Ur. 240. Sountag. de« 13. Oktober 1889. 6. Kokrg. Krgan für die Interessen der Ardeiter. !i Der hentige« Nummer liegt fnr onsere Abonnenteu N». 44 de«.Ko«»rtag«'Klatt" bei. Ein NunststiirS�. Dem„N e i ch S- A n z e i g e r", dem amtlichm Organ der Neichsregicruna, pflegen wir in seinem nichtamtlichen Theil sonst wenig Bedeutung beizumessen und lesen, was dort steht, gewöhnlich schon deshalb nicht, weil es unS zu langweilig ist. Judessen hat sich der biedere„ZieichS-Anzeiger" in den letzten Tagen auch einmal aufs volkswirthschaftliche Pferd gesetzt, indem er aus verschiedenen Kartellblättern Bemerkungen über die Lebensmittclvertheuerung — abdruckte. Da war gesagt, die Freihändler stellten die Behauptung auf, daß den deutschen Arbeiterfamilien durch die Zölle und Verbrauchssteuern eine Mehrausgabe von je hundert Mark pro Jahr erwachsen sei. Die Vcrthcuerung schätze man aber auf 8—10 Prozent; sonach würden die deutschen Arbeiterfamilien jährlich inSgesammt etwa je 2000 Mark, für nothwcndige Lebensmittel aber je 1000 Mark ausgeben. Das Durchschnittseinkommen der Arbeiter aber sei 020 Mark pro Jahr und die Herren Freihändler möchten doch gefälligst sagen, wie die Arbeiters daS Kunststück fertig bringen könnten, dreim'l so viel zu verausgaben, als ihre Einnahme beträgt. Diese Frage soll offenbar sehr geistreich sein; in Wahrheit ist sie das Gegentheil. Wir haben hier nicht die Sache der Freihändler zu führen, so entschiedene Gegner der Zölle und Ve.brauchS- steuern wir auch sonst sind. Aber man kann dem„Reichs- A-zeiger" die Antwort auf seine Frage schon geben. Daß die Zölle und Verbrauchssteuern eine Mehrausgabe von 100 M. für eine Arbeiterfamilie betragen, wird so ziemlich richtig sein. Denn man muß bedenken, daß die Aufl.igcn, die auf den nothwendigcn Lebensmitteln und Gebrauchs- gegenständen ruhen, in ihren Wirkungen sich bisher bedeu- teud gesteigert haben. Wenn diese Auflagen nicht ein solches Ergebniß hätten, so würde man sie nicht zum System er- Hoden haben. Der„ReichS-Anzeiger" hat sich niemals unr die Arbeiter-HauShaltungsbudgetS bekümmert, die manchmal durch die Behörden, in fchr großer Anzahl oder durch die Arbeiter selbst veröffentlicht' worden sind. Wenn die Gelehrten des amtlichen Organs es für der Mühe wevth befunden hätten, ihre Nase rn diese Aufstellungen hineinzustecken, so würden sie denn doch zu der Ansicht gekommen sein, daß an dem„Kunststück" etwas ist. Die Sache liegt freilich nicht so, daß es sich darum handeln kann, ob die Arbeiter das Kunststück fertig bringen, das Dreifache ihres Einkommens zu verausgaben, wenngleich zu Ktsck&nck Detbotm.) JficiiiUcfan. Ii G e r m i n e» l. Sozialer Roman von Emile Zola. Einzig autorisirte Uebersetzung von E r n st Z ie g l e r. Erster Knud. Erstes Kapitel. ES war eine sternenlose Nacht, schwarz und undurch- sichtig wie Tinte. Auf der flachen Ebene von Mar- chrennes und Montsou schntt ein Mann die Landstraße bahnt, welche zehn Kilometer lang die Zuckerrübenfelder durchschneidet. Er unterschied nichts, nicht einmal den Boden zu seinen Füßen, und den immensen, weiten Horizont ver- rreth ihm nur der Märzwind, der wie aus dem Meere in mächtigen Wellen dahertrieb, eisig erkältet von den Sümpfen und dein nackten Eidreich, das er bestrichen hatte. Kein Baum schattete sich am Firmament ab; die Straße rollte schnurgerade in den nassen Nebel, den der Wind durch die Fmsterniß jagte�( j_ Der Man't hatte gegen zwei Uhr MarchienneS ver- "sien. Er ging mit großen Schritten, denn ihn fror unter Mi* schäbigen Sammethose und-Weste. Ein kleines ooT ein karrirteS Schnupftuch gebunden, hinderte �£ä b°sb unterm rechten, bald unterm linken v nv f'ch gepreßt, damit er feine steif gefrorenen Srfm loLl" f i,,b bw,>,«ufrifc l„ taVs.«« rW Ounrliit'»">ar€,n Arbeiter, ohne Arbeit und rin£ trnfm l££ren Hirn bewegte sich jetzt ™ iw o,/' ,?'e Hoffnung nämlich, daß die Kälte nach- lasse« möge, sobald d,e Sonne aufgegangen. Seit anderthalb Stunden schritt er so einher, als er z» seiner Linken, zwei Kilometer von Montsou, drei Feuer gnvahrte, die dort, wie in der Luft hängend, glühten. Zu- �si Zögerte er; doch der Wunsch, sich die Hände zu wärmen, einem halbwegs menschenwürdigen Dasein die Arbeiter wirk- lich das Dreifache ihres Durchschnitteinkommens nöthig hätten. Aber Thatsachc ist, daß Sie HauShaltungSbudgets der Arbeiter fast alle ein im Verhältniß beträchtliches Defizit aufweisen, wenn man als Durchschnitts- bedarf auch nur daS Allerunentbehrlichste ansetzt. Dieses Defizit, oas im wirklichen Leben Elend, Mangel und Verkommenheit, Verschuldung und körperliches Siech- thum bedeutet, kommt von verschiedenen Ursachen; aber ein guter Theil dieses Defizits ist durch die Vertheuerung der Lebensmittel herbeigeführt worden. Das Miß- verhältniß zwischen Einkommen und Ausgaben ist natürlich nicht so groß, wie der„Reichs- Anzeiger" eS aus den Be- hauptungen der Freihändler konstruirt, um diese Behaup- wngen lächerlich zu machen; eS ist aber groß genug, um die ernstesten Betrachtungen anzuregen. Wenn man die Thai fache zugiebt, daß der DurchschnittSverdienst eines deut- scheu Arbeiters 020 M. im Jahre beträgt, so sollte man bei dieser Thatsache daS Spötteln vergessen. ES ist wahr, daß der deutsche Arbeiter, wenn er or- deutlich, nur einigermaßen ordentlich leben will, weit mehr ausgeben muß, als er einnimmt. Da er aber nicht mehr aus- geben kann— denn dem von der Hand zum Mund lebenden Ar- beiter giebt man nicht gern und nicht viel Kredit— so muß er sich eben einschränken und muß sich den größten Theil von dem versagen, was die Bedingungen der Gesundheit und des Behagens sind. Statt Braten muß er Häringe, statt Ge- müse Kartoffeln konsumiren; er muß mit schlechtem Schnaps vorlicb nehmen, wenn er sich erfrischen will; er muß sich mit schlechten Kleidern und schlechtem Schuhwerk begnügen, statt in einer freundlichen und luftigen Wohnung muß er in engen Löchern oder in feuchten Kellern hausen, wo die Familie auf einem engen Raum zusammengepfercht ist und die Kinder kaum im Licht der Sonne spielen können. Dazu lange, anstrengende Arbeit und weder genügend Zeit zur Erholung noch gute Kost zum Ersatz für die verbrauchten Knochen und Muskeln. So, ihr Herrn vom„ReichS-An- zeiger", bringen die Arbeiter das.Kunststück" fertig, mit einem Einkommen zu leben, das die einfachsten Haushal- tungsbudgetS nicht zu decken im Stande sind. Darüber zu witzeln sollte billiger Weise Niemandem einfallen, wennschon wir begreifen, daß in Blättern, in denen der Geist ver Hurrah-Majorität vorwaltet, man sich zu einer höheren Auffassung nicht aufschwingen kann. Wer aber ein Herz hat für oie Leiden von Volk und Vaterland, der wird sich der Erkenntniß nicht ver- schließen, daß das Defizit im Haushaltungsbudget des Ar- beiterS ein nationales Unglück ist, das zu be- seitigen als die erste Aufgabe aller Leute erscheinen müßte, die darauf Anspruch machen, ihre Zeit auch nur einiger- trieb ihn mächtig. Links sank ein Hohlweg inS Terrain hin- ab; den schlug er ein. Jetzt verschwand alles vor seinen Blicken. Er hatte an der einen Seite eine Pallisade, eine Art Mauer aus großen Balken, die einen Schienenweg begrenzte; an der anderen hob sich eine Böschung, von niedrigen Dächern und Giebeln überragt: die Nebelerscheinung eines Dorfes. Er machte ungefähr 200 Schritte. Plötzlich bei einer Biegung des Weges leuchteten die Feuer wieder vor ihm auf; aber er erklärte sich noch immer nicht, wie sie da oben in der schwarzen Nacht, rauchenden Mondscheiben gleich, brennen konnten. Auf dem freien Felde jedoch, unmittelbar vor ihm, fesselte ihn ein anderes Schauspiel: es war eine Masse niedrigen, wie zu Boden gedrückten Bauwerks; ein Fabrikschornstein ragte daraus empor; wenige Lichter blickten matt durch blinde Fensterscheiben' fünf oder sechs Laternen hingen an allerhand Brettern und Pfosten, die wre ein riesiges schwarzes Gerüst das Dunkel durchschnitten, und aus diesem gespenstigen Schattenbilds von Rauch und Nacht stieg eine einzige Stimme empor: die schweren, langen Athemzüge einer Dampfmaschine, die man nirgends sah. Der Wanderer erkannte eine Kohlengrube. Eine bange Scheu überkam ihn. Warum versuchen? Man wird ihm doch keine Arbeit geben!— Endlich entschloß er sich; und statt sich dem Gebäude zu nähern, erstieg er dm Hügel auf dem in großm gußeisernen Körben die drei Kohlenfeuer branntm, welche dm Arbeitern leuchtetm und sie wärmten. Man haspelte Erde und Schutt herauf; er hörte die Karren auf die Gestelle schieben und sah bei jedem Feuer lebende Schatten diese Karren stürzm und leerm. „Guten Tag," rief er, sich einem der Feuer nähernd. Der Fuhrknecht, ein alter Mann, in violettem WammS aus gestrickter Wolle, eine Kappe von Kaninchmfell auf dem Kopfe, stand mit dem Rttckm gegen das Feuer gewmdet, während sein Pferd, ein großes, gelbes Thier, in unbeiveg- licher Ruhe, wie in Stein gehaum, wartete, bis man die sechs Karren, welche es den Hügel herauf gezogen hatte, ge- leert habm werde. Der Arbeiter, der dies besorgte, ein rothhaaiiger, schmächtiger Bursche, setzte mit schläfriger maßen zu verstehen. Die Wirkungen dieses Defizits werden die späteren Generationen erst voll und ganz zu verspüren haben und sie werden sehr hart über die Leichtfertigkeit ab- urtheilen, welche das große Uebel nicht anders als mit Spott zu behandeln wußte. Wmn man bedenkt, daß heute die Anforderungen des Staates an den Arbeiter unaufhörlich sich steigern, während andererseits die Industrie, von der Konkurrenz ge- spornt, stets bestrebt ist, die Produktionskosten und damit die Arbeitslöhne zu verringern, so begreift man, wie der Arbeiter den Kampf ums Dasein führen muß. Ihm zu Hilfe zu kommen ist deshalb die Pflicht der Gesetz- g e b u n g und eS ist viel verdienstlicher, auf diesem Gebiete einen guten Gedankm anzuregen, als einen ödm„Witz" zu produziren. Indessen ist die Weisheit des„ReichS-AnzeigerS" nur das, was man bei der Hurrahmajorität gewöhnlich findet. Mit leichtem Herzen werden die Kartellbrüder dem Volke Alles aufbürden, was sie für nöthig erachten. Das deutsche Volk hat nun die Kosten für seine Leichtgläubigkeit vom Jahre 1887 zu bezahlen und das„Kunststück", mehr auSzu- Seben als man einnimmt, oder sich auf's Aeußerste einzu- hränken, ist auch ein Theil jener Kosten. NorvclVondenzen. Uriv-Uork, 1. Oktober. Die gemeldeten Vorkommnisse innerhalb der Partei haben sich in einer Weise weiter entwickelt, daß eine Zersplitterung derselben in Aussicht steht, wenn es nicht gelingt, die Mitglieder an den betreffenden Orten über die Sachlage aufzuklären, über welche sie bisher nur durch die in großen Massen versandten Zirkulare der suSpendirten Mit- glteder der alten Exekutive informirt worden ffno. Die letzteren machten ihren Entschluß, sich den Anordnungen der AufsichtS- bebörde zu fügen, wieder rückgängig, betrachteten sich folpe- dessen nochmals als zu Recht bestehend, lieferten die an sie ein- gehenden Gelder und Briefe nicht ab, und erklärten den auf den 28. Sept. einberufeven Kongreß für den einzig rechtmäßigen. Eine Anzahl Seküonen im Lande stellten sich auf ihre Seile und beschickten diesen Kongreß, der gegenwärtig in Chikago tagt. Es find auf demselben von den SO Sektionen 8 durch direkte Delegaten ver- treten, weitere acht durch Ch'.kaqoer Mitglieder; dazu kamen am Montagnoch zwei weitere Sektionen. Am Eröffnungstage beantragte Morgan, Delegat der englischen Sektion in Chikago, der AussichtSdehorde zu telegraphiren, daß der Kongreß gesetz- "ch eröffnet sei, und sie aufzufordern, augenblicklich ihre Berichte einzusenden und einen Delegaten zu senden; dieser Antrag wurde angenommen und ebenio ein anderer, an alle nicht ver- tretenen Sektionen zu telegraphiren, sofort Delegaten zu senden, da der jetzt tagende Kongreß der einzig gesetzmäßige sei. Dann wurde die Sitzung vertagt.— Hand den Mechanismus in Bewegung, der die Karren stürzte. Der Wind aber, jetzt heftiger wie vorher, fegte in langen, regelmäßigen Stößen, gleich Sensenhieben, kalt über den Berg. ..Guten Tag," antwortete der Alte. Beide schwiegen. Der Fremde fühlte, daß ihn der Fuhr- mann mit mißtrauischen Blicken maß, darum sagte er: „Ich heiße Stephan Lantter; ich bin Maschinist.... Giebt eS hier keine Arbeit für mich?" Die Flammen beleuchteten ihn jetzt, er mochte ein- undzwanzig Jahre alt sein, er war sehr braun, ein hüb- scher Mann, und sah kräftig aus, trotz seines schlanken Wuchses. Der Alte, nun beruhigt, schüttelte den Kopf. „Arbeit für einen Maschinisten? Nein!... Es haben sich noch gestern zwei vergeblich gemeldet. Wir brauchen Niemanden." Ein Windstoß unterbrach ihre Rede, dann fragte Stephan, auf die dunklen Gebäude am Fuße des Hügels deutend: „Das ist eine Grube, nicht ivahr?" Der alte Mann konnte nicht gleich antworten, ein heftiger Husten schüttelte ihn. Er spie einen schwarzen Aus- wurf auf den vom Feuer purpur gefärbten Boden. „Ja, eine Grube,„Der Voreux". Da unten sind die Arbeiterwohnungen." Und er zeigte mit gestrecktem Arme zu dem Dorfe hinüber, dessen Dächer der junge Mann vorher gesehen hatte. Die sechs Karren waren geleert. Das gelbe Pferd zog schwerfällig an; dann schritt es zwischen den Eisenschienen dahin, während ein neuer Windstoß ihm die Mähne empor- warf; und der Fuhrmann folgte rhm, ohne die Peitsche zu rühren, mit ungelenkem Schritt. Der Voreux trat jetzt deutlicher aus dem Dunkel her- vor. Stephan, vor dem Kohlenfeuer seine blutrünstigen Hände wärmend, unterschied die einzelnen Theile der Grube: den theerbestrichenen Sortirschuppen, den Thurm, das ge- räumige Haus der Fördermaschine und den viereckigen Bau Am Sonnta? kam zunäckst der Bericht der vier sukpen- dirten Exekutivmitglieder zur Verlesung. In demselben wurde gesagt, daß die alte Exekutive alles in ihren Kräften Stehende gethan habe, um die Beschlüsse des Buffaloer Kon« gresses zur Aussühlung zu bringen, daß aber ihre Anstrengungen durch die sozialistische Lokalpresse lahmgelegt worden seien, die niemals ihre Schuldigkeit der Partei gegenüber aethan, sondern ssch stets nur durch ihre eigenen finanziellen Interessen habe leiten lassen. Besonders sei dies bezüglich der New- Dorker „VolkSzeitung" zu sagen, deren Redakteur Schewitsch die„Seele der Verschwörung" gegen die Exekutive gewesen. Derselbe sei ein„Humdugger, Demagoge und Boodler". Em langes Schrift- stück von einem Reporter des New-Borker Blattes„Star" sollte letzteres bewerfen; in demselben ist gesagt, daß Sch. die„große Parade" mit Boodlegeld arrangirt, und daß er und ein anderes Parteimitglied, Sanial, Anstalten getroffen hätten, den„Eagle", «in englisches Tageblatt, mit republikanischem Gelde heraus« zugeben. Dann wurden noch zwei weitere Schreiben verlesen, nach deren einem ein„Tawmannfall-Politiker" Namens Knocke erzählt habe, daß„Sch. ein verflucht schneidiger Kerl sei, mit sehr aristokratischen Gewohnheiten, der irgend einen Job mit- nehme(Geschästcken mache), mit dem Geld zu machen sei. Er habe versucht, Arbeitecstimmen bei jeder Wahl an die Re« publikaner zu verkaufen, und er(Knocke) könne nicht begreifen, wie solch em Humbugger Einfluß in Arbeiterkreisen haben könne."— Morgan beantragte, der Kongreß solle den Bericht »um Druck beordern und sich dann in Uebereinstimmung mit der Entscheidung der Aufsichtsbehörde bis zum 12. Oktober ver« tagen; der Bericht solle zudem an alle Sektionen gesendet werden. Hcpner von St. Louis, sowie Vahlteich und Advokat Hamilton aus Chikago unterstützten denselben, letzterer unter der Motivirung, daß eS parteiisch und ungerecht wart, die An- klagen gegen die beiden Genannten jetzt zu diSkutiren. Rosen- berg erklärte, die Partei werde auseinandergehen, wenn sich der Kongreß vertage, und er selbst würde sich für ehrlos halten, wenn er länger einer Partei angehöre, die durch die Vertagung beweise, daß sie ihre eigenen Prinzipien nicht verstehe. Hepner schlug einen Mittelweg vor, nämlich in Session zu bleiben, aber ein Komitee zu erwählen, welches den gegenwärtigen Kongreß auf demjenigen vom 12. Oktober vertrete. Andere Delegaten sprachen heftig gegen die Anträge, und einer der- selben erklärte, daß Schewitsch und alle anderen Gegner Rosenberg'S und Bushe'S ohne weitere Untersuchung aus der Partei ausgestoßen werden sollten. Diese Delegaten waren der Meinung, daß der auf den 12. Oktober angesetzte Kongreß überhaupt nicht stattfinden werde— ein Beweis, daß sie über die Sachlage gänzlich einseitig unterrichtet sind.— Der Morgan'sche und Hepner'sche Antrag wurde abgelehnt.— Am Montag erfolgte d>e Verlesung der Sektionsberichte, der In- struktionen der Propy-(von auswärtigen Sektionen aus den Mitgliedern in Chi.'ogo:c. gewählten) Delegaten und des Be- richles von Busde über den Pariser Kongreß. Von Morgan wurde folgende Resolution beantragt:„Beschlossen, daß wir die Gewerkschaftsbewegung als eine naturgemäße Kraft- anstrenguna der Arbeiter ansehen, den Eingriffen der Unter- nehmer in die Lebenshaltung der Arbeiter, d. h. ihren Aus- beutungsgelüsten Widerstand zu leisten, und während wir als Sozialilten nicht alle Methoden der Gewerkschaftler in Ausführung ihrer Pläne billigen können, find wir von aufrichtigen Gefühlen der Sympathie und Freundschaft für sie erfüllt und verpflichten uns, jede einzelne ihrer Bestrebungen zu unterstützen, welche wir mit gutem Gewissen unterstützen können, und glauben, daß es die Pflicht aller Arbeiter ist, einer Gewerkschaft oder Ar- beiterorganisation beiz.ltreten."— Diese Resolution wurde einem Komitee überwiesen. Der Rest der Sitzung wurde mit der Wahl diverser Komitees ausgefüllt, und sind weitere Nach- richten erst morgen zu erwarten.— Hepner hatte den Kongreß nach Ablehnung des Morgan'schen AniragS verlassen. Daß dieser Antrag unter den obwaltenden Verhältnissen — also angesichts des UmstandeS, daß nur eine kleine An- zahl Sektionen vertreten waren, und besonders die Haupt- sächlich in Betracht kommende New-Porker deutsche Sektion, der Entscheidung der Aufsichtsbehörde gemäß, keine Vertretung oesendet hatte— ein ganz natürlicher und gerechter war, hätte für jeden Vorurtheilslosen selbstverständlich sein müssen; aber — ob das nun im„Kiima" liegt oder sonstige Ursachen em- wirken!— wir haben hier schon öfter Beispiele gehabt, daß die beschränkteste„Einseitigkeit" bei den Leuten herrschte. Ein wenig Ueberlegung hätte den betreffenden Delegirten doch sagen müssen, daß bezüglich der Beschuldigungen gegen die oben Genannten lediglich die Sektion Rew-York kompetent sei, ein Urlheil abzugeben, resp. den Sach oerhalt zu untersuchen und klarzustellen, und daß cS schon lange Pflicht der Kläger gewesen sei, mit ihren Beschuldigungen in dieser Sektion selbst vorzugehen. Dies ist aber nie geschehen, und nur„unter der Hand" zirkulirten die diversen„Gerüchte". Die Aufsichtsbehörde hat auf nächsten Donnerstag eine gemein- same Versammlung der Sektionen Rew-Porks anberaumt, in welcher die verschiedenen, auf dem am 12. Oktober begin- nenden Kongreß zu verhandelnden Gegenstände berathen wer- den sollen. der Saugpumpe. Ihm kamen diese, wie in einer Mulde eingezwängten, untersetzten Ziegelkonstruktionen mit ihrem Schornstein, der sich gleich einem drohenden Horn abhub, wie ein unheimlich gefräßiges Thier vor, das sich da zu- sammengekauert hatte, um die Menschen zu verschlingen. Und indem er zur Grube hinüber blickte, dachte er an sich selbst und an sein Vagabundenleben seit den acht Tagen, wo er Arbeit suchte. Er dachte an die Werkstatt der Eisen- bahn zurück, wie er seinen Ches geohrfeigt, wie sie ihn dann fortgejagt hatten von Lille und von überall; am Sonn- abend war er in MarchienneS angekommen, wo man ihm gesagt, daß es in den Eisenwerken Arbeit gäbe; doch eS gab nichts, weder in den Werken, noch in Sonneville, und er hatte den Sonntag, unter dem Holz eines Zimmer- platzeS versteckt� zugebracht, bis ihn der Wächter um zwei Uhr in der Nacht vertrieben. Er besaß nichts mehr, nicht einen Sou, nicht ein Stück Brot; er wußte nicht einmal, wo unterschlüpfen, um sich gegen den kalten Nordostwind zu schützen. Was sollte er anfangen?