Nr. 225. Donnerstag, freu 26. September 188V. 6. Jahrg. MimMMII. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Volksblatt" irscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei tn's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem»Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer "rpedition Zimmer ftraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonncmeni 4 Mark pw Quartal. < Eingetragen m der Postjeitungsvreisliste für IS89 unter Nr. K««.) «ur da» Ausland: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jusertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene Petitzcllc oder deren Raum 40 Ps., für Vereins- und Verfanrolunftf. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstrahe 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des vreneS, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-— 7 Uhr Nachmittags, au Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittaas geöffnet. -» Fernsprecher: Amt Vi. ilr. 4106.«- ♦- Vevsktion: Veuthstratze S.— Gxvrdttiom: �iminvrstrMe 44. Z�crollikirmsfreiheil. Der deutsche Echriftstellertag, der dieser Tage in Frank >urt am Main beisammen war, wurde von dem Polizei Präsidenten der alten Krönungsstadt, dem Freiherrn von Müffling, im Auftrage der preußischen Regierung mit einer W)r liebenswürdigen Ansprache begrüßt.„Es ist eine tfreude", sprach der Herr Polizeipräsident, daß in einer Zeit, wo alle Berufsartcn eine rege Verbindung �nter einander schließen, auch diejenigen ein ge- weinsameS Band um sich schließen, die im öffentlichen Leben des Volkes eine so hohe Mission ausüben und eine so große Bedeutung besitzen. Wir unterschreiben die Worte des Herrn Polizeipräsi- denten aufrichtig und wollen es nicht beklagen, wenn die Behörden für die Vcrbandsbestrcbungen der Schriftsteller ein so lebhaftes Interesse zeigen. Wir wünschen dabei auch von ganzem Herzen den deutschen Schriftstellern, ein gütiges Geschick möge verhüten, daß dies Interesse im Wechsel der Zeilen einmal z u lebhaft wird. Der Herr Polizeipräsident hat Recht; wir leben in omer Zeit, da alle Berufsarten sich zusammenschließen. Es liegt dies im Zug der Zeit. Die zerfahrenen wirthschaft- lichen Zustände können dm Einzelnen, der auf seinen Er- werb angewiesen ist, keinen sicheren Halt gewähren. Die Konkurrenz mit ihren unheilvollen Wirkungen ist in allen Bous-zweigen und ErwerbSarten zu verspüren und wer heute nicht von vornherein günstig situirt ist, der hat einen harten Kampf umS Dasein zu bestehen. ES ist daher ganz natürlich, daß die Berufsgenossen jeder Art Schutz suchen in ber Bereinigung. Durch sie erst wird die Gesammt- best der Berufsgenossen widerstandsfähiger gegen den Druck schlimmer Verhältnisse. Wenn eine Regierung diese Vereinigungen fördert, so ihut sie ein gutes Werk und man darf rhr die Anerkennung nicht versagen.------ Ja, träumen wir denn? ES scheint wirklich, als habe bic liebenswürdige Ansprache des Herrn von Müffling unS in einen Traum versenkt und zwar in einen ganz schönen Traum. Aber wir erwachen, denn in diesem Augenblick verfallen wir auch in die leidige Gewohnheit, immer Fremdwörter anzuwenden und da sagen wir statt Ver- oinigung der Berufsgenossen einfach Koalitionsrecht, Kvalitionsfteiheit! Koalitionsfreiheit der Arbeiter— nun sind wir völlig aus dem schönen Traum gerissen, in den uns die fteundliche Ansprache deS Herrn Polizeipräsidenten versetzt hat. Die Schriftsteller haben in Frankfurt sich zusammen- gefunden, haben ihre Kassenverhältnisse und ihre Fach- angelegen heiten besprochen und sind nach vergnügtem Zusammensein wieder auS einander gegangen. Alles in Ordnung! Nachdruck BfrbotmJ Feuilleton. [75 Ein Goldmo nfih. Roman von Maurus Jäkai. Michael öffnete und las der Reihe nach die Geschäfts- briefe. Alle enthielten günstig lautende Mittheilungen. Es fiel ihm Polykrates ein, dem nichts fehlschlagen wollte, Und der zuletzt vor seinem großen Glück sich zu fürchten oufing. ££ Und was ist der Grund dieses ungeheuren Erfolges? Ein Geheimniß, um das Niemand weiß, nur er. Wer hat Ali Tschorbadschi'S Schätze in der dunklen Kabine umherge- streut? Rur er allein— und der Mond. Das ist aber ein guter Kamerad. Der hat auch noch Anderes gesehen. Das also ist das Hppomochlwn der Weltordnuna, daß das be- gaugene Verbrechen nicht ans Tageslicht komme. Dann kann das, was darauf folgt, eitel Glanz, Größe und Tugend sein. Unmöglich! Michael war ein zu tief und zart ange- legteS Gmüth, um nicht zu ftihlen, daß ein so übermäßiges Glück, dessen Keim so wurmstichig, in Staub zerfallen müsse; denn das ist die Gerechtigkeit unter der Sonne. Mit Freu- ben hätte er die Hälfte seiner Schätze zu nichte werden gcssehen, ja sie alle hingegeben, um hoffen zu dürfen, daß seine Rechnung mit dm Himmel geschlossen sei. Er fühlte ober, daß seine Buße gerade dann bestand, daß so viel Reichthum und Macht, sein gefeierter Name, sein anscheinen- des Familienglück nur eine grausame Ironie des Schick- sals war. Er ist darunter begraben und vermag sich nicht empor,»richten zu dm allein beseligenden Leben, dessen Ziel Noemi und— der kleine Dodi. Als Dodi der Erste gestorben war, da fühlte er erst, waS er ihm gewesen. Jetzt, Nehmen wir einmal an, eS wären statt der Schrift- steller andere Leute zusammengekommen, etwa die Fach- vereine der deutschen Tischler, um sich über ihre gemeinsamen und Fachangelegenheiten zu verständigen. Die Tischler hätten sich sicherlich auch hauptsächlich über ihre Kassenverhältnisse unterhalten. Dann hätten sie sich berathen, wie sie den fortwährenden Lohnherabsetzungen ent- gegentreten wollen, gerade wie die Schriftsteller auf ihren Kongressen häufig Mittel und Wege suchen, der allzu großen Beschneidung der Honorare Seitens der Verleger entgegen zu wirken. Vielleicht wäre bei dm Tischlern manchmal ein härteres Wort gefallen; allein wenn die Schriftsteller so schlecht bezahlt wären, wie die Tischler, so würden sie sich auch etwas wmiger sanft ausgedrückt haben. In allen Fällen aber wäre der Bestand der Gesellschaft nicht gefährdet worden. Die Schriftsteller und ihre Thätigkeit sind ungemein wichtig für Deutschland; wenn man sie besser bezahlt, werden sie auch bessere Bücher liefern. Mit den Tischlern ist es nicht anders; auch in diesem Berufe wird man mit elendm Löhnen keine vortrefflichm Arbeiter heranbilden. Und doch haben wir alle das gleiche Interesse, daß es den Tischlern wohl ergehe; dann werdm sie nns auch schöne, geschmackvolle Möbel und guten Hausrath anfertigen, und das hat gewiß niemand zu bedauern. Man sieht sonach, daß eS sich in der Hauptsache bei einer Jahresversammlung deS Schriftstellerverbandes und bei einem Kongreß der Tischler-Fachvereine ganz um die gleichen Dinge handelt. Wenn die Tischler ihren Kongreß in Frankfurt am Main abhalten würdm, so würde der Herr Polizeipräsident nicht dabei erscheinen und im Austrage der Regierung eine Ansprache halten. Er würde auf seinem Bureau sitzen, vor sich das preußische Vereinsgesetz und das Sozialistengesetz, mit ausführlichen Kommentarm dazu, und würde eifrig in diesen Gesetzm studiren...... Herr von Müffling scheint nicht so sehr strmg zu sein und er würde dm Tischlern ihren Kongreß gestattm. Aber ohne ein Zeichen seiner Aufmerksamkeit würde er die Ge- legmheit doch auch nicht vorbei gehm lassen. Er würde einen Polizeikommiffar mit einer Anzahl uniformirter und nicht uniformirter Schutzlmte zu den Tischlem senden. Dieser Polizeikommissar würde vielleicht auch im Auf- trage des Herrn Polizeipräsidenten eine Begrüßungsansprache an die Tischler halten. Sie würde allerdings ein wmrg anders lauten, als das, was der Herr Polizeipräsident bei den Schriftstellem gesagt hat. Der Kommissär würde auf dm§ 9 des Sozialistengesetzes verweisen und würde dm Vorsitzmden aussordem, dafür zu sorgen, daß die Redner strenge bei der Sache bleibm. Sonst würde man dm Kongreß schließm, resp. auflösen. Herr Miquel, der die Schriftsteller gleichfalls so liebms- würdig begrüßt hat, würde bei dm Tischlern wohl kaum er- scheinm. Zur selben Zeit würde er vielleicht an anderem Ort eine Rede halten, des Inhalts, daß es denn doch nochwendig sei, mit dem Hinweis auf den großen Streik der Bergleute, da« Koalitionsrecht noch etwas einzuschränken— für die Arbeiter nämlich. Bei dm Tischlern würde es sehr einfach zugehm. Opernhaus und Schauspielhaus würden ihnen keine Fest- Vorstellungen geben. Man würde sie nicht mit einem Ehren- trunk Seitens der Stadt bewirthen, sie nicht mit einem Extrazug zu einem Waldfest hinaus führen. Darüber würden sich die Arbeiter in ihrer Bescheiden- heit auch gar nicht grämen. Sie würden den Schriftstellern ihre Vergnügungen nicht mißgönnen. Seufzend nur würden sie sagen: Wir wollen von Euch sonst NidjtS; gebt uns nur unsere K o a l i t i o n S- f r e i h e: t und laßt uns, was wir davon noch haben! Was würde der Herr Polizeipräsident wohl antworten? Novrefpimdenjim. Paris, den 23. September. Die Sphinx hat gesprochen — es war aber nicht sehr deutlich, so daß wir noch nicht gmau wissm, was sie gesagt hat. Das Gesammtergebniß der Wahl ist noch nicht zu übersehen. Zwei Thalsachen aber stehen be- reits fest: Der BoulangrSmus ist keine Gefahr mehr, und die Republik als solche hat den Ansturm ah- geschlagen. Und mit diesem Doppelresultat kann man zu- frieden sein. Die Zahl der Ballotagen ist ungewöhnlich groß — eine Folge der herrsckenden Zerfahrenhert und der unge- sunden Parteibilduna. Mit wenigen Ausnahmen werden die Ballotagen zu Gunsten der Republikaner ausfallen, die sich bei der zweiten Wahl in der Regel zu einigen pflegen. Die französische Ballotage entspricht nicht ganz unserer Stichwahl, die nur zwischen zwei Kandidaten statt- finden kann. Es könnm für die Ballotage so viel Kandidaten sich melden, als Lust haben— auch solche, die nicht bei der ersten Wahl ausgetreten sind. Der einzige Unter- schied ist bloß, daß bei der Ballotage die relative Mehrheit gilt, während bei der Hauptwahl die absolute Mehrheit und mindestens ein Viertel der eingeschriebenen Wähler er- forderlich sind. Die merkwürdige R u h e, durch welche Paris sich vor und während den Wahlen auszeichnete, ist auch nach den Wahlen gebliebm. Bis heute Morgen um 2 Uhr wogten Hundert- tausende auf den Boulevards auf und ab— hier upd da, be« sonders vor dm Zeitungsbureaux staute sich die Mmge— allein abgesehen von dm obligaten Skandal, den ein paar halb- wllchsige Äurschm zu Ehren des»tapferen Generals" verübten, war Alles so ruhig, als handelte es sich um eine Jllu- mination. Am Abend des 14. Juli war viel mehr Lärm auf den Straßen. Wmn Heine, der sich schon über den Emst der Franzosen wunderte, die heutigen Franzosm sähe, er käme aus dem Staunen nicht heraus. Jedenfalls bekundet diese Ruhe ein großes Selbstvertrauen. Unsere deutschen bei dem Zweiten, fühlte er daS noch mehr. Und er kann sie nicht zu dm Seinigm machen. Er liegt begraben unter einrn Goldhaufen, dm er nicht abzuschütteln vermag; was er damals, als er am Typhus krank damiederlag, in seinm Fieberträumm gesehen, das fühlt er jetzt in wachem Zu- stand; er liegt lebendig begraben in einem Grabe, das mit Gold ausgefüllt ist; über seinem Haupte steht auf dm mannomm Grabstein eine Alabaster-Statue, die sich nicht rührt; das ist Timea. Eine Bettlerin mit einem kleinen Kinde kommt Thymian zu pflücken von seinem Grabe: das ist Noemi. Der Lebendigbegrabene strmgt sich vergeblich an, dm Ruf hervorzubringen:„Reiche mir Deine Hand, Norni, und ziehe mich aus dem Goldgrabe!" Timar setzte die Durchsicht der Korrespondenzen fort. ES fand sich darunter auch ein Brief von einem seiner brasi- lianischen Agmten. Seine LieblingSidee, der ungarische Mehlexport, hat sich glänzend verwirklicht. Timar hatte Ehre und Reichthum davon. Bei Durchlesung des BnefeS fiel ihm ein, daß ihm damals, als er aus seiner Wohnung die Treppe hinabstieg, vom Briefträger ein rekommandirtes Schreibm übergeben worden war, welches einen über- seeischen Poststempel trug. Er suchte und fand das Schreibm in der Brusttasche seines Rockes. Es war von der Hand desselben-Korrespondenten, von welchem die ftühere günstige Mittheilung herrührte. Zm Briefe stand:„Mein Herr! Seit meinrn letzten hat uns großes Malheur getroffen. Ihr Protegee, Theodor Krißtyan, hat uns schändlich be- trogen und zu Schaden gebracht. Wir sind unschuldig daran. Dieser Mensch hatte sich jahrelang so verläßlich, tüchtig und sseißig gezeigt, daß wir ihm das größte Vertrauen schenken mußten. Sein Gehalt und auch seine Tantieme war so groß, daß er nicht nur anständig davon leben konnte, sondem auch noch zurücklegte, welches er bei uns verzinste. Während er seine angeblichen Erspamisse bei uns zu einem kleinm Kapital anwachsen ließ, bestahl er uns auf schreckliche Weise, unterschlug Geldsendungen, fälschte Rechnungen und stellte falsche Wechsel auf unsere Firma auS, was er, da Sie ihm die Prokura übertragen hatten, leicht thun konnte, so daß der bisher ermittelte Verlust sich auf zehn Millionen „Reis" beläuft Was aber den Verlust noch empfindlicher macht, ist der Betrug, den er dadurch beging, daß er das in den letzten Jahren gesandte Mehl mit Louisianischrn von viel geringerer Qualität mischte, und durch diesen Aankeetrick den Kredit des ungarischm Mehles auf Jahre hinaus zer- störte, wenn wir überhaupt je im Stande sein werdm, ihn wieder herzustellen." Das also ist der erste Schlag! dachte Timar bei sich. Und dieser Schlag war zugleich der empfindlichste für einm großen Geschäftsmann. Er traf ihn bei etwas, worauf er am meistm stolz gewesen, was ihm den Rang eines könig- lichen RatheS eingebracht. So ist es denn �eingestürzt, das glänzende Gebäude, das Timea gebaut. Wieder Timea! Timar beeilte sich, weiter zu lesen.„Bekanntschaften mit leichtfertigen Frauenzimmern haben den jugmdlichm Verbrecher auf diese Abwege geführt. Für Fremde ist dies die gefährlichste Seuche unseres Klimas. Wir ließen ihn ch festnehmm, doch wurde von dem gestohlenen Gelde wi ihm nichts vorgefunden; einen Theil davon hatte er in Spielhöllen verloren, das Uebrige hat er mit Kreolinnen verpraßt; doch ist es auch möglich, daß der Spitzbube beträchtliche Summen in Sicherheit gebracht hat, in der Hoffnung, wieder dazu zu gelangen, wenn er frei wird; nun, da wird er lange warten müssen, denn der hiesige Gerichtshof hat ihn zu fünfzehnjähriger Galeerenstrafe ver- urtheilt." Timar war nicht im Stande, weiterzulesen. Er ließ den Brief auf den Tisch fallm; dann stand er auf und fing an, unruhig im Zimmer auf- uud abzugehm. Fünfzehnjährige Galeermstrafe! Fünfzehn Jahre ange- schmiedet zu sein an die Galeerenbank und während dieser Zeit nichts zu sehen als Himmel und Meer! Fünfzehn Jahre Kirtellbrüder können da elwaS lernen. Freilich ihnen geht jedes Vertrauen ab— sowohl das Vertrauen in die eigene Kraft als dos in die Festigkeit der von ihnen gestützten Ordnung der Dinge. WaS insbesondere die sozialistischen Kandidaturen betrifft, so kann ich für jetzt nur sagen, daß G u e s d e mit bester Aussicht auf Sieg in die Ballotage kommt; daß aber Vaillant, um nicht den Sieg eines Boulangisten zu er- möglichen, zu Gunsten eines radikalen Demokraten wud zurücktreten müssen. Von Lafargue und Long uet keine Nachricht. Da« gegen sollen verschiedene sozialdemokratische Kandidaten in der Provinz entweder gesiegt oder dock die meisten Stimmen er- langt haben, z. B. B a u d i n im Eher. pultttstsre itcöciTrrfif. betreff» der bevorstehenden Reichstngvnmhl haben eS sich die Genossen allerorts zur Pflicht zu machen, auch in solchen Wahtkressen, wo ein Sozialdemokrat bisher nicht kandi- dirte, eine sozialdemokratische Kandidatur zu proklamiren, auch wenn nur wenig Stimmen zu erwarten sind. Es genügt, wenn da, wo ein Wablkomitee sich nicht bilden und die Aufstellung eines Kandidaten m öffentlicher Versammlung nicht erfolgen kann, ein einzelner Genosse die Aufstellung eines bestimmten Kandi- baten gicbt. Mit der Wahlagitation muß eiftig begonnen werden auch da wo nennenSwerihe Erfolge nicht zu erwarten sind. Zu jeder erwünschten Auskunst ist das von der sozial- demokratischen Fraktion des Reichstages ernannte Zentral- Wahlkomitee, bestehend aus den ReichStogSabgeordneten Bebel, Grillenberger, Liebknecht, Meister und Singer, gern bereit, Die Kmtfitng des Nrichvtag», so wird jetzt dem „Hamb. Koir." ossiziös aus Berlin geichrieben, werde schwer- lich schon im Oktober, sondern frühestens in der ersten Hälfte des Novembers erfolgen können;„denn einmal wird die Fest- stellung des Etatsentwurfs, welcher doch solort dem Reichstage vorgelegt zu werden pflegt, noch den vollen Oktober in An- svnich nehmen, sodann aber sind auch andere Vorlagen von Bedeutung zum Theil noch in der Vorbereitung begriffen, und es dürfte sich auch die Behauptung, daß der Entwurf des Ge- setzeS, welches an Stelle des Sozialistengesetzes zu treten be- stimmt ist, bereits abgeschlossen sei und dem Bundesrath sofort zugehen könne, als irrthümlich erweisen." Nach der„Kreuz- Zeitung" dürste die Berufung des Reichstags nicht vor dem 2S. Oktober, ja vielleicht noch einige Tage später erfolgen. Der Aufruf des vom pariser internationalen Arbeiterkongreß beschlossenen Exekutivkomitees lautet wärt- lich wie folgt: Das Komitee des internationalen Arbeiterkongresses, der dieses Jahr in Paris vom 14. bis 21. Juli stattfand, hat in seiner Adendsitzung vom 21. Juli den Beschluß gesaßt: es seien die schweizerischen Delegirten mit der Einsetzung des vom Kongreß beschlossenen Exekutivkomitees zu betrauen. Die schweizerischen Delegirten traten nun am 28. Juli letzthin in Zürich zusammen und faßten, gemeinsam mit noch einigen Vertretern schweizerischer Arbeiterorganisationen und in An- Wesenheit des Reichstagsabgeordncten August Bebel, folgende Beschlüsse: 1. Das fünfgliedrige Exekutivkomitee soll seinen Sitz in Zürich haben. Diese Stadt ist dazu geeignet sowohl ibrer geographischen Lage wegen, als auch wegen des hervorragenden AnrherlS, den sie an der schweizerischen Arbeiterbewegung nimmt. 2. In das Komitee sind gewählt die Herren Karl Bürkli, Kantonsraih, O. Lang, K. Manz, Buchbinder, A. Merk, S kretär beim schweizerischen Arbeitssekretariat und Eugen Wullschlcger, Großrath und Redakteur des „Basier Arbeiterfreundes". Dem Letzteren wird das Amt eines Sekretärs und Redakteurs übertragen. 3. Das vom Kongreß beschlossene dreisprachige Wochenblatt „Der achtstündige Arbeitstag", erscheint vorläufig in zwangloser Reihenfolge, bis das Unter- nehmen finanziell gesichert ist. 4. Nach dem diesfälligcn Beschluß des Kongresses kommt diesem Blatte die Aufgabe zu, die Bestrebungen zu Gunsten des achtstündigen Arbeitstages in nähere Ver- bindung zu bringen und die Leser über den Fortgang der Arbeiterschutzgesctzgcbung in Europa und Amerika, sowie über den Stand der Arbeiterbewegung zu in- sormiren. 5. Zu diesem Zwecke wird„Der achtstündige Arbeitstag" allen Arbeitcrvcrbänden, sowie den Vertrauensmännern der verschiedenen Nationen gratis und fianko zugesandt, wogegen diese den Redakteur des Blattes durch Benach- richtigung von allen Vorkommnissen auf den genannten Gekulen zu unterstützen haben. 