Nr. 324. Mittwoch» de« 33. September 1889. «. Jahrg. StMtrVMblxll. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Dto Mohlenbsrone. � Wenn der Winter hart wird, so werden die armen �rute mit großen Entbehrungen zu kämpfen haben— das � die düstere Prophezeiung, die man von allen Seiten hört. der That sind Gründe genug zu dieser Befürchtung vor- Händen. Das Durchschnittsverdienst des Arbeiters hat sich nicht gehoben und der Winter wird für viele Branchen Be- schüftigungslosiakeit mit sich bringen. Alles sucht sich ein- zuschränken und Alles leidet unter dem sinkenden Konsum, vom Arbeiter bis zum Engroskaufmann. Nun ist auch in Aussicht gestellt, daß die Kohlen- preise steigen sollen, und sie werden ohne Zweifel steigen- eine trübselige Aussicht für den armen Mann, wenn sich zu den Plagen sonstigen Mangels auch noch die Plage des Mangels an Heizmaterial gesellt, die einen strengen Winter zu einer gefürchteten Zeit macht. Woher aber kommt es, daß die Kohlenpreise steigen? Zn den Spießbürgerkreisen ist man mit der Antwort gleich parat. „Ja ja," sagen nun die immer mit Weisheit bis obenan gefüllten Politiker der Bierbank,„das kommt von dem großen Streik der Bergleute. Da können die Arbeiter sehen, was sie mit dem Streiken anrichten! Nun müsicn sie selbst und wir Andern mit ihnen unter den hohen Kohlenpreisen leiden. Nun mangelt eS an Kohlen und die Preise steigen. Za, das leichtsinnige Streiken!" Folgen dann die üblichen Tiraden von den„Agita- toren, von denen das ganze Unglück kommt, und von der Noihwendigkeit, endlich Strafbestimmungen gegen diese ..Agitatoren" und gegen die„übermüthigen" Streiker überhaupt zu erlassen. Gemach, ihr Herren! So liegt die Sache denn doch nicht und man wird sie auch von einer anderen Seite zu betrachten haben. Wenn wir uns die Sache so einfach machen wollten, wie die Nationalökonomen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", so könnten wir einfach sagen, daß die Kohlenpreise durch die Zwischenhändler gesteigert worden seien. Tie Gelehrten des hochoffiziösen Blattes haben bekanntlich behauptet, an der Steigerung der Fleischpreise sei nicht das Tlerbot der Schweineeinfuhr, sondern die Zwischenhändler schuld. Allein wer einigen gesunden Menschenverstand hat, der begreift, daß die Zwischenhändler wohl die Waaren im Allgemeinen vertheuern, daß aber dieselben sich den Markt- preisen anbequemen müssen und nicht im Stande sind, dieselben beliebig zu machen. Der Zwischenhändler zieht feinen Gewinn aus dem Zuschlag, den er auf den Preis der aus den Händen des Produzenten empfangenen Waare legt. Aber der Marktpreis wird durch die allgemeine Konkurrenz und nicht durch den Zwischenhändler gemacht. So überflüssig auch der Zwischenhändler, theoretisch genommen, bei einer vernünftig geregelten Waarenzirkulation ist, so wenig ist er an der Erhöhung der Kohlenpreise schuld. Ja'uilleton. Mtad&aat cccbotcn.) [74 Ein Roman von Maurus Jäkai. „Mein Herr," sagte sie in sanftem, weichem Tone zum �ajor,„daß ich Sie bis zu Ende angehört, ist ein Beweis, �aß ich Sie achte. Lassen Sie mir dies Gefühl und fragen �ie mich nie mehr, was Sie mich heute gefragt. Ich rufe sie ganze Welt zum Zeugen an, ob ich je mit einem Wort, üner Thräne mich beklagt habe. Heber wen hätte ch mich beklagen sollen? Ueber meinen Gatten, welcher der delste, beste Mann von der Welt? Ueber ihn, der mich, 'ie Fremde, das Kind, dem Tode entrissen hat, der dreimal u die Tiefen des Wassers, in'S Reich des Todes hinabstieg, w mich zu retten? Als ich ein einfältiges, von Jedermann erspottetcs Geschöpf war, beschützte er mich; meinetwegen Wuchte er täglich daS HauS seines Todfeindes, war um mich esorgt, wachte über mich. AlS ich zur obdachlosen Bettlerin ewordcn, brkchenkte er mich, die Magd, mit seiner Hand, einem Reichthum, und machte mich zur Herrin seines HauseS. ivd als er mir seine Hand reichte, war es ihm Ernst damit; c trieb nicht sein Spiel mit mir." Dies sagend, eilte Timea u einem Wandschranke und riß dessen Thür heftig auf. Sehen Sie hierher, mein Herr," sagte sie zu dem Major, indem r die gestickte Schleppe des im Schranke hängenden Kleides vor m ausbreitete.„Erkennen Sie dies Kleid? Es ist jenes leid,- das ich gestickt habe. Sie haben eS wochenlang ae- chen, als ich daran stickte. Jeder Stich daran ist ein be- .ebener Traum, eine traurige Erinnerung für mich. Man Ute mir vorgelogen, eS werde dies mein Brautkleid sein. nd als eS fertig geworden war, sagte mau mir:„Zieh' Wenn eine solche eintritt, so bezeichnet sie lediglich die Thatsache, daß die Kohlenbarone sich für die Verluste, die sie durch den Streik er- litten haben, am großen Publikum schadlos halten wollen. „Drum hätten die Arbeiter nicht streiken sollen," werden einige Philister bemerken, denen höhere Kohlenpreise auch unangenehm sind. „Nein," entgegnen wir,„wenn die Besitzer und die Verwaltungen der Kohlengruben nur einigen Gemeinsinn besessen hätten, so würden sie die bescheidenen Forderungen der Arbeiter bewilligt haben, statt immer auf die Löhne zu drücken und die Arbeitslast für den Einzelnen zu ver- größern." Man sieht unter den Unternehmern gegenwärtig überall das Bestreben, sich zu verbinden und Vereinigungen zu bilden, welche die Konkurrenz ausschließen und die Presse daher in einer gewissen Höhe halten können. Man ist bei den amerikanischen Petroleumbaronen, die durch ihre Ver- einigungen und die damit bewirkten Preissteigerungen die Millionen nur so' aus dem Aermel geschüttelt haben, in eine gute Schule gegangen. Die Preis st eige- r u n g s g e s e l l s ch a f t e n, die Unternehmer- Kartelle werden immer häufiger. Wohin sie führen, davon hat der- famose Magdeburger Zucker- krach em unmißverständliches Beispiel geliefert. So sind denn auch die Kohlenbarone entschlossen, die Preise zu steigern, denn sie wollen das einbringen, was sie durch den Streik verlorm haben, und noch ein Erkleck- liches dazu. Die Berechtigung zu diesem Akt schöpfen sie aus— ihrer Macht und dem Zwang der Winter- kälte. Während des Streiks ist ein erhebliches Quantum Kohlen weniger zu Tage gefördert worden als sonst; das steht fest. Deshalb würde auch der Unternehmergewinn etwa? weniger hoch sein und die Dividenden würden etwas kleiner ausfallen. Aber wo in aller Welt will man denn daraus die Berechtigung herleiten, die Kohlenpreise über- Haupt zu erhöhen? Wenn die Arbeiter bei dem Streik Schaden gehabt haben— und er war empfindlich genug!— so können auch die Kohlenbarone einen Theil des Verlustes auf sich nehmen, den der Ausstand nach sich gezogen hat, an dessen Ausbruch doch nur die Hartnäckigkeit ver Gruben- besitzer und der Verwaltungen schuld war. Die Ar- beiter tragen ihren Schaden selbst; die Unternehmer wollen den ihrigen dem ganzen deutschen Volke aufbürden. Hierzu liegt kein Zwang vor, wenn man nicht die Gewinnsucht als einen solchen betrachten will. Denn es ist reine Habgier, wenn die Kohlenbarone die Gelegenheit be- nutzen, die Kohlenpreise zu erhöhen, und wenn sie den Streik als den Vorwand zu einer solchen Maßregel heran- ziehen. Man kann, was den Grubenbesitzern durch den Streik entgangen, als eigentlichen kaufmännischen Verlust gar nicht betrachten; es ist eine geringe Schmälerung ihrer Einnahme. Wenn nun die ganze Bevölkerung Deutschlands diesen ver- hältnißmäßig geringen Ausfall doppelt und dreifach, viel- leicht zehnfach wieder aufbringen muß, so wird sie, denken wir, soviel Einsicht besitzen, sich nicht über die Ar- beiter in eine falsche Entrüstung hineinsteigen zu lassen; sie wird vielmehr begreifen, daß diese Willkür der Kohlen- barone eben ein Auswuchs des gegenwärtigen Produktions- spstems ist. Welche Menge von„geheimen Verbindungen" hat man in Deutschland schon entdeckt und bestraft, von denen daS Publikum nicht den geringsten Schaden gehabt hat! Das gemeinschädliche Treiben der P r e i S st e i g e r u n g s- Kartelle aber ist unbehelligt geblieben— es reicht auch ohnehin das Strafgesetzbuch kaum zu ihrer Verfolgung aus. Norvcrpemdeujeu. London, 19. September 1889. Ein Brief aus London, der nicht mit dem großen Docker Streik beginnt, ist im aegen» wärtigen Moment genau so undenkbar, wie ein Brief aus Paris, der nickt mit einer Betrachtung über die Jubiläums- Ausstellung ansängt, die trotz des Äoycotts der„Zivilisation" fast von Tag zu Tag größere Schaaken von Besuchern nach dem Babel an der Seine lockt. Ohne die Bedeutung dieses Erfolg« der Revolutionsfeicr unterschätzen zu wollen, stehe ich indes keinen Augenblick an, dem Erfolg der streikenden Dock« arbeiter die größere Bedeutung beizumessen. Trotz„Menschen- rechte" und„Freiheit, Gleichbeit und Brüderlichkeil" ist die Eeier der großen französischen Revolution doch eine Angelegen- . nt der Bomgeoiste, unb so wenig diele auch heute an Revolu- tionen denkt, gefeiert hat sie da« Jubelfest ihres„Antritts" ganz gehörig. Paris war das Rendezvous der Bourgeoisie aller Länder, und die Arbeiter, welche auf Staats-, Gemeinde- jc. Kost n dorthin geschickt wurden, sollen die Dekoration dieses Festes der Bourgeoisie bilden. Das gilt auch namentlich von einem guten Theil der von hier über den Kanal entsandten„Arbeiterdele- gationen". Inwieweit sie dieser Aufgabe nachgekommen sind, darüber ein andermal. Kommen wir für heute noch einmal auf den Dockarbeiter- Streik zurück. Daß die Dockarbeiter gewonnen haben, wissen die Leser des„Berliner Volksblatt" bereits, sie wissen auch, daß dieselben einen Penny pro Stunde Lohnerhöhung durchgesetzt haben. Jndeß dabei wird melfach vergessen, daß dieser Erhöhung das Zugeständniß der Arbeiter gegenübersteht, nur die Arbeitszeit, während deren sie wirklich thätiq sind, bezahlt zu erhalten, sich für die Eßpausen Abzüge gefallen zu lassen. Für einen Ar- beiter, der von acht Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags in den Docks thätig ist, stellt sich daher der Lohn: Nachdem neuenTarif: Acht Stunden- 6 Pence--- 4 Sh. ab i Stunde für Mittagessen____ 3 Pence, bleiben 3 Sh. 9 Pence. es jetzt aus, das ist für eine andere Braut!" Ach, mein Herr, das war ein tödtlicher Dolchstoß in mein Herz. An dieser unheilbaren Wunde sieche ich schon sein Jahren. Und jetzt sollte ich mich trennen von jenem edlen, großen Charakter, der mir nicht, als ich noch ein halbes Kind war, mit Schmeicheleien und Artigkeiten hofirte, um mir den Kopf zu verdrehen, sondern sich ehrerbietig fern hielt und wartete, und erst, als andere mich zu Boden getreten und hilflos liegen gelassen, hervortrat, um mich zu sich empor- zuHeben, und seitdem nicht aufgehört hat, mit übermenschlicher, eines Engels würdiger Geduld um die Heilung meiner tödt- liehen Wunde sich zu mühen und meine Leiden mit mir zu theilen? Ich sollte mich trennen von dem Manne, der außer mir Niemanden hat, den er liebt; dem ich eine ganze Welt bin, daS einzige Wesen, das ihn noch an diese Welt knüpft, und bei dessen Anblick sein düsteres Antlitz sich aufheitert? Ich sollte mich scheiden lassen von einem Manne, den Jeder- mann achtet und liebt? Ich sollte ihm sagen, daß ich ihn fasse— ich, die ich alles ihm verdanke, und die ich ihm eine andere Mitgift gebracht, als ein krankes, liebe- leere» Herz?" Ter Major verhüllte sich da« Gesicht mit der Hand bei diesen Worten der leidenschaftlich erregten Frau. Und wie erst jener andere Mann hinter dem Sankt Georgs- Bilde; mußte e« ihm nicht zu Muthe sein, wie dem Drachen, dem der heilige Ritter seinen Speer in den Rachen stößt? Doch es war noch nicht genug mit dem in den Rachen gestoßenen Speer, man riß ihm auch noch den Widerhaken der in der Wunde flecken gebliebenen Lanzen- spitze heraus. „Aber, mein Herr," fuhr Timea fort, deren Gesicht ver- klärt war von dem unwiderstehlichen Zauber weiblicher Würde—„selbst wenn Timar gerade das Gegentheil von alledem wäre, wofür die Welt ihn hält; wenn er ein ruinirter Mann wäre, ein Bettler: so würde ich doch nicht von ihm lassen. Dann erst recht nicht. Und wenn Schmach seinen Namen bedeckte, ich würde diesen Namen nicht von mir werfen. Ich würde seine Schande mit ihm theilen, so wie ich seinen Glanz getheilt. Wenn die ganze Welt ihn verachtete, ich wäre ihm ewige Achtung schuldig. Wenn er landflüchtig würde, ich würde ihm in die Verbannung folgen und mit ihm in den Wäldern Hausen, wenn er ein Räuber würde. Wollte er sich das Leben nehmen, ich würde mit ihm sterben... (Was ist das? Weint etwa der Drache dort auf dem Bilde?) „Und endlich, mein Herr, selbst wenn mich das Empfindlichste, das Bitterste träfe, was eine Frau treffen kann, wenn ich erführe, daß mein Mann mir untreu gewor- den, daß er eine Andere geliebt, so würde ich sagen:„Gott segne sie. die ihm jenes Glück geschenkt, um daS ich ihn ge- bracht!" und würde mich nicht von ihm scheiden lassen.— Ich würde eS nicht thun, selbst wenn er eS verlangte; ich lasse mich nie von ihm scheiden, denn ich weiß, was ich meinem Eide schuldig bin und dem Heile meiner Seele." Auch der Major schluchzte— auch er! Timea hielt rnne, um ihre Ruhe wiederzugewinnen. Dann Hub sie wieder mit leiser, sanfter Stimme an:„Und jetzt verlassen Sie mich für immer. Der Dolchstoß, den Sie vor Jahren meinem Herzen versetzt, ist durch diesen Säbelhieb quitt gemacht; ich behalte mir darum diesen zer- brochenen Säbel als Andenken. So oft mein Auge auf ihn fallen wird, werde ich mir denken, daß Sie eine edle Seele sind und das wird mir Heilung bringen. Dadurch, daß Sie seit Jahren nicht gesprochen und sich mir nicht genähert, haben Sie Sühne gethan dafür, daß Sie einst zu mir ge- sprochen und sich mir genähert."---- Als Timar durch die Schrankthüre aus dem Versteck auf den Gang hinausstürzte, vertrat eine dunkle Gestalt ihm Nach dem alten Satz erhielt er: 8 Stunden» 5 Pence= 3 Sh. 4 Pence, Mekirvcrdienst: 5 Pence. Em Arbeiter, der von 8 Uhr früh bis Mitternacht in den Docks arbeitet, also Ueberzeit macht, erhält nach dem neuen Tarif: 10 Stunden(von 5 Uhr früh bis K Uhr Abends a 0 Perice= 5 Sch.— Pence 6„(von 6 Uhr Abends bis Mitter- nacht a 8 Pence— 4„—» Ab für ff Stunde Mittagessen 3 Pence j„ Vesper 3„ 1„ Abendessen 8» 9 Sch.— Pence i � 2„ Bleiben ihm 7 Sch. 10 Pence Nach dem alten Tarif erhielt er: 10 Stunden(von 8 Uhr früh bis 6 Uhr Abends 2 5 P.-- 4 Sch. 2 P. 6» Ueberzeit 2 6 P.— 3„„ 7„ 2„ Mehrverdienst— Sch. 8 Pence Das, und die Zusicherung für die nicht vollbeschäkligten Arbeiter, mindestens mit einem Lohn für 4 Stunden 2 6 Pence — 2 Schilling fortgeschickt zu werden, ist der ganze Vortheil, den der große Streik den Arbeitern gebracht. Dafür haben sie fünf Wo-ben lang das größte Elend auSgchalten, ihren HauS- rath, foweil er überhaup! Käufer fand, veräußert— kurz, alle Opfer gebracht, die der Kampf zwischen Kapital und Arbeit heute den Proletariern auferlegt. Und um dieser geringen Differenz willen— denn die unregelmäßig beschäftigten Ar- beiler bilden die große Mchnheit— baden die Dockdirektoren sich gesperrt, als Künde die Eriken, der Docks überhaupt in Frape und dem Handel der Weltstadt unendlichen Schaden zugefügt. Allerdings rentiren sich die Docks nur schlecht, dank jähre- langer Mißwirthschaft, während deren Unsummen im mahn- finnigen Konkurrenzkampf der einzelnen Docks untereinander verschleudert, eine unerhörte Anzahl von Schmarotzerexistenzen aus Velterfchaftsrücksichtcn dem AuSgabeetat aufgebürdet wur- den. Aber trotzdem können die Decks die Mehrausgabe sehr gut tragen, denn es ist gar kein Grund vorhanden, weshalb vre Arbeiter für verzettelte Millionen noch nachträglich Profite aufbringen sollen.*) So urtheilte die große Mehrheit der Bevölkerung, und demgemäß nahm sie während des Streiks Partei. Worin aber beruht die große Bedeutung dieses Streiks? Es ist im„Volksblatt" schon früher darauf hingewiesen worden und es fei hier wiederholt: sie beruht in der Thatfache, daß es die unter st eSchichtderArbeiterklaffe, die aus- gestoßenen des Arbeitsmarktes, die Hoff- nungsloseften unter den Proletariern waren, die plötzlich als eine geschlossene, einheitlich kämpfende, von einem gemeinsamen Gedanken getragene Organisation da- standen. Sie beruht in der gewonnenen Erkenntniß, daß es keine Schicht im Proletariat gicbt,� die nicht durch die Macht der Organisation gehoben werden könne, keine Schicht, an deren Organisationsfähigkeit die Freunde der Arbeiterfache zu vcr- zweifeln brauchen, zu verzweifeln das Recht haben. Freitich, um diese Erfahrung zu sammeln, dazu bedurfte es eines Landes mit dem Versammlungsrecht und der Redefreiheit, deren England sich erfteut. Man muß nicht denken, daß diese Bewegung unter den Dockarbeitern, weil sie so plötzlich an'S Tageslicht trat, nun auch das Produkt eines TageS, das aus dem Nichts geschaffene Werk eines oder einer beschränkten An- zahl tücktiger Organisatoren war. Nun, Ehre dem Ehre ge- bührt. Wir leben nicht in der Zeit der Wunder. Ehe die Riesenbewegung möglich war, welche die ganze Welt in Er- staunen gesetzt bat, ist eine Epoche der Riesenarbeit vorauSge- {angen. Seit Jahren haben die Sozialisten der verschiedenen, ier bestehenden Fraktionen im Ostend propagandistisch gewirkt, an den Straßenecken, auf öffentlichen Plätzen diesen Aermsten der Armen, die in keinem Verein zu finden sind, das Evange- lium von der Befteiung der Arbeit gepredigt und ihnen so die Uebcrzeupung beigebracht, daß es nicht immer so war, wie es heute ist, und auch nicht in alle Ewigkeit bleiben muß. Im Polizeistaat hätte man diese„Volksaufhetzer� schleunigst zu Paaren getrieben, hier ließ man sie ruhig gewähren, küm- merte sich auch nicht darum, wenn ein Redner, von seinem Temperament Hingeriffen, schärfere Ausdrücke gebrauchte als sie der parlamentarische Sittenkodex gestattet. Und mos ist das Resultat dieser„zügellosen Agitation"? Der r u h i g st e, g e- setzmäßigst verlaufene Massenstreik, den man sich denken kann. Aber doch ein Streik, höre ich Ihre Ossiziosen zischen. Und irgend ein Pindter wird triumphirend ausrufen: „Hier ist es jetzt zugestanden, daß auch dieser Streik das Werk *) An sich haben die Docks in den letzten Jahren ganz hübsche Einnahmen zu verzeichnen gehabt— so die Londoner Jndia-DockS im letzten Jahr über 300 000 Pfd. Strl.(6Mill. Mark!)