inftnfc* Silk» t* >» ünlHl R-ft-'Ä ! DI-d» llmt» b*££ 8'tt t an M� tfouW* aic®' •gs. artnito�T tWS nia. W w>««W u-tw* mrtS'J®£ büUrftnr StfUWS anaift?? S72» Mittwoch, de« SO. November 188S« 6. Jahrg. ÄckimMsM Brgan für die Interessen der Arbeiter. Es gehl tmvwtivks. Das„Unter das Volk gehen" war bekanntlich ein Flammpunkt der russischen revolutionären Bewegung in Kinderjahren. Die Opposition gegen den Zarismus, äw nur vertreten durch die Gebildeten, wollte für ihre «"'die breiten Massen gewinnen. Offiziere, Studenten . Studentinnen verließen die Kreise, in denen sie bisher Und gewirkt, zogen die Blouse des Fabrikarbeiters Ci» ��tel des Bauern an, mischten sich unter die Dorf- feü�ung und machten Propaganda für die Umgestaltung Dinge. $ m England wird es Mode, daß die studirende ffid„unter das Volk geht". Nicht um sozialistische U �n zu treiben, sondern um den Arbeitern die Bourgeois- .."schmackhafter zu machen. Die Bewegung in den kn Universitätskreisen datirt seit 1883, als der„bittere ei der AuSgestoßenen von London", die ergreifende lg des weltstädtischen Elends, von Londoner Stadt- ären veröffentlicht worden war.„Zum ersten Male - es jetzt," schreibt ein deutscher Fachmann,„daß die �.!°erfitätskreise davon ergriffen wurden. ES gab lebhafte zz°�en in Oxford und Cambridge; man sprach von der ».�utwortlichkeit für die mühebeladenen Millionen von Mit- l�en, durch deren Arbeit das UniversitätS- en erst möglich gemacht würde." �»T o y a b e n- H a l l e" wurde im östlichen Theile kj*°ndon, in Whitechapel, wo die schlechtestbezahlten w?* des Londoner Proletariats Hausen, als„ein Mittel- �esem 1"* sozialpolitische Bestrebungen" gegründet. In 5% Institut leben jahraus jahrein eine Anzahl junger fyvmm' die nach Beendigung ihrer Universitätszeit in der 'ttfni* ihre Studien fortsetzen oder sonstige Interessen � dafür gesorgt, daß sie auf dem theuren jk« Londons recht billig leben können, sie zahlen an tzjx[ i'*0, für Essen und Bedienung Iva M. monatlich. "»nitt"srei von den Banden der späteren Lebensjahre, W» der arbeitenden Bevölkerung, um jene Kluft �ttick? Besitzenden und Besitzlosen) auszufüllen und ein Jitiv>hres Lebens den unteren Klaffen zu widmen.... so-Ä Und mehr wird Toyaben-Hall ein Mittelpunkt für �, politische Bestrebungen, zum Gedankenaustausch, zur 3)ix Ung, zur freundschaftlichen oder geselligen Bildung... " Wieder haben eingegriffen in die lokale Selbstver- »Hn.tt8 und jeder Art öffentlichen Wirkens, zu welcher die der,"Ä?ltigen Bedürfnisse eines armen, volkreichen und lilL�uifsigten Stadttheils Anlaß geben können. Die öffent- ViAe me uon Toyaben-Hall sind der Kampfplatz für alle Un� �er 9e�'9e Bereimgungspunkt für alle Klassen WjsN- Viele Tausende haben in diesen Räumen während der 2ahre ihres Bestehens Hilfe und Stärkung gefunden. ' Leseräume, technischer Unterricht, Musiknormen, -"Ung auf die' Elementarschullehrer des Stadttheils, .... Fouilleton. (33 Germin«l. ® 0 J i a I e s Roma» vo« Emile Zola. uutorifirte Uebersetz»«g vo« Erast Ziegler. �vste Lektion das! Und Ihr seid eS, melcher Hlt?, �"Pern der schlechten Verzimmerung das Wort aB ei« eu• un 2hr werdet überlegen und werdet begreifen, �»er M�"sik ein Unglück für Alle wäre; in weniger als N>>n 9eht Ihr Hungers zu Grunde; waS wollt Ihr !••- Also denkt nach: Ich hoffe, spätestens Alle � nieder zur Arbeit zurück." �ieh-�'.Uch wie eine Heerde hintereinander hinausdrängend, Mufta®Qä Zimmer, ohne auf diese Hoffnung ihrer Unter- �ffultat � antworten. Der Direktor mußte noch einmal das ii? Unterhaltung resumiren: Die Kompagnie auf ? le pvoponirt ihren neuen Tarif; die Arbeiter o i�'nein n&en e'ne Erhöhung von fünf Centimes. Im A>be um sie nicht in mäßige Hoffnungen zu wiegen, � von Ä.sagen zu müssen, diese Forderung werde �öie zurückgewiesen werden. vvch �9t, bevor Ihr Thorheiten begeht!" wiederholte ... Zy, durch ihr Schweigen beunruhigt. � Levao,?�auhause verbeugte sich Pierron sehr tief, wäh- �ne len(° s"ine Mütze aufsetzte. Maheu sichte w�vten ifi Antwort, aber Stephan winkte ihm. Alle �ie jr.'ch,, stumm unter diesem drohenden Schweigen, «t r Als vel lärmend hinter ihnen ins Schloß. Zo svin«(gxrj Hennebeau in den Speisesaal zurückkehrte, fand eu theji,, unbeweglich auf ihren Plätzen fitzen. In zwei r er den Inhalt der Unterredung Herrn>Deneulin namentlich aber der Geist des Zusammenhangs zwischen den höheren und niederen Schichten, der in dieser Sphäre mal- tet, den jeder Theilnehmer, jeder Besucher von dort mit- nimmt,— das sind die Leistungen von Toyaben-Hall." Mit solchen Mittelchen wird die Misere der Millionen- stadt auch ncht um ein Weniges verringert. Im besten Falle bleiben derartige Beglückungsversuche mit schönen Reden, Kantaten, Fugen und Händeschütteln harmlose Ex- perimente. Die Londoner Arbeiter sind zu fortgeschritten, um auf diese„Harmonia"- Melodien zu hören. Unseren Lesern brauchen wir die Richtigkeit solcher Abenteuer k la Schulze-Delitzsch nicht erst zu beweisen. Aber wenn der deutsche Kritiker, nach welchem wir die Thaten und Zwecke der Toyaben-Hall-Männer kurz gekenn- zeichnet haben, das Unternehmen sympathisch begrüßt, so fügt er auch eine Mittheilung hinzu, welche unS zeigt, daß dasselbe f e h l g e s ch l a g e n ist. Fehlgeschlagen im Sinne der Gründer! In Boston besteht eine Gesellschaft christlicher Sozialisten(Society of Christian Socialists), deren Führer hauptsächlich Geistliche sind. Dieser amerikanische Verein giebt eine Zeitschrift heraus, in welcher vor einiger Zeit ein Artikel erschienen ist, betitelt:„Der Mißerfolg von Toyaben-Hall". In diesem sehr interessanten Dokument heißt es: „Nicht auf diese Art kann die soziale Frage gelöst werden; die Herren von Toyaben-Hall, mit ihrer Univer- sitätsbildung, ihren Gemäldesammlungen u. s. w. lassen sich inmitten der Armuth nieder, um von den Armen besehen zu werden, damit diese kennen lernen, ein wie schönes Ding die Bildung sei. Aber das hilft nichts. Wenn sie den Arbeitern ihre schönen Sachen und ihre guten Braten obendrein geben wollten, so würden sie dadurch vielleicht etwas leisten; wir haben noch nicht gehört, das sie das thun. Indessen einen guten Erfolg hat das Unter- nehmen gehabt. Die gebildeten Herren sehen, wie schlecht es den arbeitenden Klassen im Ostende(dem Proletarier- viertel) geht, sie fangen an, weniger von den schönenGemälden und mehr vonKarl Mar'x zureden; sie werden Soziali st en, sie finden, daß die Probleme von Ost-London dadurch gelöst werden müssen, daß man zuvörderst West-London(das Bourgeois- viertel) umgestaltet, daß nur dann Brot und Butter und Fleisch und Bildung für Ost-London übrig bleibt, wenn dem Zustande ein Ende gemacht wird, vermöge dessen aller Reichthum von London in die Taschen der Grundherren und der Monopolisten fließt. Die Herren gingen nach O st- London, um die Armen etwas zu lehren; die Armen aben statt dessen die Herren etwas ge- ehrt. In diesem Sinne hat Toyaben- Hall emen großen Erfolg gehabt; möchten doch alle Studirten dort- hin kommen; eS würden dann mehr Sozialisten unter den Studirten sein." mit, dessen Gesicht sich sorgenvoll verfinsterte; dann, während er seinen kalten Kaffee schlürfte, versuchte er von etwas Anderem zu reden. Die Gregoires jedoch kamen wieder auf den Streik zurück, erstaunt, daß es kein Gesetz gebe, welches den Arbeitern verbiete, ihre Arbeit zu verlassen. Paul tröstete Cäcilien mit der Versicherung, daß man Gendarmen erwarte; Frau Hennebeau aber rief dem Diener zu: „Hippolyt, bevor wir in den Salon gehen, öffnen Sie dort alle Fenster!" Drittes Kapitel. Vierzehn Tage waren verflossen, und am Montag der dritten Woche erwiesen die der Direktion geschickten Kontrol- bogen eine neue Verminderung der Zahl der eingefahrenen Bergleute. Herr Hennebeau hatte darauf gerechnet, daß der Streik seinem Ende nahe sei; aber die Hartnäckigkeit der Regie brachte die Arbeiter zur Verzweiflung. Jetzt waren es nicht nur der Voreux, Crevecoeur, Mirou und Magdalen, die feierten, auch in der Wctoire und in Feutry- Cantel arbeiteten kaum der vierte Theil der Kohlenmänner und selbst Saint-ThomaS war von dem täglich an AuS- dehnung gewinnenden Streik angesteckt. Ueber dem Vorhofe des Voreux lag ein todtenähnlicheS Schweigen. Drei oder vier vergessene Karren hingen in dem grauen Dezemberhimmel hoch oben auf der schmalen Ver- bindungSbrücke. Unten, zwischen den mageren Stützen der Gerüste, schmolz der Kohlenvorrath zusammen und die schwarze nackte Erde kam zum Vorschein, während das zer- schnittene Grubenholz im Regen faulte. Beim Landungsplätze am Kanal lag ein halb geladenes Kohlenschiff wie einge- schlafen in dem trüben Wasser, und auf der Kohtenlöschhalde, aus welcher der Schwefelkies trotz des Regens qualmte, stand ein ausgespannter Wagen, dessen Deichsel in die Luft starrte. Die Gebäude lagen in tiefster Ruhe: der Sortirschuppen mit seinen geschlossenen Jalousien; das Schachthaus, m dem Jedenfalls stehen diese englischen Studenten hoch über den Kartellknaben deutscher Hochschulen, die, wie der Direktor im Reichsamt des Innern, Herr Bosse, wie der bekannte Nationalökonom Professor S ch m o l l e r in Berlin eS offen zugestanden haben, in sozialpolitischer Un» wissenheit, in Schmiegsamkeit nach oben und„Schneidig- keit" nach unten unübertrefflich sind. Helden im WirthS- Haus, Meister auf der Mensur und— der Rest ist Schweigen. Der Triumphzug aber, welchen die gewaltige Lehre»on Karl Marx durch die Kulturwelt macht, steht auch vor Toyaben-Hall nicht still. Vor Toyaben- Hall nicht und nicht' vor der deutschen Reaktion. Durch die Presse geht die Nachricht, daß der erste Band des„Kapital" demnächst in vierter Auflage erscheinen wird. Ein geradezu unerhörter Erfolg für dies Werk, wie für die Sozialdemokratie! Der erst todtgeschwieaene und ausgeräuberte, dann beschimvste und vernichtete Karl Marx hat ein Denkmal sich errichtet, dauernder als Erz... Im Uebrigen enthebt uns die bündige Darlegung der kleinen Revolution in Toyaben-Hall, wie sie die amerikanische Zeitschrist liefert, einer eingehenderen Er- örterung. Wenn aber unser Gewährsmann die Bostoner Kritiker des Zynismus beschuldigt und annimmt, daß die Sozialdemokratie für dieselben nur ein„mitleidiges haben werde, so mag er versichert sein, daß di partei ihr mitleidiges Lächeln für solche Gelegen.ren auf- spart, wo geistig und sittlich impotente Streber in Interesse der Herrschenden die Volkswirthschaft auf den Schinder- Hannes bringen. Wenn er ausruft:„Es ist etwas Neues,>aß eine derartige Kritik im Geiste des Christenthums sein T", so mögen die Theologen sich ihre Köpfe darüber zerbrechen, ob die christliche Religion eine derartige Beurtheilung und Verurtheilung zuläßt oder nicht. ZtalfftstiHe Uelrerstchk. Der großartige Erfolg der französischen Welt» ausstrUung wird auch in Deutschland, wo die hart- nackigsten Versuche gemacht wurden, ihn zu leugnen oder zu ignoriren, jetzt wohl fast ausnahmslos anerkannt. Bemerkenswerth ist das Urtheil, welches Professor Dr. Steche vom Dresdener Polytechnikum, vor Kurzen: in einem öffentlichen Vortrage zu Dresden über die nun beendigte Weltausstellung fällte. Wie wir der fortschrittlichen„Dres- dener Zeitung" entnehmen,„Hat Professor Steche(Dresdener Kunstgenossenschaft) vor einem äußerst zahlreichen und gewähl- ten Zuhörerkreise seine Begeisterung über die Erfolge der Pariser Weltausstellung und seiner Hochachtung vor der fran- zösischen Arbeit einen beredten Ausdruck verliehen und mit dem Wunsche geschlossen, daß es uns vergönnt sein möge, mit diesem kein Karren mehr auf die Fliesen rollte; das ausgekühlte Dampf- kesselbauS und der riesengroße Schornstein— viel zu kolossal für den dünnen Rauchstreif, der daraus emporwirbelte. Man heizte die Fördermaschine nur des Morgens; die Stallknechte fuhren ein, um die Pferde zu füttern und die Aufseher, welche die Erdabbröckelungen überwachten, denn die Wege verschütten, wenn nicht unaufhörlich ausgebessert wird. Von neun Uhr an wurde der Dienst mittelst der Leitern besorgt; dann schien in den wie in ein schwarzes Staubtuch gehüllten Gebäuden Alles zu verschlummern, nur das Dampfrohr der Hubpumpe athmete müde, das einzig Lebende in der Grube, welche die Grundwasser zerstören würden, wenn auch die Pumpe feierte. DaS Dorf schien ausgestorben. Der Präfekt von Lille war gekommen, Gendarmen hatten das Land durchstreift' aber der Ruhe der streikenden Bergleute gegenüber blieb Präfekt und Gendarmen nichts übrig, als wieder nach Hause zu gehen. Niemals war das Dorf des Voreux mtt so gutem Beispiele allen anderen vorangegangen. Die Männer, um zu vermeiden, in die Schänken zu gehen, schliefen den ganzen Tag; die Frauen schwatzten weniger beim Kaffee, und zankten sich nicht; selbst die Kinder schienen die Situatton zu ver- stehen, liefen barfuß herum, um keinen Lärm zu machen, und prügelten sich geräuschlos, ohne zu schreien. Alle folgten der von Mund zu Mund gehenden Parole: sich nichts zu Schulden kommen zu lassen. Im Haufe Maheu's gab'S ein fortwährendes Kommen und gehen. Stephan hatte als Sekretär der Hilfskasse die dreitausend Franks unter die bedürfttgsten Familien vertheilt, und dann waren ein paar Hundert Franks angekommen, welche durch Sammlungen aufgetrieben worden. Aber heute waren alle Hilfsmittel erschöpft; eS gab kein Geld mehr, und der Hunger ssng an, sein drohendes Gesicht zu zeigen. Maigrat, der zuerst einen vierzehntägigen Kredit versprochen, hochbegabten Volke in Frieden zu leben. Er hob insbesondere hervor, daß zum ersten Male bei den Bauwerken die Eisen- konstruktion mit dem Mauerwerk in so künstlerischer Weise m Verbindung gebracht sei. daß sie dasselbe beherrsche. Die Plastik zeige in den neueren Werken einen charakteristischen Lebensausdruck und behandle mit Vorliebe das Leben des ärmeren Volkes. In der Gewebeindustrie, namentlich in der Gobelinskunst, sei besonders in der Zartheit der Farben ein wesentlicher Fortschritt zu bemerken. Man könne den Geist der künstlerisch wie technisch vorzüglichen französischen Arbeit aus- drücken in den Worten:»Alles in Ordnung, alles gesetzmäßig, alles ruhig. Einficht und Energie haben aus jedem Theile der Anlagen gesprochen.� Die»Dresdener Zeitung" bemerkt hierzu: »Was hier von einem Fachmann über die gewerblich-tech- nische und künstlerische Seite der Pariser Ausstellung gesagt ist, muß auch von dem volkswirthschaftlichen und sozialen Theile be- zeugt werden. Die Hauptgruppe für soziale Oekonomie zeigte die größte Reichhaltigkeit von Veranstaltungen und Schriften. Die verschiedenen Adthcilungen für Ärbeitsvergütung, Gewinn- betheiiigung der Arbeiter, für die gewerblichen Syndikate, für das Lehrlingswesen, für die gegenseitigen Hilfsgesellschasten, für das Sparkassen- und Versicherungswesen, für Kooperativ», Konsum- und Kredit' Genossenschaften, für Arbeiterwohnungen, Arbeitergeselligkeit, für soziale Hygiene und Wohlfahrtseinrich. tungen überhaupt haben ein ganz unschätzbares Material zu Tage gefördert, welches für die Wissenschaft und Praxis erhalten bleiben und mithin auch späteren Geschlechtern noch nützliche Dienste leisten wird. Es möge erwähnt werden, daß in der Sektion für Kre- ditassozitationen die deutschen Vorschußvereine nach dem System von Sckultze-Delitzsck den ersten großen Preis und ihr Genossen» schaflsanwalt Dr. Schenk die goldene Medaille als Mitarbeiter erhalten hat. Außer ihm haben auch noch andere deutsche Schrift- steller und Künstler die goldene Medaille erhalten. Dies beweist, daß die Männer, welche an der Spitze der französischen Weltausstellung standen, auch der deutschen Arbeit, soweit sie sich an dem internationalen Wettkampfe betheiligte, gern Aner- kennung gezollt haben und nicht von Rackegedankcn, sondern von friedlichen Gefühlen erfüllt waren. Die eben geschlossene Weltausstellung hat auch auf die deutschen Besucher großen Eindruck gemacht und so zur Versöhnung beider Völker wesent- lich beigetragen. Mögen auch ihre Nachwirkungen nur fried- lichcr Art fem! Das deutsche Volk sehnt sich in seiner großen Mehrzahl nur nach friedlichen Wettkämpfen für Wohlfahrt und geistige und sittliche Güter und wünscht dem fran- zösischen Volke zum Gelingen feines Ausstellungswerkes auf- richtig Glück." Ohne die Bewunderung des Dresdener Blattes für Herrn Schulze-Delitzsch zu»heilen, halten wir das Urtheil im Ällge» meinen für richtig. Und auck die sonderbare Verehrung, welche dem Vertreter einer längst; überwundenen sozialpolitischen Richtung in Paris zu Theil geworden ist, hat insofern etwas Erfreuliches für uns, als sie die Abwesenheit des Chauvinismus in den leitenden französischm Kreisen beweist. Der Minister für Landwirthlchaft, Domäne« und Forste« hat folgenden Erlaß an die Regierungen gerichtet: »Durch die Verfügung vom 7. Oktober 1873(IIb. 15 295.) find die königlichen Regierungen ermächtigt worden, an Wald» arbeiter forftfrSkalische Acker- und Wiesenländereien zu mäßigen Preisen bezw. zum Grundsteuer-Reinertrage zu verpachten. Inzwischen ist in vielen Bezirken das Bedürfniß der Forstver- waltung, fich einen tüchtigen Stamm von Waldarbeitern, namentlich auch der jüngeren Altersklassen zu sichern, noch dringender hervorgetreten, als früher. Dazu kommt, daß es auch in sozialpolitischer Beziehung als erwünscht bezeichnet werden muß, eine Zahl von zuverlässigen Waldarbeitern durch Gewährung dauernder Pachtungen an ihren Wohn- fitz zu fesseln und ihnen das Verbleiben daselbst vortheil- Haft und zusagend erscheinen zu lassen. Es empfiehlt sich deshalb, mit der Verpachtung forstfiskalischer Grundstücke an Waldarbeiter unter möglichst günstigen Bedingungen m erwei- tertem Umfange vorzugehen, die Pachtdauer zu verlängern und erforderlichen Falls das Pachtgeld selbst unter dem Grundsteuer- Reinertrag herabzusetzen. Es ist zwar bisher schon Regel ge» wesen, das Pachtverhältniß, wenn nicht zwingende Gründe ent» gegenständen, bei seinem Ablauft zu verlängern. Die Königliche Regierung wolle jedoch erwägen, ob es fich nicht empfiehlt, die desfallfige Abficht der Forstverwaltung in den Pachtverträgen, jedoch ohne Uebernahme einer bindenden Verpflichtung, zum Ausdruck zubringen. Aus dem Umstände, daß es bisher möglich gewesen ist, die betreffenden Grundstücke zu höheren Preisen zu verpachtm, würde ein Hinderniß der Herabsetzung deS Pachtgeldes nicht ohne Weiteres zu entnehmen sein. Ebenso wenig erachte ich den Einwand als durchschlagend, daß die Arbeiter durch derartige Pachlflächen veranlaßt werden könnten, ihre Arbeits- kraft mehr diesen, als der fiskalischen Waldarbeit zuzuwenden, und bin vielmehr der Meinung, daß die beiderseitigen Jnter» essen fich unter angemessenem Entgegenkommmen sehr wohl vereinigen lassen. Sollten die zur Verpachtung verfügbaren Grundstücke nicht ausreichen, um gleichzeitig dem Bedurfinsse der Waldarbeiter und der anderweiten Pächter zu genügen, so hatte sich plötzlich nach Ablauf der ersten Woche anders be- sonnen und verweigerte Brot und andere Nahrungsmittel. Er war gewöhnt, sich den Wünschen der Kompagnie unterzu- ordnen, und diese hoffte den Streik am sichersten zu ersticken, indem sie die Arbeiter aushungerte. UebngenS handelte er wie ein launischer Tyrann, gab oder verweigerte die verlangte Waare, je nach dem Gesichte des Mädchens, daS die Eltern darum schickten. Und besonders der Maheude verschloß er seine Thür mit unversöhnlich nachgettagenem Groll. Zum Stößeren Unglück fror eS stark; die Frauen sahen ihren 'ohlenvorrath zusammenschmelzen und wußten, daß er nicht erneuert werden würde, so lange die Männer nicht in die Grube führen. Also nicht genug, daß sie hungerten, sie werden auch noch frieren müssen. Bei den MaheuS fehlte schon Alles. Die Levaque lebte noch von einem Zwanzigfranksstück, welche» Bouteloup ge- liehen. Die Pierronne hatte immer Geld; aber um so be- drängt zu erscheinen wie die Anderen und zu verhüten, daß man zu ihr borgen käme, nahm sie bei Maigrat auf Kredit. Seit Samstag legten sich viele Familien ohne Abendbrot schlafen- doch keine Klage wurde laut. Alle gehorchten mit ruhigem Muthe dem Losungswort. Sie brachten Stephan das blinde Vertrauen eines gläubigen Volkes entgegen- er hatte ihnen das Reich der ewigen Gerecht, gke.t versprochen; sie waren bereit, zu leiden, um das allgemeine Glück ae- winnen zu helfen. Der Hunger verwirrte ihnen die Köpfe; niemal» hatte sich ihr trauriger Horizont so prächttg gleitet, und wenn ihre Augen vor Schwäche trübe wurden, erblickten sie die Wunderstadt ihrer Träume; aber nicht mehr märchen- hast verschleiert, sondern deutlich, greifbar, nah, mit ihrem Volk von Brüdern, Alle gemeinsam arbeitend und Alle um einen großen Tisch zu gemeinsamem Male vereint. Nichts vermochte ihre Hoffnung auf dieses Glück zu erschüttern. Die Kasse war erschöpft, die Kompanie gab nicht nach, jeder Tag verschlimmerte ihre Lage; sie aber bauten in festem Glauben auf ein Wunder, welches im letzten Augenblicke stattfinden müffe. Dieser Glaube ersetzte ihnen das Brot und wärmte ihnen den Leib, und wenn sie ihre Waffer- suppe zu schnell verdaut hatten, kam eine Art Schwindel über sie jene Ekstase, jener übernatürliche Glaube an ein ist zu erwägen, ob nicht durch Meliorafion von Bruchflächen oder in sonstiger Weise die erforderlichen Pachtflächen ge- wonnen werden können. Die königliche Regierung wolle binnen vier Monaten in Form von Nachmessungen für jede Oberförsterei unter Angabe der wesentlichsten Pachtdedingungen ersichtlich machen, in welchem Umfange Flächen an Wald- arbeiter, deren Zahl anzugeben ist, verpachtet worden find, und wegen der weiteren Ausdehnung dieser Maßregel Vor- schlägt machen." Natürlich ist das nur ein Mittel, um die LandeSproletarier zu Gunsten des größten ForstbesitzerS— des Staates— an die Scholle zu fesseln. Die Gntschädignng für unschuldig erlittene Oaft ist ebenso wie der kräftigere Arbeiterschutz nachgerade zu einer Forderung geworden, deren Ablehnung seitens der Reichs- regierung auch die fteikonservative Presse nicht mehr begreift. Die jüngste Rede des Herrn von Boetticher über die Kinder- arbeit ist nirgends verlheidigt worden, und nun schreibt die „Post" sogar über die Haftpflicht des Staates für die Jrrthümer in der Rechtsprechung: Der Bundesrath Hot neulich dem vom Reichstage angenom- menen Gesetzentwürfe, betr. die Entschädigung unschuldig Be- strafter, seine Zustimmung versazt. Wir verkennen keineswegs die Schwierigkeiten einer gehörigen Formufirung des Ge- fetzes, doch dürfte es nunmehr Sache der Regierungen sein, einen Gesetzentwurf ausarbeiten zu lassen und dem Reichstage vorzulegen, nachdem die Pflicht der Gesellschaft, unschuldig Bestrafte zu entschädigen, allerseits anerkannt ist. Kürzlich hat übrigens auch Dänemark unter dem 5. April 1888 ein Gesetz, betreffend Entschädigung für unverschuldete Unter- suchungshast und zufolge Urtdeils verbüßte Strafe, erlassen. Das Gesetz erkennt die EntfchädigungSpflickt des Staates im weitesten Maße an, indem es bestimmt: Wer UntersuchungS- Haft erlitten hat und dann freigesprochen oder freigelassen wird, ohne daß die Sache bis zur Urtheilsfällung verfolgt wird, hat Anspruch auf eine vom Gericht festgesetzte Entschädigung für das Leiden, das Unrecht und den VermögenSnachtheil, die ihm durch Freiheitsberaubung zugefügt find, falls nach den zu Tage getretenen Aufklärungen anzunehmen ist, daß er desVerbrechenS,wegen dessen er in Haft genommen war, nicht schuldig ist. Hat jemand zufolge Ur- theils eine Strafe oder einen Theil derselben verbüßt und wrrd in gehöriger Form entschieden, daß die Bestrafung seinerseits nicht verschuldet war, so hat derselbe Anspruch aus Entschädigung für erlittenes Leiden, Unrecht und Vermögensnachtheil. Der Ent- schädigungsanspruch ist im Zivilprozeß vor dem Untergericht geltend zu machen. Was in Dänemark und in manchen anderen Staaten Gesetz ist, kann in Deutschland die Zustimmung des Bundes- ralhes nicht erlangen, obwohl die Fürsorge für die Bedränaten nicht oft genug im Munde geführt werden kann. Der Herr Reichskanzler hat behauptet, er habe in der Kolonialpolitik nur vor dem Reichstage kapitulirt. Ob er sich nicht größeren Dank erwerben würde, wenn er vor dem Reichstage m der Frage des Arbeiterfchutzcs und der Entschädigung für unschuldig er- littene Haft kapitulirte? Eine anttsemttische Hetzrede hat Herr Liebermann von Sonnenberg am Sonnabend in Altona gehalten, nachdem ihm in Hamburg die Erlaubniß dazu versagt worden war. Der Vonrag wurde fortwährend von ironischen Zwischenrufen unter- brachen. Die Antisemiten stellen für die Reichstagswahl den Buchhändler Hübener als Kandidaten auf. In der Versamm- lung wurde konstatirt, daß die Antisemiten Woermann ihre Unterstützung angeboten, dieser sie aber zurückgewiesen hätte.