Nr. 288 Sonntag, tot 8. Dezember 1889. 6. laben. KMerVMM Brgan für die Interessen der Arbeiter. � Der benttge« Pommer liegt f&r»nsere Abonnenten 49 de« Konntago-Klatt bei. Dte Vergleuke. Bezüglich des freisinnigen Antrages auf A b f ch a f- g der obligatorischen Arbeitsbücher für ergleute wird sich die Initiative des Reichstags wieder Jjchrtr ganzen Unzulänglichkeit zeigen, denn die Berathung 7*1 Antrages verschleppt sich und wenn die Abschaffung Wich beschlossen werden sollte, was kaum anzunehmen, so Jty es bei dem Bundesrath, den Beschluß hinfällig zu 'hen oder nicht. Inzwischen dauern die Maßregelungen Bergarbeiter fort. Fast jeden Tag kommen Mitthei- ien über daS Vorgehen der Grubenverwaltungen, das � schreiendsten Widerspruch steht zu allen Grundsätzen von J�rranz und Humanität, die jemals als berechtigt anerkannt fW>en sind. Die Grubenverwaltungen sind noch immer Meinung, durch Maßregelungen der„Agitatoren" "l»„un zuverlässigen Elemente" die Bewegung �'dcn zu können, die unter den Bergarbeitern Platz ge- Jessen hat, und sie suchen sich selbst und Anderen eivzu- Wn, diese Bewegung sei nur eine Frucht von Agitationen". Diese falsche und auf Lügengewebe be- J�ende Anschauung ist in der zweitägigen ReichStagsdebatte ['t den freisinnigen Antrag fast von allen Seiten wider- 79* worden. Wenn früher„belgische Anarchisten" ff" großen Streik angestiftet haben sollten, so schoben jetzt J* Bertheidiger der Grubenverwaltungen die Schuld auf die montane Lokalpresse, eine Auffassung, die j;." von den über die Verhältnisse der Bergarbeiter unter- steten AbgeordnetenderOppofition entschieden zurückgewiesen �urde. Man darf' sich freilich über jene Ausfassung nicht . ndern. Wenn unsere Staatsmänner, zäh an den An- Zauungen der alten Schule festhaltend, die sozialistische �»egung nur als das Produkt einer Agitation betrachte« .woher soll da den Grubenverwaltunaen eine bessere Er- Cvn9 kommen? Ohnedies haben die Grubenverwalwngen . Interesse, ihr eigenes Sündenregister auf diese Weise ?erschleiern und die Schuld an der Entstehung des �ks von sich abzuwälzen. u freisinnige Antrag auf Abschaffung der obligatori- Arbeitsbücher, so sehr wir ihn an sich befürworten, trifft Mach nur einen Theil der beim Bergbau herrschenden si�. e, um die sich der Kampf bei dem Maffenstreik ae- h0*. Die Hauptforderung der Bergleute war be- !"'ch die ach tstünd ige Arbeitszeit. Man ist h* so sehr geneigt, daS„historische Recht" anzuer- und eS als ein erworbenes zu bewachten; in diesem ti-J über hat man bei den Herren Grubenbesitzern, Direk- ij., und Aktionären keine Lust dazu, obschon der achtstün- »JL Arbeitstag schon im Mittelalter durch die Bergord- ��Wsistgesetz�wa�m�ü�di�Bergleuteals�nu�em v. Feuilleton.... mbotm.]___ (Bzrminal. sozialer Roma» von Emile Zola. Mi autorrfirte Uedersetznng von Ernst Ziegler. � Da« Rechtsgefühl des Arbeiters lehnte sich in ihm da- "od auch Maheu fand es unrecht, den Grimm an schine auszulassen. Der fremde Häuer brüllte seinen �5i?rei, und Stephan, um ihn zu überbieten, mußte Uter rufen, als er: fyrel! � Mirou! Es sind Verräther in Mirou einge- zjv�uch Mirou!" uiner energischen Armbewegung befahl er abzu- Uls bj.�- Alles, hastig durcheinander wühlend, trabte wieder 7% vWaffene Chaussee zurück; Jeanlin hinkte an die »>al Gruppe und blies von Neuem sein Horn; für war Gaston-Marie gerettet. �uer halben Stunde wurden die vier Kilometer bis .�»itt Juu im Sturmschritt durcheilt. Der Kanal durch- » betfic!1 k>az Land mit seiner matisilbernen Eisdecke. Rur Tläume, die ihn begleiteten, hoben sich aus der ib Aieei- uackien blassen Ebene, welche am Horizont wie "sivu iftrmament verschwamm, mit leiser Hügelung !, �kurchienneS versteckend. �irou empfing sie, hoch oben auf einer Brücke M � jv'V Aufseher. Alle erkannten ihn, eS war der �"r> v,5"dieu, der älteste der Aufseher von Montsou, ein Lv Cr' weißem Haar, weißem Bart und bleichem Ge- � u�01 soft fiebenzig Jahr alt und von einer Ge- "d Kraft, die in den Gruben als Mirakel galt. auS der Zeit der Vorfahren ihnen zustehendes Erbtheil ist. Man erinnert sich noch, wie die anfänglichen Zusagen der Grubenverwaltungen von diesen nachher gar nicht beachtet wurden. Von allen Seiten wird berichtet, daß unter den Berg- leuten einettefeundweitgehendeGährung zu verspüren ist. Wir glauben kaum, daß Jemand nochmals dentraurigenMuth haben kann, diese Gährung auf„sozialistische Agitationen" zurück- zuführen. Aber die Gährung ist da; sie erwächst einerseits aus der ttefen Ver st immun g, welche durch die Er- fahrungen de» großen Streiks bei den Bergleuten bewirkt worden ist, andererseits durch die stetige Gefahr der E n t- l a s s u n g und dauernder Arbeitslosigkeit, die über dem Haupte Aller schwebt, von denen bemerkt wird, daß sie sich an de« Bestrebungen zur Verbesserung des Looses der Berg- arbeiter betheiligen. WaS daraus wird, wer vermag es zu sagen?— Die Regierung legt die Resultate ihrer Untersuchungen nicht vor und wird sie auch in Bälde, wie eS scheint, nicht vorlegen; die Erfahrungen, welche die nach England gesandte Kom- Mission gemacht hat, sollen bekanntlich bei 3000 M. Strafe nicht vor die Oeffentlichkeit kommen, und die Sprache der Abgeordneten, welche die Interessen der Grubenverwal- tungen verfochten, deutet an, daß diese Verwaltungen entschlossen sind, der öffentlichen Meinung und dem Parla- mentariSmus Trotz zu bieten. Wann aber der freisinnige Antrag erledigt sein wird und wie— wer mag eS wissen? Unter solchen Umständen wird die Harwäckigkeit der Grubenbesitzer sich steigern. Denn eS ist ja eine der hervor- ragendsten Eigenthümlichkeiten des kapitalistischen und ivdustrialistischen Zeitalters, daß der Großkapitalismus sich trotzig hinwegsetzt über alle Einwirkungen, au« Staat und Gesellschaft, auf das Arbeitsverhültniß. Er trotzt auf seine Macht, die sich immer mehr selbstständig herausgebildet hat und nur durch die schwächliche Schranke der sozialpolittschen Gesetzgebung eingedämmt ist. So wird eS allem Anschein nach, wenn die Be- schwerden der Bergarbeiter nicht abgestellt werden, abermals zu Ausständen kommen. Wir wünschen, daß ei dabei zu keinen Unbesonnenheiten komme» möge. Solche Ausstände werden eine Reihe von Be- unruhigungen in der Geschäftswelt bewirken. Sie mag sich dafür bei den hartnäckigen Grubenverwaltungen bedanken. Im übrigen werden sich die Herren Aktionäre und die Grubenverwaltungen ganz wohl bei der Sache befinden, so weit sie bis jetzt verlaufen ist. Denn nicht nur den Berg- arbeitern haben sie harte Bußen für ihre Ausstände auf- erlegt; auch das ganze deutsche Volk muß sie für den Ausstand schadlos halten, da sie ja die Kohlenpreise so sehr in die Höhe getrieben haben. Da wird manches Milliönchen mehr als sonst zu den Dividenden geschlagen werden können. Daß aber dadurch die Sympathie des Publikums für die Grubenverwaltungen gesteigert werde, das werden diese wohl selbst nicht glauben, „Was wollt Ihr Galgenstricke hier bei unS?" rief der Alte.- Sie blieben stehen. Dies war kein Chef; eS war Einer von den Ihren, ein alter Bergmann, den sie re- spektirten. „Es sind Arbeiter unten," antwortete Stephan,„laß sie ausfahren!" „O ja!" erwiderte Vater Quandieu,„eS sind vielleicht sechs Dutzend unten, die Andern haben Angst vor Euch, Halunken... Aber ich erkläre Euch, nicht Einer kommt heraus, oder Ihr habt es mit mir zu thun!" Ein wildes Murren erhob sich. Die Männer drängten, die Weiber rückten vorwärts; der Aufseher stieg rasch herab und stellte sich vor die EingangSthür des Schachthauses. Maheu wollte sich ins Mittel legen: „Alter, wir find in unserm Recht! Wie können wir dahin' gelangen, daß der Streik allgemein wird, wenn wir nicht die Kameraden zwingen, mit unS zn halten?" Vater Quandieu überlegte. Von der Rechtsfrage mochte er nicht mehr wissen, wie Maheu selbst; endlich sagte er: „Euer Recht? Mag sein; aber ich kenne nur meinen Befehl... Ich bin allein hier; die Männer find unten bis drei Uhr, und sie werden unten bleiben, bis eS Drei schlägt!" Die letzten Worte verschlang ein weithallendes Hohn- geschrei. Die Männer zeigten ihm die Fäuste, und die Frauen zwängten sich an ihn hinan und bliesen ihm ihren heißen Aihem ins Gesicht. Aber der alte Mann, den Kopf mit dem silberweißen Schnurrbart und dem schneeweißen Haupihaar hoch erhoben, stand kerzengerade an die Thüre gelehnt und seine muthige Stimme übertönte noch den Lärm der Menge, und kein Wort verlor sich, als er rief: Bei Gott im Himmel, Ihr kommt nicht hinein! So wahr die Sonne un» bescheint, ich will lieber sterben, ehe ich wenn sie auch den Glauben zu verbreiten suchen, die Ar- beiter seien an der Steigerung der Kohlenpreise schuld. ES wäre sehr zu wünschen, daß die Arbeitsbücher ab- geschafft würden. Die Ungläubigen, die sonst immer über- legen mit den Achseln zucken, wenn man von den Wirkungen der Arbeitsbücher spricht und die sie für eine„unschädliche Maßregel" halten, können sich nun davon überzeugen, wozu die Arbeitsbücher von den Unternehmern angewendet werden können. We» wünschte nicht, daß diese wirthschastlichen Kämpfe so friedlich und so rasch als möglich sich abspielen? Aber auf der einen Seite sieht man die Hartnäckigkeit des Unter- nehmerthums, auf der anderen Seite die Unerträglichkeit der Einrichtungen und die Härte der Maßregel». Da gährt ei immer. Die Schuld an all dieser Unruhe aber tragen nur diejenigen, die sich hartnäckig weigern, die von den Ar- beitern verlangten geringfügigen Konzessionen zu machen, deren Berechtigung vom ganzen großen Publikum ohne Parteiunterschied zugestanden wird. ZtalMsihe Itcliccftrftf. Die sozialdemokratische Fraktion de« deutsche» Reichstage« erläßt folgenden Ausruf: An unsere Parteigenossen? Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß unnnttelbar nach Weihnachten der Wahlkampf voll enlbrennen wird. Wir setzen voraus, daß unsere Genossen überall die Vor- bereitungen getroffen haben, um jeden Augenblick mit aller Kraft in den Wahlkampf eintreten zu können. Wie bei früheren Wahlen, so haben wir auch diesmal ein Zentral-Wahl Komitee niedergesetzt, das die Leitung der Wahlen in die Hand nehmen soll. Demselben gehören von uns an: Bebel, Dresden-Plauen; Grillenberzer, Nürnberg; Liebknecht, Leipzig-BorSdorf; Meister, Hannover; Singer, Berlin bez. Dresden-Plauen, und find Anfragen in Wahlangelegenheiten an einen der Genannten zu richten. Diejenigen Wahlkreise, welche durch besondere Umstände nicht in der Lage find, die Kosten des Wahlkampfes aus eigenen Mitteln aufbringen zu können, wollen durch ihre Wahl- Komitees spätestens bis 1. Januar an B-bel oder Singer die Mittheilung gelangen lassen, wie hoch sich die Summe beläuft, die sie glauben, aus d-m allgemeinen Wahlfonds beanspruchen zu müssen. Wir setzen dabei voraus, daß wie ftüher so auch diesmal es die Genossen in jedem Wahlkreis als Ehrensache ansehen, die Wahlkosten, so weit als möglich, selbst aufzubringen, und daß gut fituirte Wahlkreise den schwächer gestellten Nachbar- oder ich eine Hand die Seile berühren lasse!... Hinweg, Mrze mich vor Euren Augen in den Schacht!" Ein Schauer durchrieselte die Empörer und sie traten unwillkürlich zurück, während er fortfuhr: „Ist einer unter Euch so blödsinnig, dies nicht zu ver- stehen. Ich bin ein Arbeiter, wie Ihr; man hat mir befohlen, ich soll dies Haus bewache», und ich bewache eS!" Etwas anderes verstand der greise Mann nicht. Z« seinem niedrigen Schädel, hinter seinen, von der schwarzen Traurigkeit eines in der Grube verarbeiteten halben Jahr- Hunderts fast verlöschten Augen lebte noch Eines fest" und unerschütterlich: die militärisch gehorsame Pflicht.' Seine Kameraden betrachtete» ihn, seltsam ergriffen. Ein Echo seiner Worte klang irgendwo in ihrem Innern an: sie verstanden diesen soldatischen Gehorsam, diese Selbst- losigkeit in der Gefahr. Er glaubte, sie zögerte« noch und wiederholte: „Ich stürze mich vor Eure« Augen in den Schacht!" Und Alle mit einmal machten Kehrt, verließen die Grube und trotteten über die Straße. „Zur Magdalen! Nach Cr-vecoeur! Keine Arbeit mehr? Brot! Brot! Brot!" Aber Chaval hatte versucht, zu entwischen. Stephan packte ihn am Arm und drohte, er werde ihn niederschlaaen fall» er noch auf Verrath sinne.' „Wozu das Alles?" antwortete Jener.„Ist man den« nicht mehr ftei? Ich friere in dieser dünnen Jacke, ich muß mich waschen und anziehen, laß mich!" Die an seiner Haut klebende Kohle mochte ihn schmerzen, und er mußte wohl kalt haben in seinem Trikotleib. Aber Stephan entgegnete: Vorwärts! Oder wir werden Dich waschen!" Und weiter gtngS. Stephan blickte sich nach Katharinen um; eS lhat ihm weh, sie in ihrer schmutzigen ArbeitShose Wahlkreisen mit Geld und'agitatorischen Kräften zu Hilst kommen. Auf die Beschaffung wie die Bezahlung von Drucksachen läßt sich das Zentral-Wahl-Komitee nicht ein. In Bezug auf die Agitation empfehlen wir allen Genossen Folgendes dringend zur Beachtung: Insofern von gegnerischen Parteien allgemeine Wähler- Versammlungen einberufen werden, müssen selbstverständlich alle Parteigenossen in derselben erscheinen, um dieselben für unsere Parteizwecke auszunützen. Werden aber von Gegnern Wahlversammlungen für die Anhänger bestimmter Parteien mit A u S s ch l u b unserer Partei- Anhänger einberufen, so ist es Pflicht unserer Genossen, einer solchen Versammlung fern zu bleiben. Wir haben kein Recht, unsere Gegner zu Auseinander- setzungen mit unS in ihren Versammlungen zu zwingen. Weichen sie uns aus, so mögen die Wähler darüber ihr Urtheil fällen. Werden von Gegnern Versammlungen in Form öffent- sicher V e r e i n S- Versammlungen mit freiem Zutritt für Gäste abgehalten, so hat der einberufmde Verein auch das Recht, das Bmeau der Versammlung in der Hand zu haben. Wir rathen unfern Genossen dringend ab, m einem solchen Falle die Wahl eines Bureaus zu verlangen, und schlagen vielmehr vor, daß wenn in solchen Versammlungen eine freie Diskussion nicht zugelassen wird, solche gar nicht zu besuchen oder sie zu verlassen. Endlich empfehlen wir allen Genossen im Wahlkampf strengste Sachlichkeit obwalten zu lassen. Angriffe auf Per- sonen find nur in so weit am Platze, als der betreffende Gegner im Parteikampf persönliche Gehässigkeit bewiesen, oder im bürgerlichen Leben sich solcher Handlungen schuldig gemacht hat, die zu kritifiren das öffentliche Interesse gebietet. Unsere Sache steht zu hoch und ist zu fest begründet, als datz wir nöthig hätten durch ungerechtfertigte Angriffe auf Personen ihr zu dienen. Die Thaten der gegnerischen Parteien find die wirksamsten Waffen für uns. Berlin, Dezember 1889. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags. Bebel. Dietz. Frohme. Grillend erger. Harm. Kühn. Liebknecht. Meister. Sabor. Schumacher. Singer. gritie mit Ktöcker und Konsorten. Die„National- Zeitung nimmt nunmehr in einem Leitartikel über die Er- Neuerung des Kartells auch Stöcker gegenüber Gewehr bei Futz. Bezeichnend heitzt es in dem bezüglichen Artikel:„Die Konser- vativen haben einen äußersten rechten Flügel, der uns anti- pathisch ist und bleiben wird: ihn unschädlich zu machen, müssen wir unter den obwaltenden Umständen in erster Reihe der Partei, zu welcher er gehört, und der Regierung überlassen." Also die Nationalliberalen überlassen die„Unschädlichmachung" Stöckers und Genossen den Konservativen selber und der Regierung. Auch die Herren von HammerSein und Stocker gehören nach dem„Hannoo. Cour." zum Kartell und haben vieS durch ihre Unterschrift kund gegeben. Die betreffende Kund- machung der konservativen Partei ist von sämmtlichen Mit« gliedern der deutsch-konservativen Fraktion unterzeichnet. G« war bisher für die Presse ein« sehr gefährliche Sache, aus Beamtenkrnsen Mittheüungen oder Beschwerden aufzunehmen, welche befürchten ließen, daß ihre Veröffentlichung einer Behörde unangenehm sein könnte. Um dem indiskreten Beamten auf die Spur zu kommen, pflegte in solchem Fall ein Disziplinarverfahren gegen„Unbekannt" eröffnet zu werden, in welchem auf Ersuchen der betreffenden Behörde da« Gericht den verantwortlichen Redakteur als Zeugen über die Quelle der unliebsamen MittheUung vorlud. Weigerte sich der Redakteur, seinen Gewährsmann ans Messer zu liefern, so wurde die Daumschraube des ZeugnißzwangeS angesetzt, und mancher Redakteur hat so daS Martyrium einer längeren FreiheitS- entziehung auf sich genommen. Jetzt hat das Reichsgericht ent- schieden, daß die Bestimmungen des Z 157 flg. des GerichtS- verfassungsgeietzes über die Rechtshilfe der Gerichte in bürger- lichen RechtSstreitrgkeiten und in Strafsachen nicht auch auf die Fälle anzuwenden find, in denen Disziplinarbehörden die ordentlichen Gerichte um Rechtshilfe ersuchen. Es ist demnach ein gerichtlicher Zeugnißzwang in Disziplmarsachen gesetzlich unzulässig-. Die deutsche Geschäftswelt merkt immer mehr, welch schweren Fehler sie begangen hat, indem sie sich vorigen Som- und der zerrissenen Wche frieren zu sehen. Sie mußte todt- müde sein und verließ doch ihren Geliebten nicht! „Du kanust nach Hause gehen! rief Stephan ihr zu. Sie warf«inen hastigen Blick voll Schmerz und Vor- wurf auf ihn und setzte ihren Weg fort. Warum wollte er, daß sie ihre« Mann im Stich ließ? Chaval ist nicht liebenswürdig mit ihr, gewiß nicht, ja er schlägt sie zu- weilen; aber sind sie nicht ein Paar, gehören sie nicht zu- sammen? ES that ihr weh, daß sie Alle gegen ihn auf- traten, und wenn die Sache ernster geworden, sie würde ihn vertheidigt haben mit ihrem Leben, wenn auch vielleicht nicht aus Liebe, so doch aus Stolz. „Geh' nach Haus!" wiederholte auch Maheu mit harter Stimme. Sie blieb erschreckt stehen; Thränen drangen in ihre Auge»; dann schlüpfte sie zwischen den Andern hindurch wieder an ihren Platz und marschirte weiter. Jetzt sagten sie nichts mehr. Die Schaar wälzte sich quer über die Chaussee von Zoiselle, schlug den Weg nach Cron ein und bog dann gegen Cougny zu ab. Hier durchschnitten Fabrikschornsteine den glatten Horizont; theerbedachte Magazine und Werk- fiätten mit bestaubten Fensterhöhlen standen längs des Weges. Darnach kamen sie an Arbeiterkolonien vorüber, die bei dem Schall des HorneS und bei dem weithin hallenden Schrei der Massen stürzten Männer, Frauen und Kinder aus de« kleinen Häuschen und schlössen sich dem Zuge an. Wie man sich der Magdalen näherte, waren sie wohl ihrer Fünfzehnhundert. Der Weg wand sich langsam bergab, sie mußten die Kohlenlöschhalde umgehen. Als sie endlich in den Vorhof traten, war es nicht viel mehr als zwei Uhr; aber die Aufseher hatten, vom Nahen der Streikenden unter- richtet, die Ausfahrt beschleunigt; nur noch zwanzig Arbeiter befanden sich in der Grube, und auch diese fuhren hastig aus und entflohen, von Steinwürfen verfolgt. Zwei wur- den mißhandelt und ein Dritter ließ einen Aermel seines Kittels in dem Handgemenge; aber die Grube war gerettet; Niemand dachte, an die Seile oder Kessel Hand zu legen; ein paar Minuten später war der ganze Troß auf dem Wege nach Crevecoeur. mer an dem so kläglich mißlungenen Boycott gegen die Pariser Weltausstellung betheiligte. Die Engländer, Oesterreicher und andere Völker, deren Regierungen die offizielle Betheiligung ebenfalls abgelehnt hatten, warm klüaer als die Deutfchm;— sie stelltm ihre Jndustrieprodukte in Paris aus und hattm in- folge dessm ihrm Antheil an dem EFolg. Die deutsche Geschäftswelt folgte lammstomm dm Winkm der offiziellm und offiziösen Pnsse und sie ist das Opfer ihres Chauvinismus und ihrer Unlelbstständigkeit gewordm. Der Rückgang des deutfchm Exportgeschäft«, über dm seit 2 Jahren geklagt wird, ist seit der Pariser Ausstellung in ein noch viel rascheres Tempo ge- kommen— lämmtliche Industriezweige habm darunter zu leiden, daß sie auf jenem großartigen„Jahrmarkt der Welt" durch Abwesenheit glänUm. Die jetzt erscheinmdm französischen, mglischm, amenkanischm, schweizerischm Gmeralberichte über die Pariser Ausstellung find einig darin, zu be- merkm, daß die Ausstellung dm ausstellenden Jndu- striellen, insoweit sie Tüchtiges botm, bedmtend genutzt, und daß die deutsche Industrie, welcbe ihr Licht unter den Scheffel stellte, sich einen sehr schlecktm Dienst geleistet hat. Und nach der Stimmung, die hmte in deutschen Geschäfts- kreism herrscht, können wir es als sicher betrachten, daß, wmn die Pariser Industrieausstellung heute vor statt hinter uns läge, unsere gesammte Geschäftswelt, soweit sie überhaupt konkurrenzfähig ist, den Chauvinisten ein Schnippchm schlagen und die Ausstellung beschicken würde. Allein nun ist es zu spät! Und das der Rme mt- sprungene Projekt einer pos« te-sruw-AuSstellung in Berlin wird vielleicht in die Taschm der Projektmmacher einige Goldfüchse, in die Tasckm der dmtschm Jnduftriellm aber ge- wiß keinen einziaen N'ck-l brinam. Nach dem Stöcker'tche«„Uolk" werden die Kartell- parteim an die Sozialdemokraten folpmde Wahlkreise verlierm: Magdeburg, drei bis vier Wahlkreise im Königreich Sachsm, einen Wahlkreis in Hamburg, fünf Wahlkreise in kleinen Staaten(beide Reuß, Gotha, Braunschweig, Dieburg), gleich 10 Wahlkreise. Die Konservativm verlieren Breslau-Oft an die Sozialdemokratm. Od wir damit(zufrieden sein werden, wird die Zukunft lehren. Schwäbische Anstände. In der„Heilbr. Ztg." erläßt Dr. Franz Lipp an o,e Parteigmossm folgmden Aufruf:„Seit drerßlg Jahren befitzt die Heilbronner Demokratie im oberm Lokal der Weinwicthschaft Ecke der Lamm- und Wolfgang«- gasse(früher Berrett, jetzt Zweygarth) ihre„Herberge der Ge- rechtigkeit". Gestem Äbmd wurde nun unserm Herbergsvater polizeilich eröffnet, daß er in jmem Zimmer nicht wnthfchaftm dürfe. Da dre Möglichkeit ausgeschlossen war, die Partei- genossm rechtzeitig m ein anderes Lokal zu bestellen, und da zugleich die mdgiltige Fertigstellung unseres Zettels zur Ge- memderathSwahl drängt, so habe ich da« Lokal für beute Abend gemiethet und Sorge getragen, daß von meinem Weine jeder dürstmde Parteifreund schenkungsweise getränkt werdm kann. Ich bitte um zablreitm Besuch. Dr. jur. Franz Lipp." Dastz Crivpi trotz seiner demokratische« Gesinnung mit dem Fnrste« Bismarck eine große Aehnlichkeit zeigt, ist keine nme Entdeckung. Was aber die von dem freikonser- vativm Abgeordnelm Han« Delbrück herauSgegebmm„Preuß. Jahrbücher" bei Erörterung dieser Aehnlichkeit bemerkm, rst sehr beachtmSwerth. Das Blatt meint, man ordne sich häufig, in Berlm wie in Rom, dem Minister unter, weil man ihn für unentbehrlich Halle.