Nr. 237. Donnerstag, den 13. Oktober 1888. 6. Jahrg. & Krgan für die Interessen der Arbeiter. DaS.. Berliner Volküblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festlagen. Abonnementspreis für Berlin frei m'L Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Numuier mit dem �Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerstraßc 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemen« 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzeitungSvreiSliste für 1889 unter Nr. 866.) #»r da« Ausland: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS» Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SV., Zimmcrstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises,' angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -*■-» Fernsprecher: Amt VI. Hr. 41Ö(».«- ♦- VedAktion: Veuthptvstze S.— Expedition: Simlnerstrotze 44. rtl-, ' '> Zu den Skudtuorordnekeu- jVuhleu. Im November finden die regelmäßigen Ergänzungs- Wahlen für die Berliner Stadtverordneten-Versammlung statt, und die Parteigenossen sind damit vor die Aufgabe gestellt, die Interessen der Sozialdemokratie auch bei diesen Wahlen kräftigst zu vertreten. Die während der letzten Wochen in Versammlungen mehrfach zum Ausdruck gelangte Ansicht, es sei richtig und geboten, daß die sozialdemokratische Partei sich an den Äommunalwahlen nicht bctheilige, halten wir weder vom prinzipiellen noch vom taktischen Standpunkt aus für zu- trcsscnd; wir sind im Gegentheil überzeugt, daß eine, wie wir zuversichtlich hoffen, zahlreiche Betheiligung der Partei nach allen Seiten hin nur zum Vortheil gereichen kann. WaS zunächst die prinzipielle Seite der Frage anlangt, so hat die sozialdemokratische Partei in ihrem Programm und auf all ihren Parteitagen neben den Reichstagswahlen auch stets die Landtags- und Genieindewahlen als ein mit Anspannung aller Kräfte zu benutzendes Kampfmittel empfohlen, und die Betheiligung an all diesen Wahlen nnr an die eine, nach unserer Auffassung selbstverständliche Be- dingung geknüpft, daß nur Kandidaten aufgestellt werden, welche der Sozialdemokratie angehören und deren Programm und Ziele unerschrocken und nachdrücklich zu vertreten bereit sind. Ebenso ist mit Fug und Recht stets betont und ge- fordert worden, daß Kompromisse mit anderen Parteien, welchen Namen diese auch führen mögen, nicht geschloffen weiden sollen. Gemäß dieser prinzipiellen Stellung, welche von Kongreß zu Kongreß mit immer mehr Nachdruck als den Aufgaben und Interessen der Partei entsprechend betont wurde, betheiligen sich die Genossen in Deutschland da, wo zre Aussicht auf Erfolg haben, an den Wahlen zu den Land- ragen und zu den Gemeindevertretungen. Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in St. Gallen im Jahre 1887, sowie der diesjährige internationale Ärbeiterkongreß in Paris haben die Nothwendigkeit der Be- «Heiligung der Arbeiterklaffe an den Wahlen ausdrücklich ancitannt und gefordert, weil diese Körperschaften ebenfalls prinzipiell dafür eintreten, daß die Arbeiterklasse sich politi- sche Macht erkämpfen muß, um ihr Ziel, die Befreiung der Arbeit von der Ausbeutung des Kapitalismus, zu er- reichen. Hierbei kann kein Unterschied zwischen den Ver- tretungen, für welche gewählt wird, gemacht werden. Die Sozialdemokratie, als die politische Vertretung der Arbeiter- klaffe, hat auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens die Aufgabe, durch rücksichtslose, schneidige, nur die Klassen- intaessen des Proletariats im Auge habende Kritik die Un- 'ftaAtnuf verboten.) Feuilleton. [87 r u»? <£ i u 05 o l Öm c u f rh. Ronra» von Maurus Iökai. Timea war stark und ein Mörder kämpft immer nur mit halber Kraft. Stumm rangen sie so miteinander in der Finsterniß, die Teppiche de» Fußbodens kämpften den Schall ihrer Tritte. Jetzt erschallt ein gespenstiger Auf- schrei im Nebenzimmer.„Mörder l" brüllt in Verzweiflung eine gespenstige Stimme. ES ist Frau Sophiens Stimme. Bei diesem Rufe fühlte Athalie ihre Glieder ge- lähmt. Das warme Blut des Opfers strömte auf ,hr Gesicht herab. Im Nebenzimmer hört man das Klirren von Fenster- scheiden; durch das eingeschlagene Fenster läßt Frau SophienS gellende Stimme den Ruf durch die ruhige Gasse ertönen:„Mörder! Mörder!" Athalie läßt erschrocken den Säbel loS und verwendet Mde Hände dazu, um ihre Haare von Timea's Fingern zu ; jetzt ist schon sie die Angegriffene, jetzt ist schon Ire vre Geängstete. So wie sie ihr Haar freigemacht, stößt sie Trmea von sich läuft zur Oeffnung des Verstecks und zieht leise den Rochmen des Heiligenbildes hinter sich nach. Timea schwankt noch einige Schritte vorwärts mit dem in ihrer Hand zurückgebliebenen Säbel und stürzt ohnmächtig auf den Fußteppich. Auf den Allarmruf Frau Sophien? erschallen Sturm- schritte auf der Gasse. Die Pattouille nähert sich. Der Major ist der Erste, der da» Haus erreicht. Frau Sophie «rkennt ihn und ruft ihm zu:„Eilen Sie, eilen Sie! Man ermordet Timea" der Major reißt an der Thorklingel, pocht gerechtigkeit und UnHaltbarkeit der heutigen politischen und wirthschaftlichen Zustände nachzuweisen, die sogenannte Ar- beiterfrcundlichkcit der herrschenden Klassen in ihrem wahren Licht zu zeigen, und durch, dem sozialdemokratischen Pro- qramm entsprechende Anträge die Rechte der Besitzlosen, die Forderungen der Arbeiter wahrzunehmen. Dies gilt für den Reichstag sowohl als für die Land- tage und die Gemeindevertretungen; überall findet sich für diese Thätigkeit überreicher Stoff; in allen diesen Körper- schaften haben die herrschenden Klassen Einrichtungen zum Nachtheile der Arbeiterklasse getroffen; ihnen diese Macht ungestört überlassen, heißt die Äusbeutung und Unterdrückung der Schwachen durch die Starken verewigen. Deshalb muß die Sozialdemokratie sich prinzipiell für die Betheiligung an all denjenigen Wahlen erklären, bei denen es möglich ist, die Stellung der Partei rein und un- verfälscht zum Ausdruck zu bringen, bei denen es gelingt, gestützt auf die eigene Kraft, der Bourgeoisie auf den Leib zu rücken, ihre festgefügte Herrschaft zu zerbröckeln, den Interessen der alten überlebten bürgerlichen Gesellschaft die Interessen der mächtig ausstrebenden, das Wohl Aller ver- tretenden Arbeiterklasse entgegenzustellen. Diese Grundsätze, auf die Kommunalwahlen in Berlin angewandt, müssen wir vom prinzipiellen Standpunkt aus die Frage, ob die Genossen sich an denselben zu betheiligen haben, unbedingt bejahen, weil nach den Bestimmungen der für diese Wahlen maßgebenden Städteordnung cS möglich ist, in der dritten Abtheilung Kandidaten mit Aussicht auf Erfolg aufzustellen, und weil bei diesen Wahlen, wenn auch durch einen ZensuS und durch die Klasseneintheilung in höchst ungerechter Weise stark behindert, die sozialdemokratischen Ueberzeugungen zum Siege und demnächst in der Stadt- verordneten-Versammlung zur Vertretung gelangen können. Nun zu den taktischen Gesichtspunkten. So wenig wir den Werth des Parlamentarismus— und ein nicht gar zu kleines Parlament ist ja schließlich die Berliner Stadtver- ordneten-Versammlung— überschätzen, und so genau wir auch wissen, daß unsere Forderungen und Ziele von dem heutigen Parlamentarismus, der ja nur der Ausdruck der bürgerlichen Klassenherrschaft ist, nicht erfüllt werden können, so sehr bedürfen wir der«nit dem Parlamentarismus und dem Wählen verbundenen Agitation; die Möglichkeit bei den Wahlen, in Versammlungen und durch Flugblätter, durch Hausagitation und durch Aufklärung an den Arbeits- stätten für die Verbreitung unserer Ideen zu wirken, dafür zu sorgen, daß unsere Forderungen immer tiefer in die Massen dringen, immer mehr Herz und Kopf der arbeiten- den Bevölkerung ergreifen, und damit unsere Armeen ver- stärken, ist es, was uns den Parlamentarismus als werth- volles Kampfmittel ansehen läßt. Und dieses Mittels sollten wir uns nicht bei jeder Gelegenheit bedienen? Namentlich jetzt nicht, wo die Legislaturperioden für den Reichstag ver- längert sind, und unsere Heerschaaren auf diesem Gebiet fünf Jahre mit Gewehr bei Fuß stehen müssen? an das Thor, aber Niemand kommt es öffnen. Die Soldaten wollen das Thor einschlagen, aber es ist zu-fest, es giebt nicht nach.„Wecken Sie die Dienstboten, damit sie das Thor öffnen," schreit der Major hinauf. Frau Sophie rennt mit jener blinden Kühnheit, welche bei einem großen Schreck einzutreten pflegt, durch die finstern Zimmer und fenster- losen Gänge, sich an Möbeln und Thürpfosten an- f;oßend/ bis sie endlich ins Dienstbotenzimmer ge- unden. Dort sah sie wieder ihren Traum von vorhin. Das Gesinde lag schlafend umher, wirr durcheinander; der Kutscher rücklings auf der Ofenbank, der Bediente auf den Tisch hingesunken, der Hausknecht auf den Dielen ausge- streckt, das Stubenmädchen auf dem Herd, über den ihr Kopf herabhing. Im Leuchter flackerte eine herabgcbrannte Kerze und warf unheimliche Schlaglichter aus die grotteSke Schläfergruppe. „Mörder sind im Haus!" schrie Frau Sophie mit vor Schreck trcmolirender Stimme unter die Schlafenden. Ihren Worten antwortete nur das Schnarchen eine? schwer Träu- inenden. Sie rüttelte einzelne Schläfer auf, schrie ihnen ihre Namen ins Ohr, sie sanken aber wieder zurück ohne zu er- wachen. Von dem Hausthor her vernahm man das Dröhnen der Kolbenschläge. Auch der Hausmeister ist nicht zu erwecken. Aber m seiner Tasche steckt der Thor- schlüssel. Frau Sophie nahm mit großer Anstrengung den Schlüssel heraus und lief damit durch den dunkeln Gang über die dunkle Treppe und den dunklen Hausflur, um das Thor zu öffnen, wobei ihr beständig der schreckliche Gedanke es sein?" Endlich hatte sie das Thor erreicht, sie fand auch das Schlüsselloch am Schloß und öffnete. Von draußen drang ein heller Schein herein, dort waren die Militärpatrouille, Nein, das kann nicht im Interesse der Partei liegen; nur in rüstigem unaufhörlichem Kampf kommen wir vor- wärts, und der Aufmarsch der Berliner Genossen, der, alle zwei Jahre andere Stadtbezirke umfassend, zu einer Musterung die Möglichkeit giebt, kann nur nutzbringend sein. Aus diesem Grunde schon, wobei der Sieg nicht einmal die Hauptrolle spielt, empfiehlt sich also eine rührige Betheili- n an den Stadtverordnetenwahlen; dann aber weiter auf okalen Verhältnisse eingehend,[müssen wir in erster Reihe auf die Nothwendigkeit hinweisen, die städtische Ver- waltung, die heut nach rein manchesterlichen Grundsätzen geführt wird, einer Kritik von unserem Standpunkt aus zu unterziehen. Die Ausnutzung der Straßen und Plätze durch Aktien- gesellschaften, welche im Interesse des Privatkapitals erfolgt, die Konservirung der als Kopfsteuer wirkenden, die ärmeren Klassen der Bevölkerung auf das Schreiendste drückenden MiethSsteuer, die in vielen Zweigen überaus schlechte Be- zahlung der städtischen Arbeiter, das, in seinen Folgen, der Bürgerschaft zum Nachtheil gereichende Submissionswesen, alle diese Einrichtungen müssen zu Gunsten der gesammten Bevölkerung geändert werden; die Verschwendung, welche mit der Errichtung von Denkmälern, Ausschmückung der Straßen bei Besuchen fremder Fürsten getrieben, die Auf- Wendungen, welche[aus politischen und höfischen Rücksichten für Dinge gemacht werden, die der kommunalen Verwaltung ganz fern liegen, müssen aufhören; die Gehaltserhöhungen der hochbesoldeten Stadträthe müssen EinkommenSaufbesse- rungen der unauskömmlich bezahlten städtischen Arbeiter und kleinen Beamten folgen, innerhalb der städtischen Armenpflege müssen wahrhaft humane Grundsätze Platz greifen, die Pensionirung und Altersversorgung aller städtischen Ange- stellten muß nicht wie jetzt, nach oben hin, sondern ,m Gegentheil, nach unten hin ausgedehnt werden; kurz, eS muß auf allen Gebieten des städtischen Gemeinwesens die sozialdemokratische Forderung:„Gleiches Recht für Alle", gestellt und vertreten werden. So wenig Positives die sozialdemokratischen Stadtver- ordneten in der, dem Klasseninteresse der Bourgeoisie ent- sprechend zusammengesetzten Versammlung leisten können— die letzten sechs Jahre haben dies gezeigt, wobei übrigens äußere Verhältnisse, die zeitweise Unmöglichkeit, selbstständige Anträge zu stellen, eine Rolle gespielt haben— so nützlich konnten dieselben sich jedoch in der Kritik der VerwaltungS- grundsätze, und namentlich auch in der Verhütung von dem heutigen gesellschaftlichen Prinzip dienenden Einrichtungen machen. Mehr noch, wie geschehen, wäre die Klassenherrschaft zum Ausdruck gekommen, noch weniger Rücksicht wäre auf die große Majorität der arbeitenden Bevölkerung genommen worden, wenn die Herren ganz unter sich geblieben, wenn nicht durch die Sozialdemokraten im„Rothen Hause" den Be- gierden ein Zügel angelegt worden wäre. Die bloße Anwesenheit unserer Genossen, die Möglich- »WWW städtische Trabanten mit Laternen. Auch der Stadthauptmann kam herbeigeeilt und der am nächsten wohnende Militärarzt alle nur halbangekleidet mit den Kleidern, die sie in der Hast erwischt hatten, einen Fokosch oder einen blanken Säbel in der Faust. Herr Katschuka rannte die Treppe hinauf zur Thüre, welche direkt aus dem Vorzimmer in Timea's Schlaf- gemach führte. Sie war von innen verschlossen. Er drückte seine Schulter an die Thür und sprengte so das Schloß auf. Timea lag vor ihm auf dem Fußboden, mit Blut be- deckt, besinnungslos. Der Major hob sie auf und trug sie in seinen Armen auf ihr Bett. Der Feldarzt untersuchte die Wunden und erklärte, keine derselben sei lebensgefähr- lich; die Frau sei nur ohnmächtig. Nun, nachdem die Besorgniß um die Geliebte beschwichtigt war, erwachte im Major der Rachedurst. Wo aber ist der Mörder? „Sonderbar," sagte der Stadthauptmann,„hier waren alle Thüren von innen versperrt, wie konnte Jemand herein- kommen,[und wie konnte er von Kier heraus?" Nirgend» eine verrätherische Spur. Selbst vaS Äiordinstrument, der zerbrochene Säbel, ein von Timea selbst aufbewahrtes" Kleinod, das sonst in einem sammtnen Futteral sich befand, lag dort blutbefleckt auf dem Boden. Nun traf auch der StadtphusikuS ein.„Sehen wir nach dem Gesinde!" Die liegen alle in bleiernem Schlaf, aus dem sie nicht auf- zurütteln. Die Aerzie untersuchen sie. Kein Einziger stellt sich schlafend; sie'alle sind von einein Opiumtrank betäubt. Wer ist noch in dem Hause? Wer ist der Thäter? «Wo ist Athalie?" fragte der Major Frau Sophie. Ihre Mutter starrt ihn stumm an und kann nicht ant- worten. Sie weiß es ja nicht. Der Stadthauptmann öffmt die in AthalienS Schlafzimmer führende Thüre und sie treten ein. Frau Sophie folgt ihnen halb ohnmächtig. Sie weiß ja, daß AthalienS Bett leer. feit, genaue Einsicht zu nehmen in den Gang der Vermal- tung, verhindert viele Dinge, die sonst ohne Widerspruch zu finden, die unvertretenen Bevölkerungsklafsen belasten würden. Wenn nun also auch diese rein praktischen Gesichts- punkte den Werth einer lebhasten Betheiligung an den Kommunalwahlen außer Frage stellen, wenn, wie nachge- wiesen, eine einigermaßen ausreichende Anzahl von Sozial- demokratcn in der Stadtverordneten-Versammlung im Stande ist, zu verhindern, daß, soweit die städti'che Verwaltung in Frage kommt, die Lebenshaltung der Arbeiter noch mehr herabgedrückt, die Steuerkraft derselben noch mehr ange- scannt wird, so bleibt nur noch der Umstand zu berücksich- tigen, ob die Berliner Genossen über ausreichende Kräfte zur Ausübung des Mandats zu verfügen haben. Wir verkennen nicht, daß sich hier Schwierigkeiten her- ausstellen, denn die Ansprüche, welche an einen Stadtver- ordneten in Bezug auf Zeit gestellt werden, sind nicht ge- ring, aber wir glauben uns in der Beurtheilung der Ber- liner Parteigenosien nicht zu irren, wenn wir behaupten, daß unter denselben eine genügende Anzahl von Männern zu finden ist. welche allen Anforderungen, die ein Stadt- verordneten-Mandat an sie stellt, gewachsen sind. Die Sozialdemokratie, welche es sich zu ihrer Ausgabe ge- macht hat. den Enterbten der Gesellschaft bessere, menschen- würdige Lebensbedingungen zu erringen, muß auch auf kom- munalcm Gebiete eine rege Thätigkeit entfalten, sie muß na- mentlich das städtische Schulwesen auf den Weg der modernen wissenschaftlichen Entwickelung bringen, um die heranwachsende Jugend zu befähigen, in den heiligen Kampf, für die Befreiung der Menschheit, mit geistigem Rüstzeug einzutreten. Inj der Jugend liegt unsere Zukunft; die bürgerliche Gesellschaft aber wird stets darauf bedacht sein, die Volks- bildung nicht über das Maß hinausgehen zu lassen, welches ihr noch die Ausbeutung der Massen ermöglicht und die- selben m stumpfer Abhängigkeit von den herrschenden Klassen erhält. Nach unserer Ueberzeugung haben die Berliner Ge- «ossen die Aufgabe, thatkräftig und zielbewußt in die Agi- tation für die Kommunalwahlen einzutreten, weil dieselben ihnen Gelegenheit geben, neue Streiter für unsere Sache zu werben, und weil wir es für eine Pflicht der sozialdemo- kratischen Partei in Berlin ansehen, die eroberte Position im„Rothen Haus" zu halten und nach Möglichkeit zu be- festigen und zu erweitern. Uebevstchk. Eisrnbahnfahrpreise. Auf eine vor längerer Zeit an den Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtete Petition, auf den preußischen Staotsbahnen auch für die vierte Wagen klaffe sowohl Sonntagskarten als auch Rückfahrtskarten einzuführen, ist ein ablehnen t er Bescheid erfolgt. In demselben heißt es u. A.: Tie vierte Waxenklasse soll ihrer Bestimmung nach der ärmeren Bevölkerung dienen und namentlich den Marktverkehr und den klemen Lokalverkehr erleichtern, zur Berbilligung von Verpnügui ge fahrten ist dieselbe nicht geschaffen; seitens der preußischen Stoatkbahnverwaltung ist eS schon ein er» hibliches Zugeständniß, daß dieselbe überhaupt an Sonn- und Festtagen die vierte Wagenklaffc einstellt, was bei anderen Bahnen, z. B. bei den söchfi'chen Siaatkbahnen, nicht der Fall ist. Die Einführung von Rückfahrkarten für die vierte Fahrklasse verbieten finanzielle Rückfrchten; der Fahrpre'S von 2 Pfg. sür das Kilometer ist so niedrig, daß weitere Zugestand- nisse nicht angängig erscheinen.