6. Dre Kosten der Herausgabe des Blattes, der Bureau- lang trost- und hoffnungslos die versengende Gluth der ewigen Sonne zu ertragen, sich herumzuschlagen im ewigen ruhelosen Meer und die ewig unbarmherzige Menschheit zu verfluchen! Er wird ein alter Mann, bis er seine Freiheit wieder erlangt. Und weshalb? Damit Herrr Michael Timar, Edler von Levefinczy, nicht gestört sei in seinen verbotenen Freuden auf der herrenlosen Znsel? Damit Niemand Noemi verrathen könne an Timea und Timea an Noemi.'Daran dachtest du nicht, als du Theodor nach Brasilien sandtest, daß es so kommen werde. Doch ja! Du rechnetest darauf, daß die Gelegenheit ihn zum Verbrecher machen wird. Du hast ihn nicht auf der Stelle mit einer Kugel todt zu Boden ge- streckt, wie ein rechter Mann den Gegner im Duell tödtet, der seiner Liebe im Wege steht! Du hast ihm väterliche Liebe geheuchelt und ihn dreitausend Meilen wert auf Reisen geschickt, und wirst du durch fünfzehn Jahre ihn sehen, wie er langsam dahinsiecht. Denn sehen wirst du ihn mitten durch die Erde und alle ihre Meere. Das Feuer im Ofen war ausgegangen; es war kalt im Zimmer geworden, dessen Fensterscheiben von Eisblumen überzogen waren. Dennoch troff Schweiß von der Stirne TimarS, als er den engen Raum auf- und abschritt. So ist denn jeder dem Unglück geweiht, dem er die Hand reicht. Auf dieser Hand liegt ein Fluch. O, welche schreckensreiche Nacht ist das! Wird es denn gar nicht Tag werden? Er fühlt sich in diesem Zimmer, als wäre er in einem Kerker, oder eingesargt in einer Gruft. Doch jener traurige Brief hat noch eine Nachschrift. Timar kehrte an den Tisch zurück, um ihn zu Ende zu lesen. Die Nachschrift war um einige Tage später datirt und lautete:„Soeben erhalte ich eine Zuschrift aus Port au Prince, worin man uns benachrichtigt, daß von jener Galeere, auf welcher unser Sträfling sich befand, drei Galeerensklaven in der vorigen Nacht aus einem Boot entwichen sind. Ich befürchte, daß unser Mann dar- unter war." Nach Lesung dieser Zeilen wurde Timar von namen- loser Angst befallen. Wenn ihm bis dahin der Schweiß auf der Stirn gestanden hatte, so fing er jetzt zu zittern arbeiten, der Uebersetzungen, Publikationen:c., die auf ca. 15 bis 20 000 Franken(12 bis 16 000 M.) pro Jahr veranschlagt werden, sind durch freiwillige Beiträge der- jenigen Arbeiteroerbände ac. aufzubringen, die am Kon- preß vertreten waren. 7. Das Züricher Exekutivkomitee übernimmt die Leitung dieses Unternehmens und legt der Sebweizer Dete- gation, zu Händen des Kongresses, alljährlich ge- wlffeichast Bericht und Rechenschaft ab über die Thäligkeit. 8. Sie hat endlich auch die Einberufung des nächsten Kongresses rechtzeitig einzuleiten. Werthe Genossen! Unter Hinweis auf diese Beschlüsse erlauben wir uns, mit der Anfrage an Sie ju gelangen, welchen Beitrag Sie an die Kosten dieses ganze,, Unternehmens zu leisten geneigt und im Stande sind, sowie auf welche Weise und bis wann Sie Zahlungen leisten werden. Ohne Bewilligung ausreichender Geldmittel fällt der Be- schluß Ihres Kongresses und feines Bureaus als geaenftands- los dahin. Dann hat aber auch der mit so großen Opfern an Zeit und Geld verbundene Kongreß keinen praktischen Erfolg gehabt. Wir rechnen darum auf Ihre thätige Hilfe. Es lebe die politiscke und soziale Emanzipation der Völker! Die Schweizerischen Delegirten: Paul Brandt, St. Gallen; Heinrich Haust, Chaux-de-fonds: L. S ch r a g, Bern; Aug. Merk, Zürich; Stephan Gschwind, Basel; I. Vogelsanger, Chur.— Das Züricher Exekutiv- komrtee: K. Bürkli, O. Lang, K. Manz, A. Merk, E. W u l l s ch l e g e r. Gelder und Briefe sind an Herrn KantonSrath Karl Bürkli, Zärich-Flunter», zu adresfircn. Die Uedejperre, welche über den Hofprediger Stöcker verhängt ist, scheint sich auf seinen ReichStagSwahlkceiS Siegen nicht mitzubeziehen. Dort wird Stöcker, wie wir dem „Siegener Volksblatt" entnehmen, am 28. September und in den folgenden Tagen AgitationSvorträqe halten. Kegen die Uergnügnngssucht der arbeitende« Klassen wendet sich ,n einem ihm aus Duisburg zugehenden Schreiben der„Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirth- schaftlichen Interessen in Rheinland und Westialen. Die„Magdeburger Zeitung" druckt oas von Unkenntniß der Lebensweise und von gehässigen Behauptungen strotzende Schreiben nach mit der Bemerkung, daß dasselbe eine bewegliche, aber keines- weg»„übertriebene Schilderung" dieses„allgemeinen Miß« stände« und seiner verderblichen wirthschaftlichen Folgen" sei. Das Schreiben lautet: „Mit Beginn des Frühjahrs kündigte ein Theil der Ar- beiter, um in anderen Weiken oder auf Arbeitsplätzen Arbeit zu suchen. Der verbleibende, durch Verhältnisse gebundene Theil der Arbeiter wird widerwillig, will wenig arbeiten, aber viel verdienen, um Zeit und Geld zu haben, um den im Früh- jähr von der übermäßigen Anzahl von kleinen Vereinen veran- stalteten Stiftungs-, Sommer- ic.-Festen beizuwohnen. Das Frühjahr und der Sommer bieten nicht Sonntage genug, um jeden Sonntag ein Fest feiern zu können, vielmehr werden an den meisten Sonntagen mehrere Feste von den verschiedenen Vereinen gefeiert. Eine Anzahl dieser Feste beginnt am Sonn- abend Nachmittag(sie!) und endigt am Montag, oft erst am Dienstag Abend(sie!). Viele Arbeiter sind Mitglieder solcher Vereine und werden dadurch von der Arbeit abgehalten. Die übrigen Arbeiter, welche nicht Milglrcder sind, haben ebenfalls keine Lust an der Arbeit. Außerdem finden in den meisten Wirthschafien. wo die Arbeiter verkehren, Sonnabends, Sonn- tags und Montags, an dem ersten und letzten Tage Abends, Musik- und Gesangaufführungcn statt, um die Arbeiter her- anzuziehen. Ein großer Theil des Verdienstes wird hierauf verwandt, die häuslichen Verhältnisse gehen zurück, der Arbeiter wird immer mehr unzufrieden mit feinem Lohn und schiebt in serner Gedankenlosigkeit die Schuld des Rückganges seiner Ver- hältmsse dem Arbeitgeber zur Last, der ihm nicht so viel freie Zeit und so viel Verdienst geben kann, dieses vergnügungs- füchtige Leben ununterbrochen fortzuführen. In Folge dessen mächst die Verbitterung und die Unlust am Arbeiten immer mehr. Wir halten dafür, daß eine große Beschränkung dieser Festlich- leiten, sowie der Wirtbschaften und der dann zur Aus- sührung kommenden Musikuntcrhaltungen wesentlich zum Vortbeil der Arbeiter und der Arbeitgeber gereichen werde." ES wird uns kein Mensch zumuthen, in eine Kritik dieses edlen, von absoluter Unkenntniß des Arbeilerlebens wimmeln- den Machwerks einzutreten, denn wir müßten es Wort für Wort zerpflücken, und würden damit doch nicht zu Ende kom- men. UebrigenS wäre es ganz gut, wenn die Herren, die das Machwerk verbrochen haben, an ihre eigene Nase faßten; sie würden da mehr Fleisch finden, als an den Nasen der Arbeiter. ES wird wahrhaftig die Frechheit, die sich in gewissen Kreisen gegen die Arbeiter kehrt, immer schamloser. Zu einer Zeit, wo die feimesse«ioree, die Goldsöhnchen, mehr und mehr allen Lüsten nachgeht, die Anforderungen an die Arbeiter sich aber immer mehr steigern, eifert man gegen die Genußsucht der Ar- beiter und möchte sie gerne auf den Standpunkt herabdrückcn, an! Ist das Fieber zurückgekehrt? Furchtsam schaute er sich um. Wovor fürchtet er sich? Er ist allein im Zimmer und fürchtet sich wie ein Kind, dem man Räuber- qeschichtcn erzählt hat. Es litt ihn nicht länger im Zimmer. Er nahm aus seiner Pekesche die Taschenpistole heraus und sah nach, ob Pulver aufgeschüttet war; dann versuchte er sein Stilet, ob die Klinge leicht herausgeht? Fort von hier! Es ist noch Nacht; der Nachtwächter hat ein Uhr nach Mitternacht ausgerufen. Hier kann er nicht den Morgen erwarten. Wie? Kann er denn nicht auch ohne Brücke ans Szönper Ufer hinüber gelangen? Oberhalb der Insel ist die Donau ganz zugefroren. Es gehört nur ein Mensch dazu, der sich vor der finsteren Nacht und der unbe- kannten Eisdecke weniger fürchtet, als vor dieser flackernden Kerze und dem hier ausgebreiteten Brief. Den Brief hält er über das Licht und verbrennt ihn. Dann bläst er daS Licht aus und tappt zum Zimmer hinaus. Erst als er auf die Straße hinaustrat fühlte er seine Brust erleichtert. Hier ermannte er sich wieder. Es war mittlerweile frischer Schnee gefallen, den er unter seinen Füßen knirschen hört, während er ans Donauufer eilt, durch die ganze Serbenstraße bis hin zum Mühlenhafen. Dritte» Kapitel. Das Eis. Die Donau war völlig zugefroren bis hinauf nach Preßburg; man konnte überall hinüber. Um jedoch von' Komorn nach U-Szöny zu gelangen, mußte er auf einem weiten Umwege die Jnselspitze umgehen, denn'dort sind Sandbänke, auf denen man im Sommer Gold wäscht, und aus diesen durchwühlten Sandbänken pflegt daS Eis in der Regel sich aufzustauen: diese Eisbarrikadcn aber sind schwer zu erklettern. Timar entwarf sich einen Plan für den Uebergang; so wie der Monostor ihm in Sicht kommt, auf dessen Gipfel seine Villa steht, wird er die Richtung dorthin einschlagen. Nur daß etwas dazwischen kam, was diese Be- rechnung störte. Er hatte eine sternhelle Nacht erwartet, allein so wie er die Donau erreichte, senkten sich Nebel herab. Anfangs waren eS nur schwache, durchsichtige Dünste, während aber Timar auf dem Eis sich einen Weg zu suchen begann, wurde den wir in den östlichen Provinzen vertreten seben und der uns ja durch den Import so vieler lausender Arbeiter nach den westlichen Provinzen vor Augen geführt wird. Wir sehe» derer auch unter uns gegenwärtig leider zu viel, die wie bat V:eh leben und deren einziger Genuß der SchnapS ist. Rur in einem Fall wird nicht gegen die Genußsucht der Arbeiiec geeifert, das ist da, wo sie sich am kostwieligsten zeigt, bei den Kiiegervcreinen; kein„wohlgesinntes" Btait wagt es. dagegen aufmlreien, wenn auch solche Knegerfeste eine gan.e Woche m Anspruch nehmen. Der Protest, welchen die Sozialdemokraten in Nürnbirg bei der Landtagswahl als Stimmzelicl abgegeben haben, lautU wie folgt: „Gegen die auf heute, den 20. September 1689, angesetzte Ersatzwahl eines Abgeordneten im Wahlkreise Nürnberg Ab- do.s prolestire ich, invcrn ich dieselbe für rechisungiltig habe, und zwar weil die LandtagSwählemften der Stadigemem-e Nürnberg, auf Grund deren die Wahlmänner für die Sla't Nürnberg gewählt wu'den, rechisungiltig, daher null ur>S nichtig sind. Dies gerade auf Grund des feinerzeitigcn Bc- schlusses der bayerischen Abgeordnetenkammer, durch welche die« Wählerlisten und damit auch die Wahl der Nürnberger Land- tagsabgeordneten für pilüg erklärt wurde. Dieser Beschluß berudt laut dcS diesbezüglichen stenographischen Berichts auf der Annahme, bezw. der bestimmten Angabe des Re�ierurgs- Vertreters, des Referenten und der Abgeordnetenkammer, datz zur Urwahl in Nürnberg ganz neue Landtogswählerlisten ver' wendet wurden. Diese Angabe ist aber nicht wahr, indem die Landtogswählerlisten der Stabtgemeinde Nürnberg damals wie jetzt noch dieselben sind, wie solche im Jahre 1881 angefertigt wurden. An der Wahl selbst nehme ich nur gezwungen Th«>l- da ich mich nicht, wie bereits geschehen, von den liquidation«- bedürftigen Wählst. rinnern der Gegenpartei nochmals in der bereits geüblen Weise ausbeuten lassen will, die vorgesetzt!'» Verwaltungsstellen diese Ausbeutung in der geübten Weise aber gutgkh ißen haben, ich daher aus einen Schutz derfelben«» Wiederholungsfälle nicht rechnen kann." Neber dir Daser vvd den Umfang de« Kees' arbettrrausstandes in den Steinkohlenbezirken an der N»'�, an der Saar und in Schlesien, liegen jetzt genauere ErinUte- lungen vor, welche das nachstehende Ergebniß hatten: Im Ruhrgebiet daueite der Streik msgesammt eine» Monat und war fast allgemein, so daß z. B. an einem Taue 97 pCt. der Gesammibelegschast ausständig waren. An-l Arbeitstagen feierten täglich-m Durchschnitt etwa 60 000 Man« oder gegen 52 pCt. aller Bergarbeiter. In den StaatSgruben an der Saar waren überhaupt 17 000 Mann oder nahezu 66 pCt. der aavzen B-legschafl am Ausstände betheiligt. Während der acht ÄibeitStage, a» denen gestreikt wurde, feierten durchschnittlich täglich ctw» 10 000 Mann oder nicht ganz 40 pCt. der Gesawmt- belegschafk. Was den Ausstand in Schlesien betrifft, so feierten i» Niederschlcsien an 5 Arbeitstagen durchschnittlich mehr als 66 pCt., darunter an einem Tage fast 90 pCt. der gefammtca Belegschaft, nämlich nahezu 13000 Mann. Auf den oder- schief, schen Steinkohlengruden dauerte der Streik dagegen im Ganzen neun Tage und zwar blieben täglich im Durchschn»l 5— 6000 Mann oder etwa 12pCt. sämmtlichcr Arbeiter von der Grubenarbeit fern. Auf den beiden in Oberschlesien vom Staate betriebenen Steinkohlenbergwerken im Besonderen wurde nur an 2 bezw. Iz Tagen von einem kleinen Theil der jüngere» Mannschaft die Arbeit eingestellt. An jedem der vier in Be- tracht kommenden Tage stierten durchschnittlich nur 7,3 pC� von insgesammt 8300 Arbeitern. Die Kohlendefordeenng im R«hrrevier im Monat September betrug 118 892 Wagenladungen gegen 121186 im Vorjahre. Allerdings hatte der September 1889 einen Sonn- tag mehr als derselbe Mcnat im Voijahr. Hieraus erklärt si« die Minderförderung in diesem Jahre. Es ist also nicht wahr. daß, wie die Organe der Kohlenbarone behufs Steigerung der K'ohlcnpieise behaupten, die Bergleute weniger geneigt seien, i» arbeiten als vor dem Streik. I« WagdebApg macht die Schneiderinnung den Versuch die Konfeklamsgeschäfle und deren Arbeiter zu Beiträgen fü: die Jnnungseinrichtungen zu zwingen. Diesen Versuch mach! sie sogar gegenüocr den DamenkonfektionSgeschä'ien oder Damen- schneider.nnen und berechnet dre beschäftigten Mädchen als halbe Gesellen. Der betreffende Paragraph des Jnnungsgesctzes be- sagt, daß für den Bezirk einer Innung auf Antrag derselbe» durch die höhere VcrwallungSbehörde bestimm! werden kann, daß Arbeitgeber, welche, obwohl sie ein in der Innung ver- treteneS Gewerbe betreiben, derselben nicht angehören, in der- selben Weise und nach demselben wie die JnnungSmitglieder und deren Gesellen zu Beiträgen für bestimmte Jnnungs. Em« rrchlungen verpflichtet sind. Es sind dieses die von der Innung für das Herbergswesen und den Nachweis für Gesellevarbeit gcteoffenen, beziehungsweise unternommenen Einrichtungen, serner die von der Innung zur Förderung der gewerblichen und technischen Ausbildung der Meister, Gesellen und Lehrlinge ge» troffenen Einrichtungen und das von der Innung et.va�er� der Nebel so dicht, daß man keine drei Schritte weit vor sich sehen konnte. Hätte er der Stimme seiner Vernunft Gehör geschenkt, so würde er auf der Stelle Kehrt gemacht und versucht haben, den Rückweg zum Ufer zu finden; aber er befand sich eben in einer Gemüthsstimmung, in der ma» Vernunftgründen nicht mehr zugänglich ist: er wollte schlechterdings aufs jenseitige Ufer hinüber. Auch abgesche» vom Nebel war es eine finstere Nacht; oberhalb der Jnsek ist aber die Donau am breitesten und der Uebergang über den Eisstoß am schwierigsten. Uebercinandergeschobene Eis- schollen bilden kreuz und quer langgestreckte Barrikaden und an manchen Stellen nimmt das Eis die Gestalt eines launert- Haft zerklüfteten Bergrückens an, auf dem statt der Felse» klafterhohe Eistafeln hervorragen. Beim Umgehen dieser Eisbarrikaden fand Timar sich plötzlich verirrt. Er wandelt schon eine Stunde lang auf der Eisdecke herum! Seine Repetiruhr schläft drei Viertel auf Drei; er könnte schon lang auf dem jenseitigen Ufer sein; er muß die Richtung ver- fehlt haben. Er horchte; kein Geräusch in der dunklen Nacht. Kein Zweifel, daß er dem jenseitigen Dorf sich nicht nähert, son- dern sich noch immer weiter von ihm entfernt. Selbst kein Hundegebell läßt sich vernehmen. Er glaubte, daß er jetzt statt quer über die Donau, der Länge nach auf ihr ge- gangen sei und beschloß daher, seine Richtung zu ändern. Die Donau hatte nirgends über zweihundert Schritte in der Breite, und irgendwo muß er doch endlich ans Ufer kom- men, wenn er in einer Richtung fortgeht. Nur daß man im Finstern und im Nebel nicht weiß, in welcher Richtung man geht. Eine Eisbarrikade, welche umgangen werden muß, bringt ihn trotz aller Berechnung von der geraden Linie ab, er muß im Zickzack gehen und gelangt wieder an eine Stelle, an welcher er schon einmal gewesen; und das andere Mal findet er wohl die richtige Direktion und hätte nur noch ein paar hundert Schritte zu machen, um da» Ufer zu erreichen, da besinnt er sich eines Anderen, wechselt die Richtung und geräth wieder in daS verwünschte EiSlab?- rinth hinein. Fünf Uhr ist vorüber. Vier Stunden irrt er schon s» auf der Donau umher. Er fühlt sich ermattet. Diese Nacht S�iebSjcnÄt. Hier ist also nur die Rede von Ge- leuen, daß aber zivei Mädcken einen Gesellen machen, das hat «Uit> noch nicht die älteste Zopf- und ZunflweiSheil auSgetiftelt auch abacsehen hiervon werden die SchneiderinnungS- mnfter wenig Glück haben, mit dem Versuch vir Inhaber von «ontekiionegeschäften zu den Innungen heranzuziehen, am we- mgtten die großen Geschäfte, deren Inhaber als Kaufleute oder «adntbentzer zu betrachten sind. Auch die Gefellcneigenschaft ver bei den Konfektionären beschäftigten Schneider wird sich feststellen lassen. Die Inhaber solcher Geschäfte, bemerkt die.Magd. Zig.-', lassen durch unabhängig« Arbeiter KleidungS- stucke anfertigen und stellen dieselben demnächst zum Verkauf vue. Von einem Verhältniß wie zwischen Handwerksmeister und Gesellen kann hier nicht die Rede sein. Vielfach bc- lwastigen solche Geschäfte auch nur Meister, und könnten dann JwchstenS diese, zumal wenn sie JunungSmeistcr find, von den -wnuigen herangezogen werden. Ans Hamburg wird der„Frkf. Ztg." telegraphirt:.Der vier verlamm-Ite sechste deutsche T'schlcrtag beschloß, unter dem rl'Oisitz des DbennelsierS BrandeS-Berlin, die einheitliche Ein- «uz-ung der EntlassunaSscheine für die Gesellen und beauftragte den Vorstand mit der Ausführung des Beschlusses. Desgleichen lourde die Einführung fachqew erblicher Schiedsgerichte, überall, dies möglich, beschlossen. Die Versammlung sprach sich t�uer für die Einführung des Befähigungsnachweises aus und «timvortete die Ausdehnung der Unfallversicherung auf das •Wchlergewerbe.— Die Polizei überraschte gestem, gerode bei Schluß derselben, eine heimliche Versammlung von Sozial- "kwok-aten, welche auf einem offenen Platze hinter der Insel �tnnivärder getagt hatte. Die Polizei verhastete 52 Theil- "chiner, welche von dieser Versammlung zurückkehrten, ent- "5« jedoch die Vei hafteten nach der Feststellung ihrer Per- fotlltdifcil. . Au» Gbrrschlrste», 22. September. Fast lustig anzu- Wjen ist es— wenn die Sache nur nicht gar zu ernsthaft tvare— wie sich die beiden Nachbarn Deutschland und Ruß- land in Beschränkungen des wirtbschafllichcn Verkehrs gegen- ll'ug zu überbieten trachten. Seit Jahren dieser unselige «amvf hüben wie drüben, der bei der robusten Natur der �WKn diesen bis fetzt weniger geschadet, uns Deutschen aber, »amentlich den Grenzbewohnern, statt einer Erstarkung der �denshaltung nur eine Herabsetzung derselben gebracht hat. sollten vor den Gefahren der Maul- und Klouenseuche vemahrt werden, wie, das zeigt der enorm hohe Stand der Aeislbp, eise; jene, die Russen nämlich, sollen nunmehr der Reblaus nicht zum Opfer fallen, das ist die neueste Phase der Grenzsperre. Während bisher Pflanzensendungen nach Ruß- «and, die keineswegs geringfügig waren, von allen Zollämtern unbeanstandet über die Grenze gelassen und nur in wenigen Ausnahmefällen Bescheinigungen über die Abwesenheit der Phylloxera verlangt wurden, in plötzlich ein strenger Zertifikats- �vang für Sosnowice eingeführt worden. Infolge dessen 'u�ern in SoSnowice große Mengen gärtnerischer Sendungen, ursonderL Blumenzwiebeln, die erst weiter gehen dürfen, wenn u ach träglich das Reblaus-Attest beschafft wird. Die für Ruß- »and bestimmten Bescheinigungen müssen aber außer der polizei- "chcn Bestätigung auch noch die Beglaubigung des russischen �ansulats in Breslau erhalten.