SS7. Sonnabend, de« S8. September 188S. 6. Jahrg. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Abonnements- Einladung. Arbeiter Kerlin»! «v i?*1 �'e Verbreitung Eurer Presse thätig zu sein, solltet Ar Arbeiter keine Gelegenheit unbenutzt vorüber gehen lassen. »vr habt Eure Presse zu unterstützen, weil sie unabhängig ist, Uno daher muthig und offen die Reaktion auf jedem Gebiete «ekompft und in allen politischen und wirthschafllichen Fragen Emanzipation der Arbeiterschaft unermüdlich das Wort redet.— ,»Der Unverstand der Massen" ist der größte Feind des kulturellen Fortschritts— helft dieses Bollwerk beseitigen, in- '�m Ihr dort Licht zu verbreiten trachtet, wo es noch dunkelt, �>' trotz aller Anstrengungen, die klare Erkenntniß fehlt. . Wir stehen vor den Reichstagswahlen, es naht eine Zeit, wichtig für den Arbeiter, wie keine andere; da gilt cS, die �tnmnrn der Wahrhnt und des Rechtes zu vernehmen und sich Jl'cht von dem verlockenden Gesang besoldeter Täuscher des Volkes bethören zu lassen. Leiht Euer Ohr der aufklärenden up.d darum verfolgten Presse! . Das„KepHttrr Kotkoblatt" wird unablässig bemüht auch den weitgehendsten Ansprüchen genügen zu können. Es ist uns gelungen, neue Mitarbeiter für unsere Zeiturg zu gewinnen. Den Berliner Arbeitem werden aus sachverständigen und erprobten Federn Berichte aus London und Paris zu- Scherl, welche ern klares Bild der Verhältnisse des dortigen Proletariats entrollen. In dem täglichen Feuilleton unseres Blattes werden wir ««fang nächsten MonalS E. Zola'S (Bctrmiwal, IMec ergreifende Gemälde von dem wilden Kampf einer unter brückten, ausgesogenen Arbeiterbevölkerung gegen die Urber- wacht des Kapitals, veröffentlichen. Gerade zetzt, wo wir noch uriuntirlbar unter dem Eindruck des gewaltigen FrübjahrSauk standes der deutschen Bergarbeiter stehen, dürfte dieses be bcutendste Werk des großen Naturalisten unfern Lesern will «M'.men sein. Dem wird eine fortgesetzte er- höhte Aufmerksamkeit in der Wahl des Lesestoffes zugewendet werden. Dasselbe soll sich auch fernerhin dmch eine wahrhaft volksihümliche, echt realistische Haltung auszeichnen. Der Abonuemrntopreis beträgt frei in« Anns für das ganze Vierteljahr 4 Mark, monatlich 1 Mark 35 JÜf. wöchentlich 35 Pf. Bei Selbstabholung aus der Expedition Zimmerstraße 44, iaT' 1 Mark pro Monat."VW Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren- von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, wugegengenommen. Für außerhalb nehmen s L m m t l i ch e Postanstalten Be- stelkmgen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 4 Mark an. Die Redaktion m,d GvpediHon des„KerUner Uolksklatt". j77 Femlleton. «ochdruck Btrfiolm.j_ Ein G n l t» nr e n fiy. Roman von Maurus J6kak. Auf Michaels Gemüth machte dies frenidartige Phänomen «wen seltsamen Eindruck. Er besaß stets einen offenen Cinn für das„große Leben" in der Natur. In seinem cmpfänglichcn Genmth hatte der Gedanke sich festgesetzt, daS Alles, was lebt, auch Bewußtsein hat: Wind, Sturm und Pkitz, die Erde selbst, der Mond und die Sterne. Wer da »erstände, was jetzt die Eisfläche hier unter seinen Füßen spricht! Da ertönt plötzlich ein so fürchterliches Krachen, als würden hundert Kanonen auf einmal abgefeuert oder eine unterirdische Mine in die Luft gesprengt. Die ganze Eis- decke erbebt und schüttelt sich. Das Werk dieser donnernden Erschütterung aber ist ein furchtbares; vom Füreder Ufer bis Tihany in einer Länge von dreitausend Schritten ist die EiStafel gesprungen und zwischen den Rändern beider Eismassen gähnt eine klafterbreite Schlucht. riaräs. i rianä�!"(Der Eisriß, der Eisriß!) rufen die Fischer und rennen, ihre Netze stehen lassend, zu der Stelle hin. Timar stand nur zwei Schritte weit davon. Er hatte gesehen, wie der Riß entstand. Seine Kniee zitterten von dem furchtbaren Choc, welcher die beiden Eismassen aus- einander getrieben hatte. Er stand wie betäubt von der Wirkung der gewaltigen Naturerscheinung. Das Hinzu- 'oounen der Fischer rüttelte ihn auf. Die Fischer erklärten '�m, daß im Munde dcS Volkes der eben entstandene Riß die Benennung„nanW führt, ein Wort, das man sonst Die franxästflhctl Mahlen. Der Ausfall der ftanzösischen Wahlen läßt sich in der Hauptsache dahin charakterisiren:„Es bleibt Alles beim Alten." Die Republik, wie sie ist, hat die Mehrheit der Ge- wählten für sich. Die Opposition gegen dieselbe, bestehend aus Monarchisten, Bonapartisten und Boulangisten, bildet die Minderheit und es ist keine Aussicht, daß die Nach- wählen dieses Verhältniß wesentlich ändern werden. Die Frage der Revision der Verfassung, die bei den Wahlen eine' große Nolle spielte und die von den ver- schicdenen Anhängern der Revision in sehr verschiedenem Sinne aufgefaßt wurde, ist damit auch beseitigt. Denn es ist kaum anzunehmen, daß die radikale Linke, die durch die Nachwahlen auf zirka 80—90 Köpfe anwachsen dürfte und sich ebenfalls für die Revision erklärte, mit der Rechten gemeinsame Sache machte, um das Ministerium zu stiirzen und die Revision, die nicht in ihrem Sinne ausfallen kann, herbeizuführen. Ein solcher Schritt würde nur neue Verwirrung erzeugen, ohne der radikalen Linken im Geringsten zu nützen. Regierungsfähig ist sie nicht und ein Bündniß mit der Rechten außer für den Fall der vorübergehenden Abstim- mung über eine Frage, in der die Extreme sich berühren, ist selbstverständlich ausgeschlossen. Dagegen werden die weitergehenden Wühlereien der Boulangisten und Monarchisten die radikale Linie zwingen, mehr als ihr lieb ist mit der gemäßigten Linken zu paktwen und sie zu unterstützen. Die Republikaner haben zwar die Mehrheit, aber keine solche, daß sie Spaltungen sich erlauben oürfen, die nur der Rechtm nützten. Und doch sind diese Republikaner eine sehr gemischte Gesellschaft, die nur der Roth ge- horchend, nicht dem eigenen Triebe, sich zusammen zu finden. Ihr einziger Trost ist, daß auch ihre Gegner gespalten sind und nur durch die Gegnerschaft wider das herrschende Regime, also in der Negation, sich zusammen finden. ES werden demnach die grimmigen Parteikämpfe, die bisher schwer im Parlamente wütheten, auch weiter ihre Rolle spielen, Kämpfe, bei denen es sich infolge der sozialen Stellung der Kämpfenden nur darum handelt, wer die Beute besitzen und sie vertheilen soll. Wie heute in allen konstitutionell regierten Staaten der Jnteressen-Gegensatz innerhalb der Bürgerklasse keine feste und sichere Majorität für eine Regierung dauernd auf- kommen läßt, ebensowenig in Frankreich. Dort sind die Verhältnisse durch das Auftreten deS Boulangismus mit seiner Zweideutigkeit und Phrasenhaftig- keit nur noch mehr verwirrt worden. Der Boulangismus nirgends kennt; es sei dies eine große Gefahr für die den See Passirenden, denn von weitem kann man den Riß nicht wahr- nehmen und er friert nie zu, da das Wasser in demselben be- ständig auf und ab wogt. Es mar daher auch die erste Sorge dieser guten Leute, überall, wo Fußtapfen zu den Spalt hinführten, an den beiden gefährlichen Rändern Pflöcke in das Eis ein- zurammen, an deren Spitze sie Strohwische befestigten, damit die des Weges Kommenden bei Zeiten aufmerksam gemacht werden.„Aber noch gefährlicher wird die Sache dann," erklärt der alte Fischer,„wenn unter starkem Winddrucke die getrennten Eismassen sich wieder aneinanderschieben. Dabei giebt es ein eben solches Klingen und Krachen. Nicht selten ist aber die Kraft des Windes so groß, daß er die Ränder der getrennten Eisfelder schräg emporhebt, so daß "vischen dem Wasser und dem gehobenen Eis ein leerer aum bleibt. Wer das nicht bemerkt, und mit dem Wagen darüberfährt, dessen armer Seele sei Gott gnädig, denn das Eis, das nicht zum Wasserspiegel herabreicht, bricht unter ihm ein." Es ging schon auf Mittag, als man an« Werk gehen konnte. Der Fischfang unter dem Eis des Balaton ist eine lustige Arbeit. Zuerst werden in derjenigen Bucht, in wel- cher nach den Erfahrungen der Fischer die Fische um diese Jahreszeit sich schaarenweise anzusammeln pflegen, zwei klafterbreite Löcher in einer Entfernung von 50 Klaftern von einander im Eise ausaehauen, unv dann wird aus kleineren Löchern von zwei Fuß im Durchmesser ein Viereck in der Weise gebildet, daß die beiden großen Oeffnungen die gegenüberstehenden Winkel des Trapezes bilden. Sämmt- liche aus den Löchern dieses Vierecks gehauenen Eisstücke werden am Rande der Löcher aufgethürmt, damit die über das Eis gehenden vor der Gefahr, hineinzufallen, gewarnt werden. Scheint dann die Sonne auf diese über den großen Eisspiegel zerstreuten Eiswürfel, so ist es, als sähe man darauf Tausende von kolossalen Diamanten blitzen. Die ist ein Sammelsurium der heterogensten Elemente, der Monarchisten, bürgerliche Radikale vom Schlage Rocheforts und sogenannte Sozialisten unter seiner Fahne vereinigt. Alles, was mit dem bestehenden System unzufrieden ist und in den übrigen Parteiprogrammen reine Befriedigung seiner Wünsche sindet, oder seine Hoffnungen mehr auf eine Person als auf die Verwirklichung von Prinzipien setzt, hat sich Boulanger angeschlossen. Uno mit Versprechungen hat Herr Boulanger nicht gekargt. Da ist eS nun eine beschämende Thatsache, daß der Boulangismus dort seine zahlreichsten Anhänger fand, wo er nach dem Maße von politischer Bildung, was man dort hätte erwarten dürfen, die wenigsten hätte finden sollen— in der Hauptstadt des Landes, in Paris. Der Boulangismus hat in Paris, wo diesmal auf Grund des gegen Boulanger gerichteten Ausnahmegesetzes er selbst nur in einem Wahlkreis kandidiren konnte, und seiner Verurtheilung und der Aberkennung der Wählbarkeit zum Trotz auch kandidirt hat, während in den übrigen Wahlkreisen aber seine Anhänger kandidirten, über 200 000 Stimmen davongetragen. DaS sind 40 000 weniger als Boulanger im Januar diese« Jahres im Seinedepartement durch das Listenskrutinium erhielt. Bestände heute das Listenskrutinium noch, wer weiß, ob er weniger Stimmen erhalten hätte, als damals. Einen Theil dieser Stimmen mag Boulanger und seinen Anhängern das Ausnahmegesetz, das man gegen ihn erließ, wie die Gerichtskomödie, die man gegen ihn in Szene setzte und die beide eine Schmach und ein Zeichen der Schwäche seiner Gegner sind, zugetrieben haben. Aber die Thatsache bleibt nichtsdestoweniger bestehen, daß die politisch vorgeschrittenste Stadt Frankreichs viesem Charlatan ihre Sympathien zuwandte und daß eS namentlich die Arbeiterklasse war, vie zu einem großen Theil ihm ihre Stimmen gab. Boulanger und seine Anhänger wurden theils gewählt, theilS erhielten sie die relative Majorität in Paris, während sämmtliche Arbeiterkandidaten, sogar in den eigentlichen Ar- beitervierteln in der Minorität verblieben. Diese Thatsache ist für das Klassenbewußtsein eines große» TheileS der Pariser Arbeiter tief beschämend und darf nicht vertuscht werden. Aus Feindschaft gegen daS repu- blikanische Bürgerthum geben sie Menschen ihre Stimmen, die nicht minder ihre Femde sind, wie jene. Auch aus dem übrigen Frankreich lauten die Nach- richten für die Vertreter der Arbeiterklasse leider keineswegs erfreulich. Mit Ausnahme Guede's, der in Marseille in die engere Wahl kommt und wahrscheinlich siegen wird, dürfte die Zahl ihrer Vertreter, die erst die Nachwahlen schaffen müssen, eine geringe sein. Und daS— viele von uns begreifen es kaum— bei vollkommenster politischer Wahlfreiheit, bei einem Stimm« recht, das schon mit dem 21. Lebensjahre beginnt, bei einem Wahltag, der auf den Sonntag fällt und bei Wahlkreisen, Fischer tragen daS lange starke Netz seeeinwärts zu dem großen Loch, breiten die beiden Enden desselben aus und binden sie an zwei Stangen, deren jede eine Länge von dritthalb Klaftern hat. Ein Fischerknecht beginnt nun die Stange unter dem Eis sammt dem daran befestigten Netz vorwärts zu schieben, der Andere wartet dort be» dem kleineren Loch, und so wie das Ende der Stange hingelangt, stößt er eS weiter zum dritten Loch, an welchem der dritte Fischerknecht postirt ist; den« selben Weg legt auf der anderen Seite des Vierecks die zweite Stange mit dem andern Netzende zurück; beide Stangen und beide Netzenden treffen ,n dem gegen das Ufer zu be- findlichen großen Loch zusammen. DaS Netz,»velches da« am untern Ende angebrachte Bleigewicht auf den Grund hinabzieht, während das obere Garn bis zur Basis deS Eises emporgehoben ist, bildet so ein vollständiges Gefängniß für alle Fische, welche e» im Viereck vorfindet. Um um oiese Zeit pflegt eS bort von Fischen zu wimmeln. Der Fogasch, der Schill und der Wels verlassen ihr tiefes Schlammlaaer und kommen herauf, um in dem auSgehauenen Eisloch Lust zu schöpfen; sie feiern jetzt ihre Familienfeste, ist doch dies die Saison, in welcher die Kaltblüter der holden Liebe pflegen. Die feste EiSwölbung schließt sie jetzt ab von dem fremden Element,— nur nicht von dessen Be- wohnern, den Menschen. Das Eis gereicht ihnen jetzt nur zum Verderben. Wenn sie wahrnehmen, daß daS Netz sie enger zusammendrängt, giebt es bereits keinen Ausweg mehr für sie. Herausspringen können sie nicht, � daran verhindert sie daS Eis. Der in Bedrängmß gerathene Fogasch kann jetzt nicht mehr in ge- wohnter Schlauheit mittelst seines kräfttgen Schwanzes sich einwühlen in den Schlamm, um unter dem Netz zu ent- schlüpfen, denn der Troß seiner zappelnden Gefährten reißt ihn mit sich fort. Die Fischer aber dort fassen ihrer zwanzig das Netzseil an und ziehen es ruhig herauf. die durchschnittlich nur halb so groß sind als die deutschen Wahlkreise und also die Agitation sehr erleichtern. Der französische Wahlkreis hat durchschnittlich nur 50000 Ein- wohner. Dieses Wahlresultat hat allerdings diejenigen nicht über- rascht, die wußten, daß eZ sowohl an Organisation wie an Mitteln und an einer Presse fehlte. An allen diesen Dingen, die für den Erfolg so noth- wendig sind, fehlt es leider den vorgeschrittenen Arbeitern Frankreichs sehr, sie haben bisher nicht verstanden, sich diese Dinge zu verschaffen. Als im Januar dieses Jahres bei den Wahlen im Seinedepartement die Arbeiterkandidaten so stark unterlagen, hätte man annehmen dürfen, daß diese harte Lehre nicht ungenutzt vorüber werde gehen, sondern daß man mit Rück- ficht aus die bevorstehenden allgemeinen Wahlen sich besser organisiren und seine Kräfte sammeln werde. Der Erfolg entspricht diesen Erwartungen nicht und die Wirkung wird sein, daß die in ihrer großen Mehrheit aus den ausgesprochendsten Bourgeois bestehende Kammer auch ferner davon absehen wird, den berechtigsten Verlangen der französischen Arbeiter entgegenzukommen. Die Klassen- Herrschaft der französischen Bourgeoisie währt ungebrochen weiter. Das ist das Fazit des Ausfalls der Wahlen. Mouvefpondenzett. Zürich, 25. September. Gegen die Fremden, gegen die ausländischen Wühler und Hetzer— das war die Parole, mit der die Hetze gegen die Sozialdemokraten— die ausländischen wie einheimischen— eingeleitet wurde; mit dieser Parole erhielt der Bundesrath den bekannten 20000 Franken- Kredit, damit fetzte er das berüchtigte geheime Kreisschreiben in die Welt, damit konnte er die vier Hottinger ausweisen und damit wurde ihm auch von der Bundesversammlung einstimmig der General- anmalt bewilligt. Da die gutgesinnte Presse den Chauvinismus systematisch pflegt, so ist die Menge immer zu haben, wenn es gilt, gegen die alles Unheil verschuldenden Fremden zu Felde zu ziehen. Darum regte auch der Beschluß über den Bundes- anmalt nicht auf— soll er ja doch nur gegen die Fremden ge- richtet sein. Unter dem Vorwande,„es geht gegen die Frem- den", könnte man somit das Schweizer Volk zu allem haben. Es ist tief bedauerlich, daß die sozialistische Arbeiterpresse der Schweiz sich viel zu wenig bemüht, gegen den Drachen „Chauvinismus und Fremdenhaß" energisch anzukämpfen. Um so mehr freute es uns, endlich einmal eine entschiedene Stellungnahme in einem dieser Blätter zu finden. Es ist der in Bern erscheinende„Schweizerische Sozialdcmakrat", der dies- bezüglich in folgender Weise sich äußert:„Zwei Wahr- h e i t e n, allerdings traurige Wahrheiten, sind es, welche das Vorgehen der Bundesbehörde in Sachen der politischen Polizei im Volke stützen— abgesehen von der Unkcnntniß der Thatsachen und des bezüglichen Rechts, in welchem das Volk von dem Großtheil unserer politischen Presse erhalten wird— nämlich die Thalsache, daß die große Mehrzahl des Schweizer- volles engherzig genug denkt, um alle Fremden, deren An- Wesenheit in unserem Lande uns dennalen Angelegenheiten von außen, w enn auch noch so ungerechter Weise, zuziehen kann, ohne weiteres Preis zu geben und ferner die Thatsache, daß wieder der großen Mehrheit des Schweizervolkes Gesetz und Recht mehr oder weniger gleichgiltig sind, wo sie seinm Wünschen ein Hinderniß bilden. Das sind unbestreitbare Thatsachen für jeden aufrichtigen, erfahrenen und verständigen schweizerischen Politiker. Unsere schweizerische Republik ist jederzeit, besonders aber in der Reu- zeit, nichts weniger gewesen, als ein Rechtsstaat. Das wissen unsere ticferblickenden Historiker auch ganz gut. Das Volk ist also, wenn man will, wohl entschuldbar, daß es sich unserer politischen Polizei gegenüber in seiner großen Mehrheit so verhält, wie es sich verhält. Es wurde nicht besser erzogen und gelehrt von seinen Führern. Anders aber verhält es sich mit den Gebildeten, welche fähig sind, die Sachlage richtig zu erkennen und welche, vermöge ihrer Bil- dung, einsehen können, wie gefährlich auch die klein st e Rechtsverletzung der Volksfreiheit seitens der Behörden ist. Diesen Gebildeten können wir nur zurufen: Schämt Euch!