Ur. 244 Freitag, den 18. Oktober 1889« S�Iahrg. :n\d' lerlincrDolkslilalt. Drgan für die Interessen der Arbeiter. .XaV Die rärfjltWlcn Lsndksgsn»shlen. Der Ausfall der Ergänzungswahlen zum sächsischen Landtag ist weit günstiger gewesen, als die Partei erwartete. Sicher rechnete sie nur auf einen Sitz, Chemnitz II, statt desien hat sie 3 Sitze erobert: Chemnitz, Chemnitz Land und Stollberg-Lugau, in einem vierten, Crimmitschau-Werdau, ist sie mit nur K9 Stimmen in der Minorität ge- sieben. Ueberall fast hat die Partei bedeutend an Stimmen ge- wonnen, und so ist die kleine Scharte bei der Reichstags- wähl im Wurzen-Ofchatzer Wahlkreis doppelt und dreifach ausgewetzt. Diejenigen, welche aus dem letzten Vorgang schliefen zu dürfen glaubten, die Sozialdemokratie sei in Sachsen im Rückgang und diese Ansicht vertrat unter Andern das„Frankfurter Journal" und die bezügliche Notiz wurde vom„ReichSanzeiger" in seinem nichtamtlichen Theil zustimmend abgedruckt, werden jetzt eines besseren belehrt sein. Der günstige Ausfall der LandtagSwahlen für die So- zialdemokratie ist vielmehr ein günstiges Omen für die Ent- Wickelung der Partei und für den Ausfall der nächsten Aeichstagswahlen in Sachsen. Die leipziger Zeitung", die vor einiger Zeit in diesem Sinne den Ausfall der jandtagSwahl aufgefaßt wissen wollte, wird nunmehr die Konsequenzen aus ihrer Anschauung ziehen. Erfreulich werten ste allerdings für sie nicht sein. Um aber den Ausfall dieser Wahlen richtig würdigen zu kennen, ist nothwendig, das Wahlgesetz, aus Grund dessen die Wahlen stattfinden, näher zu kennen. Zunächst sei bemerkt, daß nach der sächsischen Verfasiung die zweite Kammer alle zwei Jahre in einem Drittel erneuert wird. Die Kammer zählt 80 Mitglieder, also trifft die Neuwahl alle zwei Jahre 26 bis 27 Wahlkreise, wozu denn noch die Wahlkreise der mittlerweile verstorbenen oder freiwillig aus- geschiedenen Mitglieder kommen, soweit deren Wahlkreise nicht zufällig zu den Wahlkreisen, welche nach dem Turnus zu wählen haben, gehören. Ferner ist bei den sächsischen Landtapswahlen Stadt und Land künstlich getrennt. Die Städte haben 35 Abgeordnete zu wählen, darunter Dresden 5, Leipzig 3, Chemnitz 2, Zwickau 1, das flache Land 45 Ab- geordnete. Diese Trennung von Stadt und Land will bei der großeü industriellen Entwickelung Sachsens weniger bedeuten, als anderwärts— sind doch einige der besten Wahlkreise, in denen die Sozialdemalratie ihre Sitze hat, sogenannte ländliche Wahlkreise, z. B. die Jndustriedörfer um Leipzig und Chentnitz— aber dennoch führt diese Trennung zu un- natürlich-r Verbindung von Orten die in ihren Interessen -oft gegensätzlich sind. Iseuillekon. Machdruck«rbotm.1 l- «i> •rJ Gsrminerl. S., zraler Roman von Emile Zola. Einzig autorisirte Uebersetzung von Ernst Ziegler. Mahxu kniete vor dem Schranke in der Wärmestube und zog se.ne Holzschuhe und Strümpfe aus, als Stephun kam. Mit. ein paar Worten war die Sache abqethan- „Dreißig Sous pro Tag... die Arbeit ist ermüdend, aber sie ist bol-d gelernt." Der Häuer rieth ihm, seine Stiefel zu beHaften und lieh ihm eine lederne Grubenhaube zum Schutze des Kopfes, eine Vorsicht, die er und seine Söhne verschmähten. Dann nahm er die Schaufel von Fleurance aus dem Schranke, gab sie ihm und verwahrte seine und seiner Kinder Strümpfe und Schuhe in demselben, sowie das Packet Stephan'S. Jetzt aber wurde er plötzlich unge- duldig und brummte: „Wo nur dieser Mensch, der Chaval, bleibt' er treibt sich wohl wieder mit den Dirnen herum! Wir sind schon nne halbe Stunde im Rückstände heute!" Zacharias und Levaque wärmten sich ruhig die Schul- tun unv ließen ihn schelten; endlich sagte du'Elftere: „Tu wartest auf Chaval? Aber der ist ja vor uns ® mmn gleich eingefahren." -," � Du weißt das, und sagst mir nichts?! Vor- war»! Vorwärts!" wachten sich auf den Weg. Käthchen ging hinter �,- ihr folgte Stephan. Wieder mußte er durch allerhand dunkle Treppen und Gänge, wo die nackten Füße un weiches Guäusch machten, wie alte Filzsocken. Aber plötzlich brach das helle Licht des Lampen-Magazins aus der Nacht. Es war ein Glashaus mit Gestellen an ven Wänden, rvonn Hunderte von Davy'S Sicherheitslampen, sarn vorigen Das Wahlgesetz ist ein Zensuswahlgesetz. Wahlberechtigt ist du sächsischu Staatsangehöriger ist, das 25. Lebensjahr zurücklegte und mindestens drei Mark direkte StaatSsteuer bezahlt, odu Eigenthümu eines mit Wohnung vusehenen Grundstückes ist. Drei Mark Einkommensteuer werden bei einem Ein- kommen von 6—700 M. bezahlt, da aber gerade in den Jndustriebezirken viele Arbeiter dieses Einkommen nicht besitzen, so schrumpft die Wählerzahl in manchen diesu Be- zirke erheblich zusammen und zwar derart, daß an Orten, wo die Partei bei den ReichstagSwahlen stets eine große Mehrheit hat, sie bei den Landtagswahlen nur eine kleine Minderheit auf ihre Kandidaten vereinigt. DaS gilt beson- derS von den Weber- und Strumpfwirkerbezirken. Das passive Wahlrecht, das Recht zum Abgeordneten gewählt werden zu können, hängt davon ab, daß der Kan- didat wenigstens 30 Jahre alt ist und 30 M. direkte Staatssteuer bezahlt. Diesu ZensuS wird bei einem Einkommen von 1900—2200 M. erworben. ES giebt nur sehr wenig Parteigenossen, die diesen ZensuS haben, und die auch geneigt sind, eine Kandidatur anzunehmen. Deshalb ist die Kandidatennoth bei den LandtagSwahlen chronisch und eS werden bei jeder Wahl einzelne Kandidaten drei und viermal aufgestellt. Diese Mehr- und Vielkandidaturen sind bis jetzt allen entgegenstehenden Bedenken zum Trotz nicht zu überwinden gewesen. Die Wahl selbst ist direkt und geheim. Unter so bewandten Umständen kann die Partei immer nur einen Theil der Wahlkreise, die bei der Wahl in Frage kommen, besetzen, und sie verzichtet von vornherein auf die rein ländlicher. Wahlkreise, in denen une uennenSwerthe Stimmenzahr nicht zu holen, ein Sieg unter keinen Um- ständen zu erzielen ist. Eine Eigenthümlichkeit des sächsischen Wahlver- fahrens ist noch, daß die relative Majorität genügt, vorausgesetzt, daß du Betreffende wenigstens ein Drittel der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Diese scheinbar du Partei günstige Bestimmung veranlaßt aber die Gegner von vornherein jede Stimmenzersplitterung möglichst zu ver- meiden und du Sozialdemokratie geschlossen gegenüber zu treten. DaS Kartell untu dem Namen der„Ordnungsparteien", bestand in Sachsen gegen die Sozialdemokratie lange Jahre, bevor man im übrigen Deutschland daran dachte. Der scharfe Klassengegensatz im industriell hochentwickelten Sachsen führte zur Vulöschung du Unterschiede zwischen den bürgeo lichen Parteien. Unter so bewandten Umständen traten die sächsischen Genossen in die LandtagSwahlen ein und daS Resultat, das sie in den von ihnen mit Kandidaten besetzten Wahlkreisen erzielten, ist folgendes: Tage revidirt und gesäubut, in langen Reihen hingen, wie Kerzen in einer Todtenkapelle. Jeder Arbeiter empfing die seine, mit seinen Anfangsbuchstaben gemerkt, untersuchte sie noch einmal und schloß sie, während ein Beamter seinen Namen und die Stunde, in welcher er einfuhr, notirte. Dann mußten sie noch bei einem Kontroleur vorübu, der sich übuzeugte, ob jede Lampe gut geschlossen sei. „Brrr! Es ist kalt," flüsterte Katharina, sich schüttelnd. Stephan nickte mit dem Kopfe. Sie schritten durch die weite zugige Halle zum Eingang des Schachtes. Er war nicht furchtsam und voch überkam ihn ein angstvolles Gefühl bei dem Donner du Karren, den dumpfen Signal- schlügen, den hohlen Rufen des Sprachrohres, unter dem gleißenden Flug du Stahltaue, die endlos und mit rasen- der Eile sich um die treibenden Räder spannen und wieder abhaspelten. Die Aufzüge kamen und verschwanden mit ihrem lautlosen Schleichen und nahmen noch immer Männu auf, die der schwarze Schlund hastig verschlang. Bald wird die Reihe an ihn kommen. Ihn fror; er war sehr aufgeregt und nuvös, worüber Zacharies und Levaque fpötteltcn. Beiden war das Engagement des Fremden unangenehm; besondus Levaque ärgute sich, daß man ihn nicht um Rath geftagt habe. Katharma war froh, als Maheu anfing, dem jungen Manne die Maschine zu erklären. „Sehen Sie, dort oben über du Fahrkunst ist ein Fallschirm; wenn das Seil reißt, krallen sich diese stählernen Spitzen in die Leitpfosten ein. Das funktionirt ganz gut, odu doch in den meisten Fällen— nicht immer!... Jedu Schacht ist in drei Stockwerke aetheilt und von oben bis unten mit Brettern verschlagen. In du Mitte ist der Aufzug, links die Fahrten, die Leitern meine ich, zum Hinabklettern." Abu er unterbrach sich und schalt mit halblauter Stimme:., „Was ist das nun wieder für eine Zottelei! Himmel, Kreuz... Lassei; sie uns hier zu Eis frieren!" 1889 Sozialdemokraten. Liebknecht 1300 Peius 1284 Winkler 1190 Münch 2379 Liebknecht 1900 Liebknecht 4088 Liebknecht*) 10 Ordnungsparteien. Dresden U: Schickert 3447 Dresden III: Bönisch 2229 Dresden V: Klemm 2027 Leipzig II: Schill 3323 Thiede 138 Leipzig IN: Fritzsche 4238 Streller 200 Chemnitz N: Enzmann 2130 Zettler 509 Zittau: Habukorn 1214 1883 Sozialdem. Ordp. 719 2699 836 1551 1340 2070 305 1358 1492 3949 2523 1181 — 758 BischofSwerda, Großenhayn tc. Winkler 349 Buchwald 1295 182 1423 Döbeln K. Grünberg 387 Niethammer 387— 1695 Kellubauer 160 Frohburg, Penig zc. Stolle**) 757 Bretschneidu 1284 250 1191 Werschner 529 Krimmitfchau-Werdau; Colditz 1506 Künzel 1575 700 996 2. ländl. Wahlkreis(Lausitz): Münch 295 Fährmann 1146— 530 Israel 973 31. ländl. Wahlkreis(Limbach-Chemnitz): Otto 1569 Jungnickel 1465 571 1185 36. ländl. Wahlkreis(Stollberg-Lugau): Stolle 2235 Lamprecht 2127 1688 2321 41. ländl. Wahlkreis(Reich enbach-Schneeberg): Neu 627 Scheck 1513 3 1208 20. städt. Wahlkreis(Aue-Schneeberg): Liebknecht 353 v. Trebra 871— 796 Bauer 737 S9SS9 33 517 1V«99 24 911 Ein Vergleich der dieses Mal für die sozialdemokrati- schen Kandidaten abgegebenen Stimmen mit denjenigen, die vor sechs Jahren in denselben Wahlkreisen abgegeben wurden, ugiebt, daß die Zahl derselben sich um fast 100 pCt. vennehrte. Die„Ordnungsparteien" hingegen hatten insge- *) Die Stimmen wurden untu der Hand abgegeben. **) Es ist dies Musikdirektor Stolle in Meerane, Bruder des früheren Reichstagsabgcordneten. Letzterer ist ebenfalls Landtagsmitglied. Du Aufseher Richomme, dem eine offene Lampe an der Ledertappe hing, hatte diese Worte gehört und er- mahnte ihn mit väterlicher Stimme; denn als früherer Hauer war er gut und freundlich mrt seinen einstigen Ka- meraden geblieben. „Sei vorsichtig! Die Wände haben Ohren!" sagte er leise.„Es muß doch Alles seinen Gang gehen!... So, jetzt kommt die Reihe an uns; steig' mit Leuten ein!" Maheu, Zacharias, Levaque und Katharina stellten sich in einen der untersten Karren, und da derselbe Fünf fassen sollte, kletterte auch Stephan hinein. Aber die guten Plätze waren eingenommen und er mußte sich neben daS junge Mädchen quetschen, deren Ellenbogen sich ihm in den Leib bohrte. Auch die Lampe hinderte ihn. Die Anderen riethen ihm, sie an den Knopf seiner Weste zu hängen, doch er verstand nicht und behielt sie linkisch in der Hand. Die Maschine füllte sich. Oben und unten schob sich Einer neben dm Anderen, eS war ein Geräusch, als wenn Vieh verladen würde. Warum man nur nicht hinunterfuhr? Ihm kam die Zeit schon lang vor. Endlich fühlte er eine Erschütte- rung und fogleich verschwanden die Gegenstände neben ihm; er verfank; ein unheimlicher Schwindel beklemmte ihn, wie bei einem jähen Sturz. Es ging durch die zwei Stockwerke des Schachthauses; das Gerüst des Holzbaues umtanzte wild sein Auge— dann plötzlich fuhr's hinab in daS schwarze Loch— er blieb betäubt und wußte nicht, wie ihm geschah. „Jetzt fahren wir ein!" sagte Maheu ruhig. Den Anderen kam das sehr natürlich vor. Stephan fragte sich zuweilen, ob er aufsteige oder falle; dann wieder, wenn die Maschine an den Leitbalken vorüberglitt, ohne sie zu berührm, war'S ihm, als stünden sie still, und im nächsten Augmblick, wenn ein leises Schüttern die Pfosten durch- zitterte, packte ihm die Furcht vor einer Katastrophe. Er lehnte die Stirn an das Drahtgitter, welches den Aufzug umhüllte, und doch konnte er die Wände des Schachtes nicht sehen, denn die Grubenlichter der Berg- sammt in diesen Wahlkreisen nur eine Zunahme von über 33 pCt. Die sächsische Sozialdemokratie hat also allen Grund, mit dem Ausfall der Landtagswahlen zufrieden zu sein, und es ist kaum zu bezweifeln, daß die Reichstags- wählen ebenfalls dementsprechend ausfallen werden. Die„National-Ztg.", die über den Ausfall der Würzen- Oschatz«; Wahl schon philosophirte, daß die Wirkung der sozialreformerischen Gesetzgebung beginne, sich gegen die Sozialdemokratie geltend zu machen, mag alsdann weiter zusehen, wie sie die Thatsachen mit ihren Hirngespinnsten in Einklang zu bringen vermag. Vurvesjaondenzen. Paris, 14. Oktober. Kaum hat sich das boulangistisch- monarchlstische Wahlkiimmelbliittchen als ein im Großen und Ganzen verfehltes Unternehmen herausgestellt, so fallen die einzelnen Kumpane über einander her. um sich wechselseitig die Schuld an der Niederlage in die Schuhe zu schieben. Im boulangistischen Lager erheben sich Stimmen, welche eine ent- schiedene Trennung von den Konservativen fordern, deren Bundesgenossenschaft die ganze„Nationalpartei" diskreditire. Die Konservativen beginnen dito, post fesium, den Fluch gegen Boulanger und die boulangistische Bewegung zu schleudern, deren Verquickung mit so„radikalen Elementen" wie Rochefort, Laisant, Laguerre und anderen Talmireformlern in den Äugen der Vollblutkonservativen schaden mußte. Der„Figaro", welcher durch seine Chroniken von Chin- cholle über die jüngsten„Heldenthaten" des muthigen Ausreißers nicht wenig zur boulangistischen Leaende beraetragen, der ebenso hochkonservative„GauloiS", der die Theorie vom Boulangismus als„Bresche, durch welche die Monarchie ein- zieht," erfunden, schicken jetzt den General und feine Sache zu allen Teufeln. Arthur Meyer, der berüchtigte Hauptredakteur letzteren Blattes, kündigt dem Boulangismus in aller Form durch einen Artikel, der in drastischer Weise mit den Worten schließt:„Koo soir, messicurs!" Guten Abend, meine Herren! Dafür haben sich dieselben Konservativen nun gnädig gezeigt, die von den Opportunisten bis jetzt in der Wüste ge- predigte Bundesgenossenschaft mit den„gemäßigten RegierungS- rcpublikanern" anzunehmen. Letzteren rst dem zu Folge der Kamm noch mehr als gewöhnlich geschwollen, und m der Vor- auSsicht einer„konservativen Regierung innerhalb der Republik" fangen sie noch vor Zusammentritt der neuen Kammer an, die Radikalen nach Herzenslust an die Wand zu drücken. Der im höchsten Gradehcrausfordernden und anmaßenden Sprache, welche die opportunistische Presse gegen die Radikalen führt, liegt ebenfalls das Thema zu Grunde:„don soir, massieunä", d. h. einfach:„Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen." Die Radikalen haben die opportunistischen Fuß- tritte„unter den Rücken" reichlich verdient. Noch nie hat sich eine Partei als kopslosere und feigere Politiker erwiesen, als es die„Aeußerste Linke" unter Clemenceau's seliger Führung ge- than. Der Opportunismus wrrthschaftet sich in Frankreich durch seine unersättliche Raubsucht ab, der Radikalismus durch seine Feigheit und Halbheit, der politische Bankerott der Bourgeoiste wirft seine Schatten voraus.— Die Opportunisten sprechen den Radikalen von vornherein die Möglichkeit ab, je„regie- rungsfähig" zu werden, so lange sie an ihrem„chimärenhaften Programm" einer Revision, der Abschaffung des Senats, Tren- nung der Kirche vom Staat und Emführung einer progressiven Einkommensteuer festhalten. Die Radikalen zeigen diesem Bramarbasiren gegenüber eine charakteristisch schllch- terne Haltung, Resultat der Erkenntniß, daß sie mit der Wurst nach der Sprckseite geworfen haben, ohne dieselbe zum Fall zu bringen, daß sie die rechte Fühlung mit der Masse verloren haben, ohne dadurch vollgiltig regie. rungsfährg geworden zu fein. Wohl oder Übel scheinen sie sich mehr oder weniger darein zu ergeben, ihr„Reform- Programm" auf„bessere Zeiten", d. h. den St. NimmcrmehrS- tag zu verschieben. Die opportunistischen Jobber der Politik arbeiten mit Hochdruck daraus los, eine Majorität zu Stande zu bringen, welche thatsächlich„regiere", d. h. leithammcle, um jede Opposition darnieder zu halten.� Sie bereiten Alle» vor, um ein Ueberwiegen der Exekutiv- über die Legislativgewalt herbeizuführen, kraft dessen sich das Ministerium als„natür- licher Führer und natürliches Haupt der neuen Kammer erweise". Osfiziell natürlich alles dies, um den Boulangismus zu bekämpfen, in Wirklichkeit aber, um jede Reformbestrcbung von voinherein unmöglich zu machen und den so einträglichen status quo szu erholten. Der sich so redselig breit machenden türsorge für Erhaltung der Republik von opoortunisttscher !eite her darf man das beim Auftreten des Boulangismus daselbst gefallene Wort nicht vergessen:„Wenn man uns die Wahl läßt zwischen der Kommune(d. h. der Kommune, welche die Äutonomisten des Pariser Stadtraih verlangen, und die auf eine höchst harmlose kleinbürgerliche Reformlerei mit Selbst- männer warfen einen Ungewissen Schein und nur die offene Lampe, an der Haube des Aufsehers, blickte wie ein Leucht- feuer in den leeren Raum. „Dieser Schacht hat vier Meter im Durchmesser," fuhr Maheu fort, ihn zu unterrichten.