-- „Zur Berbilligung von Vergnügungsfahrten" est also die vierte Klasse nicht geschaffen; die„Veibilligung von Vergnü- gungSsahrten" ist nur für die 2. und 3. Klasse.„Verkümmert stets, doch nicht zu scharf, dem Volk den finnlichen Bedarf"— diese RegierungSühre giebt der Lcnau'sche MephistopheleS. Die Einschränkung„doch nicht zu scharf" scheint man nun mehr und mehr fallen zu lassen. Daß„finanzielle Rücksichten" besonder« bei der vierten Klasse der Berbilligung entgegentreten, ist auch sehr bezeichnend; die Vertbeuerung der Lebensbedürfnisse und Lebensgenüsse der großen Volksmassen erregt viel weniger Be- denken. Der„freie"«nd„gleichberechtigte" Arbeiter. Eine neue Jllustraiion zu diesem Kapitel lietert folgender Vorfall: Unter den Arbeitern der Nienburger Glashütte bestand der Plan, einen Fachoerein zu gründen, bezw. sich der Vereinigung der Glashüttenarbeiter anzuschlichen. Eine große Anzahl, etwa Dreiviertel der jämmtlichen Arbeiter, hatte bereits ihren Ber- Athalie liegt dort in ihrem Bett und schläft. Das schöne weiße Battist-Nachtleibchen ist bis an den Hals hinauf zugeknöpft, das Haar in eine gestickte Nachthaube eingezwängt, die schönen„weißen" Hände, welche bis zum Handgelenk von den Krausen der Äermel bedeckt werden, liegen über der Bettdecke. Gesicht und Hände sind rein, und sie schläft.„ Frau Sophie lehnt sich erstarrt an die Wand, als sie Athalie erblickt.„Auch die schläft tief," sagte der Stadt- phnsikus. Auch ihr hat man Opium eingegeben." Der Feldarzt tritt gleichfalls ans Bett und fühlt ihr den Puls. Er schlägt ruhig.„Sie schläft tief." Kein Zug bewegt sich auf ihrem Gesicht, während man ihr den Puls fühlt. Kein Zittern verräth, daß sie weiß, waS um sie vorgeht. Sie weiß�Jedermann zu täuschen durch ihre fiaunenS- werthe Selbstbeherrschung. Nur Einen nicht. Jenen Mann, dessen Geliebte sie umbringen wollte.„Schläft sie auch wirklich?" fragt der Major. „Befühlen Sie ihr die Hand"— sagt der Arzt—„sie ist ganz kalt und ruhig."„ Athalie fühlt, daß fetzt der Major ihre Hand er- greift.„Aber sehen Sie nur, Herr Doktor," sagt der Major,„wenn wir sie näher betrachten, so ist unter den Nägeln dieser schönen weißen Hand frisches Blut..." Auf dieses Wort krampfen sich Athalens Finger zusam- men und der Major hat die Empfindung, als bohre eine �Adlerkralle sich in seine Hand ein. Sie lacht dann laut auf und wirft die Bettdecke von sich. Ganz angekleidet springt Sie aus dem Bett heraus, mißt dämonisch stolz und trotzig >ie verblüfften Männer von oben bis unten, blickt mit triumphirendem Zorn dem Major in's Auge und wirft ihrer Mutter einen verachtungsvollen Blick zu. DaS arme Weib hält diesen Blick nicht aus und sinkt ohnmächtig zu Boden. Elftes Kapitel. Der letzte Dolch stoß. Im Archiv des Komorner KomitatS ist einer der intcr- essantesten Kriminalprozesse derjenige, dessen Heldin Athalie BrazovicS. Dies Frauenzimmer vertheidigte sich meisterhast. tritt zum Vcrbandsvercin erklärt und sollte am 9. September die endgiltige Konstituimng desselben in einer Versammlung erfolgen. Die Versammlung, zu welcher ein auswärtiger Kollege der Glasarbeiter erschienen war. wurde polizeilich verboten. Zu- gleich aber enlließ die Firma(Heye) alle diejenigen Arbeiter, welche dem Verein beigetreten waren. Dieselben mußten am Tage darauf die ihnen von der Firma gegebenen Wohnungen räumen. Da wird nun ganz keck und unoerfroren im„Hin- nooer'schen Kourier", den die Firma Heye natürlich selbst be- dient, erklärt: die Firma habe mit dieser Maßregel bekundet, daß sie keine„sozialvemokratischen Bestrebungen" dulde und zuglerch einem Strerk vorbeugt; werde die„Humanität", welche die Firma den Arbeitern gewähre, in Betracht gezogen, so sei das Bestreben der Arbeiter.fast unbegreiflich".(!!!) Ja, frer- lich, freilich— wie sollte solch' eine„humane" Firma begreifen können, daß die erste Pflicht der Humanität die ist, die Rechte anderer Menschen zu achten! Man macht die Arbeiter, die ihr (gesetzliches Koalitionsrecht ausüben wollen, einfach brotlos und etzt sie mit Weib und Kindern auf die Straße. Es geht doch nichts über solch' eine„Humanität"! Dresden, 8. Oktober. Dem Abg. Bebel ging heute die Anklage für den Elberfelder Sozialrstenprozeß zu. Dieselbe lautet auf Vergehen wider die sa'.tsam bekannten ZZ 128 und 129 und stützt sich auf eine Reihe von Handlungen Bebel'«, die alle offenkundig find, von ihm öffentlich vertreten wurden und gegen kein Gesetz vei stoßen. Die Anklage zeigt einmal wieder, waS alles heute im Deutschen Reiche auf dem Gebiete der Geheimbundsprozrsse möglich ist. Möglicherweise fallen die Prozeßverhandlungen, die bei der Menge der Ange- klaaten und bei der großen Zahl geladener Zeugen sicher 4 frs 5 Wochen in Anspruch nehmen, gerade in die Reichstags- Verhandlungen über das Sozialistengesetz und da bürflen die Majoritäisparteien Veranlassung haben, einmal wieder Studien zu machen, worin die Umsturzbestrebungen der ange- klagten Partei bestehen. Material für die Verlänge- rung dürften die Verhandlungen keinesfalls bieten, wohl aber dürften sie dem einen oder dem anderen der Herren Kartellbrüder, dessen Scham- und Rechtsgefühl noch nicht voll- ständig erloschen ist, die Frage vorlegen, ob wirklich Zustände verewigt werden sollen, welche die beständige Quelle solcher Prozesse sind, bei denen das herrschende System nur verlieren kann. Auch das Geheimspitzelwesen wirb im Prozeß wieder eine Rolle spielen und voraussichtlich eine solche, die dieser mit dem Sozialistengesetz groß gewordenen Institution nicht zur Ehre gereicht. Es werden polizeilicherseits Dinge behauptet, bie auf Erdichtung beruhen, und bei welchen die Polizei wieder ein- mal die Belogene ist. Chemnitz, 5. Oktober. Als wir vor geraumer Zeit mit- tbeilten, so schrerbt die Franks. Ztg.", baß auch in der sächsischen Wirkindustrie sich eine Lohnbeweguna vorbereite, wurde ein Theil der sehr ehrenwerthen sächsischen Kartellblätter von wahren Entrüstunoskrämpfcn ob einer„berartigen" Bericht- erstattung ergriffen. Inzwischen hat uns die Erfahrung Recht gegeben. Die Arbeiter jener Industrie haben sich seitdem eine feste Organisation geschaffen und verschiedene kleinere Arbeits- einstellungen fanden statt. Der erstere größere Streik ist in- Hessen gestern hier in der bekannten alten und umfangreichen Strumpffabrik von M. S. Eiche ausgebrochen, wo 300 Näher, Wirker:c. die Arbeit niederlegten. Sie batten, unter Hinweis auf die Vertheuerung der nothwendigsten Lebensmittel und der Kohlen, eine Lohnerhöhung von 10— 15 pCt. verlangt. Die Firma Eiche, der auch im Verkehr mit ihren Arbeitern humane Grundsatze nachgerühmt werden, hatte jene Forderung nicht unbedingt abgeschlagen, sondern Bedenkzert bis 11. Oktober ver» langt, auf die ihre Arbeiter indeß nicht eingingen. Dr. Mar Dogler, in der deutschen Arbeiterwelt wohl bekannt, ist am Montag ganz plötzlich gestorben. Sowohl die Literatur als die Sache des Volks erleiden einen schweren Ver- lust durch den Tod dieses hochbegabten Schriftstellers, der aus dem Schooße des Proletariats hervorgegangen ist unb niemals seinen Ursprung vergessen hat. Kant< bei Wilhelmshaven). Das„Norddmtsche Volksbl." schreibt: 15)- resp. I8stündige Arbeitszeit. Dem„Gemeinnützigen" geht folgendes„Eingesandt" zu: „Seit einiger Zeit wird in dm Kreism der Ziegel- arbeiter lebhaft die Frage erörtert, wie sich die Abkürzung der Arbeitszeit, welche jetzt in der Regel von Morgens 3 Uhr bis Abends 9 Uhr dauert, herbeiführen lasse. Daß bei der schweren Arbeit nur fünsstünoige nächtliche Ruhe ungenügend ist, wird allseitig anerkannt. Die unterzeichneten Ziegelmeister von Rastede und Umgegend waren zur Besprechung dieser Angelegenheit am heutigen Tage zusammengerreten. Zur Erreichung der Absicht, die Arbeitszeit abzu- kürzen, wmde als unbedingt nothwendig erachtet, daß in dem Vertrage, welchm der Ziegelherr mit dem Ziegelmeister abschließi, die tägliche Arbeitszeit festgesetzt werde. Die Unterzeichneten sind der Ansicht, daß diese Arbeitszeit auf die Zeit von Morgens 4 Uhr bie Abends 3 Uhr festzusetzen ist, mit I'tstündigm Pansen sür die Frühstück-, Mittag- und Vesperzeit. Die Herrm Ziege'ei- Sie leugnete alles, wußte alles zu widerlegen, und wenn man sie schon ertappt zu haben glaubte, verstand sie ein solches Dunkel um sich her zu verbreiten, daß die Richter sich nicht mehr zurechtfanden. Wozu hätte sie Timea ermorden wollen? Ist sie doch selber Braut und geht einer guten Versorgung entgegen, und ist doch Timea ihre Wohlthäterin, die ihr eine reiche Mitgift versprochen. Dann zeigten sich auch keine Spuren des Mordes außerhalb Timea's Zimmer. Nirgends war ein blutiger Fetzen, ein blutiges Handtuch zu finden; nicht einmal auf dem Herde die Asche von einem Kleidungsstück, das verbrannt worden wäre. Auch wer die Dienstboten mit einem Schlafpulver betäubt hatte, war nicht heraus zu bekommen. Das Gesinde hatte am Polterabend allerlei durcheinander gegessen und getrunken, und unter den verschiedenen gefärbten Zuckerbäckereien, den vielen fremden Gewürzen konnten sich auch welche befunden haben, die einschläfernd wirken. Von dem verdächtigen Punsch war in der Gesindeftube kein Tropfen mehr zu finden, selbst die Gläser, aus denen die Dienerschaft ge- trunken, waren schon ausgespült, als die nächtliche Pa- trouille eindrang; es war Alles weggeräumt. Athalie be- hauptete, an jenem Abende selbst etwas verdächtig Schmecken- des genossen zu haben und dann in einen so tiefen Schlaf versunken zu sein, daß sie weder von dem Geschrei der Mutter, noch von dem späteren Lärm etwas vernommen habe, und erst erwacht fei, als der Major ihre Hand berührte. Das einzige lebende Wesen, welches ihr Bett eine halbe Stunde vorher leer gesehen hatte, war ihre leibliche Mutter, die doch nicht gegen fie zeugen konnte. Ihr stärkster Ver- theidigungsgrund war, daß man bei Timea alle Thüren ver- schloffen und Timea selbst ohnmächtig gefunden habe. Wie hätte ein Mörder da ins Zimmer gelangen und wie aus demselben herauskommen können? Wenn wirklich ein Mord- attentat verübt worden, warum hegt man gerade gegen sie Verdacht und nicht gegen die übrigen Hausleute? Der Major war bis spät in die Nacht bei Timea ge- wesen. Konnte nicht, als er sich entfernte. Jemand sich ins Zimmer eingeschlichen haben? Ja, man weiß nicht einmal mit Gewißheit, ob der Meuchelmörder ein Mann oder eine Frau gewesen. Die Einzige, die es weiß, Timea, besitzer sollen ersucht werden, diese Bestimmung in den Arbeitsvertrag m-t aufzunehmen. Die Unterzeichneten sind überzeuat. daß bei einer so abgekürzten Arbeitszeit dasselbe Quantum Steine hergestellt werden wird, als b'sher, da eie Leute bei ge« höriger nächtlicher Ruhe jedenfalls leistungsfähiger fii d, wie bisher. Hierdurch würde auch der in letzter Zeit mehrsat vorgekommene Fall vermieden, daß Ziegelmeister weoeii Beschäftigung jugendlicher Arbeiter über die für dicke gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeit hinaus in Ungelegen- heiten gerathen. Wir bittin die Herren Zieaeleibefitzer, uns bei diese« unseren Bestrebungen behilflich zu sein und mit un» Hand in Hand zu gehen. Emvfindliche Verlufte habin die Ziegler fast jedem J ihre durch dos Ei frieren der Steine zu erleid-n, da sie von den Ziegeleibesitzern Bezahluna nur für de fehleifrei hergestellte Waare erhallen. Da es nun wohl im Interesse deZ Ziegelherrn wie der Ziegel» arbeiter liegt, daß die Arbeitsveriode frübreitig im Jahre beginnt, um ein möglichst großes Quantum Steine fertig zu stellen, so trägt in vielen Gegenden c>er Ziegelherr einen Theil des duich Frost veruisachten Vei-i lustes. Die Unterzeichneten hoffen, daß auch in di«s ml Punkte die Herren Ziegeleidesitzer den Ardeitern entgegen- kommen werden. Rastede, den 15. Septnnber 1889. Heinr. Hallerberg. Ludwig Otto. Fritz Beeke. Konrad Dreier. Joobst Bücker. Friedrich Mefck. J Simon Hagem elfter. Heinr. Plöger." Also 15s resp. 18 Stunden Arbeitszeit. S-tmde, daß nicht bemerkt ist, welchen jämmerlichen Lohn die Arbeiter für dieic unmenschlich lanae ArdeitSze-t erhalten. Und wie beschcineoj sind die Herren Ziegelmeister, daß fie nur 2 Stunden obg«� jossen willen wollen und ferner, was eigentlich selbstverständ-j lich sein sollte, erst darum erluchen, daß der Ziegeleibesitz� etwaige ohne Verschulden der Albeiter entstandene Verluste—! theilweise trägt. Solche Verluste hat der Unternehmer nach vernünftigen Anschauungen ganz zu tragen, denn in seinem Interesse wird die Saison so früh begonnen, daß Verluste durcs Frost unvermeidlich sind; er sack- den Piofit für die m>h» fabrizirte Waare ein und dann soll schließlich der Aibeiter ta* Rlsiko Lagen. Au» Franken, 7. Oktober. Gestcm hielt die fränkisch Sozialdemokralie eine Pioomzialkonferenz in Bamberg ab, n* sich wegen der Aufstellung der Kandidaturen für den R ict'' tag zu verständigen. Anwesend waren Vertreter von Ri»' berg, Fürth, Schwabach, Kronach- Lichtenfels, Regensburc, Schweinfurt, Würzburg, Forchheim-Kulmbach, Bayreuth, Hm! und Bamberg. Im Ganzen 24 Personen. Aufgestellt wur» dm: Nürnberg: Grillenbcrger. Fürth: Bebel. Würzdu'»: Segitz. Bamberg: Oehme. Bayreuth: Wörlein. Hof: GL Löwen stein. Schweinfmt: Eilzrnger. Kronach- Lichtenset»' Scheuen. Foribheiw-Kulmbach: Wiemer. Schwabach: Pelz- Regensburg: W. Ernst. München, Aschaffenburg und Lobr. sowie Rothmburg a./T. sollen ebenfalls noch mit Kandidaten bedacht werden, Vertreter aus jenen Kreisen waren nicht an» wesend. Schw-iz. Der„Schweizerische Sozialdemokrat" giebt folgende fle' nauere Statistik der R e f e r e n d u m S- U n t er» schrift en: Zürich. Affoltern a. A. 3S, Affoliern b. H. 47, Altstetten 74, Außersihl 1098, Brütten 50, Bertschrkon 24, Tic- tikon 89, Dürnten 7. Dretlikon 15, ElSau 11. Elgg 48, Em- brach 14, Enae 5, Erlenbach 34, Feucrthalen 28, Fluntern W Elurlrngen 32. Hagenbuch 13, Hedir.gen 50, Hirslanden 97/ iitnau 22, Hönga 90, Horgen 171, Holtingen 55, Kiißra» 188, Lindau 41, Langnau 60, Männedorf 22, Neftendocd» Oderrieden 89, Oberstraß 196, Oberwintertbur 222, Oerli�. 188, Opfikon 64, Psäjfikon 77, RrchterSweil 21, Riesdach 3I* Rieckendach 11, Roibas 54, Rüs-tilikon 34, Rüti 75, Seen l-1- Scholtrkon 9, Schwainendnigen 61, Seebach 94, Stäfa 5, To> 145, Thalweil 263, Turbentbal 33, Unterstraß 160, Uli er Vetiheiin 241, Wald 30, WädenSweil 102, Wredikon 16" Wrnierthur 688, Wipkingen 126, Wulflingen 169, MollrShofl« 23, Z ll 70, Zürich 291. Total 6772. Bern. Aarinüble 17, Aefligen 16, Attiswyl unbescheiniot- AuSwyl 29, Bern 1909, Belp 60, Biel 146, Bözingm 89. Bolligen 97, Bremgarten 45, Brislach 13, Buigdorf 14, Büu» plitz Corlebert 30, Corgömont 106, Goldiwyl unbeschemM/ Ha?le 40, Hilterfingcn 29, Köniz 89, Lance rthal 2, Lananau Ii Laupen Liitzesslüh 42, Muri 77, Madretfch 64, Mett 43, Me-- ringen 73, Muhlcberg 83, Münchenbuchsee 1, Neuenstadt 3a, Oberbalm 47, Oberburg 39, RriegSau 46, Rcconvillier 11, Rogt' wyl 26, St. Immer 80. Seedors 78, Sonceboz 54, StesfiSdvül 38, Slrätt'ingen 86, Thun 207, Tramelan 69, TavanneS ts. Uetendorf 29, Unterseen 46, Wohlen 28, Zwingen 18. Totck 4209. verräth es nicht. Sie blieb konsequent bei der Bi- hauptung, sie erinnere sich an nichts, was mit ihr«ll- schehen war. Ihr Schrecken sei so groß gewesen, daß All� aus ihrem Gedächtniß geschwunden, wie ein Traum. kann Athalie nicht anklagen. Man konfrontirte sie nic� einmal mit ihr. Timea liegt noch immer an den erhaltenen Wunden dar- nieder, die nur schwer heilen. Die GcmüthSerschütterungejJ greifen sie noch mehr an, als ihr Wundfieber. Sie zittert für Athalie. Seit jenem Schreckenifall läßt man sie allein: ein Arzt und eine Wärterin wechseln in ihrer Pflegt ab; bei Tag weilt auch der Major an ihrem Bett unü auch der Vizegespan besucht sie öfters, um sie auszuforschen i allein so wie die Rede auf Athalie kommt, verstummt Tiw� plötzlich, und es ist kein Wort mehr von ihr herauszU' bringen.. Einmal räth der Arzt, man möchte für eine aufheiterni* Lektüre Sorge tragen. Timea hatte schon das Bett ver- lassen, und empfing die Besuche in einem Lehnstuhl sitzen»- Herr Katschuka schlug vor, die Namens tagSgratulatione" durchzulesen, welche an jenem denkwürdigen Tage einsp'- laufen waren. Das wird auch die beste Lektüre sein; d>' naiv unschuldigen Glückwünsche derPathenkinderandie wunder', bar vom Tode Gerettete, die noch von Niemandem gelesen worde"- Timea hat noch immer den Verband auf ihren Höndes Herr Katschuka muß die Briefe selbst erbrechen und liest 9 Timea vor. Auch der Vicegespan ist anwesend. Das ficht der Patiensin erheitert sich bei dieser Lektüre, die$ jetzt so wohl thut. (Fortsetzung folgt.) 57. Aus M unt? unk» Lebe»« Aua Innsbruck wird der„Franks. Ztg." ges-bri«� In einer Sandgrube an dem in nächster Nahe, am Fuß« nördlichen Milt-lgedirgsierrasse, befindlichen Judenbüha, w- � von einem Arbeiter kürzlich ein interessanter Fund gemach' k .nämlich cin Menschenschadel aus der Zeit der ältesten bekav" L u z e r n. Buchen riin 29, D'e tfon 25, Vachdorf 59, Hohenrain 100, ftricnS 121, ßitiau 46, Luzein 439, Rool 75, Ruhwyl Schwarzenberg 58, Schongau 44, direkt eingereicht 629. Total 1713. Ur i. Aitdorf 133, Bürgten 26, Erstfeld 19. Total 177. S ch w y z. A,th 192, Freienbach 50, Küßnacht 38, Schubel- Bach 80, Schwyz 30, Winren 60 Wallerau 100. @ laru«. Er.nerda 47, HaSlen 85. Linntlhal 122. MolliS 50 Näfels 127, Niederurnen 94, Niedern 31, Rutti 12, Schwanden 89. Total 657. Zug. Baar 419, Cham 62, Hünenberg 37, Wenzingen, 137, Neuheim 50, Oberägm 28, Rijch 41, Zug 188. Total 962. s? r e i b u r g. Barderöche 50, Cocmerod 15, Corsalettes 20, Chandossel 13. Cordost 31. Courtepm 27, Courn'llenS 70, kfourleron 36. Freiburg 180, Galmiz 33, Gurmels 48, KerzerS 53. Mifery 30, Murten 30, Romo..t 6, Salvenach 30, Ulmiz 50, Wallenried 3. Total 730. S o l o t h u r n. Balsthal-Klus 20, Däniken 60, Deren» dingen 60, Feldbrunn-St.NiklauS 24, Gretzenbach 14, Grenchen Z37, HrberSdorf.GünSberg 31, Kappel 17, N>edererlisbach 50, Ölten 240, Solothurn 254, Starrkiich Wil 41, Stüßlingen 9. Total 1157. B a s e l st a d t. Basel 1034, Bettingerr 1, Klein-Hüningen 30, Rieben 63. Total 1128. Baselland. Besch 112, Alllchwyl 162, Arbolzweil 43, Binningen 77, BirSfelden 190, Mutlenz 40, Oberwyl 93, Pfeffingen 36, Reichnach 55, Sissach 28, Thtrwyl 37, Walden» bürg 17. Zunzgen 6. Total 896. Schaffyausen. Buchthalen 9, Herblinaen 15, Lohn 47. Merishausen 17, Neuhausen 77, Schaffhausen 137, Total 352. Appenzell A.