Nr. 262. Freitag, de« 8. Kooember 188». «. Iichrg. PostHilst- ofkunnje DerS»' i welche holt '.s Briest e Werth' eren der- tan heg« me Beost >n auf d«! ein»ntz i den man Verdes An- � erschwun-l nun nw »u vier w 3.1? 4: i i7»\ MinerHolbsblalL Drgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Bolksblatt- -e, W>? ff V» l» g» V- T- /49" Je r �glich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei 5 Ms �5 vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer «��..�vnntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt� 10 Pf. Bei Abholung aus unserer tveouion Zimmerstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemeni 4 Mark pro Quartal. «j..(Eingetragen in der P o stzeitungSpreisliste für 188S unter Nr. SKg.) �°aa Ausland: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jasertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene PetiUeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pf. 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S-lIung�°uwh°lb nehmen f ä m m> l i ch e Postanstalten Be- Die Uedaktio««nd Expedition de»„Kerliner Kolksblatt�. �t««tsl»ürgev inieiter � Nl«Ns der wfüvk'L dmtfchen Arbeiter wiederholt genannt. Und teick.'st durchaus zutreffend. Ein Blick auf Frank- �r Arf� d, Amerika, die Schweiz zeigt uns sofort, daß �weisls �dvrt eine ganz andere Stellung einnimmt. Kein von v r er'st auch dort ökonomisch abhängig, aber abg Abhängigkeit gilt er im Verkehr mit de» leichberechtigter Faktor i �etzgebung nicht zurückgesetzt dem Arbeit- und wird von n,0�en hier nicht den naheliegenden Vergleich des !k>o35?. Bergarbeiter st reiks mit dem engllfchen SUna� erstreik bringen: wir wollen nicht auf die Verfol- Nlna?""lerer Fachvereine, nicht auf die Verkümme- v-eisp Koalitionsrechtes unserer Arbeiter.hin- �greif�ir wollen ein Beispiel aus der allerneuesten Zeit L j einigen Wochen kam plötzlich die Nachricht, daß in (shewn? ch, einem blühenden Jndustriestädtchen nahe bei hiitt- �»Unruhen" ausgebrochen wären, und daß Militär �requirirt werden„müssen". w Limbach bei der letzten Landtagswahl die Kartellbrüder eine tüchtige Niederlage erlitten >23 � Feuilleton. «»rdotm.I_ Gevminsl. sozialer Roman von Emile Zola. autorifirte Uebersetzung von Ernst Ziegler. Rgh�ague hatte die Partie gewonnen; man verließ die �nte«Äi Bier zu trinken; Maheu jedoch verweigerte ein Wj.„ m-: später, der Tag sei ja noch lang! Er l'.ch" Pierron. Wo mochte Pierron sein? Wahrschein- Und lZ/t h�hnnse von Lenfant! Er überredete Levaque und alle Drei brachen nach Montsou auf, Thür Kameraden standen doch nicht Nein sagen. Noch in hielten sie sich auf; aber sie waren »>"-en ,, v m ästig und tranken nichts wie Bier, das sie Bei Lenk ,>on bem sie wußten, daß eS ihnen nicht schade. KeW.. � trafptt fip Spr pfiptt fpin itriPtißS(Älas einrt.v.' Vü unier i «nbZub�, sie konnten ?tt°ll.Z'"h-.häusern hie 8etrun('Uni trafen sie Pierron, der eben sein zweites Glas ei» dritt°-'°��' und, um nicht unhöflich zu fein, mit ihnen S&tä' Dann zogen alle Vier zusammen ins war' � sehen, ob Zacharias dort sei. Aber der chopp" uoch leer. Sie setzten sich, ließen sich einen ' wNM»u warten, brachen� aber bald� wieder Sl »us, i J�es8®�'u« Cafe"„Saint-Eloi", wo Richomme ihnen ein ander-° starte, und dann weiter, von einem Lokal in �wea-»' ohne einen bestimmten Plan, nur um sich zu °egen. einen bestimmten Plan, nur um sich zu n ,1Üjt in.den„Vulkan!" rief plötzlich Levaque '3-«' der g�h , Di�Sr�SUaffen zu werden, dann n,* u lachten über den Vorschlag,„ achten sie sich Alle dorthin auf den erten eg- «st In haben, und die ordnungsparteilichen Herren Fabrikanten „ihren" sozialdemokratischen Arbeitern nicht sehr freund- lich gesonnen sind, so flößten unS die„Unruhen" sofort ein beträchtliches Mißtrauen ein. Und die späteren Nachrichten haben daffelbe auch im vollsten Maße bestätigt. Die Arbeiter stellten gewiffe, durchaus berechtigte Forderungen, die Herren Fabrikanten wollten nicht nachgeben und requirirten Militär, um die Arbeiter zu Paaren zu treiben. Gut— das kommt auch in anderen Ländern vor: m Frankreich und sogar in den Vereinigten Staaten ist schon mancher Streik mit Militär kurirt worden— oder auch nicht kurirt. Aber das ist nicht das Moment, welches wir hervor heben wolltm. Wir sagten: die Bedingungen der Limbacher Arbeiter seien �durchaus berechtigte. Kein Zweifel, denn die eine Forderung: eine Lohnerhöhung, ist von einigen F a b r i- kanten ganz, von anderen t h e i l w e i s e zugestanden worden, und die zweite Forderung, deren Nichtbewilligung zu dem Konflikt geführt hat, muß ebenfalls als durchaus berechtigt erscheinen. Sie besteht nämlich darin, daß die Arbeiter das Recht beanspruchen, mit den Fabrikan- teneinen nach demPreiS derWaarensich richtenden Lohntarif zu vereinbaren. DaS sei„unannehmbar", erklären die Fabrikanten, und daS„Leipz. Tagebl." meint, die Arbeiter wollten die Waaren- preise willkürlich festsetzen; und ohne sich zu Grunde zu richten, könnten die Fabrikanten nicht einwilligen. DaS ist abermals Gerede. Den Arbeitern fällt eS gar nicht ein, die Waarcnpreise willkürlich diktiren zu wollen. Die Limbacher Arbeiter wiffen mindestens ebenso gut wie die Limbacher Fabrikanten, daß die WeltmarktSpreise von den Arbeit tern so wenig wie von den Fabrikanten willkürlich bestimmt werden können, und sie haben in ihrem Leben nicht daran gedacht, den Fabrikanten eine so lächerliche Zumuthung zu machen. Die Limbacher Arbeiter haben�einfach gefordert, was in England und Amerika längst al» Recht der Arbeiter anerkannt wird, und was, wenn wir nicht irren, auch in einem deutschen Industriezweig: der S o l i n g e r M e ss er- und S ch e e r e n- F a b r i k a» t i o«, schon eingeführt ist. In England und Amerika vereinbaren in allen Geschäftszweigen mit organisirten Gewerkschaften die Emplo�ers(Unternehmer) alljährlich oder alle sechs Monate mit den Arbeitern einen durch die Waarenpreise bedingten Lohntarif und beide Theile stehen sich dabei sehr gut. In der letzten Nummer des„Correspondent, Organ für Deutschlands H u t m a ch e r" befindet sich eine Zuschrift des Herrn John PhillipS, Sekretärs der amerikanischen Hat Finisher-(Hut-Zurichter) Association in Brooklyn, welche Zuschrift einen klaren Begriff von dieser Einrichtung bildet. dem schmalen, langen Saale des„Vulkan" befand sich an dem einen Ende eine Estrade, auf welcher fünf unverschämt dekolletirte Sängerinnen, der Auswurf der Dirnen von Lille, Lieder vortrugen. Im Saale sah man Karrenstößer, Auflader und selbst vierzehnjährige Wagenläufer- die ganze Jugend der Grube war hier versammelt, mehr Wachholder- schnaps als Bier trinkend; hier und da saß auch ein ver- heiratheter Häuer, dessen Leben nichts werth war. Sobald man an einem Tische Platz genommen, begann Stephan, Levaque seine Idee von der HilfSkaffe mit jener Hartnäckig- keit zu erklären, mit der Neubekchrte für ihre Sache Propa- ganda machen.. „Jeder", meinte er, wird wohl zwanzig SouS monatlich beisteuern können. Damit kann man in vier oder fünf Jahren eine große Summe zusammenbringen, und wenn wir Geld haben, sind wir stark und für jede Gefahr gerüstet! WaS sagst Du dazu? Bist Du nicht meiner Meinung?" «2a, ja", antwortete Levaque zerstreut,„ich behaupte nicht das Gegentheil, man muß darüber nachdenken!" Ihn interessirte eine große dicke Sängenn, und als die Kameraden ihre Schoppen geleert hatten und aufbrechen wollten, blieb er allein zurück. Draußen trafen sie wieder die Mouquette, welche Stephan mit ihren fragenden Blicken flxirte. Er lächelte, zuckte die Achseln und sie verlor sich mit einer Geberde des Unwillens » der Menge. „Wo ist eigentlich Chaval?" fragte Pierron. „Ja, wo mag der sein? Gewiß bei Piquette; gehen wir zu Piquette!" Im Cafe Piquette ging eS sehr lärmend her. Zacharias forderte mit drohender Rede einen wallonischen Nagelschmied heraus, einen stämmigen, phlegmatischen Burschen; während Chaval, die Hände in den Taschen, zu- chaute. „Da ist ja Chaval!" rief Maheu.„Katharina ist mit ihm." In Bezug auf einen Streit, der in Brooklyn zwischen den Hat Hähers(Hutmachern) und Hat Finishers(Hut- Zurichtern) ausgebrochen ist, schreibt Herr Phillips: „Folgendes ist ein sachgetreuer Bericht über den Hut- macherstreik in Dickerson u. Browns Fabrik zu Brooklyn. Die Firma und die Arbeiter stellen zwei Mal im Jahr einen Preistarif fest, der nichtverletzt werden darf, so lange er in Kraft ist. Der Tarif war gemacht und er war be- friediaend sowohl für die Arbeiter als für den Arbeitgeber; aber die ersteren wollten eine Bestimmung einführen, die ungefähr so lautete:„Im Fall die Arbeit härter(harder) wird und die Löhne der Arbeiter sinken, sollen die Preise erhöht werden." Die Firma wollte die Bestimmung nicht annehmen, weil die Folge derselben die wäre, daß jede Partie Hüte, welche durch' das Geschäft geht, Thür und Thor für einen Streit öffnen würde. Die Hutmacher stellten darauf die Arbeit ein und wollten nicht eher zur Arbeit zurückkehren, als bis die Bestimmung von der Firma angenommen sei. Die Finishers wurden darauf ersucht, ebenfalls die Arbeit ein- zustellen, bis die Firma die Forderung des MakerS ange- nommen. Die FinisherS beschloffen, die Sache in der Hand der Beamten ihrer Internationalen Assoziation zu lassen. Die Beamten traten zusammen, prüften alle Seiten der Frage und kamen zu dem Schluß, daß, wenn ein Preistarif gemacht und von der Firma und den Vertretern der Arbeiter unter- zeichnet ist, derselbe auch unantastbar sein muß für die Zeit, für welche er gemacht worden ist. Wenn die Finishers eines Geschäfts mit ihrem Unternehmer Übereinkommen, für eine bestimmte Zeit für einen bestimmten Preis zu arbeiten, so müssen sie auch daran festhalten.. Es wäre sehr in- konsequent von Seiten der FinisherS, wollten sie den Malers zu Liebe die Arbeit in einem Fall einstellen, in welchem sie selbst sie nicht einstellen würden. Wenn die Finishers einen Preistarif machen und ihre Namen darunter setzen, so muß der- selbe sechs Monate in Kraft bleiben, einerlei ob die Löhne schwanken oder nicht; und wie, im Namen deS gesunden Menschenverstandes, konnte man ihnen zumuthen, d,e MakerS in deren Verlangen zu unterstützen, daß, wenn die Löhne heruntergingen, der Preis- tarif erhöht werden solle? Vor Jahren war eS Sitte, daß die Arbeiter eine Lohnerhöhung forderten, wenn viele Be- stellungen einliefen und der Fabrikant in Verlegenheit um Arbeiter war— daß auf der anderen Seite aber der Fabri- kant die Löhne beschnitt, sobald das Geschäft schlecht ging. DaS war ein sehr unsicherer und unbefriedigender Zustand. Einen Preistarif alle 6 Monate machen und ihn streng beobachten, das ist jeden- falls ein weit besserer Plan. Beide Theile wissen dann, wie sie st ehe n. Der Fabri- Seit fünf Stunden trieb sich Käthchen mit ihrem Lieb- Haber zwischen dem Festgetümmel herum, das sich auf der breiten gewundenen Straße von Montsou in der Sonne bewegte, gleich einer Karawane Ameisen, die über ein nacktes Feld kriecht. Der schwarze Schmutz der Chaussee war jetzt getrocknet, und dunkler Staub lag wie eine Gewitter- wölke über dem Wege. Die übervollen Wirthshäuser hatten selbst bis vor die Thür hinaus Tische gestellt, wo in einer doppelten Reihe von Buden allerhand Jahr- marktSwaare feilgeboten wurde: Tücher und Mützen, Spiegel für die Mädchen, Messer für die jungen Leute, Zuckerwerk, Kuchen u. s. w. Vor der Kirche schössen Bogenschützen. Neben den Werkräumen der Kompagnie wurden Kugeln ge- warfen. Unweit der Regie fand hinter einem Bretterzaun ein Hahnenkampf statt; zwei rothe Hähne zerrissen einander mit eisernen Sporen die blutenden Hälse. Weiter unten, bei Maigrat, wurden am Billard Schürzen und Hosen auSge- spielt. Und kein Lärmen drang aus ver Menge, keine laute Fröhlichkeit war vernehmbar; still zogen die Leute dahin, oder tranken ihr Bier und stopften sich mit gebratenen Kar- toffeln, die unter freiem Himmel auf kleinen Oefen im prickelnden Fett brieten. Chaval hatte Käthen für neunzehn SouS einen Spiegel gekauft und ein Tuch um drei Franks. Sie waren Mouque und Äonnemort begegnet, die schweigsam Einer neben dem Anderen mit ihren schweren Beinen durch die Menge holperten. In der Nähe eines leeren Terrain» stand eine ambulante Branntweinschänke; als sie dort vorüberkamen, bemerkten sie Jeanlin, der Bebert und Lydia anstiftete, aus der Bude eine Flasche Wachholder zu stehlen. Katharine konnte noch ihren Bruder erwischen und ihn mit einer Ohrfeige zurechtweisen; aber Lydia hatte bereits die Flasche gepackt und entfloh über'S Feld: diese Kinder werden noch im Ge- ängniß enden! Vor der Schänke„Zum abgeschnittenen ?opf" kam Chaval der Gedanke, seiner Geliebten einen Buchfinken-Wettkampf zu zeigen, der dort seit einer Woche k an t weiß, was er für die Arbeit zu zahlen hatund kann d em z u f o l g e m i t s e i n en K u n- den endgiltige Anordnungen treffen. Die Arbeiter wissen, w a S s i e f�r ihre Arbeit bekommen. Es giebt keine Streitigkeiten u nd k ein e Str e ik s, wie das früher gesch ah — ÄlleS geht ruhig und gla t t. Die FinisherS wären sehr inkonsequent, wollten sie die Arbeit einstellen um einer Forderung willen, die sie, nach ihren Statuten, selber nicht erheben dürfen. Wenn man Verein- barungen trifft, dann muß man sie auch halten. Ist ein Akten st ück einmal unter- zeichnet, dann müssen dessen Bestim- mungen auch beobachtet werden. Treu und Glaube muß gelten." So Herr Phillips, der Leiter einer der besten ameri- kanischen Gewerkschafte«. Unsere deutschen Fabrikanten können aus diesem Schreiben viel lernen: sie ersehen daraus erstens, welch' kräftiges Ehrgefühl unter den Arbeitern zu finden ist; zweitens, daß die amerikanischen Arbeitgeber mit den Arbeitern den Lohntarif vereinbaren, statt ihn einseitig zu oktroyiren; und endlich drittens, daß ein solches Ver- fahren die Streiks verhindert. Und gerade dieses Versahren haben die Limbacher Ar- beiter gefordert; und weil die Limbacher Fabrikanten die streikverhütende Praxi» nicht einführen wollten, ist es zum Streik gekommen. Die Angelegenheit ist ja längst beendet, sie zeiat aber, wie schwer es den deutschen Fabrikanten wird, den Arbeiter als gleichberechtigten Faktor anzuerkennen. Alle Verhaudlllngeu über das KozlaWeugesetz. Donnerstag, den 7. November. Dasselbe Bild wie an den vorhergehenden Tagen: die Tribünen überfüllt, der Hausflur gedrängt voll mit Menschen, welche die Abgeordneten um Eintrittskarten bestürmen und im Saal eine gähnende Leere, welche deutlich beweist, welche Bedeutung der Kartellreichstag einem Gesetz beilegt, welches nahezu eine Million deutscher Wähler und noch weit mehr Reichsangehörige der diskretionären Polizeigewalt überliefert, sie außerhalb des gemeinen Rechts stellt, sie zu Deutschen zweiter Klafle degradirt. Die wichtigsten politischen und wirthsch östlichen Rechte weiter Volkskreise werden vor leeren Bänken verhandelt; diese Thatsache spricht Bände. Der erste Redner war heut der Abgeordnete v. d. Decken, ein Welse, welcher, obwohl wüthender■ Gegner der Sozial. demokratie, sich sehr energisch gegen die Regierungsvorlage aussffrach, weil dieselbe ungerecht und zur Bekämpfung von sozialistischen Ideen nicht geeignet sei. Mit den pathetisch gesprochenen Worten:„wir Deutsche fürchten Gott und nicht das Gespenst der Sozialdemokratie" verläßt dieser sonderbare Schwärmer die Tribüne. Ihm folgte der Abg. Kulemann, der es fertig brachte, daß der Saal noch öder wurde und der unter„fortlaufendem" Beifall feine Ansicht den wenigen Zuhörern vortrug. Herr Kulemann hat ein dickes Buch über die Sozial- demokratie geschrieben, wie wir bereits meldeten, und benutzte die Gelegenheit, um einige Kapitel daraus vorzutragen; es waren vielversprechende Proben, die Herr Kulemann von seiner Geschichtsauffassung zum Besten gab; zwischen durch wimmelte die Rede von Behauptungen, welche in Ermangelung zu- treffenden Materials auf einige früher bereits energisch zurück- gewiesene Redensarten zurückkamen. Da marschirte„der Meineid" Arm in Arm mit„dem Fürstenmord" auf, um gegen die sozialdemokratische Partei verwendet zu werden. Dabei bezeichnete Herr Kulemann es als eine Folge sozial- demokratischer Agitation, daß jeder„grüner Junge" sich zur Entscheidung darüber berechtigt glaube, wenn infolge der ein- getretenen„russischen Zustände" der„Fürstenmord" vorzu- nehmen fei. Auf den Zmuf„Albernheiten" replizirte Herr Kulemann, daß dies kein parlamentarischer Ausdruck sei, worauf man ihm entgegnete, daß der Ausdruck jedenfalls aber„sehr zutreffend" wäre. In diesen Geleisen bewegte sich der Vortrag des Herrn Kulemann, welcher die alten Redensarten vorbrachte und als „ealam terrible" seiner Partei für sich das Recht in Ansprach nahm, dieselbe zu blamiren. Ein Seufzer der Erleichterung durchzitterte das Haus, als Herr Kulemann sich niedersetzte und der Präsident dem Abg. Bebel das Wort ertheilte. Dieser Redner fertigte zunächst Herrn Kulemann mit angekündigt wurde. Fünfzehn Nagelschmiede von Mar- chiennes waren, jeder mit einem Dutzend kleiner Vogel- bauer, zum Konkurs erschienen, und die dunklen, winzigen Käfige, in denen die Finken unbeweglich saßen, waren an einer Bretterwand auf dem Hofe des WirthshauseS aufge- hängt. ES handelte sich darum, zu zählen, wer von diesen Vögeln im Laufe einer Stunde am fleißigsten seinen Gesang wiederholen werde. Jeder Schmied stand vor seinen Käfigen und notierte mit einer Schiefertafel den Schlag seiner Finken, die Nachbarn überwachend und selbst von ihnen kontrolirt. Die Vögel aber begannen zu singen, die einen mit tiefer Stimme, die anderen mit hell lockendem Ruf; zuerst klang eS furchtsam und zögernd, nur von Zeit zu Zeit öffneten die Thiere den Schnabel; dann, einander an- feuernd, wiederholten sie schneller und schneller ihren Sang, bis sie endlich zu einem so maßlosen Wettkampfe Hingeriffen wurden, daß mancher von ihnen todt zusammenbrach. Die Schmiede eiferten sie an, lockten mit ermuntertem Zuruf, sie unermüdlich bittend, noch einmal zu singen, und noch einmal und noch ein wenig! Und die Zuschauer, an hundert Per- sonen, standen, leidenschaftlich für den Kampf interessirt, schweigend vor der höllenmäßige» Musik dieser einhundert- undachtzig kleinen Sänger, die unaufhörlich dieselben Rufe in unregelmäßigen Zwischenrufen durcheinander warfen. Endlich war der Kampf entschieden, und der Preis, eine blecherne Kaffeekanne, wurde dem Sieger überreicht. Gerade als Chaval und Katharina gekommen waren, sahen sie auch Zacharias und Philomenen eintreten. Man begrüßte sich und blieb bei einander. Aber plötzlich bemerkte Zacharias, wie ein Nagelschmied, der sich unter den Zu- schauern befand, Käthchen in die Seite kniff, und er wurde böse, während seine Schwester, die sehr roth geworden, ihn bat, ruhig zu bleiben; denn sie fürchtete, die Schmiede möchten über ihren Bruder und ihren Geliebten herfallen. Chaval lachte übrigens; die Sache war ihm nicht der Mühe werth und schien beigelegt, da Alle das Lokal verließen. Kaum aber waren sie bei der Piquette eingetreten, um gemein- schaftlich ein Glas Bier zu trinken, als der Schmied wieder- kam, ihnen in'S Gesicht pfiff und sie herausfordernd anlachte. einigen Worten kräftig ab und ging dann dazu über, einen Rückblick auf das Gesetz zu werfen. Der Redner besprach die zahlreichen Verbote von Zeit- schriften, Vereinen, wies auf die durch die Ausweisungen ver- nichteten Existenzen hin und hob hervor, wie trotz aller Unter- drückung die sozialdemokratische Partei stetig gewachsen sei; in umfassender Weise besprach der Abg. Bebel die Verhältnisse, in denen die bürgerlichen Parteien zur Zeit der Karlsbader Be- schlüsse. der RegierungSentschließungen von Verona und Laibach gewesen find und konstatirte, daß die Sozialdemokratie von heute nichts Anderes thut, als der bürgerliche Liberalismus damals aethan hat. In scharf pointirter Weise wies der Redner auf die Wieder- fprüche hin, in denen sich die Regierung und namentlich auch die nationalliberale Partei bei der Vertheidigung des Sozia- listengesetzes bewegen und führte Herrn v. Bennigsen und seinen Genossen die früheren Grundsätze und Reden zu Gemüth. Eine scharfe Kritik der Handhabung des Sozialistengesetzes, aus der sich namentlich der Theil, welcher von den Ausweisungen handelte, sich heraushob, folgte diesen Ausführungen und an diese schloß sich der Nachweis, in wie hohem Grade das So- zialistengesetz auf die Rechtsprechung gewirkt hat. An einer großm Anzahl von Beispielen, die sich nament- lich auf dem Gebiete der sächsischen Justiz bewegten, zeigte der Redner, welcher die Aufmerksamkeit des Reichstags in hohem Grade fesselte, welche Früchte und Blüthen das Sozialisten- gesetz gezeitigt hat. In weiterem Verlaufe der da» ganze Ge- biet umfassi fassenden, gebankenreichen Rede behandelte der Abge- ordnete Bebel auch die angeblichen Milderungen der Regie- rungSvorlage und kam zu dem Schluß, daß der Charakter des Sozialistengesetzes dadurch nicht im Geringsten geändert wird. Nach Ansicht des