Ar. 33A. Konnabend, den 5. Oktober 188S« G. Jakrg. SMerVlllksdlllll. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt« � � � I«s e rt i o«s g eb ü h r. c. ersckieint täalich MorpenS außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei betragt für die 4 gespaltene Petitxc.le oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versainmlunas- w's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich U5 Stark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin 8W., 5 m Sonntags-Nummer mit dem.Sonntags-Blatt" w Pf. Bei Abholung aus unserer Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Erprdition Zimmerstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemeni 4 Mark pro Quartal. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1889 unter Nr. 86«.) Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. gut das Anstand: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat.-• Fernsprecher: Amt VI. Mr. 4101).» ♦- Vevaktton: DeuthfiraTe S.— Expevitton: Simmerstvatze 44. DcuksÄrlciNd und die inkernnttnnnle Fnbrikgepetzgedung. Die vom schweizerischen Bundesrath für dm Monat September projektirte internationale Konferenz zur Verein- barung von Arbeiterschutzmaßregeln wurde bekanntlich wegen der ablehnmden Haltung einiger Regierungen bis zum nächsten Zahre vertagt; ob diese Vertagung nicht zu einem abermaligen Scheitern der schweizerischm Anregung werden wird, muß vorläufig abgewartet werden. Keinesfalls haben die vor kurzer Zeit in der„Nordd. Allgem. Ztg." er- schienenen offiziösen Auslassungen zu irgend welchen Hoff- nungen in dieser Richtung ermuntert. Die schweizerische Presse sah sich durch den Artikel des Kanzlerblattes veran- laßt, auf das Thema„Deutschland und die internationale Fabrikgesetzgebung' des Näherm einzutreten und namentlich einige grobe Ausfälle zu pariren. Die„Basler Rachrichtm" brachten unter obiger Ueber- Ichrift eine Artikelserie, in welcher in treffmder Weise die Nochwendigkeit einer umfassenden Arbeiterschutzgesetzgebuna für Deutschland nachgewiesen wurde. Einleitend wird auf dm deutsch- schweizerischm Konflikt anläßlich der Wohl- gemuthaffaire zurückgegriffen.„Zn einem Augmblick hochgradiger Erhitzung über die Wohlgemuthaffäre haben die deutschen Offiziösen der Welt schadenfroh verkündet daß der schweizerische Bundesrath für sein beleidigendes Verhalten dem Deutschen Reiche gcgmüber auch dadurch in Strafe genommm werden würde, daß Deutschland der internationalen Arbeiterschutzkonfermz fem bleiben werde. Der Drohung der Offiziösen scheint der Rücktritt Teutschlands von der Konferenz, welche von dm meisten industriellen Staaten beschickt werdm wird, gefolgt zu sein. Ob Deutschland die Beschickung ernstlich gewollt � Die Reichsregierung hatte es schon mit der zusagenden Erklärung in Betreff seiner Bctheiligung an der Könfermz nicht sehr eilig gehabt; die ursprüngliche Zustimmung mag in Berlin große Ueberwindungm gekostet haben, worauf auch die ge- dehnte Sprache der Offiziösm beim ersten Äekanntwerdm der schweizerrischm Einladung deutete. Man war auf deutscher Seite nur davon angenehm berührt, daß der Bundesrath in seiner Einladung darauf verzichtet habe, eine internationale Verständigung über den Normalarbeitstag zu versuchen. Daraus wurde triumphirend gefolgert, daß der schweizerische Bundesrath mdlich selber die Ueberzeugung erlangt habe, daß es mit dem Normalarbeitstag doch nichts sei. Daß das Fehlen des Normalarbeitstages auf dem schweizerischm Programm lediglich dem Bestrebm entsprang, auf dm zunächst liegenden und am leichtestm zu bctretmdm Gebieten eine Verständigung zu.versuchen, das wollte man nicht. Jxuilleton. 183 Mwbdruik serboirn.]_ ®tn Gsldmonfckst. Roman von Maurus Jäkai. Siebmtes Kapitel. Die Leiche. Die letztm Märztage machtm dem strmgen Winter in diesem Zahre ein Ende. Laue Südwinde und Regen er- weichtm das Plattensee-Eis, das dann ein starker Nordwind brach und an das Somogyer-Ufer trieb. Zwischen dem schmelzmdm Eis fandm die Fischer eine Leiche. Sie war schon in hochgradige Verwesung über- gegangen; man konnte die Gesichtszüge nicht mehr unter- scheidm. Dennoch konnte man mit größter Sicherheit auf die Identität der Person schließen. Es sind die irdischen Ueberreste Michael Timar Levetinczp's, der seit jenem denk- würdigen Fischzug im Plattensee, bei welchmr auch der Fogaschkönig gefangm wurde, so plötzlich verschwand und auf dessen Rückkehr man schon so lange zu Hause wartet. An der Leiche sind Kleidungsstücke des verschwundenen Herrn zu erkmnen, seine mit Astrachan verbrämte Pikesche, seine Hemdknöpfe und die in das Hemd eingezeichnetm An- fangsbuchstaben seines Namens. Zn der Westentasche steckt seine Repetiruhr, auf welcher sein voller Name ins Email eingebrannt ist. Den fiärkstm Beweis für die Zdmtität liefert aber das in der Brusttasche befindliche Portefeuille, das vollgestopft ist mit Hunderter- und Tausmder-Bank- notm, an denm der Druck noch zu erkmnm; und die Perlenstickerei darauf:„Glaube, Liebe, Hoffnung", von Timea's eigener Hand. In einer Seitmtasche fandm sich noch vier Briefe vor, die mit einem Band zusammengebunden waren, doch waren die Schriftzüge vom Wie schwierig eine Verständigung gerade bezüglich des Normalarbeitstages gewesen wäre, das ergiebt sich schon auS der mtschiedenen Opposition, welche der deutsche Reichs- kanzler gerade dieser Forderung im Deutschen Reichstage entgegengesetzt hatte. Zn seiner ReichstagSrede vom 15. Ja- nuar 1885 sagte er:„Die Maximalarbeitszeit hat den Nach- theil, daß sie völlig ausgenutzt wird; sind 14 Stunden Maximum gestattet, so werdm auch diejenigen Industrien, die jetzt nur II Stunden arbeitm, die 14 Stunden ausnutzen. Wie der Normalarbeitstag gemacht werdm soll, weiß ich nicht. Wie wollm die Antragsteller die Arbeiter für die ausfallende Arbeitszeit mtschädigm? Wollen sie die Arbeitgeber dazu heranziehen? Dann gefährden sie die Industrie und damit die Lage der Arbeiter, denn sie können nicht verlangen, daß die Fabrikanten mit Nachtheil arbeitm. Unsere ganze Zn- dustrie würde darunter leidm, insbesondere die Export- industrie. Unterrichten Sie mich, wie es gemacht werden muß. Legen Sie uns bald einen Gesetzentwurf vor. Können Sie den Normalarbeitstag in Deutschland durchführen, ohne dm Arbeitslohn zu verringern? Nur wenn Sie es können, habm Sie erst die Hälfte der Aufgabe erfüllt und müffen eine chinesische Mauer um Deutschland ziehen, um den Import zu hindern. Wo man auch versucht hat, den Normal- arbeitstag durchzuführen, hat man ihn für schädlich und un- möglich erkannt." Es fällt schwer, diese Worte des deutschm Reichskanzlers ernst zu nehmen. Würden sie es sein, dann ließe sich daraus nur eine völlige Unbekanntschaft deffelben mit dem Problem deS Normalarbeitstages folgern. Was der Reichskanzler vorbrachte, ist natürlich leicht zu widerlegm und wenn ihm praktische Beispiele fehlten, dann wäre er leicht auf oie Schweiz zu verweism gewesen, wo der Normalarbeitstag absolut keinen Schaden verursacht hat, sowie auch England, wo selbst der beschränkte NonnalarbeitStag sehr nützlich ge- wesen ist, indem er hauptsächlich jmcn vorzüglichen Arbeiter- stand schaffen half, welcher die Größe der englischen Industrie begründete. Fürst Bismarck hatte in dieser Frage nicht die besten Industriellen als Rathgeber gehabt. Ihm schwebte nur derjenige Theil der deutschen Industrie vor, der durch die größte Ausnutzung der Arbeitskraft, be- sonders der kindlichen und weiblichen, eine massenhafte Ueberproduktion von Gütern erzeugte, die im Ausland als billig und schlecht bekannt waren und auf die Produkte deS solidestm Unternehmens verhängnißvoll zurückwirken und die Preise allgemein auf ein tiefes Niveau herabdrücktm. Der deutsche Reichskanzler hatte sich nicht bei dem verstän- digerm Theile der Industrie Rath geholt; hätte er es ge- than, dann würde seine Antwort jedenfalls anders ausge- fallen sein. Die Beschränkung der Ueberproduktion, sowie die Ar- beiterschutzgesetzgebung sind aber erfolgreich nur dann denk- bar, wenn sie auf intemationaler Basis, auf dem Wege der intemationalen Verständigung getroffen werden. Neben den Waffer ganz verwischt. Lagen doch die Briefe vier Monate lang im Waffer. Gleichzeitig fanden die Fischer im Füreder Hafm auch die Doppelflinte des Herrn v. Levetinezy; sie war in ihrem Netz stecken geblieben. Damit war auch der ganze Vorgang aufgeklärt. Der alte GalamboS erinnert sich jetzt ganz gut an Alles. Der gnädige Herr hatte ihm selber gesagt, wenn in der Nacht Füchse und Wölfe auS den Bergen an die offenen Stellen des See'S kommen sollten, werde er mit seiner Flinte hinausgehen und ihnen eins auf den Pelz brennen. Nun entsannen sich auch Viele, daß in jener Nacht ein Schnee- gestöber über den Balaton gegangen sei, das nur kurze Zeit anhielt; ohne Zweifel trug das die Schuld an dem Unfall des edlen Herrn; der Schnee schlug ihm ins Gesicht; er be- merkte den Eisriß nicht, und fiel hinein und gerieth unter das Eis. Als Timea die erste Kunde von dem Vorfall erhielt, reiste sie sogleich nach Siosol und wohnte persönlich der ge- richtlichen Verhandlung bei. Als sie die Kleider ihres Mannes erblickte, wurde sie zweimal ohnmächtig, man konnte sie kaum wieder zum Bewußtsein bringen. Dennoch hielt sie Stand. Sie war anwesend, als die entstellten Ueberreste in den Bleisarg gelegt wurden, und erkundigte sich angelegentlich nach dem Trauring, dieser war jedoch verloren. An der Leiche fehlten die Finger. Timea ließ die theueren Ueberreste nach Komorn bringen und in der prachtvollen Familiengruft beisetzen, mit allem kirchlichen Pomp, den der Ritus der protestantischen Kirche, welcher der Verstorbene angehört hatte, aufzubringen ver-> mochte. Auf dem mit schwarzem Sammet überzogenen Sarg' waren Name und Jahreszahl mit silbernen Nägeln auSge- schlagen. Städtische Senatoren und Gerichtstafelbeisitzer des KomitatS hoben ihn auf den Todtenwagen. Auf dem Sarge lagen sein adeliger Säbel mit einem Lorbeerkranz und die Dekoration des ungarischen St. Stephan-OrdenS, des italienischen MauritiuS-OrdenS und des brasilianischen Annan- Rücksichten auf die wirklich industriellen Bedürfnisse hätte der deutsche Kanzler auch an die Interessen der Kulturent- Wickelung denken müssen. Er hatte jedoch auch in dieser Richtung den Weg verloren, sein Hauptgesichtspunkt ist so- wohl in der Frage des Normalarbeitstages, als auch in allen anderen des ArbeiterschutzeS ein scheinbarer LohnauS- fall. Es ist für ihn wie für die Reichsregierung maßgebend, daß der Arbeiter durch die zu seinen Gunsten projektiren Schutzmaßregeln momentan eine Einbuße am Lohn erleiden könnte. Welcher Gewinn aber für ihn dabei in Aussicht steht, was das ganze Volk dabei gewinnen könnte, darnach frägt er nicht. An dem erwähnten Gedanken eigensinnig sesthaltend, befindet er sich in Bezug auf den Arbeiterschutz schließlich ganz allein und in schroffem Gegensatz nicht nur zur Arbeiterschaft, sondern auch zur Intelligenz des Volkes, die im Reichstage verkörpert ist und immer stürmischer und dringender von der Reichsregierung den Arbeiterschutz, aller- dingS einen beschränkten, fordert.— Besaß die Reichsregierung für die wirklichen LebenSinteressen des ar- beitenden Volkes auch kein tieferes Verständniß, so konnte ihr doch unmöglich die Degeneration verborgen bleiben, welche daS schrankenlose Wirthschaftssystem herauf- beschworen hat und die auf ihrem verheerenden Gange keinen Staat verschont. Wenn Deutschland heute auch noch seinen Bedarf an militärischen Kräften reichlich zu decken vermag, so ist die Degeneration doch schon in allen seinen Staaten da und bei Fortdauer der heutigen Zustände ist der Augen- blick mit Sicherheit vorauszusehen, in welchem der mächtigste Militärstaat Europas inne werden muß, daß er auch nur ein Koloß auf thönernen Füßen und daß die Kraft des Volkes zerrüttet ist. Die Degeneration zeigt sich ganz be- sonders da, wo der Jndustriealisinus am schrankenlosesten herrscht.— Die deutschen Staatsmänner seien nur auf Oesterreich verwiesen, das auch nicht aus reiner Liebe zum arbeitenden Volke zu seinem weitgehenden Arbeiterschutze ge- langte, vielmehr der zwingenden Nothwendigkeit gefolgt ist, der Degeneration einen Damm entgegenzusetzen. Bei dieser Sachlage durfte die Schweiz darauf rechnen, daß die deutsche Regierung alle Wenn und Aber politischer Natur bei Seite setzen und ihrer Einladung rücksichtslos folgen werde, zum Mindesten auf denjenigen Gebieten, auf welchen sie selbst schon eine nicht unbedeutende Gesetzgebung besitzt, die eine bequeme Ueberleitung zu dauernd besseren Zuständen bilden könnte, wie sie durch die internationale Konferenz geschaffen werden sollten. Die deutschen Ossi- ziösen wollen die Welt glauben machen, als werde der Schweiz durch daS Fernbleiben Deutschlands von der Kon- ferenz ein besonderer Verdruß bereitet. Sie irren indeß ge- waltig; sie führen ein zweischneidiges Schwert und verletzen sich dabei selber mehr als die Schweiz. Die Fabrikgesetz- gebung derselben ist nämlich so fest eingelebt, daß Niemand mehr daran denkt, sie zu beseitigen. Das Fernbleiben Deutschlands von der Konserenz, sogar das Scheitern der- ziata-Ordens. Die silbernen Quasten des SargtucheS hielten die Vizegespane;'zu beiden Seiten des Leichenwagens gingen Honorationen der Stadt. Dem Sarg voraus zogen die gesammte Schuljugend, die Geistlichkeit, die Zünfte mit ihren Fahnen, dann die ungarische und deutsche uniformirte Bürgergarde in Waffen und bei gedämpftem Trommelschall; hinter dem Sarge aber folgten alle Damen der Stadt, schwarz gekleidet, darunter die trauende Wittwe, mit dem weißen Antlitz und verweinten Augen; die Celebritäten des Landes und der Kaiserstadt, die Militärnotabilitäten; selbst Se. Majestät hatte sich durch einen Bevollmächtigten in dem Leichenkondukt des gefeierten Mannes vertreten lassen. Und hintendrein wogte eine unübersehbare Volksmenge. Unter dem Geläute aller Glocken bewegte sich der Zug durch die ganze Stadt. Und alle Glocken und alle Menschenzungen ver- künden, daß man jetzt einen Mann begräbt, wie seines Gleichen hier nicht mehr geboren werden wird: einen Wohl- thäter des Volkes, eine Zierde der Nation, einen treuen Gatten, den Gründer vieler großartigen Stiftungen. Der„Goldmann" wird zu Grabe getragen. Frauen, Männer, Kinder geben ihm zu Fuß das Geleit durch die ganze Stadt bis zum entfernten Friedhofe. Auch Athalie ist im Leichengefolge. Als man den Sarg in die geöffnete Gruft hinabträgt, steigen auch die nächsten Freunde, Ver- wandte, Verehrer des vielbetrauerten Mannes ihm nach in die Gruft. Unter diesen auch der Major, Herr Katschula. Zm Ge- dränge auf der engen Treppe berührt er sich ganz nahe mit Timea— und Athalie. Als man auS der Gruft wieder heraussteigt, wirft Athalie sich auf die den Sarg bergende Nische, und verlangt, man möge auch sie jetzt begraben. Zum Glück ist Herr Johann Fabula dort, der die schöne Dame von der Erde aushebt, sie auf seinem Arm zurück ans Tageslicht trägt und dann der staunenden Volksmenge er- klärt, wie sehr das Fräulein den Seligen geliebt habe, der ihr ein zweiter Vater gewesen. selben, würde die schweizerische Fabrikgesetzgebung nicht zu erschüttern vermögen. Doch soll nicht geleugnet werden, daß durch den internationalen Schutzvertrag die schweizerische Fabrikgesetzgebung noch mehr befestigt und die Schweiz in die Lage versetzt werden würde, die Beachtung der Bestim- mungen des Fabrikgesetzes strenger zu überwachen und das Gesetz zu einem noch wirksameren Schutzgesetze für die Ar- beiter zumachen, ohne die Industrie selbst dabei im Geringsten zu schädigen. Unserer Ueberzeugung nach ist in der Frage der inter- nationalen Fabrikgesetzgebung durch die Ablehnung Deutsch- lands und auch Rußlands noch nicht das letzte Wort ge- sprechen. Für alle Staaten, auch für Deutschland, liegt eine zwingende Nothwendigkeit vor, den Weg der inter- nationalen Verständigung zu betreten. Da hilft kein Wider- streben, ein eiserne? Muß", dem kein Staat auf die Dauer widerstehen kann, treibt auch den schwerfälligsten Staat vor- wärts. Wir zweifeln denn auch keinen Äugenblick daran, daß die deutsche Regierung in ruhigeren Tagen kräftig mit- wirken wird, für alle Industriestaaten eine bessere Zeit und für die arbeitenden Klaffen das bis heute verkümmerte und vorenthaltene Menschcnthum begründen zu helfen.— Ein anderes Blatt polemisirt gegen den erwähnten Artikel der„Nordd.", in welchem die Bestrebungen nach Regelung der Produktionsverhältnisse und nach einem Normal- arbeitstage für Erwachsene„sozialistische Quacksalbereien" genannt"werden.