orlm.WÄ1� rgeWni br im-— ,fV- :rtn'int«un? fert !Ä"!* ,«■-*•# itttrantnfMfeÄj, Ä-IWUtt« ld-'»�d'K xc IS�- ttMMfc f.Äi ">1«» 511 l% mm- 3»™ «xO- :hr im Domirrstag. den SS. August I88S. S. Jahrg. ""Tl* tnottri" fc|U. ms und U■ � «ÄV SrcndiM WS I.. önbci, i [l Uhr icke et zung 8 ,iV * -t'-ink-wß >ß und SA Hreot den, nd Vcri t die eter der ?£$ "flÄ ltn0« 601 ter ab. KMerVlllksblM. Brgan Mr die Interessen der Arbeiter. ?s f/dus0?,. Morgeus außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnemcntspreis für Berlin frei Kann?. � 4 SUltsrl, monatlich 1A5 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer �dstion v � 5 Kummer mit dem»Sonntags-Blatt� lü Pf. Bei Abholung aus unserer Älunncrstraße 44 I Mark pro Monat. Postabonnemeni 4 Mark pro Quartal. Das..Berliner Volksblatt" (Eingetra ragen in der Postzeitungsvreisliste für 188S unter Nr. M6.) : Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expcdlhon 3 Mark Ausland: Täglich pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 4gespaltene Petitzcile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittag in der Expedition, Berlin 8V., Fimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis t0 Uhr Vormittaas geöffnet. -. Fernsprecher: Amt Vi. Nr. 410(5..-— VedssMion: VeukhPkratze S.— ExpeMkum: �imtnerstra�ze 44. -»< daS Zenchi �, 'tig. avcnS�z >kt, wa�.j onst Noveiu� rer � irüfung 2. ulworio. � ssicht a"' ib ivic Streik W�etzev. W Anschein nach und wie aus den Andeutungen i«. Wasen Blätter täglich zu entnehmen ist, soll der Geist WsL*!4 kamer'schen Streik-Erlasses in die- tz''�sehesbestimmungen aufgenommen werden, die man ig.?°°be des Bundesrathes entworfen hat, um an Stelle W*:i.V5 l�ngt heute rein von der Auffasiung der Behörden � kine Arbeiterverbindung bestehen kann oder nicht, Üqo. TOo Gewerbeordnung, Vercinsgesctz und Straf- jtjtt,"'cht ausreichen, da ist immer noch daS Sozialisten- wl* Oq*: Ä..c �.rr« ctxrr* � lä�t Aber b> iplU'Ar IÄ#1 s> eine Srjtk �D, Gewerbeordnung, lisch v'*4 ausreichen, da ij � hrf?' 5)03 sich auf alle Fälle anwenden � br Dehnbarkeit eine unbeschränkte ist. lglch. �ü.Mtno:ij(s)x Rest von Koalitionsfreiheit, der noch HtV■ n* an gewisser Stelle Anstoß zu erregen. Man %« der großen und kleinen Bourgeoisie eine Kon- & �0n längst um die Hilfe der Polizei gegen die �'�ssellungen und Lohnbewegungen gerufen hat. Mittelalterlichen Versuche, eine volkswirthschaftliche »>!t puren Polizcimitteln lösen zu wollen, sehen wir �/nchräukteu Armen zu und sind froh, daß wir die �-.�Ulichkeit für den Wirrwarr, der im sozialen und b>il.�Wlichcn Leben damit angerichtet werden wird, nicht Äen haben. aiuß man für ein solches Beginnen auch ■ haben. Diese sind in einer solchen Sache im taijcj 01 nicht so billig wie die Brombeeren; aber die- Ddji' welche Herr Prndter hervorgesucht bat, sind es v Rüst- und Rumpelkammer oer offiziösen lg» �''ler wird diesmal ein Gespenst hervorgeholt, mit �lrher häufig die Spießbürger in Bewegung Äln' � man aber wegen seiner Äbgedroschenheit eine ? r wohlverdienten Ruhe überlasten mußte, nämlich PWt£ fessionellen Agitators n." Nach der des Pindter'schen Blattes sollen mit den neuen Be- Personen getroffen werden,„die weder Arbeit- �ens, Arbeitnehmer sind und, indem sie das Streike- professionell betreiben, das Verbin- "'IcL Zwischen der Lohnbewegung und den sozialdemo- Ä" Bestrebungen herstellen." %itwi � kenn solche Personen? A»z wir die Betonung der Frage aus die Bezeich- i ofessionell" legen, antworten wir kecklich l»? ntjx können uns vor aller Welt darauf s5t len empl! SA LseuMekon. ' �«ab»:«, z_ �in Gslvttt-nfÄt. Roma«»»»MaarulJSkai. kern ersten Kuß war Michael eine neue Welt auf- � wunderbare Umwandlung vollzog sich in seiner erste Gefühl, das sich seiner bemeisterte, war ein Sckauer, Furcht vor dem Glück. Soll er sich ihm �,?ker soll er vor ihm fliehen? Ruht Segen auf Aiiit oder Fluch? Bringt es Leben oder Tod? Was i5e ftr* 4 ih>n'• Wo ist die Gottheit, die Antwort gäbe auf bliebt 5"' Antwort wird der Blume, die ihren Kelch ."iW v' Schmetterling, der seine Flügel entfaltet, dem Ljwat C-;c'n Nest baut, nur dem Menschen nicht, wenn 'st s mir ium Äeile oder lutn Verderben, wenn ich W���WDWWWW��Herzen«. ihin: Blick' ihr in's Auge! Es ist nichts JiiTv'. bjV-'. sich an dem Blick eines Auges zu berauschen. uIie»7,®wse Trunkenheit lange währt. Die einander so w�iibpf5Cn blicken, deren Seele bleibt hängen im Auge ij H.""k sie vertauschen so ihre Seelen. Michael m d,- in. in Sie Auaen blickte: BelK ist Ü Qltff« I»»•*»|* w w«... v.| vy v.. j-»- y- � J oi» � Lanze Welt, als er ihr in die Augen blickte; Konn-® Vi"? e'ne ueu geschaffene Welt auf, voll Reiz hiesig irdischer Glückseligkeit. �»lr®it s- duschende Vorgefühl betäubte ihn. '■»tpj�te er �"llendzeit hatte ihn Niemand geliebt. Ein- tt.,r 3)fi,r,?ereQ9f/ auf LiebeSglück zu hoffen; er rang darnach panv 5i("■ I i."r»>>,7. a"i ha'L � Kämpfen, und als er sich am Ziele �»de fe'n gehosstes Glück zu Asche durch eine Enttäuschung. Und hier sagt man ihm nun berufen, daß wir über die Zustände in der Arbeiterwelt bester unterrichtet sind, als die Gelehrten des hochofsiziösen Blattes. Die ganze Auffassung der„Norddeutschen Allgemeinen" ist schon insofern eine schiefe, als sie voraussetzt, daß die Lohnbewegungen eine Folge der von den„Streikfübrern" inszenirten Agitationen seien. Darüber rechten wir mit viesem Blatte nicht. Wir stellen es ihm frei, unsere Zustände nach Belieben durch die Brille der Ignoranz oder der Böswillig- keit zu betrachten und sich hartnäckig jedem besseren Ver- ständniß zu verschließen. Die offiziöse Weisheit wird indeß den„nothleidenden" Großindustriellen, den dividenden- hungrigen Aktionären ein schlechter Trost sein, denn unter diesen sind doch sehr viele, welche wissen, daß die Ursache der Streiks von heute mehr als die bloße „Agitation" ist. Nach der Auffassung der„Norddeutschen Allgemeinen" gäbe es also Leute ohne bestimmten Beruf, welche es sich zur Erwerbsquelle gemacht haben, Streiks zu „machen" und zu führen. Wie müßte denn ein solcher Mann beschaffen sein und was müßte er thun? Bezeichnen wir ihn mit dem nicht ganz ungewöhnlichen Namen Meyer; also Strcik-Meyer, und reden wir nach dem Herzen der„Nordd. Allgem." Strcik-Meyer hat kein Geld und muß doch leben; des- halb reizt er die Zigarrenarbeiter zu einem Streik auf. Sie thun ihm den Gefallen; er wird..Führer", ohne selbst Zigarrenarbeiter zu sein. Er wird Vorsitzender des Streik- komitees; er hält die„aufteizenden" Reden, er besorgt die Korrespondenz, samm.'lt die eingehenden Unterstützungsgelder, vertheilt sie, läßt sich dafür anständig bezahlen und behält, was übrig geblieben. Nachdem der Zigarrenarbeiterstteik vorüber,. macht" Streik-Meyer einen Tischlerstreik, dann einen Schuhmacher- streik, dann einen Weberstreik, dann einen Schneiderstreik, dann einen Maurerstreik u. s. w. Auf diese Weise hat er ein einträgliches Geschäft und wenn das Zahr herum ist, fängt er wieder von vorne an. Gegen diese Allerwelts-Streikmacher, gegen diese„pro- fessionellen Agitatoren" muß mit der Schärfe des Gesetzes eingeschritten werden, sagt die„Nordd. Allg. Ztg." Des- halb müssen entsprechende gesetzliche Bestimmungen geschaffen werden. Aber, Herr Kommissionsrath P i n d t e r, glauben Sie denn selbst, daß solche Streik-Meyer existiren? Haben Sie schon einen gesehen? Wenn ja, wo und wann haben Sie ihn gesehen und wie ist sein Name? Sie werden sich„nicht mehr genau erinnern" können. Nein, Herr Kommissionsrath, keine Ausflüchte! Ihr Streik-Meyer ist eine Erfindung, eine ge- hässige Entstellung der Erscheinungen in der modernen Ar- beiterwelt. Solche Streik-Meyer giebt es nicht und hat es ins Gesicht, daß er geliebt wird. Alles sagt es ihm hier, die Blüthen der Bäume erzählen es ihm, die auf sein Haupt herniederrcgnen; die Thiers, die ihm die Hand lecken, die Lippe, die das Geheimniß des Herzens verräth, das Erröthen und die Blicke, die mehr verrathen als der Mund. Selbst die, welche das Geheimniß eifersüchtig hüten und verbergen sollte, die Mutter des liebenden Mädchens, auch sie verräth es:»„sie liebt, sie liebt so leidenschaftlich, daß sie noch den Tod davon haben wird." ... Nein, das soll sie nicht... Timar verlebte auf der Insel einen jener Tage, welche eine Ewigkeit aufwiegen— einen Tag voll unendlicher Ge- fühle. Es war ein Tag der Selbstvergessenheit und wachen Träumens, wo das, was man im Traume wünscht, auch schon vor uns steht. Als er aber in der dritten Nacht nach beseligendem schwärmerischem Beisammensein aus der mondscheinerhellten Zauberwelt auf sein einsames dunkles Schlafgemach zurück- kehrte, zog ihn jener innere Ankläger zur Rechenschaft, der sich nicht in Schlaf einlullen läßt und dessen Stimme nicht zum Schweigen zu bringen ist. Die Stimme des Verfolgers ließ ihn nicht einschlafen. Er war die ganze Nacht ruhelos. Die Morgendämmerung fand ihn schon dort unter den Bäumen. Sein Entschluß war gefaßt. Er will fort von hier und dann— lange nicht wiederkommen. Bis man ihn vergessen hat. Bis auch er vergessen haben wird, daß er durch drei Tage in dem Wahne gelebt, ihm sei erlaubt, auf Erden glücklich zu sein. Als die Sonne aufging, war er schon um die ganze Insel herumgegangen, und als er von seinen Wanderungen zurückkehrte, fand er Frau Therese und ihre Tochter damit beschäftigt, den Tisch zum Frühstück zu decken. „Ich muß heute aufbrechen," sagte Michael zu Therese. „So schnell!" flüsterte Noemi. „Er hat viel zu thun," sagte Therese zu ihrer Tochter. nie gegeben. Die Arbeiter würden die berussmäßigen Streik- führer aus ihren Reihen stoßen; sie würden auch viel zu klug sein, sich zu Arbeitseinstellungen treiben zu lassen, ohne einen anderen Zweck, als„Streirführern" eine Einnahme zu verschaffen. Die Erfindung des Herrn Kommissionsraths ist nicht einmal geschickt, denn man wird die Arbeiter mit solchen Alfanzereien nur erbittern. Der Streik-Meyer soll dazu dienen, daß man Gesetzes- bestimmungen erreicht, nach denen man die Personen, die sich an einer Lohnbewegung betheiligen und dabei bekannt werden, als„professionelle Agitatoren" bezeichnen und dafür bestrafen kann. Ob das von Herrn Pindter heraufbeschworene Gespenst des Streik-Meyer auch vernünftige Leute erschrecken kann— nun—, das werden wir ja sehen. Morvef�ondenzen. Hamburg» 27. August. Es wird den Berliner Bauhand- werkern schon bekannt sein, daß seit dem 16. d. M. die Töpfer hier in einen partiellen Streik getreten sind. An diesem Tage lief der Termin, welcher für die Dauer des bisherigen Lohn- tarifs festgesetzt und mit den Meistern vereinbart war, ab. Die Gesellen wünschten den neu zu vereinbarenden Lohntarif auf drei Jahre festzusetzen und zwar mit einem Zuschlag von 7$ bis 10 pCt. für den zu zahlenden Lohn bei 9 Stunden tag- sicher Arbeitszeit. Zu einer auf den 14. er. anberaumten Ver- sammlung, um diese Angelegenheit zu regeln, waren nur die Töpfermeister der„Freien Vereinigung" erschienen. Diese einigten sich mit den Gesellen, indem sie denselben die gestellten Forderungen bewilligten. Die„Herren" JnnungSmeister aber zogen es vor, sich an der Versammlung in keiner Weise zu be- theiligen und die gestellten Forderungen der Gesellen rundweg abzulehnen. Daraufhin Härten am 16. d., da der bisher ver- einbarte Kontrakt mit den Jnnungsmeistern abgelaufen, ein neuer aber nicht vereinbart worden, die Gesellen in den nicht geregelten Geschäften zu arbeiten auf. Jetz schreien die JnnungSmeister über den„frivolen" Streik ihrer Gesellen. Nun sollte man meinen, wenn die Meister der„freien Vereinigung" auf die Wünsche der Gesellen ohne Anstand eingehen können, daß dasselbe auch den Jnnungs- meistern möglich sein muß. Aber nein, da wird geschimpft auf die frivolen Arbeiter,„frivol" ist ihr Lieblinas- ausdruck. Die Mehrzahl der JnnungSmeister, die Obemreister der hiesigen Töpferinnung vor Allen, wissen, glaube ich, gar nicht einmal, was„frivol" eigentlich heißt, denn wenn man sie reden hört, wenden sie immer mit Vorliebe Fremdworte d a an, wo sie nicht hingehören. Wenn die JnnungSmeister ihre Feste feiern, ihre auSwär- tigen Kollegen hier empfangen und bewirthen, da fließt der Wein in Strömen, dann kommt es auf tausende Mark nicht an, da kann man sie wirklich„frivol" an der Arbeit sehen, ober ein friedliches Uebereinkommen mit ihren Arbeitern zu treffen, Es war dies so natürlich. Der Schiffscommissär ist nur ein Diener, der seine Geschäfte besorgen muß und nicht über seine Zeit verfügen darf, die er an seinen Brodherrn verdungen hat. Man forderte ihn auch nicht auf, zu bleiben; eS ist ganz in der Ordnung, daß er schon Abschied nimmt; er kommt ja wieder und sie haben Zeit, auf ihn zu warten, ein Jahr, zwei Jahre— bis zur StundeS des Todes, — bis in die Ewigkeit. Aber Noemi rührte ihr Glas mit frischer Milch nicht an, sie hätte keinen Tropfen herunter- gebracht. Man durfte ihn nicht aufhalten. Wenn er Gc- schäfte hat, soll er ihnen nachgehen. Therese brachte ihm selber Flinte und Jagdtasche heraus, die er drinnen bei seiner Ankunft abgelegt hatte, und sagte auch zu Noemi:„Trage Du die Flinte, damit Almira ihm nichts anthut. Geh', be- gleite ihn bis zum Kahne." Timar schritt schweigend neben Noömi einher- die Hand des Mädchens ruhte in der seinigen. Plötzlich blieb Noemi stehen. Auch Michael stand still und schaute dem Mädchen in die Augen.„Willst Du mir etwas sagen?" fragte er. Das Mädchen dachte lange nach; dann sagte es:„Nein; nichts!" Timar hatte schon gelernt, in den Aujjen Noßmi'S zu lesen. Er errieth ihre Gedanken. Noemi hatte ihn fragen wollen:„Sage mir doch, mein Geliebter, mein Alles, was ist nur aus jenem weißwangigen Mädchen ge- worden, das einmal mit Dir auf der Insel war und sich Timea nannte?" Aber sie sprach nicht, sondern ging schweigend weiter und hielt Michaels Hund in der ihrigen. Als nun geschieden werden sollte, ward es Michael so schwer um's Herz. Indem Noemi ihm seine Flinte über- ;o6, flüsterte sie ihm zu:„Nehmen Sie sich in Acht, damit Ihnen kein Unglück widerfährt." Und als sie ihm die Hand drückte, sah sie ihn noch einmal an mit jenen Himmel- blauen, die Seelen austauschenden Augen und sagte zu ihm mit süß flehender Stimme:„Werden Sie wieder- kommen?" dazu sind sie zu hartköpfig und steifnackia." Warum? In der That nur deshalb, weil sie von der Behörde geradezu verhät- schelt werden, weil sie wissen, daß jeder Schutzmann, jeder Po- llizeibeamter ihr treuer Myrmidone ist, und daß die StaatSan- waltschaft liebend stets ihre Fittige über Alles breitet, was In- nung heißt, daß sie aber gegen die Arbeiter, auch selbst nur bei scheinbarer Vergehungcn gegen den bekannten Z 15S, aufs Un- nachsichtigste einschreiten. Daher der Uebermuth der JnnungS- meister, welcher in nachstehendem Inserat am drastischsten zum Ausdruck gelangt: „W a r n u n g!" „Der von Herrn C. B e t t ck e, Töpfermeister, Capellen- straße, St. Georg, und Genossen in Szene gesetzte frivole Streik hat leider bereits zu Leben und Eigenthum bedrohenden Ex- zessen geführt, indem durch andere an den Bauten beschäftigte Ar- beiter Dcmolirungen von Oefen und Bedrohung der arbeitenden Töpfergesellen, von denen sich einer nur durch einen Sprung aus dem Fenster vor seinen Verfolgern retten konnte, geführt. Gegen die Frevler ist sofort eingeschritten und Strafantrag gestellt. „Ich" unterlasse nicht, die an den Bauten beschäftigten Arbeiter, insbesondere Tischler-, Maler- und Klempnergesellen, eindringlich zu warnen, die arbeitenden Töpfergescllen irgend- wie Zu belästigen oder bei ihrer Arbeit zu stören! ich werde rücksichtslos und energisch in jedem einzelnen Falle, der mir zur Anzeige gebracht wird, sofort einschreiten und die Frevler zur Verantwortung ziehen. Von Seiten der Behörde sind umfassende Maßregeln gc- troffen, um der Wiederholung solcher Exzesse vorzubeugen und die arbeitenden Tövfergesellcn zu schützen. Seitens der Innung ist ein ständiges Bureau, Caffamacherreiche 7, 1. Etage, er- richtet und den ganzen Tag geöffnet. In allen Fällen, welche durch Belästigung der arbeitenden Töpsergesellen von irgend einer Seite herbeigeführt, dort angemeldet werden, wird sofort eingeschritten, und steht uns polizeiliche Hilfe sofort zur Verfügung. A. D. C. W a r n st e d t, Obermeister der Töpferinnung in Hamburg." Spricht der Herr Obermeister nicht just so, als ob er ein regierender Potentat wäre? Andere Blätter melden von diesen Ausschreitungen nichts. Wenn irgendwo etwas derartiges vor- gekommen sein sollte, so ist es in obigem Satze jedenfalls hoch, hoch aufgebauscht. Aber in diesem Inserate prägt sich der ganze von unfern Behörden großgezogene Hochmuth der Jnnungsmeister aus. Der in dem„Erlasse" genannte Töpfer- meister B e t t ck e ist derselbe, welcher auf dem berüchtigten Dortmunder Handwerkertage, wo die Kaplänc und Pastoren, an der Spitze Herr von Schorlemer-Alst, die Hauptrolle spiel- ten, die Arbeiter in Schutz zu nehmen wagte und die Aeuße- rung that, daß, wenn ein gedeihliches Verhältniß zwischen den Meistern und Gesellen nicht vorherrsche, die Schuld nicht immer auf Seiten letzterer, sondern häufig auch auf Seiten der Meister zu suchen sei. Für diese Worte, welche ich hier ans dem Ge- dächtnisse nur dem Sinne nach angebe, wurde Bettcke auf dem Dortmunder Handwerkertage bekanntlich von der JnnungS- sippschaft ausgejohlt. Jetzt steht er hier an der Spitze der Töpfermeister, welche den reaktionären Gesinnungen der Jnnungsmeister nicht huldigen. In einem anderen Elaborate, welches der Obermeister Warnstedt sich von irgend Jemand abfassen ließ, wurde die Aeußerung Bettcke'S in Dortmund als„f o z i a l d em o k r a- tische Brandrede" bezeichnet. Man sieht allein daraus schon, auf welchem geistigen Standpunkte die Jnnungsmeister und ihre Soldschreiber stehen! Die JnnungStöpfermeister behaupten auch, daß es ihnen gelungen ist, mit den Kachelfabrikanten einen Vertrag abzu- schließen, nach welchem den Meistern, welche sich mit den Ge- sellen einigten und ungestört weiter arbeiten, keine Kacheln und anderes Material geliefert werde. Ob diese Sperre, welche die von den Behörden besonders bevor- zugten Jnnungsmeister über ihre friedfertigen Kollegen ver- hängen, sich wird aufrecht erhalterr lassen, ist noch die Frage. Jedenfalls scheint Herr Bettcke nickt der Mann zu sein, der dem Obermeister der Innung eine Antwort schuldig bleiben wird. Der Zusammenhalt der Töpfergescllen ist bekanntlich ein guter. Die Minderzahl, welche durchaus gut Kind bei der Innung bleiben wollen, kommen auf die Dauer nicht in Be- tracht. Es ist anzunehmen, daß die Töpferinnung in Ham- bürg durch ihre gegenwärtige Halsstarrigkeit den größten Schaden davon tragen wird. ** Zürich, 24. August. In G e n f wüthet die Polizei gegen die Ausländer, und es muß doch nunmehr den aus- ländischen Regierungen das Herz im Leibe lachen, daß em so klassisches System sich im Alpenlande doch allmahlrg emzunrsten beginnt. Bei diesen Ausweisungen ist merkwürdiger Weise gar nicht von„Motiven" die Rede. Man weiß, daß die Be- gründung ihrer politischen Maßregeln stets die schwache Seite der Polizei bildet, aber eben darum ist man auch nach dieser Richtung hin nicht verwöhnt. Einen interessanten Bericht über die Genfer Ausweisungen lesen wir im„Vieler Anzeiger". Es Michael war bezaubert von dieser flehenden Stimme. Er drückte das Kind an seine Brust und flüsterte ihm zu: „Warum sagst Du nicht:„Wirst Du wiederkommen?— warum sagst Du mir nicht„Du"?" Das Mädchen schlug die Augen nieder und schüttelte sanft das Haupt.