Nr 233. Dienstag, dru 24. September 1889. «. Sabrg. MiurWsM. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Die Fstzresbertihke der preuijisÄke»r �«brikinstrekkoren für 1888. IV. . Da die Berichte sich in ihrer Oberflächlichkeit im Allge- �cluen gleichen, so wäre es eine überflüssige Arbeit, wenn won alle einzeln durchgehen wollte. Zuweilen freilich stößt '"an auf ganz wunderbare Perlen offizieller unfreiwilliger «owik; so zum Beispiel erzählt der Herr Gewerberath fiir Schleswig unter dem pomphaften Titel..Wirthschaftliche und siüliche Zustände der Arbeiterbevölkerung; Wohlfahrtsein- Achtungen; Verschiedenes":„Mehrfach wird den Arbeitern 5>n Ersatz für Branntwein durch billiges, leichtes Bier ge- �rn. Zn einer Glashütte fand sich ein Präparat vor, das Trmkwasier-CorrigenS von C. Leich in Gerresheim, welches geeignet ist, dem Trinkwasser einen angenehmen Geschmack verleihen."— Ein Wink, den sich vielleicht unsere Leser Nutze machen können, findet sich in dem Bericht des Zeanlten für Kasiel und Wiesbaden:, Von Max Rößler, Direktor der Wächtersbacher Steingutfabrik in Cchlierbach, ist auf Anregung deS Profesior Dr. Julius Post in Hannover im Oktober unter der Bezeichnung„Schlierbacher Fabrikbote" eine kleine Zeitung Ergründet worden, aus deren Znhalt ein bemerkenS- JJitiI) gutes Verhältniß zwischen der Fabriklcitung und den Arbeitern zu erkennen>st. Die Kürze und zum Herzen sprechende Darstellung und die mitunter trefflichen Beleh- rangen und Winke, welche manche dieser Blätter enthalten, veraulafsen mich, an dieser Stelle auf die Arbeiterzeitung hinzuweisen, die mit zu dem Besten gehören dürfte, was bisher auf diesem Gebiete bekannt geworden ist." Schade, haß der Abonnementspreis des Blattes nicht mit angegeben ist; immerhin aber können wir es unfern Lesern empfehlen; de können daraus sehen, wie sehr sie von der sozialdemo- keltischen Preffe belogen werden, welche ja immer behauptet, h«ß zwischen Arbeitern und Unternehmern ein vollständiger Gegensatz der Jnteresien existirt, welcher ein gutes Ver- höltniß zwischen den beiden unmöglich macht. In der kurzen und zu Herzen sprechenden Darstellung jenes Blattes werden sie das Gegentheil erfahren. Indessen, das sind Lesefrüchte, die man während des Gehens von den Bäumen nascht; von solchem Nachtisch iann man nicht leben. Ein sehr wichttger Punkt in den Berichten ist die Frage, welchen Zwischenräumen die Lohnzahlungen stattfinden. Bekanntlich wird der Lohn nicht vor der geleisteten Ar- s*it gezahlt, sondern nach derselben; daS variable Kapital sicllt'sich nicht dar als Vorschuß der Kapitalisten, wie eS Wa&toul«rbotm.I Xcitillcfoit. 173 Ein Gnldmonfch. Roman von Maurus J6kai. DieS Duell hängt mit höchst räthfelhaften Umständen zu- sammen, welche direkt Sie und noch mehr Ihren G e- n> a h l betreffen. Gestatten Sie mir eine Zusammenkunft uan einigen Minuten, um Ihnen alles sagen zu können, was Ihnen zu wissen nöthig ist/— In diesem Briefe sind die Worte„Ihren Gemahl" zweimal unterstrichen und das war der Grund, der mich bewog, Ihnen Gelegen- Heu zu geben, mit mir zu sprechen. Reden Sie! In welchem Zusammenhang steht Ihr Duell mit den persönlichen Ange- kegenhetten des Herrn von Levetinczy? Ich werde Ihnen so lange zuhören, so lange daS, was Sie mir zu sagen haben, Herrn v. Levettnczy betrifft;— so wie Sie auf einen anderen Gegenstand übergehen, werde ich mich entfernen." Der Major verneigte sich mit gedankenvollem Ernst. „Ich beginne also damit, gnädige Frau, daß sich hier in der Sradt ein unbekannter Mensch herumtreibt, der die Uniform eines Riarine-OffizierS trägt, und dem diese Uniform daS Privilegium giebt, überall Zuttitt zu haben, wo Offiziere sind. Er scheint ein Lebemann und ein unterhaltender Gesellschafter zu sein. Wer er eigentlich ist, darüber weiß ich nicht« Näheres, denn es ist nicht meine Art zu spioniren. Dieser Mensch pflegte seit Wochen sich mit unS zu unter- halte«; an Geld scheint eS ihm nicht zu fehlen; als Grund seines Hierseins gab er Zedermann an, daß er auf Herrn uon Levetinczy warte, mit dem er eine sehr wichtige Ange- legcnheit persönlich abzumachen habe. Die Sache fing nach- gerade an, uns zu enuyiren. Der Mensch erkundigte sich täglich nach Herrn v. Levetinczy, und schnitt dazu ein so ge- das konstante thut. Bei einer achttägigen Lohnzahlung be- hält der Unternehmer den Werth der Arbeitskraft sieben, sechs und so fort Tage ein, während er ihr Produkt, in welchem die Arbeit der noch nicht bezahlten Arbeitskraft steckt, als einen Werth besitzt, den er jeden Augenblick Geld- form annehmen lassen kann. Der Arbeiter leiht dem Unter- nehmer den Werth seiner Arbeitskraft sieben, sechs und so fort Tage. Offenbar ist das ein großer Vortheil für den Unternehmer; er kann das Geld, das er dem Arbeiter schuldig ist, daS er sonst als variables Kapital anlegen müßte, als konstantes Kapital anlegen; und dies vergrößerte konstante Kapital— das dann natürlich auch eine Ver- mehrung der Arbeitskräfte verlangt— saugt dann im Ver- hältniß mehr Mehrwerth ein. Pitt anderen Worten: Der Arbeiter leiht dem Unternehmer ein Kapital, das dieser nicht zu verzinsen braucht. Naturgemäß wird der Unternehmer suchen, die Fristen der Lohnzahlungen zu vergrößern, er wird, wenn es mög- lich ist, nicht alle acht Tage, sondern alle vierzehn Tage oder vier Wochen zahlen. Aber da er dem Arbeiter doch dafür nicht den wahren Grund angeben kann, so wird er irgend welche Gründe auShccken, mit denen er ihm womöglich be- weist, daß eine Verlängerung der Lohnfristen fogar in seinem, des Arbeiters, Interesse sei. Betrachten wir nun, wie sich diese Verhältnisse in den Augen der königlich preußischen Gewerberäthe ausnehmen! Der Beamte für Düsseldorf erklärt sehr richtig:„Im Allgemeinen zeigt sich in der Großindustrie daS Beftteben, in größeren Zwischenräumen zu löhnen." Freilich sind die Arbeiter doch scharfsichtiger, als die Herren Unternehmer glauben, und auch scharfsichttger als die RegierunaSbeamten. Der Gewerberath für Ost- und West- preußen sagt bei Gelegenheit seiner Berichte über die Lohn- Verhältnisse:„Eine Verzinsung erfolgt nur in sehr verein- zelten Fällen; die hierin scheinbar liegende Unbilligkeit ver- mindert sich auf ein Geringes, wenn man berücksichtigt, daß bei einem so kleinen Kapital immerhin sehr unbedeutende Zinsbeträge, höchstens 15 Pfennige, in Frage kommen". ES handelt sich eben nicht um ein„so kleines Kapital", sondern um eine Summe von„so kleinen Kapitalen", und eS handelt sich nicht um einfache Verzinsung, sondern um die Erzeugung von Mehrwerth, nicht vier Prozent, sondern vielleicht zehn, fünfzehn, zwanzig Prozent. Der Düffel- dorfer Gewerberath erzählt denn auch:„Der letzteren Auf- fassung entspricht denn auch die der Arbeiter, bei welchen sich indessen auch außerdem wohl die Meinung vertreten rndet, als ob der Arbeitgeber sich durch den einbehaltenen Zohn auf Kosten der Arbeiter ein zinsfreies Betriebskapital verschaffen wolle," Die Gründe, welche die Kapitalisten anführen, um die längeren Löhnungsfristen zu entschuldigen, werden n, eisten- theils von den bekannten Vorwürfen über die Unwirthschaft- lichkeit der Arbeiter hergeholt. Wenn der Arbeiter seinen heimnißvolles Gesicht, daß wir zuletzt auf den Gedanken ge« riethen, er müsse ein Abenteurer sein. Eines TageS trieben wir unfern Mann in die Enge. Wir wußten nicht, wie wir mit einem Menschen daran sind, der sich in unserer Gesell- schaft bewegt. Ich nahm ihn ins Examen. Er rutschte wieder mit seinen gewöhnlichen Phrasen hervor, daß er mit Ihrem Gemahl etwas abzumachen habe. Auf die Frage, warum er sich nicht an den Geschäftsleiter des Herrn von Levetinczy wende, erwiderte er, daß eS Angelegenheiten sehr delikater Natur seien, die nur persönlich erledigt werden können.— Auf diese Antwort entschloß ich mich, ihm schonungslos auf den Leib zu rücken.„Hören Sie", sagte ich zu ihm,„ich glaube nicht, und wir alle zweifeln daran, daß Sie irgendwelche persönliche Angelegenheiten mit Herrn von Levetinczy haben können, welche delikater Natur sind. Wer Sie sind, wissen wir nicht, das aber wissen wir, daß Herr von Levetinczy ein Ehrenmann ist, ein Mann von Geist und Charakter, dessen Vermögensverhältnisse, dessen Ruf und Stellung in der Gesellschaft für Jedermann bekannte Größen sind. Außerdem ein Mann, der als Fa- milienhaupt ein unbescholtenes Leben führt und der daher keinen Grund haben kann zu geheimnißvollen Zusammen- künften mit Leuten Ihres Kalibers." Während der Major so sprach, hatte sich Timea lang- sam von ihrem Sitz erhoben; sie trat vor ihn hin und sagte: „Ich danke Ihnen." Und auf's Neue sah Timar auf ihrem weißen Antlitz jenes ihm bisher unbekannt gebliebene Nofenroth aufflammen, das nun dauernd darauf blieb. Die Frau hatte bei dem Gedanken sich erwärmt, daß eben der Mann, den ihr Herz anbetet, jenen andern Mann so vertheidigt, der als ihr ange- trauter Gatte zwischen ihren Herzen steht. Der Major fuhr in seiner Erzählung fort und suchte dabei, um Timea mit seinen Blicken nicht zu verletze«, sich einen anderen Gegenstand im Zimmer aus, auf den er seine Blicke heften tonnte, wie diejenigen einen festen Punkt zu Lohn bekommt, so hat er ja bekanntlich nichts Eiligeres zu thun, als in die Kneipe zu laufen und ihn dort zu ver- saufen. Wenn er nun 52 Mal im Jahre gelöhnt wird, so besäuft er sich 52 Mal; wird er 26 Mal gelöhnt so besäuft er sich 26 Mal; und wird er gar nur 12 Mal ge- löhnt, so findet das Besaufen nur 12 Mal statt. Es ist also wefentlich im Interesse der Arbeiter, sowie auch ihrer hungernden Frauen und Kinder, wenn der edle Kapitalist seinen Lohn zurückbehält. Andere Gründe sind: wenn der Arbeiter am Monats- schluß eine größere Summe Geld in der Hand habe, so sei er den großen Ausgaben für Miethe k. besser gewachsen; er könne überhaupt eu gros einkaufen, wo er alles viel billiger bekomme. Der letzte Grund ist, daß der Kapitalist durch den ein- behaltenen Lohn gegen den„Konttaktbruch", will sagen Stteik, seiner Arbeiter geschützt sei; im Fall de« Konttakt- bruches soll nämlich der rückständige Lohn den Arbeitern nicht ausgezahlt werden. Freilich nützt das nicht viel;„un- geachtet dessen kommt der Kontraktbruch nicht selten vor," klagt der preußische Beamte. In dem Bericht für Minden und Münster sind Zahlen gegeben über die Verhältnisse zwischen den Fabriken, welche wöchentlich und denen, welche seltener lohnen. Monatlich zahlen 36 Betriebe mit 10 525 Arbeitern, Halbmonatlich„ 23„» 2 245„ Alle 2 Wochen„ 88„„ 10 195„ Alle 12 Tage„ 5„„ 660„ Wöchentlich„ 131„„ 12 715 Natürlich sind diese weit auseinanderliegenden Lohn- fristen für die Arbeiter vom größten Nach theils da sie ihre Arbeitskraft auf Borg verkaufen müssen, so müssen sie noth- wendig auch die Lebensmittel, welche die Arbeits- traft produziren, auf Borg einkaufen, und je weiter die Lohnzahlungen auseinander liegen, desto länger müssen sie borgen, je länger sie aber borgen müssen, desto theurer kaufen sie ein. Sehr instruktiv ist dafür eine Bemerkung in dem Düsseldorfer Bencht:„Die Anlagen einer Glasfabnk liegen abgesondert, die Arbeiter wohnen in der Nähe der Arbeitsstätte in einer zur Fabrik gehörigen Kolonie und erhalten wöchentlich ihren Lohn. Innerhalb der Stadt selbst befinden sich drei Drahtstift« fabriken welche vierzehntägig lohnen. Das Borgen ist unter den Arbeitern Gang und Gäbe und dauert mit wenigen Ausnahmen von einem Löhnungstage bis zum andein, in der Stadt demnach 14 Tage, in der Glashütte 8 Tage. Nach den Erfahrungen meines Gewährsmannes sind nun die Preise der Lebensmittel nächst der Glasfabrik wesentlich niedriger, als in der 20 Minuten entfernten Stadt, und er schreibt das hauptsächlich der kürzeren Löhnungsfrist zu. wählen pflegen, welche in einer spannenden Erzählung begriffen sind. Als einen solchen ersah er sich den Drachen- köpf auf dem Bilde des heiligen Georg. Dieser Drachen- köpf war nun aber gerade die Stelle, durch welche Timar in daS Zimmer lugte, so daß eS diesem vorkam, als würde der Major seine Worte direkt an ihn richten, obwohl eS dort, wo Timar stand, so dunkel war, daß Niemand ihn sehen konnte. „Auf da« hin verwandelte sich plötzlich das Gesicht jenes Menschen, er fuhr auf, wie ein schlafender Hund, den Jemand unversehens auf den Schwanz tritt..Was?" schrie er, so daß es Alle hören konnten.„Sie halten also Levetinczy für einen reichen Mann, der einen berühmten Namen hat, für einen Mann von Geist, einen glücklichen Familienvater� einen treuen Unterthan? Nun ich werde Ihnen zeigen, daß dieser Mensch, dieser Levetinczy, wenn ich ihn tteffe, TagS darauf Reißaus nehmen wird von hier, daß er, sein HauS und sein schönes Weib im Stich lassend, aus Ungarn, aus Europa fliehen wird und daß Sie nie mehr von ihm werden zu hören bekommen." Timea's Hand verirrte sich unwillkürlich an den Griff des zerbrochenen Säbels. „... Statt aller Antwort versetzte ich diesem Men- schen einen Schlag ins Gesicht." Timar zog den Kopf von der Späherlücke fort, als fürchtete er, der Schlag werde ihn treffen. Ich sah gleich, daß dieser Mensch bereute, was er gesagt hatte; er hätte sich gern von den Konseguenzen dieses Faustschlages verkrochen; aber ich ließ ihn nicht los. Ich vertrat ihm den Weg. Sie sind Soldat, Sie ttagen einen Säbel. Sie werden wissen, wozu unter Männern von Ehre ein solches Renköntte führt. Dort oben im Gasthof ist ein geräumiger Tanzsaal; wir lassen die Kerzen anzünden, dann wählen Sie sich zwei von uns zu Sekundanten, auch ich wähle mir zwei, und dann fechten wir unsere Sache aus". Wir ließen ihm keine Minute Bedenkzeit. Der Mensch focht Kolikifrhe Nobevstihk. Die Unterdrückung de« Dresdener Fachvereins der MetaUardeiter aller Kranchen geschah durch folgendes Verbot. Die Königliche Krctehimpimannschaft Dresden als LandeS- polizeibehörde hat beickilossen, den in Dresden unter dem Namen:„Verein der Metallarbeiter aller Branchen für Dresden und Umgegend" bestehenden Verein auf Grund von§ 1, Abs. 2 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 2l. Okiober 1873, wie hiermit ge- schieht, zu verbiden. Der gedachte Verein ist im Oktober 1883 unter dem späterhin in der obigen Weise abgeänderten Namen:„Avch- verein der Metallarbeiter in Dresden und Umgegend" gegründet worden. Wie an dieser Gründung bereits eine Anzahl Sorialdemo- kraten betheiligt gewesen sind, so hat der Vereinsvorstand sich vornehmlich aus dekannten eifrigen Anhängern der Sozial- demokratie zusammengesetzt und weist auch in seinem der- maligen Bestände eine solche Zusammensetzung aus. Nicht minder zählt der Verein unter seiner zahlreichen Mitgliedschaft, wie sich aus den Polizeiakten ergiebt, überwiegend sozialistische Elemente, ebenso sind in den von dem Vereine veranstalteten Versammlungen als Referenten und Redner in der Hauptsache nur Anhänger und selbst hervorragende Führer und Agitatoren der Sozialdemokratie aufgetreten. Die dadurch begründete Annahme, daß es sich vorliegenden Falles um eine wesentlich sozialistische Vereinigung, deren in den Statuten verlautbaie Zwecke nur ihren wirklichen staatö- und gesellschaftsfeindlichen Bestrebungen zum Deckmantel dienen sollen, handelt, hat sich auch im übrigen durch die bisherige Haltung des Vereins bestätigt, bei dessen Versammlungen die zur Verhandlung stehenden Gegenstände zumeist in sozialisti- schem und kommunistischem Sinne besprochen worden find. So hat sich das Vorstandsmitglied Siegerist in der am 3. November 1888 abgehaltenen VereinSvcrsammlung dahin aus- gesprochen,„sobald das Gcsammtgut Gemeingut würde, würde es schon ander« werden, die Zeit sei nicht mehr feine", während das Vereinsmitglied Äräuer in einer früheren Versammlung vom 22. September vorigen Jahres erklärt hat,„daß er seit seinem 14. Lebensjahre das Bestehen einer Gottheit überhaupt bezweifle und an solchen Mumpitz nicht mehr glaube". Hierher sind ferner zu rechnen die Aeußerungen des vormaligen Lehrers Braune in seinem vor der Vereins Versammlung vom 5. April dieses Jahres über„die ökonomischen und politischen Verhält- nisse in Norwegen" gehaltenen Vortrage:„daß die Zukunft dem Sozialismus gehöre, wisse man ganz genau; wenn man die Religion bei Seite schaffen würde, dann würde man viel eher zum Ziele kommen": sowie des Vereinsmitglredes Sendler in der letzten, am 2. dieses Monats abgehaltenen VereinSver- sammlung:„daß der Druck immer nur auf dem Arbeiter ruhe, sähe man an der Vertheuerung der Lebensbedürfnisse und an den wachsenden Abgaben und Steuern: dies geschehe aber alles nur, um den Staat zu erhalten, obgleich derselbe so wie so dem Untergänge geweiht sei". Diese auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Ge- sellschaftSordnung gerichteten Bestrebungen sind aber weiter noch in unzweideutigster und schärfster Weise zum Ausdrucke gelangt, wenn der schon genannte Siegerist in der am 22. Februar 1888 stattgehabten Vereinsversammlung erklärt hat,„eS müßte überhaupt darauf hingearbeitet werden, daß niemand etwas richtiges lerne, damit der Vernichtungsprozeß der jetzigen Verhältnisse schneller von statten gehe und dann von dm maßgebenden Stellen andere Mittel und Wege angebahnt werden müßten": sowie das Vorstandsmitglied Bergcr in der Vcr- sammlung vom 3. November 1888:„man möge doch wie der Bild- Hauereinmal denMeiselansetzen und denStaat inOrdnung bringen" und das frühere Vereinemitglied Gehr in seinem der Ver- sammlung am 24. November 1888 gehaltenen Vortrag:„dag Feuer und die Eisenkultur berechtigt zu ganz besonderen Hoff- nungen noch: auf diesem Wege löse man alle sozialen und politischen Bestrebungen". Endlich ist in den VereiuSversammlungen vielfach in auf- reizendem, den öffentlichen Frieden, insbesondere die Eintracht der BevötkerungSkiassen gefährdmdm und den Klaffcnhaß schürenden Weise auf die Vereinsmitglieder und die sonstigen Anwesenden einzuwirken versucht worden. ES sei deshalb auf die Aeußerungen des Berichterstatters Richter in der Versammlung vom 1. Februar 1888 hingewiesen: „die Luft sei das einzige, was dem Proletariat noch frei ge- währt werde und was noch nicht verpachtet worden sei"; dcS schon gmannten Sregerist in der Versammlung vom 4. März 1838:„die Einführung der Arbeiterkolonren tei Schimpf und Schande für den Arbeiterstand": desselben Redners in den am 6. Juni und 21. Juli 1838 abgehaltenen Vereinsversammlungen: „wenn die Arbeitervereine geschlossen daständen. Mann für Mann eintreten, könnte ihnen keine Macht der Erde widerstehen, obgleich in den Gesetzen mit zweierlei Maß gemessen würde und die Vereine beziehentlich deren An- wie ein Pirat, ein paar Mal wollte er init seiner linken Hand meinen Säbel erwischen, darüber gerieth ich in Zorn und führte einen solchen Hieb auf seinen Kopf, daß er zu- sammensank. Zu seinem Glück war es ein flacher Hieb, was Schuld war, daß der Säbel zerbrach. Am andern Tage hatte der Mensch, wie ich von unserm Arzt erfuhr, die Stadt verlassen; die Wunde konnte keine gefährliche sein." Timea nahm wieder den türkischen Säbel heraus und betrachtete die Klinge; dann legte sie ihn auf den Tisch zurück und reichte stumm dem Major ihre Hand. Der Major faßte sie zart mit beiden Händen und führte sie zu seinen Lippen: es war kaum zu bemerken, daß er sie küßte. Timea zog ihre Hand nicht zurück. „Zch danke Ihnen!" fliisterte leise der Major. Timar hörte es vielleicht nicht einmal dort in seinem Versteck, doch sagten auch die feuchten Augen dasselbe:„Ich danke J�nen!" Es folgte nun eine lange stumme Pause. Timea setzte sich wieder auf das Sopha und stützte ihr Haupt auf die Hand. Der Major ergriff endlich das Wort.