„Er sollte'mal wieder verzimmert werden, da« Wasser dringt überall hervor." Stephan hatte schon vorher einzelne Tropfen aus das Dach der Fahrkunst fallen hören, als wenn eS zu regnen begänne. Jetzt entlud sich ein wahrer Strom über die Häupter der Arbeiter. Das Dach mochte Löcher haben, denn ein Wasserstrahl traf den jungen Mann auf die Schulter und durchnäßte ihn bis auf die Haut. Die Kälte wurde etsig. Jetzt huscht� ein lichter Punkt an� ihnen vorüber, ein Gang, wieder versanken sie Dann worin sick Gestalten bewegten. tiefer in oas feuchte Dunkel. Maheu erklärte: „Das ist die erste Etage..... Wir sind dreihundertfünfundzwanzig Meter tief..... Beobachten Sie, wie's schnell geht! Und, seine Lampe erhebend, beleuchtete er den Lettpfosten, der so rasch an ihnen vorüber hinauf- jagte, wie eine Eisenbahnschiene unter einem Schnellzuge da- hinrast. Noch drei Stockwerk fuhren wie Lichterscheinungen an ihnen vorbei, während das herabstürzende Wasser lärmend die Finsterniß peitschte. „Wie das tief ist!" murmelte Stephan. Es schien ihm schon eine Swnde zu währen und er litt in seiner unbequemen Stellung und besonders von Käth- chenS Arm. Sie sprach kein Wort; er fühlte nur die Wärme ihres Körpers an seiner Seite. Endlich langten sie unten fünfhundertvierundfünfzig Meter tief an, und Stephan erfuhr zu seinem Erstaunen, daß die Fahrt nur vier Minuten gedauert habe. Aber das Geräusch der Riegel, welche sich festhakten, das Gefühl, wieder Boden unter den Füßen zu haben, änderte plötzlich feine GemüthSstimmung und er duzte scherzend Katharinen, indem er fragte:' „WaS hast Du, daß Du so warm bist? Ich Hab' Deinen ganzen Arm im Leibe. Wahrhaftig!" Sie lachte hell auf. War eS möglich, daß er sie«och Verwaltung von Paris hinauZläuft) und Boulanger, so werden die meisten von uns Boulanger vorziehen." Um dieses„Regieren" zu ermöglichen, sind bereits alle politischen Drähte in Bewegung gesetzt, damit das so„saust- starke" Kabinet Tirard-Rouvier-ConstanS dem Lande erhalten bleibe. Auf die üblichen, in offiziellen Blättern entstandenen Finten von einer beabsichtigten Demission desselben, antworteten die ebenso� üblichen Beschwörungen der kapitaltstifchen Blätter, doch gnädig die Portefeuilles bewahren zu wollen, und dem„Druck der öffentlichen Meinung nachgebend" funktionirt das aus der alten Kammer hervorgegangene Kabmet weiter.�— Wie bereits bemerkt, setzten die Radikalen den Herrschaelüsten des Opportunismus einen sehr problema- tischen, verschämten Widerstand entgegen. Im Gefühl ihrer Schwäche fordern sie vor Allem eine kompakte, republikanische Majorität ohne Fortbestand der bisherigen Fraktionsunter- schiede. Da aber diese Majorität ein Verzichten auf das radi- kale Programm zur Voraussetzung hat, so wird dieselbe wahr- schcinlich so wenig in der neuen wie in der alten Kammer zu Stande kommen. Ebenso wird es dem von einzelnen Radi- kalen vorgebrachten Plane ergehen, an Stelle von Fraktionen Arbeitskommissionen zu setzen, gebildet aus den Mitgliedern der alten Parteigebilde, und von denen jede einzelne die Fragen zu studieren habe, in der sich die Fraktion besonders kompetent erwiesen. Die Opportunisten sollten z. B. die Kommission bilden, welche Fragen der hohen Finanz zu erörtern habe, was mit anderen Worten einfach �bedeutet, den Bock zum Gärtner zu stellen. Ueberhaupt läuft der ganze von dem radikalen „Wilden" Lanessau ausgeheckte Plan darauf hinaus, daß jede Fraktion in� der neuen Kammer ihr Steckenpfeid reite, und daß das Vergnügen hierüber ein Auge über Das zudrücken lasse, was der Herr Nachbar thut. Die einzelnen Fraktionen, pardon Kommissionen würden einfach untereinander das Verb kon- jugiren: Ich amüsire mich nach meiner Weise, du amüsirst Dich nach Deiner Weise:c., und das Volk zahlt nach wie vor die Kosten dieses Amüsements. Ob sich jedoch die Zukunftsmusik der einzelnen Parteien in der neuen Kammer so ganz glatt abspielen wird, bleibt noch abzuwarten. Mehr als die Hälfte der neuen Abgeordneten sind„Neue", und da die Wahlen nickt um ein drtaillirtes Pro- gramm gravitirten, sondern um Boulangismus und Anti- boulangismus, so dürfte nach dieser Richtung hin manche Ueberraschung bcvo.stihen. Der Zusammcnt itt der neuen Kammer wird insofern mit Ungeduld«wartet, da ihr noch bis zu gewissem Grade das Jnteicsse des Unbekannten, Ungewissen bleibt, und da sich Niemand fo ganz sicher fühlt, was dasselbe bedeuten könne. Wahrscheinlich wird die neue Kammer Alles in Allem das alte Spiel bieten, Fortsetzung des Parteigezänks, welches so viel Lärm erhebt, daß darüber die von allen Parteien bewerkstelligte Plünderung der Nation in den Hintergrund tritt.— Nachträglich waschen die einzelnen Parteien noch die schmutzige Wäsche der Gegner bezüglich der Wahlbeemflussung und Wahlagitation. Ein gewisser Hutin erklärte z.B. in einer öffentlichen Versammlung, daß er das Publikum einer Wahl Versammlung im Cirkus Fernando, wo zu Gunsten des Bau- langisten Thiebaud manifestirt werden sollte, aus der Nacht Herberge rekrulirte und mit 2 Fr. pro Mann bezahlte. In Lille soll der boulangistische Kandidat Debaker zwei Arbeitern 3500 Fr. gezahlt haben, damit dieselben ihre Kandidatur aufstellten und die republikanischen Stimmen zersplitterten. Besondere Be- achtung verdienen jedoch die Vorgänge, welche sich in Deeazeville als Nachlpiel zu den Wahlenabwickeln, und welche sogar eine offizielle Enquete veranlaßt haben. Der Direktor der Kohlenbergwerke und Eisenhütten zu Deeazeville, Gastam- bide, hatte sich als boulangistisch-konservaliver Kandidat um die Stimmen der Bevölkerung beworben, war aber dem Republi- kaner unterlegen, und dies wohl besonders Dank dem Einflüsse der Kleinhändler der Gegner. Darob großer Zorn des be- sagten Gastambide und der den Kohlengräbern ertheilte Be- fehl, die Kleinhändler zu boykotten, bei Strafe der Entlassung nicht bei diesen, sondern in den Magazinen der Aktien- ?esellschaft einzukaufen. Der pfiffige Direktor glaubt iermit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen; seine Rache zu kühlen und der Aktiengesellschaft zu ermöglichen, mittelst ihrer Magazine den als Produzenten bestohlenen Arbeiter noch als Konsumenten aus- zurauben. Der Ausgang der Affäre ist noch zweifelhaft, aber ledenfalls ist dieselbe an und für sich eine schlagende Jllustra- tion, wie eS mit der vielgerühmten psliüschen Freiheit der Ar- beitcr bei ökonomischer Abhängigkeit derselben beschaffen ist. In den Kohlenbergwerken von LeuS(Dep. Pas de Calais� ist ein Streik der Arbeiter ausgebrochen, der größere Dimen- sionen anzunehmen scheint. Die Zahl der Ausständischen ist binnen wenigen Tagen von 500 auf 3500 angewachsen, und es wird befürchtet, daß der Streik sich bald über die Kohlengruben des ganzen Departements ausdehnt. Die Ursachen des Aus- stands sind rein ökonomischer Natur, jedes politische Moment liegt ihm fern. Unterlohn und Uebermbeit haben wie ge- wöhrlich daS Niederlegen der Arbeit bestimmt. Die Streikenden verlangen Abschaffung der obligatorischen immer für einen Knaben hielt? Er mußte gar keine Augen haben. „In Deinen Augen hast Du meinen Arm!" antwortete sie unter dem schallenden Gelächter der Anderen, das der zunge Mann sich nicht zu erklären wußte. Der Aufzug leerte sich. Die Arbeiter durchschritten einen in den Fels gehauenen, mit Mauerwerk ausgewölbten Saal, den drei große Lampen mit offenen Flammen erhellten. Auf den eisernen Fliesen rollten Wagenstößer mit Kohlen beladene Karren heran. Eine salpetergeschwängerte Keller- luft erfüllte den Raum, den ein warmer Athem durch- wehte: die Ausdünstung der nahen Pferdeställe. Aus vier Seitengalerien gähnte es endlos finster hervor. „Hier geht's!" sagte Maheu zu Stephan.„Wir sind noch nicht angekommen, wir haben noch gute zwei Kilometer zu marschiren." Die Arbeiter vertheilten sich in die schwarzen Gänge. Ihrer fünfzehn gingen in den links abzweigenden Stollen; Stephan folgte ihnen, dicht hinter Maheu, dem Katharina, Zacharias und Levaque voranschritten. Es war ein prächtiger Weg. Er war so solid durch den Fels gebrochen, daß man nur stellenweise nöthig hatte, ihn auszumauern. Sie marschirten einer hinter dem andern, von den kleinen Lich- tern threr Lampen begleitet. Stephan mußte oft über die Schienen stolpern, die über die Sohle der Galerie liefen. Ein dumpfes Rollen, gleich fernem Gewitter, stärker und stärker wie aus dem Innern der Erde hervorquellend, beun- ruhigte ihn. Oder war eS der Donner eines gewaltigen Einsturzes, der all' die Riesenmassen Gesteitt, die sie von der Oberwelt trennten, auf ihr Haupt herabwälzte? Ein Licht nahte aus dem endlosen Schlund des Weges; der Fels erzitterte, und als Stephan sich, die Kameraden nachahmend, an die Mauer gedrückt hatte, schritt ein großes weißes Pferd, vor einen Zug Kohlenwagen gespannt, dicht an ihnen vor- über. Auf dem ersten Wagen saß Bcbert, die Zügel in der Hand, hinter dem letzten lief Jeanlin, mit nackten Füßen, die Rechte auf den Rand des Karrens haltend. Sie gingen weiter. Eine Kreuzung durchschnitt den Weg, zw« Strecken zweigten sich ab und die kleine Schaar theilte sich wieder, nach verschiedene» Richtungen ihre Arbeits- U-berarbttt respektive böberen Lohr für fakul>-t Ealbe. Ueberzett, Erhöhung der Löhne auf 1 F-. pro Tag ffc} A°s>,7i Kohlengraber, 75 Cts. für die Förderleute und 50 Ct«. m'ss" Hundejungen, ferner Abschaffana der Geldbußen, Sio«' Äi,.»" der Greise, welche noch in den Minen arbeiten und rung des Rechts für Wittwen von Kohlengräbern, in- Avenr „Korons" zu wohnen. Die Aktiengesellschaft schien ausi* zum Nachgeben bereit und hat auch alle Forderungen bis«' die der Lohnerhöhung angenommen. Die Streikenden W ihretscits gerade an der letzten Forderung fest, und die gotische Weigerung der Gesellschaft, die Löhne auhttW erbittert die arbeitende Bevölkerung ungemein. Tiotzdcm f. die Streikenden bis jetzt ruhig geblieben, Unruhen habws nirgends gezeigt. Urbeistüfsig zu bemerken, daß trotz» ruhigen Haltung der Bevölkerung Gendarmerie und~"" Tonde Ottens Hader Kiel-? aus den Beinen ist. Schl« Hannover: Hamel Hmbu pHXlikifche Meierst chi Stade Lüneb Aurick Sozialdemokratische ReichstagsKattdidature«. r�ena'— _._____.,________„_________________ 93ielc| allzett vorher, so find euch diesmal die Sozialdemokiat» Bochu Rücksicht auf die bevor stehenden Reichs tagswahlen die«MJieSbaden: auf dem Plan, sowohl hinsichtlich der Aaitotion als aut' Sana, treffs Aufstellung ihrer Kandidaten. Während alle an�öln-Sladt: Patteien vorerst nur Weck- und Alarmruse zur Au'riitte« Krefel ihrer Parteigenossen ausstoßen, steht die Soziatdeutokrat e s« Elberl wohlgcrüstet da. Sie hat ihre Schaaren gesammelt und'München l: Kandidaten bereits«nannt, oder sie ist Loch eifrig dabei, zu thrn; sie h-t auf treuer Wacht gestanden, auf daß die eigmsse sie nicht übenafchen. Sie rechtfertigt damit abcn« ihren guten Ruf, den sie in Rückficht auf die politische A sawk.tt und lrützeitige Aktionsf.rtigkeit schon längst besitzt. sie sind die Wahlen itichfctine lästige Nothwendigkeit, der» ungern nachkommt und die man gern besattgk, wenn dieM lichkeit dazu vorhcnden wäre, für sie find die Wahlen� Ausdruck ihrer UeberzeugungStreue, die äußere Entfaltung Kraft. Sie durstet darnach, der Welt durch die That z>>' weilen, daß sie durch keine Verfolgung gekrochen, gelÄ» entmuthigt ist, sondern_ daß sie innerlich abermals kräftigt und an Zahl stärker geworden, daß sie geeint nie zuvor auf den Kampfplatz tritt. Ihre genossen in hundert und drei und zwanzig'Wählst wollen die Probe auf dieses Exempel machen; tn hundert drei und zwanzig Wahlkreisen hat sie ihre Kandidaten er,«!»' Es soll etne Heerschau werden, die nächste Wahl, eine rung der Truppen der Sozialdemokratie auf dem KamM der Ideen, mtt der papiernen Waffe, dem Stimmzettel i» Hand. Und dabei macht die Liste der hundert drei und zw� Wahlkreise auf Vollständigkeit keinen Anspruch. Wir das Material dazu genommen aus Partei- und an°» Uiw» Ii: Erlau Bamt Ansb H?s' Virmi Speie Blättern, wie wir es fanden. Es mögen Jrrihümer mit» gelaufen sein, wie das bei einer solchen Sammlung von# nal nicht ausgeschlossen ist, jedenfalls aber ist die Zahl? m'»€ Wahlkreise, welche sozialdemokratische Kandidaten aüfg' haben, eher größer als geringer. Andere Kreise werden � Kandldaten noch ernennen; wir werden nicht ermange!� � nachzutragen, so wie sie uns bekannt werden. Hier ist die Liste: Hamburg l; A. B e b e l- Plauen-Dresden. Hamburg II: I. H. W. D i e tz- Stuttgart. Hamburg Iii; Schriftsteller I. W e d d e- Lübeck. Berlrn V: Schriftsteller C. Vaake. Berlin. Berlin Vi: Schriftsteller W. L i e b k n e ch t- Bort� Berlin IV: Paul Singer- Dresden. Kottbus-Spremberg: Schlosser Ernst B r e i l. Oder-Barnim: Thierbach- Berlin. Nieder-Barnim: Rechtsanwalt Stadthagen Potsdam. Spandau: W e r n a n- Berlin Teltow- Beeskow- Storkow: Buchdrucker Wert�' Berlin. Brandenburg: Vergolder Ewald- Brandenburg- Frankfurt a. O.: Metzner- Berlin. Stettin: Buchdrucker Herbert- Stargard. Schw Reger Nlirni Hof: Krone Würz Bayr forch andi achsen 1.( iL(L IV.(5 V.(-3 VI.(! VII.( VIII. IX. 0 X.(3 XI.(I XU.( XlU. XIV. XVI. XVII, XVIII XIX. XX. XXI. XXII. XXII öppingen-l Randow-Greifenhagen: Former K ö r st e n- Berlin- iSdeig: Schlosser S ch u lz e- Königsberg. off, Brotl Breslau-West: Schneidermeister Kühn- Langenbielau. Breslau-Ost: Tischler F. Tutzauer- Berlin. Görlitz: I. A u e r- München. Reichenbach: Lehrer F. K u n e r t- Breslau. �Maim• � Luben-Bunzlau: Schneidermeister A. Kühn« LaB�'ä�, bielau. Magdeburg: G. Vollmar-München. Wanzleben: Maurer Brem er- Magdeburg. Halberstadt: Bürstenmacher Dahlen- Halberstadt. Halle: Lehrer F. Kunert- Breslau Ulm: Stull Reuti teilt) ßlin Bali: Backt Offen Lörra Jcrichow I: Schlosser Liefländer- Berlin. Jerichow Ii: Tischler Glocke- Berlin. Merseburg-Oaetfurt: O. M i t t a g- Giebichenftein. Mark Darn Offer Güstrow-Ri "oge n Lud« mi Plätze aufsuchend. Jetzt war die Strecke verzimmert. StÜ�? �' aus gelben abgeschälten Balken hielten die Decke wie hölzernes Gewand umstrickt, durch schiefer zwischen matt gefärbten Sandsteins hervorblitzte. Züge von«..v wagen fuhren vorüber, sich kreuzend und nach allen, mit ihrem Donnerrollen von den gleich Phantomen dah� trottenden Thieren ins Dunkel entführt. Auf einer SeÜss schiene hielt, einer ruhenden Schlange gleich, ein Wagenz� unbeweglich davor stand das Pferd, dessen Rücken sich, herabhängenden Felsstücke ähnlich, im Schatten verlor.-'VjfcV'VI-iS thüren schlugen lärmend auf und zu und der Weg enger und niedriger; hin und wieder zwang die ungl�,.. Assö, Decke die Männer, gebückt einherzuschreiten. � L» rt' Stephan war[mit dem Kopf angerannt; ohne kappe hätte er sich vermuthlich den Schädel zerschlagen, Äseaensreichet doch verfolgte er aufmerksam jede Bewegung des vor �sahren, de gehenden Äaheu, dessen schwarzes Schattenbild sich �wird, wäh dem Schein des Grubenlichtes abhob. Keiner der And�e drückt fü stieß irgendwo an; sie mußten jede Unregelmäßigkeit'Aem Mang« Gestein», jeden Vorsprung des Holzes kennen. des km begann der Boden schlüpfrig zu werden; � verrieth der schürfende Schritt der Männer, daß sie schlatnw� f Pfützen passirten. Erstaunlich war der Wechsel der Tew�chje unlängf ratur. Am Fuße des Schachtes war es sehr kalt gewes�näher erläut in dem großen Stollen, welchen alle Luft der Mine du�Auszuge wehte, hätte ein eisiger Wind gefegt; wie sie sich aber ti�'st zuerst " rechend a Licht •"N ao t'inm und tiefer in die Seitenstrecken verloren, welche spärl'�Lsi ventilirt waren, ließ der Wind nach und die Wärme �ebenso kon allmälia bis zu einer erstickende« bleischweren Hitze. �Nerven und einer Viertelstunde drangen sie in diesen engen Kanälen?,Durch dies) Berges vor, aus denen eS ihnen jetzt schwarz und heiß � Stoffwechsel gegenathmete, wie auS einem Backofen. Logischen, so Maheu hatte nichts mehr geredet. Endlich bog et|onne zuz eine Seitengalerie und sagte, ohne sich umzudrehen: strahlen, „Die Wilhelms-Ader." Darin war ihr Arbeitsplatz. Bei den ersten stieß der junge Mann mit dem Kopfe an die sich mehr)' mehr herabneigende Decke, die sich bald so tief senkte, dpp autfarbe ommersprc »d andi skimos,' zwanzig bis dreißig Meter lang mit gebücktem Körper |WI• boW ajrfi >Ct-. für! n, SS« und bern, )tcn ansv� 'gen b-s r enden«•* nd die f' oufjubflK :ioddcw 1 -n h-bai >ab ld Soldes ., Calbe-Aschersleben: A. Heine- Halberstadt. renw» Naumburq-Zeitz: Veraolder Hoffmann« Halle. Erfurt: Paul Reißhaus- Erfurt. Neuhaldensleben-Wolmirstedt: A. S ch ü tz e-Magdeburg. Bitterfeld-Delitzfch: Schmidt« Berlin. ltona-Stormarn: C. F r o h m e- Hannover. Apenrade. Flensburg: Schneidermeister M a h l k e- Flensburg. Tondern-Hufum: Bendrup- Flensburg. Ottenfen-Pinneberg: Zigarrenarb. H. Molkenbuhr- Kellinghufen. Hadersleben-Sonderburg: Schneidermeister M a h l k e- Flensburg. Kiel-Neumünfter: Zigarrenfabrikant H. F ö r st e r- Hamburg. Schleswig-Rendsburg: Tischler Röske-Kiel. Hannover: Zigarrenarbeiter H. Meister- Hannooer. Hameln: Schuhmachermcister B ä r e r- Linden. Hmburg-Buxtehude: do. do. Stade-Bremervörde: H. Molkenbuhr- Kellinghufen. Lüneburq; Redakteur Fischer- Wilhelmshaven. IT Uli' Aurich-Wilhelmshaven: Paul Hug-Bant. ' �lltena-Jserlohn: Tischler M e i st- Köln. Bielefeld: Paul Singer- Dresden. Bochum: Tischler Lehmann. Düsseldorf n die«Wiesbaden: Fleischer lFleischmann)? als auch? Hanau: Redakteur A. Geck- Offenburg. öln-Stadt: H. W o l d e r S k y. Krefeld: C. Grillenberger- Nürnberg. Elberfeld-Barmen: Fr. Harm- Elberfeld. ünchen I: Gastwirth Birk- München. II: G. V o l Im a r- München. Erlangen-Fürth: A. Bebel- Dresden-Plauen. Bamberg: Redakteur H. Oehme- München. Ansbach-Schwabach: Kaufmann P e l �- Nürnberg. Hof: Schriftsteller Löwen st ein- Nürnberg. PirmasenS-Zweibrücken: Mayer- Pirmasens. Speier« Frankenthal: Franz Ehrhart, Ludwigs- Hafen. Schweinfurt: Eilzinger. Äegensburg: M. Ernst- München. Nürnberg: C. Grillenberger- Nürnberg. Hof: C. Grillenberg er-Nürnberg. Kconach-Lichlenfels: I. S ch e r m- Nürnberg. Würzburg; Metallarbeiter M. Segitz« Fürth. Bayreuth: H. W ö r l e i n- Nürnberg. Forchheim-Kulmbach: Wiemer« Nürnberg. andau-Neustadt: Joseph Huber« Ludwigshafen. iture». Kmokiutor alle o Alssriil nokrat e elt und riq d. daß d«, nit abev� litische KZ st besitzt.» f-it, dttjg enn dici1"' Wahlen' lsaltung"i' That en, g-'«' bcrmalS> n geeint' br- Wrhlk«Z hund«t°! atenerA?..... eine ÄFSachsen l.