- Rb. HeriSau 352, Rehetobel 50, Speicher 25, Schwellbiunn 9, Teufen 154, Trogen 8, Urnäsch «2, Wald 23. Total 663. Appenzell I.- Rh. Appenzell 79. St. Gallen. Ebnat 24, Flawyl 14, FlumS 63, Gaiser- wald 128, Goldach 68, Gostau 65, Henau 308, Jona 76, Kappel 27, Krinau 23, Mörsckwyl 35, Oberuzwyl 134, Quarten «9, RapperSwyl 99, Rheim ck 12, Rorschach 184, Rorschacher- berg 54, St. Gallen 345, Schmerikon 34, Straubenzell 136, Tablat 199, Wattwyl 12. Total 3002. Graubünden. Arosa unbescheinigt, Chur 290, DavoS 130, Ems 201, JgiS 21, SchierS 27, SeewiS 23, Somvir 100, TaminS 17, TrimmiS 5, Untervaz 1, Balzeina 16, ZizerS 64. Total 895. A a r g a u. Aarau 25, Aarburg 42, Baden(unbescheinigt). Bcittnau(unbescheinigt), Burg 23, Frick 80, Menziken 15, Neuenhof 26, Niederwyl 17, Oftringen 48, Reinach 45, Rhein- selben 25, Turgi 16, Wettingen 39, Zofingen 18. Total 419. T h u r g a u. Aadorf 69, AmriSwil 21. Arbon 15, Bischofs- zell 21, Fcauenfeld 22, Müllbeim 23. Romanshorn 24, Wein- selben 95. Wigoltingen 24. Total 314. T e ssin. Biasca 41. W a a d t. Chälelard 6, Chenit 6. Grandson 15, Lausanne 143, MorgeS 3, Nyon 15, Orbe 2, PlancheS 6. Total 191. Wallis. St. Niklaus 1, Sitten 68. Total 69. Neuen bürg. Chaurdefonds 223, Locle 65, Neuenburg 57. Total 345. Genf. Genf 524. Großbritannien. In London hat eine Frauenbewegung begonnen, welche unsere lebhafteste Sympathie erregen und zur Nach- «iferung anfeuern muß. Die Bewegung erstrebt nicht mehr und nicht weniger, als die Nähterinnen gewerkschaft- lich zu organisiren. Seit Hood'S„Lied vom Hemd" die Aufmerksamkeit auf das Elend der Londoner Nähterinnen gelenkt hat, sind schon verschiedene„Bewegungen" zu Gunsten dieser Unglücklichen in'S Werk geseht worden. Allein dabei bandelte eS sich stets nur um mehr oder weniger ernstgemeinte Werke der Mildihätigkeit und des Almosens. An eine gewerkschaftliche Organisation der Nähterinnen wurde nicht im Entferntesten gedacht. Und es muß auch zu- g-geben werden, daß auf den ersten Blick eine solche unmäg» lich erscheint. Aber nachdem es gelungen ist, den Londoner Dockarbeitern, deren Lage in mancher Hinsicht eine ähnliche ist, eine feste Organisation zu geben, kann auch eine gewerkschaftliche Organisation der Nähterinnen nicht mehr für unmöglich erklärt werden, zumal derselbe Mann die Sache in die Hand genommen hat, welchem die Londoner Dockarbeiter ihre Organisation und ihren glänzenden Sieg verdanken, nämlich John Burns. E« haben bereits große Versammlungen stattgefunden, und bei dem außerordentlichen Geschicke des Leiters der Bewegung und bei der allgemeinen Theilnahme und freundlichen Stim- nrung des Publikums, dürfen wir uns den besten Hoffnungen hingeben.— Lra«kr-ich. Die soziald emokra tische Partei hat bei den französischen Stichwahlen nickt erfolglos gekämpft. G u e s d e ist zwar, gleich L o n g u e t, unterlegen, dafür haben Besiedelung des Innthals. Es ist dies der zweite, der im ge- nannten Thal bisher gefunden worden ist. Der erste, in Be- »ug aul sein Alter aber nicht so genau bestimmbar, war auf dem Mittelgebirge am anderen Jnnufer, beim Bau der Schu- macher-Villa in NatterS, vor einigen(ich glaube drei) Jahren ausgegraben worden. Der oben erwähnte Judenbühel ist ein Schuttkegel, eines jener Abschwemmungsgebilde, welche nach der letzten Vergletfchernng aus den glacialen Ablagerungen der- selben(den jctzigenMittelgebirgStelraffen)am Fuße derselben durch Erosion entstanden sind. In ihnen wurden bisher die ältesten Zeugnisse für die Besiedelung des Innthals gefunden: Thier- lknochen, Holzkohlen, Scherben ungebrannter Thongefäße und dergleichen. Der neueste Fund nun lag mitten in dem Schutt» leget, eingeschwemmt— nicht eingegraben. Er ist also, wie der hiesige Universitätspiosessor J.Blaas ausführt, mindestens eben so alt wie der Schuttkegel selbst und älter als die prähistorischen tfriedhöfe auf den Schuttkegeln, wie deren mehrere bekannt nd. Anderseits kann er, da der Schwemmkegel, wie schon er- wähnt, der postglacialen Zeit angehört, also jünger als die letzte Vergletscheruna des Jnnthales ist, nicht dem paläolitischen Menschen aus der Zeit des Mammuth angehören. Der älteste bisher bekannte Bewohner des Jnnthales ist also neolitisch; mit ihm kommen Hirsch, Eber, Pferd und eine kleine Rinder- raffe vor. Der Schädel, beim Ausgraben leider stark beschädigt — Stirnbein und Gesichtstheile fehlen ganz— wurde dem tirolilchen Landesmuseum Ferdinandeum übergeben. Russtfche Klättrr veröffentlichen folgende interessante Mittheilungen über die Preise, welche die hervorragendsten Schriftsteller Rußlands für den Verkauf ihrer gesammelten Werke erzielt baben. Kurz vor seinem Tode verkaufte Tur- venjeff das Recht der Herausgabe seiner Werke auf„ewige Zeiten" Herrn Glasunoff für 90 000 Rubel. Auch Schtschedrm fssallykoff) unterhandelte wenige Tage vor seinem mit dem MoSkauschen Buchbändler Dumnoff Tode V Ssalaiewy. Dumnoff bot 60000 Rubel, aber die Sache zerschlug sich. Von anderen bekannten Schrift' Kellern erhielten für das Recht der Herausgabe ihrer Werke: Gogol«0000 Rubel, Puschkin 35 000 Rubel. ShukowKiz 5000 Rubel, Kryloff für seine Fabeln 14 000 Rubel, Nekraffoff 15 000 Rudel, Gontscharoff 35 000 Rubel, Ostrowskij 10 000 Rubel(für eine Ausgabe), Grigorowitfch 5000 Rubel, Aksakoff Z000 Rubel(für eine Ausgabe), Mey 1000 Rubel. In der testen Zeit verkaufte der Volksschriststeller Gleb Usvenskij feine Werke den Herren P-wlenkoff und Ssibirjakoff für 25000 Rubel. Herr Pawlenkosf oeranstaltete eine billige Ausgabe, die in einem aber gesiezt: B a u d i n im Chcrdepartement(mit 8002 gegen 7135 Stimmen); Lachize in Villestanche(die Zahlen liegen noch nicht vor); T h i v i e r in Montloucon(mit 5688 St.); F e r r o u l in Narbonne(mit 4823 Sl.); B o y e r in Mar- feille(mit 6551 St.); ferner C l u f e r e t, der Kommune- oeneral, in Toulon(Stimmenzohl noch nicht angegeben). Das Abstimmungsresultat in dem Wahlkreise, wo Guesde auftrat, war folgendes: Eingeschriebene Wähler 15 691. B r u y e, Radikaler, erhielt 2880 St.; Guesde 2301, P r i t o t,„Re- volut'onär" 919; Thourel. Radikaler, 563; Fabre, Bau- langist, 581. Bruye ist sonach gewählt. Wie man sieht, hat eine abscheuliche Stimmenzersplitterung stattgefunden, und ist die Niederlage Guesde'S durch dm Schwadroneur Pritot her- beigeführt worden, der im Dienste der Bourgeoisie dm„Re- volutionären" spielte und leider seinen Zweck: die Wahl GueSde's zu vereiteln, auch wirklich erreicht hat. Amerika. Das Territorium Utah, welches dm Vereinigten Staatm von Amerika schon so manche, nicht selten blutige Unannehm- lich leiten bereitet hat, befindet sich noch immer in nicht gerade sehr geordneten Zuständen. Durch die nach Kalifornien führende Pacificeisenbahn kommen dorthin aus dem Osten der Ver- einigten Staaten viele Einwanderer, die sich mit Vorliebe in Salt Lake City niederlassen, wo sich der Hauptsitz und die Ueberreste de« zerstörten Tempels der„sonderbarm Heiligen" befinden. Die Salzstadt bietet noch immer manche SehenSwürdigkeitm dar. Das Manukakturwesen ruht da- selbst zum größten Theil in den Händen von älteren Mormonen. Das ganze Territorium hat ungefähr 200 000 Einwohner, von dmm 150 000 der Mormonmsekte ange- hören. Die Nichtmormonen haben in nicht geringer Anzahl in Salt Lake City Beschäfligunz gesucht und gefunden, da sie durchschnittlich fleißige und untemehmende Leute find; manche von ihnen haben sich im Laufe der Zeit Grundbesitz erworben und betreiben u. Ä. mit Eifer das Bergweikswesen. Leider bestehen zwischen den neuen Ansiedlern und den Mar- monen keine sehr freundschaftlichen Verhältnisse. Eine strenge Durchführung deS gegm die Vielweiberei gerichteten Bundes- gefetzeS, welches nach seinem Urheber, dem Bundessmator Edmunds, genannt� ist, hat Mormonen und Nichtmormonen, letztere„GentileS" genannt, gar arg getrennt. Die Trennung ist dadurch vergrößert worden, daß die Bundesregierung manche Besitzungen der Mormonen, z. B. das Haus, in welchem die Wittwen von Brigham Boung, dem gefeiertm Oberhaupte der Mormonm wohnten, einzog. Auffällig ist es, daß die Mar- monen eine verhältnißmäßig starke Anzahl von Bier- und SchnapShäuscm haben oder doch duldm, obschon ihre Lehre ihnen dm Genuß von alkoholartigm Getränken verbietet. Die Nichtmormonen behaupten allerdings, daß die Anhänger von Brigham Poung diesen Getränken im Geheimen sehr zusprechen, ähnlich wie die Temperenzler. Am 5. August d. I. fand in Utah eine größere Wahl statt, in welcher jedoch die„GentileS" den Sieg davon trugen, allerdings nur in Salt Lake C-ty, nicht in der ganzen Grafschaft. Unter dm Mormonen herrscht vielfach die Ansicht, daß ihre Gegner nur aus politischen oder eigennützigm Absichten sie bekämpfm, nicht aus Gründen der Sittlichkeit. Geleugnet kann nicht werden, daß der Mormone in geschäftlicher Beziehung im Durchschnitt aufrichtig und ehr- lich ist; er hört aber auf dies zu sein, sobald religiöse Fragen oder das die Vielweiberei verbietende Edmundsgesetz ins Spiel kommen. In rein religiösm Dingen sollte man die Mormonen möglichst unbehelligt lassm, wie uns ein Frmnd mittheilt, der längere Zeit in Utah weilte. Vor wenigen Tagen hielt unter dem Vorsitze des Obersten G. L. Godfrey die Utah- Wahlkommission eine Sitzung ab, in welcher man sich u. a. dahin aussprach, daß in erster Linie die Vielweiberei abgeschafft werden müsse und daß es keinem Polygamisten erlaubt werde, in Utah sich niederzulassen.— Kürzlich fand in Siour City im Staate Iowa die Staats- konvmtion der demokratischen Partei statt, in welcher mit einer einzigen Ausnahme alle Grafschaftm vertreten waren. Unter dm bort gefaßten Beschlüssen ist vomehmlich derjenige hervor- zuheben, welcher die Ungerechtigkeit eines hohen Tarifes ver- uttheilt, dmn ein solcher„bereichere die Minderzahl der Ein- wohner der Union auf Kosten der großen Mehrzahl, mache dm Produzenten zum Sklaven der reichen Fabrikherren und lege die schwersten Lasten auf den Handwerker, den Farmer und die gewöhnlichen Arbeiter." Bis dahin zählte Iowa zu dmjenigen Staaten, welche bei größeren Wahlen für die Partei der Republikaner stimmten; es scheint jedoch, daß durch die Tariffrage, welche durch den Präsidenten Cleveland mit Entschiedenheit in den Vordergrund geschoben wurde, ein Umschwung zu Gunstm der demokratischen Partei ein- tretm kann. Suzisle Preiserhöhung für Tischlrrwaaren. Eine von der Berliner Tischlerinnung unter dem Vorsitz des Obermeisters Jahre einen Absatz von 10 000 Exemplaren fand. Auf diese Weise befindet sich fast die ganze russische Lileratur im Verkaufe, wobei als der Hauptkäuser Herr Glasunoff zu nmnm ist. Shukowskij, Lermonloff Nekraffoff, Turgenjrff und Gontscharoff werden von Herrn Glasunoff he. ausgegeben. Die höchsten Preise haben übrigens die in Rußland gebräuchlichen populären Lehrbücher erzielt, so zahlte der Buchhändler Polubojarinoff dem Verfasser der Lehrbücher für Acilhmetck, JewtuschewSflj. 50000 Rubel. Ginem Küre», mit welchem gegmwärtig ein Thier- bündiger im Nouveau Cirque in Paris Produktionen veran- staltet, war es am Sonntag Nachmit'ag gelungen, die Ketten, mit denen er in semem Käfig angesissett war, zu zerbrechen und sodann mittelst einer im Käfig zurückgelassenen Elsenstange die Thür desselben einzudrücken. Nachdem er sich so in Freiheit gesetzt hatte, begann er seine Promenade in dm Annexen und Stallungen des Zirkus. Ein Stallknecht, der in der Sattel- kammer eifrig beschäftigt war, fühlte plötzlich den Hauch eines warmm Athems im Nacken. Er wandle sich rasch um und man kann sich seinm Schreckm vorstellm, als er sich der Bestie gegenüber sah. Er hatte indessen die Geistesgegenwart, mit einem Pfostm, der ihm zur Hand war, den Bären heftig auf dm Kopf zu schlagen. Das Thier ergriff erschreckt die Flucht. Da begegnete ihm das gelehrige Schweinchen des Klowns Footitt. Der Bär packte diesm an- deren vierfüßigm Pensionär res Zirkus, schleppte ihn eine Weile mit sich, hielt dann Rast und schickte sich, an, das Schweinchen aufzufressm, indem es dessen Füße zuerst anbiß. Das kleine Borstenthier brach, angesichts dieses unkollegialischen Verfahrens, in ein fürchterliches Grunzen aus. Das anwesende Zirkuspersonal lief zusammen, machte aber vergebens Versuche, sich dem Bären zu nähem, welchen der Geschmack deS Blutes in vollste Wildheit versetzt hatte. Ein Mechaniker hatte schließlich den guten Gedankm, ihm einen Mantel über dm Kopf zu werfen. Auf diese Weise konnte man mittelst einiger rasch her- beigeschaffter dicker Stricke seiner Herr werden. Einige Augm- blicke später erschien auch der Thierbändiger, und der Bär konnte in seinm Käfig zurückbefördert werden. Die verhängnisvollen Ohrfeigen. Aus Pleß(Ober- fchleficn) wird folgendes geschrieben: Der hiesige Stadtkassm- rendant Marsch halte auch die wöchentlickzen und monatlichen Unterstützungen an die Stadtarmm auszuzahlen. Dabei paifirte es ihm, daß er der verwiltwcten Steuercxekutor Marie Herr- mann, einer hochbetagten Frau, eine Unterstützung von 3 M. aus Versehen zweimal auzzahltt und nachher bei der Abrech- Brandes veranstaltete Versammlung von Tischlermeiste r, welche von 800 Personen am Montag Abmd besucht war. nahm folgende Resolution an:„Die Versammlung hat d e Ueberzmgung aewonnm, daß die Preise für fertige Tischler- arbeiten mit den hochgestiegmen Preisen für Rohmaterialien, Mielhe, Zuschüssen zur Krankm- und Unfallversicherunoskosse und mit den anderm Geschäftsunkosten nickt gleichen Schritt gehaltm habm, und daß deshalb eine Erhöhung der bish.-r gezahlten Preise eintreten muß. Die Vectommlung ist ater auch der Ueberzmgung, daß ein vereinzeltes Vorqehm nur von Nachtheil sein kann, und daß lediglich eine Massenbewegung Aussicht auf Erfolg hat. In Erwägung dissen halten es die versammeltm Tischlermeister und Tischler-Arbeitgebec für an- gezeigt, die Preise für sämmtliche Tischlerarbeitm um 10 pCt. zu erhöhen und erklären es für Ehrensache, ohne diesen Preis- aufschlag keine nme Bestellungen entgegmzunehmm." Rur eins betonen wir hierbei: weshalb reden die Herren Jnnungsbrüder garnicht von den Lohnerhöhungen, die sie dm Arbeitem, wenn sie selbst ihr Schäfchm ins Trockene gebracht habm, ohne Zweifel doch bewilligen werdm?! Oder sollten sie etwa?--- Verfcrnrrnlunge«. Der Fachverew der Lederarbeiter tagte am Montag, dm 7. d. M., im Vereinslokal, Oranimstraße 180. Die Ver- sammlung nahm, ehe sie in ihre eigentliche Tagesordnung ein- trat, Kmntniß von dem Antwortschreiben des Poliz-ipräsiomtm auf die Beschwerde des Vorstandes, wegen Auflötung der Ver- sammlung am 9. September. Aus diesem Schreiben ging her- vor, daß die eingelegte Beschwerde als begründet erachtet und der betr. Polizeioffizier dementsprechend„rektefizirl" wordm rst. — Wegen anfänglich etwas schwachen Besuchs, nahm man Ab- stand, gleich die„Vertraumsmännerfrage" und das„V r- trauenSmänner-Reglement" zu berathen. Hierauf gcnihmigie die Versammlung das von der Arbeitsnachweiskommission aus- gearbeitete Reglement. Zu Punkt 4 der Tagesordnung:„Kampf umS Dasein" sprach Herr Robert Schmidt. Seine bclehrmdm und anregenden Ausführungen gipfelten darin, daß im Kampfe umS Dasein der einzelne unterliegen müss-, daß nur durch eine große, geschlossene Gesamwtheit dieser Kampf erfolgreich geführt werden könne. Unter„Vereinsangelegen- heilen" nahm die Versammlung, auf Antrag— die abgesetzten Punkte 1 und 2 doch noch zu berathen— das Req!emmt der Vertrauen- männer im Großen und Ganzen an. Infolge h t- tiger persönlicher AuSeiandersetzungen sah sich der 2. Voi sitzende veranlaßt, sein Amt niederzulegen. Der Verein beschloß ar.ch noch die Abhaltung eines Tanzvergnügens im November und bestimmte als Räumlichkeit hierzu das Vereinslokall Um d e vorbereitenden Schritte zu thun, wählte man jetzt dazu en Komitee von 5 Mitglredern. Unter„Verschiedenes" war niwr» anzuregen und wurde nun der Fragekasten erledigt. Einige Fragen gaben den Anlaß, noch innere Vereinsangelegenheiten zu besprechen. Schluß 12% Uhr. Die nächste Versammlung ist eine ordentliche Generaloersammlung. Kchöueberg. Am Sonnabend, den 5. Oktober, Isand in Friedenau im Kursaal unter Vorsitz des Maurers Hermann Gärtig aus Schöneberg eine öffentliche Volksversammlung für Friedenau und Umgegend statt, mit der Tagesordnung: Die Vertheuerung der Lebensmittel. Referent: Herr W. Werner. Diskussion und Verschiedenes. Die Versammlung war ävßeist zahlreich aus den umliegenden Ortschaften besucht. Herr Werna erledigte fern Referat in einem einstündigen Vortrage, der von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen wurde. Zur Diskussion meldete sich trotz mehrfacher Aufforderung des Vorsitzenden kein Gegner zum Woit. Mehrere Redner sprachen im Sinne des Referenten, welcher für den Wahlkreis Teltow- Beeskow-Storkow als Rcichstagskandidat proklamirt wurde. Hierauf wurde folgende Resolution von der Versammlung ein- stimmig angenommen:„Die heute in Friedenau im Kmsaal tagende öffentliche Volksversammlung erkärt sich mit dem Refe- renten voll und ganz einverstanden und verpflichtet sich, bei den kommenden Wahlen nur dem Arbeiterkandidat ihre Stimme zu geben. Zu„Verschiedenes" wurde von einigen Rednern der Vorschlag gemacht, einen Verein fi'ir volksthüm- liche Wahlen zu gründen, welches ober von der Tagesordnung abgesetzt werden mußte, weil der Wirth nur bis 10 Uhr Kon. zession hat. Zum Schluß wurde noch Hervorgehoben, nur bei solchen Wirthen zu verkehren, die ihren Saal zu Arbeiter- Ver. sammlungen bergeben. Mit einem dreifachen Hoch auf die Arbeitersache schloß der Voisitzende die Versammlung. Spanba«. Am Montag Abend waren im Lokal von Behrendt in der Havelstraße einige dreißig Schuhmackergesellen versammelt. Nachdem beschlossen war, am 26. d. MtS. eine gemeinsame Festlichkeit zu veranstalten, wurden noch gewe-k- schafiliche Angelegenheiten besprochen. ES wurde u. a. darüber Beschwerde geführt, daß der Lohntarif vielfach nicht innc- pehalten werde, obwohl er von der Mehrzahl anerkannt wäre. Man giebt der Hoffnung auf Besserung der gegenwärtigen Zustände Ausdruck, und hält eine feste Organisation für das geeignetste Mittel, um das vorgestreckte Ziel zu erreichen. nung das Manko aas seiner Tasche decken mußte. Ferner wurden ihm von den Natural-Unterstützungen, die er ebenfalls zu verwalten hatte, zwei Brote gestohlen; den Verdacht des Diebstahls lenkte er ebenfalls aus Frau Herrmann. Als nun dieselbe wieder in das Kassenlokal kam, um ihre Unterstützung zu holen, stellte Marsch die Frau wegen der ihr zuviel gezahlten 3 M. zur Rede, worauf Frau Herrmann leichthin erwiderte: „Warum haben Sie sie mir gegeben." Der brutale Beamte gerieih hierüber in Zorn und versetzte der alten Frau eine Ohrfeige. Hierauf sagte die Frau abermals:„Warum haben Sie mir das Geld gegeben; Sie hätten es mir ja nicht zu geben brauchen." Der Rendant sagte zu der Herrmann:„Und dm Brote haben Sie mir auch gestohlen."