Nr. 287. Sonnabend, de« 7, Dezember 1889- 6. Dakry. SttlimrVMlo». Krgan für die Interessen der Arbeiter. Vlmter Dunst. Ob die„Sozialreform" bei ihren jetzigen„Er- fUnzenschaften" stehen bleiben oder weiter geführt werden Pu— das ist's, wa§ einigen nationalliberalen füttern Kummer und Kopfzerbrechen macht. Diese Presse w eine hohe Meinung von der gegenwärtigen Sozialgesetz- gebung und glaubt, die in den letzten Zahren geschaffenen fcei Versicherungsgesetze müßten die weitgehendsten Wir- Augen haben. In dieser Täuschung bewegen sich die �ationalliberale» nun schon sehr lange und sie könnten nun �ch und nach einsehen, wie eng das Ziel für die Wirk- »mkeit dieser Gesetze gesteckt ist. � Die Regierung scheint vorläufig keine Lust zur Weiter- 'Übung der sozialpolitischen Gesetzgebung zu haben, wie oft 'uch schon Herr von Bötticher betont hat, auf diesem �kge werde man die Sozialdemokratie überwinden, und Wiewohl Herr H e r r f u r t h bei den Berathungen über das �»zialtstengesetz eS aussprach, daß man der Sozialdemokratie, ÜS einer geistigen Macht, nicht nur mit Repressiv- Mitteln entgegentreten könne. Aber der Standpunkt der gegenüber den Beschlüssen und Berathungen �gierung gegenüber oen«eicytugen uno-oera- � Reichstages in Sachen der A r b e i t e r f ch u tz g e s e tz- iebung läßt erkennen, daß man dort die kärglichen Kon- j'ssionen der Versicherungsgesetze schon nicht gerne gemacht '"t und keine weiteren zu machen gesonnen ist. jj, Die Nationalliberalen tragen mehr als alle anderen Parteien die Schuld daran, daß die Initiative des Reichs- AAklu» so schwächliche ist, weil sie lange Zeit den Brauch Ant� �ben, über alle der Regierung nicht angenehme« be zur Tagesordnung überzugehen. Wenn nun einige mionallide�e Blätter betonen, man müsse die sozial- IL V' f$« Gesetzgebung weiterbilden und » üuim Dingen dem Arbeiter einen Schutz gegen die n«»«'��osigkeit bieten, so kann man das nur für v e Bauernfängerei gewöhnlichster Art halten, die Angesichts llitn �ünnahenden Wahlbewegung zwar ihre Er- � na findet, aber nichts weniger als geschickt ist. DaS Arbeit ist eine eigene Sache und wenn 5° cht v.'* um auf hüssSr6 DOn ben Nationalliberalen nach allen Richtungen c � gefaßt worden wäre, so' würden diese sonst so Herren wohl lieber„die Hand vom Butten" ge- "erhaben. !r. Fürst Bismarck hat allerdings einmal im Reichstag foinl 00— besser für ein— Recht auf Arbeit ausge- £i« Ä' Äber er hat dazu gesagt, daß er eS nur rm tedw �eS Allgemeinen preußischen Land- � kleine und daS giebt der Sache eine wesentlich andere ig�'ung, denn was das preußische Landrecht in dieser jüchung bestimmt, ist denn doch etwaS ganz anderes, als sv?0n. gewöhnlich unter dem Recht auf Arbeit versteht. J�chtn ist eS bei der theoretischen Anerkennung geblieben iv. Feuilleton. wrbotm.] (48 (Bevminctl. R,ma« v«« Emile Z» la. autorifirt« lledersetzung vo» Er»st Ziegler. h» harte Sprache regte die Menge noch mehr auf; bt» gehendes Murren erhob sich, und Maheu mußte Levaque, Den eulin stürzen wollte, zurückhalten, während fortfuhr, dem Grubenherrn die Legitimität ihres Isi v zu erklären. Doch dieser erwiderte, die Arbeit »»tz �Nnanns Recht: hier in der Grube sei er allein Herr SifWT H von Niemandem sein Verhalten vorschreiben; L?be er keine Lust, weiter mit ihnen über ihre H er" Wünsche zu debattiren, und e» thue ihm nur le,d, StvC** paar Gendarmen zur Hand habe, um fern i.m von dieser Kanaille zu säubern. �it"�?«eine Schuld ist, was mir passirt" schloß Nie« v 6* Bleichen kann man nur mit Gewalt fertig Nfie m J so sicher, wie die Regierung sich täuscht, K Euch mit Konzessionen zu gewinnen. Un- � gege��fie, sobald sie Euch die Mittel dazu m die �Lte vor Unmuth, doch er beherrschte sich und „Ich Stimme dämpfend:, l?'»er a�chwöre Sie, ertheilen Sie den Befehl, daß Ihre «04 I?�en, oder ich stehe für nichts. Ich vermag e"ach„��ve Kameraden im Zaun zu halten; geben «i»,..Reia. Z" Unglück zu vermeiden!" In? Und dn« choert Euch zum Teufel! Ich kenne Euch plü�he on f"'ch'« wit Euch zu verhandeln! Banditen V«?'"' l>ie über's Land ziehen, um zu Löschungen überschrieen seine Stimme; die Frauen und ein praktischer Versuch, das Recht auf Arbeit in'S Leben treten zu lassen, ist nicht gemacht worden. Man sprach zwar auch von einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Allein auch dies ist'S nicht, was man unter Recht auf Arbeit versteht. Das hieße Kassen errichten, aus denen die beschäftigungslosen Arbeiter einen Zuschuß erhielten. Da müßten sie lebenslängliche Beiträge zahlen und damit sind sie nun hinreichend beglückt. Wir sind der Ueberzeugung, daß das Recht auf Arbeit innerhalb der modernen bürgerlich-kapitalistischen ProduktionS- form gar nicht eingeführt werden kann, weil mit seiner Einführung diese ganze Produktionsform auS dem Leim gehe« müßte. Die sogenannte industrielle Reservearmee ist ein wesentlicher Bestandthcil der modernen ProduktionS- form. Sie ist der Untergrund, auf dem sich die freie Konkurrenz bewegt. Die„überzähligen" Arbeitskräfte müssen dem Unternehmer immer zur Verfügung stehen; mit ihnen lassen sich die Löhne„reguliren", sie lassen sich bei Ausständen gegen die Arbeiter verwenden und bei dieser Reservearmee ist die Arbeitskraft als Waare immer unter dem gewöhnlichen Marktpreise zu haben. Ohne diese Armee würden die Produktionskosten nicht behufs siegreicher Konkurrenz hinabzudrücken sein. Da der modernen Industrie aber die Tendenz innewohnt, die Produktionskosten stets zu verbilligen, so ist die industrielle Reservearmee für sie eine unentbehr- liche Einrichtung geworden: sie hat sich so sehr an- dieselbe angepaßt, daß mit dem Verschwinden der indu- striellen Reservearmee auch die moderne Industrie selbst zer- fallen würde. Man braucht eigentlich nicht mehr zu wissen, um zu begreifen, vo» welcher Fäulniß die äußerlich so lebenskräftrg erscheinende Industrie schon angefressen ist. Recht auf Arbeit ist gleichbedeutend mit Ab- schaffung der industriellen Reservearmee und dazu wird sich der moderne Staat im Bunde mit der von ihm gepflegten und gehätschelten Industrie, mit dem von ihm bevorzugten Unternehmerthum, niemals herbeilassen. DaS Höchste, wozu man sich aufzuschwingen im Stande wäre, könnte eine Verallgemeinerung der sogenannten Arbeiter- kolonien sei«, wodurch bewirkt werden könnte, daß die In- dustrie noch billigere Arbeitskräfte bekäme, als zuvor. Das würden wahrlich herrliche Zustände werden, wenn einerseits die Insassen der Kolonien, andererseits die neu einzuführenden Chinesen das Hauptelement der Arbeiterschaft bilden, dann müßte Deutschland wirthschaftlich zu Grunde gehen. Der Arbeitslosigkeit unter den heutigen Zuständen zu steuern, dazu ist nur der M ax i m a l a r b e i t S t a g ge- eignet, sowie die Einschränkung der Kinderarbeit, in welche Kategorie wir auch die„jugendlichen Ar- b e i t e r" rechnen. Der Maximalarbeitstag, auch der acht- riefen ihm Schimpfworte zu, während er, da nun doch ein- mal Alles verloren war, eine Befriedigung darin fand, wenigstens ftei von der Leber weg ihnen seine Verachtung ins Gesicht zu schleudern. Doch ihre Zahl vermehrte sich, schon drängten fünfhundert an ihn heran. Sein Oberauf- seher wollte ihn gewaltsam in'S Haus ziehen, indem er ihm zuflüsterte: 0 „Herr Direktor, kommen Sie, das kann ein Gemetzel werden; wozu unnöthiger Weise Blut vergießen? Aber Deneuli« nef noch einmal in die lärmende Schaar hinab: „Erbärmliches Raubgesindel! Wir sprechen uns wieder, wenn wir die Stärkeren sein werden!" Der Haufe erstürmte die Treppe, das Geländer brach: Deneulin'S Beamten zogen ihn in'S HauS, und die Thür klappte zu. Aber sie war nicht verschließbar und konnte dem Anprall der zornigen Männer nicht widerstehen; sie drangen in den Flur, Andere überschwemmten die Sortir- halle, kamen durch'S Kesselhaus oder den Maschinenraum; überall, zu allen Thüren drängten sie sich hinein, in weniger al« fünf Minuten erfüllten sie, in übermüthiger Freude, de« widerspenstigen Direktor in die Flucht getrieben zu haben, mit wildem SiegeSgeschrei alle Etagen, alle Räume der Gebäude. Maheu näherte sich erschreckt Stephan „Sie dürfen ihn nicht umbringen\" Stephan sah, daß Deneulin sich in dem Zimmer der Aufseher verbarritädirt hatte und antwortete: „Und wenn sie'S thun, ist das unsere Schuld? Der Mensch ist ja ein wüthender Narr." Doch er war nichts desto weniger von Unruhe und Besorgniß erfüllt und eS virletzte seinen Stolz, daß die Kameraden seiner Autorität entschlüpften; darum ermahnte er sie sollten ruhig bleiben und nicht ihren Feinden durch unbesonnenes Handel« eine Waffe gegen sich in die Hände n-�en Aber der kreischende Ruf der Brulö übertönte seine gedew Worte: stündige, kann das Uebel auch nicht beseitigen, aber er kann es mildern. Die industrielle Reservearmee würde schon bei dem zehnstündigen, noch mehr aber bei dem neun- und acht- stündigen MaximalarbertStag zusammenschmelzen und würde nicht mehr dazu gebraucht werden können, mit so gewaltigem Druck wie bisher alle Bestrebungen nach besseren Arbeitsbedingungen niederzuhalten. Ein energisches Eintreten für einen Maximalarbeitstag ist von den Nationalliberalen nicht zu erwarten. Da« wissen die Arbeiter sehr gut und man braucht sich deshalb keine Mühe zu geben, die Arbeiter mit solchen unbestimmten Phrasen wie„Schutz gegen Arbeitslosigkeit" einzufangeu. Da müßte man deutlich sagen, was man»will. Man setzt immer voraus, die Arbeiter verstünden von diesen Dingen so wenig, daß man ihnen jeden blauen Dunst vormachen könne. Da irrt man sich; wo es sich um die eigensten Ge- werks-Jnteressen handelt, sind die Arbeiter ganz natürlicher Weise gar oft besser unterrichtet, als mancher superklug sein wollende Professor der Nationalökonomie. ütijrvrl'ptmdenzctt. Ue«» Uork, 22. November. Wie seiner Zeit berichtet, hatte ver General-Werkmeister des Ordens der Knighis of Labor, Pawderly, bei mehreren Besprechungen, welche die Führer der Amenkanischen Föderation of �abor mit den Re- Präsentanten des Orden« veranlatzt, sich sehr vorfichtig über nie Frage der Betheiligunq des Orden« an der Achlitunven-Be- weaung. Er saloirie sich damrt, daß er nicht in der Lage sei, definitive und bestimmte Erklärungen abzugeben, sondem dar- über die Generalversammlung enlscheiden müsse. E« unterlag nun zwar für Jeden, der den Verlauf der Dinge verfolgt, auf ver Hand, daß dies eben nur eine Ausrede war, da jetzt der General- Werkmeister— nachdem sämmtlichefort» geschrittenen Elemente au« dem Orden getreten— denselben noch mehr beherrsche, al« dies vorher der Fall gewesen, daß«s also aanz von ihm und seinem Stabe abhängen würde, w i e die Generalversammlung sich stelle; aber man zog andererseits in Betracht, daß der Orden infolge feine« gewaltigen Rück» ganges doch der Situation Rechnung tragen müsse, um nicht vollständig ins Hin tertreffen zu gerathen und noch weitere Ver- lutte zu erleiden. Auch glaubte man, daß der Einssuß ver- schieden« Leute, denen man einen weiteren Ueberdlick zuschrieb — wie der jetzige Redakteur de« Ordens-Ocaan« Wright— so weit reichen würde, um ein rückhaltloses Zusammengehen de« Orden« mit der Födnation in dn Achtstundenftage erwarten zu können. Darin hat man sich ab« getäuscht. D,e Gen«al. Versammlung hat einen Beschluß gefaßt, welcher deutlich zeigt, daß man sich durchaus nicht binden wolle, respekive nicht da« Interesse der Allgemeinheit, sondern lediglich das de« Orden« im Auge habe. E« ist da« freilich eine Politik, die hierzulande noch stet« die maßgebende Rolle gespielt hat, nicht nur bei den Kmght«! „Zu den Kesseln! Löschen wir daS Feuer aus!" Levaque hatte eine Feile gefunden, schwang sie wie einen Dolch und rief: „Die Seile zerschneiden! Die Seile z«schneiden!" Alle wied«holten diese Worte, nur Stephan und Maheu fuhren fort, zu protestiren und versuchten zu de- schwichtigen. „Aber es sind Leute unten!" schrie Stephan in die tobende Schaar. D« Lärm wurde noch wüst«; von alle» Seiten ant- warteten wilde Rufe: „Desto Hess«!... Warum sind sie eingefahren!... ES geschieht ihnen Recht, den Verräthern... Sie sollen unten bleiben... Sie haben ja die Fahrten!" Dies« Gedanke, daß vie Arbeit« sich auS der Grube mittelst d« Leit«n retten konnten, ließ Alle«och hart- näckig« auf ihr« Idee bestehen.„Die Seile zerschneiden!" heulten sie. Stephan sah, daß« nachgeben mußte;« stürzte auf die Maschine, um wenigstens den Aufzug empor- fahren zu lassen, damit die abgeschnittenen Seile nicht nnt ihrem ungeheuren Gewicht bis unten in den Schacht darauf hinabstürzten und die ganze Fahrkunst z«störten. D« Maschinist war entflohen; Stephan selbst setzte die Maschine in Bewegung; während Levaque und zwei And«e in de» Thurm zu den Seilen hinaufklettttten. Kaum war d« Auf- zug festgeank«t, da schrillte d« gelle Ton d« Feile welche da« stählerne Geflecht zu zersägen begann. Alle schwiegen, blickten hinauf und horchten dem markerschütternden Ge- rausch, starr ohne Bewegung, mit einem wilden Freuden- schimmer in den Augen, als wenn die Feile, welche dort oben das Seil eines dieser Unglückslöcher zerschnitt, sie von all ihrem Elend befreite. Aber die Brule lief hinaus: „Zu den Kesseln! Zu den Kesseln!" Die Weiber stürmten ihr nach. Die Maheude voran, um zu v«hüten, daß Alles zerstört w«de. Sie war ruhig« wie die Andnen und rief, man könne sein Recht v«lange», Powderll) unterstützte m seiner Ansprach« dm sogenanntm »Norton'schen" Vorschlag, welcher dahin geht, datz die Ordens- Mitglieder überall, wo dies thunlich sei, für einm Ss stündigen Arbeitstag oder 57 Stundm per Woche eintreten sollm, und zwar für das Jahr, welches am 30. März 1890 beginne. Später solle dann Jahr für Jahr eine weitere halbe Stunde errungen werden, bis schließlich die acht Stundm erreicht seim. Dieser Vor- schlag wurde angmommm, des Weiterm aber befchlossm, daß diese Resolution keine nationale Distrikt-Assembly hindem solle, für weitergehende Arbeitszeitoerkürzung einzutretm. Der letztere Beschluß hat seinen Grund in der— freilich nicht berührten— Thatsache, daß schon an einer Reihe von bedeutmden Orten einzelne Assemblies gemeinsam mit dm offenm UnionS m der Achtstunden-Angelegenheit gehandelt habm. Zu verzeichnm ist noch, daß Powderly in seinem Berichte sagte, dafe der Orden seit 1878 für daS Achtstundmsystem ein- getretm sei. Ein famoser Rendant zu seiner einstmaligen Be- hauptung, daß er— d. h. Powderly, nicht der Ordm— in seinem ganzm Lebm keinen Tropfm geistigen Getränkes ge- nossen! Als ob nicht noch einzelne Leute vorhanden wärm, welche nicht an dem allgemeinen amerikanifchm Uebel der Ge» dächtnihlofigkeit leidm, und die sich also noch ganz gut erinnem, welches Argummt derselbe Herr Powderly 1886 gegm die Ver- kürzung der Arbeitszeit eingebracht(die Arbeiter wüßtm mit ihrer freien Zeit doch nichts anderes anzufangm, als sse in der Kneipe zu verbringen) und wie der damaligen Bewegung seitms der prompt apportirenden Ordensbrüder der Knüppel zwischen die Füße geworfm wurde. Die dem Antrage der Föderation of Labor gegmllber ein- genommme Haltung wurde damit motivirt, daß in demselben nichts DcstmtiveS zu findm sei, kein Plan, an dem sich die KnightS betheiligen könnten. Es wurde darauf hingewiesen, daß in irgend einer Bewegung, welche stch die Verkürzung der Arbeitszeit zum Ziele mache, alle dieselbe begleitenden Umstände auf's sorgfältigste in Be- tracht gezogen werden sollten. Die„Arbeiter" konnten sich' ebmso wenig wie die Kapitalisten den schlimmm Folgen mt- ziehen, welche plötzliche und heftige Jndustriestöcungen nach sich ziehen werden. Daher sei eS nöthig, daß der Wechsel in einer solchen Weise vollzogen werde, daß so wmig Störungen als möglich eintreten könntm. Diese Argummtation ist nun an und für sich wohl anzu- erkennen, abgesehen davon, daß die zärtliche Rücksichtnahme auf die„Kapitalisten"— die doch ihrerseits für die Arbeiter nur die brutale Rückfichtslofigkeit im Sacke haben— höchst über- flüssig ist; ober sie ist nicht ehrlich gemeint. Der General- Werkmeister ist durch den ausschließlichm Wasselkonsum dmn doch noch nicht so weit der„Brägmklüterigkeit" verfallen, um nicht ganz gut zu wissen, daß es sich bei der gegenwärtigen Achtstunden- Bewegung par nicht darum handelt— und handeln kann— am 1. Mai 1890 in den direkten Kampf für die Achtstunden-Forderung für alle Arbeitszweige und unter allen Umständen einzutretm. Wenn auch rm Beginne, als die Führer der Föderation die Bewegung in- augurirten, nicht klar ausgesprochen wurde, wie man sich die Sache vorstellte und auf welche Weise zu jenem Zeilpunkt vor- gegangen werden sollte, so ist doch im weiterm Verlaufe beut- lich genug hervorgetteten, daß jenes Datum nicht in der Weise aufzufassen sei, als ob mit demselben der Kampf auf der ganzen Linie entbrennen solle. Dieses Datum wmde als der „Meilenstein" aufgestellt, an welchem die inzwischm nm zu stärkmden Organisationen Heerschau halten sollten. Ob das Verfahren em verkehrtes war, ob es praktischer gewesen wäre, dm Wiederousbau der arg zusammengesallmm Organisationm nicht auf das Losungewort des Achtstunden- tage« hin in Angriff zu nehmm, kommt hier nicht in Betracht. ES kommt nun Alles darauf an, wie sich die Arbeiterbewegung ,m Allgemeinen bis zum Frühjahr näcksten Jahres gestaltet. Wmn auch im Laufe dieses Jahres ein Auf- 'chwung zu verzeichnm war, so hat derselbe aber doch zu lang- am stattgefunden und geht auch jetzt noch in keinem chnelleren Tempo vor sich, daß man sich große Hoffaungm machen könnte. Es wäre auch ein Fehler, wenn man dies thäte. Gerade die zerstörten Illusionen haben, wie ich dies schon bei verschiedmm Gelegenheiten angeführt, hier schon oft Rückschläge veranlaßt. Es hat indessen, wenn man eben die Jllufionm bei Seite läßt, auch nichts zu sagen, wenn am 1. Mai kommmden Jahres die Dinge stch noch nicht so weit mtwickelt haben, daß mit der Achtstunden-Forderung auf der ganzen Linie(selbstverständlich habe ich hier nur die gutorganistrtm Gewerke im Aug') vor- gegangm wird. Wenn es nur im allgemeinm vorwärts geht, die Ausbreitung und Stärkung der Organisationen ihren reget- mäßigen Fortgang nimmt, dann wird stch endlich die Situation doch derart gestaltm, daß der O-dm der KnightS— resp. seine Leitung— in den saurm Apfel beißm und ohne weiterm Rück« halt in die Bewegung«intretm muß. Sie ist jetzt einmal im Gange, und ihr« Aufnahme durch ohne fremdes Eigenthum zu beschädigen. Die beidm Heizer wurden auS dem Kesselhause vertriebm, und die Brut«, mit einer Schaufel bewaffnet, begann die glühenden Kohlen auf da« Ziegelpflaster des Fußbodens zu reißen, wo sie mit einem schwarzen Dampfe zu brennen fortfuhren. Zehn Oefm heizten die fünf Kessel, und auf alle stürzten sich die Frauen wie die Furim; die Levaque hatte ihre Schaufel mit beidm Fäusten gepackt; die Mouquette schürzte sich bis über die Knie auf, um sich nicht die Röcke zu verbrmnen; Alle, blutig roth von den Flammen befchimm, schweiß- triefmd, mit fliegmden Haarm, thürmtm Berge glühender Lohe vor sich auf; eine versengende Hitze erfüllte dm Raum und platzte dm Kalk von dm Wänden. „Gmug!" mahnte die Maheude,„die ganze Bude geräth in Brand!" jjtf?* „Um so besser," schrie die Brule,„da brauch m wir sie nicht erst anzusteckm! O! Zch hab's ihnen vorher gesagt, daß sie mir dm Tod meines Mannes bezahlm müssm!" Aber die helle Stimme Jeanlm's rief von der Galerie oberhalb der Kessel herab: „Aufpassm! Zch werde löschen!" Er war vor dm Andern hier hineingeschlüpft und hatte gesucht, was er anftiftm könne. Jetzt öffnete er die Bmtile, und mit furchtbarer Macht strömte der weiße Dampf hervor; zischmd, pfeifend, brausmd prallte eS von dm Wänden zurück. Alles verschwand in dem weißen Gischt; die glühm- dm Kohlm erbleichtm; die Weiber glichm wolkigen Schattm, und Zeanlin lief vergnügt obm auf der Rampe herum, den Mund breit aufgerisim, vor Freude, daß er diesen Höllm- lärm losgelassm. Es währte eine Viertelstunde. Die Frauen gössen Wasser auf die Kohlm; die Gefahr eines Brandes verschwand; aber der Zorn der Mmge ward durch dies erste ZerstörungS- werk nur noch mehr angefacht: Die Männer bewaffnetm sich mit Hämmern, die Frauen ergriffen Eismstangm, und Alle schriem, die Kessel müßten zerschlagm, die Dampf- Maschinen zertrümmert, die ganze Grube vernichtet werden. Stephan eilte mit Maheu herbei; auch ihn ergriff das ZerfiörungSfieber, aber er bekämpfte e« gewaltsam und rief die Arbeiter Europas, speziell Englands, wird schon ihre Rück- Wirkung äußern. Bezüglich der Gmeral-Versammlung deS OrdmS ist noch anzuführen, daß ein« Resolution dahmgehmd befchlossm wurde, daß der Boden Gemeingut Aller sei und derselbe zu seinem vollen Rentwerth besteuert werdm solle. Dieselbe schielt natür- lich nach dm Anhängern der„George'schm Lehre"; denn denken werdm sich die Ordensmitglieder nichts dabei, so wmig wie bei dem Passus in ihrem altm Programm, daß Jedem der Ertrag seiner Arbeit zukommm müsse. Powderly erklärte, sich mit der Hälfte seines Gehalts be- gnügen zu wollen, obaleich er der Meinung sei, daß die Ar- betten eines General-Werkmeisters selbst mit 5000 Dollars noch zu gering bezahlt seim: die Gmeral-Versammlung lehnte aber das Anerbieten großmüthig ah. polifirrflf Ilcbevlrrfil. Eitte gestern eingegangene Depesche meldet, daß die Delegirten deS Essmer Bergwerksbezirks einstimmig be- schlossm haben, der am Sonntag statlfindmdm Bergarbeiter- Versammlung zu empfehlen, die Aufhebung der Sperre durch einen am Montag beginnendm allgemeinen Streik zu er- zwingm. Die Gegner de« Marimalardeitstages machm geltend, daß Verkürzung der Arbeitszeit Verminderung des Mehrprodukts im Gefolge habe. Hören wir darüber einm Mann, der nicht in dem Verdachte sozialistischer Gesinnung steht, einen Sachkundigen, auf dessen Urtheil sich die Unter- nehmer verlassen könnm, dem bekannten Großindustriellen Sir Jacob Behrens in Bcadford! Derselbe hat in seiner Ver- nehmuna vor der von der englischen Regierung eingesetztm Kommission zur Untersuchung der Ursachen des Niederganges von Handel und Gewerbe tolgende Aussage gemacht:„Die Frnna Holden u. Co. ist Besitzerin der größten Woll- kämmereien der Welt, die fast«in Drittel der auf den Londoner Markt kommendm Wolle verarbeiten und hat Eta- blissementS in Bradford, Croix bei Raubas und Rheims. Sie arbeitet mit denselben Maschinen und Betriebseinrichtungen in Frankreich und England. Die Arbeitszeit dagegen be- trägt in England 56i Stunden, in Frankreich 72 Stundm, und die Lohnsätze find in Frankreich niedriger, als in England. Außerdem läßt die französische Gesetz- gebung die in England untersagte Nachtarbeit von Frauen zu. Nichtsdestoweniger können Hol- der u. Co. in England zu Preism Wolle kämmen, die einm Nutzen lassm, während sie in Frankreich kaum die Unkosten decken. Das Resultat bei fast automatischen Maschinen, bei welchm die Geschicklichkeit des einzelnen Arbeiters nicht von er- heblicher Bedeutung, ist eine erstaunliche Thalsackie. Infolge dieses UmstandeS habm Holden u. Co. ihre Etablissements in England bedeutend erweitert, währmd ihr Geschäft in Frankreich nur den alten Umfang behielt." Klar geht auS dieser Mittheilung hervor, daß die kürzere Arbeitszeit die Leistungsfähigkeit der Arbeiter erbeblich steigert und eine Eihöhung der Mehrproduktsmasse verursacht. Wärm unsere deutschen Kapitalisten nicht verrannt in blinde Profil- wuth und hättm sie dm größeren Blick der britischen„Krämer", so würd.n sie diejArbeiterschutzzesetzgebung und dessm Kardmal- forderung, die gesetzliche H-rdeisührung eines NormalarbeilS- tages nicht stumpfsinnig, bloS auf den augenblicklichm Vortheil bedacht, verhindem, sondern thatkräftig fördem. Segen Keieidignng de» Landesherr« wurden in land verurihe-lt 1882... 