- Hr. 274. Freitag, de« 22, Povrmber 1889. S.Iabrg. Red' ittnW i«< (9« ßfriiiifrllollistilnlL Drgan für die Interessen der Arbeiter. t« •t, S e i Jrfj bitte ttnt FeetspveÄrung: . So sprach sehr eindringlich vor dem Münchener Land- ein Eisenbahntaglöhner Namens Müller, der ange- "W war, die bekannte Eisenbahnkatastrophe von Röhrmoos herbeigeführt und dadurch die Tödtuna resp. Körperver- Mno mehrerer Passagiere durch Fahrlässigkeit verschuldet ««n. Müller unterstützte und begründete seinen Antrag Freisprechung sehr wirksam durch Darlegung seiner per- hen Verhältnisse. bin," sprach Müller,„verheirathet und habe zehn ,"J* zu ernähren; dazu habe ich einen Taglohn von »�urk 75 Pfennig. Zch bin seit 21 Jahren im und habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. i« «vf Wi I im J)i i4r� 75 Pfennig. Ich bin seit 21 fahren im f. und habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. Feldzug von 1870 habe ich auch mitgemacht. Ich kann .""en Dienst kaum versehen; ich muß Frau und Kinder �"leinet Unterstützung heranziehen. Meine Dienstzeit be- AZt siebenzehn Stunden; ich kann nur durch t Mnstigung meiner Vorgesetzten einige Stunden schlafen, '«ist hätte ich Tag und Nacht Dien st!" Fürwahr, eine wirksamere Vertheidigungsrede ist selten Ehalten worden. Müller wurde indessen zu 15 Monaten ?kfängaiß verurtheilt— wir wollen darüber weiter keine ?ftrachtungen anstellen, denn es mag wirklich Fahr- �iWeit vorgelegen haben oder mag dies zweifelhaft �icheineti� die Sache bleibt immer die gleiche. Siebenzehn Kunden Arbeitszeit und 1 Mark 75 Pf. Taglohn bei Jfrwisie von 12 Köpfen— Zeiialrer der Humanität! so* �"geklagte Müller beleuchtet mit seiner Aussage ! örell die Zustände im Eisenbahnwesen, dieselben Geb die schon so oft gerügt worden sind. Auf diesem bhrbri'näre vielleicht am ehesten abzuhelfen, denn die be- burA �»utrole ist im Eisenbahnwesen am leichtesten ..Einführen und ist sehr wirksam zu gestalten. Aber wamm »riqieht nichts? betri � � merkwürdig, daß man beim modernen Staats- u»? Un� �kim Privatbetrieb auf die gleiche Abneigung «uf den gleichen Widerstand stößt, wenn es sich um i. Kürzung der Arbeitszeit und um Er- <>>?® der Arbeitslöhne handelt. , Die Privatindustrie beruft sich auf die Konkurrenz auf � einheimischen und auf dem Weltmarkte, � fio CrtTTe**mf Sor �orrti wenn man »- fordert, sie solle mit der Verringerung der �oduktionskofien auf Rechnung der Arbeiter inne halten. .," kann sonst die Preise auf dem Markte nicht U�en, heißt eS einfach, und alle Gegengründe finden taube Jsten. Der zähe Widerstand gegen die Arbeiterschutzgesetz- �°ung findet hierin seine« Rückhalt. Aber auch im modernen Staatsbetrieb herrschen keine �gemäßen Anschauungen. Die Betriebsleiter bringen zu Är ihre persönlichen Rücksichten und Interessen ins Spiel. 'an solljx sich hnran gewöhnen, ein so wichtiges Verkehrs- »nfcctm.1 FeuMetott. IK ©et-minal. Sozialer Roman von Emile Zsla. �'g a»torifirt« llebersetzung vo« Ernst Ziegier. d>>ird� � tiberzeugt, wenn man ihm die Sache übertrage, jpl« e« ihm gewiß gelingen, die Kompagnie zur Bewilli- �ftigem Bedingungen zu bestimmen; aber Alles die aw* Teufel holen, wenn sie mit ihrer Hartköpfigkeit �lvnn ertrotzen wollten. ih».��phan, dem die Entrüstung die Zunge band, hatte »7 �ffen. endlich rief er: Rder�'zi.' Mensch, hast denn Du kein Blut in den fochurm hatte Lust, ihn zu ohrfeigen, und um dieser Ver- � öu widerstehen, durchmaß er mit großen Schritten er seinen Zorn an den Bänken auslassend, an denen �.ber mußte. ».Es'iCs�leßt wenigstens die Thür," ermahnte Souvarine. haucht Euch Niemand zu hörm." iinen b- ��em er selbst sie geschlossen, setzte er sich auf Und bet/* h'e aeben dem Tisch, rollte eine Zigarette Alirk �?�te die Beiden mit seinem ruhigen und feinen Ipitztx aorend ein kaum merkbares Lächeln seine Lippen �fsrtieu�? Du zornig wirst, machst Du nichts besser," fuhr «ünftjg JS11-»Ich hatte erst geglaubt, daß Du ein ver- * Äamer„iann 2!e"n c8 war ganz richtig, daß Du �anse-u n.? �uhe gepredigt und sie geheißen hast, zu eine,., und nicht in die Wirthshäuser zu laufen, -tLort, daß Du Deinen Einfluß benutzt hast, um mittel, wie die Eisenbahn, auch als eine allgemeine Wohl- fahrtSeinrichtung zu betrachten, die vor allem Anderen den Zweck hat, dem Publikum den Verkehr zu erleichtern und möglichst bequem zu machen. Das ist, follte man meinen, eigentlich etwas Selbstverständliches. Aber man irrt sich, wenn man glaubt, solche Gesichtspunkte seien bei den Be- tricbsleiwngen maßgebend. Wenn bei den Privatbahnen die Direktoren bemüht sind, eine möglichst hohe Rente für die Aktionäre herauszuschlagen, und wenn sie zu diesem Be- Hufe sich bemühen, durch niedrige Bezahlung des internen Beamtenheeres die Betriebskosten zu verringern, so findet sich bei den Staatsbahnen dasselbe Be- streben zu Gunsten des Staats, die Betriebs- leitungen der Staatibahnen sind bemüht, mit recht stattlichen Ueberschüfsen in dem Staats- Haushalt aufmaschiren zu können. Sie wollen sich Ver- dienste um den Staat erwerben. Um dies zu bewirken, muß natürlich an den Betriebskosten gespart und kann auf die Bequemlichkeit des Publikums nicht die zeitgemäße Rück- ficht genommen werden. Die höheren Beamten werden „standesgemäß" honorirt; bei den niederen Beamten und bei den Arbeitern aber zwackt[man ab. So kommen die Ueberschüsse heraus und die Vertheidigung des Ange- klagten Müller liefert das drastische und passende Beispiel dazu. Nun kann man entgegnen: Die Ausgaben des Staats steige«; wenn man sie nicht mehr in dem bisherigen Maße aus den Erträgnissen der Staatsbahnen decken kann, so wird man neue Steuern ausschreiben müssen. Mag sein, aber es käme dann darauf an, diese Steuern so einzunchten, daß nicht wieder die Arbeiter die Hauptlast zu tragen hätten. Die Sache liegt ganz anders. Es handelt sich nicht allein um das Wohl und Wehe der Arbeiter, die bei den Bahnen angestellt sind; es handelt sich auch um Leben und Gesundheit der Passagiere. Denn wenn ein Bahnarbeiter mit verantwortungsvoller Beschäftigung siebeazehn Stunden Arbeitszeit hat, so kann er unmöglich immer so munter sein, um auf alles, was ein Unglück herbeiführen kann, aufzupassen. Sein Körper leidet unter einer unanfhörlichen Ueberanstrengung und der kärgliche Lohn gestattet ihm nicht, die schwindenden Kräfte durch reichliche und nahrhafte Kost zu ersetzen. Wenn Frau und Kinder den Dienst mit versehen, so wird er naturgemäß mangelhaft versehen; die Frau gehört eben inS HauS und die Kinder in die Schule. Mögen e» doch die Herren Be- triebsdirektoren einmal probiren, nur einen Monat lang täglich siebenzehn Stunden zu arbeiten; sie werden bald spüren, wie ihnen vor Ermüdung die Augen zufallen. Die Sicherheit von Leben und Gesundheit der Reisen- den verlangt es gebieterisch, daß solche Zustände beseitigt werden. Man mag auch bedenken, daß eine staatliche Betriebs- anstalt nicht gut daran thut, den Privatunternehmern ein solches Beispiel zu geben. Im Gegentheil sollten die Staats- betriebe zeigen, wie man das Gemeinwohl fördern kann, um die Privatindustrie zur Nacheiferung anzuregen. Die Profitmacherei zu Gunsten des Staats auf Kosten armer Arbeiter kann von uns nicht anders beurtheilt werden, als jene zu Gunsten der Aktionäre. Der arme Bahnarbeiter geht nun in'S Gefängniß. Möge die öffentliche Meinung aber seine Worte aufnehmen und energisch die Verbesserung des bisherigen Betriebs- systems fordern! die Ordnung aufrecht zu erhalten. Aber jetzt willst Du sie plötzlich in die Sauce hineinziehen!" Stephan schritt immer noch auf und ab, und jedes Mal, wenn er zu Rasseneur zurück kam, packte er ihn bei den Schultern, rüttelte ihn und schrie ihm seine Antworten in'S Gesicht� „Zum Teufel, ja, ich habe ihnen gesagt, daß sie sich still verhalten und ich rathe ihnen noch heute, sich nicht zu rühren. Aber man muß unS nicht bis auf's Aeußerfte treiben!... Wenn Du kalt bei der Sache sein kannst, um so besser für Dich. Aber ich, cS giebt Stunden, wo ich meine, ich müsse den Verstand verlieren." Dies war seinerseits ein Bekenntniß. Er lächelte heute über feine früheren Illusionen, über fein träumerisches Hoffen auf Gerechtigkeit und Brüderlichkeit. Ach wenn sie darauf warten wollen, da werden sie bis an's Ende der Welt zusehen, wie die Menschen, gleich Wölfen, einander verzehren! Nein, man muß Hand anlegen, sonst wird die Ungerechtigkeit nie aussterben und die Reichen werden un- aufhörlich den Armen das Blut aussaugen. Ein Unsinn auch, den er sich nicht verzeihen konnte, war's, daß er ge- sagt, man müsse die Politik nicht mit der sozialen Frage mischen. Er wußte eben damals noch gar nichts; in- zwischen aber hatte er gelesen und studirt, seine Ideen waren gereift und zu einem System entwickelt. Doch er erklärte dieses System schlecht und in etwas verworrenen Phrasen, welchen von all den Theorien, die er durchgedacht und wieder verworfen hatte, etwas anklebte. Als Grundgedanke galt ihm der Ausspruch von Karl Marx, daß das Kapital das Resultat des Raubes sei und daß die Arbeit das Recht habe, sich wieder in den Besitz dieser gestohlenen Reich- thümer zu setzen. Die Dinge wurden jedoch konfus, sobald er zu einem praktischen Programm übergehen wollte. Er war zuerst von den Plänen ProudhonS zu der Chimäre des gegenseitigen Kredits verführt worden, einer großen Dolikttihe lttebevlrtttt. Die«mtftemttische» Koftatdemokraten, welche m einem bei der letzten BelagerungS�uktandSdebatte im Reichitaq besprochenen Flugblatt der Stöckerianer als Zeugen für die Judenhetzerei' und gegen die vaterlandslose, von Juden geleitete deutsche Sozialdemokratie aufgeführt wer» den, find Geschwisterkinder der Steifleinenen des berühmten Ritters Falstaff. Außer Herrn Stöcker oder Herrn Bockel hat sie Niemand gesehen. Von zdem„Internationalen Arbeiterkon greß", der inParjlis— man denke: in Naris—, der die m dem Flugblatt erwähnten judenhetzerischen Beschlüsse gefaßt haben soll, hat Niemand im Saine-Babylon etwas gemerki. Der aller Welt bekannte Interna» tionale Arbeiterkongreß hat natürlich keineJudenhetzerei gettieben; und dem Posßbilisten-Kongreß, der sich ebenfalls„international" nannte, ist ein derartiger Blödsinn auch nicht in den Sinn gekommen. Andere Arberterkongresse— mit?! uSnahme ver» schiedener Fachkongresse, ldie sich jedoch selbkverjtändlich mit der Judenfrage nicht befaßten— haben aber Jim Lauf dieses Jahres in Paris überhaupt nicht stattge» fu n d en. Die Vermuthung drängt sich unter solchen Umständen auf, das Paris, von welchem die Rede ist, sei nicht das G r o ß- P a r i s an der Seine, sondern das Klein'PariS an der P l e i ß e, wo das betreffmde Flugblatt auch ver- fertigt worden ist. Herr Liebermann von Sonnen- ber g war dann wohl Präsident jenes Internationalen Ar- beiterkongresses. Die Vermuthung hat viel für sich, denn seit Stöcker in Berlin abgetakelt ist, hat der deutsche AntisemitiS- muS Klein-Varis zu seinem Hauptquartier. Und warum sollten die Judenhetzer nicht auch einmal einen schlechten Witz machen können? Die Kevegung unter de« Kergleuten im Saarrevier dauert, wie der„Frankfurter Zeitung" von der Saar geschrieben wird, fort, hält sich aber in ruhigen Geleisen. Allwöchentlich werden Versammlungen abgehalten, hauptsächlich von dem Vor- stände des Rechtsschutzverein«, doch auch von dessen Gegnern, den sogenannten„Bergleuten gemäßigter Richtung". Bis jetzt haben die letzteren, obwohl alle„maßgebenden" Faktoren, Beamte, der größte Theil der Presse ic. auf ihrer Seite stehen, wenig Erfolg. Kegimmgspräfident«ud Landrath. Ueber eine merkwürdige Szene zwischen dem oderfränkischen Regierung»- Präsidenten von Burchtorff und dem oberscän tischen Landraths- Wechselbank, welche alle Vermittler ausschloß. Dann dachte er an die Loeist�s cooperative» von Lassalle, welche durch den Staat dotirt, nach und nach den ganzen Erdkreis in eine einzige Industriestadt verwandeln sollen; aber die Schwierigkeiten der Konttole verleideten ihm dies Projekt. Seit Kurzem hielt er es mit dem Kollektivismus und sein Schlachttuf im Streik war: Die Mine gehört dem Berg- mann, aber er wußte nicht, wie diesen neuen Traum realisiren, und meinte schließlich, man müsse sich zu- nächst der Regierung bemächtigen, dann werde man weiter sehen. „Aber was ist denn in Dich gefahren?" rief er heftig, sich wieder vor Rasseneur aufstellend.„Warum hältst Du es heute mit unseren Feinden? Hast nicht Du selbst gesagt, eS müsse Alles zusammenbrechen?" Rasseneur erröthete ein wenig. „Ja, das Hab' ich gesagt, und wenn eS bucht, wirst Du sehen, daß ich nicht feiger bin, wie ein Anderer. Aber ich will nicht mit Denen halten, die unS in die Klemme führen, um sich selbst eine Position zu machen." Jeht war es an Stephan, verlegen zu werden. Die beiden Männer schrieen nicht mehr, die Sprache wurde trocken und bitter; sie hatten ihre versteckte Rivalität be- rührt. Diese ihre Rivalität war es, welche sie in die Extreme warf: den Einen zu seinen revolutionären Ueber- treibuugen, den Anderen zu einer erkünstelten Vorsicht und Mäßigung. und ohne selbst denMuhm eines Märtyrers ernten zu wollen, vcrurtheilte diese ehrgeizigen Streber.« „Du bist eifersüchtig?" ftagte Stephan den Schank- ��Eifersüchtig, und worauf? Ich spiele nicht den große» Präsidenten v. Muncker berichten bayrische Blätter anS Bayreuth. Während im vorigen Jahre beim Landrathsschluh der Regie- rungSpräfident den Landrathspräsidenten umarmte und küßte, reichte er ihm diesmal nicht einmal die Hand zum Abschied. Und daS alles, weil der Landrath ein Liedlingsprojekt des Re- gierungZpräsidenten, die Gründung einer Haushaltungsschule für Bauerntöchter, für welche der Landrath einen einmaligen Beitrag von 3000 Mark und eine jährliche Beihilfe von 1000 Mark bewilligen sollte, einstimmig abgelehnt hatte. Daraufhin hielt der Regierungspräsident dem Landratb zum Schluh eine Standrede, in welcher er die Hoffnung aussprach, die Mitglie- der möchten zur alten Praxis und der parlamentarischen Tradition des oberfränkischen LandratheS wieder Zurückkehren, »dann werden Sie auf alleiniger Grundlage der Beschlüsse in den Ausschüssen und Plenarverfammlungen die Vorlagen prüfen und diese ohne Voreingenommenheit, ohne Mißtrauen gegen die Kreisregierung beschließen. Unter den Landräthen herrschte eine Entrüstung, eine Aufregung über die ibnen zugefügte Beleidi- gung, daß sofort die Mandatsniederlegung besprochen wurde. Selbst die adeligen Herren, welche den Regierungspräsidenten über Alles verehrten, waren empört über die Zurechtweisung des Landraths in dieser unerhörten Form. Es wurde eine Kommission gewählt mit dem Auftrag, die Würde und das Ansehen des oberfränkischen Landraths zu wahren. Wie nachträglich aus Bayreuth gemeldet wird, erklärte der Regierungspräsident von Burchtoiff mündlich und schriftlich, daß er nicht die Absicht hatte, den Landrath oder eines semer Mitglieder beleidigen oder kränken oder eine unberechtigte Kritik seines Verhaltens üben zu wollen. Die Worte feien vielleicht in der Erregung ernster und nachdrücklicher, als er ge- wollt, gesprochen worden. Freiherr v. Marschall, der badische Bevollmächtigte zum Bundesrath, hat nach dem stenographischen Bericht im Reichstage behauptet, daß die bei der letzten Reichstagswahl verbotenen sozialistischen Flugblätter„in geradezu schamloser Weise die besitzlosen Klassen gegen die Befitzenden aufhetzen" und daß darin unter anderem der Satz vorkommt, daß„die Volksvertreter nichts anderes thäten, als das Volk zu unter- drücken, auszubeuten, zu mißhandeln und daß, was geschehe, alles auf Kosten des Geldbeutels, der Freiheit und des Rechts der armen Leute geschehe". Es ist unwahr, daß dieser Satz in einem der beiden Flugblätter steht oder auch nur dem Smne nach aus ihnen gefolgert werden kann. Ebenso ist es unwahr, daß der sozialistische Kandidat wiederholt mit dem Sozialisten- gesetz in Konflikt gerathcn sei. Wie die„Frankfurter Zeitung" mUtbeilt, wird Herr Muser, mit dessen Broschüre sich Freiherr v. Marschall ebenfalls beschäftigte, die Frage der Anwendung des Sozialistengesetzes in Baden zum Gegenstand einer Jnter- vellatron im badischen Landtag machen und dabei den Herren Marschall und Fieser auch die Antwort auf ihre thatsächlichen und rechtlichen Ausführungen im Reichstag ertheilen. Ueber Soldatenmisshandlungen ist am Dienstag im bayenjchen Landlage vieljach Klage geführt worden. Abg. Bäuerle besprach dw moralrschen Mißhandlungen. Ein In- struktionsosfizier in Ingolstadt habe die Lehrerkompagnie, m der sich Leute mit 6 und 8 Dienstjahren und verheirathete Männer befanden, mit Ausdrücken angeredet, die man sonst nur von ganz rohen und ungebildeten Menschen gewohnt sei. Redner verliest erne Blütherrlese dieser Ausdrücke wie Schafsköpfe, Sauköpfe, Eselsköpfe, Sautroddel u. f. w. Eine solche Be- Handlungsweise bedeute, wenn sie auch eine Ausnahme bilde, eine moralische Herabwürdigung des Lehrerstandes. Abg. Dr. Orterer konstatirle auf�Grund von Zeitungsausschnitten eine Reihe von krassen und empörenden Soidatenschindereien, so namentlich im 3. und 2. Regiment. Der Fall des Sergeanten Possert im 2. Regiment sei geradezu unerhört. Derselbe hat aus dem Lechfelde zum Zeitvertreib mit dem Zimmerstutzen auf seine Soldaten geschossen und mehrere derselben verwundet. Ebenso gravirend ser ein Fall des Vizewachtmeisters Göttl im 5. Chev..Reg. in Saargemünd, welcher ferne Untergebenen förmlich gemartert habe. Das JnSgefichtfpucken fei während oer letzten Manöver selbst gegenüber Reservisten am Ende der 20tr Jahre beliebt gewesen, und hier helfe�nichtS anderes, als solche Soldatenschinder mit der höchsten Strafe, der Aus- stoßung aus dem Militärverbande zu belegen und sie von den blau-weißen Grenzpfählen fernzuhalten.