I». S77. Dienstag, de« S6. November 188?. 6. Jabrg. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Volksblatt« " 1 Mark pro 4. taglich Morgens a i vierteljährlich 4 .P?. Sonntaas- Nummer «(Eingetragen m der PostzeitungSoreiSliste für ISSS unter Rr. 866.) "*<•«« Anstand: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. J«fertio»sgebühr beträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Ve�ammwrM. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedrtlon, Berlin S wv Zimmerstrabe 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommnu Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. - 1 Fernsprecher: Amt VI.|tr. 41 00.»- ♦- Hcfealtfism: VeukhPtrsHe S.— Expedttion: ItmmrvPkVstze 44. de« |4l >!!! Der dunkle Vunkl. .�ir find gewöhnliche Sterbliche und in den höheren bet Politik geht gar Manches vor, was wir uns »iM Klären können, denn unsere Informationen reichen h?!»eit in jene Sphäre hinein. Wenn aber auch für den Kriegsminister ein dunkler Punkt besteht, so �5 itwas ganz Besonderes los sein, um so mehr, als fich «vi«.�kt in dem Treiben der offiziösen Presse js Met. Wenn daS, was die offiziöse Presse vom General ewitz und vom Grafen W a l d e r s e e gesagt hat, Anficht des Kriegsministers und des Staatssekretärs j�Mußeren„luftige Mythen" sind, so sind w i r �«friedigt, denn der Streit um den„kommenden I,**" hat uns wenig berührt. Für uns ist die Haupt- der Negierung konstatirt daß von zwei Mitgliedern ist, daß in der offiziösen Presse die„luftige Mythen- nn Schwünge ist. ,.®er Staatssekretär Graf Bismarck ist noch weiter to™Sen; er hat erklärt— mit Bezug auf den Fall zMlgemuth— eine Gegnerschaft zwischen « �Schweiz und Deutschland habe niemals be- Jr'tn; es habe sich nur darum gehandelt, die Sozial- Mkratie gemeinsam zu bekämpfen, und der Fall Wohl- sei abgethan. Nun, wir können nicht davon über- iM sein, daß die Sozialdemokratie auch zum Sündenbock �de« Fast Wohlgemuth gestempelt wird. Dieser Fall wohl noch an geeigneter Sielle zur Sprache kommen; fcWtttejfirt heute nur die Erklärung, daß eine Gegner- »C1:.frischen der Schweiz und der deutschen Regierung ß iwndcn habe, während doch in Zedermann'S Gedächt- spnl- 6 heftigen und zahlreichen Drohartikel sind, mit r,fc'l Schweiz anläßlich des Wohlgemuth- Falles von Mswsen Presse überschüttet wurde; übrigens kann die '"»ng des NiederlassungSvertrageS wohl kaum als ein � yuten Einvernehmens bezeichnet werden. Hier er- «äiiia der dunkle Punkt, von dem der Herr Kriegs- gesprochen hat. si>, Jj von solcher Stelle aus das Treiben der offiziö- M ols„luftige Mythenbildung" bezeichnet wird, so .jedermann doch sofort auch an die.Kriegs- l* r e i" denken, die von der offiziösen Presse schon so WirJ* m worden ist. Sie erreichte ihren Gipfel be- Hb ss�vend der Wahlbewegung von 1887, während einige tausend von den Franzosen, wie alljährlich, «,�Mschland aufgekaufte Hümmel schon als„Kriegs- �°ereitung" dargestellt wurden. Wir erinnern nur Hiz' wie die offiziöse Presse nach jeweiligem Bedürfniß z, c.we F r a z o s e n- und bald die Russen- .f S krieg gegen Rußland, weil er der � s�, daß Rußland schließlich durch seine gesteigerten Tp $0-i *»" "Ä n. a»-|K .« it- ly Feuilleton. '«rd-wl.!_ (T« e t* nt i n n l. (38 �08ial«t Roma» von Emile Zola. H autsrifirt« Neberfehung von Er»st Ziegler. Frau hatte sich erhoben und blickte im Zimmer Mi:-köar es möglich, daß sie gar nichts mehr hatten, Dinde Brot und nichts, das sie hätten verkaufen Hast zj,.Bald wird auch das Feuer verlöschen!— Sie Mte welche sie am Morgen auf die Halde geschickt M& Mw A°�korene Kohlenstücke zu sammeln, und die mit llstv/ heimgekommen war, erzählend, die Kompagnie .• i s schien �skn nicht mehr. Wollten sie denn die Kompagnie zänsbS �'wenn sie auflasen, waS jene wegwarf? Die Kleine j> werde v.'?ßte' ein Mann habe sie schlagen wollen- aber ,,,*(* � f4lo„„\ worgen noch einmal hingehen: er solle sie e»„Uns nc>« wache nichts. � fron' �wser Strick, der Zeanlin," rief die Mutter. In e So-. M' wo treibt sich der wieder herum?... Er Moter wchen, man hätte ihn wenigstens unbereitet w"4 wie die Kühe; aber Ihr werdet sehen, er «3 nickt' sch°n gestern Nacht ist er ausgeblieben. Ich ' nl«•IM08 er eigentlich anstellt, aber er sieht nie so lr Hunger hätte." Sie{*?* Zettelt er auf der Landstraße," sagte Stephan. W$imSe[ le' uußer fich, beide Fäuste: 'Wck' Lieh Wenn � das wüßte!.... meine Kinder �cheu mÖch*e erst sie umbringen und dann � Hei«, � war wieder in sich zusammengesunken. Leonore llngen an, leise zu weinen, weil man kein -,91"* 4 r> °'X Rüstungen zu einer allzu sehr überwiegenden Machtstellung gelange und daß man dem durch einen kühnen Angriff zu- vorkommen müsse. Der Chef des GeneralstabeS hat diese Behauptung bekanntlich zurückgewiesen. Wir erinnern an die K u r s t r e i b e r e i e n mit den russischen Papieren, die von der offiziösen Presse bald empfohlen und bald bekämpft worden sind; wir erinnern an die hundert Artikel über Krieg und Frieden, in denen man Europa bald als ein friedliches Arkadien, bald als einen zur Wüste bestimmten Tummelplatz eines Weltkrieges erscheinen ließ. UnS war die„Mythenbildung" in der offiziösen Presse kein Geheim- niß mehr; die Sozialisten haben sie am eigenen Leibe verspüren müssen zur Zeit der Attentate von 1878, während welcher keine Verleumdung zu grob war, um nicht der sozialistischen Partei angehängt zu wer- den. Wen» man heute die offiziöse Presse jener Zeit nachliest, so muß man sich nur wundern, wie ihre „luftigen Myjhxn" haben ernst genommen werde« können. Aber sie wurden damals leider nur zu ernst ge- nommen. Wie oft ist man von den Offiziösen und ihrem Ge- schwister grob angefahren und angeschnarcht worden, wenn man sich erlaubt hat, an der Wahrheit ihrer Be- hauptungen zu zweifeln, und mit wie überlegener Miene wurden wir des Oefteren belehrt, daß gewöhnliche oppo- sitionelle Zeitungsschreiber wie wir, denen nicht vergönnt ist, hinter die Koulissen der hohen Politik zu schauen, sich eigentlich über tausend Dinge gar kein Urtheil erlauben dürften! Wir haben uns zwar durch die Anmaßung und die Dreistigkeit der offiziösen Mythenbildner nienalt ein schüchtern lassen, allein nachdem das offizöse Lügen- system von der Regierung selbst konstatirt worden ist, fragen wir: Warum legt die Regierung nicht Hand an, um der offiziösen Mythensabrikation, deren unheilvolle Wirkungen sie selbst kennt und anerkennt, ein End e zu mach en? Die Regierung kann, wenn sie will, den dunklen Punkt doch aufhalten. Oder sollte sie daS nicht können? Wir brauchen auf die Wirkungen offiziöser Mythen- bildung kaum des Näheren hinzuweisen. Aber eS handelt sich nicht allein um den schmachvollen Zustand, daß die öffentliche Meinung von 45 Millionen in den wichtigsten Fragen irre geleitet und mißbraucht werden kann von einigen Journalisten, die sich dabei noch als die besten Patrioten aufzuspielen wagen, sondern es kommen dabei auch eine Menge materieller Interessen in'S Spiel. Der Geschäftswelt muß bange werden, wenn sie immer der Gefahr ausgesetzt ist, von der offiziösen Presse mit„Mythen" heimgesucht zu werden, die eine Stockung ihrer Unternehmungen bewirken. Und wer kann dm Mythen immer ansehm, ob sie„luftig" sind oder nicht? Wir dürfen behauptm, daß das Treiben der Offiziösen Abmdbrot aß; während der alte Bonnemort philosophisch die Zunge im Mund rollte, um seinen Hunger zu beschwich- tigen. Niemand sprach mehr; alle verharrtm in stumpfem Brütm. Der Großvater hustete und spie in die Kohle; seine Beine hattm wieder angefangen, zu schmerzen, der Rheu- matiSmuS schien in Wassersucht ausgeartet. Auch Maheu'S Kniee waren geschwollen und daS Athmen wurde ihm schwer; die Mutter und die Kinder littm von ihren Skropheln und ihrer Bleichsucht. So lange man zu essm hatte, ertrugen sie diese Leiden, welche ihr Gewerbe mit sich brachte; jetzt aber schienen Alle dieselbm doppelt schwer zu empfindm. Schon waren Einige im Dorfe bettlägerig geworden. Mehrere waren gestorben. Was sollte das werdm? Etwas mußte geschehen, aber waS, Gott, was? DaS Dunkel begann traurig und schwer das Zimmer zu umhüllm. Stephan hatte lange gezögert; endlich sagte er mit gebrochmer Stimme: „Wartet auf mich, ich will irgendwo versuchm, etwas zu finden." Und er ging. Er hatte an die Mouquette gedacht, sie mochte vielleicht etwas Brot haben und würde es gerne mit ihm theilm. Aber eS schmerzte ihn, daß er genöthigt war, zu ihr zurückzukehren; sie wird ihm wieder in ihrer demü- thigm Art die Hände küssen! Und doch Imkte er seine Schritte nach Requillart, denn er konnte die Freunde nicht so leiden sehm, und er nahm sich vor, selbst zärtlich mit ihr zu sein, wenn eS sein müsse. „Ich will auch etwas versuchen!" sagte die Maheude. Sie verließ ebenfalls das HauS, die Thüre mit ner- vöser Heftigkeit hinter sich zuschlagend; während die An- deren beim Schein eines Lichtes, das Alzire angezündet hatte, unbeweglich und stumm sitzen blieben. Draußen überlegte sie einen Augenblick, dann trat sie ins HauS der Leoaque: in Deutschland mehr Unruhe hevorgerufen hat, als die Agitationen aller Parteien zusammengeommen, so daß die Eintracht der Bevölker ringsklassen in hohem Maße gestört worden ist. Da wir Gegner aller Ausnahme- gesetze sind, so verlangen wir auch kein Ausnahmegesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen offiziöser Journalisten. Wir meinen aber, eS sei nun die erste Pflicht der Regierung, der offiziösen handwerksmäßigen Mythenbildung, deren Schädlichkeit sie selbst erkannt hat, ern Ende zu machen, indem sie den„dunklen Punkt" beleuchtet. ZluternehvlertljW und Arbeiter. ii. Saltburn by the Sex, den 2. Oktober 188S. Die von uns für die Reise nach England gewählte Zeit muß insofern als ungünstig bezeichnet werden, als hier nach dem Schluß des Parlaments d,e todte Saison eingetreten ist, in welcher die im öffentlichen Leben stehenden Personen London verlassen haben. Nachdem wir Mr. Mundella nicht angetroffen hatten, mußten wir in dieser Beziehung am Sonnabend, den 28., weitere unangenehme Erfahrungen machen. Wir wollten zunächst den liixkl Konourable C. I. Ritchie in seiner Eigenschaft als Staat- fekretär des Innern, Mitglied des gegenwärtigen KabinetS, aussuchen, an den wir gut em- pfohlm waren; derselbe hatte aber leider seine Ferienreise an- Iietreten. An dessen Stelle wurden wir von einem der Sekretäre ehr zuvorkommend empfangen. Derselbe bezeichnete unü als einen, mit den uns interessirenden Fragen am meisten und besten vertrauten Mann, den„l-bour coiresgon-ieat of the Board of trade" Mr. Burnett. Dieser Mann ist früher Arbeiter gew-sen, hat dann die Stelle des Sekrclär einer TradeS-Univn bekleiset und wurde von der Regierung in die vorbezeichnete Stellung de« Board of trade« berufen. Diese Stellung muß eine ziemlich bedeutungsvolle fein, da wir bereits von Mr. David Dale auf Mr. Burnett vnwiesen worden waren. Auch dieser Herr befand sich im Seebade Maraate. Da es uns sehr darauf ankam, denselben vor unserer Abreise in die Jndustriebezirke zu sprechen, so beschlossen wir, ihn in Margate aufzusuchen; auf unsere telegraphtsche Anfrage wurde uns auch eine Unterredung, aber nicht für Sonntag, sondern für Montag bewilligt; dadurch haben wir den Sonn- tag verloren. An Stelle des Mr. Burnett wurden wir am Sonnabend von Mr. R. Gissen vom Commercial Department of the Board of trade empfangen, der uns die wertbvollen Berichte des Mr. Burnett über die Trabes UnionS pro 1387 und 1888 zur Verfügung stellte. Den Bericht pro 1889 und die folgenden Berichte haben wir für die Vereine bei der RegierungSbuch- Handlung bestellt. Von dem Board of trade begaben wir uns zur deutschen Botschaft, wo wir jedoch nur einen jungen Attachöe, den Prinzen von Hohenlohe, antrafen. Um den Geh. LegationSrath Graf von Leyden zu sprechen, der gegenwärtig den abwesenden Bot« schafter vertritt, mußten wir um 5 Uhr uns wieder zur Bot« tchaft begeben. Wir fanden äußerst freundliches Entgegen- kommen unseren Bitten gegenüber, welche fich auf eine „Weißt Du, ich Hab' Dir letzthin ein Brot geliehen, gieb' es mir zurück." Aber sie unterbrach sich; waS sie sah, war nicht er- muthiaend: hier schien die Roth noch größer, als bei ihr. Die Lcvaque blickte stieren Auges auf die verlöschte Asche in ihrem Kamin; ihr Mann, den die Nagelschmiede betrunken gemacht hatten, schlief mit leerem Magen, daS Haupt auf dem Tisch, seinen Rausch aus; Bouteloup rieb mechanisch seine Schultern an der Mauer, hilflos dreinschauend, denn seine Ersparnisse waren verzehrt und er hatte nichts mehr zu essen. „Ein Brot! O meine Liebe, ich wollte Dich gerade um ein zweites bitten!" Ihr Mann heulte im Schlafe. Sie hieb ihm wüthend daS Gesicht auf den Tisch: „Schweig, Du versoffener Lump! E» geschieht Dir schon recht, wenn's Dir in den Gedärmen brennt, hättest Du lieber von Deinen Freunden zwanzig SouS geborgt, statt mit ihnen zu trinken." Und sie fuhr fluchend und scheltend durch daS feit Wochen nicht aufgeräumte schmutzige Zimmer. Ihretwegen könne Alles zu Grunde gehen, jetzt sei eS ihr gleich. Ihr Sohn, dieser Lümmel, der Bebert sei auch seit dem Morgen verschwunden; wenn er nicht wiederkäme, wollte sie ihrem Herrgott danken. Sich schlafen legen, sei noch daS Beste, wenigstens hat man warm! Dabei versetzte sie Bouteloup einen Rippenstoß: „Na wird'S! Wir gehn zu Bett, Hab' ich gesagt! DaS Feuer ist ausgegangen; eS ist nicht nöthig, Licht anzustecken, um die leeren Schüsseln anzugaffen der ver- wünschte Säufer mag hier unten erfneren, wenn'S ihm gefällt!" Die Maheude lich die Beiden ins Schlafzimmer hin- aufsteigen, trat in« Freie und schritt entschlossen quer durch den Garten zur Pierronne hinüber. Sie hörte Lachen durch's Fenster, welches aber verstummte, sobald sie Einfuhrung bei Herrn Mundella, bei dem Lord.Msyor und bei dem Chef der Polizei richtete». Der Herr Graf erbot sich sofort, un« am Mar tag persönlich zu den beiden letztgenannten Stellen zu begleiten und nach unserer Rückkehr auch bei Mr. Mundella einzusühren. Im Laufe der Unterhaltung baten wir den genannten Herrn, uns mitzutheilen, wie man in den maßgebenden Kreisen Englands über die gegerwä-tige Arbeiterb« wegung, namentlich im Hinblick auf eine eventuelle Ausbreitung sozialdemokratischer Ideen unter den englischen Arbeitern denke. Noch der Anficht des Herrn Grafen glaubt man in den englischen Regierungskreisen nicht an das Vordringen der Sozialdemokratie— der kontinentalen— in England; man meine, und der Herr BotschastSrath pflichtete diesem Urtheil bei, daß der Sozialismus, dem Charakter des Volkes entsprechend, in England eine andere, weniger gefähr- liche Form annehme. Auf BurnS, den Führer der Dock» atbeiter während des Streiks, als auf einen Sozial- demokraten im vollen Sinne des Worts, und auf dessen Sueben, die bisher unorganifirten Massen zusammenzufassen, aufmerksam g> mach', meinte Herr Graf von Leyden, daß BurnS nicht nach seinen vor dem Volke gehaltenen Reden beurtheilt werden dürfte. Er, der Herr Graf, charakterifirte, in Uebereinstimmung mit den englischen Regierungskreisen, BurnS als einen Mann, dessen Trachten lediglich auf die Er- reichung einer Pofitum gerichtet sei. Bereits jetzt brauche er nicht mehr zu arbeiten, er b-finde fich in verhältnißmäßia ganz guter Lage; unzweifelhaft werde er demnächst in das Parla- ment gewählt werden, fich in diesem den Radikalen anschließen, allmählich aber weiter nach rechts gehen, wie es bereits Mancher vor ihm gethan habe, und so suchen, zu einer Stellung zu gelangen. Natürlich richtete fich die Unterhaltung auch auf den Streik selbst, wobei wir unserem Erstaunen darüber Ausdruck gaben, daß in England, dem Lande, in welchem dem Gesetze sonst die größte Achtung gezollt wird, die streikenden Ardeiter durch Wcchm diejenigen Leute, welche arbeiten wollen, in frevel» daftester Werse terrorifiren und schließlich mißhandeln konnten. Ja dieser Beziehung meinte der Herr Graf, daß die Polizei in London zwar sehr put, aber viel zu schwach sei, um einen ernsten Konflikt mit den Arbeitern im Osten der Stadt durchkämpfen zu können. Die Polizei werde in London als Jedermanns Freund betrachtet und diese Rolle sei sie auch bestrebt gewesen, während des Streiks aufrecht zu er- halten, da fie wohl erkannt habe, daß fie niemals im Stande gewesen wäre, allein einen ernsten Konflikt mit den Arbeitern durchzukämpfen. Bon den freundlichen Anerbietungen des Vertreters der deutschen Botschaft am Montag Gebrauch zu machen, waren wir leider nicht in der Lage, da wir, wie bereits be- merkt. Mr. Burnett in Margate aufsuchen mußten; wir behielten uns vor, bei unserer Rückkehr nach London auf die betreffenden Besuche zurückzukommen. In Mr. Burnett fanden wir einen, in seiner Erscheinung und seinem Auftreten außerordentlich einfachen, aber höchst intelligenten, ruhig und scharf urlheilenden Mann, der das besonder« von ihm beaibeittte Gebiet, die TradeS Union«, voll- kommen zu beherrschen scheint. Für die TradeS Urion« besteht ein gesetzlicher Zwang, ihre Berichte dem Soard ot trade einzureichen und demgemäß beziehe fich der letzte amiliche Bericht des Mr. Burnett nm auf 104 TradeS Union« mit rund 325 000 Mitgliedern, während der genannte Beamte die gesammle Zahl der be- stehenden TradeS-UnionS auf ca. 350 mit etwa 750 000 Mit- gliedern schätzt. Jene 104 in dem Bericht des Mr. Burnett aufgeführten TradeS-UnionS hatten 1888 eine Einnahme von 745 000 Pfd. Strl. gegenüber einer Ausgabe von 5SK000 Pfd.©tri. Im Jahre 1887 hatte die Ausgabe 713000 Pfd. Strl. betragen wegen d,s schlechten Ganges der Industrie und der infolge dessen in großem Umfange erforderlichen Unterstützung an arbeitslose Mitglreder. An erspartem Kapital besaßen die 104 TradeS-UnionS in 1888 706 000 Pfd. Sterl., die vereinigten evxeneers allein 160000 Pfo. Sterl. Mr. Burnett ist der Meinung, daß die Entwickelung, welche die A belterbew-'gung in England auf Grund der Wnk- famkeit der Trade«» UnionS genommen hat, dem früheren Zustande durchaus vorzuziehen sei. Der Kampf zwischen Arbeit und Kapital habe damals, als die Organisation unter den Arbeitern entweder noch ganz fehlte, der noch nicht so fest ausgestaltet war, wie in der Gegenwart, unter Belhä- tiguvg der äußersten Feindseligkeit besonders seitens der Arbeiter zu den schwersten wiederkehrenden Streiks gesührt, die nach beiden Seiten verheerend wirkten. Dieser höchst traurige Zustand habe in der Hauptsache aufgehört, seit- dem fich die Arbeitgeber gezwungen sehen, die Traoes-llnionS beziehungsweise deren Vertreter anzuerkennen und mit ihnen, al« mit erner vollkommen gleichberechtigten Partei, zu ver- handeln. Die Leiter der TradeS- UnionS verfolgen zwar mit äußerster Aufbietung ihrer Macht und unentwegter Konsequenz, al« allem voranzustellendes Ziel, die Verbesserung der Lebens- an die Thür klopfte. Es dauerte lange, ehe man ihr öffnete. „Ach, Du bist eS!" rief die Pierronne, eine freudige Ueberrafchung heuchelnd.„Ich glaubte, eS fei der Arzt." Und ohne die Andere zum Worte kommen zu lassen, fuhr sie, auf ihren vor dem Kamin sitzenden Mann deutend, fort: „O, es geht ihm schlecht, immer noch sehr schlecht! Zm Gesicht sieht man's ihm nicht an, aber im Bauch, da arbeitet «sl Er braucht viel Wärme und man verbrennt Alles, was man hat!" Pierron sah vortrefflich aus, er hatte eine blühende Farbe, war rund und fett; aber er pustete und stöhnte, um den Kranken zu spielen. Es roch nach Kaninchenbraten; sie mußten die Schüsseln weggeräumt haben- Brotkrumen lagen aus dem Tische; plötzlich erblickte die Maheude eine«»er- geflene Flasche Wein. „Die Mutter ist nach Montsou gegangen, um zu sehen, ob fie etwas Brot bekommen kann," Hub die Pierronne wieder an.„Wir sitzen hier und warten auf ihre Heimkunft.. Die Stimme versagte ihr, sie hatte den Blick der Nach» darin verfolgt und ebenfalls die Flasche entdeckt; aber sie erholte sich rasch: „Ja, das ist Wein- die Bürger von der Piolaine haben tn mir für meinen Mann gebracht, weil ihm der Arzt ordeaux verordnet hat. Ach, das sind wohlthätige liebe Leute, das Fräulein besonders, und aar nicht stolz, sie geht selbst zu den Arbeitern und theilt ihre Gaben unter sie aus!" „Ich weiß", antwortete die Maheude,„ich kenne sie." Dabei dachte sie daran, wie doch die Wohlthaten immer 5 u den am wenigsten Bedürftigen kommen; die Bürger von !er Piolaine hätten Wasser in den Kdnal getragen! Und wie kam es nur, daß sie das Fräulein nicht gesehen hatte? Dasselbe würde ihr vielleicht auch etwas geschenkt haben. „Ich war gekommen," gestand sie endlich,„um zu sehen, ob es Euch nicht etwas besser geht, wie uns. Hast Du nicht Haltung der Arbeiter; aber, nach der Anficht des Mr. Burnett find fie andererseits auch voll davon überzeugt, daß Kapital und Arbeit zusammen gehören, daß hier nicht entgegengesetzte, sondern gemeinsame Interessen vorliegen. In dieser Be- ziehung unterscheiden fie fich vollkommen von unseren Sozial- demokraten. Daher wird jetzt bei aufkommenden Differenzen nicht die Arbeit sofort niedergelegt, sondern cS wird, wenn auch oft in langen und schwierigen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter die Verständigung gesucht und meistens gefunden. Vielfach ist dieses Resultat erst auf Grund des Schiedsspruches eines Vertrauensmannes zu erreichen, der dann aber auch von beiden Parteien anerkannt wird. Willig gab Mr. Burnett zu, daß nur der Schiedsspruch Ausficht auf Anerken- nung habe, der in richtiger Erkenntniß des Umstand e§ abge- aeben werde, auf welcher Seite gerade, nach Lage der wirth- schaftlichen und industriellen Verhältnisse, die Macht liege. Nehme der Schiedsspruch auf dieses Verhältniß nicht in fein- fühligster Weite Rückficht, so komme es früher oder später doch zu offenen Kämpfen, die fich dann in Streiks bethätigen; diese Fälle find seit längeren Jahren aber sehr selten geworden. So find beispielsweise in der nördlichen Eisenindustrie, inner- haib welcher die verschieden gestalteten doards of arbitration in größter Vollkommenheit ausgebildet worden find, seit ca. 16 Jahren größere allgemeine Streiks nicht vorgekommen. Den Angelpunkt dieser von ihm als segensreich bezeichneten Wirksamkeit der TradeS> UnionS erblickt auch Mr. Burnett in der Autorität, welche die Leiter derß Tradess- UnionS auf ihre Mitglieder und mittelbar auch auf die nicht organifirten Massen der Arbeiter ausüben. Im Gegen- satz zu den Anfichten, die von Mr. David Dale und von an- deren Arbeitgebern bei Herrn Lougsdon uns gegenüber ge- äußert waren, giebt Mr. Burnett zu, daß ein Theil dieser Autorität auf die Unterstützungen zurückzuführen sei, welche die TradeS-UnionS ihren Mitgliedern bei Krankheit, Unfällen, In- Validität und im Falle der Arbeitslosigkeit gewähren. In der Hauptlache aber beruhe die Autorität doch auf dem Ansehen, welches die Leiter genießen und auf der moralischen Kraft, welche sie ausüben. Der englische Arbeiter, der diese Männer au« freiem Willen in ihre leitende Stellung eingesetzt habe, betrachte e« als Ehrensache, fich ihren Eni- scherdungen zu unterwerfen, auch wenn fie gegen sein vermeint- licheS Interesse ausfallen. Auch in einer anderen Beziehung wich das Urtheil de« Mr. Burnett von dem, was wir bisher gehört halten, nicht unwesentlich ab. Derselbe bezeichnete nämlich die Anficht, daß die Sozialdemokratie in kontinentalem Sinne in England noch nicht eir gedrungen sei, und auch keine Aussicht habe, einzu- dringen, als optimistisch und demgemäß den Thalsachen nicht entsprechend. Er gab zu, daß wirkliche sozialdemokratische Führer mit einem gewissen Anhange vorhanden seien. So»ialdemokraten gäbe e« in allen TradeS-UnionS, wenn auch vorläufig noch in sehr geringer Zahl. Auch in den TradeS-UnionS als solchen sei eine gewisse Hinneigung zur Sozialdemokratie nicht zu ver- kennen. So sei die Vereinigung der Londoner Setzer, welche noch vor 3 Jahren einen ganz entschieden konservativen Charakter gehabt habe, j tzt in ihrer Gesammtheit von sozial- demokratischen Ideen erfüllt. Bei dem guten Gange der Industrie mache diese Bewegung im Allgemeinen nm geringe Fortschritte, und in der Erkenntniß, daß die gegenwärtigen Verhältnisse der Agitation nicht günstig seien, hätten auch die Führer einen viel milderen Ton angeschlagen. Bet dem Wiedereintntt schlechterer Zeiten fürchte er aber, daß die Bewegung größere Dimensionen annehmen könnte. Dagegen glaubte er aber, daß das Streben des Mr. Burns gelingen werde, die jetzt unorganifirten BerufSzweige in über das ganze Königreich ausgedehnte Vereinigungen zusammen zu fassen, die vielleicht mit unseren deutschen Fachvereinen verglichen werden könnten. Diese Vereinigungen mußten zusammenbrechen, da fie im Gegensatz zu derganzen auf lokalen Verbänden und der Seß« haftigkeil ihrer Mitglieder beruhenden EntwickelungSqcschichte der englischen Arbelterbeweaung und auch zu dem Charakter der englischen Arbeiter ständen. Ueber Mr. BuntS lautete da« Urtheil des Mr. Burnett übrigens durchaus abweichend von demjenigen des Herrn Grasen von Leyden. BurnS sei, so meinte Mr. Burnett, seiner Zeit einer der rabiatesten Sozialdemokraten gewesen, die er je gekannt habe, dies aber aus innerster Ueberzeugung. Wenn er fich jetzt gemäßigt habe, so sei diese Wanvlung wesentlich auf den Umstand zurückzuführen, daß sich bei ihm mit seiner Mitgliedschast beim kovv Onmeel das Gefühl der Ver- antwortlichkeit gesteigert und auch mehr und mehr die Erkennt- niß eingefunden habe, daß die jetzige Ordnung der Dinge doch nicht ganz so schlecht sei, wie er früher angenommen habe. UebrigenS berichtigte Mr. Burnett auch den viel verbrei- teten Jrrlhum, daß Mr. BurnS den Streik der Dockarbeiter angezettelt habe. Erst etwa acht Tage nach Ausbruch desselben habe BurnS filiuZi machung von Vernunftgründen dem Arbeiter zur Ave der gegenseiligen Interessen geführt habe. Diess bezeichnete Herr Hugh Bell mit äußerster Entsch" als den einzigen, ver nicht nur in England, jn auch in den anderen Industrieländern, besondtf' zj Deutschland eingeschlagen werden müsse, wenn m1' Ar» der Hoffnung hingeben wolle, zu befriedigen des,,�!» beiterverhältnrssen zu gelanaen. Freilich sei viel M leugnung und andauernde Nachsicht und Duldsamkeit®� Verkehr mit Arbeitern ttforderlich; der Erfolg ab» niemals ausbleiben, denn der Arbeiter entziehe sich.:? Wirkung konsequent vorgetrqgener Vernunftgründe ni«'' werde er im Verkehr mit dem Arbeitgeber stets höfl'��p» umgänglicher, wenn dieser seine volle Gleichberechug�- kenne und ihn demgemäß behandle.