Redners reicht das Strafrecht vollkommen aus um die sogenannten„gemeingefähr- lichen Bestrebungen", soweit dieselben gegen das gemeine Recht verstoßen, zu verhindern, und derselbe schließt seinen nahezu zweistündigen Vortrag mit der Bemer- kung, daß, wenn irgend etwa« geeignet sei, die Sozialdemo- kratie auf einen gewaltsamen Weg zu drängen, es die Annahme dieses Gesetzes wäre. Mit der Bebel- schen Rede schloß die viertägige erste Berathung des Sozialistengesetzes, welches an eine Kommission von 24 Mitgliedern verwiesen wurde, nicht zum Ruhme der Vertheidiger der Vorlage, sondern mit dem moralischen Siege der unter- drückten, durch ein Ausnahmegesetz geächteten Sozialdemokratie. xwlMMo Uelicrftrtik. Gin«e«r« Geständnis. Wir theilten neulich den Aus- spruch eines Hamburger Kartellbrüder-Blattes über die Auf- lösung des Reichstages von 1878 mit; es wurde festgestellt, daß der Reichstag nicht wegen der Attentate des StöckerianerS Hödel oder de« Nationalliberalen Nobiling und des damit in Zusammenhang gebrachten Sozialistengesetzes heimgejagt wurde, sondern um der liberalen Richtung, die sich gegen Bismarck geltend machte, einen Schlag ins Genick zu ver- setzen. Heute kommt das große nationalliberale Reptil, die„Köln. Ztg." und schwatzt folgendes aus der Schule! Das Sozialistengesetz ist nichts anderes, und soll nichts anderes sein, als eine Korrektur des allgemeinen Wahlrechts. Bisher ist allerdings Seiten» der Regierungen und der MehrheitSparteien immer das Gegentheil versichert worden. Man wollte mit dem Sozialistengesetze angeblich nicht die sozialistischen Ideen als solche bekämpfen. Nur die direkt auf Umsturz der Staats- und Gesellschafts- ordnung gerichtete Agitation sollte durch da» Ausnahmegesetz verhindert oder wenigsten« eingedämmt werden. Jetzt aber er- fahren wir aus dem rheinischen Kartellorgan, daß der Zweck des Sozialistengesetzes ein ganz anderer gewesen sei:„Die Nothwendigkeit, dem Staatswesen eme Ergänzung, eine Kor- rektur des demokratischen Wahlsystems einzufügen, ergab sich erst mit unauSweichbar zwingender Gewalt, mit der Entwick- lung der sozialdemokratischen Bewegung...." Und weiter: „An dem Tage, da jeder denkende Patriot sich sagen mußte, daß Deutschland mit einer derartigen Partei auf unabsehbare Zeit zu rechnen habe, war das Sozialistengesetz politisch, ge- schichtlich und sittlich eine Nothwendigkeit geworden." So die „Köln. Ztg.". Diese Bekenntnisse des offiziösen Blattes find in der That merkwürdig. Man vergleiche dieselben doch mit Allem, was von Denjenigen, welche für das Sozialistengesetz eingetreten find, seiner Zeit von der Tribüne des Reichstags herab erklärt wurde, und man wird finden, daß es gerade da« Gegentheil von dem ist, was hier zu behaupten versucht wird. Entweder hat man also damals die politische Heuchelei auf die höchste Spitze getrieben, oder was wahrscheinlicher ist, man sucht heute nach neuen Gründen für das Ausnahmegesetz, weil sich die da- Zacharias, außer sich über diesen Schimpf, warf sich auf den Unverschämten: „Das ist meine Schwester, ich werde Dich lehren, sie respektiren!" Man sprang zwischen die beiden Männer, um sie zu trennen, während Chaval sehr ruhig sagte: „Aber laß doch! Die Sache geht mich an und mir steht der Lump nicht für den Aerger." Maheu kam mit seinen Freunden und beruhigte Käthen und Philomenen, die in Thränen aufgelöst waren. Der Schmied war inzwischen verschwunden, und Chaval, der bei Piquette zu Hause war, traktirte die Gesellschaft mit Bier, um den schlechten Eindruck vollends zu verwischen. Stephan mußte mit Käthen trinken und Alle: der Vater, die Tochter und ihr Geliebter, der Sohn und seine Mai- treffe, stießen mit einander an und riefen:„Es lebe die Gesellschaft!" Dann wollte auch Pierron durchaus Bier bringen laffen, und wieder trank man und war in bester Laune, als Zacharias, der seinen Freund Mouquet eintreten sah, plötzlich von Neuem in Auftegung gerieth; Mouquet solle mit ihm kommen, rief er, und zusehen, wie er den Schmied züchtigen werde: „Ich muß ihn umbringen, den Hund! Chaval, bleib Du bei Käthen und Pilomenen!" und fort war er und sein Freund Mouquet mit ihm. Man ließ sie gehen, während Maheu noch einmal Bier bestellte. Zacharias' Absicht, die Ehre seiner Schwester zu vertheidigen, sei in der Ordnung, meinten sie; nur Philo- mene schüttelte das Haupt und sagte leise, es sei schon gut. Sie war überzeugt, daß die Beiden in den„Vulcan" gegangen. Abends pflegte das Fest mit einem Balle in dem „lustigen Bruder" beschloffen zu werden. Dieses Lokal ge- hörte der Wittwe Desir, einer starken Frau von fünfzig Jahren, rund wie ein Faß, aber so rüstig und lebensfroh, daß sie scherzend sagte, sie habe immer noch sechs Liebhaber, für jeden Tag in der Woche einen, und Sonntags alle sechs. Seit dreißig Jahren fchänkte sie den Kohlenmännern von Montsou Bier und nannte dieselben„meine Kinder", unter den Mädchen und Frauen aber, rühmte sie, gebe es Keine, mal« gellend gemachten Gründe nicht mehr aufrecht echD lassen. Dabei übersieht die„K. Z." ganz, daß ihre BehaW®* es habe sich erst 12 Jahre nach Einführung des allgt»� Wahlrechts(1878) das Bedürfniß einer solchen Korrektur ergeben, den schwersten Vorwurf der politischen KurzfiWj gegen den Mann enthält, welcher da» allgemeine und Wahlrecht zur Grundlage unserer Verfassung gemacht F Denn als dieses Wahlrecht im Jahre 186S eingeführt war die sozialistische Partei nicht etwa unbekannt in Demi land. Es hatte vielmehr gerade damals die sozialistische s paganda eine große Ausdehnung gewonnen. Es hatte«P 5°Slich. daß ? der Eta,. lehr erbaut i1 ??«->. daniu NMeich .„ewchte wei lN Di Fuhrer Lassalle, mit dem der Fürst Bismarck bekanntlich J? mit einem Gutsnachbar verkehrte, für die Einführung gemeinen Wahlrecht« jahrelang die rührigste Agitation enIM Es erscheint daher geradezu kindisch, heute vorgeben zu wow der Fürst Bismarck habe nicht vorausgesehen, daß die Soziat� von dem ihnen verliehenen Wahlrecht den ausgedehntesten � brauch machen würden. Schließlich sei noch bemerkt, daß das Bekenntni sei unter dem allgemeinen Stimmrecht unmöglich, ohne nahmegesetz zu existiren, denn doch das größte Armutbsz« für das Volk der Denker in sich schließt. Andere Nation' welche sich des gleichen allgemeinen Wahlrechts sogar im men eines vollständig parlamentarischen Regiments ersren� wissen doch seit vielen Jahren den Staat und die burgw'� Gesellschaft aufiecht zu erhalten, ohne eine der politischen V. der Versammlungs- und Preßfteiheit zu berauben. w «ÄS gfeft teien ohne die Führer dieser Partei heimathloS zu machen. man im Deutschen Reiche nicht ohne diese außerorde Machtmittel auskommen, so würde die« nur beweisen, da Nation gegen eine Reihe anderer Völker in der po�r> Entwicklung weit zurückgeblieben ist. Das stimmt aber t® zu den tönenden Phrasen unserer Kartellpolitiker von derv� lichkeit des Deutschen Reiches und seiner Stellung M Spitze der Kulturvölker. Ueber da» Kaftatiffengesetz»ad die Mittelpa� äußert sich die„Germania":, Den Mittelparteilern wird bei der Zumuthung, enl'S nahmegesetz ohne Fristbeschränkung dauernd bewilligen zu!" � immer weniger wohl. Deshalb besteht, obgleich die Her*?«, die Kartellmehrheit haben und billiger Weise ihrerseits o®. schäfte der Regierung besorgen sollten, fort und foiijM radezu krankhaftes Bemühen, das Zentrum mit in ihr S«, zu verstricken, dasselbe Zentrum, dessen Brachlegung gerade der Zwecke de» Kartells ist, dasselbe Zentrum, das man.� konsequent von den„staatserhaltenden" Parteien auSh Wir waren nun sofort nach der Fraktionssitzung des Zj Mitte voriger Woche im Stande mitzutheilen, daß da« Korrespondenz zu lesen:„Das Zentrum hat sich bisher in! Presse sehr bestimmt namentlich gegen die Aufhebung der? beschränkung ausgesprochen, und ohne Zweifel wird au«. ~"' ittRB .kraktionSredner im Reichstag diesen Standpunkt einn> Ob der Entschluß des Zentrum«, unter allen Umstände» einer Fristbeschränkung zu bestehen, ein unabänderlicher un» müthiger sein wird, darüber herrscht im Reichstag Meinuns schiedenheit. Diejenige Gruppe des Zentrums, welche au« dem Sozialistengesetz zugestimmt hat, soll auch jetzt zu einer p» Verstänvigung geneigt sein und an der Herbeiführung solchen arbeiten wollen, trotz der[unbedingt abspre« Haltung der ultramontanen Presse. Jedenfalls werdt» die Giltigkeitsdauer einerseits und die AuSweisebel andererseits als die beiden umstrittensten Punkte darst So war in mehreren nalionalliberalen Blättem zu lesen., t die„Schlefische Zeitung" ihrerseits meldete:„Obgleich t1(V Zentrumspresse bestimmt gegen die neue Sozialisten� ausgesprochen hat, so arbeiten doch diejenigen Miss''" I WW...„_____ kitgliM Zentrums, welche früher dem Sozialistengesetz zugestimmt � an der Herbeiführung einer Verständigung.„Da kein r«? X K«»t rt» n � 11•*ni Mitglied des Zentrums auf ein dauernde« Gesetz eingehen� so ist natürlich die vorstehende Nachricht unwahr. Die � ung der Fristbestimmung im geltenden Sozialistengesetz) Schaffung eines dauernden Gesetzes, ist der Kernpun»� jetzigen Sozialistengesetznooelle. Und da derselbe einmütig z Zentrum verworfen wird, so ist nicht erfindlich, Anknüpfungspunkt für eine„Verständigung" gefunden könnte! Zum N für Schlesien oringi oie„nreuzzig. eine Joenamgung/ ihr vom Regierungspräsidium Breslau zugegangen ist. mar das Verbot des sozialdemokratischen Parteitages nlfl'jj der Bezirksregierung erlassen und nicht vom Ministerium- frttih�rrt tnetr«nn h<»r rVfAnnTf**tf)CDO*'�J gehoben, sondern dasselbe war von der OrtSpolizeibehor� lassen. Nach einer Beschwerde beim Minister des wurde die Sache dem Polizeipräsidium in Breslau zur vfii überwiesen und von dieser dann da« Verbot aufgehoben-� §tw u. Koetticher. In nationalliberalen Pro>»?z blättern, so schreibt die„Fress. Ztg.", begegnen wir einem y gramm von Montag aus Berlin, wonach die Stellung «ulannne >„P lkran,tn b '°ler oerkl kansta Stäi <7«h hol W rtsk Me filj. Wtti inÄ nss vis P mi iUD�er u"? zu s die nicht im„lustigen Bruder" ihre» ersten Tanz g Man trat zuerst in den Schanksaal, wo Tische und standen, daneben führte eine weite Thür in den B Dieser war nur in der Mitte gedielt und ringshen Ziegeln gepflastert; zwei Guirlanden aus papn Blumen liefen, sich kreuzend, von Ecke zu Ecke, uim� Mittelpunkte hing eine Krone aus denselben Blumen- j Wände schmückten goldverzierte Papiere, auf dene»� Namen der Kalender-Heiligen zu lesen waren: der Aloisius, der Schutzpatron der Eisenarbeiter; der � Crispin, Patron der Schuster; die heilige Barbara, d1' tronin der Bergleute u. s. w. Der Plafond war so ui*>"nt. daß die drei Musikanten auf ihrer Tribüne, die nicht � 9et«u wie eine Kanzel war, mit den Köpfen daran stießen,"ff P E wurde in jeden Winkel des Saales eine Petroleum� sjein "nd Un 1 h 5" si (ieit fünf Uhr tanzte man dort, während da« Taglicht noch zu den Fenstern hereinschien. Um siebe« war der Saal gedrängt voll. Inzwischen hatte M heftiger Wind erhoben, blies den Leuten auf der schwarzen Staub in die Augen und hagelte unaushot' die brodelnden Fettpfannen der Kartoffelöfen. Maheu, und Pierron hatten sich in dem vorderen Saale a«- Tisch gesetzt; Chaval tanzte mit Katharinen, und tfirtPn Iii» rnphor«rtA niirf» Qotirtrtllß aJ« >ch ,\syuüiu lunuc mu j\uiyiuuisu,«»v-r- � schaute ihnen zu; weder Zacharias noch auch Levaque< zu den Änderen zurückgekehrt. Da es im Tanzsaat" j Ae Bänke aab. setzte sick Käthcken nack ieder Tour an de«..("wiew," JfjjS ihres Vaters; man.............. ,•, b-«oet, vor, stehend im Ballsaale zu bleiben. ES wurde«$ Die Musikanten spielten mit verzweifelter Anstrengung� �dien� klebenden Haaren und die bunt kreisenden Kleider,, p?( � einen durchdringenden schweißigen Geruch emporrvs" � Maheu zeigte Stephan lachend die Mouquette, die,("jis"d>ür, zum Plätzen rund, am Arme eines mageren Häuer» sie mußte sich also doch zu einer Wqhl entschlossen ¥ Jtetn ES war schon acht Uhr, als die Maheude kam,«JL("sex Brust Estelle und von Alziren, Heinrich und Leonok j um -cht� Z-b-mM AS urzfichtA und di«»' emachl% iihrt nun« in D-ulst' istilch- f* h-ttt d°- mntW 7 ing d-S � »n enlsal»' zu woll.� h niesten� 'S�! lutbsztuzm "Ät möglich bot 4,-\�n?ttl(*)ec...erschüttert sein soll. ES ist ja dti Bismarck über die Art, wie Herr v. Boetticher sehr ftbaul 1 jf Regierung vertheidigt hat, nicht taaus, dam,.»'" essen gilt auch hier der Ausspruch: qaod '' niemand leistet mehr, als er kann. Auch ist sogleich ein anderer besserer Sprechminister beschafft. Jene ««Uchte werden deshalb wohl nur der Niederschlag einer ehr l-wem verbreiteten Meinung sein über den M-f--'"'" ilotsh�Ml �riftretens des Herrn v. Boetticher Mißersolg bei der Reich« steuern nimmt die.Post� schon jetzt in M>- Sie meint im Anschluß an die Rede Bennigsen-, b» �.�atrikularbeiträge zu beseitigen und da- letzrge Plu- �»..lus��sungen gegenüber den Matrikularbeitragen den »n», 5" srster Zuschuß zu gewähren sei. Wenn da- «»>5 mehr brauche und die Zeit sei nicht fern, in uTjfcn des Reichszuschuffes für die Alters- und Jnva- °?s?Mng wegen ein weiterer Mehrbedarf rm Reiche zu wird, so würde nicht- im Wege stehen, alliahrlich zu Zuschläge zu den jetzigen Reich-steuern emzu» � beispielsweise einen Zuschlag zu den Stempelabgaben. und»Wette« Hamburger Reichstag»- 'st. der Besitzstand der Sozialdemokraten em so arf-«KZ 'lischAj onallib«�. Cf\-', KV»VUVV�Ii Ulli*-< QVVVWU« bttlifn m?..�'itz im ersten Wahlgange gewählt, während im Mid d-«««ine Stichwahl zwischen Adolph Wörmann Tän>,I?.�°i"''b«mokraten Heinzel erforderlich war, bei der -"ur mit Mühe durch da- Zusammenstimmen einer ■«Mhl Freisinniger mit den Nationalliberalen durch- > bürgerlichen Parteien werden nun für den dritten �tc 9? f"?1 neuen Kandidaten aufstellen müffen, was keine liaiiba» kein wird; Wörmann. der zweimal da- lthvle« �?«!s«ßabt hat, will„in Rückficht auf fem au-ge- bat zvj.? Schaft"(die Trauben find sauer und taugen nicht-) ah s nicht mehr annehmen. Man hörte bi- jetzt W«"(lra.!nen als Kandidaten für den 3. Wahlkreis nennen: «lud �bertus von Ohlendorff, der beim mittleren Bürger» feiftrllm, �«werbestande jetzt infolge der von ihm geleiteten kiva,."2. populär W- aber wegen seiner konservativen Ge- vid politischen Kreisen nicht genehm sein wird, K. La»?>.»krdinand Laeiß, Mitchef der großen Rhedereifirma Ader», f. nationalliberal ist. Natürlich werden auch in den «erden Wahlkreisen bürgerliche Kandidaten aufgestellt l. ÄM>.> �sazialdemokratischen Kandidaten sind für den »eller Bebel, für den 2. Dietz und für den 3. Schnft- � �iedde in Lübeck, der au- Hamburg ausgewiesen ist. schreibt man der„Franks. Ztg.":„Die Mussx»er Kohlenpreise scheint noch immer nicht zum Ab» 11®oliWWt-n»u wollen; denn, wie ich höre, wird der Preis Sü' 9Ä) sm>ur den Hausbrand, der sich vor dem Ausstande Mrk pro 22 Scheffel stellte und jetzt bereit- auf 14,60 Nachn,9�. ist, abermals um 2 M., also auf 16,60 M. in »ung ü»>>.?agen erhöht werden. Für unsere Arbeiterbevöl- �euenwa n � abnormen Kohlenpreise und die stetige Ver» d« hiesj9°p«r Lebensbedürfnisse eine wahre Kalamität, oie auf üli-i«!.. fäninlirfi-n Kis-nbobnmasibinennierkstatt den Plan cher w mg der nrd avl t einne n stände« icher und Iteinuns he auoi üner ührl werde« weisebe! e darstl u llse«-. gleich stA allsten-� Mitglied« timmt r kein e« 'Di- Lloyd tengesetz A ernpun« lnmüW � 1», nden Partei�! 0uS0', pap'' ke, un» lumen- ' dene«. der der ieki? «derer°as Sensenhändler, die sich als Perionen l. r durch gewisse Merkmale charakterisiren, unge- S den gefragt wurde, antwortete sie mit ihrer matten Ei »l/ll, V-t, l|* VU VVWUVII. hatte einen Blick mit seiner Frau gewechselt. »urde"Y' rnd, eider, porw-.,>» bJA ffe« fe Ä«.7?°5e ihn, er ist da drüben." Ae 9ötte einen Rlick mit seiner "�'etten� 1°»°� ste.groß sind, ohne »-? Und er wurde ernst un� rauchte L vA W hber L i P�ife, wie sein Weib von Sorgen gequält -»«erb...... me„nAS«,f«,h hi-ftA Undankbarkeit der Kinder nachdenkend, die sich -«»«„i» f,e groß sind, ohne für die Eltern zu t b», A-an T* s'e gekostet Haien.' bj, 3*0.1 eine Quadrille: Rother Staub erfüllte ..-Ptsion blies grell wie eine Lokomofive, und im,. Leon«� a« yveu mit»cu*uiuwiivv ■«San' toun«rican-Theater. iM5 Dresden erste. 55. Täglich Vorstellung. CIpcus Renz. Karlstrahe. Heute. Freitags deu 8. November 188», 7 Uhr: GroZe KmlKer-WßellW unter Mitwirkung von fämmtl. Clowns in ihren neuen komischen Jntermezzo's u. Sntree'«. Groß» artige Tremplinfprinqe. Mahomed, arabischer Schrmmelhengst, dress. und vorgeführt v. Herrn Franz Renz. Auftreten der vorzügl. Reit- kunstlerinnen und Reitkünstler. Frl. Guerra als Schulreiterin. Im dunklen Erdtheil. (Gitt«tchme von Kogamoyo.) Grobe equestrifche Original-Pantomime. (Gesetzlich geschützt). Morgen große Vorstellung. Sonntag: 2 pfc UWellWei. 4 Uhr Nachmittag(Ein Kind frei). Zum I. Male ganz neu arrangirt: Bacchus und Gamhrinus. Großartiges Ausstattungsstück. Abends 7t Uhr: Asche«vrödel oder Der gläserne� Nantoffel.� Cipcue Busch. Kmedrtch-starl-Ufer. Heute, Freitag, den 8. November 188». Abends 7t Uhr: Erste große KoMer-UorstellMg. Gastauftreten der italienischen Juliauo- Trnppe, 4 Herren, 1 Dame, erentnsch mufi- kalische Produktionen, la cucina diuhclica. Der Kunstreiter vor 50 Jahren. Das Ver- schwinden einer Dame inmitten der Menage oder moderner Magnatismus. S Clown Gebr. Florida. Frl. Margerithe als Jockey. Parforra Reiterin Frl. Henriette. Helga geritten vom Direktor. Ein Liebesspiel zu Pferd von Frau Direktor Busch und Frl. Maria Dore. Auftr. der Singhalesen-Karavane(Parodi v. mehreren Clown») 12 Hengste in Freiheit und Prämien- Springpferd Volina vorgeführt v. Direktor. In dieser Woche: Zum ersten Mal; Vl. Evtl.: Die Paris er Welt-U»»st»R»u» Vielen Wünschen entsprechend noch eine Woche 1. Reise:«lhen-stonftanttnvpel. ■BBH Ksptha-Reia«. BBMBi »tu, Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf.»bann. » Reisen 1 M. B. p.stuschs?'. anatomlschss MUSEUM 80/81 Kommandantenstpasse 80/81. Täglich geöffnet für erwachse»« Herren. ■ Dienstag und Freitag Damentag!« Entree 50 Pf. Vereinskarten gillig. 589 Am 4. November hat sich der 6. Verl. Reich» tagg-Wahlkreis um einen Sozialisten vermehrt. Wo? Bei N o e l t e, Ruheplatzstr. 23 702 Unserm Freunde, dem Budiker Carl Helterhosf, zu seinem 31. Geburtstag ein drei mal donnerndes Hoch, daß die ganze Anton straße wackelt. Merkste nischt. 700 M. D. U. K. U. St. M. O. Unserm Freunde und Genossen Kart Lehman» zum heutigen Tage ein dreimal donnern des Hoch! S. F. A. u. Z. 704 I Gestern starb in S t e t t i n unser Bruder .1. Boas. I Allen Freunden und Genossen zur Nach- richt, daß ich Mrangelstr. 82 em Musik-Institut eröffnet habe. Um freundliche Zuneigung bittend, zeichnet ergebenst Ernst Pähl. 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Die geplante öffentlicke Versammlung zum Sonntag erhielt nicht die polizeiliche Ge» nehmigung._ 707 Die MlUtlle bei Loren*. Manteuffelstr. 41, befindet fich während des Umbaues im Htnterhause hart. Soeben erschien Der wahre Jacob Hr.»V. Zu beziehen durch die Expedition, Zimmer- straße 44. S o 701 Knie Pmichmlg der Zimmerer Berlind Iild Ilmgtst»! o N N t a g, den 10. November, Vorm. 10) Uhr, im Saale der Norddeutsche« Chaus s eest r aße 58 Rpcsse öffentl. Vepsammlung- T a g e s- O r d n u n g: �_n. 1. Ist es möglich, unter den heutigen Produktionsverhaltnissen die gesetzliche 8ftünd' beitSzeit einzuführen. Referent: Juli«» Wernau. 2. DiSkusfion. 3. Verschiedene» uno kästen. Aufnahme neuer Mitglieder. Jedermann hat Zutritt. Der wichtigen TaqeSordnung. ist es Pflicht eines jeden Zimmerers, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Norp- Winter-Paletots und Anzüge [S für Herren und Knallen, einzelne Köcke, Jaquets, Hose«, seiden« und Pique- Weste«, Hamburger? engl. Ledersache«. 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Nach dem Rusfischen des»abl««� Brosch. M. 1,—. Geb. M. 1,50. Tho««» Ware«ad fei«e Utopie. Mit einer historischen Emle� von Karl Kautskq. Brosch. M. 2,—. Geb. 2,50. Charleo Fourier, sein Leben und seine Theorien. Von K-bel. Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50, Das moderne Glend«nd die moderne Zlebervölker»� Ästv», tvrsovov frtiirtTovt STlr»« S aßalassswl Alöl" lut Erkenntniß unserer sozialen Entwicklung. Von War Schippel. " 1�0. Geb. M. 2,-. Derliuer Arbeiter-DibliotheK. Von Wa» Schippel. Erschienen bis 7. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Heft 2: Der Nutzen der i schaften. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenftage der Gegenwart. Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Heft 5: Ehgjp köpfe aus der französischen Arbeiterbewegung von Osfip Zetkin-Paris t- VAt Dte Hausindustrie in Deutschland von Paul Kampffmeyer-Genf. Heft 7: und Bauer von Paul Kampffmeyer-Genf.» Heft 15 und 20 Pf. Dir Arbritrriuttrn-Drwrgttttg K erlins. Von A. Heeg er. a Heft 30 Pf. flk Frrdiuaud LaUallr. eine Gedenkschnst zu seinem 25 jährigen TodeStag< Wa» Kegel, a 50 Pf. Stern, i. Dir Religion der Z»k««ft. Dritt« vermehrte broch. M. 0�0. Kolbes und ganzes Frridrnbrrthum, Zeit- und � schrift. 