Nr. 396. Mittwoch, de« 18. Dezember 1889. 6. Hichrg. MinnlilbWI. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliaer Bolksblatt" erscheint täglich Morgens ander nach Sonn- und Festlagen. AbonnementSpreiS für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Stummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerstrahe 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemem 4 Mark pro Quartal. (Eingerragen in der PoslzeitungSnreisliste für 1889 unter Nr. 866.) Kr da» Ausland: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin Sw., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonccn-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vonnittags geöffnet. -« Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.,-•- Vedakkion: VeukhMraUe Ä.— Expedikion: MmmerstraUe 44. Den Dsgrsvtern ins SkennmOuck. Die patentirten Fürsprecher der nothleidenden Land- wirthschaft, die altpreußischen Großgrundbesitzer, deren Herz so warm für die Bauern schlägt, haben in den letzten Ber- Handlungen des Reichstages wieder einmal bewiesen, wie selbstlos sie in der Frage der Lebensmittelzölle gehandelt haben und handeln. Es dürfte jetzt, da die R e i ch S t a g S w a h l e n vor der Thür stehen, nicht unangebracht sein, so kühl und hausbacken wie nur möglich einige Thatsachen im Gedächtniß der Ar- beiter wieder aufzufrischen, die so oft sie schon wiederholt sind, dennoch ihren Reiz durch eine nochmalige Wieder- holung nicht verlieren, weil sie ein Helles Licht auf den Edelmuth der Junker ausschütten. Fest steht eS, daß Ackerland unter 10 Hektar nicht im Stande ist, Brotkorn zum Verkauf zu erzeugen. Wie sind nun im deutschen Reiche die Verhältnisse gelagert, wie ,st ber Grundbesitz vertheilt. Wir entnehmen, um jedem Ein- Wurf von vornherein zu begegnen, die im Folgenden gege- bene Uebersicht dem von Professor Dr. Johannes Conrad in Halle herausgegebenen Handwörterbuch der StaatSwissenschaften; der betreffende Ab- schnitt über Agrarstatistik stammt aus der Feder des Her- ausgebers, einer anerkannten Autorität auf dem Gebiete der Agrarpolitik. LandwirthfchaftSbetriebe in Deutschland. Staaten und Landes- theile. l- Deutsch. ? �•* iÄonür. Pceuß-n \ Dl« 7 offlichen v oomz. lnnschl. Berlin, S'ait). Hessen- Zossau u. ■noenilb. Könige. Bayern. '-Königr. Sachsen Jfönigr. Wun- 'emberg. Lroßh. Baben. Von der gesammtea landwnth. schaflllch benutzten Fmche kommt auf die Betriebe von unter 1 h. I h bis 10 h. 10 h bis 100 h. 100 h. unb mehr. Von je 100 h. kommen auf die Betriebe der Grcßin'uffrie 5- ~ J3 US o Sä 08 i5 Hektar 777958 8145130 459921 4148997 248096 150372 67542 2115997 1396477 1532539 30090 255165 43577 33856 38194 588089 461081 396620 15159621 9638438 6083720 1425557 2608046 569234 479215 231070 274773 7786263 2 4 6606134|2,2 6120059 133689 97285 140225 22698 13302 55965 25.6 19,8 1 8| 14,5 4.8 1,6 3,9 3,9 46 5,0 45,0 35,6 25,7 51,9 62,3 51,8 47,6 46,3 41,8 45,9 60,5 57,2 42,2 31,3 35,9 24,4 31,7 4«,0 4,3 2,3 2,3 2,0 IP 7,3 157 FeuMekon. verbotm.1__ (Berminal« Sozialer Roma» vo« Emile Zola. Einzig antoristrt« rlebersetznng vo»«r»? Ziegle». Die Arbeit war in Jean-Bart nicht wieder aufae- "[{Wimen worden; man hatte schnell in Gaston- Marie die Minpen herstellen lassen; doch trotz aller Eile, mit welcher wse Reparatur besorgt worden, fand in der Grube eine Ueberschwemmuvg statt, die sehr erhebliche Auslagen verur- Mte. In seiner Bedrängniß hatte sich Deneulin endlich ent- .chlvssen, Gregoire um ein Anlehen von 100,000 Francs zu Uten; dieser aber verweigerte jeden Vorschuß und zwar»m Mteresse Deneulin'S, wie er sagte, und um demselben eme Fort- ,*?»ng des vergeblichen Kampfes zu ersparen: Er solle ver- Mfen, das sei der beste Rath welchen man ihm geben könne. Mneulin wiederholte immer noch sein ungestümes„Rem!" .�brachte ihn außer sich, daß er allein für den Streik zahlen !Ue, und er hoffte, die furchtbare Auftegung, welche ihm ?ucs Blut zum Hirn drängte, werde mit einem Schlagfluß [«Wem Leben ein Ende machen und ihn so vor der Schmach Men, nachgeben zu müssen. Aber er starb nicht und mußte "w entschließen, mit Montsou in Unterhandlung zu treten. Diese kleine Tabelle bedarf kaum einer Erklärung. Zeigt sie doch, wie windig die Scheingründe der Agrarier sind, die den Profit, welcher aus den Getreidezöllen den Großgrundbesitzern zufließt, dem Volke als einen Vortheil für die gesammte Landwirthschaft ausschwätzen wollen. Der weitaus größere Theil deS landwirthschaftlich be- nützten Grund und BodenS gehört den Betrieben über zehn Hektar. Speziell in den ostelbischen Provinzen entfällt der Löwenantheil auf die Großbetriebe auf hoher Stufenleiter, auf diejenigen, welche 100 h und mehr umfassen. WaS diese Thatsache bedeutet, kommt zur wünschens- werthen Klarheit, wenn man festhält, daß z. B. im König- reich Preußen die Zahl der landwirthschaftlichen Betriebe im Ganzen 3 040 196 betrug; davon entfielen auf Betriebe unter 1 da..... 1 456 724 „ von 1 b bis 10 b...1 178625 „„ 10 K bis 100 Ii.. 384 408 „„ 100 h und mehr.. 20 430 Die 20 439 Betriebe der höchsten Stufe umfassen eine Bodenfläche von 6 606 134 Hektar, alfo I 997 2l0 Hektar mehr als die zwei Millionen 635 349 Be- triebe, die bis 10 Hektar Bodenfläche bewirth- fchaften. Nun ist es bekannt, daß in Einer Hand oder im Besitz eines adligen Geschlechts zahlreiche, 'echs, zehn, ja ein paar Dutzend Rittergüter vereinigt sind, ödaß das Verhältnis zwischen beiden Gruppen, den Klein- »auern und den Latifundienbesitzern noch als viel ungün- tiger sich herausstellt. Man sieht, wie trockene Ziffern ohne ede Ueberfchwänglichkeit genügen, die Verlogenheit deS Agrarierthums in die hellste Beleuchtung zu rücken. Aber es genügt schon, wenn 20 439 Grundbesitzer über mehr landwirthschaftliche« Areal kommandiren, als ein paar Millionen und so und so viele Hunderttausend kleine Land- wirthe. Betrachten wir die Verhältnisse in einigen Provinzen östlich der Elbe. In W e st p r e u ß e n gab eS überhaupt 134 026 Betriebe. Davon: mit einem Gesammtflächen- inhalt von 00 909 Betriebe unter 1 b...... 21 312 h 40 713 Betriebe von 1 bis 10 Ii.... 146 719 d 23 964 Betriebe von 10 bi« 100 l>.... 683 485 h 2 440 Betriebe von 100 h und mehr... 738600 Ii In Ostpreußen finden wir insgefammt 188179 Betriebe, davon: mit einem Gesammtflächen- inhalt von 81339 Betriebe unter 1 h...... 23 897 h 61 851 Betriebe von 1 bis 10 h.... 224 322 h 41 590 Betriebe von 10 bis 100 h... 1 235 217 h 3199 Betriebe von 100 h und mehr.. 932651h In der Mark Brandenburg, exkl. Berlin, gab eS inSgesammt 261 101 Betriebe, davon: mit einem Gesammtflächen- inhalt von 132113 Betriebe unter I Ii...... 43 727 h 85 910 Betriebe von 1 bis 10 h.... 305 499 h 40 876 Betriebe von 10 bis 100 h...1 073 441 h 2202 Betriebe von 100 h und mehr.. 812 184 h Die Kompagnie wollte den Preis der ihr so willkommenen neu installwten Grube, welche deren Besitzer nur äuS Mangel an Betriebskapital veräußerte, tief unter ihren Werth hinabdrücken; und Deneulin, empört über die harte Grau- famkeit, mit welcher man feine Verlegenheit auszunutzen suchte, rief noch einmal mit seiner mächtigen Stimme: „Nein! Nein!" Die Sache blieb unentschieden. Die Re- gisseure waren abgereist und warteten geduldig, bis Deneulin seine Rolle ausgespielt haben werde. Stephan aber ahnte, wie es kommen müsse; Die Schäden, welche der Streik der Kompagnie zugefügt hat, wird sie durch die billige Erwerbung Vandame'S ausgleichen. Er sah ein, die Macht der großen Kapitalien ist eme unüberwindbare: sie gehen aus jedem Kampfe als die Sieger hervor, welche sich mit den Leichen der neben ihnen Gefallenen mästen. Am nächsten Tage brachte Jeanlin Stephan glücklicher- weise eine gute Nachricht: Im Voreux drohte die Holz- verdämmung des Schachtes unter den hervorsickernden Wassern einzubrechen; eine Armee von Zimmerleuten war fchleunigst beordert worden und arbeitete Tag und Nacht in ununter- brochener Lebensgefahr. In der folgenden Nacht ging er zum Voreux, um sich besser zu informiren. Er hatte bisher vermieden, sich der Grube zu nähern, beunruhigt durch die Schildwache der Kohlenlöschhalde, welche die ganze Umgebung überblickte; und auch diesmal wartete er, bis sich gegen drei Uhr der In P o m m e r n, um dieses Schnapsbrenner-Dorado auch zu kennzeichnen, gab eS im Ganzen 169 275 Betriebe, davon: mit einem Gesammtflächen- inhalt von 83 216 Betriebe unter{ 1 h...... 26 158 h 37 340 Betriebe von I biS lOh..... 199 620 h 23 798 Betriebe v. 10 bis 100 h.... 620 783 h 2876 Betriebe v. 100 h...... 1 141729 h ES sei Posen noch angeführt mit inSgesammt 165 785 Betrieben, davon: mit einem Gesammtflächen- inhalt von 79443 Betriebe unter 1 h..... 27 608 h 53 548 Betriebe v. 1 bis 10 h.... 222 307 h 30 068 Betriebe v. 10 bis 100 h.... 664 166 h 2724 Betriebe v. 100 h...... 1133909 h Diese Ziffern, welche auS dem statistischen Jahrbuch für das deutsche Reich, einem hochamtlichen Quellenwerk stammen, erklären die glühende Liebe der Junker für die Vertheuerung der Lebensmittel. Kommen doch von der Bodenfläche in: auf die Betriebe auf die Betriebe von unter 1 ha 100 ha und mehr. Westpreußen 1,3 pCt. 47,1 pCt. Ostpreußen 1,0„ 38,6„ Brandenburg 2,0„ 36,3„ Pommern 1,3„ 57,4„ Posen 1.4„- 55,3„ Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, wie sehr Deutschland des ausländischen Getreides zur Volksernährung bedarf. Es betrug die Gesammterntc- menge in Deutschland von: Weizen Roggen in Tonnen S. 1000 Kilogr. 1880... 2 834 618 4 952 525 1881... 2 508 162 5 448 404 1882... 3 011 805 6 390 407 1883... 2 797 657 5 600 068 1884... 2 959 460 5 450 992. 1885... 3 065 718 5 820 095 1886... 3 107 867 6 092 849 1887... 3 287 883 6 375 734 Nach Deutschland wurden vom Ausland eingeführt: Weizen Roggen in Tonnen ä 1000 Kilogr. 1880... 227 553 689 563 1881... 361 949 575454 1882....687 241 658 280 1883... 641 910 777 046 1884... 754 512 961 560 1885... 572423 769 701 1886... 273 280 565 265 1887... 545 255 638 544 Und trotzdem sperrt man mit chinesischen Mauern Deutschland ab, trotzdem hält man durch hohe Schutzzölle die dem deutschen Volke so nothwendige ausländische Brotfrucht ab und vertheuert dem Volke das tägliche Brot! Und warum geschieht dies? Die beste Antwort giebt darauf die berühmte Selbst- losigkeit der allem Eigennutz abholden Agrarier. Himmel umzog. Er traf Kameraden, die ihm die Er- zählung Jeanlin'S bestätigten und ihm sagten, daß ihrer Meinung nach die Verzimmerung deS Schachtes durchweg erneuert werden müsse, eine Arbeit, die für einen Zeitraum von drei Monaten jede Förderung unmöglich mache. Lange strich Stephan um den Voreux herum und horchte den Schlägen der Zimmeräxte, die dumpf aus der Grube hervor- tönten; sein Herz war voll Freude über die dem Koloß ge- schlagene Wunde. Als er bei TageSgrauen heimkehren wollte, sah er wie- der die Schildwache. Er dachte daran, daß man die Sol- daten, die doch Kinder des Volkes sind, gegen das Volk bewaffnet. Wie wäre der Triumph der Revolution leicht, wenn sich der Arbeiter und Bauer in der Kaserne seines Ursprungs erinnert! Das ist das Schreckgespenst, welches die Bürger ängstigt; wie schnell würden sie ausgerottet, und ihres ungerechten Gutes beraubt sein! Es hieß, einige Regimenter seien bereits vom Sozialismus angesteckt? War das der Fall? Nahte wirklich die Gerechtigkeit, von den Bajonetten beschützt? Vielleicht ist gerade das Regiment, welches die Minen bewacht, bereit, mit den Streikenden ge- meinsame Sache zu machen, die Regie zu füsiliren und die Gruben den Arbeitern zu geben? In diesen verwegenen Träumen war er Vf die Halde gelangt. Warum sollte er nicht mit der Schildwache reden und versuchen, ihre Ideen kennen zu lernen? Harmlos Rovrefpondenze». London, 14. Dezember. Der Silvertown Streik ist ver- loren. Die reichlichere Hilfe von Seiten der organisirten Gr- werkschaften, von der ich im letzten Briefe sprach, und die mich einen besseren Ausgang erhoffen ließ, kam zu spät. Es liest sich wie eine Ironie, wenn das Streikkomitee noch am letzten Mittwoch den Eingang von zusammen über 350 Pfd. Sterl. UnterstützungSbeitragenlKquittirt, nachdem es am Montag vor- her hatte erklären muffen, datz der Streik zu Ende sei. Die armen Silvertown Leute sind von Anfang bis zu Ende vom Pech verfolgt worden. Als ihr Streik begann, nahm noch die Angelegenheit der Docker, und später die Bewegung unter den Pferdebahnschaffnern und der Streik der Bäcker das öffentliche Interesse in Anspruch, die meisten der zu ihren Gunsten ver- anstalteten Meetings hatten unter der Ungunst des Wetters, und bei dem rein lokalen Charakter des Streiks, dessen Schau- platz kaum mehr zu London gerechnet werden kann, erwies sich das um so verhängnißvoller. Dazu kam, daß. als der Streik ausbrach, die Leute jeder Organisation entbehrten, und daß einige der Leute, die die Führung des Streiks übernahmen, durch allzu hitziges Auftreten sich mit anderen Organisationen überwarfen. Sehr verbreitet ist die Ansicht, daß die Metall- arbeiter der Fabrik dadurch, daß sie während des ganzen Streiks fortarbeiteten, denselben zum Scheitern gebracht, und in der That erscheint das Verhalten dieser Leute, und ganz besonders der ! unter ihnen stehenden Organisation, der bestfundirten, die Eng- and kennt, geradezu unbegreiflich. Ich habe bei dem Interesse, das diese ganze Angelegenheit darbietet, mich möglichst genau über die Einzelheiten erkundigt und folgendes erfahren: Als der Streik, an dem direkt nur die Gummiarbeiter belh-iligt waren, ausgebrochen, forderten diese die in derselben beschäftigten Metallarbeiter auf, ebenfalls auszutreten, um da- durch den Druck auf die Fabrikieitung zu verstärken. Die Letzteren nun, die der großen Organisation der Vereinigten Gewerkschaft der Maschinenbauer angehören, bestritten, daß das Interesse des Streiks ihren Austritt erheische. Ihre Arbeit habe auf den Betrieb des Gummidepartements keinen Einfluß, wenn sie austraten, so würden sie die Zahl der zu Unter- stützenden zwecklos erhöhen, während wenn sie fortarbeiteten, die Firma sie zu erhallen habe. UebrigenS möge man die Seche dem Vorstand ihrer Gewerkschaft, dessen Einwilligung sie ohnehin haben müßten, sollten sie nicht ihre Unterstützungsbe- rechtigung verlieren, zur Entscheidung unterbreiten. Dies ge- schah auch, und der Vorstand entschied, auf das Gutachten zweier seiner Mitglieder hin, die die Sache an Ort und Stelle untersucht, daß kein genügender Grund vorläge, weshalb die Metallarbeiter auch austreten sollten. Welchen Beschluß er durch die Bewilligung eines, sür diese mächtige Organisation ziemlich unbedeutenden Beitrages für die Streikenden— 25 Pfund Sterling— zu versüßen suchte. Das Streikkomitee aber beruhigt« sich damit nicht, sondern erklärte, der Beschluß sei nichts a!s ein Akt der Feigheit, das Fortarbeiten der Metallarbeiter gewähre der Firma einen moralischen Rückhalt und schwäche die Position der Streikenden. Räch meiner Ansicht war diese Auffassung mindestens insofern zutreffend, als durch dasselbe es der Firma erleichtert wurde, trotz des Streiks ihre Kunden zu befriedigen. Jedoch ist es zu weit gegangen, die Schuld ausschließlich auf die Metallarbeiter abzuwälzen. Es wird mir von durchaus unparteiischer Seite versichert, daß dieselben ursprünglich streng an ihrem Versprechen, keine andere Arbeit als die ihres De- partements zu verrichten, festgehalien, und daß nur in der letzten Zeit, als die gegenseitige Gereiztheit immer höher stieg, einige unter ihnen sich zu anderen HilfSarbeiten hätten bewegen lassen. Jndeß auch das sei von durchaus untergeordneter Äe- deutung gewesen gegenüber der viel verhängnisvolleren That- fache, daß, da der Streik auf Silvertown beschränkt blieb, die Firma ihre Gummiarbeilen auswärts anfertigen lassen konnte. Das mag stimmen, aber durch das Fortarbeiten der Metall- arbeiter wurde doch der Verlust der Firma wesentlich ver- ringert. Das übersehen zu haben, ist ihr großer Fehler gewesen, für den die armen Gummiarbeiter nun büßen müssen. Es liegt hier ein Beispiel jener büreaukratischen Auffassung der Verhältnisse vor, die überhaupt eine Klippe der Ge- werkschaftSbewegung bildet. Man