„Nicht deshalb aber, gnädige Frau, habe ich Sie um eine Unterredung er- sucht, um mich vor Ihnen mit einer Heldenthat zu brüsten, die für Sie peinlich ist, meinerseits aber nur die Erfüllung einer Freundespflicht war; auch nicht deshalb, um mir einen Dank zu holen, den Sie so gütig waren, mir mit einem Händedruck zu gewähren. Das war viel und für mich ein überreifer Lohn. Aber nicht deshalb be- warb ich mich in einer so absonderlichen, beinahe an's Lächerliche streifenden Weise durch Uebersendung dieses zerbrochenen Säbels, um die Gunst einer Unter- reduna mit Ihnen, sondern wegen einer sehr ernsten Frage. Gnädige Frau, wäre es möglich, daß an dem, was jener Menfch gesagt, etwas Wahres sei?" Timea zuckte bei diesem Wort wie vom Blitz gerührt zusammen. Und auch bei Timar schlug dieser Blitz ein; jeder seiner Nerven zuckte zusammen bei dieser Frage. „Woran denken Sie?" rief Timea leidenschaftlich. „ES ist heraus," sagte der Major, der von seinem eleaenheiten von den Behörden wie ein kalter Leichnam be- andelt würden";„man betrachte den Arbeiter wie eine Waare, die man auf die Straße wersi"; des Vorstandsmitgliedes Bürger in der Versammlung vom 3. November 1888;„die Löhne wären derart reduzirt, daß es schon mehr eine Gemein- heit zu nennen sei." Nicht minder gehören hierher die folgenden, von der Wanderversammlung des Vereins am 2. September d. I. mit Beifall aufgenommene Erklärungen des Vereinsmitgliedes Sendler:„den Kindern der Proletarier werde schon von klein auf dag Genick gebrochen, weil sie das Brot mit verdienen helfen müßten, vom Zartesten Alter an; die Männer, die heute aufstünden und die Freiheit predigten, würden geknechtet; der Staat habe nicht nur sein, sondern das Eigcnthum Aller zu schützen, dies sei aber nicht der Fall, man wolle sie— die Ar- beiter— zu Sklaven erziehen"; nächstdcm die ebenfalls von dein allgemeinen Beifalle der Versammlung begleitete A-uße- nrng des Vrreinsmitglied-S Großer in der nämlichen Ver- sammlung:„man suche Mittel und Gründe, um Verwmm- lungen aufzulösen, aber nur deshalb, um das allgemeine Wahl- recht zu beeinträchtigen". Hiernach allenthalben ist die kgl. Kreishauptmannschast zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Vorausjetzungen des§ 1, Abs. 2 des Eingangs gedachten Gesetzes erfüllt sind, weshalb das Verbot des fraglichen Vereins, wie geschehen, au- zu- sprechen war. DreSöen, den 10. September 1889. Königliche Kreishauptmannschaft. von Koppenfels. Wer fett dem Londoner Dockarbriterstreik die „Uordd. Allg." tieft, muß noihwendig zu dem Glauben kommen, dieselbe sei— englisches otfisiöses RegierungSorgan. Mehr Raum haben die großen englischen Blätter kaum wegen der Dockarbeiterstreiks verbraucht, als das deutsche oifiziöse Organ in dbr Wilhelm straße. ReuerdingS polemistrt sie wieder in äußerst gereizter Weise gegen die„Vossische Zeitung", weil diese einige Urthcile zu Gunsten des Verhallens der Dock- arbelter gebracht, welche die höchste Mißbilligung der„Nord- deutschen" erweckten. ÄuS jeder Zeile leuchtet der Acrger ber- vor, daß die englische Regierung"' sich nicht zu Gewalt- maßregeln gegen die Acbeiler hinreißen ließ, ja daß sogar die englische Polizei ruhig zrssah als zwischen den Dockarbeitern und„Blackiegs" Streitigkeiten aus- brachen, die in Deutschland wahrscheinlich Veranlassung zum Einschreiten des Militärs unter Anwendung von blauen Bohnen gegeben haben würden. Die englische Bourgeoisie hat doch noch etwas mebr Charakter und Muth, als die deutsche, sie geht doch auch noch in Bezug auf den Arbeilcr von GesichiSvunklen aus, die thurm- hoch über jene der deutschen Bourgeoisie erhaben sind. Die „Daily News" und ähnliche große englische Blätter haben für das Geschrei der„Nordd. Allg. Ztg." und ihresgleichen nach Ausnahmegesetzen und Polizei nur Spott und Verachtung. A«« Kachsen, 22. September. Die Agitation für die ReichSIagSnachwaht im 11. sächsischen Wahlkreis Oschatz-Wurzen fial einen sehr lebhaften Charakter angenommen, wozu nament- ich die Saalabtrerbereien seitens der Kartellbrüder und der Gendarmerie beiträgt. Den Sozialisten wird nahezu jede Ver- sammlung unmöglich gemacht und ähnlich eraehl es dem Frei- sinn. Die Kartellbrüder aber hatten ihre Konveniikel drnter verschlossenen Thülen ab, und ist es der Kandidat derselben Amtsrichter Giese, der die Kmtellweisheit auf diese Art ver- zapft. Dem Herrn muß von Seiten seiner Vorgesetzten jede Vorschubleistung zu Theil werden, er kandidirt nichr nur als ReichslagSabgeordnetcr an Stelle des verstorbenen Ritterguts- desitzers Günrhcr, sondern auch als Landtagsabgeordneter. Der Herr spiicht auch in seinen VersommlungSanzeigen vom König- sich Sächsischen 11. Wahlkreis. Man kann die Loyalität kaum weiter treiben. Da« Vorgehen der Gendarmen und der Kartellbrüder hat unter den Arbeitern eine solche Erbitterung hervorgerufen, daß es ohne die nachdrückliche Information der Wahlkomiiee- Mitglieder schon einigemale zu gewaltsamen Szenen gekommen wäre. In Dorna, wo die vor dem Gasthof versammelte Menge den Saal zu stürmen drohte und sich in heftigen Drohungen über die Gendarmerie erging, ersuchte einer der anwesenden Gendarmen ein Mitglied des WahlkomitceS, der Menge er- klären zu wollen, daß sie gänzlich unschuldig seien, wenn der Wirth den Saal nicht hergebe. Von anderer Seite wird aber behauptet, daß der Wuih erst auf direktes Betreiben der Gen- darwen den Saal verweigert habe. Die Machinationen der Gegner im 11. Wahlkreise geben einen kleinen Vorgeschmack von dem, was wir bei denHaupiwahlen zu erwarten haben. Es schadet aber nichts, es wird tapfer weiter agilirt. Die Kartellbrüder sollen ihren Mann gestellt bekommen. Eine merkwürdige Meldung bringt das„Sächs. Wochen- blatt". Der Redakteur des Blattes, Herr Teistlcr rst, wie schon im„Verl. Volksbl." berichtet wurde, seit längerer Zeil wegen Verbreitung eines Flugblattes in Untersuchungshaft gmommen worden. Als Teistler vor 3 Wochen wegen Privatbeleldigung zu 6 Wochen Gesängniß verurtheilt wurde, erklärte er sich Stuhl aufgestanden war;„und nun lasse ich nicht ab, bis Sie mir Antwort geben auf meine Frage, gnädige Frau. Aufrichtig, gerade heraus, mit offener Stirne, richte ich an Sie die Frage: ist's möglich, daß auch nur ein wahres Wort an dieser Verleumdung? Ich habe nicht alles gesagt, was dieser Mensch über Levetinczy gesprochen; was nur irgend beleidigend für einen Mann, hat er ihm nachgesagt. Ist irgend eine Möglichkeit vorhanden, daß Timars Leben eine so schreckliche Wendung nehmen könnte, wie diejenige, wel- cher der frühere Besitzer dieses unglücklichen Hauses nur durch seinen Tod zuvorgekommen ist? Denn, wenn dies möglich, dann kann mich keine Rücksicht zurückhalten, Sie bei Gottes Bannherzigkeit anzuflehen, gnädige Frau, keinen Augenblick zu zögern und sich zu retten aus diesem, mit Einsturz drohendem Hause. Ich kann es nicht zulassen, daß Sie dem Verderben sich weihen; ich kann nicht kalt- blütig zusehen, wen« Jemand Sie mit sich in den Abgrund reißt." Diese glühenden Worte hatten auch Timea's Busen er- wärmt. Timar belauschte rn zitternder Aufregung den Seelenkampf der Frau. Timea blieb Siegerin. Sie nahm ihre ganze Kraft zusammen und antwortete ruhig;„Seien Sie unbesorgt, mein Herr. Ich kann Ihnen die Versiche- rung geben, daß jener Mensch, wer immer er sei und woher er auch gekommen sein mag, gelogen hat und daß seine Verleumdungen ohne Grund sind. Ich kenne den Ver- mögensstand des Herrn von Levetinczy genau- denn in seiner Abwesenheit habe ich seine Geschäfte geführt und bin in Alles vollkommen eingeweiht. Seine Finanzen sind in Ordnung und wenn selbst alles, was bei seinen Unter- nehmungen auf dem Spiele steht, durch unglückliche Zufälle verloren ginge, so würde davon kein Pfeiler seines Hauses erschüttert werden. Auch das kann ich ihnen mit ruhigem Bewußtsein sagen, daß in dem Vermögen des Herrn von Levetinczy auch nicht ein Heller ist, der nicht auf rechtlichem Wege erworben wäre. Levetinczy ist ein reicher Mann, der über seinen Reichthum nicht zu erröthen braucht." Ha, wie brannten Timar's Wangen dort im Finstern? Der Major seufzte auf.„Sie haben mich von Allem überzeugt, gnädige Frau. Zch habe auch nicht daran ge- sofort bereit, diese St-ashaft anzutreten, aber bis heute ist ihm seitens der Staatsanwaltschaft noch keine Be- nachnchiigung zuaeganaen. Dazu macht da« Blatt die Bemerkung:„Wir hoffen, daß das Versehen, wenn es em solches ist, nicht von Teistler ausgebadet werden muß. Wn wollen seben ob sich diese Hr.ffnunq bewahrheitet. Ferner enthäit das„Sächsische Wochenbl." eine Müthe" lung üb-r das Trucksystem auf den Z egelcien um Dresden. dessen Existenz dem Gewerbeinspektor für den Dresdener Be- zirk bis jetzt entgangen zu sein scheint. Die Notiz verdient, deß man sie tiefer hängt; sie lautet: „Kürzlich berichtete das„Sachs. Wochenblatt" von dem Unfug mit den Blechmarken in der Ziegelei Miersch u. Söhre ans Mcckritzhöhe. Tort ist aber keineswegs der einzige Ort, wo die Ziezclarbeiter auf die>e Art und Weise ausgebeutet werden. Da ist z. B. die End'sche Ziegelei zu Neurosta(Ziegelmeister Müllir.j Bei diesem I> Hieren können die Arbeiter nun gegen Blech- marken Alles bekommen, was zu des Leibes Nahrung nölbi» ist, jedoch g'ebt der Restaurateur auf dem goldenen Stiele!. gleichfalls gegen jene Marken Woaren ab. Feiner sind solai- Marken zu finden in der Ullrich'schen Ziegelei zu Lcckwis (Ziegelmerst-r Franz Müller), in der Ziegelei von Palitzsch wd Voigt zu Prohlis(Ziegelmeister Walther) und überall hallen die Z'eaelm ister Kantmen. An allen diesen Orten ist de:- jenige Arbeiter am angesehensten und erhält die lohnendste Ar- beit(es ist alles Akkord), welcher beim Meister womöglich alles verzeh't, was er verdien':— es ist die alte, schon hundertmal gerügte Misere. Jeder fühlt die Bedrückung und keiner hat den Mulh, dagegen energisch aufzutreten. ES wäre wahrbm an der Zeit, daß sich auch die Ziegelarbeiter den Schlaf cu- den Augen w stten und anfingen, sich zu orqanisiren. leider sind sie meist zuftieden, wenn sie 14, IL, ja 18 Stunden ar- betten können. Hoffentlich werden sie alle diesen Wmier no« mebr an ihre iouttftv- Lage erinnert werden, wenn der Bcodkard 2 Meter höher hän�t. Liest man die Berichte unserer Fabrikinspektoren, dann ist alles in schönster O.dnung, von einem Trucksystem k.me Spur. Die Handhabung des Sozialistengesetzes treibt weiter sonderbare Blüthcn. Dem Lan dtagSabzeordneten Geyer würbe verbalen, in Leipzig in emer LandiagSwählervelsammlung.zu sprechen, in Dresden hatte man gegen eine Rede von ihm nidüS einzuwenden. Ebenso wurde vorige Woche dem Abg. B.h» verboten in GornSdorf bei Thaiheim im Ecigebirge über d>e LandlagSwahl zu sprechen, weil er außerhalb des Wahlkreises wohne und ein sozialdemokratischer Agitator sei. In Dresden und Umgegend läßt man ihn in der gleichen Eigenschaft sprechen. Man könnte rußig einen Preis von einer Million aussetzen, um die Grundsätze feststellen zu lassen, noch welcher die hochwohllöbliche Polizei das Sozialistengefetz Hanf- habt, der Preis bliebe unverdient. Ein neues Beispiel ltesert die Behandlung des Bergarbeiters Siegel aus Dorstfeld. Ja. Zwickau und Umgegend wurden ihm die Versammlungen o»l Grund des Sozialistengesetzes verboten, in Gcrsdorf bei Glauchau durfte er sprechen. Dagegen erreichte ihn in Lugau dos Gc- schick, daß eine für ihn einberufene Versammlung wieder auf Gnrnd des Sozialistengesetzes verboten wurde. Darf mau sich da wundern wenn bei dieser wunderbaren Handhabung der Gesetze dem guten Staatsbürger zu Muihe wird als ginge ihm ein Mühlrad im Kopfe herum? Da muß auch das letzte bischen Resp-kr vor solcher RegierungSkanst zum Teufel gehen. Der Gcneralstab ohne Armer, die deutsche Volks- parte«, hat am 15. d. M. rn Kaiserslautern getagt. Zum Jahresbericht sprach Sonnemann(Frankfurt) über die polirrsch« Lage. Er bezeichnete die Aussichten der Ovpositionsparteic», insbesondere der Volkeparrei, für die nächsten Reichstage- wählen als günstig, wenn alle Giuppen der Partei an dem politischen und sozialpolitischen Programm derselben unver- brüchlich fcsthicltcn und ihre Schuldigkeit thäten. Es wurde ein Antrag angenommen, daß, wo irgend möglich, bei dcu nächsten Wahlen eigene Kandidaten aufgestellt, daß aber der engeren Wahlen die Kandidaten der Oppositionsparteien, aiio die Freisinnigen, das Zentrum und die Sozialdemokraieri, unterstützt werden sollen. Sonnemann berichtet über die intcr- nationale Arbeiterschutz resetzgebung und beantragt die Unter- stützung der auf Herstellung internationaler Smutzgesctze ab- zielenden Bestrebungen, was aber das Deutsche Reich nickt der Verpflichtung enthebe, seinerseits ausgiebige nanonale Schutz- gefetze ohne Verzug durchzuführen. Der Antrag wwde mit einem Amendement Evora's, welches die Eirichlung von Arbeiicrkammern und Schiedsgerichten fordert, angenommen. Ueber den einzigen Vertreter der Partei im Reichstag?, Herrn Kröber, der wahlmüde geworden ist, vcrlauiet nichts weiter. Was wir so oft betonten, wird eintreten: Die Volkspartei hol wenig Daseinsberechtigung, die entschiedeneren Anhänger wer- den zur Sozialdemokratie übertreten und die weichherzige» Naturen nach rechts abschwenken und im allgemeinen Brei aufgehen. zweifelt, daß jedes Wort, mit dem jener Unbekannte de« Ruf Timars als Geschäftsmann antastete, eine Verleumdung war. Allein in fernen Reden brachte er auch mancherlei vor, was ihren Gatten als Familienvater verdächtigte. Er- lauben Sie mir Eins zu fragen: sind Sie glücklich?" Timea sah ihn mit unaussprechlichem Schmerz an und in ihrem Blicke lag die Antwort:„Du siehst und fragst noch?' „Neichthum, Glanz und Fülle umgeben Sie," fuhr in kühnem Tone der Major fort,„aber wenn es wahr wäre, was ich, bei meiner Ehre! nie Jemanden gefragt, und worauf ich, als es von unberufener Seite mir gesagt wurde, dem, der es sagte, mit einem..Du lügst" antwortete und ihn dafür züchtrgte: wenn es wahr wäre, daß Sie leiden, daß Sie nicht glücklich sind, dann wäre ich kein Mann, wenn ich nicht den Muth hätte, so zu Ihnen zu sprechen: gnädige Frau, es giebt noch Einen auf dieser Welt, der eben so leidet, ebenso unglücklich ist, wie Sie; werfen Sie diesen unglücklichen Reichthum von sich, machen Sie diese» Leiden zweier Menschen ein Ende, welche einen Dritten, de» Urheber derselben, noch in der andern Welt vor Gott an- klagen werden. Lassen Sie sich scheiden!" Timea preßte beide Hände an ihren Busen und blickte mit ihren Augen, wie eine in den qualvollen Tod gehende Märtyrerin, in verklärtem Schmerz empor. Ihr ganzes Herzleid war in diesem Augenblick in ihrer Brust er- wacht. Timar, als er sie so sah, schlug sich verzagt mit der Faust auf die Stirne und wandte sein Gesicht von der Judas-Lücke ab, durch welche er spähte. Einige Minuten lang sah und hörte er nichts. Als die quälende Neugier ihn wieder zurückzog in den Bereich des in seine Finsternrß hineinstrahlenden Lichtscheines und er einen Blick in das Zimmer warf, sah er schon nicht mehr die Märtyrerin vor sich; Timea's Antlitz war wieder ruhig. (Fortsetzung folgt.) nite Se- dir nin h«« seit« »•' befe San bnc bie «!- Br» He« msl bat btb CVLi .{.er or» 0(6 utb älft�"n,w«beachtrnsWerth«»" Mink für Eltern und ? �uuder— schreiben suadeutsche Blätter— enthält(in cm. I'"C" öur Verlheiluna pelanates Fluablatt, welches die m nraTtt„a�hufen eine Schaar von ca. 10 000 Lehrlingen gegen- ÄrSn. u. infolge dessen eine förmliche Uebeifluthung des der t.fcj" on Arbeitskräften zu erwarten steht, da der Abganz die& leren' weitem in keinem Verhältniß steht zum Zugang, hier«n dcs Geschältes aber kaum derartig fein dülfte, UN. cew�™ng du schaffen. Es wird noch ferner darauf hin- daß es viele Prinzivale mehr auf die Ausbeutung, x Ausbildung abgesehen haben und hier Vorsicht bei n der Lehrherrn empfohlen, insbesondere aber noch dag .. J�iwde des BuchdruchgewcrbeS betont, infolge welcher die Me Mehrzahl der Gehilfen durchschnittlich das 40. Lebens- >- nb w cht erreichen. Man gebe also nur körperlich absolut ge- Knaben als Buchdrucker in die Lehre und bedenke vor >,! Ä- iion einem»Selbstständiawerden" kann nur bei Solchen ben/xi""' �'e ieich mit Glücksgütcrn bedacht sind, oder en doch mehr oder weniger begüterte Freunde zur Seite ..oen.— Z)er Wink ist gewiß herzlich gut gemeint, nur liegen 1** E. Ei(*... r. i. /w r v_ r....> INN ine die �■, Wwr tu gewig D_.„.........,— m /?,nß< in fast allen übrigen Gewerben gerade so wie im Ii-f.. uckgcwerbe und Eltern und Vormünder dürsten schließ- immer nur die Wahl zwischen diversen Nebeln haben, wenn � einen Beruf für ihre Pflegebefohlenen auswählen sollen. n.» ra ße, ivir in dirser herrlichsten der Welten den abgedrosche- ,>,?.�uul des Manchesterthums als Vorspann haben, dürfte Jjuran nichts zu ändern sein. w l.4. r eine merkwürdige Folge der Krieffperre, ftäf-6 Qus Anlaß der heiteren Gießkännchengeschichte in veqmgen gegen eine Reihe süddeutscher Blätter verhängt wor- .„.ivar, berichtet die �Franks. Zeitung": Es war u. a. eine o gl genannte Blatt gerichtete Korrespondenz eines Herrn r. beschlagnahmt worden,„weil ihr Inhalt für die Unter- ?>««"!« gegen Obermüller und Genossen von Bedeutung sei." ßW Gericht hat nun Herrn L. wegen einiger Worte in jener vr-espondenz auf Grund des Z 185 des Strafgesetzes unter zu f, c den Hechinger Herrn Staatsanwalt beleidigt .©inj abgesehen davon, so bemerkt dazu die„Frkf. Ln, baß die inknminirten Worte auch unter schärsster lick'einen injuriösen Charakter zeigen wollen, ist es recht- (y unzulässig, eine Acußerung, die weder zur Kenntniß der sn'siw, für die sie bestimmt war, noch zur Kenntniß anderer ■Unionen gelangt ist, zum Gegenstand eines Strafverfahrens jr.�chen. Den Versuch einer Injurie kennt das Gesetz nicht, höchstens um diesen könnte es sich hier handeln. g. f'e Krefelder Handelskammer sagt in ihrer Statistik z" den Stand der dortigen Textilindustrie: Infolge des wir erliegenS der Sammtfabrikation hat sich der Gesammt- .'«Ich lag im Jahre 1888 um rund 9 704 000 M. verringert, .�-leichte nur die Höhe von 75 948 544 M. Der Gesammt- der hier verwebten Sammle betrug im Jahre 1888 . 173620 M.. gegen 44 264 093 M. im Jahre 1888, derjenige Stoffen 45 769 924 M., argen 41 388 940 M. im Vorjahre. jzlt durchschnittliche beschäftigte Zahl der Handwcbstühle in >ainmt ist von 14 438 im Jahre 1887 auf 8567 herabgesunken, durchschnittlich während des Jahres beschäftigten mechanischen wammtwebstühle werden mit 2015 statt 2261 im Jahre 1887 .gegeben. Die Zahl der für Rechnung von Krefclder Fabri- Wrn im Jahre 1888 montirten mechanischen Sammtweb- «iible ist dabei mit 2600 nicht zu hoch geschätzt. Dabei ist zu beachten, daß auch die als beschäftigt angegebene Stuhl- !!W von 2015 vielfach mit beschränkter Tbäligkeit gearbeitet hat. Statistik weist ferner nach, daß im Jabre 1888 auf einen v lndwebstuhl für Sammt an Weblohn 365 M„ auf etnen poianifchen Webstuhl 900 M-, gegen 405 M. bezw. 1010 M. !n Vorjahre entfallen. Die gegen 1887 um 1157'erhöhte Zahl ?!> Handstühlen und die um 526 vermehrte Anzahl der mccka- wichen Stühle in der Weberei von Stoffen hatten einen Mehr- �wtatz in fertigen Waaren gegen das Jahr 1387 von zirka j* 480 000 M. Die Weblöhne betragen für einen Handweb- «uhl nn Jahre 1888 525 M., für einen mechanischen Stuhl M., gegen 584 M., bezw. 670 M. im Vorjahre, sind also ?.?deutend h-rabgegangen!"— Hochgegangen sind aber die Preise wx die nothwendigsten Lebensmittel. Auch ein Bild unseres 'Vltthschaftiichen„Aufschwungs". Koloniales. Man ist noch nicht von dem Prinzip ab- wrangen, den Schwarzen in Afrika mit der Knute die Liebe �Uin neuen Vaterlande einznhauen, selbst die aus anderen Ge- weien gemietheten Neger müssen sie kosten. So ist es in Ka- Vcrun passirt, daß einer der brauchbaren Kruneger, ausgeschickt, ?ananen zu kaufen, in Verdacht stand, dieselben gestohlen zu «aben, worauf er, ohne nähere Untersuchung des Falles, die Veitichx erhielt. Er kam mit blutig geschlagenem Rücken zurück wd mgr einige 10 Tage arbeitsunfähig. Es liefen auch Briefe «on Häuptlingen der Krustämme beim Gouvernement ein, wo- *,n sie ankündigten, sie ivürden keine Leute mehr nach Kamerun �lassen, wenn dieselben in der bisherigen Weise geschlagen würden. Da die Kamerunneger faktisch nicht zur Arbeit zu be« kommen sind, so wäre der Verlust der Kruneger nicht sehr an- genehm sür die dortigen Wörmänner,— aber Lehre nehmen sie und ihre Korporale nicht an. Großbritannie«. London, 20. September. Der Streik der Schneider ist in eine neue Phase getreten, da die Arbeiter das Stundensystem anstatt des lOsstürdigcn Arbeitstages nicht annehmen wollen. Die verschiedenen Gewerkoereine treffen Vorbereitungen, die Leute in die Lage zu versitzen, den Streik wenigstens 3 Monate lang aushalten zu können.