2. Auflage. Broch. 15 Pf. — Thesen über de« Sozialismus. Broch, m. o�o. Gesetz der Alters-«ud Jnvaliditats-Uerfichernng. Kebel und p. Singer. Preis cartonnirt M. 0,50, Arbeiter-Notizkalender pro 1890.«leine Ausgabe a Exemplar� Große Ausgabe 2 Exemplar 75 Pf. Die KlassengegeusStze von 1789. Von»«-l»a«t»kq. a Exemplar 50 Pf. Die Sonntags-Arbeit. Von August gtbtL Brosch. M. 1,-., Die Mohamedanisch- Arabische Knlturperiode. Von 1"�' Kebel. 2. Auflage. Broch. 50 Pf. SybU. Roman von Di»raeti, übersetzt von K«lalle Lied Knecht. Die Killer der Arbeit» Nach dem Amerikanischen de» Zor von Liebknecht. Die frnnMsche Kevolntion. Von Wilhelm»w». Gebunden in Prachtband, a Exemplar M. 5,50. Broschirt in 20 Heften i 20 Pf. Dazu Einbanddecken ä M. 1. 1. Kr. Soeben erschien: Verantwortlicher Redakteur: K.«ranheiw in Berlin. Druck und Verlag von Wa» Kalling in Berlin 81V., Beuthstraße 2. Kierz« "•«Ol QU «A? ta •f»t Die KesPichte der blvLL 12,«'«is w** 1. Beilage M Berliner Bolksblatt. Nr. SSI. Freitag de« 8 November 1889. S. Jahrg. Vsvlrmrsntsbertihke. Deutscher Keichvtag. 10. Sitzung vom 7. November, IV« Übe. «■tu R. r des Bundesraths: von Boettecher, H"rfurth u. A. �ehU fortAt tt'ie Sera�un0 des Sozialistengesetzes wird K*."• d. Deck««: Die deutsch-hannoversche Partei steht er Vorlage durchaus antipothisch gegenüber, weil wir dadurch Allgemeinen Rechtsschutz gefährdet glauben, keineswegs aber ü___ cm_ r_________ viTJL.Cx X "CU CUpcmg'lll "wo th��e' �e����r�Q��Qft'mtt'brä iSojtotbemo» - t'n. Im Gegentheil, keine Partei steht den Sozialdemo- ferner als wir, denn im Gegenst tz zu deren Be« katen streb «ai s M tSU� rge fte«" - � KW blul� iinlei� »ö n&[,, H°Ä Äufl� 'ungen, von der Staats- und Gesellschansordnung so viel n.l nlo0''..'o nicht der alleinige Grund; wir möchten dos Deutsche »Mi von seinen ihm noch anhaftenden Mängeln befreien, er- SS? UN« Olfo im besten Sinne als Reichsfreundt. Als zwerte «N 1""« Geistes sehen wir den Kulturkampf an, von dessen «.r�ngefährlichkeit man sich endlich nach lanaen schweren Er- erfreulicher Weise überzeugt hat. Wir wurden uns kjjwehr freuen, wenn mit unseren katholischen Mitchnsten zu Eegen ein dauernder Kultmfriede geschlossen wurde, denn wb« iien Zw st im deutschen Volke, sondern aus die Wah- sstti,»., Rechtsordnung setzen mir unsere Hoffnung. Als dntte ob einließt sich daran der Staat« sozialitmuS. Ich erkenne «ooSi* �0« Sozialistengesetz sollten die Aeußerungen eines bösen, r�en Geistes bekämpft werden, den auch wir auf das d'JL* bekämpfen, das ist aber nur eine Seite der Vorlage. tzj.'-�e Verhältnisse können ja ein Ausnahmegesetz erfordern und imK n> udeten Regieiunaen müssen eS beantragen, wennfieStaat di.« Gsselllchaft in Gefahr glauben. Gehe ich davon aus, daß J.'878 der Fall gewesen sei, so kann doch ein Ausnahme- / stigre, stich nur auf Zeit gegeben werden, m> dauerndes »BM�Uleaesetz ist ein logischer Widerspruch. Als ,m alten die Ausnahme zur Regel wurde, waren Rons beste oM> eben vorüber, und ich will keine Schreckbilder an dre b»!? Malen, aber möchte doch bitten, daß Sie Ihrerseits dazu .Wen, daß man nicht auch von Deutschland sagen kann: »efter» Zeiten sind vorüber. Wir befinden uns an emem sr.,!v Wendepunkt. Auch bei den Nationalliberalen war kein Agiles Eintreten für die Vorlage, im Gegentheil schien der tun,»? derselben sich vollständig den Ernst der Situation klar- Wenn die Regierung 1878 mit diesem Gesetz rn leine glauben gehandelt haben mag, so war es doch erlassen tt�digkeit und kein Glück, dieses Geütz zu Äblinf k wäre wenigstens nothwendig gewesen, es nach '�en Frist nicht»u erneuern. Jnzwrfchen sst dre her 6nfi�oCr lchwieriaer geworden, damals war es 3>t, nach- fetze... Ä"t, jetzt ist e« die höchste Zeit, von diesem Ge- Zsotb��zukammen. Der Beweis für dre unbebrngte Bv�w�digfeit des Gesetzes ist niemals erbracht worden, das bvtte»7?� gemeine Recht, verbunden mit der Poliz iqewalt, Di.»�«gereicht, von anderen Machtmitteln nicht zu sprechen. nij, Minderungen des Sozialismus zu unterdrucken, rst doch selbe».'5?up>soche, sondern die aerstige Ueberwmdung des- ei»« w der Beziehung ist äuß-rst wemg erreicht. Be, die örterung der Frage ohne daS Gesetz wurden sich ihr« cWen selbst von der Unmöglichkeit de- größten The, lS �adn, nvgen überzeugen. Andererseits kann es mcht rneir�'�wenn auch Sie die Forderungen derselben pru.en. Zu lür tz'�eude ist gestern der Vertreter der Reich-parte, warm folg.» Rrberterschutzgesetz eingetreten. Aber ich kann rhm nicht b«x wenn er erst dieses Gesetz äternifiren will und dann Hoff»?,» �Schutzgesetz einführen. In diesem Falle ist die '«uuna ni»f_____ c. ab« U"0 5uf letzterrs to i!!k.?i'chten, die so stellt keine große. Wenn die Regierungen ,-5."»>wlrn, vre soziale Frage auf richtigem Wege wsen, sp stell, fix sich damit ein ArmuthSzeupniß wach«»" um so deutlicher ist, weil da- nach außen jichM Deutsche Reich auf das Sozialistengesetz nicht ver- dast.ir°un, während doch weit weniger mächtige Staaten SßfliH ■ so' j» »»eich' � vollständig irrig, es so darzustellen, al» ob dieiemgen, dos Sozialistengesetz eintreten, für Thron und Altar saziB,'- Nicht die Sozialdemokraten als solche haben die däm. Fragen ins Leben gerufen, diele find ein Produkt der �abrK» sonderten Jndustrieverhältn'sse. Im Anfang des »Och.".Uderts, wo es keine Großindustrie gab, gab es naturlich swer sozialdemokratische Partei; jetzt ist diese uberall aus «Ng. Eueren Nothwendigkeit entstanden. Ideen, auch nock so #!ir-»'offen sich keineswegs mit Gewalt aus der Welt schaffen. wid nicht dange davor, den Sozialdemokraten offen ?wi Entgegenzutreten. Es würde ouck wohl recht vielen die�., on nn Leichtes sein, fie zu widerlegen. Bedenken Sie auch des Gesetzes bei der sozialdemokratischen Parw: die outstkK.."uc> aroßer Massen, die durch Aeternisalwn des Ge etzeS ? ru-ft". Verleihung der Märtyrerk one! Au» das Zentrum kampi u°'k geworden unter analogen Verhältnissen,«n Kultur. und doch ist die Existenz dieser Parte, zu großem Segen Für eine Verstärkung der Sozraldemokrati« aber sich»»�ww unsere Verantwoituna ablehnen. Man verschließt £? R diese- Gesetz der Möglichke.t emeS«°«n Blickes �uhen™ der Gefahr. Die angeblich guten gelungen und auf einer Fiktion: Entweder das Gesetz ck gut digk-i,»�. or gewesen und mußte in 11 Jahren �?ue Schul- 2'h van»".Hoden, so daß eS abgeschafft werden konnte, oder �usalls.�usona an unbrauchbar gewesen, dann uiuß Aolt»oK°d«eschofft werden. Schließlich mochte'ch°ll-n staatS- swch rvei��P'eien in weiterem Sinne und u'ch' engntn, 5. d.z Z'w immer die Hälft« der Deutschen asti Rt'chSs-mde und Bann gethan werden, zurufen ostotie ob« nicht da- Gespenst der S°z,al- ich�b,??''-»««» snatl.): Sie werden eS begreifl ch finden, zl'hl in B�dn ousführlichen Bearbeitung der Frage durch mich Ä'keinst,�" Bm>kt,n mit meinen pomischen Palterfieunden Wenn der Abg. Munckel gestern d.e national- Ni)"onnt??» m Bezug auf ihre Mitglied erzähl 'o. WD es mir doch al» eine gewisse Anmaßung ist i/kntrib,!? noatlichen Leben immer nur die Anschauungen dw W-a zollen, die man selbst als richtig anficht. Dann '«u,er Verständigung mit anderen Parteien voll- ständig ausgeschlossen, während man doch auch den An- schauungen dieser gerecht»u werden versuchen soll. Die Hand- habung teS SorialistengesttzeS soll eine horte gewesen sein. Ich verfichere dem Abg. Munckel, daß, wenn ich in einem Richter- kollegium über ihn»u urtheilen hätte, ich gerade wegen seiner großer Bedeutung strenger gegen ihn verfahren wurde. Es liegt auch kein Widerspruch in dem Standpunkt der Regierung: eine Maßregel kann sehr wohl Erfolg gehobt haben, ohne doch einen dauernd ausreichenden Erfolg schon jetzt zu zeigen. Es ist ein Entgegenkommen der Regi-rurg, Beschwerden wegen ungerechtfertigter Auflösung der Veisammlung an die Ver- wallungSgerichte zu weisen. Der Abg. Munckel müßte doch wissen, was ein Rechtsleben Präjudizien bedeuten. Schon jetzt richten stch die unteren Instanzen viel zu sehr nach den oberen, und ist einmal eine Versammlung durch die Entscheidung des Verwallungsgerichles als mit Unrecht aufgelöst bezeichnet, werden die Polizeiorgane ihre Praxis künftig darnach einrichten. Daß man an irgend einer Stelle'n Deusschland mit Bewußtsein gegen da§ Gesetz Handel', dafür werden Sie mir wohl den Beweis schuldig bleiben müssm.(Beifall.) Ich fürchte, daß die Herren, welche auf die Arbeiter überzeugend wirren wollen, ihre Kraft überschätzen. Schon der Abg. Lieb- knecht hat darauf hingewiesen, daß wir oft die Sozialdemokraten scheuen, weil fie unsere Versammlungen sprengen. Die Frei- finnigen haben nicht bessere Ersahrungen mit ihren Ucber- zeugungSversuchen gemacht. Die freifinnige Partei hat auch hier wieder den alten abgelebten Standpunkt eingenommen, mag c» gihen, wie es will. Mit dieser manchesterlichen Anficht haben Sie wenig Ausficht auf die Sozialdemokraten zu wirken. Diese sehen nicht aus Prinzipien, sondern darauf, daß e» für fie in der Welt bisser wird. Schließlich hat Herr Munckel darauf hingewiesen, daß da» Sozialistengesetz ein Ausfluß der Furcht sei. Er zitirte dabei denAutspruch des Reichskanzler«: wir fürchten Gott und sonst nicht« in der Welt. Die Voraus» setzung dieser Gefinnungen sollte aber ein schlagfertiges Heer sein. Glaubt Herr Munckel den Schluß ziehen zu können, weil wir Niemand fürchten, brauchten wir kein Heer gegen Fiankreich zu rüsten? Ist dieser Schluß ungerechtfertigt, so müssen wir auch gegen die Sojialdcmokratie die nöthigen Schutzmaßregeln ergreifen. Man spricht immer von einem Ausnahmegesetz und von der Rückkehr zum gemeinen Recht. Der Abg. Bamberger hat früher einmal darauf hingewiesen, daß der Ausdruck.Aus- nahmegesetz* in dem Sinne, wie man ihn anwendet, durchaus ungerechtfertigt ist. Durch ein Ausnahmegesetz in diesem Sinn sollten keineswegs bestimmte Klassen und Personen getroffen wirken, sondern Jeder, der bestimmte Handlungen begehe, welche nach diesem Gesetz strafbar flien. Die Fortschrittspartei verlangt jitzt sehr klar und bestimmt die Auchebung de« Ge- setze« und Rückkehr zum alten Zustand vor 1878. 1878 da- fegen beantragte fie eine Aenderung de« Vereins- und Ver- ammlungsrechis. Der Antrag wurde gegen Fortschritt, Zentrum und den Abg. LaSker in der Kommission abgelehnt. Da« Zentium hat dann später selbstständig eine Verschärfung des Vereins- und PreßrechlS beantrogt. Jetzt verlangt Reichen«- perger ganz prinzipiell einfache Rückkehr zu dem Zustande vor 1878. Da« ist doch ein scharfer Widerspruch. Nach meiner Meinung reicht da« bloße Sttafrccht ,ur Abwehr der sozialisti- schen Gefabr nicht au«. Der Abg. Munckel will eine Roth- wehr de« Staate« nicht anerkennen, sondern stellt sich auf den Sonnemann'schen Standpunkt: Niemand kann wissen, ob der- artige Katastrophen kommen werden, die Gesetzgebung wartet, ob was kcmmt und verhängt die Strafe. Dieser Standpunkt ist sihr bequim aber unpraktisch.(Sehr wahr! bei den Ratio- nallibcralen.) Dem Einzelnen gegenüber kann sich ja� der Staat mit der piäoentiven Wirkung de« Strafrecht« begnügen. Der Einzeln« wird nie den Staat umstürzen. Wie steht eS aber mit einer ganzen Gesellschaft? Wenn 800 000 Mann dem Staat« zu Leibe gehen wollen, erwarten Sie da, daß der Staat den Angriff ruhig abwartet? Da« Strafrecht kann nur eintreten, wenn die objektiven Voraussetzungen de« Ein- schreiten« gegeben sind. Hier aber darf nur der subjektive Standpunkt ausschlaggebend sein. Nun wäre ein anderer Weg denkbar, unsere einzelntn verwaltungSrechtlichen Gesetze entsprechend zu modifiziren. Nun ist aber be- züglich des Vereins- und Versammlungsrechts in den Gesetz- gedungen der Mehrzahl der Einzelstaatrn da« Nöthige nur vorgesehen hinsichtlich der Auflösung von Versammlunaen, nicht aber hinsichtlich des Verbots. Die Auflösung der Versamm- lungen ist den Sozialdemokraten, wie der Minister neulich au«- führte, sogar erwünscht. Man müßte also das Verbot der Ver- sammlungen in das Versammlungsrecht aufnehmen. Auch das Preßgesetz reicht nicht aus, denn eS schreitet erst ein, wenn da« Preßerzeugniß bereit« erschienen ist. Hat aber einmal die Ver- breitung begonnen, dann ist nicht mehr viel zu machen. Es ist interessant, wie verschieden die Taktik der Herrn Sozial- demokraten ist. Während fie in den Versammlungen den aller- strengsten Strang ziehen, suchen fie hier im Reichstage den Ein- druck hervor zu rufen, als wenn sie auf friedlichem Wege ihre Ziele erreichen wollen. Sie perhorresziren jetzt ieden Appell an die Gewalt und man sollte meinen, die Herren stehen prinzipiell mit unS auf demselben Boden.(Widerspruch bei den Sozial- demokraten.) Aber haben wir hier früher nicht Reden gehört, die mehr oder weniger sich bereits auf dem anarchistischen Boden bewegten? Sie weiden sagen, Hasselmann ist au« der Partei ousgeschlossen worden.(Unruhe bei den Sozialdimokraten). Run wohl, haben wir nicht im Jahre 1888 von dem Abg. Bebel hier ganz unverblümt die drohende Andeutung gehört, daß wenn die Herrn nur erst die Guillotine in der Hand haben, wir zuerst herankommen sollen?(Heiserkeit links.) Wir wissen wohl, daß zwischen Sozialdemokratie und Anarchismus «in himmelweiter Unterschied«xistirt. Die großen Massen aber haben für theoretische Erwäpungen herzlich wenig Verständniß. Sie halten die Anarchisten für den radikalen Flügel der Sozial- demokraten; man ist Sozialdemokrat, geht dann ein bischen weiter und wird dann Anarchist. Die Sozialdemokraten haben hier auch keineswegs prinzipiell den Anarchismus verworfen. Sie sagen: Wir wollen die Gewalt erst dann anwenden, wenn man wirklich erst einen praktischen Erfolg vor Augen hat. Es wäre ihöricht, kleine Putsche zu versuchen, wo nichts zu erreichen ist. Herr Bebel hat in Bezug auf den Sozialismus ja offen zuge- standen, daß man bei uns, ähnlichen Zuständen gegenüber, zu denselben Wessen gieifen würde. Der Reichskanzler nagelte ihn darauf fest. Wer soll denn entscheiden, wann für ein folches Vorgehen der Zeitpunkt gegeben' ist. Jeder Einzelne? (Zwischenruf bei den Sozialdemokraten: Albern!) Ich glaube diese Bemerkung ist unparlomentarisch.(Vizepräsident Buhl hat den Zwischenruf nicht gehört, sonst würde er ihn gerügt haben.) Räch dem Gothaer Programm wollte die sozialdemo- kraüsche Partei den freien Staat».mit allen gesetzlichen Mitteln� realifiren. 1880 aber beschloß fie auf dem Kongreß zu Wyden, da« Wort gesetzlich" au« dem Programm zu streichen. Man will also diese« Gesetz auch mit ungesetzlichen Mitteln erreichen, man nl»ist aus die Gesetze", und dabei verlangt man, daß wir eine so'che Paltei unter den Schutz der Gesetze stellen? Da« ist doch eir.e Naivetät ohne Gleichen(Sehr wahr!) Die Stellung der So- zialdemokraten zum Eide ist auch bezeichnend. Der„Sozial- demokrat" hat in seiner Nummer vom 10. Dezember 1886 e« als eine Infamie erklärt,»um Nachtheile eines Parteigenossen zu zeugen. Bei der Wahl zwischen jener Infamie und der Lüge sei letztere, der bewußte Meineid, nick>t als etwas Ehren- rühriges anzuerkennen.(Abg. Bebel: Wo steht das? Das steht nicht darin!) Es steht in einer Schrift von Hammann (Aha! bei den Sozialdemokraten), dessen Glaubwürdigkeit Sie nicht antasten können, der gewiß richtig zitirt hat. Die hiesige „Volkstribüne" vom 21. Dezember 1887 hat den wegen Mein- eides vermtheilten Neve als einm edlen, Lberzeugungstreuen Menschen, als einen Ehrenmann bezeichnet. Da muß es doch mit der Ächtung vor dem Eide schlecht bestellt sein. Ist nun die Form de« vorgelegten Spezialgesetzes die zweckmäßige? Ich meine, e« kann wesentliche Verbesserungen erfahren. Es muß eine weitere Scheidung eintreten zwischen hem, was man unter „sozialdemokratisch" nach der Richtung versteht, wie weit fie dem Staate gefährlich ist, und nach derjenigen, die der freien Entwickelung überlassen werden muß. Die Unterscheidung halte ich für nothwendig und möglich. Die bisherige Handhabung des Gesetzes läßt mich dringend wünschen, daß es damit in Zukunft anders werde; das Gesetz bringt eben die Scheidung zwischen berechtigten und unberechtigten sozialistischen Bestrebungen nicht genügend zum Ausdruck. Es muß schärfer und entschiedener unterschieden werden zwischen Arbeiterbewegung und sozialisti- schen, sozialdemokratischen, kommiunistischen Agitationen. Die Arbeiterbewegung ist eine welthistorische, fie vollzieht sich mit elementarer Gewalt. Der Gang der Weltgeschichte vollzieht sich doch so, daß Extreme gegen Extreme stehen. Jetzt ist das Extrem de« Sozialismus so weit, daß der Pendel der Welluhr schon nach der anderen Seite umschlägt. Wir werden möglicherweise auf dem Gebiete des Sozialismus weiter getrieben werden, als irgend einer von uns jetzt annimmt (Hört, hört! links); so geht ebm die Welt, dem kann der Einzelne sich nicht entziehen. Denn wenn man den Pendel festhalten wollte in der Mitte, dann hört alles auf, dann steht die Uhr selbst still. Erkennt aber der Staat die Lösung der Arbeiterftage al« seine Aufgabe und löst er sie, dann kann er auf die Bestrebungen der Sozialdemokratie mit ruhigem Lächeln hinabblicken. Denjenigen gegenüber, die diesen Prozeß sich nicht ruhig entwickeln lassen wollen, hat der Staat gar keine Veranlassung, sich auf Experimente einzulassen, welche im günstigsten Falle sich gegen den Staat selbst kehren. Die Löhne müssen ganz anders gestaltet, der Arbeitsertrag als solcher muß erhöht werden, dem OrganisationSbedürsniß des vierten Stande« muß Rechnung getragen werden. Ich halte es für eine Kurzsichtigkeit derjenigen Kreise, die sich im allge- meinen den Arbeitern freundlich gegenüberstellen, daß fie der Koalition, der Assoziation der Arbeiter entgegentreten; ich halte das für falsch, erne Organisation der Arbeiter von Staatswegen kann keine Gefahr für den Staat haben. Geben wir ihnen das Vertrauen, es wird, wie die Mctheilung Miqaels über das vorzügliche Funktioniren des Frankfurter Schiedsgerichts beweist, nicht getäuscht werden; der Staat sollte in der Beziehung we- niger ängstlich sein. Herr Bebel hat nun vor anderthalb Jahren ausdrücklich gesagt, daß diese Bestrebungen, welche ich als Aufgabe des Staats ansehe, gar nicht Ziele der Sozial- demokratie find, Sie haben also mit dieser Aufgabe nicht da« Mindeste zu thun. Ich bin also auch für ein Spezialgesetz; da« Gesetz soll aber eine Form erhalten, welche die von mir betonten Gesichtspunkte zur Geltung bringt, es muß aus einem Polizeigesetz in ein RechtSgesetz umgewandelt werden, e« muß so umgearbeitet werden, daß es auch für eine richterliche Be- Hörde wirklich brauchbar ist. Ich hoffe, daß dieses Bestreben nicht vergeblich sein wird.