(Zittau) Keller» Görlitz. KampV? II.(Löbtau) Postelt« Dresden. azeltcl in � IV.(Dresden N.) Horn- Löbtau. i und zw«'' V.(Dresden A.) A. Kaden- Dresden. Wir tzif! VI.(Tharand) Horn- Löbtau. Vit.(Meißen- Riesa) Buchhändler G o l d st e i n-DreSden. Vlll.(Pirna) Schriftsteller Wurm« Dresden. tX-(Frelberg-Oederan) K. Riemann- Chemnitz. X.(Nossen-Döbeln) Fabrikant K. Grllneder g-Hartha. XI.(Ofchatz-Wurzen-Grimma) Gustav Kögel. XU.(Leipzig-Stadt) A. B e b e l- Dresden. Xlll.(Leipzig-Land) Geyer- Großenhain. XIV.(Borna-Pegau) Musikdirektor Stolle« Meerane. XVI.(Chemnitz) Schriftsteller M. Schippel- Berlin. XVII.(Glauchau-Meerane) I. Au er- München. XVIII.(Zwickau- Crimmisschau) W. Stolle- Gesau. xix. �Stollberg-Schneeberg) I. S e i f e r t- Zwickau. XX.(Zschopau-Gelenau) Redakteur S u st« Chemnitz. XXI.(Annaberg) E. Grenz- Chemnitz. XXII.(Reichenbach-Auerbach) Müller- Reichenbach. XX III. t�Plauen-Oelsnitz) A. Kaden« Dresden. öppinqen-GmÜ! d: Alfred A g st e r. - Cannstatt-Ludwigsburg: Schriftsteller I. Stern. Ulm: Buchbinder Dietrich. Stuttgart: Tischler K. Kloß- Stuttgart. Reutlingen: do. do. teilbronn: K i t t l e r- Heilbronn. ßlingen: Apotheker Lutz. Stuttgart. Balingen-Rottweil: Apotheker Lutz- Stuttgart. Backnang- Hall: Mühlenbefitzer S ch w e n d t- Hall. annheim: Aug. D r e e s b a ch- Mannheim. Offenbura: Redakteur A. Geck« Offenburg. Lörrach-Müllheim-Breisach:. Schuhmachermstr. Freiburg. Brotten-Eppingen: K a l n b a ch« Mannheim. ainz: I ö st- Mainz. Marburg: Gutsbesitzer Lauer. Darmstadt: Müller- Darmstadt. Offenbach: Ulrich- Offenbach. Güstrow-Ribnitz: Zigarrenfabrikant P c t e r S« Schwerin. Haaenow: l Schwerin:> Th. S ch w a r tz- Lübeck. Ludwigslust:) Rostock: Tilchler Kretschmann- Hamburg. Weimar-Apolda: Carl Schulze. Oldenburg 1.,! Iii.: Paul Hugo- Bant. Braunschweig I.: Schriftsteller W. B l o s- Cannstatt. Sonneberg. Saal feld: Paul ReißhauS«Erfurt. Gotha: W. Bock- Gotha. Reuß ä. L.: Zig.-Fabr. H. F ö r st e r- Hamburg. Lübeck: Th. S ch w a r tz« Lübeck. Bremen: Zigarrenarbeiter Jul. BruhnS- Bremen. Die sstchstsche« zandtagsmahlen, so schreibt man uns, sind für die Sozialdemokratie glänzend verlaufen. Außer dem Chemnitzer Mandat, da« uns bereits gehörte, rechnete man höchstens noch auf eins— und nicht blos ist das Chemnitzer Mandat mit einer bei sächsischen LandtagSwahlen noch nicht vorgekommenen Slimmenzahl und Majorität behauptet worden, sondern wir haben noch zwei neue Wahlkreise erobert, von denen dereine— der Stollberaer— allerdings>unS früher schon zweimal gehört hat— einmal indem Liebknecht im Herbst 1878 gewählt wurde— und hernach, als diese Wahl, weil Liebknecht noch nicht lange genug sächsischer Bürger gewesen, für ungiltig erklärt worden war, Freitag. Die Stimmenzahl ist durchweg eine imposante— fast doppelt so hoch wie bei den früheren Wahlen in den gleichen Wahlkreisen. Relativ haben die Kartellparteien überall einen»Rückgang" erfahren; und der D e u t s ch f r e i s i n n, der nach der Oschatz-Wurzener Wahl sehr laut zu krähen bc- gann, ist wieder in sein Nichts zurückgeschleudert. Es ist eben m Sachsen zwischen der Sozialdemokratie und dem OrdnungS- drei kein Raum für eine dritte Partei. Das Ergebniß der Oschatz-Wurzener Wahl ist, wie schon gesagt, aus rein lokalen und persönlichen Momenten zu erklären, und mußte deshalb alle Diejenigen irrleiten, die darnach generalisirten und allze« meine Schlüffe daraus zogen. In Sachsen ist jetzt der Kartellring gebrochen, und die Sozialdemokraten werden dafür sorgen, daß der P r o b e s ch l a ch t von gestern die Hauptschlacht der kommenden Reichetagewahlen entsprechen wird. Die Kartellparteien merken auch, daß sie mit ihrem Latein zu Ende sind; sie sind sehr niedergeschlagen und e» wird großer Anstrengungen der Heerführer bedürfen, um die geschlagene Truppe wieder kampsfähig zu machen. Natürlich lernt diese Sorte von Menschen nichts, und die Moral ihrer Niederlage lautet für sie mehr Polizei — und»Verlängerung des Sozialistengesetzes!" Nun— das können und werden sie ja haben. Um so gründlicher soll nächstes Jahr bei der Reichstagswahl ihre Niederlage ausfallen. Der»Käluischr« Zeitnng zufolge ist die neue Vorlage in Bezug auf das Sozialistengesetz im BundeSrathe bereits er- folgt. Der ÄundeSrath werde sich mit derselben schon in der nächsten Woche beschäftigen. und er mit� )ie Zahlj n oufa% werden � mangeln,' übeck. len« Wer"- enburg- . Berlin- ielau. ■lin. jn« bccstadt- H aug> Weg >ie ungu "•'ZAttiZxf.""'""«n Pro'. �>r. uneimann-ploilocr ,n einem Aufsatz � f Lautert hat, aus dem wir das Wesentlichste hier im Mine du>Mu«zuge mittheilen wollen. Durch Moleschott in Rom h aber ü�l duerit festgestellt worden, daß der thierische Körper je?'vr Kohlensäure ausscheidet und dement- arme».,au? �ehr Sauerstoff aufnimmt als im Dunkeln; h7 heiß h bog >cn: diesem Entwürfe soll das werden, weil eine Ueber- unausführbar sei. Das schreiten mußten. Das Waffer drang ihm bis zum Knöchel- ihm war, als müsse er ersticken, denn die Hitze hatte nocy ."Mehr zugenommen. So ging es an zweihundert Meter fort, " Pölich Levaque, Zacharias und Käthchen vor sich „».eliil��schuiinden sah; sie waren in einen schmalen Spalt ge- rJ» Gobl-�üpft, der sich vor ihnen aufthat. allen S«(Fortsetzung folgt.) omen da?' iner Seüff- Wagens « und L�den. ilei� Aygieinische K«de«t»,ug des Sonnenlichtes. Es ist langst öeiannt, die �onne den Ecdgedorenen nicht nur ohne �kal'schen Wrkung-n. L.chtund Wärme, zu Gute kommen ,y j u/laßt, sondern mittelbar auch auf Korper und Geist selbst einen hlagen, Aegensreichen Einfluß ausübt; jeder hat es an sich selbst schon 968 Aerfahren, daß er an sonnigen Tagen sioh und heiter gestimmt .0 sich �wird, während man sich an trüben Tagen ernst und der Andtsfloedrückt fühlt. Ebenso kann man beobachten, daß unter äßigkeit Mangel des natürlichen Lichtes die Entwickelung nament- aen Irlich des kindlichen Körpers leidet. Kinder, die in lichtarmen, :n Schr h mehr, nkte, d" rper t«. T wivv eint �uiuctunu vcv r verbergefuhrt. Diese hat man nicht nur der pyysio- glichen, sondern zum Theil auch der chemischen Wirkung der onne zuzuschreiben, besonders den blauen und violetten trahlen, auf deren Einwirkung auch die Bräunung der autfarde m sonnigen Gegenden, die Bildung von ommersproffen und dergleichen zurückzuführen ist, wäh- nd andererseits die grau- gelbliche Hautfarbe der srimo«,.die man auch bei Theilnehmcrn von Polar» liecht derzeit neue Gesetz müsse aber ein dauerndes werden, die Fristbefchrän- kirng müßte fortfalen.— Das wäre allerdings die einfachste Lösung der schwierigen Frage, eine Lösung, die jedem weiteren Kopfzerbrechen, wie man die Pelzwäsche ohne Naßmachen br werkstelligen könne, ein Ende macht. Daß alle»Verbesserungen-� schließlich doch darauf hinauslaufen würden, denselben Inhalt m eine andere Form zu gießen, hat man erwartet. Di« glücklichsten Menschen sind die Volksschullehrer, wenigstens nach Dr. Eschmsch. Jn seinen»hyzienisch-statisti« schen Studien" schreibt dieser wackere Menschenfreund:„Die Schullehrer stehen im Grade ihrer Lebenshoffnungen den pro- testantischen Geistlichen und Forstbeamten am nächsten. Sie treten ein in das Greisenalter von 80 Jahren mit 1,13 pCt. ihrer Standesgenossen. Bei den Vorbereitungen zum Dienst sind keine besonderen Schädlichkeiten, in der Berufsbildung keine Strapazen; keine Gefahren durch Witterungseinflüsse; ein Wechsel und freudige Anregungen im Tagesleben; bei spär« sicher Besoldung und Famiiiensorgen die stete Nö.higung zur Thätigkeit und eine Abhängigkeit und Disziplin, welche die egoistischen Bestrebungen des Wohllebens, des Ehrgeizes und der Habsucht niederhält." So ist S, nicht nur der Papst lebt herrlich in der Welt, der Dorfschullehrer auch. Und da sor dem— bitten gar demüthiglich die Lehrer noch immer um Auf' besserung ihrer gedrückten Lage: sie wissen eben nicht, was zu ihrem Besten dient! Wo« auf dem Gebiete der Uersammlungsuerbot« von den Hochwohlweisen Gesetzeswächtern geleistet wird, ist be- reitS genügend bekannt geworden. Folgende zwei Muster- verböte, die wir dem»Nordd. Volksbl." entnehmen, wollen wir nicht verfehlen, der Nachwelt zu erhalten: »Die auf Sonntag, den 13. d. M., Nachm. S Uhr für das Lokal der Wiv. von Schwebten Hierselbst ange meldete öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung „Gründung eines Vereins für volksthümliche Wahlen" wird hiermit polizeilich verboten, da der Termin für die Reichstagswahlen noch nicht an- g e s e tz t i st. Gevelsberg. Der Bürgermeister.- Expeditionen am Schluß der langen Polarnacht beobachten kann, durch den Mangel der chemischen Lichtwirkung der Sonne entsteht. Des Weiteren wirkt eine geringe Menge von Licht schädlich auf das Auge, das stärker angestrengt werden muß. Das Sonnenlicht tiägt zur Reinhaltung der Luft bei, indem es den Stoffwechsel der grünen, chlorophyllhaltigen Pflanzentheile beeinflußt. Durch deren Arbeit wird die Atmo- sphäre von der giftigen Kohlensäure befreit, welche sich sonst in steigender Menge ansammeln würde, und sie giebl ihr den lebenswichtigen Sauerstoff zurück. Auch in der Weise wirkt das Sonnenlicht luftreinigend, daß es die Oxydation der in ihr vorhandenen organischen Stoffe und damit ihre Beseitigung fördert. So ist z. B. der muffige Geruch, welcher in den Wohnräumen so unangenehm berührt, in Nordzimmern starrer nnd hält sich dort länger als in Südzimmern, die von der Sonne beschienen werden. Endlich tödtet das Sonnenlicht ge« wisse Mikroorganismen, einzelne sogar schon in ihren Keimen wie die Milzbrandsporen, den Soorpilz und andere; Lymphe, welche wirksamen Impfstoff enthält, verliert, im Licht aufbe wahrt, ihre Kraft. Der gefürchtete Hausschwamm(Mercullus lacrymae) entwickelt sich lediglich im Dunkeln, im Stadium des eigentlichen Wachsthums verträgt er das Licht nicht, erst in dem der Fruchtbildung sucht er es auf, dringt zwischen den Balken hervor und bildet seine Keime. Der Einfluß des Mangels an Sonnenlicht auf die Entwickelung von Krankheiten ist in Rostock durch eine Siatistik über die bort in siemder Pflege untergebrachten Kinder festgestellt worden. Von W solcher Kinder litten 12 an Skrophulose, dieser Vorstufe der Schwindsucht, von denen 4 in Kellerräumen, 5 in dunklen Hosräumen wohnten, welche der Sonne keinen Zutritt ge statteten. Auf ebendiese Ursache wird die Entstehung der Ma- taria namentlich in Italien, dem klassischen Boden dieser Krank heit, zurückgeführt. Das satirische Sprichwort:»Wohin die Sonne nicht kommt, kommt der Arzt," gilt dort ganz besonders in Bezug auf die Malaria. Da» Schicksal de» Herrn von Kötlicher. Das»Span dauer Tageblatt" bringt in seiner Nummer 223 vom Dienstag, den 24. September, folgende entsetzliche Nachricht, die erst jetzt weiter in die Oeffentlichkeit dringt: »Staatsminister von Bölticher ist bereits am Sonn« abend wieder in Berlin eingetroffen: ermordet wurde Se. Exc. erst am 24. d. Mts.". Welche Folterqualen mag dieser Mord bei seiner End deckung der Redaktion und ihrem Korrektor verursacht haben?. Haspe, am 17. September 1889. An den Schlosser Herrn AioyS Schulte, hier. Sie werden hierdurch benachrichtigt, daß auf Grund des 8 9 des Sozialdemokraten-Gesetzes vom 21. Oktober 1878 die unterzeichnete Polizeioerwal. tung nicht m der Lage ist, die Abhaltung einer öffert» lichen Volksversammlung am Sonntag, den 22. d. M., zu gestatten. Die Polizeiverwaltung. Lange." De»»frei«"»nd»gleichberechtigt«" Arbeiter im Lichte der Thatsachcn nimmt sich denn doch etwa« anders-US, als ihn unsere OcdnungSpresse hinzustellen beliebt. Wir theilten seinerzeit mit, in welcher Weise der Glasfabrikant Heye in Nienburg gegen diejenigen seiner Arbeiter vorging, die sich er- dreisteten, einen Fachverein gründen zu wollen. Ueber die diesbezüglichen Vorgänge hat der Herr Kommerzienraih in einem Zirkular an seine Kollegen berichtet, welches der„Fach- genösse", das Organ der Glasarbeiter, veröffentlicht. Wir ent- nehmen demselben folgende charakteristische Stellen: „Am Montag(nach der von uns bereits früher erwähnte» verbotenen Versammlung) waren zu meinem nicht geringen Erstaunen, trotz meiner bedingunaSweisen Kündigung vom Sonnabend, auch alle die Glasarbeiter zur Arbeit gekommen, die sich durch Unterschrift verpflichtet hatten, dem Fachverein beizutreten. Dies veranlaßt« mich, jeden Einzelnen zu fragen, und zwar in Gegenwart seiner Genossen, ob er dem Fachverein bei- getreten sei oder beitreten wolle! Jeden, der diese Frage bejahte, forderte ich aul, das Fabrikgrundstück sofort zu verlassen. Zu meiner Freude hatten doch 49 Glasmacher den Muth(!??), bestimmt zu erklären, daß sie dem Fachverein nicht beitreten wollten. Die Abrechnung mit den einzelnen GlaSmackern wurde nach Möglichkeit beschleunigt und die betreffenden Beträge auf Postanweisungen eingezahlt. Den mit 14 Mann besetzten Hafenofen hatte ich schon am Sonnabend gelöscht, rtzt ließ ich auch zunächst eine Wanne mit 54 Werkstellen leerlaufen! Ich würde auch noch weitere haben folgm lassen, wenn nicht schon am Dienstag sich Glas- macher gemeldet hätten, die erklärten, daß sie nur in der allgemeinen Aufregung, theilweise geradezu pe- zwungen, mitgegangen wären, oder daß sie sich ge» fürchtet hätten, allem zu stehen.