430 Personen. 1883... 389 1884... 331 1885... 371 1886... 401 1887... 540 1888... 552 Erfahrungsgemäß nimmt die Zahl derartiger Vergehen in kritischen Perioden, bei einem Thronwechsel und dergleichen zu, eine Folge der Erregung, welche weite Volkskreise ergreift. Dazu kommt, daß wenn m schwierigm Zeitläuften ein unbesonnenes Wort rascher dem Gehege der Zähne mlfährt, auch die beruss- mäßigen und freiwilligen Gebärdenspäher und Geschichtmtröger, die ihre staatSretterische Thäligkeit auf's intensivste üben. Die Anschwellung der Z ff-r seit 1883 ist«ine bedeutmde. » Zum Sozialisteugeseh schreibt man nach dem„Hamb. Korresp." d,m Füllten Bismarck die Abficht zu, bei der zweitm Lesung des Sozialistengesetzes zugegen zu sein, welche frühestens in der zweitm Dezemberwoche und möglicher Weile erst nach Weihnachtm statifinden kann. Fürst Bismarck bestand bisher in llebereinstimmung mit dem Minister Henfurth auf der Bei- beHaltung der Ausweisungsbefugniß, und in BundeSrathSkreism glaubt man auch nicht, daß er hiervon abgehm werde. in den lärmenden Haufen, eS sei genug, die Taue seim zer- schnittm, die Kessel leer, die Arbeit könne also nicht aufge- nommen werden, man solle sich zufriedm geben! Doch nie- mand wollte ihn hörm; wieder schien eS, als müsse er dm entfesselten Leidenschaften nachgeben. Da tönte plötzlich vom Vorhof lauteS Geschrei. „Nieder mit den Verräthem! Nieder mit dm Memmen!" Die Mmge drängte sich vor der kleinen Thüre, welche zu den Fahrtm führte. Die ersten Arheiter waren empor- geklettert, geblendet von der plötzlichen Helle und erschreckt von dm wissen Rufen, welche sie begrüßtm. „Nieder mit dm Memmm! Nieder! Nieder! Nieder!" Die ganze Masse der fünfhundert Männer und Weiber von Montsou stürzte herbei; nicht einer blieb in den Gebäudm, sie bildeten ein engeS Skalier und zwangen die Arbeiter von Jean-Bart zwischen ihnm hindurch zu gehen. Und Jeder, der aus der Porte herauittat, noch geschwärzt von der Arbeit, dm Kittel zerrissm von dem Ringm und Drängm auf dm Leitern, wurde mit Verwünschungm und höhnendem Spott empfangen: „Der krummbeinige KnirpS!... Der Jammerkerl ohne Lmdm!... Das Ekelet!... Der tiefäugige Schuft!... Welch ein Gesindel!" Und immer erbarmungsloser, immer grausamer wurden die Beschimpfungen. Ein Grubenmädchen, mit hängmdm Brüsten und schleppendem Leib wurde mit johlendem Lachm empfangen:„DaS Faß! DaS Milchfaß!" Und alle Hände wollten dm verkommenen Körper der Armen berühren. Fäuste hobm sich und drohtm, auf die Männer nieder zu fallen, die zwischen den beidm Reihen sinnlos Wüthmder hindurchschlichen, ängstlich auf ihre Peiniger schielend, dm Nackm duckmd, bis sie endlich außerbalb der Grube im Sturmlauf mtfliehen konntm. „Ja, wie viel sind dmn da drin?"'rief Stephan, erstaunt, immer noch mehr Männer und Fraum der Grube entsteigm zu sehen. Es handelte sich also nicht um ein paar durch dm Hunger Verführte, nicht um eine Handvoll Schwächlinge, die durch die Aufseher überredet worden? Man hatte sie belogm, fast ganz Jean-Bart war eingefahrm! Aber plötz- Haidige Reichstagsntahie«. Auf dem sächsischen servaiivm Parte, iag in Leipzig wurde darauf hinpkwiesen, dal ein sofortiges Eintreten in die Vorbereitungen unbedingt NW wendig sei.„Es erscheint nicht angezeiot. die Erörterung« über dresm Punkt im Emzelnm zu veröffmllichen." So be- merkt dazu das„Leipziger Tageblatt." „Die Gesetze sollen nicht zur Schädigung, sondern z» Förderung der Arbeiterorganisationen�«- lassen werden. Die Lage der industiiellen Welt ist gegenwärtig weit davon entfernt, zufriedenstellmd zu sein; die Aussicht« für die Zukunft find zweifelhaft. Unter den hoffnungsreich«« Elementen für die Lösung des sozialen Problems gehören dal Dasein, die Entfaltung, da« Wawöldum in Einsicht und Star« der Arbeiterverbände." So schreibt ein bürgerlich tt Oekonom in— Amerika, Herr E. P. Cyeymey. Zur Darnach- richtung emptoblm in— Deutschland. J „DattzensteUen nnfc Koziaieefoem". Unter dies« Ueberjchrift dringen liberale B.äiler einen Leitariikel, in w«- chim, um Reiche und Arme einander näher zu bring«' empfohlen wird, daß wohlhabmde Männer und Frauen a« armen Kindern Pathenstellen vertreten. Der Pathe solle n« darüber wachen, daß da« Kind gesund bleibt, reinliche und an- ständige Manieren erlernt und nach der Schulzeit in ein« Beruf eintritt, der ihm eine gute Zukunft verspricht.»Klen« Geschenke muß er e« sich ja kosten lassen," aber— so wird fw den Bourgeois, der dm Beuttel nicht gern öffnet, sofort beruhigend hinzugefügt—„er spare das Geld dafür an d« Gaben, die er sonst an Unbekannte au-theilen würde." SoW* possirlichen Vorschläge werden von den Organen der Bourgeois ausgeheckt zu dem Zweck, die modeme proletarische Bewegung aufzuhalten. Aber aus diesm Vorjchläzm spricht doch«« gute Portion Angst. Die Verletzung der Metzrpfiicht ist eine D-liktgruppt- die im Deuischcn Reiche erheblich zunimmt. 1882 wurv« 14 119, 1883: 16 032, 1884: 17 485, 18S5: 17 965. 1ö� 19 580, 1887: 20 618, 1888: 21421 Personen desnalb � urtheilt, die größere Zahl freilich wohl in cooluwscism, so daß d« Sirafvollzug nicht stallfindea konnte. Die Zahl der Deuttchl«� müden jungen Leute, die ins Ausland gehm, um sich d« Heeresdienst zu mtziehen, steigt beständig, und eine underech«' dar große Menge fleißiger Hände gebt dadurch dem Reich loten. Wmn die einjährige Dienstpflicht, die zur krieg- tüchtigen Ausbildung genügt, bestände, kämm solche Reale» diesem Maßstab- nicht vor. � 1. UationaUiderale Kiätter bemerken bereits zu der � stimmung der Kommission über das Sozialistengesetz, die scheidung werde erst vor der zweiten Lesung im Plenum"« den Weihnachtsferien fallen. Es wird in diesen Blättem efl? die Möglichkeit angenommen, daß die freikons-rvatioen u« nationalliberalen Volksvertreter, nachdem sie in der KommW zweimal gegen die Ausweisungsbefugniß gestimmt haben,? Plenum die Ausweisung bewilligen. Wenn d'enationalllde«? Presse selbst schon jetzt die löbliche Unterwerfung in AuSst? stelli, kann rS nicht Wunder nehmen, daß die Regierung zur Nachgiebigkeit nicht veranlaßt sieht. Ob freilich der � finnungSwechsel im Laufe weniger Wochen be, den Wäb]� als besondere Beglaubigung der Unabhängigkeit und Chorakt« festigkeit der Kandidaten gelten wird, muß die Zukunft lehr«' An» dem Saaerenier, 3. Dezember. Die Vorkoo� nisse vom letztm Sonntag: d,e Verweigerung der Lo'ale seit«' der Wirthe an die Bergarbeiter»ur Abhaltung von Vrrfa«� lungen, haben nach der„St. Joh. Zig." den bergmännis� Rechtsschutzverein zu dem Enljchlusse geführt, den Bau eigenen Vereinshauses ins Auge zu fassen. Zu diesem Zw« haben bereits Besprechungen staltgefunden, deren Ergebmß° Beschluß war, einen großen Saalhau mit den enlsprech«!j5 zugehörigen Räumen zu ernchtm, und zwar soll das Kajg nicht durch Aktien-Ausgabe, sondern durch gleichmäßige J®? träge aller Mitglieder de« Verein« aufgebracht werden. � zahlen zunächst je 2M., was eine Summe von 48000 erste Baurate ergiebt. KJ Sansibar» 5. Dezember.(Telegramm de«„Reuter'!»? Bureaus".) Der Reichskommissar Major Wißmann lraf a«,? Stanley, Emin Pascha und Casati jenseits des Kinghan flW? Dieselben trafen heule früh zu Pferde in Bagamoyo ein, T sie enthusiastisch empfangen wurden.., Herr Wißmann gab den Ankömmlingen ein große«, wo es ziemlich lustig zugegangen sein mag, wie die nachfolge«� Depeschen beweisen: X London, 6. Dezember. Nach einer Meldung Z „Reuter'schen Bureau" aus Sansibar soll Emin WZ gestern in Bagamoyo aus einem Fenster geW sein, welche« er in-„seiner Kurzsichtigkeil" muthwao' für eine Thüre hielt. Er soll einen Schädlebrutb., litten haben und sein Zustand soll ein höchst bedenklicher I" doch hofft Dr. Parke ihn zu retten. � London, 6. Dezember. Nach einer ausführlicheren dung de«„Reuter'schen Bureaus" aus Sansibar über Z Unglücksfall Emin Pascha'« hatte derselbe die Höhe de« � mäuer« eines Balkons verrechnet und da« Gleichgewichts Iierend�ie��oi�einer�öh�vor�2�Fu�hinad���� if lich entschlüpfte Stephan ein wilder Schrei. Er Chaval auf der Schwelle der Thüre erblickt und sprang entgegen: � „Ah! Zu diesem Rendezvous hast Du unS bestellt!".J. Aus hundert Kehlen donnerte Enttüstung und Ml»> Wuth. Alle stürmten heran und wollten sich auf ür werfen., j „Verräther! Verräther! Verräther! In den Sch mit ihm! Zum Tode!" � Chaval ward erdfahl, er stotterte, wollte sich m schuldigen; aber Stephan, außer sich vor Zorn, sikl � ins Wort: J „Du hast uns verrathen— wohlan, Dein Löhs Dir werden!" � Ein neues Geschrei übertönte seine Worte, faß.*, erschien, halb ohnmächtig noch, geblendet, wie von S» sich plötzlich in dieser Schaar von Wilden zu finden. Kniee schlotterten, sie wollte zusammenbrechen, als Mutter mit erhobener Faust auf sie zuttat: „O, Du Wißgeburt!... Deine Mutter verhu und Du verräthst unS für diesen Lumpen!... Maheu fing den Arm seiner Frau auf, aber er* seine Tochter, schüttelte sie, und den Lärm der ganzen mit seinem zornbebenden SchmerzenSschrei übertönend, er ihr ihren Verrath vor. Der Anblick Katharina'S brachte Stephan vollends Fassung und er schrie: v J)* „Zu den Gruben! Zu den andern Grube»! �n Memmenführer, gehst mit unS!" Chaval hatte kaum Zeit, in der Wärmestube zu nehmen und fein Trikotleib über die erstarrenden zu ziehen; sie�rissen und stießen ihn fort und äs A 'mtonsetw P«nn im tafc ßtrt i Men„al Monberhei &oit,t �otteSmun W ermöglil "fttfte jU "tirnon, al 2?'o* eck fer itamtf ges ...v-st, ?>>« n l a tAchtet ge � UtlOftrtf ihn," in ihrer Mitte zu marschiren. Katharina zog st' ihre Schuhe an, knöpfte die alte Männerweste, mit � sich, seit es kalt war, bekleidete, über die Brust" � ihrem Geliebten nach. Sie fürchtete, man werde �# bringen und wollte ihn nicht allem lassen. Jeanun, � Horn gefunden hatte, blies lärmend hinein. Die v,.. schürzten sich auf, um besser gehen zu könneif if4tn l«; itefot, bfl ingt nfltP' ötterunfl« ' So bf mdern J» nen eaenwärtq AuMM »sreicher» hören oo ind Star» e r l i ch ti Darnav ter dies« -l, in we» i bring» grauen a« t solle«il >t und av ! in eine» -Kl«" o wird n» sofort d- Ir an da t* Solj« gourgeoisir BewegM» doch ein« 'liklgruppr- 2 wur»« 65. tSSö- zzalb»er< so daß d« ent'chl-ad' a sich d«° anbereche»' Reich»«' zur krieg� e R-ate- »u d-r S� , di-S� lenum ittem m itioen n» RommifnJ habin, onallldera in Auin? Zienrng!» 1 der � n Wahl- ! Choral!� rnst lehr� Vorkon"! ikaie sert� Versa-Z imänn»>� Bau ei»« fem 3< rgebnrß � sprechend? las Ä«jg 'äbigeK Den. KX) M � Reutet'� -rafaeZ ihan flml? yo ein, r oßes Di»« lchfolgen'N' �«Hob, zeigte e« sich sofort, da& er schwer'verletz» sei. DaS '«dtt Zuge war geschlossen, Blut drang aus den Ohren her» «»r! man befürchtet, daß die Verletzungen getäbrtich find; der * Körper ift arg kontusionirt. Dr.� Parke, welcher die vtlMlry-Txptdition begleitete, wird bei Emin Pascha bleiben. «ne deutschen Aerzte sind sehr besorgt, Dr. Parke jedoch iß «hr hoffnungsvoll. Unter allen Umständen wird es un» r'nguch fem, Emin in den nächsten Tagen nach Sansibar zu Magen. . Gottvertraurn der Zivpe'sche» Kartelldrüde». Die �kvnservanve»Post- in Bei sin trvreibt, daß»der kleine ft J!>>» Fürftentdum L'ppe das Vertrauen zu Galt hat-, JJjwt v. Richthofen als Lartellkandrdat bei den Reichstag»» ?»dUn»alles daran setzen werde, um die Landesinteressen, Sonderheit die für das Lippe'iche Land so wichtigen Eisen- ?dnprojekte zu föidern.-— Es müßte schon ein besonderes �»ttesmunder dazu gehören, um es dem Herrn v. Richthofen si ermöglich� im Deutschen Reichstage Lippe'sche Elsenbahn. \W\tHt JU forberit. � 8m Kszialistengeset» auch in der Fassung der Äom« «Mtvon, also ohne AuSw«rsungSparagraph ist, wie die»Ger» "Jw* erklärt, nicht so gemildert, daß man eS dauernd be» ?mge» konnte.— Die»Germania- deSavouirt also diejenigen �tglieder der Zentrumsparlei, welche für dm KommisfiouS- �»urf gestimmt h.bm. Gest-rr-ich-Nugar«. . Pest, 2. Dezember. Es war qeiüchtweise von einem /.'en tat die Rede, daSZ gegen TiSza im März d. I. Achtet gewesen. Em anonymer Einsender erzählt im Organ -«ungarischen Aeußerkten Lmkm, dem»Budapesti Ujlag-, die wahrscheinlich klingende Geschichte dieses Altentats: !�kr Plan war plötzlich unter vier Persorm«ntstandm; «>u alz ihn Einer von uns unvrrmuthet aussprach, erwider- e» die anderen Drei, daß auch sie sich mit diesem Plane be» �lou-, der Eine erklärte sogar, daß morgen bereits aus dem ?soner Steinbruche das Dynamit anlange. Um die Wahr» z ,�u gestehen, hotten wir damals keine Gelegenheit, an die Uequenzen des Voihabens zu denken. »«. schlaflose Ppsei lhoten, Genug, es verflossen Nächte, bis wir das Dynamit in eine und wieder zwei Nächte, brS wir vor dem elduna 'ä, ■ nuthmoV? lebmch.A rklicher r cheren � über � . AlS »J�wentSgebäude, etwa einen Schuh vor dem Trottoir einen «uofterftein ausHoden, unter demselbm eine Höhlung grubm die Kapsel mit dem Dynamit hineinlegtm, dann zogm l«, �sschrn den Steinm emm dünnen Kupferdrabt bis hinter des Museumgartens. Wie sehr wir auf alles vor» w iren, geht aus dem Umstände vor, daß wir nicht nur Gillerthore des Museumgarlens, sondern auch zum Thore Museums selbst Nachschlüssel besaßen. Den Kupferdraht rWt wir bis an den abgelegenen Ort des Museumgartens und Winiben das andere Ende desselben bei dem an die Ester» IftSasse � grenzenden Gitter. Eine gut gefüllte eleksiiiche Alche wäre zur Herbeiführung einer Tynamitexplosion ge» ?!>«td gewesen. Da geschah eS, daß man eines Nachts in Wagen zu mir gefahren kam. Wer es war, brauche ich L?»»u betonen, aber die Worte dieses allgemein geachteten TMineS genügten, um mich darüber aufzuklären, daß � Schlechtes grtban hatten. Lassen wir das Dynamit den giften, unser Kampf ist ein offener und ehrlicher und wir 2" den auch so den S,eg erringen. Wenn man unter dem �hängeschild den ParlamentaiiSmu» unterdrücken will, so �den wir die Mittel finden, um uns zu helfen, ohne Ungarn ?. den Ruf zu dringen, daß es Nihilisten besitze. Das Dyna- ?'> habe ich noch in jener Nacht entfernt; dm Draht zog ich Kraus und veigrub beioeö an einem Orte, wo es niemandem �den kann. Zwei meiner Genossen reisten am nöchstm Tage pr» der Hauptstadt ab, w,r anderen zwei blieben hier. Das ist � Geschichte be» vereitelten Attentat«. Wenn irgend eine Behörde Ihnen meinen Brief absordern sollte, so mögen Sie X?, ausfolgen. Ich habe dafür gesorgt, daß ich nicht er» r�erde. Diejenigen, die von der Sache Kenntniß haben, « htu. Beweis dafür liefern, daß alles so geschah, wie ich " Geschrieben habe." Q Großbritannie«. Zn VN d on, 6. Dezember. Sechstausend Arbeiter der South» zv�°pol,tan-Gasgesellschaft haben für nächsten Mittwoch einm ,'"-nousstand angekündigt, falls die Verwallunz nicht rn» st>»?en ein mit nichtunionistischen Arbesiem getroffenes Ab» men rückgängig mache. «„ K-lgie«. 8e»n v"> k e l, 5. Dezember.( Deputirtenkammer.) Im Fort- die«"er Sitzung verlas der Juftizminister das Piotokoll über si��kNiehmung Pourbaix durch die Sicherhertsbehörde. Aus »«giedl sich, daß der Minister Devolder an der nächt- »ick, Unterredung von Pourbaix mit dem Minister Beernaert theilgenommen hat. Der Minister erklärte ferner, der der Sicherheitspolizei hälte das gerichtliche Vorgehen 0�� �efen entlang, V-n Kessel, aus d. „�'ch. Alkn»s in �ue, in der Hand eine Hacke, sie schwang, wie ein . dourmajor seinen Stock. Andere Kameraden kamen bald waren sie mehr als tausmd Köpfe; die Palli- �"zerbrechend, stürmten sie auf die Chaussee hinaus. l �ean-Bart war leer. Kein einziger Mann mehr auf slh Trupp dahin. t W. Ahm" der Fourche-aux-BoeufS an übernahm Stephan die r Zuges und organisirte den Marsch. Allen Ahe zv'pr.°ng Zeanlin, der auf seinem Horn eine entsetz- ) wachte. Dann kamen die Frauen, manche mit �eit g�.°ewaffnet, mit wild blitzenden Augen, sie schritten ? dsi».y A"�er ihren armseligen Kleidern gleich Soldaten, die ne9 ziehen. Man werde ja sehen, meinten sie, ob die falls sie ihnen begegneten, wagen würden, Hand SS Erwartung aus, daß der König, sobald er von den Verband- lungen der Kammer Kenntniß genommen habe, die Minister nicht auf ihren Posten belassen werde.— Aus der großen Menschenmenge, welche sich an den Eingängen zum Kammer- gebäude angefammett batte, ertönte zu wiederholten Malen der Ruf:»Demission!" Nach der Sitzung zogen mehrere Menschentrupps durch die Straßen, wurden aber von der Polizei zerstreut. Italie«. Rom, 5. Dezember. In der die Thronrede beantworten- den Abrisse der Kammer an den König heißt es, nichts habe der Kammer eine größere Befriedigung verursachen können, als die Ankündigung der Thronrede, daß der Friede Dank den Rathschläzen der Großmächte und Dank dem Werke de» Königs und seiner Alliirten mehr als jemals gesichert erscheine. Der Friede, auf welchen die Slaiken ein Anrecht hätten, bringe immer Früchte und werde Italien entschädigen für die weiteren Ausgaben für die Armee und die Marine, die der Schutz seiner Einigkeit und Unabhängigkeit seien. Nun wird diese Art von Friede den Völkern schließlich theurer und lästiger als der Krieg. VerfÄmmlungon. Im 17. Kommunal-Mahlbezirsi wird eine rege Agi- tation zu oer bevorstehenden Ssichwoht entfaltet. Am Montag Abend fand wiederum eine Versammlung in Krieger's Salon, Wasserthorstraße 68, statt, welche sehr gut besucht war. Zur Leitung derselben wurden die Herren K-Lcter, Kohlhardt und K. König berufen, das Referat hatte Herr Gründe! über- nommen. Der brieflich eingeladene liberale Kandidat, Herr Richter, hatte den besseren Theil der Tapferkeit gewählt: er war nicht erschienen. Der Referent beleuchtete in eingehender Weise die Mißstände in unserer Kommunal-Verwaltung und gedachte besonders der armen unglücklichen Opfer der Industrie, welche sich mit dem Leierkasten schleppen oder Streichhölzer verkaufend und bettelnd in den Straßen herumlaufen müssen, während vom Magistrat zu unproduktiven Zwecken Hundert» lausende verausgabt würden. Ferner streikte derselbe daS städtische SubmlssionSwesen und die SanitätSwachen, deren Mängel von ihm in kurzen Zügen dargelegt wurdm. Unter lebhaftem Beifall gab er schließlich seiner Utberzeugung dabin Ausdruck, daß auch der 17. Bezirk der Sozialdemokratie zufallen müsse. Von den anwesenden Gegnern meldete sich trotz wieder» Holter Aufforderung Niemand zum Wort. Herr Krause hob noch- mals hervor, daß es zweifelhaft erschien, ob der liberale Kandidat, welcher im Dienst der englischen GaS-Gesellschaft stehe, die Jnter- essen der Bürgerschaft unbeeinflußt vertreten könne, da dieBeleuch- tuvgsftage in der Stadtvertretung eine große Rolle spiele. Redner bat die Anwesenden, fleißig zu agitiren und machte darauf aufmerksam, daß noch Jeder Einsicht in die Wählerliste des Bezirks nehmen könne, welche bei Herrn Kracken, Wasser- tho.str. 20, bis zum Tage der Stichwahl ausliege. Herr Berg entwickelte in längeren Ausführungen die Gründe, durch welche sich die liberale Partei bewogen fühle, mit großer Zähigkeit ihren Einfluß in der Stadlverwaltung aufrecht zu«halten. Herr Börner konftatirte, daß die Liberalen nur 153 Stimmen mehr auf ihren Kandidaten vereinigt haben, als die sozialdemo- kratrsche Partei. Er hoffe auf den Sieg der Sozialdemokratie. Dieser müsse errungen werden ohne Kompromiß und unter ausdrücklicher Verzichtleistung auf die Hilfe der unterlegenen antlsemrtischen Partei. Im gleichen Sinne sprach sich Herr Kr use aus. Die letzte Kellneroersammlung, in welcher ein Herr Hertzberg den Vorsitz führte, gab den Stoff zu einer weiteren mlercssanten Debatte. Genannter Herr hat den Kellnern in der erwähnten Versammlung zugerufen: Mit wel» chem Teironsmus würde die Sozialdemokratie über andere Parteien herrschen, wenn sie an'S Ruder käme. Herr K.König bemerkie zu dieser Aeußernng, daß die sozialdemokratische Part« mit ihren Boykotts gegen die Wirthe und Brauereien nur einen Akt der Nolhwchr ausübe, um sich gegen den TerroriimuS der herrschenden Klassen zu schützen. Herr Hertzberg ist inzwischen in den Hasen einer Restauration eingelaufen, die sich in der Alexanderstraße, in der Nähe des»Englischen Garten" be» finde». Ein Antrag des Herrn A. König, das Lokal des Herrn Hertzderg wegen seiner Arbeiterfreundlichkeit nicht zu besuchen, wurde einstimmig angenommen. Nacydem noch die Herren Sündermann, M�etHe und Wendt gel prochen, wurde ferner einstimmig beschlossen, am Taae der Strchwahl mit aller Kraft für den sozialdemokratischen Kandidaten, Herrn Börner, ein- zutreten. Ebenso wurde einem Antrage zugestimmt, nach welchem die Versammlung sich mit dem Boykottverfahren ein- verstanden«klärt