KZ S-ruI» labWffS Äf: "Bw*, "nbaiSl nträjn««Z i°°Ä°.Z -»tlM*? ttttiwS (ten SW jrfteMjS Ifsmta» S,.?s -V «T «-W K ik�isv. Konnabend, de« S4. Augllft I88i». «. Jahrg. SerlimMsWl Krgsn für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt' �en>t. ÄJBB„»ccttncc»>»»»----- ?'i Hau? ni�t.r fl"|er nottl Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei e.�. Svnn?�, � 4®}Qrf/ monatlich 1A5 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer Edition m,t dem. �Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer b ä'nwicrftrale 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemcni 4 Mark pro Quartal. Nr da,»�"Setragen m der Postzeitungspreisliste für 1889 unter Nr. 866.) »aaland: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pf. 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Sozialismus ihn Anarchismus schimpfen, weil � bei' � dieses Wort den Philister gruselig macht und �I»nst Lappen" vor die entsetzten Augen hinzaubert. fob a,!!'" den biederen Herrn Falschmünzern— denn das »�>, die einem Wort mit Vorbedacht und um zu täuschen Hw Ergriff unterschieben— umsonst ist den Herren er-n im Reichstag und in der Presie hundertmal der hg,. tzeliefert worden, daß Sozialismus und Anarchis- .-iV'ganz entgegengesetzte, einander ausschließende Be- Vholv V die Herren Falschmünzer sind abgebrüht, und »its bringt es mit sich, daß sie sich in diesem Punkt «hren lasien. �iog 1 Gegensatz zwischen den Begriffen Anarchismus und w1118'st ein so vollständiger, daß dem Gebrauch des �.�"archismus von Rechts wegen eine weit größere h"lun c? gegeben werden sollte, als wir in Deutschland .. dstegcn. In den Vereinigten Staaten ist dies be- �Ichehen. k 1 ewigen Tage» hatten wir Gelegenheit, mit einem Mmn��gendsten amerikanischen(anglo- amerikanischen) e«! q." zu verkehren, und als er uns über den Stand boiltj eni€9un9»n seinem Vaterland unterrichten H z' �wähnte er gleich zu Anfang der Anarchisten Anarchismus in einem Zusammenhang, der uns ließ, daß die Worte nicht auf die paar unsicheren r" angewandt waren, welche noch an die„Propa- "WH �at" ä 18 Jhring-Mahlow glauben— oder zu �.behaupten. Und das klärte sich auch sofort auf. �l» L®** Sozialismus," bemerkte unser Freund,„versteht �sklsk-�hre von der vernünftig und gerecht geordneten i�alia Parteien und Jntereffengruppen, die den "Nsen� bekämpfen, sind Anhänger und Vertheidiger der .�� Ungeordneten, anarchistischen Gesellschaft; sie sind Vertreter des Anarchismus, und wir haben ein Anarchisten, und ihre Lehre Anarchisnlus zu raar absolut nichts zu sagen und M«rlauf seiner Auseinandersetzungen erhielten im wir 'J' lW�v"»ur I einer?ru»r»>u»ver,eyui>>�,. z b,z L>ante und lehrreiche Aufschlüffe über die Stellung l-�chist-» der verschiedenen Anarchistenparteien uno � 5Zf?ppen in Amerika; über die Jap Goulds und I,.-Nillliardendii>bi>— die verlcbiedenen Trusts.— die '•fchen Illliardendiebe— die verschiedenen Trusts, uild protestantischen Arbeiterfänger(entsprechend �������lschenReformer,diemilSozial- id�hren.�'lerwohl uni sich werfen, bloß um die Arbeiter zu � Üb-? die wirkliche S''---- 3 W"»er gs.........-r- Sozialreform zu verhindern— lie. von Parteien und Gruppen, die alle, � einander oft heftig bekämpfen, doch den ge- s47 ..... 1"rtounj Gsldnrenfist. � Roman von Maurus Ztkai. �isch®� darauf kehrte er wirklich mit einem Laubfrosch C seinen beiden Handtellern zurück. Noemi zitterte � toth m große Aufregung; sie wurde abwechselnd blaß jehen Sie nur her," redete Timar ihr zu, die * iß 7lb öffnend.„Ist das Thierchen nicht allerliebst? 0r.schön grün, wie das junge Gras, und seine 5. crr\ rjf--"r.___- S S.11 feB� d'— �— x— o-----, ibi'e bn« e?' v»e eine Menschenhand en miniatnre. V schönen Herä schlägt! Wie er uns anblickt mit ü rinfakfi ,s"ge" schwarzen Augen, welche ein goldener süeH�s�ini' sürchtet sich nicht vor uns." 'hre V.�'schen Neugier und Furcht schwankend, Hand nach ihm aus, zog sie aber schnell �dion/v Sie ihn nur. Berühren Sie ihn. Er ist das � 5iof.n)j. schöpf auf Gottes Erdboden. ll� sfch ober?!6 furchtsam und doch lachend, ihre Hand Vi? Und...jch' auf den Frosch, sondern Timar in die iVr®u üurrS/j; zusammen, als der kalte Froschleib zuerst Xe fye sw Dauernden Nerven in Berührung kam, dann Ni®'cht ins v�sch vergnügt auf, wie ein Kind, das (j � bQrin ist Nasser wollte und sich dann freut, Sie, er rührt sich gar nicht in Ihrer Hand' .»i �ag�?aut ganz wohl. Wir werden ihn jetzt nach �«J'tfcen Ä. nehmen wir ein Einkochglas, in das H«lz u' Hasser und stellen eine Leiter hinein, die INNltzen werde; oann geben wir den gefange- meinsamen Zweck verfolgen, die anarchistische Bour- geoisgesellschaft mit ihrem Elend und ihrer Un- gerechtigkeit nicht blos zu erhalten, sondern dieses Elend und diese Ungerechtigkeit, im Interesse einer winzigen Minorität, die den Nutzen daraus zieht, womöglich noch zu vermehren und zu verschärfen. D i e Richtung oder Strömung, auf welche in unserm Sprachgebrauch, namentlich in der herrschenden Polizeisprache das Wort Anarchisnzus und Anarchist sich ausschließlich be- schränkt, wurde von unserem amerikanischen Freunde gar nicht erwähnt. ,Weil es keine mehr giebt— bei Licht besehen im Ernst nie solche gegeben hat"— wie wir auf unsere Frage beschieden wurden. Doch das ist nebensächlich. Genug, in den sozialistischen Kreisen Amerika's, in denen unser Freund sich bewegt, wird das Wort Anarchismus in dem Sinne gebraucht, daß es die Lehre und das Programm sämmtlicher Gegner und Feinde des Sozialismus und einer wohlgeordneten Gesellschaftsorgani- sation bedeutet. Und wir halten dies für so korrekt, daß wir nur wün- schen können, rn Deutschland möge das Beispiel Nachah- mung finden. Man redet so gern von einem„hüben und drüben!" Und der Ausdruck ist auch durchaus richtig— schade nur, daß er bisher für die allgemeine Praxis eine inhaltslose Phrase geblieben ist. Machen wir ihn zur Wahrheit, indem wir die ringenden Parteien der Gegenwart, den thatsäch- lichen Verhältnissen entsprechend, in zwei große feindliche Heere und Heerlager theilen. Dadurch wird der Grund vielfacher Verwirrung aus dem Wege geräumt. Und vor allem wird der Gefahr vorgebeugt, daß wir die Unterschiede und Verschiedenheiten zwischen den uns feindlichen Parteien zu ernst nehmen, woraus falsche Berechnungen und thörichte, gefährliche Hoffnungen erwachsen können. Hier die neue, geordnete, vernünftig und gerecht organisirte Gesellschaft, welche den Sozialismus erstrebt. Dort die alte, ungeordnete, ungerecht und unvernünftig organisirte, oder auch gar nicht organisirte Gesellschaft, welche der Anarchismus vertheidigt. Haben wir vermittelst dieser Eintheilung das„Hüben" und das„Drüben" scharf von einander abgetrennt, so kommt plötzlich Ordnung in das wimmelnde Parteienchaos, dem wir Sozialisten uns gegenüber befinden. Unsere Feinde haben verschiedene Uniformen, gehören aber alle zu einer Armee. Der nationalliberale Bourgeois, der die Säbeldiktatur liebt, weil sie seiner Ansicht nach die heutige Gesellschaft stützt— der fortschrittliche Bourgeois, der die Säbel- diktatur bekämpft, weil sie, seiner Ansicht nach, die heutige Gesellschaft bedroht— der Zentrumsmann, der mit Hilfe des Weihmaffers der heutigen Gesellschaft zum ewigen Leben auf dieser Welt verhelfen will— der agrarische Junker, nen Frosch in das Glas und so oft er spürt, daß Regen im Anzug ist, wird er die Leiter hinaufgeklettert kommen. — Geben Sie her, ich werde ihn tragen." „Nein, nein," sagte Noemi,„ich behalte ihn. Ich trage ihn selbst nach Hause." „Dann aber halten Sie die Hand gut zusammen, sonst springt er heraus. Aber nicht zu fest, damit Sie ihn nicht erdrücken.— Und jetzt gehen' wir, denn der Thau fällt und das GraS wird schon naß." Sie traten also den Heimweg an; Nokmi lief voraus und rief schon von weitem ihrer Mutter zu:„Mutter, Mutter, sieh', was wir gefangen haben! Einen schönen Vogel." Mama Therese ertheilte mit kluger Strenge ihrer Tochter einen Verweis. „Weißt Du nicht, daß die Vögel wegzufangen nicht erlaubt ist?" „Aber einen so schönen Vogel! Herr Timar hat ihn gefangen und ihn mir gegeben. Da, guck' nur hinein in meine Faust." Frau Therese schlug die Hände zusammen, als sie in Noemi's Hand den grünen Laubfrosch erblickte. „Sieh nur, wie er mit seinen schönen Augen blinzelt!" rief Noemi mit freudestrahlendem Gesicht.„Wir werden ihn in ein Glas thun, ihm Fliegen fangen und er wird uns das Wetter prophezeien. O, das liebe Thierchen!" und sie hielt den kleinen Laubfrosch liebkosend an ihre Wangen. Therese wandte sich erstaunt zu Timar.„Herr, Sie find ein Hexenmeister. Gestern noch hätte man dies Mädchen mit einem solchen Thier aus der Welt jagen können...." Noemi aber zeigte sich ganz enthusiaSmirt für die Frösche. Während sie auf der Veranda den Tisch für das! Nachtessen deckte, hielt sie ihrer Mama eine ganz forsche! Vorlesung über alles das, waS sie von Timar gehört hatte;! wie nützlich die Frösche und welch, kluge, komische und unter- welcher die heutige Gesellschaft als melkende Kuh verehrt— der Staatssozialist, dessen Ziel die Erhaltung der heutigen Gesellschaft ist— sie alle sind Anarchisten und uns Sozialisten gegenüber— trotz alledem und alledem— eine reaktionäre Masse. Darum sei unser Feldgeschrei: Hie Sozialisten! Hie Anarchisten! Ein Drittes giebt's nicht— außer in der Phantasie. Die MLilbülhell Tagelöhne. Der§ 8 des Krankenversicherungsgesetzes vom Jahre 1883 enthält die Vorschrift, daß der Betrag de§ ortsüblichen Tage- lohnes gewöhnlicher Tagearbeiter von der höheren VerivaltungS- behörde nach Anhörung der Gemeindebehörde festgesetzt wird; die Festsetzung soll für männliche und weibliche, für jugendliche und erwachsene Arbeiter besonders stattfinden. Dieser„orIL- übliche Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter" bietet den Maßstab für die Mindestleistungen der Krankenkassen, insbesondere für die Gemeinde-Krankenversicherung, daneben aber auch für die steien Hilfskassen, die nur dann als die gesetzliche Kranken- Versicherungspflicht erfüllend betrachtet werden, wenn sie ebenso wie die Gemeinde-Krankenversichernng mindestens Me Hälfte des ortsüblichen TagelohneS als Krankengeld gewähren. Die Festsetzung des ortsüblichen Tagelohnes hat deshalb für alle Ar- beiter, die außerhalb der Zwangskasscn stehen, Bedeutung. Die Frage ist aber dadurch, schreibt die„Voss. Ztg.", noch wichtiger ge- woroen, daß auch die Unfallversicherung und in letzter Zeit namentlich die JnvaliditätSversicheruna auf diese ortsüblichen Tagelöhne zurückgreift und sie gleichsam als das Existenz- Minimum eines Arbeiter« an dem betreffenden Orte betrachtet. Die Unfallversicherung hat den JahreSverbienst der jugendlichen Arbeiter danach bemessen, indem sie davon ausging, daß die Löhne der jugendlichen Arbeiter so niedrig seien, daß eine Be- Messung der vollen Rente auf zwei Drittel der Rente bei theilweiser Erwerbsunfähigkeit auf noch niedrigere Bnichlheile der Lohnbeträge nicht ausreichen würde, um den Verunglückten den Lebensunterhalt zu gewähren, wenn sie aus der Klasse der jugendlichen Personen in ein höheres Alter aufrücken. Deshalb kommen auch in den Nachweisungen der Berufsgenossenschaften die Löhne der jugendlichenArbeiter nicht in ihrem wirklichen, sondern in einem viel höheren Betrage zur Erscheinung, waS nament- lich bei den Berufsgenossenschaften der Textilindustrie zu be- merken ist. Von noch größerer Bedeutung ist aber der ortsübliche Tagelohn für gewöhnliche Tagearbeiter bei der JnvaliditätS- Versicherung geworden. Einmal wird nach dem 300 fachen Be- trage dieses Tagelohnes in dem Falle, daß zwischen Arbeiter und Unternehmer eine Verständigung nicht erfolgt, der JahrcS- arbeitSverdienst der Arbeiter bemessen, soweit diese nicht Mit- glieder von Zwangskranken- bezw. von KnappfchastSkassen sind, also z. B. bei den Mitgliedern freier Kassen und bei solchen invalidenversicherungSpflichtigen Personen, welche nicht kranken- versicherungspflichtig sind. Ferner hängt von der Höhe haltende Geschöpfe sie sind; es ist nicht wahr, daß sie Gift von sich spritzen, wie man ihnen nachgesagt bat, daß sie schlafenden Menschen in den Mund kriechen, vaß sie den Kühen die Milch aussaugen, daß sie vor Gift zerplatzen, wenn man ihnen eine Spinne vorhält: das Alles ist pure Verleumdung und dummer Aberglaube. Sie sind unsere treuesten Freunde, welche des Nachts für uns wachen; jene dichten kleinen Fußspuren, welche im glattgestrichenen Sande um das Haus zu sehen, sind das beruhigende Zeichen ihres nächtlichen Patrouillirens; eS wäre also Undank, sich vor ihnen zu fürchten. Timar hatte mittlerweile au» Weidenruthen eine kleine Leiter für den grün berockten Metorologen verfertigt; diese stellte er in ein GlaS mit breiter Mündung, das er zur Hälfte mit Wasser füllte und oben mit einem Papierdeckel verschloß, in welchem er eine« Einschnitt gemacht hatte, um durch denselben dem gefangene« Wetterpropheten die ihm bestimmten Fliegen zukommen zu lassen. Dieser zog sich natürlich unter das Wasser auf den Boden des Glases zurück und verschmähte sowohl Fliegen als Gesang. Noemi freute sich dessen als eines Anzeichens, daß das schöne Wetter noch anhalten wird. „Ja, mein Herr," sagte Frau Therese, als sie das Abendessen auf den kleinen Tisch herausbrachte, an welchem alle drei sich niederließen,„Sie haben nicht nur an Noemi ein Wunder bewirkt, sondern ihr auch eine große Wohlthat erwiesen. Unsere Insel wäre ein Paradies gewesen, wen« Noemi sich nicht so sehr vor den Fröschen gefürchtet hätte; sowie sie jedoch einen erblickte, wurde sie m ihrer Furcht ganz blaß, und bekam einen Fieberfrost. Keine menschliche Macht aber hätte sie dazu bringen können, über die Hecken- einfassung hinaus zu gehen, dort, wo in den Sumpfgründen die zahllosen Frösche quaken. Jetzt haben Sie ein neue» Wesen aus ihr gemacht und sie ausgesöhnt mit ihrem Da« heim." „Ein süßes Daheim!" bemerkte Timar. Therese seufzte tief auf. d«s ortsüblich«, Tagtlohne« auch die Entscheidung der Arage ob, ob Jemand erwerbsunfühig, das heißt»um Empfang einer Invalidenrente berechtigt ist. Die Vor- läge der Regierung hatte denjenigen als erwerbsunfähig be- zeichnet, der den Mindestbetrag der Invalidenrente(120 M.) nicht mehr verdienen kann. In den Berathungen des Reichs- tages gelangte man zur Einführung von Lohnklaffen und nahm als Richtschnur an, daß derjenige erwerbsunfähig fein sollte, der ein Drittel deS Lohnsahes der betreffenden Lohnklaffe, in welcher er zuletzt versichert war, nicht mehr verdienen könne. Um aber dabei die wirthfchaftlichen Verschiedenheiten der ein- zelnen LandeStheile zu berücksichtigen, führte man als zweiten Faktor neben dem persönlichen Einkommen den ortsüblichen Tagelohn ein. Erwerbsunfähig ist somit nach§ 9 des Gesetzes, betreffend die Invalidenversicherung, Derjenige,„der in- folge seines körperlichen oder geistigen ZustandeS nicht mehr im Stande ist, durch eine seinen Kräften und Fähig- keiten entsprechende Lohnarbeit mindestens einen Be- trag zu verdienen, welcher gleichkommt der Summe eines Sechstels des Durchschnittes der Lohnsätze, nach welchen für ihn während der letzten fünf Beitragsjahre Beiträge ent- richtet worden sind, und eines Sechstels des 300fachen Betrages des nach§ 8 des Krankenversicherungsgesetzes vom 15. Juni 1883 festgesetzien ortsüblichen Tagelohnes gewöhnlicher Tagearbeiter des letzten BeschäftigungSorleS, in welchem er nicht lediglich vorübergehend beschäftigt gewesen ist." Nach dieser Bestimmung kann es also vorkommen, daß die Invalidität bei zwei gleich gestellten Arbeitern ganz verschieden eintritt. Ein Arbeiter, der zuletzt 1200 M. verdient hat, kann in einem Orte mit dem ortsüblichen Tagclohn von 3 M. erst als invalide betrachtet werden, wenn er 310 M. jährlich nicht mehr verdienen kann, nämlich ein Sechstel(160 M.) von 960 M. als Lohnsatz der 4. Lohnklaffe und ein Sechstel(150 M.) von 300 x 3 M. Taaelohn; an einem Orte mit nur 0,80 M. Tagelohn wäre er schon erwerbsunfähig, wenn er 200 M. nicht mehr verdienen kann, denn zu den 160 M. würden nur 4oM. als ein Sechstel des dreihundertfachen Betrages hinzutreten. Nock schärfer gestaltet sich der Unterschied, wenn— was wohl die Regel sein wird— ein Arbeiter niche sehr schnell, sondern sehr langsam infolge eines Siechthums invalide wird; er wird dann nicht mehr den höchsten Lobnklassen angehören. Wenn er zuletzt noch zwischen 350— 550 M. jährlich verdient hatte, so kommt als Lohnsatz für ihn nur der Betrag von 500 M. in Anrechnung: davon beträgt ein Sechstel 83,33 M. In einem Orte mit 3 M. Tagelohn ist er schon invalide, wenn er 83,33 -s- 150 M.