— Herr Woermann wird zu diesem mannhaften Vorgehen wahr- scheinlich seine schwerwiegenden Gründe haben. In Hamburg hätte er wahrscheinlich eine bedeutende Anzahl von Stimmen eingebüßt, wenn er es gewagt hätte, fich öffentlich mit Herrn von Liebermann zu verbinden. Das freie Bekenntniß zum Antisemitismus ist übrigens wohl noch das einzige äußerliche Zeichen, durch welches sich die Nationalliberalen von dm Stock- konservativm unterscheiden. Die Zunahme de» Pferdefleischkonsum» ist überall in Deutschland, wie die»Allgemeine Fleischerzeitung" auf Grund eingezogener amtlicher Informationen mittheilm kann, eine ungemein bedeutende. Im Oktober dieses Jahres sind in Berlin achthundertundsechzehn Pferde geschlachtet worden, was gegm das Vorjahr eine Zunahme von 25 pCt. bedeutet. Und bei alledem liegen in Berlin die Verhältnisse Dank der be- quemeren und billigeren Fleischzufuhr und der Billigkeit des Rindfleisches»vierter Qualität" noch viel günstiger als in an- derm Städten. In Königsberg in Pr., das etwa nur ein Zehntel der Einwohnerschaft Berlins befitzt, find im Oktober dreihundertdreiundzwanzig Pferde geschlachtet wordm. In Karlsruhe ist gegm den Oktober des Vorjahres eine Zunahme um hundert Prozent eingetreten, ebenso in Dortmund; nmnzig Prozent betrug die Zunahme in Kassel, sechzig Prozent in Bochum und Stuttgart, etwas über sechzig Piozent m Leipzig, über dreißig Prozent in Lübeck und Braunschweig. Weniger große, aber immerhin noch wesmtliche Zunahmen zeigm Bremm und Hamburg. Die Preise für Pferdefleisch sind überall gestiegen, am meisten in Hamburg, wo das Pfund bis zu bessere» Leben, der einst die Märtyrer in die Rachm der wildm Thiere geworfm. Stephan war der unangefochtme Chef und ihr Orakel in den Abmdunterhaltungen. Er las unausgesetzt, unterhielt eine umfangreiche Korrespondenz und war selbst Abonnmt des „Vmgeur" geworden, eines sozialistischm belgischen BlatteS, und diese Zeitung, die erste, die inS Arbeiterdorf gedrungen, erhöhte noch mehr sein Ansehm. Seine stets zunehmmde Popularität berauschte ihn; daß er das Schicksal aller Arbeiter der Provinz berieth, dm ältestm Männern des Voreux ihr Verhaltm vorschrieb, der intellektuelle Mittelpunkt wurde, um dm sich Alles drehte, schwellte dem einstigen Maschinisten, dem Häuer mit dm fettschwarzm Händen, die Brust voll Selbstbewußtsein und Stolz, und hob ihn eine Stufe höher in den verhaßten Bürgerstand. Nur Eines be- drückte ihn: das Bewußtsein seiner mangelhaften Bildung, welches ihn verlegm und furchtsam machte, sobald er sich einem Manne in gutem Rocke gegmüber befand. Zwar fuhr er fort, zu lentm, indem er alle Bücher und Schriften, die in seinen Bereich kämm, verschlang; aber der Mangel jeder Methode ließ eine Verwirrung in seinm Begriffm mtstehm, und er wußte Vieles, das er nicht verstand. Auch gab eS gewisse Augenblicke der Entnüchterung, in denen ihn eine beklemmmde Furcht packte und der beängstigmde Zweifel, ob er dmn auch wirklich der Mann sei, der dm Kameradm helfm könne, ob nicht vielleicht ein Advokat oder Gelehrter erforderlich wäre, der eS vermocht hätte, zu sprechm und zu handeln, ohne die Arbeiter zu kompromittiren? Aber bald warf er diese Skrupel wieder über dm Haufen: Nein, nein, kein Advokat, das sind alles schlechte Kerle, die ihr Wiffm ausbeuten, um sich auf Kosten des Volkes zu be- reichem! ES mag kommm, wie eS wolle; der Arbeiter muß sich selbst helfm! Und von Neuem wiegte ihn der schöne Traum, der populäre Chef des ganzm ArbeitemolkeS zu sein: Montsou zu seinm Füßm und Paris in der Feme. Vielleicht kann er eines TageS Abgeordneter werdm und kann dort in einem prüchtigm Saale die Bürger mit der ersten Rede niederfchmettem, die ein Arbeiter in einem Par- lammte gesprochen! Seit einigen Tagm schrieb Pluchart einen Brief um dm 60 Pf. bezahlt wird.— Demgegenüber ist eS Pfl>ch! � wackeren Staatsbürgers, überoll, wo fich nur Geleaenheit wV bietet, der Sozialreform em Hurrah zu bringen. E» liegt ni� in unserer Absicht, irgmd Jemand das Pferdefleisch vereietni- wollen, so lange dasselbe aber als ein Nahrungsmittel»Ws' Klasse", zu dessm Vertilgung em besonderer Magen gehört, dachtet wird, gehört der erhöhte Konsum des PferdefleW entschieden zu den bedeutsamsten Zeichm der Zeit. � Die lach fischen Ketzörden scheinm ihre Scheu vor ow böchstinstanzlichen Gerichts-Erkenntni» Gunsten des Boykotts überwunden zu habm, und tav nun an, gegm den Boykott der Arbeiter, der j®"M y» Boykott gegen die Boykotter ist, vorzugehen. In C h e w n> wurde der Anfang gemacht; und jktzt ist auch die Dressen Polizei nachgefolgt. Die Amtsblätter DreSdmS enthalten stehmde Bekanntmachung:, »Es sind hier in letzter Zeit wiederholt in Hliusern, � (onderheit aber auch auf öffentlichen Straßen und f10' Flugblätter zur Vertheilung gekommen, in welchen du?f deitende Bevölkerung ersucht wird, gewisse namhaft ge»« Lokale zu meiden, da über dieselben durch VolkSversamwuWF beschluß der Boykott ausgesprochen wordm sei. Die ausvw» liche Vertheilung dieser Blätter hat fich zumal in den ie» Tagm zu einem allgemein höchst unangmebm ewyhitwei� Unfug gesteigert, sie hat nicht nur vielfach zu Verkehrsstörung� bei dem sondern auch sonst zu heftigem Aergemiß ver oem Veranlassung gegeben, so daß in einem besonderen v Schlägerei und Stcaßmexzeß nur durch gütliches Zureden Polizeibeamten verhütet worden ist "Im Interesse der öffmtli'chm Ordnung und Ruhe, der Sicherheit des Verkehrs sieht daher die unterzeichnete Hörde fich veranlaßt, das Austheilen von ollen hiesige Lokale und Geschäfte in Verruf erklärmden Druck- allen der-rtiS-« Schriftstücken auf hiesigen öffentlichen Straßen und t,- j, sowie in Häusern ohne Genehmigung der betreffenden besider, zu verbieten und etwaige Zuwiderhandlungen nnl strafung nach Z 366 Nr. 10 bezw. Z 360 Nr. 11 deS strafgefetzbuches zu bedrohen. Dresden den 15. November 1889. Königliche Polizei direktion. Ä. S ch w a u ß."„.j,® Also wäre die lächfische Polizei schon richtig auf den vu paragraphm gekommm! j, Elberfeld, 18. November. Unsere Stadt zeigte H?xs der Gegend des Landgerichts ein sehr belebtes, f mäßig aussehendes Bild. Die verschiedenen Straßen, das hiesige Landgericht stößt, waren schon von V« 9 Uhr ab von emer starken Gendarmerie und Pol'.� besetzt, die Niemand ins Landgericht einließen, der nj* Legitimation vorzuzeigen vermochte. Diese Aufsehen«utjij -------■•- bePfj,, [».■ kn-k (Bt' Besetzung mochte am meistm dazu beitragm, daß � große Schaaren von Publikum die Sttaßm und d-u.V� gericht belagerten und der Dinge harrten, die da kommen!vp Gegen 10 Uhr Vormittags rücktm die angeklagten&W■ftfi in starken Trupps an und wurden nach Vorzeigung � Legitimation m das Allerheiligste eingelassen. Der 9�°.� handlungsfaaiim LandgerichtSgebäudewarfast vollständ>g°,lKS Ängeklagtm in Anspruch gmommen. Die Zuhörer befanden' � aus der Tribüne. Die Angeklagten nahtnm auf nunnn F Stühlm in alphabetischer Reihmfolge Platz, den Angei � Bebel und Grillmbergerjvurde gestattet, an einem � uuu wuivk ycfiuiici/ uu tiuw**.uU r Tische in der Nähe der Vertheidiger Platz zu nehmen, 11 die Unterbringung des Entlastungsmaterials, daS m ungewöhnlich � s Gerichtshof' bracht, gmügmd Raum zu besitzen. Die Verhandlungm nahmm einen....... und glatten Verlauf. Der Präsidmt des GenchtShoff*„ji die Verhandlungm mit Takt und Geschick und bchenw' jj) dem Verlauf dieser ersten Sitzung zu schließm, vollstan°�n vorlieamde sehr umfängliche Betattungsmalerial. Ein Ecke des Saales aufgestelltes Regal erweckt ein Interesse, infosem es sehr zahlreiche wohtgeordnett jV � ....."""~ eBWSj enthält, in welchen die bei einem Theil der Ange> fun denen verbotenen und nicht verbolmm Schriften... sind. Die Srtzung begann heute um 10 Uhr Vorm>tl°�,� endigte ein viertel nach 2 Uhr. Morgm soll sie um* gjiif ginnen. Wie verlautet, soll der Präfidmt beabfichtlg��.lM' ''~'' m mrr*f n,e er abends keine Sitzungen zu haltm, ein« Absicht, die lich im Interesse der raschen Abwicklung der Verl � aufgeben wird. Die angeklagtm Abgeordnetm rechne» daß sie Anfang nächster Woche einstweilen auf Urlan�.�!" werden. Ob es möglich sein wird, dm Prozeß vor We>o zu bemdigen, läßt sich heute noch nicht bemtheilen., Auffällig ist die Zahl der G.helmpolizistm, die zeigm, wo die Angeklagten verkehrm. Gesterreich-Uttgar». Der niederöfterreichlsche Landtag nahm gestern■■••• j,,£ schußantrag an, in weichem die Regierung ersucht» I U) UOUe.ll UIV/ Ml SUViltyClll ÜIV uuy) jtL All' Bau eines unmittelbar von Wien auSgehendm Dono» kanals möglichst zu fördem, beziehmtlich eine die®. Piivatunternehmung materiell zu unterstützm.* Hiyviiiiv �vvjuiumiuuy tl|lVCVU|CU»UCIVCII, VV t sidiren und in welcher er den Streik zu �unst� nationale ausbeuten wollte, welcher gegenüber h� Männer bisher mißtrauisch und ablehnend verhalt_ Stephan fürchtete Unruhen; aber er hätte Werkmeister von Lille kommm lassm, wenn nicht so energisch dagegen aufgetreten wäre; donn V p» seines großm Einflusses mußte er mit dem-tö, � nen, weil dieser dm Arbeitem viele Dimste j# und unter seinen Kundm alte, ttme Anhang,�(f Stephan zögerte und wußte nicht, was er Pluc' wortm solle..« An jmem Montage befand er sich Nachmltt» -- it mit der Maheude im Speisezimmer, �' af. Mah. wenn eS ihm von seinem Freunde eintraf." Maheu war, �de»�"� � 9<'änfr» ihre die Kinder hatten Alzlr den Voreux Köhlens#. c___ v»« n-inen«TLiK � müde, angeln Schleuse des Kanals" einm Fisch zu fangen, zu Gelde machm und Brot dafür kaufm. Der mort und Zeanlin warm auSgegangm, um Beine zu versuchm, und die welche auf der Halde vor 1... sammmlaS. Stephan saß vor dem kleine« Kamin« und die Mahmde ihm gegmüber m» der Brust. ti, Als der junge Mann einm Brief entfaltet „Gute Nachricht? Wird man uns Geld fch Er schüttelte dm Kopf; sie fuhr fort:. »Diese Woche weiß ich nicht, wie w ssllm?... Nun, untergehm werdm wir �. gewiß, dmn wer da« Recht auf seiner Seite Y»' und stark!" gessck J ©« war jetzt durchaus für dm Streeks � * es natürlich ge�fm, �nn m'an die KomP°«K ___ ti..... r_ Iii W»* ,1#% Nachgeben bewegen können, ohne die Arbeit z»» �, da man nun aber einmal zum Streik gezw.■ � — einmal zum Streik ge*""*.�t« mußte dieser durchgeführt werdm, bis die Berg Ihuung erhalten. Das war der Frau klar un lieber umkommen als nachgeben, wmn man m» 1 m lleber ei SS Ztg.' Kwl Met. Si w sssel ßoi Sa Sen N! cht M 1 tybttöftj n—j-.„| hat sich nach diesem Antrage eventuell mit nheit dM höheren Betrage als 5 pCt. des Kostenaufwandes an ! liegt M iinn Unternehmen zu betheiligen. Der Haupthafen fei in ' �'en anzulegen. R«ßla«d. s>»a � neues Attentat der russischen Nihilisten wird der ÖiwB über London berickitet: Nach Meldungen aus lUtv N die Grobfürsten Michael und Sergius jüngst 517 Petersburg, als zwischen Sebastopol und Üozowo der bif Si � plötzlich halten mußte, weil entdeckt worden war, daß Jwnen zerlöchert seien. Es wurde eine Untersuchung ein- L a l lestan glaubt, es handle sich um ein Komplot gegen «it, �er Großfürsten.— Sehr glaubwürdig klingt das AP. Vielleicht handelt es sich wieder einmal nur um eine »ü, Volizeibeamten gemachte Entdeckung, welche nur des- M gemacht worden ist, weil die politische Polizei eben dar- J/�Sewiesen ist, von Zeit zu Zeit etwas zu entdecken. Man »nii � besonders in Rußland— aber auch in anderen �"8» wilden Ländern— häufig Komplote von den Polizei PMlen erfunden werden, nur damit diese zeigen können, Wachsam sind."....."------ V hi,»� ,ö� daß ______ ES ist doch gar nicht ersichtlich, welches In« die Nihilisten an dem Tode zweier Großfürsten haben "ien, wie sie zu Dutzenden herumlaufen. Vru'lcuuetttneis'lfte!,. Reichstagskommisston für das Sozialiste«. ,? derieth gestern Abend den§ 24, welcher dem Z 28 des uni t? t)om Jahre 1878 entspricht und in der neuen Vor- endermaßen lautet:„Für Beürke und Ortschaften, �.iqe durch die im§ 1 bezeichneten Bestrebungen mit Gefahr Sm»»« öffentliche Sicherheit bedroht find, kann von den Mnalbehörden der Bundesstaaten, so weit dies nicht bereits sjj. gesetzlich zulässig ist, mit Genehmigung des Bundesraths dllfe sn �er von längstens einem Jahre angeordnet werden, Personen, von denen eine Gefährdung der öffent- ljj �trionen, von denen eme Gefährdung der oftent- i.?i«lcherheit oder Ordnung zu besorgen ist, den Auf- LiVU m den Bezirken oder Ortschaften von der Polizei- versagt werden kann. Die auf Grund des Absatz 1 »en a,-cn Anordnungen der Zentralbehörden find durch "eichzanzeiger und auf die für landespolizeiliche Verord- >aee?°rgtschriebene Weise bekannt zu machen. Dem Reichs- darüber sofort beziehungsweise bei seinem nächsten Wf�'n'reten Rechenschaft gegeben werden. Auch nach Ab- lote solche Anordnungen gestellten Frist dürfen Per- sw«eichen der Aufenthalt in den bezüglichen Bezirken der >ch?�len versagt worden ist, den Aufenthalt in denselben nur tingiger Genehmigung der Landespolizeibehörde nehmen. auf Grund vorstehender Bestimmungen erlassenen mit Mwgen der Landespolizeibehörde zuwiderhandelt, wird ßg�lvftrafe bis zu 1000 M. oder mit Haft oder mit Ge- SitS bis zu sechs Monaten bestraft. Auf Mitglieder des 01#»2®** oder einer gesetzgebenden Versammlung, welche sich ftsL% dieser Körperschaften während der Session der- aufhalten, finden die im Absatz 1 erwähnten An- �"Sen keine Anwendung." Die Abgg. Fritzen und tz.�sperger fZenttum) erklären sich gegen die Vorlage. ttJüu der Paragraph nicht ganz gestrichen werde, müsse m Pens eine bedeutende Milderung eintreten. Sie weisen jSswk Hätten gegen die einzelnen von der Ausweisung be- Mi- i.«1 Personen hin, die in ihrer bürgerlichen Existenz stark irfT�Jgt, ja ruinirt worden seien. Die segensreiche Spezial« fej/i n® auf dem Gebiete des Versicherungswesens und des �sswrschatzes sei in ihrer Wirksamkeit wesentlich geschwächt S&br? ��ch die mißliebige Ausweisungsmaßregel. Abg. Dr. ™ lnatl.) erklärte, daß er und seine politischen Freunde sich entschließen könnten, für die Ausweisung zu i man die Ausweisung zu einer dauernden m machen wolle. Abg. von Hilldorff(kons.) l" längerer Rede auseinander, weshalb er und !l�>tf�undi die Beantwortung für die Ablehnung der wtntu-n"®�defuanib nicht übernehmen könnten, ja, daß es �üa-n>.°°Lssiiehen sei, das Gesetz ablaufen zu lassen, wenn Mmühi?.Maßregeln zur Bekämpfung der Agitation nicht M. wurden. WaS man bisher aus Zeit gebilligt habe, «erh».,?«?., auch für die Dauer bewilligen, 'nt � län Er wenn man es verkenne nicht, tojj hÄf"1 nothwendig gehalten habe. der E»..�Weisung in weiterer Anwendung zur Ausbreitung Ll>atz!wldemokratie auf die kleinen Städte und auf das sssel f J*8vtragen habe. Allein zweifellos sei die Maß- dir z sehr wirksam insofern gewesen,«IS sie die Haltung Mtzr n�oren wesentlich beeinflußt und sie dazu angehalt-n fchen«. den Grenzen langsamen und vorsichtigen Vor- M« bewegen. Die AuSweisungSbefugniß der Regierung «tzch, ll?bar auch dafür mit gewirkt, daß eine gewaltsame Er- idsen»..r nicht eingetreten sei. Minister Herrfurth stimmte d>enn �"Ssuhrungen in vielen Beziehungen bei und erklarte, v,e Maßregel auch hart sei und auch die Schattenseite rief Stephan,„wenn eine ordentliche Cholera und uns von all den Leuten befreien möchte, Uns ausbeuten!" nein!" antwortete die Maheude.„Man muß S chen Tod wünschen. Auch nützt das gar nichts, nvllte„ bürden Andere an deren Stelle treten.... Ich siirtz?ur, daß wenigstens die, welche jetzt an der Spitze tyche» n Einsehen mit uns hätten, und ich hoffe, sie 'cher, haben, denn es giebt doch überall gute Men- tor ,; Für Ihre Politik, das wissen Sie ja, bin ich l>»d Maheude tadelte gewöhnlich seine heftigen Reden bernM revolutionär. Daß man sich seine Arbeit ?u»a. n?? �uffe, wie sie es verdient, fand sie in der Ord- allerhand fremde Dinge be- �r ferne Ideen, & s° geschah >«hl}eT«nmer re und wenn sie fortfuhr, ihn hochzu- dies einzig nur, weil er sich nicht betrank feine Pension von 45 Franks � � Mann�sich rechtschaffen aufführt, kann man A C»- nachsehen. 00 ftttm srnf6 fuy an 48, ein Hundejahr, wo es tyr uno »"vrber Anfang ihrer Ehe schlechter gegangen� wie � jener t* nachher. Und sie erzählte mit trüber Stimme luvten s��nrigen Zeit, während ihr Auge in werte?�erne sich von der Republik, welche Jedermann Sie aber schüttelte das Haupt, denn 48, ein Hundejahr, wo es ihr und HK und Estelle,' noch. t,?hrem Schöße einschlief. �V�esem immer an ihrem Busen ben feierten, sie,„nichts wir Alle hungerten, zu essen, wie heute, 5ipvr ne sick' �'urmer blickte. Seit rhrer Flucy» mn�yaou» sSli �vnheit nicht ins Dorf zurückgewagt, und ihre � und?.«roß, daß sie vergaß, die Thüre zu Mernd auf der Schwelle stehen blreb. S« der Propaganda in das Land habe, so sei sie doch nach An- ficht der verbündeten Regierungen unentbehrlich und habe ihre 8 uten Wirkungen geäußert. Die Ausweisung sei unter Um- änden die einzige wirksame Maßregel, und oft sei schon die Androhung derselben von Erfolg gewesen. Nach Aufhebung der AuSweisungSbefugniß werde oie gemäßigtere Richtung der Sozialdemokratie der extremsten weichen müssen. Prinz Carolath (Reichspartei) ist gegen die dauernde Bewilligung der Aus- weisungsbefugniß, da die humane Handhabung desselben, wie sie unter dem gegenwärtigen Minister des Innern geübt werde, keines- wegS für alle Zukunft verbürgt sei.— Abg. Singer(Sozd.) erkennt zwar die humanen Anschauungen des Herrn Ministers an, bezweifelt aber, daß sie immer vorhanden gewesen seien. Die extreme Richtung sei überhaupt erst durch das Sozialisten- gesetz herangebildet worden. Ungesetzlichkeiten seien von den sozialdemokratischen Führern, wenn sie zurückkehrten, nicht zu befürchten. Der Redner illustrirt durch eine Reihe von Bei- spielen die Härten, welche Ausgewiesene zu erleiden gehabt hätten; es seien im Ganzen 893 Personen, darunter 293 aus Berlin, ausgewiesen worden. Minister Herrfurth bezweifelt die Richtigkeit dieser Zahlen und bemerkt, daß von den Au«- gewiesenen 200 Personen die Rückkehr gestattet worden sei. Derselbe giebt einige Proben von antimonarchischen und sonstigen ausschreitenden sozialdemokratischen Artikeln, welche namentlich auch die Kommune und die chicagoer Anarchisten feiern.— Abg. Oechelhäuser(natlib.) erklärt sich gegen die AuSweisungSbefugniß. Die Sozialdemokratie habe sich von dem Anarchismus getrennt, die Arbeiter verhielten sich ruhiger und die Führer hätten eine Haltung angenommen, die als eine günstige angesehen werden könnte. Von der Aus- Weisung sei häufig ein zu weitgehender Gebrauch gemacht worden, und das habe vielfach Erbitterung hervorgerufen und in Kreise getragen, welche sonst mit der Sozialdemokratie nichts gemein hatten. Die erziehliche Wirkung des Sozialistengesetzes erkenne er an, aber die liege nicht in der Ausweisung. So wie er denke, da« könne er dreist versichern, der größte Theil der Großindustriellen.— Die Fortsetzung der Debatte wird um Iis; Uhr Nachts auf Donnerstag Abend vertagt. ZlotlQles. Die Reichstagsabgeordneten A. Bebel, C. Grillen- berger, W. Liebknecht, H. Meister und P. Singer quittiren öffentlich über folgenbe Beiträge, die für Unter st Ltzungs- zwecke vom 1. Juli bis 30. September bei ihnen einge- gangen find. s. Für den Unterstützungsfond: Neu-Rupvin 7 M., A.'s Rentendeitrag 1359 M., Ludwigs- Hafen a. Rh. 36.40 M., Pforzheim 3 M., St. durch L. im Schwarzwalborte 10 M., Herzberg 10 M., Schkeuditz 40 M., Reichenoach 50 M., Meerane 79 M., Ulm 100 M., Braun- schweig 50 M., Hannover 300 M., au« dem 4., 5. und 6. ächs. Wahlkreis 50 M., C. M. Berlin 5 M.. Frankfurt a. M. 100 M., C. Apolda 1,95 M., I. Rawitlch 24.24 M., Buckau 29,60 M., Buckau 30,50 M., Nürnberg 75 M., Coblenz 13,50 Mark, Brandenburg 25 M., Lüneburg 20 M. b. Für den Wahlfond von: Fischer 300 M., Ungenannt 2400 M., Mann im Mond 1000 M., T. Y. Z. 150 M., Güttingen 32 M., Achim 50 M., Halberstadt 30 M., Ronsdorf 50 M, Bielefeld 100 M., Hannover 500 M., aus Württemberg 250 M., mehrere soziali- stische Bankier'S Gründergewinn 20 000 M., A. Z. 1893 30 M., Helmstedt 15,55 M., Kleinfreden 5 50 M., Zschopau 20 M., Osnabrück 50 M., Eschwege 17 M., Fürth 30 M., Cassel 100 M., Eupen 10 M., Nordhausen 30 M., Cassel 400 M., Fürth 20 M. c. Zur Unter st ützung der Elberfelder An- geklagten und deren Angehörigen: Aus: Bredow bei Stettin 20 M., Aschersleben 4,60 M., Frankfurt a. M. 128,20 M., Ronsdorf 22,75 M., Bielefeld 50 M., Friedrichshagen, Handschuhmacher 26,45 M., Friedrichs- Hägen, Former 10 M., Friedrichshagen, andere Arbeiter 20 M., Hannover 50 M., Sarau N. L. 30 M.. Oschatz 6,40 M., Oederan 10 M., Königsberg i. Pr. 77,05 M., A. Effern 5 M., Tambach 10 M., Alt. Buseck 2 M., Kaiserslautern 1,30 M., Granschütz 5 M., Flensburg 50 M., Siegen 11 M., Dölau 12 M., Obcrnkirchen 3,70 M., Helmstedt 7 M., Augsburg 30 M., Friedrichshagen 10 M., Mon- tigny 6 M., Suhl 15 M., Kottbus 50 M., BambergW M., Zittau 18,50 M., Potsdam 30,15 M., Nordhausen 30 M., Vet- schau 4,25 M., Bayreuth 11,80 M., Reuß ält. Linie 39,31 M., K. Wiesbaden 25,60 M., Rathenow 20 M., Eilenburg 25 M., Koblenz 16,75 M. Die„zokal-Kommijston Schöneberg" theilt uns folgendes mit: Die Schloßbrauern Schönederg giebt ihren Saal zu jeder Versammlung hn. Herr Werbt(Lindenpark) ist nicht abgeneigt, will aber eine Bedenkzeit von acht Tagen mochte darauf gnechnet haben, die Mutter allein zu treffen; der plötzliche Anblick des jungen Mannes schnitt ihr die Worte ab, oie sie sich unterwegs zurechtgelegt hatte. „WaS willst Du hier?" schne die Maheude ihr ent- egen, ohne auszustehen.„Ich mag Dich nicht mehr. inauS!" Käthchen stotterte: „Mama, ich bringe Dir Kaffee und Zucker... für die Kinder... ich habe Extrastunden sgemacht und an sie gedacht." Sie holte aus ihrer Tasche ein Pfund Kaffee und ein Pfund Zucker, trat an den Tisch und legte die Päckchen da- rauf. Daß die Ihren im Voreux feierten, während sie in Jean-Bart arbeitete und Geld verdiente, hatte sie mit Sorge erfüllt, und sie schützte die Kinder vor, um den Eltern etwas helfen zu können. Aber ihr gutes Herz entwaffnete die Mutter nicht: Statt uns Geschenke zu bringen, hättest Du bei uns bleiben und Geld verdienen sollen!" Und sie schalt auf sie los, ihr all das in'S Gesicht schleudernd, was sie seit einem Monate zu Anderen über sie sprach: Im sechszehnten Jahre mit einem Manne davon- laufen, wenn man eine bedürftige Familie zu Haufe hat, muß das nicht die entartetste aller mißrathenen Töchter fem? Man kann wohl einen dummen Streich verzeihen, aber so etwas vergiebt eine Mutter nie, niemals! Ja, wenn man ihr noch das Ausgehen verboten hätte! Aber Gott bewahre, sie war frei wie die Luft, und man verlangte nichts als daß sie zum Schlafen heimkehrte. „WaS hast Du für eine Natur?" schloß die Frau, „daß Du nicht die Zeit erwarten kannst?" Käthchen, unbeweglich neben dem Tische, hörte gesenkten Hauptes die Vorwürfe der Mutter, ein Zittern durchlief ihren mageren Körper, und sie versuchte, in abgebrochenen Sätzen zu antworten: „O, wenn eS sich nur um mich handelte!... Aber er!.