— Die Siloertown Submarine Telegraph- and Cautschouk- Fabrik im Osten von London hat gestern ihre Werke geschlossen, wodurch 2000 Leute beschäf- tigungslvS wurden. Der Anlaß zu diesem Schritt war die Drohung der Leute, daß sie einen Ausstand beginnen würden, wenn ihnen eine Lohnerhöhung verweigert würbe. Die Fabrik erlitt durch den Dockstreik schon beträchtliche Verluste und war daher nach der Behauptung der Leiter der Fabrik nicht in der Lage, eine Aufbesserung zu gewähren.— Die Telegraph Eon- struction and Maintenance Company bewilligte ihren Arbeitern eine Ausbesserung und verhütete damit einen Streik.— Die Bäcker verlangen einen lOstündigen Arbeitstag. Die kaum er- trägliche Länge der Arbeitszeit, namentlich an Sonnabenden, hat schon seit geraumer Zeil die Beschwerde unter den Haupt- städtischen Bäckergesellen gebildet, unter denen sich ja auch Tausende von Deutschen befinden. Der Gewerkoerein der Bäcker hat bereits in seiner Versammlung vom 5. September beschlossen, daß die Arbeitswoche aus 60 Stunden bestehen, daß jede weitere Arbeit besonders bezahlt werden und die Ver- gülung für Sonntagsbeschäftigung um die Hälfte größer, als oer übliche Lohn sein sollte. Der Verein hat ein Rundschreiben an die Meister geschickt, um deren Stellung zu Viesen Forde- rungen zu erfahren. Eine große Schwierigkeit bietet dem Ge- werkvercin der Umstand, daß so viele Gesillen nicht zu bewegen sind, sich in denselben aufnehmen zu lassen. Die„Union der nationalen Föderation der Arbeit" hat gestern ein Manifest erlassen, in welchem die I englischen Arbeiter zur Gründung eines einzigen großen natio- nalen Arbeitervereins aufgefordert werden, um kürzere Arbeits- zeit und höhere Löhne zu erzielen. Die Arbeiter, so heißt es in dem Aufruf, brauchten nicht ihre Gewerkvereine zu verlassen, aber der Kombination des Kapitals müsse ein« Kombination der Arbeit gegenüber treten. Jetzt fei die Arbeiterschaft in Fraktionen und Frakliönchen gespalten, deren Führer meistens die Werkzeuge politischer Parteien wären. Die neue Organisation solle ein„Parlament der Arbeit" wer- den und das erlangen, wofür Generationen vergeblich gekämpft hätten. Unterzeichnet ist der Aufruf von dem Londoner Sozia- listen Williams, dem Führer der Arbeiter bei dem letzten Streik, John BurnS, Wood und Springfield. Es handelt sich um die Gründung einer großen Arbeiterpartei.— Der Generalsekretär der Vereinigten Baumwollspinnerei- Arbeiter von Lancashire, Borkihire, Derbyshire und Cheshire hat ein Manifest erlassen, in welchem die unheilvollen Folgen des Baumwoll-„Corners" beleuchtet werden. Bezüglich der Absicht der Fabrikanten, die ersten zwei Wochen des Oktober die Fabriken zu schließen, sagt der Sekretär, daß es im Interesse der Arbeiter läge, diejenigen Fabrikanten, welche sich nicht freiwillig dazu verständen, zu zwingen. In dem Manifest heißt es, Liverpool müsse noch- mals einsehen lernen, daß die Baumwollfabriken, sobald sie einig wären, stets den Sieg davon trügen. 5080, Strauß 2861, Bcrger 2955 Stimmen, ei ist somit eine Stichwahl erforderlich. Im Wahlbezirk des Pantheon erhielt Naquet 4586, Bonneville 2770, Delombre 2113 St., es ist auch hier eine Stichwahl erforderlich. In Lyon wurde der Justiz- minister Tbevenet gewählt. Der ehemalige Minister Flourcns wurde in Embrun gewählt. Vor dem Bureau des Journals„La Presse", wo mittelst eines Transparentes die Wahl BoulangerS bekannt gemacht wurde, ereignete sich ein Zwistbenfall, indem aus der dort versammelten Menge Hochrufe aus Boulanger ausgebracht wurden, die von anderer Seite mit Pfeifen beantwortet wurden. Die Polizei I und berittene Gendarmen mußten einschreiten und nahmen mehrere Verhaftungen vor. Paris, 23. September, Morgens 4 Uhr 45 Minuten. Es sind bis jetzt 372 Wahlresultate bekannt. Es wurden ge- wählt: 138 Republikaner und 89 Mitglieder der Oovosition; in 145 Bezirken sind Stichwahlen erforderlich. Gewählt wurden u. A. der Minister des Aeußern, Spullcr, in Beaume, Leon Say in Pau, Casimir Perier in Nogent für Seine, der Revisionist Picot im Departement des Vosges gegen JulsS Ferry, Derou- ledc in Anooulcme. Clämenceau kommt im Departement du Var, der Minister des Innern, Constans, im Departement Haut Garonne zur Stichwahl. Paris, 23. September. Vo'.mittags 8 Uhr. Nach den bei dein Ministerium des Innern eingetroffenen Wahlnach- rickiten sind von 536 bekannten Ergebnissen 217 Republikaner, 153 Oppositionelle gewählt und 166 Stichwahlen erforderlich. Unter den gewählten Republikanern befinden sich Minister Falliäre«, Jules Roche, Ribot, DelunS-Mnntaud, Christovhle, Bathaut, Germain, Granet, Develle, Deschinels, Barbe, Samen und Rcinach: unter den gewählten Oppositionellen sind Lalou(Boulangist), Fould, Godelle, Baron Hausmann, Kavini(Boulangist), LanjuinaiS, Jaluzot(Boulangist), Mitchell(Boulangist), Fourtou, Bandry d'Asson, de Mununo l Cassagnac. Paris, 23. September, Vormittags 8 Uhr 45 Minuten. Von den 166 Stichwahlen sind die Aussichten in 127 Fällen für die Republikaner günstig, in 39 Fällen ungünstig. Den 217 endgiltig gewählten Republikanern können 10 Deputirte aus den Kolonien hinausgezählt werden, deren Wahl zwar noch nicht bekannt, aber nicht zweifelhaft ist, da dieselben keine ernstlichen Mitbewerber haben. DieS dürfte in der neuen Kammer die Gcsammtzahl von 354 Republikanern ei- acben. ungerechnet die noch ausstehenden Ergebnisse von vierzig Wahlbezirken. R«ßlftnd. Man schreibt der„Köln. Ztg. aus Warschau:„Die selbst für unsere Verhältnisse ungewöhnlich große Zahl an Eisen- bahnunfällen, welrfi- in t-«-«-- o.;».....-'' Frankreich. Ueber die Wahl in Paris liegen folgende Nachrichten vor: Paris, 22. September. Die Wabl vollzieht sich hier in Paris in aller Ruhe, die getroffenen Vorsichtsmaßregeln sind die gewöhnlichen, besondere Machtmittel sind nicht ausgewendet; irgend welcher Zwischenfall wird nicht befürchtet, es wäre denn vielleicht in Montmartre, wenn die Wahlbureaus bei der Stimmzählung sich weigern sollten, die den Namm Boulanger tragenden Wahlzettel mitzuzählen. Paris, 22. September, Abends. Die Wahl im ersten Pariser Arrondissement ergab folgendes Resultat: Minister der öffentlichen Arbeiten Poes Guyot(Republikaner) erhielt 4493 Stimmen, Turquet(Boulangist) 3608, DespatyS(konservativ) 2103, Muzet(Republikaner) 1462 Stimmen. Sonach Stich- wohl erforderlich. Paris, 23. September, 2 Uhr Morgens. Es sind bis jetzt 130 Resultate der gestern stattgehabten Wahlen bekannt: es wurden gewählt 77 Republikaner und 36 der verschiedenen Gegenparteien, in 67 Wahlbezirken find Stichwahlen erforderlich. In dem Wahlbezirk Montmartre er- hielt Boulanger von 11686 St. 5880, Joffrin 5500, Thiebaud 496, Roques 359, Daanan 69, Lefrancais 70, Delaforge 60 und Lisbonne 7. Außer Boulanger sind im Seine-Departe- ment gewählt worden: Laguerre, Brisson, Farcy, Revest. Der Präsident der Kammer, Meiine wurde in Remiremont wieder- gewählt, der Finanzminister Rouvier in dem Departement der AlpeS maritimes, der Boulangist Millevoye wurde in AmienS gegen Goblet, der Graf Grefulhe in Melun, DautreSme in Ajo"»" r>»n.!il.it OL-om-tn.-! ..._.0�.vvy..V4V*; Viiwpc Oa9l � ,_______ welche in letzter Zeit zu verzeichnen waren, hat eine Reihe von Sicherheitsmaßregeln zur Einführung �gebrockt. Dazu gehört, daß auf Befehl der Eisenbahnseklion aus allen Eisenbahnen RettungSwagganS eingestellt werden. Der Wagen besteht aus einer umfangreichen Plattform, die in einer gedcck- ten Bude eine Feldschmiede mit den nothwendigsten mccha- nischcn Apparaten, Laternen-u Nothzuchen, Gerätkien zu Erd- und ZimmermannSarbeiten, Reseroescheinen, Unterlagen, Verbindungsschrauben, Weichen u. s. w. enthält. Die Wagen sollen stets zur Abfahrt bereit sein. Zweckentsprechend wäre es wodl, auch die nothwendigsten ärztlichen Hilfsmittel in Bereit- schaft zu halten."— Der„Polit. Corr." zufolge wird sich nächstens eine aus einem Popen und einem Beamten des rus- fischen Unterrichtsministeriums bestehende Kommission nach Jerusalem begeben, um alle vorbereitenden Maßrcaeln behufs Errichtung einer russischen sechSklassigen Schule in Palästina zu treffen. Die Kosten der Anstalt sollen zur Hälfte vom Mini- sterium des Auswärtigen, zur anderen Hälfte van jenem des Unterrichts bestritten werden.— Das hat den Leuten wahr- scheinlich gefehlt wie das liebe Brot. rgrn(somri, oer zzmis isresulhe in Melun. Dauttcsm- in jnn-.( � ouen fleroallll. Im W-«-,,., S.ml G,».«»«S.UZ Ätfu'Äveta Dorfmnttrluttrzcn. Eine für Gstarlottenburs-er Uerhältnilfe änsserS stark l>rf«l1>te Volkouerfammlung tagte am 17 d. M. in Wodrich's Salon. Tagesordnung: 1. Wodurch entstehen Ver- tbeuerungen der Lebensmittel? Referent Herr W. Werner au» Berlin. 2. Diskussion. 3. Bericht der Lokalkammissio.n. 4 Ver- schiedeneS. Im ersten Punkt entledigte sich Herr Werner seines Referats in bekannter Weise, indem cr an her Hand statisti- schen Materials den Beweis lieferte, daß die Verlheucrnng der Lebensmittel nur durch den ungeheuren Aufwand von Mitteln für Militär- und Marinczwccke entständen, da die Regierungen gezwungen wären, den Sckutzzällncrn zum Dank für ibr Ja! Ja? im Reichstage, sobald es sich um neue Militärgeldbewilligungen handelte, gewisse Konzessionen zu machen, die von den Agrariern denn auch gründlich ausgenutzt würden. Beim Schluß des (OTI Hauptkammcr von den Größenverbältnissen eines geiäumigm Ä-US Mimst Ameisen ihre . Durch dir Dritnngr» machte kürzlich eine Mitthellung ''der einen dreizehnjährigen Redakteur die Runde, der in New- i ,««1 eine Jugendzeitschrift selbstständig leite. Dieser jugend- Lche Journalist wird ganz bedeutend durch ein elfiährigeS Burschitien übertroffen, das sich in der Schöffengerichlssitzung ja Krefeld am Dienstag eines Vergehens zu verantworten datte. Laut heulend, machte der KnirpS, der übrigens mit einem Verweise davon kam, dem Gerichte Mittheilungen über seine -Vergangenheit", die insofern von Interesse ist, als der Junge Nachweislich bereits im Alter von sieben Jahren für ein Pforz- �'mer Blättche» Anzeigen und örtliche Nachrichten sammelte. Bei Unglücksfällen, Bränden u. s. w., überall mußte, laut der "Krefelder Zeitung", das siebenjährige Reportcrchen dabei und für„fein Blatt" Auskunft holen. Einen jüngeren Journalisten dürste eS wohl nie und nirgends gegeben haben. Die UrrWÜstungen der füdamerikanische» Ameise. 'dchon vor ungefähr 40 Jahren hat die brasilianische Regierung !'Ncn hohen Preis(ungefähr 90 000 M.) auf ein Mittel zur «cheren Vertilgung der Ameise, die Sauba heißt, ohne Erfolg ?"Sgesetzt. Von den Campos hat sie ihren Lauf in den ihr tonst unwegsamen Urwald genommen, sobald die Kolonisten die 'ftohn geebnet hatten; sie hat sich ausgebreitet und vermehrt mit ?ies«r Kultur, an die sie sich hängt und die ihrLcbcnSbedürfnlß m. Sie gründet feste Wohnplätze, Kolonien, wozu besonnter toockener Boden und unausgesetzt Nahrung in der Nähe vor- banden sein müssen. Diese bieten ihr natürlich weder die Gras- J;bene, wo zeitweise alles vertrocknet, noch der Urwald. Dagegen stlldet sie das Erforderliche in der Nähe menschlicher Kultur, MsonderS der Gärten. Die einheimischen Bäume mit ihren tosten lederartigcn Blättern find unbrauchbar für ihre Zwecke, Jto greift die eingeführten Kulturpflanzen, die Obstbäume, Vlumen und Feldfrüchte der allen Welt an.„Rächst der ad- scheulichen Sklaverei", schreibt der französische Reisende Chalrian,„ist die Ameise die schrecklichste Plage Brasiliens." Di? Sauba fressen in einer Nacht einen Orangenbaum, so groß sein mag, ganz kahl. Sie erkrimmen in Massen den Baum, "leifen die Stiele der Blätter mit ihren furchtbaren Maul- jangen ab und lassen sich mit denBIättern hinuntersallen oder knei- ton weiter ab, indem sie den unten lauernden Gefährten das Fort- schleppen der Blätter überlassen. Sie nisten in unglaublich Ausgedehnten unterirdischen Hohlräumen. Man kann oft tage- -«"g den Eingang eines Baues bloßlegen, um schließlich an die i_____,...- wveMzvUVU UV..___________.»,»» Brut stalten fanden. Daß der Dampf von Reisig und Schwefel. die man zusammen an einem Eingange anzündet und m den Bau hinabläßt, oft einige hundert Meter entfernt aus der Erde wieder aufsteigt und so neue Eingänge anzeigt, ist gar nichts Ungewöhnliches. Die Sauba ist nach der Beschreibung von Röttger, welche er in der„Natur" liefert, eine braun- schwarze Ameise von der Größe unserer gewöhnlichen, d. h. vielleicht 6 bis 8 Millimeter lang, aber hart wie Horn. Jährlich dreimal kriecht ein Schwärm junger Nachkömmlinge, schon völlig ausgewachsen, aber noch glänzend, wie frisch lackwt, aus dem Mutterbaue aus. Von der verhältnißmäßigen Riefen- kraft dieser Thiere, die, wenn man ihre Proportionen auf andere Geschöpfe anwenden will, ihresgleichen in der ganzm Schöpfung nicht hat, macht man sich schwer einen Begriff. So trägt eine Ameise einen Orangenkern, der 15 bis 20 Mal so schwer ist, wie sie selbst, eine senkrechte Mauer hinab, oder eS trägt eine andere einen Grasbalm in den Zangen, der 13 bis 14 Mal ihre Länge hat. Man übertrage diese Verhältnisse ine Mensch- liche und denke sich einen Mann, der 22 Centner oder einen Balken von Baumesstärke und 20 Metern Länge wie eine Fahnenstange trüge. Man kann sich also vorstellen, welchen Schaden diese emsigen, rührigen und starken Thiere anrichten, wenn sie in unermeßlichen Schaaren über eine Kultur herfallen. Im allgemeinen hat die Sauba Respekt vor dem Menschen, steigt höchstens in offene Fenster, um in der nächsten Umgebung derselben etwas aufzu- sammeln. Die Sauba verzehrt mit Begier das Fleisch anderer Insekten, jedoch ohne sie lebend anzugreifen. Da» Blatterwerk, welches sie heimträgt, verzehrt sie nicht, dazu sind schon die Massen der Beute zu groß. Sie läßt es in Gährung über- gehen, um die Eier darin auszubrüten und die Larven sich ent- wickeln zu lassen. Daher ist der Verbrauch davon ein so un- geheurer; denn um das nachkommende zahlreiche junge Volk zu betten, muß mancher Baum, manches Äckerfeld herhalten. Es ist klar, daß nur derjenige Anpflanzungen vornehmen und Ackerbau in diesem Lande treiben kann, der die Mittel befitzt, wenn eS darauf ankommt, den Kampf mit den Ameisen aufzu- nehmen— Feuer mit Hinzufügung von Schwefel-Präparaten, denn sonst kann eS geschehen, daß in wenigen Tagen seine aanzcn Kulturen vernichtet und sein Rum besiegelt ist. Die Ameise und ihre Thätigkeil fallen daher sehr in» Gewicht, wenn eS sich um Kolonisation in Brasilien bandelt, so lange nicht ein gründliches, Zerstörungsmittel gefunden ist. .........„.»..i-.iu; uuegcniiyt wurden. Beim Schluß des Referats brach ein unbeschreiblicher allgemeiner Jubel hervor, was um so mehr bemerkenswerth ist, da lämmtliche Parteien — nx r,- waren, und selbst Männer, die streng Der Sperling ist nun'in Nordamerika von AmtSwegen in Anklagestand versitzt worden. Die Anklageschrift, ausgearbeitet voir der orntthologischen Abtheilung des Ackerbau- Ministeriums, ist 400 Seiten lang und enthält die Aussogen von nicht weniger als 3000 Belastungszeugen. Alles Schlechte, was dem Sperling bis jetzt nur privatim nackigesagt wurde, ist hier amtlich wiederholt, und seinen vielen Lastern steht nicht eine einzige Tugend gegenüber. Er wird durch 3000 schwui- | bereite Zeugen, die sein Vcrbrech-rdasein studirt haben, anae- 1 klagt, daß er Getreide- und Somensiucht in ungeheuren Mass. n verschlinge und Gemüse und Obst verwüste. Er zerstört Wem- gälten. Bäume und Saaten. Er peinigt die heimischen Sing- und Rutzoögel und verdrängt sie aus ihren Brutstätten. Sein freches, einförmiges und mißtönendes Geschrei, seine lärmenden und zänkischen Gewohnheiten und sein Hang zum Schmutz, machen ihn überall veihaßt. Er ist ein gemein- schädlicher Strolch in jeder Beziehung. Es wird angeratben, den Sperling durch Schießen, Fallen und Gift, durch Zer- störung seiner Nester und Verjagung aus seinen nächtlichen Schlupfwinkeln zu verderben. Auch wirb empfohlen, den Spatz, wenn er feist ist, im Herbste als Jagdbeute anzusehen und ihn zu verzehren. Die Staat«gesetzgeb»ngen werden auf- gefordert, Gesetze zur Ausrottung der„Spertingspest" zu er- lassen. Als der Sperling von Europa importirt wurde, da war es ein Jubel und er wurde zum populärsten Vogel de« Landes. Doch seine lasterhafien Eigenschaften wurden bald bekannt und die Liebe zu ihm hat sich gar bald in bitteren Haß verwandelt! In der Donnerstag-Nacht stieß bei dichtem Nebel mitten in der irischen See der von Dublin kommende Poftdampfec „Banshee" mit dem Frachtdampfer„Irene" zusammen. Beide Schiffe gehören der London u. North Western Eisenbahngescll- schaft. Dem„Banshee", auf welchem sich 500 Fahrgäste de- fanden, wurde das eine Rad völlig abgestoßen, so daß de.« Schiff gefährlich auf die eine Seite hinüberneigte. Die Aus- regung unter den Reisenden war grenzenlos, da alles glaubte, der Dampfer werde untergehen. Die„Irene" blieb bei dem Schwesterschiff die ganze Nacht liegen. Freitag Morgen um 5 Uhr trafen beide Dampfer in Holyhead ein. Die„Irene" ist am Bug stark beschädigt. Gin furchtbarer GrKa» mit Hagelschlag hat in weh. reren Provinzen Oberitaliens, namentlich in Bologna und Pavia, die ReiScrnte total vernichtet. Die Weinernte ist theil- weise fraglich geworden. Menschen und HauSthiere sind bei dem Unwetter umgekommen. kmisetvativ, und Andere, die libecol zcstnr.t sind, lich in fervor« rogendrr Weise an diesen BraaoS betheiligten.. Der Vorsitzende Herr Tischler Wernicke stattete denn auch Herrn Werner den Dank der Versammlung ab. Noch einer Pause von 10 Minuten wurde das Referat»ur Diskussion gestellt und meldeten sich verschiedene Herren jum Wort, die jedoch alle dem Herrn Referenten voll und gon) zuitimmten und wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heute, am 17. September cr., bei Wodrich tagende Volksversammlung ist der Ansicht, daß die Ver» lheuerungen der L'bevSmittel hauptsächlich durch die Agrarier im Reichstage hervorgerufen worden und erklärt, daß eine Besserstellung der Aibeiter nur durch Gewährung politischer sowie anderer Freiheiten erfolgen kann und verpflichtet sich ein Jeder, voll und ganz dafür einzutreten, namentlich bei der kommenden ReichStagSwahl. In Punkt 3 staltete Herr Hopp den Bericht ab und geibelte in klaren und scharfen Worten das Verhalten der Herren Gastwirthe, die zwar gern den Verdienst, den eine Versammlung bringt, mitnehmen möchten, jedoch Alle befürchteten polizeilichen Maßregelungen anheimzufallen und konstatirte derselbe, daß von sämmtlichen Wirthen nur der Eigenthümer de« CafS Grunewald auf Westend der Kommission, wenn auch snicht grob so doch sehr unhöflich entgegengetreten ist, und beschloß die Versammlung, jeder Arbeiter möge vor allen Dingen dieses Lokal meiden. Bei der ZeitungSfroge an- gelangt, ersucht der Beiichterstatter die Versammlung um Eni- fchuldigung, daß die Kommission noch nicht in der Lage sei vollen Bericht zu erstatten. Festgestellt wurde nur, daß in Charlotten bürg nur ein Lokal sei, in welchem das„Berliner Volksblatt" und „VokS-Tribüne" ausliest und zwar bei Herrn Krause, Spree. straße 3c; die„Volks-Tribüne" liegt bei Herrn Woyde, Schul- straße, aus, und wurde beschlossen, Herrn Wodrich als den ein- zigen Wirlh, der bis jetzt feinen Saal zu politischen Versomm- lungen hergiett, Herrn Krause, Spreestraße 3 c und Herrn Woyde, Schulslraße, als die einzigen bis jetzt bekannten Wirthe, welche Arbeiterblättcr auslegen, durch zahlreichen Besuch zu unterstützen und alle anderen Lokale so viel wie möglich zu meiden, namentlich wurde den Vereinen und Gewerkschaften ans Herz gelegt, ihre Vergnügungen und Zusammenkünfte nur bei Henn Wodrich abzuhalten. Inzwischen war folgender An- trag erngelaufen:„Die Versammlung möge die hiesige Lokal- kommission beauftragen, sich mit der Berliner Lokalkommisfion in Verbindung zu setzen." Der Ankay wurde ein- stimmig angenommen. Herr Hopp beglückwünschte die Ver- iammlung zu diesem Entschluß, indem er ausführt, daß nur dadurch, wenn die Berliner sich auf unsere Seite stellen, wir einen Sieg erringen können, denn wenn die Charlottenburger auch noch so sehr auf dem Posten wären und die Berliner trinken noch immer das Bier von der GambrinuS-Brauerei, welche zu- erst in's Auge gefaßt ist, so könnten wir nie zum Ziele kommen. Die Kommission erhielt den Auftrag, vor Allem dafür zu sorgen, daß die GambrinuS-Brauerei ihren Saal den Arbeitern zu politischen Versammlungen hergiebt.