18 Tage vertheilten,'"y dem langjährigen Julidurchschnitt gleich. Gewitter w an einem Tage sestgestellt. il Uoli,«iberckcht. Am 3. d. M. Morgens wurZ/ Nähe des FluthgrabenS am Schlesischen Busch""ll mit einer Schußwunde in der Brust todt aufgesunv# gegen ihn eingeleitete Untersuchung scheint ihn mord getrieben zu haben.— Zu derselben Zeit J. jähriges Mobchen in der Küche der elterlichen Woh"" Ä Skalitzerstraße, wo es von der Mutter kurze Zeit unt>- � gelassen worden war, in einen auf dem Fußboden J,/ mit Seifenwasser angefüllten großen Topf. Obwoh' bemerkt wurde, noch lebte, verstarb es doch nach ku-K Als an demselben Tage Abends der Maler Geldschrank-Fabrik von Küpper, Linien str. 153, iurbe' 1 streichen von Geldschränken beschäftigt war, wurde von Krämpfen befallen und stürzte zur Erde explodirte die von ihm bei der Arbeit benutzte Peteo* wodurch seine Kleider in Brand geriechen. Cbglei® lang das Feuer zu ersticken, hatte Porsch bereits f"- r' Brandwunden an der rechten Körperseite erlitten, V'' der Charitee gebracht werden mußte. Zu derselben o an der Ecke der Brunnen- und Jnvalidenstraße"Jm• von einem Möbelsuhrwerk überfahren und erlitt« Bruch des Schulterblattes.— Am 4. d. M. ffionjn'' �? sich ein junger Kaufmann aus noch nicht rnifge-'" uß lassung in einem Hotel in der Krausenstroße� gr Revolvers einen Schuß in die rechte Schläfe ben ,S.4 noch lebend nach der Cbaritee aebrackt.— Ku den« stürzte ein Staaken aufZdem Neubau Prenzlauer�A�� einer Leiter herab und erlitt einen Bruch schenkels, so daß er nach bem städtischen Kraut„ ji Friediichshain gebracht werden mußte.— In der m 5. d. MtS. fand vor dem Hause FriedrichsstfU?.� r Schlägerei statt, wobei ein Maurer einen Messe"' �. den Schultern und ein Schiffer zwei Stiche ueu«ajuiicrn uno ein«cyiyer zwei Vittyr Oberarm erhielt.'— Am 3. b. M. Abends entstaUd Panoptckum ein unbedeutendes Feuer.— Am 4- an drei verschiedenen Orten kleinere Brände statt- der Feuerwehr gelöscht wurden. R 1 Et! W 8S «a Sä »"S SÖS SS 1'$ man N»? -'«"ii? ar „b A ob -ff "gte b? 0 4% fiein *». '«eben 8% Gevichts-TZeiku-'ö Eine verhiingnißvolle Landpartie führff W Malermeister Leopold Schulze aus Berlin""LpM strafkammer am Landgericht II. Derselbe war�be� ,,!> Kellner Karl Losch körperlich mißhandelt zu mittelst eines gefährlichen Werkzeuges, nämlickL Ä% oder flofi uu<.i schirm es. Andererseits war der Kellner den Angeklagten ad 1 körperlich verletzt zu haben-« lag folgender Thatbestand zu Grunde: Am'.hy'- iag joigenver-i,yaioe,iano zu isrunoc: � unternahm der Darlehnsverein des DönhoffSp��. ? «S; Kremierpartie der Mitglid nach . dem Grunewald und Wau,!ßzsl-' dieses Vereins war, aber durch G"' i ' Stunde I» Sm5 13? z. tttrie, I* S-A e durchs äs 8 war Mu'% H 1 unanS� SSk Ä am Snii�i<■" Partie von vornherein mitzumachen, grng i 0 Fuß nach. Unterwegs schloß sich ihm der Fischer aus Berlin an. Beide kehrten rm to T"«tailissement in Beelitzhof ein und verzehrten da- 91« J eint Portion Gänsebraten und zwei GlaS Bier. b«»i.n Bezahlen kam, war Schulze verschwunden. Fischer m km i?r>e eigene Zeche und gab an, den Schulze weder iß.,,'™, noch zu wissen, wo derselbe geblieben sei und gmg. Besinnen lief ihm aber der Kellner Lesch, der hatte, nach und hielt den Fischer auf der Straße Unh tir um Hilfe und nun kam Schulze herbergesturzt A.ohne weiteres den Kellner Lesch mit einer Stock- oder / über den Kopf, so daß dieser blutüberströmt und ..."uaaslos zu Boden stürzte. So ließen Schulze und 8" Ben verletzten Kellner liegen. Radfahrer und andere m sj/kn zu Fuß und zu Wagen brachte den Verletzten wieder °teser erzählte, was vorgegangen und nun wurden vre auch in gerinder Entfemung— sie hatten sich MIlerweile in einem anderen Lokale aufgehalten— Ä�bolt und gehörig durchgebläut. Der Kellner war Ak nt,! C 1 vn Schulze Rache übte und diesen durchprügelte. « A�/ellner sich entfenu hatte, wurde Schulze noch der- und-m geprügelt— besonders von einem Wagenführer iiwürf.»?, �vdfahrer—, daß er schwer krank nach Hause kam, U>„ �4 Tage in unterbrochener Schlafsucht lag, alsdann Minitl!"K" �haritec und dann weitere 14 Tage in der SdJS? Avrenanstalt zu Dalldorf zubrachte. Der Angeklagte ki, x vun die angebliche Zechprellerei dadurch aufzu- u,' er behauptete, den vielbeschäftigten Kellner wieder- Iii iu haben, um zu bezahlen. Da der Kellner nicht kam, um f J,""en Augenbltif nach dem benachbarten Lokale gegangen, _.'svcn, ob der von ibm aesuckte Verein dort sei. Als er zurück uOf K, 1 25, iM 'im nJx?'° ber von ihm gesuchte Verein dort sei. Als er zurück ibm hl:i wieder in das erste Lolal eintreten wollte, fei Fischer «Wim I i �siaegengekommen. Er sei nun in dem Wahn ae- %ti„' vaß Fischer die Zeche beglichen habe, und als nun der b�"�,vachgeiaufen gekommen sei und den Fischer angegriffen titict n! vr geglaubt, daß er und sein Begleiter das Opfer Älnn� werden sollte. Daß er heftig zu- tintn Ia-wl' ¥ darauf zurückzuführen, daß er vor 12 Jahren ihm erlitten habe, der eine hochgradige Neroosrtal bei »t�ckließ.