Nr. 336, Mittwoch, de« 9. Oktober 1889. 6. Iotirg. MiiurNbblall Arg«« für dir Interrffen der Arbeiter. 4 Das..Berliner Volks blatt" erscheint täglich Morgens auher nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Vf. Sonntags-Nummer mit dem»Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerftraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemenr 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der Postzeilnngspreisliste für 188V unter Nr. 866.) fät da» Ausland: Täglich uuter Kreuzbanv durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. J«sertionsgebühr deträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 4V Pf., für Vereins- und VerfammlungS« Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8WV Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonccn-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3— 7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis- 10 Uhr Vormittags geöffnet. -« Fernsprecher: Amt vi. Ur. 4106.»-•- VevttKkion: S.— Expedition: Simmevptratze 44. ! � n* ung1* ich«-'« •lof1'' i ih� jjoa» bloß' r Le'' unb� Die Skeiserung der Uevenstnitkel�VeeiTe. IL Die Behauptung, daß die gesteigerten Lebensmittelpreise für die Arbeiter durch die mittlerweile gestiegenen Löhne auSgralichen werden, ist also durch die offizielle Statistik widerlegt. Während für die gesteigerten Brotpreise allein sich eine Mehrausgabe von 12—15 pCt. des Einkommens für den Arbeiter ergiebt, ist zu gleicher Zeit sein Einkommen um mehr als 3 pCt. gefallen! Wenn daher ein offiziöser Waschzettel, die„Neue Reichskorrespondenz", eine Parallele zieht zwischen jetzt und den Jahren 1870—73, so ist daran nur soviel wahr, daß heute wie damals die Lebensmittel- preise stiegen, daß wir heute wie damals in einer aufstei- senden Gründerpenode leben, daß heute wie damals Millio- ,:en mühelosen Erwerbes in die Taschen faullcnzender Spekulanten stießen, daß heute wie damals im Schattendes „Gifibaumeö"— wie Minister Mapbach die Börse charak- trrifirte, ein Haupt-Börsianer nannte sie mit gleichem Rechte den„Herzmuskel des Weltverkehrs"— eine verheerende Krisis heranwächst, deren Zerstörungswerk in den Reihen der obe- rcn Klassen sich einfach in einer rapiden Uebertragung der vorhandenen Reichthümer auf andere Personen dokumentirt, während sie in die Reihen der Arbeiterklasse durch Sinken der Löhne und Arbeitslosigkeit wie eine industrielle Guillotine niedersaust;— eine tendenziöse und schamlose Fälschung der Thatsachen aber ist e«, wenn das Reptil behauptet, auch heute habe die Arbeiterklasie an den Früchten dieser vorübergehenden Prosperität genau so partizipitt, wie in den 7ver Gründerjahren. Sozialisten- gesetz und Beschränkung des Koalitionsrechtes seitens der Polizei haben den Versuch der Arbeiter, sich jene Position zurückzuerobern, von vornherein gebrochen— zum großen Zubel und Vortheil der mit den Brotvertheucrcrn einig gehenden Fabrikanten und Börsenwölfe. Aber auch die hohen Getreide- und Viehzölle sollen an dem Steigen der Lebensmittelpreise keine, gar keine Schuld tragen.„Das Steigen oder Fallen der Getreidepreise," schreibt der offiziöse Waschzettel weiter,„hängt regelmäßig von dem Ausfalle der Ernte des In- und Auslandes ab. So stiegen Ende 1887 und Anfang 1888 die Getreidepreise trotz der Zollerhöhung nicht, weil die Getreideernte von 1887«ine ungewöhnlich reiche war, während die seit dem Sommer vorigen Jahres steigende Tendenz der Getreide- preise die Rückwirkung der ungleich weniger reichen von 1888 und 1889 ist. Die Fleischpreise stehen ersahrungS- gemäß im Zusammenhange mit den Getreidepreisen und folgen den Bewegungen der Letzteren." Man könnte zwar hier einwenden, daß Steigen und Fallen der Getreidcpreise freilich auch vom ErnteauSfall abhängen, daß aber der permanent hohe Stand die aus- sch ließliche Folge der Raubzölle sei; daß diese Zölle ein VlaHnaS Bciboten.! IleuMekon. [86 »V L'«° Ein Wnlt»nrens selbst so enragirte Manchester-Organe wie die„Vossischc Zeitung" mit dem Gedanken der Gruben- Verstaatlichung sich vertraut machen, und hier wird diese Schwindel- steigerung als Folge der so zu sagen gar nicht eingetretenen Lohnerhöhung und Arbeitsverkürzung gerechtfertigt! Der Doppelwaggon Oualitätskohle kostet heute 100—110 M. die Tonne KoakS 18— 20M., während sie im Vorjahre kaum die Hälfte, nämlich 50—60 M. und 5—9 M. kosteten, so daß selbst das Organ der deutschen Aktien-Gesellschaften, „Der Geldmarkt", in seiner Nr. 22 zum Schluß kommt: „Im Hinblick auf diese enormen Preissteigerungen dürften die höheren Löhne leicht zu tragen sein." Auf den deutschen Arbeiter üben freilich solche Artikel wenig Einfluß aus. Die Reptile dürften ihm mit Engels- zungen vorpredigen, daß die angeblich gesteigerten Löhne die Mehrausgaben für gesttegene Lebensmittelpreise ausgleichen — sein ewig leerer Beutel und die beständige Roth und Entbehrung beweisen ihm täglich das Gegenteil. In die Taschen hinein lügen läßt sich beim besten Willen nichts, und daß ihm wegen der hohen Zölle und der systematisch vermehrten und erhöhten indirekten Steuern sehr viel heraus- gel— ockt wird, das erfährt der Arbeiter leider tagtäglich am eigenen Leibe. Darum wird er auch trotz aller Äeschrän- kung des Koalitionsrechts nicht ruhen, bis die Lebensmittel- zölle gefallen und die Löhne wirklich gestiegen sind. Offizier: �Kamerad, ich lade Dich zu meiner morgigen Hochzeit ein; thue mir dafür aber dm Gefallen und last' mich heute an Deiner nächtlichen Unterhaltung theil- nehmen: komm, machen wir zusammm den nächtlichm Rund- gang."—— In der Gesindestube gingS schon sehr lustig her. Als der Major beim Weggehm den Portier geläutet hatte, wußte man, die Gebieterin sei jetzt schon allein, und so ging da« Stubenmädchen zu ihr hinauf, um zu fragm, ob sie nichts zu befehlm habe. Timea glaubte, es sei das Stubenmäd- chen gewesen, welches dem Major durch den Gang geleuch- tet. Sie sagte ihm, es möge schlafen gehen: sie werde sich allein entkleiden. DaS Stubenmädchm kehrte dann wieder zur übrigm Dimerschaft zurück. „Ja, die Pfaffen sind große Hcrrm!" rief der an- geheiterte Bediente.„Wer den Papst zum Vetter hat, kann Kardinal bald werden,"— erwiderte der Portier, dm Thor- schlüffel wieder in die Tasche steckend.—„Jetzt wär's halt gut, noch einen kleinen Punsch d'rauf zu setzen," meinte der Kutscher. Wie gewünscht, ging die Thür auf und herein trat Fräulein Athalie, in der Hand ein Brett voll dampfender Punschgläser tragend, welche wie ein gespmstigeS Glocken- spiel, klirrend aneinander schlugen.„Es lebe unser herz- liebstes Fräulein!" ertönt cS aus Aller Munde. Athalie setzt daS Punschbrett lächelnd auf dm Tisch. Zwischen dm Gläsern steht eine Porzellanvase angefüllt mit Zucker, der zum Ueberfluß noch an Pomeranzenschalen abgerieben ist, darum sieht er so gelb auS und necht so aromalisch. Frau Sophie trinkt so dm Thee am liebsten. Recht viel Rum und noch mehr Pomeranzmzucker.„Und Du hältst nicht mit uns?" frägt sie ihre Tochter. „Danke, ich habe schon mit der Herrschaft Thee ge- trunken; ich habe Kopfschmerzen und gehe mich schlafm legen." Damit wünschte sie ihrer Mutter gute Nacht, und Korrestrondenzen. Kondo«, 5. Oktober. Der Baumwollen-„Ring" in Liverpool, von dem ich im vorigen Brief schrieb, ist am Mon« tag bereits zusammengebrochen. Die Erklärung der orzanisirten Arbeiter, daß sie den Kampf gegen die Liverpvoler Speku- kantenbande auszunehmen bereit seien, den die organisirten Fabrikanten zu sübren sich unfähig erwiesen, hat ihn gesprengt. Der Leiter des„Rings", Herr Steenstran d, fing bald nach Eröffnung der Börse selbst an, zu verkaufen, was in den Augen eingefleischter Börsenleute als der Beweis eines Fiasko des Feldzuges betrachtet wurde. In der That kann man ja wirklich nicht von einem Erfolgt reden, wenn es wahr ist, dah der unternehmende Holländer— Herr Steenstrand stammt aus dem Lande der Mnnherrs— bei der Geschichte nicht viel mehr als SO 000 Pfd. Sterling(1 Million Mark) verdient hat. Solch ein Lumpengcld für eine so kühne Spekulation. Wo bleibt da die Rifikovrämie? Die Arbeiter der Baumwoll, Industrie müssen sich einst- weilen mit dem Bewußtsein begnügen, daß sie es waren, welche den„Ring" auseinandergetrieben, es werden noch etliche Wochen vergehen, bis alle Fabriken wieder„ganze Zeit" ar- beiten. Ihre Organisationen hoben bereits über 2000 Pfd. <40 000 Mark) Unterstützungen an arbeitslose Mitglieder aus- bezahlt, die natürlich die Roth unter denselben nur zum Theil linderten. Dem Sreger— die K o st e n, heißt es Her. Zwar haben, wie Friedrich Engels in einer Zuschrift an hiesige sozio- listische Blätier hervorhebt, die Fabrikanten dadurch, daß sie die Führung des Kampfes gegen die Aufkäufer an die Arbeiter abtraten, den handgreiflichen Beweis geliefert, daß sie selbst „keinen and ren Beruf mehr haben als den, die bezahlten Ge- schäfisführer im Dienst der organffirten Arbeiter zu werden", aber diese Konsequenz aus den Vorkommnissen zu ziehen, dazu haben es die Spinner und Weber von Lancashire noch nicht gebracht. Sie sehen den Wald vor Bäumen nicht und würden sehr erstaunte Augen machen, wenn jemand ihnen auseinandersetzte, daß sie, die ruhigen, gemäßigten TradeS Unionisten, die Freude aller kapitalistischen Oekonomen, soeben eine viel revolutionärere Aktion durchgeführt, als der grimmigste aller anarchistischen Dynamiter. Sie find damit zufrieden, daß sie für sich und ihre„Master" gesiegt, und zahlen, bezw. tragen die Kosten. Und die Master, die den Wald natürlich noch weniger sehen, find erst recht zufrieden. Wozu sie vorläufig auch allen Grund haben. Ein artiges Gegenstück zu den Handelskammerberichten aus dem rheinisch-westfälrschen Kohlenrevier, in denen beweg- liche Klage geführt wird, daß die Organe der Regierung die streikenden Bergleute nicht von vornherein als Rebellen gegen die unantastbaren Rechte der Grubenbesitzer be- handelt, bildet die Rede, welche Herr Norwood, Direktor der Vereinigten Dockgesellschast, vorgestern in der Generalversammlung dieser Körperschaft gehalten. Hier kam die ganze Wuth des in leinen heiligsten Ausbeutungsinteressen gekränkien ProtzengemüthS zum Ausbruck. Natürlich sind Herr Noiwood und seine Gesellschaft das Opfer einer schändlichen Verschwörung. Er hat es aus ganz sicherer Quelle, daß der Streik endqutig auf einem wenige Wochen vorher in der Schweiz(!) abgehaltenen Arbeiterkongreß beschlossen worden war, und daß sein Ausbruch bereits einige Tage, bevor er wirklich eintrat, den Gegenstand der Unterhaltung m Arbeiter- kreisen in Deutschland(!!) gebildet hat(muß diese Quelle aber gut— gespeist sein!) Aber diese schändlichen sozialistischen Verschwörer wurden unverantwortlicher Weile unterstützt durch 1) die Geistlichkeit, 2) die Polizei, 3) das Ministerium, 4) die Regierung überhaupt, S) die Presse, 6) die C-Iy von London, 7) das ganze übrige London und 8) sogar die Ar- bester Australiens. Alle diese Verblendeten sahen nicht, was Herr Norwood sah, daß der Angriff dem ge- sammten Untcrnehmerthum galt, und daß mit der Dock- kompagnie nur der Anfang gemacht wurde, weil sie„äugen- scheinlich sich als das schwächste Glied m der Kette des ganzen Unternehmerthums darstellte."(Beiläufig ertheilte der Herr da sich und seiner Gesellschaft eine nette Ohrfeige.) So streng nun auch das Verhalten der Presse, der Geistlichen und namenl- lieh der pflichtvergessenen City zu verurtheilen sei, so falle ihr Vergehen doch federleicht in die Wagschale gegenüber der „meisterhaften Unthätigkeit" der Regierung Diese war nichlS anderes alS ein„ösfentlicherSkandal". So � unhöflich drücken sich die deutschen Handels- kammem doch nrcht aus. Jndeß, England ist nun einmal noch nicht so zioilisirt wie Deutschland, und, um der Wahrheit die Ehre zu geben, was immer einzelne ReqierungSorgane während des Bergarbciterstreiks gefehlt haben mögen, es fällt federleicht in die Wagschale gegenüber den Sünden der— konservativen! — englischen Regierung während des Dockarbeiterstreiks. Und so verstockt ist diese englische Regierung, daß, ungeachtet der Anklagen des Herrn Norwood, den Londoner Polizeichef Monro den Polizeibeamten im Streikrevier noch einmal seine ausdrückliche Anerkennung für ihr taktvolles Verhallen während des Streiks ausgedrückt hat, dem es zu verdanken sei, daß keine gewaltsamen Ausbrüche zu verzeichnen gewesen. trug den Dienstboten auf, sich bald schlafen zu legen, denn morgen müsse zeitig aufgestanden werden. Diese fielen gierig über den Punsch und Zucker her und fanden den als Schluß- trunk servirten Nektar köstlich. Nur Frau Sophie fand ihn nicht so. Als sie den ersten Kaffeelöffel davon gekostet hatte, rümpfte sie die Nase. Dieser Punsch riecht gerade so, wie jener Trank, den nichtsnutzige Ammen, um bei Nacht vor schlimmen Kindern Ruhe zu haben, aus Mohnköpfchen zu kochen pflegen." Dieser Geruch war ihr so widerlich, daß sie das Glas nicht mehr zum Munde führen konnte. Sie gab es dem Küchenjungen, der so etwas noch nicht getrunken hatte und es delikat fand. Sie selbst aber sagte, sie sei sehr müde von dem heutigen Tagewerk und band dem Ge- finde gleichfalls auf die Seele, ja nicht zu verschlafen und wohl daraus Acht zu haben, daß nicht eine Katze sich ein- schleiche und über die theuern Braten sich hermache; dann sagte sie gute Nacht und eilte Athalie nach. Als'sie in da« gemeinschaftliche Schlafzimmer trat, lag Athalie bereits im Bett. Die Bettvorhänge waren auSein- ander gezogen; sie kannte Athalie schon, wie sie, den Rücken dem Zimmer zugekehrt, bis zum Kopf zugedeckt, dalag. Auch sie beeilte sich zu Bette zu gehen. Aber auch h,er verfolgte sie noch der Geruch jeveS einzigen Löffelchens Punsch und verdarb ihr den Nachgeschmack von dem ganzen heutigen Nachtessen. Nachdem sie sich niedergelegt und die Kerze ausgelöscht hatte, schaute sie noch lange, auf die Ellenbogen gestützt, nach der liegenden Gestalt. Sie schaute so lange hin, bis ihr die Augenlider zufielen und sie einschlief, Em Traum versetzte sie zurück in die Gesindestube. Dort schläft alles: der Kutscher liegt auf der langen Küchenbank ausgestreckt, der Bediente mit dem Kopf auf dem Tisch, der Hausknecht auf dem Fußboden, die Lehne eines umgestürzten Stuhles als Kopflissen benützend, die Köchin im Dienstbotenbett, daS Stubenmädchen auf dem Herd über den ihr Kopf herabhängt und der Küchenjunge unter dem Tisch. Bor jedem liegt das geleerte PunschglaS. Sie allein hatte das ihre nicht ausgetrunken. Ihr träumt, daß Athalie, barfüßig und nur im Schlafhemde sich hmter ihren Rücken schleicht und ihr ins Ohr raunt:„warum tunkst Ich habe schon dm auf hingewüsm. daß die außcrordenl- lich sympathische Beuriheilung des Dockerstreiks seitens der Bourgeoisie im Wesentlich« n der Unpopularitäi der Dockgesell- schaft geschuldet ist. die ihre halb mittelalterlich vrivuegirte Stellung dem Publikum gegenüber in schamlosester Weise miß- braucht hat. Alle Versuche,>hre Macht zu brechen, waren bis« her vergeblich gewefin, und lo wurde denn der Streik der Ar- beiter als ein willkommener Anlaß begrüßt, den Kampf von Neuem aufzunehmen, der diesmal wohl mehr Erkolg haben dürfte. Ein Befpiel mehr nach Engels, wie das Bllrgerthum bereits unfähig ist, den Kampf gegen das Monopol zu fübren, und es dazu der Kraft des organisirten Proletariats bedarf. UebrigenS sind die feudalen Zustände auf den Docks durchaus nicht die einzigen mutelalterlicken Einrichtungen, die in der Riesenstadt bis in die neueste Zeit ihr Dasein bewahrt haben. In keiner Großstadt der Welt findet man vielmehr neben den modernsten aller modernen Eriunger.schaften soviel Reste vor- sündfluthllcher Zubände als gerade hier. Ich werde auf dieses Thema noch des Oefteren zu sprechen kommen, da diese Tbat- fache mit zu den charakteristischen Erscheinungen des hiesigen Lebens gehört und vieles erklärt, was sonst unverständlich bleiben würde. Am Montag Abend ist in Battersea, einem Stadtviertel im südwestlichen London, die Kandidatur John BurnS für die nächste Parlamentswahl proklamirt worden. Die Versammlung, in der dies geschah, war glänzend besucht, daS Lokal hätte zwanügmal so groß sein dürfen, so schreibt der Londoner„Star". Das Wahlprogramm, das Burns entwickelte, gipfelt in den Forderungen: unentgeltlicher obligatorischer Schulunterricht mit wenigstens einer kräftigen Mahl- zeit täglich für die Schüler der Volksschule; gesetzlicher Maximalmbeitstag von acht Stunden; Snmmrecht aller Erwachsenen— nicht blo» der Männer; amtliche, auf Staats- kosten zu bewirkende Führung der Wählerlisten.(Heute müssen nämlich in England die Parteien die Eintragung ihrer Wähler auf ihre Kosten vornehmen lnss.