Kr. 241. Dienstag, den 15, Oktober 1889. S. Jahrg. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer noch Sonn- und ftesttagen. AbonnnnentSpreiS für Berlin frei m's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1�5 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit den»»Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bei Abholung ans unserer Expedition Zimmerstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemem 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSliste für 188S unter Nr. 866.) FLr du» Auoiand: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS« Anzelgen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8V., Zimmerftraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -» Fernfprocher: Amt VI. ßlr. 4106.»- ♦-> NedsMion: S.— Expeditton: IZtmmerPtvMe 44. li? 17Z? M WNHernke. Die Herren Kartellbrüder werden gut thun, vor den Wahlen feierliche Bittgänge und Gottesdienste zu veran- stalten, um die Gnade des Himmels auf sich herabzuflehen. Denn der Himmel zürnt ihnen offenbar und wird ihnen großen Abbruch thun. Er hat die Ernte ungünstig ausfallen lassen, wie der„Reichsanzeiger" in seinem nichtamtlichen Theil trocken und dürr erklärt. Nun, für die Ernte und deren mageren Aussall kann man uns doch nicht verantwortlich machen, mögen die Kar- tellvrüder sagen. An gewisser Beziehung kann man das, denn es ist noch nicht so lange her, seitdem einige Kartell- dlätter der Provinz in schwungvollen Versen die Kartell- Wirthschaftspolitik feierten und in derselben auch eine Bürg- schast für eine gute Ernte sahen. Logischer Weise könnte mau sonach diese Wirthschaftspolitik auch für die schlechte Ernte verantwortlich, nachen. Doch Spaß bei Seite. Die Mißernte ist nun da und wir werden ihre Wirkungen bald verspüren. Noch vor einigen Jahren konnte man sich mit leichtem Herzen über den Gedanken an eine unzureichende Ernte hinwegsetzen, soweit man nicht selbst aus den Ertrag eines Grundstückes angewiesen war.„Was kann uns passiren?' pflegte man zu sagen.„Die Verkehrsmittel sind ja so vortrefflich ent- wickelt; haben wir kein Korn, so lassen wir es aus Ungarn, aus Südrußland oder aus Amerika kommen, von wo wir es billiger haben können, als von unseren eignen Bauern." DaS ist aber ganz anders geworden, seitdem init der Umkehr in der Wirthschaftspolitik von 1879 die Klappe zuge- furcht worden ist für alles frcim/' DetrrÄe. Es kann nichts sichr herein, es sei denn mit außerordentlichem Aufschlag, und wir werden sonach die Wirkungen der schlechten Ernte schmerzlich verspüren. Obschon nachgewiesen ist, daß Deutsch- land auch bei guten Ernten seinen Bedarf an Zerealien nicht selber decken kann— ein so dicht bevölkertes Land wie Sachsen z. B. deckt nur an 50 pCt. seines Bedarfs— haben doch die Kartellbrüder die Kornzölle so erhöht, daß wir in Deutschland die höch st en Zölle dieser Art von allen europäischen Staaten haben. Die Brotpreise sind, wie authentisch nachgewiesen wor- den ist, schon in diesem Jahr an vielen Orten erheblich ge- stiegen. Sic werden über den Winter demnach noch mehr steigen, nicht nur durch die schlechte Ernte, sondern weil die Aufkäufer, Spekulanten und Kornwucherer sich die Situation zu Nutze machen werden. Sie werden die Preise hoch halten und hinauf treiben, da sie gegen die Konkurrenz des Auslandes hinreichend„geschützt' sind. Für diese Herren bedeutet der Zoll in der That einen „Schutz"; für uns Konsumenten leider nicht. WKSKruck sttbottn.] Ifeuillekon. [2 m G s r m i n« l. Sozialer Roman von Emile Zola. Einzig autorisirte Uebersetzung von Ernst Ziegler. •*"Sie sagen, ich soll mich ausruhen", fuhr er fort,„aber rch bm nrcht so dumm! Ich wcrd's wohl noch zwei Jahre machen: dann bekomme ich die Pension von einhundertund- achtzig Franks; wenn ich heute schon meinen Abschied nähme, brauchten mir die Schlaumeier nur einhundertund- fünfzig zu zahlen. Uebrigens bin ich solid, bis auf die Beine: da ist mir das Waffer unter die Haut gedrungen weil man dort unten eigentlich nie trocken wird. Manchen ?ag kann ich keinen Fuß rühren, ohne daß ich laut auf- schreien muß vor Schmerz." Ein neuer Husten unterbrach ihn. „Und davon husten Sie wohl auch?" meinte Stephan. Er schüttelte heftig das Haupt, und als er wieder reden konnte, fuhr er fort: „O nein! Früher habe ich nie gehustet: Ich Hab' inlch vorigen Monat erkältet und kann'S nicht wieder los spucke" lnet�K)"t�'9' waS ich spucke.... was ich Es hatte ihn wieder gepackt. Endlich brachte er'S los: lS war schwarz. � � „Ist es Blut?" wagte Stephan ihn zu ftagen. Bonnemort wischte sich mit dem Rücken der Hand lang- sam den Mund: Kohle ist'S! Ich Hab' so viel davon verschluckt, daß ich ~ ran mein Lebensend' damit einheizen könnte. Seit fünf fahren bm rch mit keinem Fuß mehr in die Grube gekommen: aber es scheint, ich hatte hier im Brustkasten ein Kohlenmagazm und wußte nichts davon. Na, daS macht r rchts, das konserrnrt den Menschen." Es entstand eine Pause. Die Großgrund- und Rittergutsbesitzer werden bei der Sache nicht gerade schlecht fahren, denn sie werden nun den Ernteertrag, den sie erzielt haben, zu erhöhten Preiseil los. Aber der kleine Bauer, dem die Kartcllblätter vorgeschwin- delt haben, daß mit den erhöhten Getreidezöllen für ihn eine neue goldene Aera anbrechen werde, der wird sich unsanft aus seinen Träumen erweckt fühlen. Bei schlechter Ernte ist der kleine Bauer mehr als sonst auf den Markt ange- wiesen und der Ertrag seiner Scholle liefert ihm selbstver- ständlich auch eine« geringeren Beitrag für seine Lebenibe- dürfniffe. Da wird er denn über den Winter das Steigen der Brotpreise bitterlich empfinden; er wird unmuthig werden und wird in den Wahlen seinen Unmuth ganz natürlicher Weise gegen jene Herren wenden, welche ihm die Märchen von der neuen goldenen Aera erzählt und ihm den ganzen blauen Dunst vorgemacht haben. Diese Herren sind die Kartellbrüder und sie werden unter dem Eindruck der steigenden Brotpreise ihre Herrlichkeit dahinschmelzen sehen, wie die Butter an der Sonne. DaS Volk in Deutschland hat des Ungemachs genug zu tragen: die Fleischpreise sind gestiegen und die Kohlen- varone wollen sich über den Winter schadlos halten für ihre angeblichen oder wirklichen Verluste bei dem großen AuS- stand. Nun werden auch noch die Brotpreise emporschnellen, ein Umstand, für den die Kartellbrüder direkt die Ver- antwortung tragen, weil sie die Zölle hinaufgeschraubt haben. Und hat man nicht �aus den Kartellkreisen schon mehr als einmal die liebenswürdige Anregung zu einer noch weiteren Steigerung der Kornzölle vor- nommen? So müßte es freilich kommen, wenn das deutsche Volk eines Besseren belehrt werden sollte. Wir standen damals im Lärm der Voulanger- und Barackenwahlen von 1887 als düstere Propheten bei Seite und man hörte nicht auf uns, als wir sagten, das Volk werde tief in seinen Beutel greifen müssen, rim die Kosten für seine Leichtgläubigkeit bei jenen verhängnißvollen Wahlen zu bestreiten. Nun ist die Rechnung da und in dem erhöhten BrotpreiS wird der un- bemittelte Familienvater seufzend seinen Tribut an die Kar- tellherrlichkeit entrichten. Leider kann der Brunnen erst zugedeckt werden, nach- dem daS Kind hineingefallen ist. Wir sehen nun, wohin eS führt, wenn eine Wirth- schaftSpolitik die Interessen einzelner Kategorien der Bevölkerung einseitig bevorzugt. Wir hoffen aber auch, daß die Bevölkerung aus dieser Wirthschaftspolitik des Kar- teils etwas gelernt hat. Wir hoffen sogar, daß sie bei den nächsten Wahlen sich mit einem kräftigen Ruck die ganze Kartellwirthschaft vom Nacken schütteln wird. Mögen nur die nationallibcralen und konservativen Der Hammer tönte immer noch auS dem Schacht die regelmäßigen hellen Schläge: der Sturmwind heulte sein Wehlied von Hunger und Müdigkeit; in dem Kohlenbecken flammte es heller auf, und der Alte darunter fuhr mit leiserer Stimme fort, seine Erinnerungen zum Besten zu geben: Ja, ja, es ist ein hübsch Stück Zeit, daß er und die Seinen in den Bergen arbeiten! Seine Familie ist bei der Kompagnie der Minen von Akontsou seit deren Gründung, und dabist lange her: einhundertundscchs Jahre! Sein Großvater, Wilhelm Maheu, hatte als fünfzehnjähriger Bursche in R quillard Kohle entdeckt, und das wurde die erste Grube. Jedermann weiß es und sie heißt noch heute die Wilhelms-Adcr. Er selbst hatte seinen Großvater nie gekannt. Er soll dick und stark gewesen sein und ist sechzig Jahre alt geworden. Dann kam sein Vater, Nikolaus Maheu. Der ist, kaum vierzig alt, in dem Voreux geblieben, den man damals abteufte. Ein Felssturz hat ihm die Knochen zermalmt. Zwei seiner Onkel und seine drei Brüder haben auch ihre Haut darin gelassen. Ihn selbst halten sie für einen besonders schlauen Patron, weil er so ziemlich heil wieder heraus gekommen ist— bis auf die Füße. Uebrigens was sollten sie thun in der Familie? Arbeiten mußte man: also das, oder etwas Anderes! Sein Sohn Toussaint, seine Enkelkinder und alle Anderen sind noch jetzt dabei. Sie wohnen dort unten im Arbeiterviertel. — �--„Ja, ja, ja! Einhundertundsech« Jahre Gruben- arbeit! die Jungen nach den Alten; immer für dieselbe Ge- sellschaft: nicht viele Bürger können dergleichen von ihrer Familie erzählen!" „Wenn man wenigstens zu essen hat!" murmelte Stephan wieder. „Das sag' ich ja: so lange man Brot hat, kann man bestehen." Bonnemort schwieg, seinen Blick noch nach dem Ar- beiterdorf gewendet, wo die Fenster anfingen, sich eines nach dem andern zu erleuchten. Es schlug vier Uhr auf dem Kirchthurm von Montsou. Die Kälte wurde noch schneidiger. „Sie ist wohl reich, Ihre Kompagnie?" fragte Stephan. Staatsmänner sich einstweilen den Phrasenbrei anrühren, mit dem sie das Volk über die Wirkung der Kornzölle wer- den hinwegtäuschen wollen. Die höheren Brotpreise sind ein Eckstein, an dem sie nicht vorbeikommen können, ohne sich zu stoßen. Und so dürfte denn die Kartellherrlichkeit so schnell verschwinden, wie sie gekommen. Die Herren vom Kartell werden bei den Wahlen auch eine Mißernte haben. x>olitisrl,e UeverstSM Die Mahrheit über die Auflösung de» Reichstags im Jahre 1878. In dem vielbesprochenen, direkt auf den Reichskanzler zurückzuführenden Artikel des„Hamburger Corre- fponkenten" über die heimlichen Kämpfe gegen den Reichs- kanzler heißt es wörtlich: „Die Herbeiführung neuer Reichstags- wählen im Jahre 1878 war kein aggressiver sondern ein defensiver Schachzug des Minister- Präsidenten(Fürsten Bismarck) gegenüber der Koalition eines Theiles seiner Kollegen mit der liberalen Majorität des Reichstags. Also nicht die Attentate veranlaßten die Auflösung, nicht das Sozialistengesetz war der Zweck der Auf- löiung— die Auflösung des Reichstags erfolgte, um die „Koalition" gegen den Fürsten Bismarck und die„liberale Reichslagsmajoritäl" zu s p r e n g e n und eine RegierungS- oder richtiger Kanzler-Majorität zusammenzubringen. DaS , r o t h e Gespenst" war bloS der Popanz, um die Wahler ins Garn der Reaktion zu treiben. Es versah dieselben Dienste, wie 1887 das Kr i e g S g esp e n st. DaS i st die Wahrheit, die jetzt endlich eingestanden ist. Die sozialdemokratischen Abgeordneten haben also Recht gehabt, wenn sie sagten, der AttentaiSspektakel sei blas im In. tercsse der Reaktion inszenirt worden. Das Geständniß wird jedenfalls im Reichstag aebührmde Verwertyung finden, wenn die Sozialister.gesetz-Dcratte kommt. Mtt welch' heißem Kemühen hatte vor Kurzem die „Nordd. Allg. Ztg." darzuthun versucht, daß die von der Schweiz einberufene internationale Arbeiterschutz- Konferenz praktische Zwecke kaum erfüllen dürfe; man werde es auf ihr mehr oder weniger mit„sozialistischen Spielereien" zu thun haben. Jetzt muß das Kanzierblatt mittelbar eingestehen, daß ferne Beweisführung noch lange nicht die überzeugendste war. Wenigstens ist ihm darin ein Mitarbeiter der„Allg. Ztg." über, dessen Ausführungen von der„Nordd. Allg. Ztg." sofort an der richtigen Stelle verwerihet werden.„Sozialistische Spie- lernen" war noch gar Nichts; die neue sozialpolitische Autorität beweist haarscharf, daß Deutschland trotz seiner ablehnenden Haltung zum Arbeiterschutz aus der besagten Konferenz sogar „seine Verkleinerer in's Unrecht setzen" kann. Durch Berufung auf die deutsche Versicherungsgesetzgebung ist der famose Schach- Der Alte zog die Schultern in die Höhe und ließ sie dann wieder sinken, als habe er einen schweren Sack voll Gold geladen: „Ich glaub'S! Ich glaub'S!— Nicht so reich vielleicht wie ihr Nachbar, die Kompagnie von Anzin; aber doch Millionen und Millionen! Man kann sie nicht zählen. Neun- zehn Gruben, deren dreizehn Kohle fördern: der Voreux, die Victoire, Crevecour, Mirou, Saint-ThomaS, Magdalen, Feutrp-Cantel und die andern! Dann sechs, die als Wetter- und Luftschächte dienen, wie Mquillard! Zehntausend Arbeiter! Konzessionen, welche sich über fiebenundfechzig Kommunen er- strecken! Fünftausend Tonnen Kohle pro Tag! Eine Eisen- bahn, die alle Gruben untereinander verbindet! Und Werk- stätten! Und Fabriken!