£ der und der, Nr. 226, Freitag, den 27. September 1*89. 6. Jakrg. KMerNslksbilllt. Drga» für die Interessen der Arbeiter. Abonnements- Einladung. Arbeiter Kertitt»! Für die Verbreitung Eurer Presse thötig zu sein, solltet >>!>r Arbeiter keme Gelegenheit unbenutzt voiüber gehen lassen. �tyr habt Eure Presse zu unterstützen, weil sie unabhängig ist, Uno daher muthlg und offen die Reaktion auf jedem Gebiete Bekämpft und in allen poltitsehen und wirthschafllichen Fragen Ber Emanzipation der Arbeiterschaft unermüdlich doS Wort erdet.— „Der Unverstand der Massen" ist der giöhte Feind deS «ultuiellen Fortschritts— helft dieies Bollwerk beseitigen, in» ernr Ihr dort Licht zu verbreiten trachtet, wo es noch dunkelt, eo«, trotz aller Anstrengungen, die klare Elkenntnib fehlt. Wir stehen vor den RcichStagSwahlen, es naht eine Zeit, IL wichtig für den Arbeiter, wie ke» e andere; da gilt es, die stimmen der Wahih'it und des Rechte»?u vernehmen und fich �'ät von dem verlockenden Gesang besoldeter Täulcher des ■oolfig bethören zu lassen. Leiht Euer Ohr der aufklärenden Und darum verfolgten Presse? � Das„gerlinrr KoUrsblatt" wird unabläsfig bemüht auch den weitgehen osten Ansprüchen genügen zu können. «d« ist uns gelungen, neue Mitaibeilcr für unsere Zeitury zu gewinnen. Den Berliner Arbeitern werden aus sachverständigen uno erprobten Federn Berichte aus London und Paris zu« pehen, welche ein klares Bild der Bei Hältnisse des dortigen ffrotetanaiS entrollen. In dem täglichen Feuilleton unseres Blattes werden wir «nfaug nächsten Monats E. Zola'S (Bcvmtnal, im« ergreifende Gemälde von dem wilden Kampf einer unter- diückten, ausgesogenen Arbeiterbevölkerung gegen die lieber- wacht deS Kapitals, veröffentlichen. Gerade jetzt, wo wir noch unmittelbar unter dem Eindruck des gewaltigen Frühjahrsaus- ftandes der deutschen Bergardeiter stehen, dürfte dieses de- deuten dste Werk des großcn Naturalisten unfern Lesern will- kommen sein. Dem wird eine fortgesetzte er- höhte Aufmerksamkeit in der Wahl dcS Lesestoffes zugewendet werden. Dasselbe soll fich auch fernerhin duich eine wahrhaft «olksihümliche, echt realistische Haltung auszeichnen. Der Aboumsmeutvprei« beträgt frei in» Hau» für da« ganze Vierteljahr 4 Mark, monatlich 1 Mark 85 Pf., wöchentlich 85 Pf. Bei Selbstabholung aus der Expedilwn, Zimmerftrafie 44, IW' 1 Mark pro Monat."VW Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, >»wie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerftraße 44, entgegengenommen. Für auherbalb nehmen f L m m t l i ch e Postanstalten Be- Stellungen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 4 Mark an. Die Ardaktio»«vi» Cepedition des„Kerlmer Dolksblatt". Feuilleton. iStachbnuk Ktbottn.) [76 Ein Roman von Maurus Jäkai. Ceine einzige Hoffnung war, daß er, wenn eS einmal Tag wird, aus' dem Stande der Sonne entnehmen wird, wo Osten liegt, dann wird er sich, als einstmaliger Schiffer, Aber den Lauf der Donau leicht orientiren können. Wenn er irgendwo auf ein Loch im Eise gestoßen wäre, so hätte die Strömung deS WosscrS ihm gezeigt, in welcher Richtung er zu gehen hat, allein die Eisdecke war überall fest und ohne ein Beil war es nicht möglich, ein Loch auS- zuhauen. Endlich brach doch der Morgen an; es fing wenigstens an hell zu werden, aber deS Nebels wegen konnte rnan die Sonne nicht sehen. Neun Uhr war schon vorüber, noch immer ging er und konnte das Ufer nicht finden. Der Nebel sängt jetzt auf einen Moment schwächer zu werden an; die Sonnenschcibe wird sichtbar, wie ein blaffeS, glänz- loses Gesicht am Hinimel, als wäre sie nur der Schatten der Sonne. Die Luft ist voll unzähliger glitzernder Eis- nadeln, welche sich zusammenballen zu einer die Augen blendenden Verdichtung. Jetzt also kann er fich orientiren. Die Sonne steht indessen schon zu hoch, sie zeigt nicht, wo Osten? Aber etwas Anderes zeigt sie. Es schien Timar, wie er durch das Halbdunkel des glitzernden Nebels hindurchsah, als gestattete ihm der halbdurchsichtiae Nebel »echt» in der Entfernung die Konturen eines HauSoaches zu unterscheiden. Wo ein HauS ist, muß auch Land sein. Er schritt darauf los. Aber die vcrhältnißmäßige Helle hatte nur wenige Minuten gedauert; auf Neue sanken dichte Nebel- LVshl-Sihstten. Vor und nach den Wahlen spielt sich bei unS jedesmal die ergötzliche Komödie ab, daß sämmtliche Parteien gegen einander den Vorwurf erheben, die Sozialdemokratie zu unterstützen oder unterstützt zu haben. Wenn die Streitenden dabei wüßten, wie lächerlich ihr Gebahren dem Zuschauer erscheint, so würden sie wahrscheinlich Mäuschen- stille sein. Aber sie wissen es nicht und so gerathen sie sich denn auch diesmal frühzeitig in die Haare. Die Stich- wählen werfen schon ihren Schatten voraus. Das Verhalten der F r e i s i n n i g e n bei den Stich- wählen von 1887 ist schon des Oefteren dargestellt worden; man weiß, wie das„freisinnige" Bürgerthum sich nicht ge- scheut hat, die hartgesottensten Reaktionäre zu wählen, nur um die Wahl von Sozialisten zu verhindern. Der Gegen- stoß dieses Verhaltens war der bekannte Beschluß des St. Gallener Kongresses. Dieser Beschluß ist den freisinnigen Politikern nicht angenehm; andererseits haben sie einge- sehen, wie sehr sie durch da« Verhalten gewisser Leute bei den Stichwahlen von 1887 geschädigt worden sind. Man will wieder gut machen, was man gesündigt hat. Alexander Meyer in der„BreSlauer Zeitung" und Theodor Barth in der„Nation" werfen sich zu sehr energischen Vertheidigern der Wahlparole auf, daß die Freisinnigen, wenn ein Sozialdemokrat mit einem Kartell- bruder in Stichwahl käme, unbedingt für den Sozial- demokraten stimmen müßten. Das sieht in den Augen„guter Bürger" gewiß recht heroisch aus und in der That mag eine solche fteimüthige Erklärung namentlich dem Herrn Alexander Meyer, der schon mehr als einmal für das Sozialistengesetz gestimmt hat, nicht wenig Selbstüberwindung gekostet haben. Wir nehmen diese Sache nicht so tragisch. Die Frei sinnigen betrachten bei solch einer Stichwahl die Sozial- demokratie als das„kleinere Uebel" und wollen sie dem„großcn Uebel" einer Kartell- wähl vorziehen. Schon diese Auffassung müßte uns den Geschmack an der Sache verderben, wenn wir der- selben überhaupt eine Wichtigkeit beilegen wollten. Denn e» nimmt sich im Munde der Freisinnigen, die eine in stetem Rückgang befindliche politische Richtung repräsentiren, etwas komisch aus, wenn sie die Sozialdemokratie von ihrem öden manchesterlichen Katheder herab als„Uebel" behandeln wollen. Der Hochmuth verrannter Doktrinäre spricht aus diesem Wort. Die Sozialdemokratie präsentirt eine neue Zeitströmung, die der ganzen Epoche bereits ein eigen- artiges Gepräge verliehen hat. Sie hat die Wissenschaft- liche Kritik an unseren sozialen Schäden zur höchsten AuS- bildung gebracht und hat alle Gedanken auf deren Milderung und Heilung gerichtet. Wenn schon die Führer der„Freisinnigen", die ä la Bamberger um keinen Preis von ihrem Manchesterthum zu bekehren sind, dieAufgabe und die Bedeutung des Sozialismus wölken aufs Eis hernieder und Timar wandelte wieder im Dunkeln. Diesmal jedoch war er wohl auf seiner Hut, von der eingeschlagenen Richtung nicht abzuweichen. Er schritt in gerader Linie vorwärts. Und diesmal hatte er seine Direktion richtig genommen- bald sah er durch den dichten Nebelschleier das Hausdach wiederum vor sich. Er konnte keine dreißig Schritt entfernt sein. Endlich also hat er das Haus gefunden. Als er dann auf zehn Schritte sich ge- nähert hatte, sah er, daß das Haus eine— Mühle war. Der EiSstoß hat sie irgendwo aus ihrem Winter- Zufluchtsort fortgerissen, oder die Verspätete noch an der Kette überrascht und bis hierher fortgetragen. Die SchiffSwand war von den scharfen Kanten der Eisschollen so schön abgesägt, als hätte ein Zimmermann damit sein Meisterstück machen wollen; die Räder waren in Stticke zerborsten und das Mühlenhaus in eine Barrikade von Eisblöcken eingekeilt, welche gleichsam eine Brustwehr um sie bildeten. Timar stand erschrocken vor der Mühle. Der Kopf schwindelte ihm, wie Einem, der ein Gespenst erblickt. Es siel ihm plötzlich die in dem Perigrader Strudel versunkene Mühle ein. Zst dies nicht das Gespenst jener Mühle, welche kommt, um an dem Ende seiner Laufbahn ihn zu erschrecken, oder vielleicht auch in sich ihn aufzunehmen? Aufzunehmen? Ein dem Einsturz nahes Haus! Eine Mühlenruine mitten im Eis! Ein finsterer Instinkt trieb Timar an, in die Mühle hineinzutrcten. Das Thürschloß war aufgesprungen, wahrscheinlich von der Erschütterung durch den Eisanprall und die Thüre stand angelweit offen. Er trat durch sie ein. Das Mühlenwerk stand noch so da, daß Timar zeeen Augenblick erwartete, ein weißes Müllergespenst werde einttetcn und die Frucht in den Beutel- kästen aufschütten. Auf dem Dach, auf den Querbalken, auf jedem kleinen Gesims saßen Krähen: ein Paar von ihnen flatterten auf, als sie ihn erblickten, die übrigen blieben sitzen und nahmen keine Notiz von ihm. nicht erkennen, was soll man dann von jener Masse be- schränkte? Spießbürger verlangen, welche die Kolonnen der freisinnigen Partei bilden und vecen Schultern berufen sein sollen, den Bau eines neuen Deutschland nach frei- sinnigem Modell zu tragen? Wir wollen der freisinnigen Parteileitung denn doch in Erinnerung bringe», daß diese Spießbürger, die man traurigerweise als das„freisinnige Bürgerthum" bei ungefährlichen Gelegenheiten sich aufspielen läßt, bei sehr vielen Gelegenheiten die von der Parteileitung ausgegebene Parole gar nicht respektirt haben und auch nicht respektiren werden. Zn Braunschwcig z. B. haben die dortigen Freisinnigen bei der letzten Wahl trotz aller Abmachung der Parteileitung ein förmliches Kartell gegen die Sozialdemokratie mit den Nationalliberalen abgeschlossen, in Magdeburg, Breslau, Königsberg u. s. w. stimmten sie für den Kartellbruder und die Charakterlosigkeit griff wie eine Seuche um sich. In Mannheim hatte sogar die Mehr- zahl der dorttgen sogenannten Demokraten in der Stich- wähl für einen Kartellbruder gestimmt. Nach allen diesen Ereignissen müßte sich erst zeigen, daß das sogenannte freisinnige Bürgerthum wieder an Charakterfestigkeit gewonnen hat. Das glauben wir nicht und die Wahlen werden ja die Dinge zeigen wie sie sind. Da die Sozialisten bei Wahlen bekanntlich nicht paktiren, so haben ohnehin die Fragen, wie sie in den freisinnigen Blättern erörtert worden sind, für sie keine besondere Be- deutung. Die„Kreuzzeitung" nebst Anhängseln von rechts und links fällt nun mit großem Geschrei über die Frei« sinnigen her und behauptet, dieselben wollten die angeblichen, nur in polizeilichen Phantasien existirenden Umsturzpläne der Sozialdemokratie fördern, während die Freisinnigen auf diese Anschuldigung damit antworten, daß sie darauf ver- weisen, wie auch Nationalliberale und Konservative nicht nur schon den Beistand der Sozialdemokratie— wenn auch immer vergeblich— nachgesucht, sondern auch selbst schon bei Stichwahlen zu Ungunsten der Freisinnigen für den Sozialdemokraten gestimmt haben. So fliegen die Beschuldigungen wieder hin und her und wir wollen die Streitenden durchaus nicht stören, um so weniger, als ja diese Dinge zur Aufklärung der Wähler nicht wenig bettragen. Die Wähler können, wenn sie diese Dinge mit Aufmerksamkeit verfolgen, ersehen, daß die alten Parteien die Wahlen viel weniger als eineZSachedeS politischen Charakters, denn als einen Pferdehandel betrachten. Die Roßtäuscher gefallen uns nicht, in der Politik am allerwenigsten. Wir aeben uns in Bezug auf das„freisinnige" Bürger- thum gar keinen Zllusionen hin. Wir wissen recht wohl, daß diesem Theil der Bevölkerung die Klassenbewegung der Ar- beiter schwer im Magen liegt und daß sie nur widerwillig oder auch gar nicht den Befehlen der Parteiführer folgt, welche sich als Gegner des Sozialistengesetzes bekennen. Dieses freisinnige Bürgerthum würde dem Sozialistengesetz Timar war todtmüde. Durch acht Stunden war er be- ständig auf dem Eise gegangen, die Hindernisse, mit welchen er zu kämpfen gehabt, hatten ihn noch mehr ennüdet; sein Magen war leer, seine Nerven abgespannt, seine Glieder von Frost erstarrt. Ermüdet setzte er sich auf einen Balken in der Mühle. So wie er sitzt, fallen ihm die Augen zu. Und kaum hat er die Augen geschlossen, so sieht er sich vorn an dem Schiffsschnabel der„heiligen Barbara" stehen, mit dem Enter- haken in der Hand, und neben ihm steht das Mädchen mit dem weißen Antlitz.„Fort von hier!" ruft er ihr zu; das Schiff stürzt den Katarakt hinab, der Wogenschwall kommt ihm entgegen.„Hinein in die Kabine!" Aber das Mäd- chen rührt sich nicht. Jetzt schlägt der Schwall über dem Schiff zusammen. Timar fiel von seinein Sitz herab; dar- über erwachte er. Erst jetzt begann er über die Gefahr nachzudenken, in der er schwebt. Wenn er jetzt hier ein» schläft, wird er gewiß erfrieren. Ohne Zweifel wäre da» die angenehmste Art, sich das Leben zu nehmen. Allein er hat noch zu thun auf dieser Welt. Seine Stunde hat noch nicht geschlagen. Er trat auS der Mühle. Der Nebel war so dicht, daß man nichts sehen konnte. Das war nicht Tag, sondern Nacht. Den Seufzer, der zum Himmel steigen möchte, ver- schlingt die finstere Wolke und läßt ihn nicht durch. Er ist verlassen von aller lebenden Kreatur; er ist begraben in der Wolke. So war denn nichts Lebendes in der Nähe, das ihn erlöste aus seiner Noth? Doch in der Mühle befanden sich, als sie vom Eis fortgerissen wurde, auch Mäuse; diese warteten, bis das Eis sich gestaut hatte; dann verließen sie die Mühle und fanden den Weg anS Ufer. Auf der dünnen Schneedecke sieht man ibre winzigen Fußtapsen. Diesen ging Timar nach. Das kleinste der Säugethiere führte so den weisen, mächtigen Menschen ungefähr eine sehr zugetban sein, wenn e» nicht momentan mit der konser- vativen Negierung im Streit läge und wenn nicht am Sozialistengesetz unsere innere Politik am leichtesten anzu- greifen wäre. „Sehe Zeder, wie er's treibe!" Die Sozialisten werden auch in dem kommenden Wahl- kämpfe all die Selbstständigkeit wahren, die ibnen ihre Er- folge verschafft hat und die ihnen auch neue Erfolge ver- bürgt. MtfvrefKmndeujen. Hamburg, den 25. September. Wie es mit der Unver« Utzlickteit der, der Post anvertrauten Sendungen beschaffen ist, beweist folgender Vorfall. Am 6. September i). I. sandte der Hauvtkassircr des Zimmererverbandes von hier nach Stettin ein Packet, enthaltend eine Anzahl Ex-mplare des VcrbandorganeS „Der Zimmerer" und eine Anzahl Ouitlungsbücher, an einen dort wohnenden Kollegen. Da der Adressat sich endlich darüber beschwerte, daß er noch immer das Gewünschte nicht erhalte, so forschte der Absender auf der Post nach. Auf seine Be- schwerde und Anfrage nach Verbleib des von ihm der Post anvertrauten Packeis erhielt er jetzt vor einigen Tagen folgende unsere Zustände in Deutschland charakterissrende Antwort: „Das von Ihnen verfolgte Pack t an Herrn Stade, Steltin, Neufitzerfeld, ist gemäß Beschluß des Awtsge- richies in Stettin vom 9. September d. I. an die Staats- anwaltschaft abgegeben worden". Kaiserliches Postamt. Jedenfalls muß also die Staatsanwaltschaft oder das AmtSaericht von der Ankunft eines PacketcS für den betreffen- den Empfänger vom kaiserlichen Postamt in Kenntniß gesetzt worden fem. Das kaiserliche Postamt aber fühlte sich nicht veranlaßt den Absender oder Adressaten von der Beschlagnahme und dem Verbleib deS PackeleS zu benachrichtigen. Daß aber über den Zimmerer Stade die Briefsperre verhängt ist, davon war demselben bis dato auch nichts bekannt. Natürlich unter der Herrschaft des kleinen Belagerungszustandes ist Alles möglich; und was liegt auch daran, ob ein Arbeiter die ihm zugesandten Sachen zur rechten Zeit erhält oder nicht? Das Porto ist ja einmal doch dafür bezahlt! Wie durch Inserat in den hiesigen Blättern bekannt ge- macht wird, ist der Streik der Kupferschmiede- gesellen von Hamburg, Altona, Otrensen und Wandsbek durch Au-gleickung mit den Arbeitgebern beendet; zugleich dankt die Lohnkommission für die allseitig ihnen Zuthcil ge- wordene Unterstützung. Auf welcher Grundlage der Ausgleich erfolgte, ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich mußten die Ar- beiter auf einen guten Theil ihrer Forderungen vcrzrchten, da auch ihnen es nicht möglich war die Streikbrecher aus Ost- pmrßen von hier fern zu halten. Die streikenden Töpfer leiden gleichfalls unter demselben Uebelstande. Auch unterstützen sich die Jnnungs- meister derart, daß sie, um Bauten fertig zu stellen, von aus- wärts ihre Gesellen hier zur Aushilfe herschicken. Auch Berliner Töpfer haben sich dazu gebrauchen lassen. Doch haben die Streikenden noch guten Math und hoffen auf einen guten Aus- gang des AusstandeS. Die Streikkasse ist sogar so gut bestellt, daß die Beiträge der in Arbcitstehenden, wo die Forderungen bewilligt sind, ermäßigt werden konnten. Die hiesige Industrie- und Gewerbe-AuS- stcllung wird am 7. Oktober definitiv geschlossen. Sie er- giebt, wie verlautet, einen Reingewinn von runb 300000 M. Einen anderen Gewinn hat die Ausstellung unserer freien Reichest dt insofern gebracht, als die rn ihrer Veranlassung um eine