— Im Punkt 4„Ver- schiedenes" war die Frage eingelaufen: Wie stellt sich der Re- serent zu den Kommunaiwahlen? worauf derselbe erwidert, daß er ein entschiedener Gegner derselben wäre und in längerer Rede seine Gründe dazu vorführte, was zu einer lebhaften Debatte Veranlassung ah. Nachdim noch Herr Schulze Herrn Werner zum Kandidaten der Arbeiterpartei für den Kreis Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg für nächste Reichs- tagSwahl proklamirt, fch'oß der Vorsitzende die Versammlung. Giue öffentliche Versammlung der Albnmarbeitrr, Kuchdinder, Karton-«nd Kederarbriter etc. tagte am Mittwoch, den 18. d. MtS., in Jordan's Restaurant, Neue Grünstr. 28. Die Tagesordnung lautete: 1. Bericht der 15 er Kommission. 2. Vortrag über„Wesen und Werth des Streiks". Referent Herr Glocke. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Ueder den ersten Punkt referirte Kollege Fetdmann. Derselbe skizzirte die anfängliche Stellung der Kartonarbeiter zu der Neun- stunden-Bewegung und betonte, daß jetzt ein völliger Ilm« schwung Platz gegriffen habe. Im weiteren führt Redner aus, Siabe sich die Kommission auch mit der in der Lederwaaren- abrikation gebräuchlichen Hausindustrie befaßt, sei aber zu dem Entschluß gekommen, diese Frage zu Gunsten der Neunstunden- Bewegung zurückzustellen. Die praktischen Arbeiten der Kom- Mission haben darin bestanden, zur Ansammlung eines Fonds Karten und Marken sowie Bons anfertigen zu lassen. Die Marken find im Preise von 20 Pf., die Bons mit 10 Pf. von den Kommissionsmitgliedern zu haben. Für die Zukunft sollen zur Entnahme von Marken und Bons Zahlstellen er- richtet werden; näheres darüber wird in nächster Zeit bekannt gemacht werden. Kollege Feldmann fordert zum Schluß auf, für den Vertrieb der Karten, sowie Marken und BonS eifrigst Sorge zu tragen, lieber den zweiten Punkt referirt Herr Glocke.(Wir haben über den Vortrag be- reits mehrfach beachtet. Red.) Nach Schluß der Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heute in Jordan's Salon tagende öffentliche Versamm- lung der Buchbinder und in verwandten Betrieben beschäftigten Arbeiter erklären sich bereit, mit allen ihr gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln für die Verkürzung der Arbeitszeit auf nenn Stunden einzutreten und verpfl�t sich, die Kommission kür die Neunstundcnbewegung in ied« Weise zu unterstützen!" Buchmann. Unter„Verschiedenes wurde, nachdem noch einmal auf den Vertrieb der Karten, Marken und Bons hingewiesen, noch folgende Resolution»n- genommen.„Da sich der Oekonom des Etablissements„Böhmisches Brauhaus" nicht veranlaßt siebt, sein Lokal den Arbenern zu Versammlungen herzugeben, verpflichten sich die Anwesende«, das Bier dieser Brauerei bis auf Weiteres nickt zu konfumirer. Nachdem noch einige interne Werkstuben-Angelegenheiten zur Sprocke gebracht wurden, erfolgte der Schluß der Verlammluna. Dir Versammlung des Verbände» der Modsl' polirrr Berlins und Umgegend, welche am 16. d. Mis. w> AndreaSgarten, Andreosstraße 26, tagte, wurde um A Uh� da der erste Vorsitzende am Erscheinen verhindert war, dmld den zweiten Vorsitzenden, Herrn Nerlich, eröffnet. Herr Kart Becker hielt einen von der Versammlung niit großem Jnterflfr verfolgten Vortrag über: Sind die Bestrebungen der Arbeiter auf Verkürzung der Arbeitszeit gerechtfertigt? Dem Vortrag schloß sich eine recht lebhaste Diskussion an, an welcher sich die Herren Leder har se, Mildrodt und Gräber beiheiligten. Hieraus wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die hermgr Versammlung �des Verbandes der Möbclpolirer Berlins und Umgehend erklärt sich mit den Ausführungen des Rcferentru vollständig einverstanden und vcrpfl.chiet sich, mit aller Kwst für Abschaffung der SonntagSarbert und Verkürzung der Ar- beitdzcit einzutreten. Sodann wurde auf Antrag des Vergnügungskomitees beschlossen, das diesjährige StiftungSstst des Verbandes am 26. Oktober im Schwerzergarten abzohaurn ukrd ebenfalls im Februar einen Maskenball zu arrangiren. Hierauf ersuchte das Mitglied Herr Schreier die Versammlung um Rechtsschutz wider den Möbelpolier Ncumcister, welcher ihn beleidigt und auch in seinem Arbeitsoerdienst geschädigt habe. An der darauf fingenden Debatte betheiligten sich unter Ander» die Herren Milbrodt, Völker, Wend, Schulz, Richter, Leber- hause und Gräber. Obgleich von verschiedenen Rednern erklärt wurde, daß Herr Neumeister eine für die Möbclpolirer Berlin» abgethane Größe sei, welche keinen rechtlich denkenden Arbeiter beleidigen könne, so wurde doch Herrn Schreier der RechtSschu» gewährt. Ferner wurde von der Versammlung beschloffen de« Bibliothekar Herrn Reuter, eine Rüge zu ertheilen. Nackde« hierauf eine im Fragekasten vorgefundene Frage vom Ncss- reuten beantwortet und die Namen der neueingetretenen W»- glieder verlesen, wurde die Versammlung vom Vorsitzende Herrn Nerlich um 12b Uhr geschlossen. Theater. Dienstag, den 24. September.. Gp«mha«». Alessandro Stradella. Kchauspielha«». Weltuntergang. Aruffche» Theater. Die beiden Leonoren. £»fIllB«»Theater. Der schwarze Schierer. .»UheweftLdttsch—«hMftnr. Der Mikado. Matwer-TH-ater. Geschlossen. Stanley m Afrika. tffstend-Uheater. Vom Golde verführt. - Vheate». Der Zauberlehrling. Theater.„'Ne feine Familie." Aextrat-Theater. Leichtes Blut. AtolUtz Gr«s-Theater. Flotte Weiber. Uestdeai-Uheater. Fernande. Gebr. Ktchter'» KarMtck. Spezialitäten- Vorstellung. Netch»hallen- Theater. Gr. Spezialitäten- Borstellung. KerUaer Theater. Dienstag, 24. September: CoriolanuS Mittwoch, 25. September: Der Schwabenstreich. Donnerstag, 26. September: Demetetus. Sonnabend, 28. September: Die wrtde Jagd Allen Freunden und Genossen ein herzliches gebewohl. Abreise am Mittwoch Abend 11 Uhr vom Lehrter Bahnhof.(16261 E. Boitze. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Maurer.luliuo Linke verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag Nach- mittag 3b Uhr vom Krankenhaus Friednchshain aus statt. l1635 Die trauernden Hinterbliebenen Linke. ev gros ca(istall s Arauz�tinderei«- J. Meyep, Aaustherplah 16.[1307 Atlasschleifen mit Malerei von 1 M Guirlanden Kränze. von 15 Pf. an. von i WC. an. Große Auswahl viir'Vus Busch- Frirdrich-Sar S-Ufer. Heute, Dienstag, den 24. Srpl., Abds. 7; Uhr: Gr. außerordentl. lt�orftellunfl. Besonders zu bemerken: 1 Mol Mlle. Mar- gerithe als.Jockey. 1 Mal: 12 Hengste, tn Kr-theit bvrgrf b- Direktor. 1 Mal: Frl. Riapia Dope in ihren großartigen Produk- tionen mU eti.fachen und Doppel- Viroueite» zu Pferde. 1 Mal: Ein Dschepkessen» pitt, ausaef. von Fräul. Henriette. Pompea- dor» englisch Halbblut, geritlen vom Dirckior. TiopbanlUS, engl. Vollblut, geritten von Frau Di-eklor Busch. Intermezzo der renommirten Klown W. Otscham ky. James Gnion als August. Gebr. Teo. Ferner Auftreten der vorzüglichsten Künstler u. Künstlerinnen. Billrt- Borverkauf im Jnvalidendank, Markgrafen str. u. Ciga-ren- Handlung v. Martienren, Aleranderstr. 71(beim Stadtbahnhof). Die Tageskasse ist v. 10 Udr an ununterbrochen geöffnet.>1633 ™ 1. nnd Ä. Oktober.■ Ziehung der ersten Klasse 11571 Kg*. P«*euss. Klass.-Lotierie. Ortginal-Loofe, welche bei mir im Depot belassen werden, gebe ich' g a 7i, M., j a i4M.,'/, i 28 M., Vi-S6M.«ntheil- Lvose% a 14 M.,'/« n 7 M.,*31 M., ,, al| M.,'/.< a 1 M., alles pro Klasse. Rothe i Lotterie. Hauptgewinn 150000 M. Loose a 3'/, M. Liste 30 Pf. ,, 9.( Schneidemühlep 23. u. 24. Sept. I P f er d e-Lolterie. Loose a 1 M. 30 Pf. inkl. Porto u. Liste. Ril'k. Bankgesch. Berlin C., Rulenthalerstr. 31 und Taubenstrasse 20. hiOBRI Achtung! Maurer Kertmss Alle Diejenigell, welA infolge unseres Streiks Wegen Flugblatt- vertheilnng k. mit einem Strafmandat bedacht morden sind, merden dringend gebeten, ßch innerhalb 3 Tagen Abends bei Unterzeichnetem melden zn moken. Im ferneren diene noch zur Nachricht für Diejenigen, welche erst nach dem 1. Seff teuiber zurückgekehrt sind und sich noch nicht im Besitz einer Ktrriklrarte befinden, sich dieselbe Sonnabends Abends und Sonntags Vormittag« bei mir einlösen können. 1162» Wilkvlm Kerstan, Kuli b euerer. 4, v. 3 Tr. I. Achtung I SCSatfi�na�heSteff*! Alle Diejenigen, welche noch im Besitz von Stiftungsfest-Billets sind, ersuche» wir, dieselben biß MM 1.(DUtotirr an die betr. Vorstandsmitglieder zurückzugeben, da Kein Stiftungsfest stattfindet.(16271 Der Große öffentliche NersammlttAg sämmtl. Feilenhauer u. Fessenschleiftr Berlins a Muß«, kl kl. Ms. 51- Ujt, ii Wtddi«g-P«k,«llerft. 158. Tages-Ordnuna: Vortrag über Bedeutung des Streiks und gewerkschaftliche Organisation. Referent" A. K ö r st e n._[1628|_ Die Lohnkommission. Oeffentl. Vetsammlung d. Köttcher Kerlins am Mittmolh, den L5. d., Abds. 81- Uhr, bei LiPenbergerstr. II TageS-Oronung:[1630 1.„W-lchen Nutzen bietet uns der Zentraloerein deutscher BLitcher?" 2. Wahl einer Kommission zur Revision unseres LohntarifcS. 3. Verschiedenes. Der Einberufen. Alte« echim Nordhäuser, erkl. Fl. M. 0,70, tngbrrliauenr, hochfein, exkl. FI..„ 0,90 Hee-Rum, ganz vorzüglich, exkl. Fl.„ 2,00 Aavon-Rum. Originalflasche, exkl. Fl.„ 1,00 Markischer Korn, exkl. Fl.....„ 0,60 empfiehlt die Großdestillation von L.stt«ei& Keily Tophienftr. 12. a. d. Rosenthalerstr. Geschäftsschluß Abds.8Uhr, Sonnt. Mittags lUhr. Ztmeeivan»l'keatei». 13tS6 Dresdenerftr. 55. Täglich Vorstellung. .Ksflsg« IT». V) M.- 10 31. Kaiesp-Ranopam«. IMMW In dieie- Woche: Z. ersten M.: Lbcrital. Städte. Neu! lV. Cyel.: Pariser Well-«uSk»ellung Ja Ausftellunosvari Iii. CykiuS der Pariser We.t-AuSstevung. Mae Vkeis«<�1.,«cinv«ui 10 Pf. Abonn. » Mri' M. Sopßaßezüge! Neste von 3|— 5 Meter Ipattditlig. Emil Lefiwpe, Nrantenstr. 158. Sozialdemokratischer Wahlverein 2. Wahlkreis Ausserordentliche Versammlung am Dienstag, de» 24. September, Abrndo 8'/, Uhr, im große» Saale der Kerliser- „Dock- Rpauepei", An, Tenipelhofer Kerg. Tages-Ordnung:[162? 1. Vortrag über:„Deutschland unter der neuen Wirthschastsära". Ref.: R. Schippet- 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Mitglieder werden auss genommen nnd auch Beiträge dort entgegengenommen. Zur Deckung der Unkosten findet Teller« ammlung statt. Um zahlreichen Besuch ersucht Dep Vopstand. 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IahrG. k LodalKommtjsto« veröffentlicht nachstehend die Liste y Wirthe, die ihre Lokale zu Versammlungen hergeben und aSk daß dieselbe an jedem Dienstag mit event. «»Änderungen abgedruckt wird, ferner, daß Veröffentlichungen £1 Vezug auf die Lokalfrage nur von den Herren Wilhelm �ttPcr' Stbaftianftr. 72, Arno Winter, Kövnickerstr. l2ö, HanS �a«, Gipsftr. 31, auszugehen haben. Alle eventuellen Un- rvgemcaßigkelten sind an die amanntcn Herren zu berichten. Adler-Brauerei, Gesundbrunnen. Bergschloßbrauerei, Rixdorf. Böhmisches Brauhaus. Bohne, Hasenhaidc. Bolzmann, AndreaSstr. 26. Bobert, Weinstr. 11. �Bürgerscile�, Dresdenerstraße. Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48-. Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. Feuerstein'S Salon, Alte Jakobstr. 75. Gratweil's Bierhallen, Konimandantenstr. 77/79. Gnadt, Brunnenstr. 38. Gottschalk(früher Hui), Badstraße, Gesundbrunnen. Gründer's Salon, Schwerinstr. 13. Heise, Lichtenbergerstr. 21. Heydrich's Säle, Beuihstr. 18/21. Jordan'S Salon, Neue Grünstr. 28. Köniazhof, Bülowstraße. Klein s Festsäle, Oranienstr. 180. Königsbank, Gr. Frankfurter str. 117. Krüger, Hochstr. 32-. LuisenstädlischeS KonzerihauS, Alte Jakobstr. 37. Mundt'S Salon, Köpnickerftr. IlX)(15 M.). Renz' Salon, Naunynftr. 27. Rennefabrt's Salon, Dcnnewitzstr. 13. Reyer, Alte Jakobstraße 83. Sanssouci, Kottbuserstr. 4(20 M.). Schneider, Belforterstr. 15. Sahm's Klubhaus, Ännenstr. 16. Silber'S Salon, Schwedterstr. 24. Schröder, Müllerstr. 178(Weddingpark). Schweizergarten, Am Königsthor. Süd-Ost, Waldeniarstr. 75. Scheffer's Salon, Jnfelstr. 10. Neustadtischer Volksgarten, ProSkauerstraße. Weimann's Volksaarlen, Gesundbrunnen. Wendt, DreSdenerftr. 116. Wollschläger, Blumenstr. 78. Wohlhaupt, Manteuffelftr. 9. Zemter, Münzstr. 11. ptforanifTe um de« fünften Ke»1tuer Keichstags- wohlkrtt» beginnt die„Freif. Ztg." zu hegen. Sie wendet ihrer letzten Nummer einen Leitartikel daran, die freisinnige Nanei und insbesondere den Abg. Baumbach gegen die An» pnsie eines in diefcm Wahlkreise verbreiteten Flugblattes zu «rrihndigen. In dem Leitartikel ist das wirthschaftliche und witale Programm des Freisinns wörtlich abgedruckt: is wäre gm, wenn es noch häufiger abgedruckt und recht rege verbreitet würde, damit Jedermann sieht, w,e inhaltslos cS ist. Aus viaenem weiß die»Freif. Ztg." dem Programm wenig hinzu- Zufügen. Sie brinot vor, daß die freisinnige Partei im Interesse »ermdeitendenKlassefürdieAusiechterhaltungderGewerbesieiheit, �r/izügigk/it und Koalitionsfreiheit einirete, daß dagegen»nach *>«• sozialistischen Staatsordnung alle Unternehmer, gioßen und kleinen Händler und Gewerbetreibende zu Arbeitern und Bedienten der sozialistischen Staatsregierur g würden, deren D kmtur sie um so unbarmherziger unterworfen seien, weil von »reter Staateregierung als dem tinzigen Unternehmer, Arbeit« »rber und Verkäufer jede ErweibSlhätigkeit abhänge". Herr Richter ist eben weder über seinen eigenen antiqunten man« Österlichen Standpunkt hinaus gekommen, noch hat er im Verständniß des Sozialismus einen Fortschritt gemacht. Das angeführte Argument von der»Diktalur der fozalistischen Etaatkregierung" stammt m derselben Fassung schon ans dem >>ahre 1877. Diese krasse Verständnißlosigkeit und Unwissenheit »idnidmt sich nun nicht etwa gelegentlich, sondern sie drängt nch emmaßiich auf und beansprucht, ein abschließendes Urtherl ** fällen. Was nun den freisinnigen Abgeordneten für Berlin V, Landrath Baumbach, insbesondere betrifft, so rühmt »Frkf. Ztg," demselben nach: »Wer die ReichstaqSreden des Abg. Baumbach in den stenographischen Berichten nachliest, der muß sich überzeugen, daß es keinen Abgeordneten giebt, der an arbeiterfreundllchcr Gesinnung l?md an lebhaftem Interesse für alle den Arc, i stand, die kleinen Geschäftsleute und Handwerk berührenden staatlichen und volkswirihschaftlichcn Fragen den Abgeordneten Baumbach übertrifft." Es war der Abg. Boumbach, welcher sich gegen das Ver« bot der Kinderarbeit aus dem Grunde erklärte, weil die Kinder »e« königlichen HaufeS»auch" ein Handwerk erlernen müßten! Wer diesen sozialpolitischen Standpunkt bei»arbeitecfrtundlichcr Gesinnung" einnehmen kann, dem mangelt das vormale Ver- stäadnih, ohne welches auch eine»arbeite, freundliche Gesinnnng" sj'chts nützt. Es dürfte noch mancher Wähler, der ein wenig über diesen Sozialpolitiker Landrath Baumbach nachdenkt, da« mich zur Beantwortung der Frage gelangen, wem er bei der nächsten Wahl im fünften Wahlkreise seine Stimme zu »eben hat. Aer Ucrüauf»«« Ledeno, Nittel» 1« de« Ka«»- fünre» hat neuerdings wieder die Aufmerkfamkeil der Be« hördrn auf sich gezogen. Als vor mehrere» Jahren das Verbot der Benutzung von Hausfluren zu Verkauf-zwrcken auf dem Wege der stiafgerichtlichen Entscheidung als ungesetzlich erachtet wurde, legte die Behörde der Sache noch keine erhebliche Be« drutuna bä da lediglich feuerpolizeiliche Rücksichten für den Ei laß der erfolgreich angegriffenen Verordnung maßgebend ge- wese» waren. Neuerdings aber stellt sich immer mehr heraus, daß auch vom Standpunkte der öffentlichen Gesundheispflege aus die Hausflure als Verkaufsstätten für Lebensmittel höchst be- denklich sind. Während in dem Hausflur die Lcbensmtttel frei und offen auslirgen werden im Hause Garderobenstücke ge- "'"igt, Ziinmer, auch wohl Krankenzimmer gelüftet, im Hofe Fußdecken uno andere Zeugftoffe ausgeklopft, denen ein reicher Staubgehalt innewohnt und kein geringer Theil dieses der Last mitgetheilten StaubeS nimmt seinen Weg durch den zugi- fl«» Hausflur und über die dort gelagerten NahrungSnnltel, «uf welche er sich niederläßt. Ja, es ist neuerdings in mehr- lachen Fällen beobachtet worden, daß aus Hausfluren, in denen Lekcnsmntel feilgeboten wurden, die Abtragung der Aschen« «nd Müllkästen stattfand, während der Verkaufszeit, so, baß der leicht der Luft mitthetlbare Inhalt der Kästen mitten f durch die Ve.kausSoorlälhc getiagen wurde. In neuerer Zeit' find für behördliche Anordnungen gerade bezüglich des Ver- kehrs mit Lebensmitteln gesundheitliche Rücksichten mehrfach maßgebend gewesen. Sollten die stattfindenden Beobachtungen genügenden Anhalt dafür ergeben, daß der LebenSmitteloerkauf in den HouSflmen, fei es allgemein, sei es in einem einzelnen, sveziellen Falle, gesundheitlich bedenklich erscheint, so ist ein Einschreilen in diesem Sinne mit Sicherheit vorauszusehen, nenn von interessirter Seite darauf gerichtete Anträge er- folgen. Nm verschiedene Arzneimittel vom Handverkauf in den Apotheken auszuschließen und die hierzu erforderliche Ver- ordnung des Kultusministers zu erreichen, ist unter den hiesigen Acrzten eine Bewegung eingeleitet worden, um aus den Er- fahrungm dieser Herren in ihrer ärztlichen Praxis das zur Begründung einer solchen Forderung nöthige thatsächliche Material zu erhalten. Zunächst handelt es sich um die Besei- tigung der Kardolsäme vom Handverkauf, da die unvorsichtige Anwendung derselben auch im verdünnten Zustande und namentlich bei äußerlichen Verletzungen zahlreiche gefährliche Erkrankungen zur Folge gehabt hat, auf welche noch kürzlich von Prof. Billroth in Wien besonders hingewiesen würde. Nicht minder gefährlich hat sich das chlorsaure Kali und das chlorsaure Natron' im fteien Verkehr erwiesen, dem von dem nicht heilkundigen großen Publikum die merkwürdig- sten Zeitwirlungen zugeschrieben werden, während thalsächlich die Arzneimittel in zu großen Dosen innerlich angewendet, eine todilich wirkende Vergiftung beim Menschen erzeugen. Es find»ahlreiche derartige VergiftungSsälle in der hiesigen Charitee zur Beobachtung gekommen, bei denen es sich um Vergiftungen thiilS aus Fahrlässigkeit, theilS zum Zwecke des Selbstmordes handette. Viele Fälle find denn auch tödtlich verlaufen. Schon jetzt ober soll in ärztlichen Kreisen darauf hingewirkt werden, daß diese Arzneien niemals als sogenannte Harismittel verordnet werden, deren Verdünnung und Vermischung mit anderen Stoffen den Kranken und Krankenpflegern überlassen bleibt; vielmehr sollen Lösungen der Arzneien in den Apotheken nach ärztlrcher Anordnung ausgeführt werden. Ei« treuer Freund! Unter dieser Spitzmarke lesen wir im»Verl. Tageblatt" das Folgende: Vor mehr als zwanzig Jahren lernte ich— so beriwtet uns ein früherer Polizei-Oisizier — bei meiner amtlichen Thäiigkeit ein Freundespaar kennen, welches unzertrennltch war. Die beiden Leute waren bei einer nächtlichen Razzia im Schlesifchen Busch von den Beamten auf- gelesen und nach dem Revier gebracht worden. Obwohl Beide in äußerst zerschlissenem Anzüge sich präsentirten, merkte ich auf den ersten Blick, daß ich ein paar niedergebrochene Gentlemen vor mir hatte, nahm sie deswegen mit auf mein Sprechzimmer und stellt.' hier da« Nationale fest. Der Eine, ehemaliger Offizier, hatte im Jahre 1864 die Düppcler Schanzen mit erstürmt, war verwundet, pevsionirt worden, seine Pension wurde ihm aber später aus irgend einem Grunde entzogen. Er fristete sein Leben schlecht und recht durch gelegentlichen Verdienst als Kolporteur, Stadtreisender, Schneeschipper. Der Andere, Assessor benannt, war wnklich Auskultator gewesen; versumpft durch Liebe und den Alkohol, machte er den Winkelkonsulenten oder vielmehr den juristtschen Berather eines solchen. Beide hatten in der schlechten Jahreszeit eine gemeinsame Schlafstelle in einer Küche bei einer Atbeiterfamilie in der Oppelnerstraße inne, während sie mit Beginn deS Lenzes dieselbe zu »Mutter Grün" verlegten. Beide hatten riesigen Muth für die Zukunft, von dem sie mir bei einer Zigarre und einer Tasse warmen Kaffees, die sie lange ent- behrt, Kennwik gaben. Der Lieutenant hoffte auf den Tod eines Onkels, der ihn verstoßen, aber ihm ein Ma- jorat hinterlassen mußte, der Jurist erwartete sein Heil von etneni Mailänder Loo«, welches er in früheren guten Tagen er- warben hatte. Beide sah ich später oftmals wieder, unzertrenn- lich, mit der Schnapsflasche auf den Bänken am Dönhoffs- platze sich herumtreibend, während des Wochenmarktes den Ver« käufern beim Ab- und Aufladen helfend und sich eine Kleinig- keit an G-ld und Lebensmitteln verdienend. Im vergangenen Jahr traf ich einst den»Assessor" allein; er erkannte mich so- fort wieder und erzählte bei»Assessor" allein; er etkannte mich sofort wieder und erzählte bei einem Glase Bier und einer Stulle, die ich spendirte, daß der Lieutenant seit Mo- noten spurlos verschwunden sei und er selbst noch immer gute und schlechte Rathschläge erlheile und auf sein»Mai- länder" hoffe.