„Ich bin keine Dielin," erwiderte diese. Marsch sprang nun abermals auf die Frau zu und versetzte ihr noch eine Ohrfeige, die kräftiger war, a!s die erste. Kaum hatte die Herrmann den Schlag empfangen, so begann sie die Augen zu verdrehen und am ganzen Körper zu zittern, so daß sie aus dem Bureau geleitet werden mußte. Im Hausflur setzte sich die Frau auf die Treppe, ihr Zusta, d verschlimmerte sich zusehends und am nächsten Tage war sie eine Lerche. Der ärztliche Befund ergab, daß der Tod durch Gchirndruck, hervorgerufen durch die heftige Ohrfeige, einge. treten war. Gegen den brutalen Beamten hat der Staate- anwalt das Verfahren wegen Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange eingeleitet. Urber die gege«tt>ärtige Ausbreitung des Kabel- «etzes der Grde entnehmen wir dem Archiv für Post und Telrgraphie einige interessante Angaben. Seit den ersten An- sängen im Jahre 1351 mißt da« seitdem bis einschließlich 1888 gelegte Kabelnetz inSgesammt 23 1 889 Kilometer, zirka 33000 Meilen, eine Länge, mit welcher man die Erde fast sechsmal umspannen könnte. Allerdings sind die älteren vor 1869 ge- legten Kabel bis auf einige im Persischen Golf meist verloren gegangen, so daß das gegenwärtig in Betrieb befindlicheKabel- netz der Erde eine Lange von etwa 210000 Kilometern besitzt. von denen nur ungefähr der zehnte Theil in staatliche N,r» waltung, der übrige in den Händen von Privatgesellschaften ruht. Von den einzelnen Staaten besitzt Frankreich das längste Kabelnetz mit fast 6000 Kilometern, von den Privatgesellschaften ist die Eastern Telegraph Company mit 35 000 Kilometern die Bedeutendste. Theater. Donnerstag, den 10. Oktober. Mvtvnk*tt*. Rigoletto. KchirnsVietha«». Die Ouidow's. Deutsches Theater. F-ust's Tod. L»»i>t»0'Theat»». Das letzte Wort. . Wtthel«KKd tische» Theater� Orpheus. Meitveas-Theater. Fernande. Dtaltuer-Theater. Der rechte Schlüssel. Ptttetarte-Uheater. Stanley in Afrita. chftevd-Theater. Lorbeerbaum und Bettelstab . Theater. Der Zauberlehr� liny. ßtSatgltadtische- Theater..'Ne feine Familie/' Ventrwl-Theater. Das lachende Berlin. M»!ph GraK-Theater. Flotte Weider. «Sedr. Michter'« Mari�t«. Spezialitäten- Vorstellung. U»ich«halte»- Theater. Gr. Spezialitäten« Vorstellung. KerUner Theater. Donnerstag, den 10. Oktober: Die wilde Aagd. Freitag, den 11. Oktober: 6. Abonn.-Vorstcllung «in Tropfen Gift. Sonnabend, den 12. Oktober: Demetrius. 15 Wallnertheaterstraße 15. KW Volks- SoeMlitiites- Theater. „Strohwitwer". Berliner Lokalpossc mit Gelang. „IRitsutaS'', Holkünstlcr Sr. Majestät des Kaisers von Japan.»Miss Martnella". das medizi- mische Wunder.„Wilhelm Fröbel", Berliner Bolkshumorist.„Martha Fiori", Jlca Neufeld, Sängerinnen. Hulda und Pept Haber. Wiener Gelangs-Duettiltm. b0 Pfennig. Familien- BilletS �»wev 3 Stück 1,00 Mark. Anfang 7h Uhr.— Sonntags 6j Uhr. 140 Z�»nv>»ivan»l'kvalon. 1885 Dresden erst?. 55. Täglich Vorstellung. Cipcus Renz. Karlftraße. Heute, Donnnerstag, 10. Okt., Abends 7 Uhr. Austreten des Sergeaut StmmS' jugendliche Zuaven-Truppe in ihren neuen staunenerregen- den Schlachten- und Lagerbildern.— Vor- führen der 12 arabischen Schimmelhengste durch Herrn Franz Renz. � Austreten der renom- mirten Kiinmerfamllie Briatore.— Das Schul pferd Kandel-ber, geritten von Herrn Oscar Renz.— Concurreuz der beiden Jockey Reiterinnen Geschwister McerS— Auftreten der Schul, eiterin Frl. Guerra mit dem Schul- pferde Rubin unv Vollblutspringpferd Fleigt Flegh.— Auftreten der Reitkünstlerinnen Frl. Orford, Frl. Natalie und Adele.— Gigerl- Ouadrtllc. geritten von 16 Damen.— Morgen Vorstellung. Sonntag 2 Vorstellungen. E. Renz, Direktor. Cipcus Busch. Friedrich-Karl-Nfer. Heute 7i Uhr: Große brillante Vorßellnng. Zum 3. Mal: Hin Traum in den Nor- wegischen Gebirgen. Grohe Original- Aus- stattungS-Paniommle in 2 Akten u. 18 Bildern, nach norwegischen Sagen frei bearbeitet und m Szene gesetzt vom Direkior. Hyppologische- Votpomr, vorgeführt vom Direktor. Ein Liebes- spiel zu Pferd, auSgef. von' Fr. Direktor Busch urrd Frl. Marie Dore. Campeador, geritten vom Direktor. Schulreiterin Frl. GodlewSki. Der Esel„Rigolo". 50 M. Prämie, wer den- selben 3 mal um die Bahn reitet. Kameel und Zebra, in Freiheit dressirt von Herrn Wagner. Zum Schluß die Kanonenkönigin Miß Bictocina. Näheres die Plakate. ll74 »«ff*«- IT».» M.— 10». KttiffSP-RaBorani«. In dieser Woche: SavoyenS maler. Alpen. Neu? lv. Cycl.: Pariser Welt- Ausstellung oi« Unsstellunasvork' in. CykluS der Pariser Welt-AuSstellun». Sin« Reife 20 Pf., Kind nur t0 Pf. Adonn »«eile» I M Eröffnung. Allen Freunden und Bekannten empfehle ich mein neu renovirtes We!� und Kn!r!slh-M-ßokal nebst allen Sorten Branntweine. ll75 Vr. Oelze, Kleine Anbreasstr. 19. Döbel, «Igen. FMbHk. Siiüiel i Polstenaareii Gr. Lager, bilL Preise I Ernsl Heyn, Brunnrnstr. 58, Hof p«rt ThelU. naefa Ucbereinkuaft Rohtabak V-Äe'*' am hiesigen Platze bekanntlich s1653 LpL.sIe stu.mnkl» Karantirt sicher brennende Tabake. 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Ersatzwahl derselben. 2. Haben die Arbeitsein- stellungen Einfluß auf die Steigerung der Mielhspreise?(Referent: Herr Groihmann.) 3. Diskusfion. 4. Verschiedene Vereinsangelegen- heilen. Der Borstand. bl». BilletS zum Stiftungsfest find in der Versammlung zu haben. 178 Mp. UMackittt-Imin KerUvs«. Umgegend. laDovse Venssminlung Freitag, den 11. Oktober, Abends 8 Uhr, in Renz' Salon. Naunynstr. 75. T ages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn F. Z u b e i l. Thema � „Das KoalitionSrecht. 2. Diskusfion. 3. Die Maßregelung der Nürnberger Kollegen 4. Verschiedenes, Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreichen Besuch bitiet Der Barstem». Willig! MMackiter! Die Bibliothek des Allgemeinen Metallarbeiter- Uereius B-rlm u. Umgegend, sowie der Arbeitsnachweis für den Süden befindet fich von heute ab nicht mehr in der Neanderstraße Nr. 5. Die Mitglieder werden ersucht, die Bücher bis auf weiteres Ritter»trs..e Ho. 15 bei Otto Klein abzugeben resp. umzutauschen. Berlin, den 9. Oktober 1889. 179 Der Vorstand: Joseph Hartmann. wääT Ein- Partie fehlerhafte [1359 1 Heppiche! 1 ! in Stoffgrötze ä 5, 6, 8 und 10 Mark. � in Smonaröke ä 12, 15, 20-50 Mf. m Stvffgroste ä 5, 6, 8 und 10 Mark. in Smongrotze ä 12, 15, 20-50 Mk. Werth das Doppelte! 4 10, 12, 15—40 Mark. 500 Muster stets vorräthtg. K Emil Lefövre, Verlin 8., Lranienstrustc 158. Jlluftrtrte Musterbücher franko. .MttM«". 32 Rosenthalerstr. 32, Ecke Sophienstraste, Eckladen. Billigste unv reellste«ezugSauelle für elegante Herren- u. Knaben-Ä-rderobe. ■ÜF* 20 000 elegante Winter-PaletotS neuester Mode im Gr. Mafien-Auöver- kauf(sonst 25 M.) sitzt nur 12,50 M. 20000 Wtnter-Palet-is(tonst 45 M.) jetzt nur 15 u. 18 M. W SO 000 Wmter-PaletolS. Schuwalosss u. Ulster- Mäntel, die denkbar besten u. elegantesten Pracht-Eremplare(sonst 75 M.) jetzt nur 20, 21, 24; 27, 30, 33, 36, 38 M. HT 10000 Hochs. Jockel- und Rock-Anzüge, 8000 ent- zückende, mollige Schlafröcke, schwarze An- züge, Hosen u. 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Es wurde öffentlich im Reichstage erklärt, ein großer Theil dnr G-oßkapitallsten, der Großfabrikanten, denke nur m:t Schrecken an die Zeit, in welcher sie v elleicht einmal ohne die Fesselung der Arbeiter durch das Sozialistengefftz denselben würden gegen übertreten müssen. Durch diesen Ausspruch ist kiar und deutlich bewiesen, daß es diesen Gesellschaftskreisen, die in der heutigen politischen StaatSeinrichtung maßgebend 8 rd, nicht sowohl darum zu thun ist, Staats- und Gesellschafts- vrdnung gegen Umsturz, als vielmehr ihren Kapilalprofit gegen die berechtigten Ansprüche der Arbeiter zu schützen. Wir sagen mit Vorbedacht„berechtigte" Ansprüche der A beiler, abgleich wir wissen, daß über das Maß dessen, na«„berechtigte" Ansprüche sind oder was als„unberechtigte" Ansprüche zu betrachten sind, zwischen uns und diesen Herren Großkapitalisten, Großsabrikanten, sebwerlich sich eine Eini- gung wild herstellen lassen. Diese Herren glauben fämmtlich, die„berechtigten" Ansprüche der Arbeiter hätten ihre Grenze nock unteihalb des zum Unterbalte einer Familie noth- wndigcn Mindesteinkommens, während wir frei ich die An- 84t ve> treten und verfechten, daß der Arbeiter außer diesem Mindesteinkommen, das zum Unterhalt der Familie ausreicht, »ock Anspruch aus ein Mehr hat, durch welches ihm auch ein Aniheil an den Genüssen unserer Kultur gesichert ist. Wir haben in der letzten Zeit gesehen, daß die Unter- nehmer die Anforderungen der Arbriter für unberechtigt er- Hären, wenn nachgewiesen oder auch nur behauptet wurde, ein Bergarbeiter könne 3 bis 4 M. täglich verdienen. Man sagte, ein Mann, der soviel verdient, befindet sich nicht im Nothstaiide und ein Arbeiter, der nicht im Nothstande ist, b. h. der noch das blanke und nothwendige Mindesteinkommen, das knappe Futtergeld ei hält, darf nach Mehreinkommen nicht streben und heson derS sich nickt zur Erreichung eines solchen Mehreinkommens sut keinen GewerbSgenossen verbinden. Diese Unternehmer sprechen dem Arbeiter also jeden An- sv«ch auf ein menschenwürdiges behagliches Dasiin ab. Da nun aber der menschlichen Natur nach solch Anspruch, folebeS Streben sich nicht beseiiigcn läßt, verlangen die Unter- n bmer nach„Gesetzen" oder Anordnungen, um dieses Streben, prese Ansprüche niederzuhalten und zu unterdrücken, da sie dem Rapitalprosite widersprechen. Wir haben schon öfters gezeigt, mir diese Unternehmer, diese Gesellschaftskreise den Kapital- D'i fir als den Zweck nicht nur von Staat und Gksellschast, ton sern eigentlich des ganzen MenkchendaseinS ansehen. tu dieser Riederhaltung der Ansprüche der Arbeiter sollte onal, stengesetz dienen, zu solchen Z vecken ist cS auch mit mehr oder weniger Offenheit und Schärfe angewendet »■ordcn, wo man nicht, wie im Königreich Sachsen, am Ver- einsqesetze eine ziemlich ausreichende Handhabe zum Unter- drücken der berechtigten B-strrbu' gen der Arbeiter hatte. Man bit Arbeitervercinigungen, Lohnkommiisionen, Fachvereine auf Grund des SozialisteugesetzeS unterdrückt, wenn sie den Unter- nehmein unbequem wurden. Der Streikerlaß des Herrn von Vullkamer gab dazu die maßgebende Anweisung; man hat Pol fönen auf Grund des Sozralistengcsctzrs unter dem Vor- flvben verfolat und ausgewiesen, baß von ihnen eine Gefähr- dang der öffmtlichen Sicherheit und Ordnung zu besorgen wäre, nur weil sie bei Arbeitseinstellungen den Unternehmern unbequem waren. Nun ist das Sozialistengesetz den Unternehmern und drr ganzen kapitalistischen GesellschaftS gruppe aber nach einer anderen Richtung hin unbequem geworden. Dasselbe ist ein Gesitz auf Zeit. Es muß in gewissen AeiaMchnitten erneuert werden. Diese Erneuerung, die nur durch Verhandlungen im Reichstage zu erzielen ist, wurde von e niarn soz aldemorratischen Reichstagsabgeordnelen mit großem Geschick und schneidiger Energie benutzt um die heutige Gciell- fchrfisordnuna und ihre Stützen dermaßen zu kennzeichnen, daß »-e is die Röche der Wuth, theils bei einzelnen derselben auch die Roche der Sckam aus ihren Wangen brannte. Wie saßen sie da. als die Bebel-Singer'schen Enthüllungen die Thaten der „R chtehrenmänner" und ihrer Beschützer und Auftraggeber aufdeckten, als die ganze Denk- und Handlungsweise dieser Siützen von Ordnung, Thron und Altar dem bange staunenden Volke dar- und klargelegt wurde. Dieser Peitschenhieb schmerzte und schmerzt noch heute, sr-ne Wiederholung soll verhindert werden, deshalb enistand bei der kapitalistischen Reichst agsmehrheit der Ruf nach Beseitigung d« Sozialistengesetzes. Kein zurechnungsfähiger Mensch hat j ni.ils daran gezweifelt, da? diese Beseitigung in einer Auchebung der die Arbeiter drückenden Bestimmungen dieses tIefetze« bestehen sollte, nein, diese sollten und sollen roch heute voll und ganz ausrecht erhalten werden, auch später «och soll unter dem Vorgeben, den Staat und die GesellschaftS- ordnung zu schützen, der Unternehmerverdienst, der Kapital- p�efi�, geschützt werden gegen berechtigte Ansprüche der Arbeiter. Dies geht aber nur, wenn es Gefetze giebt, die sich einseitig nur gegen Arbeiter anwenden lassen, die ein Klassenrecht gegen d« Arbeiter einführen. Das soll so bleiben, aber die öffent- liche Besprechung dieses Zustandes soll verhindert werden. DaS war und rst der Kern aller Rederei und Schreiberei über Ersatz »der Umänderung des Sozialistengesetzes. W-c das irichtjchon lange wußte, wird offen und ehrlich durch eine Broschüre darüber belehrt, die ein Rechtsanwalt Tr. Ludwig Fulb in Mainz herausgegeben hrt. Er sagt: „Die Nachtheile, welche das Fortbestehen eines Aus- nahmegefetzes und seine stete Verlängerung für das politi- sche Leben unseres Vaterlandes hat, brauchen wir nicht herrorzuheben, sie find jedem, der die politischen und sozialen Vorgänge im Reich aufmerksam verfolgt hat, deutlich erkennbar; wir sehen einen der größten Nach- iheile nicht etwa in dem AuSnahme-Charakter des Gesetz:«, also in einem theoretischen Umstand"— Ei bewahlt! es ist ein bloßer theoietischer Umstand, « nn die Arbeiter einem gegen sie als Klasse gerichteten Gesetze g�genub-c stehen, das sie in ihren Bestrebungen um die Erlau- *"!? günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen hindcil, daS soll 3l"li MtJ0 bleiben, sondern et soll womöglich noch mehr er- »eicht werden. Herr Fulb sährt fort: sondern ,n der großen Aufreizung, welche die jeweilige »crlangerunq nicht nur für den Reichstag, sondern sur t!?f'SW lnit sich bringt. Die Debatten, welche bei drefer GHegeuheünn Parlamente sich abspielen, gehören mit zu den allirunerquickltcksten(ja, cS ist höchst unerquicklich, � Lockspitzel aufdecken zu sehen. Die �chsiiri.); nt wirken auf weite Kreise des Volkes im höchsten Grade erbitternd und verhetzend(sehr wohl, ein großer Therl des Volke« sieht dabei, was in Wahrheit ae chreht, und fühlt sich nicht sehr erbaut davon. Die Schrrftl.); sie beeinträchtigen die erfolgrdche Wirkung brr sozialresormatorischen Gesetze(man kann c» nrchl immer recht unterscheiden, ob es der Unverstand oder Heuchelei ist, wenn von der„Wirkung" dieser Gesetze ge- sprachen wird. Wir lassen da« auch dahingestellt. Die Schrrftl.); sie beunruhigen und erregen die Arbeiterbe« völkerung(dieselbe wird bekanntlich nicht durch die ihr zugefügte Ungerechtigkeit, sondern nur durch die Auf- vcckung derselben beunruhigt und erregt. Tie Schriftl.) und es wird schwerlich Jemand leugnen wollen, daß die Wirkung der Reden, welche bei den betreffenden Reichstagsverhandlungen seitens der sozialdemokratischen Reichstazsabpeordneten gehalten werden, in Arbeiter- kreisen nur s.hr, sehr langsam verhallen."