— 233,33 M. nicht mehr verdienen kann, während in einem Orte mrt 0,80 M. Tagekohn sein Verdienst unter 83,33-t- 40 M-— 123,33 M. heruntergegangen sein muß, wenn er als Invalide gelten soll. Wir wollen uns nicht weiter mit der Frage beschäftigen, ob diese Vorschrift ae- recht und zweckmäßig ist; sie ist einmal vorhanden. Wir wollen damit nur bewerfen, wie wichtig die Festsetzung des ortsüblichen Tagelohncs gewöhnlicher Taaearbeiter durch diese Vorschrift für alle Arbeiter nicht bloS, sondern fast für alle nicht selbst- ständigen Personen geworden ist. Denn der Kreis der Ver- pflichteten ist ja bei der JnvaliditätSversicherung ein viel größerer, als bei der Krankenversicherung. Betncbsbeamte, Handlungsgehilfen w., alle sind der Versicherung unterworfen und sogar selbstständige Gewerbetreibende können derselben unterworfen werden, oder sich ihr freiwillig unterwerfen. Durch die Zeitungen ging nun vor kurzem die Nachricht, daß die höheren Verwaltungsbehörden angewiesen seien, in eine Piüfung der Frage einzutreten, ob die auf Grund deS Kiankenkassengesetzcs erfolgte Festsetzung der ortsüblichen Tage- löhne noch den lhatsächlichen Verhältniffen entspreche. Eine solche allgemeine Anordnung ist angesichts der von uns dargelegten Wichtigkeit der Festsetzung dieser Lohnsätze begreiflich in dem Augenblicke, wo man die Vorbereitungen auch zur Ausführung der JnvaliditätSversicherung trifft. Deshalb ist eine genaue Prüfung der einschlagenden Ver- Hältnisse noihwendig. Aber eS ist doch sehr fraglich, ob das bisherige Verfahren geeignet ist, ein sachlich richtiges Ergebniß herbeizuführen. Die höhere Verwaltungsbehörde kann die Ein- zelnheucn nicht übersehen; die Gemeindebehörde in manchen Fällen ebenso wenig. Da, wo dies geschehen kann, liegt aber hei den Gemeindebehörden daS Interesse vor, die Lohnsätze möglichst niedrig anzugeben, weil sich ja danach die Leistungen an Krankengeld K. richten. Und sind denn alle Gemeindebehörden wirklich im Stande, ein ordentliches Gutachten abzugeben? Man denke doch nur an unsere ungeordneten Gemeindeverhältniffe im preußischen Osten und namentlich an die Gutsbezirke, in denen den Ein- wohnern jegliche Einwirkung auf die Gemeindebehörde fehlt. Eme solche Frage darf man auch nicht der alleinigen Ent- scheidung der höheren Verwaltungsbehörde überlassen; es muß die Möglichkeit gegeben werden, daß thatsächliche Aenderungcn in den wrrthschaftlichen Verhältnissen baldigst berücksichtigt werden, während uns nur einzelne Fälle bekannt geworden sind, in denen eine Aenderung der erstmaligen Festsetzungen, die mehr als sechs Jahre alt sind, erfolgt ist. Es muß ferner die Möglichkeit geschafft werden, daß gegen die erfolgte Fest- „Warum seufzest Du denn so?" srug sie Noimi. „Du weißt eS recht gut. Auch Timar wußte, wem dieser Seufzer galt. Noemi suchte dem Gespräch eine heitere Wendung zu geben.„Ich habe," sagte sie,„erst von der Zeit an einen solchen Abscheu vor den Fröschen bekommen, als ein böser Zunge mir den Streich spielte, daß er einen gewaltig großen Frosch, der so braun war, wie Brotrinde, vor mir ausjagte. Dann sagte er, das sei ein Ochsenfrosch, und wenn er ihn mit einer Nessel auf den Rücken schlage, werde er brüllen wie ein Ochse. Er schlug denn auch das arme Thier mit einer Nessel und dann fing es kläglich zu brüllen an, daß ich es in meinem Leben nicht vergessen werde, als wollte es die Rache seines ganzen Geschlechtes gegen uns anrufen, und sein ganzer Körper überzog sich mit weißem Schaum. 'Seitdem war mir immer, als würde seine ganze Sippe nur deshalb um mich herumschlüpfen, kriechen und schleichen, um mich mit Gift zu bespritzen. Jener böse Junge lachte aber, als er das unheimliche Gebrüll des armen Thieres hörte." „Wer war der böse Junge?" fragte Michael. No.mi blieb stumm und machte nur eine Verachtung ausdrückende Handbeweguna. Timar errieth den Namen; er sah Frau Therese an und diese nickte bejahend mit dem Haupt. Sie verstanden sich schon darauf, gegenseitig ihre Gedanken zu errathen. „Ist er seitdem nicht mehr hier gewesen?" „O, er kommt jedes Jahr und läßt nicht ab, uns zu quälen. Jetzt hat er eine neue Art gefunden, uns zu brandschatzen. Er bringt ein großes Boot mit und da ich ihm kein Geld aeben kann, so befrachtet er es mit Honig, Wachs und Wolle, die er dann verkauft. Ich gebe ihm, was er verlangt, um nur vor ihm Ruhe zu haben." „Heuer war er noch nicht hier," sagte Noemi. „O, dieser Mensch geht nicht zu Grunde. Ich erwarte täglich seine Ankunft." „Wenn er nur jetzt käme!" sagte Noemi. „Warum? Du Närrchen." Noemi wurde feuerroth.„Nur so, weil es mir lieb wäre." setzung eine Beschwerde oder eine Berufung eingelegt werden kann. Die Novelle zum Krankenkassenaesetze ist von dem Direktor im Reichsamte des Innern Dr. Bosse in öffentlicher Versamm- luna als für die nächste Reichstagssession bevorstehend ange- kündigt worden. Herr Dr. Bosse hat dabei ausdrücklich her- vorgehoben, daß die Absicht auch dahin gehe, den bereits früher fertig gestellten Entwurf darauf hin zu prüfen, ob nicht noch einige Aenderungcn deS KrankenkassengesctzeS nothwendia seien, um ein besseres Ineinandergreifen der Kranken-, Unfall- und JnvaliditätSversicherung herbeizuführen. Wir glauben, daß hier ein solcher Punkt vorliegt, wo eine genaue Prüfung statt- finden muß, ob man das 1883 beliebte Verfahren der Fest- fetzung der ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter noch beibehalten kann, nachdem diese Festsetzung einen bedeu- tenderen Inhalt gewonnen hat und für ganz neue Zwecke ver« wendet wird. poliktfrlte Mebevstphk. Ueber die angebliche« Beziehungen Koulangrrs zu französischen Sozialisten, namentlich zu den sog.„Blatiquisten" wird jetzt in deutschen Zeitungen sehr vieles geschrieben; und so ziemlich alles, was geschrieben wird, ist nur dazu angethan, die Leser irre zu führen und den Glauben in ihnen zu erwecken, Boulanger habe unter den französischen Arbeitern einen großen Anhang. Dies ist durchaus falsch, und wir müssen, auf ge- naueste Sachkenntniß hin, streng an dem früher von uns Ge- sagten festhalten. Eine Zeit lang galt Boulanger allerdings für einen„Rothen", der die parlamentarische Revublik durch eine bessere ersetzen wolle, und so lange dieser Mythus Bestand hatte, war Boulanger unzweifelhaft auch in Arbeiter kr eisen populär— wie das am besten aus der riesigen Slimmenzahl erhellt, mit der er Anfangs dieses Jahres in Paris gewählt wurde. Jedoch von dem Moment an, wo es klar wurde, daß Boulanger das Werkzeug der vereinigten Reaktionäre war und nach der monarchischen Diktatur strebte, war es auch mit den Sympathien der Arbeiter zu Ende. Was insbesondere die„Blanquisten" anbelangt, so war der neuerdings wieder viel genannte Eudes ein persönlicher Freund Rochefort's und ließ sich von diesem die Ansicht beibringen, Boulanger wolle eine revolutionäre Diktatur im Sinne Blanqui'S. Doch noch vor seinem Tode sah Eudes ein, daß er sich getäuscht hatte. Rochefort's Freund war er aber ge- blieben, und mehrere der bekannteren Blanquisten sind auch bis in die neuere Zeit mit ihrem alten Parteigenossen Roche- fort befreundet gewesen. Darunter befinden sich aber keine Ar- heiter, und kerne Sozialisten. Das was sich heute noch „Blanquisten" nennt, ist eine Schaale ohne Kern. Der Kern, d. h. die Arbeiter und Sozialisten sind in das sozialdemo- krattsche Lager übergegangen und sie gehören heute, mit Vaillant an der Spitze, zu den entschiedensten Gegnern des Boulangismus, der, wie schon früher gesagt— abgesehen von einigen zweifelhaften„Anarchisten"— absolut keinen Anhang oder Anhalt in irgend einer der französischen Arbeiterparteien hat.— Gegen die internationale Arbeiterschutz-Konferenz der Regierungen, welche von der Schweiz bekanntlich schon für diesen Herbst in Vorschlag gebracht, bedauerlicher Weise aber bis zum nächsten Jahr verschoben worden ist, zieht die offiziöse Presse nunmehr wie aus Kommando mit aller Macht zu Felde. Der Ruhm aber, die unfinnigsten Einwendungen Een die Konferenz zusammen gesucht zu haben, bleibt sicher- der freikonservativen„Post". Einer dieser Einwände be- t darin, in dem schweizer Programm sei die Bildung einer ständigen Kommission zur Ueberwachung der Ausführung der Vereinbarung nicht in Aussicht genommen. Als ob dieses Ver- sehen in der Tagesordnung sich nickt sofort auf der Konserenz beseitigen ließe! Daß der„Fall Wohlgemuth" in dem Artikel der„Post" auS den Zeilen Hervorsieht, wenn er auch nicht offen genannt wird, war nickt anders zu erwarten. An diesem Knochen werden die Offiziösen nach lange Zeit zu würgen haben. Für das Fernbleiben Deutschlands von der Berner Konferenz giebt er in der That aber nur einen Vorwand ab. Warum ist man nicht wenigstens so ehrlich und erklärt rund heraus, die deutsche Bourgeoisie wolle von einer Arbciterschutz- gcsetzgebung im eigenen Lande nichts wissen, geschweige denn von einer internationalen Regelung der Materie. Und von einer MeinunpSoerschiedenheit zwischen deutscher Bourgeoisie und deutscher Regierung ist in dieser Frage wenigstens nichts zu entdecken. Nene Millionen für Gstafriira. Der„National-Ztg." wird geschrieben, daß in der bevorstehenden ReichStagSsejsion die Verhandlungen über kolonialpolitische Fragen einen ziemlich breiten Raum einnehmen würden, da zu nachdrücklicher Fortsetzung der Erpedition des Haupimann Wißmann weitere Forderungen erhoben werden sollen.— DaS entspricht ganz der Vermuthung, die wir vorgestern in unserem Leiiarukel:„Die Timar aber dachte bei sich, wie glücklich er diese beiden Menschen mit einem einzig«» Wort machen könnte. Er geizte noch mit diesem Wort wie ein Kind, das eine Näfcherei bekommt, und erst die Brosamen davon herabliest. Er fühlte einen inneren Drang, sich ganz hineinzuleben in die Leiden und Freuden dieser Inselbewohner. Das Nachtessen war verzehrt; die Sonne war unter- gegangen, und auf die Fluren senkte sich eine stille, laue, prachtvolle Nacht herab. Der ganze Himmel schien eine durchsichtige Silberglocke zu sein. An den Bäumen regt sich kein Blatt. Die beiden Frauen gingen mit ihrem Gast auf die Spitze des evrasischen Blockes hinauf. Von da hatte man eine weite Aussicht; über die Bäume und Rohrfelder hin- weg auf die Donau. Die Insel breitet sich zu ihren Füßen aus, wie ein verzauberter See mit buntfarbigen Wellen; die Apfelbäume schwimmen in einem rosarothen, die Pfirsichbäume in einem dunkelrothen Blüthenmeere; die Pappel glänzt goldgelb, der Birnbaum weiß von Blüthen- schnee, und die schwankenden Wipfel der Pflaumenbäume fchimmern in grünem Erzalanz; um sie herum erhebt sich wie eine leuchtende Kuppel der von Feuerrosen umsponnene Felsen, auf dessen Gipfel die alten Lavendelsträucher ein dichtes Gebüsch Hilden. „Prachtvoll!" rief Timar aus, entzückt von dem Land- schaftsbilde, das sich vor ihm ausbreitete. „Sie sollten den Felsen im Sommer sehen, wenn statt den Rosen hier die Kressen blühen," sagte Noemi lebhaft er sieht dann aus, als wäre ihm ein goldenes Gewand ange- legt; die blühenden Lavendelsträucher aber bilden gleich- sam einen großen blauen Kranz, mit dem sein Haupt ge- krönt ist." „Ich werde kommen und mir ihn ansehen," sagte Timar. „Wirklich?" Das Mädchen reichte ihm freudig die Hand und Michael fühlte einen warmen Händedruck, wie er ihn in seinem Leben von einer Frauenhand noch nicht empfunden hatte. Und dann lehnte Noemi ihr Köpfchen an Theresens Schulter und schlang ihren Arm um den Hals der Mutter. In der Natur herrschte tiefe, von keinem menschlichen nächsten Reichstagswahlen" ausgesprochen haben. über Millionen werden noch für die Kolonialschwann unserer Bourgeoisie zum Fenster hinausgeworfen wert«, der deutsche Michel bezahl! es. Handelt es sich?ber e!w eine Vermehrung der Fabrikinspektoren, so ist kein Eew vorhanden!( � Uo« einem allgemeine» At>rüstnng»do«S"D � Fürst Bismarck einberufen will, fabeln Pariser �leqriwi Wiener Blättern. In einer Wiener Meldung der„Patz... die Gerüchte für Börsenmanöver gehalten. Wir halten 1» fach für Humbug.,„ Die Novelle zum Kraukenkassengesetz ftll, � nationalliberalen Blättern geschricben wird, schon m � vorstehenden Session den Reichstag beschäftigen, gelegenhcit werde als dringlich angeschen.—. von Bötlicher hat bekanntlich verspiochen, den Gf'rt einige Zeit vor seiner Vorlage im Reichstage zu vervM damit öffentlich Kritik an ihm geübt werde. Bei oen � thümlichen Ansichten, die der Herr Minister über Schatten" auf dem Gebiet des KrankenkassenwesenS en � hat, sind wir auf den Gesetzentwurf etwas gespannt. V,, lich wird derselbe als Motto mit dem pathetischen des Herrn Ministers in seiner großen Jnvalidenvcrsrchv» Rede:„Liebet die Brüder!" versehen sein. Zur Eröffnung der Reichstagsfessto» ,, „Kceuzzeitung" mit, daß den R«chsämlern die WeMwS gangen sei, bie bezüglichen Arbeiten zu beschleunigen, � Session möglichst früh eröffnet werben kann. Ftzi:.tz' � sei nur wenig Stoff in Aussicht genommen; zunächlt!»> � Vorlagen in Sicht, nämlich der Eiat 1890—91, der das Sozialistengesetz, die schon angekündigte Novelle zum � kenkassengesetz und die Regelung der Bankfrage aus--w Ablaufs des Privilegiums der Reichsbank im pochlirt�H Andere Gesetzentwürfe würden dem Reichstag watzNV nicht mehr vorgelegt werden. Für die Beschränkung de» Koalition» recht«., � lich nur der Arbeiter, tritt jetzt auch die„Magdeb. o r$ scharfen Worten ein, wie sie sie nicht kennt, weiw � jüngst in Magdeburg, eine Koalition von reichen bildet, zu dem einzigen Zweck, einen Raubzug gegen o« ihrer Konkurrenten und der gesammten Koniumenten i»# nehmen, um dieselben um einige Millionen zu erlcttti�o' Veranstalter der„HochpreiSvereinigung" werden von o. � digen„Magdeb. Ztg." mit Sammetpfötchen angefaßt,, � ihnen die Gefahr drohte, nachdem sie Millionen einge!q' � den Rückschlag ihrer Spekulation selbst zu spüren und» den„Gewinn" zurück zu zahlen unb selbst Einbuße zu � da half die„Magdeb. Ztg." mit liebender Hand sie 3 � Patfche zu ziehen. Gegen diese Koalition, diese Mnu � ,8 von Spekulanten zu keinem anberen wirthschaftlichen o®.m durch künstliche Preissteigerung die eigenen Taschen gegen solche Koalition, wie sie verwerflicher gar nrchl"$ werden kann, hat die Magdcburgerin keine oder dofl([ij zahme Worte. Und wenn gegenwärtig die Kohlende � Preise der Kohlen ganz übermächtig in die Höhe treio � so einen Druck auf fast alle Industriezweige üben, u" � Millionen beim nahenden Winter vor der Höhe ort.�« preise sich entsetzen werden, dann ist von einer EO das Gemeinwesen nicht die Rede. Gemeingeföhrii«� � nur, wenn die Arbeiter zur Verbesserung ihrer Lage einigen. �'s „Ganz verrückt geworben ist Wilhelm schrieben wir vor einiger Zeit und zitrrten einen � � „alten Sozialrevolutionärs" und jetzigen antisemitisch�� i? fechters, den derselbe über die„Sozialdemokratie tz. rF Judenthum" in der„Westfälischen Reform" veiöffenm®, fc Unsere Auslassungen druckte ein anderes Arleileiv-f, 3 „Nordd. Volksblatt", ab. Dasselbe hatte nun gte�'j,, Bestätigung unseres Urlheils bas Vergnügen, einen � f saftigste Sauce getauchten HerzenSerauß von W-- hallen, den wir natürlich auch unseren Lesern nicht pH halten wollen. Man lacht ja gern in dieser ernsten oe' W. Marr schreibt also: „Geehrte Herren Kollegen! Von Zeit zu Zeit erhalte ich das„Nordd. VolkSl'- � sandt. Gehen diese Sendungen von Ihnen aus, G' die Pfennige leid lhun, die wir dazu verschwenden Herr Marr mag also den freundlichen Ucberiender"j, suchen. Die Redaktion des„Norddeutschen VolkSdt„» danke ich Ihnen für die kollegialische Aufmerliachl � ich doppelt zu schätzen weiß, wenn sie von weint.. p>i politischen Gegnern ausgehen; denn ich bin— Gott> M — kein BouraeoiS-Phillster, der den Kopf unter dl M steckt vor der berechtigten sozialistischen Strömung univ o Wenn Sie, meine Herren Kollegen, nur keine rt'A(f lister sind, so werden sie eine kurze Bemerkung öffer"l,w. zugeben, in Ihrem Blatte auch nicht verweigenr. m/' Ich unterzeichne ja mit meinem vollen ehrliche Will mich auf eine Polemik auch weiter nicht einlasseii- So lange Sie, meine Herren, in Ihren soziamm1: strebungen sich nicht von den Juden und deren Emsitz- Laut gestörte Ruhe. Nur das monotone Konzert der� belebte die in dunkle Schatten gehüllte Nacht. m bot ein eigenthümliches Bild dar; die eine blau, die andere opalgrün. Auch der heitere kann I zweien. „Hörst Du, was die Frösche singen?"..... Theresen zu.„Weißt Du, was sie sich sagen? As.,« fu sagen sie die ganze � Das Du Süße!" tht > Und sie küß» bist Du, wie süß!" durch. O Du Liebe, oft ihre Mutter._ ti„gMü Michael, sich selbst und die ganze Welt � P stand dort auf der Felsenspitze mit gefalteten Ha> 5 Mannes. War es Sehnsucht oder Bangigkeit?$ L? Erinnerung oder verlockende Hoffnung? Errtach�sirj oder hinsterbender Kummer? Eine der Gottheit, dein dem Thier verwandte Empfindung? Instinkt oder Mondsucht oder Lenzregung, welche Baum und � jedes kalt- und warmblütige Thier erfaßt? So hatte er damals in den untergehenden starrt, der seinen Wellenreflex bis zum untergesunkrt warf. Seine unbewußten Gedanken hielten � � � mit den magnetischen gespenstigen Strahlen 11 j mit ihm. . Verstehst Du mich noch nicht?— Morgen wieder, dann wirst Du mich verstehen." Viertes Kapitel. �. D i e Spinne zwischen den � j'vl Menschen, die von ihrer Arbeit leben,>» j keine Zeit, vom Felsgipfel herab den Mondsch� wundern und sich in Betrachtungen über die der Natur zu ergehen!; die heimgekehrten Schafe„ j warteten schon darauf, daß die Wirthin ihnen lichen Milchtribut abnehme; das Melken ist Fraji-�l � Geschäft und No�mr's Pflicht ist es, mit der zu mähen für das Milchvieh. Timar setzt nun � Mewokr Mvqe", �55 Mn kö Haltung fort, mit dem Rücken an die Stallthil" N; b 9" inH""; fllOUll � kZnnen, werden Sie alle ehrlichen Sozialisten und �revolutionäre" gegen sich hrben. _ Wu haben in?olit!cis seit 1848 die bittersten Erfahrungen t/k' cw dem Bürger Sem, wo es hieh, politische Kastamen il. ftvfden aus dem Feuer zu holen und wir danken dafür, -!'en~ denn das sind wir, ich und meine Freunde. '"der sozialistischen Bewegung unserer Znt abermals *«Mroel mißbrauchen zu lassen. Kann die Sozmldemokratte K�dne Juden bestehen, so bekämpfen wir sie blS aufs ,..... sie sich von den Juden— und zwar radika. '0. eine Verständigung zwischen uns und der eatie nicht ausgeschlossen. Wir wollen die bitteren Mligen, die wir politisch mit den Juden gemacht haben, wieder mit den und für die Juden durch- «.