jlr. 280. Freitag» den 29. November t88S« 6. Aabrg. SMnVÄsbl«». Drgan für die Interessen der Arbeiter. Ein DÄmpfev für Nolonialfck»tvär»ner. . Thatsache«, die zahlmäßig belegt sind, erscheinen als �mäckjge Dinger. Zn der medizinischen Akademie zu Paris S--....... a g n e a u einen Vortrag über die Sterblich keitsoer- se der französischen Truppen in den Kolonien gehalten. ,wn dem bekannten Forscher gemachten Mittheilungen ün grelle» Streiflicht auf die Herrlichkeit der Kolonial- Steuer. Mu Die mittlere Sterblichkeit der Truppentheile � im Inn ern Frankreichs im Jahre 188? nur 7,6 1000 der Jfistärke. In Algier und Tunis ist �Erblichkeit der Kolonialsoldaten zwar jetzt nicht mehr wie in der Zeit der Besetzung, aber noch bedeutend Sie betruS z. B. in Algier: 1837—48: 77,8 pro Tausend 1862— 69: 17,6 1872— 75: 11,91 1883— 84: 11,16 K�uf den Antillen Martinique und Guadeloupe die Ziffer früher, 1819—55, über 91"�«, und auch E®*«och nchtet das Gelbfieber furchtbare Ver- fangen an. t Zn Guyana, dem bekannten DeportationSbezirk, sind � Gruppen zwar günstiger daran, als die verschickten Ver- A�her. denn 1819—49 von ersteren starben, wie unsere gfc sich ausdrückt,„um 27,20/(x)", aber da» gelbe Fieber ijS mit sich spaßen. So erfahren wir denn, daß die ja s �urch grauenhafte Epidemien gewaltig emporgeschnellt 1850-55:90,8, 1855 aber 237,4 von 1000 "wen gestorben sind. �lk K o ch i n ch i n a, wo die Sterblichkeit bei der z�alion vor achtundzwanzig Jahren sehr hoch war, sie >.,�1 1862:91,8, belief sich die Zahl der der Kolonial- 1°-." Seopferten französischen Truppen auf 1361—79:48,2, �>1,68. �»Die ungünstigsten GesundheitSverhältnisse", sagt unser �mann,„herrschen offenbar in den afrikanischen wen". Namentlich am Senegal, auch auf Mada- U j« r und den Nachbarinseln, sind die Zustände geradezu �•menerregend. Im Jahre 1878 betrug die Sterblichkeit der kj�l>en am Seenegal infolge Auftretens einer Gelbfieber- kt�aie 526,9, pro Tausend, d. h. über die Hälfte ».«Soldaten mußten ihr junges Leben in den afrikanischen laffen. i».»ine derartige Ziffer erinnert an die grausigen Zeiten, � � schwarze Tod seinen Rundgang durch Europa flanze Länderstriche verödete und die Ueberlebenden zu sm �ngsthaten trieb. �Sl i?n arf aber nicht glauben, daß die eben gegebene Vty) ganze Verlustsumme ausdrückt. Lagneau hat '"kcht in seinem Vortrage hervorgehoben, daß man erst I�ruilleton. '«rdotm j l41 Govminsl. sozialer R«ma» vo« Emil« Z«la. autonfirte Nebersetzung von Ernst Zi« gl««. !.�ki� iag� davon; die Kinder stürzten hinterher, � Vi es mit ihren Rufen, hetzten unausgesetzt, bald die »ii�°llae»d, um e« zu fangen, bald sie wieder in'S Leere Mvr.' wenn da« geängstigte Thier zwischen ihnen durch- " in-bt..Nie hätten sie die Häsin wieder gefangen, wenn «rächtig gewesen wäre. � Ir Tie keuchend dahin jagten, vernahmen sie Fluchen � V*"• Sie waren wieder in das Ballspiel gerathen, "Darias hätte fast seinen Bruder getroffen. Spieler machten die vierte Partie. Vom Gute C* bnJ0?1� sie bis zu den Ouatte-CheminS vorgedrungen, lf»»n dis Montoire, und nun galt es, in sechs KoupS V«°ei V°"t°ire aus da» Pr«- dcS- VachcS zu erreichen. !�t- v.�ae halbe Meile waren in einer Stunde zurück- � in unterwegs hatten sie im Gasthause von Vincent * ietien. Drei Weisen" einen Schoppen geleert. Mouquet 'w Vortheil. Ihm blieben noch zwei KoupS zu DlÄkl. die Partie war gewonnen; aber Zacharias CH bi$ wit solcher Geschicklichkeit den kleinen Ball der q». dieser in einen tiefen Graben rollte, auS welchem W titf;"t,ner Mouquet'S nicht wieder hinaustreiben konnte. lärmten; die Partie blieb unentschieden und ®oa vorne angefangen werden. Von dem bi« zu den HerbeS-VerteS war es ungefähr Wl diese Entfernung nahmen sie sich vor, in dann einen richtigen Maßstab für die Gesundheit«- verhälwiffe in den Kolonien gewinnt, wenn man auch die SterblichkeitSverhältniffe der in die H e i m a t h zurück- geschickten, namentlich die für n i ch t b r a u ch b a r oder invalide erklärten Mannschaften Überblicken könnte", aber hierüber liegen Nachrichten nicht vor. Thatsächlich wird die Menge der ,m Dienste der Kolonialpolitik zu Grunde Gegangenen eine größere sein, da von den in die Heimath Entlassenen ein gewrffer Prozentsatz an den Folgen der Strapazen sterben, oder doch durch den Aufenthalt in den Tropen mit dauerndem Siechthum behaftet bleiben wird. Lagneau hat auch die Frage erörtert, ob„angesichts der erheblichen Gefahren, denen die Gesundheit der Europäer, besonders auf den Antillen, in Guyana und in Afrika aus- gesetzt ist", die ftanzöfische Republik sich nicht mit Truppen auS Eingeborenen oder wenigstens Misch- raffen behelfen könne. Aber dagegen werden sehr schwer- wiegende Einwände geltend gemacht. Die Eingeborenen, führt man auS, find zu unzuverlässig, die Mischlinge seien zu„stolz auf ihren halbeuropäischen Ursprung, daher zum Truppendienst geeignet", aber sie seien zu spärlich ver- treten. Bei diesen Mischraffen, den Mestizen, überwiegt, wie berufene Kenner der Tropenländer schon öfters hervor- gehoben haben, bedeutend daS weibliche Geschlecht. Nach holländischen Erfahrungen sollen aus Verbindungen von Europäern z. B. mit Malayen schon in der dritten Gene- ratio« ausschließlich werbliche Sprößlinge hervorgehen, welche dann ihrerseits unftuchtbar bleiben.„Aus diesem Grunde", sagt unsere Quelle,„darf man auf einen Ersatz der heimischen Truppe« durch Mischlinge keine großen Hoff- nungen setzen." Wir schöpfen aus— den„Veröffentlichungen deS Kaiserlichen Gesundheitsamts!" Die oben angeführte« Daten sind gewiß auch für uns beherzigenSwerth, denen die neue wirthschaftliche Aera auch etliche afrikanische Kolonien bescheert hat. Nun ist zwar das besorgnißerregende Kolonialdilirium, das unsere Bourgeoisie gepackt hatte, geschwunden, seitdem die eiskalten Douchen fortgesetzter Mißerfolge und übler Erfahrungen ihre niederschlagende Wirkung ausgeübt haben. Aber die Kolonialpolitik sammt den afrikanischen Sand- und Fiebernestern hat die Jungfrau Germania noch am Halse, und diejenigen, welchen dies Vortheil bringt, werden dafür sorgen, daß die deutschen Steuerzahler immer neue Millionen in das Danaidenfaß des Kolonialbudgets fließen lasse». Der Goldregen der aus dem sauern Schweiße deutscher Arbeit sich bildet, hat aber wahrlich wichtigere Aufgaben zu erfüllen, ali in ver afrikanischen Sandwüste, ein Tropfen auf den heiße« Stein, nutzlos zu vergehen. Der deutsche Kulturacker bedarf der Befruchtung, und was der wackere Hasenclever in der Presse war und von der Rednertribüne in seinen guten Tagen so beredt forderte, die Kolonisation im Innern, ist viel wichtiger. fünf KoupS zu machen; danach wollten sie sich dort bei Lerenard erfrischen. Jeanlin aber kam eine neue Idee. Er wartete, bis die Spieler sich entfernt hatten, dann holte er einen Bindfaden aus seiner Tasche, band ihn an den linken Hinterfuß deS Kaninchens, ließ es los, und fie rannten hinterher, eS an der Schnur haltend. Nie hatten sie sich so gut unterhalten, .Polonia" hinkte, riß und zerrte, es war zum Todtlachen. Dan«, damit die Häsin schneller vorwärts könne, banden sie ihr den Strick um den Hals, und als sie müde war und nicht mehr laufen wollte, zogen sie sie auf dem Bauch und am Rücken wie einen Wagen hinter sich her. Die« lustige Spiel währte wohl eine Stunde. Aber beim Gehölze von Eruchot geriethen sie plötzlich wieder in die Ball- partie und mußten schnell das halbtodte Thier in dem Korbe verstecken. Zacharias, Mouquet und ihre beiden Partner legte« in eilendem Laufe einen Kilometer um den andern zurück und ließen sich nur die Zeit, in den WirthShäusern, welche sie sich als Zeitpunkte bestimmten, ein GlaS hinter zu stürzen. Von den HerbeS-VerteS waren sie nach Buchy ge- rannt, dann nach Croix-de-Pierre und nach Chamblay. Der harte Boden tönte im Galopp ihrer Schuhe, während sie der hölzernen Kugel«achstürmten, welche in mächtigem Sprung von dem gefrorenen Erdreich abprallte. Es war ein prächtiges Wetter zum Spiel. Ihr Fuß blieb nirgends in Sümpfen oder Pfützen stecken- Alles war gefroren, und sie liefen höchstens Gefahr, sich em Bein zu brechen. In der trockenen Luft hallte« und knallte» die Schläge gleich Flinten- schüsse«, während die Männer, den umwundenen Griff fest in der Rechten haltend, mit mächtigen Hieben auSbolten, de« ganzen Körper«achwerfend,.als wenn sie einen Qchfen erschlagen wollte«. Und so triebe« sie e« stundenlang über die Gräben, die Hccke«, die Böschungen der Wege und die Mauern, welche die Felder umzäunten. Es gehörten tüchtige Lungen DaS Hemd ist uns näher, als der Rock. Die Hekatomben, die Frankreich dem Moloch der Kolonialpolitik dargebracht, mögen uns vor Augen stehen. politisrlic IlebevlM,!. ,51» Kokialdemokratie bei uns." Unter dieser Spitz- marke Ulftei sich em fccMnnigeS Blättchen, das.Stealsunder Wochenblatt", einen Artikel, der wegen mehrerer in demselben enthaltenen Thatlachen von einigem Interesse ist. Es wird dann erzählt, daß in Stralsund am 26. Oktober eine Arbeiter- Versammlung stattgefunden habe, in welcher ein soj'aldemo- kranscher Redner eme mit„stürmischem Beifall" aufgenommene Rede gehalten und m der sodann beschlossen worden sei, bei der nächsten Rnchstagswahl einen Kandidaten aufzustellen, „der auf dem Boden des sozialdemokratischen Programm» steht". Ein Arbeiterwahlkomitee sei auch sofort gewählt worden. — Bisher sei der Stralsunder Regierungsbezirk von der Sozialdemokratie verschont geblieben, nun aber dieselbe festen Fuß gefaßt, werde sie sich auch nicht wieder verdrängen lassen. „Der Umstand, daß bei uns auf dem Lande zwischen dem Großgrundbesitzer(Ergevthümer oder Pächter) und dem besitz- losen Arbeiter keine Zwischenstufen vorhanden sind, eine Er- scheinung, welche die Folge de« früheren„L-'gens" ber Bauern »st, d. h. der Einziehung der Bauernstcllen durch die Groß- grundb-sitzer,— dieser Umstand macht gerade unser« Landes- theil für außerordentlich fruchtbar für die Sozialdemokratie. Wie in den industriellen Bezirken der schroffe Gegensatz zwischen dem einen reichen Arbeitgeber und den zahlreichen un- demitteNen Arbeitnehmern das Aufkommen der Sozial demo- kcatie begünstigt hat, und vielleicht oder wahrscheinlich taktloser Hochmuth der Ersteren, verletzende Begegnung der Arbeiter seitens der Arbeitgeber oder ihrer Beamten die Veranlassung gewesen ist, daß sich die Arbeiter der neuen Lehre zuwandten, so mag auch hier bei uns die aussichts- lose Lage der Landarbeiter, die sich niemals, auch bei größter Svaisamkert, einen eigenen B-sitz erwerben können, sondern sich für ihr ganzes Leben, ja auch ihre Kinder als einem Guisherrn Dienende betrachten müssen, und die an manchen Stellen schwerlich wie Brüder von ihren Herren behandelt wer- den, die Sozialdemokraten bewogen haben, ein geeignetes Feld ihrer Thäiiakeit hier bei uns zu suchen. Wir furchten sehr, sie werden eS si»den." „Was»st zu thun?" ruft hierauf der Schreiber mit k.aaen. der Stimme aus. G-waltmaßregeln, meint er im Tone ctne» tiefsinnigen Philosophen, nützen nichts, aber gute Behandlung der Arbeiter werde viel helfen. Ern wirklicher Damm gegen die Sozialdemokratie seien nur die Grundsätze des wahren Libe- ralismue. Doch das sind bekannte Dinge, die wir nicht de» weiteren auseinander zu fetzen brauchen. Wichtig ist die Kon- stalrrung der Thalfoche. daß im Regierungsbezirke Stralsund ein wohlpräparirier Boden für die Sozialdemokratie vorhanden ist. Die Sozialdemokratie wird sich Viesen Umstand zu Nutze zu machen gewiß nicht versäumen. Mir Uftu im„SLdmestd. Molksbl.": Offenburg, 25. November. Zum ersten Male in diesem Jahre wurde un» heute wieder einmal da» Vergnügen einer Hausdurchsuchung dazu und stählerne Muskeln, und es war ein Hauptsport der Trubenjuyend, die in diesem fteien Galopp über die Felder mit leidenschaftlicher Lust den Staub der Mine ab- warf. Es gab fünfundzwanzigjährige Burschen unter ihnen, die bis zehn Meilen machten; aber im vierzigsten Jahre spielten die Häuer nicht mehr, sie waren zu schwer und un- gelenk geworden. Es war schon fünf Uhr; bereit» begann eS zu dämmern; doch eS galt noch, in einer letzten Partie, bis zum Walde von Vanoame, zu entscheiden, wer die Kappe und daS Tuch gewinnen werde. Zacharias, dem die Politik sehr gleichgiltig war, meinte scherzend, eS müsse lustig sein, wenn sie mit ihrem Spiele da drüben mitten unter die Kamerade« hineingeriethen. Auch Jeanlin dachte jetzt an das Rendezvous im Walde und mit drohender Geberde befahl er Lydia, ihm dorthin zu folgen, trotzdem sie, von Angst gequält, zum Voreux zurück- kehren wollte, um ihren Salat zu suchen. Wäre es mög- lich, nicht dabei zu sein? Mußten sie nicht hören, was die Alten da zusammenbrauten? DaS würde ja einen Haupt- spaß geben! Er trieb auch B«bert vor sich her, und um den Weg bi» zum Rande des Waldes abzukürzen, banden sie„Polonia" loS, ließen sie laufen und warfen mit Steinen nach ihr Jeanlin wollte das Thier todthetzen, um eS dann heimlich in seinem Verstecke m Mqulllart zu verzehren. Das Kaninchen raante verzweifelt dem Walde zu; ein Stein verwundete e- am Juiaeii; trotzoem es dunkler wurde, wäre das gequälte Geschöpf erlegen, wenn die Kinder nicht plötzlich m einer Lichtung des Gehölzes Stephan und Souvarine erblickt hätten. Schnell warfen sie sich auf ihr Opfer und steckten es wieder m den Korb. Fast im selben Augenblicke machten die vier Spieler ihren letzten Wurf; der Ball rollte bi» dicht an den Platz, auf welchem Stephan sich befand; die Partie war beendet. auf Anordnung des Nnt«rsuchungSrichterS bereitet. Man wünschte Liederhefte, wie solche am Badischen Arbeitertag im Besitz vieler Theilnehmer waren und nachträglich vcm Herrn Lanoeskowm ssär v«> boten wurden; sodann sollten Korrcspon» denzen des Herrn Kalnbach in Karlsruhe erhoben werden. Da wir nicht damit dienen konnten, verlief die l, stündige Durch. fuchung sowohl bei uns als auch bei Herrn Eugen Geck resultatlos. — Wie wir nachträglich hören, ist dasselbe bei Kalnbach in Karlsruhe geschehen. InuvngsLdergriffe. Die Bäckerinnung zu Dresden und Umgegend erläßt eine öffentliche Bekanntmachung, in der fie mitiheilt. daß sie wegen der hohen Mehlpreise, der.hohen städtischen Mchlsteuer und der Steigerung aller zum Betriebe gehörigen Bedarfsartikel feste Sätze für den Verkauf von Back« waaren und für das Backgeld festgestellt hybe und alle Zu« Widerhandlungen mit Strafen ahnden werde. Die Auferlegung einer Strafe wegen Nichtinnehaltung des Jnnungitarifes ist absolut ungesetzlich, und kein Bäckermeister braucht sich irgendwie an den Jimungsbeschluß zu kehren. Da» Derbot de«„Sächstscheu Mocheublatt«»' hat folgenden Wortlaut: Die unterzeichnete königliche KmShaupt« Mannschaft hat auf Grund von§ 11 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" vom Oktober 1878 die Nummer 141 des laufenden(7.) Jahr« 21. ganges der periodischen Druckschrift: „Sächsnches Wochenblatt. Organ für Politik und Volks- wirlhfchaft. Erpedition, Druck und Verlag von Schön- feld u. Harnisch, Dresden. Verantwortlicher Redakteur H. Rohrlack, Plauer-Dresden", sowie zugleich das fernere Erscheinen dieser periodi- schm Druckschrift verboten. Dresden, den 25. November 1889. Königlich Sächsische Kreishauptmannschaft, v. Koppenfels. Gründe: In dem auf der zweiten Seite der Nr. 141 des„Sächsi- fiten Wochenblattes" beginnenden, mit X Burgk bezeichneten Artikel wird in Betreff einer bei Gelegenheit einer Feier für Bergaibeiter von dem betriffenden Arbeitgeber angeblich ge« haltenen Ansprache, in welcher bei Erwähnung der Frühjahrs« bewegung unter den Bergaibeitern auch der armen Opfer, die sich von gewissenlosen Agitatoren zu unüberlegten Handlungen hätten hmreißen lassen und nun dafür büßen müßten, gedacht worden sei, folgendes bemerkt: „Ganz recht! Sie find Opfer und bedauernSwerthe Opfer, das ist fraglos. Aber wessen Opfer sind fie? Die Opfer ge- wiffenloser Agitatoren, nach der Meinung des Henn Baron von Burgk; nach unserer Meinung aber und nach der Meinung aller Einsichtigen, deren Urtheil nicht durch daS Kiasseninteresse getrübt ist, find sie Opfer des Kapitalismus, des Klassenstaats. Der Kapitalismus, der den Arbeiter ausbeulet, bis ihn die Ver« zweiflung packt, des Klassenstaates, die(d. h. der) den ver« zweifelnden, sein Recht suchenden Proletarier kurzer Hand beim Kragen packt und ins Zuchthaus steckt." rc. Hierin treten die im Allgemeinen von dem„Sächsischen Wochenbl." vertretenen, in§ 11 des Reichsgesetzes vom 21. Okt. 1878 gedachten Bestrebungen in einer den öffentlichen Fr, eben, insbesondere die Eintracht der Beoölkerungsklaffen gefährdenden Weise zu Tage. Denn wenn Diejenigen, welche wegen gewalt« samer Auflehnung gegen die öffentliche Ordnung bei jener Ar- beiterbewcgung bestratt worden sind, so bedamrnSwertheOpfer des Kapitalismus und des Klassenstaats, welcher den verzweifelnden sein Recht suchenden Proletarier kurzer Hand beim Kragen packe und ins Zuchthaus stecke, bezeichnet werden, so richtet sich dies nicht nur gegen die bestehende GeselltchaflS- und Staat«- ordnung selbst, sondern es wird dadurch auch unzweifelhaft die Neigung zu gewaltthätigem Umstürze erregt, zugleich aber wird, insbesondere durch die Behauptung, daß die Äi beiter durch den Kapitalismus ausgedeutet würden, bis fie die Verzweiflung packe, der Klassenhaß in hohem Grade gereizt und geschürt. Ferner finden sich in dem auf der dritten Seite der Nummer 141 des„Sächsischen Wochenblattes" unter x Zittau adgediuckien Artikel gegen Ende noch die Worte: „Sollte etwa dort die industrrelle Ausbeutung der von Ihnen gemeinte„Gott" sein? Nun gut, so werden wir diesem Gott Opser bringen, damit es in Zukunft besser werde." „Es kommt ja bald Reichstagswahl, da werden wir unsrer Würde bewußt sein und unsere Stimmen für den Arbüterkandidcten abgeben, um so Protest einzulegen gegen die Bedrückungen und menschenunwürdige Behandlung des Proletariats." Auch hierin liegt unzweifelhaft die Aufreizung zum Klassen- haß, und damit treten auch in diesen Worten die Umsturz- destrebungen zu Tage. Hernach findet das Verbot der gedachten Nummer des „Särdfischen Wochenblattes" in der Bestimmung im eisten Ad- satze von§ 1l de« RerchSgesetzeS gegen die aemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 seine vollstänvige Begrür dung. Ebenso rechtfertigt sich abcr auch durch die Bestimmung im 2. Absätze drese« Gesetzesparagraphen mit dem Verbote der Durch das ganze Land, auf allen Chausseen, auf allen Wegen und Stegen marfchirten jetzt einzeln oder zu Zweien die Kohlenleute zum Rendezvous im Walde von Vandame. Alle Arbeiterviertel leerten sich, selbst die Frauen und die Kinder zogen mit, als gälte es, einen Spaziergang zu machen. Es war finster, man unterschied nicht mehr die herankom- wenden Gestalten; aber ihr gleichmäßiger Schritt hallte auf dem hartgefrorenen Erdreich, wie sie, Alle von Einem Ge- danken beseelt, demselben Ziele zuwandelten. Am Waldes- säume strich es knisternd durch daS spröde Gesträuch; ver- worrene Stimmen murmelten, und dunkle Schatten verloren sich zwischen die Bäume. Herr Hennebeau kehrte von einem Spazierritt heim. Er war vielen Paaren auf der Straße begegnet; manche Stimmen drangen auS den dunklen Feldern undeutlich an sein Ohr. Wieder Liebespaare! dachte er, wieder Glückliche!... Und diese Leute sind unzufrieden mit ihrem Loose; sie genießen mit vollen Zügen daS Glück der Liebe und nennen sich elend! O, gerne hätte er gehungert wie sie! O, tausendmal wäre er bereit gewesen, mit ihnen zu darben! Ach wenn er noch einmal könnte geboren werden, geboren werden al» Einer von diesen Männern, nur um ein liebendes Weib mit ganz hingebender Zärtlichkeit in seinen Armen zu fühlen! Aber sein Unglück war ohne Trost und Hoffnung; er dachte mit neidischem Schmerz seiner hungernden Arbeiter, und das Haupt trauererfüllt auf die Brust gesenkt, lenkte er zögernden Schrittes sein Pferd nach Hause, bis in die Seele betrübt den Stimmen lauschend, die durch die Nacht über die Ebene schwirrten und die er für Liebesschwüre hielt und Küsse! Sechstes Kapitel. Es war im Plan-deS-DameS, einer großen Lichtung, die sich nahe am Rande des Waldes von Vandame, nach einer Seite schräg abdachte. Prächtige alte Buchen umsäumten den Platz, gerade, hohe Stämme, eine weiße Säulenhalle mit grünlichen MooSflechten wie Marmor gefleckt. Im dürren Grase lagen abgehauene Riesenbäume, und auf der Linken war gefälltes Holz zu einem regelmäßigen Viereck aufgestapelt. Die Kälte nahm mit der Dunkelheit zu. Das gefrorene MooS brach knatternd unter den Füßen- es war einzelnen Nummer das weiter ausgesprochene Vnbot de« fer« neren Erscheinens der fraglichen periodischen Druckschrift und mag in dieser Beziehung noch bemerkt werden, daß diese Zeil« schnft ibrer seitherigen Haltung nach im Wesentlichen nur auf- mieglerischen Zwecken dient und daß bereit« früher einzelne Numme' n derselben verboren mm dm sind. Do« dem ArbetterMahlk»«tt-» i»«ffeuburg ist für die Mitglieder deS Neichsiags em Bericht gedruckt worden über die Handhabung de« Sozialistengesetzes und des R'ichSwahl- gesetzes bei der Erlctzwahl im Wahlkreise Off.nburg-Kedl. Der Bericht ist, wie die„Volks- Ztg." mhtheilr, vom Apnl d. I. datirt und von dem sozialdemokratischen Kandidaten G.ck aus« gearbeitet, als er sich im LandeSgefängniß zu Freiburg befand. Am Schlüsse des Bericht« thcilt das Komitee mit, daß das badische Ministerium de« Kultu« und der Justiz die Absen dung dieser an die Wahlp-üs�ng-kommission des Reichstag« aerichteten Schrift nicht genehmigt haben soll und zwar wird die Verweiae« rurg wie folgt motiv» t:„Der Gefangene kann nach der Ge- fängnißordnung nur mit Behörden und Personen in schnftlichen Verkehr treten. Die WahlprüfungSkommisfion de« Reichstags fei aber keine Behörde im Sinne de: Gefängmßordnung!!!" Das Komitee fügt hinzu, als G.ck das Gefängniß verließ, war die Session des Reichstags zu Ende und deshalb schien eine Zu- sendung an die WahlprüfungSkommisfion nicht mehr angezeigt. Mit Bezug auf die letzten Verhandlunaen im Reichstag hat das Komitee gegenwäriig die Schrift veröffentlicht. UebrigenS wird berichtet, daß die Handhabung de« Sozialistengesetzes in anderen badrfchen Wahlkreisen eine ähnlich« gewesen ist, wie im offenburger. Voraussichtlich werden die betreffenden Vor« gänge in nächster Zeit im Reichstag nochmal« zur Erörterung kommen! Urrsuch mm ZeuguißMaug. Die Hamburger„Reform" hatte eine Miltherluvg erhalten in Betreff der Bestimmungen des Senats über die Polizeistunde. Ein Herr August Prefo wurde nach Einleitung der Untersuchung„wider Unbekannt" als Zeuge vor den Amtsrichter geladen, um die Person zu er- mitlein, welche durch Verletzung der Amts- oder Dienstpflicht der Hamburger„Reform" die Mittheilung gemacht. Preso beschwor, daß er durch Beantwortung der Frage sich selbst der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aussetze. Gleichwohl ver- bängte das Amtsgericht über Pieso Zeugntßzwaugshafl bis zu 6 Monaten, ließ ihn tnhaftrren und verurlheilte ihn außerdem zu 100 M. Geldbuße wegen de« brsher abgelehnten Zeugnisses. Derselbe Amtsrichter, ein Assessor Dr. Miltelstein, hatte vorher Pieso in AuSsickt gestellt, vom Senat ein Dekret zu erwirken, welches ihm für den Fall, daß er den Beamten nenne. Straf- losigkeit wegen Bestechung garantrre. Das Landgericht in Hamburg hat indessen das Erkenntniß de« Amtsgerichts auf- gehoben und Pieso au« der Haft befielt, weil er durch seinen Erd genügend glaubhaft gemacht habe, daß er durch Beant- wortuna der an ihn als Zeugen gerichteten Fragen sich selbst der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aussetzen würde. Dvesdeu, 27. Novbr. Das vorgestern erfolgte Verbot der letzten Nummer des„Sächsischen Wochenblatt«" und de« weiteren Erscheinen« diese« sozialdemokratischen Organ« gewinnt dadurch ein ganz besondere« Interesse, daß es wieder einmal zeigt, wie vollkommen unmöglich es ist, die auf drn „Umsturz" gerichteten Bestrebungen der Sozialdemokratie u. s. w, gegen welche da« Sozialistengesetz sich angebäch ollem richten soll, von den einfachsten und nalürlichsten Klassenbestrebungen der Arbeiter zu trennen. Den Anlaß zu dem Verbot des„Demokratischen Wochenblatt" haben nämlich zwei Notizen(wie wir in den„Gründen" des Näheren ausführen. Red.)