«mirsl Eine solche Entwickelung aber, wie fie die Arbeitcrd«w in England genommen, sei nur denkbar, wenn fit tc* au« sich selbst hervorgegangen sei. Jeder Eingt'll � autoritativer Seite sei entschieden als verderblich zmuaiu.�tz denn er mache den Arbeiter nur mißtrauisch und werd«» Erfolge erzielen können. � d* In dieser Beziehung waren die Anfichten der mir bisher gesproien haben, vollkommen übereinflw r i« Herr Hugh Bell führte hierzu als Beispiel weiter an, niemals den Versuch machen würde, durch irgen°.j«, Mittel das Ansehen eine« anerkannten und be iebtcn führeis zu stützen oder zu erhöhen, da er auch nur Mißtrauen hervorrufen würde., M.rt � Diese Ausführungen wurden von Mr. Hugh�� Als die Frau bei der Kirche vorüber auf Minuten Blicken, auf Stephan; W*' Kälte" uersttichen,«nd die Nacht erstarrte wickel�z�lfl'ha» endlich kam, brachte er, in ein � 0 „Das ist llffp« le Kartoffeln; Bei d«(ro' Stunden habe!" j diese Kartoffeln m?Uei\ 6ab ei atK& rein®r0t& Wt* owner WS der Wel �»d schlecht i Sttnaß sei ou ?uch der mit °°her in ste Herrn H a»oll und »emals in? »scht in solch Mich gesch s In Bez: Wnd Dale währen t Schwierigkeit � ,Jn Be M ach s «Me richtii «mreter Mt Met wesei "stend sein TOoltsttn. Wen i »°d man fich ""t vollem! Die« m »n und Mann "waSvolle i fU(h das tvi J 0tirnal" t« % bettet .•aBrttwia j von Tin- sttllte» tde!ro» dächst Männer» twi, ,f i gwpf«' l et«' xs' • fiS nnon f °Vorts llH5 wehk- jh» >as .ZUN-H" n kennbar auZ vollster innerer Neberzeugung gemacht, ead wir seiner wiederholten Versicherung, er sei mit dem yn Zustande durchaus einverstanden und zufrieden, »V'«tauben beimissen mußten. Freilich meinte Mr. 17' J0B ein sehr großer Theil der Arbeitgeber nicht so wie oenie; namentlich die„managers", die er im Gegensatz zu •«Ii v oy�IS' bellte, möchten die TradeS-UnionS am liebsten anh(ai f40ffen- Diese Leute aber seien in Vorurtheilen "v.�cht verstandenen Sonderinteressen befangen und dem- »ii* a 0.u�'br Urtheil nichts zu geben. Später mischte sich Li-■ ö!jt der technischen Leitung der Werke beschäftigte und Ihr ,n �etem Berkehr mit den Arbeitern stehende Bruder ». n" Hugh Bell in die Unterhaltung. Er verficherte, daß »i.« i un'1 0an' h'e Ansichten seines Bruders theile, daß er «icki° Differenzen mit feinen Arbeitern gerathe, wenigstens »s.i!A die nicht durch die bestehenden Einrichtungen 8"S Belichtet werden könnten. JW* as auf die»maragers" hatte übrigen« auch Herr ifi»-T0"' demerkt, daß die unbilligen Forderungen derselben e? fahrend seines Amtes als Schiedsrichter viel größere qwiengkeiten bereitet hätten, als diejenigen der Arbeiter. »rnK �ezug auf die fozialdimokratrfchen Bestrebunqm s»« zunächst bemerkt werden, daß dieselben im vollen Um- i 11 m® nur dem Eingangs erwähnten Arbeiter- ZWu, Mr. Trow verstanden wurden. Sonst wird diese wesentlich nur a!s eine solche aufgefaßt, die gleichbe- 1.??° sein würde mit unseren weitest gehenden Staatsso- dwiM r' Wo es uns gelang, eine klare Vorstellung von o»?'*? der kontinentalen Sozialdemokratie zu erwecken, da jS? ,n?tn nch den Anschauungen hin, welche Mr. Burnett und E. vollem Recht als optimistisch bezeichnet hatte. runn'vor sogar bei Mr. Trow der Fall, dcssen AuSfüh- �er sro Und llanzes Vei halten unser höchstes Interesse erregte. t>wa« n»"och ganz Arbeiter, scheint jedoch seine bedeu- aiKfTi! Stellung vollkommen auszufüllen. Von ihm wird ,J? vos wöchentlich erscheinende Journal ,The iion woikers � in D erlington herausgegeben. Trow theilte ur.S mit, daß er auch den Sozialisten- (..M in Paris besucht und dort die Reden der verschiedenen �demokratischen Führer gehört habe. Würde Jemanb es solche Ansichten vor einer Versammlung von englischen, '>radeS-Un'onS angehörenden Arbeitern auszusprechen, ibmi n f'd" imn?vnster hinausgeworfen werden, - �out wie ihm das pasfiri Jein würde, wenn er vor er sicher Kuj-i"" wie �2° Jahren vor ouytcn uui englischen Arbeitern mit den Prinzipien iivei»??'vore, welche letzt, nachdem die Arbeiter allmälig zu b« JU.L"£'n Berstandmß gelangt seien, als maßgebend für �'holten der Trades-Unions anerkannt sinb. � ci" wirklich tragischer und ergreifender Weise schilderte er Pommer und das Elend, welches in früheren Zeiten die st Streiks verursacht haben, deren Zeuge er noch gewesen M deren Folgen für den Kundigen auch jitzt noch zu be- seien. Er verwies auf die Gräber der damals ver- .. und verkommenen Frauen und Kinder, auf die y'. welche aus jener Zeit noch stammen und meinte, Alchen Monumenten gegenüber, wie er sich selbst aus- wm' h'v jetzige Zeit als eine höchst beftiedigende bezeichnet müsse, in welcher mit wenigen Ausnahmen durch güt- z» Uibireinkunft die Streitiokeiten zwischen Aibeitgebern und »z sstern beigelegt werden. Mr. David Dale, der dabei saß, u�lcte dieser Ansicht vollkommen bei, obgleich Mr. Trow, ist, Mächten sagen, fast mit cynischer Offenheit cS als das, äußerster Konsequenz verfolgte, Hauptziel der Arbeiter- Mnilmionen bezeichnete, mehr und mehr von dem Gewinne il o'lg'ber für die Arbeiter und für deren Wohlergehen �«langen. Di bei fehlte es aber nicht an Aeußerungen, J denen hervorging, welche Achtung er Mr. David Dale wie er demselben zuaethan sei. Im übrigen halten jjsz°der volle Gelegrnheit, wahrzunehmen, daß diese beiden 'wand- dem Fuße gänzlicher Gleichberechtigung mit Mit Kehrten. lösen h-» Herren Winpenny und Dennington, den Sekre- söchijA-.Arbeitgeber- Vereinigungen, haben wir uns Haupt- »ibist?,.'V das Wesen und die Wirksamkeit der„doanls of bot,, l0"' und der Joint committees" und dergleichen unter« °'s �"wentlich dem sehr fteundlichen Entgegenkommen �"'al>i � Winpenny verdanken wir sehr schätzenSwertheS Ma« licht w«? werthoolle Mittherlunyen, durch welche uns erwög« zu eria�, ein klares Bild in dre vorerwähnten Einrichtungen istbtn„ Verschweigen können wir aber nicht, daß diese >»ir>bU i i �re der Arbeitgeber, was die Erkenntniß großer ältlich er Fragen und die Schärfe des eigenen UrtheilS lick-rssB'/ hinter Mr. Trow, dem Vertreter der Arbeiter, ziem- J'l zurückstanden. 8'>ve?n x'" dem vorstehenden Berichte find wir nur bestrebt e« das Gehörte und die gewonnenen Eindrücke, so treu �'r M. vbwaltenden Umstanden möglich, wiederzugeben. fonbera k tS Vicht für überflüssig hier nochmals ganz be- ei»h�, �darauf hinzuweisen, daß wir uns jedes eigenen UrtheilS � � B e u m e r. C a r o n. H. A. B u e ck. Möller. ihst ��Maheude gab Stephan seinen Theil, doch er schob V�unke, ich habe bereits dort gegessen." die b n!ar nicht wahr, und er blickte finsteren Auges, Kinder sich auf die Nahmng warfen. Auch der stx- und die Mutter hielten sich zurück, um den Kleinen W lassen i nur der Alte verschlang gierig seine Philip und man mußte ihm eine Kartoffel wieder fort« der Um f,e Alziren zu geben. Zn drei Minuten war !'hr(>. � �er; Alle blickten einander an: sie waren noch Mvgrrg. Iltuo»- Ä�n erzählte, die Kompagnie, aufgebracht über den �steik».Widerstand, habe beschlossen, den Anftihrern der ltrjx. ihre ArberSbücher zurückzugeben. Dies war der Wirt. und Leben. Und noch ein anderes Gerücht Awr» Die Kompagnie rühmte sich, sie habe eine große ity vx�n�veiter bestimmt, wieder in die Grube zu gehen: Tag' ÄtagdAhlig..... v„ «ufgefcew~-ie � hieß, ein Drittel der Leute � den Kampf / sollten die Viktoire und Feutry-Cantel ernfahren, während in Mirou und in der -->*£*'■ Die MaheuS waren verzweifelt, und der unter uns giebt, müssen sie ge- leidh�uufstiringend' fetzte er, plotzl'ch hwger sf „ Ää tw•. jrrSÄ »ob�'S-n Bruder" uns mrt ernander z 'm Walde von Vandame find w'r t � �nem Vfti« Ruf hatte Bonnemort erweckt, v e, roat S an Wahle mnübet, halb nngenrckt w«. ��nen« "iBeitfr �unö*n)ort, welche« rn scheren 3 � bcil Wider- stgpx Mm Rendezvous gerufen, wenn wollten. � N°n die Soldaten de« Königs berath n wome � hi�'>! Ja! Vandame!" brach der Alte los,„wenn ss'd'n ich auch dabei!" � Jjd die Maheude rief mit Begersterung..... FLir gehen Le, wir wollen die Ungerechtrgkert un° Herrath vernichten!".... (Fortsetzung folgt.) polikifrLro Mobevstchi. Di« Londoner An» gab« des„gtin* Uork Herald" veröffentlicht den Wortlaut des von Stanley an den britischen Konsul in Sansibar gerichteten, Mpwopwa, den 11. November, datirten Schreibens. Einem dem»Verl. Tgbl." zugegangenen Telegramm zufolge schreibt Stanley: Bei einer Musterung, die wir am S. November abhielten, zählten wir 750 Personen, darunter 240 Leute EminS, unter diesen 59 Kinder, meist Waisen egyptischer Soldaten. Seit unserem Abmarsch von Victoria-Nyanza starben 18 von EminS Leuten und ein Sanfibarite von feindlichen Eingeborenen getödtet. Bei jeder Erpedition, die ich bisher geführt habe, wurdm die Arbeiten leichter, je näher wir der Küste kamen; ich kann aber diesmal nicht dasselbe sagen. Die lange Reihe der Hänge- mattenträger erzählt eine andere Geschichte, und ehe wir die armen Kranken an Bord der Schiffe bringen, wird es für uns keine Ruhe geben. Das Schlimmste ist, daß wir in Sansibar nicht das volle Maß unserer Arbeit werden zeigen können: die Kranken schlüpfen aus unfern Händen und sterben in den Hängematten, nachdem wir sie Tausende von Meilen getragen haben, wahrend rcchtS und links um sie gekämpft, die Wara- suraS von unseren Leuten über einen Hüaelrug nach dem an- deren getrieben wurden; die Muter des Vakiel, eine alte Frau von 75 Jahren, starb in dieser Weise. Südlich vom Victoria- Nyanza hatten wir die aufregendsten vier Tage, wir mußten tagsüber beständig kämpfen; die Ihörichten Eingeborenen faßten ein unüberwindliches Vorurtheil gegen Emins Leute, welche sie für Menschenfresser hielten, die mit schlechten Absichten gekommen seien. Reden half nichts, jeder Versuch, sie eines Besseren zu belehren, versetzte sie in unsagbare Wuth, sie stürzten sich wie toll auf uns und mußten dafür leiden. Ich wurde davon unterrichtet, daß auf dem Wege nach der Küste über Simbabwene Ueberfluß an Nahrungsmitteln herrscht, das war hochwichtig für uns, und ich entschied mich für diese Route, da, was die Gefahr eines Angriffs durch die Einge- borcnen betrifft, ein Weg so schlecht ist wie der andere. Stanley schließt, indem er erzählt, daß er und Emin die für die Afrika- Forschung wirklich werthvolle, unerwartete Ent- deckung gemacht haben, daß der Victoria-Nyanza sich nach Südwesten viel weiter ausdehnt, als man bisher wußte, so weit, daß dieser See 2 Gr. 48 Min. südl. Br. reicht und sich dem Tanganika auf 155 englische Meilen nähert und die Fläche des Victoria-Nyanzi sich auf 26 900 englische Quadrat- meilen erhöht. Au« Potschappet enthält das„Sachs. Wochenbl." folgende Korrespondenz: Nichts Neues, also auch nichts Gutes vom Herrn Fabrikinspektor. Ein Arbeiter der König Friedrich August-Hütte hatte im Fachverein der Tischler für Potschappel mitgetheilt, daß auf vorgenanntem Werke Sonntag, den 27. Oktober, Nachmittags in der dritten Stunde gearbeitet worden wäre und daß es jedenfalls Gußputzer gewesen wären. Dabei hatte derselbe auch unter Anderem gesagt, die Arbeiter müßten ihre Ziele zu erreichen suchen und sei es ganz gleich- giltig, wenn dabei auch einige Arbeitgeber zu Grunde gingen. Diese allerdings böchst aufreizenden Aeußerungen boten nun die bequeme Handhabe, wieder einen gefähr- lichen Wühler auf die Straße zu setzen und ihn die Hungerpeitsche fühlen zu lassen. Am 13. dieses Monats erschien ein Beamter der Gewerbeinspektion im Austrage des Gewerbeinspektors bei dem Direktor der Friedrich August-Hütte und theilte demselben alle diese gefährlichen Aeußerungen mit. Hierauf wurde der Arbeiter gerufen und in Gegenwart des Direktors in ein hochnotpeinliches Verhör genommen. In Bezug auf die Sonntagsarbeit wurde nun allerdings festgestellt, daß es in diesem einem Falle nicht Gußputzer waren, sondern eine Reparatur am Ofen, zu welcher die behördliche Erlaubniß eingeholt worden war. Der Arbeiter erklärte sich darauf auch bereit, das Unrichtige seiner Behauptung in der nächsten Fach« vereinSversommlung zurückzunehmen. Das Examen erstreckte sich aber ganz unberechtigter Weise auch auf die andre, hier angeführte Aiußerung, die Herr Friesen als ganz frivol be- zeichneie; außer verschiedenen ganz niederträchtig höhnenden Bemerkungen erlaubte sich der Herr schließlich an den Arbeiter das Ansinnen zu stellen, auch diese Aeußerung öffentlich zurück- zunehmen, wofür er jedoch die gebührende Antwort erhielt. Er- wähnt sei hier noch die Bemerkung des Direktors:„Es ist be« dauerlich, daß dieser Mann sich auf der Friedrich August-Hütte eingeschlichen bat." Damit war da« erste Verhör bemdigt. Am andern Morgen wurde der Arbeiter nochmal« vor den Direktor gerufen und nachdem derselbe mit vielem Pathos recht verworrene Ansichten über Ehre, über da« Verhältniß zwischen Arbeiter und Arbeitgeber rc. zum Besten gegeben, hieß es: „Solche Wühler dulbe ich auf der Friedrich August-Hütte über- Haupt nicht und wenn ich gewußt hätte, wer Sie find, dann wären Sie aar nicht erst hereingekommen, gehen Sie Ihre Wege!" Ein Fabrikrnspektor, wie er fein soll, hätte freilich etwas anders gehandelt. Er war wohl berechtigt und verpflichtet, die Angelegenheit der Sonntogsarbeit zu untersuchen, er war aber nicht, wirl wollen mal sagen, verpflichtet, ben Arbeiter zu nennen und ihn in Gegenwart seme« Arbeitgebers darüber und über seine politischen Anschauungen zu examiniren. Herr Siebdrat, in dessen Auftrag dies geschehen, weiß ganz genau, daß er den Arbeiter dadurch außer Arbeit bringt. Wir find »war dergleichen von unserem Fabrikinspektor gewöhnt und es rst dies, wie beicits oben getagt, nichts Reue«, und man kann von ihm, der Zeit übrig behält, mit einer Dampfergefellschaft eine Vergnügungsfahrt nach Hamburg zu machen, gar nicht« anderes erwarten, aber annageln müssen wir die Fälle dennoch immer wieder, um e« den Arbeitern klar zu machen, für wen Herr Siebdrat eigentlich da ist. Weitere« über die Zu« stände auf der Friedrich August-Hütte, auch über Sonntag«- arbeit, folgt nächstens. A« Zölle««nd Gemeinschaftliche« Verbrauchssteuern sowie anderen Einnahmen im Deutschen Reich find für die Zeit vom 1. April 1889 bis zum Schluß de« Monat« Oktober 1889 folgende Einnahmen zur Anschreibung gelangt: Zölle 211149 062 M.(gegen denselben Zeittaum des Vor- jähre«-+- 45 015 570 Mark), Tabaksteuer 4 977 094 Mark (-h 238 978 Mark), Zuckermaterialsteuer— 41 436 082 Mark (-+- 45 248 352 M.). Verbrauchsabgabe von Zucker 23 893 576 M. (+ 21677 070 M.), Salzsteuer 22 188 487 M.(-+- 110 687 M), Maischbottich- und Branntwein- Materialsteuer 1659 059 M. (+ 2 340 223 M), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 64 416 835 M.(-1- 6 138 935 M.), Brau. steuer 15 076688 M(+ 1761713 M), Uebergangiabgabe von Bier 1774 684 Mark(+ 234 464 Mark. Summe 303 704 603 Mark(+ 122 765 992 Mark.)— Spielkartenstempel 646 525 M.(+ 26 510 M), Wechselst empelsteuer 4 295 292 M.(+ 327 189 M.), Stempelsteuer für». Werth- papiere 6 345 790 M.(-8 2 073 827 M.), b. Kauf- und sonstige Anschaffungsgeschäste 8144 737 M.(+ 1238 613 M.), Loose zu Pnoatlotterien 361 187 M.(-+- 121 948 M.), Slaattlotte- rien 3 989 589 M. C-H 169 218 M.), Post- und Telegraphen- Verwaltung 121898 330 M.(+ 8814 000 M). ReichSeisen- bahnverwaltung 31536 000 M.(-+- 1 427 100 M.) Die zur ReichSkasse gelangte Ist-Einnahme abzüglich der Ausfuhrvcr- gütungen und Verwaltungskosten betragt bei den nachbezrich- netcn Einnahmen bis Ende September: Zölle 188 009 226 M. (gegen denselben Zeitraum des Vorjahres-h 46 280 604 M.), Tabaksteuer 6 937 506 M.(— 645 335 M.), Zuckermaterialsteuer 11 616 512 M.(— 3 547 798 M), Verbrauchsabgabe von Zucker 24 823 432 M.(+ 24 930 226 M.), Salzsteuer 20478 454 M. (_ 408 551 M.), Maischbottich- und Branntweinmaterialsteuer 9 959 949 M.,(ri- 930u«s) veröffentlicht worden, und zwar für das Jahr 1888. Interessant ist die Mittheilung, daß bereits im Jahre 1846 Streiks so häufig waren, daß in einer Woche nicht weniger als 50 vorkamen— wahrscheinlich waren sie damals häusiger als jetzt. Das Jahr 1888 zeigte in allen Geschäftszweigen steiaende Preise und die Streiks waren dahir zahlreich und in der Regel nicht lang dauernd. Im Ganzen werden 509 Streiks berichtet. An 328 Streiks waren 109 951 Arbeiter be heiligt, und Burdett, der Arbeits-Korrefpondent des HandelSamtcs, berechnet den durchschnittlichen Verlust an Löhnen auf 3 Lstrl. 6 sh. 6 d. per Kopf, zusammen auf 365 587 Lstrl. Inwieweit die Trade Union« diesen Verlust ausgeglichen haben, läßt sich nicht genau fest- stellen. Von 104 UnionS antworteten auf eine diesbezügliche An- frage nur 39, welche für Streikzwecke 32 729 Lstrl. ausgegeben haben, d. h. es wird nicht, wie man meist irrihümlich annimmt, ein bedeutender Bruchtheil der Gelder der Trade- Union« für Streikgelder verausgabt. Von 123 Arbeitgebern wurde ange- geben, daß das durch Streiks unproduktiv gemachte Kapital über 6 Mill. Lstrl. betrug. Von den 509 Streiks waren 249 vollständig erfolgreich, 94 theilweise erfolgreich und 116 erfolg- loS, während von 50 das Ergebniß nicht bekannt geworden ist. Von 54 Streiks gegen Verminderung der Löhne waren nur 12 erfolgreich, was Mr. Burdett als einen Beweis dafür ansieht, daß Streiks in der Regel nur bei steigenden Preisen Erfolg haben. 332 Streik« wurden durch Uebereinkunst und 15 durch einen Schiedsspruch erledigt, in 85 Fällen gaben die Arbeiter nach und in 23 Fällen wurden die streikenden Arbeiter durch andere ersetzt und die übrigen 4 wurden zum Theil in der einen oder anderen Weise beigelegt. Von 509 Streiks wur- den also nur 103 durch reine Uebermacht beendet, so daß die Besiegten sich bedingungslos ergeben mußten. Italien. R o m, 24. November. In der Arena des Flaminiu« fand heute eine von Radikalen einberufene Versammlung statt, um wirksameren Gesetzesschutz gegm Arbeitsunfälle zu verlangen. Ungefähr 1500 Personen waren anwesend, darunter mehrere Deputirte und Munizipalräthe.UDie von dem Komitee vorge- schlagene Tagesordnung, welche das Verlangen nach einem wirksameren Schutze gegen Arbeitsunfälle stellt, wurde ange- nommen. Die von einigen Anarchisten eingebrachte anarchistische Tagesordnung gelanate nicht zur Abstimmung. Die Anarchisten erhoben lärmend Widerspruch und wurden deshalb von der Polizei au« dem Saale entfemt. Im Uebrigen verlief die Versammlung ohne Störung. VerlÄrnrnlungen. Gl«« groß« öffentlich« Uerfammlnug aller in der Hutfabrikation beschäftigter Arbeiter und Arbeiterinnen Berlin« und Umgegend füllte am 22. d. M. den großen Saal der Brauerei„Friedrichshain". Die Tagesordnung lautete in ihrem ersten Punkte:„Wie stellen sich die in derHut- fabrikation beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen Berlin« und Umgegend zu dem in Luckenwalde bevorstehenden Generalstreik der Arbeiter und Arbeiterinnen gleicher Branche?" Nachdem? die Versammlung Herrn Völkel mit dem Vorsitze betraut hatte, dankte derselbe für das zahlreiche Ei scheinen, welche« am besten das rege Jnteresse an der Sache bekunde. Nachdem referirte Herr Augustin über da» zur Tagesordnung stehende Thema. Derselbe entrollte ein Bild der Arbeitsverhältnisse in Luckenwalde, speziell in der Cohn u. Amond'schen Fabrik. Er erinnerte daran, daß Akkord- arbeiter höchstens 15 Mark pro Woche verdienten, Lohnarbeiter höchstens 9—10 M. Bei einer übermenschlichen Arbeit«- zeit. Die Ursachen de« Streiks find bereits in der ersten Versammlung genügend berichtet worden, so ldaß auf eine nochmalige Wiedergabe an dieser Stelle verzichtet werden kann. BemerkcnSwerth ist übrigens, daß den Streikenden angedroht wurde, wenn sie sich den Fabrikanten nicht unterwerfen, sie in Luckenwalde keine Arbeit erhalten sollten. Da die Luckenwalder Fabrikanten die Partei de« Herrn Cohn genommen haben, so baben die Luckenwalder Arbeiter den Generalstreik de- schloffen, sofern die Fabrikanten ihren gefaßten Beschluß nicht zurücknehmen und appellirte Redner an das Solidaritätsgefnhl der Berliner Kollegen und Kolleginnen, jdie Luckenwalder auf alle nur mögliche Weise zu unterstützen, und nicht umsonst, wie der lebhafte Beifall der Anwesenden bewies. Auch hob Referent hervor, daß der Luckenwalder Streik für Berlin von großer Bedeu- tung sei und die Berliner Kollegen alles daran zu setzen hätten, den Luckenwalder Kollegen zum Siege zu verhelfen. Ausdrück- lich verwahrte Referent die Berliner Hutarbeiter gegen die ihnen unterstellte Absicht, im Februar nächsten Jahres einen Streik ins Leben rufen zu wollen. Er erklärte den Au«- fprenger dieses Gerüchtes für einen Lügner. Allerdings würde auch an die Berliner Hutarbeiter die Nothwendigkeit heran- treten, die zehnstündige Arbeitszeit zur Emführung zu bringen, doch hoffte Redner, daß dies ohne Streik würde geschehen können.