— Za! Das, was die matten Laternen da unten so trüb beschienen, war eine Kohlengrube. Eine Thür ging auf und warf auS dem Herde der Dampfkessel ein grelles Licht in'S Freie. Stephan erklärte sich Alles, bis zu dem schweren Pusten und Aechzen des DampfrohreS an der Hubpumpe, das unaufhörlich keuchte, wie das verschleimte Athemholen eines UngethümS. Der Bursche, der über die Kohlenlöschhalde die Karren stürzte, hatte sich niedergehockt, ohne sich um den Fremden zu bekümmern, und dieser wollte eben sein Packet ergreifen, daS zu Boden geglitten war, als er wieder das Husten des Fuhrmanns vernahm. Langsam kam der alte Mann heran und hinter ihm sein gelbes Pferd, das sechs volle Karren emporzog. „Giebt eS Fabriken in Montsou?" ftagte Stephan. Der Alte spie seinen schwarzen Schleim aus, dann rief er durch den Wind: „O, an Fabriken fehlt's nicht! Vor drei oder vier Jahren hätten Sie sie sehen sollen: Alles heizte, man konnte nicht genug Arbeiter finden; niemals ist solch ein Geld verdient worden! Jetzt fangen sie an, sich zu drücken, daß Es ist bier und da von Scknonen oußeihalb der New« Porker Sektion der Vorwurf gemacht worden, daß sie selbst an den Wirren schuld sei, indem sie nicht für eine entsprechende Wahl der Exekutive gesorgt habe. Dieser Vorwarf ist aber nicht stichhaltig, indem der gute Wille nie gefehlt hat; woran derselbe aber scheiterte, war der Umstand, daß die Borge- schlagenen ablehnten oder, wenn sie annahmen, wegen ihres konsequenten Fernbleibens von den Sitzungen an ihre Stelle sehr bald wieder Andere gewählt werden mußten. Die Sache stand in den betreffenden Sektion� Ver- sammlungen in der Regel so, daß nach Dutzenden Ablehnungen schließlich einige Mitglieder quasi aus„Gnade und Barmherzig- keit" die Wahl annahmen.— Ueber das endgiltige Resultat des in Chicago tagenden Kongresses wird am Sonnabend weiterer Bericht abgehen.— In Pittsburg ist endlich das schon für Mitte Mai ge- plante lokale Ardeiterorgan, h'raus gegeben von den dortigen deutschen Arbeiterverbänden, erschienen. Woran der Aufschub lag, ist nicht bekannt. Als man s. Z. eine Persönlichkeit zum Redakteur gewählt, welche in den Arbeiterkressen durchaus un- bekannt war, wovon die betrcffende Kommission, resv. der Sekretär derselben zeitig genug unterrichtet wurde, ward, als sich gleich darauf heiausstellte, daß der Betreffende an einem obskuren Brooklyner Klatschblatte angestellt gewesen und daS- selbe ordentlich gerupft hatte, das Engagement rückgängig ge- macht. Der betr. Sekretär des Blatt-KomiteeS, dem man den Vorwurf der„Boadelei" gemacht, redete sich damit heraus, daß er den Herrn in Vorschlag gebracht und empfohlen, weil der- selbe ein Landsmann von ihm sei! Es ist jetzt der frühere Redakteur der Buffaloer„Arbeiterzeitung" gewählt. Wenn die deutschen Arbeiter PittSburg's, welche einen sehr starken Prozentsatz dcr Bevölkerung bilden und alte Organisationen haben, für daS Blatt einigermaßen eintreten, so ist zu erwarten, daß es letzterem nicht geht wie den Blättern in Buffalo und Detroit, welche jetzt nur in wöchentlicher Ausgabe erscheinen.— Mitte dieses Monats wird auch ein neues deutsches Geweck- schaftSorgan, und zwar der„Texiil-Arbeiter� erscheinen; vorläufig nur monatlich, bis die Berhciligung an der Organisation sich gehoben hat.— Im Allgemeinen will es damit noch immer nicht recht vor- wärts, obwohl in einer Reihe Orte, aus denen man früher nichts oder nur wenig Hörle, Organisationen verschiedener Ge- werke in'S Leben gerufen wurden. Sobald wieder ein etwas regerer Geist in die Aibsitermaffen kommt— und das kann in diesemLande durch oder auch ohne irgend einen äußerlichen Anlaß ganz plötzlich eintrete», ohne daß eine Seele davon eine Ahnung hat!— werden sich die Dinge viel günstiger ge- stalten. Denn eins ist sicher, daß nämlich in den inlelligen- teren Arbeiterkreisen— für welche die Löhne jährlich, ja man kann sagen monatlich, mehr und mehr„ausgeglichen" werden, so daß idie Leute nicht mebr den erzeptionellen Standpunkt gegenüber ihren Klassengenvssen einnehmen, wie noch vor einer kurzen Reihe von Jahren— langsam vernünftige Anschauungen Platz greifen. Die„Brüder" Lokomotivführer wollen zwar noch immer nicht von ihrem„StandeSvoruriheil" abtassen; aber auch bei ihnen ist Bresche geschossen, und ihr Anschluß an die übrigen Organisationen der Eisenbahnarbeiler nur eine Zeitfrage. Vielleicht wollen sie ihrem Oberbruder Arthur nicht vor den Kopf stoßen, der in seiner exklusiven lokomolivführcr- lichen Brüderlichkeit sein Wappen für bestckt halten würde. wenn er mit geringeren Brüdern Hand in Hand gehen müßte! jJolitifrtie Lteberstchk. „Durchstriche»»« Stimmzettel", d. h. solche bedruckie Stimmzettel, auf denen der ged.uckte Name durchstrichen und durch einen anderen geschriebenen Namen ersitzt ist, werden von Wahlvorständen vielfach für ungiltig erklärt, und no-b bei der am vorigen Montag vorgenommenen Ersatzwahl im Wur- zencr Reichstagswahltreis ist dies geschehen. Die Wahlvor- stände haben kein Recht so zu handeln. Der Reichstag, in welchem die Frage wiederholt Heroortrat, hat jedesmal cnt- schieden, daß solche Stimmzettel gilt ig sind; und seit Jahren wird das von allen Parteien anerkannt und ist als definitiv festgestellt anzusehen. Es ist von Wubligkeit, daß die Wähler daS wissen und keine Abweichung von dieter Regel drtlden. Wenn der„Kamvs dcr Stimmzettel", der sich der de- sonderen Gunst unserer Ordnungsparteien erfreut, heftig ge- führt wird und eine Aehnlick, keit der oppositionellen Stimmzettel mit den ordnungspaiteilrchen nicht zu erzielen ist, so kann die Benutzilirg durchstrrchener gegner, scher Stimmzettel unter Umständen das einzige anwendbare Mittel»um Schutze des Wahlgeheimnisses und damit der Wahlfreiheit sein. Auch bei den L a n d t a g S w a h l e ,» in S n ch s e n sind durch strichene Stimmzettel grltio. Die Amishaupimannschaft Chemnitz hat dieser Tage folgende Bekanntmachung er- lassen: eS ein Jammer»st; die Arbeiter werden entlassen und eine Werkstatt nach der andern schließt. Es ist vielleicht nicht die Schuld des Kaisers, aber warum muß er gerade jetzt in Amerika Krieg führen, wo wir noch bei alledem die Cholera haben, die Mensch und Vieh frißt?!" Und in kurzen, vom Sturme zerrissenen Phrasen fuhren Beide fort, sich thr Leid zu klagen. Stephan sprach von seinen fruchtlosen Versuchen, Arbeit zu finden: „Man wird verhungern müssen. Bald werden die Land- straßen von Bettlern wimmeln." „Za, ja," sagte der Fuhrmann,„das muß ein schlechtes Ende nehmen, denn es ist doch gottlos, so viel Christen- menschm auf die Straße zu werfen." „Man hat nicht alle Tage Fleisch." „Wenn man wenigstens alle Tage Brot hätte!" „Ja,»venn man we»ligstenS B»ot hätte!" Der Wind zerrte ihm die Worte vom Munde und ver- schlang sie in einem melancholischen Geheul. „Sehen Sie," rief der Alte sehr laut, sich nach Süden wendend,.dort liegt Montsou! und er deutete auf aller- Hand im Dunkel noch unerkennbare Punkte und erklärte: „Die Zuckerfabrik Fauvelle arbeitet noch; aber die Raffinerie Hoton hat ihr Personal schon zur Hälfte reduzirt; die Mühle Dutilleul und die Tauschlägerei Bleuze, welche die Grubenseile macht, sind fast die Einzigen, die noch Stand halten." Dann, einen weiten Bogen mit seinem Arme be- schreibend, bestrich er im Norden fast die Hälfte des Hori- zonts: Die Bauateliers Sonneville haben dies Jahr nicht zwei Drittel ihrer früheren Bestellungen erhalten. Von den Hochöfen der Hammerwerke von Marchiennes brennen nur zwei. In der Glashütte Gagebois steht ein Streik bevor, weil sie die Arbeitslöhne heruntersetzen wollen." „Ich weiß! Ich weiß!" wiederholte der junge Mann bei jeder Namensnennung.„Ich komme eben daher." „Bei uns hier geht'S bis jetzt, und doch hat die Grube ihre Kohlenförderung vermindert. Sehen Sie, da gegen- über in der Victoire brennen auch nur noch zwei Koaks- batterien." Er spie aus. Dann spannte er sein Pferd an die In Gemäßheit ergangener Verordnung der Ks« lichen Kreishauptmannschafi zu Zwickau werben die Hm Wahlvorsteher hiesigen Bezirks im Ansch'usse an dieih«' unter dem 25. vorigen Monats nebst anderen Schliß zugefertigte gedruckte Jnstrukiion zur Nachachtung«« darauf hingewiesen, baß die hier und da aukgeworsc« Zweifrlsfrage:„ob Stimmzettel mit zwei Namen denen einer aber mit Tinte a u s g e st ri ch e n i« für giltiz an>u>'hcn find oder nicht." bei Prüfung d« im Jahre 1887 stattg-fundenen ErgänzungSwahlen seä� einzelner Ab�eordneier der II. Kammer dahin entschied0 worden ist, daß dergleichen Stimmzettel für giltä anzusitzen sind. Chemnitz den 5. Oktober 1889. königlrche Amtshaupimannschaft. Dr. Fischer. In ob, ger Bekannt, nachung ist nur von„mit T»«� durchs! richenen" Namen die Rede. Nun kommt es aber auch vor, daß die Durchstrcichu« vermittelst eines Bleistifts bewirkt wird. Für diesen 8* hat der Reichstag die Praxis, die Grltigkeit auSzusprtch« wenn die Durchstreichung deutlich, und der»w� Name deutlich geschrieben ist. Und dieser Auffassi» wird sich die sächsische Kammer gegebenen Falls anschlich müssen. Ueber ei» infames Trucksystem auf de» Ziegelei»« um Dresden, welches bis jetzt das wachsame Auge deS G* wcrbeinspektors für diesen Bezirk nicht entdeckt zu haben schei«! berichtet daS„Söchk. Wochenbl." Danach ist dcr Unfug«s der Ausgabe von Blechmarken in der Ziegelei Miersch u»i Söhne auf Mokritzhöhe nicht ein auSnahmsweiser. Dort° keineswegs der einzige Ort, wo die Ziegelarbeitec auf di« Art und Weise aukg.beutet werden. Da ist zum Bei!?« die Endsche Ziegelei zu Neurosta(Ziegelmeister Mülle» Bei dielem Letzleren können die Arbeiter nur gegen Blc? marken Alles bekommen, was zu des Leibes Nahrung nö« ist, jedoch giebt der Restaurotcur auf dem„Goldcr0 Stiefel" gleichfalls gegen jme Marken Waaren ab. Fcr»» sind solche Marken zu findcn in der iUllrichschen Zieg� zu Lockw-tz(Zregelmeister Franz Müller), in der Ziei-'k von Palitsch und Voigt»u Prohlis(Ziegelmeister Walih� und überall halten die Ziegelmerster Kantinen. An all» diesen Orten ist derjenige Arbeiter am angesehensten und" hält die lohnendste Arbeit(es ist alles Akkord), welcher bed Meister wo möglich Alles verzehrt, was er verdient;— eS« die alte, schon hundert Mal gerügte Misere. Jeder sühlt� Bedrückung und Keiner hat den Muth, dagegen energisch c« »ulrrten. Es wäre wahrlich an der Zeit, daß sich auch? Ziegelarbeiter den Schlaf aus den Augen wischten und anfmK sich zu organifiren, lerder sind sie meist»ufiieden, wenn sie? 16, ja 18 Stunden arbeiten körncn. Hoffentlich werden sie � diesen Winter noch mehr an ihre traunge Lage eiinnert, der Brotkorb 2 Meter höher hängt. Liest man die Bcwl' unserer Fabrikivspektoren, dann ist Alles in schönster Ordnv« von einem Trucksystem keine Spur.— Inzwischen ist insse der Veröffentlichungen des„S. W." das Markensystem' setiigt. 1 500 000 Kerliuer. Laut Veröffentlichung des tistischen Amtes der Stadt Berlin" wird die Thaisache betf det, daß am 15. September die Bevölkerungszahl Berb 1500 106 betiazen habe. Mit dieser Bevölkerungszahl Berlin nach dem Reichswahigesetz einen Anspruch auf 15 trcter, statt dessen n ählt es--- sechs. Wann endlich man eine Revision des i och aus den Zeiten des norddeutsch Bundes stammenden Wahlgesetzes vornehmen und die Zahl« Abgeoidneten zum Reichstag mit der jetzigen Bevölkeiunk z-ffer in Einklang brngen? Denn in ähnlichem Fall«)« Berlin befinden sich jämmtliche Industrie- und Großsi»� Deutschlands: sie alle sind nicht im Sinne des Gesetzes«( treten. Ausschlaggebend für die Zögerung kann doch wahrt* tig nicht sein, daß bei einer Revision des Gesetzes auch eise Sitze den OpposiiionSparteien zufallen würden. Mi- ma««n» aus Lübeck berichtet, haben die K "rtirf gen Sozialdemokraten bereits die kommende Aeichstagswahl� Auge gefaßt und sich entschlossen, mit ganzer Kraft f»' wohlbekannten Kandidaten, den alten Seemann, jetzigen wirth Theodor Schwartz einzutreten. Da Herr Schwartz von allen Seiten zugestanden wird, eine sehr besonnene ruhige Persönlichkeit ist. wird seine eventuelle Wahl hofft»«, den antisozialistischen Kreisen der alten Hansestadt nickt nervösen Beunruhigungen zuzieh n, welche sonst so häufig? im Gefolge sozialdemokratischer Wahlsiege bei allerlei Änij menschen einstellen. Dem Vernehmen nach kandidirt LI Schwartz auch in den diei ersten Mecklenburg- Schwerinschz Wahlki eisen(Hager.ow- Gadebusch, Schwerin- Wismar»h Varchim- Ludwigslust). llebriacnS sollen, wie uns sichert wird, die Lübecker Sozialdemokraten ihr Anlss? merk nicht blos auf die Reichstaaswahlen iilM? sondern auch die erst in 2 Jahren staltfinderden Lüb»» Bürgerschafiswahlen jetzt schon sehr energisch auf- Korn nehn� Zu verdenken ist ihnen das wahrlich nicht. Vielleicht k� „Volksvertretung" im ganzen deutschen Vaterlande en sp�j soweni�hrcm�Jdeale�wi�dicjcnig leeren Karren und entfernte sich langsam hinter dem sch� rigen Thier. 1 Stephan überblickte noch einmal das ganze Land. � hüllte tiefes Dunkel eS ein• aber die Hand des alten sw mannS hatte ringsum den schwarzen Horizont wie mit und Leid angefüllt, welches auS der unendlichen Runde k ihm empor starrte.'? War nicht selbst der Swrm, ss über die nackten Felder daher heulte, nichts als ein* waltiger Schrei des Hungers? Jetzt raste er wie � Orkan. Es war, als schleife er den Tod der Arbeit du» die Nacht, und eine große Hungersnoth, die viele, Menschen vernichten werde. Stephan's Auge durchbohrt� Finsterniß, das unbekannte Schrcckbild zu schauen. � Alles verschwamm in unergründbarem Dunkel; nur, hilndert Kokesfeuer brannten in der Ferne, in schräg Linien hinter einander, gleich mächtigen, ro>hglühen°5 Rampen; und weiter links leuchteten die blauen Flaw'0 der Hochöfen, wie zwei riesenhohe Fackeln. Es war? trauriges Bild; wie eine Feuersbrunst lohte der droln umwölkte Horizont. Kein einziger Stern blickte, kein andr» Licht ivie diese qualmenden Nachtleuchten der Länder Kohle und deS Eisens. „Sie sind wohl aus Belgien?" fragte hinter ih>n' Fuhrmann, der wieder zurückgekehrt war. Diesmal brachte er nur drei Wagen. In dem Sch� war eine Schraube zerbrochen, deren Ausbefferung roäh» einer Viertelstunde die Arbeit einstellte. Es war still«j worden unten am Fuße der Halde; die Karren rollten � mehr auf die Gestelle mit ihrem weithin tönenden Pejlüjj man hörte nur aus dem Schachte hervor den lauthallei» Schlag eines Hammers.,, „Nein, ich bin aus dem Süden," antwortete Siep� Der Arbeiter hatte die drei Karren gestürzt und sich, des Zwischenfalls froh, auf den Fußboden, aus K1« großen, glanzlosen Augen furchtsame Blicke auf den ö'? 2* * mann werfend; denn daS viele Reden schien den iwra stummen Menschen zu ängstigen. Der Alte pflegte s«2 so redselig zu sein. DaS Gesicht deS Fremden mußte A besonders gefallen und mußte ihm jenes Bedürfniß,.jj mitzutheilen, verliehen haben, das alte Leute oft unbezw . Schattin«igenen volitischen Leben? in dieser gemüthlchen Gesellschaft! Der Senat flkbeut und die Bärgerschaft verbeugt sich— das ist Jahr aus Jahr ein das unerbauliche Schau- sviel, welches die— eizenthümlich genug im Theater-Kasino tagende— Versammlung der Erwählten des Lübecker Volkes d�m glücklicherweise sehr kleinen Kreise derer, die ihr Beachtung schenken, darbietet. Daß einer solchen Legislative gegenüber sich ein schrankenloser Despotismus der Verwaltung entwickeln muß, ist selbstverständlich. So unvermeidlich cS ist, daß die Veilchen blühen, wenn laues FrühlingSwetter eintritt, so naturgesetzlich notwendig ist es, daß die Blumen der Polizeiallmacht ihren Duft entsenden, sobald die Volksvertretung das entsprechende laue Wetter macht. Der Vorwurf trifft nicht die polizeilichen Veilchen, sondern die volksvertreterilchen Weltermacher. Wie gewohnt man in Lübeck an solche russische Zustände schon seit Langem ist, zeigt folgender Kalauer. Am Holsten prangt die alt« Inschrift 8. P. Q. L.