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Kebel: Wenn die Rede de« Abg. Kulemann etwa eine Kandidatenrede für einen Justizministerposten sein sollte, dann kann ich ihn nur lebhaft bedauern, denn in mehr Wider- sprüche könnte sich ein Redner in derselben Zeit kaum ver- wickeln, al« er gethan. Der erste und der zweite Theil der Rede stehen in diametralem Gegensatz, die zweite Hälfte hebt der erste auf. Ist die erste maßgebend für ihn, dann möchte ich fragen, was nach ihm die Sozialdemokratie über- Haupt noch für ein Recht haben sollte: weder ein Preßorgan, noch ein Verein, noch die Möglichkeit zu öffentlichen Kund- gedungen wäre vorhanden. Im zweiten Theil entwickelte er wesentlich andere Gedanken; da suchte er einen Unterschied zwischen Sozialdemokratie und Arheilerklasse zu machen, wie ,hn gestern auch der Minister Herrfurth zu formuliren ver- suchte, obwohl ich andererseits zugeben muß, daß im Vergleich mir der Minister als ein Muster von Liberalität erscheint. (Sehr richtig! links.) Das war doch noch Toleranz, da wurde ausdrücklich für wünschenSwerth erklärt, daß die Sozialdemo- kratie im Reichstage vertreten sei, womit den Sozialdemokraten doch das Recht auf Wahlversammlungen, Wahlvereine, Geld« sammlungen zu diesen Zwecken ausdrücklich zugestanden wird, Dinge, welche sich leider keineswegs überall in Deutschland so von selbst verstehen. Herr Kulemann hat dann weiter auch eine ganz wunderbare, mir durchaus unver- stündlich und unerfindlich gebliebene nationalökonomische Gedankenentw'ckelung gegeben, eine neue Theorie von Kapital und Arbeit. Ich möchte einen hohen Preis darauf setzen, daß auch keiner der Kollegen der eigenen Partei des Herrn im Stande ist, klarzulegen, was dieser eigentlich gewollt hat. Wenn er nun sagt, das Reich müsse sich schützen vor der Sozialdemokratie, weil fie auf den Umsturz hinarbeitet, und wenn er als Maßstab dafür die 800 000 Wähler darstellt, dann hat er doch vergessen, daß wir schon vor drei Jahren 763000 Wahlstimmen zählten— und der Staat steht heute noch; wir hoffen, bei den nächsten Wahlen es mindestens auf eine Million zu bringen, und das Reich wird auch noch nicht umfallen. Ais Beweis für den umstürzlerischen Charakter der Sozialdemokratie wird angeführt, daß sie auf dem Kongreß in Wyden das Wort„gesetzlich" aus ihrem Programm gestrichen habe. Es wird oabel ganz vergessen, daß, wmn da» erst 1880 geschehen, 1878 doch keine Veranlassung war, das Sozialistengesetz zu erlassen. Die Streichung ist er- folgt, weil entgegen allen offiziellen Versicherungen auf Grund de« Gesetzes uns absolut Alles, Presse, Vereine, Versammlungen unmöglich gemacht wurden und eS ein Nonsens wäre, das Wort„gesetzlich" im Programm zu be- halten, da doch Alle-, was wir thun, als ungesetzlich betrachtet werde. Wir haben öffentlich zugegeben, daß, wenn die Hand« habung de« Gesetzes eine solche gewesen wäre, wie ste später eingetreten ist, wahrscheinlich kein Mensch aus den Gedanken gekommen wäre, da- Wort„gesetzlich" zu streichen; nur die furchtbarste Erbitterung, die in Deutschland überall in unseren Kreisen über die Ausführung des Gesetze« Platz gegriffen, hat zu diesem Beschluß geführt. Wenn man die gestrige Rede dcS Ministers und seine Konzessionen mit der Handhabung des Gefitze« in den ersten vier Jahren vergleicht, so wird Jeder zugeben müssen, daß da«, was heute unter dem Gefitze möglich »st, weit entfernt ist von dem, was vor vier oder fünf Jahren möglich war. Damit ist zugleich erwiesen, daß das Gesetz einen ungeheueren Spielraum gewährt und daß der Willkür der einzelnen Personen überlassen ist, wie es aehandhabt wird. Ja die Dcftitition der sozialdemokratischen Bestrebungen, die das Gesetz giebt, kann man eben Alles hinein- und heraus- deuten. Schon beider ersten Berathung des Gest tzes stritten die Redner über denselben. Gewirkt hat das Gesetz in 1t Jahren allerdings. Es find etwa 1300 bis 1400 Drucksachen verboten. davon ungefähr 120 pmodisch erscheinende Zeitungen und 200 Broschüren und Bücher, zum Theil wissenschaftlichen Inhalts; der Rest der Vabote bezieht fich auf Flugblätter u. s. w. Dann find 12 sozialdemokratische Druckereien aufgehoben worden, wodurch nicht bloS großer VermögenSwerth ruinirt, sondern auch eine große Anzahl von Existenzen brotlos ge- worden ist. Weiler find im Ganzen 600 Ausweisungen ver- fügt. Ebenso ist eine ungeheure Anzahl von Versammlungen verboten oder aufgelöst, find hunderte von Vereinen verboten worden. Die Zahl der Haussuchungen mag fich auf 10000 belausen. Die persönliche Verfolgung ist im weilen Umfange ausgeübt worden, gegen mich namentlich in den letzten Jahren. In oem Musterstaate Baden auf Geschäftsreisen, wurde ich, wo ich von Kunde zu Kunde ging, verfolgt. Zu großem Staunen des Hotclbefitzers wurden m Baden drei Polizisten vor das Haus gestellt, die wie Hunde hinter mir her liefen, sobald ich meinen Geschäften nachging. Noch heute darf die Polizei in Dresden nur die Anwesenheit eines meiner bekannteren Freunde erfahren, und sofort ist ein Polizist hinter ihm her. Andererseits sind im Jahre 1881 311 000 sozialdemokratische Stimmen abgegeben worden, im Jahre 1887 dagegen 763 000. Das bedeutet eine Vermehrung von 140 pCt. Ferner ist der Opfermuth unserer Parteigenossen infolge des Gesetzes in einer Weise angeregt und angefeuert worden, daß unsere Partei hier« für van Ihnen als Beispiel für Ihre eigenen Mitglieder an- Seführt wird. Die Sozialdemokratie ist eben eine Partei, die tdeale hat, und Alle, die Ideale haben, find dafür auch de- geistert und opferbereit.„Das Volk", das Organ des Herrn Stöcker, hat erst vor Kurzem entwickelt, daß die konservative Partei der Ideale ganz baar sei und ich begreife, daß dem ent- sprechend bei ihr die Opferwilligkeit nicht exiftirt. Der Minister Herrfurth tröstete sich gestern mit der Wirkung des Gesetzes, daß die Ausbreitung der Sozialdemokratie wenigstens gco- graphisch beschränkt geblieben und die ländliche Bevölkerung nicht ergriffen sei. Das ist Täuschung. Schon bei den letzten Wahlen erwies fich auch die geographische AuS- breitung, und die nächsten Wahlen werden oem Minister in dieser Beziehung noch bedeutende Ueberraschungen be- reiten. Es ist ein Widerspruch, zuzugeben, daß die Sozial- demokratie eine geistige Macht ist, die aus der Natur der heutigen GesellschaftSverhältnisse erwachsen ist. und gleichwohl Maßregeln zu ihrer Unterdrückung zu treffen. D»e Herren hätten an ihrer eigenen Entwickelung als bürgerlicbe Partei das allerdeutlichste Beispiel gehabt, was in dieser Beziehung ge- leistet werden kann. Man ist gegen Sie auf Grund der Karls- bader Beschlüsse gerade so vorgegangen, wie gegen uns. Auch damals verpflichteten fich die verbündeten deutschen Regierungen u. a. gegen einander, UniverfitätS- und andere öffentliche Leh- rer, die durch Mißbrauch ihres rechtmäßigen Einflusses auf die Jugend den Regierungen feindselige oder die Grundlagen der bestehenden SiaatSeinricktungen untergrabende L.hren ver- breiten, von den betriffenden Lehranstalten zu entfernen. Schriften, die nach d«m llrtheil einer unserer Beschwerde Kom- Mission ähnlichen Kommission als der Erhaltung des Friedens zuwiderlaufend erachtet würden, sollten unterdrückl wer- oen. Das war 1820. Im Jahre 1863, als Fürst Bis- marck zu Ihnen, insbesondere der Partei des H-rrn v. Bennigsen, in der schwersten Opposition stand, als vie berühmten Preßordonnanzen ergingen, wurden die VerwaltangSinstanzen angewiesen, Zeitungen zu unterdrücken, nicht bloS, wenn ein Ar- tikel zur strafrechtlichen Verfolgung Anlaß gegeben, sondern schon, wenn die Gesammthaliung die Tendenz erkennen läßt, die Ehrfurcht und Treue gegen den König zu untergraben, den öffentlichen Frieden durch Aufreizung der Angehörigen des Staates gegeneinander zu gefährden, die Einrichtungen des Staates, die öffentlichen Behörden durch Schmähungen dem Haß auszusetzen— es bestand dabei schon damals der bekannte preußische Haß- und VerachtungSparagraph—, zum Ungehorsam aufzureizen, die Sittlichkeit zu untergraben, die Lehren der Kirche herabzusetzen u. s. w. Diese Beiordnungen, die zwar ungesetzlich, aber nach der Meinung der Staatsgewalt, des Fürsten Bismarck und des Königs, gesetzlich waren und unter dem Beifall der rechten Seite erlassen wurden, find genau gegen dieselben Bestrebungen gerichtet, die Sie hier im Sozialistengesetz nunmehr auf unabsehbare Dauer be- strafen sollen. Sollte da nicht der ernsthafte Zweifel kommen, ob Sie auf dem rechten Wege find? Sie wollen die Umsturzbestrebungen der Sozialdemokratie verfolgen. Es wäre interessant, baiüder vom Reichstage selbst eine Dekla- ration zu erhalten, da die verbündeten Regierungen sie nicht haben finden können. Nun und nimmermehr würden sie fich darüber zu einigen vermögen; sie ist einfach wicht zu geben. Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung ist nach dem Abg. Nobbe ja schon eine Kritik der bestehenden in- direkten Steuergesetzgebung, wie wir sie hier geübt haben; und doch werden wir in der Auffassung, haß die indirekten Steuern ganz vorzugsweise auf den Schullern der armen Klassen lasten, von Vertretern der bürgerlichen und sogar der konservativen Parteien unterstützt. Nach Anficht des Abg. Hartmann ist so- gar unser Antrag auf Errichiurg von Arbertsämtern und Ar- beitSkammern umstürzlerisch und staatSgefährlich. Damit das Sozmtistergesetz rechtfertigen zu wollen, ist das stärkste, was gedacht werden kann. Nach unserem Vorschlage sollte für je einen Bezirk von 400000 Einwohnern ein Arbeitsamt errichtet werden, dessen Vorfitzenden die Regierung ernennen sollte. Die ArbeitSkammer sollte durch direkte Wahlen zu gleichen Theilen aus Arbeitern und Unternehmern gebildet werden, und das ist doch die denkbar gerechteste Vertretung der beiden betheilig- ten Klassen. Vor 12 Jahren erklärte der Abg. v. Betbusy- Huc sogar die Forderung einer progressiven direkten Ein- kommensteuer für eine kommunistische, die durch das Sozia- listenges- tz getroffen werde. Was verstehen Sie denn unter diesen B-gr ffen? Wenn ich in einer Versammlung oder in einer Schrift aus die Bildung einer Partei hinarbeite, die die Staatsgewalt, wenn nicht mit Güte, so mit Gewalt in ihre Hände bekommen will, so ist das Sozialistengesetz garnicht mehr nöthig, da« ist ja Vorbereitung zum Hochverralh, und dafür ist das Strafgesetzbuch da. Gehe ,ch zu Thaten über, so kommen die Paragraphen über den vollendeten Hochverraih zur Anwendung, und ich werde mit den denkbar schwersten Strafen belegt. Wenn wir sagen, wir wollen eine Umgestaltung der Staats- und Gesellschaftsordnung von Grund au«, soll das gefährlich sein? Der Herr Minister hat gest>rn selbst gesagt, die sozialistilche L hre soll nicht durch das Gesetz getroff n werden. Drese Lehre sagt aher klar und deutlich, daß der Sozialismus nur verwirklicht werden kann auf dem Boden einer ganz an- deren Staats- und Gesellschafts- Ordnung. Kommen Sie da nicht in den stärksten Wide>fpruch? Was die Herren Kulemann, Hartmann und Robbe als staatSgefährlich betrachten, erklärt der Minister für einen unantastbaren Lehssatz. der verbreitet werden kann. Dasjenige, dem wir die Hauptbedeutung bei- legen, soll unS erlaubt sein, und das, worauf wir geringeres Gewicht legen, soll gesetzlich verboten werden! Wir sollen unS mit Unrecht anmaßen, dre Arbeitermehrheit zu vertreten. Dann halte ich es für anmaßend, wenn fich die nationalliberale Partei als die Vertreterin des deutichen BürgerihumS ansieht. Daß sie das nicht ist, wird jedenfalls auch Herr Kulemann sehr be- dauern. Jeder denkende Arbeiter muß nothwendig Sozial- demokrat werden, wenn er sich die jetzige Staat«, und Gesell- schastS-Ordnung ansieht. Sie fürchten aber die politische Auf- klärung des Arbeiters und wollen Sie hintertreiben. Die Nationalliberalen vertreten das Großkapital, das Unternehmer« thum, da« Taufende von Arbeitern beschäftigt und be- strebt ist, diese zu scheeren und für fich immer neue Millionen anzuhäufen. Wer also diese Klvssenintmssen vertritt, vertritt auch seine eigenen. Aber nicht immer haben die Nationalliberalen diese Auffassung von der Gefährlichkeit des Sozialismus gehabt. In den„Annalen des Erzgebirges� von 1846 schreibt der bekannte Professor Biedermann, noch heute ein Führer der Nationalliberalen in Sachsen, in einem Aufsatz über„Sozial sinus und Kömmunismus", in nicht zu ferner Zeit werden der Sozialismus und die letzten Konsequenzen des Freiheitsgedankens, wie sie der Kommunismus aufstellt, ver- wirklicht werden. Ueberläuft Sie dabei nicht eine Gänsehaut? Vor zwölf Jahren sagte hier Graf Moltke, wir gingen nur auf Theilung au«, das fei ein Unsinn, denn in acht Tagen fei die alte Ungleichheit wieder da. Wenn der Kommunismus so leicht zu widerlegen wäre, würden wir uns schämen, dafür zu kämpfen. Und vor einigen Jahren schrieb Prof. v. Treisschke in einem Aufsatz über die Freiheit, der Staat müsse seinem Wirken Schranken setzen und gewisse persönliche Güter als hoch und unantastbar anerkennen; man solle nicht allzu leicht über die G-undrechte der Verfossung spotten; sie sei die w-xna cha'ta der persönlichen Freiheit, worauf die Welt nicht mehr verzichten werde; das Recht des freien Denkens, das den Menschen erst zum Menschen machen, müsse gewahrt werden; das absprechende Urtheil über die sogenannten gefähr- lichen Klassen und den LuxuS in den niederen Ständen zeuge von Lieblosigkeit und Herzlosigkeit, jeder freie und vornehme Mann sollte fich vielmehr freuen, daß sie auf den Anstand in der äußeren Erscheinung etwas halten. Ein ärgeres Ver- dammungSuithkil als dies von einem Ihrer namhaftesten Schriftsteller kann nicht ausgesprochen werden. Auch Herr von Gneist hat vor fünf bis sechs Jahren in einer Wahlve-samm- lung in Kreuznach davor gewarnt, das Sozialistengesetz ver- sumpfen zu lassen, es müsse aus der Welt ge chafft werden. Herr v. Marschall hat s. Z. als ReichStagSabgeordneler gegenüber den AbfchwächungSanirägen zum Ges tz gesagt: Schaffen Sie ein kurz dauerndes,> aber schneidiges Gesetz, damit wir es wieder möglichst bald aus der Welt kriegen. Er hat es bekommen und gehört heute zu Denen, die es verewigen wollen. Auch Herr von Kardorff wollte damals das AuSnabmrgesetz so bald wie möglich wieder abschaffen und an bissen Stelle gemeinrechtliche Bestimmungen setzen. Hat schließlich Jemand schärfer oegen da« Sozialistengesetz gesprochen, als 1873 Herr v. Bennigsen? Dieser sagte damals, die Auf- lösung des Reichstags sei nicht wegen de« Sozialistengesetzes er- folgt, sondern um seine Partei an die Wand zu drücken; eine solche AuSnahmegesetzgebung unterbreche den GesundungS- prozeß und greife in das Leben der Notlon in gefährlicher Weife ein. Gesetzgebung undWerwaltung, die Virtrelung und V.rtheidigung der Grundlagen der religiösen und bürgerlichen Rechtsordnung müßten erst vollständig bankerott sein, ehe man wage, zu solchen Maßregeln zu schreiten. Dann verwies der Abg. v. Bennigsen auch auf d,e Gefahren bei der Handhabung des Gesetzes durch die unteren Organe. Das ist Alles einae« troffen, wie Heir v. Bennigsen es damals voraussah, der sich schließlich über die Wiikung des Gesetzes noch dahin äußerte, daß, wenn die befitzenden Klassen durch ein solches Mittel Hunderttausende außerhalb der Gesetze stellen, erklärlich sei, wenn diese nicht mebr die Gesetze respektirten. DoS ist in vollstem Maße eingetroffen, es exiftirt jetzt eine Erbitterung unter den Arbeitern, wie nie zuvor. Man trifft nicht nur die Umfturzbestrebungen, sondern die Arbeiterbewegung überhaupt. Durch die zahlreicben Auflösungen der Fachvereine muß in den Arbeitern das Gefühl entstehen, daß sie fich unter einem Aus- nahmegesetz befinden. Bei her Handhabung des Ge'etzeS hirrscht die ve- schiedenste Praxis, kein festes Prinzip. W.-nn man einen Preis von einer Million Ma,k aussetzt für den Nachweis, nach welchen Grundsätzen die verschiedenen Behörden im Deutschen Reich das Gesetz handhaben, würde di-ser Preis nicht erworben werden können, da es eben kein festes Prinzip dabei giebt. In München wurde eine Versammlung verboten, zu welcher Viereck die Abonnenten seines verbotenen Wochen- blatte« eingeladen hatte, um mit ihnen die Herausgabe eines neuen Tageblatte« zu berathen. In Dresden wurde eine Versammlung verboten, in welcher die Tischlergesellen zu einer von den Tischle�ne stern erlassenen Werkstaltordnung Stellung nehmen wollten. In Weimar wurde eine Versammlung ver- boten, die einen Vortrag über Goethe ankündigte, in Plauen bei Diesden, weil ein Sozialdemokrat im Bureau saß, eine andere, die Gründung eines Wrh verern« bezireckende mit der Motivirung. daß vorlaufig keine Wahlen bevorständen, wieder eine andere, in der ein Vortrag mrt dem Thema�„Die Kinderernährung im schulpfl chtigen Älter und HanS Sachs" angekündigt war.(Herlerkeit.) Widersprüche bei denfilben Verwaltungsbehörden find namentlich in Sachsen recht häufig vorgekommen. Dem Abg. Singer wurde verboten, eine Ver- sammlung abzuhalten, weil er am internationalen Kongreß theil- genommen habe— und doch war er gar nicht in Pari«—, mrr, weil ich sozialdemokratischer Agitator und oft bestraft sei. Mehrmals hat in Sachsen eine Amtshauptmannschatt immer wieder eine Versammlung verboten, nachdem die Kreishaupt- Mannschaft da« Verbot aufgehoben hatte. Eine ähnliche Redellion der Unterbehörden gegen die oberen ist nodf nicht dagewesen. Hilft Alles nichts, so bearbeitet man die Wuthe, ihre Säle nicht herzugeben, droht ihnen mit Entziehung der Konzession und der Tanzgenehmigung oder mit der Polizeistunde. Eine Aenderung trat erst ein, als wir den Bopkott in Anwendung brachten, wodurch die Wuthe einen größeren Schaden erwarteten. Ein derartiger Kampf mrt den Behörden jede« größeren Orte« muß die Massen auf das allerhärteste erbiitern.(Lachen rechts.) Sie lachen über solche drastischen Beweise, aber baS Lachen der Arbeiter ist ein ganz anderes, als da« Ihrige, sie fühlen, wa« es herßt, Bürger zweiter KLsse zu sein, wie Herr v. Bennigsen eS srllh.r einmal nannte. Vereine verbietet man weil Sozial- demokraten unter den Mitgliedern find, ebenso Fachvereine und Lohnkommisfionen. Für un« in Sachsen ist gar nichts durch dre sogenannte Milderung, die den Beschwerdeweg an die Ver- wallungsbehörd« zuläßt, gewonnen. Nrcht eine sächsische Be- Hörde hat bisher zu Gunsten der Arbeiter entschieden, denn eS ist dort geradezu Prrnzip einem B amten gegenüber einem Sozialdemokraten nie Unrecht zu geben, man würde, meint man, die Autorität der Beamten dadurch untergraben. Zu- weilen merken wir, daß man den Beamien geiagt hat, sie möchten e« künftig geschickler mach-n. In Hunderten von Fällen erhebt man überhaupt keine Beschwerde, weil sie doch nicht« nützt. Oft verweigern die Behörden, die Partei schriftlich zu bescheiden, um rhnen nicht die Gründe zu einer Belchwerdeschrift rn die Hand zu geben. In einem Falle ver- langte da« Landrathsamt für feine Verfügung, daß die V-r- sammlung mrt Unrecht verboten sei, eine Gebühr von 10 30 M. Werden arme Arbeiter, die Recht suchen, die Summe bereit- willig zahlen? In einer auf meine Veranlassung verfaßten Statrftik ist konstafirt, daß vom 1. Januar bis 1. Sepiember dieses Jahres in Deutschland 360 Versammlungen aufgelöst oder verboten find. Man kann doch bei solchen Massen auf- lösungen nicht überall die Beschwerdernstonz anrufen. In Berlin ist man verhältnißmäßig milde. Der Herr Minister als M»t< glred der Reichskommisston wird mir bestätigen, daß vreleS, was au« der Berliner Arbeiterp esse unbeanstandet erscheint, anderSwo da« Verbot zur Folge hat. Ich muß dem Herrn Minister das Kompliment machen, daß man in Sachsen mit einer wahren Sehnsucht nach den Berliner Zustänoen schaut, aber eS ist Willkür, daß hier die Freiheit eine größere ist. Denn wenn auf den gegenwärtigen M.nrster ern ander>r folgt, etwa wieder Herr v.Puttkamer oder sein Bruder Herr v. Putikamer- Plaut(Heiterkeit), werden auch wieder andere Zustände kommen. nicht das «bige Z iK4! »iitheile m Kli Schröder «fter i «>Ke„ Darauf !«(ein. daß die nären P, und daß uainlich, Stoßen, wiln ehrrn Wals: T> Metroff Mast ij daher Nc Wn Urigli Wit der k Garten l iazen. 5 Mr Dy Nimmt w to't; ei dcherberg Miie di N'igkei ist MN'ß t «amdura Met S d°5 die ?°setz hg, MunZ're Lunchen wurde un ?*9«n eir faß. Mj. dachen ge, w'i dem' N"" «i.«st ofieten z Ein Gesetz, da« solche Willkür zuläßt, demotalchi die Massen. In Breslau ist ein sozialdemokratischer Part»' tag, der die Kandidatcnfrage für den nächsten Reichstag»' örtern wollte, ve, boten woiden. Auf telegravbische Betckw"� enischieb der Minister des Inner», daß das Verbot aufzuhedw sei, und die Versammlung konnte rechizertig stattfinden. D- bayerische Minister de« Innern entschied anders auf eine fchwerde wegen Verdietung einer Versammlung zu Nurnong- Sie können fich denken, wa« di« bayerischen Sozialdemokratta für Gesichter gemacht haben. E» kommt also allein am ass Jntioidualiläl de« betreffenden Beamten an. Wir, die wu uns um die Handhabung des Gesetze« doch wobl mehr bekw» mert haben als Andere, wissen auch, wie der BetazerungtZ� stand gehandhabt ist. Es find 5-600 Personen auSiiewmea worden, von denen ein großer Theil wieder mit Gcnehmiou-» der Pol zeibebörde zurückgekehrt est, ei» anderer Theil im»f- lande seme Existenz gefunden hat. Wen man haupt'ächlich a» mit der Ausweisung treffen will, find wir, die Abgeordneten, u Führer der Partei. Für uns ist e« gleich, wo wir wohnen.® kö»nen überall unsere Arbeit verrichten. Heute wird diese Aus». vrn unS weit intensiver besorgt a'S früher. Mir spell!'