�"zipirt Euch, Ihr sozialistischen Arbeiter, von den Juden �Einfluß und Ihrem Gelde. L°nn können wir weiter reden.«...x«. Ii,«,, deyierig, ob Ihr den ManneSmuth habt, diese AuS- b«r?,?o5nw� alten Sozialisten abzudrucken, der Sozialist w'.?,?dr noch�iricht die Kinderschuhe ausgethan hattet, oder M in den Windeln lägt l'Jch weiß es, Ihr werdet den filcht haben, denn— Sem erlaubt es nicht. will auch nur durch die Nichtaufnahme dieser memer s-�dung konstatiren, daß die ganze heutige Sozialdemo- Me h l � als eine— bewußte oder unbewußte— Leid- Juden in der Sozialrevolution!....., At � aieler Revolution entgehen wir— leider!— doch r- � Bourgeois-Kapitalisten müssen aufgerüttelt werde» �>>rem Phäakenschlaf, das sehe ich sehr wohl em; aber— >u 10� ahne die Hilfe des asiatischen Schlaubergervolkes, das . polnisch betrogen hat und uns sozialistisch abermals N wird! M Arbeiter nicht ohne die Juden sozialistisch r, s° werdet Ihr die sozialen Sklaven der � Juden, wre 1» Uni? ti®4®cr' die wir politisch dieselben Fehler begingen, 'i, pichen Sklaven der Juden geworden sind und oie so- �.Devolution" wird eine Beute der Juden, wie es d,e po- � /Revolution von 1848 geworden ist..— ■/Ocmber! ««mbutg, im August 1889._ � M W. Marr. - Geehrte Redaktion!, �. Sie den Muth haben, obige Zeilen abzudrucken,— nicht glaube,— so senden Sie mir S Exemplare sah and W. Marr, ein alter„Sozialrcvolutinär", aber- � ohne asiatischen Knoblauch!!"— �anz verrückt geworden!"— Stimmt. MShJW'ift ist cä zu sehen, wie die kleinen christlichsozialen *1 fj' l,twmjchen Kläffer die Zeit bereits für gekommen halten, siisi« nngeftrast den Reichskanzler in die Waden kneifen Mi i>■ scheinen den„kommenden Mann" in großer wittern. Einen der gelungensten Ausfälle in dieser �N.lesen wir in dem Stöckerblatt„Das Volk�. Nachdem Kr« leine Ansicht dahin ausgesprochen, daß sich selbst die Km Jäen die Verbindung von Ariern und Semiten straube, K'- darauf zu sprechen, daß Fürst Bismarck einmal d,e gcthan habe, daß er in der Begattung eines Ger- K««."einer Orientalin eine Verbesserung der Rasse er- sseiri,� schließt hieran folgende Bemerkung:.»Aller Wahr- ."och wird der Reichskanzler bald Gelegenheit **" seinem eigenen Stamme diese„Verbesserung der r bft i T.KftQliren. Man spricht mit einiger Bestimmtheit ? Verlobung des Grafen Herbert Bismarck mit KJ?« des Lord Roscbcry, dessen Frau eine Tochter des sK ii.,. Rothschild ist."— Wir sind neugierig, ob die in Vur'ch weikwürdig st,ll verhaltende„Kreuzzeitung" ihres Schwesterorgans nachdi ucken wird. o � df. �v.Marinrdeftech«»g«anarIege«heit veröffentlicht ,""tV Beschuldigten, ein gewisser R. Warn, bald, im„Brem. iKkldw" auS London, den 19. August, datirtes Schreiben, or zunächst darlegt, daß er bis zum 21. Juli d. I. ivdi sxj. des deutschen MarincfiSkuS in London thätig ge- w',,donn eine Erholungsreise nach Schottland gemacht 16 K»u f■ er orkrankt sei, und nach seiner Rückkehr nach ÄlidL'eInem größten Erstaunen erfahren habe, in welch' ].i Iteiii p" Verdacht er in seiner Heimath gerathen sei. Herr l-nt1.®!ari �"lschieden in Abrede, daß er Beamte der kaiser- lii«/ dei Ankäufen von Hölzern in irgend welcher Art W:■ und könne von unredlichen Operationen absolut l," er z'�in, mag die Gerichtsverhandlungen in Berlin, h,,t§ iinrnü. ec Tage fahren werde, ergeben würden. Ferner !;i 8e'n chlig, daß W. in der Lage gewesen, durch seine Be- tt&Ke i" Beamten einer Kunstmuhle Lieferungen für die lÄttiii, rs' zuzuwenden. Weder direkt noch indirekt habe Chii pon von Mehlsabrikaten an die Marine ausgeführt, ��chiff länrri'rrn �nhren für eine s�irma Ankäufe seit längeren Jahren für eine Firma Ankäufe Zwieback bewerkstelligt, für deren Lieferung die Firma kdif10 Verträge hatte. Unrichtig sei auch, daß ein Mindener Kauf- mann Gelder zu Spekulationen vorgeschossen, da W. Spekrr- lationen nie unternommen habe. Herr W. schließt seinen Brief mit der Mittheilung, daß es ihm nie in den Sinn gekommen fei, sich durch die Flucht den Gerichten zu entziehen; erst nach Beendigung seiner schottischm Reise habe er von der Erlassung eines Steckbriefs gehört. Da er an dem ihm zur Last Ge- legten unschuldig fei, habe er sofort an den Untersuchungs- richter in Berlin geschrieben, daß er sich letzterem nach Beendi- gung der dringendsten Geschäfte sofort zur Verfügung stellen weroe, was er schon längst gethan haben würde, wenn er nur eine einzige Aufforderung erhalten hätte.— Daß Herr Warm- bald seine Unschuld so warm vertheidigt, ist sein gutes Recht. Hoffentlich bleibt sie auch vor der gerichtlichen Untersuchung be- stehen. Seit den Zahlmeister- und Mannebeftechungsaffären ist es übrigens in der Reptilpresse merkwürdig still von der Korruption in den„wilden Länbern" geworden. Sollten die Herren doch noch etwas Sckiam besitzen? Di« Kriminalstatistik" für 1887 giebt auch Aufschluß über das Verhältniß, welcher Prozentsatz der gerichtlichen Ver- Handlungen mit Verurtheilungen, und welcher mit Frei- sprechungen geendet hat, und zwar wird das Verhättniß für zede Deliktgaltung angegeben. Im Ganzen sinkt die Zahl der Verurtheilungen und nimmt die Zahl der Freisprechungen zu. Diese Erscheinung ist nicht bloS vorübergehend, wir find aber noch ziemlich weit davon entfernt, sie sicher und einmüthig zu beurtheilen. Am stärksten nimmt die Zahl der Verurtheilungen ab beim Wucher, sie ist hier in einigen Jahren von 45 aus weniger als 28 pCt. der Erkenntnisse herabgegangen. Darüber könnte man sich freuen, wenn die Annahme hier ausreichend gerechtfertigt sein würde, daß die Eruirungen diejenigen that- sachlich abgeschlossenen Geschäfte, welche eine Prüftmg auf ihren etwaigen wucherischen Charakter erheischen, nicht etwa eine an- nähernd vollständige, sondern nur eine ebenso vollständige, wie in dm früherm Jahrm wäre. Näher liegt aber die Besorgniß, daß die wucherischm Geschäfte sich immer mehr der richterlichen Vemrtheilung entziehen und in direkter Folge davon auch we- niger zur thatsächlichm Kognition gelangen. Bei Bankerott, schwerem und einfachem Diebstahl, Kuppelei machen die Ver- urtheilungm etwa 90 pCt. der Erkenntnisse aus. Die hier an- dmtungswcsse versuchte Kommentirung deö Verhältnisses von Verurtheilungen und Freisprechungen in einem gröberen Maß- stabe und systematisch durchzuführm, würde eine Aufgabe für einm hervorragmden und weitblickmden Juristen sein. Au» Vlaga«, 21. d. MtS., wird der„Frkf. Ztg." ge- schrieben:„Es war vorauszusehen, daß das eigmthümlich be- gründete„Urlheil" des Magistrats, der durch eigmartige An- Wendung des Z 774 der Zivilprozeßordnung dem ArbeitSaus- stände der Maurer ein Ende machm wollte, die beabsichtigte Wirkung nicht erzielen werde. Jetzt habm auch Maurer, welche bisher noch weiter arbeiteten, die Arbeit niedergelegt, wodurch weitere Handwerkerkreise in Mitleidenschaft gezogen werden. DaS Verhalten der Streikenden ist tadellos und hat bisher zu einem Einschreitm der Polizeibehörde keinen Anlaß gegeben. KTl6 pfeife anzündend, gerade wie der Bauernbursche, !(!�riT Bauerndirne den Hof macht. HC 3 muß auch noch der Kessel angefüllt werden mit N Rx Menanfgust und dann legen sie sich schlafen. Timar Su?/*8 Bimmhaus als Schlafstätte, wo Frau Therese �jL. ftsschem Heu ein Lager machte und No mi ihm tzckßi«ssen zurecht legte. Es bedurste nicht viel, um ,hn } bv'Amer zu wiegen; kaum hatte er sich ausgestreckt, Ke seine Äugm schloß; er träumte dann die osK.yst, daß er als Gärtnerbursche eingetreten ser und � Zll« Ende koche. f SimJr, erwachte, stand die Sonne bereits ziemlich hoch Kit re• Die Bienen umschwirrten ihn schon in voller .Nd � h°tte die Zeit verschlafen. Daß schon am Morgen A, s)ier gewesen sein mußte, entnahm er daraus, daß vjH �er Schlafstätte alle zu einer Männer-Morgen- rHtf■ berIi(*)en Geräthschästen, welche er ,n seinem I�der gebracht hatte, bereit lagen. Denn em anner ? gewohnt ist, sich täglich zu rasiren, fühlt sich b fch Li an einem Tage, wo er diese Operation nicht ISrnhl vornehmen können. Es ist daher eine große Auf- rSto,.«' wenn man durch zarte Fürsorge ihn vor der |> fr�n Lage bewahrt, in die er gerätst, wmn er m K lieÄ H°use, in dem er abgestiegen, am Morgen f. psche« Palst h(1t< um irgendwo ein Stückchen Seife, ein t%em"'armes Wasser und ein noch so winziges Spiegel- CK Aufzutreiben, indem er sich selbst Gesichter schneiden j rH ftl.fein Gemüth ist von dm verwünschten Bar� bL"igt, wie von Gewissensbissen. Wie glücklich, C ti>'. wenn er über diese Klippe hinauskommt, in die Lage versetzt sieht, sein Kinn ölatt zu ranren. Als er damit fertig erwarteten ihn die Frauen schon mtt dem oas aus frischer Milch nnd Butter bestand, und Nlan ans Tagewerk, an die Rosenlese. (Fortsetzung folgt.) % Auf den fiskalischm Bautm wcrdm Soldaten beschäftigt.— Die„Unparteilichkeit" scheint also bei der Glogauer Militär- behörde ebmso groß zu sein, wie bei dm weisen Vätern dieser Stadt. Gin kriegsgerichtlicher Lokaltermin fand nach der „Frkf. Ztg." am Freitag Nachmittag in Bochum im Falle Breder statt. Als am Bergisch-Märkifchm Bahnhofe in Bochum die blutige Katastrophe(Niederschießen von unbetheiligten Eisen- bahnreisenden durch eine Militärpatrouille) stattgefunden hatte, wurde in der anderen nächsten Nacht gegen 11 Uhr in der Kastroper Straße der alte Bergmann Breder erstochen und zwar ebenfalls von einer Militärpatrouille. Die Leiche blieb mehr als 24 Stundm lang an Ort und Stelle liegen. Die armm Angehöriam des Erstochenen mußten so lange jedesmal über die Leiche hinwegsteigen, wenn sie aus dem Hause gehen wollten, bis schließlich die Nachkam sich an höherer Stelle für die endliche Aufnahme des Thalbestandes und die Fortschaffung der Leiche verwandten. Der unglückliche Breder war Präsident des Kriegeroereins, ein durchaus ruhiger und allgemein be- liebter Mann. Jedmfalls beweist der kriegsgerichtliche Lokal- termin, daß der traurige Fall der Untersuchung und Aburthei- lung unterliegt. Leider ist es aber ausgeschlossen, daß die Oeffmtlichkeit jemals von den schrecklichen Vorgängen die ge- nauen Details erfährt. Die preußische Militärgerichtsbarkeit kmnt ja keine öffentlichen Verhandlungen. Chemnitz, 21. Aug. Am Montag Abmd fand im Schützen- Hause eine öffmtliche Versammlung statt. Die Tagesordnung lautete:„Die bevorstehendm LandtagSwahlm." Als nach dem Referenten, welcher allgemein Bekanntes vorbrachte, Herr Max Schippet das Wort erhielt, erhob sich sofort der überwachende Beamte und machte den Vorsitzenden daraus aufmerksam, daß Herr Max Schippe! nicht reden dürfe. Es ist dieses Auftreten des überwachenden Beamten ein weiterer Beweis dafür, daß man im Chemnitzer Wahlkreise Herm Mar Schippet jedes weitere Auftreten unmöglich machen will. Man sprach sich deshalb auch in dieser Versammlung für eine desto regere Agitation an allen Orten, wo Arbeiter verkehren, aus, damit trotz alledem Aus Muufl unt» Leben. Gin ganzer Hochzettszug ist, wie jetzt erst aus Amerika gemeldet wird, in ver Nacht des ü. August unweit CoroalliS, ,m westlichen Montana, ermordet worden. Ein Landwirth, Namens Jones, hatte seine Hochzeit gefeiert und kehrte mit seiner jungen Frau, den Brautjungfern und Trauzeugen nach seinem 7 Meilen entfernt gelegenen Pachthofe zurück, als die ganze Gesellschaft auf der Landstraße niedergemacht wurde. Die von Kugeln durchbohrten Leichen wurden am näch sten Morgen von einem Freunde des jungen Ehemannes entdeckt, der, beunruhigt über das Ausbleiben der Neuvermählten, sich aufgemacht hatte, um nach ihnen zu forschen. Kleine Ursachen, große Mirkungen. Eine heitere Geschichte von den Wirkungen eines Kinderspielzeuges, einer kleinen Gießkanne, jveröffentlicht ein Apotheker aus Hechingen in der„Heilbronner Zeitung". Die Sache hat, wenn man der Darstellung des Apothekers glauben darf, wochenlang die Be- wohner der guten Stadt Hcchingen in Aufregung erhalten. Nach der Erzählung des Apothekers ist der Sachverhalt kurz folgender. Em Landrichter in Hechingen geht mit seiner Gattin über den Marktplatz, auf welchem eine Schaar Kinder mit einer kleinen Gießkanne spielt. Hierbei soll der Gattin des Land- richters ein wenig Wasser ins Gesicht gespritztZsein, was der Apotheker übrigens bestreitet. Der Herr Landrichter läuft sporn- streichs zum Ralhhause und nach kurzer Zeit erscheint bei dem Vater dcS kleinen MissethäterS, eben unserem Apotheker, der Volizeidiener und kündigt diesem ohne jegliche Untersuchung eine Ordnungsstrafe an. Der Apotheker antwortet mit Recht, daß er über den Sachverhalt erst Erkundigungen einziehen müsse. Daraufhin kommt, wie der Apotheker wörtlich erzahlt, der Herr Landrichter an demselben Abend vor 9 Uhr noch einmal an, „Haus für Haus wurde angefragt, Leute, welche bereits ge- schlössen hatten�! wurden herausgeschellt, aber- die Zeugen waren rar." Der Apotheker fährt fort wie folgt:„Einige Tage waren nun Pause, dann wurden Herren vor Gericht ge- laden, die mit der Sache eigentlich gar nichts zu thun hatten, sie waren jnur bekannt als Stammgäste dieser oder jener Wirthschaft, und man wollte von ihnen wissen, was im Wirthshaus gesprochen werde, ob meine Ausdrücke alle wohl bedacht, gemessen waren und so weiter"....„Jetzt kam die Reihe an die Bewohner des Marktplatzes, nacheinander wur- den sie vorgeladen— im Ganzen 15— 20 Zeugen— „iv cgen des auf dem Marktplatz stattgehabten groben Max Schippe! den hiesigen Wahlkreis zu vertreten bekommt. Eine Resolution, welche Liebknecht's Wahl zum Landtag und Echippel'S Wahl zum Reichstag empfiehlt, wurde einstimmig angenommen. Mit einem dreifachen Hoch auf beide Kandidaten ging die Versammlung gegen 11 Uhr auseinander. Großbrttannie«. Der Unterstaatssekretär Fergusson erklärt auf eine Anfrage, er habe keine Bestätigung der Nachricht, daß der Befehl ergangen sei, sowohl die Armenier als die Kurden zu entwaffnen. Der Staatssekretär der Kolonien Baron Worms theilt mit, die Insel Labuan sei an die Nord-Borneo-Gesell- schaft nicht abgetreten worden, letzterer sei vielmehr nur vor- geschlagen, die Insel zu verwalten. Die Insel bleibe eine englische Kolonie. Unterhaus. Bei der Beratbung des Ausgabenbudgets betreffend die K o n s u l a t e erklärte Unterstaatssekretär Fergusson auf eine Anftage, die Regierung halte bezüglich der Schifffohrt auf dem Zambesiflusse und der Position der Engländer am Nyassasee an allen stüheren Erklärungen fest. In Sansibar hoffe die Regierung von der gemeinsamen Aktion Deutschlands und England« dauernde Verbesserungen hinsichtlich des Sklavenhandels. Die Konferenz zur Beschränkung des Sklaven- Handels werde am 15. Oktober in Brüssel zusammentreten. Das gegen Frau Maybrick wegen Ermordung ihres Gatten durch Arsenik gefällte TodeSurtheil ist in lebenslängliche Einschließung umgewandelt worden. Im englischen Unterhause ist es am Mittwoch»u heftigen Debatten über die irische Verwaltung gekom- men. Der irische Abg. Sexton unterzog nach der„Voss. Ztg." die Verwaltung des Obersekretärs für Irland Balfour einer überaus scharfen Kritik. BalfourS Politik, behauptete er, bestehe in der Handhabung eines grundschlechten Gesetzes, gepaart mit willkürlicher Anwendung physischer Gewalt und mit systema- tischer Unterdrückung der Wahrheit. Balfour vertheidigte sich und seine Handhabung des ZwangSgesetzeS. Die Parnelliten setzten indeß die Debatte in sehr feindseligem Sinne fort und Sexton beantragte die Streichung des Gehaltes für Balfour. Der Antrag wurde jedoch nach mehrstündiger Debatte, an der auch Parnell theilnahm, mit 112 gegen 83 Stimmen veiworfcn und der Posten schließlich genehmigt. fraukreich. e r s ch w e i z e r S ch ü tz e n im Paiiser Stadthause fiel sehr feierlich aus. Das Gebäude war innen und außen mit französischen und eidgenössischen Fahnen beflaggt, und als um 5� Uhr das große Thor sich vor dem Zuge von mindestens tausend Mann auflhat, brach die draußen stehende Menge in Hochrufe auf die fremden Gäste aus. Der Präsident des Pariser Gemeinderaths faß mit dem Vorstande auf der Tribüne, der gegenüber rothsammtene Lehnstühle für die Spitzen der Delegation aufgestellt waren. Der Fahnenträger, der in alter Schweizertracht in ihrer Mitte schritt, nahm mit dem Banner, das mit rauschendem Beifall begrüßt wurde, rechts von der Tribüne Platz. Dann hielt nach dem ersten HöflichkeitSaustausche Präsident Chautemps eine Ansprache, in der er sagte:„Wir fühlen uns hier im Stadthause glücklich, die schweizerischen Schützen, die Vertreter einer arbeitsamen, unterrichteten, gradsinnigen Nation zu em- pfangen, für die wir besondere Hochachtung hegen. Die Schweiz ist ein kleines Land, aber die Schweizer sind ein großes Volk, groß durch ihre Jahrhunderte alte Liebe zur Freiheit, groß durch ihre Würde, gi oß, weil sie, das Volk der Arbeit und des Friedens, ihren letzten Blutstropfen daran geben würden, um den Boden des Vaterlandes nicht nur, sondern ihre Ehre zu vertheidigen. Herr ChautempS pries ferner die Schweiz, welche aus jedem Bürger einen Soldaten und aus jedem Soldaten einen guten Schützen gemacht hat, und erinnerte an die SchmerzenStage von 1871, in denen sie Frankreich die Hand entgegenstreckte. Unser Land, sügte er hinzu, hat unter den Nationen den ihm gebührenden Nang wieder eingenommen, aber wie wir, so werden auch unsere Kinder die Erinnerung an die treuen Freundschafts- beweise stets bewahren. Ihm antwortete, nachdem die Kapelle der repuhlikanischen Garde die schweizerische Nationalhymne gespielt hatte, der Genfer StaatSralh G a v a r d im Namen der Schützen. Er leitete die Vertrautheit mit schweizerischen Verhältnissen, welche der Präsident des Pariser Gemeinderaths an den Tag gelegt hatte, von dem Umstände her, daß derselhe aus dem Grenzgebiet zwischen Frankreich und der Schweiz stammt, wies die Erinnerung an die düsteren Tage von 1871, in denen die Schweizer ihrem Wahlspruche:„Einer für alle, alle sllr Einen" gehorchten, zurück, wünschte dem fianzösi- scheu Volke zu seiner geistigen und materiellen Wiederauftichtung Glück und sügte hinzu: Unser kleines Volk streckt Ihnen ohne Hintergedanken die Hand entgegen. EZ fürchtet heute nicht mehr gewisse Jnvasionkgelüste, die Monarchie bedroht uns nicht mehr. Die Einigung zwischen den zwei Demokratien stützt sich ,«„,.k»>i- n.:—;j.i------- _____ vv.v ö,vvi nicht nur auf die Äehnlichkeit der politischen Eim ich tunken, ich aus alte freundnachbarliche Beziehungen• ijii it..'