— Die Sachsengängerei ist gegenwärtig insofern in ein neues Stadium getreten, als eine Gegen ström in Bewegung sich befindet. Die bei den '»entearbeiten in Sachsen beschäftigten Oberschlesier kehren iurück, und zwar mit guten Ersparnrsscn, wie ganz besonders g-gen die Berichte der fchlcsischen Fabrikinspckloren hervor- schoben werden muß, während andere Tausende erst jetzt ihre Hnmath verlassen, um in Niederschlesien und weiterhin in wachsen bei der Zuckerkamgagne Arbeit zu finden. Anuaberg i. Grzgrb., 22. September. In Bezug auf "K in letzter Zeit besonders fühlbar zu Tage getretene Stei- flerung der Fleischpreise enthält der hierorts erscheinende �chma Bote" folgende interessante Mttheilung. Das genannte •platt rechnet nämuch seinen Lesern vor, daß es heutigen Tages Jogar rentabel ist. sich mit einem Tagesbillet in. Klasse auf der «ifenbahn von Annaberg nach Weivert zu begeben, um dort ?jer Pfund Speck einzukaufen, ein Quantum, welches brkannt- N im Grenzverkchr zollfrei eingeführt werden darf. 4 Pfund �veck kosten nämlich in Weipert 2,40 M.. in Annaberg aber zur Z it 4.80 M., und da ein Tagesbillet III. Klasse nach Weigert nur Uy Mark kostet, so bleibt dem Importeur immer noch Nutzen in Höhe von 1,30 Mark. In der That ein über- lehrreiches Beispiel für die Segnungen, welche uns durch "le Viehzölle und das Schweineeinfuhr-Veroot zu Theil ge- zvorden sind. Nor der Ferienstrafkammcr des Imickraurr Land- ? bricht« hat das Sozialistenpesetz eine bemcrkenswerthe Aus- «kung erfahren. Vor einigen Monaten wurde eine nach Oder« Ulngwitz bei Glauchau einberufene Volksversammlung, in welcher Abgeordneten Bebel und Stolle als Redner auftreten Mich, auf Grund des Sozialistengesetzes verboten. Das Vor- jjot wurde auch dem Einberufer rechtzeitig zugestellt, aber in «kr Eile dachte dieser nicht daran, daß nunmehr auch die be- rcits in der Chemnitzer.Presse" bestellte Annonze überflüssig bat er nicht geschlafen und den ganzen Tag nichts gegessen; mti dessen hatte er sich abgehetzt mit nervenerfchüttcrnden �anüthsbewegungen.(Fortsetzung folgt.) Äus SfiUmJl und Olmt. |latrr dem Titel.Die Furcht im Leben des Kindes" »ttöffentlicht Ed. Grimard im.Wiener Ertrablalt" folgendes »Kapnel für Ehern": Nicht nur in körperlicher, anist in geistiger pwsicht ist das Kind ein gar zartes, gebrechliches Wesen. Aber "wse Wahrheit vergessen Eltem und Erzieher leider sehr oft oder beachten sie doch nicht genug. Wir sollen bemüht sein, Unsere Kinder nicht nur vor übermäßiger körperlicher Anstren- �ng, sondern auch vor seelischen Aufregungen nach Möglich- zu behüten. Man könnte sagen— wenn cS gestattet ist, etwas kühnes Bild zu gebrauchen— daß an dem Kinde alles noch im Knorpel, ustande ist. Wie es gefährlich ist, ein ssir.d, das man an der Hand führt, heftig zuziehen und dadurch -ineZerrung des Schulter- oder Anngelenks zu verursachen, die,dem «nscheine nach, ganz harmlos, doch gelegentlich Gelenksentzün- düngen oder andere schwere Zufälle zur Folge haben kann, so ist sicher nicht minder gefährlich, sein Denkorgan zu heftigen Tindiückcn auszusetzen, die dort ein schmerzliches Echo hervor« 'ufen. Unter diesen Eindrücken sind keine so sehr zu fürchten, US die von der Furcht erzeugten. Auf ganz junge Kinder üben Übst angenehme Ueberraschungcn mitunter eine unerwünschte Wirkung aus. Die Folgen emeS heftigen Furchtgefübls aber nnnen von ganz unberechenbarer Schwere sein: Wahnsinn und Lad können daraus entstehen. Lassen wir diese äußersten ent- etzlichen Fälle bei Seite, wie viele anbei e giebt es, die weniger ragisch, aber darum nicht minder beklagenswcrth sind! Die Empfindung der Furcht erschüttert das gesammtc Nervensystem, lörr die VerdauungSihätigkeit, verwandelt den Schlaf in quäl- Zolles Alpdrücken und nur zu oft hat es sich ereignet, daß >ime Kinder, die durch lange Zeit solch' unheilvollen Er- chüitcrunaen ausgesetzt waren, für ihr Leben verschüchterte, cheue, jeder Initiative unfähige Geschöpfe geblieben sind. Es liebt Kinder, die von Natur aus furchtsam sind, und man ver- uckt zuweilen, sie dadurch zu kuriren, daß man sie gewaltsam ittode in Verhältnisse versetzt, die geeignet sind, Furcht zu er- engen. Furcht ist eine unwillkürliche Empfindung, eine rein physiologische Erscheinung. Darum ist es ebenso absurd, wenn > b sich bemüht, die Nerven-Organisation eines Kindes plötz- 'ch abzuändenr, wir wenn man versuchen würde, einen kranken geworden sei und die Abbestellung derselben wurde versäumt. In der Ve-.öffentlichung der genannten Anzeige erblickte nun- mehr die Staatsanwaltschaft ein Vergehen gegen Z 17, 2 des Sozialistengesetzes(Aufforderung zum Besuch verbotener Ver- sommlungen); der Gerichtshof trat dieser Ansicht bei und ver- hängte über den Einberufer der Versammlung eine Gefängniß- strafe in Höhe von einem Monat, während ein anderer Ar- beiter, der die Aufgabe der Annonze vermittelt hatte, zu vier- »ehn Tagen Gefängniß verurtheilt wurde. Gegen dieses Urtheil wird Revision beim Reichsgericht eingelegt werden. Der sächsische Knmmerfortschritt, der seither»wischen Thür und Angel eine recht unglückliche Figur machte, kündigt die große That an, daß er demnächst seine Firma ändern werde. Als„nationale Fortschrittspartei" will er zu einer selbst- ständigen Existenz kommen neben dem nationalen Kartell und dem Freisinn, dem damit die nationale Tugend abgesprochen wird. Der kreißende Berg wird ein MäuSlein zur Welt bringen, denn was kann aus diesem Fortschritt anders werden, als ein Anhängsel der Kartellparteien, das von deren Gnade abhängig bleibt? Das waren die Herren Starke, Schreck und Genossen seither schon und in der Metamorphose wird es dabei bleiben. Zu begrüßen ist dabei, daß jetzt in Sachsen die Schei- dung der Geister sich endlich vollziehen wird, denn daß für wahrhaft freigesinnle Elemente kein Platz in der„nationalen" Fortschrittspartei fein kann, bedarf keiner Auseinandersetzung. Manchen Herren mag das unangenehm sein, denn unter den breiten Kartellschirm flüchtete sich gern die Unentschiedenhcit. Das wird nun nicht mehr angehen; von Rechts wie von Links wird gleich bestimmt verlangt, daß Farbe bekannt werde, ein Ausweichen ist nicht möglich. Lächeln kann man nur über die Ruhmrediakeit, der„nationale Fortschritt" werde von Sachsen aus sich über das Reich verbreiten; er wird bleiben, was die Herren Starke und Genossen seither waren, eine sächsische Spezialität und eine— Kartellfiliale. Schmede« und Norwegen. Christiania, 25. September. Die hiesigen„Demokraten" hatten den Versuch gemacht, auf Grund eines neuen Programms die sozialistischen Arbeiter zu sich hinüber zu ziehen, was ihnen aber schlecht bekommen ist. Eine sozialdemokratische Versamm- lung in Bergen nahm nämlich eine Resolution an, in welcher es beißt, daß die Sozialdemokratie keine Veranlassung finde, die Demokratie aus ihrer Ohnmacht zu befreien. Die armen „Demokraten" sind seitdem sehr niedergeschlagen und ent- muthigt. Holland. Rotterdam, 23. September. Unter den Arbeitern hat sich ein Komitee gebildet, das heute ein Rundschreiden an die Ar- beitgeber gerichtet hat. Außer der zum Theile schon erhaltenen Lohnerhöhung fordern sie, falls die Arbeit kürzer dauere als einen Vor- oder Nachmittag, eine Lohnberechnung von mindestens einem ganzen Vormittag, Nachmittag oder Nacht. Weiter verlangen sie für Sonntag doppelten Lohn. Die Ge- treidearbeiter fordern 10 c. per Last gelöscht und wenn sie auf einen Boden zu tragen ist, 15 c. per Last.„Wenn Donnerstag Morgen unsere Forderungen nicht bewilligt sind", so schließt das Rundschreiben,„wird kein Mann an die Arbeit gehen!" Fravkr-ich. Um der Arb ei t er fä n gerei der Herren B o u l a n g i st e n, die sich auf B l a n q u i beziehen— weil Herr Rochefort in seiner revolutionären Jugendzeit einmal mit diesem granitnen Charakter zu liebäugeln versucht hat— gründlich ein Ende zu machen, hat die Schwester Blanqui's an M i l l e r a n d, dem Redakteur der demokratischen„Voix", nachstehenden Bries geschrieben: „Mein Herr! Ich hoffe, daß Sie mich in Ihrem Blatt einige Zeilen als Antwort auf eine Proklamation, die gestern von dem„revolutionären Wahlkomitee" an die Wähler des 20. Arrondissements gerichtet wird, veröffentlichen lassen werden. Die Unterzeichner dieser Proklamation sagen, nach- dem sie den Bürger B a i l l a n t heftig ange- griffen haben, um gegen seine Kandidatur, für den HcrrnZV er g o i n(Boulangist) zu wirken:„WaS uns, die revolutionären Sozialisten das 20. Arrondissements angeht, so wollen wir keine Renegaten der Prinzipien Blanqui's sein."— Ich bin es dem Andenken meines BmderS schuldig, gegen diese Worte zu protestiren, denn keiner seiner politischen Glau- bensgenossen, wie begründet ihnen auch gegenseitige Meinungs- veischiedenheiten erscheinen mögen, hat das Recht, sich auf seine Auiorität und seinen Namen zu stützen zu Gunsten von Eifer- süchteleien und Spaltungen, die ihm stets den lebhaftesten Widerwillen eingeflößt haben, und die er dem Triumph unserer Prinzipien für ebenso verderblich hielt, wie der demokratischen Ehre. Sein opferoolleS Leben, das niemals einen Kompromiß zuließ, darf also nicht als Zeugniß der Solidarität betrachtet werden in den unheilvollen Verwickelungen der gegenwärtigen Ereignisse, welche die besten und ältesten Freunde von gestern in feindliche Brüder von heute und morgen verwandeln. Und nur mit tiefem Bedauern kann ich diese Spaltung, welche J Magen von beute auf morgen in einen gesunden umzuwandeln. � Die Furcht ist aber nicht nur ein unfreiwilliges, sie ist auch ein unerklärbarcs und unbezwingliches Gefühl. Vernunftgründe kommen dagegen nicht auf. Das beweist am besten die That- fache, daß bei gemissen, mit hochgradiger Furchtsamkeit behafteten Kindern es keineswegs drohende Gefahren oder sonst sckrcckcnS- volle Ereignisse sind, die ihnen Angst und Entsetzen einflößen. Ein Beispiel aus dem Leben: Ein kleines Mädchen war allabendlich von einem solchen Furcht- gefühl erfaßt, daß eS zu weinen begann, sich versteckte und noch andere Zeichen einer unbegreiflichen Angst gab.„Aber was hast Du denn, Kindchen?" fragte die Mutter,„warum fllichtest Du Dich?" Doch das kleine, verwirrte und unwissende Geschöpf blieb daraus die Antwort schuldig. Bis es eines Tages plötz- lich auf die Mutter zulief, das Gesicht in den Fallen ihres Kleides barg und die Worte hervorstammelte:„Mama, ich fürchte mich.,. vor der Nachtigall!" Furcht vor der Nachti- gall!"— giebt es ein charakteristischeres Beispiel grundloser Furcht? Ohne Zweifel hatte das Kind, als es ganz klein war, einmal von der Nachtigall sprechen gehört, die die ganze Nacht im finsteren Walde wach sei und sich mit melancholischen Liedern die Zeit vertreibe. Außer Stande, sich eine richtige Vorstellung von diesem, ihm»och ganz unbe- kannten Wesen zu machen, hatte es in demselben olle unbewußten SchrcckenSvorstellungen, welche sein Ge- hirnchen erfüllten, gewissermaßen person>fizirt. Weil das Kind noch so wenig kennt, läßt e« sich von Allem leicht er- schrecken. Die verschiedensten Dinge, derer, Namen es hört, ohne ihr Wesen kennen zu lernen, bevölkern seine stets lebhafte Phantasie, namentlich in trüber, stiller Dämmerstunde. Zwischen dem Unlergang der Sonne und dem Anzünden der Lampe ist eine günstige Zeit für die Entwickelung schattenhafter Phan- tomc. Und erst die finstere Nacht mit ihren Momenten der Schlaflosigkeit! Was machen sich da in der Stille für seltene Geräusche vernehmlich, deren Ursache sich oft dak Ohr emeS Erwachsenen nicht zu erklären vermag; da krachen Möbelstücke und Parquetten, Tritte verhallen in der Feme, Mäuse rascheln durchs Zimmer oder nagen an einem alten Schuh, von den Dächern dringt abscheuliches Katzengeheul herein, der Wind bläst durch den Rauchfang und wie Stöhnen klingts im Kamin, im oberen Stockwerk wird plötzlich eine Thür zugeschlagen.. und weiß der Himmel was noch. Zu diesen Schrecknissen mit realem Hintergrund ge- sellen sich noch diejenigen, die blas in der Einbildungskraft entstehen. Traumgestaltm, deren Wesenlosigkeit das Kind noch die Verzweiflung j-nes großen Bürgers fein würde, der nicht mehr ist, und diese Gehässigkeiten unter Männern konftatiren, die 20 Jahre lang treu auf dem Postm des Kampfes oe- standm, und von denen Vtele, wie der Bürger Varllant, für ihre unermüdlichen Anstrengunaen nichts geemtet haben, als die Verbannung, schmerzliches Ringen und Verleumdung. Ich habe den gestem Morgen im„Jntransigeant" veröffent- lichten Brief zu spät zu Geficht bekommen, um Ihnen noch am Abend diesen Protest zugehen zu lassen. Seien Sic, geehrter Herr, im Voraus meines Danks für die Aufnahme dieses Briefes in die„Voix" versichert. Mit Hochachtung Wittwe Antoine, geborene Blanqui. Paris, den 23. September 1889." Dieser Brief ist den Herren Boulangisten, nammtlich dem Marquis und Ex-Revolutionär, oder richtiger Ex Revolutions- sportSman Rochefort, natürlich sehr unangenehm. ES war aber hohe Zeit, daß dem Unfug, den„braven" Schwindelgeneral mit dem Heiligenschein Blanqui's zu versehen, von bemfenster Seite ein Ende gemacht wird. Suztolo Itclrer.sichk. Der Retchotags-Abgeordnete Kebrl«ersendet folgenden Anfraf an die Ardeiter im Käckergemerde. Es giebt wenig ArbeitSzweige, in welchm die beschäfligm Per- sonen durchschnittlich unter ungünstigeren Bedingungen leben und arbeiten als im Bäckergewerbe, das für viele Ur.temehmer so gewinnbringend ist. Eine unmenschlich?a~ge Arbeitszeit, auch auf die Sonntage ausgedehnt, oft schlechte Arbeitsräume, meist auch schlechte Wohn- und Schlafräume, mangelhafte Kost, geringen Lohn, Mangel an Reinlichkeit in Wohnung«- und Arbeitsstätten, LehrlingSwirthschaft k., das sind die hauvtsäch- lichsten Beschwerdepunkte, welche aus den Reihen der Arbeiter im Bäckergeweibe selbst laut werden. Um festzustellm, in welchem Umfange diese Klagen und Beschwerden gerechtfertigt sind, beabsichtigt der Unterzeichnete eine Untersuchung zu veranstalten, und giebt zu diesem Zwecke den folgenden Fragebogen aus, dessen gewissenhaft« Beanl- wortung im dnngendsten Interesse der Arbeiter selbst liege. Es ergeht daher an alle Jnteressenterz die Aufforderung, für die Verlheilung und Ausfüllung dieser Fragebogen Sora« zu tragen und dieselben bis spätestens Mitte Oktober diese» Jahres an den Unterzeichneten einsenden zu wollen. Fragebogen find in der'Redaktion der„Bäckerzeitunp", Berlin NO, Linien straße 7, bei dem Unterzeichneten und der Kretschmer, Hamburg, Schaumburgerstr. 12, zu erhalten. Dresden-Piauen, den 1. September 1889. A. Bebel, Hohestraße 22. Der Fragebogen hat folgenden Wortlaut: 1. Name de« Orts. 2. Name der Firma. 3. Wieviel beschäftigt dieselbe? -0 Gehilfen? b) Lehrlinge? 4. Giebt es unter den Gehilfen der Werkstätte solche, die verheirathet sind? Wie viele? Und haben diese Kinder un!» wie viele? 5. Wie lange währt die tägliche Arbeitszeit, und wann beginnt und wann endigt dieselbe? a) für Gehilfen? 1>) für Lehrlinge? 6. Haben die Gehilfen oder Lehrlinge außer den eigentlichen Berufsarbeiten auch noch andere Aibnten zu verrichten und welche? 7. Ist die Dauer dieser Arbeiten in der angegebenen Zeit mit einbegriffen? 3. Wenn nicht, wie lange währen die Extraarbeiten? 9. Sind für die gewöhn- lichen Arbeiten des Berufes Ueberstunden vorhanden? Wie viele?(Hier empfiehlt sich die Angabe der Ueberarbeiten bei Fcstzeiten, Märkten u. drgl. mit Angabe, wie viel Tage im Jahr). 10. Ist Sonntagsarbeit vorhanden und wie lange währt diese? 11. Wie ist das Logis und die Schlasstälte be» schaffen?(Wir bitien hier um genaue Beschreibung der Lo- kalität— ob Stube, Kammer 7C.— und der Betten, und um Angabe, wie viel Personen in dem beschriebenen Räume wohnen und schlafen.— Es empfiehlt sich, die Angabe der Lage der Schlafstätte, ob Keller, oder unterm Dach, oder über dan Ofen, sowie die Angabe der Höhe, Länge, Breite derselben nach Metern, und wie viel Personen in einem Bett schlafen.) 12. Wie ist die Kost beschaffen? insbesondere. ist das ArbeitSpeisonal verpflichtet, alt gewordene Backwaareir sogar als Mittagessen zu genießen und wie oft kommt dieses vor? 13. Ist für Wäsche und Reinlichkeit genügend gesorgt? 14. Wie hoch stellt sich der wöchentliche Lohn: a) für einen ersten Gehilsen? t>) für einen zweiten Geh-lfen? c) für einen dritten Gehilfen? 3) für einen vierten Gehilfen?«-) für einen fünften Gehilfen? 15. Erhalten die Lehrlinge neben Kost und LoaiS noch Geldenttchädigung und wie viel? 16. Wie viel volle Ruhetage(24stündige Pausen) giebt es im Jahr? 17. An welchen Kiankh-iten erkranken hauptsächlich an Ihrem Wohnort die Gehilfen JbreS Berufes?(Genaue Angaben auf Grund eines Krankenkassen- Abschlnsses find stets erwünschi.) 18. Wie viel Meister sind am Orte? 19. Wie viel Gehilfen nicht zu begreifen vermag, werden von ihm für Wirklichkeit sse- halten und suchen es dann auch noch im machen Zustande heim. So scheint sich alles zu verschwören, um Verwirrung zu stiften in einer Seele, die noch kein Gegengewicht im Gleichgewicht hält. Denn dieses Gegengewicht ist nur zu finden in d>r physischen Kraft, in durch die Erfahrung gereiftem Urthiift in der Festigkeit des Nervensystems. Und gerade dies« Dinge fehlen den armen Kleinen, die vertheidigungslas allen Chimären einer überregen Phantasie preisgegeben. sind. Die Behandlung derartiger krankhaften Zu- stände muß zweifacher Art sein: sie muß auf den Körper, wie auf den Geist zu wirken trachten. Körperliche Kräftigung be- seitigt sehr oft kranlhafte Anlagen des Nervensystems. Doch ist es ebenso wichtig, in dem Maße, als die VerstandcSkiäsie des Kindes sich entwickeln, seine UrtbeilSfähigkeit zu vei bessern. Man muß ihm das Falsche, Nichtige, Uebertriebene seiner Furcht- Vorstellungen zum Verständniß zu bringen suchen Doch ge- schehe dies stets mit Vorsicht und namentlich mit Wohlwollen, niemals mit Spott oder rauher Strenge. Verwerflich im höchsten Grade aber ist es und die Entrüstung jedes Menschen- freundes herausfordernd, wenn man sieht, wie dumme. brutale Leute sich über die Furchtsamkeit von Kindern in roher Weise lustig machen, dieselbe zum Gegenstände ihrer Amüsements machen, indem sie sie absichtlich in Angst und Schrecken versetzen. Traurige Geschichten erzählen uns darüber die Irrenärzte. Nervöse Krisen, Konvulsionen, mituntir dauernde geistige Gestörtheit treten als Folgen solcher absebeu- lichen Späße ein. Weniger strafbar, aber nicht minder tadelns- werth ist eS, wenn thörichte Leute— und es giebt deren nur zu viele— vermeinen, sich des FurchtqefühleS als eines Er- zichungsmittels zu bedienen. Man hüte sich, Kinder dadurch „brav" machen zu wollen, daß man ihnen mit dem Wolf, t>«r Rothkäppchens Großmutter fraß, droht, oder mit dem KrampuS, mit dem Rauchfangkehrer und wie sie sonst all« heißen, die Spukgestalten, welche die Phantasie alter We dm zu ersinnen vermag. Einschüchterungen solcher Art sollen das letzte aller anzuwendenden Erziehungsmittel sein, wenn sie über» Haupt je anzuwenden sind. Sie schließen eine doppelte Gefahr in sich, weil sie auf'einer Lllge basirt sind. Entwever dos K-ua nimmt die Lüge für baare Münze, dann wird es kieinmüthig und abergläubisch, oder es schenkt den Vorspiegelungen keinen Glauben, dann bleibt ihm sllr das Leben die gewiß nicht förderliche Erinneiung daran, daß Vater und Mutter, oder wer sonst seine jungen Jahre zu überwachen hatte, nicht davor zurückschreckten, sich mit einer Lüge zu beflecken. «nbrittn am Orte? 20. Wie viel Gehillen halten siZi arbeitS» loa dort auf? 21. Wie viel Lehrlinge sind am Orte? 22. Be- sondere Bemerkungen: Unterschrist des Einsenders,(die nicht veröffentlicht wird). VerfmmnUmgsn. fit„gJHHJjen der Kerlwrr Kansprlrulatio» lautete hema, über welches in der Montag Abend in Gottschalk'S Lokal, Badstr. 22, aboehaltene Versammlung des„Vereins zur Wahrung der Interessen der Miether deS Nordens Berlins" diskutirte. Der Referent des Abends, Herr Grothmann, geißelte aufz Schärfste das Verfahren gewissenloser Spekulanten, die durch das Emporschranben der Verkaufspreise rapide Mieths- steigerungen der betreffenden Grundstücke hervorriefen. Als Beleg für die unberechtigte und ungesunde Steigerung des Grundbesitzes führte Herr G. an, daß das bekannte Vcrgnügungs- lokal Wermann's Volksgarten auf dem Gesundbrunnen vor Kurzem von einem Bankier für 1 800 000 M. gekauft worden, der das Grundstück nach 14 Tagen mit 200000 M.Nutzen veräußert habe. Noch frappanter sei der Verkauf eines 172 Ruthen großen Grundstückes in der Bcunnenstraße. welches von einem Bau- meister mit 870 M. per Ruthe erstanden, nach 18 Stunden mit 1000 M, per Ruthe weiter verkauft worden sei. Ein Grundstück in der Schönhauser Allee(das sogenannte Jäger- haus), welches erst in mehreren Jahren bebaut werden kann, kaufte ein Unternehmer hier für 120 000 M. und mit 30 000 Mark Aufschlag ging das Grundstück in wer Wochen in andere Hände über. Der große Maurerstreik habe nur wenig Einfluß auf Steigerung der MiethSpreise gehabt, bewies der Redner und erbrachte dafür einen statistischen Nachweis, daß in den Jahren 1885— 8S, obwohl fast gar keine Streiks von Äe- deutung gewesen, die Miethen in Berlin um etwa 25 pCt. ge. stiegen seien. Auch jetzt zum Oktober mache sich eine bedeutende MielhS sttigerung geltend, trotzdem weit mehr leere Wohnungen jetzt vorhanden feien, als in den Vorjahren. Mrt der Auf- fordcrung. dahin zu wirken, daß die Miether gegen ungerecht- fertigte MiethSpreiSsteigerungen der HauSwirlhe gemeinsam Front machen sollien, schließt nach zweistündiger Dauer die Versammlung der Miether deS Norden Verlins. UikevavlMes. Der Zeltgeist. Monatsheft für das soziale Leben b«r Gegenwart. Redaktion H. Müllerstein, Hamburg, lbbv. 2. Heft. Preis 50 Pf. Verlag von E. Jensen u. Äo* Hamburg, Raboisen 87. Inhalt. Die Bezieher des geistigen Arbeitslohnes. � Eigenlhum und Kapital.