„Der Unterschied beschränkt sich wesentlich darauf, daß Herr CriSpi die Superiorilät in vecbindlicherm Formen übt." Dort spreche man als Herrin des Landes die Mehrheit an, hier spreche man nur von dem Willen des Monarchen.„In beidm Meihodm steckt ein gutes Stück Heuchelei. Welche Hmchelei besser oder erträglicher ist, da« er- giebt sich für jede« Land aus semer Geschichte. Es damit nicht zu weit zu treiben, dürfte hier wie dort sich empfehlm." Man könnte sovst an dem einen Orte die Entdeckung wachm, daß man die Diktatur nicht mtbehren kann....„Man könnte an dem andcrm Orte durch die Thatsache nicht minder über- rascht werden, daß die immerwährmde Schmeichelei dazu führt, mit der Autokratie Emst zu machen." In letzterem Satze liegt die Moral eine« großen Theile« der jüngstm Geschichte, nicht Italien«, sondem Deutschlands. Sresbe«, 6. Dezember. Den ReichStagSdebattm über rbmsduch und die Arbeitszeitgröße der Berglmte wird eine Debatte über dmselbm Gegenstand im sächfischm Landtag folgen. Wie in Prmßen so find auch m Sachsm die Arbeits- sicher für Bergleute beibehalten und zwar erfolgen in denselben nicht nur die Eintragungm über dm Antritt rn und die Ent- lassung au« der Arbeit, sondem es werdm auch seitens der Werkbesitzer und Werkbeamtm dieselbm mit Zeugnissm über das Verhalten der Arbeiter gefüllt, die häufig dmselbm da« Fortkommm unmöglich machen und sie zwingen, dm erwählten Beruf zu verlassm. Thaisächlich stehen die sächfischm Berg- leute auf demseldm Bodm wie da« Dimstpersonal, da« auf Gmnd einer vorsündfluthlichm Dienstbotenordnung sich auch noch die Eintragung von Zeugnissen über sein„sittliches" Ver- haltm u. s. w. gefallen lassm muß. Diese Grube lag nur fünfhundert Meter weiter und auch dort überraschtm die Ankommmdm die Ausfahrt. Einem Mädchen wurden von den Fraum zum Vergnügen der Männer die Grubmhosen in Fetzen vom Körper geprügelt; ein paar Jungm bekamen Ohrfeigm, und die Männer wurdm mit blaum Flecken und blutendm Nasm heimge- schickt. Aber die Wildheit wuchs. Immer heftiger töntm die Rufe, in dmen der Zorn gegm die Verräther und der Haß gegen die schlecht bezahlte Arbeit sich paarten mit dem hungernven Schrei nach Brot. Sie begannm die Seile zu zerschneidm, aber eS ging ihnm zu langsam. Sie schüttetm eimerweise Wasser in die brmnmdm Oefen, so daß die glühenden Roste zersprangm. Doch schon riefm Andere, man wolle nach Saint-ThomaS ziehen! In Saint-ThomaS mußtm an siebenhundert Arbeiter eingefahrm fein— welch ei» Fest, die Alle mit Knütteln zu empfangen und zu drefchm, bis sie liegen blieben! Doch Jemand meinte, dort feien die Gendarmen. Keiner wußte etwas GmaueS darüber, Niemand hatte sie gefehm, eS war vielleicht ein leeres Ge- rücht; aber dennoch ward ihr Entschluß beeinflußt, und plötzlich hieß es: „Nach Feutry-Cantel! Räch Feutry-Cantel!" Und wieder überströmten sie die Landstraße. Diese Grube lag ungefähr drei Kilometer entfernt, in einer Thalbucht am User der Scarpe. Schon stiegen sie die Höhen der GipSbrüche nahe Baugnies hinan, als eine Stimme rief, in Feutry-Cantel seien vielleicht die Dragoner; und von einem Ende der Kolonne bis zum anderm tönte eS: „Die Dragoner find in Feutry-Cantel!" Der Marsch stockte. Eine Ungewisse Furcht schreckte sie: seit dem Morgen waren sie noch keinem Soldaten begegnet; irgendwo mußten dieselben doch sein! Und ohne daß man mußte, woher es kam, durchhallte plötzlich ein neues LofungS- wort die Luft:» „Nach der Victoire! Nach der Victoire!" Dort gab e» also weder Dragoner noch Gendarmen? Niemand konnte eS sagen; aber Alle waren beruhigt, gingen nach Beaumont zu die Anhöhe hinab und trabten über die Felder bis zur Chaussee von Joiselle. Die Eisenbahn ver- sperrte ihnen den Weg; sie zerbrache» die Einzäunungen, ff Im hiesigen Landtag wird das Arbeitsbuch der ScTgWj auf Grund einer Petition zur Sprache kommen, welche d« Vorstand des Verbandes sächsischer Berg- und Hüttenarbeil« an beide Kammern richtet, und in welcher er um Aufhebuot der Arbeitsbücher petitionirt. Eine Petition, die derselbe B«' ein bereit« im August diese« Jahres an das Ministerivm»«- tete und die dahin ging, das Ministerium möge dem Landloi einen diesbezüglichen Gesetzentwurf vorlegen, ist b-Sh«r oh»! diesbezüglichen Gesetzentwurf einbringen. Graßbrttaunie«. London, 5. Dezember. Der Bäckerstreik in Land»» hat nicht nur den Gesellen eine bedeutende Erleichterung Arbeit und beträchtlichen pekuniären Gewinn gebracht, er V auch dem Publikum die Augen geöffnet über die skandalös� sundheitsschädlichen Zustände der meisten Backhäuser. medizinische Wochenblatt„The Lancet" hat eine Kommis� ernannt zur Untersuchung aller Londoner Backhäuser und ao dem veröffentlichten ersten Bericht ersieht man, daß die wein» Backhäuser in Kellerräumen, oft in nächster Nähe der Aöoi» und K'hftchthaufen gebaut find. Und zwar sind die in � ärmeren Quartieren auf dem Surrey-Ufer der Themse besi»"' lichen Lokale sanitärisch besser bestellt als mehrere im fash� nablen Westende liegende Backhäuser, welche aller Beschreib»»? spotten. H-lgie«. Die Interpellation des Herrn Deputirten B a r a über Amtsentsetzung des Administrators der öffentlichen Sicher»� Herrn Gauthier de Rasse, hatte in weiten Kreisen bot' yradige Erregung hervorgerufen. Mit jeder Stunde wachset Menschenmassen umlagerten die Eingänge zu den Kam«� wbünen, aber nur Wenigen gelang der Einlaß: ring« um»o Nationa'palast und in den benachbarten öffentlichen Gebäob» waren bedeutende Polizeikräfte aufgestellt. Im SitzungSW waren die Minister und fast sämmtliche Deputirten aus � P ätzen; die Tribünen waren überfüllt: auf der diplomatif#® Tndüne waren die Vertreter aller Gesandtschaften und M reiche Abgeordnete der Antisklaverei-Konferen» erschienen— � tiefe Spannung herrschte im Hause. Herr Depuiirter B»' begründete in einer zweistündigen klaren und scharfen, � dem Beifalle der Linken unterbrochenen Rede die J»>*' pellation. Er schilderte die Spannung in der GesaminWr des Landes, an welcher das Ministerium von Anfang anP Schuld habe. Von Lockspitzeln geschürte Arbenerunruhen im Hennegau ausgebrochen. Die Justiz redet sich ein, � VersäiwörunA gegen den Staat entdeckt zu haben. Man nio» die Verschwörer fest; plötzlich findet man unter ihnen Age»z der Regierung und man ertappt zwei Minister im Bunde»• Lock-p tzeln, um unschuldige Bürger zu umgarnen. Der dem Minister Herrn Devolder selbst der öffentlichen Sich»»? aufgedrungene kle.ikal pefinnungStüchtige Locklpitzel PourNJ wird der Bundesgenosse des Herrn Minister« Beernaert,"J: infolge des entschiedenen Auftreten« des Advokaten HA Jmson von dem Schwurgerichte verurlheilt. JJJ Protest gegen diesen Urtheilsspruch bestraft man � ehrenwerthen Beamten, welchem man nur vor««": kann. die Wahrheit gesprochen zu haben.»K? will sich an ihm rächen, weil er Schnftstücke, welche die S?": der Minister und ihre Verbindung mit den Spitzeln erwsi� ausgeliefert hat. Herr Bara unterzieht sodann den von Justizminister Herrn L'jeune an den König,„um die köitiflWJ Unterschrift zu erschleichen", über Herrn Gaulhier erftatt� Bericht einer einschneidenden Kritik, er weist nach, daß di« Könige vorgetragenen Thatsachen mit der Wahrheit nia'-J Einklänge stehen, daß die Bestrafung Gauthrers nur auf j®, treiben der Staatsanwaltschaft, welche ihre Niederlage in"Z, Sozialiftenprozesse nicht verschmerzen könne, und zur der Minister erfolgt ist. Dabei kam eme überraschend!,�'', hüllung an da« Tageslicht. Der Justizminifter hatte M\ rühmt, er habe die öffentliche Sicherheit angewiesen, die Wahrheit»u sagen. Herr Bara wie« aklenmäßig daß der Minister die Beamten angewiesen habe, � Laloi als Spitzel anzugeben und zu erklären, e» Die Reg«" keine anderen Personen daran betheiligt. wollte sich und„den lieben Pourbaix" retten. Nachdem in eingehendster Weise da« Verfahren des Herrn Mi»'� Präsidenten Beernaert dargelegt, welcher im Bunde mit daix einen Unschuldigen verhaften und verfolgen ließ, sch'�L also:„Eine Schandthat ist begangen worden; derjenige,«nj sie aufgedeckt hat, ist abgesetzt worden; diejenigen, wela><, begangen haben, bleiben Minister. Es bleibt erwiesen, da»„ belgischer Minister sich mit einem erbärmlichen Lockspitz«"J» Kunden hat, um einen Unschuldigen zu verfolgen. Die Wfy müßte kein Blut in den Ädern haben, würde sie eine Schändlichkeit nicht brandmarken. Sie sind, meine Herren M>»'� Hand in Hand mrt einem Lockspitzel ertappt worden. BeschaO'Li über die entdeckte Schändlichkeit bestürzt, wollen Sit.4�. Schmach durch Absetzung eine« ehrenwerthen Beamten abw»� sprangen über die Schienen und liefen nach Montso»� das wellig abfallende Terrain hinunter, welches M an die dunklen Häuser von MarchienneS wie ein wog' Meer ausdehnt. � ES war ein Weg von mehr als fünf Kilometer. � stürmten ihn dahin, ohne Ermüdung zu fühlen noch in ihren wunden Füßen. Aus allen Arbeiterdörfern Kameraden hinzu, und als sie über die Brücke von den Kanal pafsirten und endlich bei der Victoire anla»g � war ihre Zahl bis auf zweitausend gewachsen. Äbf � war drei Uhr vorüber; kein Arbeiter befand sich der Grube. Die« reizte ihren Zorn. Sie zerbrachen jagten damit die Erdarbeiter in die Flucht, welch* Dienst einrückten, überschwemmten die Gebäude, und w» � sich, enttäuscht, keinen Verräther mehr zu finden, d*» � züchtigen könnten, mit wildem Zerstörungsgelüst aw Grube. Stephan hatte hinter einem Schuppen ei» paar � entdeckt, wrlche einen Lastwagen mit Kohlen belude«? „Marsch!" rief er,„nicht eine Schaufel voll den Platz!" Die Männer wurden vertrieben, die Pferde auSgeif � und über die Felder gejagt, der Wagen umgestur» zerbrochen. Levaque fiel mit seiner Hacke auf die eisernen der VerbivdungSbrücke; doch er vermochte nicht, sie drum warf er sich auf die Eisenbahn der Grube. folgten seinem Beispiel und rissen die Schienen aus; mit einer Eisenstange bewaffnet, brach die Schie" heraus. Und während die Männer die Bahn i1 drangen die Weiber, von der Brule geführt, ins � � magazin und hieben mit ihren Stöcken in die vor» hängten Grubenlampen. Das GlaS zersprang kurren"; Oel floß in Strömen; Alle wateten darin her»>, Mouquette trocknete lachend die triefenden Hände Röcken, während ihr Jeanlin die letzte Lampe Nacken goß. �.„aer" Aber immer erbarmungsloser nagte der Hun» � mitten durch den tosenden Lärm brach wieder zweifelte Ruf:„Brot! Brot! Brot!" siübl' ..A is M W' zk A tetet. a chS-h� n strö< »MS "Nz ch «» jji» r-JT� �a« gelmat Ihnen vielleicht m der Kammer, aber nicht im Lande. Welches Inn resse haben Sie denn, meine Herren von der Achten. m>b achtete Minikter, welche ein Verbrechen beaangen «den, im Arrte zu behalten? Möge derjenige von Ihnen, �cher das, was Herr Beernaert gethan hat, gethan haben �»chte, welcher Nachts sich mit Pombaix begegnen will, wel- w ein Herr Beernaert'ein will, sich jetzt hier erheben! Ich wende m,ch an Ihre Ehrbarkeit und beschwöre Sie, diele Manner ihren Geschäften zurückzugeben und damit der Spitzel- wnihlchass in Belgien em E'de zu machen." Hieraus erhob 5* der Justizminiller Herr Lejeune: er verlas zunächst einen �wref des General staatsanwalts Herrn van Scheer, welcher die «"ze Verantwortlichkeit für den Sozialistenprozeß und den Prozetz Pombaix auf stch nimmt. Er hält die Schuld Gau- 'hier«, weil er weder die Justiz nock das Ministerium über das jfreiben des Pourbaix aufgeklärt, Berichte unterschlagen und �Miststücke fremden Personen mitgetheilt hat, für erwiesen. »r stellt Pourbaix, welcher der«.schändlichste Aufwiegler" sei, den Günstling des Herrn Gaulhier und der öffentlichen «'cherheit dar. welcher nicht mit den Miniftern, sondern mit ?GU'bier im Bunde gewesen— aber bei jedem Satze wurde «t Minister durch die Zwischenrufe der Linken unterbrochen. Herren Bara, Janson wiesen bei jedem Satze die Unrich- «'«t der Behauvlungen des Ministers nach. Die Rechte wdte, um die Summen der Liberalen zu übertönen, aber ohne Erfolg. Heute wird Herr Lejeune leine Rede beenden und �trr Janlon ihm antworten. Während die Kammer ver- «ndelte, halten stch Hunderte vor dem Nationalpalaste einge- Wunden und machten ihrem Grolle gegen das Ministerium «urih Zischen, Pfeifen, dmch Rufe«.Nieder mit dem Minist«. ?>rn! Man mutz Beernaert mit seinen Spitzeln aufhängen!" Die Pouzei ging schneidig vor und säuberte die Ströhen, 10 bah die Deputirten und Mmifter unbehelligt den Palast blassen konnten. Türkei. ,, lleber den für die türkisch« Justiz ganz schmachvollen «rvzeh Mussa Bey bringt der Londoner«.Standard" noch fol- Willen Bericht: Der Prozeh Mussa Bcy hat also mit einer Freisprechung sskndet. An dem Tag«, wo fie erfolgte, war der Geiichtssaal ium Erdrücken von Neugierigen gefüllt. Die Hauptfigur ?Ub«te Mussa Bey, welcher betrübt dreinschaute, als ob rhm w Länge der Ve> Handlungen ermüdet hätte. Er unterbrach Maral seinen eigenen Anwalt während dessen Plardoyer. N die Frage, ob er noch etwas zu sagen habe, erwiderte Mlssa:„Dieser P>ozeh hat nun länger als eine Woche ge- ??uert. Allmälig müssen Sie zu einer Ueberzeugung gekommen II'», ob ich schuldig bin oder nicht. Wozu also noch den t�jeh forlsetzrn. Die Regierung hat in Ihnen höchst ge Richter bestellt, und ich bitte Sie, ungesäumt llrtheil zu sprechen." Zwischen Garabet, welchem ssa 20 Pfund geraubt halte» nachdem derselbe ge» Relt worden war, und dem Anwalt Mussa's kam Äju heftigem Wortgefecht. Garabet sagte:«Es hört sich ja � gut an, Mussa als ehrenwerthen Mann aus auter Familie �»zustellen. Er hat uns rurnirt er hat Mord, Brandstiftung, Mb und jede andere Scheuhlichkeit begangen und tausend- Wge Verbrechen verübt. Den besten Beweis seiner Schuld »det der Umstand, dah das Land ruhig ist und man von Verbrechen mehr hört, sertdem er au« seinen Schlupf. Snkeln heraus ist." Nach einstündiger Beralhung kehrte der ?knchishof in den Saal zurück. Der Sekretär verlas darauf lauter Summe da« folgende merkwürdige, obwohl unerwartete Unheil:.Von der Anklage der Brandstiftung Ab des Diebstahls wird der Angeklagte durch Mehrheit des �kibunals freigesprochen. Einstimmig wird er freigesprochen A» der Anklage des Raubes. Endlich wird er auch des r�des für nicht schuldig befunden, obwohl die Richter in w» Punkte mcht einer Anficht waren." Der Urthnlsspruch �j»de schweigend entgegen genommen. Nur einige Türken leise den bei Urlheilsverkündigungen üblichen Ruf hören: der Sultan!" So endete dies« Parodie auf die "VlSpflege. Unter den Armeniern ist die Entrüstung groh. Clderselder KoMGeMwU. 14. Tag der Verhandlung. Elberfeld, 6. Dezember. fci. Präsident konstatirt, dah einige.Angeklagte fehlen. Arugenlifte wird verlesen. �Zeugin Frau Hüttenberger verweigert die Au». (ii. 3ruge Halsband, Seidenweber aus Neviges(ver- 1 Ich weih nur von einer öffentlichen Versammlung. In �Versammlung im Walde wurde über den Reichstags- �"»baten gesprochen. Kaiser war dabei. Ich gab 50 Pf. für Wahl. ge P a u l u s s e n, Bürgermeister �in NeirigeS sver> 1885 � Rümmer de« wurde mir mitgeiheilt, Zürichers" holte. dah Robert Kaiser eine Er war, wie ich hörte, H�krtretender Kasfirer. Ich hatte den Verdacht, dah er einer �"Men Verbindung angehöre, aber ich habe bei ihm nur un- i* l, sozialistische Schriften gefunden. 1838 beschlagnahmte einem Anderen Flugschriften. Ob Kaiser fie verbreitet, (q?'ch nicht. Von einer geheimen Versammlung weih ich eigener Beobachtung nicht«.(Ans Befragen der Ver- C'gi-ng); Es ist mir milgetbeilt worden, dah ein Brief an w'* beschlagnahmt wurde. Wer mir da« sagte, darüber ver- ��e ich die Auskunft. ?erth.: Die Angeklagten wünschen Alle« aufgeklart. �euge August, Polizeikommissar m Karlsnche(ver. Ä'/.' Bei erner Haussuchung fand ich mehrere verbotene Tillen; die Haussuchung geschah auf Veranlassung der Kieler S�°»wall,cha,t. Dah der behaussuchte Reisfiag Sozial- A»t war, vermuthe ich...... Judick, Postagent und Wirth zu Tonnrshetde (veredigt): Beobachtungen, an wen foz»alifttsche 10. m sslsandt wurden, habe ich nicht gemacht. Von ge- ? Versammlungen we>h ich nichts. m. ZiuZe Richard Hecker au« Hackmbera. KrnS NevtgeS: nur von einer Zusammenkanft im Walde, wo Bier H AW wurde. Von der Verbreitung de«„Sozialdemokiat" nicht-. Zeuge wird vereidigt. tn rMi" \>'» TäK «"-'S irre»», � eruw!� e o»"V >e 1» � rt l"1' unger ' der � f. f-l�' »e v. Zeller, Polizeisergeant in Neviges(vereidigt): er Sozialdemokratie in Neviges, Meist der Führer der— u-------------- �.... sS»Voch in Neviges. Dah Harm oster kam, habe ,ch gehört. ""«»ei l kannte ich ihn nicht. Ueber die Verbmtung ver. . tz. Schriften habe ich nicht« bemerkt. i«.»®*»*: Ich war in Neviges, um Abonnenten für d«e Sittil" iu sammeln. E« machte uns Späh, die Gendarmen �zuführen. l l« r: Ich verweigere die Auskunst darüber, wer k z'.�'ei- dah Kaiser Füh.er der Partei sei.. S« R a e ck e, Gendarm in Neviges(vereidigt). Ich U>en Kaiser einen Wirth aufforderte, etwa« für die ber inhastirten Sozialdemokraten zu geben.(Aus �»i�tn Meist«); Wa« Meist mit den Anderen sprach, weih ''Kneten Harm und andere Leute getroffen: wä« fie ' we,h ich Ujcht. Meist habe ich in verschiedenen Wirth- schasten getroffen: es wurde von Zigarren gesprochen. Es war ein gewöhnliches Tagesgespräch. Vor 4 oder 5 Jahren habe ich dm„Soz." auf ein Vierteljahr bestellt; das Geld dafür schickte ich in Briesmarkm weg. B-stimmte Ramm, mit dmen ich gesprochen, weih ich nicht mehr. Von Kaiser habe ich blo» in Wirthschaftm gehört. Der Zeuge wird vereidigt. Zeuge August Lehmann, Weber in Neviges: Von der Organisation der Sozialdemokratm weih ich mchts, auch nicht von verabredeten Zusammmkünftm. Einm Brief von Emst Wille habe ich nicht erhaltm; eS war währmd der Briessperre. Der Präsident verliest den Brief. Lehmann: Wer„K." ist, weih ich nicht. Mit Wilke habe ich über Kcankmkassenangelegenheiten gesprochen, besonder« über Kontrole der Kranken. Den„Soz." halte ich nicht. Fiührr(bis 1885) habe ich ihn gelesen und direkt von Zürich bezogm, bis zur Reichsgerichtsmtscheidung. Ob Kaiser Sozial- demokrat ist, weih ich nicht. Wilke: Der Zeuge war in meinem Haus in Ronsdorf. ,.K." bedeutet, weih ,ch nicht. Lehmann: Es handelt sich um Krankmkontrole. Mög- lich ist, dah ich Wilke irgmd Jemand bezeichnet habe, der' ihm Auskunft aeben werde. Von geheimer Tinte weih ich nichts. Der Zeuge wird vereidigt. Zeuge M e i n d e r«, Briefträger in Neviges(vereidigt): Ob Jemand in Neviges den«Soz." hielt, weih ich nicht. Bei der Briessperre wurde ein Brief an Kaiser konfiszirt; was darin war, weih ich nicht. Reg« mähig habe ich an Niemand ausländische Bliese bestellt. Kaiser bekam nicht häufig Briefe. Nach meiner Meinung kann es nicht möglich sein, dah in Neviges der«Soz." durch die Post bestellt wird. Zeug« Hütt, Wirth in Neviges(vereidigt): Kaiser klopfte einmal mit einem Beutel auf dm Tisch, von dem ich glaubte, es seim Vereinsgelder. Kaiser: Es war ein Scherz mit einem konfervativm Herrn auf Fastnacht. Hütt: Es war Fastnachts-Dimstag. Kaiser beantragt die Ladung der Frau Müller. Zeuge Friedrich Schumacher: In Neviges find mir keine Fährer der Sozialdemokratm bekannt. Den«Soz." habe ich 1879 oder 1880 gelesen. Später habe ich ihn niezum Lesm bekommen. Ich hörte nie, dah ihn Ändere lasm. Mit Meist, der geschäftlich kam, habe ich wohl gesprochm. In Neviges ist kern Lokal für politische Versammlungm zu bekommen.