—" Die Sammlung von Unterschriften für das Referendum gegen den Bundesanwalt dürfte mit dem heutigen Tage wohl im ganzen Lande geschlossen werden. Da die Unterschriftenbogen, behördlich legalrsirt, nächsten Freitag in den Händen des Bun- desrathes sein müssen. Vorläufig sind alle in auswärtigen Zeitungen sigucirenden Zahlenangaben als müßige Erfindung zu bezeichnen. Bei Gelegenheit der Unterschriftensammlung zeigte sich m vielen Orten die geradezu sklavische Abhängigkeit der Arbeiter Die vereinigte Kraftanstrengung von zwanzig Menschen läßt ahnen, wie groß die Last ist, welche emporgezogen wird. Sie hat gewiß ein Gewicht von mehreren hundert Zentnern. Auf der Wasserfläche des großen Eisloches fängt es an, lebendig zu werden. Die aufgestörte in die Enge getriebene Fischmenge drängt der einzigen Oeffnung zu. Das ist ihr Tod. Verschiedenartig gestaltete Fischmäuler und Köpfe tauchen aus dem Wasser empor, durchsichtige Schwimm- flössen, rothe Fischschwänze, blaue, grüne und silbern glänzende Schuppenrücken drängen sich an ernander und zwischen ihnen kommt manchmal der Hai des Balaton, der zentnerschwere Wels, zum Vorschein, mit weitem Rachen und hufeisenförmigen Schnurrbart, verschwindet aber ebenso schnell in die Tiefe niederfahrend, als ob dort unten Rettung zu finden wäre. Drei Fischerknechte sammt dem alten Fischmeister holen mit großen Schopfnetzen die an der Mündung des Eisloches sich drängende lebendige Masse heraus, und werfen die Fische ohne weitere Umstände aufs Eis, wo Jung und Alt durcheinander zappelt. Von da ist kein Entrinnen mehr, denn die Löcher sind alle schon verstopft mit den hinein- passenden Eiswürfeln. Das ist nun ein wahrer Hexentanz. Breitmäulige Karpfen schnellen sich in halbklaftrigen Sprüngen empor, der Hecht in seiner Verzweiflung windet sich wie eine Schlange durch die krabbelnden Hausen von Barschen und Karauschen. Ein und der andere Wels wird an den Kiemen erwischt, herausgezogen und aufs Eis geworfen, wo er dann den kahlen Kopf seines ungestalten Leibes träg hinlegend mit dem wuchtigen Schwanz die Mitgefangenen ring» um sich auseinander fegt. Die Eisfläche um das Loch herum ist schon weithin mit Fischen bedeckt. Der Karpfen springt darauf umher, wie die WasserspitzmauS. Man läßt ihn gewähren: er kann doch nicht entkommen. Die trägeren Fische liegen haufenweise herum an den beiden Seiten des Eisloches. „Ich hab's ja gesagt"— brummte der alte Fischer— „daß wir heute einen guten Fang thun werden; wo der gnädige Herr sich zeigt, da stellt sich auch daS Glück ein. Wenn wir jetzt nur noch den Fogaschkönig erwischen könnten!" Müßte mich sehr irren, wenn wir ihn nicht drin haben," von ihren FabrikSpascha'S im grellsten Lichte. So wird dem „Basler Arbfrd." aus verschiedenen Orten, wo Fabriken in Betrieb stehen, berichtet, daß die Arbeiter zum größeren Theil gern den Referendumsbozen gezen den Äundcsooat unter- schreiben möchten, sich jedoch nicht getrauen wegen ihren Ar- beitsherren, chenen es zu Ohren kommen könnte, mit einem Wort: sie fürchten, ihre Stelle zu verlieren und für Familien- väter ist dies natürlich keine Kleinigkeit. Das ist eine traurige Illustration zur Schwcizerfreiheit! Ueber den Niedergana der politischen Freiheit in der Schweiz schreibt ein Schweizer, Rudolf Boßhardt, aus Hamilton im Staate Ohio in den Vereinigten Staaten, dem „Grütlianer":„Unter den hiesigen Schweizern ist man sehr aufgebracht, daß die Schweiz eine politische Polizei erhalten hat. Man bedauert allgemein, daß die Freiheitsideen, welche die Grundlage des Schweizerbundes bildeten, jetzt, nach seinem langen Bestehen, langsam abgetragen werden sollen. Man be- fürchtet auch, dies sei der Anfang vom Ende der Schweiz als unabhängiger Staat. In den Zeitungen sind diesfalls harte Worte zu lesen. Die Sympathien für die Schweiz vermindern sich zusehends; flüher konnte man noch mit Stolz auf das fleieste Land der Welt hinweisen, jetzt wird einem der Polizeistaat vorgehalten. Ja, wer hätte noch vor 10 Jahren geglaubt, daß die Schweiz sich so weit vergesse, um die Polizei Haussuchungen vornehmen zu lassen unter den Arbeiterführern, den Besten des Volkes, deren Namen golden klingen an allen Enden der Welt, wo Schweizer sind! So flogt man sich denn gegenseitig: werden wir die Schweizer als Schweizer einst wiedersehen?"— Eine bittere, aber zutreffende Kritik! Am 27. Oktober findet in Bern der statutengemäße Parteitag der schweizerischen Sozialdemo- k r a t e n statt. Die Tagesordnung hierfür ist noch nicht fest- gestellt. „Unser Attenhofer" hat schon wieder ous'S Neue gegen Conzett Klage beim Gerichte eingereicht. Der Mann ist wie Boulanger, er lebt von der Reklame! jüolitilrlre rkrbcvNUrk. Ueber die Gröffnnng des Reichstags und das eventuelle Geschick des Sozialistengesetzes läßt sich die„Magd. Ztg." unter dem 26. d. MiS. aus Berlin telegraphiren: „Heute befinden sich sowohl der Staatssekretär im Reichs- schatzamt, Frhr. von Maltzahn, als der Staatssekretär im Reichs- amt des Innern und Vertreter des Kanzlers, Herr v. Bötticher, in Friedrichsruh. Es sollen daselbst endgiltige Beschlüsse so- wohl über den Tag der Einberufung des Reichstages, soweit das zur Zeit möglich ist, und über die dem BundcSralh zu machende Vorlage, betreffend das Sozialistengesetz, gefaßt werden. Die Einberufung des Reichstags wünscht man so sehr zu beschleunigen als möglich, und man hofft, daß es nicht nöthig sein werde, bis in den Monat November hinein zu zögern. Jedenfalls wird aber außer dem Etat(an dessen baldiger Fertigstellung nicht zu zweifeln ist) auch noch eine andere Vorlage von Be- deutung zur Unterbrcitung an den Reichstag bereit fein müssen, ehe man denselben eröffnet. Andernfalls hat die Eröffnung keinen praktischen Werth, denn es würde nach der ersten Lesung des Budgets nicht Stoff genug vorhanden fein, um die Ab- geordneten zu bcschäfiigen. Eine Verschiebung der Reichstags- Eröffnung bis Mitte November, wovon hier und da gesprochen worden ist, wird man hoffentlich zu vermeiden wissen, wenn auch anderseits der ursprünglich ins Auge gefaßte Termin, der 22. Oktober sich als zu früh gegriffen erweist." Das heißt also:„Nichts Genaues weiß man nicht." Kechtsstcherhett und Rechtsgleichheit. Ueber die Maßregelung der Fachvereine aus Grund des Vereinsgesetzes lesen wir ein äußerst zutreffendes Urtheil: „Zu den politischen Angelegenheiten gehört nach der Herr- schenden Rechtsprechung Alles, was auf das Vcrhältniß des Staates zu seinen Unterthanen und zu anderen Staaten oder auf seine Verfassung, Verwaltung und Gesetzgebung Bezug hat. Je mehr nun der heutige Staat— nach vollständigem Bruch mit der zur Zeit jener Gesetzgebung herrschenden Auffassung— für sich das Recht und die Pflicht m Anspruch nimmt, in die wirthschaftlichen Verhältnisse der verschiedenen Erwerbsschichten regelnd einzugreifen, umsomehr muß sich auch die Abgrenzung zwischen wirthschaftlichen und politischen Angelegenheiten ver- wischen. Deshalb kann die gewerkschaftliche Bewegung der Arbeiterschaft, wenn sie wirksame Resultate zeitigen soll, eine gewisse politische Beimischung umsoweniger umgehen, als ver- schiedene Fragen, wie z. B. die der weiteren Arbeiterschutz- reform, eine andere als gesetzgeberische Lösung kaum zulassen. Daher die zunehmenden Kollisionen mit den Vereinsgesetzen! Dazu kommt noch, daß die Auslegung der Vereinsgesetze bei dem dehnbaren Begriff der„politischen Angelegenheiten" in den verschiedenen Staaten und selbst bei den Be- Hörden desselben Staates eine überaus verschiedene ist, so daß in dieser Beziehung ein Zustand der Rechtssicher- sagte der Fischerknecht, welcher dem Wasser zunächst am Seile zog;„im Netze schießt irgend eine große Bestie herum, ich sühl'S in beiden Armen".„Ha, da ist er!" schrie der zweite Fischerknecht, dessen Schöpfnetz gerade voller Fische war, als ein enorm großer Kopf als wäre eS der Kopf eines weißen Krokodils, auS dem Wasser emportauchte; der fianze Kopf ist silberweiß, in dem aufgerissenen Rachen tarren zwei Reihen scharfer Zähne, wie die eines Kaimans, außerdem aber noch vier in einander greifende gekrümmte Hauer, wie beim Tiger. Es ist ein Respekt einflößendes Haupt. Mit Recht kann man ihn den König dieses Sees nennen, in dem eS kein anderes Thier giebt, das sich mit ihm messen könnte, selbst in der eigenen Rasse nicht.„Da ist er!" schrien auf einmal noch drei Andere, allein im nächsten Augenblick war das Thier aufs Neue untergetaucht und nun begann der Kampf des Fischers. Als hätte der in die Falle gerathene Seekönig plötzlich seiner ihm noch übrig gebliebenen Leibgarde den Befehl er- theilt, im Entscheidungskampfe sich durchzuschlagen, entstand im Netz ein gefährlicher Tumult. Das VoltigeurkorpS der Hechte, Karpfen und Welse rannte mit den Köpfen gegen daS stramm gespannte Netz an; man mußte mit Keulen auf die anstürmenden Goliathe dreinschlagen, um sie nieder zu kämpfen. Die Fische kamen in Feuer, die Kaltblüter zeigten sich einer heroischen Aufwallung fähig und empörten sich gegen den in ihr Reich eingedrungenen Usurpator, sie liefer- ten ihm eine förmliche Schlacht. Der Kampf endete freilich mit der Niederlage der Fische. Die Welse wurden, aufs Haupt geschlagen, auf das Eis hinausgezogen; das Netz schüttete die an die Oberfläche gedrängten schönen weißen Fogasche und Schill« heraus; nur der Fogasch-König wollte nicht zum Vorschern kommen. „Er ist schon wreder entwischt'" brummte der alte Fischer.„Nein, er ist noch im Netz," sagte der am Seil ziehende Fischerknecht, die Zähne zusammenbeißend.„Ich fühle in meinem Arm, wie er reißt und stößt, wenn er nur nicht durchs Netz bricht." Die Beute war unermeßlich, die schon herumlag; man fand keinen Platz mehr zum Stehen, wo man nicht über Fische ge- stolpert wäre.„So, jetzt ist daS Netz gerissen!" sschrie hert herrscht, der seines Gleichen sucht. Gehört doch z. B- jwch den sächsischen und bayrischen Gesetzen schon die Regelung der Lohnflaae innerhalb eines GewerbSzweiges zu den Vereins- gesetzlich verbotenen Bestrebungen, da diese Gesetze zwischen öffentlrchen und politischen Angelcaenheiten nicht weiter unter- scheiden. Auch vermag eS der einfache Sinn der Arbeiter niiti zu begreifen, weshalb das, was in Preußen erlaubt, eine Halde Stunde weiter, auf ebenfalls deutschem Boden, ein strasbare» Vergehen ist. Es ist jedenfalls ein in sich widerspruchsvoller Zustand, wenn die Arbeiter einerseits gegenüber den sozial- demokratischen Umsturzbestrebungen mit ihren Forderungen aat den Weg der Gesetzgebung verwiesen werden, andererseits b«> Befolgung dieses Gebots die Schließung ihrer Vereine und noch persönliche Bestrafungen zu gewärtigen haben." Es heißt dann noch weiter, daß zu dem Gefühl der Rechtsunsicherheit das Gefühl der R e ch t S u n g l e i®- h ei t trete, wenn die Fachvereine auf Grund des Vereins- gesetzes gemaßregelt werden, die notorisch politischen Bestrebungc« der Innungen dagegen unbeanstandet bleiben. DieieS Urtbe» hat kein Freund der FachvereinSbestrebungen, kein Sozialdemo- krat, übeihnipt kein Oppositionsmann, sondern Herr Dr. Zacher, RegierungSralh in der politischen Äbtheilung des Berliner Polizeipräsidiums, gefällt. Um diesen Zustand nun zu ändeiv, empfiehlt Zacher, man solle die Maßregelung genauer geletz»« bestimmen mit Beschränkung auf Vereine von staatsfeindlich« Tendenz. Dann herrscht„Rechtssicherheit". Auch„Rechts- gleichheit?!" Cine Kemegung, welche für das parteilebe« im Deutsche« Reiche möglicherweise wichtig werden kau«. vollzieht sich seit einiger Zeil im Königreich Sachsen.®tc Fortschrittler der sächsischen zweiten Kammer baben sich von d-r Zusammengehörigkeit mit dem Führer der Deutschfreifinnigen- Eugen Richter, losgesagt und in einer Erklärung, welche r" mit Ausnahme eines Einzigen— Alle unterzeichneten,«)!* künftige Haltung gekennzeichnet. In dieser Erklärung wird p Hauptpunkt hervorgehoben, die Mitglieder der Fraktion in der Anschauung einig, daß„für einen gesunden Fortfcfefl.. unseres Volkes in geistiger und sittlicher, sowie in nmthschp' licher und sozialer Beziehung die ausgedehnteste freie Thäligkcll aller Bevölkerungsklassen in Anspruch zu nehmen ist, daß dabei die Leitung und Unterstützung des Staats und der G:- meinden nicht entbehrt werden kann." Die Partei nennt Ns» „nationale Fortschrittspartei" und will als solche schon in da nächsten ReichStagSwahlen eingreifen. Das heißt also mit anderen Worten, die sächsischen F"»' schrittler find offenkundig nationalliberal geworden. Wie lango wird das mit den Fortschrittlern der anderen BandeSstaalro dauern? Im Grunde ihres Herzens sind die Deutsch freisinnig� oder Fortschrittler, oder wie sie sich sonst nennen mögen, übrigen- längst nationalliberal. Herrn Richter und seinen Manchester' Kumpanen dürfte daS gewiß schmerzlich sein, aber der Wahrher' gegenüber können sie sich auf die Dauer auch nicht verschließen- Hübe««»d Drübr«.„Eigenthümliche" Ansichten voa ihren Pflichten den guien Bürgern gegenüber,— muß— den Anschauungen unserer„Gutgesinnten"— die englrfw« Polizei hegen. Als noch Beendigung dcS Dockarbeiterftrei'- sich größere Arbeitermassen vor den DockS ansammelten, wr>� viele Arbeiter sich weigerten, mit den während dcS Streiks schäfligten zusammen zu arbeiten, begaben sich einige Dock- direktoren zum Polizeipräsidenten, um eine Verstärkung Pol zeimacht und Vertreibung der zur Arbeit sich weigernden Arbeiter zu verlangen. Die Dockdirektoren behaupteten, dn» bisher keine Ordnung herrsche, und Sir Henry Le Marchau' richtete an den Polizeipräsidenten die direkte Frage, ob er st® weigere, die Ruhe wieder herzustellen und den„Pöbel" auS' einander zu sprengen. Herr Mauro erwiderte:„Ja". Polizei habe ihre Pflicht in geradezu bewunderungswürdig« Weise erfüllt und es sei auch nicht ein einziger Fall von einem Zusammenstoß erfolgt. Der betreffende Inspektor habe g« meldet, daß er genügend Mannschaften besitze, und seitdem I« ja auch die Ruhe gewahrt worden. Bei jedem Streik würden Fälle von Einschüchterungen vorkommen. Bei thätlichen Aus- schreitungen aber sei die Polizei stets zur Hand gewesen. He« Mauro erklärte, er sei sich seiner Verantwortlichkeit bewuv- müsse aber weiteres Material verlangen, ehe er eingreifendere Schritte beginne.— � Bei uns hätte man sich diese schöne Gelegenheit gcw-? nicht so leicht entgehen laffen. Ei« weißer Rabe. In einem Artikel der nationalli®- ralen„Krefelder Ztg." über die Verthruerung des Brotes zip der Verfasser desselben über die WnthschaftSpolitik des Reiche- kanzlerS, über die Getreide- und Viehzöllc her. Er ruft au-- „Wählen wir nur solche Vertreter in den Reichstag, die un» versprechen, mit aller Entschiedenheit für Abschaffung der&(' treibe- und Viehzölle zu wirken." Der Artikel meint aber, da« man sich darum noch nicht von der nationalliberalen Part« loszusagen brauche, weil es auch unter den Nationalliberalen manche Abgeordnete gebe,„die mit ihrer zollwirthschaftlichc» Ueberzeugung längst auf Seiten der Konsumenten stehen utm gern bereit sein werden, im Reichstag auf Abschaffung bezw- Herabsetzung der Lebensmiltelzölle hinzuwiiken. Kein denkend« der Fischerknecht.„Ich Hab' eS krachen gehört." N>« die Hälfte des Netzes war noch im Wasser.„Zieht an" brüllte der alte Fischer und die Burschen rissen nun wü aller Kraft am Seile. Mit dem Netz kam auch die ganze noch übrige Fischmasse herauf. Auch der Fogasch-König war darunter, ein prächtiges Exemplar seiner Gattung. Er hatte ein Gewicht von mehr als vierzig Pfund, wie man nur alle zwanzig Jahr einen fängt, und auch das ist schon lange h«- Mit seinem starken Kopf hatte er wirklich das Netz durchbrochen: ollein mit seinen stacheligen Flossen hatte er si® in den Schlingen verfangen und konnte sich nicht los' machen. Als man ihn herauszog, versetzte er seinem Schwanz einem der Fischerknechte noch einen SchlaZ ins Gesicht, daß dieser rücklings aufs Eis fiel. Das war aber auch seine letzte Heldenthat gewesen. Im nächste'' Moment war er schon todt. Einen lebendigen Fogasch lp noch Niemand in der Hand gehalten. Man glaubt, daß ihnt die Luftblase platzt, sowie man ihn aus dem Wasser heraus nimmt und dann hat er aufgehört zu leben. Die Freude der Fischer über die Erbeutung dieses einest war größer, als über den ganzen reichen Fang. Schon s«' lange hatten sie auf ihn Jagd gemacht. Jeder kannte diesen argen Fischvertilger. Denn er hat die schlimme Gewohn' heit, seine eigenen Stammesgenossen zu fressen. Dafür ist« Fogasch-König. Als man ihn aufschnitt, fand man einen großen Fogasch in seinem Magen, den er erst vor Kurzem ver- schluckt haben mußte, er hatte eine Fettlage von prächtig« Goldfarbe, so dick wie die eines Frischlings, und sein Fleisch war weiß wie Linnen. „Nun, gnädiger Herr, dm hier schicken wir d« gnädigen Frau!" sagte der alte Fischer.„Wir packen ihn in eine Kiste zwischen Eis. Ew. Gnaden werdm dastN einen Brief dazu schreiben und hinein schreiben, daß di« der Fogasch-König ist. Wer davon ißt, ißt König«' fleisch." (Fortsetzung folgt.) . L. futig itU« lht« ,t-r> nitt !albe areS oller »ial- out t bei und er"'chi durch Sondenntercsse befangen, wird sich ??' die Dauer der Logik verschließen können, daß, je weiter vre Lebensmittel- Erzeugung eines Landes hinter seinem Ver« «auch zurückbleibt, desto weniger die Einfuhr derselben erschwert werden darf." Die„Krefelder Zeitung" ist ein weißer Mibe unter den r>ationalliberalen Kartellblättern und es wird ihr nicht ae- «ngen, diese Partei zu ihren Ansichten zu bekehren. Die Partei der„Gentlemen" hat sich mit Haut und Haar dem herrschenden Regime verschrieben, sich ihm bedingungslos hm gegeben; wollte sie sich von ihm losmachen, so würde sie leben Halt verlieren und elendiglich zu Boden fallen. Also wird„fortgewurstelt", unbekümmert um das, was da kommen «?g— ein Standpunkt, um den kein ehrlicher Mensch sie bc beiden wird. Au» dem westfälische« Grubeuarbeiterstreitr ist außerordentlich viel zu lernen, und auch die Essener Handels- rammer hat, wie ihr soeben veröffentlichter Jahresbericht für *088 zeigt, aus ihm gelernt. Freilich, das Kapital zieht Lehren nur für feine Interessen. Der Verlauf des großen Streiks hat °er Essener Handelskammer dargethan, daß die Zechenverwal- jungen gefehlt haben, daß die sozialpolitische Gesetzgebung fehlt, lo sie richtet Vorwürfe indirekt gegen die höchsten Stellen: das Junkermotto„Und der König absolut, wenn er uns den Willen 'hui" ist die Parole auch der Schlotjunkcr. Die Zechen sind nach der Ansicht der Handelskammer zu— milde gegen die svergleute gewesen. Sie hätten die Ausständigen, statt mit ihnen als einer geschlossenen Partei zu verhandeln, auf den Weg ver Verständigung mit ihren spezicllen Arbeitgebern verweisen tinussen, dann wäre es nicht so weit gekommen; aber den chler habe man zu spät eingesehen. Die neuere sozialpolitische esetzgebung ist zu— arbeiterfreundlich; sie lockert das persön- liche Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeiter, sie giebt «tzterem gewisse Rechte unbekümmert um da« Wohl- oder Uebel- wollen seines speziellen Arbeitgebers.