®eit dem unglücklichen Rcncontre sei er überhaupt siine- Ä-�s�vungsfähia. Die damals verheilte Bruchstelle uui.tc��e s müsse durch die empfangenen Schlage wieder dj�°r»chm sein. Professor Dr. Falk begutachtete zwar, daß Tlbuh- allein in Betracht kommende Halswunde, die r-- � erlitten, zu einem Wiederaufbruch des alten Schädel- ige. f'(S', iim°eßti�°iu�mann den Unfu 9W/ die, butA x" genuine behauptete tC; Steile- �.daruberfahrende Wage, je Hochs, wieder hatte gerade leg! W 2 mal werd�K� stliche"./ Sfftirf h' viires sonderbaren groben Unfugs hatte sich weit_ �. ahematige Versicherungsbeamte Franz Wille- »ttoiim, f de dritten Ferien strafkammer des Landgerichts I zu 8*p.Ä- Am 11. März wurde am Krcuzungspunkte der zuiisA?n llraße und Charlotten straße das Asphaltpflaster änttfe m®clciien der Pferdebahn ausgebessert. Zu diesem llaub«,.»s. flu Theil des Pflasters aufgerissen und die so ent- Ter durch eine Anzahl Bohlen ausgefüllt worden. Ärett-t 8v'lagte machte sich nun den eigenartigen Spaß, diese zustelle. Art der Gewehre pyramidenförmig zusammen- schaff,,. zwar inmitten des Geleises. Nachdem der das fti x des ersten herankommenden Pferdebahnwagens den beseitigt hatte, wiederholte der Angeklagte dig zum großen Gaudium der Zuschauer, % olr, Schutzmann den Unfugstifter zur Wache führte. >tele der Angeklagte, daß er nur ...... Jagen in Unordnung gerathenen wieder hatte gerade legen wollen und er fände cS fluvnJchflttedfl, daß er für feinen an den Tag gelegten uoch bestraft werden solle. Seiner Ansicht nach Zn>ij!.< � Anerkennung. Die Beweisaufnahme ließ keinen Mwüni� der Schuld des Angeklagten, worauf ihn der Ge- fttjwit einer Geldstrafe von 5 M. belegte. . n.,""'" Oes z-anogencyis r. isege....... J Ü.etfafit2®nnteu Geschäftsleute ist das polizefliche Stra �ddela?,�...Zugeleitet worden, weil ihr Gewerbe als angesehen wird und demgemab zur �ischi.t% angemeldet werden muß. Gegen den V i e d r i ch Schröder war ebenfalls ein vtsA.A, ut erlassen worden, er beantragte aber richterliche vl»n und erzielte auch ein freisprechendes Erkenntmß Aerusä°l°lle>,gericht, gegen welches der Staatsanwalt indessen »istilli A.anlegte. Durch die Beweisaufnahme wurde fest- wir« der Angeklagte die Einrichtung von ganzen Komp- ffstebi x, u.u. s. w. übernimmt. Er besucht Auktionen und k>>iriA.,,�lbst solche Gegenstände, die er bei etwaigen Reu- weiß yUgen verwerlhen zu können glaubt. Es sind dies zu- �oiu.n I'aegenftön b e, wie Uhren, Vasen, Kronleuchter, SlttM«, u. 5 w. Diese Sachen barg der Angeklagte IN der �Uinim r fanes Hauses, in den zur ebenen Erde belegenen %.achic er dagegen eine zusammengewürfelte Menge !wna.su?'8faltigsten minderwerthigeren Sachen unter, wie !°lj,ei � Maaße, Waagen, Gewichte und dergleichen. Die -.... Art des Geschäftsbetriebes em lnahme, welche von dem Angeklagten als Mnn�'�ssend bezeichnet wurde. Nach§ 35 der Gewerbe- S°tte�.?edeute ein Trödelgeschäft den Kleinhandel mit alten so kf((' ffiti-> jud Kleidern, Metallgegenständen und Metallbruch. auch verpflichtet, über Ankauf und Verkauf der Hatu''l"de Buch zu führen. Alles dies treffe bei seinem Ge- wehe.,)*!.hu, er könne höchstens als Kaufmann, aber nimmer- vb der �.�vodler besteuert werden. Die Frage des Vorsitzenden, S-nstanx �klagte nicht auch einzelne der minderwerthigen Ge- ?us Verlangen abgegeben haben würde,.glaubte der °l> bat r«*rT. verneinen zu dürfen und das war für die Frage, «t>SsA, Geschäft als ein Trödelgefchäft anzusehen sei oder nicht, «N!»an°8gebend. Der Gerichtshof entschied sich mit dem SwalS- iQhiTv•, IM 0t 1"' äUil I SFi I I J�mbin,™ Sinne der Anklage und verurtheilte den Ange- �lbiw" unter Aufhebung des ersten Erkenntnisses zu einer . 3U u°n 15 M. Schiedsg-rlcht!« Unfallv-rstch-rungs- Seiuorh* �ann Jemand, dessen linke Hand völlig unbrauchbar �ichuen?'- � mit Recht als„völlig erwerbsunfähig" be- 9%rs r~ Dies war die Frage, welche im Fall des Ar- tan». u°vk das Schiedsgericht in Unfallverficherungssachen Uderewn�l die linke Hand völlig zu verlieren, so daß nach Ncnen Spender Begutachtung dreier.zu Rothe ge- winer Aerzie an eine Gebrauchsfähigkeit der zur Zeit Macht �ch eiternden Hand überhaupt nicht mehr (ktunb ,?.?den kann. Im übrigen ist Kläger mdessen völlig Mosse�?° dieser Umstand veranlaßt die betreffende Unfall- Sfchinc 1«�''bm 40 pCt. Rente zu gewähren unter der An- Mrleßt. nß, wie dies ja bei vielen in gleicher Wesse körperlich Hern beider streitenden Theile kommt am Ende noch m- O»%Lr°ube, als die Genossenschaft sich bereit erklart, leinen Angehörigen die gesetzliche Rente auszuzahlen. Versammlungen. Eine öffentliche Tapeziererverfammlnng tagte am Freitag, bei, 2. August, in Feuerstein'S Salon, Alte Jakob- straße 75, um Stellung zu nehmen zur Gründung eines Kon- kurrenz-ArbeitSnachweifebureauS, seitens des Allgemeinen beut- schen Tapezierervereins. Der Vorsitzende, Herr Friedmeyer, leitete die Debatte durch ein kurzes Referat, welches beifällig aufgenommen wurde ein und sucht der Versammlung die weittragende Bedeutung und deren Folgen, zu denen dieses Vorgehen des Allgemeinen deutschen Tapezierervereins dem Fachverein gegenüber, nothwendig führen müsse, klarzu- legen.