r Nr. 800. Souutag, km SS. Deiembrr 188». 6. Ach-«. jHerlinerHolteblfttt Argsn für die Interessen der Arbeiter. er t, entige» Zlummer liegt für unsere Abonnenten 1 de«..Konntags-Klatt bei. OitafrikanifÄzes. Unsere Tagespresse ist entzückt von der„Schneidigkeit" de« Majors W i ß m a n n, der den gefangenen Häuptling L u f ch i r i kriegsrechtlich hat erschießen lassen. Man be- zeichnet diese That als nothwendig und erhofft von ihr die »epen Folgen für die Zustände in Ostafrika. Wir sind anderer Meinung, denn die Dinge, die in Ostafrika vorgehen, scheinen uns nicht geeignet, diesem Lande « nächster Zeit eine glückliche Zukunft zu verbürgen. Um die Hinrichtung Buschiri's zu rechtfertigen, beruft man sich auf die Greuelthaten, die derselbe verübt chat. Zweifelsohne hat Buschiri eine schwere Schuld auf sich ge- laden. Aber, fragen wir, mußte man nicht, indem man die ganze ostafrikanische„große Aktion" in Szene setzte, «m Voraus wissen, daß man es mit Leuten zu thun haben würde, die gewohnt sind, in einem Kriege grausam und blusig zu verfahren? Man hätte unsere« Erachten« Alle« aufbieten sollen, um den Kampf zu vermeiden, dessen Ur- fachen, soweit man unterrichtet ist, mehr in dem Verhalten einiger Angestellten der ostafrikanischen Gesellschaft, als in der Initiative der Eingeborenen zu suchen sind. Selbst die �Post", welche di« Hinrichtung Buschiri's sonst durchaus billigt, läßt sich in dieser Beziehung ein bemerkenSwertheS Gefiändniß entschlüpfen.„ES ist schon insofern zu be- dauern, sagt daS fteikonservasive Blatt, daß dieser zielbe- wußte energische Mann fallen mußte, al» er un«, wäre er zu Zelten richtig behandelt worden, viel- leicht ein schätzbarer Bundesgenosse hätte wer- den können." Ja, wäre er richtig behandelt worden! Aber glaubt man nun, daß die Eingeborenen richtig be- handelt werden, indem man den Führer erschießt, der seine Heimath gegen die Europäer vertheidigt hat? Wir glauben eS nicht. Die Frage der Bestrafung der von Buschiri begangenen Mordihaten lassen wir auS dem Spiel, da sie bei rein poli- sischen Erwägungen nicht besonders in die Wagschale fällt. Ohnehin ist ja in allen Blättern hervorgehoben, daß Buschiri «uch großmüthig sein konnte. Er hat Dr. Meyer und Baumann preisgegeben, allerdings gegen ein Lösegeld; dann hat er die englischen Missionäre frei gelassen und der katholischen Mission zu Bagamoyo kein Leid zugefügt. Wa» ihn so sehr gereizt hat, daß er die Deutschen mtt wildem Hasse»erfolgte und sich zu einer Mordthat hinreißen ließ, wissen wir nicht. Vielleicht kommt darüber«och Auf- «lärung. Wir erinnern nur daran, daß andere Kolonialmächte W für staatsklug hielten, gefangene Jnfurgentenhäupter :6i Feuilleton. >�cchtr»S wrlctm,]__ (Bevmtnal. Sozialer Rema» v»» Emile Zela. Eiazig auterifirte llebersetzxng ve« Erast Siegle». „Ich kenne Leute," fing Chaval herausfordernd an,„die .-bt haben, daß ich ein Spion sei, und ich warte darauf, ß sie eS mir in'S Gesicht wiederholen, damit man sich üblich mal auseinandersetzen kann." Niemand antwortete. Die Männer wandten sich ab Und blickten auf die Wand. Chaval fuhr lauter fort: „ES giebt Heuchler und solche, die eS nicht sind. Ich b nichts zu verstecken. Ich Hab die schmutzige Bude von 'eneulm verlassen, und fahr' morgen in dem Voreux ein, zwölf Belgiern, die man unter mein Kommando gestellt Z®1,«eil man mich schätzt; wenn da« Jemand nicht recht " so soll er e« sagen, wir werden dann weiter reden." Dasselbe verächtliche Schweigen beantwortete diese Herausforderung. Er ließ seinen Zorn darüber an Käthen aus: „Willst Du trinken, zum Teufel! Stoß mit mir an: �e�SchubjackS, die nicht arbeiten wollen, soll der Henker ». Sie stieß an, doch mit so ängstlicher Hand, daß die «mjer an einander zitterten. Chaval hatte au« seiner .®sche eine Handvoll Silbermünzen gezogen, warf sie mit unkener Prahlerei auf den Tisch und rief: .„Das verdient man mit seinem Schweiß! soll mir mal t�on den Heuchlern nur zehn Sou« herzeigen!" in vJP.'e ruhige Haltung der Kameraden reizte ihn, er schritt »netten Angriffen: „«lso de« Nacht« kriechen die Maulwürfe herau«; nur in überseeischen Ländern, die die Unabhängigkeit ihrer Heimach von Europa zu erhalten strebten und zu diesem Zweck zu den Waffen griffen, nicht mit dem Tode, sondern mit Verbannung oder Haft zu bestrafen. Als der berühmte Kabylenhäuptling Abdel K a d e r, der den Franzosen so viel zu schaffen gemacht hat, in die Hände seiner Feinde fiel, ward er nicht getödtet, sondern nur internirt. Und doch waren in den Kämpfen zwischen Franzosen und Kabylen alle Grausamkeiten erschöpft worden. Aehnlich verhielten sich die Russen gegenüber dem berühmten Tscherkessenhäuptling Schamyl, der einen so furchtbaren Widerstand gegen Rußland im Kaukasus organr sirt hatte. Schamyl kam nicht an den Galgen. Auch in der neuesten Zeit hat man aus Klugheitsrücksichten Milde walten lassen. Der Kaffernkönig Cetewayo wurde von ven Engländern nicht mit dem Tode, sondern nur mit Haft bestraft; das Haupt der letzten ägyptischen Insurrektion, Arabi Pascha, wurde zwar der Form nach zum Tode verurtheilt, aber das TodeSurtheil wurde in Verbannung umgewandelt. Man hatte seine guten Gründe für diese« Verhalten. Denn eine Bevölke- rung, die ihr Gebiet von einer ausländische« Macht in Besitz genommen sieht, wird sich an eine solche Okkupation, viel leichter gewöhnen, wenn sie mit Milde, als wenn sie mit Strenge behandelt wird. Und an Strenge fehlt es in Ostaftika nicht; man scheint sich sehr viel davon zu versprechen, wie ja unlängst aus einem Schreiben des Lieutenants von Gravenreuth hervorging, in dem es hieß, da« Aufhängen eine« gefangenen Anhänger« von Buschiri habe„einen sehr guten E i n d r u ck" gemacht. Man hat alle Gründe, diesen guten Eindruck bei den Landsleuten de« Gehängten stark anzu zweifeln. Die rasche Hinrichtung Buschiri'« wird unserer Meinung nach nicht die Folgen haben, welche die optimistische kolonial politische Presse von ihr erwartet. Der hingerichtete Häuptling war ein einflußreicher Mann und sein Tod wird bei vielen Tausenden von Ein- geborenen eine schmerzliche Erinnerung zurücklassen, die sich zu einem dauernden Hasse gegen die Europäer gestalten wird. Wenn auch die Feindseligkeit der Eingeborenen nicht mehr in offenem Aufstand sich geltend machen sollte, so wird sie dennoch für die Ansiedelungen empfindlich genug sein. Man lebt und arbeitet nicht behaglich in einem Lande, wo wo die Ruhe und Sicherheit von der Tragweite der Schiffs geschütze abhängt. Der unerquickliche Zustand in Ostafrika ist durch den Fall des JnsurgentenhäuptlingS keineswegs aus der Welt geschafft. Zum Kolonisiren gehört eben nicht nur„Schneidige feit", sondern auch milde und kluge Ausnutzung der Ver- Hältnisse. Wir werde» sehen, ob die Zukunft uns Recht giebt. wenn die Gendarmen schlafen, kann man die Banditen treffen!" Stephan erhob sich, er war ruhig und entschlossen: „Genug!... Jawohl, Du bist ein Spion; das Geld da riecht nach irgend einem Verrath, und e« widersteht mir, Deine verkaufte Haut zu berühren. Aber immerhin, ich bin Dein Mann. ES ist lang genug, daß wir einander im Weg stehen!" Chaval ballte die Faust: „Ah, Dir muß man'S derb sagen, um Dich in die Hitze zu bringen, Du feiger Schuft! Gut, mit Dir allein ist mir'S recht, und Du sollst mir zahlen, was Ihr Alle mir ange- than habt." Katharina stürzte mit aufgehobenen Händen zwischen sie. Jedoch sie sah selbst ei», daß der Zweikampf unvermeidlich sei; sie trat langsam zurück bis an die Wand, so schreckgelähmt, daß sie nicht einmal zitterte; ihre großen starren Augen waren auf die beiden Männer gerichtet, die sich ihretwegen tödten wollten. Frau Rasseneur nahm einfach die Schoppen vom Schänktisch, damit nichts zerschlagen werde, dann setzte sie sich wieder auf ihren Platz. Ihr Mann wollte ver- Mitteln, meinend, man könne doch nicht zugeben, daß sich zwei frühere Kameraden um'« Leben brächten; aber Sou- varine nahm ihn bei der Schulter: „DaS ist nicht Deine Sache... Einer von den Beiden ist zu viel; der Siärkere wird leben." Ohne da« Signal abzuwarten, begann Chaval mit wuchtigen Faustschlägen. Er war der Größere, zielte in'« Gesicht, beide Arme einen nach den andern vorwerfend, al« wenn er mit ein paar Stoßdegen fechte. Dabei sprach er unaufhörlich mit laut herausfordernder Stimme, um sich vor de« Zuschauern ein Ansehen zu geben, und überschüttete Stephan mit einer Fluth gemeiner Schimpsworte, mit wel- che« er sich selbst immer mehr ausreizte. „Ah, verdammter Lausbub, ich werd' Dir Deine Nase breithauen; Dein verfluchtes Maul will ich Dir zu Brei PolitiMie llelicvUritt. Welche entsetzliche» Klnttzeu der Elberfeld»- Prozeft treibt, zeiat so recht deutlich eine Auslassung, die wir in dem in Bant-WilhelmShaven erscheinenden„Nordd. VolkSblatt" finden. Das Blatt schreibt unter dem 18. Dezember: Ein Bubenstreich ist gegen Herrn Paul Hug in Form eine« UriasbriefeS geführt worden, welcher dahin zielte, den» selben entweder in den Elberfelder Prozeß zu verwackeln oder in Wilhelmshaven so einen kleinen GeheimbundSprozeß zu züchten. Wer da« Spitzelkunststückchen verübte, wird schwerlich hecauszubekommcn fein. Um die Gemeingefährlichkeit des Subjek.S, das den Brief geschrieben, anschaulich zu machen, sei erwähnt, daß er den Brief an einen Herrn Robert Kaiser, im Elberselder GeheimbundSprozeß verwickelt, adresfirt hat, freilich so, daß er nicht zu bestellen war, also gr öffnet werden mußte, um den Absender zu ermitteln. La» nun der öffnende Beamte den Brief, so mußte der Polizei davon Mittheilung gemacht werden, und der Hug saß in der Falle. Der Brief kam aber trotz der zu Düsseldorf erfolgten amtlichen Oeffaung an Hug, als angeblichen Absender, zurück. Der Brief hat folgende Adresse:„Herrn Robert Kaiser in Elberfeld am Rhein" und lautet: „Wilhelmshaven, den 12. Dezember 1889. Mein lieber Freund Robert! Ich theile dir nur kurz mit da« ich oder doch einer unserer Arbeiter und Partei Freunde nach dort mit die jetztigen in den letzten Nächten angefertigten Schriften kommt sehet euch vor da« die> Blätter nur Nachts verbreitet werden damit wir nicht damit herein fallen, vor allen Dingen halte fest an unserem Glauben wir wollen Kaiser und Reich noch viel Kummer machen wir haben auch neue der hiesigen Werft anae- hörige Vorarbeiter u. Meister al« Bundesgenossen oe- kommen du mußt am Montag Abend am Bahnhof fein Kenntzeichen rothe« Taschentuch wenn ich nicht selbst komme. Es grüßt dich dein Paul Hug." Unser Fischer war unvorsichtig? Polizeifpitzelmache von A bis Z. Die stilistischen Fehler sowohl, wie auch der Inhalt und die Verstellung der Hmd» fchrist erinnern lebhaft an einen Brief, auf Grund dessen Wal» deck auf die Anklagebank kam. Es scheint also nach bewährten Mustern gearbeitet worden zu sein. Es werden die nölhigen Schritte gethan werden, um den Briefschreiber zu ermitteln und wäre schon im Interesse der Moral zu wünschen, diesen Buben der würdigen Sammlung der Schröder, Jhiing u f. w. an- reihen zu können. Gleichzeitig mahnen wir alle Freunde zm Vorficht. Hoffentlich bleiben die Schritte zur Ermittelung des ans- nymen Lumpen nicht