r. 349. Donnerstag, den 34. Oktober 1889. 6. Jakrg. it» c gesetzt tmoftoW " 0? 8 Hl VeM-� zS-Prop" ÜerlinerDolbsblflll Brgan für die Interessen der Arbeiter._ eS bci!4"! DaS„Berliner Volksblatt" na ist rrscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnemeirtSpreis für Berlin frei nd der!»? in'S Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer nar fte�I$ Vf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer ke,, Ke« Expedition Zimmerstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemem 4 Mark pro Quartal. Albert w_(Eingetragen in der PostznwngSpreiSliste,______. juj. de£uv Ausland: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. eiinM für 1889 unter Nr. 866.) Jufertionsgeböhr beträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlun Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8" Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Ul)r Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.»- geg. rg(®' »ten als Vrdaktwn: Veuthstvaltze S.— Escpedikiom Jiinnrerstrer�e 44. t einvev Dw Metchsfinsnzen. ch welv' �Wir haben heidenmäßig viel Geld"— die ninist« ch well Oere pä. cte aul,� llionen v onen . Bei en, ni ppiri! haben heidenmäßig viel Geld"— dieser Spruch desbekannten siebenfüßigen Herrn v. Manteuffel ist schon vor geraumer Zeit gethan worden und die Schuldenlast der deutschen Staaten ist inzwischen nicht un- bedeutend gestiegen. Wenn man aber die Leichtigkeit, mit �welcher die Hurrah-Majorität Hunderte von >!illionen bewilligt hat, in Betracht zieht, so könnte man glauben, der Spruch des seligen Herrn von Manteuffel sei ur sie ein Egangelium geworden. Die Hurrah-Majorität ragt natürlich nicht, woher die Summen kommen, die sie be- willigt, sondern sie überläßt es dem Scharfsinn der Finanz- männer des Reichs, ausfindig zu machen, wie man die neuen Anforderungen an den so vielfach heimgesuchten Geldbeutel des Steuerzahlers unterbringt. „Niemand zahlt gerne Steuern ," meinte einmal der Herr Reichskanzler und wies darauf hin, daß jeder Staatsbürger seinen Beitrag zur Erhaltung und Ber- waltung des Gemeinwesens geben müffe. Wohl; aber es kommt bei der Ungleichheit des Besitzes eben wesentlich darauf an, wie dieser Beitrag umgelegt wird, und da haben ir heute die große Misire vor uns, daß der Staatsbürger, der am wenigsten Einkominen hat, durch die Besteuerung Dit»vcrhältnißmäßig am schwersten belastet ist. Za dieser Zeit der theuren Lebensmittel und der drohen- ni» den Roth des Winters werden die Ziffern des Reichshaus- inltsetats für 1890/31, soweit sie vorliegen, den Steuerzahler it trüben Sorgen erfüllen. Die Ausgaben des Reiches sind ungeheuer angeschwollen; belaufen sich auf mehr als eine Milliarde, auf a zwölfhundert Millionen. Um sie zu decken, nmß eine nleihe aufgenommen werden, und zwar im Betrag von 6 Millionen. So werden sich denn auch die Schulden s Reiches um diesen Betrag wiederum vermehren. Vor n Wahlen von 1887 betrug die Schuld des Reiches etwa 0 Millionen: die Kartellbrüder haben sich beeilt, dieselbe steigern uno zwar mit so gutem Erfolg, daß dieselbe wmehr auch schon den Betrag von tausend Mil- i o n e n überschritten hat. Man pflegt darauf hinzuweisen, ß die Reichsschuld klein sei gegenüber der Schuldenlast _�n Frankreich, England, Oesterreich u. s. w. Allein dies tt frf jt nur eines jener offiziösenTaschenspielerkunststückchen, die für **■'-•■»ii Moment blenden sollen, dies aber doch nur bei jedem angel an Verständniß bewirken können. Denn es ist er Maffe der deutschen Steuerzahler kein Geheimniß, daß „ � nicht nur die Zinsen für die Schulden des Reiches, son- Lage» a�ern auch für die Schulden der einzelnen Staaten aufzu- Aadrtf*Aringen haben. Rechnet man dies zusammen, so wird sich ert, rgcven,� daß die� deutschen Steuerzahler in Bezug auf Ä, ÄÄs ius dein, en Feind- esetzt. r. lusügcn. stkarte$1 ZA uns y\ 3CK tlenfl*; Iii Uef Kteppv Satin" eine decket reinige» des Gntg »0|l r jettrt ter-P. !• f taatsschulden nicht viel besser oder ebenso gestellt find, wie Steuerzahler anderer Länder. Außer der Reichsschuld wird man die Matrikular- '* J lÄn� fhoSj� 6 e n- 9 Ein»! �ewillctou. »etbottnj [10 ® c« m t n a l. Sozialer Roma» von Emile Zola. Einzig autorisirte Uebersetzung von E r n st Z i e g l e r. In Stephan erkannte kaum die hohe Halle des Schacht- jchuies wieder, die ihn so unheimlich beängstigt hatte, als er z beim Zwielicht der Laternen gesehen. Jetzt war sie nackt " schmutzig, ein erdfahles Taglicht drang durch die be- ten Fensterscheiben, nur da? Kupfer der Dampfmaschine ichtete hell im Hintergründe. Die fettgetränkten Stahlseile en, gleich tintengefärbten Bändern, zum Plafond hinauf 1 die Räder, auf welche sie sich rollten, das große Gerüst Thurme, die Aufzüge, die Karren, all' dies viele Metall 'unkelte den Raum mit feinem harten Grau, wie altes »zeug. Unaufhörlich erschütterten die polternden Karren fliesen, während aus der dahinrollenden Kohle ein feiner taub ausstieg, der den Fußboden, die Mauern, Alles bis f zum Gebälk des Thurmes schwarz überzog. Ehaval hatte einen Blick in das Register des KontroleurS gesehen, daß man ihnen zwei Wagen nicht Wefchneben: den einen, weil er nicht vorschriftsmäßig rllt. den andern, weil die Kohle nicht rein war. .»Der Tag ist komplet," rief er,„noch zwanzig Sous izOg* «e JoPI lack ahn»<' tallal Jt w»«Ji den 6�11 tterr sttaß«. Der* l®o4eIg} otbek'st Abt»v» »SÄ ier Vorst nger- Das kommt davon, wenn man Müssiggänger engagirt, mit chren Armen nichts Besseres anzufangen wissen, wie e Sau mit ihrem Schweif." Ein Seitenblick auf Stephan begleitete die groben arte. Dieser hatte Lust, mit Fausthieben zu ant- en, aber er überlegte sich's: Weil er doch fortging, schon Alles eins! Jetzt aber war sein Entschluß un- ruflich. beitrüge, die Zuschüsse der Einzelstaaten zur Reichsver- waltung erhöhen, so daß auch in den Einzelstaaten die Be- steuerung beeinflußt werden wird und zwar zu Ungunsten der Steuerzahler. Diese neuen Belastungen sind eine Folge der Mehr- forderungen für das Reichsheer und für die Marine. Ueber- raschend ch das nicht, denn wir sind ja gewohnt, daß die Forderungen für Militärzwecke sich schier jedes Jahr steigern. Nur sind die Steigerungen noch niemals in so raschem Tempo erfolgt, als seit der Zeit, da die Kartellbrüder das Heft in der Hand haben. Neichsschuld, Reichshaushaltsetat, Steuern, Lebensmittel- preise— Alles ist gestiegen unter der Herrschast der Hurrah- Majorität und in dem Etat rechnet man nunmehr mit Milliarden. Das deutsche Volk wird nun genau erkennen, welchen Zweck im Jabre 1887 der Franzosenschrecken hatte und was hinter dem Melinit, den Baracken und dem Popanz Bou- langer gesteckt hat. Die Kartellbrüder wollten gewählt sein, nicht um den angeblich drohenden Angriff der Franzosen abzuwehren, sondern um eine neue Wirthschaftspolitik ein- zuführen, die mit der Erhöhung der Kornzölle begann und die nun mit einer großen Anleihe abschließt. Man wird sich nun doch so ziemlich überall die Frage vorlegen, wohin wir denn kommen sollen, wenn die Lasten, die auf die Schultern der steuerzahlenden Bevölkerung ge- wälzt werden, in demselben Maße steigen, wie bisher. Denn es werden unzweifelhaft in naher Zukunft noch viele neuen Forderungen gestellt werden. Unlängst la? man, daß die Erfindung des rauchlosen Pulvers wieder eine durchgreifende Aenderung aller Feuerwaffen nach sich ziehen werde. Wenn das wahr ist, so stehen wir vor einer neuen Ausgabe, deren Umfang wir noch gar nicht ermessen können. Die Hurrah-Majorität hat mit dem alten und be- währten Grundsatz, daß bei den StaatSauSgaben möglichst gespart werden müsse, vollständig gebrochen. Sie hat ihrem Bewilligungsdrang nicht die mindesten Zügel angelegt. Die Herren trösten sich leicht- ihnen macht es nicht viel aus, wenn sie die Lebensmittel em wenig theurer zu bezahlen haben. Indessen wird denn doch daS Volk mit bangen Be- fürchtungen an der wachsenden Last emporschauen. WaS wird ihm zu thun übrig bleiben? Leute zu wählen, die daS Bedürfniß neuer Ausgaben sorgfältiger prüfen. Wer jetzt, da sich die Thätigkeit des Kartells dem Ende zuneigt, nicht belehrt ist, der wird nimmer zu be- lehren fein. Man thut gut, sich die nüchternen Ziffern, welche die Kartellperiode charakterisiren, gut einzuprägen. Wenn der Wahlrummel losgeht und die Sinne verwirren soll, dann bleiben diese Ziffern vortreffliche Leitsterne, mittelst deren man sich im Labyrinth der Wahlumtriebe immer swieder zurccht findet. „Man kann es nicht gleich treffen am ersten Tage," be- gütigte Maheu,„Morgen wird's schon besser gehen!" Aber Alle waren so schlechter Laune, als müßten sie Händel suchen, und als Levaque ins Lampenmagazin kam, um sein Grubenlicht abzugeben, fing er mit dem Lampisten einen Wortwechsel an, weil dieser sein Licht nicht ordent- lich gereinigt habe. Der schlechte Humor legte sich erst, als sie in der Wärmestube waren, wo man vennuthlich eben frisch geheizt hatte; denn der fensterlose Raum schien wie in Feuer gebadet. Die Bergleute umstanden mit Lauten deS Wohlbehagens in weitem Kreise den Kamin, sich die Rücken wärmend, welche wie heiße Suppen dampften; war die Kehrseite brennend, so drehten sie sich um und wärmten den Leib. Die Mouquette zog harmlos ihre Bein- kleider hinab, um ihr Hemd zu trocknen; und als sich die Männer über diese Ungenirtheit lustig machten, drehte sie ihnen die runde Kehrseite zu, was mit schallendem Lachen begrüßt wurde. „Ich geh!" rief Chaval, der sein Werkzeug verwahrt und seine Holzschuhe angezogen hatte. Die Anderen blieben noch, nur die Mouquette schlüpfte hinter ihm zur Thür hinaus, weil sie denselben Weg hätten, sagte sie. Und wieder wurde gelacht, denn eS war bekannt, daß sie dem jungen Rlann, der mit ihr nichts mehr zu thun haben wollte, nachlief. Käthchen hatte ihrem Vater etwas zugeflüstert. Dieser war zunächst etwas betroffen, dann aber überlegte er, winkte Stephan heran, reichte ihm sein Päck- chen und sagte: „Wissen Sie, wenn Sie vielleicht kein Geld haben, rerhungern Sie während der zwei Wochen bis zum Zahl- tage. Wollen Sie, daß ich versuche, Ihnen Kredit zu ver- schaffen?" Stephan schwieg einen Moment verlegen, denn er war eben im Begriff gewesen, seine dreißig SouS zu reklamiren, um die Grube für immer zu verlassen. Jetzt schämte er sich Norrespondeirjen. Hamburg, 20. Oktober. Der hiesige Töpfer st reik, der so gut als beendet angesehen werden konnte, als ausge- nommen die Mitglieder der Lohnkommission fast alle Arbeiter dieser Branche beschäftigt waren, ist in ein neues Stadium da- durch getreten, daß die Töpferinnung sich, da ihr Werben in Deutschland nicht zog, Arbeiter aus Schweden geholt hat. Von Lübeck aus wurde ein Werbeagent nach Stockholm geschickt, dem eS denn auch gelang, unter der ausdrücklichen Versicherung, daß von einem Streik der Töpfer in Hamburg keine Rede sei, 28 Mann anzuwerbm. Die hierfür aufgewandten Kosten mögen inklusive Reisespesen des Agenten wohl gegen 3000 M. betragen. Sowohl der Hamburger als auch der Lübecker Fach- verein der Töpfer war von dem Eintreffen der Schweden unterrichtet und so wurden diese am vorigen Montage von ihren deutschen Kollegen im Hasen von Lübeck erwartet, in Empfang genommen und zum„Verkehr" geleitet, wo man ihnen die Lage in Hamburg auseinandersehte. Die Schweden erklärten, daß sie nur unter Vorspiegelung falscher Thatsachen nach Hamburg engagirt seien, erklärten sich auch bereit, von ihrem Kontrakte sofort zurückzutreten. Doch da legte sich die hohe Polizei in'S Mittel. Man hatte den Schweden vorsichtiger Weise ihre Legitimations- papiere abgenommen, dieselben waren in Händen des Agenten oder des Hamburger JnnungSvbermeisters und daraufhin er- klärte die Polizei, den Schweden den ferneren Aufenthalt in Lübeck nicht gestatten zu können. Zurück nach Schweden wollten die Leute nicht, weil dort faktisch Mangel an Arbeit für sie ist, sie sich auch wohl zumeist aus solchen rekrutirten, die als minder- werthige Arbeitskräfte nur dann mit verwendet werden, wenn überhäufte Arbeit vorhanden ist. Also fuhren sie, unter Be« deckung der Polizei zum Bahnhofe gebracht, hierher, zugleich von den Lübecker Töpfergesellen begleitet. In Hamburg wur- den sie gleich wieder von der Polizei in Empfang genommen und unter deren Obhut in einen Gasthof untergebracht, wo man sie dann dem ferneren Einflüsse des Fachvereins entzog. Die 28 Schweden sind denn auch alle hier und in Altona bei den JnnungSmeistern in Arbeit getreten. Damit hat denn ein- mal wieder eine konservativ-nationalliberale Innung eine hoch- patriotische That vollbracht und die Behörden haben natürlich willig ihre hilfreiche Hand dazu geboten. Es ist dabei noch eines Zwischenfalles zu erwähnen. Ein Töpfer, der der schwedischen Sprache mächtig ist und dem hiesigen Fach- verein als Dolmetscher diente, er steht in Altona m Arbeit, wurde in der Nähe des Gasthofes, wo die Schweden übernachteten, arretirt und wegen„Subsistenzlosigkeit" von hier ausgewiesen! Die schwedischen Töpfer find biö zum nächsten März kon- traktlich verpflichtet und die JnnungSmeister triumphiren, unter dem Schutze der Polizei ihren Willen durchgesetzt zu haben. Ob aber nicht viele von ihnen froh sein werden, wenn sie ihre Schweden bald wieder los sein werden? Wären sie nicht von ihrem JnnungshochmuthSteufel besessen, so hätten sie sich längst mit ihren Arbeitern verglichen, wie die übrigen der Innung nicht angehörigen Töpfermeister längst gethan haben und wahr- lich nicht zum eigenen Schaden! Die Innungen werden aber von den Behörden �einfach verzogen und verhätschelt, gerade vor Käthen, die vielleicht glauben könne, er fürchte sich vor der Arbeit. Maheu fuhr fort: „Versteht sich, ich weiß nicht, ob's mir gelingt, aber versuchen kann Man's." Stephan sagte nicht nein. Wahrscheinlich, dachte er, wird man ihm den Kredit verweigern und die Sache wird abgethan sein, er könne immerhin den Häuer begleiten, etwas verzehren, plaudem und dann feines Weges gehen. Und doch, als er jetzt sah, wie Katharinens Lippen ein frohes Lächeln überflog, wie sie glücklich schien, ihm geholfen zu haben, that eS Hm leid, daß er vre Sache nicht auSge- schlagen hatte. Wozu daS Alles? dachte er. Einer nach dem Andern hatten die Häuer ihre Schuhe angezogen und die Wärmestube verlassen. Auch Maheu schloß den Schrank und ging ins Freie, von Levaque und seinem Sohne gefolgt. Aber ein heftiger Wortwechsel hemmte ihren Schritt, als sie am Sortirhaufe vorüber kamen. Es war dies ein Schuppen aus schwarz bestaubten Balken, mit großen Jalousien an den Fenstern, durch die ein fortwäh- render Luftzug wehte. Hier wurden die aus dem Schacht- hause kommenden Karren auf schräge glatte Blechtafeln ge- stürzt, worüber die Kohle rollte. Rechts und links standen Mädchen auf erhöhten Stufen, mit Schaufeln und Rechen bewaffnet, warfen die Steine beiseite und schoben die reine Kohle in große Trichter, durch welche sie in die Waggons der Eisenbahn hinabfiel. Philomene Levaque arbeitete hier, ein schwindsüchtiges Mädchen mit einem einfältigen Gesicht, das von einem Stück blauer Leinwand umbunden war, mit mageren Händen und Armen, schwarz bis zu den Ellbogen hinauf. Sie stand neben der Mutter der Pierronne, die Brule genannt, eine alte Hexe mit großen Eulenaugen und mit dünnen zu- sammengezogenen Lippen, gleich der Börse eines Geizhalses. Die Beiden stritten miteinander. Philomene stand tiefer wie die Brule und behauptete, jene nehme ihr alle Steine vorweg, so daß sie in zehn Minuten kaum einen Korb fülle« als ob auf diesen Trcpfen von JnnungSneistern das ganze Heil und das wahre Wohl des StaaleS deruhte! Auch ein Streik der S ch a u e r l e u t e hat sich in den letzten Tagen in Hamburg abgespielt. Da in der deutschen Presse so viele unklare Begriffe darüber zu herrschen scheinen, was Stauer und Schauerteute eigentlich find, will ich ver- suchen, diese Begriffe kurz zu erklären. Das Wort„Stauer" kommt vom englischen„stow away" gleich wegpacken, auf Schiffen„stauen* genannt, her. Diese Stauer, welche ursprünglich das Verpacken, stauen, der Schiffs- ladunaen wohl selber besorgten, haben sich im Laufe der Zeit zu einer eigenen Kaste herausgebildet, deren Angehörige längst schon selber keine Arbeit anrühren, sondern nur noch Arbeiter zum Verstauen der Schiffsladungen oder Entlöschen derselben engagiren, wobei die Stauer zum Theil sehr wohlhabende Leute werden. Die eigentlichen Arbeiter dieser Branche, welche mit einem geringen Lohn abgefunden werden, nennt man„Schauerleute*. Dieses Wort stammt ebenfalls aus dem Englischen, wahrscheinlich von dem Worte .