-- Muß ich nicht thun, was er will? Ist er nicht der Stärkere?... Jetzt lst's doch mal geschehe«, er oder ein Anderer... Heirathen muß er mich ja." Ihr kam das Alles natürlich vor. Nie hatte sie etwas haben, ebenso Herr Heckendorf. Herr Kuckenburg(Schwarzer Adler) kann, da er augenblicklich nur Vertreter des Herrn Ehrlich ist, vor 1. Januar über die Säle nicht verfügen, Herr Sarre(Birkenwäldchen) erklärt dagegen ganz entschieden, seinen Saal zu keiner Versammlung hergeben zu wollen, da bisher noch nie eine bei ihm stattgefunden habe, gab dabei aber gleich die Erklärung ab, daß ihn eventuell Unannehmlichkeiten seitens der Ortspolizei keineswegs beeinflussen würden.— Dieser Herr verschmäht sonst durchaus nicht die Arbeitergroschen, welcher speziell von Arbeitern aus dem Westen Berlins an schönen Sommertagen sowie Sonntags für Vergnügungen entgegennimmt. Ueber die beiden Lokale(Weidt, Heckendorf) werden wir nach Ablauf der„Bedenkzeit" sofort berichten. Sämmt- liche Anfragen betreffs der Lokalfrage Schöneberg's wolle man an Hermann Gärtig, Schöneberg, Kolonnenstr. 37 richten. Auch i« Panks«» regen sich die Arbeiter und nehmen den Wirthen gegenüber Stellung, welche ihr Lokal zu Ver- sammlungen verweigern. So sollte vor einiger Zeit eine Ver« sammlung im Lokal von Krause in der Wollankstraße statt- finden, aber der Herr Wirth, bei welchem die Arbeiter ihr Bier getrunken und jahrelang ihre Festlichkeiten gefeiert, ver- weigerte sein Lokal, und zwar aus Furcht vor der Polizei, wie er erklärt hat. Nun, sagen die Arbeiter, mag er fein Bier auch an die Polizei verkaufen, und haben beschlossen, das Lokal so lange zu meiden, bis der Wirth keine Furcht mehr vor der Polizei hat. t>ousmm«Umgc»t. Eine Mitgliederversammlung de» sozialdemokratischen Mahlvereins für den«. Wahlkreis tagte am Dienstag, den 12. d. Mts., im großen Saale der Bock-Brauerei; dieselbe war stark besucht. Tagesordnung: 1. Vierteljahres- abrechnung des KassirerS. 2. Wahl des Gesammtvorstandes. 3. Vortrag über die neue Sozialistengesetz- Vorlage und die Parteien. Referent: W. Werner. 4. Diskussion. 5. Verschie« deneS und Fragekasten. Nach Eröffnung der Versammlung forderte der Vorsitzende auf, wenn die Versammlung ein vor- zeitiges Ende nehmen solle, gewissen Elementen den Gefallen nicht zu thun, auf irgend eine Provozirung einzugehen. Zum 1. Punkt gab der Kassirer die ViereljahrSabrechnung. Im Verlauf des Vierteljahrs haben 6 Versammlungen stattge- funden, in denen 112 Mitglieder aufgenommen wurden. Ge- sammtzahl der Mitglieder 378; von den eingegangenen Bei- trägen Bestand 12,60 M. Davon sind noch zu decken die Unkosten der letzten Versammlung. Die Revisoren waren ihren Pflichten nicht nachgekommen, sie hatten versäumt zu revidiren. Sie wurden vom Vorfitzenden getadelt und von der Versamm- lung andere Revisoren gewählt, welche in nächster Vcrsammlmig RevifionSbericht erstatten werden. Es sind die Herren W. Grube, Voß, Karge. Zum 2. Punkt, Vorstandswahl,- rrde aus der Versammlung ein Antrag gestellt, den bisherigen Vorstand wieder zu wählen; es lehnten jedoch ab: Herr K-ey, zweit Vorsitzender; OrschinSki, erster Schriftführer. Der zw Schriftführer Herr Greisenberg und der Beifitzc» Herr mann waren nicht anwesend. Auch für die Fehlenden Neuwahl beschlossen: Der gewählte Vorstand oeiteht r[ri aus folgenden Personen: Erster Vorsitzender: Ernst' Junkerstr. 1; zweiter Vorfitzender: Rob. Knll, G jtraße 123; erster Kassirer: Theodor Strehlen, Set straße 7; zweiter Kassirer: Georg Heldenber:er, straße 26; erster Schriftführer: Paul König, kottb Nr. 21 bei Glcy; zweiter Schriftführer: A. Mülle wird gebeten, seine Adresse abzugeben.)— Zum b der Tagesordnung erhielt Genosse W. Werner zu trage das Wort. Derselbe wies im Anfang seiner hin, es würde so oft gesagt, manche Genossen fingen-n ,ym Rede oft zu scharf vor und bereiteten dadurch e.':. V, sammlung«in vorzeitiges Ende. Wenn es aber«ich:-laubt«3, durch eine öffentliche scharfe Kritik Parteien und Mifmünde zu beleuchten und bloszustellen, was für Ue:' rnde würden dann überhand nehmen und wie sollte er- artige Uebel und Mißstände beseitigt werden! Die' churfste Kritik verdiene die verschiedene Handhabung des Sozialisten- gesetzes. Leider hätten andere Parteien und ihre Verireter im Reichstage das Interesse für Verbesserungen der L'ge de« Volkes verloren. Das beweisen am allerbesten die Re.hitagt- sitzungen bei leeren Bänken. Wenn bei den VerhanMung« über ein solches Gesetz so wenige ReichStagSabgeordretr zur Stelle sind, dann ist es der beste Beweis, von welchem.Ge«' diese Mannesseelen erfaßt find. Oder bleiben sie vielle»! r Furcht vor ihrer Verantwortung weg? Man möge au« d Sozialistengesetze machen, was man wolle, so könne mar.« ihm wohl diese und jene Person treffen, aber riema� die Idee. Die aus Berlin ausgewiesenen Personen sind bis auf zwei oder drei der Idee treu gebliebm und haben die Lehren der Partei an den Orten mit Erfolg zu verbceüen Anderes erhofft. Ein Kind im sechzehnten Jahre, später, wenn der Liebhaber sie heirathet, Sorgen, Roth, Elen das nicht das allgemeine LooS? gab'S etwas Anderes? D-■ um vertheidigte sie sich ohne Schande, und wenn sie sich schäm.. und verlegen zu Boden blickte, warjs nur, weil die Mutter sie vor dem jungen Manne schalt, dessen Gegenwart ihr das Herz beklomm und sie schier zur Verzweiflung brachte. Stephan aber, um die Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter nicht zu stören hatte sich erhoben und machte sich an dem halb erloschenen Feuer zu thun. Die Blicke der jungen Leute begegneten sich. Er fand sie blaß, müde, aber doch hübsch mit den klaren Augen in dem färb- losen Gesicht. Und er fühlte ein Bedürfniß, ihr zu helfe«; er hätte nach Montsou eilen und den Anderen zwinge« mögen, sie zarter zu behandeln. Sie aber las in seinen theilnahmSvoll sie streifenden Augen nichts wie Mitleid: er mußte sie gewiß verachten, daß er sie so anschauen konnte! Es schnürte ihr die Brust zusammen und sie war unver- mögend, ein Wort hervorzubringen. „Hast Recht," begann die unversöhnliche Maheude von Neuem,„schweig lieber! Wenn Du gekommen bist, um zu bleiben, so bleib; aber sonst mach, daß Du fortkommst, den» sonst versetz' ich Dir Eins, daß Du genug hast." Und als wenn plötzlich diese Drohung sich verwirklicht habe, empfing Käthe einen mächtigen Fußtritt, der sie, be- täubt vor Ueberraschung und Schmerz, fast zu Boden schleuderte. Es war Chaval, der mit einem Satze in'< Zimmer stürzte, nachdem er einen Augenblick seine Geliebte von der Straße aus belauscht hatte. „Ah, Du Elende!" schrie er.„Ich bin Dir nach- gegangen, denn ich wußte wohl, daß Du hierherkommen würdest, zu Deinem Geliebten, den Du mit meinem Geld« fütterst!" Die Maheude und Stephan waren so überrascht und entsetzt, daß sie keine Worte fanden. Chaval versuchte Kathannen zur Thür zu treiben: „Willst Du hinaus!" Und als sie sich in einen Winkel geflüchtet, ergriff er mit harter Faust ihre Hand und riß sie zum Ausgang. (Fortsetzung folgt.) gewußt, wo sie ihren Fuß hingesetzt haben. Gestählter und mächtiger wie zuvor steht die Partei da, die man von der Bildfläche durch AuSnahme-Gesctze zu fegen glaubte. Bei dm jetzigm Verhandlungen hat man von gegnerischer Seite unter- lassm, die Sozialdemokratie als Utopie hinzustellen. Selbst die Gegner bekmnen jetzt, daß die Sozialdemokratie eine geistige Macht ist, und eben weil sie eine solche ist, wird fie niemals unterliegen, sondern wird und muß als Siegerin aus allen Kämpfen hervorgehen. Wenn es den Sozialisten möglich wäre, eine freie Agitation zu entfaltm, wie es anderen Parteien ge- stattet ist, und wenn dann Heerschau gehalten würde, dann wäre der Kartell-Reichstag wie Spreu im Winde zerstreut. Aber wie die Verhältnisse jetzt liegen, kann man die Anwen- duny des Grundsatzes: Gleiches Recht für Alle, bequem studerm. Unsere Presse wird verboten, unsere Versammlungen werden inhibirt, unsere Vereine werdm unterdrückt u. s. w. Lauten Protest muß man gegen die Behauptungen des Ministers Herrfurth einlegen, daß die Sozialdemokraten an den meisten Auflösungen von Versammlungen selber schuld seien. Der Minister ist ganz falsch unterrichtet. Die meisten Versammlungen werden aufgelöst in Folge der Unkenntniß der Gesetze seitens mancher Beamtm. Einer scharfen Kritik unterzog Redner noch die Reden der Ab- geordneten v. Cum,, Kulemann, Hartmann und Konsorten, ReichenSperger und der Herren vom Freifinn bei den Be- rathungm über das Sozialistmgesetz. Den Deutschfreisinnigen wird eS nie vergessm werden, wie sehr sse sich an dem Volk vergangen haben durch Annahme des Sozialistengesetzes im Jahre 18S4. Niemand dürfe sich entmuthigen lassen, ob wir nun mit dem alten Sozialistengesktz geschmort oder mit dem neuen gebraten werden sollen; unentwegt soll ein jeder zur Fahne stehen, auf der geschrieben steht: Wahrheit, Freiheit und Recht. Mit einem Verse von F. Freiligrath,„Kein Klagelied" u. s. w. schloß, wlt donnerndem Beifall belohnt, der Redner seinen Vortrag. Eine Diskussion wurde von der Versammlung abgelehnt. Nach einer Pause wurde über folgende Anträge abgestimmt: 1. Protest- Antrag:„Die heutige Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den zweiten Wahlkreis, die von zirka 2000 Personen besucht ist, erhebt laut Protest gegen die Aus- führungen des Ministers des Innern, welche daraus hinaus- gingen, daß'die Arbeiter die meiste Schuld an den Auf- lösungen der Versammlungen tragen, und erklärt, daß diese Ausführungen auf Jirthum beruhen, da auch die Arbeiter keinen Wohlgefallen an der Auflösung irgend einer Versammlung, um Skandal zu provoziren, finden. Die Versammlung nimmt, vielmehr an, daß der Minister des Innern von seinen unterstellten Beamten falsch unterrichtet worden ist. Die Versammlung muß sich gegen der- artige Anschuldigungen verwahren." Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, diesen Protest unseren Abgeordneten zu unterbreiten und sie zu veranlassen, ihn bei Gelegenheit zu benutzen. Ferner ge- langte folgende Resolution gegen zwei Stimmen zur Annahme: 1. In Erwägung, daß bei der ReichZIagSwahl des Volkes Wille durch das geheime gleiche und direkte Wahlrecht zum AuStrag gebracht werden soll, und, daß ein jeder ungehindert von seinem Rechte bei der Agitation zur Wahl Gebrauch machen kann, wolle ein jeder eine vorkommende Unregelmäßig- keit oder einen Verstoß gegen das Wahlgesetz dem Wahloa« unterbreiten, welcher dann in dieser Beziehung 1 schaffen wird. 2. In Anbetracht der Schwiegigke ten, die den, Arbeitern am Tage der Wahl in den Weg gelegt wertm- ihn an der Ausübung seiner Pflicht und seines guten zu verhindern, wolle die heutige Versammlung beschnetzen, Wahltag als den höchsten Feiertag anzuerkennen, nassen verpflichten sich, an diesem Tage die Arbeit ruhen lassen, und auch dasür Sorge zu tragen, daß ew 1� Einzelne in diesem Sinne bei den hier nicht anweic» Mitgliedern und Genossen agitirt." M Beschlossen wurde noch, die Redaktion des Volksblatt" zu ersuchen, in Zukunft soviel als moM Fremdwörter zu vermeiden, oder dieselben zu übersetzen. � Ferner wurde angenommen: a) von„Klingel- Bulle, Loeser u. Wolfs keine Produkte zu entnehmen, b) solchen Lokalen zu verkehren, in denen das„Verl. Vmis°■ und die„Volkstribüne" ausliegt.— Herr Karge Irinnen die Kommunalwahlen und ersuchte, nach Kräften für v'flj einzutreten. Zum Schluß richtete der Vorsitzende einen w, an die Versammlung, einzutreten in die offizielle Agitan den ReichstaaSwahlen. Der Kandidat zum Reichstage sta � zweiten Wahlkreis, Konstantin JaniSzewSki, müsse lro» � Zeter« und Mordiogelchrer'S der Gegner aus der um � Sieger hervorgehen. M>t einem donnernden Ho® fll".- sozialistische Bewegung schloß der Vorsitzende die Ver! Theater. Mittwoch, den 20. November. G»«rnha«s. Götterdämmerung. Mchavjpieltza»». Aschenbrödel. Deutsches Theater. Hamlet. »esstng-Uheater. Nora. Kerliner Theater. Montjoye, der Mann von Eisen. Friedrich- Wilhelmstädttsche» Theater. Der Polengraf. Kestdeuz-Theater. Schwiegermama. MaUuer-Theater. Verfolgt! Vorher: Der Herr von Lohengrin. Uiktoria-Theater. Stanley in Afrika. Osteud-Theater. Die Räuber. KelteaUiauee- Theater. Der Zauberlehr- lwg. KSuigstädtische» Theater. Der Glöckner von Notre-Dame. ßrtral-Theater. Leute von heute. »lyh vrnst-Theater. Flotte Weiber. I ThaUa Tbeater. IS. Walln-rth-aterstr«tze 15. Täglich■ Theater- und efiatttaten-Norstellmtg. ■ ss Ul Auftr. des Instrumental-Humoristen den r nd Komikers Bcniliu Zun. de slg d. Liedersängerin Frl. Eondeila, cttisten Tau& Egk, des Vollsten W i I h. F r ö b e l, de« Frosch- ÄUN�en Vincento u. de« Zauberkünstl. u. JonglemS Herrn Schelssini. Entrse 30 Pf. S'i'Ä. I Unserm Freunde und Genossen 1'Kvoitan Glocke zu seinem 30. Geburtstage ein kräftiges Hoch. R. C., W. W., A. W., E. W., E. M., M. H, B. H. Unserm Genossen August Gunther zu seinem heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch. Hat man den Satan nicht immer am Strickt Dem Freund und Genossen August Günther zu seinem heutigen Geburtstage ein donnerndes Hoch. Tie Gemeingefährlichen von Süd-Oft. Unserm Freunde Aug. GQnthep zu seinem heutigen Geburtstage ein dreifach donnerndes Hoch. Seine Freunde: 932 D. L. B. U. T. F. A. U. N. Die Bauern waren so im Thran, Sie sahen den Dienstag für'n Mittwoch an. Unserm Freunde August GUnthcp, Der da soll sein ein großer Sünder Bei den Herren Patrioten, Bringen mehrere der Rothen 923s_ Ein dreifach donnerndes Hoch. Danksagung.> Für die zahlreiche Betheiliaung bei der Be. erdigung meines Mannes, des Zimmerers A. Mixstadt, sowie für bv reichliche Unterstützung sage ich allen Freunde. und Bekannten meinen herzlichsten Dank. l922 Die trauernde Wittwe Frau Mixftadt. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise inniger Theil« nähme, der Liebe und Verehrung bei der Be- erdigung unserer theuren Mutter sagen wir allen Freunden und Bekannten unseren auf. richtigsten Dank. Geseke». Achilles. AmeriCMn-Theater. 1165 TriSVenerst» 55. _ Täglich Vorstellung. CIpcus Renz. Karlstraße. stndt, Mittwoch, int 20. November 1889, Abends 7 Uhr: Novität: Im dunklen Grdtheil. (Einnahme von Kagamoqo.) Große equestrische Original-Pantomime, arrangirt und in Szene gesetzt vom Direktor E. Renz. Gesetzlich geschützt. Vorführen der 6 großartigen engl. Vollblut« springpferde durch Herrn Franz Renz. Auf- treten der renommirten Künstlcrfamilie Briatore. Reitkünstler Melville, Orsord und Artizelli. Auf- treten der Schulreiterin Frl. E. Guerra. Große Quadrille aus der Zeit Friedrich de« Großen, geritten von 8 Damen und 3 Herren, arrangirt von Herrn Franz Renz. Auftreten der Reit- künstlerinnen Frl. Orford und Geschw. Frida und Elise. Morgen: Borftellung. _ E. Rswx, Direktor. Cipcus Rusch. Ststtirich->«l-vft». Oeute, Mittwoch, in« 20. November 1889: Abends 7t Uhr: 929 kroiie Pachm-BiirAelliilig zusammengestellt au« „-w der besten Nummern des � A S RepertoirS.— In dieser W W M M Vorstellung wird dem P. t. Publikum Gelegenheit ge- ■■ geben, so viel zu sehen, A BR W wie sonst in mehreren M anderen Vorstellungen, � trotzdem wird die gewöhnliche Zeitdauer der Vorstellungen nicht über- schritten werden. Alles Nähere die Plakate. Fachuerel« der Steiudrucker «. Lithographen Kerlius. Versammlung �06 am Donnerstag, den 2L ds., Abends 8t Uhr, in Detgmüller'S Talon, Alte Jakobstraße 48a. Tagesordnung: 930 1. Vortrag des Herrn W. Lteflänier über: „Die allgemeine Vertheueruna der Lebensmittel- preise". 2. Diskussion. 3. Bericht und Neu- wähl der Unterstützung«- Kommission. 4. Ab- rechnung vom Herrenabend. 5.' Verschiedenes und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Auf- nähme neuer Mitglieder. Um recht zahlr. und pünktl. Erscheinen ersucht Ter Bvrftand. Delegirten- Versammlung der GptshranhcnlraU.c der Köttcher HerUns am Dienstag, den 26. d. M., Abends 8t Uhr, in Hei.e's Salon, Lichtenbergerstr. 21. Tagesordnung: 916 1. Ersatzwahl dreier ausscheidender Vorstands» Mitglieder: ein Arbeitgeber, zwei Arbeitnehmer. 2. Verschiedenes. Sämmtliche Mitglieder find hierzu eingeladen._ Ter Vorstand Horntmopfarveiter, Dreher, Schleifer, Poltrer finden lohnende Arbeit. Lenschow& Markert, 926 22 Vor dem Stralauer Thor. Ein tüchtiger Kchlosser auf Werkzeug-Masch. findet dauernde Stellung � �. 913 Eine geübte Packmacherw verlangt 621 F. Wienert, Rosenthalerstr. 23. Allgent. Metallarbeiterverem Kerlm»«. Umgegend. Der Arbeitsnachweis für den Süden sowie die Bibliothek befindet sich Ritterstraße 112 in der Restauration von Schmidt; im Norden: Brunnenstraße 40 bei Schayer. Der Arbeitsnachweis ist geöffnet an den Wochentagen Abends von 8t bis 10 llhr, Sonn- tags von 9t bis 12 Uhr. Die Bibliothek ist geöffnet am Montag und Donnerstag, Abends von 8 bis 10 Uhr. Pastage 1 Tr. 9 M.— 10 Uhr A. Kaiscp>Panorama, Valästina» denkwürdige Stätten. m. Cyclus. Reife Athen— Eo«fta»tt«»p»l. VI. Abtheilung: Pariser Weltausstellung. Eine Reife 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. 8 Reffen 1 M._ H- Präuschep's anatomisches MUSEUM 80/81 Kommandantenstpasse 80/81. Täglich geöffnet für erwachse« Herren. ■ Dienstag und Freitag Tmnentag! m Entree 50 Pf. VereinSkarten gilt,«. 589 Freunden d. Zeitung empfehle meine Wasch- und Plättanstalt. HanireSka, Gitschmerstr. 61. Grosse Versammlung d. sozialdemokrati schen Wahlvereins im vierw Kerliner Reichstags-Wahlkreise am Donnerstag, den 21. ds., Abds. 8 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain, am Königs Tages-Ordnung: M 1. Der Kampf umS Dasein in der VolkSwirthschaft. Refer.: Herr Dr. Bruno 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. Gäste find herzlich wiM� Neue Mitglieder werden ausgenommen._[927]_ Der Vorstan»� !.Tp Vndliii! deMer Mtchmktt mS ocris. Bttiftzti.< Mittwoch, den 20. d., Abends 3t Uhr, im l-ouisenstädt. Klubhaus, Annenstr Versammlung."HW � Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn A. Gertsch über:„WaS ühn Arbeitern das Sinken des Zinsfußes?" 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten- � Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.— Um recht rege Betheiliguns pünktliches Erscheinen ersucht_[915] Der Vorst Vereinigung d. Drechsler Deutschla«� (Ortsverwaltung verlin II. Stockbranche). Grosser Rerren» Rümmers. m Sgullllbeltd, den LZ. ds., Abds. 9 Uhr, in Sanssouci, Mbnseck'fi villetS sind zu haben bei den Herren: Au», Koppenstr 90; Dietrich, SkalitzNi'/� v. 3 Tr.: Schnitzer, Reichenbergerstr. 168, v. 3 Tr.; Stromeier, Chorinerftr. Nr. 33, v-«!; Bothe, Steinstr. 16; RatzdanSki, Franseckistr. 16a, Hos 4 Tr.__ AUherarKeatliche General-Uersammluag„ des sozialdemokr. Wahlvereins für den sech�1 24 Berl. Reichstags-Wahlkreis am Donnerstag, den 21. ds., Abends 9 Uhr, in Lehmann's Salon, Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom letzten Vierteljahr. 2. Neuwahl deS P, Vorstandes. 3. Vortrag des Hrn. Pirch über:„Das Recht auf Atdeit". 4. Diskussion.,( schiedeneS und Fragekasten.— Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist Pflicht. Mit9ss�, legitimirt. Neue Mitglieder werden an der Kontrole aufgenommen. Der Bojffw--�. Große üffentl. Steinmetz Nersamml«� am Mittwoch, den 20. Novembep, Abends 8 llhp, in„Rennefahrt's Salon", Dennewitzstratze Rr. 16. TageS-Ordnung:, 1. Vortrag über„den Achtstundentag". Referent: W. Werner. 2. Gewerkschaftliches und Diskussion. Bei der Wichtigkeit des Themas wird einem recht zahlreichen Besuch entgegon« Gäste haben Zutritt und sind höfltchst eingeladen. Oep Einbepu»?!� Kroße Ausstellung! Lebender Sing- und Schmuckliögel verbimden mit Veploosung vom 21. bis 26. November er, in den Näaw� Kommandauten-Gtraße 1. Ctag» WM- Geössaet von Morgens 9 Uhr bis Abends 8 Uhr! Entrse 50 Pf. � � Der Borstand Für die Herbst- nad Winter-Saison: ' Für Herren, Hamen und Kinder� rNoraaMJnterl[l6iilßr nnd Tricolagen1 StrOmpfe, Socken, Handschuhe etc. Schlaf- u. Reisedecken |S!Ma«WJthi. % Im Tuchgeschäft \ zz, w, Gegenüber der Turnhalle: Herren- nnd Knaben- Ansüge, Paletot«, sowie Damenkteider, Wintermäntel-c. Ans Wunsch auch Thellzahlunge«. Deutscher Schneider-Derb� (Filiale verlw.) g$ Donnerstag, den 21/11. 1839, Abend- g. in Orschel'S Salon, Sebastianstr-. Mitgl.-VersammlM Tagesordnung 1. Vortrag über„Kapital und ,i 2. Diskussion. 3. Verschiedene«.,,.«rfi'' Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches.�,,«� ersucht Di- L-kalv-rw-� Kohtabak am (1658 hiesigen Platze bekanntlich Gposste Auswahl. Tarantirt stcher brennend« Tabak«. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindlichen Roh- Tabake find am Lager. A. Goldsohmidt, SbauianerbrScke 6 am Hackeschen Markt. » Achtung Putz� Die besten und billigsten' Aether- Lainp� Den bestm Gnsather!# ä Pfd. 25 Pf., A Liter bekommt man bei Domcke, SrtuiiEnJttist,!!-x zwischen Invaliden ftraßc und Rosen v, Geöffnet von 8 bis S eigener Fabpik. Spicpl Ii. 1"in'rpfe Cr. Lager, dl». Emil Brunnens, r. 28, Theilz. nach Ved- il-e* Verantwortlicher Redakteur: K-«ronhetm m Berlin. Druck und Verlag von War Fading in Berlin SW. ff»•/*?>« o «mel �iiu itz. L Beilage zum Berliner Bolksblatt. Sr. MS. Mittwoch den SV. November 188S 6. Jahrg. Dahl- Resultate. Lei der gcfiern nsolgien Wahl der dritten Abtheilung �de folgendes Resultat erzielt: lt. Wahlbezirk(Stadtbezirke 63�(37, 74— 78). Ab- Nrloie Ettimmen: 2529. ES erhielten: Gursch(freis.) 643, Jrmer(B..P.) 720, Zubeil(Arb�P.) 1116 St. Stichwahl zwischen Z»l>«U und Dr. Jrmer. 12. Wahlbezirk(Stadtbezirke 88—94). Abgegebene : 1167. Klein(Arb.. P) 802, E r d m a n n(lib.) � Stimmen. Gewählt: Klein. . 14. Wahlbezirk(Stadtbezirke 94—103). Abgegebene >h»wen: 1167. Rechtsanwalt Stadthagen(Arb�P.) �'Mertens(lib.) 299 Stimmen. Gewählt: Siadthage«. Wahlbezirk(Stadtbezirke 82—85). Abgegebene '''aiim: 1022. Stadto. Tutzauer(Arb.-P.) 635 Stimmen, �itke(lrb.) 384 Stimmen. Gewählt: Tnhaner. �-Wahlbezirk(Stadtbezirke 114-117, 123, 124). z�bene Stimmen: 1385. Es erhielten: Ingenieur K�ler(lib.) 634 St., Börner(Arb.-P.) 4SI, Dr. "Nein(B.-P.) 268 St. Stichwahl zwischen Richter und Körner. Wahlbezirk(Stadtbezirke 168—173). Abgezebene »""wen: 1300. Es erhielten: Fähndrich(lib.) 205 St �r«er(B.-P) 412 St., Tempel(Ard..P.) 683 St. Gewählt: Tempel. 5*7. Wahlbezirk(Stadlbezirke 152—156, 159). Abge- .b** Stimmen: 1191. Es erhielten: Dörmer(lib.) St., Hildebrandt(B.-P.) 261 St., Hein darf k'P.) 474 St., Kaufmann Langer(ultram.) 33 St. Also Stichwahl zwischen Dörmer und Keindorf. . �.Wahlbezirk. Abgegeben 1171 Stimmen. Stadtv. .'«gen buch er(lib.) 745 St.; Böhl(Arb..P.) 271 St.; "nrich(B..P.) 147 St. Zersplittert 8 St. Gewählt ist somit Langend u che r. tz W a h l b e z i r k:(Stadtbezirke 229-236). Abgegebene �"�en: 1661. Davon erhielt: Thias(lib.) 359 St. '�achlcr(B..P.) 487; Herzfeldt(Arb..P.) 815 St. Also Stichwahl zwischen Herzfrldt und Dr. B a ch l e r. Wahlbezirk(Stadtbezirke 305—318). Abgegebene ?"tn: 1765. Bogtherr(Arb.-P.) 900 Stimmen: "'«(lib.) 865 St. Gewählt: Uogtherr. Wahlbezirk(Stadtbezirke 276-278, 319-326) Stimmen 1703. Gründe! IXX). Pilzmann Gewählt: Gründet. �crrlerrnorrtr-licrirlrtc. Leutsrt-er Nrietrstaa. �'Sitzung vom 19. November, 1h llhr. » v tische des Bundesraths: von Boetticher, *«l, �l*»s, Graf Hohentbal, von Mar- Iii' LirNtor Köhler u. A. I' JßtoRi;an'e',eä H°useS find uräßiq besetzt. i Uljt von Levetzow eröffnet die Sitzung nach v™>el x�W'aletat des Reichsamts des Innern Ä bj.& Reichsgesundheitsamtes) gestellten An. �!>ano �chweine-Einfuhrverbote betreffend, ihren fr Gm"? kies der Antrag der freifinnigen Partei(Barth b��r Reichskanzler zu ersuchen, er wolle die Auf- w f 4.„ des Schweme-EinfuhrverboteS an der däni> »Ob � veranlassen,,.