„Das mag eine manchesterlich gesinnte Regierung für sozialistische Quacksalberei erklären, sie hat damit noch wenig Verständniß für die Sache selbst ver- rathen." „ES ist ein seltsamer Widerspruch. Unverkennbar tragen diejenigen sozialgesetzgeberischen Maßregeln, die man mehr oder minder zutreffend unter die Tendenz des Arbeiter- schütze? stellt, einen viel allgemeineren Charakter, indem sie geeignet sind, der wirthschaftlichen Entwicklung aller Länder der gesummten Kulturwelt die größten Dienste. zu leisten; aber die mehr oder weniger unter dem Banne überlieferter Anschauungen und bisher maßgebender Standesintereffen stehenden Regierungen haben nicht den Muth, zu diesem Mittel zu greifen. Wir machen hier dieselbe Beobachtung, wie im Leben der Individuen oder einzelner Berufskreise. Erst überläßt man der schrankenlosen Konkurrenz das Feld, bis schließlich alle derselben zum Opfer fallen, dann ver- bindet man sich und sucht ein gegenseitiges vernünftiges Abkommen. So erblickt heute noch die Mehrheit der Staatenregierungcn in der möglichsten Ausbeutung der menschlichen Arbeitskräfte das Geheimniß industrieller Prosperität; aber unterdessen wächst das Defizit der allge- meinen Volkswohlfahrt in's Riesenhafte, bis endlich die Er- kenntniß dämmert, daß auf diesem Wege schließlich der Bankerott eintreten muß, den nur ein gegenseitiger Kon- kurrenzvertrag zu beseitigen vermag. So mag es ja wohl geschehen, daß auch diesmal wieder die Bemühungen des schweizerischen BundeSratheS, gewisse, wenn auch noch so be- scheidenen Umfang beanspruchende internationale Bestim- mungen und Einschränkungen der modernen ProduktionS- weise einzuführen, scheitern und Schwierigkeiten vorgeschützt werden, wo keine vorhanden sind; deshalb kommt doch die Zeit, wo auch hier die Vernunft ihre Rechte geltend macht. Und wenn es die Nationen wären und nicht die Regie- rungen, die über solche Dinge entscheiden, dann würde auch hier die Erkenntniß deS Guten sich rascher Durchbruch ver- schaffen." Politische Lteberlicht. Gin N ergleich der An»,«nd Ginfuhrlisten der verschiedenen Länder läßt uns erkennen, daß für die deutsche Industrie der Zeit der Eroberungen auf dem Wdt� markt eine Zeit deS Stillstandes, ja hwr und da des Ruck- ganges gefolgt ist. Zum Theil erklärt sich das aus den größeren Anstrengungen, welche die Industrie des Auslandes, namentlich Frankreichs und Englands machte, sobald sie die Fortlchritte der deutschen Industrie bemerkte. Zum Thcil sind aoer die deutschen Industriellen an dieser unerfreulichen Er- ichelaung auch selber schuld, und zwar durch unsolides Ge- schäfiSgebahren. So schreibt z. B. der„Reichsbote", der nach dieser Richtung hin sicherlich nicht schwarz malt: „Die Beschwerden über die deuilchen Erporteure, welche den deutschen Handel bis zur WellauSstillung in Nach einem halben Jahre wird ein prächtiges Grabdenk- mal aufgerichtet, auf dem mit goldenen Lettern die Inschrift zu lesen ist: „Hier ruht der hoch- und wohledle Herr Michael Timar Levetinezy, königlicher Rath, Gerichtstafel-Beisitzer mehrerer Comitate, Ritter deS Sanct Stephans-, Sanct Mauritius- und An- nunciata-QrdenS, der große Patriot, der wahrhafte Christ, der musterhafte Ehegatte, der Vater der Armen, Vormund der Waisen, Erhalter der Schulen, die Stütze der Kirche. Beweint von Allen, die ihn kannten, ewig betrauert von seiner treuen Gattin Timea." Aus dem Granitpostament steht eine Alabasterstatue, eine Frau, die eine Aschenurne im Arm trägt. Jedermann sagt, diese Statue sei ein treues Abbild Timca's. Und Timea geht täglich hinaus auf den Friedhof, um die Gruft mit frischen Kränzen zu schmücken und die Blumen zu begießen, die innerhalb des Gruftgitters so lieblich duften. Sie begießt sie mit einem Sprühregen kalten Wassers— und heißen Thränen... Theodor Krißtyan hätte sich nicht träumen lassen, daß man nach seinem Tode ihm so große Ehren erweisen wird. Achtes Kapitel. Dodi's Brief. Anderthalb Jahre waren schon verstrichen, seitdem Michael daheim war auf der herrenlosen Insel. Er hatte sich keinen Tag von derselben entfernt. Große Dinge haben während dieser Zeit sich zugetragen! Dodi hat schreiben gelernt. Das ist eine Freude, wenn der kleine Ignorant die ersten Krickskrackse mit Kreide auf die Bank malt. Man diktirt ihm die Buchstaben:„Schreib ein l und dann ein o, und jetzt sprich sie zusammen auS!" Wie staunt er darüber, daß man hieraus errathen kann, daß die« ein Pferd(„lo") ist, und er hat doch kein Pferd hingezeichnet. Und erst als er nach anderthalb Jahren auf schön liniirtem Papiere mit übereinander liegenden Buch- staben einen NamenstagS-Glückwunsch seiner Mutter über- Pbiladelpbia, auf welcher daS geflügelte Wort„billig und schlecht" fiel, niederhielten, dann für eine Zeit ver- stummten, treten sitzt mit erneuter Heftigkeit wieder auf. Sowohl aus Amerika, als auch aus den ostindischen Ländnn und Australien liegen Nachrichten über die verweigerte Annahme von in Deutschland nach Muster bestellten und von dort gelieferten Waaren vor, während gleichzeitig der englischen In- dustrie wieder reichlichere Aufträge vom Aus- lande zugehen. Die Gründe der verweigerten Annahme liegen zum Theil darin, daß die Waaren nicht den Be- stellungen entsprechen, also minderwerthig, oder in un- zweckmäßiger Verpackung geliefert wurden. Wenn dieses, von deutschen Fabrikanten und Exporteuren begangene Unrecht sich auch zunächst nur bei den ausländlschen Zwischenhändlern und den Lieferanten selbst geltend macht, so können und werben die nachthciligen Folgen für unsere heimische Industrie und die darm beschäf- traten Arbcitermassen, ja für die ganze Steuerkruft des Reiches, dock nrch! lange auf sich warten lassen. Bei einem der größeren Londoner Kommi'sionß- und Export- Häuser ssind allein während der letzten Woche drer De- peschen aus Indien und Amerika eingelaufen, durch welche bedeutende, von deutschen Fabrikanten bezogene Waacenposten um deshalb zur Verfügung gestellt wur- den, weil in einem Falle die Verpackung eine vollstän- dig unzweckmäßige war, und in den beiden anderen Fällen die Waaren nicht den Mustern entsprechend ge- liefert wurden." Den weiteren Ausführungen des„Reichsboten" brauchen wir nicht zu folgen. Genug, es rst ein sehr unerquickliches Bild, welchcs da vor uns entrollt wird, und leider ein wahres. Es ist eine be- kannte Thatsache, daß die deutsche Industrie, schon lange vor der Philadelphiaer Ausstellung auf dem Weltmarkt einen sehr chlechten Ruf hatte und zwar emeiseitS wegen Inferiorität der Paaren, andererseits wegen der jetzt vom„Reichsboten" ge- zeigten Praktiken, die schon sehr alt sind und von deutschen Fabrikanten schon im ersten Viertel dieses Jahrhunderts geübt wurden. Damals hatten sie die Verdrängung unserer Leinen- Produkte vom Weltmarkt zur Folge. Mitte der 70er Jahre nahm die deutsche Jrtdustrie einen wirklichen Aufschwung— die Fabrikanten bemühten sich ernst- hast, daS Stigma des„Billig und schlecht", welches der deutschen Industrie schon lange vor dem Reuleaur'schen Wort aufgedrückt war, durch tüchtige Leistungen wieder los zu werden. Seit einiger Zeit scheint nun wieder ein Rückschlag einge- treten zu sein. Nun steht es allerdings fest, daß es nur einzelne Fa- brikanten und Exporteure sind, die solchen betrügerischen Ge- chäftSpraktiken huldigen; dies hindert aber nicht, daß die ganze deutsche Industrie darunter zu leiden hat. Natur- ,emäß drängt sich da die Frage auf:„Ist derartigem Treiben nicht zu steuern? Und wie kann Abhilfe reschaffen werden?" ES wird nicht leicht sein, eine befriedigende Zlntwort zu finden. Die Privatindustrie entzieht sich ihrer Natur nach jeder wirksamen Kontrole, und nur durch eine Anleihe beim Sozialismus ließe sich allenfalls Ab- Hilfe schaffen, nämlich durch die Gründung von Exportgcnossen- chaften, welcke die Garantie für die von rdnen gelieferten Waaren zu übernehmen hätten. Wir haben Fabrikantenver- bände zur Ausplünderung des Publikum«— könnten zur Ab- wechselung nicht einmal Verbände gegründet werden, welch« den Schutz und das Interesse des Publikums zum �wcck haben? Leider hat die Prioatindustrie ausschließlich d,e Interessen der Produzenten, und nicht die des Pub Ii. k u m 8 im Auge. Und Ideologie und Ethik sind Faktoren, die in der Nationalökonomie nicht gelten.,, Freilich wie die Roth sprichwörtlich Beten lehrt, so sollte man denken, müßte die K l u g h e i t auch manchmal Ehr- lichkeit und Anstand lehren.— Falsche Sozialistcu. Unter dieser Spitzmarke lesen wir über die französischen Paclelverhältmsse im„Wahler" fol- 0enba9ei Besprechung der französischen Wahlresultate werden die verschiedenen französischen Parteien vielfach durcheinander- peworfen, und namentlich über die Parteien der Linken, die Arbeiterpartei mit eingeschlossen, vollkommen falsche Urtherle °�0Zum�Theil trägt zu dieser Verwirrung daS Wort „revolutionär" bei, das in Frankreich eine ganz andere Bedeutung hat, als bei uns. Das gesammte franzosische Staatswesen ruht auf den Grundlage», welche„die große Revolution" geschaffen hat, und mit Ausnahme der Pfaffen und Legitimrstcn(Anhänger der alten Bourbonenmonarchie) bt kennen sich alle französischen Parteien, selbst die Ocleanistcn und Bonapartisten, zu oen „Grundsätzen der Revolution", und lieben es, sich gelegentlich als„revolutionär" zu bezeichnen. Und häufig sind es gerade solche Parteien, die nach unseren Begriffen daS genaue reichte! Das ist ein größeres Werk, al? Kleopatra'S Obelisk, vollgeschrieben mit Hieroglyphen. � � Als Dodi's erster Namenstags-Wunsch m Noemi'S Händen zitterte, sagte Noemi, in deren Auge eine Thräne glänzte zu Michael:„Er wird genau eine solche Handschrift bekommen, wie die D einige." „Wo hast Du denn meine Handschrift gesehen?" fragte Michael verwundert. „Für's Erste in den Vorlagen, die Du für Dodi ge- schrieben hast. Und dann auch in jenem ZcssionSschreiben, womit Du unS die Insel geschenkt hast. Hast Du schon daS vergessen?"„Ja richtig! es ist schon lange her."„Und jetzt schreibst Du an niemand Briefe?" An niemand." „Du warst jetzt schon anderthalb Jahre nicht fort von der Insel. Hast Du draußen in der Welt nichts zu thun?" „Nein, und ich werde auch dort draußen nichts mehr zu thun haben."„Und was wird aus den Geschäften, die Du früher hattest."„Möchtest Du daS wissen?"„Ei ja wohl. Mich betrübt der Gedanke, daß ein so gescheidter Mann wie Du bist, jetzt hier eingeschlossen ist in dem engen Raum dieser Insel; blos deshalb, weil er un? liebt. Wenn Du keine andere Ursache hast immer hier auf der Insel zu bleiben, als weil Du unS so sehr liebst, so schmerzt mich Deine Liebe." „Gut, Noemi. Ich will Dir also sagen, wer ich draußen in der Welt gewesen, waS ich dort gethan und warum ich hier sein will. Du sollst alles erfahren: Wenn Du Abends den Jungen zu Bett gelegt hast, komme zu mir heraus auf die Veranda, dort werd' ich Dir alles erzählen. Du wirst schaudern, wirst staunen über das, was Du hören wirst. Schließlich aber wirst Du mir verzeihen, wie mir Gott ver- ziehen hat, als er mich hierher sandte." Nach dem Abendessen legte Noemi Dodi zu Bett und dann kam sie heraus zu Michael, setzte sich auf die Linden- Holzbank an seine Seite und hing sich in Michaels Arm ein. Der Vollmond schien herab auf sie durch das Laub der Bäume; jetzt ist er schon nicht mehr ein gespenstiger Stern, nicht mehr das EiLparadies der Selbstmörder, son- dern ein guter Bekannter und Freund. Und dann erzählte Michael Noemi Alles, waS ihm in der Welt begegnet war. Gegentbeil find, welche sich mit besonderem Eifeir in die Löwen- haut bullen. Auch von dem Worte„sozialistisch" wiied in Frank- reich ein sehr auS?iebiger Gebrauch gemacht und bei der jetzigen Wahl sahnt wir alle republikanischen Parteien, bis zu den Opportunisten herab, unter sozialistischer Flagg.e marschircv; und auch die reaktionämi„Arbeiterfreunde" tiicf en von sozio- listischen Phrasen, so daß man fast glauben könnte, es gäbe in Frankreich blas Sozialisten was doch keinesnu S« der Wilk- lichkeit entspricht. Insbesondere die radikale Linke(etwa unflutn D-uckck- frei sinnigen vergl ichbar) liebt die soziahmscte unF1 nicht minder die revolutionäre Vermummung, und viele ihre'r Kandidaten nennen sich stoh:„Sozialrevolutionäre" oder ro/«onfraFticer „revolmionäre Sozialisten". Es ist das eine putun'che Maske- rade, die aber doch einen ernsthaften Hintergrund h'at, weil sie beweist, daß die soziale Frage in Frankreich nun endlich auf die Tagesordnung gesetzt werden muß. Sonaldemokraten im deutschen Sinne sind nur' ditjemone „revolutionären Sozialisten", welche sich der französischen Ar- bciterpartei zuzählen. Allein auch hier muß man unter die Maske sehen, denn die sogenannten„Possibillstcn" legen sich die nämliche Bezeichnung zu. Kurz, die Etikette ist trügetckch— man muß sich in jedem einzelnen Falle die Personen scharf anschauen. WaS speziell die„Possibilistcn" betrifft, so herrscht in Be- zuq auf sie unter den deutschen Arbetlern noch ziemliche Un- klorheii. Aeußerlich unterscheiden sie sich in nichts von den Sozialdemokraten, deren Schlagwörter sie gewissenhaft anncklrrt haben und denen sie durch Betheuerung ihrer rrrevolutionären Gcsinnungstüchtiakcit den Wind aus den Segeln zu nehmen suchen. Daß Zahmheit und Hasenberzigkeit sich binter rrrevolutionären, mitunter blutrünstigen Phrasen zu verstecken lieben, davon wissen wir in Deuischlard ja ein Lied zu singen. Herr Brousse(auSgewrochen: Bruß), der Führer und begabteste Ver- treler der„Pogsibillsten", war seinerzeit ein wüthender An. archist und wurde vor 8 oder 10 Jahren als solcher auS der Schweiz auk gewiesen. Und obgleich die Lammirommheit fernes Naturells seitdem zum Durchbruch gekommen ist, so drapirt er sich immer noch gern m den alten durchköcher en Anorchistenmantel und macht damit auf die Raiocn Emdiuck, die für derartige Hanswurstereien empfänglich) sind. In Watzr- beit sind die„Potfibilisten", wie schon ihr philisterhafter Name besagt, welcher sich eiwa mit MöglichkuiSpariei, Partei des Er- reichbaren übersetzen ließe, überaus harmlose, zahme Bürschckerr, deren höchstes Ideal eine Gewerkschaftsbewegung nach eng» lischem Muster ist, und die eS infolgedessen richtig dazu qe- bracht haben, Regierungspartei in des Wortes verwegenster Bedeutung zu werden. Alle ihre Kandidaten wurden und werden von den Opvo'- tunisten und bürgcrl'cken Republikanern unterstützt, und H rr- Joffein, einer ihrer Wortführer und Vizepräsident des Paus« Gemein derath«, ist in Paris direkt als Kandidat der Regierung gegen Boulanger aufgestellt, und— falls die für Boulanver abgegebenen Stimmeetiel von der Kammer für ungiltig erklärt werden— auch gewählt worden. Diese Thatsache genügt zur Charakteristik dieser„Arpeitnpartei". Kaum glaublich! Das UnfallversicherunaSgesetz ist be» kannuich dahin erweitert worden, daß auch die Regiebauten im die Unfallversicherung mit eingezogen find. Es war die« ohne Zweifel eine nothwendlge und sehr gute Ergänzung deS Ge- setzes. Weniger gut war es aber, daß man für diese Regie- bauten gesonderte Versicherungskassen einrichtete, man hat e diese Bnuunte, nehmungen sehr gut und zweckmäßig den nun einmal bestehenden BcrufSgenosscnschasten anschließen könne?«. Geradezu unpraktisch aber war eS, die Velwaliung dieser ge- scheiterten VcrficherungSkossm den Berufsgenossenschaften zu übertragen, von welchen durch das RelchSveisicherungsamt ami- lrch festgestellt rst, daß sie ihr eigenes Vermögen häufig sehr herzlos verwalten. Bei der Art, wie z. B. bei den Baugewerks-Berufs- penossenschaften geradezu der ungebildetere und unfähig«« Theil der Versicherten, die Zünftler, sich in die Verwollung zu drängen gewußt haben, wie hier nolocrsch unfähige und in der Verwaltung ganz unerfahrene Personen sich öfters des Vo. stände« bemächtigt haben, kann das nicht sehr ver- wundern. Wer sein cig-neS Vermögen unachtsam verwaltet, vom dem ist nicht anzunehmen, daß er fremdes besser versorge» wird. Wir finden hierfür einen Belag. Es ist der Rechnungsabschluß der Versicherungsanstalt der Schlesilch-Posenschcn Berufsgenossenschast für 1888 veröffcnl- licht. Darnach hat die„Arstait" im Jahre 1888 eine Ern- nähme gehabt von 18 644 M. 50 Pf. Sie hat davon Evt- schädigungen gezahlt in Gesammlsumme S87 M. 25 Pf. Dir Verwaltungskosten für die Verwaliung der 18644 Mark 50 Pf. betragen 7121 M. 90 Pf.+ 240 M.— 7361 M. 90 Pf. Es sind nämlich für die Verwaliung der Einnahmen von 18 644 Mark 50 Pf. zwei ständige Beamte angestellt worden. Den plötzlichen Tod des geheimnißvollen Schiffspassa- gierS, den Untergang des Schiffes und die gefundenen Schätze. Auch wie er Timea geheirathet. Er schilderte den Kummer und die Leiden Timea'S. Er sprach vor Noemi von Timea wie von einer Heiligen. Und als er ihr mit voller Aufrichtigkeit jene nächtliche Szene beschrieb, wie er Timea belauscht habe von dem heimlichen Versteck aus, wie diese Frau ihren Gatten vertheidigt habe gegen Verleumdung, wie sie ihn vertheidigt gegen ihren Geliebten und gegen ihr eigenes Herz, ach wie schluchzte da Noemi, wie flössen ihre Thränen um Timea... Und dann erzählt ihr Michael, was er selbst hatte leiden müssen in dieser schrecklichen Lage, aus welcher er sich nicht befreien konnte, da an dem einen Orte seine Stellung in der Welt, seine Reichthümer und Timea's Treue ihn festhielten, während seine Liebe, sein Glück und die Träume seiner Seele ihn nach einem andern Ort hinzogen. O wie tröstete ihn da Noemi mit ihren sanften Küssen... Und als er ihr zuletzt von jener schrecklichen Nacht er- zählte, in welcher der Abenteurer in seinem öden Kastell erschien, bis dahin, wo die Verzweiflung ihn an den Nand des Grabes geführt, und wie, als er hinabschaute in die Wellen, statt deS eigenen Gesichtes ihn plötzlich daS Todesantlitz seines Verfolgers aus dem Wasserspiegel anstarrte, und die Hand Gottes plötzlich die Oeffnung des großen Eisgrabes vor ihm schloß; oh, wie drücktr da Noemi ihn leidenschaftlich an die Brust, als wollte sie ihn festhalten, damit er nicht hinabfalle in daS Grab! „Weißt Du nun, was ich zurückgelassen dort in der Welt, und waS ich hier gefunden? Kannst Du mir ver- geben, waS Du um meinetwillen gelitten und was ich gegen Dich gesündigt?" Nocmi's Küsse' und Thränen gaben ihm Antwort. Die Beichte hatte lang gedauert; die kurze Sommer- nacht war darüber verstrichen, und es war Tag geworden, als Michael die Erzählung seiner LebenSgeschichte beendigt hatte. Er wurde begnadigt.