-n, was die Kosten der Wahlen unendlich erhöht: es giebt Wahlkreise, in denen die einzelnen Parteien für amtliche Wahlkosten bis zu 750 Pfd. — 15 000 M. und darüber zu erlegen haben; Zahlung von Diäten an die Volksvertreter; Abschaffung des Oberhauses und aller erblichen Aem er; Verkürzung der— heute sieben Jahre dauernden— Legislaturperioden auf höchstens drei Jahre dauernde; gesetzliche Selbstverwaltung Irlands; Nationalisirung des Bodens, der Bergwerke und aller Monopolindustrien. Daneben noch einige, für einen Arbeiterkandidaten selbstver- stündliche Forderungen bes ArbeitcrschutzeS, wie Ausdehnung der Haftpflicht, der Fabrikgesetzgebung und so weiter. Eine auswärtige Politik habe er nicht und brauche auch keine, außer der Herstellung einer internationalen Verbindung der Arbeiter. Er neige mehr dazu, die Feinde daheim zu schlagen, als außer Landes zu gehen und mit anderen Krieg zu führen. Man sieht, das Programm ist so entschieden, wie man eS von einem Wahlprogramm vernünftigerweise erwarten kann, und widerlegt durchaus das Gerede von einem„Umfall" Burns'. Selbstverständlich erntete der Redner stürmischen Beifall, und nachdem noch Fred Hendechen und Frau El. Marx-Eveling zu Gunsten seiner Kandidatur gesprochen, wurde dieselbe mit allen gegen zwei Stimmen angenommen, die von Abgesandten der sozialdemokratischen Föderation herrührten. Einer derselben. Ward, interpellirte BurnS, warum er aus der Föderation ausgetreten sei, und erhielt zur Antwort, daß BurnS sich für einen sebenso guten Sozialdemokraten halte wie nur irgend ein Mitglied dieser Körverschaft, daß er ihr aber das Monopol der sozialdemokratischen Prinzipien bestreite und ihr den Rücken gekehrt habe, weil er Nützlichere» zu thun habe, als seine Zeit mit persönlichem Krakehl todtzuschlagen, der die ganze Thätigkeit derselben lahmlege. Ein Punkt der BurnS'schen Wahlrede fei noch als bezeichnend für die hiesigen Verhältnisse hervorgehoben. Er habe, führte der Schlecken der Londoner Kopitalmagnaten aus, nicht nur die Temperenzpartei auf seiner Seite, sondern sei auch selbst sein ganzes Leben lang ein„Nur-Thee-Trinker"(leeirnaller) gewesen. Auf dem Festland würde eine solche Erklärung von einem Sozialisten Befremden erregen, hier nimmt kein Mensch Anstoß daran. BurnS ist durchaus nicht der einzige reo, maller unter den Sozialisten, viele der eifrigsten und mielligentesten Auitctoren haben ebenfalls den alkoholischen Genüssen den Rücken gekehrt, u. A. Tom Mann und, wie ich glaube, auch Kcir Harbin. Es erklärt sich das wohl hauptsächlich«rnS dem Umstände, daß, wer hier einmal trinkt, es sehr leicht im Nebermaß thut, da ein WirthshauSleben, wie in Deutschland, nicht existirt und daS Trinken am Schanktisch— der„Bar"— zum Schnell- und Vieltrinken verleitet. UebrigenS muß man blind sein, um zu verkennen, daß auch in einzelnen Theilen Deutschlands Gott BachuS sich als ein arger Antisozialift erweist. DaS selbstverständlich, ohne den Genuß eines guten Glases Bier zu vergönnen. Was in England die MäßigkeitSoereine vor dem Odium schützt, das sie aus dem Festland beglückt, ist, daß sie sich nicht Du nicht Deinen Punsch aus, liebe Mama. Brauchst Du noch mehr Zucker? da nimm!" Und Athalie füllt ihr daS GlaS mit Zucker blS an den Rand. Sie aber fühlt beständig den widerwärtigen Geruch.„Ich will keinen, ich will keinen!" sagte Frau Sophie im Traum; aber Athalie hält ihr daS dampfende GlaS an die Lippen, vor dessem Geruch sie zurückschauert, Ekel empfindet. Sie wehrt ab, will nicht trinken und stößt zuletzt mit Gewalt das Punschglas von sich, und mit diesem Stoß wirst sie das Glas Wasser, das sie auf dem Nachtkästchen neben sich stehen hat, hin- über und gießt sich das ganze Wasser ins Bett. Darüber erwacht sie. Auch wach noch glaubt sie Athalie vor sich zu sehen, mit ihren drohenden schönen Augen.„Athalie bist Du wach?" fräat sie unruhtg. Keine Antwort. Sie horcht; im anderen Bett hört man die Schlafende nicht athmen. Sophie steht auf und geht zum Bett Athalie'S. DaS Bett ist leer. Sie traut in der Dunkelheit ihren Augen nicht und tastet mit den Händen das ganze Bett ab. ES ist leer.„Athalie, Athalie, wo bist Du?" flüstert sie ängstlich. Da sie keine Antwort erhält, lähmt jetzt namenloses Entsetzen ihre Glieder. Zhr ist, als wäre sie blind und starr geworden. Sie kann sich nicht bewegen, nicht schreien. Sie horcht, und jetzt kommt ihr vor, als sei sie taub geworden. Weder im Hause, noch draußen auf der Straße das geringste Geräusch. Wo ist Athalie?-- Athalie ist in der versteckten Lauschkammer. Sie ist schon lange dort. Daß diese Frau die Geduld hat, mit dem Auswendig- lernen jenes Gebetes sich so lange abzumühen! Endlich schlägt Timea das Gebetbuch zu und seufzt tief auf. Dann nimmt sie den Leuchter und untersucht die Thüren, ob sie gut ver- schloffen sind. Auch hinter die herabgelassenen Fenstervor- hänge schaut sie. Die Worte ihres Bräutigams haben Furcht in ihre Brust gepflanzt. Sie leuchtet an den Wänden herum, um zu sehen, ob hier nicht Jemand herein- kommen könnte. Jetzt geht sie zum Toilettentisch, flicht sich die Zöpfe auf, wickelt sie um den Kopf und zieht ein Netz darüber, damit die Haare nicht herausfallen und sich ver- wirren. Sie ist auch nicht frei von Eitelkeit, diese Frau. W mit politifeben und sozialen ReaktionSbestrebungen verquicken. Wir sehen dieselbe Erscheinung auch bei den hiesigen religiösen Sekten. In Deuiscklond und qanz besonders in Preußen ik der religiöse Orlhodoxitmus fast immer identilck mit polrtiiibe« SerbiliSmuS, hier aber sieht man oft religiösen OrthodvriSmuS Hand in Hand gehen mit sehr weitaebendcm politifeben Radikalismus. Es sind verschiedenartige Fakioren, welche diese Erscheinung zu Wege bringen. Zum Tbeil wurielt sie i« bsstorischen Erinnerungen— man denke an Cromwell und de, PuriioniSmuS— zum Theil ist sie überhaupt em Produkt der politischen Freiheit, die zur Folge hat, daß jede geisti« Strömung— ob reaktionär oder revolutionär— sich unverqu ckt mit anderen Bestrebungen entsalten kann. Auf dem Gebiete de? Lohnkamvfes find Erfch-i- nunaen von besonderer Wichtigkeit nicht zu verzeichnen. Die Postbeamten fahren fort, ihre Organisation auszubauen, dasselbe thun die Bäcker. Die Schneider des Ost-End haben mit ihren Meistern einen Kompromiß geschloss.'n,.i d-r in d-r Feflsetzung eines zehnstündigen Abeitktages gipset'. Auf eine Lohnerhöhung haben sie für die Dauer eines JabreS Verzicht geleistet. Auch bei di-lem Streik haben kopitalistilche „Nombilitälen" die Rolle der Vermittler übernommen, in erster Reihe Herr Samuel Montague, ein reicher jüdischer Banquier und Abgeordneter für Whitcchapel. Auch ein Zeichen der Zeit. Ehedem genügte es, wenn die Vertreter von Wahlkreisen an mob'thätige Anstalten u. s. w. Geschenke verabfolgten, beute müssen sie den Arbeitern im Kampfe gegen das Kap tal Svk- kurS leisten. Denn selbst der Kompromiß bedeutete in diesem Falle einen Sieg der Arbeiter über die Kapitalisten. polikisckie NsvsrlfWfrt. Folgenden spaßige« Mehrnf finden wir in der„K-V Zeitung": Die Tbassache, daß Berlin am 15. September d. I. seir e anderthalb Millionen erreicht hat, wird von den Judenblättera mit einem„Tamtam" begrüßt, als ob darin nicht nur eiwo« Großes, sondern auch etwas Schönes läge, während doch pd-r ernste Beobachter seine Augen nach einer andern Seite richte»/ muß, nach der, die wir soeben erst berührt, als wir der Br-l liner Kirchennoth gedachten, die ihrerseits mit so unendlich nie» anderer Roth eng und untrennbar zusammenhängt. Diese No» aber muß in demselben Verhältnisse wachsen, wie die Zunavm« der Bevölkerung stärker wird. Im Jahr 1888 ist Berlin um 67 000 Einwohner reicher geworden, während es 1883 nur 45 000 waren. Eine Stadt von 67 000 gehört aber schon z»- den mittelgroßen, die als solche mmdenens 3 Küchen braucht-j Diesem Bedürfnisse zu genügen, ist gewiß um so schwerer, i«! mehr in dieser Hinsicht seit Jahrzehnten versäumt worden ist,/ wo es weniger Mühe gekostet hätte, mit dem Wachsthum der Bevölkerung Schritt zu halten als jetzt. Heute erfordert da» in der That Anstrengungen außerordentlicher Art, zu denen man sich im allgemeinen wenig aufgelegt fählt, wenn die kirch- lichen Fragen auch mit qrößerem Ernst behandelt werden, als! man das vor wenigen Jahren noch für nöthig hielt. Was will denn die„Kreuz-Zeitung" eigerrilich? Solle« viellerchr die„Judcnblätter" für Christenkircken eintreten? Di« „Kreuz-Ztg." hat bisher doch auch nqch nicht für dm Bau von Synagogen gewirkt! Das Märchen von der Kirchennoth ist übrigms etwas Dt'' braucht— thatssichlich sind in Berlin alle Küchen leer. Unwahre Keschuldlgnnge« seg»« die Zoziald« hratie erhob der freisinnige Führer Eugen Richter in eine Vortrage, welchen er am Montag(dm 7. d. M.) im„dmifck freisinnigen Arbeiterverein" in Charlottenburg hielt. In de Vortrage redete er wiederholt von den„sozialistischen Atd tatm" deS Jahres 1878, wärmte also eine unwahre Verdi tigung auf, welche selbst dm Herren Stöcker und Wagn«-' mälig zu schlecht geworden ist, um sie gegen die Soziald-r kratie zu vcrwerthen. Sodann warf er der sozialdemokratisö Partei eine Mitschuld an der heutiam Reaktion vor, weil du'S ihre ganz überflüssige Gründung das„Bürgerthum" atfpa't" worden fei. Es zeigt dies, welche rein äußerliche, ungeschiv lrche Auffassung der Abg. Richter über die Er.lftchung m» Parteien hegt; d-r zahlreichsten, der produzirendm und doäl hevt politisch verhältnißmäßig machtlosen Klasse soll durch einigt „freistnnige" Sophistereien eingeredet w>rden, daß sie unrecdü tbun, sich zu organisnm und nach politischer Macht zu streb«'- Dm vollm Beweis dafür, daß die Sozialdemokratie der R a' tion verwandt fei, glaubte Herr Richter durch die Erinnerung on die Person des irühecen sozialdemokratischen Kandidaten t* Kreise Teltow erbracht zu haben. Auf dm Zuruf, der ,hm entgegentönte:„Sozialistmge'etz! Abkommandwung!" fand« keine Entgegnuna. Eine Diskussion noch dem Vortrage far� nicht statt, wie Herr Richter einer solchen denn jedesmal an' dem Wege geht. Zu erwähnen ist noch, daß Herr Richter d>i Aufgabe der dmtschfreistnnigm Arbeitervereine dahin bezeick' nete: dieselbm dürften keine Sonderrichtung in der freisinnig�' Damit ihre Hände und Arme weiß und zart bleiben, b'"' streicht ste dieselben mit einer duftmden Salbe un? zieht dann lange hirschlederne Handschuhe an. Hieraus entkleidet sie sich unv wirft sich in ihr Nachtgewand. W" vor sie jedoch sich niederlegt, tritt sie hinter das Bettz? öffnet dort einm Schrank und holt aus einer Schublad« desselbm einm Säbelgriff mit einer zerbrochenm Klinge her' vor. Sie betrachtet sie zärtlich und drückt sie an ihre Brust Dann steckt sie den zerbrochmen Säbel unter ihr Kopfkisse"- Sie pflegt mit ihm zu schlafm. Athalie sieht all' dies. Dan" löscht Timea die Kerze aus, und Athalie sieht nichts messs- Sie hört nur noch die Schläge der Uhr. Sie hat Geduld» zu warten. Sie berechnet, wann der erste Schlaf über Timea � Augen kommen werde; dann ist der Zeitpunkt eingetroffen' — Eine Viertelstunde scheint aber jetzt eine Ewigkest- Endlich schlägt die Uhr halb EinS nach Mitternacht. D®* Sankt Georgsbild bewegt sich sammt seinem Drachen (der noch keineswegs umgebracht ist) von der Stelle. Athall' tritt aus dem Versteck hervor. Sie ist barfuß, selbst de« Boden hört ihr Auftreten nicht. Im Zimmer ist es finste«- die Fensterladen sind geschlossen, die Vorhänge herabgelassen- Ihre tastende Hand findet das Kopfkissen, auf dem Tirn«" liegt. Sie greift unter das Kopfkissen; dort geräth kalter Gegenstand ihr in die Hand. Es ist der Säbelgrist Ha! welche höllische Gluth aus dem kaltm Stahl durch'Wf Adern sprüht. Sie drückt das Schwert an ihre Brust Dann zreht sie die Schärfe der Klinge zwischen den Lipp«; hindurch. Sie fühlt, daß die Klinge geschliffm ist. Djw es ist finster, und man kann die Schlafende nicht sehen. � schlummert jetzt so sanft, daß nicht einmal ihr Athemzug i hören. Der Hieb aber muß gut gezielt sein. Athalie h�' ihren Kops näher hin, um zu horchm.. Jetzt bewegt sich dre Schlafende und seufzt im Trau>" auf:„O mein Gott!" Nun führt Athalie einen Hi«�. j der Richtung, von wo der Seufzer kommt. Aber der war nicht tödtlich; Timea hatte im Schlafe ihren Kopf � dem rechten Arm zugedeckt und der Säbelhieb diesen. Der scharfe Stahl ging durch den Hirschleder"' Handschuh und verwundete Timea's Hand. Auf d"' die ücff. Itöfm n iB idbf« SmuS isrt><'n diese ie n> d de» ki der Partei mit speziellen Forderungen in betreff der Arbeiter bilden, sondern sie sollten tcdigli>j> die Arbeiter für die freisinnige Partei gewinnen. Diese Erklärung rief selbst bei einigen Frei« sinnigen Kopfsckütteln heroor. Die Gerüchte über große militärische Kreditforde- rtutge« an den RerchSla« wollen, to wird dem„Pefter Lloyd" aus Berlin geschrieben, nicht zur Rube kommen. Die neulichen, merkwürdigerweise zuerst an der Börse verbreitet gewesenen Nachrichten über eine 300 Millionen-Vorlage haben allerdings außerordentlich übertrieben, aber mit der Forderung für die .r. Errichtung von zwei neuen Korpskommandos und wohl auch ! mit der Forderung neuer strategischer Eisenbahnlinien wird sich QU'"1 da« Extraordinarium des MiliwrctatS schwerlich erschöpfen. Wir verzichten darauf, eine auch nur annähernd bestimmte Summe zu nennen. Frühere Eifabrungen haben gezeigt, daß die Ziffern der Militärkredite gleichsam unter �dcr Hand sich ändern. Was heute wahr ist, in dem Sinne nämlich, daß eS den Absichten leitender Personen entspricht, kann morgen schon überholt, oder unter Umständen auch unterboten sein. Freilich ist der letztere Fall leider der seltenere. Gleichwohl ist es nicht ausqeschlossen, daß er diesmal eintreten wird. Wir erhalten darüber Andeutungen von bewährter Seite. Hiernach unterliegen wichtige Einzelheiten noch der Berathung zwischen dem Reichskanzler und dem KricgSminister auf der einen, dem Reichskanzler und dem Schatzsekretär v. Maltzahn auf der anderen Seite. Man hat mit diesen Berathungen wohl auch die neuliche Anwesenheit des Herrn v. Maltzahn in Friedrichsruh in Verbindung zu bringen. Es tft die Frage, ob die Finanzministerkrrse in diese Drnge mit hineinspielt. Wir wollen eS nicht behaupten und wir haben auch keme Andeutungen in dieser Richtung empfangen, aber die finanzielle Seile der geplanten abermaligen HeereSverstär- kung ist denn doch so wichtig, daß den zuständigen ReffortchefS ficher eine bedeutende Rolle bei der Feststellung der Mittel zu- fallen muß, durch die das angebliche Bedürfnitz zu decken ist. Wir wiederholen: Von 300 Millionen oder auch nur 250 Millionen, die ebenfalls genannt wurden, ist schwerlich die Rede, aber beträchtliche Mehrforderungen sind gleichwohl zu erwarten. Nebenbei bemerkt, ist es in politischen Kreisen stark beachtet worden, daß die Börse wieder einmal frühzeitig unter- richtet gewesen ist. Der Vorgang erinnert an ähnliche Manöver aus der Zeit des Kampfes gegen die russischen Welthe. Jetzt wie damals scheinen journalistische Hänbe mit im Spiele ge- wesen zu sein. Der Kundige weiß, um was es sich handelt und die Gerüchte, die über Äenderungen im offiziösen Preß- dienst umgehen, erhalten durch diese eigenthümlichen Verhält- nisse eine gewisse Bestätigung.— Mit einem Wort: Es wird verdient, und das Volk zahlt die Zeche. Ueber die Vorarbeite« zur Reichstagssesston schreibt die„Magd. Ztg.":„Nachdem nunmehr auch der Militäretat an den BundeSraih gelangt, sind die EmzeletatS bis auf einige kleinere fast fämmtiich zur Berthe. lung gebracht. Es darf daher keinem Zweifel unterliegen, daß der Reichstag, wenn er am Dienstag über acht Tage zusammentritt, den ReichShauShalts- etat fertig zur Berathung vorsinden wird. Ueber das Sozia- liuengesetz und das neue Bankgesetz fehlt es noch immer an zuverlässigen Angaben, doch wird versichert, daß auch diese beiden Vorlagen durch vertrauliche Verhandlungen unter den Regierungen>0 weit gefördert worden, daß ernstliche Schwierig- leiten bei der Vorberathung derselben im Bundesrath nicht mehr zu erwarten seien, wenigstens nicht Schwierigkeiten der Arr, baß nicht auch die rechtzeitige Vorlage dieser beiden Ge- setze gleich beim Zusammentreten des Reichstags oder kurz darauf zu erwarten wäre. Die Nerewigung des Sozialistengesetze« wird, wenn man umlaufenden Gerüchten trauen darf, noch in erfreulicher Weise durch ein zweites Ausnahmegesetz ergänzt werden. Nach emer dem Berliner Korrespondenten der„Posener Ztg." von unterrichteter Seite zugehenden Meldung ist nämlich eine Ab- örderung des Vereinsaesetzes beabsichtigt, welche für Vereine mit staatSgesährlicher Tendenz eine Ausnahmestellung schaffen soll. Ein solches Gesetz werde nicht die Bedingung für den Verzicht auf anderweite ursprüngliche Forderungen der preußi- schen Regierung bilden, aber in ungefähr gleichbedeutendem Sinne bei der Berathung der Sozialistengesetz-Vorlage geltend gemacht werden. Etwas dunkel zwar, aber doch klar genug, um erkennen zu lassen, daß es sich um eine weitere Beschränkung der VolkSrechte bandelt. flr im Kesttze des Ketzrlingsprivilrg» au« 8 tOOL ewerbeocdnung sich befindende Innung der Tapeziere und Dekorateure in Stettin macht bekannt, daß nur derjenige sich Geselle nennen dürfe, der bei einem Slettiner JnnungSmeister in der Lehre gewesen ist. Die Herren haben vom Naumburger Obei landeSgericht etwas gelernt. Dasselbe hat bekanntlich dahin entschieden, daß den Meistertitel nur derjenige führen dürfe, der ordnungsmäßig als Lehrling gelernt, als Geselle gearbeitet und bann seine Meisterprüfung abgelegt habe; ohne diese drei Stufen gebe eS keinen Meistertitel. Der Handelsminister hat freilich die Behörden angewiesen, sich nicht nach diesem Urtheile zu richten; er hat wohl gefühlt, daß ein anderes Gericht an- derer Meinung fein könnte. Aber die Stettiner Tapezierer- ' 6c; UN? tetflff Schlag fuhr die Schlafende auf und richtete sich •im Bette auf ihren Knieen empor. Jetzt traf ein zweiter Hieb ihren Kopf, doch die starken Haarzöpfe singen ihn auf, und der herabgleitende Säbel verletzte nur ihre Stirn bis zu den Schläfen. Nun packte Timea mit ihrer linken Hand die Klinge. „Mörder!" schrie sie, aus dem Bett springend, und während sie an dem scharfen Stahl sich die innere Fläche der linken Hand zerschnitt, fuhr sie mit der verwundeten Rechten dem Gegner in die Haare. Sie fühlte, daß es die Haare einer Frau waren. Und nun wußte sie, wen sie vor sich hatte. Es giebt kritische Momente, in denen die Seele die ganze Gedankenskala mit Blitzesschnelle durchläuft. Das h'er ist Alhalie. Im anderen Zimmer ist Athaliens Mutter. Man will aus Rache, aus Eifersucht sie ermorden. ES wäre vergeblich, um Hilfe zu rufen. Hier muß gekämpft werden. Timea schrie nicht mehr, sondern nahm ihre rzanze Kraft zusammen, um mit der blessirten Hand den Kopf der Gegnerin ans die Erde herab zu ziehen, und den mit der Linken erfaßten Mordstahl ihrer Hand zu ent- winden. (Fortsetzung folgt.) Mns Munst xtnb Leben. Die Anstchz Saucho Pausa'«, daß das Schlafen eine chone Erfindung sei, hat auch im englischen Parlament ihre Anhänger; nach Mittheilungen der„Franks. Ztg." gehören zu dresen sogar Parteihäupter selbst, die oft bei der Debatte schlaf» trunken nicken, während sie bei der Abstimmung energisch fchülteln. Der Marquis von Hartington, der bekannte Oppositionsfühler, pflegt sich pünktlich zum Beginne der Sitzungen cmzuitellen. Er nimmt behaglich Platz, drückt den Hut in die Stirn und scheint nach wenigen Minuten sanft ein- geschlummert zu sein. Auch Gladstone soll sich der Wirkung gewisser Reden nicht immer entziehen können. Das Kinn si ckt alsdann tiefer und tiefer, und will man wissen, ob «tire Verhandlung für den xraiid old man anregend gewesen, Jnnunps meister folgen dem l-uchtenden Beispiele des Raum- burger OberlandeSgenchteS. Wenn dieses in B-rug auf den Meistertitel Recht hat, dann darf sich allerdings Niemand Ge- felle meinen, der nicht eine vorschriftsmäßige Lehrzeit durchge- macht und ein Gesellenstück gemacht hat. Aber darin befinden die Steitiner Herren sich im Jrrthum, daß sie annehmen, man könne nur bei einem JnnungSmeister— und nun gar nur bei einem Stettiner JnnungSmeister!