(Der Zeug« wird vereidigt.) Auf dm Zeugm Möllney wird allerseits verzichtet. Zeuge Priese, früher Polizeisergeant in Haan(vereidigt): JmNeanderthal war ich; e« sollte eine sozialistische Versamm- lung sein, wie un« gesagt wurde.(Zmge giebt eine ausführliche Darstellung der Vorfälle.) Gekannt habe ich die Personm nicht. Meist habe ich in Haan gesehen. Von einer geheimen Ver- sammlung habe ich nur erzählen gehört. Zmge Baude, Oberwachtmeister in Vohwinkel(vereidigt): Den Ausflug nach Neanderthal Hab« ich im Auftrage de« Land- rathes beobucktet. Es wurde dort gesungm. Einem Theil der Anwesmden folgte ich in der Richtung nach Mettmann. Emige kannte ich, darunter Belle«. Dah Kaiser da war, wurde mir gesagt: gekannt habe ich ihn nicht. Von einer Organisation der Sozialdemokratie weih ich nicht«. Ale Führer der Sozial- demokratm in Neviges ist mir Kaiser angegeben. Von Meist habe ich gehört, dah er geschäftlich in dem Kreise war. Zeuge Hagen, Bandwirker in Hebringhausm, Gemeinde Lüttnnghausen: Ich weih nicht« davon, dah Marschall Schristen verkauft. Dm„Soz." erhielt ich früher. Die Viereck'sche „Arbeiter-Zeitung" erhielt rch ftüher durch Marschall.(Der Zmge wird vereidigt.) Da« Verhör der Angeklaatm wird fortgesetzt. August Busch, Schlosser in Velbert: Aufklämngm kann ich nicht weiter gebm. Der Präsident konstatirt, dah währmd der Briessperre vier Exemplare des„Soz." an Busch ankamm. Wilhem Fink«, Buchbinder zu Elberfeld: Eine Frau wurde zu Kommissar Kammhoff geladen und erzähfte über ihre Vernehmung.« Louis Flach, Schreiner zu Elberfeld: Di«„Sozial- demokratische Bibliothek" erhielt ich von Fritz. Hüttenberger: Fritz reiste im Spätherbst 1837 ab. Flach: Bei Fritz hatte ich die Sachen bestellt; ich erhielt fie erst im März 1888 mit der Erklärung, fie seim von Fritz. Wilhelm Gerstenberger, Weber zu Elberfeld: Ich kann nur erklärm, was ich bei meiner früherm Aussage bemerkte. Friedrich Albert Gester, Dachdecker in Elberfeld: Wie ich in den Befitz der Sammellistm kam, weih ich nicht mehr. Die Nummer de««Sozialdemokrat" und die Broschüren habe ich gefunden. Eine andere Nummer de««Sozialdemokrat" habe ich von einem mir dem Ansehm nach B-kanntm erhaltm. Es tritt eine Pause von 20 Minuten em. (Fortsetzung in der Beilage.) IToItoIcr-. Kleptomanie.«Am Sonnabmd Abmd wurde in einem ersten Tüll, und Spitzenaesckäst am Hausvogteiplatz eine Dame angehalten, welche echte Brüsseler Spitzm und seidene Bänder eSkamotirt hatte; fie wurde sofort durch einm herbeigerufenen Schutzmann arretirt. Die Polizei glaubte nun, eine berückligte Ladmdiebin erwischt zu haben, wurde aber bald eine« Besseren belehrt, als sich die Diebin als Berliner Hausbesitzerin aus- wies. Sie leidet an Kleptomanie, d. h. an der Sucht, unbe- wuht Diebstähle auszuführm unb kann die« durch ein Lrzt- licheS Attest beweism. Trotzdem wurde fie zunächst in Hast behalten. Die Familie der Dame hat schon viele Unannehm« lichkeitm durch diese leidige Sucht ihrer Angehörigm gehabt, hat bisher aber immer ihre Ausschreitungm vertuschm lassm." Diese Notiz, welche jetzt durch die Zeitungm läuft, ist wieder für die gegmwärlige Wirthschaft auherordmtlich be- zeichnmd. Di« vomehme Dame hätte man offenbar von ber Polizei durchaus nicht arretirm lassm, wmn man über ihre Herkunst vorher unterrichtet gewesm wäre. Man hatte, wie der Bericht mit groher Äaivetät hervorhebt, gemeint, einer be- rücktigtm Ladmdiebin auf der Spur zu sein. Dah die be- treffmde Dame ein Hau« m Berlin befitzt, dies« für fie ja auherordmtlich wichtige Thatsache gmügt jedoch, um ihren Fehltritt sofort in eine ganz andere Belmchtung zu rücken. Der dloh« Reichthum soll den Diebstahl, welcher jede« arme Mädchm unfehlbar in da« Gefänanih gebracht hätte, mtschul- digm. Wa« will da« heihm, daß die Dame an Kleptomanie, an der„Sucht, unbewuht Diebstähle auszuführm", leidet? Wie will man da» überhaupt durch ein«ärztliches Attest be- weism"? Die ganze schöne Erfindung der Kleptomanie ist offenbar nur im Interesse jmer reichm Spitzbuden gemacht, welche so herabgekommm find, dah fie, obwohl fie es nicht nöthig hätten, dennoch stehlm. Welcher verständige Jurist kann aber in dem Umstände, dah ein Verbrechm ohne jeden zwingenden Anlah verübt wurde, einm Milderung«- oder EntschuldiaungSgnrnd sehen. Jede« unbestochme Bewuhtsein wird im Gegmtherl dm Diebstahl der Armm und Elmdm bei weitem milder als den der Reichm beurtheilen. Will man durchaus die«Kleptomanie" der vornehmm Welt als einm Akt der gänzlichen Unvemunft, der Befinnungslofigkeit und Geistes- stöwng bettachtm, nun so habe man doch auch wenigstens dm Muih, alle anderm Verbrechm, die im plötzlichen Affekt begangm werdm und dem vemünftigm Selbsterhaltungstriebe des verbrecherischm Individuum« widerstreitm, ebenso zu be- urtheilen! Man muh dann, um nur ein Beispiel heraus zu greifen, auch dm im Zustande der Leidenschaft begangenm Mord als Aeuherung des Wahnfinns, nicht als verantwortliche That auffassen. Die Lffmtliche Meinung der bürgerlich-kapita« list'schm Gesellschaft wird sich vor solchm Konsequenzen aher wohl hütm. Die Kleptomanie soll ebm nur ein Ausnahme- gesetz zu Gunstm vomehmer Damen sein. Konsequmzm daraus zu ziehm, die unter Umständm auch dem lumpigm Proletarier zu Gute kommm könntm, muh als„unfittlich" und „reaktionär" verpönt werden. Wer fich für die psychologischm Ursachen dieser Kleptomanie interesfirt, der sollte fich an dm grohm HerzmSkündiger Zola wmdm, dessen poetisches Gmie das ganze bunte Getriebe un- serer sozialm Welt erleuchtet. In seinem Romane«Zum Glück der Damm" schildert er da« Emporkommen eines der riefigen modemen Putz- Magazine, welcke den Kleinbetrieb in dieser Branche mehr und mehr verdrängm. Hier in den Riesm- räumm der Mouret'schen Verkaufshalle sehm wir da« massm- hafte Andrängm der Frauen, ihrm Enthusiasmus, die fieber- hafte Erregtheit und dm Taumel, welchm die Äushreitung de« Schmuckes m dm weiblichm Herzm hervor- ruft. Die Phantasie de« Dichters bringt un« alles da« zu einer so lebhaften Anschaulichkeit, dah wir auch dm Wahnwitz und grenzmlosm Leichtsinn, der die vermögmde Dame zum Spitzen diebstahl antreibt, wohl he- greifm, ohne dah wir zu der lächerlichm Theorie einer an- geborenm Diebssucht, ebm jmer berühmtm Kleptomanie, unsere Zuflucht zu nehmm brauchten. Madame de BoveS, welche von ihrem Manne ziemlich knapp gehalten wird, ist dem grohm Zauberkünstler Mouret, dessen Riesenmagazin auf der massm- haftm Ausbeutung der weiblichm Putzsucht bafirt, mit Leib und Seele unterthan ßeworden. Wie dm Spekulantm die Börse, so zieht diese Frau das„Glück der Damm" an. Immer wieder durchirrt fie die glänzmden Verkaufshallm. In dem«finnlichm Bedürfnisse, ihre Hände in die zarten Spitzengeweb« zu versmken" kommt fie, obgleich im Augmbl'cke ohne Geld, zu dem Entschlüsse, sich echte Almponer Spitzm vorlegm zu lassm. Die Tochter der sehr ehrenwerthen aristokratischm Dame, die auf dem Nebmtische herumkramte, wendet fich plötzlich nach der Mutter um. Da sieht fie, wie die Frau Mama ein Stück Alengoner Spitzm im Aermel ihre« Mantel« verschwindm lieh. Sie schim— sagt Zola— nicht sonderlich überrascht zu sein, sondem trat näher, um die Manipulation ihrer Mutter zu ver- bergm. Umsonst— Joure, der Inspektor, welcher dm Beruf hat, hinter dm Diebinnen her zu sein und fie auf frischer Tbat zu ertappen, trat dazwischm und er- suchte die Gräfin im höflichsten Tone, ihm zu folgen. Ein höherer Beamter des Magazins Bourdoncle kommt hinzu. Er war, wie es sehr charakteristisch im Texte heiht, gleichfalls nicht sonderlich überrascht. Es palfirm so auhecorvmtliche Fälle, dah er die Frau zu Allem fähig hielt, wmn einmal die Begierde nach dem Toilettenluxus fie ersaht hatte. Da ihm nicht unbekannt war, dah sein Chef m dm Gesellschaften mit der gräftichm Diebin häufig zulammmtraf, behandelte er sie mit vollkommmer Höflichkeit. Trotzdem die Dame mit groher Energie die verfolgte Unschuld spielt, muh fie schliehlich, um Aufsehm zu vermeidm, dock in das für derartige Fälle reservirte Kabinet eintretm. Mit majestätischem Zorne weist fie dort jedm Verdacht zurück. Zwei Ladenmädchm untersuckm sie trotz alledem und finden Spitzen im Werthe von 40 000 FrkS. in ihren Kleidern. So stahl Frau von BoveS, fährt Zola mit eisiger Ruhe fort, schon seit einem Jahre, verzehrt durch eine tolle, unwiderstehliche Begierde. Und fie stahl nicht nur Waaren in den Magazinen, fie stahl auch ihrem Gatten daS Geld au« der Tasche' fie stahl, um zu stehlen. Natürlich wird der«bedauerliche Vorfall" in Rücksicht auf die „Familie" unterdrückt. Vorher muh aber die gnädige Frau noch«in« Erklärung unterschreibm, de« Inhalte«: Ich habe im«Glück der Damm" Spitzen gestohlm. An dem Tage, wo fie 2000 Franks für die Ärmm an das Magazin einfchickm würde, soll ihr dieser Zettel, der Zeuge ihrer Schmach, zurück- gegeben werden. Sie erklärt, lieber sterben zu wollm, aber nach einer fürchterlichm Szme unterschreibt fie dmnoch. Der Beamte nimmt! das Papier und verschließt es in einem Schubfache, wo schon viele solche Zettel liegm.«Wie Sie sehm, Madame, wmdet er fich dann an diese, befindet fich ihre Erklärung in zahlreicher Äe- sellschaft; denn alle die Damm, welche zuerst sterben wollm und hemach die Erklärung ausstellen, unterlassen es später, ihr billets-doux abzuholm. Man braucht kein Sittmrichter zu sein, um über diese „kleptomanm" Damen hart zu urtheilm. Wie anständig er- scheint ein simpler Diebstahl au« Roth neben solcher nervm- überreizten schamlosen Verworfmheit! Während die Techniker fich in finnreichm Erfindungm überbietm, welche die mihdräuchliche Alarmirung durch die öffmtlichm Feuermelder verhindem sollm, setzen ruchlose Bubm diesen schändlichen Mißbrauch des gemeinnützigen Apparate« mit uugeschwächtm Kräftm fort. So wurde in der Nacht zum Ereitag in der drittm Stunde der Feuermelder in der Schul- mhe Nr. 1 ohne jeglichm Anlaß in Bewegung gesetzt, ohne daß e« auch diesmal gelungen wäre, des Frevlers habhast zu werden. Infolg««i««r unsinnigen Wette ist eine in der Schön- hauser Allee wohnende Familie in große Trauer versetzt wordm. Der einzige 17iährige Sohn derselben war mit mehrerm Be- kanntm eine Wette eingegangen, wonach er fich verpflichtete, mit einem Pferdebahnwagm der Ringbahn im gleichen Tempo einmal um ganz Berlin zu laufm. Am vorigm Montag Abmd sollte die Wette zum Austrag gebracht werdm und mehrere Frmnde bestiegen am Schönhauser Thor einm Pferdebahn- wagm, der in der Richtung nach dem König« platz fuhr, wäh« rmo der junge Mann nebmhertrabte. Schon am Askanischm Platz vermochte der Wettläufer nur mit Anstrmgung aller Ki äste gleichm Schritt zu haltm; er hielt auch bi« zur Belle. alliancestrahen-Brücke au«, hier wurde er jedoch plötzlich von einem Bluisturz befallm, und stürzte zur Erde. Von seinm Freundm in die elterliibe Wohnung geschafft, verstarb er dort an dm Folgen einer Lungmentzundung, trotz sorgsamster Pfleg«. zla« Scheuer««tt Oleum hat wiedemm ein Opfer ge- fordert. Dre bei einer hufiqm Familie bedien stete Anna K. hatte am Sonntag die Kupferfachm in der Küche mit dieser gefährlichm Flüssigkeit gescheuert. Gleich darauf schwoll der K. der rechte Arm unter dm furchtbarstm Schmerzm an, so daß der zu Rath« gezogme Arzt die schlmnigft« Ueberführung de« Mädchm« nach einem Krankmhause anordnete. Wmig« Stundm nach ihrer Emlieferung daselbst hat man dem Dienst- mädchm dm Arm abnehmen müssm, da die Blutvergiftung bereits so weit vorgeschrittm war, dah nur die sofortige Am- vutation noch Rettung bringm konnte. Die Unglückliche hatte fich am Mittelfinger der rechtm Hand einm Nietnagel abgerissm, in die unbedeutende Handwunde war da« Oleum gedrungm und hatte die von so schrecklichm Folgm begleitete Blutvmgif- tung herbeigeführt. Wir wollm anläßlich diese« Unglücksfalle« allen Frauen rathen, diese« giftige Zmg überhaupt nicht in ihrer Wrrthschast zu dulden. Metallgeräth« blank zu putzm, dafür giebt ti auch noch andere Mittel, al« diese« Oleum, das man noch dazu in allm möglichm höchst unsckuldigm Behäl- tan, wie SeUersflaschen, in den Spmdm umher stehen laßt, so daß selbst Erwachsene schon oft gmug einm hierdurch mt- stan denen Jrrthum schwer zu büßen hatten, von den Kindern überhaupt zu schweigen. Theater. Sonntag, den 8. Dezember. Gpmneh«»». Gicconda. Montag: Da« Rheingold. HMa»t»teU»a«». Der Blbliothekar. Montag: Auf der Brautfahrt. 9««tMro* Uhoat»». Der letzte Brief. Montag: Faust.(Erster Theil.) SofftKfl-CtzocUy. Die Ehre. Montag: Der Zaungast. Owitoe» Theater. Schlechte Rasse. Montag: Monijoye, der Mann von Eisen. Friedrich. Milhelmftiidtisch», Theater. Prinzessin Pirouette. Montag: Dieselbe Vorstellung. Me�deref-'Theater. Schwiegermama. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ißeitwer-Uheat«». Nervös.— Vorher: Der Scheibungsgrund. Moniaz.' Dieselbe Vorstellung. WUrt-rta-�otte». Slqniey m Afrika. Montag: Dieselbe Vor�iüUng. GKead» Theater. Die Geyer-Wally. Montag: Tin Verurtheilter. OeKeaRiaar»- Theater. Vor Sonnen- aufgang. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mdataftitdttfche» Theater. Madame Poti- phar. Montag: Dieselbe Vorstellung. ?»»t»al-TH»at»r. Hiftonscher Possenabend. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zldatph Oraft-Theater. Awtte Weiber. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gedr. Richter'» Rart«»». SpezialitAen. Vorstellung. UetchshaRea- Theater. Gr. Spezialitäten» Vorstellung Katrfmattn'» NariStä. Gr. Spezialitäten- Vorstellung._ Amoriofin-The«t«p* IM Kresheaeeh«. M. Vorst« llni-h. Cipcus Rüiiz. Aarlstratze. Heute. Sonntag, den 8. Dezember: L groh« Porstellungr«. 4 Uhr Nachm.(1 Kind frei). Trotze Vorstelluna mit auserwähltem Programm. Auf vielseitige» Verlangen: Aschenbrödel, oder der lglaserne Pantoffel. Große« phantast. Zaubermärchen in 4 Adtbl., arrang. u. m Szene gesetzt vom Direktor T. Renz. Abend« 7t Uhr: Die luftige« Heidelberger, oder: Tin Studentenautflug mit Hindernissen. Große Original-Pantomime. In beiden Vor- stellungen Auftr. der vorzügl. Reitkünstlerinnen und Reilkünstler. Reiten und Vorführen der bestdresfirten Schul- und Freiheitspferde. Komi- sche« von den 20 Clowm«. Morgen Montag: DielustigenHeidel�- b e r g e r. E. Renz, Direktor. Cipvu» Buseli* h»i»»rtch-K«rl-llser. Heute, Sonntag, den 8. Dezember: 2»»»lt« Vorstellungen. Nachm'ttao« 4 Ubr: l Kind frei. Auf Verlangen FATMEj die Rose von Tripoli. Große Pantomime rn 4 Akten. Orrental. Origmal-Ausstattung«- Pantomime, gesetzlich geschützt. In beiden Vorstellungen Auftreten der vor- züglichsten Künstler und Künstlerinnen. Abend« t 8 Ubr: Z. 2 Mal: Kitt ßilbertllsjO im GMewüld. Große« Jagdbild m,t Ballet in 2 Akten arrang. und in Scene gesetzt vom Director. 1. Akt: Rendezvous beim Jorsthau«. 2. Akt: Die Jagd. 1. Aufbruch zur Jagd. 2. Ver- folgung de« Ueberläufer«, Hirsch durch die Meute 3. Parrorce-Ritt über die größten Hindernisse. 4. Stellm des Schwarzrockes durch die Meute, Abfangen desselben— Hallali. Der Ciikus ist gut geherzt. Unwiderruflich letzter Monat. Vassaae IT», s M- 10 Uhr A. Kaiacp-Panopama. Zum ersten Male: Zweite Reife durch die malerische säcksische Schweiz. I. Lbtb-ilvng: Parts»» Weltausstellung. Hertha- Reife.-Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. 'Mfer «M, P. Ketsch, Tin neuer Lehrkursus f. Damen u. Herren beginnt Sonntag, 1. Dezember, Nachm. 4 Uhr. Meld. Adalbertstr. 93 u. bei Beginn de« llnterr. Il0l8 Neu eröffnet!!! 450 2. CSaackS« Gllckchch 159 (vis-ä-yls der Luckauerstraße). Mganea- and KMerie-Geslhöft. y Den Genossen ffÄ'"*" 5em»->.l>udts-8«rln«bw'StM. 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Rodert Herzfeld, Expedient. j Wenigen Genossen, welche am Mittwoch, den 11. De- »' den Stodtverordneten-Stlchwab>en behilflich sein «können sich an diesem Tage von Morgens 8 Uhr m I�oden Lokalen bei den Bezirkslührern melden, wo � Tage der Wahl die Wählerlisten zur Einstcht aus- den 11. Bezirk: bei Ammer, Destillation, Heim« ..und Bergmannstraßen-Ecke. «kur den 17. Bezirk: bei Lindemann, Restauration, ».Moritzstrahe 9. our den 27. Bezirk: bei Behlendorf, Restauration, ». Strauhdergerftrahe 3ö. u« den 35. Bezirk: bei Pötzold, Restauration, Granseerstraße 1. beim Zentral. Wablkomitee, welckeS seinen Sitz am Wahl von Morgen« 8 Uhr an bei Julius Henke, Blumen strahe 38, hat. ® kanntmochung der Gesammt» Resultate findet am den 11. Dezember, Abends 8i Uhr. statt und zwar: den Norden: in Lehmann'« Salon, Schwedter- urahe 24. TO den Süden; in der Nnionr-brauerei, Hasen« ».Haide 3 5. TO den Osten: im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 5— 7. | 9o«tr*nf P Sitzung vo n 7. Dezember. 12 Uhr. � Tische de« Bundesrath«: von Bötticher, von .»hn, von Marschall. ■7»weite Berathung des Etats wird fortgesetzt beim °e>- Zölle und Verbrauchs st euer n. � K8H«(Soz.): Bei dieser wichtigsten CtatSpostlion am Platze, ob doS Volk die Zölle und V-r« V,, der bisherigen Höh? ou' die Dauer trazen Infolge der bisherigen guten Ernten find ja die Ge- u« nicht so fühlbare geworden. In diesim Jahre habm HikIIl«''"wal eine Miltelern te gehabt, und nun fängt �Ichaflliche Druck auf die gesammte Lebenshaltung untersten Volkikiassen an, geradezu unHeim- unerträglich zu werden. Namenilich in der Schlefien, der»Vorrathskammir Berlins", Lebenshaltung der überaus großen Mehr- Arbeiter eine höchst traurige. Ich habe hier das emes Weber« im lchlefischen Eulengeb rge vor mir, * Jahr« umloh». Der Mann verdiente im Jahre flnh 455�1 M. also pro Woche 8,76 x M., p 0 Tag Dieser Arbeitsverdienst besteht aber nur in den Wirken der schlesijchen Tiextilindustrie. Jener Wiber uvglück, 8 unerzogene Kinder zu besitzen, von denen »e, .urrnlngspleiuderei. ' 9- Daß der ehemalige Scharfrichter Krauts unter Vsteller gegangen ist, daß er wenigstens einen 8en Mann gefunden hat, der die Erlebnisse dieses »ten Herrn in tausend und abertausenden von ** unter die lesebedürftige Menschheit gebracht hat ist eine That fache, welche die öffentliche JöerliuS schon seit einiger Zeit bewegt. Unsere iwar an„interessanten" Stoffen nicht gerade arm.' - wirkliches, warmes Menschenblut tritt uns doch lfcj Ul in den Berichten entgegen, die uns der ge- hg�Woph hin und wieder von den Großthaten des uvwann au« Ostafrika übermittelt. Es war daher � verwundern, daß die lebhaften Schilderungen, I�-Uts von den letzten Augenblicken derjenigen, die (, jj woHeu gütforge überantwortet wurden, zu geben »i. �oßes Lesepublikum fanden. Zu bedauern ist der Schriftsteller, welcher die lieber- � � Krauts' schen Memoire« an die Allgemeinheit W Ich nicht in den durch Gesetz und Recht vorge- hielt, sondern daß er auch die Gemahlin fy, �Uo« Berlin mit in seine dramatische Erzählung Augenblick wissen wir leider nicht— zu «z.'wnde'-*.. t-.j. � es der Welt mitgetheilt— ob es sich ■ db Kraut« durch einen standesamtlichen Akt an- � Gespans oder nur um feine Geliebte handelt; kw-I unerkannt werde« und da« ist der Umstand, jo r! Tarne keineswegs an der in neuerer Zeit mit \ zr.'