erfolglos. Die„Uordd. Allg. Ztg." sucht wieder sozialdemokratische Symptome in der Beraarbeiterbewegung zu entdecken. Sie erblickt dieselben in der Thatsache, dah bei der Gelsenkirchener Delegirtenverfammlung der auf dem Pariser Sozialistenkongreß erschienene Bergmann Dieckmann zum Vorfitzenden gewählt worden ist: ferner in der tumultuanschen Art und Werse, mit der von einem Theil der Versammlung der zum Friede« schlagen; dann wollen wir sehen, ob Dir die Frauenzimmer noch nachrennen." Stumm mit zusammengepreßten Zähnen stand sein Geg- ner ihm gegenüber, deckte Gesicht und Brust mit seinen Fäusten, wartete, parirte, kaltblütig und sicher; dann, wie auf einer Sprungfeder, schnellte plötzlich seine Faust in furcht- baren, gerade auf die Brust gezielten Stößen. Zuerst thaten sie sich wenig; da« wilde Dreinhauen de« schlotterigen Chaval und die kalte Ruhe des Andern ver- längerten den Kampf. Ein Stuhl wurde umgerissen; ihre schweren Schuhe zermalmten den weißen Sand auf den Fliesen. Aber nach und nach begann ihr Athem er- hitzt zu keuchen, und die rothen Gesichter schwollen, wie von einem inneren Feuer geheizt, dessen Flammen aus ihren Augen blitzten. „Getroffen!" schrie Chaval,„Trumpf Deinem Skelett!" Er hatte mit einem Seitenhieb de« Gegners Schulter berührt. Stephan verbiß den Schmerz; man vernahm nichts al« den dumpf knirschenden Schlag. Ein gerader Hieb war die Ant- wort, der Chaval'« Brustkorb zertrümmert hätte, wenn der- selbe nicht mit einem seiner ewigen Bockssprünge aus- gewichen wäre. Doch ein zweiter traf ihn so kräftrg in die Seite, daß er taumelte und ihm der Athem verging. Toll vor Zorn warf er sich wie ein reißendes Thier auf seinen Gegner und versuchte ihm mit dem Absatz einen Stoß in den Leib zu versetzen. „Deine Eingeweide will ich haben! schrie er wuth- schäumend. 1 Stephan panrte den Fußtritt. Aber er war über diese Verletzung der Kampfregel so entrüstet, daß er sei« Schweige» brach: „Nicht mit de» Füßen, Du roher Geselle! oder ich nehm' einen Swhl und schlag' Dir den Schädel ein!" Jetzt wurde der Kampf noch heißer. Rasseneur wollte wieder interveniren; doch seine Frau hielt ihn zurück: haben zwei Gäste nicht das Recht, ihre Angelegenheft bei ihm zu mahnende Redner unterbrochen wurde; ferner auch in der Aeuberung Dieckmann'S:.Ich fetze meinen Kopf zum Pfände, es kommt später noch Alles anders." Da« genannte Blatt schließt seine Zusammenstellung mit folgenden Worten:.Jeden- falls dürfte aus dem vorliegenden Material sich ergeben, daß eine weitere Klärung der Lage dringend zu wünschen ist. Diese dürfte sich ergeben, wenn auch die Schreier einsehen müssen, daß ihre Bestrebungen an dem ruhigen Verhalten der Mehr- zahl scheitern. Da« letztere kann durch die von behördlicher Seite ergriffenen Maßnahmen nur gefördert werden. Gin ganzer Posten nationalliberaler Herren fällt in den Sand, so schrerbt da« konservative.Volk", wenn unsere Gesinnungsgenossen bei den Wahlen derselben nicht mitthun. In fast allen hannoverschen Wahlkreisen hat man unsere Unterstützung nöthig; kein einziger unserer dortigen GefinnungS- genossen wird sich so weit erniedrigen, den Nationalliberalen beizuspringen, nachdem diese seit emer ganzen Weile als das Wichtigste aller Wahlgeschäfte eine Niederlage dcS Herrn von Hammerstein betreiben. Es rührt sich weder eine national- liberale Parteileitung noch sonst etwa«, um da« gesährltche Ver- halten der„Nationalztg." zu verhindern oder demselben ent- gegenzuwirken. Greifen wir also zur Selbsthilfe. Wurst wiver Wurst. Wählt ihr nicht Herrn v. Hammerstein, wählt keiner unserer Gesinnungsgenossen emen nationalllberalen Kan- didaten. Das ist so selbstverständlich, daß wir es kaum auszu- sprechen brauchen." Kegierungobaumeister a. D. Keßler soll sich in einer bei Gera abgehaltenen Volksversammlung über die sozial- politische Reichsgesetzgebung in solgender» Weise ausgelassen haben: .Wir mögen uns drehen und wenden, wie wir wollen, wir müssen anerkennen, daß da« Unfall-, Kranken- und In- validengefetz an sich gute Gesetze sind." Die gesammte reaktionäre Presse, von der.Nordd. Allg. Ztg." bis hinab zum.Hamb. Korresp.", druckt diesen Ausspruch als Beweis für die Gediegenheit der sozialpolitischen Gesetze ab und thut so, als wenn Keßler als ehrlicher Mann im Gegensatz zu andern sozialdemokratischen Rednern der Wahr- heit die Ehre gäbe. Mag Herr Keßler bei seinen Worten ge- dacht haben, was immer er gewollt hat, der Zweck der Ausschlachtung seiner Worte durch die reaktionäre Presse ist klar: sie will der sozialdemokratischen Presse Tin« auswischen. Lassen wir ihr dies kindliche Vergnügen. Thatsache ist und bleibt doch, daß verschiedene sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete von der Tribüne des Parlaments herab den Nutze« diesee Gesetze anerkannt haben, natürlich unter Verurlherlung des büreau- kratischen GesügeS derselben. Und Beides mit Recht. Auch ist der Gedanke der ZwangSkrankenverficherung nicht aus der Initiative reaktionärer Zeitungsschreiber, auch nicht aus der der Hintermänner derselben, entsprungen, sondern er war im Volke, in der Arbeiterklasse vorhanden viel früher, als er in den reaktionären Blättern als großartige Erfindung gepriesen wurde. Der Gedanke lag auf der Straße und man hat ihn aufge- lesen.— Wie es bei Schornfteinfegerprüfungen mitunter zugegangen ist, darüber wrrd dem.Reichs treund" aus dem Taunuskreise au« früherer Zeit eine ergötzliche Geschichte er- zählt, welche den Reichstagsabgeordneten und Schorv stemfeger- meister Metzner als Führer der Zünftlerpartei unter den Schornsteinfegern vielleicht interesfiren dürfte..Es meldeten sich eines Tages gleichzeitiq zwei Schornsteinfegergesellen zur Meisterprüfung. Einer der Prüfungsmeister hatte den dortigen Bezirk als Wirkungskreis. Dieser mochte alles gut leiden,— aber Konkurrenz war ihm verhaßt, und deshalb sorgte er dafür, daß beide Gesellen durchfielen. Und das ging so zu: Es gab damals noch viele von den großen Schornsteinen, worin die Schinken geräuchert wurden. Nun war der eine der beiden Prüflinge ungewöhnlich groß und dick, der andere sehr klein und mager. Der Prüfungsmeister wie« nun dem kleinen Gesellen ein«n kolossal weiten Schornstein und dem dicken einen engen Schornstein zu fegen an. Der Dicke blieb in dem engen Schornstein stecken uno mußte erst mühsam herausgezogen werden, und der Kleine hatte nicht Beinlänge genug, um den weiten Schornstein zu besteigen— und so fielen natürlich Beide in der Prüfung glänzend durch." Gwe direkte Schädigung de« deutsch-chiuestjche» Handel« durch den suboentionrrten.Bremer Lloyd" wrro in der neusten Nummer des.Export" von einem Berliner Im- porteur dehauptet, der sich bereit erklärt, das Zeugniß der an der Spitze des deutsch chinesischen Handel« stehenden Firmen für die Richtigkeit seiner AuSlllhiungen beizubringen. Bekannt- lich würden die meisten von China her für das deutsche Binnen- land bestimmten Sendungen im Durchgangskanossement nach Hamburg verschifft. Während nun die Dampfer des.Nordd. Lloyd" von Hongkong bis Bcemerhafen ca. 40 Tage brauchen, gehe die Waare per Schlepper von B-emerhafen nach Hamburg 20 Tage, durch die Schuld des hier beförderten.Bremer Lloyd". Auf alle Reklamationen antwortete die Direktion de« .Nordd. Lloyd" ruhig, daß es ja laut Kanossement jedem Empfänger freistände, die Waaren bereits in Bremrrhasen in Empfang zu nehmen und direkt nach dem Binnenlande per Bahn ordnen? Er stellte sich wenigstens vor den Kamin, damit die Kämpfer nicht ins Feuer stürzten. Souvarine hatte eine Zigarrette gerollt, vergaß aber, sie anzuzünden. Katharina stand unbeweglich an die Mauer gelehnt; nur die Hände hatte sie unbewußt bis an die Taille gehoben, dort krallten sie sich und rissen in regelmäßigen Zuckungen Stücke von ihrem Kleid herab. Sie brauchte ihre ganze Willenskraft, um nicht zu schreien und nicht einen der Kämpfer dadurch zu tödten, daß sie durch einen Ruf verrieth, wen sie bevor- zuge. Aber sie war so schrcckbefangen, daß sie nicht einmal zum Bewußtsein darüber kam, für wen sie eigentlich Partei nehme. Chaval, in Schweiß gebadet, schlug wie ein Rasender um sich. Stephan behielt trotz seines Zornes die Besinnung und parirte fast jeden Hieb. Doch einige streiften ihn. Ein Schlag zerriß sein Ohr, und ein Nagel Chaval'S riß ihm ein Stück Fleisch vom Halse herab. Der Schmerz war so brennend, daß auch Stephan jetzt laut fluchend aufschrie. Im nächsten Augenblicke führte er wieder einen seiner furcht- baren geraden Stöße. Noch einmal schützte Chaval seine Brust durch einen Seitensprung. Aber er hatte sich dabei gebückt; der Schlag fuhr ihm in'S Gesicht, traf sein Auge und zerschmetterte ihm die Nase. Blutüberströmt, betäubt, focht er hilflos mit den Armen durch die Lust, als ein zweiter Hieb mitten in die Brust ihn rückwärts nieder- streate. ES hatte gekracht und gab einen dumpfen Fall wie ein Sack Maurergip». Stephan wartete „Steh auf! und wenn Du willst, fangen wir noch ein- mal an." Ohne zu antworten, raffte Chaval sich mühsam empor. Er blieb, wie athemschöpfend, einen Moment auf den Knieen; feine Hand verlor sich in die Tasche; plötzlich fprang er auf und stürzte mit wildem Geheul auf seinen Gegner. Aber Katharina hatte gesehen, und ohne, daß sie eS recht wußte, riß sich aus ihrem Herzen ein gellender Schrei, der ihr endlich verrtdth, für�wen sie Partei nahm: „Vorsicht! er hat sein Messer!!" Stephan blieb kaum Zeit, den ersten Stich mit dem zu befördern, wenn die Beförderung nach Hamburg zu lange dauere. E« sei die« aber in vielen Fällen durchaus nicht angängig, denn die Fracht solle bei Artikeln, die vielfach nur einen Werth von 16—20 M. per Centner cif Hamburg haben, sehr einschneidend in da« Gewicht. Uebrigens dauere die Beförderung von Bremerhafen bis Be-Un auch noch zu lange. So lief z. B. die .Bayern" am 30. Okiober in Bremerhafen ein, die Waaren aus derselben kamen erst am 14. November in Berlin an. Die über Hamburg nach Berlin per Bahn gesandten Güter trafen erst so spät ein, daß die.Bayern" auf der Rückreise inzwischen bereits wieder Suez erreicht hatte. Schon jetzt gingen viele deutsche Häuser in Shanghai u. s. w. mit dem Gedanken um, ihre Güter lieber mit englischen oder französischen Dampfern zu verschiffen. Die langsamen Frachtdampfer der Kingfin-Linie, welche 60 bis 70 Tage von Shanghai unterwegs find hätten deshalb schon stets volle Fracht und könnten monatlich drei Dampfer expediren, da der Zeitunterschied im Hinblick auf die 20 Tage Fahrzeit von Bremerhafen nach Hamburg durchaus kein wesentlicher mehr sei. Es fei dies wohl ein Zustand, der bei Eltheilung der Subvention nicht beabfichtigt war. Der .Export" plädirt Für einen wohlgemeinten energischen Rath und Wink der Reichsregierung an den„Bremer Lloyd" und hofft, daß die Oppofition die Gelegenheit nicht vv'üdergehen lasse, um die schleppenden Verkehrs Verhältnisse gebührend zu charakterisiren. Uever di» Sklaverei an der M-stafriKanisch-« Küste, also doch wogl auch in den dortigen deutschen Kolonien, erhält die.Allgemeine Zeitung" von einem Reisenden einen Beitrag, aus dem von Neuem h:rvorgeht, daß dort der schwung- vollste Sklavenhandel getrieben wird. Es ist von häufigen Sklaven karawanen die Rede. Die Zuschrift des Afrikareifenden schließt sodann: .Wücde man die Sklaverei einfach abschaffen, dann müßte man den Eingeborenen Ersatz bieten für dieses beseitigte Rechtsinstitut. Es muß der Gedanke aufgegeben werden, den afrikanischen Verhältnissen die europäische Schablone aufzuzwingen. Nur durch den fich ganz allmälig vollziehenden Prozeß langsamen Vordringens europäischer Kultur in den nun schon von allen Seiten in Angriff genommenen aftikanischen Kontinent wird das Ziel erreicht werden, welches die christlichen Völker gegen- wärtig in den Vordergrund ihrer Bestrebungen gestellt haben: BeseUigung der Sklaverei." Das ist einerseits eine blutige Satyre auf die Bekämpfung des Skavenhandels.durch deutsche Waffen" in Ostafrika und andererseits eme merkwürdige Bestätigung der Angaben von Krause, beides in einem gouvernementalen Blatte.