kann die Arbeiter« interessen ebensowenig streng nach Berufsgruppen von einander trennen, als die öffentlichen Jntereffen eines Volkes nach Ver- waltungS-„Refforts". Welches aber immer die Fehler sind, die den Streik zu Falle gebrackt, es handelt sich letzt darum, sich für die Zukunft gegen eine Wiederkehr desselben zu sichern, und der erste Schritt dazu ist die Schaffung einer Organisation der bisher unorganisirten Gummiarbeiter. Dieselbe ist während des Streiks bereits in Angriff genommen worden, und es ist zu wünschen, daß trotz des verunglückten StreickS auf dem gelegten Grund tüchtig weiter gearbeitet werde. Ob und in welchem Umfange die« geschieht, durfte stark von dem Ausgange des in voller Schärfe entbrannten Kampfes zwischen der Direktion der Süd-Londoner Gaswerke blickend, als wenn er Holzspähne aufläse, näherte er sich dem Soldaten. „He, Kamerad, ein häßliches Wetter! Ich glaub', es wird Schnee geben!" Es war ein kleiner Mann mit einem friedlichen bleichen Gesicht voll Sommersprossen, ein Rekrut, dem die Uniform noch neu und unbequem schien. „Ich glaub' auch," erwiderte er und blickte mit seinen blauen Augen lang in den grauen Himmel, des ruß- geschwängerte Wolken bleischwer den Horizont umhingen. „Zst das dumm, daß sie Euch dahinstellen, als ob die Kosaken in'S Land fallen sollten,"" fuhr Stephan fort. „Dabei weht hier oben ein Wind!..." Der kleine Soldat fror, ohne sich zu beklagen. Zwar stand dort abseits eine Hütte aus Backsteinen, in welche Bonnemort sich in kalten Nächten vor den Winden flüchtete, aber eS war der Schildwache verboten, die Höhe der Halde zu verlassen, und sie blieb auf ihrem Posten, die Hände so steif gefroren, daß sie die Waffe kaum suhlten. Es war einer von den fünsundzwanzig Mann, welche den Voreux besetzt hielten und die immer nach drei Tagen abgelöst wurden. Seine Füße waren erstarrt, seine Stimme war tonlos und müde, wie die eines schläfrigen KindeS. Eine Viertelstunde lang versuchte Stephan vergeblich, ein Wort über Politik aus dem Rekruten herauszubringen. Der Mann sagte Ja, sagte Rein, ohne daß eS schien, als wenn er recht verstanden hätte. Die Kameraden, erzählte er meinten, der Hauptmann sei Republikaner' was ihn selbst beträfe, er habe keine Meinung, ihm sei die Politik gleich- giltig. Wenn man ihm befehlen würde zu schießen, würde er schießen, weil er doch nicht anders könnte. Stephan hörte ihm zu und in ihm erwachte der Haß des Volkes gegen den Soldaten, gegen diesen Bruder, dessen Herz man ausgewechselt, indem man ihm rothe Hosen angezogen. „Also wie heißt Ihr?" Julius." �Ünd wohxr seid Ihr?" „AuS Plogof dort unten!" Er streckte den Arm irgend- wo hin. Es war in der Bretagne, weiter wußte er nichts davon' aber fein bleiches kleines Gesicht belebte sich bei und ihren bisherigen Arbeitern abhängen. Ich habe dov selben bereits im vorigen Brief signalifirt, und aus den Tag'S> berichten werden die Leser des„Volksblatts" inzwischen ent- nommen haben, daß der Streik mit gestern begonnen hat, That fache zu sein. Was ich über die Maßnahmen der Direktion schrieb, hat sich als noch viel zu milde herausgestellt. Es kann kemem Zweifel mehr unterliegen, daß hier ein von langer Hand mit teuflischem Raffinement vorbereitetes Mannöver vorliegt, die Organisation der Arbeiter zu sprengen. Herr Livesey hält es zwar noch nicht für geboten, fem wahres Gesicht zu zeigen, als geriebener Taktiker spielt er noch immer den Bieder- mann, der sich bloß gegen die„tyrannischen Ueberhebungen" der Gewerkschaft„schützen" will, aber keineswegs den Arbeitern da« Recht der Organisafion streitig machen oder gar— bebüte — den achtstündigen Arbeitstag wieder abschössen will. Nichts liegt ihm ferner als da«. Die 40 000 Pfd. (800 000 Mark!), die er nach eigner Erklärung als Kriegs- fonds aufzuwenden bereit ist, sollen in keiner Weise dazu dienen, den Arbeitern auch nur einen Pfmnig von ihrem Lohn abzuzwacken. Das glaube ihm, wer dumm und schlecht genug dazu ist. AuS Arbeiterfceundschaft wendet man nicht so enorme Summen auf und sendet Land ab, Land auf wochenlang vor Ausbruch der Streitigkeiten Agentm herum, Streikraiten anzuwerben. Von Nord und Süd, aus Industriestädten(Birmingham) und aus Landdistrikien kamen sie vorgestern und gestern hier an, um direkt von der Bahn oder vom Schiff unter polizeilichem Schutz von den Seelenverkäufern in die Gasanstalten geschleppt zu werden, wo sie arbeiten, essen und schlafen sollen, bis— ihre, um der Ausrechterhaltung ihrer Unabhängigkeit willen streikende Kollegen mürbe gemacht, zu Boden getreten find. Was man diesen, aus allen Gegenden hier zusammengeholten Arbeitern alles vorgeredet hat, um sie für das schuftige Spiel zu gewinnen, ist leicht zu errathen, wenn man nackliest, wa« die von Herrn Livesey beeinflußte Presse über den Widerstand gegen da« wundervolle BoguS-, nicht doch, Bonus- System geschrieben. Auch das deutsche Publikum hat ja einige Proben davon zu kosten bekommen, ich kann mir also die Vorführung hier ersparen. Außerdem hat man chnen natür- lich die zu leistende Arbeit so leicht als möglich dargestellt, schon am ersten Tag find eine Anzahl von ihnen, welche die afrikanische Hitze, in der die Gasheizer zu arbeiten haben, nicht ertragen konnten, durchgebrannt, in Rotherhithe(Südost-London) kletterten sie über die Mauer, um sich vor dem glänzenden Laos, das ihnen vorgespiegelt worden, zu retten. Und es soll, wie mir von erfahrener Seite mitgetheilt wurde, sür Neulinge in dieser Hinficht von Tag zu Tag schlimmer werden. Die Hitze wird ihnen immer unerträglicher, die kräftigsten Männer, die den größten Strapatzen gewachsen sind, sollen oft trotz relativ guter Bezahlung auf die„Fegefeuer"-Ärbeit verzichiet haben. Ferner soll auch das Auffüllen(„Beschicken") der Re- torten keineswegs so leicht zu erlernen sein, wie eS in der Presse geschildert wird, es gehören sehr geübte Hände dazu, zwei gefährliche Dinge zu vermeiden: ungleiche V-rtheilung der Kohlen, bezw. unzeitigc Herausnahme der Koke, und Verbrennen der Hände durch ungeschickte Handhabung der Schüreisen. Thatsächlich haben mehrere„BlacklegS" bereits in Krankenhäuser überführt werden müssen.„Unskilled Labour— ungelernte Arbeit" ist leicht gesagt, aber schon beim Dockerstreik hat eS sich gezeigt, daß sie nicht ebenso leicht gethan ist. Dieser Umstand und die Hoffnung, der Gesellschaft mit Hilfe der Kohlenfahrer- und der Schifferunion die Kohlen- zufuhr abschneiden zu können, find es, aus welche gestutzt die Strei- kenden trotz der Massenzufuhr von BlackiegS sich nicht geschlagen geben. Noch hoffen sie, schließlich Sieger zu bleiben, und wir können nur wünschen, daß sie Recht behalten. Denn wie ihr Sieg im Frühjahr eine Reihe großartiger Erfolge von Arbeitern der verschiedensten Kategorien einleitete, so würde ihre Nieder- läge auf andere Branchen ungünstig einwirken. Wie schon jetzt das Vorgehen des Herrn Livesey und die �veränderte Haltung der Presse auf gleichgesinnte Ausbeuter ermuthiaend einwirkt/ zeigt ein in der„Daily News" veröffentlichter Brief de« Sekretärs der„London and Jndia Docks", Henry I. Morgan, in dem ein partieller Streik auf dem Royal Victoria Dock angekündigt wird, herbeigeführt durch einen Ver- stoß gegen den Grundsatz der Docker, auf keinen Fuhr- wagen Güter zu laden, dessen Kutscher nicht der Gewerkschaft der Fuhrleute angehört— Postfuhrleute und selbstständige Fuhrleute vom Lande ausgenommen. Da dieser Grundsatz schon seit Monaten befolgt wird, ohne daß die Herren ihn „höchst unsinnig" und„ihre Kundschaft beeinträchtigend" ge- sunden, so ist es mehr wie wahrfch-inlich, daß sie die Gelegen- heit vom Zaun gebrochen, um womöglich von der ihnen günstigeren Jihreszeit und dem Umschlag der öffentlichen Meinung ihrerseits Vortheil zu ziehen. Mehr läßt sich einst- weilen darüber nicht sagen, so viel steht aber fest, daß die Arbeiter allen Grund haben, auf der Hut zu sein und in keine ihnen gestellte Falle zu gehen. ES läßt sich nicht verkennen, daß die Situation gegen den Sommer wesentlich verändert ist. Die Gegner der Arbeiter- fache find muthiger, ihre bürgerlichen Verbündeten, mit wenigen der Erinnerung an die Heimath, und er fuhr mit frohem Lächeln fort: „Ich Hab' noch meine Mutter und meine Schwester; sie erwarten mich gewiß, aber so bald kann ich noch nicht nach HauS... Als ich abgereist bin, haben sie mich bis Pont- l'Abbe begleitet. Lepalmec hatte uns sein Pferd geliehen; doch bei Audierne, wo der Weg so abschüssig ist, hätte eS sich beinahe die Beine gebrochen... Der Vetter Karl erwartete uns, er hatte Wurst mitgebracht, aber die Frauen weinten so viel, daß Einem daS Essen in der Kehle stecken blieb... Du mein Gott, Du mein Gott, ist es weit bis zu uns nach Haus!" Sein Gesicht lächelte noch, aber seine Augen wurden feucht. Die öden Gefilde von Plogof. diese wüste Spitze des Raz, welche die Winde unaufhörlich peitschen, vergegen- wärtigte er sich, von prächtigem Sonnenlicht verklärt, in der rosigen Jahreszeit, wo das Haidekraut blüht._ „Sagen Sie", fragte er,„was meinen Sie, wenn ich keine Strafe habe, bekomme ich dann wohl in zwei Jahren einen Urlaub von vier Wochen?" Stephan sprach jetzt von der Provence, welche er als Kind verlassen hatte. Es wurde heller. Schneeflocken wehten vom fahlen Firmament. Er erblickte Jeanlin, welcher in den Himbeersträuchern herumstrich und der, erstaunt, ihn dort oben zu sehen, ihm winkte herabzukommen. Wozu sollte er noch länger mit dem Soldaten schwatzen? Wozu sich von dem Traume locken lassen, das Volk könne mit oem Militär ftaternisiren? Jahrzehnte werden vergehen!... Aber dieser mißlungene Versuch machte ihn traurig und verzweifelt, als wenn er ernstlich gehofft hätte, zu reussiren. Jeanlin winkte w'.eder, und Stephan verstand diesmal: die Ablösung nahte. Er verließ den Rekruten und lief zu seinem Schlupfwinkel in R�quillart hinab, wieder das Herz von der Gewißheit ihrer Niederlage gebrochen; während Jeanlin neben ihm auf die Schildwache schalt, die wahrscheinlich die andern Soldaten herangerufen habe, um dann auf sie Beide zu schießen. Julius war unbeweglich auf dem höchsten Punkte der Halde geblieben, den Blick in den herabflackernden Schnee verloren. Der Korporal nahte mit der Ablösung.„Wer Ausnahmen, schüchterner oder auch lauer geworden. Bete: Dockerstreik spielte da« Mitleid mit den armen„Ausgestoßenen' und der seit langem vorhandene Haß gegen die Dockgesellschaft mit; bei den Gas-Kocker« handelt es sich aber um einen pnn> zipiellen Kampf um das Recht von Arbeiter gegen Kapitalist, und da finden d,e Freunde sich schnell zusammen, während gm manche„Freunde" gelinde Zwerfel bekommen, ob sie nicht doch „zu weit gegangen". Ja dieser Hinficht ist gerade die liberale „Darly NewS" em ergötzliches Beispiel wohlmeinender Hilsi losigkeit. Sie mochte so gern arbeitersreundlick sein, aber sie kann doch nickt, ohne die sehr einflußreichen Prrteigrößen an- zustoßen, die Reckte der Unternehmer preisgeben. So erlheilt sie Nummer für Nummer, nach rechts und links, väterliche- oder wenn man will, mütterliche Ermahnungen, die zwar a« sich sehr weise find, aber für den vorliegenden Kampf so nicht«- sagend wie nur möglich. Knigge's Umgang mit Menschen eurem Wanderer vorgelesen, den ein Räuber an der Gurgel packt. ..„ 3« ein« Hinsicht ist übrigens dieser Rückschlag der„öffent- lrchen Meinung" auch für die Arbeiter von Voriheil. Erwirkt dem Rausch entgeqen, der in ihren Reihen einzureißen drohte und der Auffassung Vorschub leistete, mit Gew-rkichalte« und Streiks sei bereit« Alles gethan. Auch dem Lurus der persönlichen Anfeindungen, der sich in letzter Zeit unter dca leitenden Elementen der Arbeiterbewegung zur Freude der Bourgeoisie breit machte, dürften einige Einschränkungen sehr gut thun. Die Generalabrechnung des großen Dockerstreiks ist jetzt erschienen, und wird von der Presse lebhaft kommentirt. Kete Zweifel, daß die Arbeiterpresse in Bezug auf dieselbe nicht nur da« Recht, sondern auch vie Pflicht der Kritik hat, und e« haben auch fast alle B ätter von diesem Recht Gebrauch g� macht. Wahrhast gemeine Angriffe gerade auf die Leute, dir so Ucbermenschliches während jener Zeit geleistet, haben jedoch nur zwei gebracht: die reaktionäre„St. Jame's Gazette" und „Justice", da« Organ der sozialdemoklafischen Federation. In derselben Nummer, die diesen Artikel bringt, theilt eine un- scheinbare Notiz dem Leser mit, daß an Stelle de« bisherige« Redakteurs, Genossen Quely. der j:tzt mit Arbeiten überhäuft rn, G. M. Hyndmann die Redaktion übernommm. Da« er- klart alles. Utzolikistfte lUcttcpl'rültk. da?" Dann marschirte der gleiche Schritt der Soldate« wieder die Halde herab, hart und schwer, wie auf erobertet» Boden. Der Tag lichtete sich. Aber die Arbeiterdörfek schliefen noch: die Kohlenleute schwiegen mit verbissene«' Groll beim Schall der Soldatenfiiefel. Zweites Kapitel. Seit zwei Tagen hatte eS geschneit; erst gegen Alorge« hörte eS auf. Eine durchdringende Kälte erstarrte immense weiße Decke, welche die tintenschwarzen Wege, kohlenbestaubten Mauern und Bäume, Alles, das ga«ö Land, soweit daS Auge reichte, mit schattenlosem Weiß üb«*' zog. Das unter dem Schnee begrabene Dorf des Vore«° schien in ein Leichentuch gehüllt. Kein Rauck säuselte au den Dächern- die Ziegel waren kalt wie die Steine««s Wege und schmolzen nichts von der dichten Schicht, welch sie bedeckte; die Häuser glichen aneinander geschoben�« weißen Quadern in einem Steinbruch. Nur mitte« auf der Straße hatten die Patrouillen einen schmutzigen Strev getreten.„ Bei den MaheuS war schon am Vorabend die wtz Schaufel aufgelesener Kohlenstückchen verbrannt, und leh wo kein Sperling ein Korn finden konnte, gab'S»ich mehr zu suchen auf der Halde. Alzire, welche mit ih* mageren Händen die Kohle unter Schnee und Eis gewühlt hatte, war davon trank geworden; die Mutter h« sie in eine zerrissene Decke gewickelt und wartete auf« Doktor Vanderhaghen. Sie war schon zweimal zu ihm 9 gangen, ohne ihn zu finden; das Dienstmädchen hatte ges'wjj er werde Abends durch'« Dorf kommen, und darum die Maheude am Fenster. Die Kranke, welche nicht aü, im Schlafzimmer bleiben wollte, faß zusammengekauert einem Stuhl, als wenn sie gemeint hätte, dort unten � dem ausgebrannten Kamin müsse es wärmer sei«. Großvater Bonnemort saß ihr gegenüber; seine Beine w,� schlechter geworden, er schien zu schlummern. kc Leonore noch Heinrich waren nach HauS gekommen, gingen mit Jeanlin auf den Straßen betteln. (Fortsetzung folgt.) WM- I°ll enlsi tzrin' önnzip: tändelt men A mrseres -leppm {tornkhei d" Ardl jWerlQt Meinzu Anschau & 51 n® mi "erbaut stegrund derech Men «der uic wndern pvßer 5 «er A "ne der Die„Dost" macht sich zum Sprachrohr irgend eine« Preß- reptils, welches die ebenso freche als lüanerssche Behauptung aufgestellt hat, daß die von dem Abg. Srnger im Reichstage beantragte Gehaltserhöhung für die Unterbeamten ein Wahl- manöver, und der Antrag nur gestellt sei, um abgelehnt i« werden.— Was das„Wahlmanöver" anlangt, so ist der Einwand dumm genug, um von der Kartellpresse gemacht werden z« können, aber wenn einmal davon die Rede fein soll, so scheiril uns da« Wettrennen, welches die MajoritätSpatteien in der Betheuerung ihres Wohlwollen« für die kleinen Beamten ver- anstalteten, nachdem der Abg. Singer seinen Antrag geftclft hatte, die Bezeichnung„Wahlmanöoer" mit größerem Recht z« verdienen. Wenn jedoch die„Post" mit ihrer Gevatterin, deren Weisheit sie nachdruckt, wirklich glauben sollte, daß der sozial- demokratische Antrag nur gestellt sei, um abgelehnt zu werden, und daß letzteres den Wünschen des Antragstellers und seiner Freunde entsp-äche, so bietet sich sür die konservativen Volks' freunde im Reichstage eine famose Gelegenheit, den ver- ruchten Sozialdemokraten einen rechten Schabernack z« I vielen: die Herren brauchen ja nur für den Antrag zu stimmen, dann" erhalten die Unterbeamten die vo« Singer geforderte Gehaltserhöhung, und die Sozialdemokraten — davon sind wir überzeugt— werden sich furchtbar ärger«- wenn ihr Antrag angenommen wird. Also vorwärts, Ihr Herren: hier hilft kein Maulspitzen: M muß gepfiffen werben: die Gelegenheit ist günstig, um br« Sozialdemokraten eins auszuwischen. Die Annahme des Antrages Smger bedeutet, nach der„Post", da der Antrag„nur gestellt um abgelehnt zu werden", eine schwere Niederlage der Sozial- demokratie. Wir gönnen unserer Partei im Reichstage recht vieü solcher Niederlagen, wird durch dieselben doch, sür die, unttt der Noih vertheuerten Brote« schwer leidenden Unterbeamte« eine, wenn auch kleine, Verbesserung ihrer Lebenshaltung möglicht. ®l» Wilde«, wildes Land fürwahr ist die Schweiz- Und dabei denken wir gar nicht an die abscheuliche Behau«' lung dcS zahmen„Wühlen Sie-lustig Wohlgemuth", auch ni«' an die Wahl des abscheulichen Sozialisten- Ausweisung� Widersachers Ruchonnet zum Bundespräsidenten w» grobe Antwort auf die zarte Liebes erktärung des Grast« (nicht Fürsten) Bismarck.