— Geselle werden. Wo eine Jnnuna mit einem Lehrlingsprivileg besteht, kann man bei einem JnnungSmeister oder auch bei einem Fabrikanten lernen, wo eine solche privilegirte Innung nicht besteht, aber auch bei jedem selbstständigen Tapezierer.'Wenn der Lehrling auSge- lernt hat, kann er sogar vor der Innung seine Gesellenprüfung machen, ohne daß sein Meister der Innung angehört, wenn eine solche Prüfung überhaupt verlangt wird. Denn die Innungen können die Aufnahme von Mitgliedern auch von anderen Voraussetzungen abhängig machen, als von einer Ge- sellen- bezw. Meisterprüfung. Und selbst nach dem Antrage Ackermann-Biehl wegen des Befähigungsnachweises sollte die Zurücklegung einer gewissen Lehrlings- und Gesellenzeit schon als Befähigungsnachweis gelten. Wie können also die Mit- glieder der Tapeziererinnung irgend einem auSgelernten Ar- beiter verbieten, sich Tapezierergehilfe zu nennen, wenn er nicht bei einem Stettiner JnnungSmeister gelernt hat? Wir sind de- gierig darauf, zu erfahren, ob die Stettiner Innung ihrer Kundgebung auch Nachbruck aeben wird durch polizei- liche beziehungsweise gerichtliche Verfolgung der Zuwider- handelnden. Da» Kölner GberreptU verkündet, daß die gerichtliche Verhandlung des grrroßen Elberfelder Sozialistenprozesses in die-- Wahlzeit lallen wird. Die Elberfelder„Freie Presse" bemerkt dazu: Ist er vielleicht deshalb nabezu zwei Jahre in der Schwebe gehalten worden? Die„Kölnische Ztg.", die es ja wissen muß, giebt uns vielleicht nähere Auskunst hier- über. UebrigenS ist uns dies„Hineinfallen" in die Wahlzeit sehr recht. Unsere StaatSretter werden dann ja die beste Ge- legenheit haben, sich zu überzeugen, welche enorm abschreckende Wirkung dieser Monstreprozeß auf die Ärbeitermassen ausüben wird. tZui vivra verra— wer'S erlebt, wird sehen! An« dem westfälische« Kohlenrevier, 5. Oktober. DaS„Wagennullen" war bekanntlich eine der Hauptbeschwerden der Bergleute während des Streiks. Seitens der Grubenver- waltungen wurde denn auch versprochen) das Nullen auf das allernothwendigste Maß zu beschränken. Wie weit solch-s jetzt in Wirklichkeit geschieht, ist aus einer Mittheilung des Wochen- blatteS„Kohle und Essen" zu erseben. Hiernach find auf Zeche „Unser Fritz II." im August und September dieses Jahre« 94b Wagen Kohlen— 477 im August und 463 im September— at« unrein oder wegen Mindermaß genullt worden. E« sind bieS zum Mindesten 9450 Ctr. Kohlen. Das den Arbeitern entgangene Arbeitsverdienst dürfte sich mit 800 M. berechnen. Die Sozialdemokraten stellen in Gotha den früheren Abg. Bock, im 1. weimarischen Wahlkreise Herrn Karl Schulze, den Redakteur der„Thür. Tribüne", als Kandidaten auf. Daß dem K««de»rathe eine Vorlaae wegen Einrichtung einer subvenlionrrten Dampferlinie nach Ostafrika schon zuge- gangen sei, trifft, wie man offiziös schreibt, nicht zu. Sicher aber ist, daß eine solch« sich in Vorbereitung befindet. Sichere privat«achrichte«, an deren Zuverlässigkeit, wie man der.Magd. Ztg." versichert, nicht zu zweifeln ist, bestä- tigen zunächst das beste Wohlbefinden von Stanley und Emin Pascha, aber schließen auch jeden Zweifel daran aus, daß der Erstere in Jnnerafnka, wie man schon längst angenommen hat, lediglich für die Interessen der Biilisch-ostafrikanischen Gesell- schaft wirksam war und ist, und daß er für dieselben auch Emin Pascha's Kräfte ganz und gar gewonnen hat, desselben Emin Pascha, für dessen Entsetzung bekanntlich in Deutschland gesammelt wird! Aus Sansibar meldet Reuter's Burau auf dem Drahtwege unterm 6. d. M.: Das italienische Kriegsschiff„Staffeita" ist heute von hier nach Venedig abgegangen. Das englische Kriegs- schiff„Agamemnon" wird am Donnerstag, der„Griffon" am nächsten Montag absegeln. Den größeren Kaufleuten in Bagamoyo ist eine Mit- theilung de« Hauptmanns W-ßmann zugegangen, wonach der Reiseweg in da« Innere offen ist. Von den Handelsleuten Sewjee und Hajee wird eine Karawane ausgerüstet, welche von Mombassa nach Momboia abgehen soll. Es steht diese Mittheilung offenbar im Widerspruch mit der Mel- dung, daß Buschiri bei Bagamoyo Streitkräfte versammelt habe und Wißmann den Rückzug von seiner Erpedition nach Mwapwa abzuschneiden droht. Der neuesten Meldung gegen- über möchte man eher annehmen, daß sich Buschiri noch weiter ins Innere des Landes zurückgezogen habe. Wieder ist ein Afrikaforscher der Habsucht oder Feindselig- keit der Eingeborenen zum Opfer gefallen. Der Bischof von Blömfontein benachrichtigt die kgl. geographische Gesellschaft in London, daß Mr. Monks, der 1887 eine Expedition nach dem See Bangweolo führte und noch im November v. I. von sich fiörtn hatte lassen, von seinen eigenen Leuten getödtet worden ein soll. Monks war ein Mann von seltenem Unternehmungs« braucht man nur zu sehen, ob der Brusteinsaj� seines HcmdeS zerdrückt ist oder nicht. Der Marqucs von salisbury mußte es sich gefallen lassen, daß er wegen seines unzeitgemäßen Nicken« von Lord Carnavon getadelt wurde. Richard Temple, ein sehr fleißiger Parlamentarier, heißt wegen der malerischen Haltung bei seinem Sckiläfchm.«de sleepln? beauix"(die schlafende Schönheit). Bradlaugh bielt eine heftige Rede, bei welcher auch für Broadhurst Einiges abfiel. Plötzlich bemerkte Jener, daß dieser in Morpheu-, Armen lag, und von diesem Momente an schloß er nun die ein- zelnen Abschnitte seines Votums mit der Bemerkung, sobald der rigdt donorable e-nrlernanauf wache/werde er dessen Aufmerksamkeit noch besonders auf den Punkt Hinkenken. Während der letzten Session gab sich einer der Herren dem Schnarchen so leidenschaftlich hin, daß ihm bedeutet wurde, diese Sprache sei keine parlamentarische, er möge gefälligst draußen die durch den Redner über ihn verhängte Betäubung abzuschütteln suchen. Lord North galt als einer ber hart- näckrgsten Schläfer. Als er eines Tages erfuhr, daß der Oberst Barre über den Zustand der englischen Marine sprechen werde, sagte er zu einem Freunde:„Da steht uns eine nette Lange- weile bevor. Ich bin sicher, daß er nur eine Geschichte des englischen Seewesens von seinem Anfange an erzählt und dabei Francis Drake und die Armada nicht vergessen wird. Lassen Sie mich ruhig schlummern, bis er bei unserer Epoche angelangt." Der Kollege that ihm den Gefallen.„Wo find wir?" fragte er lebhast beim Erwachen. Der Andere nannte eine große Schlacht.„O mein Lieber," rief der Lord.„Sie baben mich um ein Jahrhundert zu ftüh aufgeschreckt!" Ein Gegner nannte ihn gelegentlich„einen Staatsmann, der im Stande sei, zu schlafen, während er da« Land ruinire," worauf Lord North erwiderte, da er doch die Reben seiner Feinde über sich ergehen lassen müsse, wäre eS grausam, ihm zu verweigern, was man doch selbst Verbrechern gewähre: eine ruhige Nacht vor der Hinrichtung. Professore«» Zerstreuthett. In Wien ist vor einigen Tagen Pater Johann Auer, der Provinzial der österreichischen Piaristen-OrdenS-Provinz, in hohem Alter gestorben. Sein Hinscheiden hat nun eine Unzahl Erinnerungen an seine lanftjährige Thätigkeit als Professor des akademischen Gym- nasiumS wachgerufen. Da machen, wie das„Neue Wiener Tageblatt" mittheilt, folgende Blüthen echter Professoren- Zerstreutheit die Runde:„Die Schweizer find ein gebirgige« Volk, aber in Schottland fängt das Ktima erst im Oktober an."—„In Kleinafien hat man die Schweine erfunden."— geiste. Er reifte einst nach den Diamantenfeldern obre b<« sondere Geldmittel. Sein einziper Gefährte war ein Elel, der seine Eff.kten trug. Am Zambesi angekommen, vertauscht- er das t«eue Thier mit einem Kahne, in welchem er den Fluß und feine Nebenflüsse erforschte. Schwei?. Bern, 5. Oktober. Es war anzunehmen, daß der Bundesrath mit der Anstellung des Generalanwalts nicht lange säumen werde. Die Frembenvolizei wurde auck ohne diesen pehandhabt und für ein Bedürsniß sah dos neire Amt Niemand ernstlich an, aber man hat ihm aus diplomati- schen Gründen eine große Wichtigkeit beigelegt und mußte ihm dieselbe nun auch durch rasche Besetzung zu wahren suchen. Stark betont worden ist während und besonders im Anschluß an den Referendumsfeldzug, daß die Bevölkerung unter dem Generalanwalt einen Beamten verstehe, welcher Recht und Gesetz anwende; zahlreiche Blätter, die da« Referendum be- kämpften, gaben ihm solche Mahnungen m't auf dem Weg. Sie hatten einen besonders eindringlichen Charakter auch in Organen der Partei, aus deren Mehrheit der Bundesrath ent- nommen ist, so in der„Berner Zeitung", welche oft die An- sichten der Nationalräthe Brunner und Müller vertritt, in den BaSler Nachrichten" des Herrn Ständerath Göttis-Leim, in der „Nationalztg." des Herrn Oberst Frey und im„Genevois" des Herrn Nationalrath Favon. Von den katholischen Parteien gaben ebenfalls mehrere Führer dem Amte des Generalanwalts diese Auslegung. Es feien nur zwei davon erwähnt, wegen der Bestimmtheit, womit sie es thaten, Herr Ständerath With im„Obwaldner Volkssteund" und Herr Ständerath Muheim im„Urner Wochenblatt". Das letztere Blatt schreibt heute: „So wenig die eidgenössischen Räthe in der Person des Bunde«- anwasis einen„BundeSpotizeipiäfekten", einen„Obcrfpitzel für die schweizerischen Arbeiter" u. d. darbieten wollten, ebenK- wenig ist da« Volk gewillt, mit dem Institut sich eine Rutbe binden zu lassen; eS ist viel zu eifersüchtig auf seine Reckte und Freiheiten und fühlt sick stark genug, jedes Gelüste noch Maßregelung auf kürzestem Wege im Keime zu ersticken." Der zum Generalanwalt ernannte Herr Albert Scherb von Bifckoffe- zell(Thurgau) ist gegenwärtig Staatsanwalt feines Kanton«; er gehört feit längerer Zeit dem Ständerath an und kann zum rechten Flügel der radikalen Partei gezählt werden. Man bat ihn stets als einen Gegner der sozialdemokratischen Bestrebung« und auch nicht als einen Freund der Sozialreform angesehen, lobt aber seine privaten Eigenschaften und glaubt, er werde sich streng in den gesetzlichen Schranken halten. Frankreich. Boule abgethan. Keine Partei kann eine Bürglckast für den moralischen Werth eines jedes ihrer Mitglieder üb«- nehmen. Die sozialdemokratische Partei ist aber stets auf der Wacht gegen unberufene Eindringlinge, und sobald irgend ei« unsicherer Kenntniß entdeckt wird, so folgt auch stets rasck die Entlarvung und Ausmerzung. Der Name Boule ist unsere« Lesern bekannt. Er that sich vor etwa 2 Jahren bei dem große« Pariser Maurer streik hervor, und erwarb sich ein sehr große« Vertrauen, daß er im Januar diese« Jahres bei der Ersatzwahl, in«velcher sich B o u l a n g e r den Parisern a'S Kandidat präsentirte, von den Sozialdemokraten neben Iaque',. dem Kandidaten der vereinten bürgerlichen Republikaner, dem Diktator in spe als Kandidat gegenüber gestellt ward. Von Seiten der bürgerlichen Demokraten— die deich ihren Parteiverwandten in Deutschland, jedes selbst ständige Vorgehen der Arbeiter als ein„Manöver der Reaktion" zu denunziren lieben, wurde damals die Anklage erhoben, Boule stehe im Solde BoulangerS. Da aber keinerlei Beweise erbracht werden konnten, so wurde d e Anklage nicht beachtet. Inzwischen traten nun nach und nack verschiedene ernste Verdachtsmomente hervor, und fckon»wr Zeit des internationalen Arbeiterkongresses waren die ehemdi- gen Freunde Boulä's stutzig und irre an ihm geworden. Sert- dem hat man die Beweise seiner Schuld erlangt, und das„«e- volutionäre Zentralkomitee der Ardeiter" hat die Aus- fchließungBoule'S aus der Partei beschlossen, und seine A u S st o ß u n g aus dem Ausschuß des Syndi« katsverbandes, dessen Mitglied er ist, beantragt. Dost diesem Antrag wird Folge gegeben werden, da« versteht sich von selbst.— Gleichzeitig wurde im 20. Arrondisse- ment eine ähnliche„Hinrichtung" an einem gewflen D i l b o m m e vorgenommcn, der im Interesse derBoulangisten. das Wahlkomitee V a i l l a n t' S hatte bewegen wollen, an dessen Kandidatur festzuhalten, und dadurch den Sieg des republikanischen Kandidaten zu verhindern. Dilhomme konnten seine Beziehunzen zu den Boulangisten nachgewiesen werden. Es ist bemerkenswerth, mit welchem Eifer die französischen Arbeiter bemüht sind, der Korruption zu steuenr, welche der BoulangismuS m t sich gebracht hat, ober richtiger: deren klassischer Ausdruck er ist. Die französischen Arbeiter haben es begriffen, daß der Boulanaismus eine Gefahr war. Die offen- monarchistischen Parteien konnten bei der Verrufenhech der Dnnastien, welche bisher über Frankreich geherrscht, der Republik nicht gefährlich werden. Das konnte aber jener „DariuS erlitt eine schwere Niederlage, weil ick Ihnen fckon gestern gesogt habe, daß der ganze Feldzug ein Unsinn wm." —„Der dntte panische Krieg wäre viel eher ausgewesen, wen« er nur etwa« eber begonnen hätte."—„Von zahllosen Wunden bedeckt, stürzte Cäsar an der Statue des Pvmpejus todt zu Boden; � mit der einen Hand zog er das Gewand über den Kopf, während er mit der anderen um Hilfe rief."—„Karl IV. starb 1378; es war aber nicht Karl>V.. sondern Karl V. und nicht 1378. sondern 1558."—„So entstand ein völliger Ktiea auf Seite 94"—„Franz lt. ließ eS Napoleon fühlen, daß er ein altes Regentenhaus war."—„Und leider," so setz,« der»erstreute Gelehrte wohl schmerzlich seinen denkwürdigen Auesprüchen hinzu,„und leider giebt es selbst in Europa Menscken. die nickt immer bei vollem Verstände sind." Die Zeitschrtst„Gara" bringt eine von Robert« in Lire'- pool aufgenommene Photographie des Andromedanebel«, welck« selbst die ausgezeichneten Sternaufnahmen von Henry in man- cher Hinsicht in den Schatten stellt. Freilich mußte die Irckt- empfindliche Platte dem Licht im Brennpunkte des Teleskop« vier Stunden lang ausgesetzt bleiben. Was bei Betracktung der schönen Aufnahme zunächst in die Augen fällt, ist die ge- radezu unzählige Menge der Fixsterne, welche den Nebel um« geben bezw. demselben vorgelagert sind, und zwar sind ,s Sterne, welche bisher selbst mit Hilfe der schärfsten Teleskope zumeist nicht wahrzunehmen waren. Viel bedeutsamer ist es aber, daß da« Brld uns die Entstehung der Welten nach d-r Laplace'fchen Theorie vor Augen führt. Man sieht nämlich ganz deutlich, daß der Nebel aus Ringen besteht, die ein kllle» Zentrum umgeben, also an den Planeten Saturn lebhaft e'» inner«; auch sind einige Stellen der Ringe durch Nebilknot-n bezeichnet, als wenn sich dort Trabanten bilden wollten. End- lich erblickt man reckt« einen offenbar von der Hauptmasse ab- getrennten kleinen Nebel, welcher als ein in der Bildung bc- griffener Trabant oder Planet anzusehen sein dürfte. Jicv pieltfrleJ»*« ist grstchrrt l In aller Stille haben ienstag die zwei neuen Regenten(caplranl r-xxem» der Republik San Marino, Domenico Battori und Marino Nico- lini, ihr schweres Amt angetreten. In ihrer Antrittsrede ge. lobten dieselben feierlichst, mit allen Staaten Europa'« m Frieden leben zu wollen; sie werden daher keinen Rüstung«« kredit fordern. Dem Weltfrieden droht also von dieser Seite keine Gefahr. y okaßorftfie Wlk»lbalg werden, der mit groß m dcmapori- jchen G schick im Namen der Republik die republikanische Re- pierung zu Gunsten des persönlichen Regiments zu diskrediren beflissen war. Es ist sehr erfreulich, dag der BoulangiSmuS, welcher sich ähnlich wie weiland der— ihm verwandte— NavoleoniSmuS hauptsächlich auf die Arbeiter und Bauern seine Hoffnung sehte, von beiden so kräftige Fußtritte empfangen hat— ein Beweis, daß die traurigen Erfahrungen der Ver- gangen hei t von den Franzosen nicht verloren gewesen sind. Kelgi««. Im Hennegau liegt der Schwerpunkt der belgischen Kohienindustne; in dieser Provinz befinden sich 248 Kohlen- gruben, die 78 635 Kohlenarbeiter beschästigen. Ueber die Hennegau'sche Kohlenindustrie im Jahre 1888 hat der Mini- stenaldirektor Herr Jottrand jetzt eine eingehende, auch für »eitere Kreise beachtensweithe Arbeit veröffentlicht. Hiernach war die Produktion des Jahres 1888 die stärkste, bisher da- gewesene, 13 812 140 Tonnen. 523 080 Tonnen mehr als 1837; ihr Werth war 117 577 235 Franks, um S 256 464 Franks wehr als 1887. War auch der Selbstkostenpreis für jede Tonne Kohlen 7,77 Fs., so war doch ihr Verkaufspreis 8,40 um 37 ZentimeS höher als im Vorjahre, so daß ein Gewinn von 8790 550 Fg., d. h. 2 838850 FS. mehr als in 1887 er« zielt wurde. Der durchschnittliche Arbeitslohn der Kohlen- orbeiter betrug 845 FS-, um 59 Fs. mehr als 1887. Prüft man aber die Zahlen genauer, so sieht man, daß der heutige Lohn die Löhne der Jahre 1880—1884 nicht erreicht hat. Die belaischen Kohlenaibeiterlöhne waren: 1879 805 FS., 1880 917 FS., 1881 926 Fg., 1882 968 Fs., 1883 1007 FS., 1884 911 Fs., 1885 796 Fs., 1886 761 Fs. und 1887 787 Fs. Von den in der Tiefe der Gruben beschäftigten Arbeitern waren noch immer 5 4 pCt. Weider und 1,8 pCt. Mädchen. Die Thatsache, daß 148 Unfälle 172 Grubenarbeitern das Leben gekostet haben und daß viele Arbeiter zu Schaden gekommen sind, beweist, daß für die Sickerung oei selben noch viel zu thun übrig bleibt. Der jetzige Ausstand der Kohlenarbeiter hat, wie zu erwarten war, ein schnelles Ende gefunden. Die meisten Werke haben eme baldige Lohnerhöhung versprochen, so daß die Arbeit wie- der aufgenommen wurde. Nur die Arbeiter der Gruben in Fienu sind nicht daraus eingegangen; sie fordern sofortige Lohn- rrhöhung und so ruht der ganze Betrieb.