Nr. 284. Sonntag, den 6. Oktober 1889« 6. Jockrg. üerlinerlolbblttll Krgii» für die Interrssen der Ardeiler. Der tzeNttge« Uvmmer liegt für unsere Abonnenten Mr. 40 de« �Konntago-Klatt" bei. »!>!>!> III Die letzte Selsten des Vrichstsges! Am 22. d. Mts. werden sich die Mitglieder des am Faschingtage 1887 gewählten Kartellreichstages in Berlin einsinden, um in einer voraussichtlich kurzen Session, die ihrer harrenden Aufgaben zu erledigen, d. h. die Vorlagen der Regierung anzunehmen. Die im Etat enthaltenen Mehrforderungen für mili- törische Zwecke werden unter der Begründung, das wehrlose Baterland gegen die äußeren Feinde schützen zu müflen, mit_ dem üblichen Hurrah angenommen werden, und die Masorität des Reichstages wird sich einer gründlichen Prü- fung dieser Forderungen um so mehr entschlagen können, •als es ja nach dem Ausspruch des Führers der konservativen Fraktion im Reichstage, des Herrn v. Helldorf, Aufgabe der paatserhaltenden Parteien ist, sich dem Willen der Re- gierung unterzuordnen, wenn es dabei auch manchmal einen Fußtritt absetzt. Auch das Bankgesetz resp. die Verlängerung des Bank- Monopols für die Neichsbank, unter Betheiligung von Privat- leuttn an dem Gewinn derselben, wird der Majorität des Reichstages nicht viel Kopfschmerzen machen; ein paar Reden verkrachter Agrarier über- die profitwüthige Ausbeutung der Antheileigner, Reden— hervorgegangen aus dem schmerzlichen Bedauern, nicht selbst Bankantheile besitzen, und dann fröhliche Annahme deS Gesetzes, wel- chrs dem adligen und nicht adligen Bourgeois einen so schönen„Entbehrungslohn" in Form fetter Dividenden ver- schafft. Bei der Entstehung des BankgesetzeS zeigte sich recht deutlich, wie Staat und Bourgeoisie Hand in Hand gehen, wenn es gilt, sich Einnahmen zu verschaffen: statt daß der Staat resp. das Reich die Gründung der Bank vornahm, sich die nöthigen Betriebsfonds beschaffte und den Nutzen aus der Bank zog, dcffen Ertrag von einer vernünftig ver- waltenden Regierung zur Ermäßigung von Steuern oder zur Förderung wirklicher und wichtiger Kulturintereffen ver- wendet werden kann, beschafft die Bourgeoisie die Mittel zum Betriebe der Bank und partizipirt natürlich auch an den sehr bedeutenden Gewinnen derselben. Die Reichsbank ist ein unter staatlicher Verwaltung stehendes Privatinstitut, dcffen Mitglieder einige Tausend der reichsten Leute sind— eine Liste derselben würde in bunter Reihe Minister und Generale, Geheimräthe und Abgeordnete, Großgrundbesitzer und Zndustriefürsten, Christen und Juden onfwetsen— und welches der Staat zur Sicherung eines möglichst großen Gewinnes mit den umfaffendsten Privi- legien ausgestattet hat. Mackdrult«rbolen l 184 Feuilleton. otenj_ <£tn c> l d m e n J'rfj. Roma« von Maurus Jökai. Neuntes Kapitel. Du Ungeschickte! Die schöne Wittwe nahm die Trauer sehr ernst. Sie ging in keine Gesellschaften und empfing nie Besuche. Ueber ein Jahr war seit ihres Gatten Begräbniß ver- strichen. Timea hatte auch noch einen anderen Kalender-Namen: Susanna. Den einen hatte sie von ihrer Mutter, die eine Griechin gewesen, den anderen aber in der Taufe erhalten. Sie bediente sich des letzteren, wenn sie ihre Namensunter- schrift auf Dokumente zu setzen hatte, und dieser galt auch für ihren Namenstag. Zn unseren Provinzialstädten psiegt man die Namens- �8e zu feiern. Verwandte und Bekannte finden sich unein- stcladen. ja pflichtschuldig, im Hause deS seinen Namenstag rzerrrnden ein, wo ihrer ein gastlicher Empfang harrt. Einige vornehme Familien hatten jedoch die Sitte eingeführt, Ein- ladungskanen zu den Abendgesellschaften, welche vem Namens- tage zu Ehren gegeben wurden, umher zu schicken. Das war schon etwas aristokratisch, denn damit war angedeutet, daß Diejenigen, welche keine Einladungskarte erhielten, ihre Glückwünsche für sich behalten können. ES giebt zwei Susanna-Tage im Zahre; Timea wählte den, welcher in den Winter fällt, weil dann ihr Gatte zu Haufe war. Die Einladungskarten wurden eine Woche vorher ausgetrogen. Von dem anderen Namen wurde keine Notiz genommen. Timea steht nicht im Komorner Kalender, Und weil dem so ist, wird sich für die Erhaltung dieses Zustandes eine große Majorität im Reichstage finden, was auch, wenn man den offiziösen Auslaffungen der Preffe glauben darf, den Wünschen der Regierung entsprechen wird. Einen Hauptgegenstand der bevorstehenden Reichstags- Verhandlungen wiro das„Sozialistengesetz" bilden; aus den Aeußerungen der in die Regierungspläne eingeweihten Preffe können wir uns ein ungefähres Bild machen, wie die be- treffende Regierungsvorlage aussehen wird. Erst vor wenig Tagen haben sich die„Berl. Politisch. Nachr.", das Organ des vom Urlaub zurückgekehrten Herrn SekondelicutenantS, pardon Finanzministers von Scholz, über den Inhalt der in Aussicht stehenden Vorlage auSge- lassen und danach scheint eS, als ob— wie wir eS oft als wahrscheinlich hingestellt haben— Alles beim Alten bleiben soll. Nur die Fristbestimmung soll fortfallen und die Be- schwcrdekoinmission durch eine richterliche Instanz ersetzt werden. Der preußische Minister deS Innern, der zeitige Vorsitzende der Reichskommission, welche im Volksmund den despektirlichen Namen„Galgenkommisfion" trägt, wird für diese Aenderung am meisten dankbar sein, denn leicht wird es gewiß nicht gewesen sein, die verschiedenen Verbote der Landespolizeibehörden gegen die erhobenen Beschwerden zu rechtfertigen. Daß nun künstig diese Aufgabe dem Richter zuge- wiesen werden soll, wird zwar die richterliche Arbeit erheb- lich vermehren, der Charakter des Ausnahmegesetzes jedoch wird dadurch nicht im Geringsten verändert. Die Kartellmajorität deS Reichstags wird, wen« nicht früher, durch den Ausfall der nächsten Wahlen belehrt werden, daß in den Augen deS Volkes Ausnahmegesetze als solche betrachtet werden, auch wenn die Auslegung und Hand- habung derselben durch den Richter erfolgt. Daß daS mächtige Deutschland, welches nach offizieller Versicherung den wirthschaftlich Schwachen ein starker Schutz sein will, nicht ohne ein Ausnahmegesetz schlimmster Art gegen die einzige Partei, welche ziel- und zweckbewußt für die in politischer Rechtlosigkeit und wirthschastlicher Roth be- findlichen breiten Volksmaffen eintritt, fertig werden kann, ist der glänzendste Beweis für die Richtigkeit der sozial- demokratischen Ideen und Ueberzeugunaen, und es wird weder der Regierung, mit der von ihr inaugurirten so- genannten Sozmlreform, noch den von Arbeiterfreundlichkeit triefenden Versicherungen der Majoritätsparteien des Reichs- tages gelingen, die Arbeiterklaffe von der Aufrichtigkeit dieser Bestrebungen zu überzeugen, so lange auf der anderen Seite jede selbstständige Regung des KlaffenbewußtseinS durch das Ausnahmegesetz verhindert und unterdrückt wird. Wir haben uns schon häufig über das Sozialistengesetz ausgesprochen und nachgewiesen, daß es für die Entwickelung unserer Partei ganz gleichgiltig ist, ob das Gesetz verlängert und auch nicht in dem Pesther Trattner'schen National- Kalender; zu jener Zeit aber gab es keine anderen Kalender in der Provinz. Der mußte sich weit umthun, der wiffen wollte, auf welchen Tag der Name„Timea" fällt. Er fiel in den schönen Monat Mai. Um diese Zeit war Herr Michael schon lange fort. Trotzdem erhielt Timea jeden Mai ein schönes Blumenbouquet blos aus Rosen am Tage der heiligen Timea. Wer es schickte, war nicht gesagt. ES kam auf der Post, in einer Schachtel verpackt. Zu den Sonntags-Soireen hatte solange Timar lebte auch Herr Katschuka regelmäßig eine Einladung erhalten, welche er dann regelmäßig mit der Abgabe seiner Visitenkarte beim Portier erwiderte. In der Soiree erschien er nie. In diesem Zahre war auch die SusannentagS-Soiree unter- blieben. Die treue Susanna trauerte. An dem Morgen jenes schönen Maitages aber, an welchem die schönen weißen Rosen Timea's einzutreffen pflegten, brachte ein in Trauer-Livree gekleideter Levctinczy'scher Diener Herrn Katschuka einen Brief. Bei Eröffnung des KouvertS fand der Major eine auf Velinpapier gedruckte Einladungskarte darin, welche jedoch nicht den Namen Susanna, sondern Timea Levetinczy trug und auf den heutigen Tag lautete. Herr Katschuka begriff die Sache nicht. WaS. fiir ein Ein- fall ist das von Timea! Die ganze Komorner Stadt in Aufrubr zu bringen, daß Susanna, als gute Kalvinerin, heuer den Tag der alten griechischen Timea feiert, und mehr noch damit, daß sie erst am Morgen des Festtages zur Soiree einladet. Das ist ja ein himmelschreiender Verstoß gegen alle Etiquette. Herr Katschuka war der Ansicht, daß er diesmal der Einladung folgen müffe. Abends richtete er es so ein, daß er nicht unter den ersten Gästen sei. Die Stunde war auf halb 9 angegeben; er wartete bis halb 10, dann ging er hin. Als er nn Vorzimmer Mantel und Säbel abgelegt, fragte er den Diener, ob schon viele Gäste darin seien. Ter Bediente antivorte, eS sei noch Nie- oder verändert wird; wir sind mit demselben bis jetzt fertig geworden und werden weiter feriig mit ihm; nicht nur unseretwegen fordern wir die endliche Aufhebung des „Sozialistengesetzes", sondern wir verlangen im Namen der Kultur, daß ein Zustand beendigt wird, der mit der gc- sammten modernen Entwickelung der Menschheit in kraffem Widerspruch steht und unserem Lande wahrlich nicht zur ei dem nur materielle und Klaffenintereffen vertreten- den Reichstag wird die Mahnung, dem alle Werthe schaffen- den, arbeitenden Volke das seit 11 Jahren vorenthaltene Vereins- und Versammlungsrecht zurück zu geben, vie in ihrer Entwickelung gehemmte Arbeiterpreffe frei zu machen, der Polizei das Recht, Männer ihrer Ueberzeugung wegen ihrem Berufe und ihrer Familie entreißen zu können, fort- zunehmen, kein Gehör finden; derselbe Reichstag, welcher dem Volke so schwere, fast unerschwingliche Steuerlasten auferlegt hat, der mit der Verlängerung der Legislatur- Perioden und der Einschränkung der Oeffentlichkeit des Ge- richtsverfahrcns die Rechte des Volkes arg geschädigt[hat, er wird auch die Verewigung— so weit man bei der Un- Haltbarkeit des heutigen Gesellschaftszustandes hiervon reden kann— des Sozialistengesetzes genehmigen und damit seiner für daS Volk unheilvollen Thätigkeit das Siegel aufdrücken. Andere Vorlagen werden den Reichstag kaum befchäf- tigen, vielleicht, daß man, um die Arbeiterfreundlichkeit zu dokumentiren und den Kartellern den Boden bei den Wahlen zu bereiten, einen Antrag, betreffend die Errichtung von Gewerbeschiedsgerichten, vertagt, vielleicht auch, daß die lange angekündigte Novelle zu,n Krankenkaffengcsetz eingebracht wird. An Initiativanträgen aus dem Reichstag wird es nicht fehlen, jedoch wird die Nothwendigkeit, die Session in kurzer Zeit zu schließen, die willkommene Veranlassung für die Majorität sein, unangenehmen Erörterungen aus dem Wege zu gehen. Ein nationalliberales Blatt hat schon neulich ange- deutet, daß es in der Absicht der Regierung und des Kartells läge, durch die bevorstehenden Verhandlungen des Reichstages möglichst wenig Material für die Wahlen zu schaffen: dieser Angstruf eines bösen Gewissens wird in Erfüllung gehen. Das in denAugen derherrfchendenGewaltenAllernöthigste wird so schnell als irgend möglich besorgt werden; die Bewilligung der militärischen Forderungen zum Schutze gegen die äußeren Feinde, das Gesetz zum Schutze gegen die inneren Feinde, dazwischen nach Möglichkeit die Be- friedigung der kapitalistischen BourgeoiSintereffen, das wird so ziemlich alles sein, was wir von der letzten Session des glorreichen Reichstages, dem das Kartell Geburtshelfer ge- wesen, zu erwarten haben. Wenn die Majorität des Reichstages nach Absolvirung ihres Pensums in das Volk zurückkehrt, so wird ihr dieses mit Recht vorhalten können, daß sie nach dem Satze „upröa nous de delage"„nach uns die Sintfluth" gehandelt hat. mand da. Der Major stutzte. Wahrscheinlich hatten die übrigen Geladenen die verspätete Einladung übel genommen und sich verabredet, nicht zu erscheinen. Er fand sich in dieser Vermuthung bestärkt, als er, aus dem Vorzimmer in den Saal eintretend, die LustreS alle angezündet, und die ganze Zimmerreihe glänzend beleuchtet fand, ein Beweis, daß man hier eine große Gesellschaft erwartete. Der ent- gegenkommmende Kammerdiener theilte ihm mit, daß seine Herrin im innersten Gemach sich befinde. „Wer ist bei ihr?" „Sie ist allein. Fräulein Athalie ist mit ihrer Mama auf die Besitzung des Herrn Johann Fabula hinausgefahren; dort ist ein großes Fischessen." Nun wußte Herr Katschuka vollends nicht, was er denken sollte. Nicht nur, daß keine Gäste da sind, auch die Haus- leute haben die Gebieterin allein gelassen. Timea erwartete ihn in ihrem Empsa gszimmer. Und zu dieser heiteren Soiree, zu dem sie umgebenden Prunk war Timea auch jetzt noch schwarz gekleidet.'Sie trauert und feiert ihren Namens- tag. Mitten im strahlenden Glänze der goldenen LustreS und silbernen Armleucyter ein schwarzes Trauerkleid. Dem Trauerkleid entsprach aber daS Antlitz der Herrin nicht. Um ihre Lippen schwebte holdes Lächeln und ein sanftes Roth lag auf ihren Wangen. Sie empfing ihren einzigen Gast auf das Freundlichste.„Ah, Sie haben lange auf sich warten lassen!" sagte sie, ihm die Hand reichend. Der Major drückte einen ehrerbietigen Kuß auf diese Hand.„Im Gegentheil, ich befürchte, daß ich der erste Gast bin." „O keineswegs. Alle, die ich eingeladen, sind schon da." „Wo?" fragte der Major verwundert. „Im Speisesalon, man sitzt schon bei Tisch und wartet nur auf Sie.' Damit hing sie sich an den Arm deS erstaunten Mannes, führte ihn zur Flügelthüre deS Speisesaales und Wir haben den lebbaften Wunsch, daß in dieser Er- kenntniß das Volk zur Besinnung kommen und die Ver- tretung seiner Rechte und Forderungen anderen Parteien und Männern anvertrauen möge, und werden an dem Tage erleichtert aufathmen, an welchem wir dem Kartellreichstage zurufen können:— Auf Nimmerwiedersehen!! V ovrefpondenzen. Zürich, 2. Oktober. Der bereits g-meldete Ausgang der ReferenOumsbewegung wird in der gesammten schweizerischen Presse in ernster und respektvoller Weise be- svrochen. Man verhehlt üch nicht, daß die abgegebenen 26000 Unterschriften immerhin eine beachtenSwerthe Kundgebung seien. Die„Züricher Post" nennt dieses Resultat nach verschiedenen Seiten der Betrachtung ein günstiges.