— Dem neuesten Heft des.D. HandelsarchiveS" ist ein weiterer Wink für beutfche Exporteure zu entmhmen. Im Hafen von Samfun (Kleinasien) wären die Hauptartikel der deutschen Einfuhr 1888 folgende: Kurzwaaren im Werthe von 104 160 M., Baumwollstoffe im Werthe von 75 840 M., Maschinen im Werthe von 8450 Mark 2C. Der Werth der Ausfuhr nach Deutschland betrug 498 073 M. Besonders wurden folgende Gegenstände ausge- fuhrt: Opium für 241 408 M, Kreuzbeeren für 120 120 M., Tabak für 72 425 M., Gummi- Tragant für 54 400 M., Rohkupfer für 3000 M. 2 c. Dresden, den 20. Dezember. Gestern Abend fand im T r i a n o n s a a l, den die Sozialdemokraten fich bekanntlich durch ihren erfolgreichen Gegenboykott erobert haben, eine von über 3000 Personen besuchte Volksversammlung statt, in welcher Liebknecht einen Vortrag über den achtstün- digen Arbeitstag und den bezüglichen Beschluß des Pariser ArbeiterkongresseS hielt. Die Versammlung, m der eine sehr begeisterte Stimmung herrschte, nahm mit allen gegen 1 Stimme(die eines anwesenden Fabrikanten) eine Resolution an dahingehend, daß die Theilnehmer sich verpfl chten, mit aller Energie für die Verwirklichung jenes KongreßdeschtusseS einzu- treten und am 1. Mai des künftigen Jahre« in Dresden eine Manifestation zu Gunsten des acht- stündigen Arbeitstages zu veranstalten. Die überwachende Polizei griff in den Vortrag nicht ein, was insofern bemerkenSwerlh ist, als bisher in Sachsen schon die bloße Erwähnung des Pariser Kongresse« regelmäßig das Einschreiten der überwachenden Polizeiorgane zur Folge ge« � Die Dresdener Polizei scheint also liberaleren Anschauungen zu huldigen als die Polizei der anderen sächsischen Slädie.— Der Gegenboycott der Arbeiter ist durch das Ein- schreiten der Behörden in keiner Weise geschwächt oder er- scküttert worden. Er hat seine Form geändert— das ist Alles. Uebrigens veröffentlichen die Antisemiten nach wie vor durch öffentliche Wandanschlage Verrufs- erklärungen gegen jüdische Geschäfte. Wenn diese An- schlüge von der Polizei dauernd geduldet werden, so gedenken die Sozialdemokraten gleichlautende Anschläge, in denen nur die Namen der Firmen geändert find, an die Mauern zu heften. Gest-rreich-Ungar«. Auch in Oesterreich bricht sich die Entschädigung unschuldig Verurtheilter Bahn, nachdem m der Neuzeit die öffentliche Arme zu pariren; sein Wolltrikot wurde durch die breite Klinge aufgeschlitzt- er ergriff den Arm Chaval'S, und ein furchtbares Ringen begann. Wenn Stephan los ließ, war er verloren. Chaval aber riß und schüttelte, um sich zu be- freien und sein Messer zu gebrauchen. Die straff gespannten Muskel ermüdeten; langsam senkte sich die Klinge; schon zweimal fühlte Stephan den kalten Stahl an seiner Haut. Da, mit übermächtiger Kraft, preßte er das Handgelenk seines FeindeS; die Hand öffnete sich, das Messer glitt zur Erde; Beide stürzten darauf; Stephan ergriff eS, warf seinen Gegner, und, sein Knie auf dessen Brust, schwang er die Waffe: „Elender Verräther, stirb!" Eine entsetzliche Stimme, Alles in ihm übertönend, trieb ihn zum Mord. ES war, als stieg'S auS seinem Innersten empor, empor bis in die Schläfe, bis ins Hirn und hämmerte mit blutdürstig betäubendem Schlag. Noch nie hatte es ihn so gepackt, und doch war er nicht betrunken. Er kämpfte gegen sein Erbübel. ES schüttelte ihn mächtig; er wollte tödten, er wollte eS nicht... Mit einem Male warf er das Messer hinter sich und rief: „Steh' auf! Geh'!" Diesmal hatte sich Rasseneur zwischen sie geworfen, aber vorsichtig, damit ihm nichts geschähe. Er wollte nicht, daß man sich bei ihm ermorde; doch seine Frau erklärte, er schreie immer zu früh. Souvarine, dem das Messer zwischen die Beine gesiogen war, steckte endlich seine Zigarrette in Brand. Käthe schaute mit blödem Blick, als verstehe sie nicht, auf die beiden Männer, die beide am Leben ge- blieben. „Geh! Geh!" rief Stephan noch einmal,„oder ich bringe Dich um!" Chaval stand auf, fuhr mit dem Rücken der Hand über sein blutbesudeltes Geficht; sein Auge war roth und blau geschwollen; er schleppte fich zur Thür. Mechanisch folgte ihm Käthe, aber er wandte sich um: „Nein, Dirne! Er ist Dir lieber, geh' mit ihm, und wenn Dir Dein Leben werth ist, wag'S mcht und komm' je wieder zu mir" Er warf die Thür dröhnend in'S Schloß. Theilnabme wiederholt tief erregt wurde durch die Leide«, welche über unschuldige Personen durch ungerechifertigte Ver- urtheilungen verhängt worden find. Soeben ist nun dem öster- reichischen Abgeordnetenhause ein Bencht de« Slrasgesetzau«- schusses über einen Antrag des Abgeordneten Dr. Jaqu-s und Dr. Roser zugegangen, in welchem dem Staat die Vei pflcchtung zur Entschädigung unschuldig Veruriheilter auferlegt wrrd. Der Ausschuß hat nur geringfügige Aenderungen an dem ur- sprünzlichen Entwurf vorgenommen. Bereits im Jahre 1884 hat das Abgeordnetenhaus einen den gleichen Gegenstand be- handelnden Gesetzentwurf angenommen, doch das Herrenhaus wies den Entwurf zurück, uno ehe eine abermalige Berathung vorgenommen wurde, erfcffgte der Sesfionssckluß. Im Januar 1887 wurde darauf von den Abgeordneten JaqueS und Roser der vorliegende Antrag eingebrocht und dem Strafgesetz-AuS- schusse zugewiesen. Der Ausschußbericht bespricht in eingehender Weise die Anschauung, die vor fünf Jahren in der juiidischen Kommission des Herrenhauses bestimmend war und erörtert die prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten, welche zwischen dem Beschlüsse dieser Kommission und dem Strafgesetz-Ausschusse in dieser Frage obwalten; es find die« vorwiegend subtile jurrstrsche Erwägungen, welche den von ungerechtfertigt Verurtherlten zu erbringenden Nachweis über die Größe de« erlittenen Schadens betreffen. Formale Aenderungen fand der Jaques- Roser'sche Entwurf in den§§ 4, 10 und 16. § 1 de« Gesetz-Entwurfes hat folgenden Wortlaut: Wer eine Strafe ganz oder theilweise abgebüßt hat, die ihm durch gerichtliches Urtheil wegen einer nach der Strafprozeßordnung zu verfolgenden strafbaren Handlung zuerkannt wurde, kann, wenn auf Grund der Wiederaufnahme des Strafverfah-ens die Einstellung des Verfahrens oder die endgiltige Zurückweisung der erhobenen Anklage, die Freisprechung oder die Anwendung eine« milderen StrassatzeS erfolgt, für die durch den als un« gerechtfertigt erkannten Strafvollzug ihm zugefügte Einbuße an Vermögen und Erwerb vom Staate eine entsprechende Ent« schädigung verlangen. Der Anspruch ist unstatthaft, wenn der Bestrafte die ungerechtfertigte Vemrtheilung absichtlich herbei- geführt hat. § 2 bestimmt, daß auch die Ehegatten, Kinder und Eltern de« Verurtheilten nach dessen Tode Anspruch auf Entschädigung haben. § 7 bestimmt, daß über das Anspruchsbeaehren eine mündliche vom OberlandeSgericht anberaumte Verhandlung stattfindet. § 10 statuirt in der veränderten Fassung des Aus- fchusses Folgendes: Gegen die Enischeidung des Oderlandes- aerichts steht dem Kläger und dem Oberstaatsanwalt der Rekurs offen. § 12 bestimmt: Richter, welche gangenen Strafverfahren oder an dem betreffenden Verfahren in erster Instanz find von der Theilnahme an der schloffen. an dem vorauSge« die Wiederaufnahme theilgenommen haben, Verhandlung auSge« Wie aus den vorstehend angeführten Paragraphen hervor- geht, ist der Gesetzentwurf weitgehend genug, so wert die Ent« schädigung unschuldig Verurtheilter in Betracht kommt,« leidet aber noch unter der Lücke, daß die unschuldig Ver- hafteten nicht berücksichtigt worden sind. Nach den Er« sahrungen, die man in Deutschland gemacht hat, ist e« aller- ding« sehr zweifelhaft, ob die der deutschen Regierung so vielfach gleichgeartele österreichische auf diese Neuerung em- gehen wird. R«ßla«d. Kalis ch. Der von ven preußischen Behörden an die russischen ausgelieferte Sozialist I. Groß btfindet sich, de» .Votks-Ztg." zufolge, zur Zeit noch im hiesigen Gefängnisse. Der an ver Grenze beschlagnahmte Ballen sozialistischer Schriften enthielt mehrere Tausend Stück eines revolutionären Aufrufe«, welcher an die russischen Soldaten in Kalisch und in anderen Garnisonen an der Grenze gerichtet war. Diese Proklamation war in russischer Sprache in Zünch gedruckt. Nach Anficht der russischen Behörden hat Groß diesen Aufruf verfaßt und in Druck gegeben. Die russischen Regierungsorgane waren ur- sprünglich der Ansicht, daß Groß vordem auch mit 2 Offizieren der Kalischer Garnison in Verbindung gestanden und es wurde deshalb gegen diese beiden Oifiziere die Untersuchung ringe« leitet. Dieselbe ist aber jetzt wreber eingestellt worden. Groß wird später nach Warschau und von da nach Petersburg über- geführt werden. Die revolutionären Proklamationen, welche in Skalmierzyce beschlagnahmt wurden, belasten übrigens Groß verhältnißmaßig noch am wenigsten. Die Regierung in PeterS« bürg glaubt v, elmehr, daß Groß an einer g-oßen Verschwörung betheiligt sei. Wenigstens ist vor einigen Monaten in PeterS« bürg eine Denunziation au« London eingegangen, in welcher Groß der Theilnahme an einem Geheimdunde beschuldigt wurde und erfolgte auch jetzt daiaushin die Veihaftung mehrerer Offiziere in Rußland. Dies find die letzten positiven Nach- richten über Gioß. Befindet fich der Angeklagte erst einmal in den Kasematten von Warschau oder Petersburg, so dürfte über ihn Lbeihaupt keine Kunde mehr zu erlangen sein. Alle schwiegen. Die Kohle summte im Kami«. Ei« Stuhl lag am Boden. Der weiße Sand auf den Fliese« trank das verspritzte Blut. Viertes Kapitel. Nachdem Stephan und Käthe Rasseneur's WirthShaul verlassen hatten, gingen) sie schweigend neben einander. ES begann zu thauen, ein kalter Thau, der den Schnee schmutzfärbte, ohne ihn zu schmelzen. Am blassen Himmel ahnte man den runden Vollmond hinter großen schwarze« Wolken, welche in hastigem Sturm dort oben vorüber jagte«. Unten auf der Erde wehte kein Lüftchen, ei war still;»o« den Dächern klatschte der geschmolzene Schnee in Klümpche« herunter. Stephan war verlegen, was mit Käthen beginnen? Der Gedanke, sie bei sich in Requillart zu verstecken, erschien ihm thöricht; er schlug ihr vor, sie zu den Eltern zurückzuführe«. Aber sie verweigerte dies erschreckt: Nein, nein, alles lieber, als denen jetzt zur Last fallen, nachdem sie ihnen fort- gelaufen. Sie schwiegen Beide, auf« Geradewohl durch die schmutzigen Wege dahin wandelnd. Zuerst waren sie dem Voreux zugeschntten, dann wandten sie sich rechts und gingen zwischen der Halde und dem Kanal entlang. „Aber Du mußt doch irgendwo schlafen.. sagteer endlich.