— Gestern Mittaq begegnete ich auf dem Leipziger Platz einem Kutschir-Phaeton mrt einem gar herrlichen Braunen bespannt; der Herr, eine vornehme mir bekannt vorkommende Erscheinung, fuhr selbst, der Kutscher saß hinten, und hinter dem Wagen rannte athemlos mein»Freund, der Assessor", her. Ich rief ttzn an, und Jener blieb keuchend einen Moment stehen, »v. K." mir zurufend und dann die Verfolgung des vornehmen Gefährtes weiter aufnehmend. Wie ein Blitz gingS mir durch die Seele, das war ja der auf den Tod des Onkels Hoffende von damals!... Soeben hat mich der„Assessor" verlassen, gänzlich gebrochen, die rechte Hand krampfhaft geschlossen(es war ein Thaler dann), so fand er sich in meiner Behausung ein. Er hatte mit Aufbietung seiner letzten Kcäfte den Wagen erreicht, als sein Herr vor einem Hotel Unter den Linden eben abgestiegen war. In einer Deftillalion hatte er Briefbogen und Kouvert erstanden und seinem früheren Freunde mit zitternder Hand gemeldet, daß er ihn gesehen, daß er von ihm Hilfe erwarte, da das Laos noch immer nicht herausgekommen; der Portier übernahm in einem Anfalle von auler Laune die Besorgung des Billets. Nach zehn Minuten kam er heraus, drückte dem vor Erwartung leichenblaß Wartenden einen Thaler in die Hand und sagte:»Der Herr Baron läßt Ihnen sagen, Sie möchten nun endlich ein ordentlicher, fleißiger Mensch werden, er schickt Ihnen die«."— Fürwahr ein netter, wahrer, nobler Freund da«, der Herr v. K., dessen vollen Namen unser Gewährsmann un« übrigens zum diskreten Gebrauch mitge« theilt hat. A«f dem Fadentisch» eines Drognenhändler« in der Reichenbcrgerftraße hatte derselbe verschiedene Schachteln mit Näschereien für Kinder aufgestellt. Diese Schachteln ver- schwanden stet« in auffallend rascher Weise, was sich der Händler nur so erklären konnte, daß Jungen aus der Nachbarschaft, die kleine Einkäufe bei ihm zu machen pflegten, sich diese Schachteln aneigneten, was um so leichter geschehe« konnte, als der Händler kurzsichtig ist. Dieser entfernte die gefüllten Schachteln von dem Ladentische, stellte aber doch, der Aus- stattung wegen, ewige andere, äußerlich ganz gleich aussehende dort hin, die er mit Sand füllte. Bald verüblen die Jungen vor dem Laden einen gewaltigen Lärm und schimpften in der ärgsten Weise gegen den Händler, der Sand in seinen Bon- lonschachteln habe. Als ein Schutzmann die Jungen zur Ruhe verwies und ewige derselben WS Verhör nahm, wollte zwar keiner etwas Näheres über die Sandschachteln wissen; seit der Zeit aber hat der Händler noch keine von den aufgestellten Schachteln wieder vermißt. Kertchttsnng.»Von ewem Hunde zerfleischt." Unter dieser Epchmarke brachten wir vor einigen Tagen einen Bericht über einen Unglücksfall in der Naunynstraße, nach welchem dort ein Hund einem Knaben Oberlippe und Nasenflügel derartig zerbissen haben soll, daß dieselben nur noch unkenntliche Fetzen gewesen seien.— Dieser Bericht übertreibt die Thatsache bei Weitem. Der Hund— ein Ziehhund— war mit Maulkorb versehen und saß vor der Thür, als ein vorübergehender Bursche mit einem Strick nach ihm scklug. Der Hund, wiederholt ge- schlagen, wurde böse, sprang auf den Schläger zu, welcher aus- wich. Hinter ihm stand der gebissene Knabe, welcher von dem erregten Hund umgeworfen und gebissen wurde. Daß die Wunden nicht derart bösartig sein konnten, wie der Bericht schilderte, verhinderte schon der Maulkorb. Die Oberlippe ist wenig verletzt und heute schon geheilt, während die Nase, welche von den Fänaen verletzt war, nur noch geringe Spuren davon zeigt. Der Besitzer deS Hundes'hat den Knaben sofort in seine Wohnung gebracht, die Wunden gekühlt und die Kosten des Verbandes aus der SanitätSwache bezahlt, auch der Mutter- desselben aus fteien Stücken Geld gegeben für etwa später nöthige Verbände. Polfteibericht. Am 21. d. M. Vormittags wurde die stark in Verwesung übergegangene Leiche eines unbekannten, etwa 40 Jahre alten Mannes in der Spree, in der Nähe des Schlosses Bellevue, angeschwemmt und nach dem Schauhause gebracht.— An demselben Tage Nachmittags wurde ein Mann m seiner Wohnung, iu der Aloenslebenstraße, erhängt vorge- funden.— Abends sprang ein unbekannter, etwa 20jähriger Mann von der Louisendrücke auS in den Kanal und ertrank. — Um dieselbe Zeit wurde ein vjähriger Knabe vor dem Hause Blücherstr. 8 durch einen Break überfahren und starb bald darauf infolge innerer Verletzungen.— Zu derselben Zeit siel der Kutscher Goldmann am Kreuzungspunkt der Pank- und Reinickendocferstraße von seinem mit Mauersteinen beladeten Wagen, wurde überfahren und erlitt schwere innere Ver- letzungen, sowie eine Zermalmung der linken Hand.— Am 22. d. M. Vormittags wurde ein 74jähriger Mann vor dem Hause Wendenstc. 1 durch einen OmmbuS über- fahren und am Kopfe und am linken Arm schwer verletzt, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nachmittags vergiftete sich ein Arbeiter in der Wohnung seines Bruders in der Urbanstraße Nr. III mittelst Karbolsäure.— Zu derselben Zeit erschoß sich ein Dachdecker in seiner Woh- nung in der Borsigstraße mittelst eines Pistols. Die Leichen der beiden vorgenannten Personen wurden nach dem Schau- bause geschafft.— Abends wurde vor dem Hause Friedrichstraße Nr. 114 A ein Portier von einer Droschke überfahren und erlitt dadurch so bedeutende Verletzungen, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— In der Nackt zum 22. d. M. ent- stand vor dem Hause Pappel-Allee Nr. 129 zwischen einem Zimmermann und einem Arbeiter eine Schlägeret, wobei elfterer durch einen Messerstich im Rücken verwundet wurde.— Am 22. d. MtS. fanden an fünf verschiedenen Orten und in der Nacht zum 23. d. MtS. in der Kreuzbergstraße Nr. 46 kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. Kemigung der Bel>ötk«ru»g der Ktadt grrtin. In der Woche vom l. bis 7. öctnernkc 1889 fanden 223 Ehefchtiebunacn statt. Ledend geboren wurden!»t7 Kinder, darunter 103 aubercbettch, todigcboren waren 2S mit 8 auzereheticheu. Die Letiendgeborene» sind 81,9, die Todtgeborenen 0,9 pro Mille der Bevdlkerung, die au&erebetich Geborene» sind bei de» Lebendgedorenen 11,2, bei denTodlocborenen 32,0 pCt, Die 3al,l der gcnicldetcn Cterbessille betrag 495, die sich auf die Wochentage wie folgt vertbeileu I Sonntag 74, Montag 77, Dienstag«9, Mittwoch 70, Donnerstag 84, Freitag«3, Sonn. abend 58, Bon den Gestorbenen erlagen an Maseru 1, Scharlach 5. Dtofe 1, Divbtberie 15, Brttuuc 0, Keuchbuiicn 7, siindbettsieber 3, TgphuS 6, epidern, Genickstarre 0, tsiubr 1, 6 IIS 1)1116 0,«IterSIckwüche 14, Gebirnschtag 6, Lungeuenizündting 18, Lungenschwindsucht 52, Diarrhoe 88, Brechdurchsalt£8 Magcndarackatarrh 25. Durch Vergiftung kamen 3 Personen um, hier- von 2 durch Seibttrnord, 1 durch itlkoholvergistung(Delirium tremene). Eineg gewaltsamen TodeS starben 18 Personen, und zwar dnrch Verbrennung oder Verbrllbung2, Erhtingen l. Ertrinken 1, Ersticken 1, Uebersahren 2, Sturz oder Sckiag 4 Schuhwunde 2. pierunter sind 4 F stille durch Selbstmord herbeigesiihrt Dem Alter nach und die Gestorbenen Unter 1 Jahr alt 218<44 vCt. der Gesammlsterblichkeit). 1"5 Zabre 59, 5-15 Jahre 20, 15-20 Jahre 4. 20-30 Iahte 29, 80-40 Jahre 38, 40-60 Jahre 59, 00-80 Jahre 57. über 80 Jahre 11 Personen, In hiesigen Krankenhäusern starben 110, ei». schtiehiich 18 Auswärtige, weiche zur Behandlung hierher gebracht waren, Aus die Standeiümter vertheilerr sich die Todesstille solgenderrna&en■ Bertin. Kdll». Dorotheerrstadt(l.) 13, Frlcdrichstadt(II.) 17, ftriedrich. und Schöne. berger Vorstadt(III) 20, Friedrich- und Temvelhoser Vorstadt(tv.) 40, Louisen. stadt seriscit, westlich trug in Aachen 31,3, Altona 17,7, Barmen 16,3, Bremen 14,8, Breilau 25,0, Ehemnih 27,7, Danzig 19.6, Dreiden 20,3, Düsseldorf 18,5, Elberfeld 18,4, Stantfn» a. M. 18,0, Hamburg mit Vororten 26,9, Hannover 18,5, Köln 24 5, öuigSberg 26,2, Krefeld 20,9, Leipzig 18,8, Magdeburg 23,4. München 28.1, Nürnberg 25,2, Stettin 25,7, Strahburg i.®.- ,0, Stuttgart 12,6 aus Tausend In anderen Grohstödten Europa« mit mehr als drcihundcrttauscnd Einwohnern betrug die StcrblichkeitSziffer in Amsterdam 17,7, Budapest(Vorwoche) 28,6, Dublin 18,6, Liverpool 18,2, London 14,0, Paris 20,5, Petersburg(Vorwoche) 24,6, Warschau(Vorwoche) 85,6. Wien(Vorwoche) 17,5 aus Tausend. ES wur< den 8957 stugczogene. 2971 Weggezogene gemeldet, so dah sich die Bevölkerung mit Einrcchnung der nachttögstch gemeldeten Geborenen und bei Zuschlage», der den Weggezogenen ersahrungtnnöhig zugerechnet werden muh, um 1196 per- mehrt bat, die Einwohnerzahl bettügt sonach am Schlüsse der BericktSwochc 1 498 849, In der Woche vom 8, Scptbr, bis 14. Septbr, kamen zur Meldung JnsektionS.ErkranknngSsölle an Tpphut 35, Pocken 0, Masern 15, Scharlach 94, Diphtherie 91, Kinddcttsieber 2. ©CKirfrlö-Bctfirufl. Gi« Kettenstück zu dem am Freitage verhandelten Gistmord-Prozeß gegen den Kammerdiener Prochnow beschäftigte gestern das Schwurgericht � des Landgerichts I. Wiederum lautete die Anklage auf versuchten Giftmord und wiederum war es ein Ehemann, welcher beschuldigt war, daß er Frau und Kind auf diesem vetbrccherifchen Wege aus dem Wege räumen wollte. Aus der Unteisuchungshaft wurde der 1861 zu Berlin geborene Klempnergeselle Rickord Bernhard Fritz Büttner vorgeführt. Ter bisher unbestrafte Mann schien schwer unter der Wucht der schweren Anklage zu leiden, denn bei Beginn der Verhandlung brach er gitternd auf dem Stuhle zusammen und erst nachdem er sich durch den Genuß eines Glases Wasser erholt hatte, konnte der Präsident, Landgerichtedirektor Humbert das Jnquisitorium mit ihm vornehmen. Die Anklaaebehörde wird durch Staatsanwalt F l i ck e l vertreten, die Vertheidi- (ung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Oppen. eimer.— Präs.: Angeklagter, bekennen Sie sich schuldig? — A n g e k l.; Nein; solche Gedanken habe ich nie gehabt.— Präs.: Wann haben Sie oeheirathet?— A n a e k l.: Im Jahre 1885.— Präs.: Wen?— A n g e k l.: Das Dienstmädchen Auguste Hahn.— Präs.: Haben Sie Kinder?— Angekl.: Ja, zwei, ein« ist gestorben� bin Knabe Otto ist bald zwei Jahre alt.— Präs.: Wie yaben Sie mit Ihrer Frau geftbt?— Angekl.: Ganz gut.— Präs.: Haben Sie nicht Anfang dieses Jahres eine unverthe- e Krabiebl kennen gelernt?— Slnafkl.; Ja, bei m Vergnügen im Kriegerverein.— Präs.: Sie haben mit ein Liebesverhältniß angeknüpft?— A n g e k l.: Ja, dag e ich gethan.— Präs.: Sie sollen ihr auch die Ehe ver- chen haben?— Angekl.: Nein, das muß ich bestreiten. Präsident: Hat die Krabiehl Sie nicht beim inne der Bekanntschaft gefragt, ob sie verheirathet ?— AngeklapZter: Ja.— Präs.: Nun, was tn Sie geantwortet?— Angekl.: Ich habe allerdings gt, ich wäre nicht verheirathet, aber ich habe mir nichts ei gedacht.— Präs.: Merkwürdig. Sie haben sich nichts ei gedacht. Haben Sie der Krabiehl nicht gesagt, daß Ihre u im Krankenhause verstorben ist?— Angekl.: r, wie werde ich so etwas sagen.— Präs.: Nun, werden ja hören. Kennen Sie einen ge- en Runge?— Angekl.: Ja, es ist ein Kollege von mir. Präs.: Ist dessen Frau nicht gestorben?— Angekl.: — Präs.: Waren Sie bei der Beerdigung?— g e k l.: Ja, der ganze Verein war dabei.— Präs.: , die Krabiehl auch anwesend?— Angekl.: Ja.— äs.: Haben Sie bei der Gelegenheit dem Fräulein nicht Grab gezeigt und gesagt, das wäre das Grab Ihrer Frau? Angekl.: Nein, dies muß ein Jrrthum sein, ich bade il von dem Grade meiner Schwester gesprochen.— Präs.: j:klagter, Sie sollten lieber die Wahrheit sagen.— Angekl.: � Präsident, ich sage die Wahrheit.— Präs.: Haben wirklich mit Ihrer Frau gut gelebt?—Angekl.: rz gut, wenn natürlich auch ab und zu Streitigkeiten vor- mmen sind.— Präs.: Haben Sie im vorigen Sommer ier Arbeit gehabt?— Angekl.: Nein, ich hatte keine eit, ich war auch in Schulden gerathen.— Präs.: Haben sich nicht einmal das Leben nehmen wollen?— A n g e k l.: mehrmals.— Präs.: Womit denn?— A n g e k l.:(Auf Zeupentrsch zeigend, auf dem sich ein Fläschchen mit einer kten Flüssigkeit befindet.) Mit demselben Gifte, das dort �— Präs.: Was ist denn das für ein Gift?— gekl.: Es sind Hoffmannstropfen mit Cnankali drin.- a s.: Ihre Frau hat einmal in einem Tassenkopf in einer ren Wasseimenge eine Anzahl abgebrochener Streichholzköpfe jifunden. Was hatte das»u bedeuten?— Angekl.: war nur ein Scherz.— Präs.: Im Januar hat Ihre -u ferner ein Stück Cyankali vorgefunden. Was wollten Sie it?— Angekl.; Ich wollte es zum Versilbern eines hlages gebrauchen; ich habe der Frau gesagt, daß sie das ck Cyankali unberührt lasten sollte. Ein abgebröckeltes ckchen habe ich in das Fläschchen mit HoffmannStropfen an, welches ich bei mir trug.— Präs.: Welchen Zweck : das nun wieder?— Angekl.: Ich wollte mich vergiften. Präs.: Das kann nachträglich Jeder sagen. Thatsäch- haben Sie sich doch nicht vergiftet. Was hat davon abgehalten? Sie haben doch das Fläschchen .ere Tage mit sich herumgetragen, ehe Ihre r dasselbe fortnabm.— Angekl.: Ich habe bei rem Bruder das Fläschchen schon einmal an den Mund st, derselbe hat es mir aber fortgerissen.— Präs.: Sie n sich also nicht vergiftet, sondern mit dem Fläschchen eine re Manipulation gemacht. Erzählen Sie einmal die Kaffee- ichte, die sich Mite Januar abspielte.— Angekl.: Ich für meine Familie Kaffee gekocht und davon eine Tasse abgegossen, in welche ich drei bis vier Tropfen aus dem chchen hineintbat.— Präs.: Von welcher Absicht wurden dabei geleitet?— Angekl.: Ich wollte mir das Leben ren.— Präs.: Warum haben Sie denn, wenn Sie diese cht wirklich hatten, den Kaffee nun nicht auch ge- ken?— Angekl.: Derselbe war zu heiß und da ich .ehen mußte, um nach Arbeit zu suchen, habe ich die Tasse die Maschine gestellt.— Präs.: Jawohl; Sie haben entfernt, ohne Ihrer Familie auch nur irgend eine War- z bezüglich des Kaffees zu Theil werden zu lassen. Als nach zwei Stunden wieder nach Hause kamen, sind Sie ganz ruhig gewesen, haben sich gar nicht um die Tasse ee weiter bekümmert, bis Ihre Frau fragte, was Sie denn en Kaffee gethan haben?— Angekl.: Ich habe den :e dann fortgegossen.— Präs.: Sie haben in einem sehr isten Briesverkehr mit dem Frl. Krabiehl gestanden und lben auch wiederholt geschrieben, daß dieselbe Ihnen„lieb wertb sei" u. s. w.— Angekl.: Ich habe das Alles aus Mumpitz geschrieben.— Präs.: Das wäre aber ein schlechter„Mumpitz". Wollen Sie nicht lieber die Wahr- sagen?— A n g e k l.: Ich kann nur sagen, daß ich dem dein nicht die Ehe versvrochen habe."— Präs.; Dann liegt ein Brief vom 25. Februar vor, welchen Sie sogar in r Wohnung aeschneden haben, während Ihre Frau im wer war.— Angekl.: Diesen Brief habe ich nur ge- chen, damit ihn meine Frau finden sollte, und ich auf diese e von dem Fräulein loskommen könnte. M Präs.: DaS n Sie doch viel einfacher haben können, wenn Sie ben:„Bedauere sehr, ich bin verheirathet!"— Angekl.: wollte ja blas, daß dieser Brief von meiner Frau ge- en werden sollte.— Präs.: Der Brief, dessen Bogen ei schöne Bilder von HauS- und Kllchengeräth mit der rschrift„Fritz Büttner, Klempnermeister," trug, lautet:„Liebe sie! Ich habe mich Ihre Worte von neulich noch einmal durch Topf gehen lassen. Ich theile Sie nunmehr mit, daß ich die :surkunde vom Standesamte einlösen und Sie unter- en werde. Ich komme natürlich nicht eher zu Sie, bis ich diese Urkunde vorlegen kann und das wird hoffentlich nicht ; lange dauern. Bis auf Wiedersehen, liebe Emilie, ver- e ich Ihr guter Freund Büttner, wenn Sic mich gestatten, so nennen zu dürfen". Wae wollen Sie mit der„Todes- nde" sagen? Dafür haben Sie doch gar keine Erklärung. l n g e k l.: Ich habe mir dabei gar nichts gedacht. Es : der Brief ja von meiner Frau gefunden werben und ich ihn deshalb in den Reck gesteckt. Es war nur Scherz.— Präsident: Ach so, es war er„Mumpitz". Das ficht dcch ganz so aus, als n Sie eine über den Tod Ihrer Frau zu besorgende csurkunde im Auge gehabt und unter dieser achtung sieht die Geschichte mit dem Kaffee doch sehr be- ich aus.— Angekl.: Ich habe nie vie Absicht gehabt, s Frau zu tödten.— Präs.: Sie haben, als Sie ver- t worden waren, zuerst die Absicht, Ihre Frau zu tödten, ten. Am nächsten Tage aber haben Sie die Absicht zu- nden.— Angekl.: Das habe ich bloS aethan, weil ich ch Ruhe haben wollte.— Präs.: Was soll das heißen? l n g e k l.: Weil man mir so sehr mit Redensarten traktirte das Zugeständniß haben wollte, habe ich es abgegeben.— f.: Am folgenden Tage haben Sie das Gestävdniß dann mfen.— Angekl.: Ja wohl!— Präs.: Bei Ihnen rch ein Revolver vorgefunden worden.— Was wollten denn mit dieser Schußwaffe.— Angekl.: Die hat mir al ein mir unbekannter Mann zum Reinigen übergeben.— i s.: Sie sind am 18. April aus der Untersuchungshaft ssen worden. Was haben Sie danach begonnen?— ; e k l.: Ich habe meine Frau aufgesucht, welche inzwischen nc Schlatstelle in der Pücklerstraße gezogen war. Ich te dort aber nicht bleiben, obgleich mich meine Frau wieder ehmen wollte. Ich bin dann in eine Schlafstelle in der teuffelstraße gezogen und Arbeit gefunden, bis ich am )!ai wieder verhaftet worden. Die Beweisaufnahme ist sehr einfach. Der erste Zeuge, inalkommissariuS Oßmann, welcher den Angeklooten st vernommen hat, bekundet, daß derselbe gleich von An- an Bemerkungen gemacht habe, die etwa so lauteten, seine Frau ihm'�zechen möge, da so etwas nie wieder -mmen sollte. Sparer habe der Angeklagte direkt zu- >en, daß es seine Absicht gewesen sei, Frau Kind zu vergiften, weil dieselben seiner Ver- heirathung mit Fmulein Krabiehl im Weg« standen. Er habe deshalb die Flüssigkeit in den für seine Femifie bestimmten Kaffee gegossen.— Der Zeug« bestreitet, den Angeklagten zu einem falschen Geftändniß überredet zu haben. Der Angeklagte bleibt jedoch dabei, daß ihm sebr zugesetzt worden fei und er nur, um Ruhe zu haben, das Geftändniß gemacht habe. Die Beamten hätten ihn„Lump" und„Strolch" geschimpft, so daß er schließlich Alles unterschrieben habe. Die bei der Einlieferung des Angeklagten zugegen ge- wesenen Polizeibeamten, welche die tbalsachlichen Anaaben des Vorzeugen bestätigen, bestreiten gleichfalls, daß mit Ausnahme allgemeiner Ermahnungen zur Wahrheit irgendwie auf den Angeklagten eingewirkt worden sei.