„Die Ziffer, welche 20000 übersteigt, ist eine so ahnsehnliche, daß die Sammelnden «inen moralischen Erfolg errungen haben, den wir ihnen nicht mißgönnen und der auch für die schweizerische Politik seinen Werth hat. Wenn man in der Sammlung einen Protest gegen das Ueberwuchern der Frcmdenpolizei erblickt, ist ihr Zweck er- reicht. Es hat sich gezeigt, daß viele Schweizerbürger den Ge- danken zurückweisen, als solle der Generalanwalt ein eid- fienössischer Zuchtmeister und der Scherge fremder Reaierunaen ein. Wohl deshalb schrieben die meisten Unterzeichner ihre Namen auf die Unterschriftbogen, und setzten sich über die Be- denken hinweg, welche uns andern zur Zurückhaltung bewogen. Das SammlungSergebniß lehrt, daß für einen künftigen Fall, sollten sich die besseren Erwartungen nicht erfüllen, welche wir an die Einsetzung deS Generalanwalts knüpfen, 30 000 Unterschriften und mehr mit Leichtigkeit zusammengebracht würden. Trefflich kommentirt das ReferendumSergebniß der„Grüt- lianer". Er schreibt:„Wenn man die Kürze der Zeit erwägt und den gewaltigen gegnerischen Druck in Betracht zieht, wel- chen grobe und kleine Geister, ganze, halbe und'/»-Staatsmänner, sammt den breiten Schaaren ihrer dienstbaren Kreaturen, dann die besitzende Welt urnsouc» ausgeübt haben und ferner dessen sich erinnert, wie groß auch im sogenannten„gemeinen" Volk die Autoritäten- Anbetung. der Resp kt vor dem, was die„Herren" sagen, noch ist— ist das Ergebniß in der That ein ganz bedeutendes. Jedenfalls ist, wer angesichts der 26 000 unter den denkbar ungünsttgsten Verhältnissen gesammelten Unterschriften von einem „glänzenden Fiasko" faselt, eines objektiven Urlheils unfähig. Und wenn e,n Blatt die 26 000 der Gefammtzahl der 600 000 his 700 000 Stimmberechtigten gegenüberstellt und dann über der erstercn Kleinheit spottet, so wissen wir nicht, ob wir mehr die Einfalt oder die Feigheit dieses Spottes bemitleiden sollen. Die Einfalt, welche sich einredet, die übrigen 580 000—680 000 Stimmberechtigten wären nun unbedingt im Sack der Gegner; die Feigheit, die auf ihre eigene Stärke pocht und doch eS auf eine Abstimmung nicht ankommen zu lassen wagte.... Die Bewegung ist gescheitert; wir bedauern das, sie hätte leicht mit einem doppelten Erfolge enden können. Die vorliegenden Ziffern beweisen, daß die Arbeiterschaft allein die 30 000 aufgebracht hätte, wenn nicht eine Anzahl Dissidenten ssch nebenauS gestellt haben würde. Und daß die Volksabstimmung keineswegs so auSftchtSloS war für uns, zeigte ssch je länger je mehr und nicht zum geringsten durch die fieberhafte Angst, welche durch die falsche Nachricht, die 30 000 seien überzeichnet, sich eine Zeitlang der l,beral-reak- tionären Presse bemächtigte. Wenn sie jetzt wieder groß thut und glauben zu machen sucht, das Volk in seiner„ungeheuren Mehrheit" stehe hinter ihr und begrüße den Bundesanwalt, so lassen sich dadurch nur Thoren täuschen. Die Unterschriftensammlung war gerade recht in Fluß, als der Termin zu Ende war. Nur 8 weitere Tage und statt der heutigen Freude im Herrenlager hätte man dort recht lange Nasen gesehen. Zu msssen, daß die sozialistische Arbeiterpartei allein 25 000 bis 26 000 Unterschriften aufbringe, ist von politrschem Werth. Das ist ganz richtig. Item, man kann die Sache nicht mehr ändern und der Bundesanwalt ist gerettet. Er wird, da er unter der Hand längst bestimmt, auch sich gegen die lO bi« 12 000 Fr. für das„patriotische Opfer" habe gewinnen lassen, nächstens Einsicht nehmen und in die Jagd auf Rothwild System bringen. Ob er alle Slirnrunzeln der„befreundeten Mächte" zu glätten vermag, mag die Zeit lehren; daß er unseren Altoordern, die von des monarchischen Gedanken? Blässe noch nicht angekränkelt waren, keine Freude machen würde, steht außer Frage. Wah scheinlich auch uns nicht. Wir glauben, die Zeit kommt rascher, als Manche, die heute ihn haben durchdrucken Helsen, vermuthen, daß man'« bereuen wird, diesen Polizei- präfeklen eingesetzt zu haben. Wrr haben, indem wir recht- zeitig vor den Folgen warnten, unser Gewissen entlastet. Die Verantwortung tragen Andere, wenn im Gefolge des politischen öffnete sie vor ihm. Und nun wußte der Major erst recht nicht, was er sich denken sollte. Auch der Speisesaal war hell erleuchtet von den Wachskerzen, welche in den auf dem Tisch stehenden Armleuchtern brannten; eine lange Tafel war gedeckt mit elf KouvertS, und eben so viele Rokoko- Lehnstühle waren herumgestellt- an der Tafel aber saß Nie- mand. Kein Mensch. Als aber der Major seine Blicke über die Tafel streifen ließ, fing er an, AlleS zu begreifen, und je klarer ihm das Räthsel wurde, um so mehr füllten sich seine Augen mit Thränen. Bor neun KouvertS stand auf dem prächtig gedeckten Tisch je ein weißes Rosenbouauet unter einem Glassturz; daS letzte von frischen, erst abge- pflückten Blumen, die Rosen der übrigen waren verwelkt, vergilbt, vertrocknet. „Sehen Sie, da sind sie alle, die mir am Timeatage zu gratuliren pflegten, von Jahr zu Zahr; das sind meine Timea- Namens tagSgäste. Es sind ihrer neun. Wollen Sie der zehnte sein? Dann sind wir alle beisammen, die ich ge- laden." Der Major preßte mit sprachlosem Entzücken die schöne Hand an seine Lippen.„Meine armen Rosen..." Timea wehrte ihm nicht, diese Hand wiederholt zu küssen; vielleicht hätte sie ihm noch mehr erlaubt. Aber die Trauer- Haube war ein so großes Hinderniß. Timea bemerkte das. „Wollen Sie, daß ich diese Trauerhaube mit einer anderen vertausche?"„Von dem Tage an, wo dies geschieht, werde ich zu leben anfangen."„Setzen wir dafür meinen wahren Namenstag fest, den Jedermann kennt."„Ah, der ist noch ,'nendlich weit."„Erschrecken Sie nicht. Es ist auch im Sommer ein Susannentag; den werden wir feiern."„Auch der ist noch weit." „Aber es ist doch keine Ewigkeit bis dahin. Haben Sie nicht Geduld gelernt? Sehen Sie, ich brauche Zeit dazu, um mich an das Glück zu gewöhnen. DaS geht nicht so auf einmal. Erst muß ich lernen, auf Glück hoffen. Ich muß erst d��on träumen. Auch bis dahin können wir uns ja t. glich sehen; erst nur auf eine Minute, dann auf Jwet, und dann für immer. Ist's so aut?" Der Major widersprach nicht; sie bat so schön.„Nun, Oberzunftmeisters eine schlimmere Saat aufgeht.— Möge sie ihnen nicht zu schwer werden." Zum Schlüsse gegen das Verhalten der Presse sich speziell wendend, sagt der„Grütlianer" weiter:„Keine 5 Prozent der schweizerischen Blätter haben den Muth gehabt, die Be« wegung zu unterstützen. Und nur ganz wenige der übrigen Zeitungen brachten cS über sich, nur so weit Objektivität zu be- obachtcn, daß sie ihren Lesern auch sagten, von welchen Gründen eigentlich die Referendiftcn sich haben leiten lassen. Der große Haufe hetzte und schimpfte, verschwieg sorgfältig den wahren Kern der Frage und quatschte einander oas einfältigste und verlogenste Zeug nach, oder vergaß sich in der Scham'osig- keit so weit, alle als Valerlandsoerräther zu brandmarken, die sich die neumodische Polizei vor den Schranken des Voltes noch näher besehen wollten. Wenn es der Beruf der republikanischen Presse ist. den freien Volksgeist zu wecken und zu pflegen und unsere bürger- lichen Rechte, gegen wen es immer sei, zu schützen, so hat sich der Großthcil der Schweizerblätter in dieser FreiheitSftage er- bärmlich gehalten. Mag es immerhin angenehm sein, sich ein gönner- Haftes Nicken der Matadoren und der Herren vom Gcldfack zu erschreiben, wir verzichten lieber darauf und schreiben dafür so, daß wir einst mit dem guten Bewußtsein die Feder auS der Hand legen dürfen, den republikanischen Volksfinn nicht korrum- pirt zu haben." Abgesehen von der Impertinenz kann die Behauptung der „Köln. Ztg.", daß eine Anzahl der ReferendumSunterschristcn von Ausländern herrühren, hier nur Heiterkeit erregen. Die „anständigen" Blätter können sich eine solche gewissenlose Hetze erlauben; wir halten aber keinen der in der Schweiz sich aufhaltenden ausländischen Soziaftsten der Taktlosigkeit für fähig, einen solchen Schritt zu machen. Nach Beschluß des BundeSratheS tritt das Gesetz, betr. Bundesanwalt, am 15. dS. in Rechtskraft, so daß wir schon in 14 Tagen den Bundes- anmalt im Amte sehen können. pQliktplhe Wie die Grdnuugsmänner Politik mache». Di« „Wurzener Zeitung" vom 4. ds. Mts. enthüll folgendes„Em- gesandt"': „Im Anschluß an den Bericht der„Wurzener Ztg." über die Großzschcpaer und Kührener Versammlung habe ich speziell über erstere folgendes zu ergänzen: Herr Dr. Weineck sagte in seinem Vortrage, daß das Kartell die berechtigten Klagen der Arbeiter anerkenne und stets bemüht sei, die Lage der Arbeiter zu verbessern und das Volkswohl zu fördern. Ich fragte den- selben nun, wenn daS Kartell das wirklich ernstlich wolle, warum da der Kartellreichstag alles und jedes, was die Masse des Volkes zu ihrem nothwendigen Lebensunterhalte braucht, vertheuere und dadurch die Existenz so schwer gemacht würde. daß man kaum noch seine Famiue ernähren könne. Seine Ausführungen ständen also im Widerspruch mit den That- fachen, und es wäre nur darauf abgesehen, die Arbeiterstimmen zu fangen. Während dieser paar Worte entstand unter den anwesenden Kartellgesinnten ein Tumult und der Vor- sitzende, Herr Pfarrer Riedel, schloß schnell die Versammlung. Hierauf gingen wir anwesenden Arbeiter hin- unter in die Gaststube und plauderten noch ein halbes Stünd- chen gemüthlich zusammen. Dann gingen die von den Nach- bardörfern anwesenden Arbeiter nach Hause; vom Orte selbst waren nur sehr wenige Arbeiter da; dieselben hielten es nicht für nöthig, den Weincck'schen Kohl mit anzuhören. Nach einer Weile kamen die KarlellqutSbesitzer von oben in die Gaststube und hörten, wie im Laufe des Gespräches(woran sich auch der Gendarm, Herr Maul, sehr lebhaft be- t h e i l i g t e) ein steisinniger Herr sagte, daß es so schlimm mit der Landwirthschaft gar nicht stände und daß eS eine Beleidigung für die Landwirthe wäre, wenn sie sich nur durch den Zoll halten könnten, darauf brach der Tumult los, doch beruhigte man sich auch wieder und trat in verschiedenen Gruppen zusammen, sich ruhig unterhaltend. Unterzeichneter war hrerbei von einigen Guts- besitzein in ein Gespräch hineingezogen worden. Wir unter- hielten unS über lange Arbeitszeit und über die Kindererziehung. Hierbei sagte ich, daß es infolge der langen ArlreitSzeit manchen Eltern unmöglich sei, sich genügend um die Erziehung rhrer Krnder zu kümmern und zog hierbei ein Wurzener Erablisse- ment an, wo bis zu 18 Stunden gearbeitet würde. Die Um- stehenden sagten, daß sie auch sehr tüchtig arbeiten müßten, um ihre Wirthschaft im Stande zu halten.„Jawohl," sagte ich, „das ist sehr richtig; eben deshalb müssen wir begreifen lernen, daß wir an einem Strange ziehen und daß der Werth, den wir wirklich Arbeitenden hervorbringen, in ganz andere Hände streßt, und Einigkeit unter der gewerkihätrgen Bevölkerung, wozu ich den Landwirth mitrechne, sehr nolh- wendig sei. Wir dürften deshalb niemals kartellbrüderlich jetzt ist das Gastmahl zu Ende!" flüsterte Timae.„Die anderen Gäste wollen schon schlafen gehen. Gehen auch Sie nach Hause. Doch halt, warten Sie noch ein wenig! Von Ihrem letzten Namenstag-Glückwunsch will ich Ihnen ein Wort zurückgeben." Damit löste sie auS dem frischen Blumenstrauß eine Rose, berührte sie kaum merklich mit den Lippen und steckte sie dann dem angebeteten Mann in'S Knopfloch. Dieser aber preffte die Rose, dies„eine Wort", an seine Lippen, und küßte sie, damit ein Reim daraus werde... Als der Major sich entfernt hatte, und von der Gasse hinauf sah zu den Fenstern des Levetinczy'schen Hauses, war oben schon alles dunkel. Er war der letzte Gast ge- wesen... Timeajlernte allmälig.die große Kunst, sich anSGlück, an die Hoffnung zu gewöhnen. Sie hatte einen guten Lehrmeister. Von diesem Tage an war Herr Katschuka täglicher Gast im Hause; aber freilich hielt der Major sich mcht genau an die vorgeschriebene arithmetische Progression, erst eine, dann zwei Minuten. Für die Hochzeit war der Susannentag im Monat August anberaumt. Auch Athalie, so schien es. hatte sich in ihr Schicksal ergeben; sie nahm von Herrn Fabula den VerlobungSring an. Es ist ja nicht der erste Fall, daß ein schönes junges Mädchen einem wackeren Wittwer die Hand reicht. Von dem weiß man doch schon, daß er ein Mann ist, der„seine Frau gut hält", und man läuft weniger Risiko dabei, sich mit ihm zu verheirathen, als mit irgend einem jungen Stutzer, der fein Rigorofum noch nicht ab- gelegt hat. Der Himmel segne ihren Bund! Timea nahm sich vor, Athalie als Mitgift jene Summe zu geben, welche ihr Michael angeboten hatte, und welche damals vor ihr zurückgewiesen wurde. Jedermann glaubte, sie gebe sich Mühe, sich zu ändern, um für Herrn Fabula eine passende Frau abzugeben. Nur Herrn Katschuka täuschte sie nicht. Er durchschaute, waS in AthalienS finsterer Seele vorging. Wußte er doch, was er an Athalie verbrochen und welche Abrechnung Athalie mit Timea zu machen hatte. Das Schicksal pflegt solche Schulden nuht nachzulassen. Wie? Du schönes Weib mit dem weißen Antlitz, denkst Du nicht daran, daß jenes andere Mädchen, als Du in dies wählen." Als ich nun nochmals auf die lange Arbeftszeit zu sprechen kam, mengte sich der Gutsinspektor in unser Ge- sprach und nannte das, was ich gesagt. Lüge. Ich wandte mrch sofort ab. und sagte zu dem nicht weit davon stehenden Gendaim:„Nun. Herr Maul, Sie kennen die Verhälmisse in Würzen au» und werden wessen, daß das. was ich darüber gesagt, die W-Hrbeit ist." doch wich derselbe einer Antwort aus. Ein neben ihm stehender GutSbefitzer sagte darauf. ,ck sollte nur ruhig sein, sonst setzte cS noch Haue.„DeS ist ja sehr schön," sagte ich.„nn Beisein des Herrn Gendarm mir Haue anzubieten"(letzterer schwieg). Mittlerweile entstand ein Gedränge, bis man mich an die Stabenthür hatte. I» frug. was das eigentlich zu bedeuten habe, ob das die„honette Gesellschaft" von Großzschepa sei. Man hatte mi» umringt, daß ich weder aus no» eni konnte. Ich rief den Gendarm. daß ich nicht hinaus könnte, derselbe sagte aber nichts. Jetzt fühlte ich eine Faust sich um meinen Hals legen; nun rief ich den GtNdarm aber energisch um Hilfe an, welchem Ruf derselbe nunmehr auch nachkam. Einige waren aber so aufgereot, daß es den Anschein hatte, als wall- ten sie Widerstand Wien. Wenn dos nur Arbeiter geweten wären. Dieses der Wahrheit gemäß, so weit es meine Person betrifft. ,»>, rr, Aug. Fleischer. Der Verfasser dlese-, Einglsandt ist ein Wurzener Bürger von unanfechtbarer Glaubwürdigkeit. Obgleich der Bericht— dessen Richtigkeit uns beiläufig von verschiedenen Seiten be- stätigt wird— eines Kommentars nicht bedarf, so sei doch auf einige Punkte aufmerksam gemacht. Erstens auf den Umstand, daß die Wuth der Heiren Gutsbesitzer durch Zweifel an ihre Nothlage e: regt wurde. Zweitens auf die Haltung des Gendarmen, der offenbar mit den Herren Gut- besitz:rn unter einer D>cke stak. Drittens endlich verdient es Beachtung, daß der Orts pfarrer in der betieffenden Versammluna den Voifitz führte. Die protestantische Geistl'ch- keit— mit Ausnahme des Hein, Stöckcr, der eine Ausnahm-- stellung genießt— pflegte sich bisher der politischen Agitation fern zu halten. Auch bei der letzten ReichStaaSwahl blt.b sie noch passiv. Diesmal ist den He ren Pfarrern von irgend einer einflußreichen Stelle die Ordre zugegangen, sich mit aller Macht an der Agitation zu betheiligen— ein Bewn-, dcß der reaktionäre Wahlappa at für die nächste Wahl auf noch größeren Hochdruck eingerichtet ist, als das letzte Mal.