— in lokalen Korrespan denzen— geliefert, welche mit sozialdemok.alischen und sozial stlschen Be- strebungen gar nicht« zu thun haben und sich ausschließlich gezcn den„Kapitalismus" und„die industriell« Ausbeuluag" wenden, d. h. gegen ein System, da« vor einem Jahrzehnt noch von köhlergläubigen Anbetern des Bestehenden für eine Erfin» dung der Sozialdemokraten erktärt wurde, an d.sscn that- sächlichem Vorhandensein heutzutage aber N>ema-> d mehr zweifelt. Die„Mißliedigkeit", deren das„Sächsische Wochenblatt" sich schon seil längerer Zeit in maßgebenden Krei- sen erfreute, ist überhaupt nicht auf dessen politische oder theoretisch-prinzipielle Haltung zurückzuführen, sondern auf die Belluchtung von Mißständen ,n Fabriken und sonstigen Wrrk- und Betriebsstätten. Wohl ist wahr, daß nicht in allen FällenlzdaS„Sächsische Wochen- blatt" seine Behauptungen und Anklagen zu beweisen vermochte, indeß das ist doch kein Grund für ein Verbot, und läuft doch nicht dem So ialistengefitz zuwider. Es bedarf keiner Auseinandersetzung, daß die Presse ihres Amtes, Uebelstände an« Licht zu ziehen und eine Beseitigung derselben anzubahnen, nicht walten kann, wenn jede nicht beweisbare Behauptung als ein strafbare« Vergehen angesehen wird. DaS hieße der P-csse den Mund verbinden, hieße sie knebeln. Von frivolen und boshaften Ver- läumdungen abgesehen, die wir hier nrcht im Auge baben, reicht gegen i r r t b ü m l i ch e Behauptungen der Berichtigungkparagiaph des Preßgesetzes au«. Wir betrachten es für ein Ze chen der Ungefundhert unsere« öff.ntlichen Lebens, finstere Nacht unter den Bäumen und in der Lichtung; oben aber schatteten sich die hohen Astkronen an dem bleichen Firmament ab, wo der volle Mond, langsam emporrückend, die Sterne verlöschte. Fast dreitausend Kohlenmänner waren schon versammelt, füllten mit Weib und Kind den Platz und drängten sich bis unter die Bäume am Saume der Lichtung."Noch immer kamen Nachzügler; weiter breitete sich die wimmelnde Schaar unter das Gehölz aus und ein Stimmengemurmel schwoll rauschend durch die wühlenden Schatten, als wenn ein Wind durch den frosterstarrten Wald brause. Oben, die Lichtung überblickend, stand Stephan mit Rasseneur und Souvarine. Sie stritten miteinander; ihre heftigen Stimmen übertönten das veworrene Geflüster der Menge. Maheu neben ihnen horchte mit finsterem Schweigen; Levaque ballte zornig die Faust, und Pierron wendete sich mürrisch ab, mißgelaunt, daß er seine Krankheit nicht länger hatte vorschützen können. Die Alten, Bonnemort und Mouque, saßen, in Gedanken versunken auf einem Baumstamm. Dahinter standen Zacharias, Mouquet und andere Burschen, die gekommen waren, sich die Zeit zu ver- treiben; während andächtig, wie in einer Kirche, die Frauen in ernster Gruppe beieinander saßen. Die Maheude, stumm wie ihr Mann, schüttelte das Haupt zu den Flüchen Levaque'S; Philomene hustete, denn seit dem Winter hatte ihre Bronchitis zugenommen, und die Mouquette lachte über die Brulc, welche die Pierronne eine entmenschte Tochter schalt, die sie hierher geschickt habe, um daheim Kaninchen- braten zu essen: eine Vettel, so liederlich, wie ihr Mann feig und erbärmlich ist; und was der giftigen Reden mehr waren. Jeanlin kletterte auf den Holzstoß, zog Lydia empor und ließ auch Bebert hinaufklimmen; dort oben standen die Drei hoch über alle« Ändern. Der Streit ging von Rasseneur aus, der ein Bureau erwählen wollte. Er konnte feine Niederlage im„Lustigen Bruder" nicht verwinden und hatte sich geschworen, die Scharte wieder auszuwetzen und hier, wo er sich nicht mehr den Delegirten, sondern dem ganzen Volk der Kohlenleute gegenüber befand, seine frührere Autorität zurück zu erobern. Stephan fand die Idee, ein Bureau zu I daß jede unangenehme Kritik sofort als persönliche Beleidigiw? autgesaßt und zum Gegenstand einer gerichtlichen Klage g* macht wird.— Die zweit« Kammer verwies beut« die zwei sozi«''«- demokratischen Anüäge auf Abschaffung der 3 unteisto s.Seiagt, «uerstusen und auf Uaentacltlichkeit de« Schul'«läge wv Einkommen st'uerstufen M. « SM, , f bie Ft. •'Be bet' 44 O uup 44■ l CUl l( 1 1 VVW f f jfrf, T umerrichl« vor die Kommission, oder wie man hier sa;'- ,.,"ichers vor die„Dcputation". Die Majoiität«st also etwa« talerauier gemvlden; dieselben Anträge wurden in fiüheren Sessioue» a limine— von vornherein— abgewiesen.—, Der Tod des Reichs- und Landlagsabgeordneten Clav» von Chemnitz wird die baldige Vornahme eincr Landtag*' Eisatzwahl in Chnnn'tz roihwendig machen. Die Eoz«»' dernokraten, die von den drei Chemnitzer Land agSwohlficM zwei schon haben, hoffen auch den dütten zu erobern. einer Reichstags- Ersatzwahl wird eS so nahe dem S der Legislatu Periode wohl kaum mehr kommen. Glberfielk», 27. Nov. Auch die heurige Verhandlung Sozialistenprozeß nalm für die Angeklagien einen sehr g"»' liehen Verlauf und trug wieder dazu bei, die Anklage wescnl- lich zu eniki ästen. Es k-men eine ziemliche Zahl von Zeug� zur Abfertigung und zwar meistentheil« auswärtige deamle und Gendarmen. Die Angaben derselben enthi'lw' aber für keinen der Angeklagten B-merkentweitheS. M't dfil Zahl der vernommenen Zeugen stieg unter allen Anwest«»� auch das Staunen, wie die Anklage«inen solchen Apparat � Bewegung setzen konnte, au« dem für fie nur eine mrral«!»' Niederlaqe über die andere eifolgt. Unter den vorgelalnusu Zeugen befand sich auch der schon gestern erwähnte 10 ,z,M Knabe, ein bleickiS. sebr irnrhia.ffmh. daS Knabe, em bleich, S, sehr dürftig aussehendes Kmd, das dem rechten Auge eine Binde trug und weinend vor den P'� fidenten trat. Ein Gemurmel der Entlüftung ging bei dud Szene durch die Reihen der Anwesenden. Aus dre Frage d'' Prasidenlen an das Kind, ob es etwa« aussagen wolle, wortete da« Kind schluchzend mit Nein, worauf e« der den« sofort entließ. Wie die Anklage glauben kann,* solchen Zeugen Eindruck zu machen, das mögen Götter wissen. Der Vater des Knaben erzählte rf' der es hören wollte, daß der Kleine von dem Poliznkoinirf Kammhoff in Elberfeld bei der Haussuchung dadu ch zu»j! sapen gegen seinen Vater gezwungen worden sei, daß Ka«� hoff ihm gedroht, er nü-de ihn in Ketten legen. � W> iler wurde im Laufe der heutigen Vethandlung Vernehmung verschiedener Gendarmen konsiatirt, daß der& seine deren sfe höh. Eoziald Mlagtrn ni der �ei sir i «log zr nnb n theilur jnm 6 P-äsidn im in i'm und fl'ümlorn ®et £ K ®ie vor JOrtti: Seuoc j i>m Press M.n Ii? flutte tc ??fidung lerneymang veriwreoener isenoarmen ronllaurt, vvß oer �» rne Aussagen auf anonyme briefliche Angaben dm iliu»' l�&tr eren Richtigkeit er nicht geprüft und deren Verfasser«!!,(R'* ermuthe, der ihm aber nrcht cenau bekannt sei. B j«v£ ------ Vi101* L-uö » wfc»V»»» ui'tt muu venuu vciamu>4,» anderer halte einen Angeklagten mehrfach üdeiwacht, u** dieser angeblich von Eibeiseld kam und ein Packet de» fichä«' indem wieder angeblich veibotene Schrrfien sein sollte"�? unterließ es aber, den mulhmoßllchen Sünder zu fassen/' das Packet zu untersuchen. Ein dritter wußte von gth*®. Versammlungen zu erzählen, die man nur von Ferne beoM'' ober nicht aufgehoben halte, weil man die Ordre grhabd � Leute gewähren zu lassen, um zu sehen, was be, der heraus komme. Die Polizei duldete also Verletzungen' preußisch-n Vereins- und Veisammlungsgefitzes und vtlschi'°R an dm Vergehen, ch> e emzuschieitenundwarschließlich nicht el"?� im Stande, angeben zu können, was verhandelt und wurde. u Die Anwesenheit des Zeugen Pfannkuch aus Kassel � von den Angeklagten benutzt, um Aussagen über die Stj/�j der Fraktion zum„Sozialdemvkiat", zum Schnstenvertrilb- L schwarzen Liste, zu den Schiedsgerichten rc. zu erlongev'_ sich in allen wesentlichen Punkten mit den Angaben der*®� klagten dickt n, dagegen den Angaben der„Perlrauenswä�, der Polizei in allen Punkten direkt widersprachen. Jernls?!# statirte der Abg. B bel unter Anführung der deziC� Stellen, daß die Aussagen des PosizeikommlssarS KämmNA zum Theil fast wörtlich mit den Ausführungen einer deckten, die der Polizei-Jnspeklor Krieter in Magdet>st � Jihr« 1887 hatte erscheinen lassen. Diese Schrift füllte � Titel:„Die geheime Organisation der sozialdemokcotl!� Partei. Nach autoritativen Quellen beaib eitel W. Krieler, königl. Polizei-Inspektor in Magdeburg-',� Schnfl führt sich also als eine Art halbamtlicher Qu-llevM em; als aber im vorjährigen Geheimbundsprozeß in der Verfasser jener Schrift, Polizei- Inspektor Kcieter, ncben.�, Bebel, als Zeuge aufgetreten sei, habe Krieter zu semer größttr U-derra'chvng etwas ganz Anderes was seine Schrift enihält, als die Organ, saiion der frzi�i�ij kcatischen Partei angeführt und beschworen. Er habe aber jfie Genugihuung gehabt, daß, obgleich der : zu Hause, hier kann Niemand uns ins Wort fallen;'0 wie sie den Vögeln und anderen Thieren Schweigen S können." begr� Ein Beifallssturm, Rufe und Zujauchzen diese Worte, und hundert Stimmen antworteten: wir Rede!" „Ja! Ja! daS Recht, Der Wald ist unser!.... zu sagen, was wir wollen Stephan blieb einen Augenblick stumm und jV/ Der Mond beleuchtete immer nur noch die Wipfel ber#- und die wogende Menge umhüllte nachtschwarzes � yg Langsam verklangen die Rufe; die begeisterte Beweg dreitausend dunklen Gestalten erstarrte in er wart M harrendem Schweigen; Stephan auf seinem schnitt wie ein schwarzer Schattensfieif auS dem finster hervor. Er hob einen Arm, dann begann er � von � e Seine Stimme grollte nicht mehr, er sprach kalt, Volksvertreter, der seinen Rechenschaftsbericht war die Rede, welche der Polizeikommissär ihn � M im„Lustigen Bruder" zu halten. Er gab zunächst licher Kürze einen Ueberblick deS ganzen Strci- �« fachen, nichts als Thatsachen: Niemand hat den � p wünscht; er selbst ist durchaus kein Freund davon, l Kompagnie hat sie durch ihr«, hat sie durch drängt. Er erinnerte an Delegirten mit dem Direktor, v?!« <.sie r vi*- r?enbuT d�en P fy Ka ki & Er re K u" e itthe l«» Ii,1»") G' Ah hii* « A w ei 5ben? 4 sie an die SelHbtgiaj Wm Monaten, von GewissenLiissenS gedrängt, fußfällig > Klage i* Gevandniß pemacht, daß er der Polizei Dienste leiste. �ldie Fraae welche Verhältnisse es feien, die W ber in die ,«« der Polue? getrieben, erklärte der Zeuge, daß Weber ,Kt'agt, der Polizeikommissar W i l f i n g habe ihm in der i sozial 3 untast�I�__________ de« Schu�•"logt wider seinen Schwaaer, der wegen eine» Sittlichkeit«- n hier sa�'- t,,?�en» ano« klagt war, Gefälligkeiten erwiesen und !» wleraiuer �»r höh. ihn verpflichtet, ihm Dienste gegen (WP------- wo !N 61 Olli nblflgf >>e Soznr n®�iolberp�fltic zu Wfltn: �e verioutet, beobstchttgt da Liü?ten ��l>el nach Beendigung de« Prozesse« da» Ver- ber Staatsanwaltschaft und die Rolle der m diesem Proreß»um Gegenstand einer Erörterung im ne j.,,?. 3 iu machen. In hiesigen Juristenkreisen, und iwahlkcci'ra»'s nnd rührige Besucher der Verhandlungen, hält man eine odkiru M �"Heilung der Angeklagten auf eine allgemeine Verbindung KM Schw»«n m ö g l i ch. Im übrigen muß konftatirt werden, daß Viastdent, der zwar sehr scharf inquinrt, die VerHand. andlung in. m durchaus objektiver Weife leitet und den Ange- sehr glück'(t8'm und der Vertheidigung nach allen Richtungm möglichst oge weserl' pWtiktiTnmt. von ZW 'S«« i entdultea s. M'tt" Zlnweseaös» App-r-'" e worallsa' orfle!adtp� e 10 jähf'S- � ., da« u°5 J'den. r den j bei di'j'c r Frage d-« wolle, Ä ! der P-�' »e tu Clberselder KozlaUellprozet. 8. Tag der Verhandlung. Präsident läßt die Zeugenliste verlesen und dann die Zeugen zur Wahrheit, da sie vereidigt �>e vorgelegten Fragen werden von den Zeugen wie folgt •"»ortet: Hellmann, Agent aus Elberfeld(vereidigt): kam'-—•■•-•■• kann mögen blte 1**' jftfomin" ch»n� daß wdlung� >vb der f dm ma� äffet«r' nt fei. w '°cht. � bei sich l", x sollte«'? fassen�' zu mir und offerirte mir und einem Freunde die e". Ich bin Demokrat und sagte Harm, daß dann alt im Sinne dieser Partei redigirt würde. In Bar- einem Anderen eine 1�, Press It- Oatte ich dann mit Röllrnghoff und �t,�. � llv wuiiu uiu i/iuuiiiyvwii u»iw tiutui eint •rf W i n® über den Stand der„Ft. Pr." gehabt und dar- i,»-! tlebernabme abgelehnt. GilleS war zur Zeit der Grün- � �-MWWM abgelehnt. Vet--Fr. Pc." Demokrat. K'-*'»WWW Jtbt 7.?Sx 3�aiLM et der, düngen° veilchir�,! >rii»te>n' und lasse! >ie Strll� vertrild' langen.�, n der �- iknswa??, FeN�L. bejut-löt .mm»«»" einer agdebwi�, Sx SL libritet SjL, i Düsses rrfe ■T®� foo'V k t,« er rbea nftagt an, '"Si't ber Polizeikommissar L e l e u s(vereidigt): 1885 ütn ich die Funktionen der politischen Polizei. ES mir drpeschirt, daß sich in Blanker stein Sozial» fcT'roten ansammeit-n; ich ging dorthm ab und setzte jjjjjt dem Oderwachlmeister in Verbindung. Mit diesem "lu K � l>en Ort der Ansammlung. Wir dörten ein drei- 5? Hoch und bann gingen die Leute weg. Wir hörten von �""»hen Fahne und einer Versammlung am Morgen. Ich i�uch von einem Renkontie zwischen Turnern und Sozial« ffioten. Auf dir Rückreise hörte ick im Koupee nickt« i�kndes. Mit Corde« und Tastig fuhr ich hierher. Ich irrige Leute mit rothen Shlipfen bemerkt. Alle trugen ein rolhes Abzeichen. Ber der Vernehmung über die lüjjtwlung in der Beek hat sich nichi« herausgestellt. Eine '?>mlung hat aber stattgefunden. L oNlge Clemens ,z�Gastwirth au« Elberfeld(vereidigt): 55'"ohne dim Angektagien Gustav Jinke gegenüber und sah Mal Horm ein- und aasgehen, am Tage; auch "Mberger sah rch einmal an der Thüre. (.fleirge Lipt an, Lehrer in Elberfeld(vereidigt): In dem geleiteten Gesangverein bemerkte ich k ine sozialistischen Übungen, wußre aber, daß viele Mrtglredec Sozialdemo- l, waren. Bei einer Syloesterfeier wurden gegenseitig Ge- gemacht. Wimmers fand sich dabei beleidigt und trat *»em Verein au». Als ich vorher seinen Rucktritt als t, 5/» wünschte, war man allgemein dagegen. Ich Hörle, daß ? Polizeijp on betrachtet wurde. �'iuge Dr. Schönlank, Schriftsteller au« Nürnberg: 5 0t""j'ch hier, um eine Versammlung abzuhalten. Von wem lth-k M wurde, weiß ich nicht mehr. Ich kam von Köln !tr>." Die Versammlung wurde aufgelöst. An anderen ,la�s»'Ungen habe ich nicht Theil genommen. In der Re- Üliik? u'1»Fr. Pr." habe ich Zeitungen gelesen. In der bergischen eads.�'0 Neviges oder Velbert werß rch nicht) war ich; die be- UtwT.'Bte Gewerkschafisoersammlung kam nicht zu Stande. ßrt A,n"�reie Presse" habe rch nicht ander« gesprochen, al« Erne Revision der Bücher habe ick nicht vorge- i» verstehe auch nicht« davon. Die eine Versammlung .Isfeld war erst verbotm, dann gestattet und aufgelöst, liht? Mla:„Meine Herren!" Die Reisen untemehme ich h.jj"ht mehr. Damals ging ich nach dem Rhrinland, um �dir, ,'rho>en und die wirthschaftlichen Verhältnisse zu lr�»' die Versammlungen besuchte ich, um für die Arbeiter- thf«u ogitrren. E« geschah au« eigener Initiative; von Kftm e» i»ine kleine Summe zur Deckung der nolhwen- °Üen erholten. Od ich für die Tour nach Neviges wurde, weiß ich nrcht. ,7, 3� gab Dr. Schönlank 20 M., 10 M. aus � und 10 M. von Dr. Rüger. k i.■• S ch ö n I a n k: Ich stehe nicht in dem Verhältniß �»'oldemokratischen Partei, wie Dr. Jerusalem zur national- : vorA bi« � Hie, ■ sp� EIN r b esch� u«»er.� er uns' ir uns sind?, ' sO�ä> Hi-dZ? derB"� -« vegunS� Jrtun0#' ihten lern ßh■jfegie und deren endliches Entgegenkommen, nach- V sie vorher versucht, sie zu bestehlen. So weit ist �letzi. Die Kasse ist leer. Er wie« mit Zahlen die �i> der Gelder nach und entschuldigte in ein paar Pluchart und die Internationale, die, mitten indem »>hu um die Eroberung der Welt, nicht mehr für M � sännen. Die Lage verschlimmert sich von Tag zu ,°i)'t Kompagnie giebt die Arbeitsbücher zurück und HiiA, �»satzmannschaften aus Belgien zu verschreiben; sie >h Schwachen ein und hat� bereits eine Anzahl �nen vermocht, die Arbeit wieder aufzunehmen. •iedx weihte all' diese ungünstigen Dinge in monotoner S|„si einander, sprach von dem Sieg des Hungers, von n. t Todeszucken des Kampfes, und dann, ohne den Rheden, schloß nen, ."�o liem er: en die Dinge. ES gilt, einen Entschluß zu n fi* t iv>e � orlieü Ljh -« st""M ff} •■Si zöeig' «5 �-�vut' Ihr die Fortsetzung deS Streiks? Wenn Ja?, .ar es nicht mehr der Sekretär ihrer Hilfskasse, «< bei? sprach, es war der Apostel der neuen Wahr- , lKgxjß� Rede durch den Wald tönte: Sollte b�en»'Men Feiglinge geben, die ihrem Worte untreu ,'si rynn. est; einem Monate hätten sie umsonst gelitten, ä» setzt gebückten Hauptes in die Grube zurück- «p'e'ez■ alte Elend wieder von vorne durchzukosten? rjij) 7»'cht tausendmal besser, wenn es sein müßte, Vi ss o n Zu wagen, indem sie mit letzter Kraft ver- tK. a."ewaltsam die Tyrannei des Kapitals abzuschütteln� f � fffrrnVß 4rpiF\+ 8 oä nitfii<»tn iy. s»■ und Elend treibt? Sei es nicht ein ..... immer wieder vor dem Hunger zu Kreuze oijjft'en en' darben, bis derselbe Hunger die Ge- ZU neuer Empörung reizt? (Fortsetzung folgt.) liberalen. Auf meinen Eid kann ick versichern, daß weder in Rümberg noch in Fürth geheime Verbindungen bestehen; e« sind nur Vereine für volksthümliche Wahlen vorhanden. Agi- tation im Sinne der Anklage medl es nickt. Grillend«rger: Der Nürnberger Wahlverein ist sieben Jahre alt. Die Parteithäriqkeit gefckah öffentlich. Dr. Schön lank: Von der Verbreitung des„Sozial- demokrat" weiß ich nicht«. Ick erhielt ihn früher unter Kouvert aus Zürich, einige Mal aus London, ohne darauf abonnirt zu baden. Auf meinen Eid kann ich versichern, daß ich keine Kenntniß von der Art der Verbreitung des„Sozialdemokrat" habe. Grillenberger: Die Verbreitung de»„Sozialdemo- krat" ist Privatsache. Dr. Schönlank: Das Wörlein'sche Geschäft ist Privat- sacke und steht in keinem AbhängigkeitSverhältnrß zur Partei. Selbstverständlich mocken die Parteileuten gehörigen Druckereien Arbeiten, die andere Druckereien nicht ausführen. Parteileitung ist die Fraktion. Grillenberger: Ich bin Miteigenthümer des Ge- schäft« refp. meine Frau, und da ist es natürlich, daß ich Bro- schüren zum Druck erhalle. Dr. Schänlank: Werthzeichen find Broschüren, deren Ueberschuß in den Unterstützungsfonds fällt. Die Reisekosten erhielt ich in Elberfeld. Bebel: Der Herr Zeuge wird bestätigen, daß ein be- kanntet Redner, wenn er irgendwo auftritt, auch in die Nach- barschaft eingeladen wird. Dr. Schönlank: Das kann ich nur bestätigen. Bebel: Während der Dauer dieses Kongresses(Heiter- keit) find mir schon Dutzende von Aufforderungen zuge- gangen. Der Zeuge wird vereidigt. Bebel: Der Zeuge wird zugestehen daß zwischen ihm, Grillenberger und mir ein gespanntes Verhältniß bestand. Dr. S ch ö n l a n k: Gewiß! Da« hat mich aber nicht ge- hindert, die Wahrheit zu sagen. Zeuge Stephan, Oberwachtmeister(vereidigt): In Lennep habe ick die Gendarmen beauftraat, die sozialistische Bewegung zu überwachen, um an Kommissar Wilsinj» Bericht zu erstatten. Auf eine Depesche hin ging ich nach WermelS- kirchen, wo ich wahrnahm, daß ein HauS stark beleuchtet war. Ich habe am Fenster gehorcht, aber Zusammenhängendes nicht vernommen. Ein Redner hielt einen Vortrag, den ich nicht genau verstand. Ob es Meist war, weiß ich nicht. Durch einen herausgelassenen Hund wurde ich gestellt. Als wir Einlaß erhielten, trafen wir etva 10 Personen, darunter Meist. Da« waren meine eigenen Wahrnehmungen. Von andern Versammlungen habe ich nur durch Gendarmen gehört und an Wilfing berichtet. Aus eigener Wissenschaft ist mir über die Verbreitung de«„Soz" nichts bekannt. Meist: Von wem kam die Depesche? Ich hatte meine Ankunft durch Postkarte avifirt und kam, um mit den Feilen- Hauern über gewerkschaftliche Organisation zu sprechen. Stephan: Die Depesche erhielt ich von dem beireffenden Gendarm, der von seinem Gewährsmann von Meist'« Ankunft gehört hat. Zeuge R a t t k e Gendarm zu Dahlhausen(vereidigt): Als Sozialdemokrat ist mir der Angeklagte Piepenbrink bekannt, auch nock Andere. Jetzt kommen sie nicht mehr zusammen, aber 1887 vor der Wahl. Eme Versammlung wurde überrascht, wo ein Vortrag gehalten wurde. Die Leute wurden ver- scheucht. Ich habe von der geheimen Versammlung durch einen anonymen Brief erfahren. Später fand noch eine geheime Ver- sammlung statt, wo, wie ich erfuhr, der„Rothe Teufel" vorge- lesen wurde. Das wurde mir durch einen anonymen Brief mitgctherlt. Eine unangemeldete Versammlung hat bei Piepen- brink stattgefunden. Es wurde mir gesagt, es wäre ange- nehmer, wenn man erfahre, was in der Versammlung gesprochen würde, als sie aufzulösen. Ich erfuhr durch anonymen Brief davon: über die Person de« Absender« habe ich nur Ver- muthungrn. Der Zeuge legt eintzsolcheS Schreiben vor. Ratlke: Die anonyme Mittheilung hat sich bei einer Versammlung bestätigt, in anderen Fällen nicht. Die Vertheidigung beantragt, den Brief zirkuliren »u lassen und event. dazu die Genehmigung der vorgesetzten Behörde zu verlangen. R a t t k e: Den GcwährSmann bezeichne ich nicht, auch liefere ick das Schreiben nicht aus. Piepenbrink ist von mir wegen Verbreitung verbotener Schriften angezeigt worden und da hat sich der Leseverein aufgelöst. Von meinem Gewährsmann habe ich anonym erfahren, daß Piepenbrink das Flugblatt ver- breitete, zur Pfingstzeit. Grillenberger: Als das Flugblatt verboten wurde, war es schon wochenlang versandt. In den meisten Städten wurde eS vor dem Verbot verbreitet. Piepenbrink: Weiß der Zeuge, daß in der Nacht, al« mir zwei Blätter unter der Thüre durchgeschoben wurden, Hunderte auf den Wegen lagen? Rattke: Nein. Als ich das Verbot las, hatte ich den Berickt schon gemacht. Verth.: DaS Verbot datirt vom 5. Juni; Pfingsten fiel fväter. Rattke: Eine Versammlung'zur Feier des GeburtS- tage« Lassalle'S wurde aufgelöst. Es war am 11. April 1885. E s p l ö r: Eine Versammlung war das nicht; ich machte mit Freunden einen Spaziergang in den Wald. Auf- gelöst wurde nicht«, sondern nur zum Verlassen des Waldes aufgefordert. Bebel: Ist eine gerichtliche Verfolgung erfolgt? Rattke: New. Die Zahl der Theilnehmer berichtete mein Gewährsmann. Nur durch den Gewährt mann weiß ich von den Versammlungen. Bebel: Die vom Zeugen angegebenen Zusammen- künfte fielen in die Wahlzeit. Wurde über die Wahl ge- sprachen? Rattke: Das weiß ich nickt. Bebel: Mir fiel auf, daß der Zeuge nicht gehorcht hat, als er Leute steben sah. Rattke: Ich habe nicht gehorcht. Der zehnjährige Zeuge K a r l K a i s e r wird vor- geführt. Der Angeklagte Kaiser(Vater) protestirt gegen die Ver- nehmung. Der Knabe verweigert weinend die Aussage und wird ent« lassen. Zeuge Hecht, Gendarm in Neviges(vereidigt): Ick habe in Neviges die Sozialdemokratie beobachtet. Ein Wirth hat mir gemeldet, daß ewe Versammlung bei ihm stattfand. Ich ging hin. Einige der Anwesenden trugen rothe Shlipse. Sie gingen auseinander. Was gesprochen wurde, weiß ich nicht. Später. 