onen>» nd Th-r zlion gt' eiche wir em Em- igen der \h 214. hnt, IM* konnlen- §1, ü!-r> rbeto. Freitag, den 13. September 1889. 6. Jahrg. en«erlaben W SLfrM« itflitW w wje- eßlich unbet" \t erW �fwfi�j ng zur»» Stptnrf«' M« , Auttd� fronngj Ä.S Inltr** tätf*'* Drh�'t »?!- Ib MÄ' der � SMerVvlKsblalt. Drgün füt Me ßutcrc ffcu der Ardeiier. Gins ernste Wtshnung. . Man pflegt den Brunnen immer erst zuzudecken, wenn * Kind schon hineingefallen ist. . Genau so geht es mit der großen Katastrophe " Antwerpen, die zur Zeit ganz Europa in Athem »halt. Daß so etwas vorkommen konnte, ist ein ernstes ~'....... Mahnung an treffen, durch ""•J# iroi»"' � 9%' •i® fü cuuuy wiiymmcii L-a Zeit und zugleich eine dringende �."tfentlichen Gewalten, alle Maßregeln zu ,,, fonn Unheil für die Zukunft vorgebeugt werden und im rechten Lichte die fr i« O D D 9 V"- W Ä-K Mir lldendrikl m»;; j- f« f'S nt l'fo .it noffly *4 r4 -n � i,. Betrachten wir einmal kurz Ursachen des Unglücks. Die fortwährende Veränderung der modernen Feuer- wacht naturgemäß eine Menge von Munition, von jede Heeresverwaltung ständige große Vorräthe hat, von zu Zeit unbrauchbar. Die Entleerung der Patronen, wc sehr gefährliche Arbeit, sollte von denselben kundigen Mdeu besorgt werden, welche die Patronen anfertigen und Da hat aber die geldbedürftige spanische Negierung Millionen überflüssiger Patronen auf Lager. Sic begeht die ' sagen wir Unvorsichtigkeit— diese furchtbare Maffe Zündstoff ?kinen Privatunternehmer abzugeben, der dieKupferhülsen �wenden will. Dieser frivole Leichtsinn einer Regierung �ubt die gefährliche Waare allen Zufällen preis. , Der Privatunternehmer, so recht der rücksichtslose Sohn £ rücksichtslosen Zeit des groben Materialismus, hofft mit r*" Kupferhülsen ein glänzendes Geschäft zu machen, da ja Kupfer, das er in Massen bekommt, so billig ist. Er seinen Beutel füllen, gleichviel, ob die ganze Umßebung •■»es Betriebs darunter Gefahr läuft oder nicht, fem Ge- erscheint ihm wichtiger, als alle die gesellschaftlichen Theres) en, die durch sein Unternehmen berührt werden. In üw Musterstaat Belgien, wo er sein Unternehmen aus- tohren will, giebt es natürlich keine Gesetze, die der Frivo- �lliät des Unternehmers, eines Herrn E o r v i l a i n, schranken setzen können. Zunächst will er die Patronenfabriken an der Arbeit pb an dem Gewinn theilnehmcn lassen. Der Zündstoff wird J" seiner großen Masse nach Belgien überführt, allein die Patron enfabrikanten weigern sich, mit Eorvilain gemein- zu arbeiten; ihnen erscheint die Sache zu gefährlich, p'c so große Menge Patronen auf einem Platze auf- Käufen, da sich bei der Entleerung der Zündkapseln gar Deicht Umstände treffen können, die eine Explosion be- js�en. Nun richtet der geldgierige Mensch selber ein �blissement zur Entleerung der Patronen ein. Er er- 7?� es nicht etwa draußen, im freien Feld, um für den ........-—«-i andere Menschen in nein, in einer be- an den neuen Hafenanlagen es nuyi eiwa oraupen,>m jim Cpll eines Unglücks wenigstens nicht . p Bereich desselben zu ziehen j- Ahnten Gegend und Vicht [M S'J 4 w- �euillekott. Dttbcltn.]_ Ein 03 o I Ö m c ri f rlr. Roma, von Ma«r«l Zükai. Der Himmel gefällt sich manchmal in dcni, was man ? wue des ScbicklalS nennen könnte. Noemi bot dem grau- Tausch an, sich selbst inbe- am Leben ließe. Sic glaubte von Antwerpen, nur 50 Meter von einem ungeheuren Petroleumlaqer entfernt, wird die ganze gefährliche Masse von Zündstoff aufgehäuft. Die Gememdeverwaltung hatte Einspruch gegen diese Unternehmung erhoben, allein es gelang dem Unternehmer, eS bei der Behörde durchzusetzen, daß ihm keine Hindernisse in den Weg gelegt werden konnten. So wurden Leben, Wohlfahrt und Eigen- thum der Bewohner eines ganzen Stadttheils aufs Spiel gefetzt, nur damit ein Unternehmer billiges Kupfer erhalten konnte. Zu solchen Auswüchsen führt das moderne Jndustriesystem. Zu normalen Zeiten hätten sich vielleicht auch nicht die Arbeiter gefunden, welche sich für die gefährliche Arbeit hätten hergeben mögen. Aber in dieser Epoche der„über- flüssigen Hände" ist eS etwas anderes; da fanden sich ohne Mühe Hunderte von armen brodlosen Menschen, die lieber ihr Leben aufs Spiel setzen, als weiter in Mangel und Elend vegetiren wollten. Der brave Unternehmer wollte natürlich auch billige Arbeitskräfte haben, und stellte deshalb nur wenig männliche Arbeitskräfte ein; es waren meist Frauen und Kinder, die bei der Entleerung der Patronen thätig waren. Er zahlte erbärmlich; die Frauen erhielten einen Tagelohn von 75 Centimes, die Kinder noch weniger, die Männer etwas mehr. Was so Viele befürchtet hatten, trat denn auch ein— die ganze Anstalt flog auf, das ganze Petroleumlager geneth in Brand, Hunderte von-Menschen wurden durch die Ex- plosion und durch die umherfliegenden Kugeln getödtet oder verwundet— der ganze Stadttheil sieht aus, als ob er mit schwerem Geschütz bombardirt und in Brand geschossen worden wäre. Das Grausen und der Jammer sind unbe- schreiblich, der Schaden ist noch gar nicht zu übersehen. Werden nun, so darf man fragen, angesichts einer so leichtfertig, so frivol angerichteten und so ungeheuren Ver Wüstung die europäischen Staatsmänner sich endlich zu dem Gedanken bekehren, daß ein wirklicher Schutz� für die Arbeiter eine der ernstesten und wichtigsten Fragen unserer Zeit ist? Werden sie nun, angesichts der verstümmelten Leichen und der rauchenden Häusertrümmer zu Antwerpen, endlich einsehen, daß sie gut thun, die von der Schweiz angeregte Konferenz für internationale Arbeiter- schutzgesetzgebung zu beschicken und dort die Maß- regeln zu berathen, welche das Leben und das Eigenthum des Volkes gegen solche Katastrophen sicher zu stellen ge- eignet sind? Vielleicht, vielleicht auch nicht! Die faulen Ausflüchte, die von den Blättern der „oberen Zehntausend" gegen eine internationale Arbeiter- schutzgesetzgebung gemacht wurden— sind sie wohl hinreichend übertäubt von den furchtbaren Donnerschlägen der Explosion von Antwerpen? ES giebt nichts Rücksichtsloseres, als die moderne Industrie. Leben und Gesundheit, Wohlfahrt und Existenz des Tödtlich erschrocken eilte Noemi hinaus zu ihrem Kinde. Das Gesichts des armen unschuldigen Wesens war ,— des Schicksals nennen Tod die ganze Welt als sf* «fL >if■ wenn er Michael________ guten Menschen zu thun zu haben, der mit sich pudcln läßt. Nun, der schreckliche Würgenengel nahm den �vch an. , Am dritten Tage hörten die Fieberhitze und Fieber- p�utasieu auf; die newöse Ueberspannung machte schlaffen Erschöpfung Platz; es ist dies ein Wptom der zum Bessern sich wendenden Krankheit, Hcs hoffen läßt, daß bei sorgfältiger Pflege der vo» �m Leben wiedergegeben ist, wenn man ihn liebe- n 11 bewacht, sein Gemüth zu erheitern versteht und ihn vor Jlwtner und leidenschaftlicher Aufwallung bewahrt; der Onke ist in diesem Stadium der Rekonvalescenz so reizbar. Genesung hängt eben davon ab, daß seine Gemüths- .he nicht gestört werde; eine heftige Aufregung kann ihm « n Tod bringen. Noemi blieb die ganze Nacht an Timars .»nkenbett; nicht einmal zum kleinen Dodi ging sie um ihn sich anzusehen. Der schlief während dieser nn Vorzimmer bei Frau Therese. Am Morgen des foggnfcn Tages, als Michael in tiefem Schlummer lag, t.l«tte Therese Noemi ins Ohr:„Der kleine Dodi ist 2etzt auch noch das Kind! Arme Noemi! Der kwJ- hatte die Bräune, die gefährlichste aller Kinder- jw"'Hessen, in der auch die Kunst des Arztes nur Wenige w vermag. Michael schlief gerade, als Therese dies sagte. verändert. Es weinte nicht; diese Krankheit hat keine Zitage- laute, aber um so schrecklicher sind ihre Qualen. O wie schrecklich, ein Kind, das nicht klagen kann und dem die Menschen nicht zu helfen wissen! Noemi sah ihre Mutter mit stierem Blicke an, als wollte sie fragen: also dafür hast Du keine Heilmittel? Therese konnte diesen Blick nicht er- tragen.„So vielen Elenden, Kranken, Sterbenden hast Du geholfen, und für den hier allein weißt Du keine Net- tung?" „Keine." Noissni kniete am Bettchen des Kindes nieder, drückte ihre Lippen auf die feiniaen und stammelte dann leise:„WaS fehlt Dir, mein Lieber, mein Kleiner, mein Engel? Sieh' mich an mit Deinen schönen Augen." Das Kind aber wollte mit seinen schönen Augen nicht U ihr aufsehen und als eS endlich auf vieles Küssen und Ktten die Augen ausschlug, war sein Blick so schrecklich. Der Blick eines Kindes, das schon gelernt, sich vor dem Tode zu fürchten.„Oh sieh' mich nicht so an, sieh' mich nicht an!" DaS Kind weinte nicht, sondern stieß nur ein heiseres Hüsteln auS. Weh, wenn nur der andere Kranke dort drinnen es nicht hört! Noemi hielt zitternd das Kind in ihren Armen und horchte dabei, ob der im Nebenzimmer Schlafende nicht schon erwacht sei. Als sie seine Stimme ver- nahm, ließ sie das Kind dort und ging so zu Michael hinüber. Nachdem der Fieber- Paroxismus vorüber war, litt Michael an Erschöpfung. Er war reizbar und ver- drießlrch. „Wo stecktest Du wieder?" fuhr er Noemi an.„Das Fenster ist offen, eine Ratte kann hereinkommen, während ich schlafe. Siehst Du nicht irgendwo eine Ratte?" ES ist eine sixe Idee der Typhuskranken, überall Ratten zu sehen. i Volks setzt sie rücksichtslos aufs Spiel, wenn es gilt, ihren Unter- nehmergewinn einzuheimsen. Sie behandelt die V o l k s w o h l- fahrt und die V o l k S g e s u n d h e i t, wie der Ackerbauer, oer Raubbau treibt, den Boden behandelt. Diesem un- heilvollen Zustand müssen Schranken gezogen werden, wenn sich nicht Ereignisse, wie die Katastrophe von Antwerpen, wiederholen sollen. Das Verlangen nach solchen Schranken wird immer dringender, es wird bald allgemein werden. Es werden so viele Vorschläge gemacht, um die Schrecken des Krieges zu mildern. Möge man doch auch endlich einntal an'S Werk gehen und sich vereinigen, um die Schrecken zu mildern, die aus dem Schlachtfelde der Industrie bestehen. So lange die Völker Europas noch solchen Katastrophen, entsprungen aus der Habsucht eines Einzelnen�, ausgesetzt sind, hat man keinen besonderen Grund, sich unserer Kultur so sehr zu rühmen. Das FllbrikinspMorlat. Die„Frks. Ztg." schreibt: „Nunmehr lassen sich die Ergebnisse der Fabrikaufsicht in Preußen während des Jahres 1888 endlich unbefangen be« urlheilen. Die offiziöse Ausschlachtung der Jnspektorenberichle bat aufgehört, da die amtlichen Originale der Oeffentlichkeit übergeben sind. Das Vorwort derselben, welches Aufschluß darüber giebt, wie sich die jetzige Publikationsforin zu der früher üblichen summarischen verhält, ist, offenbar aus Versehen, als Leiiartikel vom 7. d. M. in die„Nordd. Allg. Zig" gerathen. Dasselbe enthält aber an der entscheidenden Stelle eine voll- ständig wahrheilswidrige Darstellung des Sachverhaltes, welche man an dieser hochosfiziösen Stelle wohl kaum gesucht hätte, die aber gerade deshalb von hervorragender, symptomatischer Bedeutung ist. Es heißt in der„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" wärt- lich: Der neue„Modus(die Veröffentlichung der Original- berichte nach 4jähriger Pause) beruht auf einem Beschluß des Abgeordnetenhauses, durch welchen die Mittel für die Veröffentlichung auf Anttag der Abgeordnetenn Hitze und Dr. Lieber bewilligt wurden, nachdem der Minister von Bötlicher sich damit einverstanden erklärt hatte, daß er gegen einen diesbezüglichen Versuch in Preußen nicht« einzuwenden hätte." Diese Mittheilung entspricht der Wahr- heit nicht. Zunächst ist wohlweislich das genaue Datum der angeblichen Verhandlungen, von welchen die„Nordd. Allg. Ztg." spricht, ausgelassen. Es kann sich aber nur um die Sitzungen des preußischen Abgeordnetenhauses vom 7. und 29. Februar vorigen Jahres handeln. In der ersten dieser Sitzungen kam der gemeinte Antrag der Abgg. Hitze und Dr. Lieber zur Ver- Handlung. Schon hier stellten sich die Vertreter der Regierung sehr kühl zu demselben. Zunächst erklärte in Abwesenheit des Staatsministers von Bötticher Unterstaatssekrctär Magdeburg direkt:„Ich möchte Ihnen anheimstellen, diesen Antrag abzu- lehnen." Weiterhin erschien aber auch noch Herr von Bötticher „Es kann keine herein, mein Lieber, vor dem Fenster ist Gelsengarn." „So? Und wo ist das frische Wasser?" Noemi reichte ihm frisches Wasser. Darüber gerieth er nun wieder in Zorn.„Das ist ja kein frisches Waffer, das ist schon ganz warm. Willst Du mich vor Durst umkommen lassen?" Noemi ertrug geduldig sein Schelten. Und als Michael wieder einschlief, Uef sie neuerdings hinaus zu Dodi. Die beiden Frauen lösten einander so ab, daß, so lange Michael schlief, Therese an seinem Bette saß, und wenn er zu erwachen ansing, Noömi ein Zeichen gab, damit diese, sobald er erwacht war, ihr krankes Kind verlassen und wieder bei Michael sein konnte. Und so ging es fort durch lange Nächte. Noemi war beständig auf der Wanderung von einem Kranken- bett zum anderen. Dabei mußte sie stets Lügen in Bereit- 'chaft halten für Michael, wenn er fragen sollte, wo sie wieder gewesen sei. Das Kind wurde immer schlechter. Therese wußte nicht zu helfen. Und Noemi durfte nicht weinen. Sie durfte es nicht, damit Michael nicht ihre verweinten Augen sehe und ftage, warum sie geweint. Am arderen Morgen fühlte Timar sich leichter und verlangte nach einer Fleischbrühe. Noemi eilte hinaus, um sie zu holen; man hatte sie schon für ihn m Bereitschaft gehalten. Der Kranke schlürfte sie hinab und sagte, das habe ihm wohl gethan. Noemi zeigte ihre Freude darüber. „Nun," fragte Michael, Dodi?" „was macht denn der kleine Noemi erschrak, sie fürchtete, Timar könnte bemerken, wie heftig ihr Herz bei dieser Frage zu pochen ansing.„Er chläft," gab sie Michael zur Antwort. „Er schläft? Aber warum schläft er um diese Zeit. Er ist doch nicht krank?" O nein, es geht ihm gut." selber und bestritt lebhast jedes Bedursniß nach Veröffentlichung der Originalberichte der preußischen Fabrikinspekioren/ u. a. mrt den Worten, daß„aus der Mitte der Industrie und aus dem Publikum heraus derartige Wünsche niemals an uns herangetreten sind... ich glaube kaum, daß im Volke und in der Industrie stch viele Leute finden, die sich die Ausgabe machen* u. f. w. Der Antrag wurde der Budgekommission überwiesen. Dieselbe erstattete am 2S. Februar 1888 denn auch ablehnenden Bericht, indem sie erwähnte, daß in ihrem Schooße die Kommiffarien der Regierung ebenfalls gegen den Antrag aufgetreten feien, und Staatsmmister von Bötlicher plaidirte nunmehr offen aufs Schärfste für direkte Ablehnung. Die Ausgabe erscheine„als eine vollständig entbehrliche*; er habe außerdem die lieber- »eugung bekommen, daß man durch den Druck der Originale oemjemgen Beamten im Reichsamt des Innern, welcher die auSzugSweisen amtlichen Mittheilungen au« denselben für den Reichstag fertige, kontroliren wolle; er müsse deshalb schließen: „Ich kann um so weniger dazu rathen, als, wie gesagt, die Tendenz des ganzen Antrages auS diesem Protokoll der Äud- getkommisfion dahin klar geworden ist, daß eS eine Kontrol- Maßregel sein soll, zu der die königliche StaatSregierung und die kaiserliche Regierung meines Erachtens nicht den mindesten Anlaß gegeben hat.* Hiernach half die Befürwortung des Antrages von ver- fchiedenen Seiten des Hauses nichts mehr. Die gouvernemen- tale Mehrheit desselben hatte ihr Kommando aus der wie ge- wö'hnlich sehr pathetischen Rede des Ministers herausgehört und lehnte, wie auf S. 755 des stenographischen Protokolls zu lesen, den Antrag Hitze-Lieber ab. Und jetzt stellt die„Nordd. Allg. �tg.* in hochoffiziöser Form den Sachverhalt umgekehrt dar, letzt ist der Druck der Originalberichte gegen den Beschluß des Abgeordnetenhauses vorgenommen worden, jetzt waren die Mittel dazu auch ohne Bewilligung der Volksvertretung vorhanden, und jetzt ist die Entrüstung des Herrn von Bätticher über die„Kontrolmaßregel* nicht mehr maßgebend gewesen!... Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß inzwischen Verhältnisse einge- treten sind, welche den Widerstand der Regierung sehr plötzlich in das Gegentheil verkehrten. Dahin gehört vielleicht der im „Archiv für soziale Gesetzgebung* kürzlich gelieferte Nachweis, daß der reichsamtliche Auszug auS den Jnspektionsberichten, der für 1887 bald nach den Reden des Herrn v. Bötticher erschien, allerdings der„Kontrole* sehr bedurft hätte, da er nichts als ein Zerrbild der Originalberichte lieferte. Jedenfalls verlohnt sich aber die Feststellung, daß der durch die Darstellung der „Nordd. Allg. Ztg.* erweckte Schein, als habe die Regierung irgend welchen Antheil an der Einführung des besseren Publi- kationsmoduS, ein durchaus falscher ist. Gegen den heftigsten Widerstand der maßgebenden Kreise hat sich auch hier wieder einmal eine sozialpolitische Verbesserung durchgerungen. Man sieht, wie vorsichtig die offiziöse Geschichtsschreibung auch auf dem kleinen Gebiete der Entwickelung der Fabrikinspektion geprüft werden muß. Man begreift nach der aufmerksamen Lektüre der neuen Berichte überhaupt nicht, wie nur ein Augenblick noch mit der Reorganisation der preußischen Fabrikinspektion gewartet wer- den kann. Größere Ungleichmaßigkeiten und Lücken dürften auf keinem anderen Gebiete preußischer Verwaltung existiren, als beim Fabrikinfpektorate. Man macht heute noch dieselben Wahrnehmungen, wie vor fünf Jahren bei Erscheinen der letzten Originalberichte: den Fabrikaufsichtsbeamtcn fehlt jede einheitliche Durchschnittsqualifikation. Der Bericht des einen ,eigt eine gewisse sozialpolitische Vertiefung(als Beispiele hier- ür seien die Referate des Berliner, der schlesischen und rheini- chen Beamten genannt); andere sind von einer beispiellosen Oberflächlichkeit und Jnhaltlosigkeit, wie man sich bei der Durchficht des hessischen, des merseburg-erfurter, des magde- burgischen und des Referates über Schleswig überzeugen kann. Tüchtig sozialpolitisch gebildete Leute sind doch heute in Fülle zu haben; wie kann man also eine so unausgeglichene Fabrik- aufsicht länger in Preußen bestehen lassen? Es ist ferner un- möglich, eine ernstliche Gewerbeinfpcktion zu erzielen, wenn man einzelnen Beamten beinahe unübersehbare Bezirke über- weist. Man urtheile selbst: im Berliner Bezirk sind die Ar- beitSoerhältnisse von 133 631 Arbeitern, im Frankfurt-PotS- damer von 170000, im Breslau-Liegnitzer von 141 399 zu be« obachten und zu inspiziren. Wie kann dies je ein Fabrik- inspektor mit je einem Assistenten wirksam durchsetzen? Die Bezirke Posen mit 34 22g Arbeitern, Oppeln mit 68 154 Ar- beitern, Magdeburg mit 44 243, Merseburg-Erfurt mit 73 313 und Schleswig mit 44276 Arbeitern sind vollends nur mrt einem einzigen Beamten besetzt, und wie man sieht, ganz un- gleich abgetheilt, rein schematisch nach den politischen Landes- grenzen. Diese Arbeitermassen lassen sich unmöglich von einer Person übersehen, geschweige denn in ihren Arbeits- und Lebens- Verhältnissen erschöpfend studiren. Im Königreich Sachsen und dem Großherzogthum Hessen kommen letzt rund 14 000 Arbeiter auf einen Aufsichtsbeamten, und man wird doch nicht behaupten wollen, daß da schon die Fabrikaufsicht vollkommen oraanisirt wäre. Die preußische Fadrikinspektion kann jeden- falls unter jenen Verhältnissen nur der schwache Schein von „Und warum bringst Du mir ihn denn nicht, wenn er wach ist?" „Weil Du dann gewöhnlich schläfst." „Das ist wahr. Aber wenn wir einmal Beide zugleich wach sind, dann bring ihn mir her, damit ich ihn sehe." „Das werd' ich, Michael." Das Kind aber wurde innner schlechter. Noemi mußte beständig vor Michael verheimlichen, daß Dodi krank war, und ihm allerlei Märchen über daS Kind vorlügen, denn Michael erkundigte sich fortwährend nach ihm.