— Gesetz, betr. die JnvaliditätS- und Altersversicherung.— Die deutschen Gesellen- und Arb-iip- vcrbindungen.— Zur Fcauenfrage.— Die ArbeitSnoih'st du Ursache der Armuib.— Wir arbeiten um zn leben.— Selbst ist der Mann.— Die Harmonie zwischen Arbeiter und Unter- nehmerlhum.— Der Einfluß des Erwerbs auf die Charakter- bildung des Menschen.— Erinnerungen an Paris.— Die Hausindustrie.— Arbeiterschutz.— Die Genußsucht.— Der internationale Arbeiter-Kongreß.».— Zur Geschichte der Acr- kürzung der Arbeitszeit in Amerika.— Wacht auf!— Wast Robert Jngersoll sagt.— Aus dem amerikanischen Zimmerorgan „The carpenter".— Hamburger Landgericht. Theater. Donnerstag, den 26. September.. Gperuha«». Der fliegende Holländer. KchaNspItlha«». Romeo und Julia. ZveAtscht, Theater. Das Glas Wasser. Lefstav-Vheattr. Der schwarze Schleier. frtthri* WUhtlmstiidttscht» Vtzeatt». Der Mikado. Dvabwer-eheater. Der rechte Schlüssel. Stanley m Atrcka. stead-Sheater. Vom Golde verführt. - Theater. Der Zauberlehr- ling. MSmgstSdtUihts Theater.„'Ne feine Familie." Ie»tral-Theater. Leichtes Blut. Adetvtz Grnst-Theater. Flotte Weiber. PleftNew-Theater. Fernande. Gedr. Richter'» Dariete. Spezialitäten- Vorstellung. Kelchshalle«» Theater. Gr. Spezialitäten- Vorstellung. Kerlwer Theater. Donnerstag, 26. September: Demetrius. Freitag, 27. September: 4. AbonnemenlS-Vorst.: eacr'-trs und feine Frau.— Riiter Bloudart.— Der zündende Funke.— Ja der Kinderstube Sonnabend, 28. September: Die wilde Jagd. Erklärung. Zu dem Bericht der öffentlichen Tapezirer- Versammlung in Nr. 223 des„Berliner Volks- blatt" gestatte ich mir folgende Ergänzung: 1) Der Vorsitzende(Rendant der Tapezirer- OrtSkrankcnkasse) kann schwerlich ein Arbeiter- blatt richtig beurthcilen; seine geistige Nahrung zieht derselbe bisher nur aus der„Berliner Zeitung" und„Gartenlaube". 2) Unter den regen die„Topezircr-Zeitung" Stimmenden waren gerade 9 Leser derselben vertreten bei 438 Berliner Abonnenten. 3) Der Herr Abgeordnete Grillenberger hat die„Tapeziier-Zeitung" nur als„reich ausgestattetes" Fachblati bezeichnet; doch glaubte ich mich berechtigt, dies auch auf die sozialpolitischen Themata zu beziehen. 4) Da sich die„Tapezirer-Zeitung" einen 3mal größeren Leserkreis erworben als wie bei der Begründung angenommen wurde, so erkläre ich, daß ich mich freue, wenn ein Kollege, dem 2 Zeitungen zu viel, die„Berliner VolkS-Tribüne" statt der „Tapezirer-Zeitung" hält. 5) Die Berliner Ar- beiter bitte ich, die Berichte über Tapezirerver- sammlungen entweder auf ihren wahren Werth zu prüfen oder eine Zeitlang ganz zu übergehen. 1654 R. Sander. S Kkch Wiche piMimling am Donnerstag» den 26. d.. Abends 8 Uhr, in Wodpich'& Sa9cin< Spreestraße Ar. 8. TAGES- ORDNIINGi l. Das allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahl� recht. Rcf.: Th Glocke. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. llen Linbenufei». S-zillldtstilskr. Wlihlsttreill s. i>. 5. Berl. RcichstaMchlW. Ifepsapnmlunq M Freitag, den 27. D., MS. 8 Uhr, im Lokale Minizjb. 11 lob. Saal). Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt StaSthaqen über„Ausnahmegesetze". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekastcn. flöÄ Zahlreichen Besuch erwartet Ger Vorstand. Circus ßuscit- Frtedrich-Karl-Nfer. Heute, Donnerstag, den 26. September, Abends 7j Uhr: Große brillante Vorstellung. Maria Dori Jockey. 23 Hengste vorgeführt vom Direktor. Fcaut, engl. Vl llblut, geritten von Fe. Direktor Busch. Fahrfchul- Muuövee. Austreten der Gebrüder TKeo am RoiaNoneapparat. Auftreten der KlownS W, Olschaneky, Tonti Bcdini, James Gnion k. jc. Fr«. Wargerithe als Parfoicereiterin. Ticher- kesscn-Vvlttge von Fräulein Henriette. Trou-. badour, geritten von Herrn Esperi. Villetvve- verkauf im Jnvalrdendank, Markgrafenstraße, u. Cigmrenhanvlung von Martienzen, Alexander-, straße 71(beim Stadtbahnhof). Die Tageskasse> ist v. 10 Uhr an ununterbrochen geöffnet. 1660 Morgen FreUair: Grosse Vorstellung Möbel» Spiegel«nb Polsterwaaren, reelle Waare, solide Preise. Ganze Ausstattungen in Mahagoni».Nußbaum. Küchenmöbel in großer Auswahl empfiehlt Franz Tutzauer,[1364 Köpntckerstrasse 24, nahe der Köpnicker Brücke. Eine Partie fehlerhafte Freie Uereinig. d Uergolder tu Fachgen. Freitag, den 27. Sept., Abends 8'/, Uh--, in Sciietter's Salon, Jnselstraße 10: tßM" Mitglieder-Versammlung. HKF Tages-Ordnung: 1. Gewerkschaftliches. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. fl6!>9 Gäste find willkommen. Ger Vorstand. (1359 ' Teppiche!' � in S'offgrösse ä 5, 6, 8 und 10 Mark. 9 in Sa onarösse ü 12. 15, 20—50 Mk. llöe VepNsmmkung d. Freien Vereinigung d. Maurer Berl. u. Umg, ecllhr» Dmcrßig, dc» kli. U., im Weldiiz-Pnk, Rttnßr. 178, stattfinden sollte, lkaNtt 11 i kß t llttttstlldrll» da der Wirth sein Lokal zurückgezogen hat. st656I» Ger Vorstand. Amerivan-Theater. 1365 Dresden erste. 55. Täglich Vorstellung. �M�Passase 1«». 9 M.- 10 A. iKM. Kaässr-ranoram«. In diese- Woche: Z. x»stxn M.: Oberital. Städte. Neu! IV. Cycl.: Pariser Wcll-AuSstellung Im Ausstcllw"'Svark ui. CytiuS der Pariser Wett-AuSstcNung. K>nt Reife 20 Pf., Kmd nur 10 Pf. Wann. S»ecken 1 M. in S'offgrösse a 5, 6, 8 und 10 Mark. in Sa ongrösse ü 12, 15. 20—50 Mk. Werth das Doppelte! Wf-> 10, 13, 15-40 Mark. 500 Muster ste'S vorräthig ü-il Lsfevre, )erlru S., Orautcnstrasse 158. Jlluftrirte Musterbücher franko. Möbel- u. N olsterwaaren empf. zu billigen Preisen bei guter reeller Arbeit Pöbelt 85, I. MonteuffSfer. 85, I. Kein Laden. 1614 Gr» Roesok, Komöopatd. Krzt für Brust-, Unterleibs-, Geschlechts-, Frauenkrank- heit Artillerieftr. 27, 8-10, 5-7 Uhr. Frsussische Lottern Ziehung 1. Klaffe 1. und 2. Ottober er. Originale in all<« Abschnitten vorräthig. A n t K e i I e i Vs_ V» Vm 1 Vi. 55. 27 V'. t-t-v». 11?. 5'/.. SV,. 2-/4.. 1'/.. Ktassenweise derselbe Betrag zu zahlen. V«4 '/«. 1'/,. 1.00. U.75. Amtliche Gewlnnltsteu(alle 4 Kl.) 1 Mk. Oseur Lräuer k Co., Kaustgeschaft, Berlin W», Leipziger str. 103. [1560 F. Gragert, Kerli« ü, Iionskirch- platz 3. logajiit fiir Sm- md KWeiieimiAllW«. Reichhaltiges Lager von Solinger Stahl- waaren, Kupfer- und Mesfingwaaren, emarl- lirte Kochgeschirre, Holzwaaren, sowie Küchen- möbel, als: Küchenschränke, Küchen- rähme mit Kästen in verschiedenen Größen und Forme», Kcheuerschränke, Gimerschräuke etc., Hürsten- und Kottchrrmaaren. Masch- und Mring- maschinen, Krotlchneidemalch., Mester- pukmaschinen, Ftaschenkorkmaschine«, zum häuslichen Gebrauch, Fteischhackma- schine«, Kartenprrsseu. Reichste Ausmahl. Siiligste Preise. �(msldrcli-l'lat? 13. Hofizwaapein en gros u* en detail. 1599 Mövel und Polstermaaren eigener Fabrik, auch auf Theilzahlung Rosentkaler» Strasse 64, I. sizg? fttllß. Mit von 1 Mark an empfiehlt die Glücks- tollekte vou 1558 I Koppenstrasse 66. Asse Jimmerteute, «elche»och Sarnmel-I-isten itt Hönde» habe», werden«« foforiiae Einsendung ersucht von ,1658 R. jackel, Blumenstraße 19. Große öffentttchr llerlammlung sämmil. Jimmeklmtk Mttim u. Umgegeiul nSrrittg, ü 27.1., MS.8'l-W, in Kmßiii's Saint, Mz.tnftr.7S. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme der Zimmerer Berlins und Umgegend zu dem Beschlüsse der Arbeitgeber, oom 1. Oktober an wieder wstündige Arbeitszeit und 50 Ptg. Stundenlohn em zufuhren. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Behufs Deckung der Unkosten findet Teller- fammlung statt. iws?! I. A.: JSokel. Kettfederu u. Daunen rein und staubfrei in jeder Preishfihe. Große Auswahl fertiger Betten bis zu den besten Sorten. Pertige Betten und BezOge bei Julius Hopp, 1. Geschäft: Krnnnenstrahe 133, 2. Geschäft: Dionskirchptah 0. Pferdebahn nach allen Richtungen. 1267 Soeben erschien Der wahre Jarob Hr. 83. Zu beziehen durch die Expeditton, Zimmer« straße 44. Die WllMt sowie der Allgem. Metall-rbetter Srankenkassr bei I-orenz, Maiiteuffelftr. 4t, befindet fich während des Umbaues im Hniterhaufe fitnt- ■"i1 i IHäIkmI Lmel v. PolsterwaaroBj i�vilfSPi Gr' Lag<:r' m- lireiaei R-lillL?öi| Emsl Heyn, . Brunnenstr. 28, Hof Arstritsmarkt. Tüchtige Farbigmachcr für Leisten finden dauernde und lohnende Beschäftigung Köpnicker- straße 109-. 1661 Ein auf oerttöpfte und spitze Rahmen einge- übler Tischler findet dauernde und lohnende Beschäfiigung Köpnickerstrossc lOS-. 1662 Auf sofort einige tilobtige Klempner für Akkordarbeit bei gutem Verdienst u. dauern- der Beschäfiigung gesucht. Reise wird vergäret. Ahlemann A Schletter, Lampen fabrtk., Hemelingen b. Bremen. Tüchtige und zuverlässige Metalldreher werden verl. Neuenburgerstr. 24. 1634 Geübte Kartonarbeiterinnr» verlangt Anders, Rillerstraße 123. 1644' Verantwortlicher Redakteur: K.«eonhet» in Berlin,»ruck und Berlag von»Ns» Kadi», w»erliu SVf„ Beuldstraße 2.«tmnn eine«ctUee. Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. S25. Donnerstag, den 26. Keptember 18*9. 6. Iahrg Die geplante NerdSserW des Krankenkassen- Asg man snner Zkit die hochgelobte.Soziolrefonn" von �oen h>!rad in Szene sedte, und zunächst die deutschen Arbeiter »«t dem neuen Krankenkessengesctz beglückte, da halte man wahrscheinlich den schlauen Hintergedanken, mit Hilfe der er- 'wiverenden Bestimmungen dieses Ges>tz.'S den sich immer mehr »uSdreitenden freien Hilfskassen das Leben recht herzliib sauer, vde? wenn irgend möglich, diesen den herrschenden Klassen sehr unbequemen Arbeiterverbänden überhaupt den GarauS zu machen. Man halte infolge bissen eine Menge Bestimmungen in Bezug die Leistungen der Kassen, den in kürzester Frist auszubringenden Reservefonds zc. in das neue Gesetz hinein- pebracht, auf Grund deren man hoffte, die Mitglieder der freien vllfskassen, infolge der jetzt nothwendigerweiie wesentlich er« hebten Beiträge, zur Gemeindekrankenverficherung, zu den Fa- �nk-, OrlS- und JnnungSkrankenkassen rc. herüberzuziehen. wesentliches Lockmittel in dieser Beziehung war °uch die Bestimmung, dast man bei den Zwangskassen Unternehmer verpflichtete, ein Drittel der Beiträge zu ar iahten und für die An- und Abmeldung ihrer Arbeiter �jprge zu tragen, während bei den freien Hilsskassen die Mit Wicöcr_ den vollen Beitrag selbst bezahlen und sie auch für regelmäßige Entrichtung desselben und ordnungsmäßige Am und Abmeldung zur Wahrung ihrer Rechte selbst auskommen wussen. Wenn man aber damit geglaubt hatte, den freien Hilfs- "ssfen daS Lebenslicht ausblasen zu können, so hatte man eben iilchl mit dem Ehr- und SolidariiätSgefühl der organisirtcn d'utschen Aibeiter gerechnet. Dieselben überwanden, wenn mich häusiz mit dem Aufgebot aller verfügbaren Kräfte und -Nittel, die gegen ihre Kassen aufgethürmten Hindernisse und Schwierigkeiten mit Eleganz und sie sind heute vam größten Tyeile in ihrem Mitglieoerbeftande nicht nur nicht geschwächt, sondern stehen groß und geachtet da, sie haben den 'bnen vorgeschriebenen Reseroefond aufgebraucht und gewähren K'genwärtig ihren Mitgliedern bei niedrigen Beiträgen meist dedeutend größere Leistungen, als die gesammien Zwang skassen, welche letztere für ihren großen und sehr kostspieligen BecwaltungSapparat einen unverhälinißmäßig großen Theil der Miigliederbeiträae verbrauchen, weshalb bei den weiften Ortskrankenkassen in letzter Zeit die Beiträge ganz bedeutend erhöht werden mußten, um die Leistungsfähig- keit der Kassen überhaupt noch aufrecht zu erhalten, während dri d r Gemeindekronkenversicherung sehr bedeutende Zuschüsse »us dem Kommunesäckel fortlaufend beansprucht wurden. Verschwiegen soll übrigens hierbei nicht werden, daß allere ' ings m den letzten Jahren die freien Hilfekassen, in Bezug Jwf die Zunchme der versicherungspflichtigen Arbeiter, ihren Wuhnen Prozentantheil nicht aufrech l erhallen haben, sondern >h ilweise diesbezüglich»urückgegangen sind. Aus dem Jahre *888 liegen die abschli.ßenden Ziffern für das deutsche Reich noch nicht vor, aber auch schon die Statistik für die Jahre 1885—1887 spricht deutlich genug. Während zu Ende k'es Jahres 1885 von insgelammt 4 291173 versicherten Ar brttn-n(uneingerechnet die Miiglieder der Knapps»aftskassen) 73> 722 oder 17,02 pCt. eingeschriebenen HilfSkassen ange- dö.ten, lauteten die entlvrechenden Ziffern für den Schluß des Jahres 1886: 4 570087 versicherte Arbeiter, davon 731 943 ober nur 16,2 pCt. bei den eingeschrieben eii Hilfs k»ssen. Und am Schluß des Jahres 1887 war die Zahl aller bei Krankenkassen Versicherten(stets ohne die Knappschafiskassen) auf 4,842,226 gestiegen und die Zahl der bei den eingeschriebenen HilfSkassen Versicheiten auf 727,127 oder nur noch 15,02 Prozent gefallen. Em Ausfall von reich- ich 3000 bei über 700,000 zielbewußten Mitgliedern in drei Jahren will nnn aber unserer Meinung nach nicht viel be beuten, und muß man hierbei auch beiücksichttgen, daß dieser Rückgang wohl größtenthcilS zurückzuführen ist auf die erbörai- >'ch- wirthschafiliche Lage eines großen Theils der deutschen Aibeiter und vor Allein auf ihre Abhängigkeit von den Unter- �chmern, welche sie zwingt, gegen ihre bessere Ueberzeugung sich den FabrikS-, Bau-, Innung«- und Ortskrankenkassen zc. anzuschließen, einfach um deS lieben Brodes willen, weil sie tonst entlassen und auf die Landstraße geworfen werden. Daß es leider infolge mangelnder Belehrung und Aufk Lrung auch »och Hunterttausenbe nicht denkender, indifferenter Arbeiter ei- dt. welche sich übe, Haupt um Nichts kümmern, sondern sich willenlos von den Unternehmern gängeln lassrn, kommt hierbei «uch noch in Betracht. Im Ganzen aber steht die Sache doch fo, daß der geplante VernichtungSfeldzug gegen die freien Hilsskassen bisher ziemlich resultatloS verlaufen ist, und daher darf man sich auch nicht wundern, wenn man jetzt über neue Maßregeln �gegen diese verhaßten Organisationen brütet und die nächste ÄerchStagSsession wird, nach der öffent- l'chen Ankündigung deS Direktors im Reichsamt des Innern, Dr. Bosse, uns höchst wahrscheinlich eine Novelle zum Kranken- sicherungSgesetze bkscheeren, bei welcher recht erbauliche„93er- desserungen- für die freien Hilfskassen herausspringen düiften. Statt daß man vernünftigerweise dem Arbeiter un- bedingt die freie Wahl lassen sollte, wo er sich gegen Krank- heit verfichem will, möchte man ihn am liebsten p»- ordre du nioufti in die Zwangsjacke stecken und zu diesem Behufe die fielen Kossen ganz beseitigen, sei es nun durch direktes Verbot oder dm ch allerlei Mittclchen, welche denselben die Lebensfähigkeit abschneiden. Das Unverschämteste in dieser Beziehung hat kürzlich d,e Handelskammer in Holle a. S. geleistet, welche mit folgen- den Wo tcn ganz direkt für völlige Unterdrückung der freien Hilfskassen plädrrt:„Sechr schlecht fügen sich in den Rahmen der Klontenkosscn die bevorzugten freien Hilfskassen ein, weshalb deren Beseitigung, nachdem die Leistungen der Krankenkassen glieder der freien Hilfskassen, im Gegensatze zu denen der Zwangskassen, vermöge ihrer ausschließlichen Beitragspflicht sogar für die Kosten der innerhalb der dreizehnwöchentlichen Karenzzeit zur Erledigung kommenden Unfälle allein aufkommen müssen? Diesen großen Opfern gegenüber könnte man doch wohl vernünftigerweise den freien Kassen die kleine„Bevo-zugung" gönnen, daß bei ihnen im Gegensatz zu den Zwangskaffen kein absoluter Aulnahmezwang besteht, londern daß cS ibnen bis jetzt noch gestaltet ist, eine bestimmte Altersgrenze festzusetzen und auch sonst die Aufnahmefähigkeit an einige beschränkende Bestimmungen zu knüpfen, ohne deren Fortbestehen allerdings die Leistungsfähigkeit, wenn nicht überhaupt das Bestehen der freien Hilsskassen wahrscheinlich in Frage gestellt sein würde. Daß die segensreiche Wirksamkeit der freien Kassen nicht bloS von den Arbeitern, sondern auch von denkenden Leuten aus den anderen Klassen anerkannt wird, geht unter anderm daraus heivor, daß der katheder- sozialistische Professor Schmoller in seinem neuesten Jahrbuche„denselben ein böhereS Maß von Schulung und Erziehung der Aibeiter beimaß" und außerdem bemerkte:„Man habe es stets freudig begrüßt, daß unsere Gesetzgebung die freien Hilsskassen neben den für die Masse der niedriger stehenden Arb.iter durchaus nothwendigen Zwangskaffen hat fortbestehen lassen-. Ein solches Unheil sollte, wenn wir eben in dieser Beziehung mit denkenden vorurtheils- freien Mensckien zu rechnen hätten, um so mehr Beachtung finden, als thätsächlich die freien Kassen bisher bedeutend mehr geleistet haben, als die Zwangskassen, was sogar der Herr Staatssekretär des Innern im Januar v I. indirekt aner- kennen mußte, indem er innerhalb weniger Tage seine Anficht über die Leistungen der ficien und der Zwangskassen sehr er- heblrch änderte, was allerdings nicht verhindern wrrd, daß er wahrscheinlich auf Kommando von oben herab in der nächsten Reichs tagssesfion Wiederaus einem ganz anderen Loche pfeift. Fassen wir nun das Gesagte zusammen, so ergiebt sich Stichhaltige Gründe für eine Beseitigung der fieien Kassen giebt es nrchl; ebensowenia Gründe dafür, sie durch eine Ver- desserung dcS KrankenversicherungSgesetzeS leiftungSunfähiger zu machen, oder sie dadurch zu vernichten, daß man zwar alle die„Schatten" der Zwangskassen auf sie überträgt, ihnen abir keine Spur von deren„Licht- zuwendet. Dagegen sprechen wohl tausend Gründe dafür, sie leben S- und leiftungS- sähig zu erhallen. Wenn man nur einfach bedenken wollte, was die freien Hilfskassen seit der Zeit ihres Bestehens schon geleistet haben, welchen Segen sie verbreitet und wie viel >ic zur Organisation und zu einem vernünftigen Zusammen- hall der deutschen Arbeiter beigetragen haben, dann würde man jedenfalls von den geplanten reaktionären Maßngeln Abstand nehmen. Aber leider— solche Argumente haben bei unfern Kernigen Machtbabern und ebenso bei der jetzigen Kartellmajorität des deutschen Reichstages verdammt wenig Gewicht. Man wird im Gegentheil bei solchen Maßnahmen immer wieder unwillsürlich an das geflügelte Wort des konservativen Herrn Wagencr von Dummerwitz erinnert:„Meine Parteigenossen sind entweder Ochsen von Geburt oder Ochsen aus Prinzip!" in den nächsten Tagen in den Sälen em Unikum von einer Festveranstaltung richt lasen. Es soll der Philharmonie eil________________ stattfinden. Hierbei sollen 2000 arme Kinder gewissermaßen ein lebendes Bild darstellen. Die Veranstaltung geschreht zum Besten der Ferienkolonien und die 2000 Kinder sollen sich den verehrten Gönnern und Wohsthätcrn dankend vorstellen, denn sie haben in diesem Sommer bereits die Wohltbat der Ferien- kolonien an ihren Leibern erfahren. Ihre rosigen Wangen, ihre leuchtenden Augen sollen der verehrungswürdigen Ver- sammlung von dem neugewonnenen Glück der Kleinen erzäh- len, vulleicht auch wird man sich an der gestärkten Lungenkrast der Kinderschaar ergötzen, wenn sie zu dem programmgemäß festgesetzten Orgelklang ein frommes Dankeslied anstimmt. Wenn nun die Wangen einzelner kränklicher Ferienkolonistcn wiederum erbleicht sind, wird man sie nicht aus der Zahl der Rosigen ausscheiden müssen, um Rührung und Vergnügen der entreczahlenden Wohlthäter nicht zu beeinträchtigen? Das Bc- ginnen durch Vorführung lebendiger Kindermassen anspornend aus den Wohlthätigkeitesinn zu wirken, mag löblich sein, uns aber würde eine innere Scham davon abhalten,.den: Parade- schauspiel im Konzertsaal beizuwohnen. Die„Freif. 