„\0ngb\10Ttmzn". Das ist ein Mann der am Hafen entlang auf Arbeitsgelegenheit wartet. Abgekürzt ist aus>oiix8koreman — shoreman geworden und daraus das plattdeutsche Wort „Schauermann* entstanden. Solcher Schauerleute giebt es im Hamburger Hafen gegen 4000, von denen ungefähr 1200 dem Fachvereine angehören. Stauereibetricbe giebt es 38. Letztere sahen sich, trotzdem nur die Minderzahl der Arbeiter organisirt war, gezwungen, die Forderungen der Schauerleute zu be- willigen. Die errungene Lohnerhöhung stellt sich pro Tag auf 20 Pf., für die Nacht auf 40 Pf., eine bescheidene Verbesserung der Lebenslage, welche diesen Leuten bei ihrer schweren körper- lichen Arbeit und dem Ruhen derselben zur Winterzeit wohl gönnen ist. Die Organisation der Hamburger Hafenar. heiter aber wird durch diesen werden. kleinen Sieg bedeutend gestärkt Meberfilhk. Gl« Krach steht uns in Deutschland bevor, nach Anficht der englischen Presse, die in finanziellen Dingen bekanntlich einen sehr klaren Blick und ein sehr scharfes Urtheil hat. Die Engländer verfolgen alle Vorgänge auf den kontinentalen Geldmärkten mit der größten Aufmerksamkeit, und das Gründungsfieber in Deutschland, welches sehr lebhaft an den Gründungsschwindel zu Anfang der 70er Jahre erinnert, wird in all seinen Phasen genau studirt. Als befon- ders schlimmes Zeichen betrachtet man den Umstand, daß die deutschen Banken statt durch Erhöhung des Zinsfußes der Spekulation einen Dämpfer aufzusetzen, dieselbe begünstigen und sich sogar selber an ihr betheiligen. Ein vor uns liegender Artikel der„Laturday Review* vom 19. Oktober rechnet den Beginn der neuen Gründungs- Aera von der russischen Anleihe zu Anfang der 80er Jahre her. Die preußische oder deuische Regierung wollte sich damals bekanntlich dem kreditlosen Rußland dienstfertig erwiesen und stellte ihm denKrcdit derSeehandlung zur Ver- sügung. So wurde die Spekulation in russischen Werthpopicren, die nun fast ausschließlich in deutsche Hände aelangien, künstlich gezüchtet. Die Ueberschwemmung des deutschen Marktes mit russischen Papieren im Betrage von fast zwei Milliarden hätte schon früher zu einer Katastrophe geführt, wenn es nicht durch allerhand Mittel gelungen wäre, den Krach hinaus- zuschieben. Nur hinaus zuschieben. Gegenwärtig ist, nach dem englischen Blatt, die Gesahr eine weit größere ge- worden, wozu die S ch u tz z o ffl p o l i t i k mit ihren künstlich erhöhten Preisen wesentlich mitgewirkt hat.„Es scheint klar,* so schließt der Artikel,„daß die wilde Spekulation, welche so lange gedauert hat, nun auch ungefähr so weit getrieben war- den ist, als sie überhaupt getrieben werden kann. Die Kohlen- und Eisenpreise sind jetzt höher, als sie seit der außerordent- lichen'Ausdlähung von 1873 gewesen find, und die Preise der Bergwerksaktien find ähnlich in die Höhe geschnellt worden. Jeder Leser wird sich erinnern, daß die Preisausblähung von 1873 in einem Krach endigte, dem eine lange Periode schlechten Geschäftsganges folgte, und es wäre sehr merkwürdig, wenn vre jetzige Spekulation nicht das nämliche Ende nähme.* So das englische Blatt. Daß ein Krach bevorsteht, ist allerdings mehr als wahrscheinlich— die Frage ist blas eine Frage der Zeit. Und zwar nicht langer Zeit. Das„Attentat* auf einen Prinzen von Württemberg stellt sich nunmehr auch amtlich als die That eines religiös- wahnfinnigen Fanatikers heraus. Der offiziöse Telegraph hatte sofort von einem„Anarchistenbund* gelogen, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, sämmlliche Fürsten Europas zu ermor- den. Da wir keme Veranlassung halten, den Tenvenzlügen des offiziösen Telegraphen weitere Verbreitung zu geben, hatten wrr von jener Darstellung überhaupt keine Notrz ge- nommen. könne. Sie wurden ver Korb bezahlt und darum war kein Ende des HadernS; die Haare flogen und die schwarzen Hände klatschten sich auf den weißen Wangen ab. ..Treib ihr doch den Schädel ein!" rief Zacharias seiner Geliebten zu. Alle Sortirerinnen jauchzten laut auf vor Vergnügen, aber die Brule entlud jetzt ihren Zorn auf den jungen Mann: „Du Pestbengel solltest lieber Deine Kinder anerkennen. Pfui, ist das auch eine Schande, mit solch' einer achtzehn- jährigen Zammerdirne, die kaum g'rad auf den Füßen stehen kann!" Maheu mußte seinen Sohn zurückhalten, der hingehen wollte, um sich die Alte„mal in der Nähe zu betrachten", wie er sagte. Ein Aufseher lief herbei- der Lärm verstummte; die Rechen kramten wieder in der Kohle, und die Frauen, eine neben der anderen, standen mit gebogenen Rücken über die Tafel gebeugt und suchten einander die Steine wegzu- fischen. Draußen hatte fich der Wind gelegt und eine feuchte Kälte sank vom grauen Firmament herab. Die Arbeiter zogen die Schultern zusammen, kreuzten ihre Arme und marschirten mit schwerem Schritte fort; unter ibren dünnen Kitteln schoben und hoben fich ihre Lenden bei jedem Schritt; sie sahen einer Schaar Neger gleich, die man aus einem Morast gezogen und die Ziegel, von denen noch mancher ein Stück zwischen Hemd und Kittel aufbewahrt hatte, machten ihnen Höcker am Rücken. „Ah! da ist ja Bouteloup!" grinste Zacharias. Levaque, ohne dm Schritt anzuhalten, wechselte ein paar Worte mit semem Miether: „Ist die Suppe fettig, Louis?" „Ich glaube.* „Und die Frau, ist sie heute gut aufgelegt?" -A ja!" Bouteloup war ein kräftiger, braungefärbter Bursche von fünfunddreißig Jahren, mit ruhigem, biederem Gesicht. Andere Erdarbeiter begegneten ihnen jetzt, truppenweise dem Voreux zuziehend. Sie mußten um drei Uhr einfahren, die Häuer ablösend; denn die Grube feiette nie, fortwährend Die„freistnnige* Partei hat, um ihr Ansehrn für die nächsten Wahlen wenigstens etwas zu heben, einige sogenannte Initiativanträge im Reichstage eingebracht. Es handelt sich um das Schweineeinfuhrverbot, die Herabsetzung der Kohlen- tarife und die Gettchtsbarkeit der verabschiedeten Offiziere.— Nun, die freifinnigen ManneSfeelen haben ein Zeichen gegeben, daß sie noch am Leben find. Wir find höflich genug, davon Akt zu nehmen. In Kachr« der Enquete, welche der Abg. Bebel über die Lage der Bäckergehilfen veranstaltet, sind bis jetzt bereits 5000 Fragebogen ausgegeben worden. Die erste Auflage von 3000 entsprach nicht dem Bedürfniß. Obgleich bis jetzt erst wenig ausgefüllte Fragebogen eingingen, zeigt fich doch schon, daß die Lage der Bäckergehilfen und Lehrlinge durchschnittlich eine sehr traurige ist. Es werden durch die Enquete Zustände in einem erheblichen Theil der Bäckereien ans Tageslicht kam- men. die auch das große Publikum als Konsument von Bäckereiwaoren aufs Höchste interessiren. E« wird fich zeigen, daß die Inspektion der Arbeitslokale in keinem Gewerbe oder Industriezweig dringender ist, als im Bäckereigewerbe, und daß es dort zum Theil Zustände giebt, die aller Mensch- lichkeit spotten. Die Dresdener Bäckettnnung, deren Mitglieder zum Theil auch kein reines Gewissen haben mögen, hat beschlossen, den Sammlern von Fragebogen die Werkstätten zu verschließen. In einer BLckerwerkstatt in der Nähe von Dresden wurde ein solcher Sammler von Fragebogen zeitweilig semer Freiheit be- raubt und dürfte der Fall noch die Staatsanwaltschaft be- schäftigen. Es empfiehlt fich, daß die Arbeiter a l l e r w ä r t s fich dieser Bäckereienquete dttngend annehmen und für zahl- reiche Ausfüllung der Fragebogen Sorge tragen. Dieselben find von A. Bebel, Plauen bei Dresden, zu beziehen. Mnrze«.(Auch e i n A r b e i t s v e r t r a g.) Die Zu- mvthungen, welche seitens der Kapitalisten oft an oie Arbeiter gestellt werden, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, find wiederholt in der Presse— und mit Recht— gegeißelt worden. Nach- stehend bringen wir, so schreibt der„Wähler*, wiederum einen Mustervertrag, welcher in der Thonwaarenfabrik von Eugen Hülsmann in Altenbach bei Würzen den Arbeitern zur Unterschrift vorgelegt wird, ehe dieselben die Arbeit beginnen. DaS Monstrum ist hrkiographirt und lautet wie folgt: Arbeitsvertrag. Zwischen den Unterzeichneten ist heute folgende Lohnver- einbarung getroffen worden: 1. Für das gegenseitige Verhältniß ist im allgemeinen die Fabrikordnung der Firma Eugen Hülsmann maß- gebend. 2. An den wöchentlichen Lohnbeträgen werden 5 pCt. Ga- rantie abgezogen, welche bis zur Auszahlung unoerzinst bei der Firma Eugen Hülsmann deponirt bleiben. 3. Die Auszahlung der angesammelten Garantiesumme er- folgt am 1. August 1890. 4. Erfolgt vor diesem Verfalltermine der freiwillige AuSttttt oder die durch eigene Schuld veranlaßte Entlassung des Arbeitnehmers, so fällt der Garantiebetrag befitzrechtlich der Firma Eugen Hülsmann anheim. 5. Der vorliegende Kontrakt ist in zwei Exemplaren aus- gefertigt, von welchen jeder Kontrahent eins derselben erhalten hat. Fabttk Altenbach b. Würzen, den.... 18.. Für Eugen Hülsmann. (Name des Vertteters der Firma). (Name des Arbeiters). Leider giebt es eine Menge Arbeiter, welche— durch die Noth gedrängt— ein solches Schriftstück unterschreiben, obgleich sie ihre Schande vor Augen sehen, aber leider bekommt man auch diese oder ähnliche Schnftstücke sehr schwer in die Hände, denn die Leute, welche in derartigen Fabriken arbeiten, find zu furchtsam, mit dielen allem Gesetz Hohn sprechenden„Arbeits- Verträgen" die Oeffentlichkeit zu betreten. Jeder Arbeiter, der solche oder ähnliche Schnftstücke erlangen kann, sollte dieselben durch die Arbeiterblätter der Oeffenllichkeit übergeben, dann würden wir jedenfalls noch mehr und vielleicht noch„schönere* Blüthen zu Gesicht bekommen. Den Angeklagten im Elberfelder Sozialisten Prozeß ist jetzt der Beschluß der Rathskammer des LandgeriwtS zu Düsseldorf, sowie des Oberlandesgerichts zu Köln vom 12. Sep- tember d. I. zugegangen, mit der Terminfeusetzung zum 18. November. Die Zahl der Angeklagten, darunter die Ab- geordneten Bebel, Harm, Schumacher und Gnllenberger, be- läuft sich auf 91. In dem Prozeß waren ursprünglich 330 Personen zur Untersuchung gezogen. Davon ist die Untersuchung gegen 202 wieder eingestellt worden, während von den 128 unter Anklage gestellten noch weitere 72 durch Beschluß der Rathskammer des Landgerichts vom 27. Mai d. I. außer Verfolgung gesetzt werden sollten, von denen jedoch nach dem Beschlüsse des Kölner Oberlandesgerichts vom 12. September 34 wieder hin- zugesügt worden sind, so daß im Ganzen 90 Angck agte und außerdem noch der zuerst als Zeuge benannte, nun aber eben- wühlte und nagte es dort, sechshundert Meter tief unter den Zuckerrübenfeldern. Die Knaben waren vorausgegangen. Jeanlin theilte Bebett einen sehr koinplisirten Plan mit, wie er es an- fangen wolle, um für vier Sous Tabak auf Kredit zu bekommen. In respektvoller Entfernung hinter ihnen ging Lydia, dann kamen Katharina, Zacharias und Stephan; vor einem Wirthshause holten Maheu und Levaque sie ein. „Wir sind an Ort und Stelle," sagte der Elftere, „wollen Sie eintteten?" Käthchen warf auf Stephan einen letzten, freundlichen Blick aus ihren grünschimmernden Augen, die hell und rein wie Ouellwasser in ihrem geschwärzten Gesicht glänzten; dann lächelte sie stumm und setzte mit den Anderen ihren Weg fort, den aufsteigenden Pfad hinan, der zum Arbeiter- dorf fühtte. Das WirthshauS stand zwischen der Grube und dem Dorfe, an einem Kreuzpunkt des Weges. Es war ein zwei- stöckiger Ziegelbau, von oben bis unten mit weißem Kalk beworfen und nur um die Fenster herum mit breiten Streifen himmelblauer Farbe bemalt. Ueber der Thür hing ein viereckiges Schild mit der gelben Inschrift:„Wein- und Bierausschank von Rasseneur", und hinter dem Hause lehnte sich eine Kegelbahn an eine grüne Hecke. Die Kompagnie hatte versucht, diesen kleinen Fleck, der sich mitten zwischen ihre Besitzungen einkeilte, an sich zu bringen; doch vergeblich, diese» ärgerliche WitthshauS blieb hier just vor dem Aus- gang deS Voreux. „Geh'n wir hinein!" wiederholte Maheu. Sie traten in ein kleines Zimmer mit nackten weißen Mauern, mit drei Tischen, einem Dutzend Stühlen und einem Büffet, nicht größer wie ein Küchenschrank. Viel- leicht zehn Schoppen standen darauf, drei Flaschen Liqueur, eine Karaffe und eine kleine Zinkkiste mit einem zinnernen Hahn für das Bier. Sonst gab es nichts in dem Lokal, kein Bild, keinen Schmuck, kein Spiel. In dem eisernen, glänzend lackirten Kamin brannte eine Hand voll Kohle, am Fußboden sog eine feine Schicht weißen Sandes die in diesem nassen Lande nie versiegende Feuchtigkeit auf. und 4 falls in Anklage versetzte Abgeordnete Bebel vor Gnittheiligt h scheinen werden. Da für den Fall einer Äußervers»? Und ei setzung der vier ReichstagSun'tglieder während dec D�ligkei Reichstogssession der Prozeß dennoch am 18. Novro�rngSparte Verhandlung gelangen, gegen die vier Abgeordnet»«! s e tn sväter verhandelt werden würbe, dürften diese n-schleppen* Erklärung� der Elberfelder„Freien Presse* auf die Sf« a t« o n eines bezüglichen Antrages überhaupt verzichten,(»!« gegen sämmlliche 91 Angeklaate zugleich verhandelt wird. Auch der frühere Düsseldorfer Rechtsanwalt welcher durch den Rathskammerbeschluß außer Versals setzt war, ist wieder unter Anklage gestellt. Wie man l mnert, hat man dessen im Frühjahr erfolgte plötzliches siedelung nach der Schweiz aus der ihm drohende«' erklärt. Unter den Angeklagten befinden fich vier abgeordnete, Bebel, Grillenberger, Harm und Schuu--.>-------- Gegen verschiedene Angeklagte, unter denen die tzrungSvert Grimpe(Elberfeld), Weuster(Schwelm) und Marschall dehr um s ringhausen), war wegen eines im„Sonntags-Srzäble�fguterten dann im Separatabzug erschienenen Gedichts„Das LAMtzenoe lied* Anklage erhoben. Diese Anklage ist fallen gelass»$ tn"« folgender Motivirung: f?." uaacht „Da«„Landsturmlied* ergeht fich in der an( LiedeS nach der Melodie„der Reservemann*'"gmmt leid Strophen über die Errichtung des Landsturm�„„.i �ie Anklage findet in der Verbreitung dieses Liede«»fpider feine gehen gegen 8 131 des Str�G.-B. mit Rückficht �strebt ein unterstrichenen Worte des RefiainS der ersten �Skmerbege und die zweite Sttophe, welche lauten: Fchaftliche 1.„Wie schnell vergeht der Kindheit Jahre, Dann schwören wir zum Ladestock; Von fiebzebn Jahr' an bis zur Bahre Wird keiner los den bunten Rock. Gl« z em Böhm ndet fich fistalt für pß das »günstig i pißt dann oerbebel Gewer !ine Wied rnfehlbar chädigen* Die i �_- Köln. Ztg Drum Bruder stoßt die Gläser an,.Aufenthalt Zum Landsturm kommt, wer schnaufen kann-for Hambr Hat einer nur ein Arm, ein Bei»-cothen Fat So muß er doch beim Landsturm sein. fozioldemoi derselben. 2. Wer nicht mehr gut ist auf den FünMahne die Der kommt zur Landsturmreiterei, Es taugt ein Jeder zum Erschießen, Drum wird auch Keiner landsturmfrei. Drum Brüder u. f. w.* Daß in diesen Worten weder ernstlich aufzufassende Behauptung werde Jeder, der auch nur einen dem Landsturm einverleibt, und daß tung, noch eine Entstellung von Thatsachen des§ 131 I. c. vorliegt, bedarf einer weiteren nicht.* E wegen, v N-« 'rika m< scheu Küste enze der b die ernstlich gewc�Sultanen efunden werden�baltlich w> rm, nur ein �deutschen S mithin hier«jj Gebiet ist An dem i Di» sächsischen Landtagswahleu liegen de« brüdern noch immer in den Knochen; und gar spaß wie sie sich zu trösten suchen. Da schreibt z. B. oaS Tageblatt*: „In manchm Blättern wird, bisweilen unverb Schadenfreude, das Anwachsen der sozialdemokratisE men bei den letzten sächsischen LandtagSwahlen oo bedrohliches Symptom hingestellt und daraus de«. Parteien ihre künftige Niederlage im Voraus verkün es auch in einigen Wahlkreisen infolge der S a u w Dr. Jühlke an der Mi in Rede st mehrfach e Dort, mann, de als Vertrel wesen, wa ar.waitschal denen Ge! ssehabt zu über Dieck Eröffnung auf Seiten der Ordnungsparteien d� zahlreiche i i-v a T«*-—» U w____... j___.. r„ ic..... listen gelungen ist, Erfolge davon zu tragen, so. doch, daß die Vermehrung der sozialistischen Sb allzu tragisch beurtheilt werden darf. Zu?? auch dre sozialdemokratische Partei naturgemäß' Vermehrung der Bevölkerung und df l er zahl überhaupt ihren Nutzen gezogen, und man, wenn man einen Vergleich mit siuyerrn besondere mit denjenigen von 1883 und 1885 nicht außer Acht lassen, daß man damals auf Sozialdemokraten erst begann, den Landtags:« Aufmerksamkeit zuzuwenden und in einigen Wahlkampfe Theil zu nehmen, während dieses aller Energie fich in den Kampf stürzten und in als 19 Kreisen Kandidaten aufstellten. Daß dcffJ unbeträchtliche Vermehrung der sozialistischen treten mußte, liegt klar auf der Hand. rhn eingeo bezahlen. zipiell kein« richler wo Slaatskasfi Also nicht„allzu tragisch* ist die Niederlag« leute, aber doch tragisch! Und„naturgemäß* ist die Vermehrung demokratischen Stimmen! Das gute„Tageblatt*' es bei hundert Gelegenheiten die Sozialdemokra» künstlich von den„Agitatoren* gezüchtete„Su«" oder wie die geschmackvollen Gleichnisse sonst zeichnet hat.... i Falsch ist, daß die sächsischm Sozialdemokrat, Die tSie luden est zu be agterr zu est stattfi rbeitern, in Massen duren, G feindliche gkben, abe Versamml Ungarn ist Polizei t Polizei ev bewilligt, beiter dar wieder m �— a schien nich „Ein Glas!" bestellte Maheu, sich an ein« und leide Frauensperson, mit rundem, von den Blattern&1 Gesicht wendend.„Ist Rasseneur da?" Sie nickte und trug das Bier auf. Mah«" Glas bis zur Hälfte mit einem einzigen lange«. den Staub hinabzuspülen, der ihm die Kehle vett setzte er es vor sich hin, ohne Stephan davon Ein anderer Bergmann saß am Nebentische stills? � mit tief nachdenklichem Gesichte vor seinem Bier. � kam, machte ein stummeS Zeichen, trank, zahlte u«, sich, ohne ein Wort zu sprechen. Da erschien lichem Blick ein wohl aussehender, vielleicht a#.