„Sag' mir„Du"!" bat Michael noch- mals. Das Mädchen verbarg das Antlitz an Michaels Brust, aber es that ihm seinen Willen nicht. „Also kannst oder willst Du mir nicht„Du" sagen? Ein einziges Wort. Kannst Du es nicht aussprechen? Fürchtest Du Dich davor?" Das Mädchen verhüllte sein Antlitz mit beiden Händen und sagte es nicht. „Noemi! ich bitte Dich, sag' mir dies kleine Wort und Du machst mich glücklich damit. Lass' mich nicht so von dannen ziehen." Das Mädchen schüttelte stumm den Kopf und brachte das Du nicht heraus. „Leben Sie wohl also, Noemi!" stammelte Michael und sprang in den Kahn, das Röhricht des Sumpfes ent- zog bald darauf seinen Blicken die kleine Znsel. So lange er aber noch das Buschwerk der Insel mit den Augen er- reichen konnte, sah er dort, an einen Akazienbaum gelehnt, das Kind, wie es traurig, den Kopf in die Hand gesenkt, ihm nachschaute; aber das Wörtchen„Du" rief es ihm trotz- dem nicht nach. Sechstes Kapitel. Der Wendekreis des Steinbocks. Nachdem Michael auf das jenseitige Ufer hinüber- gerudert war, übergab er den Kahn einem Fischer, er möge ihn aufbewahren, bis er wiederkomme. Wird er aber noch einmal wiederkommen? Er wollte zu Fuß den Weg bis zur Uferhütte zurück- legen, wo Fabula mit der Befrachtung seiner Schiffe be- schäftigt war. Gegen den Strom zu rudern, ist eine müh- selige Unterhaltung, und in der Gemüthsstimmung, in der Binar sich befand, war er zu Turnübungen keineswegs auf- gelegt. Zn seinem Innern war eine stärkere Strömung, gegen die er jetzt mit seiner ganzen Kraft ankämpfen mußte. Die Gegend, welche er zu durchmessen hat, ist in weiter heißt da:„Die Ausweisungen des Polizcidepartements nehmen einen immer größeren und ungeahnteren Umfang an. Kein Tag vergeht mehr ohne Ausweisungen. Mit den Russen theilen jetzt Polen, Italiener, Franzosen das gleiche Schicksat. Nach eingezogenen Ei kundigungen sind gegen 80 Per- sonen aus dem Kanton vertrieben. Gewiß nicht ohne Einfluß auf die umfassenden und, wie uns scheinen will, weit über das Ziel hinausschießenden Maßnahmen sind die in lctzter Zeit überaus zahlreichen Manifestationen der Anarchisten ge- blieben. Da auch einige der ihrigen mit der AuS- Weisung betroffen, haben sie in verschiedenen Theilen der Stadt und in den Vorstädten Paquis und PlainpalaiS während der Nacht Flugblätter und Plakate verbreitet und angeschlagen. In der letzten Nacht ertappte eine Polizeipatrouillc zwei mit dieser Arbeit beschäftigte Individuen; doch gelang es Letzteren, das Weite zu suchen. Die Bevölkerung verhält sich den Ausweisungen gegenüber ziemlich theilnahmloS. Da die Presse sich gleichfalls damit wenig beschäftigt, so er- fährt man über die Motive der Behörde so gut wie nichts. Deutsche Sozialisten sind, so viel wir ermitteln konnten, noch nicht behelligt." Die Referendum Sbewegung gegen den Bundesanwalt gestaltet sich immer lebhafter. In einer ganzen Reihe Städte und größerer Orte sind für die nächsten Tage Volksversammlungen projektirt� und in Z ü r i ch, Bern, Basel:c. haben sich bereits Referendumskomit-'s gebildet, die an die Bevölkerung Ausrufe erlassen und die Unterschriftenbogen zirkuliren lassen. Der Haupt- aufrus, der in der ganzen Schweiz Verbreitung finden soll, lautet: Unter liebes Vaterland ist dermalen wie von Feinden um- ringt. Unablässig droht ein furchtbarer europäischer Krieg, in welchem wohl auch unser Schweizcrland schwerlich als einzige friedliche Insel im stürmisch brandenden Meere verschont bleiben dürfte. Unsere Neutralität steht wichtigen, voraussichtlichen Kriegs- interessen im Wege und wird darum, wenn die Umstände eine der kriegführenden Mächte hart bedrängen, kaum respckiirt werden. Aber auch in anderer Beziehunq sind wir den monarchischen Großstaaten ein Dorn im Auge. Ihre Regierungen find heute alle im Kampfe mit der Freiheit ihrer Völker. Ueberall werden die VolkSrechte beschränkt und geht die Polizei gegen gewisse politische Parteien mit aller Strenge und mrt allen Mitteln (wie das Spitzelwesen), vor. Da ist es denn nicht zu verwundern, wenn unser freies Land die Regierungen ärgert. Sie suchen darum mit uns Streit und möcksten es in reder Weise, durch freundliche Ueberredung sowohl wie durch Drohungen dahin bringen, daß (wie eine unter offiziellem Einflüsse stehende deutsche Zeitung sich ausdrückte), unser Land sich den politischen Verhältnissen der anderen Länder anpasse. Unsere altgewohnte innere Freiheit wird mithin von außen bedroht, und es haben sich die dahin zielenden Einwirkungen fremder Regierungen aus unsere Bundesbehörden in den letzten Jahren forwährend systematisch verstärkt, bis es letzthin aus Anlaß eines besonderen Falles(des Wohlgemuth-Handels) zu einem offenen und entschiedenen Angriffe, auch auf unsere äußere Unabhängigkeit und selbstständige Existenz kommen zu wollen schien. Werthe Mitbürger! Wir sind nun der Ansicht, daß es für uns in dieser Lage das einzig Richtige ist, unseren eigenen Weg, wie immer, ruhig weiter zu gehen. Unbeirrt wollen wir bei unserem freien schweize- rischen Wesen bleiben. Unser politisches Leben, mit seinen wechselnden und einander gelegentlich bekämpfenden Bestrebungen, die aber alle, jede in ihrer Weise, daS Wohl unseres Volkes zum Ziele haben, soll ungestört von fremden Einflüssen seinen patriotischen Fort- gang nehmen. Der Gefahr von außen wollen wir Rechnung tragen dadurch, daß wir mit allem Fleiß und Eifer unser Militärwesen stärken, unsere Einigkeit im Gefühle gemeinsamer Freiheit als Schweizer pflegen und noch inniger als sonst unserer demokratischen Einrichtungen, unserer Volksrechte und Volks- fraheiten uns bewußt werden. Mag dann an uns heran- kommen, was da will: als ein in seinen vollen Rechten stehen- des Volk, stark in unserm unbeugsamen Freiheitsfinn und einig in der Liebe zu unserem, vor allen andern Ländern freien Lande werden wir jedem Angriffe zu begegnen wissen. Das, wertbc Mitbürger! ist die Politik, welche wir in unserer oben geschilderten Lage gegen außen für die richtige schweizerische Politik halten. Leider ist unser Bundesrath einer anderen Ansicht gefolgt. Er fand es richtiger, nach Auswegen zu suchen, wie man die fremden Regierungen zufriedenstellen könne, ohne doch dabei unsere innere Freiheit allzu sehr zu schädigen. So kam er zu der Errichtung einer politischen Po- lizei, auch, da sie sich vornehmlich gegen Fremde richtet, Fremdenpolizei genannt. Die Bundesversammlung, welche in ihrer großen Mehrheit die Ansicht des BundeSrathes theilt, bewilligte denn auch auf das Gesuch desselben„um einen Nach- Ausdehnung eine jener Anschwemmungen der Donau, wie man sie in den unteren Donaugegenden antrifft. Der lauenhafte Strom hat irgendwo einen Damm durchbrochen und ändert nun sein Bett. Von dem einen Ufer reißt er Jahr für Jahr Stücke weg und setzt sie am andern Ufer ab. Auf dem angeschwemmten Terrain bildet sich aus den mit dem Erdreich fortgetragenen Bäumen ein neues Busch- werk, und man kann jede neue Jahresschöpfung an den stufenweise aufsteigenden Pappeln deutlich unterscheiden. Durch dieses ungelichtete, wild aufwachsende Gehölz schlängeln sich kreuz und quer einsame Fußpfade; es sind die Wege ver Rohrschneider und Fischer. Hie und da trifft man auch auf eine verlassene Hütte mit windschiefem Dach, deren Wände von Schlingpflanzen umrankt sind. Eine solche Hütte kann der Unterstand eines Schnepfenjägers, das Ver- steck eines Räubers oder das Lager einer Wölfin und ihrer Jungen sein. „Timar, in seine Gedanken vertieft, schritt schweigend dahin durch diese Wildniß; die Flinte hatte er sich mit dem Riemen um die Achsel geworfen. .... Hierher kannst, hierher darfst Du nicht mehr zurückkehren— sagte sich Timar. Wenn es schon schwer ist, eine Lüge konsequent durchzuführen, wie erst zwei? Zwei einander widersprechende Lügen. Komm' zu Verstand! Du bist kein Kind mehr, mit dem die Leidenschaft ihr Spiel treibt. Und vielleicht ist's nicht einmal Leidenschaft, was Du fühlst. Vielleicht ist's nur ein flüchtiger Wunsch, oder, was noch schlimmer: bloße Eitelkeit. Es schmeichelt Dir, daß ein junges Mädchen, während es die Hand eines jugendlichen schmucken Freiers zurückweist, sich aus freien Stücken Dir an die Brust wirft und Dir sagt: ich liebe Dich! Heiße Deine Eitelkeit schweigen! Das Mädchen liebt jenen jungen Mann nicht, weil er ein Taugenichts; Dich betet es an, weil es Dich für einen Halbgott hält. Wenn es aber wüßte, was Du weißt, daß auch Du ein Be- trüger bist, nur ein glücklicherer, als jener Andere, würde es Dich dann auch noch lieben? ... Und wenn sie wirklich in Dich sterbensverliebt wäre? Was würde Dein, was ihr Leben sein, wenn Du ihre Liebe annähmst? Du wärest dann unzertrenntlich an trapskredit zum Zwecke einer besseren Organisation der � tischen Volirei" tReri»» nnrn IS.Mär» 1888) einen dquM. tischen Polizei"(Bericht vom 12. Mär, 1888) einen W"'' Kredit von 20000 Franks für daS Jahr 1883. Es wu. nreou von zu wu Franks für Oas yayr iööö. � tz",-M ein eigener Sckrelär für diese Polizei angestellt, wetcyer i in Funktion steht. �... Das geheime Krcisschreiben des Bundesrotbe 11. Mai 1888 an die KantonSregierunaen, welches ein i'' matische Polizeiüberwach una aller Personen, Versawm i) Vereine, Zeitungen und Druckschristen, die sich unserer sozialen Organisation und der politischen uno> Organisation anderer Staaten" beschäftigen, anorsn", gehen wir hier, obgleich eS, an das Tageslicht gebw.� rechtes, allgemeines Aufsehen erregte. Es ist uns hkn.. darum zu thun, den Bundesrath schlecht zu mache«, wir irnüPtt nur Kuck». mKrffit»! die MelNUva und unsere von dieser Meinung abweichen oc Prüfung und Entscheidung vorlegen und Euch mit uns dem fteiheitsfcindlichen polizeilichen Vcrgcyw Halt zuzurufen.. zv. Wir haben nun die besondere eidgenössische pKutzAl.,« mebr als ein �abr an der 9Irbeii aesedcn.. lizei mehr als ein Jahr an der Arbeit gesehen, uns nichts; die fremden Regierungen sind mcht zw � gestellt, trotzdem unsere oberste Bundesbehörde sich" fijAn gab und noch giebt, unserem Land und Volk immer N?- „internationale" oder„völkerrechtliche"„Verpflichtungen zucrlegen. So lange wir eben ein freies Volk sind, ist es unw den Reklamationen der fremden Mächte zu entgehen. So lange wir ein freies Volk find!_ iv Unser BundeSrath hat aber aus dem letzten.Ansiu � fremden Regierungen gegen uns nicht den Schluß � cS besser sei, wir kehren zu unfein alten Grundfatzen � politischer Freiheit des Volkes zurück und schaffen uwni modische politische Polizei ab, sondenr er hat gefunden, es sei noch nicht genug Polizei; man Einrichtung r.oty erweitern und ausbauen. � Um das dem Volke möglichst unauffällig zu machen- es in die Form der Wiederherstellung des früher au � flüssig abgeschafften Amtes eines ständigen Bundesa oder Generalanwaltes der Eidgenossenschaft gekleidet. Beamte soll nun gleichzeitig auch das Zentralorgan schen oder Fremdenpolizei sein. Er wird dafür mw w besoldet. im« Am 15. Juni dieses Jahres legte der Bundesrat«.. � Vorschlag den Röthen vor; am 28. Juni nahmen ihn o 0 und TagS darauf wurde das betreffende Gesetz pubn)«' geschah unter dem damaligen Drucke der KriegSbefum � in höchster Eile. Immerhin ist eS dem Volke vorbcha» Referendum gegen dieses Gesetz zu begehren. Werthe Mitbürger! Wir geben Euch nun zu bedenken:. fif 1. Daß die politische Polizei das Recht zu Verhörs � Haftungen, Hausdurchsuchungen in Anspruch nimmt, kein Verdacht einer strafbaren Handlung vorliegt, nur litischen Gründen; 2. daß bereits Einheimische wie Fremde diesen unterworfen wurden;»M 3. daß ein weiteres Vordringen der poliüschen wenn dieses Gesetz unbeanstandet durchgeht, in stch??.,!� ficht steht, indem Art. 5 des Gesetzes„für Fälle mLLsi' Bedürfnisses" noch„weitere Vertreter der BundeSanwa vorsieht, und indem von maßgebender Seite bereits»o politischen Strafgesetzen gesprochen wird, die in Arbeit in � dem Gcneralanwalt vermehrten Anlaß zu gesetzlichem � bieten sollen;*0 4. daß die Nothwendigkeit einer besonderen Polizei in unserem Vaterlande niemals nachgewiesen � ist und nicht nachgewiesen werden kann, vielmehr dnie ein Erzeugniß der Furcht vor dem Auslande ist, einer v die uns nur schwächen und schaden kann; 5. daß der Budesrath selber in seiner letzten Antw/m/�j richtigen Gefühl für unsere Unabhängigkeit und Land�üt Ausdruck gegeben hat, welches durch einen einmüthigrn des Volkes gegen das fremde Gewächs einer politisthrn � nur gestärkt werden kann und welches offenbar einer Släikung aus dem Volke heraus dringend bedarf. Aus diesen Gründen bitten wir Euch, unser Vege? Volksabstimmung über das„Gesetz über die Bundes schafl" vom 29. Juni d. I. zu unterstützen. n.;tr Möge unser Vaterland auch in dieser schweren v alte Freiheit rein und unverletzt bewahren!". ,, j[4'' Inzwischen dauert die Erörterung des anarchi M a n i f e st e s in der Presse fort, und die„N. Z. Ztfl- sich sogar zu der tollhäuslerischen Forderung, die Sozialdf�z,� seien verpflichtet, die Urheber dieser Kundgebung aull tF Diese Forderung ist zwar unverschämt, aber sie zeigt«Qfi von weiser Selbsterkennlniß; sie hält die Sozialdemo'/ puncto„Aufspüren" für sähiger als die Polizei, und n r wohl das richtige getroffen, denn alle Spitzelentlarvun« � bisher durch die Sozialdemokraten erfolgt, die man dan � Noemi gebunden. Du müßtest dann ein zweigetheilt�'/ führen, jedes voll Lüge. Willst Du Dein Schicksals Orten festfahren? Sobald Du den einen oder den js£ verläßt, wirst Du die Sorge als Deine Begleiten� � nehmen. An dem einen wirst Du für Deine Liebe, anderen für Deine Ehre zittern. ... Dein Weib liebt Dich nicht, aber es ist � wie ein Engel. Du leidest; aber leidet Timca n'ch � Und wenn wir Beide eines um des anderen willen so ist dies nicht ihre Schuld, sondern einzig u" Deine. Du hast ihr ihre Schätze gestohlen, dann ilss heit; willst Du ihr jetzt auch Deine ihr verpfändet* stehlen? Sie freilich wird nie darum erfahren, uns ytzMe; Nt tu die Vol . Nie Äer l'lr Est TOoRfil Mstoi Muß Hättet,[ ««n u 5« «let i Ke! ßL'U-rn W nw. �.das SÄ Sjste das L Und r "C°°rtr S S?1 ssi bedr V> kein 1!„ befr es ihr auch keinen Schmerz verursachen. Auch bisher Du Deine Zeit fern vom Hause zu. Es ist das Kaufmannes, im Interesse seines Geschäftes in dern, in andern Weltthcilen umherzutrerben. Vom?' 'l| Deine gef SUa D> sbi- i! y Hut >nden ste l«n. es. bis zum Herbst kannst Du hier sein. Niemandem auffallen. Fragt man Dich, wo Du so lange weg so hast Du die Antwort bereit: Auf Geschäftsreisen- ... Was aber wird aus diesem Mädchen? Noemi ist nicht nach dem Schlag jener leichu�« Geschöpfe, die, wenn man sie heute seinen Lüsten morgen ihrer überdrüssig geworden, sich mit einer g* j Belohnung abfertigen lassen und dann anderswn suchen. Schon ihr Vater ist als Selbstmörder Mit diesem Herzen läßt sich nicht spielen. � ... Und wenn jener Segen, den liebende Pn?. Himmel erflehen, dort, wo Du ihn nicht gerufen, I'„? l„j.Uuch herabstiege? Was würde aus der Frau, was aus milie, welche nach menschlichen Gesetzen kein Recht n � � Ich hat, und Du nicht auf sie.'„.. .... Willst Du für Deine nächtlichen Trän« das Gespenst einer Kindesmörderin oder einer Selbste heraufbeschwören? .... Und dann ist noch ein Hinderniß. Du das aus dem Wege räumen? Der verschmäh� tigam. Diesem abgefeimten Abenteurer ist es um eine" tigkeit mehr oder weniger nicht zu thun; er ist äu st ' Kt w e Lieb ?ls ich � t UM S M ist -SS � dasür, auswies— die Polizei aber sah und fand eben � Auf Mitte September soll auch ein schweizerischer �sirkongreß stattfinden. ®te Züricher Setzer treffen Vorbereitungen für Emfuh« r"? des neunstündigen Arbeitstages und Erhöhung des Lohn- Dunums von 33 Irls, aus 35 FrkS.— Vielfach gehen m der die Fleisch-, Brot-, Butter- und die übrigen Viktualien- �le m die Höhe._ pottkrMre Aeberfichk. Koutangisten sind außerhalb Frankreichs noch viel iß uis im eigenen Lande. Namentlich in Deutschland «c�finfs noch sehr groß und sie haben mehr deutsche als Lr-lÜ i Zeitungen zu ihrer Verfügung. Fast alle Pariser �n�denten deutscher Zeitungen sind von den Boulangisten ifcr t und zwar nicht bloS die Korrespondenten der Reptil- w, denen es ja selbstverständlich ist, sondern auch solche .— Zeitungen. So wird �etzt z. B. der jy--Jen Zeitung", die selber auch Frankreich gegenüber mit- w J�uvimstische Anwandlungen hat, folgende Boulangisterei wrs geschrieben l-t. d. 24. Aug.): (N'llette) angebotene Bewerbung ausgeschlagen. faßt ä0Cren Schreiben, worin er die Gründe auseinander- „Unter dem Druck der Verhältniffe, vielleicht auch um die Herrschaft zu behaupten, die wir ihnen erobert, sind u�hrere unserer Führer allmälig von den Grundsätzen und Ueberlieferungen abgewichen, welche unsere Ehre und unsere Stärke ausmachten. Die Mehrheit unserer xurtei(Opportunisten) scheint ihnen gefolgt zu sein.... muß bestätigen, daß viele der in unseren alten Pro- «rammen geforderten Verbesserungen ersetzt worden sind »urch Ausiheilung zahlreicher, mehr oder weniger ein- ttjj Wickler Stellen an ein neues Beamtenpersonal." >.jjsU°m-Targ° stimmt also genau mit allen unpar- W;? C n Beobachtern überein, welche schon längst die wahren t i Niedergangs der dritten Republik �>»5» 3n diesen Blättern ist seit Jahren darauf hin- �«»worden, was jetzt auch Allain-Targe ausspricht, daß M!?�bererwachen des Cäsarismus nur eine Folge der i�i? Wirthschaft der Republikaner ist. Allain-Targe ver- Republik unverbrüchlich treu zubleiben, aberergiebt f«w»,w>uug:„Ich wüßte nicht, was ich in der nächsten Vjk.-s'«un sollte. Die Politik, welche ich anrathen, die � nwk an denen ich festhalte, sind auf die Probe gestellt A���gestimmt worden. Sie erinnern sich, daß mein be- � ffreund Gambetta dieselben anwenden sollte, als er am 'itjiin|®ar*, Gegen diese Grundsätze und gegen ihn selber S iD�su sich Eigennutz und Ränke, denen er am 26. Ja- isik, h? Alle Schwierigkeiten der Republik kommen toq,' v» die Verheißungen ihrer Führer nicht erfüllt, da- ein das ganze Land umfassender Rattenkönig von Und Günstlingen gebildet wurde." .|.r*f die Korrespondenz. H Hill Pss die Autorität eines malkontenten Opportunisten �"ttp l dwr der„Niedergang der Republik" verkündigt und uls von„einem Rattenkönig von Gönnern und »>£..—„.................„ Qj"«eu" ausgesogenes Land hingestellt. was der tugendhafte Boulanger und seine sitten- S«umpane von der Republik sagen! z? Korruption in der Republik vorhanden ist, Nepotis- Ader»?�tn ums goldene Kalb— wer könnte es leugnen? Ntilr die Korruption der herrschenden Gesellschaft, ohne & lffb der Nation. fMaten wir finden diese Korruption in allen modernen �er»'.Mit dem einzigen Unterschied, daß in despotischen [W( Jsie FLulniß vertuscht, in freien Ländern sie auf- � jL�wd. Was insbesondere Frankreich betrifft, so hat R.°sik, obgleich sie als Bourgeoisrepublik nicht gründlich ? jli r.�rruption ausräumen konnte, doch mehr gethan, um als irgend eine frühere Regierung. Und zwar 2 ih,.««streben immer mehr zur Geltung gelangt— genau �»-!f> aß, wie die Republik sich demokratisirte. Der «n�?ikß stellt der Republik das günstigste Zeugniß aus: den Anklagen, welche die Boulangisten durch den tfl", z 1 Ruma Gilly gegen bekannte Republikaner schleudem �le»? nicht eine bewiesen werden können. Wir Jwä Land sehen, dessen leitende Staatsmänner der- Msi-�aklogen Keffer begegnen könnten. Jedenfalls hält die «n?we Republik im Punkte der„Moralität" den Vergleich Es all��arepuvur im Punrie oer, Uni Monarchien der Welt aus. das französische Volk weiß das auch sehr wohl. mird Dich von einem Ende der Welt zum an- or>-'#|3$titrMül®c.u' den Weg verrennen, wenn Du einen ileiteri« u Sei,?�warts in Deiner LebenSkarriere machen willst; l'irbe* r'fn �heimnissen nachspüren und Dich beunruhigen, .. ohen nnmes Leben bindurch. Du wirst bedrohen Dein ganzes Leben h N iiUm �inen Preis, selbst nicht mn 1 ist" j'\ defrcien können. Zn seinem Haß nich'A. s» � Deiner Verkolauna. als dreien, ae ganzes Leben hindurch. Du wirst � größten Opfern , nt-y> �..................,........ r~ii wird er beharrlicher millcii K/i} Ast»,"er Verfolgung, als diejenige, welche Dir Treue in und �»bj geschworen in ihrer Liebe. Wie wirst Du ihn los? ilitt Lt O'irsdiei, singt er Dich um oder Du ihn. Eine schöne .�..«e �15 Ke,"«r das, die mit dem Richtplatz endigt! Und Du, Mensch, hm Jedermann achtet, auszeichnet, einen . einen Apostel der Wohlthätigkeit nennt, . in eine Lage, in welcher Du gefaßt sein Du Dich versiehst, in einem Kriminalprozeß zu Wg i m ops/ � � ausstehen, spät zu Bett'geben und den ganzen Tag ,er � j�wühen... Wofür? Damit Andere es gut haben, ersiv« �— Warum bin ich in meinem eigenen Hause geT>1,�?