— Ein Arbeiter au« Luckenwalde legte die dortige« Verhältnisse noch näher klar. Aus seinen Ausführungen ging hervor, daß die dortigen Fabrikanten die Sache de« Herrn Cohn zu der ihrigen gemacht haben und daß die Verhandlungen der beiderseitigen Kommissionen(Fabrikanten und Arbiit«r> resultatlos verlaufen sind. Auch er war der Meinung, daß der Luckenwalder Streik nicht mehr allein Sache der Lucken- walder Arbeiter, sondern der Hutmachcr Deutschland« sei. Maßregelungen find zahlreiche zu verzeichnen, namentlich von Arbeiterinnen, welche für die Streikende» gesammelt haben rc. Auch wird, wie mitgetheilt wurde, feiten« der Fabrikanten in Luckinwalde verlangt, daß die dortigen Hutmacher aus der Organisation ausscheiden und diesen Au«- tritt polizeilich bescheinigen lassen sollen. In der ausaedehnten Diskussion nahm u. A. auch Frau G u b e l a da« Wort, den Luckenwalder Arbeiterinnen da« größte Lob zollend dafür, daß sie den Muth hatten, sich mit ihren männlichen ArbeitSkollMe» solidarisch zu erklären und e« lebhaft bedauernd, daß die Ber- tiner Arbeiterinnen nicht zahlreicher in der Versammlung er- schienen seien. Unter dem rauschenden Beifalle der Versanwr- tung richtete die Rednerin an die Arbeiterinnen die Eimah nung, für die große Arbeitersache einzutreten und mit den Ar- beitern Schulter an Schulter»u kämpfen. Di« Ausführungen der Rednerin fanden einen lebhaften Widerhall in den Rede» nachfolgender Redner, welche die Nothwendigkeit einer Organisa- tion der Hutarbeiterinnen noch näher erörterten. Zur einstimmige» Annahme gelangte nach Schluß derDiskussion folgende Resolution z „Die heute im Saale der Aktien-Brauerei Friedrichshai» tagende öffentliche Versammlung für säwmtliche m der Hut- fabrikation bcschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlin« und Umgegend beschließt, mit allen ihr zu Gebote stehende» Mitteln für dre Luckenwalder Kollegen und Kolleginnen ein»»- treten, bis der Kampf zu Ende ist."- Unter„Verschiedenes" machte Frau Gubela die Mittheilung, daß der jetzige Inhaber der Gralweil'fchen Bierhallen dem Verein der Nähmaschinen« und Handarbeiterinnen sein Lokal verweigert habe und bat um Abhilfe dagegen, die ihr auch im vollsten Maße zugefichert wurde. Die Versammlung genehmigt« darauf einstimmig einen Antrag, dahingehend, das Bier der Brauereien Patznihofer und Bonisiia(Nieder-Schönweide) so lange zu meiden, bis die genannten Brauereien der Lokalkomnnssion die schriftliche Erklärung abgegeben haben, dab sie ihre Lokali- täten den Arbeitern zu allen Versammlungen— auch politischen— zur Verfügung Kellen.(Ist seitens der Patzenhofer Brauerei inzwischen gesckiehen. Red.) Ebenso schloß sich die Versamm- lung ohne Widerspruch den bestehenden Beschlüssen, betr. „Klingel-BoHe", Loeser u. Wo. ff 2c. an. Jubelnde und ein. stimmige Annahme fand ferner der Antrag, den 1. Mai 1890 a?s einen Feiertag zu betrachten und an diesem Tage jegliche Aibeit ruhen zu lassen. Nachdem sodann noch verschiedene interne gewerksevastliche Angelegenheiten erledigt worden waren, wurde die impolante, von etwa 2000 Personen besuchte Ver- sammlung mit einem dreifachen donnernden Hoch auf den Sieg der Luckcnwalder Kolleaen und Kolleginnen geschlossen. v»(a»g-, Burn- und grs«llig/|) am Dienstag Gesangverein .Gutenderg Abenvs W llhr im Restaurant Ouandt, Stralauerstrabe 48.— wesangvernn.Alvcnglllyen' ilbendi S llhr im Restaurant Hildebrandt, Prinzen- Krabe S7.— Schäkerstiber �Gesangverein der Elser' Abend« S Uhr bei Wols und Krstger, Ckaliberstrabe IM, Gesang.— Manncrgelangverein.Gartenlaube' Abend« 9 Nhr im Restamant giri, Aottbuserftrabe 22.— Gesangverein .Bouvardia' iMännerchor) Abend« SU Uhr im Restaurant.Teutonia', Bel- fortcrftrabe IS.— Mannergesangverein.Steinnelte' Abend« 9 lldr ini Reftau rant Schulz, Ctettinerstrabe SS—«7.— Gesangverein.Harmonie' Abend« « Uhr in Rculam'S Bierhau«, Grobe grantfurterstraße 4g.— Münnergesang- verein.Echo ll' Abend« 9 Uhr im Restaurant Drtllhosc, Rosenthalerstiase Rr. 11—12.— Gesangverein.ESngcihain' Abend« 9 Uhr im Restaurant Kaiser Kranz Grenadierplag 7.— Gesangverein.Bruderherz' UebungSstunde Abend« von!$— IIX Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder,— Gesangverein.Hofs- nung Moabit' Abend« W Uhr WilSnackerstrabe SS im Restaurant Jlge«.- Gesangverein.KelicttaS' Abend« 9 Uhr im Restaurant Nebelin. Langestrabe Ig« — Männergesangverctn.Olvmpia' Abend« 9 Uhr im Restaurant Gertb, Prinzen- strabe 106.— Gesangverein.Liederlust' Abend« 9 Uhr im Restaurant Seh. mann, Raunynstrabe 44.— Mannergesangverein.Accordia' Abend« 9 Uhr bei Wcick, Aleranderftrabe 81.— Gesangverein Ludwig'scher Mannerchor Abend« 9 Uhr gindcnftrabe 106 bei Poppe, UebungSstunde. Gaste stnd willkommen.— Manncrgesangvecein..Liedeifreidm Restaurant Köpnickerstr. 68.— Srendi'scher Stenographenverein.»po llobund Ab»» SZs Uhr Brunnenstrabe 129».— Arendt'scher Stenographenverein Abend« 8« u» im Restaurant.Zum eisernen Kreuz', Lindenitr. 71.— Deutscher Verein AWst* »» z»»»»» v»■ w•»%■•», dllOCXlliL.«X. � ICXA Icher Stenographen Abend« W Uhr in Randel'S Restaurant Brunnenftr. — Verein.Roe' Abend«(Bi Uhr im Restaurant El«e, Alerandrinenstr. �. UnterhaltungSverein.Harmonie' Abend« 8 Uhr Eisenbahnstr. 866. im RmS' rant von Siebe.— Vcranüauna«vcrein.Mollia' Abend« 9 Uhr im Restaun» rant von Siebe.— Vergnügungivcrein.Mollig' Abend« 9 Uhr im Restaun» Reinicke. GipSstrabe 8, seden Dienstag nach dem 1. und IS— Zitdent» .Ampbion' Abend« 9 Uhr im.Münchener Hos' Evandaueistr. Il-gt»__ Rauchklub.Zum Wrangel' Abend« 8 Uhr bei Herichleb, Adaldertsm«.__ Rauchklud„Porioriko", Abend« 9 Uhr, Manteuffelstrahe 119 bei Geewlln«. Rauchklub.Deutsche Klagae' Abend« 8 Uhr im Restaurant HSndler, Wr�n'> Krabe II.— Rauchklub.Kriedrichihain' Abend« 9 Uhr im Restaurant«oMA LandSbergerftr. IIS».— Rauchklud.Lustige Brüder' Abend« wk Uhe» Grolhe. Kürstenbergerftr. 2— Bergnügungiverein.KröhlickkeU, Weg 29. Grobe Gesellschastiftunde, verbunden mit BorttSgen. GosU» kommen. Entree frei.— Tambourverein.Sedan' Sihung Abend»« '"'' verein„Einigkeit macht stark-', gegründet w» lledungistundc Abend« 9 Uhr im Grüner Weg 9—10.— Tambourverein„Einigkeit macht stark", Dirigent zur Zeit b Kitmting llebuna«siunde Abend« 9 Uhr im ReMulo» Hahn, Elsaflerftr. S7. Theater. Dien st ap. den 27. November. Gp-nmhan«. Climen. AchnnspieldaAv. Die Qwtzow'S V,«tsche» Shsater. Nächstenliebe. Kefstng.Ubeatev. Der Zaungast. Kee-ttner Theater. Monijoye, der Mann von Eisen. Kiedrich- WUhelmstädtische« Theater. Der Polengraf. P»st»««»-Theater. Schwiegermama. WaUaer-Theater. Koko. Wiktaria-Theater. Stanley in«srika. Ästimd. Theater. Muttersegen oder: Die neue Fanchon." geäsuUUmt»• Theater. Der Zauberlehrling. KSsigpSdttfch«« Theater. Der Trompeter von Sä klingen. Jestret-Theater. Leute von heute. Kdatrh GraK-Uheater. Mo'te Meiber. Thalia-Theater. IS. WallnertheaterKraße IS. Heute, Dienstag! LcMu««»Vor»tGlIung und Abschieds-Benefiz für Herrn Wilhelm Frebel. Wiedereröffnung des Theaters den 25. Dezember mU dem phantasttsch-komi. schen Zaubermärchen �menins oder: vi«»ai'inoBbi'sut, unter dem Titel: As lfambra- Theater. Gntree 3V Pf. Anfang 7i Uhr. igß& Umericsan«Theater* Traden eiste. 55. Vä a li ch Voritelluna. Cit�cus Üanz. Karlstroiie. H»t», Dienstag, den ZK November 1889, Abends 7 Uhr: Bacchus«nd Gambrinus oder: Ter Steg des Champagners. Große komische Pantomime mit Tänzen und internationalen Charakterbildern, ariangirt und in Szene gesetzt vom Direktor E. Renz. 4fache Fakirschul?. Die 2 arab. Vollblutpferde Emir, Bim Baschi als Gastronompferde in Freiheit dress. u. vorgef. durch Herrn Franz Renz. Auftr. dw Schulreiierin F-l. Guerra. Die Konkurrenz- Parforce-Reitetinnen Frl. Natalie Schumann und Frl. Gierach, sowie Konkurrenz-Jockcy- Reiterinnen Geschw. MeerS. Auftr. der beiden aroßartigen Jockey Reiter Melvtlle und Orford. 2 Jongleure zu Pferde von den Herren Arti. zrllr und William. M. Metzgeh mit fernem höchst komischen dressirten Esel. Morgen Vorstellung. S. ReiWf Direktor. di»OU8 Buscha Urtedrich-stavi-Use». »rat«. Dienstag, de« ZK Novemver 1889: Abends 7i Uhv: 1044 Kroße Elitc-Mstellmg. Ein Liebesspiel zu Pferd, ausoefükrt von Frau Direkior Busch und Frl. Maria Dore. 22 Hengste zu gleicher Zeit vorgef. und drcsfirt vom Direktor. Eine so große Anzahl Pferde wurde zu gleicher Zeit noch in keinem andern Zirkus vorgesüh t. Gladiateur, schwedischer Prämienhengkt, geritten vom Direktor. Kiown W. O-schaiUtky als unübertrefflicher Partene. Springer. � �. Zum 16. Mal: Fsttm-, die Kofe vttt Tripoli, Orientalische Original- AuSstattungS-Pantomime. (Gesetzlich geschützt.).. Ferner Auftreten der besten Reiter und Rerserbn"«�._ Passaae 1 Zr. 9 TL— 10 Uhr A. Kaisep-Panopama. Ue«! 8. Reise d. d. mal. Kchweif. m. Cyclu«. Reise Athen— Tonstautinopel. VI. Abthniung: Pariser Weltanoftellnng. Eine Reise 2V Pf., Ktnd nur 10 Pst Abonn. 8 Reisen 1 M.___ ü. PpAusohep's anatomisohea MUSEUM i SSM Kommandantonstpaas« 80/81. Täglich geöffnet für ermachsene»erreu. 8> Dienstag und Freitag Dame««,! M Entree 50 Pf. BereinSkarten gillig. 589 Viel Glück wünscht unserm Freunde Schröter, Der stets bellt und beißt wie ein Köter. Er am heutigen Tage fehlt beim„Schieben", Um zu feiern im Kreise seiner Lieben. 11046 Die unverdrossenen Kezelbrüder. Unserm Kollegen Daniel tuckert zu seinem heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, biß der Zulegetisch in Klump fällt. F. K. F. G. Unserm Genossen Paul Schmidt zu seinem heutigen Geburtstage ein drelfaches donnerndes Hoch, daß das schmale Handtuch auf dem Kopf steht. 10481 Die Rothen vom Kreuzberg. Allen Freunden und Genossen die tramige Nachricht, daß mein inniggelicbter Mann, Vater und Schwager, der Etlendreher Karl Külz» Manteuffelstc. 120, am 25. d. M, früh 7i Uhr, nach langem schweren Leiden sanft entschlafen ist. Ort und Zeit der Beerdi- guna in nächster Nummer.(4050 Die trauernde Winwe nebst Sohn Mmiii deiW. Müllergkstlle» (Mitgliedschaft Kerlin). Donnerstag, den 28. November, Adens 8V Uhr, in Jemter's Kaal, Münzstr. ll, Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Zukunft der Erde nach den neuesten Forschungen der Astronomie. Rest Herr Böllche. 2. Diskussion. 3. Eine Ersatzwahl. 4. Ver« schiedenes und Fragetasten. Um pünktliches und zahlreiches'.Erscheinen wird ersucht.(1019 Der Bevollmächtiat'e: K. Altentir». Gr. öffentl. Tischler-Versammlung- Dienstag, de« 26. November, Abend» 81 Uhr, im Schmeher- Garten» am Königothor. TaaeS-Ordnuna:_. 1. Mir stellen stch die Tischler Kerlin» zur Einführung de» achtstnadw* Arbeitstage»? Referent: Theodor Glocke. 2. Dlskusston. 3. Verschiedenes. 1010 Der«in b ernster. Große ölfentliche Per sammlung der uud Fachgmosftn Berlins am Mittwoch, den 27. November, Abends 8 Uhr, in Feuerstein'» Kalo«, Alte Jatobstr- TageS-Ordnung: � 1. Bericht der Kommisston über die Vorarbeiten zum Kongreß. 2. Diskussion. der Delegirten. 4 Verschiedenes. Um zahsrelcheL Erscheinen ersucht _ 10401 Der Einberufer�« Kerliner WirkergesrUenverba«d. SW Versammlung"WE am Dienstag, den 26. Nommder, Abends 8| Uhr, in Kobert» Salon, Weinstr. U- TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Biuno Wtlle. 2 Diikussion. 3. Verschiedenes.„ii Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. ss Alle in der Wollbranche beschäftigten Arbeiter find freundlichst eingeladen. Der Einberufen�--- Medizinal- Unter stützungs verein der Tadakardeiter, deren Ghesteaue««. Tabakarbeiterinnrn z« Kerlin(E. H. 88.) Mittwoch, den 27. November, Abends 8) Uh bei Zemter, Münzstr. ll, Lanapal-Vapaaaimluag. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. med. Crüwell über „Das Natucheiloerfahr.n und seine gedräuch. lichsten Anwendungsformen." 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Wahl eines HitfSkasfirerS. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt. s947 Der Vorstand: Louis Dechand. Fachverein für Schloß r und Deenfsgenojsen Kerlms. VersammluvA am Dienstag, d. 26. November, Abends 8i Uhr, in Lehmann'« Salon, Schwedterstr. 23. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Bössche über: Dar- winismus. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahl der ArbeitSnachweiskommljfion. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. Entrichtung der Beiträge. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1047 Der Uorstaud. ,•ämmtlicliep Sopten- Größte Auswahl, billigste Preise bei(727 G. Elkhuysen, Mnnzstrasse 10. Als Merthpopier »iS 31 Dezember 188S ottfzubcwaßren!! MmckelsIaMUI Ecke Linirnstraße Tolal-Aiisyerkaiif!!! Wegen Räumung des Geichäftslokals werden mSmn,«>i«ibS Waaren bedeutend unter'« Preis verkauft, wie: Herren- u.Knaben-Paletots, Herren, u. Knaben- Anzüge. Damen-u.Mädcheu-Mäntel, Teppiche, Vorleger, Gar- diuen, Läufer. Kleiderstoffe, Bettzeuge, Wäsche u. s. w. u. s. w. 972s Hochachtend 8». 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Beilage zum Berliner Bolksblatt. >r. M7._ Vsvlsmenksberichke. D»«!sq-r Krtch»ta». 22. Sitzung vom 25. November, 1 llhr. Am Tische det Bundeiratht: v. Marschall, Lohi - später v. B ö t t i ch e r. , Auf der Tagesordnung steht die Berathuna der Ar- ?"tersch utz au träge des Zentrums. Es handelt sich »ade, um drei verschiedene Anträge. Der erste Antrag bezieht sich auf den Maximal« d e i t S t a g. Die Dauer der regelmäßigen Arbeitszeit eines pjts soll nicht mehr als e l f Stunden, an den Vorabenden °ir Sonn- und Festtage nicht mehr als zehn Stunden be- ! die Arbeitsstunden sollen zwischen 5t Uhr Morgens 2®. 8' Uhr Abends liegen mit einer Hauplpause Mittags von �bestens einer Stunde. Der Bundesrath soll befugt sein, 2 gesundheitsschädlichen Betrieben die Arbeitszeit herabzu- Ain, hei anderen(den Saisongischäften) sie zu verlängern; �er diese Regelung soll für alle Betriebe derselben Art gleich- W'g erfolgen. EinzelauSnahmen sollen nur zur Verhütung plötzlicher Gefahr, des Verderbens von Rohstoffen oder eines N'Xrhältnißmäßigen Schadens gestattet werden für zwei Wochen Wiens der Ortspolizei und für sechs Wochen seitens der höheren «»«altungsbehörde. . zweite Antrag bezieht sich auf die iSonntagS- �de; er verbietet jede Arbeit an Sonntagen und allen Reiflich ei, Betrieben, beschränkt sie für das Handelsgewerbe M fünf Stunden und überläßt die Gr stattung von allgemeinen Unahmen(für Saisonbetriebe oder Betriebe, welche der Be- L'°>gung täglicher Bedürfniffe der Bevölkerung dimen) dem Mdesraihe, von einzelnen Ausnahmen(bei Gefahr rc.) den T�Mizei- bezw. den höheren Verwaltungsbehörden wie beim .■'tfn Antrage.— Zu diesem Antrage liegt auch eine Resolu« »2»»r:.Den Reichskanzler zu ersuchen, bei den verbündeten «jerungen eine Revision der in ihren Gebieten geltenden jj'tonllich sehr verschiedenartigen) Vorschriften über die Sonn- �abeit in Anregung zu bringen." jt ,�er dritte Antrag bezieht sich auf die Frauen- und y�ttbeit. Danach sollen Kinder unter 12 Jahren in Fa- frysilicht beschäftigt werden; Kinder von 12 bis 14 Jahren Stunden täglich und zwar ohne Weiteres nur Kmder, das 13. Lebensjahr vollendet und ihrer landesgesetzlichen Slpsticht genügt haben, die anderen nur, wenn st« in der Ä«schule oder m einer besonders genehmigten Schule regel- 3v?gen Unten icht von mindestens 3 Stunden taglich erhalten. ,"le Vorschrift soll mit dem 1. April 1890 in Kraft treten; 2?, da ab sollm ferner Arbeiterinnen nicht mehr beschäftigt /'den in Bergwerken, Hütten- und Walzwerken, Schleifereien Werften; ferner soll die Nacht- unv Sonntagsarbeit weib- Arbeiter verboten sein, die Arbeitszeit verheiratheter Ar« gerinnen auf 10 Stunden beschränkt sein. Ausnahmen bei Glücksfällen und Naturereignissen kann auf vier Wochen die ?tztte Verwaltungsbehörde, auf längere Dauer der Reichs- gestatten. Der Bundesrath kann für Betriebe, welche i* Gesundheit und Sittlichkeit gefährden, die Beschäftigung �endlicher und weiblicher Arbeiter überhaupt verbieten. BowTn iweite und dritte Antrag werden zusammen behandelt. Send, sn�"och ein Antag des Abg. L o h r e n vor, nur fol- -.�.Bestimmungen anzunehmen: Arbeiterinnen dürfen in weder an Sonn- und Festtagen, noch zur Nachtzeit ®®n Uhr Abends und 51 Uhr Morgens beschäftigt N'l'n.. Am Sonnabend dürfen Kinder und Arbeiterinnen 9?� S" nach 51 Uhr in Fabriken nicht beschäftigt werden. *WrS 9" Dlste(Zentrum) begründet die beiden Zentrums- �. Üi. Dretelben enthielten präzffe Forderungen. Es genüge ZÄ' bch auf eine bloße Resolution— wie diese neulich zur $tlnr£ standen— zurück, uziehen. Man dürfe sich mit einer �zl«'~ um so weniger begnügen, nachdem sich der Reichs- �°lu � Regelung der"S o n n t a g s a r b e i t viel wichtiger, als die Dienstag den 36. November 1889. !S >de! Wni /«der in den Kommifnonen so energrsch gegen bloße l>j,'a.U"onen ausgesprochen habe. Ihm, dem Redner, erscheine �.oiegelung der SonntagSarbeit viel wichtiger, als die l�'>"Ung der Frauen- und Kinderarbeit. Für gesetzliche Ein- l>ch>» 9 der SonntagSarbeit sprächen zunächst religiöse Rück- «um Wenn der Abg. von Slumm neulich g«mnnt habe, � rönne die Industrie nicht unter polizeiliche Aufficht stellen, '«as in Oesterreich und was in der freien Schweiz 1 � sei, das werde doch bei uns auch möglich sein. Beiis beständen ja bei uns auch bereits Polizei- �"ten, durch welche die SonntagSarbeit eingeschränkt Im Vorjahre habe der Herr Kommissar am Bundes- Wi l- das Bedürfniß geleugnet, aber dieses sei doch Enquete, die inzwischen darüber angestellt sei, be- Wj?* Ferner habe seiner Zeit der Herr Reichs- bl bezweifelt, daß das Verbot der SonntagSarbeit bstz, treffe der Arbeiter liege und von denselben gewünscht inJ;. Aber auch dieser Zweifel sei durch die Ergebnisse der Kanzlich gehoben, indem festgestellt sei, daß die weit Mehrzah' der Arbeiter für daS Verdot sei. Aus» !» enJJl0.®" dem Verbot müßten ja zuläsfig sein, aber darüber n�x-'Melden, welche Ausnahmen auf Grund der technischen kzih IJ?'ss* einer Industrie nothwendig seien, sei der Bundes« Nitz besser im Stande, als die Ortspolizeibehörden. Des- . Antrag auch die Entscheidung darüber dem stochse übertragen. Was die Kinderarbeit anlange, so °«r A..? Einfluß oer Sozialdemokratie mit dem Anwachsen »o 2'0rl,eil der Jugendlichen. Man sehe dies m Sachsen, «foe hittnbet' und Frauenarbeit von Jahr zu Jahr zunehme, ""aueK i f'®a8 dagegen geschehe. Eine Einschränkung der toten-t""4 liege besonders im Interesse der Erhaltung eines tyetzeti, iV'ienlebenS. Zu demselben Zwecke aber sei, wie er «sein, ai uorheben müsse, auch nöthig, den Sonntaa wieder beider* Aechte einzusetzen. Er bitte deshalb um Annahme Abn��uirum eingebrachten Anträge. nna«f)en" Schräder(dfr.) will nicht Mthr auf Einzelheitm .�2 Jus etwa wünschenSwerthe Aenverungen der vor- 2 ex tz? Gesetzentwürfe würden seine Freunbe bei der zweiten {Vi»» k;„Sefung zurückkommen. Der Vorredner habe ge- tottizee Ä.«nnahme dieser Gesetzentwürfe sei der von frei- schien beantragten Resolution vorzuziehen. Aber dann Astz.'« Herren Antragsteller auch dalür sorgen, daß thre >dtii �klich in zweiter und dritter Lesung durchberathen tzch. wi» i �'®usl komme man diesmal wieder nur gerade so ?ib tz�'M vorigen Jahre. Die Antragsteller möchten des- ' hinwirken, daß die dritte Lesung deS Etats nicht UJPfhp»Vi* Ki» tn K»rT SWnfrftrtP ftftfiCnßttttttCtt -2 bizk.?sUbe ein Beschluß zu Stande gekommen sein wurde. tzJlfl'n tz,! 9' Verhalten des Bundesrates gegenüber dielen S?* der»Aibeiterschutzes gebe nicht viel Hoffnungen. Be- Ä!«ntzS...e8roch bei diesem seinem Verhalten, so werde ets*l" Wirft?"dna bleiben, als daß der Reichstag nach eng- Gliche arnt,nt Kommission niedersetze, die befugt sei, sich das Material zu verschossen, Zeugen zu vernehmen-c. 6. Jahrg. en bei der damals so hätte denn er Zu bedauern sei eS, daß bei uns das KoalitionSrecht der Arbeiter so sehr geschmälert weide theilS durch das Verhalten der Arbeilgeber, lheils durch die Handhabung des Sozialister. gesetzeS und des Vereinsgesetzes. Unter diesen Umständen müsse das, was durch die freie Vereinbarung zwischen Arbeiter und Arbeitgeber nicht erreicht werden könne, auf andere Weise gesetzgeberisch angestrebt werden. Und dazu geben die Arbeiter- schutz-Anträge Gelegenheit. Es bedürfe jedoch in dieser Be- »iehung möglichst einheitlicher Beschlüsse. Der Reichstag ver- stehe ledenfalls von dieser Sache mehr, als die Regierungen, und wenn der Reichstag die Verantwortung für diese Arbeiter schutzgesetzgebung tragen wolle,— zähle doch der Reichstag viele Arbeitgeber unter seinen Mitgliedern—, so sehe er nicht ein, weshalb die Regierung dem nicht beistimmen wolle. Auf die Regierungen andererseits falle die Veranb wortung, wenn sie diele Anregung des Reichstags ablehnen. Er bitte daher die Regierungen, endlich den vorliegenden Anträgen ihre Zustimmung zu geben oder in nächster Session eine andere, gleichrnhaltliche Vorlage einzubringen. Abg. Duvigueau(nat.-!ib.) nimmt für sich und seine Freunde in Anspruch, als arbeiterfreundlich angesehen werden zu dürfen. Er für seine Person wisse sich jedenfalls von den von dem Vorredner den Arbeilgebern nachgesagten arbeiterfeindlichen Bestrebungen frei. Er und seine Freunde hätten ja schon neulich der freisinnigen Resolution beigestimmt und würden auch heute den vorliegenden Anträgen zustimmen. Die Groß. industrie könne— wie die Enquete ergeben habe— sehr wohl der Sonntagsruhe zustimmen. Viele seiner Freunde, die im praktischen Leben ständen, hätten freilich dagegen Bedenken, die Frauen als besondere Arbeiterkategorie behandelt zu wissen. Aber trotz aller Bedenken, im Einzelnen erkenne seine Partei das dringende Bedürfniß einer Regelung der Sache an, und sie würden deshalb, falls es zur zweiten und dritten Lesung kommen sollte, dm Anträgm auch in diesen zustimmen, Abg. Frhr.». Stumm erinnert an seinen früheren be- Antrag(Slumm-Helldoiff) im Jahre 1878 Berathung der Gewerbeordnungs-Novelle. Hätten die Fortschrittler und Nationallweralm zugestimmt, der Bundesrath den Antrag annehmen müssm, würde die Novelle hieran nicht haben scheitern lassen können. Bezüglich der vorliegmden Frage glaubten viele, Sachverständige zu sein, obwohl das nicht der Fall war. Wenn er besspielsweife in den Nothstandsdistriklm der Eifel Spinnereien einrichtm könnte, welche den Frauen und Kindern Beschäftigung gewähren, so glaube er damit mehr zum Wohle der Menschheit zu lerstm. als wmn er bei sich die Frauen- und Kinderarbeit abschaffe. Es sei irrig, die Großindustrie so darzustellm, als ob sie bloß dm Arbeiter auszusaugen strebe. Wmn behauptet werde, daß der deutsche Schulmeister die Schlacht von Sadowa gewonnen habe, so wolle er dem hin- zufügen, daß dieser Sieg nicht möglich gewesen wäre ohne eine kräftige Jadustrie, welche den Arbeiter selbst erst habe erstark n lassm und auch dem Bauem zu Gute gekommm sei. Man werfe der Sozialdemokratie die Bekämpfung von Thron, Altar und Besitz vor. Ebmso schlimm sei es, daß dieselbe die Harmonie zwischm Arbeitgeber und Ar- beiter störe, ohne welche gedeihlichen Zustände nicht möglich seien. Die Hauptsache bleibe, rm einzelnen zu prüfen, was dem Ar- beiter nützlich und schädlich ist. Die Sozialdemokratie, welche nur von der Erregung des Unfriedens lebe, habe die Alters- Versorgung, das JnvaliditälSgesetz u. f. w. abgelehnt; daß sie dm gegmwärtigm Anträgm zustimme, müsse bedmklich machen. Was die SonntagSarbeit anlangt, so habe die Enquete bewiesen, daß der Antrag Stumm-Helldorff Recht gehabt habe. Er werde daher bei der zweiten Beralhuna jmm Antrag wieder ein- bringen. Dem Bundesrath die Regelung der Ausnahmen zu überlassen und dadurch die ganze Verantwortung zuzuschiebm, fei verkehrt. Der Ausdehnung der Gesetzgebung auf die Feier- lagt, mit der Abg. Hitze will, kann er nicht zustimmen; auch die Gesetzgebung anderer Länder spreche immer nur von der SonntagSarbeit. Bezüglich der Frauenarbeit wünsche Redner eine neue Enquete. In Bezug auf die Kinderarbeit steht er dm Anträgm sympathisch gegenüber. Ein Verbot der Fraum- arbeit, so fährt Redner fort, will ich nur da, wo nachweisbar die Gesundheit, Sittlichkeit und die körperlichen Kräfte der Frau gefährtet sind. Die Rücksicht auf die Familie allein kann mich nicht veranlassen, die Polizei in die Familie hineinreden zu lassen. Die Frau ist ein gleichberechtigtes Wesen, dem man die Möglichkeit, ihre Exiflmz selbst zu beschaffen, nicht nehmm darf. Die Geschichte der Zivilisation zeigt, daß überall die Selbst- ständigkeit der Frau zunimmt, und es liegt keine Herabminde« rung Ccr weiblichen Würde darin, daß eine Frau auch erwerbend thätig ist, wohl aber darin, daß sie allein als dem Interesse der zukünftigen Gmeratton dienmd betrachtet wird. Es giebt eben auch weibliche Wesen, die bis an ihr LebenSmde unver- heirathet bleiben. Das Interesse der Gmeration forderte hier eher ein Verbot des Zölibats oder eine Bestimmung, wonach jedes Mädchen über 25 Jahre von Staatswegm verheirathet wird.