* � sondern auch....—.................. Schweiz will ihre Unabhängigkeit und ihre Würde wahren. Wie wir nicht gestatten, daß aufwieglerische Theorien, die jede Unfugs". Von den Männern war nichts herauszubringen, des- halb probirte man es mit dem zarten Geschlecht. Die Auflegung wuchs, manche Thräne wurde vergossen, eine Frau von 61 Jahren, welche zum ersten Male schwören mußte, alterirte sich so, daß geistliche und ärztliche Hilfe nöthig wurde." Nach der Erklärung dcS Apothekers in der„Heilbronner Zeitung" ist die Sache noch nicht ahgeschlossen. Aber selbst wenn dtr geärgerte Apotheker in seiner Darstellung etwas übertrieben haben sollte, ist die Geschichte mit dem Gießkännchen doch im- merhin recht lehrreich. Di- im Körper eine» Menschen oder Thier«» enthaltenen festen Stoffe, welche in der Asche desselben zurück- bleiben, werden stets in einem bestimmten, jedoch gewissen Ver- änderungen unterworfenen Mengenverhältniß zu einander und zu ihrer Gesammtmenge im Organismus angetroffen. Ent- nommen werden sie den Nahrunasstoffen, die in den Körper eingehen, und während des Säuglingsalters ist- dies ausschließ- lich die Milch. Nun war schon im Jahre 1874 dem Physio- logen Bunge die Thatsache aufgefallen, daß das für den O?- ganiemus so überaus wichtige Ersen im Säuglingskörper selbst m verhältnißmäßig viel größerer Menge enthalten war als in der demselben als Nahrung dienenden und ihn aufbauenden Milch. Dies ergab sich, als das Mengenverhältniß des Eisens und der übrigen Aschenbestandtheile im Körper des Säuglings und in der Milch festgestellt wurde; die übrigen Aschenbestand- thcile— außer dem Eisen—Izeigten unter einander, wie neben- bei erwähnt werden mag, in der Milchasche und im Säuglings- körper dasselbe Mengenverhältniß. In einem Falle war da- gegen der Eisengehalt der Milchafche sogar sechsmal geringer, als in der Asche des Säuglings. Da nun nicht an- genommen werden konnte, daß der Säugling, blas um seinin Bedarf an Eisen zu decken, eine bis zu sechs Mal so grrße Menge aller anderen Aschenbestandtheile, als er braucht, auf- nehmen würde, so entstand die Frage, woher der Säugling das zum Aufbau seiner Organe erforderliche Eisen entnehme. Mehrfache Untersuchungen, die Bunge hierüber neuerdings an- stellte, haben nun ergeben, daß der Säugling seinen Eisen. hedarf schon bei der Geburt vorräthig auf seinen Lebensweg mitbekommt; denn bei der Geburt ist der Eisengehalt in seinem Körper am größten, während er mit dem fortschreitenden Wachs- thum des Thieres(die Versuche werden, wie natürlich, an Thieren angestellt) abnimmt. Von dem Eisengehalte zehrt dem. nach der..junge Organismus, wie von einem Kapital, das er in sich trägt, während die übrigen Aschenbestandtheile durch die Nahrungsaufnahme erworben werden müssen. »«kllschaftliche Ordnung(?) bedrohen, in unserem Lande Wurzel fassen, die Spionage und das Locfspitzcllhum darin einbürgern, ebenso wenig lassen wir uns einen Druck, von welcher Seite er kommen möge, gefallen; denn bemüht, unsere Pflichten zu erfüllen, wie die nationalen Verträge sie uns auf- erlegen, wollen wir auch die Herren im eigenen Hause bleiben. Der Präsident des Pariser Gemeinderaths antwortete mit dem Wunsche, die fünf Jahrhunderte alte kleine Republik möchte Frankreich an Tochterstatt annehmen. Amerika. Es ist bereits mehrfach beobachtet worden, daß innerhalb der bürgerlichen Parteien ein richtiger Konser- vativer— Revolutionär und ein richtiger M o n-> archist— Republikaner werden kann, wenn er sich in seinen persönlichen Interessen geschädigt glaubt. Diese Ersah- rung macht nun auch der K a i s e r von Brasilien. Die „Franks. Zeitung� theilt hierüber folgendes mit. In unseren Korrefpondenzen aus Brasilien ist wiederholt auf die Ver- stärkung der republikanischen Partei durch den Zuzug der durch die Sklavenemanzipation geschädigten Sklavenhalter hingewiesen worden und es kann daher die Leser dieses Blattes nicht sehr in Erstaunen setzen, wenn sie hören, daß nun auch der Chef der konservativen Partei in der Provinz Rio Grande do Sul, Herr Silva TavareS, die monarchische Flinte in'S Kom ge- worfen und sich offen in die Reserve der republikanischen Partei gestellt hat. In seiner diesbezüglichen Erklärung„an die Provinz",7welche wir der in der in Porto Alegre erscheinenden „Deutschen Zeitung* finden, heißt es:„In dem parlamentarischen Interregnum vom November bis Mai erfuhren die Konservativen der Provinz nichts als Zurücksetzung und das Kabinet vom 10. März tbat ordentlich groß mit der Liebedienerei, mit der es dem Begehren unserer Gegner selbst in den unwichtigsten Dingen entgegenkam. Mochten die Minister einerseits glauben, daß ihr Verhalten von allerhöchster Stelle vorgeschrieben sei, so hat andrerseits der lötzliche und unvermuthete Wechsel der Situation dargelhan, .aß wir die gesetzliche Ordnung verlassen haben und AÜcS sich nach einem Ehrgeizigen richtet, der Brasilien zu regieren hofft, wie die Orleans Frankreich regierten. Diesem Zustand der Dinge unterwerfe ich mich nicht. Ich will für mein Land eine normale Ordnung, wo regiert, wer die unmittelbare Verant- wortlichkeit vor der Nation hat. Ich verabscheue die Diktaturen, l die Regierungen, die durch Palastrevolutionen sich aufdrängen. Ich will, daß das Land sich für die neuen Ideen vorbereite, die in der Entwickelung sind und bis in die Nationalver- tretung dringen, wo sie binnen Kurzem durch die Gewalt der Umstände sich Geltung verschaffen werden. Ich blicke besorgt in die Zukunft und seye keine andere Lösung, welche den Zu- sammenhang der Nation, die Herrschaft des Gesetzes und der politischen Moral, so mißachtet in diesen Zeitläuften, aufrecht halte, als: die Republik auf konservativen Grundlagen.* Eine ähnliche Erklärung hat ein anderes hervorragendes Mitglied der konservativen Partei, Domingos Dos San- tos, abgegeben und dabei zugleich— im Gegensatze zu Silva TavareS— seine bisherigen Parteigenossen aufgefordert, ihm in das republikanische Lager zu folgen:„Ich glaube nicht,* sagt er,„daß die repuhlikamsche Idee, der ich von jetzt ab folge, mit meinem Anschluß viel zu gewinnen hat. Ich bin aufrichtig genug, anzuerkennen, daß meine politische Schulung nicht auf den großen Grundlagen der Demokratie erworben ist. Ich tröste mich mit der Hoffnung, daß die Republik von unserer Jugend gemacht wird. Ihr gehört die Idee.* So ist es und der Umschwung wird sich in Brasilien vielleicht um so schneller vollziehen können, als die Monarchie in Brasilien keine Tra- ditionen hat, und das Kaiserreich eine Anomalie unter den selbstständigen Staaten des amerikanischen Kontinents ist.* So weit die„Franks. Ztg.* Wir haben noch einen Grund, den Thron des Kaisers von Brasilien für wackelig zu halten: Die amerikanische Bourgeoisie hat eine besondere Lerdenschaft danach, billig regiert zu werden, und billig ist das Regime in Brasilien nicht. l�evsttimnUmgen. Die am Dienstag, de« 30. da., tagende Derfamm» l««g des sozialdemokratischen Mahwereins für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis verfiel wieder der polizeilichen Auflösung, als der Referent Herr Werner, welcher über das Thema:„Der Maximalarbeitstag* sprach, die heutigen Zu- stände kritisirte. Es ist das die vierte Versammlung, welche hintereinander aufgelöst worden ist.— Ferner ist dem Verein untersagt worden, zur Deckung der Unkosten eine Tellersamm- HB in der Versammlung in« r M. find auf Beschwerde lung zu veranstalten. Die Salon beschlagnahmten 6,40 zurückgegeben worden. Der Fachoer ein der Marmor-«nd � ielt am Sonntag, den 18. August, in Teigmullers � j lte Jakobstr. 48a, eme folgender Tagesordnung: gut besuchte Versammlung �� „ 1. Wahl eines zweiten 2. Fortsetzung der Berathung über den neu auiznl-.„ Akkord- und Lohntarif. 3. Verschiedenes und Fraget u Punkt 1 wurde an Stelle des ausgeschiedenen|([ steine als zweiter Vorfitzender Kollege Jänsch sewaa' 2. Punkt führte zu langen und lebhaften Debatten,'- wurde die Handlungsweise einiger Mitglieder der � Mission einer scharfen Krikik unterzogen, weil letztere"- Abwesenheit glänzten. Nachdem fast einstimwig i j worden war, Sonntags- und Ueberswndenarbeit w möglich zu vermeiden oder mit 25 pCt. Zuschlag a» und nach Durchberathung�einigerMkkordsätze, wur � Punkt bis zur nächsten Versammlung vertagt. schiedenes erstatteten die Revisoren Bericht über„$ gefundene Kassenrevision. Die nächste Versammlung n 15. September statt. Der Streik bei Mar MnnderUch ist der Arbeiter beendet aibeiter tagte am Montag bei Säger, Grüner Die Freie Verewigung ver � bei Säaer. Grüner Weg äy, Eröffnung der Versammlung ging ein Antrag em,... ja trag(Gewerbliche Statistik) auf die nächste Tagesor � fr., setzen und dafür Bericht der Kommission über den Wunderlich ausgebrochenen Streik zu setzen. wurde angenommen und führte Herr Siegfried, c* An an, wodurch die Kollegen gezwungen waren, zu streu � den Verhandlungen zeigte sich der Fabrikant nicht gm Bedingungen zu erfüllen. Durch das feste Zusnn' der Kollegen, legte ein Kollege des Mittags die � gj�ikie" welcher erst Morgens angefangen hatte, wodurch der'« Ende erreichte und der Fabrikant die Bedingungen« � daß am hellen Tage gegen 4 Uhr die Arbeit w>co nommen wurde. Durch das feste Zusammenhalten oe � endete in kurzer Zeit der Streik mit dem Sieg der � Zu Punkt 2, Arbeitsnachweis, sprachen sich die Red � aus, den Fabrikanten ein Zirkular znzusenden, worin � bekannt gemacht wird, daß der Arbeitsnachweis sich � Siderer, Pelristr. 28, befindet. Theater. Sonnabend, den 24. August. T»«»'» Tdeater. Don Juan. Stanley in Afrika. Ad»lpt»«rnst-Theater. Flotte Weiber. Vaterfieuden. z-fftttg-TH-nt-r. Die Vermählten. . Wilhelmstadtische»«k-atvr. Der Mikado. � «st»»»-«hente». Der Trompeter von Säkkinaen. Zentral-Theater. Leichtes Blut. ■ liU i 1«r. 9 M.- 10 A Kaiser-Ranopama. »■Hflr In dieser Woche: 1. Reise: England u. Schottland. 2. Cycl.: Paris»» WrttannsteUnng. Im Ausstellungspark: Rom. Eine Reise 20 Pf., Kmd nur 10 Pf. Abonn. S Recken 1 M. Wmnmt H. Stramm, >2Z kittenstnssse 123, verbunden mit Fremdenlogis. Empfehle meinen allbekannten vorzüglichen Frühstück-, Mittag» und Abenbtisch. Sonstige Speisen und Ge- tränke in bekannter Güte. Zwei Zimmer, passend zu Zahlstelleu und Arbeitsnachweis, stehen zm Verfügung.(1440 Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Weiß- md BMsch-Biw-LM, verdundrn mit reichhaltigem Frühstücks-, Mittags-«nd Abenbtisch. Franz. Billard. Hochachtungsvoll M. Erdmann* vormals W. Haugfc, Meinstraste Mr. 8». Allen Freunden und Bekannten zur Nachncht, daß ich Sirphanstraste S7 ein Meiß-«vd Kairisch-Kierlodal eröffnet habe. 11208 Um gütigen Zuspruch bittet v. Bachstein, D a n k s a g'u n g. Allen seinen Freunden und Genossen, welche unfern am 11. d.M. beim Baden verunglückten lieben Sohn und Bruder, den Tischler Erich Schulz, die letzte Ehre erwiesen und sein Grab mit Herr- lichen Kränzen bedeckt haben, sagen hierdurch herzlichsten Donk. 11198 Familie Schnlz, 8 W., Blücher str. 15. Die Beleidigung, welche ich der Frau Emma Mäher auf offener Straße zugefügt, nehme ich hiermit zurück. 12021 Ernestine Säding. Schuhwaaren- Kager eigen es F a brika t empfiehlt A. Manthey, 952 Schuhmackermeister. Knienftr. 345, nahe d. Neuen Königstr. Ein Mehl- und Bortost-gtefchäft mit vielem Bier- und SchnapSverkauf(Fabrikkundschaft) ist billig zu verkaufen. JohanntSstr. St. 11126 1 1 Granate»« Corallen. Q y Gold- und Silherwaaren-Fahrikgeschäft» 1 Treppe 66, Ora«ie« Kratze 66, 1 Treppe ��Mvifchen Kommandantenstraße und Moi Massiv goldene Ringe. Traunnge(1 Dukaten). (2 Dukaten). Moritzplatz. Biliigep wie in jedem Laden. 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Bn IL Brnnmeli.— Joseph im(mit v ortreit).- ftuttul»rchler(mit »iy.— Öfter, loa«». Gedicht.— Her, ift (Biti.)— glie,e»d« Blttter(inujh.). I, Rithfei it.— Goft. u. Teleoraphe». «echrichten.— Hierzu»irr tukfei: Sit»im jjahnfteita.— Ein«endlelender. Mödel, Vakri». iZvikklii t foisierwdaM.I Gr Lager, blU. Preise! Emil Heyn, Brunnenstr. 88, Hot part. Th-iU nach Ueberetnku Zu beziehen durch die Grpedttio«: Zimmerstr. 44. Durcü äie Ezepeäition, Aimmer�ra�e � zu beziehen: Die Darwin'sche Theorie. Geb. M. 2,—. Von vr. Gdnard Aorling. Broschirt M- � dargestellt Karl Marr' Kekonomifche Kehre«. Gemeinverständlich erläutert von Karl Kantskq. Brosch. M. 1�0. Geb. M. 2,—. p Weltschöpfuug«ad Weltuntergang. Die Entwickelung von und Erde vom Standpunkt der Naturwissenschaften dargestellt von Gomald Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Die landliche Arbeiterfrage. Nach dem Russischen des Aal.l«»'"'' Brosch. M. 1,—. Geb. M. 1,50. Thomas More und feine Utopie. Mit einer historischen: von Karl Kanioky. Brosch. M. 2,—. Geb. 2,50. Charles Konrier, sein Leben und seine Theorien. Von Debet. Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Da» moderne � Glend«nd die moderne UebervölkerM "tur Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von Mar Achippel.»r " 1,50. Geb. M. 2,—.„ j Berliner Arbeiter-Kibliotheb. Von Ma» Sckipp-l. Erschienen Ein sozialistischer Roman. Heft 2: Der Nutzen der ,t Die Arbeiterinnen- und Frauenftage der Gegenwart.� bis 5. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. schaften. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und g Der Sozialismus in Frankreich seit der Panser Kommune. Heft köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Ossip Zetkin-PariS T 15 und 20 Pf. Die Arbeiterinnen-Kemegnng Kerlin«. Von zu K-rg-- a Heft 30 Pf. So" Ferdinand Kassalle, eine Gedenkschrift zu seinem 25 jähngen Todestag. Mar K-gel.- 50 Pf. � Arbeiter-Notizkalender pro 1889. Kleine Ausgabe a Exemplar so Die Klassengegensätze von 1789. Von Karl»antsky. a Exemplar 50 Pf. Die Konntags-Arbeit« Von Angnst Kebrl. Brosch. M. h— Dgbil» Roman von Disraeli, übersetzt von Natalie Liebknecht. Die Uitter der Arbeit. Nach dem Amerikanischen des Zor von Liebknecht. Die franzostsche Kevolntio«. Von MUhelm Kl»». pai� Gebunden in Prachtband. Broschirt in Heften ä 20 Pf. a Exemplar M. 5�0. Lerantwortliwer Revatieur: K.«r»ntz«tM in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin Beuthstraße 2. KierM»t»e H. e ��«-n S "H M» . dics« in 8* .iß Beilage zum Berliner Volksblatt. ßr. IS?. Sonnabend, den 34. August 1839. 6. Kahrg. ErMärung. ��.»�ordd. Allfl. Ztg." kommt in ihrer gestrigen Nummer Wl W'hre schon früher gemachten Behauptungen zu -» neben den öffentlichen Sitzungen auf dem Jnter- �iw» i� erkongreb in Poris auch eine Anzahl g e- v«ltzungen stattgefunden habe, in welchen die eigent- fen'Mwlrevolution ärcn Manifestationen" verhandelt worden tgi la, � kdle Blatt begründet neuerdings feine Behauptungen $n»,B,"n.k"".n angeblichen Thatfachen, die nur einem für die ädlimJ»•2n mklinrrenden Organ, wie es die„Nordd. Allg. B'st, dazu Anbalt bieten können. Stmml-.faßeBlichen Thatfachen, auf welche das Blatt sein "ilationsgebäude stützt, find folgende: iin b o k'e«Berliner Volks-Tribüne" in ihren Berichten � �5, Kongretz von achttägigen hitzigen Debatten gesprochen, eichen keine andere Zeitung zu berichten gehabt habe; i* Glbit iS; � Abg. Harm in seinem Bericht über den Kongreß Sh™« r, Zugegeben, daß„eine nicht öffentliche Delegirtcn- wnJ kattgefunden habe; Stf<ü c t>er Former Schütz bei seiner Berichterstattung in WÄ nQ�. dem Bericht des„Schles. Morgenbl." erklärt: die illlirt Glieder hätten fich durch Ehrenwort solidarisch •W verpflichtet, nicht eher zu ruhen, als bis die Arbeiter Iliil fei� vder sonstwie" aus dem kapitalistischen Joche be- A? die drei Kardinalpunkte, auf welche die„Nordd. 3v vrit ihren Denunziationen stützt. v �us'st folgendes zu antworten: !« i' Berichtete die„Volks-Tribüne" über hitzige Debatten, �«rck b"vch dem Verlauf des Kongresses dazu ein Recht. anwesende anarchistische Element und die Art, wie die Ich!,,„auch die harmloseste Debatte zu führcn gewohnt find, s �'dings nicht an stürmischen Szenen, die den Franzosen Widerlich auffallen mochten, wohl aber den Deutschen Htf.k' �aren. Vielleicht haben die im Kongreß Publikum •WJ.