— Der Vertheidiger fragt den Wachtmeister Thiele ob nicht dem Bruder des Ange- klagten, als er demselben etwas zu essen bringen wollte, ae- sagt worden sei,„der Lump braucht nichts zu essen". Der Zeuge bestreitet dies. Der Zeuge, Arbeiter Runge, in dessen Familie Frl. Krabiehl verkehrt, erzählt, daß der Angeklagte im Dezember an ihn die Frage gerichtet habe, ob er nicht eine Frau für ihn wüßte. Er habe sich nämlich unverheirathet gestellt und als ihm die Krabiehl als passende Partie vorgeführt wurde, bade er ge- äußert:„Das ist gerade so eine Frau vor mir." Der Zeuge will keine Ahnung davon gehabt haben, daß Bültner verheirathet sei und bekundet, daß in der That der Angeklagte einmal mit seinem(des Zeugen) Schwager auf dem Thomas-Kirch- Hof gegangen fei und ihm da das angebliche Grab seiner Frau gezeigt habe. Die LljährigeArbeiterin Krabiehl bleibt dabei, daß der Angeklagte, den sie durch Runge kennen gelernt, ihr sofort die Ehe versprochen habe. Später bobe sie im Kriegerverein gehört, daß derselbe verheirathet sei. Als sie ihm Vorhaltungen darüber gemacht, Hobe er das bestritten und gesagt, seine F-au sei vor drei Jahren im Kcankenhause gestorben und zur Bekiäf- tigung dessen habe er ihr einen Brief gezeigt, welchen angeblich seine Frau auf dem Krankenbette geschrieben haben solle und in welchem die Frau in rührenden Worten von ihm Abschied nimmt. Später, als die Frau Runge auf dem Emmaus-Kirchhof beerdigt wurde, sei der Angeklagte mit mehreren Bekannten aus den benachbarten Thomas- Kirchhof gegangen, habe dieselben nach dem angeblichen Grabe seiner Frau geführt und bittere Thränen vergossen. Er habe ihr dann einmal gesagt, daß er ihr an ihrem Geburtstage seine ganzen Verhältnisse k-ar legen würde. Sie habe ihn gefragt, ob er aus seiner ersten Ehe Kinder habe, derselbe habe dies aber geleugnet und im Uedrigen ihr gegen- über immer so gethan, als od er ein großer Bauklempner sei. Sie sei auch wiederholt bei der Mutter des Angeklagten und dem Bruder desselben gewesen, ohne daß ihr auch diese ein Wort davon gesagt hätten, daß der Angeklagte verheirathet sei. Sie habe dann schließlich, als sie trotzdem gehört, daß der Angeklagte eine Frau bade, einmal eine Freundin zu der Wohnung desselben hinauf geschickt und da habe derselben eine Frau geöffnet, welche sich als die Frau des Angektagtcn ausgab. Frl. Minna Hahn, die Schwester der Frau des Angeklagten, hat von ihrer Schwester mehrmals Klagen darüber gehört, daß der Angeklagte so oft des Tages und auch des Nachts fort- bliebe. Als sie eines TazeS von ihrer Schwester gerufen wurde und sie den Brief mit den Andeutungen auf die„Todes- Urkunde" gelesen, habe sie sofort gesagt, daß der Angeklagte allem Anscheine nach gegen seine Frau etwas ausüben wolle. Erst da habe ihr die Schwester die Koffeegeschichte erzählt und ihr auch ein Stückchen Zyankali, welches sie aufbewahrt und versteckt hatte, übergeben. Von Nervenansällen de« Angeklagten sei ihr nichts bekannt geworden; derselbe sei vielmehr ganz heiter gewesen. Der Klempner Wiedemann, ein Bekannter des Ange- kagten, ist Zeuge gewesen, als der Angeklagte an jenem Tage, wo die Kaffeegeschichte passirte, nach Hause kam. Die Frau habe ihn gefragt, was er denn in den Kaffee gethan, worauf der Angeklagte gar Nichts erwidert bade. Ein paar Tage darauf habe die-Frau zu ihm getagt:„Jetzt weiß ich. was mein Mann in den Kaffee gethan. Ich habe hier ein Fläschchen mit Hoff- mannStropsen gehabt und jetzt habe ich entdeckt, daß dasselbe zugesetzt sei, wie dem Kaffee. Ter Zcuge, welcher dies Fläsch- chen der Polizei überliefert hat, bestätigt dem Angeklagten, daß ihm dieser einmal erzählt habe, seine Frau habe einen Brief erhalten, den sie vor ihm verheimlicht und verbrannt habe, Der Angeklagte sei ziemlich erregt darüber gewesen, so daß er demselben gut zureden mußte. Selbstmordgedanken habe sie von demselben nicht gehört, dagegen habe rhu die Frau des- selben den Verdacht geäußert, daß ihr Mann sich um die Ecke bringen zu wollen scheine. Frau Büttner, die Frau des Angeklagten, lehnt ein Zeugniß ab, da ihr Mann Reue gezeigt und sie demselben verziehen habe.— Auch die Mutter des Ange- klagten und der Bruder desselben verweigern ihr Zeugniß. Der chemische Sachverständige Dr. Burchardt giebt das Gewicht des von brr Frau des Angeklagten überreichten Stückchen Cyankali auf 17,g Gramm an. Das Gewicht des Fläschchens beträgt 22 Gramm, in dem Inhalt sind 36,78 pCt. Cyankali, also der dritte Theil der Flüssigkeit bestand aus Gift. Nach Ansicht des Sachverständigen find 0.3 Gramm tödtlich und von der in dem Fläschchen enthaltenen Mischung würden etwa 17 Tropfen dazu gehören, um zu tödten. Der Angeklagte behauptet, daß er nur zwei oder drei Tropfen in die Kaffeetasse gethan und der Sachverständige bestätigt dem Vertheidiaer, daß so wenige mit Kaffee vermischte Tropfen nicht tödtlich sein würden. Auf Antrag des Vertheidigers stellt der Vorsitzende aus den Akten fest, daß s. Z. der Staatsanwalt den Antrag auf Haftentlassung und Einstellung des Verfahrens gestellt, die Strafkammer aber trotzdem die Fortsetzung des Verfahrens an- geordnet habe. Damit ist die Beweisaufnahme erschöpft. Nach viertelstündiger Pause ergreift Staatsanwalt Flickel das Wort zu seinem Plädoyer, welchcS er mit der Bemerkung einleitet, daß der vorliegende Fall im Wesentlichen mit dem Freitag verhandelten übereinstimmt. Er glaubt, daß die Ge- schworenen auch in diesem Falle auf Grund des Resultats der Beweisaufnahme zu einem Schuldigfpruche gelangen werden und alle zu Tage geförderten verdächtigen Thatlachen h.rvorhtbend, gelangt er zu dem Schlüsse, daß die Schuld des Angeklagten als erwiesen anzusehen sei. Der Vertheidiaer sprach dagegen seine Ueberzeugung dahin aus, daß die Geschworenen auf Nichtschuldio erkennen wür- den. Alles dasjenige, was der Staatsanwalt belastend ange- führt, das vor der Polizei abgelegte und später widerrufene Geftändniß des Angeklagten einbegriffen, sei auch der Staats- anwoltschaft bekannt gewesen, als sie derzeit Einstellung des Verfahrens beantragte und das Belastungsmaterial habe sich durch die Verhandlung doch keineswegs derart vermehrt, daß dieGe- schworenen nunmehr eine andereAn ficht gewonnen haben müßten, wie früher der Staatsanwalt. Die Behauptung des An- geklagten, daß er das Gift selbst habe nehmen wollen, sei keineswegs als unglaubwürdig von der Hand zu weisen, das ganze damalige Verhältniß zu der Krabiehl, welches einer Enl- tcheidung entgegenging, konnte in dem Angeklagten wohl den Gedanken reifen, einen schon früher gemachten Selbstmord- versuch zu wiederholen. Am Schlüsse wies der Vertheidiger noch darauf hin, daß da« angewandte Mittel in der Form und Quantität keineswegs einen tödtenden Erfolg gehabt haben würde und auch dies sei ein wesentlicher Grund, die Schuld- frage zu verneinen. Die Geschworenen bericthen kaum eine Viertelstunde. Sie sprachen den Angeklagten schuldig. Der Staatsanwalt bc- antragte eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren' und fünf Jahre Ehrverlust. Der Angeklagte bat um Zu- billigung mildernder Umstände. Das Urtherl des Gerichtshofes lautete nach dem Antrage des Staatsanwalts. Ei« übrrrakchvvdrs Grgrbuist törderte eine Gerichts- Verhandlung zu Tage, welche das hresige Schöffengericht be- lchäftigte. Vor demselben halte sich der Handelsmann C. wegen Beleidigung eines Amtsvorstehers zu betchäsligten. Der Ange- klagte halte sich in einer Erbschaftssache auf das von einer Erbin beim Amtsgericht N. eingereichte Inventar zu erklären und cr überreichte dem Gericht ein darauf bezügliches Schrist- stück, welches ihm der Buchhalter R. aus Gesäui�keit versaßt hatte. Als Antwort erhielt der Angck agte von der Staate- anwaltschaft die Nachricht von der Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens wegen Beleidigung des AmtSvoisteherS seines O tts und zwar wurde behauptet, daß in dem Schriftstück der Satz stehe:„Die Sache wäre zu beiderseitiger Zufriedenheit von Statten gegangen, wenn der Amtsvorsteher daber nicht gesoffen hätte." Der Angeklagte betheuerie, daß ihm ein solcher Vorwurf durchaus fern ge» legen und daß er dem Buchhalter R. kerne dahin gehende Information gegeben habe. Der Vor- sitzende uno der Staatsanwalt stellten jedoch fest, daß das ominöse Wort lhaisächlich in dem Schnststück enthalten war und auch der Angeklagte mußte dies zugeben. Auf Antrag d-s Vertheidiaer?, Rechtsanwalt Sachs, wurde nun der Verfass e des qu. Schnfistücks, Buchhalter R., vernommen. Auch dieser bestritt eme derartige Beleidigung des Amtsvorstehers, mußte jedoch, nachdem er einen Blick in die Akten geworfen, zu seiner eigenen Uekerraschung zugeben, daß das verhängnißvolle Wmt von seiner eigenen Hand niedergeschrieben sei. Schon sch'ckte sich die Staatsanwaltschaft an, den Strafantrag zu begründen, do erbat sich der Zeuge nochmals die Vorlegung des Schriftstückes und er stellte nunmehr fest, daß der fragliche Passus lautete: „W enn de r Amt Soor st eher dabei nicht— ge' Holsen hätte." Eine sofort vorgenommene Schriftvergle!- chvng ergab die Richtigkeit dieser Angabe. Der Staatsanwalt ließ nunmebr diesen Theil der Anklage fallen, hielt dieselde aber in anderen Punkten aufrecht, während das Gericht den Ausführungen der Vertheidigung folgte und den Angeklagten gänzlich s res spr ach. Zum Schlüsse der Verhandlung ei- klärte der ebenfalls vernommene AmtSvorsteher, er werde sich über das Gericht beschweren, welches von Amtkwegcn der betr. Erbin und ihm die Abschrift des Schriftsatzes zugestellt, in we!- chem der Vorwurf der Trunkenheit, wie sich Herausgestell', gar nicht enthalten war. Ei«« fabelhaft klingend« Pfändungsgefchichte svielte sich vor kurzem in Arens darf im Zielenziger Keeste ab. Der Bauern gutsbesitzer Gustav S i e d k e halte verabsäum', in einer Verwaltungsstreitsache entstandene Kosten in Höhe von 22,W M. rechtzeitig an den KreiSausschuß in Zielenzig abzu- senden. Infolge dessen erhielt der AmtSvorsteher in A. Auf- trag, dielen Betrag durch Zwangsvollstreckung von S. einzuziehen. Am 20. Juni c. erschien der Exekutor Filsch in der Wohnung des S., um zu pfänden, und erhielt von diesem einen Hundertmarkschein. Da der Beamte darauf nicht heraus- geben konnte, verlangte S. eine Quittung über 100 M. Erstercr zog es aber vor, fortzugehen, einen auf dem Hofe stehenden Wagen im Werthe von über 100 Mark zu pfänden, denselben gleich mit fortzunehmen und Verkaufstermin auf den 27. Juni anzuberaumen. Am 22. Juni, also 5 Tage vorher, sandte S. pr. Postanweisung 23,1 SM. an dm KreiSausschuß in Z. ein und glaubte, daß er nunmehr dm gepfändeten Wog'» zurückerhalten würde. Weit gefehlt! Am 28. Juni erschien der Erekutor wieder bei S., theilte mit, daß der Verkauf des Wagens für ca. 17 M. stattgefunden hat, mithin 6,40 M. zu wenig ergeben habe, deren Zahlung er nun ver- lange. S. protestute und zeigte dm Postschein vor, der Exe- kutor ließ sich aber auf nichts ein und pfändete einen zweiten Wagen, der aber erheblich werthvoller war und dem Eigen- thümcr 250 M. gekostet hat. Auch dieser Wagen wurde verkauft und brachte 80 M., also 170 M. unter seinem Werthe. Die Beschwerde gegen dieses geradeeu ungeheuerliche Verfahren würbe vom Kreisau-schuß zurückgewiesen und S. aufgefordert, den eingesandten Betrag an der Kasse des KreiSauSschusse« baldigst abzuheben. Dieser hat nun- mehr dm Rechtsanwalt Dr. Fla tau in Berlin bevollniächtHt, gegen dm Bescheid des KeeiSausschusseS Beschwerde einzulegen, sowie gegen die an dem unrechtmäßigen Verkälts der Wage» schuldigen Personen die Entschädlgungsklage anzustrmgen. Öjjjinlc Ttelrevltrhk. De« Parquetbodevleger««nd Tifchleru Kerlius zur Nachricht, daß im Bau Friedrich- und Leipziger straßm- Ecke, Firma Wolgast, unter dem vom Verein der Parquelbodenteger Berlins normirtm Preise gearbeitet wird, da für das Verlegm der Boden für den Quadratmeter nur 1,10 M. gezahlt wüd. Zuzug ist fern md alten. Der partielle Streik in den Kistenfabrike«:„Potent- Kistenfabrik, Aklien-Gesellschafl",Neue Jakobstr. 6 und Mühler- straße 8, sowie bei Fuhg, Lindenstraße 35, dauert fort. Zuzug ist strengstens fernzuhalten. DerlV»«nluwaen. Eine Verla«» r.l.'nng der Vereinigung deutscher Stellmacher(Mugl'edschaft Berl, ns) tagte am Mutwoch, den 18. d. M., in Scheffer'S Salon, Jnselstr. 10. Aus der Tagesordnung stand: I. Vortrag des Herrn Pirch über:„Gewerbe- Schledsgerichte". 2. Diskussion. 3. Be- sprechung des HerbergsivesmS. 4. Wahl emer Arbeitsausoabe- koa Mission. 5. Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Nach- dem das Protokoll der letzten Versammlung verlesen und an- genommen war, erhielt Herr Pirch das Wort zu feinem Vor- trag. Der Vortragmde hielt es für angemessen, daß sich die Arbeiter hierüber aufklären, da doch schon ein jeder einmal in der Lage kommen könne, daß er die Gr- Währung von Rechtsschutz in gewerblichen Streitigkeitm beanspruchen muß. Redner schildert zunächst die vielen Hmtecthüren, die diese Paragraphen enthalten, und wodurch eS in dm meist m Fällen dem Arbeitgeber gelingt, dem Arbeiter ein Recht illusorisch zu machen. Redner kam in seinen Aus- ührungen auch auf das allgemeine gleiche und geheime Wahl- recht und ermahnte die Anwesenden, dieses mit aller Kraft zu fordern, und wenn die Forderung auch zehn Mal abgewiesen wird, so solle man nicht aufhören, zu pochen und sich das elfte Mal auch noch abweisen lassen. Dieser lehrreiche Vortrag er- zielte den lebhaften Beifall der Anwesenden. In der Diskussion fprach Kollege Halpap sein Bedauern darüber au«, daß noch viele Arbeiter so unaufgeklärt, find und nicht einmal ihre Unter- schrist zu einer Petition hergeben. Daher käme es nur, daß diele Forderungen stets illusorisch gemacht würden. Nach Schluß der Diskussion wurde das Herbergswesen besprochen und der Antrag gestellt, daß das Herdergslokal, verbunden mit Arbeitsnachweis von der Blumenstr. 56 nach Dresdcnerstr. 116, bei Herrn Mendt verlegt werde. Der Antrag wurde ein- stimmig angenommen und wurde nun zur Mahl einer Arbeit-- ausgabekommission geschritten. Kollege Böhme stellte den An- trag, daß nur ein Mann gewählt werde, dem dann eine kleine Vergütigung zukommen soll. Kollege Geelhrar stimmte dem Antrag voll und ganz bei und beantragte, daß der Betreffende m't 10 Mark pro Monat besoldet werde und noch ein Ersatz- iIVu,'k"n?�isor gen ählt werde. Dieser Antrag fand die Zustiwmung der Versammlung. Mithin wurde nun 'U£ keschlitien und Kollege Rosenberger als ArbeitsauS- m' Kollege Höhne als Eriatzmann und Kollege Schröder als »evisor gewählt. Als sich nun zum Punkt 5 auch ein Herr ■wuller, Kistenmacher, zum Wort meldete, protcstirte der über wachende Beamte dagegen und meinte, es fei nur eine Mit gnederversammlung und Gäste haben keinen Zutritt, sonst wuhte das mitangemeldet sein. Herr Müller mußte somit aufs Wort verzichten. Kollege Geelhvar erörterte, was Herr Müller arortern wollte. Da sich die Kistcnmacher immer noch im partiellen Streik befinden und ihnen der Kampf nur von Stell wachen, erschwert wird, so crmahnte Redner, nicht dahm zu pchen und für die alten Preise zu arbeiten, sondern vielmehr vreienigen, die dahin gegangen sind, wieder suchen hinaus zu zreben. Zum Schluß wurde nun noch ermahnt, den Billet verkauf zu dem bevorstehenden Stiftungsfest recht rege zu be neiden. Hierauf erfolgte Schluß der Versammlung. � Die Freie Bereinigung der Maurer Kerlw» und ilnrargrnd hielt am Sonniag, den 22. d. M., Vormittags, w Jordan eine wieder sehr gut besuchte Mitgliederversamm- jung ab zur Erledigung folgender TageSordnnng: 1. Wie fallen sich die Mitglieder dem Akkord Maurerverein gegenüber? 2. Diskussion. v-, Ist es möglich, unter den Maurern Berlins «rnen Arbeitsnachweis einzuführen? 4. Ge- AerkschaftlicheS und Verschiedenes. Nachdem das Protokoll der vorhergegangenen Sitzung verlesen und ange» vommcn, referirte Kollege K e r st a n über den ersten Punkt der Tagesordnung. Derselbe huldigte dem Glundsatze:..Bange Machen gilt nicht" und war überzeugt, daß der Akkord- Maurer« verein sehr bald von der Bildfläche verschwinden werde. Die Akkordarbeit könne nur bestehen bei großem Arbcitsbedürfniß. Wenn die zielbewußten Arbeiter ein wachsames Auge darauf haben, so würde die Akkordarbeit überhaupt nicht aufkommen können. Zudem ständen an der Spitze der Akkordmaurer Leute, welche aus verschiedenen Gründen aus der allgemeinen Ar- bnterbcwegung ausgeschlossen find. Der Akkordverein werde überdies durch die Protektion, deren sich derselbe seitens »er„Baugcwerkszeitung" zu erfreuen habe, in das fechte Licht gestellt. Die Schädlichkeit der Akkordarbeit wies Redner mit statistischen Zahlen nach. Es braucht nur angeführt W werden, daß ein Akkoidmaurer täglich durchschnittlich 700 Steine, ein Lohnmaurer bei zehnstündiger Arbeitszeit da- <£gen nur 500 Steine verarbeitet, um sich ein entsprechendes Rechenexempel zu konstruiren. Redner ermahnte gegen die Akkordarbeit energisch Front zu machen. Kollege panisch veleuchiete gleichfalls die Schädlichkeit der Akkordarbeit und wies darauf hm, daß eine gänzliche Beseitigung der Akkordarbeit einer Verkürzung der Arbeitszeit gleichkomme. Auch er war der Meinung, daß der Akkordverein in keiner Weise zu fürchten sei, daß derselbe vielmehr an der eigenen Uneinigkeit zu Grunde ae�ien würde. Kollege Grothmann hielt seinerseits einen Rückblick auf den diesjährigen Maurer ktreik, die Akkordarbeit wie auch die Jnnungsmeister einer scharfen Kritik unterziehend. Redner gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß es der Maurerbewegung im nächsten Jahre ge- singen werde, daS zu erreichen, was durch die Machinationen der Jnnungsmeister in diesem Jahre nicht vollständig zu erreichen möglich war. Die Fabel von dem Mehrverdienst der Akkord- Maurer führte Redner auf ihr Nichts zurück und zeigte, daß lediglich der Kapitalwucher der Grund für die Vorliebe fei, mit welcher heute man in Akkord mauern lasse. Die Krankenkassen wür- dm am meisten von den Akkordmaurern in Anspruch ge- Nammen werden. Deshalb müsse jeder denkende Arbeiter die Akkordarbeit verwerfen. Auch war Redner der Meinung, daß, wie der Phönix aus seiner eigenen Asche, eine neue Maurerbewegung auS der diesjährigen, aber auf solideren Grundlagen, erstehen müsse. Die Kollegen Freibank, Kaufmann u. A. erörterten daS Thema der Akkordarbeit oleichfolls im Sinne der Vorredner und betrachteten die„Freie Vereinigung" als den Grundstein, auf welchem das Gebäude der wirthschaftlichen Besserstellung nur errichtet werden könne Und die deshalb mit allen Kräften gestärkt und aufrecht erhalten werden müsse. In der sehr regen Diskussion wurde allgemein darauf hingewiesen, daß die jetzige Akkordarbeitbewegung rine angestiftete Machination sei, die indessen früher oder später an dem gesunden Sinne der Maurer zerschellen werde. Der vorgerückten Zeit wegen wurde der dritte Punkt der Tagesordnung als erster Punkt der Tagesordnung bis zur nächsten Mitglieder Versammlung vcriagt. Unter„Verschiedenes" gab der Vor- sitzende bekannt, daß auf die erfolgte Auflösung der Mitglieder Versammlung in Scheffer'S Salon vom Polizeipräsidium der Bescheid ergangen sei, daß die erfolgte Auflösung nicht für ge« nüaend begründet erachtet worden ist. Die Angelegenheit de« treffend„Ausschluß Müller" gelangte hierauf nochmals zur Verhandlung. Kollege Müller war anfangs in der Verfamm. lung anwesend, hatte sich aber vorzeitig----- samnrlung beschloß nach Klarlegung 8■ der entfernt. Sachlage Die Ver- den Aus- Vorsitz der Herren Monien(Tischler) und Geclhar(Stellmacher). Die Tagesordnung lautete:' 1. Äbrecknung der freiwilligen Beiträge, welche zur Entsendung eines Delegirten zum Pariser Kongreß gesamme't worden sind. 2. Die wirthschaftlichen Krisen und die Sozialgesetzgebung. Referent Herr Glocke. Zum ersten Punkt erhielt das Wort Herr A. Apelt(Tischler) und erstattete Namens der Kommission Bericht über die eingelairsenen Gelder. Darnach belief sich die Einnahme auf 815,73 M. Die AuS� gäbe betrug mit Ernrechnung aller nebensächlichen Kosten, wie VcrsammlungSunkosten, Drucksachen u. f. w. 494 M. 75 Pf. Es verblieb daher ein Ueberschuß von 320 M. 93 Pf. Die Richtigkeit der Abrechnung wurde von den als Revisoren hinzugezogenen Personen Schulz(Tischler), Habermann(Stellmacher) und Burkhold(Böttcher) bestätigt und auf Antrag derselben der Kommission Dech�rge ertheilt. Ueber die Verwendung des Ueberschusses entspann sich eine längere Debatte. Von Herrn Müller(Tischler) wurde bean« tragt, den yanzen Ueberschuß der Zentral Streikkommission der Tischler m Stuttgart zur geeigneten Verwendung zu über- weisen. Gegen diesen Antrag wenden sich die Herren Heß, Geelhar und Kannemann mit der Motivirung, da ja auch andere Gewerke, wie die Tischler, Kommissionen hätten und sich zu einer eventuellen Lohnbewegung vorbereiten, so müßten auch diese daran Antheil haben. Von Herrn Apel wird der Vorschlag gemacht, den Ueberschuß den dabei belheiligten Gewerken je nach dem Prozentsatz ihrer Beitragsleistung zu überweisen und stellte derselbe einen speziellen Antrag hierzu. Derselbe lautet: Die Versammlung beschließt, den Ueberschuß der eingegangenen Gelder den Zentral-Streik- fonds derjenigen Gewerke zu überweisen, welche an der Auf- bringung der Gelder betheiligt waren, und zwar das Geld nach Prozentsatz zu vertheilen. Da nun die Ausgaben 6l'/i Prozent der Emnahme betragen, so verblieben demnach für alle Ge- werke 38'/, ProzentZzurückzuer statten, es erhalten-darnach die Böttcher 18,20 M., die Bildhauer 29.20 M., die Stellmacher 34,20 M- und die Tischler 239,93 M. zurückerstattet; es soll jedoch denjenigen Gewerken, welche keinen Streikfonds haben, über- lassen bleibenden ihnen zufallendenTheilanderweitigzu verwenden. Der Antrag wurde mit überwiegender Majorität angenommen und ist hiermit der erste Punkt der Tagesordnung erledigt.