/bien Schneidigkeit fehlte. Die Ehre eines H ist einem blanken Spiegel vergleichbar, ?cht ihn blind und unbrauchbar— wie sehr das Gefühl einer Dame durch einen Kol« "verletzt werden, den Jeder— zehn Pfen- ftfT Heft— erstehen kann, und in welchem >» er-z-.». Tinge mit rücksichtslosester Deutlichkeit Srg1 werden, der sie nur hören will. �hI�klthat kann natürlich nur vor dein Schieds- CW d vunktionev heute leider immer noch nicht C* Sk � Scharfrichter« heranreichen, sonst wäre e» ß> � Derlen vielleicht recht übel ergangen— er- k-»üHs," da wurde den» auch als Ausgleich erzielt, hin H�1" die Ehre der Dame nach allen nieder repanrt weiden sollte, so daß die- das älteste noch nicht 14 Jahre alt ist. Nan frage ich Sie, ist das gerecht, von diesem Manne einen so exorbitanten Brotzoll zu erheben? Fleisch ißt er höchsten« am Sonntag. Ein an« derer Weber verdient nur 7,3 M. pro Woche, aber er hat wenigstens blos 3 Kinder. In der Housindustne ist es noch schlimmer. Da verdienten HauSweber 3 M.. 3.50 M. pro Woche und höchstens 5M. im Durchschnitt. Ein Weber schreibt mir wir stehen am Vorabend des Vrrhungerns. In der Zündholz industne find die Löhne so erbärmlich, daß man sich nicht ge- traut, sie arSzusprechen. Die Wohnungen dieser Leute find aar nickt mehr menschlich, fie find schlechter als Schweineställe. Die Löhne in der Waldenburger Porzellanintustrie find seit Anfang der fiebzizer Jahre um 50 Prozent zurück gegangen. Dasselbe gilt für die Uhrenindustr.c in Freiburg Selbst in Breslau verdienen die staatlichen Eisenbahnarbeiter nur 1,40, 1,50, L60 bis 1,70 pro Tag, und da sie am Sonntag nichis verdienen, nur 1.28 Marl. Da glaube ich dem Arbeiter, der mir schreibt, die jüngeren Kinder müssen hungern, die älteren betteln gehen, denn Breslau befitzt selbst noch indirekt« Steuern, wie die Schlacht, und Mahlsteuer, die ebenso hoch find, wie die indirekien Reich« steuern, nämlich 5'/» M. pro Kopf. Im Regierungsbezirk Oppeln hat der Fabrikinspektor in nachahmenswerther Weise eine Lohnstatistik veröffentlicht. Daran« gebt hervor, daß der Mitteltvhn 94 Pf. pro Tag beträgt. Die lohne der weiblichen und jagendlichen Arbeiter finken bis einige 30 Pf. herab. Solche Zahlen sprechen ganze Bücher. Anstatt daß diese Arbeiter überhaupt gar keine Steuer zahlen, müssen ste noch die indirekten nach einem ganz ungerechten VertheilungSmaßstabe tragen. Der gewöhnliche Arde'ter konsumirt nicht weniger Salz, als der dreifache Millionär, und doch bezahlt letzterer dieselbe Steuer. In der Steinkohlenlörderung in Schlefien bat fich die Arbeitsleistung von 235 Tonnen im Jahre 1878 auf 277 Tonnen im Jahre 1887 gesteigert und die Zahl der Invaliden in den letzten 10 Jahren geradezu verdoppelt. Die« war eine Folge von Entkrästung und diese die Folge der Verihmerung der Lebensmittel. Diese Arbeiter finv auf Gnade und Ungnade ihren Aibeitgebern preisgegeben, denn sie find zu schwach zu einem ausreichenden Widerstande bei einer Lohnbewegung. Die Zölle und Verbrauchssteuern haben fich feit 18 Jahren verdreifacht. Der G'treidezull ivsbelondere ist pro Kopk der Bevölkerung von 32 4 Pl. in 1880 auf 1 20 M. in 1888 gestieg!«. Ist da« Schwcine-Einfuhrverbot aus fanitäts. polizeilichen Gründen w"kiich vöthia, so muß man dafür die Zölle auf Fleisch ohne Weitere« ausheben. Durch Kontrolmaß regeln licße fich die Einfuhr gesundheitsschädlichen FleffchrS schon vermeiden. Wie verhalten fich nun gegenübrr der Stei- gerung der indirekten Steuern die direkten? Die Grundsteuer ist in Preußen seit zehn Jahren zurückgegangen, die klasirfifirte Einkommensteuer rst nur ganz grringtügrg, um 9 Millionen, gestiegen. Was bedeutet der Steuererlaß der beiden untersten Stufen von 3 und 6 M. jährlich, wenn sitzt eine Familie für indirekte Steuern 17 M. mehr ausgiebt als vor 18 Jahren? Die Getreidezölle ergaben 1888 57 000 000 M.; da wird Brot ein Luxusartikel für ungezählte Tausende von Arbeitern. Schon jetzt können fich in Ober- undMiitelschlefien dieKmder nicht satt an Brot essen, fie müssen mit Kartoffeln gesättigt werden. Dar- aus, daß der Zoll auf den Lurusarlikel der höheren Klassen, die Auster, 1887 nur 435 000 M. erg> den hat, geht b-rvor, wer die Zölle überhaupt trögt. Allerdings braucht der Reiche auch Bio», aber nicht soviel wie der Arbeiter. Die Agrarzöll« ver- schaff.« außer dem Reich nur einigen Tausenden von Groß- grundbesitzern vermehrte Einnahmen. In Preußen haben wir nur 25 Gioßgiundbefitzer mit einem Bifis von 1 bis 50 Ouadratmeilen Land. In Deutschland haben 28 000 Groß- grundbcfitzer einen wesentlichen Vortheil von den Zöllm, und dafür müssen 46 Millionen Lmte die hohen Zölle tragen. Der Abg. v. Friesen hat vor Kurzem ko, statirt, daß«in Gut. welches 50 Arbeiter bcschäftige, einen Reingewinn von 20000 Mark abwerfe, daß aber die Industrie den doppelten R-mge- winn erziele. Wie kann man da von einem Notöstand der Grundbefitzer sprechen? Die kleinen Besitzer leiden Roth, denen könnt« man aber statt durch Zölle durch Erlaß der Grund- selbe, die Ehre natürlich, von einer ganz neuen, ungebrauchten garnicht zu unterscheiden sei. „Im nächsten Heft"— ich weiß freilich nicht, ob das Heft bereit« erschienen ist oder noch erscheinen wird— kann mau also von der in Rede stehenden Dame mit aller Seelen- ruhe sagen: Dies Kind kein Engel ist so rein. Unglück- licher öder glücklicher Weise kann Einem so etwas nur im Kolportageroman pasfiren, wo die Fortsetzungen ganz nach Bedarf oder nach dem Geschmack de« betreffenden Herrn Verlegers angefertigt werden. Ist der Roman erst einmal ein fertiges Werk, so läßt sich schlecht etwas daran ändern, wer dort erst einmal als schwarzer Bösewicht mit Gift und Dolch gezeichnet ist, der muß als solcher bis zur letzten Seite laufen, und keine Macht der Welt ist im stände, ihn zu einem engelsreinen Tugendhelden umzustempeln. Irgendwo lasen wir einmal eine reizende Jllu- stratton zu der Art und Weise, wie die überaus volksbil- denden und veredelnden Kolportageromane angefertigt werden. Ein spekulativer Herr, der da« Bedürfniß in sich fühlte, für die Hebung des geistige« Lebens unserer Ration eine« fünfundzwanzig Hefte starken Roman„Der Mord an der Kirchhofsmauer um Mitternacht" oder so ähnlich sollte der Titel lauten, in die Welt zu setzen, suchte und fand ichließ- (ich den hierzu erforderlichen„Schriftsteller". Der Prospekt mit den fesselnden Kapitelüberschriften und die ersten Hefte waren bereits erschienen, da merkte der Herr Verfasser, daß ihm der Stoff ausging. Kurz entschlossen ließ er seinen Helden, ein Muster edler Männlichkeit und auS jedem Knopfloch nach Tugend duftend, im Walde auf eine Kompagnie Soldaten, die ihn verfolgte, stoßen. Die Soldaten gaben eine Salve auf ihn ab, und von unzähligen Kugeln durchbohrt, sank der edle Mensch zu Boden. ES war der schönste Abschluß eines thatenreichen Lebens, nur der Besitzer des Romans war hiermit nicht einverstanden. Es waren noch nicht die Hälfte der angekündigten Hefte erschienen, Vorschuß war für den ganzen Roman bereit« gezahlt, der Held mußte also wieder aufleben. Keine Kugel war tödtlich gewesen und obgleich der Unglückliche nach menschlichem Ermessen wie ein Sieb ausgesehen haben mußte, so verübte er im„näch- sten Heft" wieder die scheußlichsten Edelthaten. Aber nach einigen Heften versagte wieder die Phantasie und der Autor verstand cS, de» Helden aus dem obersten Stockwerk eines fünfstöckige« Hause« aus da« Straßenpflaster nieder- stürzen zu lassen. Der Verleger schäumte vor Wuth, steuer bei gewisser Verschuldung helfen. Haben doch 90—100 Familien der Stande-Herrn seit den Wiener Verträgen von 1815 die persönliche direkte Steuerfreiheit. Diese sollte man zu den Steuern heranziehen und die kleinen Grundbefitzer de- freien. In Schlesien wandern die Leute massenhaft nach Oesterreich hinüber, um von dort ihren LebenSmitte'.bedarf zollfrei einzuführen. Daß in Oesterreich das Brot nur 40, bei uns 60 Pf. kostet, kann nur am Zoll liegen. Der Mittelstand, der mit anderen Produkten als bloßen Lebens- Mitteln Handel treibt, wird indirekt mit betroffen, wenn der Arbeiter nur für das nackte Leben sorgen kann. Da maß man den gesunben Geist des deutschen Volkes bevundern, wenn wir noch immer Ordnung haben und nicht andere Dinge erleben: unser Acbeiterstand ist eben wohlerzogen. Bei Beginn der Sozialreform-Gesetzgebung sagte hier der Reichskanzler nach dem Vorbild eines französischen Königs, er wünsche, daß jeder Deutsche mindestens Sonntag« fein Huhn im Topfe habe. E-n schöner Wunsch, schade nur, daß er so wenig in Erfüllung geht! Die deutschen Arbeiter wollen gar kein gebratene« Huhn am Sonntag, fie wären schon sehr froh, wenn fie sich Sonntags an Pferde- fleisch sali essen könnten. Wüßte da« Volk genau, was«S zu zahlen hat, hätte es die Zölle in direkter Steuerform zu tragen, würde es einen anderen Gebrauch von feinen politischen Rcchten machen, dann wäre der Augenblick nicht fern, wo sich die Bänke ou�der Rechten bedeutend mit der Linken füllten. Abg. Kröber(Volksp.) kommt auf die Hölzzölle zu sprechen. Der deutsche Wald solle, wie es zu? Begründung dieser Zölle einst geheißen habe, kaum im Stande sein, den in änducken Bedarf zu decken. Nun aber hatten wir 1878 eine Einfuhr von 3132 000 Tonnen Holz und eine Aultuhr von 1 111 000 Tonnen gehabt. Nach Inkrafttreten der Zölle sei die Einfuhr zunächst gefallen, hinterher aber wieder gestie- gen. jetzt betrage fie für die ersten zehn Monate im Jahre 1889 3? Millionen Tonnen. Dadurch werde bewiesen, daß die deutschen Waldungen den inländischen Bedarf ihatsächlich nicht zu decken vermögen. Dazu komme, daß die Holzzölle nur zur Devastirunq unserer Waldungen geführt haben. Auch der deutschen Holzsäzeindustrie hätten die Zölle zum Schaden gereicht, in Bayern hätten im letzien Jahre ein Zehntel aller Schneidemühlen die Buden zumacken müssen. Dann aber will Redner noch auf die V:r« theueruug von Brot und Fleisch im Gefolge der Zölle aufmerksam machen. In Bayern sei der Viedstand erheblich zurückgegangen, und er werde noch mehr zurückgehen, wenn nicht aus dem Auslande Vieh eingeführt werden dü-fe. Die bayerischen Viehzüchter, die doch auch zu dm Landwirthm zu rechnen leim, hebm die Hände empor und rufen: hinweg mit diesen Zöllm! Auch mein Herz, schließt Redner, schlagi für die Landwirthschast, aber nicht für agrarische Interessen. Darum fort mit di-sen Zöllen, so schnell als möglich! Abg. Holst(Reicksp) meint, die Kornzölle hättm der deutschen Lanowirthschaft zum Segen gereicht, indem fie ihr einen Vorsprung von 50 M. vor dem Auslände gegeben hätten. Die Kosten hierfür trüge nicht der deutsche Konsummt, dieselben snm vielmehr größtenthcil« auf das Ausland angewiesen. Werde aber wirklich ein geringer Betrag der Zölle vom Inland« getragm, so müsse er ebm auf da« ganze Volk vertheilt werdm, weit er so dm Einzelnen am wenigsten drücke. Es komm« nicht darauf an, daß der Konsument die Waare billig habe, sondern darauf, daß der Produzent die Waare zu einem Preise ver» kaufm könne, so daß er bestrhen könne, und daß der Konsummt in der Lage ist, den Preis bezahlen zu können. England fei wegen seiner Kolonim so reich, daß es auf seine Landwirthschaft nicht Rücksicht zu nehmm brauche. Aber wie auch die dortige Landwirthschaft leide, zeigten die irischen Unruhen. Der Frei« finn werde wegen seiner Stellung zu dm landwirthschaftlichen Zöllen seinen Einfluß auf dem Lande ganz verlieren, sich in dm großen Städten konzmtrirm und dort dm Kampf mit der Sozialdemokratie bestehen müssen. Abg. Uickert(dfreis.): Zunächst freue ich mich, daß der Herr Vorredner dem Herrn Kröber kein Morl bezüglich der Holzzölle erwide't hat und hat erwidern können. Die Aus« dmn es fehlten immer noch verschiedene Hefte. Im„nächsten Heft" stellte es sich denn auch heraus, daß der vielverfolgte Held gerade auf einm seiner Todfeinde gefallm war, daß er selbst jedoch glücklicher Weise nicht dm geringsten Schaden bei der halsbrecherischen Prozedur amommen hatte. Man war bald am Schluß des Romans, als der Verleger eine nothwmdige Reise untemehmen mußte. Jetzt war der Verfasser gerettet— er ließ seinen Helden durch neun kräftige Schifferknechte ergreifen, die ihn zwei Stunden lang unter Wasser hielten. Da endlich war.'er definitiv todt. Nach der Rückkehr de» Verlegers mußte der Verfasser noch in den Nekrolog des vielgeprüftm Helden zwei EiSbärm ' leindichten, weil zu jenem berühmten Roman ein Bild als Prämie beigegeben werden sollte, auf welchem zwei dieser reißenden Thier« dargestellt waren. „Bücher haben ihre Schicksale"— und hoffentlich habm !)er Held und die Heldin de« KrautS'schen Schriftwerke« nicht die gleichen Leiden auszustehen, man darf auch dm larknervigsten Lesern nur ein bestimmtes Maß von Gruselfähigkeit" zumuthen. Auch die Ehre der Dame wird in den ferneren Heften nicht mehr inS Gedränge gerathm, weil sonst immer ein Heft sich als eine„Berichtigung" des vorhergehenden darstellm würde. Dieser Streifzug in das Gebiet der schönen Literatur darf un« aber selbstverständlich nicht abhalten, den aktuellen Vorkommnisim der TageSgeschichte die ihnen gebührmde Aufmerksamkeit entgegmzubringen. Emin Pascha hat drei« zehn Jahre lang im Innern Afrikas gedürstet, um bei der erstm Flasche Sekt, der er auf Einladung Wißmann'S dm Hals brach, mit sich selbst beinahe dasselbe zu thun. Da« ist gewiß ein dramatischer Aktschluß auS der großm afrikanischen Tragödie, schließlich kann aber auch daS- 'elbe jedem Menschen passirm, der niemals über die Grenze RixdorfS hinausgekommen ist. Auch das ivilisirte Lebm bietet der Fährlichkeiten viele, man »mke nur an die Eiienbahnzusammenstöße— doch nein, die sind jetzt abgethan, seitdem die Lokomo- tiven vor jeder Meute, die eine Sau jagt, wie auf Kom- mando Halt machen, sind derartige Unfälle nicht mehr zu befürchtm: e» muß nur dafür gesorgt werdm, daß bei jeder aesährlichm Stelle— immer eine rothröckige Jagdgesell- schaft, eine Meute und eine Sau parat stehm, welche bei drohmdm Zusammmstößm über dm Bahndamm setzm, dann kann kein Unglück mehr passirm!--- fuhrungen befi Herrn Kiober waren auch m der That un» wld-rleglich; mnne He-ren, Sie zeigen, daß Sie mit dem HoUzoll den deut cken Waid nicht geschützt. sondern nur eine Reihe von Mihfländen geschoffm haben. Trotzdem freilich halten Sie an dem Houzoll fest! Was ober nun den Etat anlangt, so haben Sie mit Jhrm Ge treibe iL en eno me Einnahmebeträge geschaffen, welche Sie unter die Kreise verzetteln. Ist das ein Etotslystem, welches ene VolkSverttetung verantworten kann? In Mark und Pfennigen kann man es ausrechnen, daß Sie mit all Ihrer Soziatresorm d,m aimen Manne das nicht geben können, was Sie ihm mit Ihren Zöllen nehmen. Die Schilderung des Herrn Kühn war eine treffende. Und lesen Sie doch die „Deutsche Beamten-Zeitung�, da steht, daß in den letz'en Jahren lediglich durch die Zölle sich der Familienetat um 10 pCt. erhöht hat. Unbeareifl>ch ist mir, wie gerade Leute au« dem Osten die Kmnzölle veriheidigen können. Hören Sie doch, wie ein neuester Bericht des la> dwirthschaftlichen Zentral- Vereins für Litthauen und Masuren sich aussticht: „Die Ernte ist hier derart, bah viele Landwirthe ihren eigenen Bedarf kaufen müssen!" Rufen Sie doch: „Hört! hört!" Und da geht Ihr Kollege Graf Kanitz sogar mit dem Gedanken um, die Vieh- und Pferdezölle mühten noch erhöht werden. Da bedauere ich doch, daß liberale Männer(ru den Nationalliberalen gewendet) sich dazu her- geben. Konservative, die mit solchen Absichten umgehen, bei den Wahlen zum Reichstage zu unterstützen. Diese Politik, meine Herren, führt den Sozialdemokraten immer neue Schaaren zu(Sehr richtig!) und die Anzahl derseiben hier im Reichs- tage wird sich bei den Wahlen nicht verdoppeln, sondern ver- dreifachtn.(Beifall link«.) Schatzsekreiär von Maltzah« bemerkt, die heutigen An- griffe auf die Agrarzölle seien total verunglück!. Bei der jetzigen ungürst gen Ernte habe doch der Landrath ein zweifel- hafreS Interesse daran, das Wenige, was er ernte, wenigstens i:jod) bezahlt zu bekommen. Ueber die Hälfte der deutschen Be- völkerung lebe von der Landwirihsckaft und diele könnten nicht wünschen, dah die Preis« niedrig sind.(Abg. Ricker t: Auck wenn derLandwirth zukaufen muß?) Zukaufen? Ja, wer muß denn zukaufen?(L o ch e n l i n k S.) So lange die gegenwärtigen Ausgaben des Reiches nothwendig feien, stimm? die M.hrheit des Volkes dann überein, daß die Geld- beschaffung auf indirektem Wege nothwendig und daß die Be- schuffung durch Zölle leichter zu ertragen sei, als diejenige durch direkie Sieuern. Jihr. von GUrichshauIe«(Reichspartei) spricht fich kurz für Aufrechl-rda luog oer Zolle aus. Abg. Köcket(Äntisem t) meint, an den hohen Getreide- preisen sei mcht nur der Zoll schuld, sondern auch der Zwilchen- Handel. In den Berliner Speichern verfaule viel Korn. Pflicht der Regierung sei es, doch einmal das Gelreide-Speicherungt- wesen näher in Augenschein zn nehmen. Abg. Graf Holstein(kons.) führt au«, die Korr zolle kämen auf o>m Umwege einer kauskiästigeren Landbevölkerung auch den Industrien zu Gute. Nach werteren km zen Bemerkungen der Abgg. Rickert, Graf Stolberg legt Adg. K-ffmann Königsberg(natl.) dar, wie die Voraus- fetzungen, unter Venen 1887 der Zoll erhöht worden war, gegenwäitig in ihr Gegenihcil umgeschiacen seien. Eine wciiere Thalsache sei eS, daß ein sehr großer Theil der landwirihschaft« lichen Bevölkerung Osipnußens m dem letzlen E-ntejab>e so wenig geerntet bade, daß er Getreide zukouien müsse.(Hört! Hört! linke.) In Ostpreußen sei der Prozentsttz der land« wirthschaftlrchen Bevölkerung noch bei We»em größer, als in Gesammtoeuischland, wd.rn er dort, in Oopreußen, 86 pC-. betrage. Uno der größte Theil der dortigen tandtvirthschafUichrn Bevä kerung habe zur Z-it entschieden keinen Nutzen, sondern Nachtherl von den Zollen. Schon die Einte von 1888 sei schlecht gewesen. Und schon im Oktober 1888 habe G af Mirbach im landDUthschaftlichen Zeniralverein Ou Preußens zugestanden, daß vielfach nicht einmal das Saatkorn geerntet worden sei. Da« Interesse der Konsumenten widerstrebe zweifellos den hohen Kornzöllen. Aog. von Gm(Reichepartei) bestreitet, daß die Kornzölle nur im Jntereste des Großgiu.ddesitze« lägen. Das Jnter.sse der süddeutschen Bauern ethersche durchaus die Ausrechterhaltung der Getreidezölle. Adg. Fischrr(nat.-lib.. Augsburg) ladet den Mg. Rickert nach Boy un em. Derselbe würde dort sehen, wie s hr die bayerischen Bauern davon überzeugt seien, daß die Getreide- zölle ihnen Nicht schaden, sondern nützen. Der Bauer wisse ganz genau, daß in der Frage des KmnzolleS seine Interessen mit denen des Großgrundbesitzes nicht auseinandergingen. Auch im Interesse der industriellen Gewerbe lägen die Getmdezölle; dadurch, vaß man die Landwirthschaft zu Grunde richte, schütze man d.e J-dustrie nicht. Abg. KrSmel(deuischfreis.) bebt hervor, wie man„Land- wirsh'cha'f kemeswegS als ioenhich mit Grundbesitz ansehen dürfe. Wolle mm zu richtigen Schätzanaen der PivoukttonS- kosten uno der Ergebnisse des UmownlHichasttichen Betriebes kommen, so müsse eben auch d,e gegenwärtig üdeimäßige K.piialbewerihung des Gmad und Bodens und die demgemäß zu höh' Grunorente in Betracht gezogen werden. Beirieben mit zu hohen PachtILtzen dürfe nicht durch Zölle zu Hilfe ge- kommen werden, sondern mit Mitteln, die nicht dem ganzen Volke Rachih i e bringen. Angesichts der letzien Ernte unter- liege es fetner keinem Zweifel, daß auch zahl etche Landwirihe durch die Zölle geschädigt würden, nämlich alle die, welche Ge- treibe zukauten mühten. � Abg. Gamp(ReichSp.) bestreitet, daß die Preise für Grund und Booen zu hoch seien. Man müsse doch bedenken, daß in diesen Preisen auch der W-rih der Arbeit liege, die aufgewendet sei, um das Land urbar zu machen. In Ost- preußen könne man von einer Grundrente überhaupt mcht Merrtzel(Zentrum) beschränkt sich auf die kurze Be- merkung, au«>n seinem Wahlkreise(Bamberg) wünsche die bäuerliche Bevölkerung die Kornzöüe, und ebenso seien dte dortigen Arbeiter damit einverstanden. Der Etat der Zölle wird jetzt genehmigt. E» folgt der Etat ver Tabaksteuer. Abg. Dr. KiirkU«(natl.) legi den Staatssekretär die Bitte ans H-rz. e« wöze mit den Eihebungen über die miß- liche Lage der Tabakpflanzer— an Zahl 180000 und meist kleine Leute— möglichst sanell vorgegangen werden. Die Roth- lag« d-rseiben, welche zum Thnl auf o,e G-setzgeburg zutuet, u- fuhren sei, bewürfe baldigster Abhilfe. Die Steuer sei zu hoch und wirke besonder« ungünstig, weil sie als Gewichte stener nicht auf Quatitätsverluste durch Witterungsemflüsse Rücksicht �"mbg. Menger(kons.) beklagt die Rothlage der Pfälzer Tabakdauern. Der dortige Tabakbau habe etnen erdeblichen Rückgang zu bek agen uns könne die letzigen Tabakzolle mcht missen. Sei dock der hetmtsche Tabakbau jetzt gar noch durch den Tabak aus d>n deutschen Kolonien bedroht.. Abg. Dnvig««««(natl.) glaubt nicht recht, daß dte Lage des Tabakbaues>o sehr ungü, st g sein könne. In Baden set der Ertrag der Tabaksteuer seit drei Jahren allerdings um ern Prozent zurückqedlreden, dasür aber in PreubeN/ Württemberg, Sachsen erh.blrch gestiegen, m Sachsen sogar um hundert Prozent. Er wolle ja dem Tabakbauer alle erdenklichen Er- feichterungen zug. stehen, nöthigenfallS auch eine Steuerherabsetzung. Kemesfalls aber könne er eine Zollerhohung, wie Herr Menger sie am liebsten sähe, zugestehen... Staatssekretär». Mattzah« kann über do« Srgcbmß der angestellten Erhebungen noch kerne Mttthetlung machen. Räch den dtsherigen Verhandlungen über die Forderungen der Tabakbauer könne(6 aber sehr wohl sein, daß daS schließliche E-gebnib dieser Verhandlungen den Wünschen der Interessen- >en keineswegs voll entspreche. Steuernacblässe bei Oualitätö- Vrrringerunatn infolge von Hagel u. dgl. ließen ftch doch kaum durchführen. Dte Regierungen settn auch der Meinung, daß der Tabakbau in Deutschland, wenn auch nicht voll so lukrat'v sei wie früher, so doch sich noch immer rentire. Hierauf vertagt sich da« Hau«. Montag 12 llhr: Fortsetzung der Berathung d>S Eiots der Verbrauchssteuern, so- bann Post- und Telegraphen-Etat. Elderselder KoziallSeMozei. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Pfüller aus Gohlis bei Leipzig: Woher ich den „Rothen Teufel' hatte, weiß ich nicht mehr. Den Kongreß- bericht habe ich gekauft. Ludwig Lorenz, Fadrikscklosser zu Bcaunschweg, bleibt bei se.ner früheren Aussage. Den Kongreßbericht hat er gekauft. Wilhelm Gewehr, Schreiner zu Elberfeld. Ich habe noch mitzutheilen, daß ich schon seit Jadren mtt Di,tz' Buchhandlung in Verbindung stehe; tch zahle Steuer für Ko-poriage- Bachhandlung. Au« Gefälligkeit habe ich die Bco chüren „Freibecger Sozialistevprozeß' für einen Bekannten venrirben. Janz und ich waren Abonnenten der„Volkstcibüne' und wir haben un« um Auskunft darüber an Bebel gewandt. Häufig besorgen Freunde von mir aus Gefälligkeit den Verlaus von Druckschriflen, ohne Vergütung. Hermann Grimpe, Buchdruckereibesitzer zu Elber- selb: DaS Schriftstück über die Organisanon der Sozialdemo. kratie in dir Schweiz habe ich in Paris erhalten, aber keinen Gebrauch davon gemacht. Einen Antherlschein an der GenossenschatlSdruckerer in Hottmaen- Zürich halte ich, einen ähnlichen habe ich von der GenoffenschasiSdruckerei in Berlin (legt denselben vor). DaS„Mahnwort' betreffend erkläre ich, daß mir der Brief nicht zu Gesicht gekommen. Schmitz kam zu mir in die Druckerei, wo ich ihm tagte, daß ich da« Fiugblait nicht h,rstellen könne. Den Druck bade ich oer- anlaßt, wo, darüber schweige ich. Zeuge Kammhoff erwähnte «ine geheime Velsammlung vom 10 Januar der Hültenberger, an der außer mir noch der Adg. Gr illcvberger Theit genommen haben soll. Ick kann nicht daran Theil genommen haben, weil ich>u der Zert nach Wien verreist war, und Gnllenbcrger war in Nürnberg. Dre Sch eiben, die in der Anklage erwähnt sind unbevinat entlastend für mich, event. bitte ich um deren Verlesung. Bei einer Besprechung Mit Harm kann der Zeuge Weber zugegen gewesen sein. Harm: Das ist möglich; Weber war öfters bei mir. Grimpe: Kemmhuff jagte: die Biotcküie„Unschuldig zum Tode veruriheitt', set bei mir gedruckt; ich bitte um Vor- leguna eines EjtvmvlarS, ich kenne eine sotche Schrrft garnrcht. Da» Bild der Ehckagoer Hingerichteten wurde allerdings von Kammhoff von der Wand memeS LokalS losgelöst und de« fchtaanahmt. Haafe: Die bei Piepenbrink gelesene B Schüre ist effektiv d»r Roman:„Unschuldig zum Tode veturlherlt', das stelle ich unter Zeugende wnS. Grimpe: Den„Sozialdemokcat' hielt ich in Parlö von Anfang an; ich bin ein Jugendfreund des Redakteurs Bern- stein. Als rch nach Deuifchtand ging, bestellte ich den„So- ztaldemokrat ab, bekam ihn aber trotzdem zugestellt, bezahlt habe ich»hn nicht. Die französischen Zeitungen wurden mir von Freunden geschickt. Zu oer Zeit, als das„Gedenkblatt' aedrucki sein soll, hatte ich eine systematische Beiageeung der D> uckern von Serien der Polizei auszuhallen. W r dass ide verfaß l hat und wo es gedruckt est, weiß ich nicht. An V-r ai Hungen darüber habe ich nicht Theil genommen. Den Stempel auf der„schwarzen List?' kei n- ich i tcht; ia Pari« halten wir keinen detarttgen Stempel. Auf Behagen, ob die frühere Thätigkeet in Berlin und Pare« gegen ihn auSan utzt werden soll, beantwortete der Präsident, das wird sich finden, wenn der Staatsanwalt fem P aidoyer hatten wird. Zeuge Zeisiger, Polizeekommessar in Etbeifeld(vereidig!): Bei Jeeep habe ich Haussuchung gehalten in dessen Ad- Wesenheit. Eine Frau suchte Schriften wegrubiingeii, was ich veihtnderte.(Auf Befragen Jeup's:) Die Schriften lagen auf einer Anrichte. Die Ar rn ver Uchte, dre Schriften zu vermchlen. Als ich kam, war der Ojen tchon geöffnet. DaS Verhör der Angeklagten wir» fortgesetzt. Hermann Haase, Schlosser zu Lennep: Ich habe au« dem Roman:„Unschuldig zum Tode vermcherlt', bei Piepenbrink vorgelesen. Von einer Broschüre glerchen Teteis ist nur nichts bekannt. Karl Hahn, Schreiner zu Elberfeld: Wegen der rothen Ta'duntücker ersuche rch um die Ladung eine« Ziuren. Wenn dre Flugblätter nicht abgeholt worden wären, bätte ich fie allein verbreitet. Ich konnte sie doch nicht m den Ofen stecken. Friedrich Harm, Reichstagsabgeordneter zu Elber- seid: Die Unte statzungtkasse halte auck den Zweck, gesckäft- lich geschädigten& uteri der Pariei zu helf.n. Ick habe denn früheren Kongriß mcht demerkt, daß über die K sse Rech- nung abgelegt wurde. Gelder für den Has'vclrverfor.dS babe ich an B.b.l abgelrefe't. Von Thielma.n erhielt ich als Ver- leger der„Freien Presse', auch Geld für Kalender.®S war die« em Puvatgeschäft. Ueber Sommelgelder für den Hasencleversonds habe ich durch die„Fr. Pr.' Rechnung abgelegt. Rechtsanwalt Lenzmann: Die Partei bat nicht nur für Hgs nc cver persönlich gesorgt, sondern auch seiner Wittwe ein Geschäft gekauft. Harm: Auch für Jserloh erhielt ich Geld, ob für Hasen- clever oder die„F. Pr.', weiß ich nicht. Jserloh: Es war für Hasenc ev.r; m der„Ft. Presse' wurde darüber quiitirt; auch rn der Abrechnung Bebels wurde der Betrag aufge'ührt. Grimpe klärt den Zusammenhang auf. Harm: Wte viel Kalender Thielmann verkauft, weiß ich nicht uenrnt. Es mögen verschiedene Hunderte gewesen lern. Thielmann: Ich erhielt verschiedene Hundert Kaien- der von Harm. Irgend ehren Verdienst dabei habe rch nicht gehakt. Harm: Die Adresse„Dr. Brandter' habe ich für Jemand aufgeichrieden, ohne damals zu wessen, was fie bedeutet. Heinrrch Hagedorn, Schneider aus Doumund: Den„Sozraldcmokeat' fand ich im Zrmmer und nahm ihn, um rhu zu lesen, mS Bett. V" steckt war er mcht, sondern er lag auf den K.ssen. Em Packet aus Rendsburg erhielt ich nicht. Präsident: Ihre Fiau hat es erhalten. Hagedorn: Ich habe überhaupt kein« Frau.(Heiter- keit) Schumacher, wo die Liste der Adressen gelunden wurde, kenne ich gar mcht. Ich habe nur einmal den„Soz.' gelesen, gerade dre beschlagrahm«« Nummer. Martin Hos, Weber zu Ludwigshafen am Rhe n: Da« Packet au» Rendsburg, da« ich erhrert, habe ich verbrannt. Nummern de«„Soz.' und das„Ltederduch' wurden mir in Wirthschoften in die Tasche gesteckt. Hernrich Frr« d ri ck Hohnsbehn, Arbeiter zu Gaarden: Sin Packet au« Rendsbmg habe rch erhalten und verbrannt. Peter Hüttenberger, Schneider zu Elberfeld: Dre „Londoner Frere Presse' erhielt ich regelmäßta zugeschickt. Ich war stet« der Meinung, die„Londoner Freie Presse' abgegeben zu haben, die nicht verboten war. Von der Londoner Ar- beiterzeitung' weiß ich nicht«. Die„L. Fr. Pr/ unter Kreuzband zu. Die Polizei scher kt mir ew! Aufmerksamkeit, weil ick seit langen Jahren in da? bewegung thätig bin. 1870 wurde ich aus Paris l Staateanwalt: Sind Sie auf Grund listengesetze« ausgewiesen?(Heiterkeit.) Ich meine, land. Hüttenberger: Nein! Für eine arme � s ich einmal Geld gesammelt: dasselbe kam auS' als unbestellbar zurück. Darauf bezieht fich die>l Abrechnung. Es mag sein, daß am Biertisch ein b» der Polizei eS aufgeschnappt hat, ,ch solle Kasfirersl war ich aber nie. Joseph Jeup, Redakieur zu Elberfeld: wurde mir zugeschickt. Wenn der Gerichtshof da legt, beantrage ich die kemmiff arische Vernehmung teure und Expedienten de«„Soz." Franz Jserloh: Fabrikarbeiter zu Lüdenlä die vo gefundene Handzeichnung will ich Auslläü Weil ich m ck über eure Aussuchung ärgert«,(die" ja gleich an Diebstahl und deral.) habe ich ein geschrieben, das dre Polizei später finden sollte. durchaus keine Geheimschrift. Robert Kaiser, Andrehet zu Nevi zes: 34 über die RerchSla�Swahl mit Anderen gesprochen glaube nicht, daß das etwas Verbotene« ist. W i I k e(wegen einer Niedetschrift auf ein«», blatt angeblich an Kaiser): Ich habe nie an» schriebm. Paul K ö s s e r, Schuhmacher zu Elberfeld: Fiau todlkronk war und ich da« HmS nicht verUII1 Christian Köster, Fabrikarbeiter zu Thielmann habe ich Sawmelgetder für Haset cleon wie viel we>ß i» nicht mehr: ich kann auch nich� ein oder zwei Mal. Tdielmann: Ich kann keine Auskunst gedeb Köster: Ich-ab das Geld an Threlmann,' mir im Haufe wohnte.> Emil Küpper, Bandwirker zu Barmen: SCf. war ich nicht. Von der Briefkustennoiiz>m„Sou nickt«. An Thielmann habe ich kem Geld abgelrefen in Barmen v-ele Küpper. Thielmann: Ich wüßte nicht, daß ich vo» klagten Küpper Geld erhalten hätte. Küpper: Ick habe gar nichts gesammelt. Eltern wurde einmal oehaussuchl und eine Summ« fund'N. Nach kurzer Zeit war wieder eine HauSs» bei daS gleiche Geld uefunden wurde. Wenn da« gewesen wäre, hält« ich doch das Geld in Sicher! Den„Sozialdcmakral' erhielt ich, vielleicht von«i» in der Schweiz. Die Verhandlung wird auf Montag vtttagt. S»zi«rle LtelrersrÄ Di« Kerliner Knchdruckrugrhilfcn haben Tage den neu rcoi>r>le", vem 1. Januar 1890* „Allgemein en deutreten Buckdruckerlaris' den Pri"� Anerkennung voraelept. DaS Resultat ist als em F zeichnen; etn noch günstigeres müßte es sein, wen" Therl der Gehrlseniitast fich den Bestrebungen der»n G'hilfen entgegenstellen würde. Bemei kenswerlh. � daß dre„Staa Sbü�er-Zehang',„Kreus.Z itunaV. böte' und die„Gerirarua', welche sonst oon lichkeit strotzen, sich bis jetzt ablehnend oerhiellta. Zettuvg.DaS Volk' steht der Entscheid noch au»- bewilligten von den p'ößcren Zeitungi»!. Volksdlait',„Volks-Znmng', Berliner Zehirnu', Allgemeine Zeitung',„Staais-Anzeiaer',„Die Pok/� Zeiuing',.Lokal-Anzeiger'(irut höhere Bezahluvl! 6. Dezember d. I. ab«in),.KrerneS Journal' Rundschau',„Berliner Bö-stn Courier',„Berliner Handels-Zeitung' und„Börsen-Z.ilung'.(Von lin'A' Z-'tungen, rn welchen jedoch seither besonder« hältn'sse vorhanden w-ren. steht der Entscheid noch>lt Arbeiter«nd Arbritrrfrrundr! Da ein folge der Loünfraae e. treffen wer den sollte, so legte» Farber der E. Maöcr'scken Lederfabltk die �Arbeu Der Lohnsatz betrug 30» Pf. und jetzt sordei* 35 Pf. pr. Stunde bei tostündrqer Arbeitszeit. � dre Forderung wird nickt zz hoch sein, da der Lohn in kleineren We kställen bereits gezahlt wird-.' erwarteten ist geschehen, wrr befinden un« im wir siegen, so debürien wir rhatkrästiger Unierf!»!,,? appellnen an das SolrdariiäiSgefüdl aller Arberlel'n U--S in unserem gerechten Kampf, denn unser Sr-g'l Eure. Briefe find zu richien an H. Ramm, Peinig im Restaurant Zumbunzen. Die Kommisston dü und Berufsgcnossen. Ocuserrrrrrrlurrrzr� Dir erst« große Gr«rrawr'si»mmtn«g f erltnrr Hienstrnänner für frerw llrge Unl� p a> kh ii«. und Lt rbefallen fand am F estaS A Scheff.r, Jnselltr. 10, statt. Aus der Vorstaad« s mit überwäli'gender Mehrheit hervor die Herren als erster. Stein darf als zweiter Vorsitzender,> Schnltführer und Block a'<6 Kassir.r. Die" ,.,(1- Bezug aus Unie-stützungen ward von einem Halde« Jahr verläogert. Zahlreiche Beitritts er'' folgten. Kchriftgirßrr» Versammlung. Am 2» Abenos 8 Uar. tagte>n Jorvan's Restaurant, � straße, eine s-hr zahlreich de uckre allgemein« � Versammlung zweck« definitiver B> schlußsassuna � vn> stehenden Deiegrrtentag. Es wurde vom Vorst? � Lohr, der Bericht über die Votaedeiten der � gewählt- n Kommission gemacht; unter Anderem � «eiherlt, daß man per Zi.kular an die Prinzipale<» abe. um rhr Emveestandniß mit den Arbeitern, lichen Tarit für ganz Deustcktand zu jchaffm,«'f'/ haben auch bis fitzt fünf Prinzipale ihre ZÄ gegeben. E« wurden so-ann K'ndualen als*'-�8 ftellr, und das Srg.bniß der Wahl soll dem� Segeden werden. A«Ort der Abhaltung des Ko -rankfurt a. M. gewählt. Dre Zeh wird auf" � im Januar feltges-tzr. Unter Verschiedenem Resolution anger ommen: Dre beule am Jordan'« Restauia« t tagende allg« meine' sammlung erklärt fich mit der B-schlust'assung.�� nalen Arbeiter kongresses zu Pari« betieff« der �, achtstündigen Normoiarbertsiaa« einveritanden x auch ihrerü it« d-n 1. Mai 1890 als Feiertag Herichttgung. Herr Btdeit Auerbach Berreht rn-e. Donneiftag- Nummer Ihre« S''(P über die öffentliche kuufmännilche Verjammluns.�u» unrichtige Sielle. Ich sprach ntcht von ernew diejenige» Grschästsmhabex, dre Gehilfen oei feern von ehum Vorgehen gegen alle diejenigen, die ihre Ge- schäflSiäume nach einer bestimmten Zeit offen �halten. Sonst würden ja die Unterrehmet mit Perjonal geginüder ibren Kon- karrenten, die stch allein oder mit einer sogenannten.Stütze der Hansfrau'' behelfen, im Nachtheil sein. Damit keine salschen Echlüffe ans meinen Ausführungen gezogen werden, brtte ich sehr um Aufnahme vorstehender Berichtigung. »• • Groß» G»n»ral'- Nirsnmmlung d»s Pirdoode» d-«tsch»r ?to(ni»rUnt» tgclnlotrliQnb Btrlin) Sourtn», der 8. Dezemder, SiotmtttagB )0 Ute im görigslädttichen Äufiro. Holjmatftftt. 72 I. JapeSotbnuno; I. Be- ildlutirflung deircfterd de! rälbsien Baujrhrei. 2. Berschiedenel. Zahlreiche Weibeiliauni ist u-idedir»! noihwendio� «»fiUschaN für Vert>r»ituna vou Molleobildnns.»m Eorrtag. den S. b. Ml«,«bind» 6Ü Ubr, bei Feueistlir.»Ue Iaiobstiahe 7i:»tnanim- luag, Vorlraq bei Herrn Söliche Über:..Di« Enistehunl der Eide" imii dildüchen iSeiSuteiujigrn) Dibkusfton. Nach dem Borlragc: Besellizei Bei- iarnmensein. Edste willkommen. U�»i» zur Wahrung der tznt»r»ssr» d»r Kchuhmaih»».«rn Sonnlag de» 8. Dezember, Abend» 7 Uhr, in Zeailer'« Salon. Münzftr. II: Gemlllhiiche» Beiiarnrnenfein mit Tanz, wozu Freunde und Benoffea einge- labm stnd. «roß,»ffrutlich» Kchn»td,r-N«rfammlung am Montag. Abend» S utr, in den Zert-nl-fieftiaien Oranienftr. IbO Wichtige Tagesordnung. Koziatdreuokratifchor K«s»I»i«i>„z»slrng". Jeden Montag Abend st Uhr im Restaurant Leonbardl. Waustrah- Nr. 20. Vorlesung und DÜkusiion. Durchreisende Genoffen, welche ftch ali solche legUimiren, finden gastliche Ausnahme. y,r»rrei« ,ur Wahrung d,r Zater-ssen fäm«tiich»r Zarhir»? holt am Montag Abend« Wz Utr. Blumcnftr. 78, eine Versammlung mit folgender Tagrtordnung ab 1. Die dlonomische Lage der Arbeiter und die Or- ganila'ion Referent: Herr Thierbach. 2 Diskussion. 8. Verschiedene». ?i» öffentlich,«tschlrr-P-rfarnmlnn». welche am Montag Abend im«urhau» zu Friedenau ftattfi den sollte, ist ohne Angabe der Gründe und Geiede« Paragraphen zum zweiten Mal nicht genehmigt worden £rrt» P»r-iaiguug der Zimmerer Vrrltn». Versammlung am Montaa. den 9 Dezember. Abend» pünktlich 8 Uhr. in Pohl'» Salon, filtüller- strahe 7. Zagedcr dnung; 1 Da» Äoalition»g sowie Zentral straitken- und Eteidekassc ocr Metollarbeiler.Vulkan" (st. H. 88> zu Hamburg Filiale Berlin IU Montag, den 9. Dezrinber, Abend» Bij llhr, Manteuffelitraie 90, B-rsommlua». Tageiordnung 1. Kassenbericht. 2 Wahl der gesammlen Oilfveiwaitung der Z-ntralkasse„Vulkan." 8 Ver- Ithiedene» Wegen der Wichtigkeit der Tageiordnung ist jede» Mitgliede» Pflicht zu erscheiren.. � �. «erei» der Porquetdodeuleger Kerlin» und Umgegend. Am Montag, den 9 D z-mder. Abend» 8ii Uhr, in F-uerft-in'« Lok l. Alte Jakob- straffe 75 Versammiurg. Togetordnung: l. Vergleich der gegenwärtigen Piei«. «rhältnisse und der der früheren Jahre 2. Verschieden!« 8 Fragekaften. Um recht rege Betheiligung wird gebeten. Neue VÜtglieder werden ausgmommen, Gäste willkommen___ «roß» öffentlich» P»rfammlnu« fämmtltch»r Möl>,lpolir»r am Montau, den 9. Dezember, Abend» Punkt 8 Uhr, in den Bürgersälen. D-'«bener. straffe 9«. Tagesordnung: l. Ist e« möglich, bei Einsührung der 9 ftündigen Arbeit ijZt bie«klm Darbeil zu beseitige»? Rts-I-Nt: Herr Robert Weber. sto-reierent: Hecr Guft, R Uler. 2. Dtiiulfton 8. Wie stillen stch die Möbrl- ndlirer zum Streik ber Bildhauer? 4 Verschiedene»,(Siehe am Sonntag Sfiulenanschlag> Alle Kollegen stnd gebeten, zahlritch zu erscheinen. G»»ß» v«rfa«mlung d»« 9*r»{tt« d»r Aähmafchiuou- uu» Handourdiitiwtu»»« K»rlin» uud zlms«g,nd am Montag, den 9 Dezember, Abend» 8 Uhr, in Moabit im groffen Saale de» Herrn Iluener. vii» nackerftraffc 88 Tagelordnung: I Vortrag dr« Herrn Zubeit über:„Die Frau in der Industrie. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 8 Wahl einer Be. oll. n ächtigien. 4 Wahl einer Kaiftrerin 5 Wahl einer Ech iftfüh'erin. 8 Di». kuiiion. 7 Be.schiedene» Herren und Damen au» fämmilichen Beruiizwrigen haben Zutritt. Zur Deckung her Unkosten Telleriammiuna. Berichierftattec find hierzu eingeladen Um zahlreiche» Ericheinen wird eisucki. N»rsa«ml«u> d»r Kackir»?(Filiale IV) am Montag den 9. Dezdr,. Abend» 8# Uhr, im Restaurant Biym. Neue Grünftraffe 14 im Durchgang. Tagesordnung: I Vortrag. 2 Diikuisson z Regelung de»»rdeitinachweis-.s. 4. Verichiidenei Um zahlriiche» Erichrinen wird gedetm. Rrue Mitglieder werden in der Beiiammlung aufgenommen Gäste willkommen Kachuneiiu für Schtoss»» und K»ruf»g»«aN>n. Arn Montag, den 9. Dezember Abend» 8)1 Uhr, in der Norddeutichen Brauerei, Ehauffeeftr. 58: Veriammlung. Tageiordnung: I. Da» Kodilionirechl der Arbeiter. Resereoi ReichitogSadg- o d, reter Frohme. 2. Diikuisson. 8 Aufnahme neurr Mit- g i-der. 4. BeZchiedene» und Fragekaften. Gäste willkommen. Um zahlreiche» Ersch-inen wi-d gebrlen «»ffintitch,»chuh«ach»r-K»rfam«lnng am Montag, den 9. De- zember,»b-nd» 8)j Uhr, deiLehmann, Echwrdterftr 24 Tagelordnuna: I Die Fadrikinip Irion und die A bester Referent Wilhelm W-rner. 2 Diskussion 3. Verschiedene». E» ist Pflicht der Kollegen, zahlreich zu ersch-inen. K»r vir»in K»rtiu»r Aau»di»n»r hält am Montag, den 9. d. Mti.. Abend« 9 Uh, Neue Grünstr, 28, eine auffero demliche Generai Versammiung ab. Nähere» flehe Zuierat. Kämmtlich» Kui>rn>erk»bifist»r K»riin« und Zlmgigind find zu einer V-asammiung am Dienstag, den 10. d. Mt»., Abend» 8 Uhr nach dem groffen Saal in der Sophien straffe 15 eingeladen, in der u. A Berus»kagen und die eiaenihllmlichen Verhältnisse der Fuhrwerki-Berusigenossenschaii zur Ausspräche kommen werden, «tu» verfammlung t>»r Fr»ien P-rilnigung d»r Kchn»it>»r ?»rli»» fir.d'l Dienstag, d-n 10. Dr zember. Abend« S% Uhr, in Jordan» aion, Neue K:ünftr. 28, statt, Tageto- dnung: 1. Recheufchafliberichl de» Vorstände», 2, Kassenbericht de» Rendantcn. 8 Neuwahl dei Vorstände». 4 Alle« und Neue» au! der Naturgeschichte. Referent: Herr Fr i g Krüger. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste sind stet« willkommen. Da» E. scheinen aller Kall, gm wl d e wartet. v»r»t« zur Wahrung d»r Znt»reff»n d»r»sfchl,«- und Beruf». gmossen. Laut§ 8 de» Vereiniftalut» den Mr-glied-rn zur g-sälliaen Nachricht, daff am Sonnabend, den 14 Dezember, Abend» 8Ii lldi, im Lokale de» Herrn K otb, Dreddcne ste,>0,-ine aufferordenUiche Generaloersammlung sta.lstndct. Tagriordnung: Aoflöfu-a de» Verein» |l,r Arb»it»u»chm»t» d»r!0r»ch«l»r sunt, K»ruf»g»»ols»n für Meister und Gesellen befindet stch Dreideaerstr llü bei G.ü ldel(früher Wendt). Die A:d-st«zuwei!ung ist unentgeldlich auch für Nichtmitglieder. Die Adressmaxigabe ist Abend» von SU bii 9� Uhr, Sonntag von WZ dt» HÜ Uhr Vormittag». Arb»ito»ach>v»i» für Tifchi»r. Der vom Fachvereia der Tischler he- gründcle Ardestinochwet» beffndit sich Dreidenerftraffc 118 im Restaurant Gründel«srüher Wer.dls. Die ArbcitSveimstieluna gelchieht für Meister und Griellen(auch Nichnustgliedcr de» Verein» unentgeltlich Dir»dressei.auigabe erfolgt an Wochentagen von 8Zj bii 9)( Uhr Abend». Sonntag» von 9-11 Uhr Vorwitiag«, Turn- und g»f»llig» Herrin» am Sonntag. Lllbcck'scher Turnverein (2. LchrlingSabthcilung) Abend» 8 Uhr Elilabethstraße 57-5».