(zu ergänzen Senatus Populus Que Lubecensts: Senat und Volk von Lübeck). Diese wurde Jahr- zehnte lang, während ein jetzt verstorbener Senator Plitt Polizeiherr war, scherzweise übersetzt:„Senator Plitt Quält Lübeck�. Und kein Mensch in Lübeck fühlte sich dadurch mora- lisch geohrfeigt, daß dieser Kalauer genügende innere Wahrheit besaß, um populär werden zu können! Und in dieser Raffe wollen die Lübecker Sozialdemokraten neues Leben wecken und sie zum Gefühl der Selbstverantwortlichkeit für das Wohl- ergehen ihrer Stadt aufrütteln?! Was gemacht werden kann, werden sie sicher machen— auch auf diesem Gebiete. N»m rnsstfche« Grenznachbar wird aus Ostpreußen ge- meldet:„Bisher hatten Fuhrwerke, welche die russische Grenze passirten, bei der russischen Zollkammer eine Kaution zu hinter- legen, welche bei der Rückkehr auf das diesseitige Gebiet zurück- gezahlt wurde. Neuerdings erhebt die russische Zollbehörde von zedem Fuhrwerk, welches über die Grenze kommt, außerdem eine ziemliche Steuer, deren Zahlung durch eine auf den Wagen gellebte Marke markirt wird." Und aus Oberschlesien schreibt man:„Die Sieker große chemische Fabrik ist seit voriger Woche durch einen UkaS der russischen Regierung geschloffen. Es sollen Reibungen mit dem Leiter des Etablissements, der ein Deutscher ist, Veranlassung zu dieser Maßregel gegeben Haben." Richtigstellung. Der Artikel unserer vorgestrigen Nummer, der von den französischen Wahlen handelte, war von uns einem amerikanischen Arbeiterblatte entnommen. Wir werden jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß das amerikanische Arbeiterblatt diesen Artikel ohne Quellenangabe dem Heft lV der Berliner Arbeiterbibliothek entnommen hat. Großbritannien. Ein„Edelster der Nation", der Earl of Galloway. Schwager des Premierministers Lord Salisbury, wird sich om 14. Okt. wegen unzüchtiger Handlungen, die er an jungen Mädchen im Freien beging, vor einem schottischen Gerichte»u verantworten haben. Der Graf war 1876 Lord Hochkommissär der schotti- schen Nationalkirche. Im Jahre 1887 erhielt er den Bathorden kür seine der konservativen Partei geleisteten Dienste. Er ist Präüdent mehrerer konservativen Vereine in Schottland. L o n d o n,«. Oktober. In Charrington Hall im Ostende Londons wurde Dienstag Abend ein« Versammlung abgehalten, welche die Besserung der Lage der Arbeiterinnen durch Organi- sation zum Ziele hatte. Auf der Tribüne saß der anglikanische Bi'chof für Ost-London neben dem Redakteur der„Contem- porary Review" und den Sozialisten Burns und Champion. Kardinal Manning und Frau Besant entschuldigten sich brief- lich. Mit der Gründung eines GewerkvcreinZ der in den Pickle- und Gelee-Fabriken beschäftigten Arbeiterinnen soll der Anfang gemacht werden. Fraukreich. B oule, dessen„Hinrichtung" wir neulich meldeten, ist von dem Syndikat der Erdarbeiter, deren St-eik er voriges Jahr leitete, als infam ausgestoßen worden. Damit ist er auch feines Platzes in dem Pariser Syndikatsrath veilustig. Kelgte«. Während die Arbeiter in Gent mit ihrer Kooverativgesell schaft„Vooruit" einen vollen, unbestrittenen Erfolg errungen �jjil haben, sind minder glänzende Erfolge in Brüssel selbst sowie im Kohlenbecken mit ähnlichen Einrichtungen erreicht worden; gleichwohl haben sämmtliche den betheiligten Arbeitcrkreisen großen Vortheil geboten. Soeben veröffentlicht, wie die„Franks. Zeitung" mittheilt, die Kooperativgesellschaft„ProgrSs" für das Zentrum ihren bis zum Juni d. I. reichenden Halbjahrsbericht. Die Zahlen, die dieser Bericht aufweist, sind noch nicht hohe, beweisen aber klar, welchen Segen die Einrichtung den Ar- beite:n aeboten hat. Die Gesellschaft besitzt ein Material, bissen Werth sich auf mehr als 70 OOO Franks be- läukt. Der Ersatzfonds beträgt 61239 Franks, das Gewinn- ■und Verlustkonto schließt ab mit einem Reingewinne von 6878 Jrks. 72 Cts. Nicht hieraus eingetragen wurde die Summe von 2500 FrkS., welche für Propaganda ausgegeben worden ist. Die Lebensmittel wurden zum billigsten Preise abgegeben. Einen Sack Farinzuckcr erhielten die Mitglieder m 5 "C b blrf siele, w nur' schräg glühen� Flam-j warZ ■r droh� in anb� ander ir ihnk � n Sch� lich packt und sie veranlaßt, zu sprechen, selbst wenn sie allein sind. »Ich," sagte der Alte,„ich bin auS Montsou und heiße Bonnemort." „Das ist wahrscheinlich ein Beiname?" Der Alte schmunzelte: „Za, ja," entgegnete er, auf die Grube deutend,„sie haben mich dreimal da heraus für todt hervorgezogen: Ein- mal hatte ich die ganze Haut versengt, ein anderesmal war mir die Erde bis in den Magen gekrochen, und daS dritte mal hatte ich so viel Wasser verschlucken müssen, daß ich aufgeblasen war wie ein Frosch. Da. als sie sahen, daß rch absolut nicht krepiren wollte, haben sie mich zum Scherz Bonnemort genannt." Er lachte so herzlich daß seine Zähne wie ein schlecht geölter Flaschenzua knirschten, bis seine Heiterkeit in einem heftigen Hustenanfalle ihren Abschluß fand. Der Feuer- korb beleuchtete jetzt voll seinen starken Kopf mit dem spar- lichen weißen Haar, der stachen Stirn und dem fahlen Ge sicht voll bläulicher Flecken. Er war klein, hatte einen Nacken wie ein Stier, starke, nach auswärts gebogene Waden und Fersen, lange Arme und große, viereckige Hände, die ihm bis auf die Knie hinabreichten. Gerade so wie sein Pferd, das unbeweglich dastand, als fühle es den Sturm nicht, schien auch er wie von Stein, ohne Empfindung für die Kälte und für die eisigen Stoßwinde, die um sein Haupt pfiffen. Er hustete lang und schwer, als reiße und ■,7W M'TTM. Er hustete lang und schwer, als reiße und ringe 'still mühsam in ihm los; was er auswarf, war schwarz >r still» wie Blei. Ilten Pölich thalle»� SWÄ und tz S| -gle mßte'2 fniß'A inbezw'" Stephan Auswurf. betrachtete ihn und den unheimlichen arbeiten?"� her," fragte er,„daß Sie in der Mine Bonnemort breitete weit die beiden Arme auseinander: �ange her- Ich glaub'S! Ich war noch nicht acht "�re /v,,' r. m den Voreux hinabfuhr: heute bin ich achtundfunfzig; rechnen Sie nach!— Ich habe Alles dort m 4en festgemacht; Ich war Hundejunge, Karrenläufer Wagenstoßer- dann achtzehn lJahre lang Häuer; dann haben sie mich wegen meiner verdammten Beine zum Erd 5—6 Frks. billiger als anbeiSwo. Die Gesellschaft hat ferner in seckiS Monaten nicht weniger als 3327,60 FrkS. an Kranke und Verwundete verausgabt. Für Mehl wurde die Summe von 211837,87 Frks. bezahlt, was den bedeutenden Umsatz der Gesellschaft beweist. Für Löhne wurden— bei streng durch- geführter achtstündiger Arbeitszeit— mehr als 20 000 FrkS. ausgegeben. Die genannten Ziffern sprechen für sich selbst. Die Geselllchaff spricht in ihrem Berichte die Hoffnung aus, daß die Theilnahme sich noch bedeutend steigem und das chlußlich jede Gemeinde ihre Genossenschaft haben werde. »aozuale Xtclicti'trftf. Achtung! Der Streik bei der Firma Sachs u. Schwarz, Wallstraße 11, ist»u Gunsten unserer Kollegen beendet, ämmtliche haben am Freitag die Arbeit wieder aufgenommen. Die Fachkommission der Posamentirer und Berufsgenossen. ZlVvlammlmuzcn. Verlammluug gewerblicher Hilfsarbeiter. Am 7. d. M. fand eine Versammlung des Vereins gewerblicher Hilfsarbeiter im Vereinshause„Süd- Oft", Waldemarstr. 75, statt mit der Tagesordnung: 1. Monatsbericht und Abrechnung vom Vergnügen. 2. Vortrag des Herrn Krüger über die Fcau. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung gegen 9 s Uhr und theilte derselben mit, daß der Kollege Rothenburg am Sonntag zur letzten Ruhe bestattet worden sei. Die Versammlung«hob sich zur Ehre des An- denkens für den Verstorbenen von den Plätzen. Die Abrech- nung über das letzte Vergnügen hat noch nicht stattfinden können, da einige Mitglieder die Brlletabrechnung noch nicht bezahlt haben. Der Monatsbericht des Verein skasfirerS wurde verlesen und dechargirt. ES erhielt nunmehr Herr Krüger das Wort zu seinem Vortrage, in welchem die Ziele dargelegt wur- den, welche bezüglich der Stellung der Frau von der Arbeiter- bewegung angestrebt werden. Redner erntete reichen Beifall. An der Diskussion betheiligten sich die Herren W. Schmid und Gottfried Schulz im Sinne des Referenten. Zu„Verschiedenes" sprach Kollege Günther über den Fall Rothenburg; er theilte der Versammlung mit, daß Kollege Rothenburg auf dem Kohlenplatz des Herrn Daniel am Gör- litzer Bahnhof beim Rangiren /zwischen zwei Wagen gerathen sn und erdrückt wurde. Die Arbeiter auf dem Platze haben an dem betreffenden Tage von früh 6 Uhr bis Abends 9fc Uhr 8«arbeitet. Die Beleuchtung des Platzes war zeitweilig mangel- aft. Der Redner meinte, daß es Pflicht des Vereins sei, für die Hinterbliebenen Rothenburgs einzutreten; ein dahingehender Antrag wurde angenommen. Kollege Bollmann th-ilt der Versammlung mit, daß er au» der Fabrik Berliner Messing- werke entlassen sei, weil er für den Verein gewerblicher HilfS- arbciter agitirt habe. Er werde sich aber nicht abhalten lassm, seine Schuldigkeit für den Verein weiter zu thun. Er forderte die Kollegen der Berliner Messingwerk« auf, sich nicht irre machen zu lassen, sondern Mann für Mann dem Verein bei- zutreten. Kollege Krüger brachte folgenden Vorfall zur Sprache: Bei der Gründung des Vereins fei ein Flugblatt verbreitet worden, Kollege Rosenow habe als Verleger gezeichnet, aber dies nicht polizeilich angemeldet und fei nun zu 30 M. Strafe und in die Kosten verurtheilt, die' sich ungefähr auf 12 M. belaufen; da nun Kollege Rosenow nicht so reich bemittelt sei, dasselbe bezahlen zu können, so empfiehlt er, sich der Familie desselben anzunehmen. Ferner theilte der Vorfitzende mit, daß die nächste Versammlung eine Generalversammlung sei, in welcher der gesammte Vorstand neu gewählt wird. Er forderte die Mitglieder auf, in derselben zahlreich zu erscheinen. Um 12s Uhr schloß die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die gesammte zielbewußte Arbeiterschaft. •» • «ro>j» öffentliche z>»rfa«nml»ng der Royrleger und Keruf«- genolfen am Monlaa, den 14. Oktober. Sbendi 8 llhr. In Feuersteins Eaton, »Ite Jakobstraze 75 TaoeSordnuna: 1. Wie verbalten wir un» scrner in Be- treff unserer Lohndeweguna und deftnitio Beschlubsassung darüber 2. Diskussion. 3. Lerschiedenci. Das Erscheinen eines Jeden iil Ehrensache Di, Uereintgung der Drechsler Deutschland», OrtSocrwaltung 4, hält am Monlaa, den 14. Oktober, Abend» Uhr. bei Sin ad l, Brnnnenslr 38, ihre erüe Veisammlun» ab. Tagesordnung. 1. Wahl de» dcftnitwen Vor. standei. 2. Vereintangelegenheiten. 3. Umschreibung der Mitglieder und Aus- nähme neuer Mitglieder. 4 Verschiedene». Derein der Varquettbodenleger Herlin» und ilmgegend. Mitaliederversammluna am Montag, den 14. Oktober, Sbendi 8 Uhr, in Feuer. stein d Lokal. Alte Zakodslr. 75. Tagesordnung-. 1. Innere Vereinkangelegcn. heilen. 2 Verschiedene». 3. Fragekiften. Um recht lahlreichen Besuch wird ge. beten Vttfte willkomnren Ausnahme neuer Mitglieder. grtit Vereinigung aller in der chirurgischen Branche de- schiistigten Kernfsgenolsrn. Montag, den 14. d. M, Abend« KX Uhr. Generalversammlung bei Zemlcr, Münytr. 11. Tagesordnung- 1. Kassendeiicht. 2. Diskussion über den fluimdigen Arbeitstag in unserer Branche. 3. Beschluß. sassung über unser Etislungisest. 4. Verschiedenes und Fragekasten Um zahl. reichen Besuch wird gebeten. graben gegeben- haben mich zum Schluttfüllen gebraucht, dann zum Ausbessern, bis sie mich endlich herausnehmen mußten, weil der Doktor sagte, daß ich draufgehcn würde. DaS war vor fünf Zahren. Jetzt bin ich Fuhrmann.—— He? Das will was sagen, fünfzig'Jahre Bergwerkarbeit, davon fünfundvierzig in der Grube?!" Während er sprach, sprangen ein paar glühende Stückchen Kohle aus dem Feuer und beleuchteten sein fahles Gesicht mit einem blutigen Schein. (Fortsetzung folgt.) Mus Munfk und Leben. Gin neuer Rettungsgürtel. Das Bestreben, ein Mittel zu finden, um die in den Scegefahren ausgesetzten Menschenleben zu schützen und zu sichern, ist so alt, wie die Schifffahrt selbst. Unnennbar ist die Zahl der Opfer, die das unergründliche Meer im Laufe der Zeiten verschlingt und das menschliche Wissen steht dem einmal entfesselten Elemente macht- los entgegen, denn alle bisher erfonnenen Schutzmittel hatten in Zeiten der Roth nur geringe Erfolge aufzuweiten. In Fach- kreisen erregt gegenwärtig ein neuersundener Rettungsgürtel Aufsehen, ber, wie das Börsen-Patent-Bureau in Berlin mit- iheiit, allem Anscheine nach die endgiltize Lösung dieser brennen- den Frage herbeiführen wird. Der neue Rettungsapparat für Schiffsmannschaft besteht aus einem luft- und wasser- dichten hohlen Gürtel, der mittelst eines Gurtes um den Oderkörper geschnallt wird und in leerem Zustande leicht und bequem zu tragen ist. Mit dem Gürtel steht eine kleine eiserne Flasche in Verbindung, enthaltend komprimrrte Kohlensäure oder Kohlenwofferfteffga«, erstere versetzt mit 10 bis 20 pCt. abfo- lutem Alkohol, um das Erstarren des Gases beim Austritt aus der Flasche zu verhüten. Um den Hohlraum des Gürtels. welcher 100 Liter umfaßt, mit dem Gase»u füllen, genügen 200 Gr. flüssiger Kohlensäure und 20 Gr. Alkoholabsolut. Soll der Apparat in Funktion treten, wird eine an der Flasche be findliche Klappe geöffnet, worauf sich der Gürtel sofort mit den leichten Gasen füllt.— Eine seitlich angebrachte federnde Klappe verhindert selbstthätig ein Ueberfüllen und Platzen de» Gürtels. Nachdem den physischen Gesetzen gemäß Drrrl» d»r Mod»U-Elf Oertliche V-rwaltnnq Berlin A. Durch Beschluß der Mitgliederversammlung sind folgende Zabl- stellen verlegt worden von Wrangelstrabe 88 bei Anru» nach Cuvrnltr 18 bei Ziemer-, von Relchenbergerstr. 71 bei ZvlinSka nach Fortterltr. 41 bei Linke r von LaulltzeZtr. 9 bei Wißerich nach GörligerNr. 53 bei TalkSdorf. Uurn» und gtCtUige Y-rein« am Eoimtag-. üfibelf scher Turnverein (2. LebrlingSahtheilungl Abend« 8 Uhr Elisabetbstrabe 57- 58.— Turnverein „Wedding"(2. SebrlingSabtbeilungl Nachmittags 4 Uhr Pankilr. 9. Turnverein „Froh und Frei" lLcbrlinaöabtdeilungl Nachmittags 4 Ubr Bergll. 57.— Ter» gnügungSverein„Fröhlichkeit" lgegr. 1880) Nachmittag« 5 Uhr Grüner Weg 2», Versammlung. «»sang-. Turn- und gaf-UIg- Derain» et«, am Montag: Gesangverein„Söngerlust" Abend« 9 Ubr im Restaurant. Landtbergerslraße 80.— Mönncrgesangverein„Weiße Rolc" Abend« 9 Uhr im Restaurant Kleine GerichtSitraße 10.— Männergesangverein.Eintracht r Abend« 9 Uhr Köp. nickerstraße 88. im Restaurant.— Gesangverein„Echo 1872" Abend» 9 Ubr Oranienstraße 190—„Deutsche Licdertascl" Abend» 9 Uhr, Oranienstraßc 190.— Gesangverein„Mprtbenblätter" UebungSitunde Alte Schönbauserstraße 42 bei Malzahn.- Turnverein„Halenbaide"(Seh» lingSabtheilung) Abend« 8 Uhr Dieffenbackistraße 60—61.—„Berliner Tuin.» genollenschast(7. LchrlingSabtheilung) Abend« 8 Ubr in der städtischen Turnhalle. Brißerftr. 17—18;— deSgl. 6. Mönnerabtheilung Abend« 8 Uhr in der städtischen Turnhalle. Gubenerstraße 51.— Lübelk scher Turnverein iMänner» abtheilnngl Abend« 8 Ubr Elisabethstrabe 57-58.- Verein ebemaliger Schüler der VII Gcmeindeschule Abend« 9 Uhr Im Restaurant Poppe. Lindcnslraße 108. —„FriedrichS-Verein" lebemalige Zöglinge deS großen FriedrichS-Waisenhaufe» der Stadt Berlin) Abend« SX Uhr bei Bormann. Ohmgasle 2.— Unterhaltung«. klnb Schiller Abend« 8 Ubr im Restaurant Giesel. Triststraße 41.— Berein Berliner Theaterfreunde Abend« 8sj Ubr bei Lülow, Admiralstraße 38.— VergnüglingSverein„Zick-Zack" Abend« 9 Uhr in Möwe« Gesellichastihau» Fichteltraße 29.— Verein„Lustig" Abend« 9 Uhr bei Tbamm, Schönhaus-r Allee 28.— Verein„Ratibor" Abend« 8)( Uhr im Königstadt'Kasino, Holz- Marktstraße 72.— ArcndSZcher Etenograpbenverei»„Apollobund" Abend» 8h Uhr Thurmstraße 31 tMoabit.).— Wifsenschastlicher Verein für Roller'sche» Stenographie Abend« 8H Ubr im Münchencr Brönbau«. Neue Friedrichsstraße Nr. 1, Unterricht«, und UebungSslunde.— Rauchklub„Nordstern" in Susatt» Lokal Frankslirter Allee 174, Friedrichsberg.— Ranchkluh„Hellblau" Ahend» HS Uhr Ekalißeritraße 143.— Verein ehemaliger Schüler der 42 G-meind- schule Abend« 9 Ubr bei Kloth, Dreidenerltraße 10— Zitberklub..Woldrose", Abend« 9 Uhr, Uebungistundc bei Schneider. Adiilbertslr. 8. Dirigent Wegenec Ausnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Mkevarisches. Die lanqen Reklamen, welche Herr Dr. Adolf Kohnt in Dresden für fein„ Bi s m a r ck b ü ch l ei n" in die ge- lammte, auch anlikartellistifche Presse zu schmuggeln weiß— selbst die sonst so vorsichtige„Köln. Volks- Ztg." fällt darauf berein!— zeugen wieder einmal recht deutlich von dem kurz-n Gedächtniß unser Zeit. Denn wer ist und was will Herr Kohut? Er war seiner Zeit reptilistischer Redakteur eines rheinischen nationalliberalen Blattes, irren wir nicht, in Düffel- darf und ging dann zu der linksfreisinnig-radikalen„Berliner Zeitung" über. Dann wurde er in feiner Eigenschaft als eingewanderter österreichisch- ungarischer Jude und zur Zeit oppositioneller ZeitunzSredakteur aus Berlin ouSgewiefm und begab sich nach Dresden, wo er sich noch ou'hilt. Er hat feit- her wiederholte Versuche unternommen, die Ausweisung rück- gängig zu machen und seine patriotische Loyalität zu beweisen. Erst hat er„Goldene Worte des deutschen Kaisers Wilhelm I." und dann „Goldene Worte d«S deutschen Kaiser« Friedrich III." etschcincn lassen. Da dies indeß nicht die erhoffte Wirkung gehabt hat und die jedenfalls von ihm inzwischen unternommene Samm- lung„Goldene Worte de§ deutschen Kaisers Wilhelm N." wegen der Kürze der seit dem RegieiungSantritt desselben bisher e>st verstrichenen Zeit noch nicht die für eine halbwegs einträgliche Broschüre erforderliche Bogenzahl füllen mag, so versucht er e« jetzt, den Reichskanzler anzuwedeln. Wir fürchten freilich, daß dieser von solch aufdringlichen Erbärmlichkeiten viel zu ver- ächtlich denkt, als daß Herrn Kohut sein zudem sehr durch- sichtiges Manöoer etwas nutzen sollte.— Aber wer darf sich angesichts solcher Erscheinungen noch darüber wundern, wenn man in„maßgebenden" Kreisen der Presse und ihren Vertretern mit immer weniger veih hller Verachtung begegnet? Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Schloßbrauerei Schöneberz,„Kroncnbräu" betreffend, bei, worauf wir hurmit aufmerksam machen. 100 Liter Gas dasselbe Volumen an Wasser verdrängen, also ein Gewicht von 100 Liter■= 100 Kilogramm über Wasser zu halten vermögen, kann ausgesprochen werden, daß ein mit diesem Rettungsgürtel versehener Mensch stet« erfolg- reich den Wellen ankämpfen wird. Auf hoher See ist nölhig, außer diesem Gürtel noch eine hermelisch verschlossene wasser- dichte Tasche mit Mundvorrath für einige Dage mitzusllhren, um eventuell vor H ngertod geschützt zu sein. Mit Hinbl ck auf die schweren Seeuniälle, deren wir in jüngster Zeit so viele zu verzeichnen haben, dürfte diese Eifindung das Interesse der weitesten Kreise erregen. Für de« bayrischen Kirrkonsum wird in der Be» gründung der Novelle zum Malzausscklag folgende amtliche Mittdeilung gemacht. Der durchschnittliche Bierverbrauch aus den Kopf der Bevölkerung im ganzen Königreich berechnet sich unter Zugrundlegung der Volkszählung des I ihres 1885 für das Jahr 1887 auf 218 Liter und für das Jahr 1833 auf 216 Lcker, während fich der Durchschnittsverbrauck im Jahre 1886 auf 213 Liter und im Jahre 1885 auf 209 Liter gest llt hat. Für das rechtsrheinische Bayern allein betrug der durch- fchnittliche Bierverbrauch des Jahres 1886 233 Liter, des Jahre« 1887 242 Liter und deS Jahres 1888 234 Liter auf den Kopf der Bevölkerung. Hiernach ist auch der DurchschniltSoerbrauch gegen früher gestiegen. Die Bierausfuhr ist noch fortwährend im Steigen begriffen. Dieselbe hat im Jahre 1385 1 381 382 Hektoliter, im Jahre 1886 1 574 777 Hektoliter, im Jahre 1887 1 679 526 Hektoliter und im Jahre 1888 1 860 603 Hektoliter betragen, ist also in diesen vier Jahren um 479 221 H.klolitrr gleich 34,7 Prozent in j)ie Höhe gegangen. Es ist in Aussicht genommen, mehrere Rückvergütung- satze je nach den aus einer Braunbierbrauerei innerhalb eines Jahres(Kalenderjahres) zur Ausfubr gebrachten Biermengen festzusetzen. Kklavenetend. Fast sämmtliche holländische Blätter sprechen ihre Entrüstung über die Scheußlichkeiten aus, welche den neuesten indischen Berichten zufolg« von den arabische» Sllavenhaltern und Sklavenhändlern in Lombok, einer der kleinen Sundainleln, gegen ihre Sklaven unter den Augen der Niederländischen Regierung, unter deren Oderhoheit der Sultan der genannten Insel steht, begangen werden. Von einem Araber, dem Sekretär des jcßigcn Sultans, ist nachgewiesen, daß er im Laufe der letzten Monate etwa 75 Sklaven und Sklavinnen langsam zu Tode hat martern lassen. Gesetzlich ist die Sklave--i im ganzen Niederländischen Kolonralgebiet bereits im Jahre 1860 abgeschafft worden. ThsaLer. Sonntag, b«n 13. Oktober. Gprrntza««. Der fliegende Holländer. Montag: Der Troubadour. Kch«»st»ielha«». Ihr Taufschein. Hierauf: Der Dtann der Freundin. Zum Schluß: I'ozt seÄNiiv. Montag: Natalie. V«stsch»» Uheairv. Der Kompagnon. Montaa: Faust's Tod. Lesfittg-Thrirtri'. Das letzte Wort. Montag: Der Fall Clemcnceau. - WMjel«st«dNsch»» M>kado. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zt»std»«k-Uhea!rr. Eheferien. Vorher: Funken unter der Asche. Montag: Dieselbe Vorstellung. M«Jh»e»-UIieiiter. Der Dompfaff. Montag: Dieselbe Vorstellung. Miktorta Uvosto». Stanley m Afrika. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sthmd-Bchrate». Lorbeerbaum und Bettelstab. Montag: Dieselbe Vorstellung. K Der Zauberlehrling. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kiwigstävttsch-»«tzeato»..'Ne feine Familie.� Montag: Dieselbe Vorstellung. 3«xtvol-SH*«***» Das lachende Berlin. Montag: Dieselbe Vorstellung. JL*«)?