— Herr Grätzel beleuchtet das durch nichts zu recht- fertigende Vorgehen des Allgemeinen Deutschen Tapezirer- verernS, welches in der Hauptsache sich gegen den Fachverein richte, noch des Weiteren und bezeichnet es als einen groben Verstoß gegen all und jede bisher von allen Arbeiterorganisationen hochgehaltenen Disziplin. Ein Gewaltstreich, eme Nichtachtung des Majoritätsbeschlusses sei es gewesen, durch welchen die Gründung des Allgemeinen Deutschen Tapeziervereins für Berlin durch Herrn Sander vollzogen wurde und ein fernerer Gcwaltftreich fei es nunmehr, wenn seitens der Mitglieder dieses Vereins mit 16 gegen 3 Stimmen die Gründung eines zweiten Arbeitsnachweise-Bureaus beschlossen wurde. Das Ar- beitSnachweise-Bureau des Fachvereins existire seit 1872 schon so lange, als eine Bewegung nach Existenzverbesserung unter den Tapezierern Berlins Platz gegriffen habe. Dieser Arbeitsnachweis würde von Mitgliedern des Fachvereins unentgelllich und tadellos sowie unparteiisch verwaltet und sei bis jetzt noch keinerlei Klage gegen dieses Institut laut geworden. Mehr und Besseres als der Fachverein könne keine Arbeiter-Vereinigung unter den gegebenen Verhältnissen leisten. Der Allge- meine Deutsche Tapezirerverein müsse aber auf Grund seiner ganzen Zusammensetzung gegen die Leistungen des Fachvereins meilenweit zurückbleiben. Durch diese be- absichtigte Gründung werde ein Keil zwischen die beiden Vereine getrieben, welcher ein friedliches nebeneinander Wirken für die Zukunft unmöglich mache.— Herr Sander giebt zu, daß an den Ausführungen viel Wahres fei, beruft sich aber auf den im Februar zu Dresden tagenden Tapezirerkongreß, welcher sich mit Majorität für die Gründung des Allgemeinen Deutschen TapezirervereinS ausgelprochen habe. Für ihn stehe aber der Kongreß, auf welchem Delegirte aus allen Theilen Deutschlands vertreten waren, höher als die Beschlüsse einer Berliner Tapezirer-Versammlung. Im Interesse dieses Kongresses und somit der Mehrheit der deutschen Städte habe er gehandelt, als er, entgegen dem öffentlichen Versamm- lungsbeschluß im Louisenstädtischen Konzerthause, die Gründung einer Filiale des Allgemeinen deutschen TapezirervereinS für Berlin vornahm, und in diesem Sinne glaube er auch richtig gehandelt zuhaben, wenn er dieser Filiale die Arbeitsvermittlung für Berlin sichern wolle. Die von auswärts zureisenden Kollegen würden in Zukunft größtencheils Mitglieder des Allgemeinen deutschen TapezirervereinS sein und müsse, um eine bessere Kontrole ausüben zu können, der ArbeitSnach- weis in den Händen der hiesigen Filiale sein. Der Fachverein sorge zu wenig für die wirklich Arbeitslosen, da jeder in Arbeit stehende Kollege sich einschreiben lassen könne und diese auch dann infolge dessen immer vorn stünden, um Arbeit annehmen zu können, wodurch die Zugereisten dann nothgedrungen zur Umschau in die Geschäfte getrieben würden. Letzteres solle in dem neuen Arbeitsnachweis vermieden werden.— Er(Redner) betrachte die heutige Ver- fammlung als eine Protestversammlung, erkläre aber schon jetzt, daß das Arbeits, rachweisbureau unter allen Umständen am 4. August, so wie beabsichtigt, eröffnet würde. In demselben Sinne sprachen sich noch die Kollegen Schäle und Engel aus. An der ferneren Debatte betheiligen sich die Kollegen Vaake, Freiwald, Gräßel, Friedmeyer und Wildberger, welche einmüthig protestirten gegen die mit der Gründung dieses Arbeitsnachweises verbundenen Zersplitterung der Ge- hilfenschaft und öfter von lautem Beifall der Versammlung unterbrochen wurden. Es gehöre viel dazu, so wurde ausgeführt, hier von deni Begründer der Filiale zu hören, daß sie Beschlüsse von öffentlichen Versamm- lungen, die nicht genehm seien, stets ignoriren werden würden. Ebenso kleinlich sei es, diesen Standpunkt damit rechtfertigen zu wollen, daß man einzelne Bestimmungen des ArbeitSnach- weises des Fachvereins zu bemängeln suche. Letzteres könne sofort, wenn allgemein für nöthig befunden, geändert werden.— Der Kongreß habe allerdings eine Zentralisation beschlossen, und habe damit nur bekundet, daß er organisiren und Einigkeit schaffen will; namentlich aber um die kleineren Städte in den Kreis der Organi- fation hineinzuziehen. Hier sei aber das gerade Gegentheil der Fall. Berlin habe vor dem Kon- greß bereits schon eine weit bessere Organisation besessen, als sie der Allgemeine deutsche Tapezirerverem jemals zu schaffen im Stande wäre. Die zugereisten Kollegen erhielten schon früher und auch jetzt noch von dem Fachverein Unter- ftützung und Arbeit nachgewiesen. Neu sei bei der Filiale des Allgemeinen deutschen TapezirervereinS nichts weiter, als daß sie sich, entgegen allen bis jetzt in der Arbeiterbewegung giltigen Regeln, über die Köpfe der Gehilfenschaft hinweg konstituirt und schon jetzt anfange, dem Fachverein den gewerkschaftkichen Charakter zu nehmen. Es sei dicS ein Zeichen der Schwäche und der Ohnmacht, wenn man auf diese Weise die Filiale lebensfähig zu machen suche. Die heutige Versammlung habe daher zu beschließen, ob es gerechtfertigt erscheint und sich mit den Grundsätzen der Gewerkschaftsbewegung verträgt, wenn Arbeiterorganisationen, die ebenfalls das Gemeinwohl zu fördern vorgeben, in dieser Weise die Gewerksgenossen zu zersplittern suchen. Mit allen gegen 9 Stimmen wurde als- dann folgende Resolution angenommen:„Die heute am 2. August in Feuerstein'S Salon zu Berlin tagende öffentliche Tapezierversammlung erkennt in der Gründung eines zweiten Arbeitsnachweises durch einen Theil der Gehilfenschaft einen der gröbsten Verstöße gegen die Gewerkschaftsbewegung bezw. die Arbeiterbewegung. Statt eine geschlossene Masse zu bilden, zumal wir ernsten Angelegen« heiten gegenüberstehen zur Verbesserung unserer Lage, zersplittert der A. D. T. die Gchi fenschaft. Die anwesenden Kollegen verpflichten sich, nur zu dem Arbeitsnachweise-Bureaux des FachvercinS der Tapezierer Berlins auch ferner zu halten und zu dessen Fahne treu und fest zu stehen."