(ES wäre zu bedauern, wenn sie verhallen würden, sie verhallen ganz sicherlich nicht. Die Schriftl.) Wenn Herr Dr. Ludwig Fulb in irgend etwas die Sach- läge richtig gezeichnet hat, so ist es in dielen Sätzen geschehen. Sie sagen die reine ungeschminkte Wahrheit: Beibchaliung nein, Verschärfung der Ausnahmebestimmungen gegen die Ar- beiter, aber Verhinderung, daß darüber öffentlich gesprochen wird. Es fragt sich nur, wie wird sich dicfir Zweck erreichen lassen? Herr Dr. Ludwig Fulb macht eine Anzahl Vorschlage, einige Paragraphen des Strafgesetzes so mit kousschukartigen, nicht fest bestimmbaren Begriffen auszustatten, daß mit ihnen jede den kapitalistischen Ausprüchen irgendwie unbequeme Kritik oder Erörterung bestehender Zustände an der Hand von ganz geringer AuS- und Unterlegekunst der Richter durch harte Strafen zu treffen ist. Herr Ludwig Fulb und alle diejenigen Juristen und Nichtjuristen, die diesen Weg gehen wollen, verlassen sich auf das Anklagemonopol der Staatsanwaltschaft. Sie setzen voraus, daß es dabei zugehen wi-d, wie mit 8 und lö dcs preußischen VereinSgesetzeS, daß man nur gegen diejenigen Personen, welche die Rechte der Arbeiter gegenüber dem Kapital vertreten, diese Gesetze anwen- den wird. Sie haben ja die heutige Erfahrung für sich. Da sind aber doch andere, wensichtig-re Politiker in man- chen kapitalistischen Kreisen. Diese wissen, daß der Vorwurf der„Rcichsfeindschast" heute billiger ist, wie Brombeeren. Heute noch stole zum Frühschoppen bei Reick SkanzlerS, morgen sckon todt im Abgiunde der Reichsseinde! Heute bis zum Ouitschen an die Wand gedrückt, und morgen schon die An- wartschaft, den Löffel auch in die große Staats- und Suppen- schlisset stecken zu können. So schwanken beut« Gunst und Ungnade nach orientalischen Vorbildern. Heute Lastträger, morgen Großvezier, übermorgen gepsähll! Da fürchte! sich jede Partei, den Pfahl aufzurichten und zuzuspitzen, weil sie nie wissen kann, wann er bestimmt sein wird, ihr eigenes Fleisch zu durchbohren. Beim Sorialistengesetz besitzen sie eine bün- dige Erklärung, daß dasselbe nur gegen die sogenannten sozialistischen Ansprüche der Arbeiter angewendet werden soll, und dieses Versprechen ist, ganz geringe, kleinere Ucbcrgrrffe abgerechnet, auch gehalten worden. Bei den Gesetzparagrapben des SrafgesetzbucheS kann ein solches Versprechen ober unmö'g- lich gegeben werden. Da liegt der Haas« im Pfiffer! So wird es denn wohl beim Alter» bleiben müssen! Herr Dr. Ludwig Fulb spricht für Fallenlassen der AuSweisebcfugniß aus den Belagerungsgebieten, aus dem bekannten Grunde, daß die„OcdnungSparteien", wie die lapitalistiscken Anarchisten sich gerne nennrn, damit schlichte, die, Sozialdemokraten aber gute Geschäfte gemacht haben, so daß man jetzt schon von dicser AuSwcisebefugniß Ünur noch äußerst selten Gebrauch macht. Nun, um dahin zu gelangen, braucht man kein neues Gesetz, nicht einmal die Abänderung der alten. Die Polizei braucht einfach im Okiober d. I. den Ausgewiesenen ganz oder theilweise dieAuSweisungSerneuerung vorzuenthalten, dann rst die Sache erledigt. Wer dann von den Ausgewiesenen lieber seine Führerrolle im Exil beibehält und nicht nach Berlin oder dem andere» Ort der Ausweisung zurück- kehrt, wo er keinen ehemaligen Platz in der Bewe�nng gut be- setzt findet, der wird auch nicht zurückkehren, wenn der§ 23 ganz aufgehoben wird. Das Sozialistengesetz stellt ja eben alles in's Belieben der Polizei, um diese oder jene Bestimmung desselben, die sich nicht bewährt hat, zu beseitigen, braucht man sie nur einfach nicht anzuwenden. Wir sind also der festen Ansicht, trotz alles Lärms, der darüber gemacht wird, daß das Sozialistengesetz in den Hauptsachen bleiben wird, was es ist und wie es ist, vielleicht dewilligt man es auf fünf, statt wie bisher auf zwei Jahre. Uns kann es im Allgemeinen nicht nur gleichgiltig, sondern recht sein, wenn alles in dem uns bekannten Ge- leise bleibt. Besser wird eS unter keinen Umständen, das erlaubt die Rücksicht auf den Kapitalprosit nicht, und es könnte leicht schlechter werden. Wenigstens würde es viele neue Opfer kosten, bis wir uns wieder mit den neuen Druckbestim« münzen so vertraut gemacht und so abgefunden haben würden, wie cS heute der Fall ist. Ltrfmles. Der Kierkrieg. Der Kampf der zielbewußten und politisch selbstständigen Arbeiter gegen die Brauereien und Wirthe, die den Arbeitern ihre Säle zu politischen und fachgewerblichen Versammlungen verweigern, hat ganz ungeahnte Dimensionen angenommen und hat nicht nur hier in Berlin, sondern überall, wo große Ardeitermassen sich aushalten, häufig damit geendet, daß die Brauereien und die Gastwirthe klein beigaben und ihre Lokale wieder zur Verfügung stellten, nachdem sie durch die Weigerung der Arbeiter, rhr Bier zu trinken, empfindlich ge- schädigt worden waren. Mit ein wenig Einsicht und ein wenig Gemeinsinn hätten Brauereien und Wirthe sich diese Unan- nehmlichkeitcn ersparen können. Allein man glaubte nicht, daß die Arbeiter begreifen, wie sie die große Masse der Konsumenten bilden und wie namentlich das Z w i s ch e n- Händlerthum von dieser Masse abhängig ist. In dieser Beziehung dürfte man nun eines Besseren belehrt sein. Die Arbeiter begreifen sehr wohl, daß sie i n d e r w i r t h s cha f t- lichen Welt keine Nullen sind, wenn man auch be- strebt ist, sie in der politischen Welt zu solchen zu machen. Die Spießbürger aller Art haben ein gewaltiges Geschrei gegen den„Bierkneg" erhoben und haben vielfach das Ein- schreiten der Behörden verlangt. Aber die Behör den können nicht einschreiten, weil der„Bierkneg" sich auf durch- aus gesetzlichem Boden abspielt und well wir glück- sicher Weise denn doch noch nicht so weit sind, daß man poli- zeilich zum Besuch bestimmter Gasthäuser und Restaurants ge- zwunaen werden kann. Ohnehin muß, was dem Einzelnen erlaubt ist, auch Tau- finden erlaubt sein. Denn wenn ich für meine Person den Besuch eine« Lokals meide, so bin ich deshalb nicht strafbar, und wenn Andere dasselbe thun, so können sie es auch nicht sein. Die Gegenseitigkeit in Geschäftssachen ist ohnehin im bürgerlichen Leben seit unvordenklichen Zeiten ein dominirender Brauch. Nehmen wir an, in einer Straße wohne der Schneidermeister und Zunftbruder A. gegenüber dem Gast- wirth B. Der Zünfller kommt in die Wirthschaft und trinkt sein Bier, er wird Stammgast; dann wird sich der Gastwirth auch bald bei ihm einen Anzug machen lassen. Dafür trinkt der Zünftler dann wieder Bier und der Wirth bestellt wieder Anzüge. Wenn der Zünfller wegbleibt, so wird der Wirth keinen Anzug mehr bei ihm bestellen und umgekehrt. Und wenn gar der Wirth zu einer Versammlung der Schneider- Innung sein Lokal nicht hergeben will, so hat er damit auch seinen Stammgast, den Schneider gegenüber, verloren. Der„Bicrkricg" enthält somit kein neues Prinzip; er hat nur einen Brauch verallgemeinert, der längst geltend war. Neu ist aber dabei, daß die Arbeiter, denen man sonst glaubte Alles bieten zu dürfen, sich als Konsumentenmasse zusammenthun, um dem politischen Vorurlheil entgegenzutreten, mit dem man sie aus dem politischen Leben zu verdrängen sucht. Der Arbeiter ist nicht die politische Null, zu der ihn ge- wisse Leute gerne machen möchten. Der berühmte konstitutionelle Satz, daß jeder Preuße vor dem Gesetze gleich i st, mag viele Durchlöcherungen erfahren; aber er bestcht ein- mal und der Arbeiter ist schon damit als selbstständigkS Glied des modernen Staatswesens anerkannt. Noch weit enlsckiedener wird ihm diese Anerkennung durch das allgemeine Wahl- recht zu Theil, das ihn unter die Staatsbürger mit politischen Rechten und Pflichten einreiht. Niemand ist befugt, ihm diese politischen Rechte zu ver» kümmern, und ohnehm wird genug Energie angewendet, um ihn zu seinen Pflichten heranzuziehen. Aber es gab gewisse Bc- Hörden, von denen die Anregung ausging, wie mau die politischen Rechte des Arbeiters beschnnden oder gar illusorisch machen könne. Besonders besiebt war in dieser Beziehung die Bcein- flussung der Gastwirthe und sie ist cS noch. Die Saalverweigerung und Soalabtreibung hat bei den letzten Wahlen eine große Rolle gespielt; man sah, daß Versammlungen gestattet, aber doch biatertrieben wurden, meil man den Wirth bewog, in letzter Stunde das zugesagte Lokal wieder abzusagen. Dagegen war Nichts auszunchten, wenn man sich an die Gerichte wenden wollte, denn der im Augenblick durch Saal« Verweigerung und Saalabtreibung angerichtete Schaden konnte nicht wieder gut gemacht werden. Unter diesen Umständen kann man sich nicht wundrrn, wenn sich die Arbeiter auf den alten Brauch der Gegenseitigkeit im wirth- schaftlichen Leben besonnen und sich so vielfach entschlossen haben, ihr Geld nur bei den Wuthen auszugrbcn, von denen sie auch die Lokalitäten zur Erörterung ihrer Angelegenheiten zur Verfügung gestellt bekommen. Ein Recht, sich zu beschweren, haben dirse Wirthe nicht, wenn sie geschädigt worden sind. Sie haben es unternommen, sei es aus Schwäche oder aus Vorurtheil, die politisckc Gegner- schatt gegen die Arbeiterbewegung mit ihrem GeschäftSbeiried in Verbindung zu bringen, und müssen nun die Folgen tragen. Wir wünschen nur, daß die Lehren, die in diesen Vor- kommnissen enthalten sind, beherzigt werden mögen. Die ver- schiedenen Ermerbsklasfin, die doch zum größten Theil auf einander angewiesen sind, würden eine große Erleichterung ver- spüren, wenn der politische Streit nicht in ihre ErwervSver- Hältnisse hineingetragen würde. Die Arbeiter haben in dieser Sache am meisten Langmuth und Großmuth bewiesen. Endlich aber baben sie Widerstand geleistet. Möge man sich in der Geschäftswelt nur darüber klar werden, daß man weder befugt noch sonst irgendwie veranlaßt ist, die politischen Rechte des Arbeiters zu beschneiden, dann wird der„Bierkrieg" einen für beide Thcile befriedigenden Ausgang finden. Modern» Krückrndanten. Die Geschichte des Brücken- baues weist eine Reihe von Abschnitten auf. die ihre Charvk- teristik durch da« jeweils herrschende KonstruktionSsqslem, sowie durch dos hauptsächlich verwendete Material erhalten. Die ältesten Brücken mögen Balkenbrücken gewesen sein— in ihrer einfachsten Form repräsentirt durch emen Stern oder Öaum- stamm, welcher über einen Bach oder Fluß herübergelegt wurde. Ihnen folgten ohne Zweifel die Hängebrücken, bei welchen ein Seil oder eine ähnliche Vorrichtung als Träger der eigent- lichen Brückenbahn fungirt. Permanenten Konstruktionen be- gegnen wir erst in den Bogendrücken, mit welchen der Stein als Baumaterial zur Herrschaft gelangte; den Be- dürfnissen crneS bereits hoch entwickelten Verkeh-s entsprungen, gestatteten diese Brücken schon große Distanzen zu überschreiten. Durch die Römer wurde dieses System zu hoher Entwickeluna gebracht: ihre gewaltigen Aquädukte, die ja nichts anderes sind als Brückenkonstruktionen, führen noch heute einem Theile der italienischen Städte gutes Trinkwasser zu, während anderwärts allerdings verwüstende Kriege und die mächtige Hand der Zeit von jenen Bauten nur Tiümmer zurückgelassen haben, deren gewallige Formen noch heule den Beschauer mit Bewunderung und Staunen erfüllen. Seitdem blieb das System der steinernen Bogendrücken wenigstens für wichtigere Anlagen, die einem größeren Verkehr zu dienen bestimmt waren, fast ausschließlich herrschend und erst in unserer Zeit haben die Bedürfnisse de« täglich wachsenden Verkehrs und eine ungeahnte Entwickelung der Technik einerseits ganz neue Formen des Brückenbaues ge- schaffen, andererseits aber auch den älteren, beinahe verlassenen Systemen wieder zu Ehren vcrholfen. Die fachmännische Terminologie unterscheidet Hänge-, Stütz- und Balkenbrücken, je nachdem die Brückenbahn aufgehängt, gestützt, oder von einer beide Prinzipien verbindenden Konstruktion, getragen erscheint. Die Hänge- oder Kabelbrücken konnten, so lange zu ihrem Bau lediglich Seile aus pflanzlichen Mate« rialien dienten, in Bezug auf Stabilität(und Dauerhaftigkeit keinen großen Ansprüchen genügen und hatten lediglich den Vorzug leichter und billiger Herstellbarkeit fiir sich. In unserer Zeit ist ibnen durch die Verwendung schmiedeciserner und neuerdiugS stählerner Ketten und Drahtseile ein neuer Aufschwung gegeben worden, zumal die Ketterxbrücken am leichtesten große Distanzen zu überschreiten gestatten; dennoch durfte dieses System in der berühmten Hängsbrücke über den East River zwischen New-Bork und Brooklyn— Gesammtlänge 1500 Meter mit Spannweiten von nahezu 500 Meier— wohl den Kulminationspunkt seiner Entwicklung erreicht haben, da ihm die für den raschen Verkehr großer Lasten erforderlich« Stabilität abgeht. Gewissermaßen die Umkehrung der Hängebrücken erblicken wir in den Bogenkonstruktionen, welche die Klasse der Stütz- brücken repräsentiren und lange Zeit hindurch eine fast aus- schließliche Herrschaft behaupteten. In der Tnat vermögen die steinernen Bogendrücken selbst die stärksten Lasten zu tragen und, wenn bei ihrer Anlage die richtige Sorgfalt gewaUrt hat, dem Zahne der Zeit vielleicht länger als irgend ei» anderes System zu trotzm; dem Architekten bieten sie zugleich willkommene Oclcper.fjcit zur Entfaltung seines künstlerischen Könnens, und wirklich bilden solche Bauten für die Land- schaft häufig eine Zierde, deren Versibwinden nur mit Be- dauern gesehen werden kann. Aber Rücksichten ästhetischer Natur können, wo es gilt, dem stetig wachsenden Verkehr neue Wege zu schaffen, nicht maßgebend sein; die Spannweite der steinernenBogen ist ziemlich eno begrenzt, die Fundirung der Pfeiler in raschfließenden Strömen oder auf losem Terrain mitunter nahezu unmöglich. Zur Ueber- brückung breiter Wafferläufe oder Abgründe, bei welchen keine Zmischenpfeiler angelegt werden können, bedarf es daher an- derer Systeme. Abgesehen von den bereits erwähnten Hänge- brücken kamen für größere Spannweiten zunächst die hölzernen Fachwerk- und Sprengwerkbrücken, in das System der Balken- drücken gehörig, in Anwendung. Im Prinzip gleicht dieses System dem einfachen, an beiden Enden aufgelagerten Balken; da aber ein solcher nur beschränkte Länge haben kann, auch durch sein eigenes Gewicht eine unnöihige Belastung erfährt, so treten an seine Stelle bei größeren Di- stanzen die bekannten Fachweik- und Gitterkonstruktionen, welche geringeres Gewicht mit größerer Festigkeit verbinden und zu- gleich dem seitlichen Winddruck eine kleinere Anfpriffsfläche bieten. Auf Holz aufgeführt finden sich derartige Brücken schon im vorigen Jahrhundert; doch konnte den Holzhrücken nur eine beschränkte Anwendung beschieden sein; durch irgend ein Ver- sehen fielen die meisten bald dem Feuer zum Opfer und über- Haupt besitzt das Holz nicht diejenige Dauerhaftigkeit, welche von den Materialien für den Bau großer Verkehrswege ge- fordert werden muß. Das herrschende B�ückenmaterial unserer Tage ist das E.sen, welches anfangs als Gußeisen, später als Schmiedeeisen verwendet wurde; letzteres muß hcute seinerseits wieder mehr und mehr dem Stahl weichen. Gußeiserne Bogendrücken wurden zuerst vor etwas mehr als hundert Jahren in England eingeführt und erfreuten sich eine Zeit lang großer Gunst, dank der Leichtigkeit, mit welcher das Gußeisen die verschiedensten für die konstruktiven Zwecke geforderten Formen annimmt, ohne dabei einfachere Verzie- rungen ganz auszuschließen. Aber der Mangel an Elastizität, die Ungleichmäbigkeit, ja brüchige Beschoffenheit der Eisengüsse, die geringe Widerstandsfähigkeit derselben gegen wieder- holte Erschütterungen konnten nicht lange verborgen bleiben und so ist das Gußeisen heute vollständig aus der Reihe der Materialien gestrichen, welche für die wesent- lichen Theile einer Brücke Verwendung finden können. Die zahllosen Brllckenbauten für das immer gewaltiger sich entwickelnde Eisenbahnwesen wurden zumeist aus Schmiedeeisen hergestellt, während neuerdings der Stahl auch dessen Stelle mehr und mehr einzunehmen beginnt. Mit diesen Materialien konstruirte Bogendrücken gestatteten zunächst bisher ungeahnte Spannweiten zu realifiren. Dem Einflüsse der Temperatur- schwaikunaen wird dadurch begegnet, daß man dem Bogen an seinen Auflagerungspunkten, bisweilen auch im Scheitel, Gelenke einfügt, welche eine gewisse Drehung und damit der ganzen Konstruktion innerhalb der vorkommenden Temperatur-Äenderungen die nöthige Freiheit der Bewegung gestalten. Die größten bis- her ausgeführten eisernen Bogendrücken sind wohl diejenige über den Douro bei Oporto, herrührend von dem Erbauer des Riesen- thurm-s im modernen Babylon, und der Garabitviadukt über die Trueyre auf der Linie von Marvejols nach ReußargueS, welche die Eisenbahnlinien der Auvergne mit denen des südlichen Frankreich veibindet. Letztere Brücke, nach dem Muster der Dourobrücke von Leon Bayer entworfen, wurdeb eenfalls unter Eissels Leitung erbaut. Sie hat eine Gesammtlänge von 564 Meter; der Bogen ist von parabolischer Gestalt und seine Sehne, das heißt die gerade Distanz zwischen den Auf- lagerungsstellen, beträgt 165 Meter, der Pfeil d. i. dieHöhe des Bogenscheitels über der Basislinie— nahezu 52 Meter, während die Schienenbahn, den Bogen noch beträchtlich über- ragend, mehr als 120 Meter über den Spiegel des Trueyre- flusses lieat. Man sieht, es ist ein gigantisches Werk, bei dessen Aufführung die gewöhnlichen Stützgerüste, wie sie für steinerne Bogen unentbehrlich sind, gänzlich ausgeschlossen waren; die einzelnen Bogentheile wurden bis zu ih er endgiltigen Aneinanderschließuna an über das Thal gespannten Kabeln gewissermaßen aufgehängt. Weitaus die meiste Anwendung findet heute das System der Balkenbrücken. Einer an den primitiven Balken erinnernden Form begegnen wir fieilich nur noch in den zur Ueberbrückung kurzer Spannweiten dienenden massiven Blechträgern, oder in der Röhrenbrücke über die Menaistraße. Letztere Foim ist über- Haupt auf diesen einzigen Fall beschränkt geblieben, da man bald fand, daß es keineswegs der rechteckigen Röhre mit massiven Wandungen und innerhalb gelegenen Bahnlinie bedürfe; vielmehr können diese Wandungen oortheilhafter gegliedert sein: wir habm die eisernen Gitter- und Fachwerkbiücken mit ge- raden parallelen Gurtungen. Ebenfalls in die Klasse der Balkenbrücken gehören endlich diejenigen Konstiuktionen, bei welchen einer der Gurtungen— nnt biefstit Namen bezeichnet man die obere und untere Begrenzung des Brückenträgers— oder allen beiden eine gekrümmte oder gebrochene Form ge- geben ist: Polyaonalträger, deren beide Gurtungen durch Diagonatstäbe fest mit einander verbunden sind. Diesen Arten der Balkenbrücken begegnet man bekanntlich auf allen Bahnen; sie dienten bisher zur Ueberschreitung der breitesten Flüsse und tiefsten Abgründe, aber neuerdings scheinen auch sie, wo eZ sich um große Spannweiten handelt, mehr und mehr verdrängt zu werden durch das von den Engländern und Amerikanern eingeführte Cantileoer-System, das System des Waagebalkens in, Gleichgewicht, so genannt, weil dcr Träger derartiger Blücken nur in seiner Mitte auf dem Pfeiler ruht und in der That in Anlage und Form der bekannten Gestalt seiner Waagebalken ähnelt. Die größte nach diesem System entworfene Brücke überhaupt bis j.tzt weitaus das riesenhafteste metallische Jngenieurwerk, ist die vielgenannte Brücke, über" den Firth of Förth in Schottland, welche ihrer Vollendung entgegengeht und dem- nächst dem Eisenbahnverkehr übergeben werden soll. Diese Brücke ist