31®.- hat die Stirn, zu schreiben:„Bei keiner Abstimmung über das Sozialistengesetz kann der Nach- weis geführt werden, daß bei der Anwesenheit sämmtücher fiei- sinnigen Abgeordneten und deren Abstimmung gegen das Gesetz das Ergebniß der Abstimmung ein anderes gewesen sein würde." Das ist ebenso— wahrheilSgemäß, wie etwa die Behauptung, Herr Eugen Richter habe nicht für die Maigesetze gestimmt. Hätten am 10. Mai 1884 die Abkommandirtcn und die 27 für die Verlängerung Stimmenden aus der freisinnigen Parti i gegen die Verlängerung gestimmt, so wäre das Gesetz beseitigt gewesen. Das AbstimmungSverhältmß war 189(Ja), 157 (Nein); hätten die 27 mit Nein gestimmt, so wäre das Ver- hältniß 184(Gegen), 162(Für) gewesen. Wäre nicht eine Abstimmung aller Freisinnigen gegen das Gesetz mit dem Falle desselben gleichbedeutend gewesen, so hätte die Adkommandirung ja gar nicht stattgefunden. rolurler«. Zum moderne« Mostlthätlgkritsschmtudel. In Kleinstädten hört man oft die Aeußerung fallen, daß in den Großstädten Einer an dem Anderen kalt und unbarmherzig vorüberhusche und daß man im Drang der Geschäfte in der Großstadt für die Roth seines Nächsten nichts übrig habe, als die Antwort, welche jener Reisende in Amsterdam auf seine unverstandenen Fragen erhielt:„Kanitverstan Die Anschauung ist ein kleinstädtisches Vorurtheil oder eine falsch er- faßte Beobachtung. Im Allgemeinen begegnet man in der Großstadt einem reicheren Verständniß für die>Noth seines Rachbarn, wenn sie sich erst enthüllt hat, und einer größeren Energie der Hilfshereitschaft. Für Berlin wenigstens ist die Mildlhätigkeit als hervorstechender Charakterzug der Bevölke- rung von LebenSkundigen aus alter Zeit schon anerkannt worden. In den köstlichen, treferfaßten Schilderungen des Berliner Lebens, wie es der kranke, an sein Zimmer gebannte E. T. A. Hoffmann von seinem Eckfenster an der Ecke der Tauben- und Charlotlenstraße erschaute, in der Sammlung„Des Vetters Eckfenster" erzählt der.Dichter:„Ein blinder Landwehrmann bietet mir jeden Markttag einen Schatz von Bemerkungen dar.-(Damals wurden nämlich auf dem GenSdarmenmarkte vor des Dichters Wohnung noch offene Märkte abgehalten.) Man gewahrt, wie sich bei diesem armen Menschen die Mildlhätigkeit der Berliner recht lebhaft aus- spricht. Oft ziehen ganze Reihen bei ihm vorüber und Keiner daraus verfehlt, ihm nn Almosen zu geben. Eben kommen drei, vier, fünf statlüche, derbe HauSmägde; die übermäßig voll gepackien Körbe schneiden ihnen beinahe die nervigten, blau aufgelaufenen Arme wund und doch weilt jede einen Augen- blick, greift schnell in den Marktkorb und drückt dem Bünden ein Stück Geld, ohne ihn einmal anzusehen in die Hand. Die Ausgabe steht als nothwendig und unerläßlich auf dem Etat des Markttages. Im Gegensatz hierzu schildert der Erzähler eine behäbige Frau, die lange in ihrem Geldbeutel herum- stöbert, bis sie endlich den zu verschenkenden Dreier herbei- geschafft, damit dem Blinden.auf die Hand klopft, daß er ja merke, nun werde er etwas empfangen.- Wie hier von der Mrld« thätigkeit des alten Berliner und den verschiedenen Formen, in denen sie sich äußert, gesprochen wird, so hat es sich auch im neuen Berlin erhalten. In den mannigfachsten Arten ist die private Wohlthätigkeit her bereit, zu helfen, wo immer ihr zum Be- wußtsein gelangt, daß die Hilfe nothwnidig sei. Freilich wird Krleuchtrt die Treppe«! Mit Rücksicht auf die mit der jetzigen Jahreszeit eintretende Abnahme des Tageslichtes hat das Polrzeipräsidium die Reviere angewiesen, die ord- nungsmäßige Beleuchtung derTnppen und Flure der in ihrem Bereich belegenen Grundstücke sorgfältig zu kontroliren und in jedem Falle, wo ungenügende Beleuchtung festgestellt wird, Anzeige zu erstalten. Die Kontrole soll eine möglichst eingehende sein und sich nicht nur auf daS Vorderhaus und das untere Stockwerk, sondern auf sämmtliche Gebäude der Grundstücke und auf sämmtlicke Stockwerke erstrecken. Es muff dringend davor gewarnt werden, Mieths» vertrüge über Räume in neu erbauten oder umgebauten Häusern für eine Zeit abzuschließen, zu welcher die von der Zustellung des Robbau-Abnahmescheines ablausende Frist von sechs Mo- naten für die Gebrauchs-Abnahme-Prüfung noch nicht ver- strichen ist. Die Polizeiorgone dulden vor Ablauf dieser Frist das Beziehen der fraglichen Räume nicht, und nach den gesetz- lichcn Bestimmungen können sie es auch nicht dulden. Die Polizeireviere werden nach wie vor auf Anfragen aus dem Publikum über den voraussichtlichen Termin der Beziehbarkeit von Wobnungen in neuen bezw. umgebauten Häusern bereit- willsgtt Auskunft ertheilen. Abermals die Schwindsucht. Auch die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte beschäftigte sich vorgestern mit diesem Thema. Zu einer eingehenden Erörterung der Frage nach der Entstehung und Verbreitung der Schwindsucht hatten sich die pathologischen Anatomen, die inneren Kliniker und die Hygieniker zu einer Sitzung vereinigt. Prof. Heller (Kiel) berichtete zunächst über zwei Krankheitsfälle, welche von Neuem die Thatsache, die man bis vor kurzem für unmöglich gehalten hat, daß Mikroorganismen, auch die Tuberkelbazillen, durch die unverletzte Schleimhaut aller Organe in das Innere der Gewebe eindringen und den ganzen Körper alsdann infiziren können, bestätigen. Prof. Bollinger(München) theilte die Er« gebnisse seiner Versuche über den Einfluß der Verdünnung auf die Wirksamkeit der Milch tuberkulöser Kühe mit. Die Perl- sucht der Rinder ist sehr verbreitet, sie findet sich zu5— 12pCt. unter dem Viehstand. Die Giftigkeit der Kuhmilch steht genau im Verhältniß zur Ausbildung der Krankheit. 55 pCt. der perl« süchtigen Kühe liefern eine tuberkulöse Milch. Bollinger hat nun Milch von gesundem Euter perlsüchtigcr Kühe in verschie- denem Grade verdünnt, so daß ein Theil Milch auf 20, 30, 50, 100 und mehr Theile Wasser! kam, und diese Milch Kaninchen und Meerschweinchen eingeimpft. Die tuberkulöse Milch ulor ihre Giftigkeit einmal in einer Verdünnung auf Zwanzig, ..n ander Mal auf Fünfzig, ein drittes Mal auf Zweihunden zc. Diese Verschiedenheit der Wirkung verschiedener Verdünnungen muß abhängen von der Ausbreitung der Erkrankung bei den Thicren, von denen die Milch entnommen war. Noch weit gisliger als die tuberkulöse Milch zeigten sich die Tuberkelbazillcn in erner Verdünnung von 1 auf 100000, welche jedes Thier tödtete. Man hat danach ausgerechnet, daß 820 Bazillen, einem Thiere beigebracht, genügen, um es an Tuberkulose sterben zu lassen. Der Mensch wird aller Wahrscheinlichkeit nach wohl gröbere Mengen in seinem Körper unschädlich zu machen ver- möfjen. Aus den Versuchen Bollinger'S ergiebt sich äugen- schernlich die Nothwendigkeit einer staatlichen Ueberwachung des Milchhandels; sie machen ferner den von vielen Müttern ge- heizten Wahn zu nichte, daß es für den Säugling das Beste wäre, ihm stets Milch von einer und derselben Kuy zu geben. Denn war diese unglücklicher Weise perlsüchtig, so ist die Infektionsgefahr weit größer, als wenn das Kmd die söge- nannte Sammelmilch, d. h. die durch Zusammengießen der Milch von verschiedenen Kühen gemacht wird, genossen hätte. Denn die letztere enthält das tuberkulöse Gift in weit größerer Verdünnung, als die Milch einer einzigen Kuh. An diese Vorträge schloß sich in der Sekt __ 1_ v_ wi. nrn r y perlsüchtigen —.v fc«lirb■ I V"!«-.wiyu-tnuiB|CU tfteurai wrro i RUY. AN viele Vorträge schloß sich in der Sektion eine lehr «höht sind, als wunschenswath vezerryner � fi« gegen dasUebermaß der unaeschauten Roth, wie sie sich nun ein- lebhafte Diskussion, in der die Maßregeln zur Verhulung der Ale Argument für em Verbot der peien v i mal in unseren gesammten gesellschaftlichen Konstellation anhäuft, Schwindsucht in demselben Sinne angerathen wurden, wre sie »an den Gegnern i'rstlbei�� ttftwjimi�irnmer me�onrurtcn}| I.... l.�.«-----~—~- Vtu*» vv»,......__________ angeführt, welche sie den Zwangskassen machen, und ferner be- hemptet man, die fieien Kossen seien gegenüber den Zwangs» kaffen„bevorzugt-, oder, wie sich der Staatssekretär im Reich«- amte de« Innern, Herr von Böttichcr, auszudrücken beliebte: «£>cht und Schalten seien zwischen diesen und jenen Kassen ungleich oenheilt, natürlich zu Ungunsten der Zwangskassen-. Jeder Vorurthellsfreie wird doch aber auf Grund der vorlie- »enden Thatfachen wohl zugeben müssen, daß jedenfalls keine „Bevorzugung- oder kein Ueberschuß an„Licht" für die freien Kossen dann vorliegt, daß die Mitglieder derselben die Bei- vöge vollständig selbst ausbringen müssen, während bei den Zvangskassen nn Drittheil de« Bedarfs von den Unternehmern bezahlt werden muß, ebenso wenig liegt eine„Bevorzugung" m«er Thatsache, baß man mr Rahmen de« Unfall-, Alters- und Jnvallditäts-Verficherungsgesetzes nur den Zwangs- kass.-« eine Mitwirkung zugesichert hat, während die Mitglieder der freirn Kcssen oller dieser Rechte ermavgelr. Oder will »an vulleicht eine„Bevorzugung- dorm«blicken dafAdie Mit- stet« nur ein winziges Heilmittel bilden.stlmsomehrlsollten dieMohl- thäter bedacht sein, nicht wie die behäbige Frau in HoffmannS Erzählungeu erst dem Bedürftigen auf die Hand zu klopfen, damit er ja merke, ihm werde wohlgethan. Am wenigsten dann, wenn es sich darum handelt, Kindern wohlzuthun. Die Kinder der Armuth find scharfäugige Beobachter der Schwächen der Großen und wer je gezwungen war, in seiner Kindheit Wohl- thaten zu empfangen, der wud zugeben müssen, wie bitter und zähe die Erinnerung an kleinen, taktlosen Zügen au« dieser Zeit festklebt. Wenn Bezirksverein, Kegel- und Skatverbände etwa zur Weihnachtszeit m mehr oder minder prahlerischem Zurschautraaen ihrer Wohllhätigteit sündigen, so mag das noch hingehen. Die Leute brauchen ein feierliches Brimborium und dies wieder beschränkt sich auf engere Kreise. Aber man sollte sich hüten, mit dieser Art von Wohlthätigkeit die Aufmerksam- keit einer weiten Oeffentlichkeit zu erregen. Sine Empfindung tiefen Mißbehagens erfaßte uns, als wir folgende ohne �.den Kommentar von den Blättern wiedergegebene Nach- bereits unlängst auf dem Kongreß des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege in Straßburg festgestellt worden sind. Es ist das traurige Geschick der Schwindsüchtigen, zu ihrem schweren physischen Leiden noch die Seelenqual hinnehmen zu müssen, daß sie für jeden Nächsten eine Quelle des Ver- derbens sind; unser Mitleid mit den armen Unglücklichen wird dadurch noch wesentlich erhöht, aber wenn sich uns die Aus- ficht öffnet, die Zahl der Opfer jener entsetzlichen Krankheit auch nur um einen kleinenBruchtherl(der bei der hohen Sterb- lichkeitSziffer der Schwindsucht doch absolut eine sehr große Menschcnzahl ergeben würde) vermindern zu können, so wird es für uns Menschenpflicht, die Quelle der Gefahr zu ver« stopfen, jeden Schwindsüchtigen auf Schritt und Tritt zu vcr- folgen, ihn selbst, wenn nöthrg, von der Gesellschaft abzuschließen. ES wird die Lage der Armen sehr erleichtern, wenn sie selbst die Bestrebungen der Hygiene unterstützen, wenn sie unbefohlen die zum Schutz ihrer Mitmenschen nölhigen Maßnahmen aus- führen. Der oberste Satz der modernen Hygiene heißt:„Mit eurem Auswurf in den Spucknapf!" Mag Manckem solche Erörterung nicht ästhetisch scheinen, sie ist eine Lebensfrage für die Menschheit. Kranddirrktor Stüde hatte gestern die Vertreter aller hiesige» Bühnen nach dem Houvtdepot in der Lindenstraße ge- laden um ihnen einige praktische Einrichtunpen vorzuführen, die zur Erhöhung der Fruersidherheit in bin Theatern dienen sollen und der allgemeinen einheitlichen Einführung werih er- scheinen. Sämmtliche Bühnen haben derEinladung bereitwilligst Folge gegeben. Die erste Vorführung betraf die in den kömg- Iichen Theatern bereits in der neuen Form eingeführten Decken zur Umhüllung von brennenden Personen. Schon seit Jahren sind die hiesigen Bühnen angemiesen. Decken speziell für diesen Zweck bereit zu halten. Man hat zumeist schwere wollene Decken für diesen Zweck gewählt und diese zwischen der ersten und zweiten Koulisse niegergelegt. Es liegt auf der Hand, daß das Niederlegen nicht ganz zweckentsprechend ist. Im Falle der Gefahr muß der bei den Decken postirte Posten sich erst bücken, wohl gar auch umdrehen, verliert dabei die brennende Person aus dem Äuge und wird, wie die Er- fahrung belehrt hat, sie nur selten erreichen können. Gerade in derartigen Fällen aber ist schnelle Hilfe unbedingt geboten. Brabtdirektor Stüde hatte daher folgende, bereits in Bremen bewährte Einrichtung auch für die hiesigen königlichen Bühnen eingeführt. Er nimmt an Stelle der schweren wolle- nen Decke zwei Quadratmeter kurzhaarigen, möglichst dicht ge- webten Stoff, wie er für Herren kleider üblich ist. Dieser Stoff wird gerollt und zwar in der Art, daß das ganze Stück zu- nächst im Knick gelegt und dann von der Bruchstelle nach außen zu gerollt wird. Diese Art des Rollens bietet den Vortheil, daß bas Stück mit einem einzigen Ruck völlig ausgebreitet werden kann. Dieser Stoff, der durch einen einfachen sofort und un- fehlbar löslichen Knopfriemen zusammengehalten wird, wird wie ein Soldatenmantel von dem betreffenden Posten ständig gelragen. Im Augenblick der Gefahr kann der Posten sofort auf die brennende Person zueilen, und indem er unter- wegS die Decke von der Schulter reißt und löst, schleunigste Htlfe bringen, ehe die Gefährdete in den Koulissen verschwunden ist. Zum Beweis der Vortnfflichkeit der Einrichtung wurden mit Spähnen behängte Strohpuppen angezündet. Als sie in voller Gluth standen, ging ein mit der Decke ausgerüsteter Feuermann vor und vermochte in weniaen Sekunden die Flammen vollständig zu ersticken, wobei die Decke selbst keinerlei Brandschaden erlitt. Die anwesenden Bühnenvertreter einigten sich sofort dahin, auf ihre Kosten durch die Verwaltung der Feuerwehr eivhdlich derartige Decken beschaffen zu lasten.— Die zweite Probe wurde angestellt mit den vom Porträt- maier Tepper erfundenen Dekorationen aus unverbrennbarem Stoffe. Die Probe verlief überaus befriedigend. Seine Dcko- ration, die minutenlang einem Scheiterhaufenfcuer ausgesetzt wurde, erwies sich als absolut unverbrenvbar. Dagegen mochten sich theatei technische Bedenken geltend. Der Stoff ist annähernd 5 Mal so theuer wie gewöhnliche Leinwand(er kostet 2,75 M. pro Quadratmeter), außerdem ist er fast doppelt so schwer und läßt sich nicht transparent machen. Immerhin wurde anerkannt, daß der neue Stoff für Vorsatzstücke und an besonders ge- fährdeten Stellen mit bestem Erfolg verwendbar fein dürfte. Endlich empfahl Branddirektor Stüde noch eine kleine Einrich- tung, die auch schon in den königlichen Theatern eingeführt ist. Die Jeuerwachen haben sich in den Theatern häufig darüber zu beklagen, daß die Feuerlöschgeräthschaften von dem Personal zu allen möglichen Zwecken benutzt werden, und im Falle der Gefahr nicht zur Stelle sind. Die anwesenden Ver- treter einigten sich auf Vorschlag des Branddirektors Stüde dahin, dem Vorgange der königlichen Theater folgend, folgende einheitliche Bekanntmachuna in den betreffenden Räumen an- bringen zu lasten:„Die Feuerlöschgeräthschaften und Wasser- leitungen für Feuerlöschzwecke dürfen in keiner Weise mit an- deren Gegenständen versetzt oder belegt werden, damit dieselben federzeit zu sofortigem Gebrauche hereit stehen. Zu- widerHandlungen werden streng bestraft. Die Direktion." Man schied allseitig befriedigt von dem Verlauf der Veranstaltung, mit der ein nachahmungSwerther Weg gemeinsamer Verständigung gewonnen ist. Die Herstellung der Dreßkohle«, wie solche als Heiz- und Brennmaterial in den Äerlrner Haushaltungen verwendet werden, ist eine, für die dabei beschäftiaten Arbeiter ziemlich gesährliche Thäligkeit und die wenigsten Berliner denken viel- lercht daran, wenn sie zu Hause am gewärmten Ofen sitzen, daß sie diese behagliche Wärme nur einer mit vielen Gefahren ver- dundenen Be'chästi�ung zahlreicher Arbeiter verdanken. Als vor einigen Wochen einige Fälle von Selbstentzündung lagern- der Preßkohlen in Berlin bekannt wurden, that man ganz er- staunt ob rieser neuesten Entdeckung einer so gefährlichen Be- schaffenheit unsere« gebräuchlichsten Brennmaterials in der HauS- Haltung. Thatsächlrch sind diese Fälle von Selbstentzündung denn auch sehr selten und harmlos gegenüber den gefahrlichen Erplosionen, welche bei der Preßkohlensabrikation oft genug Menschenleben fordern und schreckliche Unglücksfälle herbei- führen. Die Herstellung der Briquettes oder Preßkohlen erfolgt in der Art, daß dre zerbröckelten Stücke gewonnener Braun- kohlen mit brennbaren Fetten, Etdölcn und dergleichen gemischt unb dann in eine Form gepreßt werden, in der sie bei uns in den Handel und in Gebrauch kommen. Bei dieser Arbeit ent- steht ein dichter Kohlenstaub und es ist aus den Unglücksfällen in Bergwerken genügend bekannt, wie leicht dieser Staub sich entzündet und welche verheerenden Wirkungen eine solche Explosion dann herbeiführt. Besonders hävsig entstehen die Entzündungen in den Arbeitsräumen und während der Arbeit und wenn hier auch, infolge der beschränkten und leicht ge- bauten Räumlichkeiten diele Explosionen nicht gerade mit un- mittelbarer Lebensgefahr für die anwesenden Arbeiter verbunden zu sein pflegen, fo kommen doch recht oft gefährliche Ver- brennungen vor, welche dauernde Schäden an der Gesundkeit der Verunglückten im Gefolge haben. Einen großen Theil der Schuld an solchen betrübenden Unglücksfällen tragen erweislich die Kleidungsstücke der Arbeiter, welche meist vom Staub und Fett der Arbeit gesättigt, bei einer plötzlichen Selbstentzündung des Kohlenstaubes Feuer fangen und dann nicht rasch genug vom Körper abgezogen werden können. Die in der Provinz Sachsen belegenen Briquelfabriken, welche auch unsere Haupt- stadt größlentheilS mit FeuerungSmaterial für den Hausgebrauch versorgen, haben nunmehr einen Untersuchungsausschuß für die Staubexplosionen eingesetzt. Dieser Ausschuß veröffentlicht nach eingehender Berathung der Angelegenheit ein Preisausschreiben, wonach es darauf an'ommt, einen Kleiderstoff herzustellen, welcher sich zur Herstellung von Arbeiterkleidern eignet, derart, daß die Kleider bei ununterbrochener Benutzung mög- lichst unver brennbar, dabei aber haltbar sind, Oel und Kohlenstaub schwer aufnehmen, das Ausklopfen und Aus» waschen vertragen, ohne die zuerst erwähnten Eigenschaften zu verlieren, zugleich aber möglichst leicht sind und die Be- wegungssähigkeit der Arbeiter nicht behindern. Die Kosten eines solchen Anzuges sollen die Kosten eines jetzt üblichen, so- genannten Normalarbeitsanzuges nicht erheblich übersteigen. Für die Vorlegung eines aus Jacke und Beinkleid bestehenden ÄnzuaeS, welcher obige Bedingungen erfüllt, ist ein Preis von 500 M. von dem Ausschuß ausgesetzt. Ein weiterer Preis von 200 M. soll für die Vorlegung eines aus Jacke, Beinkleid, Kapuze und Handschuhen bestehenden LöschanzugeS gewährt werden, welcher von den Arbeitern nur dann getragen werden soll, wenn sie mit dem Löschen eines in einem mit Kohlenstaub gefüllten Räume ausgebrochenen Feuers beschäftigt find. Der Anzug soll die Arbeiter für den Fall einer während der Losch- arbeiten etwa vorkommenden Explosion unbedingt vor Ver- brennung schützen. Die Enlscheröung über die eingesendeten Anzüge soll bis zum 1. April k. I. erfolgen.