1887, fand ewe öffentliche Versammlung statt, zu der Dr. Schönlank mit Kaiser kam. Einer von den Sozialdemo- kraten sollte sprechen. Meist aus Köln war in Neviges; Sozialdemokraten waren um ihn. Meist: Ich konstatire, daß ich das erste Mal, als ich in Neviges war, von drei Gendarmen und zwei Polizisten von Wirtmchaft zu Wirthschaft begleitet wurde. Hecht: Ob Robert Kaiser Führer der Sozialdemokraten ist, weiß ich nicht. Harm: Ich habe für die„Fr. Presse" agitirt und wurde ebenfalls von Gendarmen begleitet. Es war keine geheime Versammlung. Kaiser: E« handelte sich um da« Abonnement auf die „Fr. Presse". Zeuge Meyer 11, Gendarm zu Neviges(vereidigt); Eine Versammlung ber Sassenhaus war in der„Fr. Pr." annonzirt; sie war theilweis« nur zum Schew, sie wurde nicht abgehakten. Eine andere Versammlung hat anderwärts stattgesunden. W e ich erfahren, haben sich einige Vertrauensmänner jeilwärts in den Busch begeben. E» wurde über Reichstagskandidaten ge» sprachen. Ob die Sozialdemokratie in Neviges organisirt ist, weiß ich nicht. Bebel: E« soll eine Scheinversammlung stattgesunden haben; das verstehe ich nicht. Busch: Ich war bei Sassenhaus; es war keine Versammlung, sondern ein Ausflug. Meyer: Die beiden Versammlungen fanden an einem Tage statt. Ich kann nicht sagen, ob auf Rosenhöhe die deichen Leute waren. Die Mittheilungen habe ich von einem Polizei- sergeanten. Bebel: Jetzt ist mir der Vorgang klar. Ein Ausflug wurde für ewe Versammlung gehalten. Meyer: Ob Kaiser den„Sozialdemokrat" verbrettet, weiß ick nicht. Er kam jeden Freitag mit einem Packet arS Elberfeld. Kaiser: Ick kam nie mit einem Packet aus Elberfeld. Meyer; Ick bin Kaiser einmal begegnet, als er ein Packet trug, am Freitag. Es wurde mir vorher von einem Gewährsmann mttgetberlt. Verth.: Kam Kaiser nur aus der Richtung von Elber- feld? Meyer: Er kam in gutem Anzüge au« der Richtung von Elberfeld. Mein Gewährsmann hat mir gesagt, da» Kaiser mit Harm in Verbindung stand und verbotene Schriste» holte. Bebel: Warum ist Kailer mit dem Packet von dem Zeugen nicht angehalten worden? Meyer: Ick sollte nur beobachten. Kaiser hat bei Ge- leaenhett der Wahl auf den Tisch geschlagen und gesagt: „Wenn wir auch kein Geld mehr haben, so hat die Parteikasse solche«." Zeuge Weber, Gendarm zu Bochum(vereidigt): Ick habe den Parteitag in Blankenstein beobachtet und hörte die Arbeiter-Marseillaise fingen. Sonst weiß ick nichts. Zeuge P f a n n k u ch, Tilchler aus Kassel: Ich bin mit Harm bekannt und war vor zwei Jahren hier, im persönliche» Interesse. Heber eine Organisation der Partei zu fragen, hatte ich keine Veranlassung. Ick hatte die Absicht, eoent. die „Fr. Presse" zu übernehmen. Grillenberger theilte mir mir, daß Harm einen Redakteur suchte: ich fand aber hier die Verhältnisse nicht dazu angethan, um nach hierher überzusiedew. Ich wurde einmal aufgefordert, hier einen Vortrag zu hallen� habe aber abgelehnt. Bebel: Ich will den Zeugen Pfannkuck noch ke- fragen, vorher möchteich aber den Zeugen Kammhoff noch inter- pelliren. Kommissar Kammhoff soll geladen werden; Pfannkuch wird vorläufi, noch nicht entlassen. R.A. Lenzmann: Ich habe beantragt, das anonym« Schrifistück herbeizuschaffen, um durch Schriften vergleichung fest- zustellen, daß e« von einem Polizeispitzel herrührt. Staatsanwalt: Ich beantrage Ablehnung de« An- trage«, da das Schriftstück unerheblich ist. R.-A. Lenzmann: Der Brief kann ebenso als Beweis- stück betrachtet werden, wie andere verlorene Briefe. Präs.: Da« Gericht wird beschließen. Es tritt eine Pause von 20 Minuten ein. Der Präsident verkündet, daß die Beschlagnahme der anonymen Briefe abgelehnt, dagegen die Einholung der E>- laubniß für den Gendarm Rattke. auszusagen, beschlossen sei. Zeuge Meyer-Elberfeld, Polizeikommissar(veteidigt): Bei von Schemm habe ich gelegentlich einer Hausluckung i» «•'ner Kindersparbüchse, die in einer Holzkifte lag, 338 M. ae- funden, welche mir die Frau a'S Ersparnisse ihres Mannes bezeichnete. v. Schemm: Da» Geld lag in einer Kommode in der Kindersparbüchse. Ick kann durch Zeugen bckunden, daß da« Geld von mir durch Arbeit erworben wurde. Meyer, befragt: 1885 fand in Gelsenkirchen eine Volksversammlung statt. Die Redner kannte ich nicht. Zeuge Polizeikommissar K a m m h o s s(auf Befragen Bebels, der die Aussagen Kammhoffs vom Freitag rekopitali't): Ich glaube nicht gesagt zu haben, daß die Fraktion den In- halt de«„Sozialdemokrat" bestimmt habe, sondern nur, daß sie von den wichtigsten Einsendungen vorher Kenntniß erhält. Es geschieht, daß Schriften, die in Zürich gedruckt werden sollen, von der Fraktion als zur Verbreitung geeignet erklärt werden. Meine Aussage bezüglich des Korrespondenten halte ick auf- recht. Die Fraktion hat Einfluß auf den Inhalt des„Soz.". Die Verbindung der Fraktion mit den Vertrauensmännern z. B. dem bezahlten Sekretär Motteler, wird durch meinen Kollegen Tilget bestätigt werden, der einen Vertrauensmann in der Schweiz hat. Die geheime Tinte ist nicht käuflich, fon- dern wird von den Färbern hergestellt, deren solche unter den Angek agten find. Bebel: Wie viel Parteisekretäre giebt eS? Kammhoff: Da« weiß ich nicht. Die am„Soz" An- gestellten wurden wir als Vertrauensmänner, resp. Partei- sekretäre bezeichnet. Bebel hat von diesen noch in diesem Jahre Geld erhalten. Bebel: Das ist selbstverständlich, da da« gesamml« Geld für verschiedene Fonds ist,' da« der„Soz." nickt behalten darf, weil eS ihm nicht gehört. Ist unter den Sekre- täten Tauscher? Kamm ho ff: Dieser ist mir bekannt, doch nicht speziell genannt. Daß die Fraktion moralisch für den„Soziatdemokrat" verantwortlich ist, ist mir von meinen Gewährsleuten be» stätizt. Bebel: Kennt Zeuge einen Sekretär Schlüter? K a m m h o f f: Den Namen kenne ich. Daß eine bestimmt« Person der Fraktion mit dem„Söz." in Verbindung steht, ist mir nicht bekannt. Bebel legte dem Präsidenten die bekannte Krieter'sche Broschüre über die Geheimorganisotwn der Sozialdemokratie, „bearbeitet auf Grund autoritativer Quellen" vor und bemerkt: Die Broschüre ist schon 1887 im Frühjahr im Buckhandel er- schienen und hat damals großes Aufsehen in der Presse aemachd, weil man glaubte, nunmehr sei die angeblich über ganz Deuisch- land bestehende geheime Organisation der Sozialdemokratie bloSgelegt. In dieser Broscküre wird namentlich auch gegen meine Auslagen vor dem Freiberger Landgericht polemisirt. Diese Broschüre enthielt nun genau alle diejenigen Angaben, welche der Zeuge Kammhoff als wichtige persönliche Wahrneb- mungen sowie sogenannten Gewährsmänner bezeichnet. Die Anklage hätte eS also viel bequemer gehabt, wenn sie dm Ver- fasser der Schrift, Polizeikommissar Krieter, als Zeugen zürne. Der ganze riefia« Apparat wäre dann überflüffia gewesen. Auf Ersuchm Bebel'« verliest der Präsident mehrere Stellm der Broschüre, die im Wesentlichen mit den Autfüh» rungen Kammhoff'S identisch sind. Bebel: Da« Vorgelesene stimmt also mit den Angaben Kammhoff'« überein. Nun bin ick vor jetzt einem Jahr mit dem Verfasser dieser Broschüre, Polizeikommissar Krieter in Magdeburg, bei einem GeheimbundSprozeß in Düsseldorf als Zeuge vorgeladm worden. Ich habe damals genau so auege- sagt, wie hier in den Auseinandersetzungen, die ich bei B ginn der Verhandlungm in diesem Prozeß machte, aber ick wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft nicht vereidet. Nach mir kam Krieter und sagte derselbe zu meiner größten lieber» raschung nicht s o aus, wie in seiner Brochüre stand, sondern er sagte gan z ander« au« und beschwor die«. Schließlich hatte ich die Genugthuung aus dem llrtheil des Gerichtshofs zu erfahren, daß der Gerichtshof auf das beeidigte Zeugniß Krieter« kein Gewicht legte, bogtgnt wurden meine unbeeidigt gebliebenen Aussagen o\S der Eacklag« entsorechend anerkannt. Di« Akten des Düsseldorfer Prozesses find in den Händen de« Gerichtshofes, er kann sich also von der Richtigkeit meiner Angaben über- zeugen« St.: Ich habe allerdings die Bcochüre gelesen. Ich erkläre aber, daß meine Aussagen nicht auf der Broschüre, sondern auf Mitibeilung'N meiner Gewährsmänner beruhen. Staatsanwalt: Die Ausführungen Bebels find wohl nicht für den Gerichtesaal bestimmt. Bebel: N cht für den G e r i ch t S s a a l, sondern für den G e r i ck t S h o f.(H-iterkeit.) Bertb. Lenzmann: Haben Ihre Gewährsmänner nicht «u» der Broschüre geschrieben? K a m m h o f f: Run. Sie stehen in Verbindung mit dem »Sozialdemokrat�. Bebel: Dann liegt«S im höchsten Interesse des Gerichts» bofes, diesen Vertrauen« mann kennen zu lernen und beantrage ih die Vernehmung desselben. Verth. L e n z m a n n: Haben Sie mit Ihren GewährS- männern die Anklage durchgegangen? Kamm ho ff: Allein. Ich habe mir Notizen gemacht und diese mit den Gewährsmännern durchgenommen. Ich kon- ferire jetzt noch täglich mit ihnen. Verth.: Von welchem Angeklagten haben Sie die An- klageschrift und haben sich diese Leute an Sie um Auskunft gewendet? Kammhoff: Darüber verweigere ich die Auskunst.— In Betriff der wir gestern vorgelegten Frage in Sachen der Frau Boll muh schlage ich als Zeugen den Sergeanten Jasch vor. Derlelbe thcilte mir mit. daß Bollmuh seine Frau miß» tändelte und dieselbe aus Aerger darüber den Sergeanten sogte:»Mein Mann girbt sein Geld an die Sozialdemo- kraten." Sie zog aus dem Rock ihre« Mannes den»Sozial. demokrat� und zeigte ihn dem Sergeanten. Verth. Lenzmann: Haben Sie in politischen Prozessen Geld für Aussagen gegeben? Kammhosf: Darüber will ich nichts aussagen. Zeuge Pfannkuch(auf Beftagen Bebels) 1864—86 gehörte ich der Fraktion an. Doch wurde nie über den„So- zialdemokrat" gesprochen; einmal wurde eine Erklärung an demselben geschickt, aber sogar in der Voraussetzung, dafe die Redaktion demselben ein»Dreckschwänzchen" anhängen werde. Em Mitglied des Fraktionsvorstandes standk soweit mit dem»Sozinldemokrat" in Verbmdung, als er Mitar- beiter war. Emflusi hatte er meines Wissens nicht. Die Ge- schäfisbücher des»Sozialdemokrat" wurden nie von der Fraktion revidirt, in der Frakiron wurde nie über die Verwolrung des »Soz." gesprochen. Von der Verwendung der U.berschüsse des ,,Soz." ist mir nichts bekannt; in der Fraktion wurde nie dar- über gesprochen: auch wurde vom Unterstützungsfonds in der Fraktion nicht Rechenschaft abgelegt. Bebel: Die Kontrole geschah durch außerhalb des FraktionSvorstandrS stehende Parteiaenossen. Pfannkuch: Ueber Unterstützungen wurde hier und da gesprochen und die Fraktion hatte ihr Einverständniß mit ein- zrlnen Fällen erklärt. Bebel: In einzelnen Fällen wurde die Fraktion vom Vorstand befrag», in anderen nicht. Pfannkuch: Paiteisekretäre kenne ich nicht. Bebel: Es giebt auch kein« Sekretäre des»Soz.", davon ist mir nichts bekannt. Pfannkuch: Ob Motteler den»Soz." verbreitet, weiß ich nicht. Seit Derosfi am»Soz." ist, habe ich ihn nicht mehr gesehen. Bebel: Derosfi ist jetzt in Amerika. Pfannkuch: Das weiß ich. Ebenso wie Frakt onSmitzlieder stand ich in animosen Verhältnisse« P »Sozia demokmt", weil er Artikel veröffentlichte, mit dene« nicht einverstanden waren. Einfluß auf den»Sozialdevtt hatte die Frck-ion nicht ausüben können, weil du daktion sich als selbstständig hinstellte. Grillenberg« v Liebknecht wurden nach Zürich gesandt, um das zu o« Es ist aber noch schlimmer geworden. Rur um ein W licheS V-rhältniß zwischen»Sozialdemokrat" und Freu»' herzustellen, wurden die beiden L-mte nach Zürich entsandt- Bebel: Die Fraktion wurde damals vom»Soz." � angeariffen. Pfannkuch: Eine Korrespondenz zwischen Froktio» Parteigenossin fiidet nur statt, wenn Anfragen kommen Institution der Schiedggenchte bestebt nicht. Nur auf� der Betr-fftnden wurden Streitigkeiten geschlichtet. In � reren Fällen wurde es abgelehnt, so mrhuS Erinneiw einem B.aunschweiger und Frankfurter Fall. Im ersten 6 war eg ein Streit zwischen BloS und Anderen. Die F™� bat bei der»schwarzen Lifte" nicht mitaewirkt. Auf« Harm'S wurde vie St-eichung des Leyorrkus besp> Liebknecht versprach, nach Zürich zu schreiben, eS sei an Feit, den Wünschen der Elberfelder zu entsprechen. 7-• Verhältniß zum»Sozialdemokiat" ist auf Antrag Bebe'» jeder Hmstcht gelöst wei den, obgleich darauf hmaewirs n»» eS würde dies Niemand glauben. Durch F aktionSbe!� wurde das Verhältniß ernstlich ae'öst; jeder ZusawM!» müsse aufhören. D»e F aktion hatte keine UrsaMe, daS id Kältniß des»Sozialdemokrat" zu den einzelnen Orlen i«" tracht zu zieb-u. Ich habe von einem Genossen gebärt, dal St. Gallen öffentlich oder geheim nicht über den»Soziald«� kiat" verhanoelt w>�e. (Fort ei unz in der L Beilage.) Theater. Freitag, den 2V. November. MP»r»h«ni». Aennchen von Scharam Kchmutptecha»». Aschenbrödel. U-istsch»« Theater. Nächstenliebe. «»kssinq-Tdeat»». Di« Ehre. Kerlwer Theater. Cornelius Voß. zrtedrich- WUHelmftSdtisch», Theater Der Poiengrof. Nest»»«,- Theater. Schwiegermama. W»II«»r-TH»ater. Nervös.— Vorher: Der ScheidungSgrund. Utttarta-Theater. Stanley i" Afrika. » Theater. Das neue Gebot. jAeAmdtta»«- Theater. Der Zauberlehr. Itafl. KSrrtaSSdtische» Theater. Wißmann in Afrika. IttrtrM-Theerte». Historischer Possenadend. ZldrtTh Grnst-Theater. Flotte Werbe». Deckr. Mirhter'» Martcktck. Spezialitäten- Vastellung. Uetchahaiteu- Theater. Gr. Spezialitäten- Vorstellung -Theater* US»«rrSheneest» 55. Täglich Vorstellung. » vifvu» Hctnxm Karlstraße. He�e, Freitag,»en SS. Nove»»er 1889, t «bendS 7 Nbr: kroße Kmter-ArßtllW mit einem speziell auSerwählten Programm, anter Mitwirkung von sämmtlichen ClownS in phren höchst komiicken EntreeS und Intermezzos. Lebe««ab Treibe« auf bei« Eise. Großes Ausstattungsstück. Auftreten einer Wiener Damenkapelle. DaS Schulpferd Coriolan, geritten von Herrn Oscar Renz. Muhomed, arab. Vollblut, dress. und vorgeführt von Herrn Franz Renz. Auftreten der Schulrerterin Frl. E. Guerra. Austreten der vorzüglichen Reitkünstlerinnen und Reit- künstler. M. Metzgeh mit seinem höchst komi- scheu dress. Esel. Morgen, Sonnabend: Gala-Vorftellung. Sonntag: 2 Vorstellungen. 4 Uhr Nachm. (I Kind frei.) Auf vielseitiges Verlangen: Bacchus und GambrinuS. Abends 7ß Uhr: Große Extra-Vorstellung. E, R-n«. Drrettor. Garaus Büschs KrtedMch-Karl-vfNt. Freitag, de» 29. Kcscatfer 1889, «deuds 7z lthr: 1099 Große Clown- vlld Kach-Uorßelluvg. Motiv: Wer lachen will, muß heute in den Circu« Busch kommen. 1. Mal: Konkurrensprüngen aller ClownS. 3. Mal: Das urkomische Ämateur-Stehend- reiten. I.Mal: Em amerikanischer Doribarbier, komisches Jnleimezzo von sämmtlichen Clown«. 22 Hengst«, vorgeiührt vom Dircktor. Die Hohr Schule, als Cavallier geritten von Frl. Maria Dore. Frl. Margerithe als Jockey. Clown Tom Tom als Theater- Direktor. Clown W. Ol'chanjky als General Bum Bum. Clown Michael mst seinem Wunderponny. S Gebr. Florida. Clown Renard, Henri k. Sonntag: 2 Vorstellungen, 4 und 7t Uhr. Um 4 Udr: Falme, dl« Rose von Tripolis. Passase 1 Tr. SM.-10Uhr A. Tmim-n.pmmonsin». Ken k S. Rufe d. d. mal. Kchweiz. lll. Cyclu«. Reif« Athen«onstauttnopel. VI. Adcheilung: Pariser Weltauostellung. Sm« Reife 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Ndonn. « Reifen I M. W. RrAuaeit,»,-'» UTJSÜTJM m u EMMMüdaatomtcMM 80/81. Täglich geöffnet für erwachsene Herren 88 tüccftaa und Freit«, twmttuml■ Enlree 50 Pf. LeremSkarte« gilug. 589 Allgevlelller bevtscher SMler-Uere!« (Mitgliedschaft verltu) am Sonnabend, den 30. Novbr.. Ab'S. 81 Uhr, im Restaurant Key er, Alte Jakvbstr. 83. TageSoronung: 1. Gewerkschaftliches. 2. Diskusston. 11100 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorstand. Der Arbeitsnachweis befindet sich Krausen- straße 11, Abends von 8—9 an Wochentagen, außer Sonr abends und Sonntags von 12—1. Fachverein der Tischler. (Für den Osten.) Grosse Uersammlung am Eonnobend, 30 November, Abends 81 Uhr. im Köhmische« Krauhause(Hinterer Saal), Landsberger Allee 11—13. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der Gewerklchaftsorgani- fation. Referent Herr Mertens. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten und Verschiedenek. NlUi Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Kollegen als Gäste willkommen. Die Kollegen d«r Werkftellen von Brandt, AndraSstr. 39, R ö n f ch, Grüner Weg 50/51, Schmidt, Friedenstr. 51, Witte, Blumen- straße 3t, R ö ß n e r, Weiustr. 6, werden ganz besonder« eingeladen. Der Bevollmächtigt-. Waffen l! durch Zufall! spottbilltg! Pelz-Mussen 150. 2. 3 Mk., Kantn 4 Mk., LuchS 5, Bisa« 6. Waschbär 6,»»nrehase 6, Opoffum 8, eeehuno 9 Echettel-Affe 10 Mk., \ Schweizer-Garteus(--m Fried rtqshain). Taaes-Ordnung: 1. Die Beschlüsse der beiden Meistei-Versammlungen und wie stellen sich die B«� Tischler dazu? Referent: R. Millarg. 2. Diskussion.-u 3. Wie stellen sich die Berliner Tischler zu dem Streik der Berliner Bildhauer, insbes«* zu den Wukstäiten von I. C. Pfaff, Gioschku« und Gebr. Weinmann. 4. Disku'sion. 5. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Um recht zahlreichen Besuw bittet Der Einberufer- Kß1 De«ein znr Währung der materielle'« Interesse« der SteintrF unet verwandter Berufsgenoesen., Am Konniag, de» 1. Dezember 1889, Pormirtag» 11 Zlhr, i» Kchrsfer'« Kw«- Iusrlstraße 10: lAitgkieNsr-NsrssmmIung.'�WW � Tagesordnung: l. Die Bildung des Ard-iters, wre sie m uno wie ste sein soll,«jL- sonderer Berücksichli�unz der Kinder- Ersiehung. Referent Otto Hcindorf. 2. Verein-iang«� heften. 3. Wahl eines Miigliedes zur Fachkommission. 4. Verschiedenes und F-ngeknste«' Um zndlreicheS und pünkil'ch?« Erschein--« e suckt Der Narstand�»� Emli Franke Marder 10, Murmell 10, Biber 12, OkoukS 12 Krimmer 5-6 Mk. 1591 Neuheit l BoaS! 6. 8 10 Mk. velzkraaeit 2. 3. 5. 8 Mk. Stvder-Pelzgarntiuren 1,50 Mk. Pekz-Varett» Stück 3, 4, 6 Mk. Ver»andt-Haia» i Emil LofCYTC) Berlin S., Oranienstr. 158. Dach ausserhalb gegen Nachnahme! Hsiliniasclilnen sämuttlicher Systeme, Wasch- und Maschinen bester Sorte.(Theilzahluvg. Reparaturwerlsta� Hm, Saar brücker Strasse 6, nd% Oäerbrucüer Fett-Gan� auch ausgenommen u. getheilt, pfundweise (viel dilliger als anderes Fleisch.) 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Kardorff(ReichSp.) bemerkt, der rein rechnensche Standpunkt, oen Bamberger zur Kolonialfrage einnehme, sei 88,n jeher allen großen Kolonialunternehmungen gegenüber dmenö gemacht worden. Auch Kolumbus habe schon seine «amberger gehabt.(Heiterkeit.) Sehr ansecktbar sei es, wenn Dornberger behaupte, wir gäben jetzt schon 2V Mrll onen jährlich �iglich für unsere KolonialpoliUk aus. Da sei gewiß mancher �.trag darunter, der für den Handel ausgegeben werden fnußte, auch wenn wir keine Kolonien hätten. Von Inrer Seite sei immer und ewig die Politik des Reichs- Anzlers als unklug angegriffen worden. Gestern habe Aunb erger gesagt, das Volk lache über unsere Kolonialpolitik. Sf seinerseits aber sei überzeugt, es gebe gewiß viele ?sute, die über die Superkluphert derjenigen Herren lachen, immer und immer klüger sein wollten, als der Reichs- �nüer. Das Volk werde gewiß im Gegensatz zu Bamberger und Genoffen von der hohen zivilisatorischen Bedeutung unserer �dlonialpol'tik überzeugt sein. Abo. KaHst(weis): Herr von Kardorff bemängelt unseren sumerischen Standpunkt. Aber dieser ist gewiß gerade ange« ««cht gegenüber dem bloß-n, mit rechnenden Kolonial- �uchusiacmuS. Doch ich will zunächst auf die gestrige Aeuße- fung des Herrn Staatssekretärs eingehen, daß unsere Reden 1" Kaufgeschäft in Südwestafrika im vorigen Jahre «kört haben. Es müßte doch ein seltsamer Kaufmann sein, pj sich erst durch Reden hier im Hause ausklären Men müßte über Werth oder Unwerth irgend eine« Kauf- Ä'kteS.(Sehr richtig! links.) Aber jSie fassen die Ausgaben der Volksvertretung wirklich überhaupt etwas Faltern auf, wenn Sie verlangen, wir sollten hier Meie Ueberzeugung, unsere aus dem O.-wissen heraus ge* Jchftne Kritik unterdrücken, blos weil irgendwo in der Welt Miurch ein Pferdegeschäft zum Scheitern kommen könnte. s"eifall links.) Herr Wärmann hat un« gestern allerlei von xw Welthandel und von dem englischen besonders erzählt. M>er die Ziffern, die er gerade für den Verkehr von England ?°ch englisch Westafrika gab, waren grundfalsch. Nach der Vsten englischen Quelle, die mir hier vorliegt, betrug im Vor- Kbr der Import von England nach Westafrika nur 600 000 «s«nd Sterl.. statt Isf Millionen, wie Herr Wotmann behaup- Me. Ferner find von 1883— l887 Import. Export und Ein- Lohmen von Lagos nicht gestiegen, sondern sogar zurück. ßjflangen, also gerade das Gegentheil von dem, was Herr Wöimann uns verfiche-t. Aber auch darin hat Herr «irmann Unrecht, daß Englands Handel seineu Aufschwung bavplsächlich seinen Kolonien und speziell Ostindien ver- s�nkt. Dieser Verkehr macht vielmehr nur ein Viertel des ganzen C�jltverkrh'S Englands aus! Nur ein Viertel, Herr Wörmann! »"'.Blauben Sie denn etwa, daß dieser Verkehr, insoweit er '�hrhroeikehr ist, nur englische Waaren betrifft? Auch das ist JV* gefehlt. Doch weiter, selbst wenn der Handel Englands |ni,en Kolonien noch fo groß wäre, wie kommen«re zu ./? Schlüsse, daß auch unsere Kolonien ebenfalls sich so ent- °°»eln werden? Doch das find noch veihältmßmäßia kleine Fehler il."er Wärmann schen Rechnung. Writ größer ist der Fehler «einem Hinweis»uf Holland. Holland, Herr Wärmann, nur 4 pCt. seines GesammtexvortS nach seinen ».«anien. Rur 4 pCr., Herr Wörmann!(Hört! höct! links.) r/f>ch drastischer liegen die Verhältnisse bei Portugal, ebenso ?! Frankreich, das einen geradezu winzigen Export nach 3?� Kolonien hat. Und dabei opfert Frankreich ■einsende von M entchen und Hunderte von Millionen für seine Kolonien. Und das sollen wir nachahmen, Herr .'"Kardoiff? Die Gegner Frankreichs haben sich jeder Zeit Hände gerieben darüber, daß Frankreich fich so in seinen ?atonien engagirt. AuS alledem aber sollte doch auch für Sie von "eue»n �aergehen, daß nicht der Befitz von Kolonien eS ist, welcher Ausfuhrmteresse dient? Nehmen Sie das einzige Land agland au«, so werde« Sie finden, daß alle anderen Länder 5? ehren Kolonien laboriren, daß ihnen dieselben die giößten Wesenheiten bereiten. Deshalb wünsche ich. daß Deutsch- 1�6 fich diese Lehren zu Herzen nimmt, und sobold als mög- r8. von dieser Kolonialpolitik lossagt und seinen Schwerpunkt "eder verlegt in die Pflege semer überseeischen Begehungen, eotmer es solche findet. Und gerade Südwestafrika ist ein wo nicht« für uns zu holen ist. Und da sollen wir J�e Forderungen für dies Gebiet bewilligen? Rein, ich und Freunde können dem nicht zustimmen, wünschen viel- tW, daß Deutschland für diese Kolonien nichts mehr hergebe, ve-lmebr sobalb als möglich abstoße. � Abg. Wärmann(natl.) betont nochmals, daß man in den fahren unserer Kolonialpolitik große Erfolge nicht er- e?�et hohe und nicht erwarten konnte. Wenn Dr. Barth auf liemfr emgedlichen Rückgang de« Handel« mit W-stalrika hin- �.'esen habe, so sei daraus ein abiälliger Schluß nickt zu der' �enn man muffe dabei im Auge haben, daß der Werth I�eveftaf.ikanrschen Produkte wie Palmöl, Palmkerne seit ttz».? vis beute fich etwa um die Hälfte reduzirt habe. Er Wk habe seine Zahlen lediglich auf den überseeischen Itot � bezogen und halte dieselben aufrecht. Uebrigens seien di?w�°�en über Export und Import nickt moßfr bend für Ä�euetheilung de« Werthe« oder Unwerihe« der Kolonien. WZ«vge hinausgehen und fich die Dinge selbst ansehen, die fr?8 man finden, daß Herr von Ka-dorff recht hatte, tw. tonialfiage als eme zioilrsatonsche zu bezeicknen. Trotz kein- � den Büchern ftudirtcn Zahlen des Dr. Barth denke �j,»europäische Kolonialmacht daran, ihre Kolonien auszugeben. "'A°"uug Bamberger'«, daß die Kolonialpolit.k ein LuruS Privater sei, beze chnet der Redner als grundverkehrt. lopz.�ver di« Freunde der Kolonialpolilik lacke man im Lande, kl.~'Xl t__ Vl.l__«maIAa frt fnroAim JtJtC hltr von' d�t" LwktN."Das deutsche Volk danke dem Seiler, daß er die KoloniolpolUik ir.auxunrt habe, hard.,,eut!chland müsse fich mit im Kreist des großen Welt- Mch aeefcen, um nicht zerdrückt zu werden. Wenn man stroße Erfolge noch nicht vnzeichnen'vnne, so �Urtze a nach 20 Jahren ganz ander« sprechen. England Sewiß nicht solche Summen sür seine Kolomen 'Vachs, evenn e« nicht wüßte, welcher Gewinn daraus ct- ? SiiK».• eväre daher höchst verkehrt, wenn wir den Befitz ae�afrrka aufgeben wollten, blo« weil keine unmittel« Aasij�vsolge vorliegen. Darum bitte er, die vorliegende 6-1, tnnd auch dos Extraordinarium zu bewilligen.(Bravo! Nationalliberalen) "»(»W: " vielmehr über diejenigen, von Das Wölmannsche Argument, uuv seine Freunde in dieser Sache nicht kompetent seien, treffe durchaus nicht zu. Es komme lediglich darauf an, welche Form der Koloniolpolitik wir treiben wollen: jene sogenannte„nationale", die uns in Ver> Wickelungen treibt, oder jene stille, ruhige, emfige Arbeit, die wirklich etwas zu schaffen im Stande ist. Wenn wir heute es über uns gewinnen könnten, uns mit einem Ruck wieder los- zumcch.n von der bisherigen Kolonialpolitik, so würden alle Völker, die vom Welthanoel etwas veistehen, erklären: das ist einmal ein verständiges und rationelles Vorgehen.(Ge- läckter rechts und bei den Natioi alliberalen.) So lange er und seine Freunde hier seien, würden fie nicht ermüden. Pro- lest gegen diese«antinationale" Kolonialpolitik einzulegen.