„Spielt Dodi mit seinem kleinen Holzmann?" O ja, er spielt immer mit ihm"(.... mit jenem schrecklichen Knochenmann!) „Spricht er von mir?" „Er spricht sehr viel von Dir"(... er wird es bald dort oben im Himmel!) „Geh', bring ihm diesen Kuß von mir." Und Noemi brachte ihm den Abschiedskuß von seinem Vater. Wieder war ein Tag um. Am Morgen fand der er- wachende Kranke sich allem im Zimmer. Noemi hatte diese Nacht bei ihrem Kinde gewacht. Sie hatte seine Todes- kämpfe mit angesehen und die Thränen in ihr Herz zurückgedrängt. Daß ihr das Herz davon nicht zersprungen! Als sie zu Michael hineintrat lächelte sie wieder. „Warst Du beim kleinen Dodi?" „Ja, ich war bei ihm." fragte der Kranke. „Schläft er auch jetzt?" „Ja, er schläft." „O, das ist nicht wahr." „Zn Wahrheit, er schläft..." ... Hatte doch soeben Noemi ihm die Augen zum ewigen Schlafe zugedrückt! Und sie durfte nichts von ihrem Schmerz verrathen! Sie mußte dem Kranken ein lächelndes Gesicht zeigen. Nachmittags war Michael wieder in gereizter Stimmung; sowie der Tag sich abwärts neigte, nahm seine Nervenirritation zu. Er rief nach Noemi, welche sich im Nebenzimmer befand. Noemi eilte zu ihm und blickte ihn liebevoll an. Der Kranke war jedoch übelgelaunt und miß- ttauisch. Er bemerkte, daß im Gewände Noömi's eine Näh- nadel steckte, in welche ein Seidenfaden eingefädeft war. Dem sein, was sie fein sollte. Uebrigens ist die lieber ficht selbst über diese Vorfragen auch im neuen Berichtsbande noch so schwer wie möglich gemacht. Es fehlt jede tabellarische Ueber- sicht über den Beamten statu«, die Größe der Bezirke und die Zahl der Revisionen. Man muß sich das Betreffende erst sehr mühsam aus den Berichten zusammensuchen. Bei einer über- sichtlichen Zusammenstellung würde auch die auffällig ver- schieden? Intensität der Inspektion zu Tage treten; im Bezirk Berlin. Charlottenburg, Franlfurt-Potsdam, Arnsberg, Düffel- darf und Aachm-Trier dement sich die Ziffer der letz jährigen Revisionen um und über 1000, in den meisten anderen Be- zirken fällt sie bis auf 2—400, und der Beamte für Hessen- Nassau leistete vollends nur 83 Inspektionen! Eine Musterung unter den alten achtzehn Inspektoren, die mit Hangen und Bangen neun Assistenten bekommen haben, während im Königreich Sachsen allein 14 Assistenten sungiren, wird unvermeidlich_ lein. Das Personal muß doch wenigstens soweit vervollständigt werden, daß nicht mehr, wie auch im diesmaligen Bande, Berichislücken bloS deshalb eintreten, weil einzelne Inspektoren versetzt wurden oder krank werden. Eine energische Oberleitung nach Art der österreichischen muß endlich, wenn baS Reich auf diesem Gebiete ewig unthätig bleiben will, für Preußen allein eingesetzt werden. Sie hat auch auf die sozialpolitische und wirthschaftliche Schulung der Beamten »u sehen, die Berather der Arbeiter werden sollen. Kommt es doch im neuesten Berichtsbande noch vor, daß ein Inspektor (für den Bezirk Oppeln) nicht mehr von Gerichten zu Gut- achten aufgefordert werden will, weil dies seiner„Vertrauens- stcllung gegenüber der Industrie*, soll hechen den In- dustriellen,„wenig förderlich* sei. Wir dächten, einem Ar- bester zu seinem Rechte zu verhelfen, wäre für den Inspektor wichtiger, als gut Freund mit hundert Unternehmern zu bleiben. In bezeicknender Uebereinstimmung gebrauchen ferner die Beamten für Magdeburg und Köln- Koblenz an zwei ver- fchiedenen Stellen den Ausdruck: die Arbeiter ,/ ollen* eine bestimmte Ansicht über eine bestimmte Einrichtung haben. Die Aufgabe der Beamten ist doch gerade, sich Gewißheit bei den Arbeitern selbst zu ver- schaffen und dieselben nicht in respektvoller Entfernung von sich zu halten. Dafür, daß die Ortepolizeibehörden, na- mentlich auf dem flachen Lande, niemals die Organe für eine wirksame Unteraufficht über Fabriken werden können, bringen die Klagen der Beamten für Posen, Minden und Münster, Hessen-Nassau, Köln-Koblenz, Düsseldorf, Aachen-Trier und Sigmaringen neue Belege. Dabei mag daran erinnert wer- den, daß im vorjährigen reichsamtlichen Auszuge gerade die wichtige Aeußerung des Württemberger Beamten nicht ent- halten war, nach welcher die Eignung der Ortspolizei zur Fabrikaussicht aus dem flachen Lande wegen ihres naturge- mäßen Respektverhältnisses zu den Industriellen sehr in Frage gestellt wird. Soviel über die äußerst mangelhaften Formalim der Fabrikaufsicht in Preußen.* Rorrespnnderrzen. London, den 10. Septbr. Der Stteik steht gut, die Dock- kompagnien aber find sehr wacklich. Ich war vorhin auf Towerhill bei dem täglichen Appell, welchen Burns abhält. Die Stimmung der Leute war fest und zuversichtlich. An Geld fehlt es nicht. Die australischen Arbeiter haben wieder 1000 Pfd, Strl. geschickt— zusammen seit 14 Tagen 9000 Pfd., d. h. 180 000 M. Das ist in der That großartig. Auch sonst gehen die Beiträge massenhaft ein. Nur die amerikanischen Arbeiter bleiberr zurück; sie haben bisher so gut wie nichts ae« schickt— außer einem ziemlich überflüssigen Rezept zur Einfüh- rung des Achtstundentags. Von solchen Rezepten wird kein einziger Dockarbeiter satt; und die Engländer brauchen sich wahrhafte keine aus Amerika kommen zu lassen. In den Vereinigten Staaten ist die Arbeiterbewegung augenblicklich leider lahmaelegt— oder richtiger in einem Uebergangsstadium, wo das Alte sich überlebt hat und das Neue noch nicht lebens- kräftig und aktionsfähig geworden ist* ES ist recht fatal, daß dieser Streik hierunter zu leiden hat. Unter anderen Verhältnissen hätten die amerikanischen Arbeiter allein ausgereicht, ihm den Sieg zu sichern. Zum Glück sind die Londoner Dockarbeiter nicht auf die Amerikaner angewiesen; die Unterstützungen laufen so reichlich ein, und die Rachlheile, welche die Hartnäckigkeit der Dockkomvagnien für Handel und Verkehr im Gefolge hat, find, von den direkten Verlusten, welche die Dockkompagnien erleiden, ganz abgesehen, so ungeheuer, baß ein langes Hinausziehen des Streiks nickt möglich ist. Wenn nicht Alles trügt, sind die armen Dock- arbeiter— so paradox es klingt— im Stande, es länger aus- zuhalten, als die reichen Dockkompagnien. Und der konservative „Standard*, der den Streik bisher kräftig bekämpft hat, meint heute schon, das Streitobjekt fei der Opfer nicht werth, die von den Dock- Kompagnien gebracht und dem Pu- „Ah, Du nähst auch schon wieder? Findest Du jetzt Zeit dazu? Welchen Putz nähst Du Dir?" Noemi sah ihn an und dachte still bei sich:„Ich nähe das Todtenhemdchen für den kleinen Dodi." Und dann sagte sie zu ihm:„Ich nähe mir eine Hemdkrause." „Eitelkeit, dein Name ist Weib!" seufzte hierauf Michael. Noemi aber zeigte ihm ein lächelndes Gesicht und ant- wortete:„Du hast Recht..." Wieder war ein neuer Morgen angebrochen. Michael fing an, jetzt schon von Schlaflosigkeit gequält zu werden. Er konnte die Augen nicht zum Schlummer schließen. Dabei beunruhigte ihn immer der Gedanke, was der kleine Dodi macht? Er schickte Noemi beständig hinaus, um zu sehen, ob ihm nichts fehlt. Und so oft er hinausging, küßte sie den auf der Bahre liegenden kleinen Tobten und sprach schmeichelnde Worte zu ihm, um Michael damit zu täuschen: „Mein kleiner Dodi, mein lieber Dodi! Schläfst Du noch? Liebst Du mich noch?" Und dann kam sie zurück, um Michael zu sagen, daß dem kleinen Dodi nichts fehlt. „Der Junge schläft zu viel," sagte Michael.„Warum weckst Du ihn nicht?" „Ich werd' ihn schon aufwecken," sagte Noemi sanft. Michael schlummerte dann ein wenig ein. Es war nur ein Schlaf von wenigen Minuten, aus dem er plötzlich auf- fuhr. Er wußte gar nicht, daß er geschlafen hatte.„Noemi," rief er,„der Dodi hat gesungen! Ich habe ihn singen ge- hört. Und wie schön er singt!" Noemi preßte beide Hände auf's Herz und drängte mit übermenschlicher Kraft den Ausdruck ihres Schmerze» zurück. Er singt schon im Himmel, im Chor der Engel, unter den Millionen Seraphinen- dort hat er ihn singen gehört. Gegen Abend schickte Michael Noemi hinaus. „Geh, leg' Dodi zu Bette, gieb ihm auch von mir einen Kuß." Noemi that so.„Was hat Dodi gesagt?" fragte er die Zurückgekehrte. Noemi war nicht im Stande, eine Ant- wort hervorzubringen, sie neigte sich nur über Michael und drückte einen Kuß auf seine Lippen,„Das hat er gesagt, bli,um zugemuthet werden. Das scheint den Anfang vom En bedeuten. Die Haltung der Stteikenden ist fortwährend geradttu tr» Qinttrnrt jP**. Ofgen die Leitung einen Vorwurf zu erheben habe, Niemand, und alle Hände erhoben sich unter begeistertem e.?» zu einem Vertrauensvotum.„ � Der leitende Ausschuß erwartet mit Bestimmtheit wS»» des Streiks im Laufe der Woche.• Soeben zieht ein Heerhaufe von Streikenden unter mein Fenstern vorüber, voran Polizei und hinter diesen Mum, die Marseillaise spielt... Es ist merkwürdig, wie populär die Marseillaise ln«�' land geworden ist.� Und wohlgemerkt, sie ist die Notw" Hymne der französischen Republik, welche naiven•äw"'. Hauspolitikern in Deutschland, welche sich in dem wiegen, es fei der Bismarck'lchcn Staatskunst gelang' die Engländer für den„Dreibund* zu gewinnen und Gegnerschaft zu Frankreich zu bringen,— sie sollten nur e � mal herüberkommen: in 24 Stunden würden sie if)>en Irn? gewahr werden und sich überzeuqen, daß in England vathien für Frankreich niemals so lebhaft gewesen find, wie jetzigen Moment. Der alte Gladstone wußte sehr wohl was that, als er vorgestern in Paris fein Pronunziamento wr. französische Revublik machte. Er hat in diesem Pu»"..,., Poltttfrhe Aefterflihk- Daß eine bttade Henne zuweilen auch ein Kornch? findet, beweist eine Betrachtung über die Londoner Sm' bewegunq, die wir in der liberalen„Weser-Ztg.* finden. enthält sie nichts, was jedem Unbefange-en nicht schon lan? bekannt wäre, aber daß sie aus solchem Munde komml oerw ihr immerhin einigen Werth. Die„Weser-Ztg.* philoso?° also über den Ausstand der Dockarbeiter, findet, daß m° Arbeiterbewegung ein sittliches Agens(Kraft) läge und iw zum Schluß:„In den Arbeiterklassen, die mit Bewuß» nach einer Verbesserung ihrer Lage streben, ist ein merkwur»'» Gemeingeist, vor dem der Egoismus des Individuums w° Hintergrund ttitt, mächtig geworden. Wir glauben, das diesem Gemeingeiste, dem von vielen Tausenden manchmal schwersten Opfer gebracht werden, der Keim großer Dinge° borgen liegt. Gewiß ist es auch sonst vorgekommen, daß w- einer gemeinsamen großen Sacke willen eine ganze Bevölkew« alle Einzelinteressen in den Wind geschlagen und sich blw lingS einer höheren Leitung untergeordnet hat. DaS wac a° immer eine Ausnahme und die Geschichtsschreibung w® davon viel Ausheben«. Bei den heutigen ArbcilcrbewegMWJ ist es etwas Gewöhnliches, ist es die Regel, die bereit«"' etwa« Selbstverständliches kaum mehr beachtet wird. � gerade dies ist dos BeachtenSwerthe.* So der Philosoph?� „Weser- Zeitung*. Möcktcn die Hoffnungen, die wir nach dm über ihn gekommenen Einficht auf ihn zu setzen berechtigt st»' nicht zu Schanden werden. Der drelbanddemüthige ttaltenische Minister?**. stdent Crispi geräth in immer ärgere Bedrängniß. �--[Z mehr als drei Minister wollen demissioniren und die gegen die franzosenfeindliche Politik desselben werden"sHj", schärfer und zahlreicher. In dieser bedrängten Lage mun diesem„bismarckähnlichen* Staatsmann die Schaustellung der afrikanischen Gesandtschaft des neuen Herrscher« �, Abesfinien(Äelhiopien) gute Dienste leisten.— Bilder fü* C Volk, statt Brot— ganz wie anderwärts. Mir ans Kochuut geschrieben wirb, ist dem P-r- sitzenden des Zenttal-StreckkomiteeS, dcm Bergmann 3#5 Weber, jetzt oie Anklageschrift zugestellt worden, und Vei Handlungstermin auf den 2l. Dezember anberaumt- � Anklage erstreckt sich auf fünf Punkte und Weber wird° schuldigt: 1) der Verübung groben Unfugs, 2) der Majew� beleidigung, 3) der öffentlichen Aufforderung zum Ungehorp 4) der Aufreizung zum Klassenhaß, 5) des Vergehen« gkfl § 153 der Gewerbeordnung(durch Ehrverletzung andere» Erlangung besserer Aibeilsbedingunaen zu bestimmen vertu* zu haben). Alle diese Vergehen sollen durch die bekaun Weber'sche Rede vom 24. Mai d. I. auf dem Schützenhosi Bochum begangen sein.. Die Glasardeiter?« Aienbarg a. M. beabsichtig' einen Fachverein ihre« Berufszweiges ins Leben zu rufen u« meldeten zu diesem Zweck eine Versammlung beim BüttP; meifter an. Von diesem erhielt der Emberuser bald dora ein Schreiben, daß, da der betreffende Wirlh sich bereit erk>» !iabe, sein Lokal zu dieser Versammlung nicht herzugeben, etziere nun auch nicht stattfinden könne.(Das läßt tief blicke*' der Schatz? rief Michael und schlief von dem Kusse � Das Kind hatte ihn von seinem Schlaf geschickt. Am andern Morgen sprach Michael wieder nur dem Knaben.„Tragt doch den kleinen Dodi ins hinaus. Es ist ihm nicht gesund, immer im Zimmer i fem. Tragt ihn in den Garten." Dazu schickten sie sich eben an. Therese hatte Nacht am Fuße einer Trauerweide ein Grab gegraben. „Geh' auch Du hinaus; bleibe draußen bei ihm," red« Michael Noemi zu. ,Ich werde einstweilen schlummern. fühle mich so wohl." � Noemi ging aus dem Krankenzimmer hinaus und dreh* hinter sich den Schlüssel ab; dann trugen sie den heitzllP tangenen Engel hinaus und übergaben ihn der ewig* llutter Erde. Noemi hatte nicht gewollt, daß über ihm e*! Grabhügel sich erhebe. Bei seinem Anblick würde Mick'"' immer traurig werden und das würde seiner Gesundh** schaden. Statt des Hügels legten sie am Fuß der Tra*� weide ein flaches Blumenbeet an und pflanzten in desi*v Mitte einen Rosenbaum; einen von jenen, welche Mickck� selbst gepfropft hatte; mit weißen Rosen, deren reinem keine andere Farbe beigemischt war. Dann kehrte si* i dem Kranken zurück.. Michaels erstes Wort war:„Wo hast Du Dodi f lassen?" „Draußen im Garten." „WaS hat er an?" „Sein weißes Röckchen mit blaue« Bändern." ,Das steht ihm allerliebst. Ist er gut zugedeckt?" „O ja, sehr gut."(Mit drei Fuß Erde!) „Bring ihn Hierher, wenn Du wieder hinausgehst.' Bei diesen Worten vermochte Noemi nicht länger' Zimmer zu bleiben; sie ging hinaus in den Hof, warf iV. Theresen an die Brust und preßte sie heftig an sich: sie weinte auch jetzt nicht. ES war ihr nicht erlaubt. Da* wankte sie weiter. Sie ging zu jener Trauerweide, br**� eine halb geöffnete Knospe von jenem Rosenstock und lrfr zu Michael zurück.~; „Nun, wie geht cS Dodi?" fragte Michael u*S duldig. gelungw. und® nur rin- i Irr'hum die Sym- b, wie»» hl mai er lo für die Zuuktd-- erbeooVe- nlbetwlP' uit dieser die ei»- nur is Fre-e nmer ju te dicf< en. redete nt. 24 d drehte heimge' ewig?" ihm e>» Michos! sundhev Trauet , dess-- Micha? m sie i" odi ge- ii» Da»» hr-ch Uff* uvf ?ä j-m) mit des Geschickes Machen � � � Grund A-chim. Jetzt erfolate ein Verbot der V Äquator" Glas- d« Sozialistengesetzes, weil der �ozialis � � sei. Eine «beiier Horn aus Dresden als Reseren.l Umständen von E-kliirung des EinberuserS, daß unter diesen u,n,,°n iang aber, ein anderes Versammlungslokal aufzutreiben. mit des Geschickes Mächien ist kein ew'ger Bund '' cr Ve' »ziali! �________Ji-4«en-—v-r.....— �"»rung des Einberufers, daß unter diesen Umständen von faut Horn'« Abstand genommen würde, konnte indeß »s herbat nicht verhindern, welches wenige Stunden vor der »»gesetzten VcisammlungSreit dem Emberufer zugestellt wurde. � gen das Verbot ist selbstverständlich Beschwerde erhoben.— wch liebenswürdiger als der Bürgernleister hat sich indeß der �Altzer der Glasfabrik, der Geh. Kommerzienrath Heye, refp. »rlen Vertreter gezeigt. Die„Rädelsführer� wurden sofort fassen und erhielten ihren rückständigen Lohn per Post- mvmsung zugestellt mit dem Bemerken, daß sie das Hütten- wni nicht wieder betreten dürften. Wenn ste gegen diese Ver- . jmg glaubten etwas einwenden zu müssen, möchten ste bei �sprechenden Rechtsweg einschlagen. Gleichzeitig wurde im «weich der Glashütte folgender allerhöchste UkaS angeschlagen: x« e k a n n t m a ch u n g. Da der sozialdemokratische Agitator vom morgen, den 8. September, in einer Versammlung durch lernen Vortrag die Bildung eines Fachvereins der Glas- «kW ,?orttQfl., die Bildung eines Fachvereins der rsias- herbeiführen will, so kündige ich hiermit jeden Ar- L, her mit Agitator Horn in irgend welche Verbindung «rw?1? vortrage zuhört oder dem Fachverein der Glas- beitritt oder schon beigetreten ist. Außerdem wird Su/i-e Leitern das Betreten des Fabrikplatzes untersagt. Die »iin� ng erfolgt am Montag, den g. Seplbr., durch Post- ItW't tl0n �'e�cr Kündigung betroffenen verheiratheten loät-st lWbcn demnach am Donnerstag, den 12. September, g die ihnen überwiesenen Wohnungen zu räumen. ötr oft' V.: William Himmeli." Da nun die Mehrzahl „„ f'er diesem Utas keine Beachtung schenkte und doch �ru-e? verbotenen Frucht naschte, so weit dies unter dem htim a �ersammlungsverbots möglich war, so käme der Ge- vaH Kommerzienrath bei strikter Durchführung seiner Bekannt- iu'n die unangenehme Lage, sein Hüttenwerk schließen Wie wir hören, haben sich die Arbeiter der GlaS- hi".m der Mehrzahl für solidarisch erklärt und von Herrn so«,- die Rücknahme der schon stattgefundenen Maßregelungen u, der obigen Verfügumg verlangt und wir wollen erst ab- dirb t der Herr Geheime Kommerzienrath dazu stellen lüpfen voch weitere Betrachtungen an dessen Vorgehen �.�vkiannlliberale Stellengesuche. In der„Rheinisch- z. ci'y- Zeitung", dun Organ der Kohlenbarone, bietet stch k-onleralentheil ein Kaufmann(Eisen-, Kohlen- und Erzfach) ««."""" Vertrauensposten an, indem er zu seiner Empfehlung «vrf, anderem hervorhebt, daß er nicht bloS militärfrei, sondern � nationalliberal sei. k« Unterschlagung? Aus Mainz wird wieder eine tiiti? g wegen Unregelmäßigkeiten bei militärischen Liefe- iCJ!tn gemeldet. Nach einer Meldung der„Köln. VolkS-Ztg." «J? am vergangenen Sonnabend der Zeughauptmann Hanke -.-..dem Artillcricdcpot Mainz in das dortige Militärgefängniß ß; acht. Derselbe ist beschuldigt, einem ebenfalls in Unter- l« Mhaft befindlichen Geschäftsmann bei Lieferungen für ilei-ti ehrenwidrigen Vorschub geleistet zu haben. In ��r�Betrugsangclegenheit befindet sich seit einiger Zeit ein «rurr Kohlenring wurde in dem Geschäftsbericht ÜuJ»c"igten Königs- und Laurahütte angekündigt. Es Tu,. � dem Geschäftsbericht der folgende bezeichnende Ä? ä,--Voraussichtlich wird unter den schlestschcn Kohlengruben Verständigung wegen Behandlung des Kohlenverkaufs- �Mes stattfinden, weil die bisherige Handhabung desselben �-cknteressen der Gruben nur wenig förderte, und weil man Üom darf, bei einem Zusammenhalten der Gruben dem i�engeschäft mehr Stetigkeit zu geben und den zumeist ganz l>iw?"