„Meine Schuld", sagte Michael, „ist vertilgt. Timea bat ihr Vermögen und ihre Freiheit zurückerhalten. Der Vagabund hatte meine Kleidung an, Wir haben diesen Thatsachen nichts hinzuzufügen als den Glückwunsch, daß bei der Alter«, und Invalidenversicherung die Bcrussgenossenschafien leer ausgegangen find. Sie leckten fich schon schnalzend die Lippen noch diesem fetteren Braten. Da HLticn alle Jnnunakhctzer, Jnnungsdichter und Innung«' juristen fette Posten erhalten können. Der Kandel mit Menschen, sowie ganzer Arbeiter« fannlien blüht nicht nur— in Afrika, sondern auch im wohl- gesitteten Deutschland. Wir haben wiederholt darauf aufmerk- sam gemacht, heute liegt uns eine neue Probe dieser Seite unsere« Erwerbslebens vor. In Nr. 221 lesen wir in der „Celle'lchen Ztg.", Kreisblatt für den Stadt- und LandkrelS Celle, dem Titel nach ein offizielles PublikationSorgan, folgende Annonce in Fettschrift: »Ostpreuhische Dienstboten für Stadt und Land l" Groß- und Kleinknechte, Mädchen sowie Arbeiterfamilien «mpfiehlt von gleich, Oktober und November die Gesrnde- Agentur von � �..,„ R. Weinrerch, vorm. Nolde, Königsberg(Ostpr.), Rosenstrabe. Die Stadt Celle liegt in dem Regierungsbezirk des Herrn n. Bennigsen und derselbe tritt ledhaft dafür ein, daß der Menschenhandel in Afrika beseitigt werde. Aber die Provinz Hannover soll für das Kartell erobert werden und zur besseren Illustration dafür dient dieser Menschenhandel. Gin Mus der Kohlenhändler hat fich nach der„Rhein. Wests. Z'g." m Krefeld gebildet. Die Mitglieder haben fich unter Festsetzung von Konventionalstrafen gegen einander ver- pflichtet, die durch Majoritälsbeschluß festgesetzten Preise für Hausbrandkohlen zu halten und auch ihre event. Unterabnehmer oder Rechtsnachfolger zu verpflichten, nicht unter den fcftge- setzten Preisen zu verkaufen. An» Dortmund wird gemeldet: Die Herren Bunte und Schröder, die bisher Vorfitzende des hiefigen großen berg- männischen Vereine„Glückauf" waren, sind in der letzten Generalversammlung nicht wiedergewählt worden; an ihre Stelle kommt der ehemalige Delezirte Herr Wienke.— Gestern wurde hier eine össentliche Schneiderversammlung auf Grund des Sozialistengesetzes ausgelöst, weil der Redner, Herr Zwicner aus Bielefeld, erklärte, die Bezeichnung„Sozial- demokrat" halte er für kein Schimpfwort, sondern für einen Ehrennamen. In einer Kchrift:„Der nächste allgemeine Streik ver deutschen Kergleute und seine rationelle Ke- kämpfnng verlangt der Verfasser derselben, ein Bergmeister Ernst Matthias,„daß der kStaat die Bergleute durch die aktiven Soldaten während der Dauer des Streiks ersetze!" Weiter wird gesagt, daß„die Mannschaften unseres stehenden Heeres durchaus geignet sind, für die zirka 260 000 Steinkohlen- und Braunkohlen-Bergleute einen ausreichenden Ersatz zu liefern; 50 000 Mann würden Ruhe und Ordnung aufiecht erhalten; es würden somit zirka 300 000 Mann absorbirt wer- den und nur noch zirka 150 000 Mann in den Garnisonen vereinigt sein". Die streikenden Arbeiter sollen alsdann, falls sie ohne Kündigung die Arbeit eingestellt haben, verurtheilt werden, bei gemeinnützigen Arbeiten, Kanalbauten, IFestungS- hauten u. s. w. unter militärischer Bedeckung beschäftigt werden." Im Verlauf der Darstellung erfahren wir auch, daß der Berg- arbeiter„bei guter Luft und der Regel nach angenehmer Temperatur— allerdmgS ohne Sonnenlicht— feine Schicht verfährt", und nur ein Punkt ist unangenehm,—„die Lebens- gcsahr, die allerdings doch völlig ausschließt, so hohe Lohn- unterschiede zu rechtfertigen, wie sie zwischen Bergarbeitern und anderen Arbeitern bestehen." So, deutscher Bergmann, jetzt kennst Du Deine Stellung; der Bergmeister Emst Matthias hat sie Dir zugewiesen. Rühre und rüttle nicht daran, wehre Dich auch mcht gegen die Be- schneidung Deines kärglichen Einkommens, noch weniger wage um eine Aufbesserung desselben zu ringen, sonst wirst Du— Zwangsarbeit verrichten müssen. Und diese Aussicht ist nicht verlockend. Ueber die Ablahoerhältnifle der fiskalischen Kohlen- gruben wird der„Schles. Ztg." offiziös geschrieben:„Wie alle anderen Werke, so ist auch die fiskalische Königsgrube jederzeit bestrebt gewesen, sich einen ihren Betrieb, sowie ihre Arbeiter sichem- den Absatz rechtzeitig, also vor Beginn des Etatsjahres zu schaffen. Sic hat zu dem Zwecke einen Theil ihrer Produktion an verschiedene, darunter auch an mehrere Stettiner Kohlen- Händler, den anderen Theil aber an königliche Eisenbahn- direktionen, an andere königliche und kommunale Verwaltungen, an Privathülteniverke, Fabriken, gewerbliche Anlagen und Private verkauft. Die von der Verwaltung der KönigSgrub« jetzigen Kohlenbestellern gemachte Mitteilung hat nur als ein« Ablehnung ihrer Bestellungen dienen sollen, da das Werk bei dem gegenwärtigen Mangel an Arbeitskräften nicht im Stande ist, seine Förderung der ifanz außerordentlich gesteigerten Nach- frage entsprechend zu erhöhen. Ebenso wie sich also„die fißka- liichc Kohle" der Königsgrube keineswegs im Besitz der Groß- Händler, insbesondere keiner Berliner Firma befindet, so kann auch. der Verkauf der an verschiedene Kohlenhandlungen abgegebenen und trug auch meine Briestasche bei sich; man wird seine Leiche als die meinige begraben und Timea ist nun Wittwe. Dir aber Hab' ich meine Seele gebracht und Du nahmst sie auf. Jetzt ist alles ausgeglichen." Noemi nahm Michael unter den Arm und führte ihn hinein in daS Zimmer zum schlafenden Knaben. Der Knabe erwachte von den Küssen, öffnete die Augen und als er sah, daß schon Morgen war, kniete er in seinem Bettchen nieder, und verrichtete mit gefalteten Händen sein Morgengebet.„Lieber Gott segne meinen guten Vater und meine gute Mutter!" ...„Alles ist schon bezahlt, Michael!.... Der eine Engel betet für Dich an Deinem Bette, der andere an Deinem Grabe, daß Du glücklich werdest...." Nocmi zog den kleinen Dodi an, und dann ruhte ihr Auge lange gedankenvoll auf Michael. Sie braucht Zeit, um all das zu fassen, was sie von ihm gehört hat. Doch die Frauen besitzen eine rasche Auffassungsgabe. Plötzlich sagte Noemi zu ihrem— Gatten—„Michael, eine Schuld hast Du in der Welt noch abzutragen." „Welche Schuld und wem?"•«Du bliebst Timea das Geheimniß schuldig, welches jene Andere Dir verrathen hat."„Welches Geheimniß?"„Daß in ihr Schlafgemach aus einem geheimen Gange eine Thür führt. Das mußt Du ihr mittheilen. Durch jenen geheimen Gang könnte ja jemand zu ihr gelangen, wenn sie schläft, wenn sie allem �sst."„Aber diesen geheimen Gang kennt ja niemand, als Athalie." »Ist das nicht genug?" „An was denkst Du?" „Michael, Du kennst uns Frauen nicht. Du weißt nicht, wer diese Athalie ist, ich aber weiß es. So eben flössen meine Thränen um Timea, weil sie leidet— weil sie Dich nicht liebt— weil Du mein bist; wenn sie aber für Dich empfände, was sie für jenen anderen Mann empfindet, und wenn Du ihretwegen mich verschmähtest, wie jener Mann dies andere Mädchen, oh, dann bewahre mich \'Gott vor dem Gedanken, sie je schlafend vor mir zu sehen." Noemi, Du erschreckst mich."„So sind wir. Wußtest Du Kohle mit einem hohen, der gegenwärtigen Nachstag« entsprechen- den Gewinn für die Zwischenhändler fich nur auf die Kohlen- mengen beziehen, welche bereits vor längerer Zeit billig ange- kauft worden sind, nicht aber auf die Kohle, für weiche die Verwaltung der KönigSgrube inzwischen selbst höhere Verkaufs- preise festgesetzt hat. Auf der fiskalischen Königin Luisegrube liegen die Verhältnisse im wesentlichen ebenso; auch sie ist aus Mangel an Arbeitskräften nicht im Stande, ihre Förderung der jetzigen Nachfrage entsprechend zu erhöhen. Die Verwaltung muß sich deshalb zunächst darauf beschränken, ihre alten Ab- nehmer zu befriedigen, kann aber nicht allen, jetzt so ganz un- gewöhnlich massenhaft einlaufenden Bestellungen von Privat- Personen enffprechen, insbesondere aber auch während des jetzt laufenden Etatsjahres keine neuen Kohlen abschlüsse in größeren Mengen machen. Die alljährlich zur Sicherung des Absatzes nolhwendigen Verträge mit Kohlenhändlern werden überdies nur theilweife zu festen Preisen abgeschlossen, teilweise aber zu variabeln Preisen, d. h. unter Bewilligung eines kleinen Rabatts gegen die jeweiligen Tagespreise. Der wesentlich gröbere Theil der Kohlenproduktion der oberschlefischen Staats- werke ist nicht an Händler, sondern an die Konsumenten direkt verkauft. Die sozialdemokratische« Wähler de» Mahlkreise« Altona-Stormar« haben ihren bisherigen Reichstagsabge- ordneten Carl Frohme auch fernerhin zur demnächstigen Reichs- tagSwahl aufgestellt. Au« Uordmestdeutschland» 2. Oktober, schreibt man: In einer gewissen Presse wird mit möglichstem Nachdruck her- vorgehoben, daß der Handel Hamburgs mit Westafrika einen bedeutenden Umfang angenommen habe. Dabei denkt der Leser— und vielleicht»st diescr Jrrthum beabsichtigt— daß es sich um den Handel mit den deutschen Schutzgebieten in Westafrika handle. Das ist aber, wie gesagt, ein gewaltiger Jrrthum. Westafrika ist grob, und die deutschen Schutzgebiete an dieser gewaltigen Küste sind nur winzige Fleckchen. Ww machen, um ein Urtheil über den wahren Sachverhalt zu er- möglichen, zunächst die nölhigcn Angaben. Die Einfuhr be- trug 1884: 37 111 To.- 1000 Kg. im Werths von 13 300 000 Mark. Die Menge stieg allmälig bis auf 58 772 To. im Jahre 1838, während der Werth in allen Jahren bis 1887 weit niedriger war und erst 1888 auf 14841000 M. stieg. Die Auefuhr von Hamburg dorthin betrug 1884 schon 53 150 To., 1885 56 104 To., seitdem war sie niedriger, und erst 1888 erreichte sie wieder die Höhe von 56 980 Tonnen. Das ist gewiß ein schöner Verkehr, aber eine starke Entwicklung tritt in demselben gerade nicht hervor. Die Zunahme der Einfuhrmenge ist überdies schon aus dem Grunde nicht der Kolonia'politik zuzuschreiben, weil sie sich auf ganz Westafrikr bezieht. Die Woermann'schen Dampfer laufen sehr viele Statinen an von Cape Coast Castle bis Loanda. Die wichtigste Station ist wahrscheinlich das englische Lagos, doch läßt sich dies nicht mit Sicherheit sagen, weil die hamburgische Statistik ganz Westasrika zwischen Marokko und Capland zusammenfaßt. Daß auch Capland mit einbegriffen sei, wie ein Berliner Blatt meint, trifft jedoch nicht zu. Wohl aber ist hervorzuheben, daß die Ausfuhr nach West- afrika zur größeren Hälfte aus Spirituosen(nämlich 34 979 To. a 100 Kg.) und Schießpulver und Waffen(2002 Tonnen) be- stand. Als dem Hamburger Handel zum Vorwurf gemacht wurde, daß er mit diesen eigenthümlichen ZioilisationSmitteln in Westafcika auftrete, hob Herr Woermann hervor, daß sich die Spirituosnreinfuhr auf ganz Westafrika verthcile und daß ein großer Theil von den Engländern eingeführt werde, welche die billige Frachtgelegenheit über Hamburg benutzen. Jetzt wird mit den hohen Gesammtziffern geklappert, man ver- schweigt aber sorgfältig, daß sie sich weder aus Kamerun und Togo allein, noch auf die deutsche Ausfuhr allein beziehen, und daß sie so viel Spirituosen umschließen, also einen Stoff, den der Islam von Ostafrika firn zu halten weiß, während ihn die Christen nach Westafrika eivsühren. Die Findigkeit der Dost scheint sich immer nur dann dokumentiren»u sollen, wenn eine Anzahl Studenten, Skat- simpel oder sonstiges Volk, welches aus Langeweile und Geistesöde die Zeit nicht anders todtzuschlagen we,ß, sich einen sogenannten Bierulk macht. Die Geschäftswelt weiß von der Nicht-Findigkeit ihre Liedchen zu singen. So schreibt das „Sächf. Wochenblatt": Uns liegt ein solcher Fall vor. Schon seit einiger Zeit senden wir nach einem nicht allzugroßm Dorfe der Lausitz regelmäßig Zeitungen an einen Herrn G. I.... Kürzlich verschrieb man sich und adressirte H. I.... Da kam das Packet zurück mit dem Vermerk: „Ein H. I.... wohnt im Orte nicht wohl aber 2 G. I...." Da einer der letzteren sich als Empfänger der Sendung legi- timiren konnte, so hätte einfaches Vorzeigen die Sache erledigt. Das wäre aber wahrscheinlich zu einfach gewesen. Eine Adresse mit chinesischen Buchstaben hätte vielleicht eher die Sendung ans Ziel gebracht. Zollplackerrie«. Den armen Leuten werden im König- reich Sachsen immer neue Erschwerungen bereitet, um sie zu verhindern, von der Bestimmung der zollfreien Einfuhr von Brot und Mehl in kleinen Quantitäten aus Böhmen Gebrauch das nicht? Beeile Dich, Timea von diesem Geheimniß zu unterrichten. Ich will, daß Timea glücklich sei." Michael küßte Noemi auf die Stirn.„Du bist mein liebes, gutes Kind. Ich darf Timea nicht schreiben, denn sie würde meine Schrift ja erkennen und dann kann sie nicht meine Wittwe sein und ich nicht Dein wieder- erstandener Todter, der in Deinem Paradies zur Seligkeit eingegangen."„So werde ich ihr schreiben."„Nein, nein, nein! DaS lasse ich nicht zu. Ich habe sie überschüttet mit Gold und Diamanten, aber von Dir darf sie auch nicht einen Buchstaben erhalten. DaS gehört zu meinen Kostbar- barkeiten. Ich habe Noemi nichts von Timea gebracht, ich gebe auch Timea nichts von Noemi. Du darfst kein Wort an diese Frau richten." „Gut denn," sagte Noemi lächelnd;„ich weiß noch einen Dritten, der an Timea schreiben kann. Dodi wird den Brief schreiben." Timar bricht[über diesen Einsall in lautes Lachen auS. ES liegt eine Welt von Humor, von kindlicher Einfalt, beglücktem Stolz und stiefernstem Sinn in den Worten: der kleine Dodi wird an Timea schreiben, um sie vor der Gefahr zu warnen. Der kleine Dodi... an Timea! Timar lachte, daß ihm die Thränen in die Augen kommen; Noemi aber nahm die Sache ernst. Sie selbst schrieb die Vorlage und Dodi schrieb die erusten Zeilen auf dem liniirien Papier schön und fehlerfrei ab. Von dem, was er schrieb, verstand er natürlich nichts. Noemi gab ihm eine schöne, dunkelviolette Tinte, einen Absud von Eibischblättern, und versiegelte den Brief mit weißem Wachs; und da kein Pet> schaft im Hause, noch eine Geldmünze, die man als solches hätte benützen können, so fing Dodi einen schönen goldgrünen Käfer und klebte ihn auf das Wachs, statt des Wappens. Den Brief übergab man der Obsthändlerin, um ihn auf die Post zu tragen. Der Brief des kleinen Dodi ging an Timea ab. (Fortsetzung folgt.) zu machen. So macht die Zollbebörde in Adorf bekannt, daß vom 1. Oktober ab nur solche Personen Brot und Mehl in Mengen b»S zu 3 Kilogr. aus Böhmen einführen dürfen, welche von der OrtSdehörde eine Bescheinigung aufweisen können, daß ie auch wirklich Bewohner des Grenzbezirkes sind. Solche Bescheinigungen dürfen nur in einem Exemplare an jede Fa- milie eingehandigt werden; es mub sogar darauf der Tag angegeben sein, wann die Einführung von Mehl oder Brot tallfindcn soll. Es soll dadurch der Einfuhr von Brot und Mehl durch verschiedene Glieder einer Familie vorgebeugt wer- den. Ferner ist als erschwerend zu bezeichnen, daß die Ein- fuhr auf einer Zollstroße zu geschehen hat. Wer z. B. von hier aus in Roßdach Brot oder Mehl haben will, kann nicht den kürzesten Weg wählen, sondern muß den Weg über Elfter, der fast noch einmal so weil ist, einschlagen. Oesterr-ich-U«gar«. Wien, 3. Oktober. Blödeste Täppischkeit bekundet die Demagopenriecherei wiederum in Oesterreich. Als eine unvcr- zeihliche Thorheit stellt fich die Verfolgung der„Junapolen" in Galizien heraus. Oesterreichs Interesse wird durch die Be- lebung der rulhenischen gegen Rußland gerichteten Bewegung »efärdert, und die Beförderung dieses Interesses lassen ich die demokratischen Elemente der Polen in Galizien angelegen sein. Zu dieser Einsicht ist indeß die polnische Aristokratie, welche jetzt das Heft in Galizien in Händen hat, nicht durchgedrungen. Die Scheuklappen ihres egoistischen StandeSinteresscs entziehen ihr den freien Aus- blick und für nationale Bestrebungen eines anderen Volke« hat re so wie so keinen Sinn. Dazu kam, daß die galizischen Demokraten nicht nur die politische und nationale Emanzipation ihrer Landsleute, sondern auch die wirthschaftliche Hebung der arbeitenden Bevölkerung erstrebten. Da war man natürlich lugS mit der Bezichtigung„sozialdemokratischer Umtriebe" bei )er Hand, und der Statthalter, Graf Badens, faßte den staats- rettenden Gedanken, die leitenden Uebelthäter einstecken zu lassen und gegen sie einen Prozeß wegen„Hochvcrraths" zu eröffnen. Mit Staunen fragt man sich, welchen Hochverrath diese Stute gegen Oesterreich begingen, indem sie sich mit ruthenischen E>e- menten verbündeten, oder wie eine Geheimbündelei, die sich offenbar zunächst aus Rußland bezog und auf Kosten der russi- schen Herrschast die ukrainophile Bewegung entfesseln wollte, für den österreichischen Staat nachtheilig sein konnte? Die nrthe- nilche Bewegung wird dadurch nicht aus der Welt geschafft, daß der polnische Adel mit den Russen um die Wette bemüht»fl, womöglich das Vorhandensein einer ruthenischen Nation über» Haupt zu bestreiten. Sobald der Prozeß seinen ordnmrgs- gemäßen Verlauf nahm, stellte sich denn auch bald heraus, daß die Anklage wegen„Hochvcrraths" sich überhaupt gar nicht be- gründen ließ, und so wurde denn zu dem in politischen Pro- zessen beliebten Taschenspielerkunststückchen gegriffen, für die ursprüngliche Anschuldigung jene andere wegen„sozialistischer Geheimbündelei" zu substituircn. Aber auch diese Anschutdi- gung ist in den Verhandlungen kläglich zusammengebrochen, wie aus der folgenden Darstellung der Prozeßverhandlnngen hervorgeht: Die Angeklagten behaupteten, daß der Bund, den sie pro- jeklirten, rein nationaler Natur gewesen sei und nur der Volks« aufklärung habe dienen sollen— mit derselben Entschieden. heit aber sucht die Staatsbehörde nach dem Beweis, daß der Verein ein geheimer war und politische Tendenzen ver- folgte. Das führte zu einer überraschenden Enthüllung. Der Angeklagte KlimaSzewSki kam darauf zurück, daß nicht ein Geheimbund, sondern ein durchaus legaler Verein im Plane war, und schließlich rief er:„Was will man mehr?— waren doch die Statutenentwürfe des angeblich geheimen Bundes, die man bei uns saisirte, alle mit Stempelmarken versehen, weil sie bei der Stotthalterei zur Genehmigung eingereicht wurden I Auf diese Weise würde sich ja jedes Komitee, da« sich hersetzt und sagt, wir wollm die obriakertliche Erlaubniß zu einer Vir- einSgründung nachsuchen, durch die bloße Thaflache derVorbe- sprechuna der Geheimbündelei schuldig machen!"