(!) Die nach„höheren »lellen" gerichteten Vorwürfe geben wir nicht wieder, nachdem Porstehenden begreift der Leser übrigens schon, daß wir den Vorwürfen, welche die Handelskammer den„höheren Stellen" m Bezug auf diesen Theil ihres Verhaltens beim Gruben- orbeiterstreik macht, nicht im entferntesten zustimmen. Aus Inhalt und Ton des Handelskammerberichtes leuchtet der ganze Uebermuth des Kapitals hervor. Die Handelskammer bringt wdiglich die Unternehmergesinnung zum Ausdruck; sie kann ouch gar nicht anders. Dank dieser Unternehmergcsinnung werden sich die politischen und sozialen Verhältnisse im Kohlen- reviere im Sinne einer Klärung der Ansichten weiter ent- wickeln. Schon find Anzeichen genug für den Fortschritt dieser «ntwickelung vorhanden. Aus dem Prozesse gegen den Berg- wann Weber ziehen selbst freisinnige und ultramontane Blätter den Schluß, daß der Staatsanwalt und andere Leute— na- 'Urlich wider Willen— den Umsturz vorbereiten. Die Handels »ammer selbst erwartet den Wiedcrausbruch des Streiks „über kurz oder lang", sieht also die Zukunft keineswegs rosig an. Die österreichischen Konsul« i« Deutschland erwähnen ru ihren Augustberichten ebenfalls das Schweineeinfuhrverbot und seine Folgen. Der Beamte für Berlin schreibt:„Die Folgen des Verbots der Schweineeinfuhr aus Rußland, Oester reich-Ungarn und den Hinterländern machen sich in Deutsche laiid bereits durch einen empfindlichen Mangel an halbfetten und fetten Schlachtschweinen geltend. Die Preise hierfür find bedeutend gestiegen. Auch für magere Schweine wurden sehr hohe Preise bewilligt. Die Steigerung der nothwendizsten Lebensmittel nimmt hier stark zu. Ein Vergleich derselben »wischen Juli 1888 unb Juli 1889 zeigt bei Weizen 12), Roggen 19), Hafer 30, Roagenmehl 25), Rindfleisch 8, Kalbfleisch 17 und Schweinefleisch sogar 34' pCt. Preiserhöhung. Nur Kartoffeln gingen um 20 pCt. zurück." Und der öfter- reichische Konsul in Breslau berichtet:„Der Preis der Sckweine stellte sich hier in Breslau per 50 Kx Lebendgewicht(in Mark): Mitte Mai für Prima. Sorte auf 50—46(für Sekunda-Sorte 46-42), Ende Juni 52-48(48-44), Mitte Juli 56-52 <52-48), Ende Juli 62-58(56-50), Mitte August 60—56 <56—50), gegen Ende August 58—54(54—48)." Halle a. S. In der Nähe von Schkeuditz wurde vorige Woche die Leiche eines gewissen Gerichtsaktuars Gustav Wilke von hier ausgefunden. W. hatte sich erschossen. In einer Tasche befand sich ein Zettel mit der Inschrift:„Gustav Wilke, Aktuar ohne Diäten." Der Mann war 31 Jahre alt, und es war ihm nicht gelungen, eine Anstellung mit Gehaltsbczug zu erlangen.— Auch ern Beitrag zum Elend unserer Zeit und Zur„Noblesse" des„Vaters Staat"! Leipzig. Der Notendrucker Hugo Kießling, welcher im Frühjahr d. I. nach einer 2)jäbrigen Zuchthausstrafe zum zwei» ten Male aus Leipzig ausgewiesen wurde, ist nach Amerika übergesiedelt.— Em zweitägiger Urlaub, um seine Familien- angelegenheiten zu regeln, wurde ihm nicht gewährt.— Mit welche» Gefühlen mag Kießling wohl aus Deutschland ge- schieden sein? Altenburg. Bei der am 23. und 24. d. stattgefundenen Wahl eines Abgeordneten für die»>. Abtbeilung zum sächsisch- altenburgischen Landtag erhielt der Kandidat der Arbeiterpartei Buchhändler E. B u ch w a l d 367 Stimmen(letzte Wahl 1886: 154), Gegner: Schnitthändler Hey brich(Kartell) 173Stim- wen. Bei der letzten Wahl waren 3 Kandidaten aufgestellt, diesmal einer, um uns den seit letzter Wahl innegehabten Sitz zu entreißen. Dresbr«, 26. September. In feiner von etwa 3000 Ar- beitern besuchten Versammlung wurden gestern für den zweiten Wahlkreis der Stadt Dresden Herr Liebknecht und für den dritten Wahlkreis der Restaurateur Peters als sozialdemokratische Landtagskandidaten proklamirt. Der Abg. Bebel sprach über das Wahlprogramm der Sozialdemokratie für die bevorstehende Landtagswahl. G,st,rreich-Ungar». Kürzlich sind die Budapester Zollbehörden um- fassenden Defraudationen auf die Spur gekommen, welche von Frucht-Großhändlcrn seit Jahren verübt wurden. Anscheinend infolge einer Anzeige wurde unvermuthet eine Durchsicht der Bücher im Budapestcr Hauptzollamt vorgenom- men, und es ergab sich dabei, daß in den Lagerhäusern an der Donau 6000 Meterzentner serbische Pflaumen zollfrei im Durch- aangSverkehr lagern mußten, daß aber thalsächlich keinerlei Lager vorhanden war. Schon seit Jahren hatten viele Frucht- Händler serbische Pflaumen bezogen und zwar angeblich zur Durchfuhr zollfrei. Pflaumen haben bei der Einfuhr nach Ungarn 3 M. für 100 Kilo Zoll zu zahlen. Dieser Zoll wurde defraudirt, indem man die Pflaumen als zur Durchfuhr be- stimmt zollfrei einführte. Die ungarischen Staatskassen sind nach übereinstimmenden Versicherungen um große Beträge, angeblich um weit mehr als KWOOO Gulden, geschädigt worden. Nichtsdestoweniger scheint man in Budapest bemüht zu sein, diese Defraudationen niederzuschlagen, und hat stch damit begnügt, einige der meistbetheiligten Händler mit verhältnißmäßig geringen Strafen von 1000, 2000, 5000 und 6000 Gulden zu oelegen. Nach Gesetz und Recht hätten die Strafen viel höher bemessen werden müssen, und insbesondere hätte ein HauS nach Berechnung Buda- pester Blätter allein mehrere 100000 Gulden Strafe zahlen müssen. Wien, 24. September. Der hiesige von Schönerer be- gründete deutsch-nationale Verein(antisemitisch) wurde behörd ".......—■™-----:->>>.--!. t--- W sn»r. staatSgefährlichen Standpunkt gestellt habe. Ebenso habe der Verein der Verbreitung des Antisemitismus den regsten Vorschub geleistet, welcher geeignet sei, die Be- völkcrung durch Verhetzung und Verschärfung der nationalen, sowie der konfessionellen Gegensätze aufzureizen. Ferner hat der Verein durch Uebersendung eines Begrüßungsschreibens an den Äntisemitentag in Bochum seinen statutenmäßigen Wir- kungskreis überschntten. Die hiesigen Blätter betrachten im Allgemeinen das Er- gebniß der französischen Wahlen als einen großen Erfolg der republikanischen Partei und als Niederlage des BoulangiSmus und Radikalismus. Allerdings thue ei« einiges Vorgehen der Republikaner bei den Stichwahlen und in der Kammer zur Begründung einer festen Regierungsmehrheit noth. Der vor einiger Zeit in Jägcrndorf in Oesterreich-Schlesien ausgekrochene Streik der Textilarbeiter ist beendet. Die Löhne sind um 10 bis 20 pCt., in einzelnen Fällen auch um 25 pCt. erhöht worden. Die Ungleichmäßigkeit in den Aufbesserungen beruht auf dem Umstände, daß die Arbeiter nicht gemcm- sam handeln konnten, sondern daß sie von Fabrik zu Fabrik die Unterhandlungen führen mußten. Die Streikenden durften überhaupt nur zwei Versammlungen abhalten, einmal die, in welcher die Forderungen aufgestellt, und die, in welcher die Arbeitseinstellung beschlossen wurde. Die Wahl eines Komitees war verboten. Die Austragung der Streik-Angelegenheit durch den Fachverein der Manufakturarbeiter, der als Schiedsrichter von Seiten des Regierungsvertreters vorgeschlagen wurde, lehnten die Fabrikanten eben so entschieden ab, wie die Ver- milllung des von der Landesregierung damit betrauten Ge- Werbeinspektors. Die Bezirkshauptmannschaft untersagte aber auch jede weitere Zusammenkunft der Arbeiter, so daß sich diese über ihr weiteres Verhalten nicht besprechen konnten. Und noch mehr muß es befremden, daß diese selbe Bezirkshauptmann- schaft, welche gleich den obenbezeichneten Faktoren als Ver- Mittlerin von den Fabrikanten ebenfalls zurückgewiesen wor- den war, das preußische Landrathsamt in Lcobschütz ver- anlassen wollte, die in Preußen wohnenden und in Jägem- dorf sonst beschäftigten Arbeiter durch Gendarmen bis an die Grenze bringen zu lassen, wo die Streikenden von den öfter- rcichifchen Gendarmen in Empfang genommen und den Fa- briken zur Arbeit zugeführt werden sollten. In der That sollen auch preußische Gendarmen versucht haben, die Feiemden solchergestalt zur Thätigkeit zu zwingen. Der böhmische Landtag wird am 9. Oktober eröffnet. Für den 6. Oktober bemst Schmeykal eine Versammlung der deutsch- böhmischm Landtagsabgeordneten ein, in welcher der Aus- fühmngsausschuß weitere Abstinenz beantragen wird, da die bisher von den Deutschen geforderten sachlichen Bürgschaften nicht geleistet wurden. Der Fehlbetrag im nächstjährigen ungarischen StaatShauS- alt beträgt etwas über drei Millionen Gulden. Der Ertrag er direkten Steuern wurde wegen der heurigen ungünstigen Emte herabgesetzt in das Budget eingestellt. Die VerHand- lungm wegen Äednemng des Spritsteuergesetzes werden von beiden Regierungen ruhig fortgeführt. Rußland. M Obrutschew, verrätherischer Aeußemna anlä&lich Oer Wehrvebatte cm tltellys- rathe, sowie auch sonst sich offen auf einen, der österreichisch- ungarischen Monarchie feindseligen, sohin unpatriolischen und Graßbritaunle«. London, 21. September. Daß der erfolgreiche Streik der Londoner Dockarbeiter nicht ohne nachhaltigen Einfluß auf die L o h n v e r h ä l t n i s s e in andem Arbeitszweigen bleiben werde, ließ sich leicht voraussehm. John BurnS theilte gestern mit, daß infolge des Streiks in den Docks in etlichen 40 an- deren Gewerken die Löhne um 1 bis 4 sh. wöchentlich aufge- bessert worden seien. Zur Zeit sind alle Ausstände, welche un- mittelbar mit den Docks zusammenhängen, beendet, die Surrey- docks haben die Forderungen der Arbeiter bewilligt und in den Kornmagazinen ist ebenfalls alle« wieder in vollem Gange. In den Londoner Docks selbst, wo die Beibehaltung der söge- nannten„Schwarzbeine" oder Nichtunionist en anfänglich böse« Blut verursachte, ist das allmälige Ausmerzen der unfähigen Neulinge im Interesse der Docks selbst ausgeführt worden. Die alten Arbeiter behaupten dm Platz. Der Streik in den Telearaphmfabriken in East Greenwich ist ebmfall« beendet; die Direktoren und die Arbeiter haben einander Zugeständnisse gemacht und gestern ist die Arbeit wieder allgemein aufaenom- men worden; die Arbeiter'erhalten 4 sh. täglich für 9s>ündige Arbeit und sonstige Erleichterungen. In Woolwrch hat in einem anderen Etablissement, das mit den submarinen Telegraphen in Verbindung steht, der Streik von 150 Arbeitern zum Schließen der Fabrik und zur Un- thätigkeit von etwa 2000 Mann �geführt. Aehnliches ist in Thorneycrost's Fabrik in Chiswik, wo die wellbekannten Tor- pedoboote erbaut werden, vorgekommen. Dort haben vor einigen Tagen etwa hundert Arbeiter die Arbeit eingestellt, was zur Folge hatte, daß auch die übrigen Angestellten müßig gehen mußten. Die von dm Arbeitern verlangte Lohnerhöhung ist so bedeutend nicht; thalsächlich zahlt Thorneyciost weniger als ähnliche Schiffsbauer, und es wird gemeldet, daß er heute Zugeständnisse machm wird, welche den Streik beendigen. John E. Williams bat Thorneycrost's Arbeiter organisirt. Das ist derselbe Manns der jetzt im Verein mit dem Journalistm I. G. BurnS ein Manifest erlassen hat, daß alle Arbeiter Eng- lands auffordert, einen Ärbeiterbund zu bilden, damit die Ar- heiter den Kombinationen der Arbeitgeber in geschlossenen Reihen entgegentreten können. Eine Art Arbeiterparlammt, in welchem die Vertreter aller Gewerke sitzm und das den Namen „Großer Rath" führt, soll gebildet werden, um Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu schlichten oder Ourch einm Streik zum Austrag zu bringen. Der neue Ar- beiterbund soll nicht an Stelle der alten Gewerkvereine tretm, sondern blos eine Vereinigung der letztem mit den sogmannten gewöhnlichen Arbeitem und Tagelöhnem anstreben. Der Ge- anke ist zum Theil der Organisation der amerikanischen Knight« entlehnt, zum Theil geht er weiter, indem es die Absicht der Gründer ist/ auf den Gang der Politik Einfluß auszuüben. Daß der jetzige Augenblick günstig ist, die Organisation der Arbeiter in die Hand zu ncymm, kann niemand in Abrede stellm. In allen Arbeitszweigen tritt eine ungewöhnliche Gähmng zu Tage. Die Bahnwächter habm sich bereis zu- sammen gethan und verlangen in einem soeben veröffmtlichtm Aufruf eine Aufbessemng ihrer.Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit(8 bis 10 Stunden). Infolge des Druckes der öffentlichen Meinung ist bereits eine Verbesserung ihrer Lage in manchen Beziehungen eingetretm und nun suchen sie, von deren Wachsamkeit oaS Wohl und Wehe von Millionm Reisenden abhängt, ebenfalls die Mittel zu einem menschen- würdigen Dasein zu erlangen. Nicht minder bedeutend ist die Bewegung unter den Londoner Bäckergesellen, unter denen seit geraumer Zeit große Unzufriedenheit herrscht. Bezeichnend rst, daß gerade jetzt die Londoner Bäcker einen sogenannten Brot- Ring gebildet haben, der drei der größten Bäckereim und etwa 300 kleinere Geschäfte einschließt und dessen Ziel ist, den Von- doner Brotmarkt zu kontrolirm, vermuthlich ,n derselbm Weife, wie bereits der vor einem Jahre etwa gebildete Salzring die Salzproduktion kontrolirt d. h. die Salzpreise verdoppelt hat. Natürlich gesteht dieser Brotring nicht diese Absicht offen ein; es ist ihm nm daran gelegm, durch Amalgamirung die Kosten der Verwaltung zu reduzirm, die der Produktion zu verringern und die Mittelmänner zu beseitigm. Eine Produktion in großem Maßstabe ist ja immer billiger als die Kleinproduktion. Nur ist es etwas bedenklich, daß das Preßorgan der Bäcker, der „Miller" in seiner Empfehlung dieser neuen Kombination der Jndustriellm gegen die unnaturliche und unehrliche Billigkeit der Londoner Brotpreise zu Felde zieht. Alle diese Zeichm find bedeutsam. Sie beweisen, daß die Periode der un« begrenzten Konkurrmz, sowohl unter den Industriellen als auf dem ArbeitSmarkt, zu Ende ist und an ihre Stelle die Aera der Kapitalistenmonopole tritt. Der Generalstabschef Obrutschew, dessen Frau eine Fran- zöfin ist, die in Frankreich lebt, soll eine kriegerische Politck verfolgm, welche ,hn jedoch mit dem Finanzminister Wischne- gradsky in Streit gebracht hat. General Obrutschew, so er» zählt die„Köln. Ztg.", vertrat diesen Sommer den KriegSministcr Wannowski während dessen langer Abwefmheit in Frankreich, und bmutzte diese Stellung, um dem Zarm eine bedeutsame Denkschrift einzureichen, derm ungefährer Inhalt, wenn auch nicht wortgetreu, doch genau dem Sinne entsprechend, etwa wie folgt lautet: „Feinde umgeben uns von Westen. Südmestm, Süden. Südosten. Das rege Treiben im Westen Europas weist daraus hin, daß demnächst, etwa in den nächsten zwei Jahren, die Verhältnisse sich zum Kriege gestalten werben. Das Wohl der Völker besteht mcht allein in der Ansammlung von Reichthümern, sondern ist mitunter auch bedingt durch sichere Machtstellung, die sie anderen Völkern gegenüber stark macht. Hierzu gehört in erster Linie die militärische Macht- stellung. Um solche zu erreichen, darf man nicht nach der Finanz- hilanz im Budget zagen, sondern der Staat ist verpflichtet, wenn nölhig, mit einem Fehlbetrag im Budget zu schließen, um diese Machtstellung zu sichern." Es folgen nun Rückblicke auf die russische Geschichte, in welchem es u. A. heißt:„Hätte Peter der Große sich gescheut, seine Finanzrechnung mit einem Fehlbetrag zu schließen, so wäre Rußland voraussichtlich jetzt ein vom Meere getrenntes Großfürstenthum. Hätte Alexander I. sich um seine Finanzbilanz gekümmert, so hätte er, statt de« Triumphzug bis Paris zu vollenden, sich vor dem Corsen demüthigen müssen. Kaiser Nikolaus hätte Europa nicht derartig unter dem Gebote seines Wortcs gehalten, wenn er sich nach den Vorschriften seines Finanzprogramms ge- richtet hätte." Zum Schluß fordert General Obnrtscbew die nothwendigen Summen zum Ausbau und der Ver- stärkung gewisser Bahnlinien und zur Vermehrung der Ver- kehrsmittel, welche alle bis zum künftigen Mai fertiggestellt sei« müßten. Der Zar vermerkte eigenhändig unter dieser Denkschrift: „Ich theile vollständig die geäußerten Ansichten. Ausführliche Prüfung derselben ist unbedingt nolhwendig." Der Finanz- minister Wischnegradsky hat nun seinerseits eine Gegendenk. schrift vorgelegt, in welcher er ausführt, jedem Staate fei zu- nächst eine geordnete Finanzwirlhschaft nolhwendig und ganz besonders sei das für Rußland der Fall. Um alle seine Pläne auszuführen, gebrauche er Jahre des Friedens, in denen er Europa gegenüber seine Finanzbilanz einhalten müsse. Da« Merkwürdige ist, daß der Zar auch unter dieser, der vorigen so völlig widersprechenden Denkschrift ver- merkte:„Ich theile vollständig die geäußerten Ansichten. Ausführliche Prüfung derselben ist unbedingt notbwendio." In Wirklichkeit schernt jedoch die Ansicht Obrutschew'« die Oberhand zu behalten, denn es sind umfassende Eisenbahn- arbeiten angeordnet, die bis zum nächsten Frühjahr ausgeführt sein werden. So sind brs zum Mai 8 Millionen Pud Schienen nothwendig, welche die russischen Werke nicht liesern können und deretwegen man genöthigt ist, die Hilfe de« Aue- lande« in Anspruch zu nehmen; man hat mit Cockerill Ver- Handlungen eingeleitet. Auch müssen bis zum Mai 300 Loko- motiven fertiggestellt sein; auch bei der Werft von Schichau sollen Bestellungen gemacht sein. Bis zum Mai wird die Bahn PcterSburg-Eydtkuhnen durchweg mit doppeltem Geleise versehen sein; desgleichen ferner die Bahnen Wilna-Warsckav, Wilna-Rowno und SnamenSka-Fastow(Kiew). Da« russische Bahnnetz erfährt dadurch eine bedeutende strategische Verstärkung, durch welche die Zusammenziehung der Truppen im Westen wesentlich erleichtert wird. Belgien. Ueber den augenblicklichen Stand der belgischen Arbeilcr» bewegung finden wrr folgende Schilderung im«Hamb. Korr.": „Mag man auch sonst nicht mit den Bestrebungen und Zielen der belgischen Arbeiterpartei einverstanden sein, die eine Aver» kennung muß ihr Freund und Feind zollen, sie ist ungemein rührig. Fort und fort macbt sie ihre Ansprüche gelteno und ihr leitender Generalrath, dessen Wahlspruch es ist:„die bel-° gischen Arbeiter find nicht liberal noch klerikal, sondern rein sozialistisch" bietet Alles auf, die sozialistische Bewegung immer aufs Neue anzufachen. Am 29. d. M., am Sonntage, findet wieder eine große Arbeiterkundgebung in der Stadt Möns statt. Kürzlich haben sich die Kohlenarbeitervereine des Kohlenbeckens Möns der Arbeiterpartei angeschlossen, so daß in Belgien nunmehr nur eine einzige von Brüssel qu«_ geleitete Arbeiterpartei besteht. Zur Feier dieses Ereignisses hat die Föde- ration der Arbeiter des Borinage an die Arbeiter Belgiens einen Aufruf erlassen, in welchem es heißt:„Diese Volkskund- gebung soll nicht nur die Wiederherstellung einer einzigen und mächtigen Arbeiterpartei in unserem Lande feiern, sondern auch unseren Regierenden beweisen, daß wir mehr als jemals ent- schloffen sind, die wenigen Rechte, welche wir besitzen, zur Er- oberung unserer politischen und wirthschafllichen Emanzipation auszunutzen." Von allen Richtungen Belgiens her strömen am Sonntag die Arbeitervereine mit ihren Musikkapellen und rothen Fahnen nach Möns, um von dort aus im Aufzuge durch die Orte CueSmeS, Jemappes und Flenu nach FramericS zu ziehen, woselbst 5 große Versammlungen stattfinden. Von der Bedeutung dieser Kundgebung giebt die Thatsache einen Begriff, daß 10000 Arbeiter schon jetzt für Sonntag m Framerie« angesagt sind. Selbstredend sieht man in den Kreisen der Regierung und der herrschenden Klassen mit sehr gemischten Gefühlen Oie Einigung der Arbeiterpartei, aber auch diese Kreise werden sich mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß man in politischer Hinsicht schließlich doch mit der erstarkenden Arbeiterpartei zu rechnen hat und die Arbeiter nicht nur staatliche Pflichten zu erfüllen, sondern auch Rechte zu beanspruchen haben." Merkwürdig ist nur, daß der„Hamb. Korrsp." Letzteres nicht auch für Deutschland einsieht. »4o;ic»le lUclrorlirftt. Berichtigung. In der Nummer 225 de«„Berliner Volksblatt" befindet sich eine„Berichtigung" der Patentkisten. und Holzwaarenfabrik(Aktiengesellschaft), welche jedoch der Wahrheit nicht entspricht. Der Thatbestand ist vielmehr fol- aender: Am 22. August d. I. haben sich 36 Kistenfabrikanten, darunter auch die obige Aktiengesellschaft, protokollarisch ver- pflichtet, den zwischen ihnen und den Gesellen vereinbarten Preiskourant(Lohntarif) rnne zu halten. Am 27. August re» duzirte genannte Aktiengesellschaft willkürlich diese Preise, wo- rauf am folgenden Tage von den dort beschäftigten 45—50 Personen alle(bis auf 5) die Arbeit niederlegten. Von diese« streikenden Arbeitern hat keiner die Arbeit bei der Patentkisten- und Holzwaarenfabrik(A.