* Sr»S.Kis««t»». Flotte Weiber. Montag: Dieselbe Vorstellung. «od». Kichtr?'» Mari«»«. Spezialitäten. Vorstellung. HUächshftitnt- Utztat»». Gr. Spezialitäten Borstellung. Kerliner Theater. Sonntag, den 13. Oktober: SoerateS und feine Krau.— Ritte«- Blaubart.— Der zündende Funke.— Jugeudltebe. Montag, den 14. Okiober: Der Schwabenstretch. Dienstag, den 15. Oktober: Zum ersten Male: Markgraf Waldemar._ Circus Renz. Karlstraste. Hente, Sonntag, den, 13. Oktober 188». 2 große Norstellungen um 4 Uhr Nachmittags. Graste Komiker-Bo- stceung(1 Kind frei unter lv Jahren) unter Mitwirkung von sämmtlichcn Clowns, mit einem eigens arrangirten Programm. Abends 7V Uhr: Extra■ Vorstelluiifir. In beiden Vorstellungm Auftreten d. Sergeant StmmS mit seiner jugendl. Zuaven-Truppe in ihren neuen staunen erregenden Schlachten- und Lagrrbilderu. M. Mcstgetz mit seinem dresstrten Esel.— Auftreten der vorzugl. Reitkunstlerinnen und Reitkänstler. Auftreten der Schulreiterinnen Frl. Clottlde Hager und Frl.«uerra. Morgen:«roste Vorstellung. _ E. Renz, Direktor. Circus Busch. Krte»rich-»arl-vfer. Heute, Sonntag, den 13. Oktober: Zwei Narstetlungen und 7t Uhr. Nachmittag« hat jeder Erwachsene 1 Kind frei. Beide Vorstellungen mit gleich vorzüglichem und reickibaltigem Programm. Auftreten der Künstler Maria Dore, Tlialie-Ttseater. 18 WaUnertheaterstratze 13. Heute und folgende Tage: Große Theatrr- und Spezialitäten Norstelluttg. Austreten des Berliner Universal- Humoristen Herrn F r ö b e l, der Liedecsänaerin Frl. F i o r i und der Kautschukdame F- l. M a r i n e l l a zc. Latrsa 30 rl. Man gerithe, Frl. Henriette, Frl. Wagner, Frl. Rosa, Frl. Eugenie, Mr. FoolitS, Mr. Allen, H. De vigne. Die 4 afrikanischen Zwergstiere. Ele phant und Ponny, zusammen in Freiheit vor gelührt. Kameel und Zebra in Freiheit. Hyp polog. Tableau. Mist Victorina als Kanonen- königin. Ein Traum in den norwegischen Ge- birgen. Gr. Ausstattungs-Original-Pantomime. Alles Nähere die Plakate. Unstrm friedl. Kollegen, dem dickwampigen Boden-M e y e r z. s. morgigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganze Wühl Haide wackelt.[238]<5 Lch. F. L. American-Theater. IS85 Dresden erstr. 3S Täglich Vorstellung._ ' a ,, m V. Tycl.: Dt« varise? Welt-AnSstelluug. »I. Reise durch Algerien. ■BBBM Kcrtha-Reise. BmBBI Mine(Kette Jü Pf., Kurd nur 10 Pf.«dann. S Reffen I M. Krankea-Unterstätzungs band der Schneider. Montag, den 21. Ottober, in den Bürgersälen, Dresdencrstr. 96, Cresser Bali. Um 1 Uhr Kaffcepause, während derselben humoristffche Vorträge. Ansang 7 Uhr. Entree 50 Pk. BilletS fird zu haben in den Zahlstellen: Kcauienst-. 11, Anneaftr. 9 im Restaurant, Grenadicrbr. 33 bei Seefeld und bei den Kowitccmitglied,... Um recht zahlreichen Besuch bittet 251 Das Komitee.. Jede Uhr repariren und reinigen tostet bei unter Garantie des Gutgehens nur Wk. S0 Mg. Kleine Reparaturen billiger. Lager aller Arten neuer Uhren, verkauf zu Kabrikbreifeu. 1190)_ E. Rothert, Uhrmacher. E\»umirunt 1 1. Geschäft: Andreasstr. ttÄ. � �«ha» häft:«hansseestr. 78. CresAD Cöiner Lotterie. Ziehung am 14. Noyember 1889. Hauptgewinn Werth 10 000 Mark. 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Es war jedenfalls der größte Leichenzug, den Lunzcnau jemals gesehen. Tausende drängten sich auf den Fried- ha», wo Liebknecht in kurzer Ansprache die Verdienste des edlen Todten um dieSache desVolks und um dieKunst gedachte, und dem Schmerz um den in der Blüthe der Jahre und in der Voll« krait des Schaffens dahingerafften Dichter des Volkes Aus- druck gab. Vogler war kein Parteimann im engeren Sinne des Worts, aber er war Sozialdemokrat mit jeder Faser seine« Seins und verfocht die Ideen der Sozialdemokraten und des ft-beilenden Volkes, wo immer sich rbm die Gelegenheit bot. Wenige Wochen vor seinem Tod, am 11. August d. I., ver- öffenllichte er im Sonntagsblatt der„Burgstädter Zeitung" nach- liebendes Gedicht, aus welchem es wie eine Todesahnung her- aus klingt: Was liegt daran? Ob Jemand meinen Ramen nennt Und ob voll Glanz er noch wird prangen, Wenn Leib und Seele sich getrennt Und Mutter Erde mich umfangen, Was liegt daran? Wie schön und voll sie auch erblüht, Vernahmst Du jemals von der Rose Daß noch um sie ein Herz geglüht, Wenn sie verwelkt im Gradesschooße? Und sage, wenn die Nachtigall Im Tode aufgehört zu schlagen: Hat Jemand ih:cs Namens Schall Lobpreisend durch die Welt getragen? O nein! die Rose blühte nur, Und diese sang der Welt zur Freude, Dann starben sie, und ihre Spur Sie siel der slücht'gen Zeit zur Beute' Sieh! also sollst, mein Herz, auch Du In Deinem Leben selbstlos ringen Und schaffen sonder Rast und Ruh, Die Welt dem Heile nah' zu bringen! Und kommt der Tod, so sei Dein Drang, Daß And're würdig Deiner Stelle,— Ob dann auch meine» Namen« Klang Verfließet wie der Schaum der Welle: Was liegt daran? Seines„Namens Klang" wird nicht»zerfließen wie der Schaum der Welle". Die Liebe des Volks, welche sich bei dem Begiäbniß in so rübrendcr und zugleich so erbabender Weise bekundet, hat dem»Sänger de» Muldenthals" ein Denkmal gesetzt dauernder als Erz.— Lolrales. :lin NW, 11. Oktober 1889. lk Z«» Kokatfrag». Die Lokalkommission ersucht uns FdVnveS mitzutlieilen: Die Aktienbrauerei- Gesellschaft, Moabit hat� ebentall« kapitulirt. Es liegen in dieser Beziehung folgende Schriftstücke vor: Die Direktion der Gesellschaft richtet an ihren Restauratur fönendes Schreiben Herrn Restaurateur Wäbekindt Hier. Ihrem Wunsche gemäß bestätigen wir Ihnen, daß Sie berechtigt sind, Ihren Saal auch der sozialdemo- tratffchen Partei zu Versammlungen zur Verfugung zu stellen. Hochachtungsvoll Aktienbrauerel'Gesellfchaft Moabit. Die Direktion. _____ Namen unleserlich. imi'4' vr. 6. J [iw labad's Prelj-1 m R-V' brücke tsonnlngi-plsutdeuci. R. 0. Allmälig verlaufen die Wellen des Streites, der unter den Brüdern mit den verrosteten Ritterrüstungen ausgebrochen ist. Au» den ersten wilden Kriegsrufen tönt mit lockenden Klängen schon wieder die Friedensschalmei heraus, und nur die alleräußerste Rechte, die„um Hammer- stein", haben sich auf de« Zsolirschemcl zurückgezogen und schmollen noch. Doch auch die Zeit wird kommen, wo man von dem heutigen männermordenden Streit als von einer historischen Thatsache sprechen wird, und statt des zornigen Funkeln«, welches heute aus den ntterbürtigen Augen blitzt, wird das bekannte Augurenlächeln die feudalen und nicht feudale« Gesichter verklären. Zu einem glücklichen Zusam- menleben gehört bisweilen eiu kleiner häuslicher Streit: man kennt das: da» Vertragen ist so schön, namentlich wenn beide Theile das begangene Unrecht einsehen und den festen Borsatz haben, sich für die Zukunft zu bessern und den Gegner nur dann über das Ohr zu hauen, wenn der Erfolg em ganz sicherer ist. Derartige Verhältnisse sind außerordentlich sinnig, sie erfüllen daS Herz eines jeden Menschenfreundes mit hoher sittlicher Befriedigung, und dem Beobachter gewährt es eine stille Freude, wenn er sieht, daß die Dinge, die sich gewöhnlich nur in dem täglichen Verkehr des Menschen abspielen, sich auch bei dm größerm «>.«« t* politischen„Aktionen" wiederHolm. Das Kartell triumphirte, die Nationalliberalm blähtm sich auf, daß man fürchtete, sie würdm platzm, und was ™ schlimmste war, die Freisiunigm bekamen Anfälle von Ldelmuth. Das mußte als das sicherste Zeichen dafür auf- gefaßt werden, daß der Sieg dmn doch nicht als nn mdglltiger zu betrachtm war, und als die KreuzzeitungSrrtter sich aus ihrer Verbmgung erhobm, warm fre denn auch keineswegs verlegmcr als vorher. Eine so hochwichtige Angelegmheir, wie der KrmzzeitungSstreit konnte nun allerdings mcht vorübergehm, ohne daß gewisse Per- sonen auch rn ihrer Art Nutzm davon zu ziehm versucht hättm. Herr Stocker hat von sich redm gemacht. DaS ist em rndirekter Nutzen, dm dieser hochehrwürdige Herr doch mcht ganz ohne Weiteres vorübergehm lassen wollt« und instige jeder PaiÄ, onö� uhre» Der Restauratmr Herr Georg Wäbekindt, der Oekonom der Brauerei, richtet an Henn Tischlermeister Scheel folgen- den Brief: Herrn Scheel, Tischlermeister. Ihnen zur Nachricht, daß Sie meinm Saal jeder Zeit für sozialdemokratische Versammlungen erhalten können. Zu bemerken ist, daß der Saal für Sonnabend und Sonntag immer besetzt ist. Für die anderen Tage stelle ich Ihnen dmselbm zur Verlürung. Georg Wäbekindt, Restaurateur der Brauerei Moabit. Au« Meißens«« erhält die»Volks-Ztg." nachstehmde Zuschrift l Am 7. Juni d. I. verstarb m Weißensee der Techniker Wilhelm Buchholz, unter dessen Nachlaß sich folgende Notiz befand, welche jedenfalls nach dem Wunsche des Verstorbmm als Grabschrift für ihn verwendet werdm sollte: »Ich glaube an einem Erlöser— an diesen muß jeder Mmjch, welcher Konfession er angehören mag, glauben— und da« ist der Tod; er erlöst von allm Uebeln. Wilh. Buchholz."._. Beim Steinmetzer Schröder in Weißensee wurde ein Dmk- mal mit dieser Inschrift bestellt und solches am 17. Juli auf dem Georgenkirchhof in der Greifswalderftraße aufgestellt. Gestern empsing ich vom Gemeindekirchmrath zu St. Georgen folgende Eröffnung: »Auf dem Georaenkirchhof, Greifswalderstraße, haben Sie am Grabe des verstorbenen Rentiers Buchholz ein Denkmal mit einer Inschrift ausrichten lassen, welche dem lBekentnisse unserer evangelischen Kirche und der Gemeinde, aus deren Kirchhof das Denkmal errichtet ist, geflissentlich widerspricht. Der von ihnen mit der Anfertigung und Ausstellung beauf- ttaate Fabrikant hatte sich in der Verhandlung vom 25. Juni 1889 verpflichtet, die Genehmigung zu der Aufschrist bei uns nachzusuchen, hat die« aber unterlassen. Wir fordern Sie dem« nach auf, die Inschrift innerhalb acht Tagen zu beseitigen. Gemeinde-Kirchenrath zu St. Georgen. ge». F. Dahms. An den Herrn Luckner, Neu-Werßensee." Nach Rücksprache mit dem Fabrikanten Schröder ist diesem von einer Verhandlung am 25. Juni nichts bekannt. Da ich aus Pietät für den Verstorbenen den in keiner Weise selbst da» Gemüth de« frömmsten K'rchbofsbesuchcr« verletzenden Ge- danken nun einmal auf dem Grobe plazirt habe, so werde ich «S darauf ankommen lassen, ob die Unduldsamkeit einiger Ortho- doren e« ermöglichen wird, durch ein Vorgehen in gedachter Wesse da» Andenken an einen rechtschaffenen, in jeder Hinsicht liberalrn Mann zu trüben. A. Luckner. Nor der Markthalle tu der Invalidenkraß- kam es gestern ftüh zu einer peinlichen Sz-ne. Die Wittwe Walter erhält von den m der Halle ansässigen Schlächtern häufig Fleischabfälle zum Geschenk, welche sie dann an Leimfabrikcn verkauft. Das paßte aber einem der dort herumlungernden Burschen wenig in den Kram; er lauerte ftüh aus reiner BoS- hert die Frau auf und begann sie in der rohesten Weise zu mißhandeln, so daß die Aermste bald blutüberströmt zusammen- brach. Da sprangen aber vier Arbeiter der Wehrlosen bei und gerbten dem Unhold da« Fell. Nach diesem Akt der Lynch« zustiz wurde er nach dem Polizeirevier in der Brunnensttaße behufs Feststellung seiner Personalien geschafft; hoffentlich er- hält der Unhold eine exemplarische Strafe. Die Nerdrhrsverstältuisse de» SSdrivge» scheinen noch vrel zu wünschen übrig zu lassen. Die vielen Klagen finden in dem»Nothschrer" eine«»Schmargendorfers" einen beredten Ausdruck. Derselbe schreibt in Bezug auf die Verbindung der westlichen Vororte mit Berlin: Im vorigen Jahre bewilligte bereits der Landtag die Mittel zur Erweiterung der Bahnanlagen unseres Siia ringe« für die Strecke vom Potsdamer Bahnhof bis einschließe lich Schmargendorf. Man hatte sich eben von der außerordenl lichen Entwickelung der an dieser Strecke gelegenen Vororte Wilmersdorf, Friedenau und Schmargendorf, denen jetzt auch Halensee rasch nachfolgt, überzeugt und sah sich zu Maß- nahmen gezwungen, den stetig wachsenden Verkehr des Süd- ringes zu sichern. Mit der Ausführung geht es jedoch recht langsam und auf die voraussichitich wohlthätigen und unserer an. konnte, er stellte sich bei dieser außerordentlich passenden Gelegenheit seinen nunmehr amtlich beglaubigten Todten- sche n auS. Die Zeitungen reden noch einmal von ihm, das ist doch wenigstens etwas lindernder Balsam auf dre bren- nende Wunde, hoffentlich streitet Herr Stöcker es in Zukunft nicht ab, daß er wirklich todt ist. Nach den Erfahrungen mit diesem Herrn soll man kein Ding mehr für unmöglich halten. Wer wird nun aber in Zukunft dem christlich-sozialen Bedürfniß nach Radauversammlungen Genüge leisten? Ganz ohne öffentliche Zudenhetze kann es doch nicht abgehen, und vielleicht sehen wir in nächster Zeit alte vergessene Gestalten aus der Versenkung auftauchen, an die kein Mensch mehr gedacht hat. Vielleicht wird Herr Wilhelm Picken- dach, der in ruhmloser Unthätiakeit schlummert, den nieder- gelegten Feldherrnstab ergreifen, oder Herr Christobal Cremer, von dem man in letzter Zeit ebenfalls nichts mehr hörte, wird die Erbschaft des Herrn und Meisters antteten. Dann wird wieder ein frisch-fröhlicher Krieg entbrennen, und die christlich-soziale Zugend und das ehrwürdige Alter wird helle Freude erleben. So haben oftmals große Ursachen kleine Wirkungen. Doch über den Tumult des Tageskampfes soll man auch die kleine» anmuthigen Scherze nicht vergessen, die ganz dazu angethan sind, angenehme Schlaglichter auf unser sonst so trostloses Dasein zu werfen. Da fand vor einigen Tagen in Moabit eine Gerichts- Verhandlung statt, die so voll war von necktischem Zauber, daß wir es uns nicht versagen wollen, mit einigen Worten auf dieselbe zurückzukommen. Ein Premierlieutenant— seine Znitialen, die der diskrete Berichterstatter nur der Oeffcntlichkeit preisgab, deuteten darauf hin, daß er zu den Edelsten der Nation gehötte— hatte auf dem sehr ge- wohnlichen Wege des Heirathsvermittlers ein holdes Weib ?esucht und gefunden, dessen öder Mammon dazu dienen ollte, da» etwas verblaßte Wappenschild des Herr« Lieute- l nant» mit frischem, goldigem Glanz zu überziehen. Die ; Heiligkeit der bürgerlichen Ehe hat längst die ZeitunaS- ' annonze und den Vermittler als nothwendige« und ve- ! rechtigte« Requisit bei un» eingeführt, so daß man über 6. Jahrg. Gegend förderlichen Folgen jener Erweiterungsbauten werden wir leider wohl noch Jahre lang warten müssen. Inzwischen sollte die Ringbahnverwaltung doch daS Nölhige thun, um dre Leistungsfähigkeit der vorhandenen Betriebsmittel zu unseren Gunsten mehr als bisher anzuspannen; und daß dies sehr wohl möglich, beweisen die Einrichtungen, welche Sonntags zur Bewältigung des Vergnügungsverkehrs getroffen werden. Da gehen nicht nur regelmäßig halbstündlich Züge, es werden auch nach Bedarf Sonderzüge eingelegt, während Wochentags der unzureichende Stundenoerkehr herrscht. Unter den heutigen Verhältnissen, wo Jeder, der es irgend ermöglichen kann,»draußen wohnen will", ist eine flotte V:r« bindung die erste Vorbedingung für das Ausblühen eines Vor- ortes, und es würde ganz unzweifelhaft die Besiedelung der zwischen den nördlichen Theilen de« Grunewaldes und der Stadt liegenden Flächen weit rascher vorschreiten, wenn die Direktion der Ringbahn sie mehr begünstigte. Auf dieser herrscht aber, wie gesagt, noch immer der unzulänglichste Stundenoerkehr und zwar auch noch mit den größten Einschränkungen. Daß technisch der Halb stundenverkehr möglich ist, steht fest; daß daS Bedürfniß nach solchem mindestens vorhanden, wird Niemand ernstlich bestreiten wollen; warum führt man ihn also nicht ein? Ferner besteht ein Uebelstand, und dies ist wohl der schlimmste für die Bewohner von Wilmersdorf, Schmargendorf u. s.w.— rn dem zu frühen Aushören des Bahnverkehrs am Abende. Der letzte Südringzug vom Potsdamer Bahnhof wird 11.14 abgelassen, der letzte vom Schlefischen Bahnhof über die Stadt- badn gar schon 10,40. Aber noch schlimmer! Selbst dieser letzte Zug geht während des Winters ein und man kann dann also vom Schlefischen Bahnhofe nach Sibmaraendorf nur bis 9.40(von Friedrich- straße 9.52) abfahren. Das ist doch wahrlich ein geradezu bc- schämender Zustand für die Verbindung einer Weltstadt mit ihren Vororten, und nach Tausenden zählen die, welche gerade aus diesem Grunde ihren Wohnsitz nicht am Südringe, sondern an einer Station der Potsdamer Bahn aufgeschlagen haben. Fragt man, weshalb jener letzte Stadtringzug im Winter fort- fallt, so erhält man keine Aufklärung; ftagt man aber, weshalb nicht noch um 11.40 ein Südringzug vom Schlefischen Bahn- Hofe über Friedrichstraße abgelassen wird, so heißt es: Ja, wo soll der Zug bleiben? Auf dem Potsdamer Bahnhofe ist kein Platz, er müßte weiter bis zum Schlefischen Bahnhofe, und da wird es zu spät. Weshalb es nicht möglich sein soll, den Zug nach dem Anhalter Bahnhofe zu leiten oder ihn von WilmerS- darf nach Westend oder Grunewald zurückzuschicken, wird nicht verrathen. Wenn aber auch auf diesen Bahnhöfen kein Platz sein sollte, was soll man dann von unseren Jahnhofsanlagen überhaupt denken? Da Petitionen fich wiederholt als ergeb- nißloS. erwiesen haben sollen, so erhofft der„Nothschreier" durch eine öffentliche Besprechung dieser Verhältnisse eine Aenderung derselben. Möge diese Hoffnung im Interesse Vieler sich balo erfüllen! Der Ktadtverordnete Kernard hat, laut Meldung der »StaatSb. Ztg.", sein Mandat niedergelegt. Derselbe gehörie der Bllrgerpartei an und vertrat den zweiten Kömmunal-Wahl- bezirk III. Abtheilung.— Da« ist wohl auch eine Nachwirkung der»Kreuzzeitungs ossäre". Der biesfährig« Oktober- Jahrmarkt, welcher im Osten Berlins, also in der Fürstenwalderstraße, Koppen straße, in den Frankfurter Linden und den angrenzenden Straßen abgehalten wird, beginnt am Mittwoch, den 18. Oktober ftüh und endigt am Sonnabend, den 19. Oktober, Abends.— Dir Oktober-Jahrmarkt pflegt stets von Verkäufern stark besucht zu sein. Die sogenannte AnasteUung für Unfallverhütung wird trotz aller Reklame, die reichlich für sie gemacht worden ist, mit einem großen Defizit schließen. Schüchtern theilt die »Nat.-Ztg." mit, daß der Fehlbetrag»bei weitem 100 000 M. ubersteigen wird". Er wird durch den vom»Brauergewerbe aufgebrachten Garantiefonds gedeckt werben". Nun die dicken Herren Brauer vertragen e« noch am ehesten; sie sind ja von Berusswegen an Katzenjammer gewöhnt. Ktöckrer und die Christlich Kokiale« stellen die Arbeit ei«. Die»Kreuz- Ztg." theilt mit, daß in der Ver« sammlung der Christüch-Sozialen am Freitag Stöcker Namen» des Vorstandes der Partei die Erklärung abgegeben habe, daß die Partei und er»unter dem Zwange der i--- 1L.1---->«???»