_ den Weg. War es ein Schatten, ein Phantom, oder ein Geist? Es war Athalie. Timar Isticß die dunkle Gestalt von sich und indem er sie mit der einen Hand an die Wand drückte, flüsterte er ihr ins Ohr:„Sei verflucht! Und verflucht sei dies Haus und die Asche dessen, der es gebaut." Damit rannte er wie ein Wahnsinniger die Stiege hinab. Zweites Kapitel. Der er sie Verlust. Fliehen? Aber wohin? Das ist jetzt die Frage. Die Thurmuhren in der Stadt schlagen Zehn; die Schranken sind schon herabgelassen vor der hölzernen Brücke, welche über den kleineren Donauarm auf die Insel führt, von wo dann auf dem größeren Donauarm die Eisdecke jetzt die Brücke bildet. Dahin kann man aber jetzt nicht gelangen, ohne sämmtliche Stadttrabanten zu alarmiren, welche vom Stadthauptmann den strengen Befehl haben, von 8 Uhr Abends bis 7 Uhr früh Niemanden auf das Eis zu lassen, und wenn'S der Papst selber wäre. Zwar ein paar Banknoten aus der Brieftasche des Herrn Leve- tinczy würden vielleicht bewerkstelligen, was selbst die Bullen des heiligen Vaters nicht vermöchten: dann aber wäre es am andern Tage in der ganzen Stadt ruchbar, daß der Goldmann in später Nacht allein und in großer Erle über das gefährliche Eis aus der Stadt echappirt ser. DaS wäre eine gute Illustration zu dem Stadtklatsch, der auS jenem Duell entstanden. Allgemein würde es heißen: nun, der denkt schon daran, nach Amerika durchzubrennen. Auch Timea würde eS zu Ohren kommen. Timea! O, wie schwer ist eS, diesem Namen zu ent- rinnen. Ueberall klingt er ihm nach. Er kann nichts Anderes thun, als in sein Haus zurückkebren, und dort warten, bis es Tag wird. Behutsam, wie ein Dieb, öffnete er die m sein Zimmer führenden Thüren. Um diese Zeit schlafen die übrigen Bewohner des Hauses schon alle. In sein Zimmer gelangt, zündete er kein Licht an. Er warf sich auf den Divan. Im Finstern aber wissen die Gespenster, von denen er verfolgt wird, ihn noch besser zu finden. sozialistischer Aufwiegler war." Ganz recht, wenn auch nicht im buchstäblichen Sinne des Wortes. Eure Folge foz'alisti- scher Aufklärungsarbeit war der Streik, und wir Sozialisten können stolz darauf sein. Ein mächtiger Anstoß ist gegeben, und allüberall regt eS sich jetzt hier unter den tief unten auf der sozialen Stufenleiter Angelangten. Den Dockarbeitern waren die Zündholzarbeiter(meist Frauen und Mädchen) und die Arbeiter in den Gasanstalten voraus- gegangen, gleichzeitig mit ihnen regten sich die Pelz- waarenarbeiter und die Schneider des Ostends, meist arme Juden aus Rußland und Polen, die unter dem berüchtigten Schwitzsystem in schamlosester Weise ausgebeutet werden. Desgleichen die Kohlenfuhrleute und die A r- beitsleute in den Buchdruckereien. Seit einigen Wochen ist auch unter den Bäckern eine große Agitation im Gange(Vergl. unsere gestrige Nummer unter Großbritannien. Red.) und Sonntag soll eine große Demonstration im Hyde- park stattfinden, zum Protest gegen die unerhört lanae Ar- beitszeit in diesem Berufe. Wie sehr die Verhältnisse im Bäcker- gewerbe hier noch im Argen liegen, geht aus den wahrhaft bescheidenen Forderungen der Streikenden hervor. Dieselben verlangen: 60 Stunden Arbeitszeit pro Woche und 30 Schilling Wochenlohn. Für Ueberzeit- und SonntagSarbcit 50 Prozent Aufschlag. Ferner steht eine Lohnbewegung unter den niederen Po stangestellten in Aussicht, die Lastträger von Eoventgarden(Blumen- und Gemüsemarkt) organisircn sich zum Kampf wider das sie schwer schädigende ArbeitSverdingungS- system, und so geht es fort bis zu den Mü l l f a h r ern und Straßenfegern, die vor einigen Tagen bei einem der größten Unternehmer im Nordwesten erhebliche Aufbesserungen durchsetzten. Das alles mag beschränkten Seelen auf dem Festland als ein Gräuel vor dem Herrn erscheinen; wer etwas weiter blickt, als die Interessen der heutigen kapitalistischen Unternehmer gehen, wird es als einen hohen Fortschritt begrüßen, daß der Gedanke der Vereinigung in immer weiteren Kreisen der Arbeiterschaft Boden faßt— vom rein menschlichen Interesse für die Enterbten der heutigen Gesellschaft ganz abgesehen. Nationaldünkel ist eine sehr verwerfliche Sache, wenn jedoch heute die Londoner Presse in ihrer großen Mehrheit eS als einen großen Vorzug Englands preist, daß seine Arbeiter Ellenbogenraum haben, sich für ihre Besserstellung zu organi- siren, so kann man diesen Stolz nur als berechtigt an- erkennen. Staat und Gesellschaft sind darum doch noch nicht in Gefahr, das Haider jüngste Gewerkschaftskongreß gezeigt, auf dem die Herren Broadhurst und Shipton einen, allerdings nicht ganz zweifelsohnen Sieg erfochten haben. Um ihre Führerschaft zu behaupten, find diese Herren vor den unsaubersten Mitteln nicht zurück- geschicckt. Ein Skandal sondergleichen ist die Art, wie die Urabstimmung über den Achtstundenarbeitstag vom parlamentarischen Komitee in ihr Gcgentheil umgepfuscht — oder, gerade heraus, gefälscht wurde. Vor mir liegt die Lifte über die Abstiminnng, wie sie angeblich erfolgt sein soll. Sie verzeichne! im Ganzen 37 Gewerkschaften mit zu- sammen 178 376 Mitgliedern, die andern haben die Abstim- mungSlisten entweder„zu früh", oder zu spät, oder auch gar nickt eingeschickt. Von denen, die eingeschickt haben, sollen 67 390 Mitglieder gegen den AchtstundenarbeitStag, und nur 39 650 dafür gestimmt haben. Thalsächlich haben nur der— sehr schwache— Verein der Londoner Buchbinderarbeitcrinnen und der— ebenfalls sehr schwache— Verein der Londoner Zinkarbeiter Majoritäten gegen den AchtstundenarbeitStag ge- liefert. Die große Mehrheit rechnet der Bericht dadurch her- aus, daß er die Vereine der Spinner und Weber Nord- Eng- lands mit zusammen 56 541 Mitgliedern einstimmig, und die Mitglieder des GewerkschaftSbundcS von Wolverhampton in der Zahl von 4500 mit allen gegen 7 Stimmen gegen den Achtstunvenarbeitstag entscheidm läßt— lediglich auf Grund von Abstimmungen seitens der Zentralvorstände dieser Ver- bände. Daß dies kein Jrrthum in gutem Glauben ist, geht daraus hervor, daß dieAbstimmung des Vorstandes des Lioerpooler Ge- wertschastsbundeS, der mit 20 Stimmen gegen 7 fü r den Acht- stunden-ArbcitSlag stimmte, einfach nur diese AbstimmungS- zahlen ausweist, während der Bund selbst 10 000 Mitglieder ��Wie aber war überhaupt eine so mangelhafte Abstimmung möglich? Die Thatsache ,st nur erklärlich, wenn man annimmt, daß die Jnstruktronen bei Verschickung der Fragebogen so un- klar gelautet haben, daß sie von vielen überhaupt nicht ver- standen wurden. Wie die Herren vom„Parlamentarischen Komitee" sich auf das Verdunkeln von Thatfachen verstehen, dafür ist ihre Abstimmungsliste der beste Beweis. Es wäre indessen falsch, uns mit dieser Erklärung zu beruhigen. Die Schuld des einen hebt den Fehler des anderen nicht auf. Alle Manöver und Listen würden nichts nützen, wenn nicht that- sächlich ein großer Theil der Gewerkschaftler allen Fragen, die über das Interesse des TageS hinaus gehen, eine höchst bedauerliche Gleichgiltigkeit entgegen brächten. Die Führer find Wie dies Alabastergesicht erröthete! So ist also dennoch dort Leben unter dem Eis, nur die Sonne fehlt. Die Ehe ist für sie der ewige Winter, der ewige Polarwinter. Die Frau ist treu. Und auch der Nebenbuhler ist ein treuer Freund. Er zerschlägt seinen Säbel auf dem Schädel desjenigen, der es gewagt, den Gatten der angebeteten Frau zu verleumden. Und Timea liebt diesen Menschen und ist unglücklich, sie sowohl wie er. An dem Unglück Beider aber ist Schuld, daß Timar ein Goldmann. Diejenigen,. die ihn lieben, vergöttern ihn. Niemand wagt auch nur daran zu denken, ihn zu betrügen, zu bestehlen, zu beschimpfen, von dem Diamant seiner Ehre einen Splitter abzubrechen; sie hüten seine Ehre wie ein Kleinod. Wenn Timea erführe, wenn sie entdeckte, wie es in seinem Innern aussieht, würde sie dann noch sagen:„Ich würde die Schande seines NamenS theilen, wie ich seinen Glanz getheilt?"\3a, sie würde das sagen. Timea trennt sich nicht von ihm. Sie würde sagen:„wenn Du mi unglücklich gemacht, so leide nun auch mit mir." DaS die Grausamkeit der Engel. So ist'S mit Timea. Wie aber mit Noemi? Was macht sie jetzt auf der ein- samen, unbewohnten Insel, von der sie nicht fort kann, Dank der Hochsinnigkeit Timea's? Allein in der traurigen Monotonie des Winters, ein kleines hilfloses Kind auf dem Schoß! Woran denkt sie jetzt? Niemand ist da, der ihr ein Wort des Trostes brächte. Wie mag sie in der unwirth- lichen Einöde zittern vor schlechten Menschen, vor Ge- spenstern, vor wilden Thieren! Wie mag es ihr das Herz zusammenschnüren, wenn sie an den fernen Geliebten denkt und darüber nachsinnt, wo er jetzt sein mag? O wenn sie wüßte! O wenn beide Frauen wüßten, welch verruchter Bösewicht jener Mann, der ihnen so viel Herzeleid ver- ursacht! Wenn Jemand sich fände, der es ihnen sagte! Wer mag nur jener Fremde sein, der bereits Dinge über ihn gesagt, für welche der Major ihm einen Schlag ins Gesicht, einen Hieb auf den Kopf versetzte? Ein fremder Marine-Offizier? Wer kann dieser Feind nur sein? DaS zu erfahren ist nicht möglich; er ist mit der Wunde, die er erhalten, aus der Stadt verschwunden. Etwas flüsterte ihm $ auch hier nicht schlechter als die Geführten— sie verdienen. Soviel für heute. Ueber den Stand und Charakter der sozialistischen Bewegunz in England in meinem nächsten Be- richte. *• « Paris, 22. September. Ueber die Physiognomie des Wahltages in Paris erhalten wir nachträglich folgende Schil- derung. Der Wahltag ist da. Es regnet. In Paris spielt das Wetter eine große Rolle— wie übrigens auch in anderen Städten— und namentlich vor dem Regen fürchten die Pariser sich sehr, so daß einst gesagt wurde:„es regnet, das Volk geht also nicht auf die Straße"— d. h., es baut keine Barrikaden und macht keine Revolution. Ob der Regen auch Viele am Wählen verhindern wird? Es ist 10 Uhr Morgens— seit zwei Stunden sind schon die Wahllokale geöffnet, allein auf den Straßen ist gar nichts zu bemerken. Die Physiognomie der Straßen und der Bevölkerung ist genau dieselbe, wie an einem gewöhnlichen Regensonntag-Vormittag. Diese Stille hat etwas RäthselhafteS und Unheimliches, und zwar für alle Parteien ohne Ausnahme. Man braucht nur die verschiedenen Zeitungen zu lesen. Selbst den Bonapartisten und ihrem Frechsten der Frechen, vem Gassenbuben Granier(gmannt nach dem Geburtsdorf des Vaters: Caffagnac), ist die bis- her zur Schau getragene Zuversicht abhanden gekommen und ihre Journale fangen sogar an, die Republik zu loben. Nur die Boulangisten schimpfen in alter Weise, wie die Rohrspatzen. Andere Waffen haben sie ja nicht. Der Ocrnp de la derniere heure— der Streich der letzten Stunde— vor der Wahl, den man von ihnen er- wartete, ist ausgeblieben; Herr Boulanger hat keine Lust, den Märtyrer zu spielen— er ist hübsch in London geblieben — oder doch wenigstens in England— und lauert dort auf die Nachricht feiner Nieoerlage. Statt seiner sind Millionen und Millionen von neuen Asfichen, Proklamationen u. f. w., in den Straßen von Paris erschienen. Immer dieselben stereo- typen Schimpfereien. Aber woher das Geld? Dieser gedruckte Schmutz kostet Hunderttausende: und wenn man alles zusammenzählt, was der„tapfere Generat", der bekanntlich arm ist, wie eine Kirchenmaus, für die gegenwärtiae Wahlkampagne schon ausgegeben hat, so summirt es sich zu Millionen. Wo- herdasGeld? An die Fabel von„Mackcy, dem reichen Amerikaner", glaubt selbst in dem leichtgläubigen Paris kein Mensch mehr. Daß das Geld zum Theil aus dem AuS- lande fließt, gilt aber für ausgemacht. Dabei denken die Meisten an Deutschland, die besser Unterrichteten jedoch, in erster Linie, an eine andere Macht, die man freilich, so lange die Möglichkeit eines Krieges mit Deutschland besteht, nicht gern angreift: nämlich Rußland. In England gilt es beiläufig für gewiß, daß die russische Regierung dem„braven Geneial" einen unbeschränkten Kredit eröffnet hat, in der Hoffnung, daß er die O r l e a n S auf den Thron bringen und aus Frankreich ein Werkzeug der russischen Politik wachen werde. Die Ansicht herrscht auch in solchen Kreisen, die ich in Bezug auf Alles was Rußland angeht, für ganz be- sonders gut unierrichtet halten muß. Und— sie verdient ernste Beachtung.— Ich werde mich nun nach ewigen Wahllokalen verfügen, um Wahlstudien zu machen! Das Pariser Resultat werden wir gegen 9 Uhr Abends haben(die Wahlzeit ist hier von 8 Morgens bis 6 Abends); um Mitternacht wird man einen Theil der Ergebnisse aus den Provinzen haben; allein das Gesammtresultat wird erst im Laufe des morgenden TageS bekannt fein.— Einige Stunden später. Der Regen hat aufge« hört. Ich bin durch die Straßen gegangen, habe verschiedene Wahllokale von außen besichtigt und habe in einem die Wahl- Handlung beobachtet. Die Ruhe ist erstaunlich. Nicht entfernt so viel Lärm wie bei uns; die Zettelvertheiler sind stumm ver« alichen mit den unfrigen. Und vermittelst der Carte d'eiecieur (oder Carte eie< toraie)— der Wählerkarte— geht die Abstimmung weit rascher vor sich als bei uns. Sobald der Wähler sich durch feine Karte legitimirt hat, erhält er sie mit abgeschnittener Ecke(rechts) zurück und kann sie dann bei allen- fallsiger Stichwahl nochmals benutzen. Das Verfahren scheint mir ganz praktisch, zumal die nicht abgeholten Wahl- karten auch im Wahllokal, während der Wahlhandlung, noch zu haben find. pnlitifltic Moberflschk. Einig»» vom„Kegen" de» UnfaUoerstchernng«- gesetzr». Die Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtes in Unfall-Streiljachen ist bisher im Wesentlichen eine solche ge- wesen, die den Dank der Arbeiter verdiente. In einer nach- weislich großen Anzahl von Fällen hat das ReichsversicherungS- amt seine Entscheidungen gemäß den Absichten des Unfall- gesetzes getroffen. Und zwar in schroffem Gegensatze zu den zu, daß es gut wäre, vor diesem Menschen die Flucht zu ergreifen. Fliehen! Sein ganzes Sinnen und Trachten ist ja darauf gestellt. Für ihn giebt eS kein unangenehmeres Gefühl, als an einem Orte zu bleiben. So wie er die herrenlose Insel verläßt, ist nirgenS ein Bleiben für ihn. Wenn er auf einer Reise MittagSstation hält, kann er eS nicht erwarten, bis die Pferde abgefüttert sind: er geht zu Fuß auf der Chaussee voraus. So treibt ihn etwas be- ständig von Ort zu Ort. Und kein Schlaf wollte sich auf seine Augenlider senken. Seine Taschenuhr schlug zwölf. Noch sieben lange Stunden bis zum Morgen, die er zu durchwachen hat. Er entschloß sich endlich, doch Licht anzuzünden. Für Gemüthsbewegungen giebt es ein stillendes Mittel, wirksamer als Opium und Fingerhutextrakt; eine prosaische Beschäf- tigung. Wer viel zu thun hat, der findet keine Zeit, seinem Liebesschmerz nachzuhängen. Kaufleute werden selten Selbstmörder aus Liebesgram. Die Geschäftssorgen sind das � eilsame Fußbad, welches das Blut von den edleren Theilen erabzieht. (Fortsetzung folgt.) Aus Murrst und Lestou. Tschernischemoki, der große russische Volksmann, sollte endlich freigelassen worden sein,— so meldeten wir vor kurzem- Die Nachricht klang unwahrscheinlich— scheint rlach neueren Mittheilungen aber doch wahr zu sein. TschernischewSki ist, wenn nicht alles trügt, wirklich frei, wenn auch nur, um als freier Mann sterben zu können. DaS ist wenigstens der Ein- brück, welchen man aus den vorliegenden Zeitungsnachrichten empfängt. So entnehmen wir einem Leitartikel der Wiener „Neuen Freien Presse" das Nachstehende: „Ein gebrochener Mann entsteigt dem lebendigen Grabe der sibirischen Verbannung. Schwankend ist sein Schritt, sein Athem stockt und wirr geht seine Rede. Die ihm. einst nahe gestanden, erkennen ihn kaum wieder in dem wallenden weißen Barte, der das zerfurchte Antlitz umrahmt, und in der weltfremden Hilflosigkeit, mit welcher er der wiedergewonnenen Freiheit stw Auffassungen und Wünschen der Unternehmer-Verbände. der "Missgenossenschaften. 1 Unzählige Male haben letztere be- «chtigte Ansprüche verunglückter Arbeiter abgewiesen und dem ReichsverstcherungSamte Gelegenheit gegeben, die Rechte der Arbeiter zu wahren und das UnfallverficherungSgesetz als letzte und maßgebende Instanz so auszulegen, wie es der dem Gesetze zu Grunde liegende Gedanke erheischt. Und den Dank, den nch das ReichSversscherungSamt hierdurch verdient hat, hat es nuch bei den Arbeitern gefunden. Aber verhehlen.darf man stch trotzdem nicht, daß es trotz dieses guten Willens des Reichs uerficherungSamteS, in jedem einzelnen Falle dem verunglückten Arbeiter die ihm durch das Gesetz gewährleistete Fürsorge zu Theil werden zu lassen, mit dieser Fürsorge dennoch noch sehr oft recht schlecht bestellt ist. Es wird genügen, aus der Fülle von Belegen für diese leider nicht von der Hand zu weisende Thalsache nur einige wenige herauszugreifen. Erinnert fei da zunächst an die äußerste Peinlichkeit, mit welcher die Rechtsprechung in Unfall- Streitsachen den Begriff des Betriebsunfalles abzuwägen pflegt. Mit welch übergroßer Gewissenhaftigkeit wird nicht das Vor- liegen eines Betriebsunfalles verneint, falls ein Zusammenhang des Unfalles unmittelbar mit dem Betriebe nicht streng nach- weitbar ist! Wie oft ist es nickt vorgekommen, daß ein ver- unglücktcr Arbeiter seiner Ansprüche verlustig Mg, wenn seine, ihm von dem Unternehmer selbst unmitteloar aufgetragene Dienstleistung, die ihm den Unfall zuzog, als eine Thätigkeit im privaten Interesse des Unternehmers gelten mußte! Gleich als ob ein von einem Unternehmer dauernd engagirter Arbeiter in der Lage wäre, bei jeder ihm abgeforderten Dienstleistung vornweg zu untersuchen, ob dieselbe auch zum eigentlichen.Be- triebe" gehöre oder nicht, versicherungspflichtig sei oder nicht! Und als od der Arbeiter ohne Gefahr für feine Eristenz es wagen dürfte, das Verlangen nach einer Leistung im„privaten" Interesse des Unternehmers rundweg abzuschlagen! Nicht minder bedenk- lich und den ursprünglichen Absschien des UnfallgefctzcS nicht minder zuwiderlaufend ist die Rechtsprechung da, wo sie ledig- lich aus Gründen der„Fristversäumniß" die Rechtansprüche eines verunglückten Arbeiters verneint, und zwar selbst dann verneint, wenn die Berufsgenossenschaft selber die Ansprüche des Arbeiters anzuerkennen bereit ist. Ist es doch vorgekommen, daß ein Arbeiter seine Ansprüche wegen Fristversäumniß abge- wiesen sehen mußte, bloS weil er fich darin geirrt hatte, an welche von zweien, möglicherweise zur Entschädigung ver- pflichteten BerufSgenossentchasten er sich»u halten habe. Wie wicht kann ein solcher Jrrthum einem Arbeiter begegnen! Und wie hart ist es, eines solchen JrrthumS halber aller Ansprüche verlustig gehen zu müssen! Und wie wenig harmonirt eS ferner mit der dem Unfallgesetze zu Grunde liegenden Idee, wenn arbeits. und erwerbsunsöhigcn Eltem, die in ihrem verun- aUickten Sohne den bis dahin einzigen Ernährer verlieren, alle Rechtsansprüche aberkannt werden, bloS weil der, der sie bis dahin unterstützt hat, nicht in Wirklichkeit der„einzige" Er- nährer ist. Zu wenn möglich noch größeren Bedenken giebt eine grundsätzlich überaus wichtige Entscheidung des Reichsversiche- rungsamts Anlaß, welche, obwohl am 1. Juni gefällt, erst vor wenigen Tagen bekannt wurde. Es handelt sich bei derselben darum, ob bei Feststellung des einer Wittwenrente zu Grunde zu legenden Jahresarbeitsverdienstes der Betrag einer Unfallrente mit in Anrechnung zu bringen ist, welche der verstorbene Ehemann infolge eines früheren Unfalls bezog. Das ReichSversscherungSamt hat diese Fra�e dahin beantwortet, baß es weder dem Wortlaut noch dem Sinne des Unfallver- sscherungSgefetzeS entspricht, eine Unfallrente als einen Theil des Arbeitsverdienstes zu betrachten. Man mache sich einmal die Konsequenz dieser Entscheidung klar! Die Wittwe eines Verunglückten, der vielleicht UXX) M. an Lohn verdient haben mag. erhält auf Grund des UnfallgesetzeS 200 M.(20 pCt. des Arbeitsverdienstes) an Rente. Uebcrlebt der Mann dageam den Unfall, wird er sogar nicht ganz erwerbsunfähig, wird sein Ver- lust anErwerbssäh igkeit vielleicht auf80pCl.abgeschatzt,such t er seinen Rest an Arbeitskraft weiter zu verwerthen und— verunglückt er dann zum»weiten Male, um dabei seinen Tod zu sin den, so steht die Wittwe gemäß jener Entscheidung des Reichs- versicherungSamtcs wie verrathen und verkauft da. Während ihr Mann nach dem ersten Unfall eine Rente von 80 pCt. der Marimalrente, also in Höhe von 533'/, M. bezog, und vielleicht noch 300 M. hinzuverdiente, soll die Wittwe jetzt nicht 20 pEt. von 833'/, M. erhalten, sondern nur 20 pCt. von 300 M., also jährlich 60 M.! Dem„Wortlaut" des Gesetzes mag das entsprechen, aber nicht— und darin irrt fich das ReichSversscherungSamt ganz sicherlich— dem „Sinne" des UnfallgesetzeS. Der Wittwe eines einmal Ver- unglückten 200 M.