lelft Nach ei°-r Lwand."«' aeaensad ZÄx °ng ir-SvÄ. Freitag, de« 3V. Angitst 1889» 6. Jntorg. lerliiierHolblilall Krgan für die Intereffc» der Arbeiter. 4 i vrertelzadrlich 4 Mark, monatlich �$ m? � Bei Abholung aus unserer . W�..° 0..-� Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene Petitmle oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VcrfammlungS« Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstrohc 44, sowie von allen Annoncen-Burcaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittaas geöffnet. -» Fernsprecher: Amt VI. Ztr. 4100.•-*- MevaKkwn: Vouthstrtttze S.— Expedition: �immeeptvntze 44. Abonnements- Einladung. 4».� Offnen für den Monat September ein neues Abonne- hst'�da- berliner UolKsblatt" nebst dem wöchentlich �"nenden»Konntagobtatt". 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Diejenige ' �lche die Mehrheit in der Deputirtenkammer er- auch über die Staatsform zu verfügen. So "„ le Dinge nun einmal in Frankreich. - �?t haben wir keine Befürchtung, daß etwa die ........-—-1—/ c», "itqf'Un9 sich erfüllen könnte, nach welcher Bou- fytkt i ,ttud Genossen auf ihre Verurtheiluna geant- z, haben. Nun, das glauben wir nicht,' daß � Lan}ösifche Volk so thöricht sein könnte, in ' wichtigen Abstimmung sich für einen entlarvten i �ovi.tüger zu erklären. Wir sind überzeugt, daß ea ig llismus an sich unrettbar dem Untergang ver- � Le?' �nn es ihm auch gelingen sollte, bei den Wahlen �§H«.�tlszeichen zu aeben. Boulanger ist lächerlich und Ht die e?eTOOr�en tlno ihm wird das französische Volk �.Staatsgewalt in die Hände spielen. ScqmT Zustände, aus denen der Boulangismus her- ' ttnr x1' Gestehen noch und sie werden binnen kurzem "we Gegenströmung erzeugen, wenn sie nicht be- � Feuilleton., �tn 03 d I& ut c« rrfi> K" Roma» oo» Maurus 3 ö tat. .ftsten Moment lähmte der Schreck Michael die >rte � Zwei Schüsse waren ihm gekommen wie zivei il" h,," Quf seine geheime Gedanken. Ein Schauer lies ihm l�h ganzen Leib;— im nächsten Augenblick hatte gusbrechende Wuth den Schrecken abgelöst; w't« sf Gewehr von der Schulter, spannte die beiden 3 dEc" o rannte zornig auf die Hütte los, aus welcher "ch des abgefeuerten Schusses durch die Spalten sg• i0t �tnr Laus seiner Flinte stand ein zitternder Mensch. j"«) ia/ tußtyan. Die ausgeschossene Doppelpistole war ff, jJ?"6*1 Hand, er hielt sie jetzt als Schutz vor den ,zv., bebte so, daß jedes Glied an ihm zitterte. biO p« g« frfirip Mikbnel ihn an. Fassung zurück. Schreck und Wuth waren von ' J,1?- Er senkte sein Gewehr.„Komm näher," �ch,b-g zum Meuchelmörder. es nicht," stammelte dieser, sich an das Reiser- seitigt werden. Der Boulangismus war nur die Form, in die"sich diese Gegenströmung, die Unzufriedenheit eines großen Theils der Franzosen mit der inneren Politik, ergoß, und sie ergoß sich nur in diese Form, weil keine andere vorhanden war. Aber es kann eine neue Form leicht ge- funden werden und die aufrichtigen Republikaner aller Schattirungcn werden Alles thun müssen, dem vorzubeugen, wenn sie die Republik nicht auf's Neue gefährdet wissen wollen. Thiers, dessen oberflächliche Weisheit noch jetzt so manchen Staatsmännern, die so oberflächlich sind, wie er war, zum Leitstern dient, sagte einmal:„Die R e- publik wird konservativ sein oder sie wird nicht sein!" Diese Phrase ist von den„konser- vativen Republikanern" gleich einem Fetisch angebetet wor- den und dennoch gehört sie zu dem Albernsten, was je aus dem Munde eines Staatsmannes gekommen ist. In dieser Zeit des allgemeinen raschen Fortschritts und der rapiden Entwickelung, namentlich unserer wirthschastlichen Zustünde, der Republik Stillstand gebieten, heißt sie zum Tode ver- urtheilen. Sagen wir lieber:„Die Republik wird wahr- Haft demokratisch sein oder sie wird nicht sein!" Was dazu gehört? Nun, das ist nicht unschwer zu sagen. Das französische Volk muß sich bei den nächsten Wahlen von dem politischen Streberthum von den Aemter- und Beutejägern befreien, die bis heute in der Kantmer und in den öffentlichen Aemtern dominirt haben. Diese Elemente betreiben, wie die alten Bourgeoisparteien in Nordamerika, die Politik nur als Geschäft. Nach den Wahlen ist auch ihre Devise:„Dem Sieger die Beute!" Ihnen ist die Staatsgewalt, resp. der Einfluß auf die öffentlichen An- gelegenheiten nur ein Mittel, sich zu bereichern und Einfluß zu erwerben. An Idealen fehlt es ihnen ganz und sie würden unter Napoleon III. vielleicht dieselbe Rolle gespielt haben, wie jetzt in der Republik, nur unter einem anderen Namen. Die Franzosen müssen sich andere Männer zu ihren Vertretern aussuchen als das käufliche Opportunistenthum und das hohlphrasige sogenannte Zntransiqententhum; es muß eine Kammer gewählt werden, in der£eute dominiren, die die Lage des Landes verstehen, die aus dem Boulanger- Skandal etwas gelernt und die auch eigene Ideen haben. Mit gedankenlosen Nachbetern veralteter Anschauungen wird man die Republik nicht befestigen. Frankreiclj braucht Männer, welche im Stande sind, das lästige Fknanzsystem zu ändern und zu verhindern, daß die Staatsschuldenlast immer höher anschwillt. In dieser Beziehung hat man bisher gewissenlos gewirthschaftet und dem Lande Schulden aufgebürdet, die es schwer be- drücken. Man wird darnach streben müssen, den Augiasstall der Verwaltung zu reinigen und eine Anzahl der vielen überflüssigen Stellen eingehen zu lassen, die von den Mi- nistern nur geschaffen worden sind, um ihre Kreaturen zu 9t cs inqji," jumuncuc vicicv,|»iy .,�ei ruckend,„Sie werden mich tödten! ,�hne Furcht, ich will Dir nicht ans Leben. üv ich."x1 schoß sein Gewehr in die Luft ab—„jetzt bin, Lcbr!! �t*, und Du hast keinen Grund mehr, für j � � ju fürchten." Theodor wankte aus der Hütte' hervor.„Du wolltest mich umbringen," sagte Michael zu ihm:„Unglückseliger Mensch! Ich dedauere Dich." Der jugendliche Verbrecher wagte es nicht, ihn anzu- sehen. „Theodor Krißtyan! Du bist noch so jung und wolltest schon zum Mörder an mir werden. Es gelang Dir nicht. Gehe m Dich! Du bist nicht von Natur böse, man hat nur Deine Seele vergiftet. Ich kenne die Geschichte Deines Lebens, ich entschuldige Dich, Du hast schöne Fähigkeiten und wendest sie nur schlecht an. Du bist ein Vagabund, ein Allerweltsbetrüger. Kann Dir ein solches Leben ge- fallen? Unmöglich. Beginne ein neues. Soll ich Dir zu einem Posten verhelfen, auf dem Du mit Deinen Fähig- leiten Dich ehrlich ernähren kannst? Ich habe viele Verbindungen; es steht in meiner Macht! Da hast Du meine Hand darauf." Der Mörder fiel auf die Kniee vor dem, den er hatte ermorden wollen, faßte dessen dargereichte Hand mit beiden Händen und bedeckte sie heftig schluchzend mit seinen Küssen. „O, mein Herr, Sie sind der erste Mensch, der so zu mir spricht. Lassen Sie mich hier zu Ihren Füßen knien. Von meiner Knabenzeit an wurde tch wie ein herrenloser Hund von einer Thür zur andern verjagt, jeden Bissen mußte ich mir stehlen, erschwindeln, erschleichen- nie hat mir Jemand die Hand gereicht als Einer, der noch schlechter war als ich und mich auf Abwege führte. Ich habe ein schändliches, erbärmliches Leben geführt, voll Betrug und Verrätherei und ich muß vor jedem bekannten Gesicht erzittern. Und Sie reichen mir Ihre Hand, Sie, dem ich seit Tagen auf- lauere, wie ein Bandit, wollen mich von mir selbst erlösen. Lassen Sie mich vor Ihren Füßen knien und so Ihre Be- fehle vernehmen." „Stehen Sie auf! Ich bin kein Freund von Sentimentalität. Thränen bei einem Manne sind mir ver- runv liirm, i"- 1 dächtig. aus der Hütte'»Sie haben Recht," sagte Theodor Knßtyan—„und versorgen. Man wird die gefährliche und überflüssige K o- lonialpolitik vermeiden müssen, die nur Abenteuer der bedenklichsten Art und ungeheure Verluste mit sich ge- bracht hat. Man wird die Verfassung revidiren müssen, eine Forderung, welche die Republikaner ganz unbedenklich erheben können, denn wenn sie bei den Wahlen unterliegen sollten, so wäre diese Frage ohnehin eine offene und ihre Lösung würde von den Gegnern der Republik unverzüglich in An- griff genommen werden. Endlich müssen, wenn die Republik erhalten bleiben soll, einmal die sozial- politischen Reformen, deren Frankreich so dringend bedarf, geschaffen werden. Noch immer ist fast gar nichts zu Gunsten der bedrängten Arbeiter in Stadt und Land geschehen und die Kammer hat ihre kostbare Zeit mit viel überflüssigem Zeug vertrudelt, während die Beschwerden der Arbeiter einfach nicht gehört wor- den sind. Wenn solche Bahnen betreten werden, dann bleibt auch die Republik erhalten, weil sie die Sympathie des französischen Volks dann für sich haben wird. Andern- falls wird sie die Leute der Demagogen und der politischen Abenteurer ä la Boulanger, denn nicht alle Prätendenten werden den Republikanern den Ge- fallen thun, sich selbst so tief in den Sumpf der Gemeinheit zu tauchen, wie Boulanger gethan. Wir haben das höchste Interesse daran, daß die Franzosen ihre innere Politik in diesem Sinne umgestalten, denn die demokratische Republik bedeutet den Frieden, während die Diktatur irgend eines Prätendenten, sei er sonst, wer er wolle, den Krieg bedeutet. Die Republik ist es schuldig, den Arbeitern endlich zeit- gemäße Reformen zu gewähren, die noch eine jede Regierung versprochen, aber keine gegeben hat. Wird es auch diesmal versäumt, eine Aera volksthüm- licher Sozialpolitik in Frankreich zu beginnen und die Vor- bedingungen für eine solche zu schaffen, dann steht es schlimm um die Republik. Die Franzosen haben ihr Schick- sal in der Hand. polttifche Meberstchk. Kolonialpolitiker nach der neueste» Mode.„Kapitän- leutnant"(?) Ruß, ein Adjudant des Herrn PeterS und speziell Kommandant der Somalis(in panitms) hat aus Hirdi an der Mandobuckt einen, vom 10. Juli datirten Brief geschrieben, den die„Kölnische Zeitung" veröffentlicht. Der Schluß des interessanten Schriftstücks lautet: „Damit Sie sehen, wie ich hier in einem afrikanischen Dorfe mutterseelenallein lebe, gebe ich Ihnen einen Auszug vom gestrigen Tage aus meinem Tagebuche. Ich schicke vor- aus, daß ich immer noch befürchte, daß schwere Hindermsse uns besonders bei einem so berüchtigten Kommödianten wie ich, der, wenn man ihm sagte:„Da hast Du einen Groschen, weine mir was vor", sofort in Thränen ausbrechen konnte. Jetzt glaubt man mir nicht, wenn ich wirklich weine. Ich werde meine Thränen unterdrücken." „Dies umsomehr, da es keineswegs meine Absicht ist, Ihnen eine moralische Vorlesung zu halten, sondern über eine sehr trockene Geschäftsangelegenheit mit Ihnen zu reden. Sie sprachen von Ihren Verbindungen mit dem Bankhause Scaramelli und einer Geschäftsreise nach Bra- silien." „Mein Herr, das war Alles erlogen." „Ich dachte mir's. Sie haben also keine Verbindung mit Scaramellis?" „Ich hatte sie einst, aber sie wurde abgebrochen." „Sind Ste durchgegangen oder sind Sie fortgejagt worden?" „Das Erstere." „Mit anvertrauten Geldern?" „Mit drei- oder vierhundert Gulden." „Sagen wir, es waren Fünfhundert. Hätten Sie nicht Lust, sie den Scaramellis zurückzubringen? Ich stehe mit dem Hause in Verbindung." „Ich möchte nicht gerne dort bleiben." „Und was für eine Bewandtniß hat es mit der brast- lianischen Reise?" „An der ist kein wahres Wort; von dort bezieht man keine Schiffsbauhölzer." „Zumal nicht solche, wie die von Ihnen genannten, unter denen sich auch Farbhölzer und offizinale befanden." Theodor lächelte.„Die Wahrheit ist, daß ich die Bäume der herrenlosen Insel an einen Kohlenbrenner verkaufen wollte, um zu etwas Geld zu kommen. Therese errieth auf der Stelle meine wahre Absicht." „Also kamen Sie nicht Nv'mi zu Liebe auf die Insel?" durch Jntriguen und schlechte Mittel bereitet werden. Als ich gestern Abend meine Zigarette rauchend und meinen Thee schlürfend in der Hängematte liege und träume, alarmiren oder warnen mich meine Somali durch die Nachricht, daß sich etwa M Somali(von KiSmayu oder Barawa) im Dorfe aufhielten und bereits Erkundigungen über uns eingezogen hätten, sie stopften gleichzeitig ihre Magazingewehre voll Patronen und Hassan Egot trifft Anordnungen zur Vertheidigung des Lagers; ich lasse mir meine Büchse bereit legen und mich sonst nicht stören; ich weiß aber nicht, was ich daraus machen soll, glaube sedoch, daß es sich hier mehr um Stammesgegensätze der Somali handelt, und kann nicht annehmen, daß man diese Leute gegen uns gedungen oder aufgeregt, um etwas gegen die Karawane zu unternehmen; Hassan ist nicht ängstlich, ich muß eher ein scharfes Auge auf ihn haben, daß er nicht zu weit geht, denn die Kugeln sitzen ihm locker im Laufe, wie er bereits bewiesen. Möglich ist es, daß diese Leute Beute witternd und begehrend. Streit suchen, um im Trüben zu fischen. Umändern Morgen versammelt sich der Dorfvorstand, mehr oder minder würdige oder unwürdige Araber und Suaheli, ich lasse nach der Schablone der Großen vntichambrircn, d. h. einfach in meiner unmittelbaren Nähe bis zur Beendigung eines Schreibens warten und antwortete auf die Jambo und Tambo sana, bana kuba(guten Tag, sehr guten Tag, großer Herr) in einer unzufriedenen, mürrischen Weise und nicht so frisch, frei, froh, fromm, wie es der aftikanische Gesellschaftskodex in Bezug hierauf vorschreibt, so daß die Dorfräthe den Anzug eines Ge- witters merken müssen, falls sie nicht ganz auf den Kopf ge- fallen sind;— der eigentliche Wali läßt sich nicht mehr sehen, er ist angeblich stets abwesend(in Lamu), tout comme chez nous. Ich zitire meinen Ali zum Dolmetschen und fahre die Dorfschulzen in rauher Weise(immer nach berühmten Mustern) an, indem ich sie, falls Unruhen entstehen, verantwortlich mache, und die sofortige Ausweisung der fremden Somali verlange. Ich drohe ihnen, Feuer geben zu lassen, falls sich mehr als zwei fiemde Somali meinem Lager nähern sollten; lasse durch- leuchten, daß mir der Verlust von Weibern und Kindern im Dorfe weh thun würde und daß ich hinwiederum bei meiner Körperkonstitution ruhig und friedlich, wie ein ehrlicher HauS- vater im Schlafiock unv Pantoffeln bei uns, in ihrem Dorfe schlafen möchte und nicht immer mit der geladenen Büchse an meiner Seite." Und da giebt es noch Leute, die sich wundern, daß unsere Kolonialpolitik so kläglich Fiasko macht! Das„nach berühmten Mustern" ist aber gut. Die Iudenfresserei der„Leipziger Zeitung". Das amtliche Organ der sächsischen Regierung, und das nichtamtliche des Herrn Stöcker, welches auf seine Bildung und seinen vornehmen Anstand so stolz ist, läßt sich— wahrscheinlich von einem der amtlichen Gelegenheitsredakteure—„aus einem Ostseebade" folgende geschmackvolle Stilübung schicken: „Im Ostseebade W. bei R., das wegen seiner bequemen Verbindung mit dem deutschen Binnenland neben anderen großen Vorzügen— fast immer bewegtem Wasser, prachtvollem, steinfteien Badegrunde, schönen und dabei noch immer billigen Wohnungen:c.— immer mehr von Ruhebedürftigen, zumal auch aus unserem Sachsenlandc, besucht wird, mehren sich, wie das nicht anders zu erwarten ist, auch die G ä st e i s r a e l i- tischen Volksthums. Wo man hinsieht— die bekannten undeutschen, ausgeprägt morgenländischen Gesichtszüge. Doch auch hier haben diese unsere einheimischen Fremdlinge es vcr- standen, sich gründlich verhaßt zu machen. Ihre lautaellenden Stimmen, ihr sich vordrängendes, rücksichtsloses Gebahren, ihr ganzes, unser deutsches Gefühl für Wohlanständigkeit ver- letzendes Wesen macht, daß sich der Deutsche in den Räumen nicht wohl fühlt, sondern sich alsbald aus denselben entfernt, in welche jene Platz und Stimme begehrend in kleineren oder größeren Haufen lärmend hereinbrechen. Der Deutsche geht, wo die Söhne und Töchter Sem'S sich breit machen. Weniger geduldig und vornehm zurückhaltend in der Abneigung gegen die Semiten ist die„Zukunft unseres Volks", der deutsche Nach- wuchs. Das tritt besonders in den Badezellen zu Gesicht. Im Herrenbade ist von den vielen wohl kaum eine einzige Badezelle, in der nicht jugendliche Ungezogenheit den, wie es scheint, sehr Vielen gemeinsamen Unwillen über den jüdischen Zudrang und Aufdrang in Wort und Bild, VerS und Prosa zum Ausdruck gebracht hat. rn Wiedergeben lassen sich diese Fingerzeige nach der Thür natürlich nicht. Dazu sind sie zu wenig fein und viel zu deutlich. Aber, so wenig wir auch das„Beschmieren der Wände" in Schutz nehmen ivollen—, auch, was diese Hungen Narrenhände geleistet haben, ist, wie wir meinen, ein Zeichen der Zeit,— ein Mene mene tekei, daß die Glieder des„aus- erwählten Volks", diese„berufenen Herren der Völker bei ihrem unver— frorenen Streben, uns zu Heloten zu machen, sich deuten sollten. Ist auch das dcrmalige Geschlecht in, Großen und Ganzen noch vornehmstille,— es wächst ein anderes heran. — Der Deutsche aber, auch der jugendlich ungestüme, lasse sich gesagt sein, was wir im Seebade W. in einer Badezelle(Nr. 93) an der inneren Fläche der Thür lasen: „O, ich habe so viele Frauen, als ich Länder besucht habe." „Hm— ich wüßte für Sie eine sehr gute Stelle in Brasilien, eine Agentur bei eine einer im Entstehen begriffenen Unternehmung, bei welcher die Kenntniß der ungarischen, deutschen, italienischen, englischen und spanischen Sprache er- forderlich ist." „Lch spreche und schreibe in allen diesen Sprachen." „Ich weiß es, und auch noch griechisch, türkisch und pol- nisch und russisch. Sie sind ein genialer Mensch. Ich will Ihnen also diese Stelle verschassen, bei der Sie Ihre Fähigkeiten verwerthen können. Die Agentur, von der ich sprach, ist mit einem Jahresgehalt von dreitausend Dollars und gewissen Prozenten vom Geschäftsgewinn verbunden. Es wird nur von Ihnen abhängen, wie groß diese aus- fallen." Theodor wußte nicht, ob er seinen eigenen Ohren trauen sollte. Er war aber schon so gewöhnt ans Schauspielern, daß er, von einem wahrhaften Dankgefühl über- rascht, nicht den Muth hatte, ihm Ausdruck zu geben, aus Furcht, man könnte es wieder nur für Schauspielerei halten. „Welchen Grund hätte ich, in dieser Stunde hier und mit Ihnen zu scherzen! Sie haben mir nach dem Leben getrachtet—; ich muß mich dagegen sicher stellen. Aus der Welt schaffen kann ich Sie nicht, das verbietet mein Ge- wissen. Ich muß also einen guten Menschen aus Ihnen zu machen suchen im Interesse meiner eigenen Sicherheit. Wenn Sie in glücklichen Verhältnissen sind, werde ich von Ihnen nichts zu fürchten haben. Jetzt iverden Sie meine Hand- lungsweise begreifen. Als Beweis dafür, daß mein Aner- bieten ernstlich gemeint ist, nehmen Sie da meine Brief- tasche. Sie finden darin das nöthige Reisegeld für Trieft, und wahrscheinlich auch noch so viel als Sie Scaramelli schuldig sind. In Trieft werden Sie einen Brief vorfinden, der Sie über das Weitere unterrichten wird. Und jetzt gehen wir, der Eine rechts und der Andere links." Theodors Hand zitterte, als er die dargereichte Brief- tasche in Empfang nahm. Michael bob seinen durchschossenen Hut vom Boden auf.