(Man scheint also wahrscheinlich die aus Preußen importirten Unterosfiziere als die ersten in ihrem Fache zu betrachten. Denn gegen diese scheint sich hauptsächlich die Abneigung zu richten.) Dem Göttl seien trotzdem mildernde Umstände bewilligt und entgegen dem Antrage des Staatsanwalts, welcher auf 2 Jahre lautete, auf 1 Jahr 2 Monate erkannt worden. Zta» Sachsen, 19. November. Im sächsischen Landtag haben die sozialdemokratischen Abgeordneten einen Antrag auf Aufhebung des Schulgeldes, sowie auf Abänderung des Volks- fchulgesetzes eingebracht. Bezüglich des letzteren Punktes bean- tragen sie, daß der Staat zur Unterhaltung der Volksschule einen jährlichen Beitrag von 10 Millionen Mark aus der Staatskasse leisten und daß nur der Fehlbetrag, sofern nicht Vermögensbestände und Stiftungsfonds vorhanden find, durch Besteuerung der Gcmeindemitglieder aufgebracht werden solle. Man«, ich will keine Sektion in Montsou gründen, um deren Sekretär zu werden. Der Andere wollte ihn unterbrechen, aber er setzte hinzu: „Sei doch aufrichtig! Dir liegt an der Internationale nicht so viel! Du willst nur Eins: an unserer Spitze stehen." Stephan war bleich geworden.„Es ist gut," gab er zurück.„Ich glaube, ich habe mir nichts vorzuwerfen... Wenn ich Dich bisher stets um Rath gefragt, war eS, weil Du lange vor mir hier gekämpft hast; aber da Du Nie- wanden neben Dir vertragen kannst, so muß ich fortan allein handeln.... Und zunächst theile ich Dir mit, daß unsere Versammlung stattfinden wird, selbst wenn Pluchart nicht kommt, und daß die Kameraden dem Verbände beitreten werden, ob Du willst oder nicht." „Oho, das werden wir sehen! Du mußt sie zuerst be- stimmen, ihren Beitrag zu zahlen!" „Keineswegs! Die Internationale stundet den Streiken- den die Beiträge, das wird später geordnet; sie aber kommt uns sofort zu Hilfe." Jetzt wurde Rasieneur zornig: „Wohlan, auch ich bin in Deiner Versammlung und ich werde reden, verlaß Dich darauf! Ich gebe nicht zu, daß Du den Freunden den Kopf verdrehst: ich will sie über ihre wahren Interessen aufllären, und eS wird sich zeigen, wem sie folgen, mir, den sie seit dreißig Jahren kennen, oder Dir, der Du in kaum einem Jahre Alles bei uns auf den Kopf gestellt hast." Er verließ den Saal, indem er die Thür hinter sich inS Schloß warf. Die Blumenguirlanden zitterten am Plafond und die Namenschilder der Heiligen klappten an die Mauer; dann war's still. Souvarine saß noch rauchend auf seinem Platze. Stephan ging nachdenklich ein paarmal auf und ab; endlich machte er sich Luft; War es seine Schuld, wenn ihm dieser dickbäuchige NichtSthuer in den Wey lief? Hatte er seine Popularität erstrebt V Gewiß nicht! Er wußte nicht einmal, wie er zu der Freundschaft des ganzen Dorfes, zum Vertrauen aller Kameraden und zu der Macht gekommen war, die er jetzt über sie hatte. Und ihn klagt man an, Der erwähnte StaatSzuschuß soll nach der Kopfzahl der schul- Pflichtigen Kinder an die einzelnen Schulgemeinden vertheilt werden. Hmsichtlich der Lehrbücher verlangen die Antrag- steller, daß m allen Volksschulen Sachsens einheitlich vorae- gangen werden möge und endlich beantragen sie, daß alle Lehr- mittel in diesen Schulen unentgeltlich an die Schüler abgegeben werden sollen. Hamborg, 20. November. Die vor Kurzem erfolgte Be- schlagnahme einer Nummer der„Neuen Tischler- z e i t u n g" war von unserm Polizeichef Herrn Senator Dr. Hachmann damit begründet, baß der inkriminirte Artikel „frivol" und„schamlos" abgefaßt fei. Der Artikel behandelte allerdings in etwas lebhafter Zeichnung das Bestreben, durch „Vereine gegen Bettelei", Einrichtungen von VerpflegungS- stationen mit obligatorischer Arbeit, ehe die Beitelsuppe verab- reicht wird u. s. w. u. s. w., der Vagabondage steuern zu wollen. Ob die Beschlagnahme auftecht erhalten werden kann, muß der Erfolg oder Nichterfolg der erhobenen Beschwerde er- weisen. Miitlerweile hat jedoch der Redakteur der„Neuen Tischlerzeitung, Herr R. Müller, eine Klage wegen Belei- digung gegen Herrn Senator H a ch m a n n angestrengt, da er sich durch die Ausdrücke„frivol" und„schamlos" in seiner Ehre gekränkt sieht. Der Sühnetermin, welcher vor dem Schöffen- gericht am letzten Sonnabend stattfand, blieb erfolglos, weil Herr Senator H. weder selber erschienen war, noch überhaupt auch nur einen Vertreter geschickt hatte. Nun wirb die Klage ihren weiteren ordnungsmäßigen Gang nehmen. Selbstver- ständlich ist man auf den Ausgang der Sache allgemein sehr gespannt. In einer andern Angeleoenheit ist dem Herrn Senator H. eine kleine Genugthuung zu Theil geworden. Wie seiner Zeit gemeldet wurde, hatte ein hiesiger Rechtsanwalt gleichfalls unfern Potizeichef, um des gegen ihn von letzterem persönlich angewendeten Ausdrucks„naseweis", wegen Beleidigung ver- klagt und wurde schließlich der Herr Senator vom Landgericht zu 5 M. Strafe verurtheilt. Jetzt nun ist dieser Rechtsan- walt, Dr. Berthold, vom Ehrengericht der hiesigen An» waltSkammer zu einem Verweise und 2000 M. Geldstrafe verurtheilt worden, weil er in seiner Anktagesache wider Senator H. und in einer Duellaffäre mit einem hiesigen Amtsrichter Dr. Harke der.Anwaltsehre" zuwider gehandelt haben soll. Mit der Duellaffäre verhält eS sich so: Dr. Berthold und der Amtsrichter Ha,ke geriethen eines Tages aneinander, worauf Letzterer dem Dr. B. eine Herausforderung zusandte. Dieser ging hierauf nicht nur nicht ein, sondern brachte die Sache auch noch obendrein bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige. Dafür nun und daß er gegen den Herrn Polizeichcf wegen Beleidigung geklagt hat, muß er jctzt 2000 M. Strafe zahlen und erhält er auch noch von dem„Ehrengericht" der An- waltskammer einen Verweis obendrein. Der Oberstaatsanwalt begründete selber diese Anklage. Wenn Dr. Berthold auch die Anzeige in der Duellgeschichte immerhin hätte unterlassen können, so hat er im Grunde doch gesetzlich nur durch- aus korrekt gehandelt und wird nun dafür bestraft! Nette Zustände in unserm Rechtsstaate! Die hiesigen Kolonialwaaren-HandlungS- gehilfen sind ebenfalls in eine Bewegung getreten zur Ver- besserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen und haben sie zu dem BeHufe einen Verein gegründet. Ihre Forderung be- tchränkt sich vorläufig auf eine frühere Schließung der Ge» schäfte. Die Leute sind ja so bescheiden! Doch verfahren sie von einem ganz verkehrten Standpunkte bei ihrer Bestrebung. Die Mehrzahl der Kolonialwaarenhändler lebt von den sog. kleinen Leuten, der Arbeiterbevölkerung. Wenn diese auf Seite der KrämerkommiS stehen, dann könnte rhre Forderung leicht durchgeführt werden, indem in allen Arbeiterzusammenkünflen bafür propagirt würde, daß die nölhigen Einkäufe vor 8 oder 9 Uhr Adenbs gemacht werden. Die Hamburger HandlungS- gebilfen aber scheinen ihre Rettung von anderswoher zu er- hoffen, denn sie erlassen in hiesigen Blättern folgenbe Er- klärung:„ D a ß w i r(die Koloniatwaarenhandlungsgehilfen) keine Sozialdemokraten, fondern Gegner berselben sind, und mit den Vorgängen in Berlin und Königsberg nichts gemein haben." Brave Jungen, die anstatt mit ihren Berliner und Königs- derger Kollegen Hand in Hand zu gehen, sich in ostentativer Werse von denselben los sagen. Daß sie sich durch diese Er- klärung die Sympathie des größten TheileS der Hamburger Bevölkerung sowrt verscherzen, ist selbstverständlich. Für die Kingsin-Linie trafen wiederum eine größere Anzahl von Chinesen in Hamburg ein, schon die dritte Sendung! Ebenso kam hier«in Trupp K r u n e g e r an, welche auf den W o e r m a n n' schen Dampfern verwendet werden sollen. Letztere installirte man bei Ankunft im hiesigen Seemannshause, doch opponirten die dort logircnden deutschen Seeleute derart, daß man unsere schwarzen Landsleute aus Kamerun wieder ausquartiren mußte. Sowohl die Chinesen, wie die Kruneger sollen als Heizer und Kohlenleute Verwen- dung finden. Nach und nach werden die deutschen Arbeits- kräfte auf diesen Dampferlinien für gewisse Arbeiten wohl ganz verdrängt werden. daß er sie in die Klemme reiten will! Er schlug sich auf die Brust und betheuerte laut, er sei für Brüderlichkeit und Gleichheit Aller unter einander; dann blieb er plötzlich vor Souvarine stehen und rief: „Siehst Du, wenn ich ahnte, daß ich den Kameraden nur einen Blutstropfen kosten könnte, ich wanderte sofort nach Amerika aus!" Der Russe zuckte die Achseln und von Neuem kräukelte ein Lächeln seine Lippen: „O Blut!" flüsterte er.„Was macht'S? Die Erde braucht Blut!" Stephan nahm einen Stuhl und setzte sich ihm gegen- über an die andere Seite des Tisches. Dieses bleiche Gesicht, diese träumerisch blickenden Augen, in denen zeitweise ein rothes Licht blitzte, machten ihn unruhig und unsicher und lähmten in seltsamer Weise seine Willenskraft und sein Selbst- bewußtsein. „Sag'," fragte er,„waS würdest Du an meiner Stelle thun? Hab' ich nicht Recht, daß ich handeln will? Ist es nicht das Beste, wenn wir dem Verbände beitreten?" Souvarine blies langsam den Rauch seiner Zigarette in die Luft, dann antwortete er mit seinem Lieblings- worte: „Dummheiten!... Aber macht nichts, inzwischen ist es immer das.... Uebrigens, die Internationale wird bald vorwärts kommen, denn Er nimmt sich der Sache an. „Wer?" „Er!" Es lag wie religiöse Verehrung in diesem halblaut gesprochenen Worte, dabei deutete der Russe nach Osten: Er sprach von dem Meister Bakunin. „Er allein kann den entscheidenden Schlag führen," fuhr er fort,„all die Gelehrten mit ihrer Selbstentwickelung sind Feiglinge... Bevor drei Jahre vergehen, wird die Internationale unter seiner Führung die alte Welt ver- nichten." Stephan wurde aufmerksam. Er hätte sich so gerne unterrichtet, hätte so gerne die Lehre von der allgemeinen Zerstörung verstanden, über welche Souvarine nur seltene ?' Ä k siUrij Liebermann von Sonnenberg, der Jttdensifll«- ,flm 01 tab am letzten Freitage auf Altonaer Gebiet eine antisem'tyV"W, ui Vorstellung vor ungefähr 400—500 Personen. Der Zutr««w.. war nur gegen besondere Einlaßkarten gestattet. Der Erfoifl jsjnrmtfc war in dem gewählten Kreise ein überaus heiterer. Einige«-. ne lier scheiden« Opponenten wurden an die Luft gesetzt, weiter halt«»de dem die Sache keinen Zweck. Der ReichStagSwahlfonds der Anti- ai semiten in Hamburg beträgt schon— 200 M.! Sehr op?«' Kl freudig und fähig scheinen die Leute nicht zu sein. G-st-rr-ich-U«gar«. Die wuthenoen Reden im böhmischen Landtage haben aus die Aufmerksamkeit der Ungarn auf sich gezogen. Bek-nntli-b möchten die Jungczechen mit einem Schlage die österreichw Verfassung zerschmettern, um auf ibren Trümmern fit«r böhmisches Heim zu enichten. Die Altczechen find von nicht l» heftigem Naturell: sie ziehen es vor, die Verfassung so umzi-- „ 0»vvv*» v« vv*./ vvv i- bilden, daß das czechische„Staatsrecht" einen Platz in lhr stnoeu kann. Alle Czechen aber, ob Alt oder Jung, bekennen sich»1?» zu diesem Staatsrecht, sie verlangen einen Staat Böhmen n» Staate Oesterreich._, Welche Stellung die Wiener Regierung gegenüber du m Wünschen einnimmt, ist nicht recht offenkundig. Die Ofsipolm polemisiren zwar gegen die Czechen, aber Niemand 9"?' etwas darauf. Es ist nicht unmöglich, daß Graf der österreichische Bismarck, um die Position RiegetS p stärken, sich zu Konzessionen bereit erklärt und insbeion«» die Krönung bewilligt. Das wäre der erste Schritt, zweifelsohne zur Anerkennung des böhmischen Staatsrechts zur Schaffung eines eigenen czechischen Staates müßte. Denn bisher haben alle von der Regierung»r' machten Zugeständnisse nicht den Appetit der Slavm zu vermocht.. � Sehr ernst betrachtet man dagegen die Angelegenheiten � Budapest. In der Anerkennung des böhmischen StaatS«fl>*> würde man dort ein den Ausgleich verletzendes Ereignis®,' blicken. Ein der ungarischen Regierung sehr nahe stehf»� Blatt führt aus, daß Ungarn kein Recht habe, Oesterreich zu verhindern, daß es sich zum Spielball der autonomiM'? Parteien machen lasse.„Aber"— so fährt" fort—„wir find darauf bedacht, daß wir»n eigenes Staatsrecht, unsere eigene Verfassung und" Frieden unseres eigenen Landes gegen die Rückwi des österreichischen Umsturzes sicherstellen. Werden d> °nt Daß Kötzschen >«halte tei "wer gut« .'hl ibn 2?en M- Ulk D- Ukte im! lUtkmfte 7 wußte Unten Ar! '»Sellen. jene Bedingungen verleugnet und hinfällig gemacht, welche* unseres staatsrechtlichen Ausgleiches sind,/ .!» Voraussetzung... ziehen wir uns einfach auf uns selbst zurück und wir dann mit Oesterreich nichts Gemeinsames, als die Perl"«' Herrschers. Dazu berechtigt uns nicht bloS der Geist, fotzTL auch ber Buchstabe des staatsrechtlichen Paktes, und eS ist Ufr flüssig, die betreffenden Gesetzesstellen ausdrücklich atizusuv" sie sind Jedermann geläufig." � untecligt in der That kaum«nem Zweifel, dak� keber bi Unsehr Utndes sc Pisica hat .U°n Rü folS T '"l fuhrt l,.-nntrnnni �>m Kc ■Ä* 'ir jedoc ."»qi vr Tip «tne,' Hit Hi Ww Ntit. M l»e» Ut! Ungarn, wenn die czechischen Pläne"sich verwirkt� d»' sollten, ihrerseits aus einer solchen Veränderung Vo zu ziehm suchen würden. Der Ausgleich ist ges von Ungarn mit einem einigen Oesterreich: ob in � fem einigen Oesterreich die Slaven oder die Teu>I®V die Oberhand haben, das kann den Magyaren schließlich 9� giltig sein. Wenn aber Oesterreich in eine lose von Förderativstaaten zerfällt, so sieht Ungarn die Grunds des Ausgleichs angetastet. Mit Recht: der Auegleich nur einen Kaiser von Oesterreich und einen König von llngk ein König von Böhmen kann nicht einfach in ihn hi� geschmuggelt werden.« Schließlich wird dann wohl auch an dem Widerspruchs � Ungarn die czechische Aktion scheitern. Graf Taafe würKA zweifellos zur Anerkennung des Staatsrechtes drängen'"Lf wenn ihm die Magyaren nicht einen Riegel vorschöben.- einen Konflikt mit Ungarn kann er es eben nicht an' lassen, ein solcher würde seiner Herrlichkeit ein jäh bereiten. Wir sehen aus dieser Darstellung, daß auch in Oeß-- � der Umsturz der bestehenden Ordnung geplant wird; schieht in der Weise, daß man einen böhmischen König t�j möchte. Ein Sozialistengesetz gegen Königsmacherei wird � unnöthig sein Kelgie». � Ueber die Schuld des flüchtigen Ministerialbeamten besteht heute kein Zweifel mehr, alle seine Angaben übsJA, hohe Person, auf deren Veranlassung er belgische StaatSI� ten dem Spitzel De Mondion überlassen, find nichts � Flunkerei. Nieter hat zu hohen Preisen StaatSschrifte«& kauft und alles Geld vergeudet. Man ist nur durch einr»� fall dahinter gekommen. Der erst 36 Jahre alte Nieter s der >»«l D.