— der Wittwe eines zweimal Verunglückten 60 M.! Das kann wohl schwerlich der„Sinn" des Unfall- gcsetzeö fein. ES ist überflüssig, die Mängel des UnfallgesetzeS und der Rechtsprechung, die dasselbe gefunden hat, noch an weiteren Beispielen darzulegen; die angeführten dürften bereits genügen. Auch zu dem Zwecke genügen, dem Eigenlobe ein Ende zu machen, zu welchem das Unfallversicherungsgesetz gewissen »edient. Es ist Nikolaus Gawrilowitsch TschernischewSki, dem »er Gnadenspruch des Zaren die Kette des Exils abgestreift dat. Einst war er der Abgott der revolutionären Jugend Rußlands, ihr Weisheitsquell und ihr Orakel. Das ist lange >ec, denn fünfundzwanzig von den neundundfünfzig Jahren eines Lebens hat er in der Peter-PaulS-Festung, in den Bergwerken von Nerlfchinsk und in Archangelsk verbracht. ilber noch heute bedeutet fein Name in der fozialrevolutionärm Propaganda Rußlands ein Programm und von der Erinne- una an sein einstiges publizistisches und literarisches Wirken oird das Andenken an Bakunin, an Alexander Herzen und !>garew weit überstrahlt. Der westlichen Anschauung der Dinge will es, wenn e die einstige Thätigkeit TschcrnischcwSkl'S überblickt, fast äthselhast erscheinen, woher der unwiderstehliche Zauber ntstammt, den er einst auf die russische Jugend ausübte md der in den Augen derselben noch heute seinen Namen mgiebt. Denn kaum zehn Jahre publizistischer Arbeit waren im vergönnt gewesen, als er, von Kalkow dcnunzirt, in das Mängn.iß geworfen wurde. Ihm hatte, damit er seine An- chten entwickele und vertrete, der reicht Dichter Nekrasow im kahre 1854 das Journal„Sowreniennik"(der Zeitgenosse) bergeben und im Jahre 1864 saß er bereits hinler Schloß und iiegel. Den Roman„Was thun?" der die russische Jugend r einen wahren Taumel fanatischer Begeisterung oersetzte, hat r schon in der Peter Pauls-Festung geschrieben, und die Sage leht, er habe ein Exemplar de« Manuskript« einem Manne, der S zaghaft verbrannte, und ein anderes einer Frau übergeben, ie allen Hindernissen zum Trotz den Abdruck bewirkte. Wie sschah es, daß Nikolaus Gawrilowitsch so rasch und leuchtend ie ein Meteor an dem revolutionären Himmel Rußlands auf- ieg, daß sein Name der jungen Generation zu einer Losung n Kampfe wurde und die Petersburger Regierung mit rngem Grauen erfüllte? Man hat von dem furchtbaren >toße, den Rußland und das autokxgtische Regiment durch m Ausgang des Krimkrieges und den Bankerott der niko- itischen Periode empfing, noch heute kaum eine rechte Vor- ellung; e« war, als hätte ein plötzliches Erdbeben das Stück Zelt vom Schwarzen bis zum Weißen Meere aus den Fugen schleudert. Der Ruf:„Land und Freiheit!* tauchte auf und pflanzte h reißend fort. Ihn nahm TschernischewSki publizistisch auf rd bald hatte er sich da« Prädikat eine«„russischen ÄobeS- erce" erworben. Seine„Briefe ohne Adresse", an den Zar richtet, begehrten die Befreiung der Bauern und sie machten „Sozialreformern" Anlaß gegeben hat. Ob auch zu dem Zwecke, diese Volksbeglücker zu einer gründlichen Reform des Unfall- gesctzes anzuspornen, ist allerdings zweifelhaft. Denn wer in feinen Gedanken so überaus mit Plänen beschäftigt ist, wie man dem Koalitionsrechte der Arbeiter hinterrücks ein Bein stellen könne, dem bleibt nicht viel Zeit übrig, sich mit ernst- haften arbeiterfreundlichen Reformen zu befassen. Dem Dernehmen der„Kerl. pol. ftachr." zufolge, soll am Mittwoch, den 25. September, eine Plenarsitzung des Bundesraths stattfinden, welche sich mit Anträgen wegen Ver- längerung des kleinen Belagerungszustandes für Berlin, Ham- bürg- Altona zc. beschäftigen dürfte.— Der Ausgang ist nicht zweifelhaft. Nach süddeutschen Klätter« hat sich ein wllrttembergi- scher ReichsiagSabgeortmeter an maßgebender und unterrichteter Stelle über die Begründung des Schweineeinfuhrverbotes erkundigt und die Antwort erhalten, daß dasselbe»ur Erhalmng des deutschen Viehstandes und seiner Auefuhrsähiakeit unbe- dingt nothwendig sei. Dem„Fckf. Journal" zufolge war es der Abgeordnete für Stuttgart, Geheimer Kommerzienrath Siegle, welcher nach Harzburg zum Minister von Boetticher gereist ist, um sich Aufklärung zu holen und womöglich eine Milderung des Verbots zu erwirken. Wie im„Merkur" an- gedeutet wird, beabsichtigt Siegle in der nächsten Reichstags- sitzung einen Antrag einzubringen, daß, so lange die Einfuhr von Osten her stocken muß, die Fleischzölle an den anderen Grenzen aufgehoben oder doch herabgesetzt werden sollen.— Kürzlich wurde mitgetheilt, die Reichsregierung beabsichtige selbst, einen solchen Antrag zu stellen. Natürlich war das er- funden. lieber russtsche Vremplackereie« berichtet der Grau- denzer„Gesellige" wie folgt:„Nach einer neuen Verordnung der russischen Behörde dürfen jetzt Fuhrwerke nicht mehr frei über die Grenzbrücke Dobrczyn-Gollub passiren. Jedes Herr- schaftliche Fubrwerk muß 80 Kop., ein einspänniges Fuhrwerk gewöhnlicher Art 15 Kop. und Frachtfuhrwerke, wie Getreide- und Kastenwagen, müssen i Rubel Ilebergangszoll entrichten. Ebenso wird auf der russischen Kammer Einfuhrzoll für Säcke erhoben. Seit Anfang dieses Jahres ist eS auf dem preußischen Zollamte gestattet, Getreide in Säcken, nicht wie früher in Kasten, über die Grenze zu bringen. Um nun den Sackein- fuhrzoll zu umgehen, führen die Geschäftsleute das Getreide aus Polen in Kasten aus und fahren es über die Brücke auf preußisches Gebiet, hier schütten sie das Korn in Säcke und bringen es dann auf solche Weise auf das Zollamt zur Ver- zollung. So lange das trockene Wetter anhält, geht dieses Verfahren, bei anhaltend nassem Herbstwetter, wie es bei uns bereits eingetreten ist, wird der Sackzoll den Russen doch gc- zahlt werden müssen. Auch müssen jetzt wieder Passagiere beim Rückgange von Polen nach Preußen auf der russischen Zoll- kammer ihre LegitimationSkartcn abstempeln lassen, früher ge- nügte die Abstempelung bei dem Uebergange nach Rußland. Die Bestimmung hemmt namentlich den geschäftlichen Grenz- verkehr." Klüglich de» Sozialiftengrsebe« will die„Berl. Börs.» Zeitung" wissen, daß ein Vorschlag Preußen« zur Umgestaltung des Sozialistengesetzes den Bundesregierungen zur Meinungs- äußerung unterbreitet wurde. Der in der letzten Session des Bundesraths gescheiterte Versuch mit der Straf- und Preß« aesetznovelle solle nicht wiederholt werden. Es solle nur scharfe Unterscheidung zwischen den sozialistischen und anderen Bestre- Hungen gemacht werden. In welcher Weise jedoch diese Unter- scheidungen zur Durchführung gelangen sollen, weiß das Börsen« hlatt nicht zu sagen. Kochum, 22. September. Der westfälische Jndustriebezirk wird demnächst auch seinen GeheimbundSprozeß haben. Der Staatsanwalt, Herr Dr. Schulze-Vellinghausen, Iheilte dies in dem Prozesse gegen den Vorsitzenden des Zentral-Sireikkomitee's, den Bergmann Johann Weber, mit. Es wird sich namentlich um die Entsendung des Bergmann« Dieckmann zu dem Pariser Arbeiterkongreß handeln. Eine Liste von etwa 30 Personen liegt vor, die den Dieckmann zur Reise beauftragt haben sollen. Ein Theil der Unterzeichneten bestreitet, die Unterschrift gegeben zu haben. Klelrfrld, 22. September. Die Fleischpreise am hiesigen Orte, welche schon bisher verhältnißmäßrg hohe waren, sind in letzter Zeit um 10—20 Pf. per Kilogramm in die Höhe ge« gangen. Wenig Freude hierüber empfinden nicht nur unsere über 10000 Köpfe starke Arbeiterbevölkerung, sondern auch die besser bemittelten Stände unserer Bürgerschaft. Die Kost- und Logiswirthe in unserer Stadt find zum Theil mit den Preisen der Beköstigung erheblich in �ie Höhe gegangen. In einem mittleren Gasthofe beträgt diese Preissteigerung beispielsweise 12t pCt. des bisherigen Entgelts und wird allein mit der Preissteigerung des Fleisches begründet. Großbritannien. London, 21. September. Vor einem Ausnahmegerichts- Hof in Arthurstown in Irland spielte fich gestern ein Prozeß gegen den irischen Abgeordneten W. Redmond ab, welcher der auf Alerander II. einen tiefen Eindruck. Dann, als die Aufhebung der Leibeigenschaft erfolat war, spannte TschernischewSki seine For- derungen höher, er verlangte die Vernichtung alles persönlichen Eigcmhums von Grund und Boden zu Gunsten des Gemeindebesitzes, die bedingungslose Einsetzung de« Bauernstandes in das volle Eigcntbum der Dorfmarken, die Beseitigung des Adel«, die Auflösung der Armee und die Umgebung de« ThroncS mit demokratischen Institutionen. Und als er die un- geheure Wirkung seiner aufreizenden Pamphlete wahrnahm, da ihat dieser mittelnissische Popensohn den letzten Schritt: er re- volutionirte die russische Frauenwelt, indem er deren Emanzi- pation aus seine Fahne schrieb. Run hatte seine Popularität keine Grenzen mehr; eine förmliche Anbetung ward mit ihm von Frauen und Mädchen aus allen Schichten der Gesellschaft getrieben. Das Heer der Nihilistinnen war geschaffen. Dann tauchte, von der rauhen Hand der dritten Ab- theilung ergriffen, Ntkolaus Gawrilowitsch in Gcfängniß und Verbannung unter. Doch die Saat, die er gelegt hatte, gedieh ihrer Reife entgegen, und der Roman:„Was thun?", au« dem Kerker heraus unter das russische Volk verbreitet, befruchtete sie wie ein Regen nach brennender Sonnenhitze. Nie im gesammten Bereiche der Weltliteratur hat ein Roman eine größere Wirkung geübt, als diese Tendenz- geschichte eines sozialistischen Agitators. Die Gattin des Mediziners Lopuchow liebt dessen Freund Kirsanow, der Gatte will den beiden nicht im Wege stehen und erschießt sich— zum Scheine, nachdem er sie in's Vertrauen gezogen hat. Dann geht er nach Amerika. Wjera Pawlowna Heirathet Kirsanow, und nach einigen Jahren kehrt auch Lopuchow heim, nimmt eine andere Frau, und die beiden Ehepaare leben miteinander im trautesten Verkehr. Das ist der Inhalt der Erzählung. Aber so dürftig er ist, er fiel auf einen vorbereitenden Boden. Die weibliche Jugend erblickte in Wjera Powlowna ein Ideal, in der Befreiung von dem Zwange der Familie und Satzungen der bürgerlichen Ordnung ein Evangelium, die männliche Jugend berauschte fich an der Gestalt Rachmetow«, de« „Zukunftsmenschen", der unaufhörlich arbeitet, ohne der Er- holung zu bedürfen, der alle Fakultäten, wie Provinzen durch- wandert, der außer nach einer starken Zigarre keine Bedürf- nisse hat,»weiundachtzig Stunden ununterbrochen liest und al« Zwanzigjähriger eine Barke über eine weite Strecke landwärts schleppt. Wie unheimlich aufgewühlt muß das Rußland jener Tage gervefen, wie furchtbar muß der Druck des autokratifchm Reqr- ments verspürt worden sein, wie muß die Sehnsucht nach Be- Aufwiegelung zu Gewaltthätigkeiten und sonstiger Gesetzwidrig- ketten angeklagt war, und deshalb zu drei Monaten Gefängniß verurthciu wurde. Die Zeugen waren ausschließlich Polizei. beamte, welche den Versammlungen Redmond's als Berichterstatter für die Polizei beigewohnt hatten. Der Vertheidiger des Angeklagten, der Abgeordnete Healy, einer der schlauesten Jrländer, hat zwar die Freisprechung seines Auftraggebers nicht durchzusetzen vermocht, ober wenigstens dafür Sorge ge- tragen, daß die Unzuverläfsigkeit der Zeugen ins rechte Licht gesetzt worden ist. Aus der Verhandlung sei folgendes Zwiegespräch zwischen Healy und dem Schutzmann Brennan mitgetheilt: Vertheidiger:„Wann hielt Redmond seine Rede?"„Am Abend."„Und wann haben Sie Ihren Bericht geschrieben?" „Nächsten Morgen."„Hatten Sie stenogravhische Notizen?" „Nein, ich schrieb aus dem Gedächtniß."„Wi. lonae hat Red- mond's Rede gedauert und wie viel Seiten umfaßt Ihr Be- richt?"„Die Rede dauerte eine halbe Stunde und mein Be- richt besteht aus zwanzig geschriebenen Zeilen."„Und Sie haben die Vermessenheit gehabt, Ihren Bericht in erster Person abzufassen und zu schwören, daß das der genaue Wortlaut der Rede wäre!" Zeuge schweigt. Healy fuhr dann fort:„Wenn ich Ihnen eine Rede Chamverlain's vorlese, könnten Sie uns dann den Hauptinhalt aus dem Gedächtniß niederschreiben?" „Ja." Hieraus verla« Healy dreiviertel Spalten der letzten Rede Chamberlain's und nach dessen Beendigung begab sich der Konstabler in das angrenzende Zimmer, um seine Er- innerungen niederzuschreiben. Nach Ii stündiger Abwesenheit wurde er in den Saal zurückgerufen und sein unbeholfenes verwirrtes Aussehen erregte lebhaftes Gelächter.„Nun, geben Sie zum Besten, was Sie geschrieben haben", sagte Healy. „Ich habe nichts geschrieben, ich konnte mich an nichts erinnern."(Großes Gelächter.)„Alto erzählen Sie uns mündlich, wessen Sie aus der Ehamberlain'schen Rede sich erinnern."„Ich kann nicht."„Wie denn? Erinnern Sie sich keines einzigen Wortes?"„So ist es, keines einzigen Wortes."(Erneutes Gelächter.)„Also was machten Sie anderthalb Stunden im andern Zimmer?"„Ich habe ruhig gesessen."„Haben Sie geraucht?"„Ja, ich habe auch ge- raucht."(Verlängerte« Lachen.)„Wozu sind Sie denn über- Haupt ins andere Zimmer gegangen?"„Weil mich der Ge- richtshof geschickt hat."(Gelächter.)„Glauben Sie, daß, wenn ich Ihnen die Rede noch einmal ruhig vorlese, Sie sich dann an etwas erinnern werden?"„Wahrlich, ich glaube nicht!"(Gelächter.) Ein anderer Zeuge, der Konstabler Gil- martin, wurde befragt, ob er folgenden Ausdruck Redmond's hörte:„Ich hoffe, da« Volk wird sich nicht durch den seinem Priester gewordenen Insult zu Gewaltthätigkeiten hinreißen lassen." Gilmartin meinte, er hätte den Ausdruck gehört. „Also warum steht es nicht in Ihrem Bericht?"„Ich dachte, es hatte keine Wichtigkeit."„Glauben Sie, daß, wenn der Redner im Gegentheil zu Gewaltthätigkeiten angereizt hätte, das Wichtigkeit gehabt haben würde?"„Ja."„Also kurz, von Gewaltthätigkeiten abzurathen hat keine Wichtigkeit, zu denselben anzureizen hingegen hat Wichtigkeit?"„Ja, so glaube ick,"„Ach", rief Mr. Healy aus,„das glauben auch Eure Meister." tfrattkreift. Paris, 24. September. Die republikanischen Zeitungen er- blicken in dem Ergebniß der Wahlen einen Sieg der Re- publikaner und sprechen die Hoffnung aus, daß die neue Majorität nicht wieder in die früheren Uneinigkeiten verfallen werde. Das„Journal des Debate" giebt feiner Genugthuung über den Niedergang des Boulangismus Ausdruck, hat aber kein Vertrauen zu der Weisheit der neuen Majorität. Holland. Während der dieser Tage veröffentlichte offizielle Bericht des Generale van Tyn, des Höchstkommandirendcn in Atjeh, von dem wir bereit« gesprochen haben, über das Gefecht bei Pohama zienilich flau und nichtssagend ist, übt die unab- hängige Presse in Indien eine um so schärfere Kritik. Das allgemeine Urtheil ist kurz dahin zusammenzufassen:„Die Kompagnien, welche an dem Gefecht theilgenommen haben, haben einen unvergleichlichen Muth und eine bewunderungS- würdige Todesverachtung an den Tag gelegt, aber man ist wieder in den alten Fehler verfallen, den Feind, der in Tapfer- keit uns gleichsteht, mit stets besseren und vollkommneren Massen uns gegenübertritt und in der Taktik große Fortschritte gemacht hat, zu unterschätzen, man hat wieder das alte Rezept hervor- geholt: zuerst wird ein Korporal mit sechs Mann ausgeschickt, dann ein Sergeant mit einer Sektton, dann eine Kompagnie, und wenn diese theils niedergemacht, theils zurückgeschlagen worden sind, dann tritt ein ganzes Bataillon in Aktion dem der Feind endlich weichen muß. Von den Tobten, die wir auf den Atjeh'schen Schlachtfeldern verloren haben, ist weitaus die größere Hälfte als das Opfer dieser unseligen Taktik zu be- trachten." Wie man weiß, dauert der Krieg mit Atjeh bereit« 16 Jahre!— freiung in den Gemüthern gewurzelt haben, daß der Roman „Was thun?" als eine erlösende Offenbarung erscheinen konnte! Doch der damaligen Stimmung in Rußland war jede Lehre recht, wenn sie nur eine Lockerung der vorhandenen unerträglichen Zu- stände predigte. Und so zog Tschernischewski's ungeheure Ge- meinde, seine Schriften wie Amulette am Busen bergend, aus, um an der Autokratie zu rütteln: unbärtige Knaben und zarte Mädchen, zu jeder That entschlossen, stellten ihr Leben der revolutionären Propaganda zur Verfüaung, um sich das Recht zu erkämpfen, wie Rachmetow, der„Zukunftsmensch", in Gc« nügsamkert, wie Wjera Pawlowna in Freiheit des Daseins in Staat und Gesellschaft sich zu erfreuen. Der Nihilismus ist nicht ausgerottet und die Autokratie besteht fort. Aber der Nihilismus ist müde, und ungefährlich scheint eS für den Augenblick, Gnade zu üben an dem alten, gebrochenen Nikolaus Gawrilowitsch, dessen Feuerseele in den 25 Jahren de« sibirischen ErilS zum Krater ausgebrannt ist. Aber die Entwicklung der Volker hat ihre Analogien, und aus der Logik der Dinge ist zu lernen, daß noch niemals eine Wir« kung ausblieb, wenn nicht die entsprechende Ursache hinwegge- räumt war. Nach einem großen Kriege war eS, in dem Rußland unterliegend seine Kräfte mit dem Westen.'maß, da erhob die Revolution rhr Haupt, und Prediger wie TschernischewSki streuten ihre Lehren umher, aus welchen die Saat des Nihi- liSmuS aufgeht. Feindselig steht abermals Rußland dem Westen gegenüber, die Hand am Schwertknaus haltend, und der Nihi- liSmuS lauert auf die Stunde, um auf seine Weise die Konse- quenzen eines russischen Zusammenstoße« mit dem Westen zu ziehen. Der Nihilismus ftagt nicht:„Was thun?", denn er qat seine bestimmten Ziele; er schreibt auch nicht mehr„Briefe ohne Adresse", denn sein Blick ist auf einen festen Punkt ge- richtet. Er steht im Rücken der Bataillone, welche der Wille des ZarS an die Grenzen dirigirt bat, und durch pattiotische Regungen würde er sich, wenn die Würfel des Krieges rollen, sicherlich nicht abhalten lassen, den Revolutionsbrand anzu- fachen, den er seit zwei Jahrzehnten unablässig schürt. Es war die hilflose, die jugendliche Revolution, welche TschernischewSki predigte; seitdem ist sie gefährlicher geworden, denn sie arbeitet nicht mehr mit Romanen, und sie wird ihre Stunde zu wählen wissen." Theater. Mittwoch, den 25. September.. «perncha»». Orpheus und Euiydike. Zchanfpielha«». Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatevglück. Dentsthe« Theater. Fauft's Tod. Letst»«- Theater. Der Fall Clemenceau. iftetart* With»t»stK»ttsch«»»heute». Der Mikado. Watlaer-Theater. Der rechte Schlüssel. MK'-eet-e-Theate». Stanley m AtrUa. «fteerd-Theater. Vom Golde verführt. A»a«utw«e«- Theater. Der Zauberlehr- linfl. KSntgftädttsche« Theater.»'Ne feine Familie." Zeatrat-Theater. Leichtes Blut. Ad»t»h Kraft-Theater. Flotte Weiber. Zlestdear-Theater. Fernande. Seftr. Kichter'a Marifttft. Spezialitaten- Vorstellung. Ketchahave«» Theater. Gr. Spezialitäten- Vorstellung. Berliner Theater. Mittwoch, 25. September: Der Schwabenstreich. Donnerstag, 26. September: Demetrius. Fccttag, 27. September: 4. Abonnements-Borst.: Socr>teS und seine Frau.— Riiter Blaubart.— Der zündende Funke.— In de» Kinderstube Sonnabend, 28. September: Die wilde Jagd. American-Theater. 1385 Dresden erstr. 55. Täglich Vorstellung. ..Aaftaa» IS». 9 M.