! diese Institutionen eigentlich kaum noch Worte zu verlieren braucht. Auf dieser schnöden Welt ist nun leider nicht» umsonst, witzige Leute behaupten sogar, daß der Tod das Leben kostet. Ein Vermittler, der irgend ein Geschäft zu Stande bringt, thut da» in den meisten Fällen nicht auS bloßer Liebe zur Sache, er lechzt vielmehr nach seiner Provision, und wenn er ein so schwieriges Ding, wie es das Zu« fammenkuppeln von zwei Leuten ist, die sich in ihrem Leben nie gesehen haben, zu glücklichem Gelingen bringt, so sollte ihm seine Belohnung niemals vorenthalten werden. Doch der Mensch denkt, aber die Schwiegermutter lenkt. So war es auch hier bei unserem hochgeborenen Premierlieutenant. Zu Versprechungen ist der Mensch stets geneigt, wenn er verliebt oder in Roth ist— er verschreibt dem Teufel seine Seele, wenn beides bei einem Individuum zu gleicher Zeit eintritt. Daß der Premierlieutenant in Roth war, ist an- zunehmen, sonst hätte er wahrscheinlich kaum seine« edlen Namen an eine bürgerliche Kanaille weggeworfen, ob er verliebt war, ging aus der Gerichtsverhandlung leider nicht hervor. Kurzum, der Tag der Hochzeit kam, die Flitter- wochen wurden„schneidig" verlebt, dann aber kam der Vermittler und präsentirte seinen Schein, indem er bittenden AugeS den Daumen auf den beide« ersten Fingern rieb. Mit dieser sprechenden Mimik fand er jedoch nicht daS nothwendige Verständniß, der Herr Lieute- nant bedauerte, und statt der erhofften Bezahlung trat dem fordernden Gläubiger die dräuende Schwiegermama mit ge- sälltem Besenstiel entgegen. War eS ein Wunder, daß der geängstete Vermittler entsetzt zu den Gerichten floh, um hier Hilfe zu erflehen? Der Ausgang der Geschichte ist unseren Lesern aus der Gerichtsverhandlung bekannt, der Vermittler bekam nicht nur Nichts, sondern wurde sogar noch wegen Wechselfälschung verurtheilt. Und die Moral?-- Man kann noch so Hochwohl- geboren und noch so sehr Premierlieutenant sein, so genirt man sich doch nicht, einen Vermittler für seine„Liebesdienste" das Fell über die Ohren zu ziehen, und zweitens— Ehen werden im Himmel geschlossen!--— heutigen innerpolilisckcn Lage ihre öffentliche Thätigkeit einaestellt habe". Sie wollen nur noch ,m Geheimen �wühlen":„Wir stellen deshalb zur Zeit die Freitags- Versammlungen ein. Wir werden nun die Partei innerlich zu steh ken suchen, unsere Mitglieder sammeln, unser Programm von Neuem durcharbeiten, in den BezirkSrülhen, den Obmannschaften und Mitgliedschaften desto eifriger wirken."— Hoffent- lich machen die Herren nicht auch noch unangenehme Er- fahrungen mit den Ks 128 und 129. Das öffentliche Leben ist aber für die nächste Zeit wenigstens um eine lustige Person ärmer. Der Müstlenweg wird, behufs Baues einer Nothbrücke, für den Fuhgänger- und durchgehenden Wagenverkehr und (vom 14. d. MlS._ ab) die Kommunikation am Neuen Thor, vom Thorgebäude bis zur Charitee, behufs Um« Pflasterung, bis auf Weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Di« RettunssbLll« erregen fortwährend die Begehrlich- keit der Drebe. So ist wieder vor einiger Zeit der RettungS- ball an der Kronprinzen-Brücke gestohlen worden und muhte daher an dieser Stelle neu ersetzt werden, was am ü. d. MtS. geschah. Aber schon am nächstfolgenden Tage, am 7. d. MtS., ist auch der neue Ball gestohlen worden. I« der Dresdenerstraß« beginnt die Stadt mit dem Abbruch der noch in die Strahenflucht vorspringenden drei alten Häuser, darunter mit dem niedrigen alten Viehmästerhause Nr. 109, auf deffen Hof sich die klosterartige Ruine erhebt, welche indeh nach der Behauptung alter Einwohner nur ein 'Eiskeller gewesen sein soll. Die Stadt hat mit der Reaulirung dieser Slrahenstrecke zwei Jahre warten müssen, weil erne güt- liche Einigung mit den Besitzern nicht zu erzielen war. Kontrole auf der Abdeckerei. Infolge der von der Stadiverordneien-Versammlung gestellten Anfrage bezüglich der Verschleppung von beschlagnahmtem und zur Vernichtung be- stimmlem Fleisch aus der Abdeckerei hat der Magistrat be- schloffen, das bezügliche Schreiben der Versammlung dein Polizeipräsidium mit dem Ersuchen um eine Aeußerung mitzu- theilen. Da das letztere die Aufffchtsbehörde der fiskalischen Abdeckerei ist und da es sich zutreffenden Falls um eine Kontra- vention handeln würde, so ist die Polizei an sich schon ver- pflichtet, der Sache näher zu treten. Aar Afiaire Kavine. Aus den auch von uns veröffent- lichten eingehenden Mittheilungen über die am 15. September erfolgie Flucht des russischen Abenteurers Savine, insbesondere aus der dort wiedergegebenen Aeuherung des in Moschin stationirten Gendarmen,„daß, wenn die Moschiner Polizei- Verwaltung am 15. von der Posener Polizei telegraphisch von der Entweichuirg benachrichtigt worden wäre, sie unbedingt Savine am Sonntag oder Montag(IS. oder 17.) verhastet hälte," glaubt das Polizei- Präsidium in Posen— so schreibt das„Berl. Tagebl."— den Vorwurf herauslesen zu sollen, daß das Entkommen Savine's„wenigstens zum Theil" durch daS Verhalten der Posener Polizei verschuldet worden sei. Dem gegenüber sieht der Polizei- Präsident von Posen sich veranlaßt, — und zwar merkwürdiger Werse unter Berufung auf§ 11 des PrcßzesetzeS in Form einer Benchtigung— dem„Bert. Tgbl." Folgendes zu bemerken: „Vor der Flucht des Savine, welcher am 15. September d. I., Morgens zwischen 5 und 6 Uhr, aus dem von Posen nach Gnesen abgelassenen Kurierzuge entsprungen ist, wurde der hiesigen königlichen Polrzei-Drrektion einige Stunden später seitens der Berliner Kriminal- Schutzleule Anzeige erstattet. unverzüglrch darauf sind diesseits mit größter Sorgfalt all« Maßregeln getroffen worden, welche dazu dienen konnten, eine Wiederergrerfung des Savine im Gebiete des städtischen Polizeibezrrk« herbeizuführen. Da indeß vorauszusehen war, daß Savine ein Betreten des städtischen Polizeibezirks ver- meiden werde, sind außerdem— und zwar ebenfalls sogleich am Morgen des 15. v. M.— die königlichen Landrathsämter der Landkreise Posen-Ost und Posen-West von dem Entweichen unter Mltth-ilung eines genauen Signalements des Eni- sprungenen schriftlich in Kenntmß gesetzt worden. Zu einer direkten diesseitigen Benachrichtigung der Polizeiverwaltung in Moschin, einer Station der Posen-BreSlauer Eisenbahn, lag für die königliche Polizeidirektion in Posen nicht die geringste Veranlassung vor." Das„B. T." giebt dieser Erklärung Raum, obwohl die- selbe, wie es mit Recht hinzufügt, nichts weniger als eine Be- richligung ist. sondern, im Gegentheil, nur lediglich die That- fachen beftotiat, welche in dem betreffenden Artikel mitgetheilt find. Die Meldung, daß die Polizeiverwaltung in Moschin erst am 25. September durch ein Zirkular die amtliche Anzeige von der Entweichung Savine's erhalten habe, ist gar nicht berührt. Selbstmordversuch auf offener Straße. Am Donners- tag Abend rn der neunten Stunde fanden Slraßenpassanten in der Elasserstraße dicht am Schänhauserlhore ein junges Mäd- chen, und zwar die m der Köpnickerstraße wohnende 20 Jah>e alte Anna Schmidt, welche aus einer aus dem Promenadenwege stehenden Bank sich niedergelassen halte und dem Anscheine nach schwer erkiankt war. Das Publikum rief deshalb den am Schönhauser Thore stehenden Schutzmannsposten herbei, der sehr bald rn der Tasche des jungen Mädchens eine klerne Düte vorfand, die nachweislich Kleesalz enthalten hatte. Da nun der Beamte eine Vergiftung vermuiheie, so wurde dem Mäd- chen schnell ein GluS Milch gereicht, nach dessen Genuß sich die k ampihaiten Schmerzen bei dem Mädchen legten. Nun erzählte die Lebensmüde, daß sie in der Schwedter Straße ihren Bräutigam zu wohnen habe: da dieser nunmehr zum Militär- dienst eingezogen werde, so habe er ihr einen Brief geschrieben, weicher die Erklärung enthielt, daß er die Verlobung aufheben wolle. Da sie dies aber nicht ertragen könne, habe sie be- schlössen, zu sterben. Inzwischen hatte euch schon das Publikum einen Arzt herbeigeholt, und da dieser den Zustand des Mäd- chens nicht mehr ,ür lebensgefährlich b-fand und dieses fort- während schrie:„Ich will zu meiner Mutter!" so wurde sie schließlich vermittelst einer Droschke nach ihrer Wohnung be- fördert. Kwrs durch eine Fallthür. In dem Hause Boppftraße Nr. 5 hat sich geltern Mltlag kurz nach 1 Uhr ern bedauerlicher Unfall ereignet. Aus dem Hofe diese-, dem Bauunternehmer Kößel gehörmden Grundstückes b.findel sich ein großes Fabrikgebäude und daran anstoßend daS Maschinenbaus, auf dessm Zinkoach um die angegebene Zeit zwei Klempner damit beschäftigt waren, eine VeniilationSvorrichlung aufzulöthen. Dabei kam der eine Klempner einer Falllhüre zu nahe, die bis dahin provisorisch die Ventilation vermittelt hatte und stürzte mit derselben unter Donnergepolter in den Maschinenraum hinab. Zum G ück war der Maschinenmeister nicht auf seinem Sewohnten Platze, er würde sonst durch die Thür« auf das hwerste verletzt worden fein. Schimmer erg.ng es dem Klempner, der mit dem Kopfe auf den K-ssel aufschlug und sich dabei so schwere äußere und innere Verl, Hungen zuzog, daß er in einer schleunigst herbeigeholten Droschke nach dem Kranken- Hause Bethanien überführt werden mußte. � Nach dem Umall wurde in getreuer Befolgung des alten Sprüchwoites von dem Kmde, das in den Brunnen gefallen ist, die Ungluck-offnung fest zugedeckt.. � � m t r Eine starke Karambolage hat dem„B. T. zufolge gestern Vormittag an der Ecke der Alexander- und P> enzlauer- ftraße zwischen einem aus der letztgenannten St oße konnnen- den schwer beladenen Rollwagen und einem die Alixanderstraße entlang fahrenden Pferdebahnwagen der Linie Schleicher Bahnhof-Gartenstroße staltgefunden. Der Anprall des Roll- wagen« an den„Gegner" erfolgte mit großer Wucht, daß letzterem ein Theil des Hinterperrons weggerissen wurde. Erhebliche Verletzungen der Passagtere bezw. des Fah. personale sind gluck- (icherwe«se nicht zu verzeichnen, eS find Alle vielmehr mit dem bloßen Schreck bezw. mit einigen leichten Kontusionen davon- fiekommett. Derartige Karambolagen, die jedoch nicht immer o ohne größeres Unheil verlaufen, find an jenem verhältniß- mäßig engen Treffpunkt zweier so überaus verkehsreicken Siraßen keineswegs selten; sie treten vielmehr mit so großer Häufigkeit auf, daß es dringend geboten erscheint, zur Ueber- wachung und Regelung des Verkehrs dort einen ständigen SchutzmannSposten zu etabliren. Do« einer Diebin sind gelegentlich der Verübung eines Diebstahls am Thalorte folgende Gegenstände: drei Frauen- Hemden ohne Zeichen, zwei gestreifte Schürzen, drei weiße Taschentücher ohne Zeichen, drei weiße Taschentücher mit Mono- grammen MH.— MW. und E. und zwei weiße Taschen- tücher, gezeichnet C. G. 3 und M. P., welche ebenfalls aus Diebstählen herrühren dürften, und für welche Eigenthümer bisher nicht ermittelt find, zurückgelassen. Die bezeichneten Gegenstände können bei der Kriminalpolizei, Zimmer 96, wäh- rend der Dienststunden in Augenschein genommen werden. Die leibige Hntnabel hat wieder einmal ein Menschen- auqe in größte Gesahr gebracht. Unter den Linden find im gestrigen Gedränge ein Herr und eine Dame hart aneinander- gcrathen. Die Dame wandte sich infolge dessen plötzlich um und stieb hierbei dem Herrn mit der Spitze ihrer Hutnadel ins Auge. Wie gewöhnlich war es eine Nadel mit nicht verkapselter Spitze. Zum Glück glitt die Spitze nach der Wanoe hin ab, so daß das Gesicht nur stark geritzt wurde: um ein Haar wäre das Auge durchstochen worden. Dsliriuen tremens bei einem fünfjährigen Knabe«. Ueber einen im hiesigen städtischen Krankenhause im FnedrichShain vorgekommenen Fall von veliriow»remeos bei einem fünfjährigen Knaben macht das„Archiv für Kindeiheil- künde" folgende interessante Mittheilungen. Der Knabe wurde nach dem Krankenhause gebracht, weil er auf der Straße von einem Wagen überfahren war und einen Bruch de« rechten Oberschenkelknochens erlitten hatte. Gleich am ersten Tage fiel das Benehmen des Kranken auf, derselbe zeigte eine seinem Alter nicht entsprechende Dreistigkeit und eine Unruhe, die sich am Abend zur Tobsucht steigerte. Er versuchte den Verband abzureißen und hatte Halluzinationen, wobei er schwarze Hunde, Vögel:c. sah. Es stellie sich alsbald heraus, daß der Patient ein Gewohnheitstrinker ist, der gern Bier und Branntwein trinkt, den letzteren im Schnapsladen seines Großvaters, im Elternhaufe Bier und Ungarwein. Im Krankenhause wurde dem Jungen der Alkohol natürlich entzogen, das Trinken von AlkoholiziS ganz abgewöhnt und er wurde vollkommen geheilt entlassen, nachdem er noch die Masern mit normalem Verlaufe bestanden hatte. Anfgrfundene Kinbeoleiche. Auf dem Boden des in Abbruch befindlichen Gebäudes Chausseestr. 16 wurde gestern früh die beieitS stark in Verwesung übergegangene Leiche eines neugeborenen KmdeS in einer Kiste aufgefunden. Geschlecht und Alter ließen sich nicht m-hr erkennen. Die Leiche ist nach dem Leichenschauhause geschafft worden. Recherchen nach der Mutter sind von der Kriminalpolizei sofort eingeleitet. Polizeibericht. Am 11. d. M. Morgens wurde ein Photograph in seiner Wohnung, in der Friedrichsstraße, todt ausgefunden. Wie die hinterlassenen Briefe ergeben, hat er sich mittelst Cyankali vergiftet.— Vormittags stürzte der Dach- deckergeselle HöhnS von dem Dach des Hauses Brandenburg- ftraße 70 auf eine im Vorgarten stehende Lau�e hinab, deren Dach er durchbrach. Er erlitt anscheinend schwere innerliche Verletzungen, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte. Nachmittags wurde ein Olfizierburiche in der Wohnung feines Herrn, in der WilSnackerftraße, erhängt vorgefunden— Am 11. d. M. Vormittags fanden in der Slraßburgerstr. 54 und Abends Chausseestr. 75 kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. Slienkev. Restdeuz-Theater. Selbst die Eindeutigkeiten, die man bei den Aufführungen im Residenztheater zu hären gewohnt ist, verfehlen auf die Dauer gänzlich ihren Zweck— sie sangen an, langweilig zu wer» den. Wenn man weiter nichts zu hören bekommt wie Ehebruch und immer wieder Ehebruch, so oerlangt man schließlich noch etwas Diebstahl oder Morv oder anderen vom Strafgesetzbuch bedrohten Dingen. Am Freitag Abend wurden die Schicksale emeS Herrn, der feiner Frau elf Monate im Jahre die Treue wahrt, um im zwölften den Strohwitlwer nach allen Regeln der Kunst zu machen, eingehend geschildert. Ei rige Zoten wur« den belacht. Gespielt wurde im Allgemeinen erträglich— nur eine Dame, die für eine„bildschöne Amerikanerin" ausgegeben wurde, erinnerte selbst für unseren Geschmack etwas allzusehr an die östlichen Provinzen unseres Vaterlandes. Dem Stück ging ein refleklirender Einakter vorauf, der mit einem Wortwitz schloß, auf den er zugespitzt zu sein schien. �# * Projektirte» Repertoire der königlichen Schauspiele vom 13. bis 21. Oktober 1839. Im Opernhause. Sonntag, den 13.: Der fliegende Holländer; Montag, den 14.: Der Troubadour: Dienstag, den 15.: Orpheus: Mittwoch, den 16.: Carmen; Donnerstag, den 17.: Lohengrin; Freitag, den 18.: Symphonie; Sonnabend, den 19.: Der Waffen- schmied; Sonntag, den 20.: Tannhäuser(Herr Stammer als Gast): Montag, den 21.: unbestimmt.— Im Schau- s p l e 1 h a u s e. Sonntag, den 13.: Ihr Taufschein, Der Mann der Freundin, k'o-t fe-uuni; Montag, den 14.: Natalie; Dienstag, den 15., geschlossen; Mittwoch, den 16., neu ein- studirt: W lhelm Tell; Donnerstag den 17.: Wilhelm Tell; Freitag, den 18., geschlossen; Sonnabend, den 19.: Wilhelm Tell; Sonntag, den 20.: Die zärtlichen Verwandten; Montag, den 21.: Ihr Taufschein, Der Mann der Freundin, festurn. Gerichts-Isikung. Gin tragikomische» Kild aus dem nächtlichen Berliner Straßenleden wurde»n emer Verhandlung vor Augen gefühlt, die kürzlich d,e Jnjurienabtheilung des Schöffengerichts be- schättigte. Es standen sich zwei naturwüchsige Berliner gegen- über, von denen Jeder die Bestrafung des Andnen beantragte. Auf der einen S-ite ein kleiner korpulenter Herr mit ent- schieden cholcnschiM Temperament, der Rentier M., auf der anderen Seite ein lang autaeschossener, dürrer junger Mensch, der Musiker P., an dem Alles trocken war. selbst der Humor. Der Vorsitzende versuchte es zunächst mit Vergleichsvorschlägen. Dieselben fielen aber auf einen höchst undankbaren Boden.„Ick bin hier doppelt vertreten— ließ sich der Rentier vernehmen— een- mal als Ehrenmann un eenmal als Ebemann, in beede Deele bin ick bisher en völlig unbescholtener Mann jewesen un so will ick durch die Verhandlung ooch wieder injesetzt wer'n."„Der Mann redt nich unübel, det hat Hand un Fuß" sagte der Musiker un machte ein höchst ernsthaftes Gesicht.— Vors.: Sie sollen sich gegenseitig mit Schimpfworten belegt haben und da werden Sie wohl beide bestraft werden.— Kläger M. Ick bin uf meine vollständige Freisprechung jefast, denn det wird woll Jeder insehen, det man, wenn man verheirathet is un hal'ne Frau un die wird us der Straße krank, det det keen Zielpunkt for nächtliche Rumdreiber is. Da haben ja selbst die wildesten Kameruner Respekt vor"." Musiker P.: Die Tonart jefällt mir, aber mir scheint, Esklappe is undicht geworden.— Vors.: Keiner spricht»»' jetzt ad ein Wort, bevor ich ihm die Erlaubniß dazu erthei» habe. Herr M., wollen Sie den Vorfall mal erzählen. 8 handelt sich wohl um eine Straßenszene, die sich in der 3MJ zum 16. August abgespielt haben soll. Rentier M.: 3° werde die Nacht jewiß nich verjessen. Ick war mit meine Fr� det Abends en bisken bei Müllers in die Köpnickerstraße jewes»' Der Mann is berühmt w'jen seine Eisbeene und s-in Sa«'! kohl is immer jradezu großartig.— V o r f.: Ich will Ihnen w» was sagen, Herr M., Sie dürfen nicht glauben, daß wir hin anhören wollen, wie die Küche dieses oder jenen Restauraet« ist, wenn Sie nicht bei der Sache bleiben, entziehe ich Jh«' das Wort.— Rentier M.: Ick habe jedacht, ick m"W bei'n Anfang anfangen. Also is jut, so um zwölfe rum pF wir janz jemiethlich zu Hause. Als wir so dicht bei die Sl» Jakodstratze sind, sagt meine Frau mit'n Mal: Mein lM sagt sie» ick jlobe, ick krieje wieder meine Magenkrämpfe,■ habe schon so'n Sodbrennen." Siehste, saje ick, det kom»> von den Sauerkohl, Du weest doch, det Du den nich«a' drajen kannst. Nu mach man schnell, det wir nach Hu«' kommen." Wir jehn noch en Endeken weiter, da sagt ntei« Frau:„Willem, sagt sie, mir wird Allens jrien und zelb fl* die Oojen, ick kann nich mehr, stütze mir hier jejen die Wo« un hole mir en JlaS Wasser. In denselben Oojenblick sie mir ooch schon ohnmächtig in die Arme. Da stand ick« un konnte mir nicht rühren. Zum Jiück kam en Mann rs» der ooch verheirathet war, der tief nach der Apolh-ke und b°« ne Flasche Selterswasser, un als meine Frau erst en Paar Sch>» von jedrunken, da kriegte sie Luft un kam wieder t sich. Ick führte ihr nu in eene Ecke und hielt# den Kopp. Nu hadden sich aber schon ziemlich ville Mensta angesammelt un ncijierig wie die Berliner nu mal sind, sr»� jeder: Wat is n hier l».? un ick habe immerzu jeduldig rvn' Lamm jeantwort: Hier iS nicks nich zu sehen, det is bto« kranke Frau. Zuletzt kommt noch hier der Anjeklagte da»' noch en paar von seine Kollejen an uns ran un reißt» M— und uf un fragt:„Wat is hier los?" Ick war mittl» weile ärjerlich jeworden un als eener von die vielen, die tu* standen, den anjenchmen W tz machte un sagte:„V is jewiß der llfschlitzer Jack", da wurde ick jist un ick sagde zu dem Anjeklagte», als er fra� wat da los wäre:„Na, wat sollte hier denn P los sind? Een Faß mit Syrvp is kaput jejangen, da tönf Sie d ran lecken!" Natürlich lachten Sie alle, wodruf? Musiker sagde:„Wie so'n ollct Faß, wat nich mehr dichtes sieht die Olle ooch aus," wodruf ick natierlich wüihend un mir vor ihm hinstellte un sagde:„Herr, Nehmen Ei»*: zurück, sonst soll Ihnen een dreimal destillirtet Acquinock� uff'n Kopp fahren." Er mecnte, det wäre jar nischt, aber« meine Olle da hädde er weit mehre Angst un darum ut«« er sich lieber drücken. Nu kam aber ooch schon? Nachtwächter un ick verlangte, det der Mensch gestellt würde.