— Es ist em- leuchtend, daß die Lösung der Aufgabe nicht allem auf dem Gebiete des Bekleidungshandwerks liegt; Chemiker und Techniker können sich um die Lösung verdient machen. Es wäre gewiß ein hübsches Bild von der Wechselwirkung menschlicher Arbeits- kraft, wenn Chemiker. Techniker und Schneider, welche ihre Wohnungen mit den von dem Büguetarbeiter bereiteten Kohlen beizen lassen, die Gefahr, n der Arbeit beseitigen oder mildern. die diesen Arbeiter beständig umgeben. Dorstcht gegen AuvKnuftsburraus. Wie die Tages- blätter m.tlheilen, schwebt zur Zeit wieder eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Inhaber eines Berliner Auskunfts- bureaus. Em in der Reichshauptstadt wohnhafier und im öffentlichen Leben stehender Herr wollte eine Dame in der Provinz, die Tochter einer angesehenen Familie heirarben. Die Angehörigen zogen indiffen zuvor bei jenem AuSkunftsbureau über den Freier Erkundigungen ein, die aber sehr schlecht aus- fielen. Die„verbürgte Auskunft" lautete nämlich dahin, so schreibt die„Sozial-Correspondenz", daß der Heiratbskandidat eine sehr zweideutige Vergangenheit habe und von einer Ehe- schließung entschieden abzurathen sei. Trotzdem erfolgte die Heiraih. Noch derselben setzte die junge Frau ihren Gatten von jener Mittheilung des Berliner Auskunfisbureaus in Kennt- niß. Dabei stellte es sich heraus, daß jene belastenden Aus- sagen der Berliner Auskunflsstelle vollständig aus der Luft gegriffen waren. Der mit Recht empörte Ehemann übergab ie Sache dem Gerichte, wobei es sich noch obendrein zeigte, daß der Inhaber des ÄuSkunftSbureauS schon einmal wegen des gleichen„Versehens" bestraft worden war. Leider stehen die Klagen des Publikums über die Unzuoerlässigkeit bezw. auch Gewissenlosigkeit der Inhaber von Auskunftsbureaus nicht mehr vereinzelt da. Erst vor kurzem wurde in Berlin ein ge- wisser Klapperstück wegen verschiedener Betrügereien ver- hastet. K. war Inhaber eines Auskunfts-, Einkasfirungk- und PrivatdetekiivbureauS. Bei seiner Verhaftung wurde festgestellt, daß K. bereits wegen Betrugs, Fälschung, Unterschlagung und so weiter vorbestraft war. Also eine Persönlichkeit mit solcher Vergangenheit hatte eine Anmaßung besessen, alle gewünschte Auskunft über die Kreditfähigkeit und Reellität angesehener Berliner Firmen er- theilen zu wollen. In einer großen westdeutschen Stadt be- stand früher längere Zeit unter dem Namen„SekuritaS" ein geschäftlrches AuSkunftsbureau, das sich auch mit der Einziehung von Forderungen befaßte. Das Institut erfreute sich eines ge- wissen Ansehens, bis eines Tages der Besitzer spurlos verschwand und alle für fremde Rechnung einkaffirten Gelder mitgehen hieß. In verschiedenen Städten Deutschlands hielten bis vor wenig Jahren ehemalige bankerotte und gerichtlich bestrafte Kauflcute Auskunflskureaus, die sie wohl noch jetzt inne haben dürften. Einige dieser Individuen zwangen in der ausdringlichsten Weife ihre Abonnementskarlen behufs AuSkunfiSertheilung den Geschäftsleuten auf. Dabei kam es wiederholt vor, daß über die fragwürdigsten Firmen, nur weil sie einige Dutzend JnformationS-Abonnements erstanden hatten, die beste Auskunft ertheilt wurde, während anderseits über Geschästshäuser, welche sich geweigert hatten, Abonnenten deZ gedachten ÄuSkunftSbureauS zu werden, mit jeder Aufklärung absichtlich zurückgehalten wurde, um den Auf- tragenden in den Glauben zu versetzen, das betreffende Ge« fchäftShouS sei nicht empfehlenswerth. In England, Oesterreich- Ungarn und anderen Staatenlsivd ja wiederholt von Mitgliedern der sogen, schwarzen Bande durch deren Helfershelfer eigens zu dem Zwecke ÄuSkunftSbureauS gegründet worden, um den auS- wärtigen Kreditgeber über dieMutellosigkeit derKäufer zu täuschen. Natürlich verfehlte der Inhaber nicht, die glänzendsten Jvforma- tionen über seineSpießgescllen zu ertheilen. Der deutsche Fahnkant sandte, dadurch sicher gemacht, seine schönen Waaren, welche die Schwindler, die nie daran dachten, einen Pfennig zu be- zahlen, sofort für jeden Preis an den Mann Krachten. Der Schaden, welcher durch eine einseitige oder mangelhafte oder gor böswillige Auskunft hervorgerufen wird, ist ein sehr be- Irächllicher. Es ist mehr als einmal vorgekommen, daß über die reellsten und strebsamsten Geschäftsleute und Handwerker, nur weil sie wenig bemittelt waren, eine mangelhafte, aber im Allgemeinen ungünstige Auskunft ertheilt wurde. Die Folge davon war, daß den Betreffenden der Kredit entzogen wurde und ihr Bankerott unausbleiblich war, während es ihnen bei längerem Kredit und bei ihrem Fleiße sehr wohl möglich gewesen wäre, sich nach und nach die entsprechenden Kapitalien zu erwerben. In kleinen Plätzen spielen häufig auch Konkurrenzrücksichten eine nicht zu unterschätzende Rolle. In kleineren Städten ist der Vertrauensmann größerer Au»- kunftsbureauS durchweg selbst Gewerbtreibender oder Kaufmann und wird bei einer eventuellen Auskunft über seinen Nachbar und Konkurrenten selten mit voller Unbefangenheit berichten. In den kaufmännischen und gewerblichen Körperschaften ist ja schon oft und bitter über die Unzuverläisigkeit der heutigen geschäftlichen AuSkunfiSertheilung geklagt worden, zur Abhilfe ist freilich bislang noch nichts geschehen. Für den Exporthandel sind die deutschen Konsuln im Auslande wohl berufen, noch mehr als bisher die AuSkunftSertheilung zu übernehmen; was im Reiche selbst zu geschehen hat, darüber zu berathen und zu beschließen, wäre Sache der Handels- und Gewerbekammern. Hoffen wir, daß eine Reform nicht mehr lange auf sich warten läßt. Das Verfchjuinds« des hiesigen Rechtsanwalts Munickre machte vor einigen Jahren nicht geringes Aufsehen. Jetzt findet sich in der„Voss. Ztg." in Bezug hierauf folgendes merkwürdige„Eingefaubt":„Durch jähr elange, schwere Sorgen und übermäßig angestrengte Geistesarbeit aufgerieben, voran- laßte mich der völlige Zusammenbruch aller meiner physischen und geistigen Kräfte, Berlin im März 1886 plötzlich zu ver- lassen. Seitdem habe ick in Amerika unousgesrtzt an schwerer Geisteskrankheit und hochgradigem Siechthum Jahre arbeitsunfähig darnieder gelegen. Seit einigen Monaten auf dem Wege der Besserung, benutze ich meine erste Kraft, um sofort nach Deutschland zurückzukehren und mich daselbst auf die unbegründete Denunziation meiner Gläubiger vor dem Richter zu verantworten und gleichzeitig über die von mir vor brei Jahren gethanen Schritte auSsührliche Rechenschaft zu geben. Ich habe bis zu einer völlig beispiellosen Zerrüttung cller merner körperlichen und geistigen Kräfte gethan, woS ich konnte. Falls mcin geschwächter Organismus nach Wieder- erlangung einer völligen Gemüthsruhe durch sorgsame Pflege seitens meiner Familie noch einmal gesunden sollte, stelle ich meinen Gläubigern bis an mein Lebensende meine Arbe tskraft zur Verfügung, das Einzige, was ick noch habe, nachdem die feiner Zeit von mir mitgenommenen Baarmittel, soweit sie nicht retournirt sind, durch mein fortgesetztes Kranksein verbraucht sinb. Marlin Glümcke, vormaliger Rechtsanwalt beim Landgericht I Berlin." Die beide« Transporteure de« russische« Cornet« Sauine, die Kriminalschutzleute Winkler und Seewald, sind in die uniformiite Schutzmannschaft versetzt worden. Sie sind der zweiten Hauptmannschaft überwiesen, welche Winkler dem 12. Polizeirevier, Seewald dem 13. Polizeirevier zuge- theilt hat. Hier finden sie nun Ver. endung im Straßen- Sicherheitsdienst. Das hiesige Polizeipräsidium hat übrigens eine Belohnung von 500 M. auf die Wiederergreifung Savine's ausgesetzt. Die hiesige Polizei vermuthet, daß es dem Savine gelungen ist, nach Oesterreich zu entkommen. Beim Sprung aus dem Wagen ist Sawine gefallen und hat eine! leickte Verletzung im Gesicht davongetragen, die aber möglicher Weise bereits vernarbt ist. Seine Kleidung dürfte er mit einem Arbeiter-Anzuge vertauscht, den röthliche» Backen- und Schnurrbart abgeschnitten und daü Haupthaar schwarz gefärbt haben. DaS gegenwärtige Aussehen des Sawine entspricht nicht mehr seiner im Besitz des Polizei- Präsidiums befindlichen Photographie. Während der Unter- suchungthaft rst er infolge von Ernährungsstörungen abge- magert, sein früher volles Gesicht ist schmal und die Hautfarbe gelb geworden. Die Möglichkeit, baß er in einem Krankenhaus Aufnahme gesunden bat, ist nicht ausgeschlossen. Dor dem Gebrauch der Karbon- ziniro«-Vefe« warnt der Polizeipräsident, indcm er folgende Bekanntmachung erläßt: „Unter der Bezeichnung Karbon-Natron-Oefen find in dm letzten Jahren Heizeinrichtungen an den Markt gebracht unö mit dem Hinweis darauf rmvsohlen worden, daß diese ben obne Erzeugung von Rauch und Geruch Wärme liefern und dar.ee für Räume ohne Schornsteinanlage»u verwenden seien. Sofern es sich um Wohnräume handele, würden die Oefen mit einer überall ldcht anzubringenden AbzugSvorrichtung behufs Abfuhrung etwa sich entwickelnder schädlicher Gase zu versehen sein- Während dcS Verstoss. nen WmterS sind dessen ungeachtet m hiesiger Stadt ein, in Wiesbaden zwei Fälle von Kohlenoxyd- Vergiftung infolge Aufstellung sener Karbon-Natron-Oefen b«r- beigcsüdrt worden; durck einschlägige Prüfungen im hiesigen 1 ygienischm Institut ist festpeskllt worden, daß der gedachte Oten als eine äußrrst gefährliche, unter Umsiänden todtbringendc H-izvorrichtung tu bezeichnen ist. Diele Thatsochen bringe'Ä hierduich zur öffentlichen Kenntniß und warne dos Pvblikunr vor der Verwendung der Karbon-Natron-Oefen zur Beheizung von aeschlossenen Räumen, welche zum dauernden AufenlhaU für Menschen dienen, insbesondere von Schlafzimmern.", Der Instschiffer Zerour ertrunken. Wie aus Revat gemeldet wird, ist der Luslschiffer Lcroux bei seinem Herab stu'Z mittelst Fallschirms ins Mecr getrieben und ertrunken. Leroux, ein Amerikaner, hat sich in Deutschland zuerst in Berlin nM feinem Fallschirm prodvzirt. Unsere Militärs widmeten de« Versuche de« kühnen Amerikaners große Aufmerksamkeit; drm ersten Herabsturz Leroux' mittelst Fallschirms wohnte der C?c' des GeneralftabeS und alle hier anwesenden höheren Genre- osfiziere bei. Leroux vverirte folgendermaßen. Er nahm, währen» der Ballon in die Lüste stieg, auf dem Gondelkorb Platz, dru Ring deS Fallschirmes in der Hand haltend. Ersterer war am obeien Ende des Ballons mit einer durch einen Rock lös- baren Schraube angebracht. War der Ballon nun etwa 600 bis 800 Meter hoch gestiegen, so löste Leroux den Schirm v»« Ballon ab; durch eine D-ehung gelang das leicht. Der Schi nr fiel anfangs sehr schnell, dann aber blähte er sich auf, derWinl> setzte sich darunter. Leroux hatte nun ganz gewaltige Schrvm- gungen zu machen, damit ber Schirm nicht umklappte, sich niw! nach der einen Richtung hinwandte. Hier in Berlin gelanacn alle Experimente Leroux' ganz ausgezeichnet; er kam jedesmal unversehrt zur Erde. Run, ,n Revvl hat ihn das Geschick er-� eilt, das flüher oder später fast alle Luftschiffer getroffen hat: sie sind alle in ihrem Beruf verunglückt. Leroux stand elwa in der Mitte der dreißiger Jahre; bei seinen tollkühnen Vcr- suchen zeigte er eine geradezu unheimliche Ruhe; nur nne Furcht hatte er: er fürchtete, oaß er mit seinem Fallschirm einst in das Wasser getrieben werden und ertrinken könnte. W>e die Nachricht aus Rcval beweist, war seine Furcht leider nicht unbegründet. Doiizeibrricht. Am 24. d. M. Morgens zerschnitt ein Schneidermeister in seiner Wohnung in der Fennstraße, in einem Anfall von Schwermuth sich mittelst eines Taschenmessers die Pulsadern und verstarb trotz ärztlicher Hilfe einige Slun- den darauf an Verblutung.— Vormittags stürzte in der Spielhag.n'schen Stearinkerzenfabrik, Nostizstr. 30, der Arbeiter Sabmann infolge eines Bruches des Drahtzugseils mit dem Fahrstuhl etwa 12 Meter tief hinab und erlitt außer einem Bruch des Nasenbeins, anscheinend schwere innere Verletzungen, so daß er noch der Charitee gebracht werden mußte.— Mitlov« ficl der Arbeiter Enkelmann auf dem Neubau Beusselstr. 65 aus dem 3. Stock von einer Rüstung herab. Er mußte, inner- lich schwer verletzt, nach dem Kronkenhause in Moabit gebrarbt werden.— Im Laufe des Tages fanden an vier vcr- schredcnen Orten kleinere Brände statt, welche von der Feuer- wehr gelöscht wurden. Tshesrfov. Kcrlinrr Theater. CoriolannS. Trauersoiel in 5 Akten von Shakespeare. Das„Berliner Theater" brachte als erste Novität der Saison Shakespeare's„Cono- lamrS", eine Tragödie, die trotz der ungleichen Berthe, lang von Licht und Schatten, in welcher sich der Dichter gefällt, eine seiner bedeutendsten Römeitragöbien ist und unser Interesse, zugleich aber auch unseren Widerspruch von der ersten bis zur letztcn Szene rege erhält. Coriolanus ist eine echt tragische Gestalt. Denn immer und überall ist der Kampf eines Einzelnen gegen eine Welt, sei eS von Individuen oder von VorurlHeilen, tragisch, gleichviel ob dieser Einzelne im Rechte ist ober nicht. Es kommt nur darauf an, ob er sich selbst getreu ist, ob er vermöge seiner Eigenart so und nicht anders handeln muß und dadurch selbst das Schicksal über sich herausbeschwört, das ihn zermalmt. Denn nicht als etwas Zufälliges, das ebenso gut sich in sein Gegenihal verkehren könnte, darf uns das Thun des tragischen Helden und sein Geschick erscheinen, sondern als ein Un- abwendbares, ein Fatum, dem er nicht entrinnen kann, weil ,s keinen Ursprung in ihm selbst hat. Und darum wächst Co, iolar, drssen maßloser Stolz und Menschenverachtung ihn sonst»>6 nichts Besseres erscheinen ließen, als einen jener kurzsichtigen, beschränken Aristokraten, die eS im grauen Ailerlhum so gr t gegeben wie heut, durch seine Treue gegen sich selbst, durch sein zähes Festhalten an dein, was ihm als recht und wahr gilt, weit über die überwiegend große Mehrzahl feiner Gesinnung�- und Standesgenossen hinaus zu einem tragischen Helden heran, dessen Schicksal wir beklagen, so gerecht es ihn auch trifft. Und dies, obfchon Shakespeare, der sonst seine eigenen Wege zu gehen pflegt, hier dem Beispiel seiner Mitbrüder in Apoll gefolgt ist und in dem Bestreben alle« Licht auf seinen Helden zu konzentriren. Schatten über Schatten auf die unglnck- listen Plebejer und ihre Vertreter, die Volkstribunen häuft. Wie blöde, feig und uriheilslos erscheint dieser römische Plebs, wie klein, wie engherzig und nur von niedrigen, persönliche« Motiven beherrscht die Tribunen. Und wir können der Regie den Vorwurf nicht ersparen, daß sie gethan hat, was in ihre« Kräften staub, um diesen Eindruck roch zu vertiefen; daß sie alles ausgemerzt hat,-was von edleren Reaungen, von allge» meinen Gesichtspunkten, von politischer Einsicht in diese Menge, in den Tribunen noch lebte und geflissentlich jene Züge her- vorhob und betonte, welche schon in der Zeichnung des Dich- ters das Volk als einen abstoßenden Haufen elender Feiglinge, als Gesindel kennzeichnen. Und es ist ein schwerwiegender Fehler, zumal in unserer Zeit, in der Zeit des aufstrebenden des kämpfenden Proletariats bas Zerrbild des Dichters noch inS Ungeheuerliche zu steigern. Wer ist denn thatfächlich im Rechte in der Geschichte so- wohl als in der Tragödie? Etwa Coriolan, der das Korn, doS der Senat in Sizilien aufgekauft, in den Zeiten der Theue- rung dem Volke, das er verachtet und dem er miß- traut, nur gegen Verzicht auf dessen tribunarische Gewalt überlassen will? Ist es nicht vielmehr das Volk, welches sich fein schwer erkämpftes Recht nicht nehmen lassen will und den übermächtigen und übermüthigen Kriegshelden, der die Vcr- fassung stürzen will, behandelt, wie er es verdient— als Ver- räther? Im Nckiigen zeigte die Regie sich auch diesmal wieder den schwierigen Anforderungen gewachsen, welche die In- szenirung des„Koriolan" an sie stellt. Die Volksszenen wuroen ungemein lebendig dargestellt und gespielt, ebenso die Kampfes' szenen des zweiterr Aktes, zumal der Ausfall der Volsker au« den Thoren AntiumS. I �'rr 5)rn4 spielte den Kanolan. Ich Halle den Künstler »«m Iltzlen Male vor etwa 5 Jahren im Itaditheater zu Wiirz- vnrg ge!ehen und die vortheilbaflc Veränderung die settdem Mit M lwrgegangen, überraschte mich sehr. Er ist gereist. Er ist ein- IMW, schlichter geworden, sein Pathos hat an Innerlichkeit gewon- ennnert auf Momente an Barnay, von dem er viel gelernt hat. «lleichings den Adel der Eisckeinung, die kraftvolle Anmuth jungen, die wir an Vornan bewundern, hat Drach �cht.zrers und dessen bei jedem kleinsten Anlaß wild hervor- vrechende Leidenschaftlichkeit gleich wirkungsvoll zum Ausdruck. . Da die Rolle sich von Ansang an in Superlativen bewegt, IÜJ/ Sr kchwer, eine Steigerung zu finden. Ich möchte als besonders gelungen hier nur die Marktszene des zweiten " �--• r.j. «»«z veionoers gelungen gier nur vre hervorheben, in welcher der Stolze es über fich gewinnt, as Volk um � feine Stimmen für die Konsulwahl zu 'Wen. Die jähen Uebergänge von leidenschaftlicher Ent- «liiung und verhaltener Wuth zum schneidendsten Hohn, d>m er wiederholt Bleiplättchen, welche genau das Gnvicht von Jehnpfenn ig- Stücken hatten, hineinwarf, unter der Anklage des Betruges vor dem Scköffergrricht stand. Der Staats- anwalt änderte aber die Anklage um. da seiner Meinung nach alle solche Attacken auf Automaten sich als„schwere Diebstähle" ?