„Und jetzt halten Sie es mit den Nur wo ein Aas ist, sammeln sich die Geier Und halten kreischend dort ihr ekleS Mahl. Wach auf mein Volk! Ist Dir Dein Leben theuer, So wäg der Väter Weisheit heut zumal. Die Geier mit den Hackenschnäbeln fliegen; Sie kreischen beutegierig Dir ums Haupt. Sollst etwa Du in Tod und Fäulniß liegen, Ein Moder-Ding, das sich lebendig glaubt?! „Nur wo ein Aas ist, sammeln sich die Geier"; Erwäg es wohl. Du selbst bist's, der sie zieht. Träum aus den Traum, und werd vom Selbstlob freier; Prüf wach und nüchtern Dich an Haupt und Glied. Und dann thu ab, was an Dir fault und modert— Den Zug zum Niedern, der die Kraft zerfrißt! Schaff, daß ein hehrer Geist zur Höhe lodert! Du bist die Juden los, sobald Du christlich bist." ES wäre ganz interessant, wenn man den geistreichen Dichter, welcher seine germanischen Landslcute mit einem„Aas" vergleicht, ermitteln könnte. Ob der„tollgcwordene Narr" noch Verse macht? Ueber die neulich auch von uns gemeldete Anf- stel>«ng des Ausnahmegesetzes in Gesterreich schreibt die neueste Nummer der„Arbeilerzeitung" in Wien also:„Es wär' zu schön gewesen, eS hat nicht sollen sein!"— daß wir in Oesterreich nämlich ein Ausnahmegesetz weniger haben sollten. Wie eine vor einigen Tagen erschienene und bis heute noch nicht widerrufene Notiz, die wir einem Wiener Tageblatte entnehmen, besagt,„soll demnächst eine kaiserliche, vom Gesammtministerium gezeichnete Verordnung erscheinen, wonach die am l. August v. I. publizirte und Mos bis zum 31. Juli d. I. giltig gewesene Verordnung, betreffend die Auf- Hebung der Wirksamkeit der Geschworenengerichte in denjenigen Strafsachen, welchen anarchistische Verbrechen zu Grunde liegen, mit theilweise abgeändertem Texte reaktivirt wird. Die Ver- ordnung umfaßte bisher die GerichtShofsprenqel: Wien, Wiener-Neustadt, Wels, Prag, Brüx, Gitschin, Jungbunzlau, Reichenbcrg, Brünn, Olmütz, Neutitschein, Graz, Leoben und Klagenfurt. Nach der neuen Verordnung sollen nun in einzelnen Bezirken, wie in Gitschin und Junzbunzlau die ordentlichen Gerichte in ihrem vollen Umfange wieder hergestellt, bei anderen Gerichtshöfen hingegen für anarchistische Delikte Aus- nahmSgcrichte eingeführt werden. Das bezügliche Gutachten des Obersten Gerichtshofes ist vom Justizministerium bereits ein- geholt worden."— Sollte sich diese Nachricht bewahrheiten, sollte die Einführung dieser neuen Ausnahmegerichte Thatfache werden, dann— haben wir uns, und mit uns viele unserer Freunde wieder einmal geirrt; geirrt in der Regierung, von der wir„beinahe" geglaubt hätten, sie sei zur Erkenntniß von der Ueberflüssigkcit derartiger Verordnungen gelangt, und geirrt weiters mit der Annahme, daß das gegenwärtige System, und die moderne Gesellschaft im Stande sei, ohne„Anarchisten" für eine längere Dauer ihren Bestand zu sichern. Der„Dordi». AUg. Zelt." ins Stammbuch. Der edlen Norddeutschen, die seit einiger Zeit so eifrig dabei ist, für eine Beschränkung des Koalitionsrechts namentlich für die sozia- listen Agitatoren zu arbeiten, empfehlen wir daS genaue Stu- dium der Londoner Korrespondenz in der Nr. 398 Abendaus- gäbe der„Voss. Ztg.", die wir in unserer heutigen Nummer ebenfalls zum Abdruck bringen. Bei der Begeisterung, die neuerdings der„Nordd." auf höheren Befehl für alles englische an den Tag legen muß, begeistert sie sich vielleicht auch ein wenig für die ficien Institutionen Englands, die den englischen Arbeitern eine Bewegungsfreiheit gewähren, die für die Ar- beiter im„zivilisirten" Deutschland, wenigstens so lange die „Norddeutsche" offiziöses Organ ist, unerreichbares- Ideal bleibt. Aus Sachsen wird uns unterm 28. d. geschrieben: Von amtlicher Seite ist es widerrufen worden, daß der Leipziger Staatsanwalt, dessen Konflikt mit einem Doktor und Reserve- lieutenant wiederholt in.Ihrem Blatte envähnt war, selber ein Reseroelieutenant gewesen sei. Nun— ich will das Dementi einmal unbesehen hinnehmen; was ist aber damit bewiesen oder gebessert? Gar nichts. Was in dem fraglichen Falle das Rechtsgefühl verletzt, ist die Thatsache, daß ein Staatsanwalt beshalb, weil er keine ungesetzliche und barbarische Handlung begehen wollte, zum Austritt aus seiner Stellung gezwungen wurde. Wäre der Staatsanwalt zugleich Reservelieutenant ge- wcsen, so wäre es sogar noch eher zu verstehen, daß die Maß- regelung erfolgte. Ich sehe also in der That nicht ein, was mit jenem Dementi eigentlich bezweckt wurde.— Die Notiz in Ihrem heutigen Blatte unter der Spitz- marke:„Können Sozialdemokraten mit Einquartirung belegt werden?" ist in ihrem ersten Theil ungenau. Der dort er- wähnte Fall hat sich nicht in Würzen zugetragen, sondern in Borsdorf. Nachstehendes„Eingesandt", welches sich im„Wäh- ler" vom 22. d. befindet, giebt den ganzen Sachverhalt: beiden Schüssen so, wie's Ihnen beliebt. Waren es Schüsse eines Meuchelmörders, dann haben Sie allen Grund, an keinem Orte mit mir zusammentreffen, wo das Gesetz herrscht; — waren es aber Schüsse eines beleidigten Kavaliers, dann werden Sie wissen, daß bei dem ersten Zusammentressen die Reihe des Schusses an mir ist..." Theodor Krißtyan entblößte seine Brust und rief leiden- schaftlich:„Schießen Siedaher, wenn ich Ihnen noch einmal unter die Augen komme! Erschießen Sie mich wie einen tollen Hund!" Er hob die ausgeschossene Pistole vom Boden auf und drückte sie Timar in die Hand.„Erschießen Sie mich mit meiner eigenen Pistole, wenn Sie mir noch je irgendwo in der Welt begegnen. Fragen Sie nicht erst, sprechen Sie kein Wort, sondern erschießen Sie mich." Und er ließ nicht ab, bis Michael die Pistole genommen und in seine Jagdtasche gesteckt hatte. „Leben Sie wohl," sagte Timar, dann ließ er ihn stehen und ging weiter. Theodor blieb eine Weile stehen und schaute ihm nach. Dann lief er ihm nach und hielt ihn an.„Mein Herr, ein Wort! Sie haben einen neuen Menschen aus mir ge- macht.— Erlauben Sie mir, wenn ich Ihnen einmal schreibe, mit dem Worte beginnen zu dürfen:„Mein Vater!" In diesem Worte lag für mich bis jetzt Grauen und Abscheu; lassen Sie mich hinfort darin eine Quelle des Vertrauens und des Glückes finden.— Mein Vater, mein Vater!" Theodor küßte leidenschaftlich Michaels Hand, stürzte dann davon, warf hinter dem ersten Gebüsch, das ihn den Blicken Michaels verbarg, sich mit dem Gesicht ins Gras und weinte— wirklich aufrichtige Thränen. Die arme kleine Noemi stand eine Stunde lang unter dem Akazienbaum, bei dem sie von Michael Abschied ge- nommen hatte. Therese, der sie zu lange ausblieb, was ihr nachgegangen um sie zu suchen, und saß nun neben ihrer Tochter im Grase; um nicht müßig zu sitzen, hatte sie sich ihre Strickerei hervorgeholt und strickte. Plötzlich schrie Noemi auf:„Mutter hast Du gehört? Zwei Schüsse am jenseitigen Ufer!" Sie horchten. Inder Was ein Sozialdemokrat nicht alles für Vorthelle h■ Dieser Tage kam der Herr Gemcindeoorstand zu ma. kündigte mir, da ich ein Logis habe, für daS ich als 150 M. Miel he zahle, Einquartirung an, namuch Soldaten, den ich vom Freitag, den 23., bis Sonnabeiw, 24. August bcwirlhen sollte. Ich erklärte einfach, daß Soldaten nicht aufnehmen würde, worauf der Gem. vorstand mir entgegnete: Sie müssen den Soldaten"si' Darauf führte ich folgendes als WeigerunzSgmnd an- Militärbehörde erläßt ununterbrochen Bekanntmachung/ denen kund gegeben wird, daß die Soldaten dieses oeer i � Lokal nicht betreten dürfen, weil dort Sozialdemokraten fehrert tri4»iT«*>*<• ß'r-rtv» htß tttt Vae" kehren, oder weil biese oder jene Krankenkasse, die M- der Sozialdemokratie steht, ein Fest daselbst adgehmiett v QCQCOCT!/ OQp �OlOCUCrt/ ötC tttti /�JlCtroöiCttsOcTl demokratcn ve, kehren, in Bezug auf Urlaub uno-. zeichen Beschränkungen erleiden werden. Aus all a, Momenten ist zu ersehen, daß bie Militärbehörde w oder vielmehr verlangt, daß Soldaten mit f 0> icm, nicht in! Berührung kommen dürfen. And ich als /.i' listischer Agitator" soll einen ganzen Tag mit eimm�o„ zusammenwohnen? Das will und leidet die M'litaroey nicht. Ferner liegen eine Masse allerdings mcht � aber doch, nach unserer Gegner Ansicht, sehr. Schriften bei mir im Zimmer herum, die ich keine Veran I habe zu verschließen. Diese Zeitungen kommen also 0fB>. � baten in die Hände. Da nun die Miliiärbehörde des � keine Bekanntmachung erlassen hat, daß Soldaten � listen nicht ins Quartier gelegt werden dürfen, so low � der Militärbehörde entgegen und verweigere unter alleo ständen die Annahme von Soldaten.— DieS unzesayr i ich aus. > x,„(Tüttä S" Der Gemeindevorstand ging weiter, ohne noch em � erwidern. Bis heute ist er noch nicht wieder daaeweie«�, ich habe den Nutzen, weil ich Sozialdemokrat bin, keinen baten beherberge.« zu müssen., Man sieht, die Sozialisten können sich viel nutzbar w sie müssen es nur richtig anstellen. BorSdorf, den 16. August 1389.,„ K. Pinka»-. Dies das Eingesandt. -Die Redaktion des„Wähler" bemerkt dazu:,„...w, Wir können zu vorstehender Zuschrift nur daß unS die Handlungsweise deS Herrn Pinkau, der m, � lich aus Leipzig ausgewiesen ist, durchaus logisch und o' erscheint. Und wir können nur wünschen, daß bas � Nachahmung finden möge.— Die Konsequenzen deS den die Militärbehörden gegen die Sozialdemokraten in � gesetzt haben, gehen unseres Erachtcns aber noch vier � und müssen zur Entfernung der Sozialdemokraten au» � Armee führen. Wenn die Militärbehörden wirklich Sozialdemokraten für einen Reichsfeind halten, dann ihnen auch nicht angenehm sein, daß sich etliche Hundert � Soz-aldemokraten in der Armee befinden. Jedenfalls ha° t»i Sozialdemokraten unter den herrschenden Umständen da» Recht, die Befreiung vom Militärdienst zu verlangen- Frage gelegentlich Sf iJ'1 ni« L werden uns mit dieser sehr wichtigen beschäftigen. Red. d.„W.". Jedenfalls find die hier aufgeworfenen Fragen leyr cssant; und es wäre gut, wenn das Borsdorfer Beistnri geahmt würde. Beiläufig ist der Verfasser des„Ei Einquartirung verschont geblieben und auch sonst nno» belästigt worden. Ob Gemeindebehörden das Rech'.5� wie es in einem ähnlichen Fall in Süddeutschland lss' ist: die Einquartirung einlach ins WirthShauS zu legn � verweigert, das Bier nicht mehr liefert. Der Wirth, dew den Kartellbrüdern unter die Arme gegriffen wird—- r KS paar„Gästen" kann er nicht leben— bezieht jetzt tew stV aus einer anderen Brauerei, gegen welche nun der P�lLsq>k öffnet wird. Den früheren Brauer hat der Spaß einige Mark gekostet-- der neue Brauer wird auch wohl bald' daß der Spaß etwas theuer ist. » Die politische Unreife unserer deutschen— ,.,rt p». zeigt sich in dem noch immer andauernden Geschimpft Koalitionsrecht, und den Vorschlägen, es zu beschränken- 20 Jahren war unser Bürgerthum noch fast einstimmig das Koalilionsrccht, das vom Reichstag fast einstimmig � ward. Und heute zeigt der Vergleich mit damals recht den Rückgang der deutschen Bourgeoisie, die, an der c tz � Kraft und dem eigenen Recht zweifelnd, nur noch Polizeircvolver und die„Flinte, die schießt", und den ,�(51 der haut" ihr Vertrauen setzt. Es wäre traurig, wenn � unsere Partei nicht so vortheilhaft und so verheißuNS' wäre. „Jetzt wieder zwei .Es werden Jäg� schwülen Luft war. tiefe Stille. Mutter was ist das? Therese suchte sie zu beruhigen. mein Kind, die dort jagen." Noemi's Wangen entfärbten sich, so daß sie bleich � sah, wie die Akazienblüthen über ihrem Haupte. Ste?..s. ungestüm ihre Hände ans Herz und stammelte: o nein! Er wird nie mehr zurückkehren!". � Und dann fiel es ihr so schwer aufs Herz, daß' jfj( nicht das kleine Wörtchen„Du" gesagt, als er sie> darum gebeten. � � '"tX ..Meister Fabula," sagte Timar zu seinem Schaffner,„heuer verführen wir die Frucht weder»ach noch nach Komorn." „Was werden wir denn mit ihr anfangen?". q/ „Wir werden sie hier vermählen. Ich habe zivm J Mühlen aus meiner Herrschaft, zu diesen miethen � dreißig Donaumühlen, die werden schon damit fertig „Da werden wir aber einen ungeheuer große» � laden dort aufschlagen müssen, wo wir so viel M'" kaufen wollen." � „Auch daran wird's nicht fehlen. Wir verlade Mehl in Säcken auf kleine Schisse, die wir bis hinaufziehen lassen. Dann überladen wir eS auf m wagen und führen es nach Trieft. In Trieft zM mein Schiff bereit, welches das in Tonnen gepackte nach Brasilien bringt." „Nach Brasilien!" schrie Fabula ganz erschrocken. hin gehe ich aber nicht mit." „Ich denke auch gar nicht daran, Sie hinzuschickest Fabula. Ihre Sache ist die Vermahlung und der ft.r»„ nach Trieft. Ich werde noch heute den Verwalter» Müllern Ordre geben und Sie werden in meiner A» heit schalten und walten, als wäre ich selber da." „Danke schön!" sagte Meister Fabula und gewaltig sein Haupt, als Herr von Levetinczy die � stube verließ.„Das wird nun wieder eine haushohe~ � Heit!" bruminte er vor sich hin.„Fürs Erste»» "'«rn Ort Munmö »ber au /-verbli tfykhl > s! Das Koalitionsrecht der Arbeit er. !'Ui ng/ daß der Fachverein der Töpfer von Leipzig t,�Mk?end polizeilich aufgelöst worden, ist noch beizufügen, auch der Arbeitsnachweis, die Kontrolkommifston n"nterftützungskaffe von dieser Maßregel betroffen ist. iU �kgründung wird u. a. angeführt,„daß der genannte OToetem bereits seit längerer Zeit nicht sowohl die Hebung chw*rung des Töpfergewerbes auf gesetzlichem Wege, als U/i. i 11 3weck verfolgt, das gute Einvernehmen zwischen und Arbeitnehmern im gedachten Gewerbe am ß-Ä �°uf alle Weise zu stören, bezw. um solches über- ß;i unmöglich zu machen, die Arbeitnehmer gegen die Ar- »>l 1 Aufzuhetzen, die ersteren an jeder freien Bewegung Silß t$em Gebiete und an jeder Belhätigung eigenen i ws bezüglich der Arbeits- und Lohnverhältnisse zu hin- rt' lwes direkte Verhandeln über solche zwischen Arbeit- � �ur.d Arbeitnehmern unmöglich zu machen und die nicht „rein angehörigen Gewerbsgehilfen durch Behelli- fjatif; Q �t, ja durch Beschimpfungen und thätliche z H lsse m xminn�n 9Rpr<»tn nphntretett. ober tjT"5 W zwingen, dem Verein beizutreten, Wnl"iesem geübten Terrorismus sich zu fügen".— Hierzu M Leipziger Arbeiterblatt der„Wähler": Fragt man, l?>e �opfergesellen das gute Einvernehmen jc. gestört haben, wan zunächst die Antwort, daß die Töpfermeister den mit den Gesellen gemeinschaftlich anerkannten j, mehr bezahlen wollten.— Die Gesellen hielten an �".�wschaftlichen Abmachungen fest und so kam es zum � Wer war also der Störenfried des guten Einver- S??? Die Antwort lautet: Die Arbeitgeber!— Der hL die Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber aufgehetzt !ij>> L? Rr. 35 der„Deutschen Töpferzeitung" lesen wir, >5-t cr die„Unverschämtheit" geschrieben worden ist: Ht,;, f�we uns immerhin der Aufteizung, aber gegen die � L Namentlich aber gegen die Agitatoren, muß mit m ge vorgegangen werden. Man setze doch die Burschen einfach an die Luft und lasse ste tziij/nnige Monate in Ruhe darüber nachdenken, ob der bd z»!. aw Ende doch wohl in der Lohnfraae das erste tit �.. fktzle Wort zu sprechen hat!"— Wer brüstet sich also jiLi Ausreizung?— Die Antwort lautet: Die Arbeit- bs kj"X Der Verein soll durck allerhand Mittel TerroriZmuS tyft, isewcrbsgchilfen ausgeübt haben, dein Verein beizu- �"7 Am 2l. Juli(also zirka 4 Wochen vor der Auf- ■mm«. Vereins) faßte die Vorstandsversammlung deS Verbandes selbstständiger Töpfermeister und Ofen- folgenden Beschluß:„Die im Vereinsgebiete als a Gsellen bekannten Leute, welche durch die„Deutsche �'Äntung" bekannt gemacht werden(schwarze Listen!) °uf keinen Fall von heute an beschäftigt werden, ,§ 4—5 dar Statuten voll und ganz zur An- bfoSL.nnnt."— Wer übt hier ungehindert den schlimm- k«.Zarismus?— Die Antwort lautet: Die Arbeitgeber— Sjy.aud der Töpfermeister:c.— 'ffetm■(2nett<:n'st noch, daß die Vorstandsversammlung der Hii�arner zu dem Zwecke anberaumt war, über die V-?- Arbeitgeber zu Gericht zu sitzen, weil sie den Ge- s': den sie erst gekündigt hatten, wieder anerkannten, Ci! den Gehilfen-- ■tili ln. v' h. wieder in Frieden leben wollten.— ein wird vorgeworfen, daß er den Zweck der Förde- i>'°er Hebung des Töpfergewerbes nicht mehr verfolge.— Obenerwähnten Vorstandsversammlung wird mit großer auf die Dresdener Setzerschule aufmerksam gemacht, s man jährlich 2— ZlX) Mann auszubilden gedenkt.— hfe5 Hebung des Gewerbes, wenn man fortgesetzt mit Lehr- JW feilet?— Wir könnten diese Beispiele fortsetzen, doch Sid» e wenigen genügen, um zu beweisen, daß alle die Nb„ welche gegen die GehilfenZvorgebracht, in weit größerem bie Meister anwendbar waren, daß also diese Ver- %(k'■ wenn überhaupt nothwcndig, von dem Verbot in Kit betroffen werden müßte.— Der Fachverein legt, dt,d°rtn, Beschwerde ein. n, Anlrlagcsache wegen Majestiitobeleidignng, sien eines Artikels über die Nordlandreise des Kaisers Nlen Redaktion der„Potsdamer Nachrichten" seit einigen toftiteJwfcbt, sind zwei Setzerlehrlinge gerichtlich vorgeladen, ? Ar?i??"ch in der Absickit, um Auskunft über den Verfasser ikCfl« zu erhalten. Ferner haben die Redakteure der Zeitung" Vorladungen als Zeugen in emer Straf- «Unbekannt" erhalten. MZ �.5.Ueues Arbeiterblatt erscheint für Thüringen vom ' Kit? er an. Dasselbe führt den Titel„Thüringer Tribüne" Zweimal wöchentlich ausgegeben.— Glück auf! k:, Großbritannie«. b« Bedeutung derStreikbewegung der ' klj� u e r Dockarbeiter sei an dieser Stelle eine aus- 'C Schilderung ihrer Massenversammlung im Hydepark hg''°>e der„Voss. Ztg." aus London zugeht, obwohl wir K 5B>atsachen der Versammlung bereits gestern nntgetheilt !» � �er Londoner Bericht der„Voss. Ztg." verdient aber wlb wiedergegeben zu werden, weil er zu interessanten 'S to�wpfig, bis es hinkommt. Zweitens kauft es dort Drittens bekommt einer das Geld nie zu Gesicht, Brasilien zu erhalten hat. Wie soll er es sich «n 1 Dorthin geht weder ein Fiskal noch ein Vize- % Kurz und gut, das ist wieder eine kolossale unsterb- ?i �?wheit von unserem Herrn Levetinczy, die aber N. �unen aller Welt wunderbar gut ausschlagen vT.Kde Dummheit, auf die unser Herr Levetinczy »»prallen ist und ich zweifele keinen Augenblick, daß iV'Wchiff mit Goldstaub beladen von Brasilien zurück- S" wird. Deshalb bleibt es aber doch eine große Dumm- (Fortsetzung folgt.) il Ks Mutlst und Leven. sonderbare Verwechslung hat in Stuttgart die ™..i™,g zu einem Prozesse wegen Vergehens gegen das KS»2?efefe gegeben, der am 22. d. M. vor der Fenen- S"erhandelt wurde. Die Anklage richtete sich gegen lade»�!'i Äat„"'"neister Guldenfels und den Bildhauer Bcrrer Kar'! ,,» VSen letzteren wegen strafbarer Beihilfe, und basirte SÄ K u Tha, bestände. Im Auftrage des zweiten. An- ! geii em Dienftmädckien einen aus London demlelbcr �Ngt �«e���in�Kausmann���ndlungSgehilse) namens Geiger Xe»m tcueö Kanee- ,.i� hs'5, daher den Brief dem Inhaber icneS Kaffee C&ii mit den, Ersuchen, den Brief diesem Herrn Geige , t sej. L"- falls derselbe mit dem zweiten Angeklagten bc ! ihn Andernfalls bitte sie dcnJBrief aufzubewabren,� da V ihn"'.'".rrnfaus viiie Ire ocn-orici uu, zuv-, lesi' Ävsi��der abholen könne. Der Kasetier lildessen hatte N�aiiti*� genommen, den verhängnißvollen Brief icncm V Kiit. feiger zu übergeben, und dieser hatte, obwohl er mJ CjUt d«, daß d'er Brief sur ihn nicht bestimmt war, denselben St? ß"et, sondern, nachdem er vom Inhalt Kenntmß ü. Z' iknX r f t ii. t„r..