(Heiterkeit.) Gewisse Geschäfte in der Landwirthschaft sind auch für die Gesundheit und Sittlichkeit der Frau weit gefährlicher als das Arbeiten in gesunden, geschlossmm Fabrikräumen unter strenger Ausficht. Durch die Sachlmgängerei kommm die Frauen in Distrikte, wo fi« ohne jede Ausficht und Kontrole, mtfernt von ihren Anverwandten, den größtm Gefahren ausgesetzt find. Sehr ost wünschte ich in der Lage zu sein, einm für Frauenarbett geeigneten Fabrikbetrieb zu befitzm— die Eisminduftrie ist es nicht—, wenn ick sehe, wie in einer zahlreickm Familie die Frau und eine Reihe von erwachsmm Töchtern lediglich Konsummtm find. Die verheirathetm Fraum bildm eine ver- schwindmde Mmorität unter dm Fabrikarbeiterinnen, sie find fast überall ihrem natürlichm Berufe hingegebm. Oft aber würde es grausam sein, ihr zu verbietm, zu dem kärglichen Verdienst ibreS Mannes etwas zuzuerwerben. Einige Jndustrim, z. B. der Textilrndrrflrie, werden auch keineswegs auf die Arbeit weiblicher Personen verzichten, wmn Sie einen zehn- stündigen Arbeitstag vorschreibm, nur die verbeirathete Frau wird dann hier ganz verschwindm. Ein Umsichgreifen des Konkubinats ist aber wahrscheinlich bei einer Bestimmung, wo- nach verbeirathete Fraum nicht langer als zehn Stunden arbeiten dürfen. So verschiedenartig ist femer der weibliche Or« ganitmus nickt von dem männtichm, daß jede Nachtarbeit ihm unbedingt schädlich ist; die Krankmpflegerinnm find an Nacht- wachen sehr gewöhnt und auch sie übm ihren Bentf oft deS Geldes wegm aus. Die Statistik beweist, daß in dm Fabri- kationszweigen mit Fraumarbeit die Zahl der unehelichm Kinder weit geringer ist, als in vielen landwirtschaftlichen Distrikten. Der Lodn der Männer würde durch das V rbot der Fraumarbeit höchstens um 10—15 pCt. steigm und das wäre kein Ersatz für den Verdimst der Frau. Wohl aber könntm die Erlasse des Bundesraths, die gewisse BetriebSartm dm Fraum verbietm, noch erweitert werdrn; so müßte nammtlich auch die Fraumarbeit in der weftfälrsckm Eisminduftrie verboten,� in der Textilindustrie und der Schrffswerftindustrie eingeschränkt werden. Ich will die Existenz keiner Familie gefährden und deshalb ist mir der Antrag Baumbach- Schräder, dem ich bei der dritten Lesung des Etats gern zustimmen werde, die ein- zige praktilche Lösung der Frage. Ich will dm Arbeiter vor leder Ausbmtuna durch den Arbeitgeber oder sonst Jemand schützm, aber auch vor jedem Nachtherl, den rhm ein, wenn auch von großen Ideen getragenes, doch unfruchtbares und falsches Humaniläisideal bereiten kann. Abg. Meister(Soz.): Die Arbeiter können aus diefm Verhandlungen sehm, wie groß das Interesse für die Arbeiterschutzgesetzqebung ist, wenn es sich um die Wahken handelt. Nach den Aeußenrngm des Herrn v. Stumm scheint Alles überttiebm zu sein, was sonst über die Verhältnisse seiner Arbeiter in die Welt hinaukpolaunt wird. Ich freue mich, von der Selbstständigkeit seiner Arbeiter zu hören. Wie kann es nur so böse Menschen geben, die daran nicht glaubmwollm! Alles, was sonst über die U-berwackung seiner Arbeiter gesagt wird, ist ja Verleumdung. Herr Stumm giebt zu bedmkm, daß wir Sozialdemokratm für diese Forderungen find. Bei Ihren sozialreformatorischen Plänen fragen Sie doch nicht erst, wie die Sozialdemokratie darüber dmkt. Es giebt uns zu dmken, daß Sie über den Grundpfeiler alles religiösen Han- delnS und Dmkens, über die H-iligung des SonntaaS noch stundenlang berathm müssm. Was sollen da die Arbeiter denken, wmn Ihre Presse über Rohheit und Irreligiosität der Arbeiter klagt? Der Tanz um s goldene Kalb läßt Sre nicht den nötbigm Druck auf den Bundesralh ausüben. Der Herr Staatsiekretär meinte im vorigen Jahre, die Arbeiter selbst wollten diese Beschränkungen nicht. Es giebt aber auch eine Freiheit, die gesetzlich be- schränkt werdm muß, besonders die, sich ausbeuten zu lassm und Andere auszubeuten. Deshalb sind wir für die Sonntags- ruhe, im Uebrigen lassen wir dm Arbeiter seinen religiösm Gelllhlm Rechnung tragm, wie er will. Die ablehnmde Haltung der Regierung nach dm Ergebnissen der Enquete ist bedauerlich. Dem Antrage über die Frauen- und Kinder- arbeit stimmen wir nicht zu, denn der gute Kem des Antrags ist mit soviel Eomtualitäten, Wenns und AberS verknüpft, daß die Ausnahme zur Regel wird. Wir können aber dem Bundes- rath nichts Halbes unterbreitm. Die Polizei darf für die Ausnahmen nicht maßgebend sein, wir babm mit ihr trübe Erfahr» nam gemacht und vertrauen dm Verwaltungsbehördm mehr. Bezüglich der Kinderarbeit erlauben uns die Fort- schritte der Industrie und Technik und die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands gegenüber anderm Staatm weiter zu gehen als der Antrag. Daß dabei die Dividenden der Akiimgesell- schaftm etwas niedriger werdm, schadet der Mmschheit nichts. Die Arbeit der Kinder muß unter allen Umständm bis zum 14. Jahre verboten sein, auch mit Rücksicht auf die Schulpflicht, die in dm Staatm, wo sie noch nicht bis zum 14. Jahr dauert, bis dahin ausgedehnt werdm muß. Für jugendliche Abeiter von 14—18 Jahrm darf die Arbeitszeit unbekümmert um die industriellen Verhältnisse, die ja bei uns so aute sein sollen, nur ö Stunden dauern. Ein heivorragendes Blatt der Nationalliberalm, der»Hannoversche Kourier", berichtet, daß im Regierungsbezirk Stade auf den Ziegeleien Kinder unter I4.Jahren als sogenannte jugendliche Aibeiter täglich 18 Stun- den arbeitm(Bewegung), und dabei ist diese Arbeit unoesund und anstrmgmd. Den Fadrikinspektorm können die Arbeitgeber leickt ein Schnippchen schlagen, besonders wenn, wie ge- schehen ist, eine Orts�olizerb-Hörde die Fabrikinspektion in ihrem Kreise vorher ankündigt. Da kann das Haus rechtzeitig rein gehalten werdm. Noch mehr als in den Fabriken zeigen sich die Schäden der Kinderarbeit in der Hausindustrie. Bei der Cigarrenfobrikation find selbst Kinder von 3-4 Jahrm beschäftigt. Die Inspektion muß unbedingt auch auf die Haus- industrie ausgedehnt werdm. Die staatlichen Organe müßtm dabei ober mit viel mehr Autorität ausgestattet werdm. als sie jetzt habm. Die Industrie des großen, mäch. tijjen Deutschen R.icheS kann darunter ebenso wenig leidm, wre die in O-sterreich und der Schweiz, wo Kinder unter vier- zehn Jahren absolut nicht arbeiten dürfen. Das gemüihlicke Sachsen glänzt in dieser Beziehung in der traurigsten Wc»e vor allen anderm. Die Beschwerden der Fabrikmspiktorm ve.- hallen, wmn der Reichstag sie nicht unterstützt. Erbält von diesem nicht der Bundesrath dm nöthigen Druck, so sitzen die Fabrikinspektoren in einer Zwickmühle. Um nicht vielleicht vom Bundesrath abgerüffelt zu werden, werdm sie keine Besckwerdm und Besserungsvorschläge mehr machen, sondem ibre Berichte so einrichten, daß sie nach obm hin keinen Unwillen erregen. Bei der Wahl der Fadrikinspektorm müssen auch die Wünsche der Arbeitnehmer berücksichtigt werden, da jene als Vertrauens- Personen zwischm Arbeitgebern und Arbeitern veimitteln sollm. Die Frauenarbett darf nicht zu sehr beschränkt werdm. Was sollten denn die unverheiratheten Mädchm machm? Der Fehler ist, baß die FraumarbJt von dm Arbeitgebem bedeutend billiger gekauft wird. Sie werfen uns vor, daß wir daran arbeiten, die Ehe aufzulösen. Blickm Sie doch hin auf die Industrie, wo des Morgens der Mann mit seiner Frau und seinm Kmdem auszieht zur Arbeit, um erst spät AbmdS wieder heim zu kehren. Wmn der Mann nicht mehr der Erzieher seiner Kinder sein kann, so wird er unmutbig über seine ganze Lage. Wollen Sie dem Arbeiter wirklich Ge- legenheit gebm, ein Eheleben, ein Familimlebm sührm zu könnm, so stellen Sie dm Arbeiter so, daß seine Frau nicht mehr nöthig hat, sich in das Joch der Fabrik zu spannm, dmn nur die bittere Roth treibt die Frau in die Fabrik. Der vier- wöchige Schutz der Frau nach der Entbindung reicht nicht aus. Würden Sie damit für Ihre Frauen zufrieden fein? Auch die Aerzte verlanam mindestens eine sechswöchige Schon- leit. Die Nachtarbeit der Fraum und Mädchm müßte ver- boten werden. Nicht allein aus sittlichm Gründen, sondern auch, weil die Konstitution des Weibes schwächer ist, als die des Mannet. Alles Dies ist in dem Entwurf nicht gmug fixirt, und des- halb könnm wir, abgesehen von der Sonntagsruhe, nicht für dmselbm stimmen. Erlahmen Sie deshalb in Jhrm Bestrebungen nicht. Unsere ablehnende Haltung mag Ihnen ein Spom sein, auf dem betretenen Wege das Ganze zu erreichen. Wollen Sie die Arbeiterschutzges.tzgebung»die Arbeiter den Klauen der Sozialdemokratie entreißen", nur zu, um so besser wird sich die Sozialdemokratie entfalten. Mit dem krankm Arbeiter könnm Sie alles machm, der ist froh, wenn er nur ein Stück Brot hat. der gesunde, wohlgenährte Arbeiter aber wird für sich die politischen Rechte in Anspruch nehmm, die ihm zukommm. ,. Abg. Stocke»: Wmn die verbündetm Regierungm der Arbetterschvtzgesetzgebung ern größeres Wohlwollen entgegen- brachten, konnten wrr uns auch mit erner Resolution begnügen. Aber dieser Weg ist so gut wie verschränkt. Dmn als wrr 1881 eine Resolution faßten, wurde uns vom RegienmgStffche V'fogt, es ist leicht Resolutionen zu sassm und die Regierung orderten zu lassen, wmn Sie was könnm, so bringm Sie Ge- setze. DaS ist geschehen und auf diesm Standpunkt stelle ich mich auch heute. Di« ablehnmde Haltung der Regierung er- scheint mir geradezu als verhängnisvoll, und wenn in unseren Tagen in der Arbeitenvelt eine gewisse Rückströmung, die ich nicht für eine dauernde halte, zur Sozialdemokiatie stattzu» finden scheint, so schreibe ich das nach meinen Erfahrungen auf diese Haltung in der Ardeiterschutzgesetzgedung. Ich kenne in der Arbeiterwelt die Kreise, die königstteu sind, nicht sozial- revolutionair, sondern sozialreformerisch, patriotische Männer von Kopf bis Fuß. Ich kann Sie versichern, es ist in dielen Kreisen eine einstimmige Meinung, daß sie diese Haltung nicht verstehen. Ich erinnere auch, mit wie warmem Herzen die Botschaft des in Gott ruhenden Kaisers Wilhelm in den Ar- beiterkreisen aufgenommen wurde. Heute ist eine gewisse Er- kaltung eingetreten, lediglich wegen dieser ablehnenden Haltung der Regierung, welche uns, die staatserhattenden, sozialreformato- rischen Parteien, in die größten Swwierigkeiten versetzt.(Sehr richtig! rechts.) Die Sicherung der Arbeiterexistenz, die Sorge für denverunglückten,invalidenund alten Arbeiter steht gewiß in erster Reihe, parallel aber muß damit der Arbeiterschutz gehen. Dieser ist auch viel billiger, und würde viel mehr wirken, als alles Uebrige. Die soziale Zerrüttung unserer Gesellschaft, aus der die Sozialdemokratie, nicht der Sozialismus, hervorgegangen ist, beruht in der Zerrüttung der von Gott und der Natur ge« gebencm Fundamente der Persönlichkeit, der Familie, des ge- meinschaltlichen, genossenschaftlichen Lebens und Staat und Kirche. Herr v. Stumm hat vorhin ein Loblied auf die In- dustrie gesungen. Wer wollte sich nicht mit ihm freuen, daß die Industrie bei un« blüht und unter dem Schutze der Zölle, die ich mit als einer der Ersten populär verfochten habe, fortschreitet? Auch der Arbeiterwelt geht es besser als vor 20 und noch mehr, als vor 50 Jahren. Aber die Verheißungen, die bei der Entwickelung des Maschinen- wesens zur Besserung der äußeren und inneren Lage der Ar- beiter in Wort und Schrift gegeben wurden, find nicht einae- treten. Die sittliche, religiöse Pflege der Arbeiterwelt, die sich besonders in dem Maß von Arbeiterschutz ausspricht, hat mit der reißenden Entwicklung der Industrie keinesfalls gleichen Schritt gehalten.(Sehr wahr!) Man bat von vornherein die Frage ganz falsch so gestellt, wie viel Kinder- und Frauen- arbert braucht die Industrie um zu prosperiren, und ist nur mit Mühe und Roth dem äußersten Bedürfniß der sittlich religiösen LebenSbedinaungen nachgegangen. Die Arbeitgeber hätten so fragen müssen: Wie muß die Industrie organisirt werden, um baS Familienleben, die Persönlichkeit richtig zu entwickeln?(Sehr wahr!) Der Mensch ist nicht für die Industrie, sondern die Industrie für den Menschen da.(Sehr gut!)„WrS hülfe es mir, daß ich die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an meiner Seele?� (Ab! links.) Seit 1878 ist die soziale Gefahr noch größer und darum unsere Stellung um so prinzipieller ge- worden. Bei Herrn v. Stumm herrscht mehr eine gewisse opportunistische Auffassung des Wirlhschaftslebens vor. Wenn aber die Prinzipien des Umsturzes� des Atheismus, der Revo« lution so kraß hervortreten, so thut man am Besten, sich prin- zipiell auf dem Boden der gegebenen Natur- und GotteS- ordnung zu stellen(Beifall im Zentrum und rechts), und nur so viel davon abzutreten, als unbedingt nothwendig ist. Es ist ein verhängnißooller Jrrthum, daß man sagt, die Industrie ist da, nun wollen wir einmal sehen, was sich von dielen vorhan« denen Uebelständen abdrücken läßt. Ich sage, der Sonntag ist zuerst da, da« Familienleben ist zueist da, und nun müssen wir diesen Gottesordnungen das abringen, was für sie unbedingt nothwendig ist.(Sehr gut!) Gerade weil sich dieser Standpunkt umgekehrt hat, sind wir in diese großen Schwierig- ketten gekommen. Es war mir geradezu erschütternd, wie der Staatssekretär des Innern bei der Vertheidigung der Re- gierung sagte, die Familien find nicht mehr erzuhungsfähig, die Eltern sind geldgierig, die Kinder fühlen sich unter den Händen der Fabritherren besser erzogen, als zu Hause. Das beweist, in welchem furchtbaren Zustande wir sind, daß das Haus seine Kraft, die Kinderpflege, zum Theil verloren hat. So ein bischen Bessern thut'S nicht mehr. Von oben her, von dem gebildeten, besitzenden, denkenden Volk müssen die Uebel- stände bereitwilligst abgestellt werden(sehr richtig!), und da weiß ick nicht, was man im Grunde gegen die Forderungen des Entwurfs mit Grund einwendet. Das Material der Enquete bietet einen guten Anholt. In Bezug auf die Sonn- tagsarbeit kann es nicht so fortgehen. Die Erfahrungen in England bestätigen, daß man in sechs Tagen mehr arbeitet als in sieben mit dem Sonntage, haben wir doch etwas Much in dieser Frage. In der technisch- schwierigen Frage der Alters- und Jnvalidengesetz- gebung haben wir ja Glauben genug zeigen müssen, die Fest- tage möchte ich mit einschließen. Nach evangelischen Grund- fätzen ist die Verkündigung der Heilswahrheiten das Wichtigste, geschieht dies mit besonderer Kraft. Die verschiedenen Arbeiter- schutzgesetze gehören alle zusammen und bilden gleichsam ein einziges Tableau; und insofern ist der Schutz der Frauen ebenso nothwendig wie die Sonntagsruhe. Vor Nachtarbeit muß die Frau durchaus geschützt sein: das gebietet die schwächere Konstitution und tiefere sittliche Gründe. ES ist eine unabweis- liche Forderung des Familienlebens, daß die verheirathete Frau, die eine Wirtschaft zu führen, Kinder zu erziehen hat, dem Hause gehöre; alle Surrogate, Kleinkinderschulen, HauS- haltungSlchulen und dergleichen können das sittliche Familienleben nicht ersetzen.(Beifall rechts.) Auf dem gesunden Familienleben baut sich das gesunde GFellschafiS- leben, das vaterländische Leben auf.(Beifall rechts.) Nie habe ich, wenn ich vor Arbeitern gesprochen, mehr Verständniß gefunden, als wenn ich diese Frage erörterte, daß ihr HauS, wenn auch nur eine Hütte, der glücklichste Ort auf Eden sein würde, wenn die Frau mit ihrer Liebe es verschönte. Was die Kinderarbeit betrifft, so wird gerade durch da« schutzlose Vmegeben der Kinder unter 14 Jahren der ungefesligte Charakter gebildet, der dann zu den Umsturzparteien getrieben wird. Von den 100 Arbeiterinnen, die vom 14. Lebensjahre bis zur Verheirathung in der Fabrik beschäftigt gewesen, ist kaum eine dann im Stande, eine Wirthschaft zu führen. Warum sollte nicht ein gewisser ErziehungSzwang auch in Bezug auf die Wirthschastsführung ausgeübt werden? Etwa dadurch, daß man verlangt, daß da« Mädchen, bevor sie in die Fabrik eintritt, eine Zeit lang gedient hat? Daß Schulkinder aus der Fabrik ausgeschlossen werden, darüber scheint ja allgemeine Uebereinst'mmung zu herrschen. Ich bin überzeugt, die In- dustrie wird sich damit abfinden. Solche Schutzzesetze machen es natürlich nicht allem. Die Ardeitgeber, wenn sie uberall das Rechte thun, können mehr als der Staat; aber der Staat hat dos Interesse, den Arbntgeb-rn, welche nicht so wohl- wollend find, gewisse Schranken zu setzen, damrt sie das thun, was im Interesse des öffentlichen Wohle« liegt.(Beifall recht«.) Weiter wollen auch wir mcht gehen. D,e Forderurg der Sozialdemokratie, die heutige Produktionsweise müsse ge- ändert werden, wollen wir nicht in ihrer Werse, sondern auf unsere Art durchführen, indem wir da« Uebcrmaß der Produktion einschränken..Wenn wir nicht gleich dazu kommen, die Umsturzbestiebungen zu unterdrücken, so werden wir jedenfalls da« Gefühl haben, uns re Schuldigkeit gethan zu haben. Ich werde für die Anträge stimmen.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Wintere»: Die Anträge gehen dem einen Therl zu weit, dem andern nicht weit genug; es dürfte also der richtige Mittelweg gefunden sein. Geiunde Verhältnisse giebt eS in den Arbeiterkreifen nicht ohne Sonntagsruhe. Die so- zialistischen Kongresse haben dir Sonntagsruhe auf ihr Pro- gramm geschrieben, ich weise außerdem auf den speziellen Kongreß für Sonntagsruhe hin, dem gegenüber Gladstone die Beobachtung der Sonntagsruhe als die wichtigste Volksfrage bezeichnet. Die gestehenden gesetzlichen Bestimmungen reichen nicht aus, um das Recht des Arbeiter« auf Sonntagsruhe zu gewähren. In Preußen sind allein über SOOOOv Arderter des Sonntags beschäftigt, von Elsaß-Lothringen kann ich ent- schieden behaupten, daß dort die Gesetze, die aus den Jahren 1870 und 1371 herrühren, wo also die In- dustrie noch lange nicht so entwickelt war, nicht aus- reichen. Der Arbeiter darf nicht als Produk- tionswerkzeug betrachtet werden. Die kleine Schwnz hat die Sonntagsarbert längst verboten und ist dadurch nicht konkurrenzunfährg geworden. Da« Ausbleiben einer weiter gehenden gesetzlichen Regelung wäre eine Prämie zu Gunsten der weniger humanen Arbeilgeber auf Kosten der humaneren. Auf das Koalitionsrecht möchte ich die Arbeiter nicht verweisen. Es wäre das Peinlichste, wenn die Arbeiter ihr Recht auf Sonntagsruhe durch Arbeitseinstellungen erkämpfen müßtm. Die Diskussion wird geschlossen. Ab?.». Stumm(persönlich): Ich habe da« Lesen ge- wisser Blätter meinen Arbeitern allerdings verboten, aber nur, um ihnen ihre persönliche Selbstständigkeit zu wahren. Abg. Lieber: Es handelt sich hier nicht mehr um Zentrumsanträae, sondern um solche, die in den letzten Jahren eine immer wachsende Majorität des ganzen Reichstags gefunden haben. Nur der Bundesrath hat sich bis zuletzt ganz ablehnend verhalten. Heute gesellt sich diesem noch der Abg. v. Stumm zu, der nach einem Zwischenraum von 11 Jahren vor Kurzem in den Reichstag gekommen ist, ich möchte sagen, als ein Ge- spenst vom Jahre 1878. Bei semer Rede schien eS mir oft, als wenn ich den Reichskanzler selber hörte, und ich weiß nicht zu entscheiden, wer hier der Souffleur, wersder Akteur ist; viel- leicht wird auch darüber später noch Licht verbreitet. Alle Die- jenigen, die hier seit Jahren über diesm Gegenstand gesprochen haben, behandelt Herr v. Stumm einfach al» nicht sachverständig, er allein proklamirt sich als solcher. Auch der zukünftige Reichstag wird sich aber nicht auf seinen Standpunkt stellen. Keinem der Vcrtheidiger unserer Anträge ist es eingefallen, die Industrie als einen Giftbaum zu bezeichnen, und Herr von Stumm macht sich durch da« Unter- schieben dieser Aeußerung einer ganz unqualifizirbaren Ueberlreibung schuldig, die ich entschieden zurückweise. Nur gegen einzelne Auswüchse der Industrie wenden wir uns. Rücksichten auf den Bundesrath haben uns in der Formulirung unserer Anträge nie gelettet, drnn selbst in der Weißglühhitze des Kulturkampfes haben wir stets rein sachlich diskulrrt. Ich will auch heute meine Stimme gegen den Bundesrathstilch richten, obgleich Niemand an ihm fitzt. (Heiterkeit.) Die soziale Harmonie wird durch unsere Anträge, die zu weit gehende Wünsche in die Arbeiterkreise tragen sollen, nicht gestört, sie wird hergestellt dadurch, daß der Arbeiter das Bewußtsein gewinnt, daß auch das Recht und die Freiheit des Kleinsten in der wirthschaftlichen Orga- nisalion durch Reichsgesetzgebung geschützt wird. Wenn Herr von Stumm meint, wir beschäftigten un« nur mit un- fruchtbaren, wenn auch schönen, doch falschen Idealen einer HumanitätSvolitik, während er praktische Politik treibe, der Reichstag schwelge in philanthropischen Idealen und der BundeSrath solle daS Karnickel sein, so frage ich ihn: hat er ganz vergessen, daß er 1878 mitgewirkt hat, den BundeSrath bezuglich de« Schutzes der jugendlichen Arbeiter Karnickel- funklionm zuzuweisen? Wenn ich 1873 von einer Herab- Würdigung der Frau durch die Beschäftigung in der Groß- industrie gesprochen habe, so habe ich dabei lediglich die Frau als Familienmutter im Auge gehabt. Unser Antrag bezieht sich doch nicht allein auf die Frauen, sondern auch auf dieun- verheiratheten Arbeiterinnen. Es steht auch nicht in unserem Antrage, daß wir die Frauen ganz au« der Gioßindustrie ausschließen wollen, aber da stellt man sich auf die Tribüne des Reichstags, thut so, als ob wir das beabsichtigten, und kann nun auf diesen Popanz losschlagen. Die Konkubinate sollen wir mit der Beschränkung der Frauen« arbeit auf 10 Stunden fördern! Selbst wenn eme solche ver- einzelt stehende Bestimmung diese fatale Wirkung haben könnte, so steht sie doch eben nicht vereinzelt, sondern im Zusammen- hang mit dem gesammten Arbeitecschutz. Dadurch wird viel- mehr die Frau in ihr natürliches und göttliches Recht wieder eingesetzt. Die Auflösung aller Familienverhältnisse, wie sie durch die Frauenarbeit herbeigeführt wird, ist recht eigentlich eine Förderung der Konkubinate. Mit dem Ausschluß der Frauenarbeit steuern wir keineswegs m den sozialdemokratischen Staat hinein, wenn wir diesen Ausschluß in der Hoffnung auf die Erhöhung des Lohne« für die Männerarbeit anstreben. Der Preis der männlichen Arbeitskraft geht von selbst in die Höhe, auch innerhalb der heuiigen Wnthichas tSordnung, wenn die Frauenarbeit in der Fabrik beichränkt wirb. Natürlich sehen das sehr viele Herren in der Großindustrie nicht gern. Zum Schluß ein einziges Wort über die Haltung der verbündeten Regie- rungen. Wenn man gegenüberstellt den Hochdruck, mit dem sie die VeisicheruugSzejctz? im Reichstage zur Annahme brachten und die vollständige Theilnahmlosigkeit gegenüber unseren Anträgen, wenn man sieht, wie in den letzten Jahren der BundeSrath sich dagegen ganz ablehnend verhalten hat und heute ganz abwesend sich verhält, so ist daS ein traurige« Zeichen der Zeit, welches es genügen wird, einfach festzunageln. Die Verantwortung für diese Haltung wird nicht beim Reichstage, sie wird bei den verbündeten Regierungen liegen. Mögen sie in elfter Stunde sich dessen bewußt werden. Das ist eine Warnung und keine Drohung. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Als Milantragsteller für den Antrag Lohren erhält das Schlußwort Abg. Henning(Reichs partei): Wir haben uns auf den Antrag Lohren deschränkt, weil wir glauben, daß mit Initiativanträgen überhaupt nicht zum Ziele zu kommen ist; dennoch wird die weitere Lesung der Anträge nicht vergebens fein. Mir persönlich gehm die Anträge therls nicht weit genug, theils sind sie mir zu einseitig. Die Großindustrie beschäftigt nur den vierten Theil sämmtlicher A better, der beabsichtigte Schutz müßte auch nnndestenS aus die Hausindustrie und das Kleingewerbe ausgedehnt werden. Nicht weit genug gehen mir die Anträge bezuglich der Kinderarbeit. Ich wünsche sie schon vom Standpunkt der Schule aus gänzlich verboten, denn mit einem Erfolg auf dem Gebiet der Schulbildung ist die Fabrikarbeit in keinem Falle vereinbar; der Antrag setzt vielmehr eine Prämie auf eine möglichst kurze Schulzeit. Unsere Industrie kann die 21 000 Kinder, die sie gegenwärtig beschäftigt, gewiß entbehren. Abg. v. St«««(persönlich): Herr Dr. Lieber hat mich als ein Gespenst aus dtm Jahre 1873 bezeichnet und sich gleichzeitig auf unsere damalige gemeinsame Arbeit berufen. Ich zitire aus dem stenographischen Bericht von 1878, daß Herr Dr. Lieber die damalige Vertretung meines Standpunktes als loyal und chevaleresk gekennzeichnet hat, heute, wo ich genau denselben Standpunkt wie 1878 vertrete, bin ich ein Scheusal.