— 10 81. Kaiacr-Pttnopama. In dieser Woche: Z. ersten M.: Obrrital. Städte. Neu! lV. Cycl.: Pariser Welr- Ausstellung �>m AuSstellunaspark- Iii. Cyklus der Pariser Welt-AuSstelluna. Sine«eise 20 Pf.,»mo nur 10 Pf. Abonn. S«eisen t M. V>»»VUS Susch- Frtedrich-Karl-Ufer. Heute, Mittwoch, den 25. Sept., Abends 7j Uhr Große Extra- Vorstellung. 1 Mal: 4facheö Fahrschul-Manöscr, geritten von den Herren Fiotils, Ernesto, Henry und FranyoiS. aanis llapi als Jockey. Fräul Margcrithe als Parforcereiterin. Hurdel-Vol- tige von Frl. Henriette. Gymnostiker Gebr. Theo. Saltomortalrerter Mr. Allen. 8 russische Rapst- Hengste, vorgef. und dresssrt v. Direktor. Em Liebes spiel zu Pferd, auSgef. von Frau Direktor Busch und Frl. Maria Dori. Vlsftisieup, schwedischer Prämienhengst, in der hohen Schule geritten v. Direktor. Mr. FrotitS als Jongleur. Intermezzo d. KlownS Tanli Bedini, Olschansky, Gnion rc. rc. Lrllet-Borverkauf im Jnvaliden- dank, Markgrafen str. u. Cigarrenhandlung von Martienzen, Alexanderstr. 71(beim Stadtbahn Hof). Die Tageskasse ist v. 10 Uhr an ununter brachen geöffnet.>1648 Allgemeiner Metallarll-iter- Merein Berlins u. Umg. Grovse Versammlung am Mittwoch den 25. Sept., Abends 8t Uhr, in der Tftlapdpaiiapai, Gefunddr., Badstr.67. Tages ordnung: 1. Vortrag des Hrn. Wilh. Werner über „Das Fabrikinfpektorat und der Werth des selben für die Arbeiter". 2. Diskusston. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten.>1641 Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreichen Be such bittet Der Vorstand. Serl. Lockörauerki. Zu Mersammlungen und Vergnügungen (S. Oktbp. ist fpei geworden) empfehlt meine betöen elektrisch erleuchteten Säle. Paul Schaffert, 1640] Oekonom der„Bert. Bockbrauerei". Soeben erschien Der wahre Jacob Ar.«s. Zu beziehen durch die Expedition, Zimmer- strahe 44. Ur den Weßev Berlins n. Umgegend empfiehlt sich zum bevorstehenden OuaitalS- Wechsel zur pünktlichsten Liekerung des..Perl. Nolstsblatt",„Nolsts-Trtbiine",„Mahre Jakost", sowie sämmtlicher Zeitungen, Zeit« schrrften und Journale. 1645 FerJ. Kleiner!, Kahbachstr. 6. Jede Uhr zu repariren und reinigen kostet bei mir unter Garantie des Gutgehens nur 1 Utk. 50 Pfg. Kleine Reparaturen billiger. 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Vortrag des Herrn Schriftstellers Bölsche über Abstammung des«enschcn". 2. Stellung der„Freien Vereinigung" zum nächsten Streik. Zahlreichen Besuch erwartet Bep Vopstand. IkmöurpE UiisjsMngs vollem. Hauptgew. i. W. von 15 000 M., 10 000 M. u. f. w. Ziebung am 29. u 30. vttbr. 1889. �.0000 a ß Mm empfehle bestens. Auswärtige haben für Porto und Ztehungsl'fte 25 Pfg. (unter„eingeschrieben" 45 Pfg.) beizufügen..Prospekte auf Wunsch gratis. -»ukiu» Gertig in Hambarg. Verkaufsstellen in Berlin bei IN. Fpsenstei, C., Rohstrohe 7: IN. I„enaoIpt«» C, Stralauerstr. 1; H. Damrau, N., Anklamerstr.42; IN. Fraenkel jr., C., Stralauer« strahe 44; Ludwig MUllep& Co., C., Schloßplatz 7; S. Hirschberg, C., Grenadier« straße 24a; J. Rosenberg, S., Kommandanten straßc 51; Oscar Bräuer A Co., W., Leipziqerstraße 103; H. Miles, S., Sebastianstr. 77.[1430 Am I. und 2. Oktober er. Ziehung I. Klasse der . Preuss, 181. Staats-Lotteris. ©tijlnnl-foofe 1,$.50, 1-U.N.'s. 10.12,50,'s» itt.6,50. 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Ohne daß auch 's«' im Geringsten die Reklametrommel gerührt wurde, denn � haben kein Organ in der Pfalz, das uns diesen Liebesdienst er- «-»» würde, haben stch am letzten Sonntag' aus allen Theilcn Pfalz über ISv Delegirte pfätjllcher Arbeiter hier zu- »mmengefunden, um gemeinsam zu bcrathen, wie man sich Nie nfle Zukunft den anderen Pattcien gegenüber verhalten loa. bei Reichstags- und Landtags-, sowie bei Gemeinderaths- lv-hlen. Der Arbeitertag entledigte stch feiner Ausgabe in tolgender Weise: .Nachdem der Vorstand de« Neustadter Arbeiterwahb *rrnn«, I. Stein, gegen 11 Uhr Vormiltags den Partei� , n �öffnete und den so zahlreich von auswärts einge 'lostenen Freunden ein herzliches„Willkommen" entgegen� 5«cht«- schritt man zur Wahl deS Bureaus, worin EKrhart �»«-wigshafen den Vorsitz erhielt. Derselbe spricht zuvörderst jjrn.en Dank aus, daß man so zahlreich dem Rufe des Neu- nadter WahloereinS gefolgt. In einfach schlichter Weise sei heute zusammengekommen, um zu beraihen. Es soll die '"unge Versammlung keine Demonstration sein.„Ich ersuche", wgi« Redner,„die anwesenden Vertreter der Presse, ?ornn sie über unsere Vedammlurg berichten wollen, lfostelbe in objektiver und anständiger Weise zu thun und ""le es dem Ehrgefühl der betreffenden Herren anheim, ff« xz uun halten wollen; besonders meine ich hier die --.eu stadter Ztg.", die sich gestern nicht scheute, in einem An Jucl im Voraus den Stab über uns zu brechen. Nun, viel seicht bietet sich heute Nachmittag Gelegenheit, ein kleines �unzchen mit dieser Zeitung zu ve, anstallen. Sie konnte es durchsetzen, daß man heule nicht nach dem ge 'Ahnten Verbotsparagraphen gegriffen Hai und uns tagen «ißt. Redner oiebt vor Eintritt in die Tagesordnung noch bekannt, daß Herr Dr. Stern- Stuttgart von der Reu- �'dier Zeitung, der ursprünalich als Referent für die heule Nachmittag stallfindende Volks- Versammlung angemeldet *">r, als„schwäbischer Demokrat",„Semit",„Manchesterrnann" w. titulirt wurd-. Trotzdem Dr. Stern der Redaktion b'rser Zeitung eine Berichtigung zuschickte, worin stand, daß Man ihn ledenfalls mit einem andrun Dr. Stern verwechsle, "nd betont war, daß er(Dr. Slern-Sluttgart)«in überzeugter Vochaidemokrat sei, hielt man«S von Seiten der Redaktion der '-Reustadter Zeitung" für überflll sig, diese Berichtigung auszu- �hmen.(Icheint ein edles Kartellbrü Serpapier zu sem Reoaktioii.) Mit großem Beifall wurde dieser Gruß aufgenommen und tS«h elt nun das Wort Josef Huder- LudwigShalen, um über den ersten Punkt der Tagesordnung:„Unsere Stellung lue Reichstagswahl" zu referiren. Wenn auch die Wahl zum nächsten Reichstag noch nichr bestimmr ist, so müssen wir uns doch rüsten. Wer bei uns thätig ist, von dem ist ja allgt. vier« bekannt, daß er nicht auf Rosen gebettet ist: besonders fvrclt dabei die Unabhängigkeit eine große Rolle. Die Reichstagswahl ist eine Periode, zu zeigen, daß der Arbeiter eine selbstständige Gesinnung hat. Ein Rückblick »ns die letzte Reichstagswahl belehrt uns, daß wir unsere Schuldigkeit nicht gelhan haben. Die Stimmenzahl in der 9trb?ilerparlei(in der Pfalz. Red.) ist zurückgegangen. Man beruhte auf gegnerischer Seite die letzte Siunde bazu, oem Volke Schwindel und verhetzendes Zeug vorzumachen. Wir wollen UNS nun an die Zukunft halten. Es ist rölhig, daß wir uns heute einige praktische Vo- schlüge machen, d ißwir Wille ein Zentral-Wahlkomitee wählen, das die Wahl aiigetegenheil für die ganze Pfalz übernimmt. Ein bestehen� des Ardeiterblatt ist die wirksamste Agitation: ein Jeder von ncs ist verflichtet, ein solches so viel als möglich zu ver« leiten, und mit seinen AibeitSkollegen in allm Berufen Fühlung zu suchen. Ein Kandidat muß in jedem Wahl- kr.ife ausgestellt werden, auch wenn er nur 100 Stimmen bekommen kann. Wir müssen zeigen, daß wir uns nicht An- deren an die Röckschöße hängen. Die Pfalz muß einmal wieder das werden, was sie vor 50 Jahren war, wenn auch nicht ganz in demselben Sinne. Zwischen der national- liberalen und konservativen Partei ist heute kein Unterschied Mehr, es richten sich alle beide nur nach dem Willen des BundlSraihs und nicht nach dem des Volkes.— Zum Schluß feine« Referats stellt Huber folgende Resolution zur Abstimmung:„Der am 15. September im Burckharbl'schen Saale zu Neustadt tagende pfälzische Arbcitertag, welcher von ra. 200 Peisonen aus der ganzen Pfalz besucht ist, beschließt , f** n-,''■' r?!_- Vi« J Jf. ri 1) Die Agitation für die nächsten Reichstagsivahlen rechtzeitig imb einheitlich organisirt zu deginuen und zu diesem Zwecke «in Zentral-Wahlkomitee der Pfalz zu ernennen, welches aus Vertretern verschiedener pfälzischer Orte zusammen. grrtzt ist. 2) Zum Zwecke der Agitation und als gerstrge« Bindemittel unter den Parteigenossen ein Arbeiter- biatt für die Pfalz einzuführen und daffelbe überall zu ver- tnritev. 3) In den sechs pfälzischen Wahlkreisen Kandidaten der Arbcüeipartei aufzustellen und thätig für deren Wahl ein- zu.'reten." Der zweite Punkt der Resolution, Arbeiterblatt betreffend, ruft eine lebhafte Debatte hervor: von verschiedenen Leuten werden die„Arbeiter- Chronik", die„Fränkische Tagespost", iomt das„Südwestdeutsche Volksblatt" als Parteiorgan für dir Pfalz vorgeschlagen. Ein anderer Antrag ging dahin, die Pfalz wöge stch ein eigenes Organ gründen und Nicht in'S Badische oder jenseitige Bayern sich wenden. Dieser, eils der weitgehendste Antrag zuerst zur Abstimmung kommend, wurde mir allen gegen acht Stimmen abgelehnt und hierauf der Antrag Ludwigehafen, das„Südwestdeulsche Voiksbialt" ais Parteioruan zu bestimmen, einstimmig angenommen. Auch der ander« Theil der von Huber vorgeschlagenen Resolution fand einstimmige Annahme. Zum dritten Punkic der Tagesordnung: Aufstellung der Kandidaten, wurde beschlossen, den Pnrtcigenossen folgende K mdidaiuren vorzuschlagen: Für Speyer-Ludwigshasen: Franz vhihart- LudwigShafen; für Neustadt« Landcck: Joseph Hadew- Ludw'gshafen; für Pirmasens- Zwetdrücken: Mayer- Pumafcns. Als Vorort, refp. Sitz des Zentralwahlkomitees wurde LadwigShafen destimmt, nachdem der Antrag Ehrhart, Pirmasens «i wählen, da wir dort den liberalsten(?) Bezirkshauplmann hätten, fallen gelassen wurde, i Der dritte Punkt betraf: Unser Verhalten bei eventuellen Stichwahlen. Sludenreich- Oggersheim sprach hierüber Fol- Miiives: Bis heute hat mau an den Usus sestgehalirn, dem- zenigtN bei der Stich wo hl seine Stimme zu geben, der der Opposition am nächsten steht. Das muß jetzt auf- hören. Wenn auch z. B. ein deutfch-freifinnigcr Kandidat verspricht, gegen dm, Ausnahmegesetz zu stimmen, so stimmt er aber doch anderseits wieder für Gesetze, die dem Arbeiter nachtheilig find, und an dem Zustandekommen solcher für ihn nachlheiligen Ges-tze ist dann der Arbeiter indirekt selbst schuld, indem er tolchc Leute wählt! Die Deutschfreisinnigen sitzen zum größten Theil nur mit Hilfe der Sozialdemokraten im Reichstage. Der erste Wahlgang ist eine Rrvue, eine U-bersicht über die Stärke der Partei; es ist die heiligste Pflicht eines Jeden, dafür einzutreten. Wir traaen Ideen in uns, die uns die Wissenschaft und die subjektive Wahrnehmung aufdrückt, und wir wollen zeigen. daß die Ueberzeugung nicht todt zu machen ist. Nur für uns und kür Niemand anders stimmen wir. Ehrhardt schließt sich diesen Ausführungen an, indem er die llltramontancn, Liberalen uad Konservativen als einen Drei- Hund bezeichnete, dazu geschaffen, die Arbeiterpartei zu unter- drücken. Auch er empfiehlt, bei Stichwahlen fi'ir keine andere Partei einzutreten.— Huber bezeichnet alle anderen Parteien uns gegenüber als eine reaktionäre Masse; besonders auch die Deutschfreifinnigen, die uns gegenüber ihr Wort ge. biochen haben in Betreff des Sozialistengesetzes. Wir haben nicht eine Parter, die regieningssähig ist, sondern drei, dazu gehöre auch das Zentrum, das den Laib Brot des Volkes ver- theuerte und jetzt die Dürftigen auf das Gebetbuch verweise. Auch er(Huber) empfiehlt, niemand anders zu wählen, als Leute unserer Richtung. Von Kirchheimbolanden aus wurde dem entgegengehalten, daß doch von früher ein Beschluß bestehe, den man nicht so leicht umstoßen sollte, nämlich bei Stichwahlen für einen D-mo- krotcn zu summen. Sludenreich besteht darauf, daß die Soziab demokraten an ihrem Prinzip festhalten und keine Kurpfuscherei treiben sollen. Ehrhart führt beilpiel� werfv an, daß seiner Zeil in Mannheim die Demokraten nur mit Hilfe der Sozialdemokraten gegen die National- liberalen siegten. Als aber später unser Freund Dreesbach in die Stichwohl mit den Nalionallibcralen kam, halfen die Demokraten uns nicht! Der Antrag Sludenreich wurde hierauf einstimmig ange- nommen. Der vierte und letzte Punkt der Tagesordnung betraf: Unsere Stellungnahme zu den Gemeinderathswahlen. Hierüber referirle Genosse Ehrhart- Ludwigshafen. Derselbe betonte, man müsse lauten Protest gegen die heutige Manipulation des Wählens bei unfern Gemeinderathswahlen einlegen. Redner könnte eine G-meinde der Vorderpfalz nennen, worin man am Wahltage die Straßen abgesperrt habe mit wurstbehangenen Schnüren. Mit Würsten und Sauf- gelag« betreibe man heute Gemeinderalhs wählen. Natürlich, der Katzenjammer komme hintennoch. Redner empfiehlt den Anwesenden, wenn es nickt anders thunlich ist, so wäre aber doch jedenfalls ein Mann in jeder Gemeinde zu finden, der zu unserer Partei zählt, den solle man auf. stellen, und alle Arbeilerstimmen sollen sich.vercinigcn. wenigstens diesen einen Mann in den Gemeinderath zu bringen. Zum Schluß seines Referats empfiehlt Redner folgende Resolution zur Annahme; Wo sich Gelegenheit bietet, Parteigenossen in den Gemeinderath zu wählen, verpflichte man sich, energisch für solche einzutrelen und zwar zu dem Zwecke, daß dieselben die gemeindlichen Mißverhältnisse kiitisiren und Besserung derselben anstreben. Diese Resolution wurde ebenfalls einstimmig angenommen. Hiermit war die Tagesordnung erledigt und der Vorsitzende schloß den ersten pfälzischen Parteitag mit einem von drr Ver- sommlung stürmisch aufgenommenen Hoch auf die pfälzische Sozialdemokratie. Oolinlo-.'. Zum Geburtstag einer Inranzigjährigen. Es ist cm recht unscheinbares, doch aber von weitumsassender Bedeutung gewordenes Dmg, das einfache Blällchcn Papier, das da unter dem Namen„Poftkaite"— ursprünglich Korrespondenz- karte- heute am 25. September auf eine 20jährige Existenz zurückblickt. Der Wunsch nach Vereinfachung des BneswesenS war es, der ursprünglich den Gedanken der„Postkarle" in Gestalt einer Einrichtung wachrief, deren Schöpfung der da« malige Geheime Postraty Stephan im Jahre 1865 auf der sünfien deurschen Postkorrferenz zu Karlsruhe mit dem Antrag der Gründung eines Postblattes zu bewirken suchte. Unter diesem„Postblati" verstand der Antragsteller eine Abart des Briefes in Gestalt eines einfachen Blattes, welches alle die zeitraubenden Manipulationen des Bricsschreibens, ein Kniffen des Papieres, Einstecken des- selben in das Kouvert, Schließen, Siegeln desselben u. s. w., unriölhig machte und bei seinem genau fixirten Gewicht gegenüber dem Briefe eine Ennäßigung des Portos möglich wackle. Die damalige deutsche Poslkonferenz vermochte sich mit diesem Gedanken nicht zu befreunden und ging deshalb über den Antrag„Stephan- Postblatl" einfach zur Tagesordnung über, ohne daß von diesem Gedanken auch nur ein Wort in die Ocffentlichkeit gedrungen war.— Nach vier Jahren, in welchen der Plan nirgendwo auch nur mit einer Silbe er- wähnl worden, erschien plötzlich in der„Neuen Freien Prcsse" em Artikel von Dr. E. Hermann, welcher mit einem Plane von nahezu übereinstimmender Form hervortrat und mit einem HmweiS auf die enorme Ersparniß schloß, die die von ihm vorgeschlagene Einiichlung der„Korrcspon- denzkarten" für Staat und Publikum an Zeit, Briefpapier, Mühe und Porto bedingen würde. Der damalige Post- und Telegraphendireklor Freiherr von Moly war bald für diesen Gedanken gewonnen, dessen praktischen Werth er sofort er- kannte, und so erschien am 25. September 1869 im Gesetzblatt der österreichisch-ungarischen Monarchie jene Verordnung des Handelsministerium«, welche als der Tausschein der heutigen Postkarle zu betrachten ist, besagend, daß„vom 1. Oktober o. c. ab mittelst der Korrespondenzkalten, wie der erste amtliche T'tel lautete, kurze schriftliche Miltheilungen nach allen Orten der Länder Oesterreichs und Ungarns gleichgiltig in welcher Ent- fenrung, für die ständige Gebühr von 2 Kreuzern befördert werden würden." Die Neueinrichtung erregte gewaltiges Aufsehen, wofür al« Maßstab der Umstand betrachtet werden kann, daß im ersten Monat rhres Bestehens nicht weniger als 1400000 Stück der Karten in Umlauf gesetzt wurden. Ihre damalige Form mar die eines Oktaoblattes, welches gcknrfft wurde. Man änderte diese Form jedoch bald, als sich herausstellte, daß durch die nicht korrekte noch genügend scharf ausgeführte Form des Kniffen« Unzulräglichkerten entstanden, und so erschien die „Korrespondenzkarte" dann in ihrer zweiten Gestalt, als ein- eiusaches, glauee Blatt, bissen Vorderseite die Adresse und Rückseite die briefliche Mittheilung trug, um bald ihren Weg durch die ganze Welt anzutreten. Denn nun vermochte man sich auch in anderen Staaten der Erkennung des praktischen WertbeS jener Einrichtung nicht zu verschließen. Im König« reich Preußen und im Gebiete des Norddeutschen Bundes er- blickte am 1. Juli 1870 die erste Korrespondenzkarte das Licht de« Briefkastens, England, die Schweiz und Luxemburg folgten bald darauf mit der gleichen Einrichtung, und im Jahre 1873 gab Nordamertka seine ersten Karten aus. worauf 1874 Italien folgte und damit für alle übrigen europäischen Staaten das Beisprel gab, der neuen, praklrichen Einrichtung zu folgen, die sich bis zum Jahre 1373 in der ganzen zivillsirten Well eingebürgert hatte. Acht Jahre später, d. h. im Jah:e 1886, betrug nach den statistischen Ermittelungen des Weltpostvereins die Zahl der bis dahin zur Verwendung gelangten Postkarten nicht weniger als 1 225 000 000 Stück, in Worten Ii Milliarde! Manche Aenderungen hat das einfache Blatt inzwischen erlitten; aus dem Stempel des„Norddeutschen Bundes", den die „Korrespondenzkarte" ursprünglich trug, ist der„Fünfpfennig- stcmpel" der Deutschen„Reichspostkarte" geworden, auch das Papier hat sich in den 20 Jahren ihrer deutschen resp. vicußr- schcn Existenz sowohl in Farbe, wie in Art manches Mal ge« ändert, ihre Bedeutung als einfachstes, billigstes und deshalb bestes Korrespondenzmiltel aber ist immer bestehen geblieben und die Zahl von 931516000 Slück, welche bis zum Jahre 1887 allein an deutschen„Seckserkarten" verbraucht worden ist, illustrirt am besten die Bedeutung, welche das unscheinbare Blättchen Papier im Laufe der Zeit erlangt hat. Den Dororten im Morden unlerer Kindt bezw. an der Bertin-Slelliner Bahn dringt der Winterfahiplan mit dem 1. k. Mts. bedeutende Verbesserungen, indem den 12 Lokal- zügen, welche zur Zeit bereits dem Verkehre nach und von den Vororten zwischen Berlin und Bernau dienen, mit dem be- zeichneten Tage noch 8 Züge nach und 8 Züge von Blanken- durg, im Ganzen also 16 Züge hinzutreten, welcke sämmtlich auch in Pankow halten. Außer den 12 zuerst erwähnten Lokal- zügen dienen dem Verkehre nach und von Bernau auch lämmtliche Fernzüge der Slettiner Bahn mit Ausnahme der Schnellzüge Nr. 401 und 402. Wie bedeutend der Slettiner Bahnhof in Aulpruch angenommen ist, ergiebt sich daraus, daß abgesehen von den Güterzügen, in denselben nach dem Winterfahrplane täglich 33 Personenzüge ein- und 38 Personenzüge ausfahren, inSgesawmt also 76 derartige Züge ab« zufertigen sind. Während des Sommer« vermehrt sich diese Zahl noch beträchtlich, namentlich an den Sonn- und Festtagen, an welchen vwle Sonderzüge eingelegt werden. Für solchen Zugverkehr wollen dre Bahnanlagen aber kaum mehr ausreichen, so daß auch aus diesem Grunde der baldige Umbau de« Bahn- hos« bezw. die