Ur. 338. Freitag» hm 11. Oktober 1889« H. Zabrg. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Voltsblatt" «scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreiS für Berlin frei »n's Haus vierteljährlich 4 Marl, monatlich 1�5 Morl, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerstraße 44 1 Marl pro Atonal. Postadonnemen« 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzeitungSvreisltste für I88S unter Ztr. 866.) Für da» Ausland: Täglich uuler Kieuzdano durch unsere Expedition 3 Atark pro Monat. Jttsertionsgebühr beträgt für die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Vcrfaminlung«» Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerftraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis l Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtogen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -« Fernsprecher: Amt vi. Mr. 4100. VodakNon: DeuthPkvatze S.— Exprdrkion: IimmerpkraHe 44. Die lDaI|len unv vee SeziMisnrus in Isennkreich. Ein amerikanisches Arbeiterblatt veröffentlicht über die Lage der sozialistischen Partei und den Ausfall der Wahlen einen Artikel, den wir zum vollen Abdruck bringen, weil er m allen Hauptpunkten den Anschauungen entspricht, den auch wir über die Entwickelung des Sozialismus in Frankreich haben. Der Artikel ist unmittelbar nach dem Ausfall der Hauptwahlen geschrieben, sein Inhalt ist aber durch den Ausgang der Nachwahlen nur bestätigt worden. Der Artikel lautet: �„Man ist im Auslande, und zwar theilweise auch Seitens der Sozialisten, im Unklaren über Umfang und Tiefe der französischen sozialistischen Bewegung und nimmt meist ohne Weiteres an, daß in Frankreich eine starke und wohlorganisirie sozialistische Arbeiterpartei existire. Diese Annahme ist jedoch eine irrthümliche, und es muß ihr im Ariteuffe unserer Sache selbst entgegen getreten werde». Wir Sozialisten dürfen uns nicht in Illusionen wiegen, sondern müffen den Thatsachen klar ins Auge blicken, mögen dieselben nun angenehm oder unerquicklich sein. Die falsche Auffaffung und Beurtheilung der französi- schon Bewegung wurzelt meist in dem Schluffe, daß Frank- reich als klassisches Land der Revolutionen unbedingt auch eine kräftig entwickelte sozialistische Partei besitzen muffe, um so mehr, da die Verhältniffe einer Bewegung seitens der Arbeiter viel freien Spielraum gewähren, und der bewegliche, thatenfrendige Charakter der Bevölkerung einem Gedeihen der Bewegung nur unendlich günstig sein kann. Thatsachen, die sich auf Thatsachen häufen, zeigen, daß die moderne Arbeiterbewegung selbst in den monarchi- scheu Ländern mit jedem Jahr an Stärke und Festigkeit der Organisation zunimmt und trotz eines sich stetig steigernden unerhörten geistigen und polizeilichen Druckes zu einem mächtig einherfluthenden Strom anschwillt. Folglich, ist man denken geneigt, muß die Bewegung in Frankreich, dem republikanischen Frankreich, dem revolutionären Frankreich, einen noch weit intensiveren und tiefer gehenden Charakter tragen. Die Wirklichkeit stimmt jedoch zu solcher Voraussetzung sehr schlecht. Die Ursachen, warum die französische Arbeiter- bcwegung gegenwärtig noch so schwach entwickelt ist, sind vielfacher Natur und werden bei Beurtheilung der fran- zösischen Parteiverhältniffe oft nicht genügend in Betracht gezogen. In erster Linie dieser Ursachen stehen wohl die vielen Revolutionen, die seit bald einem Jahrhundert Frankreich nicht zur Ruhe kommen ließen und noch obendrein die energischsten und intelligentesten Kräfte aus dem Volke dahinmähtcn. Revolutionäre von Profession erblickten I»achtruck«rbolm.Z Feuilleton. sL8 Vin<ß o 1& m c n f dj. Roma» von Mauru« I 6 k a i. »Was für ein sonderbares Siegel das ist," sagt der Major, als ,hm cm Brief in die Hand kommt, der mit einem Goldkäfer zugeklebt ist.„In der That," sagte Timea, „auch mir ist er aufgefallen." Der Major erbricht ihn; vachdem er die ersten Zeilen gelesen:„Gnädige Frau, in Ihrem Zimmer ist ein Bild des heiligen Georg," erstirbt ihm das Wort im Munde; seine Augen rollen wild, während er leise für sich weiter liest, seine Lippen werden blau und kalter Schweiß tritt ihm auf die Stirn; plötzlich schleudert er den Brief auS der Hand und stürzt wie ein Rasender auf da« Sankt Georgs-Bild zu, stößt es mit der Faust ein und reißt es sammt dem schweren Rahmen auS der Wand. Dort gähnt der dunkle Schlund des Verstecks. Ter Major stürzt in die Finsterniß hinein, und kehrt pach einer Minute wieder zurück, die Beweisstücke des Mordes, das blutige Gewand Athalie'S hoch in der Hand haltend. Timea verbirgt erschrocken ihr Antlitz zwischen beiden Händen. Der Vizegespan hebt den weggeworfenen Brrcf auf, steckt ihn zu sich und legt auch Beschlag auf die Beweisstücke. Das Versteck fördert auch noch Anderes zu Tage: die Eiftdose und Athalie'S Tagebuch mit den schrecklichen Selbst- Geständnissen, welche in die Abgründe ihrer Seele ein Licht werfen, wie die phoSphoreszirenden Mollusken in die Korallcnwälder des Meeres. Welche Ungeheuer «-ohne» dort! Und Timea vergißt, daß ihre Hände zer- schnitten sind; mit ineinander gefalteten Fingern sieht sie freilich in diesen Revolutionen ein großes und fruchtbares Erziehungsmittel, die Volksmaffen zu befähigen, für Ver- besierung ihrer Lage einzutreten. Bei näherem Zusehen er- scheint jedoch dieses oft den deutschen Sozialisten entgegen- gestellte Erziehungsmittel etwas problematisch. Eine der- artige, wir möchten fast sagen: mechanisch-revolutionäre Bewegung setzt weder eine besonders erzogene VolkSmaffe voraus, noch wirkt sie besonders erzieherisch, um die Masten für ihre weitere geschichtliche Rolle vorzubereiten. WaS sie voraussetzt, ist weiter nichts als ein gegebener außerordent- sicher Moment der Begeisterung, und was sie wirkt, ist die Anfeuerung durch das Beispiel. Aber der Werth dieser beiden Faktoren ist für die innere Hebung der Volksmassen ein äußerst begrenzter; gewähnlich folgt auf sie sogar eine Periode der Erschlaffung und Erschöpfung. Die revolutionäre Tradition treibt auf die Barrikade und verwandelt Hunderte von sorg- und harmlosen Bürgern in kampfeLmuthige Löwen, aber sie vermag nicht jene zielbewußte Intelligenz und jene ruhige, kaltblütige Energie, jene stätige Anspannung aller Kräfte und pflichtfteudige Aufopferungsfähigkeit zu zeitigen, die Tag auS Tag ein, Stunde für Stunde auf Posten stehen läßt, und dies in einem Kampfe, der für den oberflächlichen Beobachter des Glorienscheins von Heroismus entbehrt und als alltäglich und bedeutungslos erscheint. Dies zeigt sich auch in Bezug auf die französische Be- wegung. Die Arbeitermaffe ist trotz der Revolutionen noch nicht in dem Maße, wie Viele voraussetzen, an die moderne sozialistische Bewegung herangezogen und für sie geistig ge- schult, und die geringe Energie, mit der sie in dieselbe ein- iritt, erklärt sich zum Theil durch die starken und häufigen Aderläffe, welche die französische Bourgeoisie(mit oder ohne radikale Phrasen) an dem französischen Proletariat vorge- »ommen hat. Speziell die letzte, 1871 stattgehabte Niederlage des französischen Proletariats hat die Masse in moralischer und physischer Hinsicht so geschwächt, daß sie bis jetzt noch nicht wieder zu iyrer ursprünglichen Kraft erstarkte und diese Kraft in zielbewußtem politischem Kampfe bethätigen konnte. Das Häuflein derer, die als Kämpfer in Reih' und Glied der modernen Arbeiterbewegung stehen, ist noch nicht groß genug, um eine gewaltige moralische Wirkung im Lande auszuüben� die breiten Schichten bringen ihm nicht das Vertrauen, die Herrschenden nicht die Furcht entgegen, welche die natürlichen Erforderniffe einer starken Arbeiter- partei sind. Als weiteren Grund der schwachen Bewegung finden wir die in Frankreich vorherrschende kleinbürgerliche Pro- duktionsweise, die einerseits die Klassengegensätze nicht so scharf hervortreten und zum Bewußtsein gelangen läßt, andererseits bisher nur wenig große Arbeitszentren schuf— Paris hiervon abgerechnet, das Herz und der Kopf Frank- reichs ist. Die Provinz hat erst in letzter Zeit ein selbst- ständiges Leben angefangen, und mit diesem hat auch erst seit kurzem eine Bewegung des provinzialen Proletariats die Herren an, den Arzt, den Vizegespan und ihren Bräuti- gam, sie möchten Niemandem davon erzählen und die Sache geheim halten... Das aber ist unmöglich. Die Beweisstücke sind in den Händen des Vizegespans und für Athalie ist keine Gnade mehr, außer bei Gott. Und auch Timea kann sich nicht länger der gesetzlichen Vorschrift entziehen. So wie sie das Zimmer verlassen darf, muß sie vor dem Gerichte er- scheinen und sich mit Athalie konfrontiren lassen. O, das war für sie ein grausamer Zwang. Auch jetzt kann sie ja nichts anderes aussagen, als daß sie sich an nichts erinnere, waS dem Mordattentat vorausging. Nun muß auch die Vermählung mit dem Major be- schleunigt werden; vor dem Gerichtshof kann Timea nur als Gattin Katschuka's erscheinen. So wie Timea's Rekon- valeScenz es gestattet, geht die Trauung— ganz in der Stille und im Hause— vor sich ohne Sang und Klang, ohne Gäste und Hochzeitsschmaus. Nur der Geistliche und die Beistände— der Vizegespan und der Hausarzt— waren anwesend. Andere Besuche dürfen gar nicht vorgelassen werden. Die menschliche Gerechtigkeit erspart ihr nicht die pein- liche Szene, noch einmal ihrer Mörderin vor die Augen treten zu müssen. O! Athalie zittert nicht vor diesem Augen- blick. Sie erwartet mit Ungeduld den Moment, wo man ihr Opfer ihr vorführen wird. Wenn mit nichts Anderem, so wünscht sie wenigstens mit den Blicken ihrer Augen dem- selben noch einmal einen Stoß ins Herz versetzen zu können. Sie zuckt aber dennoch zusammen, als der Gerichtspräses die Worte spricht:„Man rufe die Gemahlin Emerich Katschuka's herein." Die Gemahlin Emerich Katschuka's: Also ist sie den- noch seine Frau! Dann aber verräth sie trotzdein eine nicht zu verhehlende Befriedigung in ihren Zügen, als Timea hereintritt, und Athalie dies mehr als je bleiche Antlitz begonnen, eine Bewegung, die in erster Linie das Werk der Kollektivisten ist mnd sich schon von Anfang an durch große prinzipielle Erfolge auszeichnet. Endlich sind die vielen revolutionären und utopistisch- sozialistischen Schulen zu nennen, die bisher hinderten und noch heute hindern, daß die nüchterne zielbewußte moderne Bewegung tieferen Grund faßte. Frankreich zeigt eine wahre Musterkarte von sozialistischen Schulen und Schulchen, welche die Masse der Arbeiter in kleine, meist fanatische, sich gegen- einander abschließende Gruppen zersplittern. Am tiefgehend- sten und weitverbreitetsten wirkt noch Proudhon'S Einfluß nach, dessen kleinbürgerliche Utopien der kleinbürgerlichen Produktionweise und dem kleinbürgerlich-radikalen Geist am meisten zusagen. So hat der moderne Sozialismus bei aller äußeren Entwickelungssreiheit einen wahren Riescnkampf mit den französischen Arbeitern selbst zu führen, und sein Marsch kann nur langsam, Schritt für Schritt, vorwärts gehen. Er kann sein Programm eben nicht auf eine tabula rasa schreiben, sondern muß erst Zug um Zug das auslöschen, was frühere, kommunistisch angehauchte Systeme im Volksbewußt- sein gegraben haben. Für den bei weitem größten Theil der Arbeiterschaft, der sich an der Bewegung betheiligt oder mit ihr sym- pathisirt, konzentriren sich alle Fragen in der sozialen „Revolution". Aber über das, was ihr vorausgehen, das, was ihr folgen muß, herrscht die größte Begriffsverwirrung. Jeder hat dafür sein eigenes Rezeptchen in der Tasche, dem gegenüber die Beweisführungen des modernen Sozialismus nicht vorhanden scheinen. UebrigenS legen die gebildeten Klassen des Landes eine noch größere Unkenntniß des Sozialismus an den Tag, für sie sind Sozialismus und Anarchismus einfach identisch und decken sich mit der Vor- stellung von Revolution nach der alten bekannten Heugabel- schablone. Die angedeuteten Ursachen verlangsamen zwar die Be- wegung, vermögen aber nicht, dieselbe zu unterdrücken. Ihnen gegenüber steht die Thatsache fest, daß die verschiede- nen sozialistischen Schulen immer mehr zusammenschrumpfen und vor der Logik der ökonomischen Entwickelung ver- schwinden. Die Macht der Verhältnisse schafft eine moderne Arbeiterbewegung, wenn auch nur schwach und langsam." M orvefzxondrnzen. Vari«> den 7. Oktober. Die in den letzten Wochen so stürmisch bewegten Wogen des politischen Lebens sangen an, sich zu glätten. Bereits der Ausgang des ersten WahtgangeS hatte den Ton der Preßorgane der verschiedenen Parteien— mit Ausnahme der boulangistischen Blätter— bedeutend ruhiger und friedlicher gestimmt. Nachdem nun auch die Stichwahlen und auf der Stirn bis herab zur Schläfe einen rothen Strich erblickt, die Narbe des mörderischen HiebeS. Dies Andenken ist von ihr. Auch dann schwillt ihr schöner, stolzer Busen vor Wonne, als der Gerichtspräses Timea auffordert, bei dem lebendigen Gott zu schwören, daß sie auf die Fragen der Richter die Wahrheit sagen werde, und daß auch Alles«vahr, was sie bisher ausgesagt hat, und hierauf Timea ihren Handschuh auszieht und die Hand emporstreckt, welche durch die Narbe einer schrecklichen Hiebwunde verun- staltet ist. Auch das ist ein Brautgeschenk von Athalie. Und Timea schwört mit der zitternden verwundeten Hand, daß sie Alles vergessen habe, und sich nicht einmal mehr zu er- ,nnern wisse, ob der Mörder, mit dem sie gerungen, ein Mann oder ein Weib gewesen. „Elende!" murmelte Athalie zwischen denZähnen.(Habe» sie doch Leib an Leib mit einander gerungen.)„WaS ich zu thun gedacht, dessen wagst Du nicht einmal mich anzu- klagen." „Um daS befragen wir Sie jetzt nicht," sagte der Präsident.„Wir richten nur die Fragen an Sie: Ist dieser von Kinderhand geschriebene, mit einem Käfer ver- siegelte Brief wirklich auf der Post an jSie gelangt und zwar am Tage des Attentats? War er damals noch uner- brochen und hatte Niemand Kenntniß von seinem Inhalt?" Timea antwortete ruhig auf alle diese Fragen mit Ja oder Nein. Nun wendet sich der Präsident an Athalie...Und jetzt hören Sie, Fräulein Athalie BrazovicS, was in diesem Briefe steht:„Gnädige Frau! In Ihrem Zimmer befindet sich ein Bild deS heiligen Ritters Georg an der Wand. Dies Bild verdeckt ein Versteck, zu welchem der Eingang sich im Ge- schirrschrank befindet. Lassen Sie dieses Loch vermauern und wachen Sie über Ihr theures Leben, das lang und glücklich sein möge. Dodi." Und damit hebt der Präsident einen Teppich vom Tisch, vorüber, lagert kich eire roch gröhcre Windstille über die Ge- wässer, und die Presse füllt sich mit den vo!ilischen Grabreden für durchgefallene und volitilchen Prophezeibungen für neu- gewählte Deputirte. Die Reaktion gegen die Periode der fteber- hasten Wahlagitation verlangt ihr Recht. Die vierzehn Tage, welche den ersten Wahlgang von den Stichwahlen trennten. haben sich dem Charakter des öffentlichen Lebens noch durch nichts von der Zeit vor dem 22. September unterschieden. Auch diesmal hatte das Wahifieber die breite Masse nicht ergriffen, sondern beschränkte sich auf die Kreise der journalistischen und politischen Drahtzieher und solcher, welche es werden wollen. Nur in einzelnen Wahlkreisen von Paris hatte die Heftigkeit der einander bekämpfen- den Parteien verdoppelt. So zum Beispiel im Wahl- kreis Belleville, wo es sich darum handelte, Rochefort durch den Kandidat der vereinigten Republikaner, den Polsibilisien Dumay, aus dem Felde zu schlagen, im Wahlkreis des Pdre- Lachaife, wo der Radikale Tony RSoillon gegen Vergoin, einem der verächtlichsten Spießgesellen Boulanger'S kämpfte, ferner auch in dem 8. und 9. Wahlkreis, wo sich das bou- langistisch-konscrvative Kartell abmühte, gegenseitig ihre respektiven Kandidaten durchzubringen. Im 7. Wahlkreis hatte sich der Kandidat der Konservativen, Cochin, geweigert, auf ein Kartell zu Gunsten Terrail-Mermeix's einzugehen und seine Kandidatur zurückzuziehen, im 7. jedoch trat Herve. nachdem er den Grafen von Paris um Rath befragt, zu Gunsten des bona- �artistischen Boulangisten Marius Meutin zurück, wofür sich die Boulangisten verpflichteten, ihrerseits im 9. Wahlbezirk den be- kannten Konservativen Georges Berry durchzuhelfen. Allein das Wahlkomitee denkt, und die Wählermasse lenkt. Es zeigte sich, daß sich di- Pariser wohl einen in eine demagogische Löwenhaut gehüllten Boulangisten aufbündeln lassen, jedoch in keinem Falle einen Konservativen. Berry fiel glorreich durch, wie überhaupt alle in Paris unter boulangiflisch-demagogischer Flagge aufgestellten monarchistischen Kandidaten. Die That- fache ist charakteristisch, sie bedeutet, daß die in Paris zu Gunsten der boulanaistischen Kandidaten abgegebene und noch immer beträchtliche Anzahl von Stimmen keine Manifestation iu Gunsten der Herstellung der persönlichen Macht bedeutet, andern eine schlecht gewählte Form des Protestes gegen die von Thiers überkommene und von den Opportunisten sorglich gehegte und gepflegte Tradition einer konservativen Republik". Daß das Departement der Seine der neuen Kammer von 44 Boulangisten 18 stellt, davon Paris allein 11, ist noch nach einer anderen Seite bin interessant, eS charakle- risirt recht deutlich, die eine, kleinbürgerliche Seite der boulan- pistischen Bewegung, die mit Rücksicht auf den polrtischen Bauernfang sich stark mit konservativ-agrarischen Elementen verquickt hat, bald die erstcren, bald die letzteren betonend, je nachdem auf die städtische oder ländlirbe Bevölkerung spekulirt ward. Die aus dem Repertoir des Radikalismus entlehnten Schlagwörter einerseits, die Fechtsschwer.kung des Radikalismus andererseits, welche die neue politische Bewegung als einzige republikanische(?) Oppositionspartei erscheinen ließ, er- klären den Erfolg, den die boulangistischen Kandidaten in Paris gefunden haben, und der durch die Stichwahlen be- siegelt worden ist. In der Provinz dagegen haben die Bou- langisten trotz ihrer Koalition mit den Konservativen so geringe Erfolge eingeheimst, daß sich dieselben im Verhältniß zu den aufgewendeten Anstrengungen und Ovfern gradezu in eine Niederlage verwandeln. Am empfindlichsten ist je- doch der BoulangiSmuS durch Rochefort's Niederlage betroffen worden, der im Wahlbezirk Belleville mit 4500 Stimmen Majorität von dem Kandidaten der vereinigten Republikaner, dem Posfibilisten Dumay geschlagen ward. Daß der alte Laternenmann ins Hintertreffen kam, dessen Peison und Vergangenheit da« Meiste dazu beigetragen hatten, den reaktionären K'-rn des BoulangiSmuS demagogisch zu maSkiren, ist das beste Zeichen dafür, daß die Pariser anfangen einzu- sehen. Boulanger ist der Retler nicht. Bezeichnend ist auch, daß Rochcfort nicht von einem radikalen, sondern von einem possibilistischen Kandidatrn aus dem Felde geschlagen ward. Der kleinbürgerliche Radikalismus muß dem Sozialismus weichen, wenn auch vor der Hand noch einem verschwommenen unkonscquenten Sozialismus, der noch stark mit allerhand klein- bürgerlichen Schrullen vermengt ist, Paris hat auch zwei andern bekannten boulangistischen Deputirten den Lauf- paß gegeben: Vergoin und Andrieux, dafür hat es allerdings Naquet, Laisant, Tecraib Mermeix u. f. w. Sitz und Stimme in der neuen Kammer verliehen. Der letzt- genannte Boulangist ist übrigens nicht von der Pariser Arbeiter- schaft, sondern von der feinsten Aristokratie, der Bevölkerung des Faubourg St. Germain erwählt worden. Der Boulanais- muS hat seine S>tze ebm überall entweder auf Kosten der Ra- dikalen oder auf die der Konservativen erkämpft, von denen die letzteren der Zahl nach und bei ihrer stockkonservativen Kund- schakt durch das Bündniß mit dem Bou'angismus auch moralisch geschwächt aus dem Wahlkampfe hervorgehen. Die Radikalen können mit dem Ausfall der Stichwahlen zufrieden fein, dieselben wetzen innerhalb gewisser Grenzen die Niederlagen des ersten Wahlganges aus. Aber wenn die Partei — und damit liegen die Ankläger Athalie'S: das blutige Nachtgewand, die Giftdose und daS Tagebuch. Äthalie stieß einen Schrei aus, wie der zu Tode ver- wundete Geier und verhüllte mit beiden Händen das Gesicht. Und als sie die Hände wegzog, war dies Gesicht nicht mehr blaß sondern feuerroth. Am Halse war ein kleines schwarzes Band zu einer Schleife verknüpft; diese Schleife reißt sie nun mit beiden Händen auf und wirft das Band zur Erde, als wollte sie diesen schönen weißen Nacken schon jetzt ent- bloßen für den Henker, oder vielleicht auch, um dasjenige freier sagen zu können, was jetzt aus ihrer Brust hervor- bricht. „Ja, so ist's, ich war es, welche Dich umbnngen wollte. Und ich empfinde nur Reue darüber, daß ich Dich nicht besser getroffen! Du warst der Fluch meines Lebens, Du weißwangiges Gespenst! Durch Dich verfiel ich dem Unglück der Verdammniß!