- Iii M"- im Ge» SÄE en-L nfölSJ ernen belgischen Journal, sten im Jabre 1887 damit für daS Ministerium eine Reise nach Deutschland»u rn"?� jur daS Ministerium erne Reste nach Deutschland zu die daselbst getroffenen militärischen Maßnahmen und bes»»�. die strategischen Arbeiten im Bahnhofe Dalheim zu der 11 Nock f OUcj Ar sick j�en auf i Sntag jj A»*utfc te wei »..Bord i Ä's„o, - den die «OOS" fcf"R te Uli des e "■S. D Der von Diesem Journalisten Herrn Nieter abgelieferte erschien zu dessen großem Erstaunen in der„Neuen Revue ie levu-� ft' der er und dunkle Worte fallen ließ, als wenn er daS Beste sich behalte./ „Aber so sag' mir doch, was wollt Ihr thun?" „Alles vernichten!"... Keine Nation mehr,> Regierung, kein Eigenthum, kein Gott, keine Religio»-' „Ich höre wohl, aber wohin führt Euch daS?" „Zur primitiven, formlosen Kommune, zu einer» Welt, zum wieder von vorne anfangen!" „Und die Mittel, wie wollt Ihr dahin gelangen „Durch Feuer, Gift, Dolch. Der Räuber ist der Held, der echte Volksrächer, der wirklich handelnde o», lutionSmann, der keine aus Büchern gelernte Redens � braucht. Eine Reihe entsetzlicher Attentate muß die � tigen erschrecken und muß die Völker wach machen!' � Souvarine wurde furchtbar, indem er so sprach. in Extase erhob er sich von seinem Stuhle: ein mP Leuchten brach aus seinen Augen, und seine feine Hano sich in die Kante des Tisches, als wolle sie ihn zorv � Furchtergriffen blickte Stephan ihn an. Er erinnerte 1 9,,; die Bekenntnisse, welche sein Freund ihm hie und da ........ cnr\*-____ i.__ c____ rn- r„ n. o. tirtü � von einer Mine unter dem Palaste des Zaren; von Zs ** r•, i rv»*•' r w r»•<• r OfT> �XX /»t»« 1»*-»•- Kampfe mit der Polizei, welche sie mit ihren Messern. geschlachtet hatten, wie die Eber, und von seiner Ma � der einzigen Frau, welche er geliebt, wie sie an ernern � morgen in Moskau gehängt worden, während er, � Menge versteckt, sie mit einem geliebkost... „Nein! nein!" flüsterte Stephan bewegt, raschen Armbewegung diese Schreckbilder während er, letzten grüßende« mit< d- 4 weit sind wir noch nicht be, uns! Mord, Brand— daS ist entsetzlich, das ist ungerecht, es würden sich Aue gegen auflehnen!"'--• � Auch verstand er immer noch nicht diese düstere � von der allgemeinen Vernichtung, die alle« Besteheno« � Erdboden fegen will, wie wenn die Sense über e« R feld mäht. Was sollte nachher kommen? Wie sollte» bessere Völker entstehen? „So sag' mir doch Dein Programm", bat«r-" möchten doch wissen, wohin Ihr uns führen wollt. Aber Souvarine, der wieder seine Cigarette e g hS». «tlei ß,!�es Ife«' k.Uese K f6ei St«;3 sein �4 < Sw »ari < pro ha S&f1 Wa nu' Ii,'le« Of. b «li�Uw « Nlz Hii e< «t* "Äbx iudenfrisso- utifemitw Der ZutB Der EM Einige if weiter hatt« ; der Anw Zehr opfn» hoben aut Bekanntlich sterreickiilchi >rn ft4 e® oon nicht i» g so uwzn- i ihr finden en fich»ff" Lähmen n» ■ diesen To-s'. I» Schritt, da Srechwund IeS fuhr" ierimfl iw en zu ftlu" ,enheiti»A Staatsrecht« ireignih e stehend« rreich d"" nomißifch" wir und d- ckwirkuni® >en itM wir WJ P-rlon� -st, K, es ist u� anzufuhl� l, bail 'liain vor Kurzem; et gab hiervon dem Untersuchungsrichter ircht, und so kam Nieter'S Verbindung mit Frau Adam .r®'e einstweilige Amtsentsetzung Nieters wurde in H rm'fthen Sitzung des Ministerraths beschlossen. Dieser Si Vertrauensmann der Minister hat kürzlich seinem ®"l>e dem Fürsten von Chimay und dem Gothaer Kalender jLVtuen argen Streich gespielt. Er war eö, welcher dem �dner Kalender auf einem Briefbogen des Fürsten Mlimoi) die angebliche Verlobung der Prinzessin von am dem belgischen Maler Herrn Emil WauterS an- �i'su Bieter sehr bedeutende Geldsummen von dem �««ntchen Unternehmer, welcher die Maasbefeftigungen er» u.',"halten hat, hat er selbst eingestanden, über die von i�lär geleisteten Dienste schwebt noch ein gewisses Dunkel. ',iJ*'st' in welcher Weise er dem französischen Unter- eÄ??te belgische Arbeitskräfte verschafft hat. Nieter Er®'1'bn dem Erzbischofe von Mecheln als einen„sehr \üi,u.n �ann", welcher vor Allem„wohlgesinnte� Arbeiter � i Erzbischof ging auf Nieter'S Anträge ein und Eu'e nn Vereine mit den anderen Bischöfen, daß zahlreiche Iii �aste dem Unternehmer zur Verfügung gestellt wurden, Sm o. � Unternehmer sich verpflichten, für die wohl- aMch Arbeiter einen eigenen Seelsorger auf seine Kosten .. Amerika. fctlif i die letzten Slunden des Kaiserreiches in Brasilien lehr verschiedene Darstellungen verbreitet, doch dürfte 0»l'0. ziemlich den Thatsachen entsprechen. General da In i ber letzten Zeit häufig die Offiziere der Garni- iviiul�' be Janeiro bei sich empfangen und dieselben "-'gewiesen, daß an eine Erhöhung ihres kärglichen l,.'0 lange nicht zu denken sei, als dre Zivilliste einen ° rt �erl der Staatseinnahmen verschling«. Aehnliche !rren< lsthrlen dann die Offiziere in den Kasernen. Der 'zi' �'-'ster Ouro Preto soll angesichts der erkannten Ge- � er � sraisl»»-«»irip KrstnkitzNl, lAnaen d«' 5�)ssitipre m _- I--~» V V. J V| Kt** V...» I.v»/. V w» V»»»«»»»»»» Vi-«■ Kaiser etne Erhöhung der Gagen der Offiziere in it.Äfl'istaM vorgeschlagen und Dom Pedro fich damit ein- "aen»ffnrt jedoch unter der Bedingung, daß werde. !„'"""en erklärt lt(tl)®.«nifon| fe haben, gewechselt Das hielt Ouro -tt«.�boch für unmog ich und so geschah nichts. In Freitag auf Sonnabend verlheilte General da »He �.�."Men in der ganzen Stadt, damit dieselben im ."?es Widerstandes gegen die geplante Proklamirung der L' Hilfe leisten konnlen. Es ist aber bekanntlich kein Md geleistet worden. Sobald die Führer der Bewe- ..i»n der Situation waren, begaben sich die Mitglieder lstkiiiw frischen Regierung unter einer starken Eskorte nach �cbV» Die dortige kaiserliche Residenz wurde von »u ,? umstellt und die Delegaten theilten Dom Pedro M � vorgefallen sei. Die Kaiserin, die Kronprinzessin Gemahl und ihren drei Kindern sollen dieser ®ei„J beigewohnt haben.„Ihre Abdankung." soll h r- da Fonseca zum Kaiser gesagt haben,„wird '"01?» Beweis Ihrer Liebe für Brasilien sein. M iji dtegierung oerspricht Ihnen, nicht nur Ihre Person sich.danze Familie zu respektiren, sondern sie verpflichtet ffste s?'�hnen all Ihr Eigenthum zu belassen und Ihnen .eztn.nrr-,,.» v r, n rmm______ �1 m Ct\.id.«. 5a.___ j» �°>Uiste fortzuzahlen, sowie 13 Millionen als Reilekosten -w I. f* f r i y /c_____._ Wien unter der Bedingung, daß Sie sofort nach Europa Der Kaiser wie« dies Anerbieten zurück und erklärte, !!< Hüj Gewalt weichen zu wollen. Darauf wurden der Kaiser Hii i Familie, nachdem man ihnen eine Stunde Zeit ge- \ i, datte, als Gefangene unter starker Eskorte nach w°e Janeiro gebracht. Dort, im kaiserlichen Palaste, dem Kaiser die in Petropolis gemachten Vor- W: nochmals vorgelegt, allein Dom Pedro II. ant- zj*'e auch diesmal, daß er nur der Gewalt weichen lzf Am Sonnabend Avend wurde ihm dann mitgetheilt, sich mit seiner Familie zur Abreise am nächsten aus einem Kriegsschiffe vorzubereiten habe. Gleich- V�Aarden die früheren Versprechungen wiederholt. Der Äre« �,?av>ma»dant des KriegsschlsseS erhielt versiegelte ,!}$« er erst auf offenem Meere öffnen sollte. Am k ig 1 Margen um 3 Uhr begab sich die kaiserliche Familie �lie- �. brasilianischen Kanonenbootes„Parnabliba", iirden m die kaiserliche Flagge führte. Auf der Rhede Verbannten von dem Kriegsschiffe auf den Dampfer jWeJ aill'drocht, welcher letztere dann, begleitet von dem ...-Niachueto" und dem Kanonenboote„Parnahyba", am ,j, g siach Lissabon in See stach. Der Exkaiser und seine .Hußlen sich in ein dauerndes Exil begeben, da ihre �illlirfi''on Brasilien von den Führern der Republik als . den Frieden und das Wohlergehen der neuen Re- »dei>-'"Richtet wird. Vor seiner Abreise soll Dom Pedro gesagt Soh['h»Ich beuge mich den Thatsachen und bete für das siusj b �""des." Die Kronprinzessin und Graf Eu hätten � Ra Revolution sich widersetzen wollen, der Kaiser aber °stden"ilschieden, ihr zu weichen, um Blutvergußen zu ver« "lioii kaiserliche Familie wird am 3. Dezember in "chsite b Die erste Depeiche der neuen Regierung °er Minister des Aeußern Quinta Bocayuya an seinen , i" 'r-ch._Ä ,ny'"i (Sand kca� d° S-»K ni� mit ,�>end, i'}, t hatte, warf einen verlorenen Blick aus den Augen: inHfi ��den über die Zukunft ist vom Nebel, weil es c ctfchM der Revolution, das Gelingen des großen Miwerkes beeinträchfigt." r. �"twort machte Stephan lächeln, trotzdem es ihn iiriÄ d" und es sei woyr möglich, vag er ncy rab t dafür begeistere. Doch es hieße, Raffeneur Cn Odetten, wenn man schon jetzt den Käme- "dt. L?,?.. sprechen wollte. Vorderhand handle eS sich -"faktisch zu'sein. in» Vesir bot ihnen ein Frühstück an, und sie begaben Speisezimmer. Als sie ihren Eierkuchen und Käse .hatten, schlug es ein Uhr; Stephan'S Unruhe wuchs. B'"''"ö ca"4',' k'-neii y Pluchart ihn im Stich! Um halb zwei Uhr er- bereits die ersten Delegirten, und er empfing sie, fc? �aar iT? vermeiden, daß ein Spion der Kompagnie in i ü nu V?n.9en könne. Er prüfte jeden EinladungS- .Äfften � diejenigen Arbeiter, welche er persönlich kannte, � hue Brief eintreten. Um zwei Uhr kam Raffeneur z>i-r�ch�vor dem Schanktisch ohne Eile seine Pfeife SidW„ e, fafi spöttelnde Ruhe seines Gegners regte �>e ein» k'"ehr auf. Im Schankraum hatten sich junge um r �en' ro'e Zacharias und Mouquet, welche nur li �»e in n-ch � unterhalten; ihnen war der Streik nichts .'"kommene Gelegenheit zum Faullenzen; sie ver- �aden/.- srHien SouS und mochten sich über die ju ZioA.lüg, die es so ernst nahmen. >»fh.�allsan?'u Viertelstunde verging. Souvarine, der in b»l dag Preten war, kam wieder zum Vorschein und ic �lvß(il die Versammelten ungeduldig würden. Da «1»� Veoriff ��phan mit verzweifelter Geberde. Eben war ilit blötzn.n, dem Maschinisten in den Saal zu folgen, °rnd, die Wittwe Defir, auf die Straße hinaus» „Aber J•„ da ist ja der Herr!" (Fortsetzung folgt.) Freund, Baron Andrade, den brasilianischen Gesandten in Lissabon; er t heilte demselben die Ausrufung der Republik mit und bat ihn, diese Nachncht allen brasilianischen Gesandtschaften in Emopa zu übermitteln. Am betrübtesten wird man über dieselbe wohl im Vatikan gewesen sein, denn die Krovprin- zesfin Jsabella hat ja noch im vorigen Jahre als Regentin die dergendrose erhalten, dieselbe Auszeichnung, welche von Pius IX. Tu gleichfalls durch eine Revolution oerbnebenen Jsabella von Spanien verliehen worden ist. Glberstlder KoMWeMozeH. 3. Tag der Verhandlung. Das Verbör der Angeklagten dauert fort. Hugo Schumacher: Das„Gedenkblatt" habe ich nicht verbreitet. An Mendt habe ich nur das„Philadelphia Tageblatt" zum Lesen gegeben, ein oder zwei Nummern. Die bei mir gefundenen Schriften habe ich schon seit fünf Jahren: ich habe sie gekauft. Die vorgefundene Liste kenne ich nicht: ich weiß nicht, ob ich sie besessen habe, tteber die Bedeutung des Zettels kann ich keinen Aufschluß geben. Die auf der einen Lille aufgeführten Personen sind Abonnenten der„Volks- bibliothek." Sachse: Ich be�am die„Volksbibliothek"; das Geld habe ich an Schumacher abgeliefert. Wie viel ich im Ganzen Exemplare gehabt, kann ich mich nicht mehr erinnern. Hugo Schumacher: Ueber die Liste kann ich keine Auskunft geben. v. Schemm: Den„Sozialdemokrat" hatte ich früher abonnirt, bis das Einzelabonnement vom Reichsgericht als strafbar erklärt wurde. Von Wackerbagen aus Flensburg habe ich nie ein Packet erhalten. Ick als Schneider habe oft Muster- fendungen erhalten, aber von Wackerhaaen nie. Stürmer: An geheimen Versammlungen betheiligte ich mich nicht. Für den Hasencleverfonds habe ich gesammelt. Thielemann: Ich verweigere jede Auskunft. Tracht: Für den Hasencleverfonds habe ich gesammelt und das Geld an Thielmann abgeliefert. An geheimen Ver- fammlungen habe ich mich nicht betheiligt. Ein Konzert habe ich veranstaltet und den Ueberschuß dem Hasencleverfonds über- wiesen. Ullenbaum jun.: Bei Steht verkehre ich, weil man dort immer intelligente Leute trifft. Den Kongreßoertreter Elberfelds kannte ich nicht; erst gestern habe ich davon gehört. Mohrhenn kenne ich. Die Anklage gegen Leyverkus habe ich dem Harm erzählt. Die eine Nummer des„Soz." erhielt ich durch die Post, jedenfalls von einem Nichtgentleman. Abonnirt hatte ich nicht. Der Poststempel war Elberfeld. Das „Gedenkblatt" kenne ich nicht; ich habe es nicht verbreitet. Weiß: Ich kann nicht bestimmt angeben, ob ich vor zwei Jahren ein bestimmtes Packet erhalten habe. Weuster: Den„Sozialdemokrat" habe ich nicht ver- breitet. Das„Landsturmlied" habe ich jedoch verbreitet. Die „Rathschläge für das politische Leben" habe ich zugeschickt er- halten. Wilden: Etwa zehn Flugblätter habe ich von einem Unbekannten erhalten und an meine Freunde gegeben mit der Bitte, sie an ihre Brüder oder Freunde weiter zu geben. Wilke: Die„Winke"Iwurden mir zugesandt. Schieds- richtet war ich nicht, nur vorgeschlagen. Bei Bebel habe ich ein Schiedsgericht in der Sache Mohrhenn gegen Schumacher bean- tragt, um den Streit aus der Welt zu schaffen. Ueber weitere Schreiben kann ich mich nichtmehr erinnern. Ich war Krankenkassen- Kaisirer und wir, der Vorstand, ließen Listen anfertigen. Nur in Krankenkassenangelegenheiten habe ich mit Lehmann ver- kehrt. Ob das„K." Kaiser oder Kaltenbach oder etwas Anderes bedeutet, weiß ich nicht mehr. Es handelte fich um Krankmkassenangelegenheiten. Mit Kaiser habe ich nie in Ver- dindung gestanden und nicht an ihn geschrieben. Winkler: Die bei mir gefundenen Schriften habe ich von dem ausgewanderten Fritz und Garding erhalten. Ge- Heime Versammlungen wurden bei mir nicht abgehalten Mit Langohr habe ich nur üher eine öffentliche Schneideroersamm- lung gesprochen. Hüttenberger und Gustav Finte waren nie bei mir. Als ich bei Neumann war, wußte ich nichts von der Flugblattverbreitung„An die Wähler Deutschlands", konnte mich auch nicht daran betheiligen, weil ich noch keine Lokal- kenntniffe habe. Das„Gedenkblatt" habe ich nicht verbreitet. Ich bekam die Reichstagsberichte auf der Straße von einem Bekannten, was ein Polizeibeamter sah. Ich warf sie— nur ein Exemplar— in die Wupper. Nur sieben Exemplare des„Gedenkblattes" wurden bei mir gefunden, im Maschinen- kästen. AuSgetheilt habe ich das Blatt nicht. Winterberg: Am Kongreß zu Wyden habe ich nicht Theil genommen. Den„Soz." habe ich erhalten, aber nicht ver- breitet. Das Geld habe ich direkt nach Zürich gesandt, möglich, daß es an eine Deckadresse war. An der Grün- dung der„Fr. Pr." habe ich mich nicht betheiligt. Als bekannter Sozialdemokrat wurde ich von Gilles in feine Wohnung eingeladen. Unsere Berathungen erstreckten fich nur darauf, daß für Abonnenten gesorgt werde. Damit ist das Verhör beendigt und es wird in die Be« weisaufnahme eingetreten. Der Präsident gibt nach der Anklage eine Darstellung der Entstehung des„Sozialdemokrat". Die Verthcidigung protestirt gegen die Vorlegung von Ab- schriften. Wenn sdie Polizei die Originale nicht herausgeben wolle, könnten sie mcht anerkannt werden. Aus dem„Sozialdemokral"(Probenummer) wird ein Ausruf verlesen, der zum Abonnement einladet. Es folgt dann die Verlesung eines Leitartikels des „Sozialdemokrat" über die Organisation der Sozialdemokratie. Bebel: Es wird kaum nothwendig sein, die ganzen Artikel zu verlesen. Der Staatsanwaltschaft wird es genügen, wenn die belastenden Stellen verlesen werden. Ich werde dann die Verlesung der entlastenden Stellen beantragen. In dem verlesenen Artikel ist nur eine Stelle von Wichtigkeit. Im ersten Artikel ist von einer Organisation keine Rede; es ist nur ein Programm der Redaktion. Von Wichtigkeit ist, daß das Blatt in der Schweiz von Schweizern gegründet wurde. Der Staatsanwalt: Ich kann nicht auf die Ver- lesung der Artikel verzichten, da sie für die historische Enlwickelung der Partei und des Blattes wichtig sind. Die Verth e'idigung schließt fich dem Antrage Bebels an, da die Verlesung 2—3 Wochen dauern würde. Wenigstens sollten die Angeklagten, welche die Verlesung nicht hören wollen, diSpenfirt werden. Bebel: Ich ging nicht so weit, wie die Vertheidigung. Der Präsident: Im Interesse der Angeklagten muß ich auch die entlastenden Stellen