__ Bin ich nicht.......' »Soll ich denn nie meines Daseins froh werden Seit vierzig Jahren thue ich nichts Anderes, als Bin ich nicht werth, von meinem Weibe // meiner Erkorenen meine Frau nicht an? " � jÜs?1 ,u*~~ Bin ich nicht werty, i Q�rrden? Brachte ich nicht .. siit inid l �"�siegen? Betete ich meinr- -»ich,, �'Pe Kälte nicht zur Verzweiflung? Sie liebt t v vermögen mir angeeignet? Da» ist «ch. habe es ihr gerettet. Würde ich es da- TräU�fNk!?'3 i4 9""« rs u;c gatnci. Ibstw� IM, sie un,'>yrem Vormund gegeben haben, so hätte M°ber j?. Alles gebracht und sie könnte jetzt betteln gehen. _»'ch dolb■."" Besitz alles dessen, was ihr gehörte. mW Leibp/'�l mehr davon behalten, als das Kleid, das 5•• R„ w8i. Und ich soll ein Dieb seiu? ist I Ci/r",! wich. DaS läßt sich nun nicht mehr � I;b' mich, seitdem sie mich das erste Mal ge- weiß, daß die Republik ihm größere Vortheile und mehr Ehre bringt, als jede andere Staatsform ihm bringen würve, und wenn die Herren, welche vom„Niedergang der Republik" sprechen, einmal die Probe machen und gegen diese nieder- gehende Republik die Hand erheben wollten, so würden sie sich sehr balb in einer Polizeizelle oder in Charenton(dem Irren- Haus bei Paris) befinden. Thatsache ist, daß die beginnende Wahlbewegung stch für die Republik außerordentlich günstig gestaltet und den„Nieder- gang" der republikfeindlichen Parteien sehr deutlich erkennen läßt. Die Zerbröckelung des BoulangiSmuS wird auch von der französischen Reptilienpresse nicht mehr geleugnet. Aus Kreta kommen wieder„schlechte" Nachrichten. ES wird„furchtbar gekämpft", die Türken„schänden" v. s. w. Es ist dies das bekannte Petersburger Fabrikat. Das Alles haben wir schon Dutzende von Malen gelesen,— bald von Kreta, bald von Bulgarien, bald von anderen„unterdrückten" Ländern, auf welche die zarische Eroberungslust ihr Auge geworfen. Und immer war es gelogen. Die russischen Staatsmänner sollen nur dafür sorgen, daß die„Christen" in Rußland halb so gut behandelt werden, wie die Christen in der Türkei. Au» dem„wilden" England. Am Sonntag hielten die streikenden Dockarbeiter Londons, unterstützt von zahlreichen mit ihnen sympathisirenden Arbeitern, einen großen Umzug durch die Stadt, an welchem sich 60—80000 Personen betheiligten. Nach dem Umzug fanden große Versammlungen im Hydepark statt, bei welchen nach einem von uns gestern mitgetheilten Bericht des„Berliner Tageblatt" an 100 000 Personen theil- nahmen. Im ganzen Hydepark waren nur zwei be- rittene Polizisten anwesend, auf den Straßen, welche der riesige Zug vassirte, war die Polizei wie verschunden, und doch fand nicht die geringste Ruhestörung statt. Keinem der Blätter, die das berichten, kommt der Gedanke, eine Parallele zwischen der Freiheit in England und der Frei- heit in Deutschland zu ziehen. Käme in Deutschland vor, was sich jetzt seit Wochen in London während des Streiks der Dockarbeiter abgespielt, die bürgerliche Presse geriethe aus dem Häuschen und schrie nach Polizei und Ausnahmemaßregeln. Dafür leben wir im zivili- sirten Deutschland. Auf dem Magdeburger Duckermarkt spielen sich seit Monaten alle jene Erscheinungen ab, welche die Bildung von Ringen und Trusts für die Preistreiberei und zur Prellung des Publikums mit Nothwendigkeit gebiert. Zwei Parteien unter den Zuckerspekulanten stehen sich gegenüber und suchen mit all den schmutzigen Mitteln, welche das Börsentreiben zu Tage gefördert hat, sich gegenseitig zu ruiniren. Durch den gegenseitigen Kampf erhitzt und auf's Aeußerste aufgeregt, ist es nun vor einigen Tagen an der Magdeburger Börse zu turbulenten Szenen gekommen, einige der Hauptspekulanten haben sich gegenseitig durchgeprügelt. Wir freuen uns dieses Schauspiels, das die gebildet sein wollenden Klaffen Magde- burgs uns bieten und rathen insbesondere der„Magdeburger Zeitung", sich künftig dieses Vorgangs zu erinnern, wenn sie wieder in die Versuchung kommen sollte, über Gewaltthätigkeiten der Arbeiter zu zetern. Ueber die Mitverantwortlichirrtt der„Magdeburger Zeitung" an der dortigen ZuckerkrisiS gehen der „Freis. Ztg." von unterrichteter Seile aus Magdeburg folgende nähere Ausführungen zu, welche zugleich ein Schlaglicht werfen auf die Art, wie der Magdeburger Zuckerschwindel in weiteren Kreisen der Bevölkerung unter kleinen Leuten, Handwerkern und Beamten gewirkt hat.„In der Sonntagsnummer der »Freis. Ztg." wurde bereits in zutreffender Weise auf die Hal- tung der„Magdeb. Ztg." in der Angelegenheit der ZuckerkrisiS hingewiesen. Seit Beginn der Hochbewegung bis zu dem im Juli erfolgten Zuckerkrach hat die„Magdeb. Ztg." auch nicht ein Wort zur Mäßigung der aufgeregten Geister oder einen Hinweis auf die Möglichkeit einer Katastrophe fallen lassen. Im Gegentheil, ihre veröffentlichten Zuckerberichte schwelgten förmlich in Wonne ob der herrlichen Hausse und die deutsche Sprache war nicht reich genug an Redewendungen, um diese Bewegung gebührend zu seiern. Verfaßt waren diese Berichte von einer Magdeburger Doppelfirma, welche sich stets als Ge- neralvertretcr einer Rasfinerie unterzeichnete. Einem solchen Vertreter konnte man cS natürlich nicht verdenken, wenn er die schöne Gelegenheit beim Zopfe nahm und fortgesetzt wilde Hausse predigte, um recht viel und recht theuer Raffinade verkaufen zu zu können. Wollte man eine vollständige Blumenlese aus diesen Berichten zum Besten geben, so würde die Welt staunen ob der Kühnheit der Behauptungen. Fast in jedem Berichte wurde auf die außerordentlich günstige Weltstatistik hingewiesen und die 25jährige Geschäftspraxis des BerickterstalterS als Bürg- schaft sür diese Thatsachen hingestellt. Redefloskeln wie„wir stehen am Vorabend großer Ereignisse" gehörten zu den Alltäg- lichkeiten. War das Welter kalt, dann waren alle Rüben dem Erfrieren nahe, trat große Hitze ein, so prophezeite man ein Ueberwuchern der Pflanze. Den Kleinhandel suchten diese Berichte fortwährend zu ängstigen, bald durch den Hinweis auf einen vollständigen Zuckermangel, bald durch aufgemachte Berechnungen, nach welchen die Rafsineure selbst bei 36 Mark sehen.— Kann sie denn glücklich sein, wenn ich nicht mehr zu ihr zurückkehre?... Tödte ich sie nicht, wenn ich auf ewig sie meide?— Werde ich sie nicht zum Selbstmord treiben, wenn ich nie mehr zurückkomme? Hier, auf dieser außerhalb der Welt gelegenen Insel, gelten nicht die gesell- schaftlichen Regeln, die religiösen Satzungen; hier gilt nur die reine wahre Raturempsindung— wohnt nicht hier das wahre Glück, das aus der thörischten Welt sich geflüchtet hat? ... Und dieser alberne Bursche, der sich zwischen uns drängt, was ficht er mich an? Er braucht weiter nichts, als Geld und daran fehlt es mir nicht. Ich werde ihn be- zahlen und werde Ruhe vor ihm haben. Warum fürchteich mich vor ihm?" Der Frühlingswind rauscht durch die Zweige der jungen Pappeln. Da, wo der Pfad abbog, stand eine aus Reisern geflochtene Hütte, deren Eingang Brombeersträucher verdeckten. Timar wischte sich den Schweiß von der Ssirne und setzte sich den Hut auf. Sein versöhnender Genius sprach aufs Reue: Es ist wahr, Du hast nichts, was Dein Herz erfreut auf Erden. Dein Leben ist einsam und verlassen; aber ruhig. Wenn Du Abends Dein Haupt aufs Schlafkissen legst, denkst Du,„siehe, wieder ein freudenloser Tag verstrichen"— dann aber denkst Du: „ich kann mich ruhig schlafen legen, ich habe mich gegen Niemand vergangen und keine Schuld auf mich geladen." Möchtest Du wohl diese Ruhe Deines Gewissens in Tausch geben für Freunde, welche Dir den Schlaf rauben? Darauf antworte der Geist des Widerspruchs:— Wer aber darf sagen, daß Lieben Sünde, und Leiden eine Tugend ist? Während er so dachte, krachten ganz nahe zwei Schüsse und pfiffen zwei Kugeln über Michaels Kopf hinweg, mit jenem unheimlichen Geräusch, das dem Summen der heran- nahenden Wespe oder dem Klang der Todesharfe gleicht. Michaels Hut, von zwei Kugeln dnrchbohrt, flog ins Gebüsch hinab. Beide Schüsse kamen aus der verfallenen Hütte. (Fortsetzung folgt.) für Rassinaden noch mit Schaden arbeiten. Kurz, es lag System in dieser Art Berichterstattung und die Folgen da- selben blieben natürlich nicht aus. Bei da ausgedehnten Ver- breitung der„Magdeb. Zeitung" in der Provinz Sachsen gaben diese Berichte dem Kleinhandel in nster Linie den Anstoß zur Versorgung mit theurer Waare. Noch viel schlimma war die Wirkung auf die Pnoalspekulation. Eine Masse kleiner Leute, wie Kausleute, Handwaker, Beamte?c., ließen sich infolge da vertrauensseligen Berichte zu Käufen verleiten und heute ist in diesen Kreisen der Jammer groß ob der ungeheuren Valuste, welche so manchen an den Bettelstab bringen. Selbst in Börsen- kreisen erregten s. Z. diese Berichte allgemeinen Unwillen ob ihrer tendenziösen Färbung. Man schwieg jedoch, wie man zu so vielem geschwiegen hat. Da der Stein einmal ins Rollen gekommen ist, dürfte es von allgemeinem Interesse fein, auch diese Art von Triebfedern, wie sie in da Berichterstattung da „Magd. Ztg." zum Ausdruck kamen, hier fest zu nageln." Gegen die Gmin Pascha-Gepeditio« des Herrn Dr. Karl Peters hat sich, wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" mitlheilt, die Negierung bereits vor 6 Monaten aus- Sesprochen. Am 25. Februar d. I. sei der Vorsitzende des ae» häftsführenden Ausschusses des Emin Vascha-KomiteeS, Mi- nister a. D. Hofmann, in eindringlichsta Weise von maßgebender Stelle gebeten worden,„in der einen oder anderen Weise die Fusionirung mit der Erpedition des Hauptmann Wißmann herbeizuführen; es ist dabei auf die inzwischen eingetretenen Schwierigkeiten hingewiesen und die Wahrscheinlichkett betont worden, daß die bedeutenden, für das Emin Pascha- Unternehmen sieiwillig aufgebrachten Gelder nutzlos vergeudet werden würden." Seit 6 Monaten, so bemerkt dazu die„Nordd. Allg. Ztg.", „wußte man demnach in den leitenden Kreisen des Emin Pascha-Unlervehmens, wie die Regierung über dasselbe denkt." DaS offiziöse Organ bemerkt alsdann weiter, daß die Gründe, welche vorhanden gewesen seien, die Mahnungen der Reichs- regierung unbeachtet zu lassen, sich natürlich ihrer Beurtheilurg entziehen. Herr von Scholz ist bereits gegangen. So weiß es wenigstens die„Berl. Börfen-Ztg.":„Auf Grund bester In- formationen können wir nunmehr melden, daß der gegenwärtig auf Urlaub befindliche Finanzminister von Scholz seine an»'- lichen Funktionen nicht mehr antreten wird, resp. nicht mehr als finanzministcr nach Berlin zurückkehrt. Der Rücktritt des inanzministers dürfte in den nächsten Tagen publizirt werden. Ueber die Person des Nachfolgers verlautet noch nichts Be- stimmtes."— Der Einzige, der in Deutschland über den Rücktritt dieses Ministers trauern wird, wird sein Freund, Herr Viktor Schweinburg, der Journalist, sein. Zunahme der juaendlichen Urrurtheilte«. Die eben erschienene Kriminalstatistik von 1887 beweist wieder eine Zu- nähme bis zu derselben Höhe, die die Zahl im Jahre 1882 ge- habt hatte. Die noch nicht 18 Jahre alten Personen sind an Delikten gegen das Vermögen verhältnißmäßig mehr als drei Mal so stark betheiligt, wie an den Delikten gegen die Person und 10 Mal so stark, wie an den Delikten gegen Staat und öffentliche Ordnung. Am hervorragendsten ist der Anthcil der Jugendlichen, wenn man die einzelnen Deliktsarten in Bewacht zieht, bei der Brandstiftung, wo im Jahre 1887 27,7 pCt. aller Verurtheilten dem jugendlichen Alter angehörten, dann folgen Unzucht und Nothzucht mit 21,3 pCt., Diebstahl mit 210, Raub und räuberische Erpressung mit 15,8, Sachbeschädigung mit 14,8, Hehlerei mit 12,2, Urkundenfälschung mit 11,1, Unterschlagung mit 10,2, Betrug mit 8,8 und gefährliche Körperverletzung mit 7,0 pCt. jugendlichen Verurtheilten. Au» Dresden» 27. August, schreibt man uns: Die hiesige Polizei nimmt neuerdings gegen die Arbeiterbewegung eine se�r „schneidige" Haltung ein. Der Auflösung des Arbeiter-Wahl- vereine auf Grund des Sozialistengesetzes sind zwei Verbote von Versammlungen sür gewerkschaftliche Interessen gefolgt. Da ähnliche Verbote auch aus anderen Theilen des Landes gemeldet werden, so scheint ein allgemeiner Plan vorzuliegen. Die Landtags- Ergänzungswahlen stehen vor der Thür>»> diese Thatsache in Verbindung gebracht mit der neulichen Rede des Königs an die Militärvereine, tapfer bei den Wahlen für die konservative Sache einzutreten, giebt den Schlüssel zu diesen» Verhalten der Polizei. Letztere irrt sich aber gewaltig, glaubt sie mit ihrem Vorgehen irgend einen günstigen Erfolg für die Wahlen zu erzielen. Eingestellte» Verfahre«. Am 28. Januar geschah etwas Unerhörtes. Die„Kreuzzeitung" wurde wegen Ma- je stä ts be lei digung beschlagnahmt. DaS Blatt ist jetzt in der glücklichen Lage, mittheilen zu können, daß das über dem Haupte des edlen von Hammerstein aufgehängte Damokles- schwer« wieder bei Seite gestellt ist. Die Beschlagnahme der Nr. 32 ist durch Beschluß vom 9. August aufgehoben. Erhausfacht wurde am Sonnabend Abend in den Ge- schäftsräumen der„Fränk. Tagespost" in Nürnberg. DaS Ar- beilerblatt schreibt darüber mit gutem Humor:„Zur angenehme- ren Einleitung des„Volksfestes" fand, nach längerer Pause, am Sonnabend Abend in unseren GeschästSlokalitäten wieder einmal eine Haussuchung statt. Früher gehörte so eine Durchsuchung bei uns zum„täglichen Brot" und wir waren daher schon vor mehr als Jahresfrist in der Lage, das Fest der hundertsten Haussuchung zu seiern, jetzt aber ist sie immerhin schon ein„Ereigniß". So geht'S, wenn man sich einer Segnung nicht mehr ganz regelmäßig erfreut; dann entwöhnt man sich ihrer! Es war also immerhin ein kleines Ereigniß für uns, als am Sonnabend Herr Polizeiofsiziant Luff mit einem Detektiv (Spähmann heißt man seit neuerer Zeit diese nützlichen Staate- bürger) erschien und uns im Namen seines Prinzipals, unseres hochgeehrten Stadtmagistrats, in dessen Eigenschaft als Polizei- behörde, die Eröffnung machte, daß er beaustragt sei, eine Haus» suchung nach der soeben in London erschienenen und in Berlin sofort verbotenen Druckschrift„Nach zehn Jahren"(Denkschrift zum zehnjährigen Bestehen des Sozialistengesetzes) vorzunehmen. Und zwar hegte man nicht blas den Verdacht, daß von dieser, für manche Leute wahrscheinlich recht unangenehmen Schrift bei uns behufs Weiterverbreiwng eine Anzahl auf Lager fem müsse, sondern man war— sei es infolge eigener Kombination oder einer albernen Denunziation— auf die höchst sonderbare Idee gekommen, die Schrift sei bei unS ge» druckt worden!! Nun waren wir aber selbst nicht wenig erstaunt gewesen, als wir im„Reichsanzeiger" die Nachricht von dem Verbot dieser kaum angekündigten Schrift ge- funden hatten. Die Berliner Polizei hat sich vermuthiich durch einen ihrer Londoner Agenten sofort nach erfolgter Ankündi» gung ein Exemplar zum Zweck des Verbots verschafft. Durch diese übergroße preußische Fixigkeit dürfte sich die Polizei das Geschäft einigermaßen verdorben haben. Wir sind überzeugt. daß augenblicklich von der Schrift noch kein Stück zum Zweck der Verbreitung sich in Deutschland befindet; etliche Tage später dürfte das vielleicht der Fall gewesen sein.— Wie man aber auf uns verfällt, das ist uns allerdings ein Räthsil! Daß die Haussuchung gänzlich resultatlos war, ist felbstver- ständlich. Ei« sehr einfache» Mittel. Zur Bekämpfung der So» zialdemokratie schlägt ein Herr Karl Dietrich in Altona, Groß« Elbstraße 138, in eurem„an die deutschen Bundesfürsten unä die Senate der Freien Hansastädte, den Fürsten Reichskanzler. die Mitglieder des Deutschen Reichstags, sowie die Universitäten" gerichteten Schreiben vor: Man müsse die Sozialdemokraten objektiv und subjektiv wahlentmündige», d. h. sür wohl- und wählbarunfähig erklären.— Ob der Absender diese« Zükulor» bei einer Untersuchung seines geistigen Befindens nicht selber entmündigt werden würde? Au» Kalle a. K.» 24. d., wird uns geschrieben: Es wird vcch immer vielfach behauptet, daß es unwahr sei, daß die Behörte» sich allerlei Beeinflussungen derjenigen Wirthe zu schuld kommen lassen, welche ihre Lokale zu sozialdemokratischen Ver- sammlungen hergeben. Es ist das aber Thatfache. wie wir zu beweisen in der Lage sind. Am 21. August d. I. richtete der Zigarrenhändlcr Alb. Sanow an den ÄmtSvorstcher Eberius zu Döllnitz bei Halle ein Schreiben des Inhalts, daß er, S., zu Sonntag, 25. August er., eine Volksversammlung anmelde mit der Tagesordnung:„Sozialreform*. Der Anmeldende erhielt die Anmeldung mit wendender Post zurück mit der Be- merkung, daß dieselbe auf Grund Z 9 des Sozialistengesetzes verboten sei. Dem Mirth aber ging folgendes Schreiben zu: Döllnitz, 22. August 1889. Die für nächsten Sonntag in Ihrem Lokale anbe- räumte Volksversammlung habe ich auf Grund des 8 9 des Reichsgefetzes vom 2t. Oktober 1878 verboten. Ich theile Ihnen dies unter Bezugnahme auf Z 18 desselben Gesetzes mit, welcher lautet:„Wer für einen verbotenen Verein oder eine verbotene Versammlung Räumlichkeiten hergiebt, wird mit Gefängniß von einem Monat bis zu einem Jahr bestraft."— Ueberhaupt„erwarte" ich, daß Sie Ihr Lokal nicht wieder den Halle'schen Sozialdemo- kraten zur Verfügung stellen. Der Amtsvorsteher. In der letzten Eberius. Zeit haben Sie öfters die Polizei- stunden überschritten. Sind diese letzten, in der rechten Ecke des Briefes stehen- den Worte nun eine Beeinflussung oder sind sie es nicht? Gw« urkomisch«„Kerichtigung" erhält die„Voss. Ztg." von dem Rechtsanwalt Dr. Pricß in Lübeck, von der wir schon deshalb Notiz nehmen, weil wir den„berichtigten" Fall gleich- falls gemeldet hatten. Die Berichtigung lautet:„Zur Berich- t gung Ihrer Notiz in Nr. 394 Ihrer Zeitung vom 24. August dieses Jahres theile ich Ihnen hierdurch mit, daß ich nicht um mildernde Umstände für meinen Klienten G. ersucht habe, weil er gelegentlich der Reichstagswahl stets„für unsere Partei" ganz entschieden eingetreten sei. Ich habe vielmehr in Bezug auf meinen Klienten, den der hiesige PhystkuS als einen dem Alkoholismus verfallenen, tobsüchtigen Mnischxn zur Beob- tung dem Jrrenhause überwiesen hatte, aus dem er nach sieben Tagen als völlig gesund entlassen war, gesagt, daß mein Klient, der in Lübeck sehr bekannt und seit langen Jahren in städti- schcn Angelegenheiten und Wahlen für unsere Partei stets thätig eingetreten sei, durchaus nicht als ein dem Alkoholismus verfallener Mensch betrachtet werden könne." Großbritannien. Uebcr den Streik der Dockarbeiter bringt das „®. T. 83." eine Meldung aus London vom 27. d. M., aus welcher hcroorceht, daß die Streikenden den Versuch gemacht haben, eine Verständigung mit den Unternehmern in Güte herbeizuführen. Der Versuch ist gescheitert: Die Unternehmer gingen nicht einmal darauf ein, einen Minimallohn von zwei Shillings(2 Mark!) den Tag zu bewilligen. Vermutlich find den Herren die Verluste, welche ihnen der Streik bisher zugefügt hat, noch zu gering. Ach Tage später, und sie reden anders. Daß aber die Dockarbeiter, wenn es nöthig ist, noch länger als acht Tage den Ausstand aufrecht erhalten können, dafür bürgt die thatkrästige Sympathie, welche sie bei der Londoner Ärbciterschast für ihr Vorgehen finden. Die Meldung des„2V. T. B." lautet:„London, 27. d. Mts. Die Ver- treter der streikenden Dockarbeiter hatten heute eine Konferenz mit den Mitgliedern des DirektionsratheS der Londoner und „East Jndia" Docks. Der DirektionSrath lehnte die Forde- rungen der Streikenden betreffend eine Lohnerhöhung bis auf fecks Pence die Stunde mit einem Minimallohn von zwei Shillings den Tag, und Abschaffung des Systems der Arbeits- Pächter ab. Ueber die gewaltige Massenversammlung der streikenden Dockarbeiter im Hydepark (siehe auch„Politische Uebersicht") liegt folgender näherer Be- richt vor:„Gestern hielten die Streikenden eine Massenkund- gebung im Hydepark. Vom East Jndia Dock in Poplar zogen die streikenden Arbeiter und deren Freunde, etwa 80000 Mann stark, in geschlossener Ordnung mit Führern und klingendem Spiele durch die City und längs des Themscquais nach dem fern im Westen gelegenen großen Volkspark. Die Kapellen spielten die„Marseillaise", den„Garibaldimarsch",„Rule Biitannia" und andere Volksmelodien. Im Park gesellten sich zu den Demonstranten große Schaaren von Schau ustigen, so daß während der Kundgebung wohl geacn 100000 Menschen im Parke beisammen waren. Von 4„PlatformS" hielten die Führer des Ausstandes, darunter John BurnS, Benjamin Tillett und T.Mc Carthy(Sekretär des Verbandes der Schiff- stauervereine) Ansprachen an die Volksmassen. Letzgenannter bemerkte, die Szenen der verflossenen Woche genügten, zu zeigen, daß die Arbeiter Londons fähig seien, sich selber zu be- herrschen. Sie wären intelligent und klug genug, um ihre An- gelegenheiten selber zu verwalten und sie beabsichtigten, sich nicht länger von sog. Philantropen, deren Hilfe kläglich ge- scheitert sei, beherrschen zu lassen. Rur von ihresgleichen wollten sie sich künftighin beeinflussen und leiten lassen. Gleichzeitig machte er die Mittheilung, daß die Gasarbeiter Londons beab- sichtigten, mit den Dockarbeitern gemeinsame Sache zu machen und einen Ausstand zu beginnen, durch welchen die Hauptstadt für geraume Zeit des Nachts in völlige Dunkelheit versetzt werden würde. Tillett und Burns(der jetzt als Mitglied des Londoner GrafschaftSratheS eine hervorragende Stellung ein- nimmt und ein Arbeiterführer im wahrsten Sinne des Wortes ist) hielten feurige Reden, welche die Zuhörer zur Begeisterung hinrissen. Burnö sagte u. A., er sei entschlossener als je, den Dockarbeitern zu ihren Rechten zu