(Nach einer Draht- nachlicht der„Frkf. Ztg." wäre auch hier die Arbeit, und zwar ohne Lohnerhöhung, wieder aufgenommen. D. R.) Eine de- ochtenSwcrthe Erscheinung in der Arbeiterfrage ist das Umsich- greifen der sozialistischen kooperativen Arbeitergenossenschaften; fr« sucken immer mehr Erwerbszweige zu betreiben. In Ander- turs ist jetzt von Arbeitern die erste kooperative Brauerei er- richtet worden. Ein Theil des Gewinnes oller dieser Genossen- schoflen fließt dem Generalrathe für die Organisation der Ar- beiterpartei und deren Widerstandskassen zu. Die kleine Handel treibende Bourgeoisie erleidet dadurch recht empfindlichen Schaden. Sprzisrle Meberstihk. Es ist»ine überaus bezeichnende Erscheinung, welche alle Lobredner der heutigen Eigenthumsordnung Lügen straft, daß gerade diejenigen Arbeiter, welche die Gegenstände des Luxus der Besitzenden herstellen, meist von ollen Arbeiter- Kategonen am jämmerlichsten gestellt sind. Höchstens eine Handvoll direkt mit den„oberen Zehntausend" in Verbindung tretender Arbeiter macht davon eine Ausnahme, die große Masse derer, welche für das Putz-:c. Bsdürfniß der Reichen *u sorgen haben, gehört zu den Elendesten unter den Elenden. Von der wahrhaft trostlosen Lage der Spitzenarbeiterrnnen, den Diamantengräbern, der �Arbeiter in den Bergwerken der Edelmetalle zu reden, hieße Eulen nach Athen tragen— man kann wirklich sagen, je kostbarer der Stoff, mit dem die Reichen sich und ihre Umgebung ausstatten, um so größeres Elend klebt daran, um so mehr Mcnschenblut repräsentiren sie. Und die Mode, welche der Bourgeoismoralist allerdings Tyrann nennt, aber nur weil sie seiner Bequemlichkeit im Wege ist, welche der Bourgeoisökonom dagegen als Befördcrin des Ge- werbcfleißeS verherrlicht, als welch' grausamrö Ungeheuer steht sie dem Proletarier gegenüber! Je nachdem ihre Launen wech- sein, bedeutet sie bodenlose Ucberarbeit oder Arbeitslosigkeit und bodenlose Entbehrung für ihn. Ganz besonders zeigt sich das in der Industrie der kostbaren Gewebstoffe— Seide und Sammet, diese Aristokraten unter den Geweben, welche Un- summen von Elend und Verzweiflung repräsentiren sie? Und gerade weil sie die Aristokraten unter den Geweben sind. Die hiesige Handelskammer— lesen wir in einem Bericht der„Franks. Ztg." aus Krefeld, dem Zentrum der deutschen Sammet- und Seidenindustrie,„vcröffenrlichte soeben ihre all- jährliche Statistik über den Stand der hiesigen Textil- Industrie. Die Ergebnisse veranschaulichen in beredter Weise das wcchfelvolle Schicksal unserer Industrie. Infolge des Damiederliegens der Sammetfabrikation hat sich der Ge- sammtumschlag im Jahre 1888 um rund 9 704 000 Mark verringert, er erreichte nur die Höhe von 75 948 544 Mark und würbe, wenn nicht die Seidenstoffweberei einen merklichen Aufschwung genommen hätte, trotz Einführung der mechanischen Weberei auf beiden Gebieten unserer Textrl-Jndustrie, der geringste geworden sein, sciidem die Handelskammer die Statü im Jahre 1867 zuerst anstellte. Der GFammtverkauf der st verwebten Samte betrug im Jahre 1888 30 178 620 M.(|� 44 264 093 im Jahre 1887, derjenige in Stoffen 45 769 SÄ! gegen 41 388 940 M. im Vorjahre. Die durchschnitt! beschäftigt« Zahl der Handwebstühle in Sammet ist* 14 438 auf 8568 her abgesunken, die durckschnittiich w» rend des Jabres beschäftigten mechanischen SammctwcbstL werden mit 2015 statt mir 2261 im Jahre 1887 angegek Die Zabl der für Rechnung von Krefeloer Fabrikanten'• Jahre 1838 montirten mechanischen Sammetwebstühle ist M mit 2600 nicht zu hock geschätzt. Dabei ist wohl zu beabfr daß auch die als beschäftigt angegebene Stuhlzahl von M vielfach mit beschränkter Thätigkeit gearbeitet hat. Die Staiit weist ferner nach, daß im Jahre 1888 auf 1 Handwebstuhl f Sammet an Weblohn 365 M., auf einem mechanischen Wcbri: 900 M. gegen 405 bezw. 1010 M. im Vorjahre entfallen." Was dieser Rückgang an Arbeitsgelegcrihcit und Arbeit einkommen selbst unter sonst gleichen Uinstänven bedeutet, brauch wir hier nicht erst auszuführen. Rechnet man aber noch 1 zu Gunsten der Landprctzen erfolgte Vrrtheuerung der nrr wendigsten Lebensmittel hinzu, so enihüllcn sich wahrhast> schlltternde Gemälde menschlichen Jammers unserem A«! Und nicht nur in der darniederliegenden Sammetsabrika� „Die gegen 1887 um 1157 erhöh e Zahl von Handw«! stühlen," fährt der Bericht fort,„und die um 526 verm.'b Anzahl der mechanischen Srühle in der Weberei von Stoff« geben Zeugniß von der gehobenen Thätigkeit in diesem Zwäl unserer Industrie, der Mehrumsatz in ferliaen Waaren geg> das Jahr 1887 beträgt zirka 4 380000 Mark. Es ist« Gewißheit anzunehmen, daß gegen Schluß des BerichtSjahtt als die Stofffabrik Wieds, stark beschäftigt war und fcier«! Sammethandweber annahm, die Zahl der Handwebstühle b trächtlich größer war. als die angegebene Jahresdurchschnitt zahl von 12 886." Trotzdem heißt cS schließlich:„Die W«i löhne betragen für 1 Handwebstnhl im Jahre 1888 525 Ä "für einen mechanischen Stuhl 570 M., gegen 584 M., bezi 670 M. im Vorjahre." Das heißt, auch hier Rückgang der Einkommen, Steiger»« des Elends. In der That, es scheint ein Fluch an Allem I kleben, was den oberen Zehntausend zur Verschönerung Daseins dient, ein Fluch für die, die es schaffen— � schreiende Ungerechtigkeit, würdig nur der verkehrten Welt, � sich moderne Gesellschaft nennt. wrfl Theater. Mittwoch, de« 9. Oktober. «»»»tz«»»». Lohengrin. Ihr Taufschein. Der Mann der Freundin, k'ost kesuuv. Weutsche»«heute». Da» Glas Wasser. Das letzte Wort. Orpheus. Nestdeuz-Eheat-r. Fernande. W«t>w»r.«heirtee. Der rechte Schlüssel. Stanley w Awka. ästend.«Heerte». Lorbeerbaum und Bettelstab. -«hMte». Der Zauberlehr. «Heerte».„'Ne feine I-e«jt-M'«h-at»». Das lachende Berlin. «»»««he-te». Flotte Werder. BM»». Nichte»'» Uariütt. Spezialitäten- Vorstellung. ' hvherlle«-«Heerte». Gr. Spezialitäten- '»rstellung. Kertiner Theater. Mittwoch, den 9. Oktober: Demeteiu». Donnerstag, den 10. Oktober: Dte wtlde Aagd. Freitag, den II. Oktober: 6. Abonm-Vorstellung. Ein Tropfe« Gift. »Thalia", 15 Mallnertheaterstraße 15. ßrßts Volks-SiezialiMu- Theater. „Strohwtttwer". Bertiner Lokalposse mit Gelang. .Mits«ta»'7 HofkünstlerSr.Majestät des Kaisers von Japan.„Miß Marine»«", das medrzi- milche Wunder.„Wilhelm Fröbel", Berliner Volkshumorist.„Martha Ktort", Jlea Neufeld, Sängerinnen. Hulda und Pept Haber, Wiener Geiangs-Duettrsten. b0 Pfennig. Familien- Billetö iselltree 3 Stück 1,00 Mark.[40 Anfang 7ß Uhr.— Sonntags 6t Uhr Amepican-Theater. 1385 Dresdener«?. 55. _ Täglick Vorstellung. In dieser Wocke: VäoiÄy SavohenS maler. Alpen. Re«! lV. Cycl.: Pariser Welt-AnSftetmra. Auistellunakoark: HL CykluS der Pariser WeU-A«Sstellung. «h» Reise 30 Pf., Kind nur 10 Pf. 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Beuthstraße S. Oio»?«»I»» Ketlags« Beilage zum Berliner BolkMatt. ll7«k 7. He. 233. Mittwoch den 9. Oktober 18�9. 6. AnhUG Lokales. An der Mederfchleftsche« Kahn sollen dritte und vierte Geseke gelegt werden, da der Vororts verkebr von Tag zu Tag k igt un) die vorhandenen beiden Geleise den Verkehr zwischen Berlin und Erkner kaum dewältigen können. Zu dieser Nnge* kgcndt t äußert sich der �Berliner Aktionär" solgendcrmaßen: .So dankcnsw.rth dies Vorhaben auch von allen Jntenssmten degrüßt wird, so würde doch sowohl der Elsenbabndirektion eine weit größere Einnahme zufließen, als auch den Adjazenten geoient lein, wenn die zwei neuen Geleise nicht neben der al'en Bahn gelegt, sondern als Sprecuferbahn neu gebaut würden. Jährlich nimmt die Industrie an den Svreeufern zu, z« Tausenden wandern die Ardeiter von Friedrichshagen nach »eüpmick zweimal täglich zu Fuß nach den Ardeilsstätlen an der O'rrlpree, Winter und Soinmer ohne jede Fahrgelegenheit; jso.i hierdurch würde die Eisenbahn eine ganz erhebliche Ein» nahmequelle haben. Besonders ist zu berücksichtigen, daß die B.hnhöf« Köpenick und Friedrichshagen jetzt am äußersten Ende der Orte liegen, der Aufschwung, den dieselben nehmen wm den, wenn der Bahnhof in Köpenick dicht an der Stadt, der Friedrichshagener aber am Müggelsee zu liegen käme, wäre ein ganz bedeutender. Die Villenorte Ostend und Hirschgarten bekämen ihre lang ersehnten Haltestellen und die alten Bahn- böte würdm wirklich entlastet werden. Das ganze zu durch- schneidend« Terrain ist bis auf eine Kleinigkeit im Besitz des Fiskus. Schwierigkeiten bei der Erwerbung sind deshalb aus- H�chtvssen und die Wünsche der Avjazenten werden erfüllt, mährend die Eisenbahnverwaltung ein glänzend prosperiren des Äuternchmen mehr hat. Wo gegenwärtig die Rammarbeiten längs der Seilen krönt des Giebelgebäudes am Köilmschen Fischmarkt Nr. l i-nzzefühit werden, war im Jahre 1542 der„Muhlenmeg" ent- SvimSen. Er lief zwischen des damaligen Kürschners Haus und bei.K.ipp"-«der Köllnischen Mühle hin und diente dazu, um de! FeaerSgefahr zur Spree gelangm zu können. Einen gleich sreieu Gang zum Spreekeflel bildete der unweit davon gelegene deutige Durchgang des Hauses Nr. 30 in der Fischerstraße. Tee Mühlendamm selbst mit seinen vier Mahlmühlen, neben «eUrn noch eine Loh-, Schleif- und Poliermühle(für Rüstungs- ftückr) funktionirte, durste auch damals noch nur vvii Fuß- e'imgeni passir» werden; sein erstes Steinpflaster erhielt er im Jihce 1670. Jeder andere Verkehr fand über die Lange Brücke rmtt, und die„Große", spätere Breiie Straße, welche die Ver- hmdung für Wagen vermittelte, war daher etnr der ersten ge- psliberttn Hauptstraßen. Di« iSerU«»? Rleselgüter versprechen auch für das linfindr WirihschaflSjahr guic, gegen die Vorjahre steigende G�gednifle. Der Ertrag voa Getreide entspricht einer guten BmchschnittSernte. Die Oelsaalen, welche wegen Auswinterung Theil umgepflügt werden mußten, biieben unter dem Durchschnitt, der Aussall deckte sich aber einigermaßen durch ahedlich höhere Preise. Die Wiesen lieferlen einen guten Durchschnitts« trag, die Futtenüben ergaben mit Ausnahme miger Schläge eine vorzüaliche Ecr.te. Die Gartenfrüchte, -"eiche auf den verpachteten Parzellen(etwa 2500 Morgen) ge- -bvnt werden, hatten, wie überall, von der heißen Witterung des B-rrto-nmerS zu leiden, das Schlußwgebniß ist jedoch für die Pühter ein sehr gutes geworden. Wahrrnd die vier GutSocr- --wtinr.gsbezirke Osdorf, Großbeeren, Falkenberg, Malchow im WrrihschafiSjahr 1884 85 noch einen Zuschuß von 32000 M. «aio. derten, brachten sie an Reinaewinn in den Jahren 1885 86 45 000 3»., 1886/87 153000 M., 1887/88 210000 M. und IS88 89 238000 M. Der neue Rangirbahnhof bei Iostannivtstal erweist sich srvon jetzt als zu klein. Da mit dem 1. Oktober wieder '.reue Güterzüge eingelegt find, so wird in JohanniSlhal, wo her Verkrhr der Görlitzer Bahn und des Nordrings rangirt wird, die Zahl der Geleise zur Zeit noch um drei vrrmchrt. Der Verk.hr wird sich noch weiter steigern, wenn erst der ge- vloute Anschluß der Station mit dem Süvring fertig gestillt ■seil alsdann auch die Raugirung des Südrinaverkchrs, die d«h.-r auf dem Görlitzer Bahnhof erfolgt, nach Johannisthal pariegt wird. Auch die mit großen Kosten auf Bahnhof Johannisthal geschaffene Chauffceüberbrllckung erweist sich als -in kurz. Die Geleise lassen sich durch die Brücke nicht genügend nbasrhen. Auf de« Erwrtteruugobau der Pulverfabrik in Zpauda» wurde am Sonnabend ein potnilcher Ardeiler von »lnem jäh in Tode«eilt. Der Mann, welcher eben erst ange- k.amnen war und Beschäftigung«halten sollte, hatte sich nieder- ges.tzi, um Frühstück zu essen. Kaum hatte er damit begonnen, oU« er plötzlich leblos zusammenbrach. Es wurde so schnell als möglich«n Arzt geholt; die von demselben angestellten Wieder- MrtdungSonsuche waren aber ohne Erfolg. Auch eine Kom- mcjsivn des Amtsgerichts begab sich sofort an Ort und Stelle, um den Thaibestand aufzunehmen. Der Mann ist dem An- schrin nach infolge eines Schiaganfalls gestorben. Zur Meiler läge wirb aus Karlsruhe, 7. Oktober, ge- ichrirben: Nach wenigen schönen Herbsttagen hat sich ein WitterungSnmschlag vollzogen. Seit Sonntag fiel das Boro« ök-Iit über Schottland um 25 mw in 24 Stunden. Dort lag «n Montag früh eine sehr tief ausgebildete Depression mit einem LufiSruck von 35 mm unter normal, welche seit dem- Mden Morgen in Karlsruhe die Wiiterung beherrscht. In der A ühe war ver Zug d« ob«kn Wolken noch aus östlicher Rich- tung.!eit Mniag zlehe» die Cirruswolken aber ziemlich schnell «uS West, lebhafter Äudwestwind setzte ein, das Barometer sank und dichteres Gewölk bedeckte am Abend den Himmel. Seit« Uhr begmnt ein wenig Regen zu fallen. Das Auf. rreten jen« tiefen Depression im Nordwest verursacht nicht aliein durch den Vorübergang dies« einen Depression unruhiges Regenwetter, sondern es dürfte mit Erweiterung des Gebietes ricberen Lustdrucks West- und Mitteleuropa mehrfach durch D sig m:t minderwerthigen, ähnlich anstehenden Stoffen ver« mischt, wos sehr begreiflich«scheint, wenn man bedenkt, wie leicht derartige Jätschungen zu bcw rkstelligen sind, wie häufig sie den Verdi auchern virborgen bleiben und wie gewinnbringend sie zu sein pflegen. Herr Prof. Hanausek in Wien hat neuere Be- obachtungen von Genußmittelfälschungen auf Grund eingehender Untersuchungen veröffealticht, u. A. über künstliche Psiffer» körn«, Gewürznelken und Kaffeebohnen. Künstliche P f e ff e r- körn er wurden Herrn Piof. Hanausek im Jahre 1887 bekannt. Dieselben stellten sich äußerlich als eine sehr gelun- gene Fälschung dar. Allerdings ließ die Rundung des künst- lachen Pfefferkornes viel zu wünschen übrig. Alle Körner hotten einen scharfen Kiel, jede Halbkugel zeigte sechs erhabene Rippen. Die Oberfläche eines KorneS war schwarzgrau oder schwarzbraun gefäibt; die §arbe ließ sich mit dem Fing« leicht abwischen. Das nn«e des Kornes war schmutzig grauweiß oder gelblich, die Körner schmeckten scharf wie Paprika. Der Hauptvcstandlheil dieses ÄunstpfeffecS war Weizenmehl und der scharfe Geschmack wurde durch Beimengung von Paprikapulver erzielt, das bezeichnend« Weife ebenfalls mit rotbem Sandel- holz gefälscht war. Die Herstellung geschieht fabriksmößig. Der mit Paprika««setzte Weizenmehlteig wird in Formen gepreßt und schwach geröstet. Die Körner w«den schließlich schwärzlich gefärbt. Derartige Kunstpfeffersorten, welche dem Herrn Pros-ffor Hanausek vorlagen, stammten aus ungarischen Fabriken. In beiden Fabriken wurden nicht nur fertiggestellte Körner, sondern auch der rohe Teig und halb- sertige Maare mit Beschlag belegt. In dem einen Falle be- standen die Kunstkörner aus kleiehaltigem Weizenmehl, das mit echtem Pfefferpuloer gemischt war; dagegen ent- hielten die von derselben Fabrik herrührenden halbfertigen Körner wieder Paprikapulver, letzteres aber von d« elendesten Beschaffenheit. Von der schönen rothen Farbe des echten ungarischen Paprikas war keine Spur zu sehen, es war schmutzig graubraun und erinnerte an grau bestäubtes Zimmt- pulver. Trotz dies« eiaenthümlichcn Färbung besteht es größtcntheils aus den Geweben der Paprikafrucht; die mikroskopische Prüfung weist Partikeln des Fruchtwandparen- chyms, der Jnnenepidermis, die Gekrösezellen der Samenhaut und das Samenkernaewebe von Paprika nach, von ersterem (Fmchtparenchym) allerdings nur eine geringe Menge und die Zellen nahezu frei von den rothen öligen Tropfen. Auch die Gewebe des Kelches und des FruchistengelS sind vorhanden. Höchst wahrscheinlich ist das Pulver seines CopßcinS und des rolhen Harzes durch Extraktion beraubt worden. Die Erzeugnisse der zweiten Fabrik bestanden wieder au« kleiehaltigem Weizenmehl und Paprikapulver. Der beut- tiche Pfefferaeruch die!