-- Ich wollte Dich umbringen— ich war es dem Schicksal schuldig. Ich hätte keine Ruhe in der ganzen Welt gehabt, wenn ich es nicht versucht hätte.— Siehe, dort war Gift genug, um allen- falls eine ganze Hochzeitsgesellschaft inS Jenseits zu befördern. Aber ich brauchte Dem Blut. Du bist nicht ge- starben, aber ich Hab meinen Durst gestillt, und nun mag auch ich sterben. Bevor mir jedoch das Schwert des Hen- kers das Haupt vom Rumpfe trennt, werde ich Deinem Herzen noch einen Dolchstoß versetzen, von dem es nie ge- nesen soll und dessen Wunden selbst in den seligsten Um- armungen Dich quälen wird. Ich schwöre jetzt. Höre mich, Gott, hört mich, ihr Heiligen und Engel und ihr Teufel, die ihr im Himmel und in der Hölle! Uebt nur so viel Barmherzigkeit gegen mich, als das wahr ist, was ich jetzt sagen werde." Und das rasende Weib sinkt auf die Knie und schwingt die Hände über den Kopf, die Himmlischen und die Unterwelt als Zeugen anrufend.„Ich schwöre! Ich schwöre, daß dies Geheimniß, das Geheimniß von der ver- botgenen Thür nur einem Menschen außer mir bekannt war, und dieser Eine war Michael Timar Leoetinczy. TagS darauf, als er die« Geheimniß von mir erfahren hatte, verschwand er. Wenn also Jemand Dir dies Geheimniß geschneben hat, konnte Michael Timar Levetinczy nicht TagS darauf ge- auch annäheind die gleiche Anzahl ihrer Dcpuiirtcn in der reuen Kammer miede» findet, so ist doch die Zahl ihrer An- Hängerschaft gewalt'g zusammengeschmolzen. Die imponirenden Majoritäten der bekannten radikalen Größen find wie Spreu im Winde zerstoben, und die siegreichen Kandidaten der äusterstcn Linken haben fast überall nur mit schwachen Majoritäten und noch obendrein oft nur mit Hilfe der Poisibilisten und Oppor, tunist en über ihre boulangistischen Gegner triumphirt. In Paris von den Boulangisten vcrdränat o»er wenigste»s arg gedrängt haben die Radikalen in der Provinz oft zufolge der revubli- konischen DiS,iplin vor den Opportunisten zurücktreten mü>len. Wenn die Acutzerfte nicht bald— und wie einzelne ihrer Mi!- alieder wollen— eine entschiedene Orientirung nach weiter links nimmt und entschieden für soziale Reformen eintritt, so wird die Partei zwischen BoulangiSmuS und Opportunismus zerbröckeln und zu einer unbedeutenden Gruppe Parlaments- rischer Nörgler zusammenschiumpsen. Bereits werden im radi- kalen Lager Stimmen laut, welche wie Milleraud der äußersten Linken die engste Fühlung mit den sozialistischen Deputirten rathen, die einen Sauerteig bilden sollen, welcher die Partei und das politische Leben nach vvlwärts drängt. Die Stichwahlen haben den Konservativen keine gün- stigere Stellung berettet, als sie vorher besaßen, die Partei findet sich im Gegenthcil um etliche parlamentarische Sitze ärmer. Die einzige Partei, welche Grund hat, mit dem Ausfall der Wahlen hochzukneden zu sein, das ist diejenige, welche eigentlich Alles zu fürchten hatte, die opportunistische. Der BoulangiSmuS hat sich ihr gegenüber als der rettende Engel erwiesen, welcher ihr aus einer unhaltbaren, von allen Seiten angegriffenen Situation half.„Die Republik in Ge- fahr" hat sich als trefflicher Vorwand erwiesen, um dem Opportunismus in Gefahr aus der Patsche zu helfen. Possibtlisten und Radikale haben Vorlpanndienfte geleistet und die Herren„ReoierungSrepuHikaner" fühlen sich mehr Meister, als je zuvor. Wenn auch in der neuen Kammer wie in der alten nicht stark genug, um allein eine kompakte Majorität zu bilden, so sind sie doch andererseits mehr als stark genug, um jede Aktion der Radikalen zu lähmen, deren Bundesgenossen- schaft sie nur gnädig annehmen wollen, wenn letztere auf Chimären wie eine progressive Einkommensteuer, Rcvffion der Konstitution, Abschaffung des Senats ze. verzichten. Dafür liebäugeln sie um so mehr nach der konservativen Rechten hin- über, mit der sie zusammen eine komvakte konservative Regie- rungSmajorität bilden möchten. Sollten die Aktien des BoulangiSmuS nicht infolge unvorhergesehener Ereignisse steigen, so werden wohl die Royalisten die konservative Bruderhand von links annehmen, Thiers Ideal, die konfelvatioe Republik, ist dann verwirkticht, das bewegliche und unbewegliche Kapital kann dann in holder Eintracht das Volk scheeren. Seine Wünsche ver- räth der Opportunismus in dieser Beziehung durch das Ge- schrei nach einer„praktischen Geschäftspolttik" seitens der neuen Kammer, d. h. einer solchen, welche dem herrschenden Groß- kapital erlaubt, fette Geschäfte auf Kosten des Volkes zu machen. Eine GeschästSpolitik, das ist die Antwort des triumphlrenden Großkapitals auf die Forderung einer Reformpolitik. Die Stichwahlen haben den von den vereinigten Republi- kanern erwählten Posfibilisten Joffrin noch neun sozialistische Kandidaten zugesellt. Obgleich verschiedene derselben durch Kartell mit den Republikanern gesiegt haben, so ist doch der Umstand, daß sie bereits tm ersten Wahtgange die Majorität über ihre Bundesgenossen in der Stichwahl erhalten halten, von gutem Anzeichen dafür, daß der Sozialismus unter den Massen mehr Terrain gewinnt. Bezeichnend ist in dieser Beziehung für die Strömung auch, daß sich beinahe alle Radikate„sozia- listisch" nannten, sogar Clemerceau kandidirte als„sozialistischer Radikaler". Der Erfolg der Sozialisten, besonders m der Pro- vinz, wo ihre Kandidatur im ersten und auch hier und da»m zweiten Wahlgang eine entschiedene Klassenkandidatur war, ist um so beachlenkwerthir, wenn man ihre geringen materiellen Kräfte kennt und die so schwierige Situation, dre der BoulangiSmuS geschaffen. In Paris ward bekanntlich Dumay mit 5584(gegen 2468 Stimmen am 22. September« gegen Rochefort gewählt, die un- abhängigen Sozialisten Basly und Longuet,'owie der Possi« btlist Chabert erlagen leider mit starken Minoritäten ihren boulangistischen Gegenkandidaten. Chabert erhielt 5723(3761*), BaSly 5784(3089), Longuet 5259(3563) Stimmen. Die in der Stichwahl kandrdirenden Sozialisten, die Posfibilisten in- begriffen, haben die Gesammtzahl ihrer Stimmen von 12881 aus 22 35V erhöht. Dre in der Provinz erwählten 9 Sozia- listen sind sämmilich Kollektioisten oder unabhängige Sozialisten, die mit dielen Fühlung halten. Von KoUeklivisten ward erwählt: Thiorier(Monilacon) mit 5688 Stimmen(4376) Ferroul(Narbonnes mit 4829 St.(3V14); Baudin(Vierzon) mit 30V2 Sl.(5089); Couturier(Lyon I) mit 3306 St.(1768) und Lachize(Villefcanche) mil 10 906 St.(7330). Von den unabhängigen Sozialisten e. hielt Aulide Boy«(Marseille) 6551 St.(3407), Gaste(Brest) 6891(5308), Clu,cret(Touton Ii) *) Die in Klammern stehenden Zahlen bezeichnen die im ersten Wahlgange erhaltenen Stimmen. starben sein. Michael Timar Leoetinczy lebt dann noch und Du kannst der Rückkehr Dernes ersten Gatten gewärtig sein. So helfe mir Gott, wenn es wahr ist, daß Timar noch lebt. Der, den man statt seiner begrub, war ein Dieb, welcher TimarS Kleider gestohlen hatte! Und nun lebe weiter mit diesem Dolchstoß in Dein Herz!" Zwölftes Kapitel. Die Büßerin in„Maria-Nostra". Der Gerichtshof verurtheilte Athalie wegen siebenfachen Vergiftungsversuchs und vorsätzlichen Meuchelmords zum Tode. Die Gnade des Königs verwandelte diese Strafe in lebenslängliche GefängSnißhaft im Strafhause„Maria- Nostra". Athalie lebt noch jetzt. Seitdem sind vierzig Jahre verstrichen und sie mag jetzt 67 Jahre alt sein. Ihr trotziger Geist ist nicht gebrochen. Sie ist hartherzig, schweigsam, reuelos. Wenn die übrigen weiblichen Sträflinge am Sonntag in die Kirche geführt werden, sperrt man Athalie während dieser Zeit in ihre Einzelzelle ein, weil man be- fürchtet, daß die Andacht der Uebrigen durch sie gestört werden könnte. Als man sie früher einmal gezwungen hatte, mit in die Kirche zu kommen, schrie sie zwischen die weihe- volle Predigt des Priesters hinein;„Du lügst!" und spuckte auf den Alrar. Zu wiederholten Malen gab es während dieser Zeit große Gnadenakte. An Landesfreudenfesten wurden zu Hun- derten die Bewohner der Gefängnisse in Freiheit gesetzt. Nur diese Eine wurde von den Gefängniß- Inspektoren nie zur Amnestirung empfohlen. Denen, die ihr riethen, reuig »n sich zu gehen, um amnestirt zu werden, antwortete sie:„So wie ich frei werde, bringe ich jenes Weib um!" Das sagt sie noch jetzt. Ab« die, welche sie meint, ist schon längst zu Staub znfallen, nachdem sie viele Jahre an dem Dolchstoß gelitten, d« ihrem armen kranken H«zen versetzt worden. Nach jenem Worte;„Timar lebt noch jetzt!"»«mochte sie nicht mehr wahrhaft glücklich zu sein. Wie ein eisiges Gespenst drängte es sich unter ihre Freuden. Die ehelichen Küsse- waren ihr dadurch für ewige Zeiten vergiftet. Und 5601 St.(3255). In d« Stichwahl unterlaflen der posif' tiNrscke Konvidat Souleiy(Algier) 3397 St.; Lullm(Toul» mit 3188 St.; P�oiot in Marseille mit 919 St. und lciN auch Jules Guesde(Marseille) mit 2301 St. Die in d Slitwahl eingetretenen sozialistischen Kandidaten halten j> fammen im ersten Wah'gange 40 463 St., in d« Balloi-? dagegen 66 663 St eiha>t,'n. Daß Genosse Jules Guesde in Marseille trotz guter sichten und einer thätigen Wah kumpanne oh e Gleicht scheite» te, ist zum größien Theil das Verbrechen Prooi' Ermitglieds der Knnmune von 1871. Das Wort Verdreit' ist nicht zu stark, wenn man weiß, welch mächiia« Hebel si die sozialistische Bewegung Frankre chs der Eintritt d-g(aW vollen und unermüdlich thängen Mannes in das Parlam" gewesen wäre. Guesde's Wahl wäre geradezu ein Ereit«' gewesen, vor dem die Kapitalisten und Shablanenpolit-l« zitierten, und das alle Anhänger des modernen SozialiSi»� mit Ungeduld herbeisehnten. Sein Mißerfolg ist, wie" Ziffern beweisen, aus Prolot'S Haltung zurückeuführen, d« obgleich im ersten Wahlgange in der Minorität geblieben' Guesde erhielt 1442, Protot 1290 Stimmen— dennoch in � Ballotage eintrat. Obgleich die Zahl der für GueSSe abit gebenen Stimmen fast um 1000 gewachsen, während die Protot erhaltenen beveutend zurückgingen, so haben dockt* 991 St'mmen, welche letzter« noch bewahrte. GueSbe's 2M hintertrieben. Wissentliches oder blindes Weikzeug von Z' triguen hat Plotot 0er Sacke des Sozialismus einen schleck Dienst erwiesen und er hätte besser gethan, in der ZurÄ gezogenheit zu bleiben. in der« seit mehr als einem Jatz zehnt lebt, als seinen Namen durch die Handlungsweise geg< Guesde zu beflecken. Guesde's Eintritt iy die Kammer hätte der kleinen sot« listischen Gruppe«st ihre wahre Bedeutung verliehen, sie hA einen genialen Mortflihrer gehabt, welcher nach jed« Sei'e k der Aufgabe gewachsen, ein würdiger Repiäsentant de» mod» nen Sozialismus gewesen wäre und ourch seine zündeni Rede die Agitation von d« Parlamentstribüne aus üb« � ganze Land geschleudert hätte. So steht zu befürchten, daß> sozialistische Gruppe, wie ihre Vorgängerin in der allen Kanui« ein gar armseliges Leben fristen wird, weil ihr die eigentliche lc tende Seele fehlt. jDie neuerwählten sozialistischen Devutirten st« soweit sie bekannt, gewiß recht tüchtige und brave Kräfte,& in geistig« Beziehung durchaus unbedeutend. Keiner von ih� wirb im Stande sein, das Banner des Sozialismus in l? Kammer mit der Autorität aufzupflanzen, und mit dem Zir zu vertheidigen. wie es JuleS Guesde gethan hätte. Und? in die Talentv«gött«ung zu gecathen, muß der mit derlr sigen Bewegung Vertraute zugeben, daß dieselbe für benAiilf blick bedeutende Männer braucht, welche durch ihr Eingra' die gesammte Arbeiterschaft um das Banner des modert Sozialismus zu schoaren verstehen. poUftrOfe jitel'ertlttft A«« Kerli» wird mehreren nationalliberalen BlätSj folgendes geschrieben:„Auch aus Bundesrathskreisen v«l� jetzt, daß dte Regierung damit rechnet, die dringendsten' beiteti des Reichstages bis etwa zum 20. Dezember erledV zu lassen. Es heißt ferner, daß es in der Absicht lieg',. Neuwahlen in der«ften Hälfte des Januar stattfinden zu iastf fodaß die Thätiakeit des preußischen Landtages davon n»- rührt bleiben wurde." Immer und, immer mieder wird von halH*1 licher Seit- der Versuch gemacht, die noch ausstebe»«' Ergebnisse d« preußischen B«gw«kSenquete im Vo? im rosigsten Lichte, und demgemäß die verflossene AuestÄ bewegung der Bergleute als einen Ausbruch frivolen M willens darzustellen. So schreibt jetzt wieder eine osste Korrespondenz: j „Es erscheint angezeigt, daran zu erinnern, daß der SJt bewegung vom rein wirthschaftlichen Standpunkte aus nur". eine gewisse B«echtiguna zuerkannt werden könnte, wen«! Lohn- und ArbeilSverhältnisse, namentlich der rheinisch'tr fälischen Bergleute solche wären, daß sie geradezu' Existenzschwierigkeiten verknüpft sein würden. Dem gv über kann es jedoch"— durch die Enquete—-! festgestellt erachtet werden, daß die Löhne in den' treffenden Kohlenrevieren bessere sind, als in übrigen Kohlcnbezirken des preußischen Staates f rheinisch-westfälischen Berzarbeiterverhältmsse etwas besser als die anderer Gegenden, oder bess« gesagt, wäre ander« die Lage der Kohlengräb« noch schlimmer als in Rheinla' Westfalen, was würoe damit bewiesen? Doch nichts And� als daß die rheinisch weftsälischen Bergleute ein lebhast- Bestreben besitzen, ihre wirthschaftliche Lage zu verbessern,' ihre Kameraden in anderen Gegenden. Es ist doch ein r» Replilienschluß, folgern»u wollen, daß deshalb die Benrn auf ihre wirthschaftliche Lage nur Vorwand zum Streiken> als sie die Annäherung des TodeS fühlte, ließ sich nach Levetincz bringen, damit man sie nicht in f Gruft beisetze, in welcher, weiß Gott wer? u» Timars Wappen modert. Dort in Levetincz r sie sich ein stilles, weidenbewachsenes Ufer an Donau aus, in jener Gegend, wo sie ihren Vater' loren, wo Ali Tschorbadschi auf dem Grund der D�j ruht; so nahe zur„herrenlosen Insel," als k irgend eine geheime Ahnung sie dahin..... Von Grabstein kann man auf den WanderfelS der Insel hin''' sehen. Auf den Schätzen, welche Timar ihr hinterlassen, ff kein Segen. D« einzige Sohn, den Timea ihrem zw- Gatten geboren hatte, wurde ern großer Verschwender, u' seinen Händen verschwand der fabelhafte Reichthum ebff schnell, wie er entstanden war. Timea's Enkel lebt st von jener Gnadengabe, welche er aus dem Legaff� ält, das Timar für verarmte Familienmitglieder gel? at. Das ist das Einzige, was von seinem riesigen' mögen sich noch erhalten hat. IJ Auch an der Stelle seines Komorner Palais k schon ein and«eS Gebäude, und die Levetinczy'sche? wurde durch Fortifikationsbauten v«drängt. Von einstmaligen Glanz und Reichthum ist keine Spur meh� Händen— ------------- J Und was macht man jetzt auf d«„h«� Insel"? (Schluß folgt.) Mus MmUft uni» Zsscli� M-t« man bei Shakespeare fast drei Jährst� inv die? ____. � zu, daß im November bei Otto Janke eine Schrift erl� wird, in weicher aus angeblich„zuv«läjsiger" Seite der mm.... m i vÄ gebraucht hat. ist man bei Alsreo Meißner schon in vier fiekommeu, rämlick dazu, ihm nach seinem Tode die Arss� einer Werke abzustreiten. Der„Saale-Zig." geht die � u vosüil Zoul» , Icif tit f tcn i' laflotnj er 1«* Wöl" ßrot«'» tbrri? ebfl f (alef irlam� Srfijw politil' aliStt* wie" n, de eben" h i"»' Ze ad,' die»e do � s Ä-i zon J> »lM Z„rii< n J-d' sc geg» »»d die westfälischen Bediente gewesen wäre. Ein Urtheil dar« über, ob die westfälischen Arbeiterverhältnisse berechtigten Kalturansprüchen cenügen, ist jedoch überhaupt erst zu ge- Winnen, wenn erstens mit den Erhebungsergebnissen ganz anderer Länder. Auch die Arbeitsschicht hält sehr wohl einen Vergleich mit dem anderweitigen und fremdländischen Berg« werksbetrieb aus. Unter diesen Verhältnissen kann es nicht Wunder nehmen, wenn dcr HauptauSgang für die Streik- bemeguna, nämlich die Forderung höherer Löhne und kürzerer ArbsitSschicht nur als ein nomineller erkannt werden sollte." Wer nur ein Interesse daran haben mag, dergleichen Tendenzmitthcilunaen von Zeit zu Zeit loszulassen, statt ruhig die amtliche Veröffentlichung der ErhebungSergebnisse abzu- warten? Außer den Grubenbesitzern doch niemand? WaS aber nun den Inhalt obiger Mttlheilung betrifft, so dürfte sich niemand darüber wundern, wenn die Enquete wirklich nichts anderes ergäbe. Das Verfahren bei der bureaukralischen Er- Hebung war danach, und es ist bereits so häufig kritistrt und beleuchtet worden, daß kaum etwas zu fa-en übrig bleibt. Entspräche es aber in der That der� Wirklichkeit, daß die ausführliche Daten über die Lohnverhältnisse, ArbeitSdauer, Lebenshaltung, KrankheitS- und Sterblichkeitsverhältnisse dcr dortigen Kohlengräber vorgelegt werden, und wenn zweitens diese Daten nicht an den entsprechenden Verhältnissen schlimmer gestellter Bergleute, sondern sonstiger Industriearbeiter, vor Allem aber an den Forderungen einer vernünftigen Lebens- weise, der Arbeiterhygiene und den von Wissenschaft und Praris ausgestellten Grundsätzen der Erhaltung einer gc- sunden Volkski ast gemessen werden. Wird sich dann ergeben, daß die rheinisch-westfälischen Bergarbeiter bei vernünftiger, den Körper nicht ruinirender Arbeitszeit einen Verdienst erzielen, der zur Unterhaltung einer mittleren Familie in allen Wechselfällcn des Lebens hinreicht, ohne daß Schulden gemacht werden �müssen, wird sich dann heraus stellrn. daß die ErnährungS-, Gesundheils- und Sterblichkeitsverhältnisse der Leute keine anormalen Erschei- nungen zeigen und vom Standpunkt der Hygiene und Medizin au« gutgeheißen werden können�- dann, ober auch nur dann soll und muß anerkannt werden, daß die Enquete im Sinne ihrer Veranstalter befriedigende Resultate ergab. Bis dahin sollte doch im Interesse der Erhebung selber das müßige Ge« schwätz von„nominellen" Beschwerden und A-hnlichcS unter- bleiben. Oder fühlt man das Bedürfniß, nach und nach auf die seltsamen Resultate der berghauptmännischen„SichtungS- arbeit vorzubereiten, damit das durch diese Sichtung erzielte lachende Bild nicht gar zu sehr überrascht?... Das hieße doch nur denjenigen in die Hände arbeiten, welche von vorn- herein die Orginaloeröffentlrchung des gcsammten Enquete- Materials verlangten, eine Forderung, die dann dringender als je erhoben werden müßte. Jedenfalls bekommt die Angelegen« heit infolge jener voreiligen Tendenznotizcn ein immer jelt« sa mores Geficht. Humor unterm Kozlalisteugrsei». Der Tischlerver- bandsvorsitzende Karl Kloß in Stuttgart, dem in der Pfalz eine Anzanl Versammlungen verboten wurden— natürlich unter der üblichen famosen„Begründung"—«heilt als gut- mülhioe Haut, die er nun einmal ist, im„Schw. Wochenblatt" den löblichen Behörden mit, daß sein Vater am 18. März 1348 an den Straßenkämpfen in Berlin theilgenommen hat, eine Thatsache, die von der Polizei nach dem bekannten Pfälzer Sprichwort:„Der Appel fällt nicht weit vom Birnboom" als weiterer„triftiger" Verbotsgrund künftig benützt werden könne. Au» dem Leben der bürgerliche» lparteie». Wie aus Mannheim berichtet wird, lyelt dort am Sonnsbend Abend der demokratische Verein eine Mitgliederversammlung ab, in welcher über die bevorstehenden Landtagswahlen berathen wurde. Der Vorstand macht die Mittheilung, daß es leider nicht ge- lungen sei, einen geeigneten Kandidaten zu finden, weshalb man von einem Eintreten in die Wahl absehen müsse. Die Versammlung beschloß, die Wähler aufzufordern, entweder weiße Zeitel abzugeben oder dem Wahlakt fern zu bleiben. Mannheim, die einstige Hochburg der basischen Demokratie, Mannheim, das früher seine drei Demokraten in den Landtag sandle, ist ein dürres Sreld derjenigen Demokratie geworden, welche durch die„Reue Bad. LandeSztg." vertreten ist. Wer dort die Pflege demokratischer Ideen einzig noch hochhält, ist die Sozialdemo- kratie.