verhelfen; keine Furcht vor Pentonville oder Millbank(die beiden Londoner KorreklionS- Häuser), oder vor der Hölle selber würde ihn von seinem Eni- schlusse abbringen. Wenn die Dockoerwaltungen nicht im Stande seien, den höheren Arbeitslohn zu zahlen, was er aber nicht glaube, so sei dies ihrer kläglich schkechten Verwaltung zu- zuschreiben. Ahmt, schloß er, den Geist nach, den die Frauen von Whitechapel bekunden, welche heute früh ein Banner ent- falteten mit der Inschrift:„Keine Miethe wird im Osten von London bezahlt, bis der Dockarbeiter seinen Sechspence kriegt." Auf ein gegebenes Signal aelangte schließlich durch Akklama- tion auf den verschiedenen Meetings eine gleichlautende Reso- lution folgenden Inhalts zur Annahme:„Dieses Meeting ver- vflichtet sich, die in den verschiedenen Docks und Werften Lon- dons streikenden Arbeiter nach besten Kräften zu unterstützen und alle wahren Freunde der Arbeiter werden aufgefordert, denselben zur Erlangung ihrer gerechten Rechte behilflich zu sein." Um 4 Uhr fand nacki zweistündiger Dauer die Kund- gebuug ihr Ende und die Streikenden kehrten ebenso ruhig und ordentlich, wie sie gekommen waren, nach dem Osten Londons zurück. Die Polizei hielt sich während der ganzen Kundgebung im Hintergrunde. Frankreich. Boulanger und Dillon wurden am Montag von dem Rath der Ehrenlegion, gemäß dem Dekret von 1852, aller Rechte und Ehren ihres Grades entkleidet. Vom Schwurgerickt wurde gegen den Redakteur der „ B a t a i l l e" auf Klage des Ohersten Vincent, des früheren Leiter des Kundschafterbureaus im Kriegsministerium, wegen Verleumdung und öffentlicher Beschimpfung verhandelt. Der Redakteur wurde, da er trotz erhaltener Vorladung ausblieb, ohne Wahrspruch der Geschworenen vom Gerichts- Hof zu einem Monat Gefängniß und 1500 Frks. Geldbuße verurtheilt. Kelgie«. Das Verschwinden von StaatSsrbriften aus den belgischen Ministerien ist kein vereinzeltes Zeichen der bei diesen höchsten Behörden um sich greifenden Unsicherheit. Hat man doch kürzlich erlebt, daß das Monatsgehalt des Ministers des Innern, welches er im Betrage von 1700 Franks in seinen Arbeitstisch gelegt hatle, im Handumdrehen verschwand und der Thäter nicht entdeckt wurde, daß werthoolle Zeichnungen des französischen Malers Boulanger, welche der Staat für das Museum erwerben wollte und dem Kultusminister auf sein Ver- langen vorgelegt worden waren, aus dem ministeriellen Arbeits- zimmcr auf Nimmerwiedersehen verschwanden und trotz aller Untersuchungen nicht aufzufinden sind. Natürlich muß der Staat dafür aufkommen. Vorst btiger ist jetzt der Knegsw geworden, welcher jeden das Mmisterium mit erncni 4 Verlassenden untersuchen läßt. Athen, 27. Kalkanländer August. Nach hier vorliegenden Naä � soll die Pforte den Abbruch der Unterhandlunden ä®']' wi Kommission der Aufständischen und Schakir Pascha eng haben. Amsriklt. ti Großes Aufsehen macht in New-York die Verhal> des Präsidenten der 42. und Grand Street Mer gesellschaft, E b e n S. A l l e n, welcher für Aktien der genannten Gesellschaft gefälscht hat. Die Sa« dadurch heraus, daß ein Geschäftsmann einige Aknen auM � Namen übertragen lassen wollte, wobei es sich heraus!»' � dieselben gefälscht waren. Allen hat 9"® toJ vollständiges Geständniß abgelegt. Er gab uamli® a,., er, als die Bahngesellschaft, deren erster Präsident Sharp war, im Jahre 1863 ins Leben trat, Clerk o � später, und zwar im Jahre 1383, Schatzmeister und im 1888 Präsident der Bahn wurde. Außerdem habe er g � schaftlich mit Ferd. W. Hofcle unter der Finna Allen in Nr. 140 Ost. 41. Straße eine Eisengießerei bedeutende Summen zur Herstellung einer seinein � � patentirten Fcuerrettungsleiter und eines Apparates zum.l, der Wäsche vorgestreckt. Das Geschäft habe sich icdoch- 0 das Baudepartement hindernd in den Weg getreten' als erfolgreich erwiesen, und er habe sich genölhigi iW Lft Deckung der erlittenen Verluste zu unredlichen Nciue � Zuflucht zu nehmen. Sowohl als Schatzmeister wie a.. � Präsident hätten ihm Aktiensormulare der BahngeseM � Zeit jjur Verfügung gestanden und ihm die Mittel 0*® ur' fit die für ihn nöthigen Summen zu verschaffen, da er p- Fonnulare auszufüllen und sie selbst oder durch ein- treter zu verpfän den brauchte. Er habe darauf flerea Akiien später wieder einlösen zu können, so daß �wmo« � von seinen Fälschungen erfahren haben würde. � � juP Ganzen 700 Aktienformulare genommen und etwa selben ausgefüllt, unterzeichnet, und theils in scincm theils in dem einer anderen Person für etwa, 145 90« bei einer Bank und bei Privatpersonen verpfändet. Der Bürgerkrieg auf Haiti ist in ei j,, Stadium getreten, denn einer der beiden rivalisirenden�.�i Legitime, hat am Donnerstag das Feld geräumt und m stadt Port-au-Prince ist von den Truppen IdeS Hippolyte besetzt worden. Eine eigenthümliche Rolle v � der französische Gesandte Graf de SeSmaisons dessen Einfluß General Legitime seit Beginn seiner„„p schaft" gehandelt hat. Derselbe erwartete daher nicht oy I Grund von französischer Seite Unterstützung, allem � Hilfsmittel erschöpft waren, konnte Graf de Sesm«"» p bedrängten„Diktator" nichts weiter anbieten,, als flucht auf der im Hafen liegenden französilchms„jJ „Kerguelen", welches Anerbieten der General dm� unter Thränen annahm und so wurde es ihm wog.-ijlS freitag Morgen von der Kommandobrücke des riegsschiffes den Einzug seines Gegners in v» stadt zu beobachten. General Hippolyte hat eine pw � Regierung gebildet, allein die Geschäfte stocken, all sind geschlossen und Niemand will von den 50099« Papiergeld etwas annehmen, welche General LWV", Jpj irgend welche Sicherheit ausgegeben und zum gefltznai-,# lungsmittel erklärt hat. Der amerikanische Konir � Gherardi hat nach Washington gemeldet, daß fürchtet wergen; das diplomatische Korps thue sein 4'™ pv um Blutvergießen zu verhindern und die Kapitäne° � zösischen und des englischen Kriegeschiffes hätten I'? erklärt, unter seinem, Gherardi's, Befehl zu hamK.'�««' Vereinigte Staaten Korvette„Galena" ist bereits na(?$<«, Prince abgesegelt. Außer den Abenteurern und„Wj Vereinigte Staaten Korvette„Galena" ist bereits uach�jäck Prince abgesegelt. Außer den Abenteurern un» Jp würde die ganze Bevölkerung von Haiti die Wiedew. des Friedens mit Freuden begrüßen, allein es ist schcinlich, daß GeneralHippolyte allgemein anerkannt wer Theater. Donnerstag, den 29. August. MaL««r-Theater. Fifi. fltwA'» Theater. Rigoletto. BiKte-rW-Theater. Stanley in Afrika. Adriph Grnst Theater. Flotte Weiber. K«K»«»tattre-TH«ater» Dämon Schwiegermutter.„„ Le»ft«a-Theater. Der Fall Cwmenceau. MtuMOf. Wtlhelmstädtisches Theater. Girofls-Girofla. GßtsM»» Theater. Der Trompeter von Säkkingen. Zentral-Theater. Leichtes Blut. Schwcher-Gsrten. Am Kö'nigsthor. Heute, Donnerstag> Benefiz- Vorstellung für die Schauspielerin Frl. H ä s e r. Nalksvelustigungen. cntree 30 Pf. Kall. Alles Nähere d. Anschlagsäulen. LMrliilktiiklijse der kirtler. Wir machen hierdurch bekannt, daß nach Ab- änderung des 8 46 unseres Statuts die General- Versammlung fernerhin nur noch aus Delegirten besteht und findet deswegen am 1. Septtiilber i« A. Wtrner's Lokal, Oranienstrasse 170, eine außerordentliche General- Versammlung statt. � Die Herren Arbeitgeber, welche Bei- träge aus eigenen Mitteln zur obengenannten Kasse zahlen, laden wir hiermit Vorm. 10 Uhr und die großjährigen Mitglieder Vorm. 11 Uhr ergebenst ein. Tagesordnung: Delegirten-Wahl. Der Vorstand. 1270 G. Kneifs, Vorsitzender, Dieffenbachstraße 59. «UTK»« 1 Tr.» M.- 10 A. w&XSr Kaiser-Panorama. In dieser Woche: Reu'. in. Cycl.: Pariser Welt- Ausstellung. Erste Reife durch Holland. Im Äusstellunaspark: 2. Cycl.: Pariser Meltau» stellung. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Adonn. S Resse« 1 M.__ F. W-tsch,»«TÄnÄUVo. Ein neuer LehrkursuS f. Damen u. Herren be- ginnt Sonntag, d. 1. September, Nachm. 4 Uhr. Meld. Adalbertstraße 93 und beim Begmn des Unterrichts. Um vollzählige Paare zu haben, tonnen sich 30 Damen aus achtbaren Fammen melden, welche 62N5e und(Zuaclrille& U cour unentgeltlich erlernen wollen. 1228 Hettfedern u. Daunen rein und staubfrei in jeder Preishöhe. Große Auswahl fertiger Betten bis zu den besten Sorten. Fertige Betten und Bezüge hei Julius Hopp, 1. Geschäft: Krunnenstraße 133, 2. Geschäft: Zionvkirchplaß 6. Pferdebahn nach allen Richtungen. 1267 300 M. sucht ein Geschäftsmann auf kurze Zeit gegen Sicherheit zu leihen. Adressen Restaurant Weberstr. 66. Schlafstelle sof. oder»um 1./10. zu vermiethen bei Köhler, Naunynstr. 25, Ii. v. Schlafstelle f. H. Skalitzerstr. 59, v. IV. b. Brunsch. jO* teppdecken- J Fabrik, Vranlenstr. 158, IT i... S I I.K J.——___ Ä Emil Lefövr-e. 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M. 1,—. Geb. M. 1�0. Thomas More«ud feine Utopie. Mit ein« histonscheniEinlei� von Karl Kautsky. Brosch. M. 2,—. Geb. 2,50. Charles Fourier, sein Leben und seine Theorien. Von Kebel. Brosch. M. 2,-. Geb. M. 2,50. Das moderne� Glend«nd die moderne Uebervolkers� Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von Mar Schippet. Bröl« M. 1�0. Geb. M. 2,—. Kerliner Arbeiter-Kibliotheb. Von Mar Schippet. Erschienen bis 5. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Heft 2: Der Nutzen der z: schaften. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenftage der Gegenwart. Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Heft 5: Ehar? � köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Ossip Zetkin-PariS f. Vß' Die Hausindustrie m Deutschland von Paul Kampffmeyer-Genf. a Heft 15». 4" Die Arbeiterinnen-Dewegnng Derlins. Von». Serger. -> Heft 30 Pf. Ferdinand Kalfalle, eine Gedenkschrift zu seinem 25 jährigen Todestag. Wae Kegel, a 50 Pf. Arbeiter-Notizkalender pro 1889. Kleine Ausgabe a Exemplar Die Klassengegenfahe von 1789. Von Kaei Kautsky. a Exemplar 50 Pf. Die Sonntags-Arbeit. Von August Kebel. Brosch. M. 1,-. Sgbil. Roman von Disraeli, übersetzt von Natalie Liebknecht.' Die Uitter der Arbeit» Nach dem Amerikanischen des Zor von Liebkuecht. Die franzostfche Uevolntion. Von MUhelm s»--. «eduude« in Prachtbau», a Exemplar M. 5�0. Broschirt in Heften ä 20 Pf. Ä-" 50# B-rantwortlich« Redakteur: N. Traut, eiw«»erlin. Druck und Berlaa von»« Kadiug in verlm SV.. Beuthstraße?. Wierm»w« "iiwoet fa?«- Vi Clc V""S Sv' fcidi K c ifßSWtmP« ucm i Nachnchia zwischen da Beilage zum Berliner Volksblatt. rhasiu"» PferdebM- 000 Dochts e Sache m :n aufsea» aästentf, d°i h schon'? lich an, A d-nt*?£ rt dcrschlg F 201. Donnerstag, den 29. Augnst 1889. 6. Zichrg. Ar älteste Uorläufer der heutigen Mrobeutheone. Jrsuit Athanasius Kirch er war 1602 zu Greisi im �oiuit Athanasius Kirch er war 1602 zu Greis im rf dert-l� 1 geboren, trat 1618 in den Orden ein und wurde ,d im|. i mr der Mathematik, der Philosophie und der orientali� e« ß01"� �i?prachtn in Würzburg. Von doi t durck die Schwedei Allen«- � I.------- H v.»Mg,| Ochmeden Allen#• n■ I Neu wandte er sich nach Avignon und wurde hierauf -Irieben � I l��opft noch Rom berufen, wo er anfangs am Collegium crfttC 10 iW. ■ 5 m-t> i :lrlWS Zn naa, vtom berufen, wo er e� � nnm Mathematik lehrte, später iUmTroclr. er, lebte und 1680 starb. Er rva doch,�n� I � fernes Jahrhunderts, doch fir -n fei, 0'?. r /, feltkne Eifabruna beltätiot. di ... aber in Muße seinen _________,_______ war wohl der berühmteste >,..- Jahrhunderts, doch findet man bei ihm eine " JV- mti'tiiilJt rfne Ei fahrung bestätigt, die n ämltch, daß ine gesehen,t I � imtesten L,ute nicht immer die tüchtigsten sind. Er IWteln I„»!<8,���orägter Polyhistor, kannte so ziemlich das ganze ie|'�en seiner Zeit, schrieb über alles, hat auch manchen � en Gedanken hinterlassen, aber die guten Körner� in ell>ß>?' K.» im �oanken hrnterlassen, aber die guten ocorncr n geböte»,>'■ �. Werfen ersticken unter einem Wust weitschweifiger Aus er""W, �"'eBingeri, und wenn man schließlich zusammenfaßt, rfr* „ 100 d-o ,$) � «e-s! «5jJA WUU lUCllU 1IIUU|U.j4iv- � eigenen Beobachtungen und Entdeckungen aufzu •ftilmA?■' findet man eine sehr kleine Summe. Aber er Kunst, sich und seine vielseitige Erudition den Äs m äckhast zu machen; ist er doch auch der Vorlaufer tej..�rnes gewesen, denn er schrieb unter anderm phanta- C.tJlf ne"nt fie ekstatische) Reisen auf den Mond, auf die M und 'ich z Jl" 10(1,1 einige Bände seiner Schriften durchliest, bemerkt l"j? ülif, I Sui'f i?; i.�afi seine Zeit und seine Lebensstellung in erster !>en Arilin??, ei ihm hervortretenden Fehler begründen; diese sind ld bie Ho jj I Ii-x Mkeit und Neigung zu philosophelndcm Geschwätzt Das es I f#j f%fiunbert war noch sehr gewohnt, der Autorität zu >lle b� 1 tu,,!,* es wagte nicht gern, eine angebliche Thatiache anzu- espielt,,�> � n, wenn sie von irgend einem Chronisten oder � J no»-T> torttrttinh KnnFiff. Mit "Önfl >in.� d- tnois"1?; ->«» h""„iit denn � moßs'rr? verbürgt war. Wenn uns jemannd erzählt, ein ,- werbe durch Einw ckeln in Salbeiblätter verstärkt, .?..bvobiren wir es, findend, daß die Angabe unrichtig *chirklen ro"r sie für eine Fabel und kümmern uns nicht lchrb Mittelalter aber schrieb derartige Behauptungen »°«.. oerielana kritiklos nack. Den Gelehrten, die über i lang kritiklos nach. Den Gelehrten, die über -».�.""-"'chaftliche Dinge arbeiteten, ging es vielfach nicht ifhiil um eigene, direkt aus der Natur_ geschöpfte Er- 'ttbrl?-.' uls um genaue Kenntniß dessen, was die Untaten«k... x;. re„cjL.;_______ tont�le l ?äI and-'' Dt�l ni-hlV., lverdk" � lufc sransu" y«is um genaue wcnnmiB otnen, rout» uiv die fjii 3t. �en über die Erscheinungen gesagt und gefabelt hatten. provilA�,! Rubeln und Lücken in der Naturkenntniß enthalten alle��j I väher lag es, ihre schwachen Stellen niit �meta- ?!!!fwi Ä I �ber Philosoph" Ur'i»otAesI"sagt", die letzte � � Nur die größten Geister, wie KopernikuS, Galile? „lg.- verwandte, wußten den AutoritäiSglauben durch � Isu�u kritischen Sinn zu überwinden und wurden tV dadurch die Leitsterne der beginnenden Nruzeit; jti)®0!* einem Jesuiten, dessen ganze Richtung auf Be- des Autoritätsglaubens geht, ist das nicht zu er- und so kann es nicht Wunder nehmen, wenn wir ungleich er die Arbeiten von CopernicuS und Galilei Wt akz ptirt, doch 50 Jahre nach dem letzteren noch in »?hode früdrer Jahrhunderte befangen finden. Ä wie gesagt, es stehen in seinen Weilen auch allerlei .kUierkungcn, und eine von diesen hat gerade für die erheblich. s Jnterrssc. Kircher ist namli», so weit �er sichtlichen Zeugnisse reichen, der erste Mensch ge- chi'».der kleine Lebewesen in faulenden Sustanzen durch � ja�ßivßerungSglas beobachtet hat, und er hat s Beobachtung sofort vcrwerthet, um aus sie eine ßijfe,.' ofr ansteckenden Krankheiten zu gründen. Sein Ver- >!<».,.,?Bdglas war eine einfache Lupe, welche die Gegenstände ip größer zeigte, als sie wirklich sind", d. h. welche �»".Tschen tausendmal, die linearen Dimensionen eines KorgcrS %i. iS 32 Mal vergrößerte. Diese Vergrößerung ist nach iji v.■öcghffin recht schwach, aber sie reicht vollkommen aus, BUvsiern JnfufionSthiere als kleine bewegliche Korperchen "' �»u machen, und das hat sie denn für Kircher Im Jahre 1658 gab er zu Rom eine Schrift die den Titel(lateinisch) führt: �PHyM- le Untersuchung der ansteckenden Seuche, welche Pest wird": dieselbe war schon in der ersten Auslage A UP stellt» SHI"' ch«"» rf t* ßf. h 5 Z)B d L US. .>�>.1,, viricivc Ivue v' I—; �Uch».Menden Zeugnissen angesehener Aerzte begleitet und /"Ii in Leipzig mit einer begeisterten Vorrede dcS dar- jtrt__ a. w iri■ i* v_... a.. fi rt d>iy e>n* TMrt Yt mu ciiat ütycintnv»»— «tltt.if"»feilorä der Heilkunde Lange neu herausgegeben; man �W>« sich um so mehr für fie, als gerade das 17. Jahr- s/1 Mrhrsach von verheerenden Epidemien betroffen war; it, die 1656 in Rom ausbrach, gab den unmittelbaren �»ur Abfassung der Schrift. �t,»?."cht auch in diesem Buche manches, was kaum zu ver- SiW 5n ist, und um dem Leser eine Vorstellung davon zu Uist,'?urch was für Dinge man sich durcharbeiten muß, wenn i�siboL Ilerliche Forscher studirt, will ich hier ein Beispiel Ä fcL'N- K.rcher sagt an einer Stelle kurz und bundig, Ntgrs« r einzig sichere Mittel gegen die Pest s» recht- Ausreißen, an einer andern aber schließt er sich der derjenigen angefihenen Autoritäten an, welche be- sliö das beste Mittel gegen die Pest sei— � eine Kröte. Ja aus folgenden Gründen: Kröten und �rösche treten * Ote vtn uuui. v.0.-n. �-------... -lanft."ksgleichen. Van Helmont bat alte Kröten deren Kopf ganz voller Wmmer saß, und >!!> ch'er von diesm Würmern sich beivorwagen �d �' um davonzukriechen, so hielt ihm ■"•til«i001 und zwang ihn, zurückzubleiben!:>8on«ei- �ärin bängte das Krötenvieh an den Hinterbeinen auf und � l>ün»ScJ>Qmit, seine Würmer von sich zu geben, aus denen Zierst" Amulette fabrizirle, und diese letzteren erwiesen sich als Ar di. �.'bksam gegen die Pest. Außerdem floßt die Kröte, JWlfAeft, dem Menschen Schrecken ein; die Antipathie ist ü-ii mächtiges Ku:mitlel, also sind Kröten gut gegen die -.'av**1 wir nun zu dem vernünftigen Inhalt des Buches A br�Pcft, sagt Kircher, ist im allgemeinen eine Sttafe GotieS, �rldst Oberen aber kann fie doch auch natürliche Ursachen haben. rOs,.?1 durch Zauberei erzeugten Pesten sind solche mch �.°rrchen, denn der Teufel, von dem sie herrühren, besitzt natunvissen schaftliche Kenntnisse und bedient stch � VÄ»cgen die Menschheit. Man bemerkt nun lerch, daß �pidemiin sich oft auf faulende Stoffe zurucktuhren offen. v lfctnill>°en Schlachten, wo viele Leichname unbecrdlgt um� ÜAl k!I1' J}Qch Epizootien, wo Thier körper im Freien verfaulen, lÄtn£ Etrandung eines Walfisches und nachdem em Erb- . sirr k�wlsende und Tausende von tobten Fischen an das k treiben lassen, hat man Pestpcrioden ihren Anfang sehen. Andererseits kann auch rm Menschen etwas enthalten fem, was ihn der Pest unterwirft; dies bricht namentlich hervor, wenn HungerSnoth in ganzen Ländern geherrscht hat, wo dann öfter PcstauSbrüche folgen und sich rasch verbreiten. Die Fäulniß schafft nun offenbar fiemde, be- schmutzende Bestandtheile in die Luft, MiaSmen, welche die Krankheit fortpflanzen, und die, wenn sie auf Menschen üben gehen, von einer Person zur andern oder auch durch Vennitd jung von Betten u. s. w. fortgepflanzt werden können. AuS der Fäulniß gehen fortwährend unmerklich kleine Körperchcn in die Umgebung über; das zeigt u. a. der üble Geruch, der von ihr ausgeht. Und nun kommt der Hauptsatz: Onme putridum ex se e« sua natura vermes generat, alles Faulende erzeugt aus sich und seiner Natur Würmer, d. h. nach dem da maligen Sprachgebrauch kleine lebende Wesen irgendwelcher Art. Er blweist das zunächst an den mit bloßem Auge ficht- baren„Würmern" in faulenden Kadavern, dann aber zeigt er mit dem VerprößerungSglase, daß faulendes Fleisch, Käse, Milch, Schlangen, Pflanzeniheile, modriges Holz, Erde in Wasser, kurz, alle organischen Theile bei der Fäulniß von Würmern wimmeln. Er nimmt naiv an, daß die Würmchen schlechthin „aus der Fäulniß" entstehen, ohne das Wie ergründen zu können. Die Pest ist nun nichts anderes als eine Art von Fäule des lebenden Menschen. Der Kranke bat irgendwo einen pestbringendcn Odem eingeathmet und ist dadurch mit der Fäulniß angesteckt. Die Ausdünstungen aber, welche den Keim der Pest enthalten, sind nichts anderes als unsichtbar kleine lebende Köipcrchen; das geht daraus hervor, daß eben alles Faulende solche Lebewesen erzeugt. Ein Mensch kann sich die Pest überall da zuziehen, wo sich solche lebende Esfluvien vor- finden, er kann sie aus dem Boden, aus Früchten, aus geöff- neten Gräbern u. s. w. erhalten; auch können unter Umständen wohl faulige Ausdünstungen der Erde, wie sie bei Erdbeben vorkoinmen, das erste Kontagium an die bewohnte Oberfläche bringen und somit den Anstoß zu einer Epidemie geben. DaS sind, ausgesondert aus der weitschweifigen Betrachtung, die Grundzüge der Kircheischen Seuchentheorie. Ihre Mängel liegen zu Tage: Kircher unterscheidet nicht zwischen verschie- denen Seuchen, sondern erklärt alle großen Epidemien, z. B. auch Schweißkrankheit und Klauenseuche, für bloße Varietäten einer und derselben Grundpest. Dementsprechend unterscheidet er auch noch nicht zwischen verschiedenen Arten seiner Würmer, sondern wirft alles unterschiedslos als„Fäulniß" schlechthin zusammen. Er sagt, daß die Würmer einen„belebten Ge- stank", also kleinste, lebensfähige Körperchen aushauchen, welche neue Fäulniß veranlassen, wohin sie gelangen; aber er kommt nicht dazu, diese Körperchen als Eier oder Keim- körner