« Körner dürste von einer Behandlung mit Psefferfluidextrakt herrühren; in den Körnern selbst sind Gewebe des Pseff«s absolut nicht vorhanden. Nach einem Preisverzeichnisse kostet der Kunstpfeffer, der bis zu 70 Prozent unt« echtem Singapore-Pfeffer ge- mischt wirb, ohne erkannt zu w«den, 105 M. pr. 100 Kg. gegen 250 M. für echten Pfeff«. Um im Haushalte sich von der Rrinheit des Pfeffers zu überzeugen, beachte man die Gestalt der Körner und lege sie in warmes Wasser, der Kunstpfeff« wird bald erweicht und zerfällt; auch läßt sich die schwarze Farbe leicht abwaschen. Künstliche Gewürznelken werden im Allgemeinen nur selten beobachtet. Die früheren Fällungen bestanden aus Gummischleim, Stärke und Nelkenöl. äch Herrn Professor Hanausek haben die neuesten Proben «ne ganz and«e Zusammensetzung. Schon ihr AeußereS ist sehr wenig gelungen, wie das ja bei der so gut ausgeprägten gleichförmigen Gestalt d« echten Gewürznelken von vorneherein einleuchtend«scheint. Die Waare besteht aus schwarzbraunen, gelbbraun bestäubten Cylindern, die an einem Ende in ein un- deutlich vierkantiges Köpfchen übergehen. Die Form, Farbe, Größe und Ob«flLchnibeschaffenheit w«den sofort dem Beob- achler ausfallen müssen. In Mass« eingelegt erweichen die Kunstnelken, und zerfallen in sehr verschieden aefärbte Par- trkel, von welchen dem Untersuchenden lichtgelbe Körnchen und Ichwarze Plättchen nebst braunem Detritus besonders auffällig sein werden. Die Grundmaffe der Kunstnelken besteht wieder aus Weizenmehl; aber außer diesem findet man zahlreiche Komplexe kurz« Sklereiden, Gruppen von echten Bastfasern, denen ubnreichlich Krystallkammern angelag«t find, jede derselben führt einen wohlausgebildeten monoklmischen Oxalatkry stall. Ferner wurden echte Peridermzellen, dann nicht gar selten auch Gewebe- elemente echt« Gewürznelken, wie Oelbehälter, Rudimente der Petalen«., gefunden. Die oben genannten schwarzen Plättchen sind aus langgestreckten, stark vndickten, porösen und scharf ab« gegrenzten Sklereiden gebildet. Die Kunstnelken enthalten also ihztsächlich Bestandcheite d« echten Gewürznelken; der Haut- maffe nach bestehm sie ab« aus sehr grobem Weizen- mehl und aus ein« gemablenen Baumrinde, die höchstwahr- scheinlich Eichenrinde ist. Nur die Entstehung der schwarzen Plättchen vermag Professor Hanausek nicht anzugeben; diese dürften vielleicht von einer Samenschale sich ableiten lassen. Künstliche Kaffeebohnen wurden früher aus graugrünlichem oder gelblichem Modellirthon oder aus leicht geröstetem Eichel- mehl und Getreidemehl bereitet mit einer weingeiftigen Harz- lösung überzogen. Professor Hanausek hat in jüngst« Zeit fertige und halbfertige Kunstbohnen, sowie auch den Teig untersucht. Die halbfertigen Kaffeebohnen� find schwarzbraun, glanzlos, steinhart und mit lichten Schüppchen versehen. Die fertigen Bohnen erinnern� an gebrannten Jamaikakaffee, sind schön kaffeebraun, stark glänzend und haben eine vollkommen gerade, auch an den Enden gleich weite Rinne, die selbstverständlich nicht wie bei den echten Bohnen sich in das Innere fortsetzt und auch in solcher auffälligen Regelmäßigkeit bei letzteren nicht vorkommt. Als das hervor- ragendste Merkmal bezeichnet Professor Hanausek den Vrcßrand längs des Umrisses der Kunstbohnen, der wie eine Gußnaht die Bohne umsäumt und da« durch das Aufpressen des Formdcckels herausgequetschte überschüssige Teigmaterial darstellt. Die große Härte und Schwere sind ebenfalls gute Kennzeichen. Die Fälschung kann als eine sehr gelungene bezeichnet werden. Man maß ja nur bedenken, daß die Kunstbohnen, echtem Kaffee beiaemffcht, zum Verkaufe kommen, daß sie in Farbe und Fo m im Allgemeinen sich nicht««schieden zeigen und daß schließstch die Unglaublichkeit dieser großartigen Fälschung auch einen sehr wichtigen Faktor spielt. Die Houpimaffe des Kunstkaffees besteht aus ganz gewölmlicher, ober fein gemahlener Weizenkleie, in welcher sich Gewebeelemente aus der Pfefferfruckt in gninger Menge nachweisen lassen, und zwar nur die Bestandtheile der schwarzen Fruchtschale, während alle übrigen Gewebe des PsiffecS vollständig fehlen. Professor Hanausek ist nun der Anschauung, daß diese Pfeffer- lchalentheile die Abfäll« von der Erzeugung des weißen Pfeffers sind. Welchen Zweck diese Beimischuna hat, ist all«dings nickt klar geworden; sie könnte als breunfärbender Zusatz gebraucht werden, der ab« wegen der Rästung unnöthia ist; wahr- scheinlich ist ein Theil dieser Abfälle zufällig in den Klcicnieig gerathen, wie denn überhaupt die Reinlichkeit bei der Zu- bereitung dieser Kunstbohnen keine besondere Rolle gespielt zu haben schien, indem auch Haare, Holzfasern u. s. w. in den Bohnen gefunden wurden. (Bitte interessante Sprengung wurde durch ein Kam- man da des Eisevbahn-Reziments am Montag Nachmittag 4 Uhr in Weißenfee vorgenommen. Es handelte sich um Niederleaung eines 120 Meter hoben Damvffchornsteines, d« in der Nähe d« Malchower Chaussee vls-ö-vis dem Weißer seer Schützenhause stand. Das betreffende Terrain gehörte früher der Weißense« Aktiengesellschaft für Bauunternehmu.ige», die für ihren eigenen Bedarf an Mauersteinen an der betreffenden Stelle einen großen Ringofen zum Zieg elbrennen erbaute. Die Ziegelei verkrachte bald, weil kein Material in der Nähe war. Das sind bereits zehn Jahre her. Seitdem ist der Ringofen bereits niedergerissen worden, der Dampffchoru stein ist' da- gegen stehen geblieben, weil die Abtragung schwierig und kostspielig war. Das Terrain ist sjetzt in den Besitz der neuen Gesellschaft»Weißenseer Bcuverein" übergegangen, die emsig baut und der der alte Schornstein daher im Wege stand. Auf das Ersuchen der Gesellschaft er- schien am Montag ein Osfi.ier, ein Strgeant und drei Mann von den„Eisenbahnern", welche die Vorbereitungen zur Spren- pvng vornahmen. Obwohl der Schornstein mindestens 250 Meter von der Chaussee entfernt stand, wurde dieselbe doch auf eine Strecke von 600—1000 Metern der Sicherheit halb« für den Verkehr gesperrt. Punkt 4 Uhr wurde die elektrische Batterie, welche mit dem Schornstein in Verbindung stand, in Bewegung gesetzt, es gab einen Knall, nicht viel stärker als einen Gewehrschuß, eine Rauchsäule erhob sich, der Schornstein hob sich«n Stuck in die Höhe, fiel dann wie ein riesiges Lmeal senkrecht herab. Als er die Erde berührte, fiel die untere Hälfte in sich zusammen, die obere Hälfte fiel seitwärts, aber nicht weiter, als daß die Trümmer höchstens 50 Schritt ent« fernt zu liegen kamen. De» Mörder Klaust« beharrt auf dem System des Leugnens, auf welches« sich von vornherein gestellt hat. Schon in den ersten Stadien der Untersuchung schwand jeder Zweifel an seiner Schuld; so lange ab« nicht sämmtliches geraubte Geld aufgefunden war, blieb noch immer die Frage offen, ob Klaufin nur Mitthät« oder alleiniger Thäter sei. Nachdem aber das fehlende Geld bei einer nachträglichen Durch- 'uchung der Klausin'schen Wohnung in Bieberstein vorge» unden worden ist, erscheint die Annahme einer Mitthäter- chast völlig ausgeschlossen. Wenn d« überführte Mörder aber auch kein Geständniß ablegen mag, so erscheint er doch jetzt bei seinen täglichen Vorführungen vor den UntersuchungSrrchter recht gedrückt. Von der fast heit«en Ruhe, die in der ersten Zeit seiner Haft von ihm zur Schau getragen wurde, ist nichts mehr an ihm zu bemerken. Am Sonnabend Nachmittag ist endlich die Wohnung der Frau Vaneß gerichtsfeitig frei- gegeben worden. Die Möbel und Sachen der Ermordeten wurden nach der Pfandkammer gebracht. Bei der Aus- räumung der Wohnung zeigte sich erst, wie groß die Menge Blutes war, welches die Mutter der Frau Vaneß im Bett ver- gössen hat. Dasselbe war zwischen Bettrand und Wand herab- gelaufen, auf dem Erdboden festgelrocknet und bildete dort eine zollhohe harte Kruste. Wahrscheinlich wird sich aus der Mordgeschichte noch eine interessante Rechtsfrage entwickeln. Die Wohnung, in welcher die Thal geschehen rst, war zum 1. Oktober gekündigt und bereits weiter vermiethet. Vierzehn Tage später sollte Frau Vaneß ausziehen. Nun blieb aber die Wobnung im Interesse der Untersuchung unter amtlichem Verschluß, so daß sie nicht bezogen und«st zum 1. Januar vermiethet werden konnte. Es wild sich nun fragen, ob sich der Justizfiskus herbeilassen wird, die ausgefallene Miethe zu decken. Die abenteuerliche Flucht Saviur'» wird jetzt durch folgende Angaben in allen Einzelheiten beschrieben: Als Saoine am 15. v. M. in der Nähe von Posen vom Trittbreit des Zuges absprang, lief er in ein benachbartes Dorf, wo« zunächst seine Kleider reinigte. Dann miethete er bei einem Bauer einen Wagen und ließ sich nach Moschin fahren. Dort angelangt, ging er zu dem Apotheker, ließ sich einige Pflast« geben und verklebte sich die Wunden an der Stirn und an der Backe, die er beim Heraussvringen erlitten hatte. Dann ging er zu einem Schneider und bot demselben den kostbaren Pelzkragen seines Jockels zum Kauf an. Da der Schneider den Kragen nicht kaufen wollte, ließ Savine ihn abtrennen und einen anderen annähen. Fernerikaufte er bei dem Schneider ein Jacket und eine Hose uno. brach!? bei dieser Gelegenheit sein mit Gold gespicktes Portemonnaie zum Vorschein. Bei dem Schneid« schlief er auch in der Nacht von Sonntag zu Montag und fuhr dann am Montag Nachmi'.tag mit einenn Wagen nack C�empin, wo er fich in der dortigen Apotheke ebenfalls Pflaster geben ließ: die Nacbt von Montag zu DienS- tag brackite er in OMempin zu. Am Dienstag fuhr er von da nach Kosten und zwar wiederum mit einem Wagen und logirte dort in einem Hotel. Von dort aus soll er mit der Bahn nach Breslau gefahren fein. Der in Moschin stationirte Gendarm versichert, daß. wenn die Moschiner Polizeiverwaltung am 15. von der Posener Polizei telegraphisch von der Entweichurg benachrichtigt worden wäre, sie unbedingt Savine am Sonntag oder Montag verhaftet hätte. Aber eist am 25 erhielt die Moschiner Polizei ein Regierungszirkular mit der Nachricht der Flucht: in diesem Zirkular, welches das Signalement noch oben- drein sehr unvollkommen brachte, war als Tag der Eni- weichung der 17. angegeben, wäbrend dieselbe thatsächlich am 15. stattgefunden hatte. Auf diese Weise erklärt sich wenigstens �um Theil das fabelhafte Glück, welches Savine bei feiner längsten Entweichung gehabt hat. Ob es ihm auch diesmal wieder glücken wird? Durch eine» wette« Klirlr in die Zukunft zeichnen sich die Schöneberger vor den Berlinern aus. Sie diskontiren den Ruhm des 20. Jahrhunderts sckon im voraus, indem sie eine ihrer Straßen mit dem Namen„Herbertstraße� belegen. Derfchwunde« sind fett Konuabend die beiden Knaben der in der Mühlenstraße 72a wohnhaften Familie Wmdt. Der ältere Knabe ist 7 Jahre alt, trug grauen Ueberzieher, roth und grau gestreifte wollene Mütze, schwarze Strümpfe und hilbauSgeschnittene Schuhe. Der 6 jährige Bruder war mit emem grauen Plissee-Anzug und schwarzer Mütze bekleidet und trug weiße Strümps« und halbausgeschnittene Schuhe. Man vcnnuthet, daß die Kinder in der Köpnicker Haide sich verirrt haben oder in die Spree gerathen sind. In fchreckttchrr Weise hat am Sonntag ein schon be- jahrter Mann in der Nähe der Spandauer Bergbrauerei seinem Leben ein Ende gemacht. Unweit der Haltestelle der Pferde- bahn rechts der Charlottenburger Chaussee fanden Vorüber- gehende de« Morgens einen Menschen, der förmlich in seinem Blute schwamm und nock Lebenszeichen von sich gab. Der- selbe hatte sich entsetzliche Verletzungen beigebracht. Er hat sich, dem Anschein nach, zunächst die Pulsader an dem linken Hand- gelenk öffnen wollen: als er hiermit seinen Zweck nicht erreichte, suchte er sich die Kehle zu durchschneiden. Infolge des großen Blutverlustes waren aber feine Kräfte bereits geschwächt, und die Verwundungen waren nicht sofort tödtliche. Der Selbst- mörder wurde nach Chorlottenburg transportirt, wo er bald darauf unter unsäglichen Qualen sein Leben aushauchte. Der Verstorbene war Ausgangs der fünfziger Jahre. Die Perfön- lichkeit ist unbekannt. Do« einem pferdebahuwagen überfahren wurde am Sonntag Abend in der Brunncnstraße ein unbekannter Mann, welcher während der Fahrt so ungeschickt vom Vorderperron sprang, daß er zu Fall und mit den beiden Beinen auf die Schienen zu liegen kam. Von mitleidigen Passanten wurde er nach her nächstgelegenen SanitätSwache und von da mittelst Droscbke nach einem Krankenbause geschafft. Gi« gräßlicher Unglücksfall, der merkwürdigerweise geheimgehalten worden ist, hat sich in voriger Woche, während der Nacht zum Sonnabend in der Zeitungsd ruckerei von Rudolf Moffe. Jerufalemerstraße 48/49, ereignet. Daselbst ist gegen 1 Uhr Nacht« der meist in der Walzenküche dieser Druckerei beschäftigte Arbeiter Moritz beim Ueberlchreiten einer in den Fußboden eingelassenen Transmission in die TranSmissionSgrube gefallen und ungesehen minutenlang von Riemenscheibe und Riemen bearbeitet worden. Da die Riemenscheibe eine volle ist und der Abstand derselben von der Grubenwand der Schenkel- stärke des hineingestürzten Moritz entspricht, wurden dem Un- glücklichen Bekleidung und Fleisch förmlich von den Beinen ge- schliffen, während die R.emenkanten ihm Schnitt auf Schnitt in der Muskulatur beibrachten. Wäre das Unglück bemerkt und die Ma- schine angehalten worden, konnte dem Aermsten nicht viel passiren und er schließlich mit eigenen Kräften auS der Grube kommen, so ober waren, als man hinzukam, zwe, kräftige Männer nöthig, um den vor Schmerz ohnmächtig Gewordenen und Ineinander- gesunken m an den Armen herauszuziehen.— Und nun geschah das Entsetzlichste: man ließ den Aermsten. wie eS heißt, um «ine Nachtdroschke zu ersparen, bis zum Morgen gegen 7 Uhr liegen, statt denselben nach dem Krankenhause zu schaffen. Als er dann nach der Charitee kam, schwebte er nach den ärztlichen Depeschen fast einen Tag zwischen Leben und Tod. Moritz ist etwa 6 Monate in genannter Druckerei beschäftigt, steht im Alter von 22 Jahren und ist unverheirathet. Die TranS- missiontgrube, in welche er gefallen ist, pflegt mit verschiedenen schwarzen Eisenplatten abgedeckt zu sein. Eine derselben war im UngluckSmoment abgehoben, was Moritz nicht bemerkt hat. Der verantwortliche Maschinenmeister war in kurzer Zeit der dritte in jener Druckerei und giebt an, noch nicht gut Bescheid gewußt zu haben. Der Unglücksfall ist dort auch der dritte. Der Zirkus Kufch hatte am Montag Abend als will- kommene Zugabe zu dem bisherigen reicben Programm eine von dem Direktor verfaßte Pantomime»Em Traum in den norwegischen Gebirgen" in Bereitschaft, die in ihrer farbenpräch- tigen und abwechselungsreichen Gestalt allgemein gefiel. Ein kecker Bursch, der Großknecht eines reichen norwegischen Bauern, liebt die Tochter seines Gebieter«— ohne Liebe geht e« ja selbst bei einer Pantomime nicht ab. Der vom Vater begünstigte reiche Nebenbuhler, ein adeliger Kahlkopf, begehrt daS schöne Kind für sich, erfährt aber handfeste Zurechtletzung. Die Lie- benden fliehen in die Berge, und die Feen, Gnomen und Erd- geister stehen ihnen bei, nasführen ihre Verfolger und spielen ihnen allerlei Schabernack. Zum Schluß giebt es ein schönes Tableau: Die Liebe triumphirt. Die niedliche Idee war aller- liebst in Szene gesetzt. Direktor Busch wurde mehrfach ge- rufen. Gemäß den Neröffeutttchuuge« de« Kaiserliche« Gefuudhettsamt« sind in der Zeit vom 22. September bis 28. September er. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurch- schnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 17,5, in Breslau 23,0, in Königsberg 27,9, in Köln 21.3, in Frank- furt a. M. 15,2, in Wiesbaden 14,1, in Hannover 16/8, in Kaffel 14.5, in Magdeburg 22,8, in Stettin 27,2, in Altona 18,8, in Straßburg 17.3, in Metz—, in München 25,0, in Nürnberg 22,7, in Augsburg 14,3, in Dresden 18,1, in Leipzig 19,8, in Stuttgart 15,2, in Karlsruhe 11,0, in Braunschweig 24,2, in Hamburg 23,6, in Wien 18,6, in Pest 28,4, in Prag 23,4, in Trieft 28,3. in Krakau 31,8, in Amsterdam 16,1, in Brüffel 17/5, in Paris 2 II. in Basel—, in London 16,3, in Glasgow 20.7, in Liverpool 18,7, in Dublin 3 II, in Edinburg 16,6, in Kopenhagen 22,3, in Stockholm 17/5, in Christiania 16.2, in St/ Petersburg 23,9, in Warschau 32,4, in Odeffa 25,2, in Rom 23,6, in Turin—, in Venedig—, in Alezandria 41.0.— Ferner in der Zeit vom 2. bis 8. Sep- tember er. in New-Pork 23,5, in Philadelphia 17,2, in Baltimore 16.4, in Kalkutta 22,6, in Bombay 27,7, in Madras 42,0. Die allgemeine Sterblichkeit blieb auch in dieser Berichts- woche in den meisten größeren Städten Europas eine günstige und wurden auch aus einer großen Zahl derselben sehr kleine Sterblichkeitsz'ffern mitgetheilt.— Sehr gering(bis 15,0 pro Mille und Jahr) war die Sterblichkeit in Karlsruhe, Elberfeld, Barmen, Erfurt. Wiesbaden, Lübeck, Augsburg. Kassel; günstig (bis 20.0 pro Mille und Jahr) war sie in Berlin. Frank- furt a. M., Stuttgart, Straßburg, Dresden, Leipzig, Hannover, Bremen, Aliona, Düffeldorf, Darmstadt, Amsterdam. London, Wien, Briiffel, Liverpool, Edinburo, Stockholm, Christiania u. a. O. Mäßist hoch(etwas über 20,0 pro Mille) in Köln, Magdeburg. Nürnberg, Chemnitz. Mannheim. Kopenhagen, Paris, Glasgow. Hohe Sterblichkeiisziffern(über 35,0 pro Mille) wurden auS keiner deutschen Stadt gemeldet.— Unter den Todesursachen kamen Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinder ,n normalem Verhältniß zum Vorschein, nur au« Ham- bürg, Königsberg, S e tin, London, St. Petersburg, Warschau werden etwoS mehr Todesfälle an diesen Krankheiten gemeldet, als in der vorhergegangenen Woche. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit blieb auch in dieser Woche eine geringe: von je 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr be- rechnet, in Berlin 54. in München 93 Säuglinge.— Akuie Entzündungen der AihmungSorgane führten im Allgemeinen etwas seltener zum Tode.— Von den Infektionskrankheiten wurden nur von typhösen Fiebern und Keuchhusten weniger von Masern, Scharloch und Diphtherie mehr Todesfälle als in der Vorwoche zur Meldung gebracht. So blieben Todes- fälle an Masern in Paris in gleicher Zahl wie in der Vor- woche, nahmen aber in Brünn, London, Warschau, St. Peters- bürg zu. Erkrankungen kamen in Berlin, Breslau, Wien sei- tener, im Regierungsbezirk Erfurt und in Petersburg häufiger zur Anzeige. Das Scharlachfieber hat in Berlin und London weniger, in Breslau. Königsberg, Liverpool, Warschau, St. Petersburg mehr Opfer gefordert. Neue Erkrankungen waren in Berlin und Edinbura seltener, dagegen in Hamburg, Brek- lau, Kopenhasten, Stockholm, St. Petersburg zahlreicher.— Die Sterblichkeit an Diphtherie und Kroup war in Berlin, Breslau, Frankfurt a. M, Stettin, Nürnbera, Hamburg, Wien eine kleinere, in Altona, Kiel, Posen, München, Dresden, Leipzig, Mainz, Braunfchweig, Praa. Pest, Kopenhagen, Paris, Amsterdam, London, Warschau, St. Petersbu-g. Christiania eine größere. Neue Erkrankungen kamen aus Berlin. Breslau, Nürnberg, dem Regierungsbezirk Schleswig, aus Pest, Koven- Hägen, St. Petersburg in vermehrter, aus Hamburg und Cbri- ftiania in verminderter Zahl zur Berichterstattung.— Sterbe- fälle an Unterleibstyphus nahmen in Berlin� Hamburg. Paris ob, in Magdeburg, Pest, London, St. Peters- bürg, Warschau zu. Erkrankungen gelangten in Berlin und Kopenhagen weniger, in Hamburg, Pest, St. Petersburg häufiger zur Mittheilung.— An Fleckiyphu« wurden aus Krakau 1, aus London und Warschau je 2 Todesfälle, aus St. Petersburg l Erkrankung gemeldet, an epidemischer Genick- starre au« den Regierungsbezirken Düsseldorf und Schleswig sowie aus St. Petersburg je 1 Todesfall, aus Nürnberg und au« den genannten Regierungsbezirken je 1 Erkrankung.— Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut kamen in keiner größeren Stadt in nennenSwerther Zahl als Todes- Ursachen vor.— Dem Keuchhusten erlagen in Berlin, Paris und London weniger, in St. Petersburg und Warschau mehr Kinder, die Zahl der Erkrankungen war in Hamburg und Kopenhagen wenig gegen die Vorwoche verändert.