— Turnverein „Wedding"<2. LehrlingSabtdcilung) NachnrltiagS 4 Uhr Pankstr. s. Turnverein „Froh und Frei"(LehrlingSadiheilung) Nachmirtag» 4 Uhr Bergft. 57.— Ver- anüaungiverein„Fröhiichkeii"(gegr. 1880) Nachmittag« 5 Uhr Grüner Weg 29 Versammlung.... «»fang-,«uru- und g»f»uig» p»r»i»»»tr. am Montag: Gelang. verein„Sängerlust" Abmd« 9 Uhr lm Restaurant, Landsberger straff« 80.— Lledertasel der Maler und verwandten Bcrusigenoffen, Restaurant Berg, Kaiser- Frar z G:enad!er Plag Nr 7. Ausnahme slsmmbegabler Kollegm.— Männer- gesangverein„Weiffe Role" Sbendi 9 Uhr im Reftauram Kleine Gericht«- straffe 10,— Männergesangverein.Eintracht 1" Abend» 9 Uhr Köpnicker- straffe 88, Im Restaurant,— Gesangverein„Echo 1872"«dend« 9 Uhr, [ttaffe 190.- Gesangverein„Mvrlhenblättcr" UebürigSstün d�' Alte" Schön- baulerftraffe 42 bei Maljahn.- Turnverein..Halenhaide"(Sehrling« abtherlungi Abmd« 8 Uhr Dieffenbachstraffe 80-81.—„Berliner Zur... acnossmschast<7. LehrlingSadlhcilung) Abend» 8 Uhr in der städtischen Turv- °°lle,- Britzcrstr. I7-I«:- deögs. 8. Männerabtheilung Abend, 8 Uhr in der ftädilschen Turnhalle. Gubenerstraffe 51.- Lübeck' scher Turnverein(Männer- abtheilung. Abend» 8 Uhr Elisabetdftraffe 57-58.- Verein ehemaliger EchA-r VII. Gemeindeschule Abend» 9 Uhr im Restaurant Poppe, Lindmstraffe 10» -"Frichrichi-Verchi"(ehemalioc Zöglinge de» groffen FriedrichS-Wailmhause,' Abmd« 8X Uhr bei Bormann. Ohmgafse 2.— Unierhaiwiür»- Nub Schiller Abend» 8 Uhr im Restaurant Giesel, Triststraffe 41.—«ereln Berliner Thcat-rstcunde Abend» 8* Uhr bei Lülow,«dmiralftraffe»8.- Bergnügungloerein Zick-Zack"«bmd» 9 Uhr in Möwe'» GesellschastShau». Fschteftraffe 20- Verein Lustig" Abend» 9 Uhr bei Thamm, Schönhauser an-« 28.- Verein„Ratibor" Abend» 8X Uhr im Königsladt-Kaftno, Holz- marktstraffe 72.— Armd» scher Etenoaraphmveretn„Apollodund" Abenb» »Uhr Tbuimstrafft»I(Moabit.).- Wissenschastiichcr Berein für Roller', che. Slmogravhie Abend»» Uhr im Münchener Bräuhau», Neue Friedrichiftraffe o•>».f£tr«V,n.%bu28ff,u,nbe-— Rauchklud„Nordstern" in Susarig �tal Fconkfutter«llet 174, Friedrichsberg,- Rauchklud„Hellbiau" Abend, K Ekaliterftraffe 143- Perein ehemaliger Echüier der 42. Gemeinde- �uie Abend» 9 Uhr bei Kloth. Dreidmerstraffe 10.- Zitherklub„Waldrose". Abenb» 9 Ubr. Uebungistunbe bei Echneiber,«dalbertstr. 8 Dirigent'«egener Ausnehme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.— Bardonlon- unb Iastru- menIal-Vercin M-Iobia" Montag» voa 9 bi» II nhr Abenb», Rrschendergei- straffe 149 bei Orto DopeMicn. sWolff's Teiegraphen-Kurrau.) Esse« a. d. Ruhr, Sonnabend, 7. Dezember. Der Vor- stand des Bergbaulichen Vereins hat heute laut„Rhetn..W stf. Zeitung" besch ossen, die Zechen aufzufordern, elwaige wegen Nichtannabm- von Arbeitern getroffene Maßregeln aufzuheben. Die im Eitener Revier befindlichen Zechen haben stch dem Be» schluh bereits unterworfen. Vvtefknsten. Bei Anftagm bitten wir bie Abonnernenti-Quitmng beizufügen. Brieflich? Antwort wirb nicht errbeiii. Aaute. Sind spätestens am Montag da. Mette. Der Spieler muh, um nicht»Stineider" zu werden, 3l Point« haben; die Mitspieler find bei 30 au« dem „Schneid»!". I.®. Sie können gegen Ihre Frau auf Räckzabe der Ihnen weggenommenen Sachen klagen. Wir rathen Ihnen, sich Hurzu eines Rechtsanwalt« zu bedienen. SckreibtN Sie jedenfalls an die Sparkasse, daß Sie gegen die Auszahlung de« Svarg'ldes an Jdre Frau protestiren. Krrlih, Eiesnndbrunnr«. Schlrehen Sie mit der Mutter und dem Vormunde des Kindes einen fchrrftocheu Vertrag und lassen Sie denselben der Suberheit weoen vom VormundschaflSgerichie genehmigen. Eine förmliche Asrplion de« Kinde» ist unzulässig. UkteMungsb. d. Hllüßdmer Berliils. Am 5. d. M. veistarv»nser braver Kollege UVilkelm Nolkv, am Blulsturz. Ehre seinem Andenken. 144 Die Beerdigung findet am Montag, den S. d.M., Mittags IX Ubr, von der Leichenhalle d?« Jerusalem» Kirchhofs, Britzer Chauss e aus, statt.— Um zahlreiche Betdeilrgung bittet Der Vorstand. Allen Fieunden und Bekannten zur Nach- richt, daß der Kollege, der Tischler und Parqueltbodenleger Alls» Konrad am 6. d. M. verstorben ist. Die B-erdi» gung findet Moniag, den S. d. M., Nach« mittags 2 Uhr, von dem Augustu-Ho mtal, Scharnhorstftraße, au« nach dem Soph en. Kirchhof, Gesundbrunnen, statt. slSI Im Namen mehrerer Kolleoen Paul Picht Zentral-Kranke«- n. Sterke- kasfe der Tischler«, f. n». (E. H. Nr. 3. Hambura) (Verwaltung Kerlin A.) Mitglieder- Versammlung am Montag, 9. Dezember, Abend» 8t Uhr, in SQA-O»«, Waldemarstr. 75. Tagesordnung: 1. Aerzle-Wahl. 151 2. VeNch'edene Kaff cnangelegenheiten. Um zahlreiches Eriche>nen ersucht Die Grtsveewaltung. Möbel-» Spiegel- uud Polstermaareu- Wagazw von Sebastiaustraße 27- _ Neelle Maare,«rontyte Kedlennng. -28. (372 Am 1. d.jM. verstarb nach fünfwöchent» lichem Krankenlager unser VereinS-Mi!- glied Herr U60 August Fischet* im Alter von 54 Jahren. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand de« BeerdigungSoereinS Berliner Zimmerer. __ Plötz, Vorsitzender. mmmmmmmmmmmmmmtmmmmmsm «Ben Männern der Arbeit empfehle mein Weiß-«nd Katrtsch-Klerlokal» wwie emen reichhaltigen FrühstrückS», MrtlagS- «nd Abeadtssch. 12S W. Hauckz Weinstr. 22. „Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Weiß- Mli> BllW-Bin-Lsklil, �uch ist ein Vereinszimmer zu vergeben. ttans Polandt, ??] Naunynstraße 83. Bmiii Bnliser Smissiciicr. Abends 9 Uhr, Neue Grünstr. 28: Außerord. General-UerstülUlW. Tagesordnung: 1. Mittheilungen. 2. Aufnahme neuer Mit» gliever und Ausgabe der Billet« zu dem am 4. Januar stallfindenden Maskenball. 3. Ec» gänzungSwahl des 1. Schrrftfiihrers und Neu» wähl de« Festkomitees. 4. Unser Stellennach- weis. Verschiedenes und Fragekasten. 137 Keret« znr Wahrung der Interessen der Kerlmer llnnirfitt Kelter Mitglieder-Versammlung am Montag, den 9. Dezdr., Abds. 8tz Uhr, im Restaurant Katzma««, Andreasftr. 2S. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn A. G-rifch: Ueber ein lehrreiches Kapitel aus der Nationa'ökonomie. 2. Besprechung über da« diesjährige Stiftungsfest. Verschiedenes. Gäste stets willkommen. Zahlreiche« Erscheinen der Mrt.lieder erwünscht. 138 Der vorstand. Gr. 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Kessler, Muftklnstruwenlen-Geickäft.[112 Siegfried Lazar OO nnAnSskMaSf■ssaAtmss 9Q US, C A ca._____- 817 itoße öfeatfidie Dofb-Üerfammfuiig des 8. Kerliner Reichstags Wahlkreises am Diettfiag, den 10. Dexember, Abeads 812 Uhr im Lokal Kaggenhage«, Moritzplatz. TaqeSordn u n fl: 1. Tie bürgerlichen Parteien«rd die Sozialdrmolratte, Ref. 2. Diekuifion. 3. Verlchiedene«. Carl Wild berger. Der Einberufer. Toziiliem. Wahloertiil für kn 3. Verl. RtilhstliB-WahIkrck. Montag, den 9. Dezember, Abends 9 Uhr, Rofenthalerstrabe 38, im Lokale der Freireligiösen Gemeinde: 130 Versammlung»"MI Tagesordnung: 1. Zeit und Streitfragen. Referent: Herr Julius Wernau. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekaften. Reue Miigtieder werden aufgenommen. Um zahlreichen Be- such ersucht__ Der Vorstanv. Gr. Kommunalwähler-Nersammlungen finden statt: am Monfaeg, den 9. Dezember, Abends 3 Uh:: für den l.7. Kesirk m Krieger's Salon, Wafferthorftrahe. Referent Arthur Stadthagen; am llien»«»g, den 10. Dezember, Abends 8 Uhr: für den 11. KezifK in Hadel's Brauerei, Bergmann ftraße. Referent Fritz Zabeil; für den L7 Kezirk im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee. Ref. Franz Tutzauer; für den 3S. Keztrk in Lehmann'« Salon, Schwedterstratze 24. Referent Vogtherr. Die B-kannlmachung der G esam m t- R esu ltat e findet am Zaittmoch, den 11. Dezember, Abends 8, Uhr, in folgenden Lokalen statt: für den Norden: in Lehmann'« Salon, Schwedtcrstr. 24; für den Süden: in der Unionsbrauerei, Hasenhaide 3—5; für den Osten: im Böhmischen Brauhaus, Lanosberper Allee 11—13. 115__ Das Zentral Mahlkomttee. Große öffentliche Versammlung der Vergolden und Fachgenossen Berlins am Montag, den 9. Dezember, Abends 8 Uhr, ,m Saale des Herrn S ch effer, Jnfelstr. 10. Tagesordnung: 1. Strcikangelegenheiten betreffend der M e t h l o w'schen Fabrik. 2. Dis'ulfion. 3. Verschiedenes. 134 Das Erscheinen oller Kollegen ist unbedingt rothwendig. __ Die Streikkommission. Große öffentliche Versammlung 6er Lunurbeiter tterjins und Hing. cm Mittwoch, den 11. Dezember, Abend« 8 Uhr, inScheffer'S Salon, Jnfelstr. 10, 2 Tr.: Tagesordnung: 1. Streik-Abrechnung. 2. Bericht der Vertrauensmänner. 3. Vortrag dcs Herrn W. Werner. 4. Diskussion. 5. VerschiedereS 153 Oeffeutliche Versammlung simtl. mi HoWrkitsiigs-MaWiitii besWigt» Arbcitn am Dienstag, den 10. Dezember, Abends 8� Uhr, in Zempter's Saal, Münzstratze 11. Tages-Ordnung: 1. Was bringt die Verkürzung der Arbeitszeit dem Arbeiter für Vortheile? und welche? Referent: Herr Metzner. 2. Diskussion. 129 _ 3. VersckiedeneS._ Der Einberufer._ Große öffentliche Versammlung der in Buchbindereien und verwandten Betrieben be- schäftigtcn Arbeiter und Arbeiterinnen cm Montag, den 9. Dezember, Abb». 8* Uhr, Koozerthaos Sanssouci, Kottbuserstr. 4n. TageS-Ordn ung: Können mir in Anbetraft unserer Lage im nächsten Jahre in eine Lohnbewegung ein- traten? Referent: Kollege C. R ö h l k e. Um zahlreiches Ericheinen bittet 120 _ Die ISer-Kommisfion._ Vereinigung der Maler«. f. w. Filiale I(Süd). Dienstag, den 10. d. M.. Abcnos 8 Uhr, in Hoffmann'S Festsälen, Oranienstr. 180: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Schweitzer über: Dre Arbeit früher und jetzt. 2. Finalangelegenheiten. 119 8 V-rkäbietieneS.__ Die Bevollmächtigten. Große öffentliche Versammlung der Schrneidev Verlins «»Montag, den 9. Dezember, Abends 8 Uhr, Oranienstr.� 180, Zentral-Festfäle. Wichtige Tagesordnung. Alle Kollegen find eingeladen. 128 Im Auftrage der AgitationS-Kommisfion der Filiale Berlin de« Deutschen SchneiderveibandeS. _ Im Auftrao«: St ein mar, Rxoorf. Lerliner WirlierKeselleu-Verband. Montag, den 9. Dezember, Abends 8i Uhr, in B o b b e r t's Salon, Weinstr. 11: WÜT Uerjammlung. IgSfi Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn P r e u tz über: Wie stellen sich die Berliner Wirker zu dem Abhalte» eines WirkerkongreffeS. 2. Verschiedenes und Fragekasten Sur Deckung der Unkosten Tellersammlung. lle in der Wollbranche beschäftigten Aiberter sind freundlich eingeladen. Der Vorstand _ Im Au>tragt: W en g e ls. Geffentliche Volksversammlung. W»' unel Uingvgsn«! am 9. Dezember, Abends Uh:, in der Schlotzbrauerei zu S chöneberg. Tages-Ordnung: 1. Die vorliegenden Arbeiterschntzanträge im Reichstage. Referent: Th. Glocke. 2. Diskussion. 3. Ver>chitd-neS. 121 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet ____ Der Einbemser. Große öffentliche Uersammlung öer Tabakarbeiter«nb-Arbeiterinnen am D.ienstag, den 10. Dezember, Abend« 8l Uhr, rm Lokale de« Herrn Gottschslk (früher Huth), Bad st ratze(Gesundbrunnen). Tagesordnung: 1. Die Nothwendigkeit der Theilnahme der Tabakaibeiter der umliegenden Ortschaften zur Berliner Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. VerschredeneS. Pflicht ist es zu ersebeinen.____ 159 Große öffentliche Versammlung der Hildhaner am Montag, den O.Dezember, Abb«. 8Uhc, imL o ui s e n st äd tis ch e n Ko n z« rthauS, Alte Jakob st ratze 33. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und eoent. B-schlutzfassung über Beendigung de« Streik«. 2. Was ist in Z ihm st zu thun? 3. DiSkuision und Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. 15t Der Einberufer. Fachverein der Posamevtiere und Kerufsgenoß'en. Montag, den 9. Dezember, Abends 8 Uhr, in Feuerstein'S Salon, Aste Jrkodsftratze 75: Versammlung. Tagesordnung: 1. Die wiithschaftlicke Bedeulung der fran» zösischen Revolution. Referent: Herr Türk. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekaften. Das Erickemen aller Mitglieder sehr er. wünscht. Gäste willkommen. 133 Der Dorstaad. Uerelll derKMier uud Lllchgenossell. D'tnstag, den 10. Dezember, AdendS 8f Uhr, in Deigmüller'S Salon, Alte Jakobstratze 48u: Versammlung. Tagesordnung: I.Vortrag de« Herrn A. Gerisch über: „Was lehrt denArbiitern das Sinken de« Z nS. futzes." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekaften. Gäste willkommen. 132 Um recht zahlreichen Beluch bittet vee» Vorstand. Große Uersammlung des Vereins der Nähmaschinen- und Handarbeiterinnen Berlins md Umgegend findet cm Montag, den 9. Dezember, Abends 8 Uhr, im giotzen Saale de« Herrn Ilgen«, Wrlsnacker st ratze 63, in Moabit, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des H:nn Zubeil über: Die Frau in der Industrie. 2. Aufnahme neuer Mitglied«. 3. Wohl ein« Bevollmächtigten. 4. Wahl einer Kassirerin. 5. Wahl einer Schrift- führerin. 6. DiSkMon. 7. Verschiedene«. Haren und Damen an« sämmtlichen BerusSzweigen haben Zutri't. Zur Deckung der Un- fvlnt tme Tellufammlung. Bericht« statt« find hierzu eingeladen. Um zahlreiches Erscheinen «sucht Der Vorstand. Frau Gubela, Frieden str. 78. ZstttessMkttiii it.AisltWtichcr. Montag, den 9. Dezember, im Lokale des Herrn Deigmüller, Alte Jakobstratze 48a: Mitgl.-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. Thegra und Vorlragender wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Wie stellen fich die Kistenarbeit« zu dem Arbeit«- weis der Fabrikanten. 3. Bnicht und Anträge des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Anfang präzise 8h Uhr. 140 Der Vorstand. perelu der WAhflrbetter «nd Kernfsgenoste«. Mitglieder Versammlung am M o n t a g. den 9. Dezbr., Ab-ndS 8 Uhr, bei Zemtcr, Münzstr. 11. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Richard BaginSky: „Wie regeln wir am besten untere gewerblude Lage." 157 2. DiSkusfion. 3. Verschiedenes. 4. Wahl einer Kommission zur AuSarbeilung einer Lohnstaiistik. Der Vorstand. AdttunKTisMer! Die Kollegen der Werkstätten von Ge- brüder W e i n m a n n, Königorätzerstratze, und G r o s ch k u S, Landsberaerstratze, werden hier- durch eu'getorbert, die ASressen von ihren zu wählenden Delegi-ten zur Regelung des Brld- hauerftreik« laut B-fchlutz der öffentlichen Tisch!«- Versammlung im Schweizergarten am 2. Dezbr., an den Unterzeichneten der 5« Kommission abzugeben. 127 I. A.: R. Millarg, Lehrterftr. 22, II. KchlW M«r. G e s p e r t: I. C. P f a f f, Eagelufer 1«- G r o s ch k u s, Gollno vstr. 19, G e b r. W e i n» mann. Königgrätz«ftr.81. M ü 1 l er u. E o-, Blüchnftc. 35. Schimmelpfennig, An* dreasstr. 39. Franz, Prinzenstr. 20. Bon* nell, Stallfchreiberstratze 30. Goetjchke. Alexinderftr. 29. Franke, Broodenburgstl- Nr. 33. G ehr icke, Höchstest. 32. Grrr* mahn, Brandenbargftr. 19. Th, elr, SB*1/ nimstr. 32. Couturier, Louisen Üf« 1�* Jarius, Ba-nimftratze 41. Heinrich«- Mehnerstr. 3. Och«, Reichende, g«str. I?0- S i i e r, Wienerstratze 40. Stahlhever, Königsbergerftr. 4 I a ck f ch, Naungnstr.«� B r u h n, Langeftr. 6. M o h n k e, Admirm' stratze 20. Kursig, Brandeodurgstratz« � Rahn, Brunnenstr. 154�155. Lüdolph- Grenadierstr. 4u. Schwarz, Rrichendsgrk- stratze 124, Palis, Kopmickerftratze lll' Schmitz, Oranienstr. 147. Vater, Wasser» thorstratze 35. M e l ch e t, Manteuffel stratze 57- S ö fn er, Fü-stenstr. 16. Ulrich. Reichs bergerstrahe 63. G o« d a, Wnn strotze 3» Schöning, Pallrsadenstr. 14. Velkisw» Skalitz«str. 11. Kirsch ner, Adalbertstr.«2- H e n n i g, Weinstr. 10. T h i e m. strichen* b«gttftr. 24. Janke, Reichenb«g«ftr. � Pinkert, Frankfurterstr. 132». Stah»� Heuer, Reichenbergnstr. 73. Deckadressen: A d a l b er t stratze Pückterstratze 6, Köpenickerftr.>1� Köptnickerstr.2S-, K Lpenickerstr. 1/� Ferner mochen wir aufmttksam, datz die Arbe« für J.C.Pfaff unt« dem Namen Prächle' gefertigt wird und ohne Bankoumm«. Kem illigt habe« 23 1 Merkstaltes A-deitSlose Kollegen haben nch nur an d« KtrUrnvermittrlung d« KUdsiaarr Kr�lln- zu wenden. In der Woche Abend» 8—9 UV Sonntags Vormittags 10— 11 Uhr Annenstr- Sammellisten sind abzuliefern. Die KommisfioV. Annen stratze 1k. Ferns prech.Ans chlutz Amt IV, Nr. 983. � Acktuna für Tabakarbeiter und Arbeiterinnen. Die Spsrre ist üb« folgende Fabrik» hängt worden:.' H, Schweitzer(wegen Matzregeluagl- Läden Chauffe str. 25. „ Chauffeeftr. und Boyenstr.-Ta«' „ Friedrichstr.(Monopol-Hotel.) Bergemann u. Koch, Rirdorf- Laden und Hauptgeschäft: Bergstr- l� Bulin, Läden: Eottbus« Damm»» Prinzenstraße.' Keilpflug, Elf off«str. 8(Lade»)- Grepling, Wafferthorstratze. Hintze, Hotzmaiklstr. 68. Hübsch, Lrnienstr. 8(Laden). I. R ein l ä n d er, Manteuffelftr. 9l-_ Auction der ocrfallenen Vsänd« pro Noobr. u. Dezbr. 1888 am 12». 13, D«emd« er.. Nachm. 2 Uhr, 1361 Z. Rege», Gr. Frankfl-rterftr. 120. Empfehle allen Freunden und Bekannte» uellerMeles Mtzm. Speisen und Getränkt v«abre«r allbekannter Güte. Carl Pf istei*» � Cisenbahnstr. 85, prt___ � perelil inr WahMg der Mereffen der Mether des Norden Keräns. Montag, den 9 Dezemb«, im Eiskeller, Chausseestr 88: Grosse Vesammlung- TageSordnung: 1. Abrechnung. 2. Die Verbesserung d« MiethSoerhältnisse durch die Grnndeige»» ibümer. Referent: H«r Zach au. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 5. Fragekaften. 125 Im Auftrage des Vorstände«. __ Paul Heitmann. Verein der Klempner Kerlins und Umgegend. Dienstag, den 10 Dezemder, Abends 8 Uhr, in der GambrinuS Brauerei« Charlottenburg, Wallstr. 46: Bresse Versammlung. Tagesordnung: 1. Gewerkschaftlich« Vortrag. 2. DiSkusfion. 3. Aufnahme neuer Mitglied«. 4. Der* schicdeneS und Fragekaften. KS« Pflicht emeS jeden Kollegen ist es, zu«scheinen. Gäste haben Zutritt. ___ Der Vorstand. Ä' d s s s >e, h S b k Verantwortlich« Redakteur: K. Cronhrim in B«Iin. Druck und Vttlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthftratze 2. 121 Beilage mm Berliner Bolksblatt. Kr. 288. Sonntag, de« 8. Dezember 1889. 6. Iahrg Loksles. ,, Ner anffällige Znrnckgang der Iaht jchnlpfUchtiger hm' welcher in diesem Jahre bei der itädttschen Vermal« Berlins beobachtet worden ift, lenkt die Aufmerksamkeit ?' eine Erscheinung in den Berliner WobnungSoerhältnrsien, �.i�var seit Jahren bereit« beobachtet ist, aber bisher äuberlich M noch nie lo deutlich hervortrat, wie bei dem erwähnten FWob. Es lassen ssch hier zum ersten Male die Wirkungen * BerkehrSeinrrchtunzen erkennen, welche Berlin mit den Vor- ?en verbindet. Schon feit Jahren befinden fich in diesen Korten Miethshäuser; die Miethen find hier um . beträchtliche« billiger als in Berlin und Hand- Beamte und Grschästsleute waren oft Jahre in Berlin bei Verwandten oder Bekannten als Mmbregarnisten oder Abmiether gemeldet, um fich für M in den Vororten wohnenden Kinder da« Recht d«S Berliner Schulunterrichts zu fichern. In den Vororten l�de mehrfach noch Schulgeld erhoben, auch waren die Schulen ksn noch vielfach recht mangelhast. In beiden Punkten ist in Mtre» Zeit Wandel geschafft. Da« Schulgeld ist in den jOiorsen Berlins gegenwärtig wohl überall beseitigt und die witinde- Verwaltungen in den Vororten h:ben sehr richtig M�t, dafi eg für sie kein besseres Mittel giebt, eine fteuer- Mge Bevö kerung aus Berlin für ihre Gemeinde zu gewinnen, ''durch Errichtung dernöthigcn Schulen. So erklärt e« fich, daß Alach Beseitigung de« Schulgeldes in den Vororten, die �"Ner Schulen ihren Reiz für die in den Vororten wohnen« w Familien verlieren. Es wäre auch garnicht zu verwundern, tn M�ch*n nächster Zeit eine ähnliche Erscheinung bezüglich f Bevölkerungsziffer rn Berlin bemerkbar machte. E« giebt Milien genug, die mehr als einen Grund haben, nicht in /«n zu wobnen und dethalb in die Vororte ziehen. Für w berliner Geschäft«- und Verkehr«verhältn,sse ergeben nch �us für die Folge ganz neue Gestaltungen. So sind bei- Mweise in einem grasen Werlstaltgedäude im Südosten, in Jhim sich etwa 30 verschiedene We>kstält«n befinden, die derselben an Leute vermiethet, die in den Vororten Während früher der Verwalter de« Grundstücks JJj* M Verlegenheit war, um für die Miether einer Werkstatt A die nöthigen Wohnräume in dem Grundstück zu b-forgen, ?"