Stunde verlängerte Polizeistunde nun definitiv bis Nachts 1 Uhr, anstatt früher 12 Uhr, festgesetzt� ist. New-Uorkt» 13. September. In den letzten Tagen hat inneihatb oer sozialistischen Arbeiterpartei ein Vorgang statt- gefunden, der in seinen Folgen sür die Partei von großer Be- deutung sein kann; nicht wegen der Personen, um die es sich handelt, sondern wegen der prinzipiellen Fragen, die zur Eni- scheidung kommen müssen. In meinen srüheren Berichten habe ich schon wiederholt darauf hingewiesen, daß die Parteimitglieder im Allgemeinen sich für die sitzige Achtstundenbewegung nicht besonders inter- essiren; nicht, weil sie gegen eine solche sind, sondern weil sie sich unter den obwaltenden Umstänben nichts davon versvrechen, und die Art, in welcher sie von denen, die sie ins Leben gerufen haben, betrieben wird, nicht für die richtige halten; zudem, weil sie nicht die Erwartungen theilev, welche die konservativen Führer der Bewegung sich von der Verkürzung der Arbeitszeit versprechen. Schließlich des- halb, weil dieselben(mit wenigen Ausnahmen) lediglich die Erringung des achtstündigen Arbeitstages durch dre Gewerk- schatten wollen, aber nichts von einer politischen Aktion, um halbe Stunde Weges oberhalb Neu-Szöny ans Ufer. Von dort fand er sich bald auf die Landstraße und gelangte zu dem Wirthshause, wo er seinen Reisewagen hatte stehen lassen. Nebel war vor ihm und Nebel hinter ihm: Nie- mand sah, von wo er kam. Zn der Wirthsstube verzehrte er eingesalzene Kalbsfüße, welche für die Kutscher zubereitet worden waren, trank dazu ein Maß Wein, ließ einspannen, legte sich in den Wagen und schlief bis zum Abend. Er träumte beständig, daß er auf dem Eise sich befinde, und wenn der Wagen stark rüttelte, erwachte er in der Empfindung, daß daS Eis unter ihm eingebrochen war und er hinabsank in die endlose Tiefe. Da er spät von Szönp aufgebrochen war, erreichte er erst in der Nacht des andern Tages sein Füreder Kastell. Der Nebel begleitete ihn bis dorthin so dicht, daß er den Plattensee gar nicht zu Gesicht bekam. Noch in der Nacht ließ er seine Fischer zu sich rufen, und erfuhr von ihnen, doß sie für morgen sich zum ersten Fischfang unter dem Eise rüsteten. Er gab seinen Winzern den Auftrag, Wein und Träberbranntwein fo viel als nöthig in Bereitschaft zu halten. GalamboS, der alte Fischermeister, stellte einen sehr reichen Fischfang in Aussicht. DaS eine gute Anzeichen war, daß der Plattenfee zeitig zugefroren war; um solche Zeit, vor dem Laichen, kommen die Fische massenhaft in die Bucht. Ein noch besseres Zeichen aber fei, daß Herr von Levetinczy selbst angekommen ist. Mit ihm ist das Glück. „Mit mrr ist das Glück!"... wiederholte Timar bei sich, tief aufseufzend. „Ich würde mich trauen, darauf zu wetten, daß wir morgen den Fogasch-König selber fangen werden." „Was ist das: Der Fogasch-König?" Das ist ein alter Fogasch, den jeder Fischer am Plattensee kennt, da er einem jeden schon im Netz gewesen; allein Niemand vermag ihn heranzuzichen; denn sowie er bemerkt, daß er inS Garn gerathen, fäng er an auf dem Grund des Sees mit seinem Schwanz ein Loch zu graben, in daS sich zurückziehend er aus dem Netz entschlüpft. Er ist ein durchtriebener Schelm, wir haben auch schon einen Preis auf seinen Kopf gesetzt, denn er fängt so viele junge die gesetzliche Einfühl ung zu erringen. Wo Sozialisten für die Sache eintreten— und das geschah und geschieht noch überall — ist es ihr hauptsächlichstes Bestreden, Klarheit über die Frage zu verbrertcn. Die Majorität der Mitglieder des Erekutiv-KomiteeS der S. A. P. vertrat jenen Standpunkt, aber in einer Weife, welche nach Anficht der großen Majorität der Vereins- Mitglieder in Ncw-Pork die ganze Arbeiterbewegung schädige, was besonders durch die, nach dieser Richtung höchst un- geschickte Redaktion des Parteiorgans„Sozialist" geschehen. Schon seit mehreren Monaten wurde diese Angelegenheit in den SektionSverlammlungen der Partei verhandelt, und führte schließlich dazu, daß die betreffenden Mitglieder der Exekutive zurückgezogen wurden, und zwar auf Grund eines Paragraphen der Konstitution, welcher den einzelnen Sektionen das Recht giebt, alle von ihnen gewählten Beamten zu irgend einer Zeit zurückberukcn zu können. Da die Parteibehörde (Rat. Exekutivkomitee) von der Sektion New-Pork aewäh't wurde(als auf*em letzten Kongreß dazu bestimmter Vorort), so findet dieser Paragrovh auch hierauf Anwedung. Tie be- treffenden Genossen— Rosenberg, G trecke, Sautcr rmd Hrntze — rckurriren gegen ihre Zurückberufung an die in Philadelphia befindliche Aufsichtsbehörde. (Rosenberg war eigentlich überhaupt nicht berechtigtes Mitglied der Exekutive; nach Beschluß des letzten Kongresses kann kein vom Exekutivkomitee angestellter Beamter zugleich Mit- glied dieses Komitees fein, außer den speziell angegebenen — Schatzmeister, protokoll'.rcnder und korrespondirender Sekre- tär—, und mußte deshalb Sckreiber dieses, der seiner Zeit ein solches Mitalied und zugleich Geschäftsführer am Parteiorgan war, eine Wiederwahl ablehnen. Rofenderg übernahm später die Redaktion dtL Blattes, blieb aber auch im Komitee, ohne daß er selbst oder ein anderer auf daS Ur.konstitutionelle dieses Verhältnisses frim.) Die Aufsichtsbehörde verwarf die Zurückziehung wegen eines formellen Fehlers. Sie erkannte zwar an, daß die Konstitution unzweifelhaft keine andere Deutung zulasse, als daß dre Sektion, welcher die Wohl des Exekutiv-KomitecS übertragen sei, auch das Recht der Rückderufung habe: zudem liege ein Präzedenz- fall(Fabian) vor. Allein, da in Rew-Pork verschiedene selbst- ständige Sektionen bestehen(eine deutsche, englische und ruf- sisch-jüdische), der Beschluß aber lediglich von der deutschen Sektion gefaßt sei, so müsse derselbe annullirt werden. Folgedessen wurde eine gemeinsame Versammlung der genannten Sektion einberufen, welche von zirka 200 Mitgliedern besucht war. Im Laufe der VerHand- lungen verließ etwa ein Dutzend Mitglieder der engtischen Sektion vrotestirend das Lokal; von den Zurückgebliebenen stimmten schließlich fast Alle für dre Zurückziehung der Genannten, und wurden an deren Stellen die Mitglieder Reimer, Schewitsch, Praast und Ibsen ernannt, welche auch schon in der früheren Versammlung gewählt worden waren. Die Gewählten begaben sich, begleitet von einer großen Anzahl Mitglieder, nach dem Partei-Lokal und hielten zusammen mit den übrigen Mitgliedern des Exekutivkomitees eine Sitzung ad, in welcher die nöihigen Arrangements bezügl. der beiden Partei- Organe(„Sozialist" und..Workmen Adnocote") u. s. w. getroffen wurden. Von der Aufsichtsbehörde war vor der Versammlung ein Schreiben eingegangen, welches die Aufforderung enthielt, daß die Sektion während des Vorhandenseins der Streitfrage nicht gegen die betr. Mitglieder der Exekutivbehörde vorgehen solle; doch wurde dieses Schreiben nicht beachtet. Es fragt sich nun, ob die Aufsichtsbehörde die„vollendete Thatsache" akzeptiren, oder Maßregeln dagegen ergreifen wird; es wäre im letzteren Falle die SuSpendiruvg der Nrw-Porker Sektion zu erwarten. Glücklicherweise ist inzwischen die Urab- stimmung über die Frage der Abhattuna des Paiteikongresses beendet worden, und zwar bat sich die Majorität für die Ab- Haltung— im September in Chicago— entschieden. In der letzten Nummer des„Sozialist"(noch unter Kontrol« der alten Exekutive herausgegeben) ist die Bekanntmachung enthalten, in welcher den Kongreß auf den 28. September anberaumt wird. Hoffentlich wird auf diesem Kongresse endlich einmal klar und deutlich ausgesprochen und festgesetzt, welche Stellung die Sozialisten Amerikas zu der Gesammt-Arbeiter- Bewegung ein- zunehmen haben, und welche Aufgabe die organisirte Partei nach dieser Richtung hat. Es ist bekannt, daß fortwährend einmal hier, einmal da, Differenzen zwischen den Sozialisten und den Redaktionen der von ihnen oder duich ihre Initiative gegründeten lokalen Preß- organen bestanden, welche ihren Grund darin hatle'.i,daß dieselben, um die Unternehmen aufrecht zu erhalten, den nichtsozialistischen Arbeiter- Orgomsationen gegenüber einigermaßen Rechnung trugen. Uebec das M a a ß dieser Rücksichtnahme handelte es sich in den meisten Fällen. Ein Vorwurf, daß diese Blätter in ihrem editoriellen Theile je vom sozialrstischen Standpunkte abgegangen wären, ist übrigens noch nie erhoben worden; wenigstens nicht in dem Sinne, daß sie das sozialistische Prinzip verleugnet hätten. In dieser Beziehung handelte es sich stelS um das Maaß der Sympathien und Antipathien, oder die Kritik über irgendwelche Fische weg, wie drei Fischer. Er ist ein gewaltig großes Thier. Wenn er auf der Oberfläche des Wassers schwimmt, sollte man glauben, eS sei ein Hausen. Auch den werden wir morgen fangen." Timar ließ ihn dabei, schickte alle Leute fort und legte sich nieder. Jetzt erst fühlte er, wie ermüdet er war. Und dann schlief er einen langen, gesunden Schlaf, den keine Traumgesichte beunruhigten. Als er erwachte, fühlte er sich ganz restaurirt. Auch die Sorgen, die fein Gemüth be- wegten, waren in den Hintergrund getreten, als lägen sie schon ein Zahr hinter ihm. Die Spanne Zeit zwischen heute und vorgestern schien ihm eine halbe Ewigkeit. Es war noch nicht Tag, aber es überraschte ihn, daß der Mond durch die mit Eisblumen bedeckten Fensterscheiben hinein- leuchtete. Er stand schnell auf, wusch sich seiner Gewohn- heit nach am ganzen Leibe mit eiskaltem Wasser, kleidete sich an und eilte hinaus, um den Balaton zu sehen. Dieser gewährt, wenn er gefroren ist, besonders in den ersten Tagen, einen entzückenden Anblick. Der riesige See pflegt nicht so zuzufrieren, wie die Flüsse, aus denen die Eisschollen sich aneinander schieben; hier überzieht sich in einem Moment der Ruhe die ganze Oberfläche mit einer Eis- schicht, wie mit Krnstall, und am Morgen hat man einen glatten� blanken Eisspiegel vor sich. Vom Mondschein be- leuchtet, ist eS ein Silberspiegel aus einem Stück und Guß, ohne einen einzigen Sprung. Nur die Fahrwege zeichnen sich darauf ab, auf welchen die Bewohner der dicht an ein- ander liegenden Ortschaften der beiden Ufer miteinander verkehren' sie kreuzen sich wie die Maßlinien auf einer großen Glastafel. Man sieht in diesem Spiegel daS Tyhanyer Vorgebirge mit der doppelthürmigen Kirche, wie in der Wirklichkeit, nur die Thürme nach abwärts ge- kehrt.— Timar stand lange versunken in den Anblick dieses feenhaften BildcS. Aus seiner Träumerei weckten ihn die Fischer; diese kamen mit ihren Netzen, Stangen und Eishacken; den Fischfang müsse man vor Sonnenaufgang beginnen, sagten sie. Als sie alle bei einander waren, stellten sie sich in einen Kreis und der alte Fischermeifter intonirte ein frommes Kirchenlied, das die übrigen ihm nach-' Vorgänge in der Arbeiterbewegung. Daß nach dieser Richtung die Reiakieure 2C. in diesem Lande eine sehr schwierige Position Haber, das lehrten uns in neuerer Zeit die Fälle Henry George und Garside. Sehr wahrscheinlich wird die Partei, wenn der Kongreß keine günstigen Resultate erz-elt, ihre beiden Organe verlieren. Dieselben decken sich noch immer nicht: der„Workmen Advokan* hatte zwar im letzten Jahre verhältnißmäßia guten Abonnenien- zuwacks zu verzeichnen, doch genügt der Bestand noch imm� nicht; der„Sozialist" dagegen hat erheblich abgenommen. Uno da die große Mehrzahl der Abonnenten beider Blätter zu denen f hört, welche auf dem strikten Parteistandpunkte stehen, so ürste eine Aenderung in der prinzipiellen Haltung der Biäüer (wenn das neue Komitee, wie anzunehmen ist, eine laiche de- züglich der Acktstunden-Bewegung anordnet) einen starken Rück- gang herbeiführe!-, und so das Weltererichemen unmöglich machen. Wir befinden uns dann wieder auf dem alten Stand- punkle; das wäre dann freilich ein solcher, wie er den that- jächlichen Verhältnissen entspricht. Dre sozialistische Partei ist in dielem Lande noch nichts, und wird auch nicht eher etwas sein, bis sie aus den amcrika- nilchen K essen heraus erstehen wird. Ob die Nationalisten- Bewegung diese amerikanisch- sozialistische Partei in ihre« Schooße birgt, läßt sich heute noch nicht beurtheilen. Dolitifcko Aelrerstchk. Die„Nation»' Zeitung" widmete vor einigen Tagen der deutsch-freijinnigcn Heuchelei bezüglich des„Sozialrstengesctzes einen Leitaitckel. worin sie auf die bekannte Thalsache hinwies, daß im Jahre 1378 Herr Professor Havel bereit gewesen s", sich an der Munbtodlmachung der Sozialdemokratie kräftigst � bctheiligen. Das führende not onallibcrale Blatt hätte gleich daran er- inncrn können, daß die Säulen des Freisinns, die Hene« Bamberger, Rückert und Genossen fröhlich geholfen haben, de« Volke dre Segnungen des Ausnahmegesetzes zu bescbeeren, und wir gönnen den freisinnigen Venheidigern der Volksrechte die bitteren Wahrheiten ihrer ehemaligen Bundesgenossen so mehr, als wir überzeugt find, daß der bürgerliche Liberalismus, wie er sich politisch in dcr deuiicfc' fre, sinnigen Partei organisirt hat, nur darum dem Ausnahme- gesetz gegen die Sozialdemokratie jetzt nicht mehr zustimme, weil er weiß, daß diese Arbeit von seinem rechtsfitzcnden Räch' dorn für ihn mit besorgt wird. Wir haben an diesem Streit der feindlichen Brüder kein sonderliches Interesse; für uns gehört der Freisinn ebenfalls zu dem Kartell, welches Staat und Krrche, Unternehmerthum m>d Kapitalismus geschlossen, um die Macht der sich ihrer Stäike bewußt werdenden Arbeiterklasse zu brechen, und wir beschäl- tigen uns mit dem erwähnten Leitartikel nur, weil er die sozialdemokratischen Blätter in den Kreis seiner Betrachtungen zieht. Das Organ deS Herrn Miguel, welcher sich kürzlich gerühmt hat, mcht in dem reinen Parlamentarismus, der geergrel sei. Einen sehr dumm zu machen, untergegangen zu sein, kündigt für die bevorstehenden Debatten über den Erlotz deS Sozialistengesetzes ein voll gerüttelt und geschüttelt Maß von Unehrlichkeit an und beginn! den Neigen, indem es gegenüber unserer Versicherung, daß eS den Sozialdemokraten ganz „schnuppe" sei, ob das Sozialistengesetz verlängert oder ver- ändert werde, und daß unsere Partei unter jeder Verfolgung gleichmüihig weiter kämpfe, meint, vor zwei Jahren bäiten sich die sozmldemokratsschen Biätier über die Puttkamer'sche Vor- läge ebenso geäußert, während im Reichstage die sozialdewo- kratischen Abgeordneten sehr besorgt wegen des Vorschlages, der ihre Ausweisung aus Deutschland ermöglichen wollte, ge' wcsen wären und erleichtert aufgealhmet hätten, als diese Ge- fahr an ihnen vorübergegangen war. Die brave„Rat. Zig" Höne ihre Leser nur noch daran erinnern sollen, wem e« zu danken war, daß Deutschland von dem Ruhme des Expatriirungs- gejetzes verschont blieb; war es etwa der Mannesmulh derer um Bennigsen und Miguel? Waren es die befreundeten Kardorf, Hammerstein, Klnst-Retzow mit ihren Schaaken, ist Slöcke'r gewesen, dessen innere Mission die Herren v. Bennigsen, v. Benda und andere Leuchten des NationalllberalismuS fo nachdrückuch unterstützen, welche die Pultkamer'schen Vorschläge beseitigten? Nein, die Sozialdemokraten waren es, weiche durch Vorführung der Schröder, Haupt, v. Ehrenberg u. s.-v» und ihrer Beziehungen zu der Berliner Polizei, deren oberster Cyef die Exoatnirunggvorlage vertreten wollte, der Vorlage die verdiente demonstratwe Verwerfung bereiteten. Die nächste Session des Reichstags wird zeigen, in wie weit die nationalliberale Fraktion in Bezug auf den Ersatz des Sozialistengesetzes den Tendenzen der„Nationalzcitung" folg', jedenfalls aber können wir dem Blatt die Versicherung gebea, daß wenn von Angst vor etwaigen Verschärfungen die Rede sangen. Timar ging abseits. Er vermochte nicht, zu Gott aufzuseufzen. Wie sollte er Gesang emporsenden zu dem, der allwissend, und der sich mit Stimmen des Gesänge» nicht betrügen läßt. Dieser Gesang aber war auf dem glatten Eise wohl zwei Meilen weit zu hören und das Echo der Ufer widerhallte die Psalmen. Tiinar ging weit in den See hin- ein. Jetzt fing es zu tagen an; der Mond erblich und der östliche Horizont färbte sich seiner ganzen Länge nach rosen- roth, woraus auch der nesige Eisspiegel einen wunderbaren Farbenwechsel erfuhr, durch welchen er in zwei scharf von ein- ander geschiedene Hälften getheilt wurde; die eine Hälfte nahm eine violette und kupferrothe Färbung an, während die wcst- liche, mit dem rosafarbenen Himmel sich berührende azur- blau blieb. In dem Maße, als der Himmel sich aufhellt, nimmt die Pracht der Erscheinung zu. DaS Purpurroth, da« Gold am Himmel verdoppelt sich in diesem reinen Spiegel, und wenn die mattglühende Kugel der Sonne, von freurigea Dünsten umstrahlt, emportaucht aus den violettbraunea Nebeln des Horizonts und herniederfcheint auf die glitzernde Eisfläche, so ist dies ein Schauspiel, wie es weder das Meer, noch irgend eine bewegte Wasserfläche darbietet, es ist, als gingen zwei wirkliche Sonnen an zwei wirk- liehen Firmamcnten zugleich auf. So wie sie aus den braunen Nebeln hervorbricht, läßt die Sonne plötzlich ihre Strahlen schießen. Fischermeister GalamboS rief auS der Ferne Timar zu: „Jetzt werden Sie gleich etwas hören! Erschrecken Sie aber nicht. Hoho!" „Erschrecken?" dachte Timar bei sich und zuckte un- gläubig die Achseln. Was auf der Welt sollte ihn noch er- schrecken? Er sollte es bald erfahren. Wenn die Sonne das erste Mal auf das Eis des ge- frorenen Balaton herabscheint, läßt sich ein wunderbares Tönen aus dem Eise heraus vernehmen, als würden tausend und aber tausend Saiten einer Feenharfe gerührt; eS er- innert dies an die tönende Memnonssäule, nur daß cS dabei nicht sein Bewenden hat. Der geheimnißvolle Kling- klang wird immer lauter, als griffen die Nixen dort unten im Wasser mit vollen Händen rn die Saiten ihrer Harfen I fttn kann, diese ouf ganz anderer Seite zu suchen ist, als der bw Sozialdemokraten. Daß die heulige Gesellschaft ohne Ausnohmegesehe gegen Sozialdemokratie nicht fertig werden kann, ist ein Umstand, w wohl geeignet sein mag, Angst zu erregen, aber doch wirk- "ch nickt bei der Sozialdemokratie. c Unehrlichkeit in der Behandlung der Frage— das Sozialistengesetz betr.