-G.) bisher wieder aufgenommen und besteht sonach der Streik noch. Berlin, am 26. Septbr. 1889. Die Streikkommission der Berliner Ktstenmacher. R. Kaufhold. H. Friese. R. Herinig. Achtung Formerl Die Former der Metallgießerei von Schwartzkopf(Aktiengesellschaft), Ackerstraße 96, haben wegen Maßregelung eines Kollegen bie Arbeit eingestellt. Zuzug ist fernzuhalten. A Theater. Sonnabend, den 23. September.. Vpernha«». Orpheus und Emydike. Hchsufpielhan». Natalie. Aentsche» Theater. Das Glas Wasser. KeMug-Sheater. Das letzte Wort. äiri»i'riA Wtitz»t««tSdttsch»» Theater. Der Mikado. Msvnor-Sheater. Der rechte Schlüssel. Stanley in Atnka. «Kend-Eheater. Vom Golde verführt. O-Mt-aiKt««»- Ltz,«to». Der Zauberlehrling. Könisaiidttsche« Theater.„"Sit feine Familie.� x»«t»«l-Theate». Leichte« Blut. Grnlt-Theater. Flotte Weiber. Meitbens-Theater. Fernande. Gebr. Kichter'a Kartete. Spezialitäten« Borkellung. hallen- Theater. Gr. SpeziMtäten- rltellung._ KerUner Theater. SonnoSenb, 28. September: Die wtlde Jagd. Sonntag, 29. September: SocrateS und feine Krau-— Rttter Blaubart.— Der züu- »ende Funke— Ja der»tnderftube. Montag, den 24. S«ptember: Die tvtldrJagd. Die nächste Aufführung v.»Coriolanus� findet am Dienstag, den 1. Oktober statt. Cir>Vus Buscli- Frtedrlch-Darl-Ufer. Heute, Sonnabend, den 28. September, Abends 7i Uhr: Große Galla-Vorstellung. 1 Mal: Der Zwergelephant �unado, vorge- führt vom Klortm OlschanSky. 1 Mal: Pa« de deux, ausgeführt von Fräulein Henriette und Herrn Footrtt. Die doppelten und drei- fachen Springfahrschulen. Gymnastiker Herren Gebrüder Theo. Maria Dori. 8 russische Rapphengste. 1 Mal: Ein hyPPologischrS Po-Pourri, vorgeführt vom Direktor, volera andalase, geritten von Herrn und„Frau Direktor Busch. Hurdel» Voltige von Fräulein Henriette. Reiterrnnen Fräulein Margerithe und Fräulein Rosa. Herr Allen als Jacken. Auftreten der Ktorvn Tanti Bedini, W. Dl» fchansky, James Gnion, Kunz rc. Vtlet-Vorverkouf im Jnvalidendank, Mark- grafenstrahe, und Crgarrenhandlung von Mar- tienzen, Alexanderstraße 7 1 tbcim Stadtbahnhof). Die Tageskasse ist v. 10 Uhr an ununterbrochen geöffnet. 11688 Nnferm Genossen vernkard Lange, ge nannt Bierstrippe, zu semem heutigen Wiegen feste ein donnerndes Hoch! 1693 Mehrere«enoffen aus Süd-Vst. Todes-Auzeige. Allen Frei nden und Bekannten die traurige Nachricht, daß der Bahrer Franz Ladnei« am Mittnoch, den 25. d.M. an Lungen- erweiterung gestorben ist.— Die Beerdigung findet am Sonntag, Nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth- kirchdoses aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser lieber Vater und Großvater, der Rohrleger TariSekeIpin»Iu,am Donnerstag am Schlagfluß sanft entschlafen ist.— Die Bc erdigung findet Sonntag, den 29. d. M., Nach mittags 3 Uhr, auf dem St. Michaelskirchhof, statt. Wir bitten um rege Betheiligung. 1686 Die trauernden Htnterbitebcne». ftetz. Inttaif von 1 Mark au empfiehlt die Glücks- kollekte von 1558 Eft Üeyery Soppenftraße 66. American-Theater* 1385 Dresdener str. 55. _ Täglich Vorstellung. ,1,11 lirfjhi R T».» M.- 10«. MöOEMx dagser-Panorama. In dieser Woche: 3. ersten M.: vberital. Städte. Reu! IV. Cycl.: Pariser Wril-AuSstellung Im AuSstellunaSvark: III. CykluS der Pariser Welt-AnSstellung. Eine Reffe 2V Pf.,«rnd nm 10 Pf. Adonn. 9 Neffen 1 M. Eröffnung. Eröffne heute Lübeckerstr. 2t, Eingang Perle- bergrrstraße, eine Ligarnen- Wandlung. Beziehe meine Waare von gut empfohlenen Gc «offen; bitte um geneigten Zuspruch. 11674 Achtungsoall Nabee« Teause. Di«.BoikS-Tr büne" ist bei mir zu lesen. Die gegen Herrn Restaurateur Wichert ge machte Verleumdung nehme ich hiermit zurück und erkläre, daß ich keine Veranlassung zu irgend einer Verleumdung habe. 1691 Selnaeineet. " I. und Ä* Oktoder. m Ziehung der ersten Klasse 11571 Xgk. Frsnss« Klass«»Lotteria. Ortatnal-Loose, welche bei mir im Depot belassen werden, gebe ich'» a M., ll a 14 M., Vi" 28 M.,'/,-56 M. Anthetl- Loose �- 14 M.,'/«-? M.,- 3) M., '/„- Ii M., xlu a 1 M., alles pro Klasse. Rothe i Lotterie. Hauptgewinn 150000 M. Loose a 3'/, M. Liste 30 Pf. Ricli. Schrödpr, Bankgesch. verlin C., Rolenthalrrstr. 31 und Taubenstraste 26. 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Geneigtem Zuspruch entgegen- sehend Achtungsvoll ig7v1 Ernst iNrndt. Nur fzöO Mark kostet bei mir jede Uhr zu r riren und reinigen unter Gan des Gutgehens. Kleinere Reparaturen billiger. J. Huberfy, föaHftrafK Rr. 57» __ am Spitlelmarkt.__ ArbeitMchivtiS für Tischler Der vom Fachvcrein der Tischler begründete 1366 Arbeitsnachweis befindet sich e 116. IM Restaurant GrOndel(früher Mendt). Die Arbeitövermittelung geschieht für Meister und Gesellen(auch NichtMitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochentagen von 81—0'« Uhr Abends» onutags von V— 11 Uhr Uormittag«. Der Vorstand. Peranlwortiicher Redakteur: U. Tronbetw in Berlin. Druck und Bertaa von M« Fading in Derlin SV.. Beuthstrasie 2. Hier?» sin« FeUago» Beilage zum Berliner Volksblutt. Nr. 227. Kounabend. de« S8.$tpitmbtv 188». 6.Aah»« Uoltalo. . Ate Lokalkommisston theilt uns folgende derDirek,"..... Erklärung direkt iön des„Böhmischen Brauhauses"' mit: „Es ist vielfach die Meinung verbreitet, daß das Böhmische B.'auhans seinen Saal zu Volks-Versammlungen nicht hergäbe. .. Nm diesem Jcrthum zu begegnen und alle Zweifel ein mr allemal zu beseitigen, erklärt die unterzeichnete Direktion, vah sjx ihrerseits dieBenutzung ihrer Lokali-- �ten nicinals irgend einerPartei verweigert l>at und auch für die Folge grundsätzlich nie verweigern wird. Insbesondere ist der große Saal von jetzt bis Oktober id90 noch frei: an jedem Montag, Mittwoch und Freitag vüt alleiniger Ausnahme des 16. Ottober d. Js., 6. November d. IS., 18. 20. Unser Oekonom, Herr Mente, ist von uns veranlaßt worden, Bestellungen auf die freien Tage anzunehmen. Wir geben uns nunmehr der Hoffnung hin, daß infolge vnserer obigen rückhaltlosen Eikiärung lede Voreingenommenheit KVgen uns schwinden wird und wir serner nicht tm hr als Ziel- �»eibe von Anfeindungen gelten, die die B r a u c r e i in keiner Weise verschuldet hat. Berlin, 27. September 1889. Böhmisches Brauhaus. Die Direktion. A. Knoblauch. daß auch Herr O r s ch e l, S e- Lokal zu allen Versammlungen . Ferner wird mitgetheilt, d« st i a u st r a ß e 39, sein hergiebt. Kost auch der s che Akiiengesellschaflen wie andrl in jüngster Zeit, während -........................ Pilze aus der Erde schießen, von nnem der möchtigen Fangarme des Großkopitals ergriffen ist, wurde von uns schon kurz erwähnt. Diese Thalsache und ihre ckolgen werden in der letzten Nummer der„Zeitschrift für ächlo» wuphen" in einem Artikel, überschrieben:„Der„Segen" des Großkapital, SmuS in der Xy'ographie" folgendermaßen bc- 'pkochnr:„Nachdem der Buchhandel, fast bis in die letzte Zeit, 'w großen Ganzen vor Umwandlung in Aktiengesellschaften verschont geblieben ist, hat stch nun durch die Firmen Gcbnider «röner, W. Spemann, Colta's Nachfolger, H. Schoenlein'S Nachfolger, eine Gesellschaft gebildet, deren Konstituirung von tief einschneidender Wirkung auf den Buchhandel und der mit znsammenhänden Gewerbe, speziell auf unseren Beruf, den Ho zfchnitt, ist. Sind es ja diejenigen Finnen, welche vorzugsweise ten illustrirten Buchverlag und den illustrirten ZeitungS- »eriag kultiviren. Es handelt stch nun darum, die Folgen dufcr Vereinigung unter«ine Leitung darzustellen. Wie cS leider bei den meisten Aktiengesellschaften(bei Einzclkapitalisten nicht?? Red. d.„B. V.") die Folge ist, dos Erträgniß dcS Betriebes auf Kosten der Arbeiter und Gehilfen zu steigern, so >st eS auch hier zum großen Schaden unseres Berufes einge- hoffen, indem durch Bildung«ines� eigenen xyloaraphischen AtelirrS die Gebr. Kröner mit einem schlage den beslimmenden En fl.ß an sich gerissen haben. Schon bald nach Eröffnung bva Ateliers wurde eine P> eisnorm festgesetzt, welche bedeutend unter derjenigen der größeren Ateliers war. In der Folge besserte steh dies etwas, aber immer noch ist der frühere Durch- M-ni tspreiS unterboten."— So wird weiter geklagt, daß selbst für die besten Sachen der frühere Preis nicht gezahlt wird: der Kvllege, der einen annähernden Preis verlangt, läuft Gefahr, stck dadurch mit dem Geschäftslriter zu überwerfe»', oder er wTd zum mindesten für einen unzustiedenen Menschen, wenn nicht gar für einen— Sozialdemokraten gehalten.--- Bei einigen Arbeiten für die„Garten- taube"«klärte Herr Kröner einfach, daß ihm die Schnitte nicht gefallen, und er nur 20 Pfennige statt der bedungenen 35 Pf. für den Ouadratzentimcter bezahle. Derartige oft ganz bedeutende Abzüge kommen leider öfter vor. Ja einem solch großen Atelier, wie das hiefige, können ja nicht tautcr gute Schnitte geliefert werden; daß aber ein solcher Abzug gleich so groß rft, ist milde gesogt, nicht gerechtfertigt. Das ihut jedoch nichts zur Sache, die Herren Krocner be- stimmen; der Abonnementspreis oder die Einzelnummer für die Gartenlaube wird darum nicht billiger, die Herren Krocner hiben ein Geschäft gemacht. Der Gehilfe ist solchen Vorfällen »e�erniber ganz machtlos, denn durch die Konzentrirung der Arbeit m einer Hand findet er außerhalb dieses Geschäftes sehr tchmer Arbeit und für den verheiralhrten Kollegen ist eS noch schwieriger, da dieser durch seine Familie sehr oft gehindert ist, in andern Städten stch niederzulassen. Zuviel wurde von An- fang vn versäumt, um wenigstens einigen Einfluß auf unsere eigenen GeschäftSverhälinisse zu erlangen. Die Zahl der in- tnffecenten Kollegen ist leider zu groß, um eine wirksame Organisation zur Wahrung unserer Äerufsinteressen bilden zu können.— Durch die Terminarbeiten haben Gebr. Kröner »neu Vorrath angesammeU, der sie in den Stand setzt, jeder Eventualität ruhig entgegen zu sehen und zugleich ist ihnen ein gewaltiges Mittel gegeben, diePreife ganz nach ihrem Gutdünken zu gestalten."— Nicht genug damit, daß die Unternehmer durch ihre Vereinigung die Konkurrenz de- ie tigt oder doch eingeschränkt haben und nun ungestört im Rohre sitz-n und sich Pfeifen schneiden können,— nein, mit der ft'.ößten„Ruhe" benutzen sie ihre Machtstellung, um auf die Ardeiter jeden Drucks auszuüben, der ihnen möglich ist.— Welche brillante Geschäfte übrigens mit illustrirten Zeitschriften »'macht werden, zeigen einige englische Beispiele. Die �Graphic", eine der gelesensten Zeitschriften, wirft 30 000 Pfd. Sterling Reingewinn pro Jahr ab und zahlt ihren Aktionären 138 pCt. Die WeihnachtSnummern, die immer besonders reich ausgestattet sind, haben kolossale Auflagen. So wurde die Nummer von l880 in 400 000, die von l881 in 502 OOO, die von 1882 in 520 000, ebenso die von 1883, die von 1884 in 535 000, die von 1885 in 550000 und die von 1886 in 600000 Exemplaren gedruckt. Eine ebenbürtige Zeitschrift, bie„Jllustroted London NewS" wurde von einem Barbier aus Nottingham gegründet und drohte anfangs oft wegen Geld« mangels einzugehen. Der Barbier brachte es später durch die Zeitung bis zum Parlamentsmitglied und seine Familie bezieht 1 tzt aus derselben eine JobreSeinnahme von 30600 Pfd. Strl. Der»»»errichtete Ilebergang von der Jnvalidenstraße »ach dem Lehrter Stadtbahnhofe ist am Donnerstag fiüh für hen Verkehr freigegeben worden. Die Einrichtung ist recht praktisch. Statt der alten, steilen und halsbrecherischen Holz- i-eppe führt von der Jnvalidenstraße eine Treppe von zehn Granitstufen bis zu einer von Eisengittern seitlich geschützten Rampe hinab, die in sanfter Neigung bis zum Vestibül des Bahnhofs führt, dessen Fußboden um etwa sechs Fuß höher gelegt worden ist, so daß die Treppe, welche zum Perron hin- ruffuhrt, ebenfalls sechs Stufen verloren hat. Die Bureaus und die Billetfchalter find ebensoviel höher gelegt worden, doch sind letztere noch nicht ganz fertiggestellt und deshalb noch nicht im Betriebe. Der provisorische Durchgang am AuSstellungSpark vorüber ist gleichzeitig von der Jnvalidenstraße her geschlossen und darf nur noch von Ausstellungsbesuchern benutzt werden. Die Ramwaebeiten an dem Mühlendamm-Wehr haben plötzlich eingestellt werden müssen. Das angrenzende Haus Köllnischer Fischmarkt 1 u. 2 hat große Risse bekommen. Es ist ein sehr alter Bau mit dicken Mauern, der aber auf Pfählen steht. Man hat jetzt begonnen, ihn nach dem Wasser hin ab- zusteifen. Ucber kurz oder lang wird man jedoch die ge- sammten alten Buden ringsum niederreißen»nüsscn.— Am Köllnischcn Fischmarkt, an der Ecke der Iischerstraße, steht auch noch eins der wenigen alten Giebelhäuser Berlins; seine Tage sind jedoch bereit? gezählt, denn eS wird jetzt zum Abbruch geräumt. Im allen Kölln aalt es sicher als ein sehr stattliches HauS. Es hat eine sehr breite Front und einen doppelten Giebel mit Wohnungen. Ter Abbruch dürfte interessante altberliner Reste zu Tage fördern. Dir Lrmriternngvbantrn auf der Kerlin-Pots- damrr Kahn sind am Mittwoch auf Bahnhof Zehlendorf zu einem ersten Abschluß gekommen. Der neue Bahnübergang von der Teltower- nach der Gartenstraße wurde dem Verkehr übergeben. Jetzt sollen die großen UeberführungS arbeiten im Zuge der Hauptstraße beginnen. Der alte Uebergang, der ein ganzes Menschenalter hindurch das Bindeglied zwischen den» alten und neuen Theil des � Dorfes gewesen, ist ab- gesperrt. Di« Zahl der in dr« Krrlinrr Fabriken beschäftigt«« Kinder beträgt nach dem Berichte des Gewerberathes v. Stülp- nogel 140, weshalb in dem betreffenden Berichte gesagt»vird: „Soioeit eS sich um die Verhältnisse des hiesigen Bezirks hau- delt, würde die gänzliche Untersagung der Kinderarbeit in den Fabriken nicht auf erhebliche Bedenken stoßen." Die angegebene Zahl mag richtig sein; es kommen aber doch für Berlin noch einige andere Umstände, die in jenem Berichte keine Er- wähnung finden, in Betracht. In verschiedenen Fabriken der Umgegend von Berlin, so namentlich in Charlottenburg und Sqrndau, werden Kinder und jugendliche Arbeiter aus Berlin mehrfach und zwar zu einer für ihre gesundheitliche Entwicke- lung äußerst nachlheiligen Zeit, nämlich während der Nacht- stunden beschästiat. Man kann diese jungen Leute öfter auf den Zügen der Stadtbahn bemeiken; während der Nachtzeit, wenn keine Eisenbahnverbindung vorhanden ist, legen sie den stundenlangen Weg zu Fuß zurück. welche der„Volkszeitung" Nachstehendes berichtet: Vor Kurzem brachte ein am Neuen Thor wohnender Schneidermeister Barganz seine Ehefrau, die mit einem leichten Lungenleiden behaftet sein sollte, in ein Krankenhaus in der sicheren Erwartung, daß die- selbe bald als wiederhergestellt entlassen werden würde. Wie erschrack derselbe aber, als ihm am 23. seitens der Verwaltung des Kranknihauses die Anzeige von dem Ableben seiner Frau gemacht wurde. B. packte sofort die besten Kleider der Ver- stordenen zusammen und begab sich damit zum Krankenhause, um die Leiche, die er auf dem PhflippuS-Kirchhofe beerdiat zu haben wünschte,„auszukaufen" und die Kleider zur Aus- schmückung der Gattin abzuliefern. Nachdem alle Formalitäten erledigt und er über die.Auskaufsumme von 35 M. eine Quittung erhalten hatte, wünschte er noch einmal die irdischen Ueberreste seiner Lebensgefährtin zu sehen. Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als er in dem Sarg eine ihm völlig un» bekannte Leiche vorfindet. Eine allgemeine Verwirrung und Aufregung preist jetzt Platz; man eilt nach dem Saal, in welchem die Verstorbene gelegen hat und findet nunmehr, daß Frau B. noch unter den Lebenden weilt. Eine neben ihr liegende Frau Greiser war in der Nacht vom 22. zum 23. ver- starben, und hatte man es mit der Erledigung der üblichen Meldungen so e'lig gehabt, daß man die beiden Frauen mit einander verwechselte. Frau B. erklärte übrigens ihrem Manne, wie es ihr aufgefallen fei, daß man sie während des letzten Tages beharrlich mit dem Namen Greiser belegt habe. EmeS weiteren Kommentar« bedarf die Geschichte wohl nicht. Dierhundertontzdreißig Mark durch den Schornstein geflogen. Ein in dem Hause Lanacstraße 17 bei einer Wittwe wohnender Tischler hatte sich 430 M. zusammengespart und dieses Geld, um es ganz sicher aufzubewahren, in Kassen- scheinen umgewechselt, in den Ofen des Wohnzimmers gelegt. Der schon sehr kühlen Witterung wegen hatte die Wirthin vor- gestern in dem Ofen Feuer angemacht, ohne daß sie eine Abnurig von dem kostbaren Schatz, den der Ofen barg, hatte. Als der Tischler zu Mittag nach Hause kam und in dem Oken Feuer erblickte, war eS ihm, al« ob ihn der Schlag getroffen läite. Händeringend und jammernd eilte er in die Küche, wo sich seine Wirtbrn befand, um dieser seine Roth zu klagen, aber zugleich hoffend, daß die Frau das Geld noch bemerkt habe. Vergeben«! Die 430 M. waren verbrannt und in Rauch zum Schornstein hinausgeflogen. Obgleich der junge Mann sich die Nummern der Geldscheine aufgeschrieben hatte, ist es fraglich, ob ihm die Reichsbank die verbrannte Summe ersetzen wirv, weil der Unvorsichtige nicht einen einzigen Zeugen dafür hat, daß der Ofen— seme Sparkasse gewesen ist. Dum Doppelmord 1« der Frankfnrter Alle«. A>lS dem benachbarten Lichtenberg geht einem Berichterstatter fol- xnde, auf den Raubrnord in der Frankfurter Allee Bezug abende Mittheilung zu mit der Bitte um Veröffentlichung in en Zeitungen. In Friedrichsberg, Blumenthalstr. 36, wohnt bei der Wäscherm Frau Hartwich der Webergeselle Franz Pernach, ein noch junger Mann, der an dem Abend, als der Mord entdeckt wurde, sich in der in jenem Hause befindlichen Kneipe aufhielt und einer der Ersten war, welcher nach Be- kanntiverden der Blutthat die Mordstältc betrat. Reben ihm stand in der Wohnung der Ermordeten ein Mann mit schwarzem Schnurrbart und schwarzem Haar, der dem Webergesellen das Beil, womit die Frauen er- schlagen, mit den Worten wie«: Das ist das Beil, womit sie todtgeschlagen" und auf das Messer deutend, womit der K. der Hals durchschnitten, meinte der Fremde, daß die Vaneß immer damit Fett geschnitten habe, dann verschwand der stemde Mann plötzlich und auch Pernach ging nach Hause. Am vorigen Dienstag Abend um 11 Uhr, al« P., von einem Besuch heimkehrend, sich auf dem Wege nach seiner Wohnung befand, traf er in der Nähe des Hauses, wo der Mord geschehen, einen Mann, der, wie P. behauptet, derselbe Fremde ist, wie an dem Abend vor der V.'schen Wohnung, und der den P. anredend, ihn nach dem nächsten Wege nach dem Viehhof frug. P. wies ihm den Weg und begleitete ihn auch ein Stück. Beide kamen äuf den Mord zu sprechen und der Fremde erklärte, Messer und Beil, womit die Frauen erschlagen, genau zu kennen. Dann erklärte der Fremde, daß Klausin der Mörder nicht sei, da« könne er beschwören, er wüßte das ganz genau. Er wohne auf dem Gesundbrunnen und sei Kolporteur und er kenne die Vaneß sowohl, wie den Klaufin recht gut. Dem P. wurde bei der neuen Bekanntschaft recht unheimlich, um so mehr, als der Fremde die Hand des jungen Menschen krampf-- hast festhielt, bis endlich die Ankunft des Zuges, wofür sich Jener ein Billet nach dem Gesundbrunnen— Wedding gelöst, den P. von dem Fremden erlöste. P. be- hauptet, daß die eine Wange und beide Hände des Unbe- kannten völlig zerkratzt gewesen seien. Mittheilungen von die- ser Begegnung hat P. nur zu Bekannten gemacht und leider die Polizei nicht davon in Kenntniß gesetzt. Jener sckwarze Fremde ist, wie ja früher bereits mitgetheilt, bei der Vaneß ein- und ausgegangen und vielleicht identisch mit dem Kolpor- teur des P. Wir erwähnen noch, daß P. behauptet, a,n vorigen Dienstag Abend ganz nüchtern gewesen zu sein und daß der junge Mann als wahrheitsliebend bekannt ist. Die Wirthin desselben erwähnt noch, daß P. gleich nach der Bc- gegnung ihr die mysteriöse Geschichte erzählt und leichenblaß und krank gewesen ser vor Angst und Austegung.— Wir baben die Mittheilung gebracht, obgleich wir nicht allzu hohen Werth darauf legen. Aehnlichc Gerüchte und Vermuthungen entstehen bei jeder Mordthat. Der frühere Kammerdiener prochnow, welcher in voriger Woche vom hiesigen Schwurgericht wegen wiederholten Giftmordversuches an seiner Frau zu zwölf Jahren Zuchthaus verurtheilt worden ist, hat im UntersuchungSgcfängnrß seinem Leben ein gewaltsames Ende bereitet. Der Gefangenenwärter fand ihn heute früh an einem Haken des durch die Zelle Prochnow'S gehenden Kanalisationsrohres mittelst des Hand- tuckes erhängt vor. Prochnow hatte nach seiner Verurthcilung anfänglich ein zinnlich ruhiges Wesen zur Schau gctrageir, die Auesicht auf die langjährige Zuchthausstrafe war ihm schließlich aber doch unerträglich. Kaute« Kilfegrfchrei, das vom Kiichenfenstec des 3. Stock- werks auf den Hof drang, alarmirte am Vormittag des vor- gestrigen Tages die gefarnmte Bewohnerschaft deS Hauses Oppelnerstraße 1.„Er schlägt mich tobt! Er schlägt mich todt!" so tönte gellend eine weibliche Stimme, die als diejenige einer Frau L. erkannt wurde, mit welcher der Gatte schon häufiger in Streit gerathen war. Die Bewohner stürmten zur L.'schen Wohnung, die sie jedoch verschlossen fanden und welche L allen Aufforderuimen zum Trotz nicht öffnete, vielmehr, wie das un- ausgesetzte Hilfegeschrei der L. bewies, fortfilhr, seine Frau zu mißhandeln. Man lief daher zur Polizei und es erschienen drei Schutzleute mit einem Schlosser. Als L. meikte, daß die Thür mit Gewalt geöffnet wurde, schrie er, daß er den ersten Eindringling niederstrecken würde. In der That stand der Mensch, als die Thür auf- sprang, eine Art schwingend da, die Schutzleute warfen sich jedoch auf ihn und schleppten ihn zur Wache. Kaum hatten die Bewohner sich jedoch von der Aufregung etwas erholt als neues Hilfegeschrei ertönte. Sie hatten den L. nach Auf- nähme eines Protokolls entlassen, und zu Hause angelangt, begann er auf's Neue feine Frau zu mißhandeln. Diesmal packten ihn die Hausbewohner und brachten ihn unter weid« lichen Püffen und Stößen auf dos Revier, wo sie ihn nochmals entließen, um ihn jedoch nach kurzer Zeit wieder angebracht zu sehen, denn zum dritten Mal hatte sich der Unhold, in der Wohnuna Alles demolirend, auf feine Frau geworfen und zum deitten Male mußte er mit Gewalt zur Polizei geschltppt werden. Aber auch jetzt behielt man ihn nicht dort, sondern hum allgemeinen Erstaunen erschien er nach einiger Zeit»vieder ,m Hause, auS welchem sich nun aber die Frau inzwischen ent- fernt hatte! Im Dia sich fast ertrunken! Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich am vorigen Dienstag in der Ziethenstraße, einer Weich- bildstraße zwischen Berlin und Rixdorf, zugetragen.— Die Frau des Arbeiters K. wusch Wäsche und ließ, als sie nach dem Trockenboden ging, ihr Ii Jahr altes Söhnchen unbeaufsichtigt in der Küche zurück. Dort stand ein großes mit Wasser bis an den Rand gefülltes Waschfaß, zu welchem das Kind, um zu spielen, hingelaufen war. Hierbei scheint der Kleine das Gleichgewicht verloren zu haben und in den Zober hineingestürzt zu fein, und als d»e Mutter ahnungslos nach kaum halbstündiger Ab- Wesenheit ihre Wohnung betrat, lag ihr Kind ertrunken todt im Waschfaß, wie ein sofort herbeigeholter Arzt konstatirte. Der Schmerz der armen Eltern ist grenzenlos. Der«kemalig« Rechtsanwalt Glienicke, von dem dieser Tage ein offenes Schreiben an feine Gläubiger durch die TageSblätter ging, in dem er mittheilte, daß er aus Amerika, wo er drei Jahre lang krank flelegen, und nur Roth und Sorgen kennen gelernt habe, zurückgekehrt fei, um seinen Gläu- bigern seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, befindet sich jetzt im UntersuchungSgcfängniß zu Moabit. In der Ckaritü beginnt die Poliklinik für Kinderkrank- heiten während des Wintersemesters 1889/90 am Dienstag, den 1. Oktober und ist täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fest- tage von 12— 1 Uhr unter Leitungsdes Direktors.'Geh. Medizinalraths Professor Dr. Henoch und den Assistenzärzten Dr. Paul Meyer und Dr. Hauchecorne, geöffnet. Die Maul- und Klauenseuche ist, wie der AmtSvor- steher von Lichtenberg unter dem 24. September bekannt macht, am 23. d. M. unter den Kühen des Molkereibesitzers Micknaß, Friedrich Karl-Staße 12, und des Ackerpächters Wolff, Dorf- straße 14, amtlich Jonstatirt worden.— Und das trotz des Schweine-EinfuhrverboteS! Anglerlatei«. Folgende Angelgeschickte, die der fach- kundige Herausgeber der„Deutschen Jagdzeituna" in der jüngsten Nummer dieser Zeitschrift für verbürgt erklart, soll vor einer Reihe von Jahren dem Tänzer G. inlTreptow bei Berlin passirt sein. Stundenlang hatte er einst, gleich einem stummen Oelgötzen mit einer mächtigen Angel dagesessen, ohne daß etwa« gebissen hätte. Da plötzlich belehrte ihn ein Ruck, wie ein Fisch- lein angebissen habe. Er zog und zog, ein Haufen Tang er- scheint an der Oberfläche des Wasser« und als derselbe zertheilt war, bemerkt der glückliche Mann erst, wa« er gefangen hatte. Wae war es aber? eine dickbauchige, enghalsige Flasche und— in dieser Flasche schivamm ein Fisck, der sich an dem Angel- haken gefangen hatte. Es war unmöglich, daß der Fisch bei seinen Augen kaum, bis er endlich die Lösung des Räthsels sand. Der Fisch war vor einiger Zeit, als ihm seine Kleinheit den Versuch noch erlaubte, in die Flasche geschlüpft, war später am Herauskommen gehindert, und hatte nun, da es ihm ja an Nahrung nicht fehlen konnte, feine jetzige Größe erreicht, die ihm ein Verlassen feines Quartiers unmöglich �machte. Daß eine solche Flaschenhaft nicht in daS Reich der Märchen gehört, beweisen Versuche, die man in Zimmern angestellt hat, al» freies Naturspiel dürfte es indeß bisher kaum vorhanden geivesen sein.— Anglerlatein dürfte jedenfalls dem„Jägerlatein" nicht« nachgeben....• Eine Jagd, wie sie unter unseren Breiten noch nicht ge- schür worden ist, fand am Donnerstag Vormittag— im Zoologischen(Sorten statt. In der Steingrotte(Nr. 14), in welcher die lappländischen Schneehasen, Stachelratte, Stachel- schweine u. s. w. Hausen, hatten sich Ratten und Mäule allzu- sehr eingenistet, und den Ort vom Ungeziefer zu befreien, waren einige Wärter mit Hilfe eines Dachshundes, eines er- probten Rattenfängers, bemüht. Um dem Thiere seine Auf- gäbe zu erleichtern und es andererseits vor der Versuchung einer Jagd auf edleres Wild zu bewahren, sollten die Schnee- Hasen so lange aus ihrem Käfig entfernt werden: hierbei aber entschlüpfte einer derselben und flüchtete querfeldein, verfolgt von den mit Fananetzen ausgerüsteten Wärtern und einer zahl- reichen Jugend, denn es waren gerade mehrere Schulen im Garten anwesend Meister Lampe zeigte indessen, daß er in der Gefangenschaft das Laufen nicht verlernt hat, und hätte er eine bessere Ortskenntnis! besessen, so wäre es ihm vielleicht geglückt, den Grunewald zu errcichm und dort der Begründer eines märkisch- lappländischen HasengeschlcchteS zu werden. Aber der Wege unkundig, inte er köpf- loS hierhin und dorthin, bis er schließlich, von ollen Seiten umstellt, im Gehege der afrikanischen Strauße eine Zuflucht suchte. Diese jedoch empfingen, gegen alles Gastrecht, den Besucher gar übel. Mit wild gesträubtem Gefieder machten sie ihrerseits Jagd auf den Eindringling und suchten mit Schnabelhieben und Fußtritten ihm beizukommen. In seiner Verzweiflung flüchtete Lampe nun direkt in die Höhle seiner ergrimmten Feinde, in das Straußenhaus, und hier wurde er glücklich wieder dingfest gemacht, um von neuem seinem Käfig überantwortet zu werden. Ein kurzer und für den armen Kerl nicht eben schöner Freiheitstraum! Nebenbei be- merkt, ist im Zoologischen Garten die Rattenjagd iür den glück- lichen Jäger nicht unlohnend, denn für jeden Rattenschwanz werden zehn Pfennig Fanggeld gezahlt. Die Unsttte, fich hinten an Fuhrwerken festzuhalten oder auf solchen aufzufitzen, verursachte am Donnerstag Vormittag einen ernsten Unfall. In der Anhaltstraße hatte der Führer eines Handwagens auf dem hinten an einem Kohlenwagen vorspringenden Brette, auf dem die zum Abtragen der Kohlen benutzten Geräthe aufgesetzt und gefüllt werden, Platz ge- nommen und zog seinen kleinen Wagen in dieser Stellung nach. Als der Kohlenwagen in die Königgrätzerstraße einbog, wollte der ungebetene Fahrgast denselben durch Abspringen ver- lassen; er blieb jedoch mit der Kleidung an einem durch das Brett geschlagenen Nagel hängen und zerriß sich nicht blos die Kleider, sondern schlug auch, da er von dem Fuhrwerk mitge- schleift wurde, mit dem Kopf gegen das Brett und, wie es schien, auch gegen den hervorragenden Nagel. Vorübergehende machten den nichtsahnenden Kutscher des Wagens auf den Unfall aufmerksam und veranlaßten ihn, zu halten. Der Ver- letzte wurde aus seiner Lage befreit und begab sich, über und über mit Blut besudelt, zunächst zu einem Heilgehilfen. Aus Uerzweifluns über feine Arbeitsunfähigkeit hat sich vorgestern früh in der Wohnung der Witiwe Belowsky, Wasserthorstraße Nr. 40, der erst 22 Jahre alte Mechaniker Hermann Berger aus Hagen erschossen. Berger war vor wenigen Tagen aus Hagen hierher gekommen, um einen An- spruch an die Unfallversicherung durchzusetzen. Er hatte sich durch einen Unfall eine Verletzung des Knies zugezogen, konnte aber weder in Hagen noch hier die pekuniäre Hilfe der Unfall- Versicherung erreichen, da, wie es schien, die erlittene Verletzung nicht im ursächlichen Zusammenhange mit seiner BerufSthätig- keit stand. Aus Verzweiflung über seinen Mißerfolg bei Geltendmachung seiner Ansprüche griff er zum Revolver und brachte sich vorgestern früh eine tödtliche Wunde in die Stirn bei. Er wurde zwar noch lebend in die Charitee eingeliefert, indessen ist an sein Aufkommen nicht zu denken. In der Klei- duna des Selbstmörders sind drei Briefe an feine Verwandten in Hagen gefunden worden, die Aufschluß über die Motive zum Selbstmord geben. Abentenerlusttg« Kerliner Jungen sind in Basel auf- gegriffen worden. Es wird darüber von dort unterm 24. d. gemeldet:„An der Gerbergasse wurden am Sanntag Nach- mittag drei vierzehn Jahre alte Bärschchen angehalten, von denen zwei Revolver und der dritte ein Flobertgewehr mit sich führten und die deshalb dem betreffenden Landjäger ausfielen. Bei der Verhömng mochten die Burschen zuerst falsche Angaben, gestanden aber endlich ein, ihren irr Berlin wohnenden Eltern entlausen zu sein, um sich die Welt anzusehen.'Der eine der Knaben, Sohn eines RestaurateurS, halte das zu dem Reise- zwecke nölhrge Geld seinem Vater entwendet. Die zwei an- deeen, von denen der eine Sohn eines Börsenmaklers, der andere eines Tischlermeisters ist, waren mittellos. Die Bürfch- chen werden nun ihre Rückreise nach Berlin antreten müssen." Rette Pflanzen! GW neue« Kpirlirug für die liebe Straßeniugend bilden die selbstthätigen Weichen der Pferdebahnen. Der Ge- fahr des Ueberfahrens und der Beschmutzung, die nach Regen- weiter möglich ist, nicht achtend, tummelt sich die Gesellschaft auf den Trittplatten herum. Der sich steigernden Beliebtheit diese« Spielzeugs dürfte bald folgen, daß eine neue Unfall- rubrik in den Polize-bericht kommt. Da die Kinder den Verboten der Pferdebahnbeamten und auch den Abmahnungen erwachsener Passanten trotzen, werden Lehrer und Erzieher hiermit gebeten, die Kinder von dem gefährlichen Spiel abzu- "�Gvplest»«»wer Lokomotive. Gestern Vormittag explodirte, wre ein Telegramm der„N. A. Z." meldet, auf dem Bahnhof Falkenberg eine Lokomotive, als sie sich dem nach Wittenberg bestimmten Zuge vorsetzen wollte. Maschinenführer Barmann ist todt, Heizer Schulz wurde schwer verwundet; beide sind in Roßlau zu Hause. Das Geleise ist gesperrt. Der Verkehr geht über Jüterbogk. Der Feensvrechverkehr Kerlw« hebt sich außerordent- lich. Waren zu Ende des Vorjahres 9102 Anschlüsse herge- stellt, so betrug am 1. September d. I. die Anzahl der ange- schlossenen Theilnehmer bereits 11 119. Seit Ende 1886 hat sich bis heute die Anschlußzahl verdoppelt. Verbindungen zwischen den Theilnehmern wurden im Vorjahre rund SSr Millionen hergestellt, und auf den Tag entfielen 152 287. Die Verbindungen mit den Vororten Berlins belieferr sich auf 1 S67 448, mithin für den Tag auf 3746. Der Verkehr mit den Fernorten war am stärksten nach Hamburg, denn es fanden 33 459 Meldungen statt. Leipzig sprach der„Voss. Ztg." zu- folge mit Berlin 12 741 mal, Magdeburg 10 023 mal, Stettin 7932 mal. Breslau gab 6776 Fragen auf, Dresden 6252, Halle 5166, Dessau 1605, Hannover 1526 und Braunichwerg 426. Mrthin waren überhaupt 57 038260 Verbindungen hergestellt worden. Dieses Jahr hat eine Menge neuer Anschlüsse an Vor- und Fernerte gebracht. Im Ganzen vermitteln den Berliner Verkehr 9 Fernsprechämter, die sehr bald als unzurerchend werden erachtet werden. Das ganze Fernsprechwesen ist erst feit dem 1. April 1881 im Gange. Eröffnet wurde es mit 49 Theilnehmern, es nahm indeß eine so rasche Ausdehnung, daß schon Ende 1881 drei Vermittlungsämter errichtet werden mußten. Seitdem konnten die neu angemeldeten Theilnehmer nur allmälig befriedigt werden, und im Rückstände mit der Herstellung von Verbindungen ist das Telegraphenamt bis zu diefer Stunde geblieben, weil die Anmeldungen fortgesetzt sich häufen. Vergegenwärtigt man sich, daß die erste Kunde von der erfolgreichen Verwendung des Bell'schen Fernsprechers nach Deutschland erst im Oktober 1877 durch die Zeitschrift„Scientific American" gelangte, und daß die beiden ersten Bell'schen Fern- sprechapparate, welche'durch Vermittlung des Vorstehers des Haupt-Telegraphenamtes in London behufs Anstellung von Ver- suchen erst im Laufe desselben Monats in den Besitz der obersten Post- und Telegraphenbchörde aelavgte, so erkennt man, mrt welcher gewaltigen Schnelligkert sich der moderne Verkehr dieses neuen Mutels bemächtrgt hat. Mit Hilfe des Siemen«- chen Fernsprechers konnte, nachdem am 12. November 1877 die erste Ferrssprechleitung zur Uebermittlung von Telegrammen zwischen Berlin und Friedrichsberg bei Berlin dem Betriebe übergeben ward, schon im Juli 1880 das deutsche Telegraphennetz bis auf 837 Fernsprechämter erweitert werden. Leider bringt die Anlage der oderirdischen Leitungen einen Uebelftand mit sich, den man besonders in Berlin häusig zu sehen