"gä s». •.otrtin 0# 3-61. (ftouti lobunb -ja ■CÄfl ärunntn»'" iibtinen»tJ»j. 36b, jr im im-« >»-188. Mittwoch, de» 14. Augult 1889. S.Jichrsl. utrftt. ii-i» B chMMlisdlM I Brgsn snr die Interessen der Arbeiter. «fikn, r, j. Das„Berliner Voltsblatt" »Tk�.'Iwlch Morgens außer nach Sonn- und �esttagen.�Abonnemei�Spre� fur Berlin� ft« aus unserer Quartal. x---- 4 Läglich Kreuzban I iwenfioWt M......... c", 3?!,'. � für die finsteren Pläne, welche vir � �iben T t-T der Lohnbewegung verfolgen, aufzu- W MOMSSZ-- pro Monat. Jnsertionsgebühr WWWKWK« Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr"Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Ztr. 4100.,- Vevskkion: VeukhflvaTe S.— Expedition: Mmmeeptentze 44. �in neuer„Neiveis"! MSMW �»�nenis-Cinladung von diesem Frühjahr die erste .'Hannöv. Kourier" ist eS nun gelungen, einen für die finsteren Pläne, welche die MI 3iSES inibrig»?� ÄniL a"""P'a' ovn,i|v äer Ks« �»L�fcch machen können, als etwa daS Geschreibsel nifkl Jliki v»®b. Kartellpresse, laßt�sich also vernehmen Fjo 5 3*"'' hfititj"' Kannte Hannoversche Blatt, daS bekanntlich seine 'ibitQfp» �»keuchtung von dem„Besten" der National- el»cht �,»»hält, dessen Auslastungen also— wenn auch i* üf■■ � Werth— so doch als Stimmungsbilder„maß- � aemafeiot«nlttifdbpr Kreise" auf gemäßigt politischer Kreise" auf mehr Be- sehr beachtenswerthe Mittheilung machte der sozial- alückliä�F-"i ifj m]ch»» Reichstagsabgeordnete Wollmar zu München ttm t»»sawniluna des Vereins für volkstbümlicke Wahlen: Nten geren .treue > Lr/ o'finbiJ�wjnlung des Vereins für volksthümliche Wahlen; "" �hn6emp„""wlich an, daß mit den letzten Ausständen die Ä �"9 nicht abgeschlossen sei, daß dieselbe vielmehr M Äl= ' cv.»rbeherausftänbe dieses Jahres, wie die für das Ä' bieWh angekündigten sozialdemokratischen Ursprungs ?n ganz anderes Aussehen, eine ganz andere gewinnen. Denn dann sind diese Arbeitsein- H ier und u- lge'ze'»'cht mehr die äußerste, aber doch gesetzlich kt�dtin der Lohnkämpfe, nicht mehr eine Folge des bijjl?ÜdH�SwShrten KoalitionsrechtS�behuf/ Erlangung festerer lW N i/�fez>, Hungen, sondern sie sind eine neue Form des Msilick», Sozialdemokratie gegen die bestehende wirth- Und gesellschaftliche Ordnung. Das„Berliner Ott" macht sich zwar der Arbeiter-Ausstände, seinem Parteifreunde lustig über diese aber es mag sich Vollmar bedanken, urthe'lt' H ein-"1* gegen die heutige Gesellschaftsordnung, so � die pudere Behandlung derselben zur Nothwendigkeit v" n g b e 9» der Unterdrückung und V e r h i n d e- .»d nuck J Ausstände eine immer brennendere werden. «""Wf dethörten Arbeiter werden, wenn sie zur Er- Sf biirrfi».wmen, daß all' die Roth und das Elend, welches ffsern� Ausstände über sich herausbeschwören, nicht eine � ihres Looses herbeiführen solle, daß die Ausstände 4. SUtOd*' .d«. � % % R H rmA'% a�V neu,'�in S> S�5J' i»" �9» j:" sich»"' v,, Feuillekon. ®nliottn.]_ [38 n Gpllvmsnprh. Roma» vo» Maurus Ztkai. Achtes Kapitel. T i m e a. f�dne Brautkleid im Staube liegt! 4 c w des Hochzeitsschmauses folgte das Todtenmahl. �es gestickten Brautgewandes kam das Trauer- Nst.' Die Farbe, welche Reich und Ann gleich- Y%Iie und Timea werden beide gleich gekleidet— �»uerfu�d wenn die Trauer nur im Tragen der schwarzen destünde! Mit dem plötzlichen Tode ves 5'» nn, q. �uus kamen die Unglücksraben angeflogen, so in(q»1�» eines Wintersturmes die schwarzen Krähen " mngen Reihen auf die Hausdächer setzen. Ken S? Rabengekrächze war, daß der Bräutigam ■nb'i>B die Leidtragenden, ob sie nun vornehm oder arm gleite t-" Podien zu Fuße und mit entblößtem Haupte das V bis Friedhof geben. Es feblte nicht an solchen. K> k»% Katschuka wegen dieser Handlungsweise tadelten Men' �ktische Motivirung nicht für eine Entschuldigung S Zibben, daß ja, nachdem Herr BrazovlcS seinerseits Ihr glnf ?UcK�9 nicht'eingehalten hatte, die Mitgift von hun- 1 den zu betrachten. Es giebt nun einmal so vielmehr nur zum höheren Ruhm der Sozialdemokratie inszenirt sind und nur Vorstöße gegen die freilich auch nach Bebel'scher Ansicht noch widerstanossähige Gesellschaft be- deuten sollen, es sich wohl in Zukunft doppelt überlegen, ehe sie sich wieder zu einer Arbeitseinstellung hinreißen lasten, deren Erfolglosigkeit um so wahrscheinlicher wiro, je mehr vielleicht an sich berechtigte oder doch zu erörternde Forde- rungen mit Versuchen, sozialdemokratische Theorien in die Wirklichkeit zu übertragen, verquickt werden. Noch aber darf man fragen, woher kommt dem Abg. Vollmar diese Wiflenschaft? Sollten doch in Paris vielleicht Ab- machungen in dieser Richtung getroffen worden sein und an Stelle des für unpraktisch erachteten Universalausstandes, der in der That auf dem Kongreste beantragt war, dessen Verwerfung aber die deutschen Delegirten durchsetzten, der Ausbruch vereinzelter, aber möglichst gleichzeitig eintretender Ausstände für die einzelnen Länder vereinbart worden sein? Das ist mehr als wahrscheinlich, mag auch das„Volksbl." alle Nachrichten über geheime Verabredungen unter den zum Pariser Kongreste zusammengeströmten Sozialrevolutionären für Lug und Trug erklären." So das Organ des Herrn von Bennigsen! Manche Wendungen aus den vorstehenden Ausfüh rungen werden unseren Lesern ebenso bekannt sein, wie sie es uns auch sind' ein wiederholtes näheres Eingehen darauf wäre zwecklos. Das Unternehmerintereste bedingt es nun einmal, den Arbeitern daS Bestreben nach besseren Arbeits- bedingungen so viel alS möglich zu verleiden und zu er- schweren. Da eS nun zur Erreichung dieses Zweckes kein probateres Mittel giebt, als den Arbeitern die Polizei und übrige Staatsgewalt auf den Hals zu hetzen, so versteht es sich von selbst, daß in Blättern vom Schlage des„Hann. Cour." die Behauptung: die Lohnbewegung sei ein Werk der Sozialdemokraten und ein von diesen organisirter Vor- stoß gegen die heutige Gesellschaftsordnung, immer und immer wiederkehrt. Wie die Dinge in Wirklichkeit liegen, wissen unsere Leser, und wir brauchen deshalb nicht weiter darauf einzugehen. Anders dagegen steht es mit den Versuchen, für die von den Gegnern aufgestellte Behauptung über die angeb- liche Rolle, welche die Sozialdemokratie in den Streiks spielen soll, Beweise aus dem sozialdemokratischen Lager selbst beizuschaffen. Ueber die Fruktifizirung un- serer vielgenannten Abonnements- Einladung haben wir uns bei früheren Gelegenheiten schon genügend geäußert und den Mißbrauch und die absichtliche Mißdeutung, die an die- selbe geknüpft wurden, an den Pranger gestellt. Wenn aber jetzt eine Aeußerung von Vollmar'S herhalten und so ge- wistermaßen unsere Abonnementseinladung ablösen soll, so ist das nur eine neue Form für den alten Schwindel. Ja wohl, Schwindel und nichts weiter ist es, was der „Hannöversche Kourier" mit der angeblichen Aeußerung Voll- mar's treibt; denn selbst wenn dieselbe so gelautet hätte, engherzige Leute, welche für ein derartiges Zurücktreten gar keinen Entschuldigungsgrund gelten lassen wollen. Dann kamen die Raben zu Haus und setzten sich aus den Dach- first des Brazovics'fchen Hauses. Ein Gläubiger nach dem andern erschien und verlangte sein Geld. Und nun stürzte das ganze Kartenhaus ein. Der erste Gläubiger, der das Wort„Prozeßweg" aus- sprach, blies das Haus Brazovics über den Haufen. Ein- mal ms Rollen gekommen, hielt die Lavine nicht inne, bis sie am Fuß des BergeS angelangt ivar. Es stellte sich heraus, daß die Befürchtungen des Bräutigams, der sich salvirt hatte, nur zu begründet waren; in dem Geschäfte des Herrn Brazovics figurirten so viele anscheinend vortheilhaste, in Wirklichkeit aber Verlust bringende Unternehmungen, irrige Kalküle, vertuschte Schulden, imaginäre Gewinnste, daß, nachdem Ordnung in dieses Chaos gebracht war, das ge- sammte Vermögen zur Befriedigung der Forderungen nicht ausreichte. Noch mehr, es kam auch zu Tage, daß er selbst solche Gelder verausgabt hatte, die ihm auf Treue und Glauben waren anvertraut worden, Waisenkapitalien, Kirchenstiftungen, Spitalgelder, die Kautionen seiner Kom- missäre. Bis über das Dach des Hauses schlugen die Fluthen über einander, und diese Finthen führten Schmutz und Schlamm mit sich; was sie zurückließen war— Schande. Auch Timea verlor ihr ganzes Vermögen. DaS anver- traute Waisengut war auf keine Liegenschaft intabulirt. Täglich kamen jetzt Advokaten, Magistrathsräthe, Exeku- tionsrichter ins Haus; sie versiegelten alle Kasten und Schränke; ste fragten nicht erst bei den Damen an, wann es erlaubt sei, ihnen aufzuwarten; unangemeldet stürmten sie zu jeder Stunde des TageS herein, durchstöbetten alle Gemächer und ergingen sich in Schmähungen und Verwünschungen des Ver- storbenen so laut, daß die trauernden Frauen es hören mußten. Alles, was sie im Hause fanden, wurde der Reihe wie sie das nationalliberale Blatt wiederqiebt, dann wäre das noch lange kein Beweis dafür, daß die Ausstände nur zum höheren Ruhme der Sozialdemokratie inszenirt sind und nur Verstöße gegen die bürgerliche Gesellschaft bedeuten sollen. Freilich, warum der„H. K." die Aeußerung Voll- mar's gar so tragisch nimmt, sich wenigstens den Schein giebt, dies zu thun— verrätst das Blatt sofort mit aner- kennenSwerther Offenheit selbst, indem es im Anschluß daran die„Frage der Unterdrückung und V e r h i n d e- rung der Ausstände eine immer brennendere werden läßt." Da liegt also der Haase im Pfeffer! Um den Arbeitern daS Koalitionsrecht wieder entziehen zu können, deswegen werden die krampfhaftesten Versuche gemacht, einen angeb- lichen Mißbrauch dieses Rechtes durch die Sozialdemokraten nachzuweisen. Daß es dabei auf eine Hand voll Lügen nicht an- kommt, ist selbstverständlich und trifft auch in unserem Falle zu. Unsere sofort, als uns die erste Notiz über die Rede unseres Genosten zu Gesicht kam, aufgetauchte Vermuthung, daß es sich wieder um eine der gegen unsere Partei nur allzu häufig geübten Fälschungen und Verdrehungen handelt, hat uns nämlich nicht getäuscht. Aus dem Berichte der Münchener„Neuesten Nachr.", also eines Blattes, welches den Sozialdemokraten ebenso wenig gewogen ist, wie das Hannoverschen Kartellorgan, ersehen wir nämlich, daß Vollmar kein Wort davon gesprochen, daß die Lohnbewegung „nächstes Jahr wieder gleichzeitig allgemein ausbrechen werde." Die Aeußerung Vollmars hat nach dem Bericht des Münchener Blattes vielmehr gelautet: „Die Lohnbewegung ist heuer noch nicht abgeschlossen, ihren Gipfel werde sie erreichen mit einer gleichzeitig und am gleichen Tage stattfindenden Kundgebung." Hinter diesem Satz findet sich in dem Bericht der„N. N." folgende Bemerkung:(Bekanntlich beschloß der internationale Arbeiterkongreß[Marxistenj in Paris, in den größeren Städten des europäischen Kontinents und Amerikas am 1. Mai 1890 zu Gunsten des lOstündigen Normal- Arbeitstages und der Arbeiterschutzgesetz- gebung durch eine gleichzeitige Kundgebung zu demonstriren.) Hierauf wird die Versammlung geschlossen. Herr von Vollmar hat also mit keiner Silbe von einem gleichzeitigen und möglichst allgemeinen Ausstand gesprochen, wie ihm unterstellt wird, sondern nur von der auf dem Pariser Kongreß für den nächsten ersten Mai beschlossenen Kundgebung zu Gunsten der Arbeiterschutzgesetzgebung. Wenn er im Zusammenhang mit dieser Kundgebung auch der Lohnbewegung gedachte, welche mit ersterer ihren Gipfel erreichen solle, so kann nur Unverstand oder Bosheit in dieser Wendung des Redners, die Ankündigung eines„all- gemeinen und gleichzeitigen Ausstandes" finden. Herr von Vollmar, der sich gleichwie jeder klare Sozialdemokrat, nach vorgenommen und abgeschätzt bis herab auf die Bilder, mit und ohne Rahmen, selbst das Brautkleid ohne Braut entging diesem Schicksal nicht. Und dann bestimmten sie den Tennin und ließen ihn auch am Hausthor anschlagen, an welchem alles das öffentlich versteigert werden wird; Alles— auch das schöne gestickte Brautkleid nicht ausge- nommen.— Zum Schluß das Haus selbst und wenn eS verkauft sein wird, dann können die bisherigen Einwohner ihren Weg gehen, wohin es ihnen beliebt und die schöne Athalie mag zum Himmel aufblicken und fragen, wo sie hinfort ihr stolzes Haupt hinlegen wird. In der That: wohin? Sie die verwaiste Tochter eines bankerott gewordenen Betrügers, der man nichts gelassen, selbst nicht ihren guten Namen, der wohl Niemand wohl will— sie selber nicht! Von allen Kostbarkeiten, die sie besessen, sind ihr nur zwei werthvolle Andenken geblieben, welche sie vor der Beschlag- nähme versteckt hatte: eine Chalcedon-Dose und der zurück- geschickte Verlobungsring. Die Chalcedon-Dose hatte sie in die Tasche ihres Kleides gesteckt; wenn sie dann des Nachts allein war, zog sie dieselbe hervor und betrachtete die darin befindlichen Schätze. Es waren dies allerlei Gifte. In einer bizarren Anwandlung hatte Athalie auf einer Reise in Italien sie gekauft. Im Besitz dieses Schatzes glaubte sie der Welt trotzen zu können. Sie bildete sich ein, sie wäre im Stande bei der geingsten Kränkung sich das Leben zu nehmen. Diese Einbildung machte sie ihren Eltern und ihrem Geliebten zur Despotin. Thut man ihr nicht Alles zuliebe, so ist die Giftdose da; sie braucht nur zu wählen, welches Gift schneller tödtet; am Morgen wird man sie als Leiche finden. Und nun war die große Ver- suchung an sie herangetreten. Vor ihr lag wie eine trostlose Einöde ihr ganzes zukünftiges Leben. Der Vater hat sein Kind zur Bettlerin gemacht, und der Bräutigam hat die Braut verlassen. Athalie war von ihrem Nachtlager aufgestanden; sie sich über die Bedeutung des Streiks gewiß keiner Täuschung Kingiebt, konnte und wollte mit seiner Aeußerung nur sagen, Daß über der Lohnbewegung der gesetzliche Arbeiterschutz nicht vergessen werden darf, und daß die Erfolge der ersteren dem Arbeiter dauernd erst durch eine entsprechende Arbeiter- schutzgesetzgebung gesichert werden können; in dieser also gipfeln müssen. Das ist der Sinn der zitirten Aeuße- rung, wie sie sich in den„Neuesten Nachr." wieder findet. Die Darstellung im„Hannöv. Kourier" ist aber eine von Parteihaß und Arbeiterfeindlichkeit diktirte Fälschung, ganz würdig jener auf dem Boden des„praktischen Christenthums und der wahren Sozialresorm" stehenden Kartellsippschaft, der das genannte Blatt zu dienen hat und dient. Die MssWe Im Kampfe gegen die sozIaWlsdien Ideen. Man sckieint in antisozialistischen Kreisen bereits die Hoff- nung aufgeaeben zu haben, die gegenwärtige Generation vom Gifte der Sozialdemokratie reinigen zu können, um so mehr richtet man nun sein Augenmerk auf die heranwachsende Generation, welche man mittelst der Erziehung glaubt panzern zu können gegen die schädlichen Einflüsse der sozialdemokrati- scheu Irrlehren. Offiziöse Stimmen haben bereits andedeutet, daß die Regierung es für ihre Pflicht erachte, eventuell auch die durch die in der Schule gepflegte„Halbbildung", Ueber- füllung der höheren Lehranstalten und den Andrang zu den akademischen Berufen drohenden Gefahren der Aus- breitung sozialdemokratischer Tendenzen abzuwehren, und zwar durch eine Reorgamsalion des Schulwesens. Und auch aus den Reihen unserer„Volksbildner" werden Stimmen laut, welche„praktische Rathschläge" in diesem Sinne ertheilen. Uns fällt eben eine Bro chüre in die Hände, in welcher ein„prakiischer Volksschullrhrer" dieses Thema behandelt.*) Wir würden der Schrift weiter keine Beachtung schenken, wenn gewisse Ausführungen und Vorschläge in derselben in Bezug auf die soziale Frage und die Be- kämpfung der Sozialdemokratie durch die Volksschule nicht gar zu wunderbar, ober doch typisch wären für die Anschauungen und Kenntnisse eines großen Theils unserer Volksschullehrer in Bezug auf die genannte Materie. Die diesbezüglichen, von einer grenzenlosen Urkenntniß zeugenden Beschlüsse des letzten deutschen LehrcrtageS in Augsburg sind ja noch in gutem An- gedenken. Unsere Volksbildner müssen betreffs der„sozialen Frage" noch recht viel lernen. Da sie selbst vielfach aus den unteren Volkskreisen hervorgegangen sind, sollte man ihnen eigentlich vollkommenere Kenntnisse und gesundere Anschauungen in diesem Punkte zutrauen. Der Verfasser der erwähnten Broschüre ergeht sich zunächst in den üblichen Gemeinplätzen:„Der Sozialismus hat in erschreckender Weise auch unser edles, treues, monarchistisch gesinntes und gottesfürchtig angelegtes deutsches VolkStlmm angefressen und bedroht mit Untergang und Verderben alle bestehende Ordnung der Dinge."— Das mächtige Wachsthum der Sozialdemokratie, unter deren Fahne sich schon Beamte, Doktoren, Professoren u. s.w. sammeln, bedrohe Staat und Kirche; Thron und Altar sollen gestürzt werden.— Demgegenüber sei es Pflicht einer sich ihres göttlichen Amtes bewußten Obrigkeit diese ernsten Gefahren abzuwenden. Durch die„Sozialreform" habe man den„berechtigten" Forderungen der Arbeiter Genüge gethan, den Umsturzideen der Sozial- demokralie könne man aber nicht gerecht werden. f Nach einem Klogeliede über die gottverderbte, christen- , feindliche Presse und einem Loblrede auf die Wirksamkeit des Sozialistengesetzes, findet der Verfasser das einzige Heil schließ- lich in der„Umkehr zum lebendigen Gott".—„Staat und Kirche müssen sich den ihr gebührenden Einfluß auf die Fa- Milien- und Schulerziehung verschaffen, um ein gottessürch- tigeö, königstreues, genügsames und arbeitsfreudiges Geschlecht zu erziehen.—... In der Schule muß der Sozialismus in- direkt, aber scharf bekämpft werden, indem dem Schüler durch Unterricht und Zucht� eine Gesinnung vermittelt wird, die ihn möglichst uncmpfängl'ch macht gegen sozialistische Beein- flussungen in späteren Jahren. Solch' eine Gesinnung wird aber in erster Linie erzeugt durch den wahrhast christlichen Religionsunterricht. An dem Felsen des lebendigen Chnltenthums müssen sich die Sturmfluthen des Sozia- liSmus brechen. Mrt dem Gebote im Herzen:„Jesu, geh voran, auf der Lebensbahn!" ist der Jüngling gepanzert gegen die giftigen Pfeile der Sozialdemokratie." *) D er Kampf gegen die sozialistischen Ideen, beleuchtet vom Standpunkt der Volksschule. Von Rektor Grunewald(Lüneburg). Berlin. Verlag der Buch- Handlung der Deutschen Lehrer-Zeitung. 