. haben Sie mit der Ausweisung meine Existenz ruinirt. � mußte au» meinem Geschäfte austreten, versuchte aber noch � Reisender für dasselbe zu wirken. Ich wurde aber bald gf" daß ich, der ich nur immer mit polizeilicher Genehmigung oder drei Tage an einim Ode wecken konnte, meinen pflichtungen nicht nochkommen kouute, bin dann ganz au«l treten und stehe heute ganz und gar in der sozialdemokrotit» Agitation, der ich meine ganze Kraft zuwende. Der Adgeot nete Singer ist von Berlin ausgewiesen und auch seinem Geschäfte herausgedrängt; auch er steht heute J*;. seiner vollen Kraft in der Dgitalion. Der Abgeotd«» Liebknecht, dem man seinen Schrifistcllerberuf nicht veit»'', konnte, ist von seiner Familie getrennt worden. Sie«-»t in Leipzig, er aus emcm Dorfe Bor« darf bei LeWr Unsere Sache hat davon nur den größten da er sein» ganze Zeit un« widmen kann. Herr Dietz ist 4C. Hamburg ausgewiesen, wo er fast nie in einer VersaM«� geredet, auch um die sozialdemokratische Agitation sich nicht"L kümmert hat, weil er der ausgezeichnete Leiter einer Druckerei war, in der ein bis zum gewissen Grade von sx Behörden geduldetes Blatt erschien. Von vielen DusM, von Ausgewiesenen wird man noch heute vergebens den 6� dafür such n. Die Regierung erklärt, die Ausweisungen? entbehren zu können, weil das Zurückkommen der säm Agitatoren die höchsten Gefahren heraufbeschwören. In weist man seit drei Jahren prinz'piell nicht mehr au«, j Kommissar hat e« verrathen, als er zu einem mriner Ge»� sagte: Ich finde zwar bei Ihnen sehr viele sozialdeJT kratische Schriften, aber wir find nicht mehr so dum»,,. auszuweisen, denn in Berlin haben wir Sie unter den r, gern. Man will mit der Ausweisung immer nur wenige** sonen treffen und deren Existenz vernichten. Das ist der e>»� liche Zweck. Daß das Geletz auch auf die Ge ichte korru gewirkt hat, gestand kürzlich selbst die„National-Zerb In der Muser'schen Broschüre finden Sie eine ganze-. von Fällen, die dies beweisen. Ich bin weit entfernt d«� die ganze deutsche Justiz in«inen Topf zu werfen, ob». giebt eine gewisse Zahl von Gerichten, bei denen der An»? uns sofort sagt: Gnade Gott, da wird e« schwer ballen,. Verurtheilung zu vermeiden. In den Jahren 1380 unb sind in Dresden ungefähr 90 Personen loerhastet worden, zusammengenommen über 6 Jahre in UnteisuchungShafl k mesen find. Von diesen find nur 2S verurtheilt. Der eine' 13 Wochen in Untersuchungshaft, sein Gelchäft, seine EP.J war ruinirt und er ging m die Elbe. Ein Anderer erv»? fich, kurz bevor er steige äffen werden sollte. Ich selbst wurde Jahre 1380 vom Dresoener Landgericht wegen der beabfich� Verbreitung einer Ftugschrift angeklagt, welche aber schon»Ä> beschlagnahmt wurde. Meine Frau konnte dem Gerichts� Nicht sagen, wo mich die Vorladung treffen könnte, dst». auf Reisen sei. Ich schrieb ihr aber, sie solle dem Geft boten sagen, daß mich die Vorladung in Nürnberg ifZ Avril treffen könnte. Dort bekam ich dieselbe auch. I« u icheinige dem Dresdener Gericht den Empfang und them� atcrckz-ntig mit. daß ich um Pfingsten(27. Mai) in Dr/ uv»| W W«vut-v VV v| Urjliuil«! I* v r wenn Sie einen Reichsgerichlssenat mit den Entscheidung Reichsbeschwerd-kommufion betrauen wollten, es wäre' &eriJ?nlQ9i Iii.fjUgust Natten ■t die; Ich fühle eS dem Minister nach, daß er am mit diesem ganzen Gesetz nichl» zu schaffen haben mag- Kollege Liebknecht und Herr Munckel haben bereit« darouy gewiesen, daß das ganze Gesetz mit Nothwendigkeit d>M sp-tzel erzeuge. Wir in Sachten wußten früher von d» j beimpolizei gar Nicht«; jetzt hat man sogar im Eto>> Summe für diesen Zweck ausgeworfen. Ich werde im n�) sächsischen Landtage beweisen, daß ein von der Po»'.< STtttt/t tnnr htK zahlter Spitzel der Anstifter einer Handlung war, die n»V v----------------- E« ist nämlich»V am Sedantage wa« eigentlich" auf da« Enlschiedenste verurtdeilen. nannte Friedenseiche im Rosenthal worden. Der Minister weiß gar nicht, Znu ZL e>ff° lang est st 5# tÜt k'-dt. illersboldig I lruger reiste 8 Tage vor der vorl�<1 Kaistrreise nach Süddtutschland, nach Rom, um 1 Bu. woroen. �>er wlmlner wng gar mcht, was eigen»"»(.p, g.""' politischen Polizei vorkommt. Da« eigentliche Haupt de" t d«r w.sdst Direktor Krüger, ist nicht ihm, sondern dem Reichs4?� jjlstn �, Aeußeren unterstellt. K Kaistrreise nach Südd__________.—,-------„... die Polizei»u allarmiren und aus Attentate vorzubereite j'ffion,,,' Schweizer Polizei mußte ausdrücklich die ihr uniergel�' i?1'e[Rn'' Nachricht dementiren, daß 10 Anarch sten nach Stuttga4'� � M urgei reift seien, um auf den Kaiser ein Attentat zu machen- wmmaammmassKsmBm fl� n, B'([ä11 »mL dab man gekrönten Häuptern durch solche »II einflöbt, um sie für politi'che Zwecke gefümg , roQr �er neulich von einer Dynamitkiste die viitt�»!, rann'Ihnen nun eine interessante Korrespondenz imK o" zwischen dem agent provocat-ur Schröder gxr.�m8« gesührt worden ist. Vor zwei Jahren schrieb Et?«- �n den Polizeirath Krüger, daß der Schreiner der revolutionären Propaganda ihm eine 2)0™,, f ix �yaamit zur Aufbewahrung bestimmt habe. ?' scheint von Krüger keine Antwort gekommen Lt. I;. Darauf schrieb Schröter einige Zeit später, vorigen Briefe genannte Kiste von der revolutio- imt,>,?�°vaganoa zur Propaganda der That bestimmt sei, „ämii*• emQnL, der doch nicht mehr lange zu leben habe, K™r. �Schwindsüchtiger, mit der Tynamitmassenoch einen � uamlrch den Kaiser Wilhelm oder den Kronprinzen, ~ t 7'"en solle. Wieder einige Tage später schrieb er aber- ■'®,e Kiste mit der braunen Waare ist nunmehr bei mir ■r5n Unb'ch habe sie in meinem Garten vergraben. Ihr taW st) x}UC Verwendung in Deutschland bestimmt. Ich werde .Deicht geben, wenn die Kisie von meinem Hause abgeht, «m Unglück zu verhüten. Jm März I8S6 meldet er, daß die Kiste n>, er braunen Waare noch nicht wieder abgeholt und im n7?eu der ihm vergraben fei. Das war, nebenbei gesagt, ge« .gm. Kruger wußte also, daß Schröder\ Jabr im Besitz KLi��lkiste war, die zu Attentaten in Deutschland be- Mwt war; er kannte die Pe........'' ... Person, die diese Kiste gebracht ct, n5u6''/ daß Schröder bekannte Anarchisten bei sich ..?.?°�8le und mit preußischem Gelbe bewirtbete. Statt dessen hatte; deberd um.»..=•- und mit preußischem Gelbe biwrrthete. »-x,?, Person nicht sofort der Polizei ausgeliefert. Die En«! ei ganzen Nachricht hat sich aber bestätigt; denn i?/ Ut tm vorigen Jahre in Stuttgart zu 18 Monaten Ge- ti«? aemrtheÜt worden. Auä dem Prozeß Wichmann in �T�ara wissen wir, daß der dortige Polizeikommissar .-gir� Wichmann instruirt hat, nach Berlin zu melden, n.r).\te Hamburger Polizei viel zu lax das Sozialisten» zL» handhabe, daß Wichmann unseren Parteigenossen Auer Slün* ten mu�e' Geld unterschlagen zu haben u. f. w. In t™*!; srat im vorigen Jahre als Kronzeuge ein ganz nieder- 8er Lump, ein Kerl auf, der von der Polizei bezahlt «eaen■ �et aus dem Gefängniß vorgeführt wurde, wo er �ues Verbrechens gegen ein Mädchen unter 14 Jahren bntL."l diesen StaatSlpitzeln wird die Ordnung aufrecht er- halt, mit?®e®fR 800 000 Wähler. Kommen Sie denn wirklich v'M gemeine"----- dittim" 8�areinen Recht nicht aus? Begreift denn die Re- selbst•0ssad Sie es!(Beifall bei den Sozialdomokcaten.) Diskussion wird geschlossen und die Vorlage einer sision von 28 Mitgliebecn überwiesen. (AauV�.� Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1 n r g e s e tz.) Uhr Hmnmunal£$. , Ktadtverordneten-Nersammlung. '»an g vom Donner st ag, den 7. November. irZff�i�..Stadtverordneten- Vorsteher Stadtv. Dr. Stryck, ftftiiik.n Sitzung um Sh Uhr mit einer Reihe geschäftlicher -uuvgen unwesentlicher Natur. a. J'tfT.-l0�' die Vorlage betreffend die Lieferung urkteew� s»"rrschim Strom durch die Aktiengej Gintritt in die Tagesordnung wird zunächst über die «sinb™ df tri fftnb den Verkauf eines Trennstücks des Ge- Grundstück«, Kottbuser Ufer 4, verhandelt. ff" Verkauf wird beschlossen. sol g v o n ...-,as»"'Ä»m«rrom ourw vre rrrrrengesell- 'd m»berliner Elektrizitätswerke" außerhalb wert si stuen a/'�vgigebiets. Die Vorlage hat bekanntlich zunächst ache ft»-ü �nixT'usschuß beschäftigt, der der Versammlung durch seinen unS I y«Utpf�stnUtr, Stadtv. Wohlgemuth, folgenden Beschluß tanze »t Iah' Versammlung ermächtigt drn Magistrat, der Aktien- ".............................. Ä-- Ä in0�«.»Verlmer Elektrizitätswerke","nachdem dieselbe rand w� tzj Ur Annahme der in dem vt™r.ven vom IC» riftnfi»r 1RRQ nachstehend abgedruckten vom 12. Oktober 1889 aufgestellten Bedingungen "k hat, die Legung von Leitungen zur Fortführung Ströme von den vorhandenen Zentralstationen aus »r Benutzung der Straßendämme oder Bürgersteige 0� b'ftet Leitungen und der accessorischen Theile � A,™-."urb über das im ß 1 des Vertrages vom »uaukt der Maßgabe S«>i! ,U Ä/bS ��chn.t- Gebiet hinaus väre die Leistungsfähigkeit sämmtlicher vi n,----'»itungstaylgkerl sämmtlicher vorhandener und im an.u degnssener Stationen(nämlich Markgrafenstr. 43/44, Rs'uerstr. 80, Friedrichstr. 85, Spandauerstr. 49 UUV" oick" M'ffbauerdamm 22) nicht über inSgesammt 28 000 am 1& bj tü. dekrast erhöht wird, und ?°0nus� �„ Gesellschaft verpflichtet ist, Ii da?"'« i?"?-? den Anschluß zum Zweck ' � b». Strom zu gewähren, s und htt'j b,' i'ch6"* Strom zu gewähren. von�, � Znaiei�?��dkn Stmße liegen. ir�t Jedermann auf Ver- der Abgabe von sobald ihre Kabel in "ff"«Sil.WaTO Flucht die Versammln C'moW'i''oichtj o Vcrrcht über die stattgef X IS. Stadt�Äungen der Gesell'chaft ,bi hief'i �i.holbin; �t*"er beantragt, de, a'b'fle Errichtung Versammlung den Magistrat, ihr stattgefundenen Anschlüsse an die ' oft vorzulegen." den Magistrat aufzufordern, städtischer ElektiizitülSweike� zur ,. 0orn�" �rruyiung It a 0 t r I ch e r tStellrizllaiswerrc zur " in rv n Stadtteile mit elektrischem Licht Sorge der M e y e r I erklärt sich gegen den Vertrag, welcher ff"-» dei,"�?�" u z Berlin ausliefere und der Stadt, vor bJ?"b«n.ffn?Pffimdneten, gar kein Recht einräume. Eine *»? Vüropl« �0lt. Hab« kein Interesse daran, der Stadt und kii 0n«n dienen, sie fotge nur ihrem Nutzen. Die Kon ft Manen � Gesellschaft mache, seien nur Schein 'K m L durch'??« Verbilligung der Preise komme der Gesell» "höhten Konsum zu Nutze. Im Interesse erner spät wen Neiernahme des Betriebes durch die Stadt bittet Redner um Ablehnung der Vorlage. Stadtv. Spinola empfiehlt die Anträge des Ausschusses. Stadtv. Tutzauer: Die aanze Bürgerschaft würde es mit Freuden begrüßen, wenn die Vorlage abgelehnt würde. E« fei durchaus nicht so schwierig, die elektrische Anlage in eigene Regie zu nehmen. Gerade der neue Vertrag wird zu der Un» Möglichkeit für die Stadt führen, die Anlagen im Jahre 1895 zu übernehmen. Kleinere Kommunen, wie Erfurt, Lübeck rc., haben das Experiment, die Stadt in eigener Regie mit elektrischem Licht zu versorgen, mit Glück gemacht. Zur Ver- theidigung der Vorlage sei auf den Nutzen hingewiesen worden, den die Kleingewerbtreibenden durch dillige elektrische Motor« erhalten würden. Das ist nicht anzunehmen. Wenn der maschinelle Betrieb auch ins Kleingewerbe eindringt, würde nur erzielt werden, daß wieder mehr Arbeiter brotlos gemacht werden(Unmhe.) Es muß dafür gesorgt werden, daß die Brot» losen wieder Arbeit erhalten(Unruhe), dadurch, daß im allgemeinen eine geringere Arbeitszeit Platz greift. Man sollte sich stets vergegenwärtigen, wie die Berliner Bürgerschaft ein« solche Vorlage beurtheilen würde, wenn sie selber abzustimmen hätte: die Vorlage des Magistrats würde sang- und klanglos ab- gelehnt werden. Redner wünscht, daß die Sadtverordneten» Versammlung das Gleiche thun. Stadtv. H o r w i tz Kitt für die Vorlage ein. Stadtrath Marggraff findet, daß keine neuen Vor- würfe gegen das Projekt heute laut geworden feien. Die Ge- sellschaft müsse dem Interesse des Publikums dienen, wmn sie bestehen wolle. W M Wß Stadtv. Sachs II: Die Anlage elektrischcr Beleuchtung sei gar kein Experiment mehr, die Stadt könne sie deshalb ruhig in eigene Regit übernehmen. Deshalb dürfe man jetzt die Konzessionen der Gesellschaft nicht erweitern. Oberbürgermeister Dr. von Forkenbeck vertherdigt die MagistratSvoilage. Ueberall fei in der Bürgerschaft, die außerhalb des Bezirkes wohne, der jetzt mit elektrischem Lichte versehen sei, das lebhafte Verlangen nach elektrifchem Licht mächtig. Dieses Verlangen müsse beftiedigt werden. Auf der anderen Seite feien die Stationen der elektrischen Gesellschaft mächtig genug, noch weiten Gebieten elektrische Kraft abzu» geben. Die Verbilligung des elektrischen Lichte» und dieMög- lrchkeit es überall zu beziehen, kommen auch den arbeitenden Klassen zu Gute. E-, sei der Gesundheit der Arbeiter dien- licher, in Räumen, die mit elektrischem Licht beleuchtet find, zu arbeiten, als in Räumen mit Gaslicht. Auch sei der Nutzen für die Minderwohlhabenden, billige elektrische Kraftmotore für kleine Maschinen zu erhalten, nicht gering anzuschlagen. Durch die Ertheilung der beantragten neuen Erlaudmß für die Elek- trizitäts- Gesellschaft werde die Möglichkeit für die Stadt, den ganzen Betrieb zu erwerben, nicht verringert, sondern erhöht. Jkmehr die Elektrizität sich»wirthschaftlich gesund' über ganz Berlin auSdrhnt, desto näher liegt der Zeitpunkt der Ueber- nähme in städtische Regie. Der Ausschußanttag wird in allen Punkten mit schwacher Majorität angenommen. Der Antrag Jrmer wird abgelehnt. ES folgt die Vorlage, betr. die Einsetzung einer gemischten Deputation für die infolge eines Erlasses des Oberpräsidenten vom 7. Oktober d. I. nothwendige erneut« Berathung des Entwurfs eines OrtkstatutS, betr. Errichtung eines gewerblichen Schiedsgerichts nebst Einigungsamt für den Gemeindebezirk Berlin. Der Erlaß des Oberpräsidenten, der die Ge- nehmigung des vorgelegten Entwurfes ablehnt, ist in den Hauptpunkten bereits mitgetheilt. Der Magistrat beantragt nun folgenden Beschluß: „Die Stadtverordneten- Versammlung ist behufs er» neuter Berathung des Ocisstatuts, betreffend die Er- richtung eines gewerblichen Schiedsgerichts nebst Eini- gungsamt für Berlin mit der Einsetzung einer aus 10 Mit- gliedern der Stadtverordneten-Versammlung und 5 Ma» gistratsmitgliedern bestehenden gemischten Deputation ein- verstanden." Stadtv. Singer beantragt zur Geschäftsordnung, die Angelegenheit heute, mit Rückficht auf die vorgerückte Zeit und das Interesse der Bürgerschaft abzusetzen uno als ersten Punkt aus die Tagesordnung der nächst-n Sitzung zu setzen. Hat die Angelegenheit 13 Monate beim Oberpräsidenten geruht, kommt eö auf acht Tage hier nicht an.(Zustimmung.) Die Verfamm- lung stimmt dem Antrage zu. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung entbehren des öffentlichen Interesses. Schluß 3 Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. (ßcrnrWi'.-äZeiUmg. Eine unglaubliche Rohheit unterlag gestern in ihren Folgen der Beurtherlung der zweiten Strafkammer des Land- gcrrchts I. Als Angeklagte trat vor die Schranken die ver- ehelichte Fabrikbesitzer Emilie E a u itz, Gr. Frank- für t er st r. 124, und der bei ihrem Mann beschäftigte Buch- Halter Weihrauch. Beide find der Körperverletzung, erster« auch noch der Freiheitsberaubung angeklagt. Der Anklage liegt folgen- der Thatbestand zu Grunde. Am2Z. August benutzte die in dem der Angeklagten gehörenden Haufe wohnende Frau Starke die im Keller befindlirbe Waschküche. Gegen 4 Uhr, Frau St. wusch schon seil 10 Uhr Morgens, erschien die Hausbesitzerin auf der Bildfläche und fragte die Frau Starke, wer ihr die Erlaubniß zur Benutzung der Waschküche ertheflt habe. Kaum hatte die 60jährige Frau Starke Antwort gegeben, als sie von ihrer Wirchin einen Schlag ins Gesicht erhielt. Die nächste Folge hiervon war eine solenne Prügelei, in deren Verlauf die tolerante Hausbesitzerin einen Schrubberbesen zur Hand nahm, um die alte Frau damit gehörig »u verbläuen. Letztere war jedoch geschickter, als ihre Gegnerin und entrang derselben dre getährliche Waffe, worauf die Wirthin es vorzog, die Flucht zu ergreifen, die Waschkellerthür hinter sich zu verschließen und zu ihrer Unter- stützung den allerzeit bereiten Herrn Buchhalter herbeizuzitiren. Nun ging es mit vereinten Kräften wieder an die Arbeit. Die Thür wurde geöffnet, die Gefangene etwa»„gepufft" und dann von Beiden hinausgeworfen. Die alte Frau flog zunächst gegen die Wand, vrallte von dort zurück und fiel schließlich auf die Steinstufen der noch oben führenden Treppe, wobei sie sich den linken Arm dickt über dem Handgelenk brach; eine Verletzung, die bis jetzt noch nicht geheilt ist und wahrscheinlich, nach den Aussagen des geladenen Sachverständiaen, stets behinderte Gebraucbssäh'gkeit nach sich ziehen wird. Wesentlich anders stellte die Angeklagte den Sachverhalt dar. Sie will gleich bei Betreten der Waich- küche mit Schimpfworten und einer gehörigen Ohrfeige regalirt worden und zu Boden gestürztsein, worauf sie von der Frau Starke will angefallen worden sein. Sie habe sich nur dieser„Zu- dringltihkeilen" erwehrt und sei schließlich davongelaufen, habe die Thür zuerst hinter sich geschlossen, dann aber auf das Schreien der Eingesperrten hin sofort wieder geöffnet— was aber von der Nebenklägerin, Frau Starke, entschieden bestritten wird— und dann den Buchhalter holen lassen. Dieser habe die Frau„sanft hinausgeschoben". Nur ein- Person, der Tischler Dathe, ist Zeuge dieses letzten Aktes der Vorstellung gewesen. Er sah mehrere Arme in der Luft berumfuchteln und schließlich die Frau hinauswerfen, worauf diese ohnmächtig liegen blieb. Ein weiterer Zeuge, der Kaufmann Solomon, bekundete, daß sich die Angeklagte einmal zu rhm geäußert habe:„Mit solchem ungebildeten Pack müsse man sich herum ärgem; da« Richtigste wäre, wenn man demselben links und rechts„Eine" runter hauen würde."(Die Angeschuldigte fängt bei dieser Aursaze laut zu schreien an. Der Vorsitzende werft sie zur Ruh« mit den Worten:„Schlagen Sie andermal ihre armen Miether nicht, dann haben Sie nicht nöthig, hier zu stehen.") Von Seiten der Vertheidigung find«ine erhebliche Anzahl Entlastungszeugen geladen, die zum Tsieil Nichts auszusagen wrssen, zum Theil nur an- fuhren können, daß sie Frau Smrke öfters aus einer Flasche hatten trinken sehen, daß sie aber nicht wüßten, was e« war. Hiermit war der V-rsuch, Frau St. als eine professionelle Ternkerm hinzustellen, mißglückt. Nach beendigter BewerSauf- nähme und � stündiger Berathung des Gerichtshofes, wird das Urlheil dahin verkündet, daß Frau Equitz und Herr Weihrauch mit t« 14 Tagen G-fängniß bestraft worden find. Die Kosten de« Verfahrens wurden ihnen ebenfalls auferlegt. Gutsch-iduuge« de« Reichsgericht».(Nachdruck ver- boten.) Leipzig, 4. November.(Verbrechen oder jugendlicher Uebermuth?) Einen beachtenSwerthen. Beitrag zur Auslegung des§ 308 des St.-G.-B. lieferte eine Verhandlung, welch» kürzlich vor dem 2. Strafsenate des Reichsgerichts stattfand. Der§ 303, soweit er hier in Betracht kommt, lautet: Wegen Brandstiftung wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bestrast, wer vprsätzlich.. Vorräthe von landw.rthschaftlichen Erzeugnissen,. Früchte auf dem Felde.. in Brand setzt wenn drefe Gegenstände... fremdes Eigenthum sind... Diese Bestim- mung hatte das Landgericht Graudenz gegen den Schulknaben Kurrek ,n LeSnien angewendet und ihn unter Annahme mil» dernder Umstände und unter Berücksichtigung der sonstigen mildernden Vorschriften in Bezug aus jugendliche Personen zu 3 Tagen Gefängniß verurtheilt. Der Sach oerbalt de« der Anklage zu Grunde liegenden„Verbrechens", st sehr einfach. Der Angeklagte hatte eines Tages im September v. I. auf einem Erbsen- stoppelfelde in Gemeinschaft mit einem anderen Knaben Feuer angezündet und eine größere Quantität der auf dem anstoßen- den fremden Acker in Reihen zusammengeharkten Saatwicken zu mehreren Malm in« Feuer geworfen und verbrannt. Das Gericht nahm an, daß Z 308 unter landwirthfchafttichen Vor- räthen erh-bliche Quantitäten verstanden seien und stellte fest, daß da« vom Angeklagten verbrannte Quantum ein erhebliches, nämlich entsprechend einem zweispännigen Fuder im Werth« von 20 M. gewesen sei.— Die Angehörigm de« verurlheilten Knaben, welche ein begreifliche« Interesse daran halten, das Kind nicht schon in der Schule als Verbrecher ge- stempelt zu hoben, legün Revision gegen das U'theil ein und hattm damit Erfolg.— Der Staatsanwalt sah sich veranlaßt, alle hierbei in Betracht kommenden Fragen einer gründlichen Prüfung zu unterziehen, und wenn er auch nicht die Aufhebung des Unheiles beantragte, so brachte er doch Viele« vor, was im Sinne der Reorstonsschrift gehalten war. Es entsteht, sagte er, da« Bedenken, ob es nicht richtiger gew.fm wäre, die Handlung der Wegnahme als Diebstahl oder Eat- wendung von Felvfrüchtm anzusehen, sodaß da« nachherige Verbrennen nur als ein Verfügen über eine vorher entwendete Sache erscheinen würde. Allein diese« Bedenkm scheint mir nach den Feststellungen nicht begründet zu sein. Wenn das Landgericht angenommen hat. daß der Knabe von vornherein lediglich den Zvcck verfolgte, die-Wicken zu zer- stören, als er sie an sich nahm, so war er rechtlich nicht brhindert, die Zerstörung al« Sach- bcfchädigung oder Brandstiftung zu qualifizirm. Es errt- steht dann aber das weitere Bedenken, ob unter diesen Um- ständen in dem Hineinwerfen der Wicken in das Feuer«in Inbrandsetzen von„Frückten auf dem Felde" zu finden ist. Da« frühere preußische Obertribunal hat ausgesprochen, daß H.-u in Hausen auf drm Wiesengrundslücke zusammengebracht, nickt »u den„Fcüchtm auf dem Felde" gehört, wobei hervorgehoben ist, daß als Gegensatz zu den Vorräthen von Früchtm auf drm Felde nur solche Früchte verstanden werden könnten, welche noch stehen, nicht vom Boden getrennt oder wenigstens nock nicht zusammengeharkt seien. Aebnlich hat sich der 1. Straffenot de« R-ichSgenchtS ausgesprochen. Soviel kann als zweifellos be- trachtet werden, daß-s mcht wesentlich ist. ob die F.