„Wenn ich ei« Zimmer hätte,«ahm ich Dich ger« zu mir..." Eine sonderbare Scheu schnitt ihm da« Wort ab. 6% dachte an die Vergangenheit, an ihr ungestilltes heftige« Sehnen, Eins nach dem Andern verlangend im dunkle« Zimmer, wo die Geschwister schliefen, wo Zartgefühl«ob Scham sie von einander fern gehalten. Hatte er de«« immer noch Verlange« nach ihr, daß eine so seltsame Be- wegung sein Herz in Wallung brachte? Die Erinnerung a« den Schlag, welchen sie ihm in Gaston-Marie versetzt, er- füllte ihn nicht mehr mit Zorn; im Gegentheil, eS zog ih« mächtig zu ihr hin und er hätte eS jetzt ganz natürlich g� funden, sie nach R-quillard zu führen. „Entschließe Dich, waS willst Du? Du kannst mich wohl gar nicht leide«, daß Du nicht mit mir komme« möchtest?" Amerika. 3« Brasilien geht nach einem in Hamburg einge- troffenen Privatbrief aus Rio de Janeiro alles wieder im alten gewohnten Geleise. Jedermann geht seinen Geschäften «ie bislang nach, die Wachen an den Banken und die Militär- Patrouillen in den Straßen sind verschwunden, die Börse funk- twnirt ruhig, brasilianische StaatSpop'-re haben ihren Kurs vom Kaiserreich behauptet: die Zustimmung aller Provinzen zur Bil- dung der Föderativ-Republik scheint gesichert. Die Mitglieder der provisorischen Regierung baben sich bislang anerkennens- «erther Mäßimng befleißigt. Noch vor Einberufung der Kon- uiluante beabsichtigt das Kabinet: Zivilehe, Säkularifiruna der sriedhöfe, Trennung von Staat uno Kirche und Große Natu- rallsation zu dekretiren.— Die Große Naturalisation ist be- reits dekretirt worden. Die provisorische Regierung hat näm- «ch ein Gesetz erlassen, wonach alle Ausländer, welche sich zwei Jahre lang in Brasilien aufhalten, damit das brasilianische Bürgerrecht erwerben. Werselder KoMMMozeß. Der hervorragenden Wichtigkeit wegen, weldbe die Red« oeS Herrn StaatSarwahs Pinuff m Eldertelder Sozia- liftenprozeß hat, bringen wir nachfolgend noch einen uns zur Verfiigung gestellten ausführlichen Auszug: Redner betont zunächst, daß er sich bestreben werde, sich in seinen Ausführungen möglichst kurz und gedrängt zu fassen und alle diejenigen Beweismittel, welche sich als trügerisch oder als nicht durchaus zuverlässig ergeben, vollständig außer Acht zu lassen und fährt dann fort: Es ist ja viel darüber gesprochen und geschrieben worden, worum es sich eigentlich in dieser Strafsache handelt. Von manchen Seilen, namentlich von den- Miigen, welche den Verhandlungen nicht vom Anfang bis zum Ende gefolgt find, spezirll von Seiten der Angeklagten, ist häufig angedeutet worden, daß dasjenige, was anderen erlaubt fei, wird uns zum Vorwurf gemocht, deshalb werden wir strafrechtlich verfolgt. Ich halte es für meine Pflicht, diese Ansiht als eine d urchaus unrichtig«, als eine der schwersten Vorwürfe gegen die Strafverfolgung der Justizbehörden zurückzuweisen. Nicht die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte, nicht dasjenige, was allen anderen Staatsbürgern erlaubt ist, hat die Angeklagten auf die Anklagebank geführt, sondern die fortgesetzte und bewußte langjährige Zuwiderhandlung gegen da« gemeine Strafgesetz, gegen die§§ 128 und 129 des Str.- G., B., welche die besonderen strafrechtlichen Zwangsnormen für diejenigen Personenoereinigungen vorschreiben, die sich mit politischen Angelegenheiten befassen, aber den gesetzlichm Be- Kimmungen, welche der Staateregierung die Ueberwachung der« artiger Personenoereinigungen möglich machen sollen, bewußt und vorsätzl'ch übertreten. Der Staat hat allerdings ein wesent- liche« Interesse daran, daß alle diejenigen Organisationen, welche sich mit öffentlicher und zwar speziell mit politischen'Angelegen- heilen beschäftigen, auch den gesetzlichen Bestimmungen über das Vereins- und Versammlungsiecht nachkommen. Es soll eben durch diese Bestimmungen veihütet werden, daß sich geheime Organisationen bilden, und daß diese einen ftaatSgefähr» lichen Charakter annehmen, daß sie Bestrebungen verfolgen, welche direkt gegen den Bestand des Staatswesens gelichtet sind. Ich muß nun konstaiiren, daß es sich wie in allen Ge- Heimbundprozessen, auch im vorliegenden Falle um eine der« artige staatsgefährliche Organisation handelt, die zu bekämpfen der Staat nicht das Recht allein, sondern gebieterisch die Pflicht hat. Es handelt sich um die Aufdeckung eines jahrelang ge- ?fl'gten und thätig gewesenen GeHeimbundcS, dessen staatSge- >ahrliche Endzwecke nach meinem Dafürhalten keinem Zweifel unterliegen. Zwar wird immer gesagt: wir find nur zur Be- rathung von Wahlangelegenheiten, von llaterstützunasangelegen- heilen zus ummengetreten; aber wir haben wicderbolt durch die Be- weiSaufnahme die Ueberzeugung gewinnen müssen, daß es eben andere Angelegenheiten gewesen sind, daß es in allen diesen ge« Heimen nicht angemeldeten Versammlungen, in allen diesen Äeußerungen einer geheimen VereinSthätigkeit sich um eine Beihätizung derjenigen Ziele handelte, welche zunächst vom Auslände gepflegt und von dimselben herübergeführt, den Eharakter der Sozialdemokratie im Inland« zu einer inter- Nationalen staatsgefährlichen Vereinigung gestempelt hat. Und wer die Geschichte der letzten 20 Jahre verfolgt hat, der weiß, baß es gerade die Abgg. Liebknecht und Bebel gewesen find, die gelehrigen Schüler des verstorbenen Karl Marx, denen es gelungen ist, die damals noch nationale Sozialdemokratie in die Bahnen des internationalen Kommunismus zu führen. Welche Gefahren von dieser Vereinigung nicht allein unserem fondern auch allen anderen Staatswesen drohen, ist klar. Der Abg. Bebel hat ja selbst, wie ich zu seinem Lobe anerkennen will, offen erklärt— denn viele ehrliche Meinungsäußerungen haben wir leider in diesem P'oz«sse nicht gehört—, haß sein Kampf und derjmige seiner Parte« sich richte gegen die Man« vrchi« in pol'trscher Hinficht, gegen die bestehende Gesellschafts« l Sie ging langsam, ihre Holzschuhe glitten in dem schlüpf- klge» Schnee: ohne den Kopf zu heben antwortete sie: „Ich bin unglücklich genug, Du lieber Gott; mach mir sucht noch mehr Herzeleid durch solche Rede«. Du weißt, ich Hab' einen Mann und Du hast eine Frau." Sie sprach von der Mouquette; denn sie glaubte, daß Stephan bei derselben wohne, wie es das Gerücht seit zwei Wochen behauptete. Er schwor, dies fei nicht der Fall: sie aber schüttelte den Kopf: war sie ihnen nicht damals auf der Landstraße begegnet und hatte gesehen, wie sie sich umarmt hielten? „Wie schade ist das alles!" rief er, wir hätten so gut iU einander gepaßt!" Sie erzitterte leis, dann antworte sie: „Laß Dir'S nicht leid sein! Wenn Du wüßtest, was für ein armes abgequältes Ding ich bin; so mager wie ein Skelett! Ach, ich werde wohl nie stark und rund werden, wie andere Frauen." Und freimüthig sprach sie von ihrer zurückgebliebenen «ntwickelung, die sie immer noch wie ein unreife» Mädchen ausschauen mache. „Arme Kleine!" flüsterte Stephan. Sie waren jetzt unter der Halde. Eine tintenschwarze Wolke zog am Monde vorüber. Sie sahen nicht ihre Ge- schter; aber ihr Athem vermischte sich, ihre Lippen näherten ich einander, als müsse jetzt endlich der Kuß sie vereinen, wn sie monatelang heimlich ersehnt hatten. Doch plötzlich glitt der Mond wieder hinter den Wolken hervor. Sie �blickten oben auf dem weiß beschienenen Hügel die Schild- {pache, welche zu ihnen hinabschaute; und wieder trennte sie die alte Scham, in die Mißmuth sich mischte, ein un- "■lqreS Gefühl der Entfremdung und sehr viel Freundschaft. setzten langsam ihren Weg fort, bis an die Knöchel im �chneewasser watend. «Also es ist entschieden. Du willst nicht?" fragte er. „Nein!" antwortete sie.„Dich nach Ehaval und Dir einen Andern? Nein, nein, der Gedanke widert an. Sie gingen wieder hundert Schritt, ohne ein Wort zu �™n.(Fortsetzung folgt.) form in ökonomischer Hinsicht, gegen die Religion in religiöser Beziehung, daß er anstrebe: den Sturz der Monarchie, die Er- setzung der heutigen Gesellschaftsform durch den Sozialismus und die Ersetzung der Religion durch den Atheismus. Es war gewiß kein Zufall, daß in derselben ReichStagSverhandlung, in welcher der Abg. Bebel diese Erklärung abgegeben hat, er sich ganz und voll auf den Standpunkt der internationalen Revo- lution gestellt hat: er hat in derselben Sitzung erklärt, daß er auf dem Standpunkt des„Soz." in der Handhabung und der Beurtheilung der gegen Kaiser Alexander gerichteten Attentate stehe. Wenn es schon hiernach keinem Zweifel unterliegen kann, welche Gefahr von dieser Seite dem Staatswesen droht, so hat ja die Verhandlung zur Genüge ergeben, daß die von dieser Partei ausgehende Agitation sich auf die langsame, aber sichere und systematische Untergrabung der heutigen Staats- und Ge- sellschaftsordnunq richtet. Von jener Seite warnt man vor Revolutionen und Putschen, wie man sich ausdrückte, aber man steht ihnen nicht prinzipiell feindlich gegenüber, man erachtet nur die Zeit noch nicht gekommen und meint, man solle das Pulver nicht vor der Zeit verschießen. Man erklärt, daß die bestehenden Gesetze die Gesetze einer ihr feindlich gegenüberstehend m Klassenherrschaft sind, die zu umgehen und zu beseitigen seim. Man giebt genaue Anweisungen, wie man den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen entgegenhandeln und es bewirken kann, sich selbst möglich einer strafrechtlichen Ver- folgung zu entziehen. Man giebt genaue Anweisungen über das Verhalten der Parteigenossen vor den Staatsbehörden, die allereingehendsten Instruktionen über die Behandlung von Parteiangelezenheiten, Anweisungen über eine Geheimschrift, über die Vernichtung von Schriftstücken die zur Entdeckung eines Geheimbundes führen könnten, Anweisungen, wie man die Wahrheit verhüllen kann, wie man unverfängliche Begriffe und B-zkichnungen im Korrespondenzverkehr wählen solle, um die wirklich gemeinten zu verhüllen. Und aus den Ver- lesungen aus dem„Sozialdemokrat" habm wir zur Genüge erfahren, daß er nicht dabei stehen bleibt, die Umgehung des Sozialistengesetzes zu predigen, als eines von den herrschenden Klassen auf die Sozialdemokratie zugeschnittenen„Schand- esstzeS", wie es der fast in jeder Nummer vorkommende Aus- .ruck ist, sondern daß es ver Sozialdemokratie, wie sie sich heute darstellt, darauf ankommt, die bestehenden Gesetze über« Haupt zu umgehen, nicht zum mindesten die Gesetze über die Verpflichtung der Staatsbürger, unter dem Eide die Wahrheit zu sagen. Ich habe jr beantragt, jene Artikel zu verlesen, welche den Meineid direkt verherrlichen. Sie find nicht einmal die einzigen. Ich darf daran als notorisch erinnern, daß in einer der letzten Reichstagsverhandlungen noch ein anderer Artikel ungefähr des gleichen Inhalts zur Erörterung gelangt ist. Es wird darin der Meineid, in Parteiangelegenheiten ab- geleistet, nicht allein nicht alz ein Verbrechen hingestellt, son« dern