1889. blickte in die geöffnete Dose und suchte herum in verschie- denen Giften. Und da machte sie die Entdeckung, daß sie sich vor dem Sterben fürchtete! Sie hat nicht die Kraft in sich, das Leben von sich zu werfen. Sie starrt im Spiegel ihr Bild an. Soll so viel Schönheit der Vernichtung anheimgegeben werden? Sie schloß die Dose und steckte sie wieder ein. Dann holte sie das zweite Kleinod hervor, den Verlobungsring. Auch in diesem ist Gift. Und ein noch verderblicheres. Es tödtet die Seele. Und dieses Gift hat sie den Muth einzu- schlürfen, bis zur Berauschung. Sie hatte den Mann ge- liebt, der ihr diesen Ring gegeben. Sie hatte ihn nicht nur geliebt, sie war auch rasend in ihn verliebt gewesen. Die Giftdose giebt schlimme Rathschläge, der Ring noch schlimmere. Athalie fängt an, sich ihre Kleider anzuziehen. Es ist ihr niemand zur Hand, der ihr dabei behilflich sein könnte; die Dienstboten haben längst das Haus verlassen, Frau Sophie und Timea schlafen im Gesindezimmer; an die Thüren der Prunkgemächer ist das richterliche Siegel gelegt. Athalie weckt die Schlafenden nicht, sondern kleidet sich allein an. Wie weit die Nacht vorgeschritten, sie weiß es nicht; die prächtigen Standuhren zieht niemand mehr auf, seitdem man weiß, daß sie auch unter den Hammer kommen. Die eine zeigt auf Morgen, die andere auf Nachmittag. Gleich- viel, welche Stunde es sei, Athalie sucht sich den Hausschlüssel und schleicht allein zum Hausthür hinaus, alle Thüren hinter sich offen lassend. Wen bestichlt man hier? Und dann wagt sie sich, unbegleitct, wie sie ist, in die dunklen Straßen. Zu jener Zeit aber waren die Straßen Komorns bei Rächt rechtschaffen finster. Vor der Dreifaltigkeitssäule flackert eine Lampe, eine zweite am Stadthausthore, und eine dritte vor der Hauptwache, sonst nirgends. Athalie nimmt eilig ihren Weg in der Richtung nach der Promenade, der sogenannten„Anglia". Es ist dies eine übel berüchtigte Gegend. Ein dunkler Hain zwischen der Stadt und der Festung, in welchem bei Nacht obdachlose Frauen mit ge- malten" Gesichtern und zerrauften Haaren sich verkriechen, wenn sie aus ihren Schlupfwinkeln aus dem„kleinen Platz" vertrieben worden. Athalie wird sicherlich an solchen Der Verfasser scheint Bibelsprüchen und Gesangbuchversen denn doch etwas zu viel zuzutrauen. Unter dem Mühler'schen Regime ist in Preußen in dieser Hinsicht gewiß das Menschen- mögliche geleistet worden, und doch sproßte aus dieser Saat das Unkraut der Sozialdemokratie in einer wuchernden Fülle hervor. Der Religionsunterricht soll„vergeistiat" werden;- nicht leere Formeln sollen den Kindern geboten, sondern der Glaube in ihnen gefestigt werden.— So drückt sich der Verfasser beut- licher aus. Wie aber, wenn dieser Glaube durch die Naturwissen- schaften, durch die Einwirkung des öffentlichen Lebens, der sozialen Zustände, als unhaltbar sich erweist und vernichtet wird, wenn die Eindrücke, welche das der Schu'e entlassene Kind im weiteren Leben empfängt, ihm das gerade Gegen- theil dessen lehren, was man ihm in der Schule gepredigt hat? — Glaubt der Verfasser, daß man den Kindern willkürlich eine Lehre eintrichtern kann, die mit dem Geiste der Zeit und mit der Erkenntniß der Wahrheit im krassesten Widerspruch steht, und daß diese Lehre, allen Stürmen zum Trotz, wirklich festhaftet und nicht bei dem ersten steten Lebenshauch wie loser Plunder verweht?— Setzt sich die Schule, welche dem Kinde in der Naturgeschichte die Wunder der Welt in Wissenschaft- licher Weise erklärt, und auf der anderen Seite den Geist des Kmdes in die starre Form des Glaubens pressen will, nicht mit sich selbst in Widerspruch?— Um der Beantwortung dieser Fragen aus dem Wege zu aeben, verwirft der Verfasser denn auch die Erziehung zum Denken. Er wendet sich gegen die Parole:„Die Volksschule — eine Denkschule!"—„als wenn Klugheit vor Thorheit schützte!"— Der Lehrstoff müsse vereinfacht, vieles Unnütze über Bord geworfen werden. Die„Halbbildung" scheint es auch dem„praktischen Schulmann" angeihan zu haben. Er schließt sich voll und ganz dem bekannten Ausspruch an:„Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben", und er hätte sich somit gleich den Stand- punkt des seligen Stahl zu eigen machen können: Die Wissen- schaft muß umkehren!" Auch den GeschichtSunterncht will der Herr Rektor nach seiner Schablone umgemodelt wissen:„Die Nöthe, in welche wir in unserm öffentlichen Leben aerathen find, zwingen uns, die Pflege des Respekts vor den Autoritäten, des Gehorsams und der Pietät als Hauptaufgabe der Schulerziehung in die Hand zu nchmcn." Lebensbilder der Herrscher und großen Männer sollen im Kinde lebendig wirken und zur Nacheifcrung anspornen,„um fromme Menschen, treue Bürger und pflicht- treue Arbeiter zu erziehen." Der Verfasser hat. wie er erzählt, in dieser Hin- ficht durch patriotische Lieder, Gedichte und Erzählungen gute Wirkung in seiner praktischen Thätigkeit erzielt und einmal durch den VerS: „Der König ist ein lieber Mann und wohnet in Berlin; Und wäre es nicht so weit von hier, so ging ich beut' noch hin. U. f. w." eine ganze Familie bekehrt, indem ein kleiner Bursche diesen in der Schule erlernten Ve'S den von gegentheiligen Ge- sinnungen erfüllten Eltern so lange vorsang, bis diese mit ein- stimmten. Das ist ja nun ganz nett; aber ob es dem Verfasser ge- lingen dürfte, damit die Sozialdemokratie aus der Welt zu singen, möchten wir doch billig bezweifeln. Daß der ifute Mann von einem heillosen Respekt vor der Revolution erfüllt ist(natürlich nur der Revolution von unten), und deshalb durch ein„geschickt abgefaßtes" Lesestück über die französische Revolution von 1793 den Voltsschülern den„schauer- lichen Abgrund" einer solchen vorgeführt wissen will, brauchen wir kaum zu erwähnen. Begierig wären wir, zu wissen, in welcher Weise der Herr Verfasser seinen Schülern in der Schule zu Lüneburg den „Respekt vor der Autorität der von Gott eingesetzten Obrigkeit", sowie die„königslrcue Gesinnung" plausibel macht, wenn er in der vaterländischen Geschichte auf die Annexion Hannovers zu sprechen kommt. Wir meinen, daß die„königstreue und monarchistische Gesinnung" und der„Respekt vor der Autorität der von Gott eingesetzten Obrigkeit" denn doch stark erschüttert wird, wenn eine �beliebige irdische„Autorität" sich gestatten darf, ohne weitere Umstände eine„Obrigkeit von Gottes Gnaden", eine von„Gott eingesetzte Autorität", einfach abzusetzen.— Ueberdies dürften gewisse„Autoritäten" nach neueren Ersah- rungen für die Jugend denn doch auch schlechte Vorbilder der „Pietät, Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit, Sittlichkeit u. f. w." abgeben, als welche der Verfasser dieselben hingestellt wissen will. Das Originellste leistet sich der Herr Rektor aber jeden- falls bei seinen„praktischen Vorschlägen" betreffs Erziehung der Kinder„zur Arbeit und Pflichttreue". Er erzählt uns da, daß er in der von ihm geleiteten Schule den Kindern vom zehnten bis elften Jahre an durch Vermittelung der Lehrer Arbeit verschaffe, und zwar in der Weise, daß Knaben und Mädchen außer der Schulzeit häusliche Verrichtungen: Ausgehen, Kinderwarten, Holz- und Kohlen- Dirnen vorüberkommen, wenn sie über die Anglia geht. Sie fürchtet sich jetzt nicht vor ihnen. Jenes Gift, das sie einschlürft aus jenem goldenen Reif, hatte ihr die Furcht benommen vor einer Begegnung mit diesen unreinen Ge- stalten. Vor dem Koth scheut man sich nur so lange, bis man nicht selbst hineingetreten ist. An der Ecke der Promenade steht eine Schildwache; sie muß suchen an ihr vorüber zu kommen, ohne von ihr be- merkt und mit einem„Wer da?" angerufen zu werden. Das Eckhaus hat einen Säulengang, ver nach dem Platze hinausgeht; bei Tage haben die Brotweiber dort ihren Standort. Athalie nimmt ihren Weg durch diese Halle, welche sie den Blicken der Schildwache entzieht. Im raschen Gehen stolpert sie über etwas. Es war ein zerlumptes Weibsbild, das voll angetrunken, quer über dem Flur lag. Das halb entmenschte Geschöpf, das ihr Fuß berührt hat, stößt unfläthige Flüche aus. Athalie, ohne sich darum zu kümmern,- schreitet über das Hinderniß hinweg. Sie fühlte sich leichter, als sie um die Ecke zur Promenade einbog. Auch das Licht der Lampe vor der Hauptwache verschwand jetzt vor ihren Blicken und sie befand sich im Dunkel der Bäume. Durch die Hollunderbüsche flimmerte der Schein eines beleuchteten Fensters. Diesem Leitstern folgte Athalie. Dort lag die Wohnnng des Genie- Hauptmannes. Athalie ergriff den löwenköpfigen Klopfer der kleinen Pforte des Thores, über welchem der an Doppeladler angebracht war- ihre Hand zitterte, als sie ihn hob, um leise damit anzupochen. Sie that eS. Auf das Geräusch kam der Offiziersdiener heraus und öffnete die Pforte. „Ist der Hauptmann zu Hause?" fragte Athalie. Der Bursche winkte grinsend, ja, er sei zu Hause. Er hatte Athatie öfter gesehen und mancher schöne blanke Zwanziger war aus ihren zarten Fingern in seine Hand gerollt, wenn er dem schönen Fräulein einen Blumenstrauß oder frühreifes Obst als Geschenk von seinem Herrn ge- bracht hatte. Der Hauptmann war noch wach und arbeitete. Sein Arbeitszimmer zeigt sich einfach möblirt, ohne allen Luxus. An den Wänden befinden sich Karten und Meßinstrumente; l* tragen. Stiefelputzen, Fensterputzen, Straßenkehren gegen Entgelt vornehmen.„Das sei eine rechte Gefindedienstes".—„Ich kann bestätigen"— sagt der»P sche SchulmaNN"—„daß von den 65 Schülennnen w ? r.o(St-niiiiaen ail«o Oberklasse nicht weniger als 52 in solchen Stellungen Schule arbeiten. Dabei est natürlich auf eine Unsuwmt Ä licher Arbeiten zu verzichten. Der Herr Rektor erblickt also auck darin erne der Volksschule im Kampfe gegen die Sozialdcmon bequemen Bourgeoisherrschaften billige Hausknechte,£ boten und Stiefelputzer zu liefern, und zwar auf«W geistigen Ausbildung der Arbeiterkinder. Als ob„ noch in späteren Jahren sich genügend abrackern koniu ob die Leiben unserer Zeit und die soziale Frage mangelnden Arbeitslust und nicht in-chrr mangemden � gelegenheit und der unzureichenden Bezahlung. rj ihren Ausdruck fänden. Durch die wohlfeile Enver b» � der in die Scbule gehörigen oder mit Schular schäftigenden Kinder wird das Uebel nur noch die bestehende Enttwerthung der Arbeit der � M# und die Unsicherheit der Existenz der Letzteren schärft. Einmal auf diesem Knüppeldamm angelangt, der Verfasser denn auch noch für geboten, nach bekannter Schablone den gewiß oft genug mit Kleidung und hungrigem Magen nach der Schule kam. � und im elterlichen Hause mit Roth, Elend und Man» dachten Kindern der Arbeiter wie zum Hohn:„SP Genügsamkeit und Einfachheit zu predigen." Und m,t solchen Rezepten will man die k kratie zu Tode kuriren!— Wahrhaftig, man muß kommen vor einer gewissen Klasse von„Volksbildnern Zeit.„„k i Sie lassen bei ihren theoretischen Betrachtungen � p crimen ten auf dem Gebiete der Volksverdummung n i« außer Acht: bas ist her unbesiegbare Selbstbildnng° großen Mgsse und bie praktische Schule des Leben«- � diese Mauern und Wälle der GeisteSknebelung � Haufen werfen, durch welche die Reaktion und wsj helfet sich gegen den mächtigen Ansturm der neuen o und schützen wollen. ,:iwk Werden die Pforten der Volksschule dem Geiste der Neuzeit verschlossen, so wirb die Schule dv ihn um so eifriger hegen und pflegen; trotz aueo alledem! „Die Wahrheit bohrt sich durch!" «IS 0115 Jobber' polittrtfte Ueb-rstä'l In geradezu unverantwortlicher Weist k der den Interessen der Grubenbarone dienstbaren Verdächtigung der Arbeiterschaft betrieben. Eine der„Dortmunder Ztg." lautet: „Gestern weigerten sich auf dem Hö'sch'sche« zwölf Platzarbeiter, die Arbeit aufzunehmen, weil Lohn nicht hoch genug war. Da sie trotz Aussord"\, arbeiten wollten, wurde ihnen ihrem Wunsche genmß.i«k Wt VtllWk luuuivil/ llficiu ,91 k* ebenso sorgfältiger und reinlicher Behandlung auf- erscheint. Es ist kaum möglich, die Kunstbuttcr v>»> zu unterscheiden."— Diese Industrie ist entstanden X strenge militärische Einfachheit überrascht den 6'" und ein penetranter Tabakgeruch schlägt>h� ,,, der sich in die Möbel und Bücher und selbst � eingenistet hat, und auch dann sich fühlbar machst geraucht wird. Athalie hatte das Zimmer des nie gesehen. Die Wohnung, in welche der W® � am Hochzeitstage hätte führen sollen, war gewiß Zu gerichtet; auf diese war aber noch denselben darin befindlichen Möbeln von den Gläubigern � i hi legt worden. Nur zum Fenster hatte sie manch'' �|| geblickt, wenn sie an Nachmittagen, wo oie Platz'" in Begleitung ihrer Mutter vorüberspazierte. L Herr Katschuka fuhr erschrocken empor. Frauenbesuch war er nicht gefaßt; die drei obern � seinem veilchenfarbenen Uniformrocke waren reglem � aufgeknöpft, ja auch seine Roßhaarkravatte haltt und arbeitete so. Athalie blieb in der Thür stehen mit ß®„u den Armen und gesenktem Haupt. Der Haup auf sie zu. �...f' „Um GottcSwillen, Fräulein! Was thun S bringt Sie her?"|i(, Athalie vermochte kein Wort hervorzubringen- ihm an die Brust und schluchzte heftig. Der* yK, umarmte sie nicht.„Setzen Sie sich, Fräulein, � Athalie nach dem Leberdivan hinführend, und da erste Sorge des Hauptmannes, die abgelegt � Z um zubinden. Danach rückte er einen Stuhl hin und setzte sich Athalie gegenüber.„Was hier, Fräulein?", tfiif'' Athalie trocknete sich die Thränen ab ihren strahlenden Augen den Hauptmann wollte sie versuchen, ihm mit Blicken zu sagen,. herkam. Wird er sie nicht verstehen? eff Nein, er verstand sie nicht. Als sie"st- war, zu sprechen, fing sie so zu zittern an,<% ft* von Fteberfrost geschüttelt.„Mein Herr, bebender Stimme,„so lange ich im Glück mir sehr zugethan. Ist Ihnen von dieser 3"" etwas geblieben?" ki sfe w üeitfeSr« rechte S. chülenmM A tellunü-n ne Unsumme r . o Napoleons schönen ZsW eren noch v> -«s« 3�% ä tfl mit w°' Schule und hn: k0! el.i' . Urb« bt» 9"*'%S Krfi Kultusminister von Goßler anlößlich eines �vei WWMW SszialW n muß die % tsbilbnem' -ch'ung--- u"d� MK ebelung und r neuen «i? erMt st-illP M«-» d Schr-'?! a die, hösch M enden- � Ä»?] A und dem® weniger � i sSl ■ macht/, ;r des ? M 5# s ittjüiu«icue verbundenen Gehalte eine besonder % an»;®}" erhalten, gebühre allein der Regierung, welch �'ltrrjch.-s�chtlgt sei, für den Fall, daß ein Lehrer mch �ntb>/».Muen als die vnn ifir Aahl der söge- M« AMMNZ s�'V�m Fischfange sich goldene Berge verspreche, so ja'?' fltanbltch getäuscht haben. Auch der Handels- ®te>ch Null. Ler lohnende Handel mit Straußen lenbem hat------" rompaantc a chrer Ankun cheln. Die c �"»ord«.«-� wie Spie----------------------- ■ iQ, � eingetriebene Zylinderhüte, abgetragene Kleider » unt> ucuu. Der lohnende Hanvet mit sirauven- i�tsch� �ubein hat aufgehört. Die von�der�deulschwest- bei '%........ °chen, wie Spielwaaren, Bilderbogen, Puppenstuben, . Kompagnie ailSgerusteten Handels- Expeditionen ' ihrer Ankunft auf afrikanischem Boden nur ein Die erste Expedition brachte allerlei aben- W'"• in« Ö uvyvnuöc.iv üvvvvvvv --/»der. t.and. Die zweite Erpedition kam mit demselben in s Leiter oer Expedition errichtete einen Zentral- '...... ü'"? in's f" be�Äße Harbour, an demjenigen Punkte, der die "iftA* di,,k. ung mit dem Hinterlande hat. Die Han- " noch lange Jahre ihrer Abnehmer harren, te � ti-??? Zeugen deutschwestafrrkanischer KolonisationS- L?• Uorh.°h,ln nicht schon vom gelben Wüstensande be- >hr» n. und. HanoelSunternehmungcn in das Innere iui,„ sttich. ,2®' die Kompagnie bisher nicht unternommen. Für lir�ibut, �0" engagirte die Gesellschaft eine Anzahl dir!- Äwde,, allen Berufszweigen, denen kontraktlich diul�omi-n.�?ler und Chargen zugesichert wurden. Alle W,kg„" und Ägenten hatten sich durch eine Kapitals» L.® A, den Geschäften der Kompagnie zu betheiligen. %' fnpnn.' uermann des Kompagnieschiffes ist auf Antheil- Ästeten?®lt alle Angestellten konnten aber ihre Aemter 9/ d°l!e> diese Aemter eben nicht vorhanden waren. Sg'Br bleuer q?rm an Brennmaterialien, daß die bescheidenen �ilt? Wijss.n°dnllch mit trockenem Ochsenmist unterhalten k.'Ott(in, 2* Junge Kaufleute hatte man als StationS- .. Jambesie und Ngamisee verpflichtet, allein es ist �'m, Fräulein," a te hatte mfl Hew r ßaupW" thll/r Siek /UönnAM/ Der Ka«!� Käufen/' Pf und dann«f ekeg/e Kranes „Was rofÄ* ad und ?" kange A /agen, mesr /ic nun ' an, a/s rf''/ u war, /er Zunetznf antwortete Katschuka mit kalter Hof- Ihr Verehrer und Freund bleiben. auch mich, wir haben Beide Alles ---■ denn ,ch «meiner »!"* i».c-yviiHUHUCii yiuicuc«.. Berus- %n," le kein Vermögen haben, nicht erlaubt, zu hei- daz�ch weiß es," sagte Athalie,„und das war es nicht tuen zu Gemüth führen wollte. Wir find setzt Pch kann in unserem Loose noch eine günstige in Belgien einen dann werden wir Ich werde so lange auf Sie warten, K- treue Tochter sein." (Fortsetzung folgt.) .-7*M|I °n K.�treten. Mein Vater hat teig,/, rn wir beerben werden; "■■ ,.'ff MuirN unb leben. ßste* fixStierjefechtn» in Karagoffa und Santander !«?•««wtz _ e Skandale. gegeben, 6. h. ein Ge- GKMWS-I *i e«!"""" lvroer..,...............»-,.