(Bei- fall links.) Die Debatte wird geschlossen und das Ordinarium mit großer, da« Extraordinarium gegen die Stimmen des Freifinn« und eines Theils des Zentrums bewilligt. Eine dauernde Mehrforderung erscheint im Etat sür die Ucbernahme der mit der Landeshoheit verbundenen Funktionen im Schutzgebiete von Neu-Guinea durch das Reich. Ein glricher Betrag ist als Ersatz der Kosten seitens der Neu-Guinea-Kompagnie unter den Einnahmen ent- hallen. Berichterstatter der Budget-Kommisfion Abg. Kürtrli»: Es wird beabsichtigt, in dem Schutzgebiete der Neu-Gu,nca- Kowpagnie eine ähnliche Regierung einzuführen, wie fie in den afrikanischen Schutzgebuten besteht. Tie Verwaltungskosten werden von der Neu-Guinea-Kompagnie getragen, und der Stand, in dem fich diese Gesellschaft befindet, bietet alle Ge- währ, daß diese Ordnung der Dinge auf die Dauer wird durch- geführt werden können. Abg. Kamberger(dfteis.): Aus Aftika find wir nun glück- lich hinaus, leider nur in der Diskussion. Die Herren werfen uns Kleinlichkeit unserer Anschauungen vor; es ist billig, großartig zu sein au« der Tasche der Steuerzahler. Sogar auf Columbu« bat fich Herr von Kardorff berufen; 400 Jahre hat er zurückgreifen müssen, um ein Beispiel zu finden. Seildem find viele Thorheiten beganacn worden, und wenn man dabei nur jedesmal hätte auf Columbus zurück- greifen wollen, so würde man leicht manche Thorbeit mit der Klugheit haben niederschlazen können. Mit Neu-Guinea fällt auch die letzt« Säule jener Reichskanzler- Politik, wonach die «Königlichen Kaufleulr" ihre Verwaltung selbst besorgen sollten; auch dieses Gebier wird jetzt verstaatlicht. Ich habe noch nicht gesehen, daß die Autorität der Gesellschaft nicht ausgereicht hätte, und das Bedürfniß einer Aenderung scheint mir nickt vorzu- liegen. Sollen etwa die aus der denkbar tiefsten Stufe stehenden Eingeborenen dieser Autorität gkfährlich geworden fern? Man hat sie als gemäßigte Mensckensr.sser bcz-ichnet, d.h. Leute, die nur dann Menschiiifleisch«ffen, wenn ihnen ein bereits ge- tödteter Mensch in die Hände fällt. Ich weiß nicht, ob der Anbau eincn rnnnenswerihen Ersatz für die aufgewendeten Kosten bietet, aber das halte ich für sicher, daß in dem Tropen- klima N-u- Guineas kein Europäer als Kolonist angefiedelt werden kann und bis jetzt noch Niemand fich angesiedelt hat. Ich frage also: Wem gegenüber ist es nöthig, die Autorität der ReichSregieiung einzusetzen? Es giebt nur eine Erklärung für dieses mue Arrangement: Die Kompagnie macht keine Geschäfte, und so lange eS gut geht, will man auf eigenen Füßen stehen, so bald die« aufhört, soll das Reich emtreten. Wir können dazu unsere Zustimmung nicht geben. Abg. Kammacher(natl.): Es hat fick bei den Gegnern unserer Kolon, aipotilik die Praxis hercusglbildet. zum Beginn der Besprechung jeder Position eine Art von Generaldebatte über die Kolonialpolitik einzuleiten; das ist für die sachgemäße Behandlung des Etats nicht günstig und zeitraubend. Ich folge auf diesem Wege dem Herrn Vorredner nicht. Zur Sache selbst möchte ich konstatiren, daß durch diesen Titel dem Reiche keine neuen Ausgaben erwachsen. Die Neu- Guinea- Kompagnie hat nur darum ersucht, da« Reich möge die zur Regierung nöthigen Beamten anstellen und selbst be- svlden, will dagegen die dadurch entstehenden Kosten dem Reiche wieder ersetzen. Abg. Richter(dfr.): Wir haben keinen Widerspruch gegen die Einrichtung desselben Verhältnisse« zu den Marschallinseln erHoden. Aber damals war vom Herrn Reichskanzler sein früher gekennzeichneter Standpunkt in Kolonialsachen noch nicht verlassen worden, und daS Objekt war dort zu klem, um es zum Gegenstand eines besonderen Angriffs»u machen. Die Ausfichten der Neu- Guinea- Kompagnie find schlecht, und des« halb ist zu befürchten, daß die Zeichner die gezeichneten Be- träge werden verfallen lassen. Ebenso wird es der Sudwestafrikanischen Gesellschaft gehen, welche nur noch mit einem Kapital von 60 000 M. wirthsckaftet. Wenn auch in beiden Gesellschaften recht potente Geldkräkte vorhanden find, so kann e« doch kommen, daß fich beide in Wohlgefallen auf- lösen. Die Neu-Guinea-Kompagnie ist das Muster einer burcau- krattschen Verwaltung; Grundbuchordnung. Gewerbesteuergesetz, Arbeiterschutz Gefetzgebung. Reglement« über da« Meldewesen, alles ist bereits vor d m Bedürfniß vorhanden, und wird die Verwaltung vcm Reichsbeamten in die Hmd genommen, so liegt die Gefahr einer noch bureaukratischeren Verwaltung nahe. Man könnte damit noch zufrieden fem, wenn alle HoheitS- rechte an da« Reich abgegeben würden, aber da« ge« schieht nicht, denn dos Landbesitzmonopol z. B. bleibt der Kompagnie. Aber die Gesellschaft hat überhaupt keine Zukunft wegen der Schwierigkeit, Arbeitskräfte zu beschaffen. Hugo Zöller berichtet, daß vom Handel allenfalls im Bismarck- Archipel, aber absolut nickt in Kaiser- Wilhelms-Land die Rede fem kann. Da« Reisen dort wird von ihm als noch schwieriger als in Aftika geschildert, weil Arbeitskräfte, Träger u. s. w. gar nicht zu haben find. Weil wir aber fürckten, daß, wenn einmal da« Reich in jenem Lande ohne jede wirthschastliche Zukunft engagirt ist, es heißen wird: wir können Ehren halber nicht mehr zurück, und deshalb wollen wir die« Engagement nicht akzepliren. Abg. Kammacher: Die soeben gehörte Schilderung der Vcrhältnisse in Neu-Guinea war'eine Karrikatur, und ich bedauere, daß eine solche hrer in Bezug auf eine der iwif'unxsreichsten Kolonien»um Besten gegeben wird. Die Plantagen im Kaiser Wilh-ImSland haben schon im vorigen Jahre werth- vollen Tabat und Baumwolle gebracht. Ich könnte hierfür Be- weise beibringen, wenn ich nicht meinte, daß diese Dinge über- Haupt nicht vor da« Parlament gehören. Abg. Kambiraer: Die Verwaltung und die Wirth- schast ter Neu- Guinea« Gesellschaft scheint hiernach so vortrefflich zu sein, daß ich sie nicht geändert sehen möchte. Die Gesellschaft sagt selbst, daß fie gute Resultate gehabt hat, lassen wir ihr die; fie hat dem Reiche keine Kosten gemacht, ändern wir also diese« gute Verhältniß nicht. Die Position wird angenommen. Die freifinnige und em Theil der ZentiumSpartei stimmt dagegen. Die für die zoologische Station in Neapel in Ansatz gebrachte erhöhte Subvention bewilligt da« HauS ohne Widersp'.uch. Abg. Graf». Holstein(deutschkons.) behält fich vor, im nächsten Jahre, fall« der Etat ein freundlicheres Geficht zeige, die Errichtung einer zoologischen Station am Plöner See, nach dem Vo> schlage des Dr. Zacharias, anzuregen. Damit ist der Etat des Auswärtigen Amte« erledigt und das Haus geht zur Berathung de« Nachtrages zu demselben üder, welcher für die Aktien in Ostafrika («Maßregeln zur Unterdrückung de« Sklaven- Handels und zum Schutze der deutschen Interessen in Ostafrika") eine neue, durch Matrikularbeitrag zu deckende Aufwendung von 1 950 000 M. vorficht. Staatssekretär Graf». Kismarck: Als ich im Dezember vorigen Jahres hier für Bewilligung der ersten Forderung für den vorliegenden Zweck eintrat, war einer der Gründe, welche ich hier vortrug, auch der, daß wir in dem damaligen Lieutenant Wißmann einen vorzüglichen Afrika- Kenner und Reisenden zur Verfügung halten. Major Wißmann hat nun den Erwartungen, welche in ihn gesetzt wurden, vollständig entsprochen. Eine Bestätigung dafür find allein schon die zahlreichen Allerhöchsten Anerkennungen, dmch welche er im Laufe de« vorigen Jahre« ausgezeichnet wurde. Ich möchte die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ihm auch von dieser Stelle aus Anerkennung auszusprechen sür den Muth und die Umsicht, womit er seiner Aufgabe nach- aekommm ist.(Beifall.) Ich sehe, daß ick mit dem Ar»«- sprechen dieser Anerkennung mich in Uebereinstimmung mit der Majorität dieses hohen Haufe« befinde. Hoffen und wünschen wir dem Major Wrßmann auch Gottes ferneren Beistand, Glück und Gelingen seines Werkes. Au« den Ihnen vor- liegenden Weißbüchern haben Sie fich über den bisherigen Gang der dortigen Unternehmungen unterrichten können. In der letzten Woche find un« noch einige Berichte zugegangen, welche in zwei bis drei Tagen Ihnen gedruckt vorliegen wer« den. Sieben Punkte an der Küste befinden sich jetzt in Wiß- wanns Händen, gedeckt durch die Kaiserliche Marine, die sich auch in Afrika ihres Rufe« würdig gezeigt bat. Mit einem festen Plane für die ferneren dortigen Unternehmunaen heute schon vor Sie zu treten, ist nicht möglich. Ich möchte nvck einen Passus au» einem Briefe des Major Wiß- mann anführen; er schreibt, auf seinem Zuge in« Innere seien ihm die Eingeborenen haufenweis entgegen gelaufen und hätten ihn als Befreier von der blutigen arabischen H-rrschaft begrüßt.(Hört! hört!) Auch hätten sie ihm reichlich Lebens- mittel zugetragen, daß er fie nicht alle hätte verwenden können. Die Straße nach Bagamoy» fei von Karawanen überfüllt, was als ein Zeichen wiederkehrender Ordnung»»betrachten sei. Ich darf hoffen, daß Herr Wißmann mit Gottes Beistand weitere Erfolge erringen wird. Die bedauerlicher Weise nöthig gewordenen EtalSü�erschreitungen wird der Herr Kommissar, der nach mir da« Wort ergreifen wird, Ihnen darzulegen und zu rechtfertigen suchen.(Lebhafter Beifall). BundtSkommissor Major Fiebert: AuS der NachtragS- forderung für die Wißmann'sche Expedition ist weder der Re- gierung noch dem Kommissar Herrn Major Wchmann ein Vor- wurf zu machen. Man hatte für die Voranschla- gungen aar kein« Erfahrungen und keinen Anhalt. Maior Wißmann halte als wissenschaftlicher Reisender mit einer durch eine Gesellschaft gespendeten Summe von 50 000 M. Afrika durchquert, er war aber gegenüber dieser Expedition in Vtrlcgmheit in Bezug auf die Schätzung der dazu nölbigen Summe. Schon bei der Ausrüstung zeiate fich, daß die Veranschlagung zu niedrig war. Für die Sck'ffe, den Transport und die Küstenverbindung waren 841 000 M. noth- wendig, für di« tropische Ausrüstung und die Anwerbung der Schwarzen 337 000 M. Zu berücksichtigen ist, daß die Be- schaffung der Schiff« in dre ungünstige Jahreszeit fiel und fich verzögerte. Dagegen gingen die Anwerbungen im Sudan febr schnell, so daß man in Port Said und Aden besondere Sckiffe zum Transport der Angeworbenen chartern mußte. So- dann erfolgte der Abmarsch in» Innere uiro die Sicherung der Karawanenstraßen, namentlich derjenigen nach dem Tanganika- See, und e« ist als ein groges Glück zu betrachten, daß Major Wißmann einen Tag früher in Mpwapwa war.«he dre Briefschaften von Stanley und Emin Pascha eintrafen. Es ist ein Glück zu nennen, daß Wißmann gleichsam als Triumphator den wegemüden Wan- derern entgegenkam und den Ermatteten Ve-pflegungSmittcl und Soldaten entgegenschicken konnte. Denk>n Sie einige Monate zurück, meine Herren, wa« wäre geschehen, wenn Sie die geforderten 2 Millionen für die Expedition nicht bewilligt hätten?(Beifall rechts.) Der Aufstand hätte um fich ge- griffen, die deutsch- ostafrikanische Gesellschaft wäre vertrieben gewesen, in unserem Schutzgebiet würde Raub, Mord und Brand geherrscht haben, und es hätte kommen können, daß die zurückkehrenden Forscher auf deutschem Gebiete beraubt und er- mordet worden wären. Schon bei dem Gedanken an diese Möglichkeit muß un« die Schamröthe ins Gesicht steigen. (Sehr wahr! rechts.) Die erzielten Erfolge berechtigen zu weiteren Hoffnungen. Durch einen Zug von Panpani aus muß an dem Schwiegervater Buschiria Racke genommen werden, die ganze S!ppe muß vernichtet und Salz aus die Stelle gestreut werden, wo jener Raubmörder geboren ist. So- dann gilt eS die Bewältigung dreier südlicher Häfen, in deren einem, Kilwa, noch die Köpfe der ermordeten Deutschen Krüger und Hessel an Stangen stecken sollen. Wenn diese Häfen ge- nommen find, dann wird eS mit Kampf und Gewalt vorbei sein, und man wird sich in Gemeinschaft mit den Missionaren beider Konfessionen friedlichen Werken hingeben können. Ein Hamburger Kaufmann in Sansibar, der von der deutschen Kolonisation eher Schaden, als Vortheil hat, schreibt im Februar, also gerade in der gefährlichen Zeit, wo der An- griff Buschiris durch den Lieutenant von Graven- reuth abgeschlagen war, daß alle feine Zweifel an dem Erfolge der derrtschen Expedition den besten Eindrücken gewichen seien. Die deutsche Herrschaft werde Ordnung schaffen und fich durch den Takt bei ihren Maßregeln Vertrauen schaffen, die vereinigten Parteien brauche ich wohl nur auf den nationalen, patriotischen und wirthschaft« lichen Zweck dieser Unternehmungen zu verweisen, um ihre Zustimmung zu dieser Position zu erlangen. Das Zentrum hat fich in dankenswerther Weise an die Spitze de« Kampfes gegen den Sklavenhandel gestellt, die Herren von der Linken zu überzeugen, da« werden wir wohl nach der stattgehabten dreitägigen Kolonialdebatte aufgeben müssen. Ich erinnere an die Worte de« Herrn Reichskanzler«, welcher erklärt hat, er balte fich nicht für ermächtigt, der einmal im Garge befindlichen Reichslokomotroe Steine in den Weg zu legen, was von jenen Herren geschehe, welche entgegen dem Volkswillen der Kolonialpolrtrk feindlich gegenüberstehen. Ich, meine Herren, bin in meiner Stellung gew ssermaßen der Beicht« vater der Kolonialpolitik. Täglich erhalte ich Briefe aus allen Theilen Deutschland« von Männern der verschiedensten Berufe, welch- Anstellungen in unseren Schutzgebieten suchen(Rufe links: Ja, Anstellungen!) oder sonstwie ohne und mit K.piral an diesen Unternehmungen Theil nehmen wollen. Das beut- sck>e Volk drängt nach Bethätigung seiner überschüssigen Arbeits» kraft auf überseeischem Gebiet auf deutscher Eckolle. Ich bitte die Forderung»u bewilligen.(Lebhafter Beifall) Abg. Richter: Ich halte es für naiv, daß man hier Ge- suche um Anstellungen in deutschen Schutzaebieten für einen Beweis der Opferfreudigkeit des deutschen Volkes für unsere Kolonialpolitik hält. Ich bedauere diese Leuten die entschieden mehr auf hohes Gehalt als gute Behandlung sehen, halte sie aber nur für Stellenjäger der bekannten Art. Vor dem Muth der Osfinere, welche an der Spitze der afrikanischen Erp-dition stehen, kann man gewiss Achtung haben und doch bedauern, daß so viel Mulh und Krafl keinen höheren Zwecken dienstbar gemacht wird. Die Zneifel, welche wir schon im vorigen Jahre gehegt haben, haben sich bestätigte denn trotz der hohen Kosten — jeder Mann kommt auf jährlich 4000 M., die man lieber den nothleidenden kleinen Beamten zuwenden sollte,— ist die Ruhe in Ostafrika nur dort hergestellt, wo gerode die W 6- mann'ichen Truppen weilen, die Karawanenwege find nicht sicher, und wir haben keinen Grund, uns in Illusionen zu wiegen und die uns erwachsenden Opfer und Kosten zu unter- schätzen. Noch weiß man nicht, was noch für das Etatsjahr lKS0 9 l gefordert werden wird. Und das Alles nur zu Gunsten der Ostafrikanischm Gesellschaft, die Zölle erhebt, die keine größere Berechtigung haben, als die Wegelagereien der Ritter ,m Mittelalter.(Lauter Widersp uch rechts.) Abg. v. Kardorff(R-ichep.): Das praktische Resultat der Wünsche des Herrn Abg. R-.chter wäre, daß wir alle unsere Trupven h rauSz'ehen, die deutlchcn Bewohner dem Elende preisgeben und nach Hause zurückkehren. Daß das ein un- hallbarer Standpunkt ist, wird sich Herr Richter selbst sagen, selbst wenn er in seiner„Freis. Ztg" noch so oft vorpredigt, daß die Sache sich so verhält. Ich möchte nur ein Wort über die Roth des kleinen Beamtenstandes sagen, und nochmals fest- stellen, daß ich gerne einer Aufbesserung der Beamtengehälter Sftlmmm würde, weil die Beamten an dem allgemeinen Auf- wunge unserer wirthschaftlichen Verhältnisse mit ihrem Ge- halte nicht theilnehmen und deshalb wirthschaftlich schlechter als früher gestellt find. Aber ich habe nicht die Absicht, Heran Rich'er zu folgen, sond'rn lediglich in Beziehung auf eine Dampferlinie nach Ostafrika eine Bemerkung zu machen. In den Motiven ist indirekt auf die Errichtung einer solchen Linie hingewiesen?, und ich freue mich, konstatiren zu können, aus Grund einer Mlttheilung. die mir geworden ist, daß die betreffende Vorlage sich in den Aus» schössen de« BündesralheS b»firdet. Abg. Windthorst: Es wäre besser gewesen, die Dampfer- angeleaenhe» nicht zur Sprache zu bringen, dasselbe kann ich auch Herrn Richter auf seine Angriffe gegen die EtatSpofition erwidern. Ich bin der Meinung, daß wir die Konsequenzen der ersten Bewilligung tragen und den Forderungen jm- stimmen müssen. W r dürfen mit unseren mililärischen Er- folgen in Afrika zufrieden sein. Auch für die Sk'aoerei ist viel geschehen. Kein Mensch hat geglaubt, daß die Sache mit der B will'gung von 2 Millionen abaethan sei. Ich erwarte eine Lösung der Frage von Gestaltung des Verhält- uisses zwischen dem Reiche und der Ostafrikanischen Gesellschaft, für deren private Zwecke wir allerdings keine Gelder bewilligen wollen. Auch ich spreche dem Major Miß- mann, seinem Mitkämpfer Grav:nreuth und der braven Marine unseren Dank für ihr tapferes und ausdauerndes Verhallen au«.(Lebhaftes Bravo!) Abg. H-brecht(natlib.): Ich bin Mitglied des Ver- waltungsraihes der Ostafrikanischen Gesellschaft, aber nicht mit Kapital betheiligt, und will die Beamten her Gesellschaft in Schutz nehmm gegen die maßlosen Angriffe des Herrn Abg. Richter, welcher dieselben mit den Raubrittern de» Mittelalter« vergleicht, während ihm bekannt sein mußte, daß die Erhebung der Zölle leiten« der Gesellschaft auf einem Vertrage mit dem Sul-an voa Sansibar beruht. WaS den Vorwurf anbetrifft, die Ge« sellschast habe sich selbst in die Lage gebracht, Unterstützung seitens des Reiches zu bedürfen, so entspricht derselbe nicht den Thatsachen. Nach den vorliegenden Berichten find die Be- amlen der Gesellschaft maßvoll aufgetreten. Nur zwei kleinere, nicht in Betracht kommende Exzesse sind vorgekommen. Nach vierzehn Tagen, nachdem die Beamten ihre Stellungen einge- nommen, brach ein wohlorganifirter Aufstand au», der die Be- amten zur Flucht zwang. Em großer Theil der arabischen Aristokraten lebt vom Sklavenhandel, sie wußten, daß dieses durch die Deutschen unterdrückt werden sollte und deshalb halten sie den Aufstand organisirt. Die Bewegung gegen den Sklaven- Handel war auch die Ursache zur Absendung der Wißmann- schen Expedition, die Vortheile, welche aus ihr der Gesellschaft erwachsen, hängen damit zusammen, daß nach Herstellung de« Frieden« die Gesellschaft ihre Geschäfte besser erleoigen kann. Dann dürfte auch der aus den Zöllen der Gesellschaft zustehende Ueberschuß zur Deckung der fortdauernden Ausgaben autreichen. Die Nachtragsforderung wird gegen die Stimmen der Deutfchfreifinnigen und Sozialdemokraten bewilligt. Die Weiterberathung wird vertagt. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr(Bankgesetz). Schluß gegen Uhr. OtoiNiiluncilc?'. Ktadtver-rdnetrn-Nersammwng. Sitzung vom Donnerstag, den 28. November. Der Stadtverordneten- Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, eröffnet die Sitzung um 5i Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mitiherlungen. Die Abiheilungen haben drei Ausschüsse ge- wäh't. Die Einführung des am 27. Februar d. I.'gewählten Sladtv. Ziethen findet in der üblichen Weise statt. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden zunächst ein« Reibe unwesentlicher MagistratSanträze debattelo« angenommen. Die Erwerbung der zur F r e i l e a u n a der Straßen innerhalb de« Terrain«»wischen Wassergasse, Insel-, Wall- und Spreeuferstraße erforderlichen Flächen wird beschlossen. Die Erwerbung des von dem Grundstücke Schönhauser Allee 176 zur Straßenregulirung ersorder- lichen Te"aini wi d genehmigt. Der Verkauf der städtischen Bauparzelle Duffenbachstr. 12 wird beschlossen. Drei Anträge de« Magistrat«, den Bau zweier Ge- mein d e-Dopp üschulen und einer höheren Burgerschule betreffend (die Kosten belaufen sich auf ca. 1h Millionen M.) liegen vor. Der erste Antiaz wird angenommen, die beiden anderen gehen an einen Aurschuß. Dl« Vorlage betr. die Durch! egung der Zimmer- st r a ß e durch den Garten de« Kriegsministeriums(Die näheren Bedingungen dürften bekannt sein.) wird debattelos angenommen. Die Anfrage des Stadtv. Dr. Herme«, betreffend die Anlage von Stallunaensin den Sladtbahnbözen an der Georgen- ftraße, die zu großen Belästigungen der Anwohner und Passanten durch üblen Geruch geführt haben, wird vom Magistrat dahin beantworte», daß derselbe keine Kenntniß von der Anlage der Stallungen gehabt habe. Die Genehmigung ist vom Polizei-Präfidium aut 3 Jahre erthntt worden. Eine Petition der Anwohner der dortigen Gegend ist dem Polizei- Präsidium vom Magistrat Lbermil.elt worden. Der Stadtv. Meyer I und 46 wertere Stadtverordneten bringen folgenden Antrag ein:„....... Unter Ueberreichung des anliegenden Pamphlets mit der Ueberschrift»Wähler dsS 17. Kom nunal-WahlbezirkS" beantragen wir: Die Stadtverordneten. Versammlung wolle beschließen, wegen de« in diesem Blatte enthaltenen Satzes:»Auch die Berliner Stadtverordneten- Versammlung können wir, um mit jenem Lynker zu reden, als eine Oberfläche von bläulich schimmerndem Glanz betrachten, unter welcher sich aber nicht nur etwas Schmutz und Morast, sondern aanze Berge davon befinden, in denen alles mögliche Ungeziefer haust, welches sich in jenem Schlamm als seinem ureigensten Lebenselement so außerordentlich wohl fühlt und daher auch nichts so sehr fürchtet, als daß entschlossene, thalkräftige deutsche Männer sich an die Herkulesarbeit heran- machen, um den Augiasstall auszumisten" gegen den Ingenieur Dr. Wilh. Häberlein, die sämmtlichen Unterzeichner des Flug- blatts, den Drucker, sowie alle diejenigen, welche al« Verleger oder sonst bei der Herstellung und Verbreitung der Druckschrift betheiligt waren, dm Strafantrag wegm Beleidigung der Stadtverordnetenversammlung, bezw. Theilnahme, H.nftellung und Verbreitung zu stellen, resp. sich mit der Verfolgung ein- verstanden zu erklären. Sladtv. M e q e r I: Das antisemitische Flugblatt stelle Aufhetzung der Bürger gegen die Bürger, Entstellungen der Thatsachen, Beleidigungen der gröbsten Art dar. Es handele sich bei feinem Anttag auf Strafverfolgung nicht darum, die Kritik, auch die strengste, einzuschränken. In dem Flugblatt sei aber keine Kritik enthalten, sondern nur Schmähung auf Schmähung gehäuft. Der Hinweis auf Reichstag und Abgeordnetenhaus, die niemals Aniräge auf Straf Verfolgung wegm Beleidigung zustimmten, weil sie zu vomehm von sich selber dächten, sei hier nicht zutreffend. Die Verbindung zwischm Bürgerschaft und Stadtvcrordneten-Versammlung sei enger, persönlicher, als zwischen den Wählermassen und den Parlamenten. Unter dem Pamphlet ständen die Namen ge- bildeter Leute, die Namen von Doktorm und Beamten, um so schwerwiegender sei nun die Beleidigung. Hier müsse der reinm Sucht zu schmähm eine energische Schranke gezogen werden. Stadtv. V i r ch o w erklärt sich gegm dm Antrag. Er gehöre durchaus nicht zu denjmigm, welche glauben, daß man sich in dieser Welt alles gefallen lassen müsse. Aber der Um« stand, daß im Allgemeinen öffmiliche Körperschafim Strafan- träge wegen Beleidigung nicht stellen, gebe zu denkm. E« liegt eine tiefe Weisheit dann, daß man sich nicht um eine« jeden fchmutzigm Mmschm willen an die Oeffentlichkeit zerrm läßt. In dem ganzen Flugblatt sind nur Schimpfereien mt- haltm, kein thatsächlicher Beweis ist angetreten worden. Man solle sich damit begnügen, das Pamphlet tiefer zu hängen. Ueberdies sei zu bedenken, daß diejenige Behörde, an welche man sich bei einem gerichtlichm Vorgehen zunächst zu wendm haben habe, der beleidigten Majorität der Versamm- lung nicht sehr wohlwollmd gegenüber stehe. Stadtv. Wieck bittet den Antrag anzunehmen, um dm Beweis zu führen, daß die Versammlung keine Furcht vor einem gerichtlichm Verfahren habe. Sladtv. Singer: Wenn ich mich gegm dm Antrag er- kläre, so geschieht es, weil meine Anfichtm ganz konform mit dem des Stadtv. Virchow find. Mit jenem Flugblatt, das in einer ebmso bilderreichm wie„geschmackvollen" Sprache abge- faßt sei, will ich mich nicht besonders befassen. Dagegen ver- dimt die ganze Frage vom prinzipiellen Standpunkt aus be- trachtet zu werden. Meines Wissens ist«s ja auch das erste Mal, daß die Versammlung vor eine solche Frage gestellt ist, und deshalb ist es nolhwmig, über dm einzelnen Fall hinaus sich mit der Frage prinzipiell zu beschäftigm. Und da muß ich dmn erklären, daß eS mit meiner Auf- fossung der Preßfrerheit nrcht übereinstimmt, wenn«ine Körperschaft au« einer Beleidigung heraus, so unberechtigt sie auch ist, für sich das Recht in Anspruch nehmm wollte zu klagm. So sehr der Einzelne berechtigt und verpflichtet ist, die gegm ihn persönlich gerichteten Beleidigungm gerichtlich zu verfolgen, so wenig besteht für eine Körperschaft eine solche Verpflichiung. Die Stellung der Stadtoerordnetm-Versamm- lung bedarf nicht des Schutzes de« Gerichtes. Dann aber glaube ich auch, sollte die Auffassung Ihrer Parteigmossen in anderen öffmtlichm Korprrichaftm für Sie maßgebend sein. Wir habin durchaus keine Ursache, uns auf ein niedrigeres Niveau zustellen, als die Parlammte. Durch diese Schimpfereien — Beleidigungm kann man sie gar nicht nennen— braucht sich die Stadtverorordnetm-Versammlung nicht veranlaßt zu sehen, richterlichen Schutz in Anwruch zu nehmm. Eine besondere Gmugthuung wird wohl auch keiner von uns empfindm, wenn irgend eine Verurtheilung der Beleidiger erfolgt, und eine veränderte Auffassung der Herren wird durch einen Richterspruch wobl auch nicht erzielt werden. Da«, was jeder anständige Mensch beim Lesen dieses Flugblattes empfindet, brauchen wir uns von dem Richter nicht noch bestätiam zu lassm. Sachlich liegt also kein Grund vor, den Antrag Meyer l anzunehmm. Herr Meyer machte aber auch noch einm Unter« schied zwischen»gebildetm" und„ungebildetm" Beleidigem. Soweit ich die Kreise kenne, die man mit Unrecht»ungebildet" zu nennm beliebt, muß ich doch erklären, daß bei ihnm ein Flugblatt in dieser Sprache unmöglich ist. Es erfüllt mich mit größtem S'olze festzustellen, daß in meiner Partei, die es an sachlicher Schöffe wahrlich nicht fehlen läßt, solche Flugblätter ein Ding der Unmöglickkeit find. Die Ehre, derartige Kampf- mittel zu denutzen, übe lasse ich jmen Herren; die Ehre aber, sie zu verkiagm, erweise ich ihnen nicht. Stadtv. V o r t m a n n vertritt dm Standpunkt de« Stadtv. Meyer 1. Stadtv. Jrm er erklärt im Ramm aller seiner Partei- gmossen, daß er die Sprache de« Flugblattes tief vemrlheilt, glaubt aber doch hemorheben zu müssen, daß die Sckiärfe de« Flugblattes durch die Verbitte- ruvg der Parteikämpfe, an der alle Parteien gleich« mäßig Schuld trügen, veranlaßt worden fei. Redner versteht nicht, wie der Stadtv. Virckow der StaatSanwaltsibaft Parteilichkeit vorwerfm könne; Staatsanwaltschaft und Gericht seien sür jede Partei gleichmäßig da. Stadtv. Nelumannl wünscht die genttliche Ver- folgung der Verleumder, um denselbm einen Denkzettel zu geben. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Von dem Stadto. Meyer 11 ist folgender Antrag auf motivirtm Uebergang zu: Tagesordnung emaelaufen: »Die Stadtverordneten-Versamm ung beschließt in Erwä- oung, daß da« die Stadtoerordnetm-Versammlung beleidigende Flugblatt von allen Seiten des Hause« die strengste sittliche Verurtheilurg erfahren hat und somit der Zweck der heutigen Debatte vollkommm erfüllt ist, über den Antrag Meyer I zur Tagesordnung überzugehm." Dieser Antrag wird mit großer Majorität angenommen. Der Antrag Meyer I ist damit gefallm. Auf die Anfrage des Stadtv. Kalis ch, betreffend den Verkauf von Fleisch aus der Abdeckerei, erklärt der Vertreter des Magistrat«, ein solcher Verkauf sei nach den angestelltm Ermittelungen nicht vorgekommm. Stadtv. Kalis ch ist durch diese Antwort nicht befriedigt und behält sich vor, in nächster Sitzung einen Antrag einzubringm. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 8* Uhr. I« eigeuer Sache. Gestern Abmd fand in dm Räumm unserer Redaktion, Expedition und dem Setzersaale eine polizei- licht Durchsuchung nach dem Manuskript der Berichte de« Zmtral-VerbandeS deutscher Industrieller, die wir unter dem Titel»Untemehmerthum und Arbeiter" veröffentlicht hatte»/ statt. E« wurden die gerade im Satz blsindlichm Theile des vierten Briefe« in polizeiliche Verwahrung gmommen. der Redaktion und Expedition wmden diejenigen Beilage» beschlagnahmt, in welchm Briefe des gmanntm Verein« i»» Abdruck gelangt waren. Dem Redakteur wurde duich richta- lichen Beschluß bei einer Strafe von dreitausmd Mark fit jeden KontraventionSfall der fernere Abdiuck der Reiseberich!» untersagt. E« wird bei der demnächstigm ordentlichm GerichtSvev Handlung klar gestellt werden, ob in der That ein Vergehe» gegm da« Gesetz vom 11. Juni 1870 vorliegt. Vorläufig er» scheint uns Zdie Sache im höchsten Grade zweifelhaft—»»' zweifelhaft aber ist e«, daß die dmtschm Großindustrielle» nicht nur mit ihrm werthm Persönlichkeiten sondern auch wü ihren Anfichtm am Liebsten»unter sich" bleibm. Wir glaube» gern, daß e« jenen Herren recht peinlich war, daß ihre inneiste« Gefühle einer größeren OrffmIIichkeit preisgegeben wurden; da« konnte uns jedoch nicht abhaltm, von einem an verschieden« Personen versandten Schriftstück den uns passend scheinende» Gebrauch zu machen. Maßregeluns. Am letzten Sonnabend wurden die Ar- bester Köhler und Katschkow au« der Filzschuhfabrik von Hinze, Waldtmarstr. 45, plötzffh entlassen, obgleich der elftere dort 10) Jahr und der letztere 7 Jahre gearbeitet hatten. Am Grund gab der Herr Fabrikant an, daß er nicht mehr»« ihnm auskommen könne. Acht Tage vorher hatte der Herr Hinze eine Geburtsiagifeier veranstaltet, zu der er seine Ar- bester eingeladen hatte. Bei dieser Gelegenheit hielt er ihnor eine große Rede, die nicht dm Beifall aller Theilnehmer fand- Köhler erlaubte sich einige Woite zu erwidern und fand hierbei die Zustimmung seines Kollegen Kutlchkow. Der folgend« Lohntag brachte beidm die Entlassung. Die flotte Gestästt- zeit ist in der Branche jetzt vorüber und die Entlasse««» können nun, kurz vor Weihnackten, schm wo sie bleibm. D» ist der Lohn nach jahrelanger Tbätigkeit. Pa« rathselhaste Verschwinde« eines jungm Med- chens hat, wie Sie»B. Pr." derichtet, die Angehörigen dep selben in größte Besorgniß versetzt. Die unter so eigenlhüff lichm Umständen Verschwundene wohnte bei ihrm Eltern» der Prenzlauerstrabe; sie ist eine hübsche Person im Alter vot erst 18 Jahrm. Sie wurde in der letzten Zeit öfter« in gleitung eine« älteren eleganten Herrn gesrh-n, der sie aui einem KonfeklionSgeschäst in der Friedrichstraße, in welchem n' konditionirte, öfters abholte. Seit dem v-rgangenm Sonntag an welchem das Mädchen die elterliche Wohnung verließ, e« dorthin nicht mehr zurückgekehlt. Ja dem Geschäft,>» welchem man Nachfrage hielt, wurde erzählt, daß da« Mädrh«» am Sonntag Vo mittag alle ihr gehörenden Gegenstände»» ihre Kolleginnm tbe'ls verkauft, theil« verschenkl habe. P» Eltern hadm am Montag die Polizei von dem Vorfall j* Kenntniß gesetzt, aber auch diese hat bisher über dm Verdless de« jungm Mädchm« noch nichts ermittelt. An eine Freund»» aber hat die Verschwundene vom Schlefischen Bahnhof f' einen mit Bleistift geschriebenen Brief abgesandt, in welche»» sie sagt, daß sie eine größere Reise untemehme und Willst sei, nie mehr nach Berlin zurück zu kehrm. In dem Bim' ist al« Grund für dieses Vorhabm eine geheimnißvolle Anlff legmhest, die zwischm ihr und ihrem Vater gespielt hat, anf geben. Eine schmerzhafte Ausrenkung de» Schult»� gelenk» ist der füntjährigen Tochter des Schneiderme,!«� R. m der Wrldemarstraße dadurch zugefügt wordm, daß d» Kind an der Hand von der Bordschwelle auf dm Straße dämm gehoben wurde. Das Kmd war mit einem di� Mantel bekleidet, der eine freie Bewegung erschwerte und � dem allerdings unvorsichtigen Aufheben des Kmdes an t» Hand drehte sich dasselbe in halber KceiSwendung hcr� schrie laut auf und konnte den Arm nicht mehr bewegen, hi« denselben vielmehr beständig in die Höhe. Der sofort auig� suchte Arzt erkannte die Verrenkung de« Schultergelmks u» es wurde die Einrenkung vorgenommen, nachdem da» Ki� der mit der Prozedur verbundenen Schmerzen wegm vor?«' betäubt war. Polizeibericht. Am 26. d. M. Nachmittags wurde Stallmann Rosemann auf dem Grundstück Sellerstr. 11 be»» Putzen eines Pferde« von demselben gegen die Biust geschtoSs» und erlitt dadurch eine so schwere Verletzung, daß er nach*** Krankmhause am Friedrichshain gebracht werdm mußte. Geviihks-'Iettung. Die geheimnisvolle Angelegenheit des Zigarre«' Händlers Johannes Bodde, der m seinem, Hause Birkenftr. aemietheten Ladm eine Art Mmschenfalle hernch lete,' bildet Moabit noch das tägliche GffprächSthema. Thatfache ith»? Bobbe eine bisse Vergangen heil hat und daß er mit schrv»� Geldverlegenheiten zu kämpfen hatte. Seine Behauptung, er die ganze finnreich erdachte Einrichtung mit der Fo�Sl und der darunter befindlichen Grube nur hergestellt hat, sich einen Aufbewahrungsort für Zigarren zu schaffm, verm" wenig Glauben, vielmehr ist im Publikum allgemein die ficht vorherrschend, daß es Vorbereitungen find, um gelroenN einen Kassmboten oder sonst einen Menschen, dei dem©«"X vermuthen ist, oerschwinden zu lassen und zu berauben. Bo � sitzt vorläufig wegm Verdacht« vorsätzlicher BrandstifttUig�, Untersuchungshaft und dürfte vielleicht Aufklärung in die gelegenheil kommen, wmn die Verhandlung vor dem Schw gerichte stattfindet. � Tausend Mark unterschlaam zu haben omfionirten Steuere» Heber Albert Haupt au« Berlin de?«— der am Mittwoch vor der zweiten Strafkammer am richt II. stand. Derselbe war längere Zeit Verwalter Häuser in Charlottenburg gewesen, die der Norddeutt U Boden-Kreditbank zu Berlin gehörten. Am 13. Mai v. einem Montage, erschien H. in der Bank und machte M«� � daß er am Sonnabend vorher nach Berlin gekommen s«�. 0 wegen der Miethe abzurechnm. Er habe 1223 Mork dex, gefuhrt, 223 Mark in Geld und Kourant und tausend �$ ,n Papiergeld, welche« er in einer Brieftasche eingeschioN�� der äußeren Brufttasche seines Rocke« getragen habe- Brieftasche mit dem Gelbe sei ihm gestohlm worden, die« nur in dem Gedränge auf dem Stadlbahnhof FriedNckl � geschehen sein, dmn bis dahin habe er die Briesialw* � gehabt und in der Straße unter den Linden habe« de» lusi bemerkt. Die Bankbeamten standen dieser Darstc sehr skeptisch gegenüber, sie veranlaßtm jedoch den Angeri» � bei der Kriminalpolizei Meldung zu machen, wa« er �t unterlassen hatte. Auch die Kriminalbeamten glaubten. � an einen Diebstahl, und da ermittelt wurde, daß H- O � j j � V, Ca—» 1» er»»t grober Geldverlegenheit befand, so wurde« »lnterschlagung unter Anklage gestellt. In der Houvlverhon � wurde nun erwiesen, daß H. die wohlhabmderen M ethe��je» ihm verwaltetm Häuser anrupumpm vflegte. Bei-o'f.ra, dieser Art trug er stet« die Brust voller Orden und Ehren» um, wie angenommen wird, sich in ein möglichst puit vertrauenerweckendes Licht zu setzen. Einem armen Pom er seine ganzen Ersparnisse von 700 M. abaeborgt, Schlosser, der in seinem Hause wohnte, 300 M-, und � er diese Summe noch nicht zurückgezahlt hatte, wollte •ften doch zu der Zeit, als ihm das Geld gestohlen worden 5« sollte, noch um IVA) M. anpumpen, um, wie er sagte, der «ml den Schaden zu ersehen. Ts kam hinzu, daß er um pl'w Zeit grobe Ausgaben gemacht hatte. Allerdings sagte ? Portrer des vom Angeklagten bewohnten Hauses aus, daß B v- in sein Zimmer gerufen habe, als er zur Bank wollte, habe er das Geld auf dem Tische liegen sehen und beobachtet, H. das Papiergeld in seine Brieftasche und diese in die äubere Galosche steckte. Der Staatsanwalt erblickte in diesem Um« °, daß demselben die Anwesenheit des Knaben entgangen S*- er beantragte gegen denselben ein Jahr G sängniß. Der Jl(5l)of beuriheilte die Sache milder, indem er nur auf lonale Gefängniß erkannte. * Eldcrstlder KoMIsteMozki. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Bebel: Ich werde später noch den Abgeordneten Singer �en lassen. Besteht in Kassel, dem Wohnort des Zeugen, nt aeheime Organisation? , P f a n n k u ch: Es waren dort zwei Geheimbunds« Als Zeuge habe ich ausgesagt, daß ich keine üß von der geheimen Verbindung gehabt, und der lchos hat mir vollen Glauben geschenkt. Ich « mich nicht um die Verbreitung des»Sozialdemokrat". hier eine einzige Person den»Sozialdemokrat" empfängt, kuw(? �f hat mir vollen Glauben geschenkt. Ich BU, wich nicht um die Verbreitung des»Sozialdemokrat". fo«!n.mer eine einzige Person den»Sozialdemokrat" empfangt, kraft fr unb Absender wegen geheimer Verbindung Beb e l: So lag der Fall in Kassel. mc., 1°,, I" t l e r: Habe ich mit der Fraktion oder Pfannkuch �eivondirt? m,. Bfannkuch: Nein. Ich habe nur einmal einen Brief «lberfKd erhalten, wenn ich mich nicht irre von Harm. der°° t s a n w a l t: Der Angeklagte Schumacher hat in �»Untersuchung anders ausgesagt, als in der Verband« Mtigt«ine Angabe wird durch das Zeugniß Pfannkuch'« zn Pfannkuch: Die Leyverkus-Anaelegenheit wurde zwei i von Harm angeregt und Liebknecht übernahm es freiwillig, �veranlassen, daß da«, was die Redaktion gesündigt, wieder Seniacht werde. i B e b e l: Ich würde sofort nach Zürich schreiben, wenn em .. b-kannter Ehrenmann auf der»schwarzen Liste" stände. tn* �raklion wurde über die LcyoerkuS- Angelegenheit ge- °chen und erklärt, man wolle sich mit der»schwarzen Liste" Erfassen. habe ich erst hier - ch u machet: Die»schwarze Liste" "�Präsidenten gesehen, sonst nie. � z �.Pfannkuch(auf Befragen de« Präsidenten): Am St. Lr�jer Kongreß konnte jeder Parteigenosse Theil nehmen. Hassel war Niemand dort. �.Der Staataanwalt erklärt sich gegen die Vereidigung «engen. »d»« � Vetheidigung wünscht die Vereidigung. Auch t,,,? oeugtn, die sich als Sozialdemokraten bekannt, find o!8t worden. o et Zeuge wird vereidigt. t�euge Glaser, Kaufmann au« Barmen(vereidigt): Vor 5it,? Jahren kam ein Annonzensamwler der»Fr. Pr." zu litt �ub ersuchte um ein Darlehen für dieselbe. Harm trat ju Verbindung mit mir. J? a r m: Der Betreffende hatte von mir keinen Auftrag. n» j£U»e Moll, Kaufmann in Barmen(oereidigt): Vor n bÜ m4 Jahren wurde an mich da« Ansinnen gestellt, mich eit».. Besinnung eines freifinnigen Blattes zu betheiligen. Ich 100 M. ttn��e Klapp(vereidigt): Ich war Gehilfe bei Gustav lbn», Ob er Sozialdemokrat, wußte ich nicht. Serne Besucher .T»»"'?.nicht. Wahlzettel wurden zu Fmke gebracht. Den bade ich bei ihm nicht gesehen. Blatter hat Fmke an % jjj* gegeben,(Auf Befragen): Wegen merne« Zeugnisse« .�siube ausgegeben... . �°pp: Von den Flugblättern habe ich keines gelesen. Fi», Packeten war, weiß ich nicht. stifte: Das waren Stimmzettel. '(auf Befragen): Ich habe Mit Niemand wegen •ft'Uoßr.. gesprochen. Auf dem Tisch lagnr Packete. Ob "irr � waren, weiß ich nicht. Vorher habe ich Flug« (r di. Zen von verschiedenen Parteien. Finke hat mit nur �oss.» �ialdemokratie gesprochen. Die Packete waren fest ""�kommen verwahrt.. !€t(T 4an"ia[t Lenzmann: Auch meine Partei verpackt 1" k e'�Jch hait"t-zUweihunderttausend Stimmzettel zu H.e r b e r tz, Kleinschmidt au« Hintersudberg: Da» -vlokoll wurde mrr unterwegs gegeben von einem lln« bekannten. Von geheimen Versammlungen ist mir nichts be« kannt; ich habe wohl davon gehört. Ich glaube die Broschüre für 2S Pf. gekauft zu haben. E« kann auch sein, daß ich ein Exemplar des»Soz." hatte, von wem kann ich mich nicht mehr besinnen. Vertheidiger: Ich bitte den Staatsanwalt, von der Vernehmung der Zeugen Abstand zu nehmen, die in Unter« suchung waren. Staatsanwalt: Die Leute find außer Verfolgung gesetzt. Verth.: Sie waren aber verdächtig, sonst hätte die Klage nicht erhoben werden können. Der Gerichtshof beschließt, den Zeugen nicht zu ver« eidigen. Zeuge Buchenau(vereidigt): Gilles kam 1885 zu mir in Gesellschaft verschiedener Herren und erzählte mir die Vor« geschichte der»Freien Presse". Es handelte sich hierbei um den Geldpunkt. Schließlich pab ich da« Versprechen, ihm Kredit einzuräumen. Wie viel Geld ich gegeben, weiß ich nicht. Nach dem Weggang Gilles hatte ich mit der»Freien Presse" nichts zu thun. Kaltenbach war ein rabiater Sozialdemokrat und hätte für die»Freie Presse" Alle« hergeaeben. In feinem Auftrage überbrachte ich da« Geld. Bei Marian war ich mit Gilles. Unten war es rauchig; deshalb gingen ww nach oben. Ich glaube, es war auch ein Liebespärchen im Lokal. Gilles redete immer, in Versammlungen oder sonstwo. Ich habe 30 M. gezeichnet. Noch mehrmals wurde in meiner Anwesenheit über die„Fr. Pl." gesprochen. Die Verhältnisse waren Stadtgespräch. Dr. Schönlank war in Elberfeld; ich war mit ihm zusammen. Versamm« jungen wegen der»Freien Presse" fanden wohl in der Weise statt, daß einige Personen, auch Demokraten, zusammenkamen. Es wurde wohl der Gedanke angeregt, die»Fr. Pr." unter eine Preßkommisfion zu stellen. Harm war aber stets dagegen: die»Freie Presse" sei sein Prioateigenihum.(Auf Befragen Bebels:) Weber war mein Nachbar und zeigte sich als warmer Sozialdemokrat. Im letzten Jahr kam er in den Verdacht, Spitzel zu sein. Durch eine Kriegslist gelang es mir, von ihm vor einem Monat das Geständniß zu erhalten.(Auf Befragen Bebel'« über die Verhältnisse:) Morgen wird ja Weber selbst vernommen. Ich werde jede Frage beantworten, die zur Ent- lastung der Angeklagten dient. Weder erzählte mir, er habe die Gefälligkeiten Wilsing'a in An- spruch nehmen müssen. Dieser habe es ihm als eine Ehrenpflicht des Patrioten hinge- stellt, die Sozialdemokraten zu überwachen. Seine Mittheilungen würden, da« habe ihm Wilsing unter Ehrenwort versichert,� nie dazu dienen, Leute in'« Unglück zu stürzen. Im Verkehr mit den Leuten sei er(Weber) selbst Sozialdemo- krat geworden.(Auf Befragen der Verlheidigung): Weber persönlich hatte nichts Sirafbare« gethan, sondern sein Schwager Stüde ein SittlichkeitSverbrechen begangen. Der Verlheidigung wird Einficht in die betreffenden Akten gestaltet. Der Zeuge wird vorläufig entlassen. Verth.: Entweder muß das Gericht über die Ernährung der Angeklagten Beschluß fassen oder von der Anwesenheit der Angeklagten absehen, auch wenn gegen diese verhandelt wird. Präsident: Ich kann keinen der Angeklagten offiziell entlassen. Privatim werde ich dem Vertheidiger meine Ansicht mittheilen. Um 2 Uhr wird die Verhandlung auf Donnerstag, den 28. November, Morgen« S Uhr, vertagt. Soziolc ZUeveustlftl. An die Arbeiter Deutschlands! Die unter»ichnete Streitkommission unterbreitet Euch hie>mit folgenden Sachoer« halt. In der Goldleistenfabrik von Mcthlow u. Ko., Berlin, Köpnickerstr. 109a, waren 40 Kollegen gezwungen, am 25. Nov. die Arbeit niederzulegen, und zmac aus dem Grunde, weil wir zu dem dort herrschenden Markensystem und den Strafgeldern, womit wir schon lange nicht mehr einverstanden waren, end- lich Stellung genommen haben. Unsere gerechte Forde- rung wurde uns jedoch nicht bewilligt, im Gegen- theil ein Kollege, von dem man glaubte, daß er sich in dieser Sache besonders hervorgethan habe, wurde gemäß- regelt. Wir sahen uns daher genötbigt, uns mit unserem Kollegen solidarisch zu erklären und die Arbeit niederzulegen. Wir haben beschlossen, die Arbeit nicht eher aufzumhmen, bi« folgende Punkte bewilligt find: 1. Abschaffung de« Markensystems nebst den damit verbundenen Strafgeldern; 2. Einstellung unseres gemaßregelten Kollegen; 3 Entlassung eine« Werkführers. Ihr werdet zugeben, daß hoher Muth dazu gehört, angesichts der bevorstehenden Feiertage in einen Streik einzutreten. Aber es handelt sich hier um eine Pcinzipienfraae und wir halten diese für geeignet, die allgemeine Aufmerksamkeit auf diesen Punkt zu lenken. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Briefe sind zu richten an Wilsky. RummelSbura(Berlin), Schillerstr. 4. Die Streik« Kommission der Vergolder und Fachgenossen Berlins. I. A.: Wilsky. Nerfraitliiiluirgen. Die Geueealversammlung de« sozialdemokratischen Mahlverrius de«<». Kerliner Relchstagsmahlkreise« fand am Donnerstag, den 22. Novemder, m Lehmann'« Salon statt. Auf der Tagesordnung stand: Vorstandswahl. Kassen« bericht. Vortrag de« Herrn Pirch: Das Recht auf Arbeit. Verschiedene«. Fraqekasten. Der Kassenbericht ergab folgende«: Einnahme: 266 Eintrittsgelder a 30 Pf.— 79,80 M., 1064 Beilrage a 20 Pf.— 212,80 M, durch Tellersammlung 6,40 M. Summa 299 M. Dazu alter Bestand 38,69 M. Gesammt- Einnahme 337,69 M. Ausgabe. An Druckkosten und Uten- filien 49 M., für Saalmiethen und Säulenanschlag 84 M, für Annonzen im»Berliner Volksblatt" und»Volks-Tribüne" 98,80 M., Porto 19,40 M., diverse Unkosten für Versäumnisse und für Referenten 81,55 M. Summa 332,75 M. Also Ein- nähme 337,69 Pf., Ausgabe 332,75 Pf., bleibt Kassenbestand 4,94 M. Dieser Kassenbestand wurde von den Revisoren für richtig befunden und dem Kasfirer Decharge ertheilt. 2. Punkt. Vorstandswahl. S« wurden folgende Herren gewählt: Ernst, Schriftsetzer, Hussitenstr. 88, 1. Vorfitzender; Weise, Tegeler« straße 27, 2. Vorsitzender: Marzahn, Schlosser, Birkenstr. 46, 1. Kassirer; Reicheu, Schlosser, Swinemünderstr. 66, 2. Kasfirer; Schwabe, Maurer, Waldstraße 4, 1. Schriftführer; Fuchs, Schuhmacher, ZwnSkirchplatz Nr. 3, 2. Schriftführer; Bath, Beisitzer und Grasnick, Fink, Schneider, Revisoren.— Hierauf trat man in den 3. Punkt der Tagesordnung: Vor« trag des Herrn Pirch ein. Redner meinte, eine« der ersten Rechte, die der Mensch habe, sei da« Recht zum Leben, und e« würde da« auch in allen Staaten anerkannt mit Ausnahm: Chinas, wo man Kinder unter 12 Jahren aussetzen darf. Da« Recht zum Leben und da« Recht zum Arbeiten gehört beim Arbeiter zusammen. Beim Rentier ist es allerdings anders. Wie wird nun da« Recht auf Arbeit vertheilt, und wie wird es anerkannt? Redner verliest interessante Statistiken über englische Arbeiterverbältnisse. In Deutschland aiebt e« lerder keine derartige Statistik, unsere Abgeordneten haben sin Reichs« tag schon oft darauf hingewiesen. Wie verwirklichen nur die sogenannten leitenden Kreise da« Recht auf Arbeit? Man hat auf privatem Wege Arbeiterkolonien gegründet und von Seiten de« Staates ist noch viel weniger geschehen. Giebt es doch Gesetze, die die Arbeitslosigkeit bestrafen. In Preußen giebt es allein 5 Korreklionshäuser, davon hat da« größte zwölftausend Gefangene, und das sind alle« Leute, die durch Arbeitslosigkeit dahin gediänat worden sind. Wieviel Menschen giebt es, die durch die Macht, der Verhältnisse gezwungen werden, betteln zu gehen, weil sie keine Arbeit bekommen können. Verlangt man doch jetzt im Reichs- taZe Abschaffung der Frauenarbeit und Einführung de» elf- stur, d igen Arbeitstages. Dadurch wird aber die Arbeitslosigkeit noch lange nicht abgeholfen. Soll etwas geschaffen werden, so muß man mit Arbeiterstatistiken vorgehen. Diese Statistiken setzen aber eine stramme Organisation voraus. Sie müsse von Arbeitem überwacht werden. Wenn man aber die Arbeiter- organisationen unterdrückt und das KoalitionSrecht illusorisch macht, so steht es schlecht mit dem Recht auf Arbeit. In Bergarbeiter-Distriklen giebt es ja noch die Arbeitsbücher, und was das zu bedeuten habe, wenn ein Bergmann mit einem gekennzeichneten Arbeitsbuch von Ort zu Ort geht und keine Arbeit bekommt, da« weiß jeder, der sich um Arbeiterverhält« msse bekümmert. In England wurde ferner festgestellt, daß die besser Situirten 53 Jahre, Arbeiter dagegen nur 35 Jahre im Durchschnitt alt werden, und daß 6,4 pCt. von ihnen im Armenhaus« sterben. Redner kommt zu dem Schluß, daß vorläufig da« Recht auf Arbeit nur theo- retisch aber nicht praktisch besteht, und daß wir es un« schwer erkämpfen müssen, zum Wohle der gesammten Menschheit.(Leb« Haftes Bravo.) Hieran scbloß sich eine animirte Diskussion und eS wurde dann folgende Resolution angenommen: Die heute in Lehmanns Salon tagende Versammlung de« soziaidemokra« ttschen Wahlvereins des 6. Berliner Reichstagswahikreises er« klärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und ersucht laut Protest zu erheben gegen die Ausbeutung von Seiten der Unternehmer, welche den Arbeitern das Recht auf Arbeit durch ihre jetzigen Maßnahmen illusorisch mache. Hier« auf slbloß der Vorsitzende die Versammlung. Mit der bevorstehenden Stichmahl im 17. Mahl- bezirk beschäftigte sich eine gut desuchte Kommunal. Wähler- verlammlung, welche am Mittwoch Abend im Lokale Wasser« thorstraße 63 tagte. Herr Börner, der sozialdemokratische Kan- divat für diesen Bezirk, bemerkte Eingang« seine« Vortrage«, daß der Vorwurf der Gegner, die Sozialdemokratie verstecke ihr revolutionäres Programm bei den Stadtverordnetenwahlen, s-bon dadurch in sich zusammknsalle, daß es sich bei diesen Wahlen doch nur um Dinge handle, welche in der Stadtver- waltung zum AuStrag kommen. Grade der Kleinhandwerker, der h.ule sich noch zumeist von dem„Freisinn" einfangen lasse, habe da« größte Interesse an sozialdemokratischen Wahlen, denn werde dieser brotlos, so sei er noch eher auf die städtischen Ein- richtungen für Hilfsbedürftige angewiesen, als der Arbeiter, welcher in der Regel nicht so leicht den Muth verliere, wenn er eine andere Beschäftigung ergreifen müsse. Die Sozial« demokraten wollen aber die genannten städtischen Einrichtungen besser gestalten, und der Kleinhandwerker könne sich zur Wahl der sozialdemokratischen Vertreter nur Glück wünschen. Leider find sie so verbissen auf ihre geträumte Selbstständigkeit, daß sie nicht gemeinsame Sache mit den Arbeitern machen wollen. Die Herren Stadtväter rühmen sich so sehr, viel Gutes geschaffen zu haben; wo die« geschehen sei, habe doch nur der Steuersack herhalten müssen, der von der gesammten Bürgerschaft gefüllt werde. Ihre Intoleranz habe die Majorität zur Genüge bewiesen, als fie den Kindern der freireligiösen Gemeinde die unbenutzten Schulräume ent- zogen habe. Was den»freisinnigen" Kandidaten dieses Be- zirks anbetreffe, so sei Thatsache, daß derselbe von der englischen Gasanstalt beschäftigt werde; es dürste mithin fraglich er- scheinen, ob er die Interessen der Bürgerschaft Berlin« unbe-- einflaßt vertreten könne. Er befinde sich doch immer in einem gewissen AbhängigkeilSverhälwiß zu der ausländischen Gesell- schaft. Redner verbreitete sich ferner über verschiedene in der Stadtvertretung»ur Berathung kommenden Gegenstände und schloß mit dem Hinweis, daß er im Falle seiner Wahl nur für da« Wohl der Bürgerschaft eintreten werde.