� jähriger Mann, mit glatt rasittem, rundem®e|WjJ „Nie Betonuno Der versichert, wartete e „Es Haaren o er erzahfi DaS als woll Poren he Preise zr Abe Seitenbli sprechen, so weiter lang bre lind er ihre Leu täglich n erzählt, Grube,, Rasseneur, ein ehemaliger Häuer, der vor drei Gelegenheit eines Streikes, verabschiedet rvord� ein sehr guter Arbeiter gewesen, wurde der � WV„WIV.I welcher alfe Reklamationen der Bergleute vertrat � schreibun der Anführer der Unzufriedenen. Seine Fra". Xjji seiner Fi schon, wie viele BergmannSfrauen, einen' � schank; als man ihn entlassen hatte, entschloß, Geschäft zu vergrößern, trieb daS nöthige■,( wurde Gastwitth, indem er sich, wie eine tro?| forderung, hier, dem Voreux gerade ES glückte ihm; fein Haus gedieh und dem Geist deS Unwillens und der Empörung. und nach seinen früheren Kollegen einflößte, „DieS ist der Mann, den ich heute früh..v»»on LiU* habe,* sagte Maheu,„hast Du eines Deiner h tz erhalten frei und möchtest Du ihm vierzehn Tage Kreo'..I_„D Das breite Gesicht Rasseneur'S überflog,> des Mißtrauens; er warf einen prüfenden BU«�,. dann sagte er, ohne sich die Mühe zu nehmen,( auszudrücken: �Unmöglich, meine beiden Zimmer sind Der junge Mann war auf eine absch' gefaßt gewesen und doch berührte sie ihn fchm' fühlte, daß es ihm schwerer werde, zu gehen> hatte. Immerhin werde er sich auf den$>«3 er seinen Tagelohn behoben, dachte er. Andere'((/f ein GlaS durch ihre kohlenbestaubte Gurgel un Du hier De, yroße, n violttten viel radi -."®' befehlen Sie und 4 Jahren nicht energisch an den LandtagSirahlen >eUigt hätten. Und ein recht alberner Trost ist der mit der»S a u m» ligkeit" auf Seiten der Ordnungkparteien�. Die Orb- ________ ngsparteien waren nicht„saumselig�, ste waren im Gegen- Zlbacordneia�eil sehr rührig, die Wähler haben sich aber nicht diese ea�chleppen� lassen, wie an jenem berühmten FaschingStag des vor Auh> id der 18. N-v> auf die« sichten, M oerhandeu chtZanwalt er Versals Wie mau e plöhliche> drohenden' vier > Schw, denen die > Marschall lgS-Srzäl' „Da-s illen gell ationalen Ausschwung Kurz— die Trauben waren sauer. Gin UrtheU über die GeWerbegrhilfen» welches nach Böhmert'ichen„Volkswohl" beherzigt zu werden verdient, det sich im letzten Jahresbericht der Leipziger„DarlehnS- istalt für Gewerbetreibende". Dieser Bericht äußert sich dahin, isj das letzte Jahr für große wie kleine Gewerbe nicht rgünstig war, weil volle Beschäftigung ausreichend war. Es ißt dann weiter:„Eine nicht geringe Schädigung erlitt der erbebetrieb durch die im Frühjahre auSgebrochenm Streiks Gewerbegehilfen, namentlich da, wo fest abgeschlossene Lie- ngeverträge und Lieferungsfristen vorlagen. Die immer chr um sich greifende Genußsucht, das Bestreben, sich dem güterten in der äußeren Erscheinung gleichzustellen, und auf- ende Ohrenbläsereien sind die Wurzeln des UebelS, welches in der Forderung verkürzter Arbeitszeit bei höherem Lohne it macht! Bei fünffachem Lohne gegen jetzt würden die Ge- -»on»'llfen und Arbeiter auch nicht auskommen; man gewöhnt sich der» j?ben an alles, und der Sinn für Svaren und Haushalten nnann gmmt leider immer mehr abhanden. Während der Begüterte tandnuirm�mrch die Anforderungen seiner gesellschaftlichen Verhältnisse Bredel«der seinen Willen sich zu großen Ausgaben genöthigt sieht, Ruckftch' �rftrebt ein nicht unbedeutender Bruchtheil der Arbeiter und ! ersten �Arwerbegehilfen einen Aufwand, welchen sie, ohne ihre gesell- schastliche Stellung zu schädigen, ganz gut unterlassen könnten. hre, Sine Wiederholung der im Frühjahr erlebten Ausstände würde unfehlbar unsere wirthschaftlichen Zustände und Kultur schwer : chädigen."- Blödsinn! Die rothe Fast«». Eine heitere Geschichte wird der '.Köln. Ztg." aus Hamburg berichtet. Während des dortigen r,.Aufenthalts der Gesandtschaft des Sultans von Sansibar war lufen kann> der Hamburger Hof, das Absteigequartier derselben, mit einer in BerN-cothen Fahne geziert. Ein Schutzmann hielt dieselbe für ein ozialdemokratischeS Wahrzeichen und verlangte die Entfernung '»selben. Er wurde jedoch belehrt, daß die von ihm verfolgte ahne die rothe Sansibarfahne sei, und daraufhin ließ er sich wegen, von der weiteren Verfolgung der Fahne abzusehen. Don einer neuen deutschen Schntzerktürnng in(Oft- rika meldet der„Reicksanzeiger": Das an der ostafrikani- jfchen Küste zwischen der Nordgrenze von Witu und der Süd- Jcnze der dem Sultan von Witu gehörigen Station von lSmaju belegene Gebiet ist auf Grund der mit den dortigen ultanen und Häuptlingen geschlossenen Verträge und vorbe- ! werdm�haltlich wohlerworbener Rechte Dritter unter den Schutz des w ein �deutschen Kaisers �gestellt worden. � Das in Rede stehend« in hier Gebiet ist der südlichste Theil der sogenannten Somaliküste. tsachen i�An dem Orte Kismaju ist bekanntlich vor einigen Jahren nteren-l�Dr. Juhlke von den Somalis ermordet worden. Kcsmaju liegt , an der Mündung des Jubaflusse«. Dem südlichsten Theile de« sin Rede stehenden Gebiets gegenüber liegen die in letzter Zeit liegen mehrfach erwähnten Inseln Manda und Pata. gar spaßig Dortmund, 22. Oktober, liebet den Bergarbeiter Dieck- ,. B. vaS P mann, der aus dem internationalen Arbeiterkongreß in Paris j als Vertreter rheinisch- westfälischer Bergarbeiter anwesend ge > unoer wesen, war seit Ende Juli Briefsperre verhängt. Die Staate mrokratis«�«rwaltschaft suchte das Material zu einem der Mode gewor- ahlen al» i denen Geheimbundsprozesse, scheint aber damit kein Glück irauS, de« f gehabt zu haben, denn seit dem 15. d. M. ist die Briesspcrre verkündvf. über Dieckmann aufgehoben worden. Als Dieckmann diese Zauml eien en, so hen Sb f. Zu? Zematz und»s n, und Hererl . 1885 ls auf dtagSw« nigen, dieses m d in n' rß dowst hen � »and/ ederlagt nehrung eblatl"' zcmokr-d' etc„SU! sonst demokr-ü� Eröffnung gemacht wurde, erfuhr er, daß in der letzten Zeit zahlreiche u n f r a n k i r t e Briefe aus Rheinland-Westfalen an »hn eingegangen seien und sollte er das Porto für dieselben bezahlen. Dieckmann weigerte sich aber dessen, er nehme prin- zipiell keine unfrankirten Briefe an; so bleibt dem UntersuchungS- j richtet wohl nicht« anderes übrig, als die Kosten auf die Staatskasse zu überweisen. Gest-rreich-Ungar«. Die Ungarnländischen Arbeiter wollten ein Fest feiern. Sie luden ihre Arbeitsgenossen diesseits der Leitha ein, das Fest zu besuchen. Die Arbeiter von Wien und anderen Städten sagten zu und die Preßburger Polizei, in welcher Stadt das Fest stattfinden sollte, hatte Angst gekriegt vor den Wiener Arbeitern, welche„verläßlichen Berichten zufolge" am 20. Oktober in Massen kommen wollten, um Preßburg zu erobern. Pan- duren, Garnison und Kanonenboot scheinen ihr gegen diese feindliche Invasion noch immer keine genügende Sicherheit zu aeben, aber sie weiß sich zu helfen. Zwar giebt es in Ungarn kern Versammlungsgesetz, also herrscht Versammlungsfreiheit. Aber Ungarn ist zivilisirt und hat, was mehr gilt als Gesetz undFreiheit: Polizei und Panduren. Und da erklärt die Preßburger Polizei einfach, das Fest des Arbeiter-BildungSvereineS wird bewilligt, aber eS dürfen„nur in Preßburg domizilirende Ar> beiter daran Theil nehmen". Als Ausweis muß das Arbeits \ m m n eine S rttern lange« hle nerl� davon L estillschnA "g'Vj r ticht a«' A wieder mit ihrem schweren, wiegenden Schritt. Ihr Trinken schien nichts als die Reinigung des Kehlkopfes, eine freud und leidenschaftslose Befriedigung eines Bedürfnisses. „Nichts Neues?" fragte der Wirth mit einer besonderen Betonung Maheu, der seinen Schoppen leerte. Mähens Der Angeredete blickte vorsichtig um, und als er sich langca,� versichert, daß nur noch Stephan im Zimmer war, ant- wartete er: „Es giebt das Neue, daß man sich heute wieder in den Haaren gelegen ist, wegen der Verzimmerung nämlich," und er erzählte den Vorfall. Das Gesicht des GastwirtheS wurde dunkelroth, es war. als wolle ihm das Blut aus den Augen und aus allen Poren hervorstürzen. „Ah," brach er loS,„wenn sie sich einfallen lassen, die Preise zu reduziren, sind sie geliefert." Aber Stephan genirte ihn und er warf mißtrauische Seitenblicke auf ihn, indem er fortfuhr, mit allerhand Uiw schreibungen und Andeutungen vom Direktor Hennebeau seiner Frau und ihrem Neffen, dem kleinen Negrel, sprechen, die er sämmtlich nicht nannte. Das könne nl so weiter fortgehen, sagte er, das müsse über kurz oder lang brechen, das Elend fei zu groß und zu allgemein Und er nannte Fabriken, die ihre Arbeit einstellten und ihre Leute fortschickten. Seit einem Monat vertheilte täglich mehr als sechs Pfund Brot! Gestern hatte man ihm erzählt, daß Deneulin, der Besitzer einer benachbarten Grube, nicht mehr Stand halten könne; außerdem hatte er von Lille einen Brief mit allerhand beunruhigenden Details erhalten: „Du weißt," flüsterte er,„von dem Betreffenden, den Du hier eines Abends gesehen hast." Der Eintritt seiner Frau unterbrach ihn. Es war eine große, magere, leidenschaftliche Person, mit starker Nase und violetten Flecken auf den Wangen. Sie war in Politik noch viel radikaler, wie ihr Mann. „Der Brief von Pluchart," rief sie:„ach, wenn der zu befehlen hätte, würde es bald besser stehen." Stephan hatte seit einigen Augenblicken dem Gespräche :m r drei."st worM e der?!-' vertr-ü,.,! Frau.)- ine?,!- ftschÄ. K.- pgeniibÄ r ber' irung, ßte- früh üner s Kred> erflog» n Bl>-k j;. hmen, j kW »W buch vorgezeigt werden. Der Verein hatte seine Vorbereitungen ür das Fest schon getroffen und war leider gezwungen, diese Bedingung zu akzeptiren. So mußten denn d,e Wiener Ge- Nossen darauf verzichten, am Sonntag Preßburg.im Sturm" zu nehmen. Die Wiener Arbeiter wollten den Verein nicht efährden, der ein wichtiger Mittelpunkt für die dortigen lrbeiter ist.— Aber, wenigstens erfahren wir wieder em- mal, was für eine Sorte von„Kultur" Oesterreich nach Osten trägt. Großbritannie«. London, 20. Oktober. Die Nachwehen des großen Hafen- arbeiterausstandes dauern immer noch an. Am meisten zu 'chaffen macht nach wie vor die Frage der„BlacklegS"— das Wort ist durch ein Preisausschreiben der„Land. Freien Pr." mit.Streikratten" bezw.„AuestandSratten" verdeutscht worden — aber jetzt von einem ganz neum Gesichtspunkte aus. Der Ausstands-Ausschuß hat nämlich über 1000 Mann, welche während des Ausstandes als dauernde Arbeiter(p-rmsv-ni men) in den Docks Plätze erhalten hatten, mit je 1 Lstr. ver- macht, ihre festen Plätze aufzugeben, Mitglieder des Dockarbeiter- Gewerkvereins zu werden uno als solche an dem gleichen Weit- bewerb der früheren Ausständigen theilzunehmen. Jetzt aber ist von verschiedenen Seiten, d. h. sowohl aus den Reihen der Arbeiter, wie auch von Leuten, welche seiner Zeit zu dem Ausstands-Fonds beigesteuert haben, dem AusstandS-AuSschuß das Recht bestritten worden, in der erwähnten Weise über 1000 Lstrl. zu einem Zwecke auszugeben, für welchen dieses Geld nicht gespendet worden sei. Namentlich hat ein Ostend- Geistlicher, welcher dieser Tage den Vorsitz über eine Versammlung von Wollarbeitern des St. Ka- tharinen-DockS führte, in sehr scharfen Ausdrücken dagegen Widerspruch erhoben, daß der AusstandS-AuSschuß in die Taschen von—„Ausstandsratten" eine so große Summe fließen ließ, welche nur für GewerkvereinSleute bestimmt gewesen sei. Im übrigen rüsten die Dockverwaltungen sich auf das in vierzehn Tagen bevorstehende Jnkraftireten des bekannten Ueberein- kommenS. Besondere Schwierigkeiten verursacht die Beseitigung des sogenannten Vertragssystems(durch Unterunlernehmer), an dessen Stelle eine neue Form der Stückarbeit treten soll, über welche bisher eine Einigung nicht hat erzielt werden können. Seit dem siegreichen Ausgang des russtfch-jüdischen Schneider- ouistandes im Ostend hat der allgemeine Kampf gegen die Unternehmer oder Mittelmänner(Sv-srer) an Unerbittlichkeit gewonnen. So wurde u. a. zu diesem Ende im Osten Londons unter der Milwirkung des Bischofs von Bedford eine starke Frauen-Gewerkschaft der Schneiderinnen und verwandten Be- rufe gegründet. Und wo immer sonst es hier Mittelmänner giebt, da hat diese Sorte von Gewerbetreibendm heute einen verzweifelt schweren Stand. Ob darum, wie man jetzt viel- fach hören kann, wirklich schon das Ende des vielberufenen SchwitzverfahcenS nahe gekommen ist, steht noch sehr dahin. Man wird— im günstigsten Falle— eine andere, etwas mildere Form für dieselbe Sache finden, und damit wird es dann bis auf Weiteres sein Bewenden haben. Den größten Vortheil aus der gegenwärtigen außerordentlichen Arbeiter- bewegung zieht die Gesammtorganisation der Gewerkvereine, welche durch den Hafenarbeiterausstand allein in London un- mittelbar und mittelbar 160 000 Mitglieder gewonnen hat. Zahlreiche neue Gewerkvereine sind gegründet, und alle, welche nur ein klägliche« Dasein gefristet halten, plötzlich lebenskräftig gemacht worden, so bei den Bäckern, Pottleuten, Kohlen- trägern, Pferdebahn- und Omnibusangestellten, Droschken- kulschern, Barbieren, Kellnern, Hausmalern und so weiter. Am meisten erstarkt ist die Organisation der GaSarbeiter, welche den unmittelbaren Anstoß zu dem HafenarbeiterauS- stand gegeben hat. Der vor einem halben Jahre gegründete „Nationale Gewerkverein der Gas- und allgemeinen Ar- beiter Großbritanniens� und Irland" zählt heute über 30000 Mitglieder nnd hatZ bereits ein Vermögen von 1800 Lstr. D»? Hauptforderung dieses Gewerkvereins ist die achtstündige Schicht, welche in London und in zahlreichen andern Orten bereits durch einheitliche Einführung des drei- schichtigen an Stelle des früheren zweischichtigen Tagewerks in allen Gasanstalten anerkannt worden ist. In London find infolge dieser Neuerung 5000 neue GaSarbeiter eingestellt wor- den. Mit diesen Ergebnissen agitiren die GaSarbeiter unter der Führung von John BurnS, W. S. de Mattos, H. Thorne u. A. besonders unter den Eisenbahnangestellten, deren es im Vereinigten Königreich 400000 giebt. Weniger Arbeitsstunden werden da namentlich für Lokomotivführer, Signalmänner, Weichensteller, aber auch für Putzer, Schmierer, Träger u. s. f. befürwortet. Die 13 000 Mitglieder zählende und über ein Vermögen von 80 000 Lstr. verfügende„Eisenarbeiter-Genossen schafl" steht dieser Bewegung bis jetzt noch fern, doch macht man große Anstrengungen, sie in dieselbe hineinzuziehen. Alles in Allem erwartet man von dem kommenden Monat Massen- arbeitseinstellungen in ganz ungewöhnlich großer Zahl und Ausdehnung.— John BurnS hat als Parlamentsbewerber in dem radikalen Süd- Londoner Bezirk Battersea jetzt nur noch einen konservativen Gyjner; der liberale Bewerber Lamson Walton ist nämlich zu Gunsten von BurnS zurückgetreten. gelauscht; ihn ergriffen die Schilderungen von Roth und Elend und er begeisterte sich für diese Ideen von Revanche. „Pluchart?" rief er fast unbewußt,„o, ich kenne Pluchart." Die Drei blickten ihn an, er fügte erklärend hinzu: „Ich bin Maschinist. Er war mein Werkmeister, ein begabter Mann: wir haben oft mit einander gesprochen." Rasseneur sah ihn plötzlich mit anderen Äugen an und sein Gesicht drückte jetzt Sympathie aus, als er zu seiner Frau sagte: „Es ist Maheu, der uns den Mann hergebracht hat, er meint, ob wir nicht ein Zimmer für ihn haben und ihm zwei Wochen Kredit geben wollen?" Jn| ein paar Worten war nun die Sache abaethan: Der Miether des einen Zimmers war heute früh abgereist, Stephan konnte bleiben. Jetzt sprach Rasseneur ohne Rück- halt und unverblümt. Er wolle nur, was recht und billig sei, sagte er, und verlange nicht wie die Anderen zu viel von den Ehest. Seine Frau zuckte die Achseln. Sie wollte ihr Recht und damit Basta! „Also Adieu!" rief Maheu, sich erhebend.„All' das Reden, wißt Ihr, verhindert die Leute nicht, hinabzufahren, und so lange noch welche einfahren, werden sie daran zu Grunde gehen! Schau Dich an, Rasseneur, was bist Du für ein Kerl geworden seit den drei Jahren, wo Du nicht mehr im Voreux arbeitest." „Ja, ja, ich habe mich tüchsig herausgemustert," ant wortete der Wirth wohlgefällig. (Fortsetzung folgt.) ,dere el un» K l'tunjl«ni» Oeben. Folgende Erklärung geht uns. von Herrn Manfred Wittich zu: „Gelegentlich einer Vortragsreise in Thüringen wurde mir in Weimar ein Vortrag über Goethe unmöglich gemacht, weil der Vorstand de« veranstaltenden Verein« Sozialdemokrat und ich ein sozialdemokratischer Agitator sein soll.— Be- fra«kr»ich. rengsozialistischenStimmcn bei der letzten französischen Wahl beläuft sich auf etwa 150 000 Stimmen, wohingegen die P o s s i b i l i st e n nur e!wa 50 000 Stimmen erhielten. In Paris hatten die Possibilistai aber mehr Stimmen als die Sozialisten(39 000 gegen 17 000). Unter„Sozialisten" sind hier die auf dem i n t e r n a t i o. nalen Kongreß vertretenen französischen Gnipp-u verstanden. Die Zahl der„sozialdemokratischen" Stimmen, d. h. der Stimmen für Kandidaten, welche sich als ozialdemokratisch ausgeben, d. h. alle b ärgerlich- ra d i- k a l e n, dürfte sich auf nahezu eine Million belaufen. In Frankreich giebt es eben, im Unterschied von Deutschland, noch ein demokratisches Bürgerthum, und dieses zieht das Gros der Arbeiter noch mit sich.— Eine ganz infame Rolle spielte der Ex-Kommunard P r o t o t, der in Marseille GueSde zu Fall brachte. Er kandidirte ohne jegliche Arssiht — b I o S, um die Arbeiter zu spalten; und er denunzirte in einem Flugblatt GueSde als Agenten Bismarcks. Und wamm Agent Bismarcks? Weil mit den deutschen Sozialdemokraten befreundet, die doch notorisch Bismarcks Agenten seien! Was sagt der„Norddeutsche" Pindter dazu? Devsciinittlungen. ji» Feilenhaner«nd Feilenfchlrlfer kamen am Dienstag Abend im„Weddingpark", Müllerstr. 