__ S V- nÜMcchtc ist ein Präsident anwesend, der dasselbe ' da« v-j�rte jedoch an, das Gefecht fortzusetzen. Damit *1. sil..wen sum«eninn hfl- allaemeinen Empörung yiet Autl" hum Beginn der allgemeinen Empörung Für}" unglücklichen Stierkämpfer regneten faule ------------_ ersckläge des Zirkus Publiium eben zur . CVf kürz, Sitzbänke, die Bretteronschläg (Jv« was dem entrüsteten ®er der Zuschauer setzte über die Barriere des ' kaum anzunehmen, daß jemals eine Wagenladung Handels» güter zene Gewässer erreichen wird. Wenn man aber erwägt, daß den Beamten strengste Verschwiegenheit in allen Kompagnie- Angelegenheiten bei Strafe einer Geldbuße auferlegt war, so dürste man vielleicht in dem Verhalten der Kompagnie einen originellen und zeitgemäßen Beitrag zur Lösung der afrikani- schen Arbeiterfrage erblicken. zSbeck, 12. August. Eine zum 10. August nach Stehr'S Etablissement einberufene Metallarbeiter-Versammlung mit der Tagesordnung:„Berichterstattung über den internationalen Nrbeiterkongreß", Referent Theodor Schwartz, wurde am Frei- tag Morgen auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes polizeilich verboten. Außerdem wurde dem Besitzer des Lokals Herrn Stchr polizeilich verboten, den Einberuser der Versammlung, Eisendreher Hübner und den Herrn Theodor Schwartz noch ferner in seinem Lokale zu dulden; was um so merkwürdiger ist, da beide Herren weder notorische Trinker, noch Spieler sind, auch nicht unter Kuratall stehen, Herr Schwartz aber, wie allgemein bekannt ist, überhaupt nicht in Wirthschaften ver- kehrt. I« Remscheid, dem Amtssitz des bekannten Pfarrers Thümmel, ist es in vergangener Woche anläßlich der Anwesen- heit des Erzbischofs Krementz von Köln zu argen Ausschrei- tungen gekommen. Es wird darüber geschrieben: Die Erwartungen unserer Bürger, daß die Anwesenheit des Kölner Erzbischofs Dr. Krementz Unruhen hervorrufen würde, haben sich bestätigt. Bei der Ankunft des Erzbischofs riefen Tausende der auf den Straßen erschienenen Evangcli- schen:„Hock Thümmel!" und eilten dann im Sturmschritt nach der katholischen Kirche und später zu ihrem Pastor Thümmel, welcher die Menge in kurzer Rede zur Ruhe ermahnte. Tau- sende sangen:„Eine feste Burg ist unser Gott." Am katho- tischen Gesellenhause und am Marktplatze geriethen die Sänger mit der Polizei in Streit; dieselbe verhaftete mehrere Personen wegen sortgesetzten Widerstandes, Niemand wich, selbst die Nacht vom 8. zum 9. c. waren undurchdringliche Massen auf den Straßen verblieben. Am 9. c. wiederholten sich die Ansamm- lungen und daß polizeiliche Emschreilen. Die Aufregung in der Bevölkerung ist durch einen„offenen Brief" des Pastors Thümmel an den Erzbischof Krementz entstanden, in welchem dieser um Untersuchung der Sache des heimlichen Uebertritts eines 15 Jahre alten Mädchens zur katholischen Kirche ersucht wurde. Das Mädchen soll seit jener Zeit verschwunden sein. Nachdem alle Mühen der Eltern um Ermittelung ihrer ge- raubten Tochter keinen Erfolg hatten, wandten sie sich an Pastor Thümmel. ES erscheint doch mehr als zweifelhaft, ob gerade Herr Thümmel diejenige Perlon ist, welche den Eltern ihre Tochter wiederverschaffen kann. Herr Thümmel eignet sich viel besser dazu, die beiden Konfessionen unter einander zu verhetzen, als etwas Ersprießliches zu leisten. Hier wäre ein Einschreiten der Polizei viel besser am Platze, als daß sich die Geschorenen und Gescheitelten gegenseitig in ihre Frisur gerathen. Gesterreick-Ungar«. Ucber die Streikaussichten der ungarischen Bergleute bringt der„Pester Lloyd", das gerissenste und geriebenste Kapitalisten- blatt Ungarns, folgenden nicht mißzuverstehenden Situations- bericht. Aus demselben geht mit unverkennbarer Deutlichkeit hervor, daß im Falle die ungarischen Arbeiter versuchen sollten, zur Aufbesserung ihrer Lage in einen Streik einzutreten, un- zweifelhaft der Säbel ebenso scharf hauen und die Flinte ebenso genau schießen würde, wie-- doch man lese den Bericht selbst. Es heißt da:„Es wird uns von kompetentester Stelle(Wer kennt die nicht?) Red.) mittheilt, daß sich im Salg6-Tarjäner Revier bis zur Stunde keinerlei Agitatoren gezeigt haben und auch keine Anzeichen vorliegen, welche auf die Absicht, eine Lohnbewegung unter den Kohlenarbeitern hervorzurufen, schließen lassen könnten.— Die Meidungen einiger hiesiger Blätter über drohende Lohnbewegung in den Fünfkirchner Kohlenrevieren der Dynau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft wer- den uns von unsersm wohlinsormirten Fünskirchner Korre- fpondenten im Großen und Ganzen als höchst übertrieben, in den Details als irrig und falsch bezeichnet. Unser Korrespondent schreibt: Die Meldungen einzelner hauptstädtischer Blätter über Vorbereitungen zu einem großen Streik in den Fünf- kirchner Bergwerken wurden hier mit nicht geringem Staunen gelesen. Thatsache ist folgendes: Im Monat April wandte sich der österrcichisch-ungansche Konsul in Münster mit der An- frage an die Fünfkirchner Ober-Stadthauptmannschaft, ob sich die Muthmaßung der deutschen Behörden bestätigt, daß deutsche Agitatoren in die Bergwerke der Donau-Dampfschifffahrt-Ge- sellschaft gekommen wären, um die Arbeiter, momentan über 2000 Mann, zum Anschlüsse an die Lohnbewegung zu bestim- men. Es ist nun nicht gut denkbar, daß solche Agitatoren der Aufmerksamkeit unserer Polizei entgangen wären, denn auf den bloßen Verdacht hin wurden halbwegs gefährliche Arbeiter mit einem Pasfirschein versehen und des Ortes verwiesen. Infolge der Anfrage des Konsuls wurden die strengsten Recherchen ein- geleitet, dieselben haben jedoch nicht das geringste Resultat zu Tage gefördert. Seit jener Zeit hörte man auch nichts von ZuschauerranmeS hinweg auf den Kampfplatz, ihm folgten andere in Haufen von zehn, zwanzig, schließlich Hunderten— in fünf Minuten war der Platz von dem größten Thcile der erregten Menge gefüllt, die sich zwischen Kämpfer und Stier warfen. Die nun folgende Verwirrung war unbe- schreiblich. Das in den Logen gebliebene Publikum erhob sich von seinen Sitzen, eiferte, biSputirte, drohte: in seine Rufe mischte sich das Geschrei der Menge auf dem Kampf- platze, die sich von dem nun wüthend gewordenen Stiere ver- folgt sah. dessen Hornstößen sie nur wie durch ein Wunder ent- ging. Ein Stierkämpfer stieß dem Thiere Feuer-Bandcrillas «zwei Eisenstäbe, an deren Widerhaken Pulver mit brennender Lunte angebracht ist) in den Rücken, um durch die Explosion die Anwesenden zu vertreiben. Doch nun im Gegentheil griff die vordem flüchtige Menge gereizt den Stier an, mit dem sie Körper an Körper kämpte. Das erschöpfte Thier strauchelte, die Menge fiel über dasselbe her und ließ ihren Grimm an ihm aus mit Stockhieben, Messer- stichcn rc., indem sie gleichzeitig gegen den Präfidenten, der ohnmächtig den widerlichen Auftritten gegenüber stand, drohend die Fäuste erhob. Nachdem sie ihren Zorn be- friedigt, wurde das Thier mit Fußtritten und Schlägen in den Stall zurückgetrieben. Um weitere Ausschreitungen zu ver- hüten, versprach der Präsident, das Eintrittsgeld zurückzugeben, und dem Unternehmer des Stiergefechts eine Strafe auszuer- legen. Aber schon war es zu spät. Zweihundert Personen halten bereits angefangen, die Plankeneinzäunung des Platzes Herunterzmeißen und das Dach der Stierställe abzudecken. So weit gingen sie, die Loge des Präsidenten anzugreifen, der sich nur durch schleunige Flucht retten konnte. Alle« in der Loge Befindliche wurde aus den Kampfplatz geschleudert, Stühle, Tische, der kunstvolle Präsidentensitz, die kostbaren Teppiche, welche von dem inmitten des Platzes angezündeten mächttgen Feuer mitsammt den sonstigen brennbaren Gegenständen des Zirkus verzehrt wurden. Die Hitze, welche dasselbe erzeugte, ver- anlaßte die Menge rascher, als die Aufforderung der inzwischen eingetroffenen bewaffneten Macht, den Platz zu räumen.— Aehnlich ging es in dem Stiergefechtszirkus von Santander zu. Auch hier war die schlechte Qualität der Stiere die Ur- fache des Tumultes, der in gleicher Weise mit dem Schleudern aller möglichen Wurfgeschosse, Flaschen, Bänke u. s. w., auf die Sticrkämgfer begann, welche sich schleunigst zurückgezogen. Die Nacht brach ein, aber der Skandal nahm kein Ende. Die Besonneneren verließen den Zirkus, während der größere Theil der Menge den Zuschauerraum und Streikabsichten. Erst im Laufe der verflossenen Woche verbreitete sich das Gerücht, daß die Arbeiter der Zsolnay'schen Majolika- und Fayence-Fabrik mit den Bergwerksarbeitern in SzadolcS- Banya eine Unterredung gehabt hätten, in welcher befprorben wurde, daß eine Lohnaufbesserung und Herabsetzung der Ar- beitsdauer angestrebt werden soll. Wiewohl auch dafür keine positiven Beweise erbracht wurden, daß diese Besprechung that- sächlich stattfand, sah sich die Behörde dennoch zur größten Wachsamkeit veranlaßt. In den jüngsten Tagen begab sich der Fünfkirchner Ober- Stadthauptmann Herr Julius Lechner nach der Kolonie: doch hat er hier unter den Arbeitern absolut keinerlei Abficht zu streiken wahrgenommen. Die Bergarbeiter fahren wie sonst zur Grube, ernst und schweigsam, und am Abend, wenn die Arbeiter abgelöst werden, denken dieselben viel weniger an geheime Verschwörungen, denn an die ersehnte Ruhe. Unter den Arbeitern in der SzabolcSer Grube konnte man wohl eine gewisse Erregung bemerken und hie und da gab auch ein Arbeiter dem Wunsche nach Lohnerhöhung und Ver- besseruna der Verhältnisse Ausdruck. Doch der überwiegende in der Kolonie arbeitende Theil der Arbeiter erinnert sich noch lebhast des hier vor sieben Jahren stattgehabten Streiks und seiner Folgen, die für die Arbeiter unersetzliche Verluste be- deuteten. Es wurden damals zwischen den Arbeitern und den Soldaten förmliche Schlachten geliefert und der größte Theil der zumeist au« Böhmen stammenden Arbeiter wurde sammt Weibern und Kindern des Landes verwiesen. Vorsichtsmaß- regeln wurden allerdings getroffen. So wurde zur Vorsicht der Gendarmerieposten verstärkt und 60 Mann in die unmittel- bare Nähe der Kohlenbergwerke elozirt: auch die Polizeimann- schaft wurde verstärkt, und da sich das Gerücht verbreitete, daß der Streik am Sonnabend nach der Lohnauszahlung und Vertheilung des Vorschusses infzcnirt werden soll, stand und steht noch jetzt auf Ansuchen des Fünskirchner Bergwerks- JnspektoratS ein Bataillon des 52. Infanterieregiments Erz- Herzog Friedrich in Bereitschaft. Ob ein Streik ausbrechen wird, das wird sich erst am Montag zeigen, wenn die Arbeiter wieder zur Schicht fahren sollen. Daß das Militär bereits ausgerückt wäre, entspricht nicht der Wahrheit; von Kavallerie kann überhaupt keine Rede sein, denn eine solche ist momentan gar nicht in der Garnison. Ganz unbegreiflich ist es, wie man berichten konnte, daß die Arbeiter Dynamitattentate planen. Heute. Sonntag, weilen die Arbeiter aus den Gruben zumeist in der Stadt, um ihre Einkäufe zu besorgen. Sie klagen wohl über geringen Verdienst: doch ist nach ihren Reden der unmittelbar bevorstehende Ausbruch eines Streiks kaum zu de- fürchten. Aus Prag wird geschrieben: Die hiesigen Tischler- gesellen, sowie die oer Vororte sind in den Streik einge» treten. Bis jetzt haben gegen 2000 die Arbeit eingestellt. Die Streikenden fordern 25 pCr. Lohnerhöhung, lOstllndiae Arbeits- zeit und außerdem erstreben sie die Aufhebung der Strafhaus- arbeiten, Sonntagsruhe, Beschränkung der Zahl der Lehrlinge, Gründung von Produktiv-Genossenschofien und Aufhebung der Akkordarbeit bis zu erfolgter Gründung der Genossenschaften. Einige Fabrikanten haben sich erboten, den Lohn um 8 pCr. aufzubessern, welches Anerbieten jedoch von den Gesellen zurück- gewiesen wurde. Großbritannien. London, 12. August.(Ausführlichere Meldung.) Oberhaus. Lord Carnarvon befürwortet ein Verbleiben Englands in Egypten, und wünscht, daß England Egypten so verwalte, wie Ostindien verwaltet werde. Lord Salisbury erwidert: die Aufgabe, welche das Ministerium gesunden, als es die Re- gierung angetreten, sei eine sehr schwierige gewesen. Das Ministerium habe nicht erwartet, Egypten in kurzer Zeit zu dem hohen Grade der Wohlfahrt europäischer Länder dringen zu können, aber Dank der staatSmännischen Leitung durch die englischen Beamten des Khcdive sei ein anhaltender Fonsckritt gemacht, der Egypten den Frieden und die Mittel zu erhöhter Wohlfahrt und zur Erweiterung seines Industrie- und Handels- gebieteS bringe. Egypten habe unter der zeilweiligen Vormund- schaft Englands viele wirkliche Fortschritte gemacht. Die finan- ziellen Lasten Egyptens seien allerdings schwerer alS wünfchenS- wertsi erscheine, weil die Hälfte der Einkünfte für die Zinsen auf die Staatsschuld verausgabt würde. Was die künftigen Bezie- Hungen Englands zu Egypten anlange, so habe die Regierung wiederholt erklärt, was seiner Ansicht nach eine Verpflichtung Englands gegen Egypten sei. Die Regierung sei von ihrer vor vier Jahren aufgestellten Politik in Egypten nicht um Haaresbreite abgewichen. Er halte es für unnölhig, die Ver- pflichtungen zu wiederholen, deren Ersüllung England, bevor es seine Vormundschaft über Egypten zurückziehe, durch die Ehre auferlegt werde; aber das Ansinnen Lord Carnarvon'«, daß England sich aus einem Vormund in den Eigenthümer Egyptens verwandle, daß es seinen Aufenthalt dort permanent mache, und daß es seine Herrschaft in Egppten für diejenige einer Eroberers erkläre, bezeuge eine ungenügende Achtung vor der Heiligkeit der eingegangenen Verpflichtungen, die zu er» füllen England verbunoen sei. Bei einer solchen Frage könne die Regierung nicht untersuchen, welches das zweckmäßigste oder vorthcilhafteste Verfahren sei, fondern sie müsse das Verfahren das Innere des Zirkus zu zerstören begann, und zwar mit solchem Eifer, daß in wenigen Augenblicken nichts ver- schont gel lieben war. Viel« Zuschauer blieben in den Logen, theilö aus Neugier, theils aus Furcht vor dem Gedränge, doch wie groß war ihr Entsetzen, als sie wahrnahmen, daß die Unheilstifter begannen, die hölzernen Pfosten, auf denen die Logen ruhen, niederzureißen. Grenzenlos war nun die Panik. In übereilter Flucht stürzten sie die Treppen hinunter, den Ausgängen zu, deren Thüren bereits von den Flammen er- griffen wurden. Ohnmächten, Quetschungen, Brandwunden, kamen vielfach vor. Auch hier mußte die bewaffnete Macht ein- schreiten, um dem Tumult ein Ende zu machen. Gin« neue Augenkrankheit ist in Wien beobachtet worden. Diese Krankheit trat zu Ende des vorigen Herbstes plötzlich in vereinzelten Fällen an verschiedenen Orten auf und wurde von mehreren Wiener Augenärzten sofort als eine bis- her unbekannte Hornhaut-Erkrankung erkannt und in genaueste Beobachtung genommen. Die zuerst ganz vereinzelten Fälle mehrten sich, so daß bald eine ziemliche Zahl Erkrankter zur Beobachtung gelangte, die, wenn auch nicht das Wesen der Erkrankung, so doch die Präzisirung des Bildes und ihre« Auftretens und des Verlaufes gestattete. Die Erkrankung geht mit mäßiger Schwellung der Augenlider, Erscheinungen von Katarrh der Bindehaut und mit Lichtscheu einher und zeigt sich auf der Hornhaut selbst durch das Auftreten von sehr kleinen weißlichen Fleckchen, die in sehr großer Zahl neben einander sitzen und kleine Herdchen bilden, die sich ziemlich scharf von einander trennen. Dadurch veranlaßt diese Erkrankung auch eine bedeutende Herabsetzung des Sehvermögens, die den Patienten zu jeder Augenarbeit gänzlich unfähig macht. Die Dauer der Krankheit zeigte sich in einzelnen Fällen als sehr verschieden; während sie bei einigen in vierzehn Tagen schwand, hielt sie bei anderen sechs bis acht Wochen an. Professor Stellwag, der seine Erfahrungen über diese Krankheit in der „Wiener klinischen Wochenschrist" veröffentlichte, spricht sie nicht als gerade bösartig an, läßt sich aber vorläufig nicht in eine Deutung ihres Wesens ein. Hoffentlich wird es den Aerzim bald gelingen, dieser so rasch aufgetauchten Erkrankung ebenso rasch Herr zu werden, was bei dem starken Uebeihandnehwen der Augenerkrankungen im Allgemeinen um so wünschen«- werther wäre. untersuchen, zu dem sie durch die eigenen Engagements und durch das europäische Gesetz verpflichtet sei. Die Regierung werde diese Regel getreulich zu beobachten bestrebt sein. Un- zweifelhaft habe die Regierung keinerlei Absicht, von ihrer Auf- gäbe abzustehen, bevor dieselbe erfüllt sei; sie habe aber auch keinerlei Befugniß oder keinerlei Recht, ihrer Aufgabe die von Lord Canarvon verlangte Ausdehnung zu geben. Frankreich. lieber den Boulanger-Skandal liegt folgendes weitere offiziöse Telegramm vor: Paris, 12. August. Der oberste Gerichtshof trat heute im Berathunaszimmer zusammen. Büffet von der Rechten konstatirte, daß sich in dem Anklagevortrage des Generalstaats- anwalts mehrfache Widersprüche befänden. Darauf gelangte die von der Rechten aufgeworfene Kompetenzfrage zur Erörte- rung. Nach längeren Beralhungen wurde von der Rechten der Antrag eingebracht, die Inkompetenz des obersten Gerichtshofes auszusprechen, weit nach den in dem Anklageakte angeführten Thatsachen daS Verbrechen des Attentats nicht vorliege und weil der oberste Gerichtshof demzufolge inkompetent sei. Der oberste Gerichtshof erklärte sich mit 212 gegen 51 Stimmen für kompetent. Die Sitzung wurde darauf auf morgen ver- tagt.— Die Rechte trat nach der Sitzung zu einer Berathung zusammen und beschloß, an den weiteren Verhandlungen nicht theilzunehmen. Doulammlmrgcrr. Bereinigung der Drechsler Deutschland». OrtSver- waltung Berlin L Versammlung vom 5. August, Abends 9 Uhr, Annenstr. 16. Herr E. Wiedemann sprach über Vor- theile und Nutzen der Gewerkschaftsorganisation. Redner be- sprach das eherne Lohngefctz und erklärte durch Beispiele, wie sich nothwendigcr Weise die Organisationen bilden, durch die Konkurrenz unter den Arbeitern selbst und die dadurch be- dingte Nachfrage und Angebot, und wie dieselben im Stande find, dem Kapital ein Halt entgegenzurufen. Die Produktions- fähigkeit Deutschlands würde durch die Konkurrenz der andern Staaten bestimmt. Durch daffelbe Naturgesetz find auch die Or- ganisationen in Deutschland nothwendig. Wenn wir weiter in dieser monnton-gleichgiltigen Unthätigkert verharren, haben wir es uns selbst zuzuschreiben, wenn wir vollständig zum Lumpen- Proletariat herabsinken. Betrachten wir das jahrliche Sinken der Löhne und dazu das rapide Steigen der Wohnungmiethe, die hohen Steuern und der zum Leben und zur Erhaltung der Gesundheit oller nothwendigstcn Mittel, so liegt es auf der Hand, daß wir zum Verzicht auf viele dieser nothwendigen Artikel verurthcilt sind, und durch diese immer größer werdende Konsumunfähigkeit uns ins eigene Fleisch schneiden. Bedenken wir die erhöhte Verwendung des Maschinenwesens und die Fortschritte der Technik in unserem Gewerbe, durch welche die Reservearmee fortwährend vergrößert wird, so müssen wir dem entgegentreten durch Regelung und Verkürzung der Arbeitszeit. Wir sind gezwungen, uns zu orpanisiren, um der Aus- Plünderung und der unbegrenzten Ausbeutungssucht des Kapitals entgegen zu treten, ihm ein energisches Holt entgegen zu rufen, denn von einem harmonischen Zusammenwirken zwischen Kapital und Arbeit kann unter der bestehenden verkehrten Produktions- weise keine Rede sein. Die Organisation ist die Waffe des Arbeiters, welche er führt zu Schutz und Trutz, zum Wider- stand gegen das Kapital, darum ist es Pflicht eines Jeden, sich der Organisation anzuschließen. In der darauf folgenden Diskussion vertrat ein Kollege den Standpunkt, daß das Maschinenwesen bei uns noch nicht so weit vorgeschritten ist, um den Arbeitern fühlbare Konkurrenz zu machen. Dem wurde jedoch von verschiedenen Seiten entgegen getreten und durch Beispiele bewiesen, daß die Technik bei uns eben denselben Ein- gang gefunden hat, wie in jedem anderen Gewerbe, wo die Maschme noch nicht absolute Produzentin ist. Nach Er- ledigung verschiedener Vereinsangelegenheiten wurde die Ver- sammlung um 11 Uhr geschlossen. Die Tabakarbetter- und-Arbeiterinnen kamen am Montag bei Pafter, Reue Königstr. 