verlesen lassen. Die Vertheidigung zieht ihren Antrag zurück. Es wird ein weiterer Artikel des„Soz." verlesen, welcher die Verletzung de« Briefgeheimnisses bespricht und VorsichtS- maßregeln empfiehlt, wie Verdunkelung des Bnefinhaits, Chrffernschrift, Zwischenadressen und Vernichtung der Briefe nach Kenntnißnahme. AuS Nr. 4 des„Soz." von 1879 wird nur die Schlußstelle eines Artikels verlesen. Bebel ersucht um Vorlesung einer andern Stelle. Dem Ersuchm wird stattgegeben. Die Stelle spricht von einem geistigen Band, welches die Genossen vereine. Bebel: Der Aufruf ist von fämmtlichen damaligen Abgeordneten unterschrieben. Es wird von einem geistigen Bande gesprochen. � ES folgt die Verlesung eines weiteren Artikels, welcher zur Sammlung von Beiträgen für die Familien der Ausgewiesenen, Jnhaktirten und Gemaßregelten auffordert. Bebel: Es wurde zu Sammlungen, die nicht verboten find aufgefordert. Die Bemerkung am Schluß, man möge sich an die Redaktion des„Sozialdemokrat" wenden, war überflüssig. Ich und meine Leipziger Freunde besaßen alle Adressen be- kanntet Parteigenossen und wendeten uns an sie. Der Staatsanwalt: Ueberflüsfig mag diese Be- merkung allerdings sein, sie ist aber da und im„Sozialdemo- krat" wird über Beiträge quittut. Aus Rr. 6 des„Sozialdemokrat" wird ein Artikel ver- lesen, welcher das Abonnement als nicht strafbar bezeichnet, aber Vorsichtsmaßregeln empfiehlt und über das Verhalten vor den Behörden spricht. Auskunft werde von der Redaktion ertheilt. Bebel bittet den in der gleichen Nummer enthaltenen Altonaer Rickterspruch zu verlesen, da bis zur Entscheidung des Reichsgericht auch gemeinschaftliches Abonnement von den Gerichten als straffrei eracktet wurde. Grimpe: Der Präsident hat öfters bemerkt, daß es unglaubwürdig fei, daß verschiedene Angeklagte den„Sozial- demokrat" von einem Unbekannten erhalten haben. AuS dem Artikel geht hervor, daß dies sehr wohl der Fall sein kann. Der Alionar Richterspruch wird verlesen, ebenso aus Nr. 8 des„Soz." eine Quittung über eingegangene Beiträge zum Unterstützunasfonds. Bebel: Wo keine Bemerkung bei den Beiträgen ist, find die Gelder direkt an uns(die Fraktionsmitalieder) eingegangen. Die direkt an den„Soz." gesandten Beträge find als solche bezeichnet, alles Uebrige ist an Fraktionsmitglieder gekommen. Aus Nr. 13 wird eine weitere Quittung verlesen, wonach alles in Deutschland eingegangen ist. Bebel: Mit dem Flugschriften- und Archivfonds hatten wir nie zu thun. Es wird eine Abonnementseinlabung des„Soz." verlesen, worin gesagt wird, daß später der„Soz." eine Einnahmequelle für die Partei werden solle. Man möge sich wegen des Abonnements an bekannte Parteigenossen wenden; Unbekannte möchten ihre Parteiangchörigkcit durch die Gegenzeichnung eines Vertrauensmannes deweisen. Bebel: Der„Soz." kann nach der Erklärung der Redaktion nur beim Verlag oder dessen Agenten bestellt werden. Es find 1387 vier Quittungen im„Soz." erschienen, wonach dessen Verlag Geld nach Deutschland sandte. Der Staatsanwalt fragt Bebel, wie es mit der Gegenzeichnung der Vertrauensmänner stehe. Bebel: Die Parteivertretung hatte nie etwas mit den Abonnements-Einladungen zu thun. Die Verwaltung des „Soz." sucht natürlich Leute, die den„Soz." verbreiten; Letztere haben materiellen Gewinn. Bekannte Sozialdemokraten damit zu betrauen, wäre eine Dummheit. Vertrauensmänner sind für mich alle nur als Parteigenossen Bekannte. Mottel« ist ein alter Parteigenosse; Derossi hatte große Verbindungen und Perfonenkenntniß. Vertrauensmann ist kein technischer Begriff. Die Namen der„Züricher Vertrauensleute" kenne ich nicht; vermuthlich ist es die Expedition. Bei einer Nachwahl in Berlin hat die Polizei eine Versammlung der Vertrauens- männer genehmigt. Der Staatsanwalt: Mohrhenn schrieb an Sie, Ab- geordneter Bebel, von einem Vertrauensmann für Elberfeld. Bebel: Ich kannte dm angeblichen Vertrauensmann gar nicht; ich weiß nicht, ob er vrelleicht gewählt ist. Welche Methode die Expedition anwendet, um Vertrauensmänner zu erhalten, ist mir unbekannt; jedenfalls wird fie noch unbekannte Genossen nehmen. Wir aber wenden uns an bekannte Leute, die öffmtlich wirkm. Die Vertheidigung macht gellend, daß alle politi- schm Parteien eine Organisation wie die Sozialdemokratie haben. Der Staatsanwalt verwechselt Partei mit Ver- b i n d u n p. Aus Nr. 5 des„Sozialdemokrat" von 1888 wird ein Aufruf zu Sammlungen für den Wahlfonds verlesm. In Nummer 8 und 9 wird über Beiträge quittirt, die beim„Soz." eingegangm find. Auf die Verlesung von„Stiebet« Verdruß" in Nr. 1—5 wird verzichtet. ES tritt eine Pause von 20 Minuten ein. Aus Nr. 2 des„Soz." von 1880 wird ein Artikel ver- lesen, der Schriften empfiehlt und Rabatt verspricht. Au« Nr. 7 wird ein Artikel„Organisirt Euch!" verlesm, welcher von der Einrichtung einer„sozialdemokratischen Feldpost" spricht. Bebel: Der Artikel ist in der Redaktion des„Soz." geschrieben wordm. In der gleichen Nummer ist ein Artikel von mir mthaltm. Einer der Angeklagten wünscht lautere Verlesung. Die Vertheidigung bittet, bei jedem Artikel zu konstatirm, ob er unterzeichnet sei. Aus Nr. 9 des„Soz." kommt der Artikel„An die Partei- genossen" zur Verlesung, der die Verlängerung des Sozia- listmgesetzes bespricht und für energische Parteithätigkeil eintritt. Ein Flugschriftmfond« fei gegründet wordm, um Flugschriften unentzeltlich auSgebm zu können; freiwillige Bei- träge werden erbeten. Bebel: In der gleichm Nummer ist eine Quittung über eingegangme Beiträge zum Flugschriftmfond« mthaltm. Ich konstatire, daß der verlefme Artikel von der Redaktion de«„Sozialdemokrat" geschriebm worden; die Unterschrist „Dmtschland" ist falsch. Dieser Fonds ist im Jahre 1881 wieder eingegangm. Aus Nr. 20 des„Sozialdemokrat" von 1830 wird ein Ar- tikel verlesen, der den Wydener Kongreß betrifft. Bebel: Die Einladung zum Kongreß geschah auf Ver- anlassung der damaligen ReichStaaSfraktion. Aus Nr. 25 wird ein Aufruf für den Wydener Kongreß verlesm, worin angereizt wird, daß die Einladungm brieflich erfolgm. AuS Nr. 28 wird ein Artikel verlesen, worin Most und Hasselmann zum Kongreß eingeladen werden. In der gleichen Nummer ist eine Mittheilung über die Unterstützung Ausgewiesener enthaltm. Bebel: Der Artikel ist von dm in Leipzig wohnmdm Fraktionsmitgliedern veranlaßt. Aus Nr. 33 des„Sozialdemokrat" wird ein Artikel ver- lesm. Bebel: In dem ganzm Artikel ist von einer Organi- sation ist keine Rede. Der Schlußsatz eines Artikels aus Nr. 29 von 1880 mthält einen Artikel, in der Kaserne auffordert.... Bebel: Ich weiß nicht, was dieser Artikel mit einer ge- Heimen Verbindung zu tbun habm soll. Au« Nr. 35 des„Soz." wird ein Artikel verlesen, der ebmfallS die Propaganda im Heer macht. Der Staatsanwalt: Es soll durch die Verlesung der Artikel bewiesm werdm, daß im Heer Propaganda gemacht werden soll. m Es wird der Konareßbencht in Nr. 35 bis 37 de«„Soz." von 1880 verlesen.(Wydener Kongreß.) Die Vertheidigung beantragt, von der Verlesung von ZeitungSartrkeln abzuiehm, wmn sie nicht von einem der Angeklagten Herruhren. Es handle fich nicht um den theore- tischen Beweis des Bestehms einer geheimm Verbindung, sondem um die Zugehörigkeit der Angeklagten zu einer solchen« Der Staatsanwalt besteht auf der Verlesung der Be- nchte. Die Vertheidigung bemerkt, daß vom SaatS« Nr. 35 wird verlesm. der zur Propaganda anmalt die den Abgeordneten Bebel betreffenden Stellen aus- gebogen werden sollten, um nur diese zur Verlesung zu bringen. Der Präsident: Es wird morgen die Verlesung abge- kürzt werden. Bebel: Es ist eine physische Unmöglichkeit, dieser Ver- lesung folgen zu können. Das Material, das gegen mich vorgebracht wird, ist ganz alt und ich bin deswegen schon zur Verantwortung gezogen, im Freiberger Prozeß, es kann sich also nur darum handeln, was seit 1887 geschehen ist. Der Staatsanwalt: Auf die Verlesung der Kongreß- berichte kann ich nicht verzichten. Bebel: Es kann fich doch hier nicht darum handeln, zu hören, was die verschieqenen Kongreßlheilnehmer gesagt haben. Höchstens kann es fich um die Beschlüsse handeln. Die Vertheidigung beantragt, die Verlesung der- jenigen Schriften zu unterlassen, welche vor dem Freiberger Urtheil erschienen und beantragt einen Beschluß des Ge. richtshofes. Der Präsident erklärt, den Beschluß morgen früh mit» zutheilen. In der Verlesung des KongreßberichteS wird fortgefahren. Bebel: Die vom Wydener Kongreß beschlossene ausländische VerkehrSstelle hat im Ganzen nur ein Jahr bestanden; seit 1882 existirt fie nicht mehr, er konstatirt ferner, daß er nie Anstand genommen, eine Theilnahme am Wydener Kongreß und an der Einberufung zuzugeben. Ort und Zeit desselben seien vorher nur geheim gehalten worden, damit er nicht verhindert werden konnte, aber nicht, um eine geheime Verbint ung zu gründen. Sobald der Kongreß tagte, haben w i r s e l b st die Berichte ve> öffentlicht, ohne diese Veröffent- lichungen wäre kein Mensch gewahr geworden, was beschlossen worden ist. Das ist doch jedenfalls das Gegentheil einer ge- Heimen Verbindung. Es folgt die Verlesung eines auf den Wydener Kongreß bezüglichen Artikels aus Nr. 38 des.Soz/' von 1880. Bebel konstatirt, daß der Artikel nicht unterzeichnet sei. Die Vertheidigung regt an, daß der Gerichtshof be- schließen möge, die Angeklagten auf einige Tage zu entlassen, da fie bei der Verlesung nicht zugegen zu sein brauchten. Der Präsident: Die Angeklagten find am allge- meinen Theil alle interejfirt, bei der SpezialVerhandlung nicht. Um 2 Uhr wird die Sitzung geschlossen. VurlmimrUmgem. Eine Generalversammlung der Putzer füllte am Montag, den 18. d., die Büraeriäle, DreSdenerstraße 95. Herr Mar Boginski hielt einen beifällig aufgenommenen Vonrag über die„Verkürzung der Arbeitszeit". In der Diskuifion sprachen verschiedene Redner im gleichen Sinne und forderten die nicht organifirten Kollegen auf, fich der Organisation an- zuschließen. Zur Unterstützung des auf dem internationalen Arbeilerkongresse zu Paris beschlossenen„Achtstunden-Organs" wurden 100 M. aus dem Generalfonds der Putzer bewilligt. Folgende Resolution wurde angenommen:„Die heutige Ver- sammlung erkennt die Beschlüsse des internationalen Arbeiter- kongresses zu Paris betreffs der Verkürzung der Arbeitszeit als die einzig richtige an und tritt für die Durchführung derselben in der Weise ein, daß sämmtliche Putzer Berlins und Umgegend den 1. Mai 1890 als einen internationalen Ruhetag erachten, indem wir an diesem Tage die Bauten meiden und nicht arbeiten." Beschlossen wurde noch, die Tabakarbeiter sowie die Bildhauer in ihren jetzt schwebenden Streiks zu unterstützen und der Vertrauensmänner- Kommission der Putzer die Befug. niß zu ertheilen, sollten streikende Korporationen sich an fie wenden, sie mit 100 M. zu unter stützen. Man hat fich in dieser Angelegenheit zu wenden an Hermann Neumann, AlvenSleben- Stv Verein zur Wahrung der Interesse« der »r Knopfardeiter hielt Sonntag, den 19. vs. seine regelmäßige Mitgliederversammlung im Lokale des Herrn Gnadt, Brunnenstr. 38, mit folgender Tagesordnung ab: I. Vortrag. 2. Gewerkschaftliches. 3. Verschiedenes. Zum ersten Punkt hielt Herr Dr. Strauß einen Vortrog über all- gemeine Arbeiterhygiene. Zur Diskussion sprachen fich sämmt- liche Redner im Sinne des Referenten aus: jedoch wurde vom Vorsitzenden hervorgehoben, daß in den Fabriken, wo bei elektrischem Licht gearbeitet wird, der Fabrikant verpflichtet sei, Schutzbrillen zu liefern. Der Vorstand würde demnächst die nölhigen Schritte hierzu einleiten. Kollege Svieß wies auf Verkürzung der Arbeitszeit hin. Unter Gewerkschaftliches theilt der Vorfitzende mit, daß die Angelegenheit der C. H. Röhl'schen Fabrik zu Gunsten der Arbeiter entschieden sei, da die Firma das Versprechen gegeben habe, keine weiblichen Arbeiter an der Ouerbohrmaschine zu beschäftigen. Auch wurde das Ueberstundenarbeiten sehr abfällig kritifirt, da die Fabrikanten einfach bestimmen: Heute wird länger gearbeitet. Hierauf wurde erwidert, daß, wenntder allgemeine Lvhntarif zur Durchsührur g gelange, für jede Ueberstunde 20 Pf. ertra zu zahlen sei. Unter Verschiedenem wurden dem Kollegen Günther, welcher bereits 3 Jahre. krank darnieder liegt, 10 M. aus der Vergnul. kaffe bewilligt. Ebenfalls sollen in sämmtlichen Knops-iW Sammellisten zirkuliren, um dadurck die Noth einrgew« zu lindern. Sodann theilt der Vorfitzende mit, da«' Stiftungsfest am Sonnabend. den 22. März, der EmT Sebastianstr. 39, stattfindet. Ferner würde zu den m Versammlungen ein größerer Saal genommen, da der der Gnadt fich als zu klein erwieien habe. Nachdem dn fitzende 19 neu hinzugetretene Mitglieder Namens des*> willkommen geheißen, schließt die Versammlung. Vertammlnng der Filzschutzarbeiter. Die am Mo den 18. Nooembtr, m Zemrers Lokal stattgehabte Versaml der Filzschuharbeiter und Berufsgenossen Berlins un° gegend verfiel kurz nach Eröffnung derselben der pofizeiM Auflösung. Der Vorfitzende eröffnete die Versammlung 9, Uhr und erklärte, da der Referent noch nicht tischimen n die Versammlung auf 15 Minuten zu vertagen, hierüber o» abgestimmt und die Vertagung einstimmig angenommen. hin erklärte der überwachende Polizerlieutenant auf w einen Paragraphen des VereinSgesetzcS hin die Versa®® für aufgelöst. Mit einem donnernden Hoch verließen die � sammelten das Lokal. Beschwerde wird eingelegt. Die»o« Versammlung findet am Sonnabend, ben 23. Novemd« selbst statt..- Volkvvevsammlnns in Frirdvlchahage«. Am»fj >. v-_ K cm.. tn---... abend, den 16. b. M., tagte in Fried rrchshagen mr'-u hauS" eine imposante öffentliche Volksversammlung, woui. Saal bis zum letzten Platz füllte. Das Referat hatte V Rechtsanwalt Arthur Stadthagen übernommen, fesselnder Weise das Thema:„An's Vaterlanb, and � Ichlreß' Dich an!" behandelte. Die Versammlung nah®> Schluß folgende Resolution einstimmig an:„1. Die«, Versammlung erklärt, nur in den Lokalen zu verkehren, j ihre Säte zu Arbeiterversammlungen hergeben, bat«sss J Friedrichshagener Brauerei nicht ausschänkerr und o beiden Aiberterblätter„Berliner Volksblatt" und /'Ö Volks tribüne" abonniren.— 2 Die am 16. d. M-,. Haus tagende öffentliche Versammlung erklärt sich""gM ganz mit den Ausführungen des Referenten, Herrn* y anmalt Arthur Stadlhagen, einverstanden und verpF»� dieselbe, in dieffm Sinne weiter zu kämpfen unM� der Wahl für den Kandidaten der Sozialdemokrat® Arthur Stadthagen, mit allen Kräften einzutreten." 20. . Am "•d Kam �.Auf Nftnd i nchen(jle �uossen lallen d »ewissen -ll der 2"« Reil . am hiesigen Platze bekanntlich[1653 Gposstc Auswahl. Garanttrt sicher brennende Tabak». Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmiliche im Handel befindlichen Roh» Tabake find am Lager. 8. Goldsohmidt, Epandauerbrücke 6 am Hackeschen Markt. Oäerbruckter auch ausgenommen u. getheilt, PI iel billiger als andere» (siel andere» Leber, Liesen und KanseKtetN' ,,sttss pöstelsteisch.- Pfd. 60 Big. � geräucherte«äntebrS� f frischt pfundweise„,,Ä sowie sämmtlicheS Gestügel in liros Frische Hase«(auch gespickt), ' mdweise die Wild- und empfiehlt billigst.„ mdGeflügel-HandlunS. Kalbfleifch W? Möbel, Spiegel i Po w Ua-V' Hei*'} we-k ZK"d? I�'vvk-r Verantwortlicher Redakteur: P. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kadtng m Berlin SW., Beuthstraße 2. Beilage zum Berliner Boltsblatt. >r. m am Serfanti 5 und polizei! nmlung lbicnen tübct n>«l en. D-r« auf iif Strfontwj! cn dit.W Die ooember Freitag den W. November 1889. 6. Jahrg. DÄvlmnenksvertchke. D««tsch«r N«ich»ta«. 20. Sitzung vom 21. November, 12 Uhr. Am Tische de« BundeSralhe: von Boetticher Fvwmtssarien. �», Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Antrage be« Mend den Befähigungsnachweis. Die im Wesent- Neu gleichlautenden Anträge der Abgg. Ackermann und �nnflea(kons.), sowie Aichbichlerund Genossen�(Zentrum) �vunt die Vornahme der Prüfung über die Befähigung zu �«rssen Gewerben den Innungen übertragen. Dagegen •»u der Antrag«ardorff, Lohren(RerchSpartei) für Reihe von Gewerben den Befähigungsnachweis durch Anbringung eine« Jnnungs-Lehrzeugnistes sowie eines Arbeits- MN'sies über eine dreizährige Arbeitszeit als Gehilfe oder ?kselle erbringen lassen. Für Gewerb«, welche bei mangel« wto« Betriebe das Leben und die Gesundheit der Mitbürger pjährden, soll«ine technische Prüfung vor einer PrüsungS- «w dt eintreten. ».Abg. Ackermann(kons.) begründet den konservativen �»ag: Es mache ihm und seineu Freunden kein Vergnügen, ???r wieder mit diesem Antrag« zu kommen, er für seinen «Lfe' habe die Sache gründlich sait.