— Welche Mittel die Anstifter angewandt haben, läßt sich kaum erzählen! Ich hätte nicht geglaubt, daß eine so große Zahl von Glasmachern so kindlich leichtgläubig sein könnten. Jeder, der sich wieder zur Arbeit meldete, mußte folgende Erklärung unterschreiben: „Wir unterzeichneten Glasmacher erklären bei dem Wiederbeginn der Arbeit auf der Nienburger Glas- fabrik, daß wir unserem Arbeitgeber: für den Fall, daß wir 1) wieder einen Fachverein hier oder anderwärts gründen oder demselben beitreten sollten, uns wieder unter die Führung des sozialdemokrati- schen Agitators Horn oder eines andern Sozialdemo» kraten begeben sollten, die bei der Arbeit gebliebenen und dem gelanten Fachvereine nicht beigetretenen Arbeiter durch Reden''- arten, die sich auf die Zeit der Mißhelligkeiten im September 1889 m irgend welcher Weise beziehen, oder sonstwie belästigen sollten, das Recht einräumen, uns jeder Zeit ohne Einhalt der gesetzlichen Kündigungsfrist und ohne Auszahlung der etwa damit zusammenhängenden Entschädigung wegen entgangenen Arbeitsverdienst, aus der Arbeit zu entlassen. Die Eiklärung haben dann schließlich 102 Glasmacher unterzeichnet, wodurch ich in den Stand gesetzt wurde, den größeren Theil meine« Betriebes wieder auszunehmen. Zu meiner großen Freude haben mich fast alle Kollegen in der Nachbarschaft und auch in größerer Entfernung dadurch wesentlich unterstützt, daß sie auf die Angebote der Glasmacher zur Arbeit, sofort ablehnend geantwortet haben und sage hiermit meinen verbindlichsten Dank. Nienburg a. d. W., den 15. September 1889. H. Heye, Glasfabrik." Tiefer hängen! Damit jeder ein wahrheitsgemäßes Bild vom„freien" und„gleichberechtigten" Arbeiter im neuen Deutschen Reiche bekommt. Stettin, 15. Oktober. Nach Aufhebung de« kleinen Bc- . mnaszustandes fand gestern die erste(von etwa 1000 Per« sonen besuchte) Versammlung der Sozialdemokraten statt, in welcher der ausgewiesene Kandidat von der letzten Wahl, Herr Fntz Herbert, der seither nach Stargard übergesiedelt war, zum ersten Male wieder vor seinen demnächstigen Wählern austrat. H. gab am Schlüsse seiner Rede die Parole au«, daß bei einer immerhin möglichen Stichwahl zwischen einem Freisinnigen und einem Konservativen die Parteigenossen nicht wie bei der letzten Wahl für die Freifinnigen eintreten, sondern sich der Stimmer- abgäbe enthalten sollten. Man rechnet in sozialdemokratisch m Kreisen augenscheinlich auf einen stattlichen Stimmenzuwachs. _(„Franks. Ztg.") Dreoden, 1«. Oktober. Der sächsische Landtag ist für den 11. November einberufen. Dresden, 13. Oktober. Ein recht seltsamer Vorgang ist folgender: Das„Sächs. Wochenbl." brachte vor einiger Zeit eine Korrespondenz, in welcher die hiesigen Kauflcute Schlesinarr und Renner angegriffen wurden. Die Staatsanwaltschaft sah in diesem Artikel eine Beleidigung der Genannten und über« nahm die Verfolgung dieses Artikels im„öffentlichen Jntercss-". Aber, und jetzt beginnt das Seltsame, obgleich beide Kaufleute, wenn überhaupt beleidigt, vollständig gleich stark beleidigt sind, da gegen beide die gleichen Anklagen erhoben wurden, lag für die StaatSanwaltschoft nur in der Beleidigung Renner'« ein„öffentliches Interesse" vor, Schlesinger ist auf den Weg der Privatklage angewiesen. Manche Leute wollen den Grund zu dieser merkwürdigen Unterscheidung darin erblicken, daß Renner„Christ", Schlesinger aber„Jude" ist. Ww. als loyale Staatsbürger, sind natürlich weit entfemt, der Staate- anwaltschaft zuzutrauen, daß sie aus antisemitischen Motiven diese« zweierlei Maß in Anwendung bringt, vermögen aber 2) 3) auch nicht zu sagen, worin sonst der Grund für ihr verschiedene« Vorgehen zu finden ist. Großbrttattnie«. London, 15. Oktober. Die Bewegung unter de« Ar- beitern in London dauert fort. In Victoria Park fand gestern eine Massen- Versammlung der Mechaniker aus Silvertown statt, in welcher außer den dorngen Streikern so ziemlich alle am Dockstreik betheiligten Gewerkschaften vertreten waren. Auf dem Turnham Green im Westen versammelten sich die Bäckergisellen in großer Anzahl und verwarfen da« von den Meistern gemachte Zugeständniß von 72 Stunden; sie bestanden aus 60 Stunden wöchentlich. Im Ostende Londons, in Wbiie» chapel, ereignete sich letzte Woche unter den zahlreichen dort seß- haften Schneidern ein seltsamer Auftritt. Während de« kürz- lich beendigten Ausstandes der Schneidergesellen ließen einige Meister in der Voraussicht, daß der Streik längere Zeit an- dauern werde, m ausländischen Zeitungen Annonzen einrücken, welche Schneidern unter verlockenden Aussichten Arbeit in London zusagten. Die Leiter der Streikbewegung wußten vnr auf einem. dieses Manöver der Meister und als letzte Bloche aus Hamburg kommenden Dampfer ein Häuflein Ausländer anlangte, erhielten die Schneider in Whitechapel eine Warnung. Die armen Ausländer, dreizehn Männer und drei Weiber, zu- meist polnischer Abkunft, packten ihre wenigen Habseligkeiten— trab et war sehr wenig— auf einen Schubkarren und machten sich in der elendesten V-rfassung auf den Weg nach dem Quartier Whitechapel. Die Einwohner dort, sonst so gast. s rundlich den ankommenden Fremden und Glaubensgenossen gegenüber sahen fit alt Eindringlinge und Sendlinge der Hab- grermen Meister an und weigerten fich, ihnen Zimmer zu ver- miethen. Eine lärmende Menge umringte die Fremden, kri ifirte ihren jämmerlichen Aufzug und trieb fie aus dem fast nuSschliefilich von Schneidern bewohnten Distrikt in eine Strahe, wo ihnen endlich Quartier, gewährt wurde. Die Erbitterung gegen diese»Schwarzbeine" ist so groß, daß man den Meisten nicht gestatten wird, ihnen Arbeit zu geben. Fr««Kr»ich. Paris, 15. Okiober. Der sozialistische Arbeiterabge- ordnete Tomier aus Monllucon macht bekannt, daß er, wie einige seiner Vorgänger von 1848, namentlich Journet, in der Kammer als Zeichen seiner Arbeilereigenschaft stets eine Blouse tragen werde. Holland. Amsterdam, 14. Okiober. Der Superintendent deS Unterrichts im Transvaal, du Toit, weilt im Augenblicke in Amsterdam, um die Auswanderung niederländischer Familien in die südafrikanische Republik zu betre,ben. In Vlämisch. Belgien scheint seme Wirksamkeit nicht von dem gewünschten Erfolg begleitet gewesen zu sein; er wurde zwar von den stammverwandten Süa- Niederländern herzlich und begeistert empfangen, man feierte ihn bei Gastmählern durch überschwäng- liche Tischreden, aber dabei scheint es auch geblieben zu sein. Ob er hier mit mehr Erfolg thätig sein wird, ist ebenfalls fraglich; denn wer hier eine leidliche Existenz hat, verläßt bc- .t ne kanntlich die heimathliche Scholle nicht, und dasjenige der Bevölkerung, dem nichts gehört als die allgemeine, wird auch in dem neuen Vaterlande schwerlich dazu W einen genügenden Damm gegen die weitere Verenglä«» der Republik ausluwerfen. Schließlich mag hier noch d» werden, daß du Toit, der vor sechs Jahren in BegleiW» Präsidenten Paul Krüger, der bekanntlich der streng oM Richtung in der protestantischen Kirche angehört, ebeas» Amsterdam längere Zeit weilte, damals von antirevoluius Seite in der üverfchwänglichsten Weise gefeiert wurde, l aber von derselb-n mit mißtrauischen Augen betrachte!> weil er seine Hauptstütze nicht bei ihr, sondern bei hewonS den und einflußreichen Liberalen sucht. Kr. Theater. Freitag, den 18. Oktober. «pernhau». Keine Vorstellung. Achemspielhan». Keine Vorstellung. Aeirtsche» Theater. Faust's Tod. Ueftwg-Theater. Die Fremde. Friedrich- Milh-lmstädtifches Theater. Mikado. 8 estdenz- Theater. Fernande. t allner-Theater. Der Dompfaff. Kiirtarla-Theater. Stanley in Afrika. Gstend-Theater. Ein Vemrtheilter. Kelleallianc»- Theater. Der Zauberlehr. ling. ASnisstädtische« Theater..'Ne feine Familie." Zentral-Thrater. Das lachende Berlin. Adolph Ernst-Theater. Flotte Weider. Gedr. Kichter's K aristo. Spezialitäten« Vorstellung. Keichahalle«- Theater. Borstellung. Gr. Spezialitäten« Aerlwer Theater. Freitag, den 18. Oktober: 7. Abonnements-Vor« ftellung. Markgraf Waldemar. Sonnabend, den 19. Oktober: Montjohe, der «an» von Eisen. Sonntag, den 20. Okt.: Markgraf Waldemar. -Theater* 1885»reddenerftr. 55. T ä glich Vorstellung. Thalia-Theater, IS Wallnertheaterstratze IS. Heute und folgende Tage: Große TH enter- un d Spezwlitnten RorsteUung. Austreten des Berliner Universal- Humoristen Herrn F r ö b e l, der Liedersängerin Frl. F i o r i und der Kautschukdame Frl. Marrnella ic. EntrSe 30 Pf. I'ÄÄ,. Cipcus Renz. Karlstraße. Heute, Freitag, den 18. Oktober 188», Abends 7 Uhr: Zum dritten Male: Lebeu vnd Treiben auf bem Eise. Großes Ausstattungsstück.— Borführen der t irlSadischen Pracht-Jagdpferde, nach einer vollständig neuen Art und Freiheit dressirt von Herrn Franz Renz.— Auftreten des Sergeant Timms mit seiner jugendlichen Zuaven-Truppe in ihren neuen Staunen erregenden Schlachten« und Lagerbilder«.— Schulquadrille, geritten von 8 Herren mit 8 Schulpferden.— Auftreten der Schulreiterin Frl. Guerra.— Reitkünst- lerinnea Frl. Lillie. Frl. Natalia; Rettkünftler. — Renomwtrte Sünftlerfamilte Rmstei-e. — Morgen Vorstellung. Sonntags 2 Vorstellungen. S. Renz, Direktor. ViiHUis Busch« Frtedrtch-Karl-llfer. Heute, Freitag, de« 18. Ottober: Abends 7i Uhr: Zum 1. Mal: Velins, Prämien- Springdferd ohne Souttimoz, springt zum Schluß über drei große Pferde, vorgeführt vom Direktor. Helga, geritten vom Direktor. 22 Hengste in Freiheit. Rur noch einige Mal: Elephant und Ponny in Frecheit zusammen vorgeführt. Kanonenkönigin Mist vietortna. 200 M. Prämie dem, der die Kugel gleich ihr auffängt. Maria DorS, Jock.y. Luftgymnastikerin Frl. Amalia. 1. Mal: Mo- derner Magnetismus. Die doppelten dreifachen Spriagfahrlchulen, geritten mit 6 mgtilchen Vollblutpferden. Rur noch einige Mal: > Traum in den norwegische« Gebirge«, Original« AusstattungS- Pantomime. Alles Nähere die Plakate. Maff«� IT». 9 M.— 10?! ___ cp-PanopaL„ In dieser Woche: Zum er st en Mal; V. EkL: Die vartser Welt-AnSstellnng. l». Reise durch Algerien. mmmm Hertha-Reise. •nu**tt|( 20 Pf., Kind nm 10 Pf.«bann. ««eisen l M. Sopßavezüge! Reste von»t— 5 Meter«pottbillta. Tn»i> l-eßchnre, Granienstr. las. Ein freundlich möbl. Zimmer zu vermiethen hei Atemer. Wienerstr. 34, v. 2 Tr. 1318 Central-Kranke«- und Sterbe- Kasse der Tischler«. s. w. lE. H. 3, Hamburg.) (Gertliche Uerraaltungsstelle Kerlin O.) Montag, den 21. Okt., Abends 8: Uhr, im Weeliling-Restsurant, Müller str. 178: Mitglieder-Versammlung. Tageö« Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal d. I. 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Hierauf findet die ve- sammwng der Zentral- kranken- u. Sterbekaffe aller Arbeiter Deutsch- landS(E. H. 88, Hamburg) statt. Tages-Oronung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Wahl von 6 VerwaltunqS-Mitgliedern. 312_ Die Ortsverwaltimg. Fchmtin her Mer Berliks. Tonntag, den 20. Oktober er.. Vorm. 11 Uhr, im I.euisenstäiltieeh. Aenzerthsus, Alte Jakobstraße Nr. 37: M!tglieder-Rersa«mln«g. TageS-Ordnung: 1. Fortsetzung der Wahlen. 2. Antrag des Bibliothekars. 3 Antrag Figasewitz, betr. Herstellung einer gleichmäßigen Rüstung. 4. Antrag des Vorstandes, betr. Matinee für erkrankte Mitglieder. 5. Vereins angelegenheiten und Verschiedenes. 314) Der Vorstand. ES. Die Mitglieder werden darauf aufmerk. sam gemacht, daß die Mitgliederversammlungen von zetzt ab an jedem ersten Sonntage nach dem 1. stattfinden und zwar im obigen Lokal. D. O. Mietherverem für Köpenick und Umgegend. Sennshen«, den 19. Oktober d. I., monatliche Versammlung im BeretnSlokal(stlein's tratet). 312 Tages- Ordnung: Vortrag des Herrn TH. Glocke:»Die wirth- schaftlichen Krisen und die Sozialgesetzgebung". Tifchler-Bereitt. Sonnabend, den 26. Oktober, im Konzert- hauS Sanssouci, Kottbuserstraße 4a: 18. Stiftungsfest. UM" Soiree der Stettiner Quartett- und Kouplet-Sänaer. Anfang 8 Uhr. Nach der Vorstellung Hall. BtlletS ä 30 Pf. sind bei sömmtlichen Vor- standSmitgliedern, sowie bei den Herren Winter, Elisabethufer 55, und Kreuschuer, Lausitzerstr. 45, zu haben._[313 Bmiiiz.WchWd.Jiltel'eiieii der Aschler. Sonnabend, den 19. Oktober d. I., in den Biirgersalen, Dresdener-Straße 96: IX. Stiftungsfest. Billetö hierzu ä 30 und 50 Pf. sind bei den folgenden Kollegen ut haben: Lerche, Frucht« straße 53, H.3Tr.: Fölmer, Solmsftr.30, vom 2Tr.; Lakur, Naunynftr. 20, H. 2Tr.; Ptelicke, Admiralftr. 38, H. 3 Tr. Ter Vorstand. Achtung! Kildlsauer! Die Werkstott von«agner& Seidel, Admtralftraste 7, ist gesperrt. 3061 Die Komraissto«. Die KWelle bei Lorenz, Mantcuffelstr. 41, befindet sich während des Umbaues im Hinterhause park. Kohtabak'CÄTT am hiefigm Platze bekanntlich[1653 LrSeste Auseeahl. Garantirt sicher brennend»«abaste. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindlichen Roh- Tabake find am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6 am Hackeschen Markt. Große öfsentl. Steinmetz-Uersammlu» am Freitag, de» 18. Ottober, Abends 8 Uhr, im Lokale Itomgshcf, Bülowstraße 37. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herm Dr. P. Ehrrftcller über:»Die Lunge". 2. Das S Gewerbe im Mittelalter und Preßluftwerkzeuge. Ref.: Herr Jrfchkh. 3. Gewerkschaftli Der Wichtigkeit dieser Versammlung wegen soll kein Slemmetz von Berlin sein und wird um zahlreichen Besuch gebeten.[3021»«»' Einberufe [302] Winter-Paletots und Anzüge für Herren und Knabe«, einzelne Röcke, Iaquets, Hose», seidene«nb Pique- Meste«, Hamburger jj engl. Hebersachen. Eigene Werkstaft für Maasbestellungen,•peutf engl,««b französische Stoffe«nb Tuche tn grosser Auswahl empfiehlt A. Kunitz. Ncie Mrche 50, prt M.W Durch Ersparung der Ladenmiethe billiger wie jede Konkurrenz."WO - Durckl die(Expedition, Iimmerstraße 44, zu beziehen: pie Darwin sche Theorie. Von vr.«bnarb Koelwg. Broschirt M. 1F Geb. M. 2,-. Karl Marr' Gekonomifche Lehren* Gemeinverständlich dargestellt» erläutert von Karl Kantsky. Brosch. M. 1,50. Geb. M. 2,—. Weltfchopfnng und Weltuntergang. Die Entwickeiung von Hiw� und Erde vom Standpunkt der Nalurwissenschaften dargestellt von Gswatb Höhst» Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Die ländliche Arbeiterfrage. Nach dem Russischen des Hadlu Brosch. M. 1,—. Geb. M. 1,50. Thomas More und feine Utopie. Mit einer historischen.Einlei von Hart Hantsstq. Brosch. M. 2,—. Geb. 2�0. Charles Fourier, sein Leben und seine Theorien. Von AnS� Hebel. Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Das moderne Glend«nd die moderne Uebervölker««1 Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von Mar Schippet. Brasil M. 1,50. Geb. M. 2,-. Kerliner Ardetter-DibliotheK. Von Mar Schippe!. Erschienen QtfO bis 7. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Heft 2: Der Nutzen der Gewt� schalten. Heft 3: Die Ardeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. Heft � Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Konnnune. Heft 5: Charaktv] köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Osfip Zetkin-PariS f. Hess£ Die Hausindustrie in Deutschland von Paul Kampffmeyer-Genf. Heft 7: In»" und Bauer von Paul Kampffmeyer-Gmf. a Heft 15 und 20 Pf. Die Ardeitsrinnen-Demegung DerUns* Bon zu Ferge». a Heft 30 Pf. Ferdinand Lassalle, eine Gedenkschrift zu seinem 25 jährigen Todestag.®t' IKar Kegel, a 50 Pf. Stern, J. Die Religion der Zukunft. Dritte vermehrte Aufl# brach. M. 0,50. — Halbes und ganzes Freidenkerthum, Zeit- und Sst� schrift. 2. Auflage. Broch. 15 Pf. — Thesen«ker den Sozialismus. Broch. M. 0�0. Gefetz der Alters- und Invaliditats-Nerstcherung. Vo»� Frbel und p. Kinger. Preis cartonnirt M. 0,50. Ardeiter-Uotizkalender pro 1890* Kleine Ausgabe a Exemplar 50� Große Ausgabe a Exemplar 75 Pf. Die Klassengegensätze von 1789. Von Kar»»««tsstq. » Exemplar 50 Pf. Dir Sonutags-Arbeit. Von August Festet. Brosch. M. 1,-. Die Mohamedanifch- Arabische Knlturperiode. Von A«s� Hebel. 2. Auflage. Broch. 50 Pf. Kykil. Roman von Dtsraeli, übersetzt von Natalie Liebknecht. Dir Ritter der Arbeit» Nach dem Amerikanischen des Zor von Liebknecht. Die franzöfifche Revolution. V°n Muh-»« sw«. Gebunbe» in Prachtbanb. a Exemplar M. 5�0. Broschirt in 20 Heften a 20 Pf. Dazu Einbanddecken k M. 1. Oderörucklee drell-ffiänfe auch ausgenommen u. getheilt, pfundweise sriei billiger als anderes kJeiscb.) Leber, Liesen und Gänsestiein, GSnse- pSstelsteisch. ä Pfd. 60 Bfg.; Gänseschmalz, geräuchert» Gänsebrüste. Frische Hase«(auch gespickt), frische« Milb. pfundweise sowie sämmllicheS GestSgel in größter Auswahl empfiehlt billigst[320 die Wild, und Geflügel-Handlung von , MÄclkirlvSr.S. Tt schler-Merkzeuge, beste engltsch« und deutsch«, unter Garantie fertige gangbare Hobel ie., l?4g E. Yogtherr, Berlin C. Laubsberg ersir. 64(am Alexanderplatz) Da ich in Kürze nach dem Staate Militärtq auewandere, verkaufe ich noch den Rest meiner seidenen Cachenez für Herren und Damen. Heinrich Sachse, 54] Am Gstbahnhof Ur. 14. dgen, FabrLX Sei�ei s. Polstei Gr. Lager, dl lt. Emsl He Brunnens tr, 28. T belli, sacb Ue' Zverantwortlich« Redakteur: R-«ranstetM tn Berlin,»ruck und«erlag von Mo» Habwg in Berlin SV.»euthstraße 2. Hierzu-w- Arbettsmarb� Stucstateure, tüchtige Ansetzt-»! das Nachweisebureau Weinmeister Beilage zum Berliner VolMlatt. lÄ Ur. 244. Freitag, de« 18. Oktober 188A. 6. HabrU Arbck md lohn. Unsere heutige WirthschastSweise betrachtet die Arb-itSkrast des Menschen als eine Waare, die den Gesetzen des Marktes unterwerfen ist. Man sagt(freilich häufig genug, ohne sich dabei eiwaS zu denken) der Preis der menschlichen Arbeitekraft regelt fich nach Angebot und Nachfiage, man leug-et dabei, datz bei Festsetzung der Preise dieser wichtigen Waare noch andere Rücksichten mitspielen, die sich daraus ergeben, daß die Waare Arbeitskraft fich von der Person des Besitzers und Ver- käuferS derselben nicht trennen läßt, daß man, indem man die Arbeitskraft eines Menschen kauft, in gewissem Sinne die Person m tkauft. Man bedenkt ferner nicht, daß der größte Theil des Bo kes lediglich auf das Erträgniß des Verkaufes seiner Arbeits- kraft zum Lebensunterhalt angewiesen ist, da ihm keine anderen Einnahmequellen zur Verfügung stehen. Die Waare„Arbeitskraft" bat aber au« diesen Tbatsachen einen ganz anderen volks- und kulturwirthschaftlichen Charakter ols jede andere Waare, die eine von dem Verkäufer getrennte Sache ist und wenn einmal verkaust und übergeben, mit der Person des Verkäufers nichts mehr gemein hat. Das Nichtbeachten dieser doch so augenfälligen Thatsache, das vollständige Gleich- stellen der Waare„Aibeitskrast" mit zcder anderen Waare hat in erster Linie zu den Zuständen gesührt, unter welchen unsre h-utiae Gesellschaft leidet. Der �Käufer einer jeden Waare hat keine Rückficht auf den Verkäufer zu nehmen, noch hat der Verkäufer irgend wie üch mit der Person dcS Käufers zu beschäftigen. Der Käufer hat einzig und allein die Abficht für die Waare möglichst wenig zu zahlen, der Verkäufer hat die entgegengesetzte Ab- ü-bt recht viel für die Waare zu erhalten. Dieser W.de' streit muß, wenn eS zum Abschluß des KauseS kommen soll, ausgeglichen werden. Der Ausgleich erfolgt durch einen mehr oder weniger deutlich ausgesprochenen wirthscbaftlichen Kampf, dessen Ausgang entweder der Billigkeit entspricht, oder auch einfach das Recht des Stärkeren zur Geltung bringt, dem fich der Schwächere als Besiegter zu unterwerfen hat. Ein großes Angebot einer Waare, die Roth des Verkäufers, die ihn zum Verkaufe treibt, stärken die Stellung des Käufers, während dringende« Bedürfniß und Mangel an Waare die Stellung des Verkäufers stärken. Alle diese Gesetze gelten heute auch für Kauf und Ver- kauf der Arbeitskrast der Arbeiter. Man hat gemeint, indem man den Zusammenhang der Waare Arbeitskraft mit dem Arbeiter verkannte, die Arbeits- k>ast werde auf dem Markte anderen Gesetzen folgen. Man bildete für sie ein eigenes Pceisgesctz. das man das„eherne Lobnzesetz" nannte. Nach demselben soll der Preis der A beitskraft, der Lohn, nicht für die Dauer über oder unter dem Betrage sich halten können, der zum gewohn- heilsmäßigen Unterhalte des Arbeiters unerläßlich noch- wendig sei. Abgesehen von der dehnbaren Bestimmung „auf die Dauer", die dieses angebliche Gesetz enthält, die zu- giedt, daß doch auf länger oder auch auf sehr lange Zeil andere Zustände herrschen können, ist die B.stimmung des „gnvohnheitsmäßigen" Mindestunterhaltes eine nicht sehr glück. t-etze. Die LebcnSgewohnheiten wirken ohne Zweifel auf den Preis der Arbeitskraft sehr erheblich eil. Um UNS eines BörfenauSdruckeS zu bedienen, so ist es nicht abzuleugnen, daß hohe Ansprüche an die Lebenshaltung den Arbeitsmarkt „ve' steifen", die Eigner der Arbeitekraft veranlassen, tw?denweg, Älexanderplatz— Viehhof sind die verlängerten 15 Pf.