— (Auch von anderen Orten wird eine bedeutende agitatorische Thäligkeit der Herren Pfarrer gemeldet.) Dem foziaU»«mokeatische« Reichatag»abgeord»ete« Frokme ist durch Verfügung de« Regierungspräsidenten v. Wurmb in Wiesbaden auf ein Jahr der Aufenthalt nr den Kreisen Frankfurt a. M., Hanau, Höchst und dem Obertaunuskreise auf Grund des Sozialtstengesetzes untersag« worden. Z« einer Keichsanleihe von 260 bis 270 Millionen Mark soll die Genehmigung des Reichstags nachgesucht werden. Diese Notiz ist jetzt nicht blos mehr Börsengencht, sondern wird hochosfiziöS dem Wiener„Fremdenblatt" aus Berlin vom Mittwoch gemeldet. Das Telegramm lautet wörtlich:„In unterrichteten Kreisen verlautet, daß dem Reichstage ein An- leihegcsctz zur Deckung militärischer und anderer Bedürfnisse vorg-legt werden wiro. Die geforderte Summe dürfte 260 du 270 Millionen Mark betragen."— D>e Höhe dieser Summe muß allerdings überraschen. Im letzten Reichshaushaltsetal bezifferte sich der Anleihebedarf nur auf 90 Millionen, darunter 64 Millionen für militärische Zwecke und 7 Millionen für die Marineverwallung. Nähere Aufklärung bleibt abzu- warten. Nach der„Bcrl. Börlenztg." handelt es sich bei dem groben Anleihededaif hauptsächlich um Neuschaffung einiger: strategischer Eisenbahnlinien. Es sollen außerdem noch an den älteren Linien drille und vierte Geleise gelegt werden. Herr v. Puttkamer als abgewiesene»- Mitarbeiter der„Zlorddeatjchen". Die„Kreuzztg." bringt in ihrem». Kampf« gegen die offiziöse Presse eine rnteressanle EntbiUlun?. Sie berichtet, daß als die nationalliberale und deutschfreisinnige i Presse die bekannte Versammlung beim Grafen Waldcrsee am 28. November 1887 einer Kcitik unterwarf, der damalige Vip- j Präsident des Siaatsmimsteriums, Herr v. Putlkamer einen Artikel für die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" zur E--! wideiung hiergegen schrieb. Die Redaktion der„Nordd All;-. Zeitung" aber lehnte die Aufnahme dreseS Artikels ab und brachte statt dessen ihrerseits unmittelbar darauf in mehreren j Leftartikeln heftige Angriffe gegen diese Versammlung. Die Sache ist jedoch nickt so arg geworden, denn He r; v. Puttkamer ist zum Trost für die Zurückweisung semcs Ar- tikels längst Besitzer des schwarzen Adleroidens und hat eS verstanden, sich überall„lieb Kind" zu machen. Es häfte be- j kanntlich nicht viel gefehlt, so wäre Heir v. Putlkamer beinahe i „Graf" geworden, und das alles dafür, daß er einen ZeitungS»! artikel schreiben wollte! Zur schlntnlg«» Uorberettung der Neuwahlen fordert nunmedr auch die„Konieiv. Korresp." die konservative Paite» auf. Dieselbe schreibt:„Ob, wie behauptet wird, die Reu- Haus kamst, Herrin in diesem Hause gewesen; daß sie reich. gefeiert und Braut war, umworben von den Männern, de-, neidet von den Frauen? Und von dem Moment an, wo das Wasser Dich auswarf an dieses Ufer, begann mit Dir- daS Mißgeschick jener Andern. Sie wurde zur Bettlerin, kam in Schimpf und Schande, wurde vom Bräufigam ver- lassen, verschmäht. Nicht Deine Schuld war es, daß dies geschah. Aber es geschah Deinetwegen; Du brachtest das Unheil mit. ES sitzt dort auf Deinem weißen Antlitz, zwischen den sich küssenden schwarzen Augenbrauen, und bringt Untergang dem Schiff und dem HauS, in das Du Deinen Fuß setzest. Du kaunst nicht dafür, aber Du trägst es in Dir herum. Zu Grunde geht, wer Dich verfolgt, und wer Dich befreit. Du kannst nicht dafür, daß die Einen Dich so lieben, und die Andern Dich so hassen; aber Du kannst beidem nicht entgehen. Und Du wagst es unter Einem Dach mit Athalie zu schlafen! Und unter diesem Dach! Seitdem Herr Katschuka in« Haus kam, that Athalie ihrer Natur Zwang an und behandelte selbst ihre Mutter freundlich. Sie kochte ihr jeden Abend Thee, den Frau Sophie sehr liebte und besonders mit viel Rum liebte. Athalie bereitete ihn selbst für sie. Auch gegen die Dienst- boten war sie die gute Stunde selbst; auch diese ttakfirte sie mit Thee, ver bei der männlichen Dienerschaft— dem Be- dienten, dem Kutscher, dem Portier— sich bis zum Punsch steigerte. Die dienstbaren Geister(Frau Sophie an der Spitze) konnten daS gute Fräulein nicht genug rühmen. Frau Sophie fand auch die Ursache dieser großen Freundlichkeit heraus. Derartige Dienstboten-Nawren pflegen immer nach dem Grund zu suchen, wenn die Herrschaft ihnen Gutes erweist, und zahlen dafür mit Argwohn. „Meine Tochter schmeichelt sich jetzt deshalb bei mir ein, damit ich, wenn sie sich verheirathet, mit ihr gehe; denn sie versteht nichts von der Wirthschaft; sie kann nicht einmal eine Mehlsuppe kochen. Darum bin ich jetzt liebe Mama" hinten und vorn, darum bekomme ich jeden Abend Thee. Als ob ich nicht wüßte, wie es bei meiner Tochter Athalie im Herzen aussieht!" Nun, sie wird eS bald noch besser erfahren. wählen schon im Januar oder Februar erfolgen sollen, lassen wir dahingestellt. Jedenfalls Ihut man wohl, mit dieser Mög- li&keit zu rechnen, und ungesäumt und mil Anspannung aller Kräfte an die Wahloorbereiiungen heranzutreten." Aua Sachsen, 4. Oktober. Die Angriffe in der Presse und in den Versammlungen auf die Wahlbeeinflussungen, die bisher bei der Agitation für die Nachwchl im 11. sächsischen W-hlkreis(Wurzen-Oschatz) voraekommen sind, haben den Vor- theit gehabt, daß man von kartellbrüderlicher Seite etwa« an- dere Saiten aufzieht. Die Entrüstung bei einem größeren Tbeil der eigenen Anhänger zwang dazu. So erhielten für yestern Abend die Sozialdemokraten den großen Saal des Oschatzer Rathhauses zu einer Versammlung eingeräumt, ob- gleich der Bürgermeister der Stadt zu den eifrigsten Agitatoren der Kartellparteien gehört. Die Versammlung, in welcher der sozialdemokratische Kandidat Günther und der Abg. Bebet sorachen, war zum Erdrücken gefüllt, es mochten an 1500 Ver- fonen zugegen fein. Die Stimmung war ausgezeichnet. Herr Bürgermeister Hartwig, der dem Abg. Bebel in emigen Punkten Opposition mackte. fand eine Entgegnung, die ihm Zeine Freude bereitete. Man ist allgemein auf den Ausfall der Wahl, die Dienstag, den 8. Oktober, stattfindet, gespannt. Man vermuthet Stichwahl, doch ist die Frage offen, ob die Sozialdemokraten oder die Deutschsreifinnigen mit den Kartell- Parteien in dieselbe kommen. Bei dem verstorbenen Abg. Günther, der 22 Jahre den Wahlkreis im Reichstag vertrat, entstand diese Frage nie, es wurde aber auch nie eine Agitation hervor- gerufen, wie sie dieses Mal im Kreise betrieben wird. Hervorgehoben muß werden, daß die Kartellparteien auf «inen Antrag ihrer Gegner, die Stimmzettel von gleichem Papier zu drucken, eingingen und den gegnerischen Parteien je ein Exemplar ihrer Zettel zustellten. Dieses Verhalten ver- dient Anerkennung und es wäre ein sehr erheblicher Schritt zur Sicherung des WahlgebeimniffeS geschehen, wenn dieser Vorgang bei den nächsten Wahlen allgemein Anklang fände. Mer ist verantmartlich? Das Schöffengeiicht in Guben hat oie beiden verantwortlichen Redakteure der freisinnigen „Riederlausitzer Volksztg." zu Geldbußen verurtheilt, weil die- selben sür den politischen Theil bezw. für den lokalen Theil der Zeitung zeichnen, das Blatt aber außerdem noch eine Rubrik für„Nachbarliches" und„Vermischtes" enthalte, ohne daß ein verantwortlicher Redakteur für diesen Theil vorhanden sei. Durch ihren Vertheidiger Herrn Rechtsanwalt Dr. Lewin in Guben ließen die Beschuldigten geltend machen, daß, wenn überhaupt auS der Zeichnung der Zeitung nicht mit Bestimmt- hcit zu ersehen sei, für welchen Theil die Beschuldigten zeich- neten, nicht sie, sondern der Herausgeber strafbar sei, werl er für eine richtige Zeichnung seines Blattes nickt gesorgt habe. DaS Gericht erklärte aber die zeichnenden Redakteure für ver- antwortlich. m* c■ An» Technikerkreife« finden wir folgenden Nothruf m den Blättern: „Wir leben im Zeitalter der„Sozialreform". Man wrll für Alle sorgen, insbesondere für die Arbeiter. Der Stand der Techniker aber, der die Erfolge der Industrie in erster Reihe ermöglicht, geht leer aus. Sie arbeiten größtentheils im Dienste privater Unternehmungen, und wenn ihre Kräfte ver- braucht sind und die schwere Zeit des Alters kommt— wer sorgt für sie? Zugegeben, daß einige Großsabrikbesitzer dieser Frage schon näher getreten und ihre in langjährigen Diensten stehenden technischen Beamten mit einer kleinen Versorgung für deren späteres unproduktives Alter bedacht haben: aber was will das heißen der großen Masse derjenigen Industriellen gegenüber, die sich um diese Frage noch gar nicht gekümmert haben? Die Stellung der Privattechnikcr ist im günstigen Falle der Art, daß ste bei mäßigen Ansprüchen auskömmlich zu leben im Stande sind; aber das Ziel, im späten Alier eine von Sorgen entlastete Ruhe zu genießen, vermögen sie nicht zu erreichen. Sind ihre Kräfte erschöpft, so verfallen sie im Alter oft einer Notb. von der Armen- und Krankenhäuser ge- vugsam berichten könnten. Es besteht zwar ein„Deutscher Technikeroerband", der manches Gute leistet, aber doch zu schwach ist, dem großen Uebel zu steuern, dem sich hoffentlich mehr als bisher die gebührende Beachtung aller Betheüigten zuwenden wird." So weit der Nolhrus der Techniker. In gleicher Lage wie diese befinden stch die Buchhalter, Korrespondenten, Schreiber, überhaupt das Kontorpersonal der Kaufleute und Industriellen, die Kommis diverser Branchen und die Angehörigen anderer Berusszweige— sie Alle werden kommen und sagen, wir be- finden uns Alle in derselben Lage wie die Lohnarbeiter; wenn wir unsere Kräfte dem privaten Betriebe zum Opfer gebracht und alt und arbeitsunfähig geworden sind, so mögen wir sehen, wo wir bleiben. AuS diesen Reden leuchtet ein ahnungsvoller Geist. Und so hätte denn die staatliche„Fürsorge" für die Arbeiter das Klaffenbemußtsein dieser Geistesproletarier geweckt, die heute noch in politischer Beziehung weit hinter den aus- .geklärten Lohnarbeitern stehen und glauben, sie seien keine „Arbeiter" und hätten sich zu hüten, wie diese in den Emanzipationskampf einzutreten. Daß dieser Glaube all. mälig schwinden werde, dessen find wir gewiß, daß aber Timea und dem Major gegenüber trieb Athalie die Unterwürfigkeit fast bis zur Kriecherei. Weder ihre Mienen, noch ihr Betragen verriethen ihre früheren An- fprüche. Wenn der Major zu Besuch kam, öffnete sie ihm lächelnd die Thür, führte ihn höflich zu Timea, nahm an der Konversation Theil, und wenn sie das Zimmer verließ, hörte man auS dem Nebengemach ihr lustiges Trällern. Die Manieren einer Zofe, welche sie affektirte, hatte sie künstlich sich anzueignen gewußt. Einmal forderte Timea sie aus, vierhändig mit ihr zu spielen, worauf Athalie mit naiver Verschämtheit und so, daß der Major eS hören konnte, er- widerte, sie habe das Klavierspielen schon ganz verlernt, das «inzige Instrument, an dem sie noch spiele, sei das„Hack- brett", nämlich nicht das, welches der Ungar Zimbal nennt, sondern worauf man die Wurstfülle hackt. Seit jener großen Katastrophe spielte Athalie nur dann Klavier wenn sie wußte, daß Niemand ihr zuhören konnte. Zucken nicht alle Deine Nerven zusammen, wenn Du dieses Mädchen Dir inS Gesicht lächeln siehst? Läuft es Dir nicht eiskalt durch die Adern, wenn sie sich herabbeugt, um Dir die Hand zu küssen? Wenn sie Deine Stiefeletten Dir zuschnürt, ist es Dir dann nicht, als winde eine Schlange mit ihren kalten Ringen sich um Deinen Fuß? Und wenn sie das Trink- glas Dir füllt, fällt es Dir dann nicht ein, nachzusehen, was auf dem Boden sich befindet? Nein, nein. Timea hegt keinen Argwohn. Sie ist ja so gut. Sie behandelt Athalie wie ihre leibliche Schwester. (Fortsetzung folgt.) Klus Munfl und reden. Zola als Gestbtporntpp und Tagespolitiker. Dem »B. T." wird aus Paris geschrieben:„Zola soll in diesen T igen als Geschworener fungiren. Das macht ihm keinen Spaß. Er hat seinem Aerger einem Gauloieredakteur gegen- mb.r Luft gemacht. Ec erkennt wohl die Nothwendigkeit der Geschworenengerichte an, aber er will nicht, daß man die Leute ozar die AlterSoerficherung als ein We.k. daß dem„de- stiuktiven" Geiste entgegenwirken soll, im Gegentheil diesem „destruktiven" Geiste entgegenkommt, das ist uns eine große Ueberrafchung..„, Dresden» 4. Oktober. Ein hohes Maß von Un— ver- frorenheit hat der Direktor der Siemens'schen Glasfabrik im benachbarten Löbtau an den Tag gelegt. Als am vorigen Sonntag eine Versammlung in der Nähe der Fabrik in einem öffentlichen Lokal abgehalten wurde, verbot der Direktor durch Anschlag den Besuch der Versammlung bei Strafe sofortiger Entlassung. Und als einige Arbeiter trotz dieses Ukas, der eines Sklavenhalters würdig ist, die Versammlung dennoch be- suchten, wurden sie auch wirklich entlassen. Wir bedauern nur, daß die übrigen Arbeiter so wenig Selbstgefühl hatten und sich einer solch anmaßenden Anordnung fügten. So weit sind wir denn doch noch nicht in Deutschland herabgekommen, daß der Direktor oder der Unternehmer einer Fabrik den Arbeitern vor- schreiben dürfen, welche politische Gesinnung sie haben sollen und was sie in Bethätizung ihrer Gesinnung thun, was nicht thun dürfen. Oder sind die Arbeiter bereits Heloten, die nach der Pfeife ihres Herrn tanzen müssen? Die industrielle Feudalität mag diesen Glauben von ihren Arbeitern haben, an den Arbeitern ist es, jenen zu zeigen, daß sie eine solche Unterdrückung ihrer Bürger- und Menschenwürde sich nicht gefallen lassen. Die Kteigernng der LebensmMelpreise macht sich, wie dem„Bert. Tagebl." aus Sachsen geschrieben wird, dort für die armen Hausinduftriellen in besonders empfindlicher Weife bemerkbar. Für diese sind die jetzigen Fleisch- und Brot- preise nahezu unerschwinglich. Fleisch zu essen ist den Hand- webcrn und Wirkern nicht mehr möglich, seit die Durchschnitts- preise für das Pfund Schweinefleisch 80 Pf., Rindfleisch und Hammelfleisch 65 Pf. und Kalbfleisch 60 Pf. in den Industrie- dsstcikten betragen. Dort kostet das Pfund Brot jetzt 12 Pf. Die Kohlen sind erheblrch gesteigert und die Miethen für die beschränkteste Wohnung hoch. Die Arbeitslöhne in den arg darniederliegenden Handwebcreien betragen jetzt vielfach nicht mehr als 6 bis 8 M. wöchentlich, auch in der Wirkerei und einzelnm anderer, Bemfszweigen stehen die Löhne mit den Fleifch und Brotpreisen in keinem Verhältniß. Uelxr de« Protest des Sultans von Sanstbar gegen das Verbot des Waffenverkaufs lautete die Meldung der„Times" dah n:„Der Sultan richtet« einen Protest an die Konsuln Deutschlands und Englands, in welchem er Einspruch erhebt gegen den Fortbestand des Verbots des Waffenverkaufs in Sansibar und gegen einen Erlaß WißmannS, durch welchen die Waffeneinfuhr im deutschen Küstengebiet mit schweren Geld- strafen belegt wird. Der Sultan behauptet, gegenüber seinen Zugeständnissen in der Sklavereifrage sei ihm die Aufhebung der Blokade versprochen worden; dieselbe bleibe jedoch durch genannte Verbote im Küstengebiet, mit Ausnahme des englischen, thatsächlich bestehen.