— Was uns den Ausruf entlockt- toif, berf Zunger wenoss* libenfa «ttfassu ?ne so! lhui �."iusch Hreiter I« hat " sat »He i in öu «ikul rung denn °erd -Läre «gita »on i ll h\ der e lentl '»nt d SZ 'It tin Versammlunxsbencht in der„Züricher Post" vom vorigen Sonnabend. Der fragliche Bericht handelt von einer Volksversammlung in Zürich, die sich mit dem dortigen B u ch- druckerftreik beschäftigte und demselben ihre Sympathie o»Sdrücken sollte und auch wirklich ausgedrückt hat. In betagter Versammlung, die also unzweifelhaft einen ganz minent„wilden", um nicht zu sagen umstürzlerischen owA verfolgte, und in der dreimal in der Wolle gefärbte »Agitatoren", wie der Ur- Wühlhuber C o n z e t t ihr Wesen frieden, erhob sich ein Staatsbeamter— man denke, ein Staats« deamter,— und zwar doppelter, nämlich kantonaler und eid- Smölfischer Beamter.— nicht um die Versammlung aufzu« losen,— das wäre ja zahm gewesen— nein, um selber wie Demagogenrede zu halten, eine„wilde",„wilde" Rede. und diese wiloe Rede ist's, die unseren Klage- und Anklageruf veranlagt hat. Man höre nur oder lese! „Derselbe", so heißt es in dem Bericht— soll heißen, "tt betreffende Demagog und Beamte-„knüpfte an das •Bort der Prinzipale an, es sei dieser Streit nicht eine Lohn-, sondern eine Machtfrage. Und dieser„Machtfragt" wegen fragen die Herren eine solche Aufregung herauf zu be- schwören und die Behörden sollen die Polizei zur Ver- Mung stellen, um den zehn Herren gegm 90 Arbeiter ihre Rachtfrage lösen zu helfen? Nicht die Faust, die rohe Gewalt, s°ll entscheiden, sondern da« Recht. Beim Vorgehen der Vnnzipile hat der brutale Standpunkt entschieden: tS vondelt sich bei ihnen darum, die Druckereien von den organi- wten Arbeitern zu räumen. Leute, Bürger unserer Stadt und wrseres Landes, welche seit Jahren ehrlich gearbeitet und ihre Zoppen(Pfennige) zusammengelegt haben für die Tage der Krankheit, für die Invaliden, für ihre Hinterlaffenen und für {fri Arbeitslosen, sollen von ihren Stellen, sollen aus ihrem Vaterland verdrängt werden, um dafür Fremde ins Land Meinzuziehen. Wer solches will, nur um eine veraltete Mchauung zu behaupten, der ist kein Schweizer mehr! Vre Maler. Streiner, Spengler und andere haben Ah auf eine höhere Stufe gestellt und haben einen Verband für gewerbliche Schiedsgerichte und ein Emigungsamt jjvgründet', sie weigern sich nicht, die Arbeiter als gleich- °Mechtigt anzuerkennen. Ein englischer Minister sagt, wir frjrffen uns mit der A-beiterfrage beschästigen, ob wir wollen oder nicht: sie werde uns nicht aufgedrängt durch Agitatoren, Mdern durch die Gewalt der Umstände, und er verlangt mit jfroßer Bestimmtheit Förderung der Organisation Vr Arbeiter. Und in Zürich fällt eS zehn Herren ein, Me der besten Arbeiter-Organisationen zu zernichten! „Der Artikel 23 der zürcherischen KantonS Verfassung lautet: »Der Staat fördert und erleichtert die Entwicklung des auf Selbst- sjulse beruhenven Genossenschaftswesens. Er erläßt auf dem Wege Oer Gesetzgebung die zum Schutze der Arbeiter nöchigen Bestim- Lungen." W:nn es bei uns eine auf Selbsthülfe beruhende Genossenschaft giebt, welche Leistungen aufzuweisen hat, ist eS froensalls die Typozraphia. Wenn unsere Regierung also °vrsassungSmäßig handeln will, so darf sie nicht dulden, daß Wie solche Genossenschaft vernichtet wird. Das mindeste, was fri lhun kann, ,st neutral zu bleiben und ihren Landjägern swjuschärfen, die Grenzen der Neutralität niemals zu über- frreittn. Will unsere Regierung der Verfassung entwrechm, � hat sie denjenigen Herren, welche die Orga- "'sation der Typographen zerstören wollen, ?lle S taa t§ arb ei ten zu entziehen. Sie, st nicht liu da, ihre Bürger aus dem Lande jagen zu helfen und die -"ulis" schaareaweise heremzuschleppen. Wenn die Regie- fung ihre Pflicht nicht thut, ist es unser Verschulden, dwn jedes Volk hat die Regierung, die es �vr dient." Kann man sich eine demagogischere, hetzeiische Rede denken? Mre nicht jede deutsche Ärbeiteroersammlung, in der ein «»itator sich unterfangen hätte, so zu sprechen, ohne Gnade von der heiligen Hermandad aufgelöst worden? Und der Demagoge und Agitator, der so hetzerisch redete, ■v sogar in'einen Schlußworten als Pflicht der Bürger hin- jfrllte, die Regierung von der Parteinahme für die Herrnn Vieister a b z u h a l t e n, also den Behörden Zwang anzuthun �war ein Beamter, doppelter Beamter, und. um das ziaß des Uebels vollzumachen, der Spezi albeamte für rjvbeiterangelegenheiten— kein anderer als der �«eizerische Arbeitersekretär Greulich. Herr Pindter da haben Sie unser Fläschchm! � Hergmänuilche Petttio«. Die neulich erwähnte Petition .?s.Herren Bunte, Schröser und Siegel an den Herrn Ober- .wsidenten hat, wie wir in der Lage sind mitzutheilen, folgen- w Wortlaut: .„Eurer Erzellenz erlauben sich die unterzeichneten Berg- gehorsamst folgendes vorzutragen:, ... Nach dm Erfahrungen, welche wir brS heute haben machen frssnen, ist es in hohem Grade wahrscheinlich und nicht minder 'vfreulich, daß— wenn nicht oll- Anzeichen trügen— nun- ein dauerhafter Friede zwischen dm Giuben-Verwaltungen M den Bergleuten wieder hergestellt werdm wird, weil die �chen-Verwaltungm anscheinend aufrichtig bestrebt find, die pene vollständig aufzuheben. i Das Resultat der hierauf bezuglichen Bochlußfassungen ckj Zechen. Verwaltungen wird hoffentlich int_ Laufe des die o.svgrgm Tages in authentischer Form in dre Otyentlrchkert Lsn. „.Wie uns von zuverlässiger Seite mitgetheilt worden ist, i..~den die Zechenverwaltungen beschließen, daß nicht nur wegen des Streiks gemaßregelten Bergleute auf ihren eren Gruben wieder eingestellt werdm sollen, sondern „ auch dm Bergleuten die volle Freizügigkeit von Zeche �...Zeche behufs Erlangung von Arbeit bedingungslos ge- "it fein soll, wie dies vor dem Streike der Fall geweten ist. .„..Damit wäre dann erfreulicherweise der volle Frieden Äst'" d>«>den Theilen hoffmtlich auf die Dauer wieder her- � Hierzu würde eS unserer Ueberzmgung nach wesentlich bei- »nrfli?- wenn Euere Erzellmz geneigl sein würden, unfern wnehmden ehrerbietigen Bitten zu willfahren: bei Seiner Majestät unserm Allergnadigsten Kaiser dahin vorstellig zu werden, Allerlzöchstderselbe möge geruhm, alle Diei-nigen in Kaiserlicher Huld zu amnestirm, welche sich infolge des Bergarbeiter- streiks, während oder nach demselbm, in irgend erner Weise straffällig gemacht, und deshalb verurtheilt find, .-der sich roch in Untersuchung befinden: v.,„ % � och geneig'est veranlassen zu wollen, daß die deireffen* den KnappfchaftSkassen allen denjenigen Bergleutmnach Wiederaufnahme der Giubmarbeit alle Benefiz, m wie. der einräumen, welche die Berglmte infolge des Streik« .„«twa verloren haben. t, Wenn unsere gehorsamsten Bitten den erhofftm Erfolg 11 würden, dann würde dadurch volle Beruhigung urter Sosammten Bergarbeiterschaft � eintreten«nd � dieselbe Oven« un wieder vertrauensvoll m die Zukunft blicken dem Kaarrevier, 14. Dezember, wird der„Frkf. Ä«,i..iur Ergänzung früherer Mitthickungen geMieben.„Die 0io.'>frg auswärt, aer Rechtsanwälte in dem BeleidigungS- der königl. Bergwerksdirektion Saarbrucken gegen Bergleute hat aus dem Grunde m der Oeffentlichkeit �sse!, fr erregt, weil dieselbe durch die Ablehnung ortSange- �>in„? Rechtsanwälte nothwendig gewordm fein soll. Letztere int 5dme entspricht nicht dem wahrm Sachverhalt. Termin 0i,„.>fr»ptverhandlung war auf Sonnabmd, dm 14. Dezember. il>iz«$!' Bereits am 4. hinterlegte Rechtsanwalt Schuhmacher " frl« Vertheidiger der Angeklagten beim Landgencht v'- als Sicherheitsleistung für die G-bührm vorzuladender Schutzzeugm, während erst am 6. Dezember durch einm nicht unter Anklage gestelltm Bergmann bei einem bekannten St. Johanner Anwalt wegm llebemahme der Verlheidigung angefragt wurde und zwar in emer Form und unter Um- ständen die die Vermuthung nahe legten, daß eine Ablehnung erwartet werde und nicht unerwünscht komme. Hierauf bracht« sofort die Lokalpreffe die Mittheilung, je ein Kölner und Berliner Anwalt hätte wegen Ablehnung hiesiger An- wälte„mit Vergnügm" die Vertheidigung übemommen. Am nämlichen 6. Dezember zogen die Angeklagten Altmeyer und Becker den von einem(anderen? Red.) angesehmm hiestgen Anwalt übemommenen VertheidigungSauftrag zurück. Die früh- »eilig erbetene und den Zwecken des Rechtsschutzvereins mt- schieden mehr dienliche Thätigkeit auswärtiger Advokaten ist sonach nicht durch das Verhalten der hiesigen Rechtsanwälte veranlaßt worden, mtspricht vielmehr dem eigenen Wunsch und wohlverstandmm Interesse der angeklagten Bergleute. Wirsh alten eS gerade vom arbeiterfreundlichen Standpunkte für erwünscht, dem verbreitetm Mißverftändnib zu begegnm, als wenn die Rechtsanwälte des KohlmrevierS in ihrer Gefammtheit der Sache der Arbeiterbevölkerung nicht wohlwollend oder gar feindlich gegenüberständm". Diese Zuschrift läßt auf eigen- thümliche Verhältnisse im Saarrevier schließm. Saarbrücken, 17. Dezember. Auf den Louismthaler Gruben arbeiteten gestem nicht alle, sondern nur etwa 1000 Mann. In den Zechen Dudweiler und Camphausen sind heute etwa? mehr Arbeiter angefahren, als gestern: in Zeche May- dach arbeiten nur einige Mann. Die Belegschaft der Grube Von der Heydt ist noch im Ausstande. Zur Unterstützung ausgewiesener Pole« hatte sich 1885 ein polnisches Komitee gebildet, welches am 13. d. M. in Thorn seine Schlußsitzung abhielt. Der Vorfitzende berichtete über die Thätigkeit des Komitees, welches Jnformationsbureaus in Thorn, Kowalewo, Golub, Belno, Stuhm, Löbau und Zakrzewko eingerichtet hatte, während sich in Strasburg a. D. ein besondere« Komitee befand. Die meisten AuSweisunaen fanden vom Okiober 1885 bis Ende August 1386 statt. Bei dem Komitee meldeten sich um Beihilfe 1898 Ausgewiesene. Als die Ausweisungen preußischer Staatsangehöriger in Russisch- Polen begannen, wandten sich von den in Preußen Einge- troffenen 69 gleichf~lls um Hilfe an das Komitee: doch hat das Komitee diesen Personen nur ausnahmsweise Beihilfe zu Theil werden lassen, da dies außerhalb des Mandats des Komitees lag. Dagegen befaßte sich das Komitee in 57 Fällen mit Ver« sonen, welche aus Preußen ausgewiesen waren und in Russisch- Polen nicht aufgenommen wurden. Mit den Komitees, welche in Posen und Krakau gleiche Ziele verfolgten, stand das Thorner Komitee in steter Fühlung. Die Einnahme hat 2392 97 M., die Ausgabe 2331,40 M. betragen. Der Bestand von 60,57 M. wurde dem Volkshibliotheken-Verein in Posen überwiesen. Die Anmaßung einer.'gesetzwidrigen Strafgewalt seitens der Innungen nimmt einen weiteren Fortgano. So wird uns eine Bekanntmachung der Bäckerinnung zu Oppeln im„Oppelner Stadtblait" mitgetheilt, in welcher es unter anderem heißt, daß alle Backwaaren zu den gewöhnlichen orts- üblichen, ober festen Preisen zu verkaufen sind und alle Zu- gaben in Wegfall kommen, deSgl. Martini- und Weihnächte- gefchenke. Sodann aber wird hinzugefügt:„Zuwiederhand- lungen werden mit 30 M. Geldstrafe geahndet." Mit welche» Schwierigkeiten und Mühen man in Schlesien sich mit Schweinefleisch aus Rußland zu versorgen sucht angesichts des Schweine- Einfuhrverbots, schildert eine Korre- spondenz der„Kölnischen Zeitung", der wir folgendes ent- nehmen: Da jetzt nur geschlachtete Schweine von Rußland eingeführt werden dürfen, so haben sich in kurzer Entfernung von der Grenze drüben zahlreiche fliegende Schlächtereien ein- gerichtet, welche zum größten Theil von hiesigen, zum Theil von auSirärtigen, insbesondere Berliner Schlachtern betrieben werden. Bei dem Mangel an geeigneten Gebäuden drüben in dem dreimeiligen Grenzbczirk, in welchem nach dem UkaS von 1885 ja nicht tinmal Ausbesserung«, und Erneuerungsbauten vorgenommen werden dürfen, wird das Schlachten und Aus- nehmen vollständig unter freiem Himmel betrieben. Emen Mittelpunkt bieser Thätigkeit bildet z. B. das russische Fabrik- dorf Niwka, das nur etwa 3—4 Kilometer von dem Myslowitz gegenüberliegenden Flecken Modrzejow entfernt ist. Hier find Bäume längs der Landstraße in weiter Ausdehnung mit ge- schlachteten Schweinen behangen, welche demnächst sämmtlich in das MySlowitzer Schlachthaus— von der Grenzbrücke an unter Bewachung eines Gendarmen— zur sicherheit« polizeilichen Untersuchung durch Thierarzt und eine erheblich vermehrte Zahl Fleischbeschauer gelangen, um von dort dann in besonders ein- gerichteten Eiswagen weit hinein ins Reich, bis nach Ham- bürg hm, versandt zu werden. Da das lebende Schwein nur 6 M. Zoll bezahlte, das geschlachtete aber 10 Pf. auf das Pfund, also im Durchschnitt etwa 25 M, so läßt sich der erhebliche Mehrbetraa an Zoll für die Reichskasse unaefähr er- messen. So hat das Unterzollamt an der Brücke von Modrzejow nach Myslowitz jetzt eine Tageseinnahme von gegen 3000 M. Natürlich haben sich auch einige diesseitige Spediteure drüben mit Fuhrwerk niedergelassen, welche das Frachtgeschäft hierher betreiben. Neben den Rollwagen mit den ausgenommenen Schweinen kommen auch solche, welche nur Herzen, Lungen oder Lebern von solchen enthalten. Diese werden demnächst in be- sonderen Eisbeuteln weitergeschickt. Selbstverständlich hat dieser Gewerbebetrieb drüben auch die unangenehme Bedingung, daß die Betreffenden die sehr hohe russische Kaufmannssteuer auf das ganze Jahr zahlen müssen, da eine Monats theilung, wie bei uns mit der Gewerbesteuer, drüben nicht erlaubt wird. Mambe kleine Fleischer, welche diese hohe Abgabe für den noch kurzen Rest de« laufenden Jahres scheuten, haben sich daher, ohne daß sich leicht unterscheiden ließe, ob zum Schein oder in Wirklichkeit, in den Dienst eines größern Fleischerei- Unternehmers gestellt, welcher die Steuer für alle bezahlt. Wenn die russische Steuerbehörde freilich einer derartigen Vor« spiegelung auf die Spur kommt, so ist das Verfahren sehr kurz und einfach. Die Steuer-„Militianten" kommen mit einem Wagen, nehmen die dem Betreffenden gehörenden Schweine- körper von den Bäumen, werfen sie auf den Wagen, den be- treffenden Eigen thümer dazu, und fort gehtS im Trabe nach Bendzin zum russischen LandrathSamt. Dort muß der Ueber- treter 30 Rubel Strafe zahlen und die Waare verfällt der Staatskasse— natürlich mit den entsprechenden gesetzliche» An- lheilen für die Steuerbeamten- Dazu kommen noch die Schwierigkeiten, welche die deutschen Behörden in Bezug auf die UrlprunoSzeugnisse für die gescklaibttten Schweine machen. Die Einnmndmrng der vereinigte« Staaten hat nach emer Zusammenstellung des Statistischen Bureau« zu Washington von 1320 bis einschließlich 1883 etwa 15 Millionen Köpfe betragen, darunter au« Großbritannien und Irland etwa 6, aus Deutschland etwa 4t Millionen. Im Einzelnen betrug die Einwanderung in dem Jahrzehnt von 1871—1880 drei Millionen und von da bis Ende 1888 etwa 4'/, Millionen. Am stärksten war die Einwanderung im Jahre 1382, wo 788 992 Einwanderer landeten. Unter den Häfen der Ver- einigten Staaten steht New-Pork bezüglich des Einwanderer- Verkehrs obenan; im Jahre 1888 landeten daselbst nahezu 80 Prozent aller europäischen Einwanderer.