- Theilstrecken, während in den 10 Pf.- Touren gleichfalls einige Verlängerungen zu ver- zeichnen sind.— Auf der Linie Spittelmarkt— Landsberger Allee— Zentral-Viehhof wird der Ab- stand der Wagen von 50, auf Vormittags 35, Nachmittags 20 Minuten herabgesetzt, ebenso wird auf der Linie Schlesischer Bahnhof— Acker st raße der Fahrabstand von S auf 5 Minuten verringert.— Bei der Berlin> Charl ottenburger Pferdebahn- Ge- s e l l s ch a s t tritt auf der Linie Kupfergraben bis Zoologischer Garten die Verlängerung dieser Tour nach dem Lützow-Platz in Kraft. Preis der ganzen Linie 25 Pf., Lützow-Platz— Friedrichstraße 20 Pf., Küriürstcndamm bis Brandenburger Thor 15 Pf., Großer Stern— Kupfergrabcn 15 Pi., Lützowplotz— Großer Stern 10 Pf., Kursürstcndamm bis Bellevue 10 Pf. Die Preise der übrigen Strecken bleiben unverändert.— Die Pferdebahn- Fahrpläne, welche gleichzeitig Fahrpreis- und Straßenverzeichniß sowie Karte von Berlin enthalten, find in kleine 72 Seiten starke Taschenbücher zum Preise von 10 Pf. bei jedem Pferdebahn« schaffner e>hältlich. Gin Meteor, welcher hell wie Magnefiumlicht strahlte, zog am Dienstag Abend gegen 7 Uhr von Ost nach West über den sternenklaren Himmel, den bald darauf dichter Nebel ein- hüllte. Die Imker glauben an einen frühen Winter, weil die Bienen bereits am 15. September ihre Stöcke zugemauert haben. Gl« f-hr interessantes Urtheil Lber Kerli« und feine Entwickelung vor 70 Jahren findet sich in der„Zeitung für die elegante Welt" vom Jahre 1819. Der damalige Ber. liner Korrespondent schrieb von der werdenden Großstadt:„Es ist nicht zu leugnen, daß, wer Berlin seit mehreren Jahren nicht gesehen hat, es in vieler Beziehung sehr verschönert finden wird. Die Veränderung mit der schönen Straße Unter den Lwden, wo an jeder Seite der Häuser eine Reihe Bäume niedergehauen worden, macht die Ausficht fieier, und man kann nun dre Foqaden der palastähnlichen Gebäude, die von diesen Bäumen vei steckt waren, von beiden Seiten übersehen. Die Brücke beim Opernhause, der Spaziergang an der neue Seite des Kanals nach der katholischen Kirche zu, die Abrerßung des ehemaligen elenden WachtgebäudeS, an dem eine Branntweinsbude stand, an dessen Stelle ein großes und schönes Wachtgebäude, dem Opern- hause gcradeüber, erbaut worden, sind ebenfalls wahre Verschörcrungen. Der Dönhoff'iche Plötz hat ebenfalls sein elendes Wachtgebäude und die daneben stehebden Buden ver- loren, er ist nun ganz frei und geebnet worden. Die abge- brannte Petrikirche ist nun auch gänzlich abgetragen, und wenn der noch dort befindliche Schutt fortgeschafft und dieser Platz geebnet sein wird, werden die dortigen Einwohner sehr an einer freien Aussicht gewinnen, die früher von dieser Kirche und deren Thurm sehr beschränkt war. Hierzu kommt die vor- genommene Umänderung der Langen Brücke, welche dadurch breiter geworden, das neue Badehaus, und unstreitig wird das neue Schauspielhaus, an welchem man schon wieder sehr fleißig arbeitet, sich besser präsentiren, als das abgebrannte, das mit seinem hohen runden Dache wie ein großer Konditorkorb aus- sah. Viele hohe Auffahrten, Treppen an den Hausthürcn und beengende Spaliere vor den Häusern sind verschwunden, es wäre nur noch zu wünschen, daß man mehr für besseres Pflaster sorgte, das in vielen Straßen so uneben, so spitzig und unbc- quem ist, daß man jeden Tritt fühlt, und hauptsächlich bei schmutzigem Wetter Gefahr läuft, zu fallen. Es fehlt in der Umgegend an Pflastersteinen und auch an geschickten Pflasterern�.— Wie würde sich der Berliner Korrespondent von 1819 wundern, wenn er die heutige Stadt sähe! Die„Kerliner Zeitung" enthält in ihrer gestrigen Nummer folgende Notiz: „Nicolas de Savine, der, wie alle Blätter zu berichten wußten und auch die hiesige Polizei glaubte, in Genf ver- haftet sein soll, befindet sich noch heute in Freiheit. Der in Gent verhaftete Hotelsckwindler, welches die dortige Polizei für Savine hielt, ist nicht mit ihm identisch. Die Richtigkeit unserer Mittheilung ist verbürgt." Gegenüber dieser Nachricht ist die„Post" autorisirt, zu erklären, daß eS keinem Zweifel unterliegt, daß der in Genf verhaftete angebliche„Graf Lambert" mit Savine identisch ist. Der angebliche„Graf Lambert" wurde nicht auf Grund eines Steckbriefes verhaftet, sondern auf Requisition der hiesigen Kriminalpolizei, welcher es gelungen war, zu erfahren, daß Savine in Genf im Hotel de Russie als„Graf Lambert" abgestiegen war. Savine bestritt mit der ihm zu Gebote stehenden Verstellungskunst seine Identität und behauptet energisch, er sei„Graf Lambert" und müsse als französischer Unterthan an Frankreich ausgeliefert werden. Die Genfer Behörde sandte eine vorzüglich gelungene pholographische Aufnahme des„Grafen Lambert" an die hiesige Kriminal- behörde, und die Kriminalbeamten, die mit Savine zu thun hatten, erkannten ihn auf der Photographie auf drS Bestimmteste wieder: außerdem glich dies Konterfei der bei der Krimina'- polizei befindlichen Photographie von Savine bis in die kleinsten Details. De« Merder'schen ObstzSchter« ist durch die Anlage des ReichStogSuferS ihr Auslade- und Verkaufsplatz an der Spree, für"den sie bisher 20000 M. Pacht an den Magistrat zahlten, entwerthet worden, weil er erheblich an Umfang ver- loren hat. Vom Magistrat ist nun das Angebot an den Verein der Obstzüchter gemacht worden, den kleiner gewordenen Platz gegen eine Pachtsumme von 16 000 M. wieder zu übernehmen. Die Werdec'schen sollen sich zugleich auf 10 Jahre verpflichten und sich gefallen lassen, daß der Magistrat, falls die Polizei die Abfahrt über das Reichstagsufer nicht gestaltet, von dem Vertrag zurücktritt. Schon aus irtztcrcm Grunde wird der Verein Wcrder'scher Obstzüchter auf das Gesuch nicht eingehen können, weil der Platz ohne Ausladung für die Obstverkäufer geradezu werthlos ist. Als Pachrsumme will der Verein auch nur 10 000 M. bieten. Andererseits stehe der Verein schon in Unterhandlung wegen Ankaufs eines Grundstücks für seine Zwecke in der Ziegelstraße. Der Lokalberichterstatter, welcher vor kurzem über eine ärgerliche Szene im Zoologischen Garten Meldung machte, deren Held ein hiesiger Arzt Dr. Hünnemeyer war, theilt jetzt weiter mit, daß bei den Späßen, welche jener Herr im Hirsch- gehege sich erlaubte, eine junge AxiShirschkuh eine Rückgrats- Verletzung davongetragen habe, an deren Folgen nun dieselbe eingegangen sei. Der dem Garten dadurch erwachsene Schaden sei vom Direktor Heck auf 200 M. geschätzt worden, welche Sumn-e der unberufene Hetzer des Thieres wohl werde zahlen müssen. „Eine feiue Familie", Herr„Rittergutsbesitzer von Goltzbeim und Gemahlin", ließen sich vor einigen Tagen in einem Hotel der Docotheenstraße häuslich nieder und verlebten dort die besten Tage. Da die Rechnung gar schnell auf 150 M. angelaufen war, ließ der Hotelbesitzer dem Herrn„Ritterguts- besitzer die Rechnung zur Zahlung präsentiren, worauf das Ehrpaar unter einem nichtigen Vorwand„auf einen Augenblick" das Hotel verließ, ohne natürlich wiederzukommen. Das zurück- gelassene Reisegepäck, ein alter Koffer, enthielt nur werthlose Sachen. Es gelang jedoch bald, den Schwindler zu entdecken und zur Haft zu bringen. Es ist ein Kaufmann H. aus Bosen. H. wird, wie sich weiter ergab, seit einiger Zeit wegen Wechsel- sälschunz verfolgt. Oege«-ine Mnchrrfamils-, die ans dem Nachlaß eines unlängst verstorbenen berüchtigten hiesigen Wucherers eine ganze Sammlung von Wechseln geerbt haben will, schwebt jetzt das staatsanwaltschaftliche Verfahren. Em Theil der Wechsel hat sich als gefälscht herausgestellt. Es wird nun zwar angc- nommen, daß der Verstorbene die Namen selbst gefälscht hat, um die Papiere als Kellerwechsel zu vcrwerthen. Andererseits ist aber auch die Möglichkeit einer Beihilfe der Erben nicht ausgeschlossen, welche jene Wechsel jetzt gern einklagen möchten. Es wird das um so mehr vermuthet, als einige dieser„Erben" bei dem jetzt Verstorbenen als Agenten thätig waren. Zahl- reiche Vernehmungen Huben bereits stattgefunden. Gin Df-rd-markt mit Hindernisse« war der vor- gestern Vormittag in Weißensee abgehaltene. Der ganze Markt- platz glich emer, von zahlreichen kleinen Seen und Tümpeln be- säten Sumpflandschaft. Die nach dem Markt führenden Wege hatte das anhaltende Regenwetter völlig unwegsam gemacht. Trotzdem waren 1120 Pferde aufgetrieben und das Geschäft nahm einen flotten Verlauf. Welcher Art allerdings das Ma- terial war, geht am besten daraus hervor, daß die Pferde- schlächter große Ankäufe machten. Unter ben Händlern ent- stand zum Schluß eine solenne Keilerei, der erst durch die Da- zwischenkunft von sechs Gendarmen ein Ende bereitet werden konnte. De» Ardeiter anf der Abdeckerei, Werner, von dem wir jüngst meldeten, daß die Polizei auf ihn fahnde, hat sich gestern, wie die„Allg. Fleischerztg." schreibt, bei ihr vorgestellt und erklärt, daß er die ganze Zeit über sich in Friedrichsberg aufgehalten habe; wenn die Polizei ihn nicht gefunden habe, so liege dies daran, daß er vier Tage unangemeldet in Friedrichsberg geblieben sei. Werner, der jetzt eine eigene Wohnung in der Frankfurter Allee 175 bezogen hat, behauptet, daß das Faß, dessen Inhalt bei der Haussuchung so übel duf- tele, nicht Fleisch, sondern Därme enthalten habe; er habe diese bereits inzwischen verkauft. Er bestreitet entschieden, von der Abdeckerei jemals Fleisch entwendet zu haben, dagegen sei mäh- rend seiner Thätigkeit auf der Abdeckerei ein Arbeiter Wolf wegen Diebstahls von beschlagnahmtem Fleisch entlassen und die Untersuchung gegen ihn ei geleitet worden. Im Uebügen find, wie die„Ällg. Fleischerztg." aus bester Quelle behauptet mittheilen zu können, dem Magistrat mehrere Fälle von Dieb- stählen auf der Abdeckerei gemeldet worden. Wegen Sittttchkettsverdreckens ist dieser Tage ein Feldwebel des 3. Garde-Grcnadier- Regiments Königin Elisa- beth, 2. Komp., zu 2 Jahren Freiheitsstrafe, Degradation und Ausstoßung aus dem Militärstande verurtheilt worden. Sein Mitschuldiger, ein Unterosfizier desselben Regiments, machte, als das stiafliche Thun der Beiden entdeckt wurde, seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Die Verunheilung des Feldwebels erfolgte in Spandau vor dem Militärgericht. Drei hier vorgekommene Fälle von Kasseever- giftung theilt Dr. Freudenberg ,n den Therapeutischen Monatsheften mit. Nack, dem Genuß zweier Tassen Kaffee, die von zusammen ca. 5 Loth aufgegossen waren, erkrankte ein Mann zwei Stunden später unter Erscheinungen von Herz- klopfen, Angstgefühl, Zittern u. s. w. Die beiden andern Fälle find insofern interessant, als es sich um an ftarkm Kaffees � nicht gewöhnte Personen handelt, die nach relativ miW. Mengen erkrankten. Ter erste Fall betrifft hier einen 25iähnj« c J Mediziner, der nach 4 Tassen starken schwarzen Kasseet• q*"" krankte, die er dcS Nachmittags zu sich genommen hatte, lo»« ,'-auiyuuuuu» zu«cnummtu yuu*-r c c mittelbar nachher zeigte er sich nur etwas aufgeregt, ni» Nacht indeß bekam er Todesangst, Schwindelgefühl und ß �iuuii uiutu uciuiu et-c,ovesangit, ec-mwinoeiflcfuyr ui-»-7 hörbares" Heizklopfen. In dem letzten Falle erkrankte« �.«EU® 40jähriger Mann, der im Katzenjammer 3 große Tassen schw»?, r' U■ Kaffees genommen, 2 Stunden nachher unter ähnliG■ Berli« Symptomen. In der dieswöchentlichen Nummer der Klinischen Wochenschrift" warnt auch Dr. Mendel vor übermäßigen Kaffeegenuß. ftüaen fit Eine Fahrt anf Tod«nd Lebe» hatte gestern � cvLm fx• mittag der Kutscher eines ButtergeschäftS in der Neuen Fried»» x-,, straße zu bestehen. Derselbe hielt mit feinem Fahiwerk, i* � welches zwei muthige Füchse gespannt waren, in der Ziet� i h;. straße, nahe dem Ha'teplatz der Dampsstraßenbahn. Da ertoü �. plötzlrch ein schriller Pfiff der Lokomotive, die Pferde scheu und gingen durch. Mit einer deS Weges komme»» CUS � Drosche erster Klasse hatte der Butterwagen bcreUS eine Wj„edrunge, bare Karambolage zu bestehen; bei diesem Anprall zerbrach*" der er so ein Hinterrad des ButterwagenS, der Kutscher stürzte zw V sgefj die Pferde und fiel so unglücklich, daß er mit dem Odcrtojr fgeroeQUtl den Erdboden berührte. Der Mann klammerte sich nun»' scheint ei zweifilt an die Deichselstange und in dieser Lage wurde er» fejr zur Bülowstraße geschleift. Hier erschien endlich der Reit»' Cjn Ret der Nolh; ein Dragoner warf sich den Pferden entgegen» Worte.< hatte auch bald die Zügcl ergriffen— ein kräftiger Ruck» den geni die Gäule waren zum Stehen gebracht. Der Kutscher,» und blitzt wunderbarer Weise bei der tollen Fahrt keinen Schaden k Mienensp rommcn hatte, fuhr nun langsam heim, nachdem er tembn» Gegensatz Soldaten, der ihm in der Roth geholfen, von ganzem H*» dem wciß gedankt hatte. Jj nur hier Di« leidige» Hängeqernste haben gestcrn wieder eijjk Haltung t ein sch v>reS Unglück Hrrdergefuhrt. In der Anhallstraßc m Licht enth man zur Zeit damit beschäftigt, die Hoffa�adcn neu zu streif Stummer Gestern Nachmittag, bei Wiederaufnahme der Arbeiten, wo» Hand un man am linken Flügel ein Gerüst emporziehen; ein SCi»' regier Ze gchilfe zog vom Hofe aus, während ein Dachdecker auf wegung. Gerüst stand. Als das Gerüst die Höhe des ersten St«� einer fü e re cht hatte, löste sich die am Dache angebrachte Befestig'? Die Mie und das G.räst stürzte mit lautem Krach herab. Der durch die welcher von den herabstürzenden Balken zu Boden gelchW» jedem Ar wurde, erlitt schwere Verletzungen; der Dachdecker kam ss ficht emet Glück mit leichteren Verwundungen davon. fl herrlich g Gin Aalgreife« anf-ss-ner Straße hat am gestZ? den elego Vormittag in der Heiligengciststraße stattgehabt. Ein M ungemein Händler kam mit seinem Geschäftsfuhrwerk, mit zwei feur>r wendet r Pferden bespannt, über welche er die Macht verloren hatte, ff'Grußes Straße entlang gerast. An der Kleinen Poststraße wurde» jungen ll Gefährt gegen einen Prellstell geschleudert, wo von der Lad» die. Gab« zwei Fischzober mit lebenden Aalen in großem Bogen auf?(f x Straßendamm geschleudert wurden. Erst wurde das Fuhuj? ss?. � i zum Stehen gebracht und sodann fand ein Aalgrerfen B* woran sich das Publikum betheiliqte. Beim Einsangen? ,,7. r» schlüpfrigen Thiere gab es manche komische Szene, eine A»? lame � luuututtut"-«-yitit huu t» uiuuuie u«m|u;e'iizene, eine, der Aale hat� in einem zufällig offenstehenden Kanalisaw? schacht Zuflucht gesucht und gefunden. Der Schaden, w;.m Händler erlitten, soll nicht unbedeutend sein. j' In eigenthümlicher Weife verunglückte gestern J,0* n mittag aus einem R-ubau in der Reichenbergerstraße derP* M. Er wollte einem in einem höheren Stockwerk?