?uten Preisrückgängen vorzubeugen." Dieser Satz läßt lh? eine andere Deutung, als die Ankündigung eines neuen t�enringes zu. Der Ring würde noch iveitere Erhöhung der Anpreise, die bekanntlich schon jetzt eine ganz unverhältniß- »e Höhe erreichen, im Gefolge haben. (k, Projektenmacher. Apolda, 8. September. Große erregt hier und in der Umgegend ein öffentliches �-ichreiben eines biederen Erfurter Schuhmacher-Jnnungs- dJi?r«. Derselbe fordert, nachdem er das erstaunte Publikum i�,Aner Erfindung in Kcnntniß gesetzt hat, durch welche das ''ftor Jabrikwesen zu Gunsten der Landwirthschaft eine Um- zrtt ung erfahren soll, die Landwirthe zur Gründung einer Ufr Aktien-Schuhfabrik auf. Als Antheilscheinbesitzer sollen '«d- f�dwirthe und Landbesitzer und nur auSnahinSiveise "e Stände zugelassen werden. Eine größere Denkschrift, fcL? über den Gegenstand für die königliche Regierung ver- dube, wird zur Einsichtnahme durch die Interessenten be- it. llkhalten und ein Vortrag über die„Erfindung" in Aus- 8«ftcllt. Das Aktienkapital wird auf 450 000 Mark bc- imc'- Die Verzinsung soll in der Weise erfolgen, daß jeder ijirpIWHein mit 3. pCt. verzinst und mit 600 M. zurllckge- wirb. Das Geschäft soll beginnen, wenn die Zeichnungen Nosmi aber kniete am Bett nieder und reichte ihm Ü— die weiße Rose. Michael nahm sie und fing L" ZU riechen an.„Wie sonderbar!" sagte er.„Diese U. hat keinen Geruch, als wäre sie auf dem Grabe eines i 4! gewachsen." iV«« m' itanb auf und ging hinaus.„Was hat sie ' fragte Timar zu Theresen sich wendend. s,„!.""ehmen Sie ihr'S nicht übel," sagte Therese in � begütigendem Tone.„Sie waren gefährlich krank; «ijj Vllmnel sei Dank, Sie sind glücklich darüber hinaus i Hon• Krankheit ist ansteckend, und gerade dann, wenn sie djz->.?in Abnehmen ist. Ich habe Noemi gesagt, sie möchte, nicht gewesen sind, das Kind nicht in Ihre Nähe gilt"« 2ch that vielleicht Unrecht daran, aber ich meinte (Fortsetzung folgt.) Munsk und linden. �nlge epochemachende Erfindungen sollen nach dem StriJ- Korr." in Spanien gemacht sein. Ein Herr Juan öills�nvez hat«in Patent auf ein Verfahren genommen, aus rinw. Seife zu machen, und zwar eine Seife, die an lig. i>> der Fettsubstanz alles bisherige Fabrikat übertreffen ?»»,. nun hier und in anderen süveuropäischen Ländern, Mx, Zentralasien zu schweigen, Heuschrecken in manchen Stolft»u vielen Tausenden von Zentnern gefangen und ver- VL ivetden, so dürfte, zumal da, wie behauptet wird, das »» der Fettextraktion und der gleichzeitigen Reinigung fsvfaches ist, die Erfindung sich leicht praktisch ver- Ar, chssen, und dürften wir bald von spanischer zc. Heu- ,!> ch'l?fe hören. Gleichzeitig hat ein Valencianer Industrieller Nlst,iffii|cheS Präparat entdeckt, welches mit flüssigem Eisen »%!I e�erc6 augenblicklich und durchweg in ein weißes «? fiiii°�4?vndell, und zwar in ein porenloses Metall, welches Bruch- und Politurflächen glänzend wie Silber und sehr hart ist. Auch auf diese letztere Erfindung ss Madrid ein Patent genommen und soll das gleiche >n anderen europäischen Staaten bereit« angemeldet Wenn nur nicht die Eifindungen— Erfindung find. l!°° I i gesichert sind. Ein Risiko für die Landwiithe ist„ein für olle- mal" ausgeschlossen. Roch weit amüsanter ist eine weitere Er- klärung des glücklichen Erfinders, durch welche derselbe für seine„Dichtungen" sowohl als ein von ihm geschriebenes volkswirthschaftlrches, vaterländisches Werk:„Der Abschluß und Vollendung der großen Magdeburger landwirthschaftlichen Aus- stellung im Juni 188S" einen geeigneten Verleger oder Unternehmer sucht, welcher ihm— dem beneidenSwerthen Autor— ein Angeld von M. 10 000 und die Hälfte des Reingewinns zahlt. Mit der Herausgade des Werkes soll eine Ausstellung in Magdeburg verbunden werden, welche auf da« in Rede stehende GeisteSvrodukt sich gründen würde. Das Buch wird, betont der Verfasser, in allen zivilisirten Ländern Eingang finden. In Deutschland allein würden mit Leichtigkeit 50 000 Bücher ä M. 3 verkauft werden. Durch die Herausgabe falle dem Vaterlande die Lösung der sozialen Frage umsonst in den Schooß, dem Kapital würden neue und sichere Bahnen er- öffnet, der landwirthschaftliche Grundbesitz werde bedeutend im Werthe steigen und die Staatspapiere würden um 1— Ii pCt. in die Höhe gehen. Ein hiesiges Blatt, das das Ausschreiben alossirt, ertheilt, nachdem es die zahlreichen Ehren aufgezählt hat, welche dem Autor und Erfinder nach seinem Dafürhalten in Aussicht stehen, den Rath, ihm die Lösung der preußischen Steuerreform zu übertragen. Gar nicht übel! Alo sozialpolitische» Keilmittrl empfiehlt die„Nordd. Allg. Ztg." den Arbeitern den Erwerb von Eigenthum zu er- leichtern. Beobachtungen während deS Bergarbeiterstreiks in Rheinland-Westfalen hätten dargethan, daß der allgemeine Streik bei denjenigen Zechen zuletzt ausgebrochen und am ersten beendet gewesen sei,„deren Belegschaften zu emem großen Theil aus solchen Bergleuten bestehen, die ein kleines Eigenthum, entweder nur ein eigenes Häuschen mit Garten, oder auch etwas Acker dazu besitzen". Auch die„Sachsengängcrei" dürfte dadurch zu dämpfen sein,„daß man den Arbeitern Gelegenheit bietet, ein kleines Besitzthum zu erwerben". Sie hält die Angelegen- heit für wichtig genug, um ein initiatives Eingreifen, sei es der kommunalen Verbände, sei es des Staates, zu rechtfertigen.— Die Arbeiter an die Scholle fesseln, das ist die ganze sozial- politische Weisheit der„Norddeutschen" und ihrer Hintermänner. Mit diesen abgestandenen Rathschlägen wird sie keinen Hund vom Ofen locken. y Graßvritaunien. Der Londoner Korrespondent der„Voss. Ztg.", dessm Be- richt über den Gewerkschaftskongreß zu Dundee wir gestern abdruckten, ergänzt seine Mittheilungen noch wie folgt:„London, 9. September. Bei Abfassung meines vor- gestrigen Berichts über den Dundeer Gewerkvereinskongreß lag mir über die Schlußsitzung nur erst ein kurzes Telegramm vor. Nach dem heute erschienenen ausführlichen Verhandlungsbericht, auch über diese letzte Sitzung, ist über den nur kurz erwähnten Beschluß in Betreff der Förderung internationaler Kongresse das Folgende nachzutragen. Der betreffende von Bailey(Notling. ham) gestellte Antrag lautet so:„Der Kongreß zollt der Ver- einigung der Arbeiter auf dem Kontinente seinen Beifall und beauftragt den„Parlamentarischen Ausschuß", alle in seiner Macht stehenden Mittel zur Förderung internationaler Kon- grcsse zu gebrauchen und in Zukunft ein Verbindungsmittel zwischen den Arbeitern und Arbeiterinnen Großbritanniens und des Festlands zu werden, sofern derselbe von je- mandem angegangen wird, der berechtigt ist, im Namen organisiiter Arbeiter und«Arbeiterinnen zu sprechen."— Der Antragsteller meinte, in diesem Jahre wäre der Ausschuß befugt gewesen, die Theilnahme an dem Pariser internationalen Kon- grcsse abzulehnen, aber in der Zukunft würden sich die Dinge wohl so einrichten lassen, daß ihm(dem Ausschüsse) seine Mit- Wirkung ermöglicht werde. Cooper(London) wünschte, daß ;anz bestimmte Vorschriften für das Verhalten des Ausschusses ölchen internationalen Zusammenkünften gegenüber erlassen würden. Um die Rechte der Arbeit hochzuhalten, sei es eine Nothwendigkeit, gemeinsame Sache mit den Arbeitern anderer Länder zu machen. Bevor nicht die Arbeiter de« Festlandes, Großbritannien« und anderer Theile der Welt zusammen- gingen, wäre es unmöglich, den Fortschritt zu erlangen, welchen sie wünschten.(Hört, hört!) Uttley(Sheficld) bemerkte, daß es gut angewandtes Geld fei, welches man für Ver- treter ausgeben würde, welche die Aibeitsfrogen auf dem Fest- lande fördern helfen sollten. Threlfall, der Präsident des 1886er Kongresses in Souihport, meinte indessen, daß gewisse Grenzen gezogen werden müßten; der Pariser(Posfibilisten-) Kongreß sei mit Nichten ein Gewerkschaftskongreß gewesen, von den auf demselben vertreten gewesenen britischen Vereinen sei die Mehrheit nicht gewerkvereinlich, sondern sozialistisch gewesen. Cooper(London) erwiderte, daß es ein Ding der Unmöglich- keit wäre, auf dem Festlande einen reinen Gewerkschaftskongreß abzuhalten, was Toyne, den altgewcrkoereinlichen Vertreter der Clevclander Bergarbeiter, veranlaßte, die Einschiebung deS Wortes„Gewerkschafts" zwischen„internationale" und ,Kon. gresse" in dem obigen Antrage zu befürworten. Dieser An- regung ist schließlich denn auch mit 85 gegen 28 Stimmen ent- sprochen worden, womit der beschlossene Anschluß der britischen Gewerkvereine an die festländische Arbeiterbewegung für'« por 30—40 Jahr«« noch war Puigcervos in Cata- lonien eine blühende Stadt; heute haben die letzten 100 oder 150 Häuser des Ortes von ihren Besitzern und Einwohnern verlassen werden müssen. 1858 zum ersten Mal, dann wieder- holt 1867, 1881 und 1885 wurde der kleine Bergkegel, auf dem das Städtchen erbaut ist, oder wie es heute richtiger heißt, erbaut war, von Erdbeben rein lokalen Charakters heim- gesucht. Schon die ersten dieser Erschütterungen nahmen den Ort hart mit; 1881 stürzte dann ein großer Theil des Berges ein, viele Häuser mit sich fortreißend; der Rest wurde mehr oder weniger stark beschädigt; die stehenge- bliebenen Bergwände drohten nachzufallen, und die Mehrzahl der Bewohner wanderten aus. Am 18. und 19. des letzten Monats wiederholten sich Erdbeben und Bergstürze. Diesmal barst die Erdrinde an zahllosen Stellen, und aus den Rissen, deren mehrere sich in den. Ort selbst be- finden, steigen seicher heiße Schwefeldämpfe auf und quillt siedendes �chwefclwasser hervor! Eine von Madrid entsandte Kommission von Fachgelehrten hat sich dahin ausgesprochen, daß an der Stelle, wo Puigcervos gestanden, sich voraussichtlich in nächster Zeit ein Krater bilden werde, da alle Erscheinungen auf eine bevorstehende Eruption hindeuten. Die Regierung hat nun angeordnet, daß Puigcervos verlegt und auf einer von der alten nicht allzu entfernten, nicht durch Erdstürze bedrohten Stelle wieder aufgebaut werden soll. Natürlich ist das Elend groß, und die spanischen Zeitungen bitten eifrig um milde Gaben für die von dem Unglück betroffenen Bewohner von Puigcervos. Krirfmarkenfchacher von StaatsMege«. Zwischen der zentralamerikanischen Republik Nicaragua und der Hamil- tonmarkenfabrikationsgesellschaft in Newyork wurde ein vom Generaldirektor der.Posten, Canton, und dem Sekretär der Hamillonkompaanie, Herrn Seebeck, unterzeichneter und vom Staatsminister Osorno bestätigter Vertrag abgeschlossen, unter dessen 10 Punkten die folgeirden die wichtigsten find:„Die Hamiltonkompagnie liefert unentgeltlich alle nölhigen Postwerth- zeichen, welche iedes Jahr gewechselt werden; die außer KourS tretenden, im Umlauf befindlichen und ungebrauchten Marken u. s. w. fallen der Hamiltonkompagnie zu, die sie auf eigene Rechnung an Sammler verkauft und das Recht hat, davon je nach Bedarf von den Originalplatten Neudrucke herstellen zu können. Die Dauer des Vertrages ist zehn Jahre." Der Sekretär der Hamilton-Komvagnie, ein ehe- maliger Markenhändler, soll, wie das„Jll. Briefmarken- Journal" meint, auch mit den Republiken Honduras, Salvador Erste einigermaßen problematisch erscheint, zumal da der alte sog.„Parlamentarische Ausschuß" mit einer einzigen Au»- nähme wiedergewählt wurde, obwohl frcilicb an Stelle Georg Shipton's der Manckestcrer James Swift Vorsitzender ge- worden ist. Der Beschluß, betreffend die Bildung eine« Ge- werkschaftSbundes, lautet folgendermaßen:„Nach der Ansicht dieses Kongresses ist die Zeit gekommen, wo die verschiedenen Gewerke sich enger aneinander schließen sollten, der Par- lamentarische AuSlckiuß wird deshalb aufgeforoert, für den nach- sten Kongreß ein System der Föderation auszuarbeiten."— Wie schon erwähnt, wird damit— wenn vielleicht auch nnbe- abfichtigt— einem Beschlüsse des Pariser Possibilittenkongresses entsprochen, welcher in dem Organisationsplan der„neuen Ja- ternationalen" solche nationale Föderationen als felbftftändige Bestandtheile des internationalen Bundes vorschreibt. Alles in Allem hat der in seinen Beschlüssen vielfach schwankende und sogar sich widersprechende Dundeer Gewerkvereinskongreß das Bild einer im Sinne des festländischen Sozialismus sehr vor- geschrittenen Gährung geboten. Das Herrn Bcoadhurst und dem sogenannten«Parlamentarischen Ausschuß" erklärte„Ver- trauen" kann darüber nicht hinwegtäuschen. Dieses Vertrauens- votum war vielmehr lediglich der schuldige Tribut für«u« rühmliche(? Red. des„B. V.") Vergangenheit. 37 Werften und Speicher haben sich einverstanden erklärt, die von den streikenden Dockarbeitern geforderten Löhne zu bezahlen. Hierin sind 13 Theewerftenbesitzer nicht inbegriffen, für welche die ganze vorige Woche Thee ausgeladeu worden ist. Sobald die Lichterleute an die Arbeit gehen, ge- langen alle Werften in Thätigkeit. So lange die Lrchterleute nicht arbeiten, können auch die Schiffslader nichts thun. Schweiz. Bafel, 10. September. Der Regierungsrath hat dem Großen Rath soeben einen„Rathschlag und Gesetzent» wurf betreffend Entschädigung für unver- schuldete Hast" vorgelegt. Der erste Artikel lautet:„Wer durch ein Organ der Staatsgewalt verhaftet worden ist, hat nach Durchführung des gegen ihn eingeleiteten Verfahren«, wenn dasselbe nicht zu einer Ueberweisuna des Angeschuldigten an den Richter führt, gegenüber dem Staat Anspruch auf eine angemessene Entschädigung für diejenigen Nachtheile an Vcr- mögen, Erwerb und Fortkommen, welche ihm aus der Anord- nung und Dauer der Haft erwachsen sind, insofern er ohne sein Verschulden verhaftet war". Zürich, 10. September. Die Vorsichtsmaßregeln, zu denen der Bundesrath sich bezüglich der in der Schweiz wer- lenden Fremden veranlaßt sieht, treffen jetzt auch das cid- qenössische Polytechnikum. Während früher bei jen zur Aufnahme sich anmeldenden Russen und Polen nur Studienzeugnisse und Paß gefordert wurden, hat jetzt jeder der sich Anmeldenden von ferner Heimathsbehörde auch cin Sittenzeugniß beizufügen, ldas ihn gegen den Verdacht der politischen Umtriebe schützt. Diese Maßnahme wird nicht ver- fehlen, auf den Besuch deS Polytechnikums einen große,» Ein- flnß auszuüben. In letzter Zeit wurde die Anstalt hauptjäch- lich von solchen russischen Staatsangehörigen besucht, deren Eltern dem kleineren und mittleren Bürgerstande angehörten und denen es die russische Reaktion unmöglich macht, ihre Kinder in Rußland selbst studiren zu lassen. Studenten dieser Klassen werden natürlich von der russischen Polizei kein Sitten- zeugniß erhalten. Und schließlich, wer ist in Rußland nicht politisch verdächtig? ES gehört nur einige Intelligenz dazu. um es zu sein, in vielen Fällen auch die Abstammung von jüdischen Eltern, beschränkte Lebensverhältnisse u. s. w. Aller Vorausficht nach wird die Folge des bundeSräthlichen Vor- gehen« ein beträchtlicher Rückgang in der Frequenz der Anstalt sein- In politischer Beziehung hat diese Maßnahme gleich- falls den Charakrer eines Zugeständnisses an das Ausland, ohne indeß der Schweiz irgend welche Garantien dafür zu aeben, daß die von ihrer heimischen Polizei mit den besten Papieren ausgerüsteten Studirenden sich eine« unpolitischen Lebenswandels befleißigen werden. Rekrutirt sich doch die terroristische Bewegung nicht zum geringsten Theile aus den prioilegirten Gesellschaftsklassen, deren Anhänger bis in die Armee hineinreichen. Ein vor dem Schwurgericht»u Pfäffikon ver- handelten Prozeß dürfte, so wird der„VolkS-Ztg." aus Zürich geschrieben, wegen seines Gegenstandes auch Ihren Leserkreis einigermaßen interassiren. Der hier sattsam bekannte Redakteur deS konservativen WinkelblättchenS„Stadlbote", welcher in der Wohlgemuth- Periode von der„Norddeutschen Allgemeinen" als „beachlenswerths Stimme aus der Schweiz" zitirt wurde, haue den Redakteur der sozialdemokratischen„Arbeiterstiwme", Conzerr, wegen verleumderischer Beleidigung durch die Presse verklagt. Den Anlaß dazu boten dem Attenhofer fünf Artikel, rn welchen ihm Conzett den Vorwurf gemacht haben sollte, daß er prcußi- scher Polizeispitzel sei. Der gedachte Vorwurf ist in diesen Artikeln allerdings ziemlich deutlich enthalten, was auch von Conzett kaum bestritten wurde. Demgemäß konnte es sich nur noch darum handkln, ob die behauptete Thai- fache des Spitzelthums wirklich eine unwahre ist. Conzett suchte und Costarica ähnliche Verträge abgeschlossen haben. Die Post« Verwaltung wird sich auch nicht lange bitten lassen, wie e« ähnlich in Peru geschah, die Neudrucke mit Stempeln zu versehen, wodurch die Marken von den Originalen fast garnicht zuunrer- scheiden sind. Im Jahre 1885 kaufte ein Hr. Calman von der peruanischen Postverwaltung 28 000 Marken, welche bestimmt waren, mit einem Aufdruck versehen zu werden, als Restoor- räthe ohne denselben; ein gefälliger Postbeamter übernahm es, dieselben zu stempeln, und die„neue" Serie wurde zu hohen Preisen verkauft. Ueber die Verwendung de« Telephon« im Eften- dahndienst wird berichtet: Seit 4 Jahren denützt die General- Direktion der österreichischen Staatsbahnen ein transportable« Telephon, um auf einer beliebigen Telegraphenlinie, ohne da« gleichzeitige Telegraphircn zu beeinträchtigen, von der Strecke aus sich mit der Nachbar station in Korrespondenz setzen zu können. Am 29. August ist vor einer Kommission von Ersen- bahn-Fachleuten mit zwei solchen Apparaten zwischen Härtel«» dorf und PurkerSdors den Versuch gemacht von einem stehen- gebliebenen Zuge aus mit Station Purkersdorf zu sprechen. In drei Minuten war die Telephonstation auf der Strecke ein- gerichtet und unmittelbar hierauf meldete sich sschon Purkers- oorf. Das hierbei erzielte überraschend günstige Ergebniß dürste die Veranlassung sein, daß dieser Apparat bald weitere Verbreitung finden wird, weil derselbe neben der telegraphischen Korrespondenz ohne besondere Einrichtung an den Telegraphen- leitungen ein noch vollkommeneres Verstandiaungsmittel bietrb und durch seine rasche Jnstallirung und einfache Handhabung bei eintretenden Verkehrsstörungen ausgezeichnete Dienst« leisten kann. Pater«nd Sohn auf einer Unwersttatsbanlr. Wie Warschauer Zeitungen mittheillen, werden während de« kommenden Wintersemesters ein Vater und dessen Sohn gleich- zeitig mit einander die medizinischen Kollegia bei der Warschautr Universität besuchen. Der Sohn, welcher das Gymnasium bc- sucht und die Abgangsprüfung bestanden, hat das bei Sin- direnden gewöhnliche Älter. Sein Vater dagegen, ein Mitnär- Feldsch«er'(Lazärethgehilfe) in Kaminiec PoBoTsfi,»eichet vor einigen Jahren den Beschluß faßte, da« in der Jugend V» säumte noch nachzuholen, hat mit großer Energie die Gymnasial- studien durchgemacht, im Sommer d. I. die Reifeprüfung be- standen, läßt sich nun zu Michaeli d. J. gleichfalls m dre medizinische Fakultät der Warschauer-Unrversitat ausnehmen, so daß Vater und Sohn zusammen studiren werden. Der Vadei.