ä rix Vergleichen zwischen dem Verhalten der englischen Polizei und dem voraussichtlichen Auftreten der deutschen in einem ähn- lichen Falle Anlaß giebt. Er lautet: London, 25. August. AuS Anlaß des Hafenarbeiteraus st andes fand heute Nachmittag im Hydepark eine Massenkundgebung von ganz ungewöhnlicher Ausdehnung statt. ES wäre müßig, die sich um etwa ein Dutzend Rednerbllhnen drängende Riesen- menge abschätzen zu wollen; aber mit den Neugierigen, welche sich den Ausständigen und deren sozialistischen und radikalen Freunden angeschlossen hatten, waren es sicherlich über 100000 Köpfe. Dabei hatten die meisten der Demonstranten — mit Musik und zahllosen Fahnen— einen Weg von viel- leicht zwei deutschen Meilen, nämlich von demWest-Jndia-Dock im fernen Osten bis zum Hydepark, zurückgelegt, und in der verflossenen Woche hat es keinen Tag gegeben, an welchem die Ausständigen nicht zu Zehntausenden durch die Straßen des Ostends und der City gezogen wären; die ungeheure Menschenmenge, welche sich am Freitag Nachmittag an dem DockhauS in Leadenhall Street(City) vorbei- wälzte, ist von den Blättem sogar übereinstimmend, auf mehr als 70 000 Köpfe angegeben worden. Und doch scheint die merkwürdige Bewegung immer noch an Aus- dehnung gewinnen zu sollen. Zehntausende, zum Thcil ge- lernter Arbeiter, stellen die Arbeit ein ohne eigenen Klaaegrund — lediglich„aus Prinzip", d. h. einzig zu dem Zwecke, um den Forderungen einer bei weitem kleineren Anzahl von unge- lernten Arbeitern mehr Nachdruck zu verleihen; denn von den jetzt etwa 50 000 Ausständigen sind nicht viel über 10 000 un- mittelbar an der Arbeitseinstellung betheiligt, nämlich die söge- nannten gelegentlichen Dockarbeiter, welche nur, je nachdem man ihrer bedarf, stundenweise zu je 5 Pence beschäftig werden und im Durchschnitt nur täglich 3 Stunden Arbeit finden, oft auch ganze Wochen, mitunter wohl gar Monate vor den Dock- thoren liegen, ohne es zu ein paar Schillingen Verdienst ge- bracht zu haben. Sie verlangen in der Hauptsache erstens 6 Pence für die Stunde, zweitens 4 Stunden Arbcitsminimum, drittens Eihöhung des Stücklohnes von 6 auf 8 Pence für die Tonne und von 8 Pence auf 1 Schilling für Ueberzeit, viertens Beseitigung der Zwischenmänner(Sweater) bei der Stückarbeit. Bereits am Freitag erklärten die Hafen- gesellschaften sich bereit, die beiden erstgenannten Punkte zu bewilligen, haben sich bis zur Stunde aber völlig ablehnend gegenüber den Punkten 3. und 4. verhalten. Und darum die beständig wachsende Ausdehnung der Streiks, welcher nicht nur den ganzen Londoner Hafenoerkehr brach gelegt, sondern zugleich auch die hiesige Handelswelt und verschiedene Eisenbahnen schon recht cmpsindlich in Mitleidenschaft gezogen hat. Haben doch, um ihren schlechter gestellten Kameraden zu Hilfe zu kommen, nicht blas die fest angestellten und die beständig auf Stück thätigcn Dockarbeiter, sondern auch die SchiffSveilader, Boots- männer, Fuhrleute, die Schiffshandwcrker aller Berufe u. s. w. die Arbeit eingestellt, so daß thatsächlich derzeit alles in London darniederliegt, was irgendwie mit dem Schiffsverkehr zu- sammcnhängt. Und im Hyde Park haben die maßgebenden Redner beute mit noch empfindlicheren Zwangsmaßregeln ge- droht. Walsh, der Sekretär der„Nationalen Vereinigten See- mannsgesellschaft und Heizergewerkvereins", stellte für den Fall, daß die Londoner Hafengcsellschaften nicht bald nachgeben würden, einen allgemeinen See mannSaus st and für ganz England in Aussicht, ferner sollen ganze Eisenbahn- linien stille gelegt werden, und wie Thome, der Sekretär des Gewerkoereins der Gasarbeiter, deutlich genug zu verstehen gab, würden an einem bestimmten Tage sämmtliche Gas- arbeiter der Hauptstadt die Hände in den Schooß legen und das Häusermeer an der Themse einmal ganz dem Dunkel der Nacht überlassen. Die Gasarbeiter haben sich erst jüngst mit sozialistischer Hilfe organisirt und Dank dem Beistand, der ihnen von anderen gewerkschaftlichen Organisationen geworden war, eine Reihe von Vortheilen, darunter den achtstündigen Arbeitstag, errungen. Darum wollen auch sie jetzt für das Prinzip der Solidarität aller Arbeiter einstehen, und im Hyde- Park waren sie heute mit einem Banner vertreten, welches die Inschrift trug:„Zur Erkämpfung ihrer Rechte sollen alle Arbeiter sich vereinigen." Dast ist kein neuer Kampf- ruf, aber er ist wohl noch nie so buchstäblich in die Wirk- lichkcit übertragen morden, wie gegenwärtig aus Anlaß des AuSstandeS der hiesigen Dockarbeiter. Aber bei der Vereini- gung blos der Arbeiter ist es nicht geblieben, auch weite bürgerliche Kreise sind auf Seiten der Arbeiter getreten. Die NnterstützungSgelder fließen reichlich, der Abgeordnete I. P. O'Connor(Hauptredakteur des„Star") veranstaltete sogar im Unterhaus eine ergiebige Sammlung; Bäcker verlheilen ihre Brote zu Hunderten unentgeltlich unter die Ausständigen: an- gesehene Geistliche nehmen sich der Kinder der Ausständigen an: der liberale Abgeordnete Sydney Burton, der den Haupt- hafenbezirk im Unterhaus vertritt, eilte schleunigst aus Irland herbei, um den Ausständigen seine Unterstützung zu gewähren. Tagesblätter, wie„Daily NewS", geben ihrer Sympathie mit den Streikenden rückhaltlosen Ausdruck; kurz, es ist eine ganz ungewöhnliche Bewegung. Und der anerkannte Leiter der- selben ist der bekannte Sozialist John Burns, der seit acht Deren Nachforschungen führten nun sowohl zur Ermittelung des Dienstmädchens und ihres Auftraggebers, als auch schließlich zur Ermittelung des Guldenfels als des eigentlichen Adressaten, dem die Namen Berrer und Geiger nur als Deckadressen ge- dient hatten. Dieser Verdacht steigerte sich dadurch, daß durch Haussuchung bei ihm ein Kassenbuch entdeckt wurde dessen zum Theil chiffrirte Eintragungen auf einen regel- mäßigen Vertrieb des verbotenen Londoner„Sozial- demokrat" hinzuweisen schienen. Beide Angeklagte bekannten sich des ihnen zur Last gelegten Vergehens nicht schuldig, Berrer, weil er von dem Inhalt des Briefes keine Kenntmß gehabt, Guldenfels, weil es sich bei den Eintragungen seines Kassenbuchs um nicht verbotene sozialistische Broschüren gehandelt habe. Durch ein Znsammentreffen mehrerer gravirender Um- stände nahm indeß der Gerichtshof für erwiesen an, daß jene Eintragungen in der That dem Vertrieb des Londoner „Sozialdemokrat" gegolten hätten. Das Urtheil lautete gegen Guldenfels auf 2 Monate Gefängniß, wovon 1 Monat als verbüßt zu erachten. Berrer wurde fteigesprochen, da fiine Angabe, daß ihm der Inhalt des fraglichen Briefes und die daraus sich ergebenden Konsequenzen unbekannt gewesen seien, um so glaubhafter sei, als auch die Untersuchung gegen den richtigen Geiger keine diesen belastenden Momente ergeben habe. Ferner wurde die sofortige EntHaftung des seit Juni in Untersuchungehaft befindlichen Guldenfels verfügt. Gin aufregender Vorfall hat sich in der Nacht zum Freitag in dem belgischen Kloster Lovendeghem bei Gent zuge- tragen. Das genannte Kloster, welches ein Waisenhaus für Mädchen, eine Versorgungsanstalt für alte Frauen und ein Hospiz für unheilbare Kranke enthält, beherbergt ungefähr drei- hundert Personen. Unter den epileptischen Kranken befand sich der etwa vierzigjährige August Lambrecht, welchen man, da cr sich selbst rasirte, im Besitze eines Rasirmessers ge- lassen hatte. Freitag Morgen gegen zwei Uhr verließ Lambrecht sein Bett, nahm das Rasirmesser und ver- suchte seinen elf Schlafgenossen die Hälse abzuschneiden, indem er im Finstern einem nach dem andern tiefe Schnitt- wunden an Hals und Gesicht beibrachte- Alsdann stieg er eine Treppe höher nach einem anderen Schlassaal und setzte sein hlutiges Werk fort, so daß im Ganzen 24 Kranke mehr oder minder schwer verlebt wurden. Auf das Geschrei der Verwundeten und das Alarmsignal der mit dem Nachtdienst be- trauten- Schwester war bald das ganze Hauspersonal vcrsam- mclt, doch gelang es erst noch verzweifeltem Kampfe, sich des Unseligen zu bemächtigen. Die Oberin des Klosters und eine Tagen von Morgens 4 Uhr bis Abends 11 Uhr thätig ge- wesen ist, um nach und nach den letzten Mann aus den Drckl herauszuholen. Um 4 Uhr beginnend, zog er von Dock zu Dock, erstieg auf den Rücken und Schultern der ihn be- gleitenden Manner die Thore oder Mauern und ruhte nicht. bis die etwa noch Arbeitenden sich ihm angeschlossen hatten; dann folgten eine Reihe von Versammlungen und gegen Mittag führte er ein Heer von 40 bis 70 Tausend Menschen an dem Dockhau« in der City vorüber, um nachdem noch wieder eine weitere Reihe von Versammlungen abzuhalten, offenbar um die Leute nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Das wird auch noch m den nächsten Tagen so sein. Ein gleich unermüdlicher Stab von bekannten Sozialisten wie Tom Mann, Henderson, Bäte- man, Champion u. s. w. und Gewerkvereinsllhrern wie Tillett (Hafenarbeiter- Gewerkoerein), Walsh(Seeleute), Dodd(Ma- schmenbauer), Thorne(Gasarbeiter) u. s. w. unterstützten ihn daber aufs Eiftigste. Hervorzuheben ist, daß die Ordnung in all den Tagen nirgendswo auch nur im Geringsten gestört worden rst: da gegen sind in den Blättern zahl- rercheFalle von Sympathiebeweisen der Po- I rz er d en Ausständigen gegenüber mitgetheilt worden, und als die Demonstranten heute an der Kaserne der Gardereiter vorüberzogen, U' n N r b e r t e r und Soldaten stürmische Begrüßungen mit einander aus. Ucber die weitere Entwickelung der Streik- teJ£e�?v0 b£r®0* arbeit et liegen folgende telegra- phische Meldungen des„W. T. B." vor:„ L o n d o n, 23. Aug., Ngchm. Die Direkoren der Dock-Gesellschaften haben den ge- schaftsfuhrendcn Direktor und den Sekretär beauftragt, noch heute mit den Vertretern der Eigenthümer von Ouai Lade- platzen und mit den Abgeordneten der Streikenden zu unter- handeln, um eine Verständigung mit den Letzteren herbcizu- fuhren. Die. Kohlenhändler von London haben den streiken- den Kohlentragern und Kohlenfuhrleuten eine deren Forde- rungen nahezu entsprechende Lohnerhöhung unter der Bedin- gung zugebilligt, daß die Arbeit morgen früh wieder aufgc- nommen werde. Man glaubt, daß die Streikenden auf das Anerbieten eingehen werden. rx London, 28. August. Die Direktoren der Dock-Ges.ll. schaften haben den Streikenden gegenüber die Erklärung abge- geben, daß, falls die Streikenden ihre Forderung von 6 Pence per Stunde zurückzögen, die anderen Forderungen derselben on- genommen werden würden. Der Führer der Streikenden, John BurnS, hat darauf erwidert, die Streikenden hielten an ihren ursprünglichen Forderungen fest und würden keinen Vergleich annehmen."— Die Direktoren der Dockgesellschaften scheine« noch zu hoffen, daß es ihnen gelingen werde, durch Heran- zrehung ausländischer Arbeiter die Ausständigen auf den Sand setzen zu können. Unter den letzteren war wenigstens das Ge- rucht verbreitet, daß Unterhandlungen zur Beschaffung belgiscker Arberter angeknüpft seien, was zur Folge hatte, daß der Fübrer der ganzen Bewegung, John BurnS, sofort an die Vor st, her der belgischen Arbeitervereine drahtete und sie unter Hinweis auf die Interessengemeinschaft der Arbeiter aufforderte, die Ad- sendung belgischer Arbeiter zu verhindern. Außer dem Dockarbeiter st reik ist auch ein Aus- stand der Buchdrucker in London ausgebrochen. Bis letzt liegt darüber nur folgende spärliche Meldung des„W. T. B." vor:„London, Mittwoch, 28. August, Abends. Ter Streik der in den hiesigen großen Buchdruckereien Be- fchaftlgten greift weiter um sich, gegen 2000 derselben haben bereits die Arbeit eingestellt und fordern eine Erhöhung des Lohnes." Unterhaus. Das Gesetz, welches die Lokalbehorden ermächtigt, den technischen Unterricht zu erleichtern, wurde in dritter Lesung angenommen. Unterhaus. Der Unterstaatssekrctär Fergusson er- klärte auf eine Anfrage hinsichtlich der Ausdehnung des Schutz- briefeS der Nigergesellschaft aus da« Gebiet des Oelflusscs werde die Regierung bis zur nächsten Parlamentsscssion keine Entscheidung treffen.— Das Finanzgesetz wurde in dritter Lesung angenommen. Hierbei erklärte der Sekretär für Irland, Balfour, die Reform de« UniversitätSunterrichtS für die Katholiken Irlands sei dringend nothwcndig. Es gäbe keine« anderen AuSweg, als zu versuchen, den Bedürfnissen der- irischen Katholiken hinsichtlich eines höheren Unterrichts durch einen Gesetzentwurf zu begegnen, der alle gesetzlichcn Wünscke der irischen Katholiken befriedige. Er hoffe, einen solchen Gesetz- entwurf in der nächsten Session einzubringen. Was die Dotation für den Unterricht anbetreffe, so seien die irischen Katholiken in dieser Beziehung besser gestellt, als die Katholiken irgend eines Staates auf dem Festlande. Frankreich. In Frankreich findet eine Rede vielen Beifall, welche F I o q u e t am Sonntag in Beaune(Cote d'or) gehalten hat. Floquet geht nicht von der Ansicht aus, daß der BoulangiSmns eine nicht mehr in Betracht kommende Gefahr sei, und wenn er auch mit vollster Zuversicht an den Erfolg der Republikaner zu glauben erklärt, so will er doch, daß andere Schwester, welche mit großem Muthe den Wüthenden zu entwaffnen suchten, wurden ebenfalls an Händen und Gc- ficht erheblich verwundet. Der Mörder wollte eben aus dem Fenster springen, als er in einer Blut- lache ausglitt und eine Schwester den Moment ersah, sich auf ihn zu werfen und ihm das Messer zu entwinden, worauf cr mit Mühe in die Zwangsjacke gesteckt wurde. Lamprecht war nur zu bestimmten Zeiten den epileptischen Anfällen unter- warfen, doch gaben sich vorher stets Zeichen von Geistesgestört- heit kund; es erscheint deshalb ein unverzeihlicher Leichtsin,-, daß man ihn dennoch im Besitze eines Rasirmessers beließt Noch in der Zwangsjacke gcberdete er sich wüthend und schrie: „Ich habe Löwenfleisch gegessen und habe nun Löwenblut in den Adern." Der arme Verrückte wurde in die Irrenanstalt überführt. Von den Verwundeten befindet sich, trotz der zum Theil gefährlichen Verletzungen, Dank sofort anwesender ärztlicher Hilfe kein einziger in Lebensgefahr. Stadtväterstreik. Daß die Streikbewegung immer wei- tere Kreise ergreift und selbst die„höheren" nicht ausschließt. bewelst die stadtische Behörde in Mannheim. Es geschah nämlich, daß der sogenannte Bürgerausschuß zur Berathung einer reichhaltigen Tagesordnung zusammenbenifen war und, als die nationallibcralen Schäfchen gezählt waren, stellte sich die Beschlußunfähigkeit heraus. Die Sitzung wurde nun ver- tagt und auf den folgenden Freitag anberaumt. Siehe da ist das Gleiche wieder der Fall, und trotz der angestrengtesten Thätig- keit des Telephons konnte es nicht gelingen, die„Stadtvätn" zur Ausübung ihrer übernommenen Pflichten'ranzulootfew. (Bei den Arbeitern wäre so etwas natürlich„gesetzwidrig".) Cingrseift. Kürzlich saß, so berichtet der„Hann. Cour". auf dem Bahnhof in Scheeßel ein Geschäftsreisender aus R. und erwartete die Ankunft des Zuges. Kurz vor der Ankunft desselben findet sich ein Barbier im Wartesaal ein, um mir dem Zuge nach Lauenbrück aufs Geschäft zu fahren. Der Reisende stellt an den Barbier die Frage, ob er wohl noch Zeit hätte,'hn vor Ankunft des Zuges zu barbieren, welche dieser bciaht. Derselbe macht sich auch rasch dabei und seilt dem Reisenden das Gesicht tüchtig ein; er hat indessen kaum das Werk beendet, da fährt auch schon der Zug ein. Rvs.N nimmt der Barbier dem Herrn Reisenden da« Tuch ab, nimmt Seifenschale und Messer und steigt in den Wagen, den eingc- seiften Herrn aber läßt er im Wartesaal sitzen. man sich nich! blind darauf vcrlasse, sondern mit allen Mtteln vorbereite, die den Sieg sichern. Als Floquet von der Ausstellung sprach, gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die ausländischen Besucher derselben mit vortheilhaften Eindrücken von ihr scheiden würden. Sie würden erkannt haben, dah trotz aller inneren Zwistigkeiten»Frankreich nicht unfähig sei, die Einigung der Völker vorzubereiten�. Frankreich,„ob- gleich verletzt in seinem Patriotismus und unablässig an seiner Wunde leidend, habe mehr für den Frieden der Welt gethan als die erhabenen Reisenden des Drei- und Vier- dundeS�. In einem am Mittwoch in Fontainebleau unter dem Vor- sitz des Präsidenten Carnot stattgehabten Ministerrathe hat der Präsident das Dekret unterzeichnet, durch welches die Wähler zur Vornahme der Kam mer-Neu wählen auf den 22. September einberufen werden. Boulanger hat ein neues Manifest an die Wähler des Seine- Departements erlassen. Der General legt ihnen die Kandidatenliste für die nächsten Wahlen vor, verlangt die Verfassungsrevision durch eine kon- stituirende Versammlung, welche auZ dem allgemeinen Stimmrecht hervorzugehen habe, und die Abschaffung des Senats, der durch feine Unehrenhaftigkeit gebrandmarkt sei. Die zu erwäh- lende Kammer werde weder eine gesetzgebende Versammlung sein, noch eine konstituirende, ihr einziges Mandat bestehe darin, der Willkürherrschaft Trotz zu bieten. Die vorgeschlage- ncn Kandidaten sind alle Boulangisten mit Ausnahme des für den 8. Kreis, welcher Bonapartist ist. Unter den Bewerbern sind Noquet, alle boulangistischen Abgeordneten und Journa- listen, Rochefort, Mermcix von der„Cocarde", Lucien Nicot von der„France", Massard, Roche u. a., ferner mehrere der wegen Bcihciligung an der Boulange gemaßregelten Beamten, General Thibaudin u. s. w. Boulanger selbst tritt im 2. Wahl- kreise Montmartre auf. Der bekannte Boulaugist Laguerre hat am Mittwoch in Paris in einer von etwa 5 erörtert haben.— Herr Werner entgegnet da» heut die Zeit zu kurz bemessen sei. Man könne sich l�. dermal mehr und eingehender über diesen Punkt umery„ Ein Kämpfer müsse es unter seiner Würde halten, auf>. gen zu schimpfen, welche nicht zugegen seien. Nur wenn i_ anwesend sei, solle man Gericht über ihn halten und w l malS hinterrücks mit Redensarten und Schimpfworien fallen. Wenn sich die Genossen unter einander cinwa � Grobheit gesagt, werde mehr Spektakel gemacht, aw gleich der Gegner jemand einen Fußtritt versetzt huve. � die„Norddeutsche" Kunert als S o z i a l d e m o k r a t e.' nicht lediglich als Mitglied der freireligiösen � meinde anfasse, müßten sich einfach' die Sozialdem � hineinmcngen, obgleich die einzelne Person für Sie � � demokratie nichts, die Sache, das Prinzip alles"Ta!.