— Vorsitzender: Ich sehe nur ff nicht ein, worin eigentlich die Beleidigung liegen M gewiß hat der Beklagte Sie gehöhnt, aber S e halten doch die höhnende Bemerkung von dem Cyrupsaß gemacht. P. hat die Sache sich übrigens so zugetragen, wie der Kl»? erzäh t?— Musiker P.: Der Mann tritt immer zu st« det Pedal, wenn er wat erzählen dhut. Als er mir die wort jab, die ick mindestens für schnodderig estimiren muß,? sagte ick bloS„wenn Sie Ihre Olle für'n Faß ansehen, kann ick nich dafor, ein Jeder nach seinen ckacun, aber Sb� scheint det nich zu find." Nu wurde er jrob un redte wat« Kameelophante, wo er mir mit meenen dhat, und JJJ lerade, als ob er mir verhauen wollte. Dadruf 'ck aber werter fernen Werth nich uf gelegt.— Vors.:& halten sich doch lieber vereinigen sollen. Das Endresultat der Dkrhandiung war, buh di» u« seifigen Beleidigungen für kompensirt erachtet wurden. F Kosten werden zu gleichen Theilen getragen. Eine höchst gefährliche Tafchendiebi« wurde g"� durch Urtheil der vieiten Straskammer des Landgerichts K« längere Zeit unschädlich gemocht. Die auf der klagebavk befindliche Emma Machotka ist um so meingcfährUcher, weil sie den Eindruck einer häbigen und kreuzbraoen Bürgersfrau macht und den Diebstählen mit außerordentlicher Geschicklichkeit Werke geht. Sie sucht ihre Opfer mit Varl vor den Schaufenster«. Am 29. Juli meldete Frau den Diebstahl eines Portemonnaies bei drr Polzt'' und gab dabei von der muthmaßlichen Thäterin eine? schreibung, welche auf die Person der kurz zuvor aus Zuchthause entlassenen Angeklagten paßte. Man ließ sie? Schiitt und Tritt verfolgen und bald gelang es dem BeaM« sie bei einem Versuch zu ertappen. Trox der herrsche«'! großen Hitze trug die Angeklagte einen weiten, ihre Arme tr ständig bedeckenden Mantel, um dadurch ih'e Bewegungen� verbergen. Der Gerichtshof belegte die Unverbesserliche? einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren, Ehrverlust auf i" Jahre und Stellung unter Polizeiaufsicht. j Gl« erschüttern de» Kild wurde der zweiten Sl'« kamwer am Landgericht II von einem Unglücksfalle gegeb« der gestern den Kutscher Daniel Dude wegen fahrlojlff Tödturg vor das genannte Forum führte. Eine in Schöne!« wohnhatte Frau Wolff war am Morgen des 5. August? ihrem 5 jährigen Söhnchen bei einem Schlächter dicht a»« Ecke der Bahn- und Kolonnenstraße einkaufen gewesen. Verlassen des Schlächterladens ging die Frau quer über Straßendamm, der kleine Knabe trippelte neben seiner Mutter als ein Wagen im scharfen Trabe kurz um die Ecke bog. Knabe gerieth in Gefahr, überfahren zu werden, die Mutler) nach ihm, um ihn an sich zu reißen, aber eins der Pferde ftä mit dem Kopfe zurück, das andere reißt den Knaben um, Vorderrad geht ihm über den Rücken, er richtet sich noch er auf den Händchen auf und blickt erschreckt und hilfeflchend feiner Mutter, da kommt das Hinterrad und geht ihm über Kopf. Wenige Zuckungen noch und er ist eine Leiche. Mutter liegt ohnmächtig neben ihm. Puffanten halten Wagen auf, ein Amtsdiener ist bald zur Stelle, er stellt daß der Wagen links statt rechts gefahren ist und somit die Fahrordnung verstoßen und den Tod des Kindes versc?� Kräfb hat. Der Gerichtshof kam zu derselben Feststellung und erka«' auf drei Monate Gefängniß., Gt« Postagent, der seine Untcrbeamten für sich. Gefängniß schicken will. Ein Postmarder, der sich in kle> Dingen recht groß gezeigt hat, stand gestern in der P« des früheren Postagenten Ferdinand Hermann Dobratz vor� �on c zweiten Strafkammer am Landgericht ll. Der 54jährigc p Die? geklagte bekleidete seit Anfang der achtziger Jah�jJ lung Postagentur in Dalldorf, die vom Reinickendorfer Vj lichen amle ressortirt. In dieser Stellung soll er die schiedensten Unterschleife gemacht haben. Wenn ihm"f* unfrankirte Briese gaben und für die Fran� das nölhige Geld dazu, so unterschlug er die 10 Pse«� und ließ den Brief unfrankirt abgehen, oder er klebte, Pj der Adressat im Orte wohnte, eine bereits entio�j Marke darauf, drückte alsdann den Stempel Agentur recht dick und fett darauf, so daß) ursprüngliche Stempel möglichst verdeckt wurde und lietz j dann den Brief bestellen. Dasselbe machte er mit BrieW frar kirl in den Annahmekasten geworfen wurden. Er linL ungestempelte Marke ab und klebte eine entwerthete darauf. Bei genügend frankirten Briefen und Packete«-� er Strafporto erheben und bei nicht genügend fiankirten düngen höheres Strafporto, als wie der Tarif, Diese Umerschleife soll er bereits im Jahre 1832 i« statta Werk Misch Kolleg einige Kolleg Kalles schied vorhe gehen besser! rühre> werde >inmet Post. hatte, Bote, hatte. schon wohl sangreichen Maße getrieben Haien, damals wußte er die Sache so zu schieben, daß die Schuld auf den Posthilfsboten Pel, der entlassen wurde, während der Agent unbehelligt aus der Untersuchung hervorging. Diesmal wollte er die Schuld wieder auf den ihm unterstellten Boten Juran schieben, der die Sache bei der oberen Postbehörde zur Anzeige gebracht hatte, und vom Gerichtshofe auch sehr scharf ins Gebet genommen wurde; die Bekundungen des Inspektors Meißner, der den Thatbestand festgestellt ließen aber keinen Zweifel darüber zu, daß nicht der sondern der Angeklagte die Unterfchleife begangen Derselbe erklärte, daß der Angeklagte das Geschäft seit vielen Jahren betrieben haben müsse, und auch schon im Jahre 1882 der allein Schuldige gewesen sei. Die Untersuchung sei auf große Schwierigkeiten gestoßen, aber es sei ihm doch gelungen, eine ganze Anzahl von Fällen fest- zustellen. Das meiste belastende Material habe er in der städtischen Irrenanstalt erlangt. Der Gerichtshof gewann denn schließlich auch die Ueberzeugung an der Schuld des Ange» klagten und verurtheilte denselben zu fünf Monaten Ge- f ä n g n i ß. Gl« ländlich«« Ghestandsdrama beschäftigte gestern da« Schurgericht am Landgericht II. Der Arbeiter und frühere Eigenthümcr Karl Buhle aus Liebenwalde war wegen wissent- lichen Meineide? angeklagt. Obwohl er seinen kleinen Wohl- stand lediglich der Mitgift seiner Frau verdankte, behandelte er diese nicht allein schlecht, sondem ging auch noch ein strafbares Berhältniß mit feiner Dienstmagd ein, so daß die Ehe schließlich wegen Ehebruchs getrennt, der Mann als allein schuldiger Theil erklärt und verurtheilt wurde, seine Frau und die vorhandenen drei Kinder zu alimentiren. Dieser letztere Theil des Urtheils behagte ihm ganz und gar nicht und um demselben sich zu entziehen, verkaufte er ' sein Anwesen, wobei er nach Abzug der Hypothekenschuld einen Erlös von KSOV M. erzielte. Trotzdem ließ er die Exekution wegen der Alimente fruchtlos ausfallen und als er darauf zur Ableistung des Offenbarungseides herangezogen wurde, da de- zifferte er sein Vermögen nur auf 3000 M., welche Summe gerichtlich beschlagnahmt und nach Abzug der sehr erheblichen Kosten des Ehescheidungeprozesses an die geschiedene Frau ausgehändigt wurde. Diese aber führte den Nachweis, daß Buhle einen falschen OffenbarungSeid geleistet und außer di- versen Kleidung«- und Möbelstücken mindestens noch 3000 M. verheimlicht habe. Es wurde Anklage erhoben, und da dieser Nach- weis auch in der Hauptverhandlung gelang, so wurde Buhle trotz . seines LeugnenS als schuldig«klärt und zu Itz Jahren Zuchthaus verurtheilt. Ü Ä '}■ Voö glij 8�3 m A m Versammlungen. M»e interessante Versammlung de» Fachvereins der Tischler tagte am Dienstag, den 8. d. M. in Jordan'« salon. Neue Grünstr. 28. Aus der Tagesordnung stanb: 1. Berichterstattung über die in diesem Jahre vom Verein auf- genommene Statistik über Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Tischlergewerbe. Referent Kollege Millarg. 2. Diskussion. 3. Vereins- und Werkstättangelegenheiten. Verschiedenes. Räch Eröffnung der Versammlung wird vom Vorsitzenden des treuen und Ihätigen am 2. d. M. verstorbenen Mitgliedes Ad olah Riska gedacht. Die Versammlung ehrt das An- denken desselben durch Erheben von den Plätzen. Gleichzeitig übermittelt der Vorsitzende den Dank der Wittwe des Ver- storbcnen für die ihrem Manne bewiesene Theilnahme. Ferner wird bekannt gemacht, daß diejenigen Mitglieder, welche am Unterricht der Handwerkerschult theilnehmen �wollen, sich beim Kontrolleur Herrn Schmidt zu melden haben. Es erhält nun Kollege Millaig das Wort und führt einleitend aus:„Veranlaßt durch wiederholte von Seiten der Kollegen vorgebrachte Klagen über Mißstände in unserem Gewerk hat der Verein im Frühjahr eine statistische Erhebung über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Tsschlergewerbe unternommen. Dadurch wollte man einerseits genau feststellen, inwieweit die Klagen berechtigt, andererseits aber ein wahrheitsgetreues zahlenmäßiges Material gewinnen, auf welches die Berliner Tischler sich stützen können, wenn bei einer ausbrechenden Lohnbewegung ihee ausbesserungtbedürftiae Lage bestritten wird. Wenn die vorliegende Statistik unvoll kommen und nicht in der wünschenSwerlhen Weife ausgefallen fei, so trage die Schuld hieran der JndifferentismuS der Kollegen, die leider den Werth einer solchen Statistik noch immer unterschätzten. Redner verliest nun da« Ge- sammt- Resultat, von dessen Anführung an dieser Stelle seines UmfanarS wegen abgesehen werden muß. Dasselbe soll vielmehr durch ein, in nächster Zeit vom Verein herauszugebenden Flugblatt der Berliner Tischlerschaft zur Kenntniß gebracht werden. In der Diskussion wird noch angeführt, daß die Statistik nicht allein aus den angegebenen Gründen unternommen sei, sondern auch um einen, von der Gewerbedeputation dem Verein übersandten Fragebogen wahrheitsgemäß ausfüllen zu können Zur Statistik selbst hat Redner zu bemerken: Der angeführte DurchschnittSverdienst von 20 Mark sei nur deshalb so hoch, da meistens nur die besseren Werkstätten beiheiligt sind. Trotz dieser Höhe des Durchschnittslohnes sei doch der Arbeiter in Folge der enormen Steigerung der Lebensmittelpreise und Miethe noch tiefer in seiner Lebenshaltung herabgedrückt wor- den. Dieses, sowie die auf dem Hamburger Innung« tage zu Tage getretenen Bestrebungen der Meister, Entlassungsscheine einzuführen, find Thatsachen, die allen Kollegen zurufen, sich aufzuraffen, ihre Kräfte in der Organisation zu sammeln, um gegebenen Falls energisch Front machen zu können gegen weitere Einschränkung ihrer Stellung in wirthschaftlicher wie freiheitlicher Beziehung. Von einem andern Redner wird darauf hingewiesen, vaß eine der- artige Statistik noch von keiner andern Gewerkschaft veranstaltet worden se,; der Fachverein beweise auch hier wieder, wie ernst es ihm se,. Aufklarung über die Klassenlage in den Reihen seiner Mitglieder zu verbreiten. Wenn da und dort behauptet werde, der Verein habe nicht so viel als andere gelhan, so sind das nur Redensarten, die unnölhige Reibereien hervonufen müssen. Jeder Verein habe die Pflicht, so viel als in seinen Kräften steht, für sein Gewerk zu thun, diese Pflicht habe der Fachverein stets redlich erfüllt.— Auch habe es in der -etzien öffentlichen Tischlerversammlung nicht an Stimmen gefehlt, die für ein sofortiges Eintreten in einen Streik plädirten, obwohl die Thatsache täglich Jedem, der zu beobachten versteht, zeigten, daß ein Lohnkampf, von einer unorganisirten Masse unternommen, scheitern muß. Die Anwesenden mächten daher die von der Generaiversamm jung in den Bürgersälen gefaßten Beschlüsse in jeder öffenl r! �-'schlerversammlung zur Geltung bringen.— Zu Werk Iwttangelegenheiten übergehend, theilt der Vorsitzende der Werkstattkontrolkommisfion da« Resultat einer Vermittelung zwischen dem Tischlermeister Arnold und den dort arbeitenden Kollegen Mit. Nach längerer Rücksprache habe der Meister einige-Preiserhöhungen, wenn auch nicht in dem von den vorhergehenden Abend stattgefundene Meisterversammlung ein- gehend berichtet wurde. Die in dieser Versammlung zur Auf besserung der Lage der Meister gemachten Vorschläge be rühren uns weniger, hervorgehoben verdient nur zu werden, daß konstatirt wurde, daß die Kleinmeister -rnmer mehr und mehr m ein AbhängigkestSverhältniß zum Großkapitalisten resp. Händler treten und die Fühlung mit dem Konsumenten ganz und gar verlieren. Auch rechnete man mit einem im nächsten Jahr auszubrechenden Tischlerstreik als mit einer ausgemachten Sache; von einer entgegenkommenden Stimmung für die Gesellen war aber wenig zu spüren. Als ein einzelner Unternehmer es wagte, von einer Annäherung an den Arbeiter zu sprechen und vorschlug, die Arbeitszeit wo- möglich auf 8 Stunden»u verkürzen, zog er sich das Mißfallen der Versammlung zu. ErwähnenSwerlh sei schließlich der Um- stand, daß. als an die Unternehmer der Ruf erging, zusammen zu kommen, um über die Aufbesserung ihrer Lage zu berathen, dieselben in verhältmßmäßig großer Anzahl erschienen, was bei den Arbeitern leider nicht immer der Fall ist. Möchten letztere hieraus eine Lehre ziehen, und den Ruf zur Vereinigung nicht länger unaehört verhallen lassen. Die Versammlung beschließt noch, ein Weihnachtsvergnügen im Saale der Bockbrauerci ab- zuhalten.— Zum Beitragsammler für die Zahlstelle 5 wird Kollege Lenz ernannt. Der Vorsitzende schließt hierauf die Versammlung 11.35 Uhr. Eine große öffentliche Versammlung der Sattler und Kernfsgenoffen fand am Montag, den 7. Oktober d. I. bei Deigmüller, Alte Jakobs str. 48». mit folgender Tages- ordnung statt: 1. Vortrag des Herrn Th. Glocke über Eni- stehen, Nutzen und Zweck der Streiks. 2. Stellungnahme zur Lohnsraae. 3. Verschiedenes. Um Ol, Uhr eröffnete der Ein- bcrufer Kollege Aßmann die Versammlung, machie die Tage«- ordnung bekannt und ließ Vorschläge für das Bureau machen; es wurden gewählt zum 1. Voisitzenden Kollege Aßmann, zum 2. Vorsitzenden Kollege Maurer und zum Schriftführer Kollege Achterberg. Referent sprach unter dem Beifall der Versammlung. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung fetzte der Einbemfer den Anwesenden auseinander, was es für eine Bewandtniß mit der„Stellungnahme zur Lohn frage" habe, jeder Kollege wisse ja am besten, woran es ihm fehle; hätten die Kollegen vielleicht gedacht, daß heute schon über einen auszubrechenden Streik verhandelt würde, so hätten sie sich eben getäuscht. Vor allem sei e« nöihig, eine starke Organisation zu schaffen, eine Statistik zusammenzustellen über Lohnhöhe, Arbeitszeit in den einzelnen Werkstellen u. s. w., um auch beweisen zu können, wie schlecht die Berliner Sattler in materieller Hinsicht gestellt find. Zu- nächst erhielt Kollege Bombin das Wort. Derselbe erwähnte in allgemeiner Betrachtung die großen Opfer, welche die Arbeiter und ihre Organisationen bei ihrem Ringen nach Emanzipation gebracht, wies darauf hin, wie zu Anfang diese« Jahrhunderts rn England große Bewegungen der Arbeiter und ihre Folgen stattfanden. Ebenso sei es hier in Deutschland gewesen, wo man speziell in den letzten 10 Jahren mit aller Anstrengung gegen die Arbeiterorganisationen und ihre Führer kämpft; trotzdem man Vereine und Versammlungen verbietet, geht die Ardeiterklasse, daraus ihre Konsequenzen ziehend, unerschrocken ihrem Ziel entgegen. Weiter ging der Redner über auf die Ursachen, welche den Arbeiter zur Vereinigung und zur Auf- besserung seiner meist sehr traurigen Lage bewegen, schilderte die Machtfrage des Unternehmers vom ökonomischen Stand- punkl au« und meinte, diese Macht könne man nur durch starke Organisationen brechen. Arbeiterschutz, wie er heute vom Staate dem Arbeiter zu Theil wirb, sind Argumente, welche ihn vor dem Verhungern nicht schützen. Um allen Anforde- rungen, namentlich der hohen Lebensmittelpreise und hohen Steuein auf VerbrauchSmiiiel. zu genügen, giebt es kein anderes Mittel, als daß die Arbeiter sich vereinigen und gemein- sam dagegen Front machen. Im weiteren wies der Redner auf die i traurigen Verhältnisse im Sattlergewerk hin und meinte, daß heute, nachdem die Militärarbeit fertig gestellt, die lKollegen schlechter daständen, als vor- dem, wo nach einer Statistik der Durchschnittslohn 12 bis 13 M. bei einer 11— 12stündigen Arbeitszeit war. Heute hat ein großer Theil der Kollegen keine geregelte Arbeitszeit und ein eben so großer gar keine Arbeit; diesem muß abge- halfen werden, indem man die Arbeitszeit verkürzt, um so einem Jeden Gelegenheit zum Arbeiten zu geben, damit beseitige man die Konkurrenz unter den Arbeitern, welche heute meist die Ursache der so schlechten Löhne ist. Hierzu bedarf es der Mit- hrlfe eines jeden Kollegen, darum schließe sich jeder den beste- henden Organisationen an und stehe mannhast für die Be- schlösse derselben ein. Hierzu hilfreich die Hand zu bieten, ist edel. Und Zweck der Arbeiterorganisation muß es sein, die Kollegen richtig denken zu lehren. Denn nur durch ein richtige« Denken wird der Mensch in den Stand gesetzt, richtig zu han- dein. Redner empfahl folgende Resolution zur Annahme: In Anbetracht der Hohen Lebensmittelpreise und der immer er- drückenderen Steuerlast ist es den Arbeitern trotz aller An- strengungen und verlängerter Arbeitszeit beinahe unmöglich ge- worden, den an sie gestellten Anforderungen zu genügen. Weil nun die Sattler und Berufsgenossen eins der am schlech« testen dastehenden Gewerke sei, so ist es unbedingt nothwendig, ehe unsere Existenz ganz und gar versumpft, Schritte und Wege zu ergreifen, um diesem Krebsschaden Einhalt zu thun. Zu diesem Zweck wählt die heute am 7. Oktober d. I. in Deig- müller'S Salon tagende öffentliche Sattlerversammlung eine Kommission, welche Erbcbungen über die Lage, in welcher sich die GewerkSgenossen befinden, ausarbeitet. Diese Kommission durch rege und wahre Angaben zu unterstützen, sowie sich den bestehenden Organisationen anzuschließen, ist Pflicht und Ehren- fache aller Kollegen. Kollege Bültner und Slegmeier sprachen sich für die Resolution aus, letzterer ermuntert die Kollegen, auch mal ihr Augenmerk auf die Spandauer Arlilleriewerkstatt zu richten, da dort auch nicht alles so in Ordnung sei, die dortigen Sattlerverhältnisse ließen viel zu wünschen übrig. Dieses wird vom Kollegen Teer bestätigt und einzelne Vor- kommnisse angeführt. Kollege Schreiber»st ebenfalls für die Resolution und fordert die Anwesenden auf, sich entweder dem Fachverein der Sattler Berlins oder dem deutschen Saitlerbund anzuschließen. Kollege Maurer macht auf die heutigen miserablen WirihschaslSverhättnisse aufmerksam und empfichlt Beitritt zu ein er dieser Organisationen, kann sich aber mit derWahl einerKom- Mission nicht einverstanden erklären, da bereits der deutsche Sattler- bund die Vorarbeiten zu einer Statistik für ganz Deutschland in Angriff genommen hat; er ist aber außer diesem Punkte auch für die Resolution. Kollege Haußner ist gegen Kommisfions- wähl. Nach längerer Debatte jür und gegen die Wahl wurde die Resoluiion mit allen gegen 8 Stimmen angenommen. Die Kommission besteht aus folgenden fünf Kollegen: Aßmann, Piinzessinnenstr. 6; Bombin, Adimralstr. 15; Hänichen, Se- bastianstr. 36; HooS, fehtt Adresse; Schreiber, Garlenstr. 159. Nachdem die Anwesenden nochmals ersucht wurden, der Kom- Mission so viel als möglich mit wahrheitsgetreuen Angaben zur Hand zu gehen, wurden noch folgende Veisammlungcn be« kannt gemacht und zu recht regem Besuch aufgefordert: Verein der Sattler und Fachgenossen Berlin'« am 15. Oktober bei Deigmüller, Alle Jakobstr. 