— Es entsteht nunmehr die Frage, in wie weit in den unter der Oberhoheit des Sultans von Sansibar stehenden Gebieten ein Waffeneinfuhrverbot ohne dessen Zu- stimmung erlassen werden kann. Aus dem Mttugediet veröffentlichen verschiedene Blätter neuere Nachrichten, denen wir Folgendes entnehmen: Bekannt- lich machten die Engländer nicht nur auf Lamu Ansprüche, sondern stellten die Forderung auf, daß ihnen auch vom Witu- gebiete die bekannten 10 Seemeilen Küste, welche das deutsch- englische Abkommen vom 1. November 1836 dem Sultan von Sansibar vom I. bis 10. Grad südlicher Breite zugewiesen hatte, zugesprochen werden müßten. An die Erfüllung dieses Verlangens ist dem Vernehmen nach nicht zu denken, eine solche Forderung auch von amtlicher englischer Seite nicht er- hoben worden. Weiter dürfte demnächst eine Entscheidung über den Besitz der Inseln Manda, Patta u. s. w., über welche der obengenannte Vertrag jede Bestimmung unterlassen hatte, in nächster Zeit erfolgen, und zwar zu Gunsten Deutschlands. Ferner dürste ein Besitzwechsel bei der Witu-Gesellschaft er- folgen, wenigstens sind nach dieser Richtung hin Unterhand- tungen eingeleitet. Im Monat Juli ist eine Deputation von Somalis zum Sultan Fumu Bakati in Witu gekommen und hat ihn um die Erlaubniß ersucht, ihre Produkte durch sein Gebiet bis nach Wangs bringen zu dürfen, da sie damit einen viel kürzeren Weg als nach KiSmaju hätten. Der Sultan hat ihnen vorläufig eine zusagende Antwort nicht gegeben, denn die SomalrS sind als diebisch und räuberisch bekannt, man müßte erst verschiedene Einrichtungen treffen, z. B. einige mit Soldaten besetzte Stationen errichten, um sich gegen ihre Ueber- griffe zu sichern. Das kann aber der Sultan nicht eher, als bis ihm die Errichtung von Zollstätten wieder gestattet wird, welche ihm durch ihre Einkünfte solche Ausgaben möglich machen. Dr. Peters hat stch mit den Somalis sofort in freundlichsten Verkehr gesetzt und trotz der eingehendsten Warnungen von Kennern ihren Worten und Versprechungen getraut. Dort besteht jedoch die Befürchtung, daß, wenn die PeterS'sche Erpedition sich weiter von der Küste entfernen sollte, die Somalis einen Angriff auf dieselbe machen werden. zwangsweise anhalten soll, ihres Gleichen zu richten. Das, sagt er, sei namentlich der Grund, aus welchem er bedauert, zur Schwurgenchtsselsion einberufen zu sein. Er möchte, daß die Jury nur auS Freiwilligen zusammengesetzt sei, da der Zwang ein Attentat auf das Recht zu arbeiten einschließe. Verweigert der als Geschworener Einberufene zu tagen, so kostet das zum ersten Male 500 Franks, das zweite Mal 1000, das dritte Mal 1500 Franks.„Freilich," bemerkte Herr Zola vergnüglich, „wenn man diese 3000 Franks bezahlt hat, verliert man das Recht, als Geschworener zu fungiren. Er hat sie nicht gezahlt, aber er hat alles gethan, um von der Bürde loszukommen. Vergeblich!„Das wird mich sehr in meinen Arbeiten stören/ meinte er,„und mich daran verhindern, meinen Roman in diesen Tagen fertigzustellen. Ich pflege von neun Uhr bis ein Uhr Mittags zu arbeiten, gerade in der Zeit, wo ich im Gericht sein muß." Zola ist ein abgesagter Feind der Todesstrafe:„Ich finde es ungeheuerlich", sagt er,„daß die Gesellschaft sich taS Recht an« maßt, einem Individuum, welches auch seine moralische Be schaffenheit sern möge, das Leben zu nehmen. Es ist das ein fest in mir wurzelndes Gefühl, welches Niemand auszurotten vermag. Ich habe einmal in meinem Leben einer Hinrichtung beigewohnt. Es war im Jahre 1851. Ich war damals kaum 11 Jahre alt. Zu jener Zeit köpfte man noch auf der Place St. Jacques. Die Guillotine war sehr hoch, so daß man den Ver brecher aut sehen konnte. Auf der Schulter eines Verwandten sitzend, habe ich Alles beobachtet und ein solches Entsetzen empfunden, daß ich für alles Geld der Welt einer derartigen Szene nicht noch einmal beiwohnen möchte." Das Gespräch kam auch aus Politik, für die Zola ein sehr mäßige» Jntercsse bekundet.„Sehen Sie," sagte er,„ich habe instrnktmäßig mich immer von Politik fern gehalten. Man kann nicht Politiker und Literat sein. Es find dies zwei Wesen, welche durch verschiedene Mittel zum selben Ziele zu gelangen suchen, zu dem nämlich: von der Menge gekannt und zuweuen geschätzt zu werden. Ich kann Ihnen daher sehr wenig über die Tagespolitik sagen Ich bin jedoch der Ansicht, daß das Wahleraebniß wohl dazu angethan ist, um un» Literaten, Maler und Musiker, die wir vor Allem einen wolkenlosen politischen Horizont wünschen, zu beruhigen. Ich hoffe, daß wir zwei Jahre Ruhe haben und unsere Ohren nicht mehr die Schimpfworte und Schandworte zu hören bekommen werden, die sich zwei Parteien in dem Ansturm auf die öffentliche Gewalt an der Kopf ge- warfen haben. Großbritannie«. London, 3. Oktober. Jäh, plötzlich und den meisten unerwartet ist der von dem Holländer Steeostrand in's Leben zerufene Liverpooler Baumwoll-„Corner"»usammengebrochrn. Von Liverpool wird geschrieben:„Die Eröffnung der B>um- wollbörse wurde heute mit großer Spannung erwartet. Jedcr wußte, daß es sich um eine der größten Krisen der letzten Iah e handelte. Die übertriebensten Gerüchte waren über die Ab- rechnung im Ganae. Die Börse füllte sich viel früher als sonst mit aufgeregten Maklern, Spinnem und Spekulanten. Die Eröffnung vollzog sich ruhig zu einem Point(d. b.>/-»?-) tiefer, darauf gingen zwei weitere Points verloren. Ein Point wurde jedoch wieder erobert und um 11 Uhr war der Markt ziemlich stetig. Käufer zu 6"/,< 6. per September. Andere Positionen waren um ein klein wenig theurer. Seit dem MorriS-Ranger-„Corner" hat niemals solche Auftegung ge- herrscht. Als der Mittag sich nahte, fielen Preise für September fortwährend sturzartig mit 4—8 Points jedes Mal. Der tiefste Stand war 6"/«,>«q-U>»eatee. Fernande. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mavaer-Theater. Der rechte Schlüssel. Montag: Dieselbe Vorstellung. MM-nrta-SH»«»«. Stanley m Afrika. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wte»»-Gh«at«r. Hinko, oder: König und Areiknecht. Mit einem Vorspiel: Der jüngere Sohn. Montag: Dieselbe Vorstellung. tfwftMKIattn- Ktzsat«». Der Zauberlehr fing. Montag: Dieselbe Vorstellung Kaatgstadttsthr» Theater..'Ne feine Familie." Montag: Dieselbe Vorstellung. No»t»«t-Gtz BckW-Bier-Ltikiil, auch ist ein Vereinszimmer zu vergeben. »ans pdaniH, 39] Naunynstrahe 83._ Mnfreiiiw«nb SeliMten'Ä1' Restamation. Zimmer mit Piamno für Vereine und Zahlstellen steht zur Verfügung. 1731 O. Killer. 54 Frvchtp. 54. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein WetS' lllld Sawschbler-KMal. S O. Dillenberg, 125]_ Reinickendorfer-Straße Nr. 54. Roh-Tabak. Sumatra'» von 2—6 M., gutbrennende alte Vrafil'« von SS Pf. an, sowie alle anderen im Handel befindlichen Tabake empfiehlt 1351 E. Herz, Bruuuenstr. 6. Uerei« d. Klempner Kerlins und Umgegend. Den Mitgliedern hie mit zur Nachricht, da j daS Vereinsmitglied, Kollege]135 Otto Michalke, heute durch Sturz vom Dache verstorben ist. van Vorstand. Die Beerdigung wird bekannt gemacht. Dtll Mitgliedera M Fchmeius dt Rohrleger zur Nachricht, daß das Vereinsmitglied, der Kollege (Mo Brandt am 3. d. M., Abends 6 Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. d. M., Nachmittags 4 Uhr, vom Lazarus Krankenhaus nach dem Elisabeth- Kirchho Prinzen-Allee, statt. Um recht zahlreiche Betheiligung wird ersucht. 124 D e r V o r st a n d. Fachvrrein der St«ckate«re. Versammlung Montag, den 7. Oktober 1889, Abends 8 Uhr, bei Zemter, Münzstratze 11. Tages-Ordnung: 1. Vorlesung über: Das Gedankenlesen. 2. Innere Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen— auch von Nicht Mitgliedern— bittet Der Vorstand: 126 I. A.: Grünenberg. Verein znr Mahrnng der Meressen der KchuhNalher. Versammlung am M o n t a g, den 7. Oktober, Abends 8 Uhr, bei H e y d r i ch, Beuthstraße 20 (Eingang Nr. 22), I: Tages- Ordnung: I. Vortrag des Herrn Wilh. Bössche über Heinrich Heine. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Aufnahn zme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. vor Vorstand. diL. Der Kaffirer wohnt jetzt Auguststr. 6-, 1. Ve rsammlung d. FrIerelnkg. d.Grnvenre. Nftlenre am Montag, den 7. Oktober er., Abends 9 Uhr, in der DreSsenerftrasse Nr. 4». Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Hrn. S t e ff e n über: Bogen- glühlicht-Lampe, Phonograph(Edison), mit Experimenten. 3. Verschiedenes.]134 Arbeitsnachweis bei Maller, Grimmstr. 37. e lAMmtl.Damenmimtrl-Schneider «nd aller in der Kekleidnng»- Industrie beschäftigte« Arbeiterinnen indet am D i e n st a g, den 8. 0. M., Abends 8 z Uhr, in Renz' Salon, Naunynftr. 27, statt. Tages-Ordnung: 1. Was erwarten wir von einer Organisation der Arbeiter mit den Arbeitennnen rn unserer Branche? Reserentm: Frau Ihrer aus Veiten. 2. Wahl einer AgilatronS« Kommission und Verschiedenes. 129 Das Erscheinen Aller ist nothwendig. Der Sinberufer: E. Erben. Ztockipg htMer Milcr Lacktrer, Annreichrr u verwandten Beruf»- genossen. Kiliale Ost(III). Dienstag, den 8. Okiodir, Abends 8j Uhr, in Heise'S Salon, Lichtenbergerftr. 11: Gcnerat-Vei fummlung Tages-Ordnung: I. Kassenbericht. 2. Vorstandswahl. 82 3. Flliatangelegenheiten und Verschiedenes. Der Bevollmächtigt«. Gr. irffentl. Kersammluug aller Bildhauer Kerlin» am Montag, den 7. Otlober, Abenos 8j Uhr, in Sanssouci, Koliduserftr. 4-, mit oer Tagesordnung:„Wie stellen sich die Bildhauer Berlins zur Verkürzung der Arbeitszeit."„Wie vei hallen sich die Bilohuuer zurAb-chaffung eer Akkordarbert." Pflicht aller Bildhauer ist es. in dieser Versammlung zu ecschklnen. 139 Ztahtung! „Imne" Am Sonnabend, den 12. Oktober er., findet den Säle» der Verl. Soole-Sraneroi, Am Tempethofer Berg, 1132 FllmllM'Rlänzüm statt. Während dm Pausen Onarteil-Gesaug. Hierzu ladet freundltchst ein Der ßeseMd Jetoe". Grosse Colner Lotterie. Ziehung am 14. Noyember 1889. Hauptgewinn Werth 10 000 Mark. Loose 4 1 Matk— elf Loose für 10 Mark— empfiehlt Loose-General-Debit. WcSa a Berlin W., Unter den Linden 8. Jeder Bestellung auf Postanweisung sied 20 Pf. für Porto und Gewinnliste beizufügen. besteht gelt � Fabrikpreisey weil directer Bezug und Umgehung des Zwischenhandels. rJ!Iode■ Kenheiteii für die Herbst- n. Winter-Saison Kleiderstoffen.•* Reichhaltige Auswahl, sowohl in billigen Genres für Hans- lund Morgenkleidtr, wie in hochfeinen Qualitäten für Strassen- und OeaellBehaftatollett«. �Die schönsten Kinderkleider u. Mäntel« für Mädchen jeden Alters, sowie ff �Morgenröcke von den einfachsten bis zu den elegantesten Genres.�f .Unterröcke u.Tricottaillen auch im Einzelverkauf sehrbillig. Maassbestellungen und Reparaturen werden prompt erledigt.' Eigene Werkstatt für Wäsche- Ausstattungen. Herren- Damen- a. KinderwiUehe. 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Angermünderjtratze 11; Sraffundrr(Restaurant), Ziethen- und Schwerinstrohen-Ecke: Hoffmann, Frankfurter Allee III: Werschte, Ndalbertstraße 16, und im Arbeitsnachweis, Dresdenerltratze 116.[120 Freie Kranken- vnd BegrSbnißkasse der Schnhalacher u. Bernftgenoßen Berlins (E. H. Nr. 27). GenerN-Nersammlung. am Montag, den 21. Oktober, AbdS. 8 Uhr, 108 Fischerstratze 25. TaaeS ordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Innere Angelegenheiten. Ouittungsbuch legitimirt. Der Borstand. Mein Bureau ist geöffnet von 8—7 Uhr, Sonntags von 9—12 Uhr. 1592 Rtaltfgang Heine, Rechtsanwalt, Alexanderstr. 50, II. Zevtrnl-KrMeu- M Kterbe-Knffe der Maler etc. Mitglieder-Vers ammlung am Montag, den 7. Oktober, AbdS. 8. Uhr,. Barutherstrahe 17 bei Flick. 121 D e r V o r st a n d. Geschäfts- Eröffnung. Allen Freunden und Genossen zeige hiermit an, daß ich in der Skatitzerftrahe 167» Ecke der Manteuffelstraße, ein Cigarren- u. Tabali-Keschäft eröffnet habe. Geneigtem Zuspruch entgegen- 'ehend Achtungsvoll 128s Lrnst Arndt. Die Produktiv- u. Rohstojfgeuojseuslhsst der Cchueider ZLimmerstrussv 3K � empfiehlt die in gcosier Auswahl cingeiroffet en Neuheiten zur bevorstehenden Saison.[12� Das Lager fertiger Garderoben wird unterm Herstellungspreis ausverkauft. Iaquet-Anzüge von 20- 30M., Knaben-Anzüge von 5— 12M. 1323] Klimmt, Rernickendorferstr. 67. Möbel md Pllljlcrivmres Eigen« Tischlerei.[104S Solide und f e st e Preise. CHio& Slotawa. _ Moabit. Bremerstrasie 67.__ Zur Anfertigung eleganter 1473 Iterren-Gsrdvroh« empfiehlt sich der ehemalige Obmann der auf- gelästen Genossenschaft der Schneider (*. Piudler, Puttkamerstr. 8. Verantwortlicher Redakteur: K.»»ostzotM i» Berlin. Druck und Verlag»on M« Kadm, ia 8tnm SW_ Beuthslratze 2. •tan« etu» KovagF« Beilage zum Berliner Volksblati. Nr. �34 Konntag, de« 6. Oktober 188S« 6. ZlchrK. Ja Ketreff der Einrichtung von sogenannten Sanität«- Lüben, wie dieselben bisher auf den städtischen Grundstück«» in der Stralauer- und Gitschinerstrabe, sowie in der Portier. wge im Rathhause zur vorübergehenden Aufnahme von auf der Strohe erkrankten Personen bestanden haben, Hot der Magistrat beschlossen, wegen des groben Personenverkehrs in den Markthallen und der möglichen plötzlichen Erkrankung von Personen in denselben, zur augenblicklichen Unterbringung dieser Peisonen dem Kuratorium der Markthallen zur Erwägung zu geben, od nicht m den Markthallen ein Raum zur Errichtung einer San'tätsllube sich erübrigen lasse. De» MolKeamarKt, von welchem das Polizeipräsidium nunmehr Abschied nimmt, wird nach dem Au-zuge dieser Be- Hörde bald ein gänzlich verändertes AuSsehrn erhalten, so daß auch er bald nicht mehr als ein Denkzeichen des»alten Berlin� wird gelten können. Früher hieben nur die Häuser 7— 18 »Am Molkenmarlt" und die übrigen»Bei der Salzholl«�. Dieser Markt, welcher in den alten Nachrichten als der älteste bezeichnet wird, führte schon im vierzehnten Jahrhundert seinen j tzigen Namen, der wahrscheinlich von einer dort belegen ge- mescnen Kuhmelkerei hergeleitet wurde. Früher standen auf dem Platze auch Krambuden, welche im Jahre 1698, als der- fetbe ,um Paradeplatze dienen sollte, weggenommen und nach dem Reuen Markt gebracht wurden. Außer dem eigentlichen Polizei- Präsidialgebäude, welches schon im 16. Jahr- hundert ein kurfürstliches Haus war und 1791 zur Polizei und Errichtung der Stadtooigtei bestimmt worden war, find einzelne andere am Molkenmarkte stehende Häuser von geschichtlichem Interesse. Do« Haus Nr. 3, in welchem sich setzt die VI. Abtheilung de« Polizeipräsidiums und mehrere Kassen und Buckhaltereien befinden, gehörte im 17. Iah, hindert dem Grafen Acidaliu«, später dem Minister Frhrn. v. Schwerin, welcher es 1704 in s-iner jetzigen Gestalt ausbauen ließ. Im Jahre 1766 erkaufte es die General- Tabaks- Ksmvaanie, und als es später dem FiSkuS wieder zufiel, wurde es 1787 zur Stempel- und Kartenkammer und dann bis zur Erbauung des Moabiter JastizpalasteS jum Kriminalgericht benutz'.