— O ja, ich willS meinen, daß sie Geld haben!" Das Rollen der Karren drang plötzlich von Neuem zu ihnen herauf: die Arbeit mußte wieder aufgenommen sein.. DaS Pferd spitzte die Ohren; Bonnemort spannte eS ein; dabei fprach er zu ihm: „Na, Faulpelz, wirst Du nun mal endlich aufhören zu schwatzen! Wenn Herr Hennebeau wüßte, womit Du Deine Zeit verlumpst, schlechter Kerl!" „Also Herrn Hennebeau gehört die Miene?" „Nein," erklärte der Alte,„Herr Hennebeau ist nur der Generaldirektor, der wird bezahlt, wie wir." „Aber wem gehört denn dies Alles?" fragte der junge Mann wieder, mit drr Hand einen Bogen be- fchreibcnd. Doch Bonnemort war von einen» so heftigen Husten geschüttelt, daß ihm der Athcm ausglng. Endlich, nachdem er sich erleichtert und den schwarzen Schleim von seinen Lippen gewischt hatte, rief er durch den Wind herüber: „Wem das Alles gehört? Man weiß nicht; reichen Leuten." „Dabei wies er mit der Rechten nach'rgend einem un- gewissen und unbekannten Punkt, wo diese Leute wohnen mochten, für welche die Maheu seit mehr als einem Iah- hunvert das Gestein klopfte»; und seine Stnnme bekam zua auszuführen. Statt eines internationalen Arbeiterstutz- rechtes mutz Deutschland ein internationales Arbeiteroerstche- rungsrecht verlangen, und wenn sich die Theilnehmer an der Konferenz„dessen weigern, so wird die Welt wissen, wa« von dem prunkhakien Vorschlage bloßer Arbciterlchutzvertrüge zu halten ist". Die Wendung von den„prunkhaften" Vorschlägen „bloßer" Arbeiterschutzgesetze ist, wie die„Frkk. Ztg." bemerkt, unbezahlbar. Darin besteht eben die tiefe Klukt zwMen der reaktionär-gouvernementalen und der volksthümlichen Sozial- volitik, daß erstere alles gethan zu haben glaubt, wenn sse unter Vermeidung jeglichen Erngriffz in die modernen Fabrikzustände das Haupmbel bestehen läßt und nur seine äußeren folgen, Unfälle, Krankheit und Invalidität, in etwas mildert, wahrend letztere eine Regelung der Hauptsache, der übertriebenen Aus- Nutzung aller Arbeiterkategorien durch Maximalarbeitstag, Sonn- tagsruhe, Frauen- und Kinderschutz anstrebt. Die Arbeiter» veisicheruna läßt die Arbeiter selbst kühl bis an's Herz hinan, um so mehr, als sie einen großen Dheil ihrer Kosten mittragen müssen. Die vollste Sympathie haben aber im Volke alle Arbeiterschutzwaßnahmen, und daher der widerspruchsvolle Satz der„Norddeuischen" und Münchener„Allg. Ztg.", baß„bloße" Arbeiterschutzverträge„prunkhaft" aufträten— in biesem„pmnk- Haft" malt sich so recht die ganze offiziöse Angst und Furcht vor Dingen, welche das Volk tief bewegen trotz aller gouverne« mentalen Sozialrcform. Die Ironie des Schicksals hat es ge- wollt, daß unmittelbar auf den Ausfall des Kanzlerblattes gegen die internationale Arbeiterschutzkonferenz ein überschwäng- licher Bericht über den Schluß der Berliner UnfallverblltunaS- auSstellung mit byzantinischen Wendungen über die Pflege oeS ArbeitersämtzeS in Deutschland kommt. Zwischen solchen Wider- sprüchen muß die offizielle Scheinsozialreform so lange hin- und Herpen dein, bis sie unter dem Druck der Verhältnisse wirklich volksthümlich geworden ist. Ans Kachfe», 13. Oktober. Mit welcher Leichtherzigkeit mitunter das Sozialistengesetz gehandhabt wird, dafür liefert die Zwickauer Polizei wieder ein recht hübsches Beispiel. Der Abg. Singer sollte dort gestern und heute in zwei Volks- Versammlungen über den Reichstag sprechen. Die Polizei- behörde verbot dieselben auf Grund de«§9 des Sozialistengesetzes, und zwar weil Singer den Pariser inter- nationalen Kongreß besucht habe. Run hat aber Singer zur Zeit dieses Kongresses nicht einmal französischen Boden betreten, geschwrige daß er den Kongreß besucht habe. Das hindert aber die Zwickauer Polizeibehörde nicht, ihm des- halb die Versammlungen zu verbieten.— Das drfimtive Ergebniß der Stichwahl im 11. sächsischen Wahlkreis Oschatz- Würzen ist also, baß die Kartellparteien 4400 Stimmen und die Sozialdemokratie 1500 Stimmen ver- loren, die Deutschfreisinnigen 4400 Stimmen, also genau soviel wie die Karlellparte>en einbüßten, gewonnen haben. Ueber die Ursachen des auffälligen Rückgangs der sozialdemokratischen Stimmen ist schon vor ein paar Tagen im„Berliner Volksblatt" berichtet worden. Diese Gründe verdienen aber noch eine Ergänzung. In erster Lmie hat die Sozialdemokratie durch die Gunst der Witterung min- bestens 4- 500 Stimmen eingebüßt. Viele hunderte von Bau- arbeitern, Steinbrechern:c., die im �f-bruar 1887 für die Partei stimmten, waren diesmal in den Städten auf den Bauten und entfernt von ihren Wohnungen beschäftigt, und diese scheuten bei den bedenklich kurzen Arbeitstagen den weiten oft stunden- langen Weg nach dem Wohnorte. Bei Frost oder schlechtem Wetter, da« die Arbeit im Freien verhinderte, wurde das Resultat günstiger. Weiler aber muß hinzugefügt werden, daß die Deulschsieisiunigen in einer Weise sich für die Arbeiter- forderungen erklärten, die wahlscheinlich den lebhasten Unwillen des Herrn Eugen Richter und eines größeren TheileS seiner FrakllonSgen offen erregten, wenn diese die Erklärungen gehört hätten. In diesem überwiegend ländlichen Kreise ist aber die politi'che Schulung der Arbeiter noch nicht so weit gediehen, daß sie zwischen V-rkprechungen und Handlungen einen scharfen Unteischied zu machen wissen. So hat der deutsche Freisinn auf Ko en der Sozialdemokratie gesiegt, indem er sich in ihre Haut steckte unb sich wie sie geberdete. Daß er dabei auch zahlreiche Stimmen aus dem Kleinbauern- und Kleinhand- werkerftande gewann, welche die Sozialdemokratie zunächst noch nicht zu gewinnen vermag, soll damit nicht bestritten werden. Dt- Arbritsansstiind- i« den rheiuis'ch-n'-Kfälischen D-rgn-erk-n sino auch Gegenstand der Untersuchung seitens ameiikam cher Konsuln geworden, und das Ergebniß derselben ist wesentlich verschieden von den Urtbeilen der rheini>ch-west- sälrschen Bergwerksbesitz-r über diese Bewegung. Der General- konlul der Vereinigten Staaten in Frankfurt am Main, Jakob Müller, uitheilt über sie in einer eingehenden Untersuchung über„das deutsche Gründungefieber": „Die sozialen und industriellen Verhältnisse sind weit da- von emfernt, eimutbigend zu sein, was auch immer Schriftsteller und Skilbenten dagegen sagen mögen. Ich Hobe immer mit liefer Betiübn ß die hier bestehenden sozialen Veihältnisse beobachtet, und in meinen Jahresberichten es niemals unterlassen, mich darüber auszusprechen. Wie froh wäre ich gewesen, wenn die einen feierlich ehrfürchtigen Klang, als spreche er von einem unabsehbaren Tabernakel, wo sich der Gott versteckt hielt, dem sie ihr Fleisch und Blut opferten und den sie niemals gesehen hatten. „Wenn man wenigstens so viel Brot hat, als man braucht," wiederholte Stephan, ohne Uebergang, zum drittenmal. „Mein Gntt, ja, wenn man immer Brot hätte, das wäre freilich schön." Das Pferd zog den Hügel hinab. Der Fuhrmann hinkte ihm nach. Der rothhaarige Arbeitsbursch, auf einen Knäuel zusammengeduckt, das Kinn zwischen die Knie ge- klemmt, blickte mit seinen matten Augen ins Leere. Stephan nahm sein Packet, doch er blieb noch auf der- selben Stelle. Im Rücken drang ihm der Wind eisig ins Mark, während seine Brust vor dem großen Feuer versengte. Er dachte nach: Vielleicht sollte er doch in der Mine nach Arbeit fragen? Der alte Mann mochte falsch berichtet seiner würde ja jedwede Beschäfsigung annehmen; wohin sich wenden in diesem Lande, wo überall die Arbeit feierte? was werden? vielleicht hinter einer Hecke krcpiren, wie ein verlassener Hund?-- Und doch zögerte er; eS überkam ihn eine ungewisse Furcht vor diesem in Nacht gehüllten Voreux. Zeder Windstoß wehte stärker und mächtiger, als wenn der Horizont sich erweite. Kein Schimmer von Dämmerung bleichte das abgestorbene Firmament, nur die Hochöfen brannten und die Koksfeuer glühten, blutig roth das Dunkel schattend, ohne sein Geheimmß zu lichten. Und der Voreux in seinem Versteck drückte sich noch mehr zusammen, wie ern böses Raubthier und schnaufte und stöhnte, als verdaue er mühsam all das Menschenfleisch, mit dem er sich gemästet. Zweites Kapitel. Mitten in den Zuckerrübenfeldcrn schlief das Arbeiter- viertel unter dem schwarzen Nachthimmel. Vier parallele Reihen eng aneinander gelehnter Häuschen dunkelten sich wie lange Kasernen oder Krankenhäuser im Schatten ab; dazwischen lagen in gleiche Vierecke getheilte Gärten. Man Erfahrung bewiesen hätte, daß ich mich mit meinen An- schauungen getäuscht habe; ich bedauere, daß ich keinen Grund habe, sie zu ändern Die soziale Lage ist hier böse und voll von Gefahren und neue Ereignisse haben davon wieder Beweis gegeben. Ich meine die gigantischen Ausstände(der rheinisch- westfälischen und anderer Kohlenarbeiter), durch welche Deulsch- land so unerwartet und plötzlich heimgesucht wurde... Keine revolutionären oder anarchistischen Tenbenzen lagen diesen Aus- ständen zu Grunde, dieselben waren vielmehr das Produkt einer unerträglichen Lebenslage und der Kampf um die Existenz taufender und bunderttausender, meist loyaler, konservativer und bescheidener Männer.... Man bedenke, daß selbst zu Zeiten, in welchen die Bergbaugesellschaften bessere Preise für ihre Kohlen erzielt hoben als in den letzten Jahren, diese kämpfen- den Bergleute Löhne im Betrage von 125—185 Doll. pro Jahr erhalten haben, daß sie um eine geringe Steigerung der- selben ausständiq werden mußten, währen b zu gleicher Zeit Millionen überschüssigen Kapitals eifrig Anlage in Unter- nehmungen suchen, welche, wenn sie Erfolg haben, die Lage der arbeitenden Klassen noch schlechter machen, wenn sie aber keinen Erfolg haben, die unvorsichtigen Subskibenten ruiniren und die Interessen der Gesammtheit verletzen müss-n." „Krnht'fche KchnlpalLste." Die größeren Aufwendun- gen der Gemeinden für Schuldauten haben bei unseren Kreuz- zeitungsmännern stets lebhaftes Mißfallen erregt. Insbesondere sind die Bemerkungen des Grafen Brühl im preußischen Ab- geordnetenhause üb.r die„modernen Schulpaläste" von den Betheiligten noch nicht vergessen worden. Daß aber auch heute noch manches Schulhaus in Preußen wenig palastartig ist, lehrt ein Blick in die Lehrerzeitungen. In einem Posenschen Schul- Hause(Szcrytnik, Kreis Witkowo) brach vor einigen Tagen die Frau bes Lehrers mit der Decke durch und liegt zur Zeit an dm Folgen schwerkrank darnieder. Die Gesuche des LehreiS um Reparatur der schadhaften Decke waren zwei Jahre hindurch unbeachtet geblieben. In Buchfelde, KreiS Mogilr o, neigt das 1824 aus Bohlen erbaute SchulhauS so bedenklich nach einer Seite, daß es mit mehreren Stützen versehen werden mußte. HauS und Stall befinden sich unter einem Dach. Die Thüren sind so niedrig, daß man nur gebückt eintreten kann. Den erwachsmen Kindern des früheren Lehrers mußte das Schulzimmer zugleich a'S Schlafraum dienen. In einem säch- schen Dorfe(Wolfsburg) liegt die Schulstube unmittelbar neben einem Kuh- und Pferdestalle, so daß die Vernünstigen von den Unvernünftigm nur durch eine Wand getrennt sind, die früher von dem Hornvieh zuweilen durchgestoßen wurde. Zwei Fenster des Klassenzimmeis gehen auf den Hof einer Gastwirthschaft. — Die„Preuß. Lehrer-Ztg." bringt Abbildungen von einigen dieser Schulpaläste mit einer Widmung an den liebenswürdigen Schu�palron, in der es heißt:„Bekanntlich hat Graf Bühl auf Pförten im preußischen Herrenhause sich darüber s-hr miß- blllioend ausgesprochen, daß für bie Volksschulen jetzt wahre „Paläste" erbaut würben, und daß viele Volksschullehrer in Häusern wohnten, wie er(Graf Bühl) sie sich nur für seinen Altensitz wünschen könnte. Um uns für solche«, der Volks- schule bewiesenes Wohlwollen dankbar zu bezeigen, werden wir an dieser Stelle eine Reche von preußischen„Schulpalästen" bringen, es dem Herrn Grafen überlassend, welchen davon er sich zum Ruhesitz für feine alten Tage ausersehen will." Im Landtage Neuss j. L. sind die Freisinnigen wirklich durch die Itzte Wahl m die Majorität gekommen. Der Land- tag zählt 15 Mitglieder; davon sind 6 ausgesprochen frei- finnig gesinnt, und 2 Abaeordnele„huldigen entschieden liberalen Grundsätzen". Die Freisinnigen zählen sie also ihrer Partei zu. Der Freisinn triumphirt ob bieser welterschütternden Thaisache. Aus Franke« wiid uns von einem bekannten Partei- genossen geschrieben:„Geehrte Redakiion! Da sich nicht wohl annehmen läßt, daß Ihr Korrespondent„aus Franken" sich einen Spaß mit Ihnen erlaubt hat, als er Ihnen über eine in Bamberg stattgehabie„Proomzialkonferenz der fränkischen So- zialdemokrat'e" berichtete, so ist nur die Möglichkeit gegeben, daß der Betreffende, wie man bei uns in Franken sogt,„läuten, aber nicht zusammenschlagen" Härte. Allerdings haben sich am Sonntag in Bamberg ein paar bekannte Genossen getroffen, um über da« Projekt einer Zusarnmenkunst fränkischer Sozialdemokraten, die sich mit den Ausstellung von Reichstaas- kandidaturen zu befassen halte, Rücksprache zu nehmen. Dabei wurden auch einige der von Ihnen erwähnten Kandidaturen ins Auge gefaßt; einige der von Ihnen mitgetheilien aber stehen schon längst fest, andere sind unrichtig. Die Ver- [ammluna selbst aber soll erst statisiad.n, resp. e« soll der Versuch gemacht werden, sie staltfinden zu lassen, wenn wider Erwarten das Verbot der für Nürnberg geplanten bayerischen LandeSoersammlung nicht aufgehoben werden sollte. Darüber aber kann immerhin noch einige Zeit vergehen. Sie werden übrigens seinerzeit zuverlässige M-ttheilung erhalten." Di- d-utsch- Kolonial- G-f-llschast für Küdmrst- Afrika Hut berertS Schritte gethan, um sich ihres Besitzes zu entledigen. Es wird darüber berichtet: Der Verwaltungsrath der Gesell chaft hat beschlossen, das vernahm nichts, wie das Kreischen zerbrochener Gitter, die der Wind hin und her warf. Bei den MaheuS in Nummer sechszehn des zweiten Komplexes rührte sich noch nichts. Dunkel umhüllte daS einzige Zimmer im ersten Stockwerk und schien sich schwer auf den Schlummer der Wesen zu lagern, die, dort zusam- mengepfercht, mit offenem Munde ihren todtmüden Schlaf schliefen. Trotz der frischen Kälte der Nacht hatte die dicke Lust hier die erstickende, lebende Wärme übervoller Schlaf- zimmer. ES schlug Vier auf der Kukuksuhr im unteren Stockwerk. Niemand regte sich. Zwei laute Stimmen schnarchte«, und dünne und feine Athemzüge tönten dazwischen. Plötzlich sprang Katharina auf. Sie hatte im Schlaf die vier Rufe der Uhr gezählt, ohne gleich die Kraft zu finden, sich zu erheben. Zetzt zog sie die Beine unter ihrer Decke hervor, suchte mit der Hand, riß ein Zündholz und steckte ein Licht an. Aber sie blieb noch auf dem Rande der Matratze sitzen; ihr Kopf war so schwer, daß er ihr zwischen den Schultern zurücktaumelte, als müsse sie wieder auf die Kissen hinabfallen. Das Talglicht beschien das viereckige, zweifenstrige Gemach, die drei Betten darin, den Schrank, Tisch und die beiden Stühle, alles aus altem Nußholz, dessen räucheriger Ton sich hart von der hellgelb gestrichenen Wand abhob. Kleidungsstücke hingen an den Nägeln, und auf dem Fußboden, neben der rothen Waschschüssel stand ein Krug. Zn dem Bette linker Hand schlief Zacharias, ein Barsch von einundzwanzig Zahren, mit seinem elfjährigen Bruder Jeanlin; in dem zur Rechten lagen zwei kleine Kinder: Leonore und Heinrich, sechs und vier Jahre alt; sie hielten im Schlafe einander mit den Armen umfangen. Das dritte Bett theilte Käthchen mit ihrer Schwester Alzire, einem armen verkrüppelten Wesen, so zurückge- blieben trotz ihrer neun Jahr», daß ihre Schwester sie kaum neben sich spürte, wenn nicht der Buckel der Armen sich ihr zeitweise in die Rippen bohrte. Durch die geöffnete Glasthüre sah man auf den Treppenflur, einen schmalen Gang, wo die Eltern in dem vierten Bette schliefen; davor ganze Gebiet von Cunene bis nach Sandwichhaken z»* kausen, also eine Küstenstrecke von ungSläHr 600 Ouassf Kilometer in Luftlinie, nämlich von 17 Gr. 30' bis südl. Breite. Die britische Gesellschaft hat zunächst eme»j Zahlung von einigen Tausend Pfund Sterling gemachtz' aber zu einer Gesammlzihlung von mehreren Millionen»? pflichtet, so daß der Vorstand der Kolonialgesellichast Südwest-Afrika bereits ausgerechnet hat, wie viel!