bestimmt, die Verbindung zwischen Edin- bürg und dem nördlichen Schottland, welche bisher durch die 40 Kilometer tief in das Land einschneidende Meeresbucht zu einem großen Umweg gezwungen wurde, ganz erheblich abzu- kürzen, um die Konkurrenz mit den weiter westlich fühlenden Bahnen aufrecht zu erhalten. Vier große Bahn- gesellschaften, die Nordost-, Midland-, Nordbritische und Große Nordbahn vereinigten sich zu dem großen Werke, dessen Aus- führung sie zunächst Sir Thomas Bouch, dem Erbauer der Taybrucke, übertrugen. Als aber die letztgenannte Brücke, w,e bekannt, am Abend des 28. Dezember 1879, gerade als sich ein Personenzug auf derselben befand, von einem heftigen Sturme umgeworfen wurde, wurden naturlich auch am Firth os Förth die Arbeiten zunächst wieder eingestellt; eine nähere Prüfung ergab, daß hier wre dort der Winddruck in der Berechnung der Konstruktionen und der Ver- bindung der einzelnen Theile durchaus nicht genügend berück- fichtigt worden waren. Der bisherige Plan mußte infolgedcssen aufgegeben werden, aber auf den Bau selbst wurde damit keineswegs verzichtet. Die Ingenieure Sir John Fowler und Baker wurden mit der Ausarbeitung eines neuen Prozekts beauftragt und die nach ihren Plänen erbaute Brücke steht nun- mehr vor ihrer glücklichen Vollendung. Sow»I)1 da» Hanpt-Trlegraphenamt in der Franzo- silchenstraße, als auch sämmtliche Neben- Telegraphenämter, welche für das Publikum geöffnet sind, befassen sich während der für den öffentlichen Verkehr bestimmten Dienstftunden mit dem Verkaufe aller Arten von Postwerthzeichen. Um so befremd- licher muß eS erscheinen, daß sämmtliche Postämter, welche zu- gleich Rohrpostämler sind, während der Stunden, m denen sie nur für dm Telegramm- und Rohrpostverkehr geöffnet sind, also Abends nach 8 Uhr, Postwerthzeichen nicht abgeben, soweit diese nicht für die Rohrpostsendungen gefordert werden. Die Post- veiwaltung hat allerdings amtliche Veikaufsstcllen ihrer Werth- zeichm in manchen, übrigens nicht sehr zahlreichen Läden er. richtet. Diese kennt man jedoch in der Regel nicht; sie sind meist mcht mit Plakaten belegt, und wenn sie mii solchen belegt sind, sind sie unscheinbar und halb vei steckt. Nur ein sehr eisahrencr P. st- Benutzer weiß die amtlich verpflichteten Ver- kausSstelltN aus dcm in der Borhalle jedes Postam'eS auSge- hängten«Postberichi" herauSzufindcn. Was kümmert sich jedoch der gcwöhaliche Sterbliche um so eiren„Poft-Berickt"? W nn er etwas wissen will, geht er an den Schalter und fragt. Hit aber die Postvecwaltuna nicht selbst das größte Interesse daian, daß ihre Markt« dem Publikum möglichst zugänglich pemacht und so möglichst viel gebraucht werden? Hat sie doch für den Veikehr innerhalb der Stadt jetzt den Wettbewerb der Privat- Poftanstalt zu bestehen? Auch würde, wenn ter Marken- verkauf über 8 Uhr ausgedehnt würde, der Andrang des Publi- kums, d.r ja in allen Postämtern in den letzten Dienststunden des Abends so groß und ebenso unangenehm für das Publikum wie für die Beamten ist, etwas gemildert. Zu der k einen Niuerung bedarf es nur einer Verfü. nng derOberpostdi ektion Berlin und einiger Plakate kür die Schal-er der betriffenden Postämter des I Halts, daß Posta erthzeichm auch während der Zeit des Schlusses des Postverkehrs an dm Rohrpostschaltern zu haben sind. Gin hübsches K ei spiel von Farben-Abänderung bei Fische« zeigt g.-geowärt'g das hiesige Aguarium. Während es bei Säugethieien und Vögeln, so bei Mäusen, Ratten, Pfauen, Fasanen, Hirschen, auch bei Sperlinpcn, Staaren, Raben, Ka- meclen u. a. veihältnißmäßig oft vo: kommt, daß die Stamm- färbung in Weiß ausartet, zeigen sich weiße Filche höchst selten. Man kennt solche v.'reinzeltin Fälle von AlbiniSmus oder LcuciSmu«, wie man diese Abänderung der Färbung benannt hat, bis jetzt bei Aalen und Karauschen; ein weißer Aal war ja längere Zeit hindurch auch im Aquarium zu sehen. Vor Kurzem nun erhielt dieses Institut auch einen we hen Wels als ein kehr werthvolles Geschenk von dem Fischhändler Herrn G. A. Böse in Stettin. Derselbe ist vollständig weiß mit Aus- nähme der Flossensäume, welche olivengrau getönt find, und hat eine Länge von etwa einem halben Meter. Zum Vergleich ist ihm ein gleich großer W.lS in der ursprünglichen Färbung beigesellt worden. Hochinteressante Tancherarbeite« wurden heute Morgen am Schiffbauerdamm neben den Stadtbohngebäuden aus- geführt. In die Taucher-Riistung gekleidet ging d.r Taucher mehrere Male unter Wasser um Untersuchungen über die Grund- Verhältnisse anzustellen. Zu diesem Zwecke war derselbe mit den geeigneten Werkz uaen versehen. Wie mitgetheilt wurde, soll der Taucher auch Verwendung bei den Bergungsarbeiten eines an der gegenüberliegenden Sprceseite gesunkenen, mit mächtigen Steinquadern beladenen Prahmes finden, welcher am Montag Morgen aekentert ist. Das versunkene Stein- Material, welches zum Bau der Ouaimauer bestimmt war, wird übrigens nach Ansickt sachverständiger Schiffer schwierige Hebungsarbeiten verursachen. Die Herbstarbeiten in unseren öffentlichen Gärten und Parkanlagen haben bereits begonnen. So wurden dieser Tage die Palmen und andere tropische Gewächse am Dönhoffsplatz und den übrigen öffentlichen Anlagen nach den Treibhäusern überführt.— Im Humboldtshain werden die fremdländischen Gewächse mit Stroyhüllen umgeben und Kästen und Zelte für die besonders rmpfindlichen Sträucher und Pflanzen aufgeführt. Uebrigens schaffen diese Herbstarbeiten unseren Arbeitslosen einen hübschen Verdienst, da Hunderte von Männern und Frauen in den städtischen Parkanlagen jetzt beschäftigt sind, um das schon stark herabfallende Laub von den Gängen zu be- seifigen. Mit einer feltsamr» Nerlehung erschien dieser Tage ein Patient im Augusta Hospital, der sich in anscheinend trun- kennen Zustande befand. ÄuS der Stirn des Mannes ragte ein zwei Zentimeter langes und etwa zwei Millimeter starkes Stück Eisen hervor, und was das Seltsamste war, der Eisen- mann wußte sich nicht zu erinnern, wo und wie ihn sein Miß- geschick ereilt hatte. Die Arzte versuchten, das in den Knochen eingedrungene Stück Ersen mittelst einer Pircette und dann, als dieses Jnstrum nt sich als ungeeignet erwies, mittelst einer Kneifzange herauszuziehen. Aber auch dieses Instrument wollte nicht ziehen, und als ein ganz besonders' kräftiger Arzt sicb ver- suchte, brach er wohl das aus der Stirn hervorragende Ende ab, der Stumpf blieb jedoch im Knochen stecken.— Es blieb schließlich nichts anderes übrig, als das Metall aus dcm Stirn- knochen herauszumeißeln, was nicht bloS eine schwierige, son- dern auch eine geiäbrliche Operation ist. Dock der Elsenträger hat Kneifzarge und Messel überwunden und befindet sich bereits wieder in solch launiger Siimmung, daß er schon eine dem- nächstige Bierreise giundlick und allseitig erörtert. Ueber eine» Selbstmord in Reinickendorf wird be- richtet: Am jüngsten Sonntag. Abends gegen Uhr, hörten einige Gäste des Restaurants„Friediichsbad� in Reinickendorf bei einem Rundgang durch den Garten vom Wasser des un- mittelbar an dem Lokal gelegenen SeeS ein Schluckzen und gewahrten bei näherem Hinzusehen aus der Oberfläche des Wassers einen Fcauenhut schwimmen. In der Annahme, daß hier soeben ein Selbstmord unternommen worden sei, stellte der hinzugeholte Gendarm Eulenburg eine genaue Untersuchung des Sees an und stieß auch baldigst auf eine Leiche, die, ans Land geholt, sich als diejenige eines etwa 20jä!>rigen unbekannten Mädchens ergab. Die Leiche wurde zunächst nach dem Reinickendorfer Leichenhause überführt. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, die Persönlichkeit der jugendlichen Selbst- Mörderin festzustellen. Dieselbe ist mittlerer Statur, hat ovales Gesicht, graue Augen und schwarzes Haar. Bekleidet war sie mit einem grauen Jaquet, schwarzem Kleid, einem grauen mit hellroihem Plissec verseheneu, sowie mit einem wattrrten Unter- rock, weißen Hosen, neubesohlten Stiefeleitcn, schwarzen Hand- schuhen und einem weißen Hut mit schwarzem Band und weißer Feder. Außerdem trug dieselbe ein Korallen- Armband und Korallen-Ohrrmge. In der Tasche des Kleides fand man ein Portemonnaie, sowie ein weißleinenes Taschentuch gezeichnet G. w. No. 2. Etwaige Mittheilungen über die Identität der Leiche nimmt der Herr AmtSoorsteher in Reinickendorf ent- gegen. Gin eigenihümlicher UorfaU hat vor Kurzem die Be- wohncr des benachbarten Reinickendorf in Schrecken verletzt. In der Residenzstroße dortselbst wohnt der Milchpächter Müller, welcher schon seit Jahren einen Hund befitzt, der nie die ge- rivgsten Spuren von BöSariickeil zeigte. EmeS Morgens wird M. ourch ein wüthendes Hundegebell und das H.lsigeschrei seines Hausknechts in Schrecken versetzt. Er eilt nach dem Hofe und fiadet seinen Hausdiener im verzweifelten Kampfe mit dem Hunde. M. springt hinzu und sucht seinen Haus- diener von dem Threre zu befreien. Dieses aber wendet sich jetzt gegen feinen Herrn, ze- fleischt ihm den Arm und bringt ihn in solche Bedrängniß, daß auch er um Hilfe rufen muß. Darauf stürzt seine Frau mit«in>m geladenen Gewehr herbei und erschießt den Hund. Der Hausdiener sowohl als Herr M. mußten in das Krankenhaus gebracht werden, woselbst sich der erstere noch bifindct, während M. nach wenigen Togen ent- lassen werden konnte. Der erschossene Hund ist aus Anord- nung der Behörde untersucht worden, wobei sich ergab, daß das Thier nicht von Tollwuth befallen war. Um so verwunder- sicher bleibt es, daß der Hand seinen Herrn anfiel und zer- fleischte. Die»Heilsversammlnnge«" haben über eine hiesige Familie großes Unheil gebracht, indem ein Angehöriger derselben in einem Anfall von religiöser Schwärmerei seinem Leben ein Ende machte. Der Seldstmö.der, ein junger Mann, dessen köiperliche und geistige Konstitution bisher eine der kräftigst«« gewesen war, halte schon im vorigen Jahre einer Versammlu« der Heilsiünger beigewohnt. Auch bei der jüngsten in da Krautstraße abgehaltenen Andacktsübung war er zugegen ge wesen und dcr in derselben zu Tage getretene Spctt dcr An- liner über die Lyhren der Heilsarmee hatte den jungen Mo»- in eine solche Ausrrgung versetzt, daß er beschloß, aus dies« sündigen Welt zu scheiden, um. wie er sich euSbrückte, in b«i Reich der Engel einzugehen. Nachdem er vor etwa 10 Tag«« den Versuch gemacht hatte, sich zu erschießen, ein Versuch, da noch im letzten Moment verhindert wurde, indem die zusälbl herzugekommene Mutter ihm das Piftol aus der Hand schliiji. ward er vorgestern entseelt in seinem Zimmer aufgefunden- Er hatte ein volles Glas Karbol ausgetrunken, was seine» augenbl cklichen Tod herbeigeführt. Als einzige Erkläruai feiner That fand sich auf dcm Tisch ein Zettel, der die Woi» enthielt:»Ich bin»u den Engeln eingegangen!" Gin mysteriöser Fnnd wurde im Laufe dcr vorige« Woche bei Lichter selbe, auf dem nach der Domäne Dahl«» führenden Wege gemacht. Dort lag eines Morgens nur« geringer Entfernung von dcr Potsdamer Chaussee cul«iaea Haufen ein vollständiges Wildschwein, 20 Redhühner, 7 Schlei würste, einige Balterdrote, sowie eine volle und eine leca Flasche Wein. Die Finder, in der Meinung, daß die Sach«« durch Gift ungenießbar gemacht seien, wagten nicht dieselbe« anzurühren und so blieben dieselben denn liegen, bis sie enb- lich durch Füchse, Krähen, Hunde und sonstiges Raubzeug b't auf das Schwein verstreut und vert-lgt worden sind, das not am Sorntag an der Fundstelle lag. Diesem war jedoch d« Kopf vom Rumpf getrennt und die Schwarte regelrecht obre zogen, so daß wahrscheinlich in der Nacht zuvor ein Feinschmelkt« sich von demselben einen B aten ausgelöst zu haben fcheir« Bisher ist es unaufgeklärt, wie diese Gegenstände on die Funl' stelle gekommen sind. Allgemein wird vermnthet, daß dietelbo aus einem Diebstahle heirührcn und aus Furcht ror Entdicka»?- wie eine dicht dabei befindliche Wegespur ergiebl, dorthin g" fahren sind. Gin Schwindler. Vom Landgericht Stettin ist öS einigen Tagen ein Maurergeselle Hartmann aus Siargarl we:en Betruges zu einim Jahr Zuchthaus, zu zwei Jahr«» Ebroerlust und 300 M. Geldstrafe, bezw. i och vi.rzig Tag" Zuchthaus verurlheilt worden. Er war in Stettin erschien!« und halte sich doit als Abgesandter der Maurer Leipzigs auS' gegeben, der den Austiag habe, die Lohnverhä!>n>sse Slettiner Fachgenossen, insbesondere derjenigen, die in b«« Stettinec Chamottefabrik beschäftigt seien, zu untersuchen ii�- wenn möglich, zu regeln. Obwohl er ferner die handgrcisW Unwahrheit behauptete, der Oberbürgernieister habe ihn«>-'' pfangen und ihm polizeilichen Schutz bei Ausführung sei«! Aufträge zugesichert(in Stettin ist nicht der Bürgmneist� sondern der staatliche Polizeidirektor Tröger der Posizeigewalil- wurde Hartmann doch von den Slettiner Maurern freundiä aufgenommen und zur Erle chlerung seiner Aufgaben mit Geld' willein, die durch Sammluvgen aufgebracht wurden, verschen- Glücklicherweise wurde rhm zunächst nur ein Theil des««' sammelten Betrages ausgehändigt; bevor er den Rest erhalt«« konnte, hatten einige Männer, da er ihrer Aufforderung, si� auszuweisen, nicht nachgekommen war, Erkundigungen ru#' zogen und ihn als Schwindler entlarvt. Die Höhe der Stls'' degrüi dcte der Genchtshof außer mrhreren Vorltraseit hauptsächlich durch die seinen Kollegen gegenüber an den Tag gelegt« ehrlose Gesinnung. An« der dritte»«ta«- gestürzt ist gestern Vormitts» der 50jflhrige Tischlergeselle Wi Helm Tunke, we'cher auf£> r-' Neubau Blücher str. 37 mit dem Einsetzen von Fenstern b' schäsligt war. Der Genannte wollte gegen 10 Nhr von d«« dritten Etage des Seitenflügels nach derselben Etage i>« Vorderhause. Um den Weg über die Treppen zu eisparek' schob er eine Planke von dcm einm Fevster zum andern ui>> schickte sich an, auf diesem schwanken Pfade hinüberzuschreit� Ader kaum auf Haldem Wege verlor er das Gleichgewicht V stürzte in die Tiefe. Dcr Unglückliche, den einzig und all» die Schuld trifft, verstarb auf der Stelle. An der Ecke der Linien- nnd Rosenthalerstr«' sprang gestern plötzlich ein erma 50 Jahre alter, anständig klcideier Mann von einem Pferdebahnwagen ab, kniete der Straße nieder und begann laut zu beten. Dann stürzt« er in eine offene Droschke, deren Sitzksssen er zu zerreißen do aann. Der Tobende erwieS sich auf der Polizeiwache al« et« Schuhmachermcister, welcher an hochgradigem Säuferwahnsi-"-« leidet. Pankow soll einen umfangreichen Güter« und Rangt«' Bahnhof, ähnlich dcm bei Tcmpelhof, welcher dem Potsdamc«- Anhalt r und Bcllin-Dretdener Verkehr dient, erhallen. D>« geplante Anlage ist eines der augenscheinlich dringendste« Bcdürfi isse für die Bahnen jener Gcgend und ist nur dum andcrw ite Angelegenheiten hmtangehalten worden. polizeidoricht. Am 8. d. M. Vormittags wurde««« Mädchen in seiner Wohnung in der Phiiippstraße erhängt vi»' gefunden.— Zu derselben Zeit stürzte der Tischlergeselle Für!« auf dem Neubau Blüchei str. 37 aus dem dritten Stock auf de« Hof herab und erlitt so schweie Versitzungen, daß der Tod«« der Stelle eintrat.— Nachmittags gcrieth ein 13jähriger Kna-« beim Spielen auf dem Anhalter Jnnenbahnhof mit dem Fu» in eine von ihm selbst in Bewegung gesetzte, nicht mehr v« Gebrauch b.findliche Drehscheibe und zog sich dadurch eine d«' deutende Quetschung des Knöchelgclenks zu.— Zu d.rselbl« Zeit fiel der Bauarbeiter Maihold auf drin Neubau Hufsitss� straße 14 in eine 1,80 Meter tiefe Ausschachtung und er>'« anfcheinend innerliche Verletzungen, so daß er nach dem Larar»� Krankenhaule gebrecht«erden mußte.— Im Laufe des Tag«« fanden Schönholzerstr. 17 und Waldcmorstr. 64� kleinc«« Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. K»n>rg«ng d«r iöevötkerung der Ktadt K»rlin. In der Woche 15 HS 21. September 1889 fanden 310 Eheschtießungen statt. Lcdend ijedtn, wurden 862 Kinder, darunter 100 außerehelich, todtgeboren waren 31>»»' außerehelichen. Die Lcdcndgeborenen sind 30,0, die Todlgedorene» 1,1 kj! Milte der Bevdlkerung, die außerehelich Geborenen sind bei den Lebendgebote!«- 12,8, bei den Todlgeborenen 9,7 pgl. Die Zahl der gemeldeten Cterbesälte JJ trug 501, die sich aus die Wochentage wie solat vcrtheilen; Sonntag„ Montag 78, Dienstag 66, Mittwoch 77, Donnerstag 81, Freitag 80, soi? abend 78. Von den Gestorbenen erlagen an Masern 0. Scharlach, 'viose 1, Diphtherie 30, Briiune 1,.Keuchhusten 7, Kindbett sieber 3. Zpphn«,? epidem. Genickstarre 0, Ruhr 0, Syphilis 1, Altersschwache 12, Gehirnschlag Lungen cntzstnduna 23, Lungenschwindsucht 82, Diarrhoe 29, Vrechdurchsall Magendarinkatarrh 12. Durch Vergiftung kam 1 Perlon um und zwar du-- stiikohotvergtstuuga tn-m-ns). Eine» gewaltsamen Todes stard? 19 Personen, und»war durch Verbrennung oder Verbrühung 1, Ertriukeil? Erhangen 4, Ersticken 1, ltebersahren 2, Sturz oder Schlag 4. Sclst? wunde 4. Hierunter sind 1t Falle durch Selbstmord herbeigesllVs Dem Alter nach sind die Gestorbenen■ Unter 1 Zahr alt 174(34,7 P*r der GesammtsterblichkeiN. 1-5 Jahre 58, 5-15 Jahre 26, 15-20 Jahre 20-30 Jahre 28, 30-40 Jahr- 39, 40-60 Jahre 97, 60-80 Jabre?' Ii dcr 80 Jahre 8 Personen. In hiesigen Krankenhäusern starben 137,«? schließlich 14 Auswärtige, welche zur Behandlung Hierher gebracht war'-s Aus die Standesämter verlheilen sich die Todesfälle sotgendcrmaßcu: Ver u- Kölln- Dorotheenstadt tl.) 14. Friedrichstadt sll.) 7, Friedrich- und Tch''?,, dcrgcr Vorstadt iltls 22, Friedrich- und Tempelhoser Vorstadt 27, Luisenstadl Jenfeit, östlich(Vb.)' i Luisenstadl diesseit und Reu-Kölln(VI.) 35, Stralauer Viertel, westlich iV»� 81, Stratauer Viertel, östlich(Vlld) 38, Königstadt(VIII.) 40, Spandauer (IX) 31, Rosenthalcr Vorstadt, südlich 40. Rosenthalcr Vorstadt, nörd'S (Xb.) 30, Oranienburger Vorstadl(XI.) 53, Friedrich-Wilhelmstadt und Mo«?!, (XU.) 36. Wedding(Xlll., 39. Die Slerbtsüllc Nnd 17.4 pro Mille dcr s� geschriebenen BevölkerungStaht(1500103). Die StcrblichkeitSziffcr in solaeUjL, e-lckdtcn des Deutschen Reiches mit mehr als bunderttausend Ginwohncrv z trug in Aachen 27,8, Altona 16V, Barmen 17,8, Bremen—, Breslau Chemnitz 28,6, Da», ig 20,9, Dresden 183, Düsseldorf 18,9, Etberseld' Frankfurt a. M. 20,2, Hamburg mit Vororten 20,3, Hannover 21.2. Köln Königsberg 26,2, Krefeld 12,7, Leipzig 19,3, Magdeburg 16,3 München Sj, Nürnberg 24,0, Stettin 25,7, Straßburg l(S, 22,6, Stuttgart 17,0, ausTauM� In andere» Großstädten EnropaS mit mehr als dreihunderttausend Einwohnsz. betrug die SterbtichketlSstsscr tu Amsterdam 16,5, Budapest(Vorwockel?!