— Eine höchst merkwürdige Korrespondenz bringt die „Fiairkf. Ztg." aus Mainz. Don hat sich der Ausschuß der uationallrderalen Partei an die Ausschüsse der demokratischen und der katholischen Volkspartei mit der Anfrage gewendet, ob sie bei den demnächstigen Stadtverordnetenwahlen wieder ge- neigt seien, zusammenzugehen bezw. gemeinsame Kandidaten nufzustellen. Nationalliberale, llltramontane und Demokraten sollen— nack nationallrberalem Wunsche— gemeinsam gjhea! ZUber dir Mahl im Wurzenrr Krris wird uns un- term 9. d. M. geschrieben: DaS Wahlergebniß ist noch nicht vollständig bekannt, und im Augenblick, wo ich dies schreibe, weiß ich noch nicht einmal, ob es zu einer Stichwahl kommen wird oder nicht. Der Rückgang der Kartellparteien steht aber bereits fest; und zwar ein sehr erheblicher Rückgang. Ueberall hat, verglichen mit der Wahl des 21. Februar 1887, weis geliefert werden soll, daß die größeren Prosadichtungen Alfred Meißner'«(gest. am 29. Mai 1885) nicht von diesem selbst geschrieben find, sondern von dem Verfasser der betreffen- den Schritt, Franz Hedrich. Es handelt sich zunächst um „Sansara",„Schwarzgelb", Neuer Adel" u. a. m. Sonderbare Umstände hätten Heviich bisher verhindert, die Anerkennung seiner Autorschaft durchzusetzen, Umstände, die mit Meißner'S Privatleben zusammenhängen und die Hedrich in Rückficht auf ferne Freundschaft mit Meißner gelten gelassen. Der Bc« J?"® wird angeblich unumstößlich durch 42 Originalbriefe gc- suhrt, die an der Autorschaft Hedrrch's keinen Zweifel lassen sollen.�«ralls die Wahrheitsliebe des Herrn sich so über- zeugend erweist, als feine Freundschaft für den verstorbenen Dichter des Zrska, wird die Literaturgeschichte durch seine Eni« hüllungen zu keinerlei Nachtrag veranlaßt werden. Gl« Konkurrent de» Phonographen, das von Tainter und Bell erfundene Graphophon hat sich während der Anwesenheit Edison'S in Europa au« Höflichkeit zurückgehalten, jetzt aber um so energischer zum Wort gemeldet. Es ist in Paris ausgestellt und hat dort bei der PreiSvertheilung die Goldene Medaille errungen. Das Instrument dient denselben Zwecken, wie der Edison'tche Apparat, soll aber, wie überein. trimmende Berichte aus Paris und Amerika versichern, prakti- scher und billiger, einfacher in seiner Konstruktion und leichter in der Handhabung sein. Merkwürdig« Hebung eine» gesunkene« Krieg». dampfer». Ansang Marz dieses Jahres fuhr einer der größten englischen Kriegsdampler, der„Sultan", ein Schiff von unge- neucrltcher Größe(929V Registertonnen, 7720 Pferdekraft und 79 Kanonen erster Größe) in der Nähe von Malta auf Felsen, wurde Icck und sank. Alle Anstrengungen der- Engländer, das Jsw'N zu heben, waren erfolglos. Es blieb fest auf dem Felsen uSx- a.wachte sich der Italiener Giovanni Baltista Baghino arlyertchig, das Schiff gegen eine Belohnung von einer Million Mark zu retten: im Falle des Mißlingens sollten ihm seine Arrstogen mrl 400 000 M. vergütet werden. Da der„Sultan" annähernd 15 Millionen Mark gekostet hatte, ging man von englischer Seite auf diesen Vorschlag ein. Wider Erwarten gluckte denn auch das Unternehmen. Ursprünglich wollte Boghmo mit tzrlfe von starken Pumpen und Bojen das Schiff heben. Als ihm jedoch feine Taucher meldeten, daß dasselbe «wischen»wer rn Spitzen endigenden 6-8 Fuß hohen Felsen und an der unteren Seite, deren Eisenplatten'/»Zoll dick stad, 9� Locher ha', durch welche das Wasser eingedrungen sei, teschloß er, zuvorderst einen dreser Felsen zu sprengen. Diese die Opposition Fortschritte, das Kartell Rückschritte gemacht. Namentlich gilt dies von den ländlichen Befirken, wo das Kartell früher fast unbestritten dominirte. Und an Anstrengungen haben es die Ordnungsparteien wahrhaftig nicht fehlen lassen; Herr Giese, ihr Kandidat, war die letzten drei Wochen fort« während unterwegs, um Winkel-Versammlungen abzuhalten (erst am Abend vor der Wahl erklärte er sich bereit, seinen Gegenkandidaten in öffentlichen Versammtungen entgegen- zutreten— ein komischer Heroismus, fintemalen die Gegen- Kandidaten selbstverständlich an diesem Taa« eigene Versamm- lungen hatten): und der ganze Beamten-Apparat war in an- gestrenglester Thätigkeit, soweit es nur irgend anging, ohne eine flagrante GesetzeSverletzang zu begehen. Es hat jedoch Alles nichts genützt-, und ein Versuch, den Kriegswauwau wieder loszulassen, mußte sehr bald aufgegeben werden, weil die Wähler entweder lachten oder ernstlich döse wurden. Damit soll indeß nicht gefegt sein, der KriegSwauwau sei überhaupt unmöglich geworden. ES müssen aber weit kräftigere Mittel angewendet werden, als bei einer einzelnen Wahl verlohnt. Bei den nahenden allgemeinen Wahlen wird man den Appell an die Furcht jedenfalls besser in Szene zu setzen wissen. Daß außer den Kartellparteien auch die Sozial- demokratie einen Stimmenrückgang zu verzeichnen hat, ist in der Natur des Wahlkreises begründet, der einen vor- wiegend ländlichen Charakter hat. In den Städten Würzen, Oschatz, Grimma haben die Sozialdemokraten mehr Stimmen, als bei dcr vorigen Wahl; auf dem Lande konnten sie aber verhälwißmäßig nur wenig agitir-n, weil ihnen fast durchweg die Säle verweigert würben, lwährend die Deutfchfreifinigen, deren Kandidat ein im Kreis angesehener Grundbesitzer ist, überall Eingang fanden. So gelang es den Deutschfceifinnigen auf dem Lande, eine Anzahl von Wählern zu gewinnen, die das letzte Mal für den sozialdemokratischen Kandidaten gestimmt hatten. Bei der nächsten Wahl wird die Sache fich aller- dingS etwas anders gestalten. Die Sozialdemokraten, welche diesem Kreis bisher nur eine geringe Aufmerksamkeit schenkten, haben jetzt gefunden, daß derselbe keineswegs aussichtslos ist, und sie werden gewiß dafür sorgen, daß da, wo die Deutsch- freisinnigen Fuß gefaßt haben, auch bald ein sozialdemokratischer Fuß hingesetzt wird. Marnnng für Auswanderer nach Chile. Die chile- nifche Regierung ist elfrig bemüht, dort fehlende Arbeitskräfte fich von Europa zu verschaffen, bezw. die europäische Auswan- derung nach Chile zu lenken. Neben den für die neuen Kalo- nieen in Araukanien bestimmten Ansiedlern sucht man söge- nannte„freie Einwanderer" zu gewinnen. Dieselben bestehen meist aus Handwerkern und Fabrikarbeitern, in neuester Zeit find aber auch viele Tagelöhner nach dort gegangen. Das Hauptkontingent der„freien Einwanderer", denen die Ueber- fahrt für ein Drittel des gewöhnlichen Preises ermöglicht wird, und für deren baldige Unterbringung mehrere Bureaus und zwei große Gesellschaften in Chile sorgen, haben bisher Frank- reich, Italien u»b die Schweiz gestellt. Die ländlichen Groß- grundbesitzer in Chile, die bisher einen großen Theil ihrer Be- fißlhümer unbestellt lassen mußten, suchen nun von der An« Wesenheit dieser fremden Arbeiter zu profitiren und schließen mit denselben Verträge ab, welche den berüchtigten„Parcerie- Verträgen" der brasilianischen Hazienderos gle.chkommen. Das „Bolei. de la Socied. Naclon, de Agricultura" in Santiago veröffentlich einen solchen Mustervertrag, abgeschlossen zwischen D. Belisario TorreS in Lonquen(im Departement Victoria) und 39(freien Einwanderem". Die fünf Artikel besagen der Hauptsache nach: 1) Der Grundbesitzer überläßt den Einwanderern so viel Land, als dieselben beackern können, und stellt ihnen Pferde, Ackergeräth und Saatgut zur Verfügung. 2) Von der Emte erhält der Grundbesitzer zunächst das Saatgut zurück und dann die Hälfte des Restes. 3) Der Grundbesitzer zahlt dem Einwanderer für jeden Arbeitstag 30 Zentavos und 10— 15 Zent. für Beköstigung. Diese Gelder müssen bei der Theilung der Ernte zurückgezahlt werden. Ueberläßt der Einwanderer dem Grundbesitzer aber die ganze Ernte, so ist dies nicht nothwendig. 4) Der Grundbesitzer überläßt je fünf Individuen(der Einwanderer) ein Landstück, ein Quadro(gleich 125 Meter) breit und eine halbe Ouadra lang, wo sie ihre Häuser erbauen und Gärten anlegen können. Die Materialien zum Hausbau liefert der Grundbesitzer zum Selbstkostenpreise. 5) Geht die Ernte ohne Schuld des Einwanderers ver- loren, so hat der Grundbesitzer kein Recht, die geleisteten Vor« schüsse einzutreiben. Selbst chilenische Zeitungen heben hervor, daß derartige Verträge sehr vortheilhaft für die— Großgrundbesitzer feien. Wie aus Artikel 3 ersichtlich, handelt es sich einfach um dauernde Gewinnung von billigen Arbeitskräften. Durch die erhaltenen Vorschüsse(für Hausbau, HauSlhiere w.) wird dcr Einwanderer an die Scholle gefesselt. Europamüde seien deshalb vor der Auswanderung nach Chile gewarnt. merkwürdige Rettung des gesunkenen RicsenschiffeS ist nach einem Berichte des österreichisch-ungarischen Konsulats in Liverpool mit Erfolg durchgeführt worden. Es wurden etwa 500 Tonnen Gestein entfernt und die 9 Löcher mit wasserdichten, mit Zement gefüllten Leinwandsäcken'ver stopft, welchehierzu wahrscheinlich, nachdem sie an Ort und Stelle waren, aufgeschnitten wurden, damit Waffer eindringen und der Zement zu einer festen Masse sich bilden könne. Sobald die Taucher dies ausgeführt statten, begann man mit 16 Pumpen, welche 5000 Tonnen Wasser in der Stunde hoben, das im Innern des„Sultan" befindliche Waffer auszupumpen. Es dauerte nicht lange und man nahm wahr, baß das Sch>fi fich zu heben anfing, und nach einer kleinen Unterbrechung, die dadurch verursacht wurde, daß ein Sack aus einem der Löcher herausrutschte und daher durch einen neuen ersetzt werden mußte, wurde der„Sultan" wieder flott und vor ein paar Wochen nach dem etwa 13 Meilen entfernten Arsenal von Malta geschleppt. Bei diesem gelungenen Werke soll der Unternehmer 800000 M. verdient haben, da sich seine Kosten nur auf 200000 M. stellten. Denpodlaeta». Aus Madrid wird der„Franks. Ztg." geschrieben: Oespoblados, darunter versteht man bei uns zu Lande Ortschaften, die sich allmälig entvölkern, bis sie am Ende auch von den letzten Einwohnern verlassen werden und von deren einstigem Vorhandensein dann nur noch ein mebr oder weniger ausgedehntes Ruinenfeld Zeugniß ablegt. Solcher Despoblados giedt es hier auf der Haibmsel Tausende. Sie stammen meist aus der Zeit des größten Verfalls, aus dem 17. und 18. Jahrhunderl. Aber auch gegenwärtig entstehen hier, wie aus dem Nachfolgenden ersichtlick ist, noch neue Despoblados. Das aus dem spanischen Erbfolgekrieg be kannte Städtchen Villaviciosa, bei welchem Vend�me durch seinen Sieg über die habsburaische Partei die spanische Krone für Philipp von Bourbon sicherte und den langen blutigen Krieg beendete, sieht heute die Zahl seiner Bewohner reduzirt auf den Alkalden, den Fliedensrichter mit seinem Schreiber, drei Hirten und vier Wittwen; alle anderen Be« wohner sind im Laufe der letzten Jahre ausgewandert, zum Theil nack Amerika, zum Theil in benachbarte Orte. Run hat in diesen Tagen auch der Alkalde bei dem Gouverneur der Provinz um Enthebung von seinem Amte gebeten, da er sich gleichfalls gezwungen sehe, die Stadt, deren Haupt er sei, zu verlassen, um nicht Hungers zu sterben. Villaviciosa wird also zukünftig buchstäblich der Geschichte angehören. Da» Nerlngsgcfchnst von C. A. Hager in Chemnik � das sick in der Hauptsache mit der Herausgabe literarrscher E. zeugmsse von sehr zweifelhaftem Werthe befaßt, annonzirt in seinem zur Verbreitung gelangten Katalog eine kleine Schri't betitelt:„WaS die Arbeiter aller Länder wollen", von Augr st Bebel. Um Miß v erst ündrnssen zu begegnen, sei bemerkt, da» Herr Bebel zu dem Inhaber des erwähnten Geschäftes in gor keiner Beziehung steht und von der Herausgabe, wie von d-m Inhalt des angekündigten SchnftchenS nicht die geringste Kenntniß besitzt. Unfern patentirten„Patrioten" läßt ein schweizerisches Blatt, die„Basler Nachr.", folgende treffende Abfertigung zu Theil werden:„Ist es eine besondere Tugend, kein Vaterland zu lieben? Ist diese Liebe nicht vielmehr dem Menschen ange- boren, wie die Liebe zu seiner Matter? Und wer spricht davon. daß er sein« Mutter nicht liebt? Wer hat es nölhig, von diesem natürlichsten aller Gefühle noch in Worten Zeugnrß abzulegen? DaS fortwährende Hervorkehren des Patriotismus, wo Niemand ihn in Zweifel zieht, ist ein schlimmer Nachklang aus den Zeiten der Unfreiheit, für Manche auch nur eine Flagge, welche die unsolide Waare decken soll, eine Reklame, die uns anwidert und empört wie die abscheulichen GcschäftSempfehlungen, mit denen man in der Schweiz die schönsten vaterländischen Berge schimpflich beklebt hat." Wie bereit» mitgetheilt, bleibt da» englische Uieh- rinfuhrv erbot gegen Deutschland bestehen. Aus Tönning in Schleswig-Holstein wird der„Weser-Zeitung" dazu geschrieben: Diese Entscheidung wird traurige Folgen zeitigen; haben doch zahlreiche Fettviehbesitzer, Händler, Agenten:c. in der Voraussetzung der herannahenden Eivffnung 0er überseeischen Exportsaison ihre Geschäfte und Maßnahmen mehr ober weniger dieser Voraussetzung entsprechend eingerichtet. Vie e Fetlgräser haben den größten Theil ihres Viehes und besonders rhrer Schafe bis zu diesem Termine zurückbehalten und ans den Verkauf ihres Produks zu jener Zeit verzichtet, als die Preise den Höhepunkt erreicht hatten, was das Prachtwetter im September ermöglickte; zahlreiche Händler haben Vieh, und bc- sonders Schafe, in solcher Zahl aufgekauft, daß sie, falls die sicher erwartete Freigabe mcht erfolgt, schwere Verluste treffen dürften; alle die Agenten für Rhedereien, für VersicherungS- Gesellschaften, für die Kommissionär- und so weiter warten auf Beschäftigung und Ver- dienst; zahlreichen Arbeitern fehlt der gewohnte reickliw« Verdienst beim Treiben, Verladen und Füttern des vielen Fett- vieh«; die Aktionäre der Tönninger DampfschiffsahrtS-Gelill- schaft haben mit großen Verlusten zu rechnen, da ihr Dampk- schiff„Schleswig" seit Mai d. I. unthätig an der Tönnwger Schiffbrücke gelegen hat. Man ging hier infolge des Einkuln. Verbots mit dem Plane um, hierorts in den großen Viehställen eine provisorische Exoortschlächtcrei einzurichten, um wächentl ch etwa 2 bis 3000 gejchlachtete Schake direkt an den London-r Fleischmarkt senden zu können. Dieser Tage gingen bereit» ca. 300 Schafe von hier nach Hamburg, um von dort geschlachtet nach England ausgeführt zu werben. Am Dienstag Vormittag hat hier eine Versammlung von Vieh-Erporteuren stattgefunden, an der mehrere Viehversender aus Husum theilgenommen h'den. Man hat dabei die Einrichtung einer Exporlschlächterei ernstlich in Erwägung gezogen, jedoch wieder davon abgesehen, weil d,e von Herrn Thomsen-Zennhuton zum Ausdruck gebrachte An- ficht durchdrang, daß man mit der Ausfuhr von geschlachtetem Vieh nach London sich jeder Aussicht auf eine Wieder- eröffnung des dortigen Marktes für unser Vieh in lebendem Zustande beraubt. Schweix. Wie wir unfern Lesern schon m,»heilten, beschloß der inten- nationale sozialistische Arbeiterkongncß die Herauegabe eines Blattes unter dem Titel„Der achtstündige Arbeitstag", welches die Aufgabe hat, die Bestrebungen zu Gunsten des acht- stündigen Arbeitstages in nähere Verbindung zu brinqen und die Leser über den Fortgang der Arbeiterschutzgesetzgebung in Europa und Amerika, sowie über den Stand der Arbeiter- bewegung zu informiren. Zu diesem Zwecke soll das Blatt allen Arbeiterverbänden, sowie den Vertrauensmännern der Ar- beiterorganisationen in den verschiedenen Ländern gratis und franko zugesandt werden, wogegen diese den Redakteur des Blattes durch Benachrichtigung von allen Vor- kommnissen auf den genannten Gebieten zu unterstützen haben. Die schweizerischen Delegirten würben vom Konnte« des Kongresses mit der Einsetzung des Erekutivkomitees beauftragt, das die Herausgabe dieses Blattes zu übernehmen und auch dre Einberufung des nächsten internationalen Kongresses emzulerten hat. Das fünsgliedrige Eaekutivkomitee mit dem Srtz m Zunch wurde von den sckweizrnschen Kongreßdelegirten in Verbindung mrt einigen anderen Vertretern schweizerischer Arbeiterorganisationen bestellt aus den Herren Kantonsrath K. Bllrkli, Bezirksanwalt A. Lang, Buchbinder K. Mavz, A. Merk(vom schweizerischen Arbciters-kretariat), diele vier in Zürich und Redakteur E. Wullschleger in Basel. Das Sekretariat und die Redaktion des neuen Blattes ist proo:- forisch von E. Wullschleger übernommen worden, welcker die bezüglichen Geschäfte neben der Redaktion des„B'Sler Ar- beiterfreund" von Basel aus besorgen wird. Die erste Rümmer des„Achtstündigen Arbeitstages" soll wo möglich Ende diese« MonatS zur Ausgab- gelangen. Man gedenkt bis»um kommenden Neujahr monatlich eine Nummer, von da ob hm» gegen das Blatt alle 14 Tage erscheinen zu lassen. Es wird auf das Blatt ein Abonnement eröffnet werden, dessen Höh: vom Exekutivkomitee noch zu bestimmen ist. Die Kosten der Herausgabe des Blatte?, welche voraussichtlich durch Aboirre« mentS nur zum geringsten Theile gedeckt werden können, sind durch freiwillige Beiträge dcr Arbeiterverbände aufzubringen, die auf dem Kongreß vertreten waren. Holland. Folgende merkwürdige Korrespondenz läßt sich die„Franks. Ztg." aus Holland über den dortigen Dockarbeiter« streik schreiben: Rotterdam, 8. Okt. Die Schiffsarbeiter hielten geller» Abend abermals eine Versammlung, dresmal im„Nut". Van der Kolk eröffnete die Versammlung mit einer Rede, in der»r zunächst mittheilte, daß vorgestem die Verwaltung der Abthr- lung der sogen.„Trade Union" gewählt worden ist, deren Prc- sident(er selbst) und Sekretär(saS) ihre bisherige Besckäiii- Sung ausgeben würden, um ausschließlich(gegen Hanorar) sich en Bestrebungen der Arbeiter zu widmen. Es hätten sich schon 172 Arbeiter als Mitglieder der„Trade Union" eingeschrieben. Auch Schiedam und Dordrecht werde man zu gewinnen versuchen. Wegen Amsterdam werde man später sehen. Er theilte wcucr mit, daß er soeben von Ben Tille! aus London ein Telegramm erhalten habe, worin dieser verspricht, brieflich die nö-higen Aus- kllnfte zu ertheilen. Sodann nahm Orbell aus London das Wort. Er sprach englisch, doch einer dcr Arbeiter trat als Dolmetscher auf. Er begann mit der Erklärung, daß er kern Sozialdemokrat ser, daß dre„Trade Union" eine Verbrüderung der Arbeiter bezwecke, und wenn nöthig, Streiks leiten, jedoch keinesfalls solche ins Leben rufen, sondern im Gegenthcil sie verhüten wolle. Zum Beispiel, wenn die Arbeiter Beschwerde» baben, wenden sie sich an die Abtheilungsverwaltung, w.lcke die Sache der Hauptverwaltung in London vorlege, die als» dann«it den Arbeitgebern unterhandele, und versuche, ohne Streik zu einem Vergleich zu kommen. Jedes Mitglied de« komme eine Karte, auf der die vornehmsten Artikel der Statuten abgedruckt sind. Gegenseitig wurden die Abther. lungen einander hellen; so werde England Geld nach Holland und Holland Geld nach England senden, wenn solches nölhig sei. Jedenfalls werde der Streik nur als das äußerste Mittel betrachtet, um das Ziel zu erreichen. Van der Kol? TtaBm darauf wieder das Wort und forderte alle Anwesenden auf, sich zur Mitgliedschaft anzumelden. Der Beitrag sei nur Itt c. wöchentlich. Jeder bekomme ein Reglement und bezahle CO c. Eintrittsgeld. Die königliche Genehmigung der Statuten werde man beantragen. Darauf wurde die vorgestern gewählte Ätenvaltung bestätigt; sie besteht außer van der Kolk und P. SaS aus noch fünf Arbeitern. Eine ganze Anzahl Arbeiter l:eß sich sofort einschreiben. Nach der Versammlung theilte Orbelt in einem Gespräche mit, der Name ihrer Vereinigung seit Wbarf, Riverside and General Labourers Union of Great Britain and Ireland". Der Präsident heiße Man, der Eekreror sei Benjamin Tillet. Die Anzahl der Mitglieder be- trage rund 100 000. Kein Mitglied der Verwaltung sei Sozial» demokrat. Natürlich hat sich Holland und England hier vereinigt, um sich gegenteilig den Pelz zu waschen, ohne dabei j'doch einen Tropfen Wasser in Anwendung zu bringen. Dre„König- liche Genehmigung" mag diesen loyalitätstriefenden Ordnungs- männern übrigens gut bekommen. Verfmumltmgcn. Der Der»!« felbststiindiger Kildhauer Kerlins dis- kutirte in leiner ordemlichen Versammlung vom 8. v. über die von der Gehilsenschaft geforderte Sftündige Arbeitszeit nahm, in der Erwartung, daß die als Vertreter der G« schoft gewählte Siebencr-Kommilsion sich demnächst mit ry Verbinoung sctzen werde, einen Antrag dahingehend an: eventuell einzuberufenden Versammlung aller Bild. Prinzipale Beilins die allgemeine Einfühlung einer rar stündigen täglichen Arbeitszeit zil empfehlen."— Mit* Forderung auf Abschaffung der Akkordarbeit und einer> gegen einzuführenden Stundcnlohnarbeit hatte sich der Ve» seldstständigec Bildhauer schon in emec früheren Versamw!« beschältet und derselben seine Zustimmung gegeben. Freitag, den 11. Oktober. Opmetzas«*. Geschloffen. Ihr Taufschein.— Hierauf: Der Mann der Freundin.