und sich verpflichtet, nur in solchen Lokalen zu verkehren, in denen das„Berliner Volksblatt" und die »Berliner Volks- Tribüne" ausliegen, der„Lokal-Anzeiger" be- seitigt ist und der Wirlh dem sozialdemokraiischen GastwirthS- verein angehört. Der Antragsteller, Herr C. König, halte dm Antrag vorher motivirt und die Händler, Kieinmeist«, Arbeiter und Gastwirthe aufgefordert, sich der Sozialdemokratie anzu- an sie zu legen! Dahinter kam der Troß der Männer. Eisen- stangen starrten aus ihrem wilden Haufen, und die Hacke Levaque's blitzte. Alle überragend in der Sonne. Im Mittel- punkt marschirte Stephan, Chaval nicht aus den Augen ver- lierend; während Maheu mit finstern Blicken Katharinen maß, die das einzige Mädchen unter all den Männer, ihrem Liebhaber folgte, damit ihm kein Leid geschehe. Viele gingen baarhaupt, und das Klappen ihrer Schuhe auf der Land- straße und dem hart gefrorenen Felde tönte ähnlich dem Gettampel einer Rinderheerde. Und plötzlich riß sich aus diesen tausend Kehlen ein gewalttger Schrei, weit dröhnend über die Felder: „Brot! Brot! Brot!" ES war Mittag: der sechs Wochen alte Hunger der Streikenden war durch den eilenden Schritt in ihren leeren Magen erweckt. Die wenigen Brotrinden, die sie noch am Morgen gehabt und die Kastanim Mouquette'S warm ver- daut; sie hungerten, ihr Hunger fachte heftiger ihre Wuth gegen die Verräther, und brausend durchfuhr eS die Luft: „Zu dm Gruben! Keine Arbett mehr! Brot! Brot! Brot!" Stephan, der fein Stück Brot dm Kindem gelassm, empfand ein unerträgliches Schmerzgefühl, als reiße sich etwas gewaltsam in ihm loS;«ne Schwäche überkam ihn, er meinte nicht weiter zu könnm. Er beklagte sich nicht, doch mechanisch führte er von Zeit zu Zeit seine Flasche zum Munde und trank. Seine Wangm röthetm sich,«n unheimliches Feuer leuchtete in seinen Augen; aber er nahm sich zusammm, eS galt, Herr seiner selbst bleibm, um die Andern zu verhindern, nutzlosen Schadm zu stiftm. Als der Zug sich dem Wege von Joifelle näherte, kam ihm ein Arbeiter der Grube Vandame entgegen, welcher sich aus Haß gegen Herrn Denmlin dm Leutm von Montfou anschloß, indem er schrie: „Nach Gaston-Marie! Die Pumpe« zetbrechm,» damit die Wasser Jean-Bart überschwemmm!" Schon bog der Haufe die Straße ab, um diesem Rufe zu folgm, trotzdem Stephan«mahnte, nicht unnöthig«- weise d« Grube noch mehr Schaden zuzufügm. (Fortsetzung folgt.) schließm, da sie nur von dieser Partei eine Besserung ihrer Lage erwartm können. Mit einem Apell, schon jetzt und auch am Tage der Wahl das Komitee zu unterstutzen und einem dreifachm Hoch auf die intemationale Sozialdemokratie wurde die vom besten Geiste beseelte Versammlung geschlossen. Ier Verein Kerliner Hansdiener hielt am Montag, dm 25. November, eine außerordmtlrche Generalversammlung ab. Der Vorfitzende machte bekannt, daß der Kollege ThomS gestorben ist und die Versammlung ehrte das Andenken des Kollegm durch Erhebm von den Plätzm. Hierauf wurde ein Brief von d« EmigungS-Kommission verlesen. Es kam zu emer lebhaften Debatte und Kollege Runge bat den Vorsitzmdm, doch Niemand m mehr das Wort zu ertheilen, bevor der Referent nicht gesprochen hätte. Nun erhielt Kollege Kuhntke als Referent der EinigungS-Kommisfion das Wort. Er legte in kurzen Wortm der Versammlung klar, welchen Nutzen die Kollegm von der Verschmelzung der bestehenden Vereinigungen hätten. Kollege Keßler bat der Versammlung doch wmlgstenS die Gründe anzugeben, warum keine Verschmelzung statt» finden soll. Kollege Wi«ner führte an, daß die freie Ver- einigung nicht in die Verschmelzung mit einbegriffen ist, denn dieselbe sei eine politische Vereinigung, und bemerkte ferner, daß die Fahne des VneinS ja bestehm bleibm könnte und nur die Aufschrift umgeändert werden brauchte. Kollege Grützner bemerkte vor seiner Rede, daß er Reaktionär und Antisemit sei und betonte, daß der HauSdimer wohl bei anderen Arbeitem erst in drittn Linie käme und wir uns wohl nicht mit den anderen Arbeitem solidarisch verpflichten könnm. Kollege Kuhntke führte an, daß die Kommission nach den Aus- fühmngm schon längst die Versammlung hätte vnlassm müssen, dmn dieselbe könnte sich doch mtt diesen Aussührungm nicht zufrieden geben. Kollege Kuhlee stellte den Antrag,«ne Kommission von 5 Migliedem zu wählen zur Abänderung de» § 20 des Statuts. Jnzwischm war folgende Resolution ein» gegangen: Die heutige Versammlung wolle ihre Erklärung dahin abgeben, daß wir der Verschmelzung beid« Vereine voll und ganz unsere Zustimmung ertheilm. Jedoch ist der Verem Berliner Hausdiener nicht in der Lage, sich auszulösm, da im § 20 des Statuts der Auflösung Schwieriakeitm entgegen- stehen. Da nun der Bund in sein« letztm Versammlung Be- schluß gefaßt hat, zu Gunstm ein« Verschmelzung sich auf» zulösen und ihm kein Paragraph seines Statuts im Wege steht, so kann ja derselbe, wmn er sich anfgclöst hat, inSgesammt mit allen Mitgliedem dem Verein Berliner HauSdim« beitreten.— Diese Re- solution wurde abgenommen. Hinauf erfolgte die Auf» nähme der 62 Kollegm, die sich hatten einschreibm lassm. Nach ein« Pause von 10 Minuten wurde zur Wahl des zweitm Vorsitzmdm geschritten und wurde Kollege Heidmreich als zweiter Vorsitzend« gewählt. Es wurde nun üb« die Lokal» frage zum Weihnachtsfest verhandelt. Der Vorfitzende legte zunächst der Versammlung klar, wie man in den Arbeiter« kreisen üb« Keller dmke. Kollege Paul führte an, daß er bei Kell« war, um mit demselben über das Lokal zum Weihnachts- fest zu verhandeln. Keller hätte ihn auf die Beschlüsse d« Arbeiter aufmerksam gemacht. Statt dem Vorstand hinüber zu unterrichten, miethete er das Lokal und legte nun die Frage vor, ob wir dmn die 100 M., die das Lokal kostm sollte, be- zahlen wollten, ohne das Fest abzuhalten. Kollege Kuhntke machte darauf aufmerksam, daß am 4. Januar der«ste MaSk nball stattfindet und das Weihnachtsfeft daher ruhig ausfallen könnte, auf keinm Fall aber bei Keller abgehalten wer- den dürfte. Schließlich müßten wir uns doch erklären, ob wir uns zur Arbeiterlchaft rechnen oder nicht, Kollege H«rmann stellte den Antrag, das Wechnachisfest nicht in den Kell«'schm Sälen abzuhalten und es überhaupt ausfallen zu lassm. Da« Festkomitee war ab« mit diesem Antrag so unzufrieden, daß sämmtliche Herren ihr Amt niederlegten. Nachdem noch ein Unterstützungsgesuch und der Fragekasten erledigt war, wurde die Versammlung geschlossm. Gin» gut besticht- N-rfammlnng d-» Verein» jttx Mahrnng der Interesse« der Klavterarbeiter und Be» rufsgmossen fand am Motag, den 2. d. M., in Deigmüll«'« Salon, Alte Jakobftr. 48-, mit folgmd« Tagesordnung statt: 1. Vortrag des H«rn Geiifch über Soldaten Handel im vorigm Jahrhundert in Mitteleuropa. 2. Weikftatt-Angelegenheiten. 3. VereinSangelegmheit und Verschiedene». D« Vortragende erledigte sich sein« Aufgabe unter allgemeinem Beifall. Zu Punkt 2 wurden die Zustände in der Wnkstatt des früherm Kollegm Brecht einer eingehenden Krittf unterworfen und kon- statirt, daß die Arbeitszeit daselbst in ein« unverantwortlichen Weise ausgedehnt wird. Bei V«einSangelegenheit wurde zwei Kollegen der Rechtsschutz bewilligt. Sodann wurde beschlossm, am 28. Dezember(4. Weihnachtsfeiertag) ein Vergnügen, be» stehend aus Vorträgen, Konzert und Ball, in Hey brich's Fest» jälen, Beuthstr. 20, obzuhalien. Dann theilt der Vorfitzende mit, daß der demnächstrge Maskenball am 15. Februar 18S0 auf der Brckbraueeei abgehalten wird. Dann wurden für die streikmden Hutmacher in Luckenwalde aus d« Vereinskasse 100 M. bewilligt. Die Feilenhauer Kerlins hielten am 2. d. MtS. im Wedding- Part, Müllerstr. 178, eine öffentliche Versammlung mit folgmd« Tagesordnung ab: 1. D« Achtstunden- Tag. 2. Diskussion. 3. Gründung eines Unt«stützung«fonds uns Verschiedene«.— Nach Wahl des Bureau« hielt der Ref«mt H«r Karl Becker einen sehr lehrreichm Vortrag üb« die Be» dnitung der Achtstunden- Arbeitszeit. Sämmtliche Kollegm, welche sich an der Diskussion betheiligtm, sprachen sich im Sinne des Referentm aus. Es wurde folgmde Resolution ange- nommen:»Die heute im Wedding.Park stattfindende V«. sammlung d« Feilenhau« B«linS erklärt sich mit dm Aus» führungen de» Referenten voll und ganz einverstanden und sucht die Verkürzung der Arbeitszeit anzustrebm und die Be- schlüsse der Deputtrten des Pariser internationalen Kongresse« zu respektiren, dm 1. Mai 1830 als einm allgemeinm Fei«tag anzusehen und zu Gunstm des Achtstunden- Taae« sämmtliche Arbeit ruhen zu lassen. Zum 3. Punkt d« Tagesordnung, Gründung eine« Unterstützungsfonds, wurde beschlossen, du 1. Woche 50 Pf., die 2. Woche 30 Pf., die 3. Woche 20 Pf. zu zahlen, welche Beittäge durch SektionSkasfirer, durch Kartm und Marken eingesammelt werden sollen. Hinzu wurden drei Mann gewählt, und zwar aus Nord, Oft und West.— Unt« »Verfchiedmes" wurde den ftrnkendm Tabakarbeitnn 40 M., sowie den gemaßregelten Klempnem und Melalldrückem in Thale 30 M. als Unterstützung bewilligt. Hierauf schloß die Versammlung. K«ck»«MaIde, 5. Dezemb«. Der«ste Hieb gegen dm hiefigm Generalstreik d« Hutarbeit« und Arbeiterinnen ist gestern gefallen. Nahe an 350 Strafmandate in Höhe von 10 M. sind hmte an die Streikmdm«lassen wordm, die Pfändung ist sofort auf dem Fuße gefolgt, sowie die weit«e Drohung, daß, wenn die Ard«t von dm Belreffmden bi« Freilag morgm 8 Uhr nicht aufgenommm ist, eine Strafe von 20 M. vollstreckt werden wird. Gegen diese Maßnahme de« Bürgermeisters ist beim Amtsgericht Berufung ewaelegt worden. Eine Deputation d« Streikmdm ist zum Regie« rungspräfidentm nach Potsdam gefahrm, ab« von demselben auf dm Rechtsweg verwiesm wordm. Von dem Streik- komitee ist alle« aufgeboten wordm, die etwaigm Wankel- müthigm zu festigen; es sind bis jetzt nahe an 1200 M. an Strafe gezahlt worden; wir hoffen Morgen von dem Amts- gericht«ne diesbezügliche Verfügung zu«rhaltm, daß die Pollz«v«waltung Einhalt mit den Slrafmandalm thut. Die hiesigen HauSwirthe und Schlaftstellenvermieth« habm zu Sonnabend«ne Versammlung einberufm und soll zu Gunstm der Streikmden eine Resolution angmommm w«dm. Alle Sendungen sind an W. TiniuS(Bautz, Schwarz« Adln) zu senden. Theater. Sonnabend, den 7. Dezember. •luntlpni«. Aennchen von Tharau. Mcho/ptslh««». Die zärtlichen Verwandten� »«chsch»» Theater. Der letzte Brief. t,fft»«-Tl>eai«r. Die Ehre. Oeriwer Theater. Könr» Lear. Ertei-rich. WUHetvrkädtische» Theater. Prinzessin Pirouette. estdeak-Theoter. Schwiegermama. «Naer-Theater. Nervös.— Vorher: Der Scheidungsgrund. Jthtorw-Theater. Stanley in Akrila. ftea»- Theater. Die Geyer-Wally. Metlealltaar«> Theater. Vor Sonnen. aufgang. MSalgftSdtisthe» Theater. Madame Poti. phar. Zemrat-Theater. Historischer Pofsenabend. »»alph Grast-Theater. Flotte Werder. Gedr. Utchter'» Uarittck. Sp�ialitäten- Vorstellung. Reichehall««- Theater,«r. Spezialitäten. Borstellung. Kmrfman«'» Mariät«. Gr. Spezialitäten- Vorstellung._ IMS »an«Theater* tbeesdeaerftr 55. Täglich Vorstellung. Cirous Renz. Aarlstraße. Heute, Sonnabend, 7. Dezbr., Abends 7 Uhr; Graste Gala-Uorstellung mit einem speziell auSerwäblten Programm unter Mitwirkung der vorzügl. Reitkünstlerinnen und Reitkünstler. Z. 1. Mal:(ganz neu arrangirt) auf vielseitiges Verlangen: Die lustige« Heidelberger, oder: Ein Studentenausflug mit Hindernissen. Große Oriqmal-Pantomrme. Z. 2. Male: The Gold bird, engl. Vollblut, in allen Gangarten der hohen Schule, geritten v. Frl. Clotilde Hager. Großes Hurdle-Rennen über verschiedene Hin- dernrsse, ger. v. Damen und Herren mit 24 Voll- Klüt- Springpferden. Z. 1. Male: Prinz Car- neval und sein Gefolge. Große equestrische komische Vorführung v. 12 arab. Pferden von Herrn Franz Renz. Morgen, Sonntag, 2 große Vorstellunam, 4 Uhr Nachm. 1 Kind frei, auf vielseitiges Ver« langen: Aschenbrödel. Abends 7ff Uhr: Die lustigen Heidelberger. Montag: Aschenbrödel. E. Renz, Direktor. Ciraus Busoii* Krt»tz»tch-«»»I-Me,. Heute, Sonnabend, den 7. Dezember, Abends 7t Uhr: Graste Gala-Vorstellung. Nooität. Z. 1. M.: kl«e HllberillSjagll im taenmiii. Großes Jagdbrld mit Ballet in 2 Akten arrang. und in Scene gesetzt vom Director. I.Akt: RendenzvouS beim ForsthauS. 2. Akt: Die Jagd. L Aufbruch zur Jagd. 2. Ver- folgung des UeberläuferS, Hirsch durch die Meute 3. Parforce-Ritt über die größten Hind�aisie. 4. Stellen des Schwarzrockes durch tr.e Meute, Abfangen desselben— Hallali. ferner Auftr. der vorzüglichsten Künstler Künstlerinnen. Sonntag 2 Vorstellungen 4 und 7t Uhr. 4 Uhr: 1 Kind auf Verlangen„Fatme", die Rose Tripoli. Unwiderruflich letzter Monat. Freie Kereinigung der Zimmerer Kerlins. Uersammlunfl Pasta, e 1 lt. 9 M.- 10 Uhr A. Kai.ep-Panopama. 3. Reise am«chöne« Rhein. III. CyctuS. Reife Zitheu— Tanftautw-vel. Eine S Reifen 1 M. I. Abthe.tung: Pattfet WeUauaftellmeg. Reife 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn. 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Piännirt auf v'elen Ausstellungen. mar Gegründet in«.-M« am Montag, 9. Dezbr., Abds. pünktl.8Uhr, in pakl'a 8a>aa, Müllerstr. 7. Tagesordnung: 1. Das Koalitionsgesetz und die Arbeiter. Referent Rechtsanwalt Arthur Stadlhagen. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht[111 Der Vorstand. Verein der Einsetzer (Tischler). Veraamvnliing am Sonntag, den 3. Dezbr., Vorm. 10li Uhr, Neue Friedrichstraße 44. Tagesordnung: 1. Innere Vereinsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. hb. Das 6* Stiftungsfest findet Sonnabend, den 14. Dezember, in den Zentpal-Featsälan, Oranienstr. 180, statt.— Brllet S sind bei allen Vorstands- Mitgliedern, sowie in der Versammlung zu haben. ES wird um recht gute Belheiligung gebeten. Achtung l Dos vergnügen, Sonnabend, de« 7. d. SR., bei Keller, Andrea» str. 31, ist nicht vom Verern arrangrrt, sondern von Personen. Die Mitglieder Haben beschlossen, ihre Ver- gnügen nur in solchen Lokole« abzuhalte«, die den Arbeitern t« allgemeinen zugänglich stob. 103 D e r V o r st a n o. Große öffentliche Versammlung sammUicher Möbelpotirer[104 am Montag, den 9. Dezbr., Ado«. Punkt 8 lltir, in den vürgersäle«, Dresdenerstr. 96. T.-O.: 1. Ist es möglich, bei Einführung der ststündigen Arbeitszeit d>e Akkordarbeit zu beseitigen? Ref.: Hr. Robert Weber. Korref.: Hr. Gust. Reuter. 2. Diskussion. 3. Wie stellen sich die Möbel- polirer zum Streik der Bildhauer? 4. Verschie- deneS.(Siehe am Sonntag Säulenanschlag.) Alle Kollegen sind gebeten, zahlr. zu erscheinen. 'Wlmzelits-lileue: Herren, Damen and Kindel Normal Ünterlleider nmlTricotapl StröraptB, Sockeit, Handschbe Schlaf- u. Reisedeckci.■ Jede Uhr zu repariren(außer Ornch) kostet bei mir t,S0 Mark unter Garantie des Gut- und Richtiggehens. Kl. Reparaturen entsprechend billiger. Patent- o»er Flachglas Z» Pf. Schlüssel IV Pf Seiger 25 Pf.«. w. 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Bezirk: bei Ammer, Destillation, Heim- und Bergmannftrahen-Ecke. Für den 17. Beznk: bei Lindemann, Restauration, Moritzstrahe 9. Für den 27. Bezirk: bei Behlendorf, Restauration, Straußdergerftrabe 3(5. m. Für den 35. Bezirk: bei Pätzold, Restauration, . Granseerstratze 1. �»dew beim Zentral- Wahlkomitee, welches fernen S,tz am der Wahl von Morgen« 8 Uhr an bei Julius Henke, �auration, Blümenflrafee 38, hat. vD« B kanntmochung der Gesommt-Resultate findet am "««ch, den 11. Dezember, Abends 8t Uhr. statt und zwar: Für den Norden: in Lehmann's Salon, Schwedter- strahe 24. Für den Süden: in der Unionsbrauerei, Hasen- Haid« 3-5. m Für den Osten: im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 5—7. Das Zentral-Wablkomrtee. Ilbuwt. e. °g die«- «. >. i Tbot' n pArletmenlsberichke. Ifgnifigftt Meieirsta». 31. Sitzuag vom« Dezember. s, A« Tische des BundeSrath«: von Bötticher, von �«Itzahn, von Dechend u. A. i der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratbung *th»t: Äovrlle zum Bankgesetz, welche folgenden Wort- räu»� dKwdZ teiipr�? .n S»7 >man»? luetS� geoff� IS. Artikel 1. Li V1§ 24 deS Bankgeletzr» vom 14. März 1875 wird durch �Sn>dr Bestimmung ersetzt: l dem denn Jahresabschlüsse fich ergebenden Reingewinn � Rnchbank wird: t as..v v i- zunächst den Aniheilseignern eine ordentliche Dividende pCt. des Grundkapitals be.echnet, sodann � � von dem Mehrbeträge eine Ouote von 20 pCt. dem ��vefond« zugeschrieben, so lange detselbe nicht e»n Viertel Grundkapitals deliägt, tz./> der alsdann verbleibende Ucbenest zur Hälfte an die . t?e»Ie«j)n?r und zur Hälfte an die R-ichSkasse gezahlt, so- iUa Gelammtdioidende der Antheilteipner nickt S pCt. i'gt. Von dem weiter verbleibenden Reste erhalten die —-n!«e,aner ein Viertel, die Retchskasse drei Viertel. ln>i ,�icht der Reingewinn nicht volle 3t pCt. des Grund- -�1«, so ist daS Fehlende aus dem Reservefonds zu er- r��as bei Begebung von Antheilslcheinen der Reichsbank aewinnevde Aufgeld flirht dem Reservefonds zu. Dividenden rückftände verjähren binnen vier Jahren, von ihrer Fälligkeit an gerechnet, zum Vortheil der f �, Artikel 2. DcseS Gesetz tritt am 1. Januar 1891 in Kraft. Hierzu beantragt Ada. Graf Mirbach snnierstützt von » M'edein der deutschkonfervativen und der Re»chSpartei)>m '1 Nr. 3 statt»sechs" zu fetzen:»fünf". H» �utzerdem liegen folgende m zweiter Lesung bereits be- aber nock nicht abgestimmte Resolutionen vor: H Vom Grafen Udo Stolberg und Gerossen: , t Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: Aniheiltschewe der Reichsbank zum 1. Januar 1891 Obigen: Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch � die Reichsdank, unter Beibehaltung ihrer fonstigm �iganifation und unter Ausrechlerhaltung der übrigen in Deutschland bestebenden Notenbanken, in den Befitz .de« Reiche« Lbergeführt wird:.. > die Ausschüsse der Anih-ilSeigner durch einen «u« Vertretern von Handel, Industrie und Landwrrth- fckaf« gebiloeten Beiiath ersetzt werden. cv 2» Vom Abg. Mooren: >d, Erwägung, dah die Reichtbonk die Aufgabe hat, da, i»r � d« Verkehr erfordert, Zweiganftalten»u errichten, wolle vh��chstag erklären, daß e« mckt fr inen Abfichten entspricht, >>/ R-ichsbank fich für die Erfüllung dieser Aufgabe von it>5»de«i,ft>en Gemeinden Steuerbefreiungen oder andere �.bewilligen läßt. ii« der Generaldiskussion bemerkt zunächst � �»l«mm idk.): Es«st die Zusicherung erthnlt w»den, W�ch vec kleine Mann Kredit seitens der R.ichsdank erhalte, '«d i* nur den gestellten Bedingungen nachkäme, und es ist ,'nie o?1® in diesem Sinne verfahren worden. Allein der �i»>!n?!nnn aus dem platten Lande, in Dorfem und Klen.�. Städten kann fich nicht immer®n die entfernt 'n Rcichsbankstellen wenden. Die Reichsbank ist ?®hr«»u, Kommerzbank zum Zweck, Geld zu machen. eine Kommerzbank nur Geld verdienen will,'st dies Reicksbank nur'Mittel zu ihren höheren Zwecken. v1«üi» dL*®® wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken, >s'' Aezug auf den höheren Zweck muß auck die Ruckficht , A>,' � alfo die Rückficht auf daS R-ick.(Beifall rechts.) i�ten ä»"' Äuene(Z.): Die fachliche Diskussion ist in der » ��attzung ziemlich erschöpft(sehr wahr!), ich erkläre Sll),!. M'r, daß ich für meine Person für den Antrag st mm:u werde, da ich sachlich auch h.ute noch aus dem Boden de« Antrage» steh«. Ich selbst habe den Antrag nicht wieder eingebracht,«eil ich einen in der zweiten Lesung in namentlicher Abstimmung abgelehnten Antrag, der kein prin- zipieller, sonder» nur em ZweckmäßigkeitSantrag ist, für meine Person in d-r dritten Lesung nicht wiederholen wollte. Die Resolution der Abgg. Graf Udo Stolberg u. Gen. wird zurückgezogen. Abg. Graf Mirbach(dk): Ich spreche im Sinne einer stattlicken Mehrheit meiner Freundr, aber nicht im Sinne der Gesammthrit derselben. Der Abg. Gamp meinte, gegenüber dem Antrage Stolberg, daß die Sonne des Reichs« gedankeus verdunkelt würde durch partikulaiiftische Wolken, da der Antragsteller die Banken der Einzelstaaten aufrecht erhalten wolle. Wäre der Anttaa Stolberg Gesetz geworden, so würde fich Herr Gamp wohl überzeugt haben, daß diese Befürchtung nicht zutrifft. Die Einzelstaaten haben den lebhasten Wunsch, daß ihre Notenbanken erhalte« wrrden, und es ist der Ausdruck einer weiien Politik, sie nicht zu vergewaltigen. Die konservative Partei würde am wenigsten dieser Vergewaltigung zustimmen. Der Abg. Bamberger hat in seinem Buch von 1874 mit großer Entschieder-heit hervorgehoben, daß eine Be- theilraung des StaatSkapital« ihm nur Bedenken errege aus polittfchen Rücksichten. Rehmen Sie nun an, daß der Reichskanzler, der ja die Direktion über die Reichsbank hat, es für zweckmäßig hielte, nach irgend einer Richtung seine Machtfülle auch durch die Reichsbank auszudehnen— ich spreche nur hypothetisch—, so würde er gewiß alle Hindernisse überwink'««, die ihm sachlich oder persönlich ent- gegenstehen. Herr Bamberg« wird mir ferner zugeben, daß der Reichstag auch heute Alles diskutiren kann, was die Reichsbank betriff!, die Ueberfchüsse der Reichsbank im Etat geben uns da« Reckt dazu. Ich glaube, daß die Aufgabe der Reicksdank im Laufe der Diskulfion etwa« verdunkelt worden ist. Die Austechtnhaltung der Wäh ung ist gewiß die Haupt- fache. Dir Regulirung des Geldumlaufs kann nur geschehen durch Annahme von Depositen. Ohne große Kredite keine Depofitenannahme. Die Äustechterhaltung der Währung ist also gewiß sehr wichtig, nicht minder aber die Kreditgewährung. Dem Herrn ReichSvankprästdenten bin ich dankbar für«wen Beweis de« Wohlwollens, der mir bisher unbekannt war. Ich beziehe mich auf die Ausführungen de« Abg. Gamp, betreffend den fooenannten Rothstand in der Provinz Ostpreußen im Jahr« 1867. Ich war damals noch sehr jung und ein ent- schieden« Gegner d« Pioktamalion de« Nothstande«, und bin es noch h-ute. Ich halte es für absurd, einer großen Provinz bei Uebeischwemmungen u. dergl. durch LiebeSpaden zu helfen. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, und außerdem wird viel Unfug damit gelrieben.