aufzufassen. Er spricht ausdrücklich von„Panspermia", d. h. von der Allbesamtheit der Luft, aber er läßt sich die Folgerung entgehen, daß jedes Keimkorn seinen besonderen Wurm wiedcrerzeugen muß. So entgeht ihm auch der wich- tigste Schluß, daß die Seuche sich eben nur durch Keimkörner verbreitet, und daß man sie abschneiden kann, wenn man die Würmer und ihre Keime lödtet oder aussterben läßt. Daß der Nachweis für das Dasein der Mikroben im Körper der Pest- kranken mitttclst der Beobachtung nicht führen konnte, liegt auf der Hand; denn dazu reichten die Mittel seinerzeit nicht aus. Aber in der bloS logischen Anordnung seines Ge- dankenganges ist schon ein Fehler: bei ihm erzeugen die Wurm- keime die spezielle Art von Fäulniß, welche Pest heißt, aber die Fäulniß erzeugt im allgemeinen die Würmer. Hätte er den letzteren Satz umgekehrt und gesagt: Die Würmer erzeugen auch die Fäulniß, so wäre sein System durchaus logisch gewesen und hätte ihn auf der Bahn der Erkenntniß erheblich weiter führen können. Immerhin aber ist er mit seinem Satz:„die pesterzeugen- den AuShauchungcn enthalten kleine lebensfähige Weien" der erste gewesen, der die Lehre vom lebendigen Anstcckungsstoff aufgestellt hat; dieses Verdienst kann man ihm nicht abstreiten. Uno es ist gewiß nicht wenig merkwürdig, daß der Mensch, der ein Jnfusionsthier gesehen hat, sich auch sofort ver- anlaßt sah, zu schließen, daß die ansteckenden Krankheilen durch mikroskopisch kleine Lebewesen hervorgebracht würden. Man sieht daraus, wie nahe diese Theorie im Grunde gelegen hat. Nun fragt der Leser vielleicht: Warum hat es dann so lange gedauert, bis sie anfing, durchzudringen und frucht- bar zu werden? Ja, das hat noch mancherlei Schwierigkeiten gehabt. Loks-les. "Das rationelle Schlafen" betitelt sich eine kleine medi- »inische Abhandlung von Joh. Meuli-Hilty, in welcher der Ver- fasser dafür eintritt, daß es gesundheitsgemäß besser und schneller erquickend, verausgabte Kraft wieder herstellend wirkt, wenn man sich den Kopf wesentlich tiefer bettet als den übrigen Körper, also schräg aufsteigend den Kopf am tiefsten, die Füße am höchsten. Von der Thatsache ausgehend, daß herabhängende Glieder zunehmende Temperatur haben, hochgehaltene dagegen eine niedrige, erperimentirte der Verfasser weiter, indem er den Versuch auf die Lage deL ganzen Körpers ausdehnte. Die Lage desKöipcrS als höchst wichtiger Faktor bei vergleich- mäßigen Blutvertheilung wird von anderen Medizinern und Physiologen ebenfalls oft und nachdrücklich genug betont, die Meuli-Hilty anführt. Im großen Ganzen ist die Annahme allgemein, daß jede lebhafte Blutzuströmung nach dem Kopfe als schädlich zu be- trachten sei. Zunächst merkt man lebhafteres Pulsiren des Blutes in den nach Lippen und Ohren führenden Adern. Die Schilddrüse nun regutirt jedoch den Zufluß des Blutes durch die Carotiden nach dem Gehirn in vollkommen genügender Weise. Außerdem liegt daS Gehirn nicht in einer unnachgiebigen, festen Kapsel, sondem steht mit den Blut- und Lymphgefäßen des Schädeldaches und des Halses in Verbindung, so daß eine Gefahr nach dieser Richtung bei Anwendung der allgemeinen Beobachtung dessen, was dem Körper zusagt, nicht vorliegt. Vierjährige Ausübung dieser Schlafmethode hat nie eine üble, sondern stets die besten Folgen für das Gesammtbefinden des Verfassers gehabt. Er erwachte seit der Zeit ftüher, fühlte sich sofort ganz munter, Tags über viel leistungsfähiger und ver- >or ein ftüher häufiges Kopfweh gänzlich. Die Ernährung des Gehirns durch ein sauerstoffreiches, in genügender Menge zuströmendes Blut wird nach Meuli-Hilty durch unser nervenaufregendes Leben und die vorwiegend auf- rechte Haltung unseres Körpers erscbwert, durch die empfohlene LagerungSmethode beim Schlafen jedoch wesentlich gefördert. Die bisher übliche schräge Körperlage mit Keilkissen und dickem Kopfkissen leistet dies auch, aber nur zum Theil und nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechend". Der Verfasser bemerkt:„Wie in Allem, so sind uns auch hierin die praktischen Amerikaner und Engländer voraus, die ja, wie bekannt, die Füße beim Sitzen hoch legen, damit das Blut aus denselben leichter nach dem Oberkörper hinsti öme, wo eine reichliche Blutmenge besser verwerthet werden kann als in den Unterextremitäten." Für beginnende Schwindsucht ist diese Lage des ruhenden Körpers von der segensreichsten Wirkung, indem die oberen Lungenspitzen, bei denen diese Geißel des Menschengeschlechts gewöhnlich ihre verheerende Thätigkeit beginnt, reiflicher mit Blut gespeist und somit Widerstands- und leistungsfähiger ge- macht werden. Der Zustand der zeitweisen annähernden oder fast vollständigen Blutlosigkeit wird ausgeschlossen und eine etwa vorhandene Neigung zur Erkrankung»ückgängig gemacht. Kopfschinerzen, und besonders Kopfschmerzen mit Brcch- reiz bei Frauen in gesegneten Umständen, werden von vielen Praktikern behoben durch Horizontal- oder Schrägbettung mit tiefer liegendem Kopf. Krankheitserscheinungen bei Leuten wie Polizeidiencrn und Wirthen, die viel zu gehen und zu stehen haben, bestätigen die Theorie, daß unterlassene Blutzusuhr nach den obersten Partien des Körpers sehr schädlich wirken muß. An einer ganzen Reihe von Organismusstörungen und ihrer Heilbehandlung weist der Verfasser die jetzt bereits geübte therapeutische Bedeutung der Tiefbettung des Kopfes nach. Praktische Winke bilden den Schluß der Arbeit. Man er- höhe das Fußende der Bettstatt. Man wende die Methode möglichst früh und permanent an. Bei nicht ganz jungen Per- sonen gehe man allmälig erst zur ganz horizontalen, dann zur Schräglage mit tiefer liegendem Kopf über, und zwar so, bis man die individuell erfahrungsmäßig zusagendste Lage gefunden hat. Die Erhebung Morgens muß langsam und allmälig ge- schehen. Frische Luft Hauptbedingung! Oberfenster offen, natürlich so, daß der Körper nicht der Zugluft ausgesetzt ist. _„Wir erfüllen hierdurch auf die denkbar einfachste Weise, nämlich buchstäblich im Schlafe, Bedingungen, die für unser Wohlergehen von den weiltragendsten günstigen Folgen sind", meint der Autor,„und mich will bedünken, als hätte ich bei einer allerdings nur kurzen Versuchszeit angenehme Folgen dieser neuen Schlafmethode empfunden. Mögen unsere Leser nachprüfen! Urber die Entwirlrrluttg der Strassenbahnetr als Verkehrsmittel größerer Städte enthält eine von dem Syndikus der Großen Berliner Pferdebahn soeben veröffentlichte Schrift nachstehende interessante Angaben: In Deutschland fuhr der erste Pferdebahnwagen am 22. Juni 1865 vom Brandenburger Thor nach Charlottenbuig. Seitdem haben die drei in Berlin ansässigen Unternehmer innerhalb 24 Jahren ein Gclcisenetz von 286 857 Meter Länge gezogen, auf welchem im Jahre 1888 inSgesammt 117 009 010 Personen befördert wurden. Inner- halb des Deutlchen Reiches sind in 62 Städten zu- sammen 1216 865 Meter Geleise angelegt und in gleichem Zeiträume 285 169 981 Personen befördert, wovon auf Berlin 26,57 pCt. der Geleise und 41,05 pCt. der hesör- dertcn Personen entfallen. Europa, ausschließlich Deutsch- land, hat in 248 Orten 5 098 444 Meter Geleise. Es wird übertroffen durch Amerika, welches in 960 Orten 11 775 895 Meter Geleise aufweist. Auch Asien besitzt in 8 Orten 378 522 Meter, Australien in 2 Orten III 021 Meter Geleise, während die Geleiselänge der drei Straßenbahnen in Aflika seht. Als Betriebsmittel werden in Deutschland überwiegend Pferdekröste und nur in vereinzelten Fällen Maschinen verwendet. Anders liegt dies im übrigen Europa, wo neben 40 286 Pferden 1374 Maschinen zur Verwendung kommen. Die amerikanischen Straßenbahnen haben 103 956 Pferde, 17 532 Maulesel, 435 Maschinen,� die asiatischen 662 Pferde und 65 Maschinen in Betrieb, während die Betriebsmittel in Australien und Afiika nicht bekannt gemacht werden. Der gewaltige Aufschwung, welchen das Straßenbahnwesen namentlich in Amerika genommen, die schnelle Verbreitung, welche es in Deutschlanv gefunden hat, rechtfertigen den Schluß, daß sehr ald auch andere Orte sich dieses Verkehrsmittels be- dienen werden, sobald die Vorurtheile beseitigt werden, welche hinsichtlich der Gefährung, sei eg der Fahrgäste, sei es der Straßengänger, sich ungerechtfertigter Weise ausgebildet haben. Zu deren Widerlegung dient die Tabelle in der ge- nannten Schrift Dr. Hilft's, wonach in dem Beobachtungszeit- raume 1882— 1888 bloS 11429 Unfälle zu verzeichnen waren, welche 6944 männliche und 4485 weibliche Personen betrafen, so daß das Verhältnis der Gcfahrenziffer zur Zahl der Fahr- gaste sich als ein geringes herausstellt. Die Unfälle sind über- wiegend auf das Verhalten der Fahrgäste zurückzuführen, welche die gebotenen VarsichtSmaßregeln beim Besteigen und beim Verlassen der Wagen nicht beobackiteten. Nur zum geringsten Theil ist unabhängig von dem Verhalten der Ver- letzten der Schadensfall eingetreten. Auf das VerkehrSrccht und die Ausbildung der Straßenbabnen werden die ermittelten Ergebnisse zweifellos insofern von Werth sein, als die Unter- nehmer von Straßenbahnbetrieben und die Gemeindebehörden in ihren Entschließungen dadurch sich werden beeinflussen lassen. Das Ghr. Im„Pesth. Ll." veröffentlicht W. Kirchbach eine sehr anregend geschriebene„Charakteristik der Ohren", auS welcher wir folgende amüsante Stellen herausheben: Ist es nicht beleidigend— so plaudert Kirchbach— daß jeder Mensch seine Ohren mit sich herumträgt, ohne im Entferntesten daran zu denken, daß er sie hat und daß zum Beispiel ein Paar große, abstehende Löffelohren denjenigen zur Verzweiflung bringen müssen, der sie ansehen muß, während der Eigenihümcr sich benimmt, als hätte er überhaupt keine Ohren?! Ein schönes Auge, ein wohlgebildetes Kinn! Wer blickt nicht gern in ein schönes Auge? Ein zierliches Näschen, eine edelgetormte Nase, man liebt sie bei Mann und Weib, und wer darüber verfügt, weiß, daß er gern gesehen wird, und hat das Bewußtsein seiner Schönheit. Ein schwellender Mund, zum Küssen einladend, zwei schöne Reihen von Perlenzähnen,— das alles sind Dinge, von denen die glücklichen Besitzerinnen wissen, Dinge, welche die Freude der Beschauer sind und welche unter Umständen sogar an die Stelle der auf nicht„mehr ungewöhnlichem Wege" thätigen HeirathSvermittelungS-Anstalten treten. Hier ist eine kleine Auswahl von Formen, welche man gleicherweise an Kindern und Greisen, Jungfrauen und allen Jungfern, Schwiegermüttern und Tanten, Mädchen und Edelsrauen und an allen Sorten männlicher Schönheit beobachten kann. Ohren mit angewachsenen Ohrläppchen. Diese sind sehr häufig, die größten Schönheiten wie die häßlichsten Urbilder weisen Ohren auf, welche das Ohrläppchen, dieses reizende Pünktchen unter dem Fragezeichen emes schonen OhreS(vcrgl.?) verkümmert und verkrüppelt und mit der Wange über dem Kinnbacken ver- wachsen zeigen.. Niemals ist ein Grund dafür einzusehen, warum das Ohrläppchen angewachsen ist; aber ledesmal, wenn ich ein solches fthe, fühle ich die Versuchung, mein Taschen- messer aus der Tasche zu ziehen, aufzuspannen und mit einem herzhaften Schnitt das Läppchen abzutrennen, damit es frei und erlöst sei. Einige Ohren haben fast gar keine Ohrläppchen, sondern der runde Rand des Ohres läuft ohne weitere Um- stände kurzweg in die Wange ab. Solche Menschen sehen aus, als hätte der Haarschncider ihnen mit der Scheere statt einer Haarlocke aus Versehen daS Ohrläppchen abgesdmipselt und die Sache gar nicht einmal bemerkt. Zweitens: Ohren mit Ohr- läppen. Man kann diese besonders häufig bei Frauen sehen, welche lange Ohrgehänge tragen, und manchmal ist daS Ohrläppchen selber ein solches Ohrgehänge, welches so lang herab- baumelt wie ein Pendel, wie eine Ohrglocke, so daß weiter nichts daran zu hängen braucht. Die schrecklichste Form ist diejenige des angewachsenen großen OhrlappenS, der, statt wie ein ausgedehnter Gummi herabzuhängen, vielmehr weit unten am Kinnbacken angewachsen ist und sich beim Sprechen infolge dessen ganz leise mitbewegt. Menschen, welche ein an- ständiges, gebildetes und liebenswürdiges Ohrläppchen haben, das frei und anspruchslos am Orte seiner Bestimmung hängt, reden bekanntlich nicht mit den Ohren, aber solche Menschen, deren Ohrlappen eine anspruchsvolle Rundung bilden, die an der Kinnlade angewachsen ist, solche schrecklichen Menschen reden, singen, kauen mit bewegten Ohren, und ich habe die holdseligsten jungen Mädchen mit solchen schwatzhaften Ohren gesehen. Wiederum ist häufig die Form der ausgefranzten, der ausgestülpten und übergestülpten Ohren. Beim Einen ist der äußere Ohrrand nicht eingebogen, sondern ausgeschlagen, als wäre er aus Versehen aufgerollt worden und der Besitzer hätte vergessen, ihn wieder einzurollen; ein anderer kennt keine inneren Schneckenwindungcn des Ohres, sondern nur ein Ding wie ein Fledermausohr und manche Ohren sehen aus, als wäre ein Plättstahl darüber gegangen und hätte alles hübsch glatt gemacht. Diese Ohren stehen manchmal weit ab nach der Seite zu wie ausgespannte Fallschirme, und wenn sie nur etwas größer wären, so brauchte eine Flugmaschine überhaupt nicht erfunden zu werden; der Eigentbümer brauchte nur von einem Kirchthurm herabzuspringen und mit seinen Ohren auf- und abzuschlagen, so würde er wie mit einem Fall- schirm in der Luft hängen bleiben, ganz nach Belieben. Einerlei, ob diese Fallschirm- und Fledermausohren klein oder groß sind, man findet sie ganz zwecklos und ohne alle schöpfe- rische Ueberlegung den verschiedensten Gestalten und Gesichtem angeheftet. Ich habe ganz winzig kleine Mäuseöhrchen an den größten Riesen von Männern gesehen zu Pferde und zu Fuß; und wiederum habe ich kleine Menschen, wahre Zwerge gesehen, welche weitaufgesperrte und ausgeglättete Austernschalen ohne jegliche Windung auf beiden Serien ihres Gesichts mit sich herumtragen, von einer solchen Größe, daß der Teufel selber sich geärgert haben würde darüber, wenn er Schöpfer der Welt gewesen wäre. Diese Formen der Gesichtshcnkel verbinden sich nun aber auf die mannigfaltigste und sinnverwirrendste Weise mit den oben geschilderten Galtungen der Ohr- läppchen, kleine Ohren mit großen Ohrgehängen, Fallschirme mit angewachsenen Läppchen und umge- kehrt. Die ausschweifendste Einbildungskraft könnte nichts verbinden in dieser Hinsicht, was Dir nicht die geist- reichsten Denker, die gewaltigsten Staatsmänner, die ver- führerischesten Frauen, die berühmtesten Schriftstellerinnen und Wagnersangerinnen bunt durcheinander mit ihren Ohren in Wirklichkeit zuzumuthen im Stande sind. Der Gegensatz zu diesen Formen sind die eingedrückten und zusammengefalteten Ohrgehäuse. Es giebt Ohren von den verschiedensten Ver- tretern der höchsten Menschheitsbildung, welche zusammenge- knittert wie ein eingeschlagener Zylinderhut aussehen; zusam- mengerollte, unendlich verwickelte Ohren, als hätte ein Zigarren- dreher sie zwischen den Fingern gehabt, und ich habe bemerkt, daß Menschen mit solchen zusammengerollten Ohren sich oft für die höchsten Güter der Menschheit, für Freiheit und Brüder- lichkeit, für ewigen Frieden auf Erden, ja für alles Gute, Wahre und Schöne auf das Wärmste begeistern können. Man kann sagen, so viele Arten von Schneckengehäusen und See- muscheln im Meere sind, so viele Arten von Menschenohr- muscheln findet man nach dieser Richtung an den salz- losesten Menschenköpfen, die je auf dieser Erde herum- trotteten. m Für die preußische» Stautsdahne» sind, wie em Be- richterstatter schreibt und wir unter allem Vorbehalt mittheilen, folgende Aenderungen vorgesehen: Die vierte Wagenklasse, welche numerisch weitaus am stärksten besetzt ist, erhält bequeme Holz- bänke. Wagen dieser Klasse werden nur in Lokalzüge und in solche durchgehende Züge eingestellt, welche von der Arbeiter- und Landbevölkerung erfahrungsgemäß viel benutzt werden. Freigepäck fällt ganz weg. Dafür erhält die dritte Klasse Leder- hezüge, wie man sie bereits in der zweiten Klasse der französi- schen Eisenbahnen hat. Der Äepäcktarif wird wesentlich heruntergesetzt. Pro Kilometer werden 5, 4, 3 und 2 Pfennige Pcrsonengeld erhoben; bei den Schnellzügen tritt ein Aufschlag von 25 pCt. ein. � � Tischlerleim... als Genußmittel. DaS„B. T." schreibt: Die bei Nahrungs- und Genußmitteln aller Art oft- malS aufgedeckten und erwiesenen Fälschungen haben in vielen Fällen die Gefahren für Leben und Gesundheit der Menschen zur Evidenz dargethan und bewiesen, daß meistens der krasseste Egoismus und schnöde Gewinnsucht das unlautere Motiv solcher Handlungen ist. Es dürfte daher von Interesse sein, auf eine Thatsache hinzuweisen, die wohl einer ernstlichen Er- wägung werlh erscheint, um so mehr, als es sich bei derselben ganz besonders um das Wohl und Wehe derKindcrwelt handelt und dem Einsender dieses das unten bezeichnete Verfahren als zum mindesten widerlich und unappetitlich bezeichnet wurde. DaS unter dem Namen„dressirtes Schaumkonfekt" zur Zierde des Weihnachtsbaums dienende Produkt der Zuckcrwaaren resp. Konfitüren-Fabriken, welches durch seine mannigfaltigen Formen und Farben Groß und Klein erfreut, letzteren aber ganz besonders als Näscherei dient und früher ausschließlich aus Zucker und Eiweiß bestand, wird gegenwärtig in Geschäften zweifelhaften Rufes aus einer wässerigen Lösung des braunen Tischlerleims in Verbindung mit Zucker und etwas Alaun hergestellt. Da der Leim ohnehin ein unreines Produkt thierischer Abfallstosse ist und die Lösung desselben, wie sie zur Fabrikation des obigen Artikels benutzt wird, nach kurzer Zeit einen kloakcnartigen Ge- ruch verbreitet, so liegt die Vermuthung nahe, daß solche zwar ein sehr billiges, aber immerhin unappetitliches Surrogat für Eiweiß oder Gelatine ist, und erscheint es zum Mindesten bedenklich, wenn nicht gar sträflich, ein derartiges Produkt, wel- ches außerdem als„Leimglasur" zu den verschiedenartigsten Zuckerwaaren behufs Dekoration derselben Verwendung findet, zur Herstellung solcher Erzeugnisse zu verwenden, die ins Bereich der Genußmittel gehören und als deren Konsumenten fast aus- schließlich Kinder zu bezeichnen sind. Der Mohltstättokeitsstn» der KerUuer hat sich in einem speziellen Falle soeben wieder einmal glänzend bewährt. Im Hause Wrangelstr. 