-) Dublin 28,5. Liverpool 18,9, London 15,2. Paris 21.5, Petersburg(Vorweg, —. Warschau(Vorwoche) 31,0, Wien(Vorwoche) 18.4 aus Tausend. E»«"j den 406 Zugezogene. 2515 Weggezogene gemeldet, so daß sich die BevötkeN-� mit(Anrechnung dcr nachträglich gemeldeten Geborenen und dcS Züsch'" der den ffltflfltjogtntn crsllhrungSniäsig zugerechnet werden muß, um IKSS ver- mehrt hat, die Einwohnerjahl betrügt sonach am Schlusie der Berichtiwoche 1500768. In der Woche vom 22. Ceotbr. bis 28. Teplbc. kamen mr Meldung JuiektionS-ErkrankunaSsülle an TophuS 14. Pocken 0, Malern 6, Scharlach 100, Diphtherie 122, Aindbettficber 6. Wettidjks-Beilnttg;. Der Frirdrichsberger Uäuber GröschK«»«m zweiten Male vor Gericht. Vor der zweiten Strafkammer am Lindqericht II stand am Mittwoch Vormittag 10 Uhr die erneute Verhandlung wider den Schlossergesellen Otto Gröschke aus Friedrichsberg an, nachdem die erste Verhandlung am 3. September deshalb vertagt worden war, weil es dem Haupt- angeklagten beliebt hatte, den»wilden Mann" zu spielen. Nach jener Verhandlung wurde er behufs Untersuchung seines Geistes- zustandes in die Lazarethltation des Untersuchungsgefängnisses üb-rrwmmen, wo er seine Verstellung schon nach wenigen Tagen aufgab und das Versprechen ablegte, daß er sich in Zukunft vernünftig betragen werde. Der Andrang des Publikums war wiederum ein ganz enormer, doch mar die Zulassung eine beschränkte, weil der Zuhörerraum für einen Theil der Zeugen reservirt bleiben mußte, von denen außer drei Sachverständigen 38 geladen waren. Die Hände auf den Rücken gefesselt, nahm Giöschke neben seinem Bruder auf der Anklagebank Platz, die rechts und links von Schutzleuten flankut wurde. An Stelle des erkrankten Landaerichtsratbs Klotz führt LandgerichtSralh Knövenagel den Vorsitz. Assessor Richter ver- tritt die Staatsanwaltschaft. Nach Eröffnung der Sitzung giebt Gröschke ruhige Aus- kunft über seine Personalien, er erklärt, mit Vornamen Otto zu heißen, am 25. Dezember 1863 zu Fürstenwalde ge- boren und im Jahre 1837 wegen zwei Diebstählen mit sechs Monaten Gesäagniß vorbestraft zu lein. Der Vorfitzende bemerkt, daß ihm zu Ohren gekommen sei, Gröschke habe den Wunsch geäußert, vor der Verhandlung noch einmal mit seiner Mutter und Schwester sprechen zu dürfen. Da Gröschke dies bejaht und der Staatsanwalt keinen Ein- spnrch erhebt, so erlheilt der Vorsitzende die Erlaubniß und Gröschke wird wieder aus dem Saale geführt, um draußen in der Zelle, natürlich unter amtlicher Aufficht, mit Mutter und Schwester zu sprechen. Schon nach zwei Minuten kehrt er in den Saal zurück.. Der Vorsitzende stellt nun die Personalien des zweiten Angeklagten fest:»Karl Gröschke, 1870 in Fürsten- walde geboren, unbestraft." Hierauf wird der EröffnungSbeschluß verlesen. Derselbe zählt 22 Fälle auf, darunter den Spitzig'schen Fall, der auf Einbruch unter Mitsührung einer Waffe und Bedrohung mit dem Verbrechen des TodtschlagS lautete. In einer großen Anzahl von Fällen ist wegen mangelnder Beweise Anklage nicht erhoben worden. Der Bruder ist beschuldigt, an dem Diebstahl beim Kohlenhändler Fänger im Hause Kl. Andreas- straße 3 in Berlin, wo zirka 1800 Mark gestohlen wurden, theilgenommen und sich außerdem der Hehlerei schuldig gemacht zu haben. Auf die Frage des Vorsitzenden:„Angeklagter! Sie haben in einer Anzahl von Fällen schon früher ein Geständniß ab- g-legt; wollen Sie das heute wiederholen?" antwortet der Angeklagte mit„Ja!" und nun erledigen sich eine Reihe von Fällen so schnell, daß in der ersten Viertelstunde schon zehn Nummern der Anklage erledigt sind und die dazu ge- laoenen Zeugen und Sachverständigen entlassen werden können. Wenn sich auch die Anklage auf diejenigen Fälle beschränkt, in denen der Angeklagte schon während der Untersuchung ein Geständniß abgelegt hat, um das er nicht herumkonnte, weil man die gestohlenen Sachen bei ihm vorfand, so bleiben doch noch Fälle genug, um die Emsigkeit und Verwegenheit zu illustriren, mit welcher der Angeklagte dem Diebeshandwerk oblag. Auf den Monat Dezember fallen von den eingcstan- denen Fällen 7, ebenso viel Fälle auf dm Januar und Februar und der Rest auf den Monat März, in welchem die Verhaf- tung erfolgte. Die Fälle gleichen sich, was die einzelnen Gruppen betiifft, wie ein Ei dem anderen; theils handelt es sich um erbrochene und ausgeräumte Schaukastm, theils um Schaufenster oder Ladenkassen. Zu den interessanteren und charakteristischen Fällen zählt zunächst der Einbruch beim Restaurateur Spitzig in Friedrichs- berg. Gröschke räumt ein, in der Nacht zum 4. März d. I. nach Schluß der Tanzmusik durch ein offenes Fenster des Klosets geren Preis angesetzt haben und die Gesammtheit somit schädigen. Es beschließt daraufhin die Versammlung, dieses dem Fachver» ein der Putzer zu unterbreiten und die Namen dieser Putzer b.-- kannt zu machen. Nachdem der Kassirer die neu aufgenommene» Mitglieder verlesen hat, schließt der Vorsitzende die Vnsamm- lung um II 11h'. Mit p-lizeiticher Auflösung mdete eine öffentliche V.r- sammlung von Damenmäntelschneidern und Arbeiterinnen der BekleidungS-Jndustrie, die, fast ausschließlich von Frauen be- sucht, am Dienstag Abend in Renz' Salon, Naunynstraße 27, tagte. Die Anwesenden wählten nach einem Referat der Frau Apotheker Ihrer aus Velten über die Nothwendiakeit einer Organisation eine siebengliedrige Ag'tationSkommisnon — der Streik steht im nächsten Frünjahr in Aussicht — und erklärten einstimmig:„die Nothwendigkcit der Schaffung einer thatkraftigen und Aufklärung verbreitenden Agitation anzuerkennen, um die Schäden und Mängel der kapitalistischen Produktionsweise, unter welcher dre Arbeiter und Arbeiterinnen zu leiden haben, aufzudecken, die wirtb- schaftliche Lage der Arbeiter durch Lohnkampf aufzubessern und die Massen auf die Produktionsweise der Zukunft, a.us die genossenschaftliche, vorzubereiten. Die Anwesenden werden, um einen geeigneten Agitationsplan durchführen zu können, verpflichtet, die von der Agitationskommission erlassenen Auf- rufe, Flugblätter, Versammlungen zu beachten und keineswegs etwa den in letzter Zeit von einem Herrn Steinmar ein- berufenen planlosen Versammlungen, die nur eine Verdummung der Massen und Förderung der persönlichen Jiteressen be» zwecken, Folge zu leisten."— Als in der hierauf folgenden Diskussion der Schneider Herr Täterow die Nothvendigkeft einer lLohnaufbrsserung begründete und sagte:„Man müffe wenigstens eine solche Lebenshaltung bewahren, daß man noch im Stande sei, für Ideale einzutreten," löste der überwachen!: e Beamte die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialisten» gesetzes auf. Unter Hochrufen auf die Sozialdemokratie und dem Grsange der Arbeitermarseillaise ging die Menge langsam auseinander. Zwei Verhaftungen fanden statt. Polizeilich verboten wurde die zum Sonntag, den 6. d. M., nach Moabit einberufene Versammlung des Fach- vereinS der Holz, und Bretterträger Berlins. Die TrgeS- ordnung lautete: 1. Abrechnung der Vereinikasse. 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Berschie- denes. Das Verbot ist um so auffälliger, als die Veisamm» lung am 30. September genehmigt war. Da aber durch ein Flugblatt, welches die Lage der Arbeiter, sowie ihre Behand- lung von Seiten des Kapitals klarlegte, sür die Versammlung Propaganda gemacht war und welches die Genehmigung der Posizei auch erhalten hatte, so wurde das Verbot vom 4. Oktober dahingehend motivirt, daß besagtes Flugblatt eine Einladung zu einer öffentlichen und nicht zu einer Ver- einSversammlung sei. Der allgemeine Metallarbeiterverrin Herlin» macht auf Folgendes aufmerksam: Der unentgeltliche Arbeitsnachweis befindet sich im Norden: Brunnenstr. 40 bei Schayer und ist täglich Abends von 8ji bis 10 Uhr, Sonntags von 10 bis 11> Uhr geöffnet. Der Arbeisnachweis im Süden, sowie die Bibliothek sind einstweilen, bis zur Regelung mit einem neuem Lokal, geschlossen. Inhaber von Büchern werden ersucht, die- selben am Donnerstag oder Montag Abend vor 3s bis 10 Uhr beim Kassirer Olto Klein, Ritterstr. 15 pt., abzuliefern. Näheres in obiger, wie in der am 20. Okt. stattfindenden Generalversammlung. Jede Art Beschwerden, sowie voraussichtliche Arbeitseinstellungen. Maßregelungen u. f. w. sind sofort beim Vorsitzenden Joseph Hartmann, Reichenbergerstr. 73, einzureichen. Diejenigen Mu- alieder, welche noch ältere Beiträge restiren, werden ersuche, dieselben in dieser Versammlung, resp. den Kasstrern Ort» Klein, Ritterstraße 15, Karl Lenzner. Äeinickendorferstraße 48, sowie bei folgenden Zahlstellen zu ordnen. Daselbst können sich auch neue Mitglieder zur Aufnahme melden. 1. Henft. G tschinkl- und Prirznistraßen-Eckc. 2. Zöllner, Koltbuserplotz. 3. Gottfried Schulz, Äoitbuferplob. 4. Werfchke, Adalbcrl- strnße IS. 5. Lorenz, Manteuffelstr. 4l. 6. Grande, HnnrichSplatz. 7. Milan, Wienerstraße 31. 8. Köhn, Köpmickerftrabe 131. S. Ott, Dkffenbechstr. 38. 10. Ziemer, Ouvrnltrahe 16. 11. Ohm, Rixdorf, Jägerstrabe 24. 12. Hasel, Baiutherstr. S. 13. Bartel, Flottwellstr. 5. 14. Böhl, Rüdersdorfcrstrabe v. 16. Hauck. Weinstroße 22. IL. Jimknick, Bernauerstrabe 103. 17. Wolfs, Gerichtstr. 44. 18. Scheper, Brunnenstrabe 40. 19. Werner, Pankstrabe 17. 2a Dillcnberg, Reinickendorferstrabe. 21. Vieck, Moabit, Airken str. 24. 22. Müller, Charlottenbura, Rosinen strabe 1, durch Schröter, Charlottenburger Ufer 5. 23. Bröker, Tegel, Berlmerstr. 2, durch Hellmich, Schlwerstrahe. Mitglieder, ge« denket der Nürnberger Kollegen. Listen find bei den Kom- uusfions- und Vorstandsmitgliedern zu haben. Dem Dorsthendeu des Fachvereins der Fithv- vraphiefleivschleifer und BerulSgenossen ist vom Polizei« P äfidrum folgrnd.S Schreiben zugegangen: �Auf die Be- schiverde vom 25. September erwidere ich Ihnen hiermit er- gedenst, dab in der am 23. v. M. abgehaltenen Versammlung des Fachvereins der Lithographiesteinschleifer und Berufs« genossen in den Ausführungen des Steindruckers Schulz die in � 3 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 bezeichneten Be- stubungen hinlänglich klar zu Tage getreten find, so dab der überwachende Beamte die Versammlung auf Grund des ge« nannten Paragraphen aufzulösen verpflichtet war. Ich weise Ihre Besckwerde dewgemäb als unbegründet zurück. Der Polizei-Präsident. gez. v. NichtHofen. * ♦ • Z7Z«»tr>>r Kranken- und Sterbet, ag» der Mater(Elnacschttcbcne Hilf, lugt) giltalt III(Süb), Danntiftaa, den 10. CNobtr, Abnid« 8 Uhr, «iilzlltder-Vtilarnmlung Im Rtftauranl Rtohtr. 911: Zakobftrat: 83. Um zahl- ttiit# Erfchel«,» tifii±t. verein der Klempner Kerlin* und Zlmgegend. Donntrftaa, btn 10 Okloder, Nbtnbd 8 Ubr,»roßt Sittfammluno im Rtftauranl„Sdnigihos WUawstraftt SJ- 40 Sostforb.iuna: 1, Siortraa btS ptrrn Oi'.oift übtr: ,.@t- B«>{idwfttarc.anifatlcn'. 2 SHItuflion. 3. Strfdiitbtntt. Milslitbtr wtrbtn cBf.tnoimntn, Gilstt Ijabtn Zutritt,©tlltfigt wtrbtn In jebtt©ttlammlung t. tgtgtnatnommtn. T»t SoDtjm von Borr urb Sttln wtrbtn hltrrnil tinat- lobt«. Eammllich« Mtta itbtr habt» bit Pflicht, zu trschtint». Dtr Arbtiii- uachiv i« dtfindtt flch Rilltrsirazt 123. Aetzt«»,! Kchmtider Kerlin«! Groht Cchntibtr-Ptrsammiuna btr Fr cit» Ltriti igmig btr Echntibtr©trllnl am Donntistag, btn 10. Otiodtr, »>tnb« Rz Ubr. in Iarban» So Ion, Sliut Brünftrosit 28. Saatborbnuna: 1. Dit Zltlt btr Sibtiitr brroteung, Rtstrtnt' Herr Julius Wtrnau, 2, Dil- ttnfion. 8. Briidit Dbtt bit äfftnliicht Cchntibtr-Vtrlammiuna vom Pionlag und btn Ctititailikd btr gachztflung btr Sdmtibtr vom 29. Stptnr.btt b. I. 4 Ptrtintangtitctnbtittn. 5. Pt.fchitbtntb unb grojtfafitn.®a8 Erichtin tn »lltr Sdmtlbti wi b triuortft Zentral Kranken- und Kterdekass» der Mater«nd'nermaudte« pterusegenassen Deutsil, lande, giiiait Btriin II, Donntrftaa, btn 10 Oliobtr. Nbtnb» 8if Uhr, im Lokale bt8 Herrn Henkt, Biumenftraße 38, Milgiitbtivt.famu iung. Tageiorbnung' I. Kaflenbtrichl. 2, Wahl von Kranken- difuchtrn. BtrschitbtntS. KranKen-Zlaterftüttuniiebund der Schneider. Donnerstag, btn 10. d M. Abtnas 8 lthr, bei Dtigmiilltr, Alle Zakabftr 48», Mitaiitbnver- fsmmluno. Dngtbotbi ima: 1. Sbrechnunp vom 2. Quartal 1889 2 Wah! btr SofalotimaUunp für baö J.ihr 1890 3. Wahl einer Unsillkammtiflan iowie ve, schiebentt. Milglitosbuch ltaitimirt. Die Zahlstelle Lathringerstr, 08 ist täglich von Morgent 8 Uhr gtSffntt Attpemeiner Metall A, detteruerein Kerlin» und Zlmgegend. Grobe Perlammluna am Freitag, bin II. Ck ober, Ab.nbi 8 Übe, in Renz' Ärlou. Rannvnftr, 73. Tageio�bnung: I. Vortrag beb Herrn Zubeil. Thema: Da» Koalittai 8 echt 2. Dtikufflon 3. Die Maßregeluna btr Rflrnbtrgtt jroßtgtn. 4 Verfchiebentt unb Fragekasttn, Gäste habm Zutritt. Um recht z ch! reichen Befuch wirb gebeten, Achtung! Kesedlnd„Keine". Am Eonnahenb. btn 12. Oktober er., fttdet tn btn Eälen btr Berliner Balk-Brauerti, Lm Ttmvtlhostr Berg, Sa- rnUienkränzchtn statt SJährtrb btr Pausen Quartett-Gesang. Hierzu labet f.errnblichst ein btr Leseklub..Heine". See Facha«rein der Kapeileeer feiert sein I. Stiftnngbseft am Sann- tag, btn 13. Oktober, in btn sammilichtn Räumen btr Hcvb'ichschen Feflsäle, öturtrflrafle 20 Für ein reichhaltigeb Programm ist gesorgt. Billett für Herren <0 Pf., für Damen 80 Pf. lohne Nachzahlung) sinb bei falgenben Herren zu >> ben. F. Kirchner. Gi.schinerstrahe 89. vorn 4Tr.t Slaubinger, Gilschiner- vrate vt Rcftaurent Frtigang. Sä.üdtr.strahe 18-19(Öurtaur); Restaurant SüKctt, Mauer Nraße 05. Um zahlreichen unb f.eunblichen Besuch labet ergebenst rtn der So iianb. Oer«esangnerein„Frrya" feiert sein 0 Ctiftungsrest, verbunben mit Gtfangs,, bellamalorilchen, humoristischen Vorträgen unb Tanzkränzcherr, am Sonnabenb. den 19 Oktober,«bendt 8 Uhr. in Iarban 8 Salon, Neue «riinftrahe 28. Freunbe ur b Gönner beb VeieltrS, burch Miiglieber eingeführt. Ünd herzlich willkommen. Krank»«- und Atrrbrkass» der Berliner Kauedtrner(E. H. 01), Nitrtt orbf, tliche Generalversammlung am Mitlivach, ben 10. Okiober b8. J8, übrnM 9 Uhr, Kommanbantenstr. 77- 79. Taget Orbnung; 1 Mittheilurgen. 2. Biertelsahretherrcht 3. Antrag d.S Varl! an beb hehulb Anichaffung eines «ervielfältiaungsavparares. 4 Verschiebtnes, Auflage unb gragtkasten. -per Zirbeitenach wei» der KIavtrrarb»it»r b-nnbet flch vom M. Oktober ab Nant ynftr. 78 bei Winzer. Die»brefl.nankgabe findet jeben vdenb von 8-Wf Übe unb Sonntags Vormittags von 10— Uli Uhr, sowohl an Mitg lebet wie an Nlchtnritglieber unentgeltlich statt. Zentrnl-Krankrn- und Strrbekass« der Tischler unb gnbertr ge* raeebltcher Arbeiter IE. H. vre 3 tn Hamburg) Oeriiiche Virwaltung Berlin h Durch Btschiuh btr Mitglieber Versammlung sind folgenbe Zahl- stellen»erlegt warben von WrangelstraHe 80 bei Burui nach Cuvrgstr. 10 bei Ztemeri von Relchenbergerstr. 71 bei Znlinskv nach Forfterftr. 41 bei Linker von Lemsttze str. 9 bei WäHerich nach Görliverstr. 53 bei Tolksbors. ffe» Mitglieder» der Filiale 4 der Zentral-Kranken- und Sterdekals» der Mater u s w. zur Nachricht, bah die Mttglieberver- tarunlimg nicht am 10. sonbern am 15. Gktober, Abend» 8 Uhr. im Königs- hef ftottflnbit. Wffenbocher Frauenkais». v»ru>att«»o»ft»Il» Berlin IN. IRorb) An folgenben Stellen werden neue Ptttglieber ausgenommen unb Beiträge ent- eegengenommen bei Dol», Bergstr. 80, Hos pari. Wornirt. Bernauerftr 43, II Trepeenr Fra.i Piele, Eolbinerstr. 28, pari,(Gesunbbrunnen) i Frau Kern. Serornstr. 45 im Laben IMaabit). Ktlftuuaefest der Freien Nerrtnigung dm? Schneider Berlin» Montag, den 14 Oktober, in ben Bllrgersäten, Dresbenerslr.""'" am Montag, ben 14 Oktober, in ben Bllrgersäten. Dresbenerslr, 90, groHeS Bukol- unb Ziiftrumenial-Konzert, ausgeführt von ber verstä.kten Hauikapelle u eb dem G-srngverein„Megra" unter Leitung seine» Dirigenten Herrn W. Serger. unb gvtiger Mitwiikung bes Zitber-Virtuosen Herrn W. Vpicocll, P olog. gestrebt, gelp och«» von Henn Rechtsanwalt A. Stablhagen, Nach dem Äonzett. Giohei Tanzkränzchen r Herren, welche hieran Thcil nehmen, dthlen 50 Ps ertra.- Btvets a 80 Ps. stnb zu haben bei r«, Täter ow, rvimmstr. 9, 8 Tr,; Kraulenstr 11(Herberge)! Pohl, Junketstr, 12 im Laben! Gillt bei. Dtesbenerftr. 110 im Restauraitl i Gnabt, Brunnmftr 88 im RetUturanl. sowie tn alltn Versammlungen unb in ben mil Plakaten belegten Handlnngen, Frei» Frauken- und Krgräbniflkalse der Kchustmachrr und Kerufdgeuelken Berti«»(E H, Nr 27) Geiieralvertginntlnng am Man- tag. den 2t Oktober, Abenb» 8 Uhr, glich« str 25 Tageiorbnung, 1, Viertel- jahrUcher Kafl nberlchl. 