Erweiterung der Halle und eine Vermehrung der Grleise zur Abscriiqung der Personenzüge nothwendig ist. Wenn sich z. B. zu Pfingsten, zu Beginn der Schulferien, oder zu den Sonderzügen nach Stettin und Freienwaldc oft Taufende von Fahrgästen gleichzeitig auf die Bahnsteige ergießen, ist auf letzteren kaum durchzukommen, und es verdient alle Anerkcn- nung, daß dieser Verkehr bisher noch stets ohne Unfall bewältigt worden ist. I« der Eiscnbalin-AbtlieUnng für Unfallverhütung hängt an der einen Längsmand er» grün gestnchener eiserner Kasten von etwa i Meter Höhe und i Meier Breite mit zwei kreisrunden Oeffuungen, hinter welchen sich je eure rothe bezw. eine weiße Scheibe brfindet. Viele Besucher der Auestellung werden jedenfalls an diesem unscheinbaren Gegenstande, wel» cker aber dennoch für die Sicherheit der Reffenden auf der Eisenbahn von großer Wichtigkeit ist, achtlos vorüber gehen. Im Eisenbahnbetriebe bezeichnet man denselben als„Block- opparat" Derartige Apparate sind von Station zu Station in der Regel im Telegraphenzimmer ausgestellt und unter- einander durch eine elektrische Drahtleilung verbunden. Sie haben den Zweck, zu verhüten, daß ein Zug auf einen vorausgehenden, der durch irgend einen Umstand unter- weg« aufgehalten werden könnte, auffährt. Sobald nämlich ein Zug von einer Station abgeht, wird durch eine enlsprechende Anzahl Umdrehungen der an dem Blockapparat befindlichen Kurbel die bis dahin sichtbar« weiße Scheibe hinter der runden Ocssnung(für jede der beiden Fahrlrichiungen dient eine der beiden Orffnnngen) verschoben und tritt an dre Stelle derselben eine rothe Scheibe. Die Beseitigung der letzteren ist von Seilen der betr. Abgangsstation unmöglich. Erst wenn der Zug die nächste Blockstation vassirt hat, wird, während diese sich blockirt d. h. auf derselben mittelst der Kurbel am Blockapparat die rolhe Scheibe sichtbar gemacht wird— die rückiiegende Station deblockirt, indem am Block- apparat der letzteren in Folge der Uebertragung jener Kurdeldrehungen auf elektrischem Wege statt der rolhen Scheibe wieder die weiße Scheibe erscheint. So lange die rolhe Scheibe sichtbar ist, darf die betreffende Station kernen Zug ablassen. Es ist also auf diese Werse Fürsorge getroffen, daß sich von einer Blockstation zur anderen stets nur ein Zug unterwegs befindet. Um jedoch in möglichst kurzen Zeiträumen von einer Station Züge ablassen zu können, befindet sich nicht allein auf de, jenigen Stationen, auf welchen Züge halten. ein Block- apparat, sondern man hat auch noch unterwegs Blockstationen geschaffen, indem in einzelnen Wärterbuden der Apparat auf- gestellt ist. E« wird z. B. dadurch, daß auf hiesiger Stadt- bahn zwischen den am entferntesten von einander liegenden Stationen Charlottendurg und Zoologischer Garten noch eine Blockstation hergerichtet ist, crmöglichi, daß im Stadlbahnverkehr eine Zugfolge in wenigen Minuten stattfinden kann. Eine Kerufostattstik dro Kevliner Kdelo wird in der letzten Rummer des„Deuiichen Adelsdlattes" mitgelheilt. In sozialer Hmsichl hat diese Stuiistik zwar nicht das von dem „Deutschen Adelsblatt" vorgegebene praktische, aber immerhin einiges geschichtliche Interesse, welches einzelne Angaben daianS erwähnenswcrth mackt. Die Statistik gicvt den Pcozentsatz der Adligen in allen Ständen und Bernsen an, von den Inhabern der höchsten Hofamter bis herab zum Künstler und Kellner(um im Stile eines hochgeborenen schlesifchen Grafen zu sprechen). Da die Quelle das Adreßbuch ist, welche« die Arbeiter nicht vollständig enthält, so kann die Statistik auf Genauigkeit nicht Anspruch machen, wenigstens soweit es sich um die Adligen in arbeitenden Berufen handelt. Es soll danach je 5 Maler und Schlosser von Adel In Berlin geben, dagegen nur fe 1 Tapizicrer, Gürtler, lMöbelposierer, , n---"r»vn« Maurer, Zimmerer, Mechaniker, Uhrmacher, Klempner, Schuh- niacher, Fnserrr, Lerdjäger und Kellner. Der Leser nun, der etwa einen adligen Gürtler oder Schuhmacher persönlich kennt, muß also, wenn's stimmen soll, annehmen, daß sein Bekannter gerade der adlige Schuhmacher:c. der Statistik des Adels- dlattes ist; es stlmmt aber nicht immer, Schreiber diese« k.nnt z. B. einen adligen Maurer persönlich und einen zweiten au« Bersammlungsberichten, er kennt sogar einen von dem Statistiker unenldeckt gebliebenen gräflichen Rohrleger. E« ist daher kaum richtig, daß diese Ziffern«einen tlefe-en Einblick gewähren". Roch verkehrter ist lelbstoerstäaölrch die Schluß- solgerung, daß„unter den Handwerkern und Arbeitern sich Mitglieder des Adels glücklicherweise bis jetzt doch nur sporadisch finden". Die Handwerker und Arbeiter werden— darüber sei das„Deutsche Adelsblatt" beruhigt— wirklich da- durch nicht herabgedrückt, daß sich einige sozial heruntergckom- mene Adelige unter sie mischen, und der uns auS den Ver- sammlungSberichten bekannte Maurer ist sogar ein sehr Klaffen- bewußter Arbeiter. Diese Statistik, welcke den Adel in allen Stünden vertreten zeigt, sollte das„Adelsblatt" eigent- lich darüber aufklären, daß vom Adel selbst als einem besonderen Stande nicht mehr die Rede sein kann und daß ein Adligen- Verein wie„Nobilitas" ebenso unsinnig ist wie ein Verein sämmtlicher Personen, welche Schulze heißen.— Adlige Agen« ten giebt es nach der Siatistik des„Deutschen Adelsblattes" acht, adlige Aerzte sehr wenige, adlige Juristen dagegen ziem- lich viele, die jedoch fast ausschließlich dem längeren Nachwuchs angehören. Herr von R'chlhofen hat unter seinen Schutzleuten vier„StandeSgenoffen". Krhindertr Najenathmung. Auf dem deutschen Aerzte- tag sprach am Freitag in der Ablheilung für Laryngologie und Ryinologie Dr. M. Bresqen(Frankfurt a. M.) über„Die Bedeutung behinderter Nasenathmung, insbesondere bei Schul- kindern." Er macht zunächst daraus aufmerksam, daß bereiiS vor 45 Jahren Piorry die Bedeutung der Nasenhöhle als Luft- weg besser und richtiger gewürdigt habe, als es im Allgemeinen heute noch zu geschehen pflege. Bekannt sei, daß durch Ver- stopfung des Nasenluftweges bei Kindern das Saugen und Schlafen überaus erschwert werde. Die Ent- w'ckelung des KindeSlörpers werde gehemmt. Das Kind werde schwächlich und nicht widerstandsfähig. Alle Krankheitsursachen müßten unter solchen Umständen hefiiger einwirken. Die Ur- fachen der Verstopfung des Nasenluftweges könnten in der Nase selbst, aber auch in der Rachenhöhle, insbesondere im so- genannten Nasenrachenräume, liegen. In der Nase selbst seien es Entzündungen der Schleimhaut, die zu Anschwellung der- selben führten, sowie unregelmäßiger Bau des Nasengerüstes, insbesondere der Nasenscheidewand; Nasenvolypen seien im frühen Kindesalter seilen. In der Rachenhöhle seien Haupt- fachlich die Vergrößerung der sogen. Rachenmanbel. weniger oft die der Gaumenmandeln an der Verengung des Nasenluft- wegeS schuld. Die Schädigungen, welche hierdurch das Kind erleide, seien zweifacher Nalur; sie erstrecken sich auf Körper und Geist. Mangelhafte Entwickelung des Brustkorbes und der Lungen fei die regelmäßige Folge der oberflächliche. ren Mundathmung. Näher soll heute auf die Schä- digungen eingegangen werden, welche der Geist des Kindes erleidet. In Bezug auf den so viel ver- breiteten sogenannten Stockschnupfen, der aber überaus häufig als Vergrößerung der Rachenmandel sich erweise, sei längst bekannt, daß mrt ihm nicht selten Stirndruck, Kopf- schmerzen, Schwindelgefühl, mürrisches Wesen u. dergl. ver- knüpft seien. Von Rupprecht sei dann 18S8 mitgetheilt worden, daß mit Nasenverstopfung oft ein Unvermögen, andauernb geistig zu arbeiten, verknüpft sei; Micbel habe(1876) Abnahme des Gedächtnisses und erschwertes Arbeiten des Geistes beob- achtet; Seiler habe(1381) als Folgezustand Gedächtnißschwäche und Unfähigkeit, die Gedanken bei einem bestimmten Gegen- stände festzuhalten, bezeichnet; auch Hack habe(1882) Abnahme des Gedächtnisses und Trübsinnigkeit beobachtet. BreSgen selbst schloß sich 1882 den Seiler'schen Beobachtungen an. Die geistige Niedergeschlagenheit nasenkranker Schulkinder schlage sehr rasch ins Gegentheil um, wenn nur der verstopfte Nasenluftweg durch geeignete örtliche Behandlung unter zweckentsprechenden allgemeinen Maßnahmen für die Älhmung wieder frei gemacht werde. Die früher scheinbar trägen und unaufmerksamen Kinder seien wie mit einem Zauberschlage ver- ivandelt und holten, wenn frühzeitig Hilfe gebracht werde und wenn ihre Fähigkeiten sonst gesunde seren, das Versäumte rasch nach. BreSgen giebt au» einer demnächst erscheinenden größeren Schrift einen einschlägigen Fall ausführlich bekannt. Er knüpft daran die Bemerkung, daß angesichts solcher Erfahrungen die Bestrebungen, Schuten oder Schulklassen für schwachbefähigte Kinder zu errichten, mit größler Vorsicht aufzunehmen seien. Er fordert vielmehr, daß alle schwachbetähigt erscheinenden Kin- der vor Einreihung in besondere Schulklaffen im amilichen Auf- trage durch einen erfahrenen und gewissenhaften Spezialarzt in erster Linie bezüglich ihrer Nase, ihrer Ohren und ihres Halses unteisucht würden. Auo der Zopfzeit. Wir lesen im„Anz. f. d. Havel!.": Wie rn vielen anderen Städten, mußten auch in Spandau früher diejenigen Personen, welche von außerhalb nach hier ver- zogen und Burger werden wollten, eine bestimmte Summe an die Sladtkasse zahlen. Sie erhielten dann einen sogenannten Bürge, bnef und mußten dem Landesherrn und den städtischen Obrigkeiten unverbrüchliche Treue schwören. Uns liegt ein kurioses Schriftstück aus dem vorigen Jahrhundert vor, in welchem ein Spandauer Bürger, Andreas Lmdcmann mit Namen, so zu sagen beschwören mußte, wie er sich verhalten werde, bevor er zum Bürger geschlagen wurde. Dies historische Schriftstück, welches aus dem Jahre 1781 stammt, gewährt so recht einen Einblick in die„gute alte Zeil" und wir wollen daher nachstehend diese merkwürdige Ul künde im Wortlaut mittheilen: „Ich Andreas Lmdemann gelobe und schwöre, daß ich den Aller- durchiauchtiusten Großmächtigsten, Fürsten und Herrn, Herrn Friedrich, Könige im Preußen, Marggrafen zu Brandenburg, des Heil. Römiichcn Reichs Ertz- Eämmerern und Curfürsten, Odrister Hertzog von Schlesien Souverainen Printzen von O.anren, Neufchatel, und Vallengin, zu Magdeburg, Cleve, Jülich, Bergen, Steitin, Pommern, der Caßuben und Wenden, zu Mecklenburg, auch in Schlesien und zu Croßcn Hertzogen, Burggrafen zu Nll.nberg, Fürsten zu Halberstadt, Minden, Camm, Wenden, Schwerin, Ratzeburg und Mölß, Grafen zu Hohenzollern, Ruppm, der Maick, Ravensberg, Hohenstein, Tecklenburg, Lingen, Schwerin, Bühren und Lehrdamm, Mar- aurs zu der Vehre und Flißingen, Herrn iju Ravenstein, der Lande Rostock. Stargard, Lauenburg, Bütow, Arley und Breda, Zc. 2C. Meinen rechten Erb Herrn it. Auch jetz'gen und künstigen Burgermeistern und Rathmannen dieser Stadl Span- dow getreu, hold und gehorsam zu serin, ihre Gesetze, Geboihe, Verbolhe und Ordnungen hallen, Ihren Frommen, Ehre und Nutzen fordern, und allen Schaden und Nachiheil nach meinen äußersten Vermögen bei Tag und fllacht warnen und verhüten, auch allen Unglimpf abwenden will. Daß ich auch Ihre und gemeiner Stadt- Frey- heilen und Gerechtigkeiten, so viel mir immer mög- trch erhalten, Sie dabey schützen und vcrtheidigen helfen, und mich in keinem Wege darwieder legen,»och jemand einige An- leiiung darzu geben will. Und da ich etwas eiführe, was Sr. Königl. Mai. denen Bürgermeistern, Rathmannen und gemeiner Stadt zum Nachtheil oder Schaden gereichen möchte, solches will ich den Burgermeistern, gestalten Sachen nach sofort an- biingen und kund lhun. Ich will auch rechte Gewichte und Maße gebrauchen und meinen Nachbaren keinen Unterkauf thun. Und da ich mit Jemand im Streit und Irrungen kommen möchte, oder mir etwas gebähten oder befohlen würde, worunter ich mich beschwehrt hielte: so soll und will ich meine Sachen da anbringen und suchen, wo solche nach denen Landes- Verfaßungen Hingehöret und da Recht nehmen, wie solches die Gesetze und der gemeinen Siadt-Gewohnheiten mit sich bringen. Wo mich auch gedachte Burgcmeistern und Ralhmanne zu Zeiten bescheiden würden,(so fern ich Leibes- Unvermögenheit oder anderer Ehr hofften halber daran nicht verhindert werde), will ich nicht ausbleiben, sondern mich aehorsamlich und gesast, fwie es mir gcbothen werden wird, gestellen. Ich will auch keine andere Obrigkeit, dieweil ich meines Bürger-Recht nicht entledigt bin, suchen noch annehmen. Wenn ich dann auS dem Bürger- Rccht zithen will, so soll und will ich vom Rath Urlaub sor- dern und nahmen. Und will sonfl alle Punckte und Articul, die hierinnen nicht genugscm erktährct und verzeichnen seynd, thun halten und laßen, wie es einen getreuen Bürger gegen Sr. Königl. Maj. und feinen Rath von Gewohnheit und Recht«- wegen, zu lhun gebühret: So wahr mir GOtt helfe, durch CHristum seinen Sohn!" Obigen Eyd bat Andreas Linde- mann dato würcklich abgeschworen, und ist ihm deshalb das Bürger-Recht ertheilet. Uhrkundlich unter hiesigen Stadt- Siegel und regierenden Bürgermeisters Unterschrift. Geschehen Spandow, den 28. May 1781. Limcke(Bürgermeister.) Reincke(Rathmann.) Hoffentlich ist Herrn Lmdemann der Eid gut bekommen. Schon im November v.J. haben wir aus einen sckam- losen Schwindel hwaewiesen, mit dem ein österreichisches Winkelbiättchen, die„Wiener Chronik", auch in Berlin Gimpel zu fangen suchte. Die Mitlheilung scheint damals ihren Zweck erreicht zu haben, denn Klagen über das unsaubere Treibrn gingen uns nicht weiter zu. Jetzt aber werden, so schreibt die „Voss. Ztg.", diese von Neuem laut, und zwar scheint das ehrenwerthe Blatt diesmal für feine Raubzüge vornehmlich die Nachbarorte Berlins ausersehen zu haben. Wie bereits früher ßesch'ldcrt, geht der Bauernfnng in der Weise vor sich, daß irgend ein ahnungsloser Geschäftsmann mit einer Nummer dcr trefflichen„Chronik" und zugleich einem Anschreiben überrascht wird, woraus der Erstaunte erfährt, daß auch seiner in dem Blatte ehrenvoll gedacht ist. Zum Schluß heißt es dann: „Diese Gelegenheit benutzend, bitten wir Euer Hochwohlaeboren, unser Journal durch eine Pi änumcration gütigst zu sördein." In der Thal findet der Empfänger in dem mit eitel Lob- Hudeleien gefüllten Blältchen auch einen Artikel, der seine unsterblichen Verdienste um die Menschheit preist, aber der- gleichen widrige Bcweihräucherung mit 20 M. zu honorirm— >o viel beträgt dcr Abonnementspreis— fällt natürlich keinem Verständigen ein; man legt eben das Blatt, nachdem man leinen Sp�b daran gehabt, zur Makulatur. Damit ifl in- dessen die Sache nicht erledigt. Die Herren von der„Wiener Chronik" haben dem zudringlichen Bettler fein Gebeimniß abgelauscht und wissen, daß mancher durch hartnäckige Belästigung zum Oeffnen der Geldlasche gebracht werden kann. In gewissen Zwischenräumen ersuchen sie um„gütige Erledigung des Er- gebcnen vom Soundsovielten", wobei sie sich vor direkter Be- drohung sehr in Acht nehmen, denn damit läge uuzwei- deutig der Erpressungsversuch vor, und der entsprechenden An- zeige würde zwccfellos der Wiener Staatsanwalt Folge geben. Aber in Manchem der Belästigten erwächst doch, wie uns vorlie- liegende Zuschriften beweisen, die Furcht, die brave Chron,k könnte, wie sie hinterrücks die Leute mit ihren Lobhudeleien überfällt, so für die vergedlnbe Anzapfung sich mit einem Schmähartikel rächen. Welcher Geschäftsmann aber, und wenn er noch so tadellos dasteht, sieht sich gern dergleichen Verunglimpfungen ausgesetzt? Auf solche Besorgniß stutzen zweffelloS die Wiener Flibustier ihren FeldzugSplan, und daß die Taktik nicht ganz verfehlt ist, dafür scheint doch die Wiederholung der Raubzüge zu sprechen. In der neuesten Anzapfung handelt es sich um einen Brauereibesitzer in einem Nachbarorte, dessen Ruhm in einer Weise gesungen wird, die hoch komisch sein würde, wenn die ganze Sache nicht so erbärmlich wäre. Nachdem der Artikel auf die Ueppigkcit der Tropcnländer hingewiescn, spricht er von der Kargheit unseres Bodens, dem wir die Schätze„im Schweiße unleres Angesichts abtrotzen und Kummer, Sorgen und Elend hält oft die Unglücklichen in Banden. Bekümmerten Herzens blicken sie in die Zukunft, und fast der Verzweiflung nahe, kommt zur letzten Stunde noch der rechte Mann. Solch einen Mann der Thal haben wir nun heute wieder gesunden, und indem wir des Hcnn■£. D., Brauereibefitzcrs in Z., er- wähnen, leisten wir ihm nur einen schuldigen Tribut der Dank- barkeil" u. s. w. In demselben verzweifelten Deutsch werden dann noch weitere Mittheilungcn über den Gefeieiten in Aus- sicht gestellt, vorausgesetzt natürlich, daß er sich dafür„löffelt". Gegen Geld verzapft die„Wiener Chronik" Ruhm aller Arten, je höher die Summe, desto größer das Verdienst, und wer sich etwas Besonderes leisten will, kann sogar sein Bildniß dcr staunenden Mitwelt vorführen. Dabei verbreitet die„Chronik" ihren Segen über olle deutschen Lande und alle Stände. In derselben Nummer finden wir Hymnen auf Fabrikanten und Gewerbtreiben de aller Art, Männlein und Fräulein, und an dcr Spitze der Besalbtcn marschirt— man höre und staune!— ein Biscbof daher! Natürlich wird er ebenso un- freiwillig zu dieser Ehre gelangt sein, wie die Mehrheit seiner Leidensgefährten. Es wäre wahrlich an dcr Zeit, daß dem Treiben der dunklen Ehrenmännern ein Ende bereitet würde, und hierzu könnte gew.ß die anständige W>ener Presse ihr gutes Theil beitragen. Als Herausgeber der„Chronik" ist Albert Langer genannt, als verantwortlicher Redakteur Stefan Carl Schmitt, und die Fang- und Mahnbriefe sind unterzeichnet mit „Fried" oder„Frrcdl.", vielleicht die Abkürzung eines Namens. Den Herrn Schmitt haben wir auch in Kürfchncr's Literatur-Ka- lender gesunden, allerdings mit einem Fragezeichen hinter dem Namen— o richtige Ahnung des Gemüihs! Die„jjeilsmt" ist über Berlin wieder hereingebrochen! — Die aus früheren Heilsversammlungen zur Genüge be- kannten Schweden Franffon und Olsson haben nach längerer Zeit gestern Abend zum ersten Male in dieser Saison mit ihren Vorstellungen wieder begonnen, debutirten jedoch, wie wir von vornherein bemerken wollen, nicht glücklich, da eS ihnen nur möglich war, eine„Seele" zum Herl zu bekehren. In dcm Mrssionssaale, Krautstrcße 89, halten sich am Sonntag Abend gegen 8 Uhr etwa 100 Gläubige und ebensoviel Ungläubige vereinigt, die dem Rufe der beiden„Offiziere" gefolgt waren. Herr Franffon wurde in seiner etwa eine Stunde währenden „Bekehrungsrede" nur durch ein 4jähriges Kind gestört, das bei dem Sünden» Register des Redner« laut bemerkte: „Mama, ist das langweilig!"— Die Bebauplung des Herrn F., daß er früher Sünder gewesen, vcranlaßlc die Ungläubigen zu der Frage,„ob er schon Zuchthaus gehabt hätte", und als der Redner schließlich mit Emphase erklärte,„hier stehe ich", wurde ihm der wohlmeinende Rath erlheilt,„Na denn setzen Sie sich man".— Herr Olsson erzählte seine Lebmkgeschichte und ei klärte auch, er sei schon fromm gewesen, als er ein vier- zehnjähriger junger Mann war, was ihm jedoch die prompte Antwort eintrug:„Da waren Sie ja noch ein dummer, grüner Junge".