• ßawesenen Vertrauensleute des Berliner Molken- ZU,,.. meGüte, den Redakteuren der„Nordd. Allg. Ztg." die o i efer Angaben zu bezeugen. � �- hat der Abg. Harm die Wahrheit berichtet, wenn er ""er vertraulichen, nicht �geheimen Besprechung der �iqen Delegirten sprach. Diese fand m»Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" liib v?.16-.Juli, Nachmittags 5 Uhr, im Salle Petrclle stalt, genau wie ich verrathen m-JUl»/----________ Zq fich ausschließlich mit der Tagesordnung S'btri vnd der Stellung, welche die Deutschen dazu «u», wollten. Zugleich wurden in dieser Sitzung die �ilr i! �dner für die Debatten bestimmt. Diese Sitzung Zk»dn. x Abends;9 Uhr und war der Unterzeichnete Vor- q? 5�lben. »fvrmer Schütz die ihm von dem„Schief. ist ttC-'n*>en �"nd gelegten Aeußerungen wirklich gethan, �iiibd'hm, fich näher auSzusprecben, wo dieses angebliche H„l' abgelegt worden sein soll. Wahrscheinlich handelt eS -Tchi m, um ein Mißverständniß des Berichterstatters des sNavgenbl.", da die angebliche Aeußerung des Former Zt? �inen Sinn hat. habe mich auf diese Denunziationen der„Nordd. Allg. h>?halb so ausführlich eingelassen, weil ein großer Therl a'ii�.vgen Presse gewobnt ist, ihre denunziatorifchen >?>« zgUßen für baare Münze zu nehmen und für b»t�ilterverbreitung zu sorgen.— Als wir den Kongreß rhack ra n,Qr tS vornherein unser fester Entschluß, jedem HUci/t�eheimnißkrämerei zu treiben, entgegen zu treten. Wir a'«i Rutsche Presse vom Schlage der„Nordd. Allg. Ztg." Wif?ut, um nicht vorauszusehen, daß geschlossene �'hr das erwünschte Material zu Denunziationen �'(j)fnUri!£n- Außerdem stand für uns fest, daß die Zahl der 'Itan t• Spitzel, die in diesen Tagen Paris beherbergte, Lfl,piftrt uuirde und diese jede ihnen gebotene Gelegenheit 'hrn, Wurden, aus solchen geschlossenen Sitzungen Kapital . Ti?s zu schlagen. "»i j,i'I beiden Gi ünde waren ausreichend, dafür einzutreten, Nongreßfitzungen von Anfang bis zu Ende öffentliche ' v»»!".J. Sffw hirrnnA tioifl das Geaentheil H � vw 0*. w.wv........ "■"w-t9! gesckah. Wer hiernach noch das Gcgentheil K,,' vrzeichne ich hiermit öffentlich als Lügner. ""ach, den 23. August 1889. A. Bebel. ®ö8 hellWe Recht des Volkes. Vle es!? llvd Vle es sein soll. (Schluß.) U'»»,.! ß'f'fegebung mit den Worten ablehnte:„' hätte keinen Abgeordneten entsenden können, j, vCi.„n deutenden Stimmenvennchrung und trotzdem über JNobt...Billigen Stimmen ihr angehörten. Die Reichs- *'•'** cn~j.x Ka« f t nfi i ff htK seil,' xuns ronn oer owra UVV uUH.„.v......... he.dirkv,'. NN über muß auch die Minderheit sich im Reichs- Haben auch alle Deutschen„glei- >d. I we.V dann muß auch die Minderheit ge- den. Und das kann nur geschehen, fltiiy a J i �' a r ke jeder Partei genau der Stim- u«» � festgesetzt wird. Wenn also zum 7 540 908 abgegebenen giltigen Stimmen !'>es� LEt. �'demokratische waren, so ist dos genau Kartei Abgeordnete entsprechen t er Stärke lss»!"th�i, und nicht, wie fie durch den Zufall der Wahl- �iit>. Nicki hervorgegangen. Auch die freisinnige Partei "Ke r„ T gerechten Verhälmiß ihrer Wählerzahl im > andern hatte statt 37 nur 32 Vertreter. Ebenso hatte die Welfenpartei zu wenig Abgeordnete, und an dem Beispiel der süddeutschen Volkspartei, die ganz unverlreten blieb, während sie 5 Abgeordnete entsenden mußte, sehen wir die Mäg- lichkeit, daß auch eine große Partei, bloS weil fie in den einzelnen Wahlkreisen nicht durchdrang, unverlreten bleibt; je nach dem System der 397 fachen Theilung der Wahl kann eine Unge- heuerlichkeit vorkommen, wie die vorliegende, daß die Mehr- heit der Wähler nur eine Minderheit von Abgeordneten er- halten hat. Ist das eine wirkliche Volksvertretung? Ist hier eine schleunige Reform nicht dringend geboten? Die jetzige Zufallswahl gestaltet fich heute und sicherlich noch lange zuGunsten der herrschenden, der Kartellpartei. In späterer Zeit, nachdem die Massen allenthalben aufgeklärt sind und wenn die Zahl der radikalen WuthschafiSreformer überall größer ist als die der Staatssozia- listen, kann und wird dieser Zufall der Soziakdemokratie zu Gute kommen, und dann werden die Konservativen nach gerechter Wahl rufen. Aber freilich, lange nicht mehr und nirgends können die alten reaktionären Parteien durch freie Wahl und durch ein reelles Vorgehen siegen: darum ist es Zeit, daß ein gerechtes Verhältniß in der Volksvertretung und die Freiheit der Wahl— wie fie z. B. seitens der Arbeiterpartei durch Kouvertabstimmung bezweckt war.— gesetz- lich geschützt wird. Auch die konservativen Parteien haben unter dem Zufall des heutigen ungerechten, widerfinnigen Wahl- systems gelitten, besonders als in den 70er Jahren noch die liberale Bourgeoisie herrschte, als der Liberalismus noch oben und beim Volke Mode war. Doch am härteste» ist stets'die junge sozialdemokratische Partei davon betroffen. So hatte fie im Jahre 1871 nur 2 Abgeordnete, während sie nach gerechter Vertheilung der Stimmen auf die Abgeordneten 11, also 5smal soviel haben mußte; 1874 hatte sie nur 9 statt 27, also nur'/», 1877 nur 12 statt 36, 1878 nur 9 statt 30, 1881 12 statt 24, 1884 24 statt 38 und 1887 gar nur 11 statt 40. Während fie noch nie mehr Vertreter hatte, als ihr zukamen, hatte sie also stets weniger. Was das aber anSmackt, erkennt man, wenn man bedenkt, daß allein durch die 29 Abgeordneten, die der Arbeiterpartei diesmal noch fehlen, die ganze Rück- wärtSrichtung in der letzten Legislaturperiode verhindert worden wäre, besonders aber die fünfjährige Legislaturperiode. Man sieht also, das Zustandekommen guter, d. h. den Volkswillen entsprechender Gesetze ist ganz dem Zufall anbeim- gegeben. Wie soll aber der Handwerker, der Arbeiter und der kleine Beamte nicht politisch glcichgiltig, nicht pessimistisch wer- den, wenn er sieht, wie seine Stimme, wie Hunderttausende, wie unter Umständen Millionen von Stimmen keinen Werth haben? Ganz anders wenn jede einzelne Stimme ihren Werth hat, der immer zum Ausdruck kommt; und das kann nur ge- schehen bei gerechter Wahl, bei einer Wahl mit Verlheilung der Abgeordneten nach dem Stimmenverhältniß. Durch einen ganz einfachen Wahlakt läßt sich die Stärke jeder einzelnen Partei feststellen, wenn jeder Wähler einen Zettel mit dem Namen seiner Partei in die Urne wirft. Und dabei ist die ganze Eintheilung in Wahlkreise überflüssig, ja auch der Kampf vor der Wahl kann viel milder werden, ja ganz fortfallen; denn alle Wahlreden und Wahlversammlungen können ja nur den Zweck haben, die politisch Unerfahrenen und Gleickgiltigen zu gewinnen, während jeder einigermaßen orientirte Wähler genau weiß, welcher Partei er angehört. Auch das Resultat der Wahl kann schneller als heute festgestellt werden, wenn die 2 oder 3 Zahlen über die Stärke der Parteien in jeder Ge- meinde sogleich nach Berlin telegraphirt würden, anstatt erst an den Landrath jedes Kreises, von da an den Oberpräsidenten jeder Provinz und erst dann an das Ministerium des Innern. Freilich würden dann zwei Wahlgänge nölhig; denn wenn in der Reichshauptstadt dre Stärke der Parteien durch Stimmen- zählung festgestellt und die Zahl der Abgeordnete», die jede Partei bekommt, ausgerechnet ist, so müssen in einem zweiten Wahlgange noch die Abgeordneten gewählt werden. Dies könnte nun von jeder Partei auf ernem sogleich folgenden Parteitage geschehen; allein bei der Gefährlichkeit der öffent- lichen Abstimmung für die oppositionellen Parteien, muß auf ein anderes Mittel gedacht werden. Ein Ausweg wär-� die Vollziehung der Abgeordnetenwahl durch die Reichstagsfraktion selbst, bei der es nur auf eine Ergänzung oder Ausscheidung einer kleineren oder größeren Zahl von Mitgliedern ankäme. Aber das wäre keine direkte, sondern eine indirekte Wahl, und wenn auch der Kern der Fraktion immer derselbe bleiben wird, so ist eine indirekte Wahl ein Verstoß gegen die Volkssouveränetät, ein Verstoß selbst gegen die heutige direkte ReichStagSwahl. Wohl ginge auch eine Wahl der 397 Abgeordnelen durch Liste; denn auch die Abgabe einer Lifte mit vielen Abgeordneten hätte keine aroße Schwierigkeit, da die Aufstellung derselben doch wie heute duich das Zentralkomitee jeder Partei geschehen und sicherlich wenig Korrektur an den einzelnen Listen stattfinden würde. Aber wozu einen Reichstag, der aus 397 Mitgliedern be- steht? Nach der Bevölkerungsziffer der letzten Volkszählung (46 800000 Einwohner) müßte das deutsche Volk jetzt 468 Ab- geordnete erwählen; es müßte überhaupt alle fünf Jahre eine Bermehrung und somit Neueinlheilung der Wahlkreise erfolgen. Aber diese nicht geringe Arbeit ist unnöthig, sobald die Ab- geordnetenzahl für immer feststeht. Und das kann fie, denn die Hauptsache ist, daß das Verhälwiß der Abgeordneten zu den Stimmen ein richtige« ist. Ist es überhaupt nicht ganz einerlei, ob eine Volksvertretung au« 468, 397, aus 200 oder 100 Vertretern besteht? Daß aber ein Vortheil darin liegt, wenn die Volksvertretung nur 100 oder eine andere kleine Zahl von Mitgliedern hat, dürfte einleuchten. Bei der Diäten- entschäbigung der Abgeordneten, die später sicherlich doch ein- mal nicht wird versagt werden können, würde viel Geld erspart werden und auch heute schon, da die Privatentschädigung keinen geringen Kostenaufwand verursacht. Eine Volkskammer mit einer kleinen Zahl Abgeordneter ist auch ohnehin billiger als eine große. Und wozu ist ein solckes Heer von Abgeordneten? Eine Abgeordnetenwahl durch Liste, das bequemste und direkteste AbstimmungSmittel, würde dann auch viel einfacher, leichter sein und jedem Wähler mehr Selbst- ständigkeit geben. Beträgt also die Anzahl der sozialdemokra- tischen Stimmen 10,1 pCt. aller giltigen Stimmen, warum soll- nicht der Wähler eine Liste mit 10 Abgeordneten in die Urne werfen können, der freifinnige eine solche mit 9, der Zentrums- wähler mit 24 u. s. w.? Und damit die Brüche keine Schwierigkeit verursachen, kann ja das Gesetz bestimmen, daß ein Bruch über 0,5 für voll, ein Bruch unter 0,5 gar nicht ge- rechnet werde. Fort also mit den 397 Wahlkreisen! Das ganze Reich sei ein einziger großer Wahlkreis, in welchem am ersten Tage der Wahl nur oie Partei gewählt werde. Nachdem etwa das Reichsamt des Innern durch Addition aller Parteiziffern der einzelnen Kommunen die Stärke jeder Partei im ganzen Reich und dem entsprechend für den Reichstag berechnet,— am besten, wenn die Zahl von 100 oder 200 Abgeordneten zu Grunde gelegt wird—, kann schon 8 Tage später zur Wahl der Ab- geordneten durch Listen geschritten werden, wobei natürlich die 10 oder 20 oder 100 Listenkandidaten mit den meisten Stimmen die Erwählten sein würden. Ist ein solcher ein- facher Wahlvorgang nicht eine dringende Reform des allge- meinen Wahlrechts und wird diese Reform nicht auch eine Re- formirung des Parlaments herbei führen? Was nützt gegen- über dieser Reform die Bitte an das Abgeordnetenhaus, für Berlin die Zahl der Abgeordneten durch eine andere„Wahl- kreisgeometrie" zu vermehren? Und sicherlich ist dieses Wahl- verfahren ebenso einfach wie das heutige, bei welchem, wenn auch nicht überall, doch stets und rn vielen Wahlkreisen Stichwahlen nölhig sind, oft zweimal sogar. Alle Stichwahlen fallen dann fort und ebenso alle Klagen über das„trügerische System" derselben; alle Kompromisse und demüthigenden Parleikoalitionen sind unnöthig, und, was die Hauptsache, alle Parteien, auch die Minoritätsparteien, sind ge- recht vertreten. Vernünftige Ausgestaltung des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts durch Beseitigung des Zufalls in der Zusammensetzung des Reichstages, gerechte Wahl durch allgemeine Parteiwahl'und Listen- wähl einer bedeutend reduzirten Zahl von Abgeordneten nach dem Stimmenverh äl tni ß — das ist eine Forderung, die eigentlich jede Partei, besonders die unterdrückte proletarische Partei, die wahre„VolkSpartci"„ im Reichstage erheben sollte, die, zu einem Gesetzentwurf for- mulirt, sie so oft wie möglich einbringen sollte. Ihre öftere Ablehnung seitens der reaktionären Majorität oder seitens des Bundesraths kann nur dazu beitragen, dem Volke immer mehr die Augen über die Absicht der Bourgeoisie zu öffnen, das Volk, das Proletariat so wenig wie möglich zu einer eigenen Vertretung gelangen zu lassen. Loksles. Die Kokalkommissto« theilt mit, daß der Inhaber des „Bürgersäle", Dresdenerstraße, bereit ist, sein Lokal zu poli- tischen Versammlungen herzugeben. Ferner giebt die Kom- Mission noch bekannt, daß Veröffentlichungen in Bezug auf die Lokalfrage nur von den Herren Wilhelm Werner, Sebastian- straße 72, Arno Winter, Köpnickerstraße 26, Hans Baake, Givsstraße 31, auszugehen haben. Alle eventuellen Unregel- Mäßigkeiten sind an die aenannten Herren zu berichten. Kerlin ist»rMiesenermasten eine sehr vielseMge Kindt. Sie ist nicht nur Haupt-, Residenz-, Welt-, Kaiser-, 1z Millionenstadt, Stadt der Intelligenz, Wasserkops, Provinz, sondern neuerdings auch— Bicrstadt geworden. Angesichts dieser Vielseitigkeit mögen schwärmerische Lokalpatrioten in bc- denkliche Verzückung gerathen— jedoch— wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten und die« trifft namentlich für die Hiera- logischen Verhältnisse Berlins in hohem Maße zu. Die ganze diesbezügliche Situation wird, wenn auch etwas derb, jedoch sehr zutreffend durch folgendes artige WirthshauZverslein be- leuchtet: Der Wirth, der Wein und Biere tauft, Ist werih, daß er sie selber sauft! Dennoch geschieht dies leider in den allerseltensten Fällen. Der autmllthige Berliner giebt vielmehr allzuoft sein gutes Geld für schlechtes Bier hin, welches ihm nach dazu„geschnitten" präsentirt wird und wofür er, um nicht auch noch die Vcrach- lung des servirenden Kellners sich zuzuziehen, obendrein noch das obligate Trinkgeld abladen muß. Gegen Biervlantscher wird ja allerdings behördlich eingeschritten, gegen dre vorge- dachte Uebervortheilung kann sich das Publikum heute nur selber schützen durch— Nichtkonsum. Die alten Deutschen tranken bekanntlich immer noch eins— ein Beweis dafür, daß es ihnen trefflich gemundet. Dafür war aber die Mittelalter- liche Bicrpolizei eine kurzen Prozeß machende und die Sünden der Bierbrauer, welche die heutigen Gastwirthe ersetzten, strenger rügende, als das heute der Fall ist. Eine Chronik der Stadt Nürnberg, im Anfange des 17. Jahrhunderts ange- legt und bis zum westfälischen Friedensschluß fortgeführt, erzählt hierüber:„Anno 1609, den 17. Oktober, hat man allhier der Segerin, Bierbrauerin in der Pfannenschmiedegasse, Bal- thasar Schmidt am Kornmarkt, Hanns Hermankel ebendaselbst, einem jeden ein Faß Bier auf die Fleischbrücke geführt, daselbst den Fässern den Boden eingeschlagen und das Bier in die Pegnitz geschüttet. Leonhard Spatz, Bräuer in der Kothgasse, ist auch solches mit einem Fasse widerfahren, der sich aber ungehorsam gezeigt und sein HanS versperrt gehalten, bis wohl der Löw mit seiner Trommel, der Provas und etliche Provisoner kommen, da er dann aufgemacht und das Faß auf den Aich- wagen gelegt, auf welchen sich der Löw mit seiner Trommel gesetzt. Besagten Leonhard hat man auch ob seines Ungehor- fams auf den Thurm gestraft, sind auch die drei Bierkiefer in das Loch gelegt und zwei davon ihres Dienstes entlassen worden."— Ueber den Ausschank untarifmäßigen BiereS fand sich der Senat der Stadt Regensburg im Jahre 1644 bemüßigt, nachstehenden Beschluß zu fassen:„Demnach ein Erbarer Kam- merer und Rath dieser des heil. Reichs freien Stadt Regens» bürg mit höchstem Mißfallen und nicht ohne sonderbares Be- kümmer vernehmen müssen, daß bei biesen ohnebas schwären Zeiten und da der Allerhöchste uns wegen übeimachtcn Sün- den heimbsucht, etliche geltsüchtige und eigennützige Pierbraucr- sowol unter der Bürgerschaft als auch unter den Jnnwohnern durch Uebersatz des Nächsten und schändlichen Wucher mit elendem Piere solcher Grimm, Straff und Zorn Gottes nock vermehren und hintangesetzt der christlichen Lieb, erbärmliches Pier vor theures Geld einzuschenken und zu verkaufen pflegen, dadurch aber der arme benöthigte Mit- und Nebenchrist in großen Schaden, auch endlich zeitlickes Verderben, gebracht wirb: Als können Ihre Ehrenfesten Weißheiten, Ihrem tragenden obrigkeitlichem Amlet nach nicht unterlassen, drejenigen, die solch unchristlich wucherliches Pier ausschenken, der Gebühr nach abzustrafen. Befehlen solchem nach aus väterlichen obrigkeitlichen Eyfer hie- mit und wollen, daß am männiglich in denen Schenken gutes Pier verschenkt und verleutgegeben wirb und verordnen, daß die Contravenienten unter den Pierbrauern und Pierschenken ihr eigenes elendes Pier selber zu trinken verurtheilt werden sollen, während ihre liebe Burgerschaft, Jnnwohnern und Bei- sitzern erinnert werden, sich des Pierholens in solchen Schenken bei Straff von vier Gulden gänzlich zu entäuffern. Gestalte dann auf solche wunderliche Händel ein mehrer unb schärffere Aufsicht gegeben werden solle. Demnach sind männiglich zu richten und vor Straff und Schand zu hüten wissen wird. Decrelurn in senatu den 28. Dezembris 1644."