>*> auf jeden Theilhaber herauskommt. Man kann' wchl der Zeit überlassen, um zu e fahren, wann*, versprochenen Millionen von zmer famosen GeleM thatlöchlich bezahlt werden. Bedenkt man, daß der* stand der südwest-asrikanischen Gesellschaft zumeist aus Peistj besteht, welche zugleich an der Sp tze der beutsch-ostafrikanW Gesellschaft und des Emin Pascha-Unternehmens stehen immer ihre„nationalen" Gesichtspunkte hervorheben, kommt dieser in anderen Kolonialstaaten ganz undenkbares unmöaliche Verkauf noch ein ganz besonderes Aussehen, z handelt es sich nur noch darum, wie sich die AussichtSbeh» zu dem Verkauf verhält. Daß die Südwest-Afrikaner vom Geldstandpunkt au« t1 gescheidt daran thun, ihre Begüterungen loszuschlagen, gloss wir schon. Sie beweisen dam't ober allerdings, daß>hae»' Geldbeutel über den„Patriotismus" geht, woran wir n'el zweifelt haben. Und um dieser Herren willen muß daS* Ausgaben für Vecwaltungsbeamle, Schutztruppen u. s. sich nehmen! G-sterr-ich-U«gar«. Pest, 12. Oktober. Ungefähr 300 Arbeiter der Dr«j schen Ziegelfabrik baden infolge der Weigerung der Direst die Arbeitsbücher herauszugeben, die Arbeit eingestellt.&!* der Streikenden begannen mit Steinen zu w-rfen(Nalüt' insultiren die bösen Streikenden die arme Polizei im«* lange, bis diese endlich zu ihrem größten Leidwesen und>* Thränen einHauen muß! Red.), worauf die Polizei einschr* mußte. Nachdem neun Verhaftungen vorgenommen ir� wurde die Ruhe hergestellt.— So meldet der osfiziöse H groph. Was also von der Nachricht zu halten ist, wissenu«! Leser. ri|«JeiT. Die deutsche Kartellprisse hat sich recht lustig gemacht f den mißglückten Referendumsantrag der schweizerilchen SV demokratie, insbesondere über die erlangte zu geringe Stiv»? zahl. In den Kreisen der schweizerischen Sozialdemokratie� man aber die Sachlage ganz ander« auf, wie fo'gendt I lassungen eines schweizerischen sozialdemokratischen Bl» zeigen. Dasselbe schreibt: „Einen patriotischen Purzelbaum schlag n nachträglich,� die„Basler Nachr." Sie sagen:„Wenn denn unser Voss' reit« so tief gesunken wäre, und ihm Selbstbewußtsei« � Freiheitsliebe so sehr mangelten, daß es sich von einem B»>� anmalt unrechtmäßiger Weise maßregeln, haussuchen, eint?? ließe: weshalb richten dann die Sozialdemokraten an dall� O Volk die Aufforderung, die Referendumsbogen Bundesanwalt zu unterzeichnen? Und das in Augenblick, wo baS gleiche Volk wie ein Mann sich erhebt,' für seine Unabhängigkeit und Würde die äußersten Op!*. bringen! Kann cS einen größeren Widerspruch geben?" kein Widerspruch, Verehrteste! Wir müssen eben daS Volk* rütteln, es vor den seine Freiheiten bedrohenden Gefahren"* nen, so lange ihr'«, die Konservativen, die Liberalkonseroo'? die Freisinnigen und wie Ihr Alle heißt, durch Eure patrss? klingenden Redensarten noch nicht vollständig eingelullt V Nachher ist's eben zu spät und zwar nicht nur sür* sondern auch für euch, falls sich wieder eine radikalere, I"? v n?miß euch regen sollte, die euch wünschen läßt, bog Volk nicht so geduldig jede Art von Knechtung DaS ist eben das Schlimme, daß man dem Volke emz» sucht, der äußeren Unabhängigkeit und Freiheit des L wegen muffe man filh im AVtie,» bis uer K,i unnöthia erachtete und nur im monarchischen Ausland von dies.m uns auch nahe gelegte Polizeimaßregeln i!� lassen. Wir möchten im Gegentheil, daß sich das VlMfl seine innere Freiheit ebenso k-äftig wehrte wie für seine Die eine ohne die andere hat, auf die Dauer wenigstens, Weitb. i Nun, dieses Aufrütteln des Volkes ist uns zum guten � gelungen. Der kommende eidgenössische Ober- Polizeiin'?''? Generalanwalt genannt, sieht seine Thätiakeit unter eins' schärfere und von weiteren Kreisen ausgehende Kontrvü stellt, als es ohne die Referendums- Bewegung der F»'' wesen wäre. Und so können wir uns auch von diesem GesichtSP"? au«, trotz allen Geflunker« liberaler und auch konseroa? Blätter, mit dem Resultate der Unterschriftensammlung� wohl zufrieden geben, obschon eine VolkSabstirnV mit der ohne Zweifel starken Minderheit, die sich dag Gesetz ausgesprochen haben würde, dem politisch- lichen ThatigkeilSdrang der Behörden kräftigere Zügel avl. hätte. stand die Wiege des Jüngsten, der kaum drei Monate$ Estelle. Katharina machte eine verzweifelte Anstrengung,. streckte und dehnte sich und griff mit den Händen i» rothblonde Haupthaar, welches sich ihr wild um Stirn Nacken lockte. Nur ihre bläulichen, von der Kohle tätowirten Füße blickten unter dem engen Hemd hervor� sechszehnjährigen< 4 die schmächtige Gestalt des chens verhüllte, und auch die milchweißen, zarten sah man, die seltsam abstachen von dem daS vieles Waschen mit schwarzer Seife tonlos geb� hatte. Ein letztes Gähnen öffnete den etwas gssj Mund, in welchem prächtige Zähne auS bleichem, bluta� Zahnfleisch glänzten. Ihre grauen Augen, feucht Anstrengung des gewaltsamen Erwachens, hatten( schmerzlich gebrochenen Ausdruck: sie schienen Thränc» weinen, welche die ganze Gestalt wie in Müdigkeit träw; Vom Korridor tönte die erzürnte Stimme Mähen „Teufel! es ist Zeit. Machst Du Licht, Käthe?''| „Ja, Vater! Es hat eben Vier geschlagen." „Also, beeil' Dich! Hättest Du gestern, am So?� weniger getanzt, so würdest Du uns zeitiger geweckt r Verdammte Faullenzcrei, das!" Und er fuhr fort zu schelten. Aber seine MüoZ war stärker wie sein Zorn, und bald schliefen seine � wieder in einem tiefen Schnarchen ein. Käthchen ging im Hemde hin und wieder durch, Zimmer. Vom' Bette Heinrich's und Leonorens"v"' Decke hinabgeglitten; sie zog sie wieder über die Kindesi ruhig fortschliefen. Alzire öffnete die Augen und sch*� auf den warmen Platz, wo eben die große Schwester"tfssj „Zacharias! Du! Jeanlin! Steht auf!" rief Wj] ihren beiden älteren Brüdern zu, welche die Köpfe � Kiffen gesteckt hatten und sich nicht rührten. Sie packte den Großen bei der Schulter und � ihn, und während er zwischen den Zähnen brummtfii schalt, entschloß sie sich schnell und riß die Decke v?" Beiden. Dann lachte sie aus vollem Halse, so kam eS ihr vor, wie ihre Brüder mit den nackten strampelten. tti die höc und H AuSstel allgeim neue brandbi ähnle. Släbch mit Hi artig a diesen und di den M Ueber den parteitaktischen Werth der Untlr�chnftensamm- lung, wiewohl dieser Punkt ja seiner Zeit nicht der entschei- dende gewesen ist für Erftreifung dcS Referendums— wenn in gewissen Blättern immer und immer wieder doS Gegentheil behauptet wird, beruht dies einfach auf Jirthum oder Unwahr- heit—, haben wir uns schon ausgesprochen. In der That ist er gar nickt gering anzuschlagen. Nicht allein wissen wir jetzt, daß wir stark genug sind, 30 000 Unterschriften zusammenzubringen, sosern nur rechtzeitig mit dem Sammeln begon« nen wird, sondern man konnte aas der Unterschristensamm- lung auch viele Lehren»iehen, welche es ermöglichen, bei äh-r- lichm Aktionen in Zukunft manchen Fehler zu vermeiden und die schließlichcn Resultate nach jeder Richtung bin für die Partei wesentlich günstiger zu ge- stalten. Viele bisher noch zaghafte Parteigenossen haben an Selbstvertrauen gewonnen und werden bei künftigen Unterschriftensammlungen energischer und muthiger ins Zeug gehen, als es diesmal noch der Fall war. Die schweizer Sozialdemokratie hat mit einem Wort— darin sind alle erfahrenen Genossen, deren Meinung wir zu hören Gelegenheit fanden, mit unS einig— durch die äußerlich allerdings mißglückte Unterschriftensammlung an innerer Stärke ungemein gewonnen. Deshalb auch das fortwährende Ge« schimpfe der Gegner!" Man muß beachten, daß dieser Referendumsantrag die erste große selbstständige politische Aktion der sckweize- rischen Sozialdemokratie war, und daß man erst nach Verlauf vieler Wochen sich zu diesem Vorgehen entschloß, wodurch der Termin für die Unterschriftensammlung sehr abgekürzt wurde. Wir bezweifeln nicht, daß das schweizer Arbeiterblatt mit seiner Auffassung über die Zukunft der Partei in der Schweiz voll- kommen recht hat. Vergessen soll man aber im Ausland auch nicht, daß der Grund zur Einsetzung des Generalanwalts nicht blas die Thätigkeit der ausländischen Sozialisten in der Schweiz war, sondern mindestens ebenso sehr die Ueberwachung des Lockspitzelthums bezweckt. Dem letzteren ist das Handwerk ein für alle Male gelegt und das ist ein Vorlheil den namentlich die deutsche Sozialdemo- kratie sich wohl gefallen lassen kann. Das Parteikomitee der schweizerischen Sozialdemokratie erläßt folgenden Aufmf: Sozialdemokratische Partei. Wir theilen den Parteigenossen mit. daß wir die Abhal- tung des diesjährigen statutengemäßen Parteitages auf Sonn- tag, den 27. Otiober, anberaumt haben. Die Lokalorgani- sationen wollen bei Zeiten ihre Delegirtenwahlen treffen und uns bezügliche Mittheilung machen. Die Einsendung von wich- tigeren Anträgen, welche dieselbe zu stellen gedenken, bis zum 15. Oktober, wäre uns behufs Vorberalhung willkommen. Besonderen Wünschen, den Parteitag betreffend, werden wir nach Möglichkeit gerne entsprechen. Mit sozialdemokratischem Gruß Bern, den 18. September 1889. Namen« des Parteikomitees: Der Präsident: Alex. Reichel. Der Sekretär: A. Steck. Dänemark. Dänemark hat gleich Deutschland die baldige Ansetzung allgemeiner Wahlen zu erwarten. Doch wird der jetzt anbe- räumte Reichstag wohl noch seine volle Lebensdauer bis zum ■28. Januar auskosten können. Eine Beendigung des Ver- zwistes ist auch jetzt noch nicht abzusehen, trotzdem in den Reihen der Opposition Stimmnng für AuSgleichSverhand- langen vorhanden ist. E ne hier am Sonnabend abgehaltene Ver- sammlung von Delegirten der demokratischen Vereine des Landes hat freilich beschlossen, an der Vechandlungspolitik festzuhalten, je- doch erwartet Niemand, daß es zu einerVerständigung zwischen den streitenden Parteien kommt, da die Opposition keinenfalls der unsinnigen Befestigung Kopenhagens zustimmen wird. Jeden- falls wird man opposilionellerfeits erst die Folkethingwahlen abwarten, bevor man sich zu irgend welchen Verhandlungen mit der Regierungspartei einläßt. Der frühere Folkethina- Präsident Berg, welcher Gegner der Ausgleichsbestredungen ist, bat sich mit einigen Gesinnungsgenossen von dem GroS der Opposition getrennt. Großbritannien. Die Bewegung zur Organisation von TradeS UnionS der Arbeiterinnen— so lautet der osfiziclle Titel— geht tüchtig voran und träat das eigenartige Gepräge englischer Arbeiterbewegung. Nämlich auch Mitglieder der besitzenden Klasse, Adlige und Hochwürden- tröger der Kirche nehmen Theil. Und wenn nicht ein ganz neuer Faktor herausgetreten wäre, so würden wir annehmen können, es handle sich um eine neue Auflage der früheren Frauenbewegungen unter der Patronage des übrigens hoch verdienst- vollen Philantropen Lord Shaftesbury, der in seiner Jugend Lord Ächley hieß, und mit der Gesckichte der eng- lischen Zchnstundenbill eng verwachsen ist. Lord oder eigent- lich Earl(Graf) ShasteSbury that bekanntlich sehr viel, um das öffentliche Mitleid für das LooS der unglücklichen Nähte- „Dummheiten das," grollte Zacharias, sich setzend. �Verdammt, muß man also aufstehen!" Er war mager und kraftlos gebaut; auf dem schmalen Gesichte sproßte ein spärlicher Bart; das Haar war gelb und der Teint blutarm, wie in der ganzen Familie. Gr zog sein Hemd bis zu den Knieen hinab, denn ihn fror. „Es hat geläutet! rief seine Schwester;„also flink! Vorwärts, der Vater wird bös!" Jeanlin aber hatte sich wieder in die Decke gehüllt, schloß die Augen und sagte schläfrig: „Geh zum Kukuk und laß mich zufrieden." Sie lachte gutmüthig auf. Er war so klein und dünn trotz seiner durch die Skropheln angeschwollenen Gelenke. Sie erfaßte ihn mit beiden Armen und hob ihn aus dem Bett. Er zappelte mit den Beinen; sein mattes, farbloses Gesicht mit dem krausen Kopfe, den grauen Augen und den großen Ohren, ein Gesicht, wie es kleine Affen haben, wurde blaß vor Aergcr darüber, daß er der Schwächere war. Er wehrte sich und biß seine Schwester in die rechte Brust. „Verfluchter Vengel!" rief sie, einen Schrei unter- drückend, und ließ ihn auf den Boden gleiten. (Fortsetzung folgt.) Munst und Loben. ..«<»e Nervollkommnung de» Mikroskope», oie höchste bisher erreichle, ist dem optischen Institut von W. or r?« ��bert in Wetzlar gelungen, deren Leistungen auf der Ausstellung der Heidelberger Naturforscher- Versammlung allgemeine Bewunderung und Anerkennung fanden. Das neue Mikroskop hat einen inneren Bau der Milz- brandbazillen aufgedeckt, von dem man bisher nichts sibnte. Wahrend diese nämlich bislang als einfache „chfss besondere Merkmale erschienen, sieht man sie mit Hilfe des neuen Apparates aus einer Anzahl perlschnurartig an krvander gereihten kleinen Körperchen bestehend. Um dresen dunklen stabcheniheil befindet sich eine helle ovale Zone, und diese wiederum wird von einer dunklen, stark lichlbrechen- den Membran nach Außen begrenzt. Jene kleine Perlen sind rrnnen zu erwecken, und eS gelang ihm auch, mit einem bedeutenden Aufwand agitatorischer Kraft, verschiedene WohltbätigkeitSanstalten zu gründen, die gleich allen Wohlthätigkcitsanstalten, die Wurzel de< Nebels nickt be- rührten und mit Theelöffeln den Ozean des Elends ausschöpfen wollten. Diesmal ist es anders. An der Spitze der Bewegung steht der Sozialist und Arbeiteroraanisator BurnS, und nicht um Giündung einer Wohlthätigkeitsanstalt handelt es sich, iondem um gewerkschaftliche Organisation der Arbeite« rinnen, damit sie in den Stand gesetzt werden, an der Seite ihrer männlichen Arbeitsgenossen den Klassenkampf zu kämpfen. In der Resolution, welche BurnS auf einem, im Ostende abge- haltenen Massenmeeting von Arbeiterinnen einbrachte und welche einstimmige Annahme fand, heißt es ausdrücklich, daß der Zweck der neu gegründeten„Union" der Arbeiterinnen„die Erlangung kürzerer Arbeitszeit, besserer Löhne und überhaupt besserer Arbeitsbedingungen" ist.— H»Ua«d. Amsterdam, 11. Oktober. Zu den wichtigen Ereig- nissen auf dem Gebiete der Kolonialpolitik gehört ohne Zweifel die Errichtung keines Anli-OpiumbundeS, zu dem eine große Anzahl Männer die Initiative ergriffen haben. Bekanntlich ist die inländische Bevölkerung unserer indischen Kolonien in hohem Maße dem Opiumrauchen ergeben, da« auf ie benselben sckädlichen Einfluß ausübt, wie der Alkohol-Miß- brauch auf die Europäer. Die indische Regierung verpachtet das Recht, Opium aus Java zu verkaufen, dem Meistbietenden, und seit Jahren ist dieses Recht ganz in den Händen von Chinesen, welche natürlich großen Gewinn machen. Allein auch für die Regierung ist der Opiumhandel sehr erträglich, was am deutlichsten aus folgenden Ziffern hervorgeht. Der Ertrag des Opiums für ganz Indien war: im Jahre 1792..... 250000 fl. „ 1822..... 1500000„ „ 1825..... 