„ "8: m Abg. W e b s k y(natlib.) eingebrachte Gegen- »Ur ,5'"/'' Reichskanzler zu ersuchen, die Erlaub« iß Reick.,•dr lebender Schweine nach Schlachthäusern des �erlh�j�" Möglich st umfassendem Maße zu (dfreis.): Bon den R-gierungS- - kern. Zeit ist in Sachsen keine so schwer em- �'e ft?er 1° unberechtigt gehalten worden, wie das "»»�dvhunä tJ*1 n.?0n Schweinen aus Oesterreich-Ungarn. rVk?f aus hnfi m'"Ugethertt hatte, welchen Emflutz viele n,.� läckki�,'' Budget der Heeresverwaltung ausaeübt hat, ? Garnisonen find»um größten THeil auf daraus angewiesen. Wenn der Herr StrctS- v'agewiesen hat, daß durch die Muß- reael des Einfuhrverbots die heimische Schweinezucht gehoben werden würde, so ist doch zu berück- fichtigen, daß diese Vermehrung fich erst in Jahr und Dag vollziehen kann und nutzlos wäre, wenn das Einsuhrverbot nur ein vorübergehendes wäre. Will denn die Regierung die Maßregel zu einer dauernden machen? In Sachsen wird durch die inländische Piodukiion nur ein Viertel des Verbrauchs an Schweinefleisch gedeckt. Berechnet man, daß im Jahre 1887 dort 1413 630 Ztr. Schweinefleisch konsumirt find, daß also 43f Pfd. jährlich auf den Kops der Bevölkerung kommen, so ergiebt fich durch die AbsperrungS- Maßregel eine Mehrausgabe von 14 Millionen Mark für das Königreich Sechsen, da« ist gleich einer Erhöhung der Ein- kommenfteuer um 80 pCt. Dazu kommt die Erhöhung der übrigen Lebensmittelpreise durch die Aararzölle, welche dem Lande aufgelegt find, lediglich um die Verzinsung der künft- lich gesteigerten Bodenpreise zu erzielen. In anderen Ländern, weiche solche Zölle nicht haben, prosperirt die Landwirthschaft, weil Grund und Boden seinen natürlichen Werth hat, bei uns aber muß der Staat helfend eingreifen. Die Produktion wel- cher Gegenden hat denn der Herr Staatssekretär im Sinne, wenn er meint, dieselbe werde den Ausfall decken? Die Wohl- habenden, auf deren Tisch Wild und Geflügel aufgetragen wird, leiden unter dem Verbot naturgemäß weniger, als der Arbeiter, der zu seinem Brote ein Stück Fleisch oder Speck ißt. Nuvßist erwähnt worden, daß auch der Lohn ein besserer gc- worden sei. Bei der Textilindustrie, der wichtigsten in Sachsen, ist dies beispielsweise nicht der Fall. Wochenlöhne von 10, 11, höchstens 12 Mark find hier die Regel, und dieser Lohn ist als befriedigender doch wohl nicht zu bezeichnen. Gerade hieraus dürfte fich wesentlich die Zunahme der Sozialdemo- kratie in Sachsen'erklären. Die landwirthschaftliche Bevölke- rung in Sachsen macht nicht ein Viertel der Gesammldeoölke- rung au«, so daß die Interessen derselben für da« Einfuhr- verbot nicht angelührt werden können. Das Schweine- Ein fuhr- verbot soll wie hier behauptet wird, nicht Schuld an der Er- höhunz der Fleischpreise fem, in den Grenzdistriktcn aber steht man an dem Unterschied der Preise jenseits und diesseits der Grenze wohl, wie bedeutungsvoll dies Verbot wirkt. An schul- freien Nachmittagen«ehe« Frauen und Kinder schaarenweise über die Grenze, um Fleisch zukaufen. Diezollfreie Einführung von Fleisch in kleinen Quantitäten erreicht eine sehr bedeutende Höhe. Die sächfische Regierung selbst erkennt die Nolhwendig. kert der Sperrmaßregeln in den Grenzdistrikten nicht an. Daß aber die zetz gm Velerinärmaßregeln für den Schutz doch nicht ausreichen, ergiebt fich daraus, baß die Seuche auch bei uns um fich'greift. Ich befürchte, unser Antrag wird keine An- nähme finden, wir haben aber das Unsere gethan, und die Bilterkeit und die Unzufriedenheit im Volke wird auf das Konto Derer gesetzt werden, die da« Verbot eingeführt und aufrecht erhalten haben.(Beifall links.) Staatssekretär Koettlchev: Der Herr Vorredner hat in der Hauptsache eine pol, tische Rede, aber weniger eine Rede über das Schveine- Einfuhrverbot gehalten. Ich glaube, daß, nachdem dre deutschfreifinnige Partei bei der ersten Lesung de« Etat« in der ausgiebigsten Weife ihren politischen Schmerzen hat Lust machen können, eine solche Behandlung des Gegenstandes nicht nöthig ist, und weiter glaube ich, daß die Sache schon über Gebühr hingezogrn wird.(Oho! links. Sehr wahr! rechts.) Es kommt allerdings nrcht darauf an, jetzt noch allgemeine politische GefichtSpunkt« zu erörtern, sür deren Erörterung in der ersten und trilten Lesung Plötz ist.(Widerspruch links.) Ich kann Ihnen nicht helfen, ich dm nun einmal der Ansicht, daß man nicht bei jeder Gelegenheit über Alles sprechen muß. (Sehr richtig! recht«.) Ich will nicht auf die von dem Heirn Vorredner berührten politischen Parteiverhältnisse in Sachsen eingehen, sondern rein sachlich diskutiren. Der Vorredner hat darauf hingewiesen, daß die Nachbarländer nicht präventiv ge- schützt find, und doch die Landwiithschast fortbestehen könne. Aber in jenen Ländern liegen andere Wirthschaftsbedingungen vor. So hat Ihnen auch H rr Graf Hoensbroeck gestern dar- gelegt, daß in Holland das Schwemefleisch theurer ist, als bei uns. Der ausländische Produzent erhält eben mehr Geld als der deutsche und ist andererseits nicht so wie dieser durch Grund- steuern und andere Steuern gedrückt, er kann billiger produziren. E« ist ein Jrithum, wenn der Herr Vorredner meint, daß die sächfi'che Regierung dem Einfuhrverbot nur mit Vorbehalt zu- gestimmt habe. Die sächfische Regierung hat keinen Vorbehalt gemacht und ist erst bei den weiteren Verhandlungen mit dem Wunsche hervorgetreten, daß zahlreiche Ernbruchsstellen an der Grenze errichtet würden. Sachsen hat auch kaum noch Grund zur Klage, nachdem vor Ku-zem der Dresdener Vichmarkt neu eröffnet worden ist. Wenn gesagt worden ist, die Löhne seien in Sachsen nicht gestiegen, so ergiebt fich au« dm Berichten der tabrikinspektoren Lbereinstimmmd, daß die wuthschaftlich« age der Arbeiterbevölkerung infolge der allgemeinen Lohn- zunähme eine befriedigende ist. Mit dem zunehmenden Ertrage der Industrie find die Löhne im Allgemeinen gewachsen(Sehr wahr! recht«), wmn ich auch weiß, daß e« Industriezweige giebt. in welchm das nicht in entsprechen« dem Maße geschehm ist. Was die Dauer der Absperrung«- Maßregel betrifft, so ist dieselbe durch die Tendmz und dm Zweck des Verbotes gegetm: mit dem Momente, wo die Gefahr vorüber ist, wird die Aufhebung in Frage kommen, vorher nicht.(Beifall rechts.) Die Ausstellung von Gesund- heitSattesten kann die Absperrung nicht erfttzm. ES giebt kein fickereS Mittel um das Fehlm der Infektion zweiftlsfrei fest- zustellen. Die Inkubationszeit ist bei der Maul- und Klauen- smche keine fest bestimmte, es steht nur fest, daß sie ziemlich lange dauert; wenn daher auch auf dem Transport die Krank- beit als nicht vorhandm festgestellt ist, so kann man nicht mit Sicherheit ongebm, ob nicht«ine jmseits der Grenze einge- tretme Jnfeknon noch nach Wochm zum Ausbruch kommt. Was im Auslande gegebene Gesundheitsatteste bedeutm, haben wir erfahrm, sie find oft sehr fragwürdig. Wenn man näher der Grenze liegende Orte, wie beispielsweise Waldenburg, mit Ausnahmm von dem Einfuhrverbot beglücken wollte, so läge doch die Möglichkeit vor, daß bei Gelegen- heit des Transporte« der Thiere die Seuche fich weiter verbreitete, und dies müssm wir verhindern. Heun Dr. Buchow gegenüber möchte ich einige thatsächliche Berichtigungen mackm. Herr Buchow hat fich darüber beklagt, daß nichts zur Bekämpfung des Rothlaufs geschähe, daß diese f rage vielmehr ruhe. Dies ist nicht der Fall. Wir haben dm eutschen LandwirthschastSlath, sowie verschiedme landwirth- schaftliche Vereine zur Begutachtung der Angelegenheit aufge- fordert und die Sache liegt jctzt so, daß Erwägungm darüber stalfindm, ob zur Bekämpfung de« Rothlaufs eine nme Ge- fttzeS-Vorlage gemacht werdm soll, oder ob der Bundesrath mrt Vorschnften dagegm vorgehen soll. Ich glaube, daß in der nächsten Zeit schon praktiiche Resultate vortiegm werden. Wenn werter bemerkt wurde, da« Einsuhrverbot sei eine zwciichncidge Waffe, weil unsere Nachbarländer mit ähnlichm Verfügungm uns antwortm würden, so möchte ich nur saam, daß wir m dieser Beziehung jetzt schon so schlecht gestellt find, daß eine Verschlimmerung unsere« ZustandeS kaum mehr zu fürchten ist. Nach Großbritannien, Belgien und Frankreich ist uns die Einfuhr verschlossm. Sie Alle wissen wohl aus dm Z-itungm, welche Bestrebungen sei- tm« der Reich scegierung gemacht worden find, um wenigstens der Provinz Schleswig- Holstein die Einfuhr nach England wieder zu eröffnm— bis jetzt leider vergeblich. Die Herren aber, welche aus Schleswig-Holstein hier im Hause sind, wissm, welche Verluste dieser Provinz dem englischen Einfuhrverbot erwachsen. DaS Einzige, was wir thun können, um die Wiebereröffnung des Auslandes für unseren Vlehexport zu er- möglichen, ist, daß wir selbst der Smche so streng wie möglich mtgegentretm und uns durch Einfuhrverbote vor Ein« schleppung der Seuche in unser Land schützen.(Beifall recht«.) Abg. Mindthorft(Centr.): Ich halte es für richtig, un- sere Verhandlungen wieder auf die einfache Basis zurück- zuführen, auf die Frage, ob der Antrag Barth anzu- nehmen ist oder nicht. Besprechungm der Sperrmaßregeln an der rusfischm und österreichischen Grenze gehören streng ge- nommen nicht dazu. Zur Zeit kann ich für den Antrag nicht stimmen, es handelt fich einfach darum, ob der Krankheitsheerd jmseits der Grenze fortbesteht oder nicht, alle anderen Fragen müssm ausscheiden. Ich hätte nun gealaubt, daß un« in dieser Frag« mehr Material aus Konsular-Berichten und von Grenz- behö ben vorgelegt werden würde, dann hätten wir eine feste Grundlage für unsere Verhandlunam, denen die große Masse der Bevölkerung mit Spannung folgt.(Sehr richtig! links.) In städtischen Kreisen wird die Aufhebung des Verbots ge- wünscht, in ländlichen nicht, weil eben die Fleischpreis- höhere find.(Sehe richtig! links.) Der richtige Siandpunkl ist der, das Verbot aufzuheben, sobald die Seuche im Aus- lande erlolchm ist, früher nicht. Ich hoffe, daß die Behörden sowohl, wie die Grenzbewohner ihre Aufmerksamkeit auf dm Verlauf der Seuche im Auslande lenken, damit der Erlöschen derselben der jetzt bestehenden Kalamität der hohen Fleisch- preise ein Ende gemacht werdm kann. Daß hierbei arch die Spekulation mitwirkt, gebe ich zu, schlimm genug ist es, den Hunger Anderer zu benutzen, um sich die Taschen zu füllm. (Ruf links: Wie die Aararier!— Oho! rechts.) Zur Zeit muß ich meinerseits dm Antrag, wie die Dinge liegen, ab- lehnm. Prmß'scher Minisser der Landwirthschaft Freiherr Horw« vo« KaUhauje«: Meines Erach'enS hat der Herr Vorredner die voilrevende Frage auf dm richtigm Ausgangspunkt zurück« geführt. Ich will das von ihm geforderte thatsächliche Matena! gern geben. Fortwährend find die Regierungen seitens der Diplomat'« über die Verbreitung der Seuchm auf dem Lau- fmdm erhaltm worom. Gerade dadurch find wir veranlaßt worden, zu der Maßregel der Einfuhrverbote zu greifen. Unter dm Sachverständigen besteht darüber kein Zweifel, daß die wirksamste Form der Gesundhertspfleae eine prophylaktische ist. Wir müssm suchen, dem Einbruch von Seuchm vor-u- beuam. Sind die Erfolge der Prophylaxis auch negativer Natu-, so könnm sie doch dadurch konstatirt werdm, daß wir vor großen Seuchm geschützt waren. In UJahrm Häven wir die Rinderpest nur zwei Mal im Lande gehabt und nur ku'ze Zeit. Was die jetzt in Rede stehenden Maßregeln anbetrifft, da« Einfuhrverbot gegen Dänemark, so trat zuerst vor 2 Jahren in Skandinavien die Schweinepest auf, die fich bald nach Däne- mark verpflanzte. Die ersten Erscheinungen dieser Krankheit stnd die heftigsten, und die Morbstät gerade kurz nach dem Autbruch eine starke. Deutsche Veterinäre sind an Ort und Stelle geschickt worden und haben die Krankheit eingehend ftudirt. Noch im Herbst 1888 wurde von ihnen eine weite Ausdehnung d«r Krankheit konstatirt, obgleich die dänische Re- gierung ihr mit allen Mitteln zu Leibe ging. Wenn also die preußische Regierung vor zwei Jahren die dänische Grenze ge- sperrt hat, so hat sie nur ihre verdammte Pflicht und Schuldig. keit gethan, die deutsche Landwirthschaft vor der In« vafion der Seuche zu bewahren.(Beifall.) Man könnte uns höchstens dm Vorwurf machm, daß wir zu spät gc« sperrt haben. Es ist bekannt, daß die Jahre 1888 und 1889 für die Landwirthschaft höchst ungünstig waren. Das Jahr 1888 war durch Ukb-rsckwemmungen, eine schlechte Kartoffelernie und schlechten Futterstand ausgezeichnet; dcmenlsprech.nd reduzirte fich auch der Schweinebestand. Ebenso liegen die Verhältnisse im Jahre 1889, welches ein sehr ungesunde« Jahr war, und wahrscheinlich wirken die Zustände de« Vorjahrs auch jetzt noch weiter, genug, auch 1889 ist eine weitere Reduzirung de« SchweinebrstandcS erjolgt. Angesichts dieser Thatsachcn haben wir uns so lange wie möglich gegen das Einfuhrverbot gewehrt; aber im Juli wäre ein längeres Zögern eine Pfl'cht- Vergessenheit gewesen. Was Rußland betrifft, so haben wir die Sperre gegen Rinder, Schafe und Schweine schon früher gehabt, gegen Gänse und Federvieh ist sie erfolgt, nachdem konstatirt worden ist, daß auch durch solche Heerdm die Maul- und Klamnseuche weiter ver- schleppt werdm kann. Wir haben Ausnahmen blos in Oppeln für die Zufuhr aus Rußland zugelassen mit Rücksicht auf die dichte Montanbevölkerung und weil Oppeln ein lodter Winkel, gewisserniaßm ein Verkehregebiet für sich ist. Wir haben dort mit allen Kautelen vier bis fünf Schlachihäuser eingeriebtet. Aber auch dort haben Einschleppungen stattgefunden. Im Mai diese« Jahres waren in 20 SchweinettanSporten 336 Erkran- kunaen konstatirt. Im Juni war dort gleichfalls die Seuche vorhanden, im Juli zeigten 23 Transporte 507 Erkrankungen. Die angeführtm Zahlen beweisen, daß wir so weit gegangen find, wie wir irgend durften. Ick glaube versichern zu dürfen, daß wir uns unserer Verpflichtung, einerseits die Land- wirthschaft zuschützen, andererseits nicht weiter milSperrmaßregeln vorzugehen, als unbedingt nöthig ist, vollständig bewußt find. Wm» ich mich zu dm vorliegenden Anträgen wende, so fehlt dem Antrage Barth jede Voraussetzung zur Annahme, denn, wie schon gestem bemerkt worden ist, ist nach Aeußerungm im Folkethina zu Kopenhagen die dänische Seuche noch nicht er- loschm. Was den Antrag des Herrn Websky anlangt, so ver« sichere ich, daß die DrSpmsationm keinm Tag früber eintreten werdm, als eS angangig rst. Ich bitte das hohe HauS auch diesen Antrag abzulehnen. Sre dürfen das Vertrauen haben, daß die verbündeten Regierungen in allen Fällen nach dem besten W-ssen und Gewissen verfahren werden.(Beifall) Abg. Mebskq(natl.): Den Antrag Barth könnm wir nach den Erklärungen der berdm Herren Mmifter nicht mehr 10 P"r auch die Nachtheile der Sverre nicht unterschätzen. Ich habe deshalb vorgeschlagen, die Stellen, für welche unter Kontrole die Einfuhr gestattet wird, zu v rinch-m. Ith ftabe dabei besonders Waldenburg im Auge. Im Waldenburger Kreise war auch schon vor der Spene rer Preis des Schweinefleisches gestiegen, und die eirzige Abhilfe dagegm ,st vermehrte Einfuhr. Nun find ja in Odersstlefien an vier Orten unter gewissen Bedingungen die Cpc.r- maßregeln ou�gekoben worden, aber das genügt nicht. Was Ratibor erlangt hat, scheint mir auch Waldenburg verlangen »u können mit Rücksicht auf seine Arbciterbevölkerung und se ne Lage unmittelbar an der Grenze. Man kann ja die Kontrole vertchärfen, so weit es nur möglich ist, aber die Vermehrung der Einbruchstationen dürfte nicht abzu« weisen fern und dahin geht mein Antrag, den ich anzu- nchmm bitte. Abg. von Medell-MulchoW(dkons.): Herr Buddeberg hat eine sächfische Wvhtrede geha-ten, und ich hoffe, daß er denselben Ei folg damit haben wird, wie beiden letzten Wahlen ihn seine Partei in Sachsen zu verzeichnen hatte. Er hat be- havptet, drei Viertel alles Schweinefleisches, das'in Sachsen verbraucht werde, seien importirt. Dann müßten ja fast gar keine Schweine in Sachsen vorhanden sein. Ich möchte gegen- über leinen Klagen über die Sverre nur bemerken, daß 1881 vor den Zöllen und ohne die Einfuhrbeschränkung der Preis des Schweinefleisches ebenso hoch war, wie jetzt, und zwar aus denselben Gründen, denn auch damals hatten wir große Ab- gänge im Innern und schlechte Futterverhältniffe. Abg. Krömel(dfrers.): Der Herr Staatssekretär hat uns vorgeworfen, daß wir die Etatsverhandlungen über die Gebühr mit Anträgen beschwerten. Diese Art der partei- politischen und persönlichen Anzapfung fort und fort ist zuerst von dem Herrn Staatssekretär beliebt worden.(Unruhe.) Präsident v. Levechow(den Redner unterbrechend): Ich habe noch nicht gehört, daß der Herr Staatssekretär ein Mitglied des Hauses persönlich angezapft hat.(Heiterkeit.) Abg. Krömel: Der Herr Staatssekretär hat Herrn Richter angerathen, auszuwandern.(Rufe links:„Sehr richtig Man konnte steh keinen schrofferen Gegensatz denken, als er zwischen den sachlichen Ausführungen Richters und der persönlichen Spitze, auf welche der Herr Staatssekretär seine Ausführungen hinauslaufen ließ, bestand. Wenn wir in ebensolcher person- lichen Weise die persönlichen Eigenthüm'ichkeitcn der BundeS- rathSmitglieder erörtern und unsere persönlichen Wünsche dabei aussprechen sollten— ob diese Wünsche nickt auch auf Aus- wandeiung der BundeSrathsmitgtieder hinauslaufen würden, will ich für den Augenblick unentschieden tasten.(Heiterkeit. Ruf rechts:„Retourkutsche!") In allen Parlamenten ist es üblich, etwaige Beschwerden bei den dazu gehörigen Posttionen des Etats voizubrirgen. Die Maßregeln g-gen die Viehseuche gehören in daS Geviet des ReichSgefundheitSamteS und find daher bei dieser Posttion zu erörtern. Die Freude des Herrn Grafen Mirbach über die Höhe der Schweinepreise ist nicht ohne Beigeschmack; wirthschaftlrch richtiger ist es, wenn die Preise für nöthige Nahrungsmittel des Volkes gering stnd. Nicht allein die Verhältnisse des, Konsums in Schleswig-Holftein haben uns zu unserem Antrage geführt, sondern auch die Rück- ficht auf die Hamburger Exportschlächtereien, welche allein in einem Jahre über 300 OVO Schweine aus Dänemark bezogen. Der Export dieser Schlächtereien betrug mehr als das Doppelte desjenigen TheileS des Bremer Exportes, zu dessen Gunsten wir die ReichSpostdampferlinien errichtet haben, nämlich über 32 Millionen. Dieses ganze Schlachtgeschäft ist aus Hamburg jetzt nach England und Dänemark übergegangen. Eine ernste Gefahr droht uns aus Dänemark nicht; man darf die Ab- fperrung nicht zu einem StaalSdogma machen, sie ist weder rröthig, noch nützlich. Man hat uns von der großen Zahl der verseuchten Gemeinden im Auslande gesprochen, denkt man dabei nicht an die über 1000 Gemeinden, an wel- chen bei uns die Maul- und Klauenseuche herrscht? Eine geeignete Veterinärpolizei im eigenen Lande gewährt den besten Schutz, während die beste Äbsperrungs Maßregel die Ein- schleppung nicht verhindert und den Schmuggel fördert. Man führe also alles eingeführte Vieh auf Schlachthöfe, auf weichen es untersucht und aus denen kein Stück wieder lebend heraus« gelassen wird. Staatssekretär». Kötticher: Der Herr Vorredner hat mir Unrecht gelhan, wenn er mir vorwirft, ich hätte seine Partei geringschätzig behandelt. Das kann in keinem Falle in dieser Sitzung geschehen s.in, denn ich habe vorher nur von den allgemeinen Schmerzen seiner Partei, die bei der ersten Lesung des Etats zum Ausdruck gekommen seien, gesprochen und gesagt, daß sich durch die Wiederholung derselben die Ver- Handlungen über Gebühr hinziehen. Abg. Kedlmuyr(nationalliberal): Die ungünstige Wirkung des Schweine- Einfuhrverbots zeigt sich auch ,n dem Steigen des Preises für andere Jleischforten, so daß in München allgemein, wenn keine Aushebung der Grenz- sperre möglich ist, doch Erleichterungen in dieser Beziehung ge« wünscht werden. Die Einkaufspreise sind seit Anfang dieses Jabres gestiegen: bei Schlachtvieh um 13 pCt., bei Kälbern I. Qualität um 30 pCt.. II. Qualität um 50 pCt. Aehnlich verhält es sich mit den Detailpreisen, so daß Abhilfe dringend nothwendig ist. Staatssekretär v. Kötticher: Anträge im Sinne der Wünsehe des Herrn Vorredners sind im BundcSrathe noch nicht vorgebracht worden, ich kann also nicht sagen, wie sich der BundeSrath dazu stellt. Auf wohlwollende Berücksichtigung derechtrgter Interessen kann der Herr Redner sicher rechnen. Abg. Graf v. Koensbroech(Centr.): Da meine gestern mitgetheilten Zahlen in Bezug auf den Vergleich holländischer und deutscher Fleischpreise angezweifelt worden sind, so will ich darüber einige nähere Angaben machen. ES handelt sich um die Fleischpreise von zwei sich an der Grenze gegenüber liegenden Ortschaften, Goch im Kreise Cleve und em kleines Lavdstädtchen in der Provinz Nord-Bradant. In Goch herrscht «twas Industrie, ein Umstand, der für die Fleischpreise doch nicht günstig ist. Die Preise beider Orte find von den kleinen Metzgern angegeben, von denen derjenige auf preußischer Seite — was zur Bekräftigung seiner Angaben den freisinnigen Rednern gegenüber gelten wird— jüdischer Konfession ist. Abg. Frhr. v. Friese»(dkons.) wendet sich gegen die An- gaben des Abgeoedneten Buddeburg über die Folgen des Ein- fubrverbots in Sachsen. Nicht bloS i des Konsum» von Schweinefleisch werde in Sachsen selbst produzirt, sondern umgekehrt und nur Zj werde importirt. Es gebe kaum ein Land, wo gerade von kleinen Leuten so viele Schweine ge- halten werden wie in Sachsen. Deshalb komme das Verbot auch nicht bloS der Landwirthschaft, sondern vielfach auch städtischen Arbeitern und Handwerkern zu Gute. Abg. Graf Holstein(deuischkonf.): Auch in anderen Ländern ist der Preis des Schweinefleisches in die Höhe ge- gangen, und wenn wir die Sperrmaßregeln aufheben, so werden unsere Bestände dezimirt und der Schaden wird no» größer werden. Herr Beömel hat gemeint, tue Maul- und Kiauen- seuche sei nicht so gefährlich. Ich bemerke rhm, daß rch selbst vier werthvolle Kühe dadurch verloren habe, der großen Ver- luste für d.e Molkerei bei der Jnfieirung des ganzen Stalles garnicht zu gedenken. Wenn Herr Virchow den Agrarrern vorwirft, ne wollten scharfe Abwehrmaßrezeln nur nach Außen, nicht im Jnlande, so rufe ich dre Herren, die eS wissen, als Z-ugen dafür auf, daß in der Vetermärkommission, deren Mrt- glied ich bei der Beraihu.g unserer Seuchengesetze war, gerade sämmlliche Lindwirthe einmnthig die strengsten Maßregeln gegen die Verschleppung im Jnlande verlangt haben.(Lebhafte Zustimmung.) Was SchleSwig-Holstein beliifft, so würden durch die Emschleppung der perniceösen dänischen Seuche der Großgrundbesitzer, der Bauer und der arme Tagelöhner, der sein Schwein aufzieht, eine solche Einbuße erleiden, daß eine Landeskalamität sonder Gleichen dadurch entstehen würde. Die Diskussion verläßt nunmehr das bisher besprochene Thema und wendet sich in Bezug auf den Etat de» Reichs- gesundheitsamtcs noch anderen Fragen zu. Abg. Gngler(natlib.) fragt an, wie es mit den Ver- Handlungen behufs Einführung einer P rüf un g s- Or d- nungfürChemiker stehe. Staatssekretär o. Kötticher: Die dieserhalb geführten Verhandlungen find nock nicht zum Abschluß gediehen Die Grundzüge einer solchen Prüfungsordnung find vom Bundes- rathe festgestellt und der preußischen R-qierung zur Ruck- äußerung mitgetheflt worden. Sache des Reichs ist der Erlaß solcher Plüfungsoorschristen allerdings nicht, vielmehr muß hier die Jnit-ative den einzelnen Regierungen überlassen wersen. Immerhin kann von Reichs wegen derVcrsuch einer Verständigung zwischen den einzelnen Regierungerr gemacht werden. Jeden- falls dürfte, ehe an dre Prüfungsordnung für technisch« Chemiker berangegangen wird, abzuwarten fem, wie die Pcü« fung der Nahrunginntteh Chemiker wird geregelt werden. Abg. Goldschmidt(d.