— Zum Schluß: Rost fcstnm. K««tische« Uheatrr. Die Joumalisten. Nora. - Wtchsbmftiifchttsche««tz—ts». Orpheus. Eheferien(Les vacances du mariage). M«N»we.Uh»«tev. Der rechte Schlüssel. Aiktorie Stanley m Afrrta. Lorbeerbaum und Bettelstab. » Gch»«»«». Der Zauberlehr- KZ��Ädttsch-»«heatep..'Ne feine Familie." ? rndtrKl- Gy tirtrv. Das lachende Berlin. Ave-iptz«-»».«tz-at--. Flotte Werder. MilÄr. Ktcht«'« Nari«t6. Spezialitäten- Vorwellung. - Theater. Gr. Spezialitäten- Vorstellung. Krrtwer Theater. Freitag, den 11. Oktober: 6. Abonn.-Vorstellung. Mu Tropfe««ist. Sonnabend, den 12. Oktober: TcmetrtuS. Sonntag, den 13. Oktober: Cocrates und feine Frau.— Ritter Blaubart.— Der zSasende Funke.— Jugendliebe. „Thalia", 15 Mallnertheaterstraße 15. Aßts Kolks- Epezilllitiitell- Theater. „Strohwittwer". Berliner Lokalposse mit Gelang. „MtstttaS". Hofkünsllcr Sr. Majestät des Kaisers von Japan.„Mtfi Martnella", das medizi- nifche Wunder.„Wilhelm Fröbel", Berliner Volkshumorist.„Martha Fiori", Jlra Nrufeld, Sängerinnen. Hulda und Pepi Haber, Wiener GeiangS-Duelt'tten. 50 Pfennig. Familten- Bidets 3 Stück 1,00 Mark. Anfang 7ß Uhr.— Sonntags 64 Uhr T odes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau Augueie Natusch, geb. Zadow, am 8. o. M., Abends 11% Uhr, nach kurzen schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 13. d.M., Nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause Rüders- dorferslraße23 aus nach dem St. Georgen- Kirchhof, Landsberger Allee, statt. Um stilles Beileid bittet Der trauernde«atte 185s August Natusch. Ortskrankenkasse der Korbmacher. Mitalied Stanitz ist gestorben. Die Beerdi- oung findet am Frettag. den II. Oktober d.J., Nachmittags 3,- Uhr, vom St. Hedwigs- Krankenhaute aus statt. Um zahlreiche Bctbeiliaung bittet 187j I. A.: H. Scheele, Rendant. [40 American«Theater« 5865 Dresdeuerstr. 55. Täglich Vorstellung. Civ»cus Benz. Karlstroße. Heute, Freitag II. Oktober, Abends 7 Uhr: KarstellNNg. Auftreten oes Sergeant StmmS mit seiner jugendlichen Zuaven-Truppe in ihren neuen— I staunenerregenden Schlachten- und Lager-! btideru.— Die 4f.,che Fahrschule, geritten von den Herren Franz Renz. Adolf Rmz, � Oskar Renz und William mit 8 Schuldferoc«.! — Vorführen der 4»rlündtschen Bottb ut- Jagdpferde durch Herrn Franz Renz.— Auf- treten der reuommirtcn Künstlerfamilie Brtatore.— Die Schulpf-rde Beautrful und iSaphu». geritten von Frl. Clotilde Hager. — Orient. Man. von 16 Damen.— Morgen Vorstellung. Souutag 2 Burftevungen. S. Benz, Dnektor. Ztiitriil-KrtiM- II. TterbeW der Wler und anderer gewerblicher Arbeiter. lE. H. Nr. 3 in Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin A. Durch Beschluß der Mitglieder-Versammlung sind folgende Zahlstellen verlegt worden: von Wiangelstraße 86 bei Aurus nach Cumystraße 16 bei Ziemer; von Reich enbergerstraße 71 bei ZylinSky nach Forsterstraße 45 bei Linke; von Laufitzerstraße 9 bei Wätzerich nach Görlitzerstraße 58 bei TolkSdorf. 167 Die OrtSvcrwaltung. Zevtral-Kranken- u. Sterbe- Kaste der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter. (Hamburg.) Oertliche Verwatlungsst. Berlin A. Montag, den 14. Oktober, Abends 84 Uhr: MMlieder-Versammluug in„Süd-Ost", Waldemarstraße 75. DageS- Ordnung: 1. Die Antwort des Zentral- Vorstandes über die Theilung der Verwaltung in A und H. 2. Wahl von Äerzten. 3. Verschiedene Kassen an g: legen heilen. Mitgliedsbuch legilimiri. Jedes Mitglied ist verpflichtet, in dieser Ver- sammlung zu erscheinen.[189 __ Tie Ortüver lvaltung. Verein zur Wahrung der ulaterielleu Juterejsen der Steinträger und verwandter Kerufsgenossen. Mitglieder-Versammlung am Sonntag� den 13. d> M., Vorm. 11 Uhr, in Schetter's Salon, Jnselstraße 10. TagcS- Ordn unq: 1. Abrechnung vom dritten Quartal 1889. 2. VereinSangeiegenheiten. 3. Verschiedenes und Fraaekasten.[194 Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiches und pünktliches Eischeinen ersucht Der vorstand. E. Gutsch. Oppelneistr. 24. Buscirt- Frtedrtch-Karl-Ufer. Heute, Freitag, den 11. Oktober, AbdS. 74 Uhr: Große DorftelluVg. Zum 3. Mal: Ei« Traum in den nor- wegifchen«ebtrgen. Große Original-Aus- stnttnngS-Panlomime in 2 Akten u. 18 Bildeni. Ann 1. Mal: NcluSko, geritten in der hohen Schule von Frl. GodlewSki. Gladiateur, schwe- dffch-r Prämienhengst, für die hohe Schule Ärrssirt und geritten vom Direktor. Gebr. Theo irm RotationSopparat. Elephant und Ponny, zusammen in Freiheit voraesührt von Frl. Wagner. Marie Dorä als Jock-Y 8 russische Rapphengste, vorgeführt v. Direktor. Amateur. Konkurrenz- Reiten auf dem Esel'„Rlgolo". Aladin, in Freiheit vorgeführt v. Frl. Eugenie. Kl. Rosa als Parforce-Reiterin. Saltomortal- Rester Devigne. Mr. Allen>. tigeur. Aown W. Olschansky, der beste«p�oger der Gegenwart.— Sonntag 2 Vorstellungen, 34 »nd 74 Uhr. Näheres die Plakate. 1192 Vsffsso l«». s M.- 10 A. * ÄnSmor-tPortoraiw«. I« dieser Woche: EavohenS maler. Alpen. Ale«! iv. Eye!.: Pariser Welt-AnSftetloii«. MlSstrllnnaSvart: III. EykluS der Pariser Welt-AkStteSuna. Mm Resse 20 Pt.. Kind nur 10 Pf. Abonn. S Aestk» 1 M. mm «m Iranbcn- und Kegröbnlßkalse der Gmtler uud Kroupre. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag, den 2V. Oktober, in den Zentral- Festsälen, Oranienste. 130, eine außeroidcntltche Gtnerak-Veisümmwng stattfindet. Tagesordnung: Statutenänderung des gesummten Statuts. Mitglieder, welche Anttäge zu stellen hoben, müssen dieselben bis spätestens zum 15. Oktober beim Vorsitzenden Otto Klein, Rstterstraße 15, einsenden. 197] Der Dorstand. Versammlung der fraen Scrcinipn!) Ii. Bimncret Kerlins und Umgegend am Sonntag, den 13. Okt., Vorm. 104 Ubr, in Orsohel's Salon, Sebastianstraße 39. TageS-Ordnung: 1. Die Vortheile der zentralisirten und lokalen Organisation. Referent Fritz Krüger. 2. DiS- kufsion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Jedermann ist willkommen. s195 Her Vorstand. Hugo Lehmann, Stettinerstraße 9 I. stjie» Um\ i Polstervaaren, Gr Lager, bist, Prrtac 1 f Ems! Heyng Brunncnstr, 86, Hof pari. TtwH*. nach Usbcrftfakuult. (Eine sut gehende WnmnMn. Nähe Stadtbahnstation Bellevue, Flensburger- straße 5 t, ist preiSwerth zu verkaufen.(Miethe 450 Mark.) 196 für Arbeitsnachweis und Zahlstelle! zu vergeben bei[160 Dttbel, Oppelnerstraße 33. Zokal Allen Freunden u. Genossen empfehle meinen Nsslener Rasir-Salon, 182 J. Selzer, A n k l a m t r st r. 13. Große öffentliche Nersommlnng der MM" Feileuhauer lind Feilenschleifer am Freitag» �en H. Oktober, Abends 8 übr, im Weddingpark, Müllerstrasse 178. ES wird um zahlreiches Erscheinen gcbeteo.[184] Her Blnheruter. ZnvMcnArnßt 139, Sa.'hnT ÄvMenhrahe IZs, neben der Marklhalle, � UiS KÄ V neben der Markthalle, empfiehlt sein reichsortirtes Lager in Damen- unö Kinder- hüten» sowie sämmtliche Wollen- n.Weißwaarenartike! »u den allerhllllgsten preisen.__[186 Durch die©spedititm, Simmer(iraße 44, zu beziehen: Die DarwW'sche Theorie« Von Or.«dnard Avellng. Broschrri M. 1F0. Geb. M. 2,-. Kori Morr' OeKonoWilchS Lehren» Gemeinverständlich dargestelllu. erläutert von Karl Kants kq. Brofch. M. 1�0. Geb. M. 2,—. Meltschöpfvvg«Ad Welttt�tergang. Die EntWickelung von Himmel und Erde vom Standpunkt der Naturwissenschaften dargestellt von Oswald Kohle». Brofch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Die ianditlhe ArkeiterfroKe. Nach dem Ruffischen des Kablnkow. Brofch. M. 1—. Geb. M. 1/>0. Thomas Wore««d sei«? Utopie. Mit einer kjistorischen'Einleitung von Karl Kants leq. Brofch. M. 2,—. Geb. 2,50. Charles Foarier» sein Leben und seine Theorien. Von Kngnst Kebei. Brvsch. M. 2,-. Geb. M. 2,50. Das moderne Glend und die moderne UekernolkernaK. Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von Ulla» Kchtvpel. Broschirt M. 1„50. Geb. M. 2,—. Kerliner Arbeiter-Kidiiothek. Von Mar Kchtvvel. Erschienen Heft 1 bis 7. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Heft 2: Der Nutzen der Gewerk- schaften. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenftage der Gegenwart. Heft 4: Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Heft 5: Charakter- köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Ossip Zetkin-Paris ff. Heft 6: D'.e Hausindustrie in Deutschland von Paul Komvffmcyer-Genf. Heft 7: Junker und Bauer von Paul Kampffmeyer-Genf.- Heft 15 und 20 Pf. Die ArbeitkrinveV-KeWegUttg Kerlws. Vo» a. Kerge». a Heft 30 Pf. Fordioand golTrtUr eine Gedenkfchrift zu seinem 25 jährigen Todestag. Von Ava» Kegel.* 50 Pf. Sterr», J« Die Religion der[Dritte vermehrte Auflage. brach. M. 0,50. — Halbes und ganzes Freidenkerthum, Zeit- und Streit- fchrijt. 2. Auflage. Broch. 15 Pf. — Thesen nker den Sozialismus. Broch, m. o�o. Gesetz der Alters- und Anvaliditats-Rerfichernng. Von a. Kebei und P. Klage». Preis cartonnirt M. 0,50. Arkeiter Notizk aleuder pro 189(1. Kleine Ausgabe a Exemplar 50 Pf. Große Ausgabe a Exemplar 75 Pf. Die Klassengegetifähe von 1789. Von Karl Ka«t»k?. a Exemplar 50 Pf. Die Sonntagü-Arbeit, Von August Kebel. Brofch. M. 1,—. Die Mohamedanisch- Arabische Knlturperiode. Von August Kebel. 2. Auflage. Bioch. 50 Pf. Stchil. Roman von Disraeli, übersetzt von Natalie Liebkuecht. Die Mitter der Arbeit. Nach dem Amerikanischen des Zor von Natalie Liebkuecht. Die französische Menslution. Von Wilhelm Klo». Gebuudeu i« Prachtbaud. a Exemplar M. 5,50. Broschirt in 20 Heften i 20 Pf. Dazu Einbanddecken a M. 1. A. Gold Schmidt, ItohMoa« Spandaucrbr.«. am hiesigen Platze bekanntlich[1653� Grösste Auswahl. Garautirt stcher brenuende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sänmttliche im Handel befindlichen Roh- Tabake find am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6 am Hackeschen Markt. Lissas». Matratze» ysfi? WZ sowie alte aufgearbeitel von A. Brillw'� Ruheplatzstraße 23 4 Tr. bei Noelte.___ I Arsteltsmardt. Seh: geübte Arbeiterinnen und Arbeiter[Z Mäntel gesucht Unterwasserstrasse Einen Klempner verlangt. 181]" Ludwig, Elisabeth-Ufcr SoPßaöezügejj Weste von Si—C Meter lpottbiltig. Emil Lcfivr«, Grauienst». 158. Ein tQchtiger Mechaniker, i welcher auch tm Monttren der HauStelegra?" bewandert ist, findet gute Stellung bei ! 191 A. Schulz, Oldenburg i. I der ; ein |: Hinfahrt. Angenehme Stellung. Henning, Holzmarktstr. 8. Durch � I. Schneider a.St. v. Götz, Fried richsgrachtl� 1' Verantwortlicher Redakteur: W. Urauhutm in Berlin Druck und Verlag von Ws» Kadt«g h, Berlin B/uthstraße 2 Ktos» rt»« Krlhrt* Beilage m\ Berliner Bolksblatt. Nr. S38. Freitag, htn 11. Oktober 188S. 6. IichrO We orlsSdilchen Tagetohne. Der K 8 des KrankenversicherungSgetetzeS vom Jahre 1883 enthält die Vorschrift, daß der Betrag des ortsüblichen Tage- IvbneS gewöhnlicher Tagearbeiter von der höheren Veirvaltungs- brhörde nach Anhörung der Gemeindebehörde festgesetzt wird; die Festsetzung soll für männliche und weibliche, für jugend- liche und erwachsene Arbeiter besonders stallfinden. Dieser „nrt-übliche Tagelobn gewöhnlicher Tagearbeiier" bietet den Matzstab für die Mindestleistungen der Krankenkassen, ins- besondere sür die Gemeinde-Krankenversicherung, daneben «der auch für die freien Hilfskassen, die nur dann als die gesetzliche Krankenversicherungspflicht erfüllend de- trastitct werden, wenn sie ebenso wie die Gemcindc-Krankenoer- sicherung mindestens die Hälfte des ortsüblichen Tagelohnes wg K> ankengeld gewähren. Die Festsetzung des ortsüblichen TagclohneS hat deshalb sür alle Arbeiter, die autzerhalb der Zoangskassen stehen, Bedeutung. Die Frage ist aber da- durch, schreibt die„Vossische Zeitung�, noch wichtiger gewor- den, datz auch die Unfallversicherung und in letzter Zeit namentlich die JnvaliditätSversicherung auf diese orlS- üdlrchen Tagelöhne zurückgreift und sie gleichsam als das Existenzminimum eines Arbeiters an dem betreffenden Orte dereordlet. Die Unfallversicherung hat den Jahresverdienst der -jagendlichen Arbeiter danach bemessen, indem sie davon aus- ging, datz die Löhne der jugendlichen Arbeiter so niedrig seien, dcitz eine Bemessung der vollen Rente auf zwei Drittel der Rente bei theilweiser Erwerbsunfähigkeit auf noch niedrigere �ruch-h-ile der Lohnbcträge nicht ausreichen würde, um den V rungliickten den Lebensunterhalt zu gewähren, wenn sie aus der Klasse der jugendlichen Person in ein höheres Alter auf- rücken. Deshalb kommen auch in den Nachweisungen der Be- ruf-qenossenschaflcn die Löhne der jugendlichen Ai bester nicht in ihrem wirklichen, sondern in einem viel höheren Betrags zur Erscheinung, was namentlich bei den Berufsgenossenschaflen der Textilindustrie zu bemerken ist. Van noch gröberer Bedeutung ist aber der ortsübliche Tarelohn für gewöhnliche Tagearbeiler bei der Invalidität-- ».rsicherung geworden. Einmal wird nach dem ZOOfachen Beirage dieses Tages lohn es in dem Falle, datz zwischen Arbeiter und Unternehmer eine Verständigung nicht erfolgt, der Jabres- arbeitt verdienst der Arbeiter bemessen, soweit diese nichl Mit- glredcr der Zwangstranken- bezw. Knappschaftskassen sind, al o z. B. bei den Mitgliedern freier Kassen und bei solchen invalidenversichecungspflichtigen Personen, welche nicht trankenversicherungspflichlig sind. Ferner hangt von der Höhe des ortsüblichen Tagelohnes auch die Ent- jcheidung der Frage ab, ob I mand erwerbsunfähig, das heißt �zum Empfang der Invalidenrente berechtigt ist. Die Vorlage der Regierung hatte Denjenigen als erwerbsuntäbig bezerchr et, der den Mindestdetrag der Invalidenrenten<120 M.) nicht mehr verdstnen kann. In oen Beraihungcn des ReichsiaaS gelangte man zur Emführung vonLoKnklassen und nahm als Richtschnur nn, datz Derjenige erwerbsunfähig fein sollte, der ein Drittel des Lohnjotz-S der betreffenden Lohnklaffe, in welcher er zuletzt ver- sichert war, nicht mehr verdienen können. Um aber dabei die land- wiribschaftlichen Verschiedenheiten der einzelnen LandeStheile zu 1 crückiichtigen, führte man als zweiten Faktor neben drm per- fontichen Einkommen den ortsüblichen Tagetohn ein. Erwerbs- unfähi, ist somit nach 8 9 des Gisitzcs, betreffend die In- rntmiätSpersicherung. Derjenige.„der infolge ieines körpeilrchen oder geistigen ZustandeS nicht mehr im Stande ist, durch eine seinen Kiäften und Fähigkeiten entsprechende Lohnarbeit mindestens einen Betrag zu verdienen, welcher gleich- r»mmt der Summe eines Sechstels des Durchschnittes der Lohn- siide, nach welchen für ihn während der letzten fünf Beitrags- j h e Beiträge entrichtet worden sind, und enreS Sechstels des A00sachen Betrages des nach§ 8 des KrankenversicherungS- gejetz s vom 15. Juni 1883 festgesitzten ortsüblichen Tage- lohncS gewöhnlicher Tagearbeiter des letzten Beschästigungs- orres, in welchem er nicht lediglich vorübergehend beschäftigt ge- weseii ist." Räch dieser Bestimmung kann eS also vorkommen, daß die JavaUdiläl bei zwei gleichgestellten Arbeitern ganz verschieden eintritt. Ein Arbeiter, der zuletzt 1200 M. verdient hat, kann in einem Orte mit dem ortsüblichen Tazelohn von 3 M. est als invalide betrachtet werden, wenn er 3l0 Mark ilbrlich nicht mehr verdienen kann, nämlich ein Sechstel (160 JM.) von 960 M. als Lohnsatz der vierten Lohnklasse und i-'n Sechstel(150 M.) von 300 X 3 M. Tagelohn; an einem O.te mit nur 0.80 M. Tagelohn wäre er schon eriverbSunfähig, ji»fn.r er 200 M. nicht mehr verdienen kann, denn zu den 160 M. würden nur 40 M. als ein Sechstel des dreihundert- frcken Betrages hinzutreten. Noch schärfer gestaltet sich der Unterschied, wenn— was wohl die Regel lein wird— ein Ardeiter nicht sehr schnell, sondern sehr langsam infolge eines Sicchihums invalide wird; er wird dann nicht mehr den höchsten Lohnklossm angehören. Wenn er zuletzt noch zwischen 350 bis 550 M. jährlich verdient hatte, so kommt als Lohnsatz für ihn nur der Betrag von 500 M. in Anrechnung; davon deträgt ein Sechstel 83,33 M. In einem Orte mit 3 M. Tag-lolm ist er schon invalide, wenn er 83,33-st 150 M.— 233,33 M. nicht mehr verdienen kann, während in einem Orte Mit 0.80 M. Tagelohn sein Verdienst unter 83,33+ 40 M.= 123,33 M. heruntergegangen sein mutz, wenn er als Invalide gellen soll. W«r wollen uns nicht weiter mit der Frage beschäftigen, od diese Volschrrft gerecht und zweckmäßig ist; sie ist einmal vor- Händen. Wir wollen damit nm beweisen, wie wichtig dieJcstsctzung oes ortsüdlichen TogelohncS gewöhnlicher Tagearbeiter durch diese Vorschrift für alle Arbeiter nicht blas, ton dein fast für alle nicht falbstständigen Personen ist. Denn der Kreis der Verpflichteten ifi ja bei der JnvalidilätSvelsicherung ein viel größerer als bei der Krankenversicherung. BetriebSbeamte, Handlungsgehilfen u. f. w., alle sind der Versicherung unterworfen und sogar letdstständige Gewerbetreibende können derselben unterworfen werten, oder sich ihr freiwillig unterwerfen. Durch die Zeitungen ginq vor Kurzem die Nachricht, datz die höheren Verwaltungsbehörden angewiesen seien, in eine Prüfung der Frag« einzutreten, od die auf Grund des Krankentassengesetzes erfolgte Festsetzung der ortsüblichen -».azetöhne noch den thaisächlichcn Verhältnissen entspreche. Eine solche allgemeinc Anordnung ist angesichts von uns dargelegten Wichtigkeit der Festsetzung dieser »er Q M'"«ei» UUltyl-lttylt*» O � 1* 1 4 9 viviv» Lohnsätze begreiflich in dem Augenblicke, wo man die Vorbe- r.rwngrn auch zur Aussührung der JnvaldiiätSversichrrung �datb ist eine genaue Prüfung der einschlagenden Verhältnisse nvthwendig. Aber eS ist doch sehr fraglich, ob da« diSyerige Verfahren auch geeignet ist, ein sachlich richtiges Er- urdmtz herberzufuhren. Die höhere Verwaltungsbehörde kann dt« Einzelnheiten nicht übersehen; die Gememdedchörde in manchen ijallen ebenso wenig. Da wo dies geschehen kann, Ü't* r i.tt••, �nneindebehörden da» Interesse vor, die - dnsatze möglichst niedrig anzugeben, weil sich danach «.-e Leipungen an Krankengeld?c. richten. Und sind denn alle Gemeindebehörden wirklich im Stande, ein ordentliches Gutachten abzugeben? Man denke doch nur an unsere ungeordneten Gemeindeverhältnisse im preußischen Osten und namentlich an die Gutsbezirke, in denen den Einwohnern jegliche Einwirkung auf die Gemeinde- biHörde fehlt..Eine solche Trage darf man auch nicht der alleinigen Entscheidung der höheren Verwaltungsbehörde� über- lassen; es mutz die Möglichkeit gegeben werden, daß thasächliche Aendcrungen in den wirthschastlrchen Verhältnissen baldigst berücksichtigt werden, während uns nur einzelne Fälle bekannt geworden sind, in denen eine Acnderung der erstmaligen Fest- setzungen, die mehr als sechs Jahre alt sind, erfolgt ist. Es muß ferner die Möglichkeit geschafft werden, datz gegen die er- folgte Festsetzung eine Beschwerde oder eine Berufung eingelegt werden kann. Die Novelle zum Krankenkassengesetz ist von dem Direktor im RcichSawle des Innern Dr. Bosse in öffentlicher Versammlung als für die nächste ReichstagSsession bevorstehend angekündigt worden. Herr Dr. Bosse hat dabei ausdrücklich hervorgehoben, daß die Absicht auch rahm gehe, den bereits früher fertig gestellten Ent- wurf daraufhin zu prüfen, ob nicht noch einige Acnderungen des KrankinkasscngesetzeS nolhwendiq seien, um ein besseres In- einanderpreifen der Kranken-, Unfall- und JnvaliditätSversiche» rung herbeizusühren. Wir glauben, daß hier ein solcher Punkt vorliegt, wo eine genaue Prüfung stattfinden muß, ob man das 1883 beliebte Verfahren der Festsetzung der ortsüblichen Tage- löhne gewöhnlicher Tagearbeiter noch beibehalten kann, nachdem diese Festsetzung einen bedeutenderen Inhalt gewonnen hat und sür ganz neue Zwecke verwendet wird. Lokales. Die Loknlkommilsto» veröffentlicht nachstehend die Liste der Wirthe, die ihre Lokale zu Versammlungen hergeben und bemerkt hierzu, daß dieselbe wöchentlich einmal mit eoent. Abänderungen abgedruckt wird, ferner, datz Veröffentlichungen in Bezug auf die Lokalfrage nur von den Herren Wilhelm Werner, Sebastianstr. 72, Arno Winter, Köpnickerstr. 126, HanS Vaake, Gipsstr. 31, auszugehen haben. Alle eventuellen Un- regelmäßigkeiten sind an die genannten Herren zu berichten. Adler-Ärauerei, Gesundbrunne,.. Bergschlotzbrauerei, Rixdorf. "ock-V''' Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. Böhmisches Brauhaus. Bolzmann, Andreasstr. 26. Bobert, Weinstr. 11. B-auerei Tivoli, Kceuzberg. „Bürgersäle", DreSdencrstratze. Deigmüller'S Salon, Alte Jakobstr. 48 a. Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Gratweil's Bicrhallen, Kommandantenstr. 77/79. Gnadt, Brunnenstr. 