178, zusammen, um den Bericht ihrer Lohnkommission zu hören. Derselbe stellte sich nach den Ausführungen des Vorsitzenden Herrn Reinicke als sehr erfreulich. Nach 11 wöchentlichem Kampfe, nach schweren Opfern sei es endlich gelungen, die 10 stünlrge Arbeitszeit sowie den neuen Tarif durchzusetzen bis auf acht Meister: Kammrich, Mägdefrau, Sarkowski. Stackiau, Rothemann, Wendeborn, DiemS-Rsidorf und Röhl. Von diesen seien eigentlich nur die beiden ersten maßgebend: letzlerer schwanke schon. Nur 14 Kollegen seien noch zu unterstützen. Man solle jetzt fest zusammenhalten, damit das Errunaene nicht verloren gehe.(Beifall.) Hierauf wurde über eine Em- richtung verhandelt, die dazu dienen soll, die Schmutzkonkurrenz zu beseitigen. Es soll nämlich ein Kontroll-Amt, ähnlich wie da« in Remscheid, aus drei Gesellen und zwei oder drei Meistern bestehend, gebildet werden, da» von Zeit zu Zeit die Lohnbücher der verschiedenen Meister daraufhin prüft, ob die letzteren auch den vereinbarten Lohn- tarif genau einhalten. Sämmtliche Gesellen, die hierzu sprachen, waren mit dieser Anregung einverstanden, die anwesende, ein- geladene Meisterkommission sträubte sich zwar zu Anfang, er- klärte jedoch nach Widerlegung ihrer Bedenken, daß sie eire Meisterversammlung einberufen und das Ihrige thun würden, um die Idee zu verwirklichen. Hierauf hielt Herr Th. Glocke einen beifällig aufgenommenen Vortrag über den Niedergang des Kleingewerbes. Die Versammlung nahm nach kurzer Tis« kusfion eine Erklärung an,„daß sie nur in einer Organssation die Interessen der Arbeiter gewahrt sehe." Eine lebhaste Aus- einandersetzung entspann sich noch, weil der anwesende Meister Franke sich weigerte, 2 Streikbrecher zu entlassen und seine Schleifer nicht eher bei ihm anfangen wollen. Schließlich er- klärten sie doch die«»u thun, behielten sich aber weiteres vor. Geffentltche Mählervrrjammlnug des 14. Kom- munal-Mahldezirk». Am 15. Oktober tagte unter Vorsitz des Herrn Otto Klein eine öffentliche Wählerversammlunq. in welcher Herr Gottfried Schulz über die bevorstehenden Stadt- verordneten- Wahlen referirte. Redner führte die verschiedenen Vortheile, welche diese Wahlen für sich hätten an und hob hauptsächlich hervor, daß die soziale Partei in den verschiedenen Kommissionen der Stadtverwaltung einzudringen versuchen müsse, denn wir hätten dadurch, daß wir mehrere Vertreter im rothen Hause haben, tieferen Einblick in die Kommunalver- waltung erlangt, auch müßten verschiedene Reformen, beispiels- weise beim Schulunterricht, wie Schulzeit, einheitliche Bücher und so weiter zur Durchführung gebracht werden, desgleichen haben wir unser Augenmerk auf die Reform der Miethssteuer, Steuereinschätzung, Ärmenverwaltung, Waisenrath und Ver- mehrung der Sanitätswachen zu richten und schloß Redner unter Beifall mit der Mahnung, einmüihig in die Wahlen ein- zutreten, dann würde der Sieg in den meisten Bezirken der unsere sein. An der Diskussion bethnligten sich die Herren Metzner, Klein, Fahrenwald und Schröder. Zum 3. Punkt: Wahl von 5 Vertrauensmännern für den Bezirk wurden die Herren Karl Scholz, Emil Berndt, Theodor Metzner, Karl König und Hermann Franke gewählt. Nachdem der Vor- sitzende noch aufgefordert hatte, das Zentral-Wahlkomitee und die Vertrauensmänner des Bezirks voll und ganz zu unter- stützen und für Aufbringung der Gelder Sorge zu tragen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. schwerdekührung war erfolglos!— Anderwärts habe ich den- selben Vortrag unbeanstandet gehalten; im Wcimarschen, welches sich des Mangels eines reaktionären Vereinsgesetzes erfreut, wurde auf die Vermuthunghin, wasrck sprechen könnte, meiner Ansicht nach ein Angriff auf die allgemeineRede- und Lehrfreiheit ge- macht. Man bestraft demnach so zu sagen in Deutschland nicht nur noch nicht gethane Thaten, sondern sogar unge- sprochene Worte und bloße Gesinnungen. Ich bin Schriftsteller und Privatlehrer, und suche die Ergeh- nisse meiner Studien auf dem Gebiet der Kunst und Wissenschaft schriftlich und mündlich möglichst weiten Kreisen mitzutheilen; dabei Hab' ich das ernsteste Bestreben, Wahrheit und nur Wahrheit zu verbreiten. Das betrachte ich eben als meinen Beruf! Mein Eintreten für die Bestrebungen der Arbeiter, ihre materielle und allgemeine Lage zu verbessern und ihre staats- bürgerlichen Rechte zu wahren, halte ich bei den dermaligen Zuständen für eine allgemeine Pflicht, deren Erfüllung man meines Erachten« nicht unter das Gesetz vom 21. Ol- tober 1878 stellen kann. Man sieht aber, was au« jenem Gesetz allmälig geworden ist! Darauf das Publikum aufmerksam zu machen, ist der Zweck dieser meiner Erklärung. Alle Blätter, welchen e« nut der Freiheit der Wissenschast und mit der Uebermittelung von deren Ergebnissen an die breiten Schichten unseres Volkes ernst ist, bitte ich ergebenst um Abdruck dieser Zerlen. Dresden, im Oktober 1889. �«n...., Manfred W, t t i ch." Daß«» auch Fische mit sifttge« Ktach-Iu giebt, ist sicherlich nur wenigen Lesern bekannt; allfrdinS ist diese rnter- essante Thatsache erst eme wissenschaftliche Entdeckung der neuesten Zeit. Eine Ahnung davon hatte man schon früher. Wir lesen nämlich bei Aristoteles, daß der Stich der Rückstoß- stacheln einiger Seedrachenarten heftigen Schmerz und eine eitrige Entzündung der verletzten Stelle hervorrufen soll. Di« neuesten Untersuchungen einiger Zoologen haben nun ergeben, daß stch an der Basis der bezeichneten Stacheln ein häutige» Säckchen befindet, in welchem das von einer Giftdrüse abge- sonderte Gift enthalten ist, das durch zwei kleine an beiden Seiten des Stachels liegende Kanäle in die Wunde entleert wird. Was den Zweck dieser Giftstacheln anbelangt, so ist bisher noch nickt ermittelt worden, ob diese seltsamen Fische die Stacheln als Angriffs- oder Vertheidigungswaffe gedraucheu und welchen Nutzen ihnen ein Organ bietet, welche» mit de» Zähnen der Giftschlangen Aehnlichkeit besitzt. Theater. Donnerstag, den 24. Oktober. Gpemhatts. Das Rheingold. §cha«Ipl«lh«»«. Die Ouitzow'S. entsche» Theater. Der Schatten. Uesstng-Ehratee. Das letzte Wort. Friedrich- MUHelmstädttsche» Theater. Der Polengraf. Kestden»- Theater. Fernande. Mattner- Theater. Der Dompfaff. VlKtoria-Theater. Stanley in Afrika. Vsterrd-Theater. Ein Verurtheilter. KelleaUianre- Theater. Der Zauberlehr lina» KSaigstadtisthe» Theater. Unser lachende« Berlin. Zeatral-Theater. Das lachende Berlin. Adolph Grnst-Theater. Flotte Weider. Gebr. Kichter's Karichtt. Spezialitäten. Vortteitung. Keichv Halle«- Theater. Gr. Spezialitäten» Vorstellung. Berliner Theater. Donnerstag, den 24. Okt.: Markgraf Waldemar� Freitag, den 2S. Oktober: 8. AbonnementS-Vor. sttllung. Montjohe. der Mann von Sifen Sonnabend, den 2«. Oktober: Demetrius. Thalia-Theater» 15 Waiinertheatrrstraße 15. Große Concert-, Theater- und SpeziaUtate« Vorstellung. Gr. Erfolg de« Illusionisten S ch e l l i n i, der Tautfchukdame M a r i n e I l a, des beliebten Berliner Volkshumoristen W i I h. Fröbel jc. EntrSe 30 Pf. KtfÄ. American-Theater. 1805 Dresden erstr. 56. Täglich Vorstellung. Circus Renz. Karlstraße. Heute. Donnerstag, den 24 Oktober 188», Abends 7 Outr: Im dunklen Erdtheil, oder: Die Einnahme v. Kagamoyo Gesetzlich geschützt! Gesetzlich geschützt! Novität! Noouät! Große eqneftrische Original- Pantomime, arrangirt und in Szene gesetzt v. Dir.«. Renz Austreten der Schulreiterin Frl. Guerra.— Ifogar, arab. Vollblut, vorgeführt von Herrn Oscar Rerz.— Auftreten der vorzügl. Reit« künstlerinne.r Geschw. Meer«, Orforv, Natalie, Geschw. Fnda und Elise.— Auftreten der berühmten Künstler-Familie Briatore.— M. Metzgeh mit seinem höchst komischen, dressirtm Esei. Morgen: Große Vorstellung: Im dunklen Erdttzetl. Sonntag 2 Vorstellungen. O. N..», Direktor. OllMSUW Busch. Krte»rtch-«ari-nfer. Heute, Tonnerstag, den 24. Oktober 188S Abends 7tzllbr: 423 ® amen-® u!a-19or flcB. Die Damen werden in dieser Vorstellung die Stollmeister vertreten. l. Mal: 8 Hengste, in Freiheit vorgeführt von Frau Direktor Busch. Unier Blumen und Guirlanden. 1. Mal: Doppel- Jvckry der Damen Mll. Maria Dore und Mll. Margarithe. Ein Liebesspiel zu Pferd. Frl. Amalra in ihren pbänomenalen Leistungen. Nur noch einige Gastspiele der Kanonen-Könipin Miß Victorina. Letzte Vorführuna der durch Herrn Carl Hagen- deck impollirten Thiere. Parforce» Reiterinnen Frl. Jansen u. Rosa. Walküre-Manöver, ge- ritten von 20 Domen.— Näheres die Plakate. Sonntag: 2 Vorstellungen, 4 u. 7l Uhr. Mall» «.» 9 m. 10» nu Sai««r>lt.aM*pi In dreier Woche. Zum ersten Mal; V. Eyci.: Die Pariser Wrlr-AvsAeluug. 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Co., Engel-Ufer 1c, Meyer, Gollnowstr. 19, Gebr. Weimann, Königgrätzerstr. 81, Graul u. Heinicke, Lou,sen-Ufer 46, K i r s ch n e r, Adalbertstr. 42, B i l l i n g, Waldemarstr. 65, R a h n, Brunnenstr. 154—155, Lutze, Reichenbergerstr. 57, Schröder, Adalbertstr. 63, Lange, Liegnitzerstraße 5, Jacksch, Naunynstr. 44. K i e ß l e r, Reichenbergerstr. 38, Philipp, Manteuffclstr. 113, Krüger, KrautSstr. 31, Ger icke, Höchstestr. 32, Höge, Ritterstc. 57, Muth, AndreaSstr. 53, Kresten, Frank furter str. 118, K r a m e r, MarkuSstr. 37, W a l d e y e r, Pallisadenstr. 17. Ferner haben die Kollegen, wo für oben an- geführte Werkstätten gearbeitet wird, sofort die Arbeit niederzulegen. Die Kollegen werden er- sucht, übeiall mit den Forderungen heranzutreten und sich, ob Resultate erzielt worden find oder nicht, bei der Kommission, welche ununterbrochen von früh 9 Uhr ab im Restaurant K e ß n e r Annenstraße 16, anwesend ist, sofort zu melden. Von jetzt ab werden nur neu hinzutretende Werkstätten veröffentlicht. Alle anderen bleiben so lange gesperrt, bis die Kommission bekannt giebt, daß die Sperre aufgehoben rcsp. bewilligt worden ist. Auch haben sich sämmtllche Strer- kende behufs Kontrolirung täglich von Morgens 9 Uhr bis Nackmittaqs 4 Uhr zu melden. 423 Dir Kommijsto» der Kildstaurr. TtiMli>emi>krtitislIjekWiiil>icreiil f.d.5.Kerl. Reichstagswahlkreis. Versammlung am Freitag, den 25. Oktober, Abends 8 Uhr, im Lokale Münzstr. 11(oberer Saal). Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassirers. 3. Neuwahl des gesammten Vorstandes. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreichen Besuch wird gebeten._ 416 Wv.h.MMtkitttiMS-, er- nnii IiiiWimtml. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die dies monatliche Versammlung auefällt,— dafür am Sonnabend, den 26. Oktober, Abends 8� Uhr, bei Jordan, Neue Grünstr. 28 elll gmöthllches Zulanmeiiselll mit Damen und Herren, bei welchem homoristi- scher Vortrag und darauffolgender Tanz statt- rndet. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. s426I Her Vorstand. Berliner Kranken- vnd Bearabniß lasse svr Frauen und Mkidlhen (E. 0. Nr. 97) am Tonntag, den 3. November, Nachm. 3j Uhr: General-Versammlung in den»Central-Festsälen", Oranienstr. 180. TageS-Ordnung: 1. Rechnungslegung. 2. Wahl. 3. Wahl von Krankenbesucherinnen. 4. Kassenangelegenheiten._ 415 Achtung! AMer-kesiiiBtrck Nock Erste Uebungsstunde am Freitag, den 25. d. Mts., Aoends 8t Uhr, bei G n a d t, Brunnen. trabe 38. Mitglieder, aktive und passive, wer» den aufgenommen. Um pünktliches Erscheinen ersucht[403] Der Vorstand. m jfctftnbttk"'epanSauer�?''� am hiesigen Platze bekanntlich[1653 Grdsste Auswahl. Harantlrt stcher brennende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Presse! Sämmtliche im Handel befindlichen Roh- Tabake find am Lager. A. Goldschmidt, Tpandauerbrücke 6 am Hackescker Markt. Kitte lesen Die! Im Versag verfallene Winter-F aletots, sowie Anzüge, einzelne Jaguet». Hosen, Tamen-Mäntel und-Kleider, Hüte, Stiefel, Wäsche, Nhre«, Bette«, Reise- «. Holzkoffer k. Alles in alt und neu sehr billig zu verkaufen bei[1745 JbalHetdt. 127» Bitte rechr genau auf Namen und Nummer zu achteu. Große öffentliche Mölsler-Uerfamt des 41. KoMMRnal-Mahldexirks Wedding am Freitag, den 25. Oktober, Abends 8 Uhr, im Weddingpark, Müllerstr. 1" TageS-Ordnung: u 1. Die bevorstehenden Kommunalwahlen. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bej>« und Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellcrsammlung statt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Das Central-Watzl! 2 lr. 24 Wir verö 8 der Zeit iber 1849. otha. eordneten Pereichiiig der deiiAc» Maler, Lalkierer, Aaßrei aewaadteii Benchposscit, Walei Berlind. WiedererSttnung der Fachschule am I. Novemher 1889 Praktische Malschule. Holz- und Marmormalen nach den neuesten Met ho d nach GypS; bunt, Blumen, Früchte, Stylleben, Omamente und Dekorationen. Vorzui Der Kursus dauert 4 Monate und findet der Unterricht an 4 Wochentagen 7—9 Uhr und Sonntags Vormittags von 8—12 Uhr statt.. wr-—„. �, Das Schulgeld beträgt pro Kursus für Mitglieder, welche länger als 3 Monabtt vor 4» �za einigung angehören 8 Mark, für andere Mitglieder 10 Mark und für N!chtmitglieder>.kregt. T>,e i Um zahlreiche Betheiligung bittet_ Tie Fachschulk»«������ Große öffentliche Wälsler-NerfammlKH.",.)' des 33. Kommnnai-Malsldezird�Sw Heute, Donnerstag, den 24. Oktober, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Widemann,""Ks TageS-Ordnung: l?n9 Äf 1 1. Die bevorstehenden Kommunalwahlen. Referent I. G n a d t. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bezirkskomitees. Verschiedenes. n Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht________.___ Kärgnoerttn ähnlichen V Bas Oentral-Wahlkomitee. I. A. Große Uersammwng der Fr. Vereinigung d. Hausdiener D am Donnerstag, den 24. Oktober, Abends 8\ Uhr, in Jordan'« Salon, Neue TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Wilhelm Werner über„Kapital und Arbeit". 2. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Um z scheinen ersucht Der vorstand. I. A.: H. Panzer, Kurfür! Große öffentliche Uersamminng der Uergolder und Fachgenoffen Kerl am Freitag, den 25. Oktober, Abends 8 Uhr, in Scheffer'S Salon, Jnfelstt- TageS-Ordnung: 1. Bericht der Streikkommission über die eingelaufenen Gelder. 2. Diskussion. 3.V< Das Erscheinen Aller ist unbedingt nothwendtg. Die Streilkommis SPHTSHTSJTITJETJJJEISrrrJJHTH« ■-■■*----- �"erolä, Berlin S.-O. MMMS, BeHi" Nr. 3. Keichenbergerstraße Ur. 6, _m_ zwischen Kottbuser Thor und R i t t e r st r a ß e. :j; Möbel- Mll PolstemMM-Fakrii V Gediegene Arbeit. Zeitgemäße preise. C-nlante Zahlungsbedinga" Freibura cke Verhan! Thäl nehmer hier von Ehrist oph H« wurden weg« ' 2 de« Ges n 10 Jaf traferstehur (209) 1 Augsburg, boy'rsscheS L Herdelbera. deutsch« Flu benwald ui Reichslruppe> dahier bei d, Einnicken de om Neckar« mando des t Jakob S berg) ließ sie! xamer unl dein Gefecht« Flotian »ikchen Aussl sich aufhaltei Kommando i und betheili Siurme« au berg mit di das Trefftn Diese 5 andgerichtS Endlichen fverrötherisch« Ihrlb jeder iTragung de »theilt. Diese« der Angekla Mannhl Im Namer I'eppieke, MbelstoKe, Kuräme» -4 A 7 Stadtami» Käufer«ud Kuolem». Mannh Verkauf zu Fabrikpreisen« Greuea Lairer vom Portiären, Reime- and Timckdeekes. Stoehr St Behrf n.»% nd Timckdeekes. Möbel und Palsterwaare» eigener auch auf Theilzahlung Rosenthaler- Strasse 54, I. Möbel. 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Beuthstraße ite Jac« rbeiterhau efer Thei d erfchiei er gefani bracht, i en das nicht v gerade rech lhätig mit 'S mit «Sar hin eidelberg, f�nN « Thäiigk Festung 9 helfen. >eg«n B .rkte als nd bei l scheint, so einigen wobei üben, so darauf soh ""och«rga Kirr»« ein« «ml« lg„ lerstr. 1|& ieä Beilage ntm Berliner BolNlatt. WahlbKr. 249. iittiß- nä. 1889'' Nethodi Vorzuj 33«"- Donnerstag de« 24. Oktober 1889. 6. Jahrg. nann, Hot 40 Meu. Wir veröffentlichen fohlende Aktenstücke nach der„N. B. t der Zeit nach der badischen Revolution, August und Sep» der 1849. otha, 23, August. Der Tod des Reichstags» „eordneten Adolph v. Trühschler hat in unserer Stadt, wo Monate ltr vor 84 Jahren geboren wurde, die allgemeinste Sensation regt. Die betagten Eltern dieses jungen Mannes, die nun derlo» sind, bewohnen jetzt eines ihrer nahen Güter Heerda bei Ohrdruf) und waren von jeher als wahre Edel- >nte in dem schönsten Sinne des Wortes hochgeachtet. ahin ist auch die Wittwe des Verewigten zurückgekehrt. P-nfer älterer Bürgerverein hat in diesen Tagen eine r-l*ll'A®epu.to''.0,I Heerda geschickt, um der tiefbetrübten Familie innigsten Beileids zu versichern. Nur in den höheren reisen unseres städtischen Lebens scheint man an dem Spröh- ing eines altadeligen und sehr begüterten Hauses selbst durch ein blutiges Ende nicht die„Verirrung eines exaltirten Ge- -üthe»'" als gesühnt ansehen zu wollen. Er hinterläßt zwei ffnungSvolle Sinder. Der heutige Tag ist von dem älteren ürgervereine zu einer Todtenfeier sür Trützschler in dem ge- ähnlichen Versammlungslokale des Vereins bestimmt. Freiburg, 1. September. Heute war wieder eine öffent- lcke Verhandlung vor dem Standgerichte dahier gegen zwei Thnlnehmer an der letzten Empörung. Andreas Philipp I Sohler von Weil im Dorf(Königreich Württemberg) und Christoph Halter von Lenzburg(Kl. Aargau in der Schnm.) wurden wegen Theilnahme am Hochverrath, nach Ansicht des K 2 des Gesetzes vom 9. Juni v. I. in eine Zuchthausstrafe �von 1v Jahren und in die Kosten der Untersuchung und "* 2. SjStrafnftt&ung verurtheilt. m Bekanntmachung. rsürst�.