«! Werner stellt nach einigen Ausführungen des Herrn Meyer direkt den Antrag:„W e n n i n z w i> che n,(< Volksversammlung diese Frage en d seitigt hat, eine Versammlung d e S 4v � Vereins einzuberufen direkt in dieser Sart)e. � Herren König und Grundmann sprechen über iwe; trag. Letzterer hält die ganze Angelegenheit nicht snr�- daß ihretwegen so viel Staub aufgewirbelt werde. Werner führt demgegenüber aus, die emzubewfeno sammluna solle die Sache in ruhiger und völlig leiden � Weise aufklären. Man habe in den letztvergangcn 10 mit Personen übergenug Erfahrungen nicht immer angeu � Art gemacht.— Zur Annahme gelangt darauf noch r, " Anbetracht der r e g e l m ä ß'g u° � Antrag:„Jv aus wichtigen Verhandlungen, ,«> Jü C J � �' ö ö Wahlverein gepflogen werden, die Neda. d es„Berliner Volksblatt" zu verani»!, regelmäßig einen Berichterstatter zu d e n � sammln n gen desselben zu entsenden, lsyiil- mesende, von der Redaktion des„Volksbl." entsandte erstatter stellt sich dem Vorstand vor.) Die diesjahngo partie des Vereins wird Sonntag im„Volksblatl gegeben. *.» Kranken- und Krgriiltnißkaw» des Uerein» sanvntsf�r; rufeklagen I. Sonnabend, den 31. d. M., IbendS 8 Udr, N a,™# BeisamvUung. Togekordnuna Kassenbericht. GcschtifllicheS M"« •tne wnigucder werden erman. recht zahtretch»u cricheiaen. � ,ltriai�K Kllgrniriner U!«taU Arboitrr-Nrrein Krrlins und Der unentgeltliche ArdeitSnachwci« befindet sich un Süden: w«®;'; N x Destillation zum Helm, iin Norden: Brunnenstraße 40 bei Schaoer>..., S» lich Abends von bis 10 ühr. Sonntags von 10 bis III� Uhr s Bibliolbek befindet fich Neanderstraße s, Destillation zum Heim, und* selbst Montags und Donnerstags, Abends von 8� bis 10 udr. gegeben. Diejenigen Miealiedcr, welche noch mit älteren BntrM. werden ersucht, dieselben bei den Zahlstellen abzuiiesern. Zede Art v.�,,0 sowie voraussichtliche Arbeitseinstellungen, Mahrcgelnngen u. n w � beim Vorsigenden, Joseph Hartmann, Reichenberger Ttrabe73, einture.« Sonntag, den 1. September, findet eine Damvservarthie mit � dam-Nedlig statt, wozu BillctS zu 1,25 M. für Erwachsene, Kinder 40 xz.. den Kassirern Otto Klein, Ritterftraßc 15 und Karl Lenzner, Straße 4g und den Vorstandsmitgliedern zu haben sind. Freitag, den 30. August. Mallurr-Thratelr. Fifi. Tkiatrr. Othello. Stanley in Afrika. Grnst-Thrater. Flotte Weiber. ifl,Sü»i»Ifo»*iäi- WMrimstavtische« Theater. Giroflä-Girofla. LOsz-d. Theater. Der Trompeter von Säkkingen. I-vtral-Theater. Leichtes Blut. Herliner Theater. Sonnabend, 31. August: CoriolanuS. Sonntag, 1. September: Eorivlanus. Montag, 2. September: Ter Schwabenstreich. . Anfragt 1 Tr. 9 M.- 10 A. WOTfar Kaiaep-Panorama- In dieser Woche: Reu! in. Cycl.: Pariser Welt- Ausstellung. Erste Reise durch Holland. Im AuSstellungSpark: 2. Cycl.: Pariser Weltausstellung. Tin« Reise 2V Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. 3 Meisen 1 M. Kophaßezüge! Keste von 3h— 5 Meter spottbillig. Smil Lefiwre! Granieuftr. 158. 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S«ß.»ctä»I»na«an C, Hanta.— Utbn den |Ut de» naJrH ans Me Sestaltunt da «täflächa. van M. Banimelf.— Joseph |tn(mit Garaaft).— rjultul Iräckcr(mit ' t— 0sta,l»A«n.»idfcht.— Her»(st (WO.)— Uli«,«»», euttrr(Mufti.). l,«tthsel tc.— Gast- n. relegraphen- «achrtchte».— Hta««»fer ftupfa: Dl, via ZahreSzeft«».—«tn«aublalenba. Zu beziehen durch die Grpeditio«: Zimmerstr. 44. Gchte« Aordhanser, Liter 80 Ps., im Restaurant von[1429 Emil Böhl, Frankfurter Allee 74. »ixen. Fnbrfte. Sslepi b. Folsterigj Gr, Lager, blll. Pf , EmiS Hc3f% Brunnenstr. 28, � j.Lf'1 Theilx. nach Vcber� .. Den fefern dieser JdtÄf geben wir bei Ci«K>w 5 pCt. Rabatt. 15 M."-"iS 20 M.•iä.h«:% JZt gediegene Win|er • Stoffhoseo. ,, JÄt elegante Her" N'. ,e.-- eleg. R,nter-Fa»� mit VloMutter- Knaben- Anzüge., Knaben- W,n Paletots« rii' elegante KamfO Anzüge- jlvt xit« i elegante JopP®1* 38 M. elegant. Ball-A»1*� Umtausch gestattet. Uach gegen Nachnahme. Gebr. Neu�ta� Jerusalemerstraße (Ecke Krausenstraßc)-- 1156 Arveltsmark� Einen Klempner» der Ornamen�.\ly, Verantwortlicher Redakteur: Di. Tronhetm i« Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW_ Beuthstraße 2. istncn"s�itxtxyixtVy oer oo?« � macht, sucht peter», Schwedterstr-��-�� Arbeiterinnen auf Kinderhütchen � zf auf Kinderhütchen 0 Louis«roh Sc Co., Prenzlauerstrav� chiorm et«» 0� 54 W antilen.tfJJ ,ab oivt'b mem: einS-I�' mg Ju|S ,n den Sit"1, -kranowid 0° n W°hl«� hm, daß w sich ja em 't untechah� >, aus dni« Beilage zum Berliner d ihn f rtcn«r nmal eil« ilä nn«» -»»» , M itolral« gdii«1, -N m P°°l keine ig be« Zahl- >?>e & ilr. 203. Freitag, den 30. August 1880. 6. Jahrg. k!s„Vergehen gegen die Religion". J" Januar d. I. war die Nr. 5 der„Fränkischen auf Anordnung des ersten StaatSanwallS am kgl. �mqte Nürnberg konfiszirt worden. Diese Beschlagnahme, *» r.?nmci1 �agen eines aus der Berliner„Bolks-Zeitung" aeuenangabe abgedruckten Artikels.Heber den öffentlichen l|j,'»orm ein Vergehen„gegen die Religion" entbalten sein l�jg'.�urde auf erhobene Beschwerde des Redakteurs aufrecht erhalten und gegen Grillenberger auf � vrs§ ige des Reichs-SlrafgcsctzbucheS Anklage er- Borgang ist so lehrreich, so bezeichnend sfür die ��"nch.ung, das} wir eS für angezeigt halten, sowohl H uageichrift als auch die beklagtischerseils dagegen er- K"lt, auf welch' letztere hin unterm 13. d. M. üföi a�vnfolgungsetzung eintrat, im Wortlaut zu veröffent- � Anklageschrift lautet: Anklageschrift. , Nürnberg, den 11. Juli 1889. �ayattlich der beiliegenden Untersuchungsakten ist Karl Grillenberger, geboren am 22. Februar 1848, freireligiös, verheiralheter Redakteur in . Nürnberg, i> j Hinreichend verdächtig: ilfo" nw 7. Januar I. I. ausgegebenen und an die •tWiri verbreiteten Nr. 5 der in Nürnberg unter der ver- ? Redaktion des Karl Grillenberger täglich mit Ilin, ber Sonn- und Feiertage erscheinenden„Fränki- »i��vgespost.� sodann in der am 8. Januar l. Js. ausge- ««nh„, an die Abonnenten verbreiteten Nr. 6 der in x berselben verantwortlichen Redakiion täglich mit � Sonn- und Feiertage erscheinenden„Fürther en�k vg". somit zwei periodlichen Druckschristen, durch -Ilsi�.°tr ersten Seite abgedruckten und mit den Worten �e« o l vffenilichen Ton" überschricbenen Artikel die christ- »Wa �..uad deren Einrichtungen beschimpft zu haben, asgesuhrt ist:„DaS ganze Dasein solcher Leute— Waffen— beruhe auf Gedankenlosigkeit und Un- � � Massen, gewohnt, eine längst vermorschte Fabel- Itvnn � vertheidigen mit hochtönenden und sal- . Redensarten, die wiffenschafilich auch nicht das �ner Federflocke beanspruchen könnten, und ferner ge- Ranzel herab, wo niemand widersprechen könne schimpfen, was sie nicht zu widerlegen wüßten." m den genannten beiden Zeitungen abgedruckte, der »Volks-Zeitung" entnommene Leiiartikel bespricht die mt einigen Jahren in Deutschland eingetretene tej|g und Verrohung des öffentlichen Tons und Behauptung auf, daß dieselbe ihren grellsten Aut- �-. r, m£-a——«..i.. if. ST}».. 5Sf• t<)pr• i.v o—--------„——- elft'iifr"»den genannten beiden Zeitungen abgedruckte, der �dlick f vlkS-Zeitung" entnommene Leiiartikel bespricht die einigen Jahren in Deutschland eingetretene Wh und Verrohung des öffentlichen Tons und diiij iT Behauptung auf. daß dieselbe ihren grellsten Auk- JWttiwita sanatische Prassen gefunden habe. Dies ist Ver- sie � stch über die Geistlichen im Allgemeinen, sowie über SkJ�vlichen Kirchen in der oben angeführten Weise auszu- Hierin liegt der Thalbestand des§ 166 des Reichs- . MuckkS. mr�» geistliche Lehramt ist eine Einrichtung der christlichen ?rr IZftllvwohl der katholische», als der protestantischen, sowie j� jHjchen übrigen christlichen Kirchen(R. Bd. Vtll Seite Einrichtung ist beschimpft durch die angeführten '-l.— her rfirift* gn" n0s [er- ;•«- let®'* te«" .-e-"' eO0e' V 'A K i Ä dj*1'1'. Fabel- und Märchenwelt penannr, vre iviiicnlu)ll>,- �>!!�.vrcht das Gewicht einer Federflocke beanspruchen könne. � kih-k® stud die gesammten Lehren der christlichen Kirchen .$WUtt& letztere selbst beschimpft. »°w,, geichoh öffentlich, weil der Artikel in zwei an die ? i» fui 0! verbreiteten Zeitungen abgedruckt wurde. Endlich ck5 l>et�ss""ver Be»iehung erforderlich, daß der Redakteur sich �ii„ Impfenden Choraklers seiner Aeußerungen bewußt war. yech der fragliche Artikel in Berlin nicht beanstandet mußte doch der Redakteur der hiesigen Zeitungen kdri!,f � in den eine andere Deutung nicht zulassenden �>ik eine Beschimpfung des Instituts der Geistlichen, i Aa? Kristlichen Kirchen liege. ? n.iesen Gründen und in Gemäßheit der 88 166, 74 Önii'§ 10 btS Preßgesetzes hat sich der Redakteur /e k �erper zweier in sachlichem Zusammenflusse stehen- �gend".wider die Religion, begangen durch die Presse, � A.-G. zum G.-V.-G., 8 196,201 �P--O. stelle ich den Antrag: di? k* n'0®e kvgrn den Redakteur Karl Grillenberger �Eröffnung des HauptoerfahrenS vor dem Schwur- bctlit* m®an�0ec'l�'e Nürnberg beschlossen Orlen des Meeres. v1"Bieren Kreisen wird jetzt ein schon lange be- "vkr m der Neuzeit bisher wenig beachtetes Mittel �c��vchen, durch dessen Anwendung sogar ein heftiger beruhigt und in theilweise Meeresstille verwandelt »st dieses die Beruhigung der Wellen durch Del. HilfsloS in wüthcnder See und kritischer 'che Schiffe haben sich in zahlreichen Fällen durch i,»>chtia"v" Del retten können, und dieses Mittel, wenn gehandhabt wird, ist durchaus geeignet, Rettung kNt Ü» ivdem es eben die See um die Schiffe heruin, �itep j��'n dünner Schicht sich verbreitende Oel reicht, p-x dj�.i-Lellen spiel beruhigt und glättet. So lange aber befö'�igende Wirkung des Oeles auf die Wellen der ?ichez j ist, so groß war auch immer das Mißtrauen, �üla SeemannSkrcisen dem praktischen Nutzen dieser .» � cntgegeugebracht wurde. A geva� eS märchenhaft, daü eine aerinae Menge ------, tik �in.$e versuche stellte in dieser Richtung zuerst >«* ahte 1774 an- Seine theoretische Auffassung Üb-.'."b das Oel sich in einer äußerst dünnen Lage dj. Theil der Wasserfläche ausbreite und da- »lÄkeit{e'�un0 zwischen der bewegten Luft und der � einigen Jahren begannen die see- «t,®Sen preise durch ausgedehntere Experimental-Unter- �>cht in die beachtenSwerthe Angelegenheit zu Durch Herrn ShieldS aus Perth in Schottland und bezeichne als Beweismittel die angeführten Artikel, Ge- ständniß des Angeklagten und StrastegMer. (gez.) Schmidt, I. Staatsanwalt. Gegen die Anklageschrift wurde folgender Widerspruch er- hoben: „Bamberg, den 10. August 1889. Zur Strafkammer des k. Landgerichts Nürnberg. Anzeige, Erinnerungen und Ablehnungsgesuch des k. Rechtsanwalts Heigl in Bamberg Namens Grillenberger, Carl, Redakteurs in Nürnberg, Untersuchung gegen denselben wegen Vergehens wider die Religion. Der Herr Angeschuldigte hat mir seine Ver- theidiauna übertragen. Als fein Vertbeidiacr stelle ich den Antrag: Hohe Strafkammer wolle den Herrn Angeschuldigten außer Verfolgung setzen, die Kosten des Verfahrens aber einschließlich der auf die Vertheidigung erwachsenen der kgl. Staatskasse überbürden. Der fragliche Artikel stand, wie dieses der Herr Ange- schuldigte bereits angegeben hat, schon vor einigen Jahren in den„Demokratischen Blättern" und wuide von ihm der Berliner„Volkszeitung" entnommen und nachgedruckt. Sowohl den„Demokratischen Blättern" als der Berliner „Volksztg." gegenüber blieb der Artikel unbeanstandet. Man wird den betreffenden Herren Staatsanwälten, denen der Artikel, zumal er in scharf überwachter oppositioneller Presse erschien, nicht wohl zweimal entgangen sein kann, gewiß nicht den Vorwurf der Lässigkeit oder geringerer Skrupulosität in ReligionSstagen machen wollen, und kann deshalb wohl be- hauptct werden, daß die in dieser Beziehung bekanntlich sehr gewissenhaften Herren Staatsanwälte in Norddeutschland in dem fraglichen Artikel nichts Strafbares gefunden haben. Herr Grillenberger druckte denselben ab. Wie sollte nun er, der nicht Staatsanwalt, nicht einmal Jurist ist, das Strafbare, was in demselben enthalten sein soll, zu entdecken fähig gewesen sein, wenn es nicht einmal ein Ber- liner Staatsanwalt zu entdecken vermochte? Grillenberger soll gescheidter sein, als ein Berliner Staats- anwalt? Das dürfen wir Juristen uns nicht gefallen lassen. So viel über die subjektive Seite des Falles In dem Artikel liegt aber auch gar nichts Strafbares. Dasjenige, was der Verfasser der Anklageschrist in dem- selben entdeckt haben will, beruht auf Selbsttäuschung. Der Artikel spricht davon, daß der in Deutschland im öffentlichen Leben eingerissene rohe Ton seinen grellsten Aus- druck dadurch fand, daß„fanatische Pfaffen" anfingen, sich als volksthümliche Demagogen aufzuspielen und die Juden- Hetze zum LieblingStummelplatze ihrer Stümperbercdsamkcit wählten. Also von fanatischen Pfaffen ist im Artikel die Rede!- Sind denn alle Rcligionslehrer fanatische Pfaffen? Nein, es giebt unter den Religionslehrern fanatische Pfaffe», aber nicht sind umgekehrt alle ReligionZIehrer fanalische Pfaffen oder gar Antisemiten oder Demagogen. DaS fühlt auch der Verfasser der Anklageschrift und sagt deshalb, daß dieser Vordersatz die Veranlassung bilde, sich über die Geistlichkeit im Allgemeinen, sowie über die christlichen Kirchen in der von der Anklageschrift angeführten Weise aus- zusprechen. Allein das ist eine Supposition, die rein willkürlich ist. Denn nirgends im Artikel ist von der Geistlichkeit im Allge- meinen oder von den christlichen Kirchen die Rede; das Sub- jekt des Satzes bleibt immer dasselbe: es sind die„fanatischen Pfaffen",von denen der Artikelspricht, undmit welcher nur der Herr Staatsanwalt in Nürnberg durch einen grammatikalisch und styli- stisch nicht zu rechtfertigenden Gedankensprung plötzlich die Geist- lichkeit und mit deren Treiben er die christlichen Kirchen idcnti- fizirt. Auf diesen Lapsus hätte ihn schon der Umstand aufmerk- sam machen sollen, daß der Artikel von denselben Leuten(den fanatischen Pfaffen) sagt, baß sie gewohnt seien, von der Kanzel herab das zu be- schimpfen, was sie nicht zu widerlegen wissen. Schimpfen denn alle Geistlichen auf der Kanzel? Nein; nur die fanatischen Pfaffen, denen eben die Hauptsache der Religion, die Toleranz, die Duldung auch für Andersdenkende, das Moment der Liebe fehlt, die find es, welche auf der Kanzel schimpfen und für welche ja sogar der Kanzelparagraph ge- schaffen werden mußte!« Die fanatischen Pfaffen sind eS auch, welche sich ablehnend gegen die Errungenschaften der Wissenschaft verhalten und im starren Festhalten am Buchstabenglauben gegen Wissen und Forschen eifernd, sich weigern oder unfähig sind, dem religiösen Bedürfnisse ihrer Zeit in einer dem geläuterten Standpunkte der Wissenschaft entsprechenden Fassung Rechnung zu tragen. Ich verweise in dieser Hinsicht auf den geozentrischen(die wurden 1880 in die Hafeneinfahrt von Peterhead größere Quantitäten Oel hineingepumpt, und sofort legten sich in auffallender Weise die Wogen. Oel übt, wie aus allen Experimenten klar hervorgeht, in der That eine beruhigende Wirkung auf die brandende und sich in schäumenden Kämmen brechende See aus, die gcfähr- lichen Brech-Seen legen sich, und an Stelle der brandenden Wellenköpfe, die sich mit einer ihrer lebendigen Kraft ent- sprechenden Gewalt vom Wellenberge in steilem Abstiege nach Lee ins Wellenthal stürzen, tritt eine den Schiffern ungefährliche Wogenbewegung. Hierdurch wird auch die Durchsichtigkeit des WafferS nicht unbedeutend erhöht. Be- kannt ist ja auch, daß Taucher und Fischer im Mtttelmcere sich schon seit Jahrhunderten dieses Mittels bedienen zur Erzielung einer glatten Oberfläche, um bis auf den Grund hinabsehen zu können, und ebenso, daß Fischer an den klippenreichen Küsten Schottlands und Norwegens beim Passiren von gefährlichen Barren und der Brandung sich der Fischleber bedienen, indem sie mit den Händen dast Oel herauspressen und es auf das aufgeregte Waffer träufeln. Die große Wichtigkeit, welche diese Thatsachen für die Schifffahrt haben, hat im Jahre 1887 zur Ausschreibung einer Prämie für die beste einschlägige Arbeit durch den Hamburger Nautischen Verein geführt. Von den dreißig eingesandten Arbeiten wurden zwei zur Prämiirung bestimmt und der einen dieser Abhandlungen, die vom Kapitän- Lieutenant a. D. Rottok ausging, sind die hier vorgeführten Thatsachen entnommen. Von allen Oelen und Fetten, die angewandt wurden, haben sich die dickflüssigen am besten bewährt und besonders wird das Fischöl zu diesem Zwecke hervorgehoben. Eine für die erfolgreiche Anwendung nothwendige Bedingung ist die Erde als Mittelpunkt des Weltaanzen auffassenden) Stand- punkt, welchen auf Grund des Bibelwortes, entgegen den all« seitig, selbst von Rom anerkannten Ergebnissen der Wissenschast der Pastor Knaack einhält oder eingehalten hat— ich weiß nicht, ob dieser berühmte Religionslehrer heute noch lebt. Ich verweise ferner auf die sechs Schöpfungstage, welche trotz der Kant-Laplace'ichcn Lehre von der Entstehung unseres Planetensystems, den Ergebnissen der Geologie und der ganzen gebildeten Welt zum Trotze von solchen Buchstabenanbetem festgehalten und eifernd vertreten werden. Und solchen Leuten den Text zu lesen, soll am Ende des neunzehnten Jahrhunderts ein— Vergehen wider die Reli- gion sein! Wer überhaupt den Artikel liest, weiß sofort, daß sich derselbe auf Stöcker und Genossen bezieht— sind denn aber diese Leute die Geistlichkeit im Allgemeinen oder etwa gar die Kirche? Selbst wenn der fragliche Artikel mit der'Bezeichnung einer vermorschten Fabel- und Märchenwelt den gesammten christlichen Lehrbegriff gemeint hätte, wofür nach Wortlaut, Satzstellung und Veranlassung des Artikels jeder Anhaltspunkt fehlt, so wäre das noch kerne Beleidigung der christlichen Kirchen. Denn es mag ja etwas Jahrhunderte lang als ausgemachte religiöse Wahrheit geglaubt worden sein, dieser Glaube erweist sich aber als falsch, darf denn dann Derjenige, der in dem Ge- glaubten nur ein Märchen, eine Fabel erkennt, dieses nicht öffentlich aussprechen, bekennen und seine Ueberzeugung zur Kenntniß seiner Mitbürger bringen, ohne deshalb strafrechtlich verfolgt zu werden? Armer Luther, der Du so viele Dogmen der katholischen Kirche als Fabel und Märchen, einen als kanonisch erklärten Apostelbrief sogar als„Strohbrief" erklärt hast, wie wäre es dir in deinem heutzutage lutherischen Nürnberg ergangen, hätte es damals schon— Staatsanwälte gegeben! Und erst Ludwig Feuerbach, der titanenhafte Geist des Reckenberges, dessen körperliche Reste im St. Johanniskirchhofe zu Nürnberg ruhen, David Strauß, alle bedeutenden Geister unserer Nation— sie müßten sich neben den Redakteur der -„Fränkischen Tagespost" auf die Anklagebank setzen, wenn— eS zu einer Verweisung desselben in dieser Sache käme. Allein dieses Schauspiel aus dem Volte der Denker wird, — dessen bin ich sicher überzeugt— dem Heere der Spötter versagt sein. Nur muß, nachdem dieser völlig zutreffende Artikel, der nach bekanntem Ausspruche den Nagel stets auf den Kopf treffenden Berliner„Volks-Zeitung" absolut eine Beleidigung der Geistlichkeit enthalten soll, von mir noch der Antrag ge- stellt werden, daß Richter, deren Väter oder sonstige Verwandte etwa Geistliche sein sollten, an der Berathung dieses Falles nicht theilnehmen dürfen. Gehorsamst! Heigl, kgl. Rechtsanwalt." Daraufhin erfolgte, wie bemerkt, am 13. August der Be- schlusi d«r Strafkammer, durch welchen der Anglschnldigt- anber Verfolgung gesetzt wurve.