— kann uns gewiß nicht vorgeworfen werden, ob aber der nationalliberalcn Partei und ihren Preß- ocganen dieser Vorwurf erspart werden kann, erscheint um so �onfelhafter. als Ausnahmegesetze und Liberalismus fich wie »euer und Wasser scheiden sollten. .Kerstümmrlung de« Mahlrechts. Hoch und theuer owlcherte die Kartellpresse in oer Wahtbewegung des Februar «M, es falle keinem Abgeordneten der.Ordnungsparte, cn� an dem Palladium des allgemeinen Wahlrechts zu rütteln. Niedere Verleumdung einer demagogischen Presse— womit die vsuchler die Presse der damaligen Oppositionsparteien berechneten— sei es nur, wenn sie den Wählern derartige Un- Wahrheiten vorgaukelten. t,, .. Run, Lügen haben kurze Beine— das werden wobl auch ore Wähler einsehen. Im obigen Falle hatte die OppositwnS- h'che die Wahrheit gesagt und die Kartellpresse gelogen. Als Mittelst dieser Lüge und der unverschämten Kriegs ssunkerei die «ortellmehrheit im Reichstage' �' O chchtS eiligeres zu thun, als oie atkglsuuurpmuorn (SiÜrx? fünf Jahre zu verlängern. War das keine ».,'�ankung der Wirkungen des allgemeinen Wahlrechts? Q�'er erkennen dies als eine Verstümmelung des Wahl» trotz aller Sophisterei. Aber noch schlagen die Flammen der Empörung über diese � Mräthenschen Kartellihaten hoch empor und schon wagt a>�>!eakiion weitere Vorstöße. Un verhüllt machen konservative . �aiier den Vorschlag, die Wahlberechtigung auf das dreißigste unh PuauizurLcken. Das ist wahrhaft eine edle Dreistigkeit, . Ansind gewiß, stünden wir nicht bereits in dem Zeichen vzr Aiahlbewegung, ginge der Wahs noch eine vorletzte Session hi.i die jetzige ReichstagSmajorilät machte fich eiligst an Rubere Arbeit, zumal die Aussichten für die nächste Wahl �cc edlen Brüderschaft nicht günstig stehen. >, bekanntlich kommt der Appetit immer mit dem Essen . 3 bewährt fich wieder an diesen reaklionSlüsternen Gestalt ZW.Man die fün""''"'......»------- ?'chi-ine höhere s?naen? hie «nsug' ihren thün, als Einzug gehalten, hatte die Legislaturperioden iit..... Gestalten. lährige Legislaturperiode, warum soll man Altersgrenze für die Wahlberechtigung ver- Ist diele erreicht, was verschlägt cS, einen.milden triAl"8« einzuführen? Erweist sich ein milder Zensus jedoch erti-ii probates Mittel, die Oppositionskanaille zu bändigen, gyoyen wir einfach den Zensus. Fruchtet indeß ein schärferer fei auch nicht, dann— nun dann haben wir noch, Gott l�ss.?, weit schärfere Dinge. Ein Minister sprach ja ge- bei- n®0r' von.der Flinte, die schießt, und dem Säbel, Ii*. JT* Das ist so der Gedankengang eines„reichsfreund. �"Individuums. Wir Haben nichts dabei übertrieben— und erinnern nur «n lenen sächsischen Landtaas-Abgeardneten, dem der ier11!- c'ncr Erhöhung der Altersgrenze für die Wahl- recht, Aung bereits fo in Fleisch und Blut übergegangen r j- daß er einfach da« 30. Lebensjahr zur Wahlberechtigung fg. �"veindewahlen vorschlug, da diese Altersgrenze ja auch iJ, d>c R-ichStagSwahl bestehe. Bebel wunderte sich damals, tnan nicht gleich das Schwabenalter(SO. Jahr) vorschlage, tnn man sich einmal zu so ungeheuerlichen Vorschlägen ZV m�' �un, was nicht geschah, könnte schon noch geschehen. Z11 Begierden der Stützen unserer herrlichen Ordnung sind unermeßlich. � Hat denn nicht auch die„Leipziger Zeitung* und mit ihr srf,» anderes Blatt die Echöbung des Zensus für die sächsi« Landtagswahlen verlangt? Also„alles schon dagewesen*, .sr machen uns keiner Uebertreibung schuldig. Die Vorstöße Ullra-Reaktionäre sind das Zeichen, daß die Begierde im Sachsen ist, und sicker werden sich die dunkelften Wunsche er- 'Nuen, wenn die Wähler bei der künftigen Wahl abermals auf "Neu Schwindel hineinfallen. Zwar wird man sagen, wir wollten den Wählern einen ■�hlpopanz vorhalten, allein auch 1887 wurde uns dies cnt- �'�geschleudert und doch hatten wir Recht, denn vorläufig ven wir die fünfjährige Legislaturperiode auf dem Halse. t Zwar werden nationalliberale Blätter abermals mit den 'suchlerischsten Bccheuerungen versichern, kein Nationalliberalcr �sde an dem Palladium de« allgemeinen Wahlrechts rütteln Jw lemals in eine Beschneidung desselben willigen, allein die Spatzen pfeifen nicht leichter in der Kirschenzeit, als die Naiio- Illiberalen auf ihre früheren Versicherungen, wenn sie im ieichslage sitzen. - Die Konservativen geben ihre Wünsche unverblümt zu er- /ssnen, ohne daß eine nationalliberale Abschwächuna sie im �"besten hinderte, mit vollen Segeln auf ihr Ziel hinzu ps-leni. Jede nationalliberale Ablehnung konservativer Ad verkehrte sich nach den Wahlen übrigens regelmäßig in 03 gerade Gegentheil; alle reaktionären Gesetze der Neuzeit � entsteht ein Dröhnen und Krachen, daß sich bis zu dem '�nass eines Schusses steigert und bei jedem Knall und Krach �tsteht ein glitzernder Sprung in der Eismasse, die bisher urchsichtig wie Glas gewesen; nach allen Richtungen hin emtzt die ganze riesige EiStafel, biß sie zuletzt einer Riesen- Mail aleicht, die aus Milliarden kleiner Würfel, Fünfecke lliid vielgestaltiger Prismen zusammengesetzt ist, und deren Oberfläche ein Spiegel. Dies ruft jene Töne hervor. Wer lle zum ersten Mal hört, dem beginnt das Herz heftiger zu ?°chen. Die ganze Eisfläche tönt, klingt und singt unter seinen ekußen. Donnerrollen und Zitherklänge mischen sich unterein- «tider. Ein und der andere Krach gleicht demKanonendonner und ?lrd meilenweit gehört. Die Fischer aber gehen ruhig an «s Auseinanderbreite» ihrer Netze auf dem Rücken des lohnenden Eises und in der Ferne sieht man Heuwagen, Nche mit vier Ochsen gemächlich über daS Eis fahren. Arensch und Vieh hat fich schon vertraut gemacht mit dem sollen deS EiseS, welche« so lange anhält, bis die Sonne �eder untergeht. (Fortsetzung folgt.) Nunst uitö ITc&eit. Nie diesjährige Wintersirifon bringt ein für die , deatergeschichte Berlins mteressanies Jubiläum: am 3. De- Ja.,tr»verde» 25 Jahre vergangen sein, seit das heutige kssallner-Tbeater eröffnet wurde. Am 30. November 1864 halle letzte Vorstellung in der.Grünen Neune*, der Wiege der !wciolfle Franz Wallncr'S, stattgefunden; Hclmerding, Reufche, d�ust Neumann und Anna Schramm sprachen damals den von aWÜch verfaßten Epilog„Die letzte Stunde der grünen 'iimt". Am 3. Dezember 1864 öffnete das von E. Titz ,vsun baute Hau« zum ersten Male feine Pforten dem berliner Publikum. Eine Fest-Ouverture von R. Bial leitete Abend ein, ein Festspiel von Kalisch„Der Markt des z�vurus* schloß sich an dieselbe. Auch daS übrige Programm .3 Abend« kennzeichnete die Bedeutung Kalffchs für das Mner-Theater, es brachte dessen Lebensbild.Im Blumen- •jff und die von ihm gemeinsam mit E. Pohl verfaßte ein- �üe Posse„Zum muthigen Ritter.*— Im Jahre 1854 halte Rudolf C-rs als einen neuen Versuch, einmsErsatz für die ein- gegangene Schöpfung seines Vaters, das alte Königstädlilche Theater, zu schaffen, das in der.Grünen Neune* in der Blu- menstraße begründete Liedhaber-Theater in ein ständiges, das Königstäotische Vaudeville-Theater verwandelt. Aber alle f-ine Bemühungen, das Interesse des Publikums für dasselbe zu gewinnen, blieben erfolglos; so überließ er denn, um aus dem Schiffbruch so viel als möglich zu retten, das Theater an Franz Wallner, der mit seiner Truppe von Posen nach Berlin übersiedelte und im September 1855 seine Vorstellungen in der„Grünen Neune begann. Aber auch ihm schien das Gffick nicht hold zu sein; er spielte vor leeren Bänken. Da entschloß sich Wallner, die in Poris in voller Blüthe stehenden Demimonde-Komödien den Berlinern vorzu- führen: der Wurf gelang. Die ersten Aufführungen von „Pariser Sitten* am 11. Oktober und von„Die Dame mit den Kamelien* am 22. November 1855 brachten durchschla- gende Erfolge. Durch diese materiell gesichert, schritt Wallner daran, dem Publikum sein Theater zur Heimstätte der Berliner Lokalposse umzugestalten: David Kalisch, der„Vater der Ber- liner Posse*, schuf die Gestalten, den„Äktienbudrker*,„Doktor Peschke*,„Otto Bellmann* jc. Kart Helmerdina, Theodor Reusche verkörperten sie in dem von Wallner im Bouche'schcn Garten erbauten, am 11. Mai 1856 eröffneten Sommertheatcr. Am 1. September 1858 erhielt Wallner, welcher bisher seine beiden Theater mit der Cerf'schen Konzession geleitet hatte, die Konzession auf seinen Namen, die ihm erlaubte, das Winter- theater am 14. Oktober als„Wallncrs Theater* zu eröffnen. Eine äußere Veranlassung war eS, die ihn nöthigte, wieder eine Veränderung mit seinem Theater vorzunehmen. Auf dem unbebauten Hinterlande der Blumen straße wurden neue Siraßen angelegt, von denen die heutige Bjallnntheaterstraße den Bouchh® Trotz zu bieten, behandeln wird. Er hat kürzlich einen P?u- beamten, der Briefe an die Presse richtete, trotz seiner IS jaY- rigcn Dienstzeit depradirt und dann aus dem Dienst entlasten, weil er als Sekretär der Postbeamttn- Liga arbeitete. He� RaikeS versteht keinen Soaß und ist entschlossen, jede subordination im Postdienst, und jede Kombination der B«- amten zu verhindern. Nun ist das Postamt von allen unter staatlicher Leitung stehenden Veiwaltungszweigen dos lichste. Er wirft einen Reingewinn von Lst. 70 Mill. jährl«d ab. ES ist im Interesse des Publikums, daß die Postbeamten gut bezahlt und nicht überarbeitet werden und das Publikun> wird wohl darauf sehen, daß den Postbeamten Gerechtigkeit wird. Khmter. Freitag, den 27. S e p t e m b e r.. Gverustaus. Die Zauber flöte. Hchluespietstau». Hans Lange. Nrstsche« Theater. Faust's Tod. Krßstag-flheater. Der Fall Clemenceau. MUheUastkd tische««heater. Der Mikado. Wakaer-Theater. Der rechte Schlüssel. Stanley in Atrcka. chstead-Theater. Vom Golde verführt. • Theater. Der Zauberlehrling. ASaisstädtifche« Theater.„'Ne feine Familie." Aratrat-Theate». Leichte» Blut. A»«»t»h Grast-Theater. Flotte Weiber. Meftdeaz-Theater. Fernande. Trvr. Richter'« Maricktck. Spezialitäten- Vorstellung. NeichshaUe»- Theater. Gr. Spezialitäten- Vorstellung. KerUuer Theater. Freitag, 27. September: 4. Wonnements-Vorst.: ToernteS und seine Frau.— Ritter Blaubart.— Der zündende Funke.— Ja dee Kinderstube Sonnabend, 28. September: Die wilde Jagd. Sonntag, 29. September: SocrateS und seine Frau— Ritter Blaubart.— De? züu- deude Funke— In der Kinderstube. Vereiii der PlirpctWciikli«'. Montag, den 30. September, Abends 8 Uhr, in iordan's Salon, Neue Grünstr. 28: General-Versammlung. Tages Ordnung: 1. Beschlußfassung über Statuten-Abänderung. 2. Abrechnung des VergnügungskomileeS der Landpartie und des 6. Stiftungsfestes. 3. Innere Vereinsangelegenheiten und Frage- kästen. Die Mitglieder werden auf§ 7 aufmerksam gemacht.[1666 Der Vorstand: J. Grahl, Skalitzerstr. 59;. ÜUSCll- Frtedrich-Kar-Ufer. Heute, Freitag, den 27. September, Abends 7� Uhr: Große Vorstellung. 23 Hengste, vorgeführt vom Direktor. Ca«!- stevdor, englisch Halbblut, geritten vom Direktor. Salt»«ortalreiter Hr. Allen. Frl. Margcrithc al« Jockey. F Lul. Henriette als Tsaerkeffe. 8 rnsfische Rapphrnaste Diophantua, ger. von Frau Busch. Gymnostikrr Gebr. Theo. Clown Tanti vedilti als Jockey. Clown W. OlschanSty a. Zauberer. Germoma-Manöver, aerittrn von 20 Damen. Villet-Vorbertauf im Jnvalidendank, Markgrafenstraße, u. Cigarren- Handlung von Martienzen, Aleranderstr. 71(beim Stadtbahnhof). Die Tageskasse ist v. 10 Udr an ununterbrochen geöffnet.[1667 ZUnvHcan-Theater* 1965 Dresdenerftr. 55. Täglich Vorstellung. ««b.«-ffaM. 1«». v M.- 10«. TKOOar Kaioar-Panopama. MBSEW In dieser Woche: Z. ersten M.: Oberttal. Städte. Reu', iv. Eycl.: Pariser Wel»-«nSste>lung. .jm NusstellunaSvark• Iii. CykluS der Pariser Wett-AuS stellung. «in, Reife 20 Pf.,«tnd nm 10 Pf. Abon«. S Reilen l-M. Fachverei« der Kernmacher und verwandter Kervfsge«. Kerlina und Umgegend. Sonnabend, den 28. Sept., Abends 8i Uhr, im Lokale des Herrn Gnadt, Brunnenstr. 38: Ke» Sammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Fritz Krüger über: „Altes und Neues in der Naturgeschichte". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes U.Besprechung behufs Grün- dung einer Vereinsb bliothek. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet 1665[ Der Norftand. NB. Diejenigen Mitglieder, welche noch im Besitz von SommernachtSfest-BilletS sind, betten wir, dieselben baldigst zu regeln. Sopßabezüge! Uefte von 9�— 5 Meter Ipottdillig. s, GranienUr. 158. Emil Lefckvre, 1 Alten echten Rordhäuser, erkl. Fl. M. 0,70 i Jngberltqnenr, hochfein, cxkl. Fl..„ 0,90 ' Thee-Rum, ganz vorzüglich, exkl. Fl.„ 2,00 ! Favon-Rum. Originalflasche, exkl. Fl.„ 1,00 Märkischer Korn, exkl. FI.....„ 0,60 empfiehlt die Grotzdestillation von L.v'fttsu& Keil9 Sophienftr. 12. a. d. Rosenthalerstr. GtschäftSschlubAbdS.8Uhr, Sonnt. Mittags lUhr. Übe!, dgen. Fahrlk. Spiegel n. Polsterwaareü Gr. Lager, bill. Preise I Emsl Heyn, Brunnenstr. 38, Hof part. ThelU. vaefa Uebereinkunfi 2frdl.Scklsst.f.H.(s.E.)b.Fitsch.Fransecklstr.11,v.III. Freundl. Schlafstelle zu venu. Lausitzerstr. 52, vorn 3 Tr. l.(Ecke Lausitzerplatz).[1670 Am 1. und 2. Oktober Ziehung Ii. Kl. 181. Dreuß. Staats- Lotterie. Empfehle Original-Loose 1. Klasse_>/, Sntheil-Loose 1. Klasse V« SU 114» V» 57.— Vi. Vi_ 28,50 M. Vis SU 13.- 6,50 3,25 1,65 M. Carl Heintxei Kankgeschiift, Berlin W., Unter den Linden 3.[1669 Telegramm-Adresse:.Lottedebank Berlin". R eichsbank- Gl ro- Conto. Soeben erschien H-ft A Aolks-Iremdwörterßuch von Wilhelm Liebknecht. Sechste Auflage.— Erscheint in 12 Lieferungen ä 20 Pfg. Zu beziehe« durch die Erpedttio«, Zimmer kratze Ur. 44. Dstm II. Siiftungs-Fest des lliitcrplppcrdiiö der Maurer des WeAm Verlis findet am SonnadL«d. de« 2-.. d., im Lokale Nünigshot, Külowstratze 37. statt. Billetu a 50 Pf find bei folgenden Herren zu haben: H. MacisewSki, Sleimne� straße 24. Hof 2 Tr.; W. Bagan;. Bülowstraße 51. H. pari.: P. Hempel Bülowstr. 51, P«''' W. Frtrtzsch Steinmetzstr. 63, H. 3 Tr.; I Dommtqui, KolonnenstraK 23a. Hierzu ladet freundlichst ein Oq« Fest-Komitee. I. A.: W, Baganz, Siilowste. 5 t. H. p. Durck die(Expedition, Jimmerstra�e 44, zu beziehen: Die Darwin' sche Theorie. Von Dt. Eduard Aoeling. 58tofd)trt M. 1,50. Geb. M. 2,—. Karl Marr Oedonomifihe Kehren« Gemeinverständlich dargestellt u. erläutert von Karl Kautskq. Brosch. M. ILO. Geb. M. 2,—. Weltschopfnng»nd Weltuntergang Die Entivickelung von Himmel und Erde vom Standpunkt der Naturwissenschaften dargestellt von Gvmald Köhler. Brosch. M. 2,-. Geb. M. 2,50. Die ländliche Ardeiterfrage. Nach dem Russischen des Kablubom. Brosch. M. 1,-. Geb. M. 1,50. Thomas More nnd feine Utopie. Mit einer historischen Einleitung von Kari Käutssty. Brosch. M. 2,—. Geb. 2,50. Charles Fonrier» sein Leben und seine Theorien. Von Kuguft KebeL Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Das moderne Glend»nd die moderne Aedervoldernng. Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von Mar Kchippel. Broschirl M. ILO. Geb. M. 2,—. Berliner Ardeiter-Kidliothek. Von Mar Kchivv-l. Erschienen Heft 1 bis 5. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Heft 2: Der Nutzen der Gewerk- schaften. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart, Heft 4: Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Heft 5: Charakter- köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Ol'sip Zetkin-Paris f. Heft 6: Die Hausindustrie in Deutschland von Paul Kampffmeyer-Genf. a Heft 15 u. 20 Pf. Dir Ardritrrinnen-Drwrgnng Berlin». Von zu Ferge». a Heft 30 Pf. Ferdinand Fastalle, eine Gedenkschnft zu seinem 25 jährigen Todestag. Von Mar Kegel, a 50 Pf. Stern, j. Die Region der Dadnuft. Dritte vermehrte Auflage. broch. M. 0,50. —u— Thesen«der den Sozialismus. Broch. M. 0,30. Gesetz der Alters-«nd Innaliditats-Derstchernng. Von zu Febel und lp. Singer. Preis cartonnirl M. 0,50. Ardeiter-Uotizdalender pro 1889 Kleine Ausgabe a Exemplar 50 Pf. Die Klastengegensatze von 1789. Von Karl»a«t«Kq. a Exemplar 50 Pf. Die Sonntags-Ardeit. Von Angnft Febel. Brosch. M. 1,-. Sydil. Roman von Disraeli, übersetzt von Natalie Liebknecht. Die Uitter der Ardeit» Nach dem Amerikanischen des Zor von Natalie Liebknecht. Die frauzöstsche Revolution. Von Wilhelm Fi-». YSebnude» i« Prachtband. a Exemplar M. 5,50. Broschirt m 20 Heften a 20 Pf. Dazu Einbanddecken ä M. 1. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Weiß- mil BairishBier-Lttklil, auch ist ein Vereinszimmec zu vergeben. ttans Polandf, 1670 Naunynstraße 83. iTischler-Merkzeuge» beste englische und deutsche, unter Garantie fertige gangbare Hobel»c., sv4� K. Berlin(. Landsberger kr. 64(am Alexanderplatz) Arveitsmarkt. Einen EtuiS-Tischler verlangt 1671 Knoll& Siegle, Roßstr. 5. Ein Laufbursche wird verlangt Reichenberger- straße 5. 1672 Auf sofort einige taoktige Klempner für Akkordarbeit bei gutem Vero.enst u. dauern- der Beschäftigung gesucht. Reise wird vergütet. Ahlemann A Schlatter, Lampevfabrik. 1652 Hemelingen b. Bremen. Geübte Kartonarbeiterinnen verlangt Anders, Ritterftraße 123. 1644 Wobel- u. 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Unelmefiliche Mittel— geheime Fonds, eine feile viisse kaufen, bestechen zu können; Usurpationen, die die Lage rwickeltcr�machen: Kneten der Gcsedgebunaskörper, damit fie ntugiger für die Pläne gewifler mächtiger Koterim werden— 'rte und noch weit mehr Mittel dienen dem verwerflichen ai! �»gowibheit der Lage zu erhöhen. � Was wird dem Volke nicht alles voraefaselt. um die -otewung zu erwecken, es sei eine heidenmähige Arbeit, die p"t'»schen Geschicke der Völker zu lenken! Als ob überhaupt '"zclne Personen im stände wären, dem Rade der Zeit ge- �sten zu können. Gewiß ist. daß vermcssene Thaten, bei Tassen ganze Völker engagirt find, die regelrechte Entwickelung �eillos unterbrechen und daß solche Vermessenheiten einzelner Prionen heute leider noch ungestraft zutage treten und eine j�'o�rng des Weltfriedens bezwecken dürfen; gewiß ist, daß Menschheit rohe Eingriffe in die friedliche Entwickelung �wer empfindet,� allein unaufhaltsam treibt doch der Geist der «rtvwrt � rZ/fti utm�fcn kditter den an?dm ver- nicht die Rede sein kann, weil— nun weil ihn die Diplo- malen nicht brauchen können. Ihr LebenSelement ist die ewige Unficherheit, unter der die Völker in rhrer Entwicklung gehemmt werden. Immer kann, darf und wird es nicht so blerben, dafür sorge ein jeder und unterstütz? eine prinzipielle Oppofition, die durch den giftigst» n Haß der Staatsmänner von heute auSge- zeichnet wird. Lcrkrnles. ««'"V rmpnnoti, auein unauipiuiiuiu utim uuu; v»» v�v.,. w. ip'cnschbeit vorwä> tS und rächt zuweilen bitter den an ihm ver- "dien Hochverralh.— Wie oft meldet nicht die Geschichte Sturz mächtiger Volks bcdrücker und frevelhaftcr �derräuber; welch' abschreckenoe Beilpiele hat nicht eine urchende Remefis zur Behcrzigung gegeben und doch ist noch �wt die Zeit da, die Geschicke der Völker in die Hände der �festen unter ihnen legen zu können. Womit wir keineswegs 0'togt haben wollen, es müßten einzelne die eigene Entschei- »ung über den Volkswillen stellen dürfen. Tie Zeit der groben Jrrthümer ist leider noch nicht vorüber "�d wenn eS auch freundlich aufdämmert im Bewußtsein der esen FriedenSelementcn ersteht den Kriegkpartcien die Gegner lhaft. Diese Geanerschaft ist eS, die mit ungleichen, geringeren materiellen Mitteln ausgerüstet, den Kampf führt gegen ,'i:c wilder Zerstörung dienende Kriegskunst. Als Untergebene �'r Diplomatie empfängt die Kriegskunst von letzterer das -ftassi lernen t, mit dem die ZrrstörungSwerke heutzutage be- �r»den weiden. Ein neuer Erfolg dieser Ralfinirtheit ist bei' 'p elsweise daS neue, rauchlose Pulver, bestimmt, unter Ver- te»onung aller Menschlichkeit der Förderung von Zerstörungs- Berken zu dienen. . � Solche ZerstörunpSwerke sind nicht immer auf die Ver- Uridigung oder den Angriff gegen feindliche Völker gerichtet »'Wesen, sondern fie wurden zuweilen gegen das k�ane Volk in Anwendung gebracht, das mit den Grund- 'den seiner Regierer nicht einverstanden war und l'inen Willen durch entschiedene OpposilionSstcllung be- tiiriurt,. Daß der Wille des Volkes in einzelnen ''ästen nur erst nach schwerem Kampfe zur Durchführung ae- �nuen konnte oder in anderen Fällen in Strömen von Blut �stickt wurde, gereicht den Regierern solcher Völker nicht zur stthre, denn die Opvosition hat noch immer den Fortschritt gegen a>e herrschsüchtige Reaktion vertreten, abgesehen von den Fällen, n, welchen nur eine Varteigruppirung um Personen staltfand, Welche einander die Macht strettig zu machen suchten. Wer wagt zu leugnen, daß auch die Opposition der .'genwart in fast allen Staaten, besonders aber in Deutsch. j�nd die Sache des Fortschritts gegen die neucrungzfcindliche lll.ak-ion vertritt? Alle Flunkereien von Verschwörung, Umsturz, olle neu» �it'rchen Arbeiter-VerficherungSgesctze können diese Thatsache "'cht widerlegen. Der Verdunkelung dieser Thatsache hat da- negrn die Diplomatie ihre Hauptarbeit gewidmet. Um daS Augenmerk von dieser Thatsache abzulenken, schafft sie inter- ' atrorale Verwickelungen, die man mit einem angeblichen Auf- Iterwirreiungen, vre man mu«ntm uuyjcuuufti. Ü'onö von Scharfsinn wieder löst, damit dem Volke der große den unserer Diplomatie in die Augen springe. Man preist "lese»Erfolge" als etwas Außerordentliches und spricht es ..I»- v.»» m«i»...Cwrt�Av, r„i„ fnnnf. eine fnlrfie Re- 31 1 "lese»ISrfolge" als«was AULcrorvenlUlpr« u»>/ "seist ppg, daß das Volk zufrieden fein könne, eine solche Re- M-ruvg zu besitzen, sowie daß es verwerflich und undankbar fei, derselben Opposition zu machen. � Jndeß, manchmal nehmen diese Verwickelungen einen andern Ausgang, als wangewollt; man muß dann einen glühend ge- büßten und bekämpften Papst als Schiedsrichter anrufen, wie 'n der streitigen Angelegenheit der Karolineninseln; man "rfert auf dem Meere Schisse und Menschen, wie vor San�oa, "»S muß dann unter dem Druck der„wilden" Nationen, wie virgländern und �Amerikanern, auf Samoakonserenzen einen Nl'ckmg über Brücken antreten, die nicht von Gold sind; man k'ettl Millionen in kolonialpolitische P'une und kann dafür jj'ltcr nichts, als einige zweifelhafte Neger in afrikanischem Ausputz zur Vorstellung nach Berlin bringen; man behandelt '»esimdten fremder Staaten großmachtskitzlig und erhält dafür liaen Nasenstüber und waS dergleichen Erfolge sonst noch aus latche« Verwickelungen entspringen. Sind diese Verwickelungen wirklich geeignet, eine Zeit lang die Aujm rksankeit vom Gebiete der inneren Politik abzulen- »�l, so rragen fie auch die hohe Gefahr eines kriegerischen Zu- �mmenstoßes in sich, sind also zu vcrurtheilen. UeberdicS "'rgeu diese Ablenkungsversuche das Zugeständniß, daß ohne !>e die Opposition die Staatsbürger zahlreicher unter ihr Banner schaarcn könnte und dies doch nnr dadurch vermöchte, �'-ß sie eben die Sache des Fortschritts vertritt, sowie den zur besseren Entwickelung aller Verhältnisse nöthipen Frieden JJ'tl. Die Opposition kennt das Spiel: Kommt der >iar, kommt er nicht? Sie durchschaute, weshalb der Staats spitzbube Boulanger als Volksheld seinerzeit ge- ''reit wurde; fie we.ß, welchem Zweck die Gehrimniß- 'b'ierei dient; sie kennt ihre Pappenheimer, die Dtp'omaten, dnd muß darum leider sagen, haß von einem dauernden Frieden ■Uo» dem Rechtsanwalt Herrn Arthur Stadthage« erhallen wir folgendes Schreiben:„Berlin, den 24. Sep- tcmber 1889. Sehr geehrter Herr Redakteur! Im Anschluß an den in Ihrer SonntagSnummer enthaltenen Bericht über den Prozeß wider Baumaarten und Genossen ersuche ich Sie ergebcnst um Aufnahme folgender Erläuterungen und Ergän- zun gen. Da das Urtel gegen die Angeklagten und der gegen mich erlassene Beschluß mit den erforde.lichen Rechtsmitteln angegriffen sind, so enthalte ich mich zur Zeit aus nahe liegenden Gründen jeder öffentlichen Aeußerung über diese. Wohl aber zwingt mich die mit der Sache s e l b st in keinerlei Zusammenhang stehende, nach dem Bericht in Ihrer Zeitung dahin gehende Aeußerung des Vorsitzenden, Herrn LandgerichtSdircklorS Brauseweiter: „Es ist nicht recht einzugehen, warum gerade dieser Ver« ihcidiger fast jedes Mal, wenn er eine Sacke ver- tritt, sa erregte Szenen veranlaßt", sowie der Umstand, daß der Vorsitzende die Ausnahme diesseits gestelller Beweis- ont-äge in das Protokoll ablehnte, schon jetzt zu einer Auf- klärung. Als Anwalt bin ich viele Tausend Male vor den ver- schiedensten Gerichtshöfen aufgetreten: nur 2 Mal— am 4. Dezember 1886 in der Sache wieder Frau Dr. Hoffmann und Gen. wegen Uebcrtretung des Vereinsgesetzes und Schließung des Arbeiter, nnen-Vcreins und am 14. Juli 1889 in Sachen wider Ganschow und Gen. wegen GehcimbundeS— vor einem Kollegium, dem der Landgmchtsdirekior Brauscwetler als Raih oder Direktor beisaß. Schon aus dieser Thatsache dürfte erhellen, welche Bedeutung dem Urtel des vorgenannten Herrn über mein Auftreten beizumessen ist. Daß nicht ich in einer dieier Sacke„erregte Szenen„veranlaßte", ergeben die Berichte über die da- maligen Verhandlungen. Das vom Vorfitzenden geleitete V?r- fahren gab m r zunächst in der Sache wider Frau Dr. Hoff. mann allerdings Anlaß»ur Erhebung einer Reihe von Rügen in der Rcvisionsrechtfcrtigungsschrift. Unter anderen halte ich damals zu rügen: 1) Daß die Vorschriften über die Oeffent« lichkeit verletzt seien. ES sei nicht gleichmäßig allen Mel- denden der Zutritt gestattet, sondern nur den mit Karlen Ver- sehenen. Die AuSlheilung der Karten sei nicht gleichmäßig nach der Zeit der Meldung, sondern nach Willkür meistens an Beamte erfolgt: andere seien zurückgedrängt und durch unwahre Behauptungen zur Entfernung veranlaßt worden: 2)„die Ueberzeugung des Gerichts habe sich nicht aus der mündlichen Verhandlung gebildet und könne sich nicht aus der mündlichen Verhandlung gebildet haben, denn in derselben sei bezüglich aller relevanten Thalsachen daS strikte Gcgcntheil von BclastungS- und Entlastungszeugen bekundet, soweit nicht im Urtel ausdrücklich das Gegentheil gesagt sei." Die hiesige OberftaotSanwaltschast nahm daraufhin an, daß diese und andere Behauptungen der RevifionSrechtferligung un- möglich der Wahrheit entsprechen könnten und schwere Be- leidigungen der Richter, insbesondere des Herrn LandgerichtS- direktoiS Brauseweiler, enthalten. Sie klagte mich deshalb im ehrengerichllichen Verfahren an. Nach stattgehabter Beweisaufnahme sprach mich in letzter Instanz der Ehrengerichtshof unter Vorsitz des ReickSgerichtSpräsidenlen von sämmtlichcn wegen meiner Aussührungen in der Re- visionSrechlfertigungsschrist gegen mich eihobenen Beschuldigungen frei. Schon in dem Urtel erster Instanz heißt es bezüglich der Rüge der Verletzung der O.ffentlichkeit des Verfahrens: „daß als nachgewiesen anzunehmen, daß der Beichuldigte sonach Gr un d hatte anzunehmen, daß objektiv die Zulassung zur öffentlichen Sitzung nicht in unparteiischer regelmäßiger Weise le nach der Zeit der Meldung zu Einlaßkarten gehandhabt ist." In der zweiten Sache, in der ich vor dem Kollegium auf- trat, dcm Herr Landgenchtsdirektor Bcausewelter angehörte (wider Ganichaw), wurden mir als Vcriheldiger ähnliche Ver- Ictzungen der Oeffentlichkeit mitgetheilt. Ich bat darauf, wie ja auch Ihr geschätztes Blatt seiner Zeit berichtete, um Remedur. Ter Vorsitzende lehnte eine solche und die Aufnahme eines diesbezüglickien Antrages und Protestes in dos Protokoll ab. Diese Vorgänge schemt Herr Landgenchtsdirektor Brausewctler bei seiner AeußerunA gemeint zu haben. ES ist selbstverständlich, daß auch solche Aeußerungcn, die Herr Landgenchtsdirektor Brausewetter in der Stellung eines Vor- sitzenden, in der von ihm geiväklten Form ausspricht, mich nickt ab- halten dürfen oder werden, inAuSübungmeinerPflicht Unregelmäßigkeiten des Verfahrens, die zu Ungunsten meiner Klienten stal, finden, stets zu rügen. Kommt es dann zu»er- regten Szenen", so»veranlasse" dieselben nicht ich. Vom Herrn Vorsitzenden— nicht vom Gericht, wie eS in Ihrem Bericht irrchümlich h-ißt— ist die Prolokollirung ver- schieden« düsseitS äestellter Anträge abgelehnt. Deß meinV«- harren auf der Ausnahme dieser Anträge in das Protokoll »Erregungen" veranlaßt haben mag,Zergiebt folgendes Präjedens. Am 13. Februar 1886 lehnte der AmtSvorgäng« des Land- gerichtSdirektorS Brausewctl« ab, mehrere meinerseits t(stellte BewciSantiäge in das P.otokoll aufzunehmen. liefe Ablehnung griff ich in der RevisionSiastanz an und bezeichnete dieselbe in Verbindung mit an- deren Vorgängen als Protokollsfälschung. DaS Reichsgericht hob darauf das damals angegriffene Urtel ans einem zweiten von mir angeführten Grunde auf und stellte zu- gleich fest, daß. falls meine Behauptungen zutreffende feien, die objektiven Thatbe st ands Merkmale einer Proto kollfLIfch ung im Sinne der Straf« Prozeßordnung vorliegen. Daraufhin wurde nicht gegen den Amtsvorgänger des Herrn LandgerichtSdirektorS Braufewett«, sondern gegen mich ehrengerichtliche Anklage ron der hiesigen ObnstaatSanwaltschaft unter d« Behauptung erhoben, daß ich durch memen Vorwurf den betreffenden Richter schwn beleidigt hätte: ein preußischer Rich'er, wurde später ausgeführt, könne keine Protokollsfälschung begehen. Die Beweisaufnahme«gab in allen Punkien die Richtigkeit meiner Behauptungen. In beiden Instanzen wurde ich unter der Feststellung, daß ich zu meinem Angriff einreichenden Grund hatte, freigesprochen. Der Amt» Vorgänger des Herrn Landgerichts- direktorS Brausewetter hat seit der Erhebung dieser Anklage wid« mich nicht mehr al« Richter fungirt:« erbat— wegen Krankheit— zunächst längeren Urlaub, dann der Abschied. In der Be« weisaufr.ahme vor dem Ehrengericht wurde vom Richtntisch aus die Ansicht ausgesprochen, daß ein beisitzender Richter gegen die ungesetzliche Nichlb'riicksichiignng eines mündlichen Beweisantrages durch den Vo sitzenden hätte p r o t e st i r e n müssen: in der Strafsache wider Baum- garten und Genossen ist die Aufnahme diesseits gestellt« An- träge zu Protokoll abgelehnt, kein« der beisitzenden Richter hat vrotestirt; mindestens einer der beisitzenden Henrn Richter saß auch in der beregten Sitzung vom 13. Februar 1886 bei. Das Vorstehende— es liegt mir noch mehr Material vor — dürfte zur Beleuchtung des? Werths der von Herrn Landgenchtsdirektor Braufewett« in öffentlicher Sitzuna gemachten Aeußerungen genügen. Selbstverständlich stehe ich für die Rich- ligkeit d« von mir angeführten Thatsachen ein. Hochachtungsvoll - Arthur Stadthagen, Rechtsanwalt. Di« Natnrforfcherverf'ammlnng in Heidelberg. Die letzte allgemeine Sitzung vom Sonntag begann mit einem Vor- trage des Professors Th. Puschmann-Wicn„Ueb'r die Be- deutung der Geschichte für die Medizin und die Raturwiffen- schaften". Die Geschickte der Medizin und der Naturwissen- schaflen bildet nach den Ausführungen des Redners einen Theil der allgemeinen Kulturgeschichte. Die Darstellung ihr« ae- schichtlichen Entwickelung regt das Gemüth an, weil sie die Ereignisse belebt und dem menschlichen Fühlen näh« rückt. Durch die Vernachlässigung der medizinischen Geschichte hat die Neuzeit Entdeckungen machen müssen, die schon im Altecthum bekannt waren.. Die Lehre, daß die Lungenschwindsucht an- steckend sei, wurde schon von HippokrateS aufgestellt, von len Aerzten nach ihm ab« verworfen und erst in jüngster Zeit wieder anerkannt. Die Behandlung bestand in Milchkuren, Seereisen und dem Aufenthalt in Egypten, gerade so wie heute. Bei der Untersuchung des Kranken wurde die Auskultation an der Brusthöhle ausgeübt, wie aus ein« Stelle des HippokrateS überzeugend hervorgebt. Aretaeus kannte be- reitS die Kreuzung der Nervenfasern im Zentralorgan und«klärte dadurch die Lähmungen, welche nach Ver- letzungen ein« Gehirnhälfte auf der entgegengesetzten Seite des Körp«s auftreten. Bei Plinius findet sich schon der Satz, daß Leute, welche mag« werden wollen, während der Mahlzeit nichts und nachher nur wenig trinken; eine Vorschrift, welche in den vielbesprochenen EntfctiungSkuren der neuesten Zcit ihren Platz erhalten hat. Die Alten �verwendeten die meisten Heil« mittel, die im heutigen Arzneischatz eine Rolle spielen, und ver- ordneten sogar Stoffe, deren heilkräflige Wirkung«st jetzt fest« gestellt worden ist, wie»um Beispiel das in der schweißigen Wolle der Schafe enthaltene Fett, in welchem Liebreich 5»«» Lanosin entdeckt hat. Aristoteles gab schon dem Gedanken Auedruck, daß im Leben der Natur eine aussteigende Stufen- leiter von den einfachen zu den komplizirten organischen Wesen, von den Pflanzen zu den Thieren und zum Menschen führt, war also gleichsam ein Vorläufer Darwins. Der großartige Auffchwung, den die Naturwissenschaften und die Medizin im 19. Jahrhund«t erlebt haben, hat seine Wurzeln im 16. und- 17. Jahrhundert und die Kenntnis! dieses Aufschwunges ist eine Rothwendigkeit für den Naturforsch«. Zum ersten Male trat damals das Experiment in den Vordergrund und wurde ein wichtiges Hilfsmittel der Forschung. Helmonts Versuch um den Antheil des Bodens, der Luft und des Wassers an der Ernäh-. rung d« Pflanze zu bestimmen, die Beobachtungen über die Geschwindigkeit des Schalles, die Unt«suchungen üb« das Ge« wicht, die Dichtigkeit und Elastizität der Luft, die Verwendung des Baromettrs zur Bestimmung der Höhe eines Ortes und die zahl- reichen Arbeiten üb« das Lickt und die Farben liefern beut« liche Beweise dafür. Damals stellte Huygens seine Udulations« theorie auf, und Newton«sann die Gravitationsthcoric. In der Medizin bildete die Entdeckung des Blutkreislaufes den Be« ginn der auf die Beobachtung und das Experiment gcgründetm Forschungsmethode. Alfred Borelli und Ricol. Steno versuch- ten die komplizirten Bewegungen dcS Körpers in die Thätig- keitsäußerungen der einzelnen Muskeln aufzulösen und die letzteren nach den Gesetzen der Mechanik zu«klären. Die Bakterientheorie, welche die heutige Medizin behenscht, hatte ebenfalls im 17. Jahrhundert ihre Vorläufer. Leeuwenboek de- schrieb solche kleine Lebewesnr, die er in der Mundhöhle ge« funden unb unter dem Mikroskop beobachtet halte, und LinnS � und Plencicz glaubten an das Contagiurn animatum; ab« die Mehrzahl der Aerzte und Naturforscher verwarf diese Lehre, welche«st neu«dingS wieder aufgenommen und zur wissen- schafllichen Thatsache erhoben wurde. Der moralische Werth des Studiums der Geschichte der Naturwissenschast beruht darin, daß sie d« studirenden Jugend(?) Ideale giebt, nach denen sie streben kann. Wenn auch nicht in allen, so doch wenigstens an den großen Uniocrsiiäten müßten Professoren für Geschichte d« Medizin und der Naturwissenschasien«richtet werden; freilich find die dafür«forderlichen Lehr« jetzt nicht vorhanden, vielmehr«st heranzubilden. Km Mühlendamm ist der Schlcusenbau schon ziemlich weit vorgeschnttcn. Man sieht bereits den gemauerten Damm, welcher die beiden Schleusenkammern trennt und die mächtigen runden Pfeil« aus Granit an den Schleuseneinaängen. Ein gewaltig« Bau ist das Wehr für das überschüssige Wasser. Dasselbe spannt sich als 4 Mel« tiefes gemauertes Bassin quer üb« die Spree und auf demselben«heben sich ungewöhnlich starke Ersenqufbauten für die Schützen zur künftigen Reguliruna des Wasserstandes. Di» Kankakratir erbaut sich patäflr. Eine ganze Reihe von„Bankpalästen" ist, wie die„T. R." schreibt, m Berlin erstanden. Nachdem die Nationalbank in der Voßstraße und die Dresden« Bank am Op«nplatz prachtvolle Grbäude haben aufführen lassen, werden demnächst noch andere Finnen diesem Beispiel folgen. Bleichröd« hat in der Behrenstraße neben den ihm bereilS gehörigen Grundstücken einen Bauplatz zur Errichtung eines Wohnhauses erworben, so daß das bis- herrge zu Geschäftszwecken verwandt werden kann. Auch die Deutsche Bank hat neuerdings die Gebäude zwischen ihrem Hause in der Behrenstraße und dem Bankgebäude an der Ecke d« Französischen und Mauerstraße angekauft, um daselbst im nächsten Frühjahr einen Neubau zu errichten. Die Diskonto- gefellschaft hat auf der Stelle des niedergerissenen Hotel du Nord«inen»Prachtbau" hergestellt. ffii» journalistischer Schildbürger ist in der Redaktion der»Nat.