(Große Heilerkett.) Abg. Lirb»»: In der Sache mag Herr von Stumm Recht haben, in der Art der Verfechtung seines StandpunkleS ist er heute nicht mehr derselbe wie 1878. Die zweite Lesung der Anträge wird ohne Kommission«- berathung im Plenum stattfinden. Schluß 51 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. (Etat des Auswärtigen Amts in Verbindung mit dem zweiten Nachtragsetat 188S/90, betr. die Forderungen für die Wissmann-Expedition.) Ooftalc:.. Dt» Kostalstommijsto« veröffentlicht nachstehend die List« der Wirthe, die chre Lokale zu Versammlungen hergeben und bemerkt hierzu, daß dieselbe wöchentlich einmal mtt event. Abänderungen abgedruckt wird, ferner, daß Veröffentlich unaen in Bezug auf die Lokalftage nur von den Herren Wilben» Werner, Sebastianstr. 72, Arno Winter, Köpenickerstr. 12ö, Olto Heindorf, Lanqestr. 70, auszugehen haben. Alle eventuellen Unregelmäßigketten find an die genannten Herren zu berichten- Adler-Brauerei, Gesundbrunnen. Aktienbrauerei Moabit. Bergschloßbrauerei, Rixdorf. Bcy?r, Neue Grünstr. 14. Bock-Ärauerei, Tempelhofer Berg. Böhmisches Brauhaus. Bönhoff, Müllerstr. 142. Bötzow'S Brauerei. Bolzmann, AndreaSstr. 26. Bobert, Weinstr. 11. Brauerei Tivoli, Kreuzberg. Brauerei Königstadt. Brauerei FriedrichSbain(LipS). Brauerei Friedrichshöhe(Patzenhofer). Brauerei Pfefferberg. Buggenhagen(Moritzplatz). „Bärgersäle", DreSdenerftraße. Deigmüller'S Salon, Alte Jakobstr. 48a. Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. EiSkeller-Etablissement, Ehousseestr. Feuersteins Salon, Alte Jakobstr. 75. Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77,711. Gnadt, Brunnen ftr. 38. Gotlfchalk(früher Huth), Badstraße, Gesundbrunnen- Gründer'S Salon, Schwerinftr. 13. Habel'S Brauerei, Bergmannstr. 5—7. Heise, Lichtenbergerstr. 21. Heydrich'S Säle, Beuthstr. 18/21. Jndustrie-Hallen, Mariannenstr. 31/32. Jordan'S Salon, Neue Grünstr. 28. Königshof, Bülowstraße. Klein s Festsäle, Oranienstr. 180. Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117. Krüger, Hochstr. 32a. Kiüger's Salon, Wasserthorstr. 63. Mündt, Köpnickerstr. 100. Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 53. Orschel, Sebastianstr. 39. Pohl, Müllerstr. 7. Renz' Salon, Naunynstr. 27. Rennefahrt's Salon, Dennewitzstr. 13. Reyer, Alte Jakobftraße 83. Roll, Adalbcrtstr. 21. Saeger, Grüner Weg 29. Sahm's Klubhaus, Annenstr. 16. Sanssouci, Kottbuserstr. 4(20 M.). Scheffer'S Salon, Jnfelstr. 10. Schloßbrauerei Schöneberg. Schneider, Belforterstr. 15. Schröder, Müllerstr. 178(Weddingpark). Schweizergarten, Am Königsthor. Silber's Salon, Schwedterstr. 24. Süd-Ost, Waldemarstr. 75. Neustädtischer Volksgarten, ProSkauerstraße. UnionSbrauerci Hasenhaide. Vereinsbrauerei(R xdorf). Viktoriabrauerei, Lützowstraße. Weimann's Volksgarten Gesundbrunnen. Wendt, DreSdenerstr. 116. Wollschläger, Blumenstr. 78. Wohlhaupt, Manteuffelstr. 9. Zemter, Münzftr. 11. � Der vrfolg der Arvetterfchaft in dem Kampf»*•*: Versammlungslokale ist e.n vollständiger. Die Lokalbflj: wollen jetzt fogar— niemals so intolerant gewesen sein,-ä Arbeitern ihre Säle zu verweigern. Es soll ein Kampf Windmühlen gewesen sein, die Lokolkommisfion soll Tbüren eingerannt haben, oder höchstens hat es sich? „Mißverständnisse" gehandelt. Man kann darüber lächeln� man mag unserethatden die„Norddeutsche"— wir tn*?' nicht die„Nordd. Allg. Ztg."— ein bischcn flunkern lar� Ewer Entgegnung bedarf es aber, wenn der Brauereibeiv' und freisinnige R ichstagsabgeordnete Gold schmidt? einem Schreiben, welches vom„Verl. Tgbl." veröffentlicht w?? unter Berufung auf seine„liberale Gesinnung und stellung" es unternimmt, den Verdacht von sich zu woss? daß er irgend einer Partei einen Saal zu Versemml»� verweigern würde. Herr Goldschmidt ist keineswegs so l'b?? und tolerant, wie er glauben machen will. Derselbe weigerte den Saal des Handwerkerverein« den Arbeit lange Zeit mit der Begründung, daß der Saal zu palil''�, Versammlungen überhaupt nicht hergegeben wird. Trotz�, fanden Versammlungen anderer Parteien recht oft dort die Berichterstatter würben dann gebeten, in ihren Beii«?, statt„Saal dcS Handwerkervereins"„Lokal Sophien str- zu sagen, Prügelei»« i« Verlammlunge» scheinen jetzt bald» Tagesordnung zu gehören. Am 19. d.M. fand in der„»� halle" eine Versammlung des„Evangelischen Bundes" in welcher einige als Katholiken erkannte Personen arg handelt wurden. Gegen den Vorfitzenden der Versammw�r Prediger Lizentiat Weser, ist ein Sirafantrag wegen> gung gestellt worden, weil er einen Kaiholiken einen rannte. Haupiredner in der Versammlung war der P!� Thümmel aus Remscheid, welcher seme bekannte Hetzrede die Kathol.ken hielt. Unsere Leser wird der Inhal: detttt � nicht interesfiren, obgleich sie bezeichnend ist, wie noch Thotsache, daß sich in der Hauptstadt des Deutschen R« im Jahre 1889 in der„Tonhalle" Protestanten und Kathod�, um ihres Glaubensbeftnittnisses willen hieben. Dtt JV sammlung setzte sich nur aus Personen der„gebildeten sla° p zusammen; übrigens war die„Tonhalle" überfüllt, auch i reiche Damen waren anwesend. In der zweiten Versammlung, in welcher es zu Tblu, leiten kam, überfielen gleichfalls die Veranstalter, diesmal ding« weniger„illustre" Personen, die in der Minderzad � findlichen Gäste. Die Versammlung war am DonnerM „Süd-Ost" und Redner war Dr. Böckel. In der«wT, „Debatte" wurden die Gegner de« Redners»g�schmtf� die Bäckelinge blieben„Sieger". Böckel selbst wähtte, �-i�e» seine Anhänger in der Mehrheit waren, der Tapferkeit ocir� Theil; wie ein antisemttische« Blatt mit aufrichtigem erzählt, verließ er mit einem Trupp Antisemiten erst den nachdem die Gegner außer Grsicht« weite waren.«reit� Wiederum ereignete sich eine Prügelei am letzten vg,# in der De legirtenvei sammlung de« JnnungS-Aut schusjeS.' Bericht.) Die Herren hatten der Einschränkung der Koai�, freiheit, dem Aushungern der„Streikvrüder", 0««st Vertreibung und anderen schönen Dingen das Wort fltrC dann aber Schuhmachermeifter Wordchalk Opposition � und sogar von einer Streberei nach Verwaltung: pon�Lst � Innung zu sprechen wagte, tönte da« Kommando: raus",„Spuckt ihn an", und man fiel über ihn b«r.,. 0' Man ist eben immer so verlegen um Gründe für o � längeiung des Sozialistengesetzes. Wie hübsch wäre ma � aus dieser Verlegenheit, wenn nur die geschilderten f in Versammlungen de« Evangelischen Bunde«»v Innungen in Arde.tervecsammlungen vorfallen wollien- zr- ©i« Nnt»r«»hm»n. zwar nicht großartig durch% � Stadt zu flpeffenden Nutzen, aber desto großartig« dm � von den Gründern desselben erhofften Gewinn, wird von mi Konsortium unter Führung der Darmstädter Bank, r>(iii lmer Handelsgesellschaft und �der Deutschen Bank gep>m-' d" Irff M' wi zwei Häusermakler da? VorkaufSrett auf den Gebäude- Mmd an der Schloßfreiheit für ca. 5 000 000 M. erworben «»den. Das Konsortium unterbreitet dem Maziftrat den P ari, fcQfc die Stadt Berlin auf diesem Terrain nach Nieder» Wjlg der dort befindlichen alten Gebäude, Gartenanlagen �chli und unterhalte. Zur Deckung aller Kosten wird erne «»«anleihe im Betrage von 40 000 000 M. mit großem Gewinn «! Aussicht genommen. Kaum läßt es sich annehmen, daß das Konsortium mit einem, ungeheuerlichen Plan« an den Magiftrat heran getreten wäre «enn«z nicht die Vermuthung hätte, daß beide städtische Ver- «utungsbehörden darauf eingehen würden. Es ist so ver- wwnd, dem Schlosse gegenüber prächtige gärtnerische Schmuck- �"iten zu schaffen, die weiter mcht« kosten werden, als ctwa wr paar hunderttausend Mark zur ersten Einrichtung und dann � lahrlichen Unterhaltungskosten einige 10000 Mark. An den Moralischen Schaden, der durch die beabsichtigte Lotterie, »«cher man den unschuldig klingenden Namen»Look- onteihe* geben will, angerichtet wird, denkt man nicht. Geld- ovdrenm ist die Losung unserer Zeit, auf das Wie dcs Ver- «eaens kommt cS nicht an. . Es sind sonderbare Gegensätze, in welchem sich heut zu Tage � Leben bewegt. Glücksspiele sind verboten, wer sie bei sich ?uldtt oder an rhnen Theil nimmt, verfällt harter Strafe; in «r Schule wird gelehrt, daß das Spielen um Geldgewinn ""«Sünde sei, der Magistrat giebt aber Waisenknaben her, um bei der Ziehung der Staatslotterie zu helfen, der Staat >nber aber scheut sich nicht, aus seiner Lotterie bedeutenden -ewmn zu ziehen und zu Lotterien für die verschiedensten tlwecke die Genehmigung zu ertheilen. Wenn Magistrat und Stadtverordneten den Plan des Wannten Konsortiums gutheißen sollten, so wird man kaum einen Vorwurf darüber machen können, wenn unter beiden Körperschaften Aküonäre des W'krnehmenS fein sollten, denn die Städteordnung �oorzugt durch die Klasseneintheilung und die Bestim- daß ein großer Theil der Stadtverordnetm Haus- Mar sein müssen, die wohlhabenden Klassen, die durch dos mindestens indirekt darauf hingewiesen werden, ihren "mcil wahrzunehmen. v Vielleicht wird der glückliche Ausfall der jüngsten Wahlen, � nne Anzahl Sozialdemokraten den schon in der Stadt- Wordnung sitzenden Genossen hinzufügt, dazu beitragen, daß Vertretern des arbeitenden Volkes, von welchen man an- jfumen darf, daß sie Gegner des Projekts sein werden, mehr Achtung �schenkt werden wird als bisher. Gegen die Stndiverordnetenttmhl der Wäher Hl. Abgang im 11. Kommunal� Wahlbezirk, welche am 19. d. Mts. sis«er Gemeinde. Doppelschule am Marheinecke- Platz vor sich A, ist einer Lokalkorrcsoondenz zufolge, bei der zuständigen Mrde Widerspruch eingelegt worden. Das Wahlkomitee soll �8 Uhr Abends den Wahlakt fortaefetzt haben. p Unter sehr»erdächtigen Umständen wurde, wie das meldet, vorgestern oer in der Lotiumstraße wohnhafte . Mer und Kommissionär Ernst Zühlsdorf in seiner Woh- »."l! als Leiche vorgefunden. Das Z.'iche Ehepaar lebte in Unfrieden, der etwa Svjährige Ehemann war magen- ?Wd und theilweise erwerbsunfähig, was schließlich zur e"lgen Zerrüttung de« Familienlebens führte. In der Nacht « Sonntag wollen Hausbewohner Lärm und Huferufe, au« ZühISdorf'ichen Wohnung dringend, vernommen haben. Sonntag Vormittag fand man dann die Wohnung ver- �»ffen; da nickt geöffnet wurde, erstattete der HauSwirth ""zeige bei der R'vierpolizei, welche die Koiridorthür durch ?nen Schlosser öffnen ließ. Den Eintretenden bot sich ein A«cklicher Anblick dar: Zühlsdorf lag entseelt auf einem Blut getränkten Bett, vor welchem sich eine große Blut- fjW befand. Die nähere Untersuchung ergab, daß der Tod -?!">!!« Verblutung eingetreten sein mußte; denn am rechten der Leiche, in der Nähe des EllenbozengelenkeS, fand äiAu.ne. klaffende Wunde, welche die Hauptadern vollständig morh{"'llen hatte. Ursprünglich nahm man einen Selbst- Un,a" v vorliegend an, dagegen aber sprachen verschiedene febo i' so der, daß ein scharfes Instrument, mit welchem Kol,,' Wunde beigebracht haben könnte, in der Wohnung Di? Mfältiger Nachforschung nicht aufgefunden werden konnte an« Ehefrau, sowie zwei erwachsene Töchtcr des Z. hatten die twlit-rS® am frühen Morgen verlassen und gaben bei ihrer »nl" Vernehmung an, von dem Vorfalle nichts zu Die Recherchen ver Kriminalpolizei find noch im vollm W .an8c; die Leiche de« Z. wurde gestern Abend nach der "wue geschafft' g. graste Ferrrrabrunst wüthete, wie da«„B. Z." iiaAs''n der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag im be» '.-harten Charlottenburg und legte daselbst zwei große ein- »J«'8e, etwa 100 Meter lange Gebäude der Papier- und , uppenfabrik der Gebrüder Damke völlig in Asche. Die Char- .'«."burger Feuerwehr war dem Wüthen de« Elementes ge- jff"Uber völlig ohnmächtig und so mußte die Berliner Feuer- der"«8virirt werden, welche in der dritten Morgenstunde auf � am Char ottenburger Ufer Nr. 18 gelegenen Brandstätte °«nr Centralzug, mit mehreren anbeten Zügen und einer ->! Wffpntz« anlangte und sofort mächtig in den Kampf lawi£i« Flammen mit eingriff. Zwei mit Dochvappen, SesLn. �lroh und anderem leicht brennbaren Material d ß-�«däude standen bereits in vollem Feuer, g: r»» sich die Thätigkeit der Löschmannschaften in erster darauf richten mußte, dem Weitergreisen des Brandes ft'"alt zu thun und namentlich die bedrohte Charlottenburger �-'sstalt WW-'........' & zu fckützen. Nach harter, und ftl?«" von den Chärlottenburger «v arten und Spritzen unterstützten Feueiwehr gelang es, oes -."7-s° weil Herr zu werden, daß jede weitere Gefahr aus- vie-stündiger Arbeit Schöneberger Mann- des Beschs"»'" wen_______________ zu-,?, pftb'en. Um 5 Uhr früh könnte daher der Zentral. die o„>!"'s Linden straße wieder nach Berlin zurückkehren, �rtzn' n? lvlgten um 8 Uhr Morgens und überließen der •«"«�ere Ablöschen der noch immer glimmenden �»sni-»*'««,"« Arbeit, welche nahezu den ganzen Sonntag in ««»iti.t.""W. Ueber die Entstehung de« Brandes hat nicht« gti werden können. L.««en i 5. a«st?«ge»d< Kzene alarmirte gestern Nachmittag y. br die Passagiere eine« Stadtbahnzuges. In der Dhii,;.w Bahnhofes Friedrich straße öffnet« sich plötzlich die KoupeeS 3. Klaffe eines von Westend kommenden Dir,..® u"v 8leich darauf schwang sich ein junger gutgekleideter JJttili""5 demselben, um mit einem entsetzlichen Ausschrei be- Zu» l«9«n zu bleiben. Wenige Sekunden später lief der heran-a n Bahnhof Friedrichstraße ein. Wie sich nunmehr w sick«, ist der junge Mann ein LSjähriger Kaufmann, vruihx anscheinend trunkenem Zustande befand, im Ueber- seinem Koupee hinauSgesprungen, ehe es noch «Ntl� Mitinsassen verhindern konnte. Sofort die Strecke «"Uth � 8eschickte Bahnbeamte fanden den durch seinen Ueber- jkiset, iittrun9'ücften in bewußtlosem Zustande neben den Ge. Nu! it»>7"'----_ ifr n\ vor; derselbe hatte im Gesicht so erhebliche Ver- yunc im vi/ 1 1 1 vv» i v v-------- ?r Q�t � unttelst Droschke nach der Charitee hnf.mußte. Außer eines langwicrizen Kranken- fc,?�at>*,*. ubermüthige Springer auch noch ein Straf- "�Ugk- 8roben Unfugs und Gefährdung einc« Eisen- (*. Gin««warten. st.«aße frecher Raubanfall auf offener »na. verübe letzten Sonntag Abend in der Danziger- tzMl»worden.— Als ein in der Städtischen Gas- " sslräc,.» t?«Ärerfswalder. und Donzigerstraße beschäftigter ~ke durch den noch unbebauten um sich nach feiner in der l Aeil b 9%. i« der 6. Abendstunde »1|i.!cketfl>nL.??ligerstraße schritt, u... ,»>»»»...— ««tzÜd,.V Nr. 40 gelegenen Wohnung zu begeben, wurde er 'S er sich jn der Nähe der Weißenburgerftraße be- fand, von mehreren Pusonen hmt.-rrückS angegriffen und ehe sich der Ueberfallene nach seinen Gegnern umzu- wmdeu vnmochte, erhielt derselbe einen wuchtigen Schlag auf den Hinterkopf mittelst eine« stumpfen Jnftru- menteS, wahrscheinlich eine«»TodschlägerS", so daß der Stein- träger sofort zusammenbrach. Als sich der Ueberfallene nach einiger Zeit wieder erholte, bemerkte er, daß man ihm seine« Ueber- ziehers, seiner Stieseln und Suüwpfe, eines Portemonna'eZ mit 72 M. Inhalt und einer silbernen Zylmderuhr nebst Kette geraubt hatte. Mühsam raffte sich der stark Blutende auf, um Hilfe aufzusuchen, kam jedoch nur bis zu dem Hausflur Weißen- burgerstraße 45, wo er bewußtlos liegen blieb.— Bald darauf fanden den Schwerverletzten Hausbewohner in einer Blutlache liegend und schafften ihn nach dem Poltzeibureau in der Zehde- nickerstiaße, wo ihm ärztliche Hilfe zu Theil wurde und dann die Uebersührung des Üeberfallenen nack einem Krankenhause angeordnet wurde. Nach den frechen Räubern wird seitens unserer Kriminalpolizei eifrigst recherchirt. NerschWuudene« Kind. Die in Rummelsburg, Lesfing. straße 9, wohnhaste Wittwe Baldin ist durch das plötzliche Verschwinden ihres 13 Jahre alten Sohnes August B. in große Betrübniß versetzt worden. Der Knabe, welcher ohne Wtssen der Mutter oft hinter die Schule gegangen ist, verließ am 12. d. M. Morgens um 7i Uhr die elterliche Wohnung und ist seither noch nicht wieder zurückgekehrt. Die über das Schicksal ihres Kindes außerordentlich besorgte Mutter bittet dringend um Nachricht. Behufs RekognoSztrung des Flüchtlings folgt da« Signalement desselben.— Der Knabe ist von kräftigem Körperwuchs, hat blondes Haar und ist bekleidet mit einem dunkten Joquet, giaugestrickier wollener Weste, schwarzen Hosen und Stiefeln und hat jedenfalls Kopf- bedeckung bei sich; beim Gehen trägt B. seine Blickt zur Erde gesenkt. PoUseibericht. Als am 23. d. Mt«., Vormittags, der Kistenmacher Mühle die Wilhelmstraße pasfirte, brach er auf dem Bürgersteige vor dem Hause Nr. 101 plötzlich bewußtlos zusammen. Er wurde von einem in der Nähe auf Posten stehenden Schutzmann nach seiner Wohnung gebracht, wo er bald darauf inso'gi Schlaganfalls verstarb.— An demselben Tage fiel ein Arbeiter>n der Trunkenheit vor dem Hause An der Schleuse Nr. 6 zur Erde und erlitt dadurch anschei- nend schwere Verletzungen am Kopfe, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit fiel der Klempner Jana auf dem Grundstück Arndistraße 54 infolge Bruchs eines schadhaften Belagbrette« von einem etwa drei Meter hohen Bockgerüst herab, und erlitt dadurch außer Quetschungen an den Armen eine schwere Verletzung am Kopse. Er wurde mittelst Droschke nach der Charitee gebracht.— In der Nacht zum 24. d. MtS. wurde ein Arbeiter an der Ecke der Grenz- und Wiesen ltraße von einem einspännigen Fuhrwerk überfahren und am Ober- sckenkel so schwer verletzt, daß er mittelst Krankenwagens nach der Charitee gebracht werden mußte.— Am 24. d. M. ver- giftete sich ein Mann in seiner Wohnung in der Gilschiner- straße anscheinend mittelst einer Lösung von Schwein furter Grün.— Nachmittag« wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Lotiumstraße tobt aufgefunden. Derselbe hatte sich ver- muthlich in Folge ehelicher Zerwü-fnisse die Pulsader am rechten Arm geöffnet.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Beusselstraße erhängt vorgefunden. — Abends sprang ein Arbeiter auf der Strecke zwischen dem Lehrter Bahnhof und Bahnhof Friedrichstraße m Nähe des Lessing-TheaterS aus einem in der Fahrt befindlichen Stadt- bahnzuge und zog sich dadurch bedeutende Verletzungen am Kopse zu, so daß er nach der Charitee gebracht werven mußte. — Am 23. d. M. und in der darauf folgenden Nacht wurde die Feuerwehr zur Lö'chung kleinerer Brände nach drei ver- schiedenen Stellen gerufen. Gsrichks-Ioikittrg. In den Kreisen der Pferdeständler erregte ein Prozeß, der gestern vor der 93. Abtherlung des Schöffengerichts stattfand, besonderes Interesse. Der Pferdehändler Penzina sollte sich eines Betruges schuldig gemacht haben. Der Fabrikant Nix hat im Juli von dem Angeklagten ein Pferd für 1600 Mark gekauft. Wenige Tage nach dem Besitzwechsel fing es an so stark zu lahmen, daß es gebrauchsunfähig wurde. Das Uebel war nicht zu heben und Mx mußte das Pferd für 150 Mark weiter veräußern. Er hielt sich für betrogen und er- stattete Anzeige. Durch die Beweisaufnahme wurde festge- stellt, daß Ntx das Pferd vor dem Ankaufe eingehend de« sichtigt hatte. Bei dieser Gelegenheit hatte der Angeklagte ihn darauf aufmerksam geniacht, daß das Pferd an einer Sehnen- Verdickung leide und deshalb Bandagen trüge. Es werde dadurch in seiner Leistungsfähigkeit aber nicht beeinträchtigt und eine Sehnenverdickung gelte unter Kennern nur als ein Schönheitsfehler. Der Kaufer machte vor Abschluß des GeschästeS ferner einen Proberilt und erklärte sich mit dem Ergebniß zufrieden. Nach der Anktage soll die Behauptung des Beschuldigten, daß eine Sehnenverdickung nur ein Schönheitsfehler sei, eine falsche Vorspiegelung fein und waren mehrere Sachverständig« geladen, welche sich über diesen Punkt zu äußern Kotten. Kommerzienrath Elkan begutachtete, daß er selbst das Pferd habe kaufen wollen und für dasselbe 1300 Mark geboten habe. Er schätze dessen reellen Werth aus 1000 Mark, für einen Liebhaber se, der Werth aber höher zu bemessen. Die Sehnenverdickung pfleae allerdings unter Kennern als Schönheitsfehler zu gelten. Dieser letzteren An- ficht schloß sich der zweite Sachverständige, ein bei der könig- liehen Thierarzneischul« angestellter Thierarzt an. Eine Sehnen Verdickung sei ein Schönheitsfehler, der aber leicht zu einem Gebrauchsfehler ausarte, sobald das Pferd besonderen An- strenaungen unterworfen werde und die« scheine im vorliegen- den Falle geschehen zu sein. Der Staatsanwalt beantragte unter diesen Umständen selbst die Freisprechung des Angeklagten, da demselben weder eine betrügerrsche Absicht noch eine falsche Vorspiegelung nachgewiesen ser und der Gerichtshof erkannte nach diesem Antrage. ** AderMr KyIWevoA (S ch l u ß b e r i ch t des 5. Verhandlungstages.) Verth.: Es kam der Name Weber vor; welchen Vor- namen Kägt er?,,„ n �„ K.: Das weiß ich nicht; Gustav und Smrl sollen zugegen gewesen sein. Vertheidiger: Berde waren an dem Tage in Magde- bürg. K.: E« kann möglich fein, daß meinem Gewährsmann ein Jrrthum unterlaufen ist. K ö s s e r: Ich kann nachweisen, daß ich an der Versamm- lung nicht Theil genommen. Grimpe: Wo ist die Depesche über die Versammlung? K.: Ich habe sie vernichtet. Grimpe: Aus den Mittheilungen des Zeugen geht her- vor, daß er vorher von der Versammlung wußte. Warum hat er sie nicht aufgelöst? K.: Es wurde mir nur gesagt, daß die Kongreßwahl stattfinde. Die Veisammlung hätte ich beobachtet, nicht aus- gelöst, wenn ich nicht abgehalten worden wäre. Verth.: Hat der Zeuge eine Versammlung beobachtet und warum nicht? K.: Ich muß mir da« überlegen. Ich glaube, einmal Nachts zu einer Versammlung gerufen zu sein. Verth.: Der Zeuge hat nur zwei Sozialdemokraten die Stehr'sche Wirthschafl verlassen sehen und daraus grfchlrssen, daß eine Versammlung stattgefunden. K.: Es fanden noch weitere Versammlungen statt, wegen der „Fr. Pn* und andere Besprechungen, wie Ueberwachung der Etugblattverbreitung, Wahl des Wahlkomitee«, Verlheilung von ammellisten, Abrechnung des Wahlfonds. Vertheidiger: Bei Harm ist also das Wahlkomitee gewählt worden. K.: Ja. Auf Befragen Bebel's erklärt K., daß das Wahlkomitee in der Versammlung bei Harm gewählt worden und der Polizei angezeigt woroen sei, daß sich ein Wahlkomitee kousti- tuirt habe. K ö s s e r: Harm hat mich gefragt, ob ich dem Wahlkomitee angehören wolle; gewählt war ich nicht. K.: Emil Müller war Korrespondent. Er hatte die„ge- Heime Tmte". In Verbindung stand er mit der Fraktion und dem„Soz." Mütler: Woher weiß der Zeuge von der geheimen Tinte?. K.: Von meinem Gewährsmann. Die Haussuchung bei Wind war erfolglos. Dessen Frau th eilte mir nach einigen Tagen von der Tinte mit und bezeichnete dm Ort, wo sie stand. Darauf habe ich die Tinte aus dem bezeichnetm Platz gefunden, im Wohnzimmer, auf einem Brett rechts neben dem Bett. Die Frau kam aus eigenem Antriebe zu mir; ich habe nicht mit ihr gesprochen. Wind: Ich war angeklagt, meine Frau mißhandelt zu haben. Hat Kamphoff die Tinte aus der Tasche ge. zogm? K.: Ja, ich hatte sie vorher bei Wind gefundm. Emil Müller war Hauvtführer der Partei seit 188l. Müller: Ick bin erst 1881 hierhergekommen. Wind: Die Tinte wurde nicht bei mir gefundm. K.: Die Frau theilte mir mit, ich möchte die Puppmkövfe reoidirm; darin fand ich ein Schriftstück, das für Zürich be- stimmt war. Verth.: Wir haben die Angeklagten ersucht, unnäthige Fragm zu lassm. K.: Au? früheren Jahren sind mir noch einige Versamm. lungm genannt, die weder ich noch mein Gewährsmann jetzt noch kmnm. Mohrhenn war mit den Vorbereitungen der Wahl zum Wydmer Kongreß betraut. Hier entschied man sich für die revolutionäre Richtung Most. Hugo Hillwann war zum Kongreß. Bebel: Ich konstatire, daß Hillmann nicht beim Wydrner Kongreß war. Die Untersuchung gegen Moses Oppmheimer wegcn der Theilnahme am Kongreß wurde eingestellt. K.: Die Mittheilungen wurden mir erst jetzt gemacht. Die Versammlungen waren von Morbenn und Anderm(Zeuae nennt eine Reihe Namen) besucht. Hülle war zum Kongreß. Die Berichte über den Kongreß wurden im Walde oder bei Hülle erstattet. Spätere Versammlungen fandm statt zur Schlichtung von Streitigkeitm, die auf dem Kongreß unerledigt blieben. Wind: Ich denke, daß Kammhvff im Einverständniß mit meiner Frau die Dinte beschafft und in meine Wohnung ge- stellt haben. Wenn Kammhoff etwas annimmt, kann ich auch etwas annehmen. Kammhoff: Die Dinte wird nicht nur von den Sozialdemokraten, sondern auch von der anarchistischen Partei benutzt. Bebel: Der Zeuge hat gesagt, das Komitee sei in Bs» bindung mit der Fraktion. Wie ist das? K.: Die Mütheilung geschieht mündlich durch Harm, der auch Schriftstücke mitnahm. Bebel: Ich erkläre es als erfunden, daß die Fraktion mit einer etwa hier bestehenden Verbindung verkehrt. K.: Es besteht in der Fraktion auch wieder ein Komitee von drei oder vier Personen, an dessen Spitze Bebel steht. Bebel: Der Zeuge ist sehr schlecht unterrichtet über Sachen, die olle Welt weiß. Der FraktionSoorftand besteht au« fünf Personen. Seit Jahren habe ich einen einzigen Brief von Müller bekommen, der sich darüber beschwerte, daß Harm mit Gilles ein Blatt gründete. Gelder für den Unter- ftützungssonds kamen aus dem Wuppeithal nur wenig. Hasen- clever hat sogar seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß daS Wupperthal dos letzte Mal seine Wahlkostcn deckte. K.: Nach meinen Mittheilungen ist Bebet berechtigt, Br- träge bis zu25M. auszugeben.