„Fränk. Tagespost." Lolrrrles. Die Uerurtsteilung streikender Arbeiter wegen Streikens» welche kürzlich von dem Magistrate in Glogau ausgesprochen ist, beschäftigt noch immer die Rechtsgelehrten. Der Glogauer Magistrat verurtheilte die dort streikenden Maurergesellen, welche fortgesetzt die Wiederaufnahme der Arbeit verweigerten, auf Gnind des§ 774 der Zivil- Prozeß- ordnung zu einer Geldstrafe von 20 M. Nach dem erwähnten Paragraphen ist der Schuldner zur Vornahme einer Handlung, welche von einer dritten Person nicht vorgenommen werden kann, durch Geldstrafen bis 1500 M. oder Haft anzuhalten. In der Begründung des Urtheils war unter Anderem gesagt: Die Gewerbeordnung legt den Gemeindebehörden bei Entschei- dung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf, soweit sie die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses oder An- spräche aus demselben betreffen. Der Magistrat sei daher die zuständige Instanz und dürfe, da eben die Handlung durch Dritte nicht auszuführen ist, auf Grund des 8 774 der Zivil- Prozeßordnung sein Urtheil fällen. Die verurthcilten Gesellen hoben gegen diese Entscheidung bei den ordentlichen Gerichten Berufung eingelegt. Es verdient bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen zu werden, daß die gleiche Rechtssragc bereits vor fünf Jahren auch das Berliner Gericht beschäftigt hat. Der Färber Ä. Hierselbst war längereZeit bei dem Fabrikanten B. in genügende Schnelligkeit, mit welcher sich das Oel auf der Wasseroberfläche ausbreiten kann, und es wird in dieser Be- ziehung wohl die Temperatur des Wassers und der Luft maß- gebend sein müssen. Die beste Methode des Gebrauchs an Bord scheint die zu sein, kleine mit Werg angefüllte Segel- tuchsäcke, die ein bis zwei Gallonen Oel aufnehmen können und die mit einer Segelnadel durchlöchert werden, über Bord ins Waffer zu hängen. Die Franklin'sche Ansicht über die eigenthümliche Natur- erscheinung haben wir schon erwähnt. Kapitän Rottok faßt die seinige in folgenden Sätzen zusammen:„Auch unsere Er- klärung wird der Franklin'sche» ähnlich sein, das heißt sich in der Hauptsache aus die glättende Eigenschaft des Ortes stützen. Die Wellen des Meeres sind das Erzeugniß des Windes: wenn durch den Stoß des Windes an der Waffer- oberfläche die Gleichgewichtslage gestört wird, so entsteht die bekannte oszillirende und fortschreitende Wellenbewegung; durch weitere fortdauernde Impulse merden die Bewegungen verstärkt und allmälig wachsen die Wellen zu jener gewaltigen Größe an, wie wir sie im freien Ozean antreffen. Die Wellenbewegung dauert noch fort, auch wenn der Wind auf- gehört hat, jedoch geht dann in dem Aussehen insofern eine Veränderung vor, als die weißen, schäumenden Köpfe der See verschwinden und nur ruhige, gleichmäßige Schwankungen des Meeresniveau(Dünung) zurückbleiben. Der Wellen« schäum ist einer zweiten, man möchte sagen, mehr momen- tanen Wirkung zuzuschreiben, da er mit dem Aufhören des Windes gleich wieder verschwindet. Da nämlich die aus dem Gesammtimpuls des Windes refulttrende Wellenbewe- gung keine fortschreitende, sondern nur oSzilirende Bewegung der. Waffertheilchen, eine Formveränderung des Wassers ist, so schreitet der Wind darüber hinweg und Stellung gewesen und hatte diese Stellung plötzlich aufgegeben. B. beantragte demzufolgebei der städtischenGewerbedcputation,denA. »u verurtheilen, schleunigst seine kontraktlichen Verpflichtungen bei B. zu erfüllen bei Vermeidung einer zwangsweisen Sisti- rung zur Arbeit. Das Gcwerbegericht verurtheilte auch den A., in die Arbeit des B. behufs Fortsetzung des Arbeitsver- hültnisseS zurückzukehren, mit der Eröffnung, daß A. im Wei- gerungSfalle in Gemäßheit der Bestimmung des Z 775 der Zivilprozeßordnung auf Antrag des Gegners zur Fortsetzung der Arbeit durch Geldstrafen lbiS zum Gesammtbetrage von 1500 M. oder durch Haft von höchstens sechsmonatlicher Dauer angehalten werden würde. Gegen dieses Urthcil des Ma- gistratS rief A. die richterliche Entscheidung an und zwar des Amtsgerichts Berlin l. Dieses hob das Urtheil des Ma- gistratS auf und zwar mit folgender Begründung: Die Ge- wcrbeordnung überläßt im§ 105 ausdrücklich die Festsetzung der Verhältnisse zwischen den selbstständigen Gewerbetreibenden und den gewerblichen Arbeitern der freien Uebercinkunft; auch daS Gesetz vom 24. April 1854, betreffend die Verletzung der Dienstpflichten des Gesindes, trifft nur Bestimmung über die Zurückführung in die Arbeit bei„ländlichen Arbeitern" und enthält sich jeder Bestimmung hinsichtlich der Gewerbegehilfen. Die Vorentscheidung des Gewerbegerichtes ist also in den Landesgesctzen nicht begründet. Noch viel weniger aber kann dem Gewcrbcgerichte die Zwangsvollstreckung seiner gedachten Entscheidung unter Anwendung des§ 774 der Zivilprozeßordnung zugestanden werden t zum Erlaß einer Androhung von Geldstrafen, eventuell Haft erscheint lediglich der Prozeßrichter befugt.— So ist die Sache damals entschieden worden. Heute streiten die Rechtsgelehrten über die Frage: das Glogauer Ge- richt wird zu beweisen haben, ob wir mit der RcchtsauSlegung auch der Zeitströmung vorwärts oder rückwärts folgen. Die Ginrichiung der städtischen Rettungsgeräth- fchaften ist fortgesetzt der Zielpunkt des Unfuges, indem die- selben nicht nur oft von ihrem Bestimmungsorte verschleppt, sondern sogar vielsach gestohlen werden. Es mußte daher bereits an mehreren Stellen zu dem gerade nicht praktischen Mittel gegriffen werden, dieselben mit Ketten zu befestigen. Jetzt hat nun der Magistrat eine Maßregel getroffen, welche geeignet ist, den Schutz der nützlichen Geräthe beträchtlich zu crhäyen, indem er die Beaufsichtigung und Instandhaltung der Rettungskähne und Bälle, welche sich bisher in den Händen der über die Stadt verbreiteten sechs städtischen Bau- Inspektionen befand, der Deputation für die städtische Straßen- reinigung übertragen hat. Diese Verwaltung ist in der Lage, die Rettungsstellen sowohl bei Tage wie bei Nacht durch ihre Organe überwachen zu lassen und so dem Unfug besser zu steuern. Der Direktor der städtischen Straßcnrcinigung, Herr Schlosky hat in der richtigen Erkenntniß, das die befestigten Rettungsgeräthe ihrem Zwecke fast gänzlich entzogen werden, da, ehe dieselben losgemacht werden, die Rettungsversuche in den meisten Fällen zu spät kämen, bei den zuständigen Be- bördenden Antrag gestellt, dieselben auf die Gefahr hin, es könnte manchmal eines derselben gestohlen werden, von ihren Ketten zu befreien. Ein weiterer Antrag des Direktors bezweckt die Vermehrung der Rettungsaeräthschaften, um eintretenden Falls für die gestohlenen?c. sofortigen Ersatz zur Hand zu haben. Diese Maßregeln mögen dennoch nicht das Publikum abhalten, auch seinerseits ein schützendes Auge für die wohl- thätige Einrichtung zu behalten. Der Torfkahn ist eine auf den Wasserläufen unserer Stadt immer seltener werdende Erscheinung. Während noch vor zwölf bis fünfzehn Jahren um die gegenwärtige Zeit die Ufer namentlich in der Gegend der Weidendammer Brücke dicht besetzt waren von Kähnen, welche auf großen Tafeln an dem Mast den besten„Lindener Torf" anpriesen, sieht man jetzt nur noch vereinzelt ein Fahrzeug mit dem früher so be- liebten Heiz- und Feuerungsmaterial und die jüngeren Ber- lincr Kinder fragen wohl bei einem Spaziergange überrascht den Pup»,"jus für sonderbare„Steine" der Knb» n-lnd-n habe. Wie von Seiten der BrenamalertaUo, Händler behauptet wird, wären die Torfgräbereien in Linum, von woaus sich Berlin mit Torf zu versorgen pflegte, erschöpft und der Transport von entfernteren Gegenden stelle sich zu Iheuer. Richtiger aber ist wohl, daß die sehr umfangreichen Torfstücke mit den jetzt viel- gebrauchten Preßkohlen nicht konkuniren können. Jene nehmen einen größeren Raum ein, und die Raumersparniß ist für Berliner Haushaltungen ein wichtiger Faktor und entwickeln beim Brennen wohl auch einen geringeren Wärmegrad als Preßkohlen. Vollends unmöglich aber wurde der Torf durch die Beseitigung der Ofenklappen. Die neueren Oefen mit den auf einen starken Luftzug eingerichteten Feueruuge- Vorrichtungen konnten das zur Herstellung einer warmen Stube nölhige Torfmaterial nicht mehr aufnehmen und dies eignete sich auch mehr dazu, in einem nicht ganz fest verschlossenen Ofen langsam zu verbrennen, kann aber in dem starken Luft- zuge der Oefen mit luftdichtem Verschluß diese nicht mehr ge- nügend erwännen. Während früher von den Behörden noch vielfach Torf als Heizmaterial für ihre Bureaus und sonstigen Amtsräume angekauft wurde, hat dies in den letzteren Jahren immer mehr aufgehört. Nur unter den Heizvorräthen des Herrenhauses scheint der Torf noch eine nicht ganz un- bedeutende Rolle zu spielen, wo er, zugleich mit Holz, zur Heizung verschiedener Korridore und Vorzimmer benutzt wird. Auf dem„Gemrlttde-Kirchliof" in der Friedenstraße werden, wie bereits mitgelheilt, in nächster Zeit Massenaus- ruft Reibungen hervor; die unterste Luftschicht ist be- strebt, die an derselben heftenden Theilchen des Wassers mit fortzuziehen, und es entstehen kleine Vertiefungen und Erhöhungen, an welchen der Wind nur immer mehr An- griffspunkte und Gelegenheit zum Eindringen findet. So nimmt mit der Dauer der Wirkung auch die Größe der- selben progressiv zu; immer aufgeregter wird die See, immer zerrissener du Oberfläche, und immer leichteres Spiel hat der Wind. Am meisten muß sich diese Erscheinung an den dem Winde besonders ausgesetzten Stellen ausprägen, das ist an der Hinterseite oder der dem Winde zugekehrten Seite des Wellenberges; szu Schaum gepeitscht, werden hier die einzelnen Theilchen der Oberfläche auf die Spitze des Wellenberges emporgetrieben, hier jenen sprühenden Gischt, den Wellenkamm bildend, und unter der Wucht des Windes weiter getrieben, an der geschützten Seite des Wellenberges zu- sammen- und mit großer Gewalt steil in das Thal hinabstürzend. Diese brechenden und schäumenden Wellenkämme sind es, welche dem Schiffe so verderbenbringend werden, indem sie erbarmungslos über daffelbe herfallen und Alles zertrümmern, was ihnen in den Weg kommt. Nicht die eigentliche Wellen- bewegung(Die Dünung), welche in hannlosem Spiele das Fahrzeug auf- und abschaukelt, bildet die Gefahr. Durch die, die Oberfläche des Waffers bedeckende Oelschicht wird dieselbe dieser letzteren Wirkung des Windes entzogen, indem sie einerseits gegen den direkten Angriff des Windes aus das Wasser eine Schutzdecke bildet, selbst aber vermöge ihrer großen Zähigkeit und Cohäsion einem Zerreißen und Ein- dringen des Windes einen größeren Widerstand entgegensetzt, andererseits die etwa an der Oberfläche entstehenden Uneben- heiten sofort wieder ausgleicht, indem das Oel in die Poren eindringt und sie ausfüllt. So findet der Wind, statt der rauhen Wasseroberfläche eine vollkommen glatte Fläche, jede Reibung zwischen Wind und Waffer wird genommen, und er muß unbeanstandet über die geglättete Fläche dahingleiten. F. Holthof. Sraben von Leichen stattfindeu, die, wegen der Benutzung des Friedhofs zu andern Zwecken, einen neuen Ruheplatz finden sollen. Bei dieser Gelegenheit dürste manches von den alten Denkmälem, die jetzt noch auf dem Friedhofe stehen, der Ver- nichtung anheimfallen, sodaß ein Hinweis auf einige derselben am Platze sein dürfte. Der Begräbnißplatz ist bekanntlich im Jahre 1831. als die Cbolcra hier verheerend wüthete, errichtet und damals von den Berlinern lange Zeit der„Cholera-Kirch- Hof" genannt worden. So erinnern auch von den Inschriften noch manche an diese Zeit des„großen Sterbens". Zu den hier begrabenen Opfern der Cholera gehörte auch der Universitäts- profeffor Fr. Wilh. Valentin Schmidt und der als Musikfreund und Künstler geschätzte Friedrich Wollank, dessen Denkmal eine lateinische Inschrift ziert. Gin«berans tragischer Vorfall, dessen Schauplatz das benachbarte Grünau war, gab einem leichfertigen Reporter Ver- anlassung, als Opfer desselben den Pächter des Cwusing'schen Restaurants, Zimmerstraße 80, Herrn Kriiger, zu bezeichnen. Das„B. T." stellt die Sache folgendermaßen dar: Am verflossenen Sonnabend wollte ein Hausdiener des GesellschaftShauseS in Grünau Morgens um 6 Uhr ein Bad nehmen und fuhr zu diesem Zweck in einen: leichten Kabn auf die Dahme hinaus. Da er den Versuch machte, sich stehend dem Fahrzeug seiner Kleider zu entlediqen, gerieth dieses m stark inS Schwanken und stürzte infolge dessen der Hausdiener in den Fluß, Herr Schubart, der Büffelier im Grünauer Sommer- Restaurant des Eingangs erwähnten Herrn Kriiger, hörte, im Bette liegend, den Hilferuf des Unglück- lichen und lief sofort, nur mit Hemd und Beinkleid bekleidet, mit dem Hausdiener des Krüqer'schen Etabbsse- ments zum Ufer hinab, wo sie alsbald einen Kahn bestiegen und dem Verunglückten nachfuhren. Leider war es ihnen trotz aller Anstrengung nicht möglich, das geplante Rettungswerk zu vollbringen, und sie mußten es geschehen lassen, daß der verzweiflungsvoll um sein Leben Kämpfende vor ihren Äugen in den Fluchen versank. Herr Schubart kehrte, von dem Vorfall außerordentlich iangeqriffen und außerdem infolge seiner mangelhaften Kleidung erkältet, in das Krügersche Lokal zurück, wo er sich einige Stunden später behufs einer geschäftlichen Obliegenheit mit dem Hausdiener des Etablisse- mcntS in den Keller begab. Als er sich bei dieser Gelegenheit zur Erde niederbückte, sprang ihm plötzlich eine große Ratte direkt vor die Brust, so daß der ohnehin schon nervös erregte junge Mann laut aufschrie und besinnungslos zu Boden stürzte. Man brachte ihn sofort zu Bett, und ein rasch her- beigerufcner Arzt versuchte vergeblich den Erkrankten zum Bewußtsein zu bringen. Dasselbe war bei Schubart auch am Sonntag Morgerr noch nicht zurückgekehrt, so daß seine ihn besuchenden Angehörigen sich veranlaßt sahen, ihn unter großen Schwierigkeiten nach Berlin zu überführen und in das Krankenhaus Bethanien zu bringen. Erst Dienstag Morgen kam der Unglückliche auf Augenblicke so weit zu sich, daß er seine bei ihm weilende junge Frau erkannte und dieselbe in wenigen abgebrochenen Worten bitten konnte, ihn nach Haufe zu bringen. Natürlich konnte diesem Wunsche nicht willfahrt werden, und Frau Schubart entfernte sich, ihren Gatten auf seine baldige Genesung veriröstend— eine Hoffnung, die leider nicht in Erfüllung gehen sollte, da Schubart bereits kurze Zeit darauf �verschied. Die Theilnahmc für den erst 2Sjähngen, unter so tragischen Umständen verstorbenen Mann und dessen Angehörige ist eine allgemeine, um so mehr, als sich der Vater, der bekannte Inhaber der Kellnerkontrole, Herr Wilhelm Schubart in der Alten Jakobstraßc, der auSgcbreitetsten Be- kanntschaft erfreut. Herr Krüger, den die eingangs erwähnte Notiz als den von dem Unglücksfall direkt Betroffenen be- zeichnete, ist demnach persönlich an demselben nicht bethciligt, wenn auch, wie leicht begreiflich, von dem Vorfall auf das Schmerzlichste berührt. Eine strafrechtliche Untersuchung schwebt, wie wir erfahren, zur Zeit gegen den Inhaber eines hiesigen Auskunfts- bureaus. Derselbe hatte im Austrage einer angesehenen aus- wärtigen Familie über eine Berliner Persönlichkeit, welche im öffentlichen Leben steht, zuverlässige Erkundigungen einziehen sollen; es handelte sich um eine beabsichtigte Eheschließung. Der Angeschuldigte, welcher es mit seiner Pflicht eben nicht sehr genau nahm, erwiderte auf die Anfrage, daß jene Persönlich- keit eine sehr zweideutige Vergangenheit habe und von einer Verbindung entschieden abgerathen werden müsse. Dennoch kam die geplante Heirath zu Stande. Die junge Frau hatte jetzt nichts Eiligeres zu thun, als ihrem Gatten jene„verbürgte" Auskunst vorzuhalten. Die ihm zur Last gelegten Vergehen aber waren absolut erdichtet, und der Herr sah sich infolge dessen veranlaßt, bei der Behörde den Slrafantrag zu stellen. Der Inhaber des AuSkunftsburcauS, welcher alle Schuld natürlich auf seine Leute wälzen möchte, dürste jene Verleumdungen um so schwerer zu büßen haben, als er schon einmal wegen einer ähnlichen„Verwechselung" bestraft ist. Einen unheimlichen Fund machte gestern früh ein den Humboldtsharn abpalrouillrrcndcr Parkwächter. Inmitten eines BoSguetS, nahe dem DirektionSgcbäude, lag der Leichnam eines elegant gekleideten, vornehm aussehenden Mannes, der, wie sich hei näherer Besichtigung herausstellte, seinem Leben durch eine Reoolverkugel ein gewaltsames Ende gemacht hatte. Der in der Mitte der vierziger»Jahre befindliche Selbstmörder, der keinerlei Papiere oder sonstige Gegenstände, durch welche er hätte rekognoszirt werden können, bei sich führte, war bekleidet mit Rock und Beinkleid von braunem Tuch, weißer Weste und dunklem Filzhut. Im weißen Batisttaschentuch waren die ein- gestickten Namensbuchstaben ausgetrennt, ein Ilmstand, der darauf schließen läßt, daß der Selbstmörder jeglichen Anhalte- punkt über seine Herkunft vernichten wollte. Das Gesicht ist von graumelirtem, blondem Vollbart umrahmt. Die Leiche wurde auf Veranlassung der von dem Funde benachrichtigten Revierpolizei nach dem Obduktionshause geschafft, woselbst sie in der Halle für unbekannte Selbmörder behufs Rekognition öffentlich ausgestellt ist. Gin guter Fang ist am Mittwoch früh, wie uns ein Berichterstatter meldet, der Berliner Kriminalpolizei geglückt. Dieselbe hatte in Erfahrung gebracht, daß in einen: Hause der Zehdenickerstraße ein mit dem berüchtigten Privatdetektiv Klapperstück„geschäftlich" verbundener altgedienter Zuchthäusler ein Hehlcrnest etablirt habe. Als man nach sorgfältiger Obser- vation am Mittwoch Morgen zur Durchsuchung der in dem Seitenflügel jenes Hauses befindlichen Tischlerwerkstätte von Rudolf Z. schritt, fand man vier Weinkörbe voll Silber- und Goldwaaren, ferner zwei Säcke, die mit neuen Schuhwarren gefüllt waren, außerdem aber noch fünf Ballen Tuch rc. vor. Die betreffenden, von der Polizei beschlagnahmten Sachen haben den ungefähren Werth von ca. 30 000 Mark und sollen zum Theil aus dem jüngst in- Frankfurt a. M. verübten großen Diebstahl herstammen. Der wegen Eigenthumsvergehen vielfach vorbestrafte Rudolf Z. ist in vorletzter Nacht, als er Schmiere stand, inhaflirt worden. Die Kriminalpolizei hat das sonder- bare„Geschäftslokal" amtlich versiegelt. Der Verwalter des Hauses hat sich am Mittwoch früh erhängt. Einem in dortiger Gegend kursirendcn Gerücht zufolge soll der Selbstmörder um das Hehlernest gewußt haben. Auf dem Rangir-Kahnh-f der Ostbahn wurde am vorgestrigen Abend ein Bahnarbeiter beim Ueberschrciten eines Geleises, auf dem eine Rangirlokomotive daher kam, überfahren und auf der Stelle getödtct. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft. Selbstmord durch Erhänge». Infolge eines Streites am Burlffch erhängte sich am vorgestrigen Morgen ein in der Zehdenickerstraße wohnender Tapezierer O., ein noch junger und in guten Verhälinissen lebender Mann, der Frau und Kinder besitzt und bisher als ein ungemein lebensfroher und jovialer Mensch bei seinen Nachbarn bekannt war. O. soll eine überaus starke Reizbarkeit besessen haben, und diele n» nun an dem Abende vor der verzweifelten That durch eroi ganz harmlosen Streit zwischen ihm und einigen?men. kannten am Stammtisch eines Lokals in der FehrbeumeOrow derartig erregt, daß er in seiner Auflegung seinem �even Ende machie. Die Kergfchloßbrauerri giebt«ach! Von verschied Seiten wird uns berichtet, daß am gestrigen Tage der am der Bergschloßbrauerei in mehreren Lokalen namenn� Süd-Ostens gewesen sei, um mit dort verkehrenden Arve oder den Wicthen der Lokale Rücksprache über den Verbrauch des Bieres der Bergschloßbrauerei zu nehmen. » r. bis I-tzi nicht in der- w dn Direkior wies daraus hin, daß..... gewesen war, das Lokal hergeben zu können, wert Brauerei gebaut würde u. f. w. Di- Anzcl-genhert ril, wir bören, bereits der Lokalkommission unterbreitet w und dürfte ein definitiver Bescheid in den nächsten-rage Sicherheit zu erwarten sein. j, polizeibrncht. Am 26. ds. MtS. Vormittags gcneu, der Holzbeardeitungs-Anftalt von Schwidetzky, Mullcri•. der Tischler ScharowSki mit der rechten Hand iu ernenn befindliche Kreissäge, so daß ihm der Zeigefinger durchw� � und der Mittel- und Ringfinger verletzt wurde. � Am-' u �7?. mrnbe fnrrttin o'rn tutirtPä STDÄhrfion nPflTTUlbcr'V z M. Abends sprang ein Lötzow-llfer 6 in den dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht._ Krankheit schein! die Veranlassung zur Thal gewesen». � — Am 28. b. MtS. Morgens wurde in der Spree, Judenwiesen, die Leiche eines seit dem 24. d. Mis.J*- geiircgiranlen Mannes aurgesunoen uno naw oe,» � geschafft.— Auf dem Güterbahnhof der Ostbalm demselben Tage Vormittags beim Entladen eines EU � Wagens der Arbeiter Wohlgemuth infolge eines Fchiin demselben herab und auf den danebenstehenden Arven � und erlitt dadurch einen Schädelbruch, so daß« kurz � darauf verstarb. Die Leiche wurde nach dem Schanz' schafft.— An derrKlben Tage Nachmittags wurde ein an der Ecke der Veteranen- und Brunnenstraße mit'hken � kleinen Kindern den Fahrdamm überschreiten wollte, v Droschke überfahren. Hierbei wurde das 11 Jahre a � an der Brust und am Arm anscheinend bedeuteno � während die Mutter und das andere Kind unverfehri - Als zu derselben Zeit auf dem Hoke des GNlNv Müllerstr. 14s ein 6jähriger Knabe mit Holzhauen war und ein anderer Zjähriger Knabe die zerkleinerten v � vom Hauklotz herunterzunehmen suchte, traf ersterrr»i, � Beile dessen rechte Hand und hieb ihm den Zeigestng«.sjcc Abends fiel vor dem Grundstück Urbanstr. 107 der Karl Knop von seinem in der Fahrt befindlichen Wagen, 1.,-« unter die Räder und erlitt eine schwere Verletzung ve � Unterschenkels, so daß er nach der Charitee gebra«' � z) mußte.— In der Nacht zum 29. d. M. fanden Krau! zs und Neichenbergerstr. 35 kleinere Brände statt, welche Feuerwehr gelöscht wurden. Gevilhks-rZeitung Ein schwerer Fall von versuchter Erprestu»�� i gestern vor der vierten Ferienstrafkammer des Lsmog��pi! verhandelt. Auf der Anklagebank befanden sich der Net r. Povpenberg und dessen Ehefrau Lydia v„Utf? ____ ct\L„ s.z. t, �„ itl'-YrthrCU»*'*c» ri F b erg. Die letztere hat bis vor ihrer vor fünf 2aheen f j» Verheirathung längere Zeit in einem bedeutenden der Chausseestraßc eine Stellung inne gehabt, ix__ tri. c..." k.- 4 Jrtn nllt nn Herbst besaßen die Angeklagten eine Restauration aar � f ufer, welche aber nicht den erhofften Gewinn abwtm-„ c-i riechen in Geldoerlegenheiten und wurden von Glaud g � bedrängt. In ihrer Noch erinnerte sich Frau PovP�& N früheren reichen Prinzipals und auf ihr Anrathen Ehemann denselben um ein Darlehn von 300 M. ibm auch gegen Wechsel gewährt. Als am Versau Wechsel aber nicht eingelöst wurden, beschritt der den Klageweg und wurde durch Zwangsvollstreckung o> z«, Bald darauf erhielt der Kaufmann ein Schreiben von � jit- geklagten, in welchem sie ihn um ein Darlehn von gl» bat. Der Adressat lehnte höflich aber entschieden� zweites Schreiben desselben Inhalts fand keine„ Von nun an wurde der Kaufmann abwechselnd von ä Angeklagten mit einer Anzahl Briefe beheu'g', schließlich zu einer Anzeige bei der Staotsanw� sj» Veranlassung gaben. Zunächst erging Frau in versteckten Drohungen. Sie schrieb ihrem Prinzipal, daß er schwere Unannehmlichkeiten zu crrva� In einem zwerten-� sie nicht mehr, sondern sie verlangte kategorisch 100".- wenn er ihre Bitte nicht erfülle. sie keine Berücksichtigung fand, trat ihr Ehemann rn Derselbe erklärle dem Kaufmann unverblümt, daß i-j flau ihm über Vorkommnisse aus ihrer Vergangen�_ frau rym uoer-»orrommurpe aus ryrcr �"9�" St theisirngen gemacht habe, die auch für ihn, den Avrell M den fchwersten Folgen fein könnten. Er, der Adrelst. j» wohl, daß er seine frühere Verkäuferin vergeivm tpm, dann, um den Folgen zu begegnen, zu Mitteln v habe, die das Gesetz außerordentlich schwer 2?.' lWsfl folgten noch ähnliche Briefe von beiden-k'fyt fl>, weche alle mit dem Refrain schloffen:„Die AngKw' digst zu ordnen" und sich„zu vergleichen". tfÄ, Kaufmann, der sich von jedem Vorwurfe frei wutzu, �® schließlich in eine Zusammenkunft mit beiden Angela» stand aber daraus, daß dieselbe in seiner Wohnung M Gegenwart seiner Ehefrau stattfände. Als dies vo klagten Poppenberg verweigert wurde, schritt der Jw Denunziation. Auffallend und belastend fiir di- A, war es, daß dieselben jede Auskunft über die nngebliw Mst «UUL C"/ vUt) Vlv'vlvvll-rvllg? l Utl 1 1 4vUtV Vlv hPljT welche sie dem Kaufmamre vorwarfen, sowohl vor° xjgtll- suchungsrichterwieinder gestrigenHauptverhandlung v� � pinitrtT hrr SFtahrnbtC,„iiS j» Der einzige Belastungszeuge, der Bedrohte,? seinem Eide, daß die ihn gemachten Vorwürfe völlig. fie Lust gegriffen seien. Die Angeklagten bestritten, v t auf eine Erpressung von Geld abgesehen hätten, Poppenberg hatte bloS Aufklärung über die seiner Ehefrau haben wollen. Der StaatSanwau. lu Schuld der Angeklagten für erwiesen und die vc i Pressung für so schwerer Natur, daß er gegen y klagten eine Gefängnißstrafe von je einem �i�lllsuj sofortige Verhaftung beantragte. Der Vertberdiger i, eine Anzahl BcweiSanträae, wodurch er feststellen u Pap? � zwischen drm Zeugen und der angeklagten Ehefla..h«,„ ij berg dennoch ein unerlaubtes Verhaltniß bestanden durch das Verhalten beider Angeklagten in ein NO.�l»ly gestellt würde. Der GerichfShof glaubte, den c:we p diesen Beweis nicht abschneiden zu dürfen, sondern Verhandlung, um zum nächsten Termin wertere" � p vernehmen. Einundvierzig Jahre Znchthaua als Ein»�� f�jl allerdings nach dem Gesetze auf eine Gesammtstrm � r>v» iit iioTiiir» fuivu fvevAM+r-rtrtt** DCl� � Cfl? f Jahren zusammen zu ziehen seien, beantragte der® am Mittwoch gegen die 28jährige unverehcrim}(i Kluge, welche wegen Diebstahls in neun"nv��ey,� ______—„...---- in neun m. truges in 23 Fällen vor der zweiten Fenemfln. ä jf(, Landgerichts I stand. Die Angeklagte ist eine aus j# liehe Hochstaplerin, welche ihr gewandtes BenKi_ schw�Ki bin dun g mit einem gewinnenden Aeußecen bei � putzte-/ haften Treiben wohl zur Anwendung zu bringen hatte kaum eine dreijährige Zuchthausstrafe wegen. o büßt als sie dort wieder den alten Weg betrat. Sie 9 «sio? '■Utttbe S»20 i junges Mädchen gegenüber dem' � Kanal, wurde jedoch noch lebm rmA h<»r Q?brftCut« � r.:* «B# 5K C" San v ■"•wn SiSbtcn die Hoielbesitzer um bat uJ**™ Betrag der Zeche geprellt, indem lle...... l Vorspiegelunaen sich Kredit zu verschaffen wußte, um fUi ,ec Gelegenheit»u verschwinden und in einer anderen 1'.aufzutauchen. Es lagen dieserhalb 15 Betrugsfalle hrL l0- Im vorigen Herbste wandte sie sich wieder nach 'N und hier ist sie eine wahre Geißel für die Zimmer- Aaikiherimren gewesen. Sie gab sich für die Tochter eines ' Beamten aus der Gegend von Halberstadt aus, leate baare Darlehne unter allerlei -—.".(Vll UUÜ U LL\a;t-yciiu UUU I*WV» MM-, legte tif ftetä einen häufig vorkommenden Namen 5-�. jhulze, Müller oder Ncumann bei, wodurch ihre Mttelung' bedeutend erschwert wurde. Die erste sich �"Gelegenheit benutzte sie, um ihren Wirthsleutcn Werth j?' besonders Uhren u. bergt, zu stehlen und damit zu ver- L?aen. Eine beliebte Methode des Schwindels war auch rL he hiesigen Familien von ihren auswärtigen Ange- angeblich Grüße zu bestellen hatte, nachdem sie vorher Ii,»'.. Verhältnisse der letzteren eingehende Erkundigungen In den seltensten Fällen wurde der fein auf- rij. i.'■ C..,*****»ivt nn ven ieuen]ien �auen icutuc vci w«,- an cm(nne chre daran sich knüpfende Bitte um ein Darlehn damit sie wieder zurückkehren könne, abgeschlagen. »ug machte die Angeklagte kurz vor ihrer Ver- einer Restauration hatte sie einen reichen Pferde- (tjj...... m gelernt, der sich in sie verliebte und sie zu ».M vorgab. Eines Tages sollte das Brautpaar nach sKj« reiicn' um sich den Eltern der Braut vorzustellen. eifsm'u, überhaupt nicht existirtcn, mußte die Angeklagte �"uel und Wege sinnen, sich vorher aus der Schlinge zu Auf dem Potsdamer Bahnhofe wurde der�Pferde- ßllhfo».. vv,n v+�wisiwumcv /c;uvuyv|v»vwvvv vw taf J e�ner eiqenthümlichen Müdigkeit befallen. Er schllef, �??kr Bank im Wartesaale sitzend, ein. Als er erwachte, iu•SIaut verschwunden und mit ihr sein Portemonnaie, W«0 r°uthalten hatte. Dem Bestohlenen gingen die i,' cr erstattete Anzeige und es gelang auch, der Habhaft zu werden. Der Gerichtshof verurtheilte die- �"ach dem Antrage des Staatsanwalts zu neun Jahren 3000 M. Geldstrafe event. noch 200 Tage Zucht- w« r Tvcuwv JJi" va/eiüurayc evci %.en üblichen Nebenstrafen. « Verhandlung im Prozesse gegen Kaumgarten wegen Vergehens wider das Sozialistengesetz, -."m 21. September, Vormittags 11� Uhr, vor der zweiten 'kanimer statt. Torzierfs Meberfilhk. ,«fhnitett folgende Serichtigung: In der Bei- ■ Nr. 175 Ihres Blattes vorn 30. Juli d. I. befindet «Soziale Uebersicht" ein Artikel beginnend mit den Wt"�n Dte Schuhmacher Berlins!", rn welchem ote Be- ßä," 8. aufgestellt ist, ich hätte von meinen Arbeitern eine O* Don Morgens 6 Uhr bis Abends 8 Uhr, sowie ZßMarbeit verlangt. Unter entrüsteter Zurückweisung dieser d,»„f"hungen halten die Arbeiter hierauf ihrerseits Forde- ., nulk rtl.C"1 1 fi..V_ C\f YL.Ii»..Ii.... Cm.. C M. Yf Sv am. Yril A M« AA ♦ A A A". trL,!" a.uf 11 stündige Arbeitszeit und Wegfall der Sonntags- iiiii gestellt und, da ich dieselbe nicht bewilligt, die Arbeit 8"igt. Diese Behauptungen sind von Anfang bis zu k. Stunden. Ich habe niemals von meinen Arbeitern eine «.K'Nte Arbeitszeit verlangt, da ich alle Arbeiter in Akkord "•" lasse, und bezüglich der Sonntagsarbeit es lediglich so daß etwaige kleine unaufschiebbare Reparaturen ßfNsalls auch am Sonntag gefertigt wurden, wozu regel- einziger Arbeiter ausreichte. Am 26. Juli d. I. "" darauf meine Arbeiter plötzlich mit einer Forderung auf ?dige Arbeitszeit und Wegfall der Sonntagsarbeit an Man, worauf ich Ihnen erklärte, daß mir die Arbeitszeit w�chg'ltiq sei und sie sich diese einrichten könnten, wie %!■*, daß ich aber auf meinem bisherigen Standpunkte der Sonntagsarbeit beharren müsse. Grund des 8 11 des Preßgesetzes vom 7. Mai 1874 \u. Sie um Aufnahme dieser Berichtigung in Ihrem UT.Hochachtungsvoll I. Machill, Schuhmachermeister, '"hraße 116a. Hit VorfQnrnrlungon. I5x.._..____„ �1.1* Volksversammlung fand am Mittwoch 'rter Salon, Belforterstraße 15 statt, deren Zweck Äw, Vc�'en %) Abend _________________.—,...... � icck es zu den Verhandlungen der Versammlung in 's!) m»lyirratze zu nehmen. Das Lokal konnte höchstens 'lA. �drsonen fassen. Soviel Personen mochten denn auch «ch.l,°"wesend gewesen sein. Der Verlauf der Versammlung . P le sich folgendermaßen: qß/dchdem die Herren Grothmann, Gottfried Schulz und ' in das Bureau aewählt waren, nahm der Stein- l Albert Schulz das Wort zu folgenden Ausführungen zv.«wert Schulz das Wort zu foigenven Ausiuyru-ii,»!. Tch..ungst stattgehabte Pariser Kongreß hat uns das erhebende fcSlp,el°°r Äugen geführ'---- L-....... Nd-r Begabung zwischen ugen geführt, wie ernste Männer von bc- . �MMUng zwischen den Proletariern aller Nationen � gestiftet haben. Hier in Berlin, der Stadt der In- 'lue Müssen wir es einige Wochen später erleben, daß ein- �ge Ute nur aus Veranüaen am Skandal Radauvcrfamm- Älen »qT�ruie nur aus Vergnügen am Skandal Radauversamm- IC" mszeniren, wie sie andere Parteien nicht besser veran- " können und Zwistigkeiten unter die Arbeiter zu '"»bfit suchen. Die Fragen, um die eS ftch hier ''Jm... Jinb keine Prinzipien-, sondern nur.Personen- �sf»!.ipvd nur Prinzipienfragen gehören vor das Forum der sei,, i'"chkeit. Die Fragen, um die es sich hier handelt, sind loi; v e Angelegenheiten der freireligiösen Gemeinde,-ite y'�UCf �__ r___ i /XI ama» a!.. a ma» a a av. ft«-f* namyy* f r>t i 'ic ol>« der freien Gemeinde mögen sich gegenseitig die "Meißen, die Berliner Arbeiterschaft hat damit nichrs zu lBeifall und Lärm.) Die Arbeiter stehen mit ihren ÜStniT*. viel zu hoch. Besonders zu verurtheilen in der Ange- JoiiJ*'* ist die Haltung des„Volksblattes". Die Sprecht aal- i» mie sie das„Volksblatt" gebracht hat, gehören nicht Ein Arbeiterblatt hat Prinzipien- und keine Personen- S toJU erörtern; wir können verlangen, daß uns -'Berliner Volksblatt" eine andere Kost vorgesetzt wird. kW.. ich die Rubrik„Sprechsaal" nur mit dem Namen öfMemez Waschfaß" belegen. Redakteur Vaake hat in der MB''-mm""" 1 K�Mohliä 5 h inwes Waschfaß" belegen. Redakteur Baare yai ,n ver �i>ch. �ssammlung Herrn Kunert als ehrlos hingestellt. Was fsld s�Msser Herr wohl sagen, wenn ihm ein gleich unmotlvnter t W?chahlicher Angriff widerfahren wäre? Man hat Herrn ! ip.»'e Bildung abgesprochen: um den Bildungsgrad dieser W-Ju beleuchten, diene das folgende Beispiel. Herr Max 's> oyJl sagte, Kunert habe mit Lassalleanischen Phrasen um W-n�orsen. Das heißt doch nichts anderes, als daß die k�'vungen Lassalle's Phrasen sind.(Lebhafter Beifall und V".t Hat das Lassalle um uns verdient?(Erneutes Lachen.) toln 1 1» 12 JL Ti.___ /XI„a X a ttlfllt tssfet. '> höchsten Grade bedauerlich, daß man jetzt, NttT üch zu den Reichstagswahlen rüstet, eine Zerklüftung �ei,"i Ärdeitern herbeigeführt. Die Herren, die sich an- > A, 7 Uber den Arbeitern zu stehen, sollten bedenken, daß sie �enn-�rschaft vertreten, sich also dem Willen derselben zu Pchemrl? haben. Ich wiederhole, vor dem Forum der Uerbi.schkeit müssen alle Erörterungen über Pcrfonenfragen >. T»(Beifall und Lärm.) W z�uhrnacher Kassau gab darauf unter wachsender Un- i versammelten einen Rückblick aus die fraglichen Vor- Y? in x ber freien Gemeinde und die Entstehung des Zwistes, ?er Wahl und darauffolgenden Nichtigkeitserklärung der t eä Dr. Huber zum Religionslehrer der Gemeinde zu Redner betonte dann weiter, daß ihm Dr. Huber als Lehrer lieber gewesen sei als Kunert und daß er die Mei- nung vertrete, die Stellungnahme gegen das Verhalten Kunert's sei nicht bloS eine Perfonensrage sondern auch genüg- sam Prinzipienfrage. Die Erörterung in der Oeffentlichkeit sei deshalb durchaus geboten. Schuhmacher Metzner, der alsdann das Wort nahm, führte etwa aus: Die Darstellung Kassau's ist nicht ganz richtig. ES ist eine erbärniliche Verleumdung, Herrn Kunert der Lohn- drückerei zu beschuldigen; Herr Vogtherr hat in der letzten Ver- sammlung den Sachverhalt klar gestellt. Man hat ausgesprengt, die freireligiöse Gemeinde habe sich Ausnahme- gesetze geschaffen und Kunert habe dabei geholfen. Wir haben kein Ausnahmegesetz geschaffen, sondern sind ganz den Sta- tuten gemäß verfahren. Herrn Kunert kann nicht der geringste Vorwurf treffen. Die Haltung des„Berliner Volksblatt" ist unverantwortlich gewesen. Herr Cronheirn hat behauptet, das „Berliner Volksblatt" werde von den bedeutendsten Sozial- dernokraten der Welt redigirt.(Großes Gelächter.) Ich will das nicht bestreiten. Nur soviel behaupte ich, sie haben weder den Briefkasten, noch den Sprechsaal redigirt, das haben dte beiden Redakteure gethan und diese haben nicht unparteiisch ge- handelt, sondern ihren persönlichen Haß gegen Kunert Ausdruck verliehen. Wer ist denn gegen Kunert aufgetreten? Herr Schade, der vergeblich auf den Unteroffizier fpekulirt hat, dein der Matrose mit dem Tauende ausgetrieben wurde und der sich jetzt als sozialdemokratischer Agitator ausspielen will. (Rufe: Pfui! Beifall. Furchtbarer Lärm.) Herr Baake soll seine ehrenrührigen Angriffe auf Kunert auch noch beweisen. ES ist dann serner behauptet worden, die freireligiöse Gemeinde habe sich an die Rockschöße der Sozialdemokratie gehängt. Ich muß dagegen protestiren. Die Gemeinde ist ein völlig neu- trales Gebiet für alle politischen Parteien. Die Mehrzahl ihrer Mitglieder sind freilich Sozialdemokraten. Inzwischen sind mehrere Resolutionen eingegangen. ES wird beantragt, sofort über dieselben abzustimmen. Die Herren C. Baake und Fr. Berndt erheben hiergegen Widerspruch. Bis jetzt hätten nur die Freunde KunertS gesprochen. Herr Kassau könne gar nicht in Betracht kommen, da er sich nur mit den Angelegenheiten der fieireligiösen Gemeinde befaßt habe.— Die Majorität entscheidet s ich für sofortige Abstimmung über die Resolution.