2 Innere Angelegenheilen, Quitwngsbuch legitimirt. Kie Ftrdertasel der Mater und a«r»»andt»» B»rns»g»«ass»« tagt von jetzt ab wieber Kaiier Franz- Grenabter- Platz Nr 7. bei Berg, An- rnrloungen stimmbegobter Kollegen werben an irbem Freilag Abenb basetbst «tuegengenommen- Am 12, Oktober b, Z, flnbet bei Deigmvller, Site Jakob- zr ratze 48» Sttsiungtsest statt, wozu Kollegen unb Freunde ganz ergebenst ein. geladen ftnb. Fachaerri« der Tischler. Die Zahlstellen bei Verein» stnb zur Entgegennahme der Betttäge unb Austiahme neuer Mitglieder seben Eannabenb avn 8—10 Ubr gebtsnet, unb zwar beflnbel flch Zahlstelle I Friebrichsberger- ftrahe25 bei Ehnsteir, U Ekaiitzerslratze 107 bei Kunstmann, III«elle-Alliance- platz 8 bei btllcher; IV Zlanikirchplatz 11 bei Hahn, V Blllowftraße 62 bei BShlanb! VI Marienbarserstrahe, Elte Eaimsslrahe bei Schmidt! VII Dresdener- firatze 118 bei Wenbl. baielbst beflnbet flch auch ber Zentraiarbeitsnachwei« be» «ereintz- Vlll Lllbecker- unb Thurmstrahenecke bei Jahnke. Die»rbeitsver- «ittewng geschieht unentgeltlich. Der Nachweis ist geäfinet an Wochentagen von«S-A Uhr, Sonntag Abend» van Af-ll Uhr, Facharrei«»er Tischler. Sonnabend, ben 12, Oktober, Abend» 8 Uhr, Tanzt ä zchen tn Hegdrich s gesliälen, Beuthstr 20 Btllel» hierzu stnb aus »itnr Zahtstellen sowie bei solgenbm Herren zu haben! Wille, Znoalibenstr, 21, ÖÖUaiB, Letzrw'ftr 22 2 Tr, Mai(mann, Barnimstr, 40, 4 Tr Hemp. P tllt. Qdenw Ä 4 Tr Höver. Grvner Weg 70, Winter Manteuflelstr 0 8 Te Glocke, Lausttzerstr 52 8 Tr Witdemann, Wenbenstr, 2, 4 Tr, Haberlanb, Reiche II beiger str. tOl. 8 Tr. Schutt. Britzerstr, 42, 4 Tr Monien Krnijberg. st utze 9. Daergfb 4 Tr«it e, Möckernstr, 95, 8 Tr, Eliaffer. Nosttzftr, 40 «PfU, Sebaftianstr 27- 28 iMöbelhanbiung), Merkel. Mittenwalberftr, 18, Hos A Treppen, H, Schmidt, Eiisabeih Usee 20. Hos 2 Tr, bei Orbowsti, tzs«fa»g, Cum- und gesellig» Herein« am Donnerstag! Männer, aesengveretn.Lälllta' Abend» 9 Uhr tn«eltin« Restaurant,«eleranenftr, 19 —«esaiigverein.Bretzetschlutz'«benb» 8tz Uhr im Restaurant Schumann «Ite Zakobftratze 88.— Männergeiangverein.Nordstern' Abends 9 Uhr im --— Ecktäier scher Geiangoerein.der Elser' . Ekatitzerftrafce 120, Gesang,— Gesang- ______________ im Restaurant Branbenburgstratze 00,— pltarrn« gefangner ein.Ateranber' Abend» 9 Uhr im Restaurant Rose, Slrautz- Ivraerstratze 8.— Männergelangoeretn.Ftrmtta»' bei Klnner. Kövntckerslratze stk 88.— Geiangverew Männerchor.St. Urban' Abends 9 Uhr Annen- stnifce»- Männergeiangverein Liebessreiheit" Abenb» 9 Uhr im Reftaurani «jetoel,«tralauerstratze 57.- Gesangverein„Deutsche Llebertasel" Abenb» V Ilnr Köpnickerslratze 100.—«esangveretn„Norbbeulsche Schleife" Abenb» »an»—11 Uhr Milhaelkirchslrgtze 89.—„Brunonia" Abend« 9 Uhr U-bung«. u-mbe bei Lehmann,»teranbrinenslratze 82,- Turnverein„Haienhaibe"(«ehrl.. «dtbellunal Abenb« 8 Uhr Dieflenbachslratze 00—01,—„Berlin« Turngenoflen- Wraff 17 LehrlingO-Ablbeilitilg» Abenb» 8 Uhr in der ftäblilMn Turnhalle, VttAerstratze 17—18:— be»gl. 6. Männer-Ablheilung Abend« 8 Uhr in b« kapnlchen Turnhalle, Subenerstratze 51,— Lübeck scher Turnverein(MSnn«. kvrhelnng)«benb» 8 Uhr Elisabethstratze 57-58.-«Ngemeineer Arenb« icher Srenograpbenverein. Avrbetlung„Louisenstabt, Abend» 8X Uhr im dtejunuani Preutz. Orainenftr, 51.- Arenb» icher Elenographenverein .Phalani' Abend» 8tz Ubr Im Restaurant.Zurn Buckow« Garten', Buckow«. ftratze 9.— Deutsch«««ein Arenbsflch« Stenographen Abend» 9 Uhr in Heidt» Restaurant, Koppensir. 75, Unterricht unb Uehung,— Berliner Elena- graphen-Berein(Softem Arenb») Abend» 9 Uhr im Reftaurani griebrlchftr.208. — Slalzeflch« Ctenographenverein.Nord, Berlin' Abends 9 Uhr, Schlegel ftratze 44.—««ein der.Nalursreunbe' Abeitbt 9 Uhr im Restaurant Wiener- stratze 85—««ein b« Unruhstäbln Lbrnb« 82 Uhr lm.KÖnigstadt-Kastna', Haizmarklstratze 72— Verein ehemaliger F. W, Reitschlag icher Echllln am 1, unb 8, Donnerstag leben Monat» im Eafö Echlller, Lanbibergerftratze 78 Abenb» 8 Uhr— Rauchklub.Kernipitze' Abenb« 82 Ubr im Restaurant Böhl, Rllberidarserstr, 8,— Rauchklub.Lrrona' Abb», 9 Ubr bei Palche, Reichenberg«. ftratze 118,— Rauchklub„Dezimalwaage" Abend» 9 Uhr im Restaurant Lack, Kraulistratze 48,— Rauchklub„BarwSriS" Abend» 9 Uhr bei Herrn Tempel, Restaurant„Zun, Srnba»", Breilauerftratze 27.—„Orientaltscher Rauchklub" Abenb» 9 Ubr im Restaurant Wiechert, Oranienftratze 8.— Rauchklub„Krumme Piepe" Abend» 9 Uhr Rllber»barf«srratze 67 bei Wunberiich.— Rauchklub „Collegia" Abend» 9 Uhr bei Thiemermann, Ekali»«stratze 05.— Privat- Theal«gelell!chast„Adlerschwinge" Sitzung 92 Uhr Garlenftratze 14 bei Träger — Muflkverein„Borwärti" Uehung Abend» van 9-11 Ubr Fischerftratze 41. Neue Mitglieder erwlliilcht.—«ergnllgungiveiein„Farinellv" Abenb» 9 Uhr Znvalibenstratze 139. Gäste willkommen. Ausnahme neuer Mitglieber. VermipHkes. Unter dem Titel:„Die Inden in de« kankastsche» Kergrn" verösscntlichl C. Hahn in TifliS in der„M. Allg. Zig." eine Reihe interessanter Schilderungen de» merkwürdigen Volksstammes der kaukastschen Bergjuden. Wir entnehmen den» selben die folgenden Angaben:„Wenn wir vom äußeren Aus« sehen der Berpjuden spicchcn wollen, so müssen wir bcmeiken, daß der semitische Typus durch Vermischung mit den einheimi« schen Völkern des Kaukasus sich wesenlich vciändert hat. Der Bergjude hat dunkle Haut, mittelgroben oder graben Wuchs, ist schlank und breitschulterig, hat tiefliegende, schwarze,lcbhafleAuzen, ostmalS mit gelblichem Anflug des Weißen, schwarze Augen« brauen und schwarzen Bart, große Adlernase und hervorstehende Backenknochen; so gleicht der Bcrpjude dem Lesghier, Tschctschenzen oder Tkchirkissen, euch drm Armenier viel mehr als dem europäischen Juden. Die Weiber find schöner als die Männer, von mittlerem Wuchs, haben ein rundes, ovales, weißes Gesicht, oftmals sehr blaß, große schwarze Augen mit langen Wimpern, langes schwarzes Haar, bei Vielen bis zu den Knien reichend, dünne bleiche Lippen, gerade, sp tzige Ras n, längliches Kinn, hohe Brüste, schmale Schultern, jchlankc Taille. Die Blässe des Angifichts hängt, wie fast bei allen Frauen im Orient, zusammen mit ihrer sklavenaitizen, eingeschlossenen Lebensart.— Großen Einfluß auf den Charekier und dieBe« schäftigung des Beipjuden hat die ihn umgcbcudc Natur. Da sehen wir ihn, bewaffnet von Kopf bis zu Fuß, auf schmuckem Roß an unS vorbeireiten; dort klettert er in zerrissenen allen Kleidern den Felspfad hinan, um Stumpen zu hauen oder Wurzeln der Bäume und Straucher auszugraben, welche er auf seinem gekrümmten Rücken nach Hause schleppt; dort backt er die Erde um, pflügt, bereitet W,in, sammelt die Früchte von den Obstbäumen odec ober steht ec in einer Wanne neben dem Brunnen und stampft die rohen Häute. Und wenn die Arbeit gethan ist, veigißt er alles, was er war, denkt nicht weiter für den kommenden Tag und über'äßl sich drin do'ce iar niente. Der Fremde hat von diesem müßigen Volke zu leiden, er wird mit allerlei Fragen bestürmt, und alle wünschen fich mit ihm in ein Gespräch, mit Vorliebe über Politik, einzulassen, um sich die Langeweile zu vertreiben. Die Fran dagegen ist die Arbeiterin in der Familie. Alle schwere Arbeit verrichtet sie, sie hat keinen freien Äuaenblick. Früh am Morgen, wenn der Gebieter noch auf dem Ohre liegt, schleppt sie schon Wasser hirbei, trägt den Mist zum Fluß, um ihn wegschwemmen zu lasten, oder auf das Feld, um ihn zu verbrennen; sie melkt die Büffel, füttert das Vieh, reinigt den Stall, bereitet aus Häck'clmist den„KiSjal" (Brennmaterial), hackt das Holz, backt das Brot, streicht das Dach, weißt die Wände, verrichtet die Feldarbeit— mit einem Wort auf ihren Schultern liegt alles; vußerdcrn näht sie für die ganze Familie. Aber bei ihrer Arbeitsamkeit haben die Weiber eine Eigenschaft, welche sie in den Augen ihrer Männer sehr herabsetzl: sie lieben zu klatschen, sich zu zauken und sogar sich zu prügeln. Ofl ereignet sich, daß der Gemahl seine schönere Hälfte für ihre Klatsch« und Zanksucht damit bestraft, daß er eine andere heiraih t. Die Verlassene veriiert ober oadurch Obdach und Unteihalt nicht, muß aber jetzt wie eine Sklavin noch mehr mbeiten als voiher. Es kommt ab r auch oft vor, daß der Mann, wenn die Frau durch übeimäßige Arbeit vor der Zeit alt und häßlich wird, sich eine zweite grau füll)!. Die Religion verbietet dem Bergjuden die Bigamie nicht und deshalb kann man in jedem Aul auf 100 Männer etwa 10 finden, welche zwei Frauen haben. Diese wohnen entweder zusammen oder einzeln in Erdhütten und werden vom Manne abwechselnd besucht. Beide leben, so lange der Mann zu Hause ist, friedlich mit einander; rst aber der Mann auSge« gangen, so fängt das Zanken und Prügeln an; dagegen leben ihr« Kinder im Frieden und werden mit einander erzogen.— Besondere Gebräuche werden bei Geburt und Be« schneidung des Kindes beobachtet. Bei der Geburt ist immer eine erfahrene Frau(„momoi") zugegen. Während der Geburt steht oder kniet oie Wöchnerin sich an einem von der Decke herab- hängenden Strick haltend, selten wird ihr ein Strohlager auf dem Fußboden aufgemacht. Die Frauen des ganzen Dorfes kommen in das Haus und bringen der Wöchnerin in großen Tassen oder auf Tellern Mehl, Grütze, Eier, Knoblauch— alles Gaben für die Hebamme. Wenn alle versammelt sind, so nimmt eine Verwandte der Wöchnerin ein Sriick weiße Leinwand und hängt eS über. die Thüre. Diese Leinwand bleibt so lange hängen, bis die Wöchnerin gesund aufsteht und dann wird sie der Hebamme geschenkt. Welchen Sinn dos weiße Tuch hat, konnte mir niemand erklären; es läßt sich aber vermulhen, daß die weiße Farbe zur Vertreibung der bösen Geister dient. Sind die Wehen sehr stark, so wird Jemand auf den Kirchhof geschickt, um Erde aus einem Grabe zu bringen. Diese Erde wird in Wasser auf- gelöst und der Kranken eingegeben. Hilft, das nicht, so holt man die Schüler des Rabbiners, welche Posaunen blasen, Psalmen lesen und beständig beten:„Einiger Gott, hilf ihr bei der Entbindung!" Wird ein Sohn aeüoren, lo bittet die Hebcamme den Va'er füe die freudige Nachricht um ein Ge- schenk, welches ihr gewährt wird. Der Vater ladet sogleich all« Anwesenden in's Gastzimmer und be- wrrthet sie. Alle sind sehr erfreut, am meisten die Mutter, welche durch d'e Geburt eines Sohnes in aller Achtung steigt. Sogleich schickt der Vater einen Knaben in die Weiberstube mit dem Befehl, über Fenstent und Thüren Papiere anzuschlagen, auf welchem die Namen der Schutzengel aufgeschrieben sinb. Das geschieht zum Schutze des Neu- geborenen und der Mutter vor bösen Geistern. Im Anfang erhält die Wöchnerin nur Mehisuppcn als Nahrung. Sie darf von keinem Manne besucht werden, dagegen kommen die Frauen desto häufiger zu ihr, ebenlo wie zum Mann seine Bekannten. Die Gäste werden mit Wein, Fleisch und allerlei Süßigkeiten bewirlhei." Gl« nette» Thleechen. Ich hatte, als ich noch in Wis- consin weilte, viel von Stinkkatzen und ihren Missethaten ge- hört, war auch von Freunden ganz gründlich in die Art und Weise threr Kriegführung eingeweiht worden, hatte aber, weil in der Stadt lebend, nie Gelegenheit gehabt, diese sonderbaren Thiere zu sehen. Da fügte es sich, daß ich im Norden des Staates zu thun hatte, und mein Auftrag führte mich nach dem County Marathon, in die östlich von der Eisenbahn liegenden, damals noch ganz wilden Waldgebiete. Als ich meine VcrmessungSarbeiten dort beendigt hotte, wanderte ich, einen langen Stecken benutzend, woblgemuth wieder aus dem Urwalde nach der Bahn zu. Es war Sonn- tag und ich hatte eine über einen breiten Waldbach zn errichtende Brücke zu überschreitkn, deren Träger, aus riesigen Fichtenstänlmen bihaucn, bereits gelegt waren. Als ich Stamm überschritt, gewährte ich unter mir, auf einer Geio» batik henimspozicrcnd, ein nettes, kleines, recht freundlich m» mit munteren Äeuglettr ansehendes Ähierchen. Es ging viö weg, und so nahm ich denn meinen langen Stock, um Furcht einzujagen. Ungefähr so, wie der Artillerist sein G» schütz wendet, so that da« Vieh, es reckic den buschigen Schuck scn'rccht in die Höhe, eine Nebelwolke und ein Dunst zu» Ersticken umgaben mich— schrecklich, sckauderha't, es gil!> keinen Ausdruck, dielen Gestank zu beschreiben! Nur e» Bruchiheil des niederträchtigen Gebräues war an mew hohen Stiefel gerathen und der Stock schien davon benetzt B sein. Natürlich hiite ich mich sofort rückwärts konzenmil und beobachicte nun, als ich außer Schußweite uni wieder zu Alhem gekommen war, was das unsel-ge Vck anstellen würde. Es trabie langsam dem Gebüsch zu, hüli dann und wann an, sah noch mir, musterte mich förmlich,«i das Attentat auch gewirkt hätte, hob ein paar Mal drohend seine Standorte und verschwand auf Nimmerwiedersehen. 3» hatte selbstverständlich nicht mehr die mindeste Lust, nachh« nach ihm zu forschen. Den Stock warf ich sofort weg:«s w« unmöglich, ihn noch ferner zu benutzen. Um meine höh? Stiefel von dem teuflischen Geruch zu befreien, suchte ich d« tiefsten Schmutzlachen auf, wusch sie ab, ließ selten Ltha darauf trocken werden, ging damit durch Dick und Dün« — es half alles nichts; selbst nach Jahr und ÄÄ stellte fich der abscheuliche Geruch noch ein. Komi» die Substanz in Berührung mit Kleidern oder Pell' werk, so muß man diese beseitigen, denn es giebt kein Mittel, den schrecklichen Geruch wieder herauszubringen. Hund«, welche bespritzt wurden, zeigen fich wochenlang förmlich lebev� überdrüssig: es ist da« denkbar schlimmste, was ihnen zustoße» kann. Denn nur die Zerf, lange Monade, der Haarwechsel, de» freien sie wieder von dem Ungemach. Nur ein Schuß, welchtt im Augenblick tobtet, verhütet, daß die in HauS oder Hof ei»' gedrungene Stmkkatze Unheil anrichtet. Deshalb aber, we» man nie sicher ist, einen solchen Schuß thun zu können, zu» man eS vor, dem Ungeheuer ganz tc-r eigenen Willen z» lassen; man zieht sich höflich und schweigend zurück, wenn wa» den ungebetenen Besuch nahe dem Hause oder im Hose odtl Garten bemerkt. Wollte man in einem Gemüse- oder Blume»' garten mit einer Siinkkatze Händel anlangen, so wäre eS sÄ den Sommer um Nutzen und Herrlichkeit des Gartens geschehe». Mit einer Stinkketze ist eben nicht zu spaßen.(K. Ludloff d» „Ausland".) Sie krttgen sich doch! Die Redaktion der„Kql» Volks, to." war so unvvt sichtig, in ihrem Feuilleton eiMi langen Roman zu veröffentlichen, in welchem Held und Heidt» sich zum Sckluß.nicht kriegten", sondern cuf Giund des i? kannten„Mißverständnisses" dicht vor der Plorte Edens wie' der von einander gingen. Durch ben brieflich ausgedrückt» allerhöchsten Unwillen zahlreicher Leserinnen sieht sich die R? daklio» nun veranlaß!, unter der Rvbtik„Vermischtes" di» Verlobung der Briden in np'ima form» mitiutheilen— zu»» er'chccckiichen Exempel für alle neuerungssüchttgen Autoren u»» Redakteure. Klumen als Nastrunsvmittrl. Das neue Bullelinsi»� dem Kcw-Garden enlhäit rine Abhandlung Duttrie's, de» botamscherr Direkto:S für das nördliche Indien, über die B?'i Wendung der Blü'.hcn des Cilligonums als Nah ungSmittel norbwestlichen Indien. Die Verwendung von Blüihen. wie jcntt der Lilie in China, als Gewürz ist rncht» UngeivöynlicheS, ob'» ganz ungewöhnlich ist deren Benützung als Nahrunoim ttel. I»» vo. liegenden Fall« werden sie, und nicht auSichliestlich von de» ärmeren Klassen genossen, und zwar entweder mit Mehl vermengt oder für fich mit Salz und Gewürz. Die Blüihen werden abg gepflückt und eine Nacht Hinduich in einem geschlossenen, irdene» Gefäß aufbewahrt, so daß sie verwelken. Sie lassen fich lawss Zeit ausbewahrerr. Gewöhnlich ißt man sie als Gemüse, doch werden sie auch mit feinem Mehl zu Kuchen gebacken. Ein/ Analyse der Blüihen zeigt als ,hre Hmivleigenthümlchkeit vo» diätetischen Standpunkt aus ihren Rcichthum an Stickston'- Verbindungen und daher ihre Wichii keit al« Zutdat zu Nab' rungStnitieln, welche arm an Stickstoff sind. Es soll viel Aeh-' lichkeit bezüglich ihrer Bcstandiheile zwi chen ihnen und de» Samen genießbarer Amaranth- und Buchweizen-Ärteu besteh«»«' nur daß bei ihnen Zucker die Stärke tretzi. Biegbare Schläuche an» Metall. Eine interessant» und wichtige Eefindung hat der Engländer Lavassour durch dit Herstellung von Schläuchen aus Metall, welche die Feftigke» des letzteren mit der Biegsamkeit des Gummis in sich ver' i einigen, gemacht. Die Fabrikation, welche von ei»'»- neugebildeten kapitalskrältigen Gesellschaft betrieben wird,! ist eine verhältnißmäßig sehr ernfache, indem zur Ferlig'; stellung eine einzige Vorrichtung genügt. Ein Streif'» Messingblech von bestimmter Breite wird von der betreffende» Maschine erfaßt und an der einen Kante dorpelhakensörtvig umgebogen; das so umgeformte Band wicd auf eine»» Zylinder spiralförmig aufgewickelt, während gleichzeitig eine dicke Kaulschukschnur von halbkreisförmigem Ouerfchnilt der Be«? wegung folgt und zwischen je zwei nebeneinander liegenden Windungen des MetallbandeS fest einge- j klemmt wird. Wie das Patent- und technisch« Bureau von Richard LüderS in Gössitz schreibt, solle» die so hergestellten Metallschläuche vollkommen dicht sein und mit Leichtigkeit einen Druck von 30 ja 55 Atmosphären a»' hallen; dabei sollen sie jeder Biegung, auch der schärfste» leicht nachgeben. Bisher hatte man nur Messing» stressen zu der Herstellung'dieser Schläuche verwende» können; da eS nunmehr auch gelungen ist, gutes Eisenblech i» benutzen, so dürste der Preis derselben sich derart reduzirc» daß ihrer ausgedehnten Anwendung, da sie in vielen Fälle» von großem Nutzen sein werden, nichts im Wege steht. Gin« Internattonal« Dreschmaschine. Am Rhe»» steht ein Bauernhaus, das auf der Grenze des Großherzog« thums Baden, Kanton Schaffhausen und Züiich steh! und i» dem gegenwärtig eine Dreschmaschine arbeitet. Das Triedwer» steht auf badsschem Gebiet, die Transmission geht durch de» Kanton Schaffhausen und die Dreschmaschine steht im Konto» Zürich. Meuepko rtsrhrilhlen. Der„Kelchs- Anzeiger" enthält folgende Bekannt- machungen: Auf Grund der Bestimmungen in KZ 1, 6 und 8 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial demokratie vom 21. Oktober>878 wird von der unterzeichreic» LandeSpolizeibehörde der in Mülheim a.RH. bestehende„Allgemeine Bildungsverein" hiecmit verboten. Köln, den 6. Oktober 1883. Der Regierunas-Präsident. v. S y d o w. Die kon, gliche Kreishauptmannschaft hat auf Grund vc» � Ablast 2 und§ 6 des Gesetzes gegen die gemeinoefäbi' Uchtn Beftrebungcn der Sozialdemvkiatie vom 21. Oktod«r 1878 den„B olisverein" in Chemnitz verboten. Zwickau, am 7. Okiober 1889. Königlich sächsische Kreishauptmannschast. Leonhards. Verantwortlich««tbafteuis&«rontzew, ta Berlin Druck und Verlag von Mg»»«»w, in Berlin SV., Beuthstraß, 2.