üchtenoch steh«« oder bereits vom Boden getrennt sind. Sowohl das Obertribunal als das Reichsgericht hat dahin entschieden, daß auch auf die auf dem erzeugenden Boden liegenden Früchte, sobald sie noch nicht m einer Weise zusammengebracht worden sind, welche ihnen dm Charakter des Vorcath.s gießt, der§ 308 Anwen- dung fi rdet. Zweifelhaft ist in dem vorlicgmoen Falle nur, ob die Wicken, da sie vor der Verbrennung auf ein andere« wirth- schafiliches Gebiet, das mit dem erzeugenden Boden nicht zu einem Komplexe vereinigt war, gebracht worden waren, ob diese W-ckm noch als Früchte auf dem Felde angesehen werdm konnlm. ES ist hier im Gesetze gesagt„auf dem Felde", nicht auf einem F-lde oder aus Feldern. Das hieraus sich ergebende Bedenken erscheint indeß nicht durchgreifend. Ich nehme an, daß der Wortlaut„Früchte auf dem Felde" aus Früchte jeder Kategorie, so- bald sie auf irgend einem Felde sich befinden, bezogen werdm kann, und lege Gewicht darauf, daß es bei einer anderweiten Aus- legung des Gesetzes dem Thäter ins Belieben gestellt sein würde, die Früchte auf em andere« Feld zu bringen, um der Bestrafung au«§ 308»u entgehen, ohne daß die Gemempe- sährlichkeit verhindert würde. Ferner könnte zu einem Bedmkm Anlaß geben das Erforderniß der größeren Quantität. Da« Landgericht hat diese« Erforderniß gewürdigt und festgestellt, daß eine zweispänmge Fuhre im W-rthe von 20 M. verbrannt ist. Er stellt aber gleichzeitig fest, daß die Knaben die Früchte zu verschiedenen Malen berübergeholt haben, nämlich Morgens, Mittags und Abends. Offmbar hat da« Gericht die Gefammt- summe der Handlunqm al« ein forlgesctzteS Delikt angesehen. Dies würde nun allerdings nicht genügen, um den DollrS, der ebenfalls in der Richtung auf ein größeres Gesammtobjekt vorhanden sein mußte, als vorliegend anzunehmm, sondern«s würde auch bei der Annahme eines fortge>etzten Deliktes immir noch möglich sein, daß der Vorsatz nur auf sukzessive Ver» brennuna kleinerer Quantitäten gerichtet war. Ein de-- artiger Vorsatz könnte aber zur Anwendung de« ff 308 nicht für ausreichend erachtet werden. Das Landgericht scheint indessen in dieser Beziehung von einem RechtSirrthume nicht geleitet wordm zu sein.— Da« Reichsgericht hielt die Revision für begründet und hob da« Urtheil des Landgerichts Graudenz vom 25. Mai auf unter Zurückweisung der Sach: in die 1. Instanz. Die Gründe lautetm: Zur Anwendung d.« § 303 ist es erforderlich, daß die Brandstiftung gegen eine« der darin genannten Objekte unternommen sein muß und der Dolus de« ThäterS aufeine solche Brandstiftung gerichtet war. Der Ange- klagte hat emes der üblichen Freudenfeuer angelegt, wa< an sich nicht strafbar ist und nachher die Früchte vom Nachbarfelde geholt, um da« Feuer zu unterhalten. Auf einen Fall dieser Art kann der§ 303 nicht angewendet werden, wobei indeß nicht ausgeschlossen ist, daß zu einer Brandstiftung nach ff 308 ein bereits vorhandenes Feuer bmutzt wird. In Nedrigm waren auch die vom Landgerichte getroffenen Feststellungen nicht genügend. Srrztsle lUcftcvtichk. Rrnckj, den die wilde Spekulation unserer letzten Wlrthichaftsperiode herbeiführen muß, liegt den Einsichtigeren der Kapitalistenklasse bereits stark in den Gliedern. Die Ha'- berstadler Handelskammer schreibt z. B. in ihrem Jahresbericht: „Betrachtet man die Dimensionen, in denen der Unternehmer- aerft seit zwei Jahren sich bis dahin bewezt hat, so ist die Be- furchtung nicht ausgeschlossen, daß eine mit der Gründerz««» 1373/74 traurigm Angedenken« verwandte Zukunft unserem WirHstasttlrben btvorsteht.� Man bedenke, was unsere Jobber, Jndustriebarone, Grobhändler und sonstige Kartellg, üben in den letzten drei Halbjahren gegründet haben! Am deutlichsten zeigt dies folgende kleine Ueberficht, welche eine sehr eindringliche Sprache führt: Im 1. Halbjahr 1888 erfolgten in Deutschland 88 Grün» düngen mit 57 888 600 Mark Aklienkapital, im 2. Halbiahr 1888 erfolgten in Deutschland 99 Grün» düngen mit 127 847 000 Mark Aktren kapital. im 1. Halbjahr 1889 erfolgten in Deutschland 160 Grün- düngen mit 174 080 400 Mark Aktienkapital. Im ersten Semester 1889 also beinahe so viel Giündungen, wie la im Jabre I888 überhaupt! Die vcm Sozialismus schon lange pe- stellte Prognose, daß der Zusammensturz kommen und Grobe und Kleine begraben, den Millionären und anderen Herrschern des Kapitalismus Profit bringen wird, muß fich bestätigen, wie 1873, so auch diesmal. Die Arbeiter müssen für die Pro- filwuth der Gründer bluten, aber die Verschärfung des Elends bedeutet auch eine Steigerung des Klassenbewubisems und damit die Ausficht, daß die Wiederkehr solcher Krachs durch demokratische Sozialreform verhindert werde. Die Elektrizität verdrängt die Menschenarbeit auch aus — d>m Walde. Ein Kopitalistenblatt schreibt:»Die Nutz- barmachuna größerer Waldungen wird häufir dadurch erschwert, daß es fast unmöglich ist, die kossspielige Menschenarbeit zum Fällen der Bäume durch Mastbinen zu erseßen. Die Ürsache liegt in der Schwierigkeit, im Walde genügende Plätze zum Aufstellen der Maschinen und zur Fortbewegung derselben zu finden." Nun find aber diese Schwierigkeiten nach den außerordentlich bedeutungsvollen längeren Betriebsversuchen in den Wäldern des Grafen Potocki in Galizien ver- mittelst einer durch Elektrizität betriebenen Maschine vollkommen überwunden." Welches Glück für den österrerchischen Magnaten. dem die Hungerlöhne der galizischen Landarbeiter zu»kost- spielig" find, welche Aussicht für die Junker, denen bekanntlich der größere Theil der Pnvalwaldungen in den altpreußischen Provinzen gehört! Die Trennung des Stammes vom Stumpf wird, wie das»Handels-Museum" berichtet, nicht mehr wie bisher durch eine Säge, sondern durch einen Bohrer bewirkt, welcher eine kontinurrliche, hin- und hergehende kreisbogen- artige Bewegung in wagerechter Richtung macht. Die ganze Maschine ist so leicht, daß fie bequem von einem Manne selbst über holprigen und morastige» Boden geschafft werden kann. Die Kraftübertragung auf die Maschine findet, wie schon erwähnt, durch Elektrizität statt, und demgemäß kann der Elektromotor an jedem passenden Platz innerbalb und außer- bald des Waldes in großer Entfernung aufgestellt werden. Kollege Selchow ein Empfehlungsschreiben des Kalligraphen und SchreiblebrerS Herrn Mielke, Bülowstr. 78. Der Vor- fitzende. Herr Prasse, macht noch bekannt, daß die nächste Ver- fammlung eine oußerordentlicke Generalversammlung ist und im Z-mirum statifi det. und um reckt rege Bethciligung ersucht. Eine Sffrntlich« Versammlung der gewerbliche» Hilfsarbeiter K-rliuv und Umgegend tagte am 4. No- vemdrr, zahlreich besucht, im Saale des Herrn Bolle, Neustädter VolkSgarten, Proskauerstr. 37- 33, Ecke Frankfurter Allee, unter Vorfitz der Herren Günther, Mahlbcrg und Pufck. Die Tages- ordnung lautete: 1. Vortrag des Herrn Lufin über den Nutzen pewerkickaftlicher Organisation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Referent wies in längeren, beifällig aufgenommenen Aus- emandersttzungen daraufhin, daß es eine der Hauptaufgaben jeder Arbeuerorganifalion fei, auf eine Veckürzung der Arbeits. zeit hinzuwirken. In der Diskussion äußerte sich Herr Krüger im Sinne des Vortragenden. Zum Schluß gelangte nock fol- pende Resolution zur Annahme:»Die heule im»Neustädter Volksgarten" tagende Versammlung erklärt, daß die Milch und die sonstigen Produkte des Herrn Bolle, sowie die Produkte der Firma Loeser u. Wolff vollständig von den Arbeitern zu mei- den sind." Hierauf schloß der Vorfitzende um 12 Uhr NachlS die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die zielbewußte Arbeiterschaft. Die Eabakarbetter und Arbeiterinnen hielten am Dienstag eine öffcnu>che Versammlung ab, über die wir wegen Raummangels erst in nächster Nummer berichten werden. Mit- theilen wollen wir nur, daß in Bezug auf den 2 Punkt der Tagesordnung: Die Verhältnisse in der Löser und Wolfs' schen Fabrik zu Elbin g einstimmig der Beschluß ' t, nach Loge der Verhältnisse an dem Vorgehe.» abthetlungi»bmdS 8g Uhr in der Mdristen Turnhalle. BafltrthorSrjb* — Turnverein.Hasenhaide"(Nänncradlheilung) Sdenol 8 Uhr bachftrahe Nr 60—61.— Turnverein..Froh und Frei"' Etenogravhie Abend« 8g Uhr im Restaurant Ziethen. DoiotbrtiilwjL, Unterricht und UebungSstunde.—.Allgemeiner Arendt sa>er«?7 oraphenverein', Abtheilung..VorwSrti"<*'"<•' m-ftaui»»! Mariannenplag II.— Äreirdb scher 9 Uhr im Restaurant, Eevdelstr. 80. Echüler" Abend« 9 Uhr im Restaurant Arebi. Friedrichftrate 208. Dilettanten. Orchefterverein Abend» 8g Uhr Uebungtftunde im. ! klub..Weichselblatt" Abend» 8g Uhr Rauchklub..Olme Zwang" Abend« 8g..... ttraße 28.— Berein ehemaliger Schüler der 22. Semeindefchule Abend» im Reiaurant Echrdder. Etegli»erstr. 13— Lese, und Ditkutirltub' 1 Zorfterftrabe» 1 schule und fcUfutfcfi»»#2* 45 �., m Uhr im Restaurant W SvaetA � >,.l-«dend»»'' straßeN'Eckc. UebungSstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. VriefKsflen. Bestellrn Sie die grryer Entfernung aufges Die Leitungsdrähte gestalten, daß der Baumfäller sich nach allen Richtungen bewegt. Bald werden in Ostpreußen und Schlesien die elcktrischcn Holzfäller schaffen, daß es eine Lust ist für die Potocki und Genossen. In den russischen Glasfabriken find sehr viele Kinder thätig. So find von den in den Betrieben des Gouvernements Moskau angewendeten Arbeitern 25 pCt. Kinder unter 15 Jahren. Sie müssen fünfzrhn Stunden ar- betten. Die Mädchen werden gleichfalls vom 8. bis 9. Lebens- jähre an industriell exploitirt. Natürlich find die Löhne er- därmlick, ellicke Pfennige täglick. Kletneraiftnng durch Abbeißen der Endstücke von den bei Blumen fträußchen zum Einschlagen benutzte Stanniolfolien wurde bei Newyorker Blumenverkäufern beobachtet. VsvsÄmnrlungen. Der verband deutscher Zimmerleute, Kokaluerbaud Derli«(?) hult am Montag den 4. Ncvcmder er. eme General- Versammlung im Louisenstädtischen Konzerlhause. Alte Jakob- straße 37. mit folgender Tagesordnung ab: 1. Abrecknung vom 3. Quartal 1889, 2 Neuwahl des 1. Vorsitzenden, 3. Ver- schiedeneS. Zunächst wurde der Bericht des KassicerS entgegen genommen und ihm Decharge ertheilt. Ein lange Diskussion schloß fich an den zweiten Punkt der Tagesordnung. Der bis- herige Vorsitzende, Herr Jäckel. hat hin Amt wegen der be- kannten Vorgänge in der Zimmererbewcgung niedergelegt. Sämmtliche Redner, die Kameraden Reuter, Seitzt, Geffeoy erklärten, daß sie gar keinen Grund für den Rücktritt als maß- gebend anerkennen könnten und empfahlen die Widerwahl Jockel«. Dieselbe erfolgte dann auck mit Einft-mmigkeit. Der Verein der Klempner Kerlin»«ud Umgegend hielt am Dienstag, den 5. Novcmber. Abends 8 Uhr, im Saale des Weddingpork, Müllcrstr. 178, eine imposante Versammlung mit folgender TagiSordnung ab: 1. Vortrag über:»Die Zu- kunft der Erde nack den Fälschungen der Astronomie. Referent Herr Bölsche. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Referent erntete für seinen einstündigen streng wissenschaftlichen Vor- trag großen Beifall. In der Diskussion sprachen die Kollegen rlc Naumann, Dorostke und Selchow. Unter Verschiedenem verlas oen>>»lvwravci.«.xioiaurmr 43 ori»junroi. Di» Krank»» unk K«gräbnlAkaM»>«» KttufeklonTt» K»rll» I häU Sonnabmd, bin 9! Blumenstraßc 78. eine Beriammluno ob. Togriordii gefaßt wurde, gegen Löser und Wolff nicht« zu ändern. »* « Sin» im» griUag geplant» Nalk»v»rrammlung. welche im Böhmischen Biauhause ftatifinb-n sollte, und in dir Herr Elodthasen über ,Sni Baterland, an« Ibeure, schlbß Dich an" reseiiren wollte, cihielt nicht die voltz-titche Gerehwiguna. Zentral. Kasse der NifchUr u. f. m. Die Witolieder der Ortiver. waltung-n Berlin» versammiln stch zu einer gemeinsamen Bihunj am Kreitag, den 8 Rovemdei. Siiatourrftr 48 bei Ouandt. de» p»r»in« seimmtUch«» n S November. Abend« 8 Uhr, Togetordnvna �«.ss-nberlcht. Mit- theilunoen. Sseschöstliche». Anmeldung der.silnder zur Weihnceblibescheerung. Fr»t» zi»r»tntgnng der Znschneider. Ktrpper nnd stiorrichter Kerlin». Eonnobend. den 9«tovember, Sdeno« 9 Uhr, Alte Jatodstr. 88! Bortrag über Humaniimui und CbrtstianiSmu« von A. Dulk Di» Kr»i» W»r»in>o»ng der in» Dergotdergene�b« beschöfticten Arbeiter innen veiai. staltet am Evnnabend. den 9. November, Abend» 8g Ubr. ein aemütdliche« Kränzchen, verbunden mit humoristischen BoitrSaen und sonstigen BeluMzungen in KSßner'« Ball Salon, Annenftr 16(Somienstödt. Kludhau«), vill-t», Herrn» 50 Pf., Damen» 80 Pf. Freunde und Genossen werden um zadl'Zbe Betbeilioung erwcht. Kachnerein der Metall sairaub»»-, Karondreher nnd gtvuf*- g«nassen K erlin«. Ordeutiiche Generalversammlung om Sonntag. oen 10. November, in Detamüllei« Salon. Alte I kobftr. 48. Tozetordnunli 1. Wissenschaftlicher Bortrag. 2 Didlusston und Fiaaetasten. 8 Bericht der Fachlommissto». 4. Aufstellung der Kandidaten zur E aönzunziwahl sür die Fachtommisston. 5. Berschiedene«, Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiche« E scheinen wt d ersucht «»seUschatt für perbreitirng von polkabildnnp. Sonntag, den 10- November. Abend« 6 Uhr, im Lotale zum..»utenderg, Neue G.ünstraße Nr. 40: Bortraa de« Herrn Bölsche über dtc Zutuns! der Erde nach den Forschungen der Astronomie. Nach dem Bortrag gemüthlichei Beisammensein. Zahlreich! Betheiliaung erwünscht. Achtung puh»r I Die Filiale� de« Wcddil gl. wegen Jliachftag� und Arbetttgesuche,........ Sprechstunde. Lei Anfrag m bitten wir die Abonnementt-Ouittung beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. UaMfad-nstr. 8S. 1886. G. K. Fürstenbcrgerstt aße. nummer dei Ihrem Spediteur. Hier. Wir haben von Ihrem Spediteur keine erhalten. Herr S. wohnt Lindenstr. 52 I. � Freirrliyiös- Gemeinde. Ihre Annonze k-neA� zum zweiten Male nichl aufnehmen, da feiten« der Lo'� Mission Beschwerde über die Aufnahme der ersten Annoi>ti r führt worden ist, weil das Grand Hotel für Ar b eitert sammlungen nicht zu haben ist. u 50. K. V. Ein Gehilfe, welcker ohne JnnehalWJJ� Kündigungsfrist seine Stellung verläßt, kann zum EWu dadurch nachweislich dem Arbeitgeber erwachsenen veruribeilt werden, nickt aber zu einer Strafe. Ranchklub H.©. Der Wirth kann einem gkschlB� Klub, der bei ihm ein Zimmer auf einen Abend gemiel9% den Aufenthalt daselbst auch über die Polizeistunde hinan � statten. Kp. Das Züchtigungsrecht de« Lehrers ist nicht«» Schuft äume beschränkt. J A. 10. Uogknügende Fütterung der Pferde istnich�L bar. Wenn jedoch unzureichend gefütterte Pferde zu ein� bar zu schweren Arbeit argehalten werden, so könnte»L sonders gravirenden Umständen darin eine strafbare Zp. Quälerei gesunden werden. Etwaige Strafanzeige ist � StaaiSanwal'sck'ft einzureichen. � A. K. 1000. Der Meister ist nur dann Ihnen den Wenh eines Ihnen gestohlenen, ihm Werkzeuges anzurechnen, wenn er nachweisen kann, d«' . Der Vierer P |Ne, da �eg« gib stütze entweder i Eingeben. Ot Ot Jo Ar Sr U- Be. zirk Mo allit Kell «Ä Kot <7 teuf Hof ls- R.it 17. n. Reitst KSSlinerstr. 16 im Restaurant Miiller, sebon Soantag Barm. Miig>i»r>rr-Vr»sammlnng»,« D»r«in»;ur Kegelrrng b»r g»- :btlit)(n Dtrhiiitniss» b»r Töpfer am Sonntaz. den 17. November. Bo mittag» mfliise 10% Ndr. in Zardan'S Salon. Neue ordnung: 1. Bortrag über Grwerbe- Ecki-dSgerichte stünstraße 28. Taue«- ________ Referent: Herr Friß Zub6l. 2. Abrechnung vorn 8 SttsmngSseft. 8 Vorlage laut Antrag G>i«r. 4. Verschiedene Vereing-Angelegenheiten. Um zahlreiche« Erscheinen der Mit- gllcher wird ersucht. Kr«ir»iiliös» N>«m»ind». Rosentbaleislraße 88 Sonntag, den 10 No- vember, Baimittag« 10 Ubr. Bo trag de» Herrn Dr. Bruno Wille über:„Die fteireligiöse Iugenderziebung." Abend« 7 Uhr: G-ielliae Versammlung und Reisebericht de« obigen He>rn über Ruminien, Konstantlnopel und Kleinasten (Pergamon) Gaste st' d sehr willkommen. AUg»mrin»r U>»taUarbeit»r-P»r»in K»rlin» nnb Zlmg,g,nt>. Der unentgeltliche Ardeiun chweii befindet stch im Süden. Rirlerst aße 112, Restaurant Schmidt, im Norden Brunnenftraße 40. Restaurant Schoger, und ist täglich geöffnet von 8g dt» 10 Ubr Abend«, Eonmagl nur Born iua.« von Lg bis 12 Uhr Die Bibliothek befindet sich Im Restaurant Schmitt, Rirtcr straße 112. und we'den daselbst Montag und Donneistag. Ad.ndi von 8 bii 9g Udr Bücher auSgrgbe». «»fang-, Tnrn- nnd«»f»Ui«» lp»»r«in» am Freitag Kailerlcher Männergesangveretn Abend« 9 Udr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28 — Gesangverein.Pausebeutel' Abend« 8 Uhr im Restaurant Hensel, Aleran- drinenstr. 15.— Liedertafel der Maler und verwandter Berusigenoffen' Abend« 9 Uhr im Restaurant Kleine. Brandenburgftr. 60.— Buchbinder-Männer- chor Abend« 8g Uhr Annenslr. 16.— Geiangverein Flötcrstche« Doppel- Quartett' Abend« 9 Uhr im Restaurant Musehold, Landibcraerstr 81.— Gesangverein.Forlschritt' Abend» 9 Uhr im Restaurant, Llnmensiraße 46.— Gesangverein.Echo 1872" Abend« 9 Uhr Waldemarstraße 12. Neue Mitglieder werden ausgenommen.— Gesangverein.Osfia»' Abend« 9 Uhr Dresdener- straße 85 bei Gustavu«.— Hupperffchc Sänger-Bercinigung.Harinonte' Abend« 9 Uhr bei Rieft, Wcbcrstr. 17.— Gesangverein.Sängerhaln' Abend« 9 Uhr Adalbertstr. 21.— Liedertafel dei Fachvereini der Etcinträger Berlin«. Abend« 8 Uhr Große Hainburgerstr�4 UebungSstunde.— Gesangvereln.Obne- IM ."Nord". Gesangstunde Abend» 8g Uhr im Restaurant Gnadt. Brunnentlr. 88 Mitglieder werden ausgenommen.— Boigfscher Diletlanten-Orchefterveretn, Uebünaistunde von 8g bit 11 Uhr Abend» im Souisenstäo»sch-n Kludbaui, Annenstraße 16, 1 Tr.— Berliner Turngenoffenschast(Fünfte Männer- 'lim.... Diebstahl durck�Jhre�Unvorsichlig.keit ermöglicht war. � � Klub braucht pu, r, noch seine Siatute»� schon iffjf Wohnfitz nicht A. S. 100. Ein blos geselliger Haupt weocr polizeilich anzumelden noc! reichen. A. R- Reichen Sie die Reklamation Sie brauchen deshalb Ihren hiesigen geben. Klindev Lärm. Sie brauchen das Geld wedlss� VormanZ herauszugeben noch zu dtponiren, sondern bO>� es nur seiner Zeit zu dem verabredeten Zweck i" wenden. H- Sp., Granienstr. 800. Sie können das bei dem schlestschen StanveSamt schriftlich beo»"� müssen aber Ihre Unterschrift beglaubigen lassen,'"jt bi-sige Standesamt brauchen Sie fich nicht zu wenden- Aushängen hier am Ort wird schon von dem schlefifch«' deSamt ou' besorgt.„ R« 30. Wie hoch die Gebühren des Rechtsanwo� einem Aiimentenprozesse find, läßt fich so allgemein antworten: es kommt auf die Höhe des Streitgeqenst'% wie auf die Art der Termine an. Ist Beweisaufnahmt so betragen die Gebühren jedenfalls über 100 M. aj Kch. Granienstr. Die polizeiliche An- oder AbmA� eines Gesangvereins ist ohne jede Bedeutung. Da S&fy fich einmal aufgelöst hat, kann Theilung des VereinSveNt?!» verlangt werden, auch wenn die Mehrzahl der M hinterher eine N-ukonstituirung wünscht. Z. K. 7. Geschiedene Ehegatten find solche, der<� durch gerichtliches Urtheil getrennt worden ist. SeparirssA leute nennt man dagegen meist solche, die, ohne erfyf Scheidung, bloS thatfächlch getrennt von einander Doch ist der letztere Sprachgebrauch kein allgemein gW'l K. L. 1. Sie bedürfen einer Konzession,� «-4 24. "ve ixs. Mif � B- z»kl 'traf 'rar st. Buts Bezirk: A. z berg« «Tam Bezirk: hfi Jtttn «• sÄ" beifei NB, Bads ?;•> k Flaschenbier über die Straße verkaufen oder bei sich trinken lassen wollen.� 2. Dazu ist die Kvsse� nicht verp�/ und zwar darum nicht, weil oann die Ausübung rischen Kontrolvorschriften unmöglich wäre. der Kommunal-Miilsler-Nersammlung für den 17. Kommunal-Wohlbezirk, »,»,?»ssene> die Stadlbezirke 114— 117 und 123— I 24, am Freitag, den 8. November, Abds. 8 Uhr, im Lokole Zentral-Feftsäle, Oranienstr. 180. TAGES-ORDNIINGi 1. Diebeoorftehenden Stadtverordnelenwahlen. Referent: Wilhelm Boerner. 2. Diskussion. 3. Aufstellung eines Kandidaten. 4. Verschiedenes. - Um zahlreiches Erscheinen ersucht 696 Da« Jerrtral-UIahlkornitee. & Fabrikpreise! weil dlrecter Bezug und Umgebung des Zwischenbuidelg. rMode- Jfenhellen für die Herbn«- u. Winter-Saison m ■«- Kleiderstoffen. Soeben erschien Heft 5 Wolks-IremdWörteröuch von Wilhelm Liebknecht. Sechste Auflage.— Erscheint in 12 Lieferungen* 20 Pfg. ja bewirken durch die Grpedttio«. Dimmerftraße Ur. 44, ieichhaltige Auswahl, ad Morgenkleider, wie sowohl in billigen Genre« für Hans- in hochfeinen Qualitäten für Strassen- nnd 6e»elUeliaft»toileUe. "Sä '% k,rtl( � Jdr' fltD�' f ajl �.f K 2. Beilage zum Berliner Bolksblatt. Kr. SSZ. Freitag, de« 8. November 1889. 6. Jahrg. Partelgenossrn? der Kommunalwahlen rückt heran; in Erfüllung W�s- x t"r ruJen wir Euch zu: Unterstützt uns in jeder Si J!', wir überall da, wo wir in die Wahl eintreten, zum Uf?an�en. Genossen, die uns am Tage der Wahl, sowie vorder, tntnJx t• wollen, fordern wir hiermit auf, ihre Adressen abzug� un5°der bei den nachstehenden Vertrauensleuten - Das Zentral-Wahlkomitee. 1 1 o Klein, Vors., Rrnerstr. 15(Zigarrengeschäft). g�tto Krücker, Kassirer, Wasserthorstr 20(Zigarreng.). ranzTutzauer, Köpnickerstr. 24(Möbelhandlung). tto Heindorf, Lange str. 70(Smckateur). �°hann Gnadt, Brunnenstr. 38(Gastwirth). Jug. Wuttig, Solmsstr. 2«Tischler). »ranz Morbach, Lausitzer Platz 3(Konditor). Ii m... Vertrauensleute: '&'• Wuttig, Tischler, Solmsstr. 2, v. 3 Tr.; Retzerau, Maler, Heimftr. 2, Hof 2 Tr.; Habicht, Tischler, Belle- alliancestr. 22, Hof 2 Tr.; Grube, Bellealliancestr. 54, Keller; Bausch, Schlosser, Solmsstr. 7, Hof 1 Tr. r.; Iz!u.??del, Nostizstr. 13, v. 4 Tr. o Pohl, Skalitzerstr. 123, H. 1 Tr.; Schnieper, Kottbuser Damm 8, 3 Tr.; Liefländer, Liegnitzerftr. 37, H-.2 Tr.; Köhler, Naunynstr. 11, H. 1 Tr.; Robert 14«.Krüger, Manteuffelstr. 67, H. 3 Tr. ' oezuf � Karl Scholz, Wrangelstr. 30; Emil Berndt, Man- «ustelstr. 127, 2 Tr.; Theodor Metzner, Naunynstr. 