-Zlg." als Speziallst für»Sozialistisches" thätig. Er beschäftigt sich damit, Nachrichten, die er in Arbeiterblattern gefunden, zusammenzustellen, mit Glossen zu versehen, und den Lesern der»Rat.- Ztg." und anderen Kartellbläitern als Neuigkeit vorzusetzen. Zuweilen ab« kommt es ihm auch gar nicht darauf an, Harfe Cifindungcn an den Mann zu bringen. So in folgender Noll,: „In der letzten Zeit hat die Polizei wieder mehrfach Haus- suchungen bei Sozialdemokraten vorgenommen: die Haus- fuchungen fanden meistens an den Sonnabenden statt, weil die Polizei annahm, daß die Sozialdemokraten gerade diesen Tag benutzten, um das in London erscheinende Parteiorgan„Der Sozialdemokrat" zu verbreiten. Die Haussuchungen hatten Erfolg, mehrfach wurde ein a-öhereS Schriftenlogcr entdeckt." Die Mittheilung ist völlig erfunden. Uns ist in letzter Zeit von besonders zahlreichen Haussuchungen, Entdeckungen von Schriftenlagern und ähnlichen grausen Dingen nichts zu Ohren gekommen. Daß ober ein„Schriftcnlager" gerade am Sonnabend von eifrigen Beamten besonders leicht aufgefunden werden kann, ist ein Gedanke, der in die Jahrbücher von Abdera oder Schildberg eingetragen zu werden verdient. Laut polizeilicher Feststellung waren zu Anfang dieses Monais an öffentlichen Fuhiwerkcn in Berlin im Betriebe: 2527 Droschken erster Klaste, 2460 Drolchkm zweiter Klaffe und 138 Gcpäckdroschkcn. Außerdem 857 Wagen der Großen Bcr» liner Pferdebahn Gesellschaft, 125 Wagen der Neuen Berliner unb 85 der Berlin- Charlottenburger Pserdebahnlinie. Die OmnibuSgcsellsckastcn vei fügten über 22V Wagen, und Thor- wagen(logenannte Kremser) waren 316 Stück vorhanden. Das crgubt eine Gesommtziffcr von 6758 Fuhrwerken. In Paris war um dieselbe Zeit, am I.September, laut behördlichem Aus- weis an öffentlichen Fuhrwerken nahezu das Dreifache, nämlich 16 478 Fuhrwerke im Betriebe. Die Luftwärme war zwar am Mittwoch früh, größer als om Drcnstog und betrug um 6 Uhr beinahe-ff 9 Grad R., doch wurde dieselbe durch andauernden Regen des Vormittags erheblich» beeinträchtigt und stieg des Mittags nur auf-4- 11 Grad. Als des Nachmrttags gegen 4 Uhr das Wetter sich aufklärte, wurde der Südwestwind lebhafter und das Thermometer zeigte um 5 Uhr nur-+- 8 Grad R. an. Die große Klattpstamrugruppe in der Mitte des Dönhoffsplatzes fesselt zur Zeit die Vorübergehenden durch ihren Blüihensibmuck. Trotz des ungünstigen Wetters blühen mehrere große PuccaS zum zweiten Male, andere hoben zahl» reiche Knospen angesetzt. Die hochstehenden baumartigen Blumenstöcke tragen ringS an kleinen Zweigen fünfzig und mehr schöne, gelblich-weiße Glockenblumen. Frommer Unfug. Die Missionare Franson und Olßen haben bisher mir ihren Bekebrunpsversuchen herzlich schlechte Geschäfte gemacht. Infolge dessen sieht sich der von ihnen pe- pründeie und polizeilich angemeldete„Freie evangelische MiisionSverein" genölhigt, den im März d. I. im Hause Forste, str. 56 für BekehrungSzwecke gemietheten Fabriksaal mit dem 1. Oktober wieder aufzugeben und die Thätigkeit allein auf das Lokal in der Krautsltr. 39 zu beschränken. Der Verein zählt bis jetzt 40„bekehrte Sünder", Nomineller Vorsitzender ist der in der Fliederstr. 11 wohnhafte Sckmhmacher E. Krahn. Die geistigen Leiter sind natürlich die Herren Franson und Olßen. F Franson ist ein Anhänger und Apostel des „Heiligen" Moody in Chikago. Er hat zuerst in Schwedenge- wir kt und hier Olßen kennen gelernt. Olßen ist Philolog und Soh» d>S deutschen Konsuls P. Olßen in Helsinpborg, der schwedischen Hafenstadt am Oeresund. Dritter im Bunde ist oer RegierungSboume>ster BcneihauS, der auch in den Ver- sammlungen als„Betender" auftritt. Im Nebrigen rekrutiren sich die„Bekehrten" hauptsächlich aus dem Kleinhandwerker- stände. Der ue« geschaffen-„Kellner- Ofden" soll nur an den hohen Festtagen angelegt werden. Die„tzotel-Revue", als amiliches Organ des Deutschen Kellnerbundes, theilt in ihrer jüngsten Nummer mit, daß diese Auszeichnung lediglich bei Bundesfesten und nicht„im Dienst" getragen werden wird. Der stark vergoldete Stern wird auf dem Mittelfelde der Vorderseite die Worte zeigen:„X Jahre Mitglied" und auf der Rückleiie das Monogramm r>. X. B.— Mit solchen Kindereien beschäftigt sich der Kellnerbund, statt den Versuch zu machen, die tiouiige, soziale Lage seiner Mitglieder zu vcrbkssern. Charivari-Aulrtto«. Auf dem Postpacket-Amt in der Oran,e»burgcrstrctze fand am gestrigen Tage eine Versteigerung aller derjenigen Gegenstände statt, welche nicht abgenommen worden, resp. deren Empfänger innerhalb eines gewissen Zeit- raumes nicht zu ermitteln gewesen sind. Der Andrang von Kauflustigen war ein überaus starker. Zumeist waren eS frei- lick Händler, Trödler und„Rammscher", welche den größeren Theil der zur Auktion gelangenden, mannigfachsten Gegenstände in ibren Besitz zu bringen wußten. Die Zahl der AuklionS- objekte war unendlich. Federmesser, Taswenbürsten, gestickte Börsen, Morgcnkchuhe und vielfach solche Gebrauchsgegenstände, welche von zarter Hand gefertigt und„in Liebe" der Post zur Bc- förderung an den leider nicht auffindbaren Geliebten an- vert-aui worden sind; daneben aber auch reine Geschäfts- sendungen, wie Kontobücher, Dutzende von Schreibmoppen, Papieibollen nack Zentnern, Taschen- und Wanduhien, Bücher in solchen Massen, daß man sügtich eine Bibliothek damit hätte füllen können, Fächer, Schirme, Stöcke und tausenderlei andere Geg nstände. Die meisten Sachen wurden von den Händlern zu wahren Spottpreisen erstanden. Besondere Heiterkeit erregte eine Flasche Kognak; dieselbe erzielte, außer vielen guten und schlechten B-meikungen über die ungestillte Sehnsucht des nicht ausfindbaren EmpkängerS, 1 M. 10 Pf., 2 Dutzend Chlipse hingegen nur 30 Reichspsennige. Die Post ist immerhin auf ihre Kosten gekommen. Gin n-ner„Prinz" von Armenien. Die hiesige Kriminalbehörde, sowie alle größeren Polizeidirektionen, sind von Paris auf Anordnung der dortigen Staatsanwalsschaft benachrichtigt worden, daß eine als Prinz Kamor sich aus- gebende Person, die mit höchster Eleganz auftritt, dort in der Rue Druot bei der Banque d'Escompte versucht hat, für 500000 FrkS. egyptische urnfijirte Staattschuldschcme, welche gefälscht waren, zu verkaufen. Die Fäl chung ist so geschickt ausgeführt, daß sie sich selbst dem Auge des besten Sach- kenners l-icht entzieht. Nur dem Zufall war es zu danken, daß der Kafsirer wegen der Herkunft jener„Werthpapiere" Verdacht schöpfte und vorerst gewisse Sicherheiten forderte, was den Betrüger veranlaßte, sich schleunigst zu entfernen. Da die Kupons von den echten sich kaum unterscheiden lassen, so wird befürchtet, daß der„Prinz", der aus Armenien stammen will, auch an anderen großen Bankv' ätzen weitere Versuche unternehmen wird, um seine Falsifikate an den Mann zu bringen. Der Telegraph arbeitet schon seit mehreren Tagen und benachrichtigt alle größeren Banken und die Börsen, um zu verhindern, daß bei der om 1. Okiober bevorstehenden Kupon- Einlösung jene gefälschten Zinsscheine mit untergeschoben werden. Für die egyptrsche StaatSschuldendircktion handelt es sich dabei eventuell um einen Verlust von Millionen. Dieselbe ist übrigens entschlossen, nach dem Beispiel der Banque de France, deren 500 Francs- Scheine kürzlich in Massen ge- fälscht morden waren, ganz neue Titel zu verausgaben und die alten eimuziehen., � t.., N-rfchmnude« ist seit dem 9. d. M. der 17iahrrge Kauf. mannt lrhrlmg Alfred Menge. Derselbe hat am genannten Taue die elterliche Wohnung, Alle Jakobstiaße 63, zur ge- wohnlichen Stunde verlassen, um noch dem Geschäft zu gehen, woielbst er indessen nicht angekommen ist. Seit jener Zeit fehlt jede Spur von ihm. M. ist 5 Fuß 3 Zoll aroß, hat große schwarze Augen, dunkles Haar und längliche Nase; de- kleidet war derselbe mit grauer Hose, dunklem, karrirten Rock und dunklem, weichen Hut, er führt eine silberne Zylinderuhr mit dem cingravirlen Namen„Schmidt" an einer Nrckelkette de- sich. Der bctümmerte Vater sichert Jedem eine ange- messcne Belohnung zu, der über den Verbleib seines Sohnes irgend welche Auskunft geben kann. Eßbare Pilze. In geradezu verschwenderischer Fülle ist der Trsch der Natur mit Pilzen gedeckt. Man kennt etwa 750 Galtungen, von denen nachgewiesenermaßen nur 6 wirklich giftig sein sollen. In der ganzen zioilisuten wie nicht zioili« sirtcn Welt(England ausgenommen, wo das Volk eine un- übenvindliche Ab cheu vor diesen hcxmartigcn Formen, Kröten- stühlen—„read sroola"— an den Tag legt) spielen die Pilze als Volksnahrungsmittel eine große Rolle, und ihr Handels- werth in Frankrerch, Italien, Rußland, China und Japan be- ziffert sich noch Millionen Mark. Eine verhältniimäßia unter- geordnete Rolle nimmt der deutsche Handel ein. Ihr N hrungs- werth besteht in dem hohen Gehalt an stickstoffhaltigen Bestandtherlen, welche in einigen der besseren Arten in größerer Menge als in den Körnern unserer Brot- ftüchle, ja selbst als im Fleisch vorhanden sind. In 160 Theilen der wasse. haltigen Substanz sind an stickstoffhaltigen Bestandtheilcn enthalten: im Weizen 13,0, im Roggen 11,0, im halbfetten Ochsenfleisch 17.80, im Stempilz Bolema eduiis (O. Siegel, Beiträge zur Kenntn. d.<ßb. Pilze. Göttingen 1870) dagegen 19,30, im Eieischwamm(Oin!bar«4Uis eibarius) 19,56, im Hahnenkamm(Ciavaria flavea) 19,19 und in der Morchel(blorcbella«culsrna) sogar 22,58 Theile, während unsere gebräuchlichsten Gemüsepflanzen davon nur 1,2 bis 1,6 Prozent enthalten. Es leuchtet ein, einen wie werthvollen Beitrag unsere Pilze zu dem Spersezettel derjenigen Menschen zu liefern geeignet sind, welche m unfreiwilliger Werse dem Äeaetarianismus huldigen. Der bei Weitem größtcTheil der eßbaren Prlre unserer Wälder wird nickt gesammelt, sondern geht verloren, wobei die Furcht vor gis ligen Pilzen wohl eine ziemlich große Rolle spielt— und zwar nicht mit Unrecht, weil, um sich vor Vergiftungen zu hüten, es nur ein Mittel giebt, die eßbaren Pilze genau kennen zu lernen. Der Fehler liegt in unseren Volksschulen, in welchen Naturkunde gewöhnlich in einer Weise gelehrt wird, daß die Kinder den Wald vor den Bäumen nicht zu sehen be« kommen. Und wie leicht wäre es, die nöthige Kenntniß der eßbaren Pilze unserer Wälder unter den Kindern zu verbreiten, wenn nur diese zur Anschauung gebracht, alle anderen aber weg- gelassen würden. Dr. I. Röll verzeichnet in seiner kleinen, vortrefflichen, soeben in zweiter Auslage erscknnenen Schrift nur jene 24 eßbaren Pilze, welche in Deutschland heimisch sind und mit giftigen nicht verwechselt werden können. Nur in einem Falle hat Röll das Prinzip unterbrochen, die eßbaren Pilze allein und nicht auch giftige abzubilden, und zwar bei dem giftigen Knollenblätterschwomm (AgaHrus phalloides— Gifichampignon, Schirlingspilz, Gicht» vilz, Wulstling), welcher schon vielfach zu Verwechselungen mit dem echten Champignon Veranlassung gegeben hat und dabei vielleicht als der alle: gefährlichste unserer Giftpilze anzusehen ist, da schon ein einziger Pilz eine genügend große Menge von Gift enthalten soll, um einen Menschen zu tödten. Die äußeren Merkmale des echten und des Giflchompignous sind ziemlich gleich. Der Hut ist weiß, grauweiß, grüngelblich bis grünlich- braun und steht auf weißem, fleischig- saftigem Stiele, im Geruch schwach sogar an bitlere Mandeln erinnernd, im Geschmack süßlich und nicht scharf wie der des giftigen Täublings. Das einzige unterscheidende Merkmal ist, daß die Blättchen (Lamellen) auf d-.r Unterseite des Hutes sich niemals rosa bis braun färben, wie beim Champignon, sondern weiß bleiben. Für den Pilzkenner ist dies allerdings ein völlig aus- reichendes Kennzeichen, nicht so ober für den nicht genügend aufmerksamen Sammler, welcher seine Waare auf den Markt bringt; und es würde sich deshalb wohl empfehlen, diesem Um- stände von unserer Markipolizei dieselbe Aufmerksamkeit zuzu- wenden, wie dies seit langem schon in Italien geschieht. In Rom steht der Schwommverkauf unter der Kontrole eines be- sonderen RegierungsorganS„Ispenore de funRhi" betitelt Alle durch die verschiedenen Thore zu gewissen Zeiten(vierzig Tage im Herbst und zwanzig Tage im Frühling) nach Rom gebrachten Schwämme werden in ein Verzerchniß eingetragen und in ein Zentraldepot gebracht, wo sie täglich von dem erwähnten Inspektor untersucht werden. Das Amt dieses Beamten ist in Anbetracht der Unmassen von Schwämmen, welche auf den Markt gebracht werden, durchaus keine Sinekure. Niemand darf mit Schwämmen in den Straßen Hausiren, und alle faulen oder von Würmern angefressenen Vorräthe vom Tage zuvor waudein in den Tiber. Warum sollte bei uns für Pilze nicht duichführbar fein, was für das Fleisch möglich wurde? Ein pilzkundiaer Marktmeister dürfte in größeren Städten nirgend fehlen. Für Pilzliebhaber möge hi-r auch noch die Eintheilung RöllS der Pilee nach ihrer Güte Platz finden. 1. VmzLgfiche: Champignon, Steinpilz, Morcheln. 2. Gute: Reizker, Musseron, Eierschwamm, der große Schilmschwamm, Schmerling, Ring- schwamm, Kapuziner, Kuhpilz, Speiselorchel, Herbstlorchel. 3. Mittelmäßige: Stockschwamm, Halimasch, Ziegenlippe, Sand- pilz, Semmelpilz, Habichtschwamm, Stoppelschwamm, Staub- schwämme. Folgende„wilde Geschichte" wird von einer hiesigen Lokatkorrespondenz erzählt:„Wre erst kürzlich vom Kottbuser Damm gemeldt t wurde, daß dort eine aus schulpflichtigen Knaben bestehende Jndianerhorde bei ihrem Lagerfeuer über- rascht worden war, so hatte eine Anzahl Jungen des Westen zu einem wilden Westen sich zusammengethan. Auf dem Haupt die Fedcrkroue, das Gesicht bemalt, den Arm mit dem Bogen bewaffnet, lagerten die Knaben auf Prairien, vulgo Baustellen, die zwischen dem Zoologischen Garten und dem Charlottenburger Gebiet sich erstreckten. Gestern Räch- mittag nun wurde im Lager großes Pfeilschicßen geübt. Einer der Indianer, ein zehnjähriger Knabe, haue sein Geschoß so- eben in die Luft entsendet und blickte dem Fluge desselben nach, als der Junge plötzlich die GesichlSsiirbe änderte und durch Zeichen seinen Stammekgenossen begreiflich zu machen suchte, daß er dem Eisticken nahe sei. Er zeigte aus seinen Hals, und nun begriffen die Jungen, baß ihr Kamerad eine jener kleinen Muscheln hinuntergeschiuckt habe, von denen bei ihnen die Sage ging, daß jeder indianische Schütze eine solche im Munde führen müsse, wenn er einen guten Schuß abgeben wolle. Der Zustand des Schützen ward ein bedenklicher. Tie Augen quollen ihm aus den Höhlen, und vor Arhemnoth ver- mochte er keinen Schritt vorwärts zu thun.