(Zuruf linke.) Ich freue mich, daß der Abg. Meyer mir darin zustimmt. Richtiger ist es, wenn d« Sraat den Kommunen Erleichterungen gewährt in Bezug auf den Straßenbau, durch ein wenig« rigorose« Vor- gehen in Bezug auf da« Terrain bei Eisenbahnhauten. Die infolge dessen frei werdenden Mittel können dann� die Kom- manen aufwenden zur Erhaltung der wirthschaftlich Schwächeren. Heute ist die Rottzlage viel scharf«. D« Staat kann ja nichts dafür, daß die Dmre einen absoluten Mißwacks hervorgerufen hat, ab« ich möchte den Herrn Reicksdankpräfidcnten bitten, fern damals beihatigte« Wohlwollen im Sinne d« wirthschaft. tick Sckwöch-ren im Osten auch jetzt nicht zu vergessen. Die Rechnung, welche ich bei d« zweiten Lesung aufgestellt habe, halte ich heute noch austeckt. D« Antrag Huene würde ein Mehr von 586600 M. jährlich gegenüber d« Regierung«. vorlag« einbiingen. Gegenüber der Verstaatlichung ist dies ja mmimal. Hätten uns dazu die Herren von der Linken ge- halfen und ea ihren Sparsamkeitssinn gegenüber den Steuer« zahlern an den Tag gelegt, dann hätten wir die ganze Kolonial- Politik gratis und franko. D« Abg. Bamberg« sagte neulich, großartig zu fem auf Kosten der Steuerzahler, ist keine Kunst, und wir vertreten hier die Jn>«essen d« kleinen Leute, die üb« die Steu«lost ganz desond«« zu klagen haben. Run, die RKod»». hie salu! rufe ich der Regierunpsbank zu. Bestätigen Sie hier Ihre Sparsamkeit. Hier steht auf d« einen Seite überwiegend das Großkapital, auf der anderen größere Reichsintraden, die auch dem kleinen Steuerzahler zu Gute kommen.'(Lebhafter Beifall rechts.) Präfident de» Reichsbankdirektoriums von Dechend: Meine Herren, ich habe nicht geglaubt, daß bei d« dritten Lesung die früb«,n Anträge wieder aufgenommen w«den würden, ab« ich kann nicht umhin, doch auf da», wa« d« Herr Vorredn« soeben vorgebracht hat, mit einigen Worten zu antworten. Ich will darüb« hinweggehen, wa« er am Anfang gesagt hat: Berlin— auch die Reichsbank, muß ich annehmen — stehe unter dem Stern d« Bierpaläste od«, wie an einem anderen Ort heißt: da» Großkapital wolle die Macht, welche der Zent, alaue sckuß bish« ausgeübt Hobe, nicht aus der Hand geben. Ja, meine Herren, mit Bezug auf da« erste kann ich von mir ganz pofitiv behaupten: ich stehe unter dem Stern der Bierpaläste nicht(Heiterkeit), und als Beweis dafür will ich an- S ihren, was meine fLwmilicken Bekannten bestätigen werden, aß ich fett fünf Iahren kein Glas Bier getrunken habe(Hei!«» (dt); der Stern leuchtet für mich also nickt. Ebensowenig ab« kann ich zugeben, daß ich unter der Gewalt d« Mit- glied« de« ZmttalauSschusseS stünde. Ich habe Ihnen das wiederholt auseinandergesetzt: das Großkapital und die Bank« ontdeüseign« haben eme entscheidende Stimme nicht, und ich wüßte keinen Fall— und erwart« den Gegenbeweis—, in welchem da« Großkepital od« die Mitglieder des Zentralaus- fchuflet einen entfckeidenden Einfluß auf die Entschlüsse d« Bank, cuf meine Entschlüsse insbesondere, gehabt haben. Meine Herren, dann kommt eine Bemerkung de« Herrn Vorredn««. die mir außerordentlich wohl gefallen hat. Er sagte,« könne doch nicht annehmen, daß ich den Handelsftand gerühmt habe, ge- in Opposition zu der rechten Seite de« Hauses. «ren, e« ist mir nickt m tat, meine Herren, anzuunehmrn, daß hier Gefinnung gegen das Bankierstand vorhanden Sie nicht die große den Sinn gekommen, im Reickstag, eme feindliche Großkapital od« gegen den ist. Meine Herren, veraessen Zahl__ der jetzigen Bank- «.Jahrg. auih-ilseign«, nämlich fich« die Hälfte, und' zwar Haupt fächiick in den klemen Kreisen, hat die Bankantheile erworben zu 130 pCt. Run habe ich schon dama S, als e« fich darum handelte, die Höhe de« Agio festzustellen, ausgefübrt, daß ein Agio von 30 pSt. fich nicht rechtfertigen ließe. Man hat es trotzdem ab« so hoch festgestellt. Ich frage Sie nun, meme Herren, wa« würden Sie dazu sagen, wenn irgend ein Unter- nehmen begründet würde— es handelt fich hier in d« Haupt- fache auch um ein kaufmännische« Unternehmen— und in dem Prospekte stände: wir nehmen 30 pCt. Agio, weil wir voraus- setzen, daß nicht nur die ordentlichen üblichen Zinsen des Kapitols gewährt w«den, sondern auch soviel, um da« Agio in den IS Jahren— wollen wir einmal sagen, wie hier— vollständig zu decken, und nackh« hätte sich nun herausgestellt, daß da» nicht d« Fall ist, daß d« ZinS lange nicht dazu aukrncht, um die geford«trn 30 pC'. zu decken. Was würden Sie dazu sagen? Ich mächte weit« gehen und fragen: was würde d« Handelsrichter dazu sagen? Ich bin zweifel- Haft, od« ich kann sagen, eigentlich nicht zweifelhaft, daß er ein solche« V«fahren nicht für rickttg hielte. Man hat 30 pCt. Agio»erlangt.(Zuruf.) Die Hälfte diele« Gewinn« ist in den Reservefonds geflossen, woran das Reich auch noch zur Hälfte Theil genommen hat. Nun kommt die zwei!« Hälfte, und da lugt die Sacke so: in dcm Reservefonds liegt nicht 30 pCt., sondern nur 11; wo bleiben die übrigen 19? Ich kann mir ein Kalkül nicht machen. Ich bleibe dabei: es ist unbillig, wenn man den BankantheilSeignern 30 pCt. abge- nommen hat und ihnen nur 11 pCt. giedt. Nun sagen Sie, man hätte aus dem höh«en Gewinn nach und nach das Agio decken sollen. Run, meine Herren, daß das nicht möglich war bei den biLh«igen Dividenden, das ist uns Sachs« ständigen klar; denn Sie dürfen nicht zu Grunde legen den jetzigen Zinssatz, sondern wir müssen den Zustand bei Auigabe o« Bankanthnle zu Grunde legen. Damals war der Zinsfuß mindesten« 4 pCt., für Banksacken und für ähnlicke Anlage« viel höh«. Nun frage ich: jetzt haben wir 11 pCt. Reserve- fand«— womit soll nun der Ueb«rst de« Agios ge- deckt werden? Wenn Sie die Dividende jetzt auf 4X pCt., wie es dn Herr Graf von Mirback will, od« auf mehr festsetzen— nach zehn Jahren ist diele« Manko ebenso wenigl gedeckt, wie jetzt. Nach mein« Meinung ,st da« im höchsten Grade unbillig, und ich spreche es offen und ehrlich aus: es kann Ihnen damit nicht gedient sein, daß ich bloS das sage, was Sie wünschen sondern, daß ich sage, wa« meine Meinung ist. In Lande giebt man auch auf meine Meinung etwas, und ich bin überzeugt, daß man mir zust mmen wird und nicht Ihnen, wenn Sie infolge der�rtzigen Antiäge da« erreichen sollten, wa« ich übrigens nicht furchte, daß der Ge- winnanlheil d« Anlheilseign« nock weiter heruntergesetzt wird, als die Regierungsvorloge wünscht. Ich kann Ihnen nur dringend empfehlen, dem Antrage nicht zuzustimmen. (Biavo! links.) Abg. v. Strombeck(Zentrum): Dem Wunsche de« Grasen v. Mirbach, es möge irgendwie gelingen, die Reichsbank den Interessen b« Landwirthschaft förderlicher zu machen, schließe ick mich aus ganzem Herzen an. Was ab« feinen Antrag be- triff!, so wird die finanzielle Tragweite desselben nickt un«- heblich überschätzt. Es handelt fich bei dem Antrage Mirbach lediglich um 1 pEt. des Kopital« der AntheilSeigner. Das Kapital d« Re>ck«bank beträgt im Ganzen 120 Millionen, 1 pCt. macht 1200 000 M. Davon bekommt nach d« unan- gefochtenen Bestimmung der Regierungsvorlage das Reich so wie so schon die Hälfte. Räch dem Antrag Mirbach soll da« Reich statt dessen drei Viertel, also 900 000 M. bekommen. Das eigentliche Interesse des Reicks aus dem Antrage Mirbach beziffert fich also genau auf 300 000 M. jährlich, keinen Pfennig mehr. Dadurch wird ab« dem Steuerzahler nicht ein Pfennig erspart. D« Antrag Mirbach ist gewiß juristisch korrekt. Das Reich ist berechtigt, die Bankantheilsscheine zu kündigen und, wenn da« Privilegium der Bank verlängert wird, den An- theilseignnn and«e Bedingungen vorzuschlagen. Ich be- zweifele aber, ob 1875 daS Kündigungsrecht zu dem Zweck in da« Bankgesctz eingefügt worden ist, um damit dem Reich die Handhabe zu geben, bei der«sten Gelegenheit die Rentabilität d« Bankantheilsscheine herabzudrücken. Jeden- falls haben die juristisch nicht gebildeten Anlheilseign« diese Meinung nickt gehobt. Bedenken Sie doch daß die Reichsbank gegenwärtig 2 Milliarden Depofiten hat. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß ein«heblich« Verlust an diesen de- ponirtm Effekten eintreten wird, unmöglich ist es aber leider nicht. Wir haben die traurige Zeit«lebt, wo hi« das Zeugbaus gestürmt wurde, man könnte auch die Reichsbank stürmen. Zu Gunsten de« Antrage« Mirbach ist gesagt worden, daß nach den Motiven der Regierungsvorlage die Veitheilung des Ge- Winnes der Reichsbank in den letzten 13 Jahren eine sehr un- gleichmäßige insofern gewesen ist, als den BankantheilSeignern ca. 75 Millionen und dem Reick nur ca. 25 Millionen zuge- flössen find. In diesen 95 Millionen stecken ab« auch die 4* pCt. Zinsen, welcke den Reichsdonkanlheilseignern nach dem Vankaesetz in«st« Linie zugewiesen find. Diese 4t pCt. auf 13 Jahre machen 70 Millionen. Zieht man diese von 95 Millionen ab, so bleiben nnr 25 Millonen für die Antheill- eigner übrig. Ich bin ab« hauptsächlich deshalb gegen den Antrag Mirbach, weil ihm stillschweigend und implizite der Gedanke zu Grunde liegt, die große Macht deS Reichs gegenüber dem Privat- eigenthum zu benutzen, um den Gewinn d« Antheilseigen« auf ein Minimum herabzudrücken, das ist mir unsympathisch. Ich habe einen großen Respekt vor jedem Privateigenthum und wünsche nicht, daß die Macht de« Staate» dagegen heran« gezogen wird. Schutz?des Grundeigenthum«, aber auck de« Kapital«! Eine Entschädigung de« Reick« für da« Noten- Privilegium innerhalb mäßiger Grenzen läßt fich wohl v«. theidigen, man muß aber barm nicht zu weit gehen, sonst kommt man zu der logischen Konsequenz, auch von dem Gnst- wirth einen Gewinnantheil zu verlangen, dem die staatliche Konzession«theilt ist. Ich bin auch deshalb gegen den Antrag Mirbach, weil der frühere Antrag Huene in d« Presse zu meinem Bedauern dazu benutzt worden ist, den Gegensatz zwischen mobilem und immobilem Kapital zu verschärfen. Nach- dem wir die Zerklüftung de« Volk« beim Kulturkampf, beim Sozialistengesetz zwischen Arbeitgeber und Arbeiter gehabt, wollen wir nicht nock eine neue Zerklüftung zwischen den einzelnen Klassen d« Befitzenden hervorrufen.(Beifall.) Abg. Meyer(Halle): Ich glaube, diese verlängert« Generaldiskussion in d« dritten Lesung hat mittelbar einen recht großen Nutzen; mährend wir hier Sachen sprechen, die allen- falls auch ungesprochen hätten bleiben können, wird da« Hau« nnm« voll«, und wenn wir sie noch ein Stündchen fortsetzen, dann wird vielleicht eine Klippe vermieden, an der wir andern- falls scheitern könnten. Dennoch wollte ick mich an dies« Diskussion urspiünglich nickt betheiligen, erst die freundlich aufmunternden Motte de« Grafen Mirbach haben mich auf die Tribüne gebracht. E« thut einem schückternen Manne imm« wohl, von zuständiger Srte in dieser Weise aufgemuntert zu werden.(Große Hett«keit.) H«»lich dankbar bin ick dem G-afen Mirbach für dm Theil seiner Rede, in dem« fich gegen da« System wandte, bei jeder Gelegenheit Nothstande zu prokla- miren. Ich glaube allerding«, wir find in dieser Beziehung seit Jahren in eine recht bedenkliche Lage hineingekommen. Wir sehen die Sache gar nicht so an, daß wir dm Antheilseignern irgendwie ein großes od« kleine« Ge- kchmk machm. Das Verhältniß zwischen ihnm und dem Reich beruht na» unserer Auffassung auf dem gesunden Grundsatz von Leistung und Gegenleistung. Ab« «in Gesichtspunkt kommt noch hinzu. Es ist nöthig, daß die Reichsbank ein besondere», ungeschmälertes Ansehen im In- Irnide und Auslände habe. Von diesem Ansehm hängt in der That der nationale Wohlstand ab. Um das Ansehen ihr« Staatsbanken zu erhöben, lassen es andere Staaten fich in der That etwas kosten. Sie fconrnn ihren Bank-Ak.ionärm hohe UaS®"' Dividenden, weil diese einen plänzenden R.flcx auf den Zu- stand der RnchS�ank und damit auf ihr Anlehen werfen. (Lachen nchi«.) Ich wnß nicht, warum das Ihre Heiterkeit erregt. Wenn man im Auslände hört, daß man bei un« darauf auSg-bt, die Timdende, auf die ein Rechsbank- Aktionär im Maximum zu rechnen hat, möglichst auf 5 pCt. i.u rednziren, dann wird man sich in den Wörterbüchern um- chen, wie das iungste Wort unserer deutschen parlamentarischen Sprache, das Wort„ruppig*, finngemaß ins Englische und Frarzöfische zu übersetzen wäre.(Große Heiterkeit.) Die Generaldiskusston wird geschlossen. Bei der Spezialbiskussson zu Art. I bemerkt Abg. Gras Udo o. Stolderg: Herr v. Bötticher hat erklärt, die verbünvcten Regierungen stünden einer Verstaat- lichung der Bank prinzipiell nicht feindlich gegenüber. Er hat sich dadurch in einen ssir mich erfreulichen Gegensatz zu Herrn von Dechend gesetzt, der die VerstaaUrchung als das Schlimmste bezeichnete. Der Antrag Mirbach'st nicht unbillig, denn das Reich hat auf ein ihm zustehendes Hoh itsrecht, die Ausgabe ungedeckier Bai knoten, zu Gunsten einer Privatgesellschaft ver- zichtet. Wenn eine solche Ueberlassung oder Verpachtung ge» rechtfertigt ist— und ich w'll das einmal annehmen— dann muß jeder Volksvertreter darauf sehen, daß das Reich aus dieser Verpachtung einen möglichst bohen Gewinn erzielt. Der Antrag v. Mirbach will diesen Gewinn um'/»v pCt. erhöhen; das ist doch keine Unbilligkeit.(Sehr richtig! rechts.) Wenn eine solche svorläge, könnten sich die Antheils- eigner durch Kündigung schützen! StaatSs.kreiär v. Bötticher: Können ja gar nicht kündigen!) Sie brauchen aber in der Generalversammlung die neue Offerte nicht annehmen und das ist gleichbedeutend mit einer Kündigung. Die An-> theilseigner würden dann Ul M. bekommen, für welche fie unter den heutigen Z-nkverhältnissen nur 3,80 M. Rente be- kommen können. Die Eigner werden desha.b wohl nicht kün- digen, denn fie stehen fich gegenwärtig besser. Ein großer Theil sieht aber überhaupt nicht auf die Dividenden, denn fie haben nur die Antheile genommen, um an der Bank betheiligt zu sein. Ich verdenke dem Herrn Reiche bankpiäsidenten sein Eintreten für die AntheilSeigner nicht, wir aber vertreten die Interessen der Allgemeinheit die fiskutrlchen Interessen, ohne im Geringsten von irgend we cher Mißgunst gegen die AntheilSeigner geleitet zu seir.(B�iM.) Abg. KLfiug(nall.): Ich und meine sfreunde bedauern, daß der in z oerter Lesung in namentlicher Abstimmung abge- lehnte Antrag Huene heute von anderer Seite wieder aufge- nommen ist. Em neuer Grund für denselben ist bisher nicht und wird auch künftig n>cht vorgeführt werden können. Eine Unbill'gkeit gegenüber den Antheilseignern liegt dann, daß fie zu 130 gekauft haben und nun zu III an das Reich abgeben sollen. Amorlifiren konnten die AntheilSeigner diese 19 pCt. aus den bishetigen Gewinnen deshalb nicht, weil fie in den 15 Jahien nur eine Rente von 4,68 pCt. bezogen haben. Es blieb ihnen sonst auch nicht annähernd der gewöhnliche Zinsfuß. Der Preis von 130 müßte mindestens zu Grunde gelegt werden. Nach dem Anirag Mirbach würden die Eigner nur sehr wenig über 4 pCt. beziehen, offenbar zu wenig tür em mit V rlust» gefahr verbundenes Bankunternehmen. Wir werden für die Regierungsvorlage u�d gegen den Artrag Mirbach stimmen. Abg. Gras v. Mirbach: Jeder Kopitalist hat in der hier in Betracht kommenven Zeitperiote einen Rückgang de» ZmS- fußes um 1 pCi. erlebt. Die verbündeten Regierungen legen bei ihrem hier rein kapitalistischen Standpunkte nur einen ZinSrückgang von) pC'. zu Grunde. Wenn die freifinnige Pmtel allein geschlossen für die veibündeten Reaie- rurgm eintritt, so macht eS mich stutzig, ob der Weg der Regirrui g der richtige ist(Abg. Meyer-Hall-: Sie haben ia die Sozialdemok a en auf Ihrer Seite!) Ich freue m,ch aber über das gute Herz der F e>finniaen, weche der Rerchsbank einen Glanz und Nimbus verschaffen wollen, der APS überstrahlt. Ich wünschte, daß fie es auch anderen Er- werbsklass n gegenü'er hätten; ich habe das bisher nicht ge- merkt.(B> stall rechts) Abg. Kiuger: Jh bedauere, daß Graf Stolberg seinen Antra« zurückgezogen hat; wir hätten mit ihm für die Ver- staat ichung gestimmt. I tzt bleibt nur noch übrig, möglichst vielen Voriheil für die G'sammiheit des Reichs zu ertangen, und deshalb werden wir für den Anirag des Grafen Miebach eintreten, obgleich uns die neue KarteUbrüder chait der Kons.r- vaiioen und Soziald molraten durchaus nicht getällt.(H iter« keit.) Wir lassen uns aber nicht von poli iichen Rückuchien bei unseren Anschauungen leiten, und so werden wir die schwere Last diese» Kartells auf uns nehm n, in der Hoffauna, daß fich bald Gelege heit finden wird, diese Waffenbrüderschaft zu brechen.(Heiterkei.) Ruch einer kurzen Bemerkung des Abg. von Strambeck argen den Abg. Graf Mirbach wird die Diskusfion über Art. 1 geschlossen. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag deS Abg. G as Mubach mit 126 gegen 98 Stimmen abge- lehnt; gegen denselben stimmen von der Reichspartei: die Abgg. John, von Kuimi», Muller(Marienweide,). von Ow, Hereou von R'trbor, v. Rheindaden, v Stumm, Ampach, Fürst zu Carolaib, Prinz Carotath, v Eckardstein, v. Gültlmgen, fürst v. Hatzs.lZ; von dem Zentrum: die Abgg. Lieber, mg ns, Rm.telen, Ruiiolphi, v. Schelk, v. Strombeck, Timmel- mann, v. Ärnowaldn Hardenbostel, Bock(Aachen), v. Buol, G öder, Haanen, Hesse; von den Konservativen: die Abgg. Menzer, Reich, v. Seysewitz. Ackermann, Drlrus, Giese, Hmt- mann, Huitz'ch; kür den Antrag stimmte von den National» liberalen Abg. v. Fischer. � Der A. Ittel l wird darauf unverändert angenommen, ebenso ohne Didatte Artikel U und darauf das Gesetz im Ganzen. Die zum Gesetzentwurf eingegangenen Petitionen werden sü' durch diese Beschlüsse erledigt erklärt; die Re- folutron Mooren wird gegen eine Minderheit deS Zentrums abgelehnt. Hierauf wird die zweite Beratbung des Etats fort- aesetzl derm Etat der Zölle und Verbrauchssteuern. Brrm Titel 1(Z ö> l e 285 547 110 M.) messt R f.rent Ada. v. Wedell-Matchow darauf hin, daß in dcr Buvgetkommssfion eine sehr eingehende Ditkusfion über die Frage der eventuellen Erhöhung der Einrahmen aus den Zöllen staitgefunden habe. Man habe aber von einem An- trage Abstand ger ommen, weil namentlich bei den landwiith- fchaftlichen Zöllen noch nicht zu übersehen sei, ob die Einfuhr fremden Getreides steigen werde oder mcht. Auch dre In- trad-n aus der Zucker- und Branntweinsteuer seien zu ungewiß. Eme höhere Veranschlagung von 2 Prozent, wie von einer Seile beantragt wurde, hätte nur 6 Millionen mehr ergeben, und diese Summe ser zu g ring, um bei der Vecanschlagung doS alte Prinzip zu verlassen. In der Kommiifion wurde auch gefragt, wie es mit der vom Reichs ag am 14. Mai 1889 von der Regierung gewünschten Emch- tung eines Reichs- ZolltanfamtS stände. Von Seiten des Regierunpsvei treters wu de geauworut, daß die Sache noch rn Beiathu- g sei. Inzwischen hat in den Zntungen gestanden, baß der Bauoesraih den Beschluß des Reichstags abgelehni hat. �_.,,. Siaatssekretär v. Malstah«: Der Bundesrath hat dem Beschluß des R-lchslogs in Be,ug.auf die Schaffung eines ReichStarrfamt« seine Zustimmung nicht gegeben. Abg. KrSmel(d r.): Ich könnte nach dem Grunde dieser Enlichecoung fragen. Sie läßt fich aber besser im Zu- fammerhange m« den Beichweiden über da« amtliche Warnen- veizeichniß behandeln. Ich dass aber nicht ve> hehlen, daß die Entscheidungen des Bundesraihs gegenüber dem Reichstag und auch privaten Beschwerdeführern ohne Angabe des Grundes eine recht ungünstige Stimmung, häufig sogar eine k Verbitterung herbeigeführt haben. Ich will aber heute nur die auch in der Kommtsfion als unzureichend bemängelten Ein- nahmefätze aus den Zöllen zur Sprache bringen. Die Er- träne aus den Zöllen wu-den in dem Etatsjahre 1888,89 auf 245$ Millionen veron chlaat. der wirkliche Erhag dagegen hat fich auf 283 M llionen gestellt. Run kommt der ElaiSmschlag für 1889/90 mit 270 Millionen, also mit 13 Millionen weniger, als der wirkliche Betrog des voraufgegangenen Jahres beträgt. Der Schatzfikreläc be- gründete die niedr'gen Ansätze mit dem H nwejse auf die unsicheren Ernteergebnisse und den unficheren Import. Bss der ersten EtatSberothung war das Ernteergebniß für Pr-ußen noch nicht bekannt, fitzt liegt es nor. Die diesjährige Ernte steht hinter der vorjäbrigen so erheblich zurück, daß eine be- deutend größere Einfuhr zu erwarten ist, als im vorigen Jahre.