— O gute alte Zeit! Ueber et« neue« Mittel zur Konferuiruua von Hackfleisch theilt der bekannte Nahrungsmittel- Chemiker Dr. Mansfeld folgendes mil: Zu einem Quantum von 10 Kilo gehacktem rohen Rindfleisch verwendet man 30 bis 40 Kubik- Zentimeter einer gesättigten Lösung(etwa 35 pCt. Wasser) von doppelt schwefligsaurem Kalk, indem man die Flüssigkeit unter das Fleisch mischt. Der stechende Geruch der schwef- ligen Säure(die sich mit dem Fleisch schnell oxydirt) ist bald nach der Mischung weder an dem frischen Fleisch noch beim Kochen oder Braten desselben wahrzunehmen. Das so behandelte Fleisch ist nach tagelangem Stehen noch frei von Fäulniherscheinungen und die frisch rothe Farbe pflegt sich besonders an der Oberfläche gut zu erhalten. Aller- dingS zeigen sich bei dem so präparirlen Fleische nach längerem Stehen Schimmelpilze; da aber diese Erscheinung und Fäulniß sich gegenseitig ausschließen und bisher nur erwiesen ist, daß faules Fleisch der Gesundheit des Menschen schädlich ist, so kann die vorgeschlagene Behandlung des Fleisches mit der vorerwähnten Kalklösung immer noch als vortheilhaft empfohlen werden,namentljch in solchen Fällen,wo es nicht auf eine allzulange Konservirung und namentlich, wenn es auf Erhaltung eines opp. titlichen Aeußeren des Hackfleisches ankommt. Da bei der Mischung auf ein Pfund Fleisch nur etwa ein Fünftel Gramm 'chweflige Säure und ein Fünfzehntel Gramm Kalk entfällt, o ist an eine gesundheitsschädliche Wirkung beim Genüsse des .0 präparirten Fleisches nicht zu denken. Anders liegt dagegen die Frage, ob das so präparirte Fleisch, wenn es feilgehalten wird, nicht als„verfälschtes", weil älteres und deshalb minder- wecthiges, im Sinne des RahrungsmiltelgesetzeS zu betrachten ist. In jedem Falle würden Fleischhändler gut thun, die statt- gehabte Behandlung des Fleisches den Käufern zur Kenntniß zu bringen. Für den Verbrauch des Fleisches in Restaurationen und Haushaltungen dürfte dem neuen KonservirungSverfahren wohl kein Bedenken entgegenstehen. Die Unterleibvbrüche nehmen bei der Frage der Un- fallenttchädlgung eine hervorragende und viel bestrittene Stelle ein. Die ärztlichen Anschauungen darüber, ob ein solcher Bruch plötzlich und infolge eines Unfalles entstehen kann, gehen weit auseinander. Während man bisher allgemein annahm, daß ein Bruch die Folge einer plötzlichen Ueberanstrengung sei, einer Zusammenpressung oder dergl., wird diese Auffassung neuerdings entschieden bekämpft. Ein Marburger Arzt, Prof. N o ser, war von einer Berufsgenossenschaft um sein ärztliches Gutachten in der„Bruch-Frage" ersucht werden. Er hat dieses Gutachten ausgearbeitet, ist aber dann, ehe dasselbe veröffent- lichi wurde, verstorben. Gegenwärtig veröffentlicht nun sein Sohn, ebenfalls Mediziner, diese Arbeit seines Vaters. Wir glauben bei der Wichtigkeit, welche die Bruchflage in der Un- fall-Versicherung spielt, auf die Angelegenheit hier näher eingehen zu sollen, können jedoch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß uns die Auffassung Roser's etwas einseitig und durch den Auftrag der Berufsgenossenschaft von vornherein ein wenig beeinflußt erschienen._ Immerhin mögen die Anschauungen Roser'S als Grundlage für weitere Forschungen dienen und namentlich Kassenärzte werden oft genug in der Lage sein, die Rrchtigkeit der Rofer'schen Ansichten prüfen zu können. R. kommt auf Grund seiner eigenen Erfahrung und der in der Literatur enthaltenen Urlheile der bekanntesten Chirurgen zu folgenden Schlüssen: Die plötzliche Entstehung eines Bruches durch äußere Gewalt oder durch Anstrengung kommt nicht vor. Wenn Jemand einen Bruch plötzlich bekommen zu haben meint, so beruht dies auf einem Irr- thum. Der Bruch war schon vorhanden und der Kranke verwechselt vaS Eindringen eines Eingeweidetheiles in diesen Bruch mit der Entstehung desselben. Die langsame Dehnung oder Verschiebung des Bauchfelles, wie sie bei der Bildung der im späteren Leben entstehenden Brüche voraus- zusetzen ist(durch örtliche Fettknotenbildung, durch allgemeines Fetiwerden und Dehnung der Muskelzwischenräume durch die Fettmassen, durch zunehmende Erschlaffung und Abmagerung der Bauchwand) kann nrcht als Unfall bezeichnet werden. Das Eindringen eines Eingeweidetheiles ist nur ausnahmsweise durch Anstrengung veranlaßl und nur in einem solchen Ausnahme- falle wäre der Bruch als ein bei der Arbeit entstandener Un- fall aufzufassen, als ein Unfall aber, welcher sich nur ereignen konnte, weil die krankhaften körperlichen Vorbedingungen für denselben schon vorher vorhanden waren. Nur unter besonderen Umständen wird die Einklemmung eines Eingeweidetheiles in einen Bruch als Unfall betrachtet werden müssen. Die Bruch- bänder gewähren keinen so vollkommenen Schutz, daß man einen Bruchkranken als zuverlässig arbeitsfähig erklären dürfte. Die Radikalherlung eines Bruches durch Operation ist nicht so sicher und nicht so gefahrlos, daß sie in jedem Falle anzurathen wäre.— Soweit die Ergebnisse der Rofer'schen Ennittelnugen. Die Frage der Enischädigungsberechtigung bei plötzlich ent- standenen Brüchen bleibt danach noch immer eine offene. Außer- dem verursachen die Rofer'schen Feststellungen auch für die ärfl- lichen Ermittelungen anderweit Schwierigkeiten. So dürfte z.B. vom Arzte doch wohl schwer festzustellen fein, ob das Eindringen von Emgeweidetheilen in einen Bruch„ausnahmsweise" durch Anstrengung, also durch einen Arbeitsunfall herbeigeführt ist. Ebenso bedenklich ist Roser's Vorschlag, in Fällen, wo ein Zu- sammenlreffen mehrerer Ursachen für den Bruch- schaden vorhanden ist, eine t heilweise Entschädigung zu gewähren. Widerspruch, und zwar, wenn er begründet wäre, erfreulichen Widerspruch, findet auch Roser's Ansicht über die Radikalheilung von Brüchen durch Operation. Es werden neuerdinge vielfach Stimmen laut, welche Heilung der Brüche durch Operationen für sicher halten. Bestätigt sich dieser Widerspruch, so wäre es wohl das Beste, durch Operationen die Bruchichäden zu beseitigen und die Operirten für die Dauer der Krankheit zu entschädigen. Eine Milliarde Minuten. Im Jahre 187O welches den MiUiardenfegen über uns brachte, haben sämmtliche Zeitungen ihren Lesern die Bediutung dieser ungeheuren Zahl an allen möglichen Beispielen klar zu machen versucht; da wurde, wie der„Verl. Ztg." geschrieben wird, um unseren «normen Reichthum so recht zu veranschaulichen, ausgerechnet, wie viel Hunderte von Jahren ein armer Briefträger unauS- gesetzt Treppen zu steigen hätte, um eine Milliarde Stufen zu erklimmen, da wurde bildlich ein Klumpen Gold im Wcrthe von nur 1 Millarde Franks dargestellt, neben welchem der da- vor Wacke stehende Grenadier des 1. Garde-Regiments zu Fuß— Flügelmann— sich ungefähr ausnahm, wie eine Zwergmaus gegen einen Elepbanten zc.— Andächtig und staunend losen wir geduldigin Leser diese Vergleiche, aber als nach ganz kurzer Znt diese Milliarden(es waren bekanntlich fünf solcher Goldklumpen) mit ungeheurer Fixigkeit alle wurden, da mag bei manchem Leser doch wohl der Zweifel an der Richtigkeit dieser redaktionellen Berechnung auf- gestiegen kleine und einfache Berechnung der 1000 000 MOsten Minute nach Christi Geburt, welchen Zeit- punkt die jetzt lebende Generation seiern wird, wird die Größe dieser Zahl wieder klar machen. Da die Zeit der Geburt des Stifters der christlichen Religion nicht genau zu fixiren ist, so kann selbstredend nur die Frage aufgeworfen werden, wann sind 1 Milliarde Minuten seit dem Beginn unserer Zeitrechnung verflossen. Bei der Berechnung legen wir am besten den alten, von Julius Cäsar im Jahre 46 v. Chr. festgesetzten Kalender, welcher zur Zeit Christi Geburt im ganzen römischen Reich schon ailtig war und nach welchem die Russen heut noch rechnen, zu Grunde und ergiebt sich hiernach folgende Rechnung: Beginnt man mit dem l. Januar 12 Uhr Nachts— also dem 0. Januar des Jahres 1, so sind in einem Jahrhundert, welches 75 Ge- mein- und 25 Schallzahre zählt, also bis zum 0. Januar 10t 100 Jahre, 365 Tage, 24 Stunden, 60 Minuten-fl 25 Schalt- tage, 24 Stunden, 60 Minuten— 52 596 000, folglich in lÖ Jahrhunderten 52 596 000,19 999 324 000 Minuten verflossen; demnach fehlen am 10. Januar 1901 alten Snls noch «76 000 Minuten an einer Milliarde oder, da das Jahr 1901 ein gemeines Jahr zu 365 Tagen ist, noch 1 Jahr 104 Stunden 40 Minuten, so daß am 15. April 1902 Vormittags 10 Uhr 40 Minuten alten Stils eine Milliarde Minuten verflossen sein werden. Im nächsten, also 20. Jahrhundert, ist der alte Kalender gegen den gregorianischen, nach welchem wir rechnen, aber um 13 Tage zurück, woraus resuliirt, daß wir dann die 1000 000 000. Minute unserer Zeitrechnung zu feiern haben, wenn sich der große Zeiger unserer Uhren am 28. April 1902 Vor- mittags nach 10 Uhr langsam zwischen der 39. und 40. Minuten- theilung fortbewegt. Nach der exakten Rechnung ist dieser Tag ein Montag, Grund genug, denselben wenigstens Vormittag blau zu machen. Gine« peinlichen Giudrnck hinterlicß eine am Sonn- tag auf dem Louisen-Kirchhof in der Hermannstraße statt- gefundene Leichenfeier. Da der Verstorbene mit seinen Kindern m den letzten Jahren nicht im besten Einoerständniß lebte, und es auch vorzog, lieber bei flemden Leuten zu wohnen und mitl diesen zu verkehren; so hatten auch die Leute, bei denen er zuletzt wohnte, ohne die Hinterbliebenen zu fragen, einen Geistlichen in der Person des Herrn Grifte von der Kirche zum heiligen Kreuz am Johannestisch zur Leichenfeier bestellt. Letzterer Herr fühlte sich nun berechtigt, den Hinterbliebenen die bittersten Vorwürfe zu machen, denn die ganze Trauerrede bestand nur in solchen gegen die nächsten Verwandten, und man wußte wirklich nicht, ob der Herr Geistliche seine Konfirmanden wegen Ungehorsam die Epistel verliest oder ob er in einer Trauer- Versammlung als Geistlicher fungirte. Der Geistliche unterbrach sogar seine Vorwürfe, oder Trauerrede, als einer der nächsten Verwandten, dem die Vorwürfe doch zu viel wurden, die Kapelle ruhig verlassen wollte, mit den Worten:„Sie haben nicht die Ferer zu stören",— also hübsch die Vorwürfe mit anzuhören. Der Geistliche machte den Herrn zugleich auf den Kirchhofsbeamten aufmerksam. Bei solchem Falle muß man sich wirkich flogen, ob die Feier den Eindruck hinterläßt, dm sie hinterlassen soll, oder ob gerade das Gegentheil eintritt. Do« einer gerade?« entsetzlichen Plage werden die Bewohner des HauflS Müllerftraße 78 heimgesucht. Das einzeln stehende dreistöckige Gebäude ist das flühere Steuerhaus und von dem jetzigen Besitzer, Rcstaurateur Kleinschmidt vor etwa drei Jahren angekauft worden. Bald daraus wurde auf dem dahinter liegenden freien Felde, etwa hundert Schritte vom Wohnhause, eine öffeniliche Abladestelle eingerichtet. Täg- lich werden daselbst hunderte mit Müll und Küchenabfällen beladene Wogen ihres Inhalts mllecrt und der letztere sofort von einer Anzahl Personen beiderlei Geschlechts mit Hacken durchwühlt und auseinandergebreitet, um auf etwa noch brauch- bare Gegenstände zu fahnden. Eine Folge dieser Einrichiung ist, daß die dortige Gegend von einer Fliegenplage heimgesucht wird, wie sie arger kaum vorkommen kann. Wenn die Pferdebahnwagen iene Stelle passiren, so stellen sich die Schaffner, mir Laubbüschm bewaffnet, vor die Eingangslhür, um das Hineindringen der lästiam Netzflügler nach Kräflen zu verhindern. Der Zustand in dem oben bezeichneten Hause spottet aber jeder Beschreibung. Mpriaden von Fliegen um- schwärmen den Eintretendm, bedecken die Wände und den tußboden. Eine dumpfe, ungesunde Lust erschwert das thmen, die Lüftung wird auf das Nothwendigste beschränkt, da von zwei Uebeln das kleinere gewählt wird. Ein wahrer Massenmord wird mehrmals täglich mittels Insektenpulver angerichtet, von dem der Hausbesitzer wöchmtlich reichlich ein Pfund verbraucht, die getödleten und betäubten Fliegm bedecken dann zollhoch den Fußboden, es ist nichts Seltenes, daß sechs bis sieben Liter Fliegen zusammengekehrt und dem Feuer überliefert werden. Aber nach wmigcn Stunden ist Ersatz da, enlmuthigt und halb verzweifelt stehen die Bewohner dem unausrottbaren Uebel gegenüber. Es läßt sich denken, daß nur selten ein Gast dm Muth besitzt, in dieser Restauration etwas zu genießen, muß er sich doch hüten, daß ihm nicht schon beim Sprechen einige Fliegen in den Mund gerathen. Schließlich werden die Men- schen diesem Gethier den Platz räumm müssen, denn daß die vorstehende Schilderung der Plage noch weit hinter der Wirk- lichkeit zurückbleibt, davon kann sich jeder leicht durch einen Besuch jenes Fliegenpalastes überzeugen. Absthafftme der Taubenbörsen. In vielen hiesigen Schankslätim haben sich sogenannte Taubenböism etablirt, das heißt, die betreffenden Lokalmhaber haben in ihrm Geschäfts- räumen(Laden, Gastzimmmer) Volieren aufgestellt, in denen sie Tauben zum An- resp. Bei kauf halten. Das Polizeipräsidium hält nun aber das Züchten und Halten von Tauben znm gewerbsmäßigen Verkauf und zwar in den Geschäfts- räumm der Gastwirthschaflen für unstatthaft und hat den qu. Wirthen ausgeg. bm, innerhalb einer einwöchigen Frist, bei Ver- meidung der Untcrsagung des ferneren Betriebs des Schank- gewerbes, das von ihnen unter der Bezeichnung Taubrnbörse gepflegte Handelsgeschäft einzustellen oder aber die Tauben m von dm Schankzimmem völlig gesonderten Räumen unter- zubringen. J» Uorgrster« Macht um 2 Utzr wurde die Feuerwehr nach RauleS Hof gerufen, wo drei Menschenleben in Gefahr schwebten. Im rechten Seitenflügel des bis zur Unterwasser- straße gehenden alten Grundstücks wohnt, wie die„Post" be- richtet, der Schneide, meister V. mit seiner Frau und einem Ge- bilfm. Die Wohnung besteht aus einer Küche, welche im ersten Stock eines neueren Gebäudethriles liegt; von hier aus führte ein 10 Stufen hohe, sckmale Stiege zu der im zweiten Stock des anstoßendeii alten Hauses liegenden Wohn und Schlaf- stube, an die eine kleinere Kammer grenzt, welche dem Ge- hilfm eingeräumt war. Vom Wohnzimmer aus führt zum Treppenflur eine Thür, die aber verschlossen gehalten wird; über der Stiege liegt ein Hängeboden. Die drei Bewobner ballen sich vor 12 Uhr zur Ruhe begebm, ohne irgend etwas Verdächtiges bemerkt zu haben. Kurz vor 2 Ubr erwachte Frau Ä. infolge von Athemnoih. Mit Aufwendung der letztm Kräfte schleppte sie sich bis zum Fenster, riß dieses auf und be- merkte nun, daß die ganze Stüde mit dichtem Rauch erfüllt war. Nur mit Mühe konnte sie den schon halb beläuhlen Galten wecken. Als V. die nach der Stiege führende Thür öffnete, schlugm ihm die hellm Flammen ent- gegen. Der Hängeboden und die Stiege waren schon vollständig vom Feuer erfaßt. Es blieb somit nur der Weg durch die verschlossen gehaltme Thür, deren Schlüssel man aber in der Aufregung nicht zu finden ver- mochte. Währenddem halten sich die Flammen durch die ge- öffnete Stiegenthür den Eingang in die Stube gebahnt und eine hier stehende Kommove und den Tisch erfaßt. Die Lage der Gefährdeten war eine verzweifelte. Durch den vom ge- öffneten Fenster ausgehenden Zug wurden die Flammen nach der Fensterwand zu getrieben und dadurch den Abgeschnittenen die letzte frische Luft genommen. Schon schien eine Rettung überhaupt nicht mchr möglich, als man plötzlich auf den ge- suchten Schlüssel stieß, die Thür öffnen und die rettende Treppe erreichen konnte. Unmittelbar darauf ging ein dicht an der Thür stehender Kleiderschrank in Flammen auf. Die hell auf- lodernden Flammen halten inzwischen auch andere Haus- bewohner aus bem Schlaf gescheucht, und in aller Eile alar- mrrte man die Feuerwehr, die mit gewohnter Pünktlichkeit er- schien und sich zunächst der Gefährdeten annahm, die lhalsächlich nichts als das nackte Leben gerettet hatten. Frau V. mußte von mitleidigen Nachbarinnen mit der nölhigen Garderobe ver- schen werden, für die beiden Männer konnten noch Röcke aus dem vom Brand verschonten Therle der Wohnung herausgeholt werden; die Löjchardeit selbst wurde sehr energisch betrieben, da in dem alten winkligen Haufl ernste Gefahr rapider Weiterverbreitung des Feuers zu befürchten war; die Thäligkeit der Feuerwehr war schon nach einer halben Stunde von Erfolg gekrönt. Urber die KaUonfahrt Gfstiiere der i � schirr- At>ttzeU««g, welche am 15. August'n � des Chefs des österreichischen Generalstabes, Feldzeugm Ritter von Beck, in Berlin ihre Fahrt angetreten hatten bei Landsberg a. W- landeten, berichtet von dort märkrsche Zeitung" folgendes: Am Donnerstag Nachmittag s 41 Ühr ging in der Nähe unserer Stadt, auf den Loren Wiesen, jenseits der Warthe, ein Ballon der Lusttsbitt. � theilung nieder. Die Landung war nicht ganz ungeiay»«- sich Pappeln in der Nähe des Ankerplatzes befanden. Ae j» welche auf der Warthe geangelt hatten und von der Ab"»! Insassen des Ballons, landen zu wollen, verstand««! w sowie die ländlichen Besitzer der dortigen Gegend Mam sechs Personen) leisteten bereitwilligst die erste Hilfl- �se,. Lnftschiffer, Lieutenant GrohS von der Luftlchiffer-Abih � und Lieutenant Wittich vom Infanterie- Regiment• (Straßburg i. E.), waren Mittags 1 Uhr von Beilm jjj stiegen und in östlicher Richtung fortgetriebcn worden.... Lustschiffer in die höheren(kälteren) Luftschichten(ffl« � halten sie bei empfindlicher Kälte mehrere Male mit. stünnen zu kämpfen. Schnee und dicht fallender Regen näßten ihre Klerder vollständig... m.M: Selbstmordversuch im Mahnst««. Der m der G � straße wohnende Tischlermeister Schräder, welcher mehr � sellen beschäftigte, bat am vorgestrigen Abend, als dleflo. ihrer Arbeit aushören wollten, doch noch einen Augen � warten, da er ihnen noch ein hübsches Stück Extra-Alse� geben wolle. Nun verließ der Meister die Werkstatt un � m einen Nebenraum, wo Bretter aufbewahrt werden, hinter sich verschließend. Als Sch. nach einer Biert nicht zurückkehrte, klopften die ungeduldig wartenden � � an und als statt aller Antwort nur ein schauriges Roa>c dem Gemach ertönte, erbrachen sie die Thür und Msl. i�igt Meister an einer Leine an der Wand erhängt. Wiederbelebungsversuche waren von günstigem Erfolge« � doch stellte der sofort gelufene Arzt Geistesstörung hereits vor Jahren schon einmal im Jrrenhause- ordnete die Uebersührung des Tischlermeisters Charflee an ■äi RxßOll' Der Deret« der Ta»benfre««de, welcher r«'VI,It- rant Hillmann, Manteuffelstr. 