— Zum zweiten Punkt der Tagesordnung.: Die wirthschaftlichen Krisen und die Sozialaesetzgebung erhielt als Referent Kollege Theodor Glocke das Wort. Der Redner führte zunächst an, daß nach der materialistischen Geschichtsauffassung die Pro- duktion die Grundlage der ganzen Kultur ist, daß aber nach der heutigen kapitalistischen Produktionsweise, als deren eigentlichen Träger er den Liberalismus be- zeichnete, der Arbeiter, welcher gewissermaßen> der eigent- liche Produzent ist, nichts von dem Wohlstand verspürt, son. dern immer wehr und mehr in die Armuth hinabsinkt; daß er hingegen früher, wo er[feine eigenen Produkte noch selbst auf dem Markt brachte, oder für einen gewissen Kundenkreis produzirte, sich einer auskömmlichen Existenz noch erfreuen konnte, daß jedoch nach Einführung der Großproduktion, und»war in allen Industriezweigen, alle diese Leute ins Proletariat hinabgesunken sind, und nun gezwungen, den eigentlichen Ertrag ihrer Produkte nur noch einem einzelnen zu überlassen, welcher vermöge seines Kapitals im Stande ist, die Arbeitskraft von Hunderten und Tausenden auszunutzen. In dieser Anhäufung des Kapitals in den Händen Einzelner und in der Verarmung der großen Masse des Volkes erblickt Redner einen wesentlichen Faktor zur Bedingung der wirth- schaftlichen Krisen, als deren schwerste er die in den Jahren von 1873 und 74 bezeichnete. Redner betonte, daß derartige Zustände, wie sie die jetzige moderne Produktion zeitige, natur- gemäß zum Zusammenbruch der heutigen Gesellschaftsordnung und zur Erschütterung der Staatsgrundlagen führen Zmüssen, also dasjenige gerade herbeigeführt wird, wcS man der Sozial- demokratie zum Vorwurf macht. Redner betont ferner, daß die herrschende Gesellschaft ja nun infolge dieser immer mehr überhand nehmenden Ausbeutung der Arbeiter durch das Kopital sich gezwungen sieh», mit sogenannten sozialen Reformen dem Arbeiter zu helfen, und kommt auf die heutige Sozial- gesetzgebung zu sprechen. Redner kritisirt die einzelnen Gesetze, als deren bestes er das Unfallversicherungsgeletz bezeichnet und weist nach, daß diese Gesetze nur dazu angelhan sind, den Arbeiter nur noch mehr unter die Bevormundung des Staates und des Kapital, sten zu stellen. Nur eine richtige Arbeiterschutzgesetzgebung, wie sie von unseren Vertretern im Parlament wiederholt beantragt worden ist, kann dem Arbeiter von Nutzen sein, und das rst auch nur der Fall, wenn sie international geregelt wird, was ja auf dem Pariser Kongreß deutlich zum Ausdruck gekommen ist. Redner ging jetzt selbst auf den Kongreß über und schildert den Verlauf desselben, er betonte, daß es ein Arbeitervarlament im wahrsten Sinne des Wortes gewesen ist, indem sich die Arbeiter aller Nationen der alten und neuen Welt durch die aus ihrer Mitte gewählten Delegirten die Hände gereicht haben. Der Kongreß habe noch dadurch an Bedeutung gewonnen, weil zur selben Zeit die Pro- dukle der Arbeiter aus allen Ländern zusammengetragen waren, ____ v r_________ ir w__ nx.. ver..---- �° rr.- seine wurde der Antrag ammmng ociw.uv-'---v° iniouno"' Eine Anfrage, und ferner, weil der Eröffnungstag des Kongresses gerade der chluß Müllers aus der � en Vcreu 9- b b hundertjähnge Erinnerungstag an d,e Erstürmung der Bastille, h Herr P a n k° w n°» MMl.-d des Vern��, wuroe� � Symbol der despotischen Herrschaft, war. Redner betonte bin beantwortet, daß Herr Pankow s � Mitgliedschaft ferner, von welchem großen Nutzen die Berathungen des Kon- aresses für die gesammte Arbeiterschaft gewesen sind, indem schon dadurch dokumentirt wurde, daß die Arbeiter dem Nalionalitätenhaß fern stehen, und daß nur die Bourgeoisie ein Interesse daran hat, diesen Haß krinstlich zu schüren. Als Redner im weiteren Verlauf seiner Rede die Worte sprach: Alle Anwesenden waren sich darüber einig, daß die besten Ar- beiterschutzgcsetze auf die Dauer dem Arbeiter nichts helfen wer- den, sondern daß sich die Arbeiter nur eine dauernde Besser- stclluna durch die völlige Veseiligung der heutigen modernen Gesellschaftsordnung werde erkämpfen müssen," erhob sich der überwachende Beamte und löste die Versammlung aus Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes auf, worauf sich die Ver- sammelten in aller Ruhe entfernten. Der Fachverei« der Marmor- und Granitlchleifer Berlins hielt am Sonntag, den 15. d. Mis. im Vereinslokal Alte Jakobstr. 48-, eine sehr gut besuchte Mitglieder-Versamm- lung ab. Nachdem daS Protokoll der letzten Versammlung verlesen, ging dieselbe zur Tagesordnung über. 1. Wahl einer neuen Lohnkommission. 2. Weitere Beraihung des Lohntarifs. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorsitzende mackte der Versammlung bekannt, daß einige Mitglieder sehr nachlässig, unb 1 oder 2 Mann nicht im Stande sind, die Arbeiten voll zur Ausführung zu bringen, indem dieselben in der Möbel- wie auch in der Äauarbeit sicher sein müßten. In Folge dessen wurden gewählt die Kollegen A. Thieß, Heising und Hanuschka. In der Diskussion über Äccord- und Lohnarbeit wurden der Kommission verschiedene Anleitungen gegeben, so wie auch der allseitige Wunsch ausgesprochen, daß etwas regelrechtes zu Tage gefördert werde. Zum 3. Punkt machte der Vorsitzende bekannt, daß der Arbeitsnachweis verlegt werden müßte. Es sei hierzu eine passende Person zu wählen. Die Wahl fiel auf Kollegen Zickert. Zum Schluß machte der Vorsitzende die Kollegen darauf aufmerksam, daß es Pflicht jedes Einzelnen ist, sich zuerst nach dem Nachweis zu bemühen und nicht erst sämmtliche Werkstellen abzulaufen, denn fragt nur einer um Arbeit, so heißt es bei der geringsten Kleinigkeit, wenn Sie nicht wollen, es laufen massenhaft herum. Somit schädigt einer den andern, infolge dessen hatte Jeder fest an seine Pflicht und wende sich an den Kollegen, Saarbrückerstr. 30. Der Hrrliner Wirkergesellen- Derband hielt am Montag bei Bober, Wcinstraße 11, eine Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Fritz Zubcil über: Ist die neunstündige Arbeitszeit in unserem Gcwerk durchführbar? 3. Verschiedenes. Die Ver- Beiträge gezahlt habe und demzufolge als erloscben zu betrachten sei. Weiter auf Ausschluß des Herrn Jahr gestellt, da er Putzer sei und nicht mit gestreikt habe. Dieser und gleiche Anträge wurden bis nach Statthaben der diesbezüglichen Volksversammlung ver- tagt. Die Beantwortung der eingelaufenen Fragen beschäftigte die Versammlung längere Zeit. Angesichts der jedmöglichcn Schmälcrung des Koalitionsrcchis der Arbeiter wünschte Kollege Wernau den Mitgliedern einen genügenden Rechtsschutz gesichert »u sehen und wurde die RechtSschutzkommission beaustragt, einen Aufruf an alle diejenigen Mitglieder zu erlassen, welche mit einem Strafmandat bedacht worden sind, um ihnen Rechtsschutz »u Theil werden zu lassen. Die Lokalstage blieb auch in dieser Versammlung noch unerledigt und liegt es dem Vorstande auch fernerhin ob, nach Bedürfniß Lokale zu besorgen. Der Vorfitzende ermahnte schließlich noch ein jedes Mitglied, ein fleißiger Agi- tator für die Vereinigurg zu sein und schloß die Versammlung mit dem Wunsche, für die nächsten Versammlungen eistig zu agitiren, um Aufklärung zu verbreiten und zu erhalten. Mieder»ine«nbegründete Urrfamminngsanf. löfnng. Die„Freie Vereinlpung der Maurer Berlins und Umgegend" hielt am 8. d. M. in Scheffer'S Salon, Insel- ftraße 10, eine Mitgliederversanimlung ab, welche indessen der d,e Versammlung überwachende Polizeibeamte auf Grund des * 9 des Sozialistengesetzes aufzulösen Veranlassung nahm. Auf die seltens des Vorstandes hiergegen an das Polizeipräsidium gerichtete Beschwerde»st folgende Antwort ergangen: „Auf die Beschwerde vom 8. d. M. über die Auf- lösung der Versammlung der Freien Vereinigung der Maurer Berlins von demselben Tage auf Grund des den übern. Der Polizei- Ihnen hiermit, daß ich die Auflösung nicht für aus- reichend begründet erachtet und den überwachenden Be- •----- gegeben habe. Der Volizei- amten dies zu erkennen Präsident, gez. Friedheim. Somit wäre der„Freien Vereinigung" also ihr Recht ge- worden. Ob ihr damit gedient ist, ist fraglich: nutzbringender wäre es jedenfalls gewesen, wenn die betr. Versammlung nicht aufgelöst worden wäre. Es kann daher der schon öfter ge- äußerte Wunsch hier nur wiederholt werden, daß die Versamm- lungen überwachenden Beamten bei Versammlungsauflösungen etwas vorsicbtiger zu Werke gingen. Gin» öffentliche Kolzarbelter-Nerfammlung(Tischler, Böttcher, Stellmacher und Bildhauer) tagte am Montag, den lä. September, in den Bürgersälcn, Dresdenerstraße, unter dem femmlung war sehr stark besucht. Zunächst stattete Koller Hübsch, Mitglied der Untersuchungskommission. Bericht ab über die Erfolge, welche der Verband in den letzten 14 Taoen zu verzeichnen hat. Es wurden in den Werkstätten von Wagru�. Wulff u. Co., Craffel u. Döring, Laer u. Sohn verichienene zum Theil nicht geringe Lohndifferenzen ausgeglichen. Bei der Firma Grünertwurden verschiedene Paragraphen derFabrikordnung abg>- ändert. Es sind alle diese Erfolge nur durch da« feste Zusammen halten der Mitglieder des Verbandes ermöglicht worden. In der Fabrik von Schlottmann u. Co. haben am Sonnabend sämmtliche Kollegen die Arbeit niedergelegt, wegen eirraer höchst unannehmbarer Paragropben der Jabrikordnung. Vor Kurzem wurde dieselbe auf Veranlassung der Arbeiter einer Aendenrng unterzogen,(die frühere glich nämlich eher einer Gefängniß- als einer Fabrikordnunp), da sich aber die Fabrikanten nickt be- weaen lassen wollten, einige Paragraphen, welche nicht den Wünschen der Arbeiter entsprachen, abzuändern, erfolgte die Ar- beitSeinstellung. Der Vorsitzende verurtheilte in scharfer Weise die Handlungsweise des Werkführers genannter Fabrik und empfahl den Kollegen derselben, fest zu halten an ihren For- derungen; und so, gestützt auf den Verband, ihr Ziel zu er- reichen. Kollege Müller berichtet, daß sich daS Licht der Or- ganisation unter den Rundstuhlarbeitern immer mehr verbreitet und immer mehr Mitglieder aus den Reihen derselben dem Verbände zuführt. ES wurden die Kollegen dieser Branche dringend ersucht, für eine rege Betheiligung om Verband zu agitiren. Hierauf erhielt der Referent das Wort»u feinem Vortrage. Redner führte an, daß eine der besten Erscheinungen im vorigen und in diesem Jahre die Lohnausbesserung sei, und daß die Verkürzung der Arbeitszeit!die Hauptsache hierbei ist. Als die Bauhandwerker in den Streik eintraten, galt es baupt- sächlich, die neunstündige Arbeitszeit durchzuführen. Auk dem Pariser Kongreß hat man die Verkürzung der AGeits- zeit in erster Linie in'« Auge gefaßt, und es muß hauptsächlich da« Bestreben der Oraonisationen sein, nach dieser Richtung hin zu wirken. Die Fabri- kanten geben eher einen erhöhten Lohn, als daß sie die Arbeitszeit verkürzen, weil sie wissen, daß dadurch die will- fähigere Masse widerstandsfähiger, und sie machtloser werden; weil die Masse nicht mehr willenlos folgt. Die Nothwendig. keit der Verkürzung der Arbeitszeit ergiebt sich schon[aus der fortschreitenden Maschinentechnik, dieselbe macht immer m-l r Arbeitskräfte überflüssig. Die Arbeitslosen stehen als Gelvensi hinter den Arbeitenden, indem sie sich billiger anbieten, da e« ihnen schwer wird, einen Platz zu bekommen. Durch die Ver- kürzung der ArbeitSze t können jährlich tausende mehr eingestert werden. Noch von Bedeutung ist die Frauenarbeit. Die merb« liche Arbeitskrast ist für den Fabrikanten ein größeres Aue Unglück geralhen sind, Zahlungen stundet resp. ganz erläßt. Zu Punk» 2 führte der Retcrent Herr Reden etwa folgende« aus: ES giebt dreierlei Arten von Presse, und zwar eine, die nur die Interessen des Kavitals vertritt und rechne ec hierzu in aller erster Linie das Wolff'sche Telegraphen- Bureau und zwar insofern, als dasselbe seine Depeschen heute in die ganze Welt sende und morgen wieder, was es den Tag zuvor berichtet, widerrufe, bei welcher Praxis jedoch Hund-ri. tausmbe verdient würden; ferner die gewöhnliche Tages- un> Drittens die sogenannte Fachpresse. Da es zu weit füh-rrr würde, den sehr lehrreichen Vortrag ganz wiederzugeben, so'er nur noch bemerkt, daß die Presse vor allen Dingen ein Er- ziebungSmittel des Volkes sei. Ferner alle falschen Thatsachen geißeln und konsequent vom Leuartckel bis zum Inserat sein müßte. In den meisten Fällen träfe jedoch das Gegentheil zu und gerade bei der Fachpresse patsire diese« öfter. In der nun folgenden Diskussion hatte der Herr Redakteur Sander ein,« schweren Stand, hageldicht sielen von allen Seiten die Hiebe. wollte sagen Worte, der betreffende Herr glaubte jedoch am besten davonzukommen, indem er einfach erklärte, die Wr» sammlung verstände hierüber nicht zu urtheilen, denn d,r Herr ReichstagSabgeordnele Gcillenberger habe ihm er- nöif, die �Tap�iererzeilung" sei ein gut redigi tcS, soziolpolitischeS Blatt. Derselbe wurde jedoch von Herr» Staudinger dahin belehrt, daß das Geschreibscl, der deneffenden Zeitung wohl für Leser aus Krebsjauche, aber nicht Hir auigeklärte Arbeiter gut g«nug wäre, welche Ausführung slüimischeS Bravo hervorrief. Da alle Redner des Abends mit Ausnahme des Herrn Redakteurs derselben Meinung waren, 10 gelangte folgende Resolution mit allen gegen 2 Stimmen jar Annadme: Die heute in Fcuerstein'S Salon am 16. Sep- tember 188S tagende öffentliche Tapezicrcrversammlung beschließt, die jetzige unter Sander rediqirte.Tapeuerer-Zeilung", weil sie in'einer Hinsicht unseren Interessen dient, fallen zu lassen und eine unseren Interessen dienend« Zeitung zu gründen. Zu Punkt 3 wurde noch, da jetzt die Zeit der Kündigung sei, auf d,e O-tskrankenkossm aufmerksam gemacht, ferner, daß die nächste VereinSvnsammlung eine Generaloersammlung sei. und um recht zahlreichen Besuch gebeten. z>ie ausserordentliche Generalversammlung de« Verd.inde« deutscher Zimmerleute, Lokalverdand Berlin Äord, welche am 16. September, Abends 9 Uhr, in Krüger'S Salon, Hochffr. 32- unter dem Vorfitz des Herrn H. Lehmann tagt«, war sehr zahlreich besucht. Der erste Punkt der TageS- «idnui'g musiie ausfallen, weil der Referent nicht erschienen war. Zum Punkt 2, interne Angelegenheit, gab der Vorfitzende eine kurze Uedersicht über die Vorkommnisse seit der letzten Ver- sammlung des Nordens, er verlas einen Brief Jockels an ihm vom 3. September, in welchem derselbe um sofortige Zusendung des Eigenthums des Lokaloerbands.Berlin Nord" aussorderte, ebenso einen Brief des Rechtsanwalts Wreschner, welcher ebenfalls im Namen Jockels dasselbe Ansuchen stellte, event. mit dem Gerichte drohte; serner ein Schreiben des Verbandsvorstehers Quast, in«rlchenr der Lokalverdand.Nord" für aufgelöst erklärt wird. Hieran schloß sich eine 2� kündige, sehr lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Weist, Orllond, Marzian, Külper, Do- roweky, Peiermann und der Vorsitzende betheiliaten. Als Slssultot dieser Diskussion wurde mit allen gegen 3 St. beschlossen, nne freie Veieinigung der Zimmerer Berlins und Umgegend zu bilden und wurde das Bureau als provisorischer Vorstand ernanm und damit beauftragt, die hierzu erforderlichen Schritte iiri veranlassen; ebenso wurde ein Antrag angenommen, welcher Mugt, daß das Elgenthum, Utensilien?c., des früheren Lokal- or, banges Berlin Nord dem Bureau der heutigen Ver- fmmntnng zur freien Verfügung gestellt ist. Hierauf schloß der Vorfitzend« mit einem Hock auf das Ge- derhrn und den Wunsch, daß die Freie Vereinigung der Znnmerer Berlins mit dazu beitragen möge, um die Ar- briter aus dem Joch, in welchem dieselben sich befinden, end- l'ch zu befreien, die Versammlung. Es ließen sich sofort 08 Kameraden in den neuen Verein ausnehmen. Die General- Versammlung findet am Montag, den 30. September, Abends 8t Uhr, in Krüger'S Salon, Hochstr. 32-, statt. Die Toges- o-dnung lautet: 1. Statutenberathung; 2. Wahl des Vor- stände«; 3. Verschiedene«. 4. Fragekasten. De? Allgemeine MetaUardcitcrverein Kerlins und Umgegend h>ell am Donnerstag, den 19. d. M., im Saale oer.Bertiner Bockbrauerei", Am Tempelhofer Berg, eine Ver- sammlung ad, m welcher Herr Dr. Christeller über Geschlechts- trankherten einen Vortrag hielt, der äußerst lehrreich war und beifolliq aufgenommen wurde An der Diskussion detheiligten sich dre Kollegen Harlmann und König und beantwortete der Referent noch eine Anzahl Fragen. Unter Veischiedenes theilt Kollege Hamsch mit, daß die Kollegen der Löwe'schen Fabrik das B er des Böhmischen Brauhauses abbestellt hätten und so dert zur Nachahmung auf, um diese Brauerei zur Hergäbe ilnes Saale« zu Versammlungen zu zwingen, worauf Kollege König zur Kenntniß bringt, daß das Böbmische Brauhaus seit Mittwoch zu haben sei. Die Lokalkommisfion habe bekannt ge- macht, daß dies« Brauerei ihr Lokal zu Versawmluungen her- gieb:, wenn nicht Konzerte oder Vergnügungen ftanfinden. lieber die letztere Bemerkung entspinnt sich eine recht ledhaste Trbaite und wird der Vo, stand ersucht, dahm zu wirken, daß die Lokalkommisfion eine bündigere Zusage verlangt, damit nicht redtSwul, wenn man da» Lokal zu einer Versammlung haben will, ein Konzert oder Vergnügen vorgeschützt werden könne. Kollege Mreihe erklärt, daß er mit dem in der vorigen Ver- sammlung beschlossenen Aufschieben des Stiftungsfestes nicht gonz einverstanden sein könne, da es sehr wünschenSwerth fei, ooo l. SliftungSsest zu seiern, worauf vom Vorstand erwidert wird, baß ein vollständiges Ausfallen desselben nicht endgiltig bkschlos'cn sei. Es seien aber Schwierigkeiten vorhanden in Beireff eines Lokales dazu und des Zeitpunkts des StailfindenS, r.a der 17. Dezember als ber SliftungStag anzusehen sei, doch könne, da in nächster Zeit eine Grneralvertammlung stattfinden »misse, auf derselben diese Angelegenheit geregelt werden. Kollege Miethe stellt hieraus den Antrag, diese Angelegenheit auf die Tagetorduung der Generalversammlung zu setzen, welcher ein- ftimmii, angenommen wird. Mit einem Hoch auf den Verein cudet« sie Versammlung um>U Uhr. UlUihrr de» Uorden Kerttu»! Bei der enormen Sie ige rang der Mreihepreise für die kleinen Wohnungen, deren Höh- als Wohnunaswucher zu bezeichnen ist, hat bei den gegen- wmtig in Gedionch befindlichen Kontraklen der Vermieihcr alle, der Miether für fein gutes Geld keine Rechte. Angesichts solcher Waffe, wie diese Kontrakte sind, steht der Miether oft machtlos in ExmiisionSklagen da. Der Zentralverband der Haus- und städtischen Grundbefitzer-Vereine Deutschlands hat auf dem Verbandslage zu Dresden vom 18.-21. August auch oie umgelegte Schlinge noch fester gezogen.— Darum Miether, ermannt Euch, erkennt Eure Lage, die den Hausbesitzern gegen- über d.e denkbar schwächste ist, tretet dem Verein zur Wahrung ber Interessen der Miether des Norden Berlins bei. Die Aufnahme erfolgt gegen ein Beitrittsgeld von 25 Pf., der Beitrag pro Monat veträgt 25 Pf. Folgende Zahlstellen nehmen Anmeldungen und Beiträge entgegeu: 1. Schmidt, Stettin er str. 2; 2. Scheper, Acker- und Jnoalidenstr.-Ecke: 3. Tube, Fenn str. 7; 4. Viel, Birkcnstr. 24; der Vorsitzende Paul Heitmann, Brunnenstraße 92, Hof A, f cbtl y der 2.«assirer, Wilhelm Geschewsky, Schlegelstr. 