-- Der zweileReferent des Abends, Herr Vogtherr, hob hervor, daß die Sozialdemokratie alle R-chte der Selbstverwaltung wahrnehmen und nicht das Ge- ringste von denselben rauben lassen werden. Eine Verftümm« lung oder ein Verschwimmen de« Gewerdeschiedsgencht«- Entwurf« müsse durchaus vermieden werden. Wir haben mehr wie bisher zu betonen, daß in Zukunft die Wünsche und For- te ungen de« Volke« größere Beachtung finden müssen und von diesem Prinzip soll unser Wirken in der Stadtvertretung ge-. leitet sein. An der folgenden Diskussion betheiligtcn sich die Herren Krause, Kohlhardt und Sündermann, welche sich im Sinne der Referenten aussprachen und zur energischen Bethei- ligung bei der Stichwahl aufforderten. Mit der Aufforderung zur regen Agitation für die Wahl de» sozialdemokratischen Kan« didaten schloß der Vorfitzende, Herr Kräcker, die Versamm- lung.— Di« Tops«« D«rlin« und Umgegend waren am 27. d. ziemlich zahlreich rm»Deutschen Volks- Theater" versammelt. Nachdem die Kollegen M a n t k e, Gräbert und Domke in« Bureau gewählt worden waren, nahm Kollege David das Wort zum ersten Punkte der Tages- Ordnung:»Die Statiflikund ihr Werth." Referent bemerkte, daß ganz irnge Anschauungen im Publikum verbreitet seien über die Ver- dienste d-r Töpfeegesellm. Man sei gemeinhin der Anschauung, daß die Töpfergesellen bei wenig Arbeit viel verdienen. Diese Anschauungen wurden mit Fleiß gezüchtet seitens der Meister« schaft durch die bekannten Lohnstatistiken, welche gemacht wer- den, theils um die hohen Preise der Töpfermeister heil« deren eiaene Verdienste zu bemänteln. Wie wenig diese gemachten Meister-Lohnstatistiken den thatsächlichen Verhält- nissen entsprechen, wisse jeder Töpfergeselle zur Genüge. Um aber die Oeffentlichkert über die Lage der Töpfergesellen aufzuklären, hat der Generalausschuß eine Gewerbestatistik anaeordnet für die Töpfer Deutschlands und zu diesem Zwecke entsprechende Fragebogen verausgabt, welche Referent erläuterte und um deren wahr- heitSgemäße Ausfüllung er dringend ersuchte. Schon im ver« gangenen Jahre sei vom Generalausschuss« eine Gewerbe- Statistik für die Topfer ganz Deutschlands angebahnt worden, zu welcher jedoch gerade von Berlin das ungenügendste Ma« terral geliefert worden sei. Auch soll die Statistik zur Begrün- dung zu stellender Lohnforderungen k. dienen. Der Werth und die Nothwendigkeit der Gewerbe-Statistik wurde in der folgenden �Diskussion voll und ganz anerkannt. Die Ver- sammlung wählte eine Kommission, welche für die Aufnahme der Statistik Sorge zu tragen hat, bestehend au« den Kollegen Richard Topf(tO, Werner(W), Kleinschmidt(NW) Otto Greier(SW.), Lason(v).— Der Streik der Bunzlauer Kollegen bildete den zweiten Punkt der Tagesordnung, über welchen Kollege Thieme referirte. Auf dem letzten Töpferkongresse in Breslau war beschlossen worden. die Lage der Scheibentöpfer aufzubessern. Die Lage der Kollegen in Bunzlau war eine der trauriast-n. Sie haben einen einheitlichen Lohntarif ausgearbeitet, der indessen von r Meisterschaft miht anerkannt wurde. Infolge dessen wurde am 5. September d.J. der Streik proklamirt. Die Bunzlauer Topfer hatten bislang IZtzstundige Arbeitszeit und mußien therls den balben, therls den ganzen Sonntag zu Hilfe nehmen, um emen Wochenverdienst von 13-14 M. zu erzielen. 23 Ge- fellen, welche nach Ausbmch de« Streiks weiter gearbeitet hatten, wurden nach 8 Tagen ohne Veranlassung entlassen. Gegen dundert Arbeiter erhielten auswärt« Arbeit, gegenwärtig streiken noch 106 Kollegen, lauter Familienvater. Die entlassenen 28 Gesellen wurden indessen später wieder eingestellt auf polizeiliche Veranlassung, dazu kamen eine Anzabl SIbltünntoer, sodab zur Zeit auf je ei«»« Meister ein Geselle kommt. Die Meister erkennen dir Unzulänglichkeit der Arbeitslöhne an, weigern sich aber, mehr zu zahlen Der Kampf ist ein schwerer, doch hoffen die Streikenden auf endlichen Sieg, wenn ihnen genügende Uaterstützung zu Theil wird. Von Berlin aus find innerhalb 8 Wochen 900 M. abgesandt worden. Bisher wurden dort Unterstützungen gezah!t 12 M., 10.50 M. und 7 M. Die Versammlung beschloß, die Unterstützung der Bunzlauer Kol» lege«, dem Vertrauensmann, Kollegen Thieme, zu über» laffe«, jedoch verpfl chtete fich die Versammlung, nach besten Kräften zu den wöchenltichen freiwilligen Sammlungen zu steuern.— Unter»Gewerkschaftliches" theilte Kollege Thieme mit, daß die Meister in Weißensee fich schriftl ch nerpfl'chtet haben, den Berliner Lohntarif mit 25 pCt. Aus- sch og bis zum 1. August 1890 zu bezahlen. Die Abrechnung von den freiwilligen Beiträgen erstattete Kolleg« Kattun und wurde dem Vertrauensmann« Decharge ertheilt. Zu Revisoren auf weitere vier Wochen wurden gewählt die Kollegen K a I t u n und H a n d k e. Des Weiteren xelaugte nochmals der»Fall Maschke" zur Verhandlung, welcher wieder zu stürmischen Debatten Veranlassung gab. Das Re- fultat derselben war, daß die bekannten Beschuldigungen bis zum Austrage des gerichtlichen Verfahrens aufrecht zu erhalten beschlossen wurde. Um dem Vorwurfe der leichtfertigen Ver- avSaadung der Gelder in Zukunft vorzubeugen, bestimmte die Versammlung, einem Antrage G reier entfpiechend, daß nach Beendigung des Streiks der Bunzlauer Kollegenschaft von dim lZrträgniss« der wöchentliten ftenvilligen Sammlungen in Berlin und Umgegend ein Drittheil an den General-Äusschuß abmführen sei, ein Dnttheil dem Berliner Fonds zu verbleiben *»d über diesen nur öffentliche Versammlungen zu bestimmen haben, da« letzte Drit'heil aber dem Berliner Vertrauensmann« zur Verfügung zu stellen sei. Nachdem fich sodann die Ver- sammlung einmü'hig für den Antrag David erklärt, dahin- gehend, am 1. Mai>890 alle Aibeit rühm zu lassen als Kundgebung für den Achtstundm-ArbeitStag, ebenso dafür, daß die Kollegen nur in solchen Gast- und Schankwirthlchaften neik-hrm möchten, in denen die Berliner Arbeiterblätter s.VolkSblatr" und.Volkstribüne") ausliegen, wurde nach der ferneren Mittheilung, daß in Hannover ein Abwihrstreik wegen Herabsetzung des kaum erfochtenen Gefellmlarifs aus- arb ochen sei, die Versammlung nach sechsstündiger Dauer ge- schloffen. Der Fachverei» der Steindrncker und Lithographen Kerttn» hielt am 21. d. M. in DelgmüllerS Salon eine recht gut besucht« Mitgliederversammlung ab. Aul der Tages ord« rung stand: 1. Vortrag über die allgemeine Verthmerung der Lebensmittel. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Untastützungskommisfion. 4. Abrechnung vom H rrmabend. 5. Berfchiedme« und Fragekastm. Der Refermt Herr Lief- tänder führte Emgang« seine« Vortrages aus, daß die Arbeiter bestrebt sein müssen, ihre Lage nach zwei Richtungen hin zu »erbeffern, nach dermateriellm und geistigen. Dieselben haben zu ihrer geistigen Aufbesserung keine Zeit, wenn die materielle Lag» nicht«inebissere wird. E.ne Verschlechterung der letzteren wtrd aber durch die V-rtheuemng der Lebensmittel, und diese wieder durch die stetige Erhöhung der Zölle hei vorgerufen. Betrug doch im Jahr» 1873—79 der Zoll am Lebensmittel pro Kopf der Beoölkeruna Dcullchland« 2,S2 M., für eine Familie zu 5 Köpfen 13 M., im Jahre 1885— 86 pro Familie 25,40 im Jadre 1889—90 beträgt derselbe pro Familie 30 M. Hierzu kommm noch twe Verbrauchssteuern auf die nothwmdigsten Lebensmittel, welche auch noch pro Familie 53 M. betragen. Durch die Zölle werden aber auch noch die inländischen Produkte ver- rheuert, und eS leim dennoch diese Zahlen noch viel zu niedrig veranschlagt. An der Hand von reichlichem statistischm Material besprach der Referent dre Ein und Auefuhr der Produkte und wie« kl'vp und klar nach, daß die Zölle und die Steuern nur 4—5 pCt. der Bevö keruny zu gute kommen auf Kosten der übrigen 95 zCi. d«r Bevölkerung Deutschland«. Auch den seiner Zeit von Herrn Peter« den Arbeitern empfohlenen Küchenzettel unterzog der Vortragende einer gebührenden Kritik und«mpfahl Herrn PeterS an fich selbst einen Versuch mit demselben zu machen. Reicher Beifall wurde dem Re- serenten für seinen Vortrag zu Theil. In der Diskusfion sprach«« noch einige Kollegen ganz im Sinne des Referenten. Zu Punkt 3 erstattete Herr Witz-l Bericht. Der Kassenbestand der UnlerftützungS-Kommisston beträgt noch 227,70 M. In dieselbe wurden folgende Herren gewählt: Wendel(Lithograph), Burqdors, Müller, Hub, Quast, Mark- warbt, Krohre, Sänck-r, Broll. Tie Abrechnung vom Herren- Abend ergab ein Defizit von 1,55 M. Unter Verschiedenem ae langte zunächst der Antrag zur Ai nahme: Alle Vergnügungen sowie Matineen nur in Arbeiterlokalen zu veransta ten. Kollege Otrer ergänzte denselben noch dahin: auch von solchen Vereinen keine B llet« zu nehmen, welche ihre Vergnügungen nicht in solchen Lokalen abhalten. Auch die im Juserotentheil des »Berliner Volksblott" brfindliche Erklärung vom Restaurant »Buggenhagen" wurde einer gebührenden Kaiik untei zogen und hervorgehoben, daß wenn in dem Lokal hunderte von Peifonen tanzen können trotz der mangelnden Baulich- teil, dort auch Versammlungen abgehalten werden können. Di» Aibeiter wüfiien auch, wa« fie von dieser Erklärung zu haften baden.(Die Angelegercheit ist inzwischen bekanntlich geordnet. Red.) Der Antrag, die WeihnachtSunterstützung arbeitsloser Mitglieder betreffend, wurde in folgender Fassung angenommen:»Unterstützung erhält derjenige, welcher seit April d. I. Mitglied des Verein« ist, fein« Büträge bis inkl. September bezahlt und 8 Tage vor Weihnachten arbeitslos ist. Auve, hnratbete erhalten 12 M., Verhetrathete 18 M., für jedes Kind ILO M.; erstreckt fich diese Arbeilslofigkeit weiter zurück, sv erhält jeder Unverheiralhete pro Woche noch 2 M., jeder Bacheuatdete 3 M." Herr Gent theilte mit, daß der Gesang- ■azxtm»Senefelder" am 2. Weihnacktsfeiertag im»Thalia« Theater'", Wallnertheatcrst-. 15, eine Matinee veranstaltet und forderte zum recht regen Besuch derselben auf. Nach Trledi- iianq einiger Fragen erfolgte Schluß der Versammlung. D'e nächst« Bersammturg findet am 19. Dezember in Jordan'« Salon, N-ue Giü istr. 28 statt. V»» Verein zur Wahrung der Znteresse» der Gast- med Kchankrntrth« Kerttn»«nd Zlmgrgend kielt am Ktiftag, ven 22. November, seine reaelmäßige Mitglieder. Ver- »ammlung beim Kollegen Henke, Blumenstraße 38, ab. Die Togesoidl ung lautete: 1. Berichterstoltung von der Wahl der tSeivecbefteuer-Drputation. 2. VeremSang-leginheiten. 3. Ver- schndene« und Fragekasten. Zuerst theilte Kollege Gründe! » t, daß e« dem Verein nicht gelungen sei, bn der die«. jähiigea Wohl Kollegen au« seiner Mitte in die«om- Mission zu dringen. D«S läge nun lediglich daran, daß der Berein«den eine noch zu tteme Mitglieder- zehl Hab« und daß die anderen 4 großen Vereine leder mrt ra. 200 Mitgliedern ihm gegenüber standen. Redner hofft, daß der der nächsten Wahl in drei Jahren das Resultat ein andere« \«xa wird, wenn sowohl die Mitglieder wie auch die Gewerk- schaftc» rege für den Verein agiti en. Die Kollegen Henke und E. Bohl sprachen sich in demselben Sinne au«. Zum 2. Punkt, Vereensangetegenveiten. erwähnte der Vorsitzende, baß auf An- rathen einflußreicher Partrimänner unsere Denkschrift erst im kommenden Frühjahr dtcn sei. ES wurde zu drelem Punkt vom Kollegen Havgk erwähnt, daß die mangel- basten Zustände im Gaftwirthsgewerde lediglich Ausflüsse de« AusnadmegesetzeS feien. Er erinnert hierbei an die Ausnahme- Maßregel, von der er im vorigen Jahr betroffen gewesen fei «ab behauptet, daß dieser Fall vereinzelt dastände. Die Kalle- «e» Snadt und Sp ndler lprachen fich in demselben Sinne au« und führten unter anderem an, daß selbst der Minister von Herrfurlh erklärt habe, daß das Ausnahmegefltz derartige Maßregelungen nicht nur billige, sondern auch in jeder Weise zu unterstützen habe. Die Kollegen Mendt, Thierbach und Spiekermarn meinten, daß durch unsere Drnkschrift dahin zu wirftn sei, daß die KonzejfionZ. ertheilung nicht wie jetzt von zwei, sondein nur von einer Be- Hörde abhängig werde. Alsdann erwöhnie Kollege Nürnberg, daß er wegen Beleidigung des Pol'zei.Pröfidiums angeklagt sei und ersucht olle Kollegen, welche sich an die Versowmlzing zu erinnern wissen, sich betreffs Zeugenongabe bei ihm zu meldin. Nock einer Pause von 15 Minuten wurde zum 3. Punkt der Tagesordnung übergegangen. Hierbei sprachen fich veischiedene Kollegen über das JnnungSwesen ouS. Der Vorfitzende stellt den Antrag, ein Buch über die Reichs- gerichtSentlcheidungen anzuschaffen. Der Anftag wird ein- stimmig angenommen. Kollege Mendt wünscht, daß von jetzt ab die neu hinzutretenden Mitglieder publizirt werden. Ferner empfiehlt Kollege Nürnberg, der Lokalkommilfion 50 M. zu überweisen. Auch dieser Anftag wurde angenommen. Ueber die Borusfiabrauerci wird von Seiten des Vereins der Boycott auf 6 Monate verhängt. Ausgenommen find die Kollegen Andrea« Schmidt, Riiterstr. 112. Friedrich Wolter. Neue Hoch straße 29; Albert Tunsch, Wollinerstr. 30; Karl Ulrich, Wrangelftr. 84'; Karl Stowosser, Potsdam, Junkerftr. 70; und Gnstov Leichnitz Markus str. 25. Gin« öffentliche Versammlung der Kauardelter Kerlin»«nd Umgegend tag'« am Sonnabend, den 23. d., Abends, in Lehmonn's Lokal, Schwedterstr. 23, mit der Tages- ordnung: 1. Abrechnung vom Streik. 2. Diskussion. 3. Nutzen und Werth der gewerkschaftlichen Organisation. Referent: W. Werner. 4. Diskussion. 5. VertchiedeneS. Zum ersten Punkt stellte Herr W. Noack den Anftag: In Anbetracht de« schwachen Besuchs der heutigen Versammlung beantrage ich, die beiden ersten Punkte der Tagesordnung zu vertagen, und dem heutigen Bureau aufzugeben, in nächster Zeit eine Ver- sammlung einzuberufen und zwar im Zentrum der Stadt, um über die obigen beiden Punkte zu verhandeln. Dieser Anftag wurde angenommen. Zum Punkt 3 sprach, da Herr W. Weiner durch Heiserkeit am Erscheinen verhindert war, Herr Linke. Derselbe löste seine Aufgabe in vortrefflicher Werse. In der Diskussion spiachen die Herren Wernau, Noack und Wallenthin im Sinne des Referenten. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:»Die heute in Lehmann'« Salon, Schwedterstr. 23, tagende öffentliche Versammlung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend eik.ärt sich mit den Aue- führungen des Referenten einverstanden und verpflichtet fich, der Organisation beizutreten, um die Forderungen der Arbeiter voll und ganz zur Durchführung zu bringen." Zu Verschie- denem stellte Herr Klinger folgenden Anftag, welcher nach längerer Debatte angenommen wurde:»In Anbetracht, daß für Berlin und Umgegend vier Vertrauentmänner nicht ge- nügen, beanftage ich, noch einen fünften zu wählen. Dieselben sind veipslichtet. 1. mindestens monatlich eme öffentliche Ver- sammlung der Bauarbeiter Berlins einzuberufen, 2. dafür Sorße zu tragen, daß die Versammlungen der Reihentolg« nach m jedem Viertel abgehalten werden und die Ergebnisse in jeder Ve> sammlung und im»Bauarbeiter" blkannt gegeben werden." Nachdem noch von Herrn Wallenthin die Namen der säumigen Listeninhaber verlesen waren, forderte derselbe die Anwesenden zum Beiftitt in den bestehenden Verein der Bau- arbeiter und verwandter Berufegenoffen auf und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf die internationale Arbeiter- beweoung. DerZFach verein der Kernmacher und verwandten Berufsgenossen Berlins und Umgegend hielt am Sonnabend, den 23. d. Mts., feine Mitgliedervei sammlung im Lokal Bolzmann, Andreatstr. 26, ab. Der Vorfitzende tadelte den schlechten Besuch der Wanderveriammlung. So« dann hielt der Vorfitzende, Kollege Schmidt, Vortrog über Ge- werkschaftlicheS, der mit Beifall belohnt wurde. An der DiS- kuffion beiheiligten sich die Vorsitz- ndev vom Fachverein der Former, Herren Müllerund Stovsack, sowie die Kollegen Dülfert, Bülow und Lehmann. Unter Verschiedenem wurde der An- trag gestallt, den Kollegen Richter aus dem Verein zu stoßen wegen Verstoß gegen die Vereinsinteressen. Dieser Anftag wurde angenommen. In d»e Kommission, welche sich mit der Lokalfroge befteff« des Sliftunosfestes besoffen soll, wurden gewählt: Oswald, Hefter und Graba. Eine öffentliche Schneider- Verjammlnng fand am 23. d. M.»m Böhmischen Brauhaus« stoit, weiche sehr zahl- reich besucht war. Aus der Tagesordnung stand ein Referat des Herrn Fritz Krüger über:»Das Sinken der Löhne und die Vrrih uerung der Lebensmittel". Redner erntete am Schluß seiner einstündigen Rede wiederholt«» Beifall. E« wurde sol» gende Resolution angenowmrn:»Die Schneider-Vcrsammlung erklärt sich vollständig mit dem Referenten und den übrigen Rednern einverstanden, verpflichtet fich, für die Aufklärung der Kollegen einzutreten und bei der devorstehenden RerchSiaas- mahl nur sozialdemokratiscke Kandidaten zu wählen, welche auch wirklich für die Interessen der Arbeiter eintreten und die gegenwärtigen Lasten, unter welchen letztere leiden, abzuschaffen gewillt find." Eine zweite Resolution fand ebenfalls An- nahm«:»In Erwägung, daß 37 Friedrichshagener Gastwiith« den Arbeitern Fiiedrichshagens ihre Lokale zu Veisammlungen verweigern, selbst dann auch, wenn die polizeiliche Genehmigung vv! Händen ist, erklärt fich die Versammlung dahin, alle Ver- gnügungs vereine Berlins in Kennwiß zu setzen, schon jetzt von eventuellen Vergnügen nächstes Jahr nach FriedrickShagen, MüggeUchlößche», Hirschgorlen, FriedrichSberge u. s. w. Abstand zu nehmen, um so den Arbeitern FriedrichShagenS zum Siege zu verhelfen." Die Stockarbetter Kerlin« haften zur Vorbereitung einer Lohnbewegung in ihrer Branche in einer am 1. Juli er. tagenden Bei sammlung eine Lohnkommission gewählt. Nach ernim an den Vorsitzenden dieser Kommission genchleten Schrei- den des Polizeipräfidmm« stellt fich indessen auf Grund des Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 dieselbe, da sie sich mit öffentlichen Angelegenheiten befasse, als ein Verein dar, dessen Vorsitzender in dem erwähnten Schreiben ersucht ward, binnen 8 Tagen«in Statut an das Polizeiprä- fidium einzureichen, Namen, Stand und Wohnung der Mit« gl,«der anzugeben und für jede abzuhaltende Versammlung 43 Stunden vor Beginn derselben die polizeiliche Genehmigung einzuhvlen. Daraus löste sich besagte Kommission auf und eine om Mittwoch Abend bei Scheffer, Jnsetstraße, unter Vorfitz des Drechslers Hildebrand tagende Versammlung aller Stockarbeiter wählte zur Vorbereitung der kommendes Frühjahr in Angriff zu nehmenden Bewegung einen Ver- trauenkmann, einen Kassirer und 3 Revisoren, beschloß auch, zum Zweck der Durchführung der aufgestellten Forderungen: östündiger Arbeitstag, 24 M. M-nimollohn und Abschaffung der Akkordarbeit, pro Woche 20 Pf. zu einem Streikfonds beizusteuern. Kirdorf. Am 25. d. M. tag!« Hierselbst im Lokale der Neuen Weil eine öffentliche Tabakarbeiter- und.Ardeiterinnen- Versammlung. Der Saal war übersüll», es mochten wohl an ICOO Personen anwesend sein, ein Beweis, daß, wenn die Agitation in derselben Weise weiter b, trieben wird, der jetzige Geist hoch gehalten werden kann. Kollege Henmann au« Berlin hatte das Referat über:»Welche Stellung müssen die Rixdorfer Tabakarbeiter und. Ardeilerinnen zu der Lohnde- wegung der Berliner Tadakarderter einnehmen", über- nommen. Derselbe findet es selbstverständlich, daß diese Stellung nichts andere«, als eine solidarische fem kann. Die Verhältnisse in R'rdorf seren dieselben, w«e in Berlin. Da» kapital, strsche Unten-ehmerthum pflanz« überall da« Au°b»uwna«- lystem auf und dieses bringe die heutige ProdukftonSweist«j* fick. Daher sei eS vor allen Dingen nothwendia, daß- diest� bekämpft werden müsse. Emem jeden stehe die Aufgab«? mit zu wirken, daß da« Elend nichl noch mehr nm fich greife. M heben die Verpflichtung, den gesetzgebenden VeiwaltungSlo� darauf hinzuweisen, daß Einrichtungen getroffen werden, die d» Aibeiter in materieller sowohl wie in geistiger Beziehung San gewähren. Pfl-chten werden al« Staaisbürger uns auferlG daher verlangen wir auch, daß uns Rechte gewährt wud� Bei einer Lohnbewegung darf man die materielle Sifte iw all zu hochschätzen. Wenn man in eine Lohnbewegung«itipi' treten gezwungen wird, so ist das freilich eine Nothwebr, u»' deshalb ist duselbe niemals zu verwerfen. Auch wtr Hab»" Beilin einen großen Erfolg errungen, die Fabrikanten ha«» fich zum großen Theil den Forderungen unterworf» die Einigkeit unter den Kollegen und Kolleginnrn derartig hergestellt, daß wir getrost der Zukunft entgegen W" können. Auch andere Gewerksckaften tragen uns m uns«» gerechten Kampfe die giößte Sympathie entgegen. Dies««!« geben fich der Hoffnung hin, daß die Tabakarbeiter und V' «iterinnen wieder den altbewahrten Ruf, den fie früher 9'' habt, auch nunmehr zu erhalten suchen. Redner schließt den Worten: Wenn wir auch fortwährend von Gefahren geben find, wenn man auck versucht, uns unsere Rechte zu kümmern, so läßt sich doch d-e Atbeite-beweguna nicht halten, denn wie die größten Ströme majeftäusch ihr« Lauf vollenden, so wird auch die ArdeilerbeweAung fest>»' ruhig ihrem Ziele entgegensteuern. Das Alle stürzt, es änd» Nck die Zeu, und neues L«ben blübt aus den Ruuu?' Im Laufe der Diskussion wurde vom Kollegen W-tzk, in'«* tr.ffender Weise eine schonungslose Knick an den destih«� nnrikschaftlichen Ve- häitinssen ausgeübt. Daraus wurde Resolution angenommen, daß die Rixdorfer Kollegen ur.' Kolleginnen fich mit der Lohnbewegung der Bn liner Tat»' arbeiter solidarisch erklären. Zum zweiten Punkt, Verschied«'':' macht Kollege Witzki auf die Bedeutung de« 1. Mai aust»»' sam, und eS wird dim-ntlprechend eine Resolution anaenolni»!'' den 1. Mai als Feiertag zu proklamiren. DeSglw' wurde der Wahltag als Feiertag proktnmirt. Hierauf wurde � Lohnkommtssion Lberti agen, über iue Verhältnisse in der Fabiu� Firma Bergemann und Koch Erkundi inngen einzu*'eben. die Angelegenheit der Firma Loeser u. Wolff � nochmals zur Sprache. Es wird von Kollegen Dreschers Lehrkonftakt verlesen, der von sämmtlicken Rednern scharfen Kritik unterzogen wurde. R tter torderte zum Bei»5 in den UnterftLtzung«ve,ein der deulschtn Tabakarbeitrr auf, � eS wurde beschloffen, eine Zahlstelle>n R xdorf zu grün!» Der Vo>sitzende Dickte schloß mit einem dreifachen Hoch? die internatiorale Arbeiterbewegurg sowohl, als out das dorische Gefühl der Manier Berlin«, indem di-s Iben � streckenden Tabakarbeitern 300 M zur Verfügung stellten,» Veisammlun?. In Kottbtt» wurde am vergangenen Sonnabend � Versammlung verboten, in welcher die wirthschafrliche Lage � Arbeiter und die Stellung der versckiedenen potrl scken v*. teien besprochen werden sollte. Als Referent war Herr Berndt aus Berlin angegeben. Da« Bei bot nfolgie eist" letzter Stunde. »» • Or«|f öff«ntUdj» Peesanimlun« her W»cha»il»»r, viptti� Nhrmaq»»,«ytemrv. un» anbtren Jnftrutn-ntrnmoai-r «rtllaa, den 19. Noaembn, Nd-nd» 8 Übt, Im Louilenftasitlckm hau«, SUt 3aIobflt. 87 tagcloibnunj 1 Die«'crlürjutiu b't acbwffi. und ihre Bebtuiuno für bte' ätbtlift" Rkfit'nt: Jiohtae(S'Brtht. ber Im©fjtmber b. 3- in 3ena staiiftndi»? 4 üScfdjltW� lufsion. 8 6lfnunjrabme zu_„ ftonfoeiM der Sommiffion vorn H-ibelbets'r Metanikrtiaa. Zm D'ckun,:~" M' Ii Dickung bf Bntofttn findet eine Tellerfammllv e ftntl, nra(« öffentliche per tarn nilun« aller in der 9an*tat>«fl. beromfttaten Krdeiter al« da find: Kchneider, Schuyntai-X pattler,«apeiirer, pnchdtnder, Leder ardetter, Posaniet u! w am F-ilag, ben 29 Rooember.«b-nb« HX Übt. bei D->g' Nlie Ittobltr.«8». Zageiotdnuni i l W ck»- Eiellung oedenken b'.t wbufttiellen zu dem in Pitt» befch-ossenea Sckittlunde ckaz et zunebmen? e» Schnefdet L-oi,hatbt Ppfffec, 2, Vf-kufston. 