(Heiterkeit.) Ts sei ein Uhseliges Beginnen, hier noch Gesetz'vtwürfe vorzuschlagen. 7� Recht des Reichstages, dies zu thun, fei nahezu werthlos, f*®" so viele hier eingebrachte Initiativanträge unerledigt �>»en und höchstens ern einziger Wochentag zu ihrer Erle- verwendet werde. Es sei Zeit, die Frage zu erwägen, y.dos verfassungsmäßige Recht des Reichstages in dieser ?iwhurg besser gewahrt werden könne. In Bezug auf die W« des Be fähigur gSnachweiseS weide sich heute wieder das r* Frage- und Annvortspiel wiederholen. Die Gründe für und seren ja alle»schon dagewesen"'. Um die Innungen, be- M deren er und seine Freunde stets von den National- ?�!>len im Stiche gelassen würden, handle e« sich hier nicht, �rhr um den Besäbigun gSnach weis für alle, gleichviel ob »�0lgS- oder Richt-JnnungS-Handwerker. Falsch sei der �»nd, daß die Mehrheit der Handwerker den Befähigung«. C?StiS nicht wolle. Wo sei denn diese Mehrheit?! Für z�mbeiter sei gesorgt durch die sozial politischen Gesetze, für ? Handwerker habe man nichts übrig, er bleibe °?tlrs. Dos Stoattwohl erheische jedoch, daß Ehrbarkeit und i�l'.gfeit im Handwerke erhalten bleiben. Die Zeit werde Neulich kommen, wo der Gebeiwrath«. Liberalismus werde ,'"»wunden werden. Auch auf dem diesjährigen Handweiker- in Hamburg sei schlechten der BefähigungSauSweiS ge. z!®d«rt worden. Das sei und bleibe auch fem und seiner '»eunde cftcrurn ccnseo. ». Abg. Metzuev(Zentrum) verzichtet ebenso, wie dies der Vorredner gelhan, aus eine nochmalige genauere Begründung !»««(des Zentrums-) Antrages. Neues sei ja doch nicht mehr �»abringen. Seine Freunde wünschten nur, daß die Anträge r» drei Lesungen passtren, die Regierung ihre Stellung dazu �zeichnen und die in Handwerker kreisen wahrnehmbare Ver» noch vor den Wahlen zerstreut weid-. Er bitte des. ???- da« Haus möge die konservativen und Zentrums. Anträge und den Antrag Km da. ff, der weder warm noch m k ablehnen. vn„Adg. Marbach(Reichsp.) als Mitanttagsteller des Kar. ksll Ichen Antrages befürwortet denselben. Ein Rolhstand im vaudwerk se, thatsächlich vorhanden. Da« Handwerk habe zwar � Gewerbesreiheit mancherlei Förderung erfahren, doch i!?**S in demselben auch unsauber« Elemente, und nament. die Korkurrenz der Grofiindustne habe manchen Uedelstand {•"Bflezogen. Em es Befähigungsnachweises für alle Hand- j*.« bedürfe eS nicht, um|o weniger, a S auch das Publikum tincm so ausgedehnten Schutze nicht verlangt. Ein �uhwoeber beispielsweise, der se.neic Arbeit nicht zu liefern ??®öge, könne sehr wohl als selbftständiger Handwerker be. Lshen und aröbere und Flickarbeit liefern, ohne daß das liuien Ledrzeit, die er für alle Gewerbe fordere, beson- »? aber für da« Bau Handwerk, diesem für da« Leben der te*>tt selbst wie der Bewohner so wichtigen Gebiete. Un- wligr Arbeiter könnten da viel Schaden anrichten, ebenso ."�ut&iin» Fjj hie Gewerbe sei e�chuge Bavdag'sten. Zahnkünstler. �der«in Befähigungsnachweis in Gestott einer vorzunehmen- .Prüfung zu wünschen. Was sein Antrag verlange, werde sowohl zum Schutze de« Publikums, wie auch im rJVereffe der Eihaliung eines soliden Handwerks, das nament. � wich e>« Bollwerk gegen die Sozialdemokratie sei. I�Abg. Golbschmidt(freis): Diese Anträge, meine Herren, r»??� alljährlich, wie da« Schiller'schc Mädcheir»schön und »Mdelbai"', nur mit dem Unterschied« freilich, daß da« stete �»b«r«jvbrivaen dieser Anträge zwar wunderbar, aber nicht Jr'ae schön ist. Wenn Sie über unser Handwerk klagen und Vi., Blühen den BesähigunaS-Rachwei» für nöthig halten, r®l'cken Sie doch aus Frankrerch, wo das Handwerk seine Entwickelung e st w-der bei der letzten Ausstellung de- �?en bat, und wo kein Mensch, keine Regierung, kein Parla- kerne Handwerker-Gruppe die Wiedereinführung der V? seit Jahrhunderten befeit gten Beschränkungen verlangt. gzO Blauben Sit wirklich, daß unser Handwerk ur tüchtiger ist, 6a»> französische?! Mit Nichten. Sie leisten auch unserem �twerke m,t Ihren steten Hinweisen aus dessen Niedergang Dienst. Herr Melbach ewpfi hlt seine Antröge als Boll. ÄI m,.' Legen die Sozialdemokratie. Ader dann ziehen Sie doch »g? di« Konsequenz und geben Sie Ihrem Antrage �'«rrende Kraft. Wenn Sie da« thun und ver. fyt'rri, daß auch die bereit« jetzt selbstständigen Meister tz?»»er Prüfung unterziehen sollen, dann werden Sie V,,/7®ierschnsi«n unter Ihrem Antrag« im Lande mit der br.?1* suchen können! Wollen Sie dem Handwerk wirklich h«,, � dann geben Sie den Lehrlingen und Gesellen Gelegen. w S-rtbUdungSschuien weiter zu bilden. Aber gerade am wenigsten die Innungen zu haben. Gerade tn»>,�LSmeiit.r geben ihren Lehrlingen nur ungern fteie Zert »s�Sand,ibuvg»schuIdesuch. Rur billige Arbeitskräfte suchen Ps«z>�"®®riSiwtister in ihren Lehrlingen. Die Juristen und "'cht � dürfen Sie hmstchtlich de« BesähigunySnachwerse» ��.dn» Handwerk in Parallele bnngen. Ber den Med». dv't. �'Lt ern unzweifelhafte« öffentliches Interesse vor, das Ziichz 3** ouch dabei vorbanden rst, ob ein Rock passe oder Vie» k t ßiufichtlich der Juristen zeigen doch gar viele That« �acht' Sf auch da» Examen nicht immer den guten Junften mn" Bauten freilich müsse« im öffentlichen Interesse solrde ,a°er dazu brauchen wir kemen BesähiguvgSnach- ''andern dazu Haben»vir die Baupolizei- und die �«d«.,,Len, und hier in Berlin ist die Bauordnung f\"0n drakonischer Strenge. Bei den leider vo.gekam- �serEuiftürzen waren stet« gerade grprüste Bau- und geprüfte Maurermeister Leiter de« betreffenden Baues. Die Prüfung hat also solche Unfälle keineswegs verhindert, und veranlaßt waren also die Unfälle nicht durch Mangel an Prüfungen, sondern durch Unvorsichtigkeit oder Fahrlässigkeit bei der Bauausführung, speziell bei der Verwendung deS Materials. Ein Hauptschaden des Handwerks ist das Fehlen der Kenntniß der Buchführung, wie sich besonders arnd aus einer Enquete der badischen Regierung über die Lage des Klein» Handwerks eraiebt. Mit so nebelhaften, allgemeinen Vorschlägen werden Sie dem Handwerk nicht helfen. Abg. Ktrnckman«(natl.) betont lebhaft, auf der Linken des Hauses empfände man genau ebenso warm für da» Hand- werk, wie aus Seiten der Antragsteller. Entgegen den Aus- sührungen der letzteren befinde sich aber das Handwerk that- sächlich in einem durchaus erfeeulichen Aufschwünge. Weiter verspreche man sich von der Prüfung überhaupt viel zu viel. Eine Prüfung befähige den, der sich ihr unterzieht, durchaus nicht, dem raschen Fluß der geweiblichm Entwickelung besser zu folgen, als dies ohne P-Lfung der Fall ist. Auch die Prüfung an sich würde in einem steten Fluß sein müssen, denn was heute dem einen Handwerk eisen,— beispielsweise die Benutzung von Nähmaschinen, von Gasmaschinen— das !iehe morgen ein anderes Handwerk zu sich hinüber. Inner- >alb desselben Handwerkes würde also die Prüfung sortwäbrcnd in dem, woraus sie sich erstrecke, wechseln oder— fortwährend die Prüfungen wiederholt werden müssen. Glaube man denn, daß sich da» ermöglichen lassen würde? Gewiß nicht. Ja, wenn die Sache so läge, daß Jemand nach dreijähriger Lehr- zeit und dreijährigem G. sellenstand fertig wäre,— aber dag gewerbliche Leben schreitet doch imnier weiter. Sehr oft habe Jemand zwar nur wenige theoretische Kenntnisse, aber gerade viel praktische Erfahrungen, wolle man so Einen bindern, sich selbstständig zu machen? Von großer Bedeutung sei das gerade auch im Baugewerbe, für die Frage der WohnungSnoth. Gerade der Häuserbau durch kleine Leute mildere am allermeisten die WohnungSnoth. Es möge ja vorkommen, daß dieselben ab und zu einen kleinen Fehler beim Bau kleiner Häuser, beim Bau besonders von Arbeiter- Wobnungen nuf dem Lande machen, aber deshalb brauche man sie nicht zu Pfuschern machen und sie hindern, sich selbstständig zu machen. Wolle man sie einer Prüfung unterziehen, dann sollt man bei dieser Prüfung wenigstens auf die Theorie nicht so viel Gewicht legen, sondern auf die praktischen Erfahrungen der Leute. Wenn man der- pestalt, wie der Antrag Kardorff eS wolle, eine mehrjährige Lehrzeit nebst meh'.jähriger Gesellenzeit vorschriebe, dann müsse man doch zum Mindesten auch die Vflichten der Lehrherren genauer feststellen. Nur Rechte ohne Pflichten für die Meister festzusetzen, das gehe doch nicht an. Abg. Kräder(VolkSp.): In Frankreich steht trotz der G-werbefrerheit das Handwerk in hoher Blüihe: das hat sich eben auch wieder auf der Pariser Ausstellung gezeigt. In England hört man ebenfalls nichts von Bestrebungen im Sinne Ihrer Anträge. Warum kommen Sie denn damit? Das Ge- werbe liegt auch bei un« nicht darnieder, wie die Antragsteller behaupten: die Münchener Kunstgewerde-AuSstellung zeugt dafür, daß da« Kunstgewerbe trotz der Gewerbefreiheit hochkommen kann. Dem fteikonservativen Antrag würde ich eher eine Berechtigung zuerkennen, als den übrigen Anträgen, wenn überhaupt solche Bestimmungen eine Gewähr schaffen würden, daß die geprüften Leiter der bezeichneten Gewerbe auch wirk- lich befähigt sind. Die« bestreite ich eben. Die großen Städte erreichen rm Baugeweibe das angestrebte Ziel durch sehr strenge Bauvorschriften; so ist e« auch in München. Dem Adgeorv- neten Struckmann kann ich bestätigen, daß ein großer Theil der Arbeiterwohnungen durch Gesellen, wo möglich in dm freien Stunden, durch gemeinsame Arbeit aufgeführt rst; in meiner Heimath Kaiserslautem sind Hunderte von Arbeiter- häusem so mit Unterstützung der Wohlhabenbm oder ihrer Meister geschaffen worden. Ich vermisse in allm drei Anträgm da« Gewerbe der Bierbrauer. Ist das eine fteie Kunst oder Wissenschaft?(Heiterkeit.) Oder ist es nicht, wenn auch nicht auf da« Leben, so doch auf die Gesundheit von Einfluß? Ich dmke an den Bierkater.(Heiterkeit.) Die bayerische Gewerbe- ordnung von 1846 schrieb dm Befähigungsnachweis für Bier- brau.'r vor, und da ich in meiner Jugmd diese« Gewerbe gelernt habe, habe ich mich im März 1853 auch dieser Prüfung unter- worfm und dm Befähigungsnachweis mit der OualistkationS- note»vorzüglich" bestanvm. Da« Zeugniß ist unterschrieben von dem Vorstand der Prüfungskommission, die durchaus nicht obskure, sondem lauter wohl besähigte Leute waren. Auf Gmnd dieses Befähigungsnachweise« wurde ich als Brau« meister von einem mcderrheinischen Brauereibesitzer mgagirt. Als ich dort mehrere Woebm konditionirt hatte, sah dieser Mann, daß es um meine Wissenschaft de« Brerbrauen« doch nrcht so besonders stehm müsse und warf mich hinaus.(Große Heiterkeit.) Der Richter vcmnheilte meinen Prinzipal, mir drei Monate Salair und die Rerftkosien zu bezahlen; später habe ich allerding« erkannt, daß ich dieses Geld sehr unrecht- mäßig erhaltm habe, weil ich damals noch nicht so befähigt war, um ein größere« Gewerbe zu leitm. Hmte bin ich Säge- müller und Holzhändler, habe aber weder eine Lehrzeit als Sägemüller bestandm, noch eine sogenannte merkantile Bildung als Kaufmann gmossen, und gleichwohl habe ich in diesem Fache einigen Erfolg aufzuweisen, wie meine Fachkollegen im Hause, Grumbt und Klumpp, mir bezeugen werden; der Be« fähigungSnachweis, selbst vor einer Prüfungskommission in einer größeren Stadt geleistet, bedeutet also doch manchmal nicht vie'. Auch ich habe ein Herz für den Handwerkerstand, ober auf diesem Wege kann ihm nicht geholfen werden. Sorgen Sie lieber für eine bessere Ausbildung der Lehrlinge, schaffen Sie Fachschulen, wie sie namentlich auch in München mit lo großem Ertoli,« eingerichtet sind; sorgen Sie dafür, daß die Handwerke ihr Material gut und billig beziehen kökmen, daß ihnen Kredit dazu wird, daß sie sich einige kaufmännische Wissenschaft aneignen, daß sie rechnen lernen, wie sie au«- kommen können, und nicht blind in den Tag hinein arbeiten. Damit werden sie sich ein größeres Verdienst um da« Hand« werk erwerben, als mit dem Befähigungsnachweis. Werfen Sie den Befähigungsnachweis zu all dem alten Plunder, der längst beseitiat ist, zu den Feudalrechten und Vorrechten der alten Zeit.-Mit Ihren Rezepten ist e« nun einmal nichts, und Sie können dem Parlamente und dem Lande nur nützen, wenn Sie Jbre Antrüge nicht wiederbringen.(Beifall links.) Abg. KLh«(Soz., Schneidermeister): Nicht bloö als Sozialdemokrat, auch als Handwerker bin ich gegen diese An- träge. Zweifellos ist für die lebensgefährlichen Gewerbe, wo ein öffentliches Interesse in Frage steht, eine staatliche Prüfung am Platze. Wa« hat aber ein verdorbener Stiefel, Stock oder Kleiderschrank für ein öffentliche« Interesse?(Unruhe recht«.) Der aeprüfte Meister verdirbt ebenso ein Stück wie der nicht« geprüfte, und die Entscheidung liegt allein beim Kunden. Als ich meine Gesellenprüfung machte(1863), kam e« gar nicht darauf an, wie da« Stück gemacht wer, sondern daß die Gebührentaxe und da« Freibier richtig bezahlt wurde. (Sehr �zut! link».) Ich hatte mein Gesellenstück noch nicht zur Halste gemacht, da hieß es: Wir sehen schon, daß Sie es machen können.(Heiterkeit.) Als Meister fand ich, daß die Gesellen mit den schönsten Zeugnissen praktisch meistens gar nicht zu brauchen waren und daß Arbeiter ohne bestandene Prüfung doch sehr leistungsfähig waren. Die meisten Handwerker, mit deren Unterschriften Sie paradiren, find sich über die Sache gar nicht klar und sind Mos für zünftlerische Bestrebungen, weil es ihnen schlecht geht. Im Kreise Waiden- bürg, wo die meisten Innungen sind, erhielt bei den Reichs- tagswahlen 1884 der zünftlerische Kandidat nur 100 Stimmen. Sehr viele Ardeiter sind in der Industrie besser daran, als unsere sogenannten Handwerksmeister.(Zustimmung lmks.) Bekommen einmal die Herren Oberwasser, so wird es, wie im Mitielalter, nicht mehr darauf ankommen, ob der Betreffende die Befähigung nachweist oder nicht, sondern ob er die Meister- tax« zahlen kann. Dem Antrag fehlt auch die innere Berech. tigung. Man bemüht sich jetzt, alle möglichen Handwerker durch niedrige Beiträge für die Innungen zu gewinnen. Sie würden es nun erleben, daß Leute, die gar nicht geprüft find, die Gesellenprüfung abnehmen.(Sehr richtig! links.) Es wür- den 15—20 Jahre vergehen, ehe dieser Zustand beseitigt würde. Woher nimmt man das moralische Recht, derartige Zwangs- bestrmmungen einzuführen? In Berlin besteht eine Zwangs- innung für Gaftwirthe, zu deren Obermeister ein Berliner, ein Cafetier, gewählt und von dem Polizeipräsidium bestätigt worden sein soll.— Das Cafe fall nicht blo« Keck heißen, sondern es soll dort auch sehr keck zugehen. Es hat in den Zeitungen gestanden, daß dieser Herr Obermeister seinen Kell- nern nicht blos keinen Lohn zahle, sondern sogar von de« Trinkgeldern sich seinen Theil zahlen lasse. Man dürfte fthr gespannt sein, zu erfahren, wie dieser Obermeister seinen Be« sähigirngSnachweiS zu führen in der Lage sein durfte in der Behandlung seiner mitternächtlichen Gäste.