(206) 1. Nr. 1447 Karl Ahrens, Naturforscher aus --- Augsburg, und Conftantin Thalheimer aus Leim(königl. � jbaywifchrs Landgericht«! München) traten Beide, jErsterec in z 1 Heidelberg. �Letzterer in Freibura, freiwillig in die polnisch» . FlüchtlingS-Legion, marschirten mrt solcher in den > �.||p3d«nwald und machten das Gefecht bei Hirschhorn gegen die >Lr»�Re.chstruppen mit. Johann Mayer aus Nürnberg ließ sich dahrec bei der Volksartillerie anwerben und verrichtete bis zum Einiucken der preußischen Truppen bei der an der Kettenb:ück« am Neckar aufgestellten Feldbatterie Dienste unter dem Kam mando deS Stud. Steck. ..i(t Jakob Schmierer aus Ecdmannshausen(Königreich Württem- ließ sich ebenfalls freiwillig bei dem sog. Kne.Zkommissar Hexamer unter ein FieikorpS einlheilen, und betherlrgte sich an ITÖu|bcm Gefechte bei Waghäusel. i m a* i Fio-ian Kupferberg aus Mainz, beim Ausbruche des psäsi »'lchen AuSstandeS als Etudirender der Medizin m Heidelberg , stch aufhaltend, eilte hier m die Pfalz, ließ sich unter das dem �Kommando von W llich unterstellte Studentenkorps einreihen Mund betheiligte sich bei der Zernirung Landaus, sowie des Keu« 5, ingd ine' SiurmeS auf diele Festung. Am 19. Juni überschritt Kupfer berg mit dem Wellich'schen KorpS den Rhein und machte so das Treffen gegen die preußischen Truppen bei Stettfeld mit. Diese 5 Angeklagten standen heute vor den Schranken des ndaerichts dahier, wurden nach gepflogenen öffentlichen und mündlichen Verhandlungen der Theilnahme an dem hoch. verrätherischen Ausstände in Baden für schuldig erklärt, des hrlb jeder zu einer lOjährigcn Zuchthausstrafe, sowie zur Tcagung der Untcrsuchungs- und Slraferstehungskosten ver- »rtheilt. Dieses Urtheil wurde diesen Nachmittag durch Ablieferung der Angeklagten in die Strafanstalt vollzogen. Mannheim, den 1. September 1849. Im Namen der Untersuchungskommission des Standgerichts. Gärtner. Verfügung. (209) 1. Auf Grund des Beschlüsse« des Grobherzoglichen Etadtaml» Hierselbst wird Karl Silberhar wegen versuchter usreizung von Soldaten gegen einander mit 3 Wochen ge- barstem Gesängniß bestraft. Mannheim, den 1. September 1849. Der Major und Kommandant. v. Plehwe. Rastatt, den 3. Septbr. Heute war nach einwöchentlicher ause wieder das erste Standgericht. Der Angeklagte war ecobi aus Mannheim. Seine ganze Geschichte läßt fi. rz zusammenfassen und zurückführen auf die schon mehrfw igewesenen� Momente: Betheiligung an früheren Auf änden, Thätigkeit vom Beginn der letzten Revolution bis ar Zernirung von Rastatt und Verhalten während der Be- lagerung. Wegen dieser Aehnlichkeit mit dem Lebenslauf seiner Genossen, wegen Mangels besonderer Auszeichnung oder bervorragender Stellung bot der Prozeß des Angeklaglen nicht b'SlW jJ» viel Stoff zum Interesse, wie seine Vorgänger, daher die «*|anbl,£n? uicht so zahlreich besucht und nicht so aufmerksam C �qfii!!,t,?n4J?n6e vnfolgt ward, um so mehr, als sie sich von zonr»»As Ubr Morgens bis halb 2 Uhr Nachmittags rett> vahl«"� im Vergleich zu ii0l*> unerhört lange "pnief* Mannheim und zaZif DeC 87, SP'S mr« »u» Wer'l� blU- «•! 88, U« erb. i'A bnS$*&' . 1...... ausdehnte, eine den früheren standrechtlichen Verhandlungen ...Der Angeklagte war Schreiner in tOAa beteiligte sich an den dortigen Exzessen wober, fast gleichzeitig mit dem Hecker- «n Aufstand, die bayerischen Truppen in Ludwigshafen .n der Rhembrucke m Mannheim beschossm wurden und nigen Verlust an Tobten und Verwundeten erlitten. Damals ehrte Jacobi eine AbtheUung zur Bürgerwehr sich anreihender .rbeiterhaufen und feuerte auf das ,enseitige Ufer. Infolge «eser Theilnahme an den Unruhen flüchtete er von Mannheim, >nd erschien erst wieder beim Struwe'schen Aufstand im Herbst. 'rer gefangen genommen, ward er in's Zuchthaus zu Bruchsal bracht, von wo er kurz vor der diesjährigen Revolution en das Gelöbniß, sich ruhig in Mannheim verhalten und nicht von da entfernen zu wollen, entlassen ward. Er kam 8«!«de recht in Mannheim an, um bei Eröffnung der Revolution 'batig mitzuwirken. Er wurde Chef des Arbeiter- Bataillons, J mit demselben auf den damaligen Kriegsschauvlatz am aar hin und her, nahm gelegentlich eine Schiffsladung bei «delbrrg, welche Blei enthielt und nach Heiltronn bestimmt ar, weg, wobei er den Eigenthümer zu erschießen drohte, ''S!." Ü• Geringsten zu widersetzen wagte; war spater i Tha agiert in dem Gefecht bei Durlach, und betrat die tfesiurg Rastatt mit der Absicht, dieselbe mit vertheidigen htls-n. Er wurde zum Kommandanten des Forts A. wen Baden und Riederbühl gelegen) ernannt und .rkte als solcher mit zur Anzündung von Niederbüh nd bei nnrm dahin stattgehabten Ausfall. Bei letzterem scheint, so viel aus der Aussage mehrerer Zeugen hervorging, emtgen Hausern von Niederbühl Feuer gelegt worden zu r,«ober selbst Jacobi und fem Adjutant nicht unverdächtig •»de«, so daß also Niederbühl nicht allein durch die gleich arauf folgende Beschießung in Flammen gerathen sein mag vch ergab sich hier nur ein Schein von Verdacht, wegen dessen Jacobi nicht angeklagt wurde. Seine übrigen, freilich unerwiesenen Handlungen, boten dem Staatsanwalt Grund, auf die Todesstrafe anzutragen. Der Angeklagte suchte sich hieraus in einer langen, in'« Kleinliche gehenden Erzählung als völlig unschuldig darzustellen, ja bei besonders hervorgehobenen Thatsachen sich einen Anstrich von edlem Cha- rakter zu geben, was ihm durch die Reihe von Lügen, durch welche er sich durchwinden mußte, nichts weniger als gelungen ist. Ich will hiervon nur eins anführen. Am Tage nach jenem Ausfall gegen Niederbühl schickte er einen Morgenrapport an den Gouverneur Tiedemann, worin er sich des Ausfalls rühmt, seinen Truppen Beifall zollt und beifügt, daß seine Geschütze, die er— beiläufig gesagt— meist selbst richtete und mehrmals selbst feuern ließ, den Ausfall tüchtig unterstützt hätten. Somit des Kommando's zum Ausfall gegen die preußischen Truppen überwiesen, gab er an, diesen Morgenrapport nicht selbst ver- faßt zu haben, sein Fourier habe Alle derlei Dinge aufgesetzt und er sie häufig, ohne sie zu lesen, unterschrieben und an den Gouverneur gesendet. Die Zeugen waren zum größten Theil FestungSkanoniere, welche Zeugniß gaben von Jacovi'S Thätigkeit als Fortkommandant. Ein junger Mensch von achtzehn Jahren, der zum ersten Aufgebot gezwungen, und auf Major Heilig'S Zureden zur Festungsarlillerie gegangen war, äußerte sich gleichfalls nicht zu Gunsten Jacobr'S, dessen Theilnahme an der Beschießung von Niederbühl sich immer mehr herausstellte. Als der junge Mensch abtreten wollte, stellte Jacobi ihn zur Rede über seine Angaben und sagte:„ES thue ihm leid, von einem Zeugen solckes zu hören, und noch dazu von einem jungen Mann, von dessen Jugend er doch wenigstens noch ein sittliches Gefühl und Religion er- wartet." Doch kaum war dies Wort dem Angeklagten ent- fallen, so wurde dem Angeklagten das Wort vom Munde ab- geschnitten. Es folgten noch viele Entlastungszeugen auf Be- gehren des Jnkulpaten, die aber alle nur anzugeben wußten, daß ihnen ewige der Handlungen, deren Jaeoby angeklagt war, nicht bekannt seien; zudem wies sich aus, daß der An- geklagte nur solche Personen als Entlastungszeugen namhaft gemacht und verlangt hatte, mit denen er kurz zuvor in ge- meinfchaftlicher Haft beisammen war, also sich nach Belieben mit ihnen hatte verabreden können. Auch der Vertheidiger zeigte durch die Lauheit und Gleichgiltigkeit seines Vortrages, daß er für Jacobi wenig zu sagen wußte. Er suchte sich hauptsächlich daran zu halten, daß einer der HauptentlastuimSzeuaen, auf den Jakobi am meisten Werth legte, wegen Krankheit nicht zugegen war; sein HauptmilderungSgruno war der, daß schon so viele TodeSurtheile in dieser neuesten Zeit ausgesprochen worden, man also jetzt darin nachlassen solle. Dies war nun freilich ein Grund, der giltig zu sein werth ist; aber deshalb steht die Zahl der Opfer doch fest, die noch büßen müssen, und unter diesen war Jacobs. Nach einer kurzen Ermahnung des Staatsanwalts an das Standgericht und nach einer halbstün- digen Berathung des Gerichts verras der Präsident desselben das einstimmige TodcSurtheil über Jacobi, welches dieser ganz ruhig vernahm. Es werden, wie wir hören, in dieser Woche noch drei standgerichtliche Verhandlungen stattfinden.— Das Ur- Iheü wurde noch gestern um 7 Uhr vollzogen. Der Verurtheilte erschien mit der Ziaarre im Mund, wies den Geistlichen von der Hand mit den Worten:„Ich bin Pharisäer und habe gar keine Religion," ließ sich die Augen nicht verbinden und kom- mandirte selbst:„Schlagt an! Feuer!" So starb wieder ein Mann, dem absolut nichts bewiesen wurde außer seine Theilnahme am Ausstand. Der obige Be richt entstammt einem gegnerischen Blatte. Dentscher Reichstag. 2. Sitzung vom 23. Oktober, l Uhr. Am Tischt des BundeSraths: von Boetticher,von Marschall u. A. Auf der Tagesordnung steht die Wahl der Präsiden ten und Schriftführer. Die Wahl findet nicht, wie allgemein erwartet wurde, durch Zuruf statt, sondern durch Zettel. Da zunächst die Beschluß- säbigteit des Reichstags festgestellt werden muß, schlägt der Präsident von Levetzow vor, diese Feststellung mit der Wahl der ersten Präsidenten zu verbinden. Bei der Wahl des ersten Präsidenten, während welcher der zweite Vizepräsident von Unruhe- Bomst den Vorfitz führt, werden nur 195 Stimmen abgegeben; der Reichstag ist also nicht beschlußfähig und kann die Wahlen nicht voll- ziehen. Die nächste Sitzung findet Donnerstag Nachmittag 1 Uhr statt.(Wahl der Präsidenten und Schriftführer.) Lokales. Das Tempelhof-r Feld scheint gegen das Betreten des Publikums doch abgesperrt werden zu sollen; im Norden und Osten des Gebietes hat sich diese Absperrung bereits ziemlich vollständig vollzogen. Längs der Britzer Chaussee sind in letzter Zeit die allen, nicht übersteigbarm Zäune durch neue und höhere ersetzt und selbst die neue Straße Nr. 153 in Rixdorf, welche von der Chaussee nach dem Friesen-Hügel zu führte, hat an ihrem Ausgangspunkt einen großen Thorweg erhaltm, ob- gleich ein Passiren dieser noch nicht gepflasterten Straße bei dem gegenwärtigen Wetter unmöglich ist. Ebenso ist die Wanjlickstraße, welche direkt auf das Tempelhofer Feld mündete, von diesem durch einen breiten Graben und einen hohen Bretterzaun getrennt und abgegrenzt; einzelne Fußgänger habm sich durch Ausheben einiger Pfähle aus einem der seitlich an jener Straße errichteten Staketenzäune einen Zugang zu dem Felde offen gehalten, aber nur selten sieht man in dm spätm Nachmittagsstundm «mige Arbeiter von Tempelhof und Schöneberg her nach R-r- darf zu über das Feld gehm. Der Nordrand desselben ist in der ganzen Ausdehnung vom Pionier-Uebungsplatze bis an die Rixdorfer Gemarkung ebmfalls gesperrt und zwar bereits längs der Eingänge zur Hasenhaide, wo die Durch- Zange am KarlSgartm und an der Fichtestraße ge- chlossm gehalten werden; an der letzteren Stelle st erst kürzlich ein hohes Thor zwifchm dem Grenzzaun de« AuSstellungSparkeS und dem sogmannten JägerhäuSchm er- richtet. Wie oerlautet, wärm vor einiger Zeit Klagm darüber laut gewordm, daß von unbefugter Seite auf dem Tempel- hofer Felde Buddeleien vorgmommen feien, welche für die Truppenübungen, namentlich für die Hebungen der Kavallerie hinderlich warm. D es dürfte den Anlaß zu dm Absperrungs maßregeln gegebm habm. Das weite Feld, das sonst um diese Jahreszeit vielfach von Spaziergängem aufgesucht wurde, liegt jetzt völlig verödet. Anf der Berliner Stadtbahn werden gegenwärtig zwei sogmannte Blockstationen angelegt, deren eine zwischen dm Stadtbahnhöfen Friedri-iistraße und Lehrter Bahn an der Fem- seite in unmittelbarer Nähe der Karlstraße und deren zweite an derselben Seite zwischm dm Bahnhöfen Lehrter Bahn und Bellevue in der Nähe der Werftstraße Aufstellung findet. Diese Blockstationen sind sowohl sür dm Stadt., als für dm Femverkehr bestimmt und dimm dazu, die Möglichkeit einer zahlreicherm Aufeinanderfolge der Züge zu geben. Nach dem Bahnpolizei-Reglement für die Eisenbahnen darf zwischm zwei blockirten Stationm gleichzeitig nur ein Zug nach jeder Rich- tung sich bewegen, der folgende also nicht früher vom Bahnhof abgelassen werden, als bis der vorausgehende aus dem vor» liegenden Bahnhofe ausgefahren ist. Für den Stadtverkehr wirb durch die Neuanlagm der schon längst geplante Fünf- minuten-Verkehr vorbereitet, für dm Fernverkehr werden zahl- reiche Betriebsstörungen vermieden und die Vermehrung der über die Stadtbahn zu leitmden Femzüge ermöglicht. Dahin- gegen wird die Hoffnung der Bewohner der Friedrich-Wrlhelm- stadt und des Stadttheils Moabit auf Anlage zweier neuer Stadtbahnhöfe an den gedachten Stellen getrübt, da nunmehr wohl längere Zeit verstreichen dürfte, ehe die königliche Bahn- Verwaltung mangels eines aus dem Betriebe selbst mtsprin- gendm Zwanges den vielfach ausgesprochmm Wünschen Rech- nung tragen wird, um so weniger, als sich die Errichtung eines JernbahnhofS am Bahnhof Bellevue als absolut geboten herausstellt. Der Nerkrhr auf bem Einwohner-Meldeamt» ist aegenwärtig wieder ein sehr lebhafter. Die bei dem letztm Umzugstermin stattgehabtm Wohnungsveränderungen werden bereits, soweit sie zur polizeilichen Anmeldung ge- ommen sind, nachgewiesen und die Zahl der Geschäfteleute und Behörden, welche aus Anlaß des Umzuges Auskunft über den Verbleib oder über die neue Wohnung von Personm zu 8>aben wünschen, ist eine recht bedeutende. Handwerker, Kauf- eute, Beamte, Gerichtsvollzieher und Wechsel proteftirmde Notare füllen den kleinen Raum beständig, welcher sür den Ausenthalt deS Publikums und zur-.Abgabe der Personalien desjenigm, dessen Wohnung man zu erfahren wünscht, be- stimmt ist. Für den Verkehr an dieser Stelle des Einwohner- Meldeamts aber, machen sich gegmwärtig, wie auch schon früher einzelne Geschäftsleute und deren Beauf- tragte störend bemerkbar, welche ganze Listen von Personen haben, bezüglich deren sie einm Wohnungsnachweis wünschm. Speziell sind es die Inhaber von Abzahlungsgesckäftm, welche von ihren Eintreibern die Nachrichten von dem meist spurlosen Verschwinden ihrer Kunden erhalten hoben und nun zu deren Ermittelung die Hilfe des Einwohner-MeldeamteS in Anspruch nehmen. Durch diese sehr zahl- und umfangreichen Anfragen, durch welche einzelne Beamte oft stundenlang beschäftigt und der Abfertigung des wartenden Publikums entzogen werden, gestaltet sich der Verkehr beim Einwohner-Meldeamt für jeden Nachfragenden zu einem sehr zeitraubenden Geschäft. Es wäre im Hohen Maße erwünscht, wenn solche Sammlungen Ver- zogener, deren Wohnungen ermittelt werden sollen, auf anderem Wege erledigt werden könnten, als durch die für die Abferti- gung einzelner Anfragen bestellten Beamten. Die Herbst- K-ntrowersammlnng wird mit den in Kontrole deS Landwehrbezirks i stehenden DiSpositionSurlaubern, Reservisten und den zur Disposition der Ersatzbehörden ent- lassenen Mannschaften wie folgt abgehalten: l. Mit der Garde: (Feldwebel- Meldeabtheilung 1, 2, 3) Exerzierplatz am Land- wehr-Dienstgebäude, Kaiser Franz- Grenadierplatz 11 und 12. H. Mit nachbenannten Linien truppen: 1. Jäger, Feldartillerie, Fußartillerie, Eifenbahnregiment, Luftschiffertruppen, Lazareth- aehilfen(ausgebildete und halbjährig gediente), Unterapotheker, Militärapotheker, mit der Waffe bei Linientrnppen gediente, später als Apotheker approbirte Personen des Beurlaubtenstande«, Krankenwärter, Geistliche, Roßärzte, Unterroßärzte, Jahnen- und Beschlagschmiede, Zahlmeister- und Reserve« Zahlmeister- Aspiranten, Oekonomiehandwerker, Arbeitssoldaten und Marine (Feldwebel- Meldeabtbeilung 6, 7 und 9) im Exerzierhau« nebst Plätzen des 3. Garderegiments z. F., Wrangelstr. 102/104, Jahresklassen: 1889, 1888, 1887, am Donnerstag, den 7. No- vember, 1886 am Freitag, den 8. November, 1885 am Sonn- abend, den 9. November, 1884 am Momag, den 11. November, 1883 am Dienstag, den 12. November, 1382 am Mittwoch, den 13. November, 9 Uhr Vormittags. 2. Kavallerie(einschließlich der Krankenträger der Kavallerie), Büchsenmacher und Büchsen- macher-Gehilfen aller Waffengattungen(Feldwebel- Mcldeab- theilung 5) im Exerzierhaus nebst Plätzen des 3. Garderegi- ments z. F., Wrangelstr. 102/104. Sämmtliche JahreSklassen der Reserve(1889 bis einschließlich 1882) am Donnerstag, den 14. November, 9 Uhr Vormittags. 3. Train, Krankenträger (ausschließlich derjenigen der Kavallerie), Miliiärbäcker(Feldwebel-Meldeabtheilung 8) im Exerzirhaus nebst Plätzen de« 3. Garderegiments». F., Wrangelstr. 102/104. Sämmtliche JahreSklassen der Reserve<1889 bis einschließlich 1882) am Freitag, den 15. November, 9 Uhr Vormittags. Welcher Jahre«- klaffe leder Einzelne zugehört, ist auf dem Deckel des Militär- passes angegeben. III. Mit den nachfolgend aufgeführten Kate- aorien: 1. Offizier- Aspiranten, sämmtliche JahreSklassen der Reserve(1889 bis einschließlich 1882), und zwar:-) der Garde, des Eisenbahn- Regiments und der Marine, am Donnerstag, den 7. November, 1 1 Uhr Vormittags; d) aller übrigen Pro- vinzialtruppen, ausschließlich der Infanterie am Freitag, den 8. November, 11 Uhr Vormittags. 2. Sämmtliche Unterarzte der Reserve(JahreSklassen 1889 bis einschließlich 1882) am Sonnabend, den 9. November, 11 Uhr Vormittags. 