(Bebel: Das hat der Zeuge in der Ziitung gelesen.) Es ist mir von drei Seiten mitge- theilt, von denen ich zwei für zuverlässig halte, daß sämmtliche Schriften, die an den„Sozialdemokrat� gehen, erst von einem Theil der Fraktion geprüft, eventuell zurückgewiesen werden. Bebel: Die ganze Geschichte ist eine Eifindung der Gewährsmänner Kammhoff's. Wer bildete die Parteileitung? K.: Die Fraktion. Bebel: Gestern wurde konstatirt, daß die Einladung zum Kongreß öffentlich gelchab. Einer geheimm Mittheilung bedurfte es nicht. Die Gewährsmänner müssen Leute fem, die in der Partei sich bewegen. Wer sind sie? Haben sie Geld bekommen? Hat Kammhoff sie verleitet? K.: Ich verweigere die Auskunft. Es waren früher So- zialdemokraten, jetzt nicht mehr. Ich verweigere die Aussage darüber, ob die Leute Geld erhielten. Sie haben sich freiwillig angeboten. Bebel: Au» dm ReichStagSoerhandlungm ergab sich, da« hat auch Puttkamer zugestanden, daß im Poltzeidiewt Nichtgentlemen, zu Deutsch Lumpen stehen. Ich beantraae, daß die Gewährsmänner in nickt öffentlicher Sitzung verhö l werden. Kennt der Zeuge dm Weber, der in der Anklage oft vorkommt oderhweiß er dessen Wohnung? K.: Nein. Es ist ein Sozialdemokrat Weber mir nicht bekannt. Bebel: Dieser Weber ist nicht angeklagt, obwohl er nach der Anklag« an vielen Versammlungen Theil genommen. Darüber wundere ich mich. Staatsanwalt: Von den polizeilichm Mitthei- lungm wurde nur das benutzt und glaubwürdig gehalten, was durch andere Beweise unterstützt wird. Bebel: Ich beantraae die Vernehmung Julius Weber in Barmen-RitterShausm, Rosenstr. 60, als Zeuge. Da« Gericht beschließt die Ladung. Die Vertbeidigung beantragt, den Zeugen Kammhoff noch nicht zu mtlassm, sondern der Vertheioigung dessen weitere Vernehmung an anderen Tagen zu gestatten. Dieser Antrag wird vom Gerichtshof angmommm und Kammhoff bedmtet, sich jederzeit zur Vernehmung bereit zu halten. Die Sitzung wird nach 2 Uhr gefchlossm und auf Montag, 9 Uhr Vormittags, vertagt. Schluß des 5. Verhandlungstages. (Berichtigung.) Im Bericht der gestrigen Rümmer ist ein Druckfehler enthalten. Ueber Verlesung der Briefe beißt e<:„Ein Brief an Kaltenbach von Harm mthält einm Passu« von„verbotener Waare", e« soll aber heißen:„de- ftellter Waare." '5o;iole Meberpteht. .. Kchtnug l Schraub«»- und Faroudreher l Der Streik bei der Firma Neuhaus u. Ko. in Luckenwalde dauert unve- ändert fort. Nähere Berichte folgen noch. Zuzug ist fernzu. haltm. Achtung! pergolder Kerliu»! In der Goldleistm- fabrik von Ed. Methlow u. Co., Köpmickerstraßi 109 a, ist em Streik wegen einer Maßregelung und des dort bestehenden Markensystems ausgebrochen. Alle Kollegen haben die Arbeit niedergelegt. E« wird gebeten, den Zumg f-rn*u halten. A« alt» Frauen««> Mädchen Deutschland! H a m- bürg. Von allen Seiten hört man, daß die Frauen und Mäd- chen immer größereFortschritte in der Organisation machen und sich immer neue Vereine bilden, und doch wie traurig steht eS in den Städten aus, wo noch keine Vereine existiren. Trohdem stund- lich über alle möglichen Uebelstände in jeder Branche geklagt wird, hat die große Mehrzahl bis jetzt immer noch nicht dre richtigen Mittel und Wege gefunden, um diese Uebelstände zu beseitrgen. Dies kann nur durch eine Vereinigung sämmtlicher Arbeiterinnen geschehen, dieser Punkt ist bis jetzt roch von den meisten urbeochtet geblieben. Nur eine große straffe Organi» sation ist im Stande, eine Besserung unserer Lage herbeizu- führen, denn die Jsolirung der Arbeiterin wacht fie der Herrschaft des Arbeitgebers unterthänig, indem fie alleinstehend mit jedim willkürlich gegebenen Lohne zustieden sein muß. Daß die Sachen noch so traurig liegen, können wir nicht allein den Frourn und Mädchen zur Lost legen, davon sind wir weit ent- fernt. Nach unserer Meinungstnd auch die Männernicht wenig schuld daran, indem sie die Frauen und Mädchen nicht genügend unterstützen und vor allen nicht den richtigen Weg zeigen. Wir richten an alle Frauen und Mädchen, welche aus Herren- garderoben, Mäntel und im Schneidersach arbeiten, die Bitte, �öffentliche Versammlungen abzuhalten und Vereine zu gründen Auch an alle Arbeiterinnen in Orten, w denen Vereine be. steben. richten wir die Bitte, Versammlungen abzuhalten zur Besprechung über eine Zentralisation über ganz Deutschland. Erst dann können wir etwas bezwecken, wenn wir Alle vereint dastehen und geschlossen für die Verbesserung unserer Lage ein- treten können, denn nur Einigkeit mccht stark". Deshalb, liebe Kolleginnen, laßt unsere Bitte nicht unbeachtet und folgt unserem Beispiele und helft uns die Zentralisation ins Leben rufen. Wir bitten Euch uns Nachricht über Eure Ansichten in dieser Angelegenheit zukommen zu lassen. I. A.: Die Kom- Mission. Frau Straub, erste Vorsitz-nde, Kürzeste. 31 III. Frau Augner, Kraienkamp 31 IV. Frau Wieditz, 3. Marktstraße 4 V. — Alle arbeiterfteundlichen Blätter werden um Abdruck er- sucht. DerFmumlmrcien. Der Junungs-Anoschuß hielt am Sonnabend Abend seine Hcrbtt-Drieg'rlnv Versammlung im Jordan schen Saale ab, um den Geschäftsbericht entgegenzunehmen. Die Gruppen- eintheilung für das Jahr 1890 vorzunehmen, den Haushal- tungSplan festzusetzen und in die bereits angekündigte Be- sprechung über das Koalitionsgesetz einzutreten. Obermeister Brandes leitete, wie die„VolkSztg." berichtet, diese Besprechung mit einem Hinweis auf die von dem Streik-Komitee der Bild- hauergehilfen erfolgten»Sperre" selbst solchir Werkstätten ein, welche die Forderung der Gehilfen in allen Punkten bewilligt halten. Wenn die herrschenden und bestimmenden Verbälwisse in irgend einem Handwerk es nicht gleich gestalten, alle Wünsche der Arbeiter zu befriedigen, so berechtigt dieser Umstand die Arbeiter doch nicht, Verrufserklärungen(Boykottes) gegen Gast- wirthe, Fabrikanten, Handwerker zu verhängen. Dagegen müßten sich die Handwerker, ob einer Innung angehörend oder nicht, zur Wehre sitzen. Der JnnungStag wünsche deshalb eine De- klaration des Koalitionsgesetzes, nicht um die Koalitionsfreiheit aufzuheben, die ja auch den Fabnkanten zu Gute komm«, fon- dern nur um den unberechtigten und üdermüthigen Angriffen auf dos Eigenthum Anderer ein Ziel zu setzen. Was solle wohl aus dem gesammten StaatSleben werden, wenn dieses System weiter um sich greife? Man müsse an die Gesetzgebung heran- treten, um eine Acnderung herbeizuführen. Er wünsche de«- halb, daß auch der JnnungSausschuß von Berlm, als die Ver- tretung sämmtlicher hirfiger Innungen, sich der Petition an- schließen möge. Schuhmachermeister Wortschalk meldete-sich nun zum Wort, um das Boykott gegen die Brauereien wegen der Hergabe ihrer Säle zu Versammlungen als eine berechtigte Gegenwehr zu verlheidigen. Dagegen halte auch er das Boykott gegen Fabi iken für einen großen Fehler, denn Vortheile hätten d« Arbeiter nicht davon zu erhoffen; die Vortheile würden vielmehr den kleinen Geschäw lemen und Handwerkern sich zu- wenden. Und von diesem Gesichtspunkte aus müsse er sich wie- der darüber wundern, weshalb die ktemen Handwerker gegen ihr eigenstes Jntensse sich für die großen Fabrikanten wie Loefer und Wolffund Bolle einlegen wollten. Die großen Fabrikanten seien ja doch die Todfeinde des kleinen Handwerkers und wünsche ein Jeder das Monopol für sich. Was den Bildhauer-Streik anbetreffe, so sei er der Meinung, man solle dem Arbeiter geben, was ihm zukomme, dann werde er auch nicht streiken.(Wider- spruch. Einzelner Ruf: Schluß! Der Redner bricht sofort ob; der Vorsitzende Obermeister Brandes bedauert dies.) Ober- meister Wegener will dem Arbeiier sein Recht aeben.»Wir waren selbst Gesellen und brauchen einen guten Arbeiterstand. Die Forderun aen der Bildhauergehrlfen sind aber ouSverschämt, die Meister können diese Forderungen nrcht erfüllen, ohne sich zu ruinirev. Man kann doch einem jungen Menschen, der nichts versteht, statt 75 Pf., die er verdient, 3 M. 75 Pf. geben. JnnungSmeister Borstel spricht seine Ueberzeugung dahin auS, datz es nrcht besser werden wird, bevor mcht die Juden aus dem Re chStag raus« und Handwerksmeister dafür hinein- gelvssen worden sind.(Beifall.) Obermeister Beutel(Schuh- macherinnung) hebt den Versuch einer Innung hervor, im Verein mit den»deutschen Gewerkvereinen" den Streiks und ihren Uedergriffen entgegenzutreten. Bedauerlicher Weise habe aber die städl sche Gewerbedeputation der Innung das Recht abglsprochen, zu den Kosten diese« Unternehmens einen Beitrag zu leisten. Auf die Beschwerde habe sich das Polizei- piäfidium für inkompetent erklärt und die Innung an den Oberpräfidenten verwiesen. So bereite man den Innungen, wenn sie sich bereit zeigen, vermittelnd einzugreifen, noch die größten Set wieriakeiten. Es bleibe deshalb gar kein anderer Weg, al« die Abänderung des Koalitionsgesetzes beim Reichs- tage zu erbitten. Schuhmachermeister Amin bekennt sich im Gegensatz zu Wortschalk als kern Freund der Streik«, die beiden Theilen nur Schaden bringen. Die Schuhmacher- Innung werde versuchen, den Weg der Vermittlung durchzu- führen und auf andere Weise die vom Obermeister Beutel er- wähnten Kosten aufbringen. Von einer Wahlagitation im Sinne Borstel'« verspreche er sich nicht viel, ob-rohl er ganz damit einverstanden sei, daß mehr Handwerker in dm Reichs- tag kommm sollten, dmn bei einem ,m Fruhiahr zu er- wartenden Streik der Schuhmacher wurde doch nur wieder der Jude dos Geschäft machen.(Lk-vhafter Bei- fall.)— Obermeister Schumann(Schuhmacher- Innung) weist oarauf hin, daß von 240000 selbstständigm Schuhmachern rm Deutschen Reiche etwa nur ein Dnttel Gesellen beschäftige. tier gebe e« also einm kleinm Handwerkerstand, der durch treik» schwer geichädigt werde. Wäre e« wirklich die Abficht der Sozialdemokraim, dem»kleinen Manne" aufzuhelfen, dann hältm sie m diesem Berufe alle Ursache, dem kleinen Hand- werksmeister die Hand zu reichen unh gemeinsam mit ihm die großm Fabrikantm zu bekämpfm. Ebenso stehe eS in vielen anderm Gewerben. Das thun die Sozialdemokraten aber nicht. E« foll vielmehr am 1. Mai n. I. ein allgemeiner Streik an dm verschiedenstm Ortm Deutschland« erfolgen.(Ist nicht wahr. Red. de«»B. V.".) Die Großindustriellm lassen de«- halb jetzt fchon mit Ueberftunden arbeiten, um be, Eintritt des Streiks amügend Waarm auf den Markt werfm zu können. Auch in O.steire-ch spekuliert die Gr» ßrndustrie darauf. Unsere hiefigm großen Schuhmacher machm es ebmio und beabsichtigen, noch vor dm- Streik ihre Gesellen zu entlassen. Was soll dann aus dm Gesellm, waS aus den kleinen Handwerksmeistern werdm? Es ist deshalb Zeit, auf Abhilfe zu drängen. Die Hauptsache bleibe, überall»Handwerker- Wahlvereine" zu bilden, um endlich im Reichstage eine angemessme Vertretung zu finden. Obermeister Meyer(Drechslerinnung) und JnnungS- merster Liefeldt find für eine Bekämpfung des Streik« mit den gleichm Mitteln, nämlich einem Ausschluß der Ar- beiter auf 4—6 Wochen. Mu» miiss» die Htrrik- brüder gründlich«««Hunger«, da« würde dieselbe« Kurire«. Die Arbeiter würdm ja dann einmal die praktische Probe darauf machen können, wer e« am längstm aushalten könne.— Obermeister Burg: Gerade die Sozialdemokratie Hot die Loeser und Wolfis in allen Branchen groß gezogen, die sie nunmehr zu spät bekämpfm will. Sie ist eS auch, die den Arbeiter mtsittlicht hat. Gehen Sie einmal al« Mitglied der Armmkommisfion in die Arbeiterfamilien hinein, ob der Mehr- verdienst durch Streiks dmselben zum Segm gereicht hat. Em entsetzliches Elmd werdm Sie finden, nicht den Familim, die vorgeschützt werdm, ist der Mehrvei dienst zu Gute gekommm. Sie können eS von dm bedauernSwerthen Familien selbst Horm, daß das Familimleben zerrüttet worden ist, der Mebrverdienst und noch mehr, ist anderwärts geblieben. (Leihafter Beifall.) Deshalb wünsche ich die Annahme einer Resolution, durch weiche fie den Vorstand beaustiagm, Mittel und Wege ausfindig zu machen, diesen Ausschreitungen mt- gegenzutreten."— Schuhmochermeister Wortschalk meldet sich hierauf nochmals zum Wort, um der Annahme einer solchen R'solution mtgegmzutretm. Seiner Anficht noch sei dieselbe ein Schlag in« Wasser. Rur die Gesetzgebung könne hier ein- greifen und dazu sei die Frage noch nicht spruchreif. Tie Jnnungm hätten vor 20 Jahren WohlfahrtSeinrichtungen treffen follm. Das thatm fie aber nicht, und auch heute fördem sie noch nicht das Wohl ihrer Lehrlinge und Gesellen, wie fie es könnten.(Rufe: Ja wohl!) Redner: Wenn es Einzelne gethan haben, so war es auch nur deswegen, um einen Verwaltungsposten zu bekommen.(Diese Aeußerung ruft eine unbeschreibliche Szene hervor. Die Obermeister erhcbm sich von ihren Plätzen und dringm auf dm Redner ein, wädrend Ausrufe wie»Pfui!"—»Frech- heil"—»Spuckt ihn an!"—»Werft ihn hinaus!" die Luft durchfchwirrlm. Obermeister Brandes schützte den Redner und forderte ihn auf, das jedenfalls unüberlegt ausgesprochene Wort zurückzunehmen. Wortschalk aber erklärte, bleich vor Er regung, die« nicht thun zu könnm.(Emmier Ausbruch des Zoms) Obermeister Brandes mtzog dem Redner nunmehr das Wort, währmd er die mtrüstetm Obermeister in die Schranken des parlammtarifchen Anstände« dem Gegner gegen- über verwies. Nachdem die Ruhe wieder hergestellt worden, empfahl Obermeister Brandes, in jeder Innung, wie dies auch in ganz Dmtsihland geschehen soll, eine genaue Statistik über Löhne, Arbeitszeit und Arbeitsleistung aufzustellen und bald- möglichst dm, Vorstande de« JnnungS-AutschusseS zu Berlin resp. dem Zmtral-Vorstande des deutschen JnnungSverbandes einzureichm. Für Berlin soll dann, etwa im Januar, noch- mals eine außerordentliche Delegirtmversammlung des Innung«. ausschusseS stallfindm. in welcher auf Grund des statistischen Maierial« endgiltig Beschluß gefoßl werdm soll. Nach mehreren geschäftlichm Mlttheiuingm wurden die Verhandlungen um 12 UKr NachiS abgebrochen. Ei«» Mttgliederversamml««« der Freien Uer- ei«ig««g der Maurer Kerlins««d Umgegend lagte am Sonntaa, den 24. November, unter Vorsitz des Herrn Hempel im Lokale Königshof. In derselben sprach Herr Glocke über Ver« kürzung der Arbeitszeit und den Achtstundmtag. Vom inter- nationalen Arbeiterkongresse in Pari« ist bekanntlich die Schaffung eine« Organs»der Achlstundentog" beschlossen wor- dm. Redner begegnet eingangs seines Vortrages dem seichtm Witze eine« TheileS der bürgerlichen Presse, das internationale Arbeiterorgan nicht»Achtstundentag", vielmehr»Stiller Faul- lmzer" zu betiteln, legte kurz die Zwecke und Ziele des Organs dar, die darin bestehen, die Arbeiterklasse über die Nothwen- digkeit der Verkürzung der Arbeitszeit aufzuklärm und be- leuchtete seinerseits zum Verständnisse hierfür in längerem Vor- trage die heutige Produktionsweise mit allen ihren Nachlheilen, Schädm und Mißständen, die im Großen und Ganzen darauf hinauSlaufm, die Arbeitszeit zu verlängern und die Arbeits- löhne herabzudrückm. Deshalb erstrebe die ganze Arbeiterwelt, so weit fie organifirt ist, eine Verkürzung der Arbeitszeit, um durch fie eine materielle und geistige B.sserstellung der arbei- tendm Klasse zu«Neichen unter der heutigm Produktionsweise. Die Umgestaltung derselben in eine gmossenschasllickie Pro- duktionsweise bezeichnete der Vortrogmde des Weiteren als das Ziel, welche« die Arbeiterbewegung sich gesteckt habe und ging dann näher auf die OraanisationS« frage ein, darlegend, daß durch dm Druck der Arbeiterbewegung auf die Gesetzgebung aller Länder zu Gunstm der Arbeiter einzuwirkm sei. Die Unsinnigkeit ernes Gmeralftreik« der Arberier aller Länder zu einem be- stimmten Zeitpunkte nachweismd, betonte Redner am Schlüsse seiner Ausführungm nochmals, daß nur eine Verkürzung der Arbeitszeit unter dm hmtigm Vcrhältnissm eine Besserung der Lage der aibeitmden Klosse herbeizuführen veimöge und forderte demzufolge auf, dm 1. Mai 1890 als Feiertag zu Gunsten des Achtstundmarbeitstage« zu begehm. Die folgende Diskussion bewegte sich in dem Gedankmgange de« Vortragmden. Demnächst soll eine öffentliche Mourerversammlung stanfindm zwecks Stellunar ahme zum AchlstundenardeitStag bezw. zu dem Be- schlusse de« internationalen ArbeiterkongreffcS, dm 1. Mai 1890 betreffend. Unter»Verschiedenes" vollzog die Versammlung die Wahl von zwei Thürkontroleurm. Gewählt wurden die Herren Bartel und Freier.— Bezüglich der in der vorhergehendm Mitgliederversammlung vorgelegten Abrechnung vom statt. gehabten Vergnügen ist zu berichtigen, daß, wie die Rechnung e giebt, nicht 198 Mark sondern nur 148,95 M. Ueberschuß ge- wesm sind- Di- Mttgli-d-rv-rsammwng des Unterstützuug«- «erei«» der Kerlin-» Maurer fand am Mn-woch dm 20. November, Avend« 84 Uhr. in der Jnselstr. 10 statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. VarstandSwahl. 3. Vortrag über ansteckende Krankheiten. 4 Diikuifion. 5. Verfchiedmes und Verernsangelegmheitm. Die Abrechnung ergab einm Bestand der Vereinskasse von 35 M. 80 Pt., Bestand im Vergnügungsfords von 38,48 M. Zum 1. Vorsitzen dm wurde Karl Wogner, Admiralstr. 27, ge. wählt, zum 1. Kaisirer Fritz Karge, Friednchsfelderstr. 11, zum 1. Schiifltübrer Otto Kiesl TreSkowstr. 38», zum 2. Vorsitzen. den L. Kliemann, Tempelheimstr. 21, zum 2. Kajsirer Kimastk, Jüdenftr. 33, zum 2. Schriftführer Krause, Solms str. 3, zum Revisor Fritz Arnat, Thürkonlro- leure Damasch und Luaust Kirsch. Hierauf hielt Herr Dr. Sommerfeld seinen lehrreichm Vortrag über ansteckende Krankheiten zur Zusriedmhert der Versammlung. Ee enl-pann sich noch eine lebhafte Debatte. Beschlossen wurde noch, die Beiträue vom I.Januar auf 20 Pf. wieder zu ermäßigen. Der Vorstand wurde beauftragt, da« Annonziren«m»Verein«. blatt" nicht weiter»u vergessen und die Mitglieder autgeiordert, kraitig für da«»V.reinsblatt" zu agituen. Der Vorsitzende wachte noch auf das bevorstehende Stiftungsfest aufmerksam, welches am Sonnabmd, den 30. November, in der Schönhauser- straße 156 staitfindet. Lnrk-nwald-. Am Sonntag tagte in Luckenwalde eine Versammlung der Hutarbeiter und-Arbeiterinnen. Al- Tele- girte waren anwesmd der Vorstand der Filiale Berlin. Die Tagesordnung lautste: Stellungnahme der auswärtigm Kollegen zum Gmeralftreik. Herr Borkwann aus Berlin erklärte im Ramm der Berliner Kollegm sich solidarisch mit den Lucken- walder Hutardeitem und sicherte ihnm die thatkräfligste Unter- stützung zu. Ferner konstatirte Herr Borkmonv, dasi die Sacke der Streikmdm sich so zugespitzt habe, daß nur noch durt einen Generalstreik die Sache der streikmdm Co«»' schen Arbeiter beigelegt werdm kann. In diesem Siriit sprachm fick auch die anderm Redner au«. Zum Schluß nav» Herr Zubeil dos Wort und ermahnte die Versammlung zur Einigkeit, zur Ruhe und zum Festhaltm an ihrer gereassii Sache.— Ausführlichrr Bericht folgt. Alle Arbeiterblalt« werden um Nachdruck des Berichts ersucht. »»*' |0*v*in htr Kl«»p»»r Örrlin» un» Zlm«»«md. Diack» � 26. November, SbendS 8 Uhr:»uhcrordenttich- GeneralversammlunS® unteren Saale d-» Herrn Feiuistetn. Ute Zakobstr. 75. Taoeiortmuno; � aänmngiwadl be« Vorstande« und Wahl einer Fach. Bidlloihek und IchuSkommisston. 2. Interne Vereinianoelegenheiten. z. Berlchledcnei« stw» kästen Beiftflge werden in jeder«.rsammlung entgegengenommen llche Mitglieder haben die Pflicht zu erscheinen. Der Lrlcilinachweii befind« sich Ritter str. 123. Mitrliedebuch legtlinirl. � Allgemein»» M»taUarb»>t»rv»r,in Berlin» NN» ktmgeiiei'ss Sroh- Versammlung am Dienstag, den 26. November, abend« 8 Udf-» filrendi Brauerei, Moabit. Tagesordnung! I Vortrag de« Herrn P. r»I>� Thema■ Die Gewerkschaftiorganisation. ihr Nutzen und ih'e Bedeutung fum" Arbeiterbewegung. 2. Diiku'slon z Ausnahme neuer Mitglieder. 4««™" denei und Kiagekastcn. Käste haben Zutritt, llm recht zahlreiche« Ersebeiwe wird ersucht.,„, Zl»terftiih««g»verei» Deutscher Hutmacher lMitgliedschafe Senrn- Dienstag, den 26 November,»d-i-d« 8 Uhr im llSnigstatt-Aaflno. HolM": ftratze 72' Mitglieder Versammlung 1. Abrechnung vom 3. Quartal 2. seitigkeitivertrag mit den österreichischen«eretnen. 3. Lohnstatislik. 4. schiedene«. Da« Mitgliedsbuch legitimiri, Lachoerein Berliner Kiltchaner. Beriammlung am DitMINI, 16. November, Abend« 9 llbr, bei Aetzner, Annenstr 16. Tagetoetnurr 1. Gischästliebei. 2. Werkrtattangelegenbeiten und Verschiedene«, «reie Bereinigung der Schneider Berlin». Versommluna Dienstag, den 26. November, Abend« 8lj Uhr, in Jordan'« Salon, a»" CHrünftr. 28. Tagesordnung e I Der Nutzen der G werde- Echiedsgss!�, Reserent: Herr Etadiv. Kranz Tutzauer. 2. Diskusflon. S. SW'iS gelegenheiten. 4 Ver schiedene« und Fragekasten. Ause abmc neu-r Miige-e» Käste find stet« willkommen. Außerdem bemerken wt. daß der Vo-flan)'. Zahlstellen errichtet hat, wo Mitglieder aufgenommen und Beiträge entieg genommen werden und zwar für den Norde» bei Anadt. Brunncrst'a» x Montag». Abends Slf-U Uhr. im Süden bei River, Alte Jakobst?«'� Mittwoch Abend» von 9—10 Uhr. Da« Eintrittsgeld deträgt SO PI monaUiche Beitrag nur 20 Pf. f au, «rohe öffentriche«tschlerrerlameuiu»« am Dienftaa. den» vember. Avendd U Uhr im Schweizer Garten, am stönigithor. TagetorMeG 1. Wie stellen sich ose Tischler Berlin« zur Ei-iübrung de« achtstündige» beilitage«. Reserent r Theodor Glocke. 2. Didkusflon. 3. Verschiedene». «rohe öffextliche Perlanrnltung sämmtlicher geweee"X, Hils»aeveiter Bellt!« und Umgegend am Dienstag, den 26. Noon»". Abend« Sit Ubr. in der Norddeutschen Brauerei. Ehaufleeftr. 58 TrgeSordr»'' 1. Wie wirk! die Verrheuerung der LebenSmiltel aus die roirtbieW'"®' der gewervlichen Hilfsarbeiter Referent r Fritz Krüger. 2. Diikulflon. ichiedcne». Neue Mitglieder werden aufgenommen. Alle Arbeiter stnd zu r Lersa-ninluna eingeladen., ,m Giffentlich» Versammlung der Drechsler und Beruft«"-!, Berlind am Dier-ftaa. den 26. d M. Sdcrd« 8 llbr. i» Bolzmann t Andreaiftr. Tage« Ordnung' 1. Die Nothwerdigkeit einer Lohnbewe�' Res. r Kol. Hildebrandt. 2 DiSkuiston. 3. Verschiedene«.* et Geiseutltche Deesammlung der Ktachaedetter Bekline, Mittwoch, den 27. d. M. Abend« 8 llrr. in Schäffer'« Salon,- Taoe«o>dnung' l Der Aus ösur.gibelchluß der Lobnkommissio» und Ditnr 2. Die Notbwendlgkeit der Lohndewrgung und wi- bereiten wir dieser t» Sief.: Herr Rantenderg 8 Didkusflon. 