— Aus London werden 2 Todesfälle an Tollwuth berichtet.— Ver- einzelte Todesfälle an Pocken kamen au« den Vororten Wiens, aus Prag, Rom, Odrffa, mehrfach aus Paris(4), Brünn(5), Warschau(31) zur Mrtiheilung; Erkrankungen nur au« St. Petersburg 4.— Ueber die Cholera in Mesopotamien verlautet, daß sie in Bassora erloschen, in Bagdad an Heftigkeit nachgelassen hat; dagegen hat sie in der Richtung nach Persien (Rescbt) an Umfang zugenommen. Dre sanitären Verhältnisse in Berlin waren auch in dieser Berichtswocke günstige, und die Sterblichkeit die gleich niedrige wie in der Vorwoche. Erheblich abgenommen haben Darm- katarrhe und Brechdurchfälle, besonders unter den Säuglingen, fo daß diesen Krankheiten nur 22 Säuglinge erlagen. Auch die Betheiligung des Säuglingsalters an der Sterblichkeit wurde eine geringere. Dagegen kamen akute Entzün- düngen der Athmungkorgane zahlreicher zum Vorschein, doch nahmen dieselben in der überwiegenden Zahl von Fällen einen günstigen Verlauf.— Unter den Jnfektionükran heilen wurden nur Erkrankungen an Diphtherie in gesteigerter Zahl zur Anzeige gebracht, während Erkrankungen an Scharlach. wiewohl noch immer häufig, doch gegen die Vorwoche in ver- minderter Zahl zur Meldung kamen und zwar am zahlreichsten in dem Stralauer Viertel und in der diesseitigen Luisenstadt, die Diphtherie außer in den'genannten Stadttheilen auch in der Rosenthaler Vorstadt und in der jenseitigen Luisenstadt. Er- krankungen an Masern und Unterleibstyphus waren selten. Er- krankungen an Kmdbettfieber sanken auf 6(von 11 der Vor- woche). Seltener kamen auch rosenartige Entzündungen des Zellengewebes der Haut zum Vorschein, wie auch Erkrankungen an Keuchhusten, welcher letztere auch nur in wenigen Fällen »um Tode führte. Rhermcui'che Beschwerden der Muskeln, sowie akute Gelenkrheumatismen zeigten in ihrem Vorkommen im Vergleich zu den Vorwochen keine wesentliche Veränderung. Nolheibericht. Am 7. d. M. Nachmittags fiel der Hausdiener Lehmann vor dem Haufe Unter den Linden 48—49 beim Absteigen vom Wagen und brach den linken Oberarm, so daß er nach der Universitätsklinik gebracht werden mußte. — Zu derselben Zeit wurde eine Frau mit ihrem Zjähcigen Sohn vor dem Hause Holzmarktstr. 21 von einem MLrtelwagcn überfahren. Beide erlitten anscheinend innerliche Verletzungen und wurden" nach der' PrivatkltnikiMarkuSstr. 1 gebracht.— Gegen Abend wurde ein Mann vor dem Hause Fruchtstr. 24 betrunken und mit mehreren stark blutenden Schnittwunden am Kopfe und am rechten Unterarm vorgesunden und noch dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht.— Abends fiel der Kutscher Blümel vor dcm Hause Pcenzlauerstr. 26 von seinem Rollwagen und qerielh mit dem Kopfe unter die Räder, so daß er schwere Quetschungen erlitt.— Zu derselben Zeit wurde auf dem Grundstück Perlebergerstr. 14 in einem Pferdestall die Leiche eines etwa 50 Jahre alten unbekannten Mannes auf- gefunden und nach dem Schauhause geschafft. Tlicntev. Iasef Kai«? trat am Montag Abend zum ersten Male als Demetrius im.Berliner Theater" auf. Diesem Auftreten find eine Reihe häßlicher Vorgänge hinter den Kouliffen voran- gegangen, bei denen Herrn Barnay, den Direktor, nicht die kleinste Schuld trifft. Genug üble Laune war Herrn Kainz anzumerken, als er die Bretter betrat. Er war im ersten Akte offenbar sehr wenig bei der Sache, seine Stimme war ver- schleimt, und seine Sprache klang müde und gelanr.weilt. Besser wurde eS erst, als er den ersten stürmischen Berlall seiner zahlreichen Bewunderer eingeheimst hatte. Er raffte sich aus und hatte gute Momente.— Ob Herr Kainz ein künstle- rischer Gewinn lür das.Berliner Theater" ist, läßt sich nach diesem ersten Abend noch nicht beurtheilen. Geritt�ks-Ieikung. Die Augelegeuhett de« Herr« v. Carfteuu-Lichter- felde scheint nunmehr zur Ruhe kommen zu sollen. Derselbe hat ein Rechtsgutachten des Rechtsanwalts Dr. R. Wolfs darüber eingeholt, welche Aussichten eine Schadenseriatzklage haben würde, welche er gegen diejenigen Beamten anstrengen wollte, durch deren rigoroses Versahren er geschädigt worden. Das Rechtsgutachten, welches Herr v. Carsten« jetzt der Ocffent- lichkeit übergeben hat. geht dahin, daß materiell ein Regreßan- spruch gegen den k. Bauroth Bernhardt juristisch und thatsäch- lich zu begründen sein würde, wenn nicht hier, wie in den Fällen, wo der Major Blume ersatzpflichtig gemacht werden könnte, nicht die Verjährung bereits vorläge.? Das Rechtsgutachten schließt mit dem Satze:„Demnach haben Sie Ihr Reckt, gegen die beircssenden Beamten vorzugehcn. verloren. Daß vom moralischen Standpunkte betrachtet, Ihre Ansprüche durchaus anders zu beurtheilen sind, darüber dürfte wohl nur eine Meinung bestehen."— Herr v. Carstenn entwickelt dann noch ausführlich die Gründe, welche ihn abgehalten, noch rechtzeitig sein« Regreßan spiüche gegen dre betreffenden Beamten geltend i' machen. Diese Auseinandersetzung ist so lehrreich, daß einipe Sätze daraus wohl verdienen, festgenagelt zu werden. Hen n. C. sagt:„V'etr Jahre habe ich damit vergeudet, vom Reichstage, vom Kaiser, vom KriegSmir.isterium, eine unpai- tensche Kommission zur Feststellung meiner Schaden- ersotzanlprüche zu erbitten— allein vergellich. Die an deii Kaiser gerichteten Eingaben gehen regelmäßig an bei K'iegsministerium zur Berichterstattung, also an diejenige Behörde, über deren Organe ,ch mich beschwere. Wie deie' Bescheid lautet, kann man sich leicht vorstellen. Zuweilen schien eS, als ob das Kncasministerium geneigt wäre, eine güilicie Ausgleichung der Differenz HirdeizusüHren: es erklärte, daß. solange ich noch vermeine, ngcnd welche Ansprüche an da« Ministerium zu haben, mir Hilfe nickt gewährt werden könne- Mein Veitreter erwiderte hierauf, daß ich bereit sei, Zug um Zug gegen die mir zuzubilligende AlfindungSsuwme auf meine sammtlichen Ansprüche gegen den Fieku» zu verzichten. Ja' dessen auch da:auf wollte doS Kriegsministerium nicht ei»- gehen, sond-rn verlangte einfach einen unbedingten Ve" zickt. Gedrängt durch meine Nothlage, habe ich aucb diese Verzichterklärung abgegeben; allein, nachdem das kpl. Kriegsministerium diese erlangt halte, erklärte dasselbe, eS wolle mit mir überhaupt nicht verhandeln. Inzwischen wurden for" während gerichtliche Schritte vom KnegSministerium gegen mich unternommen. Die Grundstücke, auf denen ich die geleistete» Kautionen hypothekarisch hatte eintragen lassen, wurden sud- hastirt und nachweislich theilweise zum 50sten Theile ihre« wirklichen WertheS vom Kriegeministerium erworben, so daß die Hypotheken ausfielen, ich die Hypothek verlor und zugleich noch der Schuldner des Kriegsministeriums aus den aus- gefallenen Hypotheken blieb. Herr van Carstenn be- hauptet schließlich, daß dz» zum Eintritt der Verjährung die Beamten der Bauoerwaliung die gegen sie erhobene«! schweren Beschuldigungen ruhig hingenommen haben und da« dann dir bekannte Strafprozeß angestrengt wurde, der iiiki Herrn v. C. durchaus günstig ausgefallen ist. Herr v. Cor»! stenn. der immer wieder vor allen Dingen eine unparteiische Untersuchung fordert, verweist nicht unzutreffend darauf, daß, als rm Palais des Reichskanzlers gewisse bauliche Unzutiäz» lichkeiten zu Tage traten und als im Ministerium des Jnnei» Siuck von der Decke gefallen war, ohne weiteres parlamentarische UntersuchurgS-Kommisfionen niedergesetzt morden sind. Gin bemttleidenswerthe« Individuum stand in if Person deS aus Grünberg in Schlesien gebürtigen Arbeiter«! Ernst Wilhelm Vogel gestern vor der ersten Strafkammer f1 Öanbgeridit 0. Der wegen schweren Diebstahls angeschuldigt' junge Mann gilt als gewohnheitsmäßiger Verbrecher und wegen Einbruchs schon mehrfach vorbestraft. Er legte der«'« willig folgendes Geständniß ab: Am 12. April d. I. kam durch das Torf Meikun, a!s es ihm einfiel, in ein Haus ei»- zubrechen. Mit einer zur Hand liegen den Forke brach er die Kramme aus der Hausthür, in der Stube schlug«r mit einem Beile die Thüre eines KleiderspindeS ein. entwendete sodann aus demselben Krarken- und Sterbekass«" QaittungSbücher und eine Feuer-VersicherungS-Polize netR 7,50 Mark baaren Geldes. Damit ging er seiner Wege, wm de ober verfolgt, ergriffen und in das AmtSgerichtsgesängniß"> Nauen emgeliesert. Diesem Geständnisse nach wäre die Sack' sehr einfach gewesen, aber ein Umstand hatte es erforderlich macht, daß drei medizinische Sachverständige über seinen Geistes zustand vernommen werden mußten. Am 17. April nämlich 5 Tage nach dem Einbruch, verfiel der Gefangene in Tobsvtl und demolirte die ganze Zelle, in der er sich befand. Der her- beigerusene KreiSphysikuS Dr. Rrimcke fano den Tobsüchtig.» in einer Verfassung, die jede Möglichkeit einer Simulatio» ausschloß, das Gesicht kirschroth, der Ausdruck wir», dos Auge stier und mit Blut unterlousev. DoM Remicke sprach sich nun dahin aus, daß der Angeklagte»» schweren epileptischen Anfällen leidet und zwar schon se' seinem zehnten Lebensjahre. Er leide dann zeitweise>- Störungen seiner geistigen Thäligkeit und es fei wohl möglich daß er alle Verbrechen unter dem Einflüsse der vermindert«» Geistesthätigkeit begangen habe. Professor Dr. Mendel hat de» Angekmglen ebenfalls untersucht. Er hat zwar denselben nid' während eines Anfalle« beobachten können, aber da« Vo»' handcnsein der Epilepsi- konstatirt. Beide Sochvetständlg' halten die Möglichkeit für naheliegend, daß die epilep' tischen Ansälle sich schon lange vor ihrem EinNill insofern ungünstig äußern, als die WillenSbestimmunli eine beschränkte oder ganz aufgehoben ist, währe»! der Kranke seine gewöhnliche Thätigkeit anscheinend ganz zweck- mäßig erfüllt. Geh. SanilätSrath Lewin bezweifelt, daß sickl die Vorwirkungen eines Anfalles schon fünf Tage vorh-'» äußern. Der Gerichtshof nahm nicht an. daß der Kranke"» Augenblicke der That sich im gestörten Besitze seiner Geiste»' thäligkeit befunden habe, was ihn straflos machen konnte- Keiner der Aerzte habe bestimmt erklären können, daß der Ar- geklagte in jenem Augenblicke unzurechnungtsähiq war. E§ Hab» daher auf 2 Jahre Zuchthaus, Ehrverlust und Polizeiaufnch' erkannt werden müssen; dabei werde sich wohl G.leg-nhe'l finden, den Angeklagten noch eingehender zu betrachten,(ll) 1 Gntfcheiduugr» des Reichsgerlchl».(Nackd-uck ve»' boten.)(D ervorzeitig ausgestellte Tobte»" schein.) In einem Dorfe bei Tutzing war am 25. Mai v. J-- Abends 9 Uhr der Ockonomiepächler Leopold B. nach lange»» Siechlhum gestorben. Der Arzt, welcher ihn während sein>» Leidens behrndelte, war, als er den Kranken im Laufe»»* erwähnten Tages besuchte, sicher, daß er die nächste Nacht nick' überleben werde, und er wußte auch ganz genau, an weicht Krankheit der Mann, wenn er todt war. gestorben sein wür»»- AlS daher am 26. Mai Morgen« 7 Uhr der 2ljährige Soh» Peter des erwähnten B. zum Dr.Beifele nach Tutzing kam, w»' der letztere gar nicht überrascht, zu hören, daß B. gestorben sei. D»- B.. dem dre amtliche Pflicht übertragen ist, in seinem Bezirke d'' Todtenschau zu beiorgen und Todtenscheine auszustellen, w»» nun bereit, um 1V Uhr an Ort und Stelle die Todtensch»* auszuführen, wollte aber dem jungen Manne, der den Todt«»- schein in Tutzing zum Pfarrer und zum Bürgermeister lco�» mußte, nicht znmuthen, den weiten und schlechten Weg zwcin»»' zu machen. Er stellte daher sogleich einen Todtenschein aus, i» welchem er bekundete, daß er am 26. Mai 1888, Vormilto? 10 Uhr, die Todtenschau an dem verstorbenen A ausgeführt habe. Er sagte dann dem jungen B., � möchte den Schein schon jetzt an sich nehmen und sich bis � 10 Uhr die Zeit vertreiben: nachher könne er damit zum Pfair»» und Bürgermeister gehen. Peter B. hörte dies und gab dur>! kein Wort zu erkennen, daß er es nicht so machen werde. ihm gesagt war. Wahrscheinlich ist ihm der Giund, den Dr. halte, gar nicht zum Bewußtsein gekommen, denn kaum h»'� er den Schein in der Tasche, so graa er damit— es war frr| nach 7 Uhr— zum Pfarrer und Bürgermeister. Natü lich r eS auf. daß um 7 Uhr schon eine Thatsache beurkundet w»�' welche erst um 10 Uhr stattgefunden haben fottie,"" da Gewissenhaftigkeit eine der Haupltugenden öffe». licher Beamten sein muß. so war eS kein Wunder, daß Staatsanwaltschaft von dieser vorzeitigen Bemkun dring Ke»»' niß erhielt und gegen Dr. B. Anklage wegen fälschlicher A* fertigung einer öffentlichen Urkunde erhob. Bemerkt muß>Z, allerdings werden, daß Dr. B. Punkt 10 Uhr im Todt-nh»»' war und alles das ihat, was er vornweg schon im To>'�. sch-.ine vermerkt halte. DaS Landgericht München ll eioch�, indessen die Anklage für unbegründet und sprach in der S>v� vom 16. Mai d. I. den Dr. B. von Strafe und Kosten AuS der interessanten Begründung des Urthals'f".,, wir die folgenden hauptsächlichsten Stellen hier fo'ß Objektiv enthält der Schein niil ts Falsches. Es stand aller- dings schon vm 7 Uhr darin, daß die Todtcnschau um 10 Uhr ausgeführt fei, aber dies war ja auch in der That der Fall. Nun wirft man dem Angcllagten vor, daß er den Schein aus den Händen gegeben, ehe er die Todtenfchau vorgenommen hatte. Es kommt aber in Betracht, daß er den Willen und den Vorsatz hatte, die Amtshandlung um 10 Ubr vorzunehmen. Das Bewußtsein, daß er die rechts erhebliche Thatsache falsch beurkundet habe, kann ihm also nicht imputirt werden, um so mehr, da er den Entschluß auch pünktlich ausgeführt hat. Um 7 Uhr war allerdings noch nichts zu beurkunden, denn zede Beurkundung seht etwas bereits Geschehenes voraus.©oU ein zukünftiges Ereigniß in einem Schiiftstücke festgestellt werden, so ist dies keine Beurkundung. Der gutgläubige Aussteller einer Urkunde kann daher eine Urkunde über Kunf- tiges immer nur vorbereitend als Entwurf her- stellen. Der Angeklagte ist nun ein gewissenhafter Beurkunder, und das fragliche Schriftstück muß als lolcher Eni- wurf angesehen werden. AuS einem Entwurf, einer vorbereiteten Urkunde wird ober eine wirkliche Urkunde, sobald die Handlung, welch- niedergeschrieben ist, ausgeführt ist und so- bald die schriftliche Darstellung dem wirklichen Hergange ent- spricht. Hier wird Bezug genommen auf eine frühere Entschei- dung des Reichsgerichts, worin gesagt ist, daß ein Briefträger, der vornweg ein Formular ausfüllt in der Erwartung den Adressaten einer Sendung zu Haufe anzutreffen, keine Urkunden- fälschung begeht. Außerdem hat, so fahren die Gründe fort, Dr. B. dem Peter B. die Beschränkung auferlegt, daß er den Schein erst nach der wirklich erfolgten Todtenfchau benutzen solle. Er konnte»ch der Hoffnung hingeben, daß der junge Mann thun würde, was er ihm gesagt hatte, denn derselbe deutete mit keiner Miene an, daß er das Geaentheil thun werde. Man kann also nicht sagen, daß Dr. B. sich bewußt war, eine falsche Urkunde ausgestellt zu haben. In dem Augenblick, wo er von der Urkunde Gebrauch machte, indem er sie dem Peter B. über- gab, hatte er keinen Grund zur Annahme, daß der Inhalt unrichtig sei. Der Angeklagte war daher wegen des Mangels eines nothwendigcn Thatbestandsmerkmales steigefprochen.— Mit diesen Ausführungen war der Staatsanwalt Braun nicht einverstanden und er legte deshalb Revision gegen das Urtheil ein, welche heute vor dem ersten Strafsenat des Reichsgericht» zur Verhandlung kam. Als Mann von gesunden Sinnen, so hieb es in der Revisionsschrift, konnte sich der Angeklagte unmöglich bewußt sein, daß die Urkunde richtig sei. DaS Urtheil nennt die Urkunde einen Entwurf. Dies könnte vielleicht richtig fein, wenn Dr. B. das Schriftstück nach der Anfer- tigung in seiner Verfügungsgewalt behalten hätte. Dies hat er nicht gethan, und die Beschränkung, welche er dem Peter B. auferlegte, war belanglos. Wie wäre denn die Sache gewesen, wenn Dr. B. durch plötzliche Krankheit ver- hindert worden wäre, um 10 Uhr die Todtenfchau vorzunehmen? — Reichsanwalt Hofinger war nicht in der Lage, die Revision zu vertreten, da sie, wie er bemerkte, an den vom Landgericht g-trcffenen lhatfcchlichen Feststellungen, gegen die da» Reichs- geeicht nichts ausrichte» kann, scheitern müsse. Bedenklich sei allerdings, so sagte er, daß der Angeklagte die Urkunde vor- zeitig aus den Händen gegeben habe, aber nach den Feststellungen des Gerichts sei er vollständig sicher gewesen, daß er das Beur- krndete richtig ausführen werde, und dies schließe eben das Bewußtsein von einer strafbaren Handlung aus.— Das Plaidoyer des Vertheidigcrs, Rechtsanwalt Frcytag II von hier, bewegte sich in derselben Richtung.— Dementsprechend wurde die Revision oes Staatsanwalts verworfen. Sozisle Ueberftrhk. Achtung! Da der partielle Streik in der Kistenfabrik von H- Schalling, Görlitzer Ufer 21—23, ausgebrochen ist, so er- suchen wir den Zuzug fern zu halten. Die Kommission der Berliner Kistenmaeber. A« die 1. d. haben 8 Schwartz, Wallstr. 