— Beim zweiten Punkt der Tagesordnung wurden die Orts- krankenkassen einer scharfen Kritik unterzogen und von jedem aufgeklärten Arbeiter der Beitritt zur Hilfskasse gefordert. Der Allgemeine Mrtallarbeiternerein KerUns und Umgegend hielt am Donnerstag, den I. August in Konrad's Restaurant, Charlottenbura, Berlinerftr. 89, eine Versammlung ab. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des Herrn Vogt- Herr über„Der Drang nach Selbstständigkeit." 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Ver- schiedenes, Fraaekasten. Kollege Ungar eröffnete die Versamm- lung um 9 Uhr und ertheilte zunächst Herrn Vogtherr das Wort. Derselbe schilderte, wie sich der Trieb, den eigenen Willen unabhängig von äußeren Machteinflüssen zur Geltung zu bringen, den er den Drang nach Selbstständigkeit nennt; seit den Uranfängen des Menschengeschlechts sich immer stärker entwickelte. Er führt aus, daß man diesen Trieb bei allen Lebewesen finde, wie dies Darwin's treffliches Buch„Der Kampf um'S Dasein" darlegt; schildert dann weiter, wie sich derselbe mit der Entwickeluna der Kultur immer deutlicher und entschlossener kundgab und besonders seit Gutenberg's Erfindung, welche die bis dahin hinter Klostermauern verwahrten Geistes- früchte von Jahrtausenden der ganzenMenschheit erschloß, sicb ofi den MachthabernmiterschreckenderDeutlichkeit bemerkbar gemacht habe, wie es die Bauemkriege im 15. und 16. Jahrhundert und die französische Revolution zeigen und knüpft hieran den Wunsch daß sich dieser Drang hauptsächlich auch auf religiösem Gebiet bethätigen möge, denn nur dann, wenn die alten Anschauungen vollständig aus dem Volke vertilgt sein werden, nur dann könne die Menschheit zu Freiheit, Recht und Frieden gelangen.— Durch Beifall lohnte die Versammlung dem Redner und sprach der Vorsitzende demselben NamenS der Versammelten seinen Dank aus. Da sich zur Diskussion Niemand meldete, sprach zu „Gewerkschaftliches" Kollege Klein. Derselbe weist in längerer sehr beifällig aufgenommener Ansprache darauf hin, wie noth- wendig eS sei, sich an gewerkschaftlichen Organisationen zu be- theiligen, welche sich die Aufgabe gestellt haben, ihre Mitglieder aufzuklären und deren Interessen zu wahren. Er verweist auf die Bergarbeiter, die nur deshalb unterlegen seien, weil sie nicht organisirt waren, und fordert daher auf, sich einem großen Ganzen, dem Metallarbeiterverein, anzuschließen. Mehrere Charlottenburger Kollegen er- klären, daß die Agitation in Charlottenburg mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, die ihr von der Polizei und von einflußreichen Personen bereitet würden. Die Kollegen Hopp und Hanuschke erklären, daß der Herausgeber der„Neuen Zeit", Herr Isaak, den Arbeitern feindlich gesinnt sei und alles thue, um eine Organisation derselben zu verhindern. So habe derselbe für eine einfache Annonze betreffs dieser Versammlung 9 M. verlangt: auch sei es fast unmöglich, einen Saal zu Versammlungen zu bekommen. Sämmtliche Kollegen betonten, daß eine Organisation der Metallarbeiter sehr nothwendig sei und versprachen, mit allen Mitteln für dieselbe zu agitiren.— Nachdem noch eine Frage, wer dem Verein beitreten dürfe, beantwortet worden war und eine Anzahl Kollegen dem Verein beigetreten waren, endete die Versammlung um Iii Uhr mit einem begeisterten Hoch auf die Arbeiterbewegung.— Am Freitag, den 2. August, ftagte eine Versammlung im Restaurant„Wedding", Müllerstraße 178, mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Becker. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes, Fragekasten. Der Vorsitzende Kollege Ungar ertheilte, nachdem das Protokoll der letzten Versammlung verlesen war, dem Referenten das Wort. Derselbe sprach über gewe kschaftliche Organisationen, und führte aus, welche Aufgaben sich dieselben stellen müssen, wenn sie das aufrichtige Bestreben zeigen wollen, die Lage der Arbeiter zu verbessein. Dieselben müssen an den schon seit langem aufgestellten Forderungen, deren erste der Maximal- arbeitStag ist, unverbrüchlich festhalten. Redner ging dann des nähern auf die einzelnen Punkte ein, besprach die auf dem Pariser Kongreß gefaßten Beschlüsse und verlas die betreffenden Resolutionen. In feurigen Worten führte er dann aus, daß, da die Unterdrückung der Arbeiter in allen Ländern der Erde in gleicher Weise fortschreitet und die Arbeiter allerorten immer mehrnnd mehr zurErkenntniß ihrerLageund dcrMittelzurAbhilfe gelangen, es dem Proletariat endlich gelingen werde, den Sieg zu erringen. Hierauf vertagte der Vorsitzende die Versamm- lung, behufs Aufnahme neuer Mitglieder, um 5 Minuten. Nach dieser Pause kam unter„Verschiedenes" die Angelegenheit der Hasse'schen Fabrik nieder zur Sprache und vemrtheilten sämmtliche Redner das Verhalten der daselbst noch arbeitenden Kollegen auf das Schärfste. Besonders zu bedauern fei, daß sich unter den letzlbezeichneten Personen