geradezu verherrlicht; er wird als die größte Treue, al» die Belhätigung derjenigen Parteitteue, die man von jedem verlangen muß. dargestellt. Wenn ein aus dem Zuchthaus entlassener Meineidiger mit allen Ehren einer einziehenden celöbren Person empfangen und ihm zugerufen wird:„Will- kommen Du Meineidiger wieder in unseren Reiben", dann muß man allerdings verstehen, baß sich diele Auffassung in den weitesten Kreisen der deutschen Arbeiterschaft, in den weitesten Kreisen der Leser des„Soziald-mokrat"— und leider ist ja dieser Kreis ein nicht unerhebliNr— feftnisten muß und daß damit dasjenige, was wir Gewissen nennen, aus dem Herzen des deutfchm Arbeiters mit brutaler Gewalt h-rauSaerissm wird. Man würde jene Artikel, wenn sie ohne thatsächliche Folgen blieben, vielleicht darauf zurückführen können, daß irgend ein Fanatiker sie geschrieben, um einem augenblicklichen WutbauSbruche Folge zu geben; man könnte anführen, der Deutfche habe ein zu tiefes Gnnüth, als daß er derartigen Verlockungen erliegen könnte. Leider aber haben diese Artikel über den Meineid die schlimmsten Folgen gehabt; sie sind nickt bloße Verlockungen, bloße Anreiz« geblieben, sondern sie haben thatsächlich zu Meineiden, im Parteimteresse abge- leistet, geführt. Ich muß auf die traurigen Vorkommnisse in diesen Verhandlungen verweisen, wo drei durchaus nicht un- intelligente Personen, welche den Eindruck machten, daß sie zielbewußte Anhänger ihrer Partei waren, mit kaltem Blute wegen einer Geringfügigkeit einen Meineid leisteten. Ich muß ferner darauf hinweisen, daß die Anwesenden ihres ersten Führers, desjenigen, der von sich selber sagt, daß er in diesen Tagen von verschiedenen Seiten Kundgebungen bekommen hat, in denen es hieß, daß die Arbeiter sich für ihn opfern möchten, — daß es der Anwesenheit dieses ihres ersten Führers nicht gelungen ist, diese Leute von der Ableistung des Meineids zurück zu schrecken, daß sie gewissermaßen Aug im Aug ihm gegenüverstehend die Hand zum Schwur erhoben. Und das ist allerdings die schlimmste Folge, die schlimmste Errungen« schaft, welche die Sozialdemokratie durch ihre wüste Agitation erreicht hat, daß, wenn die Anrufung Gottes nicht mehr als das geachtet wird, was sie dem Deutschen bisher war, sein und bleiben muß, dann allerdings der Staat in seinen Grund- festen erschüttert werdm kann, wenn nicht Mittel gefunden wer« den, um dein Weiterfressen dieses gefährlichen Giftes entgegen« zuwirken. Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß eine festgegliederte geheime Organisation besteht, nicht nur zur Ausübung einer ungesetzlichen VereinSthätigkeit, sondern auch zur Verbreitung verbotener Druckschriften, insbesondere des„Sozialdemokrat". Die Organifatton macht es sich im wesentlichen zur Aufgabe, das Sozialistengesetz und die bestehenden vereinsgesetzlichen Be- stimmungen zu umgehen, ihre Vollziehung zu verhindern und zu entkiäften. Wir haben gesehen, welche Mittel angewandt werden, welcher Apparat ins Werk gesetzt wurde, um den Behörden diese Organisation zu verhüllen, um sie über die wahren Ziele der Sozialdemokratie zu täu- schen, und da ergiedt es sich von selbst, daß der Staat in der Nothwehr handelt, wenn er eine Gegen- organisation ins Leben ruft. Der Staat ist im Interesse seines Bestandes verpflichtet, diesem Treiben auf die Spur zu kommen, den Schleier zu lüften, der geflissentlich darüber ge« halten wird, und man wird am allerwenigsten dem modernen Staat zumuthen können, daß er sich sehenden Auges vernichten läßt. Hierin liegt die Nothwendigkeit eine« Ueberwackungs- wesenS. Es ist in dieser Verhandlung wiederholt von Seiten der Angeklagten darauf hingewiesen worden, es sei Verraih, wenn Jemand hinginge und sagte, das und das geschehe inner- halb der Kreise der Sozialdemokratie. Es ist von den Ange- klagten auf diejenigen Personen, welche der Polizei Mit- theilungen gemacht haben, der schlimmste Vorwurf geworfen, sie sind geschmäht worden. Ich meine, da« ist schon eine derjenigen Verkehrungen der Begriffe, denen wir vielfach in diesen Verhandlungen begegnet sind. Der Staatsbürger, der Un« gewöhnliches beobachtet, hat die staatsbürgerliche Pflicht, der Behörde Kmntniß zu geben, und ebenso gut wie wir bei jedem Vergehen oder Verbrechen, ebenso wie wir zum Zwecke der Aufdeckung irgend einer anderen Strafthat uns derjenigen Personen bedienen müssen, welche ZeugNiß darüber ablegen können, welche Wsssenschaft darüber haben, ebenso ist es nicht» weiter als eine staatsbürgerliche Pflicht von derjenigen, die fehen und hören, daß Ungesetzliches m bestimmten Kreisen vor- geht, dieses der Behörde anzuzeigen. Etwas andere« ist es, wenn niedrige Motive zu dieser Handlunq veranlassen. ES wird dann zu prüfen sein, ob trotzdem die Beobachtungen dieser Personen wahr find. ES ist in diesem Verfahren ein systematischer Feldzug gegen die Polizei in die Wege geleitet worden. Man hat die denk- bar schweiften Vorwürfe gegen da« Verfahren der Polizei er- hoben; man ist von diesem Strafverfahren abgegangen und auf alle möglichen anderen Verfahren übergesprungen und hat sich sogar nicht gescheut, auf das Privatleben einzelner Beamten zurückzugreifen und die Beweisaufnahme gewissermaßen zu einer Anklage gegen diejen'gen Volizeibeamten zu gestalten, welche unter schwierigen Verhältnissen und unter den widerwärttgsten Umständen lediglich ihre Pflicht gethan haben. Ich will nur konstatiren, daß e« wie anderwä.ts, so auch hier gelungen ist, gegen diesen Ansturm der Angeklagten die Polizei in der glänzendsten Weise zu rechtfertigen. Nicht der Schatten eines Vorwurfs ist auf irgend einem derjenigen Beamten, die mit der Ueberwachung der sozialdemokratischen Agitation bettaut gewesen sind, gefallen. Ich hatte keinerlei Anlaß, mich dm weitgehenden Änträgm der Angeklagtm bezw. der Vertheidi- gung irgendwie zu widersetzen, obgleich sachlich aller Anlaß vor- hanom gewesen wäre, weil Fragen gestellt wordm sind, die mit dem Prozeß wider Adolph und Genossen so gut wie nichts zu thun hatten— ich habe mich nicht widersetzt, um eben der Polizei die Möglichkeit zu ge« währen, sich in der Oeffentlichkeit des Verfahrens, wie geschehen, zu rechtfertigm. Es ist so weit gegangen worden, daß die schwersten Vorwürfe erhobm wurden. Ich erinnere daran, daß in der Verhandlung im Anfange einer der Herrm Vcrtheidiger ankündigte, es sei die« der erst« Punkt, in welchem er die Polizei entlarven wollte. Es wurde von einem der Ztugm hier behauptet, er habe gehört, daß der Zeuge Weber deshalb dm Polypenarmen des Polizeikommissars Wilsing sich nicht habe entreißen kö.mm, weil dieser dem Weber zunächst Gefälligkeiten in Bezug auf ein Sttafverfahren gegen seinen Schwager Stüde erwiesen habe, und hierdurch habe er sich zu der Gegenleistung von Gefälligkeitm an die Polizei verpflichtet gehaltm. Meine Herren! Der Zeuge Weber hat hier vor Ihnen bekundet und Sie werdm seinem Zeugniß, soweit e« zu Gunsten der Polizei spricht, sicherlich Glauben schenken müssen, denn er ist soweit gegangm in seiner Erklärung, daß er gesagt hat, er habe hin und wieder der Polizei nicht die volle Wahrheit gesagt; er ist also durchaus nicht etwa derienige, der der Polizei nach dem Munde spricht, denn e« liegt ja darin ein gewisser Vorwurf gegm die Polizei, daß sie sich von einem Menschm, dem sie da« Zutrauen schmkte, daß er eine richtige Ueberwachung und Beobachtung in ihrem Sinne in die Wege leiten werde, etwas vorsagm läßt, was nicht wahr ist— Sie werdm also dem Zeugen glaubm, soweit er sich zu Gunstm der Polizei ausläßt. Er sagt aber ausdrücklich, es sei auch nicht das Geringste davon wahr; allerdings habe er ein« mal Polizeikommissar Wilsing einen Fall vorgetragen, dieser habe ihn angehört, habe ihm vielleicht auch etwas geklagt, eS fei aber niemals irgendwie eine Gefälligkeit de« Polizeikom- missarS Wilsing ihm gegenüber erfolgt, er sei hierdurch niemal« in den Dienst der Polizei getreten. Die Akten find vorgelegt worden, und der Herr Vertheidiger hat in loyalster Weise erklärt, daß sie nichts ergeben haben, was irgendwie den geringsten Anhalt zu einem inkorrekten Verhalten der Polizei aegebm. Die öfftntliche Verhandlung hat aber den großen Nachtheil, daß sie von einer gewissm Seite, die ein Interesse daran hat, leicht gemißbraucht werdm kann, um Agi- tation zu treiben. Meine Herren! Es giebt leider bei un« eine willfährige Presse, welche diesem Wunsche gewisser Seiten nicht nur gern, sondern manchmal auch planmäßig, wie ich leider erklären muß, Folge giebt. Ich verallgemeinere nicht, ich spreche nicht von der Presse im allgemeinen, ich spreche nur von demjmigm Theil, welcher an Sensation und Skandal Ge- fallen sucht und sich darin gefällt, dadurch seine Leser zu fesseln. Als diese Angelegenheit und der Fall Stüde hier zur Sprache kam, da ging es durch einen gewissm Theil dieser Presse mit gesperrten Lettern: der Zeuge Weber habe sich durch Gefällig- keilen, die ihm Polizeikommissar Wilsing in einer Strafsache gegm seinen Schwager erwiesen, zu Gefälligkeiten der Polizei gegenüber verleiten lassen. Der loyale Verzicht des Herrn Vertheidigers auf diese Behauptung ist ganz klein gediuckt durch dieselbm Zeitungen gegangen. Die Leser aber sind erregt, sie habm die nöthige Speise für ihr SensationSbedürfniß gehabt, und damit ist ja Genüge geschehen. Ich darf darauf hinweism, wie der Wirth Häufer von Barmm, der als Zeuge erklärt hat, er habe hin und wieder einem Polizeibeamten Mit« theilungen gemacht, die Frage, ob ihm für seine Mit- theilungen vielleicht die Konzession versprochen worden, mit Entrüstung verneint hat. Der Fall Bmrath ist herbeigezogen und versucht worden, einen gewerbsmäßigen Hehler und dessen Aussage in Vergleich zu fitzen mit der eines pflichttreuen Beamtm. ES ist md- lich nicht verschmäht worden, auf da« Privatleben eines dieser Herren Beamtm zurückzugreifen und Fragm zu stellen, die gewiß mit der Thätigkeit de« Beamtm in dieser Straf« fache nichts zu thun haben. Auch diese Fragen haben eine für den Beamten selbst nur rechtfertigende Beantwortung erhalten. So kann ich nur konstatiren, daß die Thätigkeit der Polizei in dieser Sache wie anderwärts eine durchaus korrekte gewesm ist, und ich weist darauf hin, daß von sämmtlichen Beamtm hier ausdrücklich erklärt wordm ist und der Zmge Weber auf mein ausdrückliches Befragen die« unter Eid hat bestätiam müssen, daß diejenigen Organe, deren man sich zur Ueber- wachung der Sozialdemokratie bedient hat, eindringlichst und auf« sorgfältigste verwamt worden find, sich jeder Initiative, sich jeden eigenen ungesetzlichen Handeln« zu mthallen und nur ausschließlich solche Berichte zu liefern, von dmm sie über- zeugt sind daß sie wüklich der Wahrheit entsprechen. Weiter erörtert nun zunächst der Herr Staatsanwalt dm Begriff Partei und Organisation und führt au«, sobald die Partei erne Organisation annimmt, sie den Charakter der Partei verläßt und zur Verbindung bezw. zum Verein wttd. Er wendet sich sodann zu der Anklage im Besonderen und legt dar, daß eine allgemeine, über da» ganze Deutsche Reich verbreitete Veibindung mit staatsgefährlichm End- zwecken bestehe, daß Bebel Vorsteher derselben sei und daß an vielen Orten des Reichs örtlicke Verwaltungen, ins- besondere auch in Elberfeld und Ba'men beständen, die zentral zusammengefaßt seim und ihre Spitze in der Fraktion fänden. Soziale ZJclierfreht. A« alle Militärschneider: Bekanntlich find wtt in eine Lohnbewegung erngetreim. Da« Beispiel so vieler Ge- werkschaflen, welche durch ihre gute Organisation Erfolge er- zielt haben, hat un« veranlaßt, am 17 Dezember d. I. in einer Versammlung unter dem Vorsitz der Herren H. Rogoff, Zißmer und Th. Je-win, dm Versuch zu machen, eine OK»Hffhr, K. Täglich Vorstellung. (Sirous fkenz» Karlstraße. Heute, Sonntag, den 22. Dezember: 2 große Norftellungen. 