9 wohnt der Tischler Ludwig mit seiner Frau und sechs Kindern, von denen das älteste 11 Jahr, das jüngste 7 Monate alt ist. Die Familie war im Hause nichlS weniger als beliebt. Der Mann ist Mitglied der apostolischen Gemeinde und von dieser zum Missionar ausgebildet worden. Ihre Frömmigkeit legte die Familie besonders da- durch an den Tag, daß allabendlich viele Stunden lang geistliche Lieder gesungen wurden. Die Nachbaren waren über den monotonen Gesang durchaus nicht erbaut, und wenn derselbe gar kein Ende nehmen wollte, dann gab es oft eine Szene, die Nachbarn geboten energisch Ruhe, d-e Familie kehrte sich aber nicht daran und sang weiter. Die ärgerliche Stimmung schlug aber sofort in tiefes Mitgefühl um, als die Familie des Tischlers am letzten Sonnabend von einem schweren rschicksalsschlage heimgesucht wurde. Die Frau hatte am Vor- mtttage die Markthalle besucht und stattete darauf ihrer Schwester einen Besuch ab. Dort wurde ihr plötzlich unwohl, sie begab sich schleunigst nach Hause, aber kaum in ihrer Wohnung angelangt, fiel sie todt zu Boden. Ein Herzschlag hatte ihrem Leben ein jähes Ende gemacht. Herzzerreißend war die Leiche der kurz der Jammer der Kinder, als sie um . vorher noch lebensfrohen Mutter standen, der Vater aber war in heller Verzweiflung, hatte er doch keinen Pfennig Geld, um die Leiche unter die Erde zu bringen. Doch die Hausgenossen schafften Hilfe in der Noch. Während einige der Nachbarinnen das Nöthigste in der Wirthschaft des Tischlers und in der Pflege seiner Kinder besorgten, stellte sich die Vize- wirthin deS Hauses, Frau Hamann, an die Spitze einer Samm- lung. Mit der Sammellifle in der Hand ging es Trepp' auf, Trepp' ab, von Thür zu Thür, dann in die Nachbarhäuflr. Obwohl alle die braven Leute im Hause und in der Nachbar- schaft ihr Brot schwer und sauer verdienen müssen, so schloß sich dennoch Niemand aus; Jeder gab sein Schärflein und am nächsten Tage konnten dem armen Tischler ca. 60 M. zur Beerdigung übermittelt werden. Und dabei sagt man, daß die Berliner hartherzig und roh sind. Eine perfo», die sich aus purer Neugier die Nase ab- quetschen ließ, wurde Dienstag Abend zur ärztlichen Bchand- lung in eine Sanilätswache des Nordviertcls unserer Stadt überführt. Die 18jährige Anna K. war seit etwa einem halben Jahre bei einem Schlächtermeister in der Oranienburger Vor- stadt als Kindermädchen im Dienst und die junge Person hatte schon mehrfach durch unberufene Neugier Äergerniß hei ihrer Herrschaft und dem anderen Dienstpersonal erregt. Am Dienstag Nachmittag war es zwischen dem Schlächtermeister und seiner Frau zu einer ehelichen Szene gekommen und die streitenden Gatten hatten sich in ihr Wohnzimmer zurückgezogen, um sich dort auszusprechen. Tie K., welche im Nebenzimmer anwesend, wollte nun die Auseinandersetzungen mit anhören und schlich sich zu der nur angelehnten Wohnstubenthür, um zu horchen. Das neugierige Mädchen wollte aber auch sehen, was drinnen vorging und steckte, sich dicht an die Thürspalte herandrückend, die Nase durch dieselbe. Der Schlächtermeister, welcher das Offenstehen der Thür, nicht aber die Horcherin ge- wahrte, machte die erstere schnell zu und sofort bewies ein lauter Wehruf von draußen die Anwesenheit einer Horcherin. Die Hartbestrafte— Fleisch und Haut ist von der Nase ge- rissen, der Nasenknochen arg beschädigt— wird ihre Neugier schwer büßen müssen, denn die K. mußte von der Sanitäts- wache aus ins Krankenhaus überführt werden. „Träume stnt» Schäume", sagt ein altes Sprichwort und so mag die Bestätigung eines Traumes nur als zufälliges Zusammentreffen von Umständen aufgefaßt werden, deren traurige Folgen uns vom Herrn Fabrikanten K., Biesenthalcr- straße 21, mitgetheilt werden, in dessen Werkstatt sich die Bc- gebenheit vor einigen Tagen zutrug. In einer Zuckersiederei auf dem Gesundbrunnen ist der 17jährige Lehrling Hermann K. angestellt, welcher am Montag Nachmittag mit dem Ab- kochen von Zucker beschäftigt war; hierbei gab der Knabe nicht genügend Obacht, der Inhalt des großen Kessels kockite über und ergoß sich über beide Füße des K., dieselben so furchtbar verbrühend, daß ihm die Haut in Fetzen von den Füßen herab- hing. Laut jammernd schleppte sich der junge Mensch, welcher zur Zeit allein in der Werkstatt anwesend war, bis auf den Hof und brach dort bewußtlos zu- fammen. Hausbewohner fanden bald darauf den Unglück- lichen und schafften ihn auf Anordnung des Arztes, welcher einen Nothverband anlegte, nach dem Lazaruskrankenhause. Am Dienstag ftüh erschien nun bei dem Prinzipal des K. eine Frau, die sich demselben als die in Brombcrg wohnende Mutter seines verunglückten Lehrlings vorstellte und bat, ihren Sohn sprechen zu dürfen. Mitleidig und schonend meinte Herr K., daß dies jetzt augenblicklich nicht möglich sei, da brach die Frau mit den Worten:„Mein Traum!" besinnungslos zusam- men; wieder ins Leben gerufen, erzählte nun Frau H., daß sie vor einigen Tagen geträumt habe, ihr Sohn fei verunglückt und sie habe denselben mit einem großen Verbände liegen sehen. DaS habe sie so beunruhigt, daß sie sich aufgemacht und nach Berlin gefahren sei, wo sie nun eine so traurige Bestätigung ihres Traumes erhallen. Nebrigens ist der Zustand des jungen Menschen nicht lebensgefährlich und dürfte derselbe schon in- nerhalb kurzer Zeit seinen Dienst wieder antreten können. Ei« uirlbewegtro Leben hat dieser Tage in Hcibel- berg seinen Abschluß gefunden. Der Name Theodor Böllcrt war vor etwa zwei Jahren neben dem des Dänen Hansen in Berlin sehr bekannt und in Aller Munde. Die hypnotischen Seancen, welche beide hier öffentlich veranstalteten, erregten Sensation. Es entstand ein Aufruhr der Gcmüihcr, ein Zwie- spalt zwischen Vernunft und dem Glauben an übersinnliche Kräfte, welcher, in alle Familien hineingetragen, in allen Ge- sellschaften, Vereinen und öffentlichen Lokalen, zu lebhaften Dis- kussioncn Anlaß gab. Heute denkt man über das gcheimniß- volle Wesen des Hyvnotismus viel kühler und ruhiger, da man weiß, daß er im Grunde genommen nur eine krankhafte Er- scheinung eines kranken Nervensystems ist. Damals aber stand Böllert im Zenithe feines eigenartigen Ruhmes, obwohl man ihm nachsagte, daß er zum Gelingen seiner hypnotischen Erperimente sich auch sogar schwindelhaster Trics bediente. Böllert war, wie die„National- Zeitung" schreibt, ein ge- borener Berliner, man sagt, der Sohn eines hiesigen A>chi- tekten. Er hatte Musik studirt, war als Harfenvirtuose aufge- treten, hatte sich auch als Schauspieler und Thcnterdirektor an verschiedenen Bühnen versucht, bis er den Dänen Hansen kennen lernte und durch diesen auf neue Wege geleitet wurde. Er machte sich auch zum Adepten des Hypnotismus. hielt Wandcrvorträge und veranstaltete, wie sein Lehrer und Meister, mit vielem Gluck hypnotische Vorstellungen, welche, wie bekannt, eine Zeit lang außerordentlich besucht waren, trotzdcm sie von den Aerzten als gesundheitsgefährlichcr Unfug bekämnft wurden. Als später die Veranstallung öffentlicher bypnotischer Expcri- mente im Interesse der Gesundheit und Sicherheit polizeilich verboten wurde, verschwand Böllert von der Äildfläche und man hat nachher nichts mehr von ihm gehört. Vielleicht erging es ihm wie dem Goclhe'schen Zauberlehrling, die er rief, die Geister, wurd' er nicht mehr los. Wenigstens ist dies aus der Fassung einer kargen Notiz zu entnehmen, welche besagt, daß Böllert in der vergangeren Wiche in einer Heilanstalt zu Heidel- berg nach langen Leiden genorben ist. Einer testamentarischen Bestimmung gemäß wird Böllert in Gotha durch Feuer be- stattet werden. Mann kostet die Dreierfchrippe einen Sechser? Also lautet eine bekannte Scherzfrage, welche in allen alten sogenannten„Witzbüchern" einen ständigen Platz behauptet. An diese Frage wird man unwillkürlich erinnert, wenn man die Ankündigung eines biederen Bäckermeisters in der R— straße liest, die da besagt:„Von heute ab verkaufe ich das 50 Pfennig- Brot für 45 Pfennig."— Sonderbarer Schwärmer! Dotizeibericht. Am 26. ds. Mts. Mittags wurde der 4jährige Knabe Wilhelm Warnest vor dem Hause Neue Grün- straße Nr. 15 von einer Droschke überfahren und derartig am Kopfe verletzt, daß er nach der Universitätsklinik gebracht wer- den mußte.— In der Nacht zum 27. d. M. wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Zehdenickerstraße erhängt voiaefun- den. Lebensüberdruß scheint die Veranlassung zum Selbstmord gewesen zu sein.— Am 27. d. M. Morgens stürzte die Wutwe Grundmann im Hause Prinzenstraße 19, als sie sich beim Bc- iteigen der Treppe im 4. Stock gegen das Geländer lehnte, mit nescm zusammen in das 3. Stockwerk hinab und brach dabei das Schienbein.— Vor dem Hause Landsbergerstraße Nr. 85 wurde an demselben Tage Vormittags der 9jährigc Knabe Heinrich Jost von einem Schlächterwagen überfahren und er- litt anscheinend schwere innerliche Verletzungen, so daß er nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain gebracht wer- den mußte.— Zu derselben Zeit gerieth in dem Depot IV der berittenen Schutzmannschaft. Skalitzerstraße Nr. 9, der Stallmann Euter beim Häckselschneidcn mit der linken Hand unter die Messer der Häcksel- Maschine, so daß ihm der dritte Finger fast ganz durchschnitten wurde.— Nachmittags wurde ein obdachloser Mabsspfl vor dem Hause Louisenufer 11 durch einen Schtachterw � überfahren und anscheinend innerlich verletzt, so daß» der Charitee gebracht werden mußte.— Der Kaufmann versuchte zu derselben Zeit vor dem Hause Mänzstr. 3 eia der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen zu besteigen. g>>. bei aus und gerielh mit der linken Hand unter dre �1, daß er anscheinend eine schwere Versitzung erlitt.— A9•„ Kaischer Johannes Scholz NackmiltagS mit einem wu. Pferden bespannten und mit Brettern beladenen Wazm den Holzplatz Grcifswalderstraße 62 63 fuhr, wurde c dem Wagen gegen einen Stapel Bretter gedruckt tWo dabei so schwere Quetschungen, daß er nach dem lla°> � Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mub• Am 28. d. M. Morgens erschoß sich im Humboldtham, DirektionSgebäude, ein etwa 50 Jahre alter, unbekannlcr � Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschasst.-7 7 d. M. fanden Landsbergerstr. 40 und in der Nacht z- d. Mts. Schwedterflr. 248 kleinere Brände stait, welch der Feuerwehr gelöscht wurden. Gerilk;ks-Z!eiUtNg> Die N-rurtheilung der„Kölnischen Zcitang Berlin ist auch in « in 1IIIIY0 vtV«f mnrbffl' zweiter Instanz aufrecht erhalten Wie seiner Zeit mitgetheilt worden, wurde der J"' 1,5 Redakteur der„Köln. Ztg.", Rudolf Wilhelm Fau't.v 94. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts für die Aul � des Inserats von Dr. Bocks Pectorale auf Gwn � Berliner Polizei� Verordnung vom 30. Juni l83< Strafe verurtheilt. Gegen dieses in der bisherigen„ � sprcchung einzig dastehende Erkenntniß hat der � selbstverständlich Berufung eingelegt, und stand dessen zu gestern zur nochmaligen Verhandlung dw>7 l Termin vor der Strafkammer Vln des Berliner Landge an. Wie in erster Instanz erhob der Vertheidiger anwalt Dr. Werner zunächst den Einwand ber � zuständigkeit der Berliner Gerichte, w> ,� Ort der That nur der des Erscheinens der Druckschnll � könne und weil auch der Wohnsitz des Angeklagten w».� Köln sei. In sachlicherBezichung müsse man aber ebenfalls z-, freisprechenden Urtheile gelangen, weil die öffentliche 77� sung des Heilmittels doch nur in der Verbreitung � das Inserat enthaltenden Blattes gefunden werden kon» Verbreitung aber gar nicht von dem Redakteur ausgebe,. Thäligkeit mit der Zeichnung der betreffenden Nummer en � sei, sondern durch den V e r l e g e r resp. durch die P 0 ll � Zu welchen Zuständen würde man gelangen, wenn 0�7 ersten Richter ausgesprochenen Prinzip Geltung rj1 würde. Unter Andern müßten dann die in Preuven. � breiteten sächsischen Tagcsblätter, welche die Listen der 0 � Lotterie veröffentlichen, hier bestraft werden. Er beantrag � sprechung seines Mandanten. Der Staatsanwalt plan" ~ t mrlaie, Verwerfun G e r i ch t s h 0 der Berufung, auf auch nach Ii stündiger w c t Beratb vou« uflfl erkannte. Er erachtet die That in jedcm Orte aoü � wohin das Blatt mit dem Willen des Inserenten g A.r» Mithin sei die That in Berlin begangen, also auch, jii ........." folge auch die©traft»««11 Verhäng lincr Gericht zuständig. Daraus folge auch Redakteurs. � Ein trübes Familienbild wurde in einer � vor Augen geführt, die gestern vor der 93. AblhfM»!(jj Schöffengerichts stattfand. Auf der Anklagebank bei« � der 17 jahrige Töpfcrlehrling Hermann T c>1 n i er k e' cher beschuldigt war, seine sechsjährige Schwester Clara holt in barbanschcr Weise mißhandelt zu haben. D« des Angeklagten starb vor etwa Jahresfrist, seine kärÄ. stm-b.-r!? yWntt-r rmi6ti> fmih nach dem Tode ihres storbcne Mutter mußte bald nach dem Tode wegen Diebstahls ins Gefängniß wandern. Nun lag für feine drei jüngeren Geschwister lediglich aus«n � lern des Angeklagten und wie der Vorsitzende fcstst« derselbe sich auch redlich bemüht, sie durch seiner Häiid« vor Roth und Mangel zu schützen. Nachbarn machten die darauf aufmerksam, daß die 6jährige Klara Tennigkeit, dissi, jz der Schwestern des Angeklagten, von dem letzteren b«! unmenschlicher Weise gezüchtigt werde, das Kind wurde sucht und Ihaljächlich mit blutunterlaufenen Strieme» � Beulen bedeckt gefunden. Sie wie ihre Schwestern st« dem Tode der Mutter ins Waisenhaus gebracht worden-�, Angeklagte gab zu, das Kind wiederholt mittelst eincS riemenS oder eines Strickes derb gezüchtigt zu Hadem nur, wenn es seinem Hange zum Diebstahl gefolgt K»,(j; Neigung, die er Angesichts des Aufenthalts seiner M« um so verderblicher und sckiwer zu bekämpfen halten., Er mochte hierbei das zulässige Maß aber wohl überl9,� haben. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Ange» drei Wochen Gefängniß, der Gerichtshof erkann nur auf 15 Mark Geldstrafe. j,, ls! B Drr Kuufniiniu Josrph Frruhols, welcher g«' � 87. Abtheilung des Scköffenperichts aus der Untersuch«9� vorgeführt wurde, ist sehr srät von der Nemesis ereilt m»1 Die ihm zur Last gelegten Strafthaten, Beirug und«„A» Betrug, sind bereits vor ackt Jahren begangen. Dant«« ,it der Angeklagte hier eine Stellung als HandlungSkoMM�jlt und wohnte bei einer Wittwe, welche zwei hubfetA f befaß. Um sich. den Damen gegenüber als wohlha«» K' zeigen, machte er ihnen je eine kostbare Sammctrobc schenk, den Stoff dazu entnahm er von der Konfekt'«* Lrssauer, indem er sich durch falsche Angaben über sc>«�� sönlichkeit Kredit zu verschaffen wußte. Die Handlung mJ* ist durch ihn um 176 M. geschädigt worden. Am Ve'M* war der Angeklagte verduftet und haben die hinter lassenen Steckbriefe erst jetzt ihre Schuldigkeit gethav- in Hamburg ermittelt und hierher tranSportirt wo> d«' sonst unbescholtene Angeklagte soll die Jugendthorhcit m» Gefängnißstrafe von vier Wochen büßen. n)i� Ei» eigenthumliche» Derfakren, mit Kundin«» � zugehen, scheint der Zahntechniker Carl Quandt zur � j(( dung zu bringen, welcher gestern wegen Mißhandlung st � 91. Äbtheilung des Schöffengerichts stand. Als Bcla«jhst zeugin trat ein Fräulein Sahlmann gegen ihn auf, Erlebnisse in dem Zahnatelier, welchem der Angel Geschäftsführer vorstand, folgendermaßen schilderte: AN Maitage d. I. sei sie zu dem Angeklagten gekommen,» reparirteS Gebiß wieder abzuholen. Dasselbe habe trotz K jf» Holter Versuche nicht passen wollen und schließlich tznbe> Verdacht auegesprochen, daß die Zähne vertauscht ward« � Hierüber sei der Angeklagte sehr böse«fst)» und habe sie aufgefordert, noch einmal tg nehmen, um noch einen Versuch zu mach«, �9 Gebrß in eine passende Lage zu bringen. Ahnungslos.. zs der Aufforderung gefolgt, kaum habe sie aber gesessen, Angeklagte ihr ein Paar Ohrfeigen versetzte, oie auß« sich kräftiger Natur gewesen sein müssen, denn nach 0« �p» lichen Attest hat die Geschlagene eine dicke Wange und»» blaue Flecke gehabt. Die Mißhandelte stürzte hrnauS zur Polizei. Der Angeklagte behauptete dagegen, drc � j» müsse an Hallucinationen leiden, er habe gar nicht da dacht, sie zu schlagen. Allerdings habe er den erwähn' dacht energisch zurückgewiesen und hierüber sei die 0«-�' erregt geworden, daß sie sich schleunigst � Ä? dabei müsse sie mit dem Gesicht gegen eine offen steh«,�# gelaufen sein. Es trat aber noch eine zweite Zeugin fr ähnliche Proben von der Schlagfcrtigkeit des Angesia�$ halten hatte. Da dieser Fall bereits zwei Jahre zurück L Z! Tlrafantrag nicht gestellt war, so diente er nur dazu, die u.bwurdiflkeit der Vorzeugin zu bekräftigen. Die letzte «OT, ein Fräulein Walther, bekundete, daß sie damals, an- N durch ein Schild, welches„schmerzloses" Ausziehen von »rot versprach, des Atelier des Angeklagten bciucht habe, a ,")l0n einem kranken Zahn befreit zu werden. Der »Metinn«.• c. or\„r..X.- a.- einem kraulen Zahn befreit zu weroen. �abe verschiedene vergebliche versuche gemacht, r kie Höllenpein ausstand und al!) sie schließlich durch uwke Drücken mit dem Kopf gegen die Stuhllehne die- z. Zerbrach, erhielt sie unter Schimpfworten von dem hinter Sfc iÄ Angeklagten ein�paar gewalUge O�fe,gen� ihr d�s Angeklagten� ein paar fo gewamge �Ndlunn-�er aus den Augen spritzte". Diese Anoeksnni. n. schleunigst»um Atelier hinausgejagt. können nwllte hch dieses Vorfalles nicht mehr ent- Der Gerichtshof schenkte� den Zeuginnen <,ci vyciiuusdjui nvtii««»"V tn»jen nnd nur mit Rücknckit darauf, daß d,e zuerst Ver- .,�Nkne ihn in seiner GcschäftSehre beleidigt haNe, wurde dieses Falles auf eine Geldstrafe von nur 10 M. oder M Gesängniß erkannt. Tozirrle Aeberfrrkrk. d.,�nfruf an fämmtliche Möbelpolirer, Tischler, «ni� n' Äutmacher, Uergolder etc. Kollegen! Die ton k Arbeitern Berlins gewählte Kommission zur Beseiti- nÄ denaturirten Spiritus ist mir ihren Arbeiten so weit kr sr"/t. � nunmehr die Petition an den Deutschen Reichstag �N'hnlung.gelangen kann. Mit vieler Mühe ist es uns .- 7...hierher zu gelangen, nun liegt es an Euch, Eure w zu thun, nämlich dafür zu sorgen, daß die Petition M vielen""' � � �............ bedeckt' wird. dj P.?/ vlkin die Arbeiter der obengenannten Gewcrke haben !?ler d�°" iu unterschreiben, sondern auch alle anderen Ar- iiisn �°»'ch'-densten Gewerke sind mehr oder weniger an &bIirWere e%'I'ß*' und wo diese nicht persönlich unter den kin, T*! Einflüssen dieses vergifteten SpiritilS zu leiden ?uich, daß sie denielbeu verarbeiten, da mögen sie in Ärb-I»� r n,.d.vß in allen Familien und ganz besonders in � Eem, l wo Spiritus zu Heiz- oder Kochzwecken fad« x un8 gelangt, man stets den billigen Spiritus ver- oenn mn Infi In»? 5)Irfi»it»r hnÄ ßi»lh bernebmen. um Spiritus das Liter mit 1,20 M. und 1,50 M. zu �Mistich ist es, wenn nun der Arbeiter den billigen SiiJ«"' und doch gerade dieser enthält derartig schäd- '' Seh» welche mit einen Theil dazu beitragen, daß üh 5>ungcn Kindes schon in der Wiege dem Siech- �cllk �utwortet wird. Hier ist einmal wieder eine wunde 'Hilf/ wo gerade die Regierung ihre Pflicht nicht versäumen HrnnEf9*"; Arbeiter! In großartigen öffentlichen Aus- S?1 r061!,1�' man es, dem Arbeiter vor Augen zu führen, �»ndh,?uht ist, das Wohl des Arbeiters zu fördern, die ?«» di.s.»reiben zu sichern, und hier sieht man, wie gerade s»?te sogar die Arbeitsmittel vergiftet werden, ohne «ttei �Vdürfniß vorliegt. Nur„Geld, Geld" rufen die bid»,,"&ier ist es" rufen die Vertreter des Landes, ohne �>1»l. u Und ohne sich zu fragen, haben wir auch ein Recht . h2ne Weiteres nur Ja zu sagen? V Arbeiter, erinnern wir die Vertreter des Volks � Sn* B uicht hingesandt werden, um lediglich nur zu stiter vi mit dem Kopfe zu nicken, sondern daß sie stets in "" i«Q 16 i>as Wohl des Landes, das Wohl der Bevölkerung Uj) Je iu behalten haben und hierzu gehört doch jedenfalls „'im* besonders die Gesundheit des arbeitenden Volkes. »hrs�u?kf- Arbeiter, betheiligt Euch recht zahlreich daran, hi hosten für die Petition zu sammeln. PetitionSlisten sind Gustav Reuter, Gr. Frankfurterstraße 128, Emil �bert'�ubenerstraße 61, Gustav Milbrodt, Adalbertstr. S4, Hi, <°er, Fliederstrabe 6, Karl Kurth, Schönhauser Allee p».Mtz Zubeil, Waldemarstr. 73, ,lnd Robert Berger, �Utlcrftr. 95. «1� wtzterem werden auch freiwillige Beiträge entgegenge- ( Öctfaututlmtitcn. der Metalljchrauben-« Facondreher und Kerlin». Eine außerordentliche General- ? fand am Sonntag, den 25. d. M., Vormittags, j�iie Füllers Salon, Alte Jakobstraße, statt. Der Vor- l'�Sorh rr Voigt eröffnete dieselbe um 114 Ühr. Auf der stand: 1. Bericht über die beschlossene und nicht 's. q vfstntliche Versammlung. 2 Ersatzwahl des Vor- '>in...! Verschiedenes. Bevor in die Tagesordnung ein- rm ii, Im' erhielt der Schriftführer Kollege Koopmann das »nd Lesung des Protokolls der letzten Generalversamm- Nnkl» wurde dasselbe einstimmig angenommen. Zum eisten � Tagesordnung nimmt der Vorsitzende das Wort. iünn nochmals aus, daß s. Z. eine öffentliche Ver- zur Regelung der Uebcrstuudenarbeit bei der ..».'jwMens und Halske habe einberufen werden sollen. llto.V'r?' geschehen, da die resp. Vorstandsmitglieder, welche il% Justung des Satzes aus dem Minimal-Lohntarif betr. », l>li>» i bei Ueberstundenarbeit, nicht auf die übrigen miz. I'enden Kollegen hätten rechnen können. Wohl w' auch die Uneinigkeit der Arbeiter deutlicher zu S? es i Jl' wie gerade in dieser Fabrik. Und trotzdem, l-'Uenh. Eventualitäten gekommen wäre, würden die nach- K L*"«folgen nur auf die VereinSmitglieder zurückgefallen Jj�de J"©teflung auch jetzt noch ohnehin gefährdet sei. �iv ec�elt worden sein, so würde sich nur der Ver- msgl haben. Deshalb sei die Einberufung unter- .Jm Uebrigen erklärte Redner noch, daß der Vorstand ?'•'n kiner öffentlichen Versammlung die Er- Si$etfi• Verhalten abzugeben, sondern sei hierüber nur �.�Mitgliedern in einer Versammlung des Vereins Rt schuldig. Zu diesem Zweck sei die heutige außer- 'in, Generalversammlung auch eines Thcils nur ein- L Hollen und fei dieselbe hiennit gegeben. iÄ Nicki«» tobernack erklärt, daß die letzte öffentliche Versamm- 'i Ve0°"über beschließen sollte, ob die Firma S. u. H. !»!s Nirf,, l'g herangezogen werden solle oder nicht, sondern sei, betreffende Firma überhaupt außer Acht i.�tllnh. Vm übrigen kritisirt R»>>�»? r,»« Vei-bnlten des iSfci V"d bemerkt, daß iedner das Verhalten der Verein nicht mehr des den hjjVr o,!s? v er e r n" fuhren rönne, oa oerieroe, wir ». a ver Vorstand in CV"T vv«».v%»v--- » achverein" führen könne, da derselbe, wie ' c'scbe Fahrw hicdene Rr ... llt letzteres WW ins Slin,"s.arr Vorstand in gewerkschaftlicher Beziehung voll w.? ne Schuldigkeit gethan habe. Die Politik sei in .«üi�ndiin�w gänzlich ausgeschlossen. Kollege Jacobs billigt jwg�wcise des Vorstandes und fordert die Anwesen- Uf' alz" diesem Punkt jetzt Abstand zu nehmen und den- Rnb 9**U betrachten. Diesem wird auch Folge gc- i!i..»cja>>. aclonai» man ko»um»weiten Punkt der grlängte man so zum zweiten Punkt iL 6? wng. Als 1. Vorsitzender wurde Kollege Jacobs Kl 20 Stimmen gewählt. Die Verkündigung 20 Stimmen gewählt. "Uql.