2000000„ „ 1855..... 6 500000„ „ 1861..... 11000 000„ „ 1870..... 10000 000„ „ 1877..... 13000 000„ „ 1888..... 20000000„ Deshalb thut die Regierung nichts, um den Verkauf des Opiums zu beschränken. Im Gegentheil, sie schließt sogar die Äugen über dem Schmuggelhandel und scheint nicht zu sehen, daß, während den Gesetze zufolge auf Java nur 854 Verkaufs- platze für Opium bestehen dürfen, doch Tausende von geheimen Opiumkneipen existiren. Diesem Mißbrauch energisch entgegen- zutreten, ist der Zweck des Anti-Opiumbundes. Der Bund verlangt, daß die Regierung mit einer gründlichen Abänderung des sitzt bestehenden Pachtsystews beginne, und zwar so, daß kein Pächter ein persönliches Interesse dabei habe, das schäd. liche Opiumrauchen, wie eS jetzt die Chinesen thun, mit allen Kräften»u fördern. Wenn eine derartrge Anordnung getroffen worden sei und die Regierung alsdann den Schmuggel kräftig bekämpfe, stehe eine erhebliche Verminderung des Opiumver- brauches in Aussicht, was natürlich in erster Linie zu der Ver- besserung der körperlichen, geistigen und materiellen Lage der Inländer beitragen werde. Fv««iiv»ich. Der„Petit Moniteur" thcilt die neue Kammer nach den Berussarten ihrer Mitglieder ein. Dieselbe setzt sick zu- sammen aus 116 Rechtsanwälten, 92 Grundbesitzern, 57 Jndu- striellen oder Kaufleuten, 48 Aerzten, 40 Zeitungsschreibern, 41 ehemaligen Ossizieren, 15 Doktoren der Rechte, 15 ehe- maligen Richtern. 14 Ingenieuren, 12 ehemaligen Diplomaten, 11 ehemaligen Präfekten, 11 Sachwaltern, 10 Finanzleuten, 7 VerwaitungSbeamten, 6 Rhedern. 6 Arbeitern, 5 ehemaligen StaatSrälhcn, 5 ehemaligen Professoren, 5 Handelsangestellten, 4 Apothekern, 3 Hüttenbefitzern, 2 Akademikern, 2 ehemaligen Auditoren im StaatSrathe, 2 Volkswirthen, 2 Generälen, 2 Vizeadmirälen, 2 Bauunternehmem, 1 Eisenbahni''spektor, 1 Bischof, 1 protestantischem Pfarrer, 1 Inhaber einer Tabaks- Niederlage, 1 Zahnarzte, 1 Maler, 1 Komponisten, 1 Käsehändler, 1 Thierarzte, 1 Chemiker, 1 Zeugdrucker und 1 Buchdrucker. — Die Boulangisten folgen dein Beispiele ihres Partcihaup'S und begeben sich auf Reisen. Die„B a t a i l l e" läßt sich ausL o n d o n telegraphiren, R o ch e f o r t sei seit 3 Tagen spurlos verschwun- den. Seit einiger Zeit habe man in den Straßen Londons eine Flugschrift mit dem Titel:„Rochcfort on Englanb" ver- kaust, welche in beiden Sprachen die im„Jntransigeant" gegen England und die Königin Victoria veröffentlichten Schmähartikel enthielte. Da an hoher Stelle die Rede davon gewesen sei, R o ch e s o r t wegen Majestätsbeleidigung zu ver- folgen, habe dieser vorgezogen, sich rechtzeitig aus dem Staube zu machen.— L a g u e r r e ist nach Italien gereist, um sich von den Strapazen des Wahlfeldzugs zu erholen. In dem Kohlenbezirke des Pas- de- Calais bei LenS haben 500 Bergleute die Arbeit eingestellt. Es wurde am Morgm noch von einigen Bergleuten gearbeitet, Nachmit- tags um L Uhr beim Schichtwechsel wollt« aber Niemand nicht etwa die Sprossen eines in Theilung begriffenen Stäb- chens: denn diese macht sich innerhalb jener Perlen besonders kenntlich durch helle Streifen, welche von der äußeren Membran her immer weiter in das Innere eindringen, bis die vollstän- dige Theilung erfolgt ist. Die einzelnen Phasen de« Thn- lungSprozesseS lassen sich an verschiedenen Präparaten sehr leicht verfolgen. DaS Mikroskop ist auf apochromatilchen Linsen ge- baut und gestattet eine Vergrößeiung der Objekle bis in'S 2250fache. Die mikroskopische Forschung darf schöne Hoffnungen auf di- Leistungen des neuen Avparate« setzen. Die höchk» Spitze de» Gwen Stanley-Gebirge» in Neu-Guinca rst einem der Londoner G>ogrophischen Gesellschaft zugehenden Berichte zufolge zum ersten Male vom Verwalter dieser Provinz, Sir William Macgregor, erstiegen. Vor etwa 40 Jahren wurde dieleS Gebirge durch den Kapitän Owen Stanley entdeckt und führte seitdem den Namen dieses See- mannes. Macgregor, von seinem Pcivatsekretär Cameron be- gleitet, unternahm seinen Zug am 20. April. Die Gesellschaft bestand aus vier Europäern und 33 Eingeborenen, darunter einigen et fahrungereichen Bergsteigern. Nach vielen erfolglosen Versuchen und Rückzügen gelang es ihnen Ende Mai, auf der Spitze de« MuSgrave- Berges, 9100 Fuß hoch, ein Lager anzu- legen, wohin dann die Vorräthe befördert wurden. Am 11. Juni bestieg Mocgregor die höchste Spitze, 13 121 Fuß hock, welcher er den Namen Berg Viktoria gab. Er beschreibt das Klima als nebelig und unangenehm bis zu 8000 Fuß hoch, weiter oben hingegen als eins der schönsten in der Welt. Der Himmel ist wunderbar klar: die Gesellschaft verbrachte 10 Tage in einer Höhe von über 10 000 Fuß und hatte nie eine Wolke gesehen. Das Meer ist von beiden Seiten sichtbar. Er fand Gänseblümchen, Bulterblllmchen und Vergißmeinnicht in großer Menge und brachte Haidckraut mit sich, welches dem schottischen ganz ähnlich ist. In einer Höhe von 12 000 Fuß giedt es keine Bäume mehr, aber der Gipfel des Berges ist mit üppigem Gros bedeckt. Urber da» neue Schlafmittel Somnal. Das von Herrn Apotheker S. Radlauer(Kronenapotheke) in Berlin dar gestellte Somnal in älhylirte« Cbloralurethan von der Formel c,HliCt,0,N und wird aus Chloral, Alkohol und Urethan dar- gestellt. Es unterscheidet sich von dem bisher bekannten Chlvralurethan durch den Mehrgehalt von 2 C und 4 H. Somnal besitzt einen Schmelzpunkt von 42 Gr. C. und siedet im Vakuum etwa bei 145 Gr. C. Dasselbe wird durch Zusatz von Srlbernilrat nicht verändert; ebensowenig durch Säuren. Somnal wird in Dosen von 2 Gramm«m besten mehr einfahren. Es herrscht völlige Ruhe und Ordnung in LenS. Die Arbeiter haben Abordnungen nach den übrigen Gruben mit der Aufforderung on die Bergleute, ich dem Auestande anzuschließen, abgeschickt. Die Forderungen bestehen in einer Verkürzung der Schicktdauer und einer Ge- h alt« ei höh un g. Bis jetzt ist noch kein Vergleich mit der Berg- Werksgesellschaft zu Stande gekommen.— In Marseille ist ein Ausstand unter den 500 Arbeitern der Bastmatten- abrik MazargueS ausgebrochen. Der Ausstand im Kohlenbecken von LenS nimmt an Ausdehnung zu. Jetzt haben 2800 Bergleute die Arbeit eingestellt. Die Arbeiter fordern: 1) eine Lohnethöhung von 1 Fr. täglich für die Arbeiter, 75 Cts. für die Karren- fchieber und 50 Cts. für die Auslader. 2) Aushebung der langen Schichten. 3) Äufrechterhallung der Witlwen in den Bezügen ihrer Gatten. 4) Sorge für die allen Arbeiter durch die Gesellschaft. 5) Aufhebung der Strafgelder durch Ab- wesende. Ast-n. Japan bat bekanntlich neue Handelsverträge mit Deutsch- land, den Vereinigten Staaten, Rußland und Italien ge- schloffen und mit Großbritannien und Frankreick schweben Unterhandlungen für den Abschluß neuer Verträge. Im Lande aber herrscht Unzufriedenheit über die Weise, in welcher die Revision der Verträge durchgeführt wurde. Namentlich wird die Ausländern gewährte Erlaubniß, Grundbesitz im In- nern zu erwerben, heftig beanstandet. Am 25. August fand in der Hauptstadt in einem der größten Thealer eine Massen- kundgebung gegen die neuen Verträge statt, welche drei Tage dauerte und während welcher 47 Reden gehalten wurden. Gsrichts-Jleitimg.' Zum Kegrlff de»„grobe« Unfugs". In der lctzicn Zeit rst vielfach von Urtheilen berichtet worden, welche in Nach- richten, die durch die Presse verbreitet worden waren, einen „groben Unfug" feststellten und die Redakteure demgemäß mit Strafe belegten. Verbreitung allarmirender Gerückte, Beleidi- gungen von Körperschaften, politische Streitschriften und dergl. mehr wurden unter dielen Rechtsbegnss gebracht. Ein gewiss S Aussehen erregte ein Urtheil des Landgerichts Bautzen, dem folgender Thalbestand zu Grunde lag. In der„Zitt. Mrgztg." erschien ein politischer Artikel, der heftige Ausfälle gegen die sog. Kartellparteien enthielt und mit Anführung von„11 Geboten" schloß, die für das Veibaltcn jener Patteien maßgebend seien. Das Gericht fand, doß dcr Redakteur dcr Zeitung als gesetzlich nach Z 20 des Preßgesetze« zu fungirender Thäter des Vergehens gegen Z 166 Str.-G.-B. (Beschimpfung einer ReligionSgesellschaft bezw. deren Ein- richtungen) durck Verspottung der zehn Gebote schuldig sei. Dem Verfasser de« Artikels gegenüber hielt das Gericht dieses zwar nicht für festgestellt, weil demselben als einem religiös gesinnten, die Kirche regelmäßig besuchenden Manne der Votsatz einer Beschimpfung nicht nachgewiesen sei, wohl aber verurtheilie da« Gerickt denselben wegen„groben Unfugs", weil dcr Aufsatz „eine an sich ungehörige Kundgebung enthalte," welche geeignet sei,„den öffentlichen Frieden zu stören, insofern er den An- >p'Uch„ der Staatsbürger auf Achtung ihrer politischen und religiösen Ueberzeugung verletze, dadurch zu Erwiderungen und selbst zu Gewa'tthätigkeitcn anreize und somit das Publikum behellige." Das Reichsgericht hat dieses Urtheil vernichtet und den Verfasser des Artikels freigesprochen. Die Gründe, welche bei der großen Bedeutung der Rechtsprechung des höchsten Gerichtshofes eine Weisung für die deutschen Gerichte bilden, find zugleich für die Presse und das ganze politische Leben von So weittragender Bedeutung, daß es geboten erscheint, sie wenig- ten« auszugsweise zu veröffentlichen. Das Reichsgericht betont zunächst im Anschluß an seine bisherige Rechtsprechuno, daß die Slrafbestimmung des§ 360 Nr. 11 keineswegs eine allgemeine Stralandrohung geg-n jeden störenden Eingriff in die unter dem Schutze der öffent- lichen Ordnung stehenden Interesse und Gerechtsame enthalte, sondern daß hierzu erforderlich sind solche den äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung unmittelbar verletzende Ungebührl'chkeiten, durch welche das Publikum schlechthin, nicht also ein individuell be- grenzler Personenkseis gefährdet oder belästigt wird. Das Urtheil führt diesen Sotz des Näheren aus und er- örtert die Frage, ob durch die Presse„grober Unfug" verübt werden könne. Nachdem es diese Frage im Allgemeinen be- iaht hat, fahrt es zu dem konkreten Fall übergehend, wärt- lich fort: Die Art, in welcher die Vorinstanz vorliegenden Falles den Z360 Nr. 11 auf einen politischen Zeitungs- artikel anwenden will, kann nicht gebilligt wcrden. Diese Methode würde in dcr That dahin sllhren, was abge- lehnt werden muß, doß dre ursprünglich nur bubenhasien mit Zusatz von Solutlo Succi Llquirit. oder Syrup. Rubi Idael nach folgender Verordnung gegeben: Rp. Somnal 10,0 Aq. destlllat, 45 0 Solut. Succi Llquirit. 20,0 de« Abends 1 Eßlöffel. In dieser Dosis von 2 Gramm bewiikt das Somnal nach vielen damit angestellten ärztlichen Versuchen schon tz Stunde nach dem Einnehmen einen 6- bis 8striadigen ruhigen Scklaf rhne nackherige unangenehme Nebenwirkung. Es zeichnet sich nach Angabe des Fabrikantrn vor den anderen Schlafmitteln dadurch ous, daß dcr Schlaf bereits nach j Stunde eintritt, daß er 6 bis 8 Stunden dauert, und daß das Somnal keinen Einfluß auf die V.rbauung, den Puls, die Alhmung und die Temperatur ausübt, somit in seiner Wirkung die vortrefflichen Eigenschaften de« Chloralhydrates und des UrethcnS vereinigt, ohne die unangenehmen Nebenwirkungen der beiden Salze zu zeigen. Die Geschichte einer„Sekenswürdigkelt" erzählt der New-Horker Korrespondent der„Fr. Ztg." wie folgt: Vor einigen Wochen gestand in Texas ein Mann auf seinem Sterbe- bette, vor zwölf Jahren einen Mord begangen zu haben, für den ein anderer verurtheilt und hingerichtet worden sei. Das letztere entsprach jedoch nicht der Wirklichkeit. Jener anbei« war allerdings zum Tode durch den Strang verurthcilt, cbtr vom Gouverneur des Staates zu lebenslänglicher Gefängniß- strafe begnadigt worden. Nack langem Suchen fand man den Aeimsten in einer kleinen Grenzfestung auf, wo er feine Tage in einer engen Zelle, mit monotoner, geisttödtender Handarbeit beschäftigt, dahintraumte. Das Schicksal, welches ihm ein so grenzenlos trauriges LooS de- schieden hatte, schien aber einen Theil seines Unrechts wieder gut machen zu wollen. Als man nämlich den un- schuldig Leidenden fand, bot er einen höchst seltsamen Anb ick dar: seine Haare hingen in langen, dunklen Strähnen bis zu den Knieen herab, denn die Beamten jener Festung hatten>s während der zwölfjährigen Haft nicht ein einziges Mol bc- schnitten. Und nun ist ee nach einem wochenlangen, heißen Kampfe der sämmtlichen Dime-Museen des Landes endlich einer dieser Schaubuden gelungen, den Freigelassenen zu gl- Winnen, um ihn als„die verfolgte Unschuld mit langen Haaren" oder den„Spielball des Schicksals" öffentlich auszustellen. Das Museum hat diese neue Kuriosität vorläufig auf zwei Jahre und zwar mit einem Wochenhonorar von nicht weniger als 40 Dollars verpflichtet. Etrobenunfuz verbiet:nde Strafnorm cine subsidiäre Strasvorschrist unbestimmtester Allgemeinheit wird. welcher der Strafrichter Alles zu unterstellen befugt ist, was ihm„ungehörig" erscheint und doch unt-.r die sonstigen Strafandrohungen mit ihren wohlerwogenen begrifflichen Grenzen nicht paßt.... Es ist auf dem Boden des StrafrcchtS nichtssagend oder posiiiv un- richtig, zu unterstellen,„die Staatsbürger hatten einen „Anspruch auf Achtung ihrer politischen oder religiösen Neberzeugung": deren Verletzung, weil sie zu„Erwide- rungen und selbst Gewaltthätigkerten" führen kann, und somit den öffentlichen Frieden stört. Ein solcher Anspruch besteht strafrechtlich nur, insofern positive Strafnonnen ehrcnkränkcnde Angnffe gegen Personen oder Ein- richtungen, gegen den Staat oder soziale Klassen, egen Kirche oder Religion verbieten. Außerhalb >icser Grenzen war es bewußte Absicht der Straf- aefetzgebung, die Freiheit der Meinungsäußerung in Rede und Schrift nicht einzuengen, und außerhalb dieser Grenzen kanir von einem Ansprüche auf Ächtung poli- tischer und religiöser Ueberzeugungen" nicht aesprochm werden. Wenn beispielsweise Z ILO Str.-G.-B. mit sorgsamster Abwägung der Worte die frühere Fassung des§ 100 preuß. Str.-G.-B.— durch welche jede Friedensgefährdung durch Erregung von„Haß und Verachtung" gegen Staatsangehörige getroffen wurde aufgegeben und auf öffentliche Anreizung zu Gewalt- thätigkeiten beschränkt hat; wenn im Z 166 ebenso be- stimmt die beleidigenden Angriffe liegen abstrakte Glaubenssätze als solche aus dem Bereiche des Straf- schutzes ausgeschieden wurden, so darf jetzt nicht Z 360 Nr. 11 dazu verwendet werden, um die klar erkennbaren Absichten der Gesitzgebung illusorisch zu machen und die l bloße Erregung von Haß und Verachtung gegen eine poUtrsche Partei, oder die bloße Mißachtung abstrakter moralisch'-religiöser Satzungen unter der Bezeichnung „grober Unfug" zum Delikte zu stempeln. Wäre jede Verletzung der religiösen und politischen Heber- zeugungen!An derer schon um deshalb„grober Unfug", weil die Möglichkeit niemals auszuschließen ist, daß solche Verletzungen im Streite der politischen und kirch- lichen Parteien zu„Erwiderungen, selbst Gnvaltthätig- leiten" führen, so fiele damit die gesammte politische TageSpreffefimd die ganze Streitschrittcnliteratur, sobald sie in ihren Angriffen gegen die Memungen Anderer da« vom Strafricktcr nach seinem freien Ermessen für zulässig erachtete Maß überschreitet, unter die Zensur beS § 360 Nr. 11 Str.