„Zum nächsten Arzt!" gab einer der Knaben dos Losungswort aus, und an- gelhan mit dem indianischen Sckmuck, trugen die Genossen ihren Kameraden nach der Leibnitzstraße, einen Weg von zehn Minuten, zum Herrn Dr. Palmie in Charlottenburg, Leibnitz- straße I5a. Glücklicher Weise trafen sie den Arzt, der über den sonderbaren Aufzug nicht wenig erstaunte. Es war die aller- höchste Zeit, und ohne einen Augenblick zu verlieren, tracheo- tomirte der Arzt den Knaben und holte die unterhalb des Kehl« kopfes sitzende Muschel heraus. Dann setzte er eine Kanüle ein, und der Knabe war gerettet, wenn er auch eine längere Zeit in der Behandlung des Arztes bleiben muß." Einbruch. Beim Prediger Richter in Mariendorf wurde in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag voriger Woche zwischen 2 und 3 Uhr ein Einbruch versucht. Zwei Diebe be- mühten sich, aus dem einen Kellerfenster einen Stein heraus zu meißeln, um dadurch die den Eingang versperrenden eisernen Traillcn zu lockern und dann heraus zu ziehen. Da nun die Mauer aus besten Klinkern bestand, so machte das Meißeln so viel Geräusch, daß die drei Söhne des Pastors erwachten. Sie sprangen aus den Betten in die Kleider und kamen noch so rechtzeitig auf den Hof, daß sie den einen her Einbrecher er- greifen konnten. Dem anderen gelang es, über die Hofmauer zu entkommen. Der Dieb wurde dem Nackiwächler übergeben, der denselben mit Hilfe der drei Predigersöhue in dem ganz neu erbauten AmtSgefängmsse unterbrachte. Der Dieb wurde in eine Zelle eingeschlossen, nachdem ihm seine Sachen abge- nommen worden wären. Unter denselben befand sich ein Bund Schlüssel und ein mit Pfandscheinen gefülltes Portemonnaie. Die Schlüssel nahm der Wächter an sich, das Portemonnaie lreß er aber mit sammt den Pfandscheinen auf dem Korridor des Gefängnisses liegen. Am anderen Morgen war der Vog-l ousgt flogen. Der Gefangene hatte den Kachelofen von oben bis unten vollständig abgedeckt, dann war er durch daS FeuerungSloch nach dem Korrrdor gelangt. Dort hatte er zu- nächst das Portemonnare mit den Pfandscheinen— die sonst einen Anhalt über seine Person gegeben haben würden— an sich genommen, tarn batte er m>t Hilfe der dim Ofen ent- nomm.tnen eisernen Sch euen die Korridorihür g-sprenot und war so ins Freie gekommen. Am Freitag fand zwischen Wünk- dorf und Mölln eine Hasenjagd stait. Bei dieser Gelegenheit bcmerkien die Jäger zwei fiemde Männer, von denen einer m einer Heumiete schlief. Einer derselben wurde dazu-ngagirt, einen Sock mit Hasen nach dem Wnthshause in Mölln zu tragen. Dabei erzählte er den Schützen, daß er Kupfelschm'cd und auf Re s>n sei; oi-ch daß er zu snnem Schutze einen Revolver bei sich führe. Die Schützen lußm sich den Revolver > eigen und fanden denselben in allen seckS Läufen geladen.� Sie schössen sämmtliche Läufe ab, aber dcr Frembe mnnie, da« Ickadc nichts, er habe noch mehr Patronen bei sich. Die beiden Diebe sind in den Tagen vorder vielfach zusammen in der Gegend gesehen worden, wodurch es gelungen ist, ihr Signale- ment genau festzustellen. Der unter de«, Verdacht de« Mordes stehende Klaust» ist bis jctzt täglich dem Untersuchungsrichter Dr. A Unecht vorgeführt wo, den. Er ist dabei heiter und vergnügt. Ganz ruhig bietet er die Tageszeit„Guten Morgen!" oder „Ällahlzeit!" und als er gestern früh gefragt wurve, wie er geschlafen habe, meinte er:„Ganz gut!" Am Donnerstag waren wieder sieben Hausgenossen vorgeladen, darunter der Schlächter Werner mit dem Hunde und der kleine Fritz Vaneß. Die Vernehmung dornte b,s zum Spätnachmittag. E-ne Frau D-esser, die schrägüber am Orte der That wohnt, und gefeh« baben will, daß Klausin noch kurz vor der That mit Freu Vaneß lachend und sch.rzend aus dem Fenster sah, soll— da sie stündlich ihrer Entbindung entgegen ficht— kom- missarisch in ihrer Wohnung vernommen werden. Die Unter- suchung gegen Klausin dürfte sich übrigens noch nack einer anderen Seite hin richten. E« ist nämlich der Verdacht aufaelaucht, daß Klausin an Dübstählen bethciligt gewesen odcr solche allein begangen hat. Speziell hat man dabei einen Diebstahl im Auge, der vor einiger Zeit bei dem Restaurateur Schröder in der Straße Nr. 34 in Friedrichkberg begangen worden ist. Klanfin wohnte damals ganz in der Nähe der Kronprinzenstraße. Beim Untersuchungsrichter ist neuerdings eine offene Korrespondenzkarte eingegangen, etwa folgenden Inhalts:„Klausin ist der Mörder nickt! Begehet keinen Justizmord, wie Ihr schon einen begangen habt!" Der Schreiber dürste wohl derselbe sein, welcher am Dienstag nach der That einen Zettel mit der Auffchrifi:„Ich, der Mörder, war hier. Abends 9 Uhr" in den Briefkasten der Frau Schuberl gesteckt hat, die neben der Vamß'schen Wohnung wohnt. Falls es gelingt, den Schreiber zu ermitteln, so dürfte demselben eine Strofe wegen groben UnlugS sicher fein. Gin laut geführtes Selbstgespräch auf offener Straße hat am Mittwoch Nachmittag ernen Lebensmüden vor dem sicheren Tode gerettet. Der in der Keidelstraße in Schlafstell« wohnende Arbeiter Julius P. lebt von seiner Frau getrennt und olle Versuche des 55jährigen Mannes, sich mit derselben wieder auszusöhnen, waren vergebens. Am Miltwoch Nack- mittag war P. wiederum bei seiner in der W>berstraße wob- nenden Frau gewesen und hatte einen AussöhnungZ versuch gemacht, der aber erfolglos geblieben. Wahrscheinlich, um seinen Schmerz zu betäuben, begab sich P. in eine in der Nähe belegene Destillation und trank dort mehr, als er vertrogen konnte. Denn, als er nach Verlauf einer halben Stunde die Keidelstraße passirt», äußerte der Trunkene ganz laut, daß er sich sofort das Leben nehme» müsse. Diese Selbstmordgedanken wurden von mehreren Knad,» gehört,»nelche auf der Straße vor dem Hause, in welchem P. wohnte, spielten und als bald darauf der Hausverwalter noch Hause kam, erzählten die Kinder das eben Gehörte. Als der letztere, um sich von der Wahrheit der Erzählung zu überzeugen, sich nach der Wohnung der Schlafstcllenwirthin begab, hört« der Vizewirtb von der Frau, daß P. sich vor etwa einer Vierrel- stunde den Schlüssel jjrim Wäscheboden habe geben lassen und noch nicht wieder zurückgekehrt sei. Schnell eilte nun der ängst- lick gewordene Hausverwalter mit mehreren Hausbewohner» auf den Boden und fand dort den P. an einem Dachbalken erhängt bewußtlos vor; da der noch rechtzeitig Abgeschnittene lchwache Lebenszeichen von sich gab, wurde er nach einem Kraukenhause geschafft, wo es gelingen dürfte, den Selbstmord- kandidoten am L den zu erhalten. Gin schauerlicher Fund ist dieser Tag in unserem be- nachbarten FiiedrichShagen gemacht worden, der auf ein längst v rübteS Verbrechen des Mordes odcr Todtschlages schließrn läßt. Beim Ausgraben von Mauersand zu den Bauten der Wasserwerke, welche die Stadt Berlin an bcm Müggelsee aus- fühien läßt, haben die Arbeiter am 21. b. Mts. nahe dem Ufer des Sees in einer Tiefe von 4 Fuß die schon fast ganz z» einem Skelett verweste Leiche eines Mannes gefunden. Di« erste Vermuthung, daß der unheimliche Fund die Leiche eines angeschwemmten und im Sanbe verwühlten Ertrunkenen sc», hat sich bei genauerer Untersuchung als hinfällig heraeSgrstellt, da der Funbort dazu zu hoch gelegen ist und außerdem am Kopfe der Leiche zwei starke Schlagwunden gefunden worden sind, bie deutlich erkennen lassen, daß ein Mord hiaß vor genau sechzig Jahren Berlin schon einen weibliche» Luftschiffer bewundern konnte, welcher damals schon den Ad- stürz mit dem Fallichirm den staunenden Berliner,» zeigte, sich aber durch eine besondere Vorrichtung vor dem Tode de« Er- trinkens. welchem jetzt Leroux zum Opfer gefallen, gesichert hatte. Damals war es die berühmte Luftschisferin Fräul. G a r n e r i n, weiche im September des Jahres 1829 auf dem Excrzirplatz(jetzt Königsplatz) ihre Vorstellungen mit dem Ab- stürzen mittels Fallschirmes gab. Ihr Oheim, Jogues Gar- nerin, halte dasselbe Experiment in Paris schon im Jahre 1797 mehrmals ausgeführt und ihr Vater hatte dasselbe durch Ver- wendung eines Schwimmopparates vervollständigt, so daß der Herabsinkende daS gefährliche Element des Wassers nicht mehr zu fürchten brauchte. So hatte sich beispielsweise Fiäut. G a r n e r i n bei einer Luftfahrt, die sie zu Venedig ver» an stallet halte, mitten auf die Wellen de« Adriatischen MeireS niedergelassen, ohne dabei die geringste Gefahr zu laufen. Der Sck wini mapparat war am Fallschirm angebracht und außer- ordentlich einfach und Frl. Garnerin hat über 50 Luftfahrten und Abstürze unternommen, ohne auch nur ein einziges Mal. ' ernsthaft in Wassersgesahr gcraiheu zu sein. §p?udau lenchtet der �A. f. H.": In Auflegung slal!,» aJ? �onnioprcusmiNofl Bewohrcr her Potsdamer Vor- rurch he.« ftfinnhiiifc S'rpihpn pircs Nprbreck!erS aeaen die Kng mit ihnen übers Feld in der Richtunfl des Festungzge� ��inmeZeii darauf stellte fid) das eine Mädcben, achter d'r Wiltwe Werk in der Pichelsdorfcr Straße, bei ihrer mtier ein: das Kind erzählte, daß es von dem fremden f2V,ne mit 10 Pk. foitzefchickl morden wäre, NM Zraarren zu 'If- 3n Wirklichkeit halte der Unhold das Mädchen nur ,«im keinen Zeugen seines verbrecherischen Thuns zu aaven Durch die Mirtheilung des Kindes wurde auch dem «oter des andern Mädchens, Maurer Huck, bekannt, in welchen banden sich seine Tochter befand. Mehrere Personen machten «ch nun an die Verfolgung des Unbekannten. Von Passanten, �k chc einen Mann, der ein weinendes Kind auf dem Arme Mill- auf freiem Felde gefrhen hatten, erfuhren sie, in welcher «egend der Verruchte zu finden sei. Sie folgten der Spur Ww riefen laut den Vornamen des Kindes. Bald darauf br* n � dasselbe nerlnssen auf freiem Felde vor. Der Ver- �cher, welcher die Rufe der Verfolger vernommen, hatte sich dem Staube gemacht. Doch gestern Vormittag wurde der �.brecher, der Wollscheck heißt, in der Poisdomerstraße be« "Pftm und verhaftet. Er leugnete zwar hartnäckig, mit dem «iirde etwas vorgehabt zu haben; durch verschiedene Umstände ' er ober doch schwer belasset. �«emäß den Nrrössentlichnngen de» Kaiserlichen �esuUZ»h,ijK�M� in der Zeit vom 8. September bis { Sepl-mber er. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurch- luimtt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 18�, in �nslau 23 5, in Königsberg 22,3, in Köln 20,7, in Frank- M. 17,1, in Wiesbaden 14,1, in Hannover 1S,2, in Hassel 24,4, in Magdeburg 24,0, in Stettin 29,7, in Altona i,-- m Straßburg 19,1, in Metz 15,2, in München 35,4, in Dürnberg 24,4, in Augsburg 23,3, in Dresden 17,7, in Leipzig fo o.'n Stuttgart 15,2, in Karlsruhe 17,2, in Braunschweig onVi''.n Hamburg 23,9, in Wien 16,7, in Pest 27,2, in Prag St' in Trieft 27,0, in Krakau 25,6, in Amsterdam 15.6, in Sfuffel 16,5, in Paris—„ in Basel—, in London 14,8, in k, 0g, Mannheim, Prag. In München, Chemnitz, Elbing stieg uon den deutschen Städten die Sterblichkeit über 35,0 pro Mille.— Unter den Todesursachen haben Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder wieder mehrfach eine größere Zahl von Todesfällen bervorgenifen, wie in Hamburg. München, Dresden, Leipzig. Wien u. a. so daß auch die Thcilnahme des Säugtingsalters an der Sterblichkeit im Allgemeinen etwas höher(in Berlin jedoch kleiner) als in der Vorwoche war. Von je>0 000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, in Berlin �74, in München 164 Säuglinge. Auch akute Ent- iunbunaen der Athmvngkorgane wurden vielfach häufiger Todes- Veranlassung— Von den Infektionskrankheiten wurden Sterbe- fälle an Ma'ern, Schartach, Unterleibstyphus und Pocken weniger, an Diphtherie und Keuchhusten etwas mehr zur Mel- bang gcb. acht.— Sterbesälle an Masern waren nur in London und Warschau häufiger, in Brünn so zahlreich, wie in der Vor- wache. Neue Erkrankunanr kamen nur aus Breslau und Wien größerer Zahl zur Anzeige.— Das Scharlachfieber hat in Holle, Liverpool, Warschau mehr, in Königsberg weniger, in Berlin und London die gleich große Zahl von Sterbe- lallen wie in der Voiwoche veranlaßt; neue Erkrankungen wurden aus Berlin, Hamburg, Budapest und Edin- worg seltener, aus Kopenhagen häufiger gemeldet.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Hamburg, Königsberg, Danzig, Stettin, Magdeburg, Wien, Pest, Prag vnd Kopenhaaen eine kleinere, dagegen in Berlin, Breslau, München, Nürnberg, Dresden, Frankfurt a. M., London, Warschau, Chrsstiania eine größere als in der Vorwoche. Neue «rkrankungen kamen aus Berlin, Breslau, Pest in größerer, ®us Hamburg, dem Regierungsbezirk Schleswig, Kopenhagen, Jrhristionia in geringerer Zahl zur Anzeige.— Todesfälle an Unterleibs yvhus ei fuhren in Essen und Lyon eine Steigerung, w Bertin, Hamburg, Pest und London nahm die Zahl der Sterbelälle ein wenig ab. An Fleckwphus wurden aus Warschau und Odessa je 1, aus Edinburg 2 Todesfälle, aus letzterem Orte auch 2 Erkrankungen berichtet; an epidemischer Genick- starre 1 Todesfall aus Prag und 1 Erkrankung aus Kopenhagen.— Rosenartige Entzündungen des Zell- Gewebes der Haut kamen weniger zur Beobachtung.— Der Keuchhusten forderte in Berlin mehr, in Hamburg und London weniger Opfer. Erkrankungen waren in Hamburg und Wien nicht selten.— Einzelne Todesfälle an Pocken wurden aus Rom und Lyon, mehrfache aus Brünn, Prag und Odessa ei. Er wurde nachlebend nach derCharite gebracht.— Nach- millags wurde vor dem Hause Schloßfreiheit Nr. 1 der Ar- beitsbursche Bichowiak von einem Arbeitswagen erfaßt und nicht unbedeutend an der Brust verletzt, so daß er nach der Charite gebracht werden mußte.— Abends ging in der Wilhelmsstraße das Pferd einer führerlosen Droschke durch, bog in die Straß« Unter den Linden ein und stieß mit einer ihr entgegenkommenden Droschke zusammen, so daß letztere zer- trümmert und die beiden Insassen derselben auf die Straße geschleudert wurden. Von diesen erlitt eine Frau eine ziemlich schwere Verletzung am Kopfe. Gevirhks-Äettung. Ei« tausend«ud viemhn KetrugsfäUe wurden dem Stellenvermittler August Wilhelm F r ö s e zur Last gelegt, welcher gestern vor der 88. Abtheilunq des Schöffengerichts stand. Die große Anzahl von Strafthaten vertheilt fich auf die Jahre 1885 bis 1888. Im vorigen Herbste beschwerten sich mehrere Stellensuchende bei der Polizei über das eigenthüm- liche Verfahren, welches der Angeklagte bei Ausübung seines Geschäfts zur Anwendung brachte, man trat der Sache näher und ermittelte allerdings, daß die BedauernSwerthe», welche die Hilfe des Angeklagten in Anspruch nahmen, in unzulässiger Weile geschröpft wurden. Der Angeklagte sucht die Zeitungen durch, in welchem Leute jeden Standes Beschäftigung suchen, Er schickt ihnen sodann einen gedruckten Prospekt zu, in welchem er dem Stellensuchenden seine Vermittelung anbietet und Er- folg in Aussicht stellt. In dem Prospekte ist der Passus ent- halten, daß die Thätigkeit des Stellenvcrmittlers erst beginnt, nachdem der Suchende das„Geschäftsreglement" des Ver- Mittlers, welches bei persönlichem Besuche in dessen Bureau für 50 Pf., auf schriftlichem Wege aber gegen Vorbezahlung von 1 Mark zu erhalten ist, unterschrieben Hot. Ging nun ein Beschäftigungsloser hoffnungs freudig zum Angeklagten, so erhielt er gegen 50 Pf. ein zweites be- drucklcS Stück Papier, das sogenannte„Geschäftsreglement", das er sich„zu Hause" durchlesen und unterzeichnen mußte, da in dem Bureau des Angeklagten„keine Zeit" dazu war. Der Stellensuchende wurde arg enttäuscht, wenn er das Reglement durchsah. Da stand u. a., daß der Vermittler nach beschaffter Stelle 2 Prozent des ersten Jahrcsgchalts beanspruche, ferner aber auch, daß der Suchende„zur Deckung der Kosten" einm Vorschuß von nicht unter drei Mark zu leisten habe, der im Falle einer Placirung von den Gebühren in Abzug gebracht, in keinem Falle aber zurückgezahlt würde. Beschäftigungslose pflegen selten über reichliche Mittel zu verfügen, entweder sie konnten diesen Vorschuß nicht leisten oder sie mochten es nicht, sondern zogen es vor, die bereits geopferten 50 Pf. oder eine Mark zu verschmerzen. In dem Verschweigen auf dem ersten Prospekt, daß die Suchenden noch einen Vorschuß von 3 M. zu leisten haben, bevor etwa« zu ihren Gunsten geschieht, erblickt die Anklagebehörde ein schlau angelegtes betrügerisches Ma- növer, da angenommen wird, daß der Angeklagte es in erster Linie auf das Geld abgesehen hat, das die Suchenden opfern müssen, um überhaupt erst feine Bedingungen zu erhalten. Die Bücher des Angeklagten sind beschlagnahmt worden und hat der Bücherrevisor Bierstedt herausgesunden, daß in über 1000 Fällen Beträge von 50 Pf. und 1 M. eingegangen sind. Der Angeklagte berief sich im Termine darauf, daß die Kunden aus dem Prospekte ja ersehen können, daß sie gegen die ge- nannten Beträge vorläufig nur das„Reglement" erhielten, ein Betrug könne demnach nicht vorliegen. Eine ganze Reihe von Zeugen bekundete aber, daß sie im Glauben gewesen wären, sie hätten einen Vorschuß nicht zu leisten, einen Erfolg seiner Thätigkeit für diejenigen, die Vorschuß gezahlt hatten, ver- mochte der Angeklagte außerdem nur in seltenen Fällen zu er- bringen. Der Staatsanwalt beantragt 4 Monate Gefängmß, der Gerichtshof erkannt« aber gegen den bereits mehrfach Vor- bestraften aus 6 Monate Gefängmß. Eine« recht schwer liegender» Fall der versuchte« Erpressung hatte gestern die IV. Strafkammer hiesigen Land- gerichts I gegen den Restauroteur Friedrich Gotthelf Poppen- b e r g und dessen Eheftau Auguste Lydia geb. Weber zu ver- handeln. Die letztere war 4 Jahre Hindurch Verkäuferin in der groß'n Seifenfabrik von P. in der Chausseestraße gewesen, bis sie ihren jetzigen Ehemann heirathete und mit demselben eine Restauration am Luisenufcr eröffnete. Die Geschäfte da- selbst gingen nicht sehr gut und so entschloß sie sich dann bei eintretender Geldverlegenheit ihren früheren Prinzipal um die Gewährung eines DarlehnS von 300 M. anzugehen. Mit Rücksicht auf die langen Dienste der Angeklagten erklärte sich Herr P. zu diesem Darlehn bereit, ließ sich aber von dem Ehemanne zwei Wechsel ausstellen, deren Betrag schließlich eingeklagt und durch Zwangs voll- streckung beigetrieben werden mußte. Dem ersten Anliegen folgten bald anderweitige. Herr P. wurde mit Gesuchen um Darlehne gewissermaßen bomdardirt und die Ansprüche, welche stets rundweg abgelehnt wurden, steigerten sich auf 500 und 600 M. Schließlich zog die Angeklagte andere Seiten auf: sie legte sich nicht mehr auf's Bitten, sondern versuchte es nun- mehr mit Drohungen. Sie schrieb Herrn P. einen Schreibe- bricf, in welchem sie schlankweg 1000 M. verlangte und drohte, daß sie, weil dieses Gesuch kein Gehör finden sollte, es der Familie des Adressaten mitgetheill werden würde, daß er während ihrer geschäftlichen Thätigkeit mit ihr sträflichen Umgang gepflogen habe. Die Brieffchreiberrn ließ durch ihre Zeilen durch- blicken, daß auf diese Weise ein öffentlich er und einFamilienskandal entstehen würde. Herr P. ließ sich durch diese gänzlich erfun- dene Geschichte aber nicht einschüchtern, sondern überreichte die aanze Korrespondenz der Staatsanwaltschaft, welche nun die Anklage gegen da« geldlüsterne Ehepaar erhob. Die Angeklagte versuchte es, die Wahrheit ihrer in dem qu. Briefe erhobenen Beschuldigung nachzuweisen, dieser Nachweis mißglückte aber gänzlich.