11, eingestelll. posamentier« Kerl in». Am Montag, den Mann die Arbeit in der Fabrik von Sachs und Vcrlmnmlungen. Die Arbeiter und Arbeiteriuue» in der Posamenten- brauche hieiten am Montag Abend in Scheffer'S Salon. Insel- straße 10, eine öffentliche Versammlung ab, die infolge der vorhergegangenen Flugblatl-Agitation, namentlich von Seiten ber Arbeiterinnen, sehr gut besucht war. Nach Wahl des Bureaus, bestehend aus den Herren Röhden, Fr. Vilain, Herrn G. Bcrger und Fr. Massuthe, erhielt Frau Ihrer das Wort zu ihrem Vortrage über die Frauenarbeit. Rednerin wies Ein- gangS ihrer Ausführungen auf die Nothwendigkeit einer häu- figen Diskussion der Frauenftage hin und b- tonte zugleich, daß man über die Frauenarbeit ausschließlich nicht sprechen könne, daß man dabei stet« die allgemeine Lage der Arbeiter berück- sichtigen müsse. Referentin beleuchtet hierauf eingehend die Entwicklung der Verhältnisse, die die Stellung der Frau in der Gesellschaft von Grund auf verschoben, die es möglich machen, daß jetzt die Frau mit Hilfe der Maschinen Arbeiten verrichten kann, die ehedem die Körperkraft de» Mannes kaum bewältigen konnte. AuS diesem Grunde fei ein Verbot der Frauenarbeit nicht den Verhältnissen ent« sprechend. Auch der Grund, daß die Frauenarbeit eine Kon- kurrentin der Männerarbeit sei, falle in sich zusammen; denn «rstere sei nur so lange eine Konkurrenz der letzteren, als sie billiger fei, als diese. Man müsse also gegen ein Verbot der Frauenarbeit Front machen, ebenso wie gegen den Theil der Arbeiierschutzgesetzgebung, der ein Verbot der Sonntags- und Nachtarbeit für Frauen fordere-, denn dies bedeute nichts als «ine Verkürzung der Lebensration der Arbeiteiin. Ebenso bedeute die Forderung der Entfernung der Arbeiterin aus ge- fundheitsschädlichen Betrieben nichts als eine RcchtSveischiebung hinsichtlich deS Willen» der Frau. Die Nacht-, die Sonntags- und die Arbeit in gesundheitsschädlichen Betrieben sei für beide Geschlechter gleich schädlich, sie müsse auch für beide Geschlechter gleich bekämpft werden. � Eher müsse man für eine Erweite- rung der Erwerbsquellen für die Frau eintreten. Die»höheren Berufe", Untverfitätsstudium, Beamtenlaufbahn müßten für sie erschlossen werden, so wie für die produktive Arbeiterin durch Einführung eines MaximalarbeitetageS Raum gegeben werden müsse. Sei dies durchgeführt, dann werde auch bald die Heu- tigc Erziehung fallen, die daraus hinausgehe, das Mädchen so ■früh ais möglich unter die Haube zu bringen. Dann werden die Ehen auch nicht mehr so korrupt sein, wie jetzt. Rednerin spricht sich hierauf entschieden für ein Verbot der Gefangniß- ■arbeit und der„Arbeit" derjenigen Damen aus, die ihren Ver- dienst als„Nadelgeld" betrachten. Beides drücke die Löhne bedeutend. Sie tritt dagegen warm für einen Noimalarbeit«- sag, für Verbot der Kinderarbeit und Anstellung von we>b- uchen trablikinspektoren ein, die speziell der Frauenarbeit ihre Ausmerkiamkeii widmen sollen. Dann müsse man aber auch denselben Lohn, wie die Männer haben, für gleiche Leistung beanspruchen. Dies sei unbedingt nöthig, wenn man bedenke, daß die Arbeiterinnen in der Posamentenbranche 6— 12 Mark wöchentlich bn lOitündiger Arbeitszeit verdienen. Auch müsse Abhilfe in Betreff der ungeregelten Arbeitszeit geschaffen werden. Während in der faulen Zeit nur halbe Tage ge- arbutct würbe, müßten während der Saison viel Ueberstunden gemacht werden. Als Mittel zum Zweck empfiehtt Referentin eine stramme Organisation, die die Aibeiterin ebenbürtig neben den Mann stelle.(Berfall.) Die Diskussion war eme recht leb- hafte. Herr Boges tritt ebenfalls für die Gründung eines Fachvereins ein, der ein Arbeitsnachweisbureau eröffnen müsse. Dagegen steht er mit dem Referate insofern in Widerspruch, als er ein Verbot der Arbeit von Frauen am Handwebftuhle aus sanitären und sittlichen Gründen wünscht. Herr Hoffmann. Halle a. S., tritt letzterer Ansicht entschieden entgegen. Sei diele Arbeit ungesund, bekomme der Arbeiter dabei die Schwindsucht, warum soll'e die Arbeiterin davor ge- schützt werden und der Arbeiter allein bluten. Auch in mißlichen Verhältnissen erkenne er den Spruch an t„Gleiches Recht für Alles, was Menschenantlitz trägt". Besser als ein Verdrängen der Arbeiterin fei, dieselbe zu sich heranzuziehen. Ueberhaupt sollten die Arbeiter mehr darauf sehen, Genossen in ihrer eigenen Familie zu werben. Nur wenn die Arbeiterin mit dem Manne stehe, sei eine Be- freiung deS Volkes aus den Fesseln deS Kapitats möglich: dann werde auch das Lassalleanssche Wort zur Wahrheit wer- den:„Schon höre ich den Massenschritt der Arbeiterbataillone!" (Rauschender Beifall.) Die weitere Diskussion drehte sich hauptsächlich um diesen strittigen Punkt. Von den Rednern, die derselben Meinung waren, wie Herr Hoffmann, wurde noch gegenüber der Behauptung ihrer Meinungsgegner, daß die Frau schwere Arbeit nicht verrichten könne, darauf hin- gewiesen, daß in Böhmen, Ober-Schlesien und im Rheinland Frauen als Steinträgerinnen arbeiteten, daß in Breslau sieben Handftuhlarbeiterinnen wegen 40jähriger Arbeit in einer Fabrik prämiirt worden seien. Nach einem Schlußwort der Reserentin wird folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heute in Scheffer'S Salon tagende öffentliche Versamm- lung der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Posamentenbranche erklart sich mit der Referentin einverstanden und verpflichtet sich gegen die Ausbeutung des Kapitals energisch Front zu machen. Sie erkennt in der Organisation nur das einzige Mittel der Besserstellung sämmtlicher Arbeiter und Arbeite- rinnen." Hierauf wurde eine Kommission von 5 Arbeiterinnen: Frau Vilain, Frl. Beriha Arlt, Frau Massuthe, Frau Fleck und Frl. BudowSki gewählt, die die nölhigen Schritte zur Anbahnung einer Organisation thun soll. Unter„Verschiedenes" wurde auf den bei Sachs u. Schwartz ausgebrochenen Streik aufmerksam gemacht und vor Zuzug gewarnt. Gine große öffentliche Urrjammlung aller Kild- Hauer Kerlin» tagte, von gegen 1000 Personen besucht, am Montag Abend in Sanssouci. Die Tagesordnung war die folgende: 1. Wie stellen sich die Bildhauer Berlins zur Ver- kürzung der Arbeitszeit? 2. Wie verhalten sich die Älldhauer zur Abschaffung der Akkordarbeit.— Ueber beide Punkte referirte, nachdem der zum ersten Vorfitzenden erwählte Herr G u d a die Versammlung eröffnet hatte, Herr D u p o n t. Er führte aus, daß es auch für die Bildhauer die höchste Zeit sei, die Verkürzung der Arbeitszeit, sowie die Abschaffung der Akkordarbeit einmal, wie bieg schon von fast allen anderen Gewerkschaften geschehen, ins Auge zu fassen. Er führte aus, daß seit nunmehr 2 Jabren sich die Verhältnisse für den Ar- beiter überhaupt, im Besonderen auch für den Bildbauer höchst ungünstig gestaltet haben. Da nun heut zu Tage Jedermann sich sozialpolitisch beschäftige, wisse man auch au« den allbekannten und oft ausgeführten Gründen, daß Verkürzung der Arbeitszeit auch Erhöhung des Lohnes, Ver- besserung der Lebenshaltung des Arbeiters überhaupt, bedeute. Die Verkürzung der Arbeitszeit sei deshalb die vornehmste und wichtigste Ausgabe auch der Bildhauer. Redner widerlegt die aufgestellte Bchmipiung, daß die Berliner Bildhauer schon gegenwärtig im Allgemeinen lediglich noch 9 Stunden arbeiteten. Habe man die Forderung der nur neunstündigen Arbeitszeit durchgesetzt, könne man vorläufig auch bei den Bildhauern zu- frieden sein. Auf die Frage der Akkordarbeit übergehend, be« tonte Referent, daß dieselbe im Gegensatz zu der Frage der Verkürzung der Arbeitszeit eine rein mterne, eine ausschließlich gewerkschaftliche sei. Auch im Bildhauerberuf, ganz speziell in der Holzbildhauerei, sei das Akkordarbeiten eine so ungeheure Kalamität, daß endlich Front dagegen gemacht werden müsse. Redner plädirt in Bezug auf Abschaffung der Akkordarbeit für den Wochenlohn im Gegensatz zu dem Stundenlohn. Referent ist der Meinung, daß, wenn die beiden gestellten Forderungen durchgesetzt werden, auch der anzustrebende Minimallohn von 20 M. bald erreicht werde. In Breslau sei in einer hervorragenden Fabrik ein Minimallohn von 15 M. festgesetzt worden, da seien für Berlin 20 M. im Minimum gewiß nicht zu hoch.(Rufe:„Vrel zu wenig! 25 Mark!") Vortragender empfiehlt die folgende Resolution der Beach- tung der Versammlung: „Die Versammlung erkennt an, daß die gegenwärtig im Bildhauergewerbe vorhandenen Schäden, hervorgerufen durch zu lange Arbeitszeit und übermäßige Ausnutzung der löge- nannten Akkordarbeit derartig angewachsen find, daß eine Besse- rung der Verhältnisse unumgänglich nothwendig ist. Die Ver- sammlung beschließt deshalb: 1. Mit allen Kräften für die sofortige Einführung einer neunstündigen täglichen Arbeits- zeit einzutreten. Vor 7 Uhr Morgens ist nicht anzu- fangen, eine Mittagepause von mindestens Itz Stunde ist mne- zuhalten. Die Arbeitszeit soll sein: Von Morgens 7 bis 12 Uhr; von 2 bis 6 Uhr; //*' i„ 1 2„„ Itz„ 6„ „„ 8 ,, 12 ,,„ 1f„ ,, Die nolhwendigen viertelstündigen Frühstücks- und Vesper- pausen sind da, wo schon im Lohn gearbeitet wird, mit«inzu- rechnen; 2. eine Kommission von 7 Personen zu wählen, welche die Vorarbeiten in die Hand nimmt zur Durchführung der Forderung: gänzliche Beseitigung der Akkordarbeit und Einfüh- rung der Wochenlöhnung oder Stundenlöhnung." Es ward in der Diskussion angeführt, daß stellen- weise noch Morgens 6 Uhr zu arbeiten begonnen wird und man oftmals noch mit einem Wochenlohn von 9— 12 M. zu- frieden ist. Herr W e st p h a l als Prinzipal legt feine Meinung und, wenn auch nicht offiziell, die Ansicht seiner Kollegen aus. Er glaubt, daß dieselben sowohl mit der Verkürzung der Arbeitszeit als auch mit Abschaffung der Akkordarbeit voll und ganz einverstanden sein werden. Redner glaubt, die Einführung der Akkordarbeit werde unter den Ge- Hilfen selbst die stärksten Gegner finden. Redner ist der Mei- nung, daß von Abschaffung der Akkordarbeit die Selbst- ständigen selbst großen Vorlheil haben würden. Er ist für den Stundenlohn als das NLchstzuerreichcnde.— Nach längerersich bis nach Milternacht hinziehender Debatte wird die Resolution gegen 2 Stimmen angenommen und darauf die in derselben benannte siebengliedrige Kommission gewählt.— Eine weitere Resolution, am 1. Mai 1890 den Ächtstundentag einzuführen und eine Kommission zu erwählen, welche durch emzuberukende Versammlungen die große Masse der Arbeiter zu diesem Welt- tag vorbereiten soll, ward abgelehnt.— Der von der Entsendung eines Delegnten auf den Antheil der Bildhauer gebliebene Ueberschuß wird dem„Achtstundentag" überwiesen.— Noch ist folgende R e s o l u t i o n eingegangen:„Die Versammlung der Bildhauer stellt sich auf den Boden der allgemeinen Arbeiter- bewcgung in sozialpolitischer Hinsicht und erklärt, die Albeiter- blatter„Berl. Volksbtatt" und„Berl. Volks- Tribüne" durch reges Abonnement zu unterstützen" ward zur Beherzigung ge- geben und nach Erledigung einiger internen Angelegenheiten die Versammlung geschlossen. Für lämmtliche Zimmerleute Kerlius«ud Um- gegen» war zu Montau, den 7. d. M, eine öffentliche Ver- sammlung nach dem Böhmischen Brauhause einbeiufen worden zur Erledigung folocnder Tagesordnung: I.Stellung- nähme zu dem Beschluß unserer Arbeitgeber, 50 Pfg. Stundenlohn und zehnstündige Ar- beitszeit einzuführen. 2. Regelung derFrage, welche Organisation ist ferner von den Z'w. merern für Berlin und Umgegend als maß- gebend zu betrachten. 3. Verschiedenes. Die Versammlung halte den großen Saal nur zur Hälfte gefüllr. D�e Bureauwahl verursachte einige Schwierigkeiten, mit großer Majorität wurden in dasselbe schließlich die drei Beauftragten, Kameraden Jäckel, Stehr und Leonhardt gewoht. Zur Tagesordnung beantragte Kamerad Papst, den zweii.n Punkt als ersten*u verhandeln. Die Veriammlung lehnte die!en Antrag ab. Zum ersten Punkte äußerte sich Her Jäckel dahin, daß seit dem 1. Oktober seitens der Aibeitgeber ein ge- walliger Druck zu verspüren sei, den Stundenlohn he. abzudrücke« und daß sich auf jener Seite dos Bestieben kundgebe, im nächsten Frühjahre die zehnstündige Arbeitszeit einzuführen. Das nächste Frühjahr würde die Zimmerleute vor die Alter- native stellen, abermals zu einer Bewegung zu greifen, um da» Errungene zu sichern. Demzufolge forderte der Vorsitzende die Versammlung auf. sich auszusprechen, wai den Beschlüssen der Arbeitgeber gegenüber geschehen solle und erinnerte daran, daß, wo es sich um die Existenzfrage handle, die Einigkeit in keiner Weise gestört werden dürfe. Bei einer zehnstündigen Arbeits- zeit und einem Stundenlohn von 50 Pf. würde es nicht bleiben. Da es sich bald darum handeln werde, den acht- ständigen Arbeitstag in Angriff zu nehmen, um dem brotlosen Proletariat Arbeit und Verdienst zu verschaffen, sei e« Pflicht aller Zimmergesellen, den neunstündigen Arbeitstag hochzuhalten. In der folgenden Diskussion trat Herr Hugo Lehmann dafür ein und beantragte, daß bei denjenigen Arbeitgebern, welche den traurigen Muth besitzen sollten, den Gesellen den Stundenlohn von 60 Pf. zu kürzen oder die neunstündige Ar- beitszeit zu verlängern, sofort die Platzsperrc*u eröffnen ist. Herr Sertzt fand es komisch, kurz vor der Winterfaison an eine Verlängerung der Arbeitszeit und eine Kürzung des SwndenlobnS zu denken. Er hielt dies nur für einen Wir k mit dem Zaunvfahl seitens der Arbeitgeber, das kommende Frühjahr betreffend, und ermahnte, gegen jede Ausführung dieses frommen Wunsches energisch Front zu machen. Kamerad Leonbardt empfahl seinerseits energischere Agitation ans den Plätzen. Kamerad G e f f r o q bezweifelte, daß feiten« der Arbeitgeber ein vorgedachter Beschluß gefaßt worden sei, er hielt dies nur für einen Hetzartikel von Onkel Felilch, rieth von einer besonderen Beschlußfassung ab und schloß sich dem An- trage Lehmann an. In der weiteren Diskussion wurde mit- getheilt, daß Herr AranS den Reigen der Jnnungsmeister rn- direkt eröffnet babe, indem er bis auf einige Postengesellrn, Burschen und Indifferente seine„Leute" entlassen habe, in der jedenfalls Zuversichtlichen Erwartung, daß er genug G-- fellen zu 50 Pf. Stundenlohn bekomme. Und dies fei, wie Kamerad Stehr meinte, nur zu sehr der Fall. Er bekämoste den Antrag Lehmann, weil die Sammlungen zu wenig er, brächten. Kamerad Müllerstein(Hamburg) ermunler'e die Berliner Zimmerleute zu muth aoller Abwehr aller Angriffe seitens der Aibeitgeber. Nur müßten sich dieselben den Wi"«r über zur Genüge kräftigen. Die Arbeitgeber seien wohl in der Lage, ohne Schaden die Forderungen der Gesellen zu erfüllen. Was ihnen abgerungen worden ser, suchten sie nun unter Be- Nutzung der Winterszeit wieder einzubrinaen. Redner ermahnk-, alle Hebel in Bewegung zu setzen, den Meistern den Willen nicht zu tbun. Die Berliner Zimmerleute hätten sich zwar in der diesjährigen Lohnbewegung heldenmüthig erwiesen, nur hätten sie verabsäumt, das Gewonnene zu behaupten. Nach- dem noch die Kameraden Krause und Petermann gesprochen hatten, gelangte folgende Resolution gegen zwei Stimmen und folgender Antrag einstimmig zur Annahme: 1. Resolution. Die heute, den 7. d. M., tagend« öffentliche Versammlung der Zimmerleute Berlins m d Umgegend beschließt, an den in diesem Frühjahre auf- gestellten Forderungen der Zimmerleute Berlins und Umgegend unbedingt festzuhalten und zur unbedinoten Durchführung zu bringen und die Beschlüsse der In- nung mt sc,» zu legen in der festen Abficht, im kotr- Menden Frühjahre die neunstündige Arbeitszeit unbedingt zur Durchführung zu bringen. 2. Anirag. Die heutige Versammlung beschließe bei denjenigen Arbeitgebern die Plrtzsperre sofort vor» zunehmen, welche den Stundenlohn zu kürzen und die Arbeitszeit zu verlängern suchen sollten, sofern zwei Drittel der Gesellen des Platzes einverstanden find. Nach Annahme dieses Beschlusses forderte der Vorsitzende zu ergiebigeren Sammlungen auf, als es bisher der Fall war. Nachdem trat die Versammlung in die Erörterung de« zweiten Punktes der Tagesordnung ein. Möge be- schloffen werden, was da wolle, so ermahnte der Vorsitzende. den gefaßten Beschlüssen sich zu sügen. Die Rednert.sle, als sie durch Belchluß der Versammlung geschlossen wurde, wi.S nicht weniger als 20 Namen auf. Die Hauprfrag-, welche er- ortert wurde, war die, ob zenlral«, ob lokale Orgonisa'ion, welche von den Rednern in breitester Weise behandelt wurde Mit zur Debatte wurde folgende Resolution gestellt: „Die heute den 7. Oktober 1889 tagende öffentliche Generalverscmmlung der Zimmerer Berlin« und Um- gegend beschtirßt: In Erwägung: Da der Verband deutscher Zimmer- leute resp. dessen Leitung korrumpirend auf die Zrmmrrer Berlins, sowie auf die Arbeiterbewegung im allgmeinen wirkt 1. dadurch, daß Herr Nix, ehemaliger Redakteur der „Zimmerkunst", der Polizei Dienste geleistet hat, trotz. dem aber nach wie vor Mitarbeiter dcS heutigen Zimmer er-VerbandS-OrganeS ist, 2. daß Herr Jäckel, Leiter des Lokalverbanbes Berkin und als Lertcr der drei Beauftragten, Kassirer des Generalfonds sowie Inhaber des ArbeitSnachweifts, persönlich mit Herrn Nir korrespondirt hat, 3. daß die Leiter des Verbandes die Anschuldigungen im Vereinsblatt Nr. 38 nicht in der Lage find, die- selben zurückzuweisen, 4. durch da« Vorgehen de« HauptvorftandeS sowie des Ausschusses gegen die Person de« Herrn Lehmann resp. dessen Ausschluß aus dem Verbände; In Erwägung dieser Gründe beschließt die heutige Ver- sammlung, das Vorgehen des ehemaligen Lokalveibande- Berlm-Nord anzuerkennen, indem durch die Neubcg'ün- dung der Frrien Vereinigung Berliner Zimmelleute und Umgegend gegen den Verband Front gemacht ist, und sich der neuen Vereinigung anzuschließen. gez. Petermann." Kamerad Bringmonn aus Magdeburg überreichte nach Schluß seiner sachlichen Ausführungen die beiven Nummer> des„Vereinsblatt", in denen er seine Anschuldigungen ge.cn den Verband deutscher Zimmerleute niedergelegt hat m't tnn Ersuchen, dieselben zur schleunigsten Kenntmß der Versamm- lung zu bringen. Diese beschloß die Verlesung ver belreffeate i Artikel, welchem Beschlüsse der Vorsitzende, Herr Jäckel, soforl nachkam. Nach Veilesang der Artikel bcantragle Kamerav Marzian, in Anbetracht der vorgeuickten Zeit und der über- aus hohen Wichtigkeit der Angelegenheit die Versammlung kj. vertagen und diese Angelegenheit in einer späteren Ver- sammlung zu erledigen. Dieser Antrag wurde abgelchal und demzufolge die Debatte weitergeführt, in welcher besonders Kamerad M u l l e r st e i n(Hamburg) die Anschuldigungen de« Kamerad Br r n g m a n n(Magdeburg)Zju entkräften bemüht war. Die AiSfuhrungen de« Kamerad M ü l l er st e i n nahmen wohl eine halbe Stunde für sich in Anspruch. Als Rebner ender«, war es 1 Uhr Nachts. Angesichts dieser vorgerückten Zeit und der Unmöglichkeit, die eminent wichtige Angelegenheit in er- forderlicher Weise»n Ende ztz führen, hielten es die Anwesenden trotz des besten Willens doch für angezeigt, die Biriammluug M««tagen, um die Debatte in einer späteren Versammlung Wieder aufzunehmen. «aldschmted- Deutschland»! Die Kollegen in Ham- turg find zusammen getreten und haben einen Verband der deutschen(Bold- und Srlberarbeiter und««wandten Berufs- genossen gegründet und als Stützpunkt und Agitationsmittel ein Fachoraan ,D« Goldarbeit«'«richtet und««breitet, wo- dmch dre Kollegen in einem längeren Aufruf aufgeford«t w«- den. in ihrem Jnt«csse au« d« bisher beobachteten Gleich. grliigkeit herauszutreten und sich zu organifiren und dem V«- dande beizutreten. Es werden dah« die Goldschmiede und BerusSgenossen BnlinS«sucht, in der am Dienstag. den ß. Oktober, Abends 8V Uhr, in Feuerstein'S Restaurant(ob«« Saal) ssattsindenden öffentlichen Goldschmiede- Versammlung Mann für Mann zu«scheinen, um dadurch zu bekunden, daß die Errichtung dies« Organisation eine Nothwendigkeit für das Goldschmiedegewerbe ist. Zugleich wird gebeten, für da« Organ „D« Goldarbeiter" in allen Werkftellen auf das kräftigste zu wirken und werden Abonnements u. f. w. in der Versammlung entgegen genommen. Alles Näh«e im Jns«atmtheile der Sonn abend- Nummer. Dn» erste Stiftungsfest des N er eins der Mäh- »Mphiii»«- und Handarbeiterinneu Berlin« und Um» aegend findet am 12. Oktober in Scheffer'S Salon, Jnselstraße Rr. iv, statt, unter der gütigen Mitwirkung d« Frau Prause, de« Fräulein Jakob, des Komikers Herrn Stein und verschie- den« and«« Henen. Billet« dazu sind noch zu haben bei Iran Gubela, Frieden straße 78, bei Frau Suman, Cuvryftrahe Nr. 50 4 Dr., bei Frau Prause, Böckhstroße 12 3 Dr., bei H«rn Gottfiied Schulz, Herrn Tempel, Herrn Gründel. Gleichzeitig machen wir die Mitglieder, welche beim Oktob«- Umzug ihe« Wohnung gewechselt haben, darauf aufmerksam, es d« Ka'firenn Frau Suman, Cuvrystrahe 50, oder bei Frau Gubela, F>i«denftraße 78 2 Tr., zu melden, damit die zu der Ärnnalversammlung zugeschickten Karlen richtig ankommen. Kroni»»-»»d Kterbrkass» der K»rttn,r Aa«»dt»»»r Sli Mole vkde, Mche Benerawerwmmmno am M>«n)o4 den 16. Ok'ober dl. 31, »dendß 9 Nhr. Äommandamenftc. 