4 Uhr Nachm.(1 Kind frei): Große Komiker- Vorstellung mit einem eigens arrangirten Pro- aramm, in welchem sämmtl. Clowns in ihren höchst komischen Intermezzos und EntreeS sich ganz besonders auszeichnen werden. Abends 7t Uhr: Große Extra-Vorstellung. Die lustigen Heidelberger, oder: Ein Studenten- auiflug mit Hindernissen. Große Original« Pantomime. In beiden Vorstellungen: Auf- treten der vorzüglichen Reilkünstlerinnen und Reitkünstler, Reiten und Vorführen der bestdress. Schul- und Freiheitspferde. Morgen, Montag: Leben und Treiben auf dem Else. Dienstag keine Vorstellung. Mitt- woch und Donnerstag, 1. und 2. WeihnachlS- festtag, täglich 2 Vorstellungen. E. Renz, Direktor. Borletzter Sonntag. Cipous Busoh> 9«i*»«i44tarl>Hftv Heute, Sonntag, den 22. Dezember, 2 große Vorstellungen. Nachmittags J Uhr(1 Kind frei): Große mit besonders rrich- roaramm. In beiden Extta-Komiker-Voistellung mit besonder« rrich haltlgem und amüsantem Programm. In beide, Vorstellungen: Ein Zigeunerlager, Balletdiver- ttssrment. sg Uyr brillante Vorstellung. Maria Do,e als Jockey. 22 Hengste in Freiheit. Schul- reiterin Elvira Gverra. Gladiatear, geritten vom Direktor.„Eine Hubertusjagd im Grüne- wald* ,c. Sonntag, den 29. Dezember, unwiderruflich letzte Vorstellung. ""SS, |t 1 T» 9 M.— 10 Uhr A. ilMP-Pmopama. Zum ersten Male:«wette Reise durch das schöne Epante«. Dritte Reise durch das Rieseng birge. Erster CycluS: Pariser WelrausfteUun». Eine Reise 20 Pf., Kino nur 0 Pf. Abonn. Roh. Tabak Sumatra in s'der Preislage, vtttar. Jova-Umblott 115-120 Pf., Doaitngo 95-115 Pf., vrastl. Java- Einlage. iowie»le im Handel befind- «che» Sort'U. zu billigsten Pretten »et reefier Vedtenung.[327 H, Herholz, 143 Brmchrllje 141 Arbeiter-Buchhandlung von R!,%%%% empfiehlt als besonders zu Femtgeechenken geeignet Heine, sämmll. Werke, 4 Bd., geb. 5.40 M. Harne,„» 3 �„ 6.—« KhaKejpeare, sämmtl. Werke, 1 Bd. geb. mit Illustrationen 5.— M. Lichtstrahlen der Poeste» Prachtb. 3.50 M Französische Revolation, Prachtbd. 5.50 M. I. Serie der intern. Kiblioth., 7 Bd. 15 M. Zola,»Genninol* geb. 6.50 M. 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In dieser Znt hat sldon mancher beim AndUck ver zavtloi'N auf den Markt gebrachte» Tannen gefragt:»Wie alt mag solch ein Böumchen g'worden fem, ehe eS*kie'Aj;t fällte, oder:„Wird nicht J-hr ein Jahr aus emeMrt orgerV.riruAunki in den Foi fter gktricttn,indem gerade die schönsten und edenmäßigsten Ernnplare junger Fichten und Tannen geschlagen weroen?" W-n hätten die Fragen nicht schon bewegt? Beide beantwortet eine nähere naturgeschichtliche Kenntnih des TannenbaumlS, oder da dieser vi'l seltener zum Weihnachtsfest genommen wird— der Fichte. S e ist ein äußerst langsam wachsender Brum und daS wenige fW Hobe Sxemplar zählt stet« 8—12 Jahre, ist dock das Flchtenpflänztern drei Jahre noch feiner Aussaat erst 20 bis 25 3 nlim«ier hoch. Vom sechsten Jahre ab geht cS bei sonst, gen günstigen Bedingungen mit dem Wachsthum rascher vorwärts. Was nun die Soroe betriff:, dah der ungeheure alljährliche Bedarf an Weih nach. Sbäumen eine Verschwendung im forftwirthschaftlraen Sinn« sei, so darf man gerade das Gegentheil behaupten. Die Art der Aussaat und Enlwickelung de« Nadelholzes ver» langt das dichte Zusommensticken von S— 10 Exemplaren der »ue dem Samen aufgegancenen Pfanzen. Was ihnen aber in »arter Jugend Bedürfnch ist. würde ihnen später zum ernstesten Schaden. Gerade in dem Atter, welches durchschnittlich unsere Christbäume erreichen, mub das Fällen der überzähligen statt» finden und wenn es noch kerne so lukrative Verwendung für sie gäbe, müßten die Forstgelehrten extra ein Weihnachtsfest «firdeu, um nicht als geiinawerthiges Reisig verkaufen zu müssen, was jetzt so schöne« Geld einbringt. Der WU» entäußert sich also in Wahrheit alljährlich auf die vorthcilhafieste W rf« eine« Ueberfluss«, den er gar nicht beha ten dürfte. Mite«»eue«(ßiftßoff hat P of. Dr. R. Ködert sDorpat) in einer seit Jahrtausenden bekannten Pffai ze, in dem Samen de« Abrcs prccatoria entdeckt. Diiker Same stellt eine ungemein gleichmäßig gebrldete rothe Erbse mit schwarzem Pu-kte dar und wurde deshalb von den Jndrern szhr zu- äffend als»Hahnenauge" charakierisirt, der un« wird sie Paiernostererbse oder euch Giftbohne genannt. Der AbruS famen ist als Arznermittel schon in alten Z iten angewandt worden: als Reizmittel, B utstillunpSmiitel u. dergl., besonders aber kommen zwei Arten seiner Anwendung in Betracht: näm» ich at« Mittel zu Mordzwrcken in Indien und al« Mutel ■.egeu Augenentzündungen in Brasilien. Zu Mordzwecken wird der AbruSsamen in der Werse benutzt, daß man ihn en' krpsrl', in frischem Zustand zerreibt, dann zu einem latd stem hart werdenden Slrfr zusammen ollt und dielen scharf anspitzt; ein Stich damit, der e'wa nur wie der Jrsektenstich emp unden «ud, genügt, um M üsch und Thier zu iödten. Auf dies« Weise sind von Eing borenen ganze Heerdrn in englischen Kolonien au« Rache getödlet worden. In Brasilien gewinnt man au« einem kalten Aufguß des Abniitamens ein beliebtes, «ne» starken Reiz auf die Augenschleimhäute ausübendes Mittel. Woraus sich diese Wirkungen des Samen« erklären, war bisher völlig uubekanut. In dem Samen hat nun Pro. Ködert«einen höchst«isrenibümlichen giftig wirkenden Elveißto p:r aufgefunden. Derfeibe wirkt, direkt in's Blut von Threren eingeführt, in der unendlich Kernen Dosis von 0,001 Milizromm pro Kilo Körpergewicht abiolut tödtfich, also 100 mal stärker al« da« gesürchtrte S rychnin. Genau ebenso wirkt das aus dem Ric nussamen hergestellte Gilt, ebenfalls ein Eiweißtörper, der auch in an« fpr>chenSer Anwendung auf« Auge ganz edenfi) wirkt. Wie alle Eiweißkörpergiste, so büßl auch der AbruSsamen durch Kochen und überhaupt durch gröbere Wärme seine Wirkung er», und in diesem Zustand kann daher der Samen s-hr wohl al« Rahrungk mittel benutzt werden. Die Giftwirkung des AbruSsamen« kommt, wie Pro°. Kobert durch da« T Fiter» «iip riment nachgewiesen, dadurch«u Stand«, daß dieses G.ft, ir e Biui üdirgeführt, die Bluikügelcken gerinnen wacht, also «n« Gerinnung« verpi'tuno der B U'sörperch«» darstellt. «ine höchst merkwürdige(Operation ist vor einiger Zeit im Juliuchen Kranttnhause zur Ausführung g, kommen. Vor etwa 14 Jahren war ein Herr an der Blinddarment- tzüiidung erkiankl und wenn er auch von dieser schweren Krank- R. C. Selbst wenn sich heute Jemand vornehmen wollte, nicht an da« bevorstehende WeihnachiSfest zu denken, so wäre das eine nach jeder Richtung hin verlorene Mühe- waltung. An jeder Straßenecke stehen die Tannen aus dem Harz und anderen Waldgegenden, die Klappern und Wald- Teufel werden dem Heimkehrenden spät Abends überall an- geboten, die kleinen Proletarier frieren und zittern in diesem Zahre Ebenso wie in den vorhergehenden— die äußere Phy» swgnomie Berlins ist im Großen und Ganzen dieselbe ge- blieben. Allerdings nimmt der Weihnachtsmarkt auf dem Schloßplatz iu diesem Jahre von dem Berliner Abschied, Herr Rudolf Hertzog. der Beschützer der kleinen Leute, hat P- i.1_.(otMO f ♦ r /> F, T ßM S Att(RpfAftfläs n« daß diese bevorzugte Kaste eS nölhig hätte, von schrei der Kleinhändler sich belästigen zu lassen. S* Zeit hat uns auf allen Gebieten so durchgreifende!�.. eruvgen erleben lassen, daß ein so geringfügiges Mo- «t kaum noch Anspruch auf die öffentliche Beachtung er- xn kann. Der Platz, auf welchem der alte Weihnachtsmarkt tagte, »n man diesen Ausdruck hier in Anwendung bringen darf, st, wie bekannt, in seiner nächsten Umgebung einer frohen lkunft entgegen. Zunächst wird er m naher Zeit mit n berühmten Brunnen geschmückt werden, der einstmals n Berliner Magistrat einen so weihevollen Moment de- lete. Und um die Schloßfreiheit tobt der Kampf um den >teriepatriotismus. Wenn erst alle Loose, welche die, ückSgöttin für die zahllosen Bewohner des Deutschen I ichrs, die nicht alle werden, bereit hält, abgesetzt sind, und. das Konsortium der ehrenfesten und biderben Männer,! sich für die Angelegenheit interessiren, die mehrfachen wvnen in die geräumigen Taschen versenkt haben wird, allerdings schickt eS fich nicht mehr, daß auf einem °tz, an welchen sich so großartige historische Erinnerungen Wen, Schäfchen feil gehalten werde», welche irgend ein tygei Hausindustrieller aus der Weberstraße, viere einen Groschen, angefertigt hat und auch �ich ausbietet. Solche Schäfchen darf man hell genas, so erlangte er doch niemals feine frühere völlige Gesundheit wieder. Er fühlte fich nie ganz wohl, kränkelte be- ständig, ohne eigentlich krank zu sein und alle Welt hielt ihn schließlich für einen Hypochonder. Da begann fich vor etwa einem halben Jahre bei dem betreffenden Herrn hinten im Rück.n in der Nähe der rechten Schulter eine Schwellung zu b lden, die den Charakter eine« im Körper befindlichen Ge- wächseS annahm und immer gröber wurde. Da« Gewächs mußte daher entferut werden und der Patient fich einer Operation unterwerfen, die, wie die Aerzte idm nicht verhehlten, eine solche auf Tod und Leben war. da Niemand berechnen konnte, bis wie weit der operative Eingriff erstreckt werden wußte. Man begann die Operation und wer beschreibt da« E> staunen der Chirurgen, als da» Gewächs fich als ein etwa 1* Pfund schwerer Stein entpuppte, auf den man glück icher- we(e noch in dem Moment fti.