7, zusammen, um die Aus- sichten einer Lohnbewegung in der Tabaksbranche zu besvrechen. Die Versammlung, die von Herrn Gumpel geleitet wurde, war infolge einer umfassenden Flugblattagitation recht»ahlreich be« sucht, nur wenige Frauen waren anwesend. Der Vertrauens- mann Herr Ritter referirte über den ersten Punkt der Tages- ordnung, sprach zunächst über Arbeitseinstellungen im Auge- meinen und den Werth der öffentlichen Meinung in Bezug hierauf, die er als völlig werthlos bezeichnete. Die jüngsten Vorgänge hätten das bewiesen. Die Forderungen der Berg- arbeiter seien in fast allen Organen als gerecht bezeichnet und trotzdem seien die Bergleute übers Ohr gehauen worden. Die Forderungen der Maurer seien von der kapitalistischen Presse als unverschämte verschrien worden und doch hätten die Arbeiter gesiegt. Den Sieg habe nur die starke Organisation der Maurer errungen. In dieser Beziehung stünden die Tabakarbeiter den Maurern bedeutend nach. Wollten also die Tabakarbeiter Forderungen stellen— und dies sei nöthig, da die Löhne sich seit 1872 nicht gebessert hätten—, dann sei die erste Pflicht, sich zu organisiren, sich dem Unter- stützungSverband deutscherTabakarbeiter an- zuschließen. DieS sei für Berlin ja sehr erschwert Polizei nicht gestatte, hier eine Zahlstelle zu ernch!��., ein vor Kurzem gemachter Versuch, dies zu thun,)«'«ss- � und die drei Beauftragten, Gumpel, Drescher und l � je 50 M. Strafe belegt worden, wogegen naturlich u � erhoben wurde. Die Berliner Tabakarbeiter und-."bei.. sollten sich in Bremen als Mitglieder eintragen lassm,.!.J '~~~" denken,(veifall.)� rem e w an erne Besserstellung '' die nicht Ritter besorgt die Anmeldung in— k 18 3 partielle Streik über dieselben verhängt werden. Letzlercr schlag wurdeZbekämpft, da unter den Fabrrkarbeileni%| wenig Solldantat hensche, daß selbst der kleinste Streik ins-> fallen wurde. Die weiteren, zum Theil sehr treffmd«'? fuhrungen, die namentlich die Herren Herrinann, Z&rJ Otto machten, standen in vollem Einklang mit dem und fanden ihren Ausdruck in folgender einstimmig ongenonw Resolution: Die Versammlung erkennt an, daß es unt heutigen Verhältnissen unmöglich ist einen Streik m 4% '''■'---'. n zu setzen, doch spricht sie sich dahin° � M die schlechtesten Fabriken dem Vertrauensmann Ritter anzugeben sind, damit gegen dieseitf" vorgegangen werden kann. Die Versammlung alle Schritte zu thun, um im nächsten Jahre!" bewegung eintreten zu können, auch in corpore dem, beizutreten und wählt eine Kommission, die eine�ohm � arbeiten und demnächst Bericht erstatten soll." 3" Mission werden gewählt von den Arbeitern: Drescher- � '" und Herrmann;''------* Mothes und Herrmann von den Arbeiterinnen mann, Frau Laugsch und Frau Witzke. Unter wurde angeregt, Versammlungen nur m abzuhalten, bic von der Lokalkommisslo werden. Hierauf schloß die Versammlung.....:.w f •ftiTn" terfi USanz an >«1 �wandeln tV« assir hiC»«a "T* Leb Vei sammkung der �....0..............ß.-. mr Dage hielt der Fachverein der Sattler seine Sitzutifl,. Herr Werner hatte das Referat übernommen. ivlnlin �— Werner hatte das Referat übernommen richtete über die Entwicklung der Industrie und d(6,l mus, ferner über die Frauen- und Kinderarbeit. i Referent auf die Sozialrcform der Arbeiter zu IMM Krankenkassen und Invalidenversicherung, bench"",, j,i» steten Gesundheitsrückgang der Völker und erklarte, heutigen Produktionsweise die Arbeiter moralisch � ....._..... � ub-A verkümmern. Bei diesen Worten löste un w Beamte die Versammlung auf, welche ruhig auSeina Theater. Mittwoch, den 14. August. fltrnt'» Theater. Der Troubadour. Viktinria-Schenler. Stanley in Afrika. Avalptz Emst-Theater. Die junge Garde. Aesteaflianre- Theater. Die goldene Mittel- straße. Friedrich- MUhelmftSdtifche» Theater. Girofl�-Girofla. Gstend-Theater. Wild-Afrika. ��M�Passage 1 Tr. 0 M.— 10«. Kaiaar-Panorama. rWWDtz In dieser Woche: Den! Zweite Wanderung d. Pariser MeltanafteUung. Zum ersten Male: Weiiiner Iubeifestzug in Dresden. Im AuSstellungSpark: Atpeniandfchaft. Eme Reffe 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Adonn. 8 Reffen 1 M. Unserem Genossen und Kollegen Alfred Kränzchen 1074 zu seinem heutigen Geburtstage ein donnerndes Hoch!!! Sadowa-consequeos. 1889. Nach langem Leiden verschied am 12. August, früh 5% Uhr, unser Kollege der Bautischler Herrmann Sussmann an der Proletarierkrankheit. 11068 Die Beerdigung findet am 16. d., Nachmittags 5 j Uhr, von der Leichenhalle der St. Georgen» gemeinde in Weißensee statt. Um recht rege Be- theiligung bittet im Auftrage der Kollegen Otto Baoenvam. Uereia geWerbt. Hilfsarbeiter Kerlins«. Grosse Versammlung Neü Kz ■** an dj stn-I W ft'Sl •Ü Schwrhcr-Gsrten. Am K ö n i g s t h o r. Heute Mittwoch: Kiuder-Frevdenf-st. GratiSpräsen tvertheilung. Kin derbelustigungen. Kall. TögW: Theater- M Spcciafität.-IBorjicffung. Entree 80 Pf. BilletS ä 25 Pf. in den Handlungen. Berm zm Wahrvag der zaterejsea der 8aß-# Tchaakwirtlit Berlins und Umgegend. 'Versammlung am Freitag, den 16. August, Nachm. 5', Uhr, in Gründet'» Kestanrani, DreSdenerstr. 116. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über»Die Ge- schichte der französischen Revolution. 2. Vereinsangelegenheiten und neuer Mitglieder. 3. Fragekasten. Verschiedenes. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der vorstand. am Mittwoch, den 14. August, Abends 8j Uhr, im Uereinshan» Süd-Gst, 2Vald/ TageS-Ordnung: L Monats- und Vierteljahrsbericht. 2. Vortrag des Herrn Fritz Kruger und Neues aus der Naturgeschichte". 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. � Kein Mitglied darf bei der Wichtigkeit der Tagesordnung fehlen. Jeder> als Gast willkommen. Große öffentliche Versammlung (Ue Hacker Herlins und Umgege"' am Mittwoch, den 14. August, Abends 8J Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77— 79. TageS-Ordnung:. 1. War es gerechtfertigt in einen neuen Kampf gegen unsere Arbeitgeber 2. Diskussion. Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht der Einberufer._ id. I Julius Schlüter, Höchstestra»�� d I sa Sti» M. Aufnahme [1071 Echte« Uordhauser, Liter 80 Pf., im Restaurant von(1429 Emil B6hl, Frankfurter Allee 74. *T-' V i-...... Neue Welt Kmder-Gr«te-Ittbe!fest. Von 4 Uhr ah i C o n c e r t. Ernte-Festzug. « Lebend. Ziegenbock nebst Wagen. Pwppeniheaier. Bonbonregen.~Stangenklettern. Komiker-Vorst' etc. Austrete» der zestumtei WeziilitSte». Grost i>»»to«lae. Enträe 15 Pf, Kinder 10 Pf, S �stsnneegsg Taucher-Wette des Fischmenschen Capitän James. SpecialitÄten. Drahtseilfahrt mit Feuerwerk. Meimann's Holksgarten. 1 Eingang: Kadstr. 50. Gesundbrunnen. 2. Eingang: pankstr.»5. M&:«er ZM ßench ffir hell Mattre Kerrn Otto Kordowllh.-M» Großes gliiuzeudes japanisches GartenfeS Gr. Etile- Doppel- Mit.-tfonreri. 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Heft 2: Der Nutzen der �» t' schaften. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauen frage der Gegenwart. Der Sozialismus in Frankreich feit der Pariser Kommune. Heft 5:. jr köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Ossip Zetkin-PariS T- 15 und 20 Pf. Di» Ardriterinnen-Drmegnng K erlins. Von A. s erger. a Heft 30 Pf. Frrdimmd Kastall», eine Gedenkschrift zu seinem 25 jährigen Todestag. Mar Kogel, a 50 Pf. Ard»it»r-Notizkal»«d»r. Kleine Ausgabe a Exemplar 50 Pf. Di» Klast»«g»g»«fah» von 1789. Von Karl Kautsky. a Exemplar 50 Pf. Di» Sonntags-Arbeit. Von August Kebel. Brosch. M. 1,— Sybil. Roman von Di»raoli, übersetzt von Natalie Liebknecht. Di» Kitt»» d»r Arbeit. Nach dem Amerikanischen des Zor von Liebknecht. Di» frauzostsch» Revolution. Von Müh-im Kio». Gebunden in Drachiband. a Exemplar M. 5,50. Broschirt in Heften i 20 Pf. K ©i Sfc m nH?, 1 Einbanddecken zu Dobert Klurn a Exemplar 35 Pf. '«n. Verantwortlicher Redakteur: D. Grönheim m Berlin. Druck und Verla« von Mar fad Ix, in Berlin SW_ Beuthstraße 2. d--? W lassen,> geifall's ?'S Letzterer % ongen°� -ß eS unt« treik'n , aus ismanu % x SÄ? 'escher,® � B S useinand" II» � Waldes 8« Beilage zum Berliner Volksblatt. k 188. Mimtte KmnKmileil iider ePire Pilze. teil tone Pflanzengruppe giebt es, die an Mannigfaltig- Wm ��°rmenreich!hum die der Pilze übertrifft. Uederall, «»«„?? blicken mögen, fiedeln fie sich an. Bald find UiWkl � Lebewesen, deren Dasein nur mit Hilfe des lrvpet wahrgenommen werden kann, bald sind es aber " ansehnliche Gestalten, welche vnS sofort in die Augen Mjg• �rgenthümlichkeit aller Pilze ist der Mangel an Chlo- WL Farbstoff, der den höheren Pflanzen das grüne «Ur�Itbt und ihnen mit Hilfe des Lichtes ermöglicht, die UmL Jr' Kohlensäure in organische Kohlenstoffoerbindungen ÜW r-..Hieraus folgt, daß die Pilze nicht im Stande sts'c, aimniliren, wie man jenen Vorgang nennt, sondern p ,b.' sterade wie die Thiere, bereits vorgebildete Nahrung ?? Beben bedürfen. kn, Und es lebende oder tobte organische Stoffe, von W. t. �'jze ihre Nahrung beziehen und die sie zu diesem »«Miit Mahnen. Hiernach unterscheidet man zwei Gruppen, �flrii�r �rotzerpilze(auf lebenden Organismen) und Faul- s»(auf tobten organischen Substanzen). vis?.? M ersteren gehört jenes Pflanzengesindel, welches Ü Thieren und Pflanzen sein Wesen treibt und ansteckenden Krankheiten derselben hervorruft eber eiu»' Hirt 3��, dorgdHj pat-la� , ßifl� Zon � »s "u die unter den Namen Bakterien, Mikrokokken und %(,r h;. r r �anze Menschheit in Schrecken setzende Pilze er- W; � aus unserer Haut, in unserem Blut, in unserer trunLr?. Unseren Zähnen ec. häuslich einrichten und die Hätow K"*" Störungen in den Lebensverrichtungen der Es ia erzeugen. Jz)».rl" auch bekannt, daß Pilze es sind, welche den Brand » de» x.« Erkranken der Kartoffeln und der sind, die in Form von Mehlthau " oft X"?'"' vesauen und sie krank machen. Ebenso rufen s? aer Forftkultur bedeutenden Schaden hervor. So em ziemlich großer Prlz, der Halimasch, an die stio und indem er den Stamm durchwuchert, kann er ?>ie Ä* L?ur Absterben bringen. Ar«nt �erte Gruppe der Pilze, die Fäulnißbewohner, leben 1" organischen Körpern und erregen durch ihr 5» n,™" zugleich deren Zersetzung. Hierdurch sind sie für r? Haushalt der Natur von mächtiger Bedeutung; i"an durch Zerstörung organischer Substanzen die kti fcl%n � für neues Leben. Auch für den kleinen Haus- "fo.».. paschen darf ihre Bedeutung nicht unterschätzt wer- ? rr Und es ja, welche jeder Gahrung— sei sie geistig r�etn„ r iu Grunde liegen. Also nicht nur den Essig, � herzerquickende GlaS Bier und Wein ver- b» auch Schaden können sie uns verursachen, indem jÄin von Moder oder Schimmel die Speisen über- rrVun. stall des Hausschwammcs das Holzwerk unserer rNro,� verderben oder bewirken, daß die von den "if vieler Mühe eingekochten Fruchtsäfte sauer Fäulnißbewohnern gehören ferner jene hoch ent- L'�tWen der Pilze, die auf faulenden Pflanzenllber- »�nidbodenS und der Fluren oft in ungeheurer Menge Sit?, die das Volk gemeiniglich mit dem Namen Pilze mt bezeichnet. Diese find es, die uns besonders Entwickelung dieser Pilze betrifft, so darf es nicht Ii(che»"ahmen, daß noch vielfach die verworrensten Ansichten «z? Und oft plötzliches Erscheinen, rhr schnelles Wachs- Aler mv'kderverschwinden mußte für den gewöhnlichen Be- rM lll-Vemdni erregen. Man sah sie auch vielfach gar »..�stiir �nzen an, sondern hielt sie für Gebilde, die von »i'nr ohne Keime erzeugt würden. Alle Pilze zedoch, die qu«a die kleinsten, gehen wie jedes andere lebendige »r.Hies.»Keimzellen hervor. Aach Keimzellen der Pilze, Sporen genannt, welche rV»»Ne rundliche Kügelchen darstellen, werden in r(qh Aahl gebildet und kommen als feinster Staub --- V— c. c—««mX Xi* UN- rundliche'Kügelchen"darsteTen, werden in un- dl gel i die • r' � �—— Ii.,_. di�unen sie und bilden neue Pilze. Bei der Keimung . c(«-n..—— ü— c---- einen dünnen sadenfor- _____ m werden fie fortgetragen, und da, wo günstigen Bedingungen vorftn- zu dieser wer! wt»1; Entwickelun sie und biloen nrur PI« stA pvren aus ihrem Innern ei-----------..........._ kl'dtidi Dieser verlängert sich, verzweigt sich und stellt A(soutÄ silziges, weißes Gewebe dar, das auf seiner Unier- �icheni�n. Pflanzen Überresten) umherwächst und dem ge- Schimmel oder Moder ähnlich aussieht. Auf diesem oder Mycel, welches den Nahrung aufsaugenden f.' ß" Ein Mervrecher. II �(Schluß.) �lurm heult um die Ecken und Giebel des Ge- » a» schwarze Wolken jagen am Himmel und ver- "»»«>., Manz der Sterne. Heftige Regenschauer klatschen, gepeitscht, gegen die Mauern. Angstklopfenden ist, wer zu solch später Stunde noch wacht, dem ,(fj. � entfeffelten Natur. >0."der ist wach, dem kommt solches Wetter ge- C taftint einsamen Gitter seiner Gefängnißzelle arbeitet % ein einsamer Gefangener. Das Heulen Ae m v sidertönt das knirschende Geräusch der Feile, ! Stnk l dicken Eisenstäbe tief einschneidet. Schon sind 8? der% durchfeilt. Die Hand des Gefangenen zittert SSe. �"sirengung, Schweißtropfen perlen auf seiner s»"ute ohne Unterbrechung arbeitet der Mann, keine A°». diS°"nt er sich zur Erholung. Seit vier Jahren SS?*« n�.»diesem Gefängniffe zubringt, war sein einziges lsth �"d Trachten auf diese Stunde gerichtet; heute ,.si4 zur Flucht die Gelegenheit. .�listen Traumes erinnerte er sich jener furcht- >en. l®lner Flucht und Gefangennahme; undeutlich snr. Gerichtsverhandlungen vor ihm, er war >o.. verm.r. w"d der Unterschlagung angeklagt und zum Oio?'chez worden. Seine Strafe wurde in lebens- f�chthous umgeändert. All das wußte er noch *iit tz* JKur Eines stand hell und scharf vor «q ßi,','.;-»äs jöuo jener jcyonen Urau, vre rr f.? oweS Wahnsinnigen, für die er zum Verbrecher »i 3«, lgL Jür die er sich hatte verurtheilen lassen. Vier %ti' sein-(yvjste einsamer Gefängnißhaft hatten nicht ver- lchep Ns'�de abzuschwächen. Noch fühlte er den mag- 'u ihrer Augen, der ihm den Willen benahm, Mittwoch» den 14. Angnst 188S. Theil des Pilzes vorstellt, entstehen später kleine Buckeln, die, größer werdend, senkrecht emporwachsen und schließlich jenes Gebilde erzeugen, das kurzweg Pilz genannt wird. An diesem entwickeln sich die Sporen. ES ist also das, was wir Pilz heißen, eigentlich nur der Fruchtträger des Pilzes. Da die Sporenbilduna auf sehr verschiedene Weise vor sich geht und meist auf bestimmte Stellen beschränkt ist, so benutzt man diese Unterschiede zur Gruppirung der Pilze. Es würde zu weit führen, eine vollständige Wissenschaft- liehe Eintheilung der Pilze zu geben, es mag nur das Wich- tigste genügen: 1) Blätter pilze. Die Unterseite des Hutes ist mit strahlig gestellten Leisten bedeckt(Champignon). 2) Röhrenpilze. Auf der Unterseite des Hutes finden sich senkrechte, dicht an einander stehende Röhren, so daß die Unterseite wie mit feinen Nadelstichen durchlöchert erscheint (Steinpilz). 3) S t a ch e l p i l z e. Die Unterseite des Hutes trägt feine, freistehende, wie Stoppeln aussehende Zapfen oder Warzen (Stoppelpilz). 4) Keulenpilze. Die Fruchtträgcr sind stiel- oder keulenförmig, oft verzweigt, blumenkohlartia(Ziegenbart). 5) B a u ch p i l z e. Meist kuglige Pilze, deren Inneres im Alter in braunen Staub, die Sporen, zerfällt(Bovist). 6) Schlauchvilze. Die Sporen bilden sich in bcfon- deren Schläuchen(Morchel, Trüffel). Schon seit alten Zeiten wurden Pilze als NahrungSmitte( gebraucht und bei den alten Römern galten einige Arten als die größten Leckerbissen. Freilich waren es nur wenige Arten die genossen wurden. Wenn sich nun auch unsere Kenntniß über eßbare Pilze bedeutend erweitert hat, so ist der Gebrauch derselben als menschliche Nahrung doch noch lange kein allge- meiner geworden. Dies mag zum großen Theil seinen Grund in der Furcht vor Vergiftungen haben. Und in der That kann man auch nicht einem Jeden, der die giftigen und eßbaren nicht unterscheiden kann, das Sammeln und Essen von Pilzen direkt empfehlen. Ja, wenn man allgemein giltige Regeln hätte, nach welchen Jedermann die Pilze auf ihre Brauchbarkeit oder Schädlichkeit hin prüfen könnte, dann würde sicherlich bald der Verbrauch ein allgemeiner werden. Leider giebt es diese nicht. Wollten wir solche ausstellen, so müßten sie sich auf botanische Merkmale gründen. Vor jenen von den Köchinnen angewandten allgemeinen Untersuchungsmerkmalen, nach welchen durch giftige Pilze Zwiebeln sich schwarz, silberne Löffel braun und Eiweiß grau färben re., kann nicht genug gewarnt werden. Man kann durch den Versuch sofort nachweisen, daß gar oft gerade das Gegen- theil eintritt. Wie viele Pilzvergistungen mögen schon durch die einseitige Befolgung dieser Küchenrcgeln verursacht worden sein. Auch darf man ia nicht glauben, daß diejenigen Pilze, die von Thieren gefressen werden, auch als menschliche Nah- rung zu gebrauchen sein müßten, denn gar viele Thiere nehmen ohne Schaden Stoffe zu sich, die für uns die stärksten Gifte sind. Ebenso ist das Abkochen und Wegschütten der Brühe durchaus kein Mittel, welches immer ein Gericht, in dem Gist- vilze vorkommen, unschädlich macht. Dagegen bewirkt es stets, daß ein gutes Gericht nutz- und schmacklos wird. Für alle Pilze gilt als Hauptregel: Man sammle nur frische, gesunde Exemplare, da alte, zumal in anhaltendem Regen gewachsene, leicht schädlich wirken können, selbst wenn sie sonst genießbar sind. Als praktische Sammelregel mag hier mit angeführt werden, daß man die Pilze nie aus dem Boden ausreißen darf, sondern sie stets herausdrehen oder über der Erde abschneiden soll, um die im Boden wuchernden Pilz- fäden, die ja gewissermaßen die Wurzeln darstellen, nicht zu zerstören. Im letzteren Falle ist es gut, die Schnittfläche mit etwas Moos zu bedecken, damit die Pilzfliege nicht ihre Eier, deren ausgeschlüpfte Larven das Madigwerden bedingen, hineinlegen kann. Macht man es so, so kann man gewiß sein, an den bekannten Stellen immer wieder Beute zu finden, während man sich im entgegengesetzten Falle seine Jagd- gründe eigenhändig zerstört. Wer sich eine weitere Kenntniß der Pilze aneignen will, der kaufe sich ein gutes Buch*) und lege, so lange er nicht ganz sicher ist, die ihm verdächtig scheinenden Arten einem ' len vor. Betreffs der chemischen Zusammensetzung ist besonders der den Nährwerth vorzugsweise bedingende große Gehalt an stick- *) Empfehlenswerthe, populär gehaltene Bücher sind: „Wünsche, Nützliche und schädliche Schwämme/ und„Julius Röll, Die häufigsten eßbaren Pilz/. ihn zu ihrem widerstandslosen Werkzeuge machte. Abge- stumpft, gleichgiltig gegen Alles, was um ihn vorging, sah er bei Tag und Nacht nur ihr Bild, war es das einzigste Ziel seiner Wünsche, sie wiederzusehen, die gewiß mit Sehn- sucht auf seine Rückkehr harrte.