— Das Haus Nr. 4 war im vorigen Jahrhundert eine Apnheke, in deren Laboratorium im Jahre 1791 die Kunst, «o'dzu machen, gezeigt fein soll. Das Hau« Nr. 13 ist unter dem Namen die»Rippe" bekannt. Vor demselben hat in fiühcien Jahrhunderten der Roland als Sinnbild der höheren Gerichtsbarkeit der Stadt gestanden. Als die Stadt vom Karsü-sten Friedrich II. im Jahre 1448 mit dem Verlust ihrer Borrechte, wozu auch die eigene Gerichtsbarkeit gehörte, bestraft wurde, ist der Roland zerstört worden. Da dl- Kepfiarnung und Einrichtung von gärt- ncrischen Anlagen auf dem Arkona- und Vinetaplatz, sowie in der Gneisenaustraße in Ausficht genommen find, auf den erst- genannten beiden Plötz m aber noch im ersten Vierteljahr, in der Gneisenaustraße im dritten Vierteljahr jeden Jahres Jahr- mäckie abgehalten werden, so macht sich eine Verlegung dieser 'Jahrmärkte dringend nothwendig. Auf Vorschlag des zur Aus- wähl anderer Plätze niedergesetzten MagistratSauSschufieS hat der Magistrat beschtossen, an Stelle des Arkona- und Vineta- vlahe« die Bernauerstraße vorzuschlagen und mit Rücksicht auf dre j tzt schon bis auf 79999 Seelen angewachsene Bevölkerung Moadrt« dort einen neuen Jahrmarkt in der Birkenstraße ab- d alten zu lassen. An Stelle der Gneisenaustraße soll dem Polizeipräfidmm die sehr breite Urbanstraße in Vorschlag ge- draki großen Feste, an Palmsonntagen, Todtensonnlaaen u.f.w. bildtte von jeher«ine Streitfiage für die betreffenden Jnter- eff'-nten und wurde polizeilicherseit« in der Versagung resp. (Genehmigung solcher Lustbarkeiten an gedachten Tagen eine ungleiche Praxis geübt. Um nun die Ansicht des Polizeipräsi- diumS in dieser Sache zu erhalten, hatte im Austrage des Verein» der Berliner Gastwirthe dessen Vereinssyndikus, Herr Rechtsanwalt Wreschner, im vorigen Monate dem Polizeipräsi. denten eine Denkschrift über diese Frage überreicht, aus welche dem Vereine, zu Händen de« Vorsitzenden Herrn Feuerstein, nunmehr folgender Bescheid zugegangen ist: »Dem Vorstande erwidere ich auf das Schreiben vom v. Stptember d. I. Nachstehendes ergebenst: Auf Grund der ergangenen gerichtlichen und mini- steriellen Entscheidungen wird feiten« de« königlichen PolizeipräsiSiumS die Veranstaltung von �Lustbarkeiten >3o»rntc»g'.'plclndcvet. R. C. Von allen Wesen der Welt ist heute da» zrachtetste und angesehenste merkwürdiger Weise das— Schwein. Wenn wir die nationalen Borstenträger erst auf- gezehrt haben, so dürfte es passend erscheinen, wenn wir de« letzten Zipfel Leberwurst feierlich dem Märkischen Museum �der noch besser dem demnächst zu errichtenden Bismarck- Museum übergeben würden, damit wenigstens die nachkom- wenden Geschlechter erfahren mögen, welch' grause Roth am Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Herzen und Magen in Preußen-Deutschland erfüllte oder leer ließ. Man wird in nächster Zeit kaum noch von absoluter„Wurschtigkeit" sprechen können, denn die Rarheit dieses Artikels läßt auch feine vratorischeAnwendung nur für wohlhabende Leute thunlich erscheinen. An dem Tage allerdings, an welchem tausende unserer Mitbürger quS religiösen Bedenken es für nöthig halte«, sich selbst zu kasteien und von jeglicher Nahrung— «w meisten freilich vom Schweinefleisch— abzusehen, schickt es sich kaum, die Maaenfrage in den Vordergrund zu drän- W- Doch man soll nicht so zimperlich sein, und wenn jemand glaubt, er könne sich durch eintägiges Hungern im �ahre eine« Sitzplatz im Himmel verschaffen, so soll man rhu ruhig bei dem Glauben lassen, denn einem solchen Ritter des Geistes ist doch nicht zu helfen. Wir wollen nicht hoffen, daß man uns gleiche Gefühle unterschiebt, wie sie dem Fräulein BoretiuS in der Potsdamerstraße eigen sind, wen» wir uns darüber wundern, daß sich nach dem Kon- »crchauS in der Leipzigerstraße gestern und vorgestern eine förmliche Völkerwanderung— ich glaubte fast, die Leipziger- straße wäre daS rothe Meer— erhob. Mit stiller Freude iahe« wir sogar einen Mann dorthin wallen, von dem wir dmch Privat- oder sogenannte geschlossene Gesellschaften zu den in den Polizeiverordnungen vom 29. November " 1844 und 12. Juni 1856 angegebenen Zeiten für zu- lässig nur dann erachtet, wenn a) Die Lustbarkeiten nicht gegen Erhebung eines Ein- tritisgeldes stattfinden oder b) falls Eintrittsgeld erhoben wird, die Gesellschaften nicht lediglich zu dem Zwecke bestehen oder zusammen- treten, Lustbarkeiten zu veranstalten, vielmehr nur neben den Zwecken, welche sie sonst verfolgen, ge- legentlich für ihre Mitglieder und Gäste die Lustbar- kecken veranstalten. Steht aber der Zutritt gegen Entgelt auch solchen NichtMitgliedern frei, welche nicht zugleich Gäste find, also Jedermann, so ist die Lustbarkeit unstatthaft. Was insbesondere Tanzlustbarkeiten anlangt, so dürfen dieselben, selbst von geschlossenen Gesellschaften, zu den erwähnten Zeiten in Schanklokalen unter keinen Umständen statlfinden, da nach der letzteren Polizeioer- ordnung zu diesen Zeiten Tanzmusik jeder Art verboten ist. Ebenso ist die Veranstaltung von Tanzlustbar- ketten jeder Art in der an die vorgenannten Tage sich anschließenden Nacht auch nach 12 Uhr unzulässig, gez. v. Richthofen." Dieser Standpunkt des Polizeipräsidiums ist nach An- ficht des Herrn Rechtsanwalt Wreschner juristisch anfechtbar und man ist auf den Ausganz eines Prozesses gespannt, welcher in dieser Angelegenheit gegenwärtig die Instanzen durckiläuft. Eratnlirende Staatsanwälte. Eine hiesige Lokal- korrespoudenz erzählt, daß der frühere Scharfrichter Krauts unter die Biographen gegangen sei, und daß eine Dresdener Buchhandlung ihm für feine Lebensbeschreibung, mit der sie em»feine« Geschäft" zu machen gedenkt, 1899 M. gezahlt habe, die der weichherzige Scharfrichter o. D. als zärtlicher Vater zum»Grundstock" des Vermögens seines Sohnes be- stimmt habe. In diesem demnächst erscheinenden Schriftchen soll sich nun folgende famose Mittheilung befinden:»Dem Kraut« seien von vielen Staateanwälten(!), mit denen er in rizen Amtsperiode, in welcher er als Nachrichter 53 Männer und eine Frau vom Leben zum Tode befördert hatte."— Bis- her waren wir der unmaßgeblichen Meinung, daß der»amt- liche Verkehr" de« Krauts rm Köpfen bestanden hätte. Da wir aber von geköpften Staatsanwälten, die nachher noch gratu- lire», bis jetzt noch nichts gehört haben, bleibt uns nichts weiter übrig, als lebenden Staatsanwälten diese gefühlvollen und zarten Glückwünsche zu Gute zu rechnen. Im Uebrigcn kann diese amüsante Geschichte auch ernste Gedanken anregen und auf die wichtigste Frage führen: Was wären die Staats- anwalte ohne den Henker? Die Unterfnchnng i« Sache« de» Morde«, der(wie kurzlich berichtet) im Jahre 1879 an der Wittwe Wendt in Alt-Landsberg begangen worden ist, stößt auf große Schwierig- leiten. Bekanntlich hat eine zuletzt in Lichtenberg wohnhaft gewesene Arbeiterftau Horn kürzlich auf dem Sterbebette das Geständniß abgelegt, daß ihr Ehemann in Gemeinschaft mit ihrem Bruder, dem Arbeiter Hoffmann, jenen Mord begangen habe. Hoffmann ist längst todt. Er war bald nach der That in Untersuchung, wurde aber wahnsinnig. Frau Horn, die ein- »ige Zeugin, ist nun ebenfalls todt. Der verdächt'ge Horn da- gegen ist seit einiger Zeit verschwunden. Sollte er aber früher oder spater wieder ergriffen werden, dann ist es immer noch sehr die Frage, ob es gelingen wird, so viel Belastungsmaterial gegen Horn zusammen zu tragen, daß eine Verurtheilung erfolgen kann, denn so glaubhaft auch das in lctztcr Stunde abgelegte Geständniß der Frau Horn erscheinen mag, so hat dasselbe doch juridisch so gut wie gar keinen Werth und dürfte einen solchen erst dann erlangen, wenn e« durch andere Beweismomente ge- stützt wird. Die Nerhafiung de« Herr« Karl Kch«eidt ist, wie au« der neuesten Nummer der»D. Allaem. Bergarb.-Zcitung" hervorgeht, wegen verleumderischer Beleidigung von Beamten der Saaibrücker Bergwerksdirektion erfolgt. Redaktion und Verlag des genannten Blattes bezeichnen es als unverständ- lich, daß wegen einer so geringfügigen Veranlassung gleich zu der schwerwiegenden Maßregel der Verhaftung geschritten wurde, »umal ein Fluchtverdacht in keiner Weise zu begründen sein dürfte. E« sei daher anzunehmen, daß die Freilassung de« Herrn Schneidt baldigst erfolgen werde. Ei« tbtnf« eige«artiaer wie seltsamer Unglücksfall hat am JreitagNachmittag da» Leben eines Kindes in Todesgefahr gebracht. Das dreijährige Söhnchen des in der Prenzlauer- straße wohnenden Kaufmanns H. lag im Bettchen, und die Mutter hatte dem Kinde eine Rolle Zwirn zum Spielen ge- geben. Während Frau H. in der Nebenstube mit Nähen de- bisher annahmen, daß er sich über die Bestimmungen des „Koscheren" und„Treifen" hinweggesetzt habe; aber als flotter Geschäftsmann hat man auch gern seine Rechnung mit den oberen Regionen im Klaren, und man hat, wenn mau gestern Abend sich für die überstandenen Drangsale mit einem Eisbein entschädigte, doch wenigstens die frohe Zuver- ficht, daß man auf einem rernen Amtsblatt von vorn an- fangen kann— zu sündigen. Vorsicht ist die Mutter des Porzellanhandels; man sagt sich, daß man doch niemals wissen könne, was mit uns nach unserem Tode vorgeht, und in jedem Falle schaden die kleinen Hausmittel des DogmaS auch dem Atheisten nicht. Inzwischen ist nun auch die Zeit soweit vorgeschritten, daß wir unsere Reichsboten wieder erwarten dürfen. Die Pause in der Gesetzessabrikation ist ihnen hoffentlich gut be- kommen, und da man das Reichstagsgebäude von Außen mit einem frischen Oelfarbenanstrich versehen hat, steht dem Einzug der Kartellmajorität nichts mehr im Wege. Wir werden die Wächter unserer Gesetzeshandhabung allerdings nur kurze Zeit unter uns sehen, aber es ist trotzdem er- freulich, den Apparat mit der Hurrahmajorität arbeiten zu sehen— ist es doch der Schwanengesang, der aus der Musik" vom Fasching 1887 heraustönt. Von allen Dingen auf der Welt sind uns stets die politischen Prophezeiungen als das Ueberflüssigste erschienen. Man kann sich mit größerer Zuversicht auf die Wetter- aukündigungen eine» Laubfrosche« verlassen, als auf die Weissagungen eines Eingeweihten. Ueber die kommende Reichstagssession ist Jedermann unterrichtet, und sollte die Sache dennoch ganz unvorhergesehener Weise mit einer Ueberraschung endigen, so trägt Niemand besondere Schuld daran. Auch Herr von Scholz ist wieder in das Gebäude fchäftigt war, steckte der Kleine den Faden der ZwirnSrolle in den Mund und verschluckte nach und nach, halb wachend, halb schlafend, so unglaublich eS auch klingen mag, fast den ganzen Zwirn von der Rolle. Natürlich setzten sich die Fäden im Halse fest, und bald lagen dieselben wie ein Knäuel vor dem Kehl- köpf, dem Kinde Luft und Athem benehmend. Als nach etwa einer halben Stunde die Mutter, welche den Kleinen schlafend wähnte, in die Stube trat, fand sie ihr Kind bereits bewußtlos und nur noch leise röchelnd vor. Ein sofort herbeigeholter Arzt wendet: Brechmittel an, und es gelang demselben nach mehr- stündigem Bemühen, den kleinen Zwirneffer aus der dringendsten Gefahr zu erretten. Der Knabe hatte, wie sich feststellen ließ, etwa 49 Pards Zwirn verschluckt. „I« drei Tage« die Ermisstonsklage." Vorgestern Mittag gegen 1 Uhr hatte sich eine große Menschenmenge auf dem Neuen Markt angesammeit. Dort lag neben einem Ga«- kandelabcr die Leiche eines jungen Mannes, der feiner Kleidung und einem bei der Leiche vorgefundenen Bündel nach, welche« Tuchreste enthielt, ein Schneider zu sein schien. Passanten hatten kurz zuvor bemerkt, wie der Unglückliche plötzlich in Krämpfe verfiel und dann leblos zusammenstürzte, nachdem ein Blutstrom ihm aus Mund und Nase gedrungen war. Die Leiche wurde von Schutzleuten in ein Haus am Neuen Markt getragen, ein schnell herbeigerufener Arzt konstatirte den einge- tretenen Tod. Der Polizei- Lieutenaat de« 14. Polizei- Revier« fand bei der Leiche nur einen kleinen Zettel, welcher die wenigen, aber inhaltschweren Worte enthielt:»In drei Tagen die Ex- missionsklagc." Da man nicht feststellen konnte, wer der Tobte sei, so dient vielleicht die nachstehende Beschreibung zu seiner RekognoSzirung: Der Mann ist etwa 39 Jahre alt, hat schwarzes Haar und ebensolchen starken Schnurbart. Seine Kleidung be- stand in kurzen Zuastiefeln, dunkler gestreifter Hose und stahl- blauem Kammgarn-Jaquet, sowie einer dunklen Ballonmütze. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause befördert. fv. A. Klaschko» Poliklinik für Hautkrankheiten, bis- lexanderstraße 38, befindet sich seit dem 1. Oktober Köpnickerstraße 192 I(bei der Brücken straße). Daselbst werden während des Wintersemesters täglich von 12—1 für Kassen- Mitglieder, Wochentags von 1—2 für Unbemittelte, Sprech- stunden abgehalten. polizeibericht. Am 4. d. M. Morgens stürzte der Klcmpnergeselle Michaile vom Dache des Neubaues Potsdamer- straße 61 auf die Straße herab und verstarb an den erlittenen Verletzungen auf der Stelle.— Zu derselben Zeit wurde in einem Gasthause in der Krausenstraße ein dort eingekehrter Fremder in seinem Zimmer bewußtlos aufgefunden und, nach- dem der herbeigerufene Arzt einen Vergiftungsversuch festgestellt hatte, nach der Charitee gebracht.— Vormittags fiel von einem Hängegerüst am Hause Möckernstc. 131 ein leerer Wassereimer auf die Straße herab und traf eine gerade vorübergehende F- au derartig, daß dieselbe nicht unbedeutende Verletzungen am Kopse erlitt. Sie wurde nach der Charitee gebracht.— Nachmittags wurde vor dem Hause Jnvalidenstr. 1 ein Arbeiter von einem Bierwagen überfahren und erlitt einen Bruch des linken Unter- schenkels, so daß er nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht werden mußte. ** * Vergnügungs- Chronik. profektirte« Repertoire der königliche« Scha«. spiele vom 6. bis 14. Oktober 1889. Im Opernhause. Sonntag, den 6.; Don Juan; Montag, den 7.: Die Ver- lobung bei der Laterne, Coppelia; Dienstag, den 8.: Der Trompeter von Säckinaen; Mittwoch, den 9.: Lohengrin; Donnerstag, den 19.; Rigoletto; Freitag, den 11.: Der Frei- schütz; Sonnabend, den 12.: Das goldene Kreuz, die Jahres- »eiten; Sonntag, den 13.: Der fliegende Holländer; Montag, den 14.: Fra Diavolo.