— Und that- fächlich konstatirte der Präsident aus den Akten, daß die Statuten bei der Stotthalterei gewesen. Sehr linteressant wurde die Szene, als da« Statut der „Jilomaten" zur Sprache kam. Wer die„Filomaten" find, was sie sind, was sie verfolgen, das wird außerhalb der polnrschm Gebiete vielleicht nur hier und da nock ein besonder« gelehrter SpezialHistoriker wissen: denn die„Filomaten" gehören der Geschichte an, und zwar der Geschrcyte einer Zeit, da die Polen keine Geschichte mehr hatten. Die„Filomaten", das war ein Geheimbund polnischer Jünglinge, die si» in den zwanzrger Jahren in Rußland, an der Universität Wilna gebildet hatte, und fem Begründer trug den erlauchtesten Namen der polmschcn Literatur— es war der Dichter Adam M cki- wicz. Bei den heutigen Angeklagten wurde nun ein Exemplar der Statuten der„Filomaten" saisut und es wurde nun an den Angeklagten KlimaSzewSki die Frage gestellt, wozu man sich dieses Exemplar aus Russisch-Polen verschrieben halte.— Angekt.: Werl wir un« dieses Statut zum Muster nehmen wollten, denn die„Jilomaten" machten fich ja ebenfalls die Verbreitung der Mus Ntmfl unb Urbrr dir photographisthe Aufnahme von Maffe»-- strahle« berichtet E- Cohen- Amsterdam in der„Revue snentifique". Er bediente fich hierzu eines Gefäßes, aus dessen Boden eine 1 cm dicke Wassersäule herausfloß. Die Apparate standen in einem dunklen Räume, das erforderliche Licht aber lieferte der Funke aus einer mit einem Ruhmkorff'schen Element verbundenen Leydener Flasche. Die Wassersäule hotte bei d.r Ausnahme eine Geschwindigkeit von 8,28 in der Sekunde, wäh- rend die Belichtungsdauer von Cohen auf Sekunde pe- schätzt wird. Trotzdem sind die Ausnahmen sehr wohl g.lunxen, und man kann die Erhöhungen und Vertiefungen des Wasser- strahles, wie die einzelnen abgelösten Tropfen deutlich unter. scheiden. Zu solchen Aufnahmen eignet fich das Magnesium- Blitzpulver, weil zu langsam verbrennend, nicht. Nuhkarmachung der Masserkraft der Niagara- Fälle. Eine sich„ttiagwa Hydiaulic Electric Co." nennende Gesellschaft in Alexandria, Pa., soll von der Regierung der kanadischen Provinz Ontario ba« Recht erwirkt haben, die Wasserkraft deS Horseshoc-FallcS auf der kanadischen Seite des Niagara- Flusses zu vcrwerthen, und dieselbe will zu diesem Zwecke einen Tunnel durch die Felsen bis zum Bette des Flusses bohren lassen, um der Schönheit der Szenerie keinen Abbruch zu lhun. Die Wasserkraft soll zum Betriebe von Fabriken, zur Herstellung von elektrischem Lichte u. s. w. in einem Umkreise von 40 Meilen verwendet werden. An dem Unternehmen sollen Kapitalisten in New-Pork und Kanada betheiligt sein. Wieder ei««e«es Schlafmittel. Es vergeht kein« Woche, in der nicht hier oder da ein neues Heilmittel— zum Theil in marktschreierischer Weise— gefunden wird, welches aber bald„unmodern" wird, da es die rekommandirte Wirkung nicht befitzt. Eine Ausnahme von derartigen ephemeren Ei- scheinungen besitzt das neueste Schlafmittel, da« Chloralamtd, welches eine Verbindung von Chloral und Formamid ist und in Form von färb- und geruchlosen Krystallen mit schwach bitterem Geschmack dargestellt wird. Da« neue Mittel, welches jedenfalls von segensreicher Wirkung für schlaflose Kranke oder Gesunde sein wird, ist in den verschredensten Univerfitätt» Kliniken, so in Bonn, Greifswald, Straßburg, Erlange», Gießen und Lausanne angewendet worden und hat nach derr nunmehr vorliegenden Berichten zum Theil eine vorzügliche Wirkung hervorgerufen. VolkSausflarung zur Aufgabe.— Staatsanwalt: Wußten Sie denn, ob man dieses Slatut-genehmigen würde?— Angekl.: Gewiß!— Staatsanwalt: Warum gewiß? In Rußland wäre es doch nicht genehmigt worden.— Angekl.: Aber wir leben k och in dem konstitutionellen Oesterreich; wem wird es ein- fallen, hier einen russischen Maßstab anzulegen? Schließlich sei noch crwästnt, daß dieser, sowie alle übrigen Angeklagten hartnäckig jede Auskunft über den in den konfis- zirten Briefen vielgenannten„Michael" verweigern, und zwar sogt einer der Angeklagten, daß er weder diese noch irgend eine andere m Rußland lebende Person hier verrathen werde, weil sonst, wie eS nun einmal in Rußland zugeht, Unglück und unend- liche Verfolgungen über unschuldige Personen hereinbrechen wür- den.— Einer der Angeklaaten erklärt übrigens, soviel verrathen zu können, daß man„Michael" nach seinem Aussehen eher für einen lebenslustigen Bankbeamten, als für einen hervor- ragenden volitischen Agenten halten würde. Derselbe An- geklagte, WilczcwSki, erwidert auf die Frage des Staats- anwaltZ, ob er Marx gelesen:„Leider nein: wenn ich es gewußt hätte, daß das Buch so interessant ist, hätte ich es gewiß gelesen." Unter solchen Umständen kann es nicht Wunder nehmen, daß der Präsident zusagte, den Antrag des Vertheidigers Dr. Lilien, man möge die angeklagten Studenten, damit sie sich rechtzeitig inskribiren lassen können, auf freien Fuß setzen, der Rathskammer zu unterbreiten. Auch in Oesterreich scheinen also die Haupt- und Staats- oktionen der Demagogenriecher nicht mehr zu gelingen. Großbrttannie«. London, 6. Okiober. Nach hier eingegangenen Mel- düngen haben gegen 10 000 Grubenarbeiter in den Kohlen- gruben im Distrikt Bolton die Arbeit niedergelegt und verlangen eine Erhöhung ihres Lohnes. R«ßla«d. Der in Paris erfchcrnenden„Lanterne" wird aus PeterS- bürg berichtet, daß in Hofkreisen bekannt geworden sei, auf einer Jagb bei Fredensborg sei am 27. September wenige Schritte vom Zaren eine Gewehrkugel in einen Baumstamm gefahren. Den Schuß habe Niemand gehört; man wisse nicht, ob es sich um Zufall oder Anschlag handele. Seitdem verdopple man die Polizeimaßregeln zum Schutze des Zaren. DepIsturmUrngen. Eine gut besuchte offeutliche Metallarbeiter» Uer- sammluug tagte am Mittwoch Abend unter Vorfitz von Klein, Mumedy und Bauer im Restaurant„Wedding-Parl", Müller- straße 178. In derselben hielt Herr Gottfried Schulz einen mit grobem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Gcwerk- schaftliche Organisation und ihr Nutzen". An der sich daran anschließenden Diskussion betheiligtcn sich die Kollegen Klein und Hartmann im Sinne des Referenten, und gedenkt erstcrer namentlich der streikenden Nürnberger Kollegen. Folgende vom Kollegen Litfin gestellte Resolution wird einstimmig ange- nommen: „Die heute, am 2. Oktober 1889, im„Wedding-Park" tagende öffentliche Metallarbeiter- Versammlung erklärt, daß eine wirksame Waffe gegen die Ausbeutung des Kapitals nur eine kräftige Organisation ist und beschließt daher. Mann für Mann dem Allgememen Metallarbeiter- verein beizutreten und für denselben mit allen Kräften zu agitiren." Unter„Verschiedenes" verliest Kollege Klein einen Brief der Norddeutschen Brauerei folgenden Inhalts: „Norddeutsche Brauerei, Aktien- Gesellschaft, Chaussee- straße Nr. 38. Telephon 2623. Telegramm- Adresse: Norddeutsche Brauerei. Berlin N., den 2. Oktober 1889. Herrn Tischler Schenk, hier, Gerichtsstraße 63. Auf Ihre mündliche Anfrage erklären wir Ihnen hier- mit ergedenst, daß Sie den Saal in unserem RestaurationS- Gebäude Chauffeestr. 53, jederzeit mit Ausnahme des Sonnabends und Sonntags zur Benutzung für Ihre sozialdemokratischen Versammlungen erhalten können. Achtungsvoll Norddeutsche Brauerei, Aktiengesellschaft. M. Lange." Die Kollegen Klein, Litfin und Unger ermahnen die An- wesendcn, von solchen Brauereien kein Bier mehr zu trinken, eventuell solche Lokale zu meiden, welche ihre Säle zu Ver- sammlungen nicht geben. Kollege Nikolaus ftägt an,� ob zur Zeit noch Gelder im Besitz der Unterstützungskommission sind und bittet darum, falls solche noch vorhanden, diese den streikenden Nürnberger Kollegen zu senden. Kollege Schulz erklärt, daß die noch vorhandenen Gelder, welche in letzter Zeit sehr spärlich geflossen find, den Nürnberger Kalle aen über- wiesen werden. Zum Schluß empfehlen die Kollegen Hartmann und Litfin das Abonnement auf das„Berl.r Volksblatt",„Berk. Volkslribüne",„Metallarbeiterzeituna" und Arbeiterbibliothek, als Zeitschriften, welche die Arbeitersache voll und ganz ver- treten und schloß hierauf der Vorsitzende mit einem Hoch auf die Metallarbeiterbewegung um 11 Uhr die Versammlung. Wir erhalte» folgendes Schreibe»: In der Nr. 227 des„Berliner Volksblatr" in der Beilage ist in dem Bericht vom Fachverein der Tischler(Ost-Bezirk) ein Jrrthum mit ein- gelaufen, wo es heißt:„Kollege Roggemann theilte mit, daß die Werkstellen, wo länger alz 10 stunden gearbeitet wird, der Werkstatt-Kontroll-Kommission möchten angezeigt werden." ES soll heißen:„Kollege Roggemann theilte mit, daß, wo 10 Stunden und darüber gearbeitet wird, dies der Werkstatt- Kontroll-Kommisfion mitzutheilen." «»iVsag-, Sur», und gesellig« Nrrein» am Sonnabend: Gesang- nerein.Hannonia' Abends 8 Nbr im Restaurant. Alte Zakobstr 38— Mannergesangvercin.Treue' AbendS g Ubr im Reslanram Andreadstraße 9.— Männcrgesangvercin„Erata" AbendS Sit Uhr bei EchlSwicke, Kleine Kursfc t Mtlnnergcsanaverein„Eenefelder Große Hamburgerstraße 4, um g Uhr UebungSswnde. Aufnahme neuer Mitglieder. siidelfsther Turnuerein (1. Lehrlings. Abtheilung). Abends 8 lldr Eltsabelbstraßc 57-58,— Turnverein„Wedding". Panistr, 9. Männer. AdtheiUnig von 8X bi» ICH Uhr AbendS; deSgl, 1. LebrlingSabtbcilung von 8 bis 10 Uhr Abend». — ArendS'sche Stenogravhenklafse des„Berliner HandwertervercinS" AbendS 8il Uhr Eovbienstr, 15.— Theater- und BcrgnllaungSveretn„Caritas" Abends 8 Uhr im Louisenilädtiichen Bierhauie,«dmiralstr. 38.- Theater- und Ver- gnügungSgesellichast„Treue" Abend» 8X Uhr in«obert S Ballsalon. Weinstr. IL — Vergnügungsverein„Schneeglöckchen", Abends 9 Uhr in VettinZ BicrhauS, Beteranenftr. 19.— GeielligkeitSklub„Luftig" AbendS gjs Uhr im Restaurant Weichclt, Taudenstr. 45.— Verein der Tauben sreunde AbendS 8X Uhr im Restaurant biümann, Manteuffclstraße 88.— Dänischer Verein„Areva" AbendS 9 Uhr im Restaurant Povpe, Lindenstr. 108.— Verein der Württemberger AbendS 8X Uhr bei Vaidlnger, Dorotbeenstr. 84.— Perein ehem. Schüler der 84. Gemetndelchulc Abend« 9 Uhr im Restaurant, Kovvenstr. 58.— Bcrew ehem. M. C. Lulder scher Schüler Abends SU Uhr im Restaurant Borneann. Ohmgaffe 2.— RauchNub„Portorico" AbendS 9 Ubr bis 11 Uhr Kövnickcr- straße 157 bei Schulz.— RauchNub„Oualm" Abend» 8 Uhr im Restaurant Tamm. Schönhauser Allee 28.— Vergnügungsverein„Luftige 13" A bendd 9 Uhr im Restaurant Albrecht,»nnenftr. 9.- Tambourvercin..Sedan" Sitzung Abend» 9 Uhr, Grüner Weg 9-10, Aufnahme neuer Mitglieder— Tambourvcr ein �Herz Innig", Abend» 8 Uhr. Sitzung im Restaurant Straßburgerstraßc 5 Dirigent und Borfftzcnder Rritz Lautant.— Tainbonrvercin„Einigkeit macht stark", gegründet 1888. stellvertretender Dirigent E. Billhardt,«nsnadme neuer Mitglieder Abend« 9 Uhr im Restaurant Hahn. Elsafferslraße 57- Tambour- Verein„zelsenseft", Sitzung 8X Uhr. Weißenburgerstraße 54. Dirigent und Vorsitzender �«. serieic. Ausnahme neuer Mitglieder.- BergnügungSrcrein„Luftige Seelen" AbendS 9 Uhr im Restaurant Schuster. Oianienstr. 8. Theater. Sonnabend, den 5. Oktober. Gper»ha»». OrpbeuS und Eurydike. Schaufpielhanö. Die Quitzow'S. Destfche« Theater. Fausts Tod. Lelstvg-Thslüer. Der schwarze Schleier. Zrtrtrtch- MtihelmstSdttsche« Theater. Orpheus. HeRvenz-Kheater. Fernande. Watwer-Theate». Der rechte Schlüssel. Mat»>»ta.Ttz»at«r. Stanley in Afrika. Gsteud-Theater. Hinko, oder: König und Freiknecht. Mit einem Vorspiel: Der jüngere Sohn. GaKeaNÄms»- Theater. Der Zauberlehr- »S»iajtS>tifche« Theater.„'Ne feine Familie." Setttrat-Theater. Leichtes Blut. Adalptz Ernüt-Theater. Flotte Weiber. «edr. Kichter'» Uariete. Spezialitäten. Vorstellung. Neichshalle«- Theater. Gr. Spezialitäten- Vorstellung. Kerlwer Theater. Sonnabend, den 5. Oktober: Ei« Tropfen Gift. Sonntag, dm 6. Oktober: Die wilde Jagd. Montag, den 7. Oktober: Demetrius. Ciwuis Busch» Krtedrtch-Karl-Nfer. Me große Ertra-GM-UorMW. Anfang 7 t Uhr. 1. Auftreten der neumgagirten Schulreiterin tcl. Zephopa Godlewsky. 1 Mal: ebra und Kamecl, zusammen in Freiheit dressirt und vorgeführt von Frl. Tkagiivp. 22 Hengste, zu gleicher Zeit dressirt und vorgeführt vom Direktor. Li» Liebesspiel zu Pferd, ausgeführt von Frl. Maria Her! und Frau Direktor Busch. Frl. Maria Deri's Schul- ri« ä la Cawallier. Klown Tanti Bedini mit semem Wunder-Esel„Rigele". 50 M. Prämie demjenigen, der denlelden 3 Mal im Galopp um die Manege reitet. Auftreten der Kavonenkönigin Miss Vicferina, der Gebrüder Theo:c.:c., Alles Nähere die Tages-Plakate. Morgen, Sonntag, 2 Vorstellungen, 4 und 7j Uhr. 4 Uhr 1 Kind ftei. 112 T odesanzeige. Allen Freunden und Bekanntm die traurige Mitlheilung, daß mein lieber Mann 1106 Adolf Wska am 2. Oktober nach fchwerm Leiden verstorben ist. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Htnterbltcbenen. Wittwe Riska, geb. Kloß, nebst Kmdem. Wvmiit dkl Zischln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Vereinsmitglied, Kollege Adolf Riska am 2. Oktober, Morgens 5f Uhr, nach schwerem Leiden verstorben ist. Er war stets ein treues und thätiges Mitglied des Vereins. Lbre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 6. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-Kirchhofes aus statt.— Um rege Betheiligung ersucht 105 Der Barstand. Nähmaschinen sämmtlicher Systeme. Emil Franke, KoarbrNerstraße 6, neben ßranerei Mm. Reparatur-Werkstätte. Thcilzah ung. Engros G. Scharaow's Uhren-Fabrik Export 25 20 Berlin 8., m MorWatz.(�0��152. besteht seit 1860. Anerkannt beste Bezugsquelle. Nickel-Remontoir-Uhren...... von 10 Mk. an Silberne Cylinder-Uhren....... 17„ do. Ancre-Uhrcn, 15 Steine... Goldene Damen-Uhren, 14-kar.... do. Ancre-Herren-Remontoir-Uhren do.„ mit 3 Goldkapseln und Schutzdeckel... Regulateure, 14 Tage gehend, ca. 1 m lang do. in polirlem Nußbaumgehäuse Wecker-Uhren.......... Garantie bis zu 5 Jahren.'S Illuftrirte Preisverzeichnisse gratis u. franko. L 90-250 Mk. 10 Mt. an 14„„ 3,50„„ 1716 |J» s j-! 2 5 Ir n»a s � Z- £■3 «II «■3: ii auch Möbel und Polsterwaaren eigener Fabrik, auf Theilzahlung Rosenthaler- Strasse 54, I.[1593 Corallen. Gold E. y. d. 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Ecke Mariannenstr._ Verantwortlicher Redakteur: K. Grontzoi« in Berlin. Druck und»erlag von M« Fading in Berlin Beuthstraße 2 Gt«N» titu Kevags- Beilage zum Berliner Voltsblnü. Ar. Z33. Sonnabende sen 5. Oktober «. Zechrs. Zuftledeve Arbeiter. Die Zufriedenheit ist das schlimmste Laster. Keine Dumm- heit, keine Branntweinpest, kein anderes Laster kann so sehr ein Volk zurückdrinpen, als Zuftiedenheit. Zufncdenheit est moralischer Tod und zieht nach sich geistige und körperliche Vernichiung. Zufriedenheit ist der Ausdruck trager geistiger Verkommenheit. Zuftiedenheit schließt alles Streben nach irgend welchem Fortschritt aus, tövtet jedes geistige Leben. Sehr richtig hat ein kapitalistisches Blatt, die„Grenzboten', pefcpt:„Die Zuftiedenheit ist viel schwerer zu bekämpfen, als die Dummheit.' Dummheit läßt sich durch Belehrung ausheben, wenn nicht ein geistiges Fehl vorliegt, Zuftiedenheit ist das sicherste An- ,«chen eines schon gebrochenen Geistes, ist an und für sich schon ein geistiges F-Hl, ein Wahnsinn der Selbsterniedrigung, das Gegentheil des Größenwahnes, aber ebenso wie dieses das Zeichen einer Gehirnkrankheit. Ein Arbeiter, der bei ungenügender Ernährung, in Mangel und Dürftigkeit, bei seiner darbenden Familie sich zu- frieden fühlt, gehört ebenso ins Tollhaus, als ein anderer Narr, der sich einbildet, ein Weltherrscher zu sein, Todesurtheile ausstellt oder ein solcher, der im Verfolgungkwahnfinn tobt. Der letztere fühlt sich von seiner Umgebung feindlich bedroht, obgleich es nicht der Fall ist, der Zufrieden« sühlt sich von seiner Umgebung freundlich behandelt, obgleich es ebenfalls nickt der Fall ist. Da aber der„zufriedene Arbeiter', der Jdiote, der arbeiten kann, der, während er und fein« Familie wegen schlechter Er- nährung eingehen, sich vollkommen angem.ff.n gestellt fühlt, ein sehr bequemes Mittel ist, um Kapitolprofit zu erzeugen; weil der Kapitalprofit in den Augen der weitaus größten Mehr- zahl unserer„bürgerlichen' Kreise als der Zweck von Staat und Gesellschaft, ja als der Endzweck der ganzen Menschheit betrachtet wird, so suchen diese Kreise mit aller Kraft diese -nehische Zufriedenheit der Arbeiter zu züchten und zu erhalten. Als c n sehr bequemes Mittel zu dieser Arbeit bietet sich eine religiös« Richtung, die anknüpft an die falsch verstandenen Lehren des großen Denkers, des jüdischen Weisen Jesus aus Razareih. Es hat sich eine religiöse Richtung gebildet, die sich fälschlich„christlich' nennt, die in Wirklichkeit aber nichts an- ÄereS ist, als ein Mißbrauch des ChristenthumS zu kapitalisti- scheu Zwecken. Diele Richtung ist bemüht, den Arbeitern vor- zureden, diegeistigtKrankhe>t,„Zufriedenheit'genannt, wäre etwas besonders Verdienstliches, etwas Gottgewolltes, etwas von Jesu G-ckhrkS. Diese kapitalistische Richtung ist heute im Christen- rbnme der Kirchen sehr vorherrschend, sie findet sich in allen Bekenntnissen und sucht überall gleich emsig die Arbeiter im Banne der Zufti benh.it als gutes Ausbeutungsmaterial für das Kapital fest uhaltcn. Da unterscheiden sich die Nachfolger des Herrn Windihorst nicht von denen des Herrn Stöcker, es nvd überall die gleichen Aibeiter feinde unter dem gleißnerifchen Vorgeben der Religion. Diese Piediger der Zufriedenheit haben sich eine ganz eigene Denkfolgt erfunden, um dem darbenden Arbeiter zu be- werfen, daß er„zufrieden' sein