-sreis.) glaubt, daß geeignete NahrunzSmiitel-Techniker nicht durch PrüfungSvorichrrften ge- wonnen wurden, sondern nur durch geeigneten Unterricht, bei dem Theorie und Praxis verbunden fern müssen, an den Tech- Nischen Hochschulen. Abg. Grub(nat. lib.) fragt an, ob die ReichSregierung gesonnen sn, zu der Frage der Zulassung von R e a l> ch u l- abiturienten zum Studium der Medizin Stellung zu nehmen. Abg. Miudthorst lZentr.) bemerkt, daß die Regelung dieser Frage Sache der Ewzesstaaten sei. Staatssekretär o. Kötticher: Im Anfange der achtziger Jahre hat der Bundesrath eme Sachverständigen-Kommijsion in Betreff der Feaae berufen, ob den Realgymnasien die Eigenschaft zu verleihen sei, als Vorbereitungsstätten für das ärztliche Studium zu sungiren. Man verneinte diese Frage weil damals die Realschulfrage überhaupt noch nicht abgeschlossen war. Die Realschulen selber waren verschieden geartet. Die Leistungen derselben waren nicht gleichwerthig. Eine neue Anregung ist an den Bundesrath seitdem nicht herangetreten, auch scheint mir der gegenwärtige Zeitpunkt nicht geeignet, eine derartige Berechtigung der Rmlgymnasien herbeizuführen, iveil der ärztliche Beruf überfüllt ist. Für das Vaterland des Herrn Vorredners, Württemberg, scheint mir ein B-dürfniß auch deshalb nicht zu bestehen, weil dort nur in U m und Stuttgart Realgymnasien bestehen, an jenen Orten aber zugleich klassische Gymnasien vorhanden sind. Hieraus wird die Diskussion geschlossen und zur Ab- stimmung über die Anträge zur Frage des Schweine- einkuhrverbots geschritten. Der freifinnige Antrag(Barth und Genossen) wird mit großer Mehrheit abgelehnt, die vom Abg. Websky be- antragte Resolution ebenfalls, und zwar mit geringer Mehrheit, abgelehnt. Gegen die letzteren stimmen die konservativen Parteien und das Zentrum. Nach Erledigung des Kapitels des ReichSgesundheitS- amtes wird die weitere Beralhung des Etats auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. Schluß 51 Uhr. Lottsles. Eine recht charakteristische JUnstratto« zu dem Kapitel von der Ausbeutung der weiblichen Arde>t»kcaft liefert folgender Fall: Ein hier zugereistes 20jähnges Mädchen be- mühte sich um eine Stelle in der Hauswirthschaft. Da es ihr nieht gelang, alsbald eine solche zu erhalten, nahm sie einst- weilen in der Fabrik der Aktien-Gesellschaft Jute-Weberei und Spinnerei Stralau-Berlin Arbeit. Da traf es sich, daß sie Ende der zweiten Arbeitswoche in eine ihr zusagende Stelle treten konnte, und sie gab deshalb die Arbeit in der Fabrik auf. Da eine Kündigung beim Arbeitsantritt ausgeschlossen war, stand dem auch weiter nichts im Wege. Am Sonnabend der ersten Woche hatte sie von ihrem Lohn, der auf sechs Mark festgesetzt war, 4,80 Mark erhalten, denn 1,20 Mark wurden ihr für das Krankenbuch abgezogen. Am Sonn- abend der zweiten Woche sollte sie nun 6,25 Mark er- hallen und ihr Zahlzettel war auch bereits ausgefüllt. Als sie nun aber erklärte, aushören zu wollen, strich derAuS zahlende mit Bleistift die 6 25 M. durch und schrieb dafür 3,05 M. und erklärte ihr nunmehr, daß sie nickt mehr verdient hätte. Der Arbeiterin wurden also für 2 Wochen bei llstündiger täglicher Arbeitszelt im ganzen 7,85 M. bezahlt.— Welche Perspektive eröffnet sich nun einem 20jährigen Mädchen, wenn es, ohne Verwandte oder eigene Mittet in der Großstadt in diefe Lage geräth, wie es thrtsächlich bei Hunderten der Fall ist? Wie traurig müssen doch die Dividenden der Aktionäre dieser Gesellschaft aussehen, wmn sie gezwungen ist, eine er- wachsene Arbeiterin für eine AebeitSwoche von 63 Arbeits- stunden mit 3 05 M. abzulohnen. In der Nähe»on Fabrik- Geb Lude« pflegt sich auf den Straßen am Sonnabend nach Smluß und nach Aus» löhnung der Arbeiter ein reger Handelsverkehr zu entwickeln, und es mag wohl Händler geben, welche glauben, diese Ge- legenheit benutzen zu können, um minderwerihige Waare zu guten Preisen los zu werden. Es hatte sich am letzten Sonn- abend auf dem Kottbuser Platz ein A-pfelhändler mit seinem Wagen aufgestellt, welcher'den zahlreich vorüderkommenden Ar- beitern seine Waare anpries und zwar anfänglich mit dem besten Erfolg. Plötzlich aber kamen zwei daher, welche den Händler wiedererkannten und ihm vorwarfen, schon an den früteren Sonnabenden schlechtes Obst auf diesem Platze ver- kauft zu haben. Mehrere Arbeitennnen, die ebenfalls herbei- kamen, bestätigten diese Behauptung und im Nu war der Aepfelwagen von Kaufluftigen verlassen. Der Händler hielt eS für angezeigt, schleunigst mit feinem Vorrath zu verschwinden. Gin anscheinend nicht ernsthaft gemeinter Selbstmordversuch war es, den gestern em bei Verwandten m der Schönhauser Allee zu Besuch weilender„Backfisch", ein 15 jähriges Mädchen aussühete. Das junge Dämchen Anna H., dessen Eltern in der Potsdamer Vorstadt wohnen, hatte, während seine Verwandten im Nebenzimmer saßen, einen Augenblick des Alleinseins benutzend aus einer mitgebrachten Jla'che„Schwefelsäure" getrunken und sich außerdem noch einen leichten Schnitt an der reckten Hand mittelst eines Tafchen- Messers beigebracht. Wider Erwarten blieb jedoch die jiwend- liche Selbstmordskandidatm etwas länger allein, wie sie ge- glaubt, und da sowohl daS eingenommene Gift, wie auck der eingetretene Blutverlust zu wirken begannen, rief der Boekfisch laut um Hilfe. Die sofort hmzugekommenen Ver- wandten riefen einen Arzt herbei, welcher einen Nothoerband anlegte, Gegenmittel ge.en daS Gift anwendete uad die kleine Jnteiessante nach der Wohnung ihrer Ellern schaffen ließ. Als Grund des Selbstmordversuchs gab die Fünfzehnjährige an, daß sie das Ideal ihrer Veiehrung und Liebe— wahrscheinlich irgend ein Klavierleh er oder hoffnungsvoller Portepeefähnrich — zu sehr geliebt und von demselben verschmäht, den Tod ge- sucht habe. Polizei-Kericht. Am 18. d. M. Morgens wurde ein Mann in semer Wohnung in der Fehrbellmerstiaße erhängt vorgefunden Abends ve. suchte ein Kürschner in seiner Woh- nung am WeinbergSwcg seinem Leben durch Gift ein Ende zu machen. Er wurde noch lebend nach der Chantee gebracht. — Im Laufe des Tages fanden on acht verschiedenen Orten kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. GerWfrts-Äeiktrng. Unter großem Andränge de» Publikum» wurde gestern vor der zweiten Straftammer de« Landgerichts I ein Prozeß verhandelt, welcher dadurch ein besonderes Interesse erregle, weil der Vertherdiger, R.-A. Arthur Sladthagen, in derselben Sache den Gerichtshof wegen Befangenheit da meisten Mitglieder desselben abgelehnt hat. Es handelte st� um eine sogenannte Slreik-Ausschreitunz, deren sieb die beiden Maurer Lickterfeld und Biecke schuld g gemacht baben soue�- Ncch der Anklage haben dieselben am 20. Jal« d. � den Maurer Z-chau dmch Drohungen zur betheiligung am Streik genöthigt. Da Lichterfeld zwischen verßoiben ist, so mußte gegen ihn � Verfahren eingestellt werden und hatte der GencktShoi sich nur noch mit Blecke zu beschästen. Wie bekaniw halte der Vertheidigcr in der Verhandlung, die bereits Oktober stattfand, den Vorsitzenden, Landgerichtsdirer.« Brausewetter sowie die Beisitzer, LandgerichtSraW G r a n d t k e, Graf Strachwitz und A n d r a e wegen-v-' fangenheit abgelehnt und diese Ablehnung dmch nicht wenig« als 19 verschiedene Punkte begründet. In erster Linie wurde behauptet, daß der Vorsitzende den Sozialdemokraten,� � welcher Partei die Angeklagten sich bekennen, feindlich gegenudr- überstehe und diese Gesinnung in verschiedenen siuherru Prozessen an den Tag gelegt habe. Es wurde gerügt, daß der Voefitzende Uebergriffe des treters der Staatsanwaltschaft gegenüber di m Vertheidiger uer den Aneeklagten nicht zurückgewiesen habe, daß derselbe uuzu' lässige Fragen des S aatsanwalts duldete und eS edeui duldete, daß der letztere eine Bemerkung machte, welche auf y wahrscheinlich erfolgende Vcrurtheilung der Angeklagten hwM. und dadurch eine gewisse Voreingenommenheit zum AuSdr« brachte. Der Vorsitzende sollte ferner bei der Zulassung � Publikums zum Zuhöterraum in parteiischer Weise versa>!' sein und besonders dadurch den Gesinnungsgenossen der Ang klagten die Beiwohnung der Verhandlung unmöglich g , nicht haben. Eine fein bliebe Gesinnung des Vorsitzt»-� rn du» gegen sich erblickt der Vertheidiger ferner Umstände, daß eS zwischen ihnen verschiedentlich»u gekommen ist und der Gerichtshof eine vom StaatSa»� gegen den Vertheidiger beantragte O.dnungSstrafe bestau?.' ohne dann dem Antrage des VertherdigerS, auch den anwalt in eine Ordnungsstrafe zu nehmen. Statt zu Bei die'er Gelegenheit habe der Vorsitzende auch eine g den Vertheidiger gerichtete abfällige Bemerkung gemacht, � seine feindliche Gesinnung bekundete und das Mißtrauen v* rufen müsse, daß ein unparteiisches Urtbeil nicht i». warten sei. Da die genannten Beisitzer dies halten des Vorsitzenden geduldet, so sei ihnen die»»'y Selbstständigkeit nickt zuzutrauen, sondern anzunehmen,� sie unter dem Einflüsse des Präsidenten ständen und aus diel Grunde rechtfertige� sich auch ihre Ablehnung. Dies ft»", e�iuieuc leit�eiireigc leu; ereeaj eejie-uorrynung.<,irs" Wesentlichen die Gründe, welche in weiteren AuSführ»� seiner Zert eine mehrstündige Protokollirung erforderten- jL gestrigen Termine stellte der Vertheidiger wiederum einen � tagungsantrag und zwar bemängelte er, daß der Befchl»«,. Gerichtshofes in Betreff des Ablehnungsgesuches dem � geklagten nicht direkt zugestellt worden sei. Staatsanwalt erwideite, daß die Vollmacht des Vertheidigers denselben& drücklich ermächtige, für den Angeklagten Schnß'ü.,, und Dokumente in Empfang zu nehmen und der Grund deshalb hinfällig sei. Dieser Anficht trat der Hof bei und lehnte den Vertagungsantrag des WrtWTOf ab. Sodann wurde der Beschluß des Gerichtshofes in»Jj, des Ablehnungsgesuch eS verkündet. Derselbe ist von de» abgelehnten Mitgliedern der 1'. Strafkammer unter ZuMk! des Landrichters Dr. Frischen gefaßt worden und � fömmtleeh« Ablehnungsgründe� für unzutreffen Prüfung der Sachlage auf Grund der dienstlichen düngen der betreffenden Richter sei Nichts erwiesen,' Neigung des Vorsitzenden, Direktors B r a u s e w<> zur Parteilichkeit gegenüber sozialdemokratischen> geklagten erkennen lasse, daß viele von dem VerlheidiS.�i havpteten Borkommr.iss: jedenfalls keme Beziehung auf jä Klienten haben, andere aber der Begründung entbehre»: � c VÄek, fei auch nicht als erwiesen anzunehmen, daß der lmichjeine Haftung dem Vertheidiger gegenüber vcrsu�jj�' das Vertrauen des Angeklagten zu seinem Vertheidiger schütlern. Was speziell die behauptete unbefugte Brief«�» betrifft, so stehe fest, daß eS sich um ein Packet mit 3�.� handelte und die Berechtigung vorlag, dasselbe zu cid'1� Die gegen die Beisitzer vorgebra�...—________________ zutreffend, da keinerlei Anhalt dafür geboten sei, daß anderen Gründen, als ihrer freien richterlichenUeberzeugung� fr- seien. Was den im Besonderen abgelehnten Ländlich'?� Andrae detrifft, gegen welchen geltend gemacht worden, da»�., selbe auf demselben politischen Standpunkt stehe, wie gf fitzende und im Parlament sich als enragirter G-qner"fyti' zialdemokratie gezeigt habe, so stehe nach einem Reichs, F» erkenntnrsse fest, daß das Eintreten für eine polinsche gegen einen Rechter nicht den Verdacht der B e fangend � gründen könne. Danach seien die sämmtlichen AbtrY» anträgt des Vertheidiger» abzulehnen gewesen.— Der dos trat hierauf in die Verhandlung der vorliegenden � fache ein, welche damit endete, daß der Angeklagte genügender Ausklärung der Sachlage freigesprochen wur�U' In unmittelbarem Anschluß hieran wiederholte anwalt Stadthagen m einer vor derselben Stral anstehenden Strafsache den Antrag auf Abi™ � derselben Mitglieder des Kollegium Befangenheit. Diesmal handelte es sich um eine' wegen Vergehens gegen das Sozialistengesetz, welche 1'® rorytu»ciunjcii» uua wvg-uiipcnBiitv, ��>0«-, die Maurer Ganschow, Tabbert und Richter d j�l Zu deFelben waren 20 Zeugen geladen.— Der überreichte schriftlich die Begründung seiner Ablehnuyfl„e» und erklärte, daß es zum Theil dieselben, zum Tb Gründe seien.— Staatsanwalt Krobitzsch Irüi&'1' zulässig, daß nochmals die Gründe geltend gemacht welche vom Gericht bereits als unzutreffend abgelehnl i.br Der Vertheidiger erwiderte, daß nirgends eine BestiM> stehe, welche den jetzigen Angeklagten verböte, s#? machen, wie vor zum Bblehnungsgrunde geltend»u mache»,-f.irtt andere. Die Angeklagten Ganschow u. Tabbert'., den Vorsitzenden m eine physische Zwangslage geben® und er halte feine Behauptungen, die in dem Av antrage stehen, durchaus aufrecht, insbesondere auck weil über keinen emzigm Punkt Beweis erHoden sondern nur dienstliche Aeußerungen der abgeleym � u, der Entscheidung zu Grunde gelegt worden ikien-,. �, Vorsitzende hatte Vorsorge getroffen, daß vier Eria? � Stelle waren und sofort über die Anträge des Verth Berotbung treten konnten. Dieser Geiichtshof hat ba°. e(Die! --------, her nhen aen. Rlckter zur,u0 i. iUss. Angeklagten, auf Ablehnung der oben gen. Richter zu- u„j® beit de« Vorsitzenden gegen den Vertheidiger h'er» ��� Frage kommen könne, esbch vielmehr nur um eine-vorei v-�c � ----- Angeklagten handele und eine. best gegen die Angeklagien handele und eine der Gerichtshof nirgends als erwiesen H, da»„t* der Gerichtshof nirgends als erwielen, Vtn, 0, Gerichtshof Hobe auch m cht als nachgewiesen «vv»«»»!, vi.d IV" ru vir iiuifviiu*»" J„ keM»a Kalten worden seien, denn die Gerichts serien �yave � jetzigen Angeklagten bracht worden, daß dadurch in eine ihnen die nahenden seeftlche Zwo fluß auf den Fortgang schwebender Strassachev-. �t».-giid nungSgesuch s.r in allen 19 Punkten für unbegru � bjn� worden, sowohl bezüglich des Vor fitzen den, f1®.rjnli« 1 der abgelehnten Beisitzer, welche überdies noch p' , Die An; Mann T l »'schuldigt, ei Miher an '°>nflen vcrb »» titschen Vi Mischen Oi ™ fast glei J"» dem 0 y die Ar �.nnschaft 2» den Hav �ttmmelbonS tyeiNpfosx jj Mtgen, wel Mragen i «»cht", 50( �asialdemo! ,» Ehefrau � anwesenl Hungen, e »»d man be feldemokre �cher und t ?bm-n di Munständik Z � Gan U Beide d wlijei tzird. »«n W- Wad mt N Wtn, daß fte sich von jeder Voreingenemmenheit gegen sozial- �okralische Angeklagte frei wissen.— Hiermit trat der ad hoc pubete Gerichtshof wieder ad und es begann die Hauptver- Mdlnng vor der ordentlichen Strafkammer. . Die Angeklagten, Maurer Wilhelm G a n s ch o w, Töpfer Mnonn Tapper t und Tischler Rudolf Richter werden schult izt, eii er geheimen sozialdeinokratlschen Verbindung als N'yer angehört, bezw. reibotene lo�ialdemoklatische Druck- >°>nflen verbreitet zu hoben. Tie Angeklagten, welche bei der P'llschen Volizei in dem Verdacht st-hen, in der sozialdemo- Milchen Organisation eine Heroorragende Rolle zu spielen, NW fast gleichzeitig mit Haussuchungen bedacht worden und p- dem Ergebnis! derselben wird der Schluß gezogen, wz die Angeklagten dem Vorstande deS der Haupt» ■enmchoft VI B zugetheilten Berliner Bezirks angehören. den Haussuchungen find nun bei G a n s ch o w zahlreiche �»mmelbons zum Besten der Familien Ausgewiesener, ferner »tnnplare des Züricher„Sozialdemokrat", zahlreiche Abrech- Jpgen, welche mit Zahlen und Buchstaben in ein Notizbuch JOetragen waren, Abrechnungen über 50 Stück„Wissen ist «acht", 50 Stück„Christenthum und Sozialismus", 100 Stück z?°ualdewokralische Bibel", femer Packete mit Druckschriften:e. � Ehefrau des Angekl. Gansckow, welche bei der Haussuchung .�.anwesend war, hatte versucht, diese Sachen bei Seite zu •ptigen, es war ihr aber nicht gelungen. Auch bei Tappert l,..pan bei der Haussuchung außer Eintrittskarten zu einem Mldemokratischen Maskenball verschiedene Druckschriften, Mtjer und Broschüren und gleichfalls zahlreiche Abrechnungen, U ef? Handsedrift nach dem Gutachten des Schreib- rperfländig n, Kanzleirath Seegel, genau übereinstimmt mit Ganschow beschlagnahmten, so daß angenommen wird, ■Öerde die Abrechnungen gemeinschaftlich abzufassen hatten. Jprmungen find auch bei Richter vorgefunden worden und die ?«llei glaubt, in ihnen die Belege dafür zu haben, daß der '?°iialdewokrat" noch in großen Massen hier verbreitet ...- Die Angeklagten,'welche s. Z. in Haft genommen, uP. ßegen Kaution von je 3000 M. auf freien Fuß gesetzt F» i? waren, bestreiten jede Schuld. Namentlich bestritt v Mow, daß er von den meisten Dingen, die bei ihm mit $»1, belegt worden, eine Ahnung habe. Er sprach den fe« im au?' daß dieselben bei der Haussuchung vorsätzlich in m■ 0bnun9 gelegt worden seien, um die Haussuchung er» Reicher zu machen. Er bestritt auch, von der sozialdemo- Men Organisation etwas zu wissen und sucht die bei ihm to-im denen Abrechnungen ganz harmlos zu erklären. Die- 5 Methode befolgten die beiden anderen Angeklagten, wäh- Ar»! 2 ber umfangreichen Beweisaufnahme die Kommissarien sü, l« t i l l s r i e d, Schöne und die Kriminalschutzleute es L�eifelloS erklärten, daß es sich um Abrechnungen der Mannschaft Vld handle. Beweisaufnahme bewegte sich in demselben Rahmen früheren Sozialistenprozesse und bot nichts Neues. Die erklärten, daß sie ihre Kenntnisse von dem Bestehen Organisation der sozialdemokratischen Partei, sowie von der jäte, it der Angeklagten bei derselben, theilS aus ihrer lang- iif' M amtlichen Besckäftigung auf diesem Gebiete, theilS aus iL." fiüheren Prozessen zu Tage geförderten Thatsachen und Cf.°us Quellen geschöpft hätten, welche zu nennen ihre lyP« Stellung ihnen verbiete. S'aatSanwalt Krobitzsch vollständig die Anficht der Polizei- Beamten, s-° aie Angeklagten in hervorragender und verbotener Weise Sozialdemokratie thätlg gewesen. Er beantragte gegen i�usch ow ein Jahr drei Monate, gegen Tappert tzf Jahr und gegen Richter ein Jahr zwei tz,°"ate jGefängniß. Die Vertheidiger, Rechtsanwälte �dthchgen und Fla tau, betonten, daß es sich im vor- �"ben Falle wiederum um einen Indizienbeweis handele i K ��lsachan aufgefaßt werden sollten. Sie forde, ten, zr«, Beamten wenigstens ermächtigt werden sollten, •et �«manner zu nennen, damit die Letzteren persönlich SW erscheinen könnten. Nur dadurch sei man in der Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit solcher Hinter- -- ebenso jut Subjekte sein könnten, prüfen, welche ja �iehun? �ozeß�Waldeck eine Rolle spielten. In subjektiver sei absolut nichts erwiesen, in objektiver Be- (ltooü-t ,e' hervorzuheben, daß«ine Verbindung, deren wahren" Zweck der Behörde schon seit mehreren kfotB» �anz genau bekannt ist, unmöglich als eine tObbe Kr im Sinne des Gesetzes angesehen werdm b>ei' der anderen Seite sei es doch sehr bedenklich, etwas, 'dl»»»»r Dot dem Gerichte bewiesen wird, als„notorisch" �biin» Diese Notorietät beginne mit dem Augenblick, als ffhxjblkommissariuS Schöne auftrat und die Herren � ng- Mahlow, Naporra w. angebliche Thatsachen b! � Staatsanwalt K r o b i tz s ch ei klärte sich geneigt, Mti�oalle zu glauben, daß die Beamten dre Notizen in den ... av»r»...„ Büchern falsch dechiffrirt haben, wenn die Beweis antreten wollten, daß die die Vertheidiger- Honorare be- kombinirt haben. Wenn diese seien, dann könne man auch Notizen ihrem Scharssinn ver- adtü einer kurzen Replik stellte Rechtsanwalt fjiisiz. d a g e n noch den formellen Antrag, bei dem Polizei- Ninte* anzufragen, ob er den als Zeugen vernommenen dj. Idolen hat, die Hmtcrmänner zu nennen, von welchen iGew-n�llpdlichen Thalsachen erfahren. Wenn bei einem nii" 5,cde allgemeine Annahmen nicht als ausreichend j�itis�P«chuldigspruch erachtet werden, so sei dies doch bei an Vergehen noch mehr geboten.— Der Gerichtshof um 7 Uhr Abends— diesem Antrage nicht statt- .....'tM vertagen. gleichmäßig iitoluf" �.die auf falsch Sulii�x9"-Ersetzt Äen ber ubrrgen Nach einer agten �vöder, 1 4» 8'"brte .vor die 93 >> Aia«."'"a sogen i�lenm Niaur»??� sogenannter Kolonnensührer einer Gruppe von »Viel-« arn, welche gemeinschaftlich auf einem Neubau ar- ei« or daß für jedes Tausend vermauerter At �chlrs,'. � aUslohn von 8,50 M. bezahlt werden sollte. �,"aer«o..f.der Woche wurde abgerechnet und siel es den ,>,/ive«.�.daß noch Angabe des Angeklagten nur 26 Tausend N ra. �-rwauert. sein so" ö � Ztz?" ergab Mchatzt. �Sie,«.�dwser dem sollten, ße hatten die Menge Eine Nachfrage bei dem Bau- Angeklagten den Arbeitslohn für � �* f" r\s\r\s\ i"l J t- chzahit'hatte� den Lohn für 2000 Stück hatte Qtt UnttSliJ0� in-fcint Tauche gesteckt. Aber noch erne tzg Äfil 'eit des Kolonncnsührers wurde bei dieser Ge- UhK�v fnix' er hat:e nämlich nicht zum Preise von 8 M. 3?. ftinJT'm zu 8 M. 75 Pf. pro Tausend abgeschlossen fe/ �>°ai-„.�ollrgen auch auf diese Weise übervortherlt. tskollegen auch auf diese Weise übervortheilt. agte wegen der beiden Betrugsfälle vier Wochen, der Gerichtshof erkannte beantragte wegen der beiden Betrugsfälle �ei von viei Ks Adeiftlder KiMIWimzeß. Tag der Verhandlung. ..rjoo-. Elberfeld, 18. November. Äm," �andnr-!�si � Uhr begannen vor der Strafkammer des �"ichÄ VerW,« die auf die Dauer von 5 Wochen de- bvs bstde« �'"„bes großen Sozial, stenprozesses. Den o.e Herren LandgerichtSdirektor Dr. Trau- mann(Vorsitzender), Landgerichtsrath Schäfer, Landrichter Fciedländer, Landrichter Tesch und Landrichter Pollitz. Als Hilfsrichter ist mit Rücksicht auf die lange Dauer des Prozesses Herr Assessor Versen beigeordnet. Die Ankiagebehörde wird vertreten durch Herrn StaaiSanwalt Pinoff, welchem für den Ersatzfall Herr Assessor RohS beigegeben ist. DieVenheidigung führen die Herren Rechtsanwälte Dr. Schweitzer, Krüsemann und Lenzmann(Lüdenscheid). Die Stimmung unter den An- geklagten ist eine ausgezeichnete, zahlreiche Rechtsanwälte und Gerichtsbeomte wohnen den Verhandlungen bei. Angeklagt find: 1. Weber Robert Adolph zu Mettmann. 2. Schreiner Emil Barthel in Elberfeld. 3. Reichstagsabgeordneter August Bebel. 4. Buchbinder August Becker zu Apolda. 5. Rechtsanwalt Wilhelm Belle« I zu Düsseldorf. 6. Weder Adam Berend zu Elberfeld. 7. Fabrikarbeiter Georg Bertrom zu Elberfeld. 8. Schreiner Johann Bierenfeld zu Barmen. 9. Fabrikarbeiter Heinrich Bleibtreu zu Elberfeld. 10. Fabrikarbeiter Eduard Bollmus zu Elberfeld. 11. Fabrikarbeiter Hubert BongartS zu Sonnborn. 12. Schuhmacher Severin Breuer zu Köln. 13. Schuhmacher Otto Brodersen zu Barmen. 14. Fabrikarbeiter Heinrich Bubenzer zu Barmen. 15. Schlosser August Busch zu Velbert. 16. Schlosser Theodor Cordes zu Elberfeld. 17. Gastwirih Balthasar Crom er zu Dortmund. 18. Sattler Emil Dastig zu Elberfeld. 19. Fabnkarbeiter Oito von Eckern zu Barmen. 20. Bandwirker Emil Esplör zu Garschagen, Gemeinde Lüttringhausen. 21. Bandwirker Ernst Esplör zu Heide, Gemeinde Lennep. 22. Bäcker Emil Finke zu Elberfeld. 23. Konditor Gustav Adolf Finke zu Elberfeld. 24. Buchbinder Wilhelm Finke zu Elberfeld. 25. Schreiner LouiS Flach zu Elberfeld. 26. Weber Wilhelm Gerstenberger zu Elberfeld. 27. Dachdeckergeselle Friedrich Albert Gester zu Elberfeld. 28. Schreiner Wilhelm Gewehr zu Elberfeld. 29. Redakteur und RnchstagSabgeordneter Karl Grillen- berger zu Nürnberg. 30. Buchdrucker Hermann Gnmpe zu Elberfeld. 31. Schlossergeselle Hermann Hanfe zu Lennep. 32. Schreiner Karl Hahn zu Elberfeld, 33. Speeereiwaarenhändler und Reichstagsabgeordneter Fnedrich Harm zu Elberfeld. 34. Schneider Heinrich Hagedorn zu Dortmund. 35. Weber Maltin Hos zu Ludwigshafen a. Rh. 36. Arbeiter Heinrich Friedrich Hohnsbehn zu Gaarden. 37. Mechaniker Ludwig Christian Horeyseck zu Gaggenau (Baden). 38. Schneider Peter Hüttenberger zu Elberfeld. 39. Redakteur Joseph Jeup zu Elberfeld. 40. Fabrikarbeiter Franz Jserlob zu Lüdenscheid. 41. Andrehet Robert Kaiser zu Neviges. 42. Schuhmacher Paul Köster zu Elberfeld. 43. Fabrikarbeiter Christian Köster zu Barmen. 44. Schriftsetzer Friedrich Gustav Kolbe, genannt Hülle, zu Barmen. 45. Fabrikarbeiter Friedrich KowakowSki zu Elberfeld. 46. Bandwirker Emrl Küpper zu Bannen. 47. Schneider Franz Langohr zu Elberfeld. 48. Vorarbeiter Ludwig Adolf Martin Lehrmann zu Neumünster. 49. Schneider Hermann Lemmer zu Elberfeld. 50. Feilenhauer Emst Leoerberg zu Dicke Eiche-Rem- scheid. 