-G.-B.'S. Daß hierfür der in erster Reihe die polizeiliche Ordnung, die äußere Ruhe und den sittlichen Anstand auf den öffentlichen Straßen und Plätzen schützende ß 360 Nr. 11 Str.-G.-B.'S nicht be- stimmt ist, bedarf keiner Ausführung." Möge dieses Urtheil des Reichsgerichts den Erfolg haben, daß der„grobe Unfug", der so vielfach mit dem 8 360 Nr. 11 getrieben worden ist, bald sein Ende erreicht. Vcvlnmmlunrjcu. Jtt zlnterstLhungvbnwd der Kauvdieurr Kerlwv hielt seine erste Generalversammlung im vierten Geschäftsjahre am Dienstag, den 8. Oktober, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, ab. Der Vorfitzende O. Grauer eröffnete die sehr zahlreich besuchte Versammlung mit einigen Worten des Dankes um .. Uhr. Hierauf machte derselbe Miltheilung von dem leben zweier Kollegen, und ehrte die Versammlung das denken derselben durch Erheben von den Plätzen. Auße. wurde mitgetheilt, daß am Sonnabend, den 5. d. Tl., r tausendste Mitglied ausgenommen wurde. Nachdem cir? UnletstützungSangelegenheiten erledigt waren, wurden 86«S Mitglieder aufgenommen und durch den Vorfitzenden mit Ansprache, die in der Aufforderung zur weiteren, krä Agitation gipfelte, eingeführt. Hierauf wurden die richte verlesen und dem Vorstand Decharge er! DaS Vermögen des Bundes beträgt demnach 3275,55 M. das Bureau, Krausenstr. 18, wurden 626 Stellen besetzt. dem noch der Schriftführer einen Bericht über die gesam» Thätiakcit des Vorstandes, und der Obmann der Rechts#? kommrsfion Bericht über deren Resultate gegeben hatte, w>Z zur Neuwahl des gesammten Vorstandes geschritten. Gcw» wurden Oswald Grauer, 1. Vorfitzender; Hermann Zin 2. Vorsitzender; Matull, 1. Schrififührer; Werner, 2. S# führer; Mohnke, 1. Kassirer; Langewisch, 2. Kassirer; M» graf, Henkel und Keßlinke als Beisitzer. Oswald Grauer m» zur Verwaltung des Bundesbureaus wieder gewählt. übrigen Wahlen wurden der vorgerückten Zert wegen nächsten Versammlung zurückgestellt. Ein Antrag, das der Brauerei LipS, Aklienbrauerei Friedrichshain, nicht zu tri? und alle Schankstatten zu meiden, wo dasselbe auSgesch« wird, wurde mit Beifall begrüßt und einstimmig angenom Die Versammlung wurde mit einem kräftigen dreifachen auf die Weiterentwickelung des Bundes geschlossen. Die begründete Zeitung„Einigkeit", Organ der Hausdiener, w» 'ehr gut aufgenommen und fand viele Abonnenten. Der 'ellige Abend wurde zum Dienstag, den 22. Oktober, bestiÄ Stzsatrr. Dienstag, den 15. Oktober. Svmthan». Carmen. Keine Vorstellung. Oestsche» Ssteatcr. Das Glas Wasser. Theater. Das letzte Wort. Ktetoich» MUtz»l«5?dttsch»v«h-ate». Mikado. KsftK»»,. Theater. Eheferien. Vorher: Funken unter der Asche. MaS*»r-Ut,«ater. Der Dompfaff. Viktoria Stanley m Afrika. GsteuV-Lheater. Ein Verurtheilter. tfsOmRitiKe»- Thrater. Der Zauberlehr. fing. KSntgltSvtische« Theater..'Ne feine Familie." Zmrtrirt-Theate». Das lachende Berlin. Ahocktzeh Kraft-Theater. Flotte Werber. «eh». Lichter'» Karitt». Vorstellung. Meichehakeu- Theater. Vorstellung. Spezialitäten- Gr. Spezialitäten- Kerlwer Theater. Dienstag, den 15. Oktober: Zum ersten Male: Markgraf Waldemar. Mittwoch, den 16. Oktober: ZemetrtuS. Donnerstag, den 17. Ottober: Die wilde Jagd. Thalia Theater, 15 Wallnertheatn-Srahe 15. Heute und folgende Tage: Große Theater- und Danksaguttg. Allen Freunden und Bekannten sage für die Theilnabme bei der Beeidigung meiner Frau AugusteNatusch meinen herzlichsten Dank. 263 August Natusch. AUgemeiner MetaUarbeiter- Kerein Kerlins«. Ilmg. Lnosso VenssiBimIung am Dienstag, den 15. Oktober, AbdS 8 Uhr, in der Noni>«tsut»ct». Brauerei, Chauffeestr. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Vogt Herr. Thema: „Alte und neue Volkserziehung". 2. Diskussion. 3. Die Arbeitseinstellung in der Fabrik Cyc'op. 4. Ausnahme neuer Mitglieder. 5. Verschiedenes und Frazekasten. Gäste haben Zutritt. Um recht zahlr. Besuch bittet A-r K-rstaad. Kpezialitiite« RorsteUuug. Austreten des Berliner Unioeisal- Humoristen Herrn F r ö b e l, der Liedersängerin Frl. F i o r i und der Kaulschukdame Fit. Marrnella w. »vtrSv Sv?k. Uhr. Verband deutscher Mechaniker n. verw. Bernfsgenoffe«. (Zah lstelle Berlin.) Mittwoch, den 16. Oktober, Abends 8tz Uhr, im Louisenstädtischen Klubhaus, Annenstraße 16, VsnsanAmlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Gerisch über Soldaten- Handel im Mittelaller. 2. Diskussion. 3. Das Verhalten der Nürnberger Kollegen zu dem Streik in der Schuckerl'schen Fabrik, und welche Stel- lung nehmen wir dazu. 4. Bericht über die Sperre der Werkstatt von Willing u. V olet. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste will- kommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Alle Mitglieder werden dringend ersuch', zu erscheinen. 362 D e r V o r st a n d. Große Versammlung des Sozialdemokratischen Walsioereil im 4. Deel. Reichstags-Wahlkreise am Mittwoch, den 16. Oktbr., Abends 8 Ul im großen Saale des„Köhmi scheu Krauhaust Landsberger Allee Nr. 11—13. TAGES-OBOHUNG: 1. D!e wirthschaft lichen Ilmwälmngen trnfmr C und die Sozialdemokratie. Rescrent: Herr Max Schipi 2. VereinSangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste sind willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. __ I. A.: Ssn Große ö?feutUche Uersammwug sämmtl. Feilenhauer und Feilenschleifer Berlik am oienstsg, den 15. Oktober, Abends 8 Uhr. im Restaurant„Wßdding-Papk", MüLerstraüs 178. TageS-Ordnung: 1.„Die Wbeit". Referent: Herr Tischler B o y. 2. Diskusfion. 3. Bericht der L- kommission. 4. Verschiedenes._ Der Einberufer. American-Theater. 1SS5 Zrttdmtrftr. 55. _ Täglich Vorstellung. Circus Benz. Karlstraße. Hrute. Dienstag, den 15. Oktober 188S,! Abends 7 Uhr: Große Vorstellung. Lrussariige Beduiiten- Sprünge von bcs beste« Springern der Äesevschaft. Vor- führen der 6 englisiben Vollblut- Springpferde durch Herrn Franz Renz. Auftreten des Ser- ßeaut Timms mit seiner jugendlichen Zuaven- Truppe in ihren neuen Staunen erregenden Schiachte«- und Lagerbildern. Austreten der Schulreiterin Fräul. Guerra. Jfagar, Blumen- pferd, vorgtf. von Hrn. Oskar R>nz. Renom- mirte Künstle! familie Briatore. Austreten der vorzüglichsten Reitkünstlerinnen und Reitkünstler. MerUan-r-Manöver von IL Herren. Morgen: Große Vorstellnog. E. Renz, Direktor. Kitte lesen Kle! Im Versatz verfallene a 1 v r-P a I o t o t s, sowie Anzüge, einzelne JaquetS, Hofen, Tamen-viäntel und-Steider, Hüte, Stiefel, Wäsche, Uhren, Betten, Reise- u. Holzkvffer w. Alles in alt und ne» sehr billig zu oerkaufen bei 11745 �.IVoreisz, KKMtzerßr. 127. Bitte recht genau auf Namen und Rummer zu achten. 800 Empfehle allen Freunden und Genossen meine Glaserei Und Bil Einrahmung. Bilder-Verkauf von Lastalle und Kasrncloosr als Präside�. � Allg. Deutsch. Arbeiter-VereinS, Kebel, Liebknecht, LastÄlle und Maro in CabinetJ* llg.,,... Vintes u. f. w. Bestellungen nach Auswärts brieflich. Gart Scholz, Wrangelfir. � Geschäfte"Verlegung. Ich zeige hiermit ergebmst au, daß ich mein iHir Cigarren- mxh Takak Geschäft-mm im 1. Oktober von der Prinzenftratze nach der Aksaserthor» Strasse 20 verlegt r 135]_ Otto Kracteer, vo> m. Fritz Kunrrt. �1 Möbel und Potsterwaaren eigener Fabrik» auch auf Tbeistahlung Rcsenthaier» Strasse S4, I. CIpcus Busch- Ariedrich-Karl-Ufer. Heute, Dienstag de« 15. Oktober: Abends 7f Uhr: Große Volfttllunq. Et« Traum in den norwegischen G btrgen LS Reugete, vorgeführt vom Direktor. Die hohe Schule als CavaSter, geritten v. Maria Dort Monte Chiisto, geritten vom Direktor. Auftreten der jugendl. Künstlerin Frl. Amalia. Elrphavt und Ponv�. Tanti Bedini m. seinem Esel„Rigolv". Vorfuhren des dressirten Zebras. Kanon rnkönigin Victortna. Auftreten aller neu rnzaairten Künstler. s264 Alles Nähere die Plakate. - 1«»- 9 M.— 10 B, Butaer-PuBor.«.«. �yyMf In dieser Woche: Zum ersten Mal; V. Cyel.: Die Aarise» Welt-AuSkriiuu«. I». Krise durch Algerien. »»»WWW Rertha-Reiee. mWWWW 9mt«eis» 20 Pf.,«md nur 10 Pf.»bonn. S»eis« 1 M. Tifchler-WerkMge, beste englische und dentfche, unter Garantie fertige gangbare Hobel it.,[949 E. Vogtherr, Berlin C. Landsberger str. 64(am Alexanderplatz) Kettfeder««. Daunen rein und staubfiei in jeüer Preishöhe. Große Auswahl fertiger Betten bis zu den besten Sorten. 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Im Ganzen schätfl das Wasserquantum, weiches neben dem aus der Siädlw Wasserleitung entnommenen Waffennenge in Berlw> braucht wird, auf 50 pCt. dieser letzteren menge, so daß Beilin gegenwärtig zwei Drittel P gesummten WasseibedarfeS auS den Wasserwerken delkt> '/, aus den öffentlichen Wasserläufen und Brunnen tnUf. In Zukunft wird dies Verhältniß sich zu Gunsten der»» leitung ändern, denn für die Wasserwerke am Müggeif« «ine Entnahme von zwei Kubikmeter Nutzwasser pro Sr» obrigkeitlich genehmigt. Aus ihren Wasserwerken hat die® Berlin im letzten Geschäftsjahre einen Gewinn-HeberstW etwa 2i Millionen Mark erzielt, nachdem von den Ein»* 2% Million zur Schuldentilgung und zur Deckung der N des Anlagekopitals und eine weitere Million zu EcweilerS bauten verwendet worden war. Der Wasserstnrs, welcher künftig llvom Kreuzifft Zuge der Großdeereristraße sich ergießen soll, ist jetzt im»' vom Bildhauer Albert Manthe Hierselbst vollendet. Tj wird sich das Becken zur Sveisung des 15 Meter tief Ik stürzenden Falls etwa fünf Meter nördlich von der Ali» des Denkmals bl finden. Der obere Theil des Wafferp ist dem Anfang des Zackenfalles im Riesengebirge, der jj Theil dem Hainsalle im Riesengebirge in Form unM stimmten Größenverh'iltnissen, die nach der Natur an Ol Stelle studirt find, nachgebildet. Unterhalb wird ein P Becken gebildet, aus welchem das Wasser nach Westen ff sheßt und 10 Meter tiefer einen kleinen See bildet. ziehen sich in schönen Windungen von der Platifonn p beiden Seiten des Wasserfalles nach dem unteren Becks vereinigen sich dort zu einem einzigen breiteren Wege, st der Richtung des Wasserfalles allmälig abwärts zu de«' gelegemn Rondel führt, das von der Kreuzbergstraße t Meter höher als diese gelegen ist. Der Lesach der PufaUverhSianss-AnsstellaW mit dem heutigen Tage geschlossen wird, war am S? trotz deS schlechten Welters ein recht reger. Ja, gegen" trat th eilweise Gedränge ein. 1 Gleichzeitig sei bemerkt, daß während der aesammten' der Ausstellung über 300000 BilletS an Arbeiterverein Krankenkassen ausgegeben worden find. Nicht verlauste BilletS werden, wenn der Beste« prälentirt, bis zum 2V. d.M. im Bureau der Ausstellunge genommen. Der Mensch kann sich an alles gewöhnen. Di'I? welche am lautesten gegen die Greuel der Sklaverei k und die Verbreitung von Christenthum und euroväislW fittung in Alnka predigten, haben sich am schnellsten r mit der Skaoerei abgefunden, und jetzt erfahren wir l>?. Kölnischen Zeitung", daß man bei einiger Kolonialbegd» "ir Menschei sresserei erwärmen und derselbZ �W>wMww>ii ß?» smechung ich an diejenige der übrigen religiösen und sich auch für freundliche Seile abgewinnen kann. Die„Köln. in einem Feuilleton wörtlich:„Der Menschenfraß. giösen Absonderlichkeiten anschließen möchte, blüht zurA! immer im Bismarck- und im Salomo- Archipel. aber in Kaiser WilhelmS-Land nicht vor, auSgenomMl» leicht am Hüon- Golf, woiüber man aber nichl' Bescheid weiß. llebiigenS ist die Sache, wenn � näher erwägt, doch wohl nichts so besonders Sck lunnff� meinen{otoia-n B-al-itern«uf der F'n«eie»re aus einer der beiüchtigsten Gegenden vor? stammten, hatten manche daheim in der schönen kani??' Heimalh Menichenflelsch genossen. Aber um dessen trv"' sie nicht minder treu, brav und zuverlässig gewcsn'u Gegentheil. Kannibalische Völker sind gewöhnlich, schneidig und hochbegabt. Sie find ein hartes Holz,� elwas TüchiigeSgemacht werden kann."—„Schnei� ist das richlige Wort. In der Schneidiqkeit liegt eint j Verwandtschaft mit dem Mrnschenfresserlhum, und i „Kölnischen Zeitung" hat man nun zum ersten Mal vo'j biger Seite die Menschensrcsserlinie als Verwandte««j Gin Theaterkrach ist von einer Spezialitäten� Berlin O., vre eist vor wenigen Wochen ihre Pforte? hat, zu melden. Das Geschäft ging so schlecht, daß d«„ deS Theaters schon einen großen Theil der Gage dn«. noch künstlich die Sache zusammenzuhalkn. Wie mo» 2 mag aus dem Umstand erhellen, daß zwei Restauration''. m,l je 1500 Mark Kaution engagirt wurden. Als dj*, Restauraieur kam und sah, daß er überlistet sei, ven? feine Kaution zurück, allein das Geld war nicht wtr Händen. N»ber das Befinden der Fra« Direktor mitgeiheitt, datz die Besserung die größten Fortschrillt 0 hat. Allerdings leidet die Dame, welche bei ihrem t? Unfälle eine schwere Gehirnerschütterung davon gctcaü� noch an Hefligen Kopfschmerzen; doch hoffen die Äcrztt � nrcht gar zu langer Zeil beseitigen zu können, so de» schickie Reiterin dann wieder in den Sattel ste>s?. Die„Allgemeine Fleischer-Zeitung", weicht>, 1. Oktoder zweimal wöitientlich erschemt. hat mit deM Tage ihre Bureaux nach der Kommandantenstr. 70, Neuen Grünstroße, veilegt. s Falsche Zweimarkstücke find wieder im Umlo� selben sind sehr gut nachgeahmt und haben fast densem� wie die echten, jedoch sind sie nur zwei Dntiel so sch�s baden infolge des weniger dichten Metalls nicht Prägung, was namentlich am Rande und an der?, bemerken ist. Sie tragen dos Münzzeichen A und b" zahl 1876. Vm ficht ist geboten. Gi« verwegener Gestügeldieb ist in der �»5 Sonntag durch die Wachlamkert eines Wächter« aW und verhaftet worden. In der Gollnowstroße gew°J Wächter einen Mann, der einen großen Sock über de; Krig. Auf die Frage, was sich in dem Sack b. finde, Mann keine Antwort geben, und als sich der Mächttt�, fireden geben wollte, ließ der Angehaltene den Sack, glenen und ergriff die Flucht. Der Flüchiling kam Ifj weit, schon an der Ecke der W.berstraße hiell ihn ein kulscher auf, so daß die Veihofiung des Manne» � konnte. In dem Sack befand sich firsck geschlachtete» � wrlches, wie der Verhaftete auf der Wache angab, F G-stügelhändler in der Prenzlauer Allee gestohlen'S dem Tieb wurde der erst 18 Jahre alte Karl K° miltelr. f K»i der an« AnlaK der Ermordung Danest dorr vorgenommenen HauSsuitiung hol". Saiten Fell, sow e ein Faß mil Pökelfleisch gesund' i schlagnahml: beides geHörle dem Aboeckereigehil�".