- ist gegenwärtig 45 Jahre alt. den Beweis der Wahrheit namentlich in der Richtung zu füliren, dag er darthat, Altenhofer babe Verbindungen und zum Theil ganz intime M't deutschen Polizeispitzeln, als Schröder, Haupt, ». Ehrenberg:c. unterhalten und habe der deuiichen Polizei und deutschen Staatsanwälten denunziatonsche Berichte über die in der Schweiz lebenden Anarchisten und Sozialisten sowie die schweizerischen Behörden geliefert. Zunächst wurde eine Ewgade AttenhoferS an den Staatsanwalt Lantz in Frankfurt a. M. zur Sprache gebracht, in welcher Attenbofer behauptete, Sab verschiedene Personen in Zürich bei der Ermordung des Polueiralhs Rumpf betheiligt seien und bat, daß man ihn vor deutschen Behörden als Zeugen vernehme, da die Beamten in Zürich auf Seiten der Anarchisten ständen. In einer auf der Eingabe befindlichen Bleistiftnotiz, anscheinend von der Hand des Herrn Lantz herrührend, wird Attenbofer, nebenbei bemerkt, eis durchaus unzuverlässig bezeichnet. Ein fernerer bemerkenS- werther Punkt war folgender: Im Januar 1888, zur Zeit, als Bebel im Deurschen Reichstage seine Enthüllungen über das Treiben v. Ehrenbergs vorbrachte, veröffentlichte Attenhofer in seinem Blatte eine Devesche, gerichtet an den Expedienten des „Sozialdemokrat' I. Motteler, in welcher dieser ersucht wrrrde, alles auf Ehrenberz bezügliche Material einzusenden. In Bezug auf diese angebliche in Chiffre-Schcift abgefaßte Depesche erklärte Herr Motteler, ohne irgend einem Widerspruche seitens AttenhoferS zu begegnen, sofort öffentlich, daß weder er noch seine Freunde eine derartige Depesche erhaiten hätten und daß weder er oder seine Freunde mit Parteigenoffen in Deutschland in Chiffre- Schrift verkehren. Daraus ergiebt sich die Folgerung, daß hier eine Fälschung vorliegt. Die gestrige Verhandlung hat dies entschieden bestätigt, indem Attenhofer das überraschende Zltgeständniß machen mußte, die Depesche sei ihm durch von Ehrenberg xn einem Briese zugesandt worden. Endlich verdient noch hervorgehoben zu werden, daß Attenhofer in einer Em- gäbe an den BundeSrath in Bern in Bezug auf seinen Freund Ehrenberg die Mittheilung gemacht hat, Ehrenberg versöffe im Auftroge der preußischen Rcgierung über die Anarchisten und Sozialdemokraten in der Schweiz und über daS Verhalten der schweizerischen Behörden einen Bericht.(Gememt ist hier offen- luir die kurze Zeit nachher von Ehrenberg herausgegebene Schmähschrift gegen die Schweiz.) Die den Geschworenen vor- gelegten Fragen lauteten:„Ist der Angeklagte Conzett schul- big, in Bezug auf den Kläger Attenhofer in dem(näher be- re chneten) Artikel der„Arbeiterstimme' wissentlich die unwahre Thatsache behauptet und verbreitet zu haben, A. stehe mit der deutschen Polizei in Verbindung und sei selbst ein Polizeispitzel?' Diese Fragen wurden von den Geschworenen sämmtlich ver- n e i n r. Attenhofer sist also von dm Geschworenen für emen Polizeispitzel erklärt. Wegen einiger formellen Beleidigungen („Beschimpfungen') wurde Conzett zu der geringfügigen Buße von ISOFrkS. verurtheilt: dagegen wurde das Begehren Alten- hofer's auf Zusprechung einer Prozeßenlschädigung(Kostm seines Anwalts) abgewiesm. Frankreich. Die italienischen Arbeiter sind fortgesetzt in Paris Gegenstand der größten Ovation. Vor einigen Tagen wurden sie von dm Radikalen im Grand Orient gefeiert. Der frühere Minister Lockroy begrüßte sie und insbesondere den Deputirten Im b ri a ni, dem er für die Beredlsamkeit und die Hingebung dankte, mit der er der Sache der lateinischen Raffen diente. Niemand, fuhr der Redner fort, habe überzeugter und eifriger als er in seinem Lande die italienische Sache' gefeiert, die ja auch die französische Sache sei. Nur die Allianz dieser beiden Nationen gleichen Ursprungs könne die Sicherheit Europas ge- währleistm. Jmbriani werde, wenn er in seine Heimalh zurück- kehre, sagen, daß die französische Bevölkerung von Herzen italienisch sei, wie die italimische von Herzen sranzösiich. Darauf erwiderte Jmbriani u. A., die Muffe des italienischen Volkes empfinde die lebhafresten Sympathien für Frankreich. Beide Völker hättm dm gleichen Feind zu bekämpfen: den Pangermanismus. Gegm dm Pangermanismus müssen sich zwei Gegner erhebm, um die Zivilisation vor dem Rückschritt zu retten, mit dem die deutsche Vorherrschaft sie bedrohe. Diese Gegner seim der PanslavismuS und der PanlatiniSmuS. Die Kraft des PangermanikmuS be- stehe vomehmlich in der Spaltung, die er unter den lateinischen Völkern unterhalte. Herr von Bismarck sei es, der Frankreich in Jtalim verläumde, indem er es hinstelle, als wolle es die Schwesternation überfallm und das weltliche Papstlhum wiederhcrstellm, und indem er in der italienischen Presse ver- breiten lasse, Frankreich beabsichtige einen Handstreich auf Spezzia, was eine technische und moralische Unmöglichkeit sei. Diese Spaltung müsse aushmen. Italien, aus der französischen Revolution hervorgegangen, entehre sich und schädige seine Zu- durch die Allianz mit dm feudalm Mächten Deutschland mrd Oesterreich; es habe sein öffmtliches Recht zerrissen, mdem m skine Unterschrift unter den Allianzvertrag setzte. Dieser x. S50r[et übrigens unausführbar. Italien habe Deutschland oen Besitz von Elsaß-Lothringm garantirt. An dem Tage aber, wo Frankreich sich erheben würde, um das Verlorene wieder zu gewinnen, jind die italimische Regierung würde der ---- L_-g.«------ Bis- wuiftliuu uutj lyteu VjytUUCtU auslieyen,«III �"'Vri-Su fchreten. Die Allianz mit Oesterreich sei naturwidrig und schad lich. Oesterreich sei todt: mit einem Kadaver verbünde sich nicht. Der Wahlkampf in Frankreich treibt Bluthe. Der Boulangist Susin», der seinen heimischen Bezn Korsika aufgegeben hat, um in Tonlose zu kandidiren- den boulangistischen Erdeputirten wagt es bezeichnender W« I fern einziger, in seinem bisherigen Wahlkreise wieder aus, u* treten— hat an den Minister des Innern, der sein Gegen kandldat ist, einen Brief gerichtet, in welchem er ihn Zum-Lu herausfordert,„um durch einen Kampf auf Leben und Tod die für Toulose gestellte Frage, ob opportunistische Republik o national-demokratische oder soziale Republik, zu lösen, f heißt in dem Briefe:„Sie verletzen alle Freiheiten. Su> dem den Burgerkrieg heraus. Sie sind ein wahrhafter � tator. Sie haben vorgestem durch Ihre Spitzel an unc Attentat zu verüben gesucht. Sie haben gestern Ihre �urg-r niedermetzeln lassen. Ich bin nur durch ein Wu»� dem Eisen Ihrer Meuchelmörder entronnen. Ihre Äge«>. haben ein Theater in Brand zu stecken versucht, um dreitaul� 3brer Mitbürger zu verbrennen.' Am Schlüsse he>jss -Wknn Sie kein Feigling sind, so antworten Sie: Ja-. Minister hat, wie der„Temps" meldet,„selbstverständlich»w Bnef nicht beantwortet. Auch in dem Auftuf der Boulang'l� für Paris wird der Minister des Innern hart mitgenonu» Es wird ihm rr.cht weniger vorgeworfen als: Erpressung,- trügerischer Bankerott, Bestechung, falsche Denunzmlion,»s �ll'�chwmdel und zwei Mordthatm. Der Aufruf blsib» t. lind da b-daiini-n dl- yl-aWanän». l�rankreiul behelligt. Und da behaupten die Reaktionäre, tyranmsirt und die Wahlen seien nicht frei! Theater. Freitag, den 13. September. Gprimha««. Der fliegende Holländer. Kchnusplelha««. Auf der Brautfahrt. Ä««tsch<« Theater. Faust'S Tod. Leist«»- Theater. Der Fall Clomenceau. FrieNrich- MUhelmstSdttsche» Thea»«». Karin. Watlaer-Theater. Madame Edouard. Vorher: Die Grammatik. St W* Theater. Teil. ttrsarw-Theater. Stanley in Afrika. PMead- Theater. Die Bettlerin und ihr Kind. äMtasfttaare- Theater. Professor Klint (Svärfar). Königstädtischev Theater. Lumpazi-Vaga- Kundus. Zeatrat-Theater. Leichtes Blut. Adaivh Gr«»- Theater. Flotte Weiber. Neftdeni-Thrater. Femande. «evr. Richter'«|f«riete. Spezialitäten- Vorstellung. Reich« hatten- Theater. Gr. Spezialitäten- Vorstellung.| Derttner Theater. Freitag, 13. September: 2. Abonncments-Vorst.: Cortalanus.| Sonnabend, 14. September: Ter Kaufmann von Venedig. Sonntag, 15. September: Der Schwabenstreich. American-Theater* 1365 Dresdener ftr. 55. Täglich Vorstellung. nüh I 1«?. s M.- 10 A. MUHMT KMiKzep-Panopama. In dieser Woche: Reu! in. Cycl.: Pariser Welt- Ausftcllung. Interessante Erinnerungen aus dem Feldzug 1870/71. Im AuSstellungSpark: S. Cycl.; Pariser WettanasteMm«. Mn« Weise 20 Pf., Kind nur 10 Ps. Abonn. S Reffen l M. Unserm Freunde und Genossen, dem Braten- Bengel WilK. Hummel zu seinem Wiegenfeste ein donnemdeS Hoch, daß die Bänder von der neuen Schürze reißen.[1468 Seine Freunde: Die Braten-vengels. Pili* Parteigenossen halle stets einen[1461 guten WMagsW smle GetrunKe. Auch liegt das„Verl. Volkebl.' aus. C. Hoffmann, Ackerstr. 117. M. Akten echten Rordhänser, erkl. Fl. Jngberliqueur. hochfein, exkl. FI.., Thee-Rum, ganz vorzüglich, exkl. Fl., Faoon-Rum. Originalflasche, exkl. Fl., Märkischer Korn, exkl. Fl...... empfiehlt die Großdestillation von & Keily Sophtenstr. 12, a. d. Rosenthalerstr. GeschästsschlußAbdS.8Uhr, Sonnt. Mittags lUhr, 0,75 0,00 2,00 1,00 0,60 Sopßabezüge! Reste von 3i— 5 Meter jpottdtllig. Emil Lefewre, Geauienstr. 158. Am mehrfach geäußerten Wünschen zu entsprechen, haben sich die an der Daufr fuhrung der(W3* DcuUjcs Ugcili. AiHeklili für NiislilllittPtliiig betheiligten Herren Vertreter der Arbeitnehmer bereit erklärt, bis zum 15. Oktober d. I- ssl dem Schluß der Ausstellung— an den Sonntag Vormittagen, nämlich am 15., 22. w> 29. September, sowie am 6. und 13. Oktober die Führung ihrer Kollegen durch die Au- stellung zu ubernehmen und die wichtigsten Objekte daselbst zu erklären. Die Herren Arbei«3 Vertreter werden sich zu diesem Zwecke an den betreffenden Tagen Vormittags von 8—1° im Ausstellungspark— Ausschank der Bockbraucrei, Stadtbahnbogen Nr. 7— aufhaue3 und durch Abzeichen in Form von Rosetten mit der Aufschrift„u.-v.-A." zu erkennen few- Im Auftrage der an der TurchMriing der Tcutschen Allgemeinen«uSstellllNS _ für Unfallverhülung belhciiigten vcrireter der Arbeiter. Der Uorstand d. Deutschen Allg.AuskeUun, f. Unfulluerhiituv� IkmOutp; Kksjitllustgs Lottme. Hauptgew. i. W. von 15 00V M., 10000 M. u. f. w. Zievniig am 29. u. 30. Dktbr�.�� Eoose ä I Hl. empfehle bestens. Auswärtige haben für Porto und ZtrtzungSl'ftt (unter„rtngcschrtrben" 45 Pfg.) beizufügen. Prospekte auf Wunsch gratis. jutius Geriig in Hamburg» � Verkaufsstellen in Berlin bei HI. PraenHel, C., Roßftraße 7; IM.„muet' C., Stralauerstr. 1; H. Damrau, it., Anklamerstr.42: IM. Fraenkel jr., c-/® straße 44; Ludwig Mlüller& Co., C., Schloßplatz 7; S. Hirschberg, C., GrtN � straße 24a; J. Rosenberg, S., Kommandantenstraße 51; Oscar Bräuer Ä � Leipzigerstraße 103. � Soeben erschien: Die ütligioit der luHift Von J« Stei�n. Dritte vermehrte Anfluge. Preis broch. SO Pf. Thesen über den Sozialismus. Von .1. Stern. 2. Auflage. Preis broch. SO Pf. Zu beziehen durch die Expedition Zimmerstraße 44. DM- Wiederwerkäufer erhalten Rabatt.-OM Soeben erschien: Jie KesiMste der»tbe Heft 9. ä Heft so Pfennige Zu beziehen durch die Expedition, Zimmer st raße 44. 3)uecü äie(Expedition, Simmerftaaßc-4-4, zu beziehen: Die Darwin'sche Theorie. Von Dr. Eduard Aveling. Broschirt W. 1� Geb. M. 2,—. Karl Marr' Oekonomische Kehren. Gemeinverständlich dargestellt»- erläutert von Karl Kantsky. Brosch. M. 1,50. Geb. M. 2,—. Weltschöpfnug»nd Weltuntergang. Die EntWickelung von Hin» und Erde vom Standpunkt der Naturwissenschaften dargestellt von Gsmalb Köhl�' Brosch. M. 2,-. Geb. M. 2,50. Die ländliche Ardeiterfrage. Nach dem Russischen des Kabww"»' Brosch. M. 1,—. Geb. M. 1,50. Thomas More«nd feine Utopie. Mit einer historischen/Einleitung von Karl Kants stq. Brosch. M. 2,—. Geb. 2,50. Charles Fourier, sein Leben und seine Theorien. Von KebeL Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Da» moderne Glend«nd die moderne UedervoldernK Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von Mar Kchlpprl. Brosch'' M. 1�0. Geb. M. 2,—. Berliner Ardeiter-Kibliothed. Von m«» Schwpel. Erschienen§cf'' bis 5. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Heft 2: Der Nutzen der Gew�. schaften. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenftage der Gegenwart. Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Heft 5: Chara" �. köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Ossip Zetkin-PariS f. H�azf. Die Hausindustrie in Deutschland von Paul Kampffmeyer-Genf. a Heft 15 u. 20 �' Dir Ardriterinnen-Drmrgnng Kerlius. Von A. gtvgtr, a Heft 30 Pf. Ferdinand Kn�fallr eine Geben kschrift zu seinem 25 jährigen Todestag. Mar Kegel, a 50 Pf. Ardeiter-Uotizdalender pro 1889. Kleine Ausgabe a Exemplar so P'- Dir Klassengegenfahe von 1789. Von Karl»antssty. a Exemplar 50 Pf. Dir Sonntags-Arbeit. Von A«g«st K-l-el. Brosch. M. 1,-. Sydil. Roman von Disraelt, übersetzt von Natalie Liebknecht« Dir Ritter der Arbeit. Nach dem Amerikanischen des Zor von Liebknecht. Dir franMfchr Revolution. Von Milhel« sws. «ebnnben w prachtbanb. a Exemplar M. 5„50. Broschirt in Heften ä 20 Pf. Kabwg in Berlin SW„ Beuthstraße 2. «imn«W» Beilage zum Berliner Bolksblatt. Kr. S14. Freitag, de« 13. September 1889. 6. Hahrg NMW Mchwl»»> WsGMü. , Die von uns erwähnte Frage der Einfühmng einer ein» glichen Zeitrechnung in Deutschland schwebt auch'n uns°rem «°chd°rl°nde Oesterreich- Ungarn. Die.Neue Arne Preffe «cm 5. d. M. bringt hierüber lobenden Artikel, welchen wir u°wen Lesern nicht vorenthalten wollen, obgleich wir der Memung sind, dah cS mit der als �endgültiger Abschluß der Zmre'orm" bezeichneten Einsührung einer.Welueu unter Adling der Stunden von 0 bis 24 noch gute Wege Hab wnde. Unscrcr Ansicht nach sollte man es v«mclden, durch bzx Hereinziehen so weit gesteckter Ziele daS Zustandekommen �ter« erreichender Reformen zu erschweren. i„-Die.gemeinsamen Angelegenheiten Ocsterrmch-U g >»ll«n, so schreibt daS genannte Wiener Blatt, w nächster Ze '"n eine ve, mehrt werden, indem auf den Vorschlag Urgaiilchen Slaaisbahnen die Einführung einer w beide Ac.chshätslen gültigen.Eisenbahnzeit" enistl'ch m �asung Mögen wird. Der Umstand, daß der Messu"g deS Tages d,e �-°i.on der Erde um die Axe zu Grunde l>cgt, b d'ngt be- kannilich die innige Zusammengehongkeit von Zeit und Oert i-chknt. In jedem Augenblicke mlmmi� die Some w emen «dern Eldmeridian. dessen Bewohner Mchzmtlg Mitchg habni. Ä- östlicher ein Meridian liegt, desto früher, ie westlicher, desto Wer erfolgt für ,hn die Kulmination der Sonne und der Em tm. irgend einer Stunde. Da die Erde �«n ganzen Uml auf, da» sind 360 Bogenradt, iu 24 Stunden v°U�hrt, so betragt � Drehung während einer Stunde g-nau � Grade. So mit dnrvgt also der Zeitunterschied sur zwei um 15 Langeng-ade «n einander entfernte Memdiane. Em- Entfernuna um einen dfwirkr demnach eine Zeitdiffcrenz von �Mwuten. Bei genauen Zeitangaben, namentUch im intemaNonalen V-rke�. muß a so Ue>» hinzugefügt werden, welche Eiszeit, ob Wiener� Un°r oder vielleicht Pariser Zeit gemeint»st. Wahrend zwr>chen Wien und Graz, die nur um emen Längengrad von mnander rnlseint find, btoß eine Differenz der Uhren � Betrage von »M nuten besteht, haben die an den außcrsten Glenz n unser« Monarchie gelegenen Städte Bregen z und Ei-mowitz bereits emen Zeitunterschied von einer Stunde und fünf M muten. Die Unterschiede der O.tkzeiten machten stch>namn,t ich ,m Verkehre der Eisenbahnen um so unangenehmer fühlbar, ze mehr d.e Geschwindigkeiten' ffch vergrößerten, mit denen Raum und Zeit besiegt wurden. Sie erheischlen h,er um so cher eme Abditic, als d,e Sicherheit des B-triebeS m,t der mun,t.o'en »'uhaliung der Zeit aufs Enge öus�menhangt. Man führte für lteinere oder größere Wirkungsbereiche einheitliche Zeitm, fogeuannte Bahnzeiten, ein, die naturgemäß gegen die �rtS» iM�em ES richtet ffch der gesam.nte E.smbahnver ehr M Oesterreich, mit Ausnahme von Galizren u"d d« Bukowina, f>«r>nn,l,ch nach Prager Zeit, welche gegen die Wiener Ze.t um � Minuten Zurück ist. Dies bedingt die Annehmlichkeit, daß man in Wim und allen anderen östlich von Prag gelegenen Staiicncn selbst dann noch rechtzeitig auf den Bahrhofen ein. iiissl wenn nach der Ortszeit der Eiscnbahnzug bereits abgehen faltii. Dieselben säumigen Reisenden wurden aber zmn Beispiel i« Innsbruck den Zug versäumen, denn die dortige Ortszeit ist Wfien die Bahnzell um fast 12 Minuten voraus. Seit dem ungarischen Ausgleich regiert in den?°"dern der ungarischen «rone tdesaleichen in Galizren und ,n der Bukowina) nicht Präger sondern Pister Zeit. Bei einer Reise rn drese Lander Z tZCr in der Zeit vlötzlich einen Sprung von acht- »rha Minuten. Trifft dieser Ze.tsprung die Rnseneen unvor- breitet so können ihnm aus dem Umstände, daß statt des iabrplanmäßigen Aufenthalts von zum Btispiel zweiundzwanzlg Analen der Zug in der Grenzstation lhatmchlich nur vier den Dresdener. Münchener, Schweizer, oder römischen Zeit ge- des Publikums und der Bahnvemaltung ftiiß. In der Dmcrenz Ä-r Ortsreiten lieat auch der Grund, weshalb die i-xprcgzugr �O��nachWesten?ch-!nbar�m°"kü7»tte°Z� f�mdigke« mtchmu Direktoren-Konferenz an. gevon'menen und den beiderseitigen Regieru� nehmipurg unterbreiteten Vorschlage soll d,e nächste.'resorm Mähren und Schlesien,., sowie d>e östlichen Thell° d« o m � iiur.nicn Provinzen waren demnach m b«a.jinlel den be- «eunr Bahnzeitlvorau-, Czern�.�ha tt- zum Beisp�el d »bschmlie von ie iwols Stundm auij g jebigeS "n.ocr Urberlegung kein Zweifel obwaltem daß un)e i v g Vorfahren, bei d.m- li Ciunden zweimal auf den heuen �ng die Rocht soll«, außerordentlich unzweckmäßig W» man Cmndm von 0 bis 24, das ist von einer M'tte-.'