— Es war ihm zur fixen Zdee geworden, dem armen Gefangenen, daß draußen die Geliebte seiner warte und daß er fliehen müsse um jeden Preis, um sich mit ihr zu vereinigen. Der vierte Eisenstab war durchschnitten, die Oeffnung im Gitter groß genug, um einen Menschen hindurchschlüpfen zu lassen. Die Zelle befand sich im dritten Stockwerke und_ ging auf den Wall hinaus, wo die Gefangenen täglich spazieren geführt wurden. Der Wall war nur mit mannshohen Palli- jaden umzäunt, aber jenseits desselben ging die Wallmauer dreißig Fuß tief abwärts. Zwei Armlängen vom Fenster der Zelle entfernt lief der Blitzableiter an der Ecke des Gebäudes hinab. ES war unmöglich, denselben vom Fenster aus erreichen zu können. Doch für diesen Fall hatte der Gefangene bereits vorgesorgt. Die Umhüllung seines StrohsackeS war in Streifen geschnitten und zu einem haltbaren Seile von mehr als Manneslänge zusammengedreht. Dieses Seil schlang Gröner um eine Eisenstange des Gitters, warf das Ende hinaus und zwängte sich durch die Oeffnung. Ein rasender Sturm- wind fuhr gegen den Mann, der nun an glatter Wand zwischen Himmel und Erde, dort oben hing. Um den Blitzableiter fassen zu können, ließ er sich am Seile pendelförmig hin und her schwingen, aber der Sturm kam ihm von der Ecke des Gebäudes her entgegen und war seinem Vorhaben hinderlich. Mehr als einmal glaubte er den Draht schon fassen zu können, aber ein heftiger An- prall des Windes warf ihn im Bogen wieder zurück. Die Kräfte schwanden, Arme und Knie, welche das Seil um- klammert hielten, zitterten, die Stirnadern schwollen dick an und die blutunterlaufenen Augen quollen aus den Höhlen «.Jahrg. stoffhaltiaen Verbindungen(Eiweißstoffe) hervorzubeben. Die an Stickstoff ärmsten Pilze nähern sich den stickstoffreichsteir Nahrungsmitteln aus dem Pflanzenreiche(Erbten und Bohnen u. s. w.), und man glaubte früher, sie mit Recht dem Fleische gleichstellen zu dürfen. Leider aber sind nach neueren Unter- suchungen nicht olle Stickstoffoerbindungen in den Pilzen für den menschlichen Organismus verdaulich. Infolge dessen über- steigt der auf Grund früherer Untersuchungen berechnete Nähr» werth den wirklichen zuweilen bedeutend. Vergleicht man einige Pilze im frischen Zustande, wo sie bekanntlich sehr viel Wasser enthalten, mit einigen anderen stickstoffreichen Nahrungsmitteln, so findet man, daß ungefähr 1 Hühnerei— 0,28 kg Champignon, — 0,73- Reizker, — 1.30« Gelbling. Einem Kilogramm Rindfleisch entsprechen: 9,3 kg Champignon 15,2 kg Morchel, 24,2 kg Reizker:c. Wenn aber auch hiernach die Pilze in Bezug auf den Nährwerth den hohen Platz keineswegs einnehmen, den man ihnen früher zuschrieb, so bleiben sie doch ein gutes und be- sonders ihres Wohlgeschmacks wegen zu empfehlendes Gericht und sind jedenfalls ebenso nahrhaft, als jede andere Pflanzenkost. WaS die Zubereitung der Pilze anbelangt, so finden sich in jedem Kochbuche eine ganze Menge von Rezepten. Es mögen darum hier nur einige allgemeine Bemerkungen Platz finden. Denn es wird bei der Zubereitung der Pilze in der bürgerlichen Küche noch vielfach gefehlt und dadurch sowohl die Schmackhaftigkeit, als auch die Nahrhaftigkeit des Gerichts arg geschädigt. Als Hauptregel gilt, daß sie möglichst frisch zurecht gemacht werden. Ein längeres Stehen sei es im gekochten oder rohen Zustande, ist stets nach- tbeilig. Ferner soll man sie, nachdem sie gereinigt sind, mit Wasser nur leicht abspülen(nicht auspressen) und dann eist schneiden. Der größte Fehler ist aber der, Pilze vor der Zu- bercitung mit Wasser oder gar mit Essig auszukochen, dann auszudrucken und den Saft wegzugießen. Hierdurch verlieren sie ihren Wohlgeschmack und die wichtigsten Nährstoffe, welche leicht löslich sind, werden mit weggeworfen. Das, was man damit bezweckt, nämlich Unschädlichmachung der eventuell sich darin findenden Giftpilze, erreicht man dabei durchaus nicht immer, dagegen erzielt man stets eine vollständige Entwcrthung des Pilzgerichtes. Es ist dies gerade so, als ob man Fleisch tüchtig auskochen, die Brühe wegschütten und nur die trockene Fleischfasser essen wollte. Ebenso verlieren die Pilze beim Ein- machen in Essig, wenn die Brühe nicht mit verbraucht wird, allen Werth. Dr. phil. H. Hiller.(„Leipz. Ztg.") Di» Aotati»«»« und Kenten, welche der Stapthaupt- fasse auf Grund der verschiedensten Rechtstitel zufließen, spielen eine große Rolle in dem jährlichen Stadthaushaltsetat. Vom Staate bezieht die städtische Verwaltung jetzt fünf verschiedene Arten von Zuschüssen. Da ist zunächst eine Rente von 289 155 M. zur Verwendung für gesetzlich bestimmte Zwecke, dann die Rente von 235 315 M. für Uebernahme und Ver- waltung der innerhalb des städtischen Weichbildes belegenen Straßen und der jährliche Zuschuß von 99 000 M. zu den Kosten des Nachtwacht- und Feuerlöschwesens. Aus der söge- nannten lex Huene, betreffend die Ueberweisung von Beiträgen welche aus landwirthschaftlichen Zöllen eingehen, an die Kom- munalverbände, sind von dem den letzteren zustehenden Theile der Getreide- und Viehzölle zugefallen; aus dem Jahre 1885 88 284 327 M., aus dem Jahre 1886/87 433 997 M. und aus dem Jahr 1887 88 974 860 M.— Infolge des mit dem I.Oktober 1888 in Kraft getretenen Gesetzes, betr. die Erleichterung der Volksschullasten hat die Stadtgemeinde Berlin für das letzte Quartal des Jahres 1888 und für das erste Quartal dieses Jahres 286 950 M. zu fordern.— Von den Berliner E l e k- trizitäts werken hat die Stadthauvtkasse bezogen: im im Jahre 1885 3224 M., 1886 26 238 M., 1887 56 684 M. und 1888 90 375 M.— Die von der großen Berliner Pferde- bahngesellschaft zu zahlenden Rente hat von Jahr zu Jahr eine erhebliche Steigerung erfahren, nämlich von 298 855 M. im Jahre 1881 auf 828 480 M. im Jahre 1888, war also um 177,55 pCt. gestiegen.— Die Rente der Neuen Berliner Pferdebahngesellschaft ist im gleichen Zeitraum von 14 240 M. vis auf 49 224 M. gestiegen, was eine Steigerung hervor. Jetzt oder nie mehr! Schwer keucht die Brust, nochmals mit letztem Kraftaufwand ein gewaltiger Sprung und die weit ausgreifende Rechte hat den Blitzableiter ge- faßt. Der Flüchtling besitzt nicht mehr die Kraft, einen Augenblick zu verschnaufen, sondern gleitet mit solcher Schnelligkeit an dem Drahte hernieder, daß tiefe Wunden ins Fleisch der Hände eingeritzt werden. Halb ohnmächtig und ganz erschöpft liegt er unten am Boden, es ist ihm wohlthuend, daß die kalten Regentropfen gegen die fieber- heiße Stirn schlagen und sein siedendes Blut abkühlen. Uno eben hört er den schweren, gleichmäßigen Schritt der Wache, welche die Runde um das Gebäude macht. Es ist zu dunkel, als daß die Leute ihn sehen könnten, aber der Ton hat chm neues Leben in die Adern geflößt. Fort, be- vor der Posten zum zweiten Mal vorbeikommt! In einer Ecke des PallisadenzauneS hatte Gröner bei den täglichen Spaziergängen auf dem Walle einige Reis- besen bemerkt, welche die Gefangenen, wenn sie den Hof ge- reinigt hatten, dort stehen ließen. Darauf baute er seinen weiteren Fluchtplan. Mit wenigen Sätzen gelangte der Flücht- ling in die Ecke des Zaunes und fand, wie er vermuthet, einen Besen. Mittelst einiger in das Holz geschlagener Nägel, die er schon seit Monaten heimlich verwahrt hatte, überstieg er den Zaun und ließ sich auf der anderen Seite hinab. Dort war nur noch ein schmaler Streifen Gras zum Stehen, daneben gähnte die schwarze Tiefe des Wallgrabens. Gröner wußte, daß die Mauer nicht ganz senkrecht, sondern ein klein wenig schräg abwärts ging. Aus Spielen seiner Knabenzeit war ihm noch bekannt, wie man solche, fast senkrechte Flächen, auch wenn sie von bedeutender Höhe waren, gefahrlos passiren konnte. Er setzte sich, den. Besen rittlings zwischen den Beinen haltend, auf den Rand der Mauer und rutschte dann, während er den Besen vorn mit beiden Händen um- klammert hielt, pfeilschnell die dreißig Fuß hohe Wallmauer hinab. Wohl verspürte er einen heftigen Stoß beim Er- von 245,68 pßt. bedeutet.— Tagegen ist die Rente der Berlin- Charlottenburger PferdcbahngeseUschaft aus bekannten Gründen zurückgegangen.— Von der cnglitchm G a S g e s e l l sch a f t «ndlich hat vie Stadt in den Jahren 1881—1884 eine jährliche Rente von 400000 M. bezogen, dieselbe stieg für die drei folgenden Jahre auf jahrlich 461 038 M. und wurde für die Jahre 1887-1890 auf jährlich 513 080 M. festgesetzt, es trat ober inzwischen wegen der von den Gemeindebehörden beschlossenen Herabminderung des Preises für Gas zu an- deren als Beleuchtungszwccken eine Aenderung des Vertrages mit der englischen Gasgesellschaft ein, infolge deren ein kleiner Ausfall in dieser Rente eingetreten ist und dieselbe sich auf ,501525 M. im Jahre 1888 verringert hat.— Da die Einnahmen der Großen Berliner Pferdeeisenbahn- Gesellschaft im laufenden Jahre 1889 unzweifelhaft den Betrag von 12 Mill. Mark brutto übersteigen werden, so werden dann, nach den Festsetzungen des bestehenden Vertrages statt zuletzt 7 pCt. jetzt 7% pCt. als Rente der Stadtkasse zufließen. Zlach dm Verwaltungsbericht der Stadt Kerlin giebt es an Einrichtungen, welche theils im öffentlichen, theils im privaten Erwerbsinteresse die öffentlichen Straßen ausnutzen noch immer eine große Zahl. Da sind zuerst die Trinkhallen, welche in diesem Zahre ihr 30jährigeS Bestehen feiern können, da ihre Anlage im Jahre 1859 von dem damaligen Polizei- Präsidenten ohne Mitwirkung der städtischen Behörden geneh- migt worden ist. Ihre Zahl ist von 50 auf 49 herabgegangen. Die Zahl der Bedürfmßanstalten für Männer beträgt gegen- wärtig 140, die Zahl der von einem Unternehmer errichteten Bedürfnißanstalten für beide Geschlechter hat sich auf 27 ver* mehrt. Die Anschlagssäulcn sind von dem zu einer Pachtzah- lung von 50 000 Mark jährlich verpflichteten Unternehmer auf eine Zahl von 400 gebracht worden und die Gesammtzahl der öffentlichen Brunnen hat sich auf 1230 erhöht. Normaluhren auf öffentlichen Plätzen sind auch heute erst sechs vor- Händen. Obwohl der Vorortszug- Fahrplan erst im vorigen Monat abgeändert ist, treten am 15 ds. Mts. wieder folgende Aenderungen ein: Zug Nr. 715 wird von Potsdam erst 8 Uhr 8 Min. Vorm. statt um 3 Ubr 5 Min. abgelassen und bis Erkner— Ankunft 10 Uhr 11 Min.— durchgeführt; der von Erkner 7 Uhr 43 Min. Vorm. abgehende Zug Nr. 716 wird 3u„ etwas beschleunigt und bis Potsdam— Ankunft9 Uhr 37 Min. durchgeführt; der von Spandau 8 Uhr 46 Min. abgebende ■und auf dem Schlesischen Bahnhofe 9 Uhr 43 Min. eintreffende Zug Nr. 717 endigt auf letzterem Bahnhofe und fällt also auf der Strecke Schlesiicher Bahnhof— Erkner aus; Zug 719 wird von Potsdam bereits um 9 Uhr 2 Min. Vorm. statt um 9 Uhr 37 Min. abgelassen und 10 Uhr 58 Min. in Erkner angebracht; den 11 Uhr 1 Min. Vo>m. von Charlottenburg abgehende Zug Mr. 723 kommt bereits von Potsdam, und zwar um 10 Uhr 22 Min. Vorm. zur Ablaffung; Zug Nr. 735, von Potsdam ab um 2 Uhr 23 Min. Nachm., wird beschleunigt, so daß der- selbe bereits 4 Uhr 13 Min. in Erkner eintrifft; die von Span- dau 3 Uhr 51 Min. bezw. 5 Uhr 50 Min. Nachm. abgehenden Züge Nr. 737 und 743 werden ebenfalls beschleunigt und be- reits 5 Uhr 27 Min. bezw. 7 Uhr 27 Min. Nachm. in Erkner eintreffen; Zug Nr. 740 geht von Erkner schon um 4 Uhr 34 Min. statt um 4 Uhr 59 Min. Nachm. ab und kommt in PotS- dam 6 Uhr 22 Min. an; ebenso wird Zug Nr. 744 früher gelegt bezw. schon 5 Uhr 38 Min. Nachm. statt um 6 Uhr 19 Min. von Erkner abgelassen und statt bis Potsdam nur bis Charlottenburg— Ankunft 6 Uhr 44 Min.— befördert; Zug Nr. 746 geht statt 7 Uhr 20 Min. Nachm. erst 7 Uhr 51 Min. von Lichtenberg ab und wird nicht mehr in Charlottenburg endigen, sondern bis Potsdam— Ankunft 9 Uhr 8 Min.— durchgehen. Ketrrff« der in dem Flngblatt der FoKalKom- mistlisn enthaltenen Liste der Lokale, welche zu alle« Ver- sammlungen zu haben sind, ist mitzutheilen, daß bei der Auf- stcllung derselben das Lokal des Herrn G o t t s ch a l k, Badstraße(früber Hulh) jedenfalls aus Versehen weggelassen wor- den ist, welches hierdurch ergänzt wird. Bezüglich der an unS gerichteten Anfragen über Orschel's Lokal kann nur mitgetheilt werden, daß dasselbe aus verschiedenen Gründen nicht in die Liste aufgenommen werden konnte. Die beiden städtischen Flustbadeanstalten im Ktadt- ilzeil Moabit, deren Errichtung bereits im Februar d. I. vom Magistrat und von den Stadtverordneten für die dies- jährige Sommersaison beschloffen worden ist, gelangen erst jetzt zur Ausführung. Die für männliche Personen bestimmte An- stalt hat ihren Platz an der Spitze der Moabiter Brücke und Holsteiner Ufer nach dem Cafs Gärtner zu, die für weibliche in gleicher Lage an der Lessingbrücke gefunden. Die Verzöge- rung der bezüglichen Anlagen ist infolge erneS von der Strompolizei erhobenen Einspruchs eingetreten, welcher längere Unter- Handlungen zwischen den betheiligten Behörden verursachte. Die Arbeiten werden derartig beschleunigt worden, daß die Anstalten noch innerhalb der diesjährigen Badezeit ihrer Be- ftimmung dienen können. Zu den Pocken- Erkrankungen. Die„Verl. Ztg." schreibt: Ein durch die llnzuverlä'sigkeit seiner eigenen Nachrichten bekanntes hiesiges Blatt wendet sich gegen unsere Nach- richt über die Feststellung von Erkrankungen an den schwarzen Pocken in der Steinmetzslraßr. Tie Nachricht sei gänzlich un- begründet, nur eine Person sei an Windpocken erkrankt und in die Chantee eingeliefert worden. Schon die von uns mitge- theilten Einzelhoiin hätten doch oen Beweis liefern müssen, daß unser Bericht auf sorgfältiger und eingehender Information reichen des Bodens, aber die Reibung des Besens hatte den Fall abgeschwächt und gefahrlos gemacht. Der Wallgraben war auf beiden Seiten von gleich hohen Mauern umfaßt. Auf der andern Seite hinaufzu- klettern, erwies sich als unmöglich. Aber ein anderer Aus- weg schien sich zu bieten. Durch oen Wallgraben lief ein schmaler Bach, ber wohl in früherer Zeit dazu gedient hatte, den Graben zeitweilig unter Wasser zu setzen. Der Abfluß des Baches war als gewölbter Kanal durch die Wallmauer gebrochen und der Eingang dieses unterirdischen Ganges durch ein eisernes Gitter abgeschlossen. Die Feile trug Gröner noch in der Tasche; ohne Aufenthalt begann er einen Stab durchzufeilen. Die Stäbe waren dünn und nach kaum drei- viertel Stunden war auch diese Arbeit gethan. Jetzt vorwärts! Das Wasser ging ihm bis an den Leib, der Grund war sumpfig, dumpfer Geruch drang aus der Röhre hervor. Pechschwarze Finstermß ringsum! Mit den Händen tastete der Flüchtling die feuchte Maner entlang, vm ihn raschelte es und fiel mit dumpfem Plumpsen ms Wasser, in sein Ohr scholl daS Pfeifen der Wasserratten, welche mißmuthig waren über solch' ungewohnte Störung. Eine Viertelstunde zog sich der Kanal dahin, oftmals reichte dem Sträfling das Wasser bis zur Brust, dann wieder mußte er auf den Knieen kriechen, wo das Gewölbe sich gesenkt hatte. Endlich strömt frischer Luftzug ihm entgegen, noch wenige Schritte und er befindet stch im Freien.— Frei! — Wohl rast der Sturm mit ungeschwächter Wuth, der Regen peitscht ihm ins Angesicht, aber er achtet nicht darauf, er ist frei, die Flucht ist gelungen! Ein Sträfling, den man wenige Tage zuvor entlassen hatte und der sich noch in der nahen Stadt aufhielt, war in den beabsichtigten Fluchtplan eingeweiht. Zu ihm lenkte der Flüchtling seine Schritte. Noch herrschte tiefe Dunkel- heit, aber die Zeit der Morgendämmerung konnte nicht fern beruht. Wir sind demnach in der Lage, unsere Mittheilung vollkommen anstecht erhalten zu müssen. Men« die Schwalben heimwärts»ieh'n, dem wärmeren Süden zu, so naht der rauhe Herbst schnell heran. Am verflossenen Sonnabend sammelten sich Tausende und Aber- tausende der zierlichen Segler der Lüfte über den Rixdorfer Wiesen, tummelten sich dort eine kurze Zeit hin und her und flogen alsdann, wie auf ein gegebenes Zeichen, südwärts, bis sie am fernen Horizont verschwanden. Am Sonntag war in Berlin keine einzige Schwalbe mehr zu sehen. Gl« höchst origiaellrr Prozeß zwischen der Direktion der Stadlbahn und dem Direktor eines hiesigen Volkstheaters dürfte sich in Bälde vor dem Forum unseres Amtsgerichts ab- spielen. Seit einigen Wochen waren die Klosets der Stadt- bahnstation am Aleranderptatz des öfteren total verstopft, so daß ber Fußboden überschwemmt wurde und es mehrfacher Reparaturen bedurfte, um den Schaden wieder gut zu machen. Bei einer gründlichen Revision durch den Gas- und Wasser- rohrleger fand man nun tief in die Klosetröhren hineingezwängt 30- 40 Packete, welche je 5000 Bons des betreffenden Volks- theaters enthielten. Nunmehr klärte sich der Sachverhalt auf. Boten, welche die Bons in den Häusern bes betreffenden Stabt- theils, in welchem sich das Theater befindet, von Haus zu Haus vertheilen sollten, hatten es vorgezogen, die empfangenen Packete in die Klosets der Stadtbahn zu versenke», anstatt dieselben pflichtgetreu zu verthcilen. Da nicht eruirt werden konnte, wer der Tyäter gewesen, hat die Stadtbahnverwaltung der Reparatur- kosten wegen den Theaterdirektor, als für seine Leute verant- wortlich, Schadenersatz halber belangt, der aber natürlich Zahlung verweigerte. So wird denn der„Bons-Prozeß" in Bälde statt- finden, bei dem jene gefundenen Zettel als„corpcra delicti" auf dem Richtertisch deponirt werden dürften. Auf dem Spittelmarkt war am Montag Vormittag der Verkehr im wahrsten Sinne des Wortes zum Hals- und Bein- brechen. Infolge der dort stattfindenden RegulirungSarbeiten waren die bekannten Interims- Geleise der Pserdcbahn gelegt. Da sich dieselben nur wenig von den gewöhnlichen Geleisen unterscheiden und man beim Ueberschreitcn derselben gerade an jener Stelle zur Eile genörhigt ist, auch die Augen auf das Fuhrwerk richten muß, um nicht überfahren zu werben, so fielen die Fußgänger zu Dutzenden über die hervorragenden Schienen des Hilfsgeleises, . besonders an denr belebten Eingange zur Nrederwallstraße. Als die Unfälle immer zahlreicher wurden, sah man endlich Arbeiter am Montag Mittag damit beschäf- tigt, durch Bohlenlagen die Erhöhung der Schienen mit dem Straßendamm auszugleichen, was eigentlich bei der Legung von Hilfsschienen jedesmal stfort geschehen sollte. Vierbeinige« Küchlein. Es gehört zu den besonderen Eigenihümlichkeiten der Sauregurkenzeit, daß während ihrer Herrschaft die Natur völlig aus dem Geleise zu kommen scheint, wenn man anders den Berichten der Zeitungen Glauben schenken darf, in deren Spalten es von Schilderungen über abnormale Vorgänge und Bildungen im Thier- und Pflanzen- reiche wimmelt. Neben der Seeschlange, die allerdings schon stark in Mißkiebtt gekommen ist, taucht der Laubfrosch auf, der als Laich in einen Kindermagen gerathcn ist und an diesem ungewöhnlichen Orte sich zum perfekten Wettervropheten ent- wickelt hat. Böswillige Zweifler, an denen unsere Zeit ja so reich ist, belegen freilich alle diese Geschichten mit dem Namen eines gewissen schnatternden Wasservogels und bringen dadurch den gewissenhaften Journalisten in die unangenehme Lage, erst förnilich auf Pflicht und Ehre versichern zu müssen, daß es lautere Wahrheit ist, was er berichtet. So wird gewrß mancher unserer Leser un- gläubig mit dem Kopfe geschüttelt haben, nachdem er die lieber- schrift dieses Artikels gelesen hatte. Und doch ist Mutter Natur einmal so weit von der Regel abgewichen, daß sie einem Küchlein statt der althergebrachten zwei Beine, deren vier mit auf den Lebensweg gab. Der Geburtsort dieses seltenen Wesens ist das, den meisten Berlinern wohlbekannte, so reizend gelegene Dörfchen Schmöckwitz. Der dortige Lehrer Herr Schröter hatte eine Henne brüten lassen und nachdem dieselbe ihre Pflicht erfüllt hatte und bereits eine Anzahl Küchlein ausgekrochen waren, bemerkte Herr Schröter, wie das im letzten Ei enthaltene Thierchen vergebliche Versuche machte, sich von der umgebenden Hülle zu befreien. Hilfsbereit, wie der alte Herr ist, leistete er Hebeammendienste und seine Mühe wurde durch die Geburt eines vierbeinigen Küch- leins belohnt. Leider ist dasselbe nur zwei Tage alt geworden. Wie sich aus der Besichtigung des nunmehr in Spiritus bei- gesetzten ThiereS ergiebt, war dasselbe von schwarzer Farbe, und abgesehen von den überzähligen Beinen, fehlerstei. Auch die sämmtlichen Füße sind bis auf die feinen Krallen vollkommen und wohlgebildet, nur ist je ein Vorder- und Hinterbein etwas stärker entwickelt, als das gegenüber stehende Paar. In ent- gegenkommender Weise gestattet der Besitzer des Monstrums die Besichtigung desselben, doch wollen wir allen Raritäten- sammlern gleich bemerken, daß eventuelles Werben vergeblich ist, da Herr Schröter gewillt ist, das seltene Gebilde dem zoo- logischen Museum zu uberweisen. Von der Findigkeit der Post wird so oft und in so übertriebener Weise geschwärmt, daß es nur eine Sache der Gerechtigkeit ist, wenn wir einmal von einem erstaunlichen Fall, welcher das Gegentheil beweist, berichten. An ein Fräu- lein Auguste Licdtke, Parochialstr. 