68 tagt, veranstaltet am y, tag.iden 25. August seinen, unter den Taubenliebhabern> liebten Sport des Preis fliegenS ihrer Fluglauben»m« � tauben" und zwar, wie seit denjetzten Jahren jedes sich daran betheiligende Mitglied seine am. thcilnehmenden Tauben Sonntag Früh 6 Uhr nach dem einslokal zu bringen, wo dieselben vom Komitee m.«jD genommen und in Körben verpackt nach einem e*. zp, von Berlin bestimmten Ort transportirt werden, memi Mitgliedern erst am Sonntag mitgetheilt wird, damit N � im Stande ist, seine Tauben auf eine gewisse S"� fliegen zu lassen. v. B Polizeibericht. Am 2l. d. M. Vormittags war> dem Hause Markprafenstr. 6 der 8 jährige Knabe Bayer von einem Omnibus überfahren und so schwer.„j daß er bald darauf in der Universitäts-Klinik, wohw seiner Mutter gebracht worden war, verstarb. In mr M zum 22. d. M. vergiftete sich eine Kellnerin in ihr« in der Slallschreiberstraße nach einem Streite mit Haber. Die Lercke wurde nach dem Schauhause gel®. Am 22. d. M. Morgens gericth der Maschinist d>< Neubau Slromstraße 33C. mit dem rechten Arm zwll®, � Kammräder einer im Betriebe befindlichen Lokomobile, ihm der Unterarm abgequetscht und die Fleischtheile des � arms völlig zerrissen würben. Der Veilctzte wurde w™. städtischen Krankenhause in Moabit gebracht.— Zn � Ais- Zeit wurde im Spandauer Schifffahrts-Kanal, nahe der � ftraßenbrücke, die Leiche einer etwa 25 Jahre alten und« Frauensperson aufgefunden und nach dem Schauhause Aus der Brücke der Verbindungsbahn an der Prsnzlauf wurde Vormittags der Fuhrherr Lmdemann von seinem mit Mehl beladen en Wagen, dessen Pferde ichkuten und gingen, überfahren und auf der Stelle gelödtet.— wurde an der Ecke der Oranienburger- und Gr."am--- straße das vor die Equipage des Schlächtermeisters L �ii gespannte Pferd scheu, ging durch und rannte derarttg einen entgegenkommenden Omnibus, daß es sich de» auftchlrtzte und auf der Stelle verendete. Liebheim, Ar- mit seiner Familie im Wagen saß, versuchte kurz vor de° � sammenstoß herauszusprmgen und verletzte sich hierbel"n-feiii' Hand.— Zu dersetden Zeit wurde der Slraßenreimafr. Hardt vor dem Hause Königstraße 31 von einem Mom � überfahren und erlitt außer einer Hautabschürfung be» � � Schienbeins eine Verstauchung des Rückgrats. � gyr»� rieihen zwei Knaben beim Spielen auf den bebauten � stücken in der Lcssingstraße in eine Schlägerei, wobei o. a dem andern drei Stiche in den Hinterkopf beibrach''� Verletzte mußte nach dem städtischen Krankenhause M � gebracht werden. GeviÄflks-Ieikung Mrgen Majestätobeleidigung und Wotteolass" ,�- hatten sich die Arbeiter Karl Olio Schulz und Friebrich marck, beide in Berlin wohnhaft, am Freitag vor strafkammer am Landgericht II zu verantworten. F- auf die Anflog bank gebracht hatte, war ein Gespräch m'.zättt schieden« Tagesereignisse gewesen, das sieZmit ihren£ p> genossen während der Arbeitspausen geführt hatten. � geklagien waren nämlich in einer Charlottenburger Maschiv� Ziltt beschäftigt. Zu ihren Genossen zählte auch der Sommer, ein sehr frommer und kirchlich gesinnter? der große Stücke auf die Geistlichkeit hielt. Bei heit eines Gespräches über die Thäligkeit der®•juyi- äußerste Schulz, daß die„Pfaffen alle.... werden m»»�, Als wieder bei einer anderen Gelegenheit davon bie R-w � daß der Kaiser persönlich an der Einweihung der„flrf heiligen Kreuz theilnehmen Iwolle, machten beide A»1« siid einige kritische Bemerkungen über die Motive, von die Großen der Erde bei ihrer Thcitnahme an solchen lichen Akten leiten ließen. Der Inhalt dieser Gespräche jif in aufgebauschter Form der Staatsanwaltschaft mitgetm Anklage erhob. Nach dem Ausfalle der BewetSoUM mußten indessen beide Angeklagte fleigelprochen werden-�/, Der Redakteur der„Fände»- Kultuerze>> B Mütter Koppen, ist durch eine Reihe von Artikeln K ßS Verbesserung der Lage der Feldmesser eingetreten unv v � in derselben zu Vorwürfen und Kritiken von Bchoro reißen lassen, die ihm eine ganze Serie von Anklage» Beleidigung durch die Presse eingetragen haben., D"' p' waren außerordentlich scharf gehalten und ebenso ging v- fcff geklagte stets bei seiner Vertheidigung vor Gerichl äußerste Spitze des Erlaubten. Gelegentlich seiner oera � lichen Vernehmung in einer Anklage wegen Beleidig y"' RegierungSpräsi den tcn zu Neuwied wurde er dem ver» den Untersuchungsrichter gegenüber so heftig und errefl», M in Ohnmacht fiel und gnff dadurch die Veimuthung man es mit einem Geifteskronken zu thun habe. Sov ujs« Dr. Mulenzweig, der mit der Untersuchung des verMf i dp Kranken betraut wurde, gab sein Gutachten dahin ab, Angeklagte zu jener Zeit so hochgradig nerooS»»D. daß seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen m �(i» wurde deshalb das Verfahren einstweilen eingestellt. ¥ das geistige Befinden des Angeklagten inzwischen ßfl'hfil 11 so wurde gestem gegen denselben in seiner Abweje»» ntten Fcrienstraftammer des Landgerichts l verhandelt. AiI ����uwalt hielt die Beleidigung, welche in einem Ar- W*? ei re Entsittlichung und Entartung des Beamten- tiei» �"v war, gefunden wurde, für erwiesen und bean- »Vgeaen �?rn. Der Unter« Geisteszustand n Gewißheit zu verschaffen. SiuTf herabgekommener Mann» NamenS Emst mwi).'.u>urde gestern der ersten Ferienstrafkammer des » t»-}6 1 vorgeführt, um sich wegen Majestätsbeleidigung ii ,,orttn' Wie er unumwunden zugab, hatte er «id»uvterkomnien im Gefängniß verschaffen wollen diesem Zwecke direkt an den Kaiser zwei offene ' geschrieben, welche Beleidigungen enthielten. Der 'tt ffl beantragte eine Gefängnißstrafe von 2 Jahren, erkannte auf 6 Monate. ? rigenthümliche Roll« spielte gestem ein Zeuge iil«l in» vieffe wegen GewerbevergehenS, der gestern vor '.J~btheüung des Schöffengerichts stattfand. Die Be- Vorkosthändler DzrSclatffchen Eheleute, sollten !iih j'" Weise in ihrem am Alcranderufer belegenen Ge- tlL, Flasche Bier zum sofortigen Genüsse im Lokale ver- Die Anklagebehörde stützte sich dabei auf daS Rers re'n der Karlstraße wohnhaften Böttcher- itz, z. Eggert, welcher bekundete, daß er an dem frag- »»JiX zufällig in jener Gegeud gewesen sei, daS Geschäft |r la9ten betreten und sich eine Flasche Bier gefordert n, r 0S habe die Ehefrau DziSdat, welche allein im %Qt, otwas gezögert, dann aber doch das Bier ver- WLi stolitten, daß er es auf der Stelle austrank. Die SkiA FDten den Sachverhalt aber ganz anders dar. ?-t Eggert seitens der Frau der Bescheid geworden, lym kein Bier zum sofortigen Genuß geben, wenn vvlann komme, werde sie bestraft. Der Zeuge habe »i! Bitte mit der Bemerkung wiederholt:„Ach in»» Schutzleute sind froh, wenn sie selbst '«t'önnen" und darauf habe die Angeklagte das Sssen? Kaum, habe der Zeuge den Laden d> dj.» lv sei auch schon ein Kriminalbeamter gekommen, x r'tung festzustellen und sie müsse aus dem ganzen �>ieiz.„. Zeugen annehmen, daß derselbe im Auftrage des »bat � l'e verleiten sollte. Der Zeuge bestritt dies entschie- S? Li cr t,om Borsitzenden darauf aufmerksam gemacht Sc'z is doch auffällig sei, wenn er zur Stillung seines l««ix. � Borkostgeschäft und nicht eine Restauration aufsuche. völlig unparteiische Zeugin auftrat, welche das Be- 'fc t„ t.veu8en Eggert genau so schilberte, wie die Ange- wlirt r l' ber Gerichtshof den Fall nicht für genügend ' sondern erkannte aufgFreisprechung. K VerkÄtninlungen. hint* vssentlichc Uolksverkammluns fand am • inn"® ,n Heydrich'S kleinem Saale, Beuthstraße 22, statt. �ziiji��vrdnung lautete:„Die Vorgänge in der frei- ' Gemeinde, insbesondere daS Verhallen des Herrn Sim» v>ie stellen sich die Berliner Arbeiter dazu?" Der dieser Versammlung war ein ganz gewaltiger; -K■"udtr her„Freien Gemeinde" waren zuerst auf dem h| bfl.lt n vor 48 Uhr war der Saal von denselben fast Ntti l v Für die Nachfolgenden mußte erst Raum ge- fc'St* 01 dadurch, daß sämmtliche Tische und Stuhle Ict bi» �bcn. Doch noch immer genügte der Raum nicht - ,W ntV hinzukommenden Schaaren; sie hielten den .1% die Straße vor dem Lokale dicht besetzt. Gegen ,)*-■ �ln° die Polizei die Thüren und zwang die außen r wibh,?. vre Pouzei vre Spuren unv zivuu» vir uuvc» sich zu entfernen. Im Saal selbst standen die Ver- .0P' an Kopf, von einem Mittelgana war keine Rede, lÄ�sch von allen Seiten belagert, die Fensterbretter ,, TA�?ene erhöhte Standpunkte besetzt. «i der re. bei der Bureauwahl begannen die Zwrstlgkerten; jsSke.°?ruscr erklärte, daß die Herren Werner, Rüffer und Jntittl J�tililt seien, wurde von Seiten der Anhänger des Herrn A�lZ�Üel und lärmender Protest hiergegen erhoben. Nach � t>,°-Miimmung mußte selbst Herr Kunert, als Stimmen- l... Dichtigkeit der Wahl bestätigen. �.�ehr erhielt Herr Schade, der sich etwas verspätet CA f* bei Gelegenheit des Begräbnisses unseres Genossen lÜSo« r' verhaftet worden, als Referent das Wort. Gleich �»bemerkte Herr Schade, daß er für alles, was er sage, sZ> s antreten könne und daß er ferner eine anonyme habe, in der der Briefschreiber versichert, daß die JÄt."Unerts dafür sorgen werden, daß es zu keinem " in Zovime. Redner schilderte nun zunächst die Verhält- iiJm»Freien Gemeinde". � April sei Dr. Huber als Religionslehrer mit A w°5atlichem Gehalt bei dreimonatlicher Kündigung ge- tzl ai. cyN. Hiergegen fei vom Vorstande Protest erhoben t' einer Vorstandssitzung, die am 7. Mai stattfand, ItSnh Friederici plötzlich Herrn Kunert, den bis dahin noch ti'' dai®�annt, als Religionslehrcr vorgeschlagen und be- )?' inif derselbe, ebenso wie Herr Vogtherr, bereit sei, das iitV Lvem Monatsgehalte von nur 50 M. zu über- >vea» ,e Versammlung,|bte daraufhin stattgehabt, Ölt), l?1 Tumultes aufgelöst worden; in einer Ahtks?? Donnerstag nach Psingsten tagte, sei, nachdem ,. iy>,'zrrunoen yuderS der jiunert rm wreiamn gcmcicu, kLli ö o. Jen' zurückzutreten, da Huber ein gänzlrch u n- .0 e r Mann sei, der sich sein Brot sauer verdienen Mens möge er warten, bis die kons � ff«. Darauf habe Krrnert erwidert »l'it,. u o e x Man.» v.__........ möge er warten, bis die kontraktliche Frist r'iu�» ist Darauf habe Kunert erwidert— und das vier Herren bezeugen—:„DaS gehe an: Jeder sei sich � selbst der Nächste. di. Lch.s'° [„f.,,. an; Jeder»er sich selbst der..Nächste. »>!Z0e.) Doch wolle er sich die Sache reiflich uberlegen y- tiflnv» tll Doge definitiven Bescheid geben." Am nächsten !iss � ihn.."unert dem Deputationömitglied, Herrn Taeder, V'Wnh. am:»der Entschluß habe gestern schon bei ihm ii,«r nicht zu weichen; er habe nur zeigen wollen, 1#§ttt a, bedanken verbergen könne!" Die Behauptung, aufgestellt habe, daß Dr. Huber deshalb mehr L?' fei„fdt, weil dieser einen Leitfaden habe ausarbeiten S ,00 richtig; Huber habe, wie aus einem Schreiben des Oik Sseix vorgehe, nur Situationsberichte liefern sollen. DieS K>IiA-.°uch zwei Mal gethan. Aus dem Gesagten gehe Aus-, fsssvor, daß Kunert als Lohndrücker aufgetreten �lKfike»?�i,"arm. Rufe: Müllergeselle, Lachen, Glocke �Mste shden.) Sollte das, was für den Arbeiter das Ver- C�iat. Führern zustehen? Herr Kunert predige ß 2? LaÄ U"d trete dieselbe selbst mit Füßen!(Erneuter Was nun die Stellung des Herrn Kunert » hei�fetzen anbelange, so gehe dieselbe aus den vSg. die derselbe in der bekannten Gemelndever- üuWt J?8! habe. Herr Kunert sagte � und hierfür ZOer Zeugen beizubringen, die man doch nicht S,V>e x.?�en werde—:„Jeder Verein, jede Gesell- V Recht u. f. w."(Unruhe, Kunert:„Nein!) k Sw.® Lkhe auch aus einer Bemerkung hervor, die er Ä Ct üpJ? Gemeinde-Vorstandsmitglied, Herrn Hemdtke, k, hat, nämlich:„Alle Radaumacher fl'egm ü hui,.. Radaumacher seien Leiite gewesen, dre nur Auf- n wollten über das Treiben eines Spitzbuben; eine Aufklärung fei bis heute nicht erfolgt. Der Kommission, die zur Untersuchung der Angelegenheit gewählt wurde, sei nur ein Revisionsbericht verlesen worden, aus dem nichts hervor- gehe. Einblick in die Kassenbücher habe man nicht erhalten. Es müßten Mitwisser der Unterschlagungen im Vorstände vor- handen sein; denn es sei ein Bankpapier, obgleich ohne Roth, eingelöst worden,»u dem 4 Personen ihre Unterschrift hergeben müssen. Wegen dieser Sache seien sechs Mitglieder gemäß- regelt worden. Der Antrag, ein Schiedsgericht zu wählen oder wenigstens einzeln über die zu Maßregelnden abzustimmen, habe nicht die nöthige Unterstützung gefunden. Der Stadt- verordnete Kunert habe am 3. April gegen die Stadtoäter ge- sprachen, daß sie die Minorität, die nur als Oppositionspartei im„Rothen Hause" sei, zu maßregeln suche. Hier sei derselbe Herr energisch für die Maßregelung einer Opposition, die voll- kommen in ihrem Rechte gewesen, einzutreten!(Rufe: Hört, hört, Tumult, Klingel des Vors.). Diese Thatsachen seien nicht abzuweisen.(Tumult; der Vors. ermahnt zur Ruhe, nament- lich Herrn Köppke.) Es frage sich nun, ob man einem Mann, der sich so gegen die demokratischen Grundsätze vergangen habe, ob man diesem noch weiter gestatten dürfe, vor die Oeffent- lichkeit zu treten.(Ungeheurer Lärm.) Es sei die Pflicht jedes Arbeiters, hierüber zu urtheilen, um so mehr als auswärtige Arbeiter damit umgingen, diesen Mann in den Reichstag zu schicken.(Tumult; Rufe: Zur Sache; Klingel des Vorsitzenden.) Man möge heut darüber urtheilen, ob Kunert nach diesen Vor- gängen noch berechtigt oder überhaupt im Stande wäre, die Interessen der Aroeiter zu vertreten.(Anhaltendes Bravo und stürmischer Tumult.) Nachdem sich die Aufregung gelegt, betritt unter lautloser Stille der Angeschuldigte, Stadtverordneter Fritz Kunert, den Stuhl, um zunächst die Konsequenz, die der Referent zuletzt gezogen, als durchaus richtig zu bezeichnen. Habe er das, was ihm vorgeworfen werde, gethan, dann müsse er fallen. Weiter betonte er, daß er der Einladung, die er eher für eine Denunziation halte, nicht der Einladung, sondern der Gerech- tigkeit wegen gefolgt sei. Zur Widerlegung der Anschuldigung übergehend, bemerkte Redner, daß er nicht genau wisse, ob er s. 3- gesagt habe:„Jeder sei sich selbst der Nächste"(Rufe: Oho!), doch glaube er e§ nicht; diese Dummheit werde ihm doch Niemand zutrauen.(Ruf: Warum denn nicht? Klingel des Vorsitzenden. Rufe: Ruhe!) Herr Kunert(fortfahrend): Nun, m. H., daS liegt ja an Ihnen. Er wolle sich nun nicht weiter mit dieser Angelegenheit abgeben, sondern klarlegen, was ihn zur Annahme des Postens als ReligionSlchrer ge- drängt habe. Vorher wolle er aber noch erwähnen, daß ein Revolverblatt ihn in die Suter'sche Kassenangelegenheit, auf die er nicht näher eingehen wolle, hineingezogen habe. Leider sei diesem Blatte mit dem Staatsanwalt nicht beizukommen.(Rufe: Namen nennen!) Herr Kunert: Setzen Sie mir doch nicht die Pistole auf die Brust; das kann ich ja nicht, ohne mich dem Blatt waffenlos in die Hände zu geben! Des Weiteren er- klärte Redner, daß er nicht näher auf die Sprechsaalartikel im „Berliner Volksblatt" eingehen werde, da dieselben bekannt wären.(Rufe: Nein! Soooo!) Dagegen wolle er sich gegen den Vorwurf wenden, daß er den früheren Gesanglehrer der Gemeinde, Rokicky, habe verdrängen wollen. Er habe vier Vereine geleitet, die er nach und nach bis auf einen, wegen Mangel an Zeit aufgeben mußte. Daß er sich zu derselben Zeit um die Leitung eines neuen Vereins bemüht habe, sei wohl nicht anzunehmen. Was nun die„Lohndrückerei" anbelange, so müsse e r doch ein Angebot gemacht haben. Düs sei nickt geschehen; die Gemeinde(Ruf: Nein) oder der Vorstand müsse einen Beschluß in Betreff des Gehaltes gefaßt haben. Außer- dem habe sich später Huber auch bereit erklärt, das Amt für 50 M. zu übernehmen: Huber habe auch auf der Kandidaten- liste gestanden; von Unterbieten könne also nicht die Rede sein.(Rufe: Sehr gut. Oho.) Nachdem er so die Anschuldi- gungen zurückgewiesen, werde er zum Ankläger gegen die Ver- oächtigung, Verläumdung und wissentliche Lüge.(Lachen. Bravo.) Und zwar deshalb, weil die betreffenden Gemeinde- Mitglieder die Schule an einen Reaktionär(Dr. Huber) ausliefern wollten, der nicht aus der Kirche aus- getreten sei, wie er versichert habe, der nicht auf vem Boden der materialistischen Geschichtsauffassung stand, der Gedächtnißreden zu Ehren Kaiser Wilhelm« hielt, der durchaus kein theoretisch und praktisch gebildeter Pädagoge ge- wesen sei.(Diese ziemlich langen Ausführungen wurden von Herrn Glocke einmal mit der Bemerkung unterbrochen, daß man doch in keiner Gemeindeversammlung jei.) Ferner bemerkt Redner, daß einer seiner Sprechsaalarlikel sinnentstellend ver- ändert sei(Ruf: Pfui!); die Redaktion habe nämlich den Passus:„Er habe früher 2400 und S000M. verdient, während er jetzt rund 1000 M. verdiene," verändert in:„Während er jetzt weniger verdiene". Redner kommt nun zu seiner Stellung gegen Ausnahmegesetze. Was er befürwortet habe, sei kein Ausnahmegesetz. DaS Statut enthalte einen Paragraphen:„Mitglieder, die schädlich sind, (Rufe: Sie sind es nicht.) können ausgeschlossen werden. Hier sei das also keine Ausnahme, sondern Regel.