(Hört! links.) Der Ausfall beträrt bei Weizen 10, bei Roggen 11, bei Gerste 15, bei Hafer 30 pC:. Da eö nur möglich ist, dresen Ausfall durch eine verstäckte Einfuhr zu decken, so find Mehreinnl-hmen aus Zöllen von vielen Millionen in Au«- ficht. Dabei war die Einfuhr im vorigen Jchre eine ungewöhn- lich kleine, we l im vorigm Jahre noch s>hr bedeutende Lager- bestände von früher wegen der letzten Zollerhöhurg vorhanden waren. An das Reich treten hochwich tiae Aufgaben heran. Dieses Hot fich V-rträgen gegenüber möglichst passiv bisher verha len; ben Vertrag mit Spanien wie den mss der Schweiz hat er fich gewissermaßen von diesen Ländern auf- dringen lassen. Es sollte jetzl endlich auch der Weg der Ver- kehrSerlcichterang für Deusschland und eine friedliche Handels- Politik vo.fllag'N. Die Lage der deutschen Ausfuhr mahnt dringend, daß Erleichierungen geschaffen werden. Zu- vcrläsfiger als die Werthsätze unserer Statistik find die Festellungen der Mengen. Vom Januar bis zum Oktrber breses JabreS ist gegen das Vorjahr em erheblicher Rückgang in der Am fuhr konftatirt worden. Der Essenexport in Halb'abrikaten ist um 8 pCi. oesunken, gegen 1387 sogar um 32 pCt. Der Eisenexport rn Ganzfabrikaten ist gegen daS Vorjahr um 33 pCt. ge'ui.ken. Der Autfall beträgt feiner bei Baumwollen 10, bei Lernenwaaren 20, bei Siidenwaaren 7, bei Wollenwaaien 11, be« Lokomotiven 26 bei Zucker 54, bei Spiritus 48, bei Glcswcaren 4, bei Siidenwaaren 11, bei Zement 11 pCt. Auch andere Länder weisen einen inneren Ausschwung der Industrie, wie Deutschland, auf. aber einen solchen Rückgang des Expoits haben sie nicht zu ver- erchnen. Bei uns ipiklen übe' dies die Aufträge ."r öffcnt'iche Arbeiien eine größere Rolle, als anderswo. Emen givßen Mißstand bilden ferner die auf Verlheuerung gerichteten Verernbaiungen, die Kartelle. Von Oberschlefien wird Ei'en so billig nach Kopenhagen verkauft, daß es deutsche Fabrikanten für vorthenhoft basten können, es von dort wieder zurück,»kaufen und zwuckzutranSportiren. Wir können nicht ferner dulden, daß dieKart.lle nach dem Auslande zu Schien- derprerfen ve' kaufen und die Preise im Jnlande steigern. E» ist das ein Attentat auf diejenigen deutschen Gewerbe, welche in tausende und abertausende Betriebe zelsplittert sind und deshalb ähnliche Koalitionen nicht bilden können. Auch die Landwirth chaft wird so benochtheiligt. Auf e ner Gcneraloeisammtung des Märkischen landwirth- schaftlichen ZentrolvereinS in Berlin wurde konftatirt, daß die Fabrikanten der Thomasschlacke, die in erheblichem llmsange zur Düngung verwendet wird, durch eine Koa'itron den Preis um 40 Prozent erhöht haben(hört! hört! recht»); man machte allgemein Fiont gegen eme solche Koalition. Der deutsch- schw« izerilche Handesvertrag ist seit einem Jahrzehnt der bedeutendste Forlschiilt auf dem Gebiete der HandelSvert-äge. Selbst die Vertreter derjenigen In- dustrien, für welche die Schutzzölle du-ch ben Vertrag herab- pefitzt find, bekunden, daß ver Vertrag zu dilligen und für die Industrien ein Segen ist. Auch ohne, daß es nöihig wäre, das bestehende Zollly'iem vollständig über den Haufen zu werfen, muß man fich im Interesse der deutschen Erwerbs- ihätigkeit entschließen, zu einer friedfertigen HandelSpolrtik mit Tarifverträgen überzugeb-n. Staalsiekietär». Math ahn: Die Veranfchlaguna der Zölle ist wie flüher nach 0>m Turchtchnitt der letzten drei Jahre erfolgt. Es ist möglich, daß da« rächfte Jahr höhere Erträge aus den Zöllen bring». Jchhalteesfogarfürnichtunwahsscheinlich; ausgeschlossen ist aber auch das Gegentherl Nicht. Unter fol- chen Umständen haben wir Alle das Jniensse, da« einmal angenommene Prinzip fest.»halten und uns nicht darauf em- zulassen, nach den Wahrscheinlichkeiten im Moment der Etaisausstellung die Berechnung an-ustellen. Die geftcigerte Einnahme aus den Zöllen im vorigen Jahr namentlich intolge der höheren Kmnzölle ist ja bemis berücksichtigt. Die Einte deS letzten JahreS ist, wie fich jetzt herauSg, stellt hat, allerdings mindestens ebenio schlecht w,e die vorjährige(sehr richtig! recht«) und d�m emäß der Import an Korn im Herbst und die Erträge an Ko nzöllen sehr erheblich. Aber gerade weg>n der groben Unficheiheit, die, wie der Vorredner hervoihob, infolge der großen Bedeutung der Kornzölle hineinge- tragen wird, müssen wir bei der Veianschlagung nicht nach den Verhälinissen eines einzelnen Jahres verfahren, sondern da» dreijährige P inzip zur Geltung dringen.(Sehr richtig! recht«.) Welche Gründe den Bundesralh bei seinem Beschlüsse in Bezug auf das Reichstarssamt geleitet haben, da» anzugeben bin ich nicht in dcr Lage. Im BundeSraih st mmcn nicht die MenschiN, sondern die Staaten ad; und die Gründe, welche die Rkgierungen der Einzelstaaten geleitet haben, treten dabei nicht in greilbarer Gestalt zu Tage. Im Uebrigen habe ich meiner Erklärung vom 24. Januar 1888 über die Gründe, welche im Bundetroth au» Anlaß erne« früheren gleichen Antrage» zu Tage getreten waren, nicht» hinzuzufügen. Um 4Z( Uhr vertagt das HauS die weitere Berathung auf Sonnabend 12 Uhr.(Etat der Zölle und Verbrauchs- steuern und der Stempelabgaden.) Vtrrmrmmkrles. Zur Kerathuug des Grtv-Ktatuts für gewerbliche Schiedsgerichte trat am Mittwoch Adens Die von den fiad- t»chrn Behörden infolge de- bekannten Erlasses de« Ober- Viäfi'enten eingesetzte gemischte Depulation zur nochmaligen Vera hang unter Vvifitz de« Oberbü»<>erme>sters v. Forckenbeck zusammen. WaS die grundlegenden Motive anlangt, io wurde entgegen der Anficht des O er-P.äfidenten an der Zulassung der Frauen zum aktiven Wohlrecht festgehalten. Ai OererseitS wurde in Wiederherstellung bei ursprünglichen Magistrate vor- läge der Bcginn des Wahlrechts an die Zurück, egung de« 25. Lebentjahrrs geknüpft. An der Befugniß des Schiedsgerichts, Zeugen und Sach- verständige zu vcr-id'gen, wurde errsstrmrmg festgehalten, ebenso an der Ausschließung' de« ordentlichen RrchlSwege« gegen die Entscheidungen des SchiedSoerichtS. Die nach den g» faßten Beschlüssen nothwendigen Aenderungen sollen nur durch eine RebaktionSkommisfion, best hend aus dem Siadt- syndfkus Ebei y, Stadt, ath Wesse, Etadlveroldnct r M'yer I und Dr. Friedemann, sowie dim Schrrsiführer, Magistrats« ossessor Mugdan ih em Wottlaute noch festgestellt werden. Das so abgcänderte Oitsstatut wnd sodann, um gemäß Z 142 der Gewerbeordnung den betheiligten Gcwerbetreibenden G»- legenheil zur Acußkrung zu geben, öffentlich ausgelegt werden, woraus dann dre gemischte Depululivn die Fassung endgiliig feststellen wird, um daS OrtSstalut schließlich bcm Mogistral und der Stadtoerordneten-Versammlung zur erneuten Beschluß- fassung zu unterbreiten. Woftates. Mir lesen im„Kerl. Tagebl.*: Bekanntlich ha!� Stadtoerordneie Pritzec rn der gestrgen Stadtocrordneten sommlung erklärt, daß er nicht Verfasser jenes berüldu? FluzblaiteS fei, welches die Versammlung in der vorhus gangenen Sitzung beschäftigt halte. Ganz anders aber K»"' e« mit dem Ingenieur Herrn Dr. öaraerlein, dem ontisern''» Stadtoerordneten-Kondivatendes 17.KommunaI-Wahlbezir's,k stehen, in welchem Bezirke ja dal Flugblatt ve, öffentlichi H:rr Dr. Haeberlern stelllegeiiern imFoyer desS adloerordn!� faalrs Herrn Prof. Virchow und fcagie ihn, od er nicht die ehrv rührigen Ausdrücke, die er gegen ihn gebraucht, zurückpt wolle. Herr Stadto. Dr. V,rchow eikläite, daß er v' Haeberlein gar nicht kenne, daß er aber kein Wort von o? was er gesagt, zurücknehmen könne und wilde. Wenn? Dr. Haeberlein der Verfasser diese« PamphIeieS sei, so er schon das Gesagte aus fich beziehen.— Hierauf ve-Ial Herr Dr. Haeberlein Genuglhuung von He-rn Dr. der diesem Herrn jedoch den Rücken wanbte unb ihn stehen Kri der jetzigen Umwühluug von Kerlin viele daugeschichUrche Frag.» gelöst. So Hai mon an der A" brücke bei der Du�chlegung der elektrischen Kabel durch die � mächtige Kaikfteinfundamente dmchbrechen müssen. Diel'1*' rühien von der mittelalte, lich-n Stadtmauer Köllns' deren Lauf man bisher mchi» Genaues muß!«. Die gewo>V Steine lassen sogar auf einen Thum schließen, der am der Fsscherbrücke lag. � In der Angelegenheit de« Mo'des i», Grünaurrstratze find auch nach dem Geständriß de«' beitc burschcn Ca.tSburg noch verschn dene Umstände un°� klärt. Da C. bei seiner Festnahme nur einen PsenriS.' Porlcmonnaie hatte, bleibt die Frage offen, wo bie in dgi* hausung der Frau St. gewesenen Äerthsachen, Uhr und geblieben find. Gestern Mittag um zrölf Uhr holte stö. Thalor'e wiederum die Gerichtskommrsfion eingefurdni. Situation während der That wurde auf Grunb de« vi" abgelegten Geständnisses markirt. indem man eine Lampe den T sch stellte und die einzelnen Momente des.. Aklcs noch cinmal festzustellen suchte. Es scheint darnat?? d-r Mörder die That in der Dämmerungsstunde began*" Nach einer Stunde verließen die Herren in Beplei Kriminalkommissars Zanert die Wohnung der Ermo-. welche wieder verschlvss-n wurde. Der Telegrovhift Bcün gleich am Montag ausgezogen. Eine Nachbarin dcr?: mordeten thsslt dem Berichterstatter des„B.-C.* mit, doij Vcihä'tn ß zwi chen der Ermordeten und ihren Verwa"� der Familie Ca tsburg, keineSwecS em gutes gewefe». Die Besuche der E's sssen der Frau Sk. keinrswegt kommen gewesen. Nach einer Mitiheiluna verlautet, E' mordete, welche fürchtete, daß ihr anläßlich ihrer etw� Wiederve, henathuno ihre Penfion entzogen werden köm>�r Epaikassenbuch, auf einm anderen Namen ausgestellt Eiaenthum nannte.— Die Szene des Mordes wird von, „P,st*»ach den Angaben, die Cartsburg inzwischen pfi haben soll wie folgt geschildert: Soviel verlautet, hat � bürg bei dem Morde mit b-stialsscher Wildheit gehandelt-� bat seme Tante gegen drei Uhr besucht unb bei dofi< Kaffee getrunken. Hierbei soll ihm d'e alte Tante, dn � rmmer besuchte, wenn ihm sonstige Hilfsquellen vess#� waren, und wilche ibn auch stet« mit desonverem Wohl�i ausgenommen hat, Vorwürfe über sein wüstes Leben Ä haben. Hierüber will Cortsburg so wütbend geÄ sem, daß sogleich bei ihm der Gedanke reifte, datür der „eins auszuwischen*. Als es etwa geoen vier Uhr zu � anfing, hat dre Tante ih en Platz am Tssch, wo fie mit beschäftigt gewe'en, verlassen, Hit da« Koffeeg, schirr avg'�, 'Sl die Lampe angesteckt. Während dieser Zeil�, und dann die Augen de« Verbrechers in der Küche umher uno•£;,( zuletzt an dem bliikendm Stahl des an der Kochn>�,, stehenden Küchenbnls haften. Als die Tante die Lank' den Ti'ch gestellt, dieselbe angezündet und fich dann w mit dem Rücken gegen die Ma'chine, an den Tisch gesctzl um weiter zu nähen, Hai Cortsburg unbemeikt das Beil und gleich darauf der nichis ahnenden alten Frau von einen wuchtigen Beilhied über das linke Our veisetzt-, Gleichmuth erzählt Cartsburg dann weiter, daß die T den Hieb, ohne einen Laut von fich zu geben, rücW, vom Stuhl gefallen fei und fich dann umgedreht& nil dem Geficht nach unten. Obglrich die arme Z nun wie todt dagelegen, hat er ihr noch die � anderen fürchterlichen Hiebe über den Kopf beiges,, Dies war nach Cartsburg's Berechnung um vier vi Nach der grausigen Thot bekümmerte fich der Märde'� nrcht mehr um sein Opfer, obgleich er fich noch vom Siunden, bis acht Uhr Abends, in der Wohnung dck mord'ten Tante auf,» halten hat. Welche schlimme Vorbilder der jugendliche Cartsburg in seiner eigenen Familre gehabt hat, ist avneveulet worden. Hier mag darauf hingewiesen daß s.ia älterer Bruder, der j'tzt 30 Jahre alte Kutscher Cartsburg, welcher geaen-iärtig eine Z chthausMj Halle verbüßt, am 25. Oktober 1887 wegen oersuchlen und Bedrohung mit rinem Verbrechen vor den Geschw«� stand. Er hatte m t seiner Frau, welche unter fittenpo'iz" Koatrole stand und fich einen Liebhaber hielt, in Uns gelebt unb wiiderholt geäußert, daß etwas pasfiren wenn er seine Frau mit ei em andern Manne trä'e. 3 nachdem er in Rummelsburg eine dreiwöchige Geicin-.) strafe abgemacht hatte, war er nach dem Lanbsbcrgec � gegancen und haue fich einen dort von ihm vergraben ei><�i vier Schüssen geladenen sechsläufigen Revolver geholt und y seine Frau gesucht. A�S er gegen 11 Uhr durch die WJ straße ging, hatte er seine Frau mit deren Liebhaber aui ui Bank fitzend angetroffen und ging nun an bie Ausführung Planes, wüchem er vorb-r mehrfach mit den Worte« g deutct hotie:„Der erste Schuß ist für meine Frau, der i, für deren L edhaber, der dritte für mich!* Er hatte dn«% seine Frau geschossen und als dieselbe fortlief, gab er einen Schuß auf dieselbe ab, welcher dem Liebhaber dM». Rockärmel ging. Dann wurde ihm die Waffe entrsse«" g ieh, böse gelyncht. Für diese That wurde er damals i" jj| Jahren ein Monat Zuchthau« verurlheilt, welche er, wie ß zur Zeit noch verbüßt. Gi» Verkauf konftozirte« Fleifchrs vo« den deckerri findet nrcht stall— so hat ba» Polize'prästdiu?.. Manlsirat mittheilt. H rzu bemerkt die„Allg. Fleischer Im Wir Kaden schon neulich betont, daß Niemanb bevauptet d. xll b stände ein öffentlicher Verkauf konfi»zirtcn Fleische» P Abdeckerei, aber die Besü.chtung, daß kranke« Fieiich Abdeckerei gestoblen und widerrcchtlich in den Handel Q'm wub, ist doch vr rch jenen Pottzerdescheib nickt im Ger?» beseitigt. Wie sehr diese Be ü chiung leider begründet>«/ weist am besten der Umstand, daß bereits neun Drebstu°»l richtlich festgrst llt find.— Hoffentlich führt die demnach«„j- findende Untersuchung der Angelegenheit durch eine st?.. j,l Depula ion zu einer Abhilfe der destehenden und sa««« gcfäb ich«» Mchstände. Großstädtische Sitteubilder. Gegen den Berliner- mann D. schw. dl geg nwällig eme llnlelsuchung wege« � schweren Sitil ck k.iis verbrechen«. Der Beickuldigte ö p zu einem nördlichen Rev'er. Am 17. Okiober la�j dem Revier eine Recherche bei»ieer Wiltwe u«a 14jährigen Tochter wegen eines Dienstbuches vor. L.uie» einer Ouerstraße der Tegeler Chaussee auf N' t' rosset Gebiet wohnten, hätte die Reckerche eigentlich� Amt Reinickendorf zur Erledigung gehen müssen. De- )' I wrf m treffende Schutzmann ließ kch aber die Recherche zuweisen und KNig persönlich nach der Wobnung der Wiltwe. Die Mutter war auf Arbeit, nur das 14jährige Mädchen und ein ktemerer Bruder waren anwesend. Letzleren schickie der Schutzmann fort nach Papier, weil er angeblich ein Protokoll aufnehmen wußte. Ais sich der Knabe entfernt hatte, verging sich der Beamie an dem Mädchen. Dieses schrie um Hilfe, Haus« bewchnerinnen eilten herbei und fanden die Bescheerung. Der Hauptmann des Reviers hat nach erlangter Kenntniß selbst die ersten Schritte zur Einleitung der Untersuchung, die beim Landgericht U schwebt, gethan. Der Schutzmann ist einstweilen vom Dienst suspendirt.— Eine ähnliche Sache� schwebt gegen einen Schutzmann beim Landgericht l, doch müssen in diesem nalle die Verkältnisse noch viel ungünstiger liegen, denn der Schutzmann bisindet sich in Unteifuitmngshaft.— Und— weil oller guten Dinge drei find: Am Mittwoch ist ein Berliner lSemeindelchuIlehrcr, ein junger, unverheiratheier Mann, in Untersuchungshost genommen worden. Derselbe hatte mit einer dreizehnjährigen Schülerin ein Verhältnifc an- «eknüpfl und dasselbe bis in die jüngste Zeit fort- ßesetzt. Jetzt, da dos Mädchen 15* Jahre alt geworden rst, lassen sich die Folgen des VerhältrnsseS nicht mehr verbergen und dadurch ist die Sache an das Licht gekommen. GrstritKetiev Dampfer. Auf der Havel im Pritzerber Tee ist am Montag der Dampfer»Westhavelland", welcher im Sommer zur Beförverunz von Personen zwischen Rathenow, Brandenburg und PolSlam dient, jetzt aber alt Schlipp- dampfer verwendet wird, in Folge eines in der Dunkelheit em- getretenen Unfalles, untergegangen. Die Mannschaften konnten sich noch rechizeieig retten, auch hofft man den Dampfer dieser Tage wied-r zu heben. Der Defraudaat Döhrittg ist vorgestern Abend von feinen nach Hohenelde enijandten kriminalistischen Begleitern «ach Berlin gebracht worden. Töhring ist etwas blast und wager geworden. Er ist vorgestern Abend noch in das Unter« fuchungsgefängnist in Moabit abgeliefert worden. Den De- fraudant-n intrnsfirt vor allen Dingen, welche Strafe ihn wohl treffen könne. Als man ihm vorwurfsvoll die Mahnung Dheil werden liest, dost er seine ganze Zukunft auf das Spiel gesetzt habe, erwiderte er, eS sei ihm um seine Zukunft Nicht bange. Mtt Karbolsäure versuchte gestern Nachmittag die un- verehelichte, ,n der /Fehrbellinerstr aste wohnhaste Schneiderin Marie H. im Thiergarten ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Sie hatte aus erner Bank in der Nähe des Grogen Sterns Vlatz genommen und das Gift aus einer Flasche getrunken. Eine Schutzmanns- Patrouille fand die laut jammernde H. an der Erde liegend vor und brachte sie in ein Krankenhaus. Ehelich» Iwisttgkeiten bewogen vorgestern Abend die in der B.'Sli a»e wohnhafte Kajfirersfrau S. zu einem Selbst- Word. Der Ehemann fand, als er des Abends nach Hause zurückkehrte, ferne F-au als Leiche vor. Vestohlruer Privatpost- Kriefkaste«. Am Freitag voriger Woche in der lechnen Avendstunde wurde dem Zigarrenhändler Zimmer, Alt Moabit 123, die Mittheilung ge- wacht, dast der vor seiner Ladenthür an der Straße an- gebrachte Briefkasten gestohlen sei und zwar, wie sich nach. tiäglich herausgestellt hat, mit einer beträchtlichen Menge Briefschaften, die gewöhnlich gegen Abend besonder« zahirerch einlaufen. Infolge dessen gelangten innerhalb der letzten Tage zahlreiche Reklamationen an d,e Direktion der Packelfahrt- Aktien-Gesevschaft, in welchen über Nicht-Ankunft bezw. Ab- Handengekommensein abgesandter Briefschaften? zahlreiche und zum Theil recht eindrinairche Klagen geführt wurden. Gestirn ist der geraubte Briefkasten endlich auf dem Flur de« Hause« Paulstraste 35 ausgefunden worden, allerdings mrl ge- «altsam ausgesprengtem Schloß und ohne Briefschaften. Der Polizei hatte die Direktion der Packetsahrtgesellschaft nach erfolgter Mittheilung seilen« des Herrn Zimmer bereit« am Tag« nach der Jrevelthat Anzeige erstattet. Ob es sich nur fj?«inen Dumwenjunaenstreich handelt oder od anderweitig« Beweggründe den Postcaub veranlaßt haben, darüber sehlt, ebenso wie über die Person des Thäter«, zur Zeit noch jeglicher Anhaltspunkt. Nederfallen wurde vorgestern Nacht auf der Köpenicker Ehaussee ein Maurer. Passanten fanden denselben am anderen Morgen auf einer Wreje unweit Sadowa in einem mit Eis brd ckten Wasserloche halbtodt auf. Man schaffte den Aermften «ach einem nahegelegenen Wohnhause; nachdem derselbe «as Bewußtsein wieder erlangt hatte, erzählte er, daß ihn zwei Strolche aagefallcn und mit dicken Knüppeln so lange ge- fchlazen hätten, dl« er bewußtlos geworden sei. Dann hätten sie ihn jedenfalls in da« Wasserloch geworfen. Ein wahres Wunder ist tö LbriglnS, daß der Mann bei einer solchen Prozedur mtt dem Leben davongekommen ist. Au» Werde» a. K. the,lt man un« mit, dast die Brauereibesitz, r Schulze und Hildebrand dort, die eine Nieder- «age ihre« Bieres hier Vf., Btumentha straße 13 haben, ihren Pächter veranlaßt haben, sein Lokal zu allen Aibe«terversamm- lungen zu verweigern. polizribericht. Am 5. d. M. Morgens fiel ein Arbeiter vor dem Hause Biumenstr. 33a beim Ueberschreiten de« Fahr- dammes infolge eines Fehltrittes zu Boden und brach den Unterschenkel.— Nachmittags geriet h auf einem Grundstück in der Melchior straße der Arbeiter Schich in da« Getriebe de« Fahrstuhls und erlitt durch Quetschung anscheinend schwere Innerliche Verletzungen, so daß er nach dem Krankcnhause Bethanien gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit stürzte «ch ein Mann am Kohlen.Ufer, in der Nähe der UebergangS- «rücke, in den Louisenstädtischen Kanal. Er wurde noch lebend «US dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht.— Abend« versuchte«in Mädchen im Thiergarten, in der Nähe «es Großen Sterns, seinem Leben durch den Genuß von Karbolsäure ein E.ide zu machen. Er wurde noch lebend nach der Charitee gebracht.— In der Nackt zum S. 6. M. svrang *'« unbekannter, etwa 22 Jahre alter Mann in den Humboldt- Hasen und ertrank. Dre Lerche wurde nach dem Schaubause �schafft.— Am 5. d. M. fanden Lausitzerstr. 10, Georgenkirch- straße 8 und Neu-Kölln am Wasser 23 kleinere Brände statt, welche»an der Feuerwehr gelöscht wurden Elberfelder KöztolljteWnizeli. i 14. Tag d er Verhandlung. Elberfeld, 5. Dezember. » Der Präsident konstatirt, daß einige Angeklagten kehlen. Die Zeugenliste wird verlesen. � Zeuae Ernst Leicht, Handelsmann in Elberfeld: Vor Jahren nach der Wahl war ich in der Kohlftraße, wo Bieibtreu und Wimmers auch waren. Dort wurde dre Ad- i�hnung von der Wahl vorgelegt. Vollender legt« Rechen- chaft ab. so viel ich mich erinnere. ES wurden Revisoren für Wahlreckriung gewählt. Gesprochen wurde von der Wahl von übrrgem Geld, da», wenn ich nicht irre, für eine �ttchwahl bestimmt wurde. Ob die Versammlung angemeldet Ue. weiß ich nicht, Müller war da. WaS noch außer den �Uahlangi legenhellen besprochen worden, weiß ich nicht mehr. , Präsident: Der Zeuge August Wimmer« soll tele- «ha«rlch geladen werden, um mit Leimt konfrontirt zu werden. Ä»>«» 1%-- � sTl,.> V � C Ülilti« D- wie viel, weiß ich nicht mehr, ich glaube 4.30 M. v arm: Der.Soz." kostet vierteljährlich 4.30 M., da« »ka« doppelte Porto. Burkhof: Wer außer mir den»Soz." hielt, weiß ich nicht. Ick bin von einem Unbekannten dazu veranlaßt worden, der mir Tauscher'S Abrisse gab. In einer unangim.ttdeten Beifammluiig war ich nicht. Ob hier Jemand für den.Soz." agitirt, we>ß ich nicht. Der Zeuge wird vereidigt. B l e i b t r e u: Der Zeuge hat mir gegenüber erklärt, daß die Briefkastennotiz sich auf ihn bezog. Burk Hof: Einen darauf bezüglichen Brief au« Zürich habe ich nickt mehr. Zeuge Karl Leyverku«, Logenschließer in Barmen: Ich stand aus der»schwarzen L.ste"; die Sache datirt schon vom Ausgang der sechziger Jahre. Ich halte ein Zerwürfniß mit Mohrhenn wegen eines Theaterdillet«. Mohrhenn schrieb jeden- falls an seinen Freund Mottcler; trotzdem ich den Aufruf für den Eisenacher Kongreß milunterzeichnet, bezeichnete er mich als»Hasse'mann'schen Angedenken«" und ich kam in die »schwarze L ste". 188S wurde ich gestrichen, nachdem ich mit Löwenstein und Andern darüber gesprochen. Wer die»schwarze Lrste" führt, weiß ich nicht. Harm: Habe ich nicht gesagt, die ReichStagSfraktion könne nichts dabei thun? LeyverkuS: Jawohl, da« hat Harm mir gesagt. Den »Soz." beziehe ich nicht. Daß Mohrhenn eine Vertrauen«. stelluna hatte, ist mir nicht bekannt, ich glaub« e« auch nicht. Ob Röllinghoff eine Vertrauensstellung halte, weiß ich nur vom Hörenlagen. Außer mit Löwenstern habe ich mit Hülle, Hüttenberger und Andern gesprochen, mit Weber nicht. Der Zeuge wird vereidigt. Zeuge F r o h n e r t, Polizeiwachtmeister in Lennep(ver- eidigt): Am 12. Juni 1887 wurde da« Flugblatt»An die Wähler" in Lennep verbreitet. Durch die auffäll ge Bewegung der Sozialdemokraten wurde die Polizei aufmerksam. Ich selbst habe Niemand ertappt. Haas« ist ein eifriger Sozial- demokrat, ebenso Schürmann, da« weiß jede« Krnd in Lennep. Zeuge Elb er«, Hilfsweichensteller in Lennep(vereidigt): Ich habe einmal ein Flugblatt bekommen, im Sommer 1887. Den Angeklagten Haase erkenn« ich nicht. ttuge Hausberg, Schuhmacker in Lennep(vereidigt): ommer>887 erhielt ich ein Flugblatt von Haase, wie auch meine Begleiter. Haase: Blätter habe ich vertheilt, deren Inhalt ich nicht kannte. Hausberg: Ich kann nicht lesen und weiß nicht, was in dem Blatt stand. El der St Da« Blatt war»An die Wähler Deutsch- lands"; genau ermnere ich mick nicht mehr. Zeuge I s k e n. Wn lh in Lennep(vereidigt): Haase hat im Sommer 1887 Flugblätter vertheilt; er nannte sie»frei- finnige Blätter". Angesehen habe ich sie nicht. Einer Partei ge- höre ich nickt an.