— Im Schauspielhause. Sonntag, den 6.: Natalie; Montag, den 7.: Da« Strftungs- fest; Dienstag, den 8.: Brigitta; Mittwoch, den 9., neu ein- studirt: Ihr Taufschein, zum 1. Male: Der Mann der Freundin, po-r fe-tum; Donnerstag, den 19.: Die Ouitzow'S; Freitag, den 11.: Ihr Tauffchein, Der Mann der Freundin, ?o�t kestiim; Sonnabend, den 12.: Die Journalisten(letztes Auftreten des Herrn Liedtke): Sonntag, den 13.: Ihr Tauf- schein. Der Mann der Freundin,?ost fe8wm; Montag, den 14.: Natalie. J)i»s Thaliatheater in der Wallncrtheaterstraße hat rasch tammpublikum gewonnen. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß dies VariSte-Theater mit seinem, eine heitere Posse und sehenswerthe Artisten bietenden Programm fortgesetzt in erfreulichster Weise besucht ist. Die Posse„Strohwittwcr" dürfte weit über 199 Vorstellungen erleben, sie gefällt allabend- lich in gleicher Weise. Das reiche Programm der Spezialitäten- künstler wird vom 6. d. M. ab durch eine Glanznummer ver- inehrt, die sich als weitere Anziehung erweisen dürfte. am Kastanienwäldchen eingezogen— und doch hatte man schon für Herrn Schweinburg gefürchtet: vielleicht haben Beide doch noch trotz alledem und alledem ein kleines Ueber- schüßchen in unserer Finanzverwaltung entdeckt, und Beide sind wieder zu Gnaden angenommen. Die Welt dreht sich eben, und wenn der„ReichSanzeiger" gegen Jemand grob wird, so ist daS immer noch kein untrüg- licheS Zeichen dafür, daß man in der That für alle Zeiten verloren ist. Herr Schweinburg schien allerdings schon für abgethan zu gelten, deshalb glaubte man ihm die Benutzung des„Reichsanzeigers" für feine Privatzwecke versagen zu dürfen. Aber jetzt ist er wieder Hahn im Korbe und der „ReichSanzeiger" wendet sich gegen Herrn v. Hammerstein und seine Nebenströmungen. Unser Planet wird dadurch schwerlich aus den Fugen gehen, aber immerbin zeitigt der Vorgang angenehme Zeckungspolemiken, sie öfter pikante Einblicke in manche Redattionsstuben gestatten. Wer hätte jemals gedacht, daß auch Herr von Puttkamer unter die ZditungSmenfchen in höchst eigener Person gegangen war,— natürlich ist es bei ihm ausgeschlossen, daß er ,n seinem journalistischen Beruf jemals das Zuchthaus mit dem Aermel gestreift hätte. Dazu war seine Thätigkeit eine viel zu staatS- und stöckererhal- tende, und dafür giebt es bei uns keine Zuchthausstrafen, sondern die höchsten Orden und Ehrenzeichen. Jeder muß natürlich nach Verdienst und Würdigkeit belohnt werden, und so gönnen wir denn auch dem Mit- arbeitet der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" alle seine Erfolge und Lorbeeren auS tiefstem Herzensgrunde. Möge ihm unsere Anerkennung dieselbe Freude bereiten, wie unS da» Lob, welches er uns öfter zu spenden die Gnade hatte.--- Ge! Äetkung. wobei mehrere Urkundenfälschungen und Bci/lügereien, bezw. Beihilfe dazu, zur Anwendung gebracht wer den, gelangte gestern zur Kenntniß der zweiten Strafkammer dcs Landgericht« L Auf der Anklagebmrk hatte der Rentier Karl Wricke au« Charlottcnburg Platz zu neh- men, weicher der genannten Strafthaten beschuldigt war, bei deren Ausführung die neben ihm fitzende Arbeiterwittwe Louise D u p k e von ihm als Werkzeug benutzt worden fein sollte. Der Angeklagte Wricke hat viele Jahre lang mit einer Wittwe Auguste Walter zusammen gelebt. Die letztere starb am 23. Ok- tober v. I., ohne ein Testament gemacht zu haben. Sie muhte ein Vermögen von 8 bis OOOO Mark hinterlassen haben, ihre Verwandten und Erben machten aber die Entdeckung, daß der Angeklagte Wricke da« bei der Reichttbank hinterlegte Vermögen für sich rn Anspruch genommen und bereit« Schritte getban hatte, dasselbe abzuheben. E« wurde schleunigst die Reich«- vank.Verwaltung benachrichtigt und diese Mahregel erwies sich al« sehr zweckmäßig, denn bald darauf erschienen die beiden Angeklagten bei der Bank mit dem Depotscheine über die auf den Namen der Verstorbenen hinterlegten 6900 Mark Obligationen und wollten das Vermögen abheben. Die Ange- klagte Dupke gab sich dabei für die Witime Auguste Walter aus und hatte auch die Quittung auf dem Depotschein unter diesem Namen vollzogen. Natürlich wie« man sie ab und ließ sie verhaften. Es stellte sich heraus, daß die Verstorbene noch ein aus ihren Namen lautendes Sparkassenbuch über 60(1 M. besessen hatte. Wricke hatte sich beeilt, diesen Betrag abzu- heben, und e« wurde deshalb auch Anklage wegen Unterschlagung gegen ihn erhoben. Al« er am 27. Mai von dem UntersuchungS- richter vernommen wurde, suchte er sich durch ein Schrift- stück aus der Schlinge zu ziehen, das wiederum gefälscht war. Es war eine Urkunde, wonach die Verstorbene die Erklärung abgab, daß das bei der Reicksbank hinterlegte Vermögen zum größten Theil die Ersparnisse de« Angeklagten Wricke seien, daß der letztere sich mit ihr abgefunden und daß sie somit allen Ansprüchen an da« Geld zu seinen Gunsten entsage. Der Richter sah auf den ersten Blick, daß der Ange- klagte die« Schriftstück selbst ge- und mit dem Namen der Walter unterschrieben habe. Beide Angeklagten gaben den Thatbestand der Anklage zu. Wricke blieb aber auch im Verhandlungstermin dabei, daß die Einlagen bei der Reichs- dank zum größten Theil au« seinen Mitteln herrührten, und daß die Verstorbene ibm viele Male gesagt habe, daß er nach ihrem Tode alle« bekommen könne. Daß die Wittwe Walter die letztere Aeußemng gethan, wu.de allerdings von einigen Zeugen bestätigt, gegen den Angeklagten svrach aber die Thatsache, daß die Verstorbene ihn vor einigen Jahren auf dem Klage- wege zur Herausgabe eines Kapitals von 3000 M., dos sie ihm geliehen, hatte zwingen müssen. Die Mitangeklagte Dupke gab zu, daß sie sich für die Verstorbene ausgegeben habe, wofür Wricke ihr?0 M. zahlte, der Letztere habe ihre Bedenken aber mit der Versicherung beseitigt, daß sie etwas Unrechtes nicht thue. Der Staatsanwalt beantragte gegen Wricke S Monate, gegen die Dupke 6 Wochen Gefängniß. Der Gerichtshof hielt den Angeklagten Wricke aber für einen Betrüger, der sich zu Unrecht in den Besitz des Erbtheil« setzen wollte und eine empfindlichere Strafe verdiene. Dieselbe wurde auf 1 Jahr Gefängniß und 2 Jahre Ehrverlust bemessen, der Verurtheilte auch sofort in Haft genommen. Die Angeklagte Dupk- kam mit 8 Wochen davon. Der ZMiespatt, in welchem der Rechtsanwalt Arthur Stadthage ii kürzlich mit dem Vorsitzenden der zweiten Strafkammer hiesigen Landgerichts l gerathcn ist, und welcher damit endete, daß der Vertheidiger vom Gerichtshofe wegen Ungebühr in eine Ordnungsstrafe genommen wurde, hat heute noch ein kleine« Nachspiel vor demselben Gerichtshöfe gezeitigt. In einer Strafsache gegen den Maurer Franz B i e« k e war Rechtsanwali Stadthagen als Ve-theidiger zur Stelle, vor Ein- tntt in die Verhandlung überreichte er jedoch dem Gerichts- schreib«: einen Antrag, nach welchem er vier Richter des Kalle« giums wegen Bekangenheit ablehnte. Er erläuterte diesen An- trag mündlich dahin, daß er die Herren Direktor Brausewetterund Landgerichlsrätbe Graf Strachwitz, Andrä und Grar.dtke wegen Befangenheit ablehnen müsse. Da dieselben Richter, gegen welche der Verdacht der Befangenheit ausgesprochen wurde, in die Würdigung der vorzubringenden Giünde nicht eintreten konnten, kam der Gerichtshof in eine etwas schwierige Lage, da nur die Möglichkeit vorlag, den Gerichtshof durch Herbei- holung von Untersuchungsrichtern zu ergänzen, oder aber die Sache ganz zu vertagen. Der Vorsitzende erklärte, daß erahne Weiteres eine Vertagung nicht rmpseblen möchte, da schließlich die Kosten doch den Angeklagten treffen würden. Die an und für sich unbedeutende Sache sei von prinzipieller Wichtigkeit, denn es würde ja ein sehr bequemes Mittel sein, eine Ver- Handlung zur Vertagung zu bringen, wenn man einfach das Richlerkollcgium ablehnt. Der Vertheidiger erwiderte, daß sein Antrag aus Rücksichten der Bequemlichkeit nicht diklirt worden sei. Der Vorsitzende bemängelte nun, daß dem Antrage de« Vertheidiger« Grunde nicht beigegeben seien. Der Vertheidiger entschuldigte sich mit der Kürze der Zeit, er- kürte sich ober bereit, noch 8 26 der St.-P.-O. die Gründe dem Protokollführer in die Feder»u geben. Da die von ihm stenographisch niedergeschriebenen Ablebnun Saninde aber zwei Bogcnjeiten stillen, so würde die Protokoll, ung mehrere Stunden in Anspruch nehmen und er beantrage deshalb, durch «ine Vertagung der Sache ihm die Möglichkeit zu geben, die Gründe schriftlich einzureichen. Der Gerichtshof beschloß denn die Verhandlung vorläufig zu vertagen und dem Rechteanwalt Stadthagen anhe>m zu geben, innerhalb zwei Wochen die Begründung de« Adlehnungsgesuche« bei dem Gerichtshöfe einzureichen. Soziale Meberstchk. An die Posamentiere Kerlin». Die Differenzen in der Firma E. Wendel u. Ko. find geschlichtet und haben sämmt- liche- Kollegen, 11 Mann, die Arbeit am Sonnabend früh wieder aufgenommen. Trotz unserer öffentlichen Bekannt- machung. bei benannter Finna keine Arbeit anzunehmen, haben sich aus die Annonze, welche am Sonnabend in der.Volks- Zeitung" stand, doch zw« Mann vor der Fabrik eingefunden, um event. Arbeit anzunehmen. Aufruf! Kollegen, Arbeiter und Brüder! 500 an der Zahl sin» wer heute genölhigt worden die Arbeit niederzulegen. Wr stellten am 7. September an unsere Arbeitgeber infolge der gesteigerten Lebensmittelpreise die bescheidene Forderung, eine Lohnerhöhung von 15 pCt. zu bewilligen- darauf erhielien wir zur Antwort, daß Sämmtlicheu am 1. Oktober gekündigt ist, außerdem wurden 40 Kollegen durch Beschluß der Fabn- kanten derart gemaßrcgelt, daß dieselben am hi-stgen Orte Jahre lang keine Arbeit erhalten sollen, wa« darauf hmau«- zielen soll, die hiesige Organffation zu vernichten. Kollegen, Arbeiter! Ihr werdet wohl selbst wissen, daß wir derartrgen Machinalionen entgegentreten müssen. Wir hielten zu diesem Zwecke beute am 2. Oktober Vormittag« 11t Uhr eine öffent- liche Tischle, Versammlung ab, welche von über 500 Mann be- sucht war und in weicher einstimmig zum Beschluß gelangte, untere Forderung aufrecht zu erhalten und«nstimmig der Gmeratstreik proklamrrt wurde. Kollegen, Arbeiter! Wir richten an Euch daher die Bitte, uns in der geiechten Sache (da der a-ößte Theil Familienväter sind) thatkrafüg zu unter- stützen. Trotz unseres geringen Verdienstes haben wir uns m derartigin Fällen stet« betheiligt; wir appelliren daher an Euer SolidaritätSgefühl. Zuzug ist fernzuhalten. Schnelle Hilfe thut Roth. Briefe find zu richten an I. F i s ch e r, Sand- straße 3 und an Will). Konra d, Waldenburastr. 15, Frci- burg in Schlesien. Mit kollegialischem Giuß und Handschlag. Das Streikkomitee. VerfÄttmrlrmgerr. Eine große öffentliche Uolksnerfammlung war zum Freitag Abend nach dem„Biffmifchcn Brauhaus»", Landsberger Allee 11/13 anberaumt worden, um folgende Tagesord- nung zu erledigen:.Wie stellen sich die Berliner Arbeiter zu den Stadtoerordnetenwahlen?" Der mächtige Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. In das Bureau wurden mit überwältigender Majorität folgende Herren gewählt: Otto Heindorf, Ernst Wilschke und Paul Meyer, infolge dessen fiel ein zweiter Vorschlag, der die Herren Heindorf, Gottfr. Schulz und Felgen triff als Leiter der Versammlung wünschte. Herr Heindorf theilte zunächst mit, daß der Referent Herr Tutzauer nicht erschienen sei und sich entschuldigt habe An seiner Stelle werde Herr Rechtsanwalt Stadthagen sprechen. Der üb«- wachende Beamte«kürte dies aber nicht für gestattet. Herr Wilh. Werner stellte hi.«auf den GeschäftSordnuvgSantrap, auch das Korrtf«at des Herrn Glocke fallen zu lassen; Herr St. möge sich bemühen, als«ster Redner das Wort zu erlangen. Die Versammlung erhob diesen Antrag zu dem ihrigen. Als Herr Stadlhagen sich hierauf zum Wort meldete, das Podium bestieg und die Worte sagte:.M. H., ich will nur wenige Worte an Sie richten", löste der überwachende Be- amte die Versammlung auf. Die Anwesenden cnt- fernten sich ruhig. Der Allgemeine deirtfihe Tapezirerverei«.Filiale Berlin", hielt am Montag, den 30. September, bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, eine außerordentliche Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Sander, dankte den anwesenden Mit- gliedern und Gästen für ihren Besuch und bemerkte dann noch, indem er zum Beitritt aufforderte, ungefähr, daß die anwesenden Gäste, aus welchen Gründen sie auch gekommen sein mögen, in der später eintretenden Pause dazu Gelegenheit hätten, denn anders könnten sie ihren Zw.'ck doch nickt erreichen. Der erste Punkt der Tagesordnung lautete:.Stellungnahme zu dem von der sogenannten Untersuchungskommisfion herausgegebenen Flugblatt". Die Kommission, welcke am 4. Juli d. I. in öffentlicher Versammlung auf Veranlassung eines vom Kollegen Wildberger herauSgegcbcnenLFlugblatte«, zur Unter- suchung der au« der Lohnbiwegung 1885/86 relultirenden Diffe- renzen u. s. w. gewählt wurde, hatte, das Herr Sander in Nr. 17 dieses Jahrganges der„Toprzi«er- Zeitung" einen durchaus nicht den thatsächlichen Mrtiheilungen der Kommission entspreckenden VersammlungSbericht veröffentlichte, dielen ihren Bericht in Form eines Flugblattes verlaßt und verbreitet. In diesem Flugblatt wird das der Kommission zur Verfllauvg ge- stellte Material gesichtet und geordnet der yesammten Kollegen- schaft vorgeführt und kommt diesilbe darin zu dem Resultat, daß Herr Sand« als Leiter der Lohnkommsssion, sowie Vorsitzender des frllhnen„Vereins zur Wahrung der Interessen der Tapezirer" einzig und ollein die Verantwortung für die vorgefundenen Unregelmäßigkeiten zu trafen habe; auch die gegenüber der ehrmaligen Zeitungskommilsion durch Vorlegen einer quittirten aber nicht bezahlten Rechnung vollführte Täuschung seitens des Sander beruhe auf Wahrheit, ebenso die übrigen in dem Wildberger'schen Flugblatt enthaltenen Behauptungen. Zum Schluß kommt die Kommission zu dem Resultat, daß Leute, welche das Vertrauen ihrer Kollegen derart mißbrauchen, nicht mehr sähig sind, in Zukunft noch Ehren- Lmter in der Kollegenschaft zu bekleidin. Herr Sander bezeichnet nun da« Flugblatt der Kommission als unwahr und entstellt und zeiht die KommissionSmitglicd« d« Parteilichkeit, wie er es in einem von ihm herausgegebenen Flugblatt im Wesentlichen auch schon gethan hat. Hieran schloß sich eine sehr lebhafte Debatte. Die Kommissionsmitglieder, Kollegen Zack,Fricke undLohhöfner, hielten denKommissionSbcricht voll und ganz aufrecht und stellten einzelne unklare Behauptungen Sanders richtig; Fricke betonte, daß Sander ibm vorh« leine Freude darüber ausgedrücki Hube, daß er(Fricke) sowie Lobbösner in die Kommission gewählt seien. Da dieselben ohne Rücksicht auf die Person ihre Aufgabe erfüllt und das Urlheil zuungunsten Sandn'S ausgefallen wäre, bezeichne Sander sie a's parteiisch. Kollege Staudinger weist in schaif-r Ausführung die in dem Flugblatt Sander's gegen seine Person gerichteten Angriffe zurück. ES entspann sich nun eine längere GeschäftSordnungs« debatte. Herr Sander stellte den Antrag, daß er nach j d?m Redn« einige thatsäckliche Berichtigungen geben dürfe. Für den Antrag waren 7—9 Stimmen, auf verlängte Gegenprobe erhoben sich 50—60 Stimmen gegen den Antrag. Hierauf frug Heir Sander, zu den übrigen Vorstandsmitgliedern ge- wendet:„Sind denn das Alles Mitglieder?" Worauf Kollege Neckisch m>t„Jawohl" antwortet. Darauf bemerkte der Vorsitzende Heir Sander:„Nun dann schließe ich hinmit die Versammlung." Der Fachverei« der Former und verwandter Berufs- genossen hielt am Sonntag, den 29. September, in Deigmüllcr'g Lokal, Alte Jakobftr. 