4 Verscht-denei. nm vre«» öffentliche Peesammlnng»er Gäpser Berlin! und. gegend am Miuwoch, den 27 d M, Adendi 5 Uhr, im Lokale Deutsch»,.yj, tdeater. Schönhauser Allee 156(Ecke Oderbergerftraßei. Tagesordnung: Statistik und tdr Werth 2 Der Streik der Bur, lauer Kollegen. 8. schastliche».— Zur Deckung der Unkosten findet Telleriammlung statt Zentralkranken- und Degräbnitzkalse für Kranen und"N � Deutlchlanda lE H. 26.) Am Sonntag, den 8 Dezembcr�findet iUM rn., aulgesteuerter----..... Freunde und sämmtlichcn recht« 2 Tr: v-o-ei, e-r-mrilvr-ur-i--. w, ,'ui i«.l. pi->>ru.nuiui—->■ Lutz. Puttkamcrtrr. 7: Dolz, Bergstr 80; Wasewitz Pafitsadenstr.»„I> 2 Tr.: Karge. N'ire Jllkobslr. 26: Frau Günther, Wafierthorstloße 4e-gl, 3 Trepven. F au Mever, Skalitzerftr. 58, Quergeb 1 Tr. und Orantentz � im Laden....(C «in» große Matinee findet in Kaufmann« Varietee am Sonett», zch 8. Dezember cr. stall, die von Mitgliedern der Zentral-Kranken- und v«�. zt Vari-tee. Volldändig neue« Programm. Bllletd an der Kaste 50 Pn. fen 30 Pf str-d in allen mit Plakaten belegten Handlunoen. sowie bei aiuo standSmitgliedern und Zahtstellenir-hadern der Oflenbackcr KrlNM>-Ä 4 haben. Papke WaldrmarM 64. H. 2 Tr. r.; Bräoil, Retche:-btrgir>Uo.zllrl»ng geichieht'J1' und Gesellen unentgeld»», auch für Silchlmitglieder. AdrestenouSgooo x tag« von 8ji bii 9� Uhr Abend». Sonntag« von 9ßs di« Illt � mittag»... ttußvu Der Aebeiteuachuiei» der Klapierardeiter befindet stch,,.oll»! straße 78 bei Winzer, öle ÄdrestenaltSgade findet ieden Abend von 8 w»~\t und Sonnlag« Vormittaa» von 10 bi« lUf Rhr. sowohl an Mirgl"- Nichtwitolieder unentgeltlich statt...andel K -------"*"' Unser Zentralar°eit»nachwei« d�o, h» eui-uc, e-ievL-cuci iiC. 116 sondern vom*5. R 4r.r Hmke Blumer stc. 38. Die Adresse, lauSgabi und' ztlt� erfolgt den ganzen Zag für Arbeiloeber und-Nehmer unentgeltlich. � s« Mödelpolirer! Achtung! nicht mehr bei Gründet �DreStcnerftr Lokale de« Herrn errolgi oen ganzen sag für«rveriocver uno-»eegmer renen! um weiteste Vcrbreilung dieser Verlegung und im Brda-ftsaue Zentrglnachwei«— unter Kontiole de« Verbände« stehend— zu den Oepcsiiicii. (Molff'» T-l-sravst-n-Knrea«.) London, 25. November. Nach hikr eivgegavg führlichev Briefen von Stanley vom 5. August u fyet 4 M»»» l»«I Zt.» H C CT\___ T___ C httkOrt» �<... tembei, welche über den Verlauf seiner ErpediWN, j brt W lution in Wadelai, die Errettung E-nin Pascha.S a walk seiner meuterischen Truppen und die spat"« rio vollen Ausschluß geben, intschloß sich Emin längerem Zaubern die Aequatorniprovini»u verlorn•. schp' "...... der Küste einen M«"1» (Telegramm deS nach war vor dem Rückmarsch krank.! Kairo, 25. November. iZt-eirgru»,»» e"*,.» Bureaus.) Der Mahdi sammelt um �utdurmon ist die Stellung von Dongoia»u versta beabsichtige einen neuen Embluck � Kä � egyptische Grenze, um für die Niederlage der � f. zu nehmen. Die Derwische haben ihren PoN�.szge.,. dt« Suaida vorgeschoben, macken wieterhoU»...„aioN Abessymen und find Herren de« größte« Theile« der» Provinzen.___— Litevaristhes. � N»« der„Ueurn Zeit", Stuttgart. Ver�S�t I. H. W. D i e tz. ist soeben da« 12. Heft des 7. Iah erschienen. W Inhalt: Abhandlungen: Eheschließung u ff recht bei den Battas und Reoschang« auf Sumasta. C.— Die Vertherlung der Bevölkerung nach dem �?■ — Die sächsische Fabriklnspektion im Jahre 1388. � — Das Gefänznißleben der russischen Revolutiona' �,1 George Kennan.— Ueber die Entstehung der �,,xr» und der Gebirge. Von OswaldKöhler. �~ W risch e Rundschau: Gerhard Hauptman Sonnenaufgang. Neueste Nerittzeichte"' Verbote« a«f Gr««d des KorilUistengel�/ L-iä der sächsischen Kieithaleptmannichafl die Druck! Henckell—»Diorama"— Zürich 1890. Verlag VeranlworUichec Redakteur: K. Eronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kadwg in Berlin 6WV Beuth straße 3. b ur4 Coh«' i@tn« ii§ nah« lunfl»ur gtreAW terbläiitt 2. Beilage mm Berliner Volksblatt. Nr. S77. Dienstag, de« ÄS. Uavrmder 1889. «. Jahrg. Morrefperndenzerr. Paris, 21. November. Die Boulangisten hatten mit Pauken- und Trompetenschall verkündet, daß der Zusammen- üitt der Kammer am 12. November durch eine großartige Manifestation zu Ehren deS gewandten AuSkneiferS von Jersey besondere Bedeutung erhalten würde. Der nächstliegende Zweck derselben sollte ein populärer Protest gegen die UngiltigkeitS- Erklärung der für Boulanger im Wahlbezirk Clignancourt ab- Begebenen Stimmen sein. Die eigentliche Absicht war jedoch, durch einen Sprktakel im großen Maßstabe den armen nur Wt) Fr. täglich im»Hotel zum goldenen Apfel" zahlenden Ver- bannten interessant zu machen und wenigstens den Schein seiner alten EintagSpopularität wieder zu erwecken. Um die Mani- liftation mit besonders feierlichem Humbug in Szene zu letzen, waren die boulangistischen Deputirten etliche Tage zuvor nach Jersey gepilgert, um mit dem„Haupt" 'hrer Partei über die demnächst zu befolgende Taktik zu be- Kathen. Aber die Jerseyfahrt zeigte, daß der boulangistische l�eneralstab ansängt, nach rechts und links hin auSeinanderzu« Awenken. Von der äußersten Rechten und der äußerste» «inken gekommene Anhänger, darunter Rochefort, blieben dem Konziliabul entschuldigt oder auch unentschuldigt fern. Der «rblanauist Granger, welcher als boulangistischer Kandidat «nvählt worden war und durch seine Manöver zu Gunsten des Boulangisten Vergoin dazu beigetragen hatte, die sozialistische Kandidatur Vaillant'S zum Scheitern zu bringen, nahm sogar Änlaß zu erklären, daß er kein Boulangist fti._ Er habe zwar wit Boulanger zusammen Kampagne geführt für die Revision, Abschaffung oeS Senats, Einführung des Referendums, Annula» hon des vom hohen Gerichtshof gefällten Urtheil» und Zurück- berufung der Verbannten, Zaber er gehöre nicht zur National- vartei, weil er heut wie gestern zur fozialiftisch-blanquistischen partej gehöre, welche ihre eigenen Bestrebungen, Ideen, DiS- Stplin, Tradition, Taktik und auch Politik habe, an welcher er hinen Theil der Verantwortlichkeit nehme. Trotz dieser Er- «arung bleibt Granger von dem sich treu gebliebenen Evolutionären Zentralkomitee der Blanquisten unter Vaillant'S Khrung ausgeschlossen. Eine Amnestie seiner Haltung würde h>s die Billigung einer zweideutigen Taktik hinauslaufen, Welche die Organisation dkskreditiren und ihr da« Vertrauen der Masse entziehen müßte. Um nun auf den besagten Hammel, die beabsichtigt« Manifestation der Boulangisten, fariickjukommen, so zeigten sich die nach Jersey gewallfahrteten Mitglieder der Notionalpartei im Gegensatz zu ihrer gewöhn- hchen marktschreierischen Geschwätzigkeit auffallend stumm über b'e zu befolgende Taktik. Dagegen tauchte in der «reffe die Ente auf Boulanger werde zur Kammer- Eröffnung zurückkehren, um seinen Sitz als Vertreter von Clig- nancourt zu reklamiren. Wie die Schwalbe vor dem Sommer, 'o war des Generals„gute Freundin" Madame de Bonne- wann in Paris erschienen,„Er" konnte also nicht fern sein. Trotz allerhand journalistischem Hokuspokus, durch welchen man M öffentliche Geheimniß glaubhaft zu machen suchte, fiel doch jemand darauf hinein, die Mähr ernst zu nehmen. Derselbe �oulanger, der nach echt Falstaff'scher Manier ausgerissen war, ■* Schafsleder, sollte mit einem Male�eine Landung ver- t: �ajaföieocr/ svuie ihu einem iiHcuc eine«unuuuu ü«.* tiw*' bor Gefahr trotzen verhaftet, nach Mazas gesetzt, bevor- �«ventuell bei einem Auflauf erschossen zu werden! Eine Eventualität könnte ebenso gut eintreten, wie daß d,e Kwnen mit Bütten auf dem Rücken zu Markt« gehen, daß "x b-utschen Nationalliberalen dem Kanzler Opposition machen � die Freisinnigen aufhören, eine Kronprinzenpartei ,,, Das Gerücht war einfach ein boulangistischer Bornums« t'oich, welcher die Pariser BadaudS(Maulaffen) in Menge "a» dem Konkordienplatz locken und der Demonstration einer mundvoll Schreier aus Profession oder Neigung den Anstrich J"« populären Bewegung geben sollte. Aber auch der Erfolg ?'?!«« Kunstkniffs war zweifelhaft. Verschiedene Geleaenheiten, 1* denen boulangistischerseitS manifestirt werden sollte, ga» MnderS die Periode der Wahlagitation pvnders die Periode der Wahlagitation hatten bewiesen, daß 5? den General Bumbum und seme Popularität die schönen >age von Aranjue, vorüber sind. Das Schauspiel der bau- �Britischen Manifestationen, in denen Ausschreier, Lour», milch- °w'Be Jungen gut bezahlte Gastrollen gaben, war em schon �gestandenes, gegen das das Publikum blafirt war.� Und M�dem- um die Kasse steht es ja so schlecht! Dre klügeren opfi der Nationalpartei erklärten sich also mehr oder weniger offen «yen eine Demonstration. Die Naquet, Laguerre und sonftrge Zenker und Politiker", lie« die Drahtzieher der Jntriauen der Par- „0 wiegelten ab. Deroulöde, die Ueberläufer aus blanqurstrlchen uvd anarchistischem Lager, die„Männer der That" de» Bou- '»NBlSmus, d. h. auf gut Deutsch die Rodaumacher faselten da- Men von einer imposanten friedlichen Manifestation als einer Generalprobe und Mobilisation behufs Vorbereitung erner JJ'mtt. Sie stellten nichts GenngereS in Aussicht, als daß der �.ieral in Perfon sich an die Spitze stellen„und dre Umform «utten uutjj. den Blusen erscheinen werde".. Dre Zeitungen Ii* �chattirung bauschten alle auf die Manifestation bezug« iffhsn Gerichte ungeheuerlich auf und munkelten auch von einer x"chtiglen Gegendemonstration der Posfibilisten. Anlaß zu �L„Vermuthung bot, daß die Posfibitrsten insofern direkt der x�'Uaire engagirt waren, daß sich jedeManifestation zu Gunsten „.i�putirten von Clignancourt in eine feindliche Demonstration „,�?,,Joffrin verwandelte, der an Stelle Boulanger« als Bi»ohi, n)otbei)_ Die Posfibilisten ihrerfe.» versicherten um?' keine Manifestation für Joffrin gedacht zu haben, den Boulangisten keinen Vorwand zu erner Demonstration Auck i? zum Dreinhauen auf dre Menge i» Beben. Tr?» Boulangisten.mochten wohl erkannt haben, daß dre Mben sauer waren. Di- in Schaaren herbeigeskomte Be- iiz�g.erwies sich allen Gelüsten�einer ManMttm�e�m. und flau, nicht Theiln°hme.bl°s die Schau. � b" Regierung alle Maßr-geln�getroffm, l-�e Demon- ..«-non Mit Gewalt ÄS« zu erdrücken. Dem kolossalen Aufgebot und Militär gegenüber, das d» Umgegend der lebe"""-.""d des KontordienplatzeS besetzt h'-l«, hatte «ott. schlich durchgeführte Manifestation m eine Re- da k«»-arten müssen. So verlief Alle« ruhig. Die �anqiftischen Deputirten kamen-,n»tln oder in Nn- ieäriiii dp«» und werden nur hier und da m't elnem AaN-..klingenden Schrei„Vlv- Loal>°x-r l begrubt. 'ch-bm..»dw,— um der Aktion IN oer«am,..» o- vetnJfx Un«»- Humanitätsrücksichten— um ernen Putsch i JOtn— ju erklären. der Zudrang des Publikums zu der Eröffnungssitzung der«, a�wer war diesmal noch größer als sonst. Mit beson- Wierde ward der Eintritt de« sozialistischen Abgeord- ... kowi,.?'�«Ukr erwartet, tzwelchec sich bekanntlich seinem Wahl- "Nie>... u. x.» a»s...r.... Thwner verpflichtet hat, in der Blouse zu tagen. ward vor dem Palais Bourbon mit srimpathischen Zurufen für seine Person und'seine Partei begrüßt. La passant sei hier bemerkt, daß die BourgeoiSpresse seit Wochen nicht müde wird, über Thiorier und seine Blouse die wohlfeilsten und abgeschmacktesten Späße zu reißen. Der an und für sich äußer- licht Umstand der Blouse erregt so viel Aufsehen, wie vor ca. hundert Jahren die Schuhe ohne Schnallen Necker'S. Die Bourgeoisie vergißt schnell ihre eigne Geschichte, seitdem sie zur Herrschaft gelangt ist. Mit besonderer, aber keineswegs sym- palhifcher Aufmerksamkeit sah da« Publikum auch der Ankunft Jofsrin'S entgegen; da diese allgemein als das Signal für die beabsichtigte Manifestation betrachtet ward, und die Stellung des possibilistischen Führer« diesen außerdem m den Vorder- n'> der öffentlichen Neugierde gestellt hat. Charakteristisch ie Stellung Joffrin's ist der Umstand, daß am Morgen des 12. November zwei Polizisten von früh an vor der Thür seiner Wohnung standen, um ihn gegen etwaige Demonstra- tionen zu schützen. Kommentar ist wohl hierzu über- flüssig. Joffrin'« Mandat gehört zu denen, deren Giltiakeit ganz besonders;hart angefochten wird, und die Frage, ob er validirt oder invalidirt werden wird, passionirt alle Kreise. Bekanntlich ward Joffrin auf Grund des Gesetzes vom 13. Juli, welches die für nicht als legal an- erkannte Kandidatur abgegebenen Stimmen als ungiltig erklärt, als Deputirter von Cliguancourt erklärt. Die Erklärung von Boulanger'« Kandidatur w demselben Wahlbezirk war zuerst von der Präfektur abgewiesen, dann jedoch angenommen worden. Allerdings hatte die Präfektur keinen vorschriftsmäßigen Em- pfangsschein über die Erklärung ausgeliefert, allein sie hatte ruhig der Verbreitung und dem Anschlagen von Wahlaufrufen, Programmen, Stimmzetteln rc. zugesehen, während sie doch in Gemäßheit de« obigen Gesetzes alle diese von einem nicht legal Kandidirenden herrührenden Dokument konfisziren mußte! Dadurch, daß sie die Wahlpropaganda zuließ, erkannte sie stillschweigend Boulanger als legalen Kan- didaten an. Trotzdem wurden dann nach erfolgter Wahl die für den fGeneral abgegebenen ca. 7600 Stimmen für ungiltig erklärt, da dieser infolge seiner Verurlheilung gesetzlich nicht mehr wählbar sei. Zusammen mit der Annulation der Stimmen für Boulanger ward die Wahl Joffrin's proklamirt, welcher nur SSvv Stimmen, also über ein Viertel der abge- schriebenen Stimmen erhalten hatte. Schon die Zählkommission erklärte, daß Joffrin den Buchstaben de« Gesetzes für sich habe, allein daß er in Anbetracht der heiklen Situation das Mandat nicht annehmen dürfe. Bald erhoben sich Stimmen aus allen Lagern, welche forderten oder erwarteten, daß Joffrin gehe, da sich die Majorität der Wähler deutlich dahin ausgesprochen habe, daß sie nicht von ihm vertreten zu fein wünschte. E« sei mindestens unzart, au« der Situation, welch« ihm durch einen Beschluß de« Präfekten bereitet werde, Nutzen zu ziehen. Sogar in den Reihen der Partei, welcher Joffrin angehört, war eine starke Strömung vorhanden, welche die Demifsion für eine Ehrensache hielt, da andernfalls Joffrin selbst und in seiner Person die possibilistische Arbeiterpartei moralische Ein« büße erleide. Der possibilistische Führer jedoch, welcher so gut wie gewiß ist, bei einer Neuwahl glänzend durchzufallen, klammert sich mit unglaub'icher Zähigkeit an sein Mandat und steift sich auf den Buchstaben de« Gesetze«. Die übrigen Macher der Partei haben da» Ihrige gelhan, ihn in seiner Ansicht zu bestärken und auch unter der Masse der Parteimit« glieder der Strömung für Demission entgegen zuarbeiten. Als echte Opportunisten der Arbeiterbewegung haben die Posfibilisten stet« nm nach dem Erfolg gejagt; das Hoffen nach dem Er- folg war auch das Motiv, welche« ihre Taktik währmd des Boulangicmu« bestimmte. Der mit Radikalen und Opportunisten gemeinsam und mit Hintansetzung der sozia- listisch m Prinzipien gefühlte einseitige anliboulangistffche Kampf war im Gründe doch nur ein Wahlkartell, für welches die Erhaltung der Republik den Vorwand liefern mußte. Und jitzt sollten die Herren nun au« purem Respekt vor dem allgemeinen freien Stimmrecht auf die Hälfte ihre» Erfolgs verzichten! Sie werden die« um so weniger thun, als dann auch die andere Hälfte ihres Erfolgs— die Wahl Dumay's— bedeutend an Nutzen für ihre Partei verlieren würde. Dumay, als einziger Vertreter der Posfibilisten würde zwischen der bürgerlichen Mass« der Abgeordneten und der kleinen ent- schieden sozialistischen Truppe verschwinden. Entweder müßte er offen gegen seine Prinzipien stehen, oder er müßte in die Fußtapfen oer sozialistischen Gruppe treten, mit ihr zusammen, aber außerhalb derselben marschiren, er würde als eine sehr nebensächliche Figur erscheinen, au« der nicht die beabsichtigte Re- klame geschlagen werden kann. UebrigenS wird wohl auch Joffrin'« eventuelles Verbleiben im Parlamente nicht viel an dem Schicksal der possibilistischen Erwählten ändern. Die Kammer, welche bereit« über 400 Wahlen validirt hat, wird in der nächsten Tagen über die Giltiakeit oder Ungiltigkeit von Joffrin's Wahl entscheiden. Die llnterkommission, welche die eingelaufenen Proteste, darunter einen, welcher am Tage der Kammereröffnung von fünffDelegirten de« Clignaucourter Wahl- komitee« im Parlament eingereicht ward— zu prüfen hat, und der, Ironie des Zufalls, Thiorier angehört, hat sich bereits in der Mehrzahl für die Annulation von Joffrin's Wahl erklärt. Joffrin selbst hofft jedoch, daß die allgemeine Prüfungskom- Mission einen entgegengesetzten Bescheid fällt. In letzter Instanz entscheidet natürlich die Kammer, und eö ist anzunehmen, daß die Mehrzahl der Opportunisten für die Validation stimmen Unterdessen ist Jcff.in wenn auch nicht der Löwe de« werde. Tage», so doch wenigstens der Löwe der professionellen Jnter- viewer«. Fast täglich tauchen Gerüchte über seme beabsichtigte Demission auf, welche aber durch Joffrrn selbst energisch widerrufen werden. Ungemern charakterrstisch sind die Gründe, welche der Mann m ernem Interview mit einem Redakteur de«,, TempS" für sein„jy suis i'y reste") �er bin ich und hier bleib ich) anführt. Da er 1887 bei den StadtrathSwablen 5535 und jetzt 5500 Stimmen erhielt, so hat er nur 35 Stimmen verloren, gewiß weniger als die meisten seiner Kollegen und kann also ruhig den Bezirk vertreten. Fast alle Deputirten, welche in Ueberemstimmung des Gesetze« vom 13 Juli 1889 gewählt werden, befinden sich in der gleichen Lage wie er, auch sie repräsentiren eine Minorität. Unter den 7800 Stimmen, welche für Boulanger abgegeben wurden, be- fanden stch mindesten« 3800 Stimmen von Konservativen, welche gut wußten, daß ihre Wahl gesetzlich ungültig sei, und die hierfür eine Lektion verdienen, der Rest der Stimmen rührt von„unbewußten Republikanern"(her, die doch für einen der ihren stimmen konnten, und die dafür, daß sie Idies nicht thaten, gleichfall« eine Lektion verdienen. Herr Joffrin beeilt sich nun, die Lektion den Konser- vativen und unbewußten Republikanern zu geben. Be- zeichnend ist auch, daß Joffrin sehr viel von seinen republi- konischen, aber kein Wort von seinen sozialistischen Ueber- „naunaen spricht. Er erklärte, daß er die Republik über Alles lede und deshalb alle Maßregeln zu ihrer Vertheidigurrg mit all ihren Vortheilen und Gefahren gebilligt habe. Gewiß»ine gefährliche Theorie, deren Früchte feine Partei, wie die der Arbeiter überhaupt eines Tages bitter kosten kann. Weiter sagte er, daß verschiedene seiner Freunde Anfangs in einer Anwandlung von ritterlichem Gefühl verlangt hätten, daß er fein Mandat niederlege, allein daß die Strömung über« wunden sei! Jedenfalls hätte der Mann besser gethan, seine Wahl als ein fair accowpU, vollendete Thatsache, hinzustellen, anstatl aar sofauleundnichtigeGründeanzuführen. Da Thiorier bereits erklart, daß er für die Jnvalidation von Joffrin's Wahl stimmen werde, da ihm seine Wähler zur Pflicht gemacht, gegen die Vergewalti- gung des Stimmrecht« zu protestiren, so suchen sich die Posfibilisten zu rächen, indem sie zusammen mit der bürgerlichen Presse aussprengen, Thiorier, sowie alle Mitglieder der sozia- listischen Gruppe seien mit Hilfe der bürgerlichen Parteien und ganz besonders der Boulangisten erwählt wordm. Im„Parti Ouvrier" macht man sich über den Satz lustig,„Abgeordnete, die ohne Kompromission der bürgerlichm Parteien erwählt war- den sind", und schlägt die Gründung einer bürgerlichen Partei vor, welche ohne zeden Kompromiß mit den sozialistischen und Arbeiterelementen erwählt worden sei. Der Witz ist billig und schlecht und soll ein schlechtes Ge- wissen verstecken. Was an dem Gerede von boulan- eer Unterstützung für Thiorier's Wahl im Beson- wahr ist, und was man von der Hilfe der bürger- lichen Parteien bei Wahl der Sozialisten zu halten hat, zeigt der Umstand, daß die Regierung Thiorier'« Kandidatur mit allen Mitteln auf die Gefahr bekämpfte, emen Boulangisten erwählt zu sehen. Mit größter Spannung wird von allen Seiten den Debatten über die Validation oder Jnvalidation Joffrin'« entgegen gesehen. Der„Parti Ouvrier" arbeitet mit Hochdruck, um allen Republikanern nahezulegen, daß sie die Pflicht haben, die Wahl von Clignancourt zu billigen, aber außer den Opportunisten, dürften nur wenige Republikaner der Meinung sein. * New- Nork, 8. November. In einer Anzahl Staaten fanden am Dienstag die Staatswahlen statt, doch hat sich die sozialistische Arbeiterpartei, wie es scheint, nirgend« daran be- tbeiliot. Ich hatte s. Z., als vor den letzten Wahlen durch Urabstimmung beschlossen wurde, selbstständm vorzugehen, darauf hingewiesen, daß dieser Beschluß so häufig ignorirt werden würde, daß er den praktischen Werth verlöre, und ei geschah dies schon damals in verschiedenen Staaten, wo man mit der demokratischen Partei ging, um einen Sieg der Pro- hibition zu verbindern.— Hier in New- Park, wo der Ein- tritt in die Wahlkampagne mit großer Majorität— im Verhältniß zur Betheiltgung an den SektionSverfammIungen— beschlossen wurde und man auch mit einem rechten Eifer ins Zeug ging, hat man diesmal den Beschluß mit noch größerer Maiorrtät wieder umgestoßen. Merkwürdig war dabei, daß eins der Hauptmotive, welche damals für da« selbstständige Vorgchen ins Feld geführt wurden, diesmal gar nicht erwähnt wurde: nämlich durch dieses Vorgehen zu verhindern, daß der „Boodle" sich in die sozialistischen Reihen schleiche. Ein andere« Argument, welche« s. Z. gegen die Wahlbetheiligung geltend gemacht wurde, daß nämlich unter den obwaltenden Ver« Hältnissen kein Erfolg zu erhoffen sei, machte damal« aar keinen Eindruck, indem die Meinung vorherrschte, daß e« sich auch gar nicht um Erfolge handle, sondern darum, damit »u beginnen, konsequent als felbstständige politische Partei auf den Kampfplatz zu treten; der Erfolg werde erst später zu ver- zeichnen sein, wenn die sozialistischm Ideen Eingang bei den Massen gefunden. Man verwies hierbei auch auf die prohibi- tionistifche Partei, welche durch ihr konsequente« selbstständiges Vorgehen bedeutende Erfolge erzielt hält«, indem sie die re- publikanische Partei dadurch gezwungen, die wichtigsten Forde« rungen in ihr Programm aufzunehmen. Jene« Argument nun, welche« damal« mit Entrüstung als„Erfolgsanbetung" zurückge- wiesen wurde, spielte bei der jetzigen Entscheidung die Haupt« rolle. Diese beiden Punkte illustriren wohl mehr als alle« Andere, wie wenig die sozialistische Partei in diesem Lande auf einem konsequenten, festen Boden steht. Und zudem ist es nicht da« erste Mal, daß infolge irgend welcher unwesentlichen Um- stände vollständige Umwälzungen m Anschauungsweise und Taktik stattfanden— e« wird voraussichtlich auch nicht das letzte Mal fein! In einzelnen Orten scheinen sich zwei Gruppen zu bilden; im Allmeinen hat man aber den Eindruck— und zwar da- durch, daß kein Lebenszeichen gegeben wird— daß die meisten Sektionen sich vorläufig als felbstständige lokale Orga- nisationen betrachten und weder an die Exekutive m Chikago noch an die in Brooklyn Beiträge senden werden. Wenn die« sich so verhält— wa« sich bald konstatiren lassen muß. da die Sek- tionen ja monatlich abzurechnen haben— so stehen wir vor der Thatsache, daß wir überhaupt keine sozialistische Arbeiter- partei mehr haben, sondern nur sozial-lokale Organisationen, welche hier und da in mehr oder weniger Zusammenhang m den einzelnen Staaten stehen. Da« in der hiesigen„VolkS-Ztg." angewendete Verfahren in der Bekämpfung der andern Gruppe hat nicht dazu gedient, die Sympathien an den unschlüssigen Orten für die Richtung der„breiten Basis" zu erwecken. Bezüglich der falschen Be- richte über Aenderung de« Parteinamens(Weglassung der Be- zeichnung„Arb«iter".Partei) und versckiedener anderer Punkte habe ich schon Mittherlung gemacht. Nach der VolkSversamm- lang in Chicago, in welcher die amerikanische Fahne auSge- zischt worden sein soll, richtete Rosenberg— der bis zur Vollen- dung der Urabstimmung als Sekretär der„Gruppe>." funairt— ein Schreiben an den Bürgermeister, in welchem er nach dem in der„V.