„,. Zeuae Lefler, Schreiner in Lennep(vererdwt): Im Juni 1887, an einem Samstag, war ich in Jskens Wirthschaft. Haase kam herein und legte jedem Gast ein Flugblatt hin, »An die Wähler DeutjchlandS", mit den Worten:„Es ist eine Rede BamdergerS". Zeuge Mollenhauer, Gendarm in Lennep(vereidigt): Ick erfuhr, daß der Geburtstag Lassall- S 1885 gefeiert werden solle und traf im Wald 10 bi» 15 Personen, darunter soll einer der Brüder Esplör gewesen sein. E m i l E S p l ö r: Ich war dabei. Mollenhauer: Reden habe ich nicht gehört. Die- jenigen, die'm Walde rauchten, wurden notirt und aufge- fordert, den Wald zu verlassen. Zeuge Nicolay, Gendarm in Lennep(vereidigt): Jh war zugegen, als der Trupp im Wälde getroffen wui de. Emi Ekplör ging sofort weg. Bei der Haussuchung bei Esprör fand ich Flugblätter. Esplör: Es waren Exemvlare eines WahlflugblatteS. Nicolay: Von einer Brschlagnahme weis ich nicht«. Marschall: Di« Flugblätter wuroen Esplör vor der Wahl von der Behörde wieder zugestellt. N r c o l a y: Wir fanden Quittungen über sozialistische Schriften. Esplör: Das war der»Wahre Jakob". Zeuge Müller(war Beschuldigter) wird nickt vernommen. Zruge Sauer, Fabrikarbeiter zu Elberfeld(vereivigil: Ueber die Verbreitung de« Fiugblatte«„An die Wähler Deutschlands" weiß ich nickt«. Hahn kenne ich nicht. Bertram hat zu mir gesagt, wir sollten un« in die Kasse aufnehmen lassen; er nannte einen Namen, es mag Hahn fein. Es war im Sommer. Bertram: Sollte ich mich nicht erkundigen? Sauer: Ja, ich sagte, die Kasse wäre mir zu theuer. Zeuge Seyrinahau«, Fcbiitarbeiter in Lennep(oer- eidigi): A's wir in Jsken's Wlithtchaft Karten spielten, kam Haa e und gab Jedem ein Blatt. E« stand darauf:»An die Wähler Deutschlands". Zeuge GustavAdolfSchmitz, Buchbinder aus Köln: Was die Karte Gassen'« an Grimpe zu bedeuten hatte, weiß ich nicht. U.ber die Karte hat Gassen mit mir nicht ge prochen. Das eine oder andere M�l sprach er wo�l über Schritten, an Bestimmtes erinnere ich mich nicht. Mrt Gassen war ich nie rn Elberfeld. Einmal war ich bei Harm; ob ich da Cordes kennen gelernt, weist ich nicht. Daß ich bei Corde« war, kann sein. Von dem„MabnwoU" weiß ich, daß es verbreitet wurde. Ueber die Entstehung desselben verweigere ich die Auskunft, weil ich einen Verwandten schädigen würde, auch mich selbst. Ich verweigere die Auskunst darüber, wo das Flugblatt gedruckt wurde; ganz bestimmt weiß ich es über- Haupt nickt. Der Geiicktshof zieht sich zur Berathung über die Ver- eidigung des Zeugen und weitere Fragin an denselben zurück. Beim Wiedererschemen ivird verkündet, daß beschlossen worden, den Zeugen zu fragen, wo da« Mahnwort gedruckt sei. Schmitz: Ich kann nicht sagen, wo da« Flugblatt ge- druckt worden. Ob e« in der»Freien Presse" gedruckt worden, darüber verweigere ick die Auskunft. Verth.: Der Zeuge könnte sich strafbar machen, wenn er selbst den Druck de« Flugblattes veranlaßt hätte. Staatsanwalt: Ich beantrage die Anwendung der gesetzlichen Zwangsmittel. Schmitz: Durch Verschiedene« würde ich mich strafbar machen. Verth.: Der Zeuge kann sehr wohl befürchten, in den Verdacht der Geheimbündelei zu kommen. Schmitz: Ich kann nicht über das Flugblatt aussagen, ohne mich stiasbar zu machen. Der Zeuge darf den Saal nicht verlassen. Zeuge Peter Gassen au« Köln: An die Karte an Grimpe ei innere ich mich nicht mehr.(Nachdem die Karte vor- gelesen): Ich kann ken eAuSkunlt geben, wa« die Karte bedeutet. Ich kann mich nicht mehr besinnen, was die Anfrage bezweckte; es ist schon mehrere Jahre her. In wessen Auftrag ich geschrieben, darüber verweigere ich die Auskunft. Zuerst war ick als Zeuge, dann Bnpeklagter und jetzt wieder als Zeug- geladen. Wo das»Mahnwort" gedruckt worden, weiß ich nicht. Der Austroggeber lft eine mir nahestehende Person und außerdem fürchte ich. mich selbst strafbar zu machen. Verth.: Wir legen gar keinen Werth darauf, ob da« Flugblatt in der»Freien Presse" oder sonstwo gedruckt worden. Gassen:� Ich hatte mit der Sache nicht« weiter zu schaffen, sonst würde ich doch meine Abrisse aufgeschrieben haben. Das»Mohnwort" habeich später gesehen. Wie es entstanden, darüber verweigere ich die Auskunft. G rst m p e: Ich habe die Karte nicht gesehen, auch Harm nicht. An wen war sie adressirt? R.-A. Lenzmann: Ich finde an dem»Mahnwort" absolut nichts, was mtt dem jetzigen Prozeß zusammenhängt. Die Aengftlickkeit mancher Zeugen ist auf da« Vorgehen der Polizei zurückzuführen, welche ebenfalls die Auskunft vrrwei- gert. Leider hat nur diese da« Privilegium. Gassen: Ich befürchte, durck derartige Sachen meine Existenz zu verlieren. Ich weiß mich nicht mehr zu besinmn. wie ick zu dem Auftrog kam. Meist: Schon bei Lücke'« Vernehmung wurde bestritt«,, daß da«„Mahnwort" von der Partei ausging. Die Vcrant-- Wartung würde aus wenigen Personen ruhen. -®La l'' Die ganze Geschichte war mir neben säch- uch. Auf die Einzelheiten besinne ich mich nicht. Meine Gedanken find kur� nachher in eine andere Richtung gelenkt worden. Ich erkläre, daß nicht die Genossen, die man unter der Partei versteht, mir den Auftrag gegkben.(Auf Bestagen der Veriheidigung:) Ich glaube, daß Sckmitz mit mir darüber gesprochen. E« war auch die Rede von Gründung eine« Lokalblatte«; ich konnte mich dafür aber nicht begeistetn. Hätte ich eine Ahnung gehabt, daß dem Auftrag eine so große Wichtigkeit beigemessen wird, so hätte ich mir die Um- stände aufgeschrieben. Ich nehme an, Schmitz war der Auf- traggeber. Präsident: Der Gerichtshof wird über da« Weitere beschließen. E« tritt eine Pause von 20 Minuten ein. Der Präsident erklärt, daß Zeuge Schmitz sich nicht strafbar machen würde, wenn er Aussagen macht. R.-A. Lenzmann: Die Zeugen deduztten, daß die Staatsanwaltschaft nach einer allgemeinen geheimen Verbin- dung suche und sie der Gefahr ausgesetzt wären, strafrechtlich verfolgt zu werden, wenn sie die Mitwirkung an einem Flug. blatt zugeben.� Der Präsident: Das Gericht hat die Auffassung, baß die Mitwirkung an einem Flugblatt allein noch zu keiner Bestrafung Anlaß g«be. Schmitz: Es eristirt keine Verbindung zwischen Köm und Elberfeld. Da» Flugblatt wurde auf mein« Veranlassung gedruckt, die Partei hatte damit nicht« zu thun. Ich babe mtt Grimpe wegen de« Drucks verhandelt; er sagte, seine Mischine sei be'chäoigt, er könne da« Blatt nicht drucken. Grimpe: Wann war das? Sckmitz: Das weiß ich nicht. Da« Manuskript li-ß ich bei Grimpe. Den Angeklagten Corde« zu kennen, weiß ich nicht. Wer da« Blatt gedruckt hat, weiß ich auch nicht. Grimpe: Ich war damals verreist und habe da« Bült nicht gedruckt. Sckmitz: Ich»würde das Zeugniß verweigert hrben, selbst auf i>,e Gefahr von ZvanaSmißregeln hin, wenn mich nicht die Vertheidigung belehrt hätte. Mit dem Flugblatt halte die Partei nichts zu thun; ich habe e« angeregt und bezahlt. Einige Leute waren mit mir im Einverständniß.(Der Z-u�e wird vereidigt.) Zeuge Gaffen: Meine Bedenken find durch die Unter- redung mit den Vertheidigern gehoben. Den Brief, nicht eine Karte, Hab« ich geschrieben. Ja Elberfeld war ich wegen de« Flugblattes nicht. Ich habe Geld dazu gegeben. D>e Partei hatte damit nichts zu thun. Ich stand damals mit Lücke auf gispanntem Fuß. Vom Druck weiß ich nicht«, al« was Sckmitz gesagt hat, daß die Flugblätter durch eine» Boten an ihn kamen. Schmitz: Da« Blatt wurde zum größten Theil mr- brannt, ein Theil verbreitet. Harm: Ich selbst w-iß von dem Brief nicht. E« wur- dm mrr überhauvt nickt alle Bnefe vorpel-gt. Gassen: Von Verhandlungen mit Corde« weiß ich nichts. (D:r Zeuge wird vereidigt.) Schmitz(auf Befragen Grimpe«): So viel ich mich erinnere, bekam ich die Flugblätter am Sylvesteradmd, dmch einen Boten. Zeuge W o l d e r« k i, Fabrikarbeiter in Köln: Da» »Mahnwort" kenne ich. Ick ka.m nur erklären, daß ein Be- kam ter mich f, agte, von wem taZ Blatt herstamme, ick sagte, die Part'i habe damit nickis zu thun. Ich war zum Kongreß in St. Gallen, infolge des Ausruf« und nach Rückspiache mit einigen Freunden. Ick regte auf dem Kongreß eine Be- sp«chung wegm des»Soz." an, wurde vom Voisitzmde« ab« sofort aufg-lordert, eine Erörtnuna über den»Sozialdemokrat" zu unteriaffen, wa« ich tdat. Von anderen Besprechungen wegen des„Sozialdem." ist mir absolut nicht« bekannt. Da« P.otokoll enthält einm vollständigen Auszug üb« die Verhandlungen des Kongresse«. Posten waren nicht aufgestellt; Jeder« mann konnte zum Kongreß kommen, was auch viele St. Gallen« Bü gn thaten. Die Thellnebmer brauchten blas dem Bureau Namen und Wohnort anzugeben. Eine weit«« Prüfung fand nicht statt. Es wU'de nur gef-agt, ob Jemand etwa« gegen die Zulassung einzelner Personen einzuwendm hätte, was meine« Wissen« nie g lchah. Da« Bureau bestand au« Singer und Hasencleoer. Ob Vertreter de«„Sozialdemokrat" da warm, weiß ich nicht genau. Motteler wrr am letzten oder vorletzten Tage da, ob Tauscher und Schlüt« da warm, weiß ick nicht, ich k.nne sie nicht p«sönlick. Eine Erklärung, daß Notizen nicht g macht werden dür'ten, habe ich weder vom Bureau noch sonst gehöit. Ich selbst habe während der Verhandlungen Briete geschrieben. Papier und Bleistifte standm un« genügmd zu G böte. R.-A. Lenzmann: Bei Parteitagen and«« Parteien wird genau in gleicher Weise verfahrm. Staatsanwalt: Kamen in Ölten alle Theilnehm« zusammen? WoderSki: Ich selbst bin nach O.'tm gefahrm, wo un» von Herren im Hotel gesagt wurde wir sollten nach S>. Gallm fahrm. Instruktionen wurden uns nicht ertheitt, nur die Züge angegeben. Von geheimen Abmachungen einzelner Führ« ist mtt durchaus nicht« bekannt. Staatsanwalt: Ich beantrage, dm Zmgm nicht zu vereidigm. Rechtsanwalt L e n z m a n n: Wir beanttagen Vneidigung, der Zeuge ist glaubwürdig. Ich verstehe nicht, warum d« Staatsanwalt die Vereidigung von den Angeklagtm günstig aussagmd« Zeugen nicht zulassen will, während Belastung«- zeugen, wenn auch Sozialdemokraten, oneidiat w«dm. Da« Gericht beschließt, den Zeugen nicht zu vereidigm, ohne jedoch dessen Glaubwürdigkeit anzuzweifeln. Zeuge August Wimmer«(auf die Frage de« Staat«. anmaitt): Ich fand einmal einen Zettel, durch wtlchen noch mein« Meinung auf mein Zeugniß eingemirlt werden sollte E« war vor anoerthalb Jahren. Gestern Abend habe ich noch mit Kommrssar Kammhoff üb« mein« Au«soat gesprochm. Den Zeitel habe ich nickt weit« beachtet.(Auf Befragen te« Prafi. denten:) Es ist mir nicht bewußt, daß ich mit einem Andern al» Bleibtteu in die Versammlung bei Voß in der Kohlstrae« ging. E« ist möglich, daß Leicht mitging, ich«innere mich aber nicht mehr genau. Bleibtreu: Ich habe August Wimmers abgeholt und dann Leicht getroffen und mitgmommen. Wimmer«: Wa« in der Versammlung gesprochen«ordm, weiß ich nicht. Es wurde schrifllich gewählt. Leicht: Gewählt wurde; ich Hobe mich daran betheilia', plaub- ich. Der E,d rst mir heilig, HerrPräsidmt! E« wurde üb« Listen von der Wahl ve- handelt. Behaupten, ob ich ge- wählt oder nicht gewählt, kann ich nicht. W i m m e r s: Ich war einmal mit Bleibtren bei Voß gewesen. Meines W ffen« habe ick der Polizei üb« die V-r- sommlung nicht b«icktet, ab« wohl nachträglich die Namen d« Gewährmänn« mitgeihcilt. Leicht: S« konnm sech« od« sieben Personen gnväh't worden sein. 2ö immer«; Vom„Zmicher' ntube«efproden; den „SoiialbemolTat" habe ick darunter verstanden. Um wa« e« sich Hanse te, ob um AbonnementSgelder oder Wohlxe'der, weih ich nicht. Em Kellner brachte B cr. vom Umdrehen eine« Schlüssels Hobe ich nickt« b, merkt. Ich habe noch weitere Berichte an Konmiffar Kawmheff geUeser», so über da« Komitee. Auch Aeutzerunften Bleibtreu'« über da« Komitee bade ich berichtet. In der Versammluna war nicht von Wah komitee oder geheimen Komitee die Rede, sontern nur vom itoinittf« Bleibtreu: 1887 habe ich mit Wimmer« über ein W-Hlkom tee gesprochen. W, innrer« sauf Befragen Müller'«): Ich bade bei der Wadi Z M. van Müller erhalten, weil ich emen Kranken zur Wahl fuhr. Ob ich damal« in Polizeidiensten stand, weih ich nicht.— Sl« ich heute hier ankam, wurde ich von einem Manne auf Schritt und Tritt verfolgt. Ist da« erlaubt? Präsident: Da« Gesetz wird See schützen. R-chUanwalt Lenzmann: Ich bitte, da« der Gericht«- Hof seinen Ernfluh pellend mackt, daß dre Polizei nicht die Z uge» bearbeitet. Ist e« zulässig, dah die Kommissare Wil- trag und Kammhoff mit den Zeugen verkehren? Der Präsident: Da« Gericht hat keinen Einfluß auf die Polizei. Oa deren Versahren taktvoll ist, haben wir nicht zu entscheiden. Staatsanwalt: Wegen seiner persönlichen Sicherheit kanfrri te Wimmer« mit Kammhoss. Wimm er«(auf Befragen Lenzmann«): Nur wegen Schutz ginA ich zu Kammhoff. Er sagte vorher, wenn die Sache vo«der ist, kommen Sie nur dreist zu mir. Meine Frau hat Befürchtungen geäußert. Ich war gestern Nach- mitrag bei Kammhoff in d-ssen Wohnung. Vor meinem Hause wurde gepfiffen; ich halte Angst. Ich verlieh Kamm» hoff um S Uhr Abend«. Ich möchte lieber die Aussage ver- weigern. Ich habe Kammhoff m einer Wirthschaft getroffen. Der Staatsanwalt verlangt tel-p ionische Ladung Lammhoff«.— Das Gericht besch lieht demgemäß. Harm: Der Zeuge Weber hat hier erklärt, dah er zu Schlecht fei, von un« geschlagen zu werden, ich erkläre, dah wir e« unter unserer Würde halten, dem Zeugen Wimmer« etwa« zu Leide zu thun. Wimmer«: der im Saale bleiben soll: Ich will lieber hina»»gehen! Der Präsident: Setzen Sie sich binten im Saal! Zeuge Gutekunst, Bandwirker au« Ronsdorf: Meist besuchte>n Ronsdorf Geschäfiskunden; dah er mit Sozial- demokraten verkehrte, Hörle ich, weih aber nicht« Bestimmte« darüber. Neber die Verbrertung de«„Sozialdemokrat" und ob ich ihn halte, verweigere ich die Aussage.(Auf Ve>- anlaffuag d.« Abgeordneten Schumacher, der dem Präfidenten erklärt, efi handle sich um seine Ehrenrettung, anerkennt der Zeuge die Handschrist Dietzgen« in einem von Schumacher vor- gel'gre» Brief.) Zeuge Jörgen, früher Beschuldigter, wird nicht ver- Zeuge W e g» e r, Tischler au« K'el: Von den Rend«- burger Packe, en weiß ich nicht«. Für einen jetzt verstorbenen Äorbmacher habe ich von je Peck.tadressen geschrieben. Wa« «r den Packiten war, weih ich nicht. Die mir vorgelegten Adressen habe ich geschrieben. Von W ckerhagen in Rendt- bürg halte ich keinen Auftrag, einen Brief an da« Land geeicht Kiel zu schreiben. Wackerdagen kenne ich gar nicht; ich habe de» Brrf au« freien Stücken geschrieben, um Wackerhagen zu rette».(Der Z uge wird v-reidigt.) Leicht erklärt sich bereit, leine Aussage zu beschwören dah d-e Versammlung wegen der Wahl war.(Er wird ver. eidrgt.) Da» Verhör der Angeklagten wird fortgesetzt. Balthasar Cramer, Gaftwirth zu Dannstadt: Ein Poch« au» Rendsburg habe ich nicht gesehen. Die Sozial- Demokraten pfl-gen gelesene Schriften weiter zu vcr'ch'cken. Auf loche Weis« Hase ich ebenfalls Schlitten erhalten. In Darmstadt besteht keine Verdrntung. Wie au« Rendsburg ein Packet an mich abgeschickt wurde, weih ich nicht. Der Absender mag viel- leicht den Glauben gehabt hoben, ich verbreite die Schriften. Ich bin sehr bekannt, auch im Auslände. Mit der Verbreitung Waßte ich mich nicht. Abonnent der„Sozialdemokratischen Btdlwchek" bin ich nicht. Emil Esplör, Bandwirker zu Garschagen, Ge- meind« Lüttnnghausen: Auf Befragen: Ich dm Sozial- demvkiat. Der Präsident, Versammlungen in meinem Sinne find überhaupt Zusammenkünste auf vorherige Verabredung von mehreren Personen. Esplör: Solche Zusammenkünfte fanden bei mir nicht statt. An meinen Bruder schrieb ich wegen der Sammlung für tasencleoer. Gesammelt wurden 13 M.: ich bekam aber nur die iste zurück. Selbst habe ich nicht für Hasenclever gesammelt. Von Viereck und Dich beziehe ich Schriften. Emil Finke, Bäcker in Elberfeld: An dem Ausflug nach Schwelm habe ich nicht Theil g-nommen. Gustav Finke, Konditor zu Elberfeld: Bei mir find verschiedene Schriften beschlagnahmt worden, wovon einige mein Eigenthum, andere zum Embinden für meinen Bruder eingelegt wurden. Nummein de«„Sozialdemokrat" wurden in meinen Laden geworfen. Bei den beschlagnahmten Büchern muh ein Z-ttel liegen, dah fie zum Einbinden bestimmt waren. Bei Stehe verkehrte ich; in Schwelm bin ich nicht gewesen. Wmn ich durch Schellen im Laden aestört wurde, legte ich wohl den„Sozialdemokrat" auf den Ti'ch und da kann e« fern, dah einer memer Gehilfen hineinsah. Ein„Glaubensbe- kenntnih" habe ich nicht verkauft, wohl aber in Berle'« Druckerei Karten. Da« Flugblatt„An die Wähler Deutschland«" habe ich nicht verbreitet. Ich habe Hahn, der die Kiste abgeholt haben soll, nicht in meinem Laden gesehen. Sine Majestätsbeleidigung bade ich nicht begangen. Zeuge Polizeikommissar Kammhoff: Wimmer« war bei mir in der Wohnung.(Zeuge erbittet fich Bedenkzeit darüber, ob er den Inhalt de« Gespräch« nennen könne.) Auf meinen Eid, im WirthShau« war ich nicht mit ihm zusammen; ich glaube nicht. Wimmer«: Ich traf Kammhoff im WirthShau«; da« Gespräch fand in dessen Wohnung stall. Kammhoss: Ich muh viel im W-rthShause verkehren, um mit meinen Vertrauensleuten zu verkehren. Ich bin in der glückttchtn Lage, daß meine GiwährSmänner unverdächtig find. Wimmer« habe ich Schutz versprochen. Auch von andern Ver- trauensleuten habe ich Bericht über da« Komitee erhalten; die Ramen wurden von verschiedenen Seiten bestätigt. Ich gebe zu, dah ich an Personen, die fich in der Partei oder deren Leitung befanden und zurücktreten wollten(c« kommen Unterschlagungen vor!) mich gewandt und mit ihnen gesprochen habe. Sie sagten mir, e« ginge in der Partei nicht reell zu. Wenn ich da« horte, ging ich zu den Leuten und ersuchte fie, in der Partei zu bleiben und mir Mitlheilungen zu machen. Ihre Groschen sollten fie nicht mehr gebrauchen, sondern von mir da« Geld erhalten. Sie sollten ihren Parteigevoffrn die Augen offnen über gewisse Führer. Fast alle Angeklagten find ja nicht au« Elberfeld. Mit den Vertrauensleuten bin ich an den verschiedensten Orten zusammen gekommen. Scknst- lich wurde mir von einem Vertrauensmann, nicht Wimmer«, die Namen der früheren und späteren Komiteemitgliider mitaetheilt. Rechtsanwalt Lenzmann: Ich beantrage, da« Schrtft- stück zu den Akten zu gebe». Kammdoff: Da« darf ich nicht. Es ist ein Bericht, daß I88ö oder 1887 da« Komitee au« Flitz, Pollender, B artet und Anderen bestand, dah später Kowakowik', Dudat, Flach, v. Schemm gewählt wurden. Dem Gewährsmann schenke ich unbedingt Glauben. Im neuen Komitee find Müller, Finke, Dudot und Andere. Ich glaube nicht, dah die« Komitee bei Voh gewählt wurde.(Auf Befragen Lenzmann'«:) Der Bericht kam nach der Neuwahl des Komitees. Neber die Daten kann ich keine Auskunst geben. Wimmer« ist nicht der Mensch, der da« Ganze der Organisation übersteht. Aber ich habe andere Leute, die sogar mit der Fraktion korrespondiren. Rechtsanwalt Lenzmann: Und diese Leute, die Ver- räther ihrer Genossen, halten Sie de« Vertrauen« würdig? Kamm ho ff: Jawohl. Geld habe ich den Leuten nie geboten, aber ich Holle mich«vent.. wie b>i Wimmer«, verpflichtet, ihnen Beschäftigung zu verschaffen, Auslagen Hab« ich den Leuten vergütet. Verth.: Ist den Leuten für ihre Aussage Geld zu« geflossen? Kammhoff: Darüber v moeigere ich die Auskunft. Verth.: Hat Vollender fich von der Partei abgewandt? Kammhoss: Darüber verweigere ich die Aussage. Wimmers habe ich berm Wirth Proll gesprochen; er wurde von Serqeant Jäckel hinp-sührt. Ich verkehre täglich mit meinen V« trauensleuten. Jäckel hatte ich deauttiagt, in Zivil- kleidung dem WimmerS in leine Wohnung zu folgen, um ihn eventuell zu schützen. Was ich gesagt habe, halte ich aus meinen Eid aufrecht. Rechtsanwalt Lenzmann: Ich wünsche, dah Kannrchoff ersucht wird, während de« Prozesse« nicht mit den Zeugen zu verkehren. Der Präsident thut die«. Er verliest dann den Be« scheid de« Oberbürgermeister« Wegner von Barmen, wonach die Gewährsmänner genannt, aber nicht gesagt werden dars, ob fie Bezahlung erhalten. Die Sitzung wird um 2\ Uhr vertagt. 1 Versnttnnlttngen. Vrrrinigung V*r Dr»ch»t«r(S-rltn 1 un»«> Miiallfttr wrrdin leben Eonnabend bei(SkünM(früöet Bend». Drei denn- sie. Ii« aufg-nommen. Abend« von 8X MI 10 Uhr. Ebenso werden Beuie|)f entgeaencer ommen und die Fachzeitunli ausgegeben tzachv-rot» vor Tischler. Eonnobend, dm 7. Dezeniber, Abend« 6 Uor. in Zoedan« Salon. Neue B.Ünfte 28: Soiftandlftiung mit Zuziehung der beiden ÄommiMonen. SJFrrt» tfnrolnignn« der Zuschneider. Hiepper und Vorrichter in». Eonnobend, den 7. Dejemder, Abend« g Uhr, Alie Zotobsttase do: enerai-Veelammlung. Tagesordnung: I Koffendertidl 2 Belicht de« Bei'. stände« 8 Kohl de« gesammien Boiftardi« süe 1890. 4. Beeschiedene«»no Rraaefaflen. MtigliedSbnch legUirnUt Neue Milglteder werden am Eingang ausgenommen. ««ntrul-Orouken- und Kegrüduttzkuss» der Kuttler u.>•,* Auheioeoent'che Mti ttteder Vensammlung am Sonnabend, den 7. Dezemdee, Abends 8tz lldr, in Hevdeich« Saal Beuthfit. 22. Taaeloidnung: 1. Bot WS de« Setirelet« Herrn R Kunow über: Mager trunkhetten und deren natunge- mühe Heilung. 2 Sie stellen sich die Mitglieder zum Anschluß an dm Hat»' kaffenveiein. S Verschiedmeg Mtigtiedlbuch legltlmlrt Zu dieser VelslUNM' lung ertucht um recht rege Betheiligung der Vorftond »ttgtiederuersummtuus der ullgemeinen Arunkeu- und Kteededulr» der MetuUurdetter iE. H 23, Kiliale Nirdorf) Eonn- abend, den 7. Dezember, Adenoß Uhr, im Lokale de« Herrn Kieiicke. BeiT straß' 8«. Zentral.«tranken- und VegrSbnttzkass» für Kennen MSdchen Aentschland». iE. H. 28, Bcrwal ungsuellm Berlin.)»m Eomi- lag. den 8. Dezember. Btiltag« 12 Uhr, findet z-m Besten ouggeft-uerier Mid glbden in Kaufmonn's Vorielee eine große Matinee statt wozu? eurw und(Bäraiei der Kasse freundliitft eingeladen sind Vollftiindia neue« Pto- 8 ramm Bisiel« an der Kosie 60 Ps. und vorher 80 Ps sind hei lümmilWst» >orftand«mttgliedein und Zablftellentnhabeiinnen zu hohen: P,pke, Walde- inarftr. St. H. 2 Tr. Blödes, Rtichenberoelftr. 86, H 1 Te S. Ko ge, Neu« Iatodstr 28 im Zsgorrenladen. Frau«iünther, Wasieilhocftr. 43. v. 8 kr Hau Mtter. Ekotitzeestr 68. Ouergeb. 1 Tr.. und Oranimfte. 137. im Soden. P nid. et. Kvchilr. 20. Frau Lug. Putlkometstr. 7. Do!z, Bergsir. 80. Wast- miß. Palisadenitr. 22, H. Ouergeb,, sowie in allen n i: Plotolm belegten Handlungen. Um recht re.e Betheiligung wird de« Zwecke« wegen aedeten. Ktliai» 4 der aUgeneetnen«tranken- und Strrbekass» der WrtaUardetter. iE. H 23, Hamburo.) Eonnlag. den 8. Dejemchr, Bor� mitlao« 11 Uhr. Versammlung AndreaSstr. 28. bei Bolzmann. TageSordnuv«' l. Kassend reicht. 2 Wahl der OilSverwaltung wr die Zenteal Kranken' un« Eterdetasse der Metalloideiter Nr. 23. iBultan.) 