51. Kaufmann Siegmund Loewenstein zu Barmen. 52. Weißwaarenhändler Franz Loose zu Elberfeld. 53. Fabrikschlosser Ludwig Lorenz zu Braunschweig. 54. Schuhmacher August Marschall zu Lüttringhausen. 55. Zigarrmhändler Karl Julius Meist zu Köln. 56. Bandwirler Johann Emil Menzel zu Schaumlöffel. 57. Werkführer Eduard Mohrhmn zu Barmen. 58. Weber Emil Müller zu Elberfeld. 59. Zigarrenhändler Auguit Neumann zu Elberfeld. 60. Schlossergeselle Karl Ferdinand Peter Nielsen zu Kiel. 61. Schlosser Julius Rieß zu Velbert Land. 62. Buchhalter Karl Oertel zu Nürnberg. 63. Fabrikarbeiter Wichelm Pfeiffer zu Elberfeld. 64. Former Max Psüller zu Niederwürschnitz 65. Handelsmann Richard Piegenbring zu Dahlhausen. 66. Fabrikarbeiter Rodert Rendel zu Barmen-Wichling- hausen. 67. ReinSdorff. 68. Agent Ewald Röllinahoff zu Elberfeld. 69. Knvpfarbeiter Oiio Sachse aus Barmen. 70. Fabrikarbeiter Friedrich Salzberg zu Barmen. 71. Schiefei decket August von Schcmm zu Elberfeld 72. Weder Wilhelm Schiefner zu Elberfeld. 73. Praktischer Arzt Dr. Heinnch Schmidt zu Barmen. 74. Fabrikarbeiter Friedrich August Schmitz zu Barmen. 75. Färber F iedrich Schneider zu Elberfeld. 76. Former Rudolf Schürmann, früher zu Lennep, jetzt zu Elberfeld. 77. Lederhändler und Reichstagsabgeordneter Georg Schumacher zu Solingen. 78. Schreiner Hugo Schuhmacher zu Barmen. 79. Schneider und Kleiderhändler Johann Gottlieb von Schumann zu Stuttgart. 80. Bandwirker Karl Siürmer zu Barmen. 81. Maurer Wilhelm Thielmann zu Barmen. 82. Geldgießer Adolf Tracht zu Barmen. 33. Packer Wilhelm Ullenbaum jun. zu Elberfeld. 84. Konsumvereinsvorfteher Christian Balduin Weiß zu Goldlauter bei Suhl; Fabrikarbeiter Ferdinand Weuster zu Schelm. abrikarbeiter Heinrich Wilden zu Remscheid. fandwirker Ernst Wilke zu Ronsdorf. Schlosser Hermann Wind zu Elberfeld. 89. Schneider August Winkler zu Elberfeld. 90. Bandwirk.r Ernst Ewald Winterberg zu Barmen. Von den Angeklagten ist Ernst Esplör wegen Krankheit am Erscheinen behindert, Horeyseck ist durch Gerichtsbeschluß vom persönlichen Erscheinen entbunden, Schiesner und BelleS sind ausgewandert. Gegen letztere Beiden wird Vertagung be- schlössen. Sämmtliche vorbenannte Personen find angeschuldigt, in den Jahren 1883 bis 1888 im Jnlande an einer Verbindung theilgenommen zu haben, deren Dasein, Verfassung und Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll, und zu deren Zwecken und Beschäftigungen es gehört, Maßregeln der Verwaltung und die Vollziehung von Gesetzen, insbesondere deS Reiche gesetzeS vom 21. Oktober 1878, durch ungesetzliche Mittel zu verhindern und zu entkräften,(Vergehen gegen § 128, 129, 73 des Str.-G.-B.) Emzelne der Angeklagten werden außerdem noch anderer Vergehen beschuldigt. Bierenfeld soll in den Jahren 1887 und 1888 zu Barmen und Elberfeld durch Verbreitung von Karten mit der Ueber- schrift„GlaubenSbekenntniß eines guten Deutschen" öffentlich in beschimpfenden Aeußerungen Gott gelästert und dadurch ein Aergermß gegeben, sowie eine Einrichtung der chnstlichen Kirche, nämlich daS apostolische GlaubenSbekenntniß, beschimpft haben.(Vergehen gegen§§ 166, 74, 73 deS Str.-G. B. und § 20 des Reichsgesetzes vom 7. Mai 1874.) Hüttenberger soll am 3. August 1887 zu Elberfeld die ver- botene„Londoner Arbeiter- Ztg." verbreitet haben.(Vergehen 8 19 des Sozialistengesetzes.) Bollmus, Grimpe, Harm, Jeup, Menael, Müller, Pfeiffer. Reindel, Sachse, Schiefner, Schneider, Schuhmacher(Hugo), Ullenbaum jun. und Winkler find beschuldigt, ein Jeder im Landgerichtsbezirk Elberfeld durch Abfassung und Verbreitung des Flugblattes„Gedenkblatt am 21. Februar 1887" erdichtete und entstellte Thalsachen, wissend, daß sie erdichtet und entstellt find, öffentlich verbreitet zu haben, um dadurch Staats einrich« tungen und Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen. (Vergehen gegen§§ 131, 47 und 74 des Str.-G.-B. und 8 20 des Reichsgesetzes vom 7. Mai 1874.)) Die Anklageschrift giebt zunächst eine Darstellung der Ent» Wickelung einer über das Deutsche Reich ausgebreiteten verrinS- ähnlichen allgemeinen Verbindung zur Beförderung sozial. demokratischer Bestrebungen auS der„sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands". Darnach haben sich 1875 auf dem Golhaer Vereinigungskongreß die bis dahin getrennten Partei» richtungen— der„Allgemeine deutsche Arbeiterverein"(Lassalle. aner unter Führung Hasenclever'«) und die„Sozialdemo. kratische Arbeiterparter"(Eiienacher, mit Bebel und Liebknecht an der Spitze) zu einem Verein unter dem Namen.'„Sozial- demokiatssche Arbeiterpartei Deutschlands" verbunden. Es wird dann im Weiteren die Organisation dieser Partei geschildert und erwähnt, daß später im Geltungsbereich des preußischen Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 der Verein und seine Mit- gliedschaften gc schloffen wurden, daß aber die Agitation im Rahmen einer festgegliederten Vereinsthätigkeit sortgesctz». der Name„Parteivorstand" aber in„Zentralkomitee" umgeändert wurde. Auf Grund deS Sozialistenges. tzes seien 1878 sowohl die Mi gliedschaften der Partei, als auch das Parteiblatt„Vor- wärt-" verboten worden. Trotzdem bestehe die Organisatio« innerhalb der sozialdemokratischen Partei fort, indem sie„das W-sen einer zwar dauernden und der Verfolgung bestimmter gemeinschaftlicher Zwecke gewidmeten, aber den formelle« Voraussetzungen des Vereins nicht unterworfenen Vereinigung Mehre. er— d. i. einer Verbindung im rechtlichen Sinne angenommen hat". Die Thätigkeit dieser Ver. bindung s-i naturgemäß eine geheime; doch sei durch zahlreiche Veröffentlichungen der Partei der Beweis cr- bracht, daß mnerhalb derselben eine Organisation bestehe, dt« im Wesentlichen dieselbe sei, wie diejenige der„Sozia'isti. schen Arbeilerp rrtei Deutschland«".?. Es'rwird dann werter ausgeführt, daß der Parteikongreß auch heute noch die oberste beschließende Behörde bilde, daß da« in« Ausland verlegt« Parteiblatt heimlich verbreitet werde, und daß gewählt« od« geheim anerkannte. Vertrauensmänner an Stelle der früher vom Parteivorstand ernannten getreten seien. Die Anklageschrift geht nun näher auf das Partnb'att „Der Sozialdemokrat" und sein Verhältniß zu der Verbindung ein. Durch Zitate aus verschiedenen Nummern mehrerer Jahr- gänge wird der Beweis zu erbringtn gesucht, daß die Redaktion des„Sozialdemokrat" Zentralstelle für die Vermittlung des Verkehrs zwischen den einzelnen Mitgliedern der Verbindnnz und ihrem Vorstande sei und fauch einen Theil der Verwal- tungSgeschäfte der Verbindung habe. Da« Blatt habe mit der Verbindung durch deren Vertrauensmänner stete Fühlung und erzielte Ueberscküsse an die Verbindung abzuführen. Zur Sicherung des Vertriebs verbotener Schriften sei eine„sozial- demokratische Feldpost" eingeführt. Dann sei zur Umgestaltung der Organisation aufgefordert worden, ebenso zur Begründung eine« FlugschriftenfondS. Die Anklage erwähnt ferner die Beschlüsse des Wydenrr Kongresses 1880 nach den Berichten des„Soz.", namentlich auch Streichung des Wortes„gesetzlich" au« dem Gothaer Programm, die Herstellung ein« den veränderten Verhältnissen entsprechenden Organisation, Schassung ein« auswärtigen Verkehrsstelle und Erklärung des„Sozialdemokrat" salS offizielles Parteiorgan. In einem Aufrufe der Parteio«tretung und den ihm zu Grunde liegenden Beschlüssen des Wydener, Kongresses sei die auSdrücküche Weisung zur Begründung bezw. Ausbildung einer geheimen ungesetzlichen Verbindung über ganz Deutschland enthalten.(In dem Beschluß des königl. Landgnichts Elberfeld, Strafkammer I, vom 27. Mai 1889 heißt es u. a.: „... allein zu der Annahme eines nach Konstruktion der Anklage über ganz Deutschland sich erstreckenden GeheimburdeS unt« der zentralen Leitung der jeweiligen RechstagSfraktion und der Redaktion des„Sozialdemokrat" und des Partei- kongresseS, als der obersten Instanz, hat da« Gericht nicht ge- langen können, indem die in der Anklage aufgeführte O gaui- sation nach Prüfung des vorliegenden Beweismaterials ledig- sich als eine Partei Organisation sich darstellt, dagegen die wesentlichsten Merkmale des Begriffes von Verbinduna im Sinne der§§ 128 und 129 Str.-G.-B., nämlich das Vor- handensein eine« umgrenzten PcrsonenverdandeS und die Unterordnung des EinzelwillenS unter den Verbindungswillen vermissen läßt." Der Ref.) Die Anklageschrift führt sodann Beschlüsse des Kopenhazener Kongresses 1883 an, wodurch die Parteileitung die ungesetzliche Herstellung und Verbreitung von verbotenen und zu v«breten. den Druckschriften als einen ihrer Hauptzwecke anerkenne. Auf die„schwarze Liste" übergehend, nimmt die Anklage an, daß dieselbe eine Einrichtung der allgemeinen Verbindung geworden (wogegen der oben erwähnte Beschluß d« Strafkammer in der „schwarzen Liste" nichts anderes sieht,„als die öffentliche Bc- kanntmackung der Namen de jenigen Personen, die sich zwar als zur Partei gehörig ausgeben, m Wirklichkeit aber als aus derselben ausgeschlossen zu betrachten sind". Der Ref.) Unter Zugrundelegung von Artikeln des„Sozialdemokrat" weift die Anklage auf den 1885 stattgehabten Zwist zwischen Bebel un» Frohme hin und nimmt aus diesen Artikeln den Beweis iür das Vorhandensein einer geheimen V«bindung zur fortgesetzten Regelung von Gesetzesübei tretungen. Es wird dann fern« 0« Schiedsgerichte Erwähnung gethan. Das Urtheil de« Freioerger Landgerichts hat nach d«An- klage zwar zu einer Ertlärung der sozialdemokratischen Reich«. tags« Fraktion geführt, der zufolge der„Sozialdemokrat" seine« Charakters als offizielle« Parteiorgan entkleidet wurde und die Fraktion die ihr früh« eingeräumten Vollmachten an die Eigenthüm« des Blattes zurück- gab; gleichwohl sei ein« Aenderung de« Inhalte« de« Blattes oder des V«hältnisse« seiner Redaktion und Expedition zur Parteileitung od« den Genossen nickt eingetreten. Die«»oll au« verschiedenen Artikeln im„Soz al- hemokrat" Hervorzehen. Ebenso sei die Redaktion nach wie vor Sammelstelle für die zum ParteifondS eingehenden Gelder und Mittelpunkt der wesentlichsten Partei. Agitation, nämlich der Verbreitung verboten« Schriften. Auch wnde von Redaktion und Expedition«in wesentlicher Theil d« Parteidisziplr« weiter geübt, wofür als Beweis die Streichung Mann'« aus der„schwarzen Liste", nachdem die„Barm« Vertrauensmänner" beftiedigenoe Auskunft gegeben, angesührt wird. Auf denr Parteitag in St. Gallm sei ausdrücklich der„Sozialdemokrat" als Parteiorgan anerkannt worden. Zu der„Verfassung der in Deutschland bestehenden ver- einsahnlichen Verbindungen zur Beförderung sozialoemokra- Usch« Bestrebungen" ubergehend, bespricht die Anklageschrift zunächst die örtlichen Verwaltungen. Dieselben seien auf Grund der Beschlüsse de« Wydener Kongresse« geschaffen; die Parteivertretuna habe damit die ftüh«e Zusammenfassung in einen V«ein ausgegeben und den Schwerpunkt d« Organe- sation in die örtlichen Verwaltungen gelegt, welcher die Art ihrer Verfassung überlassen blieb. Man scheine sogar gewünschl zu haben, daß die Organisation v«schledenartig werde, um die Verant vorw'iA für dieselbe von der Parteileitung ab« S,:waljen. Oectliche Organisationen scheinen, zum Theil schon vorbereitet, sehr bald in allen größeren Orten hergestellt worden zu sein. Es werden dafür verschiedene Kundgebungen im„Sozialdemolrat* als Beweise angeführt, theilwei'e der Inhalt von Einsendungen, wo auf Organisationen direkt Bezug genommen wird, theilweise auch die Unterschriften von Ein- sendungen, wie»die Leitung in Leipuq Stadt und Land", die �Beauftragten in Magdeburg", die«.Vertrauensleute in Elb«- seid", der«Beauftragte in München" u. A. m. Mit diesen VertrouenSleulen korrespondire die Expedition des«Sozialdemokrat", versende an sie das Parteiblalt. rechne mit ihnen ab u. f. w. Die Parteivertretung selbst fordere zur massenhaften und weitesten Verbreitung des«Soz." auf und erwarte«prompte Abrechnung der Vertrauensleute"(Juni 1882). Oertliche Verwaltungen seien durch richtnliche Urtheile festgestellt worden in Frankfurt a. M., München, Posen, Stettin, Breslau, Altona, Bielefeld, Magdeburg, Leivzig, Berlin, Halle, Hannooer, Kassel, Mainz und Düsseldorf. Daß auch in Barmen und Elberfeld örtliche Verwaltungen bestehen, gehe aus Zitaten aus dem«Soz." hervor. Di« Leitung der allgemeinen Verbindung werde durch die j weilige ReichstagSfrakiion als«Parteivertretung" und von den angestellten Beamten(Redaktion und Expedition) des«Sozial- demokrat" ausgeübt, zum Theil gemeinschaftlich. Diese Thätig- keit umfasse die Anstellung d« Parteibeamten, die Verwa tung und Verwendung der Parteilonds, die Redaktion und Ver- waltung des Parteiblattes, die Verwaltung des Parteiverlags und der Druckerei, die Herausgabe aller zur Verbreitung be- stimmten Schriften, die Verwaltung des ParteiacchivS und die Hebung der Parteidisziplin(Schiedsgerichte und«schwarze L.strn"). Der Porleikongreß sei oberste Instanz d« V«- waltung und Entscheidung aller Angelegenheiten d« allgemeinen Beriindung. Aus alledem leitet die Anklageschrift ab, daß die zur Förderung der sozialdemokratischen Bestrebungen bestehende all« gemeine Vereinigung eine festgefügte Organisation und eine feste Disziplin besitze, so daß ste, wenn nicht als Verein, so doch als eine Verbindung unter allen Umständen erachtet wer« den müsse. Die Anklageschrift betrachte es als notorisch, daß die Endzwecke der allgemeinen Verbindung«auf den Sturz der Monarchie in politischer Hiustcht, und in ökonomister Hinfitt ruf die vollständige Vnnichhing der gegenwär- i,g«n Produktionsweise und der darauf basrrten GesellschaftS- form" gerichtet seien. Als Beweis dafür werden neben einem bei dem Angeklagten Grimpe gefundenen Protest der deutschen Aideitetpartei in der Schwerz gegen da« Verhalten der Abge- ordneten Hasenclever und Bios, eine Reihe von Z taten aus dem«Sozialdemokrat" angeführt. Auf dem international. revo- iunonären Boden der Gekmmtpartei stehe auch die Sozial« demokralie des Wupperthals, deren an die Oeffentlichkeit tretende Haltung zwar eine maßvolle gewesen, aber nur. wie aus den Beobachtungen der Polizei über ihre geheime Wirk» ssmkeit hervorgehe, um die Behörde über ihre wahren Ziele zu läuschen und sich nicht voreilig Verlegenheiten zu de« riiten. So seien in den geheimen Versammlungen dem Delc- girten zum Wyder.er Kongrest Vorwürfe gemacht worden, daß er für die Ausschließung Mösts und Hasselmanns gestimmt; fern« sei die Ueberzeugung ausgesprochen worden, daß die soziale Frage nur durch Gewalt gelöst w«den könne u. s. w. Finke habe gesaot, daß ein Kriegsausbruch von der Sozial« Demokratie zum Losschlagen benutzt wnde, und Müll« habe getadelt, daß die sozialdemokratische Fraktion sich bei Bekannt« machung des Ablebens Kaiser Wilhelms I von den Sitzen er- hoben habe. (Fortsetzung m der zweiten Beilage). Sszigllo Xtclrciirrfit. Da« Schmiedrhandwerk, das in den Köpfen unser« Spießbürger als romantisch- gemiithliches Gewerbe spuk», ist de- kanntlich ein sehr schwer«», gesundheitsschädliches und liesert s,hr viele Lungenkranke. Die Technik, die so viele Arbeiten de« Schmiede« b«eitS den Maschinen überwiesen, plant jitzt ein« Einrichtung, welche die Arbeit des Schmiedes vollständig mrd äng-n soll. Die«Thomson Electric Welding Company" in Boston baut eine neue elektrische Maschine zum Schweißen von Metollen. Do« Schweißen mittelst derselben geschieht viel ra'ch«, billig« und besser, als durch Handarbeit und eignet sich namentlich zur Herstellung von Ankerketten, bei denen es auf sichere Arbeit ankommt. So wird wieder eine Anzahl Hände überflüssig. In der TertMndnstrie jagt eine Erfindung die andere. So ist jetzt m England eine verbesserte Flachischwing» wasch ine h«ptftellt worden, die Iv Zentner Flachs in 10 Stunden bewiilligt; und dies« Flachs erzielt 25 bis 33 pCt. Faser, je nach sein« Beschoffenheit. Sie erfordert einen Motor von 2 Psndekräften und nur 3 Aufwärter, von denen em« die Bündel Flachs zurichtet, d« zweite der Maschine den Flachs zuführt und der dirtte denselben entfernt. Die beiden«sten können jedoch bei 4 bis 5 Maschinen zugleich arbeiten, so- baß, wenn die Maschinen nebenewander pehen, noch wenig« Arbeitskräfte«torderiich sind. Der Kapitalismus schleudert mm« mehr Arbeitskräfte auf die Straße. Verpsmtnlunge«. Die öffentliche Geneeal-Nerjammlung der Maurer Berlins«nd Umgegend, �welche am 18 d. Mts. nach dem «Deutschen Votks-Tyeat«r"(Schönhaus« Allee) zur Erledigung d« Tagesordnung:«Wie stellen sich die Maurer Berlins zu der am 25. d. Mts. in Rostock statt« findenden Konferenz der Vertrauensleute der Maurer Deutschlands?" einberufen worden war, fand unt« Vo.'sitz des Herrn Kerstan statt. Auch d« Be« such dieser Versammlung entsprach nickt der Wichtigkeit der Tagesordnung. Der Vorfitzende rekapitulirte nochmals allgemein die Debatten, wie sie in der öffentlichen Generalversammlung auf dem«Berlin« Bock" gepflogen worden waren(über welche in Nr. 270 des«Berlin« Volksblatt" ausführlich berichtet worden ist), nochmals hervorhebend, daß von Berlin selbst« ständig eine Agitation entfaltet werden müsse, solle die Berliner Organisation nicht gänzlich zu Grunde gehen. Herr G r ö p n e r warnte entschieden vor Gewaltmoßregeln. Dadurch würde die kaum gefestigte Einigkeit der Maurer Deutsch ands wied« zernssen werden. Er bat dringend, die Beschlüsse des Kongresses zu refpettiren. Herr Krieg äußerte sich dahin, daß die Kongreß- beschlösse nicht soweit ausgedehnt werden dürften, daß die B«liner Maurerschaft unbedingt noch der Hamburg« Pfeife zu tanzen habe, insbesondere, wenn dadurch die Allgemeinheit geschädigt werde. Er trat d« Anficht des Herrn Kerstan bei, daß, wenn die Konferenz der Vertrauen Smänn« den B«lin« Verbällmssen nickt Rechnung tragen würde, die Ber- liner Maurerschaft ihre Angelegenbeitcn selbstständig in die Hand zu nehmen hätte. He« Scheel hielt die ganze Konferenz für zwecklos. Der Kongreß wäre der Platz' gewesen, die Interessen der Berliner Maur« zu vertreten. Nur 5 Delegirte hätte die Berlin« Maurnschaft entsendet— aus Ersparniß- rückfichten. Redner rieth, die Konoreßbeschlüsse unangetastet bestehen zu lassen bis zum nächsten Kongresse, dann ab« mit voller Energie für die Wahrung der Interessen d« Maurer Berlins einiutreten und Männer zum Konpreß zu entsenden, welche im Stande find, die Berliner Int« ssen nachdrücklichst zu wahren. Friede unt« den Maurern Deutschlands könne, nach der Meinung des Redners, nur erst dann herrschen, wenn nur ein Organ bestehe, entweder d««Grundstein" oder das«Vereinsblatt". Herr Fiedler legte hierauf nochmals eingehend die ganze Situation klar und vertrat den Stand- punkt, daß die Berlin« Maurerschaft gegenüber der von Hamburg ausgeübten Diklawr u- bedinpi einen Weg finden müsse, um das Berliner Programm(Sitündige Arbeitszeit, 60 Pf. Stundenlohn jc.) zur Durchführung bringen zu können. Er war der Meinung/ daß, wenn die Kongresibefchlüsse noch weiter in Kraft bestehen blieben, die B«Iir.er Maurer an eine Lohnbewegung im nächsten Frühjahre nicht denken könnten. In der werteren Dlskusfion wurde die streitige An- aelegenheit weitläufig ventilirt, doch machte sich im Allgemeinen die Meinung geltend, daß die ganze Konferenz wenig oder nichts an den bestehenden V«- Hältnissen ändern würde, indem die GefchaftSteitung ent« weder die Beschlüsse der Konferenz nicht berückfichligcn würde, od« wenn dies geschehen würde, doch soviel Zeit darubw hin. gehen wüide, daß schließlich die Zeit für den neuen Kongreß da sei. Daß He« Fiedler die Konferenz zu besuchen habe, darüber herischle schließlich kein Zweifel m,hc und faßte die Versammlung diesbezüglich folgenien Beschlut,:«Die heutige öffentliche Gencralonsammlung der Maurer Berlins und Um- gegend beichließt, daß, w-mn die Geschäftsleitung uns(den Berlin er Maurern) es nicht gestatten kann, in der nächsten Umgebung von Berlin Agitation zu treiben, so müssen wie dieses dennoch thun und werden wir(die Bei liner Maur«) die Folgen unserer Agitation auf dem nächsten deutschen Maurerkongreß verantworten. Alle anderen Kongreßbeschlüsse «klären wir, voll und ganz halten zu wollen."— In der vorigen Versammlung war He« Kerstan beauftragt worden, eine Anfrage an die Geschäftsleitung zu richten, betreffend die 204 Mark 10 Ptennige, welche von der Geschästsleitung in ihrem«Sendschreiben" zuviel als Streikuntnstützung den Berlin« Maurern angerechnet worden find. He« D a m m a n n erklärte in seinem Ar t worsschreiben auf diese Anfrage, daß die 204 10 M. für persönliche Unkosten an einige Mitglied« der Geschäftsleilung, welche während des letzten Ausstanbes in Berlin waren, verausgabt worden seien, abzüolich 18 M., welche an 2 Berlin« Kollegen in Hamburg als Reiseurterstützuna gezahlt worden sind. Die Versammlung war der Memung. daß die verbleibende Summe dem Agitatione- konto zuzuschreiben, nicht ab« als Unterstützung des Ber- lin« Maurei streiks zu verrechien sei und wurde das Bureau der Versammlung beaustragt, zur Aufklärung der Maurer Deutschlands eine diesbezügliche Klarstellung sowohl im„Grundstein" als auch im«Veieinsblall" zu veröffentlichen. — Unter«Veischieoenes" illustrine He« Scheel d,e heutigen Verhältnisse im Baugewerbe, den Boutchwinbel, in drastischer jedoch wahrheitsgemäßer Werse und wünschte dringend, prakiische Fachleute zur Beausfichtigung d« Bauten und eine aerechtere Behandlung derjenigen Arbeit«, welche gegen den Bauschwindel proteftrren und Üngehörigkeiten zur Anzeige bringen— denun- ziren, wie es heißt— seitens der Behörde. Auch plaidirte n m warmen Worten für die«Freie Vereinigung", während Herr K l i e m a n n den«Unterstützungsvereir." in Ermnerung brachte. Den Beschluß machte die«BaugeweckS- Zeitung". Am Vorabend der Kommunal- Wahle« hatten sich die Wähl« des 13., 14.,>5. und 17. Kommunal- Wahlbezirks zu ein« letzlen Versammlung eingefunden, die in Klern'S Festfälen, Oranienstiaße 180, tagte. Von dem lebhaften Interesse für die inzwischen vollzog«» Wahlen zeugte die Thalsache, daß die Räume deS Lokals« große Anzahl der Erschienenen nicht zu fassen vermach!»' obgleich Tische und Stühle schon vor Beginn der VersammlM zumeist enlf«nt worden waren. Ins Bureau wurden die Hw» Kräcker, Pohl und Liefländer gewählt. Kopf an Kopf gedra»!' lauschte die Menge den Ausführungen des Referenten, Stadthazen. welcher noch einmal in kurzen Zügen die Beb«' tung der Wahlen darlegte und das Piogremm der Sopat' demokratie auf kommunalem Gebiete entwickelte. Nack dw Vortrage nahmen noch die Herren Klein, Börner und Mch"» das Wort, um die gegnerischen Flugblätter ein« eingehend«» Kritik zu unterwerfen und die in denselben enthaltenen W"'» als solche zu kennzeichnen. Ein Antrag, daß alle Parteigenost» ganz energisch für die aufgestellten Kandidaten einzutreten h�»' wurde einstimmig angenommen. Mit einem dreifachen auf die internationale Sozialdemokratie schloß die glänzend v« laufene Versammlung.,. An die Kchneider Kerliu«! Die Zustände in Schneiderei find nachgerade derart geworden, daß ganz unhaltbar bezrichnet werden müssen. Vor allen Dinj» trifft dies zu in d« Konfektions-, Militär- und Beaml«' Lieferungs« Branche, denn in den betreffenden Firmen, m«®' hier hauptsächlich in Betracht kommen, find die Arbeitslos so sehr gesunken, daß es an der Zeit ist, an Abhilfe»u d«>»' Zur�Befpreckung der Mißstände ist von der am LS. Okiod«� aewählten Siebennkomm-sfion eine öffentliche Schneider-!»