Mitglieder des Metall- arbeitervereins befinden. Kollege Gutheit verliest einen dem „Deutschen Blatt" von Herrn Hasse zugesandten Bericht, welcher von ihm, sowie vom Kollegen Becker gebührend gekennzeichnet wird. Kollege Nikolaus kommt nochmals auf die Ausrede der noch Arbeitenden, sie hätten nichts gewußt, zurück und macht bekannt, daß ihm schon am Freitag Abend ein Kollege, der jetzt noch arbeitet, mitgetheilt hätte, daß Kollege Becker, wenn er zurück komme, nicht wieder anfangen dürfte. Ebenso werde es sich auch wohl mit den meisten an- deren verhalten, da ja mit Sicherheit vorauszusehen war, daß Kollege Becker gemaßregelt werden würde. Er bedauert es auf's Tiefste, daß Kollegen, die einem Verein angehören und politisch reif sein wollen, ja sogar für Kollege Becker gestimmt hätten, so allen Anforderungen.tzdic man an das SolidaritätS- gefllhl der Arbeiter stellen könne, in das Gesicht schlagen, und stellt es dem Verein anHeim, jene Mitglieder aus dem Verein auszuschließen, welches von allen, die noch zu dieser Angelege,- heit sprachen, befürwortet wurde.'Sämmtliche Redner legten der Versammlung ans Herz, die kämpfenden Kollegen opfer- muthig zu unterstützen.— Eine Frage, ob auch Hilfsarbeiter der Maschinenfabriken ic. dem Verein beitreten dürfen, wurde vom Vorstand bejahend beantwortet, worauf der Vorsitzende um IN Uhr die Versammlung schloß. Eine sehr gut besuchte öffentliche Tischleruersamnr- lung fand am Mittwoch, den 31. Juli, in Huth's Salon(jetzt Gottschalk), Badstraße 22, statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Wodurch sind wir im Stande, die Mißstände, welche immer mehr im Tischlergewcrbe eintreten, zu beseitigen. 2. Diskussion. Die Versammlung wurde geleitet von den Kollegen Mertens, Markmann und Witte. Referent Kollege Otto Thierbach.— Redner schildert zunächst die übermäßig lange Arbeitszeit, welche es ermöglicht, daß heute bei einer flotten Geschäftsperiode Taufende von Kollegen arbeitslos sind. Reder kam auf die Entwicklung des Maschinenwesens zu sprechen, welches heute erst zu einem Drittel seiner Vollendung vorgeschritten ist und daran schuld ist, daß iinmerZmehr Proletarier auf den Arbeitsmarkt geworfen werden, und daß der Arbeiter keinen An- theil an den heutigen_ Reichthum hat, während dem Kapitalisten alle Reichthümer in den Schooß fallen. Sollte unsere Gesellschaftsentwicklung so weitergehen, so würde eine Katastrophe herbeigeführt werden, welche kein ehrlich Denkender wünsche. Die Kinderarbeit in Augsburg Hot statistisch um 67 pCt. zugenommen, die Kinder müßten 8, 10 und 11 Stunden arbeiten. Es feien Arbeitskarten an Kinder von 12 Jahren und Arbeitsbücher an solche von 14 Jahren von den Fabrikanten ausgestellt. Dieses hat zur Folge gehabt, daß 66 pCt. in Bayern untauglich zum Militärdienst befunden worden, und die übrigen 34 pCt. theilweife noch fehlerhaft waren. Da unsere Regierung bis jetzt keine durchgreifenden Reformen für den Arbeiterstand gemacht hat, und selbst die internationale Konferenz, welche die Schweiz zur Einführung einer internationalen Fabrikgesetzgebung in Bern für alle eure» päischen Staaten einberuft, nicht beschickt, so ist es doppelte Pflicht des Arbeiters, sich zu organisiren. Die größte Organi- fation in Berlin sei der Fachverein der Tischler, dieser sollte sich jeder Tischler anschließen, um.durch Aufklärung und Be- lehrung eine feste organisirte Truppe»u schaffen, welche es er- möglicht, die Lohnfiage in die Hand izu nehmen und die A-- beitszeit womöglich auf 8 Stunden festzusetzen. Kollege Duhm bespricht zunächst die frühere freie Organisation und beklagt sic» dann über Wilhelm Schmitz, welcher in der Brunnenftraße vor öffentlicher Versammlung" erklärt hat, daß die Siebener Kommission, welche dort gewählt ist und eine VorbereitungS- kommission hätte sein sollen, jetzt doch eigenmächtig vorgegangen ist. Redner empfiehlt der Versammlung, einen Antrag anzu- nehmen, welcher daS heutige Bureau berechtigt, eine Versamm- lung im Zentrum einzuberufen mit der Tagesordnung: Trelcn wir dem Fachverein bei oder gründen wir eine freie Organi- fation, welche dem Fachverein Mitglieder zuführt? Thierbach berichtet, daß der Fachverein in Verbände Nord, Süd, West, Ost und Zentrum eingetheilt ist und noch wird, und daß so eine feste Organisation über ganz Berlin geschaffen werden soll, welche alle Tischler umschließt.— Kollege Markmann ergeht sich über die freien Organisationen, welche in Dresden, Hamburg und anderen Städten bestanden, und melde einem plötzlich aufflackernden Strohfeuer gleichzustellen sind. Ueberall ist man wieder zu einer festen Organisation zurück- gekommen. Redner bespricht dann den Werth des Fachverems, die Streikunter ftutzun g, den Rechtsschutz, die Bibliothek u. s.w. -und»eist auf die Schweizergarten-Versammlung hin, welche mit großem Enthusiasmus nur den Fachvercin als maßgebend anerkannte. Kollege Baumann empfiehlt den Fachverem und kommt auf Biesenthal zu sprechen, wo er früher gearbeitet. Von dort kommt alle Arbeit nach Berlin, die Arbeiter rekrutiren sich aus Biesenthal und Umgegend, dieselben seien so gedrückt, daß sie nicht das Reisegeld erschwingen können, um von da fort- kommen zu können, auch befürchten sie, ihre Stellen zu ver- deren, wenn sie gezwungen seien, wieder hinzukommen; die Sechsfüllungsthür kostet 4,50, Balkon thür 15, Kloset ILO, Krcuzthür 3, Doppelfenster 9, vierflüglicheS Fenster 3 Mark. Wenn nun Jemand 4 Fenster macht, dann hat er 12 Mark. Die Arbeitgeber in Berlin hätten selbst viel darunter zu leiden, die Arbeit wird ohne alle Maschinen in Biesen- � Kollege Duhm: Durch(die St stündige Arbeitszeit find 800 Gesellen mehr in Arbeit gekommen. Der Minimal- lohn-Tarif ist der Sturz der Lohnbewegung von 1884 und 1885 gewesen, wenn der Fachverem lauter solche Leute wie Rödel gezüchtet, dann wäre er gut, nur nach Rödel's Thaten soll man nicht handeln.