(Heiterkeit.) Der eigentliche Krebsschaden, an dem das Handwerk leidet, liegt in dem AbzahlungSmodus. Der Abg. Mirbach sagte mit großer Emphase, der einzige Feind de« Handwerks seien die Sozialdemokraten. Wie kommt er zu einer solchen Behauptung? Da« Großkopital, die Großindustrie beherrscht heute unser ganze» gewerbliche« Leben. Was da noch übrig bleibt, sind blos Brocken. Nach meiner Ueberzeugung hat das Handwerk nur noch als Kunsthandwerk, insofern der persönliche Geschmack des Kunden in Frage kommt, eine Zu« kunft. Das hat das Handwerk denn auch bereits begriffen und es befinden sich ungezählte Handwerker in den Reihen der So- zialdcmokratie. Auch die Uebriaen, welche Ihnen jetzt noch nachlaufen, werden darauf gestoßen werden, nicht rechts ihr Heil zu suchen, sondern in der Partei der Zckunft. Abg. Cegielski(Pole): Im Prinzip ist meine Partei für den Befähigungsnachweis. Au« politischen Gründen aber können wir leider nicht für die Anträge stimmen. Wir können nach den Erfahrungen, die wir Polen mit den Ausnahmt- gesehen gemacht haben, uns nicht ensschließen, einem Gesetz zu« zustimmen, welches durch die Einführung des stimmberechtigten staatlichen Prüfungskommissars den staatlichen Einfluß auf einem Gebiete zu erweitern geeignet ist, wo er bis jetzt noch nicht maßgebend war: vldeo rnellora proboque, detetiora sequor! Im Schlußwort bemerkt Abg. Hitze(Z.): Ich kann versichern, daß es uns mit unserem Antrage wohl ernst ist und daß man auch in weiten Kreisen de« Volkes die Sache ernst nimmt. Uns ist es um die technische Hebung der Massen des Handwerks zu thun, während die Herren auf der Linken das Kunftaewerbe im Auge haben. Diese« mag sich ja im Wohlstand befinden, ober die Massu, de« Handwerks befinden sich in der Roth. Daß die Hand- werker selbst dm Befähigungsnachweis wünschm, beweisen die 1885/86 eingegangenen 10 085 Petitionen nut 140000 Unter« schrilten, während die damals von dem Abg. Baumbach in Aussicht gestellten Gegenpetitionm ausgeblieben sind. Ich be- fürchte die Entwickelung eines Zunftegoismus oder sonstiger Auswüchse deS Zunftwesens infolge des Befähigungsnachweises nicht, eine Korrektur dafür liegt ja in der Freizügigkeit. Leidet ein Handwerker unter dem Zunftegoismus, so kann er nach einem anderen Ort gehm. Mit den FortbildungS- und Fach- schulen ist e« nicht gethan, denn es kommt auch auf da« technische Können im Handwerk an. Wenn man empfiehlt, Dampf, Elektrizität, GaSmotorm dem Handwerk dienstbar»u machen, so ist das Jan» gut, wenn den Handwerkern nur die Borde- dingung für die Benutzung dieser Dinge, d. h. die materiellen Mittel, gesichert wären. Die moderne technische Entwickelung weist darauf hin, daß vielleicht doch noch eine Zeit für das Handwerk kommt, nämlich infolge der zunehmenden Verwendung von Kleinmotoren. Gaskraftmaschinen u. dgl. Der Befähigungs- Nachweis ist ein Mutet, um das Streben de« jungen Mannes anzuspornen und ihn auf eine tüchtige Ausbiloung hinzu- weisen. Für das Husbeichlaggewerbe ist doch schon die Prüfung eingeführt worden, und von diesem Standpunkte aus kann man auch die Prüfung für das Baugewerbe verlangen. Wenn auch der Befähigungsnachweis nicht allm Uebetftänden abhilft, so ist er doch das vorzüglichste Mittel dafür. Wenn man dm Befähigungsnachweis selbst für da« Baugewerbe nicht nöthig hält, weil strenge polizeiliche Ueberwachung genüge, so gilt das für große Städte vielleicht. In kleinen Slädtm und Döifem könne man der �Ortspolizeibebörde das nicht zumulhen. Die Baumeister selbst wünschen den Befähigungsnachweis für die Handwerksmeister, weil nur dann eine entsprechende Ueber- wachung der Bauten möglich sei. Die Thatsache des Roth- stand« der klemm Handwerksmeister läßt sich nickt lmgnen. Die, welche Herr Goldschmidt kmnt, mögm keine Roth leidm, wohl aber die, welche sich in Dachstuben u. dergl. vor seinem Auge verbergen. Die kaufmännische Buchführung schützt doch vor Geldverlegenheit nicht. Der Zwick unseres Antrage« ist technische Hebung des Handwerkerstandes und eine bessere sitt- liche Erziehung. Gesellen und Lehrlinge müssen ein Ziel vor Augen haben, dem sie nachstrebm können. Wir sind aber nicht eigmsinnig: wmn andere Herrm einen anderen Weg vorschlagen, wollen wir ihn gmn mitgehen. Und kommen die verbündeten Rc- gierungm mit einer anderm Vorlage, so wollen wir uns gern darüber schlüssig machm. Aber gesckehm muß etwa«, jedenfalls ist e« bedauerlich, daß die Regierung sich so ablehnend ver. hält.(Beifall im Zmtrum.) m r Wenn Abg. Goldschmidt so großen Werth aus die Fachichulen legt, bitte ich ihn nach Sachsm zu blicken, wo trotz der zahlreich ftm Fachsckulm die Sehnsucht des Handwerkerstandes noch dem Befähigungsnachweis sich nicht gemindert hat. Die Sozialdemokratie ist nothwendiger- wesse ein Femd de» Handwerks, dmn die von ihr angestrebte Produktionsweise wuß dm Handwerkerstand zersiörm. Ter Schwerpunkt des Handwerks liegt in dm seldstständigen Ge- � o* n.' Unk die Sozialdemokratie kann unmöglich ihre Produktionsweise durchsührm, ohne dm gegmrrärn-»n Handwerkerstand so umzumodeln, daß er te.n Handwerkerstand mehr ist.(Sehr richtig.) Handwerker und Sozialdemokrat kann Niemand zu olricker Zeit fem. Ab q. v. Kleist- Kestow: Seit einerReihe von Jahren bringen wir diese Anrräge an das Haus, und wir werden nicbt er« müden, sie immer wieder vorzubringen, bis sie endlich Gesetz werden. Unsere Liebe zum Handwerkerstande und die Würdi» gung seiner Bedeutung für den Staat zwingt uns dazu. Die Gegner behauptm, das Handwerk ebenso zu lieben wie wir. Das bestreite ich nicht, aber es ist eine absonderliche Liebe, sie kennen ja den Gegenstand ihrer Liebe gar nicht.(Heiterkeit.) Wir aber kennen die Bedeutung des Handwerkerstandes, und für die Zukunft, welche uns der Abgeordnete Kühn in Ausficht stellt, danken wir crgebenst. Herr Goldschmidt schlägt uns den Antrag vor, daß auch die gegenwärtigen Handwerksmeister den Befähigungsnachweis beibringen sollen. Wir wollen das nicht. Vielleicht aber bringen Sie den Antrag ein.(Heiterkeit.) Wenn Aba. Struckmann die Prüfung deshalb nicht will, weil der Geprüfte nicht Zeitlebens im Besitz der erworbenen Kennt- niste und Fertigkeiten bleibe, so möckte ich ihn selbst fragen, ob er denn heute seine Examina noch bestehen würde. Trotz der in der kaiserlichen Botschaft in glücklicher Weise in Angriff genommene Fürsorge für die wirthschaftlich Schwächern liegt der Handwerkerstand noch so darnieder, daß Väter nicht einmal ihr Handwerk erlernen lassen. Eine Geschlostenheit des Handwerks wird ermöglichen, daß das Werk seiner Arbeit wieder zur Geltung kommt und wenn die Lohnfrage die Hauptsroge der Sonaldcmokcatie ist, so wird ein geschlosten auf- tretender Handwerkerstand auch diese zum Schaden der Sozial« demokiatie lösen. Das Handwerk baut übechaupt die Brücke zwischen Arbeitgeber und Arbeiter. Der Uebermacht des Kapitals muß e» aber entgegentreten durch seine Organisation als Stand. So wird auch Zucht und Ehrbarkeit, wo sie etwa verloren ge- Sangen ist, im Handwerke wieder hergestellt werden.(Beifall) )er Industrie haben wir durch Schutzzölle bereits geholfen, der Landwirthschaft bemühen wir uns fortgesetzt, auf dem« selben Wege, wenn auch bis jetzt noch mit wenig Erfolg, auf- zuhelfen. Nur dem Handwerkerstände wollen noch immer ge- wisse Kreise ihren Schutz versagen und kehren ihren alten Manchefterstandpunkt hervor, den wir hier am allerwenigsten am Platz« halten.(Lebhafter Beifall.) Der prästdent schlägt vor, die nächste Sitzung Freitag abzuhalten und auf die Tagesordnung dm Etat des Aus- wärliqen Am's zu setzen. Abg. Nichter bittet, den Etat des Reichs-EiscnbahnamtS vorweg zu nehmm, der bereits sechsmal auf der Tagesordnung gestanbm habe. Der Prästdent weist darauf hin, daß in diesem Falle nur eine oder eme halbe Stunde für den Etat des Auswärtigen Amts übrig bliebe; an die zweite Stelle möchte er dm Etat des Reichs-Eisenbahnamts nicht setzen, well er dann möglicher« weise mchi mehr zur Beralhung kommen würde und die Kom- mistarien bereits an sechs Tagen vergeblich dm Verhandlungm beigewohnt bätten. Abg. Richter bemerkt dem gegenüber, daß auch die Ab- geordneten bererts sechsmal auf den Etat des Reichs-Eisenbahn« amteS sich hätten vordereilen müssm. Es sei zudem Brauch, daß zunächst die Etats, die nicht in der Kommission gewesen seien, zur Berathung kommen. �DaS HauS beschließt dem Vorschlage des Präfidenten gemäß. (Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Etat des Auswärtigen Amts.) Mornnrurroles. Stabtv erordneten- Versammlung. Sitzung vom Donner st ag, den 21. November. Der Stadtverordnetm- Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, eröffnet die Sitzung um 6% Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mitthellungm. In die gemischte Deputation für die emeute Berathung des Entwurfs eines Orts statuts, betreffmd die E r- richtung eines gewerblichen Schiedsgerichts nebst EinigungSamt für den Gemeindebezirk Berlin find von dm Abtheilungen der Versammlung folgmde zehn Stadtver- ordnete gewählt wordm: Stryck, Meyer U, Friedemann, Wohl« gemuth. Tutzauer, Langmbucher, M.yer I, Michelet, Sachs U und Wieck. Nach Eintritt in die Tagesordnung werdm einige Pen« fionirungS-und AnstellungS-Gesuche geschäflS- ordnungsmäßig erledigt. Die Reparatur der Uferfchälung bei dem Ge- meindegrundstück Holzmarktstr. 22/24 wird amehmigt. Dem Ankauf des Jordan'schen Grund st ücks an der Oberspree zur Vergrößerung des dortigm Stein- Depot-Platzes stimmt die Versammlung wegm der Höhe des verlangten Preises nicht sofort zu, sondem verweist die Vorlage aus Antrag des Stadtv. Namslau an einm Ausschuß. Der Verkauf der Gebäude auf dem Gntndstücke DreSdmerstr. 104 zum Abbruch wird belchlossm. Die Vorlage, betreffmd den Ankauf des Grund- stücks Belle-Alliancestr. 80 zum Bau der 6. höheren Bürgerschule, wurde nach längerer Debatte mit einer kieinm Veränderung genehmigt. Die Vorlage, betreffmd die Herstellung und den Betrieb öffentlicher Uhren wird an einm Ausschuß verwiesen. Ebenfalls an einen Ausschuß gehm auf Antrag des Stadtv. Seile die speziellen Entwürfe zum Bau eines Verwaltungsgebäudes und zweier Anstaltshäuser auf dem Grundstück der Anstalt für Epileptische bei Biesdorf trotz des Widerspruches des Stadtdauraths Blankenstein. Stadtv Seile hatte gerügt, daß für die Fastaden nicht weniger als der S. Theil der ganzen Bausumme, über 60000 Mark, verwmdet werden sollen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 6� Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. O-i de« Mahle« der erst»« KMH»«««g zu der Stadl verordne tmvulammlung wurde ausschließlich liberal ge- Ivah�. Kezuguehmend auf die Kerichtig««g des Gast- »ivth» Deeb«. Golluomstraste 28, sieht sich Vre Lohn- kommllsion der Berliner Tadakarveiter nach gründlicher Unter- suchung de» vorliegenden Falles verpflichtet, folgendes zu ver- öffmtlichm: Durch Zeugen wurde bestätigt, daß der Zigarren« macher KroschrnSki nicht auf Veranlassung des WirtheS Zeebe, sondem auf Veranlassung eines TischlermeifterS Bringmann, angeblich Wernftr. 21 wohnend, verhaftet wurde. Die Lohn- kommiffion tliffl knn« Schuld, da dieselbe nach dm vorläufigm Aussagen eines Schutzmanns gebandelt hatte. Si«e Vergleichung de» U-rkehrs auf der Kerlin- Hamburger Kah« von einst und jetzt gredt das„Arch. f. Elt.ndahnwesm". Die Beschaffung des auf 24 M.llionm veranschlagten Baukapitals machte ,m Jahre 1842 Schwierig« keitm, well man bezweifelte, daß eine Bahn»wegm des da. maligm germgm Personmoerkehrs zwischen diesen Ortm sich bezahlt machen werde". Erst al« die Regierungen von Mecklen- bürg und Hamburg mit je 4ß Millionm sich an dem Aktim- kapital betheiligtm, gelang eS, das Geld aufzutreiben. Nach dem ersten heute noch voilicgmdm Fahrplane vom 15. Oftober 1846 für die damals eröffnete Theilstrecke Berlin-Boitzmburg fuhr täglich ein Zug von Berlin„6tz Uhr Morgens" nach Boitzmburg, wo er 1 Uhr Nachmittags ankam; von dort fuhr er Ii Uhr Nachmittags nach Berlin zurück, das er Abends 8� Uhr erreichte. Em zweiter Zug verkehrte nur zwischm Berlin und Wittenberae. Weitere Züge gab es nicht. Von Boitzmburg nach Hamburg fuhr man mit Dampfboot auf der Elbe; wmn diese nicht eisfrei war, fuhr von Boitzenburg nach Bergedorf ein Omnibus. Em zweller Fahrplan, vom 15. Januar 1848, zeigt schon wesentliche Fortschritte: er mthält einm Personmzug zwischen Berlin und Hamburg, welcher 8 Stundm brauchte. Ein zweiter Zug heißt»Zwischenzug mit Uebemachten in Wittm« berge". Er kommt in Wittenberge von Berlin um»9 S Uhr" Abends, von Hamburg um ä 10 Uhr" Abmds an und verläßt Wittenberge nack Hamburg 6) Uhr, nach Berlin 6h Uhr Morgens» In beiden Richtungen fuhr außerdem ein Güterzug mit einer Frhrzeit von 14 Stunden, und an 3 Tagen der Woche ein Extragüterzug mit Uebernachtm in Wittenberge. Heute fahren von Berlin nach Hamburg 3 Schnellzüge in 4h bis 4h Stunden, 2 Personenzüge in 6h bis 7 Stundm, 2 ge- mischte und 6 Güterzüge. Für dm Verkehr»wischm Hamburg und Berlin besteht aber hmte außerdem die Linie über Uelzen und Harburg, auf welchen außer dm Güterzügm 1 Schnell- und 4 bezir. 3 Personenzüge verkehren. Aus dm 2 Personm- zügen des Jahres 1848 sind also heute 10 geworden. Auf der chirurgische« Station des städtischm allge- meinen KrankmhauseS am Friednchshain wurden im jüngsten Berichtsjahre(vom vorjährigen 1. April bis zum tieSjährigm 31. März) 3843 Kranke behandelt, so daß eine Zunahme gegm das Jahr vorher sich ergiebt, die ungefähr der allgemeinen stärkeren Belegung des ganzen Krankenhauses entspricht. Von sämmtlichen chirurgischen Kranken starben 355»» 10,8 vCt., währmd im Jahre 1836 die Sterblichkeit 12,3 pCt. und im Jahre 1887 11,1 pCt. betrug. Wieder wurdm eine große An- zahl sehr schwer Verletzter dem Krankenhause zugeführt. 22 Kranke starben an dm. unmittelbarm Folgen schwerer Ver- letzungm, zwei wurdm sterbend und sechs todt eingeliefert. 130 starben an inneren Krankheiten und 107, meist Kinder, an Croup und Diphtherie. Die bei septstch eingelieferten Krankm erforderlichen Operationen wurdm in einem von dem Opera- tionS-Gebäude gelrmnten Raum im Pavillon VlI ausgeführt, die Tracheotomieen(Luftröhrenschnitt) in einem kleinm Zimmer auf Pavillon XIV. Diese Sondening des operativen Materials in Verbindung mit der Anwmdung strenger anlisep- tischer Methoden ermöglichten es, trotz der sehr reich- lich' eingeführten bereits septischen Krankm, die Entstehung von Wundkrankheitm im Hospital selbst fast vollkommm zu bannm. Die Anzahl der ausgeführten Operationm betrug 1128, darunter selbstverständlich eine große Anzahl kleinerer Operationen. Unter den 211 Todesfällen bkfindm sich allein 83 Todesfälle bei Kindem, die wegen Kroup und Diphtherie operirt werdm mußten. Auch im lüngstm Jahre hat sich die Jfolirung der Diphtherie-Kranken von ollm anderen Kranken in dem zu diesem Zwecke erbauten Pavillon XlV sehr gut be« währt. ES konnten am Schlüsse des Berichtsjahres 220— 63,2 pCt. als geheilt entlassen werden. Sicherlich find von dem Bestand und den 18 ungeheilt auf Wunsch Entlassmen auch noch einige geheilt worden, so daß sich der Prozentsatz n r------"' der letzten noch etwas günstiger stellt. Die Zusammenstellung Jrhre ergiebt, daß im städtischen Krankmhause 1881 an Diphtherie behandelt wurden 183, mit Heilung von 73— 39,9 pCt. 1882: 317, mit Heilung von 164— 49 0 pCt. 1883: 396, mit Heilung von 182 46,4. 