38. Gottschalk(früher Hut), Badstratze, Gesundbrunnen. Gründer'S Salon, Schwerinstr. 13. Habcl's Brauerei, Bergmannstr. 5—7. Seife, Lichtenbergerstr. 21. eydrich's Säle, Beuthstr. 18/21. Jndustrie-Hallen, Mariannenstr. 31/32. Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28.„ Königshof, Bülowstratze. Klein's Festsäle, Oranienstr. 180. KönigSbank, Gr. Frankfurter str. 117. Krüger, Hoch str. 32a. Luisenstädtisldes Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37. Mundt'S Salon, Köpnickerstr. 100(15 M.). Orschel, Sebastianstr. 39. Renz' Salon, Naunynstr. 27. Rennefahrl'S Salon, Dennewitzstr. 13. Reyer, Alte Jakobstraße 33. Saeger, Grüner Weg 29. Sahm's Klubhaus, Änncnstr. 16. Sanssouci, Kottbuserstr. 4(20 M.). Scheffer'S Salon, Jnselstr. 10. Schneider, Belforterstr. 15. Schröder, Müllerstr. 178(Weddingpark). Schweizergarten, Am KönigSthor. Silber's Salon, Schwedtcrstr. 24. Süd-Ost, Waldeinarstr. 75. Neustädtischer Volksgarten, Proskauerstraße. Weimann's Volksgarten, Gesundbrunnen. Wendt, Dresdeners�. 116. Wollschläger, Blumenstr. 78. Wohlhaupt, Manteuffelstr. 9. Zemter, Münzstr. 11. Die Festsrtznns der Trocken- Friste« fiir Neubauten scheint im Publikum vielfack dahin verstanden zu werden, daß nach Jnnehaltuna dieser Frist eine absolute Trockenheit eneicht sei. Die« ist durchaus nicht zutreffend. Die polizeiliche Verordnung bezüglich der Trocken- Fristen bezweckt zunächst nur, ein Austrocknen namentlich der inneren Theile des Mauerwerks zu sichern, weil die hier zurückbleibende Feuch- tigkeit sehr leicht der Träger gefährlicher Krankheiten werden kann. Damit ist aber nicht gesagt, datz nach Verlauf der poli- zeilich vorgeschriebenen Trocken-Frist nun eine absolute Trocken- heit der Wände erzielt sei. Es ist sehr wohl möglich und kommt häufig vor, daß ir, den Wohnungen neuer Häuler sich eine ganz bedeutende Feuchtigkeit an der Oberflüche des Mauer- werkS zeigt, nachdem die Trocken-Frist verstrichen ist. Diese Feuch- tiakeitmutz durch eine zweckmäßige Heizungund Ventilation der betr. Wohnräume beseitigt werden; sie tritt für die Bewohner sehr lästig auf, wenn solche Wohnungen bei nassem Wetter bezogen werden, wie es beim letzten Umzüge herrschte. Schnupfen und Kopfweh bei Erwachsenen und Husten bei Kindern, bei diesen auch nicht selten der bedenkliche Keuchhusten, find gewöhnlich die ersten Errungenschaften der Familie in einer neuen, nicht genügend geheizten oder unzureichend gelüfteten Wohnung und die Äerzte pflegen deshalb von diesen Leiden als von Umzugs- krankheiten zu sprechen. Sind diese auch an sich nicht gesähr- sich, so können doch Kinder durch einen hartnäckigen Husten leicht so heruntergebracht werden, daß sie für gefährlichere über- tragbare Krankheiten, Kroup. Diphterie und Scharlach mehr diSponirt sind, als gesunde Kinder. Für derartige Epidemien ist das Wetter beim Umzüge und die richtige Behandlung der neuen Wohnung nicht ohne Einfluß. Der Dönhoffaptatz erhält nunmehr zwei Fontänen, welche inmitten des RonoelS an der Jerusalemer- und Kommandanten- stratze zu stehen kommen. Die Untermauerungen werden bereits am morgigen Tage in Angriff genommen werden. Die Spring- brunnen, welche an Größe denjenigen im Lustgarten gleichen werden, erhalten einen gepflasterten Mosaikboden und werden aus braunem Marmor gearbeitet. Bis zum kommenden Früh- jähr sollen die Fontänen vollständig fertig gestellt sein und werden dann noch zwei gleichartige Springbrunnen nach der Richtung der Krausen- und Leipzigerstraße errichtet werden.— So wird da« innere Berlin, der Sitz des ReichthumZ und des Luxus, immer mehr auf Kosten aller Steuerzahler verschönert, die Vorstädte aber, wo die Arbeiter, die Schöpfer aller Pracht und alles Glanzes, wohnen, bleiben vernachlässigt. Gin«„Uerdreiternng der Frirdrichstraße" ist jetzt angebahnt worden. Das kleine Häuschen Nr. 133 zwischen der Weidendammerbrücke und dem unter dem Namen Pepinidre bekannten militärärztlichen Friedrich-Wilhclm-Jnstiiut wird ab- gerissen. Die alterthümliche Baracke, die weit in den Bürger- steig hineingebaut war, dürfte allen Passanten namentlich durch den im Hausflur schwunghaft betriebenen Handel mit ge« räucherten Fischen, die Abends in geradezu idyllischer Weise von einer alterthümlichen Laterne matt beleuchtet wurden, be- kannt sein. Ueberbaupt wird in der dortigen Gegend in nächster Zeit die Abbruchshacke große Veränderungen hervor- bringen. Bekanntlich wird im nächsten Jahre schon daS Reichs- tagsufer von der Neustädtischen Kirchstraße bis zur Weiden- dvmmerbcücke durchgelegt werden, weshalb der kleine an der Spree gelegene Garten des Pepiniören- Grundstücks, Friedrich- straße 139/141, sowie die Hinterhäuser der Grundstücke Friedrich- stratze 138a und 133 und das Eckhaus Friedrichstraße 137 ver- schwinden müssen. Letztere drei Grundstücke hat Anfangs dieses Jahres der Baumeister Guthmann angekauft, läßt sie, nachdem 1. d. M. die Miether ausgezogen sind, niederreißen und am wird an ihrer Stelle, sobald seitens der königlichen Wasserbau- inspektion die neue Userlinie festgestellt ist, längs der Friedrich- stratze und des Reichstagsufers der Gegend entsprechende Prachtbauten ausführen. Mit diesem Umbau werden dann auch auf dieser Stelle der Spree die großen Dampfer ver« schwinden, die nach den im Hinterhause des Grundstücks 133a belegenen Speichern hin ein- und ausluden. Di« Kodensenkunge« in der Vorhalle des Bahnhofes „Alexanderplotz" scheinen noch immer nicht ihren Abschluß ge« funden zu haben. Was man ursprünglich als einen„kleinen technischen Fehler" bezeichnete, scheint doch recht bedenklicher Natur zu fem, denn bereits seit vielen Wochen ist man damit beschäftigt, in der besagten Vorhalle das Mosaikpflaster an den- jenigm Stellen, an welchen es sich zu senken beginnt, umzu- pflastern und immer wieder zeigen sich neue Senkungen, so daß die„Buddelei" in dem ungeheuer fcequenten Souterrain gar kein Ende nimmt. Um zu den Billetschaltern der Jnternzuge zu gelangen, muß man über Fließentrümmer und aufgewühtie Erde voltigiren. Es wäre wiederholt erwünscht, daß die„tech- nischen Fehler" recht bald beseitigt würden, da sie den welt- städtischen Verkehr ungemein behindern. Ferner müssen wir noch rügen, daß der Verkauf der Fahrscheine gewöhnlich nur an einem einzigen Billetschalter und nur dmch eine einzige Dame erfolgt. Auch bei uns gilt das„>>we is mone)'" wie jenseits des Ozeans und eine Minute zu viel am Schalter zugebracht„bringt keine Ewigkeit zurück!" An der Wasserjeite de» Musenmv legt man jetzt Gasröhren. Man durchbricht dabei der Länge nach einen Jahr« hunderte alten Kanal. Interessant ist dabei die verschwende« rische Verwendung bester Kalksteine. Gin« Lribeard«. Im Palais deß Reichskanzlers befindet sich, wie ein Berichterstatter meldet, eine vollständige Polizei« wache mit zehn Betten. Da die Hälfte der Beamten stets im Dienst ist, so ist die Wache im Ganzen mit zwanzig Mann belegt. Roste» gestackt«» Fleisch als Nastrnngvmittei wird bekanntlich bei vielen Kranlheiten, wo es sich um Hebung der Kräfte des Patienten, leichtere Verdauung cr. handelt, ange- wendet. Ebenso bekannt ist aber auch der Widerwill« der meisten Kranken gegen dieses Mittel. Nun giebt in„Nouv. Remedes" Carles eine Zubereitung von rohem Fleische, welche den Geschmack des letzteren vollkommen verdeckt. Nach dieser wird rohes Fleisch mit dem Messer möglichst fein geschabt, der Brei mit etwas fetter Fleischbrühe verdünnt und so durch ein Haarsieb getrieben, auf welchem die Fasern und Sehnen zurück- bleiben. Dem durchgeseihten dünnen Fleischbrei wird nun eine kleine Quantität dicken Linsen- oder auch Erbsenbreies beige- mischt, wodurch sowohl Aussehen, als Geschmack und Geruch so verändert werden, daß der Kranke keinen Widerwillen mehr empfindet. Soll das Präparat genommen werden, so muß es warmes Wasser gestellt werden, damit es die richtige in Temperatur erhält; auf keinen Fall darf es jedoch auf offenen Feuer oder in zu heißem Wasser erhitzt werden, da sonst die leichte Verdaulichkeit des Breies durch Gerinnung der Eiweiß- stoffe vermindert und der beabsichtigte Zweck zum Theil ver« eitclt würde. Gin« Neuerung in d-«r Auflirmastrnng von Reise- und and««««» Gepäck ist jetzt auf dem Potsdamer Bahnhof getroffen worden, die allen Reisenden zu Gute kommt. Bisher waren sämmtliche Portiers auf dem Bahnhof, vier an der Zahl, ermächtigt, Gepäck zur Aufbewahrung anzunehmen; sie ver- schafften sich dadurch eine angenehme Nebeneinnahme. Die Bahnbehörde übernahm natürlich keinerlei Garantie, und da die Portiers sich den Tag über ablösten, vieljach aber auch noch andere Dienste zu verrichten hatten, so entstand für da« Publikum manche Schwierigkeit. Jetzt sind sämmtliche Portiers angewiesen worden, keine Sachen mehr zur Aufbewahrung an- zunehmen. Die alleinige Aufbewahrungsstelle, der ein Beamter und ein Hilfsbeamter vorstehen, hefindet sich in dem Raum neben der Packetfahrt-Gesellschaft. Kein Packet wird ohne Schein angenommen oder abgeliefert. Das Lagergeld beträgt pro Tag und Stück 10 Pf. Hinstchitich de« zusammrnstellbar«« Rundreiftstist« geht man, wie verlautet, im Schootze des Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaliungen mit dem Gedanken um, die bis jetzt an die Ausgabe geknüpfte Hauptbedingung einer ganzen oder theilweisen, einen gewissen Umfang erfordernden Rundreise aufzuheben und nur noch die Forderung der Rückkehr nach dem Ausgangspunkte, gleichviel ob auf demselben Wege der Hinfahrt oder auf einem anderen Wege, zu stellen. Die Ver- Handlungen sollen schon soweit gediehen sein, daß wahrscheinlich die jetzigen Beschränkungen schon mit Beginn des nächstjährigen SommerfahrptanS fallen werden. Gl«ktrisch« Nostb«förd«rung. Ein Modell eines neuen elektrischen Transport- Systems wurde kürzlich in Boston auf« gestellt. Professor Dolbeau gab seine Ansicht über daS System und versicherte seinen Zuhörern, daß die Erfindung auf völlig gesunden, wissenschaftlichen Grundsätzen bafire und von großer praktischer Bedeutung sei. Der Erfinder, so schreibt uns das „Börsen-Patent-Bureau", benutzt die bekannte Anziehungskraft einer Drahtspule, durch welche ein elektrischer Strom geht— auf einen Eisenstab; ein soscher wird nämlich, wenn in die Nähe einer Spule gebracht, in letztere hineingezogen und da- selbst festgehalten, so lange der elektrische Strom andauert. Wird nun der Strom unterbrochen, so ist der Stab wieder freizegebin; denkt man sich nun eine zweite Spule, wiedeium L vor dem Stabe gelegen, und den Strom nun durch diese Spule gehend, so ist erfichilicki. daß der Eisenftab in diese Svule hineinschlüpfen wird. Reiht man so Spule an Spule, so kann man einen Eisenstab beliebig fortbewegen. Dies ist im Großen und Ganzen der Grundgedanke des neuen Systems; nur mit dem Unterschiede, daß die Stelle des Elsenstabes durch einen stählernen Kasten vertreten wird, der mit Rollen versehen, auf einer Bahn entlang fährt und groß genug ist, um kleine Packete und Briefe aufzunehmen. Der Wagen läuft nur auf einer Schiene und wird an einer oberen Schiene mittelst zweier kleiner Flanschiäder geführt. Derselbe läuft nur durch eine Reihe von Drahtspulen, welche vor den Emflüssen der Witterung durch Verkleidung geschützt find. Zur Beschreibung bleibt nur noch die Art und Weise, in welcher die Unterbrechung und Schließung des Stromes selbstlbätig bewerkstelligt wird. Zu dem Zwecke dient ein, einem polarisirten Ralais ähnlicher Ausschalter an jeder Drahtspule. — Die Leitung, deren einer Theil die Spule bildet, ist mit einem Kontaktstück verbunden, während das andere Ende der Leitung mit einem um einen Zapfen schwingenden Magneten in V.rbindung steht, dessen Ausgabe eS ist, durch Anschlagen an den Kontakt den Strom zu schließen resp. zu brechen. .Folgende Kerichtigung geht uns zu:„Berlin, den 10. Okiober 1889. Auf Grund des§ 11 des ReichSpreß- gesetzes vom 7. Mai 1874 ersuche ich Sie hierdurch um Auf- nähme nachstehender thatsächlichen Berichtigung. Der unter der Spitzmarke:„Ein gräßlicher Unglücksfall� in der Rubrik„Lokales" des„Berliner Volksblatr" vom 9. Okiober 1889(Nr. 236) erschienene Artikel wird wie folgt berichtigt: 1. ES i st n i ch t w a h r, daß der in der Buchdruckerei des Unterzeichneten beschäftigte Arbeiter Moritz bei seinem Fall in den TrgnSmisfionSkanal ungesehen minutenlang von Riemen- scheide und Riemen bearbeitet worden ist; vielmehr ereignete sich der Unfall vor den Augen seiner Mitarbeiter, welche den Verunglückten ohne Aufenthalt aus dem Kanal heraushoben. An der Unfallsstclle befindet fich überhaupt keine Riemen- scheide. 2. ES ist nicht wahr, daß dem Moritz das Fleisch von den Beinen geschliffen worden ist und die Riemenkanten dem von dem Unfall Betroffenen Schnitt auf Schnitt in der Muskulatur beibrachten. Der Arbeiter Moritz hat überhaupt derartige äußere Verletzungen nicht davon getragen, sondern nur eine leichte Quetschung, so daß er bereits am 5. Oktober d. I., also eine Woche nach dem Unfall, aus der Charitee als geheilt entlassen wurde. 3. Es ist nicht wahr, daß man, um eine Nachtdroschke zu sparen, den Arbeiter Moritz bis 7 Uhr Morgens liegen ließ. Die sofortige Ueberführung desselben nach der Chantee unterblieb vielmehr auf dessen eigenen Wunsch. 4. Es ist nicht wahr, daß der Unfall geheim ge« halten worden ist, die erforderliche Unfallsanzeige ist vielmehr sofort an die zuständigen Behörden erstattet worden. Berlin, den 10. Oktober 1889. Rudolf Mosse, Buchdruckereibesitzer. Urber eine» Unfall, der die Frau Direktor Busch in der MlUwoch-Vorftellung betroffen hat, wird uns Folgendes authentisch mitgethült: Die Dame hatte sich unter dem nicht enden wollenden Bnfall des auf allen Plätzen des Zirkus überaus zahlreichen Publikums in ihrer bekannten Weise als Schulreitenn produzirt und verließ die Manege, in welche fie auf den außerordentlichen Applaus noch einmal hineingesprengt war, indem sie ihren Hengst„DianthuS" zwang auf den Hinler- deinen zu gehen; als dieser bei der Lancade einen unvorher- gesehenen Seitensprung machte, wodurch die kühne Reiterin aus dem Saitel geschleudert wurde. Da sie aber mit dem Fuß im Steigbügel hängen geblieben war, wurde sie ein Stück weit ge- schleift, bis ein Stallmeister das Pferd aushielt. Das auf's höchste erregte Publikum, das den Unfall der beliebten Amazone lebhaft bedauerte, beruhigte fich, als die Dame später am Arme ihres Gatten in der Manege erschien, wo fie mit größtem Jubel empfangen wurde. Wie uns von der ZirkuSdirektion mitgetheilt wird, haben die Aerzte die Frau Direktor Busch heut außer aller Gefahr erklärt.— Der Zirkus wird übrigens in der heutigen Freliagvorstellung eine besondere Attraktron dadurch ausüben, daß die Beduinen, die dieser Tage Charlotten- bürg verlassen, dieselbe besuchen werden. Mit einen» Selbstmordversuche endete vor einigen Tagen der Besuch einer avS Sachsen»ugereisten jungen Dame bei ihren Verwandten. Der in der Cöslinerstraße wohnende Kaufmann B. hatte Ende voriger Woche den Besuch seiner Richte aus Leipzig erhalten und das neunzehnjährige Mädchen, dessen Bräutigam vor Jahresfrist am Tage vor der Hochzeit gestorben, war darüber tiefsinnig gewv'den und eist vor wenigen Monaten aus der Behandlung der Aerzte entlassen worden. Die besorgten Eltern hatten ihre Tochter, um sie aufzuheitern, zu den Verwandten nach Berlin geschickt und die Leipzigerin war in den ersten Tagen ihres Hiersems von fieberhafter AuS- gelassenhert und Heiterkeit. Am Montag Abend jedoch in der neunten Stunde, als Herr und Frau B. am Tssch saßen, sprang das junge Mädchen plötzlich auf, stand horchend strll. sprang dann zum offenen Fenster und stürzte sich mit den Worten: „Mein Bräutigam ruft mich, lebt Alle wohl," von der zweiten Etage auf den gepflasterten Hof hinab. Die Unglückliche befindet fich im LazaruSkrankenhause jetzt in fast hoffnungslosem Zustande. Die Einrichtung an de» Faßbierwagen, wodurch die einzelnen Fässer unter dem Boden des Wagens zwischen und hinter den Rädern desselben zwischen zwei frei bewegliche eiserne Haken gehängt werden, ist zwar für die Bierfahrer sehr bequem, aber für den Verkehr doch nicht ganz unbedenklich. Am Mittwoch Vormittag stieß in der Lmdenstraße ein solcher Brauerwagen mit seinem hinteren Theile gegen einen zwei- räderigen Kassenwagen. Em in der vorbeschriebenen Art auf- gehängtes Bierfaß wurde dabei zurückgedrängt, daß die eine der eisernen Klammern losließ und nunmehr auch da« Faß, eine Vierteltonne, zu Boden und dem Führer des Kastenwagens auf den Faß fiel. Die Verletzung, welche der Unfall verur- sachte, scheint glücklicherweise keine allzu schlimmen Folgen ge- habt zu haben, denn der Geiroffene setzte, wenn auch hmkend, die Fahrt mit seinem Wagen fort. Ein schwerer Unglücksfall, durch welchen der Tod eines jungen Mannes h'rbeigesührt wurde, hat sich in der Stettinerstraße am Gesundbrunnen zugetragen. Dort stieß der mit Balken voll beladene Wagen eines in der Greifswaider- straße wohnenden ZlmmermeisterS mit einem ihm entgegen- kommenden Wagen einer Abfuhr-Gefi llschaft derartig zusammen, daß der Kutscher des ersteren Wagens und zwar der neunz hn Jahre alte Friedrich Gulzeit, welcher auf einen Balken ges ssen hatte, von dem Gefährt Her-unter und unter die Rader semeS eigenen Wagens gesevleudert wurde. Nun gingen Vorder- und Hinterrad dem Unglücklichen über die Brust hinweg, so daß er, als endlich Helfe kam, nur noch schwache Lebensze-chen von sich gab. Ein Schutzmann übernahm sofort die Ueberführung des Verunglückten nach der Charitee, aber schon unterwegs mußte er die traurige Erfahrung machen, daß bei dem jungen Manne der Tod eingetreten war. Anstatt zur Charitee wurde nun der Leichnam nach dem Leichenschauhause befördert._ Der Verunglückie war die Stütze seiner in der Marienburgerstraße wohnenden allen Eltern. Gin wahnstnnioer Harbier. Der in einem Manu- fakturwaarengeschäft m der Kiosterstraße beschäftigte Komtoir- diener Gierung wurde am letzten Sonnabend auf dem Standesamt in der Schönhauser Allee getraut. Auf dem Wege nach seiner Wohnung kam G. in der Metzerstraße bei einem Barbier- Geschäft vorbei und beschloß, fich rasiren zu lassen. Nachdem der im Laden allein anwesende Meister den Kunden eingeseift hatte, strich der anscheinend in bester Laune befindliche Figaro das Messer und begann das Rasiren. Kaum aber hatte er das Messer angesetzt, als G. auch schon über und über mit Blut besudelt war, denn der anscheinend von plötzlicher GeisteSgestörtheit Befallene hatte dem bedauernSwerthen jungen Ehemanne in wenigen Augenblicken ca. 16 Schnute beigebracht. Einige der am Kiefer be- findlichen Schnitte gehen bis auf den Knochen. Der Verletzte fvranq auf, warf den Stuhl bei Seite und rief:„Kerl, was fällt Ihnen ein!" Jener aber stürzte hinter dem Veeletzten her und schnitt ihm noch den lechten Rockä-mel b s aufs Futter durch. Alsdann hielt er eine Zeit lang das Messer krampfhast fest, sah den G. unverwandt an, stolperte dann über einen Stuhl und verletzte sich zwei Finger, jedoch unbedeutend. Ter so übel zugerichtete G. rannte nun auf die Straße und wurde dort von Passanten nach dem Geschäft des in der Nähe wohnenden Heilgehilfen Ständel gebracht. Dieser war jedoch nicht im Stande, das Blut zu stillen; erst dem herbeigeholten Arzt, Herrn Dr. med. Less-r, gelang es, die dem Verletzten zugefügten Wunden zuzunähen, worauf er dessen Ueberführung nach seiner Wohnung mittelst Droschke anordnete. Füfirerlo« kam am gestrigen Abend die Wrangel- straße der mit zwei Pferden bespannte Wagen eines Bierver- legerS daher. Man hielt die Thiere auf und forschte nach dem Kutscher. Nach einiger Zeit hatte man ihn in seinem Blute schwimmend in einer Nebenstraße gefunden. Er hatte fich die Puleadern völlig durchschnitten und infolge dessen schon einen so großen Blutverlust erlitten, daß er daS Bewußtsein ver- loren. Es war daher die höchste Zeit, als dem Kutscher seitens eines in der Nähe wohnenden Arztes, wohin man ihn gebracht, Hilfe geleistet wurde. Wieder zum Bewußtsein gelangt, be- richtete der Verletzte, daß er auf da? Hinterrad gestiegen fei, um vom Verdeck des Wagens einen Kasten mit Bier herunter- zuholen. In demselben Augenblick hätten die Pferde arge- zogen, er sei heruntergestürzt und dabei mit dem rechten Arm m einen bereits auf die Erde gestellten Flaschenkaften gerathen, aus welchem eine Flasche mit zerbrochenem Halse herausragte. Die spitzen'Zacken seien ihm gerade in den Puls gefahren, und der sogleich hervorbrechende Blutstrom habe fich noch verg'ößert, als er begann seinem davoneilenden Fuhrwerke nachzulaufen. Er habe aber auch die Verfolgung schon nach wenigen Schritten aufgegeben, dann sei es ihm dunkel vor den Augen geworden, er habe sich noch an ein Haus gelehnt und was dann weiter mit ihm geschehen, wisse er nicht. Di» verschmnnb»« g»m»s»n»n beiden Knabe» der Familie Mendt. Mühlenstraße 72a, haben sich wieder ange- sunden. Die Kinder waren beim Umzüge der Familie von Friedrichshagen hierher hinter einem fremoen Möbelwagen, den sie für den ihrer Eltern gehalten, hergelaufen und, als fie ihren Jrrthum bemerkten, ängstlich auf der Chaussee umhergeirrt. So waren fie müde und hungrig von der Nackt überrascht worden. Am nächsten Tage wollte es, wie die„St. Z." berichtet, ein gütiger Zufall, daß eine Tante der Kinder dieselben an der Mühlenstraße traf, bi« wohin sie gewandert waren und wo sie fich weinend hingesetzt hatten. Die Eltern sind glücklich, die Verlorenen wieder zu haben. Da« gemeingefährliche schnelle Fahre« in den Straßen wird von den Gerichten fortdauernd streng geahndet. In der Zeit vom 1. Juli bis 30. September find seitens des Amts- gerichts>, wegen übetmäßig schnellen FahrenS, bezw. UmbiegenS um Straßenecken im Trabe, nicht weniger als 20 Kutscher, darunter 8 Führer von Scklächterwagen, von 2— 23 Tagen und zu Gcldssrasen von 30—60 Mark veiurtheilt worden. Das höchste Maß der aus A 386 des Strafgesetzbuchs zu erkennen- den Strafen beträgt 60 Mark oder Haft bis zu 14 Tagen. Wo dies Maß überschritten ist, hat es fernen Grund darin, daß in dem verbotewidrigen Fahren der begleitenden Umstände halber zugleich eine Gefahrdung des Publikums erblickt, und darauf- hin ein in idealer Konkurrenz zu strafender grober Unfug seitens des Gerichts angenommen wird. Polheibericht. Als am 9. d. M. Mittags der Kutscher Neumann mit seinem, mit langen Brettern bcladenen Wagen die Pankstraße entlang fuhr, wurde das Pferd scheu und ging durch. Vor dem Hause Pankstraße 5 sprang Neumann vom Wagen und zog sich dadurch einen Bruch des linken Knöchel- gelenks, sowie schwere innerliche Verletzungen zu, so daß er nach der Charttee gebracht werden mußte.