°»t zur übrigens, wie auch Goethe in seinen Hern schildert, in früherer Zeit in Italien ganz allgemein"üblich und wurde kürzlich im dortigen Telegraphenverkehr wieder eingeführt. Ä____ VI. k' m-Y. Y•• Y Yt Y /�.Y.» Lokales. Welche Komplikationen die bisher gebräuchliche Theiluug des Tages mit sich bringt, lehrt ein Blick auf die Fahrpläne der Eisenbahnei'. in welchen durch Schraffirung, blauen Unterdruck, schwarze Unterstreichung oder andere Zeichen die Nachtstunden von den Tagesstunden unteischieden werden müssen. Die empfindlichen Folgen eines Verschens oder eines in dieser Bezeichnung unterlaufenen Druckfehlers sind sicherlich manchem Reisenden in unangenehmer Erinnerung. Mit Zustimmunv der Regienrngen von Oesterreich und Ungarn sollen diese Vorschläge auch im Verein deutscher Eisen- bahn- Verwaltungen zur Besprechung gelangen, um auch im Deutschen Reiche e,ne Vereinheitlichung der Bahnzeiten zu erzielen, die namentlich für den internationalen Verkehr von Wichtigkeit wäre. Man will das Beispiel der praktischen Amerikaner be- folgen, um, wenn möglich, für den gesammten Weltverkehr das sogenannte„Stunden-Zonensnstem" einzuführen. Die Vereinigten Staaten haben nämlich ihr Gebiet in fünf Zonen von je fünf zehn Längengraden getheilt, in deren jeder e,ne von derbenach. borten Zone uni genau eine Stunde abweichende Zeit herrschte Auf die ganze Erde ausgedehnt, würde dies vierundzwanzig Zonen und ebensoviele um ze eine Stunde von einander ab- weichende Zeiten ergeben, deren Grenzen nicht strenge nach den entsprechenden Meridianen, sondern vielmehr nach den Landes- grenzen gezogen würden. So würde die Greenwicher Zeit oder „Weltzeil" für England(wo sie schon lange die bürgerliche Zeit ist), Frankreich, Spanien, Portugal, die Niederlande, Bel gifu und einige außereuropäischen Staaten gelten; die von dieser um eine Stunde differirende Zeit des sünfzebnten Län- gengrades. die„Adria-Zeil"— welchen passenden Namen der bekannte Wiener Astronom Dr. R. Schräm vorschlägt— für Oesterreich- Ungarn. Deutschland, Dänemark. Schweden und Norwegen, die Schweiz, Italien, Serbien, Montenegro, ferner für Tunis, Tripolis, einen Theil des Congo-Staates und das Caplond. Dieser soll die„Bosporus-Zeir" folgen u. s. w. Gleichviel, ob das Stunden-Zonenlystem, falls es überhaupt eingetührt wird, blas für das Verkehrswesen oder auch für daS bügerliche Leben Geltung haben wirb, keinesfalls kann es den endgiltigen Abschluß der seit den Anfängen der menschlichcnKuttur betriebenen Zeitreform bilden. Um unseren Zeitangaben einen von der örtlichen Lage ganz unabhängigen, universellen Charakter zu verleihen, muß man das Chaos der Ortszeiten durch eie..Weltzeit" ersetzen. Nach den vom Kongreß der europäischen Gradmcssung im Jahre 1883 in Rom und der von 25 Staaten deschrcktcn diplomatischen Konferenz zu Washington im Jahre 1884 gefaßten Resolutionen soll die durch den Meridian der Sternwarte zu Greenwich bestimmten Zeit dereinst auf der ganzen Erde Geltung haben, und sollen die Stunden dieses Welttages von 0 bis 24 durchgezählt werden. Nach diesen international« Vereinbarungen beginnt der universelle Tag für die ganze Erde mit der Mitternacht des Meridians von Greenwich. In demselben Momente, da iür den durch das Mittaasfernrohr dieser Sternwarte gehenden Meridian der mittlere Mittag eintritt, zählte man überall 12 Uhr Weltzeit. Natürlich kulminirt in diesem Augenblrck nur für die Orte des genannten Meridians die Sonne und 12 Uhr Wellzeit fällt, der aeogrovhischen Lage entsprechend, an verschieden« Orten in andere Tageszeit«. Da der Zeit- unterschied zwisch« Wien und Greenwich eine Stunde und fünf Minuten beträgt, würde bei Einsühnrng der Weltzeit der Wiener seine Uhr ein für alle Mal um diese Zeitdifferenz zurückstellen und dementsprechend alle seine täglichen Verrichtungen(der Zeit nach) eine Stunde früher ausführm. D« größten Vorthcil von der Einführung der Weltzeit, der« eifrigster Propagator in Oesterreich, Pros. Dr. Theodor v. Oppolzer, leider nicht mehr unter dm Lebenden weilt, zöge außer dem internationalen Eisenbahnverkehr auch das Tele araphmwesen. Der Zeitunterschied zweier entfernter Orte im Vererne mit der enorm« Geschwindiakeit dcS elektrischen Stro meS bringt es mit sich, daß die von Ost« nach Westen gehen den Depesch« früher ankommen können, als sie der Uhrzeit nach abgesendet wurden, während sie sieh beim Verkehre in entgegengesetzter Richtung bedeutend verspäten. Wie oft mag die durch die verschied«« OrtS- und Bahnzeil« hervor gebrachte Konfusion Störungen, ja sogar Unfälle im Eisenbahn- verkehr hervorgerufen und durch verspätet eingelangte Tele- gramme geistige und materielle Interessen geschädigt Hab« Deshalb«tscheide man sich um so rascher zu Gunst« der ein- heitlichen Bahnzeit, der bald das Stundm-Zonensystem folgen möge als letzte Etappe auf dem Wege zur— Wellzeit. Mo»»»n»u»»«lcs. Stadtv-rordneten-Uersirmmlnng. Sitzung vom Donnerstag, den 12. September. Der Stadtverordnct«- Vorsteher Stadtv. Dr. Stryck cröffnet die Sitzung um 5* Uhr mit einer Reihe geschäsrlicher Mittheilung«. Zwei Ausschüsse sind von den Abtheilungen vor der Sitzung gewählt worden. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden einige Naturalisationsgesuche geschäftsordnungsmäßig er- ledigt. Sodann wird zur Wahl des erst« Beisitzer-StellvertreterS an Stelle des ausgeschieden« Stadtverordneten Kreitling aelchritt«. Norgeschlag« für diese Stelle werden: Stadtv. Weiß(dfr.) und Stadtv. Ziethen(Bürgerpartei.) Der Erstere wird mit 64 von 85 Stimmen gewählt. Hieran schließt sich eine sehr umständliche Wahl- Handlung, um die Wahl von Stadtverordneten in ver- schiedene Ausschüsse, Deputationen und Kuratoren vorzu- nehm«. Die Resultate sind ohne Interesse für die Oeffent- lichkeit. Die Verpachtung der zwisch« Treptow und Rix- darf belegen« städtisch« Wiesmparzell« wird genehmigt. Die Miethung eines Lagerplatzes des Anhalter Bahnhofs zum Bau einer Rathswage wird zur Vor- Prüfung einem Ausschuß überwiesen. Die Vorlage, betr. den Verkauf der am Kottbuser Damm im Gemeindebezirk Rixdorf belegenen, der Stadtge- meinde Berlin gehörigen sog«. Dammend« wird ebenfalls an einen Ausschuß gewiesm. Der Antrag des Magistrats, betreffend den Verkauf von Baulichkeiten auf dem Grundstück des Krank«- Hauses Moabit zum Abbruch wird angenommen. Einige unwesentliche MagrstratSanträge werden dedattelos crlediat. Eine Anzahl Rechnung« geht an dm Ausschuß für Rech- nungssachm. Damit ist die Tagesordnung«schöpft. Schluß 6) Uhr. Es folgt eine nicht öffmtliche Sitzung. Die Falb'sche» Wetterprophet»« halt« nach dem 6. Septemb«, zum Beginn der Vollmondperiode, den Herein- bruch einer unfreundlicheren Witterung angedroht, ebenso hatte Professor Falb den 9 September als einen kritisch« Tag erster Ordnuna bezeichnet. Erfreulicherweise ist unsere Stadt von beidm Prognosen bis dato nicht sonderlich betroffen word«. Der kritische Montag oerlief völlig harmlos, und es wäre nur noch möglich, daß er bei viel« unserer geehrt« Mitbürger „blauer" als sonst gewöhnlich sich gestaltete und so der kritische Tbeil doch noch zu seinem Rechte kam, was wir freilich nicht wiss« können. Gegenüber der Prophezeiung von der unsreund- lich«« Witterung zeigen sich fortgesetzt prächtige sonnige Herbst- tage, die durchaus nicht so dreinschauen, als könnten die Nach- folg« ein unliebenswürdiges Gesicht schneiden. Vielmehr hat eS jetzt das Aussehen, als sollte dem naßkühlen Somm« ein mildwarmer Herbst folgen, damit so der außergewöhnliche Maienfrühling, der das Zünglein d« Waagschaale dieses Jahres arg ins Sckwnnk« brachte, wied« ein entsprechendes Geg«- gewicht«hält. Die Zahl der bei der städtischen Verwaltung angestellten Subalternbramten hat sich— entsprechend der Vermehrung der Arbeiten des Magistratskollegiums und seiner Deputation«— in dem letzten Jahrzehnt erheblich vermehrt. An solch« waren, abgesehen von den Beamten der Sparkasse, der Wasserwerke, der KanalisalionSwerke. der Feuersozielät, des Viehhofes und der Markthallen, welche Verwaltung« ihre Angestellt« aus ihren eigen« Einnahmen»u besolden Hab«, Ende 1888 412 fest angestellt. Zu mechanischen Dienstlerstun- gen, als Steuererheber, Stadtsergeanten. Dien«, Arbeitshaus- ausseher k., waren 454 Person« angestellt. Trotz der Vn- mehrung dieser beiden Beamlenkategorien sind die Ausgaben für zeitweise angenommenes Hilfspersonal nicht geringer ge- word«, sie sind im Geoentheil von 657 346 M. im Jabre 1882/83 auf ca. 900 000 M. im Jahre 1888/89 gestieg«. In dieser Summe sind die Ausgaben für technische Hilfekräfte in den verschiedenen Zweig« der Bouverwaltung noch nicht«t- halt«.— Mit der Zunahme der Beamten ist auch der Betrag der von der Sladtkasse zu zahlend« Pensionen stetig ge- wachsen. ES wurden im letzt« Jahre 342 563 M. Pensionen gezahlt. Ebenfalls im Wachsen begriff« sind die W i t t w e n- Pensionen, die von 145 391 M. im Jahre 1882 auf 245 206 M. im Jahre 1888 gestiegen sind. Ist Kerlin. die Stadt der Intelligenz, ein Nest von Muck«n und Frömmlern geworden? So muß man sich, schreibt die„Volks- Ztg.", im Angesicht des stattlich« Hauses fragen, das jetzt aus dem Grundstück Wilhelmstraße 34 für d« „christlichen Verein junger Männer"«richtet wird. Jedermann kennt den Geist, der dies« von Betbrüdern geleitet« Verein durchweht, und dock war cS möglich, für eine solche Vereini- guna ein eigenes Haus zu gründen, auf dess« Giebel das weithin leucht«de Firmevschud des Verein» angebracht ist. Die deutsche Kunst hat noch kein eigenes Heim in der deutschen Reichs- Hauptstadt, viele wissenschaftliche Körperschaft« müssen sich mit ganz untergeordnet« Räum« begnügen, aber ein Verein, in welchem die Gemüther verdunkelt und starrer Buch- ftab«. Glauben und Intoleranz gelehrt werden, kann sich in Berlin ein eig«es Prachtgebäude«richten. Wahrlich auch ein Zeichen der Zeit! Für Skatspieler. Schon des öfteren ist in den Zeitungen die Frage erörtert worden, auf wieviel Arten die Karlen beim Skat auf die drei Spieler vertheilt sein könnm. Es sind dies mehr als 2500 Bill onen Art«, während jeder Spiel« ohne Rücksicht auf„Die Sitzung" bei den beiden andern Spielern 64 Million« Karten-Zusammenstellungen«halten kann. Die Frage nach der Anzahl der möglich« Reihenfolgen, in welchen die 32 Kart« ausgegeben werden können, ist weg« der Un- faßbarkeit der Zahl unberührt geblieben. Eine kleine Illustration wird sie dem Verständniß etwas näh« rück«. Denkt man sich für jede neue Reihmfolge einen Tropfen Wass« von der Größe eines halb« Kubikzentimeters in ein Gefäß gegossen, so würden alle Gefäße der Erde diese Wassermenge nicht fassen könnm, ja, selbst die Welimecre nicht, diese würden sogar nur winzige Tröpfchen gegen sie sein; d«n man würde zur Auf- nähme dies« Wassermasse ein Gefäß nöthig Hab«, das, wenn man ihm die Gestalt eines Würfels giebt, eine Seitenkante von etwa 600000 Meilen Länge hat, d. h. eine Länge, welche der zwölffachm Entfernung des Mondes von der Erde gleich- kommt. Sollte jemand Neigung hoben, eine genauere Rech- nung anzustellen, so sei für ihn die Bemerkung, oaß man diese Zahl erhält, wenn man die Zahl« von 1 bis 32 mit einander muttiplizirt. Daß man so zu verfahr« hat, kann man sich klar mach«, wenn man zunächst die Anzahl der Reihenfolge für 3, 4 und 5 Karten feststellt. Ma» Alle» im Grunewald verloren wird. Nach erner Bekanntmachung des AmtSvorsteh«s von Forsthaus Grunewald, des Grafen d'Haussonville, habm sich die Verlierer resp. Eigenthüm« nachfolgender Sachen zur Geltendmachung ihrer Ansprüche inn«halb dreier Monate im dortig« Amts- lokal zu meld«. 1) Ein Theil eines Granat-KollierS in Gold- fassung; 2) ein goldenes Armband; 3) eine goldene Uhrkette mit Bnloque; 4) ein Medaillon mit zwei Photographien; eine Zigarrentasche: 6) ein goldenes Armband mrt Stein; ein goldenes Pincenez. Es sind meistentheils Schmucksachen und zwar darunter solche von nicht unwesentlichem Werlhe, welche im Grunewald bei den Ausflügen der Berlin« ver- loren geh«. Etwa» vom„gönnen Wagen". Täglich rollt an den Augen der Berliner mehrmals das mit dem Namen„der grüne Wagen" belegte, polizeiliche Beförderungsmittel für Arretirte und Verurtherlte vorüber— nie, ohne ber all sein« Einfachheit ein gewisses Ausseh« zu erregen. Das Polizeipräsidium besitzt im ganz« 7 Gesang«« transportwaa«. Diese 7 Wag« fahren alle 24 Stund« 4 Mal nach den Polizerrevier-Wach«, der« es in Berlin 82 giebt. Die Wagen haben nur dorthin zu fahren, wo sich wirklich Gefangme befinden und dies wird von den einzelnen Wachen telegraphisch nach dem Molkenmarkt ge- meldet. Eine Viertelstunde vor der Abfahrtszeit telegraphirt jede Wache, auf der Gefangene sind, an das Präsidium, und zwar find diese Depesch« die denkbar kürzest«; der Apparat meldet, dann folgt die Nummer des Polizeireviers und dieser die Zahl der abzuholend« Gefangenen mit dem„G." dem An- fangsbuchstabm dcS Wortes„Gefangen«". Abfahrm müssen die Wagen Vormittags um 8, Mittags um 12, Abends um 3 und Nachts um 2 Uhr behufs Abholung Gefangen«. Jeder Wagen ist zur Aufnahme von 16—18 Gefangen« bestimmt; es kommt aber auch vor, daß ein Wag« einige zwanzig P«son« bringt und eS gehört durchaus nicht zu dm Seltenheit«, daß d« Wagen mit ein« Fahrt nicht sämmtliche Gesang«« der ihm zuge- wiesen« Reviere fortbringt. Derselbe muß dann nach Eni- ladung gleich noch einmal fahr«. Die innere Einrichtung be- steht rn einer rings um die Wagenwand laufend« Sitzbank, von welcher die der Thür zunächst befindlichen 2 Siye mit Brettern zellenartig abgeschlaaen und zur Aufnahme Gefangener bestimmt sind. Mit jedem Wageir fährt ein Schutzmann, der sogenannte.Begleiter", dessen Dienst beständig derselbe ist. Außer der Abholung von Gefangenen haben die Waaen täg- lich auch die Beförderung nach den Gesängnissen im Moabiter Kiiminalgericht, in der Perlebergerstraße, in der Barnimstraße, in der Lehrterstraßc, in Plötzensee und in Rummclsburg. Die Fahrt wird Nachmittags um 3 Uhr angetreten. Zu einzelnen solcher Fahrten ist der„Andrang von Fahrgästen" sehr groß. Um 2 Uhr Nachmittags fährt auch täglim ein Wagen nach der Charitee und bringt dorthin die kranken Gefangenen beziehungs- weife von dort nach dem Molkenmarkte Gefangene, die krank in der Charitee gelegen haben und kurirt sind. Der zum Tode veturtsirilte Elephant im Zoologischen Garten harrt noch immer der Hinrichtung, was wohl darauf zurückgeführt werden muß, daß man sich über die Art, wie dem Thiere ein Ende zu bereiten sei, nicht klar ist. Da sei denn darauf hingewiesen, daß schon einmal, wenn auch nicht in Berlin, so doch in Potsdam ein Elepbant eines gewaltsamen Todes hat sterben müssen. Anfangs November 1838 langte in unserer Nachbarschaft der Menageriebesitzer Hutter mit einem Eiephanten an, der bald so bösartig wurde, daß der Besitzer beschloß, sich unter allen Umständen seiner zu entledigen. Er wollte das Thier nach Berlin überführen und dort von Be- amten der Thierarzneischulc durch Gift tödten lassen, aber bevor die Absicht verwirklicht werden konnte, verwundete der Elephant mit seinen Stoßzähnen einen Wärter lebensgefährlich und zeigte sich überhaupt so ungeberdig, daß Niemand ihm mehr nahen konnte. Zugleich rürtelte er in dem Stalle, in dem er untergebracht war, unaufhörlich und wild an seiner Kette, so daß der Ein- stürz des Gebäudes und ein Ausbruch des Thiercs zu be- fürchten stand. Deshalb beschloß man, ihm sofort den GarauS zu machen, und Lichten stein, der Begründer unseres Zoologi- schen Gartens, wurde mit dieser Aufgabe betraut. Lichtenstein nun richtete dem grimmen, zehn Fuß hohen Koloß ein Tränkchen her, bestehend aus zehn Unzen sorgfältig bereiteter Blausäure und einem Viertel Quart Rum, versüßt mit einem Viertel Pfund Zucker. Diese Mischung wurde am 6. Dezember in den Trinkeimer des Elephanten gegossen, der erst vorsichtig kostete, dann aber eine größere Menge mit dem Rüssel schöpfte und ver- schluckte. Fast im selben Augenblick stürzte er zusammen, erhob sich jedoch nach einigen Minuten wieder, taumelte indessen und sank bald wieder nieder. Mehrmals versuchte er noch das Auf- stehen, bis er endlich liegen blieb und 1 Stunden, nachdem er das Gift genommen, verendete. Leider hatte das Thier im Todeskampfe den Trinkeimer umgestürzt, so daß sich nicht genau ermitteln ließ, wie viel der Flüssigkeit es zu sich genommen hatte; doch schätzte man die Menge— das Meiste war ver- schüttet— auf vier Unzen des bereiteten Giftes, also etwa drei Drachmen wasserfreier Blausäure. Der Kadaver, der etwa 60 Zentner wog, wurde in der Nacht nach Berlin geschafft und am anderen Morgen auf dem freien Platze vor dem Anatomie- gebäude der Thierarzneischule zerlegt. Hierbei gescbah es, daß im Eifer der Arbeit mehrere Thierarzneischüler sich mit dem Skalpell verwundeten, doch zog dies keine weiteren Folgen nach sich. Auch das Einathmen der reichlich ausströmenden Gase— beim Durchschneiden der Bauchhäute erfolgte eine heftige Explosion— brachte Niemandem Schaden. Vielleicht giebt dieser Vorgang, wenn doch einmal der böse Rustan sterben muß, der Verwaltung unseres Zoologischen Gartens einen Fingerzeig. Selbstmord auf der Straße. Vorgestern Abend um 6 Uhr machte ein dem Arbeiterstandc angehöriger Mann seinem Leben auf ganz eigenthümliche Weise an der Ecke der Wall- und Jnselstraße ein Ende. Er lehnte sich an einen Laternen- pfähl, zog einen sechsläufigen Revolver hervor und gab eine Anzahl Schüsse auf sich ab. Zwei davon trafen den Selbst- mördcr diretl in den Mund und führten den sofortigen Tod 5 erbet. Die schrecklich verstümmelte Leiche wurde polizeilicher- eits nach dem Leichenschauhause fortgeschafft.— Gestern Mittag erschoß sich ein unbekannter Mann aus dem Kloset des Bahnhofs Alexandei platz.— Trefflicher läßt sich die Aera der Sozialreform übrigens kaum illustriren als durch die jetzt herrschende Selbstmordmanie. Die Zahl der Zwaussersiestvngollinder, welche der Obhut der Gemeinde Berlin zur Last fallen, hat sich seit dem Erlaß des Gesetzes vom 13. März 1378 wie folgt gestellt: Bis zum 1. Apnl d. I. waren 653 Kinder, nämlich 523 Knaben und 130 Mädchen zur Zwangserziehung überwiesen worden. Davon waren 72 Kinder aus der Zwangserziehung widerruf- lich entlassen, 180 dagegen definitiv entlassen und 11 gestorben, so daß am 1. April cr. noch 390, nämlich 317 Knaben und 73 Mädchen in der Zwangserziehung verblieben. Im Laufe des letzten Jahres betrug der Zugang 65 Kinder. Gi« Häuforagent hatte nach dem durch ihn vermittelten Verkaufe eines Hauses die ihm zustehende Provision bean- fprucht, der Verkäufer weigerte sich jedoch, selbige zu zahlen. Später anerkannte aber der Verkäufer mündlich seine Zahlung«- veipflichlung und der Agent klagte die Provision ein. Das Reichsgericht hat zu Gunsten des Klägers entschieden, weil das vertragsmäßige Schuldanerkenntniß einem Kaufmann gegenüber als e,n präsumtives Handelsgeschäft anzusehen sei und Han- delsgelchöfte der schriftlichen Form nicht bedürfen. Mir«ine Satirr auf die iminer weitcrgreifende Nutzbar- machung der Automaten für Verkaufszwecke nimmt sich die in der letzten Nummer der„Allgem. medizm. Central- Zeitung" enthaltene Mittheilung über eine automatische Apotheke aus. Darnach hat ein Apotheker ein Patent auf einen Automaten genommen, der in Gestalt einer hölzernen menschlichen Figur hergestellt ist. Jeder Körpertheil hat verschiedene Abthei- tuvgen, auf denen der Name irgend eines Uebels und des entiprechenden Medikaments steht und deren jede zur Auf. nähme eines Geldstücks eingerichtet ist. Bei Benutzung des Automaten erhält man die gegen die betreffende Krankheit er- forderliche Pille oder Salbe! Ob dieser automatische AeSkulap nun patenlirt ist oder nicht, der„Erfinder" ist jedenfalls ein medizinischer Spaßvogel. Ueber mangelhafte Beleuchtung der Treppe« wird f;egenwärtig namentlich in denjenigen Stadtthcilen Klage ge- ührt, wo in den großen Miethshäusern zahlreiche kleine MiclhS- Parteien beieinander wohnen. Hier glauben die Hausbesitzer es ruhig auf eine polizeiliche Bestrafung ankommen lassen zu können, denn diese pflegt ohne eine bei der Polizei eingehende Anzeige nicht einzutreten und der Angeber, der in einem solchen Falle gewöhnlich ein Miether zu fem pflegt, hat unter den heutigen MiethSverhältnissen zu viel Ursache, sich seinen Haus- wirth zum Freunde zu halten. Anderecseus ist der Hauswirth klug genug/ im HauSeingange und allensalls auch noch auf dem Flur eine Treppe hoch eine Gasflamme anzuzünden, während die übrigen Räume des Vorderhauses und die sämmtlichen Gebäude im Hofe keinerlei Beleuchtung der Treppen aufzuweisen haben. Besonders im Südosten der«tadt findet man zahlreiche Häuser in diesen traurigen Beleuchtungs- Verhältnissen. Die Briefträger, die in den Abendstunden ob und zu in den oberen Etagen solcher Gebäude Bestellungen haben, raisonniren dann wohl bei der Finsterniß, aber da eine Anzeige nicht erfolgt, so bleibt alles beim Alten. Das polizeiliche Gebot der Treppenbeleuchtung, dessen Rechtsbcständigkeit nach vielen Prozessen endgiltig sestgestellt worden»st, verliert seine praktische Bedeutung, wenn nicht von Zeit zu Zeit Revisionen stallfinden, ob dasselbe auch befolgt wird. HauSwirthe, welche größere Quartiere vermietben, sorgen von selbst für Deppen- deleuchtung, denn