48a, eine stark besuchte Versammlung mit folgender TageSordrung ab: 1. Bericht der Kommission zur Veibesserung des Arbeitsnachweises. Referent: Kall. Körsten. 2. Drskuision. 3. Stellungnahme betreff« der Arbeitseinstellung in der Schwartzkopff'scken Metallgießerei wegen Maßregelung. 4. Verschiedenes und Fragckasten. Nach Verlesung de« Pro- tokolls wurde der Antrag gestellt, den dritten Punkt der Tagesordnung, sein« Wichtigkeit wegen, al« ersten zu setzen; der Antrag wurde angenommen. Es wurden zwei Briese verlesen, der eine war von der Kommission an den Herrn Betriebsingenieur Leyde g«ichtet. In demselben erklärten sich die Kollegen mit dem Gemaßregelten solidarisch, da sie zu der festen Ueberzeugung gekommen waren, daß der- selbe in allen Punkien recht gehandelt hatte, und fragten an, ob He« Leyde mit einer Kommission des Fachvereins in Unter« Handlung treten wollte. Der zweite Brief enthielt die Antwort des Herrn Leyde, in welchem sich derselbe nur an ein Kom- missionSmitglied gewandt hatte. Er«klärte, mit einer Kom« Mission vom Fachvccein nicht verhandeln zu wollen, und demselben den Rath gab, aus einem V«ein, d« sich Bevor« mundungen und Vergewaltigungen der Firma gegenüb« erlaubte, auszutreten. Nachdem von Seiten der Sckwartzkovff'jchen Kollegen der Sachverhalt klargelegt war, ergiiff der bis vor kurzem im Bureau der Metallgießerei von Schwartz'oxff be- schäfligt gewesene Herr Roscnbaum das Wort und erklärte sich dahin, daß zu verschiedenen malen Unregelmäßigkeiten im Rechnen vorgekommen find. Nach den AuSsüb'.nngcn kam die Versammlung zu dem Resultat, daß der Gemaßregelte in seinem vollen Rechte war, daß« solche Ungehöngkeiten auf- deckte und daß die Schwartzkopff'schen Kollegen sich brav ge- cheigt hätten, indem sie sich mit dem Kollegen solidarisch«klart haben und die Arbeit niederlegten; dieselben wurden anderen Kollegen als Beispiel hingestellt, daß' sie ihren Vertrauensmann bei ein« Maßregelung ebenso beistehen sollten. Es wurde noch bedauert, daß es bei der jetzigen Arbeiterbewegung immer noch solche gieichgiltigen Kollegen giebt, die die Arbeit nicht mit einstellen, und wieder solche, die gleich, sobald sie hören, daß irgendwo die Arbeit niedergelegt ist, hinlaufen und sich orrbieten. Ein Antrag, zu d« Schwaitzkopff'schen Angelegenheit eine öffentliche Versammlung einzuderusen, damit darüber noch genau« veihandelt wird, wurde angenommen und war damit dies« Punkt der Tagesordnung erledigt. Hierauf«griff Kollege Körsten als Ref«ent zum«sten Punkt d« Tagesordnung da»' Wort. Es sei vor allen Dingen nöthig, so führte Redn« au«. daß Angebot und Nachfrage geregelt werde, und müsse ei». jeder Kollege darauf bedacht sein, daß derselbe nur vom Ar- bcitSnachweiS Arbeit nehme. 2. Punkt: Diskussion. Hier wurde die Frage aufgeworfen, ob eine Spezial- oder Genera!- s diskussioa üb« das von d« Kommission auSaeaibeitete Regle« 1 ment staltfindnr sollte und man entschied sich für General-) diskussion. Da jedoch die Ze t bereits weit vorgeschritten war. wurde d-e Ger.tialdiekussion für die nächste Vessammlung auf die Tagesordnung gesetzt. Nachdem unter„V«schirdentS" nach einige Angelegenheiten«ledigt waren, schloß der Vorfitzende die Versammlung um 2\ Uhr. Eine öffentliche Versammlung der Drechsler«nd Kernfsgrnoffen fand am Montag im Norden Berlins bei Lehmann, Schwedterstroße 24, statt. In das Bureau wurden folgende Kollegen gewählt: Burgbausen, 1. Vorsitzender; Tabert, 2. Voisitzend«; Danzer, Schriftführer. Auf der Tagesordnung stand: I. Vortrag über Zweck und Nutz-n der Zentral- Gewerk- schalieorganisation. Ref«ent: Kollege Rautenbcrg. 2. Diskussion. 3. G-Lndung ein« OrtSv«waltungk.stcllc dn V«einigu,ig der Drechül« Deutschlands in B«lin. 4. Verschiedene«. D« Vor- sitzende«tdeilt dem Refnenlen, Kollegen Raulenberg, das Wort zu seinem Vortrag über Zweck und Nutzen der Zentral Gkw«k- schaft« organisation, we'cher Aufgabe sich de selbe zur voll.n Ancrkennung der Anwesenden erledigte. Er lührte uns die Schäden des heutigen Wnlhschastssystem vor Augen und ondt sogleich die Mittel an, die Lage der Arbeiter zu»«bessern. Vor allem betonte er die Nothwendigkeit, soviel wie möglich den Z 152 der Reichsgewerbeordnung auszunutzen. Man müsse vor allem da: auf bedacht sein, eine kräftige Organisation zu sck offen, denn nur mit Hilfe dnselben sei man im Stande, den Kapitalisten,< welche nur darauf bedacht find, billige heranaezogene Aibeitl-! kräfte durch übermäßig lange Arbeitszeit, Sor.ntagsarbeit k.: auszunutzen, energisch gegcnüberjutreten. Redner fuhrt fern.« aus, daß die Innungen nicht im Stande sind, den ungleichen Kampf gegen das Äioßkapital und die Maschinen auf die Dan« auszuhallen, sondern daß sie üb« kurz oder lang unter» liegen müssen. Indem er noch die Kollegen ermuntnte, recht kräftig für die Organisation einzutreten, schloß er m-t den Worten:„Arbeit« all« Länder vereinigt Euch!" � Hicran schloß sich eine lebhafte Debatte, die sich hauptiächlich mit der Frage der Frauenarbeit beschäftigte; von allen Seite» wird betont, daß die Frau durch die heusszcn Verhältnisse nicht wie früher mehr an die häuslichen Arbeiten gebunden ist und folglich ein Recht auf Arbeit hat. Kollege Rautenberg betont noch, daß die Frauenarbeit nie abgeschafft werden wird, aus- genommen dieienigen Arbeilen, welche gesundheilsschädstch und fo'glich auch für das nackkommende Geschlecht schadhaft find. Nachdem sich mehrere Kollegen für die Gründung ein« Verwaltungsstelle 4 der Vereinigung der Drechsler Deutsch- landS ausgesprochen haben, erfolgte die Abstimmung üb« diesen i Punkt und wird einstimmig die Gründung einer solchen be-| schlössen. Hierauf erfolgt die provisorische VorstandSwahl. Der i Vorstand ist aus folgenden P«sonen zusammengesetzt: 1 Kollege Burghausen, Bevollmächtigter; Fmthal«, Kassir«; Penicke, Schnftfuhr«; Herlig und Nelke, Beisitzende. Unter„Verschiedenes" thcilt Kollege Rattge mit, daß diejenige» Kollegen, welche aus der Verwaltungsstelle 3 nach 4 übertrete« wollen, sich bei ihm abmelden müssen, die Beiträge müssen aber bis 1. Oktober bezahlt sein. Es werden noch die Mitglieder ersucht, recht zahlreich bei der Versammlung der VwwalmngS- stelle 4, wclche längsten« in 14 Tagen statifinden soll, zahl reust zu«scheinen. Auch diejenigen d« Zohlstellc 3. Weiter wird noch bekannt gemacht, daß am 16. Oktob« bei Orschel, Se- bastianstraße 39, eine kombinirte Versammlung der vier Ort»- Verwaltungsstellen der Drechsl« Deutschlands in Berlin statt- findet. Um 11 Uhr schließt der Vorsitzende die Versammlung, j Eine Genrralversammtnng der Maurer Kerttna und Umgegend tagte am Mittwoch, den 2. Oktob«, im Lokale j Sanssouci. Infolge des schlechten Wette:« war dieselbe schwach: besucht und wurde deshalb vom ersten und zweiten Punkt d« s Tagesordnung Abstand genommen und zum dritten Punkt> „Verschiedenes" übergegangen. Unter anderem wurde d« Be- richt der Akkordmau:cr-V«siim.ml!!ng und deren Handlung?' weife ein« scharfen Kritik unt«zogcn und beschlossen, die Akko-d- frage zur nächsten Versammlung auf die Tagesordnung zu stelle«. Ferner wurde bekannt qeinicht, daß alle diejenigen, welche noch nicht im Besitz ein« Streikkarte sind, sich dieselbe des Sonnabends Abends und Sonntag Vormittags bei Wilhelm K«stan, Lübb«.e-stroße 4, vorn 3 Treppen, abholen können, d. b. nur diejenigen, welche nach dem 1. September wieder nach Berlin zurückgi kehrt find. Femer wuide bekannt geniacht, daß zur nächsten Grneralveisammlung nur Streikkarien legitimircn, da daselbst Abrechnungen vom Streik ausgegeben werden.— biB. Der Vertrauensmann Braun für den Osten wohnt vom 1. Oktaler ab Langestr. 92, Hof 3 Treppen. Darauf Schluß der Versammlung. Der Uerei« der Varquetfußbodrnleger KerU»s hielt am 30. September eine Generaloersammlung in Jordan's Lokal, Neue Grünste. 28, ab. Auf d« Tagesordnung stand erstens Statutenänderung. Es wurden mehrere Paragraphen geändert, hervorzuheben ist 8 3. Derselbe wurde dahin geändert, daß da« Eintrittsgeld von 2 M. auf 1 M. cmiediigt wurde. Für solcke Parquetleg«, welche einem Holzbranchen- ve-ein schon angelören, fällt das Eintrittsgeld ganz fort. Der zweite Punkt der Tagesordnung war: Abrechnung vom sechste« Stistunasfest. Die Abrechnung«gab einen Ueberschuß von 44,75 M. Der Betrag wurde einem kranken Mitgliede über- wiesen. Zum dritten Punkt der Tagesordnung:„Veifchiedenes" wurde üb« den sehr flauen Ge>chäftkgang aesprochen. Zum Schluß wurde bekannt gemocht, daß alle Montage vor dem 1. und vor dem 15. jeden Monat« eine Parquelbodenl?g«v«- sammlung abgehalten wird. Vereinslokal Alte Jakobststr. 75, hei Feuerstein, Saal rechts. Mir werden um Aufnahme folgender Krrichtignns ?« dem Kericht über die Nolkv-Vrrsammlnng»om 30. September in Nr. 232 des„Berlin« Volksdiatt"«» sucht: In dem Bericht heißt es unter anderem, ich hält« ge- sojjt:„Daß die Foiderungen der Putz« so schnell bewilligt wären, käme daher, weil wir mit den Unlemehmern auf freund- schaftlichem Fuße stehen." Es muß diele Auffassung mein« Worte auf Jrrthmn be- ruhen, denn ich habe nur g-lagt: „Durch die Art und Weise, wie wir unsere Arbeiten fördern und zu reguliren wissen, haben wir uns die Achtung vieler Arbeitgeb n«zwungeu, und ist uns dies bei unser« Lohnbewegung zu Gute gekommen." Ich konnte nicht so sagen. wie oben angegeben, sonst hätte ich mich direkt einer Unwahr- heit schuldig gemacht, indem wir bei Abfchließung fast jed« neuen Arbeil mit unseren Arbeitgebern erst einen Kampf zu bestehen haben, der oft erst durch partielle Streiks auSgesochten werden muß. Achtungsvoll Dähne. Achtung! Schneider! Die zu Montag, den 7. Oktob», Abends 8 Uhr, im Louisenstädtischen KonrerthauS angekündigte öffentliche Schneider-Versammlung kann Umstände halb« nicht stattfinden. Alles NLH«e in der am Donnerstag, den 10. Okt., in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28, stattfindenden Schneider- vnjammlung. Die Beauftragten. *• « ■ffrti« z>»r-inignng p»r{ttnnrar Berlins und Nirgegenb. Wroje G'neial- Wiiggeder> Berlammlunv um Comitap, dm 6 Cftoler, Vo'wlIiUvS 10 Ubr, in den Bürger laien, SteSder.erftr. 96 TaieSordiiwig. I. Udiech-Ivni vom 3. Ouaria! und Berlchlc ftnituna»er Revisoren 2. BorslurrdSwahl 3. Be- ickrlnz der Minileder betreff» der Bnudude und Stellungnahme zum ersten Stislurrgisett. 4 Beittledme». fadgnrrcin hir putz»? Berlin». Milglirderveriammiung am Sonn- tag, dm 6. Okiober, BorminagS 11 Uhr, in Zorbau s Eoion, Rme Giür.iir. 28. TaueSordmmg r 1. fldccdmuna deS jkaffireiS vom 3. Quartal. 2. ZahreSbertcht. 8. Neuwahl des GetaumuvorftandeS. 4. VereinSniigeiegenheilen. Htctin btr eiufrijjr Örrltu». lTUchlrr) Ordentllcki(Btnfralner* fanimlung am Sonr.tag, den 6. o MlS, Bormittag« Udr. Neue Friedrich- itraße 4t. Tagesordnung: 1 Kasien- und RioisionibeiichU 2. Beiichtei statlung über den SibeltSnachweii S. Verschiedene BereinSongelegeiiheiteiu 4; Frage- lafifn. Mitgliedsbuch legUimirt Ethisch« EKsrUschast, Tonntag. den k. Oktober. Abend' grS*. 7 Nbr. in Mündt' S Salon. Köpenickersir. Ivv, Vortrag deS Herrn I. Seidel Uber■ Ge- wndheitSusiege u> d Erhebung— eine Berglcichung. Nach dem Vortrag gc- sellire Unterboltung Gäste, Herren und Damen, stets willkommen. «roß» öffentlich» v«rfa>n«,luno fiiirmtllcher Stn d»r Vofa- ««»ttirbrnnchr b,fchäftiot«n Zlrdrit-rinnrn und Arb,it«r am Montag, den 7. d. M., Abend« S�llgr, in Schrfier'S Salon, Znlelftr, 10. Tagesordnung: Vortrag über die Frauenarbeit. Nefercntin: Frau E, Ihrer. Diskltiilon. Verichieden.eS.— Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Um jahlreichen Besuch wird gebeten. ?nt«r»Nrnv»rein der Kift«»mach«r. Generalversammlung am Montag, den 7. Oktoder, SbendS 8� Uhr. bei Hendrich, Bcuthstr. Ausgang 22. Tagesordnung: 1. Ersahwahl der auSgeloosten Vorstandsmitglieder. 2. Aus- »ahme der Beitrag sammler. 8 Verschiedene« Ard»it«r-KiU>uns»o»rein..«eeiin N»rd".«eneralversammlung am Montag, den 7 Oktober,»dcnds bif Uhr. in Ä'vger'S Salon, Hochslr. 82». Tagesordnung bdchst wichtig. Da« Erscheinen eineS jeden Mitgliedes ist un- SofialdruioKratifchrr K-feKlub..Kefstus". Jeden Montag, Abend« s Uhr. WgUstrahe20 lRestaurant Leonbardll. Vorlesung und Diskussion,«vlifte durch Mitglieder eingeführt, daben Zutritt. «roS» ötfrntlich« Hattl,r»«rsnmmlung von Berlin und Umgegend am Montag, den. 7. Oktober, Abend» 8!j Uhr, in Deigmilller'S Salon, Alte Jakobstr. 48» Tagesordnung. I, Entstehung, Nutzen und Werth der Streiks. (Rkierent- Th. Glocke) 2. Stellungnahme zur Lohnsrage. 3. Verschiedene». Kachverrin der Eup-tierer. Montag, den 7. Oktober, Abend» 8 Uhr, Alte Jakobstr. 15, Versammlung. Tagesordnung' 1. Vortrag mit Diskusston über„Stück- und Zeitlohn." Referent t Herr Wilhelm Werner. 2. Gewerkschaftliche» 3. Vereiniangelegenheitcn. Gilstc, durch Mitglieder eingeführt, haben Zuteilt. OuittungSduch legilimiri. ES ist Ehrensache, zahlreich zu erscheinen. Da« Stlstungiselt stndet am Sonntag, den 18. Oktober, bei Hegdrich, Benth. «ratze 20, statt Billeti sind im Bureau Schützenstr. 18-19, und in der Ver- sannnlung zu haben. Frei» yrrrinigung der Erat» eure, Eifeleur»»tr. am Montag, den 7. d. Mtl. Abend« 9 Uhr, Vortrag de» Herrn Stessen Über e Bogenlicht- Lampe. Phonograph lEdison) mit Erp rimenten.m VereiiiSlokal Mauerst- 86. Generalversammlung. ES i't Pflicht eine» jeden Mitgliedes, der wichtigen Tagesordnung wegen pünktlich zu er. scheinen.... m Fachverein der Lederarbeiter. Morrtag. den 7. Oktober, Abends «X Uhr, Verinmmlung. Tagesordnung'. VertrauenimSnncrscage t Berathung de« ArdeilSnockweiS. sowie de» Verlrauenirnänner Reglementi;„Kamps um» Dasein". Reserentt R. Schmidts VereinSangelegenheiten Meber-Nerfannniung am Montag, den 7 Oktober, Abends 8 llbr, im „Schweizer-Garten". Tagesordnung'. 