(Lachen.) Schon die„Nordd. Allg. Zeitung" habe die Sache aufge- griffen.(Ruf: Sieh'ste wohl; Gelächter.) Er habe derselben geantwortet, es sei aber keine Notiz davon genommen worden. Redner verliest hierauf seine Zuschrift, die darin gipfelt, daß Gesetze, die der heutige Staat gebe, nicht Gesetze einer Majo- rität, sondern einer herrschenden Minderheit seien, von letzterer diklirte Ausnahmegesetze also ungerecht seien. Redner schließt mit dem Hinweis darauf, daß die Gemeinde weiter nichts als ein großer Volksbildungsverein sei, deren Mitglieder zum größten Theil Sozialdemokraten seien, daß solche Streitigkeiten überhaupt nicht an die Oeffentlichkeit, sondern in die Gemeinde gehörten und vermieden werden müßten. Herr V o g t h e r r, der hierauf spricht, kommt zu dem Schluß, daß die ganze Angelegenheit ein Racheakt des Herrn Schade sei, der nur die Stange Dr. Hubers halte. Die einzel- neu Anklagen seien erst mit jesuitischer Hinterlistigteit, dann mit der Frechheit einer Straßendirne in das denkende Berliner Volk hineingetragen. Der Anstoß sei von einer Seite gegeben, die alle Versammelten kennten.(Zwischenruf: Stöckcr! Große Heiterkeit.) Die Opposition der Gemaßregel- ten verdiene schon lange nicht mehr diesen Namen. Solche Leute müsse man sich vom Halse halten, wie jeder Fachverein sich Leute vom Halse halte, die Herr v. Puttkamer einst als„Ncchtgentlemen" bezeichnet. �(Hochgradige Erregung: Ruf: Unverschämt! Lachen.) Im Weiteren behauptet er, daß Herr Schade, sowie die Redaktion des„Berl. Volksblatt" überhaupt keine Sozial- dcmokraten seien, da sie von der freireligiösen Sache nichts wissen wollen.(Rufe: Sehr richtig! Pfui! Gemeinheit! Tumult.) Herr Krause bezeichnet es zunächst als unwahr, daß Huber von Anfang 75 M. erhalten habe; es sei ihm erst zuge- legt worden. Weiter verliest Redner einige Schriftstücke und Berichte von Müllerversammlungen, in denen der Referent aufgetreten ist und sich schließlich in eine Kommission wählen ließ, obgleich er nicht Müller ist.(Herr Schade: Wer sagt Ihnen denn da«?) Auch dieser Redner hält die Redaktion des„Berl. Volksblatt" für versumpft. Herr Vogtherr sei da- gegen stets„für uns" gewesen.(Ruf: Für Geld!) Herr Kunert werde nur verfolgt, weil er ein großer, intelligenter Mann sei, man solle ihn aufrecht erhalten, ihn, der die Wahrheit liebt und für sie kämpft. Herr Cronheim betont hierauf, daß die Erklärung, be- treffend die Stellung der Sozialdemokratie zur Freien Gemeinde von ihm herrühre und.auch nur die einzig richtige Stellung klassenbewußter Arbeiter bezeichne. Im weiteren spricht Redner Herrn Vogtherr wegen ferner fortschrittlichen Gesinnung die Berechtigung und Fähigkeit ab, über ein sozialdemokratisches Blatt ein Urtheil zu fällen, an dem ausschließlich erprobte Manner und zielbewußte Sozialdemokraten mitarbeiten. ES wird hierauf ein Antrag angenommen, dem- gemäß die Redezeit auf 10 Minuten beschränkt wird. Ferner werden die eingelaufenen Resolutionen verlesen, von denen die eine für Herrn Kunert ihr volles Vertrauen ausspricht. Die zweite Resolution lautet: „Die Versammlung beschließt, über die ungerechtfertigten Beschwerden einer kleinen Minderheit der Berliner freien Ge- meinde zur Tagesordnung überzugehen, indem sie es für an- gemessen erachtet, dieser Gemeinde die Regulirung ihrer inneren Angelegenheiten selbst zu überlassen." Eine dritte aber, die mit lebhaftem Bravo und unter Tumult, und deshalb mit Unterbrechungen verlesen wird, ist gegen Kunert. Dieselbe lautet: „Die zc. Versammlung beschließt, da durch die Diskussion der Beweis erbracht ist, daß der Stadtverordnete Kunert seiner ganzen Denk- und SimieSweise nach noch nicht auf dem Boden der zielbewußten Sozialdemokratie steht, demselben eine ernste Rüge und Verwarnung für sein bisheriges provoka- torisches und lärmendes Auftreten, welches nicht auf ge- nügender wissenschaftlicher Grundlage beruht, zu ertheilen. Die Versammlung ist der Meinung, daß die Ansichten des Herrn Kunert noch nicht soweit geläutert sind, daß derselbe die Sozialdemokratie öffentlich zu vertreten in der Lage ist, und sie ertheilt demgemäß den Genossen aller Orten den Rath, von einer Kandidatur desselben so lange Abstand zu nehmen, his die Berliner Genossen zu der Ueberzcugung gelangt sind, daß Herr Kunert die Sozialdemokratie nicht nur als Hilfsmittel für seinen Ehrgeiz betrachtet, sondern daß er auch wirklich und aufrichtig die Absicht hat, selbstlos dem arbeitenden Volke zu dienen." Herr K u tz b a ch findet die Haltung des Herrn Kuncrt nicht schön. Herr M i l l b r o d t glaubt, daß Herr Kunert sich gerecht- fertigt habe. Des Weiteren wendet er sich gegen die Haltung des„Berliner Volksblatt" in Sachen der freien Gemeinde und gegen den Referenten Herrn Schade, der einen von Frau Pölling im Sprechsaal des„Berliner Volksblatt" erschienenen Artikel verfaßt haben soll. Herr L i n d h e i m tritt für die„Freie Gemeinde" ein, indem er ihr eine bedeutende Rolle in der Kindererzichnng zuweist. Herr K l i e m e r bekräftigt die Angaben des Referenten und betont, dah die betreffenden Mitglieder gemaßregelt nmr- den, weil der Vorstand keine Kritik verlragen kann. Herr Max BaginSki führt aus, daß sich Herr Kunc t seine Vertheidigung sehr leicht gemacht habe. Er habe einfach gesagt:„Solche �Dummheiten wird mir doch Niemand zu- trauen." Das wäre kein Gegenbeweis; warum könne Kunert keine Dummheiten machen. Er erinnere nur an die Stadt- verordneten- Versammlungen.(Rufe: Zur Sache, Tumult, Klingel des Vors.). Kunert habe dort nur einige Lassalleanische Phrasen vorgebracht.(Tumult.) Derselbe habe von mMeiia- listischer Geschichtsauffassung keine Ahnung.(Erneuter Lärm. Klingel des Vors.). Derselbe sei mindestens ein ebenso großer Ignorant, wie Huber.(Lärm. Der Vors. ermahnt kortgeletzt zur Ruhe.). Zu dem Vortrage des Dr Huber über Kaiser Wrlhelm wisse er ein Gegenstück aus der Gemeinde. Er habe dort einen Vor- trag mit angehört, der das Leben der Kömgin Luise verHerr- lichte. Wenn Herr Kunert etwas von materialistischer Ge- schichtSauffassuna wüßte, dann müßte er auch wissen, daß die kapitalistische Wirthschaft mit den Bestrebungen der Frei- religiösen, die darauf hinauslaufen, die Welt mit moralischen Gründen zu bessern, längst aufgeräumt habe, daß die Zeit solcher Bestrebungen vorüber sei. Jedenfalls müsse er, wie es auch das Parteiorgan in London gethan habe, als zieL bewußter Arbeiter und Sozialdemokrat energisch dagegen protcstiren, die„Freie Gemeinde" an die Rockschöße der Sozialdemokratie zu hängen.(Lebhaftes Bravo, Unruhe). Was Herr Kunert vorgebracht, seien rnchis als Pauken gegen Dr. Huber gewesen; hier sei aber keine Gemeinde, sondern eine Volksver- fammlung. Es sei die höchste Zeit, die Arbeiter über die „Freie Gemeinde" und ihre Bestrebungen aufzuklären; unter weniger durch das Sozialrftengesetz koirumpirten Verhältnissen hätten derartige Bestrebungen und Personen längst ausgewirth- schaftet; sie könnten überhaupt nicht vorkommen.(Lang- anhaltender Beifall und stürmischer Lärm! Herr Kunert applaudirt dem Redner ironisch.) Herr Wlh. Werner illustrirt zunächst den Sozialdemo- kraten und Tischler und 2. Vorsitzenden der freireligiösen Ge- meinde Herrn Krause, der am Geburtetage Kaiser Wilhelm« l. die Fenster seiner Wohnung illuminirt habe. Des Weiteren warnt Redner die Arbeiter davor, ebenso blind hinter Herrn Kunert herzulaufen, wie sie es einst mit Herrn Huber that n. Sei das, was Herr Kunert für gut befinde, etwa nicht ein Ausnahmegesetz?(Lärm.) Was sei es anders, wenn man Leute, die durch ihre Kritik etwas unbequem werden, abwimmele? (Erneuter Lärm.) Die Arbeiter sollten ein wachsames Auge auf Leute haben, die sich gern an die Spitze stellen, sonst versumpfe man ganz. Redner erscheint es wunderbar. daß diejenigen, die vor 3 Jahren das„Berliner Volksblatt" hochhielten, jetzt fortwährend Steine auf dasselbe werfen. Da« Verhallen des Herrn Kunert beleuchtend, glaubt Redner, daß dessen Vorgehen in der Stadtverordneten- Versammlung äußeist plump und ungeschickt gewesen sei, das der Sache mehr ge. schadet als genützt habe.(Bravo und Lärm.) Er halte Kunert zwar für ehrlich, aber für plump.(Beifall und Tumult) Herr Glocke nimmt den Referenten gegen die Angriffe des Herrn Krause in Schutz, die er nicht für gerechtfertigt hätr. Des Weiteren spricht sich Redner dahin aus, daß Herr Kunert besser gethan, wenn er sich präziser ausgesprochen und mehr auf die Anschuldigungen, die Herr Schade erhoben, eingegangen wäre, anstatt sich über Herrn Huber zu verbreiten und seinen Artikel gegen die„Norddeuische Allgemeine Zeitung" zu ver- lesen. Das Auftreten des Herrn Vogtherr sei„echt sreireligcöS" gewesen.(Lärm; Beifall.) Herr Curt Vaake bedauert zunächst, nicht so viel Zeit zu seinen Ausfuhrungen zu haben, wie die drei ersten Redner; er könne sich deshalb nicht auf lange Auseinandersetzungen ein- lassen, sondern nur einige kurze Erklärungen abgeben. Zum ersten Punkt protestirt auch er energisch gegen eine Jdenti- fizirung der Sozialdemokratie mit den freireligiösen BFtre- bungen. Er sei bereit, diesen Standpunkt vor jeder Volks- Versammlung zu vertreten. Die zweite Angelegenheit.„die Vorgänge in der Freireligiösen Gemeinde", bezeichnet Redner als eine ekelhafte Schweinerei; einmal, daß der Vorstand eine ganz gewöhnliche Spitzbüberei mit dem Mantel der Humanität bedecken wolle und zweitens Leute, die nur das gute Recht der Kritik sich wahrten, hinauswerfe. Zum Verhalten des Stadtv. Kunert übergehend, betont Redner, daß er mit Werner über Kunert stets dieselbe Ansicht gehabt habe, daß er ihn zwar für plump und provokatorisch auftretend, aber für ehrlich gehalten habe. Nach der Art und Weise seiner heutigen Vertheidigung könne er aber Kunert nicht mehr einen ehrlichen Mann nennen!... Ein ungeheurer Tumult und stürmisches Bravo erhebt sich bei diesen Worten; der Vorsitzende ist machtlos, die Klingel wird nicht mehr respeklirt. der Beamte bedeckt sich und löst die Versammlung auf, Kunert stößt den Redner vor die Brust. Nachdem sich die Erregung, die'auf beiden Seiten übergroß war und sich in Vorwürfen Luft machte, etwas gelegt halle, räumten die Versammelien endlich das Lokal. Die Versamm- lung hatte bis nach 1 Uhr gedauert.— Ein Antrag, eine Kommission zu wählen, welche die Angelegenheit untersuchen soll, war abgelehnt worden. I»t»rr>sen v»r»In htv»Ischl»?. Nbeudi llhr. Im Lolale bt« fcftcn Äloli, Lm Eoimabenb. bnt 24 Avaust. DrtSbeiif rftraie 10. Btrfonmilunfl. tadfiotbrnma: 1.«bredmuns btr Dampsrr.Partlc. 2. Stddiifbftirt. y»»cin!«r Mahrnng btr Ant»r»ss»» der j$irlintr Knops- arbtHtr. aiiitßlleber■ Ütilamuiluns Somiobtnb, ben 24«ngust, äbenbt 8� Uhr, bei Gnabt. Brunnen straie 38, Tagesordnung: 1. Borttag bei Aollegen Theob Blell über Kapital und Arbeit, 2, Innere VereinSangelegenbeiten, OlStte willkommen Neue llüitglieber werben ausgenommen, Zahlreiches Er- scheinen wirb erwartet, ftrrin g»n-»rl>llch»r Kilsoarbeiter#»rUn« nnb Ilnrgegenb. iOnnabenb, den 24. August. Großer Sommernachli-Ball im Lokale bei Herrn llebel886. stellvertretender Dirigent E, Billhardt, Aufnahme neuer Mitglieder AbendS 9 Uhr im Restaurant Hohn, Elsafferstraße 57, VevttrtpHkes. Kon einem recht seltsamen Kranken wird aus dem Orte Kotowko, Kreis Neu-Moskau, berichtet. Eines TageS ver- breitete sich die Nachricht von dem Auftauchen eines tollen Hundes in dem Sladichen. Mit Heugabeln und Dreschflegeln bewaffnet, zog das Volk gegen dos unglückliche Thier los, schlug ee tobt und lieb es drei Tage lang unverfcharrt liegen. Der Besitzer des Platzes, auf welchem das Lyilchfltnä.. gefunden, trug fchliesilich feinem Hausdiener auf, den». zu verscharren, was dieser auch mil aller denkbaren � fort ausführte. Aus einem Strick hat er eine Schlinge g und den tobten Hund damit nach dem bereitstehende Grabe gezerrt, ohne das Thier auch nur ein ein«- � berührt zu haben. Nichtsdestoweniger bildete M,, arme Mensch ein, angesteckt worden zu sem Utvö � cmein im Orte bekannten Zauberer, der ihm nnt ew unter der Zunge einige unschuldige Bläschen ausstach>U>, � erne abscheulich schmeckende dunkelbraune Flüssigkeit zu gab. Der darauf von der Herrschaft deS Huusdlenns g., Arzt fand bei ihm in der That alle Symvtome derjauH � krankhert vor und selbst die entsetzlichste Angst vor � nicht. Drei Tage darauf starb der Unglückliche bn � wienioien nie von setbtt entsteht, und nur ausiw»�"�,., den Btß eines tollen Hundes hervorgerufen werden � liegt hier ein eklatanter Fall von Autosuggestion vor, Beachtung aller Aerzte verdient. Meueste Metihrichlen Kosialikengtsebe» 'ie Druckschnft- npstp Verboten ans Grund des S'' durch die Berliner Polizeibehörde die Druckschrrsi. Jahren". Material und Glossen zur Geschickte de? So». itj gesetzeS, mit dem Inhalt: l. Historisches. U. Die �„.dlee Sozialistengesetzes. Co. 1889. London. German Cooperatlve DepesUien. sMolkf'o Kelegraphen Kurean.) London, 23. August. Den Streikenden in MX haben sich 4(XX> Schiffsauslader angeschloffen.*„,�1 von Fahrzeugen können infolge des Ausstandes � abfahren. Die Ordnung ist bisher nicht gestört woro Umgebungen der Docks werden von starken Trupp» Polizei durchzogen. �„ä» Sansibar, 23. August. Der Dampfer„Neara mit 3(X) Zulus für den Reichskommiffar Hauptmann hier angekommen.— So der Wortlaut des ofsti'ell�..� jramms, der gerade so klingt, als sei Herr Wißmann» ialter geworden. Vviefkaste»., Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouitimm beizutügen Antwort wird nicht ertbeilt,,.ßpt» Adolfffr. 6. Ihre Angelegenheit muß noch tc unterlucht werden, da dieselbe schwere Vorwürfe flogen � treffende Behörde enthält. Können Sie uns nicht em unserer Redaktion besuchen? nMW G. H.—f.Klumr« straße. Das Flugblatt der�° � Mission mit den lieblichen Kommentaren wird in der nummer erscheinen. mvobrib� Hamburg-Steiumerda. Wir bitten Sie um Ihres Namens. Nur dann können wir die„Zm"� veröffentlichen.. dfl A. N. Vofam. Annonze und Aufruf finden Sie Sonnlagsnummer. Au ßeror de etliche Geueralverfummluug ki Wvmills i>. Mcklslhkiiiibcil-, FlicMitrcher«.Beniftztii. am Sonntag, de« S5. d, Borm. IOI2 Uhr, Alte Jakobstr. 48-. k'sokvvnsin l'spvzeisnsn. Versammlung am Montag, den 2S. August. Abends 8 Uhr, in Aeurrftein'S Salon. Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Vortrag mit Diskussion über„Stück- und Zeitlohn.� Referent Herr Wihelm Werner. 2. GewerksttiafllicheS. 3. Vereinsangelegenheiten Wegen der Wichtigkeit des Vortrages ist zahl- reiches Erscheinen erwünscht. div. Der Ausflug findet am Sonntag, den 25. August, nach PichelSwerder statt. Treffpunkt Station Grunewald bis 2 llhr. sonst im Restau- rant vi— ä-vis dem Kaiser-Garten. Ter Arbeitsnachweis befindet sich Schützen- straße 18/19. Daselbst wird auch die Fachschule a u S. September eröffnet. � � 11971_ Der vorstand. Zentral-Kranken- u. Sterbekahe der Tilchler n. s. w. (Sertliche Verwaltungsstelle Kerlin N.) Mitglirder-Persal«ml«vg am Montag, d. 2S. August, Abends 8� Uhr, m Knd-Gst, Waidemarstraße 75. Tages-Ordnung: 1. Abgrenzung derVcrwaltungSstellen cflund N. 2. Felisetzun� der Gehälter unv Vergütigungen der neu zu wahlenden OelSbeamten. 3. Wahl von Beitragsamrnelstcllen. 4. Aerztesrage und VelschiedeneS. Pünktliches und zahlreiches E> scheinen nolh- wendig. Milgliedsbuch leg'timirt. lt2' Bazarwaare. dauerhafter, moderner Schuhmaarr»....jitt Eigene Fabrikation Solid« preis«.— Sir-ug reelle Zü>d _ Schnellste Reparatur-Werkstatt. Uereia der Schriftgießer Hirlins. Mo tag. den 26. August, Abends 8i Uhr, in zordau'S Rcstauront. Reue Grünstraße 28: Kersamminng. TageZ-Ordnung: I. Vortrag: Die Nothwendigkeit einer Organi- sation für den Arbeiter. Ref. Herr R. Baginsky. 2. Diskussion. 3. Die Lohnfrage an der Kompletmaschine. 4. Wie stellen wir uns zu einem Delegirtentag. 5. Vereinsmitlheilungen und Fragekasten. Ntchimitglieder haben Zutritt._ rS o Engros Cf. Schamow's t. Uhren- Fabrik Bxp*t* sf w Berlin S., am Marltzplatz, besteht seit 1860. Anerkannt beste Bezugsquelle. Nickel-Remontoir-Uhren...... von 10 Äff- Silberne Cylinder-Uhren...... do. Ancre-Uhren, 15 Steine... Goldene Damen-Uhren, 14-kar.... do. Ancre-Herren-Remontoir-Uhren do.„ mit 3 Goldkapseln und Schutzdeckel... 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Disku'sion. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen sämmtl. Mitglieder ist dringend geboten. Ouiltungsbuch legttimirt. Ii 931 Drr vorstand. Wer (1191 billig«ad gut seinen Bedarf an Garderoste« decken will, der gehe nur nach Mariannen» Strasse 30, Laden; daselbst erhält man aus Resten, gearbeitete hochelegante Winter- patetot», feinstes Lamafuller zu 12, 14, 16, 18—30 M.(Werth das Doppelle). Gediegene Herren- Anzüge, eleganter Sitz, von 15 M. an; feinste Kammgarne, zu halben Preisen. Ktosfhofen, eleganter Schnitt, von M. 3.50 an, Knaben-Anzüge, elegante Faqon, 4 M. rdeit»-Hosen, sehr dauerhaft, 2 M. �»mmerpaletot«, Giufegnung»- Anzüge, einzelne Kagnet», seidene Weste«, Hüt-, erstaunlich billig. ette« Aufgäbe halber für jeden Preis! Ein Jeder überzeuge sich! Fahrgeld«.vergütet. Möbl. Schläfst, f. H. Waldemarstr. 62, v. II. Ww. Pfustuer-(1204 Der Arbensnachweis der Klavierarbeiter befindet sich nach wie vor Waldemarstr. 61 im Restaurant Zilm(vorm. Pfister. 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