(Unruhe.) Mit großer Majorität wird die folgende Resolution ange- „Die heute im„Belforter Salon" tagende öffentliche Volks- Versammlung protestirt energisch gegen das Vorgehen einer Minorität der freireligiösen Gemeinde ihren Streit der Kritik der Oeffentlichkeit zu übergeben, wovon der Zweck einzig und allein der ist, dem Stadtverordneten Kunert das ihm von den Berlinern Arbeitern geschenkte Vertrauen zu entreißen und ihn in den Augen derjelben zu diskreditiren. Die Versammlung spricht dem Stadtv Kunert ihr volles Vertrauen aus und geht hier- mit über die Vorgänge in der freireligiösen Gemeinde endgiltig zur Tagesordnung über." Die zweite Resolution kam infolge dessen nicht zur Ab- stimmung; dieselbe hatte etwa folgenden Inhalt: „Die Versammlung erllärt, daß das Gesammtverhaltcn des Herrn Kunert sowohl in der Freien Gemeinde als auch in seinem sonstigen Auftreten für die sozialdemokratische Partei schädlich ist und ist der Ansicht, daß Herr Kunert die Sozial- demokratie nur als Mittel ansieht, seinen durch nichts gerecht- fertigten Ehrgeiz zu befriedigen. Aus diesen Motiven erklärt die Versammlung, daß Kunert nicht berechtigt ist, die sozialdemokratische Partei öffentlich zu ver- treten und geht über ihn zur Tagesordnung über. Redakteur Baake erklärte hierauf, da kein Gegner Kunert's vor der Abstimmung über die Resolutionen zum Wort gekommen sei, wäre es zwecklos, nach der Abstimmung noch über die Angelegenheit zu sprechen. Es würde dadurch nur Lärm hervorgerufen werden. Auch fei der Saal viel zu klein, als daß das Urtheil dieser Versammlung endgiltig sein könnte.(Lärm.) Vielleicht wäre es besser gewesen, die Angelegenheit � einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Aus diesen Gründen verzichte er(Redner) darauf, hier noch zur Sache zu sprechen und ziehe seine Wortmeldung zurück.(Unruhe.) Herr Max B a g i n S k i erklärt zur Geschäftsordnung, daß er in dem' Vorgehen der Majorität eine Vergewaltigung der Minorität erblicke.(Lärm.) Er fordere die Minorität auf, den Saal zu verlassen.— Etwa 50 Personen kommen dieser Aufforderung nach. Nachdem die Ruhe wieder hergestellt, dankte Herr Kunert für das ihm ausgestellte Vertrauensvotum. Es sei ihm da- durch möglch geworden, seine bisherige politische Thätigkcit fort- zusetzen. Eine Versammlung in Luckenwalde habe ihm am vergangenen Montag auch ein Vertrauensvotum ausgestellt. Er hoffe, daß ihn die Versammelten auch ferner gegen Angriffe schützen würden.(Beifall.) Herr Tischler Krause sprach dann noch folgendermaßen: Der Haß gegen Kunert richtet sich blos deshalb gegen ihn, weil er auf der Kandidatenliste zum Reichstage steht und ihn verschiedene Andere darum beneiden. Mit der derzeitigen Redaktion des„Berliner Volksblatt" muß gründlich auf- geräumt werden. Die Herren, welche im„Berliner Volksblatt" jetzt das Wort führen, sind mit der sozialdemokratischen Partei so verwandt, wie Suter mit der freien Gemeinde. Herr Cron- heim hat durchaus nicht das Recht, sich als Vormund der Ar- beiter aufzttspiclen, denn vor der Gründung deS„Berliner Volksblatt" war cr in sozialdemokratischen Kreisen ganz un- bekannt. Den Schluß seiner Ausführungen bildete eine Rechtfertigung bezüglich des Vorwurfs, er habe am 90. Ge- burtsiage Kaiser Wilhelm l. illuminirt. Ein Antrag: Die Versammlung beschließt, den Besitzer deS„Berliner Volksblatt" aufzufordern, den Redakteur Kurt Baake sofort aus der Redaktion zu entlassen, widriaenfalls jeder verpflichtet ist, das Abonnement auf das„Berliner Volksblatt" abzubestellen", wird als„zu thöricht" all am gelegt. Auf Antrag des Tischlers Herrn Thierbach wurde darauf der Schluß der Versammlung herbeigeführt. Eine öffenttichr Uerfammlung der Lacktirer fand am 26. August in Scheffcr's Salon, Jnsclstraße, statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Wie stellen sich die Lackirer zur Auf- besserung ihrer eigenen Lage, und welche Forderungen gedenken wir in nächster Zeit zu stellen? 2. Verschiedenes. Als erster Vorsitzender fungirte O. Schüßler, als zweiter A. Kremnitz und und als Schriftführer G. Nahrhaft. Zum ersten Punkt ertheilte der Vorsitzende dem Kollegen Nahrhaft das Wort. Derselbe führte den Kollegen ihre eigene traurige Lage vor Augen und erklärte dieselbe für eine ganz erbäimliche. Redner ging des Näheren auf die hiesigen Lohnverhältnisse ein, und daß der Mensch bei einem Minimallohn von 19,80 M. nicht bestehen könne, müßte selbst der verbissen st eJnnungsbruder einsehen und zugeben. Der durch den vorjährigen Streik errungene Minimallohn kommt den Gehilfen aber nicht einmal zu Gute, da die Lackirerbranche ein Saisongeschäft ist und kaum 25 pCt. der Lackirer fortwährend Arbeit haben. So legte Redner durch Verlesung eines genau geführten Tagebuchs eines hiesigen Kol- legen klar, daß der Durchschnittsverdienst in der Haupt- und Residenzstadt sage und schreibe 14 M. 77'Pf. betrug. Hier ist wohl jeder Kommentar überflüssig. Um dieses, was ein Ber- liner Gericht Hungerlöhne nennt, verdienen zu können, haben wir 3—4 Jahre gelernt. Um dieses zu verdienen, setzten wir uns der Bleikolik und andern Gewerkskrankheiten aus, um dieses zu verdienen, schädigen wir durch giftige gemischte Farben unsere AthmungSorgane und unser Augenlicht und schließlich haben wir von dem vielen im Wasser arbeiten schon frühzeitig Gicht und Rheumatismus in den Gliedern Kollegen seht Euch gegenseitig an, abgehärmte, elende Gestalten. Seht euere Kinder, wenn sie vor Tagesgrauen Frühstück und Zeitungen tragen. Seht euere Frauen, wovon die meisten im blühendsten Alter Schwindsuchtsrosen auf den Wangen haben. Sie alle klagen uns an, in ihren Blicken liegt der Vonvurs: Ihr seid nicht nur berechtigt, sondent ihr seid verpflichtet, uns eine bessere Lebenslage zu verschaffen, oder ihr bringt Euch und un�um Jahre f.'üher in das Grab.— Man spannt den Bogen so lange bis er bricht, und bei uns ist es die höchste Zeit, daß er bricht, denn auf das tiefste Niveau sind wir bereits gesunken und man muß sich schämen, daß es soweit gekommen ist. Ilm dieses alles zu ändern, muß aber zuerst der JndifferentiSmus schwinden, welcher leider schon so tiefe Wurzeln geschlagen hat, und es muß aufgehört haben, daß die Kollegen sich einbilden, durch Selbsthilfe etwas zu erringen. Redner führte den Fall eines Kollegen an, welcher bei einem Jnnungsmeister gearbeitet hat. Als derselbe den Kollegen während der Streikzcit ausgenutzt hatte, wurde derselbe bei der flauen Zeit entlassen, so zu sagen ohne Grund. Das ist reckst bezeichnend und nichts neues für einen sogenannten Innung?- bruder. Jeder Kollege muß voll und ganz für eine straffe und feste Organisation eintreten, dann ist uns noch zu helfen und sonst nicht. Ich fordere Jeden auf, den bestehenden Vereine« beizutreten, damit wir im nächsten Frühjahr mit der gewiß ge- rechten Forderung eines Ostündigen Arbeitstages und eines MinimallohneS von 45 Pf. hervortreten können. Im weiteren Verlauf erklärten die Kollegen Jungermann, Schüßler. Jakob und andere, daß es so nicht mehr gehe und unbedingt Remedur geschaffen werden müsse, damit auch wir den an uns vonStaat, Gesellschaft und Leben gestellten Ansprüchen gerecht werden können. Fese(Charlottcnbura) meinte, es wäre überhaupt unnütz, wenn wir bei dem JndifferentiSmuS der Kollegen an eine Lohn- bcwegung dächten, denn die würde auf alle Fälle zu Wasser, wir würden uns mehr schaden, wie nützen, den neunstündigen Arbeitstag würden wir doch nicht erreichen. Schüßler und Jakob entgegneten: Wenn wir einen neunstündigen Arbeitstag aufstellen, so können wir den jetzigen, welcher 11 und noch mehr Stunden dauert, durch einen allgemeinen zehnstüudigen ersetzen und in vielen Werkstellcn wird auch der neunstündtse errungen werden. Kollege Rautenhaus erklärte, daß die Sklaven besser behandelt würden, als zum größten Theil die„freien Arbeiter", denn an den ersten wären die Unternehmer mit dem Geldbeutel direkt betheiligt, wenn aber die letzteren ausgenützt sind, so werden sie, etwa wie eine ausgepreßte Zitrone, auf die Straß« geworfen und durch neue aus der Rescrveaimee genommene Kräfte ersetzt, und deshalb muß auch der Ostündige Arbeitstag unbedingt errungen werden, damit das Vagabundentbnm etwas vermindert wird. Ein Antrag, eine Fünfer Kommi'fio« zur Regelung der Vorarbeiten bei einer etwa eintretenden Lohnbewegung einzusetzen, wurde vertagt und das Bureau be- austragt, in nächster Zeit eine Versammlung mit ähnlich lauten. der Tagesordnung einzuberufen. Unter Verschiedenes bc- merkte Kollege RautenhauS, daß in Rixdorf die Kinder während der Schulferien zu Arbeiten herangezoaen wurden, weiche in Gefangenhäusern verboten sei. Kollege Müller ist m der Hofwagenfabrik bei Kühlstein gemaßregelt worden, weil>r nicht übergearbeitet hat, derselbe theilte auch mit, daß dort das Trucksystem ausgeübt wird, welches doch gesetzlich verboten sei. Es wurden noch einige Mißstände im Gewerk erörtert und schloß der Vorsitzende die Versammlung um 12); Ubr. Gin»»ssentlich» Uerjammlung der Nergstder Kerlins füllte am 28. d. M. den Scheffer'schen Saal und er- örterte als ersten Punkt der Tagesordnung die Frage:„Wie stellen sich die Vergolder Berlins zu dem schon festgestellten Lohnsatz der Versilberer?"(Bekanntlich haben vor 14 Tagen die Versilbcrer beschlossen, eine Lohnerhöhung von 25 pCt. zu fordern und zwar 25 pCt. auf die bestehenden Preise in der Werkstatt.) Ueber obige Frage entspann sich eine lebhalte Debatte. Zunächst hatte sich die Versammlung darüber schlüssig zu machen, ob sie sich mit dem Beschlüsse der letzten öffent- lichen Versammlung, den Zuschlug von 25 pCt. auf die Wetk- statlprcise betreffend, aufrecht erhalten bezw. sich damit einve- standen erklären wolle? Dies war der Fall. Entgegen einem gemachten Vorschlage, nicht unvorbereitet in einen Streik ein- zutreten und zur Vorbereitung desselben eine Kommission zu wählen, welche Fragebogen zu vertreiben habe, um zu erfahren, wer gewillt sei, zu streiken, ferner um einen Streikfonds zu sammeln?c., ging die allgemeine Meinung dahin, die Sache nicht zu verschleppen, dieselbe vielmehr so schnell als möglich in Angriff zu nehmen, da es keiner großen Vorbereitungen dazu bedürfe und zudem der Monat September der geeignetste Zeitpunkt für einen eventuellen Streik sei. Diel« Ansicht war schließlich die ausschlaggebende und cr- klärte die Versammlung(meistens Versilberer) einstimmig, den oben angeführten Beschluß aufrecht erhallen und eventuell in einen Streik eintreten zu wollen. Im Anschlüsse hieran wählte die Versammlung auf Antrag des Herrn Böhl nicht eine Lohn- kommifsion, sondern direkt eine Streikkommission, bestehend aus 5 Herren und zwar den Herren Wilski, Steide!, Pflug, Gernkt und Behrndt. Die Kommission Hit sich mit den Prinzipalen in Verbindung zu setzen und die Nehenforderunaen zu fvrmu- liren(Aushang eines Lohntarifs in jeder Werkstatt tc.). Die Gewerbe-Ordnung schreibt zwar vor, daß ein Lohntarif au?- hängen soll, doch ist dies leider in den seltensten Fällen der Fall. Die Versammlung beschloß fernerhin, daß der auszu- hängende Tarif die 25 pCt. Aufschlag auf den alten Tarif tu Berechnung zu ziehen habe und daß die zu stellenden Forderungen am Montag über acht Tage(9. September) in Kraft treten soll. In Werkstätten, wo die zu stellenden Forderungen nicht bewilligt werden, Hai eine Arbeiseinstellung zu erfolgen. Es wurde ferner beschlossen, vom nächsten Sonnabend, den 31. d. M. ab in allen Vergolderwerkstätten freiwillige Beiträge zu einem Streikfonds zu veranstalten und zwar in Höhe von 50 Pf. pr. Person und von allen Vergoldergehilfen.— Unter„Vre- schiedenes" wurde u. A. auch die von Herrn Böhl in einem Aufrufe angeregte Kongreßangelegenhcit zur Gründung eines Verbandes tc. besprochen und mit Freuden begrüßt, eine Stellungnahme hierzu aber bis zu einer späteren Versammlung vertagt.— Am Montag Abend wird die Streikkommiision bei Scheffer tagen und sind die gesammelten Gelder an die Kern- Mission abzuführen. Nachdem noch der Vorsitzende den Beitritt zur„Freien Vereinigung" dringend empfohlen hatte, schloß er die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf das Ge» dcihen der Bewegung und das Gelingen des Vorhabens gegen Mitternachts Gin« öffentliche Versammlung der Drechsler und verwandter Berussgenossen tagte am Montag, den 26. August, in Deigrnüller's Saal mit der Tagesordnung: 1. Abrechnung vom internationalen Kongreß. 2. Antrag der Kommiision, betreffend Verwendung des UeberschusseS und Auflösung der Kommission. 3. Zweck und Nutzen der GewerkschastSorgani» sation. 4. Diskusston. 5. Verschiedenes.— Kollege L. Hilde- brandt wurde zum ersten, Richard Tabert zum zweiten Vor- sitzenden und E. de Jung zum Schriftführer gewählt. Zum 1. Punkt erhält Kollege Rautenberg das Wort und liefert der- selbe eine äußerst genau detaillirte Abrechnung. Danach betrug die Gesammteinnahme 529,98 M. und die GesatnmtauSgc.be 412,35 M. Der Kommission wurde Decharge crtheilt. Zu« 2. Punkt beantragt die Kommission, einer Zahlstelle b« Vereinigung der Drechsler Deutschlands in Liegnitz 50 M. zur Deckung von Prozeßkosten zu bewilligen und wurde dieser Antrag nach näherer Begründung einstimmig angenom wen. Ebenso die zwei folgenden Anträge: 30 M. der so.c- nannten Spirituskommission, und den Rest der Vereinig» cg der Drechsler Deutschlands zu Agitationszwecken zu überweisen. Vor Auflosung der Kommission wurde das von der- selben bezeichnete Mitglied Franz Rautenberg als Vertrauen-- mann gewählt zur Besorgung noch etwaiger Geschäfte. Ztn« dritten Punkt erhält Herr Wiedemann das Wort. Derfeibe erklärt in trefflicher Weise die Ursachen des Bestrebens der Ar- beiter sich zu organisiren. Zum Schlüsse seiner mit großem VI Beifall eu'gmommcncn AuLführungen legt Redner eS allen Arbeitern dringend an'S Herz, sich zu organisiren, da wir sonst einer sehr düsteren Zukunft entgegen sehen. In der yMerst interessanten Diskussion wurde mit Hinweis auf die so sWach b-l,ichte Versammlung die Frage aufgeworfen, worin der In öifsrrentiZmuZ der Kollegen seinen Grund haben könne. Etwa in dem guten Glauben, daß die Maschine im Drechsler fach nicht eingreifen könne, welches an der Hand von Be- weisen, wonach schon sehr viele Artikel ausschließlich Monopol der Maschinen sind, oder aber sei die Lage der Drechsler und speziell der„Berliner� Drechsler eine derartig glänzende, daß der Besuch einer Versammlung kaum für nöthig erachtet werden könnte? Wie glänzend diese Lage sein muß, beweist ein Fall, daß in der Werkstelle deS Drechslermeisters Schwartze in der Rcichenbergerstraße ein Kollege in einer Woche 3 M. 32 Pfg. verdient habe und derselbe, wenn auch klein und schwächlich, doch ein gutes und sauberes Stück Arbeit liefere. Von diesem Verdienst ging noch, wie bei jedem Arbeiter dort, 3 M. für �Dcnnpf" in Abzug, macht von 3 32 M. die Summe von 32 Pf. Kommentar ist da wohl überflüssig. Dieses Denjenigen ins Album, die da glauben, augenblicklrch glänzend gestellt zu sein »der äußerst leistungsfähig, bis auch sie arbeitslos und sich in ähnlicher Lage befinden. Ein unter„Verschiedenes" eingelaufener Antrag für Fortsetzung der Tellersammlung wurde vom anwesenden Beamten untersagt, trotz der Erklärung des Vorsitzenden, daß dazu kein Grund vorliege, da die Versamm- Zung angemeldet sei mit der Bemerkung, zur Deckung der Un- kosten eine Tellersammlung statlfinden zu lassen, ob vor oder nach Schluß der Versammlung sei nicht gesagt. Alles umsonst, cm Schutzmann stand Posten an der Thür, bis fast der Saal leer war. Zum Schluß machte der Vorsitzende aufmerksam auf de» Streik der Kistenmacher, um dieselben auch nach Kräften IN unterstützen. Der Fachverein der Tapezirer K erlins hielt am Montag, den 26. August, in Feuer stein's Salon, Alte Jakob- st raße 75, feine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Glocke über den«Niedergang des Kleinhandwerkerthums." Der Referent erledigte feine Aufgabe in einem einstündigcn Vortrag in der bekinnten vortrefflichen Weise und zollte die Versammlung dem Vortragenden lebhasten Beifall.. Die darauf folgende DiS- tussion war eine sehr rege, es wurde angeführt, daß namentlich im Topezirergcwcrbe dieser Drang nach Selbstständigkeit noch wonchen zurückhält, sich der Arbeiterorganisation anzuschließen. Edenfalls hätten die Kleinmeister in erster Linie die Verpflichtung, den Forderungen der Gehilfen sympathisch jpgenüber zu stehen, da gerade sie sehen müßten, wie Ihre Existenz immer mehr durch das Großkapital gefährdet würde. Man empfahl, sich die Worte des Referenten recht ins Gc- diichtnrß zu schreiben, es fehle immer noch der richtige Geist. Zum zweiten Punkt„Gewerkschaftliches" wurden mehrere Werk- statten gemacht, wo noch länger als neun Stunden gearbeitet würde, oder wo es der Fall ist, wird zehn Stunden geschrieben, so daß der Arbeiter immer im Nachtheil ist. Diese Vorkomm- nisse wurden der Werkstatt- Kontroll- Kommission über- wiesen, um dagegen vorzugehen, nur müsse ferner mehr für den Fachverein agitirt werden, um so leichter ist es dann, einen Druck auf derartige Zustände auszuüben. Ferner wurden einige Schundme-ster bekannt gemacht, welche für Tapezieren den Gehilfen 25 Pf. anzubieten sich nicht geniren. Dieses fei unterm Hund, ebenfalls sei dem nur durch eine stramme Organisation errtgegen zu treten.— Zu Vereinsange- legenbeiten wurde eine Kommission von 7 Personen zu dem am t3. Okiober stattsindenden Stiftungsfest gewählt. Nach Be- kannlmachung der nächsten am 9. September stattsindenden FachoereinSversammlung im obigen Lokal wurde die Versamm- jung geschloff-'n. Der Allgemeine Metallardettervrrein Krrlins«nd Umgegend ragte am Montag, den 26. d. M. im Kolberger Salon, Kolbcrgerstraße 23 mit folgender Tagesordnung: 7. Vortrag des Herrn Voglherr über„Giordano Bruno, seine und unsere Zeit." 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mit- glieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorsitzende Kollege Ungar erlheilte zunächst dem Referenten zu seinem Vor- trage das Wort. Derselbe führte aus, daß man eS als einen Triumph des Freidenkerthums begrüßen könne, daß am letzten Pfingstsonntage in dem„heilrgenRom" dasDenkmal einesManncS enchüllt worden sei, der auf das Geistesleben seiner Zeit einen nachhaltigen Einfluß ausübte und sich durch wahrhaft große Geistesarbeit hervorgelhan hat; im Gegensatz zu den Personen, dene« man gewöhnlich Denkmäler errichtet und die nur äußer- sich eine hervorragende Rolle einnehmen. Er schildert dann daS Leben und Wirken Giordano Brunos, seinen Kampf mit dem Papstthum und die Verfolgungen, die er deswegen zu er- dulden hatte und die dann endlich zu seinem Tode auf dem Scheiterhaufen führten, auf dem Campo di Fiori angesichts des WaukanS, wo ihm in diesem Jahre ein Denkmal errichtet wurde. Redner bedauert, daß bei der Errlhüllungsfeiec die Universitäten DcuffchlandS nicht vertreten waren. Es ist dies ein Beweis, daß wrr noch zu sehr von dem Banne des KirchenlhumS befangen seien, wie eS auch der heutige Schulunterricht zeigt, in welchem drei Jahrhunderte nach Giordano Bruno, die, durch das kopcrnika- nische System, auf welches auch jener feine Lehren stützte, in itnen Grundvesten erschütterten Anschauungen noch immer ge- pflegt werden. Man hat Giordano Bruno und viele seiner Schriften veibrannt, jedoch seinen Geist und seine Ideen kann kein Papst und kein Mächtigster der Erde aus der Welt schaffen, und allen Bestrebungen, die den freidenkerischen Zug in Fesseln halten wollen, kann man das Wort Giordano Brunos zurufen, mit dem er sein TodeSurtheil entgegen- nahm; Ihr verkündigt dieses Urtheil mit mehr Furcht, als ich es empfange!