-Z." gebrachten Texte in hundssöttischer Weise darauf hinwies, daß es nicht die sozialistische Arbeiter. partei gewesen fei, welche jme Versammlung arrangirt. Die Geschichte kam mir aber nicht recht geheuer vor, und in Anbetracht dessen, daß ich mit der vorhin erwähnten Mit- theilung„heremgefallen" war, hielt ich e« für besser, in meinen Berichten die Sache einstweilen nicht zu erwähnen, bi» ich auch die„andere Seite" gehört. Und da stellt sich nun heran«, daß die in der„V.-Z." gegebene Uebersetzung des ftaglichen Briefes freilich eine, gelinde gesagt, sehr„freie" war. Unter solchen Umstanden ist es kein Wunder, daß in der auf Seite der „Grawe 1." st-henden Parteivresse kein sehr versöhnlicher Ton herrscht. Als Beleg über dre Stimmung auf jener Seite möge die Stelle erne« Artikels in der„Cincinnatier Zertuna" über obrgen Brief dienen. Es heißt da, nach- dem über dre Eta reich an g des Schreibens an den Mayor ge- fprochen war.„Das Ganze war abgefaßt in einer ebenfo ge- zremenden wie anstandigen Spraibe. Und nun, welche Ueber» rafchuna, als wrr den englischen Text in Uebersetzung in der „New-Dorker VolkSztg." sahen! Zuerst kam der Gedanke, em foeden erfl ln Castle Garden angekommene«„Gmnhorn" sei an* engagirt worden, um die Intelligenz unterer Wahrheitsfreundin in der Millionen street zu charakte- rtftren; aber je länger wir die UebersetzungSkunst des Elabo- , UtS betrachteten, je unzweifelhafter wurde es, dab hier cm durchtriebener Federfuchser auf höheres Kam- mndo eine Arbeit verrichtet hatte, deren Eindruck ,n demselben Grade steigen maßte, in welchem oaZ Niveau der GeisteSaaben der Leser der»New. Torker Volksztg." durch den jahrelang genährten Vertrauens dusel ge- I unken war. Nicht um kurze Wiedergabe eines offiziellen Aktenstückes handelte es sich, nein, dasselbe wurde als Hand. bade benutzt, um plötzlich den zu»Ex-Sozialisten* degradirten Mitgliedern der alten Exekutive vor ihrem Rücktritt einen(je- hörigen Eselstritt zu versetzen. Daß dieses„edle"' Kunststück vis zu einem gewissen Grade gelungen ist, wollen wir offen zuzestehen, denn:.Di« Dummen sind noch längst nicht ausge- Horben." Alle Diejenigen, welche emen Diktionär befitzen, bitten wir, um die UebersetzungSweiSheit der„Volksztg." kennen zu lernen, denselben zur Hand zu nehmen. ES folgt dann der betr. Originaltext m Gegenüberstellung zur Ueberfetzung m der „V. Z", und dann heißt'S weiter;„Nachdem sie an Hand des Lexikons sich überzeugt, daß in der Millionenftreet die Phantasie der Bosheit großer ist, als die dort so viel ge- vnesene Wahrheitsliebe und Gerechtigkeit, werden sie sicherlich bestätigen können, daß zur Bedienung des„ersten ArdeiterblatteS des Landes" nichts weiter gehört, als eine gute Portion unverschämte Unverfiorenheit, der es nicht im Mindesten darauf ankommt, zu lügen und zu fälschen, nur um den Eindruck hervorzurufen, als ob langerprobten Parteigenossen urplötzlich das Verständniß der Jnternationalität der Arbeitersach- abhanden gekommen wäre, und sie sich zu schamlosen Renegaten herabgewürdigt hätten. In dieser Handlungsweise liegt System: liegt die Absicht, unliebsame Kritiker so ganz sacht, so ganz s-ns%on und meuchlings adzuthun. Doch gemach! So fein angelegt dieser Plan auch sein mag, eine« Tage« werden selbst den blindesten Parteigängern dieser Art Revolverjournalisten, welche die Ehrenhaftigkeit innerhalb der Arbeiterbewegung mit Gewalt zu Grabe tragen, die Augen derart aufgehen, daß die Demagogen ihr Zelt werden bei den Bolokuden aufzuschlagen gezwungen sein."— Bei einer solchen gegenseitigen Erbitterung ist also die Augficht eine sehr geringe, daß binnen einer kurzen Zeit wieder eine allgemeine Harmonie eintreten werde. Die auf dem Kongreß vom 12. Okt. entworfene und zur Urabstimmung vorliegende Plattform und Konstitution werden allem Anschem nach heftigen Erörterungen unterliegen; schon sind in einzelnen Branchen in New- Park gegen verschiedene Anordnungen Einwendungen erhoben worden, da man meint, daß die Partei dadurch in ihrer Selbstständigkeit beein» trächtigt werde. Auch macht sich die Anficht geltend, daß der Plattform-Entwurf wohl geeignet sei als eine Art Programm« broschüre, nicht aber als Programm selbst, da er viel zu um- fangreich sei. Tolrslos. Ate Stadtbahn. Als die Stadtbahn, nachdem das de- tjeffende Aktien- Unternehmen verkracht war, vom Eisenbahn- sisku» übernommen wurde, konnte man einen Augenblick hoffen, daß sie dem Publikum in zufriedenstellender Weise dienstbar gemacht werden würde. Diese Hoffnung ist in manchen Stücken bitter getäuscht worden. Man hätte denken sollen, daß mit dem stet« steigenden, jetzt schon gewaltigen Verkehr der Betrieb gleichen Schritt halten würde. Aber bis heute ist die Zahl der fahrplanmäßigen Züge dieselbe geblieben, ebenso die Zahl der angehängten Wagen, und die Folge davon ist, daß zu ge- wissen Tageszeiten, in den Morgenstunden zwischen 7 und 9 Uhr, Mittags 12 bis 2 Uhr und Abends 5 bis 7 Uhr, die Sonn- und Feiertage g« nicht zu rechnen, eine Ueberfüllung der Koupee« eintritt, welche nur als durchaus ungehörig bezeichnet werden muß. Wenn sich in einem Pferdebahn- wagen ein überzähliger Passagier vorfindet und ein Polizei- beamter davon Kenntniß nimmt, wird der Kondukteur in Strafe genommen. Für die Stadtbahn scheint indessen em anderes Gesetz zu gelten. Wenn einst durch Entgleisung, falsche Weichen- stellung und dergleichm ein Unglück eintreten sollte, wa« bei der Abnutzung der Betriebsmittel leicht einmal kommen kann, so ist gar nicht auszudenken, welchen Umfang dasselbe bei der übermaßigen Vollstopfung der Wagen gewinnen müßt«. Wie aber außerdem noch mit dem die Bahn benutzenden Publikum umgesprunacn wird, dafür ein recht drastisches Beispiel, wel« che« die„Volkk-Zeitung" mittheilt:„Der Bahnhof„Westend" liegt in der Mute emeü Stadt- Theils, der etwa 25 000 Einwohner zählt. Im letzten Sommer wurden da stündlich von und nach Berlin fünf Züge abgelassen. Vier derselben hatten ihren Endpunkt auf dem vordersten Perron, wenn man demselben als einem die kalbe Länge der Züge kaum erreichen- den, auf beiden Seiten offenen Schuppen die Ehre dieser Be- zeichnung anthun will, und konnten auf ebener Erde erreicht werden. Der fünfte war ein Nordringzug. Wer denselben be- nutzen will, muß erst eine Treppe hinansteigen und dann eine zweite viel höhere und steilere mit bereits stark abgetretenen Holzstufen hinunterklettern, um zum zweiten Perron zu ge- langen. Die von Westend kommenden Fahrgäste müssen sogar vorher noch die erste Treppe hinabsteigen, um zum Fahrkarten- schalter zu gelanoen. Der sogenannte zweite Perron hat zum Dach das Himmelszelt, bietet also jedem Wind und Wetter freien Zugang und hat bei Regen einen stark aufgeweichten Boden. In diesem offenen Wartesaal müssen die Fahrgäste die Ankunft des Zuges erwarten, welcher zudem nicht selten bis zu zehn Minuten Verspätung hat. Welche Gefahr für die Gesundheit der War- tenden damit verknüpft ist, brauchen wir wohl nicht erst nach- zuweisen. Nun kommt aber noch hinzu, daß für den Winter «in fahrvlanmäßiger Zug kassirt ist, so daß die Verbindung mit Berlin auf stündlich nur vier Zügen beruht, und daß außerdem zwei derselben zu Nordringzugen eingerichtet find, sich also die geschilderte Unannehmlichkeit verdoppelt, ja man kann sagen, bei dem Winterwettet verzehnfacht. Zahlreiche Petitionen, die der Verwaltung eingereicht worden find, haben nicht die mindeste Berücksichtigung erfahren, und e« fällt das um so schwerer in« Gewicht, da der gemeine Unterthanen- verstand nicht fassen kann, warum die mit einer Verbesserung der Verhältnisse verknüvften Kosten bei dem kolossalm Ueberschuß der StaatS-Eisenbahnen nicht zu tragen wären. Allerdings ist da« Publikum, dem man mit Recht den Vor- wurf machen kann, daß es nicht zu fahren versteht und über- dies zu einem guten Thcile nicht weiß, wie et sich in den Eisenbahnwagen zu benehmen bat, an manchen llebelständev schuld. Es muß wohl in dem Menschen doch so etwa« wie eine Art Hammernatur stecken, denn wenn eine Koupeethür ge» öffnet wird, steigt einer nach dem anderen ein, unbekümmert darum, ob er der elfte oder fünfzehnte ist, und ohne davon Notiz zu nehmen, daß m dem benachbarten Koupee noch Plätze unbesetzt sind. Ungezogenheiten, welche im Allge- meinen auf sehr dürftige Erziehungsresultate schließen lassen, find nicht selten. Die Emen speien fortwährend in den Wagen— was außer der Ekelhanigkeit wegen der möglichen Verbreitung von Ansteckungsftoffen nicht ungefährlich ist — Andere fingen oder pfeifen, noch Andere meinen, daß die Stöcke, die sie mit sich führen, nur dazu da feien, um die übrigen Fahrgäste durch unausgesetztes Aufklopfen auf den Boden oder Hin- und Herpendeln zwijchen den Stiefeln zu belästigen. Einzelne haben die Rücksichtslosigkeit, ihre Beine lang auszustrecken, oder ein Bein über das andere zu schlagen, ft> daß sich die Geqenübersitzenden kaum davor retten können, der ZeitungSleler bei gefülltem Koupee gar nicht zu gedenken. Ob an der Erziehung solcher Leute, denen es nicht m der Jugend eingeprägt ist, daß eS eines der ersten Zeichen guter Sitte ist, seinen Nebenmenschen so wenig al« möglich lästig zu werden, noch etwas zu bessern ist, wollen wir d ahmgestellt sein lassen. Aber für die Bahnverwaltuna ist sicherlich die Mög- lichkeit vorhanden, für die mit der Stadtbahnreise verknüpften Mißstände Abhilfe zu schaffm. Auf der Londoner Ringbahn geht nach beiden Richtungen alle drei Minuten ein Zug, e« können mithin solche Unannehmlichkeiten, wie sie auf der Ber- lmer Stadtbahn von dem bisherigen Betriebe unzertrennlich sind, nicht vorkommen. Auch das fahrende Publikum könnte von den Engländern in Betreff feines GeHabens viel lernen. UteU fit der Gutwenduug emer goldenen Einlegnungs- Brosche verdächtig war, wurde die 18 Jahre alte Tochter eines in der Sophienstraße wohnenden achtbaren Handwerkers vor- gestern Vormittag nach der Kriminalabtheilung durch emen Schutzmann fistirt. Es stellte sich aber, wie die„B. P." be- richtet, bald heraus, daß das junge Mädchen unschuldig war, denn da« Schmuckstück war bei einem anderen jungen Madchen, mit welcher die Bestohlene in einem Wallwaarengeschäft zusammen arbeitet, vorgefunden worden. Das junge Mädchen wurde nun sofort von der Behörde entlassen, hat sich aber die Sache so zu Herzen genommen, daß e» bis jetzt nicht in die elterliche Wohnung zurückgekehrt ist und sich möglicherweise ein Leids angetban hat. Fast einen halbe« Tag nebe« der Kelche seiner Frau mußte der Arbeiter Lehmann in Potsdam liegen. Der alte Mann ist gelähmt und gänzlich hilflos; er kann sich nur durch fremde Hilfe aufrichten und fortbewegen. Da« betagte Ehepaar wohnte allein und erhielt selten Besuch. Als vor einigen Tagen die Frau Abends nach Hauje kam, war ihr nicht wohl, sie fiöftelte am ganzen Körper und legte sich, um sich»u er- wärmen, in dos Bett ihres Mannes. Als der alle Mann Morgens erwachte, sagte er zu seiner Frau:„Na, Mutterchen, Du bist ja noch so kalt," und als er keine Antwort erhielt, entdeckte er erst, daß er neben einer Leiche lag. Erst gegen Mittag kamen Leute und befreiten Lehmann au« seiner hilf- losen Lage. In einem hiestge» Gasthof bemerkten zwei Herren, al« sie Abends ihr Zimmer betraten, daß die Zimmerthür unver- schloffen war. Nachdem sie sich entkleidet und da« Licht auS- gelöscht hatten, wurden sie durch ein anscheinend vom Kleider- schrank herkommendes Geräusch gestört und sahen sich schließlich veranlaßt, das Spind zu durchsuchen. Bei Oeffnung desselben sprana ihnen ein Mann entgegen, der an ihnen vorüber aus dem Zimmer stüchtete. Unmittelbar daraus körten sie, daß in dem oberen Stockwerk eine Zimmerthür geöffnet wurde, und schloffen daraus, daß der muthmaßliche Dieb zu den Gästen des Hotels gehört. Diese Annahme bat sich als richtig erwiesen. Der Eindringling ist ein gewisser Gustav Voigt, welcher ein- räumte, daß er sich lediglich zu dem Zwecke der VerÜbung eine« Diebstahl« ein Zimmer in dem Gasthofe hatte geben lassen. In seinem Besitz wurde ein geladener Revolver gefunden. Oierirfttü-ffleikung. Gin josendlicher Mörder stand gestern in der Person des Weberlehrlinas Johann Czekalla vor der zweiten Straf- kammer hiesigen Landgerichts l, und die Verhandlung entrollte ein abschreckendes Bild moralischer Verkommenheit. Der eben 17 Jahre alt gewordene Angeklagte, welcher körperlich noch sehr zurückgeblieben ist, hat einen au«geprägten Hang zur Ver- Übung von Schlechtigkeiten: sein verjchmitze« Auge schon läßt nichts Gutes ahnen und die Gewandtheit, mit welcher er sich trotz seines stark polnischen Dialektes verlheidigt, steht zu seiner Jugend in gewaltigem Gegensatz. De» junge Mensch hat be- reitsein mit drei Strafthaten beschwerte« Slrasregister; im Jahre 1887 schon wurde er wegen Diebstahls zu 3 MonatenGefängniß de- straft, es folgte eine einmonatlicheGefangmßstrafe wegenBetruge« und im Oktober d. I. ist er wegen eines MefferangriffS auf seinen Lebrkollegen, den 18sjährigen und weit stärkeren Weberlehrlina Robert Krawutschke, zu 6 Monaten Gefängniß oerurtheilt worden. Vierzehn Tage vor jenem Termin, in welchem Krawutschke gegen ihn Zeugniß abzulegen hatte, hat der Angeklagte einen äußerst raffinirt ersonnen«» Mordplan gegen Krawutschke auszuführen versucht und stand deshalb wegen versuchten Mordes und wegen Diebstahls unter Anklage. Er hatte sich im Gefängniß«ine wunderbare Geschichte zurecht gelegt, die er in folgender Weise zum Besten gab. Präs.; JchratheDir, daß Du die Wahrheit sagst.— A n g e k l.; Ja wobl, ick wer'sch thun.— Präs.: Du hast aber zweierleiRedengeführtunddieUnthatbei dem Untersuchungsrichter schon zugestanden.— Angekl.: Hob' ich blo« gethut, weil sie mir so gedrängt haben.— Präs.: Da« ist nicht wahr, der Richter hat Dich lediglich ausgefragt.— Angekl.: Hat man mir gesagt, daß mir'sch nicht soll schlecht gehen, wann ich werd' sagen die Wahrheit, na, und da bob' ich zu alle Sachen blosch immer gesagt: Ja!— Präs.: Du arbeitest seit zwei Jahren mit Krawutschke bei dem Meister Lehmann und Ihr schlieft Beide zusammen in der Werkstatt in einem Bett?— Angekl.: Jsch alle« richtig!— Präs.: Wie bist Du nun blos dazu gekommen, den Krawutschke zu fragen, ob er sich getraute, mit gebundenen Händen zu schlafen?— Angekl.: Wir haben gesprecht über alle Möglichkeiten, dann find wir gekommen auf die Krankheiten und er hat gesagt, daß tS Leute giebt ohne Hände. Oh, Hab' ich gesagt, da isch' Nischte niche dabei, denn die haben immer Führer bei sich. Aber, Hab' ich gesagt, was meinschte, wa« die Wickel« linder thun, die immer mit de Hände eingewickelt schlafen müssen und müssen'sch auch aushalten, zu schlafen, ohne zu bewegen die Händ'.— Präs.: Nun erzähle nur nicht zu lang. — Angekl.: Nu hat er denn gesagt, wa« ich ihm w:ll geben, wenn er werd' schlafen mit gebundene Hände und ich Hab' ihm versprochen, ihm zurückzugeben den Hut, wa« ich ihm vorher batte abgekauft. Nu war'sch Mitternacht.— Präs.: Na, na, Du hast Dir ja eine recht hübsche Geschichte zurechtgelegt und denkst gewiß, es wird recht graulich, wenn Du sie gerade in die Mitternachts stunde verlegst.— Angeklagter: Nä, nu war'sch Mitternacht und wie wir zwee Brede in« Bett liegen, sagt Krawutschke: Nu kann'schte mir binden. Da binde ich ihm de Händ' mit'n Tuch recht feste und wie er denn von den Hut anfangt, sage ich ihm: Du bischt wohl dumm? Ich werde Dir doch den Hut nicht geben, wa« ich mir habe verdient mit saurem Schweiß!— Präs.: Na, kurz und gut. Du behauptest, daß Ihr darüber in Streit gekommen seid, und'Krawut'chke Dir einen Stoß versetzt habe.— Angekl.: So ischt's. Dann bin ich verfallen in Schlaf und mußte auf- wachen vor Schmerzen in Leib. Hob ich schwer geathmet und weil er mir hat plötzlich gegeben einen Stoß, haben wir un« gebälgt ins Bett, sind gekugelt auf den Boden und sind so gekommen bis an die Thür, wo Meister Lehmann schlief. Wie der nu i« aufgewacht, i« er m die Werkstatt gekommen und hat Ruhe geboten und da haben'sch nu die ganze Ge- schichte!— Präs.: Ja, das ist eine sehr schöne Räuder- geschichte, blo« daß sie nicht wahr ist. Wie der Meister kam, hattest Du dem Krawutschke einen Strick um den Hals ge- fchlungen, so daß derselbe fast erstickt wäre.— Angekl.: Nsscht is wahr davon. Der Meister hat den Krawutschke aus- geschimpft und ihm noch gesagt:„Rede mir kem Wort weiter, Du großer Latsch!" Ganz anders lautete die Darstellung des Weberlehrling« Krawutschke. Danach hat der Angeklagte ihm erzählt, daß schon mehrmals Leute darum gewettet hätten, ob sie in der Nacht mit zusammengebundenen Händen schlafen könnten, sie hätten die Wette aber stets verloren. Krawutschke hat infolge dessen Lust bekommen, da« schwierige Kunststück einmal selbst zu probiren, und in der Rächt zum 15. September ging es an die Aussührung. Der Angeklagte holte ein Halstuch und band damit dem Kr. die Hönde so eng und fest aneinander, daß er dieselben nicht bis zum Munde bringen konnte. Darauf schlief Krawutschke ein. Um Mitternacht erwachte er in- solge Athemnoth und eines heftigen Schmerzes am Halse wieder, sah den Angeklagten auf sich knien und merki� daß derselbe ihm einen um den Hals geworfenen Strick zuzog. Krawutschke bekam glücklich die zusammengebundenen Hände zwischen Strick und Hals und es kam zur Balgerei, wobei der Angeklagte das Ende des Strickes immer in der Hand behielt und daran zog. Sobald Krawutschke schreren wollte, steckte ihm der Angeklagte die Faust in den Mund und suchte ihm sogar den Hals zuzudrücken. Endlich wurde der Meister durch den Lärm aus dem Schlafe geweckt und dessen Dazwischenkunft befreite den Krawutschke aus seiner bedenk- lichen Lage. Der Angeklagte flüchtete dann und nach seinem Fortgange vermißte Krawutschke sein Portemonnaie mit 5 Mar! Inhalt. Der Lehrherr des Angeklagten, Webermeister L e h- mann bestätigte, daß er selbst gesehen, wie der Angeklagte ver- suchte, den um den Hals des Krawutschke befindlichen Strick zu- zuziehen. Krawutschke war völlig erschöpft, sein Hals zeigte eine blutunterlaufene Strangulatronsmarke, so daß entschieden ein Mord beabsichtigt ist. Der Meister giebt dem Angeklagten sonst da« Zeugniß eines fleißigen und geschickten Burschen, er bestreitet, daß derselbe jemals das Verlangen geäußert, die Lehre zu verlassen. Der Angeklagte hat bei einer seiner früheren Vernehmungen behauptet, daß eme Anzahl Stricke an der Wand in der Nähe des Bettes gehangen und er wah- rend de« Ringens mit Krawutschke einen solchen herunter- terissm habe, um ihn als Schlmge zu benutzen. Der lräsident meint, daß der Angeklagte durch diese Behauptung in schlauer Weise das Moment d»r Ueberlegung habe beseitigen wollen. Beide Zeugen de- künden dagegen überemstimmend, daß der Strick emer Schub- lade entnommen sei, die sich in einem Schrank in der entgegen- gesetzten Ecke der Werkstatt befand. Der Angeklagte blieb auch nach der Zeugenaussage seine« Meisters dabei, daß er von dem Mordversuch nichts wisse. Auch von der Anklage des Diebstahl« suchte er sich reinzuwaschen, Krawutschke habe schon wiederholt den Wunsch geäußert, seine minderwerthige Uhr gegen die btS Angeklagten einzutauschen, er habe deshalb seine Uhr zurückgelassen und als Ausgleich das Portemonnaie Krawutschke'S mu 5 M. 5 Pf. mitgenommen. Einige Tage hat der Angeklagte sich ruhelo» in den Straßen Berlin« umhergetrieben, wobei er im Ereien oder in Hauefluren nächtigte, dann ging er nach Char- ttenburg und Schöneberg. Hier wurde er festgehalten, al« er sich einen Anzug zu erichwindoln suchte. Zum Schluß der Beweisaufnahme wird das früher vom Angeklagten abgelegte Geständniß verlesen. In demselben giebt der Angeklagte zu, daß er schon eine Woche lang mit dem Plane sich getragen, den Krawutschke zu erwürgen, den er bei Seite schaffen wollte, um so den Zeugen zu beseitigen, der dem- nächst in der Messeraffäre vor Gericht gegen ihn aufzutretev batte. Trotz aller Vorhaltungen des Präsidenten, der Wahr- heit die Ehre zu geben, blieb der Angeklagte dabei, daß jen«« Geständniß em unwahres und ihm abezwungen worden fei. Staatsanwalt F l i ck e l hielt dm Angeklagten im vollen Umfange der Anklage für schuldig und überführt, er beantragt gegen denselben einschließlich der noch zu verbüßenden seckt- monatigen Gefängnißstrafe wegen Körperverletzung eine G«- sammtstrafe von fünf J-Hrm. Das Urtheil lautete auf drei Jahre sieben Monate W fängniß. Verfknntnlungen. Friedrichshage». Am Donnerstag, dm 21. d. M., tagt' hier eine öffentliche dmtfchfieisinnige Versammlung, wozu«f Parteien eingeladen warm, im Gesellschaftshause. Der größte Saal des Ortes war schon um 8ß Uhr überfüllt. Man konnte jedoch infolge der Sperre genau die Parteim unterscheiden. sämmtliche Arbeiter kein Bier trankm; e« warm unge'iw 90 pCt. Sozialdemokraten, 5 pCt. Freisinnige und 5 pCi. Kon- feroative anwesend. Es sprach der Major a. D. Herr Hin>e über die Lage der Parteim bei der bevorstehendm Reichstags wähl. Er rüffelte die Konservativm und schmeichelte den Sozialdemokratm. Sein eigme« Programm entwickelte er g� nicht. Als der Referent geendet hatte, trat eine Pause«»n 15 Minutm ein. Untcrdessm begab sich der Kandidat der Sozialdemokratie, Herr Stadthagm, zu dem Vorsitzmden, um sich in die Rednerlifte einzeichnm zu lassen. Dort wurde ihm mitgetheilt, daß er nicht sprechen dürfe. Nach WiedereröffiwnS der Versammlung nahm Herr Hartmann da« W»'' zur Geschäftsordnung, theilte diese Wortverweigerung der Ptr- sammlung mit und ersuchte sämmtliche Anhänger der SoüM- demokcatie dm Saal zu verlassm. Kaum waren die Wo« gesprochm, so erhoben sich über 300 Personen und verließ�'' mit einem Hoch auf Herrn Stadthagen dm Saal. E« tno?"- ungefähr 20 Personen dort geblieben sein, davon die Holl' Konservative. JedmfallS hatte nun Herr Hinze einm kow«s>v-. Begriff von dm Freisinnigen in Friednchshagen bekommen- er wiro wohl nicht wieder hierher rommm, und besser wirb' dm Konservativm auch nicht ergehen, denn in FrieorichShag'M ist kein Platz weder für die Jreisinnigm noch für die Konie vativen, da« wird die nächste Wahl zeigm. Nun begaben>> alle Arbeiter nach dem Bahnhof, um mit Herrn Stadthog noch in Köpmick ein Gla« Bier zu trinken. Auf dm o"- mußte noch eine halbe Stunde gewartet werdm, und unss. dessm hatte der Wicth auch nicht ein Glas Bier verkauft, im er die Erklärung der Gastwirthe mit unterschriebm hatte. � zwischm war eine Depeftde an die Köpenick« Polizei ausgegeo� wordm: 64 Sozialdemokratm aus Friedrichshagm Köpmick ein. Alt die 64 Mann in Köpenick ankamen, trän- sie noch ein GlaS Bier, und Herr Stadthagm fuhr dann n Berlin, die Uebrigen zurück nach Friedrichshagen. Görlth. Am 20. d. Mts. fand im hiesigen Konzertha eme sehr zahlreich besuchte Volksversammlung siatt, in u>c Herr Keller einm Vortrag über die nächstm ReichStagSwaa hielt. Der Refermt erledigte seine Aufgade in sehr und zutreffmder Weise und erntete dm vollm Beifall der sammlung. Nach einer lebhaftm Diskussion fand rolgm»«� solution einstimmige Annahme: Die Volksversammlung sich mit dm AuSführungm de« Herrn Referenten einver>>o � und verpflichtet sich mit allm gesetzlich gewährten Mittel � die bevorstehmde Wahlbewegung nach Kräften einzutreten- � die glößtmöglichste Stimmmzahl auf dm soziald-motra i � Kanoidatm zu vereinigen und dm Sieg zu erringen, wurde vom Vorsitzenden, Heim Bmnewitz, der Verjamn'. mitgetheilt, daß der hiesige Wablverein zur Erzielung � thümlicher Wohle» Herrn Keller als Kandidatm i» f.(tt Görlitz Laubaner Wahlfrei« bestimmt hat, und fo«uro � —«■*■™ f—„r——*rttVrttiint»hL ti- Hugo Keller auch von der Volksversammlung- sozialdemokratischer Kandidat für dm Görlitz-Lauban frei« proklamirt. lUicfluiRc"- Brt Bnftajen Wttei wir Me«bonnm>tnt»4duittuni W*1 W ÄntiBoct wird nicht eilk-tN svnd«� K. St. Inserate sind niemals an imwer nur an die Erpeditt-N«ns-r-» pruste 44, zu senden. Wir könnm sonst für purn """ÄÄ«&M. W Verantwortlicher Redakteur: K.«ronbewe in Berlin. Druck und Verlag von Mi» Oadtn« in Berlin SV.. Beuthstraß: 2.