„ 5 wurde mit lebhaftem Bravo aufgenommm. 'Ne Vorsitzenden wurde Kollege Slabernack mit �wlorität gewählt, als Beisitzer Kollege Ratzel mit 37 und als Revisor einstimmig Kollege Jörn. Zum dritten Punkt fordert Kollege Thate nochmals auf, die Lohnlisten rechtzeitig abzuliefern, damit der Fachkommission Material zur Verarbeitung behuss Kontrole über Jnnehaltung des Minimal- lohntarifes gegeben werde. Der Rendant des Vereins, Kollege Rothwald, macht noch aufmerksam, daß noch BilletS- 50 Pf. zum Besuch der Ausstellung für Unfallverhütung zuhaben seien. Da hiermit die Tagesordnung erledigt ist, ersucht der Vorsitzende die neugewählten Vorstandsmitglieder ihre Plätze einzunehmen. Hierauf schließt der Vorsitzende, Kollege Jacobs, die Versamm- lung um 2 Uhr Nachmittags. Die allgemeine Stuhlarbeiteruereinignng war am Montag Abend Weberstr. 17 unter dem Vorsitz des Herrn Lehmann versammelt, um sich vornehmlich mit einer Einrichtung zu beschäftigen, die von den Wedergesellen seit lange als ein Mißstand empfunden wird. Wie nicht allgemein bekannt sein dürfte, ist eS bei den Webern von Alters her Brauch, daß die Meister den Gesellen von dem von dem Fabrikanten bezogenen Lohn zwei Drittel zahlen. Zu diesem Lohne hat sich nun— infolge einer Bewegung der hiesigen Stuhlarbeiterinnungen— im Jahre 1886 noch eine besondere Entschädigung von 4 bis 8 pCt. gesellt, die theils von dem Meister ganz in die eigene Tasche gesteckt, theils zur Bezahlung der Neben- arbeiten an den Gesellen verwendet, theils auch als Lohn verrechnet wird. Daß dies letztere nun nicht überall und stets geschieht, ist für die aufgeweckteren Ge- scllen ein Grund, mit den Meistern in beständiger Fehde zu leben und auf Einrechnung der Prozente in den Lohn zu dringen. Dieses Bestreben scheint nicht unberechtigt zu sein, da nach Angabe der Gesellen die Prozente zum Lohn gehören, was daraus hervorgehe, daß fast überall, wo Prozente gezahlt werden, der Lohn im Betrage derselben geringer sei als da, wo keine Prozente verabfolgt werden— von einigen Ausnahmen allerdings abgesehen. Die Meister hingegen bestreiten den Gesellen ein Anrecht auf die Prozente, indem sie besonders hervorheben, daß mit der größeren Bcwerthung der weiblichen Arbeitskraft in den letzten Jahren ihre Ausgaben für Vorarbeiten größere geworden seien. Alles, was sie daher von den Prozenten an die Gesellen abgeben könnten, sei die Bezahlung der Reben- arbeiten. Diese Leistung ist auch, wie ein anwesender Meister ausführte, in den Innungen beschlossen worden, und Sache der Gesellen sei es nun, die Bezahlung der Nebenarbeiten energisch zu verlangen.— Nach der sehr langm Debatte, welche sich in diesen Bahnen bewegte, wurde eine Siebenerkommission gewählt, die den Versuch machen soll, ein für die Gesellen günstigeres Verhältniß herbeizuführen und die deshalb mit den Jnnungsvorständen in Verbindung zu treten hat.— Im weiteren wurde der Lohnkommission daraus ein Vorwurf ge- macht, daß sie von der diesjährigen Bewegung noch keine Ab- rcchnung gegeben hat. Der Vertreter der Kommission erklärte diese Verzögerung durch den Umstand, daß noch eine Reihe Sammel- listen ausständen. Es wurde ihm jedoch bedeutet, daß man auf die noch ausstehenden Listen nicht warten könne und er ver- pflichtet sei, baldigst eine Versammlung einzuberufen, in wel- cher die Inhaber der dann elwa noch fehlenden Listen öffentlich genannt werden müßten. Hierauf besprach die Versammlung eine Klage des Meisters Mafsuthe, Große Frankfurter-Straße, gegen den Gesellen Labe, welch' letzterer zwar ohne zu kün- digen, aber erst nach Verarbeitung des im Stuhl befindlichen Materials die Arbeit verlassen hat und deshalb von Herrn Mafsuthe zur Zahlung einer täglichen Entschädigung von 2 M. für die Dauer der Kündigungsfrist verklagt worden ist. Dieser Fall erregte um so mehr das Befremden der Versammlung, als bei den Webern in der Regel das Arbeitsverhältniß mit dem Verbrauch des Materials als beendigt angesehen wird. Man ist daher auf den Ausfall der Klage sehr gespannt. Als künftiges Versammlungslokal werden die Räume des Herrn Bobert, Weinstraße 11, bestimmt.— DaS diesjährige Stiftungsfest wird am 14. September im Etablissement des Herrn Paster, Reue Königstraße 7, abgehalten werden. BilletS dazu sind bei folgenden Herren zu haben: Petzold, Weber- straße 23; Bartsch, Waßmannstraße 18; Hedwiger, FriedrichS- feldcrstraße 27; Lehmann, Greifswalderstraße 7; Bader, Große Frankfurterstr. 34. Der Derein der Majchinen-«nd Handarbelterinne« hielt am Dienstag Abend eine, leider schwach besuchte Versamm- lung in Scheffer's Lokal, Jnselstr. 10, ab. Räch Verlesung und anstandsloser Genehmigung des Protokolls der letzten Ver- sammlung erhielt Fräulein Hoffmann das Wort zum Referat über„Die Lage der Plätterinnen". Es würden, so führte Rednerin aus, von geübten Arbeiterinnen noch Wochenlöhne von 12—15 M. erzielt. Allerdings seien dies nicht Wochen- löhne zu nennen, denn, um dieses Geld zu verdienen, müßten die Arbeiterinnen täglich 16—13 Stunden arbeiten. Würden sie den lOstündigen Arbeitstag einhatten, so würden sie nicht viel mehr verdienen, als eben Ausgelernte. Die Lage dieser sei überaus traurige. Diese müßten oft mit einem Verdienst von 4—5 M. nach Hause gehen; denn für jeden kleinen Fehler fänden enorme Abzüge statt. Die tüchtigen Arbeiterinnen müßten die Fehler ausbessern: diesen würde dann das Dutzend angeschrieben, während die Ausgelernten nichts für die fehler- hafte Arbeit erhielten und leer ausgingen. Die Arbeiterin, die sich hierüber beklagen würde, würbe sofort entlassen, verlöre ihre Ansprüche an die Krankenkasse(für Wäschefabrikation) und sei sicher, in anderen Fabriken keine Arbeit mehr zu sin- den. Auch die Lage der Plätterinnen für alte Wäsche sei denkbar traurig. Für ein Dutzend Oberhemden würden 80 Pf. bezahlt, für Kragen 5v Pf., für Manschetten 30 Pf., für ein Shawl Gardinen 15—20 Pf.; letztere Arbeit nehme 2 Stun- den in Anspruch, ebenso wie bei einem Dutzend Stulpen. Außerdem sei die Arbeitszeit sehr unregelmäßig. Anfangs der Woche sei nichts zu thun, am Sonnabend werde um 7 Uhr angefangen und ohne Unterbrechung bis Sonntag Nachmittag um 3 Uhr durchgearbeitet. Hier könne nur eine gute Organi- sation helfen: man möge sich dem Verein anschließen. In der Diskussion besprach Frau Gubela eine Fabrikordnuna. Bei Wolf u. Glaserfeld(Zehdenickerstraße) müßten sich die Arbeite- rinnen aus 1 Jahr verdingen, verlassen sie die Fabrik vor Ab- lauf dieser Zeit, so werde ein Vermerk ins Arbeitsbuch gemacht: „Unordnungsmäßig entlassen."(Ungesetzlich. D. Red!) Auch sie tritt für eine stramme Organisation ein. Es wurde schließlich beschloffen, eine öffentliche Versammlung sür Plätte- rinnen in Kürze einzuberufen, in der an der Hand von reich- haltigererem Material die Laße nochmals besprochen werden soll. Zur Einleitung der nöthigm Schritte, umfassender Agi- tation u. s. w. wurde eine Kommission, Frl. Hoffmann, Frl. Vehr und Frau Scherzer, gewählt. Hierauf erfolgte Schluß der Versammlung. Groß- öffentliche Schneider- Deelamnrlung. Die am Dienstag Abend 8tz Uhr in Gratweii's Bierhallen tagende Versammlung hatte den oberen Saal des genannten Etablisse- ments bis auf den letzten Platz dicht gefüllt. Nachdem zunächst auf Anregung des einstimmig zum Vorsitzenden gewählten Herrn Pfeiffer die Versammlung sich zum Andenken an den in diesen Tagen zu feiernden fünfundzwanzigjährigen Ge- dächtnißtag des Todes Ferdinand Laffalle'S von ben Sitzen erhoben, nahm zum ersten Punkt der Tagesordnung:„Die Forderung der Berliner Schneider im künf- tigen Lohnkampf unter besonderer Berück- sichtigung der Hausin du st rie", Herr Schneider A. T ä t e r o w das Wort. Er schilderte in einstündigem, reich mit Beifall belohntem Vortrage in der ihm eigenen klaren und eindringlichen Weise den Niedergang des Kleinhand- Werks und in Verbindung damit die Verwüstungen der HauS- industrie. Er gab einen kurzen gefchichtlichm Rückblick auf die Schnciderzunft und kam sodann im Anschluß daran auf den Ossizier-Konsum-Verein zu sprechen, konstatirend, daß gerade diese Herren mit besonders niedrigen Löhnen in der Schneider- brauche produzirten. Die gesummte Hausindustrie ist nach A- sicht des Redners dem Untergange geweiht. Vortragender de- wies dies an durch Zahlen belegten Beispielen der Tuchindustrie zu Aachen und jener zu Glauchau-Meerane. Es sei eben eine unbarmherzige ökonomische Nothwendigkeit, daß durch die großen technischen Vervollkommnungen der Neuzeit der Klein- betrieb allmälig zu Grunde gehen müsse. Die Hausindustrie müsse, nach Ansicht des Redners, wie jede andere, unter gesctz- lichen Schutz gestellt werden. Redner kam sodann auf die schlechten Werkstätten, die Stückarbeit, den Vorläuker der Haus- rndustrie, und die lange Arbeitszeit, den, seiner Meinung nach wundesten Punkt im Schneidergewerbe, zu sprechen. Gerade im Schneidergewerbe mache das Kapital die besten Geschäfte. Man müsse eben die Beseitigung des ganzen Lohnsystems an- bahnen. In der nächsten Lohnbewegung, die jedenfalls kom- mendes Frühjahr zu erwarten sei, müsse im Allgemeinen 25 Prozent, für den HauSarbeiter indessen, der dem Unternehmer Arbeitsraum und vieles andere spare, 30—35 pCt. Lohnauf- schlag angebahnt werden.— Vorsitzender Pfeiffer macht darauf aufmerksam, daß seit dem Streik im Jahre 1872 die Löhne um 5—10, oft auch um 25—33'/, Prozent ae- fallen seien. Er will eine Mittheilung bezüglich der „Freien Vereinigung" der Schneider machen, wird indessen von dem überwachenden Polizeilieuterrant mit dem Bemerken unterbrochen, daß Vereinsangelegenheiten in einer öffentlichen Versammlung nicht besprochen werden dürfen.— Die sich an den Vortrag schließende Diskussion war außerordentlich animirt. Es nahmen daran u. A. Theil Herr S t e g e r, der sich gegen die„Plunderarbeit" wendet, Herr H e y m a n n, der allen Ernstes das Heilmittel der Zeit in der heiligen Zunft sieht und viele andere. Herr Fritz H e p k e stellt den folgenden Antrag; „Die in dem bevorstehenden letzten Vierteljahre 1889 abzuhal- tenden Versammlungen nur mit materiellen und nothwendigen Geschäfts- und Arbeiterfragen beschäftiaen zu wollen, damit die Organisation gestärkt und gefördert wird." Der Antrag findet einstimmige Annahme. Dasselbe auch ist der Fall mit der folgenden Resolution: „Die heute, den 27. August cr., tagende öffentliche Schneider-Versammlung erklärt sich mit den Ausfüh- rungen des Referenten voll und ganz einverstanden und erklärt, daß die Schneider moralisch verpflichtet sind, überall in Freundes- und Bekanntenkreisen dafür zu agitiren, in der nächsten Saison geschlossen in einen Lohnkampf einzutreten, aber schon jetzt verpflichtet sind, sich einer Organisation, besonders der„Freien Vereivi- aung der Schneider Berlins" anzuschließen, da dieselbe sich besonders die Aufgabe gestellt hat, durch Auf- klärung dahin zu wirken, daß die Schneider ge- schloffen in den Lohnkampf eintreten. Zugleich ver- pflichten sich sämmtliche Anwesenden, die erhöhten ein- heitlichen Löhne schon jetzt zur Durchführung zu bringen und alle etwaigen Maßregelungen dem heutigen Bureau zu melden." Nachdem noch Herr Sieger sür Vereinigung der beiden zur Zeit noch in Berlin bestehenden Schneider- Vereinigungen lebhaft gesprochen, Herr Pfeiffer dieselbe in Aussicht gestellt und Herr T ä t e r o w in seinem Schlußwort ausgeführt halte, daß die Aufgabe der Organisation hauptsächlich in der Auf- klärung bestehe, schloß mit einem Hoch auf die künftige Lohn- beweaung der Berliner Schneider die Versammlung. Der Fachvrrci» für Schtoffer hielt am Montag, den 26. ds. MlS., eine stark besuchte Versammlung ab. Der große Saal des„Königshof", Bülowstraße, war bis'auf den letzten Platz gefüllt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Wilh. Werner über:„Sozialreform und die Arbeiter". 2. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 3. Anträge. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Vor Eintutr in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende den Bescheid auf die vom Vorstand eingelegte Beschwerde gegen die Auflösung der Versammlung vom 12. August bei Heydrich'S. Die Bc- fchwerde wurde ebenfalls wieder zurückgewiesen, weil, nach denr Berichte des überwachenden Beamten, die Auflösung gerecht- fertigt war. Alsdann hielt Herr Werner einen sehr lehrreichen Vortrag über die Sozialreform der heutigen Machthaber. Zu Punkt 3„Anträge", wurde ein Antrag gestellt, binnen Kurzem ein Familien-Kränzchen zu veranstalten und ein Komitee dazu zu wählen. Der Vorstandjl hatte schon eigenmächtig ein solches in Angriff genommen, da es durch die Auflösungen der beiden letzten Versammlungen nicht möglich war, einen Der- sammlrnzsbeschluß darüber zu Stande zu bringen. Das Vorgehen des Vorstands wurde mit allen gegen eine Stimme gut- geheißen, und findet nun ein solches Sonntag, den 15. S p- tember bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, statt. Als Komiice wurde das zur Dampferpartie gewählte beibehalten. Brllcts 5 30 Pf. sind bei sämmtlichen VorstandSmitglicdcni schon jctzt zu haben. Unter„Verschiedenes" gelangte die Maßregelung der Kollegen Röder und S t r o p p in der E d. P u l S' scheu W e r k st a t t zur Sprache. Das Vorgehen und Benehmen des betreffenden Werksührer M ü n i a erhielt von allen Rednern die gebührende Würdigung. Ebenso wurde das Benehmen der übrigen daselbst beschäfligten Kollegen, besonders aber der Kolonnensührer, gegenüber den Gcmaßregeltcn sehr getadelt. Alsdann oelangte die von der Lokal- Kommission herausgegebene Liste derjenigen Wirthe, die ihre Lokalitäten den Arbeitern zu allen Zwecken und Versammlungen zur Verfügung stellen, zur Verlesung und wurde hieran zahl- reich die Mahnung geknüpft, nur bei diesen Wirthen zu ver- kehren. Im Anschluß hieran gelangte noch eine Resolution mit knapper Majorität zur Annahme, die besagte:„Daß das Bicr der Bergschloßbrauerei zu trinken vermieden werden soll und auf die Wirthe von Lokalen, wo meistens Arbeiter verkehren, hingewirkt werden soll, daß sie dies Bier abschaffen, bis die Säle der Bergschloßbraucrei den Arbeitern zu allen Versamm- lungen wieder geöffnet werden." Nachdem noch einige Redner für Anschluß an den Fachverein gesprochen und ein Fragesteller insofern befriedigt war, daß die nächste FachvereinSversamm- lung im Norden stattfinden soll, wurde die Versammlung ge- fchloffen. NO. Alle Kollegen, die noch im Besitz von B Uets zur Unfallverhütungs-Ausstelluna sind, werden ersucht, bis spätestens den 15. September BilletS oder den Betrag dafür an Kollege Warnccke, Breslauerstraße 13, einzusenden. Die Cirneraluerfammlnug vom 27. August er. des Verbandes deutscherZimmerleute, sämmt- liche Filialen Berlins, hat beschlossen, daß sämmtliche Lokal. Verbände oder Filialen Berlins von heute an, zu einem Lokal- Verband Berlin vereinigt sind. Der Vorstand ist bevollmäch- tigt, sofortige Abrechnung vorzunehmen und sämmtliche Bc- läge und Schriftenmaterialien einzufordern. Es ist beschloffen, daß alle vierzehn Tage eine Versammlung stattzufinden har und zwar hiervon allmonatlich eine im Zentrum der Stadt.— Alle diejenigen Mitglieder des Verbandes, welche Juli und August an Beiträgen rückständig sind, ersuchen wir unbedingt in der nächsten Versammlung zu erscheinen, resp. ihre Beitra, e Blumenstr. 19 zu begleichen, um die Zusendung dcS„Zimmerer" ferner zu ermöglichen. Di- Krank-«-«nd K-gräbnißkaff- d,« D-r-in» siimmtlich-r Krrnfsklaffr»(E. H.) hat nach dem letzten Monatsbericht einen Vermögensbestand von 16 239,69 Mat�, mithin pro Kopf 17,61 M.— Tie Kasse nimmt Personen ohne Unterschied des Berufes und Geschlechts im Alter von 15 b,s 45 Jahren jeder Zeit auf und bestehen verschiedene Versiehe- nmptklessen. Für hie geleisteten Wochcnbeitiäge von 18 bis SV Pt. wird bei Ei krankungS fällen eine Unterstützung von 4L0 M. bis zu 15 M. geiräbrt, bei etwaigem Todesfall dm Hinterbliebenm ein Begräbnißgeld von 45-150 M. gezahlt— Für Berlin find fünf örtliche Verwaltungistellen errichtet, wo jeder Zeit Beitrittserklärungen entgegengenommen werdm, und zwar: Berlin 1: Kasürcr E. Schilling, Koppenstraße 48; Berlin II: Kassirer I. Schumacher, Mariannenstraße 8; Berlin Hl: Kassrrer H. Rudolph, Koloniestr. 150»; Berlin IV: Kassirer O. Witzcl, Hollmannstr. 23; Berlin V: Kassirer E. Hundt, Pritzwalterstraße 17. Charlottenburg: Kassirer Fr. Zielecke, Berlrnerstr. 147.— Außerdem beim Hauptkassirer Ed. Kühnelt, Teltowerstr. 13a, wo auch jede gewünschte Auskunft erthcilt wird. � Die zweite Mitglieder- N«rsamml«ng des Fach- verrins Kerliner Lederardeiter, tagend am 26. August in den Zentral-Festsälcn, Oranimstr. 180 und war äußerst zahlreich besucht. Es zeigte sich, daß ein solcher Berufsverein für die Leverarbeiter ein Bedürfniß war. Zum großen Besuch mag auch die reichhaltige und tnter* rffante Tagesordnung verlockt haben. 1. Bericht der Statuten- tommrssion. 2. Vortrag des Herrn W. Werner über:„Die Hausarbeit und ihre Folgen für die Arbeiter". 3. Wahl einer Rechtsschutzkommission. Ferner Vereinsangelegenheiten, Ver- schiedenes und Fragekasten. Da Herr Werner durch Verhinderung nicht über den 2. Punkt, die Hausarbeit, referiren konnte, übernahm es der erste Vorsitzende, Herr Jahn, sich kurz über die Entstehung, sowie Wesen der Hausarbeit im Allgemeinm auszulassen. Er verfehlte nicht, auf die in der Lederarbcit dominirende HauS- arbeit und auf die derselben anhaftenden Schäden aufmerksam zu machen. In der Diskussion hierüber waren sich sämmtliche Redner einig, daß die Hausarbeit schädlich für die Branche sei, und daß es eine der Hauptaufgaben des Fachvereins sei, dahin zu wirkm, daß dieselbe so viel wie möglich eingeschränkt werde. Jndeß wurde auch betont, daß das nur durch Einigkeit unter den Kollegen zu erreichen sei und daß deshalb auch die Haus- arbeiter sich der Organisation anzuschließen haben. Der Verein wählte alsdann eine Kommission von 5 Mit- gliedern, die vorkommende Streitfälle zwischen Arbeitern und Fabrikantm zu regeln eventuell auch zu schlichten hat. An- genommen wurde auch noch eine Resolution, dahingehend, nur so'che Lokalbesitzer zu unterstützen, bie ihre Räume zu allen Ardeiler-Vcrsammlungen hergeben.— Schluß der Sitzung 12 Uhr. Schuhmacher-Ucrsammlung. Am Montaa, 26. August, tagte erne Vertammlung des„Vereins zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher und verw. BerufSgcnossen Berlins" in Gratwcil'S Bwrhallen, Kommandantensiraße. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn W. Bölsche über „Darwin'S Lehre über die Abstammung des Menschen." 2. Ver- fchtedenes. 3. Fragekasten. Der Vortragende hält seinen Vor- trag zur Zufriedenheit der gut besuchten Mitgtiedcr-Vcrsamm- lung. Er führte aus(gestützt aus die Darwinsche Theorie), daß aller Ursprung auf natürlichen Gesetzen beruht, das Gegen- theil zu beweisen, sei noch Keinem gelungen.— In der Diskussion krii.si.ten mchrere Redner das Verhalten der Heu igen Gesellschaft, daß diese Wissenschaft nicht in den Volksschulen gelehrt wird. Im Punkt„VerschredeneS" wurde auf die öffentliche Schuhmacher- Versammlung am Montag, den 2. September, Jnselstraße 10, hingewiesen. Auch wurde der Fragekasten erledigt. Die Vor- standkwahl wurde dahin erledigt: Ruff, 1. Vorsitzender; Goddert, 2. Vorsitzender; Bernhard Burchardt, Schristiührer; Adamscheck, Kassirer; die Herren Will, Grünebcrg, Christensen wurden zu Revisoren gewählt. In der öffentlichen Uerfamtnlung ain 27. d. M. haben sich die Former Schwarzkopff's solidarisch erklärt, die Hamburger Zylinder-Arbeit nicht zu machen. Sie haben auch Wort gehalten, und sind gestern früh bei Meister Barleben alle zusammen getreten und haben von der Versammlung Kennlniß gegeben. Die Former haben eine Kommission von 6 Mann ge- wählt, welche mit dem Herrn Generaldirektor Kasclowsky ver- handelte. Man einigte sich auf gütlichem Wege dahin, daß die Arbeit nicht angefertigt wird; der Fabrikant Herr Ziegler zieht feine Arbeit zurück. Diesem einheitlichen Vorgehen von Ardeitern und Unternehmern kann man nur Beifall zollen. ösfrntlichr yolkavrrsammlung am Donnerstag, den 2g. d. SRtS., abends präjife 8 Übt im Eiiistiim, Landsde'gee Allee Zg-4t. Tagesordnung r I Uedet das Weien und Wlte» der loztaldemakraiiichen Waht- ,,1'eieme. Reseteiri; Herr Frib Zllbeil. 