48a; Sattler-Hilfskasse Hoffnung 64 am 19. Oktober bei Heydrich, Beuthstr. 22; Vergnügen der Hilfskasse am 26. Okioder bei Heydrich, Beulhstr. 22; Deutscher Sattlerbund, Versammlung am 2. November bei R>yher, Alle Jakobstr. 83. Mit dem Wunsche, an allen diesen Tagen recht zahlreich am Platze zu sein, schloß der Vorsitzende die von un- gefähr 200 Personen besuchte Versammlung. ** * Fach»»r,in b« ztohr>»«»r. Sonntag, dtn IS. Oktober. BormlttagS 16 Uhr, tn geuerstein'd Eaton.«Ite Jakobslrate 7S-. VeOaminIun». TageS- ordnuna- 1. Vortrag de« Herrn Bölsche über die Darwin scke Lehre. 2 Wahl eine« Vergnllaungikointleei zum Winlervcranttgen. Z. Berschiedcnei und gragekasten. Äusnahmr neuer Mlgiieder. Um zahlreiche« ti.scheinen wird ersucht. Frei» Prriinigunp bar Manr»r K»rlin». Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Beisammlung am Sonntag den IS. d M, in oen Bürger. saicn, in weicher Herr Wilhelm Werner über Zeitlohn und Elülkiohn sprechen wollte, nicht naltsindet, weit die polizeiliche Genehmigung persagt ist.„,. Koliatb»mokrottsch»r SPahloeretn fiir»»n N»>ch«- tav«>uay»>r»i». Versammlung am Vtoniag. den 14. d. Vi., Adend«»X Uhr. Im grollen Saale der Habil'schen Brauerei. Bilginannstr. 5-7. Tageiordnurg' 1 Vortrag über;„Die politische Sage Im Allgemeinen." Sief. v. Echweih-r. 2. Dilkussion. 3 Vcrschiedere« und strogekasten. Gtiste willkommen. Mit- glicder werden ausgenommen. Auch werden die Bettrllge dort entgegen genormnen. Um zahlreiche« Srschctnm wird ersucht $»>e hierein Oorttner«hautbUttor btilt am Montag, den IS. b. M.. Abend« 9 Uhr. Neue Gcünstra«e 28, eine ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung siehe Inserat. S»r tfirrin tue Wahrung b»r Ant»reN»n rämmtlirhtr Siuhirtr Mit am Montag Abend«X Uhr Blumensirahe 78. Eck-«lerrnderftraile. ein« Versammlung mit solaender Tagesordnung ab- I. VierteljghrcSbericht und Wahl eine» ersten Echnstsühreri 2 Bortraa über geweibliche Schiedsgerichte. Reserent Herr Zubctl.». Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedene«. Mrrrin b»r Wobellttfchter. Versammlung am Montag, den 14. Okt. Abend» 8X Uhr, bei Schröder, Müllerftrahe 178. Tagesordnung i 1. Berein». angelegenheiten. 2. strag, kästen Die Mitglieder werden noch aus S 5 de« VereinSstatuti ausmerksam gemacht. Nrrsanttnlxi«» b»r Kaetrirrr iFilial» IV b»r U«r»intg«ng1 am Montag, den 14. Okiober, Abend« 8X Uhr. in fteuet stein S Neftaurant. Tage». ordnung: 1. Quartalsabrechnung 2. Stellungnahme zur Generalverlaminlui g in Bremen. 8. Innere VereinSaegel-genheiten. 4. Verschiedene«. 3 ihlrelche« Erscheinen ist erwünscht. Gaste willkommen. Neue Mitglieder werden aus. genommm. Mirbaub b»r MSb-ipoiir»? Herlin» unb Umgegend. Montag. den 14. Okiober. Aber di 8 Uhr, im Lokale von Krieg-r. Neue Hochstrahe 32». auhero dentliche Versammlung. Tagetordnung■ I Die Nothwendlgkeit der gewcrksckasilichen Organtlation und ihre Einwiikung bei Erzielung günstig-c ArdeitSdediogungen. lRcserent Herr Emil Schade.! 2. Drskulsion. 3 Ver. schiedene«. Alle Kollegen, speziell die de» Norden« sind biermil eingiladen. Unser Stistungisest sindet am 28. Oktober im Echweizcr-Gartcn unter Mit» Wirkung der Leipziger Sltnger. sowie mit Konzerl und Ball statt und sin» Billeti 4 30 Vi. bei Rau.«runnenstraße 94, Giöber Grüner Weg«5 Back. Sorauerstrahe 5, Weber, zlicdcrstrage 6, und nächsten Sonnabend tn den Zahl- stellen, sowie in obiger Versammlung zu haben. «ro&tM�»ntach, KchnhmachervOrsainmlun» am Montag, den 14 Oklob Mvend« 8X Uhr, in Klein« zestsölen. Omntenstrahe 180. Tage«. ordnung i I. Wie stellen sich die Schuhmacher Berlin« zur Verkürzung der- ArdeilSzcit? Reserent Herr strig Krüger. 2. Verschiedene«. Pünktliche« Er. scheinen aller Kollegen ist Pflicht. «»ffontltch» Korbmacher-Nersammlung am Montan, denk« Oktbr Abend» 8 Uhr, bei Roll,«dalbertstr. 21. Tagesordnung. 1. Die Notbrvenbia. keit unserer Organisation. 2. Diekussion 3. Verschiedenes Lacho»r»»» b»r Kli>umart»tt»r Montag, den 14. Oktober. Abend« 8X Uhr. Orantenftr. 180; Generalversammlung. Taget ordnung; 1«brechruna de» Kassireri vom SommernachlSsest, kleine Vergnüge». 2. Bericht der«rb ii». nachweiS-Kommirsion. 3. Wahlen. 4. Statutenänderung lflh 7 und 8> 5 Ver. Ichiedene». Mitgliedsbuch legitlmirt. Um zahlreiche» E.schcinen ersucht der Vorstand. «»«»ralvmts'ammixng de« Fachvercin» der Lithogravbte. steinschleiscr und Berus»genossen am Montag, den 14 dM Abend« 9 Uhr, bei Bobcrt, W-instrahe 11. Tagciordnung; Kasienberichl' Beschluhsasiung. Arbeitsnachweis und StistungSfest betr. Verschiedene» Gäste haben Zutritt. derFreien Vereiniaung der Karton- arbeiter am Montgg, den 14. Oktober, Abend« 8X Uhr, im Reftnumnt Nebelt», Langestr. 108. Tagesordnung; 1. Bericht über die btthertae Tdäria. keit de» Verein« Reserent; Herr Siegfried. 2 Kaflenadschluh und Bericht der Revisoren. 3 Wahl eine» Revisor«. 4. Verschiedene» und Fraaekasten Ners-mmlung der Freien Vereinigung der im«er. goldergewerdc beschäftigten Arbeiterinnen Berlin» aar Montag, drn 14. Oktober. Adend» Uhr, in Scheflei» Lokal. 3nselftr 10 I Tagesordnung; 1. Vortrag der Frau Ihrer über;.Volksernährung" 2 Di»1 kuision. 3. Ergänzungswahl de« Vorstände». 4 Verlchledene» und strogekaben Sämmtliche Vergoldcr Berlin» werden hierdurch sreundlichst eingeladen Gäste willkommen. Fach»«r»i« b,r posamentier« nnb Ser»ssg»n<>ix«n. Verlimm- lung am Montag, den 14. Oktober. Abend» Sz Uhr. bei Keuerstein, Alte%>kob. strahe 75 Tagesordnung: 1. BerufSstatistik. 2. Rechnungslegung 3 Ver- schiedene» und Aragekaiten. Um zahlreiche» Erscheinen ersucht der Vorstand ,, Vorsammtung b»r zs-rmmr am Montag, den 14. Oktober. Abend« 8� Uhr, im Saale der Norddeulschen Brauerei. Edauffee. strahe. Tagesordnung; 1. Wie stellen sich dle zormer Berlin» zur Arbeit». einstellung 2. Diskussion. 3. Verschiedene». Da» Erscheinen särmnUichcr Former ist nothwendig. «in» S«f»ntlich» lp-rsammlung b»r L»il»»han»r nnb KcUtn- schlrifer findet am Dienstag, den 15. Oktober er., im W-ddtngpark. Müäer. strahe 178, statt. «trol» Schn-id-rversauiminng b»» pentrchrn»dtttribtrorr- banbt».Filiale Berlin) am Dienstag den 15. d. M. �end» 8X llbr ü. Jordan» Salon. Neue Grünstrahe 28. Taaeiordnuug; 1. Endglltige Be sprechung Uber den Zuschnctdekur u». 2. Verkehr», und berberaSwelen 3 V.r. mrwaltung. daben Zutritt. Um zahlreiche» Erscheinend� n Sachg-nolsen. Dienstag, den 15. Oktober. Abend» A Uhr, bei Deigmüller Alte Iakobstrahe 48»; Mitglieder-Bersamml luna. Tagesordnung; I. Ber'cht de» Vorstände» und der ArbeiiSvermitteluag 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3 Wahl der Revisoren und», bei,»vermittle.. 4. Wahl eine» Blbliothekar» 5. Verschiedene» und Fragekasten. Mitglied«drich lcgitiinirt.� Um zahlreichen Besuch wird gebeten. ..............._________________. Nktt die gewerkschaftliche Organisation der Goldschmiede eine Nothwendiak i:.' Reierent Herr Botlsried Schulz. 2. Diikusflon. 3. Verschiedene« 4 Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um recht zahlreiche« und pünktliche» Erscheinen wird rrsucht. M*"10»«rtttjoung b»r b.ntsch.n ttlaUr, «adtlrtr, ilnRc.lch.r nnb otcroanM.n H.r.rfog.notsen hält am Donnerstag, den 17. Oktodec. tn Haffmann» Zentral-F-tisälen. Oraaienstr 180 ihre regelmähtge Mrtgstederoeriainmlung ad mit der TageSordnuna- 1 B'ectel. I°hr«b-richt 2. Reis-unterftühang. 3. Wahl der AcbeltSv-rmtirelungSkammiisiall. 4 Eiatutenberalhung. 5. V-rschi-deneS. Um zahlreiche« Erlchclnea ersucht der Bevollmächtigte. . 4» V'vlin Knt-r-lss« d-r«ischl-r. S StiftunaS- fest am Sonnabend, den 19 Oklober, in den Vürgersäten. DreSdenerttratze 9« Billet» hierzu,» 30 und 50 Pf, sind bei folgenden Herren zu haben; s-'ch'. «ruchtstrahe 53 Hos 3 Tr.; Fölmer, TolmSttrahe SO vorn 2 Tr.■ Lackur. Slaunvnstrahc 20 Hof 2 Tr; Pieiite,«dmiralstrahe 88 Hos 3 Tr. «rttbraniernhair« der Wafchintnbau- Arbeiter unb otr- wanbtrr$»»nf«8»noir#n. Den Milgltedcrn zur Nachricht, bah am 10. November er. die ordentliche Gencrol-Versammlung stattfindet Etwaige S. oSl'!. welche auf die Taaeiordnung gesetzt werden sollen, müssen dt» rot de» Ct'm Kassenlokat, Nord Echönhauserstrahe IS, eingereicht ,«frtdttlgung. In dem Bericht de« Faflwerein« sämmtlicher an Holz- bearbeilungSmaschtnen beschäftigten Ardeiter ist die Angabe der Adresse der Zahlstelle de« Norden» eine»»richtige. ES muh heihen; F. Binle. Swine. mündcrstrahe 132, 4 Tr. link». Veuefle Der„Reichsanseiger" enthält folqende Bekanntmachung: Auf Grunv der§§ 11 und 12 des Reicksaesetze« vom 21. Oktober 1873, betreffend die gemeingefährlichen Bestrebunqen der Sozial« demokcatie, und de« Z 1 der Verordnung Großherzoglichen Ministerium« de« Innern vom 23. Oktober 1878. wird die Nr. 113 des im Druck und Verlag von Adolf Geck in Offen, bürg erscheinenden„Südwestdeutschen Volks» blattes, Offenburger Nachrichten", voar 9. Oktober d. I., verboten. F eiburg, den 10. Oktober 1889. Der Großherzogliche Landeskommissar für die Kreise Freiburg, Lörrach und Offenburg. Siegel. Depcsrticn. lWolff» TelegraPhen-F«?»»»«.) Schweidnih, 12. Oktober. In der heutigen Sitzung des Schwurgerichts, in welcher gegen die 5 Bergleute verhandelt wurde, welche am 16. Mai d. I. andere Arbeiter der Grube „Glückhilf" an der Einfahrt verhindert hatten, wurden zwei Angeklagte wegen schweren Friedensbruch« und Mißhandlung, unter Annahme mildernder Umstände, zu 2 Jahren Gefängniß und ein Angeklagter wegen einfachen Friedensbruchs zu ein Jahr Gefängniß verurtheilt. Zwei Angeklagte wurden freige» sprachen. Oschatz. 12. Oktober. Amtliches Wahlresultat der Reichs. tagSersatzwayl im 11. sächsischen Wahlkreise(Wurzen-Oschatz>. Im Ganzen wurden abgegeben 15 664 Stimmen, davon erhielt OberamtSrichtcr Dr. Giese in Oschatz(kons.) 8566, Kohlenwerk- bcsitzer Buchheim in Deditz(fieis.) 4741 und Lithograph Günther in VolkmarkSdorf(Soz.) 2354 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. Driefketflen. Bei Anfragen bitten wir die Abonnementi-Quittung beizufügen. ScteftUbc Antwort wird nicht ertbeilt. U. K. 88. Eine Klage würde zwar langwierig fem, aber doch wohl Ersolg haben. Kt. K. Ein Zeuge bei der Eheschließung muß großjährig sein, 0. h. das 21. Lebensjahr vollendet haben. G. N Wtflen einer autgeklaaten Sckuld, kann der Gläudifttr jede Fordenmg, welche seinem Schuldner gegen dritte zusteht, gerichtlich psänden I essen, sofern nicht bezüglich gewisser Forderungen gesetzlich etwas Anderes bestimmt ist. Für die Miethe der Schlafburschen oder Astermiether ist eine Ausnahme nicht gemacht, die Beschlagnahme ist daher zu- lässig. � ggjjfiacen Sie Ihren früheren Schlafwirth auf Heransgabe der Ihnen noch nicht zurückgegebenen Sachen. Wenn er behauptet, dieselben seien ohne sein Verschulden ab- handen gekommen, so mutz er das beweisen. ZU P. Kotmsstr. Sie brauchen nicht dafür aufzukom- wen, wenn Ihr Sohn Jemanden stößt und dadurch für einige Tage erwerbsunfähig macht. Wenigstens können Sie rechtlich nicht»um Schadensersatz gezwungen werden. F. K. 100. 1. Eine Fordcrung für gelieferte Waaren nerjährt in 2 Jahren, vom 31. Dezember des Lieferungsjahres an. Sind dre Waaren aber für den Gewerbetneb des EmvsängerS bestimmt, so verjährt die Schuld erst in 30 Jahren. 2. Sie mögen Ihren Verdacht bei der Staatsanwaltschaft an- »eigen und wegen Unterschlagung eine Haussuchung beantragen. Wenn Sie nicht Schimpfwörter gebrauchen oder wissentlich etwas Falsches behaupten, können Sie nicht bestraft werden, selbst wenn die Haussuchung kein Resultat ergiedt. Abonnent 00. Unsere« ErachtenS können Sie zur Be- ziehung der den Kontraktsbestimmungen bezüglich des KlosetS nicht entsprechenden Wohnung nickt gezwungen werden. Doch ist die Sache immerhin zweifelhaft; Sie thäten gut, sich mit dem Verwalter gütlich zu einigen. F.K. Uostttstrastr. Die Polizei hat allerdings das Recht, Sie, wenn der Verdacht einer strafbaren Handlung gegen Sie besteht, zu einer bestimmten Stunde vorzuladen, auch durch mündliche Bestellung. Leisten Sie der Vorladung keine Folge, so müssen Sie auf zwangsweise Vorführung gefaßt sein. Gffenborgerstr. 80. Ihre Fragen sind nicht ganz klar. Zu mündlicher Auskunft find wir bereit. K. 1. Alter Abonnent. Ein Pfandlciher darf® Pfandsache nicht vor Ablauf von S Monaten, und auch b» nur durch öffentliche Auktion verkaufen. R. K.» Acker steaste. Sie können nur Ihren Einsals auSve, langen, da Spielgewinn bekanntlich nicht klaabtii 1 Schicken Sie dem Restaurateur durch das Amtsgericht � Zahlungsbefehl. ®. A., Kchulstraßr. Ein Rauchklub, welcher anssä'fl lich geselliger Natur ist, bedarf überhaupt nicht der polizeUi» Anmeldung. ®. K. Da bei Verkauf des Hauses Sie noch nicht Barbierladen übergeben erhalten hatten, so können Sie nur gegen den Bauherrn, mit welchem Sie den Kontrakt ed? schlössen haben, geltend machen. Sie können entweder b Laden beziehen und die Kosten für das Setzen des Ofens* Bauherrn ersetzt verlangen oder vom Kontrakt abgehen f. Schadenersatz beanspruchen. Sozialdemokrat. Wahlverein 2. Wahlkreis. Große Versammlung am Montag, den 14. d. M., Abends 8t Uhr, im Saale der Haderschen Brauerei, Bergmannstr. 5/7. TageS-Ordnung: L Vortrag über»Die politische Lage im Allgemeinen". Referent: W. Schweitzer. 2. Diskussion. 3. Verschiedene« und Fragekaftm. 244 Gäste willkommen. Mitglieder werden aufgenommen; auch werden die Beiträge dort er« hoben. Um zahlreiches Erscheinen ersucht ll«i» Voratand, SWlilemkr. Wilhlmck i>ts K. Verl. ReiMMihlkreises. Grosse Versammlung m Dltnßllg, Den 15.i)v Ms. 81- Uhr, in Lehmnn'S Salon, Slhmdtttßr.A. T a a e S-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn I. Wernau über:»Die ökonomische Lage der Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden auigenommen. Um rege Agitation ersucht__[257]_ Ter Vorstand Sertiii zur Regelmg der pttlilidit» SerWiffe der Mr. Sonnabend, de« 10. Oktober 1880: 1. im ScI,iwaiaoi*»Gai>«an(am Friedrichshain). viletS(für Herren 50 Pf., Damen 25 Pf.) find zu haben bei den Herren Richard Schulz. Chausseestraße 84; Hotz, Angermünderstraße 11; Graffunder(Restaurant), Ziethen- und Schwelinstraßen-Ecke; Hvffmonn, Frankfurter Allee III: werschke, Adalbertstraße IS, und im Arbeitsnachweis, Dresdenerstrabe IIS.[120 Gr. öffentliche Tischler Versammlung ggr am Dienstag, den 15. Oktober, Abends 81z Uhr, im Schweizer-Garten(am Friedrichshain). TageS-Ordnung: 1. Die diesjährigen auswärtigen Streiks im Tifchlergewerbe und ihre Rückwirkung auf die Verhältnisse der Tischler Berlins. Referent Herr Zuber!. 2. Diskulfion. 245 3. Verschiedenes. Ter«inberufer. Grosse Schneider-Versammlung des Deutschen Kchnewer-Nerbavdes, Male Berlin, am Tienstag, den 15. Oktbr., Abends 8l Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28. TageS-Ordnung: 1. Endgiltige Besprechung über den Zuschneide- Kursus. 2. Verkehrs- und Herberge- mesen. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt.[240 Um zahlreiche« Erscheinen ersucht Tie Lokalderwattuna. Große össenti. General- Nersammlung sämml. Zimmerleute Berlins und Umgegend am Montag, de« 14. Oktober, Abends 8 Uhr, im Ifoii-vi'tKsus Sanssouci, Kottbuserstratze 4a. TageS-Ordnung: e. 2. Verschiedenes. esonderS des alten Hauptvorstandes vom Verbände. 240_ Die Beauftragten. 1. Regelung der Organ isationsftage Zahlreiches Erscheinen ist nölhig, be GesoKatts- Verlegung. Ich zeig« hiermit ergebenst an, daß ich mein Cigarren- und Tabak-Geschäft am 1. Ollober von der Vrtnzenstrofte nach der Wa.MSi*«l,or- Strasse 20 verlegt habe. 235]_ Otto Krficker, voim. Fritz Kunrrt. Garderoben für Herren und Knaben zu halben Preisen. Wmter-PaletotS für Herren mit bestem Lama- futter 12, 15, 13, femfeine 20—30 M. Kom- piette Herren-Anzüge, gediegene Sacken, 15 M. Siosshosen, eleganter Schnitt, Zß— 12 M., Knaben- Anzüge 4 M., Arbeitshosen 2 M., JaquetS, seidene Westen, Hüte, 1 Posten Harmonikas er- staunlich billig. 24ö Letten aukgobehalber für jeden Preis. 00. Uariannenotraooe 80.(Laden.) und Wodemaaren «mvfiehtt in größter Auswahl. 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Russische und Türkische Cigarrette«.[203 Junkeistrahe Sir. t. Für keltsMeldreher etc. beginnt am IS. Oktober ein neuer Kursus zum Ausrechnen der Räder für all« vorkommenden Gewinde, mit erforderlichem Vomnterricht im Rerbnen mit Brüchen. Dezimalbrüchen ,c. ll709 Kern». Rsok, Techniker u. Werkmeister, SO., Rrickenderger- Straße Rr. 130, 1 Treppe. krajjt öffentliche Ve rsammlung der Schuhmacher am Montag, den 14. Oktober, Abends 8i Uhr, in Kiein's Kestsäten, Oranienstr. 180. Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Schuhmacher Berlins zur Verkürzung der Arbeitszeit. Referent: Herr Fritz Kruger. 2. Verschiedenes. Ter Einberufer. I. A.: W. Peter, 249_ Kottbuserufer 56. Derei« Kerlmer Hansdiener. Montag, den 14. Oktober. Abends 9 Uhr, Neue Grünstr. 28: Lkdeitl. keitenilllersMmImg. iTageS ordnung: 1. Mittheilung. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Jahresbericht. 4. Bericht der Stellenvermittelungskommilfion. 5. Neuwohl des Vorstandes, der Revisoren, des Festkomitees und des Ehrenraths. 6. Verschiedenes und Fragekasten. 248_ Der Vorstand. Oeffentliche Nersammltttig der Taböklirklttt t Meitenmies am Montag, den 14. Oktober, Abend 8tz Uhr, im Schweizer Garten. TageS-Ordnung: I. Bericht der Lohnkommission. Vorlage des Miaimallohntanfs. Referent W. Herrmann. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 237_ Ter Etnberufer. ZeM-Kkliitkeil- v. AerbeW der Wler «»> anderer gewerblicher Arbeiter. (E. H. Nr. 3 in Hamburg.) Oertiiche Verwaltung Berlin A. Durch Beschluß der Mitglieder-Vecsammlung sind folgende Zahlstellen verlegt worden: von Wrangelstraße 86 bei AuruS nach Cuvrystraße 16 bei Ziemer; von Reichenbergerstraße 71 bei ZylinSky nach Forsterftraße 45 bei Linke; von Lausitzerstraße 9 bei Wätzerich nach Görlitzerstraße 58 bei TolkSdorf. 167_ Tie OrtSverwaltung. Fach verein der Kuchdinder und verwandte« Kernfsgenossen. Montag, den 14. Oktober, Abends 9 Uhr, Annenstraße 16: Generalversammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Bericht der ArbeitSnachweis-Komm'ssion. 3. ErgänzungS- wähl zum Vorstand. 4. Statuten- Aenderung. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Mitglieds- buch legiümirt. Um recht zahlreiches und pünkt« liches Erscheinen bittet 236 Her Vorstand. Der Arbeitsnachweis des Vereins befindet sich Dresdenerstraße 116 im Restaurant und wird sämmtlichen Kollegen zur Benutzung empfohlen. Hoireii-CJaräerobe nachMaass in jeder Ausführung. Reellste Bezugsquelle. Erste Produktiv- Genoffensch. Kerliuer Schneider(G. G.) 250[ Aomniandantenotr, 61._ Reh-Tabak. PreiSwerthe Sumatra- Decken i 160, 250—600 Pf., Brasils ä 90, 100—145 Pf., Carmen, Domingo, Seedleaff, Elsäs- oor, Pfälzer und Land empfehlen[1352 W. Bergemann« Co., Berlin C., Alexanderstr. 38. Allen Freunden und Bekannten empfehle» Weiß- mi> BiiriWiee-W auch ist ein Vereinszimmer zu vergeben. »ans Polandtf 39]_ Naunynstraße 83. Allen Freunden und Bekannten empfehle W Welff- nnd Mirlsch-Wer-lo� C. J. Petersen/ 118] Veteraneustrafte 22.| Grorser kräftiger Mittagstiset, a 40 Pf., Abendlisch a 30 Pf. 