— Staatsanwalt Werner gab dem Gerichtshof zur Erwägung anheim, welche traurigen Folgen solche gemeingesähr- liche HanolungSweise für die Ruhe und das Glück ganzer rv„111___jt. riJC..:.r.___----- �*..'~ D- u der Genehmigung das Geschäft mit ih'em Firmenstempel an bestimmter Stelle bedruckt. In dielerVerfassuna wurden dreBücher an die Landwirthschafrliche Bank zurückgesandt, in vielen Fällen wurden von den Kontrahenten auch Gegenbücher getühr. Nun kennt das Gesetz vom 1. Juli 1831 noch keinen Schluß- schein zwang, vielmehr hat erst das neuere Gesetz vom Jahre 1885 bestimmt, daß derartige Geschäfte unter allen Um- ständen mittelst AuSwechselung'der Schlubscheine einzuleiten siuo. Die Steuerbehörde ist nun aber der Meinung, daß jene Ab- stimmungszetlel und Abstimmungsbücher Nichts weiter seien als Schlnßscheine, welche nach dem Rcichszesetz vom 1. Juli 1881 stempelpflichtig waren. Die Behörde ist der Meinung, daß jene Form nur gewählt worden ist, um die für Schlußscheine erforderlichen Stempelabgaben zu umgehen und sie hat dcS« halb für jeden der Betheiligten nach der Zahl und dem Umfang der abgeschlossenen Geschäfte die verwirkte Stemp-I- strafe herausgerechnet, welche die Summe von 2l0 500 M. insgesammt erreicht.— Vor Eintritt in die Verhandlung machten Dr. H i l s e und Rechtsanwalt Bäsch zwei präjudmellc Einwände geltend. Sie führten nämlich aus, daß das Gesetz vom 1. Juli 1381 durch die Novelle vom Jahre 1885 aufgehoben worden sei und«S deshalb an einem im Sinne des § 266 der Str.-Pr.-O.„zur Anwendung zu bringenden" Gesetz fehle. In diesem Falle handelte es sich um genau dasselbe, als wenn Jemand nach dem alten preußischen Strafgesetzbuch angeklagt worden und inzwischen das Reichsstrafgesetzbuch in Kraft getreten wäre. Der zweite Einwand aber ging dahin, daß das Gesetz vom 25. Mai 1857 noch immer bestehe. Nach diesem Gesetz müsse emer Aktiengesellschaft,' welche unter Aussicht der Regierung stehe, bei Vorkommen eines Verstoße« vor der Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens zw- nächst ein Resolut der Regierung zugestellt werden. Dies fei in diesem Falle nicht geschehen und der Gerichtshof deshalb unzuständig.— Der Gerichtshof lehnte nach längerer Berathung beide Einwände als unzutreffend ab. Em Eintreten in die Sachcl selbst wurde aber dadurch unmöglich, daß nunmehr sämmtliche Vertheidiger erklärten, irgend welche Zagestänoniss: in thalsächlicher Beziehung nicht abgeben zu wollen. Der Gerichtshof mußte deshalb einen neuen Termin anbcraumm, zu welchem nun das persönliche Erscheinen der 23 Angeklagten angeordnet werden muß. Sttztsle Mteverfichk. Holsardetter! Schlußabrechnung der Kam- Mission über die eingelaufenen Gelder zur Beschickung des Pariser Kongresses. Einnahme 815 M. 73 Pf., Ausgabe 494 M. 75 Pi., Unkosten der letzten Versammlung vom 16. d. Mts. 34 M. 98 Pf.; bleibt ein Bestand von 286 M. Es erhielten laut Beschluß der Versimm- lung die Böttcher Berlin« 16 M. 70 Pf., die Bildhmrer Berlins 26 M. 30 Pf., die Stellmacher Berlins 30 M. 50 Vf. E« wurden verabfolgt an den Zentralstreikionds der Tischler 212 M 50 Pf. Gesammtsumme 286 M. Namen« der Kam- Mission: Aug. Auel, Steglitzerstcaße 91. Ramm« der Re- visoren: I. Schulz, Tischler, Britzerstraße 42. Verpsnnnlungen. Eine Generalversammlung der Käckertzesellru Berlins und Ilmgegend tagte am Donnerstag Rachmittag unter Vorfitz des Herrn Pfeiffer in der„Königsbank", Große Frankfurserstr. 117. Die Tagesordnung lautete: 1.„Was soll durch die auszunehmende Statistik im Bäckerzewerbe erzielt werben? 2. Die Situation im Gewerk und Mittel zur Besserung. 3. Abrechnung vom Streik", lieber den ersten Punkt der Tages- ordnung berichtete Herr Pfeiffer. Er verli.st und bespricht zunächst den vom Reichstagsabgeordneten Bebel und im„Bert. Polksblatl" zum Abdruck gebrachten Aufruf. Voisitzender schlägt die Wahl einer dreigliedrigen Kommission zur Beförderung dieser Angelegenheit vor. Herr Hoppe ermahnt dringend, die betreffenden Fragebogen ge- wissenhaft auszufüllen. Er stellt den Antrag, den Verband mit der Verbreitung der erwähnten Fragebogen zu beauftragen. Herr M a n t h e i spricht gegen diesen Antrag. Herr Hoppe Familien nach sich ziehen könne und beantragt je 2 Jäbre G e f ä n g n i ß. Der Gerichtshof erkannte jedoch nur auf je 9 Monate Gefängniß. Ei» Ries-nproietz wegen Zlempelhinterriehnu g, bei welchem e§ sich um eine Strafsumme von zirka 210 500 M. handelt, beschäftigte heute die II. Strafkammer hiesigen Land- gerichts l. Die Anklage richtete sich gegen die Direktoren der „Landwirthschaftlichen Bark", O. Adler, Katzenellen- bogen. Albert Maitz, Selig Moses, sowie gegen 19 hiesige Kaufleute und Bankiers, welche mit der Landwirth- schafilichen Bank Geschäfte gemacht haben. Dieselben wurden beschuldigt, in den Jahren 1862 und 83 bei Schriftstücken über Zeitgeschäfte, welche als unter Absatz 4a des Tarifs zum Reichs- gesrtze vom 1. Juli 1881 fallen, bei, vorschriftsmäßigen Stempel nicht verwendet zu haben. Die Angeklagten warm persön- lich nicht erschienen, ihre Rechte wurden von den Rechtsanwälten Dr. Seillo, Heinitz, Sachs, Frän- kel, Bäsch, BreSlauer und Springer wahr- genommen. Die Aktimgesellschaft„Landwirthschaftliche Bank" ließ chre Geschäfte eine Zeit lang durch eine Reihe unvereideter Makler besorgen, welche die Verpflichtung hattm, gleich nach Schluß der Börse nach dem Geschäftslokal zu kommen und über Kauf- und LieferungSgeschäste über Produkte auf Zeit auf? log. Rapportbogen Bericht zu erstatten. Später wurden den Gegenkontrahenten sogenannte A b st i m in u n g s z e t t e l ohne Stempelverwendung zugestellt oder die Eintragung der abgeschlosscnm Geschäfte in sogenannte Ab st immun gSf- bück er bewirkt und diese demnächst ohne Stempeloerwendung den Gegenkontrahmten vorgelegt und von diesen zum Zeichen o---—- iT-»»«■"7• U' n*•• n--- TST vertheidigt ilnn gegenüber seinen Standpunkt. Es müsse md- lich einmal ElwaS qethan werden, den verrotteten Zuständerr im Gewerbe, die Redner des Näheren noch einmal vorführt, ein Ende zu bereiten. Nicht weniger als 2500 Bäcker Härten gegenwärtig in Berlin nicht einmat das karge Brot, das man hier dem Bäckergesellen biete. Die Verbandskasse berge eine Summe von gegen 1000 M., die nicht besser verwandt werden könnte, um durch diese Statistik endlich einmal etwa« zu schaffm.— Es entspinnt sich wiederum der alte Streit um dr« Person des Herrn Hoppe. Es wird schließlich demselben die Ver- breitung und Einziehung der Fragebogen übertragen. Es werden ibm noch drei Kollegen zurSeite gestellt.— Zum zweiten Punkt der Tagesordnung führt Herr Pfeiffer aus, daß, da man nach dem Streik bedeutend ungllnfliger dastehe, als vor demselben, die Agitation nicht ruhen dü-fe. Man solle'zunächst da« zu er- reichen suchen, was jeder anständige Meister von vornherein b'- willigen werde und am Ende auch bewilligen müsse: zwö.f- stündige Arbeitszeit, 9 M. Minimalwocheolohn und nach den großen Feierlagen eine freie Nacht. Herr Hoppe nimmt Ge- legenheit zu einer längeren Ausführung, die er mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung schließt, in welche« bre Versammlung begeistert einstimmt.— Eine Resolution, in welcher ausgesprochen ward, daß zu dem Zwecke der Erringung dieser Forderungen der allgemeine Anschluß an die be- stehende Organisation nothwcndiz sei, fand darauf einstimmige Annahme.— Da» Referat Lbwe den dritten Punkt der Tagesordnung, Abrechnung vom Streik, giebt Herr Hoppe. Es sind eingegangen an Teller» fammlungen vom 11. April bis zum 9. August 884,99 M.; sreiwillige Sammlungen ergaben 2194,60 M. Von fremden Städten und andern Gewerkschaften gingen insgesammt ein 387,40 M. und Berliner Gewerke spendeten 150 M. Mit Ena- schluß einiger kleinen Einnahmen ergab die Gesammt- Ein» nähme die Summe von 3626,99 M. Die Ausgabe betrug 1852,35 M. und der Bestand 1774.64 M.— Nach Erledigung einiger persönlicher Bemerkungen schloß die Versammlung. Der Fachvereln der Gau-, Musser-» Heizung«- Rohrleger und Berufsgenossen Berlins hielt am Sonntag. den 22. September, in Feuerstein'S Salon, Alte Jakobstraße Nr. 75, f-......----'.....'..... Tagesord.. Recht auf-------------------.............. glieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Der Referent führte zunächst aus, wie vor einiger Zeit von hoher Stelle im Reichstage das„Recht auf Arbeil" verkündet worden, und mr« es von den Behörden aufgefaßt werde. Er kritisirte eingehend die Manipulationen der Behörden in den Staatswerkstärtrn und ist der Ansicht, wenn daS Recht zu arbeiten von hober Stelle proklamirt worden sei, man auch keinen Unterschied der Einstellung von Arbeitern betreffs der Altersgrenze zu mach«« habe: denn diese könnten doch nicht bis zum 70. Jahre auf den Genuß der fetten Altersrente lauern. Zur Kennzeichnung der Art und Weife, wie das Recht auf Arbeit gehandhabt wird', führte Redner ferner noch die Maßregelungen in den verschiedenen Industrien an. In den Arbeiterkolonien erhalten die Leute einen derartig lächerlichen Prozentsatz Lohn, daß dieselben bei Entlassung aus denselben noch Schulden hinterlassen müsse»�. Von d« heutigen Gesellschaft sei übeihaupt nichts»u erwarten, und deswegen mühte es die Pflicht des Staates sein, cinzu- greifen, damit dem Aibeiter auch sein Recht auf Arbeit, wie auch dos Recht zum Leben in vollem Maße zu Tbeil werde. Zentralisirte Arbeitenachweise, Arbeiterkamwcrn müssen tzesckaffen werden zur Veiwirklichung dieses Ziels, und Sache der Arbeiterschaft sei es, immer wieder auf diese Punkte hin»uwe,sen und für diese Forderungen einzutreten, damit die nächstfolgenden Generalionen das ernten, was wir gesäet. Reicher Beifall wurde dem Referenten für seinen Vortrag zu Theil. Nachdem in der Diskussion die Kollegen Müller und Rcglrn gesprochen, erhielt Kollege Pirck das Schlußwort. Hieran schloß stch die Aufnahme neuer Mitglieder. Sodann gelangte folgende, vom Kollegen Becker gestellte Resolution zur einstimmigen Annahme:»Die heutige Versammlung des Fach- Vereins der Rohrleger beschließt, das Bier des Böhmischen Brau- hause» so lange nicht zu trinken, bis die Lokalitäten des be- treffenden Etablissements für Arbeiterversammlungen freigegeben werden." Femer wurde nach längerer Debatte beschlossen, in diesem Winter ein Vergnügen zu veranstalten, nähere Bestim- mungm wurden der nächsten Versammlung vorbehalten, die am 13. Oktober stattfindet. zackirar-Uersammlung. In der am 23. September in Zemler's Salon tagenden öffentlichen Versammlung der Lack'rer hatte Herr Wernau das Referat übernommen. Der Herr Re- fermt entledigte stch seiner Aufgabe in sehr sachlicher und zu- treffender Weise und erntete den vollen Beifall der Verlamm- lung. Wim 2. Punkt der Tagesordnung: Endgiltige Beschluß- sassung über die nächstjährige Lohnbewegung, entsponnen sich sehr lebhafte Debatten, aber kammtliche Redner erkannten einen Sstündigen Arbeitstag und 45 Pf. Stundenlohn als unbedingt nothwendig an. Die kürzere Arbeitszeit müsse schon dämm errungen werden, um der Arbeitslosigkeit im Winter in etwas zu begegnen, und dann sei auch die Lackirerei ein furchtbar ungesundes Geschäft. Kollege Jungermann meinte, wenn wir mehr auf Akkordarbeit sehen würden, dann läge es viel mehr auf unserer Seite, einen auskömmlichen Lohn und den 9stün- digen Arbeitstag zu erringen. Dem entgegen sprachen aber die H'rren Wernau, Rautenhaus und Jakoby und erkannten die Akkordarbeit auf alle Fälle als durchaus verwerf- l ch und für die Arbeiter unbedingt schädigend an. Folgende Resolution wurde mit allen gegen drei Stimmen an- genommen:»Die heute, am 23. d. M., in ZemterS Salon ragende öffentliche Versammlung der Lackirer Berlins und Um- gegend erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten ein- verstanden und erklärt: 1. In Erwägung der in unserer Ge- werkschaft vorherrschenden ungünstigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse beschließt die beulige Versammlung, die Durchsühmng einer Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichzeitiger Erhöhung des Arbeitslohnes und zwar wie folgt: Bei einer täglichen MaximolarbeitSzeit von 9 Stunden, für alle sechs Arbeitstage einen Mindestlohn von 45 Pf. pro Stunde. Weiter die gänz- liche Abschaffung der Ueberstunden- und Sonntags arbeit. 2. In fernerer Erwägung, daß bchufs Durchführung dieser Fordemng die sofortige Jnangnffnabme der nothwendigen Vorarbeiten erforderlich wird, belidließt die Versammlung die Wahl einer Kommission von 7 Mitgliedern." Die Wahl der Kommission wurde sofort vollzogen. Zu Vedibiedenem theilten noch etliche Kollegen Mißstände in den Werkstellen mit.(Hof- Wogenfabrik von Kühlstein). Hierauf schloß der Voisitzmde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf das Gelingen der guten Sache. Am L4. September, Abends 9 Uhr, fand eine Mitgliederversammlung des Fachvereins der Kärtner Kerlln» und Umgegend in Steglitz in den»Kaisei hallen", Ätbrechtstroße, statt. Kollege Büchner eröffnete dieselbe um tlv Uhr. Nach Verlesung ber Tagesordnung und Annahme des Vrotokolls referirte Herr Büchner über den ersten Punkt der TageSoidnung. Anhaltender Beifall lohnte den Redner. Dre sich nun hieran schließende Diskussion war eine sehr leb- hafte.— DaS kleine Häuflein der»Verbandstieuen" griffen wiederum Herrn Büchner, sowie den Fachverein in bekannter, ganz thörickter, grundloser Weise an.— Herr Gleitzmann, Abromeit, Büchner, Neumann, Schlebeck u. a. schenkten diesen Herrn Harmonieaposteln�iehr bald klaren Wein ein, so daß die- telben wohl für die nächste Zeit genug haben düiften. Nach Erledigung des FroaekastenS wurde zum Punkt„Verschiedenes" geschritten. Dieser Punkt konnte leiber nicht zu Ende geführt werben, da zirka 4 Minuten nach 12 Uhr der überwachende Fußgendarm dem Vorsitzenden aufmerksam machte, daß die Bersammlungen in Steulitz nur bis 12 Uhr währen dürfen. Herr Büchner schloß, nachdem er dem Beamten seine Meinung gründlich gesagt hatte, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, die Sitzung. Selbstverständlich wird hiergegen Beschwerde »eingereicht werden. Der Interefleuverein der Kiflenmncher tagte am Sonntag, den 22. September, im Lokal Deigmüller, Alt- Jakob- straße 48». Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des H rrn Tb. Glocke über den Niedergang der Kleinindustrie. 2. DiS- kassion und Ve.sch edenes, Nach Verlesung des Protokolls der letzten Versammlung entledigte sich Herr Gl cke seines mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrages. Eine Diskussion über diesen Punkt wurde, um die Wirkung nicht abzuschwächen, nicht beliebt. Nur führten einige Redner eigene Erlebnisse an. Zu„Vtlschiedenee" wurde beschlossen, zu den nächsten Vereins- Einladungen kleine Zettel beizulegen, um die Beiiragsammler b'kannt zu geben. Zum Schluß ermahnte der Vorsitzende die Kollegen zu fleißigem B-ssich der Versammlungen und gab be- kannt, daß die nächste Mitgliederversammlung eine General- Versamm'ung sei. Z« der am 34. Seqtrmber bei Huth, Badstraße, ab- gehaltenen Versammlung des Arbeiter-BildungS-Verein„Berlin Nord" hielt Herr Alwin Gerisch ein mit reichem Beifall be- lohnten Vortrag über»Soldatenhandel im Mittelalter". Der eingebrachte Antrag:»DaS Bier der LipS'tchen Brauerei am F iedrichshain(meist Flaschenbier mit eingebranntem„alten Fritz") streng wegen Lokolverweigerung zu verpönrn, überhaupt nur die Biere solcher Brauereien zu trinken, welche ihre Säle zu Arbeiterversammlungen hergeben, wurde einstimmig ange- rrommen. Die Bekanntgabe der Generalversammlung am 8. Oktober bei Gnadt, wozu der wichtigen Tagesordnung halber alle Mi'gliedeJ vollzählig zu erscheinen haben, birdele den Schluß der gut besuchten Versammlung. Gin» Uirlnmmlung de« Fachverew» lämmtlicher an Kolzdearbritungsmafchinen beschättigter Arbeiter fand am Montag, den 23. d. M.. in Säger'S Lokal statt. Zunächst wurde der biSber'ge erste Schriftführer auf Antrag des Vor- standes wegen Lässigkeit mit allen gegen eine Stimme seines Postens enthoben. Hierauf hielt Herr Dr. Zadeck einen bei- fällig ousger ommenen Vortrag über Geschlechtskrankheiten.