Ge- legenheit hat; sie verunziert zahlreiche Architekturen. Hoch auf den Dächern ragen die quadratischen Gestelle mit ihren Hun- derten von Isolatoren empor, nach allen Himmelsrichtungen wahre Bündel von Drähten entsendend, welche sich quer über die Straßen ziehen, um auf weiter gelegenen Häusern ähnliche Stützpunkte zu suchen. Von Tag zu Tag wird diese« Netz dichter. Lebrnsdaner der Trinker und Uichttrinker. Die wunderbare Entdeckung, welche die„British Meoical Association" nach einer deutschen Zeitungenotiz gemacht haben sollte, daß nämlich die versoffensten Trinker, geschweige denn mäßige An- Hänger de« Alkohols länger lebten als die Wasscrsimpel, Kellt sich bei näherer Betrachtung mehr als eine bösartige Entstellung eines Notizenschreibers heraus, wenn auch die englischen Aerzte an dem Unsinn nicht ganz unschuldig sind. FolgenbeS ist nach den besten Quellen die Geschichte der so schädlich gewordenen Statistik. Die britische ärztlrche Gesellschaft setzte vor einiger Zeit einen Ausschuß ein mit bem Austrage, den Zusammenhang zwischen Alkoholgenuß und Krankheit näher zu prüfen. Der Ausschuß richtete an die 13 000 Mitglieder der Gesellschaft Fragebogen über die in ihrer Pflege während der letzten drei Jahre verstorbenen Patienten und deren Verhalten zum Al- kohol. Das war sehr verkehrt; denn wie können vielbeschäftigte Aerzte die Lebensgewohnheiten aller Patienten, über die sie Todtenscheine ausgestellt haben, im Gedächtniß haben? Darum betheiligten sich nur 178 Aerzte von 13000 an diesem Unsinn und brachten 4234 Fälle bei. Die zweite Thorheit bestand darin, daß man die Gestorbenen der letzten drei Jahre in fünf Klassen schied nach ihrem Verhalten zum Alkohol, die dritte darin, daß man ungenügendes Material verarbeitete," die vierte darin, daß man Schlüsse aus unge- nügendem Material veröffentlichte und den Vertheidigern des Alkoholismus Gelegenheit zu Entstellungen gab. Unter den 4234 Gestorbenen(alles Männer über 25 Jahre) wurden ganze 2,8 pCt. als gänzlich Enthaltsame bezeichnet, 42 pCt. als gewöhnlich mäßig(Kabirualtx ternperate), 25 pCt. als„sorglos" (careless), 30 pCt. mehr oder weniger unmäßig. Nun fand sich, daß das Durchschnittsalter der Enthaltsamen 51,22, der gewöhnlich Mäßigen 62,13, der Sorglosen 59,67, der Un- mäßigen 57,59, der ganz Unmäßigen 52,03 Jahre betrug. Es gehört nicht viel Verstand zu der Erkenntniß, daß diese Zahlen gar nichts beweisen, und Dr. Jsambard Oven, der diese Statistik bearbeitet und veröffentlicht hat, hat auch sofort er- klärt,„daß wir in ihr kein Mittel haben, Schlüsse über die durchschnittliche Lebensdauer der Enthaltsamen und der mäßigen Trinker zu ziehen." Er erklärt die kürzere Lebenszeit der Ent- haltsamen in dieser Statistik aus der Thaisache, daß„die all- gemeine Bekehrung zur gänzlichen Enthaltsamkeit vechällniß- mäßig jüngeren Datums ist; der größere Theil der Bekehrten war sehr jugendlich, so daß vorläufig das Durchschnittsalter der lebenden(und also auch sterbenden) Abstinenzler viel ge- ringer ist, als das der Trinker." Dr. Owen last ferner aus den ihm vorliegenden Fragebogen heraus,„daß der gewohn- heitsmäßige Genuß alkoholischer Getränke eine deutliche Ten- denz hat, das Lcben zu verkürzen, das Leberleiden und Gicht in großem Maße durch das Trinken erzeugt werden, daß die alkoholischen Gelränke den Körper für Krankheiten prädiS- voniren, daß gänzliche Enthaltsamkeit oder strenge Mäßigkeit vie Aussicht auf einen durch Altersschwäche verursachten Tod bedeutend vermehren." Man sieht, der Bericht des englischen Statistikers lautet ganz anders, als die deutsche Zeitungsnotiz es glauben machen wollte. Interessant ist auch, daß der Be- richterstatter einen anderen Theil jener Statistik nicht erwähnt, der auch im„British Medical Journal" veröffentlicht wurde. Dieser handelt nämlich von 824 Personen von 80 bis 100 Jahren und ihrer Stellung zum Alkohol. Von 320 Män- nern zwischen 70 und 90 Jahren tranken 120 kein alkoholrscheS Getränk, ebensoviele sehr wenig, 67 waren mäßige Trinker, 13 starke Trinker. Von 74 Männern zwischen 90 und 100 Jahren tranken 21 nie alkoholische Getränke, 26 sehr selten, 26 mäßig, nur einer trank dann und wann„ein wenig zu viel". Wenn man bedenkt, wie jung die Enthaltsamkeilsbewegung ist und wie klein die Zahl der Abstinenzler selbst in England, ver- glichen mit der der Trinker, so sprechen die letzten Ziffern deut- lich genug für die längere Lebensdauer der Nichttrinker. Gesperrt bis auf Weiteres für Fuhrwerke und Reiter werden: Die Straße An der Schleuse, von der Spreestraße bis zur Schleusenbrücke, behufs der Umpflasterung vom 26., die Scharreu straße, von der Breiten bis zur Kleinen Gcrtraudten- straße, behufs der Asphaltirung vom 27., die Brücken-Allee von der Altonaer Straße bis zum Großen Stern, behufs der Neubefchüttung unter Benutzung der Dampfwalze vom 30., und die chaufsirte Fahrstraße vor dem„Alten Museum", sowie die westliche Fahrstraße im Lustgarten behufs der Einlegung von Holzpflaster vom 30. d. M. ab. Pollzrikericht. Am 26. d. Mts. Vormittags fiel an der Eichhornstraße ein Droschkenkutscher beim Absteigen von seinem Wagen infolge eines Frhltriits zur Erde und erlitt außer einem Armbruch eine nicht unbedeutende Verletzung am Kopfe, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit stürzte ein vierjähriger Knabe aus dem Fenster der im Seitenflügel des Haules Möckernstr. 71, 4 Treppen hoch be- legencn elterlichen Wohnung auf den Hof herab und verstarb auf der Stelle infolge der erlittenen schweren Verletzungen.— Als der Kutscher Brschoff im Hause Kurfürstendamm 142 eine Kiste die Treppe hinauftrug, siel er dabei nieder und die Krste ihm auf das linke Bein, so daß eS zerschmettert wurde. Der Verletzte wurde nach dem Elisabeth-Krankenhause gebracht.— Abends gerieth auf dem Daniel'schen Kohienplatz am Görlitzer Bahnhof ein Arbeiter zwischen die Puffer zweier Kohlenwagen und erlitt dabei so schwere Quetschungen, daß er sofort verstarb. Gerirhts»Iletkimg. Die Nolizeidirektio« j« Potsdam gab der Zahlstelle des dortigen deutschen Tischler-VerbandeS unter Androhung der Auflösung derselben durch Verfügung vom 21. Februar 1883 auf, binnen acht Wochen ihre staatliche Genehmigung nachzu- suchen und den Nachweis hierüber zu führen. Die Zahlstelle, die einen integrrrenden Bestandtheil des deutschen Tischler- Verbandes in Stuttgart bilde, sei als eine Versicherungsanstalt im Sinne des Gesetzes vom 17. Mai 1853 anzusehen. Nachdem die Zahlstelle mit der gegen die Verfügung gerichteten Beschwerde von dem Regierungspräsidenten zurückgewiesen worden war, beschritt sie den Klageweg. Der Bezirksausschuß zu Potsdam setzte die Verfügung außer Kraft und auf die Berufung der beklagten Polizeidirektion bestätigte der dritte Senat des Oberverwaltungsgerichts die Vorentscheidung mit folgender Begründung: Weder die EntstehungSgefchichte der die Versicherungsanstalten betreffenden Gesetze, noch sonstige Momente bieten einen Anhalt dafür, daß der Gesetzgeber unter Versiche- rungsanstalten auch solche Anstalten verstanden wissen wollte, welche ihren Mitgliedern zwar im Falle des Eintritts gewisser Ereignisse regelmäßig Unterstützung'gewähren, eine Verpflichtung hierzu aber nicht übernehmen. Eine Anstalt ist nur dann als eine Versicherungsanstalt anzusehen, wenn sie fich»er« pflichtet, ihren Mitgliedern Leistungen zu gewähren. DieS ist aber bei dem hier in Rede stehenden Verbände nicht der Fast. und somit ist für denselben die staatliche Genehmigung aus Grund des Gesetzes vom 17. Mai 1353 nicht erforderlich. Ml»jestät»beleldis««g. Der Arbeiter Karl Hölz aus MonSdorf ging am Pfinzstsonnabende dieses JahrcS nach KönigS>Wust erHausen hinein, um für die Feiertage Kaffee, Zucker und Kuchen einzukaufen. Nachdem er seine Einkäufe besorgt hatte, suchte er ein WirthShauS auf, blieb hier im Ge- spräche mit Bekannten sitzen und trank sich an. Kurz vor 12 Uhr NachiS trat er den Heimweg an, konnte ihn aber in- folge feiner Trunkenheit nicht finden. Er traf den Nachtwächter, fragte nach einem Nachtquartier, erhielt den Bescheid, daß alle Gasthöfe bereits geschlossen seien, darüber wurde er wild und meinte:„Wenn wir nicht wären, dann müßtet ihr Wächter und die Polizei verhungern!" und als er darauf verhaftet werden sollte, zog er auch den Kaiser in seinen Gedankengang. Wegen Majestätsbeleidigung und Nachtwächterbeleidigung sowie wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt hatte er sich a» Freitag vor der zweiten Strafkammer am Landgericht U»uver- antworten. Er wurde zu 2 Monat und 1 Woche Gefängnß verdonnert. Mege« fahrlässtser Körperverletzung stand der Kutsiber K. Günther aus Berlin gestern vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II. Er erzählte, daß er in der Nacht zum I. Juli mit einem Kremser von Schildhorn kam. Es w« zwischen 2 und 3 Uhr. Alle Nächte in der Woche habe er lange Dienst gehabt da habe ihn denn die Müdigkeit über- mannt, er sei eingeschlafen und die Pferde seien m der Berliner Straße in Charlottenburg auf das Pferdebahngeleise ge- gangen, was zu einer leichten Kollision mit der Pferdebahn führte, wobei der Kaufmann Pinner am Arme verletzt worden fei. Diese Darstellung stimmte mit der Beweisaufnahme l» vollkommen überein, daß das Urtheil dahin lautete:„Weil der Angeklagte in einer in ähnlichen Fällen ganz ungewohnten Weife offen und ehrlich fein Verschulden emgestanden hat er aber trotzdem von der Verantwortung nicht entbunden wer- den kann— so ist nur auf eine Geldstrafe von 15 Mark gleich 3 Tagen Gefängniß erkannt worden." Funduuterschlaaung. An einem Juni-Vormittage holte fich der Kaufmann C. drei Parquet-Billets für die Abend- Vorstellung des Deutschen Theaters. Nach etwa einer Stunde wurde der Kassirer ans Telephon gerufen und ihm auf diese« Wege von Herrn C. mitgetheilt, daß derselbe sein Portemonnaie, in welchem sich auch die BrlletS befanden, verloren habe. Der Kassirer erwiderte ihm, daß der Verlust der BilletS nicht« auf sich habe, da er ihm die fraglichen Plätzi frei halten werd-. Kurz vor Beginn der Vorstellung erschien ein Mann an der Theater» lasse, welcher die drei verlorenen BilletS mit der Bitte unter- breitete, ihm den Betrag dafür zurückerstatten zu wollen, da die Inhaber verhindert seien, sie zu benutzen. Der Kassirer ließ den Mann zur Wache bringen, woselbst dessen Persönlichkeit als die des JnstrumentenmachcrS Wilhelm Ewald festgestellt wurde. Er stand gestern wegen Fundunterschlagung vor der 83. Abtheilung des Schöffengerichts. Da der Zeuge erklärte, er habe das Portemonnaie in einem feinen Restaurant liegen lassen, wohin der Angeklagte wohl schwerlich gekoimnen sei, so wurde der Angabe des Letzteren, er habe die BilletS auf der Straße gefunden, geglaubt und angenommen, daß der unehrliche Finder des Portemonnaies dieselben fortgewmfca habe. Da der Beschuldigte bisher unbestraft ist, so kam er mit einer Geldstrafe von 40 M. davon. Gl» Angrklagtee, der mit dem Leben vollständig abge- schlössen zu haben schien, stand gestern in der Person des SattlermeisterS Karl Temmler vor dem Schwurgericht hie- sigen Landgerichts 1. Derselbe war des betruglichen Bankerotts, Meineids und der Unterschlagung angeklagt. Der Angeklagte machte einen jämmerlichen Eindruck und ein große« Pflaster auf seiner Stirn zeugte von einem Selbstmordversuch, den er vor einiger Zeit bei seiner Vor- führung vor den Untersuchungsrichter unternommen hak. Er hatte diese Gelegenheit wahrgenommen, um sich kopfüber auf die Steinfliesen des Gerichtskorridors zu stürzen. Der Angeklagte hat früher in Erkner eine ziemlich urnsarrgreiche Sattlerei betrieben; im Jahre 1885 meldete er jedoch Konkurs an und dos Konkursverfahren endete damit, daß die Gläubiger auch nicht einen Pfennig erhielten. Der Angeklagte hatte ein Sümmchen von 3000 M. versteckt und hier bei F. W. Krause ein Depot über 6000 M., leistete aber trotzdem einen Offenbarungseid, in welchem er den Besitz dieser Summen verschwieg. Während er sich von diesen! Erlebnisse wieder zu erholen bemüht war, gerieth er mit seiner Ehefrau in Unfrieden und bewirkte die Ehescheidung von derselben. Er lernte ein Mädchen kennen, welche früher Chansonnettensänaerin und dann Kellnerin ae- wesen war und bestimmend in sein weiteres Leben eingriff. Er heiratheteidas Mädchen und begab sich nach Berlin, wo es ihm ge» lang, wiederum von einem Lederbändlcr Kredit zu erlangen, um in der Schönhauser Allee von Neuem'ein Sattlergeschäst er- öffnen zu können. Dasselbe beruhte aber von Anfang an auf unsolider Grundlage, denn zum Schein trat zunächst der Bruder des Angeklagten als Geschäftsinhaber auf, der das Ge- schäft dann wieder angeblich an die Frau des Angeklagten ver- kaufte. Der Angeklagte hatte bald stark zu thun, es arbeiteten 5 Mann bei ihm und Jedermann dachte, daß es ibm recht gut gehe. Im geheimen aber dachte er schon wieder übe» eine neue„Schiebung" nach. Er machte, so viel er konnte, zu Geld, verkaufte den größten Theil des GefchästsinventarS an einen gewissen Müller und eilte mit seiner Frau nach Hamburg um von dort nach Amerika zu entkommen. Er nahm etwa 1200 bis 1300 Mark baarcs Geld und zwei große Kisten mit verschiedenen WirthschaftSgegenständen mit, außerdem hatte er auf Leihvertrag gegen eine kleine Anzahlung von einem Garderobenhändler stch und seiner Frau feine Reisekleider ver- chafft, die er mit nach Amerika nahm. In Hamburg, wo er chon auf einem dortigen Dampfer die Passage bezahlt hatte, wurden ihm wegen der ihm von Müller besorgten Legitimation so große Schwierigkeiten gemacht, daß er es vorzog, nach Rotterdam zu gehen und von dort die Reise nach Amerika, wo seine Frau Verbindungen hatte, anzutreten. Drüben ist es ihm aber herzlich schlecht ergangen und nachdem er einige Monate herumvegetirt, hat er es für gerathen gehalten, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Im Mai ist er dann in EberSwalde von einem Gläubiger betroffen worden, der ihn verhaften ließ.— Die Geschworenen bejahten die ihnen vorge- legten Schuldfragen und der Gerichtshof verurheilte den An- geklagten zu 5 Jahren Zuchthaus und Ehroerlust auf gleiche Dauer.— Damit endete die laufende Schwurgerichts- Periode am Landgericht l und der Vorfitzende, Landgerichts- direktor Humbert entließ die Geschworenen mit einigen Dankesworten. Srrzisle Msberstrhk. Nürnberg. In der hiesigen Dynamo-Elektrischen Ma- schinenfabrik von Schuckert u. Komp. ist wegen Maßregelung eines Arbeiters ein Streik ausgebrochen, an welchem 234 Ar- beiter betheitigt sind. Vorsitzender des Streikkomitees ist Konrad Herrmann, Ohmstraße 2, Il>.— Unter den 284 streikenden Arbeitern befinden fich 61 Schlosser, 55 Mechaniker, 33 Dreher; unter den übrigen befinden fich Flaschner, Metalldrücker, Gürtler, Glosschleifer, Schmiebe und sonstige Hilfsarbeiter, davon find - 4 140 ledig. Letztere weiden im Laufe der Woche großtenlheils abreisen. Die Arbeitsplätze in der Fabrik s« Q e fre'' wofür die Streikenden schon Sorge tragen. ?!""?ung derselben ist eine sehr gute. Das Streiklokal ulk~ Üch im»Bürgersaal" mit Ausnahme des Sonnabends no sonntags, wo sich die Streikkommisfion in der Nestau- atwn sargl. Ecke der Peter Henlein- und Ohmstcatze befindet. 'tJn Zuzug ist strengstens fernzuhalten. Dersammlrmgen. Der Ganverein Kerlinrr Kildhaner hielt am 24. Sep. «einbei: im Mundl'schen Saale, Köpnickerstraße 100, eine von zirka 500 Mitgliedern besuchte außerordentliche Mitgliederver lammlung ab. Zur eingehenden Berathung lag folgender An troa vor.»Die Beiträge zum Lokalvercine sind zur Eczielung veiserer Arbeitsbedingungen von 5 auf 15 Pf. zu erhöhen -cach längerer Diskussion wurde der Antrag, trotzdem verschie-- ventlich gegen denselben gesprochen und freiwillige Beiträge vurch Listen empfohlen wurden, mit großer Maiorität arge- kommen. Auf Anregung der Stellenvermittlungskommission wurde nach kurzer Berathung folgende Resolution einstimmig Menomen:„Die heutige Versammlung der Mitglieder des lsauvereins Berliner Bildhauer beschließt mit allen Kräften >ur die sofortige Durchführung der vstündigen Arbeits- »eit einzutreten. Nach Erledigung einiger interner Angelegen- hnten wurde die Versammlung um 121 Uhr geschlossen. Der Fachverein der Tischler(Nst-Kezirsi) hielt seine Velmäßige Mitgliederversammlung am 17. Scplbr. in Säger'." fealon, Grüner Weg 29, mit folgender Tagesordnung ab '• Die Lage der Berliner Tischler mit besonderer Berücksichti gung der Beschlüsse der letzten Generaloersammlung. Referent. Kollege Wiedemann. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Zum 1. Punkt der Tagesordnung führte Kefcrent aus, daß die Küchenmöbelbranche wohl eine der Ichlechtesten sei; die Kollegen verdienen in derselben wohl selten 18-21 M., meist bedeutend darunter. In der Heuligen Pro- »uklioneweise hat der Tischler bei oft 10—12 Stunden Arbeits� z«t immer dieselbe Bewegung auszuführen. Dieses ist der Ge lundheit höchst nachträglich. Nur in der genossenschaftlichen Produktion erhält der Arbeiter den wahren Werthsseiner Arbeit Den Arbeiterschutz streisend, bemerkt Redner, daß die Regie- Augen unbedingt hierin einzugreifen hätten. Um eine Besserstellung der Lage im Gewerk zu erreichen, sei unbedingt nöthig, durch die Gewerkschafteorganisation erschlossenen Reihen vorzugehen. Wie gearbeitet werde, wird durch die zusammengestellte Statistik der Fragebogen, weichein Uachster Zeit veröffentlicht wird, gezeigt werden. Professor Brentano habe der heutigen Produktion den Ruin schon an- gesagt und Kapitalisten-Ringe vorgeschlagen, welche der Ar- beiter freilich niemals gutheißen werde. Der Fachoerein wird, wenn die Zeit zu einer Lohnbeivegung gekommen, als 1. Forde- Ang die 9 stündige Arbeit aufstellen. In der nun folgenden Diskussion bemerkte Kollege Hempel, daß mindestens erst der Berliner Tischler dem Verein beizutreten haben, bevor in «>ne Bewegung eingetreten werden könne. In seinem Schluß- wort sprach Kollege Wiedemann sein Bedauern aus, daß sich die kleinen Branchenvercine durchaus nicht bcqumen wollten, sich aufzulösen und der größten hiesigen Organisation, dem Fachvercin der Berliner Tischler beizutreten. Herr Obermeister Brandes beschäftige nicht weniger als sieben Lehrlinge und nicht einen Gesellen. Die Mehrzahl der Lehrlinge sterbe an der Lungenschwindsucht, welche wohl ihre Ursache in der ge schäftsmäßigen Ausbeutung der jungen Menschen findet. Wie weit die Herren JnnungSmeister schon vorgeschritten sind, be- weise, daß in der Landsbergerstraße ein solcher ausschließlich Kleiderbügel und Besenstiele fabrizire. Redner fordeit zum Schlüsse seiner Ausführungen auf, weiter mit allen Kräften für den Verein einzutreten.