77-79. TageS Oidnung; 1 MtUheiluraen. S©ienellolirrtbtrlitt. 3. Sntrag de« vor» an de» bthul» Snichaffung eine» »ilera>klsorale». 4 Perschiedenei, Auffaae»nd Fraaekasten. Geot» Volk»v»rramn»lnnn am Mittwoch, den 9. ritbc, 8X Uhr. im Bdhmllche-I Braubadic, Lanoideraer Allee II— 13 Tage»- »dmds____ WWW______ »Smun»; 1. Wie stellen sich die Berliner Arbeiter zu den Stadtverordnelen. »adle»? R-ierent. Herr Echlihmach rmeiftcr Mehner. Korreferent. Herr Th. «1.(Te. ä. Dtikuision 3 Eventuell Wahl eine» Wahliomiteei.— Zur Deckung der Unkosten ftndel eine Zellerianrmiung statt. Der wichtigen Tagetordnung wegen wi d um zihireiche» Erscheinen ersucht ««lisch»«»s«Usch»st. Heute Mittwoch, Abend» 9 Uhr.«eneralv-r. icrmriilung bei Retber, Alte Iakodstr 83. Tagciordnung: I. Bicrteljahredbericht. n. 4z>gSizuna»wahlen. 3 Antrag, brmffend Abänderung de» Nomen». 4 Anna». detrefscnd die Geschästiordnung. 5 Verschiedene» Der höchst wichtigen T«�-»oldnung wegen ist e« durchaus nothwendig. dah jede» Mitglied pllnktltch <»ch»»r»i>» d«r Vupi«rl,rb»it»rin>,»»»nd»»rwandtre O»e»s»- iz»n»sst»»e«. Am Mittwoch, den 9. Oktober, Abend» 8 lldr. in Sahrn» Sokal. Annenftr. 16, Beifanrmiuna. Tagelordnung. I Vortrag de» Herrn kiri» Freudenreich über»Die Kulturausgaden der Menschheit". 2. Kossen- beUU 3. Nachwahl zum Vorstand. 4 Diskussion. 5. Verschiedene» und Krngekasten jp,r»in dar»»rlintr K«chdr«ck»r und Kchriftgi»6»r. Mittwoch. den 9. Otwbe-, Abend» 9 Udr, Verein«> Versammlung in Orscheid Salon, S'dastianft ane 39 T!ge»or dnuno: I. Verein»-M>lthcilungen 2. Tarif Ange- lesruheiten. 3 A t äi? Zerd. Prahm Leovold Lebmann und L. H. liiiesecke in Bezug eurf die Znöirulion der Maliner». lEiehe vorige Tagciordnung,) 4 Äeld- dnsUIianng der. 2c epbon-Anschluli der Verwaltung 3. Fragekasten. Air««» öffenrltni« yersrimiulung der Schmiede Kerlin« und hlm»»>,»d am Miltwcch, de» 9. Oktober, Abend» 8Zj Uhr, Im Lokale de» Herrn? ue stein. A'te Zakobftrahe 73, Voriraa de» Herrn Pirch über t, Licht- und Echarienieiten de» Groitapitai»" Um zablreiche» Erscheinen wird ersucht, Achtums! Kchu,i»»r O»rlt»>«! Grohe Schneider-Veilammiuna der freien Vcret, tgung der Schneider Berlin» am Dornerstaa. den 10 Ostoder, dendi 8si Udr. In Jordan» Solan, Neue Grünstiche 28 TagcSardnuna t I. Die Ziele der Arbiiterdeweaung. Rrserent. Herr Julius Wernau. 2. Di»- kulston. 3. Bericht über die östentliche Cchneidet-Bersammluna vom Montaa und den Stieikarrikel der stachzeitung der Schneider vom 29. September d. Z. 4. verciniangrlecenheiten. S. Ve.Ichicdenri und Fragekasten. Da» Erichünen aller Schneider wird erwartet Aentrel-Kr«»!,»«-«nd Starb»!, als» der Mater und«»rruandten K»rue«g»nojs«n Keutschland», Filiale Berlin II Donr.erstaa, den 10 Okioder, Adcnd» 8X Uhr. im Lokale de» Herrn Henke, Blumenstrahc 38, Mitglieder Versammlung. Tagesordnung t I. Kassenbericht. 2. Wahl von Ärankrn- deiuchern. Berschirdenc». Fachu»r»ln d»r Tischler. Sonnabend, den 12. Oktober. Sbend»8Ubr Tanzkiä ,zchen in Hevdrich't Festsälen, Bculhstr. 20 Billet« hierzu sind aus allen Zahlstellen, sowie bei folgenden Herren zu baden: Witte Invalidenftr. 21, Millarg, Lehrter str. 22 2 Tr. Ma'Imann, Bornimstr. 46. 4 Tr Hemv, Palli- iadenftr. 63, 4 Tr, Hog-r. Grüner Weg 70, Winter, Manteusselstr. 6. 3 Tr Glocke. Laustherstr, 32, 8 Tr. Wir bemann, Wendenstr. 2, 4 Tr. Haberland, Reichenbergerftr. 161. 3 Tr. Schul«, Briheiftr. 42, 4 Tr, Manien. Kreuzbera- strahe 9, Ouergeb, 4 Tr, Wtttt. Möckrrnstr 95, 3 Tr, Eilasser, Noftizftr. 4Y Lpelt. Eebastianftr, 27-23 lMöbclbondiung), Merkel, Mittenwaiderstr. 13, Hos 4 Treppen. H. Schmidt. Eitiabeib User 20, Hos 2 Tr. bei Orbowdki Achtung! z»s»klnb„H»t«»". Am Sonnabend, den 12, Oktobcr cr„ findet in den Sälen der Berliner Bock-Brauerei Am Tempelboscr Berg, Fa- mUIenkiänzchen statt. Während der Pausen Quartett-Gesang. Hierzu ladet freundlichst ein der selektub„Heine". Stsft»»g«s«ft drr frtitn N»r»inisung der Schneid»? Berlin« Montag, den 14. Oktober, in den Bürgerlälen, Dredbenerstr. 96, ....»»..W»»_____ W......... W arofie» Bokai- und Instrumenial-Konzert. aulgesührt von der verstärkten-hauSkapelle und dem Gesangverein„Sllearo" unter Leituna seine» Dirigenten Herrn W. Eecacr, und gütiger Mttwirkung de» Zitder-Birtuosen Herrn W. BvScocil. Prolog, Festrede, geip'ochrn von Herrn Rechtianw ill A. Siadibagen. Nach dem Konzert: Grohei Tanzkränzchen'. Herren, welch- hieran Tacil nehmen. zahlm 30 Pf. ertra.— Billet»» 30 Ps. find z» haben bei; S. Täterow, Mauerftr. 9. 3 Tr.; Krausenstr. II lHerdcrge)- Pohl, Iunkerstr. 12 tni Laden- Gründel, Dieidenerftr. 116 im Restaurant � Gnadt, Brunn-nstr 38 im Restaurant, sowie in allen Bersammlungen und in dm mit Plakaten belegten Handlungen, P»r»tn 1«? Krgilnng»er g»n,»r blichen perhSltiiiss« der SSpser. Sonnabend, den 19. Oktober 1889� I Slistunadsest im Schweizer-Garten lam Fitediichihain), Billett lsür Herren 50 Ps, Damen 25 Pf.) find zu baden bei den Herren Richard Schulz, Ehausseefttafie 84 � Holz. Angcrmünoerstraßc 11; Graffunder lReftaurant), Ziethen- und Schw-rinstrafim-Eck'. Hoffmann, Frank- iurter Allee III■ Wcrschke«oaldertstrahc 16. und im ArbcilSnachwci», Dre«. dencrftrafie 1'6 Frei» Franken-»nd BesräbnifikaN'» der Kchustmacher und B»rns«»»noir«n Berlin» lE H. Nr. 27) Generalversammlung am Man. loa, den 21. Okioder, Abend» 8 Uhr, Fischerftr 25. Tagesordnung i I, vierteljährlicher Kafirnderichl. 2 Innere Angelegenheiten. Ouitttingdbuch iegiltmirt Fachueretn der«ifchler. Die Zahliiellm de» Verein» find zur Eni» gegennahme der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder jeden Sonnabend von 8—10 Uhr geöffnet, und zwar befindet sich Zahlstelle I Triedrichtberger- straffe 25 bei Ehrttten i U Siclizxrltraffe 107 bei Kunstmann; III Belle-Altianc-- via» 6 bei Hilscher i r? ZionSklrchplah II bei Hohn i V Bfilowstraffe 52 bei Böbland i 71 Mariendarfüstraffe, Ecke Soimtftraffe bei Schmidt vu Dresdener- g raffe 116 bei Wend». daselbst befindet stch auch der ZmtralarbeitSnachwei« de» erein». Vlll Lübecker- und Thurmstraffenecke bei Jahnkc. Die Arbeitiver. Mittelung geschieht unenlgelttich. Der Nachwelt ist geöffnet an Wochentagen von 8js— 9* Uhr, Sonntag Abend» von 9jj-II llbr. vefang-,»nrn-«nd g»s»Uig, verein» am Mittwoch: Männer. gesangvercin.Zugendlust' Abend» 8X Udr im Restaurant Paff od, Garten- straffe 162.— Männergesangvcrcin.Eäcilia' Abend» 9 Udr im Restaurant, Kövnickerstraffe 127a.— Geiangverrin.Männerchor Linde' Abend« Ks Udr im Restaurant Hallet, Naunvnstraffe 70.- Männergesangvercln.Eanae»sreunde' Abmd» 9 Uhr im Restaurant Musehold. LandSbergerstraffe 9t:. 31.— Gesango-retn.Freva' Abend» 8� Udr im Reslauranl..Dentschir Hos", Luckauerstraffe Nr. 15.— HupvertTche Sängervereinignna jeden M>lt. wow nach dem ersten im Monat, Abend» 9 Uhr im Restaurant Heise, Ltchlenbergerstraffe 21.—.Seeger scher Gelangveretn' Abend« 9 Uhr im Restaurant Schulz. Prn......~ .............. Premlauerslraffe 41.— Gesangverein.Schwungrad' Abend» 8)$ Ubr im Restaurant Sahm, Annenstraffe 16.— Männergesangvercin ,Lor. deerkranz' Abend« 9 Udr im Restaurant Karich, Oranienstraffe 190.- Gesang- verein.Rord-Zudal' Abend» 9 Ubr in Brittn e Bierbau», Brteranmstraffc 19.— Gemngvc'.ein„Nnverzagl' Abend» 9 Ubr Köpnickcrstr. 127» bei Greving.— Männergeiangveretn.Schneeglöckchen' Abend» 9 Uhr im Restaurant Dober- ftcsn. Mnrianncnstraffc 31-32.— Gesangverein.Sängerrunbe' Abend» HÜ Ubr Vuckowcrstraffe 9.— Verein.Sange» treue' im Restaurant Henckcl, Brüber- straffe 26. I Uedungtstunde van A di» II Uhr Abend».— Gesang» .Bruderbund' Abmd» 9 lldr det Päholdt, Rcichmberacrstraffe 16.— Mä «elangverew„Schneeglöckchen" Abend« 9 Udr Eihung im Rest Sledmann, Melchlarttr. 15.— Lübeck scher Turnverein<1. Lehrltngtabthi Abend» 8 Uhr klisobetdstraffc 57- 58.— Turnverein.Weddtng', strafft 9. Männcradtberlung von 8Zl bi» ICH Udr Abend», desgleichen 1. Lei? lingSabtheiluna von 8—10 Udr Abend».—.Mehr Licht'. Verein für StA und Ernft. Abmd» 8!t llbr im Restaueant Heid, Fruchlfieaffe 86»." Schlcffscher Verein.Hollei' Abend« 9 Uhr im Restaurant Henke. Hollwo» straffe 38.— VergnügungSveeein.Fröhlichkeit' Abend» 9 Uhr im Reslaur» Säger, Grüner Weg 29— Wiffmschastlicher Verein für Roller'sch« S grapdie. Abend« 8tz Uhr im Restaurant Beese, Aitc Echinhauserstraff' Unterricht und UebungSstunde.— Rollerficher Etenagrapbenverein Cüd-> Abend» KI Uhr im' stunde.— ArendSOj im Restaurant Bcbrend«. I graphenvcretn.Pbiiia' Abmbi 9 Ahr tü> Restaurant.WilbeiniigorAG .Kochstiaffc 7.— Slenographische Gesellschas! Arendi im Restaurant Bürp' gartm, Linbenftr. 105. Unmtgeltlichrr Unterricht und llebung.— Beredt et» maiiger Schüler bei 22. Gcmeindelchule Abmd» 9 Uhr im Restaurant ick mann. Kursürslenstraffe 31,- Berliner Rauchklub.Wrangel' Abend» 9 W im Restaurant Foge, Köpnickrrstraffe 191,— Rauchklub.Havanna SO' Abo» 8X Uhr im Restaurant Paeffaldl, Reichendergcrslraffe 16.— Rauchklub.6» müthlichkeit' Abmd» 9 Uhr im Restaurant Achsel, Köpnickerstraffe 161. Z Rauchklub.Solumbia" Abend» 8t Udr Im Restaurant Bcv-r, Prinzenstraffe l» — Rauchklub.Frisch gewagt' Abend» 8X Uhr im Restaurant Temvei, BN» lauerftraffe 27.— Rauchklub.Lnlkan' Abend» 9 Uhr im Restaurant EchtA Gräseftraffe 82.— BcrgnügunaSocrein.Fröhlichkeit', gegründet 1880, Abel» 9 Uhr Grüner Weg 29.—.Pollack-Elub-Eintracht', jeden Äiittwoch. Aatt» 8)( Uhr bei<8. Thiel. Wimerstraffe 68.— Gelangverein der Tapezirrr Berti» leben Mittwoch Reftauraitt Segbelstraffc»>, von 9-II llbr Abend»" Tomdourvereln Gut Heil'. 8 Uhr Langcftr. 101. Geschäftliche Eigung.«G keinen Zutritt,— llntcrbaltungtvcrein.Harmonie', Ciffung Abend» 9 U» Bretdmerftr, 116 bei Wenot Meueste � Der„Rrichsanzeiger" enthält folgende Bekanntmachurz Auf Grund d«§8 I und 6 des Reichsgesetzes gegen die g? meinaefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vt» 21. Oktober 1878 ist von Inn Unterzeichneten 1) derFachverein der Schreiner und vek' wandter Berufs genossen Hierselbst, 2) die ZabI stelle Düsseldorf des Deutsch t> TischlerverdandeS mit dem Hauptsitze zu Stuttgart usl 3) die Fi l i a le Düsseldorf des Verein� deutscher Schuhmacher(fiüher UntcrstützungSv«tl> der Schuhmacher) mit dem Hauptsitze in Nürnberg unteifi hcutiaen Tage von Landespoltzeiwegen vndoten worden. Düsseldorf, den 3. Oktober 1889. Der Regierungspräsident. In Veitretung: S t e i l b erg. Do�oplhen. (iPeltf« Gelegrnphtn-Kure»».) Kopenhagen, Dienstag 8. Oktober. Die heute im F»l� thina eingebrachte Budgetvorlage weist an Einnahmen 55 000 00>?, an Ausgaben 59000 000 auf. Das Defizit von 4 000000 durch neue Eisenbahnanlagen veranlaßt. Große öffentliche üolMlimllüiij (tut MiUwoch. de« 9. Oktober, Abends 8t Uhr. im Kohmischen Kra»ha«se, Landsberger Allee Ü— 13, Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die B«liner Arbeit« zu den Stadtverordnetenwahlen? Referent: Se« Schuhwachermeist« Metzner. Korrefeient: Th. Glocke. 2. Dukujfion. 3. Eventuell Wahl eines WahikomiteeS. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. D« wichtigen Tages« ordmmg wegen bittet um zahlreiches Erscheinen(145 Der Einberufer. Große MliMer-Aeffammlimg der Freien Vereinigung der Schneider Berlins «m Donnerstag, den 10. Oktober, Abends 8 Uhr, bei Jordan, Reue Gninftraße 28. Tagesordnung: 1. Tie Ziele der Arbeiterbewegung Reseunt Herr Julius Weranu 2. B«icht über die offeniliit'e Schnetder-versommlung vom Montag und d« Stredarttkel v«»Kachzeitung der Schneider" vom 29. September. ll62 Da» Erscheinen oller Kollegen«wartet Der Vorstand. Verein der Klempner Berlins und Umgegend. Donn«stag, den 10. Oltober, Abends 8 Uhr: Große Nerlammlnng im Restaurant Königsbof, Bülowstraße 37/40. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Glocke über:»Geirerkschaftsorganisatton". 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes.— Mitglieder werden ausgenommen. Gäste haben Zutritt. Beiträge werden in jeder Versammlung entgegengeilvm- wen. Die Kollegen von Baer und Stein werden hrermit einarladen. Sämmtliche Pitt- glieder haben die Pflicht, zu erscheine�. Der ArbeitsnachwetS befindet sich Rltterstr. 123. 1541 Der Narstand. Mitglieder- Uersa mml«ttg de? Zentral- Sranten- und Stcrbckaffr de? Male»(Eingeschr. H.lfskaffe), Frliile III(Süd), am Donnerstag, den 10. Oktober, Abends 8 Uhr, Alte Jakobstraße 83 im Cafe Reiher. Um zahlreiches Erscheinen«sucht 151] Ter Bevollmächtigte. Große öffentliche Uersamminng der Feilevhaner und Feilenschleifer am Mithvoch, den 9. Oktober.� Abends 8 ühr, bei Kröger, Hochstrasse 32a. 1163 Achtung! Lese-Klub„Heine". Am Svnnabeud. den 18. Oktober er.» findet in den Sälen d« Berliner Doeb» Sra»»orei, Am Tempeihof« Berg, em sl55 Familien-Kranzchen statt. Während d« Pausen Quartett-Gesang. Hinzu ladet fieundl. ein Der Lese-iklub.Heine". Kranke«-Unterstiitzungsbund der Schneider. Donnerstag, den 10. d. Mts., Abends 8 Uhr, bei Deigmüll«, Alte Iakodstr. 48-: Mtglteder- Versammlung. TageS- Ordnung: I. Abrechnung vom It. Quartal 1889. 2. Wahl der Lokaloermaltung für d. Jahr 1890. 3. Wahl ein« Unfall-Kommission sowie V«- schieden«. 165 Mitgliedsbuch legitimirt.— Die Zahlstelle Lotbringerftr. 68 ist lägiich von Morgens 8 Uhr geöffnet. Dte Lokalverwaltuog. Danksagung, Für die rege Theilnahme bei dem Begräbst� meines lieben Mannes, des Rohrlegers Otto Mranät� und besonders dem Fachvercin der Rohrla,--- sowie für die rege Betheiiigung sein««iba«-- kollegen spreche ich hiermit meinen tiefgefühlt Dan? aus. Ww. Brandt nebst Sohn,! 168 Gricbenowstraße 19. Allen denjenigen Freunden und Bekannte» und namentlich auch den Herren aus dc� Gesangv«ein.Haleja", und Denen, welche«n* bei der Beerdigung meines lieben Manne' unseres theuren VateiS durch Wort und so wohlwollend unterstützten, sagen wir hie unseren herzlichsten Dank. iL Die Hinterbliebenen. ßro&f MMer-VerMmlW der Central-KMke».»ad Kterdedaft dcr Maler a. aem. Berastg. MsA (E. H. 71), Filiale W.(IV) Berlin, am Donnerstag, den 10. d. M., AbdS. 8i U9r' Bülowstraße 37(Königshof)..» 166] I. A. Atb Stebel, Schwerinstr. 16 U- ZeiitrMrllilktil- 1. Acrbckße dn Tischler «nd Q�osss Cölner Lottepie. Ziehung am 14. November 1889. Hauptgewinn Werth 10 000 Mark. Loose i 1 Mark— elf Loose fllr 10 Mark— empfiehlt -«meB Loose-General-Oeblt. neifflVZCf Berlin W., Unter den Linden 3. Jeder Bestellung auf Postanweisung sind 20 Pf. f&r Porto und Gewinnliste beizufügen. anderer gewerblicher Arbeiter. (E. H. Nr. 3 in Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin A. Durch Beschluß der Milgiieder-Versammlung find folgende Zahlstellen verlegt worden: von Wranaelstraße 86 bei Aurus nach Cuvrystraße 16 bei Ziem«; von Retchenbergerstraße 71 bei Zylinsky nach Forftetstraße 41 bei Linke: von Lausitzerstraße 9 bei Wätzerich nach Görlitzerstraße 58 bei TolkSdotf. 167 Tie DrtSverwaltung. Versammlung der Nähmaschinen sämmtlicher Systeme. Emil Franke, KaardMerffrife 6, aebca ßraaml DWia. Reparatur Werkstätte. Zhetlzah'ung. 1716 Mitglieder der Zevtral-Krankell- vud Tterbeklljse der Tischler n. s. w. und deren Frauen Mittwoch, den 9. Oklod««., Abends 8j Uhr, Andreasstroße 26 bei Bolzmann. Tages Ordnung: L Medizinisch« Vortrag des Herrn Dr. Z a d e ck. 2. DlStussion und Fragestellungen. Um regen Besuch der Versammlung bittet 16®_ Der Elnderufcr. �Issssei' gsiimwollwasi'ön.'' j Bewdsntncst. vowi»», Crolgi, Damast e»e.| l Fertige Bettwäsche, Handtiieher, Tisch-/ zeuge, Bettzeuge etc. �4 Iaquet-AnzSgr l von 20- 30 M., Snuben-Anzüge von 5— i2P>" 1323] Aiimint, Retnickendotferstr. 67. Arltsitsmardt. Töchtige Töpsergestileil, ab« nur solche, verlangt _ Gustav Aiuk, Lindenstraße Der Arbeitsnachweis d« »«autwartlich««edakl«»: U. SroastolM« Salbt Druck und verleg mk Wle» O dt»« h> Snibi SW.. Beuthstratz» t. Kiavierarbeiter befindet sich vom 20 Oktober ab Raunv"� st r a ß e R r. 78 bei Ninaer. Die Adresse. ausgab- findet jeden Wend von 8— 9tUhrU», Sonntags Vormittags von 10— 11� Nhr, fo"** an Mtlalied« wie au Richtmitglied« unn", geltlich statt. Dir%vbtii9vtrmiütl»nQ»-tu>KitaHf