2. Verschiedenes. Um zaditeichen Besuch wird gebeten Soiiald-mol-.vatil'chcr Wastwrrein 6. Kerliner N»>ch«- tnz» zunhist» eise». Am Donneisiaa, den 2g. August, Abeudd 8X Uhr, im Lokale oeS dem, Hurd, Badstraße, grobe Beriam'miung. Tagesordnung r Vor- uaa deS Herrn i-uri Vaake über ÄltalidusianiSnruS. Didkusston. Ver- schiedene« und) zragetasten. Gäste haben Zuiriil. Milgticder weiden auf. "«Sin»»llgernein» Drucker- und Ntaf'cklnenmristernertamnitung stndei am Donnerirag. de» 2S. d. MtS, Abends g Uhr in Jordan'» Salon, Neue Grllnstr. 2« statt. Tagesordnung-, l. Besprechung zu der am g Seplcmbcr stattstndenden Vorberalbung der GehilfenverNeier llder die Ausnahme von Druck- d-stimmungen in den Allgenreinen Deutschen Buchdruckertaris. 2. Wahl eine« Deieuirtm. 3. Verichiedene«. «elfentlicho Keriammlung siimmtlicher Feilerstauer und Fritensqleisrr Keriin» am Donnerstag, den 2g August. Abend« 8 Uhr, w> Weodingpark, Mlllierstr. 178. Um recht zahlreiches Erscheinen wird ge- bereu. Kerliner Kerein fiirnolkavrrständlicke tdetuiidheitopfl»», und ztainrsteildunde. Freilag. den 36. August, abends 8X Uhr in Keller s Hof- joger. Halenhaide, Varuag des Herrn Hermann Cairig über den persänlichen Eti-ftuh deS aizreS ui d des Pst-ger« auf den Verrauf der Krankheit Vor und nach dr-m Vorlrage gefelliges Berfamniensetn und Tanz. Urn zahlreichen Befuch wird dringend gedeien Gäste sind willkommen. Kranken-«nd KegräUnihkass» de» verein» siimmtlicher K»- r»k,kiafsr» I. Sonnabend, den Si. d M, abends 8 Uhr, Biumenstr. 78. Ve fan'Miung. TageSoidmmg Kastenberichl. GcichäsliicheS Mitiheilungen. Die rvtttgliedrr weiden ersucht, rechl zahl- eich zu errcheincn. verein zur Wastrnno der Knierefsen der Klavierarbeiter«nd Kerufagrnölsen. a»r Sonnabend, de» 7. Sevtemder 188g. Abends 8 Udr. 7. SiifrungSsefl in der„Philbarmonie", Bernburgeistr. 22 u. 23 Voral- und Anstrunreittal-Kovzerl. unier Mitwirkung de« GcsangverrinS.Mvrlbe". Nach der» Koi-.jirt r Ball Billeid für Herren 50 Pf., Damen 25 Pf. find bei ben «ollc gen Evieb. Maitteuffelstr 47: Nagel. Wiener str 25; Paul, Adalbertstr 64. Ni-diger, Diester chachftr. 58, sowie bei fämnrtlichen Vorganbiinttgiiedern, im Arbeitsnachweis und ia der Bibriolhel zu h rben. Ailnemetner Metall zirbetter-perein Krrtin««nd Zlmgegrnd. Der«»Mlgellitche ardeilSnachweti befindet sich Im Süden Neanderftrabe 5, Destillalton»um Heim, im Norden; Brunnenstrahe 40 bei Schauer und ist lag- '...........~■"---------— Die 114 Ädend« von 8� vti 10 Uhr, SonnlagS von 1(1 bis II!t Uhr geäffnet.___ Bistliotbek befindet sich Neanderftrahe 5, Deftillaiior, zum Helm, und weiden da- tesbft Montag« und Donnerstag», Abends von 8� dl« 10 Uhr, Bücher aui- geaeben. Diejenigen Viteaiieder, weiche»och mii ältere» Beiträgen reftiren, weiden ersucht, die-elden bei den Zadistesten abzutiesern. Jede Art Beschwerden, sowie»vrauSstchltiche Arbeitseinstellungen, Mahregelungen u. i w. strrd sofort beim«orstfterrden, Zaicph Hartmann, Reichenberger Strohe 73, einzureichen. Am Svnutag den 1. Seplrmder, stndei eine Damviervarrhie mi: Musik nach PotS- dum-Redli» stall, wozu Billei« j» 1,25 M für Erwachiene, Kinder 25 Ps, bei den Kaistrern Otto«lein, Rilieistrahe 15 und Karl Lenzncr. Reinickendorfer Glrah-- IS und den VorftandSmitgUedern zu haben sind. I&tlam-, Cuvn- und gesellige Kertinc am Donnerstag; Männer' grsangveretn Läliiiä' Abend« S Uhr in Vellin'S Restaurant,«eieranenftr. lg -«eiangverein.Breheischiuh' s-bcnd» 8st Ubr im Restaurant Schumann «lle Zakobstrahe 38.- Ptaiinergcsangvercin.Nordstern Abend« S Uhr im Rrstaurant Pohl. Müllerstrahe 7.- Tchäser'scher Geianaoerein.der Eiser' «brud«» Uhr bei Woti u. Krüger. Ekaiitzerstrahe 126. Gesang.- Gesang. verem.Biülhenkranz' Abend« g Ubr sin Restaurant Brandenburgstrahe«>.- «tännergerangverein.Aleianber' AbenbS 9 Uhr im Restaurant«ose. Strauh. brrgerftrahe 8.— Männergcsangvcrein.FinntlaS" hei Kinner, Käpntckerstrahe Nr. 68.— Geiangverein Männerchor»Et. Urban' Abeird« N Uhr Annen- strahe 0.— Männergesangvercin.LiedeSfreideil" Abend« g Uhr im Restaurant Miegei, Sttalauerstrahe 57.— Gesangverein„Deutsche Liederiasel" Abend« g Uhr Köontckerslrahe 106.— Gesangverein„Norbdeuliche Schseise" Abends »«> 9— 11 Übe Mtchaeikirchstrohe 39.—„Brunbnia" Abends 9 Ubr llebungl- uunOe ort Lehmann,«lerandrsnenstraße 32.— Turnverein„Hasenhaibe"(Lehrl- AbibeUungl Abend« 8 Uhr Dieisendachstrahe66— 61." ___________________________„Berliner Turngenosscn- 7. Lehrltng«-Ablheilu»g> Abend» 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, «ritzerstrahe 17-18!- deSgi. 6. Männer-Abtheslung Abend« 8 Uhr in der siädnschen Turnhalle, Gubenerstrahe 51.— Llldeckscher Turnverein sMänner- Adldritmrgl Abend» 8 Udr Eliiadeihstrahe 57-58.— Aligemeineer ArendS'scher Srenogiaudenveiein, Abidciiung„Louilenstadl". AdendS 8X Uhr im Befmurant Prcuh. Oranienitr. 51.— ArendS'scher Sienographenverein .Phaümr' Abend» SU Uhr im Restaurant.Zum vuckower Garten', Buckower- ürafir g' Deutscher Verein ArendS'scher Slcnvgraphen Abend« S Uhr in Hridi« Restaurant. Kovpenstr. 75. llnlerrichl und Uedung.— Berliner Sieno- ipnigdeii-Verew(Sostem«rendil AdendS g Uhr im Restaurant Friedrichstr. 208 — Smize icher Sienographenverein.Nord-Bcrlin' Abend« g Ude, Schtegel- strahe 44.— Verein der.Natur freunde' Abends S Uhr im Restaurant Wiener- strahe 35.— Verein der Ünruhstabter Abend» 82 Uhr im.Königstadt-Kasino', Holzmarkistrahe 72.— Verein ehemaliger F. W. Retlichlllg'scher Schüler anr 1. und 3. Donnerstag jeden Monat» nn Gas« Schüler. LandSdcrgcrslrahe 73 Abend« 8 Uhr.— Rauchklud.Kernspihe' AdendS 82 Uhr in> Reslanranl Holz- markllirahe 44.—'Rauchklub.Arcona' Abend» gUhr bei Pasche, fiteichcnberger- strahe 118.- Rauchklub„Dezimalwaage" Abends g Uhr im Rcstaurani Lock, KrauiSstrahe 48.— Rauchklud„Vorwärts" AbendS g Uhr bei Herrn Ternpc!, Restaurant„Zum Lmboi", BreSlaucrstrahe 27.—„Orientalischer Rauchklub" AbendS g Uhr bn Restaurant Wiechert, Oronien strahe 8.— Rauchklud„Krumme Piepe" Abend» g Uhr RüderSdorserstrahe 67 bei Wunderlich.— Rauchklud „Eollegia" Abend» g Uhr bri Thiemermann. Ekaliherstrahe 65.— Prioal- Theatergesellschast„Adlerschwinge" Sitzung 82 Uhr Gartenstrahe 14 bei Trager. — Mustkverein„Vorwärts" Nebung Abends von g— II Uhr Fticherstrahe 41. Neue Mliglteder erwünscht.— Pergnügungiverein„Farinello" Abends g Uhr Invalibenstrahe IZg. Gäste willkommen. Ausnahme nmer Mitglieder. Vormisthros. Eine neue DarfteUungsmeife des Aluminwms. Seitdem der französische Chemiker Saint-Claire-Deville 1855 im Auftrage und mit den Mitteln des Kaisers Napoleon Hl. an die Aufgabe herantrat, das durch den deutschen Chemiker Friedrich Möhler im Jahre l828 entdeckte Metall: Aluminium der Technik zugänglich zu machen, ist daS� Bestreben der Chemiker unablässig dahin gerichtet gewesen, dieses Metall rein und billig herzustellen. Die Reinheit ist von der höchsten Wichtigkeit, denn gerade die letzten Prozente fremder Beimischungen(namentlich Silizium und Eisen) beein- flussen die Eigenschaften des Aluminiums(und der aus ihm hergestellten Bronzen) in höchst schädlicher Weise; sie rauben ihm seine schöne Farbe, seine Widerstandsfähigkeit gegen atmo- sphärische Einflüsse und einen großen Theil seiner Dehnbarkeit. Ein Aluminium von 93 pCt. Gehalt, wie es von manchen Seiten in den Handel gebracht wird, ist für viele Zwecke nahezu werthlos; die Technik muß ein Aluminium von mindestens 98 bis 99 pCt. verlangen. Die Reinigung des einmal dargestellten Aluminiums von den fremden Beimischungen ist aber technisch ganz unmöglich. So müßte also das Bestreben dahin gehen, das Metall von vorneher möglichst rein, d. i. aus möglichst chemisch reinen Verbindungen herzustellen, eine Aufgabe, welche bisher stets daran scheiterte, daß das hauptsächlich ver- wandte Material, der grönländische Kruolith einerseits stets mehr oder weniger stark mit Eisen und Silizium durchsetzt ist, andererseits bei der Verarbeitung im geschmolzenen Zustande die Schmelzgefäße, Oefen u. dgl. stark zerstört. Was die zweite Bedingung, die Billigkeit, angeht, so führen wir nur an, daß das Kilogramm anfangs 1000 Franken kostete, bald aber auf 300 und 200 Franken herabsank. Jetzt beträgt der Preis etwa 40 Mark, doch ist begründete Aussicht auf noch wettere Herab- setzung vorhanden. Beiden Verlangen nach Reinheit und Billigkeit des Metalls entspricht nun, wir dürfen sagen zweifellos, das dem Zivil- ingenieur L. Grabau zu Hannover kürzlich patenlirte Verfahren. Herr Grabau oerwendet reines Fluoraluminium, welches er im pulverförmigen, rothglühenden Zustande auf geschmolzenes Natrium geschüttet. Dabei tritt eine außerordentlich lebhafte Reaktion, ein heftiges Aufwallm, verbunden mit lebhafter Wärmeentwickelung(Weißgiühhitze) ein. Das Natrium ver- drängt einen Theil des Alummiums; es bildet sich ein leichtflüssiges Doppelsalz: Fluoraluminiumnatrium(künst- sicher Kryolith) und das Aluminium sammelt sich auf dem Boden des Tiegels als ein schöner MetallreguluS an. Wir hatten Gelegenheit, vor einigen Tagen diesen Vorgang mehrere Male in der eingerichteten Versuchsfabrik zu Nienburg mit anzusehen und dürfen versichern, daß kaum ein anderer metallurgischer Prozeß sich mit derselben Raschheit und, wir möchten sagen Eleganz, vollzieht. Der Verlust an Natrium ist sehr gering, da dasselbe von vornherein von einer Schicht bc- deckt bleibt, welche es der Einwirkung der Luft entzieht, während bei den früheren VerfahrungSarten das Natrium oben auf der angewandten Schmelze schwamm und dadurch unvermeidlich große Verluste entstanden. Gegen Verunreinigung ist aber das Alumi- nmm dadurch gesichert, daß der Tigel selbst durch eine äußerst sinnreiche Einrichtung mit einer gekühlten Ikcuste von künstlichem reinem Kryolith überzogen ist, die das Aluminium natürlich nicht anzugreifen vermag, da er ja, wie bereits eben bemerkt, eine Verbindung des Aluminiums(natürlich Jluoraluminium- natrium) ist. Der erhaltene künstliche und völlig reine Kryolith wird in der Fabrik selbst wieder zur Bereitung von Fluoraluminium verwandt. Dabei werden als Rohmaterial nur noch lchwefel- saure Thonerde und Flußspat(Fluorkalzium) in den Kreislauf eingefährt, zwei Verbindungen, welche dillig und rein in be- liebigen Mengen zu beschaffen sind. Die besonderen Vortheile des Grabau'schen Verfahrens bestehen nun darin, daß die Erzeugung des Rohstoffes (Fluoraluminium) nicht— wie bei allen anderen bekannten Aluminium- Verfahren— von dem natürlichen Kryolith ab- hängig ist(Kryolith kommt bekanntlich nur in verhättnißmäß g geringer Menge vor und wird durch Monopol hoch im Preise gehalten), daß ferner die Reinherstellung des Rohstoffes(auf nassem Wege) eine Massenproduktion zu billigem Preise er- möalicht und daß die eigenartige Umwandlung des Roh- stoffeS in Aluminium'jede Verunreinigung des Me- talls ausschließt. Die Analysen deS auf diese Weise hergestellten Aluminiums haben bisher einen Rein- gehalt von 99,6 Prozent nachgewiesen. Ueber den chemiscben Prozeß und das gesammte Verfahren spricht sich Herr Geh. Rath Dr. Kraut zu Hannover, eine der größten Autoriiäien auf diesem Gebiete, im hannoverschen Gewerbe- blatte vom 29. Juni d. I. sehr anerkennend aus. Die Billigkeit der Fabrikation hängt, wie leicht zu über- sehen, wesentlich von dem Preise des theuersten Materials, des NatnumS ab, denn zur Darstellung von 1 Kilogramm Aluminium sind zirka 3 Kilogramm Natrium erforderlich. Dieses merkwürdige Metall wurde bisher allgemem noch durch Glühen von kohlensaurem Natron(Soda) oder Aetznatron mit Kohle dargestellt. Das Kilogramm stellt sich jetzt auf etwa nahezu 10 M. Gelänge es, dasselbe wesentlich billiger herzu- stellen, so würde auch die Aluminiumfabnkation einen großen Aufschwung nehmen. Diesem Prozesse ist nun ein siebenjähriges Nachdenken und Experimentiren des Herrn Grabau gewidmet gewesen, und es ist ihm schließlich gelungen, ein Verfahren zu finden, um Natrium aus gewöhnlichem Kochsalz(Chlornatrium) zu isoliren. Wir haben uns davon überzeugt, daß der ganze Prozeß weit über das Stadium eines Laboratoriumsversuches hinaus gefördert ist; er wird in der Fabrik in Nienburg regelmäßig und im größeren Maßstäbe durchgeführt, und wir hoffen, daß er in kurzer Zeit zum Großbetriebe über- gehen wird. Dieses neue Verfahren der Natrium-Gewinnung bietet so erhebliche Vortheile, daß damit reitieS Aluminium zu dem lang ersehnten billigen Preise geliefert werden kann. Die erlangten geschmolzenen Metallmassen des Aluminiums, zum Theil mit schönen, bisher noch ganz unbekannten Krystallen bedeckt, bieten ein für den Naturforscher und Techniker sehr ftsselndes Bild dar. Von der großen Reinheit des erlangten Aluminiums lieferte aber ein sehr einfachen Versuch den über- zeugendften Beweis. Proben aller jetzt im Handel erhältlichen Aluminiumsorten, so wie deS Giabau'sckien Aluminiums, waren stundenlang in destillirtem Wasser gekocht worden. Da« bei bewahrte das letztere feinen Glanz und feine fast silber- weiße Farbe fast unverändert, während alle andern Sorten mattarau geworden waren. Die nächst Slansko in Mähre« gelegene berühmte Gebirgshöhle Mazocha zu besichtigen, ist seit ihrer Eni- deckung im vorigen Jahrhundert wegen der enormen Schwierig- ketten, welche der Zugang bietet, nur wenigen gelungen. Am 18. d. unternahmen es die Forst-Adjunkten Skala, und Kalla, in die Höhle einzudrinzcn, und diesen dret™ � Männern verdankt man nunmehr eine genaue SchuoerwP Mazochahöhle, an der es bisher gefehlt hat. Die genl>' wurden, wie der„Brünner TagcSbote" berichtet, nnttem z Seile die 100«> hohe Felswand hinabgelassen," halben Stunde waren alle drei am Grunde der FckSvon � gelangt, überrascht, sich auf dem Gipfel eines hohen, unter einem Winkel von 45 Grad steil abfallenden»e«! befinden. Nachdem sie ihr glückliches Anlangen durch? bekannt gegeben hatten, kletterten sie den steilen Abhang vor ihnen rollte das Gestein unter großem Getöse w das Nun standen sie bei dem, die beiden Teiche verbindenden Von Stein zu Stein springend, überschritten sie das ganz � Wasser und befanden sich in dem ungeheuren Vonanw Erichsgrotte, wo sie einige Inschriften früherer-"l. r fanden und die ihrigen hinzusetzten. Hier hinderten aufgethürmte Sand- und Lehmlagen ein weiteres j Vordringen. Durch einen engen Felsspalt gelangten die Höhe und sodann 40 Meter über Steingerölle 6*3.™ l« abwärts schreitend, befanden sie sich in der 1''tn kirchenartigen, ungeheuer hohen Halle, die glänzend! und weiß geädert ist, deren ungefähre Höhe 80, 0«,� 120 und Breite 38 Meter beträgt. Die kühnen Touristen n � sie, da sie noch keinen Namen besitzt, Kaiser Franz-Jdl��z Mühsam auf allen Vieren über angeschwemmten Lehm-.-A, kriechend, gelangten sie bis zum Ende der Halle. Zu�&dj. hatten sie einen großartigen Anblick, da hier noch etwas. � licht eindrang und sie die wunderbare Größe und v V.t Halle übersehen konnten. Von nun an wendete sich dü 4 Meter breite und 8 Meter hohe, stets aufwärts I».u, Höhle gegen Nordwest. Diese Höhle besteht durchwegs ...... h-ils°°n den Waudens vollen Tropsstembtldungen, welche Iheils....-, hängen, theils auf der Erde viele Tropfsteinblöcke bilden, festen Halt boten. Nach drei Viertelstunden nuS �. SteigenS hatten die Touristen das Ende der Hohl* Was die Vegetation anbelangt, so fanden die O»*»(lll -- cn----:r.----.r., ne; cniai— unten Vergißmeinnicht, Gänseblümchen, Rittersporn � ~ der Thierwelt sahen ste � schiedenes Unkraut. Von...________.... Gattung der Vögel Dohlen und einen Sperber. Eidechsen, Fröschen und Fledermäusen war nichts Nachdem die Bergsteiger alles bestchtigt hatten, unter» sie Nachmittags den Ausstieg.. �„...ri, W Aus der allerbesten Gesellschaft zieht. dtePr � „guten" Gesellschaft den schönsten Skandalstoff. Dm ,5�, Presse vertuscht zwar sehr viel, aber pikante Skandals i � sind zu lockend, um über sie aus naheliegenden Gruno Schleier zu ziehen. So wird jetzt vom russischen Hos d» � ««vsX f. v /%• 4 v* ot v* ,4� t 4 /*f\ /»»»»)> Xst Vrt f("iKtt J. Ift und breiten einGeschlchtchen erzählt, das ans folgendes ,? läuft. Se. kaiserliche Hoheit der Herzog von LeucktZ> j�,- mit der Schwester des bekannten EisensresserS, � beleff, die den Titel Gräfin BeauharnaiS erhielt, Ihr Liebhaber ist der Bruder Se. Majestät des Kau � Reußen, Se. kaiseriiche Hoheit Großsürst Alexis- y. jsJ Nacht, nach Schluß des Theaters, geruhten dwe'(j; der Gemahlin Sr. kaiserlichen Hoheit des Leuchtenberg, der schönen Zenaide von Beauyar» ji einem Separatzimmer eines Petersburger Rengw soupiren. Im Nebenzimmer soupirten zwei franzoW spicler und Schauspielerinnen, uud kamen die Ipicler unv oajuuipiiiftuincn, uuu ramen uie 7. l-dM schaften bald mit den Schauspielern in gemüthliche � Der Wein löste Herzen und Zungen, und huldig�, ge Schönheit fiel einer der Schauspieler der tugends« mahlin Sr. kaiserlichen Hoheit, des Herzogs von A zu Füßen. Darob entbrannte wilder Groll im kaiserlichen Hoheit des Großfürsten Alexis, deS gelreu � � haberS der treuen Gattin seines Vetters, und er I Schauspieler von der Stelle, wo er anbetend kniete,(t;, Da nun diese Kanaille von Schauspielern 8laU,- L solche Ansprüche auf„Liebe" zu haben, wie die kaiserU� so kam es dazu, daß sie die kaiserliche Hoheit durch?, ß-,' während die züchtige und tugendsamc Gattin Sr. Urii� des Herzogs von Leuchtenberg die Hände der SchaM?' M � zu fühlen bekam. Diese schöne Geschichte wird -gutgesinnten" Blättern mit dem üblichen„Brimbch(S> zählt"; wir geben sie unter Weglassung des Brimbor' fach wieder. Das Ende der Geschichte war, daß o(je Herrschaften auf allerhöchsten Befehl auf Relscn gri� den. Da die Schauspieler keine Deutschen find, die gl„ der Machtentfaltung des Deutschen Reiches, ein JMes /> zu erwarten gehabt hätten, sondern nur Angehörige �-i« den" und„verkommenen" französischen Nation, so v zufrieden sein, wenn sie nach Frankreich zurückkehrcw �slir ~" t sie zu gesuchten Ges-dl-' Erzählung der romantischen Nacht machen wird. Gin Mettstreit von Luftschlffern fand der< Zeitung" zufolge unter großem Andrang des Pu�, Montag in Brüssel statt. Von 20 eingeschriebenen � KstP") nahmen 13, 11 Franzosen und 2 Belgier, an der. � Theil. Dreizehn Luftballons waren gestern zur reit; als Zielpunkt war die Stadt Diest bei i-ow im, wiuui-CIV|» w.~ geben; die Stadt Brüssel hatte für die drei zuerst � reichenden Luflschiffer Preise ausgesetzt. Der größte,.. � bikmcter fassende Ballon„L'Jndustrie", wurde von darb geleitet; die übrigen Luftballons hatten eine scheu 800 und 390 Kubikmetern. Unter ff Jubel erhoben sich gegen 4 Uhr die, Luftballons; es war ein prächtiger AnmM' c entschwanden sie in östlich-nordöstlicher Rnh'. A,!, Blicken der Zuschauer: da aber kurze Zeit darMiLfol� heftiges Gewitter ausbrach, so war man um daS E>w Luftschiffer um so mehr besorgt, als sich Frauen.". Kinder in den Gondeln mit Hefanden. Noch 0C''C gÄ spät erlangte man die Gewißheit, daß Niemand Sekommen, obwohl das Landen sich bei mehreren � hwierig gestaltet hatte. Als Sieger gingen aus-m. streit hervor: Kapitän Partei mit dem 560 Kubtki Ballon„Pro Patria", er erreichte 6 Uhr Abends,.$«7 dicht bei Diest; ihm folgte als zweiter Godard mtt o zgo'nj „L'Jndustrie" und als Dritter kam Vuaquin mit dem Gg fassenden Ballon„Tricolore" an das Ziel. Diest lcl kein einziger Ballon. S!ir ntlich Szrrschfiral Die Redaktion stellt die Benutzung de« Sprechsaul«, soweit-----i.. geben ist, dem Publikum zur Besprechung uoii Angeiegendn � Interefiei zur Versügung; sie verwahr! sich aber gieichzeiiig d»« J Inhalt bestelben identifizirt zu werden,. u- � In der Nummer 199 des„Berliner Volks„ nsta 27. August d. I. ist im Beiblatt, letzte Seite, erste s�pti».� satz 5 erklärt, daß die meinerseits in der Volks» � A nrnn 99. h. M. rtptfjnnK..hofe der ____________ v,_____________„daß der Schade mit dem Svrechsaalarttkel vom 9. d. M- esss tai vorher, also am 3. d. M., im Frankfurter Viertel$ prahlend bewegt habe, indem er selbst sagte, morgen l � ein Artikel im„Berliner Volksblatt" und �at Wort für Wort mitgetheilt, sodaß, als der am 9. d. MtS. im„Berliner Volkeblatt" stand, K Zweifel mehr unterlag, daß der Herr Schade der«ßW, selben gewesen ist." Dieses wird nun als untoam ly kann mir nicht im entferntesten in den Sinn fffi/ etwas zurückzunehmen oder das Gegentheil zu gl»" vj beharre ich bei meiner Aeußerung entschieden, denn � heit die Ehre; ferner kann obige Behauptung �„ Frankfurterstr. 128, bezeugen. Möbel?" ®Uftfl0 SÄr> ttn»Sn Fw Sri '«tt v. <£i der W Nbi . sfia''°de «hHuder l'cher Nths >wa > ki�drj stliT® Verantwortlicher Redakteur: K.«ronhrim te Berlin. Druck und Verlag von AKdttrg in Berlin SW., Beuthstraße 2