— Uebrigens schien der Redner mit seinem Vortrag werng Glück ,u haben, denn als er auch noch ein angestimmtes Lied mittelst Guitarre begleiten wolle, verließ dcr größte Theil der Zuhörer schleunigst den Saal und nur etwa 50„Ge- rettete und Gläubige" blieben zurück, um„Sündcnbeichte" abzu- hallen. Ueber dl- Frflnahm- de« unter dem U erdacht de« Raubmorde» in Rirdorf verhafteten Elias Menzel gehen uns folgende Details zu: Dcr p. Menzel lebte schon seil längerer Zeit in Rixdorf und als dies der Staatsanwaltschaft bekannt wurde, ersuchte dieselbe die dortige Polizeibehörde, den M., welcher im Verdacht steht, an einem in Krotoschin verübten Raubmord betheiligt zu sein, vorzuladen und zu vernehmen. Diesem Gesuch der Staatsanwaltschaft wurde Folge gegeben und M. nach dcm Rixdorfer Amtsbureau zitirt. Natürlich be- stritt M. jegliche Schuld, da aber das Signalement des M. mit dem des angeblichen ThätcrS genau übereinstimmte und zu befürchten war, daß M. flüchten werde, nachdem ihm bekannt geworden � daß man auf ihn fahnde, erktärte der vernehmende Beamte M. für verhaftet und unter Begleitung zweier im Amlsbureau anwesender Gendarmen wurde dcr Verdächtige nach dem AmiSgesängniß gebracht, von wo aus er sodann dcm kgl. Amtsgericht zugeführt wurde. M. leugnet bis jetzt jede Betheiligung an dcm Raubmorde. Ueber die bivhcr«»entdeckt gebliebene« Thäter eine» Raubmordes, der vor fast zwanzig Jahren in Alt- Landsbclg verübt wurde, ist einer Lolalkorrespondenz zufolge jetzt Anzeige erstattet worden. Am 17. Juli 1870 wurde m dcm genannten Städtchen die Wittwe Wendt, welche einem der reichsten Eigenthümer des Ortes die Wrrthschaft führte, in dem Hause ihrcs Brotherrn ermordet und beraubt aufgefunden. Die That, m t eincm Beile des Kupserschmiedemcifte>!- Wrlke verübt, war mrt einer um so größeren Frechheit ausgeführt worden, als sie gegen 10 Uhr VormrttagS geschehen lein wus te, wo die Ecmordrte zufällig für eine hol" Stunde allein im Hause mar. Der Vei dacht lenkte sich anfänglich auf Wille, welcher jedoch sein Alibi nachweisen konnte, später auf einen in dessen Haufe wohnenden Arbeiter H# mann, welcher aber nach kurzer Zeit während der Nnterluchungs- baft wahnsinnig wurde, ohne daß es gelang, denselben zu übe" führen. Ver mehreren Wochen ist nun die Schwester des Hoffmann, eine Frau Horn, in Fricdiichsberg, Lichtenberg W storbcn, die vor ihrem Tode ein Geftändniß dabin abgele,! haben soll, daß ihr Ehemann und Hoffmann die That gemein« schafllich vciüdt härten. Infolge dess.n soll da« Verfahren in dieser Anaelegenheil sofort wieder aufgenommen sein. Flüchtig geworden, unter Hinterlassung kolossaler Schuldsummen, ist seit etwa acht Tonen der in der Auen Schä, hauseistraße wohnende Agent Friedländer. Deisel" betrieb seit mehreren Jahren einen schwungbafien Kommission�« Handel in Mehl, anscheinend mußte das Geschäft des F. rut außerordentlich lukratives fein. In der letzten Znt war es unseren Meht-Engioshändlern aufgefallen, daß in den ini Norden und Osten Berlins gelegenen Vororten verschiedene von ihnen geführte Marken Mehl zu wahren Schlruderprcifcn an die doltigen Kunden verkauft worden waren, und out nähere Recherchen dcr so Geschädigten stellte es sich heraus, daß F. oegen Baarzahlung zu enorm billigen Preisen c>- hedliche Quantitäten dorthin verkauft, um die vollen Betraa« den Engroshändlern, von welchen er die Maaren entnommen, tchuldig zu bleib-ic. Nunmehr brach über F. der Konkurs herein, der unredliche Agent jedoch hatte es vorgezogen, unter Zurücklassung von 50 000 Mark Schulden ins Ausland flüchten. Drc Geschädigten dürsten keinen Heller ihre« Geld� wieder sehen, um so mehr als man den Aufenthaltsort de«-5- nicht kennt. Als der Zehlendorfer FoKalzug gestern Morgen 8 lllst 30 Mm. in die Halle des Potsdamer Bahnhofs einlief, sub' die Maschine in dem Augenblick, als der größte Theil dcr Passagiere sich bereits erhoben hatte, mit solcher Heftigkeit aut den Pnllbock, daß der ganze Zug etwa anderthalb Fuß wes zurückgeschleudert wurde. In jämmtlichcn Wagen fielen die Reisenden einander buchstäblich in die Arme, wobei on« schiedentlich blutige Verletzungen vorkamen, weil bei dem gk« waltigen Anprall Einzelne auf die Mittellehne geworfen wurden. Die Passagiere stürzten sofort nach der Mafchine un» überhäuften den Lokomotivführer mit heftigen Vorwürfen. Derselbe entschuldigte sich damit, daß er beim besten Willen nicht im Stande gewesen wäre, den langen Zug durch dn: Maschinenbremse zum Stehen zu bringen, da einmal kein ge- nügcndeS Bremserpersonal auf dem Zuge sich befinde und an- dercrseiis die absolut sicher wirkende automalische Bremse, d'S merkwürdiger Werse nur bei den Fernzügen in Gebrauch in, bei den Lokalzügen nicht verwandt wird. Die Reisenden, welche bei diesem Zuge meist mit Permanenzkarten versehe» waren, begaben sich zum großen Theil nach dem Stations- bureau, um dort ihie Beschwerde zu protokolliren und die Be- strafung der Schuldigen zu beantragen. N-rhaftung. Am Sonnabend Abend wurde, der„Bern Abendpost" zufolge, der Schneidermeister I. durch Beamte dcr politischen Adtheilung auf der Straße verhaftet und in Ge- wahrsam gebracht. Am Sonntag durchsuchte dcr Wachtmeister Weinert mit einem Knminalschutzmann die Wohnung und Wertslätte de« Vethaslelen. Die Beamten beschlagnahmten einige Exemplare des in London erscheinenden„Sozialdemokrat"/ sowie ein Taschenbuch. polizel-K-rtcht. Am 23. d. M. Vormittags stürzte auf dcm Grundstück Pccnzlauersfiaße 20 der Hausdiener Scblipper bei Bedienung einer Winde aus dcm dritten Stock des Que>- gebäudes auf den gepflasterten Hof herab und erlitt außer einem Bruch de« rechtni Oberschenkels so schwere innerliche Ver- letzungen, daß er nach dcm ftädtitchen Krankenhause gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit fiel ein 5jähripeS Mädchen aus dem Fenster der im dritten Stock des Hinierhaufis Steglitzei str. 58 belegenen elterlichen Wohnung auf den Hof herab und erlitt anscheinend innerliche Verletzungen. Es wurde nach dem Lazarus-Krankenhause überführt.— Nachmittag« fi-l ein etwa 23 Jahre aller unbekannter Mann vor dem Hause Veleranenstr. 15 infolge eines FehltiittS zur Erde und zog sich dabei eine bedeutende Verletzung an der Stirn zu. Er wnide nach der Charitee gebracht.— Abends wurde vor d>m Haufe Spandauerstr. 36 ein Arbeiter von einer Droschke überfuhren und am Bein dedeutend verletzt. Gerichks-sAettzrng. „Chpistus consalator", das kostbare Bild des Historienmalers Profcssor Plockhorst, welches im Schau- fenster der Hansstaengl'jchen Kunsthandlung in der Fiiedrich- straße viel bcwundcit wird, schmückte gestern auf wenig« Stunden die kahle Wand des SitzungSziwmeiS der Strat- kammer iv des Landgerichts Berlin i und unterlag der Prüfung nicht nur des R chlcrkollegiumS, sondern auch dem lachvcrständigen Eulachtln der Prosesjoren Becker und D o e p I e r--«o., sowie dcS bekannten KunsthändleiS O u a a S. Es handelte sich um eine Anllage wegen unbefugter Nach- bildung, auf welche sich Professor Plockhorst und der Hof- kunsthändler Eduard Müller(Hansstaengl Nachf.) zu ver- antworten halten.— Die Verlagsbuchhandlung M. Heinsiu« in Bremen hat von dcm Prof. Plockhorst im Jahie 1833 durch VcrlagSvcrtrag acht Originalkomposifionen, grau in grau auf Leinwand gcmart, als Illustrationen für die Judelousgade von Spitta's„Pialier und Harfe" mit dem undcschränkleri Verlags- und VeivieliättigungSrccht erworben. Diese acht Bilder find von HeinsiuS, phototypisch vervielfältigt, in der genannten Jubelausgabe im Jahre 1884 auch vcröffentlichl. Eines dieser Bilder mit dcr Unterschrift„Trost i» Jesu Liebe" bat nun Prof. Plockhorst noch einmal zu einem koloristisch vollendeten großen Oetgcmälde verarbeitet, welches im allgemeinen Aufbau jener Illustration ähnlich ist, adcr natürlich in dcr bewunderungswürdigen Färbung, sowie auch in der Komposition Abweichungen aufweist. Diese zweite Dar- stellung desselben Motivs ist durch den Angekl. Müller in photo- graphischen Abbildungen in den Kunsthandel gebracht worden und die Firma HeinsiuS, welche dieses Konkurrenzbild für eine widerrechtliche Nachbildung hält, hat den Strafantrag gestellt. Das Urlkeil des Berliner Sachverständigen- Vereins, welchcm nur die Photographien vorgelegen haben, fiel zu Ungunsten der Angeklagten aus; die Minorität des Sachoerständigen-VereinS hat aber gegen dieses Votum protestirt. Das Urtherl der Minorität, welches mit demjenigen der gestern vernommenen Sachverständigen übercinstimmt, erklärt das Oelbild für wesent- lich verschieden von dem JllustrationSbilde und deshalb für ein ganz neUeS. Im Anschluß an die Ausführungen dieses Scpa« rat-VotumS legren die beiden Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Fr. Friedman» und S a m t e r gestern eingehend dar, dost beide Bilder zwar in der � den christlichen Heilzweck bedingenden Anlage einander ähnlich sind, der Künstler dies« Anlage jedoch auf beiden Bildern ganz verschieden aus- gestaltet hat. Wenn derartige verschiedenarfige AuSgeftallung desselben Motivs durch eine und denselben Meister verboten wäre, dann würde e« schlecht um die Entwickelung der Kunst Ij-Ü!?' �afael Sanzio habe eine Madonna auf dem Imme flanz im©lljle fra Bartolommeös und die kleine Ua- �»"nestabii« fast linear nach Peruqino gearbeitet! Madonna aus dem Haufe Alba bestehen 4—5 ver» «nneoene Handzeichnungen in Lille und Wien; wo blieben die eichen„Christus am Kreuz" von Murillo, Guido Rem, uvens, van Dyck, die zahlreichen Bilder des Ecce der_ Kleopatra, Lukretia und der �laier 6c»- ebenso die zahllosen Darstellungen des Mo "��5.. heilige Sebastian von Pfeilen durchs srt\ �zian habe das Florentiner Brustbild der fi.* i Magdalena" noch zweimal wiederholt, ebenso die egende Venus und die Dana!. L- da Vincis„Leda" eristirt fift kleinen Aenderungen in der Staffage in 4 bis 5 L'1 udereinstimmenden Darstellungen. Die Profanmalerei zeigt "ttmupt viele ähnliche Beispiele der ziemlich gleichen Ver. »y o.."ff.,��ben Motivs. In diese berechtigte Erwcrbssphäre . Künstlers, begründet auf die Umgestaltung und Verooll- '.urnung einer Kunstidee und auf die Variirung glücklich er- 'nn-ner Mot.ve habe der Gesetzgeber schwerlich einwirken Ski Herr HeinsiuS, als Verleger der grau in grau gemalten t.reW* habe auf andere Farben kein Anrecht erworben, die- n /u bleiben vielmehr ein vorbebalteneS AuestattungSrecht des d-I? vervollkommnete Oelbild stehe jener Skizze nur un? O' Gehalt nach nahe, weiche aber in Komposttion «.?-l-lnienführung fast durchgehends ab und sei bezüglich des di»? vollständige Neuschöpfung und auch «Jff uavon angefertigten Vervielfältigungen seien keine straf- S»»> �uchbildungen.— Der Staatsanwalt stellte sich auf den randpunkt der Majorität des Sachverständigenvereins und --»nlragte je 300 M. Geldbuße. Der Gerichtshof schloß ?doch den Ausfühnrngen der Verthcidigung an und er- �ute auf Freisprechung. ., M»»« für den Kläger unerwarteten Ansgang dft- rcJ�i Prioatklage zwischen zwei Aerzten, welche gestern der ln! 7 Äbtheilung des Schöffengerichts zur Verhandlung ge- füllte. Der praktische Arzt Dr. Friedr. Rosenfeld hatte gegen s�,? �"�ufsgenoffen Dr. Richard Schäfer den Klageweg be- weil dieser ihn mit Bezug auf seine Berufsthängkeit CHt?10' �k»en sollte. Im November vorigen Jahres nahm die Tnr aii des Maurermeisters Werner die Hilfe des Klägers in »»wwch. Derselbe verordnete ihr u. A. auch eine aus Croton- ao Olivenöl bestehende Einreibung. DieWirkung dieses Medika- dn- i�wte sich als eine äußerst heftige, der Patientin schwoll a» Gesicht bis zur Unkenntlichkeit an. Es wurde bi. o» ��lagte zu Rathe gezogen und kaum hatte derselbe i- Kranke zu Gesicht bekommen, als er die Aeußerung that, di-r rer e'ne Blutvergiftung vorliege. Dr. Schäfer schrieb ,» Erscheinung dem von seinem Kollegen verordneten Mittel aem'r erklärte noch, daß das Leben der Patientin gefährdet o.ü? v' n,!?in wan die erwähnte Einreibung noch weiter an- �wendet hätte. Der Ehemann der Patientin zeigte den Dr. urwenfeld trotz des Abmahnens des Beklagten dem Staats- nwalte an und gegen Dr. Rosenfeld wurde auch das �Nähren wegen fahrlässiger Körperverletzung einge- !*"et, dasselbe aber wieder eingestellt, nachdem die Gutachten w Sachverständigen dahin lauteten, daß von einer Blutver- Mwng nicht die Rede sein könne. Nunmehr strengte Dr. Ro- 'smeld gegen seinen Kollegen die Prioatklage an. Der Be- r>agte erklärte, daß ihm eine beleidigende Absicht vollständig lern gelegen, seine Ansicht, daß der Kläger ein falsches und «"gengnetes Mittel verordnet habe, müsse er aber noch heule swsrecht halten. Im übrigen erhebe er aber Widerklage. Als Ehemann Werner zum Dr. Rofenfeld gegangen und ihm die Miltheilung gemacht habe, daß ein Leiter Arzt seine Verordnung scharf gemißbilligt we, sn Dr. Rosenfeld in die Worte ausgebrochen: »4-as ist ein Pfuscher, der nichts davon versteht und vom Brot- Neid beseelt ist." ES sei dies eine schwerere Beleidigung, als ihm zur Last gelegte. Durch die Beweisaufnahme hielt der Gerichtshof die vorerwähnten Behauptungen nach beiden Rich- wngen hin für erwiesen, sprach aber den Beklagten frei, weil mesem der Schutz des Z 1S3 des Strafgesetzbuches(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zu Gute komme. Dagegen müsse Kläger wegen des beleidigenden Ausdrucks„Pfuscher" be« straft werden und sei hierfür auf eine Geldstrafe von 50 M. went. 5 Taae Haft erkannt worden. Die Kosten fallen dem Kläger zur Last. . Ein Rnnfbold schlimmster Sorte ist der bereits wegen �rrfchiedencr Gewaltthätigkciten vorbestrafte Arthur L a b u h n, Welcher gestern wegen schwerer Körperverletzung in zwei Fällen 5°r der ersten Strafkammer des Landgerichts I stand. Am Morgen des 7. Juli kam der Angeklagte aus Liehig'S Tanz- wlon in der Frankfurterstraße. Er fühlte dos Bcdürfniß, die °urchschmärmte Nacht mit einem Bravourstück zu beschließen und die Gelegenheit war bald gefunden. Er rempelte einen wm begegnenden Mann, den Tischlergcsellen PulkowSki, an, Und als dieser eine Bemerkung wagte, warf der riesenstarke ?nhold ihn zu Boden und hieb viele Male mit der !>?ust auf den Wehrlosen ein. ES war wohl er- 'lärlich, daß der Gemißhandelte jämmerlich um Hilfe w)rie, denn es stellte sich heraus, daß er beim «>lle den Fuß gebrochen. Drei Wochen später beging der An- ss-klagte den zweiten BrutalitätSckt. Er traf auf der Straße {rsnen ihm wildfremden Mann, der die Hände in der Tasche melt. Derselbe wurde vom Angeklagten als Opfer seiner Kauflust ausersehen. Labuhn ging auf ihn zu und befahl ihm, me Hände sofort aus der Tasche zu nehmen. Der so An- Beredete hatte kaum die Worte:„DaS brauche ich nicht" er- widert, da erhielt er auch schon einen gewaltigen Faustschlug. �cr so Mißhandelte, der Arbeiter Ruselack, zog es uor, die Flucht zu ergreifen, anstatt sich zur Wehre iu setzen, er lief, von dem Angeklagten verfolgt, Uach dem Gubener Platz, wo er seinen Bruder, der Droschkenkutscher ist, auf dem Halteplatze zu finden hoffte. Als «r duse Hoffnung erfüllt sah, blieb er stehen, um seinen Ver- wlger zu erwarten. Dieser stürzte mit erhobener Rechten auf Aaselack zu und im nächsten Augenblick griff dieser mit den Worten:„Ich bin gestochen!" nach seiner Biust. Labuhn hatte J-wen wuchtigen Hieb mit dem Taschenmesser nach ihm geführt, "aß die Klinge desselben abgebrochen war. Der Messerheld wurde allerdings zunächst einer etwas schmerzensreichen Lynch. lasiiz unterworfen und dann zur Wache gebracht. Der Ver- "tzte ist infolge der Verwundung drei Wochen arbeitsunfähig B-wesen. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten wegen �-ider rohen Thaten zu einer Gefängnisstrafe von �inem Jahre. Verfsimmlungsn. � Der Nerbnnd deutscher Mechaniker und verwandter Mufsgenossen hielt am Mittwoch, den 18. September, eine Mitgliederversammlung in Sahm'S Klubhaus, Annenstr. 16, O- Herr A. Körsten hielt einen längeren Vortrag über den AwpimalarbeitStag und das Boycott-System. Redner schilderte 0>e Arbeiterbewegungen der früheren Jahrzehnte in Amerika und England, wie schon im Jahre 1838 eine ungeheure Petition uon 3j Millionen Arbeitern in England den NormalardeitStag Erlangten; wie schon 1366 die Amerikaner für den 8 Stuuden Arbeitstag gekämpft haben; leider jedo» ohne dauernden Erfolg, l»n nur zu oft ging das mit schweren Opfern Erkämpfte wieder ??rloren. Redner führte weiter aus, daß unter allen Um- standen eine starke Organisation nothwendig sei, um die .�ibenszeit zu verkürzen, damit alle Arbeiter Beschäftigung Unben, um auf diese Weise Angebot und Nachfrage der Ar» beitskraft auszugleichen. Nachdem Redner seinen Vortrag be endet, bringt die Versammlung ihren lebhaften Dank zum Ausdruck. Nach Beendigung der üblichen Pause wird folgende Resolution einstimmig angenommen.„Die heutige Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten vollständig einverstanden. Sie erblickt in der Verkürzung der Arbeitszeit einen Faktor, welcher geeignet ist, die Lage der Arbeiter vor» läufig zu bessern; auch erklärt die Versammlung, den 1. Mai 1890 als einen Feiertag zu betrachten, und durch ein ein- müthiges Vorgehen zu zeigen, daß sie voll und ganz auf dem Standpunkte des auf dem Pariser Kongreß gefaßten Be� schluffes steht." Hierauf wird von verschiedenen Seiten das Vorgehen des Böhmischen Brauhauses in Sachen der Verweigerung des Lokals getadelt. Folgende diesbezügliche Resolution wird einstimmig angenommen. Die heute in Sahm'S Klubhause tagende Versammlung deutscher Mechaniker und verwandten Berufsgenossen erklärt das Vorgehen des Böh- mischen Brauhauses, in Sachen der Verweigerung des Lokals, als verwerflich, und wird in Zukunft die Lokale meiden, wo Böhmisches Bier geschänkt wird. Hierauf wird der 3. Punkt der Tagesordnung, Gründung einer Bibliothek, dahin erledigt, daß eine Kommission von 5 Mitgliedern gewählt wird, welche im Verein mit dem Vorstand für Anschaffung einer Bibliothek zu sorgen hat. Unter„Verschiedenes" machen einige Mitglieder auf die Uebelstände der Ortskrankenkasse der Mechaniker auf merksam. Es ist sogar vorgekommen, daß 3—4 Monat lang kein BeitrittSoeld adgebolt worden ist,, auch soll, was die Aus- zahlung des Krankengeldes anbetrifft, vieles zu wünschen übrig bleiben. Infolge dessen möchten sich die Mitglieder mehr und mehr den freien Hilsskassen zuwenden. Hierauf folgt Schluß der Sitzung um 12 Uhr. Der polizeilichen Austöfnng verfiel die letzte äußerst stark besuchte Versammlung der„Ethischen Gesellichaft" am Sonntag, den 22. September, Abends, bei Zcmpter, in der Münzstr. 