3. Zur Disposition der Ersotzbehörden Entlassene mit den Anfangs» buchstaben A bis einschließlich K am Montag, den 11. Noobr., 11 Uhr Vormittags, Ezerzierplatz am Landwehr-Drepstgebande, Kaiser-Frar.z-Grenadier-Platz 11—12. Die Mannschaft hat sich unter Mitführung ihrer Mflitarpapiere punktlich einzufinden. Versäumnisse haben die gesetzlichen Strafen zur Folge. Die von eine» russischer Studenten im vorigen Semester errichtete eigene Lesehalle in der Karlstraße wird in bem neuen Semester nicht wieder eröffnet, da die Anzahl dieser Studenten sich so erheblich verringert hat, daß man hierin eine Folge der Ausweisungen sehen muß. Für Naturfreunde. Interessant ist es, beim Durch« wandern des Aquariums die hier und da laut werdenden An- sichten der Besucher über diesen und jenen Gegenstand zu ver- nehmen und oft, ja meistentheils läßt sich beobachten, daß an dem Werthvollsten achtlos vorübergegangen wird. So ergeht es nur zu häufig den kleinen Meerthieren, und doch kann gerade augenblicklich der Wanderer durch das Aquarium nicht genug auf die Seehecken, da sie gegenwärtig so viel de« Neuen und Seltenen bieten, aufmerksam gemacht werden. Sehr groß ist die Reichhaltigkeit an Seerosen, Seenelken, Seesternen und nicht zu vergessen an KrebSthieren, unter denen die das Becken mit Bernhardskrebsen, kleinen Haifischen, u. A. theilende Seeheuschrecke oder Mamis den aufmerksamen Beobachter durch das Spielen ihrer«Flossenfüße" und«Fühler" und durch die wirk» lich abenteuerliche Gestalt in Anspruch nimmt. Die Scheibe eines der drei vor der Seehundgrotte befindlichen Becken, welche Seerosen, Wurmschnrcken u. dergl. beherbergen, ist besetzt mit Gruppen winziger, weißer, in der Große von Nadelspitzen er- scheinender Pünktchen, die der Laie wohl gar für Staubtheil- chen hält, während der Forscher in ihnen die Brut von Quallen erkennt. Noch interessanter für den Naturfreund ist eine zweite Bmtkolonie auf einem am Boden desselben Beckens liegenden Stein. Sie gehört einer Hydromedusenform an, welche der Forscher poclocmyne carnea nennt; ihre Glieder stellen sich dar als kleine, wenige Millimeter lange, an der Spitze ein winziges Knöpfchen tragende Fäden, denn über den eigentlichen Bau giebt erst die nähere Untersuchung Auskunft. Kelbstmord im Ftrberwahrr. Ein entsetzlicher Anblick bot sich gestern Nachmrttag in der dritten Stunde Passanten und Bewohnern der Bernauerstraße an der Brunnenstraße. Aus einem in der zweiten Etage des Hauses Brunnenstr. 26 belegenen Fenster schwang sich zur genannten Zeit ein nur mit einem Hemde bekleideter Mann und stürzte auf das Straßen- pstaster hinab, auf dem er blutüberströmt liegen blieb. Man schaffte den Verunglückten, welcher nur noch schwache Lebens- zeichen von sich gab, nach dem Hause zurück, und hier stellte es fich heraus, daß der BedauernSwerthe ein in der zweiten Etage wohnender Tapezier R. sei, welcher schon längere Zeit bett- lägerig war und jedenfalls im Fieberwahn den Selbstmord- versuch verübt hat, nachdem seine Frau im Glauben, daß der Kranke schlafe, das Zimmer verlassen hatte und in ein Neben- gemach gegangen war. Die arme Frau kam gerade in dem Augenblicke zurück, in welchem der Patient sich von der Fenster- brüstung herabstürzte Als Frau R. voller Entsetzen die Treppen hinuntereilte, brachte man den Unglücklichen bereits hmauf. Ein sofort geholter Arzt ordnete die Ueberführung dcS R., welcher einen Schädelbruch erlitten, nach einem Krankenhause doch starb der Schwerverletzte bereits eine halbe Stunde an nach geschehener That. Da» spurlose Uerschminde» eine« Großindustrielle« der Tabaksbranche erregt in weitesten geschäftlichen Kreisen allgemeines Aussehen. Die im Zentrum der Stadt domizilirte alte und renommirte Firma genoß in der Geschäftswelt das größte Vertrauen und die Kredite, welche derselben gewährt wurden, waren unbeschränkte zu nennen; hierzu kam noch, daß der gegenwärtige Chef eine sehr reiche«Geschästsehe" einge- gangen ist. Erst in allerletzter Zeit wurden die Zahlungen ge- nanvter Firma unregelmäßig und vor 14 Tagen etwa verreiste der Geschäftsinhaber, ohne sein Personal, ja sogar nicht ein- mal seine Frau davon unterrichtend, aus«unbestimmte" Zeit. Zahlungen wurden von da ab überhaupt nicht mehr geleistet und die Gläubiger mußten Konkurs anmelden. Der spurlos Verschwundene Tabaks-EngroS- Händler scheint durch verfehlte Spekulationen sein beträchtliches Vermögen verloren zu haben. Megen Halten» von Mast-Gänse« hat ein HauSwirth im äußeren Sudosten der Stadt gegen zwei seiner Miethcr die Exmissionsklage angestrengt; er begründet die Klage mit dem Hinweise auf die kontraktliche Bestimmung, wonach die Miether ohne besondere Erlaubniß des Wirthes keine HauSthiere halten dürfen. Die Leute haben magere Gänse in Rummelsburg ge- kauft und dieselben in einem Verschlage in der Küche unter- gebracht. Die von dem HauSwirth vor der Anstrengung der Klage angerufene Revierpolizei hotte ein Einschreiten abgelehnt, da ein öffentliches Interesse bei der Angelegenheit nicht in Frage stehe. Dir Kunde von rinrm Todschlage, der durch Berliner Turner verübt sei, verbreitete sich am vorgestrigen Abend in Pankow und rief in unserem Nachbarörtchen allgemeines Auf- sehen hervor. Auf Grund genauer Recherchen find wir in der Lage, über den Vorfall näbere Mittheilungen machen zu können: Vorgestern Vormittag passirten die drei Brüder Tramnitz die Mühlenstraße in Pankow, als ihnen am Ucber- gang der Stettiner Bahn eine etwa 30 Mann zählende Ab- theilung Berliner Turner entgegenkam. Der älteste der drei Brüder T, ein in der Florastraße 2S wohnender Rohrwäscher, welcher sich in angetrunkenem Zustande befand, machte einige spitze Redensarten gegen die jungen Berliner, Gegenrede ver- letzender Art sielen und bald kam es zu einer allgemeinen Schlägerei, wobei die Turner mit ihren Musik- Instrumenten über die drei Pankower herfielen und namentlich den ältesten T. derartig zurichteten, daß er für tobt am Plötze blieb. Auch der jüngste T., ein Krüppel, welcher sich schützend über den Körper des Bruders geworfen, erhielt unzählige Wunden und Verletzungen am Kopf. Nachdem die beiden T. leblos da- lagen, zogen die Turner weiter und Passanten, welche den Vorfall mit angesehen, schafften nun die beiden schwer Verletzten nach ihren resp. Wohnungen. Namentlich der Rohrwäscher T. ist bis zur Unkenntlichkeit im G. ficht entstellt; auch steint der- selbe durch erhaltene Fußtritte innere Verletzungen davon ge- tragen zu haben.— Der Vorfall ist polizeilich gemeldet und die Recherchen nach den unbekannt gebliebenen Turnern im Gange. Nerschwnnben ist seit einigen Tagen ein Graf D., Re- {ierunaSassessor, welcher 200 000 M. Wechselschulden hinterlassen oben soll, ohne irgendwie für Deckung z» sorgen. Daß die «trauernden Hinterbliebenen" sich in großer Aufregung befinden, läßt sich denken. Die Angehörigen des„Vermißten" sollen den hiesigen Kaufmann L. beauftragt haben, die Angelegenheit im Wege des Akkords zu begleichen. Gine Tafchendiobi«, welche am 16. d. wegen Laden- diebstahls verhaftet worden ist, scheint dieses Geschäft in größtem Umfange betrieben zu haben. So fand man bei ihr 2 goldene Damenubrcn mit den Nummern 26 075 und 133 386; eine stählerne Uhr Nummer 2670; 4 goldene Damenuhrkelten, goldene Armbänder, an welchm noch die Auszeichnungen der Geschäfte hingen, Granatbrochen, Ohrringe u. dergl. m. Doch auch in Familien hat Fräulein Mirabeau— das ist der Name der Diebin— Proben ihrer Fingerfertigkeit abgelegt; so fand man verschiedene Portemonnaies, Rmge, Uhren, Ketten, Brocken, Armbänder bei ihr vor, welche sie in Familien, wo sie verkehrte, entwendet hat, u. a. eine auffallend große, ovale Brocke in Medaillonform mit dem Brustbild eines Mannes in der Tracht des vorigen Jahrhunderts; auf der andern Seite zeigt die Brache auf blauem Grunde das Monogramm L. S. Die Taschendiebin ist von schlanker Gestalt, hat dunkles Haar und dunkle Gesichtsfarbe, spricht süddeutschen(Frankfurter) Dialekt und trug einen anschließenden, dunkelgrauen Regen- mantel. Die Bestohlenen können sich Vormittags auf dem Alcxanderplotz im Polizeipräsidium, Zimmer 83, melden. ffiinr Frau mit der Pistole. Am Montag Vormittcg kurz nach 12 Uhr hat eine Schießaffaire in der Oranienstraßc, gerade vor dem Gebäude der Reichsdruckerei, nicht geringe Aufregung hervorgerufen. In der Reichsdruckerei ist an jedem Montag und Donnerstag der Professor der Kupferstechkunst, Herr Jocoby, beschäftigt: der Gmannte, der in Charlottenburg wohnt,'st technischer Baurath in der Verwaltung der könig- lichen Muieen. Als er am Montag Vormittag kurz nach 12 Uhr die Reichsdruckerei vn offen hatte und einige Schritte in der Richtung nach der Lmdenstraße gegangen war, feuerte eine etwa 40 Jahre alte Frau aus nur geringer Entfernung auf Herrn Professor Jacoby einen Schuß aus einer kleinen Taschen- pistole ab, glücklicherweise ohne zu Irrsten. Professor Jacoby wandte sich mfolge des Knalls sofort um; in demselben Augen- blicke versuchte die Frau einen zweiten Schuß abzufeuern, wurde daran aber durch einen sofort herbeieilenden Schutz- mann verhindert. Dieser nahm der Frau, die sich mit drohender Geberde gegen Herrn Professor Jacoby richtete, die Waffe aus der Hand, ohne Widerstand zu finden. Der Professor erklärte, daß er die Allentäterin nicht kenne. Diese erkärte, sie sei die Frau de« MalerS B., den der Professor zu Grunde gerichtet habe; sie gäbe zu, daß sie die That mit Ueberlegunq begangen, jedoch sei es nicht ihre Absicht gewesen, den Professor zu tödten. Zur Feststellung des Thatbestandes führte der Schutzmann die Frau auf die Polizeiwache in der Lindenstraße, wohin auch der Professor folgte. Hier fügte die Malersfrau ihrer ersten Erklärung noch hinzu, daß ihr Mann für die Museen Malerarbeiten ausgeführt habe, die von Prof. Jacoby ungünstig beurtheilt worden seien. Weil ihr Mann dadurch ruinirt ist, habe sie fickr rächen wollen. Die Polizei ist mit der Aufklärung des zum Theile noch mysteriösen Vorfalls beschäftigt. Im Uebrigen sei noch bemerkt, daß die Waffe, deren fich die Frau B. bediente, ein kleines Taschenpistol, ein söge« nanntes Desching ist, mit dem es der Angreiferin, selbst wenn sie die Absicht, den Professor zu tödten, gehabt hätte, schwerlich gelungen wäre, diesen Plan auszuführen. Auf das Treib»««ine« Schmtndlers oder einer Schmindlerbande hatte die«Voss. Z'g." vor kurzem auf- merksam gemacht, die den Handel mit dem Doktortitel gewerbsmäßig betreibt. Das Blatt erzählte, wie hiesige Ein- wohner, die im Adreßbuche mit diesem Titel figuriren, zunächst ein Rundschreiben erbielten, in denen sie auf die Gefahr der unberechtigten Titclsührung aufmerksam gemacht wurden, um dann einige Tage darauf mit der Anpreisung überrascht zu werden, laut welcher es möglich sein soll, auch ohne Maturiiäis- Prüfung und ohne akademische Studien eincn rechten und waschechten«Doktor" zu erwerben. Die Vermuthung lag nahe, daß dieses Vorgehen eine Spekulation auf das böse Gewissen solcher Personen sei, die unberechtigt den Doktortitel führen, und die hier die Gelegenheit ergreifen sollten, eincn«echten" Doktorhut über ihren unechten zu stülpen oder, besser gesagt, die im Bewußtsein ihrer Schuld sich zur Zahlung eines Schweigegeldes verstehen sollten. Also eine Erpresserbande in schönster Form! Daß diese Annahme uns nicht ge- täuscht hat, lehrt folgender wohlverbürgter Fall. Einer jener Herren, welcher vor einigen Wochen jene Anschreiben erhalten, aber sie unbeantwortet gelassen hatte, schreibt der«Voss. Z'g." unter dem 20. Oktober:«Gestern Abend meldete sich bei mir ein Schutzmann und ersuchte mich, heute Morgen auf dem Polizeibureau meines Bezrrkes zu erscheinen. Als musterhaft«! Staatsbürger folgte ich dieser Aufforderung, obgleich ich an den Sonntag- Vormittagen meist wichtigere Sachen zu thun habe. Der Polizeiwachtmeister empfing mich durchaus höflich mit den Worten:«Es liegt eine Denunziation gegen Sie vor, daß Sie den amerikanischen Doktortitel führen: ich soll Sie verhören." Wiedemm ließ ich als musterhafter Staatsbürgcr mich„verhören", unterschrieb das über mein„Verhör" ausge- nommene Proiokoll, wurde dann sehr höflich entlassen und sandte, nach Hause zurückgekehrt, dem Wachtmeister mein Leip- ziger Doktordiplom zur gütigen Kenntnißnahme, nebst einem der bekannten Nebenexemplare des Originaldiploms kür das hohe königliche Polizei- Präsidium. Es wird nun Niemand etwas dagegen einzuwenden haben, daß die Polizei auf Phrla- delphia u. dergl. Doktoren fahndet; wenn aber, wie ich fest überzeugt bin, diese Burschen, welche die obigen Zirkulare an mich und wahrscheinlich an Hundertc von Herren, die ge- achtete LebenS- oder Staatsstellungen einnehmen, losließen, auch hier die Denunzianten sind, so wäre es doch höchste Zeit, daß dieser Bande das Handwerk gelegt werde. Ich bin kein Jüngling mehr, glaube auch als Reisender, Schriftsteller u. s. w. nicht gerade zu den aller unbekanntesten Bürgern Berlins zu gehören, und da muß ich auf die erste beste Denunziation eines beliebigen Menschen hin bei meinem Polizeiwacktmeister ein Verhör bestehen, wie ein Schwmdler. Der betreffende Wacht- meister sagte mir, daß auch eine Reihe ähnlicher Denunziationen für unser„Geheimrathsviertel" vorlägen." Nach obigen Angaben kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der neueste Dokior- Handel auf gemeinen ErpressungSversuchen beruht. Die Schwindler denunziren einfach Diejenigen, welche auf»hre An- erbietungen nicht eingehen; sie rechnen darauf, auch etliche falsche Doktoren zu erwischen und hierdurch Schrecken zu ver- breiten, welcher die sich schuldig Fühlenden willfährig zur Tri- butzahlung machen soll. Im missenschaftliche» Theater derpntnia hielt Herr Dr. Kälber einen sehr anregenden Vortrag über«Kometen und Sternschnuppen". Der Vortragende erwähnte, wie die Kometen früher wegen der Ungewöhnlichkeit ihrer Erscheinung als Vor- boten göttlicher Strafgerichte gegolten hätten, bis man sie als den Naturgesetzen unterworfene Naturkörper kennen lernte, die fich von den Planeten der Mehrzahl nach dadurch unterschei- den, daß fie nicht wie diese in Ellipsen, sondern in Parabeln um die Sonne wandcrn: allerdings(jiebt es auch solche, deren Bahn eine Ellipse ist, die also nach einiger Zeit wieder sichtbar werden und deshalb«periodische" Kometen heißen im Gegen- satz zu den ersterwähnten, die aus der Unendlichkeit kommen und ins Unendliche wieder verschwinden. Es wur- den mittels des Projektionsapparates schöne Bilder von hervorragenden Kometcnerscheinungen entworfen, un- ter anderen des Biela'ichen, welcher dadurch eine Berühmtheit erlangt hat, daß er sich gewissermaßen unter den Augen der Astronomen gespalten und im Weltenraume ausge- löst hat. Es wurde mitgetheilt, daß ein eventueller Zusammen- stoß der Erde mit einem Kometen keine Folge für jrnS haben würde: die Masse der Kometen ist eine überaus dünne, man kann durch eine Schicht von Millionen Merlen Kometenftoff noch hindurchsehen, daher würde unsere Atmosphäre geradezu als Panzer gegen einen Stoß jener Körper wirken. Der Schweif der Kometen bildet sich erst in der Nähe der Sonne, durch deren Wärme gewisse Stoffe in Dampf verwandelt werden, welebec bei diesem Prozesse elektrisch und deshalb von der auf ber Sonne vorausgesetzten Elekirizität abgestoßen oder ange- zogen wird, womit erk.ärt ist, daß der Schweif stete der Sonne ab- oder zugewandt ist. Verdampfen nun ver- schiedene Stoffe, so erscheint die Bildung mehrfacher Schweife wegen des verschiedenen Grades erklärlich, in welchem diese Stoffe von der Sonnenelektrizität beeinflußt werden. Die Beobachtung der Spckiren der Kometen hat er- geben, daß letztere zumeist aus Kohlenwasserstoffen bestehen, welches Resultat deshalb sehr bemerkenSwerth ist, weil auf der Erde diese Stoffe nur als Produkte organischen Lebens auf- treten, welches doch auf jenen Körpern nicht vorausgesetzt wer- den kann, deren Dichtigkeit noch von dem Vacuum unter unseren Luftpumpen übertroffen wird. Es hat sich heraus- gestellt, daß die bedeutendsten Sternschnuppenschwärme be- kannte Kometenbahnen durchlaufen, und damit scheint ein Zu- sammenhana zwischen Kometen und Meteoren dargethan. Ihr Erglühen rührt von der E h'tzung der Luft her, welche von der durch die schnelle Sternschnuppenbewegung bedingten Kom- prelfion herrührt; sie bestehm aus reinem Essen; ihre Menge ist sehr bedeutend, da an jedem Tage viele Millionen auf die Erde fallen, welche Zahl sich an den Tagen ins Grenzenlose steigert, an denen du bekannten„Stcrnscknuppenschaucr" eintreffen. Jeder Laie kann fich um die Wissenschaft ein Ver- dienst erwerben, wenn er von einem gesehenen Meteore die Richtung, die er genommen, baldigst der nächsten Sternwarte mittheilt. Urber de« außergewöhnlichen Verlans der Witterung im Monat September d. I. äußert fich das Meuorolo- gifche Institut in semer üblichen Ueberficht in der«Statistisch. Korr." fotgcndermcßcn:„Zu den Absonderlichkeiten der Witte- rung des laufenden JahrcS tritt nun auch diejenige des September hinzu. In feinem ersten Drittel machte derselbe zwar seinen alten Ruf als guter Reifemonot nicht völlig zu Schanden, fein weiterer Verlauf jedoch gemahnte an die un- freundlichsten Novembertoge. Demzufolge war die Mitieltem« peratur allgemein in Nordveutschland viel zu tief, durchschnitt- lich um 2 bis 3 Grad; Frost wurde nicht nur in den Gebirge- gegenden, sondern auch sonst, zum Theil mehrfach, beobachtet be mit der d fich alst mrchaus nid der die Tre; ngen Man er falscher nnt. Er n it ihrer B tettiner Bc legen habe. Frau B itischen Ta durch d> so in Hinterpommern, der ostlichen Hälfte der Mass Hessen-Nassau, während der gewöhnlich benachtheili des Landes hiervon verlchont blieb." Weiter wird merkt, laß die Niederschläge an den meisten Orten' malen Werth bedeutend überstiegen; vereinzelt"" Trockengebiete in Meinland, Westfalen, Thüringen besonders aber am Ostrande des Harzes. An be..,. Punkten und auch stellenweise in der Ebene(Neustrel't- kamen bereits Schneefälle vor. Im Riesenaebirge w'" selben so beträchtlich, daß der Kamm seit Milte des von einer mächtigen Schneedtcke umhüllt ist, die aus' einige Tage hindurch fast 1z Meter tief. Die Wssd vorwiegend trübe; nur an der Küste kam zum Theil ßere Zahl(nicht über 7) heiterer Tage vor. Die f dauer des Sonnenscheins betrug im September» Drittel der möglichen Sonnenscheindauer. Es wurde in Maragrabowr 103 Stunden, in Leobschütz IIS, in und Ki.l 121, in Blankenburg bei Berlin Kassel 134 und in Meldors 146 Stunden hindurch schein beobachtet.