kem Micther, der eine größere Wohnung inne hat, läßt sich um die jetzige Johre-zcit noch unbeleuchtete Treppen im Hause gefallen. Die Micthshauser mit kleincn Wohnungen dagegen, die ihren Besitzern reichliche Mulhs- erlläge abwerfen, bleiben auch in der gerade hier so noihigen Beleuchtung vernachlässigt. Unfälle, die sicher nicht ausbleiben, wird natürlich ein solcher Wirth sich bemühen, zu unterdrücken. Um so nöthiger ist deshalb eine öffentliche Anregung in dieser Angelegenheit. Aus der„gebildete«" Gefellschast. Ein Bericht- erstatler schreibt: Fräulein AgneS B. war drei Jahre die Ver- loßte eines jungen Mannes, der einer Osfiziersfamilie anpe- hörig in einem hiesigen großen Bankinstilut eine bedeutende Stellung bekleidet. Als aber der junge Mann immer nuroon seiner Liebe, aber niemals vom Heiralhen sprach, trat die Sckwie- germama dazwischen und erklärte, daß die Sache ein Ende haben müsse. Entweder Standesamt oder Trennung! Da er für das Erstere keine bindende Erklärung abgab, so trat das Letztere ein. Frau B. verbot ihm das Haus und damit wäre der dreijährige LlcbeStraum erledigt gewesen.'wenn Nicht Agnes einen anderen Schatz gefunden und die Kunde hiervon die Brust des Verabschiedeten nicht mit glühender Eifersucht erfüllt hätte. Mit Hilfe eines Freunde- lauerte er am Dienstag Abend feiner früheren Verlobten auf und überraschte die junge Dame auf dem Moritz- platz, wie sie am Arme ihres jetzigen Bräutigams aus dem Buggenhagcn'schen Lokale heraustrat. Während der Freund den Herrn bei Seite stieß, holte der einstige Liebhaber aus und versetzte dem Fräul. B. mit einem Hackemesser einen derartigen Hieb über den Kopf, daß das Messer, durch den Hut und die hohe Frisur hindurch dringend, der Aermsten eine bis auf den Knochen gehende Wunde von der Stirn zum Hinterkopf zufügte. Lautlos brach die Getroffene zusammen, während ihr Begleiter ein furchtbares Hilfegefchrci erhob, das auf dem belebten Platz eine ungeheure Menschenmenge zusammen strömen ließ. Die sauberen Herren hatten nach Vollziehung ihrer edlen That sich schleunigst aus dem Staube zu machen gesucht, wurden aber sestgehalten und den herbei geeilten Polizeibeamten übergeben. Frl. Ä. wurde bewußtlos nach der Sanitätswache in der Adal- bertstraße geschafft und von dort nach ihrer Wohnung gebracht, wo sich die junge Dame in einem nicht unbedenklichen Zustande befindet. GeuräS de« Veröffentlichungen de» Kaiserliche« Gesundhettsamts sind in der Zeit vom 25. August bis 31. August cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurch- schnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 19,5, in Breslau 26,3, in Körngsberg 21,0, in Köln 26,3, in Frankfurt a. M. 15,6, in Wiesbaden 14,1, in Hannover 21,2, in Kassel 9,1, in Magdeburg 23,7, in Stettin 26,2, in Altona 17,3, in Straßburg 21,7, in Metz 23,7, in München 36,1, in Nürnberg 24,8, in Augsburg 37,6, in Dresden 20,1, in Leipzig 14,4, in Stuttgart 22,2, in Karlsruhe 17,2, in Braunschwcig 24 8, in Hamburg 20,4, in Wien 21,1, in Pest 26,4, in Prag 18,8, in Trieft 26,0, in Krakau 22,8, in Amsterdam 18,4, in Brüssel 17,3, in Paris 20,8, in Basel—, in London 15,1, in Glasgow 19,3, in Liverpool 19,7, in Dublin 26,6, in Edinburg 16,2, in Koperchagen 18,8, in Stockholm 17,3, in Chnstiania 12,4, in St. Petersburg 23,2, in Warschau 30,8, in Odessa 27,9, in Rom 24,6, m Turin—, in Venedig 23,7, in Alexandria 43,5.— Ferner in der Zeit vom 4. August bis 10. August cr. in New- Port 27,8, in Philadelphia 24,7, in Baltimore 24/), in Kalkutta—> in Bombay 29,7, in Madras 39,3. Die allgemeine Sterblichkeit war in der Berichtswoche in den meisten Großstädten Europas eine günstige und wurden, besonders aus deutschen Städten, vielfach zum Theil recht kleine Stcrblichkeitsziffcrn mitgetheilt. Sehr gering(bis 15,0 pro Mille und Jahr) war die Sterblichkeit in Rostock(7.6), Kassel (9,1), Barmen, Wiesbaden, Erfurt, DuiSburg,Leipzig, Chnstiania. Sehr günstig(bis 20,0 pro Mille) in Berlin, Frankfurt a. M., Altona, Karlsruhe, Mannheim, Dannstadt. Bremen, Prag, Kopenhagen, Amsterdam, Brüssel, London, Glasgow, Liverpool, Edinburg, Stockholm u. a.; auch in Hannover, Hamburg, Dresden, Königsberg, Stuttgart, Straßburg, Magdeburg, Wien, Krakau, Paris, Venedig u. a. O. war die Sterblichkeit eine mäßig hohe (etwas über 20,0 pro Mille). In München, Augsburg, Chemnitz stieg die Srerblichkeitsziffer über 35,0 pro Melle.— Eine weitere Abnahme erfuhren ziemlich allgemein Todesfälle an Darmka- tarrhen und Brechdurchfällen der Kinder, nur aus München, Augs- bürg. Braunschweig, Wien werden mehr Todesfälle als aus der Vorwoche gemeldet. Der Aniheil des SäuglingSalrcrS an der Sterblichkeit war im Allgemeinen ein geringerer, in München ein größerer als in der Vorwoche. Von je 10000 Lebenden starben, auf's Jahr berechnet, in Berlin 84, in München 200 Säuglinge.— Akute Entzündungen der Athmungeorgane führten auch in dieser Woche nicht häufig zum Tode.— Von den Infektionskrankheiten wurden Todesfälle an Maiern, Scharlach, Diphtherie und Keuchhusten etwas mehr, an Unter- leibstyphus und Pocken etwas weniger mitgetheilt.— So waren Todesfälle an Masern in Mainz, Warschau, St. Petersburg, zahlreicher, in Paris und London seltener. Neue Erkrankungen würben aus Berlin, Breslau, Wien, St. Petersburg in verminderter Zahl gemeldet.— Das Scharlachlachfieber, hat in Hamburg, London, Warschau etwas mchr, in Königsberg und St. Petersburg etwas weniger Opfer gefordert. Neue Erkrankungen wurden aus Berlin, Breslau, Budapest, St. Petersburg und Kopenhagen in größerer Zahl zur Anzeige gebracht.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Kroup war in Berlin, Breslau, Königsberg, Danzig, Stettin, Kiel, Frankfurt a. M., Budapest, Kopenhagen, St. Petersburg, Christiania u. a. eine gesteigerte, in Hamburg, München, Leipzig, Wien, Paris und London eine verminderte. Erkcankungen wurden dagegen aus Hamburg, Budapest, Kopenhagen und Christiania in geringerer, aus Berlin, Breslau und den Regierungsbezirken Düsseldorf und Schleswig in gesteigerter Zabl gemeldet.— Tobesfälle an Unterleibstyphus waren in Essen, Paris und St. Petersburg vermindert, in Budapest und London gesteigert. Erkcankungen kamen aus Berlm, Hamburg, Budapest, Kopenhagen, Christiania in größerer, aus den Regicrungsdezl ken Düsseldorf, Schleswig sowie aus St. Petersburg.n etwas verminderter Zahl zur Berichterstattung.— An Flecktyphus wurden aus München und Warschau je 1 Todesfall, aus dem Regierungsbezirk Aurich 2 Ei krankungen, sowie aus Berlin 1 Erkrankung an epide« Mischer Genickstarre gemeldet. Dcm Keuchhusten erlagen in London mehr, in Berlm und London die gleiche Zahl von Kinoern wie in der Vorwoche. Neue Erkrankungen kamen aus Hamburg, Wien, Kopenhagen in geringerer Zahl zur Mitthei- luna.— Rosenartioc Entzündungen des Zellgewebes der Haut blieben selten. Todesfälle an Pocken kamen aus Lyon 2, aus Venedig 3, aus Paris 6, aus Warschau 11 zur Mittheilung; neue Erkrankungen wurden nur aus Budapest(1) gemeldet. — Die Cholera in Mesopotamien macht weitere Fortschritte; aus Bassora wurden vom 6. bis 19. August 262, aus Bag- dad, um die Mitte August, eine größere Zahl von Todesfällen mitgetheilt. Der Gesundheitsstand in Berlin blieb auch in dieser Be- richtSwoche ein ziemlich günstiger und die Sterblichkeit eme niedrige. Noch immer kamen Darmkatarrhe und sBrechdurchfälle der Kinder in größerer Zahl als sonst um diese Jahreszeit zum Vorschein und lührten auch in ansehnlicher Zahl(in 109 Fällen gegen 113 der Vorwoche) zum Tode, so daß der Antheil des Säuglingsalters an der Sterblichkeit nur wenig kleiner als in der Vorwoche wurde. Dagegen traten akute Entzündungen der AthmunqSorgane seltener aus und führten auch in geringerer Zahl zum Tode.— Von den Infektionskrankheiten zeigten sich Masern nur in wenigen Fällen. Dagegen wurden von typhösen Fiebern, Scharlach und Diphthcne envas mchr Eikrankungcn zur Anzeige g- bracht und»war zeigten sich Eikrankungcn an Scharlach in Moabit, an Diphtherie in der Luisenstädlischcn und Rosenthaler Vorstadt, sowie im Stralauer Vieitel am zahl- reicksten. Eikrankungcn am Wochenbetlfieber wurden seltener bekannt, roscnartige Entzündungen des Zcllaewtbes der Haut dagegen kamen etwas häufiger zur ärztlichen Behandlung; auch 1 Erkrankung an epidemischer Genickstarre wurde berichtet.— Elkcankungen an Keuchhusten kamen nicht häusig zm anllichc Beobachtung, die Zahl der durch ihn hervorgerufenen 2*«' fälle blieb die gleich niedrige wie in der Vorwoche(6>- matische Beschwerden aller Art zeigten gegen die Vorwoche kw wesentliche Veränderung.,. � polizeib-richt. Am 11. d. M. Nachmittag« fiel auf°t« Neubau Polsdamerstr. 61 dcm Steinträger Svnntafl, ats eben die Leiter bestiegen hatte, aus der vierten Etage« Mauerstein auf den Kopf und verletzte ihn so bedeutend, om er nack dcm Elisabeth-Krankenhaule gebracht werden ss'/. Um dieselbe Zeit brachte der Stein druckcr-Lehrlivg Wayw, welcher vor dem Hause Rathenowerstr. 50 mit einem � barschen in Streit gerathen war, diesem mittelst eine« messerS eine nicht unbedeutende Verletzung am Oberarm°- fo daß demselben in dem Krankenhause in Moabit ein Verva angelegt werden mußte.— Am II. d. M. Nachmittag« sich an der Ecke der Wall- und Jnselstraße ein wM1 mittelst eines Revolver«. Die Leiche wurde nach dem ls?a- Hause geschafft. Thraker. Berliner Theater. Mittwoch, den 1 l. September. Kaufmann von Venedig. Schauspiel in fünf Akten von W'.u>°* Shakespare.. Gegen die vorjährige Darstellung des Kaufmanns° Venedig auf der Barnay'fchen Bühne ist die neue em schritt. Ganz abgesehen von technischen und szenischen besserungen ist der Hauvtvorzug der diesmaligen AunnW*' gegen die alte der, daß Herr Haase nicht mehr den Sh? giebt. Herr Hagle mag vor Jahren ein vorzüglicher spielcr gewesen fein, das soll hier gar nicht bestritten wer?' Augenblicklich ist er aber eine Ruine. Solche Ruinen wo� historisch recht interessant sein, man wohnt aber nicht M'j in ihnen. Dem Haase'sihen Shylock ist natürlich da« niw meine Schicksal seines Schöpfers nicht erspart stiblieben.' ist erstarrt und versteinert, die Manieriertheit hat ihn um? bracht, und alle Mützchen und Künsteleien konnten ih� ü Hauch der Jugend nicht mehr anlügen.„».Jnfc Herr Gustav Kober, der jetzt den Shylock giebt, hat sich*? noch viel zu lernen und viel an seiner Ausgabe zu«veu Seine Darstellung ist unaleichmäßiq: übertrieben„ dielen, farblos an icnen Stellen; in Hauptmomcnten m' nicht selbstständig genug und lehnt sich merkbar an Vorduo' allerdings an gute Vorbilder an. Die Behandlung der©in® macht dem Künstler noch Schwierigkeiten. An einzelnen®1;(t „jüdelt" er zu sehr, an anderen aber vergißt er ganz, da« das„Jüdeln"— ob mit Recht oder Unrecht soll hier nicht(M sagt werden— zu den Wesenheiten des venetianischen«ä«™ Wucherers genommen hat. Zwischendurch gelingen ihm w«' volle Würfe, meisterhafte Verkörperungen der Gestalt,.j® aber seinen Shylock besonders vor dem Haaseschen auSze"*"' das ist die frische Lebendigkeit und Wärme, die ihn Mm hat. Das erkannte auch das Publikum an, denn es Herrn Kober besonders aus.„ Was die weiteren Neubesetzungen anbetrifft, so war V Kraußneck etwas zu sehr Oihello und sollt« doch nur der P'• von Marokko sein. Herr Basil gab den Baffanio mit der � kömmtichen edlen Stimme und Haltung, bot aber nicht« sonderes. Herr Julius Rollet(Lorenzo) und Frl. Pallatichcck(Jessika) waren ein Paar, aber kein sctöneS. VL Barnay sollte beiden Spiachunterricht ertheilen lassen. � Gertihks-Istkung. Von de« Entscheidunge« de« Wbefucrwalttt««� geeicht« in Steueesacheu, welche besonders die Stadl B« � interefsiren und in dem Gemeinde-Verwaltungsbericht einer« örterung unterzogen werven, haben wir küizlich schon bemcrkenswerthe mitgetheilt. Hervorzuheben ist auck solgfno Präjudiz:„Wenn ein Abgabepflichtiger in mehreren Gemeino vollständig eingerichtete Wohnungen unterhält und diesoo regelmäßig abwechselnd benutzt, so ist die Annohme«nc doppelten Wohnsitzes durch den Umstand nicht a»-� geschlossen, daß er auch während des Aufenthalts in der e>?' Gemeinde in der anderen ausschließlich seine BerusStha."� keit ha! und persönlich ununterbrochen fortsetzt, vorau«gc>'»' daß die Absicht zur Begründung eines zweiten Wohnsitze«' sichtlich ist."— Die praktische Anwendung dieses PröliiW), hat speziell für die Stadtgemeinde Berlin in steuerlicher» ziehung insofern nicht unerhebliche materielle Nachtbeil« i Folge, als die Voraussetzungen desselben gerade auf hiesige wohner sehr häufig zutreffen und infolge dessen die hierauf i veranlagte Gemeinde- Einkommensteuer um den auswärts o hobencn Jahresbetrag der letzteren ermäßigt wenden muß, � für Berlin einen SteuerauSfall von immerhin mehreren lauir» Mark dedeutet.- Die Frage, ob die beim hiesigen Land- ur' Kammergericht zugelassenen Rechtsanwälte, welchehiernur Burra räume inne haben, während sie außerhalb Berlins wohnen,� Berlin als Einwohner oder Gewerbetreibende zur Gemcrnr einkommensteuer herangezogen werden dürfen, ist zu Ungund, der Stadt Berlin mit der Ausführung verneint worden, die Thäligkeit der Rechtsanwälte nicht als Gcwelbebetrieb» betrachten, sowie, daß für die Beqründung eines Wohnd» vrt, uu/4«.»'/ rvevrv/ VWD viv«n vuiiy viitta? seitens derselben die Thatsache der Errichtung und Unterbaltu>« eine- Bureaus für sich allein nicht ausreichend sei.— In j treff des Besteuerungsrechtes einer Gemeinde, welches si®,8.», neu üc» ruicv vsrcuicmut./ uicmjtjj den den Zeitraum von drer Monaten übersteigenden Aufen halt eines Censiten in derselben gründet, ist der Giundsotz�� gestellt worden: es sei für die Begründung der Sieucrpst(� aus Seiten des Aufenthaltnehmers nicht erforderlich, daß d«> � dreimonatliche Aufenthalt in das Steuerjahr st> 8 falle, vielmehr genüge eS, daß die im Beginne des Steu jahreS liegende ÄufenthaltSzcit sich als Fortsetzung ds« � vorigen Jahre begonnenen Aufenthaltes darstelle, vorauSgn'd daß der gefammte Aufenthalt die Dauer von drei Moi«� übersteige. Eine interessante Anklage«rege« Vergehen« S'»' da« Uahrungsmittetgeseh hat kürzlich der Plüfun« rt ReichSgericktS unterlegen. Der Inhaber der Firma Joyo Balihasar Noll, Kommcrzienrath Adolf Noll zu Gießen, E vom dortigen Landgericht wegen des genannten Vergehens � 60 Fällen zu einer Gesammistrafe von 6000 Mark verurtv� worden und zwar auf Grund foigenden Thatbestandc«:, Angeklagte beschäftigt sich in der Hauptsache mit der Fode� tion von Zigarren, nur nebenbei treibt er auch einen mit Safran. Er hat stets Valencia- Safran, der als 4®'�. Qualität gilt, und auf einer Handmühle mahlen lassen. D» Vermischung mit anderen Stoffen stellte er fillher zehn 0 t schieden« Sorten her, in den letzten fünf Jahren siiha« jedoch nur zwei Marken, nämlich„Allerfeinsten gemahlen � Käse- Safran" und„zweite Qualität" sogenannten„F- Safran". Die Fabrikation geschah alle drei Wochen, und Gehilfe mußte dabei nach einem geschriebenen Rezepldu« einem alten Erbstücke, die einzelnen Bestandtheile nbwifl!. Diese Stoffe waren Saflor, Tonkabohnen, Kandis, Manve Cochenille� Berliner Roih, Thonerde und Rückstände von Sastr. Ende 1886 offerirte eine Frankfurter Firma Herrn Noll. c � Sorte Safian. Er bestellte eine größere Ouaniilät von „echten, unbeschwerten Pcima-Valcncia-Sasran" und erhicU Waare unter diesem Titel auch fakturirt. Der Safian war M v Vi Vitien Blechbüchsen nnd kam d:rekt aus Spanien. Als die Waare ?» beschriebenen Weise verarbeitet worden, und zum Theil an Kunden Noll'S abgegeben war, beschwerte sich einer der «-«Pfanger über die schlechte Qualität. Herr Noll ließ darauf spanische Originalwaare von einem Apotheker untersuchen und mußte hören, daß 20 pCt Schwerspath sich in dem Safran «chmden. Der Angeklagte schrieb nun an die Frankfurter stow, er verlange Zurücknahme des Safrans oder Schaden- M. Die Firma war schließlich zu letzterem bereit, indem sie ?UTO Nachlaß im Kaufpreise eintreten lreß und der Angeklagte Ukhielt den verfälschten Safran, den er inzwischen noch ein- M verfälscht hatte. Bis auf eine kleine Quantität, die schließ- beschlagnahmt wurde, hat er dann die ganze verfälschte �toare verkauft. Das Landgericht zu Gießen hielt dem- Wttwß für erwiesen, daß der Angeklagte in den Jahren 1883 bis 1888 durch verschiedene seldstständige Handlungen »um Zwecke der Täuschung ,m Handel und Verkehr. Safran. «m Genußmittel, durch andere Zulätze verfälscht und wissend, der Safran verfälscht war, denselben unter Verschweigung °!«ses Umltandes verkauft habe. Die Hauptbcstandtheile des ?mr-n sind ein ätherisches Oel und ein sehr intensiver Färb FW. Die anderen vom Angeklagten benutzten Stoffe sind be "flltend billiger. Die Tonkabohnen müssen das dem Saflor TOlende Aroma ersetzen. Heber die Frage, ob der Safran als wnußmitlel anzusehen sei, sprach das Urtbeil sich folgender- maßen aus: Ein Genußmittel ist jeder Stoff, der vom Mcn- Fm genossen wird und im Gegensatz zu Nahrungsmitteln oen Appetit anregt und befördert. Der Safran ist «TOTOchst offizinell. im rechtsrheinischen Bayern wird « als Würze von Speisen benutzt, endlich dient er als Färbe- 'Miel, hauptsächlich bei der Käsefabrikation. Im Zolltarif ist er Fter die Gewürze gerechnet, er gehört zu diesen auch seiner TONeren Beschaffenheit nach, namentlich da er ein ätherisches Y" enthält, das wie alle feineren Oele auf die Geruchsorgane wirkt. Der Angeklagte kann sich nicht darauf berufen, daß er me Verwendung als Gewürz nicht gekannt und den Safran ?ur für ein Färbemittel gehalten habe, denn er nannte ja seine Ue Sorte Käsesafran, wußte also, daß der Safran mensch- «n Speisen beigefügt und genossen wird. Es handelt '*"älschung. da eine aare vorgenommen sil hier um"eine wirkliche mdstantielle Veränderung der.. n.-, wurde. Der Angeklagte hat mit dreser Fabrikat, on Absicht der Täuschung deutlich an den Tag gelegt. Er sich auch nicht darauf berufen� daß die Kaufer de, dem die, kann qtdngen Preise hätten merken müssen, daß sie keine reine zuaare bekommen; denn das Gesetz hat die Konsumenten im M, die die Waare doch noch bedeutend theurer bezahlen «usten, als die Wiederverkäufer, an welche allein der Ange- rt,?',«. lieferte. Strafschärfend kam in Betracht der unsolide kla« trieb, die notorisch gute Vermögenslage des Ange- »gtm, und der außerordentliche Minderwerth der Surrogate. >, Die Revision des Angeklagten behauptete, der subjektive yatdestand sei nicht erschöpft worden, das Reichsgericht ver- öründe�dessen""ch der„L.©.«Ztg." die Revision als unbe- Spitzbube aus..Kildungodrang" stand gestern n ver Person des Paul Matlhiß vor der vierten Ferienstraf- mtntx des hiesigen Landgerichts l. Der noch nicht ganz .'lahriae junge Mensch entstammt einer„anständigen" Familie, «ren Mitglieder gestern im Zuschauerraum Thränen der Scham aj Verzweiflung über den vom Angeklagten begangenen �«"rauensbruch vergossen. Letzterer war schon Jahre lang dem Silberwaarenfabiikanten Fadderjahn in der >ehre und sollte binnen Kurzem ausgelernt haben. Er sich bis dahin fleiß'g und ordentlich gezeigt. �troeih aber schließlich einen solchen Hang zur Lüderlichkeit, aB der eigene Vater schriftlich den Lehrherrn bat u[ den Sohn recht strenge Acht zu haben, da derselbe ssss schlechte Wege zu gerathen scheine. Herr Fadderjahn /weit durch diese Mlttheilung die Lösung eines Räthsels, ?