müßte. Trugschlüsse, die jedem Jefuit-n Ehre machen könnten, werden da angewendet. Man kann dem Arbeiter nicht die Augen verbinden. Er sirbt, daß von dem Ertrag seiner Arbeit andere sich Reich, thümer sammeln, während er oft nickt dos Mindestnothwendige zum Leben hat. Er sieht oft die Millionen der Fabrikhcrren wachsen, sieht dessen Luxus, dessen Verschwendung sich ver- mchrcn und sieht sein eigenes Elend bleiben oder sich vergrößern. Solche Beobachtung kann man nickt ver« hir.dern. Sofort ist mar» mit der sehr billigen Wahrheit bri der Hand,„Reichlhum macht allein nicht glücklich'. Kommt es aar vor, daß durch natürliche Ereignisse Krankheit und Tod in die Familie eines Reichen eindringen, daß ein Mächtiger euralooll sterben muß, dann glauben diese Volksverdummer so- g'eich daraus einen Beweis ziehen zu können, daß der darbende Arbeiter zuftieden sein muß: denn er sehe ja, auch Reiche, auch Mächtige werden vom Elend getroffen. Reichthum schützt nicht vor Krankheit und Tod. Das ist richtig, denn Krank- h-it, Tod und noch manche andere Leiden find allgemein menschlich, sie treffen reiche wie Anne, Könige wie Bettler. Reben diesen allgemein menschlichen Leiden liegen ober die viel schwereren, die nicht in der menschlichen Natur, sondern in den Fehlern der gesellschaftlichen Einrichtungen be- gründet sind; es sind das die graue Roth, der grimme Hunger, b-r schleichende Mangel, die entnervenden Nahrungssorgen. Der Druck dieses Elends ist die besondere und eigenthümnche L>st der Armuth, sie hat sie neben den allgemein menschlichen Leiden noch obenauf als Ueberlast. Selbst die allgemein menschlichen Leiden drücken die Reichen weniger, als die Armen. Der reiche Kranke sieht nicht neben fernem Bette den grinsenden Hunger fitzen; er sieht nicht, wenn das zehrende Fieber ihn einen Äugenblick verläßt, in die hohlen Äugen seiner langsam verhungernden Kinder, ihn q-At nicht in der bangen Todesstunde die beißende Sorge, was soll aus den Deinen werden. Ihm wird ein weiches Lager bereitet, alles was Kunst und Wissenschaft beitragen können, um seine Leiden zu erleichtern, geschieht, die Sorge ist nicht die härtere Begleiterin seiner Krankheit. Und welche Freude, welchen Genuß, den ein Armer hat, muß denn ein Reicher ent- hehren? Man komme uns doch nicht mit der Gesundheit und d-.m Frohsinn der mit Hungerlöhnen abgefundenen Armen, tiefe jämmerlichen Lügen heuchlerischer � Schönfärber. Selbst die reinsten Und unschuldigsten Freuden des Armen wirft 1» Roth schwarzen Schalten. Sie W eihna cht« ft�rtde, sie' drängt sich m� �I'��este, sie be Sie ruft stets: Du gleitet auf die die vergällt die festl- setzt amilie in den dustenden Wald, sie setzt sich mit k unter der Dorslinde. Sie ruft stets: Du hast u darfst nicht. Du mußt entbehren. Du magst Dir usiMTen Deinen den Bissen in den Mund zahlen, was Du ausgiebst, fehlt Dir morgen. Nur das Ver. „„.,en im Rausch giebt dem Armen reine Freude, will man ihm da verdenken, wenn er den Rausch siebt und sich durch ihn für kurzes Vergessen des Elendes frei- l'ch noch elender macht? Denn auch dieser„Freund des «rmen-, der Rausch, ist ein ebenso falscher Freund, wie der Vredig« d« Zufriedenheit. Der Arme hat falsche Freunde m Hülle und Fülle, die ihm sein Unglück wegschwatzen wollen, um ihn in den Sumpf zu locken, in welchem er rettungslos er- sinken muß. Es ist die Wahrheit diese: �_. Man kann im Reitthum auch von den allgemein menschlichen Leiden getroffen werden, diese werden durch den Reichthum aber bedeutend abgeschwächt. Die Armuth ist ein Leiden für sich, das die allge« mein menschlichen Leiden ungemein verschärst und er- schwert. Um unseren Lesem einen Begriff davon zu geben, in «.'lcher, wir können wohl sagen blödsinnigen Weise die„christ- lichen' Arbeiterfteunde dem Arbeiter entgegentreten, um ihn in den Sumpf der Zufriedenheit zu locken, wollm wir ihnen eine kleine Probe aus einem Blatte geben, das uns ein Freund, dem es in die Hand gesteckt wurde, mittheilt. Das Blatt heißt„Der Nachbar', erscheint in Hamburg und nennt sich:„JllustrirtcS christliches Wochenblatt für Stadt und Land.' Unter der Ueberschrifl, die wir diesem Aussatze vor- anqesrtzt haben, finden wir da folgende alberne Geschichte erzählt: „Frau Martha hatte ihrem Manne das Mittagessen hin- a-tragen; der Weg zur Baustelle war so weit, daß er in der Mittagspause nicht hin- und zurückgehen konnte. Heute war'S Erbsensuppc gewesen, ein tüchtiger Topf voll, eS batte ihm auch herrlich geschmeckt. Doch hatte er, nachdem er sich den Mund gewischt, mit einem komischen Augenzwinkern gemeint:„Hättest mir auch wohl zwei Stücke Speck hineinlegen können, Alte, statt des einen, und das eine war auch noch verdonnert klein!"— Frau Martha kannte ihren Lorenz und sagte ganz betrübt: „Ja, Gott weiß es, wie gern ich's gethan hätte, aber siehst Du, wir müssen diese Woche recht sparsam haushalten; nächste Woche ist der Erste, da sollen wir die Miethe bezahlen, und es fehlen noch drei Mark; die muß ich noch herausschlagen. Aber wenn wir den Ersten hinter uns haben, dann sollst Du'S haben, mein Alter, gewiß das sollst Du!' Sie sagte ihm gar nichts davon, daß sie selber kein Fleisch oder Speck heute Mittag gehabt, und daß die Kinder nur ganz bescheidene Finzelchen erhalten hätten. Aber Lorenz mochte wohl etwas davon ahnen, und in der Freude über seine sparsame und verständige Frau rief er: „Mutter, dafür verdienst Du einen Schluck Bier!' Und ehe sie noch widersprechen und ihn an solchem Luxus hindern konnte, war er davon, und wenige Minuten später erschien er mit zwei gefüllten Seideln. Fast wollte sie ihm einen Vor- wurf machen, aber ihres Mannes Liebe that ihrem Herzen doch wohl. Der Weg war weit, die Hitze groß, und da sie noch eine halbe Stunde Zeit hatte, setzte sie sich ganz be- haglich auf einen umgekehrten Baukarren, und wie Lorenz da in friedlicher Ruhe vor ihr stand, hätte wohl keiner von beiden mit dem reichen Herrn Gcheimrath getauscht, für den der stattliche Bau aufgeführt wurde. Als der erste Durst gestillt war, setzte sick Lorenz zu seinem Weibe. „Na, Alte,' hob er an,„was hai's denn gegeben, heut Vormittag?— hast'e auch was erlebt?' „Ja, Lorenz, Gutes und Schlechtes! Das Gute ist, daß das Fräulein aus dem Vorderhause kam und brachte ein ganzes Packet von alten Kinderkleidern und Stiefeln, die ihr vom Verein zum Verschenken übergeben waren. Ich Hab' beinah vor Freude geweint. Denke Dir, da war eine noch sehr gute Jacke für unfern Fritz; die Aermel waren zerrissen, aber das Zeu(z von Deiner abgesetzten Haft paßt recht gut dazu, davon setz' ich Flicken darauf, dann ist die Jacke wie neu. Und ein Kleidchen für unser Mariecken, ach, so'n warmes, gutes, wollenes, so recht für den Winter! Es ist fteilich recht kurz, aber ich setz' einen schwarzen Streifen dran, dann ist'« reicklich lang. Wie ich mich darüber freue. Du denkst es gar nicht! Das arme Ding hat im vorigen Winter so stieren müssen und den ab- sckeulichen Husten gehabt; ich hoffe, nun wird sie sich nicht er- kälten. Und da« Beste kommt noch: Ein Paar Stiefel und zwei Paar Schuhe, also für jede« etwas an die Füße. Die Sohlen find freilich durch und die Hacken schief getreten, aber das machst Du uns leicht zurecht, Männeken, nicht wahr? Dos spart uns einen ganzen Berg Geld! Vielleicht kannst Du Dir dann ein Paar Sonntagsstiefel machen lassen, was meinst Du?'— Der Mann sckmunzelte ganz vergnüglich und sagte:„Na, laß man. Alte! Ick schlag' mich wohl noch durch, aber ich dächte. Du müßtest so'n warmes Umschlagetuch haben, wie die Schulzen eins hat!'— „Ach Mann, die Schulzen! Ja, da fängt nun gerade das Schlechte an. Denke Dir, als ich heute Mittag mit dem Topfe an ihrer Kllchenthür vorübergehe, steckt sie den Kopf heraus, und mir schlägt ein Duft in'S Gesicht— na, ich sage Dir, wie lauter Gebratenes und Geschmortes! Ich bleibe unwillkürlich stehen, denn so was Gutes riecht man doch gern einmal!— Da faßt sie mich am Arm, zieht mich an ihren Herd und weist lachend mit dem Finger in die Pfanne, die da vrasselte! Mann, ich wußte nicht, was ich sagen sollte— die ganze Pfanne voll großer Kalbskotelett«! Es lagen da gewiß zwei Pfund, und in schierer Butter gebraten; der Teller stand noch daneben und da lagen noch mehrere Scheiben darauf. Die Schulzen hatte ihre offenbare Freude an meinem Erstaunen! Dann setzte sie beide Arme in die Seite und sagte:„Na ja, Nachbar'n, das hat man nun doch vom Streiken! Mein Mann kriegt nu 50 Pf. mehr täglich, das macht in der Woche gerade 3 M., dafür leisten wir uns alle Mittwoch mal was Extra«! Wir lassen's uns auch sonst nicht abgehen, so närr'sch find wir nicht, aber einmal die Woche will man doch auch was Ordentliches haben.' — Ich fragte:„Habt Ihr denn schon die Miethe zu- sammen?'—„Ach was", schrie sie da ärgerlich, was schert mich die Miethe, da laß ich meinen Mann für sorgen!' —„Lorenz.' fuhr Frau Martha fort,„das nenne ick schlecht, wenn die Frau so den Verdienst des Mannes verlcckcrt; sie selbst thut gar nichts, steht ganze Stunden herum auf dem Hofe und schwatzt. Und dabei hatte sie ein große« Loch unterm Aermel und ihre und der Kinder Strümpfe stopft sie nie!'— Lorenz hörte das alles nachdenklick an, warf einen scheuen Blick auf seine Frau und sagte:„Ja, Martha, mit dem Streiken — da« ist so'ne eigene Sache! Siehst Du, hier bei uns munkelt auch so was; sie wollen hier auch nur acht Stunden arbeiten und mehr verdienen. Es war' ja auch so übel nicht, wenn wir'« durchholen könnten!' Frau Martha sprang erschrocken auf, legte ihrem Mann die Hand fest auf dm Arm und sagte:„Lorenz, thu'S nicht! Thu'S doch um Gotteswillen nicht! Ihr holt's nicht durch, und wie werdm wir zurückkommen, wenn Du wochenlang nichts verdienst. Siehst Du, wir haben's doch recht gut. Ich spare, so viel ich kann, und Hab'« erreicht, daß weder ich noch die Kinder in die Fabrik zu geh-n brauchm. Ich Hab' auch Aus- ficht, noch mehr Arbeit im Hause zu bekommen; die Herrm, für welche ich die fein« Wäsche besorge, sind mit mir zufrieden und wollm mich andern empfehlm. Und wmn Du AbmdS um sieben nach Hause kommst, ist doch alles hübsch für Dich zurecht, nicht wahr, Lormz? Und jeden andern Sonntag hast Du doch auch ftei;— leider nicht jeden Sonntag, aber e« ist nun einmal so, und wir müssen uns drin finden, wird wohl auch noch ander« und besser werdm; nur thu mir'S zuliebe und laß Dich nicht auf's Streiken ein! Da liegt kein Segen drauf, glaub' mir's, Lormz!'— „Ja, Frau, siehst Du, wmn man auch nicht gem will, man muß ia! Sie lassen'««wem nicht zu, mit den Wölfen muß man hmlm, Lust Hab' ich im Grunde auch nicht!' „Ach, es sind gewiß noch mehr da, die keine Lust hcbm; doch auch mal mit und was auf Dich sprich doch mit ihnm, Lormz! Und sprich dem Baumeister, der uns neulich besuchte hält.' Da läutete es, und Lormz mußte an die Arbeit. Frau Martha aber ging mit sorgenvollem Herzm fort und dachte bei sich:„Lieder Gott, behüt' uns nur vor dem Streiken!' Welch häßliches Bild! Die Frau, die, ohne zu erröthm, Almosen annimmt, eine Klatsche, die den Arbeiternachbar um dm besseren Bissen beneidet, die Nachbarin verläumdet und verhetzt, um ihre eigme„Tugend' in ein herrliches Licht zu stellm, die zwar dm Nachbar um die 50 Pf. mehr, die im Streik gewonnen sind, mit scheelem Neid ansieht, aber ihren Mann zum Streikbrecher machen will, wenn seine Kollegm auch ihre Lage verbessern wollen, die„zufrieden' ist, obgleich sie ihrm Kindern nicht die nöthige Nahrung geben kann, wie sie es selbst gerne möchte. O Pfui, über diese niedrige Gesinnung, die sich in dem Weibe aussprickt, das nicht dm Mann stutzt und degeistert, wmn es zum Kampfe geht, sondern sich wie eine niederziehende Last, wie ein hemmmder Klotz ihm an die Füße hängt, damit er dasteht als em Fluch seiner Genossen, als Streikbrecher, von allen guten Arbeitern gemieden und verachtet. Und solch ein elendes, scklechtes Weib wird hier von einem„christlichen' Blatt als Muster hingestellt, um die Arbeiter zu entnerven und zu entmuthigm, damit sie bequemes, zufriedenes AuSbeutungk- Material bleiben, aus welchem das Kapital hohen Profit ziehen kann. Es mögm die Arbeiter aus diesem Beispiel sehen,. was ihre„christlichen' Freunde von ihnen verlangm. Mögen sie sich von diesen Wölfen abwmden, die in Schafs« kleidem zu ihnen kommm. Lolicilc:-. Di« Aokalkommisston überreicht uns folgmde drei Briefe zur Veröffmtlichung, von denen die beiden erstm die Kapitulation der Tivoli- Brauerei, der letzte die der Haderschen Brauerei darstellen: Berlin, den 2. Oktober 1889. In der Beilage zum„Berliner Volksblatt' vom heutigm Tage sind die Namen einiger Brauereien und Lokalbesitzcr ver- öffentlicht, welche ihre Lokalitätm zu Volks' Versammlungen de- nutzen lassen. Da dabei nur vier hiesige Braucrcim genannt find, so könnte eS den Anschein gewinnen, als ob die übrigen Brauereim und darunter auch wir, ihre Lokale für solche Zwecke verweigert hätten. Um diesem Mißverständnisse vorzubeugen, sehen wir ui.S zil der Erklärung veranlaßt, daß unser großer Saal stets allm Volks- Versammlungm— odne Unterschied der Partei- richtung— zur Verfüqung gestandm hat und hauptsächlich gerade in diesem Sommer zu allm größeren Arbeiter- Versammlungm benutzt worden ,st. Weder von uns, noch von unserem Oekonomm, Herrn Kindermann, ist derselbe jemals einem Vereine verweigert wordm, und dies wird auch in Zu- kunft nicht geschehen. Berliner Brauerei-Gesellschaft Tivoli. Rich. Scheffel. Max Heintz. Berlin SW., 2. Oktober 1889. Herrn Wilhelm Werner, hier. Bezuanehmmd auf das von der Direktion meiner Brauerei- Gesellschaft„Tivoli' Ihnen heute gesandte Schreiben in Betreff Hergabe unseres Saales zur Abhaltung von Versammlungen ic. theil« auch ich Ihnen ergebmst mit, daß ich bisher allm politilchm Parteien meinen Saal zu ihren Versammlungen zur Verfügung gestellt habe und auch ferner zur Verfügung stellen werde. Sollte mal eine Ausnahme darin vorgekommen sein, so könnte die« nur in letzter Zeit geschehen sein und zwar während ich zur vierwöchentlichen Kur in Karlsbad gewesen und mem Sohn mit meiner Vertretung betraut war, aber mit dm aeschäftlichm Verhältnissen doch(als Nichtfachmann) weniger bekannt war. Hochachtungsvoll Fritz Kind ermann, Oekonom der Brauereigesellschast„Tivoli'. Herrn W. Werner Berlin, 3. Oktober 1889. hier. Sebastianstraße 72. Auf Ihre gestrige Anftage betreffs Hergabe meines aroßm Saales zur Abhaltung Jbrer Versammlung, theile ich Ihnen ergebenst mit, daß ich Ihnen dmselben zur Verfügung stelle und wollm Sie sich mit meinem Oekonom, Herrn Hilling, dieserbalb in Verbindung setzen. Meine Stammgäste müssen an dem VersammlungStage alsdann mit dem kleinm Saal zufrieden sein. Angenehm wäre es mir, wmn Sie die Versammlungm Sonntags oder Freitags abhieltm, da an diesen Tagm der Besuch am schwächstm ist. Hochachtungsvoll C. Havel. Die K«rli««r itvtlft vev 50 Iahreu hat eine inter- essante Charakteristik in dm vertraulichen Briefm eines Süd- deutschm über Preußms Hauptstadt gefunden. Sie hatte so wenig Aehnlichkeit mit der heutigm Presse, wie das damalige Berliner Leben mit dem von V.ute. Mit Ausnahme der„Vojfi- scheu Zeitung'' n« für die Literatur des Aus- landes' gehörm die itnu... 1839 bereits sämmtlich der Geschichte an. Dawar zunächst der„Gesellschafter, oder Blatter für Geist und Herz', von Gubitz. Der Frankfurter Kritiker urlheilt darüber, der Inhalt des Blattes sei für dm Geist ohne Interesse und lasse da« Herz theilnahmlvS. Im„Freimülhi- gen' von Willibald Alexis herrsche der gewöhnliche, nüchterne Joumalton; Alexis halte wie eine umsichtige Amme die Frei- mülhiakeit am Gängelbande.„Berlin', ein Lokalblatt von Lud- wig Rellstab, erfülle seinm Zweck wenig. Wer die Tagesereig- nisse einer großen Stadt zur Anschauung brinam wolle, müsse sich persönlich in dieselbm hinern begrdm. Spärlich aneinander gereihte Thatsachen, Theater-Klatschereim und einige Bissig« reiten gegm Meyerö. � �pontini gewährten kein Pano- rama des*ageS. Der' wird von Herrn O. redigirt, einem Joumalistm unterster Krasse, dem ausgespucktm Saphir. Was O. auch schreibt, eS ist ein Gemisch von widriger Ea- lanterie, die sich mit-au cke mtil- fleurs und anderen Düsteleim einbalsamirt, sich mit goldmm Ketten schmückt und mit brillantenen Vorstecknadeln, wie ein fashionahler Schneider, und die Grazie in einem Schwulste von Süsfigkeitm sucht. Eine „Theaterzeitung' wird von einem Herrn v. Sommerfeld redi- girt. Neben dem Theater werden hier auch Gastwirthe, Schnei- der, Galanterie, vaarinhändler u. s. w. in besonderen Artikeln und in einem nickt minder blumenreich- kritischen Tone be- sprachen. Im„Radjeck'schen Wochenblatt" debütiren junge Theologen mit sckriflstellerischen Arbeiten und sentimentale Gedichte finden daselbst eine freundliche Aufnahme. Für den „Beobachter an der Spree" interessirt fick der Mittelstand leb« hakt. Er beschäftigt fich mit der Auffassung lokaler Zustände und liefert Anekdoten aus dem Berliner Leben.