— NachmtttagS gerieth ein 4jähriger Knabe, als er vor dem Hause Mariannenplatz 27 von einem vorüberfahrenden Wagen Heu abzupfen wollte, in das Hinterrad desselben und wurde überfahren. Er erlitt schwere Quetschungen des sinken Unterschenkels und der Brust, so daß seine Unieibringung im Krankenhause Bethanien crlorderlich wurde.— Zu derselben Zeit wurde vor dem Hause Tauben- straße 17 ein 14jäbriger Knabe von einer Droschke überfahren und am linken Unterschenkel nicht unbedeutend verletzt.— Abends sprang ein Dienstmädchen, vermuthlich infolge von Heimwrh, am Wasserthorplatz in den Louisenstädtischen Kanal, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht.— Zu derselben Zeit wurde eine Frau in ihrer Wohnung in der Grenzftraße erhängt vorgefunden. Gerirktks-�Zeikuirg. Eine juristische ,, cause cätebre". Die Angelegenheit des SchneiaeimeisterS Rudolf August Diemke, welche die verfchieoensten Abthetlungen des hiesigen Landgerichts schon wiederholt beschäftigt und f. Z. ein berechtigtes Aufsehen erregt hat, weil behauptet wurde, daß Diemke drei Jahre urschuldig im Gesängniß gesessen, sollte gestern im Wiederaufnahme- verfahren vor der zweiten Strafkammer wieder einmal ver- handelt werden. Diemke rst auf eine Denunziation des Kürschners David Wolf vor fast 5 Jahren wegen wiederholter Wechfelfälschung und Unterschlagung zu 4 Jahren Gefängniß verurtheilt worden und hat vom Mai 1885 bis De- zmrber 1887 in Plötzensee gesessen. Seine Behauptung, daß Wolf einen Meineid geleistet, wurde schließlich alS so glaubhaft dargelegt, daß Diemke aus der Strafhaft ent- lassen und das Verfahren wegen fahrlässigen Meineids gegen Wolf eingeleitet wurde. Die Strafkammer halte sich aber f. Z. für unzuständig erklärt und die Sache dem Schwurgericht überwiesen, weit sie den Verdacht hatte, daß hier w i s s e n t- licher Meineid Seitens des Wolf vorliege. In der Schwurgerichtsverhandlung hatte der Schreibsachverständige naehgewiesen, daß es nicht wahr sein könne, daß, wie Wolf behauptet hatte, Diemke in ihm übergebene Blanko- Akzepte höhere Summen eingefüllt habe, als ihm zustand, denn die sorgsamsten Untersuchungen haben zu der festen Ueberzeugung geführt, daß Wechselakzept und Wechsel- summen mrt derselben Tinte zu»leicher Zeit geschrieben fein mußten. Trotzdem haben die Geschworenen den Wolf da- mals freigelprochen. Und nun ereignete sich die bemerkenZ- werthe Thalsache, daß ,m August d. I. die Ferienstrafkammer trotz des schwurgerichtlichen Erk.nntnisseS die Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet, weil sie ihrerseits die Glaubwürdig- keit des Wolf stark in Zweifel zog. Gestern nun sollte die Angelegenheit Diemke'«, welchem die Rechts- anwälte Dr. Misch und Dr. F. Friedemann zur Seite standen, abermals verhmdrlt werden— es machten sich jedoch sofort große MeinungSverichiedenheilen über den Umfang, in welchem der« Verfahren wieder aufzu- nehmen fei, geltend. Der StoatSanwolt las aus dem Be- fchlusse der Fenenftrafkammer heraus, daß nur die vier Wechsel- fälschungSsäll« noch einmal der Prüfung unterzogen werden follien, die Vertheidigung dagegen behauptete, daß daS ge- f a m m t e Verfahren gegen Dremke wieder aufzunehmen fei. Der Gerichtshof trat der Ansicht des Staatsanwalts bei mi vertagte die Verhandlung, um der Vertheidigung Zeit zu lassen. im Wege der Beschwerde die Anficht des Krmmergerichts üb« die Grenzen des Wiederaufnahmeverfahrens einzuholen. Zwei Knutionvschwindlerinnen präfentirten sich arste» in feinster und bis ras kieinste Detail gleichmäßiger Tode« der ersten Strafkammer am Landgericht II. Ihrem Aeuß-r» nach hätte man sie für Schwestern halten können, indeffe» waren sie nur gesinnungsverwandt, denn die eine entpuppt» fich als die 25jährige unverehelichte Margaielhe Kobnert au« Berlin, die andere als die 30jäh:ige verwittwele Schneider- mersterm Klara Spieß, geb. W.nkier aus B.rlin. Der Projss gegen beide schwebt schon über ein Jahr, die Angeklagten habe« eS verstanden, denselben durch allerlei Mittel in die Länge ziehen. Im Frühjahr v. I. m, erbeten die völlig mittellos--» Damen die Villa„Sultan" in Pankow, Pa-kftraße 10, angeb- sich um daselbst ein Penfiorat für Nervenkranke zn errichte». Ihre erste Ttätigkeit b» stand nun darin, daß sie durch Zei' tungsmserate kautionk sähige Frauensverfonen als Kranke»!- Pflegerinnen suchten. Jntoloe dieser Inserate gingen in de« letzten Tagen des Monat März v. I. zwei FrauenSpersone« auf den Leim. Die verwittwele Schuhmacher Tscheck soll» 600 M. Kaution zahlen, konnte aber nur ein Sparkassendu� über 400 M. hergeben, auf welches die Angeklagten zunächß 100 Mark abhoben, welche sie in ihrem N tzen verwendete»- Schlechter erging es der unverehelichten Kuhnt, welch über ein kleines Kapital von 900 M. verfügte. D»- von sind ihr 827 M. abgezwackt worden. Da Kranke mdst vorhanden waren,'so verließen beide Pflegerinnen nach etw> zwei Monaten das öde Haus. Ader auch die Angeklagte» blieben nicht lange dort, Anfang Juli wurden sie exmittitt- nachdem fie alle Welt auf ihre Anstalt hin angepumpt hatte»- Sie zogen beide nach Straßburzerstraße 12 in Berlin zur Mut-e» der Kohnert und während fie dort unbehelligt von den Gl«»' bigern saßen, gaben sich die GerichtSvollz-eher häufig in Pauk«« ein Rendezvous, aber umsonst, denn zu holen war nichts, weit die wenigen bezahlten Sacken vom Wnthe retwiit««-»«> während andererseits Frau Spieß dieselben als ihr Eigenth»» rrklamiite. Auf die Anzeige der grprellten Pflegerinnen wurlX die Anklage erhoben. Die Angeklagte,» behaupteten, daß' ihnen mit der Begründung der Anstatt fihr ernst gewesen s. Sie hätten schon früher in Tscherkwitz bei Dresden ein solch Pensionat besessen, aber über die Veranlassung zur Aufgode derselben machten sie die widersprechendsten Angaben. 3* Pankow wollten fie keine Konzession erhalten haben und W durch ruinirt worden fem, ein KonzesfionSpesuch ist aber der Ortsbehörde gar nicht eingegangen. Sie beriefen i» darauf, daß ihnen die Aerzte Dr. Sperling, Dr. Brö«� und Professor Dr. Mendel sogar versprochen hät�' Kranke an ihr Pensionat zu überweisen, weshalb di� Herren vernommen wurden. Dr. Sperling, Spezial» für Nervenkranke, machte über die Art, wie er mit den A«' geklagten bekannt qeworden, eine ganz überraschende Mttth«" lung. Fräulein Kohnert war nämlich zu ihm gekommen, o«1 ihr» um Rath zu fragen, wie sie es wohl möglich machen könns daß sie und ihre Schwester(Fräul. Kohnert pflegte nämlich dä Frau Spieß als ihre Schwester zu bezeichnen) ihren Lei» schon beiLebzeiten an dicAnatomie verkaufe« könne und Dr. Sperling hat ihr zwar die Sache auSzuredc« gesucht, fie aber doch an Dr. Bröficke, der CustoS an der Art»' tomie, venviesen. Dieser bekundete, daß Fräulein Kohne" erklärt habe, die Anatomie kaufe menschliche Kadaver. 310 Uebrigen bekundeten alle drei Aerzte, daß sie sich nicht er« innern könnten, den Angeklagten die Zuweisung von Palienl«« bestimmt versprochen zu haben, höchstens könne eS nur so nebe»- hin geschehen sein, um die Brttsteller los zu werden. Da fi» die Angeklagten aber in bestimmtester Form auf die Protekti«« der Zeugen berufen und daraufhin Schulden gemacht halte»- so mußten sie verurtheilt werden. Der Staatsanwalt 1* zeichnete die Angeklagten als ganz gemeingesährli»? H staplerinnen. Irl. Kohnert wurde als die Seele de« Geich« zu vier Monaten, Frau Spieß zu sechs Wochen Gefän> verurtheilt. Die gute» nnd die schlechte« Loose. In zehnstündig Sitzung hatte die IV. Strafkammer hiesigen Landgericht» I 8. d. M. eine Anklage wegen verschleierten Wuchers zu handeln, welche fich gegen den Bremer Lolteriekollekl- M. Oppenheim richleie. Der Anaeklagte, welcker fich r auf Rennplätzen bewegt und in den Kreisen der Besucker letzteren sehr bekannt ist, besitzt eine sehr umfangreiche Kalles für Hamburger und Braunschweiger Loose und macht danebe« mit„Lebemännern" auch Geldgeschäste. Er gab das von ix« „Kavalieren" von ihm erbetene Geld stets zu einem Zinssr# von 6 pCt., nach der Anklage hatte er dabei a!� einen Hintergedanken, welcher rym als Verschleierung Wuchers angerechnet wird. Er soll nämlich bei fast all� derartigen Geldgeschäften den DarlelmSnehmern, welche I" natürlich über die Billigkeit des Zinssatzes wunderten, zu v«' stehen gegeben haben, daß sie fich ihm g-genüber erkenntst� erweisen könnten, wenn fie ihm recht viel Lotterieloose nähmen. Die Geldsucher befanden fich danach in einer Ms psychologischen Zwanges, und da außerdem die Spiellust f ihnen sehr rege war und sie fich sagten, daß sie mit der Heber- nähme von Loosen große Chancen einheimsten, so verstände« sie sich ohne großes Besinnen zu dem neben dem Geldgelchan herlaufenden Loltericgeschäft. Die Sacke spielte fich dann 1»' wöbnlich so ab, daß den betreffenden Lebemännern ein gan«» Posten Loose der Hamburger und B.-aunschweiger Lotterie o«1' letzter Klasse auf Kredit, d. h. gegen Ausstellung eines sprechend hohen Wechsels, überlassen und durch Spezialveitw ausgemacht wurde, daß. wenn sie die Loose in do letzten(Haupt-) Ziehung nicht erneuerten, dieselben gegen ed» kleine Entschädigung Eiaenthum des Angeklagten werden folllr«- Fortuna ist den betreffenden Herren nun nicht sehr hold l� wesen; die Loose, für welche natürlich die vorangegangene« Klassen mit bezahlt werden mußten, brachten geringe Geroin«' ein, die Chancen der letzten Klosse mußten dem Ängeklagk« überlassen werden, weil die Kavaliere kein Geld hatten, b« Loose zu erneuern und das Ende vom Liede war, daß fie ei«' g-oße Wechselsumme auf dem Halse hatten und aus dem ganz»« Geschäft für sie nichts weiter herausgekommen war. als elnOj Bagatellgewinne. In einzelnen Fällen hat diese Aufdürd�» von Lotterieloosen einen großen Umfang angenommen. war z. B. ein in der Berliner Lebewelt bekannter zweiun� zwanzigjähriger junger Verschwender N-nnenS Burckhardt, welches« der verstorbene Markgraf Max von Baden eine kolossale Reiu« als Lebensmitgift in die Wiege gelegt. Der junge, unX Vormundschaft gestellte Mann, welcher seinerzeit eigene auf den Rennbahnen laufen ließ, war wegen einer gnügungSreise in V rlegenheit und erhielt von dem Anaekla�« ein Da- lehn von 8000 M. zu dem Zinssatz von 6 pCt. neben ließ er fich aber bewegen, dem Angeklagten einen von 390 tz Loolen Braunschweiger und Hamburger Lotterie C Originalpreisen) in vorletzter Klasse abzunehmen und stc«. über die Summe einen Wechsel in Höhe von 42 367 M. � Das Glück war ihm nicht hold; es kamen aus den gar'-Q Loosen nur Gewinne in Höhe von 1300 M. heraus, und'■J Herr Burkhardt die letzte Klasse nicht mehr spielen wollte. � überließ er die Loose dem Angeklagten gegen eine kleine schädigung, hatte dann aber die Last des großen Wechsel« � tragen.— Em ähnliches Lotteriegeschäft in kleinerem llmf«% ist mit einem Lieutenant a. D. und Domänenpächter Pretz� gemacht, welcher, wie sich aus dem gegen ihn anhäng'fl, � we'enen Konkurs-Strafverfahren ergeben hat, m 7 3«�. nrchl weniger als Ii Millionen Mark verpulvirl hat. 3»«-� als er mit dem Angeklagten in Verbindung trat, hielt er 1 20 Luxuspferde rat Stalle und ließ sich zu der CbaneeJ, Lotler, egefchäfts sehr leicht bestimmen. Die Anklage führte � rod) einen oltioen Offizier, den Lieutenant Prinz Ardcck und viehrere Lieutenants a. D. auf, welche unter ähnlichen Um- Händen Lolteriegefchäfte auf Kredit in großem Umfange oemacht h.ben. Die Siaatsanwalt'chaft. vertreten durch Assessor Werner, sah in diesen Loosgeschästen einen verschleierten Wucher und folgerte dies daraus. daß der Angeklagte durch den plötzlichen Massenabsatz der Loose vorletzter Klasse großen Vortheil gehabt, den Abnehmern der Loose nur geringe Ehancen geboten und die größeren Chancen der letzten Klaffe selbst gehabt habe.. Der Angeklagte dagegen bestritt entschieden jede wucherische Abncht und behauptete, daß ein einfaches und klares Lottericgeschäft vorliege, welches mit dem Geldgeschäft <;ar nicht zuiammenhänge. Der Staatsanwalt beantragte U Jahre Gefängniß, wogegen die Rechtsanwälte Dr. Sello, Dr. Friedmann und Dr. v. Pustem aus Bremen in umfang- reichen VertheidigungSreden den Nachweis lieferten, daß die ganze Anklage unhaltbar sei. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung des Angeklagten. Er nahm an, daß der Ange- Z agte mit der Ablassung der Loose zu den Originalpreisen— und sogar noch gegen Kredit— den Zeugen für das gleiche Geld dieselben Chancen verkauft habe, wre der Staat selbst seinen LooSabnehmern gewährt. Der Begriff des Wuchers sei daher in diesem Falle sckon deshalb zu verreinen, weil hier die Leistung nicht„in auffälligem Mißverhältnisse zu dem Ver- mözenSvorlherle steht." Der Angekiagte wurde aus Unter- suchungShaft, in welcher er lOfc Monate gesessen, sofort ent- Zassrn. Nor dem Zivilsenat des Dammergerichts wurde gestern in der Berufungsinstanz die Klage verhandelt, welche die Deutsche Bauzcsellschafl gegen die Sladlgemeinde Berlin angestrengt hat wegen höherer Entschädigung, als ihr durch den Enlschädigungsbeschluß des PolrzeipräfidiumS und Erkennt- niß des Landgerichts I für die Abtretung der Häuser Königs- tnauer Nr. 5/6 und 18/19, sowie Neue Friedrich str. 79 und 79a zugebilligt worden war. Der Senat erkannte nach der„Börs. Zeitung" in diesem über drei Jahre währenden Prozesse da- ihm, daß das erste Urthcil, wonach der Klägerin über die EntschädigungSfestsctzung des Polizeipräsidiums in Höhe von 308 009 Mark Hinang noch 68 000 Mark zu- erkannt worden waren, dahin abzuändern, beziehungS- weise zu bestätigen sei, daß der Gesellschaft für die genannten Grundstücke in der KäaigSmauer über den Betrag der Polizei- taxe hinaus noch in Summa 1249 M. gezahlt werden sollen, wogegen die Baugesellschalt mrt ihrem weitergehenden Ent- schädigungSanspruch von 158 372 M. abzuweisen und bis auf einen Betrag von 50 M. zur Tragung der Kosten verpflichtet sei. BemmenSwerth ist, daß die in zweiter Instanz angeord- nete neue Beweisausnahme das Ergebniß harte, daß die qu. Grundstücke von dem gerichtlichen Sachverständigen Regierungs- baurath Leßhaft etwa 100 000 M. niedriger taxirt wurden, als dies im Jahre 1885 durch das Polizeipräsidium geschehen war. Da nun aber die Berufung nur seitens der Deutschen Bau- gesellschaft erngelegt worden war, während sich die Stadt- gemeinde b-i der ersten Entscheidung beruhigt hatte, so blieb diese neue Taxe in Bezug auf die Frage der Zahlung einer niedrigeren Entschädigung ohne Einfluß. Die Kchnlde« der Herren Offiziere«nd die enge Derdindnng derfrlde« mit„(Drldiniiuncrn" bilden jetzt in bedenklicher Werse den Gegenstand gerichtlicher Erörterungen bei Wucherprozcssen. Auch gestern handelte es sich wieder ern- mal um die Schulden ernes Offiziers, diesmal aber nicht in Verbindung mit einem Wuchergeschäft. Der wegen Erpressung angcklagte Kaufmann Max Anton N. hat bei seiner geschäfl Irchen Verbindung mit dem Premierlieutenant v. W. sehr trübe Erfahrungen gesammelt; er hat sein Geld verloren und muß nun noch ins Gefängniß wandern. Der Premierlieutenant v. W. hatte mit dem Angeklagten ein Geldgeschäft ge- macht, aus welchem er demselben 4000 Mark schuldete. Das Geschäft sollte dem Offizier die Möglichkeit erschließen, eine wohlhabende Dame, dre Tochter einer Oderlehrer-Wutwe, zu ehelichen. Die Heirath kam auch zu Stande, dre Schwieacr- mutter hatte aber keine Lust, irgend welche Schulden ihres Schwiegersohnes zu bezahlen und fi« sicherte auch das Em- gebrachte ihrer Tockter vor Nachstellungen durch die Gläubiger dadurch, daß dre Gütergemernschaft zwischen den jungen Eye- leuten ausgeschlossen wurde. Der jetzt Angeklagte hatte seine berechtigte Geldsorderung an den Premierliculenant mit allen «hm gesetzlich zustehenden Mitteln einzutreiben versucht und als ihm dies nicht gelang, erschien er eines Tages mit einem Ge- rrchtsvollzieher rn der Wohnung des Osfizicrs, um dort pfänden zu lassen. Nun trat aber die Frau Premierlieutenant mit Schriftstücken auf, wonach sämmtliche Sachen ihr Eigenthum seien und während der Verhandlungen nach dieser Richtung hin trat auch der Offizier hinzu und wies dem GerichtsvoK zifher nach, daß er instrukrionswidrig handele, da es seine Pflicht sei, vor Vornahme einer Zwangsvollstreckung bei einem Olsizier Anzeige bei oem Regiment zu erstatten. Schließlich wurde in der erregten Debatte ein Ausweg dahin gefunden, daß die Frau Premierlieutenant dem Angeklagten einen Wechsel in Höhe der Schuldforderung ausstellen mußte. Dieses Akzept soll nun der Angeklagte nur durch Drohungen erlangt und wiederholt betont haben, daß er sich selbst an daS Regiment wenden und der Offizier dann„um die Ecke gehen" würde. Als Schlußergebniß einer etwaigen Vermtheilung des Angeklagten hob Vercheidiger Rechtsanwalt Wronker her- vor, daß der Angeklagte dann gänzlich um sein Geld gebracht werden würde, da dann auch der Wechsel gegen die Frau nicht geltend gemacht werden könnte, die letztere also nichts zuzahlen brauche, der Ehemann aber nicht zahlen könne, we,l er inzwischen längst wegen Schulden seinen Abschied genommen und manifestirl hatte. Der Gerichtshof nahm aber nach den .Zeugenaussagen doch an, daß eine Erpressung vorliege und verurtheüte den Angeklagten zu einem Monat Ge- fängniß und der„Herr Premicrlieutenant" hat sein Geld. d>oKl«i.se obliee. ©In Fall von sogenanntem„moralischen Irrsinn" beschäftigte gestern d»« 41. Abtherlung des Schöffengenchis. Der auf der Anklagebank befindliche 23whrige Hanvlungs- kommis Leopold S. war geständig, seinen Prinzipaten zu drei verschiedenen Malen Maaren zu erheblichem Betrage gestohlen und den Erlös in der liederlichsten Weife verbraucht zu haben. Er behauptete aber, daß er jeden moralischen Halts entbehre «nd zwar in so hohem Grade, daß dieser Fehler den Charakter einer Geisteskrankheit angenommen habe. Diese Behauptung wurde von seinem eigenen Vater unterstützt, welcher bat, seinen Sohn«NS Irrenhaus und nicht ins Gefängniß zu schicken. Die beiden medizinischenSachverständigen, SanilätsraihDr.Long und Medizinalaffessor Dr. Ouittel haben den Angeklagten unter- sucht. Sie sind übereinstimmend zu der Ansicht gelangt, daß das Gehirn des Angeklagten allerdings nicht vollständig normal sei, aber sein Geisteszustand sei keineswegs ein derartiger, daß feine freie Willensbestimmung dadurch ausgeschlossen wurde. Er habe eine allzu nachsichnge Erziehung genossen, wahrend «in energisches Einschreiten gegen ihn am Platze gewesen wäre. Der Begriff des Unterschiedes zwischen Mein und Dem sei ««ch dem Angeklagten klar, wenn derselbe auch bisweilen an Wahnvorstellungen leide und Handlungen begehe, die ein normal veranlagter Mensch nicht thue und eS würde zu argen Kon- scquenzen führen, wenn man dergleichen Leute straffrei ausgehen lassen wurde. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnißstcafe von fünf Monaten. Der Verlheidiger wies zunächst auf die Verschiedenheit der Strafanträge seitens der Vertreter der �Staatsanwaltschaft hin. Im vorigen Termine, der kurz vor Schluß der Verhandlung der Vertagung verfiel, halte der Staatsanwalt drei Tage Gefängniß deanlragt und der dieS> malige Staatsanwalt beantrage für dasselbe Vergehen das 'Fünfzigsache. Im übrigen führte er aus, daß die niedrige .moralische Stufe, die der Angeklagte einnehme, ein kiankhafler Zustand sei und das Verfahren gegen ihn eingestellt werden müsse. Der Gerichtshof schloß fich dieser Auffassung nicht an, sondern erkannte auf eine Gefängniß st rase von drei Wochen. Schweidnitz, 10. Oktober. Ja dem SchwurgerichtSprozeß gegen die Theilnehmer an den am 14. Mai d. I. begangenen „Ausschreitungen" auf der„Glückhils" und der„Fnedes- Hoffnungsgrube" ist gestern Nacht das Urtheil gefallt worden. Wegen schweren Landfriedensbruches wurden der Schlepper Poppe zu 2 Jahren Zuchthaus, der Schlepper August Grüttner und der Rädelsführer Koaksarbeiter Tölg zu 2« Jahren Zucht- Haus und 3 Jahren Verlust der Ehrenrechte verurtheilt. 21 Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt; dieselben wurden zu Gesängnißstrafen 1s bis 3 Jahren ver- urtheilt. Wegen einfachen Landsriedensbruches erhielten 14 der Angeklagten Gesängnißstrafen von 1 bis Iz Jahren. Achtnugl Uergolder Kerlin«: Da die folgenden Herren Lemfned, Jahn und Schmidt u. Hoffmann sich bis jetzt dem Streik-Komitee gegenüber noch nicht erklärt haben, ob sie unsere Forderungen bewilligen wollen, so ist der Zuzug nach den genannten Werkstellen fern zu halten. D«e Streik- Kommission der Veraolder Berlins.. � Aufruf nu all- Kiidhau-r K-rlins: Kollegen! In allen Industriestaaten, in allen Geweiken regt sich der Zeit- geist! Ueberall treten die Arbeiter heran, fordernd die Bcsser- stellung ihrer Lage, strebend nach menschenwürdiger Existenz! Und dieses Streben ist berechtigt, denn unter allen Arbeitern herrschen traurige, entsetzliche Zustände, welche dringend Ab- Hilfe erheischen. Immer größere Ansprüche an das Leben treten an den Einzelnen heran und er muß als Kulturmensch die- selben zu erfüllen suchen. Kollegen! Auch bei uns herrschen schreiende Mißstände; in technischer Beziehung zu den besseren Arbeitem zählend, sind wir in der Wirklichkeit, in materieller Hinsicht, die mit am schlechtesten g e- stellten, weil am schlechtesten bezahlten Arbeiter. Eure traurige Lage Euch vorzuführen, ist überflüssig, Ihr Alle kennt und fühlt dieselbe in bitterster Weise. Aber Kollegen! Muß es immer so bleiben, können wir nichts thun zur Vor- besserung unserer Lage? Ja, wir können es, wenn wir wollen, und einig sind in unserem Wollen! Kollegen! In der öffentlichen Bildhauer- Versammlung, die am 7. Oktober in Sanssouci tagte und die von zirka 1000 Personen besucht war, wurde eine Resolution mit allen gegen zwei Stimmen angenommen, welche sich ausspricht, für Em- Ehrung einer neunstündigen Arbeitszeit(inkl. viertelstündiger rühstücks- und VeSperpause) und Abschaffung der Akkordarbeit. üese Forderungen, theilweise schon eingeführt, sind bescheiden, sind gerecht. Kürzere Arbeitszeit, Abschaffung der Akkordarbeit, daS muß unsere Parole sein, mit der Beseitigung dieser U'bel werden auch andere Mißstände verschwinden. Kollegen! Jetzt aber zeigt, ob Ihr gewillt seid. Euch aufzuraffen, oder ob Ihr länger in Eurer unwürdigen Lage verharren wollt. Tretet überall heran an die Prinzipale, fordert Euer gutes Recht; tretet Ihr einmüthig aufl so muß es Euch gewährt werden, Alles aber, was Ihr in dieser Hinsicht unternehmt, de- richtet an uns. Alle Briefe, Anfragen ec. find an die in der vorerwähnten öffentlichen Versammlung gewählten KommissionS- Mitglieder zu richten. Die Kommsstion. G. Klose, XV, Denne- witzstr. 25, vorn Hochparterre. F. Schultze, SW, Solmsstr. 31, Hof 3 Tr. G. Wächter, Schinkestr. 11, v. 3 Tr. Wagner, Melihierstr. 16. v. 1 Tr. Wucke, Skalitzerstr. 12, vorn 3 Tr. Plage, Reichenbergerstr. 140, Hof 3 Tr. O. Schleupner, Mariannenstr. 34, vorn 4 Tr. links. DepfcrmmUmijcu. ©in- groß-, öffentlich-, von»tiv« 3000 p ertönen b-fuchte Uolksv-rjummlnug fand am Mittwoch Abend im großen Saale des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Allee Nr. 11— 13, statt, um die Frage der Betheiligung oder Nichlbethelligung an den bevorstehenden Stadtver- ordnetenwahlen endgiltig zu entscheiden. Nach Wahl der Herren Zubeil, Heindorf und W.lschke ins Bureau erhielt der Referent, Herr Schuhmachermeister Metzner. das Wort, um etwa folgendes auszuführen. Es müsse bald Jeder- mann schwer fallen, sein Erstaunen zu unterdrücken, wenn eine Frage, die längst zu den entschiedenen gehören sollte, immer und immer wieder zur Diskussion gestellt werde. Auch di-seS Jahr sei wieder die Entscheidung zu treffen. Unklarheit über das Ziel unserer Partei, bie Umänderung der heutigen Pro- duktionSweise, werde wohl kaum unter denen herrschen, die diese Entscheidung fällen sollen. Nur über die Wege, die zu dem Ziele führen sollen, gehe die Meinung auseinander. Da sei die eine Richtung, die unter allen Umständen mit Allem gebrochen wissen wolle, dort sei die andere, die sich an Allem betheiligen wolle, was Chancen für die Partei bietet. Die eine RlMtung halte es für gut, von Allem zu abstrahiren, Wahlen Wahlen sein zu lassen, während die andere überall ihre Thätigkeit entfalten, überall agitircn wolle. Die elftere Richtung wolle nur das Recht der freien Rede und die Versammlungsfreiheit zur Agitation benützen. Doch feien diese Rechte thatsächlich nach vorhanden? Nern, gewiß nicht. So bleibe denn nur ein Weg übrig Agitation zu treiben, dies seien die Wahlen. Es sei von mehreren Parteikongreffen an- erkannt worden, daß die Verhältnisse auszunutzen seien, wo Aussicht auf Erfolg sei. Als solche seien die allgemeinen Wahlen zu betrachten. Noch viel besser stehe es mit den Stadt- verordnetenwahlea. Hier könnten Männer unserer Richtung in die betr. Körperschaften hineinkommen. Sei auch in der Stadtverordneten-Versammlnng nichts zu erreichen, so könnten doch die Schäden der Kommunalverwaltung aufgedeckt und an die Oeffentlichkeit gebracht werden. Dann tolle man auch nicht vergessen, daß die Legislaturperioden des Reichstages 5 Jahre verlängert worden seien. Es wäre ein grober Fehler, wollte man lich selbst des Schlafpuloer geben.(Beifall.) Welche Thätigkeit sollte an die Stelle dicser Wahlagitation treten? Wie sollten die Prinzipien ausgefochlen werden? Aber auch die Thätigkeit der Stadtverordneten an und für sich, sei sehr nutzbringend. Vieles sei verbcsserungLbedürfiig. Hier könne man entgegenhalten, das seien Palliativmittel. Doch was sei die Arbe.telschutzgesetzgebung anderes! Je mehr Verbesserungs- vorschlüge gemacht und abgelehnt würden, desto aufklärender wirke das. Daß das Parteiprogramm in der Sladtvirord- neten-Versammlung nicht klar zum Auedruck gebracht werden könne, sei schon in einer früheren Versammlung widerlegt wor- den. Auch Wahlen von Ärbeiiecvertretecn in die verschiedenen Kommissionen könne sehr seaendringend wirken. Er erinnere an die Auszahlung der Pensionen an die Frauen von eingc- zogenen Landwehrmännern, an die Armenpflege und das Schulwesen. Redner kommt zu dem Schluß, daß man ein schlechier, ja lächerlicher Stratege sein müsse, würde man die so schwer errungene Position aufgeben, nur aus dem Grunde, weil man nur etwas und nicht alles haben könne. Redner schließt unter dem lebhaften Beifall der Zuhörer mit der Auf- forderung, jede Gelcgenheit zu benutzen, die uns dem Ziele näher bringt, und in die Kommunalwahlbewegung einzutreten. — Hierauf erhielt der Korreferent, Herr Th. Glocke, der die Frage vom gegnerischen Standpunkte aus beleuchtete, das Wort. Auch er hält es an der Zeit, die Frage endlich einmal zu regeln und einen Beschluß zu fassen, dem sich Alle unterwe.kesi können. Bei der Beurtheilung her ganzen Angelegenheit dr. he es fich nur um die verschiedene Auffassung, wozu man über- Haupt wähle; um einen Einfluß auf die Bourgeois- Gesetz- gebung zu erlangen oder um für unsere Ideen Propaganda gr machen? Jedenfalls doch nur aus letzterem Grunbe. Bei zer Beurtheilung der vorliegenden Frage müsse man auch be- denken ,? daß die Stadtverwaltung eben nur ein V-rwaltunus- körper sei, der die vom Land« oder Reichstag beschlossenen Ge- srtze cukzusühren habe. Hierbei biete sich nun ein eigenthümliches Bild. Unsere Vertreter im Reichstage stimmten gegen ein Gesetz, das zur Ausführung zu bringen unsere Vertreter in der Stadtverordneten-Versammlung sich angelegen fem ließen. Ent- weder müßten dr Genossen im Reichstage einen Fehler machen, oder die in der Stadtverordneten-Versammlung. Wirke denn überhauvt die Tbätigkeit unserer Vertreter in dieser Körpe,- fchast aufklärend? Ec glaube kaum. Gewiß seien Verbesse uagen der Krankenhäuser, weitere Errichtung von öffentlichen Bade- anstalten nölhig. Aber diese Verbesserungen zu machcn, hätten die Bourgeoisparteien in ihrem eigenen Interesse nölhia. Und sie werden auch gemacht, um dem unwissenden Volke Sand in die Augen zu streuen. Wollte die Soz-aldemokratie die Roth- wendiakeit solcher Verbesserungen auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung betonen, so stehe ihr hierzu die Presse zur Verfügung. Auch über Verbesserungen der Armenpflege werde viel gefabelt. Was wollten solche Verbesserungen, die nur einen geringen Bruchtheil der Armen berühren; heut mußten bald alle Arbeiter die Armenpflege in Anspruch nehmen. Hier ae sich auch wieder die schon erwähnte eigenthümliche That- e, daß die Arbeitervertreter gegen ein Alters- und Jnva- lidengesetz, daS doch ein Riesenwerk im Gegensatz zum siädti- schen Armenwesen sei, stimmen, während drc Arberter-Stadt- verordneten an letzterem herumdoktoren wollen.(Beifall.) Der Vortheil, der also eventuell erreicht werden könne, sei ein ganz minimaler. Auf politischem Gebiete fei überhaupt nichts zu bezwecken. Er erinnere nur an den de- kanntm Singer'fchen Antrag, die Versammlung möge dahin wirken, daß die Zahl der Reichstagswahlkreise in Berlin um 6 vermehrt werde; die Dfi kujsion sei überhaupt untersagt worden. Die Angst, daß die Masse, wenn sie nicht wähle, ein'cklatrn werde, sei völlig grundlos. Sei es denn durchaus nölhig zu wählen? Könnten nicht genau, wie bei den Landtagswabl-n. Protestvcrsommlungen gegen das elende Wahlsystem einberufen werden?(Bravo) DaS wirke mehr als die Betheiligun, die nur die bürgerliche Institution dieses Systems halt« und sanknonire!(Sehr richtig!) Im Reichstage werde stets auf die unüberbrückbare Kluft hingewiesrn, hicr werde'sie über- schritten. Dann solle es gut sein, wenn unsre Vertreter dar- auf hinwirken, daß Pferdebahnen, Gasanstalten-c. städtijäns Eigenihum werden. Man bedenke aber dabei, daß man damit die Bewegungsfreiheit der jetzt frenn Arbeiter bete.-tnd hemme; daß die Wahlbeeirflussung bei diesen Arbeitern dar« ständig werden würde. Redner widerlegt noch die Bekarrp- tung, daß unsere Vertreter in Kommissionen wirksame« te sten können und faßt sich dahin zusammen, daß es besser sei, wenn die Kräfte nicht zersvliitert werden, wenn die Stadtver ortnelen die Zeit, die sie in der Versammlung versäumen, dazu lenutz n würden, Vorträge auszuarbeiten und durch Halten der- selben zu agitiren.(Sehr richtig.) Gegen JnnungSgesellen- auSschüsse sträubten sich die Arbeiter, obwohl dort auch manches zu erreichen sei und protestirten dagegen, gegen dre Stadtverordneteuwahlen aber nickt in dieser Weise Man solle gegen das heutige Wahlsystem protestrrcn und das all- gemeine, gleiche, geheime, direkte Wahlrecht erstreben. Räch emer Paule von 5 Minuten wurde auf einen Amrag hin trotz eingelegten Protestes, sofort über die eingelaufenen Re- solutionen abgestimmt und folgende mit bedeutender Majorität angenommen: „Die rc. Versammlung beschließt, bei den bevorstehenden Kommirnalwahlen energisch in die Agitation einzutreten. und uberall da, wo Aussicht vorhanden ist, Arbeiterkandidaten durchzubringen. solche a u f z u st e l l e n." , Es fiel somit eine zweite, welche Wahlenthaltung, dafür aber Abhaltung von Protestversammlungen wollte. Es wurde hierauf ein Zentral-Wahlkomitee gewählt, und zwar die Herren Kräcker, Mobrbach, Heindorf, Wuttia, Gnadt, Orto Klein und Tutzauer. Unter„Verschiedenes" beschloß die Versammlrm« unier lebhaftem Jubel, das Bier der Aktien-Brauerei „Moabit" und der LipS'schen Brauerei„Am Friedrichs Hain" nicht mehr zu trinken, bis die- selben ihre Säle zu Versammlungen hergeben, auch die Pro« dukte des„Klingel.Bolle" infolge seines Vorgehens gegen einen semer Arbeiter nicht mehr zukaufen. Tie Versammlung schloß darauf mit emem Hoch auf die inter- nationale Sozialdimokratie. Der Lachv-r-in sämmtlich-r an Holzd-art'-itnnao- Maschinen b-schäftiglrn Arbeiter hielt leine Gmeratoer. sammlung am Montag, den 7. Okiober, in Säger's Lokal, Grüner Weg 29. mit folgender Tagesordnung ab: 1. Kassen- bericht vom 2. Quattal. 2. Ersatzwahl. 3. Verschiedenes und Fcagekasten. Der Kassenbericht ergab folgendes: Kassenbestand vom vorigen Quartal 354.30 M. Für Beiträge........ 126,00„ Für Eins ihre, begeld...... 17,00„ Ueberschuß von der Dampferpartie. 24.10„ Ab Ausgaben.. Bleibt Kassenbestand Nachdem die Richtigkeit Summa 52140 M. 122.00„ ..... 399,40„ .,,„... dieser Abrechnung von den Kor- troleuren bestätigt war, wurde dem Kassirer Decharge eitheit«. tum 2. Punkt, Eisatzwahl, wurde einstimmig zum 1. Schriftführer err Schackow, in das Arbeitsnachweis-Komitce Herr Clanus gewählt. Zu Verschiedenem wurde ein Antrag gestellt, 40M. zur Ver- größerung der Bibliothek aus der VereinSkasse zu bewilligen. Der Antrag wurde angenommen. Ferner war ein Antrag ge- stellt, bei jedem Jahresabschluß die Unfallliste der Verunglücke n dem Gewerberath v. Stütpnazel zu übersenden. Auch dieser Antrag wurde angenommen. Nachdem noch vecschiedene Anträge, sowie der Fcagekasten erledigt waren, machte der Vor» sitzende bekannt, daß am 17. d. M. eine öffentliche Versamm- lung sämmllicher an Holzbearbeiiungsmaschinen bejchä'tcgicr Arbeiter stattfindet und ersucht, recht rege zu agitiren. Außer» dem machte der Vorsitzende bekannt, daß im Norden eine Zahl» stelle errichtet ist, und zwar bei Herrn F. Bwte, Swinemündc- straße 32, 4 Treppen rechts, und ist verr Amte bereit, jeden Abend, außer Sonnabend und Sonntag, Beiträge an- und neue Mitglieder aufzunehmen. Ferner machte der Vorsitzende bekannt, daß unsere nächste Mitgliederversammlung am 28. v.M. und zwar im Norden abgehalten werde. Hierauf wurde dr« Versammlung um Iii Uhr geschlossen. Di- Fr«i- N-r-inignng der Lohgerb-r«nd K-d-r- znrichter hielt am Sonntag, den 6. d. M., ihre Gemralv r» sammlung bei Feind, Weinstr. 11, ad. TageSordnu' g; 1. Kassenbericht. 2. Vocstandswahl. 3. Geschäftliches. Zum ersten Gegenstand der Tagesordnung erstattete der Kassier Herr Kravozak Bericht. Derselbe ergab Gesammteinnahme vom 3. Quartal 1889 529,20 M., die Ausgabe 295,45 M., lieber- schuß 235Z5 M., alter Bestand 383 M., überhaupt Bestand 617,45 M. Dem Kalsirer wurde Decharge ertheilt. Zum zweiten Punkt iwurde Herr Busse zum 1 Vorsitzenden, Fiua t zum zweiten, Kravozak zum Kassirer, Schröder zum Schnslfuhm. ©dsivarf, Walburg und Ebel zu Beisitzern, Haby und Räch:« zu Rcviloren erwählt. Zum dritten Punkt gab der Vorsitzende einen Bericht über das llzährige Bestehen des Vereins. Dem- nach hat der Arbeitsnachweis zirka 180 Stellen vermitrel.� 1 Hnr Lux stillt den Antrag, den VereinSnamen umzu- ändcrn ,n»Freie Vereinigung der Lodgcrber und Leder� znichtrr Berlins und Umgegend". Der Antrag wurde udgetrhnt, da trotzdcm die Mitgluder, die in Rudorf und Charlottenburg belchäftigt sind uud dort wohnen, dem Verein angehören können. Herr Kravo�ak verliest einen Vereinsber'cht aus dem„Gerber"(Fachzeitung), in welchem den Berliner Gerbern und Ledcrzurichlern vorgeworfen wird, doh ire so wenig Interesse zeigen für die Fachzeitung und daß sie Kirchthurmspolitik Irciben, wovon sie nichts verstehen. Der Artikel erregt großen Unwillen in der Versammlung. Der Vorsitzende bemerkt hierzu, daß er schon darüber nach Hamburg berichtet bade. Weiter verliest der Vorsitzende erne Depesche aus St. Ingbert, wohin mehrere Berliner Kollegen gereist sind. Drei Mann sind daselbst gemaßregclt, sie stehen mittellos und ersuchen die Berliner Kollegen, ihnen doch 150 M. zu senden Noch länaeren Debatten wurden 150 M. auf Darlehen bewilligt. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden, recht treu und fest zur Fahne des Vereins zuhalten, schloß der Vorsitzende die gutbesuchte Versammlung. Der Fachverei« für Schlosser und Kernfsgettossen hielt Montag, den 7. Oktober, bei Feuerstein eine Generalver- sommlung mit folgender Tagesordnung ab: 1) Bericht des KassirerS vom 3. Quartal, Bericht der Revisoren und Revisoren« wohl. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Bericht der Rechts- schutzkommission. 4. Arbeitsnachweis-Angelegenheiten. 5. Stellungnahme zu dem Beschluß vom 8. April. 6. Verschiedenes und Fragekasten. Zu Punkt 1 betragen die Einnahmen 284.07 M., die Ausgaben 321,20 M., bleibt ein Defizit von 37,l3 M., das jedoch durch den Ueberschuß vom Familien- ?rünzchen sehr wohl gedeckt wird. Die Revisoren bestätigen die Abrechnung, dem Kassirer wird Decharge ertheilt. Aus der Revisorenwahl gehen hervor die Kollegen Stropv, Lampe und Schultz. Zur Reuoufnahme melden sich 17 Kollegen. Die Rechtischutzkommrssion hat 14 Streitfälle zu verzeichnen, wovon 13 zu Gunsten und nur 1 zu Ungunsten des Vereins ausfielen. An der Spitz« marschiren auch hier wieder die Jr.nungSwcister. Die Kommission gab hierzu verschiedene Aufklärungen, wie sich die Kollegen bei Streitfällen zu verhalten haben, und crmahme, wenn es irgend möglich lei, sich eine Gewerbeordnung anzu- schaffen und sich die einzelnen Paraaraphen einzuprägen, damit jeder mit Gesetze« kenntnissen und Wissen ausgerüstet den Fabri- kanten entgegentreten könne, die dann auch, wie an verschiedenen Beispielen nachgewiesen wurde, es gar nicht erst zur Klage kommen ließen. Der Vorsitzende der Rechlsschutzkommission, Kollege Neumann, wohnt Skalitzerstr. 123. Zum vierten Punkt wurde mit allen gegen drei Stimmen eine Verlegung des Ar- beitSnachweiseS für den Norden abgelehnt. Derselbe befindet sich nach wie vor Anklamerstr. 49 bei Robert Nürnberg. Für den Süden wurden in die Kommission die Kollegen B a r t u s ch, Schlickert und Lemke gewählt. Zum fünften Punkt wurde der Beschluß vom 8. April umgestoßen, da sich die Sachlage sehr verändert Hot, es ist unsere Pflicht, jetzt diejenigen Wirthe zu unterstützen, die uns ihre Lokalitäten hergeben, und so wurde denn beschlossen, ein Weih- nachtSvergnügen zu veranstalten und wurde dazu ein Komitee von S Mann gewählt. Unter„Verschiedenes" gelangte der Ausstand der Nürnberger Kollegen in der Schvcker.'schen Fabrik zur Sprache, und wurden die Kollegen ermahnt, jeder sein Scherflein beizusteuern, damit die dortigen Kollegen im Stande find, dem Gewaliakl des Unternehmers einen Damm entgegen- zusetzen, damit der gemaßregelte Kollege Karl Breder wieder in die Fabrik aufgenommen werden muß. Sammellisten sind zahl- reich im Umlauf. Den streikenden Feilenhauern Berlins wurden 30 M. bewilligt. Feiner wurde ersucht, den Zuzua fern zu halten von der Werkstatt Böttcher, Stallschreiberstraße, da d'e dortigen Kollegen mit der Firma in Differenzen geralben sind. Die Fuma Ed. Puls wurde wiederum kritisirt,wegenU eberstunden- arbeu. Ferner die Firma Schulz u.Holdcfleiß, woselbst Kollegen das„Brcvourftückchen" fertig gebracht hatten und auf Gehciß des Meisteis einen Schutzmann, der sie bei der Sonntagsarbeit überrascht hatte, überlistet haben. Im Frogekaften wurde der 1. Schriftführer interpellirt, warum in den Berichten nicht die Namen der einzelnen Redner genannt würden. Derselbe ver- theidigte sich damit, daß er meinte, der Kampf, den die Arbeiter auch in der G-werkschaftSorganisation kämpfen, sei ein Prin- zipicnkampf und kein Interessen kamps: er müsse eine Prinzipien- frage und keine Personenfrage sein. Derselbe wurde darin noch von einigen Kollegen unterstützt. Nach Erledigung einiger weiterer Fragen wurde die Versammlung mit der Ermahnung des Vorsitzenden, sich zahlreich der Organisation anzuschließen, geschloffen. Geuenaiversammluug des Juterelsenvereins htv Kistenmacher am 7. Oktober im Lokal Heydrich, Beuthstr. 