11. Das Referat hatte der Schriftsteller W. Bölsche übernommen und zwar über das Thema:„Darm in's Lehre von der Abstammung des Menschen." Der Vortragende entledigte sich seiner Aufgabe mit größter Gewissenhaftigkeit und wurde deshalb auch mit reichem Bei- fall belohnt. Er betonte zu Anfang, daß unsere Zeit eine Zeit der Entwickelung sei. Die Frage nach dem Ursprung der Gesammt- Entwicklung aller organischen Lebewesen, insbesondere des Wen- schen, als das am höchsten entwickelte, liegt nahe. Die Lösung dieser Frage, welche die RcligionSlysteme geben, genüge nicht, man brauche eine wissenschaftliche Läsung, und diese gab Dar- win. Nachdem der Persönlichkeit Darwins kurz gedacht, gab der Referent einen Üeberblick über die Theorie Darwin's und deren Beweisführung für die Behauptung, daß der Mensch vom Thiere abstamme. Zunächst liege die Frage nach dem Ur- sprunge der Erde nahe! er erklärte dieselbe dahin, daß unser gesommleS Planetensystem ein einziger großer, feurige stüsstger Gluthball, die Sonne, gewesen sei, welcher sich im Wcltenraume um seine eigene Are und jedenfalls auch noch um andere Fixsterne, die allerdings nicht bekannt seien, drehte. Dieser Gluthball mußte sich mit der Zeit, naturgemäß abkühlen, dadurch verdichtete sich derselbe und die Geschwindigkeit wurde eine größere; es brldete sich zunächst ein Ring, welcher den Ball umkreiste, dann aber zu einer Kugel sich zusammenrollte. Auf diese Art und Weise sei auch die Erde entstanden. Mit der Zeil erkaltete die Erdoberfläche vollständig, es bildeten sich dadurch Falten und in diesen sammelte sich der erkaltete Wasserstoff, der in der Materie mit vorhanden war. So enl stand das Weltmeer und dieses sei die Wiege der gesammten organischen Welt. ES bildeten sich nämlich nicht gleich fertige Organismen, nne es die Schöpfungslage angiebt, sondern für'S erste nur einzelne äußerst kleine, nur mit dem Mikroskop wahrnehmbare Zellen, welche im Meere das ge- eignclste Forlkommen fanden. Diese Zellen thaten sich als- dann zu Zellengemeinden zusammen und führten die Arbeits- «Heilung unter sich durch, mdem die eine die Nahrung auf- nahm und sie den anderen mitlheilte, während eine andere Zelle das Fortbewegen der Zellengemeinde veranlaßte. Auf diese Weise entstanden die beiden Arten der Lebewesen, näm- lich die Pflanzen und die Thiere. Die Entwicklung der letz- teren zu beobachten sei nun für uns das wichtigste. Aus diesen Zellengemeinden entwickelten sich mit der Zeit die Weichthiere, welche noch kein festes Knochengerüst haben, aus diesen die Amphibien und aus diesen wiederum die höheren Wirbelihiere, deren höchste Stufe der Mensch bildet. Gehört denn aber wirklich der Mensch in diese Entwick- lungsreife? Jawohl. Es fehlen allerdings Uebergangsformen zwischen Affe und Mensch, aber der beste Beweis liegt in der threrähnlichen Gestalt des menschlichen Embryo, d. h. des KcimS vor der Geburt, indem festgestellt ist, daß derselbe alle diese Phasen der Entwicklung durchmachen muß. Am Schlüsse wurde betont, diese Lehre sei nicht abschreckend, sondern im Gegentheil erhebend, sie stelle fest, daß der Mensch nicht von Anfang an in der heutigen Gestalt vorhanden war, sondem daß er sich erst mit der Zeit dazu emporgeschwungen hat und zwar durch Arbeit. Unsere ganze Kultur- aeschichte hat eine Vergangenheit von kaum 6000 Jahren hinter sich, wie weit ist aber das Menschengeschlecht schon entwickelt! Millionen von Jahren liegen noch vor uns, was kann sich in dreser Zeit nicht Alles noch entwickeln? Diese Thatsachen seien aber nur die Erfolge von Arbeit; der Arbeit nur gebührt das Lob, die.Kultur zu fördern. In der nun folgenden Diskussion sprach zunächst Herr Löschte, der die Frage aufwarf, warum die Darwinsche Theorie in den Schulen nicht gelehrt werde. Alsdann sprach Frau Kolbe, welche namentlich das Verhalten der Herren Professoren mit scharfen Worten geißelte; da es derselben mehr aus eine ickre Börse und auf Titel- und OrdcnSauSzeichnung an- ame, als darauf, diejenigen Thatsachen, welche die Wissenschaft als solche festgestellt hat, unter das Volt zu verbreiten. Darauf sprach der Vorsitzende, der im Wesentlichen einen warmen Appell an die zahlreich erschienenen Gäste richtete und dieselben aufforderte, der Gesellschaft beizutreten. Dieselbe sei keine ReligionSsekte, wie von Vielen geglaubt werde, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein V o l k s b i l» dungsverein.— Herr Schuhmacher Krause betontein seiner Rede besonders, daß die Arbeiter ein Recht auf Bildung haben; dieses Recht wird ihnen aber von den Reichen und Mächtigen nicht zugestanden, d.h. von denjenigen, welche von den Errungenschaften der Arbeit leben. Der Redner begab sich bereits auf seinen Platz, als sich der über- wachende Beamte erhob und die Versammlung schloß auf Grund des Sozialistengesetzes. Nach der Versammlung fand, wie üblich, eine gesellige Unterhaltung verbunden mit Tanz statt. Gegen die Auflösung wird Beschwerde eingereicht. Uor etwa 1000 Personen sprach in einer am Mon» tag Abend in den„Bürgersälen", Dresdenerstr. 96 tagenden roßen öffentlichen Generalversammlung fämmtlicker Schneider Berlins" Herr Rechtsanwalt rthur Stadthagen über„Die Angriffe auf die Koalitionsfreiheit". Nachdem der Einberufer der Versammlung dre so zahlreich Erschienenen begrüßt, schritt man zur Bureauwahl. Dieselbe ergab die Herren Pfeifer, Franke und W e n d t. Redner entledigte sich unter lang- anhaltendem Beifall der Versammlung seiner Aufgabe. Er streifte die sogenannte„Vcrtragsfreiheit", welche nickts Anderes fei als das Recht des Arbeiters, sich von dem Unternehmer nach Willkür ausbeuten zu lassen. Er legte die Un- gerechtigkeit und sittliche Hinfälligkeit der heutigen kapi- talistischen Produktionsweise dar und erklärte Wesen und Wirkung des„ehernen Lohngesetze»". Er schilderte die Be» wunderunq erregenden Verhältnisse in Bezug auf das Koalitio"»- recht in England und kam dann auf die Angriffe auf das Koalitionsrecht, wie sie u. A. in der„Norddeutschen Allge- meinen",„Fremdenblatt" und„Post" zu finden gewesen, zu sprechen. Seine geistvollen'Betrachtungen find konzentriit wiedergegeben in der folgenden e i n st i m m i g zur Annahme ge» langenden Resulution: „Die heute am 23. September 1889 Abends in den „Bürgersälen" tagende öffentliche Schneider-Vcrsamm- lung erklärt sich mit den Aueführungen deS Referenten voll und ganz einverstanden und erklärt, daß die Ver- tragSfreiheit für den einzelnen Arbeiter ohne das KoalitionSrecht werthlos ist und daß nur durch einen festen Zusammenschluß aller Arbeiter in Organisationen eine Besserung derLohn- und Arbeitsbedingungen zu erreichenist. Die Versammlung erachtet es als Pflicht eines jeden Ar- beiterS der Organisation beizutreten. Sie erachtet eine Ge- setzesbestimmung daher für nothwendig, daß alle die noch immer bestehenden starken B schränkungrn des Koalitions- rechts abgeschafft und diejenigen mrt Strafe bedacht werden, die einen Arbeiter hindern oder zu hindern suchen, von seinem Koalitionsrecht Gebrauch zu machen. Sie protestirt ganz energisch gegen die Verleumdungen offiziöser und anderer Blätter, daß die Arbeiterschaft Mißbrauch mit dem KoalitionSrecht treibe und gegen die Bestrebungen zur Beschränkung des KoalitonSrechtS der Arbeiter. Die Versammlung protestirt ferner gegen die Bestrebungen, die Macht des Kopitals zu erhöhen und den Arbeiter zu einem Menschen»weiter Klasse zu degradiren. In dem Puttkamer'schen Streikerlaß erhlickt die Versammlung lediglich eine die KavitalSmacht stärkende und das VereinirungSrecht der Arbeiterschaft hemmende Maßregel. Die Versammluna beauftragt das beulige Bureau sich im Sinne dieser Resolution an den Reiche- tag �u wenden." Mit ernem dreifachen donnernden Hoch auf die Lobn- bewegung der Schneider schloß die imposante, in allcr Würde verlaufende Versammlung. Der Fachverein der Kteindrucker nnd Lithographen Kerlin» hielt am 19. d. M. seine regelmäßige Mitgliederversammlung in Jordans Salon ab, welche leider nicht befon» ders starkl besucht war. Der Grund hierfür war wohl dmin zu suchen, daß in verschiedenen Zeitungen eine Notiz enthalten war, welche ein Verbot der Versammlung anzeigte. Die mit dem Vortrag über die französische Revolution angemeldete Ver- sammlung wurde allerdings nicht genehmigt, dafür wurde aber zu demselben Abend eine andere Versammlung mit einem Vor» trag des Herrn Canitz angemeldet, welche die sofortige Gencb- migung erhielt. DaS Verhalten dieser Blätter rpurde seitens des Vorsitzenden einer scharfen Kritik unterzogen, und die Inkonsequenz derselben zeigte sich besonders dadurch im rechten Lichte, daß sie in ein und derselben Nummer Verbot und An» zeige der Versammlung zu gleicher Zeit brachten. DaS Verbot ist doch nur dem Vorsitzenden zugestellt und er hat über dasselbe zu Niemand irgendwie eine Aeuße» rung getban. Von welcher Seite den Redaktionen darüber Mittheilung gemacht wurde, bleibt nur Ver- muthungen überlassen. Jedoch hätte für die Redaktionen nur das maßgebend sein sollen, was sie vom Vorstand zuge- schickt erhalten. Nachdem da« Protokoll verlesen und ange- nommen war, hielt Herr Canitz einen sehr lehrreichen und interessanten Vortrag über:„Die Lunge, ihre naturgemäße Pflege im gesunden und kranken Zustande", welcher von der Versammlung mit größter Aufmerksamkeit und Beifall entgegen- genommen wurde. In der Diskussion beantwortete der Referent einige auf den Vortrag bezügliche Fragen in recht eingehender Weise. Unter„Verschiedenes" wurde den streitenden Feilen- Hauern eine Unterstützung von 50 Mark bewilligt. Herr Schulz brachte einen Passus aus dem Versammlungsbericht Fachvereins der Papierarbeiterinnen zur Verlesung, is ...lchem ein Herr Schramm einen sehr ernsten Tadel für die Behandlung, welche die Arbeiterinnen in den Druckereien seitens des Druckers zu erdulden hätten, erfuhr.(Die Ange- legenheit ist durch die Richligstelluna des Herrn Schramm in unserer gestrigen Nummer erledigt. Red.) Die Drucker sollen diese Arbeiterinnen nicht als Kolleginnen, als Mitgenossinnen der Arbeit, sondern als untergeordnete Personen betrachten. Dieser Vorwurf wurde von Herrn Schulz ganz energisch zurück« gewiesen und ausgeführt, daß durch derarrige Verdächtigungen der ganze Beruf kompromitirt würde und nach den Äussüh» rungen des Herrn Schramm die Drucker ja ganz verrohre Menschen sein müßten. Andererseits giedt aber auch da« Ver- halten verschiedener Arbeiterinnen in und außer der Fabrik sehr oft Veranlassung dazu, daß das Einvernehmen zwischen beiden ein nicht besonders gutes zu nennen ist. Nebligen« sollte der Herr Schramm die Freundl'chkeit hrben und in den Versammlungen der Druckr erscheinen, um dort seine Anklagen aegen dieselben vorzubringen. es solle ihm auch dort volle Redefreiheit garantirt werden, und würde ihm auch genügend widerlegt werden. Zur Veranstaltung eines Winterfestrs wurde eine Kommission von 7 Personen gewählt. DaS dieSjähriae Stiftungsfest(Herrenabend) findet am Sonnabend, den 5. Oktober, in den Bürgersälen, Dresdener- straße, statt und sind Billets bei folgenden Herren zu haben: Srllicr, Krautstr. 26-; Friedewald, Sorauerstr. 7; Gen». Wasserthorstr. 49; Herrmann, Barnrmstr. 21; Brall, Swine» münderstr. 4; Obier, Brunnenstr. 88; Neumann, Brunnen- straße 101. Die nächste Versammlung.findet am 17. Oktober in demselben Lokale statt. Eine öffentlich» Derfammlung der Stepperinnen, sowie aller in der Schäflrfabrikation beschäfrigien Arbeiterinnen und Arbeiter wurde am 23. d. M. im Schcffer'ichen Saale abgehalten. Das Bureau der sehr rege besuchten Versammlung biloeten die Domen Frau Nico laus, Frau Böse und Frau Otto. Ucber den ersten Punkt der TageSordnun-: „W ann treten wir irr eineLohnbewegung ein?'- referirte Fräulein Ottilie Baader. Dieselbe sprach ihre Freude darüber aus, daß auch die Arbeiterinnen zahlreich»- schienen waren, dies als ein Zeichen betrachtend, daß dieselben ernstlich gewillt sind, ihre Lage zu verbessern. Nach Mitthei» lung der Referentin sind etwa 250 A.beilerinnen in der Schästefabrikation beschäftigt, größtevtheil« als Stepperinnen, welche scheinbar noch ein„schönes Geld" verdienen. Allerdings nur scheinbar, denn der höchste erzielte Lohn einer Strpperin betrage 17—18 M. pro Woche. Dies allerdings nur in der „besten" Zeit, d. h. bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 brs 13 Stunden ohne Frühstück- und Vesperpause und höchstens 1 Stunde Mittagszeit, in welcher die Arbeiterinnen zuwerft da« Mitgebrachte verzehren müssen, was durchaus nicht ausreichen» ist, die verlorenen Körperkräfte, die bei dem angestrevg'e r Maschinentreten besonders stark absorbirt werden, zu ers.tz.-r. Doch komme auch eine stille Zeit und eine gänzlich beschäit,- gunaslose Zeit, sodaß der Durchschnittsverdienst sich auf 10 b.« 12 M. pro Woche stelle. Ein solcher Verdienst sei bei den heutigen Iheuren Lebensbedingungen völlig unzureichend una dedürfe dringend einer Aufbesserung. Ein großer Ucb.I- stand sei auch die Hausindustrie und die jugendlich.� Arbeiterinnen, welche bei einem Wochenlohn von 3 M. angelernt werden und schließlich für 8 M. pro Wocbc einen gelernten Vorrichter ersetzen. Während die Stepperinnen zumeist in Wochenlohn arbeiten, so arbeiten die Stepper und Vorrichter in Akkord und zwar zu so niedrigen Lohnsätzen, daß die intensivste Arbeitskraft erforderlich ist, um auf seinen Loi>« »u kommen, wodurch die Arbeiterin ebenfalls zur äußersten A-» fpannung aller Kräfte gezwungen wird. Die Refcrentin hult e« daher für angezeigt, dahin zu streben, daß in erster Lrni« die Akkordarbeit gänzlich beseitigt und in Zukunft nur noch rir Lohn gearbeitet weide. Außerdem befürwortete Rednerin«neu wel alrichmäb'Atn Mnimalwnckienlohnsod kür Albcitcr und Ar- oeitennnen und»war in Höhe von 18 M., vor allem aber eine Verkürzung der Arbeitszeit. Auf dem Pariser Kongresse sei zwar der 8 stündige Ardeitslog beschlossen worden. Einen solchen hielt Rednerin allerdings noch nicht für erreichbar, wohl ober vorerss einen neunstündigen Aibeitstag. Unter dem lebhaften Beifall aller Anwesenden appellirte Referentin an die Kolleginnen, Hand in Hand mit den Arbeitern für den neunstündigen Arbeits- tag zu agiiiren und behufs Erreichung desselben sich zu organi- siren, um am 1. Mai 1890 auch mit einem Erfolge glänzen zu können. In der folgenden Diekusston sprach Herr Krause in längeren Ausführungen im Sinne der Referentin, nament- lich die Rothwendigkeit einer Verkürzung der Arbeitszeit und einer Organisation der Arbeiterinnen hervorhebend, worauf F�au Greifenberg den Antrag stellte, einen Fachverein der in der Schäftefabrikation beschäftigten Ar- deiterinnen zu oründen und für die Vorarbeiten hierzu «ne Kommtssion zu wählen. Dieser Antrag wurde angenommen. die Kommission n urden gcwehlt die Domen Frau Otto, Fröulrin Baader, Fräulein Martin, Frau Böse, Fräu- lein Blei, Fräulein Köppen, Fräulein Grohmann und Fräulein S ch ü r tz k. Nach vollzogener Wahl wurde die DiS- kusfion wieder ausgenommen. Zunächst Lusterte stch Herr E b e r t in sehr unklarer Weise und zog es vor, infolge ironischer Zwilchenrufe seine Rede abzubrechen. Herr Wudtke be- leuchtete die Branchenverhältnisse in noeb weiteren Einzelheiten und wies namentlich nach, daß die Löhne der Arbeiterinnen zu geringe seien, geißelte den falschen Meisterstolz der HauS- industriellen, dieselben ermahnend, stch nur als Arbeiter zu fühlen und eimohnte zum Schluß an die Organisation. Die weitere Debatte bewegte sich in demselben Sinne. Ein von Herrn Krause gest'llier Antrag, zur Ansammlung eines Fonds Som- mclkarten und Marken drucken zu lassen und dieselben zweckmäßig zu verausgaben, wmde angenemmen. Ebenso gelangte ein- stimmig zur Annahme folgende Resolution: „Die beute, tun 23. September, in Scheffer'S Salon, Jnsclstr. 10, lagende öffentliche Versammlung aller Ar- deiterinnen und Aibeiter der Schäftefabrikalion eiklärt: In Erwägung, daß 1. die LebensmiUelpreise und die Wohnungsmiethen immer höhere werden, und daß infolge dessen der Lebensunterhalt immer theurer wird; 2. daß die Arbeitslöhne eine fallende Tendenz haben und 3. daß die Arbeitszeit viel zu lang ist, trotzdem eine Masse Ar- beiter ständig arbeiteloS sind, beschließt die heulige Ver. sammlung mit aller Energie für Verkürzung der Arbeits- ,e>t sowie für Erhöhung des Lohnes einzutreten, um in Zukunft auch mehr und mehr an den modernen Kultur- genüssen und der alle Welt bewegenden Arbeiterbewegung l heile ahmen zu können." Herr Hoffmann, Herr Krause, Frau Greifen- barg, Frau Sprung und andere Redner erörterten in trefflicher Weise im Anschlüsse hieran die Arbcitcrverhällnisse im allgemeinen, darauf veiweisrnd, daß die kapitalistische P>o- dukiionSweise beseitigt und an deren Stelle der sozialistische Staat treten müsse. Ein Antrag auf Schluß der Diskussson wurde schließlich angenommen. Unter„Verschiedenes" gelangte folgender Antrag zur Annahme: „Die heutige p. p. Versammlung beschließt, das Bier der Brauerei„BöhmrchrS Brauhaus" so lange nicht zu trinken und auch alle Gastivirtdschaften, in denen daS Bier der Brauerei„Böhmisches Brauhaus" verzapft wird, so lange zu meiden, bis daß die Lokalitäten des Ärouerei-Etabtissemenis für Arbeiteiverfamm- lungen freigegeben werden. Des Werteren er- klärt die Versammlung, die Arbeiterblätter„Berliner Volksblatt" und„Volkstribüne" lesen und in jeder Hinsicht vnte stützen zu wollen." Dieser Beschluß wurde in seinem ersten Theile dahin bfe mündel, daß der Oekonom des„Böhmischen Brauhauses", Hotz Mente, wohl die Zusage seiner Lokalitäten zu Arbeiterversamm- lungen gemacht habe, indessen nur, wenn sonst keine ander. wcitigen Veravstaltunpen dieselben in Anspruch nehmen. Da dies aber täolich der Fall sei, so sei die Zusage völlig gegen- standSloS. Nach Schluß der weiteren unweienilrchen VerHand« jungen wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf d,e Lohnbewegung aller in der Schäftefabrikalion beschästigten Albeiierrnnen und Arbeiter geschlossen. Der Fachverein der Ti/chter hielt am 21. d. M., bei Jordan, Reue Grünstr. 28, eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag des Herrn W. Bölsche über:„Das Unsittliche in der Literatur." 2. Diskussion. 3. Werkstaitangclegenheiten. 4. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes und Fragekasten.— Vor Eintritt in die Tages- o-dnvng wird durch den Vorsitzenden auf den Aibeilsnachweis des FachvereirS, Dresdeneistr. IIS, aufmerksam gemacht da zur Zeit zahlreiche Adressen vorhanden find. Arbeitsuchende Kollegen möchten sich nur an den Arbeitsnachweis wenden, da- m,t derselbe den an ihn gestrllien Aissorderungen gerecht wer- den, und dadurch an AuSdrhnung und Bedeuiung gewinnen könne.— Der hierauf staltfindende Vortrag des Herrn Bölsche wird von der Versammlung mit gespannlester Auimerksamkeit ver- folgt. In demselben kommt der Vortragende im desonderen auf die sogenannte Schövliieratur und d,e gegenwäriig am meisten gebrauchte Form derselben, auf den modernen Roman zu sprechen. Letzterer enthalte meist ern« falsche, oder überhaupt keine Darstellung der wirklichen Volkszustände, nichts von dem Elend des Proletariats und der Traurigkeit und Misere seines Dasein«: sondern schildere Zustände aus Kreisen, in denen Wohlstand und Bildung Vvlauesetzung, auch viel Liebe und Geld vorhanden sei. Die moderne Literalur gehe darauf dmauS, beim Leser Illusionen hervorzurufen, ihm Zustände und Bilder vorzuführen, die in Wiiklichkeit gar nicht ixiftiren, sie b isire alio aus der Unwahrheit, und was unwahr, sei auch u n- sittlich. Um so freudiger sei daher jene Richtung der Dicht- kuvst zu begrüben, die nicht mehr dem Leser idyllische harmlose B-lver vorgaukelt, sondern das moderne Leben in seiner Trost- lusigkeit, die Wunde am tranken Gesellschaftskörper zeig», die unerschrocken den Vorhang wegzieht von den Leiden und Entbehrungen der unteren Schichten und auch klar die Ursachen und Bedingungen enthüll», unter denen Laster und Veibrechen entstehen. Diese realistische Dar- stellung des Lebens, die in Frankreich(Zola). Rußland(Tolstoi) und Skandinavien lJdsen) ihre bernfensten Vertreter habe, ent- spräche der Weh. heil und sei da, um auch sittlich, obgleich die Gegner gerade beiirebt sind, dieselbe als unsittlich hinzustellen. Do» werden die Tiefen der Gesellschaft eist mit dem Lichte der Wahrheit erleuchtet, so darf man der Hoffnung Raum geben, daß v,e ganze Menschheit einst in eine Phase des Lichts lreten wird.