� sammlung nach der Norddeutschen Brau«ei, Chausseestr- einberufen, mit d« Tagesordnung: 1. Die Noihlage i» Konfekirons-, Militär- und Beamten. LieferungSbranchc und s» Weg zur Abhilfe. Referent: Kollege Leonhard Pftiu'' 2. DiSku'fion. Zu dieser Versammlung werben die Schily? d« KonfekiionSgeschäkte von Adam, Hugo Wern«. Ros«»� Rosenbaum, Georg Müller, GalcwSkr sowie der Militär� Beamten-LieferungSgeschäfte, als Mohr und Sperer, Eo. Sa®/ Collani, Gebrüder Dohms u. f. w. aufgefordert, am v"" zu fem. •• Achtung! Die olla'metne A-brlierinnen-Birlammlung. welche woch bei Oischel, Eedaslianstrate W, stattfinden sollte, hat die voltjelu» nebmiaeng nicht erhallen KUgem«>n»r ZAttallarb-itrr- verein Kertin»«„» Große Ver-ammlu-a am Mttlwoch, 20 Ron. SbendS 8 lldr. In Rem Slnunnntivoße 27. Tai'Soi dnung' I. Borlraa de» Herrn Ä. Schmidt. .Die ii ahe 40 bei Lch.H'l. tont, und ist tSgltch Abends von 8� bis 10 Uhr, Sonntags von Iv bis l'* cedfiret. j Die Bibliothek befindet sich im Restaurant Schmidt, Rliterfiraße lli werden daseldsl Montagi und Donnerstag«, Übend« von 8x bis 10 Uhr. � ausgegeben.# «roh« öff-ntttch» Sieiumeh vorsammlnug am Mittwoch, u 20 Ndvmrbcr, adrnds 8 Uhr, tn Rcnnefahiss Salon, DennewM�, Tagreordnung r I. Bortro« llber den»chttiundentoo. Rrf-revt: W**<> 2. Gewerkschrsillche» und Ditkusfion.« höfitchft etngrladen* AUg»m»tn» Arb»tt»rinn»»- v»rsa»r»U«ng am Miitwofir e 20. November,«ber.d« 8 Ub-, ln Orsches» Salon, Sebafitanllr. 30 /"V Ordnung; 1. Dat GewerbeschiedSgericht und dle Wabldereauizuns �»g. betlertnnen zu demselben. Reserenrin; Frau Warte Gretffenber« p kuifion 3 Berlchiebene« Dieser wlchilaen Tageiordnung w'grn>!>\ gl lchrine» sammtl icher Arbeliertnnen undedingl noidwrnblr Auch die Gig!-'.» Kranenwuhldüechiiaung, Iveztell'der Eladto. Dr Irmer find hiermit itvl"°$ Kiipentrk. Am Mittwoch, den 20 b Ml».. Übend» 8 Uhr, ■Röpn ick im Schllfienhause eine große dffenttiche Ke- sammlung statt, i» Herr W. Werner iBeiIin> einen Vortrag über;„Die Demichsreifinnige � und die SrdeUer' hatten wird. «»saug-,»nr«. und»»f»Ulg» am Mittwoch; geiangveretn.Zugendluft' Abends«r Udr tm Restaurant Pafiod. ftraße 182- Mannergesangveietn.Ca-Ma' Abend» S llbr im «donirlerstraße 127a.- Geiangveretn.Mannerchor Linde' Abend««i U'/ Restaurant Haller, Raungnftraße 70.- Mannergesangveretn.Eangeoft?"-' «dend» 9 Uhr tm Restaurant Musehold. Sandibergerftraße«r. Geiangveretn.Sreva Abend« 8ß llbr im Restaurant Benecke, Sö bamburgerftraße Nr. 18. � Huppeit'lche Cangervereiuigung jedni woch nach dem ersten Im Monat, Abend« 9 Uhr tm RestauriiS.: io """ Gesangverein' Abend» 9/�»> Licktenbergerftraße 21.—.Seeger'schcr Restaurant Schulz, Pienzlauerstraße 41. Gesangverein.Schwungrad' Kl' « «. a. Streng feste Preise I1"""""" HERREN-GARDEROBE 0) «* n 3 « JI«I8 AM JL RamibaI* 14». Granienstraße 143, x 5 ünBer1«»arucn,(hm, MontzplaS u. 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Lehrling, Abend« 8 llhr Eltsabelhsiraße S7— S8.— Turnverein.Weddtng'-,, ftraße 9. Mönncrabihetlung von 81 bi« 101 llbr Abend«; desgleichen iingSabtheiluna von 8—10 Udr Abend«.—.Mehr Sicht', Verein wr�- und Ernst. Abend« 81 llbr im Restaurant Heid. Aruchtstrnße Echlcfiichcr Verein.Holtet' Abend« 9 lldr im Restaurant Henke, ftraße 108— Vergnügungsverein.isröhlickliit' Abend« 9 llbr im EZgcr, Grüner Weg 29.— Wlisenschastttcher Verein für Roller j» grapdte. Abend, 81 llbr tm Restaurant Seele. Alte"WM' lm Restaurant Bebrend«, EchSncdergerftraße Nr 8.— Arenbislch«-.��■ gravhenverein.Philw' Abend» 9 lldr im Restaurant.Wildem" grU» Kochilr. 7.- Elenogravbiiche Geiellschaii Arend« im Restaurant Bürgcro�i» Ltnbenftr 1VS. llnentgeillicher Unterricht und llebung.— Berliner R„A»» .Wrangel' Abend« 9 Uhr tm Restaurant Foge. skSvnickerstr 191.?/l« i7 .Havanna SV' Abend« 81 llhr im Reftaurai» Paedoidl. Reichendergeost A Rauchklub.Gemüthlichkeit' Abend» 9 lldr lm Restaurant Schiel, ÄSvmck»>« — Rauchklub.Eolumdia' Abend« 81 Uhr im Restaurant Bever, f* — Rauchklub.Frisch gewagt' Abends 81 Udr im Restaurant TnWfrgLoF lauerilraße 27.- Rauchklub.Vulkan' Abend» 9 llhr tm Restauram Grüseftiaße 82.— VergnügungSveretn.FrSHIichkcit', gegründet 1880. 9 Uhr Grüner Weg 29.—.Pollack.Cluv-Etnlracht', seden Mittwoch. 81 llhr bei G. Thtel, Wicnerftraße 88— Gesangverein der Zapejirer � teden Mttwoch Rcstaurani Sevdclitraße 30. van 9-11 llhr 9° zi« oa llnterhaltungiverein.Harmonie' Ciaung Ader.'« 9 lldr Dreddcaerm, K» Wendt.— Tamdouroereiv.Ei'lfior'. 81 Uhr, UrdungSftundc o-i Rüderidoiferftr. 8. Ausnahme neuer Milgiieder Jede«dr � zu repariren und rcintgen n» mir unter Garantie des Gutgt? 1WK.S0US> Reintzll-dlm«. SM Morgenkleidern, Regen« und Winter- � jH Plüsch, Krimmer, Pelz, Sammet, � Dm Gmossm N'iiii.......... Der Arbeilsuachweis b» Vttantwottlicher Redakteur: K. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von WaeKading in Berlin SW., Beulhssraße 2. 1 2. Setlage zum Berliner Volksblatt. Nr. 272. Mittwoch, den 30. Uovembrr 1889. 6. Jahrg. Werselder KoMWiirozG (Fortsetzung aus der 1. Beilage.) Zu den Beschäftigungen der Verbindung gehöre die Or« ßMlsation, Herstellung und Unterhaltung einer Verbindung der milchen Vereinigungen unter einander und mit der Partei- >«tung, Agitation für die Verbreitung des„Sozialdemokrat" und der von der Parteileitung herausgegebenen Schriften, end- uch Sammlungen für Agitation?- und Unterstützungszwecke. ■nach Streichung des Wortes„gesetzlich" aus dem Programm �be die Verbindung auch vor der Oeffentlichkeit dm gesetzlichen «oben verlassen, was durch Aeußerungen einzelner Mitglieder °kr Parteivertretung erwiesen sei. . Dasein, Verfassung und Zweck der allgemeinen Verbindung W*e geheim gehalten werden. Darauf weism verschiedene »lathschläge des Parteiorgans in Bezug auf Briefwechsel und Vernichtung aller empfangenen Smdungm, die Empfehlung eon Geheimschrift, Zwischenadressm u. f. w. hin. Auch die Verlegung des„Sozialdemokrat" ins Ausland sei geschehen, um die Verwaltung der Druckerei desselbm, welche zur Her- uellung von Schriftm diene, die das Sozialistengesetz zu Aeum haben, der Uebcrwachung der Behörden zu entziehen. Die 'suschmuggelung verbotener und zu verbietender Schriftm erfolge um Wissen und Willen der Partei-Vertretung. Der Geschäfts« -�«hr zwischen dem„Sozialdemokrat" und dm örtlichm Ver- Gattungen werde durch Deckadressen und Stichworte verhüllt. uNt und Ort der Kongresse wurden geheim gehalten und der s%imm Mittheiluna durch die Parteileitung vorbehalten. Die m«che Verwaltung Barmen-Elberfeld bediente sich der söge- ?uuntm geheimen Tinte und Haussuchungen hättm ergebm, Verbindungsangelegenheiten radirt oder ausgeschnittm NAm find, daß man zur Erschwerung dcS Verständnisses Mrzungen oder falsche Bezeichnungen oder eine Kurzschrift "Milte. Ueber die örtlichen Verwaltungen im Landaerichtsbezirke Arfeld verbreitet sich der zweite Abschnitt der Anklageschrift. '»ach haben sich in Barmen und Elberfeld örtliche Vermal- Am mit verschiedenen Verfassungen gebildet, welche eine 3«e ungesetzliche VereinSthätigkeit entwickeln, die geheime -° ungesetzliche Herstellung und Verbreitung verbotener litt zu verbietender Druckschriften, die geheime und unge- mm 5Be' Sammlung („"'tfen Wge. Me Feststellungen beruhen von Beiträgm zu VerbindunqSzweckm und in geheimer und ungesetzlicher Weise für örtliche Verbindungszwecke fördemd thätig find. •Lil' Feststellungen beruhen auf der durch mehrere plre fortgesetzten Beobachtung durch die Polizeibehörde; 2*5* Ermittelungen sollm durchaus zuverläsfig sein, weil sie andere Beweise, namentlich die Ergebnisse der Briefsperre, 2* Resultate der Durchsuchungen am 3. April 1883 und die «uzsagen von Zeugen bestätigt worden sind. An der Spitze In Aberfelder örtlichen Verwaltung steht ein Lokalkomitee von .".Personen, das alljährlich neu gewählt werde. Demselben !°lltn 1887 88 angehört habm: Barthel, Emil Müller, Hüttm- J*8et, Neumann, Gustav Finke, von Schemm, KowalowSki, kor! t und Kösser; alz. Vorsitzender fungirte Barthel, als an?"irender Vertrauensmann(dem die Verwaltung mit örtlichen Verwaltungen und mit der Parteileitung in beim Emil Müller. Letzterer war im Besitz der„ge- soll n e chemischen Tinte. Harm, als Reichstagsadgeordneter, itvil* tn' vielfach entscheidenden Einfluß und die Vermittlung tUSStf Carmen und'Elberfeld einerseits und der Parteileitung beim m üehabt haben. Das Komitee soll nach Bedürfniß ge- Versammlungen abgehalten haben zur Erörterung örtlicher »>,.?u*bungsangelegenheiten, Wahlen, RechnungSablegung. Die Ittld,*6 des„Sozialdemokrat", die Einkasfiruna und Ab- »ein.f l! der Abonnementsgelder soll v. Sckemm's Obliegenheit tick,? s�in. Als Beweismittel für diese Angaben dienen Be- lunn? Polizei. Als Bestätigung der polizeilichen Erwitte- dien �llen die Aussagen der Zeugen Kaltenbach und Ott 0,??- ferner eine Karte mit dem Stempel„Oertliche Ver- s"ung Elberfeld" und die Angaben einer großen Anzahl hei»??» welche bekunden, daß einzelne der Angeklagten ge- Snhi Versammlungen abgehalten bezw. besucht haben. Ferner .der von Schemm unter verdächtigen Umständen 338 M. »den worden; ein Theil drr chemischm Tinte ist herbei- der örtlichen Verwaltung Barmen sei die Bezirksein- durchgeführt; es bestanden drei Distrikte, Ober-. Üfe zpt,7"'u ourchgefuhrt; es bestanden dre, Drstnkte, Over-, und Unterbarmen; über jeden stand ein DistrikiSvor- �j��und hwter diesem mehrere Vertrauensmänner. Jeder foT'11.1 hielt Versammlungen, die Gesammtverwaltung le Korvor��snn,mk..n� nh An der Spitze der Korporeversammlungen ab> ürtlichcn Venvalwng stai rwalwng stand Mohrhenn. alle ge. Diese Dar- soll bestätigt werden durch eine„schwarze Liste", welche tliinlu.benn'S Hand die Aufschrift Barmen-Mi(Barmen- v»,.- frägt. Daraus, und weil die„schwarze Liste" nur für tzr.' mcht für Personen bestimmt ist, soll erhellen, daß das boß �>ur der Organisation in Mittelbarmen gehört hat und tüj. �orhenn an der Spitze dieser Organ, sation gestanden hat. «in«n�'Akintheilung sei 1888 auf kurze Zeit verlassen und tid,,? Hülle ausgearbeiteter Organisationsplan angenommen. ururde wieder ersetzt durch einen von Salzberg und »ei �.Ausgearbeiteten, demzufolge Barmen in drei Klubs zer» Ji einem Führer und einem Kassirer. Die Klubs ich,""ch in Sektionen von je 12—15 Mitgliedern. Dre wöchentlich, der Klub all- 14 Tage, die ortliche *0»,«. 7nß alle 4 Wochen Versammlungen ad. Em Lokal- New einem Bevollmächtigten oder Vertrauensmann und -'chiait c°n der Spitze) hatte die Leitung der örtlichen 0" uuung. Im Lokalkomitee sollen gewesen fem Rollmghost, l Ä Ii56??«" Subröl«r'T�el"ma«n,;»icrenftlb, Fracht, fcOUenem b, Küpper, von Eckern; Rollmghoff soll Ver- Hüü- Schriftführer gewesen sein...Spater s-r abgesetzt und an seine Stelle Hülle gewählt worden, NÄW,n durch Emil Küpper ersetzt wurde, dem Threlmann als '°lli» anck 5iur Selie stand. Aus den obengenannten Personen ?!"> der»,•ie Delegirten in'S Wahlkomitee, in die Prebrommiffion �sse Aachen gewählt worden fein. Als Beweismittel für Zahmen sollen Polizeibcrichte über geheime VeNamm- �°brhenn'- Harm gelundenen Abschriften von Briefen Hltt.fs. b« S cn**.--- v— Bebel, durch Einsichtnahme der Postbucher er- »b'rlwavn d beigeschaffte Postanweisungen nach Zur, ch, bei �°llun» Pfunden- Abrechnungen, Auskunft der Sparkassen-. Uhk8tnou«ft»einl- Brieftastennotiz im„Soz. und endlich Elb��n drenen. Die örtlichm Verwaltungen Barmen bll�aanifJr'0 n'n regem Verkehr mit einander stehen und l>obln. uilation auf bestimmte Kreise zu Lbertragm gesucht Uz! reg�llichen Verwaltungen Barmen und Elberfeld sollen w?ltmm«Aune VereinSthätigkeit entwickelt haben durch �usting Beschickung geheimer Versammlungen, Ein- U�konareir.. Haltung von Parteitagen, Beschickung von 'N fi* und Unterhaltung einer stetm, in bestimmten vkwegendm Verbindung mit der Parteileitung. Dafür sind als Beweismittel wiederum Polizeimittheilungen angefühlt, die nicht nur Angabm über Zeit und Ort, sondern auch Tagesordnungen und Beschlüsse dergeheimen Versammlungen enthalten. Ihre Bestätigung erhalten diese Mitlheilunaen durch Postquittungen, Briefe, eivm Äntheilschein an der Genossm- schafrsdruckerei Hottingm-Zürich, aufgefundene Schriften, Broschürm u. dergl. m. Ueber die Einberufung und Abhaltung von Parteitagm spricht sich die Anklage dahin aus, daß von den örtlichen Ver- waltungen Barmen-Elberfeld feit 1884 eine Anzahl Parteitage berufen bezw. abgehalten worden, an welchen die örtlichen Ver- waltungen Rheinlands und Westfalens durch Vertreter Theil genommen habm. Es find dies die Parteiversamwlung in Barmm bei Marian und der sogmannte Ausflug nach Langen- haus am 22. Juni 1884; der Parteitag zu Blankmttein am 28. Juni 1885; die Parteiversammlung in der Beek bei Aprath am IS. Juli 1885; der Parteitag zu Iserlohn am 9. August 1885; der Parteitag zu Neanderthal am 14. August 1887. Bezüglich der Parteiversammlung in Barmen bei Marian und des Ausflugs nach LangenhauS nimmt die An- klage nach den Polizeimittheilungen an, daß Viereck zugegen gewesen und eine geheime Versammlung abgehalten worden sei. Am Nachmittag seien m LangenhauS etwa 1000—1200 Theil- nehmer zusammengekommen und rothe Schleifen, Medaillen und Brachen mit Lassalle'S Bildniß verkauft worden. Es feien Reden gehalten und in Eruppm politische Gespräche ge- führt, sowie sozialdemokratische Lieder gesungen worden. Als Redner feien Viereck und Schuhmacher-Solingen erkannt worden. Es feien geheime Verhand ungen gepflogen und Aufzeichnungen gemacht von Loose, Hüttenberger, Müller, Mehlhorn und Hülle. Die meisten Angeklagten des hiesigen Landgerichtsbezirk hätten an der Versammlung, die von Loose und Neumann vorbereitet worden, Theil genommen. Durch Richterspruch sei zwar ver- neint worden, daß in LangenhauS eine der polizeilichen Ge- nehmigung bedürfende öffentliche Versammlung unter freiem Himmel staltgefunden habe, dagegen seien die Theilnehmer an dem Hinmarsch wegen ohne polizeiliche Genehmigung erfolgten öffentlichen Aufzugs bestraft worden. Auch über den Partei- tag zu Blankenstein erhielt die Polizei vorher Mittheilung: Theilnehmer waren u. A.: Dastig, CordeS, Röllinghoff, Hülle, Tappe, Euke, Schmitz, Frau Braun, Happe und Martin. Hier feien rothe Abzeichen, Shlipfe, Medaillen, fozialdemo- kratische Liederbücher verkauft worden. Zuerst habe Hülle die verschiedenen Führer zur Prüfung der Anwesenden aufgefordert, ob auch Spione dazwischen seien. Als Redner feien aufgetreten, Hülle, Dastig und Happe. Es fei die Organisation besprochen und beschlossen worden, öfter derartige Parteiveisammlunaen abzuhalten. Durch Zeugniß von Happe und Sommer stehe fest, daß der Partei- tag von Abgeordneten vorher einberufen und in parlamentari- schen Formen geleitet wurde. Von der Parteiversammlung in der Beek erhielt die Polizei ebenfalls vorher.Kenntniß, ebenso von dem Verkauf von Karten a 30 Pf. zu derselben, welche den Stempel„Oertliche Verwaltung Elberfeld" trugen. Nach der Versammlung erhielt die Polizei Mittheilung über deren Verlauf und die Namen der Redner(worunter Has-nclever). Desgleichen erhielt die Polizei Kenntniß von der Parteiver- fammlung zu Iserlohn, die den Zweck gehabt hätte, die Barmen. Elberfelder Organisation auf die benachbarten Bezirke Westfalens zu übertragen. Es fei die Beitragszahlung von wöchentlick 10 Pf. beschloss-n und festes Zusammenhalten, stramme Organisation und Halten sozialdemokratischer Schriften empfohlen worden. Es feien u. a. Röllinghoff, Kopalle, Hell- mann, Scheer, Tusch und Kleine anwesend gewesen. Auch von dem Parteitag zu Neanderthal wurde die Polizei in Kenntniß gesetzt und infolge ihres Einschreitens fei es zu einer geheimen Versammlung nicht gekommen. Theil- nehmen waren BelleS I, Lehmann, Grimpe, Harm, Müller, Cordes, Rüßmann, Jeup, KowalowSki, Kaiser, Rocker und Merx. Ueber die Beschickung der allgemeinen Parteikongresse be- merkt die Anklageschnft, daß die örtliche Verwaltung Barmen- Elberfeld gewählte Vertreter zum Wydener, Kopenhagener und St. Galler Kongreß gesandt habe. Es feien dies Winterberg und Hülle für die ersten beiden, Bierenfeld und Müller für den letzten Kongreß gewesen, an welchem auch Harm für Rechnung beider örtlichen Verwaltungen Theil genommen. Was die Unterhaltung einer fortdauernden Verbindung mit der allgemeinen Leitung betrifft, so findet die Anklage diese in dem Briefwechsel, der Entsendung von Mitgliedern der Parteivertretimg an Ort und Stelle und in der Hergabe von Geld aus dem allgemeinen Verbindsfonds zu örtlichen Verbindungszwecken. Der Briefwechsel soll bewiesen sein durch bei Durchsuchungen gefundene Briese, resp. Abschriften von solchen; der zweite Punkt durch die Anwesenheit verschiedener ReichStagSabgeordneter:c. in Barmen und Elberfeld; der dritte Punkt durch vorgefundene Briefe. Auch mit der Redaktion und Expedition des„Sozial- demokrat" sollen die örtlichen Verwaltungen in Verbindung gestanden haben. Sendungen von und nach Zürich seien unter großen Vorsichtsmaßregeln, wie Deckadressen und Stichworten, erfolgt. Letztere feien ermittelt und der Verkehr bewiesen durch die Postbücher, Notizen und die Empfangsbestätigungen im „Sozialdemokrat". Die Herstellung, Einführung und Verbreitung verbotener, bezw. gegen das Gesetz verstoßender Druckschriften habe eben- falls zu den Zwecken der Barmen-Elberfelder örtlichen Ver- waltungen gehört. Am 11. Juni 1887 fei da« Flugblatt„An die Wahler Deutschlands zur Pfingstzeit 1887" verbreitet war- den, obwohl Grillenberger das Verbot desselben mitgctheilt hatte. Das Blatt war von Grillenberger verlegt und bei Wörlein u. Komp in Nürnberg gedruckt. Im Landgerichts- bezirk find der Verbeitung überführt Gustav Finke, Hahn, Neumann, Rendel, Pi-p-nbrink, Schürmann, Hoase und Wilden. Am 18. Juli 1887 ist in Lüdenscheid verbreitet war« den das Fluglatt„An das arbeitende Volk von Lüden- scheid und Umgegend", am 11. Januar 1888 zu Köln das Flugblatt„Ein Mahnwort". Letzteres soll in der Druckerei der„Freien Presse" hergestellt sein auf Bestellung Gassen'«. Ferner ist ein im Verlage von Harm erschienenes und bei Grimpe gedruckte« Wahiflugblatt im April bezw. Mai 1888 in Hemer und Altena zur Verbrei- tung gelangt. Das Flugblatt„Gedenkblatt an den 21. Fe- bruar 1887" fei auf Beschluß geheimer Versammlungen er- schienen und am 10. März 1888 verbreitet worden. Am 8. April 1888 sei in Elberfeld das Flugblatt„An das Volk" verbreitet worden, ohne daß die Urheber ermittelt wurden. Die Einführung und Verbreitung verbotener Druckschriften durch Zusammenwirken der Redaktion und Expedition des Sozialdemokrat", der allgemeinen VerbindungSleitung und der örtlichen Verwaltungen ist nach der Anklagefchrift Pflicht der Varteiaen offen. Sache der örtlichen Verwaltungen fei oie Be- stellung, Verbreitung und Bezahlung der Schriften. Es wird eine Reihe von Fällen angeführt, in welchm derartige Schriften nach Barmen-Eiberfeld gesandt wurden. Viele, auch verbotene Schriften würden vertrieben durch den Verlag von Woerlein u. Ko. in Nürnberg, dessen Ge- schäftsleitung dem Angeklagten Grillenberger unterstellt sei. Auch Viereck'« und Dietz' Verlag versorgen die örtlichen Verwaltungn mit sozialistischen Schriften. Von im Auslande erscheinenden verbotenen Blättern seien seit 1883 im Landgerichtsbezirk Elber- feld verbreitet worden:„Die Freiheit"(oiefelbe scheine jetzt durch den„Sozialdemokrat" gänzlich verdrängt zu sein),„Londoner Freie Presse",„Philadelphiaer Tageblatt",„Gleichheit",„1.« crl du peuple" und„New-Porker- Volkszeitung". Die Ver- breiwng dieser Blätter scheine jedoch nicht Verbindung«-, son- dern Privatsache zu sein. Zu den Zwecken der Verbindung soll auch das Sammeln von Geldern, freiwilligen Beiträgen, gehören. Die Polizei soll festgestellt haben, daß hier die meisten Sammlungen durch Aus- gäbe von Sammelbüchern und Sammellisten betrieben wurden und daß die Abrechnung durch die Vertrauensmänner in ge- heimer Versammlung erfolgte. Sammellisten seien ausgegeben für die französischen Kammerwahlen, für die„Freie worden Presse", für die ZehmngSgelder des zu wählenden Kon- areßvertreterS, für den Wahl- und Agitationsfonds, für die Familien der Gemaßregelten, für die Opfer der Prozesse in Freiberg, München, Leipzig, für da« Becker- Denkmal, für den Hafen clever-Fonds u. f. w. Ferner habe die Polizei Mittheilung erhalten, daß für den GeburStag Liebknechts 1888 vom Hüttenberger 30 Mark gesammelt, ferner der Ueberschuh einer Fastnachtsfestlichkeit mit 50 Mark her- gegeben worden sei. 1884 seien an den damals in Schwerin lebenden Auer 30 Mark gesandt und von Letzterem darüber quittirt worden. Offenbar, meint die Anklage, rühren diese Gelder au« Sammlungen zu allgemeinen Verbindungsfonds her. Ferner führt die Anklage auf die Sendung von 71 Mark an Bebel und den Eingang von 147 Mark für den Hasen- clever-Fonds, über welch' letztere in der„Freien Presse" quittirt wurde. Es wird auch noch angeführt, daß Barthel für das Becker-Denkmal gesammelt und daß noch andere Samm- lungen für Parteizwecke stattgefunden haben. Al« Beweise für diese Angaben führt die Anklage Polizci-Mittheilungen, beschlagnahmte Schriftstücke und Abrechnungen, sowie Zeugen- aussagen auf, endlich auch im„Sozialdemokrat" ver- öffentlichte Quittungen. Durch Verkauf von Loosen, Karten, Druckschriften, Kalendern-c. sollen ebenfalls Gelder für Parteizwecke erzielt worden fein; speziell angeführt werden als solche Verkaufsartikel die Brochllre„Chemnitzer Monstre- Prozeß", der„Neue Welt-Kalender",„Das Glanbens- bekenntniß eines guten Deutschen", Dr. Schönlank'« Schrift „Zur Lage der arbeitenden Klassen in Bayern", stenographische Berichte über die ReichStagSverhandlungen und— rothe Slipse „für einen bedrängten Parteigenossen". Zum Besten der VeebindungSkasse sollen auch Festlichkeiten veranstaltet worden sein; die Polizeibehörde soll wiederholt in Erfahrung gebracht haben, daß die Wirthe, bei denen Konzerte, Tanzkränzchen, Verloosungen u. f. w. abgehalten wurden und die sie polizeilich anmelden, Eintrittskarten in großer Zahl haben herstellen lassen, die den Unternehmern zum Verkauf gegeben wurden. Derartige Abkommen seien mit mehreren Wirlhen getroffen worden; der Ueberschuß sei in die Partei- lasse geflossen. Durch Tellersammlungen am Schlüsse öffent- licher Versammlungen sei ebenfalls eine Einnahme für die Verbindungskasse erzielt worden, so z. B- über III M. 80 Pf. Unkosten, während dieselben nur 19 M. 87 Pf. betrugen, oder 55 M. statt 13 M. Die örtlichen Verwaltungen Barmen und Elberfeld hätten zur Verschärfung der örtlichen Agitation eine große Menge von Festlichkeiten und Ausflügen veranstaltet, ferner die Wahlen zum Reichstag mit Erfolg vorbereitet und beeinflußt, auch eine Zeit lang der Fachvereinsbewegung eine ganz besondere fördernde Thätigkeit zugewendet. Endlich hätten sie die periodische Druckschrift„Freie Presse" als„Organ für das werkthätige Volk von Rheinland und Westfalen" gegründet, bis heute trotz der größten Schwierigkeiten unterhalten und es sogar durchzusetzen gewußt, daß dieselbe aus allgemeinen Ver- bindungSmitteln unterstützt worden sei. Die„Freie Presse" sei auch der Herstellungsort für alle Druckschriften, welche den Agitationszwecken innerhalb der örtlichen Verwaltungen Rhein« lands und Westfalens zu dienen bestimmt find. Sie unterhalte in fast jeder größeren Stadt beider Provinzen Expeditionen und bilde ein HauptbeförderungSmittel der Verbivdungszwecke Es werden Flugschriften aufgeführt, die dort hergestellt worden, und behauptet, daß neben der Herausgabe des Tageblattes ein umfangreicher Betrieb sozialistischer Schriften stattfinde. In geheimen Versammlungen seien verschiedene mit der„Freien Presse" zusammenhängende Angelegenheiten zur Erörterung gekommen. Ueber die Verantwortlichkeit der Angeklagten vor dem Strafgesetz spricht sich die Anklageschrift folgendermaßen au«: Gegenstand der Anklage sei die bewußte, dauernde Zuwider- Handlung gegen die§§ 128, 129 de« Str-G.