22. Dre Tagesordnung lautete: I. Ersatzwahl der auSgcloosten Vor- standimitglieder. 2. Aufnahme der Beitragsammler und Ver- ickiedenes. Der Vorsitzende gab seiner Freude darüber AuS- druck, daß die Versammlung so gut besucht sei. Darauf wurde zur Wahl geschritten. Aus derselben gingen hervor: als erster Schriftführer E. Frauendorf; zweiter H. Vagst; erster Kassirer E. Göpferl; zweiter K. Torfstecher. Zu Revisoren wurden H. «unert und F. Torfstecher ernannt. Zum 2. Punkt der TageS- ordmmg wurden Bedenken laut, ob es überhaupt nöthig fei, Beitragtammler zu wählen. Man einigte sich jedoch dahin, dre Beitragsammler zur Vorstandssitzung einzuladen und eS jeder Werkstatt zu überlassen, ob dieselbe einen solchen wählen will. Darauf theilte der Vorsitzende mit, daß das Stiflungs- fest am 9. November in dem großen Saale desselben Lokales stattfindet und wurde der Eintrittspreis auf llv Pf. für Herren und 40 Pf. für Damen festgesetzt. Nach Erledigung noch einigrr innerer VereinSangelegenherlen wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. Die Frei» Vereinig««« der Maurer Kerli«» und Umgegeud hielr am Sonntag, den v. d. M., in den Bürger- ,ot«n, Dresd'nerstroße 96, eine Versammlung ab. In derselben mm de zunächst die Abrechnung für da« 2. Quartal dechargut, nachdem die Revisoren die Richtigkeit der vom Kassirer auf- zemachten Rechnung bestätigt hatten. Es erfolgte sodann Vor- standewahl: Mehrere Anträge, welche eine Aenderung in der �Zusammensetzung des Vorstandes und in der Zahl der Vor- ftrmdsmitglieder bezweckten, wurden abgelehnt. Es wurden ge- wählt zum ersten Vorsitzenden Franz Wil kniß, zum Kassirer Wilhelm S ck u l», zum Schrifltührer Emil T a s ch.— Ferner murden die Vorstände für die einzelnen Stadlbezirke gewählt und Gustav Raschske und Gottlieb Heinze als Revisoren eingesetzt.— Rock im Laufe dieser Woche soll eine weitere Bersammlung stallfinden, um über die nrcht erledigten Punkte der Tagesordnuna(Regelung der Baubude im Aus siellungs park und Berathung über ein Stiftungssest) zu beralheu. Die Kanarbriter Kerlin« und Umgegend hielten am Freitag, den 4. Oktober er., Abends 8 Uhr, eine große öffenniche Ve-sammlung, Jnselstraße 10, ab. Tagesordnung: 1. Abrechnung der Lohnkommission. 2. Vortrag über die wrrth- schastliche Lage drr Arbeiter. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Ins Bureau wurden gewählt Karl Wallcnthin als Vor- fitzender, S ch r ö d e r als zweiter Vorfitzender und E. W e b- r als Schrifssührer.- Zu Punkt 1 aestaltet sich die Abrechnung muh den Mittheilungen des Herrn Wallenthin folgendermaßen: Es find ausgegeben: für Säulenanschlag und Soalmiethe 248 M., für Flugblätter, Sammellisten. Drucksachen 21,50 M., für die Delegirten zum Kongresse 120 M., für Inserate 6,60 M., für B'icsbogen, Porto, Papier und Depeschen 31,50 M., Venvaltungskosten und Extraausgaben 56,95 Mark. Ge» sammtausgade 484.55 Mark. Eingenommen sind: aus den Tellcisammlungen 192,45 Mark, aus den numerirten Ästen 332 Mark; auf nicht numerirten Listen 12,15 Mark. Zusammen 536,60 M.; so daß ein Bestand von 52,05 Mark verbeibt. Von den Revisoren ist diese Rechnung im Einzelnen geprüft und richtig befunden worden. Die Vw- san m!ung nahm diese Rechnung zur Kcnntniß, erhob gegen dieselbe keincrle, Einwendungen und beschloß, den verbliebenen Rest von 52,05 M. den Vertrauensmännern zu überweisen. In dem zu Punkt 2 der Tagesordnung oehaltenen Vortrage wurde die Solidarität der Arbeiterinteress-n betont und auch von den nachfolgenden Rednern in glcichcm Sinne gesprochen Ichlußlich auch von der Versammlung eine Resolution in dieser Richtung angenommen. Die Versammlung schloß mit einem dreifachen Hoch auf die deutsche Arbeiterbewegung. *** Allgemeiner Metall arbeiter-Neret« KerUns und tzlmgegend, ffirotlt äinfutiimlunu am R eilag, den 11. Cftobrr, SlberbS 8 Uljr, in Renz' Eaton, Naummtiraze 7ö Taoedoednung: I.Vorteaa des Herrn Zubetl. Tbemr „Da« Kooliltonireait' 2. DlSkuMon. 8. Die Maßreaeiuna der Nliinberaer Kotieren 4. Nerldiiedems, zio«elafien. Gaste haben Zutritt. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Berliner Herein für votksverftändliche GefundolieitspUeg» nnd Uatnrheilkundr. Freitag, den Ii. Oktober, Abend« Sh Uhr bei Buggcnbagen am Moeigplah«ortrag de« Herrn Dr. Paul Finster über: „Keh'r und Ketzcrvet solgungen in der modernen Medizin." Den Mitgliedern de» Mahlneretn» für den ä. Berliner zr-i>I,«tag«mal,lkr»i» zur Nawiichl. daß die nächste VereinScersammUmg nicht statt sin den kann, weil e« unmöaltch Ul, ein Lokal zu bekommen. Frei« tztereinignng der Znfllineider, Klepper und Norrichter Bertin». Am Sonnabend, den 12. Oktober, Abends bis Uhr, Alte latodstr 83 Zagetzordnung t 1. Kassenbericht. 2. Wie haben sich einzelne Facti)!! eitiigungen zu verbatlen gegenüber einer ausbrechender Lohnbewegung. Referent) Sierr Schuhmachermetfter Metzner- Am Sonntag, den 18. Oktober, ebendaselbst geselliger Abend. Gäste, Herren und Damen, willkommen. Achtung! Da« StistungSsest de« Berliner ffiii kcrgesellemVerband-« findet nicht im Elvssum am 12. Oktober, fordern im Schwei, ergarten am 2. November statt. Um rege Betbetttaung wird geb'te». Drr«rfangvrrrtn„Krrqa" feiert tctn 6 Stiftungsfest, verbunden mit Gesangs-, deklamatorischen, humortsttschen Vorträge» und Svrnzkränzchen am Sonnabend, den lg. Okrober. Abend« 8 Udr. in Jordan S Salon Neue Grstnstraße 28. Frrunde und Gönner d-S Vereins, durch Mitglieder etnaesührt, sind bcrzttch willkommen. Achtung! Wrtallurbritrr! Die Bibliothek des Allgemeinen Melall- arbeiter-Vereir.S Berlin und Umgegend, sowie der A' beitSnachweiS für den Süden befindet sich von deute ab nicht mehr in der Neanderstr. S. Die Mitglieder werden ersucht, die Bücher US auf weiteres Riiieistr. 15 bei Oild Klein abzuoeben resg. umzutauschen. Krunkrugrld. Zufchutz- und Brsrübnlßkuss« drr Brrlinrr Knopfarbrltrr. Sonnabend, d-n 12 d. M.. Abends 83s Uhr, in Iäschke S Restaurant Biumenstr. 3g, ordentliche Gkneraloersammluva DagcSo-dnitN! I. Vierteljährlicher Kassendericht. 2. VerichiedeneS. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Dir Krank»«, und Brgräbnitzkalf» dr« Drrrin» sämmttichrr tSrrufskiassen Berlin I täll am Sonnabend, den 12. Okiober, Abenos 8Ubr, Blumenstratze 78, eine Generalversammlung ab TageSordnui'g Geschäftliche Mittbeilungen. Fachurrrin drr Mrtallschranbrn-. tzarondrrhrr und Beruf«» grnossrn B»rlin». Sonntag, den 13. Okioder. Vormtttagd 103s Mir, In Deigmüllef« Salon, Alte Jakodstrase 48». Generat.Versammlnng. ZagiSord min»: 1. Erttdloung der zmückgestellien«nlräge. 2. VierteljadrS-Kafiliiberlcht. 3. Bericht der Fachkommission. 4. Vereiniongeiegenhett.m. Gäste sind will- kommen. Drr Lachvrrrin drr Gapeiirrrr f-iert sein 1. SilftnngSfest am Sonn- tag, den 13. Oktober, in den sainmilichen Räumen der H.gdrichfichen Feftsäie. Beuibftraste 20 Für ein reichboltioeS Vrogramin ist gesorgt BUletS sür Herren £0 Pf., für Damen 30 Ps. söhne Nachzahlung) find bei solgenden Heeren zu hoben- F. Kttchner, Gitlchinerstiaße 8g. vorn 4Tr.t Stondinger. Giischiner- nratzt 9; Reftauroni Freiaang, Schiltzenstrotze 18-lg s'öureaurl t Restaurant Scheere, Mauerftratze 85. Um zahtteichc» und fteundiichen Besuch iahet ergedenst ein der Vorstand. Mrrrin i«r zirgrlung drr grwrrbiichr» Drrhäitnllfr drr tföpfrr. Sonnabend, den lg Okiober 188S) 1 Siiftungisest im Schweizer-Gauen sam Frikdtichshain). Billet« tsür Herren 50 Ps, Damen 25 Ps.l sind zu baden bei den Herren Richard Schutz, Ebausseestratze 84- Holz, Angermündeistratze 11- Grafiunder(Reslauraistl, Ziethen- und Schwerinftiatzen-Eeke t Hoffman», Frae-f surter Allee 111t Werschke Adaibertstratze 18. und im Arbeitsnachweis, DreS- den erstratze 118 Zimmrrtrut» Drrlin» und tzlnigrgrpd. Am Montaa, den 14 d. M, Abend« 8 Uhr, große öffentliche Gere?ai-Persamniliing sür sämmlitche Zimmer- leuie im Äonzeribause Sanssouci, Kottbuserstr 4». Tageeoidnung t 1 Reaeiung der Frage, welche Orgontjaiion ist ferner von den Zimmerieule» sür Berlin und Umgkgn.d als maßgebend zu detrachlen. 2. Benchledenes. Kameraden, er- schelni Mann!ür Mann, denn e« gilt die Zerlvliiterung unserer eigenen Reihen durch eigene Kameraden zu veihülen Wtto die Sache nicht telstich geklärt, so Ist immerwähiender St-.ctt und Kamps die Folge, zur geeude unserer Gegner. Zimmrrlrut» Berlin« Sonntag, den 13 Oktober. Vormittags 10)s Uhr, in OrschelS Salon, Sedastianstr. 3g. Vee'amiviung der Fieien Veieinignng der Zimmeiee Berlin« U! d Umgegend- Tcgeeordnung! 1 Die Vorlheile der zen- tiallsirlen und idkaien Organisation. R.ferent� Fritz Krüger. 2. Diskussion. 3. VerichiedeneS 4 Fragekasten Jedermann Hot Zutritt. «rop» ösfrntiichr D»rfan>mtun«i drr Rostrtrgrr und B-rufa» grnojfrn am Montag, den 14. Okioder. Abends 8 Uhr, in Feuerstein« Salon, Alle Jokobstraße 75 Tae.ekotdnung: 1. Wie verhallen wir und ferner in Be- ireff unserer Lohnbewegung nr d definitiv Beichiußsgfiung da> über 2. Diskusston. 3. Veischiedene». Da« Erscheinen eine« Jeden ist Gdeenlgche Zrntrai-Krankrn- und Ktrrbrknsf» drr Kl, schirr und anderer ge- werblicher Arbeiter. tag, den 21. Oktober. Abend) 8 Uhr. Fische, str 25. Tagesordnung. 1. Viertel- jährlicher Kassrnderichi. 2. Innere«ngelegenbctten. OuittungSbuch icgitimirt Kachorrri» drr tkifchlrr. Sonnabend, den 12. Okioder, Abends 8 Uhr Zanzktätizchen in Hcgdrich'» Festsälen, Beuthstr. 20. BilletS bierzu sind auf allen Zahlstellen, sowie bei folgenden Herren zu baden, Wille Jnvalidenstr. 21, Millarg, Lehrter str. 22 2 Tr. Markmann. Barnimstr. 46. 4 Tr Hemp, Palli- sadenftr. 83. 4 Tr. Hoger, Grüner Weg 70. Winter, Manteuffeisti. 6, 8 Tr Glocke, Laufißcrstr. 52. 3 Tr. Wi-.deinann. Wendensir. 2, 4 Tr, Haberland, Reichenbergerstr. 181, 3 Tr. Schulz, Brißeiftr. 42, 4 Tr. Monien, Kreuzdcrg- straße g. Ouergeb. 4 Tr. Wit t, Möckernstr. 95, 3 Tl. Eiiafier, Nostizstr. 40 Apeil, Scbastianstr. 27-28(Möbelhandlung). Merkel, Mitten waidei str. 13, Hos 4 Treppen. H. Schmidt. Elilabetd User 20. Hos 2 Tr. bei Orbowiki. Krankrn- und Ktrrdrkassr drr Krriinrr Na«»»i»»rr(E. H 81) Vierte ordentliche Generalversammlung am Mittwoch, den 18. Okeober d«. IS., Abend« 9 Uhr. Kommandanlenftr. 77— 78. TageS Ordnung-. I iviltlheUuvgen. 2. Vlerteliahreibericht. 3. Antrag de« Vorstandes dehul« Sntchaffung eimS VervieisäliiaungSapparate«. 4 Verschiedenes, Austage und Fragekafien. Dir Lirdrrtafrl drr Malrr und vrrn-andtrn Brrufsgrnojfrn tagt oon jetzt ab wieder Kaiser Franz- Grenadier- Platz Nr. 7, bei Berg, Anmeldungen stimmbegabler Kolleaen werden an sedem Freiiag Abend daseidst entgegengenommen.— Am 12. Oktober d. Z. findet bei Deigmüller. Alte Zakob- straße 48». StistungSsest statt, wozu Kollegen und Freunde ganz ergedenst ein- geladen find. AUgrtnrinrr Mrtnll-Krdritrrxrrri» Berlin» und Ztnrgrgrnd. Große Versammlung am Freima, den 11. Oktober. Abend« 8 Udr. In Renz' Salon, Navngnstr. 75. Tagesordnung, 1. Vortrag de« Herrn Zubeil. Thema, Da« KoalilionSrechi 2. Didkuffion 3. Die Maßregelung der Nürnberger Kolleaen. 4 Verschiedene» und Fragekaften. Gäste haben Zuirttt. Um recht zahireichen Besuch wird gebeten Achtung! Krfrklub..Keine". Am Sonnabend, den 12. Oktober er., findet In be» Säten der Berliner Bock-Brauerei. Am Tempeihoser Berg, Fa- milienkränzchen statt. Während der Pausen Ouartett-Gesang. Hierzu ladet sreundiichst ein der Leieklub„Heine"..... Drr Arb»it»nachw«io drr Klavirrarbritrr befindet sich vom 20 Oktober ab Nanapaftr. 78 bei Winzer. Die AdrefienauSgabe findet jeden Abend von 8-S3s Ubr und Sonntag« Vormittag« von I0-tt3s Uhr, sowohl an Mitglieder wie an Nichlmitglieder naenigeitiich statt. «rfang-,«nrn- und grsrlligr Drrri»» am Freitag Kaiser scher Männeigesangverein Abend« g Ubr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28. - Gesangverein.Pausedeutei' Abend» 8 Uhr im Restaurant Heniei. Sieian- drinenstr. 15.—.Licderiascl der Maler und verwandter BerusSgenoffen' Abend« S Uhr im Restaurant Kleine, Brandenburgftr.SO.- Buchbinder-Männer- ckor Abend« 8K Uhr Annenftr. 16.- Gesangverein.Fiöiersche» Doppel- Ouarteti' AdendS 9 Uhr im Restaurant Musebold, Landsbergerstr. 31.— Gesangverein.Fortschritt' AbendS g Uhr im Restaurant, Blumenstraße 46.— Geiangverein.Echo 1872' Abends g Uhr Waldeinarftraße 12. Neue Rlilgiieder werden ausgenommen.— Gesangverein.Osstan' Abend« g Uhr Dresdener- straße 85 bei GustavuS.— HupperlZche Jänger-Vereinigung.Harmonie' AdendS S Udr bei Niest, Weberstr. 17.— Gesangverein.Sängerhain' Abend» g Uhr Adaibertstr. 21.— Liederiafei deS Fachverein« der Steiniräger Berlin». Abends 8 Ubr Große Hamburgerstr. 4 Uebungistunde.— Gesangverein.Ohne- sorge' Abends g Uhr. Restaurant Reader, Atte Iakobstr. 83.— Gelangverein Widerhall' Abendö g Uhr bei Herrn Boge, Köpnickerstr. Igl.— Gesangverein .Lorbeerkranz' 8)4 Uhr Restaurant Weinslr. 11.- Berliner Turngenofien- ichafi(Fünfte Männerabtbeilung) Abend« 834 Uhr in der städtischen Turnballe. Wasserlholslraße 31.— Turnverein.Hasenhaide"(Männerablheilung) Abend« 8 Uhr Diefienbachsiraße 60-61.- Turnverein„Froh und Frei"(Männer. abibeittmg) Abend« 834 Ubr Bergstraße 57.- Wifienschastlicher Verein für Roller sche Stenographie Abend« 834 Uhr im Restaurant Ziethen. Drtt* straße 31, Unterricht und UebungSftunde.—.Allgemeiner ArendSfieba«! grapbcnverein', Abtheilung„BorwäriS". Abend» 8tz Uhr im Restauio«« Mariannenplatz 11.— Srendificher Stenographenverein„Apollobund" m 9 Uhr Im Restaurant, Eeadelstr. SO.—„Verein ehemaliger Dr. Doebbeibj Schüler" Abend« g Ubr im Restaurant Krebs. Friedrichftraße 206.— Dttettanten-Orchefterverein Abends 8)4 Ubr UebungSfwnde im ReW Eollni scher Garten. Schatrenstraße 12.- Zilhervercin„Alpenveilchen" W �-.ss�r im Restaurant„Wahlstatt", Bcllealliancestraßc 89- „ffieftenb" AbendS 9 Uhr im Hohenzollerngarten, Sleglitzerftraße 27.- kiub„WeichselbiaU" Abend» 834 Uhr im Restaurant. Skalißerstraße RauchNub„Ohne Zwang" Abends 834 Uhr im Restaurant W. Epa-th.* straße 28. VcrnrisÄfkos.| Urber das Gehör der Säuglinge hielt jüngst\ f.ssor Dr. Julius Böke einen sehr interessanten Vortrag.� Interesse entnehmen wir diesem Vortrage zunächst die N fache, daß Neugeborene zunächst noch nicht hören M Die seelischen Funktionen, wie das Gesicht, das Gehör,' Sprache k. werden durch das Gehirn bewirkt, und VaS� birn des Neugeborenen ist zu solcher Thätigkeit noch nicht i« Es bedatf noch einer gewissen Entwickelung und Hei» welche es nur mit der Zeit erreichen kann. Das$ existirt bei den Neugeborenen noch nicht, weder das Gest noch das Organ, welches zur Vermittelung der GehörSV keit dient, sind noch derart entwickelt, um funktionirr« können. Es ist ganz natürlich, daß ein einmonotlicher 2* ling noch nicht hört, zwei bis drei Monate alte Säufst werden schon erfahrungsgemäß auf ein intensiveres Gei� wie es z. B. der Klang einer Glocke ist, aufmerksam.& der Säugling auch in dieser Zeit noch kein Zeichen s«? Gehörs, was bei weniger entwickelten Kindern 5 Seltenheit ist, wird hie Sorge der Mutter zur entsetz!» Angst, ob das Kind auch hören werde? Und mit der» zweiflung in den Mienen harren sie dem Ausspruch des A woht missend, daß ein taubes Kind zugleich auch der Etz« beraubt ist. Um die Funktion des Gehörs zu erfassen, blicken jene geheimnißvolle Werkstätte, wo dieselbe zu Stande ko» Das Gehörsorgan, welches nur dazu dient, um die Ge&i thätigkeit dem Gehirn zu vermitteln, besteht aus zwei Thff dem GehörSnerv und dem Ohr. Der GehörSnerv nimmt st? Ursprung im Gehirn und fängt jene ReizungM auf,«"j um uns entstehen, wenn die Lust tureb einen SWall in tion aeräth. Jener Theil des Gehörsorgans, zur Leitung der Schallwellen bis zum GehÄj tnent, wird im weiteren Sinne Ohr genannt. � Ohren sind in der Seitenwand des Schädels«Z bracht, und was von denselben für Jedermann � bar ist, sind die Ohrmuscheln und die Ohröffnutz? diese rundliche Oeffnung führt in eine Röhre, die Schallr? welche von einem elastischen, durchscheinenden Häutchen,' Trommelfell abgeschlossen wird. Die Schallwellen gelaßl! durch die Ohrmuschkln gesammelt, durch die Schallröhr« zum Tiommelfell, welches dieselben mit Vermittelung der> Hörknochen bis zum Gehörnerv gelanaen läßt. Diese Kn>» der Hammer, der AmboS und der Bügel genannt, sind. einem luftenibaltendcn Räume, der Trommelhöhle, untergcbm welche ihren Lustvorrath im Wege der eustachischen Röhr« jedem Alhemzug erhält.. j Würde dieses Organ nicht existiren, oder märe es nick-. konstruirt, daß es zur Fortleitung auch der geringsten Vibrw? der Luft geeignet ist, dann wären wir nicht im Siande- uns berührenden Schallwellen aufzufangen, und der S würde durch unsere Körper in der Weise zurückgeworfen tver wie etwa eine Felswand den Schall zurückwirft, wenn ein entsteht. Schädliche äußere Einflüsse auf die Mütter, fiel Leiden deiselben, oder nach Anficht Manches auch die Yl � unter Blutsverwandten, können schon im Multerleibe bei daß das GehörSorgan der Embtnos, oder jener Theil d Hirns, welcher zu Funktion des Gehörs unerläßlich ist, fi regelmäßig entwickelt; der Säugling kommt dann, ohne d) vielen Fällen das äußere Ohr eine abnormale Form würde, taubstumm zur Welt. Wie bereits erwähnt, ist jedoch das GehörSorgan' Neugeborenen auch in normalen Berhältnissen nicht dck entwickelt, daß es zur Vermittlung des Gehörs geeignet � die Entwicklung beginnt erst noch der Geburt, und Jahr« gehen, ehe die Entwicklung vollkommen abgeschlossen ist. Schallröhre, welche im späteren Alter von Knochenwände» geben ist, besteht bei Säuglingen aus einer engen, aus und Knorpeln gebildeten Röhre; das Trommelfell ist dicker und weniger elastisch wie bei Erwachsenen und b«i sich auch gar nicht in einer solchen Lage, daß es mit W ganzen Fläche die Schallwellen auffangen könnte; ferner>?.. Trommelhöhle bei Säuglingen mit Speichel gefüllt, w«1" erst allmälig aufgesooen werden muß, um Raum sür die»« läßliche Lust zu schaffen. Diese Abweichungen machen es verständlich, do»� Neugeborene überhaupt noch nicht zu hören vermag, und? die Säuglinge erst in der zweiten Hälfte des dritten" nateS und oft noch später an Töne aufmerksam werden. OepeMien. (M-W««elegeaptzen-Kneea«.) Srlstol, Donnerstag, 10. Oktober. Bei der heute � mittag stattgehabten Konferenz zwischen den Direktoren, Gasanstalten und den Arbeitern derselben sind die Fordertt«!j der letzteren bis auf einen Punkt bewilligt worden. Die A> dürfte morgen wieder aufgenommen werden. Brie# ist � VrieFksstsn. Bei Anfragen bitten wir die AbonnemeniS-Oniitung beijusügen. Anlwort wird nicht ertheitt. Der Vorfitzende des„Berliner SanitätSvereinS" Hundt und wohnt Adalbertstr. 5. 5, Abonnent 69. Den„Wahren Jakob" können stets nach dem Erscheinen desselben durch Ihren Spediteur ziehen. 4 C. H. Anonyme Zuschriften werden auch von Herrn � nicht beantwortet. Tbeilen Sie mit, wer Sie sind, und.j genannte Herr wird Ihnen die Antwort wohl nicht safin, bleiben. Anonyme Drohungen und Beleidigungen sind iflUn ein Zeichen der Feigheit. Änständige Menschen reagiren v daraus. f iicklerftr. Bleiben Sie ruhig in Ihrer alten Kasss' . Z. Moabit. Konservativ. jt Anfrage ohne Chiffre. Ein General-Oberst steh' gleichem Rang mit einem General-Feldmarschall. M. K. 56. Fragen Sie beim Magistrat an.'.» ji C. K.©. 34. Kommen Sie doch einmal gelegen tu unsere Sprechstunde. Der Abdruck einer solchen Ltste er!« uns nicht angebracht. ,,.1 K. K. paUifabrnstraße. Ihre Fragen sind so.uw' reich, daß wir sie Ihnen nur mündlich beantworten könmsjtt M. 100. Ploen, Kreisstadt in der preußischen Schleewig-Holstein, gehörte im vorigen Jahrhundert zum' herzogthum Oldenburg. »erantwortlicha Redakteur:».«»»»hei« w Berlin Druck und»erlag»0« Ma» Oabi», in»«Ii» SW.,»euthstratzr%.