_______ H_ beitenden Maurer etwas zurufen, als dem Angerufeneu d«* seiner Hand befindliche Hammer entglitt und dem nach blickenden Polier auf das voll empor gerichtete Gesicht. brach bewußtlos zusammen und kam erst nach einiger Zeit der zu sich. Ein zur Stelle gerufener Arzt konstaltrie, da». wuchtig herabgefallene Hammer dem M. das Nasenbein zertrümmert hatte und außerdem war seine Oberlippe schlagen und ihm die Vorderzähne eingeschlagen. Der? wurde, nachdem er an der UnglückSstätte verbunden,.mch Wohnung überführt. M. dürfte infolge der erhaltene» letzung zeitlebens entstellt sein. I Der gestrig« Dolizeibericht meldete in kurzen W? von einem räuberischen Ucberfall, dem in der Nacht vo? zum 14. d. M. Frl. Rosa Bemberger in dem Hause Sch»', straße 7 ausgesetzt gewesen ist. Ein Berichterstattcr»c� ständigt diesen kargen Bericht durch folgende Einzelheiten:� Überfallene junge Dame, welche aus Wien stammt, watj Sont�g�Nachrmljagjmä Hamburg hier_ eingetroffen unMJJ Redner! ausgehen zungen v Das We Stelle d« den Tale Konventi leben kau stummen �Charaktei wächst> Bier, l Kellner k malt er• in der L oft ganz« Zwange wickelt si Da der bedient, ihn mit und„s den Tc um den sioerer Taubstm kehren: 'Aber aui ganzen ü in dem Hause Schairnstr. 7 ein zwei Treppen hoch bcI»(K Zimmer dezogen. Fräulein B. hatte in einer bekannten ditorei Hierselbst die Stelle als Kasfirerin angenommen? kam N-chts 1 Uhr aus dem Geschäft wieder nach Häuft- k der jungen Dame die Oertlichkeit noch sehr unbekannt ivaU entzündete sie Streichhölzer, um sich die Treppe hinaufzuleu«� Sie hatte soeben die zweite Treppe erstiegen, als sie P'�L einen Mann gewahrte, welcher in der Eingangsthür zu Zimmer stand; dieser eilte auf das junge zu, schlug ihr das Streichholz aus der® x faßte sie am Halse und versuchte sie zu«rwA Zugleich bemühte sich der Räuber, dem Fräulein B. einevL veiheirat tasche, in welcher sich 400 M. befanden, zu entreißen,-uj Ein solck Summe hatte die neue Kasfirerin mit sich genommen, uBU hat ein( am anderen Morgen ihrem Chef adzulufern. Die B., ei» daß der kräftiges Mädchen, suchte sich ihres Angreifers zu crwcva schwindet indem sie ihm das Gesicht zerkratzte, und es gelang ihf/j wirft, da wirklich, den Räuber zurückzustoßen. Hastig wendete si�-j fchaft au Ueberfallene zur Flucht, verlor aber das Gleichgewicht»»"-» lassen ni laut aufichreiend die Treppe h'nab. Das ungewöhnlich»�« hört, abe räusch allarmirte die Hausbewohner, sowie Kellner und � bete Me des in den Parterre: äumen gelegenm Bierlokals, und als U Im den Hausflur erreichten, sahen sie aus der offenen Ha»�Ä stattungß einen Mann heraus eilen, der quer über den Petrikirchplatz h»U fl,r' und der Gertraudten straße zulief. Trotz der sofort aufgenommene»� wung un folgung gelang eS nicht, des Räubers habhaft zu werden,«ffl nahezu f lein B. fand man bald darauf auf dem Flur der ersten Kostüme in hilflosem Zustande. Sre vermochte sich nicht zu erhebenJJ mungSvc wurde nun sofort nach der SanilätSwache in der BrüderstffE effektvoll bracht, woselbst die sofortige Uebersührung der Dame, tfU einen doppelten Knöchelbruch des rechten Fußes erlitten{?*> nach dem katholischen Krankenhause angeordnet wurde, uü mutfjmafjltctjc« rnfft vt />«,» KtaTaw»»-/*%•¥*>»»» r»f*<»*» iTrfjc**-' haben die ai Als Fräulein„_____ � große, mehrere Zentner wiegende Lade bei sich, zu deren«fy aufschaffung nach der Wohnung ein Mann nicht genügte-, j in der Nähe der Droschke stehender Zuschauer erklärte mnd die hörte sch nußreich« aller Mi Fülle de zu sehen die Lach Godlewi bringen Befragen bereit, den Koffer mit hinaufzutragen. Als FoAjF 5Pa B. den Bür�ffendln für seine Hilfe bezahlen wollte, � j«rchcn•• dieser in die geöffnete Geldtasche des jungen Mädchens VA und sah darin Goldstücke und Banknoten. WahrschGU wurde hierdurch in dem Manne die Begierde erweckt,.»?« den Besitz des Geldes zu setzen, und hierdurch leiste i» � der Plan zur That. Leider kann Fräulein Ä. eine gssU Beschrtibung des Attentäters nicht aeben. Die Khil»»y polizei forscht jedoch tiotzdem eifrigst nach ihm, J":df Hoffnung, daß sein zerkratztes Gesicht vielleicht»ut En» lung fahrt. Gine schweigende ttnterhalwng, ein stummes 3»$$ ......~" f hier auf Direktor Saison wünsher Un Berlin, sowie di fassende: der Iah den sind gesprä» mitten in dem geräuschvöllen Treiben eines Kaff'�Ä �usilch ci gehört sicherlich zu den Seltenheiten. Wer in einen Kaffee»� hauen. in der Beuthstraße hinabsteigt, um für 10 Pfennige ein'y Stande Tasse„Mokka" zu trinken und für weitere 10 Pfennig""J* I v|UV lütucic xv 4? w..„x* Stück Rapskuchen dazu zu essen, der blickt verwundert a»! c,n großen runden Tisch in der Mitte. Dort— so schildert ,Post"— fitzt eine Gesellschaft von Menschen, die ans «Ren Augenblick unheimliche Gefühle erregen. In ihren Ge- ""<;»/.( etwas Fremdartiges, fast Leidenschaftliches; be- wäiii° �Ktern liegt he mit den Händen in der Luft umher, und �«lihitf ständig fahren, «fnfftd» wenn sie einmal den Mund öffnen, so geschieht es nur, um die ' n, Zunge zu zeigen oder um einen unartikulirten Laut auszustoßen, ?0. j»> der dem unbecheiligten Hörer den Eindruck eines wehmülhigen ,«!> M Klagetons macht, den aber Deijmige, der ihn, ohne es zu wissen, t nlttä ausgestoßen hat, gar nicht vernimmt. Wir haben es mit einer ?�«iS Gesellschaft von Taubstummen zu thun. Einige von ihnen ■tmlifi s sen eifrig Zeitung, die Anderen richten ihre Blicke auf einen «»la> Mann in reiferen Jahren, der der politische Kannegießer deS > rtid« Greifes zu fein scheint. Mit großer Lebendigkeit streut derselbe 1 � mit gelenkigen Fingern seine Zeichen in die Luft. Sie über- „«j, stürzen sich bei ihm, wie bei manchem Sprecher die Worte. 4ni,drts 3hm schräg gegenüber sitzt ein finsterer Mann. Er scheint ver- �» B bittert und cholerischen Temperaments zu sein. Nur hier und iro>vjz, da wirft er mit hastiger Handbewegung ein paar Bemerkungen er ZkM fjie Diskussion und schlägt Da ert�' de wur» Schläge, das er selber nicht vernehmen kann, ?«-LI cuS' � � :me f«W rbrat� n gel Ein v.. ei fnuE hatte,» wurde«» der Lew? :n au« zFu werfen r fangen's :mc Akt mU(ol< r, den» Utf ckwerk neu der nach«5 ficht- I r 3«' ie, batl bei» o«? l>pe er ttÜl tenen V dabei fast jedes Mal mit der Faust auf den Tisch. DaS eigenthümliche Knallen dieser s"", dröhnt beständig dem lautlosen Kreise der Stummen herüber. Jetzt legt ein Zeitung nieder, in _____ ,1_____-. an, seine Meinung te jwtV Besten zu geben. Mit pathetischen, fast theatralischen Oderw?' Bewegungen macht er seine Zeichen und Winke. Er h nun schont ein solches Gefallen an der vollen Rundung und co ifrl Kraft seiner ausdrucksvollen Bewegungen zu empfinden, wie r J ein Redner an der schwungvollen Aussprache seiner tgegen»J Worte. Sein scharf geschnittenes, braunes Gesicht erinnert an Run? den genialen Schnitt der Cäsarenköose. Beständig zuckt es ltscher,* und blitzt es darüber hin, denn der Stumme spricht mit dem chaden?'Mienenspiel ebensowohl wie mit den Händen. Einen traurigen tembrt* Gegensatz bildet neben ihm der blasse, blonde Jüngling, mit lem H«? dem wcißen, krankhaften Gesicht, der sich müde zurücklehnt und J nur hier und da mit einem matten Zeichen sich an der Unter» ?der c v» Haltung betheiligt. Die Zeitung scheint eine aufregende Nach- straße vi ,richt enthalten zu haben. Das liegt auf den Mienen des M streif Stummen, der da an den Tisch tritt, ein Zeitungsblatt in der len, wo« Hand und zornig darauf hinweist. Alle antworten ihm in er- ;n SB"' regier Zeichensprache, sämmtliche Hände sind in fuchtelnder Be- * auMJ rocgung. Die lebhaften Grimassen verzerren die Gesichter in tn St«"- einer für den Unbetheiligten Grauen erregenden Weise. Zefestigwl Die Miene des schwarzhaarigen Zäsarenkopfes wandeln sich )£r U-b durch die beständige Kontraktion der Augenbrauen und die in atW? iedem Augenblick heroorgestreckte Zunge in das diabolische Ge- 'km» r ficht eines Mephisto. In diesem Augenblick tritt ein schlanker, 1 herrlich gewachsener junger Mann in das Lokal ein und nimmt den eleganten Hut vom braunen Lockenkopf, indem er sein ungemein sympathisches Gesicht dem Kresse der Stummen zu- wendet und mit eleganter Handbewegung das Zeichen des Grußes macht. Ist es möglich, auch diesem lebensfrischen jungen Manne mit dem geistreichen, bildhübschen Gesicht ist die. Gabe d-r Rede versagt? Er setzt sich nahe dem Tische der Anderen. Sobald er die ersten Zeichen gemacht hat, wendet sich die Unterhaltung ins Luftige. Beständig strahlt ein Harm- lose« Lachen auf seinem Gesicht, und es wirft schnell seinen '.Reflex auch auf die Züge der Uebrigen. Das oft laute Gelächter, das seine Witze hervorrufen, steht in grellem Gegensatz zu dem stummen Gespräch. Je länger man diesen Leuten zusieht, desto mehr verliert sich der unheimliche Eindiuck, und endlich ist es eine Lust, ihren Pantomimen zu folgen. Die Fingersprache, die sie in irgend einer Taub- stummenanstalt erlernt haben, bildet sich täglich, ja stündlich im lebendigen Gespräche mehr aus. Abkürzungen und Verschmel- zungen von Zeichen sind noch die geungsten Aenderungen. Das Wesentlichste ist, daß allmälig eine freie Bildersprache an Stelle der erlernten Zeichen tritt, eine Bildersprache, die je nach den Talenten des einzelnen Sprechers, jeden Augenblick vom Konventionellen abweichen und die Darstellung dramatisch be- leben kann. Der Beobachtungssinn schärst sich bei den Taub- stummen in staunenSwerlher Weise. Die Fähigkeit, stets das �Charakteristische an einem Dinge heraus zu merken, wächst unter dem Zwange der Verhälinisse. Ein Glas Bier, eine Kaffeetasse bezeichnet der Stumme dem Kellner bildlich; spricht er von einem anwesenden Menschen, so malt er m't seinen Zeichen Bart, Nase, Kinn u. s. w. desselben in der Lust.� In der Natur dieser Bildersprache liegt es, daß oft ganze Sätze mit einem Bild erledigt werden. Von keinem Zwange des Styls oder der syntaktischen Regel beengt, ent- wickelt sich diese Sprache frei, wie ein künstlerisches Schaffen. Da der Stumme mit seiner ganzen Person spricht, wie der Schauspieler auf der Bühne, da er plastisch gestaltet, wo der �'Redner nur Worte und Begriffe hat, da ihm nie der Athem w ausgehen kann, wie Demjenigen, der sich der Sprachwerkzeuge J bedient, und da endlich das Gesicht der einzige Sinn ist, der 1 ihn mit der Außenwelt verbindet, so ist dies„Sprechen" ' und„sprechen Sehen" ein leidenschaftlicher Genuß für den Taubstummen, und auch das Lesen betreibt er, um den beständige Todtenstille herrscht, mit viel inten- sioerer Andacht. Alle Berufe sind unter den vierzig Taubstummen vertreten, die in dem genannten„Kaffee" ver- kehren: Schneider, Schuster, Buchbinder, Schlosser u. s. w. ' � Aber auch unter ihnen giebt es Stellungslose, die man den erw»'»» ganzen Tag in jenem Lokale treffen kann. Viele sind auch vciheirathet, und zwar fast durchgängig mit stummen Frauen. Ein solches Ehepaar, das in dem genannten Lokale verkehrt, hat ein Söhnlein, das hören und sprechen kann. Die Meinung, haß der Taubstumme ein verbitterter, heimtückischer Mensch sei, schwindet bei dem ersten Blick, den man aus dieses Vöiklein wirft, das, vom Verkehr mit der übrigen menschlichen Gesell> fchaft ausgeschlossen, desto fester unter sich zusammenhält. Sie lassen niemanden gern an ihren Tisch, der nicht zu ihnen ge- böct, aber unter sich leben sie„freudvoll und leidvoll" wie an» dere Menschen. .. I'", Z�kus Neu? kam vorgestern Abend das große Aus- Itattungknuck„Leben und Treiben auf dem Eise", neu arran- girt und in Szene gesetzt vom Direktor E. Renz, zur Auffüh- rrung und hatte dieser Umstand die immensen Räume desselben nahezu gefüllt. Die Arrangements hinsichtlich der Situationen, Kostüme und BeleuchtungSeffekle waren anmuthig und stim mungSvoll und fanden höchst beisälliae Aufnahme, besonders effektvoll gestaltete sich der Schlittenkorso bei Schneegestöber und die Schlittschuh-Quadrille. Zirkus freunde— und wer ge hörte schließlich nicht dazu— werden stets bei Renz einen ge- nußreichen Abend verleben, dafür birgt die Höhe der Leistungen oller Mitwnkenden, das prachtvolle Pferdcmaterial und die Fülle des Gebotenen. Frl. Clotilde Hager als Schulreiterin te ä» sehen, ist allein schon deS Besuches des Zirkus Werth. Für Zeren die Lachmuskeln sorgen bestens die C-ownS Osschansky und ügte-? Godlewsky; sie sind auf ihrem Gebiete unschätzbare Kräfte und -te fi? 5 dringen selbst den ärgsten Griesgram in gehobene Stimmung. z Ft�Jj-�6 iParterregymnastiker ernteten die 3 Gebrüder Briatore üte,»Ä �chen und wohlverdienten Beifall. E§ würde zu weit führen, >enS IrrJ d>er auf weitere Einzelleistungen einzugehen; wir können Herrn hischeOT Direktor E.""'''..........~ ckt, ic in? ne Kr«-«? i, in.5 u Er»'' N Äl""',} 3' irr vcrÄ leiten:», , w-r.? und hjJ brlriA nten rine» saufe- it war, ist uniQ, wliche� und d HauSl»! ÄlZ ~— Renz und seiner Künstlerschaar für die Dauer der „st,0" nur volle Häuser und zahlreiche künstlerische Erfolge wuntchen. denjenigen perfo«««, welche aus dem die Stadt Berlin, die Stadlkrelje Potsdam, Charlottenburg und Spandau towie die Kresse Teltow, Niederbarnim und Osthavelland um- fajsenden Bezirk des kleinen Belagerungszustandes im Laufe der Jahre auf Grund des Sozialistengrsetzes ausgewiesen wor- den sind, haben im ganzen fünfundvierzig die Erlaubniß wider 'affi' �"fiich erhalten, sich in dem bezeichneten Bezirk wieder aufzu- Äassi* V Zeiten. Die mit dieser„Vergünstigung" Bedachten sind dem - ein« V Stande nach in der Mehrzahl Handwerker; ferner befinden sich fenni!�? unter ihnen drei Gastwixthe, zwei Kaufleute, ein Handelsmann «ul y und ein Rechtskonsulent. Viele r'''........" dert fU auf von ihnen befinden sich jedoch längst im Auslände und machen von der Erlaubniß keinen Gebrauch. PoUk-ibrricht. Am 16. d. MtS. Nachmittags stürzte ein an der Hmterseite des Hauses Anhaltstr. 8 angebrachtes Hänge- gerüst aus der Höhe des ersten Stockes auf den Hof herab und traf den unter dem Gerüst stehenden Malerlehrling Lüdke, so daß er eine starke Gehirnerschütterung erlitt. Von den beiden auf dem Gerüst befindlichen Dachdeckergesellen trug nur der eine unbedeutende Verletzungen davon, Lüdke wurde nach der Charite gebracht.— Zu derselben Zeit wurde auf der Baustelle Landsberger Allee 149 der Arbeiter Zylarski durch den Huffchlog eines Pferdes so schwer verletzt, daß er auf dem Wege zum Krankenhaus am Friedrichshain, wohin er gebracht werden sollte, verstarb.— Gegen Abend wurde der Privat- wächter Presser auf dem Holzplatze von Stolzenburg, Gerichts- straße 48—60, dadurch, daß ein beladener Wagen gegen einen Balken fuhr, auf welchem er saß, von demselben herabze- schleudert und erlitt am Rücken derartige Quetschungen, daß er nach der Charite gebracht werden mußte.— Abends wurde ein Bauunternehmer in seiner Wohnung in der FlenSburgerstraße erhängt vorgefunden.— Zu derselben Zeit fanden Gr. Frank- furterstraße 115, und in der Nacht zum 17. d. MtS. König- grätzerstr. 25 und Forsterstr. 4 kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. Goriihks-BKttmrg. Giner vom Schvertadel. Das bedauerliche Bild eines jämmerlichen Lebenslaufes in absteigender Linie zeigte sich gestern in einer vor der II. Strafkammer geführten VerHand- lung wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruges. Auf der Anklagebank saß ein hilfloser und gebrechlicher Greis, der Hauptmann a. D. AloyS Anton Wilhelm G e t t n e r, Vater mehrerer in Ehren aroß gewordener Kinder, jetzt 72 Jahre aU und obdachlos. Der Angeklagte ist, wie sich aus seinen Personalakten ergiebt, schon vor längerer Zeit vom Kriegsgericht wegen schwerer Urkundenfälschung bestraft worden und hatte sich nun wegen eines gleichen Verbrechens zu ver- antworten, welches schon 5 Jahre zurück liegt. Der in stetiger Geldverlegenheit befindliche Angeklagte lieh sich vor 5 Jahren von dem Schneidermeister Böhm, der für ihn und seine Familie arbeitete, den Betrag von 1200 M. Er schwindelte demselben dabei vor, daß er auf dem Gute Warnsdorf bei Rostock, wel- ches seinem wohlhabenden Vetter gehöre, eine Hypothek zu stehen habe; sein Vetter habe augenblicklich die Zinsen nicht bezahlen können, ihm dagegen zwei Wechsel eingeschickt, aus welchem er sich bezahlt machen solle. Der Schneidermeister gab denn auch auf diese Wechsel das Geld, nachdem der Angeklagte ihm weiter vorgeschwindelt, daß sein Sohn — ein aktiver Offizier— da§ Geld gebrauche, um eine Hochzeit mit umachen, auf welcher ihm selbst die Aussicht auf eine reiche Parthie geboten werden sollte.