8, Bcifchiebenei, Um reckl r reiches E, Icheinen mi'b brtnger.b ersucht. z perrt» für zvalfruns der Zniereisen de»«ischier und BN?... genoss'n Berlaitm unu am Eonnadenb, den M. Nbumber, Abend« 8»'� fm Lokale de» Herin Älolfj, Dretbinerftr, 10. TageSarbnun» 1. RotluK7, ber Veiharbluna über die veriagle SngelcgenbcU der vothetgib-noen r famnilima. 2. Verschiedene«.»z Nnterftülfnngovereia de» Berliner Manrer. Arn Sonnabend.> 80. Rovernber. im Deuisch-n Valkitbealer. Echönboulee Allee IZS 2. Slifa�A fest verbunden mit Tanzt, ünzckicn. unter«ültgei Mflwykung de» Besang»«' Lorbeerktani. Um zabltelche B-»b»I»gung wiib gebeten. w(f Koitaid-Niokratlscher Maifloeret» für de» erste» Netchotagewahlkeei». Am Eannabenb, ben SO. Noo mdei,«Jv.i 8 Übe. Bratze bumaissiische Solret»erbunbe» mit TanzkiSnzchen In SS1, u Salon Neue Brllnftr. 28 Bsl-ii D'js dabei, bei O. Wlemer, 3übenbos 7 Psubl, Echwedierftiaie 225 Lamp" Sand« betger sie. 1U. 8« ladet sreundlichst ein der Votfta- d. ferband deutscher tzlmmetiente Lobaloerban» Berlin. en I. Dezember er., Co- mittag« 10 Übt tn Delgu ülle'i Salon. lag Iakodftr «8a ToaeSo-bnuno I. Voriraa de« Herrn Sckweitzer.! �lllvvstr.»ou.»iiizrvzn uzmup. i. utuiiiuu wc» titttii rs/u turiptt.. gllilge Eiellungnahme de« Lolawetbanb Beilw zum kommender z 8 Lerlchledine«. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Um rech» zahuv «rscheinen rotib ersucht, rr Freireligiöse«emelnde Rosenlbalerstr. 88 Sonntag, bor r. ,f ztmirt, VormUlag« 10.: So- trag de« Herrn Dr. Bruno Wille über: Leo Tolstoi, ein rulll-cher Moralist" BSste wllliaminoi. pte perelutv»»« der precholer peuischiaud», Ol tioerwal-J verlin lll dillt am Mvntcg. ben 2. Dezemb-r, Aber b« 8x Uhr, im Lokal! Herrn Bolzmann. AobreaSstr 28. eine Versammlung ab. Taaetorbn-. I. Vorttaa bei Herrn Raule,. der g über Innung und Besellenautschui. 2.» ku'sion. 8. Berlchiebene! unb siraoekasten...fi »roße östentilch, persammiaug der p»äatelnSii»rt»»e« Arbeiterinnen der Herren, und Wäscheichneiberes unb ber Bü, ler, Supiw«.� Zuschmlber am 8. D. zember, Adcnb« bii Ubr, Schönhauser Allee lSS Olbnur g; Wclche Rechte enlstehen sür ble Frau au» tbrer Sl-lluna al» unb Inbustrie Arbeileitn. Res Frau Ihrer au« Bellen. Dlekulfion. Belheiltaung wirb erwünlchi......».IbN «esano-,«um- uu» gesellige pereine am Freitag'"'In»«« MSimergcsangocrein«denb« 9 Ubr im Restaurant Tamm. Echöndau'O«o» — Belangverein.Pauscbeutel' Abenbi 8 Uhr im Restaurant Henlel. drinenftr. IS.—.Sieberlasel bei Maler unb verwanbter BerussvA?�, Abenbi 9 Uhr im Reftauranl Kleine, Vtanbenburgsir. 80.— Buchbinder chor Abenb« Uhr D,e»bene sir. 110.— Gesangverein.Fiöler'schei�Z�-- Duactett" Abends 9 Uhr Im Restaurant Museholb. LanbibergersN%-- Belangverein.FortschriN" Abenbi 9 Uhr im Reftauranl. Bwmenjlrade Besangverein.Echo 1872"«deub» 9 Uhr Oravimslraiie 86 Reu- werben ausgenommen.— Besanaoereln.Osstan' Abenbi 9 Uhr ftrahe 85 bei Busiavu«.— Huovert'sch« Sangtt-Ctrrtnlgung Abenb» 9 Übt bei Rieft, Weberftr. 17.— B-Iangoerein.Singerhain» � 9 Uhr Abalberistr. 21.- Liebertafel be» Fachverein» ber S-emträger Vptjtt- Üht im Reswuranl„Wablstatl", 2, Nr. Ä Pari« fand Adeni wie Verlar siallektiviste «nstaltet ,w mtionen zu Depuiirten bchen Par auhrern d lozialisti'che Mialiftrsche sieter auch dn letzten itoMieden "adettismu und die j'pien un! «»ten. S Vooelacque wegen ihre ihre volle w« auch t Parlament ftvoluiionä , � Sowie mer dekan Presse we Schlepptau der poifibi Paffenreißi ohnigmus »arde der , Das »ch über füßen, '«m" in hitzig fein Mi Slop sozialst achen repu mt Kom Parteien siannten d deiterblatt« Presse fch '»nntlich P- bester Ichrauben Da« Banner «ftutirte buhlte au jj�ichlalls atme tro «nsterte, Mchnid Jults@i gttch de Kollektiv d'e Beb mr das eint A fonbein Ziel w°'che «uftiatu aoenov uqt rrn eicnauuu.i wirnui,,..,.nertH. sgenoinmen.— voigl' scher Dilettanten Orcheiie �.�>1, ij Mb Ii Uhr Abenb» im LbullenftSb-llcken Uw �,< r.— Berliner Turngenossenschaste«>- ,---— � horstnx»- .Lorbeerkranz''«X Uhr Reftauranl Welnstr 11.- Arbetier. Gelang£ , Rorb"»esangftunbe AbenbO bjl Uhr im Reftauranl«nabt. Brunnevm ,1». Milglieber werben ausgenommen. e->.»,ne Uebunatftrinbe von HX...... Annenftrahe 16, 1 Tr.________________......___.. ablhtllung) Abenbi 8# Uhr in ber Iiäblllcken Turnhalle WaNerlborn, — Turnverein. Halenhaibe" lMünnerabibeilung) Abenbi 8 Uhr., dachsttahe Re. 80«1.- Turnverein.Frab und Frei" lMinneraMM.j»c Abend« SX Ubr Bergftrahe 57.— Wiste, schosllicher Verein für z,»>- Stenographie Abend» 8X Uhr im Reftauranl Ztelhen. Dorolbeen'n°�. Unternchl unb llebunoinunbe.—«llgemeiner Arenb» scher»tenog Aeb. verein. Ablbetlung..varwan«". Abenb» 82 llhr im Veftaura Mariannenpla« II.—«renbi'scher Slenogravhenv-rein.-«pollobuno[(ll't4er 9 Ubr trn Riftauianl Seobelftr. 80— Bei ein ehemaliger Dr. X'aetzK.i'sdg Schüler«be' b« 9 Uhr im Reftauranl Kreh«. Frieb-ichftr 208.— m.staU-Ä DUeilanlen Orchelrerverein Abenb» Ipt Uhr Uebungiftunbe vn- iVr',, «öllntscher«anen, Scharren ftrahe 12— Zitherooetn..«lpenoe>l.~ smuS� gelaugvenln Hoffnung", Frlebilchibog. bei Reusch, nranksurier und Dorssttaien-Itckc. llebunginunbe. Ausnohme neuen M»»» MSmrerchor ber..Veellner Mechaniker" Abenb» 9 Uhr Im lRcftaurant' Ftanzfitahe 8. «n Briefkasten der Redaktion. <9. K. 24, Ihre Angaben find zu wenig detailli. daß wir Ihnen eine erschöpfende Antwort geben konnlev- mündlicher Auskunft find wir berest._____ -0 S- Veranlwortlicher Redatteur: K.«r-nfteim in Berlin. Druck und Verlag von Wn» Kadw« m Berlin SW., Beuthslraße 2. »weis« o* i§. dikstik 2. Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 280. Freitag, den 29. November 1889. 6. Jahrg. IZUl,» hadcn. en hat« terroorf» ntihre voll« Zustimmung und Sympathie versicherten. Anwesend JJvr auch der Vertreter der sozialistischen Partei im italienischen Parlament, Andrea Costa und dessen Landsmann, der Sozial- Revolutionär Amicare Cipnani. .. Sowie nur die beabsichtigte Veranstaltung der Einigung«» [Oer bekannt geworden, war diesetbe auch von der bürgerlichen JWse weidlich bespöttelt und bekrittelt worden. Die im Schlepptau der bürgerlichen Politiker wandelnden Politikafter poisibilistischen �Parti Oavrier" hatten in die wohlfeile Pvssenreißerei eingestimmt, nur batten sie dies mit noch mehr ilhnismus und dafür weniger Witz als die journalistische Leib Hiebe der Ferry und KonstanS geihan. , Das Blatt, das sich �Arbeiterpartei" betitelt, machte ach über die Absicht lustig, die Abgev'dneten zu de- Eutzen,.welche ohne Kompromiß mit den bürgerlichen Par> *ierr in die Kammer gesendet worden und ließ dam folgende �tzig sein tollende, aber nur unverständig seiende Bemerkung M Stapel:.Erwarten wir, baß sich a's Pendant»ur Gruppe ?r sozialistischen Deputirten nächstens eine Gruppe aller dü'ger» vchen republikanischen Deputirten bilden wird, welche als lolche, ?l>ne Komprom ß mit den Arbeiterparteien und sozialistischen Parteien erwählt worden sind. Das wäre noch drolliger." Wir Kannten die Bemerkung unverständig, pardon, in einem.Ar �titerblatle" ist sie einfach infam. .. Trotz gller Angriffe war bereit« lange vor der festgesetzten Zvit der Eingang zu dem Saale förmlich belagert und nach 9 ffnung der Thore füllte sich die weitläufige, mit reichem Fahnenschmuck verzierte Halle in einem Na. Die bürgerliche messe schätzt die Anwesenden von 1500 bis 3000, und be- Mnilich liebt diese, sowie es sich um Versammlungen der Ai beiler handelt, nicht zu übertreiben, sondem herunter zu schrauben. «. Da« Publikum, welches sich um die von einem rothen Gauner umflatterte Tribüne und in den Gal-rien drängte, .flirte sich zum weitaus größten Theil aus Arbeitern und alei�i viele Frauen in seiner Mitte, der Mehrzahl auch j/ichlalls dem Proletariat angehörend und Kinder auf dem o/J" tragend. Die Stimmung der Versammlung war eine de» rftti1'«' vom Ge,ft der giößten E>nmüthigke,t beseelt. Unter huschendem Berfall ward die Doppelkand'datur von Genosse <>ulez Guesde und Genosse Eduard Vaillant aktlamirt, um K n, bt,tn Personen die Einigung der Blanquisten und �iviften zu korakterisiren. Vaillant v rw'eS darauf auf 'v Bedeutung der Versammlung, welche den Pakt der Einigung �hvr sozialistischen Parteien F ankreichS besiegele, die stet« auf ,?vund einer durchaus sozialistischen und revolutionären Takiik � das Volk gekämpft haben~' 1 » ooii gerampsl naucn. Diese Einigung bedeute jedoch nne Absorption der einen Organisation du>ch die andere, IS«.■■' i m einen Marsch Hand in Hand auf das gleiche mit Festhalten der resptktiven Traditionen, ZVlche hier und da leben. Zusammen mit der Aufklärung über die ökonomischen Phänomene der Gesellschaft, mit der Klärung und Festigung der Prinzipien, M dem Kampf auf dem wirthschaftlichen Gebiete werden die �.'allstischen Organi'ationen auch eine lebhafte und zielbewußte Mitischr Aknon entfalten. Die Führerschaft de« doppelten Ff>wpfes ruht nicht nur in den Händen der Genossen, welche Jahren als Vorkämpfer d-« Proletariats und Leiter der -utielnen Organisationen ihre Pfllcht thun, sondern auch die Merwählien soz'alistischen Deputaten werden ihren Antheil aran nehmen. Der letztere Umstand ist bedeutsam, und die /•llende Versammlung verfolat auch den Zweck, ihn bervorzu- Mn und in die rechte Beleuchtung zu rücken. Die Thattache, vtz sich trotz der Niederlagen, welche die Sozialisten erlitten, nh* sozialistische Gruppe in der Kammer gebildet hat, deren ä«« der im Gegensatz zu der Rue Söze(hier befand „?.früher das doulanzistische Zentral. Komitee) und � der Rue Gäbet(wo da« Wahl» Kartell zwischen pportliniken, Radikalen und Possibilrsten geschlossen ward) ?jsvuhlt worden sind, ist ein Triumph des sozialistischen Prin- f.vs, der für die Zukunft verspricht. Von besonderer Bedeu- S'vbvn �f"en zum welche allen Jntriguen und in ihren Prinzipien und in verur- Organisationen, zum T otz unbeugsam ,n ryren Prrnzipren> Taktik geblieben find. Gewiß, diese Haltung hat s,?'- daß sich manche Elemente in dem poluischen Sturm der z;* vn Zeit verloren haben, aber die Parieien find gerade durch stör» �Vr Irrst gereinigt worden und werden um so mehr er- �"en. Die Wahl der Deputirten und deren Kovstrtuirung >N st..""« geschlossene Gruppe wird zu weiteren Erfolgen bei. denn da« klar und klippe Prorromm erlaubt, sich alle d««. Öligen Elemente vom Halse zu schaffen und geeinigt um L�rvthe Banner gruppirt auf die soziale Republik zuzumarschiren. �.Departements haben die Jntiiguen der burgerlrchen sond. � durchschaut, und indem sie Sozialsten ins Parlament ben•'.R' zeigten sie, daß sie ganz gut begriffen, daß e« sich in politischen Kämpfen nick« nur um Boulanger und -.y handelte. Gerade wie es 1871 die KommunardS ge- «Ä??' welche durch ihren heldenmüthigen Kampf die Republik tvesch�daben, so werden es� auch künf.ig Jbi« Sozialisten� fern, ______________________........... fil i.�n mögen sich untereinander bekämpfen, die Sozialisten »W. dte Republik gegen Reaktion aller Art, die zasarrstifche, Pan.I��'�e und opportunistische, schützen. D«e durgerbchen lieh»«" wögen sich untereinander bekämpfen, die Sozialisten viu, llegen sie alle zu Felde, denn sie suchen den KopitaliS- �ibei, Dützen und zu erhalten, während die klaffenbewußten die r. v denselben zu vernichten streben. Wenn die Sozialisten � l-'-»•«-•w«» 0 v»•rwwww—- V■_ tLhrt"och keinen entscheidenden Sieg errungen haben, so Htmir,-.�drr, daß das Bewußifein der Masse noch nicht v-- 8 über die Lage aufgeklärt ist und noch nicht unterscheidet zwischen den bürgerlichen Parteien und der sozialistischen Partei. Die Gruppe der sozialistischen Deputirten wird viel dazu beitragen, die öffent liche Meinung über diesen Unterschieb aufzuklären und zu zeigen, daß nur der Sozialismus e,ne Lösung aller auftaucheu den sozialen Probleme bieten kann. Damit aber die Thätig keit der Gruppe diese Wirkung hat, muß sich dieselbe schar von allen bürgerlichen Fraktionen der Kammer unterscheiden. sie mußte auch allen Ueberläufern der sozialistischen und Ar beiterbewegung verschlossen bleiben, welche entweder mit dem BoulangiSmuS oder mit dem Opportunismus paktisirt haben Die beiden, auf der Versammlung vertretenen sozialistischen Organisationen haben Vertrauen in die Deputirten und sind überzeugt, daß dieselben ihre Pfl cht nach jeder Seite hin voll und ganz thun werden. Als Trrailleure und Schildwachen der Bewegung im Palais Bourbon werden sie inmitten der polst tischen Jntriguen aller Gegner Tag aus Tag ein auf Posten sein und den guten Kampf kämpfen für Herbersllhrung der sozialen Revolution. Guesde erklärte hierauf, daß er nicht die Gewohnheit habe, Versammlungen zu präsidiren, daß er jedoch diesmal eine Aus- nähme mache, um der Bedeuwna wegen, welche es habe, daß er mit Vaillant zusammen dm Vorsitz führe. Dieser Doppel- vorfitz die heutige Versammlung, markrrt die definitive Allianz der beiden sozialistischen Organisationen, die ihr Banner nie durch einen Kompromiß beschimpft haben. Schon seit Jahren find sie Hand in Hand marschirt, wmn es dm Kampf für die Sacke galt, die beide repräsmtiren. 1884 haben Blanquisten und Kollektivist n zusammen den Kampl auf ökonomischem Ge- biete für die Arbeitslosen geführt, 1835 traten sie Hand in Hand in die Wahlschlocht ein, in den denkwürdigm Dezember tagen von 1887 waren sie bereit, gemeinsam den Kampf mit bewaffneter Hand aufzunehmen, um Frankreich vor der Schande und dem Unglücke eines Präfidmtm Ferry zu bewahren. Aber die früheren Allianzm zwischen beiden Organisationen tragm einen anderen Charakter, als der nun gesch ossme Pakt. Die bisherige Einigung ward stets durch die Ereignisse bestimmt, sie war gelegentlicher und oorübergehmder Natur. Zum eisten Male ist eine dauemde und endgiltige Einigung zu Stande gekommen, nicht von dm Ereignissen ge- schoben, sondern zu dem Zwecke, die kommenden Ereignisse zum Bestm der sozialistischen Sache auszunutzen und zu leistm. Auch ein anderer Grund bestimmte den Redner, dm Vor fitz anzunehmm. Es würde ihm dadurch Gelegenheit geboten, die sozialistische Gnrppe der Kammer zu begrüßen, deren Kon. stiiuirung in der Geschichte der sozialistischen Bewegung Frank- reichs maikuen wird. Zum ersten Male sind in die parlammtarische Zitadelle des Kapitalismus Erwählte durch das revolutionäre Thor ein- georungen. Die Anwesenheit der sozialistischen Gruppe im Palais Bourbon bi deutet nicht nur die Negation der aktmllm Gesellschaftsordnung, sondem eine Be jahung und Bekräftigung de« sozialistischen Prinzips, das in dem Programm der Gruppe in aller Kürze, aber auch in aller Klarheit und Schärfe enthalten ist. E« ist zum ersten Male, daß eine Gruppe de« französischen Parlammts als Basis ihrer Plaitform die Abschaffung der kapitalistischen WuthschaftS« ordnung und die aesellschastliche Regelung der Produktion und Veitheilung aller Rcichthümer hinstellt. Besondere Bedeutung erhält die Gruppe dadurch, daß hinter ihr da§ gesammte orga- nisirte sozialistische Frankreich steht und nach vorwärts drängt, um die Herrschaft des sozialistischen und revolutionärm Prin- zip« herbeizuführen. Hochbedeutiam ist es auch, daß die sozia- listische Gruppe nicht nur Vorkämpfer der Fordemngm der französischen Arbeiterschaft ift. sondern des Proletariats der ganzen Welt. Sämmtliche Deputirte warm Delegirte de« in- temationalen sozialistischen ArbeiterkonjjresseS, der im Juli in ParrS tagte, sie haben mit den deutlchm, rtalrenischm, englischm rc. Delegirtm fraternifirt und ihre Hände in die de« Bebel Lieb- knecht, Costa rc. gelegt. Jetzt wiederum werbm sie im Palais Bourbon für die Beschlüsse kämpfen, welche das»nternationale Proletariat auf dem Kongresse gefaßt hat. So vertreten sie h'er die heilige Allianz der Völker aller Länder gegen die Bourgeoisie aller Länder, und Genosse Guesde begrüßt sie im Namen einer künftiam, nicht befiegtm, sondern triumphirmdm Kommune und im Namen des intemationalen Sozialismus. Antide Boyer, der sozialistische Abgeordnete von Marseille, wies in seiner Rede darauf bin, wie nothwendig es gewisen, der allgememen politischm Verwirrung aegenüber mit einem nett sozialistischen Banner in den Wahlkampf einzuireten. Allerdings wäre es den Sozialisten leicht gewesen, mit Kompromissen nach rechts und link« größere Eifolge zu erzielm, ober die Arbeiterpartei war ihim Prinzipim schuldig, alle diesbezüglichen Anerbieten schroff zurückzuweism und sich ebmso wenig mit Boulanger, als mit Ferry und dem„Sauconnier"(— Wurstmann— Anspielung an eine Mogelei zwischen ConstanS und einer Lyoner Aktien« gesellschaft, welche ersterer auf daS ihm gemachte Geschenk einer — Lyoner Wurst zu reduzirm suchte.) ConstanS einzulassen. Rar die Allianz aller bürgerlichen Reaktionäre, in derm Dienste sich ein Verräiher. ein U.berILufcr gestellt, habe veranlaßt, daß Guesde in Marseille gescheitert sei. Es fei ihnen eben beson- derS darum zu thun gewesen, GueSde's Eintritt in die Kammer zu verhindern, dies sei ihnen aber nicht gelungen, denn wenn auch nicht als Deputirter, so werde doch der bewährte Kämpe de« Proletariat« als Sekretär der sozialistischen Gruppe im PalaiS Bourbon wirken. Der Verräther, welcher das Weikzeug der Reaktion war, bewohnt Pari«, und an Paiis ist es, ihm den verdienten Lohn zu Theil werden zu lassen.— Die sozialistischen Erwäblten haben eine große Arbeit vor sich. Sie sollen eine A-t Bindeglied zwischen den verschiedenen sozialistischen Organisationen, zwischen diesen, den sozialistischen Er- wählten de« Conscil municipal von Paris, den sozialistischen Erwählten der GemeindebeznkS- und DevartementSräthe von ganz Frankreich bilden. Zu diefim Zwecke ist es nölhia, daß die sozialistischen Erwählten der Kammer mit den sozialistischen Erwählten des ganzen Lande« korrefpondiren. Ferner müssen ie auch in innige Beziehungen treten zu den Sozialisten de« Auslands, mögen d,e Mordspatrioten noch zehnmal mehr dar- über schreien und toben. In enger Fühlung mit dem Volk, in enger Fühlung mit dem Pivletariot der ganzen Welt muß ich die französische� Arbeiterbewegung weiter entwickeln, damit sie nicht länger hinter der anderer Länder zurücksteht. Die französischen Sozialisten müssen e« ibren deutschen Brüdern nachlhun, welche zu einer Macht erftaikt sind, vor der Bismarck zittert. Das französische Proletariat muß erkennen, wie wahr da« Wort ist, weiche« azt:»Der Herr ist der Feind", und daß dieser Feind kein Vaterland hat; wie da« Proletariat der ganzen Welt nur ein Vaterland, einen Feind und ein Interesse hat. Thiorier e. klärte, daß er nicht nur der Arbeiterdeputirte de« Departement« Allier ist, sondern der Vertreter aller fran- zösischen Arbeiter überhaupt. Er stellt sich allen Arbeitern und Arbeiterorganisationen zur Verfügung und verpflichtet sich, alle ihm von diesen zugehenden Anträge mit seinen Kollegen der sozialistischen Gruppe zusammen zu berathen, prüfen und in der Kammer einzubringen. Auf die Witzeleien und Spöttereien Bezug nehmend, deren Zielscheibe er wegen seiner einfachen Redeweise und seiner Blouse geworden ist, sagt er, daß ihm, der 18 Jahre lang in den Minen und dann im Felde gearbeitet hat, allerdings die Beredsamkeit und Kenntnisse mangeln, daß er aber hofft, mit Hilfe der Organitationen und seiner sozialistischen Freunde seiner Aufgabe gerecht zu werden. Was feine vielbelachte Blouse anbetrifft, so hat er sich seinen Wählern gegenüber ver- pflichtet, dieselbe in der Kammer zu tragen, so gut wie er sie im Gemeinde- und Generalrath, sowie in allen Wählerver- sammlungen getragen hat. Die Blouse ist sein Galakostüm, während der Paletot sein Neglige bildet. Wollte man ihn m der Kammer auffordern, seine Blouse abzulegen, so würde er zuerst verlangen, daß Freppel, der Bischof von ÄngerS, fein geistliches Kostüm ablege, das einem Unterrock ähnlicher fei, als der Kleidung eine« Manne«. Auch in der Blouse kann er seine Pflicht als Arbeitervertreter thun und dazu beitragen das Joch zu brechen, daß so schwer auf dem Nacken der Proletarier ruht. Wenn jeder sozialistische Deputirte während dieser Legi«- laturperiode mit ganzem Herzen seine Schuldigkeit thut, so wird das Volk bei den nächsten Wahlen nicht nur zehn, sondern zwanzig, dreißig oder fünfzig Sozialisten in die Kammer senden. Millerand hielt es für feine Pflicht, auf der Versammlung zu erscheinen, welche einen Akt der Einigung zwischen allen Sozialisten bedeute, zu welcher Schule dieselben auch immer gehören. Es ist Zeit, daß die Schulstreitigkeitm bei Seite bleiben, denn wenn die sozialistische Partei heut noch nicht den Platz einnimmt, der ihr nach der Bedeutung der von ihr ver- tretenen Sache und dem Talent und dem Eifer ihrer Vor- kämpfer gebührt, so liegt ein Theil der Schuld an den Spal- tungen in verschiedene Fraktionen. Man muß die persönliche Vorliebe zu der oder jener prinzipiellen Nuance unterdrücken, um sich zum Kampfe für die gleiche Sache zusammen zu schließen, Die Sozialisten verschiedener Schulen haben die Roth- wendigkeit der Einigung begriffen, und sie vergessen, was sie tbeilt, um nur das festzuhalten, was sie vereint. Es giebt eine Menge von Fragen, für welche die Sozialisten aller Schatti- rungen zusammen kämpfen können. Eine solche Frage ist z. B. die nächstdem vor die Kammer gelangende über Erneuerung des Privilegiums der Bank de France, welche gewiß allen sozialistischen Deputirten Gelegenheit bieten wird, für ihre Prinzipien einzutreten. Eine Einigung aller Sozialisten, furwelche alle Opfer gekrackt werden müssen, welche sich mit den Prin- zipien vereinen lassen, ist die Vorbedingung für den Triumph der großen Partei der Republik. Der Deputirte Lachize führt au«, daß er von den Webern in da« Parlament gesendet wurde, welche nicht blas seit 14 Tagen, sondern seit 115 Tagen durch einen harten Lohnstreik gegen das Kapital ankämpfen. Ein Kampf dieser Art hat die Roth- wendigkeit der Organisation und Einigkeit nahe gelegt, er hat auch eine brüderliche Solidarität unter den Arbeitern gezeitigt. In seinem Heimathsort giebt es 4000 Weber von denen 3700 der Gewerkschaft angehören und jede Woche mehr als 1500 Fr. ihren streikenden Kollegen nach CourS schicken. Die Weber de« Rhonedepartements haben begriffen, daß der Kampf auf ökono- mifchcm Gebiete allein nicht genügt, daß er durch den poli- tischen Kampf ergänzt werden muß, und in diesem Sinne haben sie ihn, den einfachen mechanischen Weber in da« Par- ment gesendet. Die Weber des Rhonedepartements erkennen die Macht, welche ihnen die Organisation verleiht, und so bringen sie und ihre Familie lieber alle möglichen Opfer, um ihre Ge- werksckasten erhalten zu können, die von den Kapitalisten mit allen Mitteln bekämpft und zu vernichten gestrebt werden. So ei klären z. B. die Fabi ikanten in allen Streik«, nicht mit den Gewelksckafien unterhandeln zu wollen, weil sie ganz gut wissen, daß ihnen nicht der einzelne Arbeiter, wohl aber die orgamfirte Arbeiterschaften gefährlich sind. Dank der Gruppi- rung der Arbeiter wird sich binnen kurzem die soziale Revolu- tion in ganz Frankreich vollziehen. Ferroul, gleichfall« Mitglied der sozialistischen Kammer- gruppe, konstalirt den großen Forischiitt, welchen die sozialistische Partei in Frankreich gemacht hat. Wa« Guesde zu Anfang der sozialistischen Agitation behauptete, nämlich daß die Be- wegung binnen 10 Jahren 500 000 Anhänger zählen werde, hat sich erfüllt. Der Sozialismus ist in Frankreich in alle öffent- lichen Körperschaften eingedrungen, in die Gemeinde- wie De- partemen talräthe und in das Parlament. Er hat sich auch in alle Klassen der Gesellschaft Bahn gebrochen und so vertritt er z. B. keine Industriearbeiter, sondern ländliche Arbeiter und kleine Grundbesitzer, welche begriffen, daß sie mit der Bour- geoisie nickte gemeinsam haben. Die R'publik ist gewiß ein gute« Ding, und die Sozia- listen betrachten sie als eine unentbehrliche Vorstufe der Emanzipation de« Proletariats, allein soll sie ihrem Prinzip und Zweck entsprechen, so darf sie nicht durch Fortdestand der alten Einrichtungen ein leeres Wort bleiben. Die aktuelle Situation hat eine schlechte Gruppirung der Deputirten herbei- geführt, und die alten politischen Parteien werden durch die ökonomischen Momente zersetzt und zu ihrem Programm in Widerspruck gestellt. So finden wir z. B. auf der Rechten politische Reaktionäre, welche