8, traf kürzlich aus Königs- berg in Preußen ein Blies ein, welcher einer vollen Woche be- durste, um in die Hände der Adressatin zu gelangen. In der Parochirlstraße wohnte dieselbe zwar nicht mehr, aber sie war sein. In eiligem Laufe legte Gröner die Strecke bis zur Stadt zurück, schon hellte sich der Himmel hinter zerrissenen Wolken, als er vor dem unscheinbaren Häuschen in einer engen Gasse der Vorstadt ankam, wo er den entlassenen Sträfling finden mußte. Ein dreimaliges Pochen an den Fensterladen, das verabredete Zeichen, die Thür wird geöffnet, er ist in Sicherheit. Andere Kleider liegen schon bereit, sie sind nicht mehr neu und passen auch nicht sonderlich, aber immerhin sind sie tausendmal willkommener, als der verhaßte Sträflings- anzug. Der Tag ist heraufgestiegen, auf den Straßen herrscht der lebhafte Verkehr des Vormittags. An dem Haufe, wo früher der reiche Bankier Streber wohnte, begehrt ein Mann in ärmlicher Kleidung und von unheimlichem Aussehen Ein- laß. Er will die Wittwe Streber sprechen. Das Dienst- mädchen, geängstigt durch das heftige Wesen des Mannes, erklärt ihm, daß hier keine Wittwe Streber wohne. Wenn er die Frau Baronin meine— die sei ja wohl die Wittwe des Bankiers gewesen, welchem früher das Haus gehörte—, so möge er sein Anliegen nur sagen, sie wolle eS der gnädigen Frau schon mittheilen. Der Mann hat schon zu viel gehört. Rücksichtslos stößt er das erschrockene Mädchen zur Seite, im Sprunge eilt er die Treppe hinauf und dringt in die wohlbekannten Räume. „Judith!"— Die Frgu am Frühstücksfisch war ent- setzt aufgesprungen und starrte mit gläsernem Blick nach dem Eindringling. Das war Er— Er, den sie zum Verbrecher gemacht, dem jetzt der wilde Wahnsinn aus dem Antlitze sprach. „Judith," rief er nochmals mit markerschütternder Stimme.„Judith— Geliebte— Engel— Satan— mir gehörst Du und keinem Andern. Mit Blut habe ich Dich ordnungsmäßig nach ihrer neuen Wohnung in der Dr6 straße 105 abgemeldet. Dorthin ging der Sinti mit dem unter diesen Umständen ganz uncr» Vermerk:„Adressatin daselbst unbekannt" Schreiben nunmehr eine förmliche Irrfahrt zu W g schieden sten Postämtern und Polizeirevieren, bis er, an das zuständige Postamt zurückgelangte und dieses � nochmals den Versuch machte, in dem Hause Dresdener! � die Empfängerin zu suchen. Diesmal ward Re auch g gefunden, aber acht Tage waren zu dieser Bestellung � gewesen. Das betreffende Kouoert verdient jedoch als j dem Postmuseum einverleibt zu werden. Es ist derer*, Vorder- und Rückseite mit Bemerken aller Afi vefieji j, mit Zetteln überklebt, daß es schwer hält, den BriefuM seiner ursprünglichen Form zu erkennen. Wieviel Kier trinkt der Kerliner im Wir rheilten jüngst einige Zahlen über das- gewerbe nach dem Berichte der Aefiesten der wt-r�w mit. Aus diesen Ziffern hat inzwischen ein Reporter daß während des vergangenen Jahres auf den Kopl o A liner Bevölkerung ein Konsum von 182 Liter»' (gegen 1883 ein„Fortschritt" von 23 Litern). Das ,�1 jahraus, jahrein wiederkehrende Rechnung, die eine � Fehler hat. Sie läßt den Konsum der in Berlin verW Fremden außer Betracht. An diesem Mangel leide»» � eu-t--- am---- die cherlungen von Konfumtibilien-Mengen durch rungsziffer, beim Biere steigert sich die Wirkung aber noch beträchtlich. Die Bierkonsumenten setzten Vi sächlich aus männlichen Personen von einem bestnnmie zusammen; die männlichen Personen dieses Alle»- höchstens ein Viertel der Bevölkerung aus, aber vm Wl-OC UUlltl UUZ»/..f II" diesem Viertel trinkt ein erheblicher Theil wenig oder g c«!.. iw kcc Fremden— und die„«E zu schätzen versucht, man setzt sie a° � zu genug an— ist also nach"*" Bier. Der Anlheil der Fremden— und wurde erst kürzlich"'' KÄSSHs S.« man»"'all' eigentlich bi ertrinkenden Theile der berechnen. � Auch von den Fremden dürfte man nur die männlichen Personen von dem angenommen. � ab mitzählen, diese überwiegen indeß; und es" hinzu, daß man auf der Reise bekanntlich mehr Bter gewöhnlich. Eigenlob. Wir lesen in der„Moabiter folgendes st— rotzende Selbstlob: awnr „Moabit, der prächtig gelegene, nordwestliche� � Berlins, zählt gegenwärtig etwa 86 000 Einwohner oom.« arischer Abstammung, welche sich durch Intelligenz � sunden Menschenverstand vortheilhaft auszeichnen- dessen ist die politische Gesinnung eine durchaus ge»' soziale. Die israelitischen Mitbürger bilden einen sinnigen Verein, dem allerdings auch Christen angehöre' � Die Bewohn-r Moabits gehören vorwiegend den gu.gl besten Gesellschaftskreisen an; Offiziere, Beamte, Ren � Rentieren wohnen in Moabit in großer Zahl. Ei» eiM dieser Oase in der Berliner Wüste gewährt jedem e»'' erquickung. Das Zentral Organ des Stadtiheils sind s biter Nachrichten".", Die„Volks- Ztg." bemerkt hierzu: Es will""4 als fei Manches oder Alles darin etwas pastöS»tW-� Von den 80 000 Einwohnern streichen wir reichus?.,�� und zwar auf Grund amtlicher Ziffern. Die P�A.f e»! .durchaus gereifte deutsch-soziale", Mäntelchens: denn der Verein„königstreuer A».W sinnung, die Mäntelchens: ocnn oer toemn„ronigsireuer bekanntlich sanft entschlafen.„Kaum gedacht, war»er jj End' gemacht." Ein„Besuch dieser Oase in der Berlm M te v>-l./ hat unS als„Herzerquickung" diese Jagdausbeute Der Artillerist, der, wie wir gestern erzählten, Lattenhieb niebergehauen wurde, liegt bereits im auf der rothen Bank und wird seziit. In dem- Perlebergerstraße, hat man in der Nacht zum Ass eleganten Saal ordonanzmäßig verwüstet, und Blut»* unter den Streichen von Holz und Eisen. In der kl A straße 28 hat man am Montag Abenb einen in£*■ j straße 17 wohnenden Maler so heftig aus einer G»st? an die Luft befördert, daß er mit einem SchädelbiU�Lij. Straße liegen blieb, von einem Milchhändler in tew» yltnj ?tsteiwmm Mm /"«men fe i "der ÜVtc & gefahren wurde und wahrscheinlich jetzt, wo _ 1' ist für da« letzte H geborenen, das nur Raum hat für Einen, und zwar VAtfayi-vii«vmvv uuu iuuyi(Ujtiiiiiu; jcgi, wv v-.-,, � Druck gehen, schon reif ist für das setzte Häuschen 1»°� gijJ ............ ftpi M> organ des Stadlthei'ls gut thun, nicht ferner so stark a» gevorenen, oaS nur Raum hat für Emen, und zwm' Pnn- oer still liegt. Angesichts dieser Thalsachen dürfte da» in sein deutschsoziales Nachlwächterhorn zu blasen. Der Gemeludelrstrer M. pfaender ersuch' aK Zeitung" um folgende Mttlheilung:„Ich habe keme»«4 und Titelschwindel betrieben und bin deshalb Thsu tag Abend persönlich durch den Staatsanwalt au» entlassm worden, weil kein Betrug vorlreat, risse" Herr Pfaender, die Anklage gegen ihn dürfte Kiftlrttng. Der Schuhmacher Julius GraSnrek, straße 33 wohnhaft, wurde am Freitag, den 9. AugM"�.« gegen<10 Uhr, an der Brunnenftr.- und Anklamersss.�M, von einem Kriminalbeamten verhaftet, weil[er ein j sich trug. Er wurde nach dem 46. Polizeirevier si'"' in dem Packet an 1700 Flugblätter von der Lokal«; � gefunden wurden. Auch hatte G. 7 Sammelbon» erkauft, reit Blut ist unser Bündniß geschrieben- im Leben nicht mir gehören, so sollst Du in, wenigstens ewig bei mir sein!",.(ss* Mit starkem Arme umfaßte er das noch lose Weib und hob es hoch empor Die Thür des Nebenzimmers wird heftig alb angekleidet stürzt der Baron ins Zimmer. rer vor, wer wagt es.. Der Wahnsinnige läßt das Weib zu Boden leit� einem Blick des tiefsten, furchtbarsten Hasses mF'd r, den Baron. Dann ein Griff, ein schwerer~ � durch die Luft und mit zerbrochenem Schädel lieg' am Boden. gt» Gelles Gelächter schallt durch das Zimmer, üi, mein Täubchen, bin ich mit Dir allein!" Und e# dem am Boden liegenden Weibe„Endlich best �% Seit vier langen Jahren verzehrt mich die sucht, habe ich diesen Augenblick heraufdefch«- bist Du mein, Du elende Lügnerin und sollst' entwischen. Heute ist unser Hochzeitstag und'» V... wollen wir den Brautschmaus halten." Eine p'»" ist über ihn gekommen. Gleich eisernen Klammern\ J, seine Finger um den Hals des wehrlosen Weebe» � eher lösen die Hände sich von dem Opfer, bis Zucken aus dem Körper entwichen ist.. � Lärm und verworrenes Geschrei ertönt auf Schutzleute dringen in das Zimmer. Ein LAi sitzt am Boden und hält in seinen Armen den todten Frau, die er so sehr geliebt hat.«iW eigen, sie kann ihm nicht mehr entfliehen, eh",� v» betrügen. Mit Gewalt muß man ihn von fiennen.. Er starb nach einigen Wochen im JrrenhaM' Mr V 1 «it| der K i Ar ntohi n r. j ü W Ii UM iM*" Wt en c % # ■ÖUfl Gesetze?? von der Ver- 35%% b%kKbS:%...........- L?K ö""-'" nett k m bereits beim Genuß solcher----_ trfe�fi feb�Uu fA-h" smd, geeignet, die menschüche Ge- in verkehr�' �7%� gcmnoen)tno, geetqnel, otc menicgutye leiden ch�az..s�?°�sen und unter Umständen selbst akute Ver- t.% ä AsS 2 55 m*K im' ittfi«. �.?�nkcn, Rekonvaleszenten und Kindern ge- Ilin„„"'m..k™*", auch eine kleine Dosts schädlich wirkt. per grünen Wagen nach dem Molken- &;iz 4"»ÄZigai: «ollik etfnfil«, ratebec vcrbaftet zu werden Die Behörde »urdx jJ„.?V.°an wo die Flugblätter herstammen. Grasnick W, oh ti» x-5® Hauser geführt, wo man die Bewohner XeSdenersd kk«mteinenh! w'L �""en. Ueberall war die Antwort eine sie auch 0% sticht,«ekunden � x" der Wohnung GraSnick'S wurde gehauS- estellung«"* fiif»!." ,?,'vurde nicht«. och als llt# ton aeirorfn!! Apfelschnitte. In einer Anzahl Proben gg# ÄÄWT«»%%%.!:%% Sfr'ÄttrsÄ WMMWM ____..... des Mengen, wie 'ttoct Polizeiamt warnt auf Grund dieser Ermitte- %en ein st)" den Zaun überstiegen, und, obwohl für den ----- � r,— ix._ ra,.r.;t,.nn tin'/'I r>n Privatwächter angestellt ist, welcher in Begleitung WlirfTin. patrouillirt, ist es ihnen gelungen, eine dort be- pairomuirt, i)t es ihnen gelungen, eme von oe- ket �'rdrrum�hat stch in�lchr-ckrtich-r M-is- die Unntte gerächt, in eine brennende Lampe Oel zu gretzen. „i des Kaufmanns S. in der Sebastianstrabe wollte SÄ&wää %E?'" �önte eine heftige Detonation. Tie Flasche ivus hoi,;:i t der noch in derselben befindlich gewesene Svititus �rdin°n hauend über die unglückliche Frau u??d setzte die Schlafzimmers in Flammen. Das Angstgeschret t7�truno�.��""?tmmers?n»ta................... £�ottn wf-'~""d der Feuerschein brachten daS ganze Haus p Ivetten Hausbewohner strömten herzu und eS gelang, "@ he)! � sichgreifen des Feuer« Einhalt zu thun. lieber ' U""« X.. tu.,,.;-----'rx__ t____(U.,-? l"' umjtwgreifen des Feuers Einhalt zu?yun. ueoer tii X!@atle inzwischen mehrere Bettstücke geworfen �Y'tqre sn'J Flamme erstickt. Dennoch hat die Unglückliche rknb Mdwunden am ganzen Körper davongetragen, ''fcetiot'"J�rtn und Beine noch Theile der auseinander- , Lei b.sl� gedrungen sind. A Aackn,),?" wolkenbruchartigcn Regen, der am Sonn- S'Ft afin.'i®®�lin übetflulheie, stand der Norden unserer �?ler Wasser. Die Bewohner der Keller der »»-. überfl®ot:it(?bt befreiten mittelst Schläuchen und Eimern Mite, �wemmten Wobnräume von dem eindringenden & ,. iin'x'T.""ü" Wohnräume von..........„ WW* Feuerwehr trat mehrfach in Aktion. Die ""ratz« bildete''...... S»i ■-""ui« in der Nähe des alten Viehhofes eine fith x deren Finthen bis an die Perrons der nur jZ itQA �. durcharbeitenden Pferdcbahnwagen heranreichten. g,"."rm Zeilraum von einer Stunde konnte ein (ff'et?_ des Bürgersteiges von Fußgängern erreicht sehr anerkennenswerthe Maßregel unserer ...% ii., ll«ngS- Deputation trat vorgestern bei dem Ge ier"!? �ale in Kraft. Patrouillen der Straßen- iw, �Icb,??llen während des Regens sämmtliche Straßen tot tzif"Dt?„t**.Fahrt von Berlin nach Spandau machte iu,, Tagen ein junger Mann, der sich für einen e, itot Zpüxx örer aus Berlin ausgab, die Bekanntschaft eines ä"-----"".....- in- töcrlm ausgav, pte«eianni|a;u|i ci.icn Sieh? der unverehelichten R. aus Spandau, welche??? itnx�.g. fand Gehör bei dem unerfahrenen begleitete sie bis zu ihrer Wohnung. Zun? gS CiL sie bis zu ihrer Wohnung. Zum Lfkc 5, rot e?n ferneres Zusammcnkonrmen verabredet. Der «wFle bjf das Mädchen darauf in ihrer Wohnung und ksfebetie egenheil, eine Summe baaren Geldes, sowie nr®f9enfläube zu entwenden. Dann entfernte er sich Ioa""eise i„�¥ /r annehmen mußte, daß seine perfide Hand- so?' an he. Wchan errtdeckt war, wagte er doch nachtiäglich lottit da« attioear war, luuytc et vut,, t. n (f'adchen Bliese zu richten, um das Verhältniß tw, �Panben. x- fallar am vergangenen Sonntag wieder St.. lUoefar...' dresmal wurde er aber oerhaftet und dem Ge- �Sm k"8efüiWi''"uuiut u uvu—.....- •'Jer kScQ�ij®®® Hochstapler ist angeblich der Sohn eines �Sllerf� Juli und August sind den Besitzern einer nwsu x". Garderobe als die gcfürchteten„Motten- ki, illiinzenx. dekannt. Ueberall, wo die kleinen, flinken, kkix�anwäi-ttü iS�an sich eingenistet haben, beginnen sie um �!ox"�klontl Jahreszeit ihr Zerstörurrgswerk und wer mit ----- ktLx. n..nbis zrnn nächsten .......... Siit&Rteu fern, in den einzelnen Stücken die »u werden, daß auch� Dabei ver- den als Fach- is'hettne.. 9 und guten Erbaltuna während des Sommers �te?°"Nl pfleat?®n Erhaltung währer..... t �in? ÄoitensÄ. zuverlässigeres Mittel gegen den ge- d« i»N®aß.kennen.. als öfteres stijhti""'' C,�tt, b„7""«trra6 kennen, als öfteres tüchtiges Ausklopfen der SBKMMSÄWÄSS i'WrfJ der GnnX uamentlich das vielempfohlene Aus- X cheth letzteres luftdicht verschlossenen Behältern, sind ,".att bofün 1 namentlich deshalb, weil niemand eine '—«.-,™ baiiir® namentlich deshalb, weil niemano crne ?!lbil.pu die issfutahreu kann, daß die aufbewahrten Sachen ysslor," Unaerr®.t®® Infekts enthalten, das dann in der )S„""fiSarteie �®*t uon der ausschlüpfenden Larve die � besten ehmen läßt. Das Ausklopfen besorgt ltei"-""«breit 1"'°en? man DOS rsarocroocuuu ut.|— indem man das Gardcrobestück auf einem mit t'Ü die"S�r-i�ktrsioeren vearoerier, io um, u».----- � illl Sisk"»Ä.«%% S«S V A---- X SftnurTtornttftef • iea'- ji*uuh II Räuchermittel - M tzjWW pBKtßCSS AMfA TkmiR# Tmßpn. ni,' � Ü MMWW Rektor 16 tßeZf'--------... aus«tit x®" nach der Bahnstation Treptow, um N"t dem 9 Uhr-Zuge nach dem Schlesischen be-®selli�„c.bu begeben. Kaum hatten die letzten zu —>..„I.fren spätung um 17 Minuten) hineinfuhr. An der Durch- gangsthür, die nicht geschlossen war, standen noch mehrere Personen, die mitfahren wollten, die aber infolge unseres Zurufs:„Drüben bleiben! Der Zug kommt!" zürückblieben. Wäre der Zug nur eine Minute früher gekommen, so hätte sich leicht ein Unglück, dem von Steglitz unseligen Andenkens ähnlich, ereignen können; denn er wäre in unsere nichts ahnende Gesellschaft hineingefahren. Daß wir Alle in die größte Aufregung geriethen, ist wohl erklärlich. Was helfen alle Bestimmu??gen, die zum Schutze des Publi- kums erlassen sind, wenn s?e nicht befolgt werden! Die be- treffende Thür, die nach den Anordnungen der Behörde doch jedenfalls verschlossen bleiben muß, solange durch den ein- fahrenden Zug die geringste Gefahr für das Publikum ent- stehen könnte, ist am Sonnabend Abend nicht geschlossen worden, und nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken gewesen, daß der einfahrende Zug kein Unheil angerichtet hat. Wir sehen uns zur Veröffentlichung dieses Vorkommnisses ver- anlaßt, um dadurch zur Verhütung ähnlicher Fälle in der Zu- kunft beizutragen. Per Telephon ist der Kaufmann R. in der Königgrätzer- straße beschwindelt morde??. Derselbe hat neben seinetn Kolo- nialwaarengeichäft eine Adressenannahme für die SpeditionS- fi?ma B. u. R. Am 8. d. Rachmittags kam ein junger Mann in R.'S Geschäft und fragte den KommiS, ob der Kutscher der Firma B. und R. schon dagewesen sei, um Adressen abzuholen; auf die verneinende Antwort deS Kommis entfernte er sich. Kurze Zeit darauf empfing das Geschäft von R. eine tele- phonische Anfrage, ob ein junger Mann dort gewesen sei, um den Kutscher abzuwarten. R. erhielt dann im Namen der Firma B. u. R. den Auftrag, dem jungen Mann, sobald er käme, 25 Mark auszuhändigen, womit derselbe vom Anhalter Bahn- Hofe abzuholende Sachen verzollen könne. Der junge Mann erhielt denn auch im R.'schen Geschäft die 25 Mark. Als R. im SpeditionS- Geschäft die Rückzahlung des Geldes verlangte, stellte es sich heraus, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen war. Derselbe ist von kleiner, hagerer Statur, hat dunkelblondes Haar, blasse, kränkliche Gesichtsfarbe, hinkt etwas infolge Verkürzung eine« Beines und trägt einen hohen Stiefelabsatz. Eine bekannte Taschendiebin, die 58 Jahre alte Wittwe Macholka, wurde gestern Nachtnittog am Brandenburger Thor von hiesigen Kriminalbeamten abgefaßt, als sie mehrere Personen zu bestehlen suchte. Mach Mittheilung der„U. pr. Ztg." wird im Vota- nischen Garten das Aufblühen der ersten Knospe der Victoria regia heute Nachmittag nach 4 Uhr erwartet; bei ungünstiger Witterung wird sich das Aufblühen um einen Tag verzögern. Jede Blüthe zeigt sich zwei Tage. Bei normalen Verhältnissen entfaltet sie sich am ersten Tage, Nachmittags 4 Uhr, in weißer Farbe mit Geruch, blüht dann in kurzer Zeit auf, jedoch nicht ganz, und zeigt stch bis zum nächsten Vormittag; zur Mittagszeit schließt sie sich fast ganz, um am Nachmittag dieses zweiten Tages wieder aufzublühen in rosa Färbung, und zwar ganz(das heißt die Blüthenblätter legen sich ganz zurück) bis zum dritten Tage früh, woselbst sie sich schließt und unter Wasser sinkt. Von Herr« Gokar Krüger, Zeitungs- Spedition, Berlin SO., Naunynstr. 