>!«, Erklärung ihm bis dahin noch nicht gelungen war. Z* hatte nämlich schon seit einiger Zeit die Wahrnehmung zu Mchen geglaubt, daß aus seinem verschlossenen Pulte größere f?"dsummen in rälhselhafter Weise verschwanden: da er aber mner Sache nicht ganz sicher war, konnie sich auch auf Nie- wind ein bestimmter Verdacht lenken. Nunmehr war es ihm ??«r klar, daß sein Lehrling der Spitzbube sein müsse und als TOrser eines Tages ohne triftigen Grund von der Arbeit fort- �blieben war, ließ der Lehrherr den verschlossenen Arbeitskasten M Angeklagten öffnen und fand in demselben nicht nur einen aus Mloer gearbeiteten Schlüssel, welcher zu dem Pulte paßte, Mdern auch noch eine Summe von 700 M. in Zwanzigmark- {Wen vor. Der Junge gestand denn auch bald ein. daß er "Q den Schlüssel aus dem vorhandenen Silbermaterial an- ««lerligt und mindestens achtmal dem Pulte des Lehiherrn «l»en heimlichen Besuch abgestaltet und eine Summe von jJTOa iooo SR. gestohlen habe. Er wiederholte gestern dieses Wtändniß unter Thränen vor dem Gerichtshofe und gab zu «TOer Entschuldigung an, daß er einem unwiderstehlichen Orange gefolgt sei. Er habe die Absicht gehabt, pach der binnen Kurzem bevorstehenden Beendigung seiner Urzeit, sich noch recht tüchtig auszubilden; es habe TOTO vorgeschwebt, daß er dazu WS Ausland gehen .TO verschiedene Kunststätten besuchen müsse, und um ■rozu sähig zu sein, habe er nach und nach die Diebstähle be- Fugen und die Gelder in seinem Arbeitskasten aufgespeichert. .p Der Staatsanwalt beantragte wegen des groben Vertrauens- Fuchcs und der Höhe der gestohlenen Summe eine Gesängniß- Nase von 1 Jahr 6 Monaten, während der Vertheidiger, srochtsanwalt Dr. JverS, dem Kollegium ans Herz legte, Fs doch immethm nicht unedle Motiv, welches den Angeklagten F'TOtet, zu berücksichtigen. Der Gerichtshof verurlheilte den ."«rbieudeien jungen Menschen, den seine Familie nunmehr ver- TO gegeben hat, zu 1 Jahr3 Monaten Gesängniß. Soziale Mteberflchk. >■ Achtung! Rletall schrauben- und Farondreher: Die p,, TOa Dähne u. Co., Reichenbergcrstr. 47, stellt von jetzt ab ur noch jugendliche Arbeiter ein. Der Vorstand des Fach- ZuKsTO der Metallschrauben- und Facondreher hat infolge dessen �|TOi offen, über genannte Firma die Sperre zu verhängen. >»!. Kollegen sind strengstens ersucht, dort nicht um Arbeit an- 1 tragen. Der Chef der Finna versucht dieselbe Tendenz auch � anderen Fabriken einzuführen, wo er ältere Arbeiter von der die o an Maschinen zu entfernen trachtet. Gleichzeitig weiden di.?°�«gen darauf aufmerksam gemacht, daß die Sperre über rtinna Heinacker. Aleranderftr. 26, noch besteht. b A«fr«f an dir Arrchslrr uud Krrufsgruosfr» her*' treten heute mit der Aufforderung an Euch van' e'n non Guch gegründetes Werk zu unterstützen und zur l�TO Entwicklung und Blüthe zu bringen. Seit dem Jahre koff. st«ht in Hamburg eine Zentral-Kranken- und Steibe- se,.a Drechsler(E. H.), durch unglückliche Kassenvei Hältnisse ob«, vielfach ausgeschieden oder ganz fern geblieben. Da «\der Stand unserer Kasse jetzt ein ausgezeichneter ist, fodaß „j-f TO der Lage waren, das Krankengeld zu erhöhen, so treten ber cj�wials mit der Aufforderung an Euch heran. Mitglieder Wisj. oTOiralfassc zu werden. Jeder von Euch sollte eine gc- fei. darin suchen. Mitglied einer freien Hilfskasse zu 33eis weist Euer SolidaritätSgefühl dadurch, daß Ihr die Z"TOge. die Ihr für die Allgemeinheit leistet, gern und ohne jPFirg bezahlt. Die Abmeldung von der Ortekasse muß bis 28. September geschehen und dem Vorfitzenden MTOinger per eingeschriebenen Brief zugeschickt 'TO schreibt; Herrn werden er An Herrn D e i n i n g e r, Vorsitzender der Ortskrankenkasse der Drechsler Hier Waldemarstrabe 3l. Der Unterzeichnete erklärt, daß er vom I. Januar k. I., aus der Ortskrankenkasse der Drechsler, der angehört, austreten will. Nr. des Kassenbuches... Name... Arbeitet bei.... Stand... Wohnung.. Die Aufnahmen erfolgen alle Sonnabend Abend von 8 bis 10 Uhr, in folgenden Zahlstellen, auch wird dort gern jede weitere Auskunft ertheilt: Naunynstr. 78 pari, bei Winzer; Langestr. 34 bei Giersch; Skalitzerstr. 65 bei Thiemermann; Reichenbergcrstr. 16 bei Pätzold; Prinzen str. 50 bei Lange; Zossenerstr. 35 bei Talge; Siallschreiberstr. 4t— 42 bei Schwarz; Kl. Hamburgerftr. 27(Ecke Elsasserstraße) bei Witschow; Göll now- und Weinstraßm-Ecke bei Redlich; Feldstraße 8 bei Bachernick. Mit kollegialischem Gruß A. Werdermann. Langestr. 62; C. Hartmann, Reichenbergcrstr. 10; I. W e r w i tz, Schleiermacherstr. 12; M. Schmädicke, Veteranenstr. tt. Devfrrrttrrrlurrrzen. Der Uerei« zur Wahrung der Interessen der Lackirer hielt am 9. September eine gut besuchte Mitglieder Versammlung in Wullschläger's Salon, Blumenstraße 73, ab Zum ersten Punkt der Tagesordnung:„Ueber Unfall im Gr werbe und auf welche Weise kann sich der Arbeiter dagegen schützen" hatte Kollege Schüßler das Referat übernommen. Derselbe führte aus: Seitdem die Großproduktion in Auf. schwung kam. das heißt seitdem die Arbeit in die Hände des Kapitals gefallen war, ist auch gleichzeitig mit ihr die Maschine eingeführt worden. Durch die kapitalistische Produktionsweise ist nun der Arbeiter nicht blos an physischer Kraft und in ma- terieller Hinsicht geschädigt, sondern er ist auch mehr und mehr der drohenden Lebensgefahr ausgesetzt. Redner meinte, die Schädigung der physischen Kraft und der materiellen Lage ist hauptsächlich durch die Akkordarbeit bedingt, denn die Akkord- arbeit ist dazu angelhan, die Kraft des Arbeiters vollends zu vernichten, und zwar in der Weise, daß man den Arbeiter an- fangö einen einigermaßen auskömmlichen Lohn zukommen läßt, bis die Arbeitskraft voll und ganz erprobt ist, und dann Schlag auf Schlag die Reduzirung des Lohnes folgen läßt. Auf diese Weise ist nun der Arbeiter gezwungen, bei unausgesetzter schwerer, angestrengter Arbeit von früh bis spät für einen karg lichen Lohn zu arbeiten, der nicht das nothdürftigste zum Leben« unterhalt ergiebt. Daher kommt es denn, daß der Körper des Arbeiters erschlafft, und er den Unfall, der ihn bedroht, oft- mals erst gewahr wird, wenn es zu spät ist. Redner meinte nun, daß all die Schutzvorrichtungen vor den Unfällen nicht schützen, wenn man nicht den Arbeitern eine genügende Ga- rantie für eine geregelte Minimalarbeitszeit biete. Hier müssen die Arbeiter selbst Hand anlegen und sich organisiren. Redner forderte auf, daß die Kollegen alle sich dem Verein anschließen mögen.— Die hierauf folgende Diskussion war eine animirte und kam das Thema zur vollen Erledigung. Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Sämmt.iche anwesende Kollegen verpflichten sich, da sie eine feste Organisation als das einzige Mittel ansehen, unsere Lage zu verbessern, dem Verein zur Wahrung der Interessen der Lackirer beizutreten und in Kollegen-Kreisen dahin zu agitiren, daß ein Jeder dem Vereine beitritt. Kollege Anders erstattete nun Bericht über den Arbeitsnachweis und wurden Stellen von Arbeitsgebern eingesandt 22t, darunter 152 Wagenlackirer und 7 Blechlackirer. 6 t Stellen nach Außerhalb. Arbeit- suchende Kollegen waren 159, darunter 54 Vereinsmitglieder, 105 außer dem Verein stehende Kollegen, besetzt wurden 150 Stellen, unbesetzt blieben 71. Zu Verschiedene« wurde das Verhalten der Kollegen zum Arbeitsnachweis gehörig krilisirt. Kollege Koppe führte Beschwerde über das Verhalten der Meister, daß, wenn sie zum Arbeitsnachweis schicken, sie auch zu gleicher Zeit in der Zeitung anonziren und dann die Gehülfen vom Arbeitsnachweis nicht nähmen. Hierin möchte Abhilfe ge- schaffen werden. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Kollegen auf, zahlreich auf Arbeiterblätter zu abonniren und zwar auf das..Berliner Voltsblatt" und„Volks-Tribüne". Auch wurde noch darauf hingewiesen, daß man die Lokale, in welche der Wirlh keine Arberterversammlung abhalten läßt, zu meiden hätte. Hierauf Schluß der Versammlung um 12 Ubr. Kine Keneral-Mitglieder-Derlammlung der freien Vereinigung der Maurer Krrtin« und Umgegend fand am 8. d. M., in Scheffer'S Salon, Jnselstr. 10, statt. Zum ersten Punkt:„Volkserziehung, früher und jetzt" referirte Kollege Julius Wernau und leitete seinen Vortrag mit dem Spruch Abraham Lincolns ein: Die Menschen sollen weder Herren noch Knechte sein, denn alle Menschen sind zur Freiheit geboren unb meinte, daß in einem Gesellschaftszustand, wo die Arbeitsmittel Monopole der Kapitalistenklasse sind, dieser Zu» stand nicht denkbar ist. Dieses könne nur in einem Staats- wesen der Fall sein, welches auf Freiheit, Gleichheit und Brü< derlichkeit beruht, wo die Arbeitspflicht für Jeden und die Konsumtion der Allgemeinheit die Regel ist. Einer der größten Denker de« AlterthumS Aristoteles, theilte bas ganze Menschen- geschlecht in 2 Klassen: Freie Menschen und Sklavennaturen. Die Hellenen behaupteten, sie wären vermöge ihrer Natur bestimmt zum herrschen, die barbarischen Rassen dagegen, beherrscht zu werden, und zur Sklavenarbeit geeignet. Sklaverei aber und Sklavenarbeit hielt er für eine soziale Nothwendigkeit. Wenn aber der freie Bürger für seinen Lebensunterhalt zu sorgen ver- pflichtet sei, wo solle er denn Zeit und Muße bekommen, die Staatsgeschäfte zu besorgen? Und doch finde man bei Aristo- teleS eine sonderbare Anschauungsweise, daß es möglich wäre, ohne Sklavenarbeit fertig werden zu können. Er schreibt da- rüber: wenn ein unbeseeltes Werkzeug erfunden würde, welches die Dienste der Sklaven verrichtet, oder aber nach Befehl oder den Befehl vorausahnte, die Arbeit zu verrichten, dann brauch- ten weder die Herren Sklaven, noch die Werkmeister Gehilfen und doch hätten sich nach dieser Richtung hin die Zustände ent- wickelt auf die natürlichste Art von der Welt, ohne die Hilfe der Götter. Durch Einsichtnahme und Nutzbarmachung der Natur- kräste wäre die Technik auf eine derartige Stufe gelangt, daß da«, was Aristoteles nur ahnte, eingetreten wäre. Doch wie hätten sich die Dinge gestaltet? Während bei der heutigen kapitalistischen Produktionsweise der Nationalreichlhum unge- Heuer gestiegen wäre, trete die Proletarisirung der Massen immer schrecklicher zu Tage. Würde man nun den Aristoteli- schen Phantafietraum weiter verfolgen und nähme man an, in einer späteren Gesellschaft wären sämmtliche Arbeitsmittel, so- wie Grund und Boden in Sonderbesitz übergegangen, die Technik wäre auf eine derartige Höhe gelangt, daß die Arbeit mittelst der Maschine angefertigt würde, oder aber nur kleine Handreichungen dazu nothwendig wären, das Großkapital ver« möge seiner Anziehungskraft hätte sämmtliche Kon- kurrenten aus dem Felde geschlagen, so daß es nur noch einzelne Wenige gäbe, welche im Besitz der Arbeitsmittel sich befänden, und zwar nach der heutigen Anschauungsweise von Rechtswegen, was bliebe der Masse weiter übrig, entweder Hungers zu sterben oder die Zustände, sei es durch List odcr durch Gewalt zu ihren Gunsten umzugestalten. Mancher würde sagen, es wäre ein utopistisches Schreckdild; er gebe das zu, aber nicht des- wegen; weil die Sache an sich undenkbar wäre, sondern w il e« vernünftige Menschen unmöglich soweit kommen lassen wer» den. und doch brächten uns die geschilderten Verhältnisse diesem Zustand von Tag zu Tag näher. Die französische Revolution von 1789 hätte zwar jedes Herrscherrecht über jeden Menschen aufgehoben und doch wäre heute jeder Arbeiter nichts weniger, denn frei. Dort predige man schon Jahrhunderte lang oie Brüderlichkeit, hier solle der Arbeiter bald dafür sorgen, daß dieses zur Wahrheit würde. Redner charaklerisirte nun im weiteren das heutige herrschende System und führte als Zeugen Robert Oven an, wie derselbe in der Einigkeit der Menschheit die besseren Zustände erblicke, während heut in der Herrschsucht der befitzenden Klasse alle grundlegen» den Reformen scheitern müßten; und doch könne man sagen, es wohne ein Geist des Guten in dem Uebel; das herrschende Jndustriesyftem gab den ersten Anstoß zur Beseitigung des von ihm selbst erzeugten UebelS. Wie der Mensch die eigenen Ge- sichtSzüge durch den Spiegel kennen lernt, so erblicke auch der Lohnarbeiter in dem Massenelend seiner Leidensgefährten das Spiegelbild seines eigenen Elends und zum Eikennen desselben hätte die Arbeiterbewegung der letzten 40 Jahre beigetragen. Um das Klassenbewußtsein des Arbeiter« zu wecken, durch Gründung von Ve; einen aller Art, sowie durch Pflege der Solidarität könne der Ausbeutungssucht der Kapital, sten ein Damm entgegengesetzt werden. Wer für die Zeichen der Zeit ein offenes Auge hat und die Geschichte kenne, wird die Einsicht gewonnen haben, daß die Ein- führung der genossenschaftlichen Produktionsweise eine ab- solute Nothwendigkeit ist. Wohl zeige uns die Geschichte, daß die Entwickelung nicht immer auf friedlichem Wege vor sich gegangen ist, daß wir durch Eruptionen»u dem heutige» Zu- stand gelangt sind. Nicht hätten die Arbeilermassen daran Schuld, wenn die weitere Entwickelung auf friedlichem Wege nicht vorwärts geht; man solle endlich der Stimmung Rech» nung tragen, welche selbst schon in den höchsten Kreisen zu finden ist, welche zu gründlichen Reformen mahne»; die Arbeiter dürfen sich aber nicht verhehlen, daß von keiner anderm Seite irgendwie etwas zu erwarten wäre; hierin sollen sie ihre eigenen Wege gehn. Zweierlei Zwecke kann ein Arbeiter verfolgen, wenn er sich einer Organisation anschließt, entweder sein besonderes Gewerbe o?er die Lage der gesammten Arbeiterklasse zu heben, und hier in letzterer müsse der Arbeiter versuchen, daß er zur politische» Macht gelangt. Wohl müsse man sich wundern, daß die M> Hr. zahl der Arbeiter ihren eigenen Interessen sehr indifferent gegen- über steht: allerdings, wenn man die Verdummung der Mass.-» systematisch betreibt, und wie man wisse, daß in dieser Be» ziehung Jahrhunderte lang Staat und Kirche--—.Ich löse die Versammlung auf!" ertönte die Stimme des iitzei» wachenden Beamten, und ruhig verließen sämmtliche Anwesende das Lokal. Geffeutliche Schneideruersammlung. Am Dienstag, den 10. d. M., tagie in Gratweil's Bierhallen eine öffenilicke Schneiderversammlung mit der Taget ordrnrng: Wie ve> sichert sich der Arbeiter am besten in Krankheitsfällen. Das Referat hierzu hatte Herr Zubeil übernommen. Ins Bureau ww dnr gewählt die Kollegen Schulz, erster, Dammann, zweiter Vor- sitzender, und Zander, Schriftführer. Der Referent, welchem zuerst zu seinem Vortrag das Wort ertheilt wird, geht auf die verschiedenen vom Geletz zugelassenen Krankenkassen ein, wie Gemeinde-, OrlS-, Fabrik?- und KnappschaftSkaffcn, und kommt zuletzt auf die freien Hilfskassen zu sprechen. Er macht auf die verschiedenen Mängel, welche den erstgenannten Kassen anhasten, aufmerksam und empfiehlt zum Schluß seines beifällig oufge- nommenen Vortrages für jeden denkenden Arbeiter die frereir Hilfskassen, da diese Kassen nicht allein jedem Mitgliede dag Recht geben, mit zu rathen. sondern auch mit zu thaten. Auch in jeder anderen Hinsicht sind dieselben zu empfehlen, indem derartige Kassen über ganz Deutschland Zahlstellen eingerichtet haben, somit es jedem Mitgliede sreisteht, sein Domizil aufzu- schlagen, wo er will, er bleibt immer Mitglied und bebält auch eine Rechte als solche«, was aber bei ollen anderen Kassen nicht der Fall ist. Redner streift noch verschiedene Fälle, welche es Jedem verleiden müßten. Mitglied einer Ortskasse u. dergl. zu sei». Daß die freien Hilfskassen ihrer Aufgabe gewachsen finv und gut verwaltet werden, das beweist der Ausspruch eines höhere« Staatsbeamten, welcher vor einigen Jahren den Ortskassen diese als Muster in ihrer Verwaltung hinstellte. Au« all Diesem geht hervor, daß der Arbeiter gelernt hat, mit Zahlen umzu- gehen und da heut zu Tage nur noch Zahlen beweisen, so fordere er(Redner) jeden auf, welcher noch einer andern als einer freien Hilfskasse angehört, den 1. Okiober nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen, und der freien Hilfskasse sich anzu- schließen. Reicher Beifall lohnte den Redner. In der Drs- kussion. an welcher sich verschiedene Kollegen bctheiligen, wird im Wesentlichen auf das vom Referenten angeführte einge- gangen uud namentlich für unser Gewerbe der Kranken». u n t e r st ü tz u n g s b u n d der Schneider mit dem Sitz in Braunschweig, welcher auch Kürschner. Posamentirer und Hand- schuhmacher aufnimmt, angelegentlichst empfohlen und darauf aufmerksam gemacht, daß das Bureau der diesigen Zahlstelle sich Krausenstr. 11 befindet und von früh 8 bis Mittag 1 Uhr alle Tage geöffnet ist. Gegen die freien Hilfskassen wird von keiner Seite gesprochen, nur meinte Kollege Oh'a, daß diese Kassen insofern noch mangelhaft sind, als sie Kollegen, welche beabsichtigen, Mitglied zu werden, aber mit einem körperlichen Fehler behastet sind, wie Krüppelfüße u. dergl.«in- fach zurückweisen, wie es ihm gegangen ist. Dieses wird vom Kollegen Schulz dahin aufgeklärt, daß es jetzt nach den Berathungen der letzten Generaloersammlung wohl anders werden wird, da ein Passus im Statut dahin umgeändert wurde, daß nicht mehr ein völliges Gcsundheiis- Attest verlangt wird. Eine Resolution, welche inzwischen ob- gegeben und zur Verlesung kommt hat folgenden Wortlaut; „Die heule in Gratweil's Bierhollen tagende öffentliche Schrei- deroerfammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Re> ferenten sowie der übrigen Redner voll und ganz einverstanden und verspricht: 1. Für die Interessen der eingeschriebenen Hilf«- kasse der Schneider:c. einzutreten. 2. Verpflichte» sich die Anwesenden, die Indifferenten aufzuklären und der Hilfskasse zuzuführen. 3. Diejenigen, welche der Orts kasse angehören. aufzufordern, aus derselben auszutreten." Die Resolution wird einstimmig angenommen, zugleich aber auch vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß es mit dem bloßen Handhock- heben nicht gethan ist, sondern daß auch ein Jeder das Be» wußtsein haben muß. was er verspricht zu halten, und daß es daher Pflicht eines Jeden ist, für unsere Kasse Mitglieder zu werben und die Interessen derselben überall dort zu vertreten, wo es angebracht ist. Bevor die Versammlung auseinandei geht, macht Kollege Steinmar noch: darauf aufmerksam. daß zwei Kollegen außerhalb, wegen Ihrer Zugebwig- keit zum deutschen Schneiderverband von ihren Unter- nehmern gemaßreaelt wurden. Derselbe empfiehlt eine Teller- sammlung für diese Kollegen vorzunehmen, um so die für ihr« Uebernugung brotlos gewordenen Kollegen zu unterstütze,'. Der Vorsitzende Schulz schließt sich dem an. indem er noch darauf hinweist, daß Männer, welche den Muth haben, trotz der auger- blicklich stillen Zeit, dem Unternehmer Trotz zu bieten und ter Aufforderung desselben, aus der Vereinigung auszuscheiden. nicht Folge leisten, sondern lieber sich auf die Heerstraße wer ferr lassen, daß solche Kollegen wohl verdienen, unterstützt zu werd,n. Unter großem Beifall wurde die Versammlung sodann ge- schlössen. Der Verband deutscher Zimmerleute, Fokal» er- band Herlin, hielt am II. d. M. im Saale der Aller» Brauerei(Gesundbrunnen) eine gut besuchte Versammlung ab. Nachdem sich dieselbe an Stelle des abwesenden zweiten Vor- sitzenden den Kameraden O r t l a n d für den Versammlungs- abenb gewählt und das P'v'okoll der letzlcn Versammlung an- genommen hatte, trat die Versammlung in die Tagesordnung »in. Der erste Punkt derselben, Vortrag des Herrn Türk ütier die französische Revolution wurde später erörtert, da der Re- ferent erst später erscheinen konnte. Zur Verhandlung kam demnach der Punkt„Verschiedenes". Hierzu bemerkte Herr I S ck e l(Vorsitzender), daß er vernommen, die Unternehmer hätten den Beschluß gefaßt, den Stundenlohn der Zimmerge- sellen vom 1. Oktober d. I. ab auf 50 P f g. herunterzuschrau- im und die zehnstündige Arbeitszeit wieder einzuführen und bat die Versammlung, sich hierüber auszusprechen. Herr Seitzt hielt es ebenso für angezeigt, dem Vorstande eine Direktive für eine event. Stellungnahme zu diesem Beschlüsse zu geben, da es sonst dahin kommen würde, daß der Stunden- lohn noch mehr herabgedrückt werde. Die Angelegenheit wird in der nächsten Generalversammlung näher erörtert werden.