-B. Durch die vorhergehenden Ausführungen fei der Beweis zu erbringen gesucht, daß eine geheime Verbindung mit vereinsähnlicher Ver- fassung existire, zu deren Zwecken und Beschäftigungen es gehöre, die Vollziehung der Vereinsgesetze, des Preßgefetze« und des Sozialistengesetzes zu verhindern. Es wird auf den von der StaatSanwa tschaft zu Chemnitz 1884 zu führen gesuchten Nachweis einer geheimen Verbindung, das Urtherl des Frei- berger Landgerichts vom 4. August 1886 und die durch die Voruntersuchung erbrachten Beweismittel Bezug genommen. Erwiesen sei, daß eine geschlossene, Instanzen bildende Oraa- nisation, von der örtlichen Verwaltung ausgehend und rm allgemeinen Parteitag endigend, vorhanden fei; daß die Parteivertretung Recht« ausübt, welche nur den Vorstehern eines in sich geschlossenen und nach bestimmten Satzungen wirkenden PersonenvereinS zukommen; daß die örtlichen Verwaltungen Barmen und Elberfeld lediglich deshalb ins Leben gerufen feien, um den Zwecken der allgemeinen Verbindung zu dienen, und daß diese örtlichen Vermal- tnngen eine fortgefetzte Verbindung mit einander und mit der allgemeinen Verbindungsleitung unterhalten; daß die bevoll- mächtigten Vertrauensmänner der örtlichen Verwaltungen Barmen« und Elberfelds in geheimen Versammlungen der „Vertrauensleute" gewählt werden; daß der Redakteur des „Sozialdemokrat" jedenfalls von der Parteivertretung angestellt wurde; daß die Verbreitung des„Sozialdemokrat" und anderer verbotener Druckschriften und die Abrechnung darüber Sache der ortlichen Verwaltungen und ihrer Vertrauensmänner fei; daß die Parterfonds jedem VerbindungSmitgliede zur Ver- fugung stehen und daß sie nicht nur an einzelne Personen, sondern auch für örtliche Verwaltungszwecke verwendet werden. Jede thalige Mitwirkung an der Erhaltung, der Verbreitung und den Beschäftigungen der Verbindung stelle sich als Theil- nähme dar, wenn auch die Art der Mitwirkung ver- schieden sei. Wenn aber die Theilnehmer zur Bestrafung «|o0ttt werden, so sei zu erwägen, ob nicht eine schwerere Berantwortung diejenigen treffe, welche den ungesetz« lichen Zustand in'S Leben gerufen und bis zum heutigen Tage aufrecht erhalten haben, und welche vielleicht als Stifter, jedenfalls aber als Vorsteher der strafbaren Verbindung zu erachten feien.— Besondere Anklagebeschlüsse richten sich noch gegen Bebel, Bongartz und ReinSdorff; gegen Ersteren als Vorsteher, gegen Letztere als Theilnehmer an emer geheimen Verbindung. Zunächst werden auf Antrag der Vertheidigung diejenigen Polizeibeamten, die als Zeugen fungiren sollen, veranlaßt, den Saal zu verlaffen. Es beginnt die Vernehmung der Angeklagten. Adolf erhielt den„Sozialdemokrat" durch die Post auf Bestellung an die Adresse VölkelS im Brief. Er las ihn allein. Durch einen Weber war er dazu veranlaßt. Er hatte nur ein Vierleljahr gezahlt, die andern zwei Vierteljahre nicht. Der Vertheidiaer macht geltend, daß dies vor 1886 war. Das Geld hat Ängeklaqter dem Weber gegeben. Barth el bestreitet, Mitglied des Lokalkomitees gewesen »u sein, er weiß auch nicht, ob Delegirte zum Kongreß gewählt wurden. Von derFlugblattverbreitung weiß er. Jn der Stehr'jchen Wirthschaft war er. An Versammlungen nahm er nicht Theil, auch nicht wegen der„Freien Presse". Den Kongreßbericht hat er nicht verbreitet; erhalten hat er zwei Exemplare vor dem Verbot. Ein Packet aus Rentsburg mit dem„Soz." hat er nicht er» halten. Becher hat ein Packet aus Rendsburg erhalten, es waren aber keine verbotenen Schriften darin. Er weiß nicht, was in dem beschlagnahmten Packet war. Bebel: Den Aufruf wegen des„Soz." habe ich unter- teichnet. Es dürste nothwendig sein, daß ich da» Verhältniß der Fraktion zum„Soz." schildere. Im September 1886 haben wir die Erklärung beschlossen und veröffentlicht, und zwar wegen des Freiberger Urth-ils. Der„Soz." wurde 1879 ins Leben gerufen. In der Probenummer wurden die Gründe dafür angeführt, weil man der Partei ein Orjzan im Ausland verschaffen wollte. Gegründet wurde der„soz." von Höch- bera, der die Redak-ion einsetzte. Uns kam das Blatt gelegen, weil die Most'jche„Freiheit" die Fraktion angriff und zu tis- kreditiren suchte. Wir haben das Blatt moralisch unterstützt. Auf dem Wydener Kongreß, der wegen der strengen Durch- sührung des Sozialistengesetzes im Ausland stattfinden mußte, waren etwa S0 Parteigenossen zugegen. Da wurde das Blatt zum offiziellen Organ erhoben. Die Fraktion hatte darüber zu wachen, daß das Blatt nicht gegen die Prinzipien verstoße. Die in Leipzig wohnenden Führer, nicht die Fraktion, haben 1879 eine Sammlung für die Ausgewiesenen veranstaltet. Sammlungen können nicht im Allgemeinen verboten werden, sondern müssen einzeln genannt werden. Spätere Samm- lungen find öffentlich gewesen und wurden im„So�ialdemo- krat" veröffentlicht. Nach den Wahlen wurde der DiätensondS ins Leben gerufen. Die Sammlung geschah durch Ziikulare. Auch die späteren Fonds standen unter der Kontrole der Fraktion und wurden in Deutschland verwaltet. Ich war Kasfirer, auch Grillenberger provisorisch. Unterstützungen werden durch den FraklionSvorstand beschlossen. Der„Sozial- demokrat hatte damit bis auf den heutigen Tag nichts zu thun, als die Quittungen zu veröffentlichen. An die Expedition ein- gelieferte Gelder mußten nach Deutschland gesandt werden. Mit dem Druckschriftenfonds des„Sozialdemokraten" hatte die Fraktion nichts zu thun. Der ArchivtondS ist ein harmloser, mit dem sich aber die Fraktion auch nicht beschäftigte. Im Jahre 1880 wurde das Blatt osfizielles Parteiorgan; die Gründer wollten die Ueberschüsse für die Partei in Deutschland bestimmen; beim V-rfprechen ist es aber geblieben. Mit der geschäftlichen Leitung des„Sozialdemokrat" oder mit der Verbreitung hatte die Fraktion nie etwas zu thun. Vom ersten Jahre ab waren Differenzen in der Fraktion wegen der Haltung des Blattes. Einige Mal hat die Fraktion sich im Allgemeinen mit der tallung de* Blattes einverstanden erklärt. Oester wurden raktionsmitglieder von dem Blatte angegriffen, insbesondere wegen der Dampfersubvention. Da hat die Fraktion erklärt, daß die Redaktion sich der Fraktion fugen müsse. Dies ist aber in der Partei übel aufgenommen worden, also ein Zeichen, daß man der Fraktion keinen dirigirenden Einfluß auf das Blatt gewähren wollte. Die Verbreitung des„Sozialdemokrat" geschieht auf Veranlassung der Expedition, welche fich ihre Ver- bindungen in Deutschland sucht. Wegen unserer diesbezüglichen Erklärungen find wir nicht angeklagt worden; erst in Freiberg erfolgte die Verurtheilung wegen gewisser Aeußerungen. Auf dem Kopenhagener Kongreß wurden nur die An- wesenden ermahnt, in ihrer Heimath für Bezahlung der Abonnements zu wirken, da die Gelder schlecht einkamen. Des- halb auch hat die Expedition gewünscht, daß immer Mehrere die Bezahlung übe, nehmen. Damit haben wir aber nichts zu thun. Auf uns richtet fich die Aufmerksamkeit, wir werden bewacht; es ist ja unmöglich, daß wir die Leiter einer geheimen Verbindung find. Alle Fäden der Polizei laufen in Berlin zusammen, wo seit dem Sozialistengesetz ein wahres Polizei- Ministerium existirt. Man müßte em Thor fein zu glauben, daß bei diesem Polizeiapparat eine allgemeine geheime Verbin- dung möglich sei. Nach dem Freiberger Urtheil blieb uns nichts Anderes übrig, als unser Verhältnis zum„Sozialdemokrat" zu lösen. Wir waren ftoh, von dem Blatte loszukommen. Der Parteilag wurde einberufen, als wir aus der Haft entlassen wurden, und zwar nach St. Gallen. Das Arrangement trafen wir, fieben Personen. Der Aufruf wurde von der ganzen Presse veröffentlicht; daß wir Zeit und Ort nicht angaben, teschah, weit wir ein durch diplomatische Intervention bemerk- elligtes Verbot fürchteten. Die Verhandlungen waren öffent- lich. Die Erörterung des Verhältnisses zum„Soz." ließen wir nicht zu. Wir wußten, daß einer der Anwesenden im Dienste der Berliner Polizei stand. Wir haben die Lösung des Ver- hältnisses ganz ernst gemeint und wenn der„Sozialdemokrat" jetzt Erklärungen der Fraktion bringt, so geschieht dies nicht auf unsere Veranlassung, sondern der„Sozialdemokrat" druckt dies aus deutschen Blättern ab. Die Sammlungen in Fabriken und dergleichen find nicht ausdrücklich verboten, wenigstens nicht an unserem Wohnort. Wie es hier ist, wissen wir nicht. Wir nehmen das Geld, wie es uns geschickt wird. Es giebt etwa ein Dutzend reiche Leute, die uns große Summen senoen. Manche der Spender kenne ich gar nicht. Eine geheime Ver- bwdung liegt also nicht vor.— Die Streichung des Wortes „gesetzlich" aus dem Programm geschah wegen der damaligen itrengen Handhabung des Sozialistengesetzes. Trotz entgegen- stehender Aeußerung des Ministers wurden alle Blätter ver- boten, die von Sozialdemokraten redigirt wurden; alle Ver- fammlungen wurden ebenso verboten. Dies rief Erbitterung hervor und deswegen wurde das Wort gestrichen. Später »lS die Praxis eine mildere wurde, wäre es nicht mehr geschehen. Iür das Bestehen der geheimen Verbindung werden als Beweis die Legitimationskarten angeführt. Diese wurden «uSgestellt, als es keine Ausweisungsbescheinigungen mehr gab. Da haben wir im„Sozialdemokrat" bekannt gemacht, daß wir IegitimationSkarten ausstellen, das konnte aber doch nicht ge- heim bleiben, da die Ausgewiesenen überall von der Polizei «ontrollirt werden. Mit der„schwarzen Liste" hat die Fraktion so wenig zu thun, wie die SiaatSanwalischast.(Dieser Aus- druck wrrd vom Vorfitzenden gerügt.) Wir waren gegen die Handhabung der schwarzen Liste, es wurden wegen allerlei Lumpereien Leute gebranvmarkt. Uns persönlich war die ganze Lifte gleichailtig! ich habe fie so wenig beacktet, daß ich nicht einmal wußte, daß fie für Orte, nrcht für Personen bestimmt war. Auf Anregung von Harm haben wir einmal über die Liste gesprochen, weil Jemand ungerechter Weife gebrand- markt wurde. Die Schiedsrichter zu spielen, waren wir leider oft genöthigt. Das kommt aber in jeder Partei vor. Immer handelt e« fich um gewöhnliche Reibereien, und diese zu schlichten, namentlich, wenn e« in der Partei Hochstehende Personen beiras, war nöthig. Manchmal haben wir aber auch das Schiedsrichteramt abgelehnt. Bei einer Partei, wie die Sozialdemokratie, kommen oft Nörge- leien vor, wnl der Arbeiter in moralischer Hinficht sehr empfind- lich ist. Mit einer geheimen Verbindung haben aber solche Dmge nichts zu thun. Der Präsident: Aus dem Unterstützungsfonds find Gelder an Harm und Schumacher gesandt. Bebel: Der Fonds wird von der Fraktion verwaltet. Harm hatte bei mir pnoatim angehalten, daß ich persönlich dafür eintrete, daß ihm 1000 M. bewilligt würden. Ich sagte, das geht nicht. Die Fraktion hat nichts bewilligt. Später kam Harm und sagte, er wüßte wegen Wechsel 1500 M. haben; Grimpe würde für ihn eintreten. Auf eiaene Faust habe ich dann nicht Harm, sondern Grimpe das Geld gegeben. Als der Wechsel später nicht eingelöst wurde, habe ich Grimpe die bittersten Vorwürfe gemacht, weil ich persönlich für das Geld haftbar wäre. Mit dem Strafgesetze hat die Sache nichts zu thun. UebrigenS find von Grimpe schon Abzahlungen gemacht worden. Für die 1200 M. die ich an Schuhmacher gab, er- hielt ich Sicherheit durch die Verschreibung eines Erbes. Wir mußten Schumacher helfen, weil ihm wegen seiner politischen Stellung der Kredit abgeschnitten wurde. Ich vertrat immer den Standpunkt, daß die an der Spitze der Partei Siehenden am allerwenigsten den Fonds in Anspruch nehmen dürfen. Ter Präsident: Welchen Zweck hat der Unter- stützungSfondS? Bebel: Wenn z. B. in einem größeren Prozeß Viele verurthnlt werden, werden die Familien daraus unterstützt; ebenso bei Ausweisungen, Maßregelungen:c. Die Fonds für Familie Hafer clever und ähnliche find separat. Der Präsident: Sie haben nicht bestritten, daß eine Verbindung besteht. Besteht eine solche zur Verbreitung des „Sozialdemokrat"? Bebel: Es befassen fich viele Personen mit der Ver- breitung des„Sozialdemokrat". Auf die weiteren Fragen antwortet Bibel, daß auf dem Kongreß nichts über den„Sozialdemokrat" verhandelt wurde. Die Sitzung wird auf eine Viertelstunde vertagt. B e r e n d giebt auf die bezüglichen Fragen an, die sechs Stück Flugblätter auf der Straße erhaltm zu haben, er habe fie weggelegt, um fie später zu vernichten. Nur ein Exemplar des„Chemnitzer Monstreprozcsses" gekauft. Er wisse nicht, wozu da« aus Druckschriften erlöste Geld ver« wendet werde. Bertram: BollmuS war nicht bei mir; das Flugblatt „An die Wähler Deutschlands" Hab« ich nicht verbreitet. Ich war an dem Tage bei Neumann und Harm, um mich über die Zentralkrankenkasse der Schreiner zu erkundigen. Auf der Treppe wurde ich verhaftet. Ein Flugblatt habe ich nicht gesehen. Bierenfeld(auch wegen Goi tesläfterung angeklagt): Die veibotenen Schriften sind mir in einem Packet von einem Unbekannten übergeben worden, um fie aufzuheben. Er ist nicht wieder gekommen. Ueber seine Theilnahme am St. Gallener Kongreß verweigert er die Aussage. Eine Kalender- lasse habe er an TillmannS nicht abgeliefert. Er habe fich im Emverständniß mit Andern Arbeiter. Notizkalender kommen lassen und auf eigene Rechnung verkauft. Von TillmannS habe er sich Neue Welt- Kalender gekauft und bezahlt zwei Stück. Für Hasenclcver habe er nicht gesammelt, sondern 1,38 M. er- halten und an TillmannS abgeliefert. Beim Schreinerstreik 1386 habe er Notizen von sieben Listen gemacht, um nicht später der Unterschlagung bezichtigt zu werden. B l e i b t r e u will nicht Abonnent de«„Sozialdem." sein. Die Notizen im„Sozialdemokrat" beziehen fich auf Andere. An dem Äutflug nach LangenhauS hat er sich beiheiligt. B o l l m u S: Seine Frau habe wohl in betrunkenem Zu- stände gegen ihn gezeugt. An geheimen Versammlungen hat er nicht Theit genommen. Lassalle's Bild habe er gekauft. Ein Exemplar des„Sozialdemokrat" habe er nicht gehabt, feine Frau habe es ihm aus Rache in die Tasche gesteckt. B o n g a r tz: Verbotene Schriften habe er nicht verkauft, nur unverbotene, die ihm ins Haus gebracht wurden, verschenkt. Breuer: Drei Nummern der„Land. Fr. Pr." seien ihm gegeben worden, um darauf zu abonniren, als fie noch nicht verboten war. Sein Geselle Drüge habe ein Packet un- bekannten Inhalts erhalten. Brodersen war in LangenhauS. Auf den„Sozial- demokrat" war er wcht abonnirt. Oester wurde eine Nummer unter dem Tisch durchgeschoben. Vorgelesen hat er nicht. Bubenzer: Nur für Hasen clever habe er gesammelt, an geheimen Versammlungen aber nicht theilgenommen. Busch hat Schönlank nicht begleitet, er habe den„Sozial- demokrat" nicht erhalten. Cordes: An geheimen Versammlungen habe er nicht theilgenommen, dag-gen an einer Bei Handlung wegen der „Freien Presse" mit GilleS und später mit Harm. Bei Stehr sei er öfter gewesen. Er war in Blankenstein, aber nicht zum Parteitag. Von der Bestellung eines Flugblattes wisse er nichts. Den„Sozialdemokrat" halte er feit der Grnndung. Seit drei Jahren sei er nicht mehr abonnirt. An wen er früher da« Geld bezahlt habe, wisse er nicht mehr. C r a m e r: Ein Packet mit dem„Sozialdemokrat" au« Rendsburg sei gekommen; er wundere sich darüber, da er der Polizei als Sozialdemokrat bekannt sei. Auf seine Veranlassung sei das Packet nicht gekommen. Mit Grillenberger habe er in Korrespondenz gestanden. Der„Sozialdemokrat" sei ohne sein Zuthun gekommen. Ueber die Postkarte könne er keine Aus- kunft geben, vermuthe aber, daß fie von seinem Freund Müller aus Daimstadt gekommen fei. D a ft i g war drei Mal in Blankenstein, weiß aber nicht, ob zum Parteitag. Abonnent de«„Soz." fei er nicht. Daß sein Name in das Notizbuch Salzberg's gekommen, erkläre fich daraus, daß er sich diesem als Blerhandler empfohlen. v. E ck e r n: An geheimen Versammlungen habe er nicht Theil genommen. Bei seinem Schwager Schmitz sei er öfter gewesen. Früher, wohl vor 1880, habe er den„Sozialdemokrat" gelesen. Emil E S p l ö r: Eine geheime Versammlung, wo der „Rothe Teufel" gezeigt worden, habe er nicht besucht. Zu Marschall gehe er öfter. Seinem Bruder habe er einen Aufruf zur Sammlung für Haser clever gesandt. Emil F i n k e: An dem Ausflug nach Schwelm habe er nicht Theil genommen, auch nicht an einer geheimen Ver- sammlung. Gustav Finke: Bei Stöhr sei er gewesen, auch in Schwelm, um ein Geschäft zu kaufen. Bei ihm hätten keine geheime Versammlungen stattgefunden: er habe wohl Besuche erhalten von Leuten, die etwas kaufen wollten. Die bei ihm gefundenen Schriften feien bei ihm eingelegt worden, damit fein Bruder fie einbinde. Es feien dabei Zettel mit dem Namen des Eigenthümer«. Abonnent des„Sozialdemokrat" sei er nicht gewesen. Vielleicht habe ihm die Polizei die betr. Nummern ins Haus gelegt. DaS„Gtaubensbekenntniß" habe er nicht verkauft, sondern aus hiesigen Blättern ausgeschniiten und aufgeklebt. Kalender habe er verkauft. Mit BelleS sei er bekannt geworden, als er ihn beauftragt, den Staatsanwalt zu verklagen. Er habe nur Rechtssachen mit ihm verhandelt. Majestätsbeleidigung habe er nicht begangen, sondern sei von einem Gesellen denunzirt worden, den er wegen Sittlichkeitsverbrechen entlassen und au« dem Hause entfernt habe. Als er die Anzeige von dem Sitt- lichkeitsverbrechen machte, habe er auch von der Drohung de» Gesellen gesprochen. Nicht er, sondern die Zeugen hätten die Moj stätSbeleldlgung begangen. Wilhelm Finke war nicht in Schwelm; er verkehrte bei Stehr. Ein Packet verbotener Druckschriften habe er nicht bekommen. Flach: Bei Stehr verkehre er zuweilen. Er bestreitet, daß die verbotenen Schriften in einem geheimen Fach gewesen. Durck Zufall habe er die Schnften ei hallen. Gerstenberger verkehrte bei Stehr. Die verbotenen Schriften habe er von einem Wilhelm Bruvnhölzer erhalten, der mit ihm in einer Fabrik arbeitete. Es sollte wieder abge- holt werfen, was aber nicht geschah. Die Polizei fand eS noch uner öffnet. G e r st e r hat die Schriften gefunden; wie er die Sarmnel« listen bekommen, w'sse er nichr. Gewehr: Bei ihm habe früher Barchels lange gewohnt; bei Stehr verkehre er regelmäßig. Daß die Schriften, die man bei ihm gefunden, erfahre er erst durch die Anklage. Grillenberger hat die Aufrufe der Fraktion unter- schrieben und am Parteitag in St. Gallen Theil genommen- In dem SchiedSgencht sei er nicht gewesen, weil er überhaupt dagegen sei. Die Revision der Bücher der„Freien Presse habe er nie vorgenommen. Ec sei wohl in Elberfeld gewesen und mit Harm befreundet, den er beiucht habe. Mit diesem sei er nach der Druckerei gegangen, dort hätten sie fich über BezuflSquellen von Papier und dergleichen unterhalten und er habe Raihschläge zur Hebung der„Freien Presse" gegeben- Nachher sei er wieder bei Harm gewesen, wo auch andere Leatc zugegen waren. Gegen Abend fuhr er wieder weg. Seine Frau sei Mrteigenthümer des Wörlein'schen Geschäfts, wo er Prokurist sei. Das Geschäft sei Privatsache und angekauft worden, als die Genossenfchaftsbuchoruckerei liquidiren mußte- In Verbindung mit der Partei stehe das Geschäft nicht, da- gegen protestire er mit Energie. Die Inhaber des Geschäft» hätten allerdings im geschäftlichen Interesse ReichStagSberichn verlegt und den buchhandlerischen Gewinn dem Unterstützungt- fondS zur Verfügung gestellt. Er könne aber auch selbftständig Unterstützungen verabfolgen. DaS Geschäft sei ein reines Privatunternehmen. Eine ganze Reihe von Druckereien m Deutschland stehe auf dem gleichen Boden, indem fie Druck' fachen für Arbeiter liefern. Der Präsident verliest ein Rundschreiben der Firm« Wörlein und Comp, an deren Geschäftsfreunde. Grillenberger findet in dessen Inhalt eine Bestaft' gung seiner Angaben.. Der Präsident: In der Strafsache gegen Saß uno Genossen in Altona fand fich ein Schreiben Oertels.(Do�' selbe wird verlesen. Darnach scheine, als ob die Schriften i"1 Austrage der Parteileitung versendet werden. Grillenberger: DaS scheine so, aber Oertel hmss wohl die Sache etwas zu positiv hingestellt. Der AusdrU» „Werthzeichen" sei ihm neu und jedenfalls vom Besteller(ft' braucht, weil der Uebelschuß an den Unterstützungsfonds kam- Von der Vertheidigung wird, die Vernehmung Oertel beantragt. Oertel definirt den Ausdruck„Werthzeichen"'J gleicher Weise wie Grillenberger; es seien Druck achen, dett» Uederschuß in den Unterstützungsfonds falle. Wenn da Mw gesprochen werde, daß die Parteileitung den Inhalt o» Werthzeichen bestimme, so sei da« so aufzufassen, daß Grille«' berger die Anordnungen treffe. Grillenberger: Wir wollten die Leute darauf hm' weisen, daß fie nur bei uns kaufen, da nur wir an vm Unterstützungsfonds zahlen. Direkt hat die Parteileituw nie auf die Schriften eingewirkt.— Das Flua«"1'. ,An die Wähler Deutschlands" habe er im Aufto ....."''' Er m ......._....._ lufj Post gegebenen Packete nicht zurückgerufen habe. _ � �... ff-- c nt. r w. r c. f de« Zentralwahikomitees gedruckt und versendet. Er_ bestraft worden, weil er die nach dem Verbot auf K «Nnff n-n-8-nm Nnck-t, nicht»mü(f j-nifen Iiafif.$7. Flugblatt sei gewissermaßen der Abschluß der Thätiglss' der ReichStagSabgeordneten gewelnr. Vom Zentral««� komite war ein Tag für die Verbreitung des Flugblafts- bestimmt, um dem Verbgt zu entgehen. Ec wollte durch Miitheilung de« Verbots die Leute aufmerksam machen, mehr das Flugblatt zu verbreiten. In Nürnberg sei die V» breitung auf seine Anordnung unterblieben. Mit dem Versal? de« Kongreßprotokolls habe er nichts zu thun gehabt. � Versendung geschah ganz selbstständig durch Oertel.- Oertel: Ec habe das noch unverbotene KongreßprotoljM im Auftrage von Wirth in St. Gallen selbstständig oersamft: Er sei Buchhalter von Wö.lein& Co. Diese Firma habe.«' der Versendung der Protokolle gar nichts zu thun. Er hm für feine Zeitoersäumn'sse Entschädigung erhalten. a,.. Um 2i Uhr wird die Verhandlung auf Dienstag, 19- � vcmber, Vormittags 9 Uhr, vertagt. Vor dem Gerichtsgedäude wartete eine ungeheure Menscht menge in größter Ruhe auf den Schluß der Verhandlung. VersÄm»nUmgew. v-- aUQ.mcInc W-tnUaib-it-roer-tn f tritt* Umgegend hielt am Dienstag, den 12. November, i«% Nordseutschen Brauerei eine Versammlung ab. Zuerst fPf Herr Voglherr über das Thema:„Arbeitszeit und Arbti ruhe". Derselbe führte unter anderem aus, daß da« T>ur schnittsalter der Menschheit in sämmtlichen Jndustriest� gegenwärtig 35 Jahre betrage, während e« vor einem Menl« alter noch 55 und zu Ende des vorigen Jahrhunderts. 60 Jahre betragen habe.(? Red.) Tiefer rapide Rua0_ de« DurchschniiiSlebenSalterS sei zurückzuführen auf die 1U arbeit einersei'S und der infolge dieser Uebcrarbeit wro«'> auftretenden Arbeitslosigkeit und dem damit onbundenenM« fft andererseits. Pflicht aller denkenden Arbeiter sei eS, die Verkürzung der Arbeitszeit zu erstreben; denn bei Iff mehrstündiger Arbeit ist es nicht möglich, an jeden gr«, Fragen der Neuzeit thätigen Antheil zu nehmen.»««.Tfoll- interessanten Vortrag erntete der Vortragende reichen-oen, In der Diskussion erklärte Kollege Becker e« zunächst »14*V II» v.»»v QV» If stündigen Maximalarbeitstages eintreten. In Landern-#II bis jetzt eine zwölf- und mehrstündige Arbeits�' � der Tagesordnung war, sei man durchaus berechliss- � neunstündigen Moximalarbeitstag zu fordern. Saw. Arbeiter sei e« dann, wenn der Staat seinerseits tm v jjr, erst anerkannt, daß er verpflichtet sei, der Ausnutzung beitskraft Schranken zu setzen, die Arbeitszeit dann von«>« � Stunde zu verringern. Als Beitragfammler würben Kollegen Hilpert, Meißmr, Schmokalla und Gustav Sch» s wählt. Unter„Verschiedenes" meldet fich ein Tabaiat � jum Wort um die Zustände m der Fabrik von Loeser u- � in Elbina einer Besprechung zu unterziehen. Unter dem � fall der Versammlung giebt der Vorstand bekannt, oao � 9><»ri>tnan*rfrtmmfnnrt ftpffftfriffott bctl hlt �taoauaroeufr oic ouiumue in ver$ao(u iu» j*».- regelte erklären. Ferner wird der Vorstand aufgeforver Möglichstes für die streikenden Zigarrenarbeiter und-Ö« zu thun. Verantwortlicher Redakteur: U.«»»«heim in Berlin. Druck und Verlag von M«» Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2.