1884: 552, mit Heilung von 175— 50,0 pCt. 1885: 327, mit Hellung von 139— 42,5 pCt. 1886: 353, mit Heilung von 208— 56,0 pCt. 1887; 299, mit Heilung von 185— 62,2 pCt. 1888: 348, mit Heilung von 220— 63,2 pCt. Tracheotomiem (Luftröhrenschnitte) wurden 124 mit 41 Heilungen-= 30,2 pCt. ausgeführt. Von den 39 unter 2 Jahre altm Kindem wurdm 5— 12,8 pCt. geheilt, während von den 85 über zwei Jahre altm, wegen Diphlherie operirten Kindem 36--- 42,35 pCt. als gebellt entlassm werden konntm. Es entspricht dieses Ergebnis dem der letztm Jahre. Ungehellt wurden entlassen, thells well die Kranken sich der vorgefchlagmen Behandlung nicht unterwerfm, thcils weil wegen komplizirmder innerer Krankheitm von jedem chirurgifchm Eingriff abgesehen werdm mußte. Um da» Di»be»gl-lSste«ach de« Nett««gsbällett an den Brücken nach Möglichkeit zu dämpfen, läßt, wie hiesige Blätter berichten, der Magistrat jetzt aus allen Bällm das Wort:„ G e st o h l e n", in großen Lettem anbringen, sowie auch die Schnur, an welcher der Ball befestigt ist, mit Anilin- farbm färben. Der Zigarrenmacher Herr Gskar Mitzk« war am 9. August ds. IS. von der Fenmstrafkammer des Landgerichts zu KoitbuS zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt wordm, weil er bei der Beerdigung eines Freundes und Kollegm in Finster- walde einen Kranz niederlegte mit dm Worten:»Dem Tobten zur Ehre, dm Ueberlebmden zur Nacheifemng!" Da« Reichs- gericht hat die eingelegte Revision verworfen und begründete sein Urtheil damit, daß der Vemrtheilte nicht nur eine»religiöse Verrichtung" überhaupt gestört, sondem eine sozialdemokratische Demonstraiion auSgetührl habe, bezüglich derm er wußte, daß durch dieselbe oer Geistliche in der Ausübung seines Amtes gestört werden könnte. I« jouderbaror Weise verunglückte am gestrigen Vor- mittag der Arbeiler K. Derselbe ist in der Wimerstraße in einer Fabrik beschäftigt, in welcher die ArbeitSröume durch Oberlicht erhellt werdm. Auf einem Nebmgmndstück wird ein Bau aufgeführt, und einem der Maurer mtglitt ein Stein. Der Stein fiel auf das Glasdach, schlug diese« durch und Stein und die Stücke der zertrümmertm starken Glasscheibm trafen dm gerade unter der Du'chbmchftelle arbeitmden K. so unglücklich, daß er lautlo« zusammenbrach. Die gewichtige Masse war ihm auf dm Kopf gefallm und hatte dem K. eine tiefe, bis auf den Knochen gehmde Wunde zugefügt, derm Blut gamicht zu stillen war, da die Glossplitter zugleich die Stimadem ihm durchschnittm hattm. In die am Görlitzer Bahnhof belegene SanitätSwache gebracht, stellte es sich heraus, daß in die Wunde auch Glassplitter mit eingedmngm waren, zu deren Entfernung eS der ganzm Geschicklichkeit des dili- girmdm Arztes bedurfte. Nachdem K. dm ersten Verband erhaltm, wurde er nach einem Krankmhause übeiführt. De« Tod i« de« Melle« suchte gestern in aller Morgm- frühe die 21jährige Tochter Anna des in der Dragonerstrabe wohnaftm Schneider« H. Zwei in der Nähe der Friedrichs- brücke beschäftigte Straßenreiniger bemerkten zur angegebenen Zeit, wie eine Frauensperson einen dort vor Anker lieaendm Kahn bestieg und sich von demselbm kopfüber m das Wasser hinabstürzte. Sre weckten eiligst dm Schiffer de« Kahne«, und diesem gelang es nach vieler Mühe, die LebmSmüde au« dem Wasser zu fischm. Diese gab als Gmnd ihres verzweifelten SchrllteS an, daß ihr»Bräutigam", ein Buchhaller, sie verlassen habe und sie die Vorwürfe ihres Vater« über einm damit m Verbindung stehendm Fehltritt nicht länger mehr anzuhören vermöge. Auf gülliche« Zuredm ihrer Retter bestieg da« durch« näßte Mädchm eine Drofchle und ließ sich nach der Wohnung ihrer Eltern zurückbringm. Ein von den letzteren herbeige« rusmer Arzt veranlaßie später die Ueberführung der Krankm nach der Chantee. Gi« Piftotenduell fand Dienstag Nachmittag gegen fünf Uhr in dem Wäldchm hinler dem Tegeler Schießplätze zwischen dem zweiiälteftm Hauptmann des Garde-Füfllier-Regimmts v. Haugwitz und einem Arzte statt. Der Letztere erhielt beim ersten Kugelwechsel einen Schuß in die Brust, welcher die Lunge durchbohrte. Der Hauptmann requinrte vom �Labora- torium einen Wagen, auf welchen die Bahre mit dem La- mundeten gestellt wurde; den Transport bewirktm sicbm Sol- datm. Der Verwundete langte nach einigm Stundm in de« Garnisonlazareth in der Scharnhorststraße an. Ueber die Ursache de« Duells war bis zur Stunde Näheres nicht zu ermitteln.— Einer späteren Nachricht zufolge soll der verwundete Arzt seine» Verletzungm bereits erlegen sein. Volizei» Kericht. Am 20. d. Mt§. Nachmittag« erschoß sich ein junger Mann in seiner Wohnung in der Gevthma- straße mittelst eines Revolvers.— An demselbm Tage Vor- mittag« fanden in der Altonaerstr. 26 und in der Kaserne da 2. Garde-RegimentS zu Fuß, Nachmittags in der Zieg'lstr.- und in der Nacht»um 21. d. Mts. in der Landsbergnstr. 11 kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurdm. Duvlammlungett. Tabakarbeiter-Uersammlung. Am 14. d. M- togte im großen Saale de«»Schweizer- Gartens" ein« von M» 3000 Tabakarbeitern und-Arbeiterinnm besuchte öffmtlich« 3w» sammlung, um dm weiteren Bericht der Lohnkommijfion uier den Stand der Lohnbewegung entgegenzunehmen. Kolw Motes führte in treffender Weise an, daß der j.'tzige Stand der Lohnbewegung als ein sehr günstiger zu betrachten sei, da d» Fabeikanten durch die Einigkeit der Kolleginnen und Kollege« einm schwerm Stand hätten. Außerdem hätte der vor einher Zeit über die Firma Loeser u. Wolff verhängte Bcykolt Bresche geschlagm, weil die hiesigen Fabrikanten mit'R� glaubten, einem ähnlichen Schicksale zu verfallen, wmn sie sw zu aarnichts bequemen würden. Werter führte der Redner a», e« sei unbedingt nothwmdig, wenn man das Errungene W hallen wolle, sich immer mehr in geschlossenen Reihen p" sammenzufügen. Mann und Weib müssm kämpfend eintrete« Auch müßten die HauSarbeiter mebr herangezogen werden, de- mit eine Schutzwehr nach allen Seiten hin errichtet Der Redner schließt mit dm Worten: Wenn uu auf die gegenwärtige Bewegung blickt, kann man ohne IM' Hebung sagm, daß jetzt schon auf der ganzen Lmie der»«9 dm Arbeitern gehört! Hierauf nahm Herr Goldschmidt dz Wort. Derselbe wünschte dm Arbeitern den besten Erfolgs? aber der Meinung, daß auch gegentheilige Interessen beru fichtigt werdm mllßtm. Da« wäre dadurch am besten zu f reichen, wenn kein Arbeiter Zigarrm kaufe, die nicht in BeH angefertigt seien. Kollege Witzke widersprach dieser AÄ sehr lebhaft. Er hob hervor, daß dieser Vorschlag erstmS durchzuführen sei, weil die ganze Produktion und Konsuw»»' den WeltmarktSorrhältnissen unterworfm sei. Zweitens sei � Vorschlag nicht zulässig, da die augenblickliche Produktion linS bei Weitem nicht den Bedarf decke und die Arbeu« außerhalb Berlins ebenfalls ein Recht zum Lebm haben. lege Herrmann schlußt sich den Ausführungen des Koller1 Motes an und betont, daß gerade in diesem Kampfe die*' beiterinnm dm Männern als gutes Beispiel vorgeführt wer� können, denn sie haben in jeder Beziehung sich mit den männli«? Arbeitern solidarisch erklärt und dm Kampf gegen die KflP»Z. macht mit aller Energie aufamommm. Der Redner dm Wunsch au«, daß durch diese Bewegung die Tabakarbc� wieder ihren alten Ruf erlangen und sich auch für allgcwÄ Interessen begeistern werdm. Der Vorsitzende Gumpel nete der Versammlung, daß die Töpfer Berlins der LohnW! Mission 100 Mark übermittelt hätten, eine Gabe, welche � einem donnemden Bravo begrüßt wurde. Kollege Börner K derte zur Einigkeit auf, damit doS Errungene auch erhr; bleibe. Hierauf nahm Herr Kolloff, Werkführer der Fi?i Loeser und Wolff, das Wort, um, wie er sagte, nicht gegetv hiesige Lohnbewegung zu sprechen, sondem die durch die PIL hüllungen der letzten beiden Versammlungm in ihrer Ehl«� kränkten Meister»u vertheidigen und zu gleicher Zeit � Ehrenrettung der Firma vorzunehmm. Er sei zu diesem Z®*.> eiymS von den Meistern nach Berlin delegirt, und habe Ma�u mitgebracht, woraus die Versammlung ersehen werde, wie r°j, er habe. Da sei zunächst die ominöse Fabrikordnuna, die ff; sächlich seit 1886 gamicht mehr rxistire, wie man sich au« ei«' ihm heute zugestellten und von sämmtlichen Meistern der FPf-, unterzeichneten Telegramm überzeugen könne. Man>««£ hier Jemand für etwas verantwortlich, was gar nicht M vorhanden sei. Die Strafen und Nullungen seien unerbe«!� und in Elbing nothwmdig, da zwischen Berlin und El«'� ein himmelweiter Unterschied wäre. Dahingegm opferte � Sirma jährlich 12 000 M. für WohlfahrtSeinrichtungen Dennis: Niedrige Löhne). Wmn die Firma diele SuM nicht zahlen würde, dann könnte sie auch höhere Löhne i>»?� Um nun den Beweis zu führen, daß die Firma auskönuns'?- Löhne zahle, liest der Redner auS einer Lohnüberficht der Xj Kriehn die höchsten Ziffern heraus, wobei ihm da« passirte, sich auch an einigen sehr niedrigen zu vergreiP, Der über die Firma'verhängte Boykott mtbehre jeder tischen Grundlage, da keine Fordemngen vorangegangen Die eigenen Arbeiter wären mit dm in der Fabrik herrsch«"-», Zuständm zufrieden. Wmn man hier in Berlin nicht«r. zufrieden sei, so hätte man mit der Firma in Unterhandw treten sollen, die— und diese« wisse er bestimmt— gerne"gi bereit gewesen wäre, was unter allen Umständm für die Bewegung wie für die Eibinger Arbeiterinnm von g«""», Bewegung wie rur vre E>omger Aroeiiermnm von„p Vortheil gewesen wäre. Das Ausschußwerfm träfe h""�. sächlich die Lehrlinge, die in großer Zahl dort vertreten! ES sind daftldst 125 Zigairmmacher-Lehrlinge und 76 W'" macher- Lehrlinge beschäftigt. Er habe mit den Reichs»"»� abgeordneten Herrm Meister und Frohme aesvrocken. er ihnen sein Maierial vorgelegt, dieselbm billigen daS der Kommission der Tadakarbeiter nicht. Er sowohl, rvre Meister in Elbing und Braunsberg feien alte,. Parteigenossen, die nicht zugebm werden, daß dm dor»� Arbeitern Unrecht gethan würde. Sie können— so Redner— nun beschließen, wie Sie wollen, aber ich Ihnen nochmals: erst müssen Sie Forderungen stellen- � wmn dieselben nicht bewilligt werdm, dann können Sre 5 ft a( den Boykott verhängen.— Als nächster Redner nahm Ko� S««' Otto da« Wort; derselbe führte au«: Sie habm meine fichtungen vor acht Tagen v— t—'*•*'"n treter ver Firma Loeser> Kolloff: Ich bin keinß Vertreter l gehört und hörim hmte einm u. Wolff.(Zwischenruf deS« jf treter der Firma!) Herr ß"!' it hat in der Kommission auf mein Befrag: und auf den Zuruf des Kollegen B"*»'*«« »Kolloff sei ehrlich!" nach einigem StraU z zugestanden, daß er auf Kosten der Fir m ur E�hrenrettung derselben hie�r s e i- ��sie« sagte, Sie hörten heute einen Vertreter der Firma und wohl in der Lage sein, bmrtheilm zu könnm, ob und rn«-„z, meine Ausführungen durch die de« Herm KollvI widerleg � Ich halte sämmtliche Behauptungen, die ich in vonge«.� sammlung gemacht, auftecht und stelle eS dm Herren" �hei> mrch zu verklagm, wenn Sie meinen, daß ich die Unw°* p gesprochen. Meister Kolloff behauptete, daß die von m M voriger Versammlung vorgelesene Fabrikordnung seit l-� p»« wehr existirt. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr dieselbe, wie Meister Kolloff in der Kommission standen hat, seit ca. 6 Wochen den Arbeitern abgmomm«« sti "-■~■ l. die au- den Berliner EnlhuMi- dm ist, eine Maßregel, vir aus ueu«»»»»»»„-ftw hervorgegangen, damit diese Fabrikordnung nicht m»„ zr' friTTt* fT* a?» h«»f»YK0 ttl DDUCr Hände geralhen sollte. Daß dreselbe aber in voller K«: � steht, will ich Ihnen aus Meister Kolloff'S mflged �der Zei 'OAnzeiz !'!>- von "lchen s '"»en b lrasung \ Meiste L, Nvvem ?>»er Str ? ganze Sti «m die Strl i?"" 9 giebt «»aden erlas f'dnung. fanden, da «adrik v< � Orb: «ufefTbem be Umblat: von habe ve U'n soll lW ahg i-rerst *» Material, welches mir ein paar Stundm zur Verfügung beweism. Es find vom Meister Kolloff laut»Markenko feÄ tzuv.« i Aug s�Frd lNa IM* Httf« t Vn- i üt« die Äorg-F . TOjtJZ luä :«/' M' '"•'ff Inwal>"i, Kr-f-x di- 'der Zeit vom 10. April— 1. November 1ö8S �Anzeigen von Verspätungen gemacht wor» vo n d en en n a ch t räg li ch scheinbar 65 ge» "/«den sind, darnach verbleiben 245 An» 'e>gen bestehen und sind auch zur 35 e- Li"' U n 8 gelangt. Auherdem weist das Straf- Meister Kolloff'« vom 2. März bis zum November 1889, 85 bestrafte Personen mrt !>» er Strafe von 25-100 Pf. auf. Redner verliest ganze Strafliste des Herrn Kollofs und bemerkt dazu, dieses in«n die Strafen von nur einer Abtheilung, deren es in Elbing �nn 9 giebt. Wenn nun auch nachträglich einige Strafen in Mden erlassen wären, so beweisen doch die verhängten .'/äsen zur Genüge das Bestehen der Fabrik» rdnuna. Meister Kolloff hat selbst in der Kommission zu- Wanden, daß eine Arbeiterin wegen eines außerhalb der °abrik verübten etwas derben Scherzes in ,'ae Ordnungsstrafe von 4M. genommen s et. Mttem bestehen die laut Fabrikordnung angedrohten Deck- »« UrnMatt strafen in geradezu erschrecklicher Weise. Meister Mff selbst zugegeben, daß dieselben oft eine S°de von 1 M. bei 14 täaiger Löhnung erreichen. habt hier ein paar Ociginallohnzettel die ich Men vorlesen werde und die Ihnen ebenfalls be- *!'«n sollen, daß die Fabrik-Ordnung nicht seit Wabgeschafftist. DieseLohnzettel sind so« erst 1889 gedruckt und lauten Name Nr. Akkood M. Tage, Stunden pro Woche....... 11,22 Abzüge; H'fnfchUtfen........— W?kass-nbeitrag.....-,22 sÄkassenbeitrag......-,15 te«—--- N« lt. Z. d. Fabrik. Ordnung afe........ 5,50 -'20 —,78 6�5 Summa: Mk. 4,37 den 2S./2. 1889. Loeser u. Wolfs. Berlin-Elbing-BraunSberg. v» andere enthält ungefähr dasselbe Verbältniß und ist H k' r" 1889 ausgesiellt. Ich will hier ausdrücklich bemerken, ii>, auf den Lohnzettel angeführte Lohn ein Entgeld W�'agige Arbeit mit 144 Std. Zlrbeitszeit darstellt. Es «nid? daru, jetzt zu behaupten, diese Fabrik-Ordnung au M«it 1886 nicht mehr, und ein trauriger Muth, Zig, Leidigen. Im Jahre 1868, als die »��-Fabrikanten eine Fabrik-Ordnung N- die dieselbe Berliner einführen ,m Vergleich zu der Loeser u. Wolff'schen ein m._ war, da brach ein achtwöchentlichcr Streik aus und ojJjss Kolloff— der Vertheidiger der Loeser u. Wolff'schen rjj /Ordnung— stand damals mit in den ersten Reihen und 8�..� Mund am weitesten auf! Wir kommen nun zu den jü qJjcc 13 w, � � Jahren nur dreimal erreicht worden ist, und daß dieselbe ca. 8000 Zigarren angefertigt hat. . Dieselbe verfertigte in 3i Jahren, in der Zeit vom 1. Ja- > 1886 bis 14. Juni 1889, 462100 Stück Zigarren; sie �>01 dafür einen Arbeitslohn von 1658,32 M. Das macht «..Arbeitsleistung pro Woche von 2567 Stück mit einem "n« 9i0n 9,20 0�tt 3'58 M. pro Mille. Diese Kriehn ist da» A�adearbeiterin, wie Sie sehen, und daß sie eine ist, Lobe i» lcbon der Umstand, daß sie im Jahre 1888 für lusawm P°sttn 9,75 M. erhalten hat, und mit Meister Kolloff deinen � i" diele Versammlung gekommen ist. Im allge- H.rr Kolloff die von mir in letzter Versammlung "»n 2, Lohnsätze als richtig anerkannt, nur auf den Lohn stuts» t M. konnte er sich nicht erinnern. Was nun das d'ach» erfen anbetrifft, so hat Herr Kolloff ein Buch mitge- sich;' worin allerdings nur 346 Stück Ausschuß stehen, die ttnirJ; hosten von 1-42 Stück pro Tag und Person ver- n,,"• Nach seiner Angabe sollen diese 346 Stück Ausschuß rr„/.�/.Posten von 76 000 Cigarren kommen, und da ruft 3)ei» Irisch aus: DieleS find die vielgerügten Nullungen! i.,sse.Herr Kolloff, das find die Nullungen nicht! Dieses Luch alt iii den unverzeihlichen Fehler, daß es erst 8 Tage Ö'.°lso vom 1. bis 8, November 1889 reicht und formt den fJ5>t,n erweckt, als sei es extra zum Zwecke der Abwehr er- 2ch gebe Ihnen hier einige Auszüge aus der Lohn- "cht eme« Fräulein Stagnett, spätere verehelichte Ehrhardt: 1873 am: 11. Januar: 2600 Cigarren.... 7,85 M. bog_ 25. Januar: 2600 Cigarren.... 5,85 M. ,t4i«.ach' in letzter Woche das Mille zu 3,00 Mark Lohn ge- �"kt. gzg Kiaarren aenullt. das Mille zu 3 M. 650 Stuck Zigarren genullt Htt-A �!• Februar 2400 Zigarren 6,40 M qWt, 266 Stück genullt 24. Mni 1400 also 24. Mai 1400 Zigarren 6,25 M., am 31. Mai 2500 n.7,25 M., also 1100 Zigarren mehr, aber nur 1 M. chn /»ehr. »dvi 8(8 am 9. November 1400 Zigarren 5,98 M., 23. No- loci400 3'garren 4,90 M. °m 24. April 1800 Zigarren 6,61 M., 8. Mai 1800 "T«? 5,94 M. lV9i°m 14. Oktober 3300 Zigarren 11,55 M., 28. Ok- ■l-Öz �100 Zigarren 8M M., also 100 Zigarren mehr und Lohn weniger. °lche Differenzen m dem Arbeitslohn finden sich bei jeder lahe. ag- so daß der Einwand, daß hier verschiedene Akkord- ssabriti gründe liegen, nicht gemacht werden kann, denn kein !? 13 c?' fl'cbt seinen Arbeitern jede Woche eine andere Arbeit die fahren. Herr Kolloff pries die Humanität seiner Chef», �lahrsich 12 000 Mark zu WohlsahrtSeinrichtungen her- ttHltbü.�.®ert Kolloff schon einmal berechnet, daß diese t»erb!!? � den Leuten gar nicht schwer fallen kann? >'!!. de' Loeser u. Wolff jährlich 36 000 000 Zigarren ?» ß.?« Herren stellen das Tausend um mindesten» 4 M. 1� rno*»* ,4 1 0 h n billiger her, als die Berliner Fabrikanten, /.-t m! l" einem Ja he die niedliche Summe von > den.... Bon dieser Summe kann die Firma die Miethe >Ilen Roßten Theil ihrer Berliner Läden bezahlen. Was > ii°° dt» 12000 M. sagen? Also e- bleibt schon dabei, voiiger Versammlung gesagt Hobe: die ganze �»liNa? geschieht auf Kosten der Arbeiter und i" ' u c~-••• v•*? jc_ /c;.- J-'UCUq s- O-IM, 4U. yi(V*. IV*;» MM)------------... »'"''Unoi �,rr Kclloff machte einige unerhebliche Ein- no!»'»>d Kollege Otto gab ihm den freundschaftlichen » er, mg fahren und dort zu bleiben, denn hier *!?' eiv»., mmem Material, weltfceS er mitgebracht und gar tu?» 51 rÜ,, plannt hat, keine Proselyten machen.— Hierauf v° sie � /m Reutenberg au» Elbing dos Wort und erklärte, fS?