«> solche von den meisten der fitzigen Werkftatlmieiher "Msit verlanat. Die Leute wohnen in den Vororten. I; vn di-ojahria- Minter icheint einen recht unheilvollen r'lMtz auf gas Plotetariat auszuüben. Selten war die Zahl � Selbstmorde so groh, wie in den letzten Wol?en und Mo- und selten standen die verübten schwtren Verbrechen oft- in einem so engen Zusammenhange mit der Roth und �Elende ter Thäier, wie in den neuerdinge durch die Widpresse beri-bteten Fällen. E« ist ja sehr billig, über die /ssomm-nheit Anderer zu urtheilen, so lange man selbst ge- Kil'n in der warmen Stube und bei leidlicher Nahrung fitzt. aber da« Elend au« näherer Anschauung, vielleicht aus Mer Erfahrung kennt und sich noch ein menschlich fühlend r* bewahrt hat, der urlhfilt ander« uno betrachtet auch die i'wi? ion tm£m anderen Standpunkt. Er wird veshalb ganz ".m Verbrechen gegen Leben oder Eigenthum gutheißen, lz'" httrachtel sie doch ander«, als es in der gut spieß. iiittn• Kesonnenen Piesse geschieht. Zu solchen Betrach- llnl»? namentlich die Mrttheilung von einem Diebstahl �ttT- Öet 0m Di£"llag Abend in der Frredrichstrabe verübt Recren vonZwanzigmarkstücken ergoß fich, "Hl 7»i1 Blätter übereinstimmend melden, am Drenstag-Abend tz,./ ubr Ecke Friedrich- und Fcanzöüschestraße über da« »».�'"pssast-r und verhalf zahlreichen Passanten zu einem geahnten Gewinn, Der gütige, aber unfreiwillige Spender iirt/.1?, Dieb, der kurz zuvor einen der frechsten Einbruchs L begangen halte, der jemals zu verzeichnen gewesen tz, /?iste. Zur genannten Stunde kam der kühne Einbrecher � UN-drichstraße entlang. Vor dem im Hause Nr. 17 l be- �'»«i Bankreschöst von A. Molling macht« er p ötzlich Halt. . uach allen Richtungen über das Pflaster trudelten, M JD den Renn stein, dort m irgend einen Spalt und sonst a«st,?.dhm verschwanden, so daß, als schließlich die Gattin des Uen,■" auf dem Schauplatze erschien, der golden« Sctiatz i'tift,,'" alle Winde veritieut war. Die Dame brach be- �ß,-�w.rse m ein große« Jammern au«, doch half das ZiwZ'hc; denn Gold und Beutel sah sie niemals wieder. >Xiz''che« war der ftech« Räuber von der Polizei abgeführt aus der Revierwache festgesetzt worden. Da« No..* Geschäft bei der Geschichte bat natürlich gerade der- .. JL x w f T. V_ t_ 7 w_ M_ V u 4» CY1 �. X» ri M»-*• K A Vi der sich dabei da« größte Verdienst erworben itft ist der arme Arbeiter, welcher, mit Wunden ganz be- r'd iir. Heimweg antreten mußte. Der Schaufenster- 2 der stellenlose K-llner David Havel. Jn einer an werden gegen Be- ii,'» der stellenlose Kellner David Havel. Ii eb/,. Gäulen angeheftelen Bekanntmachung ''.'chen Finder gebeten, die Goldstück« l. S Z}nm Polizei. R-vier Nr. 38, Kronenstr. 22, oder l.. t'iilotü �s'ichneien Bankgeschäft adlugeben.— Weml et; H Mensch, der vielleicht keinen Pfennig m der Tasche Nn m"iiedrichstraße entlang geht und in einem»chaufenster I.°ch..M m.t Goldmünzen ausgestellt sieht, so mochte man Me F.. �'/.glauben, daß eher eine Art Manie als wohluber- /»!, ihn zu dem Verbrechen antrieb. Da« letztere ist i.'cht i. 7' entschuldigt, aber jedenfalls bester erklart. Man /»e k./V?"nen Teufel— denn da« ist er doch sicher— fnt un8«roets« verantwortlich und mit Recht, aber hat S Uh,[r Sar keinen Vorwurf für da« unsere» Erachten« Äffende G-schäftsgebah en vieler Bankier«, welche ihre Vn prahlerisch in ihrem Schaufenster aufstapeln? °tt genug über die Unsitte vieler Damen«.'lagt, welche fontÄn?n"S fichtbar in der Tasche tragen und.«durch zum b stahl ausreizen. Aehnliche« licß sick von den Bankier« sagen, die ihren ganzen Reichthum und manchmal noch mehr im Schaufenster prahlerisch aufbauen, um damit zu glänzen. Die Herren beanspruchen natürlich, daß ihr Eigen- thum ihnen geschützt werde. Da« ist ganz richtig. Gegen den Einbrecher hätte man e« auch allenfalls verthcidigt, aber die .unehrlichen Finder", sie alle sündigen auf da« Konto de« »frechen Einbrechers". Und was mögen für»anständige Leute" unter diesen»unehrlichen Findern" sein? Ist nun der erfolg- lose Versuch, sich fremde« Eigenthum anzueignen, wenn die« hinter einer Glasscheibe liegt, so sehr v,el verwerflicher al« die Wegnahme von fremden Sachen, wenn sie auf der Straßckliegen? Von dem»frechen Einbrecher" sprichl Jeder, über ihn fällt Jeder her und er wird ja auch seine Strafe empfangen. Von den»Findern" sagt man nicht« und doch find sie im vor- liegenden Fallt sittlich nicht besser als der»Einbrecher", den die Roth»um Verbrechen trieb, während jene nur wegen der bequemen Gelegenheit, die st* ihnen bot, zu Dieben wurden. Aufrichten gestürzter Pferde. Wiederholt sieht man, baß de« Pferden, weiche auf(ttaiiem Boden gestürzt find, zum Aufrichten nicht die richtigen Mittel angewendet werden, was oft zu Mißhandlungen de» Thiere« führt. Die Unter- stützung muß folgender sein: dem gestürzten Pferde, welches frei von Slrang und Deichsel sein muß, find zunächst die Vorderschenkel zum Auflpnngen zurecht zu legen. Zu diesem Zweck wird e« mit der Vorderhand so gehoben, daß e» auf dem Brustbein ruht. Ein Mann stellt fich ewige Schritt vor da« gestürzte Pferd, nimmt mit jeder Hand einen Trensenzügel und giebt damit hebende Anzüge; gleichzeitig wird e« am Schweif gehoben und zum Ausstih-n angefeuert. Glatter Boden ist vorher mit Siroh und Dicken zu belegen, so baß Vorder, und Hmterschenkel sofort festen Fuß fassen können. Sollte das Pferd trotzdem nicht ausspnngen, so zieht man einen Gurt oder Sirick unter der Brust dicht hintcr den Vorder- deinen durch und unterstützt e« durch Heben auf beiden Seiten. Meisten« bleiben die Pferde aus Schrecken darüber, daß sie aestürzt find, liegen; die angeführte Unterstützung wird alsbald Erfola habe". Gio rnfstfcher Kchmindler hat na» der»Berl. Pr." hier in erfolg-erch-r We»!« oeoüttrl. Vor ewigen Monaten empfing ein in der Friedrichstraße wohnender DentistP. den Besuch eweS überaus vornehm auftretenden Russen, der sich Dr. Nemierowski nannte, und die Absicht kundgab, bei Herrn P. die Znhntechnik zu er- lernen. P. beanspruchte für einen Lehrkursu« 300 M., welche Summe der Russe bereitwilligst zu zahlen erklärte. Der Unter- richt begann und schon ewige Tage darouf brachte der angeb- liche Doktor auch noch seine Gatttn mit, welche dem Studium ebenfall« höchste Ausmertsamkelt widmete. Am letzten Sonn- abend war der Lehrkursu« deendet und das Honorar somit fällig, desgleichen ein erh-blich-r Betrag für Ptomdenmaterial und sonstige Auslagen. Ader P. wartet noch hrute auf den ingeniösen Moskauer. Derselbe ist spurlos ve»schwunden. Nicht unwahrscheinlich ist e«, daß er jetzt bereits den Moskauer Bo- jaren mit der so billig erlernten Kunst gute Dienste leistet. Gin bösartiger Kulte hat, wie die»B. Pr." mittheilt, gestern seinen Tranporicur schwer verletzt. Als sich der Schlächtergeselle Walter, der dos Thier von Lichtenberg nach Friedrichsdera trän- portirte, gestern mit demselben nahe der Verbindungsbahn befand, wurde der Bulle p ötzlich wild und fchleiste den Gefillen, der ihn nicht zu bändigen vermochte, eine Strecke Wege« m«l fich. Dann cb�r ging der Stier vlötzlich ,vm Angriff gegen fewen Begleiter über und bearbeitete ,hn derartig mit den Hörnern, datz der Geselle als ladt auf dem Platze liegen blieb. Pnssanten brachten mit eiaener Gefahr dem Schwerbedrängten Hilfe, der sofort in oaS Krankenhau« be- fi-rint irurd«-. Leider ist wenig Hoffnung vorhanden, ihn am Leben zu erhaltm. GW Fruerbrand auf fretrm Felde erregte g'stern Vormiiiag nach 10 Uhr die Aufmeillamreil der Passanten der Brurnenstroße und veranlaßte alsiald das Einschreiten der Beilmer F-uerwehr. Zwischen der B-unn«»straße und der Straße XXX liegt ein geräumige« noch unbebaute« Terrain, dessen eine Hälfte gegenwärlig zu einer Eisbahn hergerichtet wird, bissen andere Halste im Sommer den dortigen»kleinen Leuten" in bekannter Weise als»Sommerfrische" dient-, indem k.eme Parzellen als Gai ten vermielhet wurden. Auf dem jetzt öden Terrain stehen jetzt nur noch die vertassenen Lauben und Bielterbuden als stumme Zeugen vergimaener Herrlichkeit. Au« einer dieser Buden schlug nun plötzlich eine mächtige Feuergarbe, in wenigen Minulen da« leichie hölzerne Kebäuoe e,nä>chernd. So unbedeutend der Brand an und für sich auch sein mochte, so lag die Gefahr doch darin, daß mehrere große Holzp.ätze die unmittelbare Umgebung bilden, welche bei einem größeren Umsichgrersen des Brande« gesäbrdet erschienen, eine Gefahr, die indessen durch da» schleunige Erscheinen der Feuer- mehr beseitigt wurde. G»,. dose» Jia«n»ul ans feiner M»lttar-D»««stz-it bildete sür den Techniker Alfred K. ewe Ank.age wegen Be- tiug«, die gestern vor der ersten Strafkammer de« Land- aerichts I gegen ihn verhandelt wurde. Der Angeklagte ist am 1 Oktober v. I als Einjähriger bei der Garde-Altillerie ein- aetreten und soll fich in fünf vntschiedenen Fällen durch falsche Vorsp egrlung-n Kredit verschafft und dadurch Geschäftsleute geschädigt haben. D,- Beweisaufnahme ergab ,eire Schuld m vier Fällen, wobei erschwerend w's Gewicht fiel, daß der An« anklagte mit einem besonderen Leichtsinn vorgegangen war. Seinen WirthSieuten e-zählie er, daß er t,n Einkommen von 400 M. monatlich besitze und se,n Bater Elgentyumer eines Gutes w Sachsen sei. E, gerang, hm dadurch, Kredit ,u erhalten, die gemachten Schulden hat er aber mch bezahlen können, denn sein Vater ist em vermögensloser Oderstlieulenant a. D., welcher für die von s-'nem Sohne leichtsmma emge- aangenen Verpflichtungen nicht auskommen kann. Unter den Gesrtädigtcn befand fich auch em hresiger Reitinstituttbesitzer, bei dem der Angeklagte abonnirt halte, odne zu bezahlen, ein Kaufmann, bei dem der Angeklagte mrhiere Waaren ent- nommen unter der Zusicherung, daß er nach zwei Tagen de- zahlen wolle, ist nachträglich befnedrat worden. Der Angeklagte tübrte zu seiner Entschuldigung an, daß ihm bisher«ine besondere Hilfequelle zur Verfügung gestanden hätte. Er sei nicht der natürliche Sohn desjenigen, deffen Namen er trage, sondern von demselben nur adopiirt, sein Vater sei ein bekannter diesiger Großindustrieller, der ihn in früheren ähnlichen kriitichen Lebenslagen unterstützt und auf dessen Hiise er auch jetzt gerechnet hätte. Da sich herausstellte, daß der Angeklagte schon denn Eingehen der Verbindlichkeiten gewußt, daß ihm von dieser Seite eine Unterstützung nicht mehr weroen würde, so hielt der Gerichtshof Betrug in 4 Fällen für erwiesen und oerurlheilie den Angeklagten zu einer Gefängnißstrafe von drei Monaien, wovon ein Monat durch die erlitten« UnlersuchungS- bast'fär verbüßt erachtet wurde. VmnrtJjeilnn« de» Anzeigenden zu de» Kosten de« Ueefahreu». Der Tlschtergeselle Carl Schulze war wegen groben Unfugs in eine Haftstrafe genommen worden. Auf den von ,hm eingelegten Einspruch pelangte diese Sache vor der V7. Abiheilung de« Berliner Schöffengericht« zur Verhandlung. Der grobe Unfug sollt« dadurch begangen worden. sein, daß der Angeklagte dem Drechslergesellen Lehmann absichtlich auf die Füße getreten hat. Durch die Beweis aus- nahm« wurde aber festgestellt, daß Lehmann mit dem An- geklagten e'nen Wortkreit provozirt hatte, weil dieler ihn etwas scharf fixirt hatte. Als daraus ein Schutzmann herzukam. trat Lehmann wahrhcitSwidrig mit der Behanptunci auf, der Andere habe ihn wiederholt absichtlich auf die Füße getreten. Die Folge d eser uniicbtigen Angabe war zunächst die Sistirung de« Schulze zur Wache und demnächst der Erlaß des gedachten Strafdefehls. Ohne daß seitens de« Angeklagten oder de« Staatsanwalt« ein Antrag wegen Berurtheilung des Lehmann in die Kosten de« Ver- fahren« und der dem Angeklagten erwachsenden Auslagen gr- stellt worden wäre, verkündete der Gerichtshof nach dem frei- sprechenden U-tdeil noch den Beschluß, nach Maßgabe de« Z 501 Str-Pr.-O. dem Anzeigenden, p. Lehmann, die bezüg- tichen Kosten aufzuerlegen. Der Vorsitzende führte au«, daß zur Anwendung dieser Bestimmung nicht eine schiifll'ch firirte Anzeige erfordert werde, sondern daß e« genüge, daß einem Volizeibeamicn eine Mitlheilunq gemacht werde, welche zur Herbeiführung eines Slrafverfohien« geeignet sei.— Jn der vongen Woche hat die Sö. Abth-ilung des Schöffengericht« die direkt entgegengesetzte Entscheidung getroffen. Sozisle Moverfiöhk. Achtung l Drechsler und fämmtttche Kerufs- genossen. In der am 4. d. M. stattge'undenen öff ntlichen Versammlung wurde eivmüthig der Beschluß gefaßt, die Wiener streikenden Perlmutterarbeiter thatkräftig zu unterstützen. Als VertiauenSleute find gewählt worden: F. A. Rauienberg, Prinujfinnenstr. 22, v. 4 Tr. bei Keim; Ehlen, Skalitz-rstr. 29-, Hof Ouergeb. 1 Tr.; Zeife, Bartelstr. 3; L. Kreis, r, Blumen. straß« 54, Hof pari.: Ernest de Jung, Schönhauser Allee 187, Hof 4 Tr. bei Keckstadt. Bei denselben find Listen zu baden, desgleichen Sonnabends. Abend« von 8— 10 Uhr, und Sonn- tags, Vormittag« von 9-12 Uhr in folgenden Lokalen: Schultz, Admiralstr. 40-; Gründe!, Dresdenerstr. 116, früher Mendt; Schmidt, Krouittr. 48, früher Lockstädt; Gnadt, Brunnenstr. 38. Ausfudrffcher Versammlungsbericht folgt. Der nirdrrösterreichischr Handelsieammerbericht über die Lage von Industrie uno Gewerbe im Erzherzogthum Niederöstereich, welcher vor einigen Monaten erschicnen ist, weist m seiner Einleitung darauf hin, daß da« Großkapital auf Kosten der Kleinen rafch fortschreitet. Es heißt u. a.:»Die Abnahme in der Zahl der Betriebe erklärt sich zum großen Theil au« der A u f s a u'g u n a der kleineren durch oie gröberen Betrieb«; die Großbetriebe haben«ine Zunahme auszuweisen, so daß der Verlust lediglich den Mittel« und Kl ein betrieb trifft." Welcher Trost für unserer Zünftler, für solch ausgezeichnete Kenner von JndustriallSmuS uno Hand. werksnätdea, wie der H 0 f r a t h Ackermann und der Junker von Kleist. Retzow! Verkanrinlungen. Ueber die imposante Uolliovertammlnng, die am 1. d. M. in der Boruifia. Brauerei zu Nicderschöawcide unier dem Vorfitz de« Heirn Miel.ntz tagte, haben wir bereits einen kurzen Beacht gebracht. Aus eiuem längeren Bericht, der uns zur Verfügung gestellt wird, verdienen folgende Beschlüsse, welche die Versammlung saßt«, nachgetragen zu werden: Die Versammlung ist mit dem Referenten nnverstanden und ver- uflidlitet sich, bei der Wahl lür den Reichstagkandidaten Heim Wilhelm Werner voll und aanz einzutreten. 2. Die Versamm- lung beschließt, für den nächsten Sommer Friedrichshagen gänz- lich zu meiden, weil kein Wnth sein Lokal zu Versammlungen für Arbeiter riebt. 3. Di« Versammlung beschließt, in Tempel- Hof nur im Restaurant Niek« zu verkehren, da dasselbe vom Garde-Train-Bataillon geboykottet wird, weil eine Arbeiter- Versammlung am 11. November dort stattgefunden hat. Ferner lagen zwei Fragen vor: 1. Wäre et nicht gut, für Johannis- thal-Nlederfaiönweide und Umgegend einen Arbeiterverein zu gründen? Die Versammlung beschloß, eine Kommission von drei Personen zu wählen, weiche Statuten ausarbeiten soll und dann dieselben einer Versammlung vorlegen. Gewählt wurden Mielentz, Rütz und Haas«. Die zweite Frage lautete: Wie soll man fich den Restaurateuren geaenüber ve.halten, welche Genossen da« Lokal verboten haben, überhaupt mit de, Arbeitern nicht» weiter zu thun haben wollen, als bloß ihr Geld zu nehmen. Diese Frage wurde mit dem Rath beant- wartet, bei hen betreffenden Wlrthen nicht mehr zu verkehren. Folgende Wlrthe wurden genannt, die Genossen da« Lokal nur darum verboten, weil die Betreffenden Sozialdemokraten find: Jn Johannisthal Herr August Senftleben und Frau Ludwig, in Nie d e r s» ö n w c i d e Herr Hermann und»m Strecker. Nachdem der Varfitzende der Versammlung an« Herz gelegt, alle Beschlüsse als Manner treu zu halten und für die Arbiitersache stet» einzutreten, wurde die Versammlung mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie geschlossen. vHne öffentliche Kommnualwiihlen- Versammln»« für den 27. Kezirlr fand am Donnerstag in den Räume.: de«»Böhmischen Brauhauset" unter Vorfitz oer Herren Beruht, Baar« und Kurze statt. Etwa 1000 Personen waren anwesend. Zunächst therlte der Vorsitzende mit, daß der brieflich em- geladene Sladtv. Törner fich brieflich entschuldigt habe, da er »Wichtiges zu thun habe". Außerdem sei Herr Törner Tag« vorher in einer freisinnigen Versammlung davon adgerathen rvorven, in die sozialdemokratische zu gehen, da ihm dort der Pe!z aehöriz werde gewaschen werden. Er hätte aber nur mit den Wünschen der Arbeiter vertraut gemacht werden sollen Hierauf erhielt der Rerefent, Herr Sladthagen, da« Wort zu seinem Vortrage über die bevorftehenden Stadtverordneten- Stiebwahlen im 27. Bezirk. In diesem Bezirke ständen fich Freisinn, ge und Sozraldemokraten gegenüber. Dem Sozial- demokraten brauche man nicht sagen, wem er seine Stimme zu geben habe, wohl aber dem Wankelmülhigen. Diesem müßten unsere Pnizwitn klar gelegt werden. Selbstverständlich sei e«, daß fich unser Endzrel nicht innerhalb der Stadtverwaltung werde vtnmr fliehen lassen können, wohl aber ließen fich die deuttze» Zustande, namentlich bei Bcrathung de« Etats, knlistren. Aber e« gebe Sachen, bei denen die Arbeiter- kand, baten dahin wirken können, daß nicht noch mehr Rechte abgebröckelt werden. Hier gebe sich ein erhebliche« Kampfgebiet. So bei der Armenpflege. Wir wollten ja allerdings keine Armenpflege; doch da eine Regelung noch nicht absehbar, so müsse dahin gestrebt werden, da» die Regelung eine humanere sei und da» mehr gegeben werde. Heut sei die Ver» waltung nicht besonder« rühmenswert h. Redner giebt hierfür ein Beispiel au» der Praxis. Nach diesen sei einer alten Frau »on 70 Jahren 60 M. Unterstützung gegeben worden, von welchem Betrage noch 2 arbeitsunfähige Personen zu leben hatten. Die alten Parteien wollten entweder nicht helfend eingreifen, oder sie kannte« die Verhältnisse nicht. Solche Fälle aufmdecken, sei Sache der Arbeiterkandidaten. Bei der «teuereinschätzung jeige sich da« Bestreben der anderen Par- teien, die Befttzlosm zu allem heranzuziehen. Die Wohlhabenden würden nicht voll zu den Lasten herangezogen, die Armen würden über Gebühr belastet. Auch bei der GewerbeschiedS- gerichtS.Frage zeige sich die Toleranz der Freisinnigen. Wür- den schon länger Sozialdemokraten in der Stadtverwaltung sitzen, so hätten wir schon längst diese segensreiche Einrichtung. Bevor diese die Anregung gaben, habe Niemand daran gedacht. Unter den Freisinnigen zeige sich jetzt eine Strömung, dem Wunsche des Ober- Präfidenten nachzugeben. Hiergegen müsse sich ein energischer Protest erheben. Würde z. B. die Fähig- keit dem Gericht abgenommen, den Eid abzunehmen, dann falle das letzte Gute an der ganzen Sache. Auch auf dem Gebiete de» Schulwesen« stehe e« bedauerlich schlecht. Es seien zu wenig Schulen, der Lehrstoff sei ungenügend, dann werde der Klassenhab in der Schule geschürt. Heut werde der Reiche vom Armen getrennt�; unsere Kandidaten hätten dafür einzutreten, daß auch die höheren Schulen den Arbeiterkindern unentgelt- lich offen stehen. Gegenüber Augsburg stehe Berlin sehr nach. Augsbmg zahle für Lehrutensilien 3000 Mark jährlich, Berlin müsse im Verhälwib 75 000 Mark ausgeben. Thatsächlich würden aber nur 9000 M. hierfür au«- gegeben. Esenso sei zu bemängeln, datz die Lehrer nicht nach der Anciennität in bessere Stellen' ausrücken, sondem daß sich dies nach Führung, Fleiß und Leistung richte. Die« führe zur Bauchrutscherei seitens der Lehrer, was den Arbeitern durch- au« nicht gleich bleiben könne. Die Toleranz der Stadtver- waltung habe sich besonder« bei dem Ketzergericht gegen die freireligiöse Gemeinde gezeigt. Die Stadtoäter wollten nicht, daß die Wissenschaft in die breiten Massen de« Volke« dringt; das habe auch Virchow betont. Redner flicht hierbri ein, daß er mit der.Urania" in Verhandlung stehe, den Fachvereinen den Eintritt in dieselbe an Sonntag-Vmmittagen für den Preis von 20 Pf. zu verschaffen. Die Vorstände möchten sich baldigst an ihn wenden, Landsberger- st r a ß e 62. Redner hält es ferner für traurig, daß noch keine Rechtsschulen für Arbeiter bestehen; er zieht ferner eine Parallel zwischen den Straßen und ihrer Beleuchtung im Westen n.'.Z in den Arbeitervierteln. Diese müßte man.hohen Gästen" zeigen.(Sehr gut.) Auch innerhalb der heutigen Gejellschastsordnung solle e« dem Arbeiter besser gehen. Bei Submissionen müßte ein MaximalarbeitStag und ein Minimal- lohn für die Arbeiter festgesetzt werden, weswegen, die Fachvereine um Rath zu fragen seien. Wer wolle, daß oie Zustände innerhalb der Stadtverwalmna bessere werden, solle für den sozialdemokratischen Kandidaten, Herrn Heindorf stimmen, die freisinnige Partei vertrete nicht die Inten ssen der Besitzlosen.