>lolifiziren, weil es sich dabei augenscheinlich um Bebältnisse handelt, welche mit einem„zur ordnungsmäßigen Eröffnung nicht bestimmten Werkzeuge" eröffnet worden sind. In dem !ur Anklage stehenden Falle kam der Junge um deni schweren Diebstahl yerum, weil der betreffende Auiomat außerhalb eines umschlossenen Raumes angebracht war. Da ferner der Junge nachwies, daß er seine gehörige Tracht Prügel bereits von winen Eltern eingeheimst, so ließ es der Gerichtshof bei einem Verweise bewenden. Ein umfangreiriier, besonder« die Schlächterkreise ittterejsirendrr Prozeß wegen betrügerischen Bänke- r o t t g, bezw. Beihilfe dazu, beschäftigte gestern das Schwur- Stricht des Landgerichts f. Auf der Anklagebank hatten fol- Sende fünf Personen Platz zu nehmen: der Engrosschlächter lugust Karl Wenzel, Buchhalter Paul Bürger, Kauf- mann Hermann Marquardt, Schlächtermeister Gustav Vurmeister und dessen Graßmutter und Schwiegermutter des Angeklagten Wenzel, die Wutwc Marie Burmeister. Die vier letztgenannten Personen sollen den: Angeklagten Wenzel zum betrügerischen Bankerott Beihilfe geleistet haben. Die An- kiagebehörde hat eine Menge Belastungsmaterial zulammenge- tragen, wonach die Angeklagten ein großartiges Schwindel- wvnöoer ausgeführt haben sollen. Wenzel ist im Jahre 1871 nach Berlin gekommen und hat im Jahre darauf einen kleinen Schlächterladen in der Burg- straße eingerichtet. Vor vier Jahren kaufte er das Haus Weidenweg 11 und betrieb die Schlächterei nur noch im Großen. Vis zum Herbste v. I. galt er auf dem Viehhofe als guter Zahler, dann sing er aber an, unpünktlich zu werken. Es herrscht auf dem Viehhofe der Gebrauch, daß die Schlächter einen l4tägigkn Kredit genießen. Im Herbste v. I. fing Wenzel an, unpünktlich zu werden und am 5. November, einem Zahltage, erklärte er den Wehkommissionären, daß erelst8Tage später feinen Verpflichtungen nachkommen würde, eS seien seine eigenen Ausstände zu schlecht eingegangen. Bereitwilligst wurde ihm der erbetene Aufschub bewilligt und ihm noch weiteres Vieh auf Kredit gegeben. Aber auch acht Tage später zahlte Wenzel nicht, kaufte dagegen bei fünf verschiedenen Kommissions- firmen noch so viel Vieh, wie er bekommen konnte. Seine Schuldenlast war dadurch auf über 16 ODO M. angewachsen. Roch an demselben Tage wurde über das Vermögen Wenzels der Konkurs verhängt. Die Gläubiger fanden nur wenig Pfandbares vor. Das Haus des Schuldners, auf dem nur etwas über 4000 M. angezahlt war, zeigte fich mit Hypotheken derart belastet, daß an ernen Ueberschuß durch den Verkauf nicht zu denken war. Noch kurz vor seinem Konkurse hatte W-nzel in seinem Hause em Schlächtergeschäst einge- richtet und man glaubte allgemein, daß er wiederum neben seinem EngroSgeschäft ein Detailgeschäft führen wolle. Dem Konkursverwalter hielt Wenzel dagegen einen Vertrag vor. wonach er am 1. November das Detailgeschäft an seinen Reffen, den Mitangeklagten Burmeister, für 1000 M. verkauft hatte. Auch den größten Theil seiner Mobilicn erklärte Wenzel als unantastbar. Er hatte dieselben dem Mitangeklagten Marquardt für 614 M. verkauft, der Letztere hatte sie wiederum laut Leihkontrakt gegen einen MiethSzinS von 20 M. monal- lich der Schwiegermutter Wenzel's, der Mitangeklagten Bur- rneistcr, überlassen und dies« hatte, nichts Eiligeres zu thun, als die Sachen wiederum ihrer Tochter, der Frau Wenzel, zur Verfügung zu stellen. Die Anklage nimmt an, daß diese beideu Verkaufsgeschäfte nur zum Schein abgeschlossen wurden. In dem Vnhalten des Angeklagten, daß er noch Vieh kaufte, obgleich er ferne Zahlungsunfähigkeit kennen mußte, erblickt die Anklage die Merkmale des Betrugs und da die Geschäfts- bücher des Schuldners eine Vermögensübersicht nicht gewährten und eine Bilanz überhaupt nicht gezogen ist, so lautete die Anklage gegen Wenzel auch auf einfachen Bankerott. Er erklärt sich auf Befragen des Präsidenten, LandgerichtsMrekiorHumbert, für nichtschuldig Ek habe ihmfern gelegen, seineGIäubigerbenachtheiligen zu wollen, vielmehr habe er immer gehofft, seinen Verpflichtungen noch nachkommen zu können. Hierzu habe er aber unbedingt weiter arbeiten und deshalb auch Vieh kaufen muffen. Das Geschäft mst seinem Neffen sei ein reelles gewesen, seine Schwiegermutter habe ihre Ersparnisse hierzu, wre zu dem An- kaufe der Mobilicn geopfert. Allerdings sei das letztere Ge- schüft mit dem Angeklagten Marquardt ein fingirtes gewesen; da ihm aber 614 Mark dafür gezahlt worden seien, und er mit dieser Summe wie mit den früheren 1000 Mark seine drückendsten Schulden bezahlt habe, so sei ein Nachtheil dcn Gläubigern nicht entstanden. Dem Angeklagten Bürger wird voi geworfen, daß er seinem Prinzipal hilfreiche Hanv leistete, trotzdem er dessen Verhältnisse genau kannte. Er entschuldigt sich damit, daß er dergleichen geschäftliche Ab- schlüsse vor dem Konkurse für erlaubt gehalten haben will. Der dritte Angeklagte, Marquardt, giebt seine Thätigkeit bei dem Scheinkaufe zu, will sie aber nicht für strafbar gehalten haben. Der Angeklagte Bürger habe ihn eines Tags gebeten, ihm nach Weniel's Behausung zu folgen und dort als Käufer der Mobilicn aufzutreten. Er habe einae- willigt und bei Wenzel habe die ihm bis dahin völlig unbekannte Frau Burmeister ihm ein Taschentuch in die Hand gedrückt, welches 620 M. in Gold enthielt. Er habe den Kauf- kontrakt unterzeichnet, 614 M. an Wenzel gezahlt und 6 M. an Frau Burmeister zurückgegeben. Die Sachen seien schon aus Wenzels Wohnung entfernt gewesen, am Abende aber zurückgebracht worden und nun mußte Bürger wiederum einen Leihkontrakt aussetzen, wonach er, Marquardt, die Sachen wieder leihweise an Frau Burmeister abtrat. Auch er habe geglaubt, daß diese ganze Schiebung eine strafbare nicht sei und deshalb sogar gegen den Konkursverwalter, welcher seine Rechte nicht anerkennen wollte und die Sachen beschlagnahmt habe, eine JnterventionSklage angestrengt, die zur Zeit in der zweiten Instanz schwebe. Die beiden letzten Angeklagten, der Schlächtermeister Burmeister und seine Großmutter, die Wittwe Burmeister, bestritten entschieden jegliche Schuld, die letztere erbot sich zum Nachweise, daß fie noch über weitere Mittel ver- füge, die sie, wie die bereits ihrem Enkel geopferten, durch „doktern" verdient habe. Die Beweisaufnahme be- schränkte sich auf die Vernehmung zweier Zeugen und eines Bücherrevisors als Sachverständigen. Staatsanwalt K i n d l c r hielt alle Angeklagten mit Ausnahme des Schlächter- meisterS Burmeister für schuldig; während die Vertheidiger, die Rechtsanwälte Dr. Friedmann, Gotthelf, AroniuS und Bäsch aussührten, daß auch die übrigen Angeklagten theilS etwas Strafbares nicht begangen, theils aus Unkenntniß und Dummheit, aber nicht in einer betrügerischen Absicht ge- handelt hätten. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten Wenzel nur des einfachen Bankerotts schuldig, da es nicht er« wiesen sei, daß es auf eine Benachiheiligung der Gläubiger ab- gesehen war. Hieraus folgerte, daß die übrigen Angeklagten er Beihilfe zum betrügerischen Bankerott ebenfalls nicht für schuldig erklärt werden mußten. Demnach war Wenzel wegen einfachen BankcrottS, Marauardt wegen Geltendmachung einer erdichteten Forderung und Bürger wegen Beihilfe zu letz- terem Vergehen zu bestrafen. Der Staatsanwalt beantragte t-qen Wenzel und Marquardt je ein Jahr, gegen Bürger sechs llonate Gefängniß. Das Uriheil lautete gegen Wenzel auf vier Wochen Gefängniß, gegen Marquardt und B ü r g e r auf je drei Monate Gefängniß. Sämmtliche Strafen wurden durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Der Prozeß de« Knttcher» Gisenblätter wider den Mriereibestizer KoU« gelangte im Frühjahr, wie die„Allgem. Fahrzeilung" meldet, nach bereits dreijähriger Dauer abermals vor dem Kammergericht zur Verhandlung. Bekanntlich wurde dem Kutswer vom Landgericht seine beanspruchte Entschädigung von 20 000 M. zugesprochen. Auf die Berufung des Molkerei- hefitzers Bolle aber wurde die Sache dem Kammergericht zur weiteren richterlichen Entscheidung überwiesen. Da das Kammer- gericht nicht ein direktes Verschulden des Verklagten heraus- finden konnte, wurde diesem ein Eid auferlegt, daß er, Bolle, von der Eigenschaft des Pferdes als Schläger absolut keine Kenntniß gehabt habe. Nach Aussage der Zeugen war ihm nämlich nicht direkt zu beweisen, daß er es ge- wüßt habe, trotzdem seine Söhne, sowie sämmtliche Kutscher, Burschen, Stallleute zc..welche jederzeit imGeschäft waren, wußten, daß das betreffende Pferd ein Schläger und Beißer gefährlichster Sorte war. Gegen diese Entscheidung wurde vom Kläger Eisenblätter Revision eingelegt und so kam die Sache vor das Reichsgericht. Dasselbe erachtete dieDRevision für begründet und wies die Sache an das Kammergcricht zur anderweitigen Entscheidung zurück. Die zweite Entscheidung des Kammer- gerichis deckte sich aber im Wesentlichen mit der ersten und ist deshalb gegen dieselbe seitens des Ktägers wiederum Revision eingelegt worden. Hält das Reichsgericht die Revision diesmal nicht für begründet, so hat der Beklagte einen wie oben ange- gcbenen Eid zu leisten. Leistet er diesen Eid, so wird der Kläger sicherlich abgewiesen werden. Zu dem Vorfall selbst ist noch folgendes nachzutragen: Als dem durch den Unglücksfall zum Krüppel gewordenen Kutscher im Jahre 1883 am 3. Juli Morgens 3 Uhr bei Gelegenheit einer Fahrt im Thiergarten mit einem mit Milch beladenen Wagen vom Pferde der eine Unterschenkel vollständig zerschmettert wurde, blieb derselbe auf der Unglücksstelle am Schloß Bellevue neben dem Wagen, den er fuhr, hilflos liegen. Trotzdem nun kurz darauf von einem Kollegen in der Meierei gemeldet wurde, daß der Kutscher Eisenotätter mit zerschmetterten Beinen in der Nähe des großen Sternes liege, wurde von Seiten des Herrn Bolle nichts gethan, um dem Verunglückten zu Hilfe zu kommen, sondern mußte derselbe mit seiner schweren Verletzung 1t Stunde liegenbleiben. Erst durch fremde Herren, welche die Stelle pasfirten, wurde er aufgehoben und um 5 Uhr in die Charitee eingeliefert. Soweit die„Allg. Fahrzeitung". Wer denkt beim Lesen dieser Darstellung nicht an die Geschichte von dem Mann, der von Jerusalem nach Jericho zog, unter die Mörder fiel und hilflos am Wege liegen blieb, obgleich Priester und Levit von seinem erbarmungswürdigen Zustande wußten? Doch Herrn Bolle trifft sicherlich kein Vorwurf, denn der Gerechte erbarmt sich ja seines Viehes, um so mehr doch zweifellos eines Menschen, zumal wenn derselbe in seinen Diensten verunglückt ist. Man darf um so weniger daran zweifeln, als Herr Bolle ein noto- risch frommer Mann ist und bereits vor der ersten richterlichen Entscheidung geneigt war, in christlicher Barmherzigkeit dem verkrüppelten Kutscher eine Entschädigung von 100 M., sage von ganzen hundert Mark zu gewähren. Wie der„Volks-Ztg." jetzt mitgeiheilt wird, ist für den 4. Oktober ein neuer Termin vor dem Kammergericht anberaumt worden. Man darf darauf gespannt sein, ob Herr Bolle den betreffenden Eid wirklich leisten wird. Jedenfalls werden wir nicht verfehlen, unseren Lesern über den Verlauf der interessanten Verhandlung zu be- richten. Kachuin» 22. September. Der Prozeß gegen den Berg- mann Weber, dem ehemaligen Vorsitzenden des Streikkomitees, hat recht interessante Einzelheiten zu Tage gefördert. Als Be- lastungSzeuge ist der Berichterstatter der Rh.- Wests. Ztg. auf- getreten, ebenso war Dr. Hammacher von der Staatsanwalt- schaft als solcher geladen. Der Staatsanwalt Schulze- Velling- hausen führt in Betreff des Deliktes der MajestälLveleidigung aus, daß die vom Angeklagten geschehene Aeußerung auch im bürgerlichen Leben beleidigend sein würde, wie viel mehr der Maiestät gegenüber. Der Angeklagte behauptet, ein patriotischer Mann zu fem und gar nicht die Absicht zu beleidigen gehabt zu haben, es gehöre dazu aber nicht der Wille, sondern d'e Thatsache. Sern« Berufung darauf, daß er alle Versammlung.-n. mit einem Hoch auf den Kaiser geschlossen, ist für seinen Patriotismus nicht beweisend, man sollte eigentlich oersucht sein. eine Strasbestimmung zu empfehlen: Du sollst den Namen Seiner Majestät nicht unnützlich im Munde führen. Im übrigen sei der aufgeregte Zustand des Angeklagten zu berück- fichtigen, in welchem er sich der Tragweite seiner Arußerungen nicht bewußt gewesen, er beantrage deshalb wegen Oer MajestäiSbeleidigung eine Gefängnißftrafe von 3 Monat. Auch wegen der Aufforderung zum Weiterstreiken, also zum Ungehorsam gegen das Berggesetz, sei der Ange- klagte zu bestrafen und Redner beantragt deswegen eine Gefängnißstrafe von 2 Monat. Die Aufreizung zum Klassenhaß ist in sehr erregtem Ton und unter dem frenetischen Beifall der aufgeregten Menge erfolgt und die gefallenen Worte waren geeignet, andere zu veranlassen, gegen die Werkbesitzer vorzugehen, und es wird deshalb bierfür eine Gefängniß'trafe von 6 Wonat beantragt. Das Ber» gehen gegen ff 153 der Gewerbeordnung durch Verrufs-, erklärung ist durch 3 Zeugen bewiesen und dafür erscheint eine Gefängnißstrafe von 3 Monat angemessen. Dann endlich ifl der grobe Unfug in dem in den Reden hervortretenden maß- losen Ton gegen die Arbeitgeber zu erblicken, die des Wort- bruchs geziehen wurden. Der Angeklagte sagt zu seiner Ent- schuldigung, daß die Bergleute von allen Seiten herbeigekom- men seien und Klagen vorgebracht hätten. Doch da durfte er si: nicht einseitiger Weise für wahr halten, und er hat damals gesagt, daß die Klagen voll und ganz bewiesen werden könnten. Das darf nicht erlaubt werden und Redner be- antragt deehalb eine Haftstraße von 6 Wochen. Die be» antragten Einzelstrafen seien nach ff 74 des Strafgesetzbuches umzuwandeln in eine Gesammtstrake von 1 Jahr Gefängniß und 6 Wochen Halt.— Der Vertbeidiger, Rechtsanwalt Heitmann, Bochum, führte in längerer Rede aus, daß der An. geklagte in der besagten Versammlung in hochgradiger Er» regung sich befunden habe, dazu käme der Genuß geistiger Getränke, welcher ein klares Bewußtsein des Angeklagten ausschließe, und seine geistige Thätigkeit nicht mehr vorhanden gewesen sei und deshalb müsse ihn, wenn überhaupt eine Strafe, die mildeste treffen. Der Gerichtshof zog sich zur Berathuna zurück und verkündet, daß wegen Majestätsbeleidigung das Strafminimum von 2 Monat Gefängniß, aus ff 110 Str.-G.-B. 14 Tage, ff 130 6 Monat und ff 153 G.-O. 2 Monate Gefängniß gemäß ff 77 Str.-G.-B. zu reduziren auf eine Gesammtstrafe von 7 Monate Gefängm�, auf welche die Untersuchungshaft in vollem Umfange zur An- rechnung kommt.— Weber bittet hiernach, ihn vorlävfir aus der Haft zu entlassen und erklärt auf eine Frage des Herrn Staatsanwalts, daß er sich nicht nach Amerika entfernen werd. Der Beschluß des Gerichtshofes. Weber aus der Hast zu ent« lassen, wurde von einem Theile der Zuhörerschaft mit Bravo begrüßt, was der Vo-sitzende ganz energisch rügte. Beim Ha« austreten aus dem Gerichtsgebäude wurde dann Weber vou seinen Freunden in einen Wagen gehoben und zur Stadt ge« fahren. Soziale Meberfiihr. Wir erhalten folgende» Schreiven: An das„Ber- liner Volksblatt" hier. Die in Ihrer gestrigen Nummer 221 aufgenommene Annonze, daß in unseren Fabriken„partieller Streik" obwaltet, beruht auf Unwahrheit, und ist nur darauf berechnet, um unser Geschäft zu schädigen. Wir machen hiermit von dem uns gesetzlich zustehenden Mittel Gebrauch, und ersuchen Sie, eine Äegenmittheilung in Ihrer Zeitung unverzüglich vorzunehmen. Gleichzeitig belieben Sie gcfl. uns den Namen des Auf- qebers des qucst. unwahren Inserats mitzutheilen; im Falle des Nichterhaltens dieser Adresse würden wir gerichtlich gegen Sie vorgehen. Achtungsvoll Patentkisten- und Holzwaarenfadrik (Akt,en-Gesellschafl>. laez.» Vallentin Leubuscher. Der Streik der MirkergefrUen in der Firma Schlott« mann u. Komp. dauert fort. Zuzug ist fernzuhalten.; VerfÄmmUmgen. Eine öffentliche Ncrlammlung für die in der Wirkerei beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen tagte am Montag Abend, den 23. September, in Bodect'a Salon, Weinstraßc 11. mit der Tagesordnung: Wie verhalten sich die in der Wirkerei beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen gegen ihre streikenden Kollegen und Kolleginnen in der Firma Schlottmann u. Ko. Gewerkschaftliches. Verschiedenes. In das Bureau wurden gewählt: Herr Hübsch, 1. Vorsitzender. Fräulein Polle, 2. Vorsitzende, Herr Schönthal. Schristführer. — Der kleine Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und mochten über 200 Personen anwesend sein. Verschiedenen war eS nicht vergönnt, wegen Ueberfüllung des Saales an den Verhandlungen Theil zu nehmen. Der Vorsitzende wies zn» nächst auf den Streik der Firma Schlottmann u. Ko. hin, e,- klärte dcn Ausbruch und den Verlauf des Streiks, erkannte die von den Arbeitern gestellten Forderungen als gerechte an und sprach sein Bedauern gegen die sonst— so human sein wollende Firma aus. Redner unterzog besonders die Fabrikordnung einer scharfen Kritik und richtete einen Appell an das SolidantätSgefühl der Arbeiter und Arbeiterinnen, sich in geschlossenen Reihen der genannten Firma gegenüber zu stellen, um dadurch den Streikenden!zum Siege zu verhelfen. Die Herren Wengels, Janz, Neuhauß, Stöhn sprachen sich im Sinne des Vorredners aus und wiesen in längeren Ansfüh- rungen nach, wie die jetzt in kurzer Zeit erfochtenen Siege nur der Einigkeit der Arbeiter zu verdanken wären. Redner meinten, man müsse fich hier vor allen Dingen mit den Scheererinnen verbinden. Es wäre dann den Arbeitgebern ein Damm ent- aegenzusetzen, wenn sich die Scheererinnen mit den Arbeitern solidarisch erklärten. Im Allgemeinen wurde dieses Verlangen an sämmtliche Arbeiterinnen, welche in der Wirkerei beschäftigt sind, gestellt. Ferner wurde die Handlungsweise des W:rv- führers Finke der genannten Firma in scharfen Zügen klar« gelegt, man war der Meinung, daß die Firma selbst keine Ahnung von der verschiedenen Handlungsweise ibreS Werk- führers hat, welche in der Versammlung durch AaSrufe der V-rachtung unterbrochen, preisgegeben wurden. Man wirb nicht schonen, alle gesetzlich zu Gebote stehenden Mittel und hauptsächlich die Presse zu benutzen, um dadurch die Firma Schlottmann u. Ko. zu zwingen, die von den Arbeitern ge» stellten Forderungen zu gewähren. Herr Heindorf: Durch die heutige wirthschaftliche Lage ist die Frau diejenige, welche dem Manne Konkurrenz bietet; demzufolge müsse fich der Mann mit der Frau in ihrer Lage ver» ständigen und dieselbe aufzuklären suchen, um dann gemein- schaftlrch ihre Forderungen zur Geltung zu bringen; die Frau habe dasselbe Recht wie der Mann, gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu verlangen. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist eine Naturnothwendigkeit und müsse dieselbe in jeder Hinsicht er» strebt werden um auch dann dem Arbeitslosen Gelegenheit zum arbeiten zu geben. Schließend ermahnt der Redner die Frcuev, sich zu organisiren, um nicht da« trübe Loo» des Manne» theilen zu müssen. Herr Pritze wendet sich gegen die Spionendienste der Ar»-' bester, welche in Versammlungen und KommissionSsitzunge» t« Ohren so weit wie möglich öffnen, um dann aus schnellstem Wege ihren Arbcilgcbern Bericht zu erstatten.(??) Arau Gubela: Die heutige ökonomische WirthschaftS« Produktion drängt die Frau immer mehr hinaus in das öffent- tiche Leben, sie ist gezwungen, dieselbe Stellung einzumhmen wre der Mann. Der heulige Zeitgeist ist unter den Frauen ein zu bedrängter. Tie Frau muh sich Aufklärung verschaffen und ist es Pflicht der Männer in dieser Beziehung ihre Schuldigkeit zu Ihun. Ebenso gut ist eS Pflicht der Frau, fich zu organisiren und ein geschloffenes Ganzes zu bilden. Eine Organisation der Arbeiterinnen in der Wirkerei ist sebr erforderlich und ermahnte Rednerin, einen Verein zu bilden oder fich vorläufig dem Verein der „Nähmaschinen- und Handarbeiterinnen� anzuschließen. Die Frau muß ihre schlechte Lage erkennen lernen und Einhalt gegen dreselbe fich zu verschaffen suchen; sie ist dem Manne gegenüber verpflichtet. Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig ange- nommen: „Die heute in Bobert'S Salon tagende Versammlung der im Wirkergewerbe beschäftigten Arbeiter und Ar- deiterinnen beschließt: In Erwägung, daß die Arbeits- verhältniffe in der Firma Schlottmann und Ko. durch die von dieser Firma vorgeschriebene Hausordnung nicht mit den heutigen Verhältnissen vereinbar sind, sich mit den Arbeitern und Arbeiterinnen dieser Firma soli- dansch zu erklären, dieselben in jeder Beziehung moralisch als auch finanziell zu unterstützen und hierdurch zum Siege zu verhelfen. Die Versammlung beschließt ferner, daß es unbedingte Nothwendigkeit ist, daß alle m dieser Branche beschäftigten Arbeiter dem Verbände bei- treten müssen." Da sich das Gewerkschaftliche hiermit erledigt hat, ging man zu„Verschiedenes" üder. Herr Heindorf wendet sich gegen den Egoismus und In- differentiSmus der Arbeiter, indem fich dieselben der Wahrheit immer mehr und mehr verschließen; er kam schließlich auf die Presse zu sprechen. Die schlechten Literaturen sind dem Arbeiter höchst gesähr- lich. Es ist Pflicht der Arbeiter die Arbeiterpresse: das„Berl. Volksblatl" und die„Volks- Tribüne" hochzuhalten und alle fchlerdten Zeitungen zu meiden. Auf eine Frage an den Redner, wie fich das Böhmische Brauhaus zu den Arbeiterversamm- lungen stellt, erwiderte Redner, daß es bis jetzt noch zu keinem destimmten Resultat gekommen wäre; genannte Brauerei gäbe wohl ihr Lokal zu Ärbeiterversammlungen, aber unter solchen weitläufigen Bedingungen, daß man bis jetzt noch Abstand nehmen muß; er forderte alle Anwesenden auf, auch sich in dieser Frage einig»u sein und kein Bier aus Brauereien zu trinken, die ihre Säle nicht zu Ärbeiterversammlungen her- «eben. Herr Lieber« empfahl das neue erschienene Fachblatt„Der Textil-Arberter" und forderte die Anwesenden auf, dassclde zu abenriiren. Mit einem Appell an sämmtliche Rundftuhlarbeiter und -Arbeiterinnen zur Organisation sprach Herr Müller fich im Sinne der Versammlung aus und erachtet er es für seine Pflicht, dieselben dem Berliner Wirkergesellen-Vcrband zu- zuführen. Zur einstimmigen Annahme gelangte folgende Resolution: „Die heute in Bobert's Salon tagende Versammlung in der Wirkerei beschäftigter Arbeiter und Ar- deiterinnen, erklärt hiermit auf die Zeitung„Der Tcrtrl- Arbeiter" als Fachblatt zu abonnieren und zugleich das Abonnement des„Berliner Volks- blatte»" und der„Volks-Tribüne" zu unterstützen um dadurch die schädlichen Wirkungen auf den Arbeiter durch die Presse, wie der„Lokal-Arrzeiger" u. s. w. Ein- halt zu thun. Der Vorsitzende machte noch auf da« Stiftungsfest des Berliner W'rkergesellenverbandes, welches am 2. November im „Schweizer- Garten" abgehalten werden soll und schließt dann die von großem Interesse zur Arbeitersacke durchdrungene Ver- sammlung. Eine zahlreich besuchte Versammlung der Feileuhauer tagte am Dienstag Abend im Restaurant„Weoding", Mullerstr. 