■»—• polizribericht. Am 22. d. M. Morgen« wurde n» wissen mußt garten, in der Nähe der SiegeS-Allee, ein unbekannt� gar nicht vor 25—30 Jahre alter Mann erhängt aufgefunden. T�ssvinterlossens wurde nach dem Schauhause aeschafft.— Vormittagt/TestamentS l der Dachdecker Weber beim Umdecken des Dachet'»habe wissen Hause PotSdamerftr. 84a infolge eines Fehltritts aus»Erkenntnisse hinab und erlitt einen Bruch der Wirbelsäul-, so d«i 1 lein definitir dem Elisabeth Krankenhause gebracht werden mußte. rünf Geschw mittags wurde ein Mann im Abtrittsgebäude des Hau» fern und em straße 16 mit einer, park blutenden Wunde am Halst, bereits 2500 er fich mitielst eines Taschenmessers beigebracht hatte,»6� noch nrch einer Schlinge um den Hals bewußtlos aufgefunden uiss' anderen nrch orden, sie regend vorx er Angeklm >e warfen hal itgegangen irund für i in angegeb e»ug hierc Krankenwagens nach ter Charitee gebracht. Aeußl nach hat derselbe den Selbstmordversuch in einem Geistesstörung begangen. Gertihks-Äeikutt anwalts, ol 'uchung se kertherdigun regulirung in deren Fo Die �rau Stein Bahnhofe 1 nssssenschaftli Vor der erste» Strafkammer hiestgt« � Aer�dss A? gericht» I, welche im kleinen Schwurgerichtslaale taM rm,;?. m gestern abermals der Prozeß gegen den Torfgräte� �. �on Kelch in Moabit verhandelt. Es ist dies der dritt» in dieser Anklagesache, welche eine fo ungewöhnlich gelchichte hat. Den Vorfitz im Gerichtshofe führte rath Braun, die Anklage vertritt Staatsanwalt? die Vertbeidiaung führen Justizratb Hagen und dss anwälte Dr. S e l l o und Dr. Fr. F r i e d m a n n verständige sind zur Stelle: Prof Dr. Sonne« Medizinalrath Dr. Long, Dr. Groß mag Holistein, Dr. Wagner au« Känigih Prof. Dr. v. Bergmann. Die Zahl der oc Zeugen beträgt 22.— Der Angeklagte wird, wie wiederholt werden mag, beschuldigt, seine eigene f'rf Rede sein, st.ts sofort kann eS' Verlchiebunj) Wirbelsäule mark auSgei letzteren(als achtung kom legenheit ge, schiebuna hä hätte gelten! Fall gewesei die verehelichte Kaufmann Steinlein, so mißh»�, Wirkung zu haben, daß fie in dauerndes Siechthum verfiel, außfijjn bedeutende( ibm versuchte Verleitung zum Meineide zur Last geßÜ auch erst na Tages, im Februar 1887, erhielt der Angeklagte w wissenschaftli zu Moabit den Besuch seiner Schwester, welche Aerzte eben Erbschaftsangelegenheiten zu sprechen hatte. Es so�? Zur Fe einer heftigen Szene gekommen sein, die nrch der-ehemalige T nach der ursprünolichen Behauptung der Frau Steins geendet haben soll, daß der Angeklagte sie am H-"'� und die Treppe hinabgcworfen haben soll. F,«» bat bald nach diesem Auftritt in jämmerlichem körpe' stände die Behandlung de« Prof. Dr. Sonnend» gesucht; dort ist ein« Verletzung der Halswirbels� ftellt worden und nach langem Siechenlager ist nach Oeynhausen übcrgefiedett. Es ist bei t Siechthum" festgestellt worden, über die direkte U � kam eS aber in früheren Terminen zwischen den Sachverständigen, namentlich infolge der abweichende» de« Prof. Dr. v. Bergmann, zu keiner Einigkeit. KuN ersten Termin zog nun die Verletzte den Strasan' und verweigerte ihr Zeugniß, und da auch der Ehe selben sein Zeugniß ablehnte, so war die Feststellung bestandeS mit großen Schwierigkeiten verknüpft. ss?> Termin am 21. Dezember v. I. hatte der GeriL schlössen, ein Obcrgutachtcn der wissenschafilichen für dos Medizinalwesen einzuholen, welche«. eingegangen ist. Der Vorsitzende theilte selben kurz mit, daß die wissenschaftliche tion zunächst davon ausgeht, daß bei dem Vorfall'! wand zugegen gewesen ist, also Aussage gegen Bs Nehme man aber an, daß das, was die Frau St sprünglich gesagt, richtig wäre, so würde das nicht n» mit dem Befunde stehen. Wenn die Frau in Sie übereinstimn Angeklagte genommen i meister Kol Steinlein vi -ablief, unte wolle, die K kleinen Thi der Eheman fein Zeugn 'suchungsrich Dr. Kro Nl Stadien bei daß ihr Bn hinunter gei macht, als wirrung od« Auch t i Dr. Groß Vorfall gen Von be Dr. Sonn über der r nimmt: D viel Aufseh« laß gegeben mii oem-c>c,unvr ueyen.-evrnn vre jxrau>n«""ä» qC fallen sei, so lasse sich die Ursacbe davon nicht festste'' 4 Demonstrat >... Ci!____«r.»..... lehr" naden. 4)n Verlauf des Leidens der Frau Sieinlein könne fehj� f�ndigen�d' ein Leiden des Nervensystems aufgefaßt werden,- jz dem Namen„Hysterie" bezeichnet wird, ein Lnde»,- Verlauf auch vorübergehende Lähmungen Heftige, namentlich de primiren de Grmüihsdeweg»™ für den Ausbruch dieser Krankheit mindcstt»� bedeutungsvoll, als körperliche Verletzungen. nicht unbeachtet bleiben, daß auch die Aeußerunge» hmzugerufenen Arzte»,«daß es fich um eine sch1®� Verletzung handele", wohl geeigret waren, den B»jj Hysterie zu fördern und daß Monate lange« einem permanenten Zuge am Kopfe jedenfalls ständigen bestimmte können und Machen aus -verständiger nämlich 1) f e h en, ur welche die' theil aus von vorwie> galten eiiiuii llvib ouHc jiüpfc jcucniuu*»•<�1 oft Hat Mitteln gerechnet werden könne, welche den Verlauf. � bev Frc milder gestalten. Da» Endgutachten der w'ssenstfa� sangt sei. hafter Fests putation gehe dahin: 1) Die bei der Frau S>' obachtcten Gesundheitsstörungen lassen emen"V o« Angaben u sächlichen Zusammenhang zwischen der ihr angebl«« 24 Z btstßfl Angaben Angeklagten zu Theil gewordenen Bebandlunfl Störungen nicht«kennen. 2) ES ist inSbes®» � medizrnisch-wissenschaftlichcn Standpunkte nach»«» ii Befunden nicht als erwiesen anzusehen, daß r infolge jener Behandlung in Siechthum verfallen' äj durch diese B. Handlung>hr Leben gefährdet war. � � Gutachten erbarte der Vorsitzende m Uebereinm» sämmtlichen Faktoren, daß ber dieser Verbandlu»� l<*•«»••!»<»mjv«»{jueivswe»/ vuq vvi-Ceti*/v»'.. gri des«dauernden Siechthum«" als ausgeschlossen 1/ sei und e« fich nur noch um Körperverletzung un$ Verleitung zum Meineid handele. Der Angekla� ft handele. ss-SKl den Aer Anlage 1 letzung die das Befind betrifft, so naue Auf/ Brau Sie und über ste dann tr bestiegen h Weil sie* lich durch eine Mittels p-rsosi versucht haben,«'ny(chJ fei sie in d '•-—• if'iJ Wof nal'jh«. S einlein bedienstete« Mädchen zur Abgabe eincS 1® J Böohnun, .. vvviv»! I»V4»X>-A'iuuujtiv SUV_. ,Y'"" msseS zu beweg« n. Nach der Behauptung der Anuog O sle Uber � Versuche durch einen dem Angeklagten dekannten jun? � rn den Be •vv»|MV*;v v»«iv«l WUl«tlltytliutyicil VtlUlllllV»» 1 yjr V macht worden sein, welcher sich dem Mädchen genaV.V(flk«ahme bei Ausficht gestellt haben soll, daß er sie bei einer S»> Die behanb sage beirathen werde._„ Der Angeklagte bestreitet, w'e in früher� � wiederum jedwede Schuld. Er wiederholte, daß jl seine Schwester, welche viele ErbschastSstreitkreiNs.0- gefangen, zu ihm gekommen fei, um die AuSiahi�J schaflsfumme von ihm zu vetlangen. Seine dabei eine Szene veranlaßt, wie sie dies sch'?., Fällen pethan und habe dann plötzlich furchtbar rufen. Er habe sie beim Arme nehmen und die hinunterführen müssen, und da fie m,t ihrem oushölte, habe er sie auf der Treppe ei. geduckt und seinen Sohn herbeigerufen. habe versprochen, das Hau« ruhig verlasse« zu sie losgelassen, fei fie aber wieder wie eine Fun» eta�S «ine Veletzr Räckenmar wieder ver des Rücke gerade diej heilen köni Symptome medizinisch! zweifelhaft Beide trotz «ea.beitet eustrÄt' irg«»i" Itc brf e auf W'Itl Th-il Die Gl über il wurde 19, in ierliu durch wurde i bekannt >tN. tts ottM so dai uhle. .�babe mit dem Regenschirm mehrere Fensterscheiben zerschlagen r Man"sünd stch aledann schleunigst aus dem Hause entkernt. Es sei hth«urchauS nicht richtig, daß er die Schwester am Halse gewürgt, wird«»oder die Treppe hinabgeworfen habe und von den Versuchen des Orte«.�jungen Mannes, das Dienstmädchen der Frau Steinlein zu ' ier falschen Aussage zu bewegen, sei ihm absolut Nichts be- mnt. Er wisse dagegen, daß nach dem Vorfall seine Schwester lit ihrer Begleiterin ruhig von Moabit aus bis nach dem stettiner Bahnhofe gegangen sei und dort eine Droschke be- liegen habe. Frau Bertram, welche die erwähnte Begleiterin an dem itischen Tage gewesen ist, bleibt, wie früher, dabei, daß, als le durch das Hilferufen der Frau Steinlein herbeigerufen wrdcn, sie dieselbe auf der Marmortreppe auf dem Rücken liegend vorgesuuden habe. Sie hat ihr sofort gesagt, daß "»er Angeklagte sie am Halse gewürgt und die Trepve hinab- geworfen habe. Sie sei dann bis»um Stcltiner Bahnhofe litgegangen und habe dort eine Droschke bestiegen. Ais irund für den Besuch bei dem Angeklagten habe Frau Stein- in angegeben, dast sie»ihre Erbschaft* erheben wolle.— In semg hierauf stellt die Vertheidigung fest, daß die Frau »issen mußte, daß die Möglichkeit zu einer solchen Erhebung ar nicht vorlag. Frau Steinlein, welche mit der Regulirung der - Hinterlassenschaft der Mutter nicht zufrieden war und wegen des rmittagk Testaments einen Prozeß mit dem Angeklagten geführt hat, >ach«s M,be wissen müssen, daß am 28. Januar 1887 in einem fünften ' �Erkenntnisse die Streitigkeiten zu Ungunsten der Frau Stein- lein definitiv beendet waren. Der Nachlaß, in welchen sich die ut)lw fünf Geschwister»u theilen hatten, Hobe au« 5 Berliner Häu- es Hauern und einem Rittergute bestanden. Frau St ein lein habe n Holsdzbereits 2500 M. baar bekommen gehabt und weiteres konnte hatte, noch nicht erhalten, da sich Häuser von einem Tage zum den«»dkanderen nicht verkaufen lassen.— Auf eine Frage des Staats- iheren�anwalts, ob der Angeklagt» nach Einleitung der Unter- cm Änsmfuchung seiner Schwester Gelder gegeben, stellt die Vertheidigung fest, daß inzwischen die Erbschafts- regulirung weiter gegangen sei und Frau Steinlein in deren Folge 15 000 M. erhalten habe. Die Vertheidigung macht ferner darauf aufmerksam, daß 'Frau Steinlein nach dem Vorfall noch bis zum Stettiner Bahnhofe habe laufen können. Nach dem Gutachten der MHJJ wissenschaftlichen Deputation lasse sich mit dieser Thatsache die .„ Annahme der Verrenkung oder des Bruches eines Halswirbels, ,»der die Annahme einer RückenmarkSerschütterung auf keine a'e-Aj Weise in Anklang bringen. Das Gutachten gehe u. A. da- * irte bin: Von einer Erschütterung des Rückenmarkes könne keine !,V i L Rede sein, da die durch eme solche bedingten Störungen ♦ unnl ftcts sofort auftreten. Bei dem Bruche eines Wirbels n sffl �jnn c8 vorkommen, daß entweder durch nachträgliche He Verschiebung oder durch Bluterguß in den Kanal der und Wirbelsäule erst nach einiger Zeit ein Druck auf das Rücken- n n. mark ausgeübt wird und die Störungen in der Funktion des o nnc j letzleren(also namentlich Lähmungen) nicht sofort zur Beob- > Ut a/ya ach tun g kommen. Aber in dem vorliegenden Falle war Ge- legenheit genug gegeben daß sowohl eine nachträgliche Ver- slbiebung hätte zu Stande kommen, als auch eine Blutung sich hätte geltend machen können und müssen. Dies sei nicht der Fall gewesen und da auch keine Zeichen äußerer Gewaltein« Wirkung zu bemerken war, obwohl für jeden Wirbelbruch eine , aufeeck� bedeutende Gewalt erforderlich ist, die Erscheinung der Lähmung " auch erst nach dem vierten Tage eingetreten ist, so habe sich die wissenschaftliche Deputation der Diagnose der behandelnden Aerzte eben nicht anschließen können. SS Zur Feststellung des ThatbestandeS werden zunächst zwei der An'1 ehemalige Dienstmädchen des Angeklagten vernommen, welche Steiw«? ubereinstimmend bekunden, daß sie nur wahrgenommen, wie der u HalttJ Angeklagte feine furchtbar erregte Schwester beim Unterarm FravJB genommen und die Treppe hinabgeleitet habe.— Der Schneider« kölptu? meister Roh st ein hat nach dem Vorfall gesehen, wie Frau , e n b»'I Steinlein vor der Thür der Kelch'schen Villa wüthend auf und irbelsou�«blies, unter dem energischen Rufe, daß sie ihr Geld haben r ist 13 wolle, die Klingel zog und, als ihr nicht geöffnet wurde in den ibr'1 kleinen Thiergarten hinüberging.— Kaufmann S t e i n l e i n, Ursii$3 der Ehemann der Verletzten, verweigert auch diesmal wieder >en ni«1A fein Zeugniß. Ferner werden vernommen der Unter henden� suchungSrichler Landgerichtsrath Johl und Referendar it. Dr. K r o n e ck e r. Beide haben die Ver trasani� Stadien der Krankheit vernommen und dabei von ihr gehört, er EWla daß rhr Bruder sie am Halse gewürzt und zehn Marmorstufe, ellung Iis hinunter gestürzt habe. E« habe keineswegs den Eindruck ge ipkt- Ä wacht, als ob die Frau diese Beschuldigungen in GeistrSver GerickA wirrung oder aus Rachsucht gemacht habe...... icken Auch den behandelnden Aerzien Dr. H o l l st e, n und lchcS � Dr. Großmann gegenüber hat die Frau Steinlein den ,7 niiL Vorfall genau in derselben Weise dargestellt. iliibe j Von besonderem Interesse sind die Bekundungen des Pros Dr. Sonnen bürg, welcher die behandelnden Aerzte gegen ! über der wissenschaftlichen Deputation wie folgt in Schutz nimmt: Der vorliegende Fall hat in ärztlichen Kreisen sehr viel Aufsehen erregt und zu wissenschaftlichen Diskussionen An laß gegeben, da im Anschluß an denselben Vorträge und ■ Demonstrationen in der medizinischen Gesellschaft stattgefunden 1!.u, m haben. Diese hatten zur Folge, daß zwischen den Sachoer- ständigen darüber wohl Uebereinstimmung herrschen dürfte, daß o-iden, Ii bestimmte Formen von Halswirbelbrüchen ausheilen oö* können und daß der vielbesprochene fünfte Halswirbel, vom Rachen aus in der That gefühlt werden kann. Die Sach- tJb-W; verständigen in diesem Falle theilen sich in zwei Gruppen, m ö', nämlich 1) in diejenigen, welche die Patientin selbst g e« wLefl � fehem, untersucht und behandelt haben und 2) in diejenigen. iVLftt 5 welche die Patientin nie gesehen haben und sich ihr U- . thcil aus den Akten, Protokollen und den Aussagen "an vorwiegend Entlastundözeugen bilden mußten. Erstere n. ni�« halten ohne Ausnahme an der Verletzun -dp'ber Halswirbelsäule fest. Letztere nehmen an, das • bei der Frau Steinlein plötzlich Hysterie zum Ausbruch ge ' iKtÄl langt fei. Die Differenzen erklären sich vielleicht aus lücken au hafter Feststellung des ThatbestandeS und den unvollständigen n®c. b|i Angaben über das Befinden der Frau Steinlein während der flebu«' z 24 Stunden nach dem Austritt. Die behandeln- lusa- n Aerzte leugnen energisch die hysterische mSbefaa dei der Frau. Allerdings schloß sich an die Ver« ich S letzung die Entwicklung einer traumatischen Hysterie an. Was iß olTli K das Befinden der Verletzten innerhalb der eisten 24 Stunden allen so haben die behandelnden Aerzte ihrerseits durch ge zrfall :n M au&' nicht nn. ' w'rt z ü*A\ ?c7nstil ndlunö naue �iFrau Aufzeichnungen festgestellt, daß nach dem Vorfall Steinlcin auf der untersten Treppenstufe gelegen über heftige Rackenschmerzen geklagt habe, daß daß«"" •fe schon 'bar nA. "Vi Di- Br? ew° sei sie in � Körner straße in ihrer 3 Treppen hoch belegenen in es'f;iä Wohnung angelangt und habe sich ins Bett legen müssen, da AnN--g''» sie über Schmerzen im Hals und Nacken, fowre ub« Schwache n™ den Beinen und Heiserkeit klagte. Damit lasse sich dre An- enah-s'-tzk nähme des Bruck es eines Halswirbels im Einklang bnngen. ier Die behandelnden Aerzte waren bald darüber einig, daß es sich um eine Velctzung des Halswirbels ohne gleichzeitige Verletzung des rühcr«",» Ruckenmarks selber handeln konnte. Die spät auftretenden und bald wieder vergehenden Lähmungen erklären sich durch Kompresston des Rückenmarks durch einen Bluterguß. Das sind aber gerade diejenigen Formen von Halswirbelbrüchen, welche aus- heilen können. Formen, welche unter Umständen auch gar keine Symptome zu machen brauchen. Ich selbst habe in der medizrnischen Gesellschaft vor Kurzem zwei Patienten mit un- zweifelhaft geheilten Halswirbelbrüchen vorstellen können, die Beide trotz der Fraktur unmittelbar nach dem Unfälle weiter gea.beitet hatten. So viel steht fest: von dem Tage des Vorfalls an ist die bis dahm gesunde und die bis dahin nicht hysterische Frau krank und siech geworden. Die behandelnden Aerzte bleiben bei der Behauptung stehen, daß eine Verletzung der Halswirbelsäule vorlag. Im Anschluß an die- elbe hat sich eine traumatische Hysterie entwickelt. ES liegt nicht die geringste Veranlassung vor, von der Diagnose eines Bruches ocs fünften Halswirbels abzugehen. Nach zahlreichen Zwischenfragen der Vertheidiaer Dr. Friedmann und Dr. S e I l o über die Möglichkeit, ob es nicht möglich sei, daß hysterische Frauen einen firen Ge« danken in angebliche Thatsochen ummodeln, erbat sich Prof. Dr. v. Bergmann das Wort und äußerte sich dahin: Da Herrn Prof. Sonnenburg's Erklärung jedenfalls ausführlich in die Zeitungen kommen wird, möchte ich wenige Worte darauf erwidern. Die wissenschaftliche Deputation hat sich ganz und gar auf den Standvunkt gestellt, den ich hier vor Ge- richt vertreten habe und deshalb erübrigt es sich für mich, mich ausführlich zu vertheidigen. Professor Sonnenburg macht einen Unterschied zwischm den behandelnden und den begutachtenden Aerzten— unter allen Umständen aber muß doch der wissenschaftlichen Deputation die maßgebende Stellung gewahrt bleiben. Wenn ich Frau Steinlein persönlich gesehen hätte, würde ich wahrscheinlich vor Gericht noch viel bestimmter aufgetreten sein, wie ich dies in der medizinischen Gesellschaft gethan habe und ick denke, wer den Besten ihrer Zeit, den vom Staate zur Entscheidung wissenschaftlicher Streitftagen Berufenen, genug gethan, braucht sich um eine weitere Antwort nicht zu bemühen. Weit mehr, als das vorhandene Aktenmaterial, gewähren die Aussagen der Zeugen Anlaß, das Vorhandensein einer Hysterie bei der Frau Steinlein durchaus anzunehmen. Es handelt sich bei solchen Kranken um sehr schwache Charaktere, die unter dem Druck Anderer stehen. Der Hausarzt hat mir vorhin sogar noch privatim gesagt, Frau Steinlein sei so schwach, daß sie ruhig und still einwilligen würde, wenn man ihr sagte, sie müsse geköpft werden, oder sie müsse sich einer schweren Operation unterwerfen. Frau Steinlein hat in ihrer Familie nachweisbar eine Reihe größerer Gemüihs« erregungen durchgemacht und wenn dann eine erregte Szene vorkommt, wie in diesem Falle mit dem Bruder, dann entzieht dieselbe bei solchen Personen dem Gleichgewicht der Kräfte den Boden. Ich habe mich für Hysterien entschieden und die wissenschaftliche Deputation ist dieser meiner An- ficht beigetreten. Für mich liegt die Sache von Anfang bis Ende medizinisch ganz klar und es ist medizinisch festgestellt worden, daß, wenn eine äußere Einwir- kung stattgefunden, man bezüglich der von den behandelnden Aerzten angenommenen Folgen zu einem noa liquet kommen müsse.