(LedhafUr Beifall.) ES spricht hieraus Herr Prie«, ein Freisinniger. Mit dem Armenwesen sei es mckt so schlimm. Selten würden nur 6 M. monatlich bezahlt. Ja Wintermonaten gebe e« noch Kohlen und warme Suppen.(Gelächter. Rufe: Aufwaschwasser.) Die Steuer sei auch gerecht vertheilt. Hier könne man nicht klagen; übrigen« stehe ja Jedem da« Recht der Reklamation zu. Worüber er aber z. B. klagen müsse, sei, daß bei der Vorlage zum Ge« werbelchiedSgencht nicht angegeben sei, wie man den Arbeiter belangen soll, wenn er verurlheilt ist. Die Bildung werde über Reich und Arm gleichmäßig ausgestreut. Es seien eine Unmenge von Freistellen auf Gymnasien, die nicht besetzt wer- den.(Gelächter.) Wa« die Submissionen anlange, so sei da« zu schwer zu regeln: da'> liege im Kampf ums Dasein.(Ruf: Produktionssystem!) Pries: Was heißt Produktionssystem? Die Sache regelt sich nach Angebot und Nachfrage. Da« ist nicht mit Gewalt zu ändern.(Gelächter.) Der Kandidat Herr Heindorf bezeichnet die heutige Stadtvertretung al« eine solche, die nur Jntmssenpolitik treibt. Noch nie habe sie gegen die hohen Gaspreise Front gemacht, obgleich das Gas jetzt bedeu- tend billiger hergestellt werde. Noch nie habe sie etwa« dagegen gehabt, daß der Koak« von Jahr zu Jahr für den Ardeiter lyeurer wird, während der Koak« den Elsenbahnen und Großfabr, kanten äußerst billig geliefert würde. Herr Heindorf, wie alle anderen Redner, widerlegen, zumeist sehr treffend, die Ausführungen des Herrn Prie« und fordern zu reger Agitation auf. Es wird schließlich beschlossen,»obgleich die letzten Ziele der Sozialdemokratie in der Stadtverordneten- Versammlung nicht zum Durchbruch zu bringen find, doch in der Erwägung, daß die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit wohl zu kennzeichnen find, am II. Dezember für den sozial- demokratischen Kandidaten einzutreten. Die Anwesenden ver- pflichten sich, in Anbetracht der bevorstehenden Reichstagswahl Mann für Mann dem sozialdemokratischen Wahloerem im 4. Reichstagewahlkre>se anzuschließen, sowie nicht an Land- parlhien nach Friedrichshagen Theil zu nehmen, weil die dortigen Gastwirthe ihre Lokalitäten nicht zu sozialistischen Ver- sammrungen hergeben. Ferner wurde beschlossen, am 1. Mai >890 nicht zu arbeiten, sondern sich an der Demonstration zu Gunsten des Achtstundentage« zu betheiligen. Herr Meyer wünscht, daß die Wählerlisten erst im Oktober und nicht mehr im Jum auegelegt werden. Herr Söst fordert die Anwesenden zur rege» Unterstützung der streikenden Hutarbeiter Lucken- waldes auf. Schnelle Hilfe thut noth! Außerdem ersuchte Herr Kreuz die Genossen brieflich, in Wilhelmsberg nur beim Äastwirih Weber zu verkehren, da nur dieser sein Lokal zu Versammtungen hergiebt. Mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Der Derei« zur Wahrung der materielle« Zuter- eilen der Kteintriige» und verwandten Berufsgenossen Berlin« hielt am Sonnlag, oen 1. d. M., in Schiffer'« Salon, Insel- straße 10, seine Mitglieder- Versammlung ab. Die Tage«ord- nung war: 1. Die Bildung des Arbeiter«, wie sie ist und wie sie lein soll, mit besonderer Berücksichtigung der Kmdererziehung. 2. Wahl eine« Mitgliedes der Fachkommission. 3. Verschie- denes und Fragekasten.— An Stelle de« nicht erschienenen Referenten Herrn Otto Heindorf erhielt der Tischler Herr Franz Berndt da« Wort. Derselbe führte ungefähr folgenoe« au»: Uederall preise man so viel die Bildung der besitzenden Klasse, den Arbllter stand ab« nenne man verroht, und doch müsse jeder nur halbwegs fleißige Beobachter beftä- tigen, daß in der Arbeiterklasse selbst sich em machtiger Wissen«- drang bemerkbar mache. Die Äeweitführung hierfür liege un- bedingt in den immer mächtiger sich au«breitenden Arbeiter- organisationen. Hier seien Bibliotheken nicht nur mit Fach- schristen versehen errichtet, nein die größten Werke Wissenschaft- licher Autoritäten, welche msprünglich für ein ganz andere« Publikum bestimmt waren, habe» h«er Eingang gefunden. Hier konnte man nun vielleicht meinen, diese Bücher würden nicht gelesen, allein da« Verhalten der Arbeiter den schwebenden sozialen Fragen gegenüber beweise gerade da« Gegentheil. Wie aber stehe e« mit der Bildung der herrschenden Klasse? Diese habe allerding« die Bildungsmittel monopolifirt, sie ist auf Gmnd der bestehenden Verhältnisse in die Lage versetzt, über die gesellschafiiichen Bildung«mittel verfügen zu können; sie macht davon den aller ausgiebigsten Gebrauch allerding« nicht zum Nutzen aller in der Gesellschaft vorhandenen denkfähigen Lebewesen. Der Referent wie« nun nach, daß gerade da« ge- schilderte Verhältniß der wunde Punkt sei. Die Bildung»« mittel sollten nicht»»«schließlich der besitzenden Klasse al« Au«- beutungsobjekt dienen. Die Gesellschaft müsse eingreifen, um sie zum Eigmthum der Gesammtheit zu machen. Erst dann könne man erwarten, daß auch der Arbeiter einen gleichen Theil von dem in der Gesellschaft vorhandenen Wissen be- komme, bisher seien e« nur Brosamen gewesen, die von der reichen Herrn Tische fallen. Reicher Beifall lohnte den Referenten. In der Diskussion sprachen die Herren Otto Renthaler und Wernau im gleichen Sinne. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung sprach Herr Gutsch; er machte die Kollegen noch darauf aufmerksam, daß am 15. Dezember eine Matinee in Kaufmann'« Vanetee, Aiexan- derplatz, stattfindet. Herr Noak klagte, daß die Kolonnenführer in verschiedenen Stücken nicht solidarisch handeln. Besonder» habe Kolleg« Albert Scheffer das unkollegialische Verhalten der Kolonnenführer zu kosten bekommen. Herr Wallenthm stellte dazu den Antrag, daß der Kollege Scheffer unbedingt unter- stützt werde« muß, weil er ohne Grund auf da« Straßen- vflaster geworfen sei. Dieser Antrag wurde dem Vorstand und der Fachkommission zur Prüfung und Erlediqung überlassen. Al« Mitglied in die Fachkommission wurde Herr Flöther ge- wählt. Herr Noak machte die Kollegen darauf ausmerksam, daß e« Pflicht eines jeden Veremskameraden wäre. Abonnent auf den»Bauarbeiter" zu fein. Herr Mathä« stellte den An- trag, den l. Mai l8S0 für einen allgemeinen Feiertag zu halten(Kongreßbeschluß). Dieser Antrag wurde bis zur nächsten Versammlung verschoben. Die nächste Mitglieder- Versommlung findet am 12. Januar 1890 statt. Die Derfammluug der Freie« Kereinigung der Zimmerer Kertinv und Umgegend, welche in Orschel'S Salon tagte, und in welcher Herr W. Werner über die Frauen- frage referirte. hatte nach der Mittheilung des Voisitzenden ein sonderbares Vorspiel. Er wurde am Abend vor der Versamm- lung nach dem Polizeirevier bestellt, wo ihm der Polizei- lieulenant Arcion die Minheilung machte, daß die Versamm- lung nicht stattfinden dürfe; auf die Bemerkung de« Vorfitzen- den, schon 4 Tage im Besitz der Genehmigung zu sein, ant- wartete der Polizeiosfizier, dann möge er(V.) sie holen; V. antwortete hierauf, daß er jetzt keine Zeit habe, er hätte noch anderweitige Geschäfte, wenn er gewußt hätte, um was es sich handelt, hatte er die Genehmigung mitgebracht. Hierauf ant- wartete der Lieutenant:»Ich habe Ihnen hiermit die Er- öffnung gemacht, daß die zu morgen annonzirte große öffent- liche Versammlung der freien Vereinigung der Z.mmerer, zu welcher Jedermann Zutritt hat, nicht genehmigt ist." Hierauf sagte der Vorsitzende, er möchte doch den Lieutenant ersuchen, ihm einen Rath zu ertheilen, wie er sich jetzt zu verhalten habe, denn er wüßte nicht, was er jetzt in dieser Sache zu machen habe. Er hatte erwartet, daß ihm der Lieutenant eine Recht«- belehrung zir Theil werden lasse, aber da hatte er die Rechnung obne den Wirth gemacht, denn der Lieutenant antwortete: »Ich auch nicht," und verschwand hinter der Thür seine« Zimmer«. Am Tage der Versammlung fand sich zur pünktlichen Stunde der Beamte zur Ueberwachung der Vessammlung ein und theilte dem Vorsitzenden mit, wenn mehr Personen an- ivesend find, al« Mitglieder angimeldet, so habe er den Auf- trag, die Versammlung aufzulösen, weil nur eine Versammlung der Freien Vereinigung der Zimmerer Berlins und Umgegend angemeldet ist und laut Inserat eine»O.ffentliche Verlamm- lung der Freien Vereinigung" heute tagen soll, wozu Jeder- mann Zutritt hat und diele Versammlung nicht angemeldet sei. Der Beamte fühlte jedoch ein menschliche« Rühren und ließ die Versammlung tagen. Al»dann ertbeilte der Vorsitzende dem Referenten zu seinem Vortrage da« Wort. Redner führte in seinem Vortrage ungefähr folgende« aus: Die Produktion«- Verhältnisse haben die Stellung der Frau in ihrer ökonomischen Grundlage revolutionirt, ihrer Thätigkeit al« Haushälterin und Erzieherin in der Familie die Berechtigung, ja die Möglichkeit geraubt. Die Produktionsverhältnisse haben gleichzeitig mit der Zerstörung der alten Thätigkeit der Frau innerhalb der Familie da« Fundament zu ihrer neuen Thätigkeit innerhalb d« Ge- sellschaft gelegt. Die neue Rolle der Frau bewirkt ihre ökono- mische Unabhängigkeit vom Manne, versetzt damit d'ssen poli- tischer und gesellschaftlicher Vormundschaft über da« Werb den Todesstoß. DaS vom Mann befreit: Weib ge-äth jedoch in der heutigen Gesellschaft in Abhänaigkrit von Kopitmiften, sie wird von einer Haus- zu einer Lohnsklavin. Die Frage der vollen Emanzipation der Frau erweist sich also in letzter und entscheidender Instanz als eine ökonomische Frage, die im innigsten Zusammenhang mit der Arbeiterftage überhaupt steht und nur im Zusammenhang mit dieser gelöst werden kann. Die Sache der Frau und die Sache der Ardeiter gehören un- trennbar zusammen und finden ihre letzte Lösung nur in einer sozialistischen, auf Emanzipation der Arbeit von Kapital be- gründeten Gesellschaft. Die Frau hat darum für ihre volle Emanzipation nur von der sozialistischen Partei etwas zu er- warten. Die Bewegung der bloßen Frauenrechtlerinnen kann in einzelnen Punkten gewisse Vortheile ei zielen; sie kann jedoch nun und nimmer die Frauensrage lösen. Aufgabe der sozio- listischen Arbeiterpartei ist es, die Lösung der Frauensrage durch Organisation und politifch-ökonomische Schulung der- jenigen Fcauenschichten anzubahnen, deren Thätigkeit in Folge der neuen Produktionsverhältnisse am umfassendsten und gründ- lichsten umgestaltet ist, durch die Organisation der Jndnttrie- Arbeiterinnen. Organisation und Schulung der Industrie. Arbeiterinnen find nicht nur der wichtigste Schritt, die Lage der Frau zu heben, sie find auch ein Faktor für den schnelleren und stärkeren Fortgang der Arbeitnbewe. gung überhaupt und dadurch vom größten Einfluß auf eine raschere Umgestaltung der bestehenden Gesellschaittverhältnisse. Lebhafter Beifall wurde den Ausführungen des Referenten ge- zollt. Am 2. Punkt der Tagesordnung»Diskussion" beiheiligte sich niemand. In seinem Schlußwort hob der Referent noch hervor, daß et von größter Wichtigkeit ist, daß sich die Arbeiter mit allen sozialpolitischen Fragen beschäftigen, ganz besonder« wäre die Frauenfrage eine derartig wichtige sozialpolitische Frage. Die Ditkutirung derartiger Fragen wären nur in einer lokalen Organisation möglich, infolgedessen wäre e« allgemeine Pflicht dafür zu sorgen, daß derartige Organisationen gedeihen und erstarken. Nach Erledigung de« Fragekasten« schloß der Vor- sitzende die Versa mmluno. Gin« von gege« 300 persoue» besuchte öffentlich» Derlammluug der Zilbu«- Arbeiter tagte am Montag, den 2. Dezember, im Lokale Süd-Ost mit der Tagetordnung: 1. Stellungnahme der Album-Arbeiter zur Organisation. Re- ftrent Kollege C. Röhlke. 2. Verschiedene«. Nach Wahl de« Bureau«, welche« au« den Kollegen Milenz(I. Vorsitzender), Tifcher(2. Vorfitzender) und Mastel(Schriftführer) gebildet wurde, ergriff Kollege Röhlke zu folgenden von großem Beifall unterbrochenen Ausführungen da« Wort. Er schilderte die Lage der Album-Arbeiter ,m Allgemeinen und wie« auf die in den letzten zehn Jahren periodisch wiederkehrenden Lohn« reduktionen hin, dre ihren Grund darin fänden, daß die Album- Fabrikation al« Spezialbranche der Macht de« Großkapital« mehr unterworfen ist, al« der sogenannte Kleinbetneb, bei welchem der Meister ja immer, fall« ein Erwerb«z«eig nicht geht, zu irgend einem anderen leicht greifen könnte, während der Album-Fabrikant sein Kapital verzinsen muß, daher ,st e« denn auch schon soweit gekommen, da»«gentlich nicht der Fa- brikant, sondern der Exporteur die Preise bestimmt. Infolge dessen könnten die Arbeiter auch aus Unterstützung der besser denkenden tabrikanten rechnen, da letztere durch die Konkurrenz der chundwaare in eme ähnliche Abhängigkeit gerathen seien, wie die Arbeiter. Ein etwaiger Lohnkampf könnte aber nur mit einem, allerding« dann auch sicheren Erfolg gekrönt sein, wenn die Albumarberter nicht wie bisher der Organisation gleich- giltig gegenüber stehen,! sondern e« als ihre Ehrenpflicht de- trachten, durch Einigkeit ihren Gegnern zu impgnixen. und ihren Kollegen Much einzuflößen. Ferner hob Redner h«* daß ein Lohnkampf fo lange aussichtslos wäre, bi« man die Reservearmee von der Straße hätte, da gerade die arde» losen Kollegen durch die lange stille Geschäftszeit gezwunp find, für jeden Preis zu arbeiten und so zu Konkurrenten ts übrigen Arbester werden. Daher ist e« die Pflicht eine« A-ss energisch für eine Verkürzung der Arbeiiszest einzutreten� so dre Konkurrenten zu Verbündeten zu machen. Deshalb tß der erste Schritt zur gründlichen Verbesserung der Lage v* eine Lohnerhöhung, sondern Verkürzung der Arbeitszeit!� Wenn auch dadurch der Einzelne eme geringe Emdw des Verdienste« erleide, so würde es aber nicht schlechter fahren, als wenn der Fabrikant in der naUP Saison wieder mit emer Lohnreduktion käme. Weiter W Redner, daß Derjenige, der vielleicht hergekommen wäre' dem Gedanken, daß em Streik proklam rt würde, sich enss den getäuscht hätten, da die Leiter vor» Aibesterorganssa" bereit» erkannt hätte, daß auch auf anderem Wege at« Streik« Forderungen der A'beiter durch a- setzt worden n er erinnere an die Former Flensburg«, Hamburg« u. f. w. müsse auch Angebot und Nachftage nicht durch Zeitv annoncm, oder was noch schlimmer wäre, durch Umschaue regelt werden, sondern man müsse den Arbeitsnachweis* Organisation al« einziges Mit«l benutzen, um so den kanten das soziale Elend mmt vor Augen zu führen.. Schluß betont Redner noch, deß e« s ch doch Jeder zur P machen möchte, dem Fach verein der Albumardeiter veizu WjJ An der darauf fo!gmoen DrSbiffon belheiligten sich MA Herren: Sturm, Freudenreich, Fischer und Lipp, welche � alle mit dm Äutführunaen einverstandm erklärten; Sturm will aber in der Mädchenarbeit eine starke Kor karrt* der Männerarbett ei blicken, welchem Gedankm der Referew seinem Schlußwort entzegintritt. E« wurdm 2 Resolutias eingebracht, von welchen die erste von Herrn Freuden� »Dre heute, am 2. Dezember 1839, in Süd-Ost tazmde o! liche Albumarbeiter-Versammlung erklärt: In Erwägung. die herrschende Arbeitslofigkeit eine Folge der langen ArW"* zeit ist, und nur durch Verkürzung verselbm der arb-itt� Masse geholfen werdm kann und dieselbe dadurch»Üj, konsumlionssähig gemacht wird, im nächstm Jahre mit dnJfl derung der neunstündigen Arbeitszeit vorzugehm. Um d>s Ziel zu erreichen, rst eine ftstgezliederte Organisation ersarj* lieb, und verpflichten sich all» a rwesenden Albumarbeiter, bestehenden Fachverein sofort �cizutreten", fast einstimmig� oenommen wird. Die»weite von Herrn Lipp ernge-arf' Resolution, welche für dm achtstündigen Arbeits plaidirt, wird zu Gunsten einer späteren Forderung abz»? Nach einer Pause von 15 Minuten, die dm Anwesmden si leqmheit geben sollle, sich in den av«liegmdmm Listert) Mitglieder einzuzeichnen, wird zum 2. Punkt»Verschiede� übergegangm. Kollege Röhlke macht auf die am 9. Deze� in Sanlsouci stalifindmde komdinirte öffentliche Versaw»� der I5er> Kommission aufmerksam. Die Herrm Kühne, und R'th halten es für nicht richtig, daß gerade em ML dieser Vrrsammlung gewählt ist, an dem Delegirtmwahle»� Orttkrankenkasse der Buchbinder und verwandten SWS genrssm ist, weil dadurch eine Zersplitterung und i"1"? Bissen in beiden Versammlungen geringerer Besuch ew� Herr Freudenreich detont, daß wenn ein Jeder der Beihi'W, dahingehe, wo er meint, seine Interessen in erster Lmi« � treten zu müssen, doch jede Versammlung voll besucht würde und man möchte durch kleine Meinungsverschledemrt° da« schöne Resultat der heutigm Versammlung nichts, Nachdem noch die Aeußerungen deS Herrn Eberti, well»'. einer Fabrikgemacht find, t derselbe war zur hmtigm Versamw! � eingeladen), sehr scharf getadelt wurdm, wurde auf die Vergnügungm und auf die am zweiten WeihnachISseier>®L dm Z-ntral-Festsälen, Oranienftr. 180, ftattfindende Weih�p beschce.ung de« Fachoereins und auf dm am 7. Deivjjj*, den Industrie-Hallen, Mariannenstraße, ftatlfiadmdm abend aufmerksam gemacht. Femer machte Herr Mil�z erfteuliche Mittheilung, daß sich in der Pause 42 Albuma�, in die Listen haben einzeichnen lassm, der Verein al» zwei Dmiel sämmtlicher Aldumarbeiter in sich schließe..jU Schluß wurde noch das Lokal de« ArbeitSnach weise«, ÄdldA itraße 4, und dieser überhaupt(GeschäflSstundm Wold«'" i 8 9 Uhr, Sonntag«: 10—11 Uhr) zu regem Befu« pfohlm. � Der Fachverein lämmtlicher an Holzbearbeit�� Maschine« beschäftigter Arbeiter hielt seine M'ssjl� Vcrsammiung am 2. v. M. m Saeger« Lokal, Grüner mit der Tage«ordnung ab: 1. Vortrag de« Herm P• Thema: Die GewerkschaflSorganisatton, ihr Nutzen»n» j Bedeutung für die Arbeiter-Bewegung. 2. Verschiedene« � Fragekastm. Der Referent emtete großen Beifall, u Resolution wurde angenommm: D«e heute, dm 2. Dess. 1889, in Saeger« Lokal, Grüner Weg 29, tagende Bei!� lung des Fachverein« sämmtlicher an Holzbearbeitungf�-s schinm beschäftigter Arbeiter erklärt sich voll und»,) mit dm Au« fuhrungen des Refermtm einverstanden � infolge dcssm verpflichten sich sämmtliche anwesende Kayl Mitglieder de« Fach oerein« zu werdm und mit ganzer dahin zu wirkm, den Fachverein groß und stark zu"■ zC Zum 2. Punkt der Tagesordnung,»Verschiedene«", thm?.» Vorsitzende mit, daß am 10. Dezember, AbmdS 8) Zemler« Saal, Münzstr. 11, eine öffentliche Versaw� stattfindet und bat die Kollegen, der wichtigm Tagesor"� wegm doch zahlreich zu erscheinen. Die nächste Versaw™ der Mitglieder findet am 18 Dezember in Säger» Grüner Weg 29, statt. Zum Schluß erinnert Kollegr.�' noch daran, daß bei ihm, Swinemünderstr. 132, ein 3"% f sei und bittet die Kollegen im Norden Gebrauch � machen. jW' Nette«. Eine von 800—900 Personen besuchte � liche Volksoersammlung tagte hier am 1. Dezew°«i' C. Schröder'schm Saale. Die Tagesordnung w$ deutschfreisinnige Partei und die Arbeiter. Refereni drucket W. Werner, Berlin. Redner löste feine Ausgab p' allseitigem Beifall, obgleich durch Annonze, sowie in jitf sammlung mehrmal« aufgefordert war. daß sich Geg"�«» Wort meldm möcbtm, meldete sich Niemand. N'»' die Schreier am Orte warm im Saale; sie saßen'"i zimmer, ein Zeichen, daß sie mit dem Vorttag ihr» �sir register« einverstanden waren. Eine Resolution, wel« d* be, der nächstm ReichstagSwahl nur dem Kand'»� Sozialdemokratie, Mamer V>®.Rn........„ ge-- wurde angenommen b,e Stimme ,u g� zur Annahme i» 1? gelangte eine zweite New nur bei solchen Wütb,».. Versammeltm M V ituwen Wirthen zu verkehren, die. ihre Sale zur Annahme, m nur bei solchm Wiriarn zu orrieyrrn, vir>v-- hje beitervers ammlungm hergeben. Mit einem Hoch arii" demokratie schloß die imposante Versammlung.. *** �SSZ-irtKJS- WM «raibtt, Lormtii-iad UUUtn, WtitttnCa 128 bei Müntr, Miissu»»«rt Zageiordnung: Wadi die örtliditn Berwatiunz.>. Di!#• zlchtnna!«idtwihe! de»«erimer arbeiierbiidunoSvereine i« und«mpuiwinhme der Sfiitn find« oorldunj alle Sonnial � ori" Ii» MI 12)4 Udi im Gnadl ichen Solal«cunninftt. 88, u°l>. � Meier Zell Bewdze entaeaenijenommen und dltilMi der auiS'N- KeriiAzs!» yetrommlung b.r BWf'V Omgcgcnb am Montag, den s, Dejemder,»dendl 8 Uhr, i» Dreldenclstr,«8, Taoelordnung � Zft el mSjlldl err? AH. »ständigen«ideillieil die»Nordarbeu ,u beseittgen?«iesereni x di!»�ss Äomfeitnl Herr« Reuter, 2, Diltuision 8,«ie stell n n � stA» »oitrer ,um klieit der vtldbauer? 4,«erichtedene«, Kollegen. stillen ardeilcn, wo VUdbcmer streiken, stnd din durch W RidetU eonnlag an den ESuIen Die Falstkommitston, dm lang wir am 4 wjSSÄ I"" eonmag an den Säulen, vi- Sachrommnimn, am-.Fr. »»"in da» Ftt, schul».rdeitar uu» 9. v-jember,»dendl 8 u»r. Mstnzftr U Z-mi-r. sj KU I Tagelordnung l. 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