72, vot, Seiten fl. 3 Tr.; Karl König, Köpnickerstr. 26, Hof 15. m,,. f f-! Hermann Franke, Eisenbahnstr. 32, 3 Tr. Herzfeld, Fürbrmgerstr. 17, 2 Tr.; Herrmann, Ä'llerstr. 110; Völker, Mariannenplatz 23; Prinz, 17. m Ketchenbergerstr. 72; Skranewitz, Waldemarstr. 28. 'tt*: Börner, Ritterstr. 108; Krause, Prinzen str. 6, M S:r.; Kohlhard, Mariannenstr. 34; König, Gitschiner- r., Jvuijiyuiü/ okiunujuicunt. ot, l 24, 34; Mendt, Brandenburg ltr. 33. Morris Wunderlich, Ostbahn 12; 5 Lmraße 18, vorn 3 Tr.; Krause. Kü Karl Meyer, Mar- 10, vorn o-i,r., Krause Küstriner Platz 10; ft�lh, FriedrichSfelderstr. 33; Mörschel, Müncheberger- 27.«, wße 30. ': R. Kurze, Weberstr. 15a; F. Berndt, Pallisaden- Mie 35, Hof 2. Eingang 3 Tr.; Bogasch, Frieden. urohe 966, H. 2 Tr.; F. Baarß, Waßmannstraße 36, ZZ. 3».. �r.; Emil Herrmann, Krauts str. 1s. an' Heitmann, Zigarrenarbeiter, Brunnenstrahe 92; Marks, Töpfer, Brunnenstraße 6; Schreiber, Sattler, Gartenstrabe 159; Becker, Schlosser, Gartenstraße 163; 35. j. Butschke, Maurer, Gartenstrabe 157. �kk: Gustav Koopmann, Wollinerstrabe 69, 2 Treppen; A. Weib, RheinSbergerstr. 31? Georg Becker, Fürsten- o�rgerstraße 1; Fritz Pump, Anklamerstr. 33; Heinrich h. zz.�wnm, Brunnenstr. 36a. Jitf: Mochert, Wiesen str. 28; Weise, Maurer, Tegeler« '.27; Knorr, Glasermeister, Köslinerstr. 11; Küter, 5"?'ckendorferstrabe 14s; Scharf, Schlosser, Reinicken- <2. Be,i??- �"be 52. L.'»acobei, Töpfer, Hochstraße 33b; W. Marten, Ar- wsenstrabe 4; Raschle, Maurer, Wiesen straße 8; Mechow, Maurer, Wiesenstrabe 8; Elsholz, Maurer, b'B tn 14- ®onntn„ v le Wählerlisten der einzelnen Bezirke werden vom »n fl' den lo. d. MtS., bis zum Sonntag, den 17. d. M., uäher zu bestimmenden Lokalen für die Genossen � wlichtnabme ausgelegt werden. �lalkn� � Adlerbrauerei, Gejuudbruuue«, liegt der Ziem�'N'ssion folgendes Sch-eiben vor: Herrn Wilhelm Jiil« ons �ianstrabe 72. Wir erklären hierdurch, daß die fämmtlichen Ausschanklokale, mit Ausnahme des sl-ch i,')'chen Volksgartens, für den die KonzesstonSertheilung W©;,.f�r Veisammlungen Ihrer Partei zur Versügung c?Wn, �owie die Konzession für oaS Weimann'sche Lokal in Nchackn. � stehen Ihnen auch diese Säle zur Disposition. �nst �gSvoll Berliner Adler-Bier> Brauerei Aktien-Gesell- Ni. �.Direktion.(Name.) Ä o-t �harlotteuburger FokalkommiMon theilt uns "Her« Weltzm, Generalpächter der Spandauer Berg- benachrichtigt hat, daß die Säle und Räumlichkeiten Sn.x ungen zu ihrer Verfügung stehen. � der Geschäftsbericht der„Allgemeiueu ?�chtr � �otsiverbe" erschienen. Er ist um so beachtenS- Wtgtn SJf Euerseits den Stadtverordneten eine Vorlage des MllisH.'7'UistratS zugegangen ist, welche die Ausdehnung der h.r«lu,C8 Bild und einen so klaren Einblick in die 8 Kapitals, wie es dem außerhalb der Krerfe der Ka- .. Sbj. Zwhenden selten geboten wird ffli'b-ilt zuerst Mit, daß sich die Gesellschaft mit Dollar an der General- Pork betheiligt, welche xleklljk.Jap'tal von 250 000 DftcimP#ßnie in New__ Än ff'edenen amerikanischen Gesellschaften zu einem l-"g xs'ernehmen vereinigt habe und dessen Finan- >$er«in Konsortium erster deutscher und ameri- Ai der Cn�.«folgt sei. Ferner hat sich die Gefellschast Internationale d'ElektricitS in Luttrch durch Uchast�e von 500 000 Franks Akiien betheiligt: diese Ge- s» �e m x'b d,« Erfindung einer elektrischen Lampe ausnutzen, L'lht, x°er Beleuchtungstechnik bahnbrechend zu werden ver- >>>>->..,..>» Ne die X.- y»l>!kl«b»e« mit denen des 7�nd ist die die Vorzüge des GlühlichteS mit denen vereinigt. Ein anderes Unt.rnehmen von Ve- im abgelaufenen Geschäftsjahre verwirklichte »nx. uya ,im abgelaufenen«Nelchafi-iayre pctwwui�w »om �ssey Unternehmens zur Gewinnung von Alummmm »»?! �iii�g�'�tugen.(Wir haben in der Beilage der Nr- �»Lo�„ den 28. November 1888 in demersten Artuel f�on Mchast. h" den Aktien der Aluminium- Jndustrie-Aktien> »Jechas, z�en Kopital 10 000 000 Franks beträgt, hat die lj�er,. sich.�"erne Elektrizitätswei ke 1 000 000 Franks über- '»»1 x�erke« �5�. Konsortium zur Begründung eines ahn- �»5, e Fabrik« Oesterreich angeschlossen und den Alleinver- daß?d sid-�'e der Neuhauser Werke für Deutschland und �»Iciie G-i.ni�w/u- Schließlich wird noch mitgetheilt, k'tkMmen die Absicht habe, sich an einem der iv�en, die Versorgung der Stadt Madrid mit litzeri«!w"J�weckt, zu betheiligen und deshalb mit v« Madrider Gasanstalten, der Compagnie eine Beleuchtung dieses Untern chmenS d'Eklairage et de Chauffage parle Gaze in Paris, zu kooperiren, um einer schädlichen Konkurrenz der BeleuchtungS-Jndustrieen vorzubeugen. Durch diesen mit den auswärtigen Unternehmungen der hiesigen Aktiengesellschaft Allgemeine ElektrizilätS-Werke sich beschäftigenden Theil des Berichtes zieht sich wie ein rother Faden das Bestreben, jede Konkurrenz zu unterdrücken und an deren Stelle das Monopol zu setzen, d. h. die Ausbeutung der Völker, sowohl Amerikas wie Europas, durch eine kleine An- zahl von Kapitalisten. CS ist hierbei sehr zu beachten und die Herren Bourgeois mögen aufmerken, daß diese Ausbeutung nicht allein auf die Kraft der Arbeiter gerichtet ist, sondern ebenso sehr die selbstständigen gewerblichen Kreise trifft. Es ist deshalb ganz unverständlich, daß Magistrat und Stadt- verordneten Berlins die elektrische Beleuchtung der Stadt und die Abgabe elektrischer Kraft einer Gesellschaft ubertragen konnte, statt diese Anlagen selbst zu schaffen, denn wie man nun aus dem folgenden Theile des Berichtes über den Ertrag der hiesigen Werke erfährt, schließen die Elektrizitätswerke ihr Geschäftsjahr mit einem Reingewinn von 1516 002 M., welche die Vertheilung einer Dividenoe von 9 pCt., eine Erhöhung des Rückstellungskonto um 100 000 M., der auberordentlichen Reserve um 160 000 M. gestatten. Außev dem fällt dem AufsichtSrathe und dem Vorstande eine Tantieme von 108 000 M. zu, als Gratifikation der Beamten und zur Dotirung des Krankenkassen- und PensionS fonds find 54 000 M. zur Verfügung, auf neue Rechnung bleibt ein Saldo von 14 002 M. Für die Arbeiter, deren Zahl auf 500 angegeben wird, scheint nichts abzufallen, obgleich ihrer Thätigkeit allein solche glänzende Resultate zu verdanken sind. Die Herren Direktoren, welche wenig thun, die VerwaltungS- räthe, die noch weniger thun, und die Aklionäre, die gar nichts leisten, sind desto besser bedacht worden. Leichten Herzens sind einigen Kapitalisten für eine Reihe von Jahren ganz außerordentliche Einnahmen gesichert worden, die dem Staotfäckel zu Gute kommen konnten. Die Ausrede, daß das Gebiet der Elektrizität noch nicht zu einem Abschlüsse gekommen und es deshalo zu gewagt sei, daß sich die Stadt mit solchem Unternehmen selbst befasse, ist zu lahm, um ernsthaft genommen zu werden. Sie ist aber auch ein ArmulhSzeugnrß, das sich die Stadverwaltung selbst ausstellt. Wie weiß sie doch bei jeder Gelegenheit die Tüchtigkeit und Vorzüglichkeit ihrer Leistungen in das rechte Licht zu setzen, wie sreigiebig ist sie doch mit hohen Gehältern, und hier getraute sie sich nicht, den rechten Mann zu finden, dem sie die Leitung des Unternehmens anvertrauen konnte. Die Aktien- Gesellschaft hat ihn zu finden gewußt. Ob die Stadtverord- neten, wie das Sprichwort sagt, durch Schaden klug geworden sein werden, ist fraglich, die Herren find der Mehrzahl nach Manchestermen und solche Leute sind burdi Thatsachen nicht zu helehren, wenn sie auch sehen, daß ein Konkurrenzkampf gar nicht mehr besteht, sondern das Kapital und das ihm auf dem Fuße folgende Monopol die Welt beherrschen. Di« Felff« vom Galvanismuo konnte am Mittwoch ihre Jahrhundertfeier begehen. Der Ueberlieferung nach ge- fchah es am 6. November 1789, daß Luigi Galvani, Professor der Anatomie in Bologna, beobachtete, daß enthäutete Frosch- schenket, die durch ihre Nervenstämme mit einem Stück der Wirbelsäule zusammenhingen, zuckten, so oft aus einer nahe dabei stehenden Elektrisirmaschine Funken gezogen wurden, während gleichzeitig gerade die Nervensäden mit einem eisernen Skalpell derührt wurden. Diese Beobachtung wurde der Aus- gangspunkt von Forschungen, welche zur Entdeckung einer neuen und der wichtigsten Elektrizitätsquelle führten, deren Anwendung einen guten Theil dazu beitrug, den äußeren Lebensverhältnissen der Kulturvölker diejenige Form zu geben, welche sie jetzt tragen. Galvani beschreibt diese Beobachtung zuerst in einem Kommentar„De viribus Glectrizitatis in motu musculari", der 1791 in den Berichten des Instituts zu Bologna erschien. Eine deutsche Ausgabe des Kommentars erschien 1793 in Prag. Die Ueberlieferung hat diese grundlegende Beobachtung Galoani's sagenhaft auSge- schmückt. Ein auter Theil davon soll auf die Rechnung seiner Gattin Lucia, der Tochter seines LehrerS Galeazzi, kommen. Sie, die Gattin, soll den verwunderlichen Vorgang zuerst be- obachtet und Galvani erst darauf aufmerksam gemacht haben. Ein anderer, der über die äußeren Umstände bei der Ent- deckung berichtet, weiß viel RühmenSwerthes von Gal- vanr's Gattenliebe zu berichten; nach ihm war die Ent- deckung nur ein zufälliges Eraebniß bei einer Speisezu- bereitung, welche Galvani für seine Frau besorgte. Lucia Galvani soll brustkrank gewesen sein, zu ihrer Stär- kung wurde ihr vom Arzt Froschschenkelbrühe verordnet. Galvani, ihr Gatte, von Beruf Anatom, ließ es sich nicht nehmen, die Froschschenkel selbst herzurichten. Bei der Her- tidilung nun soll er die bedeutsamen Zuckungen zuerst gesehen haben. In einem Sonett aus Galvani heißt es von Lucia Galvani, die in jungen Jahren verstarb: Sie war'S, nicht Du, die neue Lebenstriebe In hautentblößter Frösche Gliedern fand, Wenn hie? der Nerven wunderbar Getriebe, Dort funkensprühenden Leiter traf die Hand. Galvani nutzte den Versuch dazu au«, die Lehre von der Lebenskraft zu stützen. Aber seine Erklärung konnte nicht Stand halten. Viel besser deutete Alessandro Volta den Versuch nnd die späteren Versuchsreihen Galoani's. Zwischen B-iden entspann sich ein langdauernder wissenschaftlicher Kampf, dessen Einzelheiten für den Historiker der Physik und der Heil- künde von gleich großem Interesse sind. Daß Kinder selbst im Kett und im Schlaf vernn- glürtren können, deweist folgender traurige Fall, der leider mit dem Tode eines zweijährigen Knaben endete und der junge Mütter zur äußersten Vorsicht mahnen muß. Ein in der Groben Frankfurterstraße wohnendes Ehepaar H. bemerkte, daß ihr feit etwa zwei Wochen Unpäßlichkeit halber das Bett hütender, zwei Jahre alter Knabe feit vorigem Freitag über heftige Schmerzen am Arm klagte und, da der letztere vi« zur Unkenntlichkeit angeschwollen war, versuchte der Vater des Kleinen dem Leiden desselben durch Anwendung von Haus- Mitteln abzuhelfen. Da aber die Schmerzen immer größer wurden, schickte Herr H. zum Arzt, der einen Bruch des rechten Armes und den schon eingetretenen Brand in demselben kon- statirte. Trotzdem am Sonntag schon das kranke Glied ampu- tirt wurde, trat am nächsten Abend schon der Tod des Kmdes ein, dem leider zu spät Hilfe geworden. Wie der Arzt fest- stellte, hatte der Kleine die Gewohnheit gehabt, auf da« rechte Aermchen gestützt einzuschlafen, und muß da« Kind, welches vielleicht unruhig schlief und sich auf seinem Lager umherwarf, in dieser Lage den A-m gebrochen haben. Selbstmordstatistik. Die kleinste Zahl an Selbstmorden eit zwei Jahren weist der verflossene Mona» Oktober auf: der- elbe bleibt mit 31 derartigen Fällen um 13 gegen die Durch- dmittsrahl von 44 Selbstmorden und Selbstmordversuchen zurück Unter den Lebensmüden im vergangenen Monat warm 15 Männer, 2 Fraum, 3 Mädchen und 2 Knaben, denm der Selbstmordversuch gelang, während 9 weitere Lebensmüde durch rechtzeitig gebrachte Hilfe gerettet werden konntm. Auffallend stark ist die Zahl jugendlicher Selbstmörder, nicht weniger als 4 Knaben— Gymnasiasten— nahmen oder versuchten sich bei dem im Monat Oktober erfolgten Schluß des Semesters das Leben zu nehmen, aus Furcht vor Strafe oder wegen nicht er- folgter Versetzung. Die Waffe, womit sich die jungen Unbe« sonnenen das Leben zu nehmen versuchten, war der Revolver, während weitere 13 Personen sich erhängten; 4 derselben wurden gerettet und von 4 durch Gift aus dem Leben Scheidenden be- findet sich nur einer in der Rekonvaleszenz im Krankenhause. Sehr zurückgegangen ist gegen früher die Zahl der Selbst- mörder, welche ihren Tod im Wasser suchten; von 6 derselben konnten 3 noch lebend herausgezogen werden. Zwei der Selbst- mörder gehören dem Soldatenstande an, während die übrigen au« Kaufleuten, Handwerkern und Arbeitern bestehen. Das Alter der Selbstmörder schwankt zwischen 12 und 84 Jahren, der Durchschnitt beträgt 32 Jahre. Pretiose«- Diebstahl. Vorgestem zwischen 9; und 3j Uhr ist einer Frau aus Ungarn, welche seit einigen Tagm in einem Hotel in der Mauerstraße Hierselbst logirt, aus dem ver- schlossmen Zimmer und dem verschlossenm, anscheinend durch Nachschlüssel geöffneten Kleiderspind eine Handtasche gestohlen worden, welche Pretiosen im Werthe von 2V 000 M. enthielt. Darunter befand sich ein schwarz emaillirtes Reifenarmband mit einem großen Brillanten im Werthe von 4000 M., außer- dem ein goldenes Kollier mit neun Diamanten und zwar in der Mitte ein großer, an beiden Seiten acht kleinere Diamanten; eine große goldene runde Diamantbroche, in der Mitte ein großer Brillant, umgeben von mittelgroßen Steinen,— eine Brache mit fünf Blättern, in der Mitte ein Smaragd,— ein Armband mit 8 bis 10 Brillanten, in der Mitte ein großer Saphir, letzterer nach beiden Seiten spitz auslaufend, ein Drittel des Reifens mit kleinen Brillanten besetzt,— ein goldene« Armband, auf welchem der Länge nach zwei große Brillanten und in der Mitte eine große Perle waren,— ein Hundert- Guldenschein,- ein Fünfzig-Guldenschein,— diverse Münzen, ein Paß. Die Bestohlene hat eine Belohnung von 2000 Mark auf Herbeischaffung des gestohlenen Gutes ausgesetzt. Da» benachbarte Nirborf ist in der Nacht vom 4. bis 5. d. M. der Schauplatz einer furchtbaren Schlägerei gewesen, bei welchem leider auch das Messer eine hervorragende Rolle spielte. In einem in der Hermannstraße belegenen Lokale waren mehrere Gäste in Wortwechsel gerathen, der einen so heftigen Charakter annahm, daß der Wirth sich genöthigt sah, mit Hilfe seiner Bediensteten die Hauptkrakehler an die frische Luft zu setzen. Die so Hinausbeförderten erwarteten nun auf der Straße das Heraustreten derjenigen Gäste, welche der Wirth in Schutz genommen und mithin drinnen im Lokal das Feld behauptet hatten. Als nun diese gegen 1 Uhr das Re- staurant verließen, traten ihnen die Hinausgeworfenen entgegen und es entspann sich zwischen den beiden Parteien, welche zu- sammen etwa 12 Mann stark waren, ein erbitterter Kampf. Wohl kamen Wächter und Schutzleute von allm Seiten herbei, aber bereit« waren Zwei mit den Messern so übel zugerichtet worden, daß sie blutend am Boden lagen. Von den Beiden hatte der Eine drei Stiche in den Hintertopf und in den Nacken und der Andere zwei Stiche in die Stirn erhalten. Sie wur- den nach der SanitätSwache in der Adalbertstraße überführt, während die Erzedenten sämmtlich festgenommen und auf das Revier gebracht wurden. Durch einen HundeWage« uerunglnckt. Vor einem Hause in der Brandenburgstraße stand gestern Nachmittag ein mit zwei Hunden bespannter Kohlenwagen, als über den Straßendamm, kurz vor den beiden Threren, eine Katze ge- laufen kam. Alsbald erwachte die alte„Erbfeindschafl�. Im Galopp stürmten die Hunde hinter der Katze her, die jetzt auf den Ällrgersteig flüchtete. Ueber den Rinnstein hinauswollten die Hunde den Wagen zerren, um auch jetzt noch die Verfol- gung fortzusetzen. Das gelang ihnen nun zwar nicht, aber mit der Deichselstange stießen sie hierbei so heftig gegen eine auf dem Trottoir stehende schon bejahrte Frau, eine Frau L., daß diese hinten üderstürzte und bewußtlos auf dem Pflaster liegen blieb. In einen benachbarten Laden getragen und dort wie- der zur Besinnung gebracht, stellte em herbeigerufener Arzt fest, daß der Verunglückten das reckte Schulterbein zertrümmert sei, so daß sie zeitlebens den vollen Gebrauch des rechten Armes nicht wiedererlangen dürfte. Die bedauernswerthe Frau mußte mittelst Droschke nack ihrer Wohnung geschafft werden. Durch Leuchtgas erstickt. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich am vorgestrigen Morgen in der Kreuzbergstr. 7 zuge- tragen. Dortselbst wurde zur angegebenen Zeit der in seiner im Ouergebäude neben einem Pferdestall belegenen Schlaf- kammer befindliche Kutscher Eduard Steiner in bewußtlosem Zustande, auf seinem Bette liegend, aufgefunden, welcher, nur noch schwache Lebenszeichen von sich gebend, erst durch längere ärztliche Hilfe wieder zum Bewußtsein gebracht werden konnte. Der bedauernswerthe Mann hat— ob zufällig oder absichtlich, konnte nicht festgestellt werden— den Hahn der im Schlaf- räum befindlichen Gasflamme nicht ordnungsmäßig geschlossen und ist durch das ausströmende Gas betäubt und dem Er- stickungstod nahe gebracht worden. Der Schwerkranke wurde noch lebend nach der Charit» geschafft. Gwe gewaltige Feuerwerks- Erplosta« erschreckte gestern Vormittag gegen 10 Uhr die Bewohner unseres Vor- ortes W e i ß e n s e e und hat in dem Gebäude der Unglücks- stätte eine furchtbare Zerstörung angerichtet, ohne daß jedoch glücklicherweise Menschenleven vernichtet wur- den. In der in Weißensee belegenen Sedanstraße befindet sich die Amorcenfabrik von Albert Lange, in welch» sogenannte„Knallbriefe", ein gefährlickes Spielzeug für Kind», hergestellt werden. Das einstöckige Ouergebäude ist erst vor kurzer Zeit durch Ausmauerung eines Oberstockes zum Arbeits- räum umgeschaffen; gegen 10 Uhr Morgens arbeiteten die An- gestellten de« Fabrikinhabers im Parterreraum, nur die 24jäh- rige Arbeiterin K., Sedanstr. 22, bei ihren Eltern wohnhaft, war im oberen Stockwerk thätig, als plötzlich die dortselbst lagernden Zündmassen erplodirten, wobei allerdings die Detonation nur eine geringe, bie Wirkung der Erplosion dagegen desto furchtbar» war. Die Vorderfont des oberen Stockwerks wurde von der Gewalt der epplodirten Zündmassen herausgedruckt und stürzte mit gewaltigem Krach auf den Hof hinab, ebenso fiel auch die dadurch ihrer Stütze be- raubte Decke zum größten Theil ein. Ein Fenfterpseiler wurde auf das Dach eines seitwärts anstoßenden Stallgebäudes ge- warfen und das ganze Ouergebäude bietet ein Bild der ärgsten Zerstörung, einer Ruine reichend. Die in dem Explosion«- räum lhäthige Arbeiterin K. hat nur leichte Brandwunden im Gesicht und an den Händen davongetragen und konnte sich zu Fuß nach der elterlichen Wohnung begeben. Die sofort allarmirte Feuerwehr trat, da kein Brand entstanden, nicht in Thätigkeit, begannen jedoch sofort mit den Aufräumungsarbeiten, die bis gegen Abend andauerten. Als ein besonderes Glück kann der Umstand bezeichnet werden, daß die Explosion ßch nicht auch auf den unteren Raum ausgedehnt bat, jno sich eine Anzahl Arbeiter befanden, da sonst das Unglück ganz unabsehbar gewesen., Haussuchung. Am Dienstag früh wurde bei dem Schuh- macher Kühn, Gräfestr. 8, gehaussucht. Am Abend zuvor ist K. verhaftet worden. polizeibericht. Am 6. d. M. Vormittags wurde eine 74jährige Frau vor dem Hause Jnvalidenstr. 15S von einem Hundewagen überfahren und am rechten Oberschenkel an- scheinend schwer verletzt.— Nachmittags fiel ein Arbeiter an der Ecke der Andreasstraße und des Grünen Weges von einem Steinwagen, gerieth dabei mit dem Arm unter das Rad und wurde so schwer verletzt, daß er nach dem Krankenhause ge> bracht werden mußte.— Nachmittags wurde ein Sckuhwacher in seiner Wohnung in der Grenadierstraße und ein Kaufmann in seinem Geschäftszimmer in der Ritterstraße erhängt vorge- funden.— Ein wegen unerlaubten MusikmachenS zur Wache des 73. Polizeireviers gebrachter Drehorgelspieler wurde Abends in der ihm zugewiesenen Zelle erhängt vorgefunden. Gvrichks-Bettung. Die Kunde von einem Morde oder Todtschlage gelangte am 24. Juni 1888 nach Berlin. Auf den sogenannten Schöneberger Wiesen fanden Spaziergänger am Morgen des genannten Tages die Leiche eines Mannes in einem Graben liegend. Es zeigte sich, daß dem Manne der Schädel zer- kümmert worden war. Die Leiche wurde als die des Kutschers bezw. Arbeiters Noack rekognoszirt, aber über den oder die Thäter wurde nichts ermittelt. Auf Ersuchen der zuständigen Ortsbehörden wurde der Berliner Kriminalkommissar Maaß damit bekaut, nach den Thätern zu forschen, der- selbe mußte aber nach fünfwöchentlichen vergeblichen Bemühungen seine Recherchen als gänzlich auSfichtS- los einstellen.