— Im Februar nächsten Jahres veranstaltet der Verein einen Maskenball. Am 9. Oktober findet eine Generalversammlung des Vereins in demselben Lokal statt. MW erhalten folgende« Schreiben: In Nr. 218 v�m 18. September d. I. Ihrer geschätzten Zeitung bifindet sich eine mit»Achtung" überschriedene»Der Vorstand" unter» zeichnete Annonze, nach welcher ich mit meinen Arbeitern in Lohndifferenzen geratben sein soll und die Abputzer die Arbeit niedergelegt hätten. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Weder bin ich mit memen Arbeitern in Lohndifferenzen gerathen, noch haben dieselben die Arbeit niedergelegt. Richtig ist nur, daß ick zwei Arbeiter entlassen habe.— Ich bitte um Aufnahme dieser Berichtigung gemäß§ 11 de« Preßgesetze«. Hoch- achtungsvoll«•„„ A. Lenz. Pianofortefabrikant. Kozioldlmokratirch»» Mal>lo»r,in für bttt 5.«rrlincr|Uid,a tna»>vuliikret». 4-'ci fanniUirna am g-fliaa, den 27. Scplfmt'tr, Ärendi 8 Uhr, tm Üolaic äfiümftr. 11(obfcr gaol) Sa, tco- bnun.■ 1. 4 SMudi wt-d■ ebc ei, Jfrri» zirrtintgunfl b»r Kirgotdrr« nb Lariiyinolfen. Freitag teil 27. Sepieirder,»dend« 8� Uht, in Clbeffer« Satan, Zuielilr 10, iUiir alicde, veisammluna Taacioidnung: 1, Eareif chanliche» 2. Ausnahme»euer Milglteder 3. Vei schiedeneS.(Mite sind willkommen Oraft* öffentlich» Perfammlun» färnrntlicher tzlmtnerleut* «erlin» und Ilmoeaend tarn Freiiao. de» 27. d. M.. ÄbendS dsj Uhr, in Feuci siel» i Eaion,«tte Iokobftr. 75. Tagesordnung I Stellungnahme der Zimmerer Berlins und Umgegend zu dem Beichlufle der Ardeitaebcr, vom i. i-'ktober(in wieder lOliünbiot Ai beilizeit und 50 Ps. Stundenlohn einz». führen. ZahlrescheS Erscheinen ist noihwendig. Behufs Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Berliner verein für nolksnerftöndiich» Nefnndsteitepfleg, und NaturhrilKund». Freiiao. den 27. Seviemher.»dendS 8ss Udr Im Saale der stönigtdank.«rohe»ranksurtcrftr 117. Vortrag de« Herrn Hermann Canid übei l viphteritii. Scharlach und Ma'ern. Allgemeine Krank»», und«terbekalf» der Metallarbeiter un»cnnr, 38, voriraa de« He-rn Fr. Krüger über„Alte« und Neue« au« der Natungcichichte".- Der in Audstchi genominenenc Vortrag bei Herrn Türk über die sranzöstlchc Rcvolutio» ist polizeilich nicht genehmigt worden. Achtung l Soziaidemokraiiicher Leieklub„S essin o". Do« Stiftung« lest findet im„Eigstum" nicht statt, da der Inhaber sein Lokal zu Versammlungen verwelgert: dastelbe wird gm San»abend, den 28 d M im„S ch w e i, e r- G a r t e n" gefeiert. Die ausgegebenen BilletS haben Gilttakei, DoS Komitee" «in» öffentlich» versammiung der vrcchgier und verwandter Be. rusSaenoflen findet am Montaa, den 80. September, Abends 8� Uhr, im Lokale bei Herrn Ledmann, srstber Silbers, Schwedterstr. 23, statt. Aibtung! Kianierardeiter! Alle Dieseniacn, welche noch im Best« von StistnngSscstbilleiS find, werden ersucht, dieiclben bii zum 1. Dklober an die betteffcndcn varstandimitglicder zurückzugeben, da kein Ettstungisest stattfindet petitiousiiften lur Beseitigung de» denaturirte» Spiritus zu oewerblichen Zwecken können in Empfang aenammen werden bei solocnden KowmisfionSmttglt-dern: Mustav Reuter, Gr, Frankkurterstr, 128: Emii Schade, Gubcnerstr, ki: Guttav Milbrodt, Adoldeetstr 94: Robert Webe- Fiiede-ür. g Karl Kurth, Schönhauser Allee 21: Frih Zudell. Woidemartir, 73, ui>d Robcet Berger, Gr, Franksurterstr. 95, Bei Letzterem werden auch sreiwillige Beimu c entgegengenommen. Ferner ei sucht die Kommission, sämmtliche auislthenden Samn ellisicn bei Letzterem obiulics-rn, Gesang», Gurn- UN» vesellig, verein» am Freitag Kaisersicher Männergelangverein Abends 9 Uhr Im Restaurani Tamm, Schönbauier Allee 28 — Gesangverein.Pauiebeutel' Abend» 8 Uhr im Restaurani Heniel. Aleran- ditnensir, 15.— Liederlastl der Maler und verwandter BcruiSgenoffen' Abend« 9 Ubr im Restaurant Kleine, Brandenburgstr. 80,— Buchdinder-Mönner- chor Abend» 8X Ubr Annenstr, IS.— Gesangverein.Flötersi'chei Dörpel- Quartett' AbendS 9 Uhr im Restaurant Mnlchoid, LandSbcroerstr 31— Gesangverein.Fortschritt' AbendS 9 Uhr im Restaurani. Blumensirafie 48.— Gesangverein.Echo 1872' Abend» 9 Uhr Waldemarliratze 12. Neue Mitglieder werden ausgenommen.— Gesangverein.Qsston' Abend« 9 Uhr Dresdener- ftratze 85 bei GustavuS.— Huppertsiche Sönger-Vereinigung.Harmonie' Abends 9 Ubr bei Niest, Weberstr. 17,— Geionaverein.Söngerhoin' Abends 9 Ubr Adoibertstr. 21,— Liedeitaicl deS FochvereinS der Steinträger Berlins, Abends 8 Udr Grobe Homburgerstr. 4 Uebungistunde,— Gesangverein.Qbne- sorgc' AbendS 9 Ubr, Restaurant Reuher, Aste Iakobstt, 83,— Gesangverein Widerball' AbendS 9 Ubr bei Herrn Boge, Kövnickerstr, 191,— Gesangverein .Lorbeerkranz' 8!z Uhr Restaurani Wcinstr, 11,— Berliner Turngenofien- ichgit sFünste Mönnerablbeilnng) AbendS Kl Ubr in der stödttichen Turnhalle, Wafieriborstratze 81. Turnverein.Hascnbaide" sMönnerablheiiung) Abend« 3 Ubr Dieffendachsttafie 80— Sl.— Turnverein„Froh und Frei" iMönner- obideiinng! Abends 8� Udr Bergllrabc 57.— Wifienichgstiicher verein für Rollcrsiche Stenographie AbendS 8� Uhr im Restaurant Zicibcn, Dorotdeen- strafie 31, Unterricht und UebungSstunde,—.Allgemeiner Arendssicher Steno- grovbenverein', Abtheiiung„VorwörlS", AbendS 8!»' Uhr im Restaurant Kall. Mariannenplatz 11,— Arendssicher Slenogravdcnvercin„Avollobund" Abend« 9 Ubr im Restaurant, Eeodeistr. 30,—„Vrrrin ehemaliger Dr. Docbbeiinsicher Schüler" Abends 9 Uhr im Restaurant Krebs, Friedrichstrabe 208.— vosgtsiche: Dilettanten-Orchesterverein AbendS SU Uhr UebungSstunde im Restaurant Eöllnsschcr Garten, Echarrcnstrabe 12.— Zitbcrverein„Alpenveilchen" Abend« 8X Ubr im Restaurant„Wodlslatt", Bclleaüiancestrabe 89— Rauchklub „Westend" AbendS 9 Uhr im Hohcnzollerngarten. Sieglitzerstrabe 27— Rauchklub„Weichselblatt" AbendS 8* Ubr im Restaurant. Skalttzerstrabe 147».- Rauchklub„Qbne Zwang" Abend« 8X Uhr im Restaurant W. Cpaeth, Wein» ftrabe 28. Vevintplhkes. Uor einigen Tagen meldete sich auf dem Bezirks- kommando zu R.uß e:n etwa 28jähriger, verheirathcter Arbeiier mit der Angabe, er habe als BooiSmannSmaat im Jahre 1885 auf dem Marinedampfer»Olga" gedient. Am Kap der guten Hoffnung, wo das Geschwader aus der Rhede gelegen, habe er als Nochtposten mit mehreren Komplizen einen mißliebigen Uvterlieutenant über Bord geworfen. Nach vollbrachter Tdat leien sie dann desertirt. Ob dieser Angaben billig erstaunt, hielt das Bezirkekommando den Mann naiür- lick in Haft. Em Arbeiter aus Heerdt, welcher als Theil- nehmer des Verbrechens von ihm bezeichnet worden, wurde auf telegraphische Requisition noch am nämlichen Abend durch einen Gendarmen verhaftet, jedoch bald wieder entlassen, da er durch seine Militärpapiere nachweisen konnte, daß er seine Dienstjahre bei der Marine regelrecht abgedient und niemals desertirt sei. Am andern Tage wurde durch mehrmaligen Depeschenwechscl mit der kaiserl. Marinestation in Kiel nach anderen Komplizen gefahndet, doch kam die Antwort zurück, daß dieselben niemals delertirt seien. Jetzt drohte die Geschichte verwickelt zu wrrden. Als nun der Delinquent am Tage darauf nach mehr wie vier- undzwanzigstündigem Schlaf wieder vernommen werden sollte, äußerte derselbe sein Erstaunen darüber, daß er sich im Gesäng- niß wiedergefunden habe. Da ihm nun seine Angaben vorgc- halten wurden, gestand er zerknirscht und treuherzig, daß er nie die See gesehen, me Soldat gewesen sei. Seme Phantasie sei durch die intensive Lesung von Seeromanen, hauptsächlich eines mehrbändigen, sehr»interessantev" Werkes»Der Galeeren- sklave", so überreizt gewesen, daß er thatsächlrch seine Angabc für richtig gehalten habe. Hierzu mögen auch noch Aufregungen in der Familie und»vielleicht" auch der Genuß gebrannten Wassers ihren Theil beigetragen haben. Die letzten Angaben des Mannes stellten sich bei eingehender Untersuchung als richtig heraus. Mit der Ermahnung, m Zukunft auf solche aufregende Lektüre von Seegelchichten zu verzichten, wurde der Mann, der etwas beschränkt zu sein schien, entlassen. Ueber Bakterien unk Krankheitsgifte sprach in der Moniagssitzung der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte Prof. Dr. Brieger(Berlin). Das Dasein aller Lebe- wesen auf unsrrem Planeten wird von chemischen und physi- kalischen Vorgängen beherdcht, die nach den allgemein giftigen Gesetzen ablausen. Unbestimmte Ahnungen von einem ChemiS« muS in den Lebensprozessen Hot man zuerst ausgesprochen durch die Annahme von Krankh-usfermenten, die freilrch nicht mehr als leere Namen waren. Pasteur ist eS ge- wesen, der zuerst gezeigt hat, daß spezifische Mikroben die Ursache der Gäh:ung sind. Die Erkennung der Mikio- organiSmen als Erreger der Fäuiniß, der Ellerung u. dgl. führte zunächst zu der glänzenden E- findung der annseptischen Wundbehandlung(Lister). Ab-r erst die grundlegenden Methoden von Robert Koch gestatieten eine tiefere Erforschung der neuen Welt der Mikroorganismen. Sämmtliche be- kannte Krankheiten theilen sich in vier Gruppen: 1. trau- malische, 2. JnfeklionS-Krankheit-n, 3. Stoffwechsel- Er- krankungen und 4. Neu-osen. Die beiden letzten Gruppen erfahren immer mehr Einschrä: kung zu Gm sten der zweiten. Für diese sucht man gegevwäriig auss Emsigste nach spezifischen Krankheii-errrgern. Hat man diese nun auch schon zum großen Theil kennen gelernt, so entstehen nun die weiteren Fragen, wie kommen die Bakienen in den Körper ihres WutheS, wodurch schädigen sie ihn, wodurch n>fen sie die pathologisch- anotomischen Verändeiungen ber Organe hervor, weshalb tödlen sie einmal und lassen das andere Mal gesund und schließlich, woher stammt die Jmmuniiät? Ueberall in der Natur sehen wir ihre chemisch» Gestalt, mgekraft. so ist z. B. die Uebersührung der unlöslichen Pflanze» flösse m lösliche bos Werk von Bakterien oder ihnen nohdtehcnden Pflzen. W'e alle lebenden Wesen müssen auch die Miss oorgoniSmen ihr Nährmaterial aus ihrer Umaebung nehmen, das vcrbrouchte Maierial aber letzen sie als Schlacken in dte Gewebe oder i« das Blut ob. Das ist der Cyemismus der Bakienen. Im m>- eingeschränkten Umfang gilt der von Mitlcherlich aufgestellte Satz! »DaS Leben ist weiter nichts als Fäulniß", denn sie voll- zieht sich im gesunden wie im kranken Zustand de« Körpers; das Jndol, Skatol, die Kaibolläure und viele andere Körper der aromatischen Reibe sind Produkte der Fäulniß. Im Magen hat der thicriscke Körver einen Fäulniß- heerd, in dem sich unaufhörlich dieselben Prozesse abwickeln, wie wir sie künstltch erzeugen können. Höhere Bedeutung ol« diese Ausscheidungen aromatischer Substanzen, welche bei der Blutvergifluna. Diphthede, Scharlach u. vgl. vor sich gehe«, und die von Biieger mit dem Namen„Ptomaine" beleg! wor- den sind, haben die basischen Slosswecht'elprodukte, die rr »Torine" genannt hat. Sie schädigen nicht nur wie die erstere« die Lebe-skrast, sondern sie vernichlen sie auch, sie sind eminent giftig. Sie gehen hervor aus der Zeisetzung de« Eiweißes m den G-weben, �welche die Bakt-nen annchten. Man hat bisher 40 solch-r Stoffwechselprodukte kennen gelernt, von denen B'ieger die große Mehrzobl gefunden hat, wie Neurin, Nevridin, Cado« � venn,PuIrkkcin, Mytilotvxin, Typholoxin. Tetanin, Guanidin ic. Redner bespricht nun in länqecer Anätührung die Herstellung und die biologischen Eigenschaften dieser Verbindungen. Auch die vielbesprochenen MikSmulchrloergiftungen in Wiikclmehavcn 1885 und 1887 infolge des Genusses stognirenden Wassers au« der Nordsee sind auf die Wirkungen solcher Toxine zurückge» führt wordeir. Die KrankheitSe! scheinungen der Cholera, dek Typhus, des Mtlzbrandes und deigleichen sind als Wir- kungen der Stoffwechselprodukte der entsprechenden Bazillen zu erklären. Noch unlängst hat man aus dem frisch amvutirten Arme eines vom Wundstarrkrampf(Teia-ns) befallenen Menschen„Tianin" hergestellt. Auch durch künstliche Züchtung der Bazillen zu Kolonien bat man die Ausscheidungsprodukle derselben gewonnen, z. B. Ammoniak von den Milchrandbazillen. Was man bisher Infektion, d. h- Ansteckung durch Baiillen nannie, stellt sich immer mehr o!« „Jalorikaiion", d. h. Vergiftung durch chemssche Stoffe heraus. In der größeren osec g-ringeren Toleranz der Gifte beruht der Unterschied in dem Verlauf der JnfiklionSkranfherten. Von eminenter ptakilscher Wichtigk-it könn-n diese Entdeckungen w- r» dcn, wenn das Ziel erreicht ist, das sich jetzt die Medizin still- n muß: durchs Einverleibung eines irgend nie gewonnenen solcher chemischen Sloffwechsesprodukle Immunität gegen die JnsektionS- krankbe'ten zu erzeugen. Die grösste Tiefe des Meeres ist, wie man im„Jron� liest, im südatlanlischen Ocean,»wischen der Insel Tristan d'Acunha und der Mündung deS Rw de la Plata. Der Grund wurde dort in einer Tiefe von 40 236 Fuß oder 8� Meilen eireicht. Diese Tiefe übersteigt um üb-r 17 000 Fuß die Höhe des Berges Eoerest, des höchsten Berges in der Welt. I« rordailantischen Ocean, südlich von Niufundland. erreichte da« Senkblei eine Tide von 4580 Jaden oder 27 480 Fuß, wäh- rend Tiefen von 34 000 Fuß oder 6 Meilen südlich von den Barmuda Inseln crmitteli wurden. Die durchschnit.liche Tiefe des Stillen Meeres zwischen J-pan und Kalifornien ist elwa» über 2000 Faden, zwischen Chili und den Sandwichs- Jnieln 2500 Faden, und zwischen Cqili und Neuseeland 1500 Faden. Die DuichschmtlStiefe jämmilicher Meere ist zwischen 2000 und 2500 Faden. Meuefke MerchrirlIkon. Wie bereit» mitgetheilt, hat der Bundesrat h der Ver- längerung des kleinen Ä'IagerungSzustandeS über Berlin, Frankfurt a. M., Hcnnburg-Allona und Offembach zugestimmt. Für alle diese Städte läufi der Termin des gegenwärtig gelten- den Belagerungszustandes mit dem 30. Segtember ad. Das» selbe ist aber auch bei dem über Sl-tlin verhängten Belage- inngSzustand der Fall, ohne daß bisher die Verlängerung der Maßregel für Stellin beim Bundeeraih beantragt worden ist. Es scheint daher, daß Stettin von dem Belagerungszustand, dessen Begründung die dürftigste unter den dürftigen gewesen ist, b freit werden soll. Uerbolen auf Grund de« Sozialistengrfetz»» wird durch den Regierungspräsidenten von Lüneburg der dortige »Verein für volksthümliche Wahlen". Vepcfrifen. (MaltTs Telegraphen-Bureau.) Kern, Donnerstag, 26. September. Wie von zuverlässiger Seite veiloutet, ist für doS Begehren einer Volksabstimmung über das BundeSgdetz betreffend die Anstellung eines Bunde«« anwalts die velfaffungSgemäß erforderliche Zahl von 30 000 Unterschristen nicht zusammengekommen. Man rechnet auf höchstens 25 000 Unterschnslen. Aaag, Dann eistag, 26. September. Die zweite Kammer nahm mn 71 gegen 27 Stimmen den Gesetzentwurf betttffend die Revision der gesetzlichen Bestimmungen über den Elementar- Unterricht an. Nach demselben werden die den Kommune« bisher gezahlten Unterstützungen für die öffentlichen Schule« vermindert, und den Privatschulen, sowie den konfessionellen Schulen Unterstützungen gewährt. 17 Mitglieder der liberale» Parle! stimmten mit der klerikalen Majorität. pari«, 26. Sept. Die Wahlkommission für die Präfckiur der Seine machte heute das Ergebmß der Wahlen im Departe» ment der Seine bekannt. Die Kommission erklärte die für Boulanger abgegebenen 8367 Stimmen für ungiltig und prv- klamrrte Joffrin, welcher 5500 Stimmen erhielt, al« Abgeord- nelen für Montmartre. Die 3841 Stimmen, welche Rochefort im Wahlbezirk Belleoille erhielt, wurden ebenfalls für ungiltig erklärt. London, Donnerstag, 26. September. Der Union- Dampfer„Moor" ist gestern auf der Ausreise in Capetow», und der Union- Dampfer„Durban" auf der Heimreffe in Sourbamvton angekommen. Mailand, 26. Sept. Von den durch den Einsturz deg. HauUs in der Allee Porta Victoria Verschütteten find weitere 19 Lrichen ausgegraben worden; gegenwärtig werden noch 17 Arbeiter vermcht. Neapel, 26. Sept. Die gestrige nach den wolkenbnrch- artigen R>genaüssen eingetretene Ueberschwemmung ist nament» lich durch Verstopfung der Kanäle heroorgerufen worden. An einem vom Waffer unterwaschenen Hause stürzte ein Balkon herab und erschlug 2 Personen. Vrtefknsten. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementSCmiltung beUufügen. Briest ick» Antwort wirb nicht ertbellt. Fachvrrrin der Klempner. Ihr Bericht muß, da er- viel zu weitläufig ist, vollständig umgearbeitet werden. Berantworiliche« Redakieur- U. Tronhetm m»eriin. Druck und Vertag von Badtn« m Berlin kil».. Beuibstraße 7.