— Kollege Mertens verliest zunächst die eingegangene, vom Kollegen Witte gestellte Reso- mtion:»Die heutige, am 31. Juli in der Badstr. 22 tagende öffentliche Tischlerversammlung erklärt sich mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden und beschließt inSgesammt, dem Fachverem der Tischler beizutreten." Die Resolution gelangt gegen eine Stimme zur Annahme. Hierauf zieht Duhm seinen stellten Antrag zurück. Kollege Wolf erklärt, er sei auch ischler, arbeite aber jetzt bei der Maschine, wo er sich besser stände und sei in zwei Fachvereinen. Von den Tischlern seien einige so arm, daß sie nicht mehr haben wie Pantinen, und müßten mit Pantinen zur Arbeit gehen, und mit Pantinen könnte man nicht in Versammlungen gehen. Im übrigen be- merkt er, der Kollege Duhm besitze ein gutes Talent, er solle sich nur anschließen. Nach dem Schlußwort des Referenten wurde die imposante Versammlung geschlossen. Nach Schluß der Versammlung haben sich zirka 30 Mitglieder einzeichnen lassen. Iintrat-Kr and»«,«nv Sterbekap- d»» D»idfch»n K«»»f»td»r. Kunde»(®. fc.) Verwallunft«stclle Berlin. Heute Abend 8 Uhr im Restau> .imit Weick, SIenmdcrstralie 81; Mitglieder■ und BcrwaltungS. Versammlung «auveretn der KUdhouer. Dienstag, den 6 August, Abends 9 Uhr, AesldttsUicheS. Reserat des Kollege» Dllpont über Mißstände im Gewerbe und Brrjckirbene«. Annenstr, IG. ZUtgemeine Kranken-«nd Kterbekass» der?r»ch«l»r Zlentsch- lond»(6. H,£6) Bezirk D. Arn Mittwoch, den 7. b. Sit., Abend« 9 Uhr, bei Slekcrmann. Lothringer straße 81: Mitglieder> Versammlung, Tagesordnung: 1.»vlsenberickt 2. Bericht der GeneralaScrsammlung, �Verschiedenes, zverein de« Berliner BuchdrneKer und 0chriftgi»sier. VereinSver- saimnluug am Mittwoch, den 4 August, Abends 8% Uhr, in OrschelS Salon, Sebastianstraße 89. TageSordnuna: 1 VerelnSmittbeilungen. 2. Tarisgelegen- Ketten. 8. Antrag der BibliothekSkommilston aus Geldbewilligung. 4. Angele, enheil der Schiistgieher. 5. Fragekosten. Die Versammlung wird präzise V Eli: eröffnet. Um pünktliche» und zahlrrichc« Erscheinen wird ersucht. «»fang-,«nrn- nnd gesellige Keretn» am Dienstag: Gesangverein .Guten birg' Abends NX Uhr im Restaurant Ouandt, SIralauerstrahe 43.— «esangverUn.Alpenglühen' Abends 9 Uhr im Restaurant Hildebrandt, Prinzen- strerhe 97.- Hchäserlchcr.Gesangverein der Elfer' AbcndS 9 Uhr bei Kols und«rüger, Skaliherslraße 126, Gesang.- Männergesangvercin.Gartenlaube' Abend» 9 Uhr im Restaurant Firk, Aotlbuserstrahe 22.— Gefangverein Bommrdia' tMännerchort Abends 8% Ulm im Restaurant.Teutonia', Bcl- sorterstrnhe IS.— Männergesangvercin.Eteinnelte' Abend« 9 Uhr im Nestau- nant Schulz, Stettinerstrahe 58— G7— Gesangverein.Harmonie' AbendS 8 Uhr in Reukmn'S Bierhau«, Große Frankfurterstraße 49.— MSnnergcsang- verein»Echo ll' AbendS 9 Uhr im Restaurant Drillhose, Rosenthalerstrahe Air. U— 12— Gesangverein.Sängerhain' Abends 9 Uhr im Restaurant «»isrr granz Grenadierplah 7.— Gesangverein.Bruderherz' UcbungSstunde Abrnb« von%-ll% Uhr. Ausnahme neuer Mitglieder.— Gesangverein.Hoffnung Moabit' AbendS NX Uhr WilSnackerstrahe 63 im Restaurant IlgeS.— Gesangverein.zelicitll«' AbendS 9 Uhr im Restaurant Ncbelin, Sangestrahe 106. — Männergesangverein.Olympia' AbendS 9 Uhr im Restaurant Gerth, Prinzen- Arahe 106.— Gesangverein.Liedcrlust' AbendS 9 Uhr im Restaurant Lehmann. Rminynftrahe 44.— Männergcsangverein.Accordta' AbcndS 9 Uhr bei Weick, Aleranderstrahe 31— Gesangverein Ludwig'scher Männerchor AbcndS l» Uhr Ltnbenftrahc 106 bei Poppe, UebungSstunde. Gäste sind willkommen.— .Deutsche Liedertafel' AbendS 9 llhr Oranienstraße 190.— Zithcrklub.Amphion' Äbrud» 9 llhr tn TriebellS Restaurant, Hoher Steinwcg 15.— Turnverein Lrvh und Frei' lMännerabtheilung) AbendS NX Uhr, Bergstraße 57.— ÄcrÜnrr Turngenosscnschast lFünslc Männerabtheilung) AbendS NX Uhr In der städtischen Turnhalle, Wasserthvrstr. 31.— Turnverein.Hasen- Haide' lMänncr-Ablheilungl AbcndS 8 Uhr, Dieffenbachstr. 60-61,— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gemeindeschule Abend« 9 Uhr im Restaurant«inner, «öpotckrrftr. 88— Arendsstcher Stcnagraphenvercin.Apollobund' Abends «x llhr Brunnenstrabe 129».— Arendt' scher Stenographrnvcrein Abends NX Uhr KnRÄaurmrt.Zum eisernen.Kreuz', Lindenstr. 71.- Deutscher Verein Arendz- scher Etenogravbc» AbendS NX Uhr in Randel'S Restaurant Brunnenstr. 129». scher Stenogravden Adendö 8% Uhr in Randei 8 Restaurant Brunnenstr. 129». — verein.Rae' AbcndS NX Uhr im Restaurant Elhe, Aterandrinenstr. 99.— Nnterhaltungioercin.Harmonie' AbendS 8 Uhr Ettenbahnstr. 36b, im Restaurant von Liebe.