1. Rechenschastibericht der Lobnkommilston. Reserent' Herr Richter. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. 4. Bericht de» Herrn Paul Wagner über den Pariser Arbeiler-Kongrctz. Lachverein fiir Schlosser und Kerufsgenossen. Montag, den 7. b. Mt»., Abend» 8� Uhr, im oberen Saal de» Herrn Feuerstein, Alte Jakobs- ftratzc 75. Generalversammlung. pi» yereinigiing der precholer Deutschlands, OrtSverwaltung Berlin IU, hält am Montag, den 7. Oktober, Abend» Uhr, im Lokale de» Herrn Bolzmann, Andreasltr. 28, eine Versammlung ab. Tagesordnung'. 1. Bericht der Tbäliokcit de» Vorstände«. 2. Kastenbericht de» 8. Quartals 3. Wahl de» Etreikkalstrer«. 4. Vortrag über Krankenkasten. Rescrent: Kall Hildebrand, DlSkusston. S. Verschiedene« und Fragckasten. Helrrburfu« der Berliner Arbeiter zur«rften Bits» bei Zln- «liichefStien. Montag, den 7. Oktober, Abends 8!l Uhr, bei Feuerstein. Alte Jatobslr. 75, im Tunnel. Tagesordnung'. I. Vorüag de« praktischen Arztei Dr. Bernstein über die erste Hilse bei Unglücksfällen. 2. UebungSstunde. « Innere Sngelegenbeitm und zrag-kasten. Ausnahme neuer Theilnrhmer. Di- Vorträge und U-dunatstunden ftndc» von letzt an alle 14 Tage regelmätzig statt. Zutritt hat ieder Arbeiter u. s. w, weicher da» 18. Lebensjahr voll- endet hat. v Kachv»r»in der Tischler. Eonnabend, den 12 Oktober, Abend» 8 Uhr, T-rnzliänzchen in Hendrich» Festsälen, Benthstr. 20. BilletS hierzu sind aus allen Zahlstellen, sowie bei folgenden Herren zu haben-. Witte. Jnvalidenstr. 21, Mittarg, Lehrlerstr. 22 2 Tr. Maekmann, Barnimstr. 46. 4 Tr Hemp. Pnlli- sadenstr. 68, 4 Tr. Hoger, Grüner Weg 70. Winter, Manteuffelftr. 6, 8 Tr. «locke, Lausttzcrstr. 52, 8 Tr. Wirdemann. Wendenstr. 2, 4 Tr, Haberland, Reichenbergerstr. 161, 3 Tr. Schulz, Blitze, str. 42. 4 Tr. Manien, Kreuzbera- ftratze 9, Quergeb. 4 Tr. Wiste, Möckernstr. 95, 3 Tr. Elsasser, Noslitstr. 40 Apelt, Scbastiaustr. 27- 28(Möbelhandlunz). Merkel, Mittenwalderstr. 18, Hof -4 Trujpen. Sur»- und gesellige Uereiue am Sonntag: Lübeck'schcr Turnverein (2. LehrlingSabtheilung) Abend» 6 Uhr Elisabethstrahe 57- 58.— Turnverein „Wedding"<2. LehrlingSabtheilung) Nachmittags 4 Uhr Pankstr. 9. Turnverein .�roh und Frei" lLehrlingSabtheuung) Nachmittags 4 Uhr Bergst. 57.— Ver- guügüngSverein„Fröhlichkeit"(gegr.. 1880) Nachmittags 5 Uhr Grüner Weg 29, Versammlung. oZesuug-, Turn- und gesellig» pcrein»»tr. am Montag- Gesang. verein„Sängerlust" Abend» 9 Uhr im Restaurant, Landsberger strahc 80.— Männergesangverein„Weihe Biofc" Abend« 9 Uhr im Restaurant Kleine GericklSstrahe 10.— Männergesangverein.Eintracht I' Abend» 9 Uhr Käp- nickerslrahe 68, im Restaurant.- Gesangverein„Echo 1872" Abend» 9 Uhr Oranienstratzc 190.-„Deutsche Liedertafel" Abend» 9 Uhr. Oranienstrahe 190.- Gesangverein„MvrthcnblStter" UebungSstunde Alte Schötihaulerstrahe 42 bei Malzahn.- Tuniverein„Hasenhaide" lLehr- lingSabtheilung) Abend» 8 Uhr Dieffenbachstrghe 60-61.—„Berliner Turn- genostcnschast l7. LehriingSabtheilung) Abends 8 Uhr in der städttschen Turn- Halle, Britzerstr. 17-18;- deSgl. 6. Männerabtheilung Abend« 8 Uhr In der städtischen Turnhalle, Gubencistratze 51.— Lübcck'scher Turnverein lMilnner- abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabethstrahe 57-58.- Verein ehemaliger Schüler der VII. Gemeindeschule Abend» 9 llhr im Restaurant Poppe, Lindenftrahe 106. —„FricdrichS'Verein"(ehemaiige Zöglinge des grohen FriedrichS-WaisenhauseS der Stadt Berlin) Abends 8X Uhr bei Bormann, Ohlngafle 2.— Unterhaltung«' klub Schiller Abend» 8 llhr im Restaurant Giesel, Trlstjiratze 41.— Verein Berliner Theatcrsreunde Abends 8� Uhr bei Lütow, Admiralstrahe 88.— VergnügungSverein„Zick-Zack" Abend« 9 Uhr in Möwe'S Geselllchastshau«, Fichtcstrahe 29.— Verein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm, Schönhauser Allee 28.— Verein„Ratibor" Abends 8X Uhr im Königstadt-Kasino, Holz- marktstrahe 72.— ArendS'scher Stenograpbenverein„Apollobund" Abend« 8\ Uhr Thurmstrahe 81«Moabit).- Wissenschastlicher Verein für Roller'sche- Stenographie Abend» 8!l Uhr im Münchener Bräuhau», Neue FritdrichSftrahe Nr. 1, Unterricht«- und UebungSstunde.— Rauchklub„Nordstern" in EufattS Lokal Franksurtcr Allee 174, Friedrichsberg.— Rauchklub„Hellblau" AbendS W llhr Skalitzerstrahe 143.- Verein ehemaliger Schüler der 42. Gemeinde schule Abends 9 Uhr bei Kloih. DieSdenerstrahe 10.— Zither klub„Waldrose", Abends 9 Uhr, UebungSstunde bei Schneider, Adalbcrtstr. 8. Dirigent' Wegeacr. Aufnahme neuer Mjtgiiedcr. Gäste willkoinmen. Vermtplhkes. Stutttzart. 4. Oktober. Der„StaatSanzei�er für Württem- berg" veröffentlicht einen Bericht der Kanzleidirektion des Mi- nisteriums der Verkehrsanstalten über das Eisenbahnunglück bei Station Wildpark, welchem die Bemerkung vorausgeschickt ist, daß augenblicklich weder die dienstliche noch die gerichtliche Untersuchung des Vorfalls bereits abgeschlossen ser. Nach dem Bericht hatte der von Stuttgart fahrplanmäßig 10 Uhr 20 Minuten abgehende Zug Nr. 223a IS Minuten Verspätung und wurde wegen der zu passirenden starken Steigung durch eine Lokomotive geschoben. In diesem Zuge befand sich der Obeanspckior Lang. Die Schiebelokomotive kehrte mit Vorwiffen des ZugmelsterS, sowie deS Inspektors vor der Wildpark-Station nach Hasenberg zurück. Der Bahnwärter der Wildparkstation behauptet, von einem Be- diensteten deS Zuges Nr. 223a den Auftrag erhalten zu haben, die Schiebemaschine wieder zu holen. Dieser Auftrag wurde nach Station Hasenberg weitergegeben, und der dortige SiationS- meister ließ die Lokomotive abgehen. Er härte aber unmittelbar darauf das Signal, welches den Abgang des Zuges Nr. 222, welcher stch in Vaihingen mit Zug Nr. 223a kreuzt, meldete. Die Gefahr eines Zusammenstoßes erkennend, gab der Stationsmeister sofort Alarmsignale, und die Schiebelokomotivc wurde auf Station Wildpark benachrichtigt, daß das Alarmsignal gekommen sei. Das Anmeldesignal des Zuges Nr. 222 will der Bahnwärter nicht gehört haben, und er ließ die Lokomotive trotz des Alarmsignals vorbeifahren, ihr nur Vorsicht anempfehlend. Kurz darauf erfolgte der Zusammenstoß. Auch 2 Buhirwärter auf der Strecke zwischen Wildpark und Vaihingen unterließen es trotz des Alarmsignals, den Zug Nr. 222 anzuhalten. Der Bahnvorstand in Vaihingen gicbt an, der Bahnwärter in Wild- park habe telephonisch mit ihm verkehren wollen, aber er habe nicht deutlich verstanden, und habe sodann ein Telegramm auf Hasenberg abgegeben mit der Anfrage, ob die Schiebmaschine noch dort sei. Eine Antwort darauf habe er aber nicht abgewartet, da er gewußt, daß die Schiebmaschine längst nach Hasenberg zurückgewiesen worden sei. Er sei so- dann mit dem Zuge Nr. 223 nach Böblingen gefahren, um der Beerdigung seines dortigen Kollegen beizuwohnen. Dies sind diejenigen Vorgänge, welche das entsetzliche Unglück ver- anlaßten. Es bleibt zu ermitteln, ob wirklich ein Bediensteter des Zuges 223 a dem Bahnwärter in Wildpark den Auftrag erthcilt hat, eine Hiifslokomotive herbeizurufen; bejahenden- falls, warum hiervon keine Mittheilung seitens des Zug- führers der Station Vaihingen gemacht wurde, warum ferner der Stationsvorstand in Vaihingen den Zug abgehen ließ, ohne eine Antwort auf sein Telegramm abzuwarten, endlich, warum die Bahnwärter auf das Alarmsignal den Zug 222 nicht au- hielten. Bezüglich der Flage des Grades der Verschuldung der einzelnen Bediensteten ist das W.itere den Gerichten vor- zubehalten. So viel ist aber unzweifelhaft, daß durch die Nicht- beachtung des Alarmsignals seitens der Wärter eine deutliet-e Signaloerordnung übertreten wurde. Wäre die betreffende Vorschrift beachtet worden, so wäre die Gefahr, welche dem Zuge berritet war, beseitigt und der Zusammenstoß verhütet worden. Meuefle M&iffvi&flen. verboten wird auf Grund des Sozialistengesetzes vom Polizeipräsidenten von Berlin die nicht periodische Druckschrist: „Sozialdemokratisches Liederbu ch." Zwölste Auflage. Hottingen- Zürich. Verlag der Genossenschafts-Buchhandlung. 1888,— sammt dem Anhange:„Deklamationen."' ?>ep?|rfum. (Wölfl'« Uetegrapsten-Knrean.j Kerlin, 5. Oktober. In der am 3. d. M. abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths brachte der Vol sitzende. Vize« Präsident des StaatSministeriumS, Staatssekretär des Innern, Dr. v. Bätticher, die durch Kaiserl. Erlaß erfolgten Ecnennun- gen für die Ausschüsse für das Landhcer und die Festungen und für das Seewesen zur Kenntniß der Versammlung. Die Neubildung der Ausschüsse für Zoll- und Steuei wesen, für Handel und Verkehr, für Eisenbahnen, Post und Telegraphen, für Justizwesen, für Rechnungswesen, für auswärtige Auge- legenheilen, für Elsaß-Lothringcn, für die Verfassung und für die Geschäftsordnung fand durch Akklamationswahl statt. Die Nebe« ficht der ReichS-ÄuSgaben und Einnahmen für das Etats» jähr 1888/89 wurde dem Ausschuß'für Rechnungswesen über» wiesen. Mit der Vorbereitung der Sr. Majestät dem Kaiser wegen Wiederbesetzung dreier erledigter Rathsstcllen beim Reichsgericht zu unterbreitenden Vorschläge wurde der Ausschuß für Justizwesen beauftragt. Kresla«, S.Oktober. Das königliche Eisenbahn-Betriebk- aint Bceslau-Halbstadt giebt bekannt: Wegen eingetretener Rutschung im nördlichen Voreinschnitt deS zwischen Jellhammer und Frievland gelegenen Tunnels, bervorgerufen durch au- dauernden wolkenbruchartiqen Regen, ist die Strecke Fellhammer- Halbstadt seit dem 4. Oktober Mittags gesperrt. Reifende müssen an der Unfallstelle in Hilfszüge umsteigen. Sofern die Sperrung andauert, muß der Äüteroelkehc nach und mm Oesterreich über die Hilfsroute DitterSbach-Pittelsteine-Braunau geleitet werden. Krag, S. Oktober. Die Polizeibehörde hat den Sorrv- spondenten für russische Blätter, Adolf Kohan, aus Oe stet reich ausgewiesen. Ker«, 5. Oktbr. Zum Bundesanwalt ist der Ständerath Scherb(Thurgau) vom Bundesrathe ernannt worden; dnfetbe tritt am 15. Oktober fein Amt an. Dvieflt Ästen. Bei Ansragen bitten wir die«bonnemeiilS-Ouiltung beizuivgen. BrleMckj« Aiitwort wird nichl erlhcili M. G— t., Kernauerflr. 18. Sie scheinen nicht zu wissen, daß die Redaktion mit den Angelegenheiten, die Sie ihr unterbreiteten, gar nichts zu thun hat. Im übrigen diene Ihnen zur Nachricht, daß Ihre Vorschläge durchgeführt worden, wenn dieselben überhauvt durchfühibar sind. Das ist eben keine Sache des guten Willens, sondern ergiebt sich aus der allgemeinen Geschäftslage. Wir fürchten die„Götter"' nicht und sind keineswegs blind. MüklmasK LeNavs Veckallftliallsk. 182. Mlihlilisn Allee(Äl�röSÄÄ',-) 182' Enorm billige Ein ausSquelle für elegante Herren- und Damen- Bekleidung. E-eg. Herbst- u. 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Okt., Abends 8 Uhr. im grasten Saale der Berliner vockbrauerei. Taaes-Ordnung: �Wodurch verbessern wir unsere Lage? Ref. Kollege Holzhäuser aus Braunschweig. Die Schneider und Schneiderinnen aller Branchen müssen am Platze sein. 1371_ Paul Steinmar, Rixdorf, Bergstraße 19. Jachverein der Hischter. Dienstag, den 8. Ollober, Abends 8; Uhr, in Jordau's Salon, Neue Grünstrabe Nr. 28: MT Witgiieder-Nerfammlung."WZ TageS-Ordnung: 45 1. Berichterstattung über die in diesem Jahre vom Verein aufgenommene Statistik über Lohn« und ArheitSverhältnisse im Tischlergewerbe. Referent: Herr M i l l a r g. 2. Diskussion. 3. BereinSanaelegenheiten, Werkstattangelegenheiten, Verschiedenes und Fcagekastm. Reue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Der Vorstand. Spiegel««st Polster- Maare«, h Maare?» soliden Preise«. Ganze Ausstattungen in Mahagoni 'und Nußbaum;Kiiche«»tobel in großer Auswahl empfiehlt 2441 Frans Tutzauer, 8-.0., Köpuiesterstraße Nr. 24, nahe der Köpnicker Brücke. Stiftungsfest j. zreie« Bttckig. h. EAtider Berliiis cm Montag, den 14 Oktober cr., in den vürgersilen, Dresdenerstraße SS: Grohes Uokal- und Instrumental-Konzert) ausgeführt von der verstärkten HauSkapelle und dem Gesangverein Allegoo unter Leitung seines Dirigenten Herrn W. Seeger, und gütiger Mitwirkung des Zilher-Virtuosen Herrn W. Vy-cocil. Prolog. Festrede, gesprochen von Herrn Rechtsanwalt A. Stadthagen. Nach dem Konzerl: Grobes Tanzkränzchen; Herren, welche hieran Theil nehmen, zahlen 50 Pf. extra.— Billets « 30 Pf. find zu haben bei: A. Täterow, Mauerftr. S, 3 Tr.; Krausenstr. 11(Herberge); Pohl, Junkerstr. 12 im Laden; Gründe!, Dresdenerstr. HS im Restaurant: Gnadt, Brunnen- stroßr 38 im Restaurant, sowie in allen Versammlungen und in den mit Plakaten belegten Handlungen. � � 142 Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein De? Vorstands__ Große öffeutttche Btrfammlung siimmtl. Zimmerleute Herlws«. Umg. >» Mut««, dt»?. d. R., Abt«ds 812 tljt, i> mpüti Saolt des BsdoUt» BmherseS, L«»dödtrzn All« 11—13. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu dem Beschluß unserer Arbeitgeber, 50 Pf. Lohn und zehnstündige Arbeitszeit einzuführen. 2. Regelung der Frage, welche Organisation ist ferner von den Zimme- rern für Berlin und Umgegend als maßgebend zu betrachten. m I. A.; H. JSckcl. Blumenstr. 19. Gnos«v Versammlung des Iercks generbl. Silfsirdeittt Berlins mtii l Moutag, den 7. Oktober, Abends 81 Uhr, im Bereinshaus 80«l-0»«, Waldemarstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Monatsbericht und Abrechnung vom Ver- gnügen. 2. Vortrag. 3. Diskussion. 4. Ver- schieden e». slSS Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Jeder Arbeiter ist als Gast willkommen. Der vorstand. Wiereiu der Lederarbeiter. Montag, den 7. Oktober cr., Abends 81 Uhr, Oranteustr 18«, Veraammlung. Tages-Ordnuna: 1. Verlrauensmännerfrage. 2. Verathung des Arbeitsnachweis- sowie des Vertrauensmänner- Reglements. 3. Vortrag des Hrn. R. Schmidt über:»Der Kampf um's Dasein�. 4. Wahl eineS VergnügungSkomitees. 5. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste willkommen. 144 Der V o r st a n d. Montag, den 7. d., Abds. 8 Uhr, wStMer-Men, m KönigS-Thor: Wcber-Vcrsamml. TageS-Ordnung: 1. Rechenschaftsbericht der Lohn-Kommission. Referent: Herr Richter. 2. Diskussion. 133 3. Verschiedenes. 4. Bericht des Herrn Paul Wagner über den Pariser Arbeiterkongrrß. Fr. Richter, Weidenweg 75. Cigarren-Geschäft sllS bringe m empfehlende Erinnerung RoI»«pt Krause, Lübeckcrlraste 81, Eingang Perlebergerstr. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Meiß- md Ka>rIsih-KIer-!°d°l. V. I, Peterson, 118] Veteranenstraße 22. Geschäfts-Eröffnung» Empfehle mein Geschäft in haltbaren Glace-, Stoff- und Wildleder- Handschuhen. Größte Auswahl in Kravatten, Hosenträgern, Wäsche, Knöpfen aller Art. Bitte, mich in meinem Unternehmen gütigst zu unterstützen. 141 Flora Freieeleben, Kaiser Wilhelm str. 8. 13101 Tchihe«. Stiefel. 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