27, Hof geradezu 2 Tr. Wir erhalten folgende» Schreib««: In Nr. 219 Ihre» werlhen Blaites vom 19. Srptember er. hat der Fach- veiem der Papiermbeitennnen«inen Bericht eingesandt, der mu r.rinen Auesührunacn nicht übereinstimmt. Es soll nicht bertzr,' bei Kauffmann rst ein neuer Werklührer— sondern bei Hagelberg. und rst es die letztere Firma, wo solche Neuerungen ewgeführi sind. Auch wollte ich den Herren Druckern kernen V»l«t."rs machen, daß Sre ihre Mitarbeiterinnen unwürdig behandeln, sondern es find einzelne, worauf ich nur hinweisen wollte. Karl Schramm, Arbeiter, Strelrtzerstr. 33 vorn IV. i* Kathen««« hat sich kürzlich ein Verein zur Erzielung a»lk«: sinnlicher Wahlen gebildet und weisen die Mitglieder- l-ner. tereiis die für da« kleine Städtchen sehr beachtenSwerthe iolil«an 70 Mitglirdern auf. Die Gründung de« Verein« rrtolgic auf zwei Vorträge, welche von dem Schuhmacher Metzner und dem Schlosser Meyer aus Berlin vor e mger Zeit in Rathenow gehalten worden waren. Dr« Vortragenden hatten darauf hingewiesen, daß im Alter- er l ie gi ößlen Denker von der Annahme ausgingen, es würde ..i Anstand menschlicher Glückseligkeit eintreten, wenn die Arbeit, W»rmals ton Sklaoen verrichtet wurde, überall von allen Bürgern geme.nsnm verrichtet werden müsse. Die Sklaverei in der damaligen Form aufgehört, aber von dem Ideal einer gerechten ArbeitSverthelirmg feien wir heute noch so entlernt, wie bamasS die Mtcn. Daß wir mit diesem Heu- tigen WirthschaftSsystem nicht zufiieden sind, müssen wir jedes» mal zum Ausdruck bringen, wenn wir zur Woblurue schreiten. Der heutige Zustand sei immer trüglich. Der Aideiter sei mit seiner Familie ausgeschlossen von allen Genüss-n und Freuden, welche das Leben verschönen und ihm erst Werth verleihen und wenn behauptet werde, eS läge das in der nnabändcr- lichen Ordnung der Dinge, lso bleibe auf eine solche Be- hauptung keine andere Entgegnung, als daß diese Bande und Frsscln gebrochen werden müssen. Dieser Bruch brauche nicht mit Gewalt und auf blutigem Wege zu geschehen. Vielmehr könne er auf dem Wege der Reform sich vollziehen. Den Weg der blutigen Revolution brauche man nicht einzuschlagen, wie den Sozialdemokraten dies sonst vielfach nachgesagt wird; es giebt ja drei Arien von Revolutionen, die geistigen, die gesetz- lichen und die blutigen. Hat sich erst die geistige Re- voiution vollzogen, dann betrete man die Bahn der gesetzlichen Revolution und nur diesen Weg wollen die Sozialdemokraten betreten. Sie vertheidigen Menscher.rccht und Menschenliebe, allo diejenigen Grundsätze, welche die christliche Religion seit 1800 Jahren predigt, die aber noch immer unauS- gesührt geblieben sind. Im Weiteren wurde dann ausgeführt, daß das Endziel der sozialen Bewegung die Umwandelung der heutigen kapitalistischen Produktionsweise in eine genossen- schaftliche sei. DicS Ziel werde sich vielleicht nicht so schnell erreichen lassen, vielleicht auch nicht in einem Meulchenalter; darum aber müsse es zeitig angestrebt werden. Aufmerken müsse man aber schon jetzt, daß dem Arbeiter seine wich- tigsten Rrchte nicht verletzt werden, wie dies geschehen sei bei der Verlängerung der Legislaturperioden von drei auf fünf Jahre, den arbciterfreundlrchcn Worten und Gesichtern anderer Parteien dürfe man nicht trauen. Arbeiter, die das früher gethan haben, sind stets getäuscht worden. Die Kranken-, Unfall- und Jnvalidenkassen find bureaukralische Einrichtungen, die selbst diejenigen nicht befriedigen, die dafür gestimmt haben. Dabei sind alle Lebensmittel, die der Arbeiter stark konsumnt, hoch besteuert. Diesem Zustande lasse sich nur ein Ende be- reiten, wenn die Arbeiter geschlossen bei den Wahlen zusammen stehen.— DaS Ergebniß der Voitiäge war, wie erwähnt, die Gründung des Vereins, der die in den Vorträgen dargelegten Ziele verfolgen wird. Kojiatdemokratischir Wahlvrriin für t>»n ji. N»ich«tag»- Wahlkrri». UufjtrorDemliifii' Btrfmnmluua am Dienstag, den 24 Cculbr Udend« 82 Uhr. im«rohen Saale der Backbiauerci am Temvel- Haler«er« Tagetordmmg, 1. VorUaa über:..Deuisckland unter der neuen Wirtbschastiala". Referent� 4R. Sdilppe[. 2. DUtulfion. 8. Ber. schiedened und Siagekastem Gtiie willkommen. Mitaiieder werden ausge- nommen und«eihllge dort entgegengenommen. Zur Deckung der Unloiten stnder Telleriammiung statt Um zabiretckei Erickeinen wird e-inckt. Hoiialdemolrratifchir zvastturrri» im 4.»trlmrr zi»>ch»tag» rnnsttkrtir*. Große«eriammmng am Dienitaa, den 24. Sepumder. abend» 82 Uhr. in Renz' Salon, Naunn-iftr. 27 Tog-iordnim« � I Die Soziaidemo- tralie und die Religion Reserent Herr Roderl Tldmidt 2. Vc:ein»anaele«en. dcilen. 8.«erschiedenei und Fmgelastrn. Reue Mitglieder werden autgenom- men. Gaste willkommen. Zadiftcii.n dcstnden ftch bei Galtst Schuir, Udmiral. ftraht 40»; Karl Scholz. Wiangctltr 82. und Gustari Tempel. BreSiauciftr. 27. tmnorriin d»r ziapirrarbritrrinnrn und r>»r>i>>>nd»»r»»rnf«- »m Dienstag, den 24 September, AdendS 82 lldr. in Sohl» 4 atal. Ännnenstr. IS.«erlammlui«. Tagesordnung� 1.«ostca« de» Herrn Werner llder r„Die Rothwrirdigkett der ge'eglichen Reaeluna der UrdeitSzeir.". 2 Litlniston. 8. Bcrlchiedenes und Frag.kancn. Gaste, Dame» und Herren hadin Zutritt dlrNrntliche Nerfaurmlung der Nadakardriter und Ardett»- rinnen chrrttu» am Drenstag. den 24 Eepremder. adcnd» 82 Uhr. bei Ech>fier, Inieistr. 10 TogeSarannng r I. Die«eschlllsse der««eneralversammlung zu llllagdeoura. 2 Adrechnuna der Kommiifton. 8 Verschiedene«. N«rband drutfchrr M»>stantk»r und verwandter BernsSgcnossm, Zahl. stelle Berlin Elimmdeaadlc Kollegen, die llch an nnlercm Mannerchor bcrhet. Ilgen woll-n. werden n lacht. Dienstag den 24 d.M.»dend» 9 Uhr. Komman- dantenftrahe 82 ini Rrftaurant sich einstnde» zu wollen. «alir>»r»in S»rlin»r Kildstauer. Dienstag, den 24. September, abend» 9 Uhr, auherordei lliche Rttigltederverlammiang in Munds« Salon. Kaprickerstr. 100. Tageiordnnna. Wie stellen slch die Mltaiiedce zur Erdohung de» Lotalbeitraa>S vo» 5 aus lS Ps zum Zweck E.zielu»« besserer ÄrdeilS- dedinaungen. Mitgliedsbuch iegUimiil zum Eillloh. N»r«t« der Kt-rnpner»rtlin« und zlmgrgrnd. Generaiaer. lommtung am Dienstag, den 24. d. M,»lend» 8 ugr. in Feuerstein» Salon, alte Jatodstr. 7S. Tagetordnung r I. Berichlerstaitung de« Vorstände» sowie der ard-ilSr achweibtommission stver ihre Thatigt-ir 2. Bericht de» Kaistreri über vcrcinnadmte und vcrauigadte Gelder 8 Wahl eine» desinilive» Vor» stände» und der a> beiunachwei«tommilsion 4. Verschiedene».— Mitglieder werden ausgenommen MtlgltedSduch legtlimirl. Sammiliche Mitglieder dadr» die P sticht, zu erschein. n. Der ardeii» Nachweis befindet sich Ritter. ftrahc 128 Ardritee- Kitdung»- vrtrin.Vetlin Nord-'. Dlcnftaa. den 2». Scplemder er., abends 82 Uhr, in Huth'» Salon. Vadstr. 22 Große Ver- iammluna. Tagesordnung. 1. Vortrag de» Herrn Geriich über.„Der Eoldonnhandei im Mtllciauer". 2 Distusston. 3 Antrag aus Aenderung de» Slaluii. 4.«llgrm-ine». 8. Fragekasten.— Ausnahme neuer Mitglieder. Baste willkommin. Krtfauimlung dr« Nrtdnndr» druifchre Zinrmrtlruir iLoiaiver- band BerUni am Dienstag, den 24. September, abend« 82 Uhr, in Fcuerstiln i Salon, Alle Jakodstraße 75. Tagebordr nng r I. Vortrag. 2. ausnähme neuer Mite luder. 8. Verschiedene» und Fragekasten. Kameraden, er- sch-inl psti.ililch, laßt Euch ausnehmen, ja hört Euch da«, wa» zu lhun al» norhrvevdig aneriannl wird mit an Jeder sei al» Bast willkommen. »rtrin drr»attirr und f ortjgtnoITtn»rritn». Dienstag, den 24. Scplemder, A stand« 82 Ugr. in DeigMllUcr'» Salon, aur Zokodnr. 46», Ve! sammlung Tao>»ardnung l I. Vortrag. 2. Diskusston. 8. Verschiedene« und Fragekaslen. Gaste sind willkommen. y.utschrt Hchnridrt-ßzrtdand, Filiale Berlin Dienstag, den 24 Sep. icmder. Atcnd» 82 Udr, in Gtalacis» Vit! hallen. Kommandamenstr. 77- 79- außeroldenlricheMitgiiedeive iammIung. Tageiordnung l I. Rcurvadl derLokal- vtiwaitung. 2. Veierniangeiegenheiien. 8 Vcrichiedenc». Ei ist Pstichl eine» jeden MUgllede«. in der Ver sammlung zu ericheiren. Drt lprrdand druifchrt NlüUrra»srUrn lMilgliedschast Berlin! halt am Vlittwoch den 25. d. M.. Abends 82 Uhr. in Zcmlci'» Saal. Münzstr. II, eine Veriammlung ad. Taget o.dnung l 1 Welche Schritte st»d nölhta, um die Kollegen in der Provinz zum Eintrrn in den Veidand reip. zur Bildung von stahlstellen zu veronlasten. 2. Berlchicdene« und Fragekasten. Um zahltcichc» Erscheinen wird eriucht. «tostr ösfrntlichr yrtsammlnug dr» sotialdruioktutischr» zpahivrtriu» für vr»«!. Krttinrt Nrich»tag» Wastlktri» arn Min- wach, de» 25 d.M. Adcnd» 82 llhr. Müllerstr. 178 Tageiaronung l 1 Vor- trog de» Herrn A Stadtdagen üdcr-.„audnahmeaeleße". 2. Diikulston. 8. Verichiedci e» und Fragikaslin. Ausnahme neuer Vlilgiieder. Um rege agirailon bittet der Vorstand. D«t atrrtr Prrdaudviag drutschrr Kostns»l,r»--rt,«drsrhrt tagt am 25— 27. d M. in Vraunschwiia. Bei der. wiwltge» Anaetegenhrll. weirve aus der Tagetardnuirg stehr. ist e» allen Lokaiverrinen zu emplrdlc», den Ver- har diunge» mit beizuwohnen. 2 Beivtechung der Gewerbeordnung siS 7, 76. 2. Straßendahnanlagen resp. Salzsuemn. 8. Fretzllgigketiigeseg. 4. Pierdevcr- flcherung. 5. Kutsche srage u. l. w. AUgrinrinrr pl-iaUurdritrrvrrrin Ortlin» und Zimgrgrnd Große Versammlung Mittwoch, den 25 Srplcmdei 1889.«dendd 82 lldr. in der«dlcrbrauerei. Gelunddrunne», Badstr 87. Tagesordnung: 1.»ortrag de» Herrn Wilhelm Werter. Zhrina Da» Fadriktnipiklolat und der Werth de». ielden illr die«rdetrer. 2. Diskussion. 8 Ausnahme neuer Mltgltcder. 4. Verschiedene» und Fragekasten. Güsle haben Zutritt. Um recht»ahtteichen Besuch wird ersucht. Krtriuignna drt Dtrch»lrt Dr»tschla«d». Geneialver sammlung am Mittwoch, den 25. Eeptemder. Adcnd» 82 Uhr. armen. straße l8 Tag sordi ung: 1. Geichösttildet 2 Wahl d-» Vorstand,» 8 Ver» österriitchung unserer sohnstaliilik. 4 Anlrag de» Varslandei. Behus» Ein- sllhrung de» RcchlSlchuge» in Lodnftreiitakeilen 5 VerichitdencS und Frage- tasten. N-ue Mitglüd-r wer dm in jeder Versammlung ausacnomrnen Dir Kttriddommisston drt Krtllurt gtiR-nuiattirt macht hiermit bekannt, daß sie vom Mm tag den 23. Srplemder ab. de« Adcnd« von 7 dil 10 Uhr zu-preche» ist In W»dl» Restouranl(Giünbel) Drrtdmerstr. 116. «rnttal Ktankru und Krgtüduipdassr süt dir Fvltglitdrt do« tzl. V. A.#. zE. H Rt. 7) Miigliederver iammluna am Sonnlag. den 29 Seplmider, Vormitragi prözile 11 Uhr. t» Hevdrich» Saal, Beuigstr. 22, 1 Tr.iink« tag-«Ordnung r 1. Besperchung kider die vo» der Kommiiston freier cingcschiicdener Hiisskaffrn zu Berlin mit ren Aerzten gelrostenen Berrindarungm. 2. Antrag der Orlroe, Wallung, die Srankenkoittroic del lstend. 8. Antrag Bromin r da» Institut der Krankendclucher auszud-dm und an Stelle d-sten einen desoitcte» Krai kenkontroleur zu Ivödlen. 4 Veischiedme». Unter Htnwrii aus die Wichtigkeit der Tllgetoidnur g wird um recht zadireichcn Besuch gebeten. KUg«m»inr Ktandru. und Ktrrdrdussr drt zzzrtaUatdrltr» iE. H. Rr 29 zu Hamburg! Filiale Ber in>U. Den Milgiiedern zur Nachrichl. daß laut Bei sammiungtdcschruß die Zahlstelle vom HeinrichSplag 198. Reuaurairt Grande, nach der Mariannenlrr. 48. nahe am HetniichSplag. detm Restauillteur H. Liewald verlegt wird, und die Beiniige lowie anmcldungcn zur Kasse, dort. vom Soirnadend. den 21. Srptrnrder, sowie jeden Eoi.nabend. Abend« von 8-10 Uhr entgegengenommen werden, ebcr lo In der Zadlftellr Etimdabnilr. 7 w der Defttllalion. E» wird gedelen. diese» so viel wie möglich zu verbreite». Ferner werd-n die Mitglieder ersucht, ihr fernere« Bridieiden in vdmaenannier Kaste, lvenmell ihren Ucdcrtritt in die Zcrttraikrankcn- und Eieibekaffe der lillcrallardetler„Vulkan" eriiörcn zu wollen. «rsiixg-, Cum- und grsrUigr prtrinr am Dienstag Gesangverein .Gulcnderg' Adend» 82 llhr im Restaurant Cuanbl, Siraiauersiraße 48— Gesangverein.Alpenglühen' Adend»»Udr im Restauranl Hildebrandl, Prinzen- straße 97— Schaler scher.Gesangverein der Elser' Adend» 9 Udr bei Wals und Krüger, kkaltgerliraße 128. Gelang.— Mönnergeiangverein.Gartenlaude' Abend» 9 lldr im Resrauranl Firt, Konduiersiraße 22— Gesangverein .Bouoardia'.Männerchor! Adend» 82 Uhr im Restauranl.Teulania'. Bei- sorlersrraßc 15.— Mannergciangvcretn.Slcinnelkc' Adcnd« 9 llhr im Reslau- ranl Schulz, StclNnerstrage 58-87.— Gesangverein.Harmonie' Adend« 8 llhc In Reukam» Bierhau». Große Frrmkfurterstraße 49.— Möimergtsong- verein.Echo ll' Abend» 9 Uhr im Restauranl Drillboie, Rvsenrhaierstraße Rr. 11-12.— Gesangverein.Söngerbain' Adend» 9 Udr im Reftonram Kaller Fran» Grenadicrvia» 7.— Gesangverein.Bruderdcrz' lledung«srun� Abend» von 92-112 Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gelangverein.Hast' nung Moabil' Adend» 82 Udr WilSnackerstraßc 88 im Restauranl Sl«1;" Gesangverein.Felicila»' Abend» 9 Udr im Restaurant Redelin. Sangestraße 1» - Rtannergeiangverein.Oivmpta' Abend» 9 Udr im Restaurant Gerlb. M'"}"!" straße 108.- Gesangverein.öiedcrlujl' Abend« 9 Udr im Reliauranl«»- >nann. Naunonstraßc 44.— Mönnergesangvercin.Airvrdia' Abend» 9 Uhr Ri Wcick. Aieranderstraße 81.— Gciangvcretn iiudwigstcher Mannerchor Abend» 9 Uhr Sindenstraßc ic« bei Povve. UedungSlrunde. Gaste find willkommen.- .Deutsche Stederlasel' Abend« g Uhr Oranieniiraße 190.- stildl-rklud.Ampdton Abend» 9 Uhr in Triebcl'S Restaurant, Hoher Eteinweg 15- Zurnocrew zIrod und Frei' lMäimerabtheilung! Abend« 82 lldr. Bergstraße 57.— Berliner Turnaenostenschasl iFünsle Maimerablheilung! Adend» 82»dr in der stadlischen Turnhalle. Wasterthorstr. 81- Turnverein»H«!"'' Haide sManner-Abtheiiung! Abend» 8 Uhr. Diestenbachstr. 80-81.- Bcrein ehemaliger Schüler der 87. Geineindeichule Abend» 9 llhr im Restanrani»inner. Kipnickerftr. 88.— Arendtstcher Srenogravdcnveretn.Apollodund' Adend» 81 Ahr Brunncnstraßc 129».— Arendtstcher Etenograpbcnverein Adcnd» 82 Udr im Restauran!.Zum eisernen Kren,'. Lindenstr. 71.- Deulichcr Verein Arcnd»- scher Stenographen Abend» 82 Uhr in Randes» Restauranl«nmnenstr. 12»» — Berein.Rae' Abend» 82 Uhr im Restauranl Elgc, Alerandrinenstr. 99— Unterbaltungdverciii.Harmonie' Abend» 3 Udr Eiiendahnslr. 8Sd. im Nestau- raiil von Liebe.— VergnügungSverei».Mollig' Abend» 9 Udr im Restaurant Remickc, GtpSftraße 8. teden Dienstag nach dem i. und 15— Zilderkiu« .Amodion' Abend» 9 Udr im.Münchcner Hos' Cvandauerstr. 11—12- Rauchklud.Zum Wrangel' Abend» 8 Uhr bei Herlchieb,«dalbertstr. 4- Rauchklub.Deutsche Flagge' Abend» 8 Udr im Restauranl Handler, Wrangel- straße 11.— Rauchklub.FriedrichShain' Abend» 9 Udr im Restaurant-bivvina Sandidergerilr. 118».- Rauchklud.Lustige Brüder' Adcnd» 82 Udr bei Grolde. Fürslenbcrgerstr. 2- Bergnügungivercin.Fröblichkeil'. Grüner Weg 29. Große Gcsellschaflistundc, verbunden mit Vortragen. Gaste will- kommen. Entree frei.— Tamdourvcrein.Eedan' Signng Abend» 82 Übe. Grüner Wca 9-10.— Tambaurverein..Einigkeil macht stark", gegründet 188& ftelloerlrelender Dirigent E Lilldardt. Uedung«stunde Adend» 9 lldr im«e. slanrant Habn. Ellasserftr. 57. Manneraelangvercin..Liederiretheil' Restaurant Bolzmann. AndrenSstr. 26. Dienstag Adend» 9 Uhr. Slimmbegadte Heil« werden ausgenommen. Depesrhen. (jftoUTo Ketegrantzen-Knrean.) T Paris, Montaq, 23. Seplember. Bis heute Vormittag 9 Udr find 545 Wahlergebnisse bekannt qeworben. Davon entfallen auf die Republikaner 219, die Oppositionellen 156> auf Stichwahlen 170 Unter den gewählten Konservativen de- finden sick Breteuil, Reille, Carochetoucauld, Baron Soubeyron, Dillon(Boulanstist), Mackau. Mongotfier, BiMias Freppel, E'chasscnaur und de la Fasse; unier den Republikanern Charmes, polilisiber Direktor im Ministerium des Aeußern, Arene, Lebaudy, Madier de Montjau, Douville-Maillefeu und Mezieres. Pari», Montag 23. September, Nachm. 2 Uhr. Nach einer Mittherlung des Mimsterium« des Innern sind von den 576 vorzunehmenden Neuwahlen 560 bekannt und zwar sind 224 Revublrkaner gewählt, darunter 167 G-mäßigte und 57 Radrkale, ferner 159 Angehörige der Opposition, nämlich 86 Royalisten, 51 Bonapartisten und 22 Boulangisten. Stichwahlen sind 177 erforderlich, von denen man bei 135 einen für die Republikaner günstigen Ausfall erwartet. Dir Mitiheilurg sagt am Schluß, die neue Kammer werde auS etwa 369 Re» pudl'kanern und 201 Oppositionellen bestehen. Außer de« 10 Wahlen in den Kolonien sind nocb 6 Wahlen unbekannt. Uebrr die Gesammtzahl der für Boulanger in Montmartre abgegebenen Stimmen werden von einander abweichende An- gaben gemacht. Die Versänedenheit dieser Angaben erklärt sich daran«, daß in einigen Wahlbureaus die auf Boulanger'S Namen lauienden Wahlzettel für ungiltig erklärt, in den meisten WablbureauS aber als giltig zugelassen wurden. Neapel, Montag 23. September. Wie die Zeitung „Piccota" meldet, würde der Angeklagte Cajiorali dem Schmur- gencht und nicht dem Zuchtpolizeigericht überwiesen werden. Der Staatsanwalt fasse das Verbrechen CaporaUs als Mordversuch mit Vorbedacht und aus dem Hinterhalt auf und stützte sich dabei auf die Thalsachen, daß Capoiali in der Nähe der CriSpl'lchen Villa umherstreichend gesehen worden, daß ein bei der Mutter CaporaliS beschlagnahmter Brief des Angeklogxm von einem großen Vorhaben mittels einer natürlichen Waffr spreche, und daß Caporaii den Stein, womit er Crikpl ver- mundete, dergestalt zugerichtet habe, daß derselbe eine schrni» dende und zerschmelterndc Waffe bildete. Vvtrfksflen. Bcl Anfragen bitten wir die Abonnemcnti-Qulltung bctzusügcn. Briesliide Antwort wird nicht crtheiit. G. Grenzstrasse. Sie können sich die betr. Nummern aus unterer Erpeduron abbolen- A. N 77- 1- Eine Billion— 1,000,000,000,000(Zehn- malhundeittaulend Millionen). 2. So viel wir wissen, nicht. A. P. MUHrlnrstr. Waaren, welche Sie nicht bestillt haben, sondein welche ein Anderer ohne Ihre Genehmigung auf Ihren Namen entnommen hat, brauchen Sie natürlich nrcht �u bezahlen. Also ihuu Sie garnichts, sondern warten Sie einstweilen ruhig ab, ob der Kaufmann Sie verklagt. C. V., Schönhotzerstrass». Em Testament, auch ein wechselscltrgeS, kann man emwedcr bei Gericht zu Protokoll dik-iren oder dem Genchte verschlossen übergeben. Im letzteren tolle ist es rathsam, aber nicht gesitzlich erforderlich, sich das estom-nt von eurem RechiSanwalt abfassen zu lassen. 14a. K. M Ihre Schwägerin möge den betressendem Arbeitgeber bei der Gewerbedeputation verklagen aus Nach- zahlung der Kassenbeilräge. Sie kann auch wegen Betruges Strafanzeige machen. G. I. I. Es ist empfehlenSwerth, sich zur Anmeldung eines Patente« der Hilfe eines Patentanwaltes zu bedienen. Dre Höhe des diesem zu zah!enden Honorars hängt von der Verabredung ab; eine Tare existirt nickt. 2. An das Patentamt sind bei Eriheilnng tx-S Patentes 30 M. zu zahlen. Außerdem von Beginn des zweiten Patentjahres ab eine jährliche Gebühr,, welcke mit 50 M. beginnt und in jedem weiteren Jahre um je 50 Mark st-igt. H. 100. K. 5. 1. Ein HauS, das unter Polizeiaufsicht steht, giebl es nrckt. Ihre Frage ist unklar. 2. Die Giltigkeit eines Kontraktes hängt niemals davon ab, ob derselbe gestempelt ist oder nicht. Die Nichlstempeiung eines stempelpflichiigen Kontraktes zieht vielmehr nur erne Geldstrafe nach sich. 3. En e Veipsilchtung für den Wirth, auf eine an ihn gerichtete An->- frage, b-tr. frühere Aufhebung des Kontraktes, zu antworten, bestedt nicht. W. Pahr. Für die Sonnabend-Nummer zu spät einge- gangen. K. Kottbn«. Vorläufig bleibt eS wie früher. P. St. Waldemarstrasse. Eine Preisherabsetzung, wie gewünscht, würde einen ErnnahmeanSfall herbeiführen, welchen unser Biott nicht vertragen kann und der voraussichtlich durch erhöhtes Abonnement nicht so leicht eingebracht werden könnte. Seibstverständlrch wünschen auch wir den Preis herabzusetzen und dies wird sofort g-schehen, sobald der Abonnentenftand so gefireoen, daß das Experiment ohne Gefahr für die Existenz de« Blattes gewogt werden kann. Wenn alle Parteigenossen ihre Sckuldiokeit thun und eifrig für die Verbreitung wirken,. so müßte es doch sehr sonderbar zugehen, wenn wir nicht sehr bald diejenige Abonnentenzahl haben sollten, die un« nach dem Bestände unserer Parte.» und Gesinnungsgenossen zukommt. Lerantworllicha Redakteur: K»«ranhrt» in Berlin. Druck und Verlag von Mar>»a»i»c tu Berlin sw., Beutdstraß, S.