— Auf Anftage der Vertheidigung bestätigt Dr. v. Berg- mann, daß, wenn Frau S. wirklich 10 Marmorstufen hinab- gestürzt und gewürgt worden wäre und m>t dem Kopf auf die Stufen aufgeschlagen hätte, sicher blaue Flecke hätten sichtbar sein müssen. Die sodann als Zeugen vorgerufenen beiden Söhne des Angeklagten stimmen in ihren Wahrnehmungen über die Einzelheiten des Vorfalls mit der Darstellung des Vaters überein. Der Vorfitzende theilt den Eingang eines anonymen Briefes mit, in welchem unter Berufung auf die Rechts- anwälte Justizrath Hagen und Theken behauptet wird, daß Frau Steinlein von dem Angeklagten Geld beziehe und für ihre Zeugnißverweigerung recht erheblicke Summen erhalten habe. Die Frau habe bereits 40000 M. erhalten und eine gleiche Summe fei ihr für den Fall einer Freisprechung in Aussicht gestellt worden.— Justizrath Hagen stellt zur Wider- legung dieser Behauptung sofort sein gesammtes A'tenmaterial mit allen Verhandlungen über die ErbschaftSregulirung zur Verfügung. Auf weitere Zeugenvernehmung über das Thema der Mißhandlung wird allseitig verzichtet. Was die Ver- leitung zum Meineid betrifft, so erzählt da« bei Frau Steinlein bedienstete Mädchen, daß der Ingenieur Eckelt eines Tage« als angeblicher Bewerber um ihr Herz und ihre Hand bei ihr erschienen sei, mit ihr die Hasenhaide besucht und Karussell gefahren sei und fortgesetzt sich bemüht habe, ihr bei- zubringen, daß der Angeklagte seine Schwester gar nicht aemiß- handelt haben könne.— Ingenieur E ck e l t und dessen Vater, der Schlosser Eckelt, kennen den Angeklagten schon seit langer Zeit und behaupten übereinstimmend, daß sie aus eigenem An- triebe die Heirathskomödie mit dem Mädchen in Szene gesetzt haben, weil sie den Angeklagten für unschuldig hielten und Eckelt jun. eine Art Detektiv spielen sollte, um dem Mädchen an« Herz zu legen, doch ja nur die Wahrheit zu sagen. Hiermit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Staatsanwalt Müller läßt die Anklage wegen Ver- leitung zum Meineide fallen, hält dagegen den Angeklagten für schuldig, feine Schwester mittelst einer das Leben gefähr- denken Behandlung körperlich verletzt zu haben. Die Verletzte habe aus ihrem Krankenbett eidlich erklärt, daß sie gewürgt und die Treppe hinabgeworfcn worden sei; sie habe diese Er- klärung den Aerzten gegenüber wiederholt und sei auch von der Zeugin Bertram, auf der Treppe liegend, vorgefunden worden. Infolge des Gutachtens der wissenschaftlichen Deputation könne dem Angeklagten zwar nicht da« dauernde Siechthum zur Last gelegt werden, die Körperverletzung fei aber doch eine so rohe, daß er ein Jahr Gesängniß in Antrag bringe. Jnstizrath Hagen sucht besonders die Anschauung des Staatsanwalts zu widerlegen, daß Frau Steinlein eine ruhige, stille Frau sei, weicke von ihrem Bruder berechtigter Weise Erbgelder haben wollte und nun so barbarisch behandelt wor« den sei Thatsächlich habe in dem Erdstreite die Partei Stein lein während der Dauer von 10 Jahren nicht nur i,egen den Angeklagten allein, sondern gegen die Familie Kelch überhaupt Prozesse geführt und Denunziationen aller Art losgelassen Sie habe ihn beschuldigt, das Testament der Mutter betrüg- ticher Weise zu Stande gebracht und einen Meineid geleistet zu haben und sie sei zweifellos in der bösesten Absicht an dem fraglichen Tage bei Kelch erschienen. Rechtsanwalt Dr. Sello als zweiter Vertheidiger, beginnt sein Plaidoyer mit der Bemerkung, daß er es dem Angekl. nicht anlhun wolle, wegen der Verleitung zum Meineide ein Wort zu verlieren. Die Anklage wegen schwerer Körperverletzung halte er durch die Beweisaufnahme aber für so zusammengeschrumpft, daß der Gerichtshof im ungünstigsten Falle zu einem„von liquet- kommen könne. Frau Steinlein sei jedenfalls eine leicht erregbare Person gewesen. Sie kam, von der feindseligsten Ge- sinnung gegen ihren Bruder beseelt, zu demselben, um ihm eine Szene zu machen, sie wollte auf dem Wege des erpresserischen Skandals das erreichen, was sie im Wege des Rechts nicht er- reicken konnte. Frau Steinlein konnte den beabsichtigten Skandal gar nicht besser anfangen, als mit dem Zerscklagen von Fensterscheiben und durch lautes Hilfegeschrei. Es fei nur zu erklärlich, daß der Angeklagte von seinem Hausrechte Gebrauch machte und die Angaben desselben darüber, wie sich die weiteren Vorgänge abgespielt, hätten An spruch auf vollen Glauben. Wenn die Zeugin Bertram die Frau Steinlein am Fuße der Treppe habe liegen sehen, so sei es doch naheliegend, daß die in so hohem Grade erregte Frau Steinlein ohne Verschulden des Angeklagten zu Falle gekom- men sein könnte. Frau Steinlein selbst könne sich auf Grund ihres hysterischen Zustandes in der irrthümlichen Ueberzeugung befinden, daß sie in der Weise mißhandelt worden sei, wie sie es angegeben; es fei nicht der erste Fall, daß krankhafte Ein« bildung zur Ueberzeugung geworden. Wenn Frau Steinlein behaupte, sie sei immer und immer wieder von ihrem Bnrder auf die Marmorstufen niedergestoßen worden,so sei es doch auffallrg, daß an ihrem Körper keinerlei Kontusionen oder Hautabschürfungen entdeckt worden find. Nach längeren Ausführungen grcbt der Vertheidiger der Hoffnung Ausdruck, daß da« Urtheil auf r< n liquet lauten würde. Der dritte Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Friedmann, wies auf die furchtbare Gefahr hin, die darin liege, wenn ein unge- chickter guter Freund sich zu Gunsten eines Angeklaaten verwende, wie es im vorliegenden Falle der Ingenieur Eckelt g- ihan, als er den Privatdetektiv spielte und dadurch aus dem Angeklaaten den Verdacht lud, daß derselbe Lerne zum Meineide verleiten wolle. Aber auch mit Be- ug auf medizinische Gutachten biete selten ein strozeß so viel Lehrreiches, wie der vorliegende. Nachdem der Vertheidiger alle im Laufe der Verhandlung zu Tage getretenen Widersprüche zur Sprache gebracht, schloß auch er mit dem Antrage wie seine Mitvertheibiger, auf ein nob liquet zu erkennen. Der Gerichtshof hielt den Nachweis, daß der Angeklagte seine Schwester binabgeworfen, nicht für erbracht. Frau Stein« lein hrbe ihre Aussage verweigert und ein anderer Zeuae sei bei dem Vorfalle nicht zugegen geweien. Auch in Betriff der Verleitung zum Metneide sei ein Beweis nicht erbracht und da« Urtheil lautete daher auf Freisprechung in beiden Punkten. Gin internationaler Kotelschwindler stand gestern in der Person de« Pferdehändlers Levy Süßkindt vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. Der 54jähri(je Ange» klagte ist von Rußland ausgeliefert worden, um hier fem Konto mit dem Strafiichter ausgleichen zu können, voiher ist er in England und Frankreich gewesen und überall hat er es ver- standen, auf Kosten seiner Nebenmenschen ein flottes Leben zu führen. Er hatte es besonders auf Hotelwirthe und deren Untergebenen abgesehen. Wenn er, angeblich nach weiter Reffe, in einem Hotel eintraf und sich al« Pferdehändler ausgab, so ließ sein ganzes Auftreten, sowie die anscheinend gefüllte Geld- katze, die er um den Leib trug, einen Verdacht, daß man AbmdS. Aufnahmen und Krankenmeldungm werda Vorsitzenden F. Lutz, Puttkamerftr. 7, jederzeit enIQiS® Ät. nommen. «roß» Kch»»id,r»»rfa««,»««g d,« Dnttrch»«.. band«»(jjlllnlt Sellin) am Donnerstag, den 24, Ctiober, Abend» I Orschel, Sevasttanftr, SS, Tagetordnung: I, Rähikrei» ftrahe 11(oberer Sral) Tageiordnung 1. Bericht de» Vorstände» dr»«alfirer», �3. Neuwahl de» gesammten Vorstande»,»■*5* Pas Um zahlreiche»!» Rragetaften. Neue Mitglieder werden aufgenommen. wird gebeten, pie öffentlich»«eschieraerfaneminng. welche am 20, Of" mittag 10J( Uhr. im Aurhause»u firirdeuau ftaitfinden sollte und« Herr Nschler Wirdemann au» Seilin über Zweck und Pel der gewern Organisation da« R-serat übernommen hatte, ifi nichr'genehm'ai wf der Matinirung, daß die Versammlung in die Zeit de»(Sotleffienft" wird binnen kurzem wieder eine Versammlung an einem Wachend� rufen werden, Kaziaibenrakratischer gese- nnd pi»kntirki,rb gaffali' Donnerliag. Sdeno» SX Uhr im Laiale de» Herrn Ziemer. Guoiafir, duich Mitglieder können einjeslldrt werden. Allgemeine WeiaUarbeiter-gerein fferlin» unb Ad Zwei große Versammlungen am Donnerstag, den 24, d, M, Abend« in der Sockbraueret, Tempelboser Seig Toge»ordnirng: I VortwS�«zieheris0j f Krüger, Thema; Alle» und Nerie» au» der Ralu geschichte. 2,? a,—, Ausnahme neuer Mitgli-der, 4 Verschiedene« und zragekasten. I-, Zutritt, Um recht zahlreiche,' Besuch wird gebeten.. Stockjprui - Donnerstag den 24 Oktober, Abend» 8 Ubr, in Eharlottendn�. Der brinui-Srauerei, Waldstraße Tageiordnuna; 1 Vorlraa de» Herren. Thema; Die 8,,',d-ikin!pekloren und der Werth derselben sür du ,t>ai; 2. Diitulfion--- «E it sich r itei vo! n»uiiiuii«K»vieii uui,-ei xueiiu arrreioeri IUI" c n„SU 8 Ausnainne neuer Mitglieder 4, Verschiedene» und 5"�� Sozia e aaaen.nutritt. Um recht zahlreiche» Ericheinen wird ge deren.__. tziommifüon freier eingeschriebener SUfekaffen ss, PNU Zip 0 Sißung Dounerstog. den 24 d M, Abend» 0 Uhr, Neue(Srfl'iftJS tzz u| t iv Jordan, Tag'Zordnung; Mittheilungen Aufnahme neuer MitgU? wähl de» Vorstände», Bericht hetteff» der Sandagisten, SetldileW zahlreiche» titeine,; wird ersucht Vrotze öffentliche Versammlung der ffürlten- nnfi macher Pertin» unb tzimgegend am Sonntag, den 27. Or" Mitiaa» 10 Uhr, in Scheffer � Salon, Inselfir 10 Zageiardnung und Ziele einer gewe-klchasilichen Organisation Referent Herr Zur kulfian 3 Gründung eine» Fachverein» eventuell Statutenderr Wabl eine» p oviioritchen Vorstände». 4. Ausnahme von Mrtglin Oeckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Zahlreichet erwünscht Allgemeiner Metall arbeiter-Kerein ff erlin» unb., Genera veilammiuna am Sonntag, den 27 Lkrober, Vormittag» s Jordan» Silon. N ue Grünstraße, Taaegordnung 1 Rrchnung- .starfiieri und Bericht de- Revisoren 2 Ant'tige de» Vorstand.'». einer«eschästSordnu-'g sür den Verein 4 Ergtnzungdwahl der L. ,, Fach- und SilliolbeMornmilfion, 5 Beschlußsaffung über da« 6. Verssti'deneS Mirgiiediduch leatttntrl, »ratze öffentliche fferfammlnng der ffanbln»»' fferlin» am Sonntag, den 27 d M,. Nachmittag« 3ß Uhr, charlen, DreSdenerstr 45 Tage»ordnung; I. Die Zustande f Ivaarengelchasien und deren Resarm, Riserent.fiolleae August— ,, DiSku fion 3, Verlchtedenet, Besonder» soll In dieser VersammtAhM. t- gegen die Verleumdungen leiten» de» Herrn Redakteur» Hildebrondi r K r p Kousumvi Irotie— fchaft zur Oteßcrn b Es Freude v »«hält ei bloS im i den Mut raS Auge folgen, fi »uid sich würden\ Unsi Sozialdei ien werden, der biermii sveziell eingeladen wi'd, Allgemeine ffranken- nnd ffterbekaffeder deutsch»*' nnd«erwandten ffernfngenaffen i® H 80, Hamburgs Verraf Berlin A. Mirgliederversan mluug am SonMcg den 27 Okioder, löß Uhr, bei Soirmann,«ndreadftr. 2K parterre Tageiordnuna�, llche« 2,.«offenlrdrcht 3. Neuwahl de» Vorstände« 4 Vers« scheine» ist Vilich', Achtung Puher! Große SffenÜIche Versammlung der und llmgrg.nd am Montag den 28 d M, Abend« 0 Uhr,>ul> garten' Wegen der Wichligkeil der Zage»ordnung ist e« ffffloL Pußrr» zu erscheinen, Sarnmellikten zum Eeneraisondi, sowie ONM und Marien find zu haben bei Guftan Arn dl, Landidergerpai Sdllft, Sorfigstr, 18; Herrn. Lehmann, Sorauerstr. 22. Slalisetrtc 54a H»leumann, Alven«lede»sli 8a. u Berliner S>anität»o»r»in für Arbeiter. Am SonntaSa z vemder, Mittaa«>2 Uhr. in llausmann'««ariere, am Sladdahn»°s� Pia»,«roße Matinee Vorstellung und Konzert, Austreten de'.j< ist dcm ff! Künstierperional« von Kausmann'i Variete, Eniree vorher>__.___„J Kasse 50 Ps, Blllet» find bei sämmlllchen Verlrauenilenle», entgcgens Kasfirer de» Verein», Herrn W, Schmidl, Manleuffelftr, 86, 3 x i in U S vi haben, mui' ffekanntmachnn«. Den Mitgliedern de»„Sozialdemokrat verein» im 4 Berliner Woblkreit'»ur besonderen Nachricht, daß nähme von Brittfigen folgende Zadlilellen bestehen; Im Osten Tempel. Br'ilauerstr, 27, und O, Heindors. Langestr, 70; lw® t den Herren G Schul», Aomiralftr. 40. und K, Scholz, Wränge' diesen Zahlstellen werden auch zu ieder Zeit neue Mitglieder autfle" p utuimn «esang-,»um nnd gesellige vereine am Donnersta»,...„ ----"—-----*....."eftaurani,»'r. t« 1> 1 gl e ist, unt würde, Taktik ,hrdn Zratie ist Wechsel — was Drehschei mag.- Sit mal um Frage Gcnoff« Genosse, nützlich bcstritter rani Vodi, MNNerftraßr 7,- Schaser'scher Brlaiinvrrr'" �e, . g Uhr bei«als u, Krüger, Skatitzerslraße 12«. Krsang�.u> .Biüthen kränz' Abend« 9 Ubr im Restaurant Brandenburgs K rgesangverein.Alexander' Abend» 9 Uhr im Restaurant gesongoerrin.Lürilia' Abend» 9 Ubr in Velstn i Restaurant,-, —«esanaverein.8re|el(d|liib'«bend» tfiz Uhr im Rrstauraw. Alte Iakoditrahe 88," Mannergesangvrrein.Nordstern' Abend» � Neftaurani Pohl, Müllerftraße 7,— Schaser'schers- «bend» 9 Uhr'' M" I oerein.Blülhei Mannergesangverein, m, mcnuuLu... bergerstraße 8— Mannergesangverei».Firmila»' bei Kinner,*S1 Nr 68.— Besangverein Mannerchor.St. Urban"«drnd«- ftraße 9.- Mannergeianaverein.Liedeisreiheil" Abend« 9 Uhr>»!,,- i Miegel, Stralauerstraße 57,— Gesangverein„Deutsche Lirdrria 9 Ubr Kipnickerftraßr 100,— Gesangverein„Norddeutsche von 9—11 Uhr Michaelkirchstraße 89.— Mannergesangverein Jn Abend» 9 bi» 11 Uhr, Franksurier Bierhallen(Krügers, Gr, Fraii", —„Brnnonia" Abend» 9 Uhr Hebung» stun)e bei Lehmann,„ slraße 32.- Turnverein„Hasen Haide"* Dieffenbachstraße 00-Si,—„Berliner Turngenofienichasl' s.'i Abtheiiung) Abend» 8 Uhr in der iiadtischen Turitt ftraße 17—18!— deigl, 0, Manner- Allstheilung Abend» d stadtiichen Turnhalle, Aubenerstraße»I,— Lübeck'cher Turnver� Adlheiung) Abend» 8 Uhr Elilabelhstraße 57-58,- Allgemeine'' Stenographenveretn,»bibeilung„Louisenstadi",»dend« Restaurant Preuß, Oranienstr, 51,— Arendi'scher. Phalanr' Abend« 8% Ubr Im Restaurant.Zum Buckower Gz'!?-'»' ftraße 9- Deutscher Berein«rendl'scher Slenoorapden»beN°»agv Heidt« Restaurant, Koppenftr, 75, Unterricht und Uebung,- Ut* grapden-Verein tSofteu, Arend»)«dend» 9 Uhr im Restait-aist — Stolze scher»tenographenverein.Nord-Berlin'«drnd»-.'s--- ftraße 44,- Verein der.Naturfreunde'«bend» 9 Uhr im Restau stwhe 35- Berein der Unrubstadler»bend« M Uhr wt Hoizniarkistraße 72,- Verein ehemaliger 8,« Rettichlag Donnerstag seden Mona» im Aas« Schüler. Sanb'Si Zbrnd«» Mr- RauchNub.Kerniptde'«dend««X Uhr im R-«� Rüderidoiserftr 8,- Kauckklub.Arcona' Add», 9 Uhr bei � Rauchklud„Dezimalwaage" AbendS S Uhr im, 5,� Kramtstraße 48- Rauchklub„Barwari«"«bend, 9 Ubr bei r' at- Orten »ereil worden. fischen i k Nachdruck mi J"" Hicimumni n>iccncriy 1�1 Pleve«bend» 9 Uhr«üdertdorserstraße «mba»", �»imietfträße"«,'"'jiriengitl'W�J »abr im Restaurant Wiechert, Oranienstraße 8,- Rauchs PK» ''raße 37 bei Wunder»«„ � M 6loll|etfttab'®.4 bHl --... 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