— Die Wechsel wurden am Verfalltage nicht bezahlt, sondern protestirt und der Angeklagte gab als Ersatz zwei neue Wechsel auf seinen Vetter Schröder, welche wiederum nicht bezahlt wurden und offenbar gefälscht sind. Die in Rostock angestellten Nach- forschungen förderten weder ein Gut Warnsdorf, noch einen Rittergutsbesitzer Schröder zu Tage. Es mußten aber auch noch weitere Recherchen in Polen angestellt werden, denn der Angeklagte behauptete plötzlich, daß sein Vetter in RostofS bei Lodz» ohne. Auch diese Ermittelungen bliebm erfolglos und als der alte Mann gestern wiederum bei dem alten Märchen verbleiben wollte, gelang es den ernsten Bemühungen seines VertheidigerS, Dr. S e l I o, ihn noch im letzten Augenblick zu einem vollen Geständnisse zu bewegen. Er bewahrte ihn damit vor dem Zuchthause. Der Gerichtshof folgte dem überein- stimmenden Antrage des Staatsanwalts und der Vertheidigung und billigte dem alten, mit einem Fuße im Grabe stehenden Angeklagten mildernde Umstände zu. Das Urtheil lautete auf ein Jahr Gefängniß. Gin- nicht nnint-rrssant- Anklage wegen Kana- frirdrnvbrnchs wurde gestern von der BerufungS-Straf- kammer des Landgerichts I verhandelt. Zwischen zwei in einem Hause wohnenden Paiteien, dem Polizeilieutenant M. und der Wittwe H. waren Streitigkeiten wegen Benutzung eines Kellers ausgebrochen, auf den jede Partei Anspruch machte. Die Stim- mnng war gegenseitig eine höchst gereizte geworden, als Frau H. eines Tages in auffallend energischer Weise die Klingel zog. Als die Magd öffnete, trat Frau H. sofort über die Schwelle und verlangte mit der Herrin zu sprechen. Dem Mädchen war aber aufgegeben worden, die Hausgenossin nicht vorzulassen und verweigerte derselben deshalb werteres Vordringen.„Sagen Sie Ihrer Frau, ich werde sie verklagen!" rief Frau H. mit so lauter Summe, daß sie drinnen in der Stube gehört und erkannt wurde, worauf die Frau Lieutenant ihrem Mädchen die Weisung zurief:„Machen Sie der Frau die Thür zu!" In diesen Worten wollte der Polizerlieutenant M. die Aufforderung erblicken, den Korridor sofort zu ver- lassen und da Frau H. nicht sofort ging, wurde sie wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Zwei Gerichts- Höfe, zwer Staatsanwälte und zwei Vertheidiger haben dann die Frage erörtert, ob in den erwähnten Worten der Frau Lieutenant:„Machen Sie der Frau die Thür zu" eine Aufforderung an die Angeklagte zum Verlassen des Kor- ridors zu erblicken sei oder nicht. Die erste Instanz rntschied zu Ungunsten der Angeklagten, die zu einer geringen Geldstrafe vemrtheilt wurde. In gestriger Verhandlung vor der zweiten Instanz vertrat Staatsanwalt Benedix die AnsiKt des Vorder- ruhtet«. Ganz unzweideutig liege in den erwähnten Worten die Aufforderung zum Verlaffen der Wohnung. Der Verthei- diger, Dr. Friebmann, machte längere Ausführungen, daß jene Worte nicht genügten, um den Begriff zu kennzeichnen, den der Strafantragsteller und der Vorderrichter hineingelegt. Die An- gekagte konnte ebenso gut glauben, das Madchen solle die Thür zumachen, damit dre Unterhaltung nicht von jedem Vor- übergebenden gehört werden solle, jedenfalls sei der Ange- klagten aber nicht bewußt gewesen, daß sie eventuell einen Hausfriedensbruch begehe. Diesmal folgte der Gerichtshof den Ausführungen des VertheidigerS und sprach die Ange- klagte frei. Die UnMänglichkeit der Kesoldung, welche die un- teren Postbeamten, namentlich die Posthilfsboten, empfangen, trat in zwei Verhandlungen gegen ungetreue Postbeamte in die Erscheinung, die am Donnerstag vor dem Schwurgericht am Langericht» stattfanden. Im ersten Falle war der ehe- malige Posthilssbote Karl Friedrich Albert Koch aus Kagel, bis Anfang März d. I. beim Postamt Herzfelde angestellt, ge- ständig, daß er am 15. Februar auf einem Bestellgange zwei Beträge von 3 und 4 M. empfangen habe, die er beim Post- amt auf Anweisungen einzahlen sollte. Er will dieses Geld verloren haben und da er dasselbe bei seinem unzulänglichen Gehalt aus eigenen Mitteln nicht ersetzen konnte, so wartete er, bis er am nächsten Tage einen Betrag von 12 M. erhielt, wovon er die am Tage vorher empfangenen Beträge deckte. Den neuen Defekt deckte er, als er am dritten Tage einen Betrag von 6 M. erhielt, und diesen letzterwähnten Betrag, indem er eine Summe von 67,70 M. angriff, die ihm am vierten Tage übergeben wurden. Den Rest der Summe ver- wahrte er bis zu dem Augenblicke, wo ihm eine neue Summe anvertraut werden würde; aber dieser„Augenblick" ließ vier Tage auf sich warten und währenddem kam das Vergehen an das Tageslicht. Da die hinterzogenen Beträge erst in dem Augenblicke in das Annahme- Register eingetragen werden konnten, indem sie bei der Post eingezahlt wurden, so lag auch Urkundenfälschung vor, denn die Eintragung hatte in drm Augenblicke erfolgen müssen, in welchem der Postbat« das Geld vom Absender empfing. Die Geschworenen nahmen nur drei Fälle der Unterschlagung und Urkundenfälschung an, billigten auch mildernde Umstände zu. Demgemäß lautete das Urtheil auf acht Monate Gefängniß. Im zweiten Falle war der Posthilfsbote Ernst Karl Wilhelm Fischbach aus Teltow angeklagt, eine Summe von 9 M., die ihm zur Ab- lieferung an die Post anvertraut war, unterschlagen und zu- gleich eine Fälschung begangen zu haben. Der Angeklagte er- hielt monatlich 36 M. Gehalt und 2-4 M. sogenann'e Äbtraggelder. Davon hatte er Zahlungen an die Post- kleidungS- und an die Pensionskasse zu zählen. Obwohl ru noch monatlich 10—12 M. mit Musikmachen verdiente, so war er doch stets in Roth, weil er noch eine alte Mutter zu er- nähren hatte. Am 4. Mai übergab ihm eine Dienstmagd 9 M. zur Uebermittelung an die Post, in seiner Rothlage ließ er sich verleiten, das Geld zu unterschlagen. Als ihn nach einigen Tagen die Absenderin um den Einlieferungsschein mahnte, ver- schaffte er sich ein leeres Formular, das er ausfüllte und mit dem Namen des Postsekretärs unterzeichnete. Die Sache kam bald heraus. Auch ihm bewilligten die Geschworeneu mil- dernde Umstände. Das Urtheil lautete ebenfalls auf acht Monate Gefängniß. Wegen Mün, verbrechen» hatte sich die verehelichte Techniker Marie Karoline Juliane Fullrich, geborene Wenzel aus Neu-Weißensee am Dienstag vor dem Schwurgericht am Landgericht II zu verantworten. Die Angeklagte hat wegen desselben Verbrechens bereits im Juli v. I. vor demselben Ge- richtshofe gestanden und zwar in Gesellschaft ihres MmneS, des Technikers Fullrich, der Pfennig- und 2-Pfennigstücke da- durch verändert hatte, daß er die Werlhzahlen 1 und 2 weg- kratzte und die Zahlen 5 bezw. 10 hineingravirte. Diesen ver- änderten Münzen hatte er alsdann mit Quecksilber ein weil- liches Ansehen gegeben und seine Frau hatte dieselben als Nickel- münzen bei kleinen Einkäufen in Verkehr gebracht. Die Frau war damals nur wegen Münzvergehens und mit Rücksicht auf ihre notorische Noihlage mit 10 M. Geldstrafe oder 1 Tag Ge- fängniß verurtheilt werden. Diese geringe Strafe mag wohl die Frau dazu veranlaßt haben, die damals noch in ihrem Besitz gebliebenen verfälschten Münzen auszugeben, nachdem ihr dics eine Zeit lang gelungen war, wurde sie am 11. November da- bei abgefaßt. Diesmal wurde sie des MünzverbrechenS(Aus- gäbe falschen Geldes, das sie sich zu dem Zweck der Veraur- gabung beschafft), schuldig gesprochen und zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Gl« alter Maua, dem es gelungen ist, die Jugend einer ganzen Stadt der Gefahr sittlicher Verwahrlosung auSzusetze stand gestern in der Person des etwa 60jährigen Schneider- meisterS Johann Wilhelm Gallina aus Nauen vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II. Der Angeklagte wurde mit Hilfe eines umfangreichen Zeugenapparates überführt, in 23 Fällen mit Schulmädchen unzüchtige Handlungen vorge- nommen zu haben. Der Vertreter der kgl. Staatsanwaltschaft wies in seinem Plaidoyer auf die Gefahr hin, daß die Kmder, welche durch den Angeklagten einen sittlichen Defekt erlitten, ihre Alters- und Spielgenossen in moralischer Beziehung infi- ziren könnten, und beantragte für jede der 23 selbstständigen Handlungen eine Einsatzstrafe von einem Jahre Zuchthaus, d e er auf insgefammt zehn Jahre abzurunden anheimstelle. Der Gerichtshof erkannte auf fünf Jahre Zuchthaus. Gutschelduuge« des Reichsgerichts.(Nachdruck ver- boten. Leipzig, 14. Oktober.(Die Folgen eines Heiratht- gesuches.) Ein gewisser Kalledey in Berlin wußte eines Tages nichts besseres anzufangen, als ein Heirathsgesuch zu veröffent- lichen. Seine Vorzüge stellte er dabei in das beste Licht, um das Prädikat„begütert", welches er der gesuchten Dame bei- legte, gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Da es, zumal in einer Weltstadt, sehr viele heirathslustige Damen giebt, so erhielt er auch eine ganz ansehnliche Zahl von Angeboten, darunter auch dasjenige eines Dienstmädchens M. mit 1800 M. Dem K. war es weniger um eine Frau, als um das Geld zu thun, denn er wollte sich in der nicht mehr ganz seltenen Profession der Heirathsschwindler weiter aus- bilden. Da Frl. M. ihre Gelder aus der Sparkaffe stehen hatte, dieselben also leicht zugänglich waren, so knüpfte Kalledcy schleunigst eine nähere Bekanntschaft an und suchte sich in ihr Vertrauen einzuschleichen. Dies erreichte er hauptsächlich durch die Mitwirkung der unverehelichten Wilhelmine Karoline PeterSdorf, mit welcher er bereits in näheren Beziehungen stand. Er hatte nämlich die M. zu einer gewissen Stunde in feine Wohnung bestellt, nachdem sie ihm schriftlich mitgethei t hatte, daß sie nicht abgeneigt sei, ihn zu heirathm, und dann war er von Hause fortgegangen. Die M. traf dann in der Wohnung Kalledey'S dessen„Wirt hin", die PeterSdorf, die sich als verheirathete Frau geriete. Das Gsspräch der beiden Personen lenkte sich nach den ersten Worten auf die Eigenschaften und die Vermögenslage des Kalledey. Die PeterSdorf wurde gar nicht müde, den K. loben und bemerkte mehrmals, derselbe lebe in den besten Ver- hältmssen und habe sehr gute Einnahmen. Während der Unterhaltung kam zufällig ein Telegramm an Kalledey arv welches von der PeterSdorf geöffnet wurde. Der Inhalt wcr der, daß ein Hauptmann K.. in Potsdam schleunigst 3000 M. erbat, die er für einen Wechsel zahlen müsse. Dieses Telegramm wtr aber nach vorheriger Verabredung mit der PeterSdorf von Kalledey selbst ausgegeben worden. Nachdem die PeterSdorf der M. das Telegramm gezeigt hatte, sagte sie:„Wie schade, wenn man doch das Geld gleich hätte, so könnte man leicht 300 M. verdienen. Die M. ließ sich hierdurch zwar noch nicht bestimmen, ihr Sparkassenbuch herzugeben, aber ihr Vertrauen zu Kalledey, der solche feinen Kunden besaß, wuchs immer mehr. Als dann Kalledey selbst kam und die Schleußen seinrr Beredtsamkeit öffnete, da konnte die M. nicht mehr wider- stehen und im Vertrauen auf die Richtigkeit der Angaben der PeterSdorf und auf das Heiraths- Versprechen des Kalledey gab sie diesem nicht nur ihr Sparkassenbuch über 1800 M., sondern auch noch 40 M. baar. Am nächsten Tage kamen ihr verschiedene Bedenken, und sie ging deshalb zu Kalledey, um das Sparkassenbuch zurückzufordern. Kalledey, der bereits 1136 M. abgehoben hatte, weigerte sich, das Bach zurückzugeben und sagte, er habe schon alle« abgehoben. Die Unterhaltung wurde nun sehr erregt und Kalledey wäre gewiß sofort der Gerechtigkeit überliefert worden,„ wenn nicht die PeterSdorf wieder für ihn eingetreten wäre. Sie kam aus dem Nebenzimmer, ,sagte,„ihr Mann" dulde solche« Ge- räusch nicht und sagte, die M. möge sich nur beruhigen, Kalle- dey lebe doch in den besten Verhältnissen und habe erne so an- ständige Gesinnung. Für diese Beihilfe zahlte Kalledey der PeterSdorf 150 M. Als später die M. einsah, daß sie betrogen war, trank sie Schwefelsäure und starb daran. Das Gauner- paar, welches diesen Selbstmord auf dem Gewissen hat, wurde nn Mai d. I. wegen Betruges verurtheilt.— Die PeterSdorf hatte Revision eingelegt und behauptet, dre Feststellungen be- züglich ihrer Person reichten zur Annahme eines vollendet«, Betruges nicht aus; das Reichsgericht verwarf indessen dar Rechtsmittel als unbegründet. Ssztslo DtrlieustUtk. A« der Firma Leopold Königsderger» Trikotfabrit. Leipziger str. 72, wurde den Arbeitern und Ardeiterinnen cm 9. d. M. durch Anschlag bekannt gegebe», daß vom 14. d. M. Lohnabzüge bis zu 30pCt. stattfinden. Dies konnten sich die Arbeiter um so weniger bieten lassen, als die Löhne in dieser Branche schon äußerst gedrücki sind. Nach Rücksprache der Kommission mit dem Chef erklärte derselbe, daß die alten Löhne weiter gezahlt werden sollten, doch hat er sich be- mühigt gefunden, am Sonnabend drei seiner ältesten Ar- beiter zu entlassen, was von den übrigen Kollegen und Kolleginnen als eine Maßregelung aufgenommen wurde. Nun- mchr haben sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen die Ar« beit niedergelegt. Wir bitten sämmtliche Kollegen und Kolleginnen in ihrem eigenen Interesse, bei genannter Firma keine Arbeit anzunehmen. Der Vorstand des Berliner Wirker- gefellen-VerbandeS. Vj;v(ommlrmgc»r. Giue gut besuchte Versammlung des sozialdemokrati- scheu Wahlvereine des 6. Berliner ReichStagSwahlkreiseS tagte am Dienstag, den 15. d. M., in Lehmann'« Salon. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Wernau über die ökonomische Lage der Arbeiter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes arnd Fragekasten. Redner begann mit einem Spruch von Abraham Lircoln, welcher sagte: Die Menschen sollen weder Herren noch Knechte sein, denn alle Menschen sind zur Freiheit geboren. Redner führte aus, daß einer der größten Denker des AlterthumS das ganze Menschengeschlecht in zwei Klassen theilte; in freie Menschen und in Sklavennaturen. Die Hellenen, so behauptete er, waren vermöge ihrer freien Natur zum herrschen, die barbarischen Rassen dagegen zum beherrscht werden und zu Sklavendiensten geeignet. Sklaverei aber und Sklavenarbeit hielt er für eine soziale Nothwendigkeit und für die materielle Grundlage des Staats. Denn, meinte er, wären die freien Bürger verpflichtet, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, wo sollten sie Zeit und Muße hernehmen, die Staatsgeschäfte zu besorgen? Doch findet sich bei Aristoteles eine sonderbare Anschauungsweise, wie die Sklavenarbeit zu ersetzen wäre: Würde ein unbeseeltes Werkzeug erfunden werden, das im Stande wäre, die Arbeit des Sklaven zu ersetzen oder nach Befehl oder den Befehl im voraus ahnend alle Arbeit zu »errichten, dann brauchten weder die Herren Sklaven, noch die Me kmeister Gehilfen. Man wisse, daß dieser Zustand auf die natürlichste Art und Weise von der Welt, durch Einsichtnahme in die Naturgesetze und Naturkräfte jetzt erreicht sei. Was einst den Weisesten der Griechen unmöglich schien, vollzieht sich tag- täglich vor unseren Augen. Doch wie hat das Wunder ge- wirkt? Ist der Erfolg eingetreten, welchen Aristoteles sich da- von versprach? Durch die großen mechanischen Erfindungen ist der Stationalreichthum ungeheuer gestregen, doch das Laos der arbeilenden Klassen ist nichts weniger denn erleichtert. Würde man an der Hand der Erfahrungen diese Aristoteles'sche Phantasie weiter verfolgen, nehme man an, in einer späteren Gesellschaft wären sämmtliche Arbeitsmittel sowie Grund und Boden noch immer im Sonderbesitz, obwohl die Mechanik auf eine derartige Spitze gebracht wäre, daß die Maschine mittelst der Maschine angefertigt würde, hätte dann weiter das Großkapital vermöre seiner Anziehungskraft sämmtliche Kon- kurrenten aus dem Felde geschlagen, so daß ausschließlich ein paar Individuen sich im Besitz aller Existenz- und Lebens- mittel befänden und zwar nach der heutigen Anschauungsweise von Rechtswegen, was bliebe der großen Masse weiter übrig, als die bestehenden Zustände sei es durch List, sei es durch Ge- malt, umzugestalten? Bei diesen Worten erhob sich der über- wachende Beamte und löste die Versammlung auf Grund' des § S des Sozialistengesetzes auf. Beschwerde wird erhoben. Ziufruf an alle Arbeiter K erlins! Arbeiter Berlins, es ist nachgewiesen, daß bei vorkommenden Unglücksfällen auf Bauten, Plätzen und in Fabriken die Arbeiter größtentheils nicht wissen, was sie mit den Verunglückten anfangen sollen, che der Arzt eintrifft, darum hat sich im Jahre 1L88 von Ber- liner Arbeitern ein LehrkursuS gebildet, welcher die Arbeiter durch einen Arzt unterrichten will in Anlegung von Verbänden, sowie Transport Verunglückter. Diese Lehrstundm werden ditdlich durch Vorträge über die inneren und äußeren Organe des menschlichen Körpers, sowie durch praktische Handhabung, Anlegung von Verbanden durch vorhandenes Material, ver- anschaulicht. Auch geht das Bestreben des Theilnehmer dahin, daß die Arbeitgeber, ganz gleich welcher Branche dieselben an- gehören, für Verbandsmaterial(Binden und sonstiges Material) zum Reinigen und Verbinden der Wanden Sorge tragen sollen. Diese Vorträge und praktischen Uebungen beginnen am 21. Okiober und dann alle 14 Tage, Abends 8� Uhr, in Feuerstein's Tunnel, Alte Jakobstr. 75, und werden von dem prakäschen Arzt Dr. Bernstein, Mittenwaldcrstr. 2, nach dem System des Professor Dr. Esmarch, geleitet. Dieser Lehr- kuisuS ist nicht mit den Sanitäiskolonnen oder sonstigen Samaritervercinen zu vergleichen, sondern desteht nur aus Ar- b-itern oder sonstigen Theilnehmern, welche sich der Sache widmen. Zu wünschen wäre es, daß jede Person sich mit der Sache befassen würde, da Unglücksfälle keinen Tag ausbleiben, auch diese Methoden in jedem Hausstand angewandt werden können. Nur diejenigen Personen sind ausgeschlossen, welche noch nicht das 18. Lebensjahr überschritten haben. Auskunft e lh eilen bereitwilligst die unterzeichneten Vorstandsmitglieder. Um rege Betheiligung, sowie um die weiteste Verbreitung dieses Aufrufs bittet der Vorstand des Lehrkursus der Berliner Ar- beiter zur ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen. Josef Schmidt, Lausitzerstr. 