— Man ersieht aus dieser Charakteristik, wie fich der Geist der Zeit auch damals in der Presse spiegelte. Keixung der Personenzüge. Mit dem 1. Oktober d. I. traten für die Heizung der Personenzüge nachstehende, in den Bezirken der sämmtlichen königlich preußischen Staatsbahnen und der großherzoglich oldenburgischen Eisenbahndirektion gleichmäßige Anwendung findende Vorschriften in Kraft: In der Zeit vom 1. Oktober dis Ende April sollen die Personen- wagen der Tages- und der Nachtzüae geheizt werden, wenn die äußere Temperatur unter-f 5 Grad R. sinkt. In der Zeit vom 1. Dezember bis Ende Februar sollen die Züge nur ausnahmsweise nicht geheizt werden. Ist mit dem Heizen ein- mal begonnen, so wird damit erst dann wieder aufgehört, wenn während dreier auf einander folgender Tage die Temperatur des Nachts nicht unter 5 Grad R. gesunken ist. Ob die Nothwendigkeit zum Heizen vorliegt, bestimmt die Abgangs- station. In den KupeeS ist als mittlere Temperatur eine Wärme von+ 8°R. anzustreben. Die Heizung auf den An- fangsstationcn muß so frühzeitig begonnen werden, daß schon bei Abgang des Zuges diese Temperatur nahezu erreicht ist. Für die Instandhaltung der Heizvorrichtungen find die Wagen- meister derjenigen Station verantwortlich, auf welcher der Wagen stationH ist. Im Falle sich Mängel an den Heizvor- richtungen vorfinden, welche die Wagenmeister nicht abzustellen vermögen, sind die betreffenden Wagen, unter Angabe der Mängel, einer Werkstätte zuzusenden. Ein von den Betriebs- ämtern zu bestimmender Beamter der Heizftation trägt die Vcr- antwortung für die vorschriftsmäßige Heizung, während das Zugbegleitungspersonal, namentlich der Zugsührer, die Be- folgung der gegebenen Vorschriften, die Wirksamkeit der Heiz- einrichtungen während der Fahrt zc. zu überwacken und dafür zu sorgen hat, daß etwaigen Beschwerden der Reisenden, na- mentlrch auch über zu starkes Heize», nach Möglichkeit begegnet werde. Alle diesen Vorschriften entgegenstehende bisherige Be- stimmungen werden aufgehoben. Für den Bei eich der preußi» schen Staatsbahnen find gemeinsame Bestimmungen über die Behandlung der Dampfheizung bei den Personenzügen aufge- stellt worden. An Stelle des Kahnhofs Moabit der Berliner Ring- ■ ,hn ist von der Eisenbahnverwaltung die Anlegung zweier lohnhöfe vrojektirt worden. Der eine soll auf der anderen Seite der Eisenbahnüberführung im Zuge der Beußelstraße, der zweite in der Gegend der Stromstraße errichtet werden, nachdem die von den städtischen Behörden bescklossene Strom- straßenüberführung bewirkt sein wird. Die Vorarbeiten zur Anleguna des Beußelstraßen-Bahnhofes sollen bereits in nächster Zeit besonnen werden. Am 1. Oktobe» ist der Winterfahrplan der Neuen Ber- liner Omnibus- und Packetfahrt- Aktien- Gesellschaft in Kraft getreten. Auf der Linie Neues Thor— Kotibufer Thor ist eine neue 10 Psg.-Theilstrecke, von der Friedrichstrabe(Ecke Unter den Linden) bis zur Prinzenstraße(Ecke Ritterftraße) eingelegt worden. Die Fahrrichtung der Linie Wörther Platz— Anhalter Bahnhof ist zum Theil geändert, indem der Omnibus, vom Wörther Platz kommend, nicht mehr von der Mohrenstraße aus in die Wilhelmstraße einfährt, sondern von der Ecke Mohren- und Friedrickstraße folgende Straßen berührt: Friedrichstraße, Kochstraße, Wilhelmstraße und Anhaltstrabe. Infolge dessen ist oie lv Pfg.- Theilstrecke dieser Linie, Prenzlauer Thor bis zur Wilhelmstrabe(Ecke Leipziger Straße) in Prenzlauer Thor — Fiiedrickstraße(Ecke Leipziger Straße) geändert. Die Linie Wörther Platz— Anhalter Bahnhof hat eine neue 10 Pfg.-Theil- strecke erholten, welche vom Alexanderplatz bis zur Friedrich- straße. Eck- Kochstraße, führt. Die Düppeler Straße, welche unter Vermeidung des Bahnüberganges in der Gioßgörfchenstraße den Zugang �nach dem Matlhäikirchhof vermitteln soll, ist jetzt dem Verkehr über- geben worden. �. Der Dorortverkehr nach FriedüchShagen. und Erkner hat eme solche Ausdehnung angenommen, daß der Eisenbahn- minister dem Betriebsamt der Stadt- und Ringbahn den Auf- trag ertheilt hat, einen Entwurf für einen viergleisigen Ausbau der Bahn bis Erkner auszuarbeiten. Insgefammt 34 Kahugeleife werden nach Fertig- stellung der neuen Geleise der Potsdamer Bahn auf hohen Brück-n über die verlängerte Porkstraße hinwegführen. Seitens ber städtische« Krhörden ist der Neuen Ber- liner Pferdebahn-Gesellschast die Erlaubniß zum Bau einer Pferdcbahnlinie von der Frankfurter Allee durch die Box- hagenerstroße bis zur Berliner Weichbildarenze erlheilt worden. Mit der Austührung soll begonnen werden, sobald auch das Polizeipräsidium die Genehmigung ausgesprochen hat. In be- stimmte Aussicht soll genommen sein, die Bahn bis zur Ort- fchaft Rummeisburg weiterzuführen. Die KandsteinbeKleidnng der Fronten des Reichstags- gebäudes nimmt ihren Fortgang. Gegenwärtig ist man fast durchsehend« bis zu den Kapitellen der Pilaster und mächtigen r?albsäulen gelangt, weiche die Fronten gliedern. Auch der oft- :, an der Sommerstraße gelegene Mitteltheil des Baues, welcher etwas zurückgeblieben war, ist im Laufe dieses Jahres zu hends gefördert worden. Nur vom Königsplatz aus sieht man noch immer eine klaffende Lücke, welche daraus hindeutet, daß in Sachen der Kuppel noch keine endgiltige Enlscheidung eiroffen ist. Aller Wabrscheinlichkeit nach wird sich auch in iesem Jahre an jener Stelle eine Aenderung noch nicht voll- ehen. Die Ueberdachung des großen Parlamentssaales, wie e geplant ist, und welche eine Erleuchtung desselben durch Obel licht bedingie, scheint noch immer der Gegenstand ein- behendster Erörterung zu sein. Die Entwürfe zu dem inneren Ausbau des Gebäudes sind fast fix und fertig und die betreffen» den Äib iten schon»um Theil vergeben. vom Eitetüeit«- Markt. Die„Voss. Ztg." wird auf das Treiben eines bisher nicht bekannten Unternehmers auf- merksam gemacht, das auf das Einsangen titelsüchtiger Men- schen berechnet ist. Vor einigen Tagen erhielten hiesig« Ein- wohner ein gedrucktes, drei Seiten langes Anschreiben, ,n dem auf die Gefahren aufmerksam gemocht wird, die da« unbefugte Führen des DoktorütelS mit sich �mac. Nachdrücklich wird vor den amerikanischen Doktors«._....! und in zarter Weise darauf hingewiesen, das, oxt fälschliche Abgabe des Ehrenwortes wie das Vorlegen einer von fremder Hand angefertigten Dissertation strafbar sei u. f. w. Der Zweck dieser väterlichen Warnung war den Empfängern nicht klar, bis sie einige Tage darauf einen gedruckten Zettel erhielten, der mit den Morien anhebt:„Es ist möglich, daß gebildete Herren in geachteter Lebentstellung den Grad eines Doctor philosopbiae erwerben können, auch wenn diesrlben sich keiner Matunläts- prüfung untelwg«» oder akademische Studien nicht vollendet haben." Im Weiteren wird dann gesagt, dos Kaufen eines echten DottordiplomS sei unmöglich, wissenschaftliche Arbeiten würden von dem unbekannten Rathgeber nicht verkauft, auch verlange er keine Vorausbezahlung ertherle die Au«- kunft umsonst, selbst ohne d„ man Briefmarken beizulegen habe; aber über die Art der Diplom- Er- langung wird vorläufig Sckweigen beobachtet. Was nun bezweckt der uneigennützige Wohlthäter? Wie will er, da die Auskunft umsonst ist und nicht einmal das Almosen der beigefügten Briefmarke begehrt wird, auf seine Kosten für Druck der Rundschreiben, für Porto und Zeitauswand kommen? Ist er der Agent einer neuen, Gott we'ß in welchem Erdtheile errichteten Doktorsabrik, die wohl die Auskunft umsonst ertheiit, aber sich ihr schönes„Diplom" nachher theuer genug bezahlen läßt? Der Schlußsatz der zweiten Aufforderung:„Diskretion wird Jedermann, insbesondere Geprellten, zugesichert", macht es wahrscheinlich, daß der edle Doktorspender auf das böse Gewissen solcher Lkute spekuliit, die sich im Besitze eines „falschen" Doktors befinden und sich darin nicht sicher fühlen. Damit stimmt, daß die freundlichen Aufforderungen auch an solche Personen gerichtet find, bei deren Namen im Adreßbuch der Doktortitel steht. Der Biedermann hat also auf's Ge- rathewohl den Äcisuch gemacht, diese Herren auf die Echtheit ihre« Titels zu prüfen. Daß Diejenigen, die ihren ordnungS- gerechten Titel besitzen, feine Wische in den Papierkorb werfen würden, hat er wohl gewußt, aber vielleicht befanden sich unter den Empsängern auch etliche falsche Doktoren, die fich durch daS bloße Anklopfen bedroht fühlen und zur Sicherheit gern noch einmal in die Tasche greifen! Der unbekannte Herr er- bittet fich Zusendungen unter folgender Adresse:„Auctor, Postlagernd, Berlin C., Postamt Nr. 25." Kekrnntnisse eines Gperaienrs. Wunderbar sind oft die Erfolge, welche ein geschickter Chirurg mit einer einzigen Operation erzielen kann; wie mit einem Schlage ist zuweiten jahrelanges Siechthum verschwunden, der Operirte kehrt zu neuem Leben wieder und mit Recht wird die„glückliche Hand" des Operateurs gepriesen. Doch giebt es auch unglücklicke Zu- fälle bei den Operationen, die das beste Streben des Arztes vereiteln, ihn zur Verzweiflung bringen und dem Patienten verhängnißvoll werden können. Von solchen Fällen hört man nur selten, denn die Herren sprechen begreiflicherweise nicht gern davon. Um so rühmenSwerther ist daher der Freimuth des wellbekannten Münchener Chirurgen, Professor o. Nuß- bäum, welcher in der jüngst erschienenen Kolliker'schen Jubi- läumSschrift einen hochinteressanten Beitrag veröffentlichte über „Unglücke in der Chirurgie", die ihm und andern pasfirt find. Was kann nicht alles einem Operateur pasfiren! Daß er einen unrichtigen Zahn auszieht, soll öfter vorkommen, namentlich wenn der Patient narkolifirt ist und nicht nochmals befragt werden kann. Es ist aher schon in einer Klinik einem Patienten der unrechte Fuß amputirt worden, und das kam so: Ein Kranker mit zwei verbundenen füßen wurde auf den Operationstisch gelegt. Beide üße waren erkrankt, den rechten Fuß hielt man für heilbar, den linken für unheilbar und wollte letzteren deshalb amputiren. Unglücklicher Weise amputirte man den besseren rechten Fuß, war darüher sehr erschrocken und gab sich nun die erdenklichste Mühe, den linken schlimmeren Fuß zu erhalten. Und dies gelang! Bei der Ansehung künstlicher Nasen aus der Stirn- oder Ärmhaut(Rhinoplastit) passirt e« nicht selten, daß am Ende de« Heilungeprozesses ein Slück brandig wird, oder daß die Anfangs so stolz ragende neue Nase zu einem Klumpen zusammenfällt und sich auf die Seite legt. Bei einer Operation der Mandeln im Halse pajsirte es Herrn v. Nußbaum, daß das Messer an einem steinigen Konkrement, das in der Mandel steckte, zerbrach und der Patient das 2 Zentimeter lange ab- gebrochene Slück des Instruments hinunter schluckte. Damit nun der haarscharfe Stahl im Magen keine Verwundungen anrichte, ließ Nußbaum sofort ein GlaS Zuckerwasser mit einem Eßlöffel voll verdünnter Salzsäure trinken, und nach acktundvierzig Stunden ging das Messerstück schwarz, rostig und stumpf(Einwirkung der Salzsäure) ohne Be- schwerden aus natürlichem Wege ab. Nicht selten werden bekanntlich künstliche Zähne und Gebrsse unversehens verschluckt. Nußbaum kennt einen Fall, wo eine Dame eine Platte mit fünf Zähnen verschluckt hatte, welche fest im Schlünde einge- keilt steckte und weder herauf- noch hinunterbewegt werden konnte. Da die Dame keine Schmerzen davon hatte, ohne Be- lästigung essen und trinken, sprechen und athmen konnte, so rieth ihr Nußbaum, erst dann eine Operation vornehmen zu lassen, wenn große Beschwerden eintreten. Und die Dame trägt nun schon 1) Jahre das verschluckte Zahngebiß ohne Ge- fahr im Halse. Bei Knochenbrüchen kommen sehr viele Un- glückSfälle vor, welche die Patienten gern dem Ar�t in die Schuhe schieben möchten, obwohl diesen die Schuld nrcht trifft. Sehr häufig liegt nämlich die Schuld der schlechten Heilung an einer krankhaften Veranlagung des Patienten oder an vor- zeitigen Bewegungen. Das schiefe Zusammenheilen eines Knochenbruchcs würde auch viel seltener vorkommen, wenn die Äerzte die goldene Regel im Auge behielten, zur halben Heil- zeit den Verband nochmals zu öffnen und die vorhandenen Fehler zu verbessern; denn um diese Zeit lasse sich noch alles Krumme grade biegen.„Ein„Unglück" nennt es Nußbaum, wenn ein Operateur bei einer Lapyrotomie einen Schwamm oder eine Pinzette oder ein Gummiröhrchen in der Bauchhöhle liegen läßt und die darauf folgende Blut- Vergiftung den Tod des Kranken herbeiführt. Eine wirksame Konirole ist es, alle Instrumente, Schwömme rc., die zu der Operation gebraucht werden, vor und nach der Operation genau zu zählen; dann weiß man sofort sicher, ob man noch etwa« vergessen hat. Auch den berüchtigten Chlorosormtod, das ist die Erstickung in der Chloroformnarkose, zählt Nußbaum zu den Unglücksfällen, die den Arzt unverschuldet treffen können. In der ersten Zeit der Chloroformanwendung waren derartige Todesfälle häufiger, jetzt kommt jedoch auf 11—22000 Chloro- formnarkosen erst ein Todesfall. Das sogenannte Lachgas scheint weniger gefährlich und ist entschieden angenehmer als das Chloroform. Allein es tritt dabei oft der fatale Zufall ein, daß das Lachgas den Patienten nicht betäubt, daß er während der Operation bei vollem Gefühl und Bewußtsein bleibt, starkes Kopfweh bekommt und schließlich doch chlorofor- mrrt werden muß. Wir schließen diese„Unglückschronik" mit dem Ausspruch Nußbaums, daß die Äerzte aus einem solchen unglücklichen Fall mehr lernen können, als aus zehn glücklichm Fällen, und das ist noch ein gewisser Trost. Mie manchmal atarmirrnde©erficht» entstehen, ersieht man aus folgendem, von der„D. V.rkehrS- Ztg." mit- gelhcilten Fall, welcher gleichzeitig eine Warnung enthält. In der Provinz hatte vor einiger Zeit ein Telegraphenasfistent einem Postagenten, um sich mit demselben einen„Scherz" zu machen, telegraphisch die Nachricht zugesandt, daß zwischen Deutschland und Rußland der Krieg erklärt worden sei und auf die zweifelnde Rückfiage des Post- agenten, ob die Nachricht auch Glauben verdiene, die Wahrheit d>.7k->ben noch ausdrücklich versichert. Das Gerücht hatte fich dann weiter verbreitet und war auch in eine Zeitung über- gegangen. Dieser unerhörte Mißbrauch der telegraphischen Einrichtungen, welcher eine schwere Beunruhigung der Bevöl- kerung und erhebliche wirthjchaftliche Schäden hätte nach fich ziehen können, ist jetzt Seitens der obersten Postdehörde dahin geahndet worden, daß der schuldige Beamte mit der höchsten, nach dem Reichsbeamtengesetze zulässigen Geldstrafe in Höhe des einmonatlichen Betrages seines DienstemkommenS belegt worden ist. Da» Treibe« gewisser Auktionatoren zeigte sich wieder einmal in seinem häßltchsien Lichte in dem Laden des früheren ZiaarrenhändlerS H. in der Oranienstraße während der letzten Tage des vorigen Monats. Der alte H., in seiner Nachbarschaft wohlbekannt und von gutem Rufe, hatte sich ent« schlössen, sein Zigarcengeschäst auszugeben, da er mit den mo- Kernen, großartig angelegten Läden nicht mehr konkurriren konnte. Er halte seine Vonä he biS auf wenige Kisten Zigarren verkauft. Diese und die Ladcnutenfilien beadfichtigte er, wo- mögltch im Ganzen loS zu werden. Auf feine Verkaufsofferte meldete sich bei ihm ein„Konfoitium", das sich auch zur Zahlung eines annehmbaren Preises erbot, je- doch unter der Bedingung, daß H. seinen Käufern auch den Laden überlasse, woraus H. ohne Arg einging. Sofort prangte am nächsten Tage an dem Schaufenster des Ladens� da« de- kannte rothe Plakat, wonach die Bestände des H.'-chen W aar er- lageis öffentlich meistbietcnd versteigert werden sollten. Bald ertönten im Laden die laute Stimme und die Hammerschlöge des Auktionators, die Helfershelfer der Auktionen, die sog, „Drömler", waren zahlreich erschienen und von den Nachka en des allen H. gingen Viele hinein, um noch eine Kiste Zigarren billig zu erstihen. Zum Versteigern der Vorräthe waren mehrere Tage nöihig und schließlich kamen auch noch Ungar- weine und Spirituosen an die Reihe, obwohl der alte H. so etwas weder verkauft, noch sonst etwa für seinen Prioatglbrauch auf Lager gehalten hatte. Allmälig gingen den Käufern die Augen auf und es kam zu sehr erregten Szenen zwischen den Kauflustigen und den„Drömlern", wobei die letzteren schlecht weggekommen sein sollen. Am näcksten Mar- gen fand dann eine tüchtige Prügelei zwischen dem Auktionaror und den„Drömlern" statt, vermuthlich wegen des diesen zu- stehenden GewrnnanthcilS. Hierbei sollen in dem Streite Aeuße- rungen gefallen fein, wonach in dem Laden gegen 60 Mrlle Cigarren verauktionirt wLiea, ein Posten, den der alte H. nie- mals in fiinem Laden zusammen hatte. Natürlich ist daS Crgarrengeschäfl in der ganzen Umgegend des H.'schen Ladens labm gelegt, da sich alle Raucher in der Auk ron der H.'ichrn „Waarenbestände" mit den nöthigen Vorräthen versehen haben. Mit aufgespanntem Regenschirm im Eisenbafin- koupee fitzen zu müssen, ist die neueste Errungenschaft, welche die Berlin-Potsdamer Bahn den Reisenden des am Donners- tag früh um 7,40 aus B andenburq hier einlaufenden Per- sonenzugeS darbot. Im Wagen Nr. 2 163 regnete es, wie bericktet wird, fast ebenso stark als draußen; die Sitze und der Fußboden waren vom Wasser überschwemmt. Auf die Be- schwcrden der bedrängten Passagiere erwiderte der Schaffner, die E rrstellung solcher Leckwaggons wäre nicht feine Schuld. Andere Plötze wurden den Reifinden nicht angewiesen. Mit Uebersührung«ach dem Irrenhanse hat dieser Tage ein„Scherz" geendet, der, so harmlos er auch war, den Anstiftern desselben Gewissensbisse und Reue verursachen dürfir. In der ArbeitSftube eines Konfektionsgeschäftes am Haus- voigtciplatz war feit etwa zwei Jahren die 17jährige Klasse, die einzige Tochter einer in Schlesien wohnenden Wittwe, thätig, und das stille, geistig zurückgebliebene Mädchen war die Ziet- scheide des Spottes und Witzes ihrer glücklicher veranlagten Kolleginnen. Im vorigen Jahre— als der widerliche Schön- heitskonkurrenzkampf in den verschiedensten Etablissements unserer Stadt tobte, waren die Insassinnen der betr. Arbeits, stube an einem Abend in ein derartiges Lokal gegangen, um dort eine preisgekrönte Schönheit zn bewundern. Unter dem Besucherinnen befand sich auch die K., mit welcher die anderen Mädchen nach Schluß der Vorstellung fich wieder einen Ulk machen wollten, und die der geistig beschränkten Person in allem Ernst einredeten, fich doch auch um den Schönheitspreis zu bewerben. Tag für Tag ward nunmehr dieser dumme Witz in der Arbeitsstube aufge- tischt und um