49, erbalter? wir folgendes Schreiben; Mehrere hiesige Blätter meldeten in heutiger Morgennummer, der Zeitungs-Spediteur K. sei beim Ueberichreiten des Fahr- Hammes von der Lindenstraße nach der Jerusalemer Kirche durch einen Rollwagen überfahren und schwer verletzt worden. Da ich mit mündlichen und schriftlichen Anfragen förmlich überschüttet werde, bitte ich Sic höfl. in Ihrem geschätzten Blatte gütigst aufzunehmen, daß ich mit dem Verunglückten nicht identisch bin. VemäS be« V eröffentlichungrn de« Kaiserlichen Gesundheitsamt« sind in der Zeit vom 28. Juli bis 3. August er. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurch- schnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 21,1, in Breslau 32,3, in Königsberg 23,6, in Köln 32,1, in Frankfurt a. M. 18,3, in Wiesbaden 14,1, in Hannover—, in Kassel 13,0, in Magdeburg 41,2, in Stettin 27,7, in Altona 22,7, in Straßburg 25,7, in Metz 16,1, in München 40,0, in Nürnberg 35,2, in Augsburg 36,9, in Dresden 26,0, in Leipzig 26,1, in Stuttgart 17,4, in Karlsruhe 18,8, in Braunschweig 23,6, in Hamburg 23,8, in Wien 22,0, in Pest 27,5, in Prag —, in Trieft 24,0, in Krakau 31,1, in Amsterdam 23,3, in Brüssel 22,5, in Paris 24,3, in Basel—, in London 18,4, in Glasgow 20,5, in Liverpool 23,4, in Dublin 20,7, in Ed in bürg 17,2, in Kopenhagen 31,2, in Stockholm 19,4, in Christiania 21,4, in St. Petersburg 24,4, in Warschau 36,5, in Odessa 28.5, in Rom—, in Turin—, in Venedig 22,8, in Alexandria 40,1.— Ferner in der Zeit vom 7. Juli bis 13. Juli er. in New- Aork 39,4, in Philadelphia 30,4, in Baltimore 28,8, in Kalkutta 22,7, in Bombay 24,7, in Madras—. Die allgemeine Sterblichkeit hat in der Berichtswoche in den meisten europäischen Großstädten, nametttlich aber in den deutschen eine weitere Abnahme erfahren und überstieg nur noch in einer kleinen Zahl derselben die normale. Einer sehr gün- stigen Sterblichkeit(bis 15,0 pro Mille und Jahr) erfreuten sich Kassel und Wiesbaden; doch war auch in Mülhausen i. E-, in Frankfurt a. M., Stuttgart, Karlsruhe, Metz, London, Cdin- bürg, Stockholm die Sterblichkeit eine günstige(bis 20,0 pro Mille). Mäßig hoch(etwas über 20/) pro Mille) war sie in Berlin, Danzig, Altona, Elberfeld, Bremen, Darmstadt, Wien, Brüssel, Glasgow, Dublin, Christiania, Venedig. Hohe Sterb- lichkeitsziffern(über 35,0 pro Mille) werden von den deutschen Städten Chemnitz, Kiel, Nürnberg, Halle, Rostock, Augsburg, Münche??, Magdeburg gemeldet, von denen nur in den beiden letztgenannten Orten die SterblichkeitSziffer bis 40/) und darüber stieg.— Auch in dieser Woche übte das Vorkommen der tödtlich endenden Darmkatarrhe und Brechdurchfälle in den meisten Großstädten einen merklichen Einfluß auf die Sterb- lichkeit aus, obwohl in den meisten derselben, wie in Berlin, Hamburg, Breslau, München, Nürnberg, Dresden, Leipzig, Köln, Königsberg, Magdeburg, Düsseldorf, Braunschweig, Wien, Pest, London, Paris, St. Petersburg die Zahl der durch diese Krankheitsformen bedingten Sterbefälle ab- und nur in Augsburg, Brüssel, Warschau im Vergleich zur Vorwoche zuge- nommen hat. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Gesammtsterblichkeit war im Allgemeinen eine verminderte. Von je 10 000 Lebenden starben, auf's Jahr berechnet, in Berlin 98, in München 238 Säuglinge.— Akute Entzündungen der Äthmungsorgane riefen häusiger Erkrankungen hervor, führten aber seltener zum Tode.— Von den Infektion« krank- heilen wurden nur Todesfälle an Scharlach und Diphtherie und Kroup mehr gemeldet.— Masern haben in Bremen, Barmen, Elberfeld, Wien, Paris, St. Petersburg, Warschau weniger, in Köln und London mehr Sterbesälle veranlaßt; auch Erkrankungen an Malern werden vielfach selte??er, nur aus dem Regierungs- bezirk Düsseldorf, aus Pest, Christiania und St. Petersburg größerer Zahl nritgelheilt.—_ Da« Scharlachfieber hat ??? in Königsbergs München, Liverpool, St. Petersburg weniger, rn London und Pans etwas mehr Opfer verlangt. Neue Er- WWW kletne als??? der Vorwoche wurde. Neue Erkrankungen wurden aus den meisten Orte??, aus welchen Mittheilungcn vorliegen, ?n genngerer Zahl benchtet.- Sterbesälle an Unterleibstyvhus waren?n Berlin, London, St. Petersburg seltener, in Essen Pest und Paris häufiger. Erkrankungen kamen aus Hamburg, Pest, Christiania, St. Petersburg und namentlich aus dem Re- gierungsbezirk Düsseldorf in größerer Zahl zur Anzeige, während sie in Berlin, im Regierungsbezirk Schleswig und in Kopenhagen seltener wurden. Aus St. Petersburg kamen 2 Erkrankungen an Flecktyphus, aus Zwickau 1 Todesfall, aus'Kopenhagen 1 Erkrankung an epidemischer Genickstarre zur Meldung.— Dem Keuchhusten erlagen in Hamburg, London, Kopenhagen etwas mehr, in Paris und Liverpool etwas weniger Kinder als in der Vorwoche. Neue Erkrankungen waren in Hamburg, Wien und Kopenhagen häusiger. Ein Todesfall an Tollwuth wird aus St. Petersburg gemeldet.— Einzelne Todesfälle an Pocken wurden aus Wien, Graz, Venedig, mehrfache aus Brünn(2), Paris(3), Warschau(6) zur Anzeige gebracht; neue Erkrankungen zeigten sich vereinzelt in Berlin, Breslau, Wien und St. Petersburg.— Aus Bagdad wird ein Ausbruch von Cholera getneldet; in wenigen(7) Tagen sollen zweihundert Personen der Seuche erlegen sein. Die sanitären Verhältnisse in Berlin haben sich allmälig wieder günstiger gestaltet, und auch die Sterblichkeit war in der Berichtswoche wieder eine geringere als in den letzten zehn Wochen. Doch ist die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit noch immer eine hohe und zwar zumeist infolge der noch immer sehr zahlreichen Todesfälle an Darm- katarrhen und Brechdurchfällen, denen in der Berichtswoche 167 Personen(gegen 231 der Vorwoche)! erlagen.— Etwas häufiger als in den Vorwochen kamen akute Erkrankungen der Äthmungsorgane zum Vorschein, doch nahmen sie in den über- wiegend meisten Fällen einen günstigen Verlauf. Das Auf- treten der Infektionskrankheiten blieb ein beschränktes. Masern, Diphtherie und typhöse Fieber riefen weniger Erkrankungen hervor und zeigten sich in keinem Stadttheile in hervorragender Weise. Erkrankungen an Scharlach kamen etwas häusiger und zwar zumeist aus der Rosenthaler Vorstadt zur Anzeige. Er- krankungen an rosenartigen Entzündungen des Zellgewebes der Haut kamen nur vereinzelt, Erkrankungen an Kindbettfieber 4 zur Behandlung. Erkrankungen an Keuchhusten waren seltener, die Zahl der Opfer blieb eine kleine. 1 Erkrankung an Pocken kam dagegen wieder zur Meldung. Rheumatische Beschwerd.n aller Art gelangten etwas weniger als in der Vorwoche zur ärzllickten Beobachtung. Volizeiberichck. Am 12. d. M. Morgens wurde im Landwehr-Kanal, nahe der AlbrechtShoferbrücke, die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden und nach dem Schau- Hause gebracht.— Mittags- wurde an der Ecke der Bergmann- und Nostizstraße ein neunjähriges Mädchen und Nachmittags vor dem Hause Sorauerstr. 27 ein fünfjähriges Mädchen— beide durch Bierwagen— überfahren. Beide erlitten an» scheinend schwere innerliche Verletzungen.— Abends stützte im Ostbahn-Park, Rüdersdorferstr. 70, eine Seiltänzerin während einer Vorstellung infolge eines Fehltritts vom Seile herab und trug anscheinend innerliche Verletzungen davon. Gerichks-Ieikung. Da« Obernerwaltnngsgericht hat im Verwaltungs- Streiiverfahren entschieden, daß uach neuerem Reichsrecht Gast- und Schankwirthe zur gewerbsmäßigen Veranstaltung von öffentlichen instrumental-musikalischen Vorträgen in den Schank- lokalen keiner Erlaubniß bedürfen. Gestützt auf eine für den Umfang der Provinz Westpreußen von dem Oberpräsidenten erlassene Polizeiverordnung, trat der Polizeipräsident von Danzig dem Restaurateur M., als dieser Quartett-Jnstrumentalmusik in seinem Lokale gewerbsmäßig veranstaltete, hierin in der Weise entgegen, daß er ihm die auf drei Monate widerruflich er- (Heilte Erlaubniß zur Veranstaltung solcher Vorträge wieder entzog. Auf die hiergegen gerichtete Klage des M. wurde vom Oberverwaltungsgericht auf Aufhebung der ange- fochten en Verordnung erkannt. Die gewerbsmäßige öffent- ltche Veranstaltung von Instrumentalmusik durch einen Gast oder Schankwirth darf, da sie weder durch den§ 33a noch durch eine andere Bestimmung der Gewerbeordnung von polizeilicher Erlaubniß abhängig gemacht ist, auch nicht durch Landesgesetz oder Polizeiverordnung von einer solchen abhängig gemacht werden. Aus der Entstehungsgeschichte des§ 33a ck. ist zu entnehmen, daß die im Entwürfe des ReichsgcfetzeS vor- gesehene KonzessionSpflichtigkeit der gewerbstnäßigcn öffentlichen Veranstaltung instrumenlal-musikalischer Aufführungen der Gast- oder Schankwirthe in deren Wirthschastsräumen?n das Gesetz nicht aufgenommen ist in der ausgesprochenen Absicht, diese bisher nur durch Polizeiverordnungen von ztveiselhafter Rechts- giltigkeit geregelte Konzessionspflicht nunmehr gesetzlich zu regeln, und zwar in der Weise, daß die Gewerbsmäßige öffe??lliche Ver- anstaltung von Instrumental- Musikaufsührungen in Wirth- schaftslokalcn nicht der Konzession bedürfen soll. Hiernach ent- behrt die Polizeiverordnung des Oberpräsidenten der gesetzlichen Giltigkeit. Auf«ine höchv verwerfliche Mrkfe hat der 26jährige Droguist Hermann Martin Barle! se?nen Einfluß auf einen etwas geistig zurückgebliebenen Knaben ausgenutzt. Er wurde gestern der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts l aus der Untersuchungshaft vorgeführt, um sich wegen gewohnheits- tnäßiger Hehler«? zu verantworten. Die JuwelierSwittwe B. besitzt einen Sohn, der infolge einer Verletzung am Kopfe in geistiger Beziehung so beeinträchtigt worden ist, daß seine Mutter ihn mit dem zwölften Jahre hat aus der Schule nehmen müssen. Er war nur zu verwenden, um den Laden für kurze Zeit zu beaufsichtigen, während keine Käufer da waren. Der Knabe kam häufig in das benachbarte Droguen, gefchäft, in welchem der Angeklagte konditionirte und beklagte sich häufig darüber, daß feine Mutter rhu so strenge halte und ihm besonders nie Geld gebe. Run for- derte der Angeklagte ihn auf, ihm eine goldene Tuchnadel au« dem Geschäfte seiner Mutter zu bringen, er wolle ihm eine Mark dafür geben. Der Knabe that dies und von dieser Zeit an wanderten in kurzer Aufeinanderfolge zwei goldene Ringe, zwei goldene Herren- und eine Damenuhr, eine perlenbesetzte Kröche und zwei Uhrkettcn aus dem B'schen Laden durch den verleiteten Knaben in den Besitz des Angeklagten über, der für diese Werthsachen die theilweise mit über 100 M. ausgezeichnet waren, nur 20 bis 30 Pf. zahlte. Thränenden Auges erklärte der Knabe im Termine, daß er sich häufig gesträubt habe, die Diebstähle zu begehen, der Angeklagte habe ihm aber so lange zuges.tzt, bis er sich willfährig_ gezeigt. ~ ille eine Der Staatsanwalt führte aus, daß im vorliegenden Fall— ganz erhebliche Strafe am Platze fei, er beantrage gegen den Angeklagten eine Zuchthausstrafe von zwet Jahren, dreiiahrigen Ehrverlust und Stellung unter Polize?aus,?cht. Der Gerichtshof nahm aber zu Gunsten des Angeklagten an, daß nur eine ein- zige fortgesetzte Handlung vorliege und erkannte auf eine Ge- fängnißstrase von anderthalb Jahren und Ehrverlust auf die Dauer von drei Jahren. Gin Streit mit feiner Gstefrau sollte den Buchbinder- meister Gustav Engel dermaßen aufgeregt haben, daß er jenen thörichten Streich beging, der ihn gestern unter der Anklage der Unterschlagung vor die erste Fetienstraskatnmer des Land- gerichts l führte. Engel war feit dem 1. April d. 3- Hausverwalter geworden und am 1. Juli nahm er die Miethe??, etwa 1000 Mark, um sie dem in der Nachbarschaft wohnenden Eigenthümer abzuliefern. Kurz vorher halte er eine unerquickliche Szene mit seiner Ehefrau gehabt und wie er angab, war er hierüder so hochgradig erregt war- den, daß er sich, auf der Straße angelangt, eine« anderen besann und die unglückselige Idee faßte, mit dnn Gclde nach Holland durchzubrennen. Er ging zum Lehrter Bahnhofe und löste zunächst ein Billet nach Rheine in Westfalen. NnterwegS betrank er sich dermaßen, daß er von der Fahrt ausgeschlossen werden mußte, man fand eine so bedeutende Summe bei ihm vor, daß es bei einem Fahrgast 4. Klasse Verdacht erregen mußte; es wurde in Berlin angefragt, wo der Durchgänger bereits angezeigt war, und nach zwei Tagen befand Engel sich bereits im Untersuchungsgefängnis' Der Hausbesitzer hat nur einen Verlust von gegen 100 M- zu beklagen. Der Gerichts- bof belegte den Angeklagten mit einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten. Gi« recht häßlicher Uertraurnsbruch führte gestern den Klempnermeistcr Gustav Bornstedt unter der Anklage der Unterschlagung vor die erste Ferienstrafkammer des Land- gerichis l. Der Neffe des Angeklagten, der Kellner Altmann, hatte sich ein kleines Kapital erspart, welches er im vorigen Fohre zur Gründung einer Existenz benutzen wollte. Er beab- fichtigte in Frankfurt a. O. ein Grundstück zu kaufen, da er aber in seiner damaligen Stellung unabkömmlich war, so bat er den Ängeklaaten, für ihn nach dort zu reisen und den Kauf abzuschließen. Bornstedt versprach dies auch und fein Neffe vertraute ihm ein Sparkassenbuch über 2200 Mark sowie 500 Mark in baar an, womit die Anzahlung geleistet werden sollte. Anstalt sein Versprechen zu erfüllen, schob der Angeklagte die Reise immer weiter hinaus und erklärte schließlich, daß zur Anzahlung noch weitere 500 M. nöthig seien. Allmann besorgte mit Hilfe seiner Braut auch dies Geld, von dieser Zeit an ließ der Angeklagte sich aber nicht wieder sehen. Er that auch keine Schritte zum An- kaufe eines Geschäftes, mit Mühe erhielt fein Neffe das ihm anvertraute Sparkassenbuch zurück, das baare Geld zurückzugeben «klärte der Angeklagte sich aber außer Stande, er wollte es verborgt haben. Sein Neffe denunzirte ihn und der Angeklagte konnte von Glück sagen, daß der Gerichtshof auf Grund der Thatsachen nicht Betrug sondern nur Unterschlagung für vor- liegend erachtete. Die Behauptung des Angeklagten, daß man ihm das Geld geliehen habe, um nach freiem Ermessen darüber zu verfügen,«wies sich als eine Unwahrheit. Der Gerichtshof belegte den Angeklagten mit einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten. Grufle Nerhaltuuge« a« ewige Kchutzleuke, welche in Anklogesachen wegen groben Unfugs auf Grund der von ihnen«stalteten Anzeigen als Zeugen geladen waren, machte der Vorsitzende der 96. Abtheilung des Berliner Schöffenge- richts, Gerichtsassessor Münk. In diesen Fällen stellte sich, wie so vielfach, h«aus, daß die Angeklagten ohne jede Schuld in einen Straßenexzeß verwickelt worden und daß sie Die- jenigen waren, gegen welche die Thätlichkeiten verübt wurden. „Warum haben Sie die Angeklagten«st angezeigt, da sie doch nach Ihrer Aussage nichts Unrechtes begangen haben", fragte der Vorsitzende.„Weil sie mit dabei gewesen sind und ein Auflauf stattgesunden," lautete die Antwort der Beamten. Der Vorsitzende machte dieselben darauf aufmerksam, daß durch solche unrichtigen Anzeigen die Gerichte rc. unnütz behelligt werden; auch daß ihnen künftig die Kosten auferlegt werden würden. Tie Angeklagten wurden selbstverständlich steige- sprachen. Versammlungen. Der Allgemein« Metallarbeiter- Verew Kerlin» und Umgegend hielt am Donneistag, den 8. August, eine MO- gliederversammlung im Restaurant Königshof, Bülowstr. 37, ab, mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Schweitzer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Referent schild«t in eingehender Wesse die geschichtliche Entwickelung der Arbeiterbewegung, und führte im Besonderen die englischen TradcS- UnionS an, welche die«sten Anfänge einer solchen waren und welche, trotzdem sie in ihren Einrichtungen viele Achnlichkeiten mit uns«en heutigen Zünften haben, doch im Gegensatz zu denselben, wenigstens von Seiten der Arbeiter, ernst zu nehmen waren, weil von Arbeitern vertreten, hingegen die Letzteren die In- Messen der Meister vertreten und auch von solchen geleitet wurden. Im weit«en geht Redner auf die Jahrhunderte langen Kämpfe der TradeS-UnionS ein und schildert, wie dieselben in ihrer Existenz von so verschiedenen Seiten bedroht waren, wie sie in Petitionen an das Parlament,„wie zum Beispiel für die Bei- behaltung des von der Königin Elisabeth erlassenen Lehrlings- Gesetzes, welches im Anfang dieses Jahrhund«te gefährdet war, mit ca. 30 000 Unterschriften bedeckt", herantraten, während die Meister und Fabrikanten gegen dieses Gesetz nur etwa 2000 Unterschriften aufzuweisen halten. Weil jedoch da- mals die Unterschriften nicht gezählt, sondern nach dem Werth d« Personen gewogen wurden, so wogen jene 2000 Fabrikanten mehr als 30 000 Arbeiter und das betreffende Gesetz fiel. Referent meint, die englische Gewerkschaftsbewegung habe, trotz ihrer ruhmreichen Vergangenheit, sich nur bis in die 70er Jahre dieses Jahrhunderts an der Spitze zu halten ver- macht, und habe jetzt der deutschen Arbeiterbewegung die Füh- inng Anlassen müssen.(Beifall.) Zur Diskussion meldet sich Niemand. Zu„V«schiedeneS"«heilt d« Vorsitzende Kollege Litfin mit, daß am 1. September eine Dampferpartie nach Nedlitz bei Potsdam stattfindet, wozu Billels bei den Kassirern zum Preise von 1,25 pro Person und 0,25 pro Kind zu haben sind. Ferner wird für den Westen eine Zahlstelle bei Herrn Bartel, Flottwellstraße 5 einzurichten beschlossen. Hierauf er- folgte Schluß der Versammlung. A« de« verschiedene« Grien, wo Vnfammlungsverbote stattgefunden haben behufs Berichterstattung vom internatio- nalen Arbeiterkongreß in Paris, gehören auch die Städte Bielefeld und Herford, wo der Delegirte I. Zwiener Bericht «statten wollte. Herr Z. war in öffentlichen VolkSversamm- lungen als Vertreter d« beiden Städte gewählt worden, ohne daß die betreffenden Behörden dagegen einzuschreiten Gelegen- heit gefunden hatten. Die Hersorder Behörde hatte bereits über erfolgte Anmeldung Bescheinigung ertheilt, und ließ das Verbot dem Anmelder zwei Tage später ohne jede Begrün- dung zu stellen, während die Bielefelder Behörde ihr Verbot mit folgend« Begründung dem Anmelder der Versamm- lung zustellte: Gründe. Die Tagesordnung d« verbotenen V«Iammlung faulet nach d« von Euer Wohlgeboren unter- zeichneten Anmeldung„Berichterstattung vom internationalen Arbeiterkongreß in Paris durch Unl«zeichnelen." Nun geht aus Zeitungsnachrichten u. s. w. üb« die Verhandlungen auf genanntem Kongreß hervor, daß derselbe, an dem die Führer der sozialdemokratischen Bewegung sowohl au« dem deutschen Reiche wie aus anderen Staaten Theil genommen haben, den Zweck verfolgt hat, sozialdemokratische und sozralistlsche aus den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnnng ge- richlete Bestrebungen zu fördern. Bei Ihrer bekannten politischen Stellung als Anhänger der Sozialdemokratie und dem Umstände, daß Sie an dem Pariser Kongreß Th«l ae- nommen haben, ist die Annahme gerechtfertigt, daß Ihre Be- richt«stattung bestimmt ist, die oben bezeichneten Bestrebungen zu fördern. Es war demnach die Versammlung zu verbreten. Die PolizeiverwaUung. gez. Banfi.", Kerichttgung. In der gestrigen Beilage uns«« Zeitung befindet sich unl«„Vereine und Versammlungen" ein Bericht des Unterstützungs- Vereins der„Zimmerer". Es soll nicht Unterstützungsverein d« Zimmerer, sondern d« Maurer heißen. soiiaidew-kratisch» Mal>>v»r,w fLr>»« 1.