— Der Gendarm Schmidt in Wilmers- darf ließ aber die Sache nicht aus den Äugen und hatte nach nahezu Jahresfrist so viel Material gesammelt, daß zwei Wilmersdorser, NamenS Johann August Julius Kohl und Friedrich Nickel, in Untersuchungshaft genommen werden konnten. Beide hatten kurz nach der That die Gegend verlassen; Kohl war nach Tangerhütte gegangen, kehrte aber nach einiger Zeit zmück, Nickel blieb längere Zeit verschollen. Beide hatten sich vurch allerlei Redensarten verdächtig gemacht. Unter anderen hatten sie Bekannten gegenüber am Tage der Ausfindung der Leiche damit renommirt:„Heute Nacht haben wir eine blutige Schlacht geschlagen!" Nickel hatte zu Bekannten geäußert:„Ich bin auch dabei gewesen und wenn Kohl pfeift, dann falle ich auch rein!" Besonders verdächtig aber machten sich beide durch die widersprechendsten Angaben über ihren Aufenthalt in jener Nacht. Kohl wollte zuerst die ganze Nacht im Bett gelegen haben, seine eigene Mutter aber hatte schon in der Voruntersuchung bekundet, ihr Sohn sei erst nach 4 Uhr Morgens nach Hause gekommen. Dann wollten Beide die ganze Nacht mit ihren Bräuten spazieren gegangen sein, aber die Bräute ließen sie im Siich und erklärten, schon um 11 Uhr Abends sich von den Beschuldigten getrennt und nach Hause begeben zu haben. Gestern wurde vor der I. Straf- kammer am Landgericht II zum zweiten Male in der Sache verhandelt. Die Anklage ging nur dahin, daß die Beschuldigten dringmd verdächtig seien, in einer Schlägerei, in die sie nicht ohne Verschulden hineingerathen, einen Menschen getövtet zu haben. Kohl ist schon sieben Mal wegen Gewaltthätigkeiten, zuletzt mit zwei Jahren Zuchthaus, vorbestraft, die er noch zu verbüßen hat: Nickel ist erst einmal vorbestraft. Beide be- stritten jede Schuld, sie wollten den Erschlagenen nie gesehen haben und nie an der Stelle gewesen sein, wo die Leiche ge- legen hatte, nach sehr umfangreicher Beweisaufnahme gelangte indessen der Gerichtshof zu der Ueberzeugung, daß zwar der Nickel nicht genügend überführt und daher freizusprechen, Kohl dagegen ausreichend überführt und deshalb zusätzlich mit 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus zu bestrafen sei. Di« beiden schwedischen Taschendiebe, welche in diesem Frühjahre die hiesigen Rennplätze unsicher machten, standen gestern vor der Ii. Strafkammer des Landgerichts l. Es waren der im Jahre 1344 zu Karlstadt geborene ehemalige Landmann Frederick S v e n s s o n und der um zehn Jahre jüngere zu Stockholm geborene ehemalige Handelsbuchhalter Gustav Oskar H a l l st r ö m. Die beiden Angeklagten scheinen höchst gefähr- liche Personen zu sein. Svensson ist in seiner Heimath wegen T o d t s ch l a g S und wegen wiederholten D i e b st a h l s vor- bestraft und auch die bürgerlichen Ehrenrechte sind ihm für alle Zeiten abgesprochen worden. Nach achtjähriger Skafarbeit aus dem Gefängniß entlassen, wandte er sich nach Stockholm. Er gerieth in Verdacht des Taschendiebstahls, mußte aber mangels einer genügenden Ueberjührung wieder entlassen werden. Nun machte er die Bekanntschaft des zweiten Ange- klagten, und die beiden edlen Seelen verbanden sich zu ge- meinfchaftlichen Kunstreisen um Taschendiebstähle auszufuhren. Hallström hatte auf diesem Gebiete ebenfalls Erfahrung, er hat in feinem Vaterlande eine dreijährige Zwangsarbeit wegen Taschendiebstahls verbüßt. In Berlin tauchten sie sodann im Monat März auf, und als die Rennen begannen, fehlten sie bei keinem. Es sind sechs Tafchendiebstähle zur Anzeige gelangt, es ist aber anzunehmen, daß sie weit mehr begangen haben. Svensson legte sich hier den Namen Sjögoist bei und erst mit Hülfe des schwedischen Generalkonsulats und des Stockholmer Polizeipräsidiums istes gelungen, seinen wahren Namen und seine Vergangenheit aufzudecken. Um ihre Zusammengehörigkeit zu verdecken, nahmen die Angeklagten zwei verschiedene Wohnungen, auch leugneten sie nach ihrer Verhaftung, daß sie mit einander bekannt seien. Am 21. Mai wurden sie auf dem Rennplatze zu Weißensce auf der That ertappt und die dabei gemachten Wahrnehmungen ließen keinen Zwerfel daran, daß sie gemein- sam operirten. In den meisten Fällen wurden WettbilletS ge- stöhlen, die darauf entfällenben Gewinne ließen sich die Diebe dann schleunigst am Totalisator auszahlen. Ein Kaufmann H. büßte auf diese Weise aber einen Hundeitmarkschein ein und in anderen Fällen fielen den Gaunern ebenfalls Geldbeträge in die Hände. Bei Ausübung der Dreb- stähle wichen die Angeklagten nicht von der bekannten Praxis aller Taschendiebe ab, sie suchten stets das stärkste Ge- dränge am Totalisator auf und während der eine feine Hand in fremde Taschen steckte, hatte der andere die Aufgabe, die nächste Umgebung deS Opfers zu beobachten und dem Genossen nölhigenfalls ein WarnungSfignal zu geben. Daß das Geschäft ein emtiägliches gewesen ist, geht daraus hervor, daß bei den Angeklagten bedeutende Geldmittel gefunden wurden und daß Hallström seiner in Schweden lebenden Schwester HOV M. übersandte, um sie bei einer Bank zu deponken. Ueber den Erwerb dieser Summe verweigerte Hallström die Auskunft. Im Verhandlungstermin ließen die Angeklagten es erst auf die Ueberführung durch eine umfangreiche Zeugenvernehmung ankommen. Die so häufig wahrgenommene Erscheinung von der Schwierigkeit der'Perfonen-Wiedererkennung wiederholte sich auch im vorliegenden Falle. Die weitaus größte Anzahl der kl.r__ cn..' t..... tv.r.ri...r:jr.......» t engen drückte sich in dieser Beziehung höchst unsicher aus. !er Staatsanwalt""'' hielt daher nur zwei Falle als erwiesen, wofür er gegen leben der Angeklagten eine Zuchthaus- strafe von anderthal b I a h r e n beantragte und außer- dem gegen Svensson wegen Führung falschen Namens eine drei- lägige Haststrafe. Die Vertheidiger, Rechtsanwälte Dr. Richard Wolff und Wronker hielten dagegen das Belastungsmaterial .n keinem der Fälle für ausreichend, sondern plaidirten auf Freisprechung.— Nach fünfstündiger Verhandlung erging dos Urtheil dahin, daß H a l l st r ö m freizusprechen, Svensson nur in einem Falle schuldig und deshalb zu 9 Monaten Gefängniß zu verurtheilen sei. Wegen falscher Namens- führung erhielt Letzterer außerdem noch 14 Tage Haft. Ein zweiter, den Svensson betreffender Fall wurde zu späterer Ver- Handlung zurückgestellt. Wie schwer der Kernf eines pferdedassnschaffners ist, hat Jedermann täglich zu beobachlen reichlich Gelegenheit, und doch giebt es manche Leute, welche diesen Beamten noch unnütze Schwierigkeiten bereiten. Zu der Kategorie der stets unzufriedenen Fahrgäste gehört der Kaufmann Simon Moser, welcher sich gestern wegen Mißhandlung zu verantworten halte. Derselbe wollte einen den Leipziger Platz passirenden Pferde- bahnwagen während der Fahrt besteigen, hatte aber das Pech, daß in demselben Augenblick auch ein Fahrgast auf derselben Seite abspringen wollte. Dadurch kam es zu einer kleinen Kollision und als Herr Moser das Trittbrett glücklich er- klommen hatte, machte er dem Schaffner heftige Vorwürfe dar- über, daß er den Aufstieg zum Wagen nicht frei gehalten habe. Dieser vertheidigte sich, erhielt aber von dem Fahrgaste grobe Redensarten an den Kopf geworfen und als bald da- rauf der Kontroleur erschien, wiederholte Herr M. seine leb- hasten Klagen gegen den Schaffner. Der in volle Wuth ge- rathene Mann ließ sich auch nicht belehren, daß der Schaffner für solches Auf- und Abspringen während der Fahrt unmög- lich in jedem Augenblicke verantwortlich sein könne und als der erregte Fahrgast endlich abstieg, deutete er seinen Ingrimm damit an, daß er den Schaffner mit einem Spazierstocke zwei- mal über die Hand schlug. Für dieses Heldenstück verurtheilte ihn der Gerichtshof zu 30 M. Geldbuße, außerdem hatte der Angeklagte aus diesem Anlaß schon vorher eine Polizeistrafe von 15 M. verwirkt. Gine eigenartige Itätssigung führte gestern den Kon- ditor Stuhl vor die dritte Slraskammer hiesigen Landgerichts I. Die Konditorei desselben besuchten am späten Abend vier junge Damen, welche zur Gattung derjenigen mit dem Motto: „Lustig gelebt und selig gestorben, heißt dem Teufel die Rech- nung verdorben,� gehörten. Diese„Damen" hat der Ange- klagte nun durch allerlei Zwangsmittel in die Nolhlage gebracht, daß sie vor ihm in demjenigen Kosillm aufmarschiren mußten, in welchem einst Paris die drei Göttinnen vor seinem trunkenen Auge erblickte, von welchen er zum Schönheitsrichter ernannt war. Da die hier in Rede stehenden Mädchen den Herrn Kuchenbäcker keineswegs freiwillig zum modernen Paris erwählt hatten, im Gegentheil behaupteten, daß der Rest von Moral, der ihnen noch inne wohnte, stark gelitten habe, so verurtheilte der Gerichtshof den energischen Bewunderer weiblicher Schön- heit zu 200 M. Geldbuße. VerfÄmnrlungen. Z««wer sehr interessanten gestaltete sich die Kom- munalwähler- Versammlung des 15. Wahlbezirks, welche am Mittwoch Abend im Lokale Naunynstr. 27 stattfand. Auf der Tagesordnung standen: Reckenschaftsbericht des Stadtverord- neten Tutzauer und Aufstellung eines Kandidaten. Vor 6 Jahren— so führte Referent aus— glaubte Niemand, daß es uns gelingen würde, in diesem Bezirke durchzudringen; der rastlosen Agitation unserer Parteigenossen gelang es aber, in der Stichwahl den Sieg zu erringen. Es waren steilich nur fünf Arbeitervertreter, die damals ins rothe Haus geschickt wur- den, und als von diesen später noch einige ausgewiesen wurden, konnten wir selbstständia Anträge nicht mehr stellen. Unser erster Antrag betraf die Vermehrung der Reichstags-Wahlkreise, eine Forderuna, die auch im Busen der liberalen Stadtväter schlummerte. Berlin müßte iin Verhältniß zu seiner Einwohner- zahl 14 bis 15 Abgeordnete wählen, da die Verfassung sür je 100 000 Einwohner einen Vertreter bestimmt. Der Antrag wurde jedoch von dem Vorsteher gar nicht erst auf die TageS- ordnung gestellt. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg hatte nämlich inzwischen von dem An kaae Kenntniß erhalten und dem Stadtverordneten-Vorsteher mit Strafe bis zu 300 M. gedroht, wenn er über diesen Antrag, der keine kommunale Angelegenheit sei, verhandeln lasse. Daraufhin ließen die frei- sinnigen Siadtväter denselben einfach in den Papierkorb fallen. Als später einem früheren Markgrafen in Spandau ein Denk- mal gesetzt werden sollte, wurden von der Stadt dazu 10 000 M. verlangt. Hier hätten die liberalen Stadtväter die beste Ge- legenheit gehabt, den Antrag unter dem Hinweis abzulehnen, daß derselbe keine kommunale Angelegenheit betreffe, aber sie stimmten ihm ruhig zu. Den Herren ist eben das demokratische Gefühl verloren gegangen, wäre das nicht der Fall, so hätten sie den Kirchhof der Marzgefallenen, auf dem doch ihre eigenen Parteigenossen und Kämpfer ruhen, nicht so verwahrlosen lassen. Ueber unseren Antrag, welcher die Einführung eines Gewerbe. schiedsgerichts bezweckt, hat man volle zwei Jahre zu Rothe gesessen und nun ist er von dem Herrn Oberpräsidenten trotz- dem zur weiteren Berathung an die Stadlvertretung zurück- verwiesen worden, weil er zu weit gehende Bestimmungen enthalten soll. Solche Bestimmungen regeln aber bereits die Funktionen der Schiedsgerichte in Frankfurt a. M. refp. in Leipzig, und es läßt sich demnach nur annehmen, daß man die Berliner Arbeiter für weniger aufgeklärt hält, als die Arbeiter kleinerer Städte. Als unser Antrag, eine Arbeiter- Deputation zur Weltausstellung nach Paris zu senden, zur Berathung stand, mußten wir erleben, daß sogar Herr Virchow, welcher sich günstig zu demselben stellte, von seinen Getreuen im Stich gelassen wurde. Unter kleinlichen Bedenken wurde schließlich auch dieser Antrag begraben. Redner ver- breitete sich nun über die Mielhssteuer, das Schulwesen, die Gasanstalten und den Pferdebahnbetrieb und betonte, daß die höheren Schulen allen Kindern zugänglich sein und daß die Stadt die genannten Anstalten und Betriebe zum Wohl der gesammten Bürger selbst leiten müsse. Hinsichtlich der bevor- stehenden Wahl in diesem Bezirke sei es nothwendig, wieder rastlos in den Wahlkampf einzutreten, damit der Kandidat diesmal schon im ersten Wahlgange gewählt werde.(Lebhafter Beifall).— Herr Blumenhändler Meyer hob in der Diskussion hervor, daß grade durch die Stadtoerordnetenwahlen die sozial- demokratische Partei eine praktischeZStellung einnehme und dem Vorwurf Lügen strafe, daß sie nur utopistischen Ideen nach- jage. Aus der Mitte der Versammlung wurde nun der Wunsch laut, daß der anwesende liberale Gegenkandidat, Kaufmann Uhtike, sich doch auch zum Worte meiden möge. Kaufmann Uhtike: Ich bin bis jetzt noch nicht als Kandidat auf- gestellt, sondern nur von einem Wahlkomitee nominirt worden. Im Uebrigen möchte ich betonen, daß ich ein warme« Herz habe für die arbeitende Bevölkerung, für deren Rechte ich immer eingetreten bin. Es giebt steilich auch Arbeiter, die unter ganz angemessenen Verhältnissen leben, von denen man nicht sagen kann, daß sie sich in dürftiger Lage befinden. Ebenso bin ,ch auch der Ansicht, daß die Schulen allen Kindern zugänglich sein müssen.— Gottf. Schulz: Die heutigen Liberalen oder Freifinnigen sind nicht mehr die demo- statischen Männer früherer Zeit. Wir haben böse Erfahrungen gemacht: die Herren halten eben nie Wort. Wir werden nach Kräften dafür eintreten, daß aus unseren Reihen wieder ein Vertreter gewählt wird.— Herr Meyer: Wir haben alle Ur- fache, solchen Versprechungen gegenüber mißtrauisch zu sein. Wenn auch der einzelne liberale Kandidat wirklich in diesem oder jenem Punkte eine eigene Meinung hätte, so müßte er sich doch der Fraktion fügen, und wie diese Herren wirth- fchastm, haben wir lange genug erfahren.— Kaufmann Uhtike: Ich bin nicht hergekommen, um Propaganda zu machen, ♦ 26f sondern um den Stadtverordneten Tutzauer zu hören. ich hier kandidiren und von Herrn Tutzauer geschlagen wer« nun— so ist das gewiß keine Schande.(Lebhaftes$t«!; Ruf: Das war ehrlich gesprochen!)— Ein Antrag, TuM; wieder als Kandidaten für den 15. Wahlbezirk aufzuM wurde hierauf einstimmig angenommen. Nach Erledig dieses Antrages entspann sich aufs Neue eine längere kussion, an der sich verschiedene Redner betheiligten. Mit! Hoch auf den proklomirten Kandidaten und die Sozia» kratie wurde die Versammlung vom Vorsitzenden, Herrn i feldt, geschlossen.' Eine große Uolksver>amml«ng tagte am SonaJ den 3. November, Mittags 12 Uhr, in der„Neuen Hasenhaide, für Rixdorf und Umgegend. Nach Wahl der l R. Nicmetschek, D. Böttcher und A. Horling ins Bureaa,� hielt der Referent, Herr Buchdrucker W.Werner, das seinem Voitrage:„Die deutschsteisinnige Partei und die! b eiter" und erntete allgemeinen Beifall. An der Diskussion/ thciligten sich die Herren Wurbs und Krüger. Unter � schiedenem wurden verschiedene Boykottanträge einstimmig? genommen, besonders verpflichteten sich die Anwesendem� Lokale von KliemS, Hasenhaide und Behrend, Rixdorf, JE! straße, zu meiden und zwar das erftere, weil dort die/', verweigert werden, das letztere so lange, bis der betreP Wirth wenigstens eine Arbeiterzeitung auszuliegen hat. Mnt täglich wurde ein Antrag angenommen, den 1. Mai 1890 als tlfj* Haus met tag zu erklären, da für diesen Tag der intemationale�Koo�Pf. Sonny zu Paris eine allgemeine Demonstration zu Gunsten �rediiion Zi r Normalarbeitstages beschlossen hat. Mit( achtstündigen dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie schloß sammlung.|Ä! Eine gut besucht« öffentliche Kommnnalwaw� Uersammlnng tagte am Mittwoch, den 6. d. MtS., im- „Ostend", Rüdersdorferstraße. Nach einem mit Beifall> j nommenen Referat des Herrn Tempel und nachdem diem Kandidat des 24. Kommunal-WahlbezirkS zu den dieSjoW Stadtverordnetenwahlen aufgestellt wurde, kommt fmW Antrag zur Verlesung: Die heute im Lokale„Ostend", Ans dorferstraße, tagende Veisammlung beschließt, da der des Lokals sich weigert, der Lokalkommission geaenübss� schriftlich zu verpflichten, sein Lokal zu allen Versamm der Arbeiter herzugeben, von diesem Augenblick kein Bin zu trinken. Indem aber der Wirth erklärt habe, er wuck> Annahme dieses Antrages das Gas ausdrehen, u" es der Antragsteller dem Ermessen der Verfarr hiernach zu handeln. Nachdem Herr Schade seinen begründet und darauf hingewiesen hatte, daß wir gerwil Osten uns in einer Nolhlage befänden und daß es und«? nothwendig sei, auf'die Wirthe einen Druck auszuüben, sonst zu den künftigen ReichstagSwahlen kein einziges' zur Verfügung hätten, wurde der Antrag einstimmig... nommen. In der nun eröffneten Diskussion sprach�.,..,"Mfi schieden« Redner im Sinne des Referenten, jeden Au:/.. T.�WberJ darauf wartend, der Wirth werde feine Worte zur Aussu?!�°"«rzeuoei bringen. Als Herr Schade auf den eigentlich aaita>orpUttha�t Zweck der Kommunalwahlbeiheiligung für die Arbeu/l»er fef U sprechen kam und in seinen Ausführungen die Worte anw��r! prakti Arb Mbiguno �Senden~ r1 wir die s es muß Aufgabe unserer sozialistischen Abgeordneten sei11'> � herrschenden Klassen immer und immer wieder vor Vjüliebc w zu führen, daß es keine größere Macht giebt als die.»"jj W"Nt ein bettenden Volkes, löste der überwachende Beamte die sammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes aut- einem dreimaligen Hoch auf ihren Kandidaten Gustav verließen die Anwesenden den Saal. Der Lachnerein der Tischler beschäftigte sich'fl am 4. d. M. in Jordan'S Salon, Neue Grünstraße 28,.' haltenen außerordentlichen Generalversammlung haupH)" mit Besprechung von Werkstatt- Angelegenheiten. Die"! Reddemann'schen Werkstelle infolge einer neu einzu, Werkstattordnung ausgebrochenen Differenzen find durch nähme besagter Ordnung beigelegt. Aus der eing"'r Berichterstattung über diesen Fall ßeht leider hervor, mit der Einigkeit und dem SolidaritätSgefühl der bete« Kollegen äußerst schwach bestellt sei. Letztere hatten,/ ihnen der Fachverein seine Unterstützung zugesichert, bes«' die Arbeit niederzulegen, falls der Meister sich fo» weigern sollte, die Werkstattordnung zurückzunehmen. dem letzteres geschehen, haben von 26 Mann 22 unbeki»� um ihr gegebenes Versprechen ruhig weiter gearbeit!' J nur vier Kollegen dem Beschluß gemäß ge Handel'/? die Arbeit niedergelegt. Das Verbalten der mer findet die volle Anerkennung der Versammlung und e» fe die rfe z�ushaltv lfc0n einei ?°Men A, !/i0 Fr., ®Ohttun Kleider i Holz Sei Wttärd "nterhal Mbrikkr, Arbeitert �botej, stnoei ote voue tunerrennung ver-veriammtung uno n. beschlossen, den Kollegen 3 M. pro Tag Unterstützung U j /er Zkbe währen. Die Kollegen der Hilgener'schen Werkstatt, K.?». straße 4, waren auf die Einladung des Vereins hin für Kinl erschienen und gaben zu, daß in genannte Werkstelle T K itiäaer längere Zeit Ueberarbeit stattfinde. Am Schluß der /tetlw. Debatte, welche diese Angelegenheit entfachte, wird dara»'> gewiesen, daß die Erörterung derartiger Gegenständ!,«em Zweck habe, den Betheiligten vor Augen zu führen, Fr., übermäßig lange Arbeitszeit, wenn auch momentan einen n,�t Mehrverdienst abwerfend, auf die Dauer doch unn schädigend auf die Lohnverhältnisse und Gesundheit»! A='. hat bester einwirken müsse. In einer Zeit_ weitet _ der wenigstens die errungene Arbeitszeit festgehalten werde. Ä fei jede Stunde, welche der Arbeiter länger in der ung!'.� Luft der Werkstatt zubringt, nachtheilig für feinen und erhöhe die Wahrscheinlichkeit dafür, daß er der Pr. krankheit, der Schwindsucht zum Opfer falle. Es hand.�? jeder zum eigenen und seiner Familie Wohle, wenn er> � Körper die so nöthiae Erholung gönnt. Schließlich wk f die Hoffnung ausgesprochen, daß die betreffenden Kollegs dem � Fachverein anschließen werden. Bezüglich der Schmidt'schen Weikstatt wird nochmals konstatirt, daß i J Herren dem recherchirenden KommissionSmitgiiede ausdrücklich erklät i haben: Sie verlangen von ihren keine Ueberstunden refp. SonnIagSarbest. Einem U dürftigen Mstgliede werden 30 M. Unterstützung bew'U.� Der Fachnerei« der Metallarbeiter in Ga«', N'„' und Dampfarm atnren hielt am Sonntag, den 3. Noo � seine regelmäßige Mitglieder-Versammlung im Lokale des, Zemter, Münzstraße 11, ab. Auf der Tagesordnung � 1. Vortrag des Herrn Gerisch über Soldatenhandel tm alter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekaste� Referent erntete für seinen Vortrag, über den reits berichtet haben, den Beifall der Versammlung- Diskusfion fand nicht statt. Unter Verschiedenem Vorsitzende bekannt, daß den streikenden Metallarbeiter» bergS eine Summe von 30 Mark bewilligt worden dann wurde die Angelegenheit des Kollegen Wew tz G •ji« «ttor *>nir .Ä'M S 3W •üu- 501. rS?" '«ufV" d?ikl.°er atti P iUnb toi all die( dann wurde die Angelegenheit des Kollegen.*tckZ Ktt-'t �ret Westphal geordnet. Den Mitgliedern wurde bekannt lv gUfe etwaigen Wohnungswechsel dem Kassirer Herrn gjr-• Lothtingerstr. 33, anzuzeigen. Der Bibliothekar, Herr � Saarbrückerstr. 33, fordert zur fleißigen Benutzung thek auf. Ferner wurde beschlossen, die Produkte des- h,' Bolle", sowie die der Firma Loeser und Wolff nicht m kaufen. Hienmtf verlas Kollege Wreden die neuhinzuge � Mitglieder. Herr Ehrlich forderte zum Abonnement ~-...... i" und die„Volks-Tribüne" auf und „Berl. Volksblatr" die Versammlung mit dem Bemerken, daß die naa � sammlung am Sonntag, den 15. Dezember, in demsel»! stattfindet. Verantwortlicher Redakteur: R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SIV., Beuthstraße 2. V-f •5" k«»