— Nach Beendigung der über den Vortrag ftaitgefun- denen, von Verständmß und Interesse zeugenden Diskussion w'rd vom Vorsitzenden der Werkstallkontroltommission milge- ideilt, daß die Krüger'sche Werkstaltungelegenheit in lctzier Sitzung genannter Kommission erledigt worden sei, und fugt derlelbe hinzu, es habe die in letzter Versammlung so ent- schieden bestnltene Ueberarbeit dennoch, wenn auch nur vereinzelt staitgefunden. Die ganze Sache habe jedoch erfreulicher Weise d,n Anschluß verschiedener Kollegen aus genannter Werkstatt zur Folge gehabt.— In der Angelegenheit von Hecht und Schmidt ist von den betreffenden Meistern die Erklärung ab- gegeben worden, daß sie von ihren Arbeitern keine Ueberstun- be» außer in ganz dringenden Fällen verlangen, Sonntags- ardeii würde nie verlangt, die Gesellen kämen freiwillig, woran oen Meistern nicht einmal was gelegen sei. Eine in ver Ver- sammlung am 14. d.M. eingelaufene Frage: Ob es dem Ver- m dekann, sei, daß in der Filiale der Pfaff'schen Fabrik S und 12 Mark Kostgeld gezahlt werden, hat den KommisstonSoor- sitzenden veranlaßt, nähere Erkundiaungen ernzuzieben, und ist ,i>ni vom Meister der betreffenden Wcrlstelle der Bescheid ge- norden, daß die betreffenden Killcgen eS selbst verschuldet, was auch von einem, mit den einschlägigen Verhältnissen ver- trauten VcrcinSmitgliede bestät'gt wird. Nach Erledigung einiger inleiner Angeleger.heiien wird die Versammlung um 11j Ubr geschlossen. Auf Kruud de» Vt-eßge»ttzes ersucht uns Herr Hein- dorf um Aufnahme folgender Benchliaung: In der Nummer 222 der Beilage findet sich auf der zweiten Seiten dritte Spalte der Berich, über die Gastwirthsoersamm- tuna, welcher eist aestern zu meiner Kenntniß gelangte, in welchem in kurzen Worten gesagt wird, daß die Veröffentlichung der Notiz von der Kapitulation des Böhmischen Brauhauses ein Uebergriff eines Lokaikommilsionsmitgliedes gewesen. Ich erkläre dem gegenüber, daß ich von Ucbergriffen nicht gesprochen, daß ich die Kommiisson insofern in Schutz genommen, als in der Versammlung gesagt worden, die Kommission hätte die Sperre verhängt, die Kommission hätte den Boycott erklärt u. s. w. Demgegenüber habe ich die Verhältn-sse der Kam- Mission auSeinandei gesetzt und gesagt, daß die Mitglieder der- selben von dieser Abmachung noch nichts wvß'en, da es jedem Emzelnrn(resp. den hierzu benannten Personen) überlassen sein soll, nach ihrem Ermessen zu handeln. Die Kommission würde sich aber in einer nächsten S'tzung noch mit dieser Frage be- schäftigen und näheres veröffentlichen. Hochachtungsvoll Otto Heindorf, Blumen str. 45. Haunooer, 22. September.(Arbeiterinnenversammlung.) Behuss Gründung des, wie von uns berichtet, hier seit einiger Zeit beabsichtigten Arbeiterinnen Vereins Kotten sich hier am 19. September etwa 200 Frauen und Mädchen versammelt, denen sich vielleicht eben so viele Männer beigesellt hatten. Den einleitenden Vortrag übernahm diesmal ein Mann, der Schuhmacher Bahre aus Linden. Derselbe führte aus, daß in- folge des ehernen Lohngesetzes b>i uns eine ebenso schlimme Art der Leibeigenschafi enlstanden sei, wie diejenige gewesen sei, welche die französische Revolution aufgehoben habe. Dieselbe laste namentlich schwer auf den Frauen, welchen ein Svolilohn gewährt werde, obwohl sie, namentlich in der Landwinh- schaft und in den Fabriken, die gleiche Arbeit wie die Männer verrichlen müßten. Es sei dennoch eine beilige Pflich» der Männer, darauf hinzuarbeiten, daß dieses Mißverhäliniß ge- boben werde. Nachdem der Redner noch besonders betont hatte, daß die Sonntags- und dre Kmderarbeil gänzlich schwin- den müßten, und nachdem von einer der anwesenden Frauen zu allseiligem Beitriiie»u dem biabsichlulen Vereine aufgefordert war, damit nichr Fabrikanten die schon angedrohte Ent- lassung von Arbeite, innen, die dem letzteren angehörten, ver- fügen könnten, schntt man nach einstimmiger Genehmigung eines Statuienentwurfes zur Gründung rims„Vereins zur Wabruvg der Interessen der Arbeiterinnen Lindens und Hannovers", dem die anwesenden Frauen und Mädchen bei- traten. Acht«»» l Maurer Kretin»! Slle Dlejeeieen. Ire'»? wsolge uiilcre» Eimls utum Kiugd otioti Itfiluuo it. mii(im in Sttafmoiibnt bedeck» worden lind, weiden dringend kcdelen, llcki innerHaid Z Togen BdtndS bei Wlidelm Kerstan. Lübbenerstr. 4. v Z Tr l., melden zu wollen. Im feniei en diene noch zur glachiickit für Dl-jcnlaen. weiche erst noch dem l kciilemder zmückactedri strd und stch noch nick» Im B sig einer Tlieitkaile befinde», fich dleielbc So»»- obend««deich» und Eonnlog« Boimlitag» bei obencenannlem Herrn einlesen köonen. Achtung! tzNaairrarbritrr!«ste Dicjenilien. welche noch im Befid von SliitunaSsesibillit« find, werken ersucht dleielden dl« zum 1. Lktober on kl- detteffenden Vorftondimuglleter zurückzugeben, da kein Stlsiungdiest stau- findet. Achtung l Eozialdemotrailichcr Leieklub„Lessln g". Dag Ctisiui gks-li find« im„Euiüum" nicht stau, da der Inbaber lein Lokol zu Verlammlungen vermeinen: doficlde wird am Sonnabend, den W d. M., im„Schweizer. Garten" geseierl. Die ausgegebenen BiüelS haben GUiiok-U Das Komilee. (9cfr»utUch< z»»rsao»ulung drr Kiittchrr Kerlin« am Mtiwoch, den?S. d. M.«bcndi Uhr bei Heise Ltch.'enbergerilr. 2i TogeSordnuno■ 1..Weichen Nutzen Weift in i> der Zeniralverein deulicher vörrcher?" 2. Wohl einer rrommii'ion zur istevisiorr uniere» Lohnla-is«. 8. verschiedene«. Der Kr« band deutscher Müller«, s,U,n iMirgiiedichasr«crlini halt am Miirwoch der, 2S. d. M..«deich» M'. tn Zemte/i Saai. ivlünzstr. II, elr.e Beisammlung ob Toueto'dnung: I Welche Cchrllte find nSidlg, um dle Kollegen in der Pivvlnz zum Glntri» in den iüeidand relv zur iiiiidimg von Zablstellen zu veianloisen. 2. Verlchieder.eS und gragetaften. Um zadleeiche» Erich-ineii wirtz eesucht AUgeeneiner Metallarbeiterueretn Kerliu» und Zlingegend. Grofie ideiiommiung Mittwoch, bin'.5 S.plember 1859,«deich» 8z lldr. in ker Adler broueiei. Geluichd. uirnen. Bodfir«7 Tegekordnuna r l lsioitrag de! Herrn Wilhelm Werner. Thr mar Doe gubiikir Iirekroiat und der Weild de». ielden sür die«rbeiier 2. DiStuifion. 8 Ausoadme neuer Milglieder. 4 Bei schied« netz und gragekasten. Gckste haben Zulrilt. Um recht zahlreichen Besuch wl d erlucht. «roste«Kentltch» persaenstlun» de» soiialdeenokratirllieu Wahlvereiu» für den«. Kertiner Peich»tago Uial«l>errt» am Mitt- woch. den 25 d. BI, AbendS 8z Uhr, Müllerstr 178 Tagkkordnung: I Bor- ttaa de» Herrn A Ktadtdagen über r..AuSirahmraeletze". 2. DtStuIsiori. 8 Berlchied-ncS nnd gragekasleri. Nusnahme neuer Milgliedcr. Um rege Agilaiion bsttel der Vorst rud. Keretutgung der Zirechsler Zirutschtand»«Lrtkv'rwoltuno Berlin I>. Geiuraiverlrmmsur g am Mittwoch. d«n 25 Serlemdcr,«beud» 8z Ubr, Annen- strotze 16 Tog-iord. ung: t. Geschüsttiche». 2 Wodl d>S Vorstandes 8 Bei- Sficntlichung uns-rer Lvdnftalisiit. 4 A«tteg d>S BoiftonkeS Bebuf» Ein- sührung de» R'cklSichutz-S in Lohnstieirtoteilc» 5 Verschiedene» und Frage- tasten. Reue Milglieder wc d-n in i.der Versammlung ausgenommen. «in» ösf-nUtche Kerpamurlung der tu den Kilifchutifadriüe» desa.äftigteu Arbetter und Zirbettertnne» fi> bei am Donireiftag. den 26 Tepleruder,«deich» 8 Udr lm Lokale de» He rn Z mter, Mllnzstr II. statt. Zagesomiung: 1 Wik v rdallen wir IM» zu der Eeböbung der B.itrckge in der Hutwechel-Litttiantentufic? 2. Die Orgaüisaliontsrage. Referent Herr R Ba» gintzkv. AUgemetn» Krausten- und Kterbestasl'» der Metallarbeiter lu>redeioec!omi» uru, am Sonn- abend, den 28. Eevleircher. AdlirkS dz Uhr, bei Puul Gottscholk. Baditrntze 22. Zagetordnung r l. Kassenbeiichl pro Juli rmd August 2 Besprechimg über die neue Kaste„Vulkan", Zentral Krauten- uno Slerdekaste der Vteiallarbeiter. 8. VerschtedeneS. «entral Kranken-»ud Kegräbnlsjstass» sür dt« Mitglieder de» Dt.*>. Di. K. i®. H Nr 7) Vtilgiicdkive iammluno am Sonntag, den 29«.eplcmbcr, Vormwag« pickzise II Uhr. in Hevorichch Sacks, Veurdstr. 22, 1 Tr. Unk». Tag'Sordr ung � I. Bespochuna über die von der Konrmissta» srctcr eingeschitedcucr HUtekosten zu Berlin mit r er. Aerzten geirostenen Vereindonrngeu. 2. A»ttag der Orlkrciwoliurig, die Kror k>r.to»trolc bei rffend. 8.«»trog Bromn,. daS Jnstilui der Kiaickenderucher ouszudeben und an Stelle drsten eine» deiolketen Kim kcnkoiilroleur z» wühle». 4 Ve> schiedene». Unter Hinweis auf die Wichligkeit der TageSordnui g wt'd um rech» zobirelchen Besuch gebeten. «tue össentttch» Kersaeumtung der Direcholer und verwandrer Be> rusigenvstc» findet am Montag, den 86 S vnmdcr ÄdendS 8z Uhr. im Lotale de» Herrn Ledmonn, s ühcr SubriS, SltwrkierNr. 28, siail, «roß» offen tische Ka>n»td»»»e» sawmiung am Montag, den 80, Seplemder, Ad.iidtz 8 Udr, Oiar.ieiistr. IM, tn den Zential-geslsälen, TageS- ordnuno. Der Elreit und dp. Plotzaibnlcr. Alle Schneider find eingewden, Der krndcruser: Paul Eirtemer, Rirdorf. ««saug-,»nrn-«ud grseUta» yrrein« am Mittwoch. Münirer- gesangveretn.Iugendiust' Adendi 8z Udr lm Restaurant Pastod, Barten. ttratzc 162.— Münnergesangverein.Cckeilla' Abend» 9 Uhr im Restaurant, Kövntckerstratze 127n.— Beiangverein.Münnerchor Linde' Abend« 8z lldr im Restaurant Haller, Naungnstratze 70.— Münnergesangverein.Sangetsreundc' Adend« 9 Uhr Im Restaurant Musehold, Laudsbergerstratze Re. 81.— Gesangverein.greva" Abend« 8z lldr im Restaurar»«enecke, Grotze Haurburgerstratze Nr. 16.— Huvpkrtstche Süngervereintgung leben Mitt- mach nach dem ersten im Monar. Abend« 9 lldr im Restaurant Heise, Lichlendergcrsuatze 21.—.Seegerstcher Gesangveretn' Abend« 9 Udr im Resiauranl Schulz, Prenzlauerstratze 41.— Gesangverein.Schwungrad' Abend» 8z Ubr im Restaurant Sadm, Anircnstratzc 16.— Müimergelangvercin ,Lor- beer kränz' Abend» 9 Uhr irn Resiauranl.iiarsch. Drautcnstratzc 190.— Gesangverein.Nord-Judai' Abend» 9 Udr in Vetttnch Bierdau», Veteranenstratze 19— Münnergesangverein.Schneeglöckchcr,' Adend« 9 Uhr lm Restaurant Dobcr- stein. MarwnnmiNatze 81-82.— Gesangverew.Süngcrrundc' Abend« 8z Uhr Buckowerftratze 9.— Berein.Cangegtreue' im Resiauranl Hcnckel, Brüder- strotze 26, I. Utdungtzstunde von 8z di» II Udr Abend«,— Geiangveretn .Bruderbund' Adend» 9 Uhr bei Pützoldr, Rerckiendergernratze 16.- Lüdeckscher Turnverein II. LehritnilSablhcstung» Ader di 8 Uhr Elisabclhstratze 57—58.— Turnverein.Weddtng', Pantslratze 9. Plünneradlheilung von 8z di« IOi Uhr Abend» � detzgleichen I. Ledliingsadldeilung von 8—10 Udr Abendt.—»Mehl Licht', Verein sbr Sckeiz u Brun. Abends 8z Uhr im Rest. Heid, gruchlftr. 86»- Schiestscher Lerein.Hollei Adend» 9 Uhr im Resiauranl Henke, Hollinnirn- ilratze 88.— Vergnügungdverein.gröblichketl' Abend« 9 Uhr im Reftnurant Süger, Brüner Weg 29.— Wisten>sllicher Verein sür Rollerstche Sieno- graphte. Adend» 8z Uhr stn vlestanranl Becse, Alle Echündaulerstratze 42, Unrerrtcht nnd UcbungSsiunde,— iKoll« scher Slenographenveresn Süd-Berlin Adend» 8z Uhr sin Restaurant Prinzenslratze 97, Sitzung und llebung«- stunde.— Arendi'lcher Elenographen-Verein.Amiciila' Abend« 8z Uhr im Restauram Bedrend«, Schünebergerslratze Rr 6.— Arendistcher Sieno- gravhcnveretn.Philia' Abend» 9 Udr stn Resiauranl.Wsthelmtganen'. «ochstratze 7.— Stenogiavhlsche GelellschasI Arcnds tm Restauranl Bürger- garien, Ltndensir. 105. Unentgeltlicher Unimlcht und Uednng.— Verein ehe- muliger Schüler der 22 Bemewdeschule Abend» 9 Uhr wr Restaurant Seh- mann, Kursürstenstratze 81.— Berliner Rauchklud Wrangel' Abend« 9 Uhr Im Restaurant goge. KSvntckerftratze 191.- Rauchkluv.Havanna 80' Abend» 8z Uhr tm Restaurant Paetzoldt, Reichendergeistratzt 16.— Rauchkind.Be- rirütdlichielt' Adend» 9 Udr tm Restaurant Achsel. Küvnlckerstratze 161— RauchAud.Solumdw' Abend««tz Uhr wl Restaurant Beyer. Priuzeuftratze 96 - Rauckklub.griich gewagt' Abend« W Uhr im Restaurant TemM-*� lauerstratze 27.- Rauchklub.Vulkan' Abend« 9 Uhr Im Restauroat vodust- »raiestratze 82- Vergnügungtzverein.grüblichkeit'. gegründet 1880.®S2 ü llhr Grüner Weg 29—.Pollack-Cluo-Giiitrachl'. leben Rttilwoed, Adw» Uhr bei G. Tbiel. Wiencrslratze 68.— Gesangverein der Tarrezirer Berlst" iwen Mittwoch Restaurant Eevdelflratze 80. von 9-11 Uhr Abend» Tambour-eretn Gut Hell'. 8 Uhr Langestr. 101. B-schüslliche Sitzung, o» keinen Zllttitt.— Unterbaltungioereln.Harmonie'. Sitzung AbriÄSübi Dreidenri tr. 118 bei Wrndt. VevmipHkes. In ornithologifcher Kiv ficht verdient Hannover, der„Hann. Cour." schrerdi. näver bekannt zu werden, da v> den FiühlingS- und Herbsimonaten große Schaaren von M' vögeln wie auch andere seltenen Jrrgäste aus der VogelfaM� os, direkt über die SkaKt Hannover hin ihren Zua richten. 2W Richtung, welche diese Vögelzüae inne haben, ist fast immer»c» Südsüdwest nach Norden und'Nordosten im Frühling und r>o» Nordosten nach Südsüdwesten im Herbst. Genau diese Richlunaen halten strtS die Heelden und Züge der Kraniche ein. 3" Frühling des Jabres 1386 berührte dieser interessante HUS' vogel auf seiner Wanderung unsere Siadt bereits am 24. Marl- Der Herbstzug des Vogels fand in demselben Jahre in Zeit vom 15.— 23. Okt. statt, insbesondere zeigte» sich a10?' Kranichzüge am 23 Okt. gegen 8 Uhr Morgens und 5 Uhr Nü"!' mittags. Ungefähr dieselben Zugzeilen hielt der Kranich in öw beiden folgenden Jahren ein. Im Jabre 1889 st-llim 1$ Kranichzüge am 30. März ein und begann der HerbstM bereits Ende Juli! BemeikenSwcrih ist, daß in diesem Jahlk auch noch andere Herbstboten ihrrn Zug auffallend früh afi' traten, so verschiedene Arten der Gattung Charadrius, Regenpfeifer, welche Anfang und Mitte August zur zeit in großen Zügen unter anhaltendem Geichrei über unsere Stadt zooen. Von sonstiaen Wandervögeln, ww Hannover auf ihrem Zuge berühren, bemerken wir: die Wildgänse(\nseT cinereus et segeturn) meist im Februar und Oktober— in der Zeit vom 12. bis 17. Ottoder irn Jahre 1687. Tie Wildenten in den Monaten Nov-mber bis März. Zu dieser Zeit finden sich alljährlich große Kettes der gemeinen Wildente auf den üderfluiheten Wies n der Mac!« bei Hunnovcr, Töh en und Wülfel. Ferner zeigen sich zu dttfer Ze-t die seltene Pfeifen le(Amaa penelope) uno die Traverentr- Im Nov-mbcr und Dezimder ticsscn wir auf der Lrine«st zu Mehicren den Cägktavchcr(rverxur- mrergaveer), Astfanae November zeigen sich aus der Marsch oft Schaars» von Möven(LarMae). Im Fiühlinpe besucht uns auf sentl>» Zuge der Kibitz(Vanellus crisiaiu-), selten schon im Februar, Nierst Mitte März und Anfangs April, dann wieder im lw* vember. obwohl tn der Hcrbstzeit nur selten(Beobachtungen von IW2 bis 1888). Auch verschiedene Strandläuseiarien(� tanus) nehmen ihren Strich über Hannover, im Frühjahr Enbk April, im Sommer ofi Miiie Juli, im Herbste Ende SepUmber und Anfangs Oktober. Im Frühlmge berührt die Bekossinc(8cns� wurden in der Zeit vom 15. bis 18. März bei Hannover gr« schössen). AlS Jrrgast wurde einmal, im Oklober 1882, miiica in der Stadt, der Seerabe oder Cormoran(Sornroraaus carbo) beobachtet, der Vogel hatte sich, a-' scheinend von der Reise er- müdet, auf dem Dache der Höheren Töchterschule I niedergelasse»' Kleinere Züge des Fischreihers(Ardea civerea) berühren Hc»- nover in der Mttte des Avril und Ende Oklober. Im Jahrr 1884 zeigte sich der Fischreiher bereits am 9. März, an welche'» Tage ein Zug von 9 Stück über die Stadt hinzog. In scd» kalten Winiern hält sich vereinzelt der Reiher auch als Stand- vogel bei uns auf, so im Winter des Jahres 1883, wo fu»l Stück fast immer an dem Landwehrgraben zwisäie» dem Dohren er Thurme und Bischofehole zu finden waren- AuS dem hrhen Norken her besucht uns d'e Nebelkrähc(<7or�u5 comix), welche inj der Zeit von Ende Oktober bis Anfangs März bei uns weilt. Flüge der Nebelkrähe, weicht sich mitten in der Stadt auf den Dachfirsten aushalten- erscheinen stets früh Morgens und kehren erst gegen Abend zurück. Man kann dieses Schauspiel im November und De- zember an der Masch beobachten, von wo gegen Abend oft Tausevde von Nebelträh-n wieder ihren Fing nach der Stadt zu nehmen. Die ersten Frühlingsboten in unserer Stadt sind fast immer die Slaare, welche sich oft schon in den erste" Tagen des Februar eir finden und bis zum Anfange des N?- vember bei uns bleiben. Später kommen der Kuckuck und die Goldamsel vier Pirol(Oriolus gaibola) an, welche wie selten vor Mitte April in der Eilennede hören könne»- beide Vogelarien verlassen uns in kleinen Zügen der Mitte des September. Eher als der Kuckuck uno Piro» trifft die Gabelweihe(Uilvus regatis) ein; im Frühling dicscd JrhreS zeigten sich unfern von Hannover zweimal kleine Züge von acht bis zwölf Stück in der Zeit vom 19. bis 27. März, sie weilt bis Ende Oktober bei uns. I» demselben Monate kommt vom hohen Norden her der Rauhfußbussarö(Archir.uteo lagopus) an, welcher seinen Verwaitdien, den nützlichen Mäusebussard(Bureo vul; gari) ersetzt, der von Mitte März bis Ende Okiober fich bel uns aufhält. Auch einige seltene und große Raubvögel de« rührm aus ihrem Herbstzuge Hannover und Umgegend, so d«r Sieinabler(Acpnla fulva il»e chrysaetos), welcher sich regelmäßig im Nooenrber einst llt und wiederboli bei dem Dorf« Fuhrberg im Wietzenbruche. bei Burgdorf(1889), bei Nienburg nnd im angrenzenden Deistcrgebirge erlegt und gelangen wurde- Nichi geraoe selten zeigt sich mitunter auch der kleinere Fluß- adler(Uandieru haliaeto.s), er wurde im Winter an der Leine und im Frühjahr drefis Jahres an der Wietze beobachtet. Ob auch d e anderen Adlerarieo, wiefder Schreradler(Agulla naevi») der Schelladler(Agulla cianga), und der Schlangenadler(di'' c-s-e» leueopsis) einzeln auf ihrem Herbstzuge Hannover be- rübren, wissen wir nicht, doch verdient immerhin erwähnt zw werden, daß diese drei Adlerarten sporadisch und selten die großen Moore und Waldungen bewohnen, welche in nordöft- licher Rtchtung von Hannover liegen. Meueslo Mschrichken. Hamburg, 22. September. Nachdem hiesige Arbeiter al» sogenannte A: belle produkt'vgenossenschaft einen aenossenschast- ltdien Bäckerei in irreb eingerichtet haben, der in Lüoeck zur Ein- fühiung der gleichen Genossenschaft Veranlassung gegeben hat, soll ein zw>iles Unternehmen mit gleichen Grundsöse» als eine genosseiischastliche Cigarren- Fabrik Hierselbst von Cigarrenorbeitern begründet werden. Diese Fabrik soll mit Aniheilen von 50 M. zu Stande komme« und der Gründungspian bestimmt, daß aller Reingewinn dem Reserve- fonds in den ersten 10 Jahren all-'n zu Gute kommen soll. In Nürnberg haben wegen Maßregelung eines Kollegen etwa 300 Ärbetter der Schuckerl'srven elektrischen Fabrik dir Arbeit niedergelegt. Die Sireikenden verlangen Wiederaus- » ahme des gemaßregelten Aibeilers und die Zusicherung, daß kern Arbeiter mehr wegen seiner THätigkeit m politischer oder fachgewerblicher Beziehung gemaßregelt werde, sowie Enlschö- digung sür den durch tue Arbeiisemstellung verursachten Lohn eniaang. veromwcntich» Redakieur: Dl. i-r««lm. Druck und Verlag von w Berlin SW., Beuthstruße 2.