— VergnügungSoerein.Mollig" AbendS 9 Uhr im Restaurant Retnicke, GtpSstraße 3, jeden Dienstag nach dem 1. und 15— Zitherklub .Amphion' AbcndS 9 Uhr im.Münchmer Hos' Spandauerftr 11-12- «auchklud.Zum Wrangel' AbendS 8 Uhr bei Herschieb,«dalbertstr. 4.- Rauchklub.Deutsche Flagge' AbendS 8 Ubr im Restaurant Händler, Wrangel- strohe 11.- Rauchklub.FrledrichShain' Abend« 9 Uhr im Restaurant«ipplng SandSbcrgerstr. 116».- lliauchklub.Lustige Brüder' AbendS 8X Uhr bei Grolhe. Äürstenberqerstr. 2- VergnügungSoerein.Fröhlichkeit, Grüner Weg 29 Grobe GeiellschastSftunde. verbunden mit Vorträgen. Gäste will. lkomM-n. Entrer frei.- Tambourverein.Eedan' Sifcung Abend« NX Uhr. Grüner Weg 9—10. SzsreihfÄsl. Dir Redaktion stellt die Benutzung de« EprechsaalS, soweit Raum dasür abzu- nebrn ist, dem Publikum zur Besprechung von Angtlegenhcite» allgemeinen JntcirffeS zur Verjügung:»e verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt deffctbcn identisizirt zu werden Wie bereits in breiten Schichten der Arbeiterwelt bekannt fein dürste, wurde bei einer am 29. Juni früh unvennuthelen Kassenrevision, vorgenommen von 2 Mitgliedern des Vorstandes vom Spar- und Kreditverein Harmonie, in der Wohnung des Rendanten des betreffenden Vereins» Herrn Karl Baresel, Wienerstraße, eine Unterschlagung, die nach genouer Berechnung 1620 Mk. beträgt, entdeckt. Roch meiner Meinung gehören derartige Betrüger, wo Fluchtverdacht aar nicht ausgeschlossen ist, hinter Schloß tssid Riegel. Herr Baresel, der sich so gern in jedem Verein, wo es nur immer anging, in das Vertrauen der Mitglieder einschlich, um als Vorstandsmitglied eine Rolle zu spielen, hat das ihm bisher geschenkte Vertrauen auf eine wahrhaft gemeine Weise gemißbraucht. So zum Beispiel wählte ihn die Kranken-UnterstützungSkasse des TifchlervercinS wiederholtzum zweiten Vorsitzenden. Er drängte sich in den Vorstand der Zentral-Tischlerkasse, wo er sich auch ats Delegirter für die Ortsverwaltung zum Kongreß dieser Kasse wählen ließ; weiter war er thätiaim Sanitätsverein, von anderen Sachen vorläufig zu schweigen. Bei dem im vergangenen Winter abgehaltenen Klavierarbeiterkommers drängte er sich förmlich an die Person des Abgeordneten Herrn Singer und der Auftritt am Schlüsse des besagten Festes wird wohl noch manchen .Kollegen im Gedächtniß sein. Damals wollte ich nicht daran glauben, heute halte ich Herrn�Baresel zu Allem für fähig. Es gehört wirtlich eine eiserne Stirn dazu(der Herr ist jetzt zu sagen: Wenn sich jedes Mitglied 30 M. ab- schreiben läßt von seinem Guthaben, so ist das Loch gestopft (seine eigenen Worte). Diese Zumuthung Kollegen gegenüber, die 40—60 Wochen brauchen, um sich diese Summe abzu- darben!! Zur Sache: Ich hatte die Absicht, in der Generalver- sammlung diesbezügliche Anträge zu stellen und erkundigte mich beim Vorstande persönlich nach dem Datum, das am Donnerstag, den 18. Juli, noch nicht festgesetzt war. Ich erhielt den Be« scheid, daß wir Alle benachrichtigt würden. Inzwischen ist die Generalversammlung am Donnerstag, den 25. Juli, abgehalten worden, wovon ich erst am letzten Sonnabend Kenntniß erhielt. Ob«S nun ein ausgesuchtes Haustein getreuer und dem Schicksal ergebener Freunde waren, welche nur Einladung erhielten, lasse ich dahingestellt. Mir ist irgend eine Aufforderung dazu nicht zugegangen. Anwesend sollen nur achtundzwanzia Mitglieder gewesen sein, und da der Vorstand in diesem Falle ein. grobes Versehen be- gangen hat(die Gründe mögen leicht zu finden sein), so fordere ich alle Mitglieder und Kollegen auf, welche ebenfalls ohne Einladung per Postkarte geblieben sind, ihre Adressen dem Unterzeichneten zur Kenntniß zu bringen. Ich bin gewillt, eine neue Generaloersammlung beim Vorsitzenden Herrn H. NöSke zu beantragen, um mein Recht als Mitglied wahrnehmen zu können, indem ich Herrn Baresel nicht zu fürchten— brauche. Achtungsvoll Karl König, Tischler, Gitschinerstr. 34, vom 4 Treppm. Msuefle Lkaihrirhken. Jrf„Reich« Anzeiger" enthält folgende Bekanntmachug: Auf Grund des§ 12 deS ReichSgesctzeS gegen die gemein- gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokiatie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, rit der Ueberschrift:„An die Ar- daß das F l u g b t a t t mit... beiter, Handwerker und kleinen Beamten des 6. Berliner Reichstagswahlkreises", und den warten;„Hundert Jahre sind jetzt verflossen, seit dw7*° Volk mit stürmender Hand ic." Wnnahe deS»Mr „------- Ohne Angabe des-• u und Verlegers, nach_§ 11 des gedachten Gesetzes Unter eichneten von LandeSpolizeiwegen verboten i Berlin, den 4. August 1889. Der Königliche Polizei- Präsident. Freiherr von Richthofen. VriefLtÄlsten« Li# Bei Anfragen bitten wir die Abonncments-Ouittnng bcizusllgeir Antwort wird nicht crtheilt. M. Kchmitz. Der betreffende Herr, an den Schreiben adressiren, hat mit den Inseraten K Es wird jedoch dafür gesorgt werden, daß M stellungen der Gnrnd entzogen wird, falls ein N™ � Haupt vorhanden ist. Im Uebrigen müssen Sie„ daß uns Drohungen irgend welcher Art fchreoen-. Ihnen Unrecht geschehen ist, so verlassen Sie sich daro 1/ Ihnen Genugthuung zu Theit werden wird. 12. Zithnitg der 4. Klasse 180. Köm gl. Preuß. Lotterie. Zicbung vom 5. August 1889,«»rmiee-g«. Rur die Gewinne über«»V Marl sind den betreffende» Nummern tu Porentheie beigefügt. (Ohne Gewähr.) 