3. Gustav Dietrich, Verl. Winterfeld- 216. Neumann, Rcichenbergerstroße 120. O. Schütz, Wasserlhorstr. 73, Mögelin, Blumenstr. 67a D»r Fachu-r-i« Mas-, Masser-, Aeizungs-R-Hr- leg»r und Berufsgenossen BerirnS hielt am Sonntag, den 13. Oktober d. I.,>n Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75, feine regelmäßige Miigliederversammluug mit folgender Tages- ordnung ab: 1. Vortrag des Herrn Boelsche über die Darwin's che Lehre. 2. Diskussion. 3. Wahl eines VergnüaungS- Komi ees zum Wintervergnügen. 4. Verschiedenes und Frage- kästen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vor- sitzrnde des Ablebens des Kollegen Otto Brandt. Die Ver- sammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Zu Punkt 1, Vortrag über die Darwin'sche Lrbre refirirle Herr Boelsche. Dcr elbe löste unter dem Bei- fjll der Versammlung seine Aufgabe. Punkt 2„Diskussion" fand nicht sta.t sodaß sofort zu Purkt 3„Wahl ein es V-�nügun gs- !omitecs"aes»ritien wurde. Gewählt wurdendre Kall. Maschmann, Karpcnk.el, König, Hübner und PmnSkr; dieselben werden zu- gleich beauftragt, ein passendes Lokal zum Vergnügen zu besorg?«, jedoch nur ein derartiges, welche- zu allen Versamm- lungen der Arbeiterschaft zu vergeben rst. 4. Punkt, Verschle- denes und Fragekasten. Kollege KrebS macht dre Mitglieder auf 8 5 l des Statuts aufmerksam,„daß 6 Wochen mrt Ber- trag im Rückstand verbleibende Mitglieder strllschwergend aus dem Verein ausscheiden. Ferner wurde beantragt, dre Ver- sammlungsberichte regelmäßig in der ersten Woche nach der Bcrsammlung in die„Metallarbeiterzertung" nn setzen zu lassen. P'tilionSlisten zur Beseitigung des denaturirten SpirrluS lagen zur Unterschrift aus, es wurde auch beschlossen, dieselben rm Arbeitsnachweis zur Einzeichnung auszulegen. Zum Schluß g. langte ein Antrag zur einstimmigen Annahme,„vom Molkerei- dlfitzer Bolle, Moabit, keine Produkte mehr zu entnehmen". Ruch Erledigung des Fragekostens schloß der erste Vorsitzende, ouf die am 27. Oktober staltfindende FachvereinSversammlung aufmerksam machend, di-Versammlunki.. � �„ Der Verein jnr Wahrung der Z Nieresse» siimmt- Ucher Lartrirer BerlrnS und Umgegend hielt am 14. Oktober m Wollschläger'S Lokal eine Versammlung ab. Der 1. Punkt tz« Tage- ordnung: Vortrag über GewerbeschiedSgerichte, wurde abgesetzt, weit der Referent am Erscheinen verhindert war. Zu Vcwschredenem sprachen der Vorfitzende Jungermann und dre Herren Schüßler und Nahrhaft sich dahin aus, daß endlich die Lackrrer auch in die Reihe der überzeugten Arbeiter treten mögen. Dies könnten sie aber nur dadurch b-weisen, daß sie sich Mann für Mann dem Verein anschlössen. Im weiteren wurde an der Hand treffender Beispiele vom Kollegen Schüßler nachgewiesen, wie sehr das Solidaritätsgefühl bei anderen Ge- werkschaften schon Platz gegriffen habe. Kollege Anders hatte wiederum Veranlassung, einen Mißstand der Eckert'fchen Maschinenfabrik vorzufuhren. Derselbe besteht darin, daß in einer Werkstatt in der I. Etage sogenannte Brückenübergänge sich befinden, auf denselben aber Arbeiter ununterbrochen be- fchäftigt sind. Unter diesen Brücken im unteren Raum befinden sich mehrere Schmiedefeuer, wodurch die Arbeiter, die auf der Brücke beschäftigt find, unausgesetzt den Dunst und Qualm einzuathmen haben, ohne daß genügende Ventilation vorhanden ist. Ferner wurde in die Arbeitsnachweis-Kommission an Stelle des ausgeschiedenen Kollegen Fechner, Kollege Wegener gewählt. Sodann wurde eine Resolution angenommen, in Familien- kreisen dahin zu wirken, die Produkte des Klingel-Bolle nicht mehr zu kaufen und auch das Bier der Brauerei Friedrichs- Hain nicht zu trinken. Giue öffentliche Korbmacher« eesamrnlung tagte Adalbertstraße 21, mit der Tagesordnung: 1. Die Nothwendig- keit unserer Organisation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Herr Fuchs, der den Vorfitz führte, ermahnte die Kollegen fest zusammen zu halten und die Vereinigung, die Jahre lang mit vieler Mühe aufiecht erhalten worden, zu stärken. Herr Niclsch sprach in demselben Sinne und erörterte die traurige Lage des KorbmachergewerbeS. Zu„Verschiedenes" nahm Herr Krüger das Wort und sprach über den in Anregung stehenden Korbmacher- gesellenkongreß für Deulschand. Hierauf verlas Herr Fuchs einen Privatbrief von Maadeburg-Sckönebeck-Buckau, in dem« selben wird ebenfalls die Nothwendigkeit betont, eine Vereint- pung für ganz Deutschland zu gründen und darum ist es eines jeden Kollegen Pflicht, sich der Organisation anzuschließen. Herr EgaerS stellte den Antrag auf Vereinigung beider Kommissionen, derselbe wurde angenommen. DaS Schlußwort erhielt Kollege Äroßmann. Derselbe ermahnte die Kollegen, recht vorsichtig in den Werkstätten zu sein, da er vor drei Jahren mit einem gewissen Ferdinand Wolf zusammen gearbeitet habe, der ihn jetzt wegen Verbreitung verbotener Druckschriften benunzirt habe. Die Folge war eine HauS« suchung bei Kollegen Großmann, wohnhast zur Zeit Grenzstraße und nicht Grimmstraße, wie es im„Volksblatt" irrthüwlich hieß. Gefunden wurde nichts. Dieser Rede schloß sich Herr Fcchner an und b> achte sodann den Fall Siebert zur Sprache. Er forderte sämmtliche Kollegen auf, Siebert und Ferdinand Wolf aus der Organisation auszuschließen. Hierauf erfolgte der Schluß der Versammlung. Dir Mitglieder der Zentral- Krankenkasse der Maurer u. s. w.„Grundstein zur Einigkeit"(Verwaltung Berlin II Stuckateure) hielten am Sonntag, den 13. Oktober, in Zemter'S Salon, Münzstr. 11, eine Versammlung mit fol- gender Tagesordnung ab: 1. Abrechnung des 3. Quartals 1389, 2. Wahl eine- Revisors und eines H lfskassi-crs für tun Osten, 3. Wie verhalten sich die Mckgliedcr gegenüber den Ab- machungen der Kommission freier eingeschriebener Hilfskassen mrt den Aerzten behufs der Honorar-Ermäßig.ng in Krank- heitsfällen? 4. Verschiedene Kassen- Angelegenheiten. Zu Punkt 1 veilaS der Kafsirer die Abrechnung. Einnahme pro 3. Quartal 363 M. 30 Pf., Bestand vom vorigen Quartal 337 M. 31 Pf., Summa 701 M. 11 Pf. Ausgabe für Kronken- geld, Arzt, Medizin u. s. w. 108 M. 57 Pf., an die Harrvt- lasse eingesandt 200 M., am Orte behalten 392 M. 54 Pf., Summa 701 M. 11 Pf. Da gegen den Bericht Einwendungen nicht gemacht wurden, eeiheilte dre Versammlung dem Kafsirer Decharae. Zu Punkt 2 w rd Herr Großmann zum Revisor und Herr W. Schulz, Werdenweg 5, als Hilfskassirec für den Osten gewählt. Im dritten Punkt der Tagesordvm g wiid Herr E. Schmiedel als KommissionS-Mitglied der freien»ing schriebenen Hilfskassen gewählt. Zum Schluß machte der Bevollmächtigte den Krankenbe'uchern auf ihre Pflichten oukme Fam. Der Fachverein der Nischtrr(Ost-Bezirk) tagte am 10. d. M. in Wollschläger'S Salon, Blumenstr. 32. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vwtrag des H.rrn Schmidt,„der Kamps ums Dasein". 2. Diskussion. 3 Werkstattangelegen- heiten. 4. Vereinkangelegenheiten und Verschiedenes. Nachdem das Protokoll dcr vorhergegangenen Versammlung ver- lesen und genehmigt, beschließt die Versammlung den Vortrag wegen des schwachen Besuckes von der Tagesordnung adzu- setzen. Zum 3. Punkt der Tagesordnung: Werkstattangelegen- heiten wurde der Wcrkstattkonlrolkommisfion viele Werkstätten des Ostens bekannt gegeben, in denen 10 Stunden und dar- über gearbeitet werde. Zu Vereinsangelegenheiten und Ver» schicdencs bemerkte Kollege Rande, daß in seiner Werkstatt und in verschiedenen anderen kein Fragebogen abgegeben worden. Hierzu bemerkte Kollege Schade, daß solch« unbedingt von den Meistern unterschlagen worden sein müßten. Kollege Rogge- mann berichicte über einzelne sehe interessante Vorkommnisse in der letzten Meisterversommlung. Zum Schluß forderte Kollege Schade auf, alle Versammlungen des Vereins, sowie auch alle öffentlichen Tischlerverkammlunaen recht rege zu besuchen. I« einev am 1V. Gktober stattgehabten Versammlung ist die Gründung der„Freien Vereinigung der Kaufleute" voll- zogen worden. Zweck des Vereins ist die Förderung der materiellen und geistigen Interessen der kaufmännischen Ange- stellten männlichen und weiblichen Geschlrchis. Als Vorstand wurden die Herren Albert Aueibach, Kotlduser Damm 7; O. Prockat, Stralaueibrücke 3; Albert Eckstein, Annenstr. 24; Albert Wilde, Kl. Hamburgerstraße 13 14; O. Lrsck, Naunyn- straße 61 11, gewählt, und sind event. BeitnltSerklärungen an einen dieser Herren zu richten. »» » «roß» iisfintttch» K1»t«m»p-V»rs>»«imlung am Freiing, den 18. d., Sbendi 8 Uhr, Im Lokale Könl�shos, BiUowsiraßc Z7. Tagesordnung i I. SJoriiag dei Herl n Dr P. Christ. II er gder: ,Dte Lunge' 2. Dai Ekem> inehgewerhe im Mltielaiicr und Prehlusliveiizeuge. Reseient r Herr Jeschlg 8 Geirerklchaslllchei. Der Wicktlgkttl Meier«ersammwna wegen soll r.ln Clelnmetz von Berlin abwesend sein und wird um zahiretchen Besuch gebeten. «roh» Sffentrich» tz>»rsan»»nlung sammtiichrr in d»r Kisten- fabrikation beschäftigten Arbeiter am Kicllaa. den 18. Oktober,«bend» 8X Uhr, im Lokale des Herrn kchrrndt(Süd On!, WaldemarsNahe 75. Togei- ordnung: 1. Wie stelle» sich die Berliner Klstenmacher dem parttellen Streik ln der Patent.jtlltensabrlk(Ä-G.) und des H. Schalling gegenüb-r? 2 Ber- schiedenei «effentlich» WLttleruerfamnitnng be» 17. Konenennat Ntaht- beiirke« am Freitag, den 18. Oktober cr. SldendS 8 Uhr. in str leger'» Salon, Wasserigorstraße 08. Tagesordnung 1. Dle beooril-heuden Stadtverordneten- wahien. Rcterent; H. Nödke. 2 Diskulslon. 8. Wahl eine« Bejirkskornttee» Um recht zadtrelchen Besuch wlrd gebeten. «»ff-nttich» StätsUTUfrsammlung de» 35, Kommnnat Ma>>t. b»ntsch»r I»ait»rg,f»U»n Mitgliedschast verlin. halt reitag, den 1«. Okt-trer. Abend» 8tz Uhr in Zemter'S Saat, Biünzslr. II, eine«er sarnmiung ab. Tagesordnung I.»rd-il»„it und«rbeitSlohrr. deren Einfluh aus die Lebenshaltung de» strdeilerstande». 2. Diskussion. 8. Quartal». : i um linn..1 bericki. 4 Verschiedene» und Frogckaftrn. Um zahlreiche» Er fr ersucht. Kennt,»«- und Kigräbnitsttass» d»n Nrreinn fSmmttl. ruf«kln|T»n(Berwasrungiftelle 8) Btitgiiedcrvcrsammlung, Sonnabo 19 d. M, Abend« 8 Uhr, in Wölfl'» Restaurant, Brunnenstr. 85a. Ei! kommen. F»chv»r»in der papi»rardeit»rinn»n und verwandter) gcnoflen. Sonnabend, den IS. Oktober, Abend« S Uhr, in Sahmt Annenflr. 16, Bcrsaminlung Tagesordnung r Bortrag de» Her Doliniki über r Regelung der AibritSzeii. 2. Diskussion. 8 Verfitr Kragekasten. Käste, Damen und Herren, haben Zutritt. Nach der Buir» geselllge» Beisammensein. K»r»i« inr Negetnng der gen, erblich»« perhäliniN'» der» Sonnabend, den Ig Oktober, erste» EtistungSsest im Schweizer-»? Friedrichihain). Billet» isür Herren 50 Pf.. Dam n 25 Pf.) sind suM den Herren Richard Schulz, Ehaufleestrahe 8». Holz, Angermündelp «raffrrnder(Restaurant) Ziethen- und Schwerinstrasjen-Eckc r ß' Frankfurter Allee Iii. Werschke,«dalbertftratze 16, und im Ar belli« Dretdencrstrasje 116. 5U lebt« bieajährige«eneentoer fannnlnng der strarrb Begräbnihkafle chirurgischer Jnftrumcntcnmachcr, Barrdagisten und genossen(E H. Nr. 55) findet am Sonnabend, den lg. Ok'ober, Abendi» im Lokale de» Herrn Riedel. Neuäadflsche«irchstraje 15, statt. Ose il«? neuer Mitglieder findet beim Vorsitzenden Herrn S. Taharntke, Zoffeiti» sowie beim«asfirer Herrn H. Weidmann, Pbilipvstr. 21. statt verein ,nr tzpastrnng»er Knieretfen d»r«ifchl»r. S � fest am Sonnabend, den IS Oktober, in den Bürgersalen, DreSdennsd» BillrtS hierzu.» 80 und 50 Ps., sind bei folgenden Herren zu hoben r- Fruchtftrafle 58 Hof 8 Tr. r Fölmer. SolmSsttatze 80 vorn 2 Zw 1 Naunvnstratze 20 Hof 2 Tr; Pietike,»dmiratftratze 88 Hos 3 Tl. Krnnk»«. nn» KegendnisSkair» für die im Kertiner nn»«rnn„nr-««w»rd, befchäftigien p»rfon,n(E H, Sonntag, den 20. Oktober. Vormittags IOX Uhr. in dm Zenttal- O-aniensiratz- 180, auhcrord-nlliche G-ncraiocrsammlung. Tagei� I. Rechnungiiegung de» Rendarlrn. 2. Sialutenänderung aller de» gesammien Slainli. 8. Stellunonabme der Mitglieder zum. veiband. Etwaige Anträge müssen späteslenS bii Freitag, den schrisllich an den Vorsitzenden Otto«lein, Ritterstratze 15 pari.. werden Ouittungibuch l-gilimirt KrnnKen- nn» Kegenbnistknir,»,» verein« lammtli»'. rnf«i,lnlf,n. Berwailurrgssielle 5(Moabi». Vcrsllmwlima. SonnMJ mittag lOtz Uhr bei Faikendaaen, Bandeistratzi 10. Tagesordnung r N der Vornandisitzuna- jkasienberichl, Verschiedene» r Fragckaftcn." dcr Protokolle willkommen. Aurstan» striedenm. Oeffentiiche Tischlerrrersammlung am den 20. Oktober, VoimtttrrgS I0tz Uhr, sür Friedenau, Steglitz rmd Tagesordnung; I Zweck und Ziele der gewcrkschasilichcn Organisafilrsi„ Kollrge Wiedernann. Berlin. 2. Diskussion. 8. BcrlchiedmeS Um M Erscheinen wird eisrrcht. Aentrnt-Krnnben- 6. Okioott ftndct sich der unmiaeliliche ArbcirSnachwciS dei Fgchotreini der Atdl Berlins nicht mehr Ritterstr. 84, sondern Sdalbertstr. 4. be! Herschstst- 8-g SonniagS 10- Ii lldr. vefang-, Snrn- nn» gesellig» verein» am Freilag.{ss Männergesangncrcin Abends 9 Ubr im Restaurant Tamm, SchönhlNN? — Gelangneretn.Pauiebeutet'' Abends 8 Uhr im Restauranl Henfn- drinenstr>5.—.Litderiascl der Pialer und verwandter Bcruiee AbeildS g Ubr im Rcslauiaiit Äitine, Brandenburgstr. 60.— Buchhsudil chor Abendi 8X Uhr Annenstr. 16.— Gesangverein.Flöler'äic* Quartett' AberrdS 9 Uhr Im Restaurant Musehold, LandSbergw Mc angverein.Fortlchrftt' Abend« 9 Uhr im Restaurant. Blurnenstv Gesangverein.Echo 1872' AberrdS 9 Uhr Waldemgrstraße 12. R-ue werden aufgenornrnm.- Gesangverein.Osstan' Abends 9 Uhr nt l»¥n5? Hunvert Iche Sänger-Verelnigung 1�. Abend« 9 lldr bei Niest, Wcbersir 17.- Getangvcret» Sängcrhap� 9 Uhr Adalbertstr. 21.— Liedertasel de« FachvereinS der Sleinirätz?, «bk«dS 8 Uhr Große Harnburgerftr. 4 UebungSstunde.- S>eiäNr!«L sorge' Abendi 9 Uhr, Restaurant Rcuher, Alte Jakobstr. 83.— Widerhall' Abend« 9 Uhr bei Herrn Boge, Köruiickerstr. 191.— .Lorbeerkranz' 8Z( Uhr Restaurant Weinslr. II.— Berliner schafi(Fünfte Männeradlheilnng) Abend« 8X Ubr in der städtisibs» Wasterthorstraße 81.— Turnverein.Hasenhaide"(Piänncrabthestlwsfl» 8 Uhr Lieffenbachstraße 60—61.— Turnverein„Froh und Frei. ablhetlung) SbeirdS 8l< Uhr Bergstraße 57.— Wiffenschasllichcr Roller'sche Elenographte Abend« 8Zs Uhr im Restaurant Ziethen,., straße 81, Nnlerrtckrt und UebungSstunde.—.Allgemeiner Arcrib« arapdenverein', Adlheitung„Vorwärts", Abends 8tz Uhr im ilttttl�?) Mariannenptatz II.— Arends'scher Etmographenvereili„Apollobu»!zg 9 Ubr im Restaurant, Smdelstr. 80.—„Verein ehemaliger Dr. Deeo?' Schüler" Abend« 9 Uhr tm Restaurant Krebs, Frtedrichslraße 208."T Diletlanlcn-Orchcstcroerctn Abend« 8� Uhr Uedurrgsstunde Cöllnischer Garten, Scharrcnstraße 12.— Zilherverei»„AlpenvcUaiesi-j 8X Ubr im Restaurant„Wadlstatt", Bcsteasttancestraße 89' „Westend" AdentrS 9 Uhr im Hobenzollerngaricn. Siegiitzerstraßc 27-- klub„Wcichscidlatt" AdendS 8% Ubr im Restaurant, Ekalitzerstrap-!, Rauchklub„Ohne Zwang" AbendS 8X Uhr im Restaurant W.'• straße 28. Vsrmisihkes. Auch die Krevlaurr Polizei hat nunmehr führnng dcr„Gesperst-r" verdottn. Die Meininger,$ Zeit cm Bceslauer„Lobe- Theater" gastiren, hatten das Jbicn'sche Stück auszuführen. Gi« eingebildete» Kchlafmittel. In der flu) tiui. um tiuc- y � ewe Einbildung, denn cas Mittel, welches der Kran« 1 ist an sich ern ganz aleichgiltiges, indem es in niai�iS besteht, als in zwei Gramm Lacckarum albuin— wer Ii', � welchen der Palient für ein wirksames Schlafmittel 1 i infolge die er A rn ahme schläft. Jl liebet- die Gräfte von Hagelkörnern, zählt von einem Hagetiiurme in ven Pampas von j bei welchem Haaetflücke in der Größe von Aepfeln v'f4 welche Hir'che, Strauße und andere Thiere gelöNrl a Volta versichert, daß man unter den Hagelkörnern,?rl dcr Nacht vom 19. auf den 20. April 1787 die Sta.�s »tzHtztzvtz. Ilvivll/ UIC iU■V'Ullj-fliiClJ J während des Hagelwetiers am 7. Mai 1822 zu Von � stücke, welcke eine Schwere von 4 bis 26 Lolh hatten- � große Hagelgeschosse mit oft schön ausaebitdeten rhow��s Krystallen hat Ab ich 1869 im Kaukasus beobachtet-„„ji licher Hagel mit krystallrnrjchen Gebilden fiel am 21->>; zu Lyon. Vriefkerffe»r. Bet Anfragen btllm wir die LbonnernenIS-Ouittung bctzusügcu Anttvort wird nicht erthellt. G. H. 5. Das Lokal war bereits am 24. Sc der Llste oerzeichnet. � N D. Iuftnsstrafte. lieber den M. p- Modelltsschler. Ihr Bericht ist schieden nicht eingegangen, sonst wäre derselbe lan, �<*vi f /» I K» V*«vetCÄff»Afl elf 77 TTIÖ S ii uuvi rinzzrgangen, jvnsi wäre oerseroc Senden Sie denselben gefälligst noch einwa' K. Der Bericht war aus zwei Seiten «v/vvivi�i«viui- uu| giuti ist deshalb von uns zurückgestellt worden. Verantwortficher Redaktem: M.«ronfteim m Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin Liv.. Beuthftraße 2.