8. Berschiedme«. Fnchrerein»er pniger Berlin». Mitgli-der Ve, sammlung am Eonr- tag, den 8 Dezember. Vormittag« 11 Ubr. in den Bü gersälen. Dresdener' straße 38. Tagesordnung 1. Diskussion über dm von der Gewerdedeputailan eingegangenen Fragebogen zur Lohnftatisllk. 2 Besckiußs.ffung über den Mar kinball. 8. Eiledigung von NechlS'chug und knleistügungzgesuidm. 4. En- eingangelegmheiten. 6. Verschiedene« und Fraaedeaniwortung Die Btllel« p der am 1. veihnachtifrierlag ftastssndendm MalinSe sür e> krankte Milglieber des Beretng werden in der Bersammiung auggegebm. Frrt» Vereinigung der Maurer Berlin» und Zlmgegend. Außeiw deniliche Mitoliedei Versammlung, Sonntag, den 8 Dezember, Boimm tag« 10 Uhr, im Lokal de« Herrn Oitchel, Eebaftianfte. 68 TageSordnuni 1 Unter Iv lchm llin"önden ist e« möglich, eine Gel ammtorganilation unter»et Berliner Maurern herzustellen. Res-renl H-er Td. Glocke. 2 Dt»kulsio«' 3. Abrechnung vom Slislungkseft. 4. Verschiedene« Um zahlreiche« Erscheine« ersucht der Vo. stand Gesang-, Turn-«nd gesellig» Vereine am Somrabmd: Gesang' verein.Harmonia'«bmd« 8 Uhr im Neftaurant, Alle Iakvbftr. 88" Männergesangverein.Treue' Abend« 3 Uhr im Nestaurant Andreaistraße 3. � Mönnergeiangverein„Erato" Abend« ffü Uhr bei Echlöwicke, Kleine Kurftr> Mannergesangverein„Smeselder', Große Hamburaerftraße 4. um 3 U»' UebtmgSftunde, Ausnadme neuer Mitglieder— Gesanaverein..Harmoni» Aveud» 3 Uhr im Resiaurant Lehmann. Kursüiftenftr. 81 Gesangstunde., Lübeck scher Turnverein<1. LebrlingS-Adtbeilung) Sbend4 8 Uhr Eltiadethstraßk Nr 67-68- Tuinveretn„Wedding". Pankftr.S. Männec Adtheiluna von 8tz d» 10tz Uhr Abmd«; delgl. 1. LehrllngSadtbeilung von 8 di« 10 Uhr Aden!» - ArmdSsche Slenogravbenktaffe de«„Berliner Handweckerverein«" Abend« 8tz Uhr Sophtenstr. 16— Theater' und Bergnügungioerein„Eariiaß" Abmd« 8 lldr tin Louiseiiftadtischm Bierhause.«dmtralstr 88.— Theater, und Bei' gnügungSgesellschasl„Treue" Abend« 82 Uhr in Bobert« Ballsalon. Wewstr.ll - P.loat'Tdeatirgeselllchas!„Schneeglöckchen". Abend« 3 Uhr in Benin« Bierhai» Vernanmiu 18— Geselltgtesllklud„Luttlg;' Abend« 3j> Uhr im SieftauratU weichet!, Taubenftr. 46— Verein der Taudmsreunde Abend« Kt Uhr b» Nestaurant Htllmaim, Mantmffelpraße 88.- Dänischer Verein„ffreva" Abend« 9 Uhr im«estmirant Poppe. Lindenstr 108.- Verein der Würtlemberi«' »bmd« 8tz Uhr bei Voihinger. Dorotheen str. 84.— Verein ehern Schüler P 84.«emetndeschuie Abend« 8 Uhr im Restaurant. Koppenllr. 68.— VeriV ehem. SR t. Luider scher Schüler Abmd«»K Uhr im Restaurant Borman« Ohmgaste 2— Rauchklud„Porlorico" Abend« 3 Uhr di« 11 Uhr Köpnickel' straße 157 bei Schulz.— Rauchklub„Dualm" Abmd« 8 Uhr im Reftauraru Tamm, Schönhauser Allee 28.— VergnügungSverein.Lustige 18"Sdend«»UV im Resiauranl Aidrechl, Annenstr. 8.— Tambourverein„esedan" Sitzung Abend« 9 Uhr. Grüner Weg 9—10, Ausnahme neuer SRitglleder— Tamdouruerevt Her, Znistg", Abend« 8 üdr. Sitzung im Reftauranr Enaßburaerstraße k Dirigent und Vorsitzender Fritz Laulant.— Tamdouroerein„Eimgieil malpt stark", gegründet 1888. Dirigent zur Zeit H. Kömling, Ausnahme neuer Mitglieder Abend« 9 Uhr im Restaurant Hadn. Ellasierftraße 67— Tambour' Verein„Keltenseft", Sitzung Mj Uhr. Weißendurgerstraße b«. Dirigmt und Vor' sitzender. A. Friese. Ausnahme neuer Mitglieder.— Bergnügungioerein ,.Susi>< Seelm" Abend« 3 Uhr im Resiauraut Schuster. Orantenftr. 8.— Bergnüguu««' verein Ho»vicia Kleine Augustftraße 14 Avend« 9 lldr. Verband deutscher Zimmerleute (ikokalvrrband Kerlin). Große General-Versammlung am Konntag, d«n 8. Dezember 1889. Vormit'az« Iv Uhr, im Konigstädttsch»« Kasino, Holzmarksttahe 72, 1. Tage«-Ordnung: 1. Beschlußfassung betuffend de« nächsten Baujahre«. 2. Verschiedene«. Zahlreiche Betheiligung ist unbedingt nothwendig. Der Vorstand. I. A.: Jäckel. 118 L«ki> zwttililhtt KilfMkittt BttliiS»Iii! UWtgt»h. venei'sl-'l emr Konuta», den 8. Dezember, Voimitlag« lv Uhr, m Kchesfer'o Kalo«» Jnselstr. 10. Tage«»Ordnung: 1. Beschlußfassung über Einführung de« Arbeitsnachweises und Wahl einer Kom- miffion. 2. Regelung der Unterstützung gemahregelter Kollegen. 3. Verschiedene«. 4. Frage. »«chn. 10S Der Vorstand. Fach verein der Tischler. Am Weistaachsfelertag, Mo-aen« 11 Uhr, in Sanasouoii ffivoljc Wtsktnche. Arn 2. Weihnachtsfeiertag: Grosses Weihnachtsfest im beiden Kaie« der Berlinep Bockboauerei(Kreuzberg). Unt r M iwirku, g de« Gesapiverern«„Lu d wt»'sch-r Männer ch or." Atrln-ArWrriiin. Smirt.»irttliesttttr». M. Kittet« hierzu find aus allen Zahlstellen de« Verein«, sowie bei folgenden Herren zu hoben:«irrte, Jnvalidenstr. 21; MrUarg Lehrlerstr. 22, 2 Dr.; M a r k m a n n, Bar- »iafh. 46, 4 Dr.; Hoyer, Grüner Weg 7V', Winter, Manteuffelstr. 6, 3 Dr.; Glocke, LiiufitzerstroHe 32 3 Dr.; W i e d e m a n n, Wnidenstiahe 2, 4 Dr.; Haberland, Reichen- d-raerstr. 1V1, 3 T,.; Schu>»,»utzerstr. 42, 4 Tr.; M o n i e n, Kreuzberostr. 9, Querab. 4 Tr.; Witt«, Möckern str. 95, 3 Tr.: El, aller, Nostrzftr. 4V; A p e 1 t, Sebastianstr. 27/28«Mörl. buidlnnp); H.Schmidt, Elisabtthuser 20, H. 2 Tr., dei Ollowtki; Ferd. Meecke, Adräbertch. 9, 4)Tr.:Roggemann, DreSdenelftr. 77, 1 Tr.; H e m v, Pallffadenstr. 63, 4 Tr. D«i- Vorstand. Billige Reste zu großen u. r-,—,---- J« kleinen Holen, zu Anzügen, Worgenkleidern, Regen- und Winter-Manteln. Biüfrh. Krimmer, Pelz, Eammet, Trikot»u Tsrllen, auf Wunsch gleich»uaeschnittm. 1111 »Wrlo, Lausttzer Platz 1(Ecke Waldemarftr. 974 rila- unii Seicken» Hüte, reelle Waare zu billigsten Ptttsen bei Bod. Beione, Ehausseeftr. 70. Lttck j»r Wahkliz her Zitkkkisk« der Tischler zur gefälligen Nachricht, daß am 117 Sounabrnd, den 14. Dezember, Abb«. 81 Uhr, IM Lokale de« Hrn. Kloth, Dresdener str. 10 ein» AußemdeMihe GtllnalvttsaMlllltg stattfindet. Tagesordnung: Auflösung de« Verein«. Der P-rstand. Fachverei« der Former«»d Kerufs genossen. Versammlung am Sonntag, den v. Dezember, Vormittag« 11 Uhr, bei Keydrich, Beuthstr. 20/22. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vorstands mahl. 3. Verschiedene«. Um zahlreiche» Erscheinen ersucht Der vvrftan». Freunden und Bekannten empfehle mein Wciß-u Bairtsch-Bierlokal. Guter Mittag- und Adendttsch. NereinSjlinmer rst zu vergeben. 122 R Uimetschek» ekalttzerstr. 18(zum lustigen Stiefel"). E. pracht. H. Bauer 1 m. b. 2 w. h. g. f. Taubenbörsen u. Zucht, z. v. b. Beyer, Am Friedrichshain 4. 124 Der ArdettsuaWels der Drechsler und Omstmoffen tür Meister und GrfeUen defi'del sich D res den er str. 116, der Bottndol(früher Wendl). Die Arbeitszuweisung ist unentgeldlich auch für Nichtmttalieder. 1 14 Die Adress-nauSgabe ist Abends von Sf bis 9t Uhr, Sonntaa oon 9t— Iii Ubr Vonnittaas. Berlin S., eröffnet« iq«in» Bsichhaiidlsisig str Arbeitn. Zch fAhrk des°n»«r4: I. eSmmtliche «ecke au«»am Verlag,»on Z. Y. Itz. Die» in Stuttgart Berliner Ardeiter«tdliottzet. Alle fSt den Ardeller wichtige» Gesetz« i» de» zweckmötzigsien Ausgaben. Geligeschichte». Billige un» gute«onversationg�etzila und Fremd' Wörterbacher. Popuitzre naturwiffenschaffliche«tzerke. «ederne realistische Aam-ne NN» Dramen»o«: Zela, Daudet,»»neourt, Ataupaffani, Zdsen, BsSrnson, Kiellaad, Strindder», Krogtz,«orberg, Dostejewett, Tolfivi, lue geniest,>. H» der bei Ergreifung der P.äsidentschast üblichen Rede fen politlschen Eiertanz zwischen den Formeln und Wünschen der verschiedenen Fraktionen aus- geführt, um thunlichst bei kein« anzustoßen. Das gleiche Kunststück v-rsuchte der Ministerprästdent Tirard in der Erklärung der Regierung, allein das, was Floquet mit der G azie eines gewandten Jongleurs gethan, das führte« mit der Schnerfälligkeit eines gutgemästeten Elephanten aus. Trotz der oifizullen Nichtssagendyeit des Dokuments ist doch die entschiedene Orientiiung d« franzönschen Politik nach rechts ia so ohne alle Verbrämung auSgesorochen, daß die Radikalen trotz aller Friedensliebe verschnupft sein mußten. Ganz de» sanoers empfindlich berührte fie die Phrase,„daß alle Fragen z» vermeiden seien, welche die Geister«zilnen und theilen", 0. h. daß die Revision und die Trennung der Kirche vom Staat begraben werden müßten. Um jedoch üb« das Parla- ment hmauS ein wenig mit der Masse»u liebäugeln, erklärte die Regierung besondere Aufmerksamkeit Fragen der National- ökonomie und der sozialen Gerechtigkeit widmen zu wollen. Derartige Erklärungen find bekanntlich billig und verpflichten zu Nichts. Damit eS trotzdem den Gemäßigten bei dem Wort Reformen nicht gruselte, präzisirte Herr Tirard sofort, welcher Art dieselben seien w«den: R-form des Justizverfahrens, Reform der Steuern Gebäude zu Gunsten ein« Entlastung des agrikolen Grundbesitzes, eine Reform der Schänkefteu«, das sind die Walresormlerischen Mäuschen, mit denen der parlamentarische "erg niederzukommen gedenkt. � In erster Linie ist die Kammer mit Validation der Depmrrten deschäsfigt. Die Zahl der UngiltigkeitSerklärungen wird nicht beträchtlich sein, da die Gemäßigten der konseroativen Nichten gegenüber Alles vermeiden wollen, was als eine lystematische Feindseligkeit nschemen könnte. Mit den rein boulangistischen Deputirten macht man weit wenig« Federlesens, und noch ihrer Seite hin entfallen die We sten Unzrltigkeitse'k ärungen, obgleich fie an skandalöser "Dah mogelei nicht m-hr und nicht wenig« geleistet haben, als die Monarchisten, ja dre Herren Opportunisten selber. Für un- llillig ist bereits daS'Mandal des Grafen Dillon erklärt worden, da dieser in Folge d« Verurtheilung, die ihn getroffen, sein« Vürgnrechte verlustig gegangen ist. Der 9. Ausschuß für Prüfung der Mandate hatte auch die Wahl des Exblanquisten Grang« für ungiltig erklärt, nach- täglich sich jesoch dahin ausgesprochen, daß dies« Spruch nicht kddgiltig sei. Mit d« größten Spannung wird noch imm« d« Entscheid in Sachen der Wahl Joffiin's«wartet. Der Ausschuß hat bis jetzt seme Ansichten nickt weniger als drei Mal und iwar stets in wid«spr>chender Weise geänd«t. Zunft«klärte er, die Wohl Joffrin's nicht validiren zu können, dies« sei ais» nichl D.putirl«: darauf, daß die Stimmzettel auf den Ramen Boulanger null und nicktig seien, Boulang« also oleKt falls nicht als Deputiit« gelten könne, weil«, daß die W»hlopnation von Cugnancsurt nicht als nrkll und nichtig erklärt werden dürfte, daß also auch kein« Neuwahl statifinde. Schließlich ist der Ausschuß in ein« allerdings sehr unvoll- ständig besuchten Sitzung mit 18 Stimmen gegen *7 Abstentionen der Ansicht gewesen, daß Joffrin's Aahl für giltig«klärt w«den müßte. In letzter Instanz wird die Kammer zu entscheiden haben, und es 'st schw« vorauszusagen, wie der Entscheid ausfallen wird, da f® in den Händen der Monarchisten liegt und dies« bis jetzt »sr Angelegenheit keine Aufmerksamkeit zu schenken scheinen. $ie Gemäßigten werden geschlossen für die Validation Joffrin's sswlmen, wie ihre Presse, allen voran JuleS Fe.ry'S Organ, L«.Estafette", schon seit Wochen kräftigst dafür eintreten. Ein «-heu der Radikalen geht mit den Ooporiunisten Hand in Hand, and««, darunter Clemenceau, Millerand rc. w«den gegen Eiltigkeitseiklärung stimmen. Clemenceau hat sich in iont«viewz und auch im Prüfungsausschuß ganz energisch da- «N ausgesprochen, daß die Erkiärung Joisrin'S zum Deputirten ""lach«ine grobe Verletzung und Aanullirung deS freren, all- «."neinen Stimmrechts sei. Boulang« sei zwar infolge snn« Krurthcilunq nicht wählbar, allein die Wahloperation s'.�gelmäßig und gütig, und eS müsse eine Neuwahl statt- �den. Der Wasserradikale Camille DreyfuS rst da- b« Anficht, daß die Wahl des Pvssibii'stni als gültig »m�t werben solle. Nachdem er zugegeben, daß Cl-mencau föw R cht mit seiner Ausfassung deS Gesetzes habe, sagt er, ledoch die Staatsklugheit die Annulation der Wahl Joffrrn S die aus ihr refultirende Neuwahl verbiete. Außerdem, setzt -j" unoemem charakieristisch« Weise hinzu,.wäre eS unge« jJr 3 off ritt zu invalidiren. Die Possibiltstm sind so gute a-i®,, freue Verbündete gewesen, daß sie Anspruch auf ernen dts Sieo-« haben. Es hieße ihre Hülfe auf«ne eigen- len. che Art Weise und belohnen, wollte man ihren Repra- � woten von einer Position ausschließen, welche er tapfer hat.". r-, feti« � von dem Radikalen Marfan eingebrachte Dringlich- l2a auf Revision der Konstitution ward mit»45 gegen �Stimmen verworfen. Bemerkenswerth ist, daß ein groß« der Radikalen, gegen den Dringlichkeitsantrag stimmte, so untn Anderem der sonst stets so warm für die Revision eintretende Millerand. Obgleich die Radikalen alle im Prinzip für eine Revision sind, haben fie doch wie die gemäßigte Presse voll« Schadenfreude bemnkt, aus reinen Opvortunitätsgründen gegen die Dringlichkeitserklärung gestimmt. Mill«and versuchte allerdings seine Hallung resp. die sein« radikalen Gesinnungs- genossen dadurch zu erklären, daß man die Dringlichkeit preis- gebe, um dafür die Revision sicher zu haben, da man für jetzt ihrer Verwerfung sich« sei und nicht durch verfrühte Debatten die Frage für die Dauer d« ganzen LeqiSlawrperiobe begraben und zugleich die Einigung der Republikan« vernichten wolle. Ab« die Erklärung ist fadenscheinig genug und läßt die Schwäcke und Ohnmacht der Radikalen deutlich durchblicken. Was hoffen diese denn durch eine Verschiebung d« RevifionS- frage zu erzielen? Die gemäßigte Majorität der Kammer wird morgen so gut wie heut wie ein Mann gegen jede diesdezüg- liche Vorlage stimmen. Daß ab« von außerparlamentarischen Kreisen b« ein so stark« Druck auf die Komm« ausgeübt würde, um eine Revision zu«zwingen, ist so unbestimmt und zweifelhast, daß die Radikalen selbst ernstlich an eine derartige Mögliibkeit glauben können, um so wenig«, je stärk« sich die Opportunisten fühlen und je rücksichtslos« sie jegliche Oppo- fition darnieder halten werden. Dm kommt, vaß die Ravi- kalen in den Augen der großen Masse zu abgewirthschaftet sind, um die Fllhr«schast einer imposanten, von der Masse ae- ttagenen Revisionsbewegun� übernehmen»u können. Die Boulangiften haben sich mit dm Monarchisten aller Art zu- sammm ditto unmöglich gemacht, indem sie sich, die sich als Gegner des Parlamentarismus aufspieltm, als einfache parla- mentarisch-politilche Abmteur« mtpuppten. Die sozialistische Partei hat sich bis dato noch zu schwach erwiesen, als daß ihnm die Masse mit Vertrauen auf Erfolg die Führerschaft einer d«artigm Bewegung übntrapen würde. Mit d« Zeit und ihrer Erstarkung wird und muß ihr diese Rolle zufallen. D« Grund zu d« Haltung der Radikalm in Sachm dn Revision liegt tiefer als in bloßen Opportunitätsrücksichtm: in der ZwitterhaftigkeitundHalbhei: des bürgerlichm Radikalismus selbst, die ihn vor den Konsequmzm seiner eigenen Postnlate kopfscheu zurücktreten lassen. Heut liegen die Dinge Dank d« Zu- spitzunq des Klassenkampsts und dem Erwachen des Klassen. bewußtsems bereits so, daß eine Revision d« Konstitution sich nicht nur auf daS politische Gebiet beschränken konnte, sondern baß sie von ökonomischen Re'mnun begleitet sein müßte, und dies fürchtet das Gros der Radikalen so gut wie die Opvortu- nisten. Man kratze den Radikalen mit ökonomischen Fragen, und der Bourgeois erscheint. WeZ Geistes Kind die neue Kamm« und daß sie wie jede andere nur ein Ausschuß ist, welcher für die Bourgeoisie das Gelchüft der Ausbeulung der Nation leitet, zeigte sich auch recht überzeugend bei den Bei Handlungen üb« die Fabrikation und den Verkauf der Zündhölzchen. In Frankreich ist die Pro- duktion und d« Handel mit Zündhölzchen seit 1879 ein Monopol, das der Staat jedoch nicht selbst ausbeutete, sondern gegen eine jährliche Pacht von 17 Millionen an ein- Aktien- gesellschast verpachtet hatte, welche kolossal- Profile ein- fackelte und dafür berüchtigt sckl-ckt« Zündhölzchen lieferte. Der bereits mehrmal« erneuerte Packt läuft am kommenden 31. Dezember von Neuem ab, und die Kammer sollte mt- scheiden, ob die Zündhölzchenindustrie Monopol bleiben, ob dieser als Regie direkt vom Staat ausgebeutet oder wiederum verpachtet werden, oder aber, ob die Fabrikation wieder steige- geben werden sollte. Bereits seit langem hatte die das Monopol aktuell in Pacht haltende Aktiengesellschaft nicht mit Trinkgeldern an die politischen Macher gespart, um dag so ein« träglicke Geschäft weit« ausbeuten zu können. Wie eS schien, mit Erfolg. Denn Anfang Novemb« schrieb der Finanz- minister Rouvi« eine neue Verpacktunzt deS Monopols für den 1. Dezember aus Dieses Aussckreiben war fast aleick- bedeutend mit der Uebertragung des Monopols an die Gefell- sckiaft. Dielelbe hatte nämlich thatsächlich den Genuß deS Monopols fast um ein Jahr weiter ausgedehnt, indem sie einen bedeutenden Vorrath an Zündhölzchen produzirt hatte, welcher ihr laut Vertrag zu dem Kostenpreis, in diesem Falle 10 Millionen, abgenommen werden mußte. Ferner mußte der Pächter dem Staat eine Kaution von fünf Millionen hinterlegen, dazu«forderte die Uebernahme der Fabriken und Produktionsinstrumente«. ein anlehnliches Kapital. So wird allgemein das Ausschreiben der V«pachtung als eme Spieoel- fechterei«klärt, da es unmöglich gewesen, in dem kurzen Zeit- räum von knapp einem Monat eine Aktiengesellschaft zu g-ün- den, welche das erforderliche Kapital zur Ausbeutung des Mo- nopols zur Verfügung hatte. Jedermann war also im Voraus überzeugt, die alte Aktiengesellschaft, oder um den Schein der Mogelei zu vermeiden, die Hauptmach« d«selben unter ein« neuen Firma als Pächter auftreten zu sehen. Die Entrüstung des Publikums über den beabsichtigten Streich war groß, um so größer, als der hohe Preis und die abscheuliche Qualität der Zündhölzchen schon längst eine Beweguna gegen die betreffende Aktiengesellschaft«zeugt hatte. Die Manckesteclinge thaten natürlich das Ihrige, die Strömung gegen die Gesellschaft, gegen das Monopol überhaupt auszunützen und dadurch die vielgeliebte Freiheit der Industrie wieder zu«Hilten. Schon während der letzten Legielaturperiode war von den Radikalen Peytral und Lepdet ein diesbezüglicher Antrag eingebracht worden. Da die Eni- scheidung über Regelung der Frage trotz de« ministeriellen Ausschreibens in der Hand der Kammer sag, so brachten die genannten Abgeordneten ihren Antrag von Neuem«n. Rouvi« und mit ihm verschiedene andere Redn« traten für Aufrecht- «Haltung des Monopols ein, und»war besonders von dem Standpunkte aus, daß der Staat nicht von heute auf moraen auf eine so bedeutende Einnahmequelle v«zichten könne. Die Gegner wiederum ritten auf den flachsten Giünden de« Man- chefterthums für die Freigabe d« Produktion herum und«- klärten, daß sich der Staat ja auf andne Weise, z. B. durch Belegung der Zündhölzchen mit einer entsprechenden Steu«, schadlos halten könne. Die Kammer bewies in d« Diskussion, daß fie in der Frage unter Null de« Verständnisses war und auf beiden Seiten mit verzweifelt seichten Gründen focht. Nur der Posfibilist Duman trat m em« sehr kurzen, aber guten Rede mit besseren Gründen für das Monopol ein.„Das Projekt Pcntrat Leydet," sagte er,„würde nur die Wirkung baben, ein Monopol zu zerstören, um ein neues zu schaffen. Bei d« modernen Form der Industrie werden die sich schnell konstituirenden großen Aktiengesellschaften mit ihren PcodukiionS. Mitteln und großen Kapitalien leicht die kleinen, schlecht für den Kampf bewaffneten Konkurrenten«drücken. Außerdem muß gleichzeitig mit dem Jnterrffe der Konsumenten daS Jnt«effe der bei der Zündhölzchensabrikation beschäftigten Ar- deiter geschützt werden, die unter den traurigsten hygienischen Bedingungen arbeiten. DaS Staatsmonopol wird«ine st-engere Uedenvochung der Fabriken nach Seite d« Hy fiene hin ermög- lichen, sowie eine R'gelung der Löhne zur Zufriedenhert der Ardeiter und Angestellten. Leid« hatte sich die sozialistische Grupve bei den ersten Debatten über das Monopol der Zünd- Hölzchen übeznlmpeln lassen, fie nahm keine einheitliche Stellung ein, und einige ihrer Mitglieder stimmten für, andere gegen das Monopol. Die Kammer stimmte mit 292 gegen 232 Stimmen gegen das Monopol und für die Freigedung des Industrie- zweiges, ohne recht eigentlich zu wissen, wie und ivarum. Ehe das Projekt Peylral selbst zur Diskussion gelangte und solange die Frage noch nicht endgiltig entschieden war, wurde die Situation von den Börsenjobbern gehörig ausgebeutet. Die Aktien der alten Gesellschaft schnellten von 700 auf 750 Irls.. um ebenso rasch auf S75 Frks. zu sinken. Böse Zungen be- haupten, daß He« Rouvi« diesem Spiel nicht frema geveten. Als die Kammer in der folgenden Sitzung auf da« Projekt Peytral selbst einging, ist sie nach dem Eintreten Rouvier's und des Ministerpräsidenten Tirard von ihrem früheren Votum abgegangen und hat sich mit ebenso viel Nnverständmß wie früher, nur um nickt gegen die Regierung zu stimmen, für daS Monopol und dessen Ausbeutung durch den Siaat«klärt. Noch ehe die diesbezügliche Beschlußnahme gefaßt wurde, hatte die Kamm« als Amendement das Verbot des weißen Phosphors und die Anwendung des rothen Phosphors voirrt. D« Posfibilist Dumay brachte außerdem verschiedene Amendements ein, forderte Verbot der Arbeit von Kind«n unter 16 Jahren in den Zündhölzchenfabriken, Ein- führung eines achtstündigen Normalarbeitslages und eines MmimallohneS, und Antide Boyer verlangte dazu gleichen Lohn für beide Geschlecht«. Dumay begründete seinen Antrag in einer trefflichen Rede, in welcher er auf die Gefahren der Fabrikation und die Ohnmacht d« administrativen Verord- nungen zur Vermeidung derselben hinwies. Außerdem zeigte « den Forderungen eines Normalarbeitstages und eines Mi- nimallohneS gegenüber, daß die Stadt bei ihren Arbeiten beiden Ford«unaen Rechnung getragen habe, und sich doch deswegen geschäftlich durchaus nicht schlechter stehe. Sehr richtig bemerkte er zu dem Schrecken der Kammer über die Eventualität eines staattlich garantirten Lohnminimums, das als der„reinste Staatssozialismus" erklärt ward, daß die Kammer sich ja während der letzten Legislatur- periode ja nicht bedacht habe, den Aktionären der großen Eisen- bahngesellschaften ein Lohnminimum in Gestalt ein« öprozentiae» Rente zu garantiren, und daß man, nachdem man so den Reichen gegeben, logischer Weise das Gleiche für die Armen thun müsse. Trotz alledem und obgleich auch der katholische Sozialreformler de Mun mit seinem großen rednerischen Talent und warmer Ueberzeugung für die Sache eintrat und wenigsten« eine gründliche Diskussion forderte, ward nur da« Amendement, das Verbot der Kinderarbeit betreffend, angenommen. Die übrigen Fordetungen wurden als Saalssozialismus per«»ei- leac<- mit kolossalen Majoritäten verworfen. Ungemein charak- teristisch ist, daß in diesen Diskussionen, wie in allen, wo eS sich um Maßregeln und Reformen zu Gunsten der Arbeit« handelt, tmm« dag Wort„StaalSsorialiSmuS" als Gottfei- beiun« in das Feld geführt wird. Wo es der ausbeutenden Bourgeoisie an Begriffen fehlt, da'stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein, und das Wort Sozialismus ist d« rotbe Sappen, auf dem man da« liberalisirende und sentimen- taltsirenb« Spießbürgerthum losrennen läßt. Das Manöv« mag dem Philist« gegenüber seine Wirkung nicht verfehlen, ab« e» ha: auch der Masse gegenüber tae ganz gegmtheilige Resultat: ihr zu zeigen, daß alle thatsächlichen Velbefferungen ihr« Lage untrennbar mit dem Sozialismus verbunden sind, daß nickt von solchen die Rede sein kann, ohne daß sich ihre Oualisikation als„sozialistrsch" von selbst dazu gesellte. Eine Rnhrsrrnr spielte sich gestern vor der ersten Straf- kammer de« Landgerichts I ad. Au« der Untersuchungshaft wurde ein 19 jähriges Mädcken, die Tochter eines Brie flräg««, vorgeführt. Infolge der ausgestandenen Gemülhsbeweaungen hatte sie den Haarwuchs volllländig oerloren, nur ein dünne« sich kräuselnde« Gewi« umrahmte da« jugendliche thränen- überströmte Gesicht. Sie war beschuldigt und geständia, den eigenen Elt-rn ihre gesammten Ersparnisse und kleinen W«th. fachen im Warthe von 130 Mark mittelst schweren Einbruchs entwendet zu haben. D« Bruder ihr« Muit«, ein Tischler Sch. halte fie nach threr Behauptung zu der Strafthat angestiftet und sich bei derselben betheiligt. Eine« Nachmittags, während die Eltern abwekend waren, halte sie dem übelberüchligten und bereit« mit Gefäng- niß bestraften Onkel Zutritt zu der Wohnung gewährt und gemein schaltlich ballen fie dann die Kommode«orochm, um zu den Ersparnissen zu gelangen. Die Angeklagte wollte dem Onkel dre ganze Beute allein überlassen haben. Für die Wahr- heil dieser Darstellung de« Sachverhalt« spricht der Umstand, daß jener Sch. flüchtig geworden ist und bisher nicht hat«» mittelt werden können. Der Bat« der Angeklagten erklärte im Termine, daß er den Strafantrag zurückziehen wolle, woraus die sofortige Entlassung der Angeklagten angeordnet wurde. An» PatrioU»««». An einem August-Abende, zur Zeit als dn Kais« in England sich befand, hörte der Nacht- wäckt«, d« durch die Landsderg« Allee vatrouillirte, emen merkwürdigen Gesang. Ein einsam« Passant, der ihm in Zickzacklinien näher kam, war der Säng«. Er sang nickt lchön, aber desto lauter. Natürlich gebot der Wächter ihm R. he.