(Lebhafter anhaltender Beifall.)— Zu „Verschiedenes" gelangte ein Antrag zur Annahme, zur Er- �änzuvg der Fach- und der Arbeitsnachweis- Kommission 3 rrsp. 2 Mitglieder zu wählen, und wurden in die erstere die Kollegen Schulze. Müller und KrziminSky, in die letztere die Kollogen Hummel und Meißner gewählt. Hierauf ergreift Kollege Lufin das Wort und bringt zur Illustration dessen, mü welchen Mitteln die Fabrikanten die Arbeiterbewegung be- kämpfen, zwei schwarze Liften zur Kenntniß der Versammlung. Die eine, datirt aus dem Jahre 1874, betrifft den Streik in der Pflug'schen Fabrik und enthält 916 Personen. Die andere rührt aus der Ärbeitseinstellung in der Hasse'schen Fabrik her und enthält die Namen der Kollegen, die infolge der Maß- regclung des Kollegen Becker die Arbeit niederlegten. Redner unterzieht solche Manipulationen der Fabrikanten einer scharfen Kriuk und fordert die Kollegen auf, angesichts dessen die Agitation um so eifriger fortzusetzen. Kollege Klein erklärt, daß der Verein auf Grund dieser schwarzen Liste versuchen werde, die an die Hasse'schen Kollegen gezahlten UnterstützungS- gelber von Herrn Hasse einzuklagen. Ferner macht er bekannt, daß sich der Vorstand genöthigt gesehen habe, jene Mitglieder, welche sich mit Kollegen Becker nicht solidarisch erklärten, aas dem Verein auszuschließen. Der Verein ist ein Kampsverein und kann daher Mitglieder, die sich nicht voll und ganz seinen Bestrebungen anschließen, nicht ge« brauchen. Der Vorstand glaubt daher konsequent zu handeln, wenn er diese Mitglieder, trotzdem ihre Zahl 32 beträgt, aus dem Verein entwrnt, denn solch' eine Maßregel kann nur daS Ansehen des Vereins stärken.(Lebhafter Beifall.) Kollege Guthert führt an, daß er seiner Zeit auf Grund der Liste aus der Pflug'schen Fabrik 17 Wochen außer Arbeit war, habe aber schließlich aus eben demselben Grunde Arbert bekommen. Er «mahnt daher die Kollegen, sich durch Listen nicht enlmuthigen .y, Ivssen. Sobald der erste Anprall vorüber ist, nehmen die Fabrikanten ganz gerne die streikenden Arbeiter an, weil sie missen, daß sich darunter immer die besten Kräfte befinden. Vdt dem Ausschluß der 32 Mitglieder ist er vollständig einver» standen. Solche Elemente müsse der Verein entfernen, dieselben haben gezeigt, daßsie nichtwenh sind, eineiVerciniguna anzugehören. Er legt daher allen Kollegen ans Herz, stets die Interessen des Vereins zu vertreten, dann werden die Fabrikanten einsehen, daß sie mit uns zu rechnen haben. Kollege Becker schloß sich den Ausführungen der Vorredner an. Es geht keinen Fabrn kanten etwas an, was die Arbeiter außerhalb der Fabrik bp ginnen. Er fordert die Kollegen auf, fleißig zu agitiren, denn wenn wir erst die Majorität auf unserer Seite haben, ist der Sieg unser.— Kollege Borowsky kritifirt die Zustände in der Geldschrankfabrik von Arnheim, Rosenthalerstr. 36 und wünscht, daß der Verein sein Augenmerk auf diese Fabrik richten möge. — Kollege Lindenheim fragt an, weshalb in diesem Lokale eine Versammlung statifindet, da dasselbe nicht auf der Liste der Lokalkommission steht; worauf Kollege Klein erwidert, daß hier ein Versehen vorliege. Der Verein richtet sich stets nach der Lokalkommission. Er ersucht ferner die Kollegen auch bei den Destillateuren dahin zu wirken, daß kein Bier aus Brauereien getrunken werde, die ihre Lokale nicht hergeben, wie ,. B. die Bergschloßbrauerei. Man müsse das Uebel bei der Wurzel anfassen, dann werde man auch Erfolge erzielen. Die Arbeiter in Leipzig und Dresden wären uns darin mit gutem Beispiel vorangegangen und was dort möglich war, müsse auch in Berlin durchführbar fein. Ferner ersucht noch Kollege Klein um rege Betheiligung an der Dampferpartie, die am Sonntag stattfindet. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung um 12 Uhr. Eine allgemeine Källrerversammlung war auf Don- ncrstag Nachmittag 3 Uhr einberufen worden. Der Saal füllte sich nur langsam, so daß erst nach 4 Uhr die Versammlung ihren Anfang nehmen konnte. Die Tagesordnung lautete: 1. Zweck und Ziele des Verbandes. 2. Wie verhalten wir uns zur Begründung einer Genoffenschaftsbäckerei? 3. Bericht der Revisionskommission und Beschlußfassung über Veranlagung der Gelder. Als Vorsitzender fungirt Herr Pfeiffer. Er führt aus, daß gerade der letzte Streik die Bäcker lebendig auf die Gründung des Verbandes hinweise. Nicht allein den Bäcker gesellen, sondern auch den Meistem ginge es trüb- selig. Diesen allgemeinen Mißständen gegenüber gäbe eS nur ein Heilmittel, die Organisation, Anschluß an den Verband und Verkürzung der Arbeitszeit. Trotzdem die Bäckergesellen wenig verdienten, würde dennoch manche Mark unnütz von den Bäckern ausgegeben. Denn des Abends, wenn die Stätten der Bildung geöffnet seien, müßten die Bäckergesellen arbeiten. Des Nachmittags aber, wenn sie frei haben, liefen sie dahin, wo Bäcker zusammen seien, und was da getrieben werde, brauche er nicht zu dctailliren. Was nützten die Taufende emporgehobener Hände, wenn nicht Herz, Sinn und Charakter dahinter zusammenstünden? Die 30 Pf. monatlichen Beitrag, welche der Verband erheische, könne auch der Aermste leicht abstoßen.— In der Diskussion nimmt zu- nächst das Wort Herr Schlüter. Er spricht sich im Sinne des Referenten und Vorsitzenden Pfeiffer aus und mahnt mit feurigen Worten zum Anschluß an die Organisation. Er erinnert an die schmachvollen«Ge- sindcbücher" der Innung„Germania" und glaubt, daß, wenn die Bäckergesellen sich organisiren, sie ebenfalls mit den übrigen Handwerkern, mit der gesammten Arbeiterschaft in Reih und Glied marschiren werde.— Herr Kühne kommt mit kurzen Worten nochmals auf die schon von Herrn Pfeiffer er- wähnte Fllhrcrfrage zu sprechen. Er führt aus, daß die Bäcker weder von Sonn- noch Feiertag etwas wissen, daß man bei den Bäckern bei überströmender Hitze 14 Stunden arbeite. Dies thue kein Pferd, das werde keinem Thrcre zugemuthet. Dagegen, das müsse immer und immer wieder von neuem her- vorgehoben werden, müsse entschieden Front gemacht werden. In Einigkeit aber müsse man wirken und darum hinaus mit den Friedensstörern aus dem Verein. — Herr Pfeiffer giebt ergänzend noch einige Mittheilungen aus dem Lager der Meister.— Herr Kraft erzählt, daß eine Anzahl von Kollegen die Streikkarten verbrannt hätten. Dies sei kein mutherwcckendeS Zeichen für den Verband.— Herr Kühne widerlegt diese engherugen Bedenken und mahnt zur Einheit und Organisation.— Eine rege Diskussion schloß sich noch an diese Ausführungen. Herr Hoppe bittet ums Wort. Es erhebt sich ein großer Lärm. Herr Pfeiffer läßt darüber abstimmen, ob Herr Hoppe sprechen soll. Die Abstimmung ergicbt die Bejahung dieser Frage. Herr Pfeiffer legt erregt sein Amt nieder und erklärt, im Falle man Hoppe das Wort erlheile, aus der Beweguug der Bäckergesellen auszuscheiden. Es entsteht eine gewallige Bewegung. Der zweite Vorsitzende Herr Kühne, dem die Leitung der Versammlung nunmehr übertragen worden, vermag sich nicht verständlich zu machen. Der überwachende Polizei- lieutenant mahnt zur Ruhe. Eine weitere Abstimmung ergab die Ablehnung des Herrn Hoppe als Redner.— Ueber die Genossenschafisbäckerei referirt sodann Herr Pfeiffer. Er hält die Idee für leicht realisirbar. Ein Risiko sei bei der Sache kaum zu befürchten. Er macht auch einen direkten Vor- schlag, nach welchem man mit schon 3000 M. das Ganze ins Werk setzen könnte. Herr Schlüter ist der Meinung, erst die andern Arbeiter in einer einzuberufenden Volksversammlung die Sache zu intcrelsiren. Dann könne die Sache nicht tur fehlgehen. Zur Annahme gelangt folgende Resolution:„Die Versammlung erklärt sich für Gründung einer Genossenschafts- bäckerei, wenn die Berliner Bevölkerung uns in dieser Be- ziehung unterstützen will."— Da Niemand von der RevisionS- kommission anwesend ist, wird Herrn Hoppe das Wort er- thcilt. Er nimmt lediglich Gelegenheit, zu erklären, daß die Revisionskommission noch nicht abgerechnet habe und ruft am Ende aus, man werde ihn noch rufen. Hoppe und mit ihm einige Anhänger verlassen den Saal.— Herr Schlüter er- klärt, daß Hoppe's ganzes Gebahren der Oeffentlichkeit über- geben werden soll. Man werde ihn nicht wieder rufen.— Als Revisionskommission über den zweiten Streit werden ge- wählt die Herren Schellenberg, Wittisch und H o t u b. — Bezüglich der Verwendung der aus dem Streikfonds übrig gebliebenen etwa 700 Mark ward beschlossen, daß 600 Mark auf der Reichsbank angelegt, das Uebrige zu VerwaltungS- zwecken verwendet wird. Darnach schloß die Versammlung. Cliarlottendurg. Am Montag, den 26. August, tagte Hierselbst eine öffentliche Versammlung der Schuhmacher und mehrerer gewerblichen Arbeiter mit der Tagesordnung: 1. Der Untergang des Kleinhandwerks. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zum ersten Punkl erhielt Herr Pirch(Berlin) als Referent das Wort. Redner schilderte in seinem mit Beifall aufgenommenen Vortrage die alten Zunflbestrebungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, und meinte, daß trotz der heutigen sozialen Zu- stände die größte Zahl der Kleinhandwerker noch immer den Arbeiterbestrebungen feindlich gegenüber steht; es be- wahrheilet sich hier das Sprichwort, welches heißt:„Wen der Herr verderben will, schlägt er mir Blindheit", allerbesten. Trotzdem sei � die Arbeiterpartei Deutsch- am lands stets im Wachsen begriffen, wofür der stattaefundene Kongreß, welcher in Paris tagte, das beste Zeugniß geliefert habe. In der hierauf folgenden Diskussion wurde erstens eine regere Äetheiligung und Lesen von Arbeiterblättern dringend empfohlen und wurde hauptsächlich das„Berliner Volksblatt" und„Volks-Tribüne" in Vorschlag gebracht. Ferner wurde das Bedauern darüber ausgesprochen, daß hauptsächlich in hiesiger Stadt noch immer Arbeiter zu finden sind, welche sich den deutschfreifinnigen und konservativen Parteien bei einer etwaigen Wahl als Stimmvieh zu Verfügung stellen. Es wurde hierauf folgende Resolution angenommen:«Die heute bei Pohl tagende Versammlung der Schuhmacher und anderer gewerblicher Arbeiter ist der Ansicht, daß sämmtliche von den Innungen vorgeschlagenen Entwürfe, als da find: Befähigungsnachweis u. f. w., u. s. w., als für den Kleinhandwcckcr, Gesellen und Arbeiter �nicht vorihni� find; sie erachtet vielmehr oen Uebergang m die gw°II � liche Betriebsweise jrlfi das einzige Heilmittel der 6__„L- _____ vv�-.whv VMV-y � njrtflCtl'' beschließt, nur für Einführung derselben eintreten z �„kl v3' Nach dem Schlußwort des Referenten wurde „Verschiedenes", hauvssächlich die Lokalsraae erörtert.-... «�,v. I�.vvv.iv«, ViC konstatirt, daß zu Volksversammlungen uberhaupl» � zu bekommen sei; dies zeige, �wie schwer es tei," daß d» reiche Azilation zu entfallen. Es wurde beschlo � Wirlhcn, welche niemals ihren Saal K1,„tt, luv gen geben, überhaupt kein Arbeiter kehren soll. Behufs Regelung dieseb Mg-� � eine Kommission gewählt und wird, wenn yier vuiv ovuwuuiniU" yuuuuu unu IvlOv, UICJI'I x NZ.'UM zu bekommen ist, eine Versammlung nach Königshof, UwS»____.;„i.____ c___ Pflicht ewr- straße, zur Berichterstattung einberufen werden.>'-ir-, jeden klassenbewußten Arbeiters ist es, obigen Wahrheit zu machen, denn so mancher Wirth«st aus� jj«, Groschen angewiesen; und wird uns zur Abhaltung em � sammlung ein Nein erwidert, dann erwidern wir unsere Groschen dahin zu tragen, wo wir gern geffheii � Darum, Arbeiter, Handwerker CharlottcnburgS, wss' j, uJrc. r t:.!-,« uicaiuu».. �------_..auuiituvui ifarn# vor der Wahl, strebe ein jeder, daß bis dahin die Mau vir aus dem Wahlkarupl Maßregel beseitigt ist, auf daß wir Sieger hervorgehen. Luckenwalde, 27. August. In der gestem Versammlung des hiesigen Arbeitervereins Kunert-Berlin über den Pariser Arbertcrkongreß. selbe das Wort erhielt, wurde vom Vorsitzenden Tonnerstag in Berlin in Heydrich'S Salon Versammlung in Sachen Kunert hingewiesen derselbe zunächst den Anwesenden die Frage, Kunert das Wort bekommen soll. Es meldeten i � folge dessen die Herren Dorn, Haase und Variw � Wort, alle waren der Ansicht, Herrn Kunert daS � � eitheilen, da, wie die Sache jetzt liegt, von den Geg Herrn Fritz KuNcrt nichts vorgebracht worden ist, was.«... prächM W°Vf' auf die m5 •jfS den zur Unehre gereicht. Der Streit in der Bertiner freien ""' der Parteigenosse« mcinde kann unmöglich überhaupt ist es seh de- Sache �.....„ gewagt, einen Wann, lrbciter cingeireten>!>/'..j,'■ _.._ den Genossen Zeit gerechtes Urlheil zu bilden, zum tobten Mann zu "Q__ x.____ i ri-Cx<1 J /r*. t.•** r_____(»Jv 1 i— y------• ji( immerhin für die Sache der Arbeiter cingeireten Pi, gj, q» Versammlung, ohne daß man den Gcnossen�Zeit Ffliirc«' überhaupt sieht die Sache einer Ueberrumpeinna sehn � Nachdem der Voi sitzende, Herr Tabcrt, beide Berliner lutionen Wiederholl vorgelesen hatte, brachte Herr Hau. � VertrauenS-Rcwlulion folgenden Zusatz ein:»�4) � Kenntniß der Person und Gesinnung unseres Gen-n Kunert schließen wir uns voll und ganz dem Bertran der Berliner Genossen an— so lange— als gegn Zäd nicht vollgiliige Beweise gegen den Genossen Kuncri geführt werden können." Unser Votum lautet demnach:—(Hier Jolgt liner Hcydrich'sche Vertrauens-Resolution). Der Vor! ließ nun zunächst über die Mißtrauens- Resolution stimmen; für dieselbe hat sich N.emand erhoben, w langte nunmehr die Vertrauens- Resolution jdt Zusatz Krause einstimmig zur Annahme. Hierauf y.,. Herr Kunert unter dem lauten Beikall der ungefähr sonen starken Versammlung das Wort. Ter'elbe 6flvIW stundigcr Rede der Versammlung einen Ueberblick über 0" � „„f daS.,'4 kommmsse auf dem Pariser Kongreß, schilderte Volksleben, gedachte der Kranzniederlegung auf Heini) � a« Grab und schloß mit den Worten: einigt Euch!" Arbeiter aller Ländtt- Kerlln»r P?«•»!» |toturl)»ilhu)i>r. Freitag für«olk»vrrpiinl»ichr■' fitag, den 30. August,«bendS tllir in«"M M ......-»"St« stigei. Hascndaide, Vorn ag deS Herrn Hermann Eanig iiber den) jjtt.-. Etnflub des Arges und des Pstrgers aus den Verlaus der SranllWv,« jXl1" nach dem Vortrage geselliges Veisammensein und Tanz. Um zahlleiib wird dringend gedeten. Gäste stnd willkommen. ,,«rri� a Sr»it Uerrinigung drr Zulch»cid er, Steppen und«-.»dttt.■ „Ii»»(Som.ntirnh N.r,«1 0. UV llhr»Ute 3l" Keelino. Sonnabend, den LI. August, Abends Uhr, Alte Fachvortrag. Den Mitgliedern de» Derein« zur Mastrnng �>en»„Igirerern»e» Hierein» zur Maurnng der Klavierardeiter und veiwaudter Berussgenosien zur Lturdnas- � f Bibliothek des Vereins am Montag, den 2. zwar jeden Montag Abend von 7-g Uhr, und jeden Donnerstag Scfflcmber, wieder S'dfe'iLit'jj I,nk r>»..,.,rilaa r"...i 8-10 Uhr ES wird erwcht, die Vibtiotdek fleißig i» 5 zic�!-. ....... Audi wird darum ged-ren, Bibliothek befindet ll® nur uc? �ai,*-T-- Kcrner- Wir machen hierdurch Vff statt.— Die Herren Arbeitgeber, welche Beiträge au« eigenen Mitteln di- xt>r genannten Kasse zahlen, laden wir hiermit Vorniittag« 10 Uhr»NÖ.. jährigen Milgliedcr Vormiltags 11 Uhr ergebenst ein. Tageiordnut» girtenwahl�......_...... Drtkd!'1» Die Bereinigung der Drechsler Deutschlands, k,.. �, Berlin IN. hält am Montag, den 2 Cevtemder, im Lokal de« P!« ßö.r Brunnenftr. 38. eine Versammlung ab Taaedordnung: 1 Wie stea�M-, •"** it?' mfn(v* Kollegen, speziell im Norden, zu dem Lohntaris der Bornik chro.äng 2. Wie stellen stch die Niilgiieder der Ortsvexwailung HI zur � Verwaltungsstelle im Norden Berlins V 3. Verschiedenes und Sra£'.„ItJ, Hausdiener. Große Herrenpar tbie der Hausdiener am I. Cemember, N tchmiiiapö 2 Uhr Abfahrt Aleranderplaß. Saistt'» «efang-, Äurn- und gefeUige Derein« am Freitag. ,,, M,. «rfang-,«urn- und gesellige Derein» am Frenag. MSnnergeiangvcretn AdcndS g Ubr im Restaurant Tamm. Schänba>>!< jll?/ — Gesangverein.Pauiebeutel" AbendS 8 Uhr im Restaurant Heofr'�8� drineustr. IS.—.Liederlasel der �Maler und verwandter — Gesailgverein.Pauiebeutel" Abends 8 Ubr drinenstr. IS.—.Liebertasel der Maler und verwanoier«"'".MW» AbendS g Ubr Im Restaurant Kleine, Brandenburgstr. SO.— Budibinde je}?, chor Abends stX Uhr Annenstr. IS. Gesangverein.Flöter zl y Quartett' Abends 9 Uhr im Restaurant Muleboid, LandSdergett« Gesangverein.Fortschritt AbettdS 9 Uhr im ßlestaurant, Blunm>ltt��j,tto Gesangverein.Echo 1872' AbendS g Uhr Waidemarslraße 12. Reue. werde» aufgenomnicn.— Gesangverein.Oiflan' AbendS 9 Ubr-.�liimp straßc 8S bei GustgvuS.— Huppersschc Sänger.Vereinigung ms Abend« 9 Ubr bei Niest, Weberstr. 17.— Gesangverein»Sangcthw g Uhr Adaibertstr. 21.— Liebertasel des Fachverein» der Stelnlräge p Abends 8 Ubr Große Hamburgerstr. 4 Uebungsstundc.— GesangW"..�»!'� sorge' AbendS 9 Uhr Restaurant Reiher, Alte Jakobstr. 83.— Widerhall' Abends 9 Uhr bei Herrn Boge, Köpnickerstr. 191. M.« .Lorbeerkranz' 8� Uhr Restaurant Weinstr. 11.- Berliner Ichast iFstnste Männerabtheilung) Abends 8?; Uhr in der stödtischest- 0 Waflerthorstraße 31.— Turnverein.Hascnhaide" tMännerablhe>im!»,g>IP>L 8 Uhr Dteflcnbachstraße K0-S1.— Turnverein„Froh und � strel �gti>„ abtbeilung) AbendS Uhr Bergstraße S7.— Wiffenschastlicher �ar»!?,i? Rollerstche Stenographie Abends 81! Uhr im Restaurant Ziethen, 7� L-lj, straße 31, Unterricht und Uebungöstundc.—»Allgemeiner Arendsl araphenverein', Abihetiung„Vorwärts", Abends 81! Uhr»n,?ss'!,V' Marianncnplaß 11.— ArcndSstcher Stcnographenverein„Apollobm; � 9 Ubr im Restaurant. Segdelstr. 30.—„Verein ehemaliger Dr. D» P Schüler" Abend» 9 Uhr im Restaurant KredS, Friedridislraße 2lB. Diiettanten-Orchesterverein Abends Uhr UebungSstunde(«» ,. ii�.P Eöllntscher Garten, Scharrenstraße 12.— Zitherverein„Äipenvettch! �#1 stl�Uhr im� Restaurant„Wahlstatt", Belleallianreslraße 89� � � � � „Wcstend" AbendS 9 Uhr im Hohcnzollcrngarlen, kiub„Weichselblalt" Abend» 81! Uhr im Restaurant. Rauchklub„Ohne Zwang" Abends 81! Uhr im Restaurant straße 22. Restaurant W. Spar" Dcposrlioil. (Motsf'» Tetegraphen-Kurea«.) Vj London, Donnerstag, 29. August. Die Direktor Dockgesclltchaften haben eine Erhöhung des Lohnes o«! u/ arbeil er bis zum Betrag von 6 Pence pro Stunde abgelehnt. Vriefksflen. Lrie��' Bei Ansragm bitten wir die Aboniienienti. Quittung beizusügen." ,, Antwort wird nicht ertheilt. uffir Klavierarbeiter. Ihre Annonzc kann zum 4. nickit mehr aufgenommen werden, da seitens der M! Mission Ujm•"L-«>.-- aission schon über die Aufnahme der ersten Annonze�r� s' .eführt ist, indem die Philharmonie zu denjenigen � ort, die ihr Lokal zu politischen Versammlungen" geben.__«« fs; l%[ in Sl CfsitCu Daz", Verantwortlicher Redakteur: U. Tronhri» m Lock«. Druck und Verlag von Wta» Oudtng tu Berlin SV., Beuthstraß» 2.