132 345 434 678 660 1012 62 337 65 81 439 602 775 986«101 20 247 67 362 77 409 47 94 626 3012 161 222 63 316 27 78 8 3 568 83 98 620 98 746 87 869 960 69 96 4028 105 31 68 236[3000] 303 53 97 513 76[3000] 94 766 88 949 97 5231 358 938 85 93«186 88 208 308 9 87 404 22 516 627 35 43 95 724 809 948 7029 57 220 83 416 69 599 706 870 950 60 65 8039 73 98 313 46 54 78 608 19 726 65|830 48 75 918 67[30. 0]»220 319 44 698 1«081 444 517 29 89 834[1600] 68[300] 92 907 11070 106 236 79 492 559 685 99 794 811 18 51[3000] 962 1«171 201 3 70 398 405 531 62 635 45[500] 794 996 1.1064 III 281 1300] 301 8 604 12 78 92 848 58 64 938 1 4023 212 36 66 324 426 37 72 620 770[300] 801 18 15062 209 326 507 48 92 627 44 707 30 60 845 64 1«0.44[300] 97 114 231 84 354 95 462 621 771 887 941 94 1 7033 134 43 243 422 720 960 1*023 105 261 334[600] 47 484[3000] 615 706 800 60 1»258 303 422 78 530 633 42 922[500] ««113 36 68 71 383 502 33 905«1045 299 418 65 518 65 652 77 90 751 866 918 82»»025 36 107 55 60 240 67 70 332 406[300] 32 614 38 615 707 17 943»»147 53 255 87 89 355 98 714[300] 30 34 52«4092 211 92 336 91 517 24 633 85 716 67 811 96«5131 266 313 451[500] 706 40 800 912 60» 6299 319 472 650 672«7162 63 284 394 697 726 »*210 93 426 606 26 48 986[300]»»094 606 19 62 607 730 77 863 943 72 »«081 96 1300] 150 63 335 574 614 847[500] 908 8 1 579[3000] 630 42 58 867»»062 102 268[3000] 409 15 596[500] 67895 908»3145 78[500] 213 88 402 80 542 817 50 964»4007 67 113 39 63 66 69 81 273 8) 385 95 406 687 745 79 84 805 830039 108 290 780 807 55 88 921 64»«.04 419 65 500 711[1500] 59 846 3 7214 317 561 80 608 14 835 3*098[500] 100 1 60 294 359 496 98 601 32 93 764 97 984 97 »»096 100 240 331 42 457 79 659 704[1500] 836 933[500] 43 64 4«137 249 462 90 666 94 690 702 16 50 806 23 65 945 41135 476 535 1500] 684 882 961 52[300] 70 90[3000] 4»277 317 44 513 20 79 694 946 4 3052 233 324 457 85 501 35 62 87 602 73 724 886 978 44420 70[300] 604 779 837 970 4 5038 160[3000] 287 573 638 93 714 74 837 45 40133 61 82 448 93 513 90 917 20 96 4 7398 414 626[3001 56 708 806 62 921 53 96 4*114 52 277 94 390 97 628 893 908 55 4 0066 324 27 60 468 684 835 918 5«139 335 474 511 13 885 5 1 072 77 140 232 90[3000] 379 428 41 572 618 710 169 907 5«048 75 307 94 423 44[1500] 53 606 733 842 [600] 56 5 3017 61[500] 60 61 74 82 96[500] 300 416 20 36 689 690 921 54:186 403 14 16 564[3000] 718 861 5 5037 159 209 37 365 535 16001 58 91 671 96 963 5 0034[560] 147[1500] 366 401 516 677 775 93 924 [3000] 5 7012 59 121 288 422 39 42 512 618 33 40 66 974 5*281 85 326 38 414 502[3000] 61 90 612[600] 24 776 99895 5»122 203 424 615 68 632 70 831 52 O«60.) 171 72 74 94 271 323 428 529 58 91 628 67 62 72 724 41 818 996«1166 216 889 593 752 818 63[3000] 78 979««032[1500] 191 244 75 321 432 623 83 916 72«»013 37 112 96 584 657 702 79 803 77 [1500]«4041 156[300] 250 439 662 78 766 857 973«5003 17 27 91 233 39 413 33 744«»168[1500] 227 310[3000] 60 505 613 93 710 13 [500] 27 880 970«7052 160 268 70 431 46 76 98 620 59 846 956 65 98 6*057 68 t-6 121 259 425 597 763 69 837«»010 44 67 146 220 82 400 45 62 553 74 681 774 76 913 31 56 7«050 171 268[500] 429 82 88 513 618 729 924 7 1 053 136 372 441 95 503 19 36 64 91 640 45 47 85 748 806[30001 61[500] 947 7«019 132 230 53 76 375 90 553 612 31 945 99 7»058[300] 272 98 343 418 613 27[3000] 748 825 73 966 7*040 45 60 86 207 537[3000] 600 31 •[oOO] 767 973 7»239 64 438 967 80013 84 140 48 330 789 939[500] 67 81131 54 244 457 683 746 56 930 81*»019 1500] 31 144 537 45 56 698 877 912[1500] 38 8»271 99 315 596 629 77(3001 78 870 97 987*4215 89 317 496 523 76 638 *50.13 85 326 97 858 988 95*«002 134 233 342 712 99 823 70 95 953 *7110 330 600 44 57(30001 925 53 88**030 136 206 91 308 453 586 [15001 92 96 13000] 677 701 17 37 60 64 74 800 84[300] 915 99[300] *»143 84 311 12 49 94 420 72 776 78 871 990 »«113[300] 695 806 54»1246 319 70 761 847»»034 200 371 678 12. Sitljimii der 4. Klasse 180. Königl. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 5. August 188S, Sinit»»itlng4. Rur die Gewinne»der»1« Mark sind den detregende« Rummer» »> Parcinheie beigefügt. (Obue Gewähr.) 46 362 661 888 1113[500] 36 15«««] 43 404 740 828 913«054 108 222[3001 25 42 11500] 354 630 67 060»012[300] 48 54 59 210 89 389 11500] 477 81 656 79 91 740 801[5001 31 64[3001 923 65 98 4262 348 532 66 77 615 951 67 5061 373 434 39 61 68 80 570[300] 726 83 952 95«107 99 345 75 90 406 556 615 53 706 843 9.2 92 7001 21 70 101 17 260 439 651 66(15001*096 231[3000] 42 361 75 476 65» 74 603 21 85 115001 794 804 17 47 959»052 122 61 230 69 397 462 855 10047 128 92 279 88 493 99 581 936 41 64 1 10:30 42 107 273 465 70 516 31 674 814 36 67 902 35 1»U30 555 607 16 42 46[1500] 50 719 41 44 82[300] 811 915 28 13193 272 92 611 99 752 62[300] 14111 24 30[5003 73 207 392 622[3000] 633 90 858 971 15005 47 70 IUI [3000] 215 423 42 620 88 13000) 830 985 1 6022 26 47 177 91 11500] 309 432 83 627 750 84 882 961 17288 537 742 97 978 98 1*216 18 90 328 453 737 42 53 803 1*043 79[SOOO] 97 130 388 457 74 86 619 '''»«025� 95 177 29 341 60 400 50 97 514 16 41 69 625 84 86 719 44 49 u5 77 85 91 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Druck und Verlag von Mo» Babing in Berlin 8W., Beuthstraße 2.