�' Dieser dal darum, ihm das Fleisch herauszugeben,� fuchungeiichier lehnte dies jedoch ab. Als dann später wiederum eine Hrussuchung vorgenommez verbreitete das Fleisch einen so pestilenzarligsii�V es entfernt werden mußte: man gab es Wec°. WaS er damit begonnen, ist nicht bekannt � seitens der Polizeibehörde wird aber, wie"W letzt auf Werner gefahndet. um Gewißheit' Verbleib des Fleisches zu �halten. Werner ab' schwunden. die Abdeckerei t> klärt, daß sie ihn nicht entlassen habe, daß er freiwillig fortgeblieben sei. Die Gerüchte, daß Werner verdorbenes, der Abdeckerei übergebeneS Fleisch in den Handel gebracht habe, erhalten durch das Verschwinden Werner« natürlich neue Nahrung, denn man fragt sich, und wohl mit Recht, daß Werner nicht zu verschwinden brauchte, wenn die gegen ihn vorliegenden Verdachtsgründe nicht gerechtfertigt wären. Nebsv dem Treppen-Eingang zu einem erst kürzlich eingerichteten Abzahlungsgeschäft im Südosten der Stadt hat-e der Besitzer eine Tafel mit der Aufschrift anbringen lassen: „Aufgang zum Abzahlungsgeschäfts Schon nach einigen Tagen fand er aus dem Worte„Aufgang" das mittlere„g" entfernt und durch ein farbiges„h" ersetzt. Die eisernen Haken, auf welchen das Schild ruht und die ziemlich weit aus dem Mauerwerk hervorragen, bilden zugleich die nöthige Illustration für den Sinn der Äenderung, die jedenfalls ein nicht ganz zu« f�iedengestellter Kunde des neuen Geschäfts veranlaßt havl dürfte. en Attentat« auf Pfeedebahnfchaffner sind in letzter Zeit mehr. Vorgestern früh ist wiederum e ach nichts Neues mehr. Vorgestern früh ist wiederum ein solches auf den Schaffner Wendlandt verübt worden. Als dieser früh um 5 Uhr aus dem Depot der Ackerstraße fuhr, bestieg in der Elsafferstraße ein anständig gekleideter Mann den Perron des Wagens, als jedoch der Schaffner um Zahlung des Fahrgeldes ersuchte, wurde der Fahrgast grob und weigerte sich, den Wagen zu verlassen. W. mußte nun den Tobenden mit Gewalt vom Perron entfernen, stieß jedoch hierbei auf thätlichen Widerstand, und plötzlich schlug der rohe Patron auf den Beamten mit einem eichenen, dicken Stock los; dabei erhielt der Schaffner einen derartigen Schlag auf den Kopf, daß dem Getroffenen das Blut sofort aus einer klaffenden Wunde schoß und der Verletzte betäubt zurücktaumelte. Passanten, welche den Vor« fall bemerkt, brachten den rohen Burschen nach der in der Liniensiraße belegenen zuständigen Polizeiwache. Der nicht unerheblich Verletzte erhielt sofort bei einem in der Nähe wohnenden Heilgehilfen einen Nothverband, mußte seinen Wagen abgeben und liegt zur Zeit noch an seiner Wunde darnieder. Ei« schWarzer Selbstmörder hat vorgestem Abend in einem Hause der Brunnenstraße eine förmliche Panik hervorge« rufen. In dem Hause wohnt seit einigen Tagen ein an den „grünen Strand der Spree" verschlagener Neger, der hier sein Glück bald als K-llner, bald als Hausirer zu machen versucht. Der schwarze Jack konnte jedoch die Miethe für das Schlaf« logis nicht bezahlen und sollte deshalb dasselbe vorgestern Abend wieder verlassen, die traurige Gewißheit, obdachlos ohne einen Pfennig in der Tasche in den Straßen der Stadt umher zu irren, muß den armen schwarzen Teufel derartig in Verzweiflung gebracht haben, daß er sich das Leben»u nehmen beschloß. Kurz vor Dunkelwerden knüpfte sich der Neger auf dem Vor« boden des Daches an einem Querbalken auf, gerade in dem« leiben Augenblick, als ein Dienstmädchen mit einem Korb Wäsche den Vorraum betrat. Dieselbe sah eine dunkle schwarze Gestalt schweben, hörte das Siöhnen derselben und mit lautem Hilferufe, daß auf dem Boden„Räuber" seien, stürzte das Mädchen, mehr todt wie lebendig, die Treppe hinunter. In der nächsten Minute bereits gellte durch das Haus der Ruf, daß Räuber in der vierten Etage eingebrochen feien und die Wohnungen plünderten, ein Theil der Miether ergriff die Flucht, andere wieder schrien aus den Fenstern nach Hilfe und mehrere Frauen wurden aus Furcht ohnmächtig. Als endlich mehrere Männer bewaffnet den Boden betraten, fanden sie hier die Ursache der Panik, den schwarzen Selbstmörder, bereits be wüßllos, erhängt vor und es bedurfte mehrstündiger ärztlicher Bemühen, um den armen Burschen wieder in§ Leben zurück> zurufen und nach einem im Norden der Stadt belegenen Krankenhause zu schaffen. Ueber das Treppengeländer gestürzt ist vorgestern in einem Haufe der Eisenbahnstraße der acht Jahre alte Sohn der Wittwe Fröhlich, welche in der zweiten Etage wohnt. Die Mutter war auf kurze Zeit fortgegangen; während dieser Zeit war der Sohn auf den Flur hinausgetreten und hatte sich weit über dos Geländer gebeugt. Hierbei verlor er das Gleich» gewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe, wo er schwerverletzt bewußtlos liegen blieb. In demselben Augenblick kehrte die Mutter zurück, der Anblick ihres schwerverletzten Kindes verur- sachte ihr einen Ohnmachtsanfall, so daß sie sowohl wie ihr Kind von Hausbewohnern in die Wohnung getragen werden mußte. Selbstmord. Eine entsetzliche Ueberraschung wurde am Sonnabend Nachmittag der aus dem Gesundbrunnen wohnen den Frau des Bauarbeiters H. zu Theil. Der Mann war auf einem Neubau des Weddings in Arbeit, woselbst ihm Frau H. das Mittagessen hinzutragen pflegte. Dies geschah auch vor- gestern, doch fiel es ihr auf, daß ihr Gatte nicht, wie dies sonst der Fall, sie an der Thür des Neubaues erwartete. Die übrigen Kollegen des H. hatten denselben gleichfalls schon einige Zeit vermißt und man fürchtete, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei. Deshalb begann man nach H. zu suchen und als die Frau des H. sich in Begleitung anderer Arbeiter nach dem Hinter- gebäude begaben, fanden sie den unglücklichen Mann in einem Winkel der Durchfahrt erhängt vor. Bewußtlos und mit gellendem Aufschrei stürzte die Frau des Selbstmörders zu Boden und ein sofort herbeigeholter Arzt mußte die Bedauerns� werthe, bei welcher ein hitziges Fieber auszubrechen drohte, mittelst Droschke in ihre Wohnung überführen lassen, während der Selbstmörder, der die traurige That in einem Anfall von Geistesstörung ausgeführt, nach dem Leichenschauhause geschafft wurde. Kei einem schweren Diebstnbt ist von dem Diebe ein Schlüssel mit daran befindlicher Mcssingmarke zurückgelassen worden und sind auf letzterer folgende Buchstaben und Zahlen eingeschlagen: oben zunächst römisches„A und IV.", darunter -.1- Lt." und unter dieser die Zahl.„68" in arabischen Ziffern. Ohne Zweifel rührt der Schlüssel aus einer großen Fabrik oder einer Anstalt, Kranken-, Siechcnhaus oder Gefängnrß her und ließe sich vielleicht eine Spur des unbekannten Diebes ermitteln, wenn sich der Eigen, hümer oder diejenige Anstalt, wo Schlüssel mit solchen Auszetchnungen geführt werden, ausfinden läßt. Der Schlüssel kann be, der Kriminalpolizei, Zimmer 87, in Augenschein genommen werden. GW schrecklicher UnglückvfaU ereignete sich gestern Nachmittag in der Drakestraße im Thiergarten. Der Dach deckergesclle Müller in Schöneberg, Wilmersdorferstr. II wohn- Haft, war in der genannten Straße damit beschäftigt, das Hängegerüst anzubringen, um die Fassade zu streichen. In folge emeS Fehltrittes stürzte er vom dritten Stockwerk auf «inen unten stehenden Bock und blieb mit schweren inneren Verletzungen liegen. Ein herbeigeholter Arzt ordnete die so fortige Ueberführung des schwer Verletzten nach der Klinik in der Ziegelbraße an, wo derselbe hoffnungslos darnrederliegt. GW Nabenrlternpaar. Gegen das in der Auguststraße wohnhafte K.'sche Ehepaar war kürzlich bei der Staatsanwalt fchaft eine Denunziation eingegangen, wonach dasselbe ihr 9jäh riges Pflegekind fortgesetzt, ohne jedwede Veranlassung in bar- barischer Weise mißhandelten, so daß daS Kind infolge der er- uttenen Verletzungen krank geworden sei. Die behördlicherseits angeordnete Untersuchung hat die schweren Beschuldigungen der Denunzianten im vollen Umfange bestätigt. Der mit der körperlichen Untersuchung betraute Arzt Dr. Hirschberg beaut achtete:„Das körperlich im Wachsthum zurückgebliebene Mäd chm ist am ganzen Körper mit Striemen und Beulm bedeckt und deuten die Verletzungen unzweifelhaft auf Mißhandlungen durch Stoß beziehungswerse Schlag mittelst gefährlicher Werk« zeuge, als Knüttel, Feuerzange, Stiefelabsatz:c. hin. Die Lungenflügel find durch Mißhandlungen stark laidirt u. s. w � Das Kini Kind ist natürlich sofort anderwärts in Pflge gegeben irden, gegen das Musier-Pflegeelternpaar aber ist das strafgerichtliche Verfahren wegen schwerer Körperverletzung im Gange. De» Schauplatz«ine» schreckliche« Unglück» war am Freitag eine vor dem Schlesischen Thore gelegene Villa. An dem eisernen Gitter, welches den Vorgarten vom Straßen- land abschließt, vergnügte sich eine Anzahl Knaben. Plötzlich stieß der zehnjährige Alfred K. einen markerschütternden Schrei aus. Er war beim Klettern auf eine Spitze des Zaunes ge- rathen und diese hatte sich tief in den After eingebohrt, so den Knaben förmlich aufspießend. Als die Spielgenossm ihren Kameraden in dieser entsetzlichen Lage sahen, liefm sie davon und überließen den Verunglückten seinem Schicksal. Der Führer eines des Weges daherkommenden SchlächterwagenS bemerkte den K. und befreite ihn aus der fchreckiichen Situation. Man brachte den Knaben, welcher das Bewußtsein verloren hatte, nach der am Görlitzer Bahnhof belegenen Sanitätswache, von wo aus die sofortige Ueberführung des tödtlich verletzten K. auf Anordnung des Arztes nach dem Krankenhause Bethanien erfolgte. Außer der schweren innerlichen Verletzung hat der Knabe noch einen Bruch des linken Fußes davongetragen, der zwischen den Eisenstäben fest eingeklemmt war und den er bei seinen anfänglich selbst unternommenen verzweifelten An« strengungen, sich selbst zu befreien, gebrochen hatte. Kei einem weg«» Diebstahl» a« Reisegepäck auf den Bahnhöfen festgenommenen Manne find folgende, un« zweifelhaft auS Diebstählen herrührende Gegenstände beschlag- nahmt worden: 23 Paar neue verschiedenfarbige Glace- und wildlederne Handschuhe, 13 Shlipse, ein Paar mit brauner, gelber, blauer und weißer Seide gestickte Hosenträger, 4 Kachenez, 7 Paar Strümpfe, ein rothwollenes Unterhemd und dito Hofe, 3 neue rothe Taschentücher, 3 gelbe Taschentücher, gez. Vf. w., 3 bunte Taschentücher, gez. Monogramm IX C., 20 weiße Taschentücher, gez.«. G. K., J. M., W. W., c. O. A. D., B. F., W. S., J. St. u. M. ein Kameelgarnchemisett mit Bunt- druckstickerei, ein Oberhemd, gez. F. Friscd, Kopenhagen, ein Porzellanbecher, auf diesem das Gebäude der Kopenhagener Ausstellung 18L8 eingebrannt, eine N-cessairtafche mit In- fchrift„Diamond Dust Clrcular Site 56 Inch.", ein Stempel: „L. Matuciek, Sosnewise, Elim." Andachtsbuch für Reifende, Briefpapier und Gratulationskarten in dänischer Sprache u. a. m. Diese Gegenstände können Vormittags zwischen S und I Uhr bei der Kriminalpolizei, Zimmer 83, in Augenschein genommen werden. Eine u«gehe«re Slrandalszene, durch welche der Ver« kehr auf einige Zeit unterbrochen wr-rde, ist am Freitag Abend in der Königstraße vor deriGumpert'schen Konditorei durch die Verhaftung dreier Taschtndiebe verursacht worden. Gegen 9 Uhr stand nämlich vor dem Schaufenster des Konditors eine junge Dame, zu welcher sich alsbald drei junge Leute gesellten, von denen je einer an je eine Seite der Dame, der Dritte hinter dieselbe trat. Die übrigens gut gekleideten Männer ver- suchten mit der Dame eine Unterhaltung abzubahnen, kaum war dies geschehen, so fühlte die Dame, daß der hinter ihr stehende Herr sich an ihren Kleidern zu thun machte. Nichts Gutes ahnend griff sie schnell in die Kleidertasche nach ihrem Portemonnaie— dasselbe war fort. Der hinter ihr Stehende halte ihr mit einer Scheere die Klcidertasche aufgeschnitten und das Portemonnaie entwendet. Die Bestohlene schlug sofort Lärm, die in der belebten Gegend zahlreich verkehrenden Passanten kamen heran und intervenirten sofort zu Gunsten der Dame, die drei Männer fingen an auf das Publikum ein« zuschlagen, um sich einm Weg zu bahnen und auch als ein Schutzmann herbeikam, der den als Thäter Bezeichneten fest- nahm, versuchten die beiden Anderen, indem sie auf den Schutz- mann einHieben, den Dritten zu befreien. Unterdeß hatte man noch zwei Schutzleute Herbeigeholt, als diese anlangten, war die Gegend der Straße schwarz von Menschen, so daß sie Roth hatten, sich durchzuarbeiten. Endlich gelang es ihnen, jeder von den Beamten nahm einen der jungen Leute fest und nun ging der Zug auf die Wache in der Klosterstraße. Hier wurden bei den Verhafteten bei einer sofort vorgenommenen V sitation eine Menge Portemonnaies, auch das der jungen Dame, sowie die Scheere, womit der eine Dieb die Kleidertasche der Bestohlenen aufgeschnitten hatte, vorgefunden. Die drei frechen Taschen- dieoe wurden in Haft behalten. Selbstmordversuch. Der Grünkramhändler Kunze in der Altonaerstraße in Alt-Moabit, seit Jahren an einem vor- geschrittenen Krebsleiden krankend, das ihn nach Ausspruch der Aerzte sehr bald seiner Auflösung entgegen geführt haben würde, versuchte sich gestern Morgen gegen 10 Uhr daS Leben zu nehmen, als er um diese Zeit zufällig unbewacht war. Die sofort ange- stellten Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg, der Zustand des Unglücklichen ist aber trotzdem hoffnungslos. Stnez vo« der Zelter. Ein bedauerlicher Unfall trug sich gestern Vormittag kurz vor 12 Uhr in dem in der Prenzlauer Allee belegenen städtischen Siechenhause zu. In der zu dem Institut gehörigen Leichenschauhalle war ein Malermeister P. damit beschäftigt, die Deckenverzierungen fertig zu stellen, und hatte zu diesem Zweck eine hohe Leiter bestiegen. Durch eigene Fahrlässigkeit glitt er mit derselben aus und stürzte auf den Fußboden, wobei er sich einen komplizirten Bruch des linken Unterschenkels zuzog. Hilfe war schnell zur Stelle: P- wurde, nachdem man ihm einen Nothverband angelegt, auf seinen Wunsch nach einer Privaiklinik überführt. Gi«e faUe«de Hauottzün hat Sonntag Nachmittag um 3 Uhr einen 3jährigen Knaben schwer verletzt. In dem Hause Prenzlauerstr. 