denselben zu veroollständigen, gelangten sogar anonyme Briefe an die K. mit der Aufforderung, sich doch an irgend einer SchönheitS- Konkurrenz zu betheiligen; und so bil- bete das unschöne Mädchen sich in der That ein, daß sie eine „Schönheit" sei; sie vernachlässigte die Arbeit und lief von einer Direktion solcher Institute zu der anderen mit der BiOe. ihr doch zu gestatten, öffentlich als preisgekrönte Schönheit auf- zutreten. Natürlich wurde ihr dies sonderbare Ansinnen überall abgeschlagen und darüber verfiel denn das junxe Mädchen, bei welcher die„Schönheits-Konkurrenz" zur firen Idee geworden, in Schwermuth, die sich in den letzten Wochen derartig steigerte, daß die schon längst erwerbsunfähige K. vor Kurzem in Tobsucht verfiel und schließlich in dieser Woche nach ihrer Heimalh in ein Irrenhaus überführt wurde. Sturz an« dem fiinften Stockwerk. Auf dem Dacke des nahezu vollendeten vierstöckigen Neubaues Potsdamer- straße 61, an den Fensterbrettern der im fünften Stocke liegen- den Mansardenräume arbeitete gestern Morgen der 22jäbnge Klempnergeselle Otto Michaile, geboren zu Ohlau, ein Mann, der an epileptischen Zufällen leiden soll. Ein solcher Krampf- onfall scheint den M. bei der Arbeit befallen zu haben, denn Mötzlich strauchelte er und stürzte, noch ebe sich eine Hand zu einem Beistände regen konnte, in die Tiefe, schlug auf dm >aS Trottoir abgrenzenden Bauzaun auf und glitt innerhalb desselben auf den Bauplatz. Der Tod war bei dem Unglück- lichen sofort eingetreten. Bauarbeiter erstatteten schleunigst Anzeige von dem stattgehabten Unglück auf dem zuständigen Polizeirevier und dieses veranlaßte nach Aufnahme des That, bestandes die Uberführung der Leiche nach dem Leichenschau- hause. Mieder hat der Uerkehr der©roßssadt ein©pfer gefordert. Bon einem OmnrduS der Linie Hallesches Thor- Chausseestraße wurden am Mittwoch Mittag einem Aibeiter von der Elektrizitätsgesellschaft, welcher mit einem Handwagen auf dem Straßendamm fuhr, beide Beine in der Kniegegend überfahren. Der Unglückliche blieb mit einem gellenden Aufschrei liegen. Bewußtlos wurde er dann von hilfsbereiten Personen nach dem Flur des Hauses Kronenstraße 17 getragen. Zwei Aerzte, die dem Unfall beigewohnt hatten, untersuchten und verbanden den Verletzten. So weil festzustellen gewesen, find dem Manne beide Knielcheiben zersplittert. Das 38. Po- lizeirevier veranlaßte schließlich seine Ueberführung nach der Charit- miitelst Droschke. Stundenlange Folterqualen hat in der Nackt vom Montag zum Dienstag ein Bauer namens Karl Schüler aus dem benachbarten WalterSdorf(bei Rixdorf) ertragen müssen. Sch- befand sich mit einer zweifpänniaen Möbelfuhre auf dem Wege nach Berlin. Beim Pasfiren des Dorfes Selchow glitt derselbe infolge eines Ruckes, welchen der Wagen durch einen im Wege liegenden Stein erhielt, von seinem Sitze über die Deichselstange, fiel über dieselbe seitwärt« weg und kam mit beiden Beinen vor eins der Vorderräder zu liegen. Schüler rief nun in seiner Angst den Pferden da« bekannte„Bnr!" zu und sofort standen dieselben auch still, leider aber um ein« Sekunde zu spät— das Vorderrad stand im selben Moment auf den beiden Uniersckenkeln des unglücklichen Mannes. Stunden der gräßlichsten Qualen, unterbrochen von mehrfachen OhnmachtSansällen, folgten nun; endlich brach der Morgen an; nach Berlin zum Markte fahrende Bauern nahten und mit ihnen die verzweiflungSvoll herbeigesehnte Hilfe. Der Ver- stümmelte wurde auf einem in aller Eile rcquirirten Wagen nach dem nächstgelegenen Köpenick zu einem Arzte geschafft, woselbst ihm Stiefel und Beinkleider von den Beinen ge- schnitten werden mußten; die Wadenmuskeln waren geplatzt, die Unterbeinknochen zermalmt und die bereits brandig gewo-- denen Gliedmaßen boten einen traurigen Anblick dar. Ver» bände wurden sofort angelegt, worauf die Ueberführung in das doriige Krankenhaus erfolgte. Der Arzt gab Hoffnung auf Erhaltung der verletzten Glredmaßen, doch dürfte ein Jahr dar- über vergehen, ehe Schüler das Krankenlager zu verlassen im Stande sein wird. Nicht weniger als 47 Selbstmordfalle hat der amt- liche Polizeibericht im Laufe des verflossenen Monais September zu verzeichnen gehabt; unter den Lebensmüden be- fanden fich 37 männliche und 10 weibliche Personem 30 Fälle nabmen einen tödtiichen Ausgang. Von den Lebensmüden griffen 10 zum Strick, 16 zur Schußwaffe, 10 suchten den Tod im Wasser, 4 nahmen Gift, 4 öffneten fich die Pulsadern, um zu verbtuten, 1 stürzte sich aus dem Fenster und 1 ließ sich von einem Eisenbahnzuge überfahren. Selbstmord eine»©qmnastasten! In große Ene- gung und Trauer wurde gestern die auf dem Gesundbrunnen wohnende Familie des Beamten L. durch den Selbstmord rhreS einzigen 17jährigen Sohnes Paul, Schüler eines im Zentrum der Stadt belegenen Gymnasiums, versetzt.— AlSaestern früh die Mutter das Zimmer ihres Sahn es betrat, fand sie auf dem Arbeitstisch desselben einen an die Eltern kouvertirten Brief, worin ihnen der junge Mann mitlheilte, daß er eine ungün- stige Zentur elbalten und daß er dadurch so erregt und ei> bittert sei, daß er die nach seiner Ansicht unverdiente Schmach nicht überleben wolle. Seine Leiche würden die Eltern, die er des gelhanen Schrittes wegen vielmals um Entschuldigung bitte, auf einem Felde in der Nähe ihres Grundstückes finden. — Erschreckt eilten die Bestürzten nach den im Briefe bczeich- ncten Orte und fanden hier die bereits erkaltete Leiche ihres Kindes, das die Mordwaffe in der Hand haltend, sich mittelst derselben eine Kugel durch den Kopf gejagt hatte. Note»«ud Kohr» verunglückt. Ein doppelter schwerer Unglücksfall ereignete sich am Donnerstag Abend in einem Hause der Swinemünderftraße. Der Maurer K. war am 1. d. M. in seine neue Wohnung dorthin übergesiedelt und war am Donnerstag Abend nach Feierabend damit beschäftig, sich in der neuen Behausung einzurichten. Hi-rdel wollte K. «in Bild an der Wand befestigen, ging jeboA dabei so unvorsichtig zu Werke, daß der Nagel statt in die Wand m d,e Irnke Hand fuhr, und diese durchbohrend, festnagelte. Da K., welcher «ntsetzliche Schmerzen ausstand, keine Zange zur Hand hatte, rief er seinem vierzehnjährigen Knaben, welcher in der Küche beschäftigt war, zu, doch zum Hausverwalter hinunterzu- eilen, damit dieser ihm Hilfe bringe. Der Knabe, welcher die entsetzliche Lage, in welcher sich der Vater befand, wohl «lkannte, eilte sofort die Treppe hinunter, glitt aber, wahr- scheinlich auf einen Fruchtrest aus, fiel die steile Treppe hin- unter und blieb am Absatz der ersten Etage, in seinem Blute schwimmend, bewußloS liegen. Hausbewohner fanden den armen Knaben bald darauf und schafften den Verunglückten in die elterliche Wohnung, wo sie nun auch dem an der Wand festgenagelten Vater Hilfe leisteten und diesen aus der schreck- lichen Lage befreiten. Als Frau K. eine halbe Stunde später in ihr Heim zurückkehrte, fand sie die Wohnung zu ihrem Schrecken leer; beide Verunglückte waren in ein nahe gelegenes Kraukenhaus geschafft worden. Während der Maurer K. bald von seiner Wunde an der Hand hergestellt sein wird, dürfte der Zustand des Knaben ein bedenklicher sein, da der Arzt bei demselben einen Schädelbruch konstatirte. Der Kchlüchtergrsrlle Werner ist, wie sich jetzt eine Lokalkorrespondenz berichtigt, nicht aus seiner Stellung in der fiskalischen Abdeckerei auf Grund irgend welcher gesetzwidrigen Vorkommnisse entlassen worden, sondern ist ohne irgend eine Benachrichtigung von der Arbeit weggeblieben. Der Abdeckerei- Verwaltung sei bis zur Stunde nicht bekannt, daß Werner Fleischtheile dort entwendet hat. Das dort eingelieferte Fleisch werde von jetzt ab sofort nach erfolgter Einlieferung entweder verarbeitet, oder aber, wenn solches nicht angänglich, unter sicheren Verschluß gelegt. D«r Kassenbote der Münchener Lowenbranerei, welcher vor einigen Tagen eine Brieftasche mit SOV Mark in Kassenanweisungen verloren, ist seitens seiner Firma ent- lassen worden und wird für die verlorene Summe haftbar gemacht. Die Brieftasche nebst dem in derselben befindlich gc- wesenen Trauschein des Boten ist übrigens— ohne das Geld — auf dem Hofe des Grundstücks Belle-Älliancestr. 77 gefunden worden. Verschwunden. Die 13 jährige Minna Strehl hat sich Montag aus der Wohnung ihrer Landsbergerstraße 18», 3 Tr., wohnenden Mutter entfernt und ist bis heute dahin noch nicht zurückgekehrt. Des Mädchens Statur ist groß und schlank, dos Gesicht hager: bekleidet war Minna Strehl mit Knöpf- stiefeln, braunem Kleid, hellgrauem Regenmantel mit Metall« knöpfen, Kapothut.i von dunkelbraunem Sammet. Die Ver- schwundene führte ein mit einem Plaidriemen umschnürtes Bündel Wäsche und auch eine größere Baarschaft bei sich. Wer über den Aufenthalt des Mädchens etwas mitzuthcilen vermag, wird gebeten, seine Angaben dem nächsten Polizeireviere zu machen. Rostom» der UnglückSelephant unseres Zoologischen Gar- tens, soll dem HinrichtungStode nun doch nicht entgehen. Man trifft zur Zeit Vorkehrungen, um ihn mittelst Hängens aus dem Leben zu befördern. Eigens zu diesem Zwecke ist von einem hiesigen Scilermeister«in starkes Hanfseil angefertigt worden. Dasselbe wird an einem neu zu erbauenden, galgenartigen Ge- rüst im Elephantenhause befestigt. Die»Exekution" soll schon in allernächster Zeit erfolgen. Man darf wohl erwarten, daß diesmal die Vorbereitungen so getroffen werden, daß ein Miß- lingen der Hinrichtung ausgeschlossen ist. Polikeibrrickt. Am 2. d. M. brachten sich drei Gym- vasiasten mittelst Revolvers lebensgefährliche Verletzungen bei. Zwei von ihnen starben bald darauf, während der Dritte nach dem Elisabeih-Krankenhause gebracht werden mußte. Anlaß zum Selbstmorde scheint theils nicht erfolgte Versetzung gegeben zu haben, theils find die Ursachen unbekannt geblieben.— Vormittags wurde ein dreijähriges Mädchen in der Küche der elterlichen Wohnung, Ruckerftraße 5, von seiner älteren Schwester niedergestcßm und fiel dabei über einen mit heißer Stärke gefüllten Tops, dessen Inhalt sich über das Kind ergoß. Es erlitt dadurch so schwere Brandwunden, daß es am daraus- folgenden Tage im jüdischen Krankenhause, wohin es gebracht worden war verstarb.— Am 3. d.. Vorm., wurde ein Schuh- macher in seiner Wohnung in der Rosenthalerstraße erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Schauhause ge- schafft. GerichtS'ücikung. Cin» besonders grobe Fahrlässrgbeit, wodurch ein Menschenleben verloren ging, führte gestern den Kutscher Karl Schmidt vor die dritte Strafkammer des Landgerichts I. Am Machmittage des 7. August er. veranstaltete der Angeklagte auf eigene Hand eine Art Wettfohren. Er hatte mit einem Pferde« bahnwagen der Strecke Kreuzberg- Gesundbrunnen vom Belle- allianceplatz kommend die Lindenstroße zu passiren und trotz- dem er einen mit Lehm beladenen Wagen fuhr, versuchte er mit dem Pferdebahnwagen gleiche Geschwindigkeit zu hallen. Auf die ihm vom Schaffner und einigen Fahrgästen zuge« winkten Warnungen achtete er nicht und trieb die Pferde nur noch schärfer an. Als der Pferdebahnwagen an der Haltestelle bei der Jerusalemer Kirche hielt, fuhr der Angeklagte mit unver- mindertcr Schnelligkeit an demselben vorüber und im nächsten Augenblick geschah ein Unglück. Ein Mann m Arbeiterkleidung, der vor dem Pferdebahnwagen vorüber den lensenigen Bürger- steig erreichen wollte, konnte dem Gefährt des Angeklagten nicht mehr ausweichen, er wurde zu Boden gerissen und uderfahren. Man brachte den Verunglückten nach dem Krankenhause, wo er an den erlittenen inneren Verletzungen nach acht Tagen ver- starben ist. Der Angeklagte gab im Verhandlungstermine den geschilderten Sachverhalt zu und stützte seine Bitte um erne wilde Beurtheilung auf den Umstand, daß er angetrunken ge- Wesen. Der Staatsanwalt hielt die Fahrlässigkeit deu Singe- klagten für eine so grobe, daß er eine Gesängnißstrafe von anderthalb Jahren in Antrag brachte. Der Gerichtshof erkannte aus l Jahr Gesängniß..- Al»»in» ntue Sprialttät der Kuchmacherei auf den Rennplätzen sühne sich am Freitag der aus Danzig geburtige Kaulmann Martin Goldschmrdt bei der zweiten Strafkammer am Landgericht II ein. Der Angeklagte wurde beschuldigt, im A.ühjahr und Sommer 1888 auf dem Rennplätze zu Hoppe- garten Buch gemacht und damit aus dem Glücksspiele ein Ge- werbe gemacht zu haben. Er gab zwar zu, gewettet, und Wetten angenommen zu haben, aber er habe dies nicht im eigenen Interesse und für eigene Rechnung gethan, sondern im .Jnteresse von Pserdebesitzmr, die auf ihre eigenen Pferde wetteten. Er sei also nur Buchmacher. Kommissionär gewesen. Die Beweisaufnahme ergab indessen, daß der Angeklagte nicht nur auf einzelne sondern auf alle Pferde Wetten angenommen hatte; einer der Zeugen erklärte sogar, daß er, wenn er verlor, den Betrag der Wette zwar an den Angeklagten zahlen mußte, daß er dagegen nichts kriegte, wenn er gewann. Der Gerichtshof entschied, daß ange- nommen werden müsse, daß der Angeklagte in einer Anzahl von Fällen nur als Kommissionär von Hintermännern Buch gemacht habe. Würden diese Hintermänner bekannt sein und würde festgestellt werden können, daß sie das Glücksspiel ge- werbsmäßig betrieben, so würde auch der Angeklagte wegen Theilnahme zu bestrafen gewesen sein. Da aber diese Fest- stellung unmöglich sei, weil die Hintermänner nicht bekannt geworden, so müsse in diesem Punkte auf Freisprechung erkannt werden. Andererseits stehe aber fest, daß der Angeklagte in einer Anzahl von Fällen Wetten für eigene Rechnung gemacht habe, bei denen die Gewerbsmäßigkeit außer allem Zweifel stehe, und wegen dieser Fälle müsse Bestrafung eintreten. Da aber der Angeklagte wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels noch nicht vorbestraft sei, könne eine Gefängmßstrase von 3 Tagen für ausreichend angesehen werden. Demgemäß sei erkannt worden. Eine folgenschmere Dermechtelung von Medikamenten führte am Freitag den Pharmazeuten Albert Grefe vor die erste Strafkammer am Landgericht II. Der Angeklagte, her im Jahre 1864 geboren ist, war bis Anfang d. I. bei dem Apothekenbefitzer Dr. Ehestaedt in Pankow als Provisor ange- st llt. Am Abend des 10. Januar wurde für das an Luft« röhrcnkatarrh erkrankte Kind des Gärtners Neubauer in Herms- darf ein Rezept eingeliefert, laut welchem eine Dosis Calomel verordnet worden war. Der Provisor vergriff sich aber und gab statt Calomel Morphium. Eine Stunde nach Abholung des Medikaments lief ein weiteres Rezept ein, welches auf Morphium lautete. Jetzt bemerkte der Provisor den verhängnißvollen Jrrthum, er machte seinen Prinzipal barauf aufmerksam und tief noch in der Nacht zu den Eltern des kranken Kindes. Es war zu spät, das Pulver war bereits eingegeben, am nächsten Morgen starb das Kind an Morphiumvergiftung. Der Provisor war vor Schreck wie ge- brochen. Wochenlang lief er wie wahnfinnig umher, er wollte einen Selbstmord begehen, der Versuch mißlang jedoch und schließlich stellte er sich selbst der Behörde. Der Angeklagte konnte zwar nicht die Möglichkeit eines JrrthumS bestreiten, er wollte aber auch nicht bestimmt wissen, ob er sich vergriffen habe. Nach dem Urtheile der medizinischen Sachverständigen, KreiSphyfici Professor Dr. Falk und Dr. Philipp war das Kind unzweifelhaft an Morphiumvergiftung ge- starben. Die Dosis würde einen erwachsenen Menschen ge- tödtet haben, für das Kind war sie mindestens 50 Mal zu groß. Dem Angeklagten wurde durch seinen Prinzipal das Zeugniß eines überaus zuverlässigen Menschen gegeben und Herr Dr. Cheftä dt erklärte selbst, daß er an dem Jrrthum nicht ganz unschuldig sei, weil er der gesetzlichen Vorschrift zuwider eine Morphiumverreibung in seiner Apotheke gehalten habe. Aber das konnte den Angeklagten nicht von der Verantwortung befreien. Der Gerichtshof faßte indessen die Sache milde auf und erkannte nur auf einen Monat Gesängniß. Dr»i Tag» Haft für den Verkauf eines Ohrpflasters waren dem Droguenhändlcr Schmidt vom Schöffengericht auf- erlegt worden. Es war die fünfte Strafe, die der Angeklagte wegen Medizinal-Polizei-Kontravention erlitt, und da die.'zuletzt erkannte zulässig höchste Strafe von 150 M. den Angeklagten nicht abgeschreckt hatte, wieder dieselbe Uebertretung zu begehen, so halte das Gericht auf eine Freiheitsstrafe erkannt. Der Vemrtheilte versuchte in der zweiten Instanz, ein milderndes Erkenntnrß zu erzielen und führte zu seiner Entschuldigung an, daß er mehr aus Menschenfreundlichkeit wie aus Eigennutz sich vergangen habe, denn der von Kopfschmerz geplagte Kunde habe ihn dringend gebeten, ihm eine spanische Fliege zu verabfolgen. Der Umstand, daß er das Pflaster nicht vorräthig gehalten, sondern erst angefertigt habe, spreche auch dafür, daß er dasselbe nicht als Verkaufsartikel führe. Der Gerichtshof zweiter Instanz konnte hierin einen Milde- rungsgrunb nicht erblicken, denn gerade durch die Anfertigung des Pflasters greife er in die Befugnisse des Apothekers ein. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Beschuldigten wegen der- selben Uebertretung sei daS vom Schöffengericht gefällte Urtheil aufrecht zu erhallen. Z« d»n»««glücktichev" Finder«, welchen ein ge' fundener Gegenstand eine Quelle veS Unheils und Verdrusses wird, gehört Herr Otto B u ch h o l z, welcher gestern nach längerer Untersuchungshaft dem Schöffengerichte vorgeführt wurde. Derselbe fand eines Tages auf dem Boden eines Hauses in einem versteckten Winkel eine Anzahl falscher Fünf- markscheine, von denen Niemand weiß, wer sie verfertigt und wie sie dorthin gekommen sind. Der Anblick der ziemlich gut gearbeiteten Scheine entfachte die Begierde des glücklichen Finders und er versuchte, das faltche Gelb an den Mann zu bringen. In einem Falle gelang ihm dies auch, in zwei anderen Fällen schlug der Versuch fehl und der Angeklagte wurde festgenommen. Er sitzt schon fast zwei Monate in Untersuchungshaft welche sich so lange hinzögerte, weil die Anklagebehöroe zweifelhaft darüber war, ob die Anklage sich auf Münz vergehen zu beschränken habe oder nicht gar Münz v erb r e ch e n vorliege. Obgleich der Staatsanwalt meinte, daß der Slngeklapte die Uncchlheit der Scheine gewiß g kannt habe, als er dieselben in Verkehr zu bringen suchte, beantragte er doch nur4MonateGe- f ä n g n i ß. Der Gerichtshof trug aber der bisherigen Un- bescholtenheit des Angeklagten weit mehr Rechnung und ver- urtheilte denselben zu 6 Wochen Gesängniß, welche auf die Untersuchungehaft voll angerechnet wurden. In der dekannte« Strafsache gegen die Armeeliefe- ranten Hage mann und W o l l a n ck stand gestern vor dem zweiten Strafsenat des Reichsgerichts Termin zur Hauptver- Handlung an. Die Angeklagten find am 3. Julr Hierselbst von der Strafkammer wegen Bestechung von Zahlmeistern ver- urtheilt worden und zwar Hagemann zu 5 Jahren Gesängniß und 5 Jahren Ehrverlust, Wollanck zu lsj Jahren Gesängniß. Beide Verurtheilte hatten gegen das Erkenntniß das Rechts- mittel der Revision eingelegt, welche vor dem Reichsgericht durch den Rechtsanwalt Dr. Fritz Frie dmann aus Berlin vertreten wurde und im Wesentlichen darauf hinauslief, daß den Zahlmeistern die Geschenke nicht für Amtshandlungen ge- geben worden seien. Die Verhandlung endete mit der Ver- werf-nng der Revision in beiden Fällen. Entscheidung»« des Reichsgerichts.(Nachdruck verboten.) Leipzig, 3. Okiober.(Corvin's Pfaffen- s p i e g e l.) Im Jahre 1846 schrieb Otto von Corvin, der später durch seine Verthcidigung von Rastatt während der Revolution bekannt wurde, den»Pfaffenspiegel," historische Denkmale dcS Fanatismus der römisch-katholischen Kirche, und legte es, wie es damals üblich war, dem kgl. sächsischen Zensor in Leipzig vor. Dieser wollte mehrere Stellen streichen, unter- licß es aber, als Corvin ihm bewies, daß er nur aus den Quellen der katholischen Priester geschöpft hatte. Bis zum Jahre 1885, in welchem die 5. Auflage erschien, blieb das Buch unangefochten. In diesem Jahre erging dann aber ein Urlherl des Landgerichts Leipzig, wonach die vierte Auflage, die ausnahmsweise mit Abbildungen er- schienen war, Beschimpfungen der katholischen Kirche enthalte und deshalb einzuziehen sei. Im nächsten Jahre, als Corvin soeben gestorben war, wurde dann der Verleger des Buches, Herr Bock in Rudolphstadt, von der dortigen Strafkammer zu 2 Monaten Gesängniß verurtheilt, weil er die 5. Auslage ver- breitet hatte. Das Gericht sprach auch die Unbrauchbarmachung von 22 Stellen im Buche aus, die m den gesetzlich zulässigen Exemplaren durch Schwärzung bewirkt wurde. Inzwischen waren diese geschwärzten Ex mplare verkaust und eine neue Auslage halte sich nöthig giwacht. Herr Bock veranstaltete dieselbe in Liefelungen und zwar in der Werse, daß er nur den von den beiden Gerichten unbeanstandet gelassenen Text neu abdruckte. Die beiden ersten bis jetzt erschienenen Lieferungen werden auf dem üblichen Wege verbreitet vnd lagen auch in der Buchhandlung von Schönfeld und Harnisch in Dresden aus. Hier ließ der Staatsanwalt sie beschlag- nahmen und stellte den Antrag, das sogenannte objektive Ver- fahren gegen die Hefte eintreten zu lassen, da die Verfolgung einer Person um deswillen nicht zulässig erschien, weil ins- besondere der Verleger Bock im guten Glauben gehandelt habe. Das Langericht Dresden saß am 20. Mai über die beiden Liefe- rungen des Buches zu Gericht und kam zu der Ueberzeugung, daß die früher mit der Sache befaßt gewesenen Gerichte sehr viele Beschimpfungen der-katbolischen Kirche und ihrer Einrichtungen übersehen haben. Die Sirafkammer sprach auS�daß die beiden Lieferungen in gewissen Stellen jene Strafthaten enthielten und im übrigen ihrem ganzen Inhalte nach gegen den§ 166 verstießen. DeShalbwerde auf gänzliche Einzrehuvader beiden Lieferungen erkannt. Der Verleger als Einziehung«- Interessent hatte hiergegen die Revision ergriffen und wurde in der heutigen Verhandlung vor dem 3. Strafsenat des Reichsgerichts von Herrn Rechts- anmalt Dr. Hans Blum von hier vertreten. Gerügt wurde zunächst die Unzuständigkeit des Gerichts, sodann wurde geltend gemacht, daß über dasselbe Buch, denselben Text, schon einmal abgeurtheilt sei, daß also durch daS neue Urtherl der Grundsatz oe bis in idem verletzt sei. Endlich wurde Mangel an Ent- scheidungSgründen gerügt, soweit der gesammte Inhalt als strafbar erklärt ist.— Der Reichsanwalt Dr. Lippmann hielt fämmtliche Beschwerden für unbegründet: die erste deshalb, weil Herr Bock den Einwand der Unzuständigkeit nicht recht- zeitig erhoben habe; die zweite deSaalb, weil es sich hier nicht um dieselbe That, sondern um die Veranstaltung einer neuen Auflage handle, und die letzte aus dem Grunde, weil au! dem Urtheile zur Genüge zu ersehen sei, worin die Strafbarkeit e'- blickt werde.— Das Reichsgericht trat diesen Ausführungen bei und verwarf daher die Revision. Sszisle Mteberstihk. An die Vokamentier« Berlins. Hiermit zur Kenntniß, daß fämmtliche Kollegen der Firma E. Wendel u. Ko., Kam- mandantenstraße Nr. 10/1 l, die Arbeit wegen vorgekommener Differenzen eingestellt haben. Wir ersuchen tämmtliche Kollegen, daselbst keine Arbeit anzunehmen. Alles Nähere am Montag Abend in der öffentlichen Versammlung Jnselstraße>0. Holzardetter Berlins l Da der von den Kistenmache,« Berlins aufgefitzte und von den vereinigten Fabrikanten an»?- kannte Lohntarif von der Patent- Kistenfabrik(A.-G.) nicht inne gehalten worden ist, und die Arbeiter sich daher genöthigt sahen, die Arbeit am dritten Tage wieder niederzulegen und entschlossen sind, den pa tiellen Streik so lange aufrecht zu er- hallen, bis der Lohntarif von obengenannter Fabrik wieder voll bezahlt und inne gehalten wird, so ersuchen wir sämmtlich« in der Holzbranche beschäftigten Arbeiter, den Zuzug auf das Strengste fernzuhalten. Die Kommission der Berliner Kisten. macher: H. Kaufhold. H. Fnese. R. Hering. VcrlÄmmlimgen. «Stoft» volkso-rtammtung für Friedenau. Steglitz und Nu». gegend am Sonnabend, den 5 Oktober er., Äbend» 8)( Uifi, im..«uttjaud*«u siricdenau Tageiordnuna: 1 Wodurch entlieht die Ve theueruno der Leben». mittel. Reserent i Herr W. Werner. 2 Diskussion. Z PcrlckiicdcneS GroS» öffeutttch, Iierfamn-lnng der UlodeUtifchler AerUn» und Nmgegend am Sonnabend, den 5. Oktbr, Abends 8 Uhr. im Weddina. Restaurant, illttUlerstr. 178. Tagesordnung r 1 Adrechnuna vom Streit LWS beginnen wir weiter betreffend unserer Oraanisatton. 3. Diskusffon— Es ist Pflicht eines seden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen Gros» ötfenttich« Nersainmtung der Kupferschmied» Kerttn« und Nmgegend am Sonnabend den S. Oktober. Abends 8 Utr, in Zordan» Eaion Neue Gritnstr. 28. Tagesordnung� l. Herabsehung der sreiwilligen Bei- träge 2. Die Akkordarbeit. R-scient r Herr Ptrch. Wie stellen flck die Kollegen zu dem Punkt C unsere» Lohntarife»? Diskusffon. g. Veischiedenc». Zur Deckung drr Unkosten stndct eine Tellersammlung statt. Fachoerein der tztuchbinder und oerwandt»« Kerufogenolfop. Sonnabend, den 5. Oktober,„Gembthlicher Abend' im VereinSiokat Auneu- Jttasie 16, Am Montag, den 7. Oktober, findet die Vereiniversammiung nicht Tischleroerein. Heute Abend g Uhr. Cottbuserstr. t», Versammlung Tagesordnung. Bericht vom ledten Sommeiv rgnügen, Erledigung eine» Unter- slützungSgesricheS und AuSoabe der BilletS zu dem am 26 d Mt» ltattsuiden- den Stislunzsscite. Die Männerpartie findet am Sonntag den i! d M nach Erkner statt Abfahrt vom Cchiesischen Brhnhos f. LH«x Ubr. Allgemein« Kranken- und Kteedekass» der MetaUarb»it»r, lE. H. 29. Hamburgt, Fiiiate Berlin 7. Den Mitgliedern zur Na.bricht. dah die 2. Zahlstelle vom Sonnabend, den 5. Oktober ab von der Chaussecflrahe 73 nach der Reinickendorfer Straße bei Diilenberg verlegt wt d. Beiträge und Anmcidungen werden dort an jedem Sonnabend Abend vor 8 bis 10 Ubr entgegen genommen, ebenso ii> der 1. Zahlstelle. Lindowerstr. 23, bei Schumacher. «esangoeretn„Glüchtn." Jeden Eonnabend in der Adlerbrmierei Gesangsstunde Mitgiiederoerfammlung der allgemeinen Kranken- und KterbekaN» der tNetallarbeiter,tlirrftr. IVO, Vorliaa dtS Hcirn I. Seidil über: Gc- wndl>eii»i>fi-ae und Euühnna— eine VersUichun». Nack dem Soitta« ge- jeüiae Unierdaltun«. Gülte, Herren und Damen, fteti willkommen, «>Z»n»ri»l»«rsnmmlung der Freie» Uereinifl«»»»er Kohoerber uab Zeder i>»r ichter Herita« am Eonniag, den 6. Cltober,«ormitlagi löX Uyr. Wiinftr 11 bei Boberl, Tageiordnuna: l, Kaffendericht. z, Bor- itandd vahi, 3. GescküstiickeS, Jtrinlihenkatf. Eonntaq, den 6. Oktober. MiltagS I2X Ubr, im Nestau- ranl..Seeicklößchen'. Maikistrade 2. Große VoikSveisammluna, Taaedordnunq: I. BoNraz de« Nccktianwalt» Ärlhur Stadihag-n über:„An S Vaterland, an S td-nre, ichließ' Dich an", 2, DUkusston, 3, Verschiedene«. Zur Deckunz der Unkosten Gnlre« nach Belieben, Nach der Versammlung gemüthliche« Bei- iammen'ri», Zimaeerleert« Herlin». Versammlung der.Freien Bereinigung der Zimmerer Berlin« und Umgegend am Sonntag, den S, Okt., Vormittag« 10 Ubr. in Gotlschatk» Salon, Badftraße Nr, 22 Tagesordnung: l. Die Bewegung der deutschen Ztminerer, Resercnt: A, Brinomann-(Magdeburg), 2 Diikuiston 3. Berschicdenr«, 4. Fragekasten, Zeder Zimmerer hat ZuKitt, Um zahlreiche« Erscheinen wird ersucht Hl» Bereinigung der Prechalrr Deutschland«, Ort« Verwaltung veilln IU. Hill am Montag, den 7, Oktober, Abend« bX Uhr. im Lokale de« Herrn Bvljmann, AndreaSstr, 2S, eine Versammlung ab, Tagesordnung: 1 Bericht der Tbarigkeit de» Vorstände« 2, Kassenbericht de« 8, Ouaital« 3. Wahl de» Etreikkasstrer«, 4. VorKag über Krankenkassen, Resercnt: Kost Htidebrand, Ditkussion, S, Verschtedenei und Fragekaften, BeHentltch» Persammlun« der Uagelfchmled» am Montag, den 7. Dkrober, Abend» 8 Übt. Lichte» dergerftiahe 21, bei Heise, Tagesordnung: I. Da« Resultat unserer Besch üsse vom 21, Eept, und wai gedenken wir weiter ta lhun? 2. Verschiedene«, zachn,r,iu für Kchlosser und H»r«f«g»noI7»n. Montag, den 7, d, Mt«. Abend» vz Uhr, im oberen Saal de» Herrn Feuerstein, Site ZaiobS- strahl 75, Generalversammlung, Fach«»r»i» säuemtttch»? an Hal!d»arb»ttungs-Mascht«»n beschäftigter Arbeit»?. Generalversammlung am Montag, den 7, Oktober, Ade: dt 8si Uhr, in Säger'» Lokal, Grüner Weg 23, Tagesordnung: 1, Kassen- bericht vom 2 Quartal 2 Ersatz mahl, 8, Verschiede»,« und Fragekastcn, Gäste sind willkommen, Nene Mitglieder weiden ausgenon.men. Um ein recht zahl- reiche« und pünktliche« Erscheinen wird ersuch«, Di» Fach schul» drr deutsch»» Mater und verwandten BerufSzenossen wird vom 1. November Schirsische Etratze 4, in bin Räumen der Gemeindeschule erössnet, Hie Frei» Bereinigung drr Kch»»id»r Herlin» feiert am Montag, den 1«, Oktober in den Bürgersälen Dreidenerstr 96 ihr erste» Stiftungsfest, bestehend au» großem Vokal- und Znstiumentalkonzcrt, auigesührt von d.r ver- stärkten Hauskopelle unter Leitung de» Musikdirikior« Herrn Cmrpi und de« Gesangverein« Allrgro unter persönlicher Mitwirkung seine« Dirigenten Herrn W, Eecgcr, Die Festrede hat Herr Rechtsanwalt A, Stadthaaen übernommen, Noch dem Konzert findet Tanz statt. Billet«» 80 Ps, find zu haben bei: A Täterow, Mouerftr. v, v, 8 Tr Krouscnstr, 11(Echneiderhei berge) R, Frank, Kronenstr 83-40, Wende, Mulackslr, S, Pohl, Zunkcrstr, 18, im Laden, Gründe!, Dreidenerstr HS, Z Gnadt, Brunnenstr, 88, sowie in allen Ver- ammlnngen und in den mit Plakaten belegten Handlungen, Vevmtplhkes. Koudo», 4. Oktober. Ein.Lloyds"- Telegramm aus St. Pierre auf der Insel Miqnelon vom 3. d. M. meldet: Heute Morgen traf hier ein Boot mit 17 Personen von der Mannschaft des franhöfischen Dampfers.Gcogravhique" ein, welcher am 2. d. M. mit dem britlschen Schiffe„Minnie Swift" 40 Meilen westlich von St. Pierre zusammenstieß. Die angekommenen Personen sagten aus, daß beide Schiffe im Be- griff waren zu sinken und daß sich noch zwei andere Boote auf der offenen See mit den übrigen Hinterbliebenen von den Mannschaften der beiden Schiffe befänden, mehrere Persrn n der Mannschaft des.Geographique", sowie zwei Frauen feie» ertrunken. Depefrlien. (Wolff'» Uelegratzchnr-Kureuu.) Hprottan, Freitag, 4. Oktober. Der Pegel des Bober zeigt hier 3 Meter Wafferhöhe. Der Jischerwcrder steht theil« weise unter Wasser. Pose», 4. Okt. Der gestern Abend um 8 Uhr 25 Mw. von hier abgegangene Personenzug stieß, nachdem derselbe 10 Uhr 26 Min. Lissa verlassen hatte, in der Nähe von Laß» witz auf einen Güterzug. Wie es herßt, find von dem Zug» personal vier Personen getödtet, einer schwer verwundet, auch unter den Reisenden sollen zahlreiche Verwuiidungen vorge» kommen sein, jedoch liegen authentische Details noch nicht vor. Mehrere Schwcroerwundete wurden heute Vorwittag hierher geschafft. Infolge des Unglücks wird der Verkehr durch Um- steigen hergestellt. Loudo». Freitag, 4. Oktober. Morgen Nachmittag 1� Uhr findet eine Versammlung der Bediensteten der Tramwoy» Gesellschaft zur Berathung über die Herabsetzung der Ar» beitszeit statt. Lord Rosebery wird bei derselben den Vorsts führen. Große öffentliche Vcrfammlung der Modelltischler Berlins und Umgegend am Lonnudeud. de« 5. Oktober, Abends 8 Uhr, im Wedding-Restaiirant, Müll erste. 178 TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom Streik. 2. Was beginnen wir weiter betreffend unserer Organisation. 3. Diskussion.— Es ist Pst cht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 79 Die Lvhnkommisfion. Große öffentliche Versammlung fimtl. itl der Posamentier-Kranche besGstigteil Arbeitmiilicss mit Weiter a« Monte g, de« 7. d.«, Abends 8» Uhr, in Acheffers ealvn, Jnselftraste Rr. 10. Tages-Ordnuna: Vortrag über:.Die Frauenarbeit." Refer.: Frau E, Ihrer. Diskussion. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung.— Um zahlreichen Besuch bittet Iii Der«tnbcrufer. Grosss Sffentl. Sattler- Versammlung von Ke lm und Umgegend SN» Montsg,«>«« 7 Oktober, Abends L'Iz Uhr, in Deigmüiler's Salon, Alte Jakobstrasse No. 48a. TageS-Ordnung: 1. Entstehung, Nutzen und Werth der Streiks(Ref.: Th. Glocke). 2. Stellungnahme zur Lihnftage. 3. Verschiedenes. 1104) Der«tnberufer. tu. dtiiW. Sattler-Imiii (Mitgliedschaft Kerlin.) Eonnabend. oen 5. Oktober, Abends 8H Uhr, Versammlmig im Lokal des Herrn Rcyher, Alte Jakodstr. 83. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Metzner über:„Das Handweik sonst und jetzt." 2. Diskussion. 3. Wahl drr ArbeitSvermittler. 4. Verschic- denes.— Gäste willkommen. 101] Drr Vorstand. Juteressenverein der Kistenmacher. kcitmliiersWmlilllg am Montag, den 7. Okibr., Abends 8t Uhr, bei Hl ydrich. Beuthstraße Aufgang 22. Tagesordnung: 1. Ersatzwahl der ausgeloosten Vorstands- mitgtieder. 2. Ausnahme der Beitragsammler. 3. Verschiedenes.]67 Der vorstand. Nuß- und Modemaareu empfiehtt in größter Auswahl. Auch find Ball- und HochzeitsroUetten zu verleihen. F» Pastkniit? 3 Adalbcrtftr. 93, nahe der Oranienstr. Allen Genossen zur Nachricht, daß ich mein Karvier-Geschäft vom Zionskirchplatz nach der Schönholzerstr. 11 verlegt habe. HA Emil Wegener, Barbier. Jachverein der Hilchler. Sonnabend, den 12* Oktober 1889, Abends 8 Uhr, Cöllchrän�chcn �WU Fn Heydrich's Festsälen, Beuth- Strasse No. 20. Billeis hierzu find auf allen Zahlstellen, sowie bei folgenden Herren zu haben: Witte, Jiwalidenstraße 21. Millmg, Lchrterstr. 22, 2 Tr. Markmann. Barnim str. 46, 4 Tr. Hemp, P.illffadenstr. 63, 4 Tr. Hoyer, Grüner Weg 70. Winter, Manteuffetstr. 6, 3 Tr. Glocke, Fachverei« der Tapezierer. Montag, den 7. Oktober, Abends 8 Uhr, Alte Jakobstroße 75: Versammlung."WA Tagesordnung: I. Vortrag mit Diskussion über„Stück- und Zeitlohn". Ref. Herr Wil- Helm We-ner. 2. Gewerkschafilichrs. 3. Vereins- angelegenheiien. Gäste, durch Mitglieder ein- geführt, haben Zunitt. Ouiltungsbuch legiti- mir». Es ist Ehrensache, zahlreich zu erscheinen. Dos Stiftungsfest findet am Sonntag, den 13. Oktober, bei H.ydirich, Beuthstraße 20, statt. Billeis find im Bureau, Schützen stroße 18/19, und in der Versammlung zu haben.>100 Der Lorstano. Rcßliiinisst K. Stramm, 123 Ritterstrasse 123, verbunden mit Fremdenlogis. Empfehle meine» allbekannten vorzüglichen Frühstück:-, Wittag» und Abend tisch. Sonstige Speisen und Ge» tränke m bekannter Güte. Zwei Zimmer, passend zu Zahlstellen und Arbeitsnachweis, stehen zur Verfügung.(1440 1366 Ztur 1,50 Mark kostet bei mir jede Uhr zu repa» riren und reinigen unter Garantie des Gutgehens. 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Münz-, Gewich»»-«nd dioerse Kerechnnngs-Tabelle«. �ost-«nd Tetegeavhen-Tarif für Deutschland und das Ausland. Anozug ans dem Deutsche« Patent-Gesetz. m. Das neue Gesetz, betreffend die Grmerd»-«nd Wirthfchafts- Genoffenschaft en. Gesetz, detreffend die Innaliditiits-«nd Alters Der fichernng. Giunahme- und Ausgabe-Tabellen. Zjchrrib-Papier mit Datum für Tages-Notizen. Der Kalender wurde wiederum in zwei Qualitäten hergestellt....., I. Qualität brieftaschenartig(welche fich besonder« steigender Bellebtheit erfieut). sebr gut gebunden, mit Gummiband und mehr Schreibpapier wie Sorte ll. Preis II. Qualität, einfache Ausgabe, solid ausgestattet, etwas weniger Schreibpapier wie Sorte l. Preis S0 Pfennig.__. Rtt benehea durch die Exped. des„Berliner Volksblatt', Zimmerstraffe 44. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Arbtiter-KildiiiB�ereiil „Ükrlill Ni>ki>". Genera!-Versommillllg> am M o n t a a, den 7. Okiober, Ab. 8t Uhr, in KrÜger'S Salon, Hochstraße 32». Tagesordnung höchst wichtig. 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