— „Wo«?" rief der Trunkene,„Sie wollen m r Ruhe gebieten? Ich bin Patriot und finge die englische Nationalhymne, die Sie natürlich nicht kennen." Und wieder schallte da«„Gexl save the queen" mit gellender Stimme durch die Nacht. Der Wächter bekam eine Gänsehaut. Noch energisch« wie vorher gebot er dem Sänger Ruhe. D« Letztere schien die« für eine Auflorderung zu halten, die Kraft seiner Kehle bis auf's Aeußeist« anzu- strengen. Die Folge war seine Sistirung zur Wache, wo seine Persönlichkeit als die de« Kaufmann« F. festgestellt wurde. Die verdienten Ehren, die unserem Kais« in England zu Theil geworden, so wie da« genossene Bier waren ihm zu Kopfe ge- stiegen. Ein Strafmcmdat in Höhe von zehn Mark sollte den unliebsamen Schluß diel« patriollschen Gefühlsäußerung bilden. Der so Gemaßregelte beantragte rtchtnl'che Entscheidung und im gestrigen Termine vor d« 96 Abiheilung de« Schöffen- gerichl« begründete d« panische Kauz seinen Antrag aus Frei- sprechung damit, daß er doch nur au« Patriotismus gefehlt habe. Er schien auch aus'« Höchste verwundnt, als d« Gericht«- Hof einfach das Strafmandat bestätigte. F«r Kundebrsttze» von Wichtigkett ist ein Urtheil der Straflamm« Vra oes Berliner Landgericht« I, durchweiche« im Gegensatz zu d« vom Schöff-ngericht zur G-ltung gebrach. ten Auffassung die Verantwortlichkeit de« Besitz«« erne« Hunde«, welcher einen Menschen gebissen hatte, nicht aufrecht «halten worden ist. D« Hauseigenthümer Roßbach hatte im Somm« eine Erholungsresse gemacht und semem Dienst- nädchen als Hüterin des Hause« noch besonders einaefchärft, »ie durchaus gutmüthige Dogge beim Ertönen der Korridor glocke im Zimmer zurückzulassen. Am 24. Juni er. hatte der »riefträger Zanke eine für R. bestimmte Postsendung zu überbringen. Kaum hatte ihm da« Dienstmädchen diese abge nommen, stürzte die R.'sche Dogge plötzlich aus dem nur halb geöffneten Korridor auf ihn zu und brachte ihm am rechten Jub eine Bißwunde bei. Weder vor- noch nachher hat fich bei dem Hunde, mit dem vielmehr sämmtliche Kinder aus dem Hofe harmlos spielen, eine gleiche Neigung gezeigt. Obwohl Roßbach den verletzten Briefträger voll entschädigt halte, ging ihm ein« Anklage wegen unzureichenden Verwahrens eines bissigen Hundes zu. Dem auf Freisprechung lautenden An trage des Amtsanwalts entgegen vermtheilte das Schöffen gericht den Angeklagten zu 5 M. ev. 1 Tag Haft, indem er aus der Jastruirung des Dienstmädchens die Kenntniß des Dienstherrn von der bösen Neigung seines Hundes schloß und annahm, daß er sich bezüglich der Hütung des ThiereS auf sein Dienstmädchen nicht verlassen durfte, da„das Gesinde in der Regel unzuverlässig sei."(!) Auf die gegen diese« U theil von dem Angeklagten eingelegte Berufung hob die Strafkammer dasselbe auf und erkannte auf Freisprechung de« Angeklagten. Der Gerichtshof vermißte zunächst zeden Beweis dafür, daß der Hund des Angeklagten bilsig fei: für den vor diesem begangenen unerklärlichen Exzeß sei er aber umso weniger verantwortlich, als er durchaus vorsorglich ge- handelt hat. Ritterg«t«besttzer von Goluheim med Gemahlin von Tornow dei Thor»,'so zeichnete sich ein junges Ehe» paar in das Fremdenbuch von Pohl'« Hotel in der Dorotheen« Nraße ein. wo es an einem Oktoberabend abgestiegen war. Die Herrschaften schienen eine gute Lebensweise gewohnt zu sein, denn sie stellten hohe Anforderungen an die Horelküche, tranken die besten Wein und ließen fich vom Portier Theater- b-llets besorgen. So war es denn kein Wunder, daß die Rechnung nach einigen Tagen auf 141. M. angewachsen war. Al» Zahlung verlangt wurde, stieß man auf Schwierigkeiten und da außerdem die Frau Rittergutsbesitzer ein gewisses Etwas in ihrem Auftreten zeigte, das zu ihrer angeblichen Stellung schlecht paßte, so gerieth das Paar in Verdacht der Hochstapelei. Der Herr von Golzheim wußte denselben aber noch einmal zu beseitigen, indem er dem Hotel- wirth einen von ihm ausgestellten und von dem Kaufmann F. akzeplirten Wechsel über 650 M. als Pfand übergab. Der Gast erzählte, daß diese Forderung aus einer Stärkelieferung stamme, der jüdischen Feiertage wegen habe er sie aber nicht einziehen können. Der Hotelbesitzer war so vorsichtig, dem Akzeptanten sofort den Wechsel zu unterbereiten und nun stellte fich heraus, daß derselbe gefälscht war. Der Ritterguts- besitzer entpuppte fich als der kurz zuvor aus dem Ge. fängniß entlassene Kaufmann Ernst Theodor Hieke und seine Begleiterin als eine Dirne. Hieke stand gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I. Außer der Urkundenfälschung und dem Hotelschwindel hatte der An- geklagte noch einen zweiten Betrug ausgefllhrt. Im Gefäng- nisse zu Bromberg hatte er einen Bruder des Kaufmanns F. kennen gelernt, dessen Namen er später bei der Wechsel- sälschung mißbrauchte. Er begab sich zu ihm und indem er fich für den Aktuar Lange ausgab, der hier ein Examen zu be. flehen habe, brachte er dem Kaufmanne F. Grüße von dem noch inhaftirten Bruder. Hieran schloß sich die Bitte um ein Darlehn, welche« auch gewährt wurde. Staatsanwalt Menge hielt bei der Gemeingefährlich- keil des Angeklagten jeden Milderungsgrund für aus- geschlossen, er beantragte gegen denselben eine Zuchthaus- strafe von zip ei Jahren. Der Gerichtshof erkannte auf eine Zuchthaue strafe von einem Jahre 2 Monaten und die üblichen Reben strafen. Welche Zufälligkeiten häufig in der Rechtspflege eine große Rolle fpleten, zeigt folgender lehrreicher Fall. Am 13. September d. I. wurden die Arbeiter Lehmann und der Handelsmann Frits che von der Ferienstraskammer des Landgerichts l wegen schweren Diebstahls z» je 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Der Fall erregt omals in weiten Kreisen ein gewisses Aussehen: einerseits, weil die Ber- urlheilung nur auf einem Indizienbeweise beruhte, andererseits wegen der Höhe der erkannten Strafe. Gegen Fritsche speziell lag eigentlich nicht viel mehr vor, als daß er mit Lehmann bekannt war und daß zu einzelnen der zur Anklage stehenden Diebstähle ein Stemmeisen mit einer kleinen Scharte verwendet sein mußte und bei Fritsche ein solche« Stemmeisen vorgefunden wurde, welches anscheinend genau in die an den Thüren vor- zefun'enen Spuren paßte. Der Bertheidiger Rechtsanwalt Dr. Bank Halle im Termine vergeblich geltend gemacht, daß gleiche Stemmeisen in gleicher Qualität gewiß zu ungezählten Dutzenden in Berlin zu haben sein würden.— Der VenHeldigei legte gegen das Urlheil die Revision«m. welche nach d mGesi tz binnen sieben Tagen nach der Zust.llung des Urtheils, bei Verlust des Rechtsmittels, zu rechtfertigen ift. Die dem An- geklagten mit dem Erkenntnisse zugeganoene Zustellungsurkunde datirte vom 5. Oktober und der Verth, idiger reichte die Revisiorseechtferligung und die ReoisionSanträge am 12. Oktober ein. Das Landgericht beschloß, daß die Revision, weil verspätet begründet, g/rückzuweisen sei und auf Recherche erfuhr Rechtsanwalt Dr. öonk aul der Ge- richtsfchreiberei, daß in den Gerichtsakten der 4. Oktober als Zustellungstag verzeichnet war. Der Bertheidiger legte geaen den Beschluß B-'chwecde ein und beantragte zugleich die ..Wiedereinsetzung in den vorigen Stand," sowie die vorläusiae Aussetzung der Strafvollstreckung bis zur Entscheiduna über die Beschwerde. Das Landgericht wies jedoch diesen Awrag auf Strafaussetzung zurück, da„die Sache nicht dazu angelhan sei".— Das Reichsgericht, an weiches die Beschwerde und das Wiedereinsetzungsgesuch zur Enischeidung gelangen, hat nun in semer Sitzung vom 15. d. M. dem Gesuche um Wiedereinsetzung in den vorigen Siand statt- gegeben und am vorigen Freilag im HauptoerhandlungStermin auch das Urtheil gegen Tnifche a n.f g e h o b e n und die Sache zur anderweitigen Verhu Ölung und Entscheidung in die erste Instanz zurückoerwiesen. Man erficht hieraus: Ein Schreib« fehler hätte beinahe fünfzehn Jahre Zucht- Haus gekostet. Diebstahl ober Sachdefchäbigung? Die Entscheidung dieser Frage macht der 89. Abtheilung des SchössengerichiS in emer eigenartigen Anklagesache erhebliche Schwierigkeiten. Im Mä-z d. I. wurde in der Königl. Biblioihek ein holländisch- chinesisches Wörterbuch angehalten, aus welchem mihrere Blätter herausgerissen waren. Als Iber letzte Benutzer des Werks wurde der Kaufmann Emil H. festgestellt und gleichzeitig er- mittelt, daß derselbe ein sehr eifriger Benutzer anderer Lcxikas gewesen, welche über mongolische und maleyische Sprachen vorhanden waren. Man nahm Veranlassung, sämmtliche Bücher, welche im Laufe der letzten Jahre im Befitze de« H. gewesen, zu piüsin und eS zeigte sich, daß nicht weniger als 76 Bücher in gleicher Weife beraub: waren, wie dos erwähnte Lexikon. Der Ktimmalpolizei wurde Anzeige erstattet und in der Wohnung� des H. eine Nachsuchung vor- genommen, wobei gegen 200 Blätter, die aus den verschiedensten. der königlichen Bidtiolhek gehöiigen Büchern herauSg-nffen waren, zu Tage gefördert wurden. Ein Theil jener B.ätter war außerdem Buchern entrommen, welche H. von der Bibliothek de« orientalischen Seminar« leihweise anvertraut er- halten. Gegen H. wurde Aicklage wegen Di-dstohls in 76 Fällen erhoben. Er gab im Termine zu, die Blätter herausgerissen zu haben, bestritt aber die Abficht der rechiswidrrgen Zueignung. Er bilde sich zum Dolmelfcher für mongolische Sprachen aus und die Bücher der lLnrgltchen Bibliotheken dienten ihm als Hilfsmittel. Lange dürfe er die Bücher aber nicht behalten und da das Abschreiben der mongolischen Schrifizeichen eine höchst schwierige und zeitraubende Arbeit sei, er die verschiede nen oerwandten Schriftzeichen auch mitemander vergleickien mußte, so habe er sich zu dem allerdings unerlaubten Aushilf« mittel verleiten lassen, einzelne Blätter aus den Büchern heran« zureißen und die Ittzteren vorläufig wieder abzuliefern. Nach erfolgter Benutzung der Blätter habe er fich die betreffenden Bücher aber wiedergeholt und dann die dazu gehörigen Blätter kunstgerecht wieder eingeklebt. Ueber die so wieder vervoll ständigten Bücher habe er ein genaue« Register geführt. Auf Grund dieser Angaben des Angeklagten beschloß d«r Gerichts Hof im vorigen Termine, den CustoS der königl. Bibliothek, Dr. Münch, zu laden. Derselbe war zur gestrigen Verband- lung erschienen, vermochte indessen die Angaben de« Ange klagten nicht zu bestätigen. Richtig sei dagegen, daß der Letztere mit größter Bereitwilligkeit alle heran« gerissenen losen Blätter zusammengesucht und heraus gegeben habe, es sei dadurch gelungen, den weitaus größten Theil der Bücher wieder zu vervollständigen. Da der Zeuge erklärte, daß sein Kollege, Dr. Klatt, in dieser Sache eingehendere Ermittelungen angestellt hat und da der Angeklagte dabei blieb, daß er eine ganze Reihe Bücher selbst wieder vervollständigt habe, so beschloß der Gerichtshof auf den Antrag de« Verlheidiger«, Dr. Fiiedmann, eine nochmalige Vertagung der Sache. Der Angeklagte soll Gelegenheit haben, dem Kusto« diejenigen Bücher zu zeigen, welche selbst vor der Entdeckung wieder vervollständigt hat. VerkKmrnlungen. Die Zustände i« der bekannte» Ludwig Löwe'fche» Mafchienenfabrik, Hollmannstr. 32, wurden am Dienstag Abend in einer außerordentlich stark besuchten Metallarbeiter- Versammlung, welche in Uebel« Salon, Naunynstr. 27 statt- fand, einer strengen Kritik unterzogen. Die Arbeiter dieser Fabrik, welche gegenwärtig fast 2500 Personen beschäftigt, waren zu dieser Versammlung eingeladen worden. Nach den übereinstimmenden Ausführungen verschiedener Redner finden die Lohnzahlungen dort nur einmal monatlich stait, doch werde von dem zuständigen Meister nach Ablauf von vierzehn Tagen ein Vorschub verabfolgt. Wer eine Minute zu svät komme, werde hart bestraft und wer zehn Minuten zu spät komme, müsse einfach wieder zu Hause gehen und könne erst nach Ab- lauf eines halben Tage« wieder arbeiten. Falls er dann keine genügende Entschuldigung vorbringen könne, müsse er 3 M. Strafe zahlen. Frage man nach dem Verbleib der Strafgelder, so erhalte man zur Antwort, daß dieselben zu humanm Zwecken verwendet würden. Der Schrecken der Fabrik sei da« Kolonnensührersystem. Die Direktion gebe den Meistern ober Kolonnenführern die Herstellung der Artikel in Akkord, welche ihrerseits wieder mit den Arbeitern «inen Akkord abschließen. Die Arbeiter erhalten dem- nach die Arbeit erst aus zweiter Hand und müssen mithin nicht nur für die Aktionäre, sondern auch noch für den Piofit der Meister und Kolonnensührer aibeiten. In welchem Maße die Meister hierbei profitiren, zeige die Thatsache, daß einer der- selben nach neunjähriger Thätigkeit eine enorme Summe von Sem„Entbehrungslohn" angehäuft habe. In der Fabrik herrsche ein förmlicher Kastengeist, welcher von den älteren und bevorzugten Arbeitern gepflegt iverde. Diese haben zwei Ver- eine, den„Geburtstag«- Klub" und den„Löwe Verein" ge- rründet, m denen fich gewissermaßen die Anstokcalie der Fabrik befinde, welche durch ihr Verhalten jede freie Agitation zu Gunsten der schlechter gestellten Mehrheit verhindern. Als dre Metallarbeiterbewegung auch in die Löwe'sche Fabrik einzu- dringen drohte, hätten die betreffenden„Herrn Kollegen" sich sogar nicht gescheut, der Diriktion eine Erklärung zu über« Mitteln, in welcher feierlich gesagt wurde, daß sie mit der genannten Bewegung nicht« zu thun haben wollten. Unter solchen Umständen se> eS erklärlich, daß man den Wünschen ber anderen Arbeiter wenig Rechnung trage und sogar zu Maßregelungen gegriffen habe. Ganz besonders korrumpirend habe das System gewirkt, den Arbeitern für die Flasche Bier 15 Pf. abzunehmen. Die Bierträger hätten dabei große Sum- men verdient, während alle anderen Arbeiter ihr« sauer ver- dienten Groschen hingeben mußten. Erst durch da« energ'sche Austreten de« Kollegen Krüger sei endlich Wandel geschcff-n worden, so daß heute das Bier für 10 Pß verabreicht werde. Krüger fei aber auch hernach unter Umständen au« der Fabrik hinausgekommen, die einer Maßreglung sehr ähnlich waren. Der Brerlieferant, Restaurateur Schubert, resp. dessen Frau, hätten fich gegen Krüger in einer Weise benommen, daß es angezeigt erscheine, über ihn die Sperre zu verhängen. Als Krüger entlassen wurde, habe die Frau höhnisch au« dem Fenster qelacht. Auch in hygienischer Beziehung sei«S mit der Fabrik schlecht bestellt. Die Ventilation sei nur mangelhaft und da« .Parfüm" der ganz unzureichenden Aborte ströme durch die Arbeittsäle. Von diesen Dingen sei freilich nichts zu spüren gewesen, als der d«uische Kaiser mit dcm König von Italien da« Etablissement besichtigt habe, weil man schon tagelang vorher.Alles hüblch gesäubert und die Arbeiter aufgefordert habe, in weißer Wä che an! dies- m Tage zu erscheinen. Die Diskussion, welche sich bis in die fpäie Nachi hincinwa, endete mit der Annahme einer Resolution, welche die M ßstände in der Löwe'sch-n Fabrik entsch«den verurtheilt und die Arbeiter derselben auffordert, sich endlich den bestehenden Orgonrsatio- nen anzuschließen. Ferner wurde noch beschlossen, die Kollegen vom Besuch de« Schubert'schen Lokale« in der Hollmannstraße abzurathen. Eine öffentliche Tischlerverjamminng füllte nach kurzer Pause am 2. d. M. adermals den S-al des„Schweizer Gartens". Die Versammlung, weiche unter Vorfitz des Herrn S ch a a d e tagte, war in erster Lmie berufen, Stellung zu nehmen zu den B. schlössen der beiden stattgehabten Meister- Veisammlungen, über welche Angelegenheit Heir Mrllarg Vorirag hielt. D-m Zuge der Zeit, fem« Lage zu verbiffern nach derühmten Mustern folgend, sind auch dre Berliner Tfichler-, besonders JanungSmerster, am 7. Oktober d. I. im Lokal«„Königsbank" zusammengetreten, um da, über zu be- rathen, wie eine Erhöhung der Preise d>Iti»r»«g derKtadt Herltn. Zn der itLollie 10. MS 16 Nor, mber 1889 fanden 857 SbefetUeSungen ftett. ätbenMT boren winden 868 Kinder, barurnec 99»uzerebelich. tobtaeboren waren 85 w>' 5 auierebeltdien Die Lebendgedorenen sind 29,7. die Zodlgeborenen 1,2 M Milte der BeuMkerimg, die antzerebelich Geborenen sind bei den Lebendgeborenen 11.4. bei den Zodlgeborenen 14.8 pGt. Die Zobl der gemeldeten Sterdefäle j* trug 497, die sick auf die Wochentage wie folgt oeribellen; Sonntag<*■ Montag 71, Dienstag 69, Mittwoch 71, Donnerstag 88, Fieitag!71, TonN' abend 61. Von den Gestorbenen erlagen an Masern 1. Scharlach ifioie 0, Divbtberie 34, Brünne 4. Kenchbnsien 9. Kindbettfieber 1, Zorchu» 6 evidem. Genickstarre 0, Rubi 0, Eovbilii t. Altersschwache 18, Gebirnschlag in Lungenentzündung 87, Sungenschwindiucht 66, Diarrhoe 14, Brechdurchsau? Magendarmtatarrh 9. Durch Bergiftung tan 1 Person um und zwar dar« Seidirmord. Eine« gewaltsam en Tode« starben 9 Personen, und»wa durch Eririnten 2 Erhängen 2. Ersticken 1, Sturz oder Schlag« SchubwrinM. Ueberfnbren 0, Cii'tatlon 0. Hierunter sind 4 Todesfälle durch Selbstnn herbeigesührt Dem Atter noch sind die Gestorbenen unter 1 Zahre alt 159>820 P*. der GelammtsterblichkeW. 1-5 Jahre 7V.»-18, Jahre«8, 1«�« Ur« 20-80 Jahre 8i, 80-40 Zahre 84, 40- 60 Zahre 75. 60-80 Zab«.. über 80 Jahre 10 Personen. 5» hiesigen Kianlenhüulern starben 128.-. schließlich 15 Auswärtige, welche zur Behandlung hierher gebracht Auf die Standesämter vertheilen sich die Todesfälle folgendermaßen i jperi Häsin• Dorotheemladt(I.) 13, Friedrichstadt(II.) 18, Friedrich, und S®?- berger Vorstadt(111) 20, Friedrich, und Temvelhoser Vorstadt(IV.) 51. stadr senseit, westlich<0, Lui'enlladr senseit. Ssllich(V5.1., Suisenstadl dieffeit und Neu-Källn(VI.) 81, Stralauer Viertel, westlich 27, Stralauer Viertel. Mich(Vlld) 48, KSntgstadt(Vlil.) 82. Spandauer„ 22. Vosenthaler Vorstadt, südlich CX«.) 28, Rosentdaler Vorsradt. Näro � fld.) 24, Oranienburger Borstadt XI.) 42, Friebrich-Wilhelmstadt und Moa°. (in.) 46, Wedding(Uli.) 40. Die Sterbesälle find 17j0 pro Mille der gestrieberie» BeodlkerungSzahl(1528218). Die EterblichkeitSzisirr in folge* Siädren Oed Deutschen Reiches mit mehr aii hunderttausend Einwobneen.» trug in Aachen 20.7. Altona 18.8, Barmen 23 6, Bremen 17,4. Breslau 2, Chemniß 29,4, Da», ig 28 1, Dresden 18,7, Düsseldorf 17,8, Slbersech*, Frankfurt o. M. 13,1, Hamburg mit Vororten 20.8. Hannover 168,"oin„>?, «SnigSderg 24,0,»reseid 20,4, Leipzig 18,0. Magdeburg 17,8, München v Nürnberg 23,5, Stettin 28,7, Straßburg i. E. 19,0, Stuttgart 18,1 auf lau � In anderen Großstädten Europas mit mehr ali drei hunderttausend Etnwo° z betrug die SrerdlichkeitSzisser in Amsterdam 17.7, Budapest(Bocroojttl � Dublin 268, Liverpool 19,4, London 17,4, Paris 21,1, Petersburg(Vottu.�, 20,9, Warschau(Vorwoche) 34.2, Wien(Vorwoche) 196 an, Tausend. den 4179 Zugezogene, 2680 Weggezogene gemeldet, so daß sich die Bevor � mit Emrechrmug der nachträglich gemeldeten Gebotenen und de« ju%„tt- der den Weggezogenen ersahrungSrnäßig zugerechnet werden muß, um ntehtr�bar. die Einwobnerzabi beträgt sonach am Echlusie der Beri«'»� 1 524 881. In der Woche vom 17&9 23 Nooember tauen 86. InsekttonS-Erkrankungisälle an Svpha«S7. Pocke«-.«äsen» 42. Schortau- Dlnbtberie 103»inddettsieder 7 Kr Verantwortlicher Redakteur: K. Crnnhei« w Berlin. Druck und Verlag von Mo» Kading i* Berlin SW., Beuthstraße 2.