6 findet ein Umbau statt und so war auch u. A. die Hausthür aus den Anßeln gehoben und an die Mauer ge- lehnt worden. Der 8jähitge Paul S. dessen Eltern in der 3. Etage dieses Hauses wohnen, spielte gestern mit anderen Kindern an dem Hause und kam wohl unversehens der ange- lehnten Thür zu nahe: plötzlich fiel dieselbe um und begrub unter sich auch den kleinen S. Das Geschrei der übrtgen Kinder, welche den Vorfall mit angesehen, lockte alsbald Passan- ten herbei, welche den Verunglückten von der schweren Last be- freiten und ihn nach der elterlichen Wohnung schafften. Ein sofort herbeigeholter Arzt konstattrte einen schioeren komplizirten Bruch des rechten Beines, sowie andere innerliche Verletzungen und ordnete die Ueberführung des Kranken nach dem jüdischen Krankenhause an. Der Dirk«« Kusch erfreute sich auch in der verflossenen Woche des regsten Besuches, mehrmals war das Haus voll- ständig ausverkauft. Am Sonntag Abend war es wieder in erster Linie der Direktor Busch, der für die vorzügliche Dressur der Pferde den lebhaftesten Beifall erntete. Solcher Beifall wmd aber auch anderen Gliedern des Zirkus in reichstem Maße zu Theil und die Vorführungen des Kameels und des Zebra, sowie die Leistungen der KlownS wurden mit Jubel aufgenommen. Der großartige Parforce-Reiter Deviane trat zum ersten Mal auf, und zwar mit bedeutendem Erfolg. Der Direktor Busch hat, wie wir hören, noch weitere„neue Kräfte" engagirt, die an den nächsten Abenden austreten sollen und die Anziehungskraft dieses Zirkus noch vermehren dürften. Polizeibericht. Am 11. d. M. Vormittags stürzte der Zimmergeselle Gaucert von seinem mit Breitem beladenen Wagen auf das Pflaster herab und erlitt dadurch eine Gehirn- erschüiterung, an deren Folgen er bereits am 12. d. M. ver- starb.— In der Nacht zum 12. d.M. wurde beim Ausräumen des KlosetS auf dem Bahnhofe Stralau- RummelSbura die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden und nach dem Schauhause geschafft. Am 12. d. MtS. Vonnittaa« fiel eck Schlächtermeister, als er von einem in voller Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen sprang, zur Erde und erlitt eine schwere Verletzung des rechtm Knies, so daß er mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebrecht werden mußte.— Nachmittags stürzte ' der Kutscher Eter von seinem Arbeitswagen, gerielh unter die Räder und erlitt schwere Verletzurgcn am Kopf, Leib und en beiden Beinen. Er wurde mittelst Droschke nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht.— Am 13. d. M. Nachmittags fand vor dem Hause Arkonaplatz Nr. 3 zwischen mehreren Personen eme Schlägerei statt, wobei der Sattler KühnS von dem Arbeiter Riedel durch einen Messerstich in die rechte Schulter anscheinend schwer verletzt wurde. Riedel wurde verhaftet.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Steinmetz- straße erhängt vorgefunden. Der Selbstmord scheint in einem Anfall von Äetsteestörung begangen worden zu sein.— Eben- falls zu derselben Zeit sprang eine Kellnerin, in der Abficht sich das Leben zu nehmen, an der Kottbuferbrücke in den Land- wehrkanal, wurde jedoch von vorübergehenden Personen noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee ge« bracht.— Am 12. und 13. d. M. fanden an sieben ver- schiedenen Orten kleinere Brände statt, welche von der Feuer- wehr gelöscht wurden. Thecrker. M allner- Theater. Am Sonntag Abend hat der Direktor des Wallner- Theaters einm so glücklichen Griff gethan, daß er auf Wochen, ja vielleicht Monate hinaus der Repertoiresoraen mthobm ist. Allerdings ist der„Dompfaff", so heißt das Stück, keckes von denm, zu welchm sich„ein anständig-S Mädchen erst Mannskleider anziehm muß, wenn es an die Lektüre desselben geht", wie Fräulein Schramm von einen anderen Erzeugniß der Literatur in dem Stück behauptete, sondern es war eine frische, fröhliche Posse, über die man lachen kann, wenn man überhaupt noch dazu im Stande ist. Ter Kern der Handlung ist die VogelliebHabem eines alten Herrn; um die Sorge nach dem entkommenen Dom- pfaffen rankt sich die nothwendige Liebesaffäre. Die Verfasser haben es verstanden, ein lustiges Quodlibet aus allerlei tollen Einfällm, witzigm Kouplets und heiteren Scherzen herzustellen, mit welchen Sie das animirte Publikum drei Stunden lang in der besten Laune erhielten. Gespielt w«de ganz vorzüglich. Wahre Lachstünne mt- fesselte Fräulein Schramm als Dienstmädchen mit zwei Bräuii- gams. Ganz vorzüglich waren ferner die Herren Gimnig, Meister, Alexander, Müller und Büller. Auch die Damenrollnr waren gut besetzt. (Hevirhks-'Fleitung. Eine«««e Schwurgerichtsperiode des Landgericht« I unter dem Vorfitze des Landgerichtsralhs Hedemann be- gann gestern mit der Verhandlung einer Anklage wegen ge» meinschaftlichen Straßenraubes gegen die Kutscher Peter Schulz und Gustav Mälicke. Noch ein dritter, namens Blasse, soll bei der That betheiligt gewesen sein, derselbe b- fand sich zu jener Zeit aber auf Urlaub und wird, da er in- zwischen wieder eingezogen ist, vom Militärgericht abgeurtherlt werden. Am Abende des 2. Mai befanden sich die drei gr- nannten Personen in einer Schänke am Humboldthafen, wo sich der Tischler Müller noch zu ihnen gesellte. Die Ange- klagten bemerktm, daß derselbe im Besitze einer silbernen Taschmuhr war und beschlossen, ihm dieselbe durch List oder Gewalt abzunehmen. Dies gelang ihnen auch leicht, nachdem sie ihr Opfer betrunken gemacht hatten. Sie verfchlepp'en ihn nach dem Humboldthain und hier mußte Müller wohl Verdacht geschöpft haben, daß etwas gegen ihn geplant sei, denn plötzlich sing er an, davonzulaufen. Es ist ihm nicht mehr erinnerlich, ob er von feinen Verfolgem zu Boden gestoßen oder durch Stolpern zu Falle gekommen ist, er weiß aber trotz sciner Trunkenheit mit aller Bestimmtheit, daß im nächsten Augen. blick einer der Angeklagten ihm die Arme und ein zweiter du Beine festhielt, worauf der Dritte ihm die Taschenuhr raubte Nachdem der Thatbestand durch die Beweisaufnahme wie vor- stehend festgestellt worden, bejahten die Geschworenen die Schuldsiage, billigten den Angeklagten aber mildernde Um- stände zu. Das Erkenntniß des Gerichtshofes lautete gegen Schul, auf ein Jahr, gegen Mältcke auf zwei Jahre acht Monate Gefängniß und entckrechenden Ehrverlust. Der Kvchbwder Kerr Joseph Janijzewski, der am 30. September cr. nach verbüßter Strafe au, dem Gefängrvß am Plötzenfee entlassen worden ist und der in Berlin Wohnung genommen, hat jetzt eine Verfügung des Polizeipräsidenten vom 11. d. M. erhalten, nach welcher ihm das Recht zum Aufenthalt in Berlm und Charlottenburg genommen ist und nach welcher er auf- gefordert wird, Berlin binnen acht Tagen zu ver- lassen. Für den Fall der Weigerung resp. seines Antrcffeng in den genannten Orten ist ihm eine Exekutivstrafe von 100 Mark oder 10 Tagen Haft angedroht worden Die Aus- weisungs-Ordr« stützt sich auf§ 2 Nr. 2 des Gesitz-s vom 31. Dezember 1842 und 8 2 des FreizügizkeitSzesetzeS vom 1. November 1867, nach welchen Gcfftzen b e- straften Leuten der Aufenthalt an gewissen Orten untersagt werden darf. Der Betroffene, welcher bis- her nur wegen Vergehens gegen das Sozialisten- gesetz und wegen Geheimbündelei bestraft ist, hat seinen Wr- theidiger, Rechtsanwalt Dr. Fla tau, beauftragt, gegen die polizeiliche Verfügung sowie gegen die Strafandrohung die zv- lässigen Rechtsmittel— zunächst Beschwerde bei dem Ober- Präsidenten, event. gegen dessen ablehnenden Bescheid Klage bei dem Oberverwaltungsgericht— zu ergreifen. In der Polizei- Verfügung ist z. B. übrigens darauf aufmerksam gemacht, daß er, falls er sich in den benachbarten Orten der Kreise Teltow und Niederbarnim niederlassen sollte, seine Ausweisung auch dort zu gewärtigen habe.- In seiner Anzeigcsache gegen den früheren Krimckalschutzmann Jhring-Mahlow, in welcher, wie seiner Zeit berichtet wurde, eine große Anzahl Zeugen gerichtlich vernommen worden find, hat das Oberlandesgericht zu Posen Beschluß noch nicht gesißt. AI» ei«* bedenkliche Gefährdung de»„Religio«»- friede«»" wurden gestern vor der ersten Strafkammer hiesigen Landgerichts I zwei Artikel der„Germania" gekennzeichnet, wegen deren der verantwortliche Redakteur Johannes von KarkowSky angeklagt war. Von katholischer Seite war seiner Zeit für Errichtung einer katholischen Schute in Reinicken- dorf agitirt und die Roihwendigkeit durch eine Liste von ziika 52 in Reinickendorf ansässigen katholischen Schulkindern nach- zuweisen versucht worden. Der Pfarrer Schelk zu Rosen- thal ist Lokal- Schulinspektor von �Reinickendorf und hat als solcher die betreffende Liste zur Prüfung dem Gemeinde- vorstand überwiesen. Nachdem dwch diese Prüfung die Zahl der in der Liste aufgeführten Schüler auf etwa 32 ei- mäßigt worden war, hat Pfarrer Schelk die Nothwendigk.it zur Errichtung einer katholischen Schule nicht anzuerkennen vr- mocht, der Regierung gegenüber vielmehr den Standpunkt ver- treten, daß dem zweifellosen Anrecht der katholischen Kinder auf Unterwessung in ihrer Religion durch Anstellung eines katholischen Lehrers genügt werden könne. Auf diese Vorgänge bezogen sich zwei Artikel in Nr. 4 und Nr. 13 der„Germania" vom Januar dieses Jahres. Es wurde darin behaup ct. daß in Reinickendorf die katholischen Kinder durch den Hauptlehrer Piegsa durch Züchtigung und andere Schulstraf.u gezwungen würden, an dem protestantischen Religionsuntenichr Theil zu nehmen und daß der Lokalschulinspcktor die Errich- tung emer katholischen Schule hintertreibe, indem er willkürlich aus der qu. Liste einige Ramm katholischer Schüler herauSge- strichen habe. Durch diele Artikel fühlten sich Pfarrer Schelk und Hauptlehrer Piegsa beleidigt und stellten gegen den Re- dakteur den Strafantrag. Der Angeklagte erklärte, daß die in dem Artikel berührten Thatsachen von zuverlässtaer Seite über- bracht worden seien und daß nach skiner Anficht Pfarrer Schelk nicht pflichtgemäß verfahren fei, da zugestandener Maßen mindestens ein katholischer Schüler in der Oberklaffe dem protestantischen Religionsunterricht Theil genommen an {ist und dies nach ber Anficht des Kultusministers nur ge- chehen dürfe, wenn die katholischen Eltern direkt einen dahin arhenden Antrag stellen. Die Beleidigten erklärten die in dem Artikel hervorgehobenen angeblichen Thatsachen als der Wirk- lichkeit nicht entsprechend und der Angeklagte vermochte den Beweis der Wahrheit nicht zu führen.— Der Staatsanwalt erbl'ckte in den beiden Artikeln eine leichtfertige Gefährdung des»Religionsfriedens", da gewissenhafte Beamte einer argen Profelytenmachecei beschuldigt worden seien und die Gemülher der Kaiholiken durch diese Beschuldigung leicht in große Aufregung versetzt werden konnten. Der Staatsanwalt beantragte aus diesem GefichtSvunkte heraus eine Geldstrafe von 300 M. Der Gerichtshof ging über diesen Antrag weit hinaus; er nahm nur mit Rückficht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten von einer Freiheitsstrafe Abstand, hielt aber die Beleidigungen für so schwere, daß er auf 800 M. Geldbuße event. 80 Tage Gefängniß und Publikationsbefugniß für die Beleidigten erkannte. Anklagen, deren Erledigung vielleicht erst dem neuen Jahlhundert vorbehalten ist, beschäftigten gestern nach vielfachen Vertagungen abermals zwei Abtheilungen des hiefigen Land- bezw. Amtsgerichts. In dem einen Falle han- telte es fich um eine durch den»Lokalanz." begangene Be- leidigung des Oberförsters Kaufmann zu Lanke, wofür der Rentier B a n n e w i tz und der Berichterstatter Venne- mann verqntwortlich find. Die wunderbaren Geschichten, welche fich die Bäume in der Gräflich Rhedern'schen Forst eine ganze Zeit lang zuraunten und welche einen vollständigen Rattenkönig von Strafprozessen und Beleidigungsklagen ge- zeitigt halten, waren in einem ganz bestimmten Falle durch Herrn Bonnewitz auch dem zweiten Angeklagten mitgetheilt worden, welcher in einem Artikel die Frage erörterte, wo die in der Rhedern'schen Forst notorisch gestohlenen Baum- stamme wohl hingekommen sein mögen. Oberförster Kaufmann hat fich durch diesen Artikel bclridigt gefühlt, der Erledigung des Strafverfahrens gegen die beiden Angektagten hatten fich aber die der kbar größten Schwierigkeiten entgegengestellt, da der erwähnte Rattenkönig es bewirkte, daß dre dem Gerichte nothwendig erscheinenden Aktenstücke fortwährend auf der Wanderung zwischen den verschiedenen Gerichten begriffen waren. Dre Länge der Zeit hat inzwischen den Groll des Oberförsters Kaufmann dermaßen gemildert, daß er fich gestern dazu bereit erklärte, die Sache durch eine ihm zu leistende Ehren- erklärung aus der Welt zu schaffen. Nun machte aber vlötzlich der Angeklagter Bannewitz wieder Schwierigkeiten, da er fich weigrrte anzuerkenncn, daß die von rhm über Herrn Kaufmann weiter getragenen Gerüchte»unwahr" seien. Er erbot sich vielmehr zum Beweise der Wahrheit, und dem Gerichtehofe blieb nichts übrig, als die Sache abermals zu vertagen und zu einem neuen Termine nicht weniger als 14 Zeugen vorzuladen. So knüpft sich an das erwartete Ende ein flöhlicher Anfang wieder an.— Die zweite gerichtliche Seeschlange, welch« auch nicht sterben»u können scheint, ist die schon mehrfach vertagte Privatklaze des Theater- agenten W o l f f gegen den Mitinhaber des Wintergartens, Herrn Baron. In einem flüheren Termine hatte das Schöffengericht das persönliche Erscheinen der Parteien anye- ordnet, gestern aber war Herr Baron gleichwohl nicht crschre- nrn. Sein Vertreter beantragte, in Abwesenheit desselben zu verhandeln, da fich Herr Baron auf wichtigen Engagements- reisen im Interesse seines Instituts befinde. Der Gerichtshof war aber der Meinung, daß vor allen Dingen drm Ansuchen des Gerichts Folge zu leisten sei und er beschloß deshalb, den Termin abermals zu vertagen und zu dem nächsten Termin Herrn Baron zwangsweise vorführen zu lassen. Vi«» Lusterst freche Chat führte gestern den Handele- mann Heinrich Augustin unter dcr Anklage der unbefugten Ausübung eines Amtes und der E r v r e f f u n a vor die vierte Strafkammer des Landgerichts l. In der Nacht zum 21. August d. I. ging der Angesagte auf dem Nachhausewege durch die Chausseettraße. In der Gegend der Tieckstraße traf er drei junge Mädchen. Der Angeklagte vertrat chnen den Weg und erne wichtige Amtsmiene annehmend, erklärte er, er fei Sitten-Polizeibeamter und habe sie aufzufordern, ihm nach dem Molkenmarkt zu folgen. Die gcängstigten Mädchen wagten keinen Widerspruch und folgen sogar dem anaeblichcn Beamten, ol« derselbe erklärte, er könne ihre Persönlichkeiten auch in seiner Wohnung feststellen. Hier angekommen ver- langte der Angeklagte eine Art Kaulion für die Freilassung der Mädchen. Die letzteren besaßen kein Geld, aber bereit- willig opferten sie Werthgegenstände, wie Ring, Armband und Broch«, um weiteren Unannehmlichkeiten überhoben zu sein. Am nächsten Tage begab eine der Geprellten sich nach der Wohnung des Angeklagten, um das hinterlegte Pfand einzu- tosen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr sie, daß sie das Opfer rincs Schwindlers geworden. Sie erstattete Anzeige. Ihre beiden Begleiterinnen haben es vorgezogen, nichts wieder von fich hören zu lassen, sie sind auch nicht ermittelt worden. Das Gericht belegte den schon vielfach vorbestraften Angeklagten mit einer Gefängniß strafe von 6 Monaten. Saztole ttclrcvUrfit. Achtung. Kchrauben-«ud Farondreher! Die Kollgen der Firma Bartels u. Co., Köpnickerftraße 33s, haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Die Verhaltnisse find, wie die Kommission sich selbst überführt, die denkbar tramig- sten, eS werden dort außerordentlich niedrige Löhne gezahlt. ES haben sieben Kollegen die Arbeit niedergelegt, dagegen ar- deitet ein alterer Kollege weiter, der die jüngeren Kollegen im Preist unterboten hat. Alles Nähere in der Versammlung am nächsten Sonntag. Zuzug ist fernzuhalten. Wegen angekLudigtcr Lohnabzug« be, der Firma «öaigsbcraer, Leipzigerstraße, werden fämmtliche Kollegen und »olleginnen gebeten, Zuzug fernzuhalten. Berlmer Wirker- gesellenverband. Au die Kildhauer Kerlin». Kollegen! Da noch viel- > llnf'......