ß, als die Aerzte ein weiteres Schneiden bereits für unmöglich erklärten. Dieser Stein aber erwies fich der näherer Untersuchung al« nicht« Anderes, als eine Verhärtung von Speileresten, welch« feit jener Blinddarm- entzündung, die eine Siörung im Verdauungsorgamsmu« zur Folge gehabt, ihren natürlichen Austritt aus dem Körver nicht mehr halten finden können, und sich im Laufe der Jahr« zu dem Gewächs verdichtet hatten, das den von ihm Behafteten mit einem beständigen Gefühl körperlichen Unbehagen« erlüllt hatte, brS eS in der gelchilderten Weise zum Vorschein kam und entfernt wurde. Der Mann it bereit« au« dem Krankenhaus« entlcss-n und sein blühendes Aussehen vusetzt all« Die- jenigen in Erstaunen, welche den blassen, kränklich aussehenden Mann f-üher gekannt hatten. Et« A«fsich-r de« pariser Kchlachthofe», Dr. Bourrrer, tritt sehr entschieden dafür em, jegliches F.erfch vor Tabakrauch zu bewahren. Er hat sehr belehrende Versuche an» gestellt. V-er Pfund zerschnittene« Fleisch wurden länger« Stunden dem Tabakrauch ausgesetzt, wodurch sie an der Oder« fläch««ine schwärzliche Farbe annahmen. Nan wurde da« Fleisch wiedeiholt einem hungrigen Hunde vorgesetzt, der fich aber mit Widerwillen davon abwandte, um kernen Preis dasselbe fressen wollte. Nachdem dasselbe fein zerhackt und mit anderer Nahrung vermischt war, verschlang es der Hund, starb aber gleich darauf mit allen Zeichen der Vergiftung. Derselbe Versuch wurde mit Kalb- und Pferdefleisch angestellt, welche« nach der Eivräucherung gebrate» und den Ratten vorgeworfen wurde. Diese starben ebenso schnell weg, obwohl durch da« Braten ein Theil de« Rauches wiederum auegeschwitzt worden. Ge- braiene« Fleisch r.immt den Tabakcauch fast noch mehr auf als rohe«, gekochte« dagegen weniger. Dr. Bourrier warnt daher dringend, in allen Räumen, worin Fleisch ausbewahrt, gekocht oder gegessen wird, ebenso auch beim Schlachten, jeglichen Tadakrauck fernzuhalten. Wenn auch nicht jedesmal eine wiikliche V-rg,stung erfolgt, sa nimmt da« Fleisch doch stet« von dem Rauche an, wodurch etwa« de« darin enthaltenen Nikotin» in den Magen kommt und Beschwerden, Uebelkeiten hervoirufen kann. ZUbe» 150 000 Mark beträgt der Brandschaden, welcher bei dem tmchioaren Schavenieuer auf dem Grundstück Straß- burgelstraße Rr. 57 in der Rächt vom Donnerstag zum Freilaz nach obe> flächlrcher Schätzung entstanden ist, wahrscheinlich aber dürfte fich diese Summe nach vollendeter Abschätzung wesentlich erhöhen, um so mehr, al» die Lager der abgebrannten Fabriken zur Zeit, vor Weihnachten, ganz besonder« stark waren. Die Feuerwehr, welche bis Freitag Abend nach 7 Uhr an dem Brondoite zu tbun hatte, mußte drei Mal durch Ersatzmann- schaften abgelöst werden und mit un vergleich icher Braoonr harrten die Feuerwehrleute durchnäßt in der Kälte au«, um da« immer und immer wieder heivorbrechende Feuer zu be- käirp'en. Der Anblick, den die Brandstätte selbst bietet, ist ein wabi haft trostloser. Da« Gebäude ist nur noch eine Ruine, und nur dieUmfassungSmauein desselben find stehen geblieben, auf derStraße häusten sich die ungeheuienSchuttnassen, welche aus dem brennen- den Gebäude auf den Hof geschleudert wurden, ganze Ballen Pappen und Glanzpapiere lagern zwischen verkohlten Brett rn. ver- branntnn Mehlftaub, Fournitmen u s. w. Von großem G ück bei dem furchtbaren Schadenfeuer kann der Zigarrenfabrikant L, der erst vor kurzer Zeit diese Fabnkräume bezoeen, sagen. Derselbe hatte in einem Pult die Summe von ca. 2000 M. in dort dann nicht mehr verkaufen— im Gegentheil, eS müßte dann auf jenem Terrain eine ganz andere Sorte von Wollträgern ausgestellt werden, zum Beispiel solche, welche in ruhigen Zeiten Verächter de« Harzardspiele« sind. Darum kennzeichnet sich darin, daß man den Weihnacht«- markt, der viele Leute immer noch an die sogenannte alte gute Zeit erinnert, entfernt und Raum für zeitgemäße Ein- richwngen schafft, eine weise Vorsehung, deren Walten uns mehr wie einmal das tiefste Staune« abgenöthigt hat, in ausgezeichneter Weise. ES ziemt unS daher auch kaum, irgend welche Unzufriedenheit über Beschlüsse herrlich bean- lagter Köpfe zu äußern, im Gegentheil: wir haben unS in Demuth zu verneigen und unserer tiefgefühlten Bewunde- rung über die feine Manier, wie heutzutage doch immer noch Geld verdient werden kann, in glühenden und rückhaltlosen Worten Ausdruck zu geben. Das System der Oppofitiou kommt immer mehr in Verruf. Der Major Wißmann hat in„unserem" Ost- afrika den ersten bahnbrechenden Schritt nach einer neuen Richtung hin gethan— er hat gezeigt, wie man am Radikalsten mit einem Widersacher umspringt. Er kann allerdings von Glück sagen, daß nicht zufällig er der Judikatur seines Gegners in die Hände fiel: doch ist dieser Umstand thaisächlich von so nebensächlicher Bedeutung, daß ein wahrhafter Patriot keinen weiteren Werth darauf legt. Nur die Berichterstattung WißmannS läßt Einiges zu wünschen übrig, und so kam eS denn, daß in den ersten Tagen nach dem Bekanntwerden des Zwischenfall» mit Buschiri— denn von diesem Herrn sprechen wir— an verschiedenen kolonialpolitischen Stammtischen gewichtige Zweifel darüber ausgesprochen werden konnten, ob Herr Buschiri seine Gegnerschaft gegen die in Ostafrika eindringende deutsche Kultur mit einem Strick oder einer Kugel zu büßen hatte. Herr Buschiri wird in dem Augenblick, wo wir diese Ansicht zu Papier bringen, wohl der Meinung sein, daß das jetzt egal ist, trotzdem aber möchten wir doch den ganz bescheidenen Wunsch äußern, daß die ReaierungSthaten des Reichskommissars immer mit zufriedenstellender Deutlichkeit herübertelegraphirt worden, damit e« nicht wieder vorkommen kann, daß treue und loyale deutsche Bürger längere Zeit über wichttge Vor- Gold und Banknoten zu liegen und gab, da dieFlammen da« Etablissement desselben vernichteten, auch da« Geld verloren. Am Frertag Mittag wurde da« frogüche Pult av gekohlt und zum Theil verbrannt unter den Lbriaen rauchenden Trümmer« vorgefunden, und als man den D.ckel desselben erbrach, fand man Gttd und Geschäftsbücher wohl angebrannt, aber noch im brauchbaren Zustande vor. Bei einigen der durch da» Feuer G:lchädrgten find die GeschäfiSbücher verbrannt. In den Schaden theilen fich nicht weniger al» sieben Versicherungsgesellschaften. Falsche Einmarkstücke sind, wie von polizeilicher Seite festgestettt worden est, serl ewiger Zeit in fast allen Theilen des Reiches, namentlich aber in den aroßen Städten verbreitet. Die Stücke tragen die Jahreszahl 1885. Ihre Prägung ist so genau, daß e« großer Aufmerksamkeit bedarf, um sie von den echten zu unterscheiden. Hier und außerhalb sind derartige falsche Stöcke bereit« angehalten worden. Ferner find auch gefälschte Thaler mit der Jahreszahl 1855 im Umlruf. Bei diesen ist der Klang nur so wenig abweiedend, daß ein feines und geübte« Uhr dazu gehört, um den Unterschied herauszu- hören. Rur da» Aussehen ist verdächtig wegen des bleiarttgen Glanzes, der den fatschen Stücken»igen ist. Auch haben die Münzen ein geringere« Gewicht als die echten. GW heftiger Zusammenkotz zweier Pferdebahn- wage«, bei weichem mehrer« Personen verletzt wuroen, fand vorgestern Abend gegen 7 Uhr 30 Minuten an dem Branden» burger Thor statt. Zur genannten Zeit befuhr ein stark be- setzier Wagen der Lmie Charlottenburg- Kupfergraben in der Richtung nach Charlottendurg den Platz vor dem Branden- kurzer Thor, als«in Wagen der Linie Spittelmarkl. Moabit, ebenfalls völlig besetzt, in scharfer Fah.t die Kreuzungs fülle der Gelerse der beiden Gesellschaften pasfiren wollt«. Bei der feuchten Wilterung und hiermit verbundenen Schlüpfrig« keit der Schienen vermochten beide Kutscher nicht mehr ihre Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen und im nächsten Augenblick prallten die beiden Tramway'S mit solcher Gewalt zusammen, daß die sämmilichen Scheiben derselben sofort zersplitterten, der Kutscher und die Passagiere de« Waaens der Großen Berliner Pferde- bahngesellschaft von den Pe rons auf das Stwßenpflaster stürzte, während der Schaffner dieser Gesellschaft, K., mit dem Kopf und der rechten Hand in die Zab!sit>elbe stürzte, und sodann über und über mit Wut bedeck«, b-wußtloS zusoimner« brach. Der Kutscher sowohl al« auch der Schaffner d-« Moabiter Wagen« waren so schwer verletzt, ersterer am Kopf, letzlerer an Kopf, Händen und Füßen, daß beide mitieift Droschken und zwar W. nach seiner Wohnung und K. nach der Chariie« gebracht werden mußten. Die Passagiere blieben unverletzt und kamen mit dem großen Schrecken davon. Beide Wagen mußten sofort außer Beirieb gesetzt werden. Ueber de« zlesprnng der Uame«»rrschiedener, namentlich der altere« Stratze« Pertins herrscht im (roßen Publikum roch manwerlei Unklarheit und deshalb aben folgenden Angaben, durch welche mehrere Anfragen aus dem Publikum erledigt werden, vielleicht allgemeinere» Interesse. So hat der H o h e st e i n w e g seinen Namen wahrscheinlich daher, daß er siühzeitig mit besserem Pflaster versehen wurde. — Di« Präsidentensiroße hat ihren Nrmen zu Ehren de« ehemaligen Stadipräsidenten Kircheisen erhalten, die Schumannstraße erinnert an den ersten Bauunter- nehmer de« dortigen Stadtviertel«.— Der H a ck e' s ch e Markt«rhillt seinen Namen von dem eh-mai>aen Kommandanten, Generallieutenant Graf v.Hocke, welcher 1751 den Anbau dieser Gegend leitete.— Die Weinmeisterst r a ß e wurde so genannt, weil sie durch den Garten de« Weinmeisters Stohse gelegt wurde, die Schendelgasse führt ihren Namen nach dem ersten Erbauer de« Eckhauses an der Alten Schönhauserstraße.— Die Jakob« st raße ver- ewigi da« Andenken an den ftüheren Grundbesitzer dieser Straße, Jakob Stucken, die L i e tz m a n n st r a ß e ist nach dem Bürgermeister Lietzmann getauft, die G o l l n o w st r a ß e nach dem Stadtverordneten Johann Gollnow, welcher Land zu der Straße hergegeben hatte. Die Büschingstraß« führt ihren Namen zum Andenken des im Jahre 1793 ver- storbenen Direktor« des Berlinischen Gymnasium«, Büschiug. Die Blumenstraße verdankt ihren duftigen Namen dem kommnisse im Ungewissen bleiben. Aber der Opposition ist in Ostafrika endlich gezeigt worden, wie man sie auch im alten Vaterlande am Nachhaltigsten beseitigen kann, und vielleicht wird die That des Majors Wißmann noch in späterer Zeit ebenfall« als ein Ei des Kolumba« gefeiert werden. Die letzteren Naturprodukte find ja so zahlreich geworden, daß man dieselben nunmehr schon nach Bauern- mandeln zählen könnte. Dem Verdienst aber soll seine Krone nicht streitig ge« macht werden. Sorgt der Major Wißmann draußen zwischen den Wendekreisen für den Ruhm deutscher Schneidig- keit, so finden sich auch in der nördlich gemäßigten Zone immer noch Leute genug, welche diesen Artikel ebenfalls nicht zur Ruhe kommen lassen. Herr Böckel bleibt feine Alimente immer noch schuldig, und ti stört sein teutonisches Herz keineswegs, daß die von ihm Verführte der germanischen und nicht emmal der semi» tischen Rasse angehört. Wäre Letzteres der Fall, so könnte er vielleicht darauf rechnen, daß seine That von seinen Ge« finnungSgenosien als eine besonder« tapfere und hervor« ragende gepriesen würde, so aber tritt bei ihm nur der allen Drückebergern eigenthümliche Edelsinn in die Erschei- nung, daß sie niemals zu Haufe sind, wenn sie den Beutel ziehen sollen. Allerdings wäre e« angemessener gewesen, wenn der „Fall" irgend einem Juden passirt wäre, und Herr Böckel und die ihm nahestehende Presse könnte denselben»ach Herzenslust ausschlachten. DaS hätte entschieden sehr angenehme« Material namentlich bei den bevorstehenden Reichstags- wählen gegeben; es ist wirklich Schade, daß der„Fall" so unangenehm liegt. Doch, mit de« Geschickes Mächten dauern die Bündnisse gewöhnlich nicht länger, wie eine ewige Liebe, und Herr Böckel mußte zu seinem Leidwesen die unan- genehme Erfahrung machen, daß auch der Germane einem niedlichen Mädchen manchmal recht gern eine kleine Gefällig- keit erweist, ohne gleich ans Heirathen zu denken. Es kann hiernach keinem Zweifel unterliegen, daß, sobald die Herren Böckel und Pickenbach endgiltig ans Ruder gekommen sind, nach der Austreibung der Juden zunächst die Gesetzgebung über die Alimentationspflichten einer gründlichen und durch- greifenden Reform unterzogen werden muß.