(Beifall.) Unter Verschiedenes wurde die vom Kollegen Sievert gestellte Resolution einstimmig ange- Nammen. Dieselbe lautet: In Erwägung, daß das Böhmische Brauhaus seine Lokalitäten nicht mehr zu Versammlungen gicbt, beschließt die heulige Versammlung des Fachvereins der Tischler, die Schankstätten, in denen böhmisches Bier zum Ausschank gelangt, nicht mehr zu besuchen, bis das Böhmische Brauhaus wieder freigegeben ist. Kollege Roggemann forderte sodann olle Kollegen auf, die Werkstätten, in denen länger als zehn Stunden gearbeitet werde, unbedingt der Werkstatt-Kontrol- Kommission anzuzeigen. Hiermit schloß der Bevollmächtigte um 11-! Uhr die Versammlung. Die Vereinigung der Drechsler Dentjchiandv, Orts- Verwaltung Berlin U>, hielt am Sonntag, den 22. d. M., bei Bolzmann, Andreasstr. 26, eine Mitgliederversammlung ab. Um Uhr eröffnete der Bevollmächtigte Kollege Tabert die Versammlung. Auf der Tagesordnung steht: l. Wahl des Vorstandes. 2. VereinSangelegenheitcn. 3. Verschiedenes. Das Wahlergebniß ist folgendes: Kolleae, Tabert, Bevollmächtigter, Rattge, Kassirer, Danzer, Schriftführer, Peinell und Trolle, Beisitzer, Erker und Kossatz, Revisoren.— Zum zweiten Punkt, Vereinsangelegenheiten, spricht Kollege Tabert den�Wunsch aus, die Versammlung möchte einen Beschluß fassen, wann die nächste Versainmlung stattfinden soll und befürwortet, nach der Grün- dung der Zahlstelle IV alle 3 bis 4 Wochen eine Versammlung abzuhalten. Auf Antrag des Kollegen Rautenberg bleibt es wie bisher dem Vorstand überlassen und soll vorläufig noch alle 14 Tage eine Versammlung stattfinden, auch sollen öfter Artikel aus der Fachzeitung vorgelesen werden, um die Kollegen mehr heranzuziehen. Zum Punkt 3,»Ver- schiedcnes, theilt der Bevollmächtigte mit, daß am 30. d. Mts., in Lehmann'« Salon, Schwedterstraße 24, «ine öffentliche Versammlung der Drechsler und Berufsgenossen Berlins stattfindet und zwar behufs Gründung einer OrtSver- waltung IV im Norden und daß der Zentralbevollmächtigte ver- sprechen hat, dieses Unternehmen zu unterstützen. Diejenigen Kollegen, welche Zeitungen zu AgitalionSzwecken wünschen, können sich an Kollegen Tabert wenden. Kollege Rautenbcrg ersucht die Kollegen recht zahlreich zu dieser Versammlung zu erscheinen, und verurtheilt hierauf die hier in vielen Werkstätten übliche sogenannte EinstandSfcier eines neueintretenden Ge- fellen, welchem mehrere Kollegen beipflichten. Es ist noch eine Frage eingelaufen: Welche Zeitung ist der Arbeiter verpflichtet zu lesen. Diese Frage wird dahin beantwortet, daß der Ar- veiter diejenige Zeitung lesen soll, welche seine Interessen ver- tritt, und das ist in Berlin das täglich erscheinende»Berliner Volksblatt", welches uns alle Arbeiterfragen genau und für jeden verständlich bringt, in zweiter Linie das sozialpolitische Wochenblatt die„VolkStribüne". Der Fachverein der Tavezirer Kerlin« hielt am 23. September in Feuerstein'S Salon, Alle Jakobstraße 75, eine außerordentliche Generalversammlung ab, welche gut be- sucht war. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des Herrn Türk über»Die wirthschaftliche Umwälzung der französischen Revolution". 2. Aenderung des Statuts. 3. Gewerkschaft- liches. 4. Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Zum 1. Punkt erledigte Herr Türk seine Aufgabe in einem IjstLn- digen Vortrage zur größten Zufriedenheit der Anwesenden. Zu Punkt 2 wurde der Kopf dcS Vereins statuts dahin verändert, daß das Wort und Umgegend hinzugesetzt wurde. Ferner wurde zu 8 I Abs. k die Begründung einer Fachschule hinzu- gefügt. Nachdem noch einige Zusätze vom Vorstand vorgeschlagen waren, wurde das Statut in seiner neuen Fassung einstimmig angenommen.— Zu Punkt 3 kam man auf den Streik der Kollegen in Posen tu sprechen. Man wunderte sich, daß sich dieselben nicht an den Fachvercin gewendet haben, man wisse gar nicht, wie es stiht. Ein Antrag, denselben vorläufig 50 Mark zu schicken. wurde einstimmig angenommen. Man sprach sich dann über dos unkollegialische Verhalten verschiedener Werkstätten aus. was unbedingt m einer Versammlung gehörig gerügt werden müsse.— Nachdem die nächste Versammlung für den 7. Oktober bekannt gemacht, sowie auf eine Hauptversammlung der Zentral Krankenkasse der Tapezirer am 15. Oktober hingewiesen war, erfolgte Schluß der Versammlung. (feint gut besuchte Versammlung des Fachverein« für Schlvsfer und Berufsgenossen fand Montag, den 23. d., in Feuerstein'S Salon, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Herrn B ö l s ch e über Darwin's Lehre von der Abstammung des Menschen. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Zum 1. Punkt entledigte sich der Referent seiner Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der Versammlung. Zum 2. Punkt ließen sich 28 Kollegen neu aus- nehmen. Unter„Verschiedenes" entspann sich zunächst eine Debatte über den neugegründeten Verein der Gießereibefitzer. Derselbe hat bekanntlich eine Kommission gewählt, die bei even- tuellen Arbeitseinstellungen in der Metallindustrie die Forde- rungen der Arbeiter prüfen soll und falls sie dieselben nicht für „gerecht" erachtet, sollen die betreffenden Arbeiter in keiner an- deren Fabrik Arbeit erhalten dürfen.— So etwas kann man auch nur den Metallarbeitern bieten, welche nun einmal schwer aus ihrer Stumpfheit aufzurütteln sind. Dessenungeachtet aber werden doch die Herren Gießereibarone nicht die Rechnung ohne den Wirth gemacht haben? Denn wie es besonders in den Maschinenfabriken aus- sieht, das zeigte die sich hieran schließende Krilik der Firma Pialon, früher Hummel, ferner die Firma Schwartzkopff mit ihrer Filiale, das sogenannte„Sibirien"— gewiß bezeichnend genug. Ferner der berühmte Arnheim, bekanntlich der Bour- geoisie bester Trost, denn wenn sie einen„Ainheim"(einen Geldschrank aus benannter Firma) haben, worin sie ihien sauer verdienten Entbehrungslohn aufstapeln können, dann kann ihnen weder Feuer noch Wasser, noch— die bösen Sozialdemokraten, die unzufriedenen Arbeiter, denselbennehmen. Auch oaS„Paradics" der Arbeiter, die Firma Schäffer und Walker dürfe nicht fehlen. Zunächst war es das Auftreten und Lohndrücken eines da- selbst beschäftigten Meisters, das Anlaß zu einer scharfen Kritik gab. Ferner war es die Fabrik- resp. Strafordnung, denn Strafen von 1—3 M. für Singen, Pfeifen, lautes Sprechen unter einander u. s. w. sind Kleinigkeiten. Trotzdem §116 der Gewerbeordnung besagt, daß dem Arbeiter nur Strafabzüge oder Lohnkürzungen gemacht werden dürfen� wenn dieselben für Wohlfahrlseinrichtungen für die Arbeiter ver- wandt werden, so bezahlt die Firma doch von den Straf- groschen die zerbrochenen Fensterscheiben, was jährlich etwa 200 Mark aus tragt. Doch dafür ist auch Herr Kommerzienrath Oecheshäuser im VerwaltungSrathe. Ob derselbe das in seiner „Allgemeinen deutschen Arbeiter-Zeitung" nicht auch als eine Wohlthat für die Arbeiter preist 1 Annehmen muß man dies schon, wenn man hört, daß die Firma im letzten Jahre nur 9 pCt. Dividende zahlte, dem Direktor nur 5000 Mark und den Meistern nur 600—1000 M. Tantiemen. Natürlich verdienen die Arbeiter auch schauderhaftes Geld dabei, haben sie doch in der Mehrzahl einen Stundenlohn von 30 Pfennigen. Auf diese Weise wurden noch einige Firmen kritisirt, die 3, 9 und mehr Prozent Dividende zahlten, was sich freilich schlecht verhält zu den Stundenlöhnen von 23 und 25 Pf. für Schlosser- gesellen. Nach Erledigung einiger interessante« Fragen betreffs Haftpflichtgesetz und Unfallversicherung erfolgte Schluß der Ver- sammlung. Verein znr Mahrnng der Interessen der Schuhmacher und verwandter Berufsgenossen Berlins. Am Mon- tag. den 23. September, tagte eine Versammlung des Vereins in Hcydrich's kleinem Saal. Da das Referat des Herrn Werner„über Fabrikmspekiion" die polizeiliche Genehmigung nicht erhalten, auch eine andere Tagesordnung nach Ansicht de« überwachenden Beamten nicht aufgestellt werden durfte, wurde zum zweiten Punkt, Verschiedenes, übergegangen. Es wurde u. A. auf die öffentliche Versammlung der Filzschuharbeiter am 26. September, Münzstr. 11, hingewiesen. Der dritte Punkt, Fragekasten, gestaltete sich so vielseitig, daß erst um 12 Uhr Schluß der Versammlung eintrat. Der Lokalverband Kerti« de« Verbandes deutscher immerleute hielt am Dienstag, den 24. September, eine ersammlung in Feuerstein'S Salon. Alle Jakobstraße 75. ab mit.folgender Tagesordnung: 1. Endgiltige Beschlußfassung über die 9stündige Arbeitszeit. 2. Wahl eines 2. Schriftführers und 2 Kontroleure. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung um 9 Uhr und legte den Kameraden klar, wie nothmcndig es wäre, sich mehr der Organisation anzuschließen, sonst würden die Arbeitgeber den Lohn und die Arbeitszeit wieder herunter drücken. Die Orga- nisation vertritt lediglich das Interesse der Gesellen, wenn sie alle dem Verbände angehören würden, so würden wir über- Haupt nicht Schwierigkeiten zu bekämpfen haben. Die Kameraden Ortland, Seitzt, Wolter und Loß waren ebenfalls der Meinung. Hierauf erhielt Kamerad Durowsky das Wort, derselbe sprach sich nochmals über.den Ausschluß Lehmann'S aus. Es wären dafür gar keine Gründe vorhanden gewesen und der Norden sehe sich jetzt veranlaßt, selbst eine Organisation zu bilden, da er sozusagen aus dem Verbände ausgestoßen wäre. Hieran knüpfte sich eine lebhafte Debatte. Sodann wurde zur Wahl geschritten; es gingen folgende Kameraden aus der Wahl hervor: Kamerad Äpelt als»weiter Schrift- führer und die Kameraden Semmler und Schulz als Kontrol- leure. Die Versammlung beschloß, dem Verbände Schöneberg die früher dem Lokalverbande Westen zugehörenden Utensilien als Spinde, Tafel, Reißschiene, Zirkel, Fragekasten, Aushänge- tafel, Glocke unter folgenden Bedingungen hu überweisen: Sämmtliche Utensilien, wie oben genannt, sind in dem Zustand, wie übergeben, sofort dem Lokalverband Berlin resp. dem Hauptvorstande auszuliefern, sobald eine Auflösung des Lokal- Verbandes Schöneberg stattfindet. Vorstehende Bedingungen sind allen neugewählten Vorstandsbeamten mitzutheilen und sollen dieselben durch ihre Unterschrift stets, wie oben angeführt, zur Jnnehaltung verpflichtet sein. Eine össenttiche Versammlung der in de« Fi!»- schul, sab rilien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen tagte am 26. d. M. im Zemter'schen Saale. Die sehr rege be- suchte Versammlung wählte ins Bureau die Herren Köhler, P f e i f f e r und I e s ch k e. Der erste Punkt der Tagesordnung lautete:„Die Organisationsfrage", über welchen Herr Richard BaginSki referirte. Derselbe schilderte in trefflicher Weise die heutigen Zustände, die KapitalSwirthschaft und deren Konsequenzen und die sich von selbst ergebende Roth- wendigkeit, denselben mit allen Kräften entgegenzutreten, die sich von selber ergebende Pflicht der Arbeiterschaft, sich eine bessere Lebenshaltung zu erringen. Da von der Gesetzgebung in dieser Richtung hin nichts zu erwarten sei, so sei die Ar- beiterschaft auf ihre eigene Kraft angewiesen und diese Kraft sei zunächst die Organisation. Deshalb begrüßte Redner es mit Freuden, daß auch die Filzschuharbeiter und Arbeiterinnen, wie die rege besuchte Versammlung beweise, nunmehr gewillt eien, sich zu organifiren. Die Verhältnisse der Filzschuhbranche ,eien ebenfalls sehr verbesserungsbedürftig, wie uberall seien auch hier bie Arbeitslöhne gesunken, während die Preise für alle Lebensbedürfnisse gestiegen seien. Der kapitalistische Be- trieb der Filzschuhbranche sei zwar noch ein junger, dessenunge- achtet aber mit großen Mißständen behaftet. Hierher gehöre in erster Linie die Verschiedenheit der gezahlten Löhne. Wäh- rend in etlichen Fabriken noch ein einigermaßen auskömmlicher Verdienst erzielt werde, werde in anderen Fabriken kaum daS Salz zum Brote verdient. Speziell die weiblichen Arbeiter seien jämmerlich gestellt. Die Gewerkschaft habe daher die Pflicht, vor Allem einmal eine Gleichmäßigkeit der Löhne her- beizuführen durch Ausarbeitung und Durchführung eines ein- hcitlichen Tarifs. �Ob die Durchführung sich leicht bewerkstcll'gen lassm werde, müsse die Zeit lehren. Erleichtert werde diese Aufgabe dadurch, daß die Gewerkschaft eine kleine sei und sich völlig übersehen lasse. Der zu gründende Verein müsse sich aber, wie der Vortragende weiter ausführte, auf den Boden der allgemeinen Arbeiterbewegung stellen, sich als ein Glied des großen Arbeitcrbundes betrachten, sofern er seine Aufgabe richtig erfassen und durchführen will.(Lebhafter Beifall.) Heir KlinAtr ergänzte die AuSfllbrunaen des Vortragenden in gleich überzeugender und energischer Weise. Auch dieser Redner rief den Filzschuharbeitern die ernste Mahnung zu: Bereinigt Euch! Organisirt Euch!(Großer Beifall). Herr B u r ch a r d t führte aus, daß die BerlinerFilzschuharbeiter noch schlechter gestellt seien, als die auswärtigen Fabrikarbeiter, da die Berliner Fabriken den leistungsfähigen auswärtigen Fabriken noch keineswegs gewachsen seien. Auch er trat warm für Gründung eines Vereins ein und ermahnte, denselben auch hochzuhalten. Die Versammlung erklärte sich einstimmig mit einem gestellten Antrage einverstanden, dahingehend, einen Fachverein der Filzschuh arbeit er im vorher befürworteten Sinne zu gründen. Nach Annahme dieses Antrages trat eine ent- sprechende Pause behufs Einzeichnung zur Mitgliedschaft ew. Von den Anwesenden zeichneten sich 60 zur Mitgliedschaft in die ausgelegten Listen ein. Nach Wiedereröffnung der Ver- sammlung wurden die Herren R. B a g i n S k i(erster Vor- sitzender). K l i n g e r(zweiter Vorsitzender), Strauß(Schrift- führer), D a l l m a n n und D o r e n s k i(Beisitzer) zum pro- visorifchen Fachvereinsvorstand gewählt. Derselbe wird d e erforderlichen gesitzäftlihe' Angelegenheiten erledigen. Die erste Fachvereinsversammlung wird am Dienstag, den 8. Oktober, in demselben Lokal, jedoch in einem größeren Saale stattfinden. Es wurde hierauf kzum zweiten �Punkt der Tagesordnung geschritten. Derselbe lautete:»W ie verhalten wir uns zu der Erhöhung der Beiträge in der Hut- macher-Ortskrankenkafse?" Wie Herr BaginSki mittheilte, sind die Beiträge von 24 Pf. auf 30 Pf. erhöht worden und zwar infolge der Unterschlagungen, die sich der frühere Kassirer, ein mit hohem Gehalte angestellter Magistrat?- beamter, hat zu Schulden kommen lassen, ohne daß das Kranken- geld von 8 M. 40 Pf. erhöht worden wäre. Angesichts dieser geringen Leistung befürwortete Redner den Beitritt zu eincr freien Hilfskasse, deren mehrere bestehen und die alle mehr leisten. Die Kündigung der Mitgliedschaft der Ortskasse wäre zum 1. Oktober noch möglich. Redner empfahl, dies zu thun, wo nicht, so doch zum mindesten einer freien Hilfskasse beizu- treten, sobald Jemand außer Arbeit käme. Der Verein wird diese Angelegenheit weiter verfolgen. Eine geplante größere Kündigung war nicht genügend vorbereitet. Der Beitritt zu einer freien Hilfskasse, insbesondere zur Zentral- Schuhmacke-- Krankenkasse, welche bei einem Beitrage von 40 Pf. ein Kranken» geld von 14 M. 75 Pf. gewähre, wurde von mehreren Rednern empfohlen und sogar als Pflicht jedes aufgeklärten Arbeiters bezeichnet. Im Interesse der Aufklärung ermahnte der Vor- fitzende dringend die Kollegen und Kolleginnen, die beiden Berliner Arbeiterblätter, das„Berliner Volksblatt" und die „VolkStiibllne" zu lesen und zu unterstützen und das sonstige werthlose Zeug zu meiden, sowie für die erste VercinSversamm- lung zu agitiren und schloß sodann mit einem dreifachen Hoch auf daS Wachsen, Blühen und Gedeihen des neu gegründeten Fachvereins, in welches die Anwesenden kräftig und freudig tinstimmten, die Versammlung. Kufrnf. Die Berliner Vorstände oder Vertreter der freien Hilfskassen werden dringend ersucht, die Adressen ihrer Zahlstellen, sowie die Tage, an welchen dort kalsirt wird. schriftlich dem Unterzeichneten mittheilen zu wollen. Mit Gruß! Wilhelm Schmidt, Manteuffelstraße 86�3 Tr. SaOtvrtln h»g«»cmnoiijer und veriuuudt»? jUrnf««*»*!?** gtrlin*»nd>lu>g»g»nd. Eonnabend. den 28. d. M.«bendö 8X Uhr. sin Lokale de« Herrn Gnadt, Brunnenstr. 88. Persommlung. TagcSordnunq•. 1. Vortrag IdeS Herrn Kr Kriigcr über..AlteS und Neue« in der Nami» geichichte". 2. Diskussion. 8. Verschiedenes»nd Besprechung behusi Gründung einer BereinSbibiioibek. Urn recht zablrelcheS Erscheinen bittet der Vorband. — Diejenigen Mitglieder, welche noch im Bcsig von Cominernachldsesl-BtlleiS sind, bitten wir, dieselben baldigst zu regeln. Allgemein» Strünken- und vterüekaNe der Metallaebeiter J.$ 29, Hambural Ktlialc Berlin 7. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß laut Versammluno» Beschluir vom Eonnabend den S, Oktober ab die 2 Zabl. stelle von der Ebausiecslraie 73 nach der Reinickendorfer Etrafte 54, bei Dillenberg verlegt wird und werden Beitrüge und Anmeldungen an sedenr Sonnabend Abend von S-Ul Ubr, dort enlgegengenowmen. Buierdem auch in der I Zahlstelle Lindowerstr. 23, bei Schumacher. Achtung l Sozialdemokratischer Leseklub..Lessing", Da« Etisiungdsest findet im„Elhsium" nicht statt, da der Inhaber sein Lokal zu Versammlungen verweigert, dasselbe wird am Eonnabend. den 28 d. M, im„Schweizer-Garten" gefeiert. Die ausgegebenen Billet» haben Giltigkcit, Das Komitee Allgemeine Kranken-«nd Kterbrlialke der Metallardeitrr lE. H 29 zu Hamburg Filiale Berlin 8). Vtitglledervir>amnilung am Sonn. abend, den 28. September, Abends 8X Uhr, bei Paul Gottschalk, Badstrahe 2ä. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro Juli und August. 2. Belprcchung über dle neue Kaste„Vulkan", ZenNal-Kranken. und Slerbekasse der Metallarbeiter. 8. Verschiedenes, Frei» Vereinigung der Zuschneider, Stepper«nd Vorrichter Derlino. Sonnabend, den 28. September, Abends 8Zj Uhr, Alte Iakodftr. 