— Während bis zu den sechziger Jahren die britische Einwanderung durchschnittlich mehr als die Hälfte der gesammten Einwanderung betrug, ist seitdem die Zahl der englischen Einwanderer etwa« gesunken und in der Periode 1881—88 sogar von der deutschen Ein- Wanderung, die sonst der britischen am nächsten kam, über- troffen worden. Die deutsche Einwanderung stellte sich 1851 bis 60 auf 951667, 1861-70 auf 822 007, 1871—30 auf 757 698, 1881—1868 sogar auf 1256 005. Von einer Ge- sammibevölkerung der Verewigten Staaten von etwa 50 Millio- nen waren im Jahre 1880 etwa 43'/« Millionen in der Union und 6'/» Millionen(darunter 2 Millionen Deutsche) außerhalb der Union geboren. De» bekannt« Apallo-Cun-w, welcher gegenwärtig sein Dasein fnstet als Agitator unter den Schiffem und si» „Generaldirektor des Zentralverbandes deutscher Strom- und Binnenschiffer" betitelt, hat einen Wahlaufruf an die Schiffs- eigner„Auf zur Reichstagswahl" versandt, der gleichzeitig den Zweck einer Reklame für oie von Herrn Cunow herausgegebene „Schifferzeitung" erfüllt. Herr Cunow bemüht sich, die Schiffer für antisemitisch-konfervative Wahlen zu begeistern unter dem Deckmantel, daß dielSchiffzeigner darnach trachten müßten, gleich allen anderen Ständen ebenfalls einen Vertreter in den Reichstag zu entsenden. Dieser Vertreter soll natürlich Herr Cunow selbst sein. An» Rudolstadt wird un« gemeldet, daß daselbst eben- falls eine Landeskonferenz der Sozialisten zum 22. Dezemher d. I. abgehalten werden soll. Die Versammlung wrrd im Burgkeller zu Rudolstadt mit einem Referat des früheren Reichstagsabgeordneten Wilhelm Bock-Gotha stattfinden. Die bürgerlichen Parteien sind natürlich entsetzt über diese« Vor- gehen der sozialdemokratischen Arbeiter, und hat es thatsächlich die größte Mühe gemacht, einen Saal für die Versammlung zu bekommen. Die Konferenz ist einberufen von den Genossen Arthur Hofmann, Buchdrucker au« Rudolstadt und dem Land- tags abgeordneten Karl Apel aus Frankenhausen. Wie weit man übrigens in dem Herzen Thüringens in der Kultur vor- geschritten ist, geht wohl daraus hervor, daß die Wirthe dainit abgeschreckt wurden, den Genossen einen Saal herzugeben, daß die„Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung" den braven thüringer Kleinbürg rn einzureden versuchte, oie Sozialisten schlugen ihnen nach jeder Versammlung alle Möbel entzwei: Glücklicherweise ist diese Schwierigkeit beseitigt, und steht es nun zu erwarten, daß die Konferenz ordnungsmäßig von Statten gehen wird. Vom 1. Januar ab wird in Rudolstadt ein neue« Arbeiterblatt„Thüringer Volksblatt" wöchentlich erscheinen. Wir begrüben das neue Unternehmen, und wünschen ihm ge- deihlichen Fortgang. Dresden, den 16. Dezember. Der fozialdemokra- t i s ch e A n t r a g, die Beiträge der im Staatsdienst« befind- lichen Arbeiter zu den Pension«-, Kranken- und Alterversor- gungSkassen aus Staatsmitteln zu bezahlen, wurde in der heutigen Sitzung der zweiten Kammer vor die Kommission (Deputation) verwiesen. Der Herr Staatsminister von No st iz-Wallwitz bekämst« den Antrag, der sich mit den ArbeiterversicherungSgesetzcn des Reichs nicht vertrage und den bet.effenden Arbeitern indirekt eine Lohnerhöhung ge- währe, die durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage nicht gerechtfertigt werde. Der Abgeordnete Liebknecht meinte, diese Argumen- tation stimme sehr schlecht zu dem„praktischen Christenthum" und der„Sozialreform",— nach dem Gesetz von Nachfrage und Angebot könne man auch Minister und die anderen höheren Beamten billiger haben als jetzt,— der Staat als Arbeitgeber habe sich nicht auf den Standpunkt de« krassen Manchesterthums zu stellen, sondern all seinen Be- diensteten ein menschenwürdiges Dasein zu bieten. Die heutigen Aeußerungen des Herrn von Nostiz-Wallwitz werden sicherlich nicht dazu beitragen, die Zufriedenheit in den Kreisen der im Staatsdienst stehenden Arbeiter zu vermehren. Amerika. Man hat mit einer gewissen Neugier Mittheilungen dar- über entgegen gesehen, wie die Revolution in Rio de Janeiro von den Deutschen in den südlichen Provinzm Brasiliens auf- genommen worden ist. Die letzte, heute eingetroffene Post aus Brasilien überbringt nun au« S. Paulo Blätter, welche am Tage nach der Revolution in Rio erschienen sind. Die letzte Post aus Porto Alegre ist vom 11. November, also noch vor der Umwälzung datirt. Die in S. Paulo herausgegebene deutsche Zeitung,„Gernnmia", giebt die diesbezüglichen Tele- gramme einiger portugiesischen Kollegen, wie de«„Dario Populär", der„Provmcia" und des„Corrcio" wieder und fügt dann hinzu;„Hier in den Straßen herrscht großer Enthusiasmus. Von allen Seiten schallen Hochs auf die Republik. Das Volk verhält sich dabei ruhig. So ist denn die Republik geschaffen unter Blumen und allgemeinem Jubel, ähnlich wie die Abolition! Hoch die Republik!" Also volle Zustimmung.— Der Münchener„Allg. Ztg." wird au« Rio vom 20. November geschrieben, daß die Durchführung der Äe- volution harplsächlich dem Oberstlieutenant Dr. Benjamin Konstant zu verdanken sei, ohne bissen organisatorisches und ebenso geschickte« wie muthige« Eingreifen die Revolution ver- muthlich im Sande verlaufen wäre. Er sei ein in Militär- kreisen sehr beliebter Lehrer der Mathematik und Direktor des Blindeninstitutes und auch unter den Ausländern bekannt und beliebt. Er ist Schwiegervater eines angesehenen beut- schen Großkaufmannes, und fein energische« Auftreten, verbunden mit jenem persönlichen Much«, der das eigene Leben für Verwirklichung einer politischen Ueber- zeugung ohne Bedenken einsetze, habe ihm schließ- lich selbst in denjenigen Fremdenkreisen, die sonst wohl den Republikanern höchst abgeneigt waren, Sympathien geschaffen. Anfanglich hätten selbst viele Ossi ziere geglaubt, es handle sich nur darum, einen Ministerwechset durchzusetzen. Um 10 Uhr Morgens des 15. November schwebten noch viele in banger Sorge, wie da« Abenteuer wohl für sie ablaufen werde, wenn erst eine neue Regierung ernannt fei(natürlich in der Vor- stellung der Leute um diese Zeit noch eine monarchische). Da ließen sich vereinzelte Rufe„Viva 1» republica!" vernehmen. Mehr und mehr Soldaten stimmten ein, die herzugeströmten Volksmassen brüllten gewaltig mit, und eine Stunde später athmete Alles erleichtert auf— die Republik war die einzige Lösung, welche jetzt nach Lage der Umstände Allen als vortheilhaft erschien. Nirgends zeigte sich ein Gegner. Alle Welt war begeistert von der Umwandlung der Staatsform und lobte die gemäßigte Haltung des Militär«.— Die provisorische Regierung hat alle auf Grund der Gesetze von 1832 und 1334 gewählten Provinzialveisammlungen auf- gelöst und unteidiückt und die neuen Gouverneure der Pro- vinzen mit ausgedehnten Vollmachten zur Führung der Ge- schäfte ausgestattet, bis die„Ver« inigten Staaten von Brasilien" sich endgiltig gebildet hoben werden. Chicago, 16. Dezember. Croninprozeß. Die Ge- schworen«» sprachen nach dreitägiger Berathung Coughlm, O'Sullivan und Burk« de« Moides schuldig, der Richter ver- urtheilte dies« Iben zu lebenslänglicher Gefängnißstrafe. Kunze wurde zu dreijährigem Gefängniß verurtheilt, Beggs wurde für nichtschuldig erklärt. Elderfelder KozlllWevprozeß. 21. Tag der Verhandlung. Elberfeld, 16. Dezember. Staatsanwalt Pin off ist nicht zugegen, sondern sein Vertreter. Rechtsanwalt Schweitzer verliest die Erklärung der Regierung in Düsseldorf betreffs der Verweigerung der Nennung der Gewährsmänner seitens der Polizeibeamten und theilt mit, daß dagegen Beschwerde beim Ministerium er- hoben sei. Die Z'ugenliste wird verlesen. Das Protokoll über die Vernehmung de« Zeugen Bleck» m a n n in Düsseldorf wird verlesen. Uns ist darüber folgender Bericht zugegangen: Wie wir bereits mittheilten, verlas am vorigen Freitag zu Beginn der Prozebverhandlung der Herr Staatsanwalt einen Brief des Zeugen Bleckmann, worin derselbe den Wunsch äußerte, noch einmal vernommen zu werden. Dies geschah denn auch am Sonnabend, den 14. d. MtS., Morgens 10 Uhr. Außer dem Landrichter Herren Friedländer waren erschienen der Herr Staatsanwalt, von den Angeklagten die Herren Bebel, Grillenbnger, Harm, Loose. Nachdem der Zeuge auf den vorigen Eid aufmerksam gemacht worden, sagte er u. A. fol- gendeS aus: Er, Zeuge, habe ungefähr 8 Tage nach jener Zeit, als die Herren Boichardt Schumacher und Neumann in die Ex» pedition der„Fr. Presse" gekommen seien, um die Bücher zu revidiren, den elfteren Herrn wieder getroffen. Derselbe habe, nachdem der Zeuge ihm Vorhaltungen gemacht, wie fit dazu kämen, in voller Entrüstung geäußert: Die Partei habe Geld genug geopfert, sie wolle auch wissen, wo es bleibe und habe chn deshalb bestimmt, die Bücher nachsehen zu lassen. Zeuge habe sich darüber gewundert, indem doch in den Büchern nichts stand, was auf eine materielle Betheiligung der Partei an denr Unternehmen schließen ließe. In der Wirthschaft von Obbelode zu Elberfeld habe er gelegentlich einer Tischgesellschaft gehört, daß Neumann, Dudat, llllenbaum, KawakowSky Mitglieder des Komitees feien. Hüttenberger und Millech haben auf Be- fragen dies bestätigt: daß Neumann Mitglied sei, habe dieser ihm selber erzählt.— Zeuge sagt weiter: Direkte Berichte habe er dem Kommissar Kamwhoff nicht geliefert, sondern im Gespräch über Politik und Tagesfragen nur Fragen beant- wortet, so viel er(Zeuge) sich erinnern kann. Geld habe er dafür nickt erhalten. Im Herbst 1887 habe er wiederholt mit Kammhoff wegen einer Stellung verhandelt, hätte aber schließ. lich das Anerbieten abgelehnt. Auch feine jetzige Stellung hat Zeuge angeblich nicht dem Kommissar zu verdanken. Auf Be« fragen Bebel's giebt der Zeuge zu, doch einigemal« mehr, als bei der vorigen Vernehmung angegeben, mit dem Kommissar zusammen gekommen zu sein, auch baß er wiederholt im Hotel Biermann m einem Extrazimmer mit ihm zusammen gekom» men sei. Auf weiteres Befragen gesteht der Zeuge, daß er im vorigen Jahre den Angeklagten Ullenbaum zu veranlassen gesucht habe, ihm den„Sozialdemokrat" zu besorgen. Er habe das Geld, den Abonnementsbetrag 4,50 M., dem Angeklagten gegeben, dieser habe dasselbe aber wieder zurückgeschickt und habe ihm das Blatt nicht besorgt. Damit ist die Vernehmung beendet. Hüttenberger: Ich bin nie mit Bleckmann in Obbe- lodeS Wirthschaft gewesen, wohl aber in anderen Wirthschasten. Es lagen gegen Bleckmann verschiedene Beschwerden vor, we«- wegen er wohl auch entlassen wurde. Bebel: Bleckmann hat beim Verhör gesagt, er hätte selbst gekündigt; das ist ein Widerspruch. Harm: Bleckmann ist von mir gekündigt worden; seine Aussage, er habe selbst gekündigt, ist urmahr. Röllinghofs: Ich will voll und ganz Klarheit über die Vorgänge in der Partei geben. Zum Wydener Kongreß ging Winterberg. Zum Kopenhagener Kongreß war Hülle und, wie ich aber nicht bestimmt weiß, Loose. Verbotene Schriften kommen hier in Kisten an, unter Deckadresse. Ich selbst habe ein Packet erhalten. Die Ver- sammlungen resp. die Klubs wechselten oft die Führer: es waren Weber, Borchardt, Küpper, Thielmann und Andere. Ein an. derer Führer wurde einmal beschuldigt, 50 M. nicht nach Zürich abgesandt zu haben. Hülle wurde später gewählt; die Berichte im„Soz." stammen aus Hülle's Feder: es war dies während der Zeit, als ich Korrespondent war. DaS im„Soz." unter „Rothfärber quittirte Geld ist der Betrag, dm ich an Harm gegeben. Betreffs der„Fr. Pr." habe ich mitzutheilen, daß ich infolge einer Abstimmung meine Stelle aufgeben mußte. Durch Salzberg ließ ich VerschiedmeS besorgen und zwischm ihm und Harm muß fich mancherlei abgespielt haben. Ich spreche die Ueberzeugung aus, daß unter den Elberfelder Angeklagten eher Leute find, die der Polizei Dimste thun, als ich. Auf Befragm des Piäfidmten;) Ich habe nach Zürich über Vorgänge innerhalb der Partei berichtet, einen bestimmten Fall weiß ich nicht mehr. Ich hatte dabei den Gedanken, d«ß Redaktion oder Erpedition des„Soz." derartige Fälle mit der Fraktion verhandle. Auf Beschluß der Barmer Partei schriebm Hülle und ich an die Erpedition wegen der„schwarzen Liste" in der LeiiverkuS-Angelegenheit.(Auf Befragen der Vertheidigung:) Bei der Zusammenkunft des- wegm waren etwa 15—20 Parteimitglieder anwesmd. Ick bin heute freiwillig erschienen. DaS in meiner Hand befindliche Papier ist das Stück eines Kouverts mit dem Siegel der Stadt Elberfeld. In den letzten Tagen bin ich mit keinem Polizeibeamten zusammengewesen. Rechtsanwalt Schweitzer: Ich beanttag« die Ladung dreier Zeugen, die bekunden werden, daß Röllinghoff am Donnerstag Abend mit Polizeibeamten zusammenkam. Bebel: Hat die Preßkommission über Geldangelegen- heilen beschlossen? Röllinghoff: Das müßte die Abrechnung ergeben. Bebel: Hat Harm fich gegen die Preßkommisfion erklärt? Röllinghoff: An den Versammlungen, die meiner Person wegen stattfanden, haben fich namentlich die Elberfelder Genossen betheilrgt. Bebel: Röllinghoff sagte, ich hätte wegen des Wydener Kongresses an Mohrhenn geschrieben. Dessen Namen habe ich erst 1383 oder 1884 zufällig gehört. Auf einer Geschäfrsreise besuchte ich ihn einmal und sprach etwa 10 Minuten mit ihm. Es ist eine Unmöglichkeit, daß ich 1880 oder 1381 an ihn ge- schrieben. Röllinghoff: Ich habe dies von einem guten Freund gehört. Bebel: Die Einladung zum Wydener Kongreß stand im„Soz."; man sollte fich diesechalb an die Erpedition wenden. Röllinghoff: Von dem Schreiben Bebels an Mohr» henn weiß ich nur vom Hörensagen.(Auf Beftagen Löwen' steins:) In Sachen Leyverkus wurden mehrer« Biw geschrieben. Löwenstein: Ich für meine Person weiß von eine« Versammlungsbeschluß nichts. Aus eigener Initiative habe w nach Zürich geschrieben.(Staatsanwalt Ptnoff erscheint n» Saale.) Zeuge Peter Inger, früher in Kalk, jetzt in Solin?!»� Nach Düsseldorf habe ich eine Karte geschrieben, ob an Schu- machcr, wetß ich nicht;«s war während des Düsseldorfer Pr� zesses. Ich erhielt einen Brief von einem Bekannten, der fichne* einem gewissen Richards erkundigte, der dort in einer Karneval-' gesellschaft war und fich als ein Bekannter von mir auSjp Ich antwortete per Postkarte Wittkopf, daß Richards ein gut« Humorist, aber in Geltangelegenheiten unzuverläsfig sei. einer Notiz im„Soz." über meine Person hörte ich. Von d» sozialdemokratischen Partei in Solingen wetß ich wenig! tw Organisation besteht dort nicht: auch habe ich dort den„Soz> nicht gesehen. Der Zeuge wird vereidigt. Zeuge Johann Wilden, Maurer aus Lennep, einem Angeklagten verwandt, verweigert die Aussage. Zeuge Klingelhöf er: In der Gemeinde HahnerbelS wurde einmal ein Flugblatt verbreitet: ich erhielt ein sol«� von einem Mann. Die Angeklagten Winkler oder UllenbaH erkenne ich nicht. Die Kleidung des Flugblattverbreiters ich nicht mehr zu schildern. Der Zeuge wird vereidigt.. Zeuge Boing, RechtSanwaltSgehilfe in Barmen: Wahres meiner Milttärdienstzeit wurde belichtet, ich sei SozialdetnvW das wurde mir von meinem Kompagniechef mitgetheilt."j ich mich an Kommissar Wtlfing düserhalb wandte, sagte er,� sei AmtSgebeimniß. Später wurde von der Militäidehori>' durch das Generalkommando, erklärt, die Sache sei grunW (Der Zeuge wird vereidigt.) Ich gehörte niemals der soM demokratischen Partei an, verkehrte aber einige Mal mit Sozialdemokrat Eppmahaus. Geheime oder öffentliche An sammlungen besuchte ich nie. Rechteanwalt Krüsemann: Dieser Anhaltspunkt � nügte also der Polizei, um amtliche Berichte an die Mu«� behörde zu senden!■ Zeuge W ü st e r: Röllinghoff sagte einmal zu mir, all®° von der„Fr. Presse" sprachen:„Alles, was in meinen Kcai� steht, werde ich thun, um Harm und die anderen Genossen l; verderben. Der Eid ist mir nicht mehr, als ein Tropfen Bttf; Röllinghoff: Davon ist mir nichts bekannt. öffentliche Mc nung ist gegen mich künstlich erregt worden- � Wüster: Nicht die öffentliche Meinung, sonder« � Gewissen hat mich getrieben, diese Aussage zu machen. Röllinghoff: Dem Zeugen Wüster gegenüber h«"* nie eine solche Aeußerung gethau. (Fortsetzung in der Beilage.) Theater. Mittwoch, den 18. Dezember. »»ttHtzna«. Siegsried. Achnnspielhate«. Minna von Barnhelm, oder Das Soldatenglück. t»fft«g-Tq»atrr. Unsere Frauen. A«»tsch«» Theater. Der G'wissenSwurm. »ertwe» Theater. Cornelius Voß. Friedrich- Mt1h-l«a«>tisch»» Theater. Prinzesfin Pirouette. Neftdeak-Theate». Schwiegermama. Malaer-Theate». Nervös. Utleterta-Theater. Slaniep in Afrika. Ost»»»- Theater. Das Käthchen von Herl. bronn. A»»»a«ia»r,. Theater. Vor Sonnen« aufgang. AhahtzftSvttfche» Theater. Madame Poti« phar. phar. FeNtrai-Theater. Historischer Possenabend. Ahawh Grast-Theater. Flotte Werder. Geh». Nicht rr'e Uarickt». Spe»taittZten. lehr... Vorstellung. >UUMha»e«- Theater. Gr. Speztalttat.n »orstellung Aanfmau«'« Uaricktck. Gr. Spezialitäten« Vorstellung. Alhawbra-Theater, Wallnertheaterstcaße 15. krösfimg 25. Iejembtt. Amorina, die Marmorbraat. Phantastisches komische« Zauberschauspiel in 12 Bildern von P. Wiede. Musik von Franke. Mit neuen Dekorationen und Kostümen. 