--- früher dort Nr. 11 belegen gemefmen David Bouef eschen Blumengarien, die Holzmarktstrahe entlebnte ihren Namen der ersten Anlage daselbst, dem städtischen Holzma-kte. — Die Kraut st rahe erinnert nicht etwa an irgend ein wunde, thätigeo Kräutlein, sondern an den Stoatsminrster von Kraut, der dort vor 1723 einen Garten anlegen liest.— Die Koppen st raste ist aus den Ackern und Wiesen des Stadt- Hauptmanns Koppe angelegt worden.— Was die R o st- st r a st e betriff,, so hirst dieselbe in alter Zeit«Rascher", auf plattdeutsch«Roscker", eigentlich aber«Raschmacherstraste", nach den Wollenwebern, welche das unter dem Namen Rasch bekannte wollene Zeug verfertigten. Im Jahre 1645 wurde sie«Rosserftraste" und bald hierauf«Rostslroste" genannt.— Die Jalkonier- g asse hat ihren Namen von Häusern, die im 17 Jahrhundert tür Jagdfalken eingerichtet waren.— Der Ge, erat von M o 1 l e r, welcher im Jahre 1789 daselbst ein HauS erwarb, hat der M o l l e r s g a s s e ihren Namen gegeben.— Die Mi t t ei ftr a st e wurde so getauft, weil fie die mittelste der drei ältesten Strasten dieses Stadtlheils war. der Georgen- st r a st e ist der Namen des Privatmannes Benjamin George beigelegt wo» den, welcher diese Straste erst zur Straße machte und mehrere Häuser dort erbaute.— Di« Behrenstraste hat ihren Namen von dem bei d-r Erbauung der Friedrich» stadt thätig gewesenen Ingenieur Vehr erhalten. Die Mark« grafenstraste tiägt ihren Namen von dem Markgrafen- PalaiS oder Hotel des Markgrafen von Schwedt(jetziger Bibliothek).— Die I u n k e r st r a st e hi ß früher«Bauern- straste" und da dieser Name bei dem Publikum, welches sich dort angebaut hatte, Anstost erregte, wurde der Gegensatz zu dem bisherigen Namen gewählt.— Die Mauerstraste bezeichnet die Linie, wo die altere Friedrichstadt einst mit einer Mauer umgeben werden sollte; die T a u b e n st r a st e soll ihren Namen von einem kurfürstlichen Taubenhause erhalten haben, die Mohren straste von den Mohren, welche Friednch Wilhelm I von den Holländern erhalten und in einem Hause dieser Straste einquartirt hatte, um ste von hier aus den Regi- meutern als Janiischarenträger zu überweisen. Die Koch straste berührt« s. Z. die dem Hofrath Kock(Cochius) gehörigen Meiereien, die O b w g a s s e ist nach dem Pcofessor Ohm benannt, welcher das G. unostück Nr. 2 besaß; die Kommandanten- straste erhielt ibren Namen nach dem Generalmajor und Kommandanten Grafen v. Wylich und Lottum, welcher im Jahre 1763 das Haus Nr. 15 erwarb.— Schließlich sei noch die Stallschreiberstraste erwähnt. Das erste Haus, welche« daselbst entstand, war das HauS Nr. 15, welches ein kurfürstlicher Stallschreiber besäst. Nach ihm hat die Straste ihien Namen erhalten. Uermißt. Durch das geheimnistvolle Verschwinden ihres 15jährtgen SobneS ist die in der Biefenihalerstr. 3 wohnende W-ttwe Frau Kiatt in die gröstte Angst und Aufregung ver- fetzt worden. Der Knabe, welcher Lehrling einer Kontobücher- fabrik in der Brunnenstraste ist, war seit ewiger Zeit Mitglied eines christlichen Vereins junger Leute. Seit mehreren Wochen trug der junge Mensch eine melancholische Stimmung zur Schau, brachte die Nächte schlaflos zu und stemmte ö,ters religiöse Gesänge und Choräle an. Am Sonn- abend, den 14. d. M. Mittags, entiernte sich Emil K., nach- dem er von der Mutler zärtlichen Abschied genommen, um sich nach der Fabnk zu begehen, kam j-doch weder dort an, noch kehrte er bisher nach der elterlichen Wobnuna zurück. Man vermuthet. dost der Knabe in religiösem Wahnsinn sich ein Leid angetban hat. Dem Rrstaurateur Aerrn Gründet ist vom hiesigen Magistrat folgendes Schreiben waegangen:«Indem wir Ihnen mittherten. dast Sie im 42. Wahlbezirk III. Abtheilung zum Stadtverordneten bis Ende 1895 gewählt worden find, bemerken wir, dost gegen Ihre Wahl rechtzeitig Einspruch er- hoben rst, weshalb Ihre Einführung in die Stadtverordneten. Versammlung bis nach Erledigung de« Protestes ausgesetzt bleiben mu&.(gez.) v. Fo'cferb ck. Al» Antwort ans da» lieblose U erhalte« des Wohl- thätigknitv-rems zu Luckenwalde, we.cher bekanntlich von der diesjabrigen Weihnachtsbescheerung dir Kinder der streikenden Hutmacher auSichliestt, laufen von verschiedenen Seiten Beiträge «in, welche dazu dienen sollen auch den Kindern der genist noihleidendea Arbeiter eine Weinachtsfreude zu bereiten. So wurde gestern die Summe von 33 M. 20 Pf. unter St. zur Wei erlenduna in unler-r Exv-dition abgeliefert. Projedtirtes Repertoire der königlichen Kcha«- jpiete vom 22. bis 30. Dezember 1889. Im Opernhause. Sonntag, den 22.: Götterdämmerung; Montag, den 23.: V. Symphonie; Dienstag, den 24,, geschloffen; Mittwoch, den 25.: Ton Juan; Donnerstag, den 26.: Aennchen von Tyarau, Wiener Walzer; Freitag, den 27.: Der Tompeter von Sakkingen; Sonnabend, den 28.: Die Hoch-eck de« Figaro; Sonntag, den 29.: Die Afrikanerin; Montag, den 30.: Lohengnn.— Im Schauspielhause. Sonntag, den 22.: Wichelm Tell; Montag, den 23: Die zärtlichen Verwandten; Dienstag, den 24., gesckloffen; Mittwoch, den 25.: Wckb'lm Tell; Donnerstag, den 26.: Die Journalisten; Freitag, den 27.: Die Quitzow's; Sonnabend, den 28.: Die Geschwister, Ellen, Die Prütung; Sonntag, den 29.: Die Räuber; Montag, den 30.: T'lli. Poltseibericht. Am 20. d. M. Vormittag« wurde ein 12jä!jriger Knabe vor dem Hause Friedrichstr. 92 von einem unbekannten Manne vom Bürgersteig heruntergestoben und genelh unter eine gerade vorbeifahrende Drolchke, so dast er nicht unbedeutende Quetschungen am Kopf und an der Schulter davontrug.— Abends wurde ern Mädchen an der Ecke der Rofenthaler- und Auguststraße von einem Schlächterwagen über- fahren und erlitt so dedeutende Verletzungen an beiden Unter« schenkeln, dast es nach dem St. Hedwig« Krankenhause gebracht werden mußte.— In der Nackt zum 20. b. M. brannte auf dem Grundstück Straßburgerstr. 57 ein groß« Fabrikgebäude au«.— Am 10. d. M. fanden Plantagenstr. 3— 4 von der Heydtstr. 7 und Landsberger str. 93 kleinere Brände statt. GertchtsKSettung. Gz» cause cdlibre für die Gemeinde Lichtenberg- Friedrichs derg deschäitl-,te am Sonnabend da« Schöffengericht am Amtsgericht II. Es handelte sich um eine gründliche Re,- nigung der schmutzigen Wäsche der gefammten Gewemdever- wallung, und da d,e Wäsche ebenso»ahlrnch wie schmutzig war, hatte der Vorsitzende den ganzen Sonnabend al«. Wasch- tag" angesetzt. AtS klägerische Partei erschienen der biSherrg«, langjährig« Gemeindevorsteher Schott, der Gemembesteuer. r-naant Plonz und die Gebrüder Rentier Karl und Julius Löper vor Gericht; als beklagte und widerklagende Partei der AmtSoorsteher Rittergutsbesitzer Röder von Lichtenberg Fered- richSberg und der Restaurateur Sp tzig dasilbst. In dem ge« nannten Amtsbezirke erschien früher ein kleines Lokalblatt, die «Friedrichsderger Volkszeitung". So lange dieses Blatt de« stand, haben sich dre genannten Parteien in d-mselben auf da« Heftigste befehdet; es ging die« vem Jahre 1887 bis zum Eingehen de« Blatte« im Frühjahr d. I. Von beiden Se>ten warf man sich Ueberfchrertuna der Amtsbesugnrsse, Verlotte- rung und Vernachlässigung der Gemeindeintereffen, Wahl- beeinfluffungen, Schiebungen und Hinterziehungen de, der Steuerein'chötzung eigennützige und selbstsüchtige Motive bei Verfolgung persönlicher Jntereffen auf amilichem Wege und sonstige schöne und unschöne Jnvekliven vor. Die Beriesung der von[beiden Seiten losgelassenen Artikel dauerte allein drei Stunden, von 10 bis 1 Uhr; wäbrei d einer kurzen Pause wurden nun Vergleichs« vorschlüge zwischen den Anwälten der beiden Paiteien— Dr. Fr. Friedmann und Müleler auf Seiten der Kläger, Recht«- anwalt Wronker und Müller auf Seilen der Beklagten— gemacht, die aber an der Hartnäckigkeit des Klägers Karl Löper scheiterten, nachdem sie eüe volle Stunde gedauert hatten. Es wurde nun in die Beweisaufnahme eingetreten, doch kam die- selbe nicht weit. Die ersten Zeugen, welche für den Wahr- heüsbcweis geladen waren, wußten so gut wie nicht«, und was sie wußten, das hatten fie vom Hörensagen und ohne jedwede sichere Unterlage. Es wurden daher neue Zeugen vorgeschlagen und da beide Seiten auf Ladung derselbm bestanden, mußte die Vntagung beschloffin werden, nachdem die Ve Handlung bis 3 Uhr Nachmittags gedauert hatte. Mohl selten wurde«in Mensch so in Nersnchnng §«führt, wie der Schnetderlehrling H, welcher gestern wegen iundunterschlagung vor der 90. Abtheilung des �Schöffen- gerichtS stand. An einem August- Nachmittage fand er auf der Straße einen leinenen Beutel mit 57 M. Inhalt. In ehrlicher Weise lieferte er den Fund bei der Polizei ad; der Verlierer hat sein Eigenthum zurückerhalten. Kaum eine Stunde später halte er da» Glück, oder vielmehr da« Unglück, auf der Straste wiederum Geld zu finden, es waren zwei Thalerstücke, die er aus dem Rmnsteine aufhob. Diesmal erlag der jugendliche Finder der Versuchung, er gab da» Geld nicht bei der Polizei ab, sondern behielt es für sich. Er liest dafür seine Taschen- uhr ausbessern. Die Sache wurde entdeckt und H. zur Verantwortung gezogen. Der Staatsanwalt wollte den Angc- klagten mit erner Geldstrafe von 10 M. belegt wissen, der Ge- richte Hof erkannte mit Rückficht auf die begleitenden Umstände aber nur auf 6 Mark. Wege» ZleberjchreUung de» ZLchttgnngorechtes hatte sick gestern der Gememdesckullehier Frieon» August Loui« Böhm aus Rixiorf vor der 2. Strafkammer am Land. gericht II zu verantworten. In R>?porf mußte im Mai d. I. eine Schulk aste aufgelöst werden, weil mehrere Lehrer zu einer militärischen Uebung eingezogen wurden. Die Schüler der auf« gelösten Klaffe wurden an mehrere andere K ossen vertheilt. Einen Theil dieser Schüler erhielt der Angeklagte; darunter befand sich ein Knabe, der geistig sehr belchiänkt war und häufig lw ge Zeit die Schule schwänzte. Am 17. Mai kom die Schweiler des Knaben zum Angeklagten und bekiogte sick, dast ihr Bruder die Schule nicht besuchen möge, sondern sich herumtreibe. Der Lehrer brachte in Vorschlaa, er werde den Jungen einmal ordentlich durchbläuen, die Schwester erwiderte aber:„Das nutzt nichts, der fürchtet sich so wie so schon vor der Schule, wer! er so viel Prügel kriegt!" Trotzdem nahm sich der Lehrer am nächsten Tage den Jungen vor, und bläute ihn bei mästen durch, dost sich noch am 4. Juni bei der ärz- lichen Untersuchung gelbe, blaue und grüne, zum Ttie l ertrige, zum Thers vernarbte Schwielen aus Armen, Beinen, dem Rücken und Gefäß zeigten. Der AngeNagte behauptete, dost er dem Jungen höchsten« 5 bis 10 Schläge g-geben, die zwar derb waren, aber nicht so derb, dast fie derartige Spuren hätten hinterlassen können. Seine weitere Behauptung, daß ihn die Schwester gebeten habe, den Bruder tüchtig durchzu- hauen, wurde durch die Beweisaufnahme widerlegt. Der Ge- richte Hof erkannt«, dast in diesem Falle lediglich die B.strmmung des§ 50 Nr. 12 des Allgem. Lanorechts maßgebend sei. welche besage, dast die Sckulzucht nie so weit gehen darf, daß fie dre Gesundheit der Kinder auch nur im Allerentfeniieslen zu schädigen geeignet ist. Hätte sich