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Xiovrefpoudimzeu. Kamburg, 9. Oktober. Wie schwer es für die Arbeiter ift, das durch einen Streik Errungene für die Dauer festzu- balten, beweist der Lohnkampst zu welchem die Schneider Mtona's seit kurzem durch das Vorgehen eines großen Theils der Arbeitgeber gezwungen worden find. Im Laufe des Sommers haben fich nümUch eine Anzahl Konfektionsgeschäfts« Inhaber und kleiner Schneidermeister unter dem Namen einer treten Vereinigung zusammen geihan,'um die, infolge der Lohnbewegung der Gehilfen im vergangenen Fiühjahre, erhöhten Lohnsätze wieder herab zu drücken. Sie arbeiteten ihrerseits einen Lsgntarif aus und als nun nach Beendigung der log. Gurkenzeit dt« Arbeit wieder begann, bestimmten diese Arbeitgeber die Zahlung für die anzufertigenden Kleidungsstücke nach den von ahnen ausgearbeiteten Lohnsätzen, welche bedeutend hinter den im Frühjahre vereinbarten zurückbleiben. In mehreren Ver- jammlungen der Gehilfen wurde natürlich gegen dieses Vor- gehen der Arbeitgeber protestirt, aber wie es scheint, mit we- nigem Erfolge. Durch da« Fassen von Resolutionen, wie das p so meistens in Arbeiterversammlungen heutzutage an der Tagesordnung ist, läßt fich der ArbeitSmarkt nicht bestimmen nno lassrn fich die Gegen paiteien weder beinflussen noch in ihrkm Thun und Treiben beirren. Die freie Vereinigung seibil ständiger Schneider und Konfeküon.äre hält denn auch bis jetzt an ihrem Lohntarife fest, in Folge dessen die Lohnkommiffion der Schneidergehilfen von Hamburg- Anoua und Umgegend über mehr als 40 in Altona domizilirte Geschäfte die Sperre verhängt hat: d. h. in ebenso vielen Schneiderwerkstältten befinden fich die Arbeiter jetzt wieder im Ausstande und die Freude über den im vergangenen Früh» linge errungenen Sieg war eine verzweifelt schnell vorüber- gehende. Würden die Arbeiter wenigstens einer Geschäftsbranche aber �eineS Gewerkes olle stramm zusammenhalten, so wären solche Vorfälle natürlich einfach unmöglich. Es sollen in Altona ganze Schneidersamilien aus Sachsen ous Verschreibung eingetroffen sein, welche Mann, Frau und Töchier bis»um 12 jährigen Kmde herab nun darauf los r-ahen und bügeln was das Zeug halten will. Solche Leute, weiche aus Sachsen mit seinen berüchtigten niedrigen Arbeits- Ivanen hierher kommen, glauben fich, selbst bei den herunter erdrückten Preisen der Alrorraer Schneidergeschäste, in ein Paradies versetzt und die hiefigen Schneidergehilfen mögen froh sein, wenn den bereits Zugezogenen nicht noch eine ganze Völkerwanderung aus Sachsen oder Schlesien folgt. Dadurch, daß die größte Mehrheit der Schneider von Hamburg zur Organisation hält, können die in Altona im Ausstände befindlichen vorläufig wohl genügend unterstützt werden, aber eine Beendigung der Differenz ist noch nicht �abzusehen. Die Schneider Berlins aber sollten diesen Vorgängen in Hamburg-Alrona die eingehendste Beachtung schrnken, denn wenn eS den Geschästsinhabern hier jetzt ge- ikgen sollte, die Errungenschaften de« letzten Streikes illusorisch zu machen� so ist ein neuer allgemeiner Lohnkompf der Schnei- der im nächsten Frühjahre hier unvermeidlich und das würde für dre in Berlin zum nächsten Jahre geplante Lohnbewegung in» Schneidergewerde nicht von den günstigsten Folgen sein! Die in Folge der hiesigen Lohnkämpfe der Schnei« de» geplante und in mehreren Versammlungen diskutüte Errich- !ung einer Produktiv-Genossenschast der Schneider ist noch irgend einer Verwirklichung sehr fern und wird aller Wahr- schrmlichkeit nicht einmal als todtgekorenes Kind zur Welt kommen. Wie auch sollte solche Genossenschast, welche vorauS- fuklli® ohne genügende Kapitalien ins Leben treten würde, ihren Arbeitern �oder TheUhabern aber Löhne nach dem höchsten Satze zahlen müßte, in Konkurrenz treten können mit den Ge- schästcn, die ihre Preise kalkuliren nach den Lohnsätzen, weiche Frauen und minderjährige Arbeiter erhalten. Die Arberter, Erinnerungen aus meiner Gefangenschaft in der Kastüle vom 27. September 1780 bts 19. Mai 1782. Von Henry L i n g u e t. Henry Linguet wurde am 14. Zuli 1736— dem Jahrestage der 53 Jahre später erfolgenden Erstürmung der Bofiille— als Sohn eines wegen seiner jansenistischen(wir würden heute sagen: freireligiösen) Gesinnung abgesetzten Prosessors geboren. Henry Linguet studirte in Paris, und nachdem er Reisebegleiter deS Grafen von Zweibrücken, Theaterschriftsteller, Seifenfabrikant, Genieoffizier und Lehrer der Mathematik gewesen, wurde er Advokat in Reims. Als solcher gelang es ihm, einen Herrn de la Barre, welcher der Gottesleugnung angeklagt war, weil er bei Begegnung rwer Prozession den Hut aufbehalten, der Tortur und dem Scheiterhaufen zu entreißen. Hierdurch und durch ein von ihm veisaßteS Werk über den Jesuitenorden, welches von Henkeri Hand verbrannt wurve, erregte er den Haß der ver- einigten Pfaffen und Reaktionäre, so daß er am 11. Fe- lnuar 1774 von der Lrste der Advokaten gestrichen wurde Linguet widmete sich nun der Redaktion einer Zeitung bald mußte er aber fem Vaterland wegen seiner Zeitungsartikel welche, um in heutigen Ausdrücken zu reden,„in einer den Frieden der Bevölkerung gefährdenden Weise" verfaßt waren aus Frankreich entfliehen. Er gab nun nach einander von England, der Schweiz und Belgien aus eine Zeitung heraus, welche er mit Ge- schick zu redigiren und nach Frankreich einzuschmuggeln ver stand, und worin er mit den Pfeilen des Witzes und wuch. iPen Keulenschlägen der Kritik die alte Gesellschaft angriff. Leider ließ er sich verleiten, in eine ihm vom französischen Hofe gestellte Falle zu gehen, und den Boden Frankreichs � betreten. Die Folge war, daß er am 27. Sept. 1780 "�Straße von Paris ergriffen und ohne weitere Prozeß Verhandlung in die Bastille abgeführt wurde. Lassen wir ihn nun selbst erzählen:'" Eingetreten in da» Innere dieser Mauern, wurde ic von zwei Höllenhunde» in Empfang genommen, welche mic giündnch durchsuchten und mir Geld, Werthsachen, Messer un Scheere, sowie alle Briefschaften ic., abnahmen. Als dieses geschehen, wurde ich in meine Zelle abgeführt. Dieselbe ,.9°* einem Thurme mit Mauern von zwölf Fuß Stärke. ... Siede Zelle hat em einziges kleines Fenster mit drei dicken Eisenstäben, welche so raffinirt angebracht find, daß und auf Absatz in den Kreisen derselben wird doch wohl in erster Linie gerechnet, gehen dorthin, wo sie ihre Kleider am billigsten, gewöhnlich gleich fertig erhalten. Diese Kleider aber werden von den sogenannten Fettböcken mit ihren gering bezahlten Arbeitskräften, vielleicht anz und gar ausschließlich von Frauenhänden angefertigt. Ins sogenannte„feine" Kundschaft kann eine Arbeitcrgenossen- lchaft nicht rechnen. Die Mittelsorte-Kundschaft aber beansprucht beim Schneider in der Regel noch Kredit. Woher will also eine solche Schneider- Assoziation ihre Kundschaft rckcutiren? Vielleicht bliebe den Theilnehmern nichts übrig um Arbeit zu haben, als fich gegenseitig die Kleider anzufertigen. Dabei aber würde eine solche Produktiv-Genossenschast schwerlich floriren. Es ist überhaupt meines Erachlevs noch nachdrücklich vor ollen solchen Experimenten zu warnen! Schon Ferdin. Lassa lle wies darauf hin, daß solcheProduktionSgenossinschafts- Experimente im Falle des Gelingens nur einige Bourgeois mehr züchten, indem die Theilnehmer bald sich von ihren früheren Kollegen absondern und fich in die Reihe der Unter- nehmer stellen, oder das Experiment scheitert, was in der Mehr- zahl der Fälle anzunehmen ist, und dann wird durch jeden solchen Fall, der mit Frohlocken durch die Kapitalistenpreffe in die Welt hinarrs polaunt wird, die ganze Idee der Emanzipation her orbeilenden Klaffe mißkreditirt. Also lieber: Hand davon! Dasselbe hier Gesagte gilt auch von der ebenfalls veutilirten Frage der Errichtung leiner Zigarrenmacher-Genossenschaft, ob- gleich man annehmen könnte, daß die Zigarre ein auch unter der arbeitenden Bevölkerung leicht vertreibdarer Artikel ist. Die Hauptfrage bleibt in diesem Falle die, ob Hamburg der geeignete Platz für die Ausführung eines solches Projektes wäre. That- sächlich rauchen wir hier in Hamburg, trotz der berühmten Hamburger Tabaksfabrikation, schon Jahre lang Zigarren, welche in Mitteldeutschland zu den dort üblichen geringen Ar- beitslöhnen angefertigt werden. Ja, es wurde von hiesigen Händlern, als Hamburg noch feine Freihafenstellung hatte, sogar ein äußerst schwungvoller Handel mit Thüringer Zigarren getrie- den, indem solche nach Hamburger Manier sorlnt und verpackt als„echte Hamburger Zigarren" ihren Weg wieder ins deutsche Zollgebiet nahmen. Es ist sogar nicht nur zu befürchten, sondern sogar anzunehmen, daß die Fabrikation von Zigarren geringerer Sorte, sowie das Sortirergejchäft dafür, fich in ab- fehbarer Zeit ganz vom hiefigen Platze weg und nach Mittel- deutfchland hinwenden wird. Also wird es auch woh! mit der geplanten Zigarrenmacher-Genossenschaft oder auch einer Ge- nossenschast der Zigarrensortirer am hiefigen Platze nur beim Projekte bleiben. Vevinifehkes. Leipzig wird ein grausiger Muitermord gemeldet. Am Dienstag Abend gegen 11 Uhr trat ein 13jähriger Knabe in der Dörrienstroße an einen dort patrouillirenden Schutzmann heran und theilte ihm mit, daß er seine Mutter mit einem Beile erschlagen habe. Der Beamte, welcher an die Wahrheit dieser Erzählung kaum zu glauben vermochte, versicherte sich gleichwohl des Knaben durch Unterbringung auf die Wache und veranlaßt« sodann sofort nähere Erörterung an Ort und Stelle. Man verfügte sich nach der angegebenen Wohnung Kreuz- straße 27, woselbst die 41 Jahre alte HandarbeiterSwittwe Stelzner mit ihrem 13 Jahre alten Sohne, Bernhard Emil Stelzner, geboren am 6. August 1876 in Mockau, ein kleines Logis bewohnt. Die von dem Knaben erzählte Thaisache fand ihre volle Bestätigung, im Bette lag blutüberströmt und todl Frau Stelzner, der Kopf durch mehrere scharfe Beilhiebe zer schmettert und förmlich zerhackt. Der Knabe will, nachdem seine Mutler etwa um loUhrAbends sich niedergelegt und er bald darauf ebenfalls zu Bett gegangen, wieder aufgestanden sein. Er mußte, man kaum einen Blick auf die Außenwelt genießt(die Bretterkästen vor den Gefangenenzcllenfenstern, welche nur den Ausblick auf ein ganz kleines Stückchen Himmel\ fiatten, scheinen damals noch nicht erfunden gewesen zu ein.) Früher hatten diese Zellen drei kleine Fenster. Allein noch unter der Regierung des jetzigen Königs sind je zwei derselben zugemauert. Daß bei diesem geringen Luft- und Lichteingang eine solche Zelle sehr feucht und im Winter eifig kalt ist, kann nicht Wunder nehmen. Von meinem Zellenfenster blickt man nach dem Graben hinaus, in welchen sich die Gossen des ganzen Stadtviertels Saint Antoine ergießen; welchen Gestank dieser Graben im Sommer verbreitet, brauche ich nicht auseinanderzusetzen. Man denke sich einen Gefangenen in solcher Atmosphäre. Obgleich eine genügende Summe zur Erwärmung der Zellen ausgesetzt ist, so reicht diese— nachdem sie vom ober sten Kommandanten bis zum Stubenheizer gesiebt— doch nur aus, um jedem Gefangenen täglich sechs Stückchen Holz schlechtester Qualität zu liefern. Wehe dem Gefangenen, der über keine Geldmittel verfügt. Die Möbeln sind diesen anderen Verhältnissen würdig. Ist die Elsparniß bei dem Holzverbrauch seitens des Gou verneurs eine Unterschlagung, so ist dieser Geiz bei Haltung der Möbel schon der reine Raub, begangen an den Unglück: lichen Gefangenen. Zwei Matratzen, von Würmern benagt, in einer eiser: neu Bettstelle, ein einfaches Rohrsopha, ein wackliger Tisch, ein Wasserkrug, zwei Steinguttöpfe, eine Schippe und ein Feuerhaken— dies ist, was mir geliefert wurde. Erst nach neun Monaten gelang es mir, zu erreichen, daß ich mir auf meine Kosten ein aepolstertes Sopha und eine Theemaschine anschaffen konnte. Nur eine leinene Bettdecke zu kaufen, war mir von vornherein erlaubt, da die Motten die wollenen Decken meines Bettes gänzlich zerfressen hatten. Wenn Mademoi selle de Staöl erzählt, ihr Zimmer sei tapeziert gewesen, so muß ich mich darüber wundern, denn meine Zelle war so feucht, daß keine Tapeten an den Mauern geklebt haben würden. Die Wände meiner Zelle flößten mir Grauen ein; einer meiner Vorgänger, ein Maler oder Liebhaber der edlen Malerkunst, hatte sie mit einer Reihe Bilder bemalt— und zwar mit dunkler Ockerfarbe— welche nichts, als verschiedene HinrichwngSarten— Köpfen, Hängen, Rädern, Verbrennen u. s. w.— vorstellten. Mit dem Augenblick, wo der Gefangene die Bastille betritt, ist er für die Außenwelt todt. Weder ein Brief, weder ein Besuch, noch eine Nachricht irgend welcher Art erreicht ihn. Der Gefangene ist für die Welt verloren. um in den Hof zu gelangen, durch die Stube bei dem Bett der Mutter vorbeigehen, und hierbei ist ihm, als er da« wie gewöhnlich unter dem Bett liegende Beil gefeben,— er weiß nicht wie— der Gedanke aufgestiegen, seine Mutter damit zu erschlagen, welchen Entschluß er denn gleich darauf in so ent- setzlicher Weise zur Ausführung gebracht hat. Er hat sich so- dann, wie er angiebt, wieder in sein Bett gelegt, ist bald nachher aber von Neuem aufgestanden, hat sich angekleidet und auf der Straße einen Schutzmann ausgesucht, um diesem die verübte That zu gestehen. Das Räthsel ist noch ungelöst, welche Motive den Knaben zu dem Verbrechen gefüh-t haben. In der Schule war Stelzner durchaus kein roher K'-abe, und auch sonst zeigte er sich nicht als ein solcher, in dessen Gemüih ein Mordplan reifen könnte. Der Knabe war von beschränktem Geiste und faul, dagegen können ihm seine Led-er im Betragen nichts Schlechte« nachsagen, wie denn auch die Zensur im Betragen immer die I ge- wesen ist. Zm Erkiäi uvg des Falles wird es aber dienen können, daß der Knabe vor vier Wochen aus einer Schaukel auf den Hinierkopf gefallen ist. Am Tage nach diesem Fall war der Knabe in der Schule, ist aber durch seine Blässe den Lehrern aufgefallen. Am Nachmittage des 12. Sept. blieb er von der Schule fort, und zwar hat diese Abwesenheit bis zum 2t. Sept. infolge der Krankheit nach dem Falle von der Schaukel ge- dauert. Ucber schlechte Behandlung von seiner Mutter hat er nie geklagt, wie auch Bekannte des Knaben von irgend einem Zerwnrsniß der Beiden nicht zu berichten wissen. Melche erstaunliche Flugkraft der Kühnerhabichi (Asiat palumbarius L.) besitzt, mag aus nachstehender Mit- theilung hervorgehen: Am S. Mai v.J. zerstörte ich, so schreibt man. im Verein mit dem königlichen Förster V. zu Fuhrberg im Regierungsbezirk Lüneburg den Horst eines Hühnerhabichts. Der ans dem Horst festsitzende Brutvogel erhieli zwei Schüsse. Mein Langgeschoß(Spitzkugel) hatte den linken Fang des Raubvogels getroffen und das Schienbein vollständig zer- schmettert. Die Knael des Försters V.(Lef. Kal. 20 Rnndkugel) hatte ebenfall« den linken Fang gefaßt und den Lauf gebrochen, war dann oberhalb des Schenkels in das Fleisch eingedrungen und auf dem Rücken wieder ausgetreten, ohne jedoch den Brustkasten selbst verletzt zu haben. Mit diesen beiden Schüssen war der Räuber noch 200 Schritt fortgestrichen, und zwar in einen Kieiernstangenort, wo wir ihn erst nach zwei Tagen auf- fanden. In dem großen flachen Horste fanden sich drei Eier von grauweißer Färbung, in denen die jungen Vögel bereits deutlich sichtbar waren. Die Größe der Eier betrug 57,4: 44 Millimeter(Längsachse X Breitenachse). Die Mänfeplage tritt im oberen Sauerlande in er- schreckender Weise auf. Durch die vorjährig außergewöhnlich reiche Ernte an Bucheckern hatten die Feldmäuse, die sich nach Aberntung der Felder in die Wälder zurückgezogen, während des strengen Winters reichliche Nahrung, sodann hat die Dürre des Sommers ihre Vermehrung so sehr begünstigt, daß sie jetzt in einer ungeheuren Anzahl sich den in der Nähe von Wäldern wohnenden Landleuten bemerkbar machen. Am schlimmsten dürfte nach der Lüder.scheider„Reform" das Dorf Latrop im Amte Schmallenberg mit unter dieser Plage leiden. Die Mäuse hausen, nachdem ste den Sommerfriichten vielen Schaden zu- gefügt haben, in den Kartoffelslücken derartig, daß unter Kartoffetsträuchen, die noch vor acht Tagen schöne unverletzte Kartoffeln bargen, jetzt beim Aufgraben blas nach die ansge- höhlten Sckalen dieser Früchte zu finden find. Wurzeln, Kohl- rabi und Runkeln in den Gärten geht es ebenso. Es dürste unglaublich klingen, daß Lalroper Bewohner ihre Kartoffeln nach dem fast eine Stunde entfernten Fleckenberg gefahren haben, um sie vor den Mäusen zu retten, unv daß ein Bauer von 15 Scheffel Aussaat nicht einmal einen Scheffel Frucht gedroschen hat, das andere haben die Mäuse vernichtet. Wenn es früher vorgekommen sein soll, daß Gefangene als Zellennachbarn durch den Kamin mit einander gesprochen, so ist die Einzelhaft heute so streng durchgeführt und die Schornsteine sind so durch Zwischenmauern abgetheilt, daß daran nicht zu denken ist. Die Wärter, der Oberoffizier, bei Krankheit der Arzt, sowie zweimal wöchentlich der Barbier, diese sind die einzigen Menschen, die der Gefangene bei sich erblickt. Im Allgemeinen herrscht ein tiefes Schweigen in dieser Burg des Leidens, nur selten hört man auf dem Korridore die langsamen Schritte anderer Leidensgeuoffen. Man denke hierzu, daß mir Bücher" und Schreibmaterial erst nach Monaten gestattet wurden. Aus einem mir ge- lieferten Reißzeug war der Zirkel heraus genommen; später wurde mir ein solcher von Elfenbein statt von Stahl ge- liefert. Wahrscheinlich fürchtete man Selbstmord. DaS Brot erhielt ich geschnitten, die Nägel abzuschneiden, war Sache des Barbiers. Der Gouverneur bereichert sich auf Kosten der Ge- fangenen auf das Empörendste. Derselbe empfängt für jede» Jnhaftirten— und es sind in der Regel etwa 50 vor- banden— jährlich 800 M., daneben, je nach der bürger- lichen Stellung des Gefangenen, extra täglich 3 M. für einen gewöhnlichen Gefangenen, 4 M. für einen Groß- bürger, 9 M. für einen Priester, Richter oder großen Finanz- mann, 12 M. für ein Parlamentsmitglied, 20 M. für einen General und 30 M. für einen Marschall von Frankreich. Wie viel für einen„Prinzen" von„Geblüt" täglich bezahlt wird, weiß ich nicht. Keines meiner Gnadengesuche wurde weiter befördert. Briese zu schreiben wurde mir nicht erlaubt. Am 19. Mai 1782, nach nahezu 1 Jahr 8 Monaten, ward Linguet entlassen, ohne, wie bereits erwähnt, ein ein- ziges Mal richterlich vernommen zu sein. Seine Memoiren und die Enthüllungen anderer Schick- salSgenossen über die Bastille waren es größtentheilS mit, welche das Pariser Volk veraulaßten, die Bastille einige Jahre«ach Erscheinen der Brochüre zu stürmen und zu zer- stören, wobei der oben genannte Gouverneur Launay er- schlagen wurde. Die Revolution fand Linguet von der Welt zurückge- zogen- er ernährte sich als Gärtner redlich und zufrieden. Verheirathet war er nicht, doch hatte er eine Haushälterin. Wieder i» das öffentliche Leben eintretend, schloß er fich den energischsten Revolutionsmännern, den„CordelierS" Danton und Camille DeSmoulin an. Mit diesen Revolutionären erlitt er unter dem Schreckensregiment RobespiereS den Tod. auf der Guillotine am 17. Juni 1794. Sdlünlianfec leiHllans �etüiiafsfiaden. 182. KWlMser Allee«ÄÄSÄÄ.) 182. 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