#»rH«»r E«iS«<<«a»-i39ohlhrri» hält atti Mittwoch, den 14. Auguil. Sbmd» 8 Uhr, rn Torfcon'» Elton. N-ur Griinftr. Z8. leine Verwnmluno ab. in welcher der -tiudü._ wird Ko,t>»»>»««»ratif>h»r Wahloeeein für d«n 4. Werl. Nelchotag» n>ahlbr(i«. Mittwoch, den 14. Au au st. ÄbenbS 8% Uhr. Settarnmlunq im Hdnlqsiadi«alino, Hoizmarkisir. 72. Zaaeio'bnunq. 1. Porttaq drt Herrn J. Tin k. 2. Vereindangeieaenhetten. S- BerschiedeneS und Fraaelasien. GSite willkommen. Zahlstellen sind bei H. Latte Rvdertdorserstr. 20:®. Tempel. Breijaucrftr. 27; Karl Echos», Wrangelsir. 32; Gotlsr Schult, Admiralftr. 45. Daselbst werden auch neue Mitglieder ausgenommen, Hach»»r»tn der»ischler. Oessentitche Mitglieder- Bersammlung am Mittwoch, den 14 Uuguit. in Lehmann« Ball-Ealon. Echwedterstr. 23 Tage». Ordnung; 1 Vortrag von Otto Thierbach über;„Innung und Fachvereln". 2. Didkussion. 3. Verlchiedenet 4. Die Lokalsrage sür den Roiden.— Reue Mitglieder werden aufgenommen. Perein gewerblicher Kitfeardeiter Berlin» nnb Zimgegenb. Sirohe Verlammluna gm Mittwoch, den 14. August. Abend» 8\ Uhr, im Vereindaau» Süd-Osi. Woldemgrstiaße 75 Taot»orbnung; 1. Monai». und VieitelladreSbeiicht. 2. Vortrag de» Herrn Fritz Krüger über.Alle» und Sieuei au» der Naturgeschichte". 8. Diskussion 4. Verschiedene».— Sein Mil- giitd dors bei der Wichtigkeit der Tagesordnung sehten. Jeder Aibeitcr ist gl» Bast willkommen. Der Verband deutscher Müttergeselle», Filiale Beilin. hält am Mittwoch, den 14. August, Abend» 8% Ubr. in Funk» Salon. Bergstratzc 12. eine Versammlung ab. wozu sümmtliche Müller Berlin» und Umgegend sreund- iichst eingeladen werden. Tagesordnung; 1 VercinSangeltgenheil 2. Diskussion und Verschiedene». 3 Wahl von Bo> staudimilgliedcrn. 4 Ausnahme neuer Mitglieder «raft» öffentliche Versammlung siimmtltcher Zimmerleut« Berlin West Umgegend am Mittwoch, den 14 August. Abend» 8% Udr. im Königthos. Büiowstratze 37. Tagesordnung; 1 Ist e» nolhwendig. datz wir un> organisiren? 2. Verschiedene». «ratze öffentlich« Persammtnng der V-rgolder und Fachgenossen Kertin» am Miltwoch. den 14 August, Adend» 8% Uhr, in Echesseri Eaion, Jnselstratze 10 TageSoidnung; 1 Der auSgearbeilete Taris und wie stellen sich die Vergoldet Berlin» dazu 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Da» Erscheinen aller ist undedingt notbwendig Fachverein der Lederarbeiter Berlin» und zlmgegeud. Mittwoch. den 14 August, Abend» 8% Uhr. in Renz Salon, Naungnitratze 72: Mktgiiedcr-Versammlung. Tagesordnung; 1 Vorllandiwabi 2 B-rathung der GeschästSordnungSstatuten. 8 Verschiedene». Reue Mitglieder werden am Eingange de» Saale» ausgenommen Mitglicddkarte legitimirt. Zentral Dir anben und Klerbebass» der»ischler». s. w. kOertlichc Verwaitungiftelle verlin F) Milglicder-Per arnrnlung am Mittwoch. den 14 August. Abend» 8% Uhr. in zaustmann« Salon. Invalidenstratze 144 Tage»ord»ung. 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Wahl de» Bevollmtichiigten und eine» siitvisor«. 3 Bericht von der Generalversammlung. 4. Verschiedene». Um zahlreich'» Erscheinen wird ersucht «rotz» öffentlich» Versammlung der»öpser Berlin» und Dlm- gegend am Domreislag. den 15, August. Adend» 7 Udr. Im KSnigstadt-Ällsino, Holzmarklstratzc 72. Tagesordnung; 1 Die Tdiitiakeir im Brugeweibc in der Gegenwart und Vergangenheit lhauptsüchlich im Töpsergcwerbes. 2. Dt»kussio». 3. Gewerkschastliche Angelegenheiten. Ei findet eine Zelicrsaimniung zur Deckung der Unkosten statt.__ «»sang,»um- und gesestia» Verein» am Mittwoch: Männer. gelangvcrcin.Iugendlust' Abend» 8% Udr im Restaurant Pasiod, Garten- stratze 182.— Männergesangverein.Cäcilia' Abend» 9 Ubr im Restaurant, «öontckerftratze 127a.— Gesangverein.Männcrchor Linde' Abend» 8% Uhr im Restaurant Haller. Raungnstratze 70.— Männeracsangvercin.SangcSfreundc' Abend» 9 Uhr im Restaurant Musehold, LandSbergerstratze 81—.Kreoa'. Gelanaverein der Freireligiösen Gemeinde. Abend« 8% Uhr im Restaurant Beneckc. Grotze Harnburgerstratze 18.— Huppert sche Eängervereinigung jeden Mittwoch nach dem ersten im Mcnat, Abend» 9 Uhr im Restaurant Heise. Lichtendergerstrasje 21.—.Secger'icher Gesangverein' Abend» 9 Ubr im Restaurant Schulz, Prenzlauerstratze 41.— Gesangverein.Schwungrad' Abend» 8% Uhr Im Restaurant Sa hm, Annenstratzc 16— Männergesangverein.Lorbeerkranz' Abend» 9 Ubr im Restaurant starsch, Oranicnsliatzc 190.— Gesangverein.Rord-Zubal' Abend» 9 Udr in Bettin s Bierhau». Peterancnstratze 19.— Manneigcsangverei».Schneeglöckchen' Abend» 9 Uhr im Restaurant Dober- stein, Mariannenslratze 31-32.— Gesangverein.Sangerrunde' Abend» 8K Uhr Buckowerftratze 9.— Verein.Sangeitreuc' im Restaurant Henckel. Bruder- stratze 28. 1. UebungSstunde von 8X bis 11 Uhr Abend».— Gesangverein Bruderbund' Abend» 9 Uhr bei Pätzoidt. Reichenbergerstratze 16- Lübeck scher '........—-----" isadelhstratze 57-58.- Turnverein(1. LehrlingSablbeilung» Abend» 8 Ubr El... Turnverein.Wedding'. Pankslratze 9 Männeradldeiiung von 8% bi» 10% Ubr Adend»; desgleichen 1. Sthrlingsadtdkiiung von 8—10 Uhr Abend».—.Mehr Licht'. Verein sür Scherz u. Ernst. Abend» 8XUhr im Rest. Heid, firuchtstr. 36».— Schlesischer Verein.Holtei' Abend» 9 Uhr im Restaurant Henke. Hollmann- stratze 33- VergnügungSveretn.Fröblichkcit' Abend« 9 Uhr im Restaurant Säger, Grüner Weg 29.— Wisicnschastlicher Verein sür Roller'sche Steno- gravbie. Abend» 8% Uhr im Restaurant Bcese, Alte Schönbauscrftratze 42. Ummicht und UebungSstunde.— Roiler scher Stenogravhcnverein Süd-Berlin Adend» 8% Uhr im Restaurant Prinzcnstratze 97, Sitzung»nd UebungSstunde.— Arend» scher Stenographen-Verein.Amicitia' Abend» 8% Uhr im Restaurant Behrend». Schönebcrgerslratze Nr. 6.— Arendg scher Steno- gravhenvcrein.Pbilia' Abend» 9 Udr im Restaurant.WUbelmSgarlcn', Kochstrabe 7.— Stenographische Gesellschaft Arend» im Restaurant Bürger- garten. Lindenstr. 105. Unentgeltlicher Unterricht und Ucbung.— Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemeiudelchule Abend» 9 Uhr im Restaurant Lehmann, Kursürstenftratze 31— Berliner Rauchklub.Wränget' AdendSJ) Uhr im— müthllchktit________ I„JH. HP________ HP P Rauchkiub.Eoiurndia' Abend» 8% Uhr im Reswurant Beoer. Prinzenstratze 96. — Rauchklub.Frisch gewagt' Abend» 8% Uhr im Restaurant Tempel, Bre». lauerllratzc 27.— Rauchklub.Vulkan' Abend» 9 Uhr im Restaurant Schul,. Gräsestratzc 82— Vergnügungiverein.Fiöbilchkeit', gegründet 1880, Abend« 9 Uhr Grüner Weg 29.—.Pollack-Club-Eintracht'. jede» Mittwoch. Abend» 8% Uhr bei G Thiel, Wiencrslratze 68.— Gesangverein der Tavezircr Berlin», jeden Viittwoch Restaurant Ccpdeiftratze 30.' von 9—11 Uhr Abend»— .Tarnbourveretn Gut Heil'. 8 Uhr Langestr. 101. Geschästlichc Sitzung. Gäste keiiltu Zutritt.— UnIrrhaltungSvercin.Harmonie'. Sitzung Abend» 9 Uhr DreSdencrftr. 116 bei Wendt ann. Aursürftenftratze 31— Berliner Rauchklub.Wränget' Adend» 9 Uhr t Restaurant Foge, jtöpnickerstratzc 191.— Rauchkiub.Havanna SO' Abend» Uhr im Restaurant Paetzoldt, Reichenbergerstratze 18— Rauchkiub.Ge- üthlühkeit' Abend» 9 Uhr im Restaurant Achsel,.«öpnickerstratze 161— Wormiphkes. Urber eine« Kensationsprozefi, der sich seinerzeit in Odessa zngelraaeu, die russischen Gerichte und Medizmaibehör- den beschätiiftt yat und jetzt durch das Gutachten eines Äer- liner Professors in ein neues Stadium getreten ist, weiß die „Reo. Ztg." nach Odessa« Blättern folgendes zu berichten: Am 11. 3luni_ 1884 wurde d« Gendarmeriekapitän Gsschden, ein schöner kräftiger Mann von dreißig Jahren, in Odessa in seiner Wohnung todt aufgefunden, mit ein« Stichwunde in d« Bruft und einer Schußwunde im Kopf- In der geballten Hand des Todten befand sich ein in der Scheide steckender Dolch, welcher sonst am Kopfende des Bettes hing, wäh- rcnd an d« Erde ein blutiges Jagdmesser und ein blutbefleckter Revolver lagen. Es handelte sich nun danim, festzustellen, ob hier ein Mord od« Selbstmord vor- liege. Kapitän Gsschden hatte den Abend zuvor auf dem Landgute eines Bekannten zugebracht, war dort sehr lustig ge- wesen, hatte gesungen und getanzt, der Tocht« des Wiriyes einen Rcvolv« gezeigt(denselben, d« nachher in seiner Woh- nung aesunden wurde) und dabei geäußert, daß« im Besitze dieser Waffe sich nicht fürchte. Zu Bekannten hatte dcr Kapitan gesagt, daß er mit seinem Dienste vollkommen zufrieden war, Vieles für sich in der Zukunft erwarte, wenn ihn nicht das Geschick deS Gen«als Sirelr.ikow ereile, nämlich von den Nihilisten umgebracht zu werden. Gegen drei Uhr Morgens war Gischden in seine Wohnung zurückgekehrt, hatte sich entkleidet und in einem Buche(dem nihilistisch- pessimistlschm Roman:„Was thun?" von Tschernysckewski) gelesen. In d«- selben Nacht befanden sich in sein« Wohnung ein Ordonnanz- a«, dorm, d« Lakai Powalski und dessen Geliebte Agafia Koro- lewitsch. Zwischen 5 und S Ubr Morgens trat der Kapitän blutend in die Küche, rief:„Reitet mich!" und begab sich darauf in fein Schlafzimmer zurück, wo ihn der Gendarm auf das Bett taumeln sah. Während letzter« auf den Räch der Lakaien sich entfernt, um das Geschehene der Gendarmerieverwal- tuv g zu melden,«tönte im Schlafzimmer ein Schuß und der Lakai lief schreiend aus der Wohnung, der Kapitän habe sich«schössen. Die Geliebte des Lakaien machte vor dem Untersuchungsrichter die unbedachte Aussage, d« Lakai habe sich früh Morgens aus d« Küche entfernt, und bald nach feinem Fortgehen habe sie vier Schüsse gehört, von welchen die Fensterscheiben«zitt«t wären. Unmittelbar darauf sei die Thür aufgegangen und der Kapitän im bloßen Hemde in die Küche gekommen mit dem Rufe:«Zu Hilfe! Reitet mich!" Die Untersuchung ergab, daß von den vier Schüssen, welche das Mädchen gehört haben wollte, keine Spur sich vorfand, immerhin erschien d« Lakai Powalski durch die eigene Aussage seiner Geliebien so belastet, daß b«de in Hakt genommen wurden. Die zunächst hinzugezogenen ärzt- lichen Sachvnftändigen äußerten sich üb« die TodeSart Gischden'S sehr unbestimmt, weshalb der UntersuchungSricht« um das Gut- achten derOdessa«ObermedizinalverwaIIung«suchte. Diesegob die Möglichkeit eines Mordes zu, behauptete aber mit außerordent- lich groß« Wahrscheinlichkeit, daß Gsschden sich beide Wunden selbst zugefügt habe. Damit nicht zufrieden, erbat d« Unter- fuchungSrickter das Gutachten des medizinischen Departements und des MedizinalrathS beim Ministerium des Innern, welche sich im Gegmfatz dazu pofurv für Mord aussprachen. Darauf- hin wurden der Lakai Powalskr und seine Geliebte wegen Er- morduvg des Kapitäns angeklagt, ab« vom Schwurg«icht fieiaesprochen. Auf Berufung des Staatsanwalts mu* Urtheil kassirt, ein anderes Schwnrgericht fand den ft« sckiuidig und verurlheilte denselben zu vierzehnjähriger�� Arbeit in den Bergwerken Sibiriens, während lewitsch freigesprochen wurde. Powalski sitzt seitdem m �% und in seinem Schicksal würde sich nichts ändern, wc» der damalige Vorsteher der Odessa« Obermedizinaloew» Dr. L. Marowski sich seiner angenommen hätte- wendete sich, in der Ueberzeugung, daß Powalsn u"™ verurtheilt sei, am 4./16. Februar d. I. an den ---- Berlin, Geh. Medizwasrath � in#? genchtlichen Medizin in......... man, schickte ihm eine Abschrift der Akten und fugte daj des Verurtheilten Schicksal zu«leichtern, giebt eS � Mittel, von einer anerkannten Autorität in der. Medizin ein Gutachten zu erbitten und, sollte die für Selbstmord stimmen, die Sache durch den dem Kaiser vorzustellen, um seine all«höchste Gnc, den Prozeß noch einmal durchsehen zu lassen. M*' bat dem unter so seltsamen Umständen an ihn«gange Folge gegeben. Er begnügte sich nicht damit, nur o zu studiren, sondern ließ sich ein dem Mordmstrumen � gleiches Messer anfertigen und brachte damit° Anzahl Leichen dieselbe Stichwunde wie bei-J hervor. Als Hauptargument für Mord hatte t™? fische Medizinal- Departement den Umstand M«*» die bei Gischden vorgefundene Stichwunde in der bei einer ganz bestimmten Körp«lage von einem , wie' zugefügt sein könne. Professor Liman wies dagegen, � der Eulenberg'schen„Vierteljahresfchrift für gerichiliche fir fc«, ausführlich darlegt, nach, daß eine solche Wunde inft sitzender, sowie liegender Stellung beigebracht weroc � Sein Gutachten schließt damit, daß ein Mord nm' j � ausgeschlossen werden könne, daß aber ein SelbstmorO., Grade wahrscheinlicher sei. Dieses den armen W lastende Gutachlen ist im März d. I. nach Rnßlan°J worden upd Dr. Marowsky bemüht sich nun, eine nähme des Prozesses zu erwirken... Unter dem Titel Chinrstsche Unterst altn»®,? ,.»Zn die öffentlicht der„Ostasiatische Llvnd" einen Artikel �Publikn — eine frühere diesbezügliche Notiz in Nr. 1»°; Blattes ergänzend— Folgendes entnehmen: kennt fast gar keinen Zenvertreib, bci dem die Hauptrolle spielt. Eine uns so natürliche.�1 als ein Spazierzang, ist dem Chinesnr uuver � « zieht es vor, den ganzen Tag in£•'(jjtsjj oder Hause sitzen zu bleiben, und wenn ihn dazu zwingen, das HauS�zu verlassen, so Ä % eS ihm irgend möglich ist, sich nach seinem. orte hintragen oder fahren lassen. Es ist man ihn mitunter im Somm« auf Wiesen herumwandern sieht, doch lhut er dieses nicht OK wegen, sondern er befindet sich dann wohl"L Suche nach einer Art von großer Heuschrecke-# eine hinreichende Anzahl dertelben gefangen,> « sie nach Hause und setzt jedes dies« Thierche»./ Papi«schachtel. Nun sucht er zwei dies« Insekten" aj KkN Ii nn pinKNT ß�rrt�TirtTm. hKufelbCTt fir ein Stück von einem Grashalm, spaltet denselben-.— keilförmigen Schwänze der Thiere in den Einschnstt mit diesem Steuergeschirr im Rücken die Heu'chreck � umdrehen kann. Der edle, bezopfte Liebhab« Oieo. hetzt nun eines dieser Thiere gegen das andere, u wöhnlich kämpfen sie aufs Wülhendste. Nachdew seinen Insekten die besten„Kämpen" ausfindig ford«t er andere Lindsleute auf, ihre streitbaren zenseitig kämpfen zu lassen. Die!-„ der Reael von vielen Zuschauern m», % bringen und sie gegenseitig kämpfen zu lassen kämpfe werden in der Regel von viele~ die dann untereinander Wetten für mitunter men Geldes in Bezug auf den Ausgang deS fckiließen. Es ist namentlich d« Süden Chinas,, stVal, geborene seine Mußestunden auf diese Manier todst« � H ntd K Herbste besteht die Lieblingsbeschäftigung von Juist! I vir-rrirvriuuiivrittiuittguiig vv» v darin, Drachen fliegen zu lassen. Diese Spielsachen wer � 'ten, grotesken Formen hergestellt un � % verschiedenartigsten,«.„.r-.... v»-»»-" n.»g-ii» deliedteften ist der Schmetterling; auch befestigen st? dieselben Darmsaiten, die, wenn der Drache hoch in L»l einen eigenthümlichcn brummenden Ton, den wa» � bören kann, von sich geben. Eine andere llnterholl � � Spiel mit dem Federball, der jedoch mit dem o,, Höhe geworfen wird. Zum Spiel sammelt ft* fjij Männer im Kreise, und ihr Trachtm ist darauf gT) Ball am Fallen auf die Erde zu verhindern. �- legen in diesem Zeitvertreib große Gewandtheit an der Ball wird mit der inneren Seite des F�M Spann aufgeworfen. In d« Form ist der, ähnlich, mit welchem in unserer Heimath Kinder Dominospiel— sehr ähnlich dem unseligen-- st" s lich unter d« mandeläugigen Frauenwelt zahlreiw„ während das stärkere Geschlecht vorwiegend dem' huldigt. Chinesische Karten sind aus demselben., wie die unsrigen vers«tigt, doch bedeute etwa 3 Zoll lang und% Zoll breit. Auf jede Karl � und schwarze Bild« gedruckt, ferner SchristzeichO' Werth derselben angeben. Der Chinese spielt- w, Domino fast immer um Geld. Große Verbreitung ,z< j den Männern ein Spiel gefunden, welches mau T>w Die betheiligten Personen fitzen um einen Tisch her", o,. o Mitte eine Schüssel steht, welche etliche Würfel„eiilb, Mitspielende greift der Reihe nach nach den Wurst einen schnellen Griff, hält dieselben einige Augenbl z» läßt ste sodann wiederum in die Schüssel zurückfalle:». zahl der Augen auf der ob«en Seite der Würstl und der Gewinn oder Verlust des Spielers baim-wlss Die beim Spiel Beiheiligten regen sich für Sf �zi»? auf, und es ist kein allzu seltenes Ereigniß, daß& ganzes Vermögen dabei in einer Nacht verlier' ältesten Zeitvertreiben in China gehört das söge""„A mui-Spiel, welches für gewöhnlich während"L»(i'r Mahlzeit vorgenommen wird. Es besteht darin," � am Tische sich gegenüb« sitzenden Personen> Fmger errathen, welche gegenseitig vor daS®*i„. w«den; das Rathen muß zur gleichen Zeit gelck>e� keine Zeit zum Zählen und Zög«n gegeben-" jenige, der verspielt, muß ein kleines wärmten SamschuS(der chinesische Brannte und aus dem Lärm zu schließen, welch« st?, Spiele verbunden ist, ist das Resultat einer l" Unterhaltung wohl mit seltenen Ausnahmen Js» � m Katzenjamm«. Wenn schon die mannigfachen A sätze kaum unter die Kategorie der UiiterhalNMS, w«den dürfen, so wollen wir doch zum Ab sM sächlichsten derselben in aller Kürze erwähnen- D y Fan-tan- Spiel wird auf einem kleinen viereckige" � dadurch, daß man Zahlen, die sich gegenübergeste"�� Das Potß- Spiel besteht aus ein« Anzahl von j die auf kleine Scheiben geschrieben sind. Diese � messingene Schachtel von etwa 21 Zoll im«-* n- ,i, und der Spieler muß da« Schriftzeichen errathe"',�!� oberst liegt, wenn die Schachtel geöffnet wird,.pf!� es verschiedenartige Lott«ien, welche von der»e« kerung alle zahlreich benutzt werden. II T° nein) SS fcfi' Mi & Fft ff: Vviefkststen» Sei Anfragen bitten wir die Abonnementt-Ouitwng _ Antwort wird nicht erlhetli nvss ,. U Keibt. Sie haben Recht. Durch ein � ist anstatt 3,70 Mk. 1,70 Mk. gesetzt worden- � ich i Verantwortlich« Redakteur: U.«r-ah-t« te B«liu Druck und»«lag»an Ha««a&tea in Bnltn SW., B-utlsstraße 2.