— Eine diesbezügliche Anfrage beantwortete Herr I ä ck e l dahin, daß die drei Beauftragten ihr Amt noch nicht niedergelegt haben, sondern noch in Funktion sich befänden, und daß mit brn Fragebogen, welche s. Z. ausgegeben wurden, keinerlei Resultat erzielt worden sei. Da unterdessen der Referent, Herr Türk, erschien, so wurde die Debatte abgebrochen und Herr Türk hielt nunmehr seinen Vortrag und wurde der Vor- tragende mit wohlverdientem reichen Beifall belohnt.— Nachdem wurde der unterbrochene Punkt„Verschiedenes" wieder aufgenommen. Herr Leonhardt kam noch einmal auf den vorgedachten Beschluß der Unternehmerschaft zurück. Er war der Meinung, daß durch den diesjährigen Streik nur halbe Arbeit gethan worden fei, daß auf dem eingeschlagenen W-ge zur allgemeinen Durchführung des neunstündigen Arbeitstages und eines Stundenlohnes von 60 Pf. weiter fortgeschritten merden müsse und beantragte er, in kürzester Zeit eine öffent- liche Versammlung der Zimmerleute behufs Stellungnahme zu dem Vorhaben der Unternehmer einzuberufen. Herr Weiß versprach sich von öffenllichen Versammlungen keinen Erfolg, hielt Verbandsversammlungen für ausreichend, wünschte aber die monailichen Bezirksversammlungen von 2 auf 4 vermehrt. Der Antrag Leonhardt fand in Herrn Seitzt einen warmen Befürworter, um der großen Masse den Einwand zu benehmen, sie balle keine Gelegenheit gehabt, Stellung zu dem Vorhaben der Arbeitgeber zu nehmen. Die Versammlung beschloß die Ernberufung einer öffentlichen Versammlung zu vorgedachtem Zwecke. Der Ausschluß des Herrn Lehmann aus dem Ver- bände gab zu einer lanoen Debatte Veranlassung, die indessen durch einen von Herrn Marzian gestellten und von der Ver- s-mmlung angenommenen Antrag auf Schluß der Versammlung ihr Ende erreichte. � � Me freie Vereinigung der Lohgerber und Leber- xnrichter Krrtins hielt am Sonntag, den 8. d. M., eine gut vesuchte Versammlung ab. Herr I. Türk hielt einen sehr intcr- rssantm Vortrag über die wirthschaftliche Umwälzung der fran- zösischen Revolution, wofür dem Vortragenden aroßer Beifall Wurde. Zum geschäftlichen Thcil stellte der Vorsitzende den Antrag, die bis j tzt üblich gewesene VerpflezunrSmaike an Fremde nicht mehr zu verabfolgen, da uns bis jetzt ein jeder fremde Zugereiste M. 2.50 kostet. Sämmtliche Redner waren dafür, dre Marken abzuschaffen, da die Vereinskasse zu sehr geschwächt wird. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Nachdem die neuaufgenommenen Mitglieder verlesen, macht der Borsitzende bekannt, daß das Stiftungsfest der freien Hilfskasse und freien Vereinigung am Sonnabend, den 12. Oktober, im Schweizergarten stailffndet und ersucht die Kollegen, sich recht »ahlreich daran zu betheiligen. Zum Schluß ersucht der Vor- sitzende, zur nächsten Versammlung recht zahlreich zu erscheinen, da Vorstandswahl stattfindet. Wir erhalte« folgenbe» Kchreibe«: Geehrte Redatuon! Di« in Ihrer Zeitung Nr. 211 unter Vereinigung der Drechsler Deutschlands aufgenommene Beschreibung der Wertstatt von Gebr. Schüler. Wrangelstr. 60-, entspncht durch. »n« nicht den ihatsächlichen Verbältnrssen und ist durchaus un- richtig. Oder sind es vielleicht Hungerlöhne, wenn die Gesellen bei erner Ss stundigen Arbeits»«! durchschnittlich wöchentlich 23 Ins 27 M. verdienen? Als Beweis dafür, daß die Preise nicht so schlecht sind, diene auch der Umstand, daß die Leute bei uns Jahre lang arbeilen. Auch sind wir bereit, unsere Gesellen- bücher einer Kommission zur Einsicht vorzulegen, damit die- selbe sich selbst von der Uilrichtigkeit der gemachten Behauptung überzeugt. Wir bitten um Aufnahme dieser Berichtigung. Achtungsvoll Gebr. Schüler, Wrangelstr. 60-. NL. Weitere gesetzliche Schritte behalten wir uns vor. Der Verband bentfther MLUrrgrsiellen Filiale Kerlin hielt am 4. September eine gut besuchte Mitglieder. Versammlung ab. Der Vorsitzende Herr Altenkirch eröffnete die Versammlung gegen(9 Uhr. Das Protokoll von der letzten Versammlung wird verlesen und angenommen. Die Tages- ordnuna war folgende: 1. Gewerkschaftliches. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Arbeitsnachweiskommission. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 5. Aufnahme neuer Mitglieder. Da sich zum 1. Punkt der Tagesordnung N-.cmand zum Worte meldete, nahm Herr Altenkwch das Wort über Reismühlen. Er be- richtete über innere Einrichtung, sowie über die Behandlung des Getreides zum Reis, woraus ersichtlich war, daß das Vor- arbeiten von Reis auch für den Arbeiter nicht die gesundeste Beschäftigung ist. Zur Diskussion meldete sich keiner zum Wort. Zum Punkt„Wahl einer Arbeilsnachweiskommisfion" nahm Herr Wille das Wort und führte aus, daß es wohl an der Zeit wäre, für Berlin einen reellen Arbeitsnachweis zu errichten. ES ist wohl vor etlichen Jahren schon eine ähnliche Einrichtung von-dem Vorsitzenden des Vereins deutscher Müllerzunft, C. Bartsch, hier, ins Leben gerufen worden, welche wohl noch manches zu wünschen übrig gelassen hätte. Es hätten Herrn Bartsch wohl viele Kollegen kennen gelernt, aber sie kennen ihn noch lange nickt; er bekam für seine Bemühungen 15 pCt. der Gesammteinnahmen, hatte aber die Stellen an Mitglieder unent- geldlich zu besorgen.(Da ertönte der Ruf aus der Versammlung, es hätte Jemand noch 20 M. extra für eine Stelle bezahlen müssen. Allgememe Entrüstung.) Redner führte weiter aus, trotz dielen hohen Honorars und der Extravergütung ist der Verein mitsammt seinem Vermögen zu Wasser geworden. Redner kritisirte noch scharf die Rechte, welche Herr B. an die Stadt Berlin hat, trotzdem er sich Monteur, Redakteur und Mühlen- JnnungSmeister titulirt. Redner führte weiter aus. daß wir jetzt ein amtliches Organ haben, welches sich„Deutsche Müller- und Mühlenbauer-Zeitung, Amtliches Organ des deutschen MüllerbundeS und der Innungen" titulirt, wo der Herr B. als Redakteur an der Spitze steht. Sollten es sich die Herren JnnungSmeister zur Ehre schätzen, den Mann an der Spitze zu haben? Wir Berliner Müller verzichten darauf, da er uns nur als Herr Bartsch bekannt ist. Ein lebhaftes Bravo lohnte dem Redner für seine Ausführung. Hiernach wurde Herrn Wilke durch Akklamation einstimmig die Stellenvermittlung übertragen, die er ohne Entschädigung besorgen will. Zu Ver- schiedenes erhielt Herr Bruseberg das Wort, er führte in längerer Auseinandersetzung aus, daß die Müller zu wenig Kollegialität besitzen und nicht genügend Agitation treiben. Redner stellte einen Antrag, Sammlungen vorzunehmen, welche zur Agitation verwendet werden tollten. Auch dieses wurde angenommen. Ferner wurde von Herrn Schulz der Antiag eingebracht, unser Veisammlungslokal dort zu suchen, wo die Herren Wirthe ihr Lokal für sämmtliche Versammlungen frei geben, auch dieses wurde mit Freuden begrüßt und soll die nächste Versammlung in der Münzstraße 11 abgehallen werden. Nach Aufnahme neuer Mitglieder schloß der Vorsitzende die Velsimmtung um 11 Uhr. Der Uerei« Kerttner Ha«sdiener hielt am Montag,, den 9. d. M., eine außeiordentl-che Generalversammlung ab welche von ca. 300 Mitgliedern besucht war. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung für ihr zahlreiches Erscheinen gc- dankt hatte, wurden verschiedene Unter slützungsgesuche erledigt. Hierauf ließen sich 29 Kollegen in den Verein ausnehmen. Alsdann waren verschiedene Anträge einaegangen. Zum 1. An- trag, Remuneration der Vorstandsmitglieder, wurden dem ersten Vorsitzenden, dem Schriftführer und Kassirer je 6 M., den Stellvertretern je 3 M. monatlich bewilligt. Zum 2. Antrag, Veränderung des Slellennachweises, wurde eine Kommission von 5 Mitgliedern gewählt, welche die Sache genau-prüfen und in der nächsten Versammlung darüber Bericht erstatten soll. Zum 3. Antrag, Gründung emes FachblatteS, wurden von der Versammlung zur ersten Beisteuer 30 M. aus der Vereinskasse bewilligt. NersamnUung d»r N«r»iniguna der ZntchnittNt' Vkf, -------------~. b, hm J4. Swirmto, „441._«I44U4JI41. r» jy uiirvin nnmiii",«�1,5 0* schtedene«. rlchter»ni> Kt»pp»r Krrltn» am Sannabend,..~-r-_ SJ Uljr, 91tt Jakadftr 83. SagrtorönunQ; 1. Vortrag. 2. Dtikusnon. DrllCO. tf «rtU WrrdniBung der im Vergotdergewerd» bikchasn� Vereinigung nützen? schiedenes Rescreni: Herr Cito Heindors. 2. Diilusfion. 3.»" frei» Vereinigung der Maurer Berlin« und llmgegend vrdeo'w Milgliederversammlung am Fretlag, den 13. Eeptember,«dend« 3» Renz' Salon, Naunonstratze 27 Tagesordnung�«oriro»»Mb-r der ÄrbeitSeinste Hungen aus die MielbSpreise. Resercnl Herr®liO. 2. Diskussion. 3. Verschiedene«. GS ile haben Zutritt. Neue MUglWer»nw ausgenommen. Um zaln eiche« Ersibcinen wird ersucht..„„um' Srtl» Vereinigung der Sauediener Kerlin». Grote»«1� � UnkoNen findet Tellersammlung statt__„xiiArt Nie Kranlirn- und Hegräbnlvkasse de» Pereine sa«?"» nj, Kerufeklassen, Berlin 1, dült Sonnabend, den 14. d Vit«. Abend«»%> Bluinenstrahe 78 eine Bersammlmia ab Tagesordnung! Kafiendettchi schSsttiche«. Miltheitungen. Die Mitglieder weiden ersucht, recht zuhittw« erscheinen. g,. Kranke»- und«egräbniltkalf» de» verein» sämmtlich»- � rufaktassen, VerwaltungSNelle 5 iMoadits Versammlung am SonWN�. IS. Septem bei. Vormittag« K# Uhr, Bandelstratze 10. Tagesordnung t oclicht. VeischiedencS und Feggekaiten. Gäste willkommen.,«.nifk Fachnerein der Uetallschranben-. Farondreher und genossen Bei lin«. Ordenlllche Generalversammlung am Sonntag, den Icinber. VoemitiagS 10* Uhr, bei Dtigmüller, Alte Jakobsirahe. Taa-i°r%|1. 1. Bericht der Fackikommission über unsere LohnverhSilnisse 2. Antrog,. � Rnnuneiattan der ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder 3. Wie strUen � Mitglieder zur Verlegung der Versammlungen auf den Sonnlag. 4.»>«,,, Mitglieder gewillt, in diesem Jahre einen Maskenball zu veranstalten einiangelegenh iten. Die Mllglicder werden ersucht, recht pünktlich zu ttt» Gäste find willkommen.., Nroltz« iiffenttich« Versammlung slir aU« in der Industrie desqästigten Arbeiter und Arbeiterin»»» am den I«. Sepiemder, Abends 8 Uor,«elsotieritraSc 15 lan der Ki> Tagesordnung. Uriachen und Wirkungen des Streiks. Da cS die erg. '---------'WT'•..... alle Frauen M" sammlung ist. weide mit Frauen gencdmlgt, bitten wir Icgendeit zu denuvm und zahlreich zn erscheinen. «rsang-,»urn- und gesellige Verein« am Freilag.«ost'z.A Männergcsangverein Abends 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauitr»- ,, — Gesangverein.Pausedeulcl' Abends 8 Uhr im Restaurant HrnM,» drincnstr. 15.—.Liedertafel der Maler und verwandter BerusSgi Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Brandenburgstr. öi). � Buchbinder-!« chor Abends SX Udr Anncnstr. 1«. Gesangverein.Flötcr itbel*',<- Quartett' AbendS 9 Uhr im Restaurant Muschold, LandSdcrgcrl-- �„ Gesangverein.Fortschritt' Abends 9 Uhr im Restaurant, Bluwmstra«! M Gesangverein.Echo 1872' AbendS 9 Uhr Waldemarstraße 12. Neue Mb!-, werden ausgenommen.— Gesangverein.Ossian' AbendS 9 Uhr Dr» v straße 85 bei GuslavuS.— Huppersschc Sänger-Vereintgung iSTak,;!« Abend« 9 Uhr bei Niest, Weberstr. 17.— Gesangverein.Sängerhain„ 9 Uhr Adalbcrtstr. 21.— Liedertafel des FachvereinS der Steinträger» � AbendS 8 Uhr Große Hmnburgerstr. 4 UebungSjtunde.- Gesangverein. sorge' AbendS 9 Uhr sttcslaurant Reiher, Alte Jakobstr. 83.—„«Iii« Widerhall' AbendS 9 Uhr bei Herrn Boge, KSpniikerstr. 191.~ .Lorbeerkranz' 8Jl Uhr Restaurant Weinslr. II.- Berliner TtlUM�t, schast iFünsie Männerabthcilungl AbendS 8sj Uhr in der städtischen Ton Wafserthorstraße 31.— Turnverein.Hascnhaidc"� Dilettanten.Orchcfterverein Abend« 8� Uhr ÜebungSstunde im Eöllnischer Garten, Scharrcnstraße 12 � Zithervercin„Alpenveilchen 8X Uhr im Restaurant„Wadlstatt", Bellealliancesttaße 89— m®!, Jj, „Westend" Abends 9 Udr Im Hohcrrzollcrngartcn, Steglitzerstraße 27.—- klub„Weichselblall" AbendS 8x Udr im Restaurant, Skallfccrstraße* Rauchklub„Ohne Zwaitg" AbendS 8?l Uhr im Restaurant W. Spgllw straße 22. BrlesM Vriefktnsten. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. Fragesteller. Der Abgeordnete Bebel ist nicht auS! ausgewielen. I. R- Hermanllplatz. So berechtigt Ihre Warnung Le mag, so können wir dteselde doch nicht veiöffemlichen. Kennen nicht den Paragraphen, der von der„VerrufScrklämna" han�f � Vlelleicht können wir der Sache eine andere FassuiW dazu gehört aber unwiderlegbares Material. Können Stt» einmal zu uns kommen? Fnie BnckiWg iltr Maurer Bnliiis«iii> Umgegeiiii. OrltautUelie Mlttrlif der- Versammlung m zniti«, den IS. Sdt., Mds. n»hr, in Sien,' enltlll,»inmuitt. II Tages-Ordnung: 1. Vortrag:„Ueber den Einfluß der Arbeitseinstellungen auf die MiethSpreife". Referent: Herr Wilhelm Werner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. Reue Mitglieder werden aufgenommen. Um zablreiches Erscheinen wird ersucht._ Grosse Versammlung ia„Freic» KneichW" der Hausdiener RerliiK am Freitag, den 13. d.» Abds. S�Uhr, b. Jordan, Reue Grnnstr.28,1. TageS-Ordnung: 1.„Die Uebervölkerung". Referent: Kollege O. W i e m e r. 2. Diskussion. 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet eine Teller- sammlung statt._[1462]_ Per VorGtand. F«ii. der Mcklllirbcittt in M-, Wasser- n. I»i»iif»m»t«rc«. Sonnabendf den 14- September, Abends 8 /, Uhr, in„Feuerstein's Salon", Alte Jakob- Strasse Hr. 75, WM' Mitglieder- Nersamminng."WW TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Hrn. Türk über:„Ursachen und Folgen der französischen Revolution". Diskussion. 2. VerornSangelegenheiten. 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Verschiedenes und F-agekasten.— Gäste willkommen._[1457]_ Der Vorstand._ Kußerordentl. Mitglieder-Nersammlung d. Fachv. d. Marmor- u, Granitschleifer Berl. am Sonntag, den 15. Sept., Norm. lO'Iz Uhr, tm Uereinslokal(keigmüller's Salon), Alte Iadodör 48». Der wichtigen Sache halber ist das Erscheinen jedes einzigen MitgltrdeS dringend uülbis. Auch tür Nrchtmltgtreder ist eS von große, Wlckt'gkelt, an der Versammlung Therl zu nt4lm«s_ Ter vorftnnd: G. Hamig, Rixdorf, Zretenstc. 32. Lmi» jnt W»hr»»ii der »ntenclle» Itter. d.Cteintrtzer und verwandten Berufsgenossen Berlins. Mitplieder-Versammlung cm Sonntog, den 15. September, VormitagS 11 Uhr, in Echrff-r'S Salon, Jnselstr. 10, 2 Tr. TageS-Ordnung: I. Das Koalitionsrecht und die Bedeutung der 88 152 und 153 der Gewerbeordnung für die Ät beiler. Referent- Fritz Zubeil. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. BertchredeneS und Fragekasten. Reue Mitglieder werden aufgenommen. Um tfjhlreitihe« und pünktliches Erscheinen ersucht Ter Vorhand, Arbeitsnachweis«. Herberge des[1456 Vereins der Klempncr BirUns und Umgegend befindet sich Ritterstr. 123 ,m Restaur. Stramm. Achtung! > Sonnabend, den 14. September, findet das Sommeroergnügen im„W dSiug-Reft<-urant," Müller str. 178 bei Schröder, statl. Arranqirt von den Mitgliedern der Zentral-Kranken- und Sterbekaffe der Tischler u. s. w. E, H. in Hamburg. Die Kaffecküche ist von 3 Uhr an geöffnet. 4 Uhr Beginn des Konzerts. Gr. Priiskegelschieben für Damen. GratiSverloosung für Kinder. AbendS großer Fackelzug für die Kinder. Herren, die am Tanz theilnehmen, zablen 50 Pf. nach. Billets» 25 Pf. sind zu haben bei F. G l e i n e r t, Dalldorferstr. 19, Ouergeb. 2 Tr. W. G i e s h o i t, Chausseestr. 63, v. 3 Tr. C. Espe, Linda werstr. 17, v. 2 Tr. G. W o j t a S, Gerichtsstr. 74, H. K. F. S p l i S- g a r d t, Reue Hochstr. 4, v. 4 Tr. Abend- roth, Prinzen-Allee 88, v. 1 Tr. l Unterzeichnete bitten um gütigen Besuch, da der Wirth sein Lokal zu allen Versammlungen giebt. 1469s Die Unterzeichneten. Uerein zur Regelung der gewerblich n Kerhaltnisse der Töpfer Krrlivs. Geuerul-Vcrsammluug am Sonntag, den 15. September, Vormittags 10 Uhr in Jordan'S Salon, Neue Grünstr. 28. Tages ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des KassirerS. 3. Neuwahl des gesammten Vorstandes. 4. Innere Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen. Erscheinen jedes Mit- glicdeS ist Pflicht. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 1418 Der Vor st and. I. A.: Paul Arnold, Bergstr. 5, H. part. Fackverein derTischltt- Sonnl'vet'd, den 14. Sept., Abends in Jordan's Salon| Neue Grünstraße Atttglieder- Versammlung' Ms-' TageSor dnung: 1.„Niedergang des Kleingewerbes.' Th. Glocke. 2. Diskussion.„ 3. Werkstattangelegenhciten. Die Kollegs der Werkstatt von Krüger, Friedrichstr. 44, und Schmidt, Elisabeth-Ufer 11, sowie Tr Dresdenerstraße, sind hiermit eingeladen. 4. Vereinsangelegenheiten. Fragekasten-, Neue Mitglieder werden in der Vcrsamwl aufgenommen.. Dar Vorstan"'� m Alle Freunde des neugegründeten Lese«". Diskulirklubs Uaroeogb sind zu heute, den 13. Septbr., Abends 8« Uhr, in Pfifft Restaurant, Eisenbahnstr. 35, eingeladen- 14501_ I. A.: Rudolf voltmaZA'� Ehrenerklärung.» Die Anfangs Juni d. I. gegen den Votsw'� des Fachberems der Tischler ausgespro« Beleidigung nehme ich hiermit zurück. Robert Labens, TistM' 1452]_ Großbc cren str. 27-. in 1 leere freundliche Stube mit«auirucr der Manteuffelstraße, Nähe der Köpenicker� ist zum 1. Oktober zu beziehen. Näheres ff? � Exped. d. Bl. Bert. Bostbrauerei. Vom 15, Srptrmbrr ab(Kchluß der Theatersaisou) bi» 1. März empfehle ich meine der den großen elektr-'ch erleuchteten Säle zur Abhaltung von verftNÜgUllgen und ver- sammlungen. li465 �»>>1 SoKsßß«' vi, Oekonom. Ti schler-Werkzeuge, beste euoUsche und deutsche, unter Garantie fertige gangbare Hobel K.,[949 E Vogstherr, Berlin C Laubvbergrrstr. 64(am Alexanderplatz) Soeben erschien Der wahre Jacob Mr. 82. Zu beziehen durch die Expedition, Zimmer- straße 44. Dre billigste Ouelle ist entschieden P« straste 13 bei Beilack, im Keller._ Yfeln.«twas JfS, »N Yon N»tar ä � Trinken .♦V. n- � � iraniitlicllCB �9 � � Natur-Weine »on Oswald NSer » H««ptgMchift B E K 1- 1 W 3?"» \-4- Ü 31 BMIreltzucb.»»««»» FWalta J&aßs 5t> S£ s® -**— HV| *5- Ä la Oaaiacllaa«. i -s A«af. Pnla-Cearast S-, V«ralla* Ina, mV** FF verantwortlicher Redakteur: U. Erontpeir- in Berlin Druck und verlas»an Mo» Oadts» in Berlin SVf., Beutbktrate?.