~----------- �---- fach Unklarheit über unsere Forderungen und die Durchführung derselben herrscht, so ficht sich die Kommission unter Anlehnung an die in der öffentlichen Blldhauerversammlung vom 7. Ok- tober angenommene Resolution zu der Erklärung veranlaßt, daß überall sofort die neunstündige Arbeitszeit mkl. viertel- stündiger Frühstücks- und Vesperpause und die Lohnarbeit ge- fordert wird. Wird eine kürzere Arbeitszeit nicht bewilligt, so ist sofort die Arbeit niederzulegen. Wirb die Lohnarbeit ver- igert, gleichviel ob Stunden- oder Wochenlohn, so ist jedoch, l bt dt w irva dt f df rt f f f V rvrtv» SVYv-lu»t ff rtff UM Tlrtl** rve wo der Erfolg ein zweifelhaftcr, von Arbeitseinstellungen vor- läufig abzuralhen, bis die nächste öffentliche Bildhauer-(Ge- Hilfen) Versammlung Weiteres beschließt. Kollegen! Jedes Resultat, jede Arbeitsein st eilung muß uns ober berichtet werden. Die Kommission ist jeden Abend zu sprechen in Keßtne.'S Restaurant, Annenstr. IS. Die Kom- Mission. I. A.: Schleupner. ««tt Werth ei««« richtig grleitrteu und drm Grift dirfer Institution entsprechenden Fabrikinsprktorat» haben soeben die Stuttgarter Buchbinder kennen gelernt. Die- selben hatten befeblcssen, die gegenwärtige Weihnachtssaisan zu benutzen, um die auf ibrem diesjährigen Verbandstage in Hannooer gefaßten Beschlüsse(lOstündige Arbeitszeit, Bezahlung der Feiertage rc.) durchzusetzen. Sie beauftragten das Bureau einer zu diesem Behuf einberufenen Versammlung, dieserhalb mit den hiesigen B'-chbinderprinzipalen in Unterhandlung zu treten. Aber alle Bemühungen schienen da, an scheitern zu wollen, daß die Prinzipale aus Gründen, die nicht in die Ocffcntlichkeit gedrungen find, fich weigerten, mit dieser von den Gehilfen erwählten Kommission, bestehend aus den Herren Dietrich, Jöhler und A. Maier zu veihandeln, obwohl sie sich gegen die Forderungen selbst durchaus nicht ablehnend verhielten. In dieser Noch legte fich der württembergische Fabriflnspektor, Geh. Obcr-RegierungSrath v. Dieffenbach, ins Mittel. Er erschien in einerBersammlung der Gehilfen, erkannte deren Forderungen als berechtigt an und vcranloßie dieselben, ihre Kommission durch drei weitere einwandSfleie Mitglieder zu ver- stärken. Dann bewog er die Prinzipale, ebenfalls eine sechs- gliedrige Kommission zu wählen; beide Kommissionen bcriethen dann unter seinem Vorsitz die gestellten Forderungen und einigten stch dahin, daß die Verkürzung der Arbeitszeit sofort, die Bezahlung der Feiertage dagegen erst am 1. September 1880 in Kraft treten solle, unter der Voraussetzung, daß bis dahin die gleiche Regelung in den Hauptzentren des Berufs (Berlin, Leipzig ,c.) stattgefunden habe. So haben die Stutt- harter Buchbinder durch das thatkräftige Eingreifen des Herrn Fabrikinspektors einen leichten Sieg errungen, und ist nur zu wünschen, daß es den Gehilfen namentlich in Berlin und Leipzig, denen voraussichtlich kein Fabriflnspektor helfend und berathend zur Seite stehen wird, die im Gegentheil mit poli- zeilichen Schwierigkeiten werden rechnen müssen, gelingen möge, die bisher erst bei den Buchdruckern durchgesetzte Bezahlung der Feiertage zu erringen. VorfÄttnnUmgen. #«rUntT tzttich.tag» dk» 15. Ctiober, HbciibS 8X Ubr, tn Sebmcmn'J Salon. Schwedtersnaße 24. TogeSordnung; 1. Bortraa bt9 tftrn?®rtna\i tiber;..Dir ösonomllchk 9ace der Arbiter. 2. Ti6. fuMon. 3«erfcbttberel unb jteegetaften.(üafte baben Zunltt. 8! tut Mtl. ollcttr ittrbm auftcrommtn. Um rtgt Agilalto» wirb ersucht. «roß» Schneidtrutrlammtmig b*. Dextschen Hch»»it>»tv»e- bände» iililiaie Btilw) am Ditnslaa, den 15. b. M., ÜbtnbJ Uhr, in lofbat 8 Salon, 91 tut Griinftratzt 28. Taotiordnui-g: 1. Enbgiltige Bt- wrtchung iibtr btn Zuschutibtkursui. 2. Vtikthrb. unb j>eibtr««wtltn. 8. Ver- schitbtutS. Gäste haben Zutritt. Nrn zahirticht» Ei schrintn ersucht die Lakai. verwalttlNfl. Verein der Satiler nnd zachgenossen. DUnstaa. btn 15. Ctiober, LbenbS 8X Uhr, dci Deigmülicr, Alle Jakodstrahe 48»: Mitglieder.Verlamm. luna Zageiarbnung: 1. Bericht bei VorilanbrS unb ber ArbtiliotimiUtlung. 2 Abrechnung vom 8, Ouartal 8. Wahl btc Rivisoren unb Arbtillvermittter. 4. Wahl ewe« Bibiioihikrr» 5. Berschiebene« unb Fragtlasten. Mtlgliebtduch legilimirt. Um whlrtichen Besuch wirb gedtten _.'"—'----*---— km Reseren« re Herr Znbeil. Rückwirkung auf bte Verhältiiisse ber Tischler Berlin». 2. DiSkusston. 3. Berschiibene». «roß» öffentlich» Persammlnng sömnitlicher«oldschmled, und Oernfdgrnoffen Kerlin» am Dienstag, bcn 15 Okioder, Adenb» 8J( Uhr, in «tueiftein'S Resiaurant. ioberer Saali, Alle Zakobsir. 75. Zageiardnung: Ii Ist | Äd.....-.....~'' eine Rothwenbigkett? die aewerkschasUichc Organisalian ber Golbschrniebe Referent: Herr Gol!sii-b Schulz. 2. Diikiiistan. Z. BcrschirbcneS. 4. Zur Deckung ber Unkosten flnbet eine Teliersarninlung statt. Um recht zahlreiche» unb vünktlich-S Erscheinen wirb ersucht. ' vaunerei« Berliner Bildhauer. Dienstag, den 15. l>. M. Abenb« v Ubr, Generalveriammlung, Geschästlichei. Rechenschastgbericht unb Verschie- bene» Annenstr. 1«. Gl»» öffentlich» KersaMMinno der Feilen haner NN» Feilen. fchleifer sinket am Dienstag, ben 15. Oltober cr., lm Webblrgpark. Müller. straik 178, statt. «ffendacher Franenhaff», Verwaltungsstelle Berlin I MItglieberver. sammiur.g heute, Dienftog. ben 15. Okiober er, Abend» f>\ Uhr, im Lokale de» Herrn Regher. Alte Iakobftrahc 88. Tcgkio-bnung. Abrechnung vom dritten Ouartal. Wahl einer BeisI gerin und verschiedene stasstnangelegenheiten. Männer der Mitglieder haben ZnNitt. «ine außerordentlich» Mitgliiderverfanimlung der N»e«i»i- anng der dentsch»» VteUm acher, Mitgliebschasi Berlins, flnbet Mittwoch. den 1« b. M., Abend« 8� Ubr, Im Saale de» Herrn H Scheffcr, Inselstr 10, statt Die TageSorbnung lautet: 1 Abrechnung vom 3 Odaila l 1889. 2 Wahl ber O:t»verwaitung, 3. Gewer kschcfllichl», 4. Veretniangelegenhcit unb Krage- kästen. Komdinirt» Versammlung der V»e»inigu»g der Precholer Neutschlando, Ortiv-I Wallungen Berlin 1, 2. S Urb 4, am Mittwoch ben 16 Oktober, in Orichel'i Salon, Eebastianstr 8g, Tagesordnung: 1 Gewerk- schasliicheS, 2, Vortrag be» Herr» Tb. Glocke über: Niedergang bei Klein. geweibei 8. ErgünzunoSwahl bei LuSschuste», 4 Ergänzungiwahl ber Ar» beitSv'rmittelunalkowmiision, 5 Verschiedene» und Kragekasten, Große öffentliche Versammlung der Kand- nnd Kretosägen- schneider, Tisch- und Kochseäser, Drkoupirer, Walzen, und Gatiersägen» schncibcr Habler, Achler, Epunber am Donnerstag, ben 17, Okiober,»bmb» 8X Uhr in DeignÜller'S Salon, Alte Iokobstraße 48», Tagekoibnung I, Die Nothwenbigkelt berVeikürzuna der»rdeipzeit, Referent Herr Zudlti, 2 Di«- wllion 8 Verschiebere». Der Wichiigk-lt ber TogeSo'bnun« wegen ist e» Pstickt der Kollegen, reckt zahlreich nid vünktllch zu ei scheinen. Zur Deckung der Unkosten linbei eine JeGtisammlurg statt. »i» Filiale 1(Kiid) der Vereinigung der dentschen Maler, «achirer, Anstreicher und«ermandten Berusogruoffen hält am Donner sirg. den 17 Okiober, tn Hofimann'» Zentral. KelNS.en, Oranicnftr 180, ihre rrg-lnässge Mi Iglieberoersammiur» ab mit der Tegeiorbnung 1, Viertel- sabribeiickt, 2. Relicuntersiühung, 8. Wahl ber NrbeitSvcimittelungikon iniist an, 4 Etatutenderaihurg, 5, Verichirbene», Um Mhlieichei Erscheinen ersucht ber BevollmSchtig'e. Verein inr Mahrnng der Antereffe« der«ischler. S Etistuna»- fest am Sonnabend, den 19 Oktober, in den Bürgciiälcn. Dreibeuerftrahe 96. Blllel» hierzu,» kO und 50 Ps,. sind bei solgrnden Herren zu hoben: Li' che. Kruchistrahe 58 Hof 8 Tr,: Kölmcr, SolmMirasje SO vorn 2 Ii.; Lackur, Narinimstraze 20 Hos 2 Tr; Pie.tke, Abmiralstrohe 38 Hos 3 Tr, Zentral Kranhen und Kterdekaff» der«tschler unb anderer ge- werblicher Arbeiter,7�, wird). Geld nennt sie„K-iter"(Kreutzer), das PB monnaie„Börte"(Börse), Pflaumen„Zweischen", die seherinnen„Sckwestern". Die Religion der Unbekannten dm i die katholische sein; sie ist gutmülhig, sauber, dankbar, Höffe bettelt nicht, sie ist lenksam, wei"t viel, auch hat sie HemB Es wird angenommen, daß die Taubstumme, aus dem deuD i Spcachzebiei Böhmens oder aus Stlesien stammend, von B Arbeitertruppe(vielleicht Maurer) auf der Reise nach SaÄ' sich getrennt hat. Ihre Angehö'izen dürflen sie schmew vermissen. V-elleicht tragen obige Beme'flmgen über dre T«» stumme zur Feststellung der Heimath und Familie der ar« Unglücklichen bei. Dre Leitung der Arbntean statt zu Dritt t würde die Sarnm'ung und Verwerthung etwaigen AufkläruB Materials, um dessen Mitthcilung gebeten wird, gern nehmen.. Nor hundert Jahre», am 10. Oktober 1789, stellte>- flan-ö'lsche Arzt uno Abgeordnete I. I. Gurllotin(� 28. Mar 1738 zu Samtes, gest. 26. Mai 1814 zu Paris)' -tv. u/liu i h dabei, damit der Akt märlichst schnell und sicher ausgeft werde, eine Maschine in Anwendung zu bringen. Hiernnt> die erste Anregung zur Einführung der.Guillotine" gegeben. -—" ii___ �___ �_____ t-fe auS zwei oben buti ein Ouerhokz verbundenen Säulen br� zwischen denen dos F llberl herabgleitet, um dem unten ein Brett mit H ilSau-ichnilt in geeigneter Lage festgebalt» Verb-echer durch die Wacht des Falles und der eigenen Sck« den Kopf vom Rumpf zu trennen. Die weit verbreitete> ficht, Guillot n se, der E' sinder der Guillotine, ist unriä' vielmehr waren ähnliche Maslbinen schon lange vorher> vielfach im Gebrauch, z. B. in Perfien(„Mannaia"), in Jfe> (die.wälsche Falle", mit welcher Conradin von Schwaben � gerichtet wurde), in England seit dem 17. Jahrbundert(-' gibbei"), in Schottiand( lb-w-Ist-, die Jungfer). Fernerka« man im 13. Jahrhundert in Böhmen eine Köpsmalchine, vom 14. J ihrbundert auch im übrigen Deutschland b0! ward und die Namen Diele, Hobel oder Dolabra führte.' unterschied fich von der Guillotine nur darin, daß daSj� oder mrsseraitige Eisen Mittelst eines oder mehrerer wuchst Hammerschläge durch den HalS des Hinzurichtenden tireben würbe, und war noch im 16. Jahrhundert könnt, denn in den 1515—1517 entstandenen obscurorum vlrorum schimpft ein Briefschreiber(l. 46)' einen Widersacher und versichert in unübertrefflt-h-rn S-A latein:.... ego perrue-sisvew we cuw eo, eist 6«�! mihi caput cum una dila ablnde tru>tsse'"(ich würde wich�, ihm geschlagen hoben, auch wenn sie mir den Kopf mi! Diele abgestoßen haben sollten).— Guillotin's Antrag, uw. diesen Antrag zurückiukommen, wui de om 21. Dezember> angenommen, dodi war dabei weder von einer bestiB Maschine die Rede, noch war überhaupt über die, und daS Verfahren bei der Einrichtung etwas festste Erst im Sommer 1791 entschied man sich auf � neuen Antrag des Abgeorvneten F. Lepelletier flfe! Köpfen und auf den Bericht des Sekretärs der ärzie, A. Louis, für einen der in England üblich ge«efe Kopflnaschine ähnlichen Mechanismus. Die neue Mall ..._ wnrd auf dem Griveplotz ausgestellt und vollzog am 25. 1792 die erste Hinrichtung tan dem Straßcnräuber Peus Min nannte sie zunächst nach ihrem eigentlichen ui? „Lauifltte" oder.po>i'r«gen, der vom 2. b'S zum 3. Oktober Königreich Sachsen heimgesucht, gehört, sowohl was seines' als seine Auevehnung betrifft, zu den bedeutendsten, die je im Königreich beobochiet hat. Gegen 12 Uhr beaon» 2. Oktober dieser gerade vierundzwanzigstündiae Lanvreg? Leipzig, errcickie während der folgenden Nacht seinen> punkt, um am Vormittag des 3. Oktober wieder mehr und nachzulassen. Laut Bekanntmachung der königl. nreteoroljj"( Anstalt fielen an jenem Tage in Bautzen 48, in DreSdr� m I in Döbeln 63, in Freibvg 64, in Chcmn'tz 66, in Zwick»? in Plauen 21, in Schneeberg 71, in Annaberg 56 u», Roitzenhain 64 Liter Wasser auf den Ouadraimeter. VM ei geben sich für ganz Sachsen in dieser kurzen Zeit 8 8815�' Hektoliter Wassermengen. Muldbruck VrtefkQflen. Srt-i� vet Anfragen bitten wir bte Sbannemenl».OutImng beizufügen, 8 Sntwarl wirb nickt erlbeitr F. M., Drrgstraß« tv. Dre Schwedterstraße länger-- von bet'-en. a) M. S., Junkerkrasse. Da die Scheibe durchs Schuld dzschädt.t worden>st, müssen Sie den Werth fe K! ersetzen. Der Meister ist zwar nicht befuat, Ihnen den� vom Lobn einzubehalten, eine Klage würde Ihnen aber � nicht viel nutzen, wert Sie binterk'»''-K-tifMia n»rttnat könnten. Wie hock d,r Werth Glaser besser b-unh-ilen a's w-r. �.. ebenfalls verklagt � der Werth der Scheibe ist, raN" G. K. 38. Wir raihen Ihnen, den JnnungSbeefe»� 1,20 Mark fchieunigst zu bezahlen. Die Zünftler hab»u> durck gesetzt, daß vre Innung auch von NtchimitgtiederN 0 Beilrage fordern kann..J F. K. 100. Natürlich ist der Pfarrer berechtigt, von der Mutter zur Taufe gebrachtes Kind zu taufen, l»,�! der Vater nicht>bm aeaenüder widersprochen hat. der Vater nicht ihm gegenüber widersprochen hat. die einmal vollzogene Taufe nachträglich anfechten w»» unS nicht recht kl-"-. Abonnent Wedel i« Holstein. Sie müssen, eine Nummer nachgesandt haben wollen, Ihre genaue angeb-n.„J1 p. F. DaS von Ihnen gemeinte Zeichen besteht« � griechltchen Buchstaben. Die beiden äußeren sind die-» und Endbuchstaben des griechischen Alphabet«, Alp»� Omega, sie bedeuten Anfang und Ende. Das mittlere' besteht aus den griechischen Buchstaben Ob(Chi) und�- fie sollen den Namen Christi andeuten. Es heißt also: ist der Anfang und dg«, Ends. Einzi Al die Dce großen schrvister che» wu maltsam zog die die dlai Bursch i vcrricth � fich s erzählen Er bei Naä junge» wurde. LH Decken Nachbar denn dfi und so Huoll ur einander da»» rv, iiett. Verantwortlicher Redakteur: K. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW., Beuthstlaße 2.