wie der Graf de Mun, auf ökonomischem Gebiete weit entwickelter und mehr leisten und den Arbeitern mehr nützen als die Radikalen, welche die soziale Frage leugnen. Dieser verzwickten Situation gegenüber müssen sich die sozialistischen Deputirten nett von allen politischen Parteien trennen und können auch nicht mit denen marschiren, welche dem sozialistischen Prinzip untreu geworden find. Sie müssen stets des Hauptzwecks der Arbeiterbewegung eingedenk fein: einer Erneueiung der Gesellschaft durch Nationalisiiung sämmtlicher Arbeitsmittel, Grund und Boden natürlich� einbegriffen, und aller erzeugten Produkte, damit sich nicht länger wie bis- her aller Reichthum in den Händen der Müßiggänger und alles Elend m den Händen der Arbeiter konzentrire. Die Thätigkeit der sozialistischen Abgeordneten inmitten der übel- wollenden bürgerlichen Parteien und ihrer Jntriguen bringt manchen Moment der Entmulhigung mit sich, über den jedoch das Bewußtsein hinweghilft, daß da« Volk hinter seinen Er- wärlten steht. Nicht der. Wunsch, Vortheile aas der ihnen bereiteten Stellung zu ziehen, sondern die redliche Absicht, ihre Schuldigkeit zu thun, hat die sozialistischen Abgeordneten zur Aufstellung ihrer Kandidatur bewogen. Dieser ihrer Absicht werden sie treu bleiben und nie vergessen, daß sie nicht in die Kammer gekommen find, um zu essen, sondern um andere essen zu machen. Ehe der Deputirte de« Eher, Baudin, da« Wort ergriff, erinnerte Guesde daran, welche Rolle dieser vor etlichen Jahren bei dem großen Streik der Arbeiter der �Fabriken für Her- stellung landwirthschaftlicher Maschinen in Vierzon und Um- gegend gespielt halte. Als Gemeinderath seines Heimalh orteS warf er sich mit Nchtachtung der seinem Leben drohenden Gefahr zwischen die Truppen und die Streikenden und verhinderte die Niedermetzelung der Letzteren. Dafür ward er verhaftet und zu secks Monaten Ge fängniß sowie zum Verlust der bürgerlichen Rechte vermthcilt. Die Bevölkerung des Eher hat auf dieses Urtheil der blindesten Klassenjustiz dadurch geantwortet, daß sie Baudin drei Mal in den Generalrath und gegenwärtig in das Palais Bourbon sendete. Baudin versichert, daß er und seine Kollegen sich der groben Verantwortlichkeit bewußt find, welche sie auf sich ge nommen haben, indem sie sich ihren Wählern perpflichteten, nicht mit Denen zu gehen, welche mit dem Boulangigmus oder dem Opportunismus gemeinsame Sache gemacht haben. Gewiß ist es schwer, sich innerhalb der Kammer auf sozialisti- schem und revolutionärem Gebiete zu erhalten, aber die Grup- pirung der einzelnen Abgeordneten und vor Allem die engste Fühlung mit den sozialistischen und Arbeiter- Organisationen wird dies ermöglichen. Die sozialistischen Abgeordneten wer- den für ihre Taktik und Aktion stets die Organisationen zu Rathe ziehen und auch in der Nationalversammlung das rothe Banner hoch und fest halten. Wenn die sozialistischen Ei wählten immer mit dem Volke marschiren, so er- wartet er für die nächste Legislaturperiode nicht nur 40 oder 50 sozialistische Abgeordnete, sondern er hoff«, daß dann die Revolution bereits die soziale Republik gebracht hat. Vaillant wies im Anschluß an Baudin'S Rede noch be sonder« darauf hin, daß diese alle bürgerlichen Parteien im Wahlkampf gegen sich gehabt und besiegt hatte, vom Brisso nismus an bis zum Bonapartismus, der sich mit dem Boulan giSmuS amalgamirt hatte. Cluferet, Abgeordneter des Departements Par, legte die Nothwendigkeit für die sozialistischen Deputirten dar, sich als besondere Gruppe zu konstituiren. Die Gruppe mußte ent- stehen, weil es in der Kammer weder rechts, noch im Zentrum, noch links Vertreter der Arberter und ihrer Interessen giebt. Rechts sitzen die Vertreter des Großgrundbesitzers, im Zentrum die Vertreter der Großindustrie und der Großunternehmer, auf der Linken finden sich die Schildknappen der ministeriellen und Souvernementalen Industrie. Weder die Arbeiter noch die Bauern atten Vertreter im Parlament, und die sozialistischen Abgeordneten werden die« sein, ohne Kompromiß mit den bürgerlichen Par- teien. Die sozialistische Gruppe der Kammer will ebensowenig mit den Kamelots(Ausschreiern) Boulanger's zu thun haben, als mit den weißen Blousen unter der Anführung de« offider de palx(Polizeibeamter) Joffrin. Chauoiere, Stadtralh von Paris, begrüßt mit Freude die staitaefundene Einigung, welche dazu beitragen wird, daß die Sozialisten sich an die Spitze des politischen Lebens der Masse stellen. Die Reaktion hätte es gern gesehen, wenn die sozialistische Bewegung in den Ereignissen der letzten Zeit von ihrem Wege abgewichen wäre. Aber sie ist sich treu geblieben. Allerdings haben die Organisationen Verluste erlitten, es hat Ueberläufer gegeben, welche ihre Hal- tung damit entschuldigen wollten, daß sie beabsichtigt hätten, den FerrySmuS zu stürzen. Aber ihre Entschuldigung ist nicht stichhaltig, denn sie haben den Opportunismus durch den BoulangiSmuS ersetzt. Die Bewegung wird ruhig und Serade mit allen Mitteln auf sihr Ziel, die soziale iepublik losstreben. DaumaS, gleichfalls Stadtrath von Paris, versichert der Versammlung im Namen der revolutionären Sozialisten des Conseil munidpal, daß auch sie Theil nehmen an der Einigung aller sozialistischen Kräfte, und daß sie bereit find, auf allem Terrain Hand in Hand mit ihnen allen zu marschiren. Costa, Mitglied des italienischen Parlament«, hebt besonders den internationalen Charakter der Arbeiterbewegung hervor. In allen Ländern kämpft das Proletariat für die gleichen Rechte. In Italien wie in Frankreich, in Deutschland wie in Rußland, überall wo sich die kapitalistische Industrie entwickelt, da entbrennt auch der Klassenkampf und reißt jede Nation in zwei Lager. Die Sozialisten können getrennt sein, durch die verschiedenen Arten der Methoden, die sie bei ihrer Entwicke- luna befolgen, aber sie find geeinigt durch das gleiche Ziel: die soziale Revolution, welche die Wissenschaft an Stelle des Vorurtheils setzt, die Emanzipation der Arbeit vom Joche des Kapitalismus bewirkt, der Ausbeutung des Einzelnen durch Aufhebung des Privateigenthums ein Ende macht, mit einem Wort, die Realisation alle« Guten, Wahren und Schönen ist. Alle Sozialiften, ohne Unterschied der Schattirung, treten!für dieses hohe Ziel ein, mit friedlichen Mitteln, solange es möglich ist, mit ihrem Blute, wenn eS nicht anders geht. Ehe der Redner endigt, hält er e» für nöthig, der Ver- lammlung ausdrücklich zu versichern, daß jene Gerüchte grobe Lügen find, welche behaupten, daß die italienischen Arbeiter infolge der Tripelallianz Feinde de« französischen Volkes seien. Die italienischen Arbeiter füblen sich als Brüder und Frmnde der Proletarier der ganzen Welt, ohne Unterschied der Nation. Der italienische Sozialrevolutionär Cipriani, der Galeeren- sträfling der italienischen„Monarchie", der l871 für die Kom- mune gekämpft hat und von der Bevölkerung der Romagna dreimal in da« italienische Parlament erwählt ward, legt den Sozialisten aller Sckiulen und Länder nahe, sich zu einigen, um die Gefahr zu beschwören, welche dem Frieden durch die Tripelallianz droht. Lefcaneais, Camelinat, beide Mitglieder der Kommune von 187l und Pernin, der Maire des wegen seiner sozialistischen Gesinnung bekannten Vororts von Pari«, St. Ouien, sprachen m dem gleichen Sinne, wie die vorausgehenden Redner. Werter brachte der Delegirte der Nationalsöderation der französischen Gewerkschaften im Namen dieser Organisation einen Toast auf die Einigung der Sozialisten und die sozialistischen Deputirten aus, in welchem rr betonte, daß die Gewerkschaften die Nothwendigkeit der Organisation und Einigung erkannt haben, daß sie sich aller zweideutigen Ele- mente entledigen und entledigen werden(Anspielung an Boule), welche die Bewegung kompromittiren und von ihrem Ziele ab- lenken, und daß auch sie ihren Theil an der Anbahnung der sozialen Revolution nehmen. Die Gewerlschastm führen den Kampf gegen das Kapital auf ökonomischem Gebiete, und die sozialistischen Erwählten müssen auch mit ihnen Fühlung halten und sich zum Vorkämpfer ihrer Forderungen, wie Einführung de« acht- stündigen Normalarb-itSiogeS, Abschaffung der Nachtarbeit:c. machen. Wird die Kammer diesen Forderungen keine Beach- tung schenken, so werden die Arbeiter mit der Zeit sich seihst ihr Recht verschaffen..., Zum Schluß sprach noch die Bürgerin Rigot, welche von der«Liga sozialistischer Frauen" delegirt war, um mit Hinweis daraus,„daß man nichts ohne die Frauen thun könne", die Stadträthe und Abgeordneten aufzufordern, für die Emanzi- pation des weiblichen Geschlechts einzutreten, n dem sie in den betreffenden Körperschaften für die politischen Rechte der Frauen plädiren.— Die Versammlung kargte den verschiedenen Red- nern gegenüber nicht mit ihrem Beisalle und applaudirte ganz besonders alle Stellen, welche anspielten auf die Einigung, die Nothwendigkeit. die sozialistische Partei kompromißfrei, ohne Hinüberschwanken zum BoulangiSmuS oder Opportunismus zu erhalten, auf den internationalen Charakter der Arbeiter- hewegung 2C. Die Feier endete mit einem begeisterten Hoch auf die soziale Revolution.— Ein Theil der bürgerlichen Presse hat, wie üblich, versucht, die Versammlung durch groteske Berichte und höhnische Be- merkungen in« Lächerliche zu ziehen. Wenn an dieser Stelle hier so ausführlich über die Einigungsfeier berichtet wird, so geschieht e«, weil die deutscht Reptilienpresse vom Schlagt der Kölnerin und anderer Kloaken, die öffentliche Meinung zu verpesten suchen, gewöhnlich aus den oben genannten trüben Quellen geschöpft wird, um die haarstiäubendsten Berichte über Reden und Thun der französischen Sozialisten in die Welt zu lügen, um durch diese die deutsche Arbeiterpartei zu treffen. Andererseits ist es für die deutschen Arbeiter gewiß von In- teresse, mit den Worten der französischen Sozialisten selbst die Stimmung im Lager und die Auffaffung der Situation ge- schildert zu finden. Die Gruppe der sozialistischen Abgeordneten hat bereits eine Reihe von Anträgen in der Kammer eingebracht, die theils durch die politische Situation, theils durch Vorgänge im Lager der Arbeit veranlaßt worden sind. Diese Anträge sind die folgenden: 1. Ein Antrag auf Revision der Konstitution, begründet dadurch, daß die konftitulionellen Gesetze von 1875 unter dem Namen der Republik nur die parlamentarische Diktatur einer Klasse organifirt und bekanntlich die Durchführung etlicher Maßregeln für Schutz und Emanzipation der Arbeiter veihindert haben; ferner damit, daß die politische Revision nur eine An- bahnung der Revision auf ökonomischem und sozialem Gebiete ist. welche da« proletarische Frankreich fordert. 2. Ein Gesetzentwurf, welcher die Eröffnung eines Staat« kredits von 500 000 Frks. zu Gunsten der streikenden Kahlem gröber von PaS-de-CalaiS und dem Norddepartement fordcrt, sowie eine Klassenamnestie, d. h. volle Amnestie für alle im Laufe aktuellen Streiks, sowie aller Streiks überhaupt, von den Arbeitern begangenen„Vergehen und Verbrechen".(Die Sozialisten konnten nicht eine allgemeine politische Ammstie fordern, um nicht den Schein auf sich zu ziehen, als ob sie für eine Amnestie Boulanger's einträten.) 3. Ein Gesetzentwurf, welcher bestimmt, daß überall, wo Hilfskassen k. der Arbeiter bestehen, welche mit dem vom Lohne eingehaltenen Gelde der Arbeiter selbst gegründet find und ge. speist werden, diese Kassen der unmittelbaren und ausschließ- lichen Verwaltung der Arbeiter überlassen bleiben, ganz gleich, welchen Antheil vielleicht die Unternehmer an der Gründung und dem Unterhalt der Kassen haben. 4. Ein Gesetzentwurf, daß der Arbeitstag in den Minen, Fabriken, Hochöfen und Werkstätten mit mechanischem Betriebe unter keiner Form und unter keinerlei Vorwand 8 Stunden übersteigen dürfe, und daß jede Zuwiderhandlung seilen« der Unternehmer mit 500-1000 Frks. Geldbuße und im Wieder- holungsfalle mit 14 Tagen bis einem Monat Gefängniß be- straft wird. 5. Em Gesetzentwurf, daß die Armee, bis sie einer Volks- miliz Platz gemacht hat, ausschließlich auf ihre Rolle als Mittel der Veriheidigung nach außen hin beschiänkt bleibt, und in keinem Falle in den Konflikten, welche durch die kapi- talistische Produktionsweise zwischen Arbeitern und Unter- nehmern hervorgerufen werden, in den Dienst der letzteren, mögen eS die Einzelpersonen oder Aktiengesellschaften seien— gestellt werden kann. 6. Ein Gesetzentwurf, welche alle Kohlenminen zur Ver- fügung der Nation st llt, die sie in Konzession vergeben und das Recht und die Pflicht hat, dieselben zurückzunehmen, um sie unter ihrer Kontrole zum Besten aller durch die daselbst be- schäftigten Arbeiter ausbeuten zu lassen. 7. Ein Gesitzentwurf behuiS Gewährung eines Kredits von 50000 Frks. für die Familien der Weber von Cour«(Rhone), welche seit 115 Tagen im Streike stehen. 8. Ein Gesetzentwurf, nach dem jeder Unternehmer mit einer Geldbuße und mit Getängniß bestraft wird, welcher sich weigert, mit den Arbeitergewerkschaften zu verhandeln und dadurch da« Gesetz über die Gewerkschaften wirkungslos macht. Loksles. Di« �Berliner Zeitung" beschwert sich darüber, daß wir eS gewagt haben, in einer uns passend scheinenden Weise auf eine Versammlung der Freisinnigen in Weißensee aufmerksam zu machen und kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: „Welche„sachliche" Entgegnung wurde das„Verl. Volksblatt" wobl vorbringen, wenn wir zu eiver sozial- demokratischen Versammlung, in welcher der Expedient Herr Soondso sprechen will, die Vornotiz b ächten: Referent ist der durch seine erschütternde Unbedeutend- heit weit über die Grenzen Rudorfs hinaus unbekannte Herr T.... und dann dieselbe Nutzanwendung ziehen wollten wie das„Berliner Volksblatt", das hier ganz unverblümt öffentlich zur Ruhestörung auffordert." Was wir darauf entgegnen würden- Einfach— nichts; denn wir würden niemals ängstlich sein, daß eine Versamm- luna unserer Parteigenossen von Freisinnigen irgendwie irrrtirt werden könnte. Es wird doch hoffentlich noch kein nationales Unglück sein, wenn ein Freifinniger von Sozialisten ausgelacht wird, und so laut lacht doch Niemand, daß dadurch eine „öffentliche Ruhestörung" entstehen könnte. Man soll doch, um gut berlinisch zu reden, nicht immer gleich die Hosen voll haben, sondern möglichst„lieb und milde" sein. Meshalb so empfindlich? Eine Beleidigungsklage soll seitens der Staotveroronelen- Versammlung anhängig gemacht werden. Von dem Stadtverordeten Justtzrath Meyer l und noch 47 Stadtverordneten ist bei der Stadtverordneten- Ver- sammlung ein Antrag eingebradit wegen Beleidigung der Ver- sommlung, begangen durch ein Flugblatt mit der Ueberschrist: „Wäbler de« 17. Kommunalwahlbezirks" gegen den Ingenieur Dr. Wilh. Häberlein, die sämmtlicken Unterzeichner de« Flugblattes, den Drucker, sowie alle diejenigen, welche al« Verleger oder sonst bei der Herstellung und Verbreitung der Drucklchrift beiheiligt waren, Scrafantrag zu stellen resp. sich mit der Ver- folguna einverstanden»u e, klären. Warum betitelt sich em vemberheste der MonaUsch'ift„Hygieia"(herausgegeben von Dr. Paul Niemeyer) veiöffentlrcht. Bei dem großen Wider- streit der Meinungen, welche sich für und gegen den Vegeta. rianismus erklären, dürfte es für weitere Kreise von Interesse sein, die Warnung zu vernehmen, die der Genannte, welcher bisher ein eifriger Vorkämpfer der Äegetorianer war, gegen den Vegetarismus erläßt. Dr. AlanuS schreibt:„Nachdem ich längere Zeit vegetarisch gelebt hatte, ohne mich dabei b'sser oder schlechter zu befinden als vorher bei gemischter Kost, machte ich erne« schönen Tages die unangenehme Entdeckung, daß meine Arterien arderowaiSz zu entarten begannen. Be- sonder« an der Schläfenarterie, sowie an der Radialis(Pul«. aber) war dieser Krankheitsprozeß unverkennbar. Da ich noch keine 40 Jahre alt bin und folglich diese« Symptom nicht al« Alterserscheinung deuten kann, auch Spirituosen nickt ergeben bin, konnte ich mir die Sache schlechter- dings nicht erklären. Ich sann hin und her, ohne de« RäthselS Lösung zu finden. Da fand ich ganz zufallig die Erklärung, die ich so lange gesucht hatte, m einem Werke de« auSgezeich- neten Pariser Arzte« Dr. E. Man in. Der betreffende Passu« lautet in wortlicher Uedersetzuna wie folgt:„Um die Kritik de« Vrgetaritmu« fortzusetzen, dürfen wir die Arbeit de« zu früh verstorbenen Gubler nicht vergessen,„Ueber den Ein- fluß der vegetabilischen Diät auf die kreidige Entartung der Arterien." Die vegetabilischen Nah- rungsmittel, reicher an Mineralsalzen al« die Nahrungsmittel animalischen Ursprung«, führen mehr Mineralsalze in da« Blut ein." Dr. Monin fuhrt nun einige markante Fälle ärztlicher Beobachtungen an, welche das vorher Gesagte bestätigen und fährt hierauf fort:„Somit wird die Pflanzenkost da« Gefäß- ich nickt mehr vrgetarianllch lebe? So n Artikel, den Herr Dr. med. Alanu« im No< system ruiniren und dadurch das Individuum vor der 3� alt machen, wenn es wahr ist, daß der Mensch„daS»lW seiner Arterien hat"; es wird gleichzeitig den Zahnstein, des Greisenbogen der Hoinhaut und di-Pzoepha'urie hervoibiingen. Nackvem ich leider diese neuesten Ergebnisse medizinischer Forschung durch mein eigenes Beispiel bestätigt gesehen habe, bin ich selbstverständlich zur gemischten Kost zurückgekehrt. Durch Schaden wirb man klug! Als normale Diät des Men- schen kann ich die rein vegetabilische Diät nicht mehr ansihe«, nur als eine Kurmethode, welche in verschiedenen Krankheit»- zuständen Vortreffliches leistet. Wochen und Monate lang darf mancher Kranke diese Diät befolgen, aber zum fortdaucra- den Gebrauch für Jedermann ist sie nicht geeignet. Es ver- hält sich damit, wie mit der Hungerkur, welche manchen Kcanlw kurirt; aber zum fortdauernden Gebrauch für Gesunde nicht taugt. Ich bin um eine Erfahrung reicker geworden, die m>r gezeigt hat, daß eine einzige brutale Tbatiache das schonae Theoriengebäude umwerfen kann. Den Vegetariern aber rusr ich zu:„DUdre rnoniii!" Lernt, denn ihr seil gewarnt." � Welche Forderungen verjähren am 3t. Aezember- Es ve-iähren am 31. Dezember d. I. alle im Laufe oes Jahr« 1837 entstandenen Forderungen der Kaufleuce, Fabrikanlrn, Händler, Künstler und Handwerker für Waaren oder Ärbeil« Pcivatkunden gegenüber; ferner die Forderungen der Gatt- wirthe, Handwerksgesellen, Fabrik- und Handarbeiter, Han°' lungSgehüfen und Dienstboten: desgleichen Erziehung«-,«er» pflegungS- und Lehrgelder; Gebühren der Aerzte, Rechtsrn- wälte, Hebammen k.; Honorare der Mitarbeiter von 3«»- schritten; MiethS- und Pachtgelder; Postporto, Frachtgeld uno Fvhrlohn. Forderungen der Kaufleute und Handwerker für Waaren, die zum Gewerbebetrieb(Handel) geliefert sind,»er- jähren dagegen erst nach Ablauf von 30 Jahren. Steuern, Geiicktskosten und dergleichen verjähren innerhalb 4 Jahre»- Ein Mahnbrief unterbricht die Verjährung nicht, ebenso wenig die Zustellung eine« im Mahnverfahren beantragten Zahlung«- befehi«, sondern nur die ausdrückliche Anerkennung einer Schw» oder die Zustellung der Kmge.,, Um diese Iahre»kett noch im Freien zu baden, ist/'"' Leistung, die nur wenige Menschen fertig bnngen. Zu diell» Wenigen zählt Vater Schmidt, ein Mann, der bald s«nw 60. Geburtstag feiern wird. Der alte Herr, seines Zeiw"!? Drechsler, hat täglich den weiten Marsch von Tempelhof nach Berlin zurückzulegen, was ihn ober nicht abhalten konv»' sich an jedem Morgen ein erfrischendes Bad in den klar« Finthen des sogenannten Franzosenteichs bei Tempelhol P gönnen. Am lebten Sonntag fand er zu feinem großen Ld- wesen, daß der Teich mit einer dicken Eisdecke überzogen und deshalb mußte er sich dazu entsckließen, das Schwimm»«- in der Reichenbergerstraße aufzusuchen. Gicht und Rh'� matiSmu« sind ihm natürlich unbekannte Dinge, deren AM handensein er fick nicht ander« zu erklären weiß, al« daß m davon geplagten Menschen abgesagte Feinde de« schönen km/" Wassers fein müssen. Daß übrigens kaltes Baden au« Winter nicht schadet, hat der Hamburger Schwimmveiein m Wielen, welcher am dritten WeihnachtStag im vorigen Mi bei Stein wärder ein Wetischwimmen veranstaltete, an de« ß" vier geübte Schwimmer betheiligten. Di« Fokalkommissto« für Kchöneberg sendet folgenden Ergärzungsdenckt zur Veröffentlichung: Herr WM« (Linderpark) sowohl als Herr Heckendorf haben nach � lauf der Bedenkzeit erklärt, ihre Säle zu keiner' politischen Versammlungen herzugeben. Sarr e(Birkenwäldchen) hat sich bekanntlich von Anfang geweigert...t Sämmtliche Anfragen betreffs Schöneberg'« Lokaii™ find zu richten an H. Gärtig, Maurer, Schönebt"' Kolonnenftr. 37. j• Ferner macht die Lokalkommisfion für Friedens o die Lokale aufmerksam, welche gewillt sind, ihre Säle zu al', Ve>sammlungen herzugeben: Spohr(Kurgarten) und BL< � Rheinstr. 8, welcher auch vom I. Dezember ab da«„B«"' Volksbl." sowie die„VolkS-Tribüne" auslegen will. ,a, Für Arbeiter- Versammlungen nicht zu haben sind' e Lokale: B ehrend(Hohenzollern) und Kail� oende � U 4, uuc CtlvP WilhelmS-Garten. Sämmtliche Anflogen betreff'«»,„ find zu richten an: E. Braun, Rheinstr. 44. denau's Lokalfraae Friedenau, Dersommlmrgeu. Modelltischler Kerlln« hielt J? tnt Web dingpark, Müllerstraße' � der Bidlio'� Der Derei« der Montag, den 25. d. M, seine ordentliche Mitglieder-Veriammlunq ab. Die nung lautete: 1. Antrag auf V rgiößerung der 2. VereinSangelegenheiten. 3. VerlchieoeneS und Frogeka>>� Zu Punkt 1 kprochen sämmtliche Redner für den Antrag e« wurden 40 Mark zur Anschaffung der internationalen n' beiter-Bibliolhek bewilligt. Hierauf ertheilte der Bibliol«', Jahresbericht. Zu Punkt 2 wird die Abrechnung"nm©L. Jahresbericht. Zu Punkt 2 wird die Abrechnung tun g»sest erledigt; sie ergiedt emen lleberschuß von 21,2" Ein Antrag auf Erhöhung der Krankenunterstützung wlrv,n dafür gesprochen, br«»ur no«',� Seitens des Vorstände« wird . Krankenunterstritzuvg wirb, dem verschiedene Redner dafür gesprochen, bis zur no«„ Versammlung vertagt. Seiten« de« Vorstände« wird theilt, daß dce Lohn. resp. Vertrauen skommisfion da« M«" und den Ueberschuß der diesjähnaen Lohnbewegung dem � tragekasten erledigt ist�'��- ein übergeben hat. Nachdem der Fr der Vmfitzende die Versammlung um II Ühr. Nächste einSversammlung Montag, den 9. Dezember, Abends im Weddinppark.. «iv« Der lammlung der Filial««st de» Verbat��, der Dmchdecker� Deutschlauds fand am IS. «„lleat'' Lokale Giüner Weg 29, unter Vorfitz de« Herrn mit folgender Tagesordnung statt: I. Bericht de« Rackw'tz über die stattzufindende Generalversammlung. schiedene« und Aufnahme von Mitgliedern. Herr«» � legte klar welche Zwecke und Ziele der Verband verfolge-� wie« nach, daß es ohne Organisation nickt weiter gehen> " nasng. deshalb sei der Verband gegründet worden und w du Agitation eingetreten werden. Hierauf wurden 5 Herten; Rackwitz, Hanke, Mendt, D.iahoy und Mehrle'»£ Zentralvorstand provisorisch gewählt"» Unter Verschiedenem mahnten noch die Herren Hanke, Mehrlein� und� Frübi� kraltiger Agitation für den Verband, damit zum. Uder Dachdecker sich dem Verband anschließe. E« meldetet i S Kollegen, die aufgenommen wurden. Hierauf schwß Vorfitzende mit einem kräftigen Hoch die Versammlung- � Eiue gut besucht« Mitgliederversammlung.gl Fr,i«tt_ Mrreiuiguug der Kartou arbeite« fan°, � 25. d. Mw. in Bolzmänn'S Salon, Ändreasftr. 26, w �■ v* v v»». r»---. � welcher Herr Dr. Bruno Wille einen lehrreichen �VmU �- „Jugenderziehung" hielt. Er erntete allgemeinen htne« Hieran schloß fick eine kurze Diskussion.— Unter Versck wurde folgende Resolution einstimmig angenommen--'w.ierii da« Verhalten der Gastwirthe in F�drichShagm den die Mitglieder im der Fre-en � gegenüber veranlaßt, erklären...__________.._ einigung der Kartonarbeiter, im kommenden Sommer Friedrichshagen und Müggelfchlößchen keinen Ausflug''"„je nehmen; ferner in Kroll'S Theater und in der Philharm� '-'-'jäger, Hasenya�.. tiicht mehr zu verkehren und Keller'« Hofjäger, saate die P besuchen."—«in Antrag, ivelckck b SffJnfU*, AÄ Versammlung ausfallen zu la>sen, u« P �fer/Ii� Verfammlung der 15fr Kommission(„Sansl-"" **' �-- MttDÜUlUHl osseilincyr jocnuiimuunq ver idcp jvomwuif�v.« Kotlbuserstraße) nicht zu beeinträchtigen, wurde ecnsttm genommen Verantwortlicher Redakteur: U. Urouheim m Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kadiug Berlin SW., Beuthstraße 2. i