178, unter dem Vorsitz des Kollegen R ei nicke. Tagesordnung: 1. Vortrag üder die gewerkschaftliche Organi- sanon. 2. Berichterstattung der Kommission über die Lage der Lohnverhältnisse. 3. Verschiedenes. Zum ersten Punkt referirte Alwin K ö r st e n, der als einzige« Mittel, um der Roth der Arbeiter entgegenzutreten, welche durch da« herrschende Kapitol- system erzeugt wird, die gewerkichaftliche Organisation empfahl. Wie nützlich eine solche Organisation sei, das zeige sich jetzt bei der Organisation der Former in Berlin. Gegenwärtig streiken die Former in Hamburg und Braunfchwtlg. Nachdem die Unternehmer angeblich versucht haben, Kulis zu gewinnen, indem sie sich Foimer aus dem Aus lande verschrieben, namentlich aus Böhmen, haben sie nunmehr den Versuch ge- wacht, ihre Arbeit an andere Meister zu geben, um sie dort herstellen zu lassen, weil ,hre Kulis dazu nicht fähig waren. Tagegen verwahren sich alle zur Vereinigung gehörenden Former und werden überall die Arbeit niederlegen, wo solche Arbeit für diejenigen Meister geliefert wird, deren Gesellen sich im Ausstände befinden. Redner wies dann nach, daß die ganze soziale Bewegung immer wieder darauf zurückgekommen sei, zunächst feste Arbeiterkoalitionen zu schaffen, um der Bourgeoisie und der Kapitalübermacht entgegenzutreten. Schon eine gute Organisation des Arbeitsmarktes bringt den Arbeitern bedeutende Vortheile. Abzuschaffen sei die Akkord- arbeit, deren Nachtheile Redner darlegte. Diese Akkordarbeit sei Schuld an dem Niedergange der deutschen Metallgießerei, wie es sich wiederholt aus den Weltausstellungen erwiesen hat. Unter- stützen müsse man die Bestrebungen zur Herberführung eines inter- national zu regelnden Normalarbeilstages.— Um die Wichtigkeit rrnes organisirten Arbeitsnachweises zu illustriren, wies der Vor« tragende auf den großen Formcrftreik bei der Hamburger Werft von Blom u. Vob hin. Hier handle es fich um ein Prinzip, darum nämlich, daß die Werft ihre Arbeiter aus dem von den Arbeitern organisirten Arbeits- Nachweise annehme. Dieser Streck koste zwar den Arbeitern bereits über lOOOOV M., aber er werde unverdrossen weiter geführt und man habe gute Aus- sichten. Redner gab dann noch ein Bild von dem Wesen des Sneiks, der immer eine zweischneidige Waffe sei. Zu mildern sei daS durch die leider immer noch nicht bei uns in Kraft ge- tretenen gewerblichen Schiedsgerichte, obwohl sie längst von der Stadtverwaltung angenommen sind. Auch das Boykotten fei im gegebenen Falle zu billigen. Es bewähre sich ja ganz gut gegenüber denjenigen Wirthen, welche ihre Lokale nicht zu Ärbeiterversammlungen hergeben.(Sehr richtig!)— Zum zweiten Gegenstände der Tagesordnung wurde mitgetheilt, daß der Jnnungsmelster Bieneck die Forderungen der Ge- stllen voll bewilligt hat. Auch andere günstige Anzeichen für ein glückliches Gelingen des Streiks liegen vor; so hat man versucht, Werksührer zu engagiren, die dann die Forderungen dewilligen sollen; nur die Meister selbst wollen die Bewilligung nicht auasprechen. Wegen Maßregelung des Kollegen Reinicke wird die Sperre über die Werkstatt der Firma E. Schaaf jun. in Charloltenburg bran tragt und einstimmig beschlossen. Auch für die Fruchl'sche Werkstelle in der Bernauerstraße sind die Sätze bewilligt worden. E« soll übrigens Weng darauf gehalten werden, daß in keiner Werk- statt die Arbeit aufgenommen wird, wo noch andere Leute, k>,e nicht am Streik Theil genommen haben, beschäftigt find. Es wurde noch zur Sprache gebracht, daß in der Werkstatt Krause e,n Soldat vom Garde-Füsilier-Regiment beschäftigt war. Derselbe soll sich aber an einer Transmission verletzt haben»nd in« Lazareih gegangen sein.— Dringend wrude verantwortlicher Redakteur:> geiathen, den Streik noch bis über den 1. Oktober, wenn nöihig, auszuhalten. Im Nothfalle soll Unierstützung ge- währt werden für MiethSzahlungen.— Bezeichnend für das Vorgkhin der Meister ist das folgende von ihnen an Kunden und GewerbSgenossen versendete, metallographirte Schreiben: Wie Ihren gewiß bekanntgeworden, strecken seit Anfang Aupust die Feiler hauergesellen hier in Berlin- Charlottenburg. Die Leute verlangten eine Erhöhung der Akkordsätze bis zu SOpCt. Die vereinigten selbst ständigen Feilenhauermeister und Fabri- kanten bewilligten den Gesellen eine Erhöhung der Akkordsätze von 10—20 pCt. Mehr zu geben war bei der gedrückten Lage unserer Blanche und angesichts der großen westsälischen Kon- kmrenz nicht möglich. Die Arbeiter lehnien unsere Offerte aber fchrSff ab, wollten sich auf unsere Unterhandlungen überhaupt nicht einlassen und bchanten fest auf ihrer Forderung. Unsere Branche liegt infolge dessen vollständig darnieder. Die Vorrälhe an neuen Feilen find aufgebraucht und unsere Herren Abnehmer bekommen jetzt ein nothwendigeS Handwerkszeug, was doch die Feile ist, von den Feilenhauern Berlins nicht mehr geliefert. Der Streik wird künstlich genährt von einigen Arbeitern, d i e zur sozialdemokratischen Partei gehören (welch' hübsche Denunziation!) und ihren Tendenzzweck ver- folgen.(Leider werden nun viele Feilenhauergesellen in den Werkstätten als Arbeiter beschäftigt, dadurch wird aber dem Streik Vorschub geleistet und dieser unterstützt. Im Interesse der guten Ordnung bitten wir Sie daher uns zu unterstützen, die Feilenhauergesellen nicht zu beschäftigen und etwa jetzt de- schäfnate zu entlassen. Wir geben Ihnen nachstehend ein Verzeichniß der streiken- den Gesellen zur sekreten Benutzung. Die vereinigten Feilenhauermeister und Fabrikanten Berlins und Umgegend. I. H u p k e, Obermeister der Feilenhauer-Jnnung. Diesem Schreiben ist eine Liste mit 115 Mann beigefügt. Aufgelöste Verfammluug. Der Fachverein der L-tho- graphiesteinschleifer tagte am Montag bei Seeleld. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn Baginski üder Unfallversicheiung. Da der Referent kurz vorher abgeschrieben hatte, wurde sogleich zum zweiten Punkt der Tagesordnung, innere VereinSangelcgenheiten, geschritten. Zu diesem Punkt der Tagesordnung hatte der Voi sitzende F. Rose das Referat übernommen. Nachdem Redner sich über die Mißstände inner- halb des Vereins ausgesprochen und klar gelegt, wie der Ar- beitSnachweis deS Vereins in Mißk-edit gekommen durch das inkorrekie Verfahren der Mitglieder, und den Wunsch aussprach, doch endlich einmal sich kollegialischer und solidarischer zu ver- hallen gegen seine Kollegen, wurde in die Diskussion über diesen Punkt eingetreten Nachdem fich mehrere Mitglieder ebenfalls im Sinne de« Referenten ausgesprochen, meldete sich auch der Steindrucker A. Schulz zum Wort. Nachdem derselbe sich ebenfalls mißbilligend darüber ausgesprochen, daß die Steinschleifer noch nicht genügend von der Kollegialität und Solidarität durchdrungen seien, sondern im Gegenrheil die eigenen Kollegen in Mißkredlt brächten, anstatt dieielben nach Möglichkeit zu unterstützen, denn dies müsse sich in einem kleinen Verein doch lerchter machen, wie in einer großen Or- ganisation, kam Redner darauf zu sprechen, wie dar Verhalten der Mitglieder unter fich ausschlaggebend sei für die Stellung des Vereins der Oeffentlichkeit gegenüber. Bei dieser Sache äußerte Herr Schulz sich etwa wörtlich wie folgt:„Meine Herren, auch Sie werden in kurzer Zeit berufen sein, zu de- weisen, ob Sie sich mit Ihren Berussgenossen solidarisch fühlen, um mit zu wirken---., Hier ereignete sich das Mißgeschick. daß der überwachende Beamte sich erhob und auf Grund des Z 9 die Versammlung für aufgelöst erklärte. Er forderte die Anwesenden auf, sofort den Saal zu verlassen. Der Saal leerte sich in aller Ruhe und wollten die Kollegen in der Gaststube noch ein Glas Bier trinken auf den Schreck, doch o weh, der Herr Beamte erklärte dies für nicht statthaft. Um Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, gingen die Kollegen auseinander. Mehrere Anuäge waren eingelaufen, welche infolge der Auflösung nicht erledigt werden konnten. Unter anderen auch ein Antrag, betreffs Verlegung der Ver- einSversammlungen nach einem Lokal, welches zu allen Ver- sammlungen zu haben ist. L.tzleie Angelegenheit war vom Vor- stand bereits schon besprochen und nur aus verschiedenen Ver- einSriicksichten bis jetzt verschoben und wird der Vorstand für die Oktoberversammlung ein geeignetes Lokal zu beschassen suchen. Der Vorstand hat gegen die Autlösung bereits Be- schwerde erhoben und wird dre Antwort darauf seiner Zeit ver- öffentlicht werden. Der Fachverei« tztertiuer Lederarbeiter beschäftigte sich in seiner gut besuchten ersten außerordentlichen Generalversamm- lung, abgeyalten am Montag, den 23. d. MlS., in den Festsälen, Oranienirr. 180, haupffächlich mit inneren Vereinsangelegenheiten. Nachdem das neu umgearbeitete Statut nebst Geschäftsordnung mit unwesentlichen Abänderungen angenommen war, erfolgte die Wahl einer fiedeng liedrigen ArbeitSnachweiS-Kommission. Auf Antrag wurde der 3. Punkt, die Vertrauensmännersrage, wegen vorgerückter Zeit von der Tagesordnung abgesetzt. Unter „Vereinsangelegenheiten" wurde von einigen Mitgliedern die Anregung zur Abhaltung eines Vergnügens gegeben; jedoch sparte sich die Versammlung einen bestimmten Beschluß hier- üder bis zur nächsten Zusammenkunft auf. Hierauf wurde Punkt 5, Verschiedenes und Fragekasten erledigt, welch letzterer Anlaß zur Beantwortung von nur einer Frage gab. Schluß der Sitzllna 121; Uhr. Der Allgemeine Deutsch» Sattler»»rein,„Mitglied- schafl Berlin", hielt am Sonnabend, den 21. d. M. eine sehr zahlreich besuchte Versammlung im Lokale des Herrn Reyer, Alte Jakobstraße 183, ab, in welcher Herr Türk einen Vortrag über„Moderne Poesie und die Arbeiterbewegung" nach seiner an dieier Stelle schon öfter wiedergeaebenen Weise hielt. Hauptsächlich warnte Redner vor dem Lesen von Schund- und Schauerromanen, welche noch so vielfach in Arbeiterkreisen ge- lesen werden und empfahl vor allem die Werke realistischer Dichter und Schriftsteller, er nannte unter Anderen Emile Zola, Graf Tolstoi, Henrik Ibsen unter Andere mehr. Reich- licker Beifall ward dem Referenten zu Theil. Im Werteren beschloß die Versammlung die Errichtung emeS Zentralarbeits- nachweiseS für Deusschland und wählte zur Emleiiung des- selben eine Kommission. Unter Verschiedenem empfahl Kollege Mauerer das Abonnement auf die Arbeiterblättec„Berliner Volksblatl" und„Berliner VolkS-Tribüne". Nachdem der Vorsitzende auf die nächste Versammlung am Sonnabend, den 5. Oktober im selben Lokal aufmerksam gemacht, schloß er die Versammlung. Osnabrück, 22. September. Eine auf heute Mittag im Maas'schen Lokale anberaumte Volksversammlung, in weicher der ReichstagSabgeordnete Meister au« Hannover über Sozial- reform und Arbeiierschutzgesetzgebung reden wollte, wurde auf eine eigenartige Weise vereitelt. Nachdem sich der geräumige Saal vollständig gefiillt hatte und die Zeit der Eröffnung längst verstrichen war, lief ein Telegramm des Rescrenten ein, daß sich der Zuä in Löhne um 4« Minuten (jedenfalls infolge der Militärtransporte) verspätet habe. Die Versammlung wurde infolge dessen um eine Stunde vertagt. Nach Ablauf derselben füllte fich aber- mals der Saal, der Retrrent erschien und bald darauf wird das Zeichen mit der Glocke gegeben. Da erklärte der überwachende Polizeiinspektor, die festgesetzte Zeit zum Beginne der Versammlung sei um sünf Minuten(!) überschritten und müsse er daher gesetzlich die Versammlung auflösen.(!) Höchst unwillig, aber ohne die Ordnung zu stören, entfernten sich die Erschienenen, von denen ein großer Theil von auswärt« per Bahn gekommen war. Die Versammlung soll nunmehr am nächsten Sonntage stattfinden.__ £»0«4«tai in Berlin. Druck und Verlag von W«<«bt»« Molfrnbüttel. In de? am Sonnabend Abends stastgk- fundencn Versammlung des jetzt einige 70 Mitglieder zählenden Vereins zur Erzielung volkeihllmlicher Wahlen wurde der dtfinitive Vorstand gewäble. Derselbe setzt sich zusammen au! den Herren Kahrst, 1. Voi sitzender, Bender, 2. Vorsitzender, Bleislein, Kassirer, Burgdorf, Schriftführer und Wallbaum, Er- satzmann. Der weitere Punkt der TaqeSordr unq: Wahl de! Jnsertionkorgans und die Art der Bekanntmachung der Ver« sammlungen konnte nicht ganz zur Erledigung kommen, da die Zeit zu sehr vorgerückt war und um ll Uhr Feierabend geboten wurde. Der Antrag:„Zur Bekanntmachung der Verein! ano� legenheiten wird das„Braunschw. UnterhaltungSblatt" gemadl-, wurde daher zur Beralhung auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt. *» Si«!»m 10. i>. M.»tnt.»ruf«n» öffentlich»«!schl»rv»rk-»s'' In«» fite Hei»deich»d»eg, die. weil der Wind irin Lokal»mdckjM. ttailfti de» konnte, fi, drl nunm-dr am Donneenao. den 26. d.M.. A den dt» Up- in demlelbe» Lokale,«leufliidicr Solkäaantn, Prodkauerftrabe. stall, da inamil®"' trat Lokal wieder freigegeben ist.„ 5U|w illontao Abend noch dem Neponeont?,tt»nl»>en,»d,' strafe gl. eird-rusei k Veilammiung de« demikrallschen V-retrS ,u Sellin wdd- mchl stallflnden.»Hl der Wi ld in lrgler E il- de da! Lokal ve, weigerte. drin» gefchloNrn» Witgli»d»r»»efommlnng d»»»»»»»in» NästmofOlinen-»nd Nondord»it»einn»n stndel am Donnerstag. � 26. SepleMder. in SckeffefS Salon, In'elllr. 10, stall ZageSocdnung 1 r Nag de« Herrn Slbl-Upner. 2. Ditkuiston. 3. Innere VereilidanaelegenheM» 4. Verslbicdenes. Milglicdtbuch legilimtrt. llm zahlreiche! Erscheinen wir» ersucht. CraH» öffentlich» tpeesaminlnng für dt» Int»e-ff»nt»n Keonk»n- n»d St»eb»l«>>ff» d»» tzlredond»» Kreltn»» PoetieedNN- #»enfsgrn offen(Eilig Hilftkasse 96) Die Versammlung stndel Donnerstag, den 26 September, abend! 10 Uhr, giansenstr. 10 luntern Saal) stall. «in» öff»ntlich« Neefommlnng d»e in d»n Filikchnilsabeib-- t>«facher-Ort!krank«"lasse? 2. Die Orgar.iialionlsrage. Referent Herr in- va gintko. Allgemein» Jironhen- nnd Strrbrkoffe die WetoHoeb»»*- ntlnng d»r yr»eit»l»e und oerwandler Lt' russaenossen stndel am Montag, den 30. S-plember, Abend! 8)i Uhr, im Lolau de« Herrn Lebmann, f-llder Silber!, Schwedeerstr 21, statt eross» öffcntliO)» SrNneid«»»»» fommlnng am Montag, aen 30. September. Ab-nd« 8 lldr. Oranienstr. 160, i» den Zentrai.Festiülen. Zaget? Ordnung r Der Streik und die Plagat bester. Alle Schneider sind eingelade". Der Einderuserr Paul Striemer. Rirdors. Aoitnng! filaolerntbritrr! Alle Dielenigen, welche noch im Ben! pon Stiltangsfestbillits sind, werden ersucht dieselben bi« zum 1. Eftober die betreffenden Vorstandtmitglicdcr zurückzugeben, da kein Stistungdsest statt stndel., Achtung l Sozialdemokratischer Leseklub..L essin a". p"* Stistungdsest findet im„Elyssum" nicht statt, da der Inhaber sein Lokal lV Versammlungen verweigert: dasselbe wird am Sonnabend, den 28. d. im„Schweizer. Garten" gefeiert. Die ausgegebenen Bisset! habttt Giltigkeit. Da! Komilee„, Lachvirein b,r Tischler. Die Zahlstellen de! Verein! find zur Kn» gegennahme der Beitrüge und Ausnahme neuer Mitglieder ieden Sonnaden» von 8-10 Uhr geöffnet, und zwar befindet fich Zahlstelle I Kriedrichdbetger- strafe 25 bei E bristen: U Skalitzerstraße 107 bei Kunstmann: III BeUe-Alllana play 8 bei Hilicher: IV Zionskirchplay 11 bei Hobn: V Bülowftrafie 52 btt Bödland, VI Mariendorserstraße. Ecke Solmsstraße bei Schmidt. VII Dresdener- straße 116 bei Wen dt. daseldst befindet sich auch der Zentralarbeitsnachwei« Vereins: VIII Lübecker, und Zhurmftrafienecke bei Ja bnke. Die Arbeilsver- mittelung getchiedt unentgeltlich. Der Nachweis ist geöffnet an Wochentagett von iH—!sti Ubr, Sonntag Abend« von 9ii— II lldr «»sang-, Turn- un» g»s»Uig« zi»rrin» am Donnerstag: Münner, gelangverein.Lütstia" Abend« 9 llhr in Vettin! Restaurant, Beteranenstr. I» — Gesangverein.Breyelschluß'»bend! 8X lldr im Restaurant Schumann Alte Jakobstraße 38.- Münnergeiangverein.Nordstern" Abend» 9 llhr im Restaurant Pohl. Müllerftraße 7.— Schüfet icker Gesangverein.der Elser Abend» 9 llhr bel Wals II. Krüger. Skaliyerftraße 128, Gesang.— Gesan»' verein.Blüthenkranj' Abend» 9 lldr im Reltaurant Brandenburgstraße 60. 7° Mün nergesan gverein.Alerander" Abend« 9 lldr im Restaurant Rose. Strauß- bergerstraße 3.— Münnergesangverein.girmila!" bei Kinner. Köpnickerflraße Nr. 68.— Gesangverein Münnerchor.St. Urban" Abend» 9 llhr Annen- straße 9.— Münnergesangverein.Licdesfrciheit" Abend» 9 llhr im Restaurant Riiegel, Stralauerstraße 57.— Gesangverein„Deutsche Liedertafel" Abend» 9 Uhr Köpnickerftraße 100.— Gesangverein„Norddeutsche Schleise" Abend». von 9—11 Uhr Mlchaelklrchslraße 39.—„Brunonia" Abend« 9 lldr llebung!- Sunde bei Lehmann, Alerandrinenstraße 32— Turnverein„Hasmhaide" iLedrl.- btheilung) Abend» 8 Uhr viessenbachstraße 60—81.—„Berliner Turngcnoffen- Ichast"(7. Lehrlings-Abtheilung) Abend» 8 Uhr in der stüdtischen Turnhalle, Briyerslrgße 17-18!— deSgl. 6. Männer-Abtheilung Abend» 8 llhr in der ftüdiilchen Turnhalle. Guben erstraßr 51.— Sübeckicher Turnverein(Männer- Abt heiung) Abend! 8 llhr Elisabethstraße 57—58.— Allgemeineer Arendssscher Stenographenverein,«bldeilung„Louisenftadt". Abend! 8)1 Uhr un Restaurant Preuß, Eraniettstr. 51.— Arends'schcr Stenographenverein .Phalanr' Abend« 8)1 lldr im Restaurant»Zum Buckower Garten", Buckow»- straße 9.— Deutscher Verein ArendS'schcr Stenographen Abend» 9 Uhr m Heidt» Restaurant. Koppenstr. 75. Unterricht und llebung.— Berliner Steno- graphen-Verein(Softem Arend«» Abend» 9 Uhr im Restaurant zriediichflr. 286 — S tolze'scher Stenographenverein.Nord-Berlin" Abend! 9 lldr. Schlegel straße 44.— Verein der.yiatursreunde" Abend« 9 Uhr im Restaurant Wiener- straße 35.— Verein der Unruhstädter Abend« 8X llhr im.Königstadt. Kasino, Holzmarktstraße 72.— Verein ehemaliger K. W. Reltschlaglcher Schüler am 1. und 3. Donnerstag jeden Monat» im Eas« Schüler. Landsbergerstraße 73 Abend« 8 Uhr.— Rauchklub.Kernlplye' Abend« 8!j llhr im Restaurant Holz- marktstraßc 44.— Rauchklub.Arcona" Abend« 9 llhr bei Pasche. Reichenberger-- ftraße 118.- Rauchklub„Dezimalwaage" Abend» 9 llhr im Restaurant Loch Kraut«straße 48.— Rauchklub„Vorwürt!" Abend» 9 lldr bei Herrn Tempel. Restaurant„Zum Amdos". Breslauerstraße 27.-„Orientalischer Rauchklub Abend« 9 Uhr im Restaurant Wiechert. Oranienftraße 8— Rauchklub„Krumme Piepe" Abend! 9 Uhr Rüdersdorserstraße 67 bei Wunderlich.— Rauch klub „Eollegia" Abend» 9 Uhr bei Thiemcrmann, Skaliyerstraße 65— Privat- Theatergeicllschast„Adlerschwinge" Sißung 9Ji lldr Gaitenstraße 14 bei Ttügtr — Musikverein„Vorwärts" llebung Abend! von 9-11 llhr gilcherftraße 41. Neue Mitglieder erwünscht.— VergnÜgungsverein„Farinello" Abend» 9 llhr Jnvalidenstraße 189. Gaste willkommen. Ausnahme neuer Mitglieder. Meuekke Mnchrilkikcn. ter„Rrichsanzeiger" enthält folgende Bekanntmachung. Iis Grund der§§11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird die bei M. Kandler zu Halle a. S. gedruckte, von Ferdinand Kaulich, Giibichenstein, Triftstraße 7, verlegte, nicht ocnodische Dtuckschnst:„An die Töpfer Deutschlands", überschrieben: ,K o l l e g e n, F r e u n de!" und unterzeichnet:„DerGeneralauSschuß derTöpfer Deutschlands, t. A. Ferdinand K a u l l ch, j. Vor» sitzender", hiermit landeepolizeillch verboten. HlldeSheim, den 23. September 1889. Der Rrgleiungs- Präsident. Dr. Schultz. Depesltic«. (tfloltr* ckelegraphen-Furr»».) Krrlin, 25. September. Der Bandesrath hat in feiner- heutigen Plenarsitzung den Anträgen Preußens bezw. Preußens und Hamburgs und Hessens wegen erneuter Anordnungen auf Gruno des Sozialtstengesetzes für Berlin und Frankfurt a. M.- und Umgegend, für Hamburg-Altona und Umgegend sowie für den Kreis Offenbach zugestlmmt.— Im Laufe der Zeiten ist das eine reine Formalilat geworden. Mailand. Mittwoch, 25. September. Heute Vormittag stürzte ein im Bau befindliches Haus in der Allee Porta Vlkloria ein und begrub gegen 60 Arbeiter unter seinen Trümmern. Fünf Tobte und dreizehn mehr oder weniger Verletzte find bis jetzt aus denselben hervorgezogen. in Berttn 8W., Beutbstraße 2.