* OthJf9t häufig hohe Strafen habe zahlen müssen. »r uunazstrvs« für einen Avrilscher» betrug 4 M. und «töt d-sst Gefälligkeit»Kurzes" verarbeitet hat, damrt dreser Ob.r' werden sollte, habe sie aufgehört. Darauf nahm �5Fkh�d?d»�°� yaoe ne aurg.yorr. daraus naym «dj." Strick«.' Wort und erklarte, daß ihr häusig bis»u � fei'__»~ w_______„ nrve e,«t -------------- großem Eaai(»krien- __________,.. Tagetoidnuna: I. Wie stellen sich die in der Hutiabrilallon betchSstigien Arbeiter und Arbeiterinnen veriin» und Umgegend >u dem in Luckenwalde bevorstehenden Generalstreik der Arbeiter und Arbeite- rinnen gleicher Branche? Rescrent; Kollege R. Augustin. 2 Dltkusston. 3. Verschiedene» undFragekaften. Pünktliche» Erscheinen Aller ist Edrenvilicht. Vrrrin lur Mahrnug drr Antrrrflrn d»r»oft- und Kchanie- n>irth» Brrlin» und Zlnegigru». Freitag, dm 22 November. Nachmittag« 4X Uhr, bei dem Kollegen Henke, Blumenftraße»8; Mitglieder-Bersammlung. Tagclordnung: 1. Berichterstattung von der Wahl der Bewerbesieuerdevutirtm. 2 Verein»angelegenheiten. S. Verschiedene» und Fragekaftcn. Mitglieder werdm auiuenommen. Um»ahlreiche» Erscheinen wird ersucht. Kozialdrmobrntischrr trsrblub L»rw,gh. Alle Freitage Ditwtir- abend bei Sänke, Forslerstraße«3. Achtung!®a bit Bttfctmmluna beb(ojtoIbemcttatUdjen Bobtuitrirl für btn eiften Berliner Relchtlaii'Wahlkrrl« am£0 b. M nicht ftattflnben tonnte, indem bie«enefjtnlqunB nicht etfolaie, weil dieselbe Sffentllch ange- meibel war.|« ftnbet am Do> nerftag, ben 28 November, Sbendi 8 llhr, eine ftrfuft-Betfammluns in Defchel» Salon, Sebaftianftr 39, statt. Zu tiefer Ber1 fantmlung bat Herr©ottfrteb Schulz bal Referat übernommen. AlSdann ftnbet tie Uusft, llung eine« Kanbibaten zur bevorftebenben Reichtlaatwahl im nften Reichbtaabwablkeeii statt. Jedermann bat Zututt und wirb der wich' titen Taceiorbnung wegen recht zahlreiches Erscheinen erwartet »erttner V»r»in für voll,»»>»rN»nblichr«»efundstelt»pti,g,rind Ucrl»rtz»itkn«d». Freitag, den 22 November, Abenbi 8h' llhr, im Eng- »schen Garten, itlexanberftr. 26—27. Tagesorbnung I Vortrag bei Herrn Hermann Eaiih übet bai Herz und die Herzleiben, Ihre Ursachen und natur- Otmähe Heilung. yneoin>»• t»chnls-tr»n parfonni» deutscher Kühnen. Versamm- lung am Sonnabend, den 23. November, Abenbi 1t llhr, Kiicherstr. 41. M«»»>et»» Krank»«- nnh Ktrrdekasfe der M»taUarbeit»r IS. H. 29, Hamburg), und Zentral-Kranten- und Sterbekasse.Vulkan" IE H. 89, Hombura). Filiale Berlin 7. Am Sonnabend, den 23. November. Abenbi 9 Uhr. ftnbet Linbowerstr. 28 bei Habermann eine Versammlung der Mitglieber fteiber«nften statt. Sageiotbnung: 1. Wahl der Verwaltung für die Z-ntraiiafte„Vulkan". 2 Kassenbericht pro September und Oktober. 3. Verschiebe-ei. «nTmttich» Persammlunn d»r K«ua»k»tt»r Berlin»«nd Um- »»A»»d am Sonnabend, den 23. November cr.. Abend» 8h llhr, in Lehmann» Salon. Schwebterftrafje 23. Sageiotbnung: 1. Abrechnung der Streif-Korn. Mission. 2l Diikassion hierüber. 8. Vortrag bei Herrn Werner über;..Nutzen und Werth der gewerkschaftlichen Organisation'. 4 Diskussion. 6. Verschie- denei. Da» Erscheinen simmtlicher Bauarbeiter ist Pflicht. Ant»r»ss«n-P»rein d,r Klst»n«ach»r. Außerordentliche General- nrrsanunlung am Sonnabend, den 23. November, Abenbi 8h Uhr, im Lokale bei Herrn Orschel, Sebaftianftraße 89. Tageiordnung; 1. Äuilegung bei§ 7 de» Statut». 2 Einfügung eine«§ 5» ini Statu! 8. Wichtige Hnlräoe bei Borstanbei 4. Bericht der Schiedikommission 5. Verschiedene!. Ei ist Pflicht eine» jeden Mitgliedes, zu erscheinen. Attv»r»»tn» Krank»«-«nd Kt»rk»kats» der Metallarbeiter. IE. H 29. Hamburg) Filiale Berlin 8. Versammlung am Sonntag, den 24. November. Vormittag« 10% Uhr, bei Zemter, Münzstr. 11. Tagesordnung: 1. Kassenbericht 2 Bei schiedenei. «eueratversawmtung de» Fart, verein» der dürften- nnd pinsetmaqer Kerttn« nnd Ztmgegend am 24 November, Vormittags 10 llbr. in Feuerstein'» Salon, Alte Jakobstr. 75. Tageiorbnung: 1. Zweck »nd Nutzen einer gewerkschaftlichm Organisation. Referent: Herr Schweitzer. 2. Dtikussion. 8. Wahl bei gesamrnten Vorstandes und der Revisoren. 4. Per- ftinebene» und Ausnahme neuer Mitglieder. Pflicht eine» jeden Kollegen ist e«. püoknich zu erscheinen. Kr»tr»ligtäf»»«»tniind«. Rosenthalerstraße 38. Sonntag, den 24 No- nember, Vormittags 10 llhr, Vortrag bei Herrn Dr. Vilkel über:»Da! Todtenfest". Gflfte sind immer sehr willkommen. Ailgeneein, Ktnsttarbeiter-Kereinignng. Versammlung am Montag, den 25 November, Abenbi 8h llhr, im Lokal de« Herrn Feind, Weinstr. 11. Tageiord, una: 1 Vortrag bei Kollegen Paul Wagner über: Die Bedeutung bei achtstündigen Marimal Arbeititage» 2. Diikussion. 8 Unterstützung bei Craanl für den ctbiftünbiqen Arbeitilag. 4. Antrag wegen Arbeitsnachweis. 5 Wohl von zwei HUsekalsirern. 6 Verschiedene». Abgabe der Billel» vom Stiftungifest Gaste willkommen Kerfanunlnng der Freien Perolnignng der Karionardeiter am Wontag, den 25 b. M, Abend« 8h Uhr, im Restaurant Bolzmann, Andreaiftr 26 Tagesordnung: 1. Voriraa bei Herrn Dr. Bruno Wille über: Die Erziehung der Jugend. 2 Diskussion. 3 Verschiedene« und Fragekasten. Der Arbeitanachwei» de« Fachverein« für Kchlofter nnd K»rnf«genosfe« besindrt sich im Süden: Dreidenerstr. 116 im Restaurant Gründet Isrüher Wenbt): im Norden: Anklamerstr. 44 b,i Nürnberg. Die Ardritivermittlung geschieht für Mrisier und Gesellen(auch Nichtmirglieder de« Verein!) unentgeltlich. Die Adressenauioabe erfolgt an Wochentagen von 8 bis 10 Uhr Abend», Sonntag» von 10 bis 12 Uhr Vormittag» Oefang-, Eurn- nnd aefellige Vereine am Freitag«aiser'scher Mannergeiangverein Abend! 9 llhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28 — Gesangverein.Paulebeutel' Abend! 8 llhr im Restaurant Hensel, Aleran- drinenstr. 15,—.Siebertasel der Maier und verwandter Berusdgenosien' Abend« 9 llhr im Restaurant«seine, Brandenburgftr. 60,— Buchbinder-Mönner- (bot Abend» 8h llhr Dreidenerstr. 110.— Gesangverein.Flöter'schei Doppel- Quartett' Abend! 9 llhr im Restaurant Musehold, Landibergerstr. 81.— Gesangverein.Fortschritt' Abend» 9 Uhr im Restaurant, Blumenstraße 46,— Gesangverein.Echo 1872' Abend» 9 Uhr Oranienstraße 38. Neue Mitglieder werden ausaenommen.— Gesangverein.Ossian' Sbendi 9 Uhr Dreidener- straße 85 bei Gustavui.— Huppert'sche Sänger-Vereinigung.Harmonie' Abend» 9 llhr bei Niest, Weberstr. 17.— Gesangverein.Sängerhain' Abend» 9 llhr Adalbertstr. 21.— Liedertafel de» Fachvereini der Steinträger Berlin» Abend» 8 llhr Große Hamburgerstr. 4 llebunqdftunde.— Gesangverein.Ohnesorge' Abend» 9 Uhr, Restaurant Reither, Alle Jakobstr. 83.— Gesangverein Widerhall' Abend! 9 llhr bei Herrn Boge. Köpnickerftr. 191.— Gesangverein .Lorbeerkranz' 8h llhr Restaurant Weinstr. 11.- Arbeiter- Gesangverein . Nord" Gesangstunbe Abend» 8h Uhr im Restaurant Gnadt, Btunnenftr. 38 Mitglieder werden ausgenommen.— Boigt'scher Dilettanten Orchesterverein, llebunglftunbe von 8h bi» 11 llhr Abend» im LouitenstSdiischen«lubhau» Annenstraße 16, 1 Tr.— Berliner Turngenossenschaft(Fünfte Männer- abtheilung) Abend» 8H llbr in der städtischen Turnhalle. Wasiertborstraße 81. — Turnverein, Hasenhaide"(Männerabtheihmg) Abend« 8 Uhr Diessen- bachstraße Nr. 60—61.— Turnverein. F. ob und Frei"(Männeeabthnlung) Abend» 8H llhr Bergstraße 57.— Wissenschaftlicher Verein für Rollei'sche Stenographie Abend» 8H Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenftraße 81, Unterricht und Uebunaislunde— Allgemeiner Arendd'schet Stenographen. verein, Abtheilung„VorwSrti", Abend» 8H Uhr im Restaurant Kall. Mariannenplatz 11.— Areno«' scher Steno zrapyenverein„Apollo bund" Abend! 9 llhr im Restaurant Seydeistr. 30— Berein ehemaliger Dr. Doebbelin' scher Schüler Abend» 9 Uhr im Restaurant Krebi. Friedtichstr. 208.— Voigt'scher Dilettanten-Orchefterverein Abend» 8H llbr llebungsftunde im Nestaurant Cöllnischer Garten, Scharrenstraße 12.— Zitherverein„Alpenveilchen" Abend» 8H Uhr im Restaurant„Wablstatt", Belleallianreftraße 89.— Rauchklub „Westend" Abend! 9 llhr im Hohenzollerngarten Steglitzerstraße 27— Rauchklub„Weichtelblatt" Abend! 8H llhr im Restaurant Skalitzerstraße 147».— Rauchklub„Ohne Zwang" Abend» 8H llhr im Restaurant W Spaeth, Wein- ftraße 28.— Verein ehemaliger Schüler der 22 Gemetndeschule Abend» 9 llhr im Restaurant Schröder, Steglitzerstr. 18— Lese- und DiSkuti-.klub Heiwegh Abend» 8 llhr im Lokale de» Herrn Otto Linke, Forsterstraße 45. Gäste, Herren und Damen, durch Mitglieder eingeführt, haben Zut itt.— Arbeiter- gelangverein.Hoffnung", Friedrichibetg, bei Reusch, Frankfurter ühauffee- upd Dorsstraßen-Ecke. Uebungeftunde. Aufnahme neuer Mitglieder.— Männerchor der„Berliner Mechaniker" Abend» 9 llhr im Restaurant Krüger, Franzftraße 8. Bewegung der KrvSlkrrnng der Ktakt S erlin. In der 27. Oktober bi» 2. Nov-mber 1889 fanden 448 Eheschließungen statt.-_.. boren wurden 911«Inder, barunter 115 außerehelich, todtgeboren wnre»» � 8 außerehelichen. Die Lebendgeborenen sind 81.8, die Zodtgeborene» U � Mille der Bevölkerung, die außerehelich Geborenen find bei den Lebend 12,6, bei den Todtgeborenen 24,2»Ct. Die Zahl der gemeldeten Ster».,-—„ trug 515, die sich aus die Wochentage wie foigt vertheilen:»orivBa Montag 72. Dienstag 61, Mittwoch 77, Donnerstag 73, Freitag 88, abend 63. Von den Gestorbenen erlagen an Masern 1, S*"1™ Rose 2, Diphtherie 25, Bräune 4, Keuchhusten 14,«indbettffeber 4, epidem. Genickstarre 0, Rubr 0, Svphilis 2. Altersschwäche 23, GehirnsoM. Lungenentzündung 29, Lungenschwindsucht 76, Diarrboe-13, Brechdumib Magendarmkatarrh 10. Durch-.Vergismng kamen 2 Personen um und»>»>>> � Selbstmord. Eine« gewaltsamen Tode« starben 18 Personen.�u»� durch Verbrennung und Verbrühung I, Schußwunde 2. Operation 2. lleber fahren 2, Sturz oder Schlag 1. Hierunter sind7Zooe»sSlle durchu»-7>rr» herbeigeführt Dem Alter nach sind die Gestorbenen unter 1 Jahre alt 172 '-................- 5-15 Jahre 17, 15-»3=f„ ---- J- 60-80 35*? � der Gesammtfterblichkeit), 1—5 Jahre 80, 20-30 Jahre 35, 80-40 Jahre 39, 40- 60 Jahre 95 über 80 Jahre 12 Personen.------.... .____ 1_________ In hiesigen Krankenhäusern starben �.«i schließlich 13 Auswärtige, welche zur Behandlung hierher gebracht w Auf die Standesämter vertheilen sich die Todesfälle folgendermaßen: Kölln- Dorotheenstadt(1.) 20, kFriedrichstadt(II.) 22, Friedrich- mB«"J berget Vorstadt(Dl) 15, Friedrich, und Tempelholer Vorstadt(IV.) 48. stadt senleit. westlich 41, Cvcmdauerr»? (K) 82, Rosenthaler Vorstadt, südlich sie.) 22, Rosenthaler Vorstadt, (Xd.) 25, Oranienburger Vorstabt(XI.) 47, Friedrich-Wilhelmstadt>«d (XII., 48. Wedding(Xlll.) 28. Die Sterbelälle sind 17,7 pro Misie.�, geschriebenen Bevölkerungszahl(1517673). Die SterblichkeilSziffer w s«v Städten de! Deutschen Reiche» mit mehr al! hunderttausend Einivotm»� trug in Aachen 24,2, Altona 19,6, Bannen 19,7, Bremen 14,8, Brekod Chemnitz 28,5, Danzig 19,2, Dresden 18 1, Düffeldors 11,8, Eldenell«7 Frankfurt a, M. 13,1, Hamburg mit Vororten 20,0, Hannover!95, F��i Königsberg 24,3, Krefeld 12.7, Leipzig 15,4, Magdeburg 16,0, MlwSftA Nürnberg 16,5, Stettin 23,2, Straßburg i. E. 12,0, Stuttgart 13,1 au) In anderen Großstädten Europa! mit mehr al» dreihunderttausend»mFTOi betrug die Sterblichkeitiziffer in Amsterdam 16,9, Budapest(Voi Dublin 27,3, Liverpool 20,8, London 15,8. Pari» 20,2, Petersburg(»rr-e 19,5, Warschau(Borwoche) 82,9, Wien(Borwoche) 20,8 aus Tausenk•! 1231 ti» n anbeten Großftüdten Europaö mit mehr- als dreibunderttausend rtrug die Sterblichkeitiziffer in Amsterdam 16,9, Budapest(Vorwoä«� rublin 27,3, Liverpool 20,8, London 158, Pari» 20,2, Peteriburg den 5050 Zugezogene, 2145 Weggezogene gemeldet, so daß sich die BSzi» mit Einrechnung der nachträglich gemeldeten Geboreneu und de» der den Weggezogenen ersadrungSmäßig zugerechnet werden muß, um mehrt hat, die Einwohnerzahl beträgt sonach am Schlüsse der Bertojfl, 1520916. In der Woche vom 3 bi! 9 November kamen J)'1,'j? ZnsektionS-Erkrankungisälle an Tvphu» 23. Pocken 0. Masern 24, � Diphtherie 80, Kindbettfteber 2. Kriefkasten der Redaktio«. August, Feuustr. Zur Aufnahme nicht geeignet.,, C. I. Der Vormund des Kindes hat die Wahl, fu für dasselbe Alimente oder den sechsten Theil des fRur Ihres Bruders beanspruchen will. Lfrvsss Versammlung der Korstände der Gemerkschafts-, Krankenkasse«-«nd Uer- g«Sg««gs-Vereine K erlins am Sonntag, den 24. d.M., Vorm. Uhr, in pauvi-uteiri'u Sulon, Alte Jakobstr. 75, I. TageS-Ordnung: t. Die Lokalfrage mit besonderer Berücksschtigung der„Philharmonie" und„Kroll's Ref.: Der Einberufer. Korref.: Osk. Wtemer. 2. DtSkussson. 3. Verschiedenes. 1951 Um recht zahlreiche Betheiligung aller Vorkandsmitalieder und recht weite Verbreitung dieser Einladung bittet Der Einberufer: Oswald Grauer, Taubenstr. 41. Große öffentliche Versammlung der Freie» Vereinigung d. Hausdiener Berlins «NN Krettag, den 22. ds., Abb« 8t Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. TageS-Ordnung: 1. VereinSmittheilungen. 2. Vortrag des Hm. A Gerifch über:„Was lehrt den Arbeitern da» Sinken des Zinsfußes". 3. Diskuffion. 4. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammluna statt.— Gäste haben Zutritt. S5KI Der VorftiMd. I. A.: H. Pinxer, Kurfürstenstr. 6. Oeffentliehe Versammlung der Kauardeiter Kerlins«. Umgegend am Sonnabend, den 23. November, Abends 8', llhr, itt„Lehmann's Salon", Schwedterssraße Ur. 23. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung der Streik-Kommilsion. 2. Diskuffion hierüber. 3. Vortrag des Herrn Werner über:„Nutzen und Werth der gewerkschaftlichen Orga- ntsaiion". 4. DtSkulfion. 5. Verschiedenes. 945 Das Erichemen fämmiltcher Bauarbeiter ist Pflicht. Der Etnbernfer. 2*4] Franz Tutzauery s o», KSpnickerstraste Kr. Ä-t, nahe der Käpnicker Brücke. Fachvmttt der Kernmacher «nd verwandter Kervfsgen. Kerttn» und Umgegend Sonnabend, sten 23. d. M.. Abends 8� Uhr, in Bolxmann's Lokal, Andreakstraße 26: UM" Versammlung. Tagesordnung: 1. Geweikichaftttches. 2. Diskussioo. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet 949 Der Norstand. Uerei« der Filzschuhardeiter «nd Kernfsgenosse«. Am Sonnab-nd, d. 23. November, Abends 8 Uhr, Münzstr. 11 bei Zemt-r: Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Theodor Metzner über „Die Vertheuerung der LedenSmittet und die Schutzwlle. 2. Diskusfion. 3. Verschiedenes. 4. Wohl einer Kommission zur Ausarbeitung einer Lohnstatistik. 950 Her Vorstand. 531 Sophadezüge! Ueke von 3i— 5 Meter Ipottbllttg. Emil Lafivro, Grünten Nr. 158. Zcknjieliimiftd.AiKtWMj Sonnabend den 23. d. M., Abends in vraobel'a Salon, Sebaitiaustxw ausserordentliche General- Ker sammle Tagesordnung: 1. Auslegung des 8 7 des Statuts. 2. Emfüzung eines 8 5« ir.s Statut. 3. Antrag des Vorftaudes. 4. Bericht der Echiedskommisfion. 5. VerickiedeneS. � Es ist Pflicht jeden Mitgliedes,»u tvifZ 957_ Der D-rst«� FMverein der TiiE für de« Weste« u. Hatleschen ThorbttM Sonnabend dm 23. Noo., Abends 6-. im Lokale„SSnlgobot", Bülawstr. Gr. VcrsammlM m Tagesordnung: ,g,p 1. Die Produktionsweise im Tischlerge«�� die Stellung des FachvercinS.(Refir.:*'*!> Wiedemann) 2. Diskussion. 3. legcnhenen und VerschtedcncS. 4, neuer Mitglieder. Wegen der Wichtigkeit der es Pflicht aller Kollegen, auch Nichimitss in dieser Versammlung zu erscheinen. _ Der VevollmätN� reißN Arbeitsmarkt.„ Ein Mechaniker f. eine mechanische».«p Repa aturwetkltall wird sofort gesucht. C. Brandenburg, Eharlottenb«" 961]_ verltnerftr. 11». verfilberer w. vert. Eisenbahnstrab« «7� Erklärung! Da die kautichen Anlagen des von mir geleiteten»Restaurant Russenhagen" die Aufnahme von Massen- Versammlungen nicht gestatte»- so erkläre ich hiermit, um alle Weiterungen zu vermeiden, daß ich mich, im JntereD der Hausbesitzer und meiner Kollegen, melche Datzenhofer Kier führe«, entschlösse» habe, fernerhin keine« politischen Uerfamminngen irgend welcher Kichtuv» meine Säle zur Verfügung zu stellen und werde ich dieselben nur für geschlossen Vereine«nd Festlichkeiten reserviren. F. Müller, Restaurateur des Etablissements (Ausschank der Aktien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshösse vorm. Patzenssoftrs Verantwortlicher Redakteur: K.Eronhetm in Berlin. Druck und Verlag von MaeKading Berlin SV., Beulhstratze 2.