83 im groben Saal, Vortrag des Herrn W Werner über: Die Fabrik. tnspektion und ihre Bedeutung sür die Arbriter. Gaste willkommen, Ha» Zweit» Stistung»seft de» tzlntrrftiiijungsoerein« der Maurer de« Welten Berlin» sindcl am Eonnadend. den 28 d M. im Lokale KSniatbos, Bülowstr 87, statt. Bicllet»» 50 Pf sind bei solg-nden Herren zu haben. H. MacllewSki, Steinmebstr. 24, Ho<2Tr.: W. Bvgrnz. Bülowstr. 51, Hos pari., G. Hempel, Bülowstr, 51 pari: W, Friehsch, Stein- megslraße<>3, Hos 8 Tr.: I, Domtnigui. Aolonnenstr 28». «entral Kranken-«nd Kegräbnihkalse für die Mitglieder de« Zt. v.?. K.(ffi. H. Nr. 7). Mitgliederversammlung am Sonntag, den 29 September, Vormittag» prüzisc II Uhr, in Hepdrich« Saal, Beuthstr. 22, 1 Tr. link«. Tagesordnung: l. Besprechung über die von der Kommlsston freier eingeschriebener Hilsskastcn zu Berlin mit den Bcrzten getroffenen Vereinbarungen. 2. Antrag der Ortdverwaltung, die Krankenkontroli betreffend. 8. Antrag Bromm: da» Institut der Krankenbesucher auszuheben und an Stelle dessen einen besoldeten Krankcnkontroleur zu wüblen. 4 Verschiedene«, Unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Taaeiordnui-g wird um recht zahlreichen Besuch gebeten. Ethische SZeseUschaft. Sonntag, den 29 September, Abend« 7 Ubr in Hendrich i Festsülen, Beuthstr. 20, IsTr sHavpteinganai. Vortrag dr« Herrn Dr. Mar Baumgart. Nach dem Vortrag gesellige Unterhaltung. Gaste, Herren und Damen stet» w'llkommen «rosse öffentlich» Schneider»»» sammlung am Montag, d-n „I. September, Abend» 8 Uhr, Oranicnltr. 180, in den Zentral-Festsälen. Zage«. oidnring: Der Streit und die Platzarbeiter, Alle Schneider sind eingeladen. Der Einberufer: Paul Sttiemer. Rirdors. Verein der Varquetbodenleger. Montag, den 80. September, Abend« 8 Uhr, in Zordan'S Salon, Neue Giünstr, 28, Efeneralversanunlung. Taget- ordnung: l. Beschlubsastung über Statuten-Abänderung. 2 Abrechnung de« VergnügungSkomiteei der Landpartie und de» s. StlslungSfestei. 8. Innere Vereiniangeleaenheiten und Fragekasten. Die Mitglieder werden auf S 7 aufmerksam gemacht. jjrei» Vereinigung der Berliner Zimmerer. Gcneralversammlunz am Montag, den 30. d. M, Abend» 8\ Uhr, in Klüger« Salon, Hachstr. 82». Tagesordnung. I. Statutenberathnng, 2, Wahl de» Vorstände». 8. Verschie» denk» 4. Fragekalten. —— verwandter Be. Uhr, im Lokale «.vif.etui».,| wuiiuvutci- III. U3,|IUU. Achtung! Klavierarbeiter! Alle Diejenigen, welche noch Im Best» von StiftungSfestbillet« sind, werden ersucht, dieselben bti zum 1. Oktober au die betreffenden Borstandimitglicder zurückzugeben, da kein EtistungSfest statt- �Vetittonoltsten zur Kesettignng de« denaturirten Kpiritn» zu gewerblichen Zwecken können in Empfang genommen weiden bei sotaenden KommissionSmitgliedern: Gustav Reuter, Gr. Frankfurterftr. 128, Emil Schade. Gnbenerstr. 61: Gustav Milbrodt, Adalbertstr. 94: Robert Weber, Fllederftr. 6 Karl Kurth, Schönhauser Allee 21: Fr ig Zubeil. Waldemarstr. 73. und Robert Berger, Gr, Franksurterftr. 95, Bei Letzterem werden auch sieiwtllige Bettrü e- entgegengcnommen. Ferner ersucht die Kommission, sämmtliche auSltehcntcu Eainmellistcn bei Letzterem abzuliefern, Besang-, Iura- und gesellig» Verein» am Eonnabend: Gesang. verein.Harnionta" Abend» 8 Uhr im Restaurant. Alte Iakobstr. 38.— Münnergesangverein.Treue' Abend« 9 Uhr iin Restaurant Andreaistratz«».— Münncrgesangverctn„Erato" AdcndS 9Jf Uhr bct Cchlüwtcke, Kleine Kurftr. l Münnergesangvercin„Eenefeldcr", Große Hamburgerftraße 4, um 9 Ubr UebungSstunde, Ausnahme neuer Mitglieder, Lübeck scher Turnveretn <1. Lehrlings- Abthetlung). Abend« 8 Uhr Elisabethstratze 57-58.— Turnverein„Weddtng", Pankstr 9, Münner- Abtheilung von 811 biä 1t« Uhr«bend«: dcSgl, l. LehrltngSabthcilung von 8 bi« 10 Uhr Abend«. -»rendSstche Stcnographeuklastc de«„Berliner Handwerkcrvercin»"«bend» «Ii Uhr Sophienstr. 15.- Theater- und VergnügungSvercin„Caritas" Abend« 8 Uhr im Loutsenstadtischen Btcrhause, Admiralstr, 88.- Theater, und«er. gnügungigesellschast„Treue" Abend« t# Uhr in Bobert'S Ballsalon, Weinstr. U. — VergnüaungSvcrein„Schneeglöckchen", Abends 9 Uhr in Bettini Bierhau», Veteranenstr. 19.—«eselligkeiisklub„Lustig"«bend» Gl Uhr im Restanrant Rriiiflt. JoutfiiRr. 45.— Verein der Taubenfreunde Sbendi A Ubr tm »4.«emAndelchttle Abends g Uhr Im SHeflanrant, ÄoppenTtr. 58.— Verein ehem. M. k. Luthericher Schüler Abends A Uhr im Restaurant Bormann. Ohmgasse 2.— mauchklub„Portorico" Abend! g Uhr bis U Uhr Ädpnicker» ftrahe 157 bei Schulz.— Rauchklub„Oualin" Abend! 8 Uhr im Restaurant Tamm. Echdnhauser Allee 28.- Vergnügunasverein.LtOige 13" Abends v Uhr im Restaurant Albrecht. Annenstr. 9.— Tambourvcrein..Sedan" Eihung Abends v Uhr, Grüner Weg 9—10, Ausnahme neuer Mitglieder— Tambourner ein .Herz Innig". Abends 8 lldr, Sitzung im Restaurant Stratzburgerstraße 5 Dirigent und Borsttzender Fritz Laukant.— Tambourvcrein..Einigkeit macht stark", gegründet 1886. stellvertretender Dirigent E. Billh-rdt. Ausnahme neuer Mitglieder Abends 9 Uhr im Restaurant Hahn, Eliafferstrahk 57.— Tambour- Verein„Felsensest". Sitzung 8� Uhr. Weihenburgerstrah-54. Dirigent und Bor- sthcnder:« Friese. Ausnahme neuer Mitglieder.- Vergnügungsveretn„Lustige Seelen" Abend» 9 Uhr im Restaurant Schuster, Oranienstr. 8. MeueKc MsÄxrichken. Krtreff» der Abstimmung der Freistuuige« beim Sssialistengefttz versucht sich die„Freis. folgender- maßen herauszudrehen:„Daß dasselbe(das Geletz) auch an- genommen worden wäre, wenn diejenigen 27 Mitglieder der freifinnitjen Partei, welche damals anwesend waren und für die Veilängerung des Gesetzes stimmten, gegen dieselbe ge- stimmt hätten, haben wir nicht behauptet.� Also sie hat's nicht behauptet. Die„Frcis. Ztg." versucht des weiteren, die 27 frei- sinnigen Abgeordneten zu entschuldigen, welche 1884 für das Ausnahmegesetz stimmten. Nun, wenn Herr v. Kleist- Retzow für das Ausnahmegesetz stimmt, so handelt er gewissermaßen ehrlich seiner reaktionären Natur gemäß. Aber der Fortschritts- mann Richter schreit auf allen Gassen gegen das Aus- nahmegesetz und— sührle durch die Abkommadirung plan- mäßig dessen Annahme herbei. DaS war keineswegs ehrlich. Kkreik-Meier ist entdeckt, nämlich der vielgesuchte„pro- fesfionelle Ctreikführer", der nach osfiziöser Behauptung heute die Maurer, morgen die Bäcker zum Streik anstiftet, obwohl er selbst mit keinem dieser Gewerke etwas zu thun hat. Nach der„Börsen-Zeilung" heißt er H-, ist Viktualienhändler und hat mit der Leitung des jüngsten Bäckerstreiks viel Geld ver- dient(10V Mark sagt die„Bärsen-Zeitung). Wenn die„Bär- fen-Zeitung" nicht selbst gelogen hat, so ist sie mit dieser Notiz angelogen worden. Wie die„Nordd. Allg. Ztg." gar heraus- bekommen hat, verfolgt der ReichstagSadgeordnete Bebel mit der Enquete, betreffend die Lage der Arbeiter im Bäcker- gewerbe, möglicherweise die Absicht, einen zukünftigen Streik vorzubereiten. Es ist unnöthig, auf diese Albernheit etwas zu erwidern. DepeMien. QßüllT« Uelegraphen-Knrra«.) Kerli«, 27. September. Ter Bundesra'h nahm am 25. d. M. unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staats- Ministeriums, Staatssekretärs des Innern Dr. von Bötticher seine regelmäßigen Plenarsitzungen wiedir auf. Zunächst wurden mehrere Vorlagen den zuständigen Ausschüssen zur geschäfte ord« nungSmäßigenBehandlung überwiesen. DenAuSschüssen sürJustiz- wesen und Handel und Verkehr wurden überwiesen: Der Eni- wurf von Vorschriften, betreffend die Vollziehung der Aus- Weisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet auf Grund der§§ 39, 284 und 362 des Strafgesetzbuches, und der Ar- trag auf Zuerkennung der im Z 8 des Gesetzes betreffend die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete vom 15. März 1883 bezeichneten Rechte an die Kamerun-Land- und Plantagen-Gesellschaft. Der Antrag Bremens, betreffend den Verzicht der Bremer Bank auf die Bcfugniffe zur Ausgabe von Banknoten, wurde den Ausschüssen für Handel und Ver- kehr und für Rechnungswesen zur Vorberarhung übergeben. Von der Ueberficht der Ergebnisse des HeereSergänzungS- aeschäftS im Jahre 1888 nabm die Versammlung Kenntniß. Den Anträgen Preußens bezw. Preußens und Hamburgs und Hessens gemäß wurde genehmigt, daß die im Z 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie vom 21. Okiober 1878 vorgesehenen Anordnungen für Berlin und Frankfurt a. M. und Umgegend, für Ham- burg-Aitona und Umgegend sowie für den Kreis Offenbach vom 1. Oktober d. I. ab auf die Dauer eines weiteren Jahres getroffen werden. Dem Entwurf einer Verordnung über die Juki aftsetzung des Gesetzes, betreffend die Unfall- und Kranken- Versicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäfiigten Personen, für das Gebiet des HerzoglhumS Sachsen-Meiningen wurde die Zustimmung ertheilt. Endlich wurde über die Wiederbesetzung erledigter Mitglicdstellen bei mehreren Disziplinarkammern Beschluß gefaßt. Kalzbitrg, 27. September. In der vergangenen Nacht fuhr bei Bischofshofen ein Güterzug gegen einen Rangirzug; die Maschine des letzteren wurde leicht beschädigt, zehn Wagen entgleisten. Personen sind bei dem Zusammenstoß nicht verletzt worden. Nach einer Stunde war die Strecke wieder passirbar. Rotterdam, 27. September. Gestern ist hier ein Streik der Quai- Arbeiter ausgebrochen. Als die Streikenden heute andere nicht streikende Arbeiter an der Entladung des Dampfers „Harwich" hindern wollten, griff die Polizei ein und trieb die Streikenden mit der blanken Waffe auseinander. Die Kommunale garde ist unter die Waffen berufen worden. Krtgrad, 27. September. Nach den bis jetzt feststebmden Wahlergebnissen sind 20 Radikale und 11 Liberale gewählt. vchvi«, 27. September. Von den revisionistischen Komitees des Wahtbeznks Montmartre wird im Zirkus Fernando ei» großes Protestmeeting gegen die Annullirung der Wahl Bon- angerS vorbereitet. London, 27. September. Bei der anderweiten Wahl eines Depulirten in Sleaford wurde der Minister des Ackerbaus Chaplin mit 4386 Stimmen wiedergewählt. Sein Gegeu« kandidat Ottel(Gladstonianer) erhielt 3073 Stimmen. Vermtpehkes. Eine staatvgefästrliche Maschine. Von den russischen Behörden wird so manches als staatsgesährlicd angesehen, was anderen Menschenkindern ganz harmlos erscheint. Diese Er- fahrung mußte kürzlich auch ein Frankfurter machen, der t» Getchasten nach Rußland reiste. Derselbe leidet an Schreib- krampf, hatte sich daher zur Erledigung seiner geschäftlichen Korrespondenzen eine Schreibmaschine mitgenommen. Als«e bei der Zollrevision seinen Koffer öffnete, fiel dem russischen Grenzbeamten die Schreibmaschine in die Augen. Dieselbe muß auf ihn wohl einen unheimlichen Eindruck gemacht haben, den» er konfiszirte sie kurzer Hand, ohne sich an den Protest des Be- sitzers zu kehren. Bis jetzt ist demselben trotz aller Rcklamatio» die konfiszirte Maschine nicht wieder ausgeliefert worden. Man muß sie also wohl auch höheren OrteS in Rußland für staatS- gefährlich halten._ Vrtefksfken. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Brieflich» Antwort wird nicht ertheilt. Zahle» F. K. Wenn wir nicht irren, im Jahre 1873. G. K. 89. Der Juni war wärmer. Genaue können wrr Jbnen nicht angeben. A- S- 100. In dem Prozesse Jhring-Mahlow ist unsere Wissens kein Zeuge Namens Gnllewicz aufgetreten. D 6- Besuchen Sie uns in unserer Sprechstunde. Ktockmaun. 1. Der Preis ist nicht reduzirt. 2. Das Blatt ist uns noch nicht zu Gesicht gekommen. .. durch Herrn Gnadt eingeganaen für dit streikenden Bergarbeiter 18 M. Bank flir Waaraicreil n. Handel, Filiale der Aktien- Gesellschaft Prenssisches Leihhans eingezahltes Actien- Capital M. 1,329,800. KerUn sw., Kommandantenstraße 8081<-.» 3lm 1» säOftObCr beginnen wir unter besonderer Verwaltung in den oben bezeichnete« Räumen unsere Thätigkeit und stellen unsere Dienste Fabrikanten» Kanflenten und Hiindtvru hiermit zur Verfügung. Vlkii* gewähren unter den solidesten und billigsten Bedingungen Vorschüsse auf Waaren jeder Art(Ganz- und Halbfabrikate sowie Rohstoffe) und gestatten zur Erleichterung des Verkehrs die Rücknahme der Waaren auch in einzelnen Posten.— Wechsel werden bei Lombardirungen nicht beansprucht. Ferner übernehme« wir die Lagerung von Maare» nnb gebe« auf Wunsch Gelegenheit» solche in de« »on««« zu veranstaltende« öffentlichen M erkaufen-der durch besonder» hierzu Angestellte in freihändigem Verkauf zu verwerthen. Bei den durch unsere Vennittelung ausgeführten Verkäufen wird der erzielte Ueberschuß unverkürzt dem Auftrag« geber sofort ausgezahlt und nur eine vorher vereinbarte mäßige Gebühr berechnet, welche die für die betreffenden Artikel übliche Derkaufs-Prooiston nicht übersteigen soll. wr» Ausführliche Prospekte werden auf Wunsch franko zugesandt und briefliche Anfragen umgehend erledigt. Mir mache» darauf aufmerksam» daß die Abtheiwng Leihhaus unverändert in den bisherigen Lokalitaten Beuth-Strasse 14 verbleibt.[1676 Bank f. Waarencredit u. Handel, Filiale der Actien-Gesellschaft Preußisches Leihhaus. Di« Direction. S«pltr. «d.«lkan. WM" Soeben erschiene«:'MW Heft 7: luiiftet lUttl Hauer'. Von Pnnl Knmpffmeyer- sGens). 3Ä Selten. Preis 15 Pf. Inhalt: Der alte gemcinfreie Bauer.— Leibeigenschaft, Auskaufen und Legen der Bauern.— Der Adel verhindert alle Reformen.— Selbst die Stein-Hardenberg'sche„Bauern- befreiung" bedeutet eine ausgedehnte Expropriation der Bauern zu Gunsten des Adels.— Die Entwickelung nach 1848. Zu haben in der Expedition d. Bl., Zimmerstraße 44. General-Uersammwus de« Fachveretvs d. Former und Kerufsgeuoffe« am Sonntag, den 29. Septbr., Vorm. 10 Uhr, in DrigmLller's Kalo«, Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission zur Verbesserung des Arbeitsnachweises. Ref.: Koll. Körsten. 2. Diskussion.„ t 3. Stellungnahme betreff« der Arbeitsem- stellung in der Schwartzkopff'schen Metall- meßerei wegen Maßregelung. 4. Verschiedenes und Fragekastm.[1675 Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist r« Pflicht eine« jeden Kollegen, zu erscheinen. ver Vorstand. Lic WIWe'"ÄiÄf"' bei Lorenz, Manteuffelstr. 41, befindet sich während des Umbaues im Htnterhaufe hart. Fachnmi» der Posnmeniirer und Kerufsgenofsen. Ve psammlung am Montag, den 30. Septbr., Abends 8 Uhr, bei Aeuerftetn, Alte Jakobstraße Nr. 75. TaaeS-Ordnung: 1. Vorstandswahl. 2. Neuwahl der Revisoren und der Fach- kommisfion. 3. Verschiedene« und Fragekasten. Das Erscheinen sämmtlicher Mitglieder ist nothwendig. Gäste willkommen. 1639 Der Vorstand. Uerein d. Modelitt schler. Sonnabend den 23. Sevt., Abends 8� Uhr, im Lokale des Hrn. Schröder, Müllerstr. 178, Mitglieder- Vmammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn P i r ch über:„Die internationale Ärbeiterfchutz-Gesetzgebung". 2. VereinSangelegenheiten. 3. Fragekasten. 1683] Der Vorstand. DaS Stiftungs-Pest des Vereins findet am 12. Okt. in den»vürgerlälen". Dresdener-, straße 96. statt. BclletS hierzu sind zu haben' bei den Komiteemilgliedern, Herren: R. Ball- schmteder. Linienstr.218: W. Abratzam. Schön- hauser Allee 69, 3Tr.: M Mar» in. Gnschmer- straße 70, 2 Tr.; R Pflug, Bernauerstr. 81; O. Sachs, Müllerstraße 163a, b. Bock; sowie beim Kassirer W. Röde, Feldstr. 9. Dafeibst befindet sich auch der Arbeitsnachweis. Achtung! D-" Mitgliedern der Zentralkrankenkaffe der Maurer-c.. Giundstem zur Emrokeit, Berlin> hiermit zur Kenniniß, daß im O'ten von jetzt ab Rüdersdorf« straße 3 bei Böht Sonntags Vormittags von 9-12 Uhr kassirt wird. 1685 Der Vor st and. Versammlung d. Vneiiis z. Wahmz z. jntettp der ülDBlttarMtet und verwandter Kerufsgenoffe« am Montag den 30. Septbr.. Abends pränse 8t Uhr, in„Oeigmüller's Salon", Alte i Jakobstraße 48a. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Koll-gen Robert Schmidt über:„Der Kampf um's Dasein". 2. Lokalfrage. 3. Vereins-, Werkstatt- Angelegenheiten und Verschiedenes. sigsd Der wichtigen Tagesordnung halber ersucht uin recht zahlreiche Betheiligung Ter Vorstand. Freie Vereimgimg der Maurer Berlins und lwaegend. Große ordentliche Mitglieder- Uerfamutls. Sonntag, den 29. d. M.. in den Bürgersälen, Dresdenerstraße 96. Tages-Ordnung: 1. Vortrag von Herrn Vogtherr über:„Alte und neue Volkserziehung. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedcnes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen bittet 1694 Der Vorstand. Kranken- n» Krgrabnlßkajse her San-« Fabrikarbeiter Kerl. (Emaetr. Hilfst. 13.) Nusserordentl. General-VersammL am Sonnta, den 6. Oktober, Vorm. 10i Uhr, im Lokale des Herrn Säger, Grüner Weg 29. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Innere Kassenangelegen- heiten. 3. Verschiedenes. 1692' DaS Kassenbuch legitimirt. DaS Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. Der Vorstand. I. A.: W. Reinert. Eine K-nderbeltstelle zu verkaufen Pankstraße Nr. 45 C., vorn 2 Tr. r. 167? 1 Pianino, 30 Mark, 1 zu 50 Mark Oranien- straße 12, 2 Tr. rechts. 168? Oeffentl» Nersammlnng der DrOlcr«.»ew. Berufs- gemsse» im Ülariw Berlins am Montag, den 30. Sevtbr., Abends 8t Uhr, in Lehmann'» Salon(früher Silber), Schwedler» Straße Nr. 24. Tages-Ordnung: 1. Zweck und Nutzen der Zentral-Gewerk- schaflSorganisation. Referent Kollege Rauten- bexg. 2. Diskussion. 3. Gründung einer vierten Verwaltungsstelle der Vereinigung der Drechsler Deutschlands in Berlin und Wahl des Vor- standes. 4. Verschiedenes. 1684 Zwei junge Leute suchen freundliche Schlaf- stelle zum l. Oktober, Nähe Andreasplatz. Adr. abzugeben bei Herrn Tempel, Breslauerstr. 27. Schlasflelle für Herrn zu vermiethen Köpnicker- straße 192, 1 Tr. bei Lange. 1664 Arbeitsmarkt. knunllinen für Goldleisten finden dauernde und lohnende Beschäftigung 1696 B. Gross, __ Leipzig, Eitenburger straße._ Vcrooiöer auf Leisten verlangt Straßburger- straße 54(25 pCt. Lohnzuschlag)._ 1697 Tüchtige und zuverlässige IRetalldreher werden verl. Neuenburgerstr. 24. 1634 Auf sofort einige tüchtige sllempnei" für Akkordarbeit bei gutem Verdienst u. dauernder Beschäftigung gesucht. Reise wird vergütet. Ahlemann A Schlatter, Lampenfabrtk, 1652 Hemelingen b. Bremen.___ Geübte Kartonarbetterinnen Anders, Rilterstraße 123. Ler au tw örtlicher Redakt««»: Hl.«»»sketne n» Berlin Druck und Verlag»on Wa»»abtsa m Berlin sw., Beuibflrasie 2. verlangt 1644