1271 virau» ftenz. Karlfiraße. Heute, Mittwoch, den 18. Dez., Abends 7i Ubr Auf vielseitiges Verlangen: Kede« and Treiben auf dem Gift. Großes Äus stattungi- stück. Großes Hurdte-Rennen, geritten v. Damen und Herren, mit 24 Springpferden. Eme Schulquadrille, geritten von 8 Herren mit 8 eigens dazu dress. Schulpferden.« Pierrots, höchst komische Intermezzos. Agat, arab. Voll« blut, in Freiheit dress. und vorgeführt von Hrn. Franz Renz. Auftreten der r enommir». Künstler- familie Briatore. Auftreten der vorzüglichen Reitkünstler. Morgen Vorstellung. 1. Auftr. der beliebten Schulreiterin Frl. Mary. Sonntag 2 Vorstellungen. E. 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Vorschläge des uutschusseS für die Wahlen von urbeioldeten Gem-indedecmten. � Berzeichniß der zur Empfangnahme von Raten aus den diesjährigen Zinken des H-tzer'fchen Legats ausgewählten Per» foren.— Ein Naturalifationsxeluch.— Vorschläge des AvS- ichuffes für Pklilionen. � Beiichterftatlung des AuSschnsseS für lechnungsfcchen über 13 Rechnungen, sowie über dre Jahres stschtüffe der Stadt Hmipt-Kasse, der Gasanstalten, der Wasser *!«rkt, der Kanalisationswerke, des Zertral V ehmarkteS, des Stztachthafe«, ber Flcischschau und der Hauplk.sse der städtischen We�ke, sämmtlich pro 1. Tpril 1888,89.— Berichterstattung über die Vorlage, betr. die Heistellung und den Betrieb öffent- ucher Uhren.— DeSgl. über die Vorlag», betr. die speziellen «ntwLrfe zum Bau eines Verwaltungsgebäudes und zweier «nstaltshäuser auf dem Grundstücke der Anstalt für «pi'eptische bei Biesdorf.— Desgl. über die Petition um Er Erlang der Erlaubnis zur Herstellung>ineS Wegweisers für Fremde und Einheiirische, unter Benutzung der Laternenständer — Desgl., über die Petition um fernerweite Überlassung der •on der Gesellschaft �Beiliner Görtner.Maikthave" in der Markt» «alle II innegehabten Rärme an die gen. Gesellschaft.— Vor» «ge, betreffend die Erwerbung von Terrain für die stskaliich, naoissche Sozietät in Rüdersdorf.— Desgl., bbr. den Ver» kauf der Baulichkeilen auf dem Grundstücke Gitschiner» tzratz« 12/13 zum Abbruch.— Des,!., betr. die Konvertirung ber Anleihen vom Jahre 1866,»875, 1878 und 1882.— Des» Neichen, betr. die Übernahme der WohnungSdeSinfekt on bei Ansteckenden Krankheiten auf die stätt.sche Vrriraltung.— DiSgL, betr. die Auswahl der im Etatsjahre 1890/91 neu, be. «rhungsweife umzupflasternden St aden ur.d Plätze.— Vier � chnungen.— Fünf Unterstützungssachen.— B?richterstaltung mrt der Vorbereitung der Nmmobl der Mit. lieber ber »inschätzunpSkomm'skion sür die klassifii te Emkommensteuer PI» 1. ApiU 1890/91, sowie des rn.rt der Vorbereitung der «ohl von 6, für die Tan« des Jahres 1890 als SchicdS- Männer bei Abschätzung seuchenkranker oder seuchenvervächtiger igt, den Unt«richt da die � ch'.cchizjcrirn vor der Thür, b«eits morgen oder über- » zu schließen. Auch die Mannschaften unserer Garnison furchi bar urt« der Influenza, duichschmlllich b»fiaden unt« den hiesigen Regimentern 100—150 Glwpckianke, >he,ls im Revier, theils im Lazareth unte-aedracht find. Auch .den Personen unstl« öffentlichen Fuh verkehr Anstalten d,e Influenza stark auf, und find die Reservesch offner Jochim Stance,d'« dwch die Erkrankungen«ntstandeneLucke »"füllen. Das Weihnachtsgeschäft« leidet durch des- tt,,. �d-it großen Schaden, Ihei'L find die Bei kaufer eikra»kt, �»st die Zahl der Käufer durch die Kranlh-'t eiheblich «ewo.den, da die Kesten sür Arzt und Apoihcke von j�iur Weihn« cht n bestimmten Erlpainiffen gedecki n erden Veibinduna mii b« Ii fluenza trit! Lungen- tz�Udung sehr stark auf und naminttich sterben maffer.hast «rzte u � der Arbeite rdevolkerung daran. Auch Keuchhusten «i»,,?'. fich>m Gefolge ber Jrfluenzo bei unseren Kindern tzU,. keid«, was sonst selten, de« Oefteren mit tödtlichem Iri#'•»««« über die Kerliuer Pferdebahnen werden � h.»....».--- fy dürfte ib k J.'ß'E«' lwuhen Wlt!« nrg immer zuhtieiwei. Es durfte j � Th« kein anderes ähnliche« Jnstitnl geben, welches das � Publikum so rückfichtSloS schlecht behandelt wie die Berlin« Pferdeeisenbahn. Akiiengesellschaft. Trotz d« riefigen Einnahmen der Bahnen geschieht für die Bequemachkeit und Gesundheit der Fahrgäste nichts. In den Wagen zirht es«bärmlich, ja die steirreiche Aktiengesellschaft legt trotz der jetzigen naßkalten Wrlteiu�g nickt einmal Etrobdecken in die Wagen. DaS rst wahihaft kläglich. Ferner belästigt der Kontroleur immer noch das fahrende Publikum und in den Morgen-, Mutaa«-, Abend- und Nachtstunden ist es meist unmöglich, emen Platz zu bekommen. Die Wagen sind schon an den AnfangSstaiionen überfüllt. Die Berlin« Pf«debahnen genüge» dem Verkehr» bedurfnisse durchaus nicht. Aristokratische Lotzndrfickerinne«. In Berlin, Prinzenftraße, unweit der Vittoria-Schule, existirt eine Fabrik f-iner Lederwaaren, weite fich durch gute und gediegene Waare, sowie stets neue Master auszeichnet. Ja dieser und der vnflossenen Saison ferli�te die Fabrik«inen gesetzlich geschützten Artikel an, sogenannte Schottenwützen, ein nies, lichcS Damer.portemonaiS, welches aus ein« fa bigen Häkel- arbeit, an weicher ein Bügel befestigt wird, besteht. Diese« Muster geht so gut, daß die Aufträge garnicht alle prompt«» ledigt werden können, und die Kunden sehr oft auf die Waare wanen müssen. Durchschnittlich kö-rnten mindestens vi-rzig Handhäkierinnen bauernd beschäftrot werden und ihr Brot haben, leider ad« fnligt oder ab« läßt anfertigen eine B«lm, Teltow«str. wohnende Frau Baronin von Neuendorf, deren Bruder ein Landrath ist, sowie d«en Freundin, Frau Doktor Schomburg, Berlin, Frobenstr. 17, wohn- Haft, einen sehr großen Theil der Häkelarbeit. Zwar wird auch ein Theil der Häkelarbeit in riner Strafanstalt angef«tigt, doch liefern die beiden aristokratischen Arbeiterinnen zu den- selben Bedingungen wie die Strafanstalt und zwar zu solchen Preisen, daß eine Arbeiterin, welche fich davon ernähren muß, Krankenkasse und Steuern zahlen soll, nicht mit ihnen konkurirren kann und deshalb ohne Arbeit umhergeht. Die Frau Baronin von N. soll nun aber allein zirka dreißig bis vierzig Häklerinnen beschäftigen, vmnulhlich Damen d«„höhecen Stände, die fich Taschengeld zu VergriLaungen oder Näschereien verdienen und ihre leere Zeit ausfüllen wollen, und dabei fich kein Ge« wissen daraus machen, wenn fie armen Arbeil«innen die Ar« beit fortnehmm. Od wohl die Frau Baronin Gewerbcsteu« zah!l? Od wohl die Frau Baronin ihre Arbeiterinnen bei d« Krankenkasse angemeldet hat? Mo«»wem Kunde zerfleischt. Als ein Herr M. am Sonnabend Abend dre Forsterstraße pisfirle, wurde er durch da« Geschrei eines Kindes auf einen großen Hand aufmerksam gemacht, welcher das Kind, ein e wa 6jLhrigkS Mädchen an den Kleidern zerrte. Herr M. ging auf dcn Hund zu und vernetzte ihm einen Fußtritt, dcmit er von d r Kleinen ablasse. Das Thier ließ auch das Kind im S ich, wandte fich ab« nun mit einer deiartiaen Wuth gegen Herrn M, daß er ihm den Ueberzbher und Rock zerfetzte und ihm den rechten Arm voll- ständig bis auf den Knochen z-rfleischte. Herr M. stieß einen furchtbaren Schmerzmsschrei au« und sank ohnmächtig zu Boden. DaS wüthende Thier ließ jedoch auch jetzt noch nicht von dem Daliegenden ab und suchie ihm dos Gesicht zu zerreißen. Nunwehr ab«« schienen einige Kuischer mit Peitschen und vertrieben den Hund von seinem Opfer. M. wurde nach ein« Sanität- wache gebrecht und mußte von dort nach einem Kranken- hause übeifuhrt werden. . Gin schrecklicher Unglücksfall«eignete fich der„Volks Ztg.� zufolge gestern früh auf einem Neubau in der Schulzen- dorferstrvße. Hier war ein neuer Arbeit« eingetieien und mit Aus�chachiungSarbeiten beschäsliat, als sich plötzlich die Erd> wand loslöste und den in d« Tiefe stehend« Abeit« begrub Obgleich man fich sofort daran machte, den Bedauernswenben aus seiner ve�hängniß vollen Lage zu befreien, so war derselbe doch bereit« eine Leiche. Der Verunglückte, bissen Namen und Wohnung noch nicht ftstgeftellt war, wurde nach dem polizen lichen Odduktion» Hauke a-schafft. Mittelst Rattengift und Kranutmri» fich ous der Well z i tchaffen, hat am Soonlag der, n Weißensee am Hein««» dorfer Weg wohnende Schiächterwe, st« L.»u Stande gebracht. Derselbe, ein in ganz behaglichen Verhältnissen lebender Mann schloß urplötzlich sein Geschäft, zog fich in leine Pnvatwohnnng zurück und nahm doit eine starke Dosis Rattengift. Da das- leib« nicht alsbald wiik e, so begab fich L. in ein nabeb-legenes Restaurant, kaufte dort Ii Liter de« stärksten NordhäuserS und tiank die scharfe Flüssigkeit h'nt«einand« aus. Nun begann das G'ft zu wirken und Hansbewohner fanden den L. geaen Abend bewußtlos an der Thür seiner Wohnung liegen. Ob- wohl ihm von einem alsbald hinzugerufenen Arzt- sofort Gegen- mittel gegebin wurden, vnstorb der eigenartige SeMmörd« wenige Stunden darauf im Krankenboule, wohin er geschafft worden. Augenscheinlich ist dos Motiv de« sonderbaren Selbstmo der« Geistesstörung gewesen. Gins» grausige« Fund machten am Sonntag Nach« mittag mehrere spielende Kinder auf der noch unbenonnten von der Hasenhaide abgehenden neuen Straße. Auf ein« d« zahl- reichen Baustellen daleibst«blickten fie p'ötzlich eine größere zugeschnürt« Zigarrenkiste, welche fie sofort an sich nahmen und öffneten. Wer beschreibt aber den Schrick der Knaben, als fie in der Kiste die Leichen dreier neugeborener Kinder sahen. Mit Entsetzensschreien liefen die Kleinen sofort zur Polizei, um diese von der furchtbaren Entd-ckung ,u benach- r ch iren. Die Recherchen nach d« unnatürlichen Matter der Dr ll nge, denn. mit solchen hat' man es augenscheinlich zu thun, ftnd in vollem Gange. Gin sonderbarer Fuudgegeustaud. Am Sonntag Abend erschiknen im R xdorfer atmtsbureau mehrere Knaben, welche mittheitten, daß fie ein— Pferd gefnnden hätten. Nach den Angaben der„Finder�, welche übrigens bereit» vttgeduch versucht hatten, da« Pterd für— eine Mark Finderlohn bei einem Fuhrhern in d« Herrmannstroße anzudringen, haben dieselben das Thier auf dem Tempelhofer Felde liegend ge« funden. Das b«renlose„Fundodjekt" wurde vorlär fia in poli- zeilichen Gewohisam genommen. D« Ergenihiim« ist bis jetzt noch nickt ermittelt. Eine mysteriöse Kraukheit. An da« Bett de« in einer Schrauden-Fadirk drlchästiglen 18jährigen Arbeit«« Paul A. wurde vorgestern Mittog der Arzt gerufen. Er fand d«n jungen Menschen in einem vollständigen Stankrampf liegend. A. vermochte fich nicht zu rühren und gab auf die Fragen de« Arnes auch keinen Bescheid. Die Angehörigen des Kranken erzählten, daß er vor einigen Stunden m diesem Zustande au« der Fabrik von Kameraden gebracht worden sei uno seitdem in dieser Verfassung daliege. Als dcr Arzt eben einig« ent- sprechende Verordnungen geben wollte, erwachte der Patient plötzlich au« seinem Starrkrämpfe und«klärte dem Doktor, daß« fich j'tzt völlig gesund fühle. Er wrsse Alle«, was um ihn vorgegangen, habe alle« genau gehört, sei jedoch trotz seine« festen Willens außer Stande gewesen, sich zu rühren oder einen Laut von l sich zu gebe-. Erst sei es ihm gewesen, alz ob ihm Jemand! die Kehle zugeschnürt habe, darauf habe er das Bewußtsein v«loren, und wenn auch dieses bald darauf wiedergekehrt wäre, so wäre er doch außer Stande geblieben, sich zu bewegen od« zu sprechen, di« es wie ein Zerren und R-ißen durch seinen Körper gegangen sei und er Beweauna und Sprache wied«- «langt habe. Da der geschilderte Fall den beb essenden Arzt auf das Lebhafteste interesfirte, so untersuchte er auf da« Genaueste, ob nicht etwa eine Simulation vorliegt. Der Herr Doktor gelangte jedoch zu dem Resultat, daß eine solche ouS- geschlossen wäre, und nahm von d« Erklärung des Patienten schriftlich Notiz, daß in der Fabrik, in welcher er beschäftigt, mehr«e solch« Fälle von Starrkrampf fich ereignet haben. Po«»i««r KunlnUn Szene weiß eine hiefize Lokal- konesponpen» zu«zählen. Der frühere Vergoß« und j tzige HauSdien« W. wohnte seit einiger Zeit als Ch-rmbreaarmst in d« Adalbertstraße bei den Sch'schen Ehrleut-n. Von seinem früheren Handwerk besaß W. ein große«, dolchmtigeS Messer, wie solche« die V«aolder zum Auflegen und Zerkleinern de» Blattgoldes gebrauchen. Da« Messer hatte der Coambregamist, in Zeitnngsxapi« eingewickelt, oben auf das in seinem Zimmer befindliche Spmd gelegt und dort entdeckte es Frau Sch. am gestrigen Vormittage. Sie erinnerte fich jetzt, daß ihr Mann dem W. TagS zuvor erzählt, daß er eine alte Schuld, an die « gar nicht mehr gedacht, einbekommen habe und es stand alsbald für die Frau ebenso wie für den Gatten, dem sie ihre Entdeckung sogleich mittheilte, fest, daß der Chambr« garnist fie mit d«m heimlich verwahrten Messer habe morden und dann berauben wollm. DerselbenAnficht waren auch dieF urnachbarn, und so hatte fich einfurchibaresGewitterüberdcnHauSSien« zufammengezozcn. Der saß. Nichts ahnend, am Sonntag Nachmittag bei sein-m K..ffe« und hotte fich eben gemüthlich eine Clgarre argest-ckt; als die Wirthsleute in Begleitung der Nachdar'chaft in feinem Zimmer«schienen und bevor« auf di« klassische Frage:„WaS wolltest Du mit dem Dolche? Sprich!" eine Antwort zu geben vermochte, da war er nicht allein an'« Kreuz und in'« Kreuz geschlafen, sondnn auch auf den Kopf, auf den Bauch, über- Haupt uberall, wohin nur ein kräftiger Arm schlagen tonnte. Nur mit böchst« Anstrengung gelang es ihm durch di- Wüihenden stch durchzuschlagen und das Freie zu erreichen. Auf der Straße brach« bewußtlos zusammen und wurde von Polizisten nach der in der Adalbertstraße befindlichen SanitätSwacke gebracht; dort stellte e« fich heraus, daß er so brutal bearbeitet worden, daß seine Uebersührung in ein Krankenhaus nothwendig wurde. Man brachte ihn nach dcr Charit«, während feinen WrrthS- lcuten es noch begreiflich gemacht werden wird, daß man noch kein Mörder zu fem braucht, wenn man einen Dolch im Ge- wände führt. Zu der Noefe'jchen Mordafför», jener Blulthat, die sich gegen Ende Dezen ber v. I.»n ein« Hof-Kellerwohnung in der Orarienburgerstiaße abgespielt hat, war neuerdings ron einer sehe delnillwten Anzeige die Rede, welche vor Kurzem bei der hiesigen Kriminalpolizei erstattet worden sein sollte.— Wie nunmehr durch Recherchen f-stgeftellt worden ist, reduzirt fich diese neue Anzeige auf ein Weibergeschwätz, welches ohne jeden Belang für die betreffende Untersuchung geblieben ist. Zugrulgletfuug auf dar Stadtbahn. Ab am Sonntag buh um z3 Uhr der Güte zu,, Nr. 27*0 auf den Geleisen der Rmgbahn in die Station Moabtt einfahren wollle und die Maschine eben eine Weiche paifirte, e> folgte plötzlich ein heftig« Ruck, welcher sich dem ganzen Train mrtiheilte und die Ma- schme, den Tender und zwei Güt-rvogen mit solch« Gewalt zur Entgleisung brachte, daß die Räder derselben sich tief in den Sand einbohrten und ein Güterwagen umschlug. Da« Fahrpersonal, mit Ausnahme de« Heizers, welcher einige leichtere Kontusionen«litt, kam m,t dem bloßen Schreck davon, ebenso blieb da« in einem o« entgleisten Wagen b'findliche Rindvieh unbeschädigt. Die G-leise konnten erst im Laufe de« Montag Nachmittag wieder fahrbar gemacht werden. Wodurch die Ent« gleiiung, welche übrigen« noch w:it größere Dimensionen arge- nommen hätte, wenn der Zag nicht gebremst gewesen war«, verursacht worden ist, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben. Zur Kewältigung de« MeihuachtsverKehr» auf den Postanftalten find i>tzi(chan die gefamn ten dikponidien K äste dieser BiHörde herangezogen und sert Montag dmfttS Hilss- pkerd« und Kutsch««ingestellt worden. Zum kommenden Sonnabend treten 250 Kremser zur Beförderung der Packete in den Postdrenst ein und die Zahl des für den Aushilfedienft engaanten P.rfonals bedägt eiwa 1500 Mann, abgesehen von den speziell zum Schaffn«dienst edenfa.« hinzugezogenen Unt«- osfizieren hiesig« Gard-.Regimenier, welche ,m Ganzen 400 Mann stellen. Die Einstellung des Hhföpersoral« hat für die Tage vom 2l. bis zun, 27. Dezember stattgefunden. Am Sonntag, den 22. d. MtS, find die Packet- Annahmestellen und am Mittwoch, den 25. und Donnerstag, den 26 die Packet- Ausaadeftellen den ganzen Tag, wie in den Dienststunde« d« Wochenlage, geöffnet. Spandau. Bon der Grützmacherwache bei d« Pulver- fabrik wurde tu dcr vergangenen Nacht ein eisjähriger Knabe oufgegrissen, welcher im Glccis umherirrt?. Er wurde zur Polizei gbcacht. d« geg«.über er angab, daß er aus Berlin sei. Seme Eltern halten ihn beauftroat, etwas einzuholen, und er habe da« ihm übergegebene Geld verloren. Au« Furcht vor Strafe wäre er nicht wieder nach Hause zurück- aek.hrt; er sei schon ein paar Tage unterwea«. Die Nach« forschungen«erden ergeben, ob diese Angab, n auf Wahrheit beruhen. MrshnU» der Amtsvorsteher von Pankow eine Versammlung des Fachverems der Gärtner nicht gerehmigt. Herr E. Büchner, Vorstßender de» Fachvereins der Gärtner, schreibt un«: Berlin, 16. 12. 89. Unter dem 17. d. meldete ich vor geraum-r Zeit eine Wanderversammlung de« Fach- verein« der Gärtner bei d«m BmtSvorstand zu Pankow an. Der Gastwirlh Herr Bärwalv. Inhaber de« Lokales„R ngel'S Gefellschaflshaus', hat« mir die bestimmte Zusage gegeben, die Versammlung in semem Saale gektatien zu wollen, da ab« auch er, gleich vielen fem« Kollegen, dem Grundsatz nicht zu huldigen fcheint. daß eine« deutschen Manne« Wort m-hr werlh sei, als eines Welichen Schwur, so zog er sein Ver- spreiden nach einigen Tagen zurück. Um da« Maß alle« bb. her Dagewesenen voll zu machen, sandte mir der Herr Amt«- Vorsteher gestern beifolgendes Schriftstück, das Sie zu Nutz und Frommen Ihr« geehrten Leserschaft veröffentlidhen wollen.«.>c. Da« betr. Schriftstück hat folaenden klassischen Wortlaut: Der Am t 5 v o r st e h e r. Pankow, den 12. Tez. 89. Auf Ihr Gesuch vom 5. d. Mt«.(! Red.) gereicht Ihnen b,«durch zum Bescheide, daß mit Rückficht darauf, daß h« Reftaurateur Barwald mitgelheilt hat, daß er sein Lokal zu der angemeldeten Versammlung nicht hergebe, die Genehmigung versagt wird. Der Amtsvorftlher. I.A. Hopp. An den Herrn Ernst Büchner zu Berlin. 3170. Polisribericht. Am 16. b. M. raurb« der Arbeiter Hein rch auf dem Neubau Schulzendorferstr. 17a bei den Aus- schachtungsarbkit-n von plötzlich nachstürzenden Erbmassen ver» Blüttet und soso t ßelöMet.— Nachmittags wurde auf der ranienbiücke eine Öbnhänd'enn von emem Omnibus über- fahren und erlitt anscheinend bedeutende Quetschungen an der Brust und am rechten B.in.— Aden dZ brachte fich ein Hand» lungSgehilfe vor dem Grundstück Köniaarätzerstr. 138 mittelst Revolveis einen Schuh in die linke Schulter bei. Er wu'de nach der Charitee gebracht.— Infolge der am 16. d. M. Morgen« herrschen d.n Glätte find fünf Personen gefallen und haben fich zum Th-il beseutende Verletzungen zugezogen.— Im Laute des Tages fanden an vier verschiedenen Stellen kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. GevtlHks-Ieifcmg. Der Krenzungspuutrt der Krnnnen-, Invalide«. «nd Ketrranenstratze ist einer der betedlesten Berlins. Am Aoende des 3. Augui: zwischen 7 und 8 Uhr ereignete fich dort ein Unglücksfall, welcher gestern zur.Aenntniß der vierten Straf. kammer des Landgerichts I gelanale. Der Kutscher August Niendorf befand fich wegen fahrläsfiqer Tödtung auf der Anklegebark. Der Brschuldiate, der zu jener Zeit mit einem leeren Möbelwogen von der Veteranenft-abe in die Jnvaliden» strahe einbog, hat bei �ser G.legenhei! einen etwa 60 jährigen Arbeiter, der den Bahndamm überschreiten wollte, über» fahren. Der Letztere wurde von einem Schutzmanne in einer Droschke nach seiner Wohnung gebracht und ist hier nach einigen Tagen infolge der erlittenen schweren Verletzungen verstorben. Der Angeklagte gab zu seiner Entschuldigung an, daß er eines Heils das Pferd nicht habe halten können und andemseitS sei der Verunglückte an» getrunken gewesen und habe es deshalb an der nöthigen Auf» merksamkeit fehlen Ussen. Die letztere Behauptung wurde durch das Zeugniß des Schutzmannes, der den Verletzten beglertet hatte, widerltgt und auch in Betreff des ersten Punktes ergab die Beweisaufnahme, daß die Unaufmerksamkeit auf Seiten de« Ang.klaglen gewesen war. Der Gerichtshof erkannte auf eine sechsmonatliche Gefängmßstrafe, während der SmatSanwalt 1 Jahr beantr'gt hat e. Die Angelegenheit de« Studenten der Medizin Panl Ftttig, welcher gegen verschieoene Redakieure Berliner B-aiie. Sliasantraz wegen Beleidigung gestellt halte, sollte gestern wiederum vor der 100. Abthtilung des Schöffengerichts eiörtert werden. In diesem Falle waren der Redakteur des .Berliner Börsen-Courier- und der„BerUner Zeitung" die Beklagten, gegen welche Herr Faltig auftrat. Der Letztere zog es vor, fich den vom Vorfitzmden gemach'en Emiaungs- vo-schlägen»uzäng'g zu zeigen, er zog feinen Sttasanlraz zwück, wogegen die Beklagien fich verpflichteten, einenden K äger rechtfertigenden, seiner Form und seinem Inhalte nach noch festzustellenden Artikel zu veröffentlichen. *• Werfelder WWeMozei» (Fortsetzung auS dem Hauptblatt.) Wüster: Ich machte Röllmghoff darauf aufmerksam, daß er terne Aussage beeiden müsse, worauf er die Aeuße» rung that. Röllinghoff: Ich habe nicht gesagt, daß ich eine Forderung an di«„Fiel« Press." von 150 Mark sür 30 Mark verkaufen wollte. Mit dem Zeugen war ,ch früher be» freundester. � mit Röllinghoff nach der Unterhaltung noch einige Mal zusammen. Ich glaubte, er hätte e« nicht so ernst gemeint, er würde eb'lich bleiben._ Präsident: Der Begriff.ehrlich" ist bn Ihrer Parter ander«, als fönst bei gebildeten Leuten. Bebel protttut energisch dagegen, worauf der Pra» fident srine Aeußerunq zu üanimmt. Der Zeuge W ü st e r wird verridH. Zeuge Kupfer feld: Von Röllinghoff erhielt ich eine Brolwüre.(Er legt diese vor: fie betrifft die Ch.kagoer Ver. uithiilten.) Röllinghoff hat mich v ranloffen wollen, im August diese« Jahre« einen Leseklub zu gründen; er wollte für Bücher und Sch ifien sorgen. Au« dem verbotenen»Reuen Winter- märch n" hat Röllmghoff vorgelesen. Röllinghoff: El wurde über da«»Wmtermarchen" gesprochen und da erbot ich mich, es zu besoraen. Kupferfeld: Am 2. September d. I. stellte Rölling- hoff seine Sachen bei m,r ei»; er halte kein Geld und sagte, ich möchte einige GlaS Bier bezahlen, was ich that. Er ging kurze Zeit weg, wie er sagte, zu einem Polizeikommissar, und nachher hatte er 80 Mark, er sagte lächelnd, von»serner lieben Frau."(Der Z-uge wird vereidigt) Grimpe: Die vom Zügen vorgelegte Broschüre ist diejenige, die nach Kammhoff in der»Fr. Pr." gedruckt fem soll.. � � K u p f e r f e l d: In der kurzen Zeit, wahrend welcher Röllmahoff weg war, kann er nicht bei seiner Frau ge» "�"r öl 1 inghoff: Ich habe da« G-ld eingewechselt. Zeuge Beruhöfer: Röllinghoff war in Belgien und brach ie anai ch stlsche Broschüren und Flugblätter mit. In Irtzler«n stand:»N eder mit den Tyrannen" und dligl. Durch den Färber- streik wurde ,ch mck Röllinghoff bekannt. Er sagte, er wollte zu guten Freunden nach Brüssel, wo er Geld losmachen wollre. Ich wurde gewarnt, nicht« von ihm anzu» nehmen, da er im Dienste der Geheimpolizei stehe. Als er zurückkam, brachte er kein Gels, aber die Schneen, die er vo'.las. Ec bot uns an, wtc sollten 30(XX) Flugblätter zum Verbreiten bekommen, dann bekämen wir Geld genug. Später sagte er mir, wenn der Prozeß voibei sei, werde r fich dü-.ne machen. Röllinghofs: Ich will aber erst meine Strafe ver» �BergHöfer(auf Befrag-n Bebels): Röllinghoff sprach davon, daß er die Schnften bei femer Frau unter- ""r..A. Schweitzer:. War Röllinghoff nicht an allen Streiks betheiUgi?..... B e r g h ö f e r: Am Färberstrerk war er betherligt und schaffte auch etwa« Geld herbei. /a i.- G.'mpe: In die»Fre.e Presse" kam Geld für d,e S>re kenden und bei einem Besuch von Komlteewrlglredern wu de die Aeußerung Röllmghcff'« bezüglich de« Geldes mit» gethnli. Der Zeuge Berghöker wird vereidigt. Z uge Stärken: Röllinghrff kenne ich aus Anlaß des Fä bcistreiks. Als das Gespräch fich um Geld drehte, sagte er, er wolle deswegen nach Holland oder Belgien reisen. Darrufhin hielt ich ihn kür einen Spitzel. Er reiste auch nach B üffei und wollte nn Mitglied de« Streikkomitee« mitnehmen, was>ch oerdiodrrie. Als er zurückkam, tagte er, Geld habe er nitt mitgebracht, aber Andei es. Er zeigte dann die onarchisti'Se,, Flugblottn und ein Buch der»Anarchistischen Bchnothek" Er gab mir dasselbe u>.d erklärte mir auch die Zusammensetzung der chemischen Tmie, die er mir zum Brief- �"gl a aT« a n»alt: Der Zeuge war der Organisator de« Färberftreiks. Vertheidiger Der FLrb'rstceik hat doch mit der sozial- demokratischen Partei nichts zu thun. Stärken; Röllinghoff erzählte mir, er wäre beim anarchistischen Kongreß gewesen. Er meinte, eS wäre nichts Anderes mehr zu machen, man müßte Dynamit nehmen. Man solle da« Kasino und einige Kirchen in die Luft sprengen. Er bot 80000 Flugblätter an, die wir verbreiten sollten. Geld be- kämen wir dann genug. Röllinghoff: Die Aeußerung von Dynamit hat der Zeuge gemacht. Stärken: Ick kann meine Aussage be- schwören, meineHerren! Hüttenberaer: Röllinghoff wurde von den hiefizen Genossen eine Zeit lang gemieden, weil er als Anarchist galt. D a st i g: Als ich als Ausgewiesener nach hier kam, wurde ich von Röllinghoff in»ine Versammlung mitgenommen, die anarchistisch war. AI« ich mich dagegen verwahrte, wurde ?esagt:»Den können wir nicht gebrauchen." Röllmghoff hat abei nicht erklärt, er wolle mit der Sache nicht« mehr zu thun haben. Es war in der Gesundheitsstraße in einer kleinen Wirtbfckaft. Röllinghoff: Im Prozeß ReinSdorff war ich als Zeuge geladen, ober nicht vernommen. Bebel weist auf die Aussagen der Frau Röllinghoff hin in Bezug auf die»Freiheit". Röllinahoff: Als die»Freiheit" anarchistisch wurde, hielt ich fie nicht mehr. Stärken: Röllinghoff hat uns Geld ge- boten, wenn wir etwas in die Luft fliegen lassen wollten. Röllinghoff(auf Befragen): Im Prozeß ReinSdorff wurde ich vom Untersuchungsrichter vernommen, aber vom Reichs- gericht unvernommen entlassen. Stärken: Als ich als Zeuge vorgeschlagen worden, kam nock Meinung meiner Frau Kommissar Kammhoff vor meine Wohnung. Der Zeuge wird vereidigt. Bebel: Röllinghoff sprach-mit Ihnen von geheimer Tinte? Stärken: Ja; er lehrte mich den Gebrauch derselben. Staatsanwalt: Ich habe den Zeugen Münnich geladen. (Münnich ist der aus GeheimbundSprozessen bekannte »Zeuge Münnich".) Zeuge N i e m a n n: Von Hugo Schumacher habe ich die „Volksdibliothek" bezogen. Die Ziffern auf Schumachers Zettel bedeuten die Nummern der»Volksdibliothek". In anoerem Verkehr stand ich mit Schumacher nicht. Der Zeuge wiid vereidigt. Es trstt eine Pause von 20 Minuten ein. Zeuge Karl Schumacher(war Beschuldigter): Vor vier Jahren unaefäh: kam Julius Weber zu mir und stellte an mich das Anfinnen, Packele für ibn in Empfang zu nehmen. Ich vermuthe, daß in den P-cketen Waaren für Weber waren. Ich habe also Weber unbewußt als Deckadnsse gedient. Meine Frau sagte einmal, Weber sei ein schlechter Mensch, weil er mich hermlich zu solchen Sachen gebrauchte. Von geheimen Versammlungen oder der Verbreitung des»Sozialdemokral" weiß ich nichts. Ich bin jetzt Sozialdemokrat, früher war ich es nicht. Der Zeuge giebt ferner an, er sei wegen seiner Aussage bedroht worden, worauf R.-A. Schweitzer fragt, ob es Arbeiter oder v-rkleidete Polizisten waren. (Von allen Seiten wird ein erstauntes Geficht gemacht.) Bebel erklärt, e« seien in den letzten Jahren in Deutsch- land solche Dinge vorgekommen, daß man Aue« für möglich halten könne. Der Präsident verliest einen dem Zeugen Schumacher ngegangenen Drohbrief, in welchem ein Todtenkopf gezeichnet D.-r Bcief erregt allgemeine Heiterkeit. Der Zeuge wird vereidigt. Zeuge Trlger, Polizerkommiffar au« Düsseldorf(bereits vereivigt): Kurz vor Schluß des Düsseldorfer Geheimbunds- Prozesses wurde mir von einem damals Angeklagten die Düffel« dorfer Oraanisatron geschildert. Lehmann stehe mit Harm und dieser wreder mit dem Komitee der Fraktion in Verbindung. Münnich hat mir die Mittheilungen gemacht. Bebel: Ick war Zmge im Düsseldorfer Prozeß; das wird der Zmge wissen. Warum hat der Zeuge damals die Mrttheilurigen MünnichS nicht zur Kenntniß des Gericht« ge- bracht? Tilg er: Ich hatte keine Veranlassung dazu. Bebel: Die Sache ist doch von größter Wichtigkeit; ich wurde ja wegen der allgemeinen Verbindung vernommen. Weshalb hat hier der Zmge bei seiner ersten Vernehmung dem Gerichte nicht über deese Organisation ausgesagt. Tilg er: Ich wurde nur über die Wind'fche Angelegen- heil gefragt. Münnich stand im Dienste der Polizei und machte Mittheilungen. Außer dem, was ich von Münnich hörte, weiß ich nicht« von einem Verkehr der Düsseldorfer Organisation mit der Fraktion. Der Reichstagsabgeoidnete Frohme hat sich, wie ich hörte, in wegwerfender Weise über den Eid geäußert. Bebel: Ick beantrage die Ladung Frohmes; es ist eine so schwere Beschuldigung gegen ihn erhoben worden. Wenn irgend Jemand ein Gemer des»Soz." oder gegen geheime Verbindung ist so ist es Frohme. Ti lger: Der Fleischbeschauer Schmidt wird die Aeuße- rung FrodmeS bekunden. Bebel: Schmidt wurde von den Düsstldorfer Angeklagten al« Spitzel bezeichnet. Adgeordne ec S ch u m a ch er: Dieser Schmidt gab fich die größte Mühe, einen großen rheinisch-westfällschen Geheim- Hund zu gründen. Er machte deshalb mehrere Reisen. Ich wie»'hn zurück. Staatsanwalt: Ich lege keinen Werth auf den Zwischenfall. Bebel: Frohme wird jedenfalls einen Verleumdung«- prozeß anstrengen. Schumacher: Schmidt ist wegen Verbreitung der »Freiheit" bestraft. Er berief einmal einen geheimen Kongreß ein, dessen Th-ilnehmer fich durch von ihm zugestellte Karten legitimiren sollten. Tilg er(auf Befragen de« Staatsanwalts): Rieckmann, Gemmer und Krause, die drei verhafteten Düsseldorfer Zeugen, find mir als Sozialdemokraten bekannt. Der Präfioent verkündet, daß die Ladung Frohmes abge- lehnt fei. Zeuge AugustlMünnich, Dienstmann zu Dusseldorf: In geschäftlicher Angelegenheit war ich in Zürich. Don trat ich mit Schlüter, Bernstein und Tauscher in Ver- diodung. Die Druckerei de«»Soz." gehört der ganzen deutschen Parte,. Es wurde mir von Dempwolf und Schlüter gesagt, daß die Kassen von Reickstagsobgeordneten reoidirt wurden. Es war im Winter 1386/87. 1887 im April ging ich au« der Schweiz fort. Welche Reichstagsabgeordnete dr« Kasse revi- bitten, wmde mir wcht gesagt. Wir haben bei unserer Ab- rechrung(vom Züricher sozialistischen Verein) einen Ncberschuß gehabt; Bernstein sagte, man sollte da« Geld nach Deutsch- land schicken. Die Artikel des»Soz." werden von Deutsch« land eingeschickt. R-A. K r ü s e m a n n: T otz der Deduktion dieses Zeugen hat dos Düsseldorfer Landgericht das Bestehen einer allge. einen Verbindung nicht angenommen. Bebel: Ja Düsseldorf hat der Zeuge diese Aussagen Münnich: Ich wurde nicht darnach gefragt.(Auf Be- fragen Bebels): Im sozialistischen Verein in Zürich war von Geld au« Düsseldors nicht die Rede. T i l q e r: Münnich bat im Düsseldorfer Prozeß gesagt, daß Bernstein in Zürich dabei war, al« die Abrechnung von Tew'« vorkam. Tewe« war damals in Zürich. Bebel: Der Zeuge hat m Zürich der öffentlichen Ver« bindung angehört; wenn er länger bort gewesen, hätte er wohl auch mich dort sehen können. Ja den Versammlungan dort find stets viele p eußssche Spitzel. Wir find leider nicht in der Lage, Zeugen zu laden. Staatsanwalt: Laden Sie Bernstem. Bebel: Der kommt nicht nach Deutschland.(Hesterkeit.) Wir können nicht du-ch Zeugen beweisen, daß Schlüter de« Münnich keine solche Erklärung abgegeben, aber es ist einlach unmöglich, das erkläre ich. Ferner erkläre ich auf das Be- stimmteste, daß weder ich noch meine Kollegen eine Revision der Bücher des»Soz." vornahmen. Staatsanwalt: Auf dem Kopenhagener Kongreß wurde eine Revifionskommisfion gewählt. Bebel: Das ist wahr; wenn es nicht der StaaSanwoll erwähnt hätte, würde ich es gethan hoben. Die ReoifionSko«' Mission. Manz, Warth und Fischer, hatte unsere Fonds zu revidiren; mit dem»Soz." hatte fie nichts zu thun.(Der Präsident verlrest eine Stelle au« dem Bericht über den Kopenhagener Kongreß.) Ueber den fi-ranzielleo Stand de«„Soz." wurde auf dem Kopenhagener Kongreß nicht« berichtet. Der Staatsanwalt giebt zu, daß die Kommission die Unter st ützungsfond« reoidirte. Ein Artikel aus dem„Soz", der auf Veranlassung Bebels verlesen wird, bestätigt dies. Münnich(auf Befragen Schumachers): Mehret« Exemplare des„Soz." erhielt ich von Held, habe sie aber nijt verbreitet. Seit ich dem Bürgermeister es versprochen, habe ich keinen»Soz." mehr verbreitet. Schumacher: Haben Sie in Ohligs dm Versuch V macht. Klubs zu gründen? Münnich: Nein.(Auf Befragen): Ich habe rothe Shssp!« verloost. Fingirte Haut suchung hielt der Bürgermeister nicht bei mir ab. Schumacher: Das hat aber der Bürgermeister vor richt ausgesagt. Münnich muß auf weiteres Befragen zugeben, f»k Hasenclever gesammelte Gelder nicht abg«' liefert z u h ab en. Noch einmal über Zürich befragt saat er: Jw sozialistischen Verein in Zürich wurde von Tewe« Geld a»S Düsseldorf gebracht. Bebel macht darauf aufmerksam, daß der Verein ei» öffentlicher sei. Münnich: Wie da« Geld Tewe«' verrechnet wmde, weiß ich nicht. Bebel: Ich begreife auch nicht, wie die Abrechnung Te»«» in den Züricher Verein k.m. Es ist unmöglich, daß in der Ver- sammlung so etwa« verhandelt wird. Münnich: Da« Geld hatte TeweS mitgebracht, fä Parteizwecke. Bebel weist auf die Unmöglichkeit vieler AuSsagm deS Zeugm hin. Münnich: Ich war von Kommissar Tilaer beauftragt' die sozialistische Bewegung zu überwrchm. Bei Held in Düss«*' darf sah ich dm»Sozialdemokrat" liegen und bekam auch ein Exemplar, da« ich einem Anderen geben mußt«- (Auf ernstliches Ermahnen des Präfidenten): Ich hm« die Wahrheit gesagt.(Er erwähnt auch dm Ramm Schwenk hagm.) Bebel: AI« man fich bei mir nach Schwmnhapm tv kundigte, antwortete ich, die Leute in Zürich solltm fich ni«' noch weiter mit ihm abzebm erklärt mir aber viele« von de« Zeugm Ausgesagte, was Schwennhagm ist, haben wir ja gehört. Münnich: Ich habe Schwmnhagm mit zur Bahn g«� bracht. Grillenberger weist daraufhin, daß dm Zuge sagt habe, Schlüt« und Bernstein hätten ihm ihr Vertrau«a geschenkt, weil er ein Freund Schwennhagen'S i*' wefen! Der Zmge wird vmeidigt. Zmge Richard Hecker(bereits vereidigt): Bei Espla« war ich öfter; von Zusammenkünftm bei ihm weiß ich nichts- Der»Rothe Teufel" ist mir zu Geficht gekommm, ob du Esplör, weiß ich nicht. Bei ESplör sah ich die»Freie Press« und die»Ardeiterzeitung". Zmge Wilhelm Krämer, Schriftsetzm zu Eliess feld: Am vorigen Donnerstag Abend sah ich Polst«? sergeant Jäckel und Röllmgboff in Vohwinkel beisammen;«J beachtete, wie Jäckel dem Röllinghoff einm Brief gab, o1' dies« las. Röllinghoff bestreitet die«., Rechtsanwalt Krüfemann: Ich konstatire, daß Röllinghoff selbst auf dem hiesigen Bahnhof gesehen, wie abfuhr. Rechtsanwalt Schweitzer: Herr Adami wird bekunb«»' Polizeiseraeant Jäckel in Zivil auf dem hiefigm Bahnhof f sehm zu haben und er von Röllinghoff gewinkt worden ist- Jäckel, Polizeisergeant(auf seinen Eid): Ich bin Vohwinkel in dienstlicher Eigenschaft gegangm; auf 1,(0 Bahnhos DöpperSberg bemerkte ich, daß ich von vi« fönen beobachtet wurde. Ja Vohwinkel habe ich nicht u«? Röllinghoff zusammengesessen.(Der Zeuge wird sebr ertW' Krämer gegenüber, und wird vom Präfidentm zur OrduU"' gerufen.) K r a m e r: Ich wurde beauftragt, Jäckel zu beobachte und habe dies gethan., Jäckel: Ich war in amtlicher Eizmfchaft in Vohwiu««� Präs.: Betraf dies Röllinghoff? Jäckel: Darüber verweigere ich die AuS k u n f t. Mit dem Brief habe ich nichts zu thun. Auf d«" Bahnhof Steinbeck wurde mit Fingern auf mich gezeigt. Krämer: Ich bestreite, dres gethan zu haben. � Präs.: Ich begreife nicht, zu welchem Zweck so etl»� geschieht.<, R.-A. Schweitzer: Es ist für un« wichtig, die Glau'' Würdigkeit Röllinghoff'« ins rechte Licht zu stellen., aj Grimpe: Um die Zusammmgehörigkeit dm Polize««" Röllinghoff festzustellen., Zeuge Dammboch, Drechslm: Ich war in Voh««� um Röllmghoff zu beobachtm. Al« wir ausstiegen, sahen Röll nghoff un Wartesalon 2. Klaffe mit Polizeisergeant sprechm, mehrere Male. Ich sah, wie Röllmghoff einen la«; wer ihn denselben gegeben, sah ich nicht. Ich ging,*»tz linghvff nach; derselbe ging von hinten in ben Wartesaal u sprach mit Jäckel. Dm Zeuge wird vmeidigt.. Krämer: Bestimmt sogen, daß Röllinghoff neben J" saß, kann ich nicht. Aber m war bei ihm am Tische. Der Zeuge wird vereidigt.. j, Ullenbaum: Soeben haben fich zwei höhere Pu"«», beamte in, Zeugenraum über Zeugen ausgelassen, wie»LuwC' pack" u. dgt t Utsti Der Präsident ermahnt die Zuhörm zur Aufrechimhu" de- Anstände«. � Berg höfer fügt seiner vorherigen Aussage noch Details bezüglich da Dynamitäußerungen Röllinghoffs uno Gründung eines anarchistischen Leleklub« hinzu....n Gustav Rinke(auf Veranlassung de« EtaatSanwm Ich habe dem Zeugen Müller gegenübm nie von Dynom« u sprachen. Die Ztuaenvirnrhmunz ist nach der E.klärunz de» Pcäfi- denten beendigt. Rechtsanwalt Schweitzer: Wenn Kommissar Kammhoff noch einmal vernommen werden soll, mutz ich noch einige Zeugen laden. Präsident: Heute Nachmittag 6 Uhr bcabfichtige ich d:« Beihandlung fortzusetzen. Die Zeugen sollen dazu geladen werden. Staatsanwalt: Auf die Ladung der Zeugen, welche über Münnich aussagen sollen, bitte ich zu ver- zichten, ebenso der Zeugin wegen Frau Wmd. R.'A. Schweitzer: Die Glaubwürdigkeit des Zeugen Münnich soll sin das rechte Lilbt gestellt werden. Durch das eidliibe Zeupmtz der Eheleute Biermann lasse ich feststlllen, daß Kammbcff mit Bleckmann häufig verkehrt hat, sogar in separatem Zimmer. Bebel: Die letzte Zeugin Frau Kellermann, soll be« künden, daß die Frau Wind mit Kammhoff verkehrte. Duich die Aussagen anderer Zeugen soll event. die Unrichtigkeit der Aussagen Blcckmannt rochgewiesen werden. Der Gerichtshof zieht sich zur Berathuna �zurück, als deren R-fultat beim Wicdcrerschcinen der P äfident ver» kündet, daß die vorgeftlagenen Z-ugen, auck, die Ehe» frau Wind,»Zeug« Münnich" und Kommissar Kamm- Hess zu laden find. Die Verhandlung werde morgen fort» gesetzt. Schluß 2 Uhr. die Berstcherung übermitteln, daß die Arbeiter Hamburgs voll und ganz auf Seiten der Streikenden stehen, und daß dort auch alle Kräfte angespannt werden sollen, die Streikenden mit allen Mitteln zu unterstützen, um sie dadurch vor Roth zu bewahren. In der Diskussion sprach Kollege Borchmann aus Berlin seine Freude darüber aus, daß die Hutarbeiter und Arbeiterinnen bis heute ihre Solidarität be» wiesen haben und an ihren gerechten Forderungen einmmhig festhalten. E» ist der Streik dadurch, daß die seiner Zeit nach hier gekommenen Frankfurter Kollegen abgereist find, in ein neues Stadium getreten; denn der von den Fabrikanten bis jetzt vorgeschobene Grund, die Kohn'sche Fabnk wäre voll besetzt, rftnunmehr hinfälliggeworden. Die Ahreise dieser 39 Streikbrecher bat die Fabrikanten stark beunruhigt, und wir hoffen, aus dem Kamok« als Sieger hervorzugehn. Es find jetzt im Ganzen ca. 730 Streikende zu unterstützen, und Jeder wird wlssea, was es heißt, den Anforderungen, die an die Streik Kommission gestellt werden, gerecht zu werden. Bis heute ist es. Dank der von allen Gauen Deutschlands eingetroffenen Geldsendungen möglich gewesen, nahe 12000 Mk. an Unterstütz rngen zu zahlen. Die Streik- Komm sfion appellrrt nochmals an die Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschtands, ihre Solidarität mit den Streikenten zu beweisen, um dadurch wenigstens die größte Roth von denselben fern zu hallen. Alle Sendungen find an W. TiniuS, H. Baotz, Schwarzer Adler, zu senden. Sozial« Meberflihk. N-« der Firma Ed. Methl-w Ä Co., Köpenicker- strast« 109i, erhalten wir folgendes Schreiben:»Nachdem Sie wiederholt, zuletzt in Ihrer Nummer 294 vom 15. d. M., wreffs eines Vergolderstreik« in unserer Fabrik Erklärungen der Streik.Komm'sfion, welche gegen uns gerichtet waren, zur Veröffentlichunfl brachten, erlauben wir uns unter Bezugnahme «uf Z Ii des Reichs» PreßgesetzeS hierdurch die Bitte, auch unserer nachstehenden Erwiderung in Ihrem Blatte Raum zu geben. Zuvörderst möchten wir bemerken, daß an dem Streik nur etwa der vierte Therl unseres Personals betherligt ist, und »war find dies die Vergolder, bezüglich derer wir allerding» konstatiren müssen, daß sie von jeher anspruchsvoller sein zu dürfen glaubten, als ihre gesammten Mitarbeiter. Von dem Streikkomitee wurden drei Forderungen aufge» stellt, und zwar: I. Aufhebung des bei uns seit mehr als 30 Jahren be. stehenden Markensystems, d. h. einer nach unserer Meinung nicht überflüssigen Kontrole über das pünktliche Eischemen zur Arbeit, und eine» bieimit v-rbundenen Strafgeldes in Höhe von 2V Pf. als Entschädigung für den durch da« Zuspätkommen entstehenden Ausfall. Wir haben uns bereit erklärt, hierin nachgeben zu wollen, und somit den Leuten zu gestatten, zur Arbeit zukommen, wenn es ihnen angenehm ist. 2. Wievereinstellung eines angeblich gemaßregelten Kollegen Wir deziehen uns auf eine bereit« früher von uns im »Berliner Volksblatt" veröffentlichte Berichtigung, wonach die Behauptung von drr Maßregelung auf Unwahrheit beruht. 3. E« wird von uns die Entlassung eine« WerksührerS »erlangt! Sonderbarer Weise haben wir bis heute noch keinen Grund, stichhaltig oder nicht, erfahren können, warum die Entlassung des Werkführers verlangt wird. Von den M-tglredern der Etreikkommisfion, sowie von anderen Streikenden, mit denen wir hierüber verhandelten, konnte jeder Einzelne nur aussagen, habe an dem Werksührer Nicht« auszusetzen, und seinetwegen rönne er immer bleiben. Die Forderung sei j doch vom Jach» Ukrern beschlossen und müsse daher ausrecht erhalten werden. Der Fach verein aber besteht, zum bei weitem größten •■Cheil aus Leuten, welche niemals bei uns gearbeitet haben, welche den tekeff nden Werksührer vielleicht nie gesehen haben. Wir glauben daher mit gutem Recht behaupten zu können, daß wtse Forderung und überhaupt der ganz« Streik nur das Werk »»n einzelnen Agitatoren est, die es verstanden haben, die »oihigen Aufhetzungen durchzuführen. Es handelt sich in diesem Werkführer um einen Mann, �lcher in jeder Beziebung, sowohl gegenüber Arbeitgeber wie Arbeitnehmer seine Schuldigkeit geihan hat, und der sein »ach gründlich versteht, vielleicht zu gründlich, um sich Jge Sympathien der sämmtlichcn Betheiligten erwerben zu wnnen. ., Wir haben immer die Anschauung gehabt, daß ein Ar« Sf'ler thöiicht handrln würde, wenn er im Stande ist, seme Situation zu verbessern, und er die« nicht thäte; für die In» lienefltzung des Streiks bei uns wissen wir uns aber bis heute mcht eine irgendwie p aufibte Erklärung zu bilden, e« »jußte denn diejenige sein, daß es allerdings für Viele mehr A«>z haben mag, wöchentlich 21 M. au« der Streikkasse zu ver» nhren, als ihrer Beschäftigung nachzugthen Hochachtungsvoll E d. M e t h l o w u. Co. »•"Hiwgept. es wirb Tacye oer«eiyrmgien ,em, �«ge, sachliche Antwort nicht schuldia zu bleiben. »>*« alle Siegle» und Aiegeleiarbrtt,» z Kollegen! ib» st�isviel so vieler deul.chen Gcwerkichatten, welche durch gute Organisation Erfolge sür besseie Lohn» und Arbeits- �.'"gungen erzielten, hat uns veranlaßt, den Versuch erner Wnisaiion unserer Branche zu machen. >>„, � �nrnd de«§ 152 der Gewerbeordnung haben wir zlssk Statuten ausgcaibeltet und unterbreiten dieselben unseren ""schen Kollegen! fiiu 01 Werth und die Macht der Vereinigung Euch zu »?"dern, ist wohl kaum r öthig. Wir hoffen, daß es nur dieser jS�BWig bedarf, um schnell den Anschluß an die neu ge» im, 1« Bereinigung Herbeizusühren. Ruit an allen Orten »iin;'chf Versammlungen herbei und wo Ihr diese nicht be» . uitA* f-c.»»itr flÄrimhuno einer Serlattttnlnttgen. Sendet Berichte sowie Adussen teifT-i rvyv* i••••»•• � �_-w* sfii.1. stikommt, laßt eine Einladung zur Gründung einer "•l* zur Unterschrift herumgehen. 'irr 11 mit uns in Korrespondenz. dvn stattgehabten Versammlungen. mchtigen Kollegen in andern Städten. Zi yfganifirt planvoll nach ollen Seiten hin. Geht von Wo»;,?u Ziegelei und laßt jede Ziegelei Vertrauensmänner K nach der Zahl der Arbeitenden. >dj.?>« kräftigsten Stützpunkt für unsere Bestrebungen haben Fachorgan gegründet, da« wir jcdcm Mitgliede gratis iy Vortheile drs neuen Verbandes find allen deutlich foiden atu,tn vor Augen geführt, die wir auf Wunsch ver- Vorwärt»! Ihr deutschen Ziegler! Werbet für ftei.�m kol/egialischem Gruß der provisorische Vorstand �Vereinigung der deutschen Ziegler: �«.yAugust H imlich, Chousseestr. 115, Werder a. H-, erster Bonn!»: Heinrich Schäuffler, zweiter Vorfitzender; August Ä Schriftführer. IWo.? 16. Dezbr. Ifc89. In der gestern hier syj.JJ IUn denen Hutorberterversommlung, die von nahe 1500 Per» "ach x��'vcht war, hat Kollege H'llsinger Bericht über fern Reise erfni�omburg e, startet, die auf Wunsch der dortigen Hutmacher war. Kollege Hillfirgrr konnte der Versammlung Der Fachverei» der Kischier für de« Este« hatte am Sonnabend, ven 14. d. M., seine regelmäßige Mitgliederver» sammlung im Böhmischen Brauhause, Landsberger Allee. Zum 1. Punkt der Tagesordnung referirte infolge Erkranken« des Herrn« Dr. Bruno Wille, Herr Böische über:»Die Darwin'iche Lehre." Der Vortragende erntete reichen Beifall für seine tresslichen Ausführungen. Herr Oelze stellte dm Antrag, über dm Vortrag keine Diskussion stattfinden zu lassm, welcher em« strmmig angmommen wurde. Zu Werkstattangelegmheitm forderte der Vorfitzmde der Werkstatt. Kontrolkommisfion, Kollea« Roggemann, die hierzu eingeladenen Kollegen der Werkstättm von Schubert, Elbingerstraße 7, F-öhlich, Rüder«. dorfeistraße 11, und Rogambau, Gubenerstcaße 59, auf, sich zum Wort zu meldm. Es wird vom Bevollmächtigten kon» ftatirt, daß au« der Frö'hlich'jchm Werkstatt, welche schon zwei mal vergeblich von der Werstatt» Kontrolkom Mission eingeladen, auch jetzt Niemand von dm Kol legen anwesend sei. Ebmso sei au« der Schubert scheu Werkstatt Niemand erschienm. Da« wird von allm Rednern schms getadel». Aus der Roggenbau'schen Werkstatt, in welcher nur zwei Kollegm arbeitm, ist einer anwesend, welcher schwerhörig ist. Derselbe gab die Versicherung, sich mit den Pnnzipim des Vereins einverstanden zu erklarm, und trat demseldm sogleich bei. Zu Verschiedmem ersucht Kollege Rogge» mann diejenigen Kollegm, welche Mitglieder der OrtSkrankm- kosse find, ihre Adresse an ihnhoder eme andere VertraumSperson des Verein« abzugeben betreffs der Kasfirerwahl. Auf Anregung de« Kollegen Becke machte der Bevollmächtigte bekannt, daß der Vorstand sein möglichst«« thun werde, Billet» zum Wissenschaft- lichen Theater der Urania zu dm e, mäßigten Preisen von 20 Pf. zu erhalten.— Zur Richtigstellung des vorigm Berichts sei hier angeführt, daß die Kollegm der Röiner'schen Werkstatt, Weinstr. 6, noch in keiner Werk» statt- KontrolkommisfionSfitzung, noch VtreinSversammlung erschienm sind, trotz mehrmaliger Einladung, sondern ein Schreiben an dm Verein gerichtet haben, welche« einen so schroffm und ironischm Worlaut hat, daß dm Kollegm ans �erz gelegt wird, solche Werkstätten strmgstenS zu meidm, sich »oerhaupt derartig«»Herren Kollegm" zu merken. Zum Schlüsse machte der Bevollmächtigte, Kollege Schade, darauf auf- merkfam, daß diejmigen, welche sich noch nicht zur Besichtigung der Böhmischen B.auerei im Betriebe gemeldet habw, diese« bis späieftkns Sonnabmd, dm 21. d. Mts., schriftlich oder münd. Irch bei ihm zu lhun haben. Dersetbe wohnt Gubmerstr. 61. Am Sonntag, dm 22. d. Mt«., Vormittag« 9tz Uhr, mögm sich die Mitglieder im hinterm Saal de« Böhmischm Brau» hausrs pünktlich einfinden. Aufgenommm wurdm 50 Mit glieder. Die»Freie Vereinig««,» der Schneider" tagte am Dienstag, dm 10. d. M., m Jordan« Salon, Neue Grün- straße 28, mit folgender Tagesordnung: Rechenschaftsbericht des Vorstandes. Kassenbericht. Neuwahl des Vorstandes. Vor» trag des Herrn Fritz Krüger über: Alte» und Neue« au« der Naturgeschichte. �Zum ersten Punkt nahm der Vorfitzmde, Herr "feifer, da« Wort und legte« dm Anwesmden die gesawmt« .hätigkeit des Vorstandes klar. Derselbe habe fem Mö lichftes gethan, in die Reihen der Kollegen durch fw gewerbliche und wissenschaftliche Vorträge Aufklärung zu tragm, wie die Tagesordnung der stattgefundenm Verfammlungm bewiesen. Statutmmäßig hätte die»Freie Vereinigung"»war mehr Virsammlungen abbaltm müssm; jedoch habe dieselbe in der erstm Zeit stets an R.fermten» und Lokalmangel gelitten. E« sei aber hier, nachdem an Stelle de« erkrankten 1. Vorfitzmdm und des abgereisten 2. Vorfitzenden, ein« Ersatzwahl sta,lfinden mußte, eine Besserung eingetreten Die»Freie Vereinigung" habe seitdem einen erfieulichen Auf» schwung genommen: so sei die Mitgliederzahl von 50 im Februar auf nahe 250Zgestieaen, trotz der Schwierigkeiten, welche derselben von Seiten der hiisigm Filiale de« deutschen SchneiderverbandeS gemacht wurden, durch deren Taktik der Vorstand gezwungen war, mehrere Versammlungen der Freien Vereinigung ausfallen zu lassen. Es sei zu hoffen, daß, wenn der neuzuwählende Vorstand in dem Sinne weiter arbeite und die Mitglieder auch semer ihre Schuldigkeit thun und immer mehr Mitglieder werbm, die Freie Vereinigung ein festes Bollwerk gegm die Ausbeutung bilden und zum Segm der Berliner Schneider gedeihen werde. Zum 2. Punkt gab der Rendant, Herr Täterow, ten Kassmbericht, welcher in allen Punktm für richtig befundm wurde. Ihm wurde auf Antrag der Reoi- form Decharge ertheilt. In den Vo> stand wurdm folgende Herrn einstimmig gewählt: L. Pfeiffer, 1. Vorsitzender, Kom- mandantmstr. 21, wiedergewählt, S-bulz, 2. Vo fitzender, Kronenstc. 23. Mendt, 1. Schriftführer, Goimannstr. 21, wieder» gewählt, Hoffwann, 2 Schristführer, Alte Jakobftr.89, Täterow, Rmdant, Mauerftr. 9, wiedergewählt, Goltschatk, 1. Kasfirer, Petnstr. 15, Kasten, 2. Kasfirer, Prinzenstr. 37. Ersatzmänner: Wiesemann, Niederwallstr. 16, Huse, Spreeftr. 7, Rode, Zim» merst-. 68. Revisorm: P enzdors, Griebmowstr 16, Gabriel, Kommandant nstr. 12, Sticket, Lrnkstr. 38.— Herr Krüger hielt hieraus seinen beifällig aufgenommenen Vortrag. Ei«, Versammlung de» Verein» zur Wahrung der Interesse« der Fackirer fand am 9. Dezember, Blumen» straße 78 statt. Zum 1. Punkt der Tagesordnung referirte Eerr Kemnitz über die ökonomische iiage der Arbeiter und ihre rganitanon. Redner wie« nach, daß die Arbeiter früherer !eit besser gestellt warm, al« jetzt. Redner meinte, um die der der »e». veji*-» um L.I..»ttviici iiiciiiic, UM Ui« Soge der Arbeiter besser zu gestalten, müsse jeder einzelne sich er Organisation seiner Gewerkschaft anschließen. Redner hob TaVaTa**1 Jt be»» 1._ El> V_____«Tv•_ hauptsächlich die lokale Organffation als die beste tervor. Die Diskussion ergab, daß sämmtliche Redner im Sinne de« Re» fermten sprachen. Nach einer Pause von 10 Minutm hattm sich 12 neue Mttglieder aufnehmm lassen. Alsdann wiudm die Fraam de« statistischen Fragebogens de« Magistrats betreff« der Löhne in folgender Weise beantwortet: DurtnittSlohn 13-15 M.; niedrigster Lohn 10 M., auch noch darunter; höchster Lohn 21 M. Zum Schluß wurde bekannt gemacht, daß die nächste Vetjammlung am 13. Januar stattfindet, und mit einem dreifachen Hoch auf da« gute Gedeihen des Verein« schloß der Vorfitzende die vom besten Geiste beseelte Versamm» lung. In Kirdorf fand am Dienstag, den 10. Dezember, im Varie e.Tyealer, H wrmannstr. 18, eine groß« Voiksversamm» lung statt mit der Tagesordnung: Die nächsten Reichstags- wählen und die verschiedmm Parteien. Der Referent und Kandidat des Kreises, Buchdrucker Wilhelm Werner, entledigte sich seiner Aufgabe in trefflicher Weise. In i; ständiger Rede zeigte derselbe, daß die Kartellparterm trotz ihre» Aufschwungs bei der FaschingSwahl 1887 kein Vertrauen beim Volke besitzen und dasselbe auch mcht vcrdimm. Er zeigte ferner, daß die freifinnige Partei ebenfalls das Vertrauen, welche« ihr vom Volke entgegengebracht wurde, verloren hat, und daß nur noch die sozialt emokratrsche Partei feste Wurzel im Volke besäße und sich immer weiter ausbreitete. Die näcksten Wahlen würdm diese Ausbreitung aufs neue beweisen. ITrotz wiederholter Auf- forderung meldeten sich Gegner nicht zum Wort. Nach längerer lebhafter Debatte, in welcher sich sämmmtliche Redner mit dem Referenten einverstanden erklärt.», wurden von der Versammlung noch folgende Resolutionen ange« nommen: 1.»Die Versammlung verpflichtet sich, im nächsten Jahre nach Friedrichshagen keine Landpartie zu machen." 2.»Die Versammlung beschließt, nur in denjenigen Lokalen zu verkehren, in denen da«»Berliner Volksdlatt" aufliegt." 3.»Dre Versammlung verpflichtet sich, die Fabrikate der Zigarrenfabrik von Beraemann u. Kock, in Rudorf,(1. Geschäft, Berliner, und GölheKraßen-Eckej;(2. Geschäft, Kott» buser Damm 1);(3. Geschäft, Prinzenstr-ße 38) solange mit mehr zu konsumiren, bis dieselben die Forderungen ihrer Ar- beiter erfüllt haben." 4.»Tie Versammlung«iklärt sich mit de« Ausführungen dcS Referenten voll und ganz«inverstanden und verpflichtet fich, bei der nächsten RnchStagSwahl nur für den soziaiistischen Kandidaten, Herrn Werner einzutreten und den Tag der Wahl al« Feiertag zu erklären. Zum Schluß wurde an der Stelle de« Herrn Rimetschek, welcher nach Berlin ver- zogen ist und dort Skalitzerftraße 18 eine Restauration eröff.iei hat, der Maurer Herr Hagendorf in die R xdorfer Lokalkommission gewählt und beschlossen, die Lotale der Herren N-eseck, Kummer und Troll so lange zu meiden, bis dieselben ihre Lokale zu Versammlungen hergeben. Dann trat der Schluß der vom besten Geiste b seelten Versammlung ein. Dahme. Am 8 Dcz mber tagte im Saale de« Hern» F. Schern'ckau eine öffentliche Volksoersammlung, welche von nahe an 500 Pe.sonen besucht war, mit der Tagesordnung: Die Thät�gkeit des Reichstag« und die bevorstehenden R-ichS- tagSwahlen. Nachdem das Bureau gewählt war, wurde dem Referenten AlphonS Beyer au« Großenhain das Wort ertheilt. Derselbe schildert die Thätigkeit des Reichstags und bemängelt die fast stete Nichtbeschlußfähiokeit desselben. Besonders hob Redner hervor, daß wenn es sich um eine Steuervorlaae oder überhauvt um alle«, was den Großkapitalismus sö dere, handle, dann wären die Herren am Platze, aber wenn e» fich um ein Arbeite, schutz-Gcfetz handelt, dann ist der Reichstag fast nie beschlußfähig, Redner führte noch mehr solcher Punkte an. Zum Schluß forderte Redner die Anwesenden auf, ihre Stimme dem Reichstagskandidaten Herrn Wilhelm Tabert au« Lucken- walde zu geben. Zum Schluß ging noch folgende Resolution ein. Die heutige Versammlung erklärt fich mit den Äucfüh- rungen de« Herrn AlphonS Beyer au« Großenhain einver- standemund verspricht mit allen ihr zu Gebote stehende" gesetz- lichen Mitteln für den RcichstagSkandidaten Herrn Wilhelm Tabert aus Luckenwalde, einzutreten. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. den w Dezmibcr<1. W->hn°chte- - Fochnereln der Putzer. Mittwoch,....»». u. magnaan«. feleriaa), in Kaufmanns«arieiee, am Stadibalinhos Sl'iande, platze«to»t Matinee,«orftelluna und Konzert, Nuftteien deS geiammten Künflleiperional« von Kaufmann'« Barieiee, zum Besten der stami'ien tranker und ardeili- unsSbirer Kollegen. Snlree vorbei»0 Pf», an der Kalle«0 Psg.«illel« » 30 Pt. find bei den Herren C Straffe, gitedrichifriderstr. U; K Krolchei. Snitremllnde-ftr IW: L Stemanofeiv, tttnHr 73; Prochnom, tBaldftrotf 80; g 9i:«3 Lvdowtirabe 101; Marzarl, Schwerinftr. 12;«. Müller, Diesten dach. straße 8«; W. Rehden. Mariannenftraße 21; B. gtfcher, GL liderstraße 4V; z. GrOIchte, BLrlid'rrtr. 70. sowie bei allen BorftandSmuiitedcrn und in den mit PlrtUen belegten Handlungen zu haben. pi» rearlmästtg» pttrammluna der peeeiniguns htt pteU- Macher iMitgI1dIchi.fi Berlin) findet am Mittwoch, den 18 Dezember nicht statt, weil an demselben Abend eine Wagenbauer. Bcrsammwng im KSntg'-ladt- Äastno. Holzmaiktftr 72 ftattfirdii. KUgeniein, Kchriftgtest-r-Derf'ammluug am Mittwoch, den 18. d« Abend« 0 Udr in Jordan« Eaion loberer Saal), Neue G.iiastr. 28 Tage». o dn.U'g; 1. Bericht der Kommisston 2. Borla"- entwursi. 8 Eventuelle Antrüge zum Kongieß -----------«3 s ngc»- 2 Borlage und Beralhung de« Tarif. ______...___________ ou... Kongleß 4 Verschiedene« Zahlreiches Erscheinen eridiiiischt. Verband deutsche« Mechaniker und o,rn>. Kerusagenosseu lZablftelle Berlin). Mittwoch, den 18. Dezember, Abend« fl\ Uhr, im Louljen- sttiotitchen Klubbau«, Annenstr 18 Beisammlung. Tagtgoidnung 1«ortrog de« Herrn Gerisch über; Der Soldotenhandel im Mitlelalter 2. Dilkusston. 8. Berschiedene». 4. Kragekasten.— Aus.lahme neuer Mitglieder. Gast- will- kommen. »eeße öffentliche Versammlung de» tpagenbauer Werl««» iEtellmocher. Schmiede. Lalkirer u s, w.) am Mittwoch, den 18 Dezember er, Adend» 8X Uhr. im Kdi.igftadt. Kaflno Holzmai ktftraße 72 Tagegordnung; 1. Die Lohnbewegung im niichften Frühjahr. lReserent;». Tempel.) 2 Ber- fchiedene« »roße öffentliche Versammlung sämmtliche» Kitickaienee Werltn» und Dlmgegend am Mittwoch, den 18. Dezemder, Abend« piLzise 7 Uhr, Münzstraße 11 bei Zemtcr. Tagelordnung; 1. vorttag de« Stadt- verordneten Herrn Otto Klein üoer da« Bestreben der Innungen 2. DiSkusston. 8 R-chnungdlegung der Beitrau-nil-ute 4 Berschiedene GeweiktchasUange- legenhelten.— 88. Die Bertheiiuna der Protokolle vom eisten deutschen Stulkateur Kongreß str.dct unentgeltlich statt. Et werden alle Kollegm ersucht. zu ei Ichelnm. «roste öffentliche«eneralnersammlnng sämmtliche» Zimmer leute Aeriin» und Umgegend am Donnerstag, den Ist Dezember, Abend« 8 Uhr, im KLni�stadt Kall o Holzmarktstr 72 Zagelordnung; 1. Abrechnung der Bewegung. 2. Beischirdene«. Elreikkarte legtiimirt. Um zahlreich!» Sr< scheineu wild gebeten. Versammlung de» Zlntetstüiiungeoereine der VA aurer Werlin» am Donnerstag, den 19 Dezember. Adend« 8 Uhr, bei Scheff-r, Inselftraße 10. Tageiordnung; 1. Umrechnung vom Bergnügm 2 Berschiedene». 8. Vortrag de« Herrn Juliu« Wernau über;„Da» Recht aus Arbeit�. Bücher au» der Bidsfotd'k Nnd abzuueben. Verein ,ur zpaheung de« Znterefsen der Vchnkmacher. Da« W!>hr;achtlve>t.nügen de» Verein« ftrdet am 28. Dezemder cr.ße 87, Eitzuno und lledtülgsi n.Amicista' Abend« M Uhr ; Rr. 8.— Arendl'Icher«tme- — R-uckklub.feolumbk" HienbS 8S Uhr im Restaurant Beyer, Prinzenstr, SS — Rauch klub.Krisch gewagt' Abend« M Uhr im Restaurant Tenwel, Bre«. lauerstrahe 27,— Rauchklub.Vulkan' Abend» g Uhr im Rchmirant Echul, «rüfestraße 82.— VergnügungSuercin.Fröhlichkeit', gegründet 1880, Abend» S Uhr Grüner Weg W,-.Pollack-Klud-Äntiacht', jeden Mttwach, Abend» M Uhr bei», Thiel, Wienerstrahc S8,— Gesangverein der Tapezirer Berlin« jeden SlÄUwvch Restaurant Eeiidelftrahe 80, von 9—11 Uhr Abend»— Unterhaltungsverein.Harmonie', Eituna Abend» 9 Uhr DreSdenerftr. US bei Wradt,— Tambourverein.Erelstor', 8X Uhr, llebungistunde dci Böhl RüderSdorserftr, 8, Aufnahme neuer Mitglieder, Meuefke Murlxviihten. Dir Gefangennahme Knschiri's wird heute in folgender Meldung bejtättgi: London, n. Dezember. Der flüchtige Busch«: wurde von den Eingeborenen des Dorfes Mgailla im Ufagarc-Lande sechs Tagereisen von Pangani eingefangen und den Deutschen ouS beliefert. Er kam in Pangani am Sonnabend an und «Htm am Sonntag Nachmittag 4 Uhr standrechtlich er- ftjoffctl. Welche Folgen die Unschädlichmachung des Hauptanfü-rerS der Aufständischen auf den Fortgang des Aufstande« selber haben wird, IStzt sich mit Sicherheil noch nicht voraussehen. Der Smflllß Bulchiri'S beschrän kte sich auf den nördlichen Th il de« ausständischen Küstengebiet«, und e« wäre möglich, daß sein« Gefangennahme und Hinrichtung hier einen itweUigen Zustand der Ruhe hervorbrächte..Ganz „.__________...._____„ unab- jängig davon find aber die Verhältnisse im Süden, wo oie aufrührerische Bewegung noch so stark ist, daß selbst da« Boot de« neuen englischen Postdampfer«, welche« in Lindi die Vost ausschiffte, von den Eingeborenen angegriffen wurde und fich zurückziehen mußte. Daß e« mit dim Aufstande, wie ein hiefige« Kolonialdlatt meint, infolge der B-seiliguna Buschiri'«„tun wohl vollständig zu Ente' sei, wird fich darnach vermuthlrch al« eine jener Stlbstläuschungen erweisen, an denen die Geschichte unserer Kolomalpolitik so reich ist. DepefUien. dttalfT* T«l«gra»h-»-K»r«a«.) KaarbrLcke», 17. D» Minder. In Kohlwald, Lampennest, Heinitz, Dechen, Firedrichstdal und Ensdorf fivd heute alle Ar- bester angefahren, in der Zeche v. d. H.ydt streiken 283, im Burbachtrollen 174 Mann. In der Grube Maybach ist nur die Hälfte angefahren, in Kceuzgraben streikt von der unter. irdischen Belegschaft etwa« mehr al« die Hälft«, in Sulzbach streiken drei Fünftel, in Altenwald fünf Sechstel der Beleg- schaft. Haarbrürtren, 17. Dezember. Der Berghauptmann Blassert hat an die Berginspektionen 1 bis 10 folgenden Erlaß genchtet: „Im Anschluß an mein« Anweisung vom 14. d. M. und im Verfolg der Eröffnungen, welche ich an die von dem Herrn Oderpräfidenten am 13. d. M. empfangene Deputation ge- richtet habe, ist Nachstehende» zur Kcnntmß der Belegschaft zu dringen: 1. Nachdem fest Mai d. I. eine Herabsetzung der Sckichtseit stattgefunden hat, so daß für die unter Tage beschäftigten Bergleute auf keiner Grub« gegtnwärtig die Schichtzeit vom Beginn der Einsahrt bi« zum Beginn der Ausfahit länger als neun Stunden dauert, auf verschiedenen Gruben sogar noch kürzer ist, wird die verkürzte Schichtdauer in die Arb-ilsord' nung aufgenommen werden und zwar in der Weife, daß die Schicht in der Grube ausschließlich der für Einfahrt und AnS- fahrt der Gesammtbelegschaft erforderlichen Zeit nicht länger al« 8 Stunden dauern soll. 2. Die gegenwärtig verdienten Löhne find nach dt« eigenen Anerkenntniß der Bergleute im Allgemeinen ausreichend. Soweit in einzelnen Fällen die erfolgte Gedmgestellung einen auskömmlichen Arbeitsverdienst nicht ermöglichen sollte, wird i»»♦ eine entprechende Aufbessen-nq erfolgen. Dagegen ist eine voll- ständige Gleichstellung der Löhne der einzelnen Arbeiter ohne Rücklicht auf die Leistungen derselben selbstverständlich unaut« sükrbar, wie die« bereit« der D putation am 13. d. Mt«. au«- drücklich eröffnet worden. Ich spreche hiernach die bestimmte Erwartung au«, daß diejenigen Bergleute, welche die Arbeit nicht niedergelegt haben, und welche auch gegenwärtig die w«>t überwiegende M-hrhnt bilden, fich auch ferner zu einem solchen Schritte nicht werden hinreißen laff-n. An die ausstehenden Bergleute richte ich dagegen in ihrem eigensten Interesse die ernste Mahnung und Aufforderung, ohne Verzug die Arbeit wieder aufzunehmen. Zugleich weise ich auf die von den Polizeibehörden oeröffent- lichte Bekanntmachung hin, nach welcher die öffeniliche Auf- forterung zrr Niederlegung der Arbeit ohne Einher tung der gesktzuchcn Kündigung«? ist nach K 110 de« S'rafgeiltzbuchet mit Geldstrafe bis zu 600 M. oder mit G.fangniß vr« J* zwei Jahren geahndet wird.'" 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Tages-Ordnung: 317 I.Antrag: Erhöhung der Wanderunterstützung. 2. Neuwahl der Arbeits oermittler. 3. Der San itätS oerein und sein Werth süc die Arbeiter. 4. Verschiedene VereinSanq-legenheittf. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist unbedingt nothwmdig. Der Vorstand. � Bücher und F a gebogen rur Statistik lind in de? Versammlung zu haben. NL. Urrein der Klempner S-rlins«ud Umgegend. Große Ve?ssmmluns am Douuerstag» den 17. Dezember, Abends 8 Uhr, in Grschel's Kalo«, Sebastianstr. 3S. Tages-Ordnung: 3i8 1. Vortrag des Herrn G e r i s ch, über:„Em lehrreiche« Kapitel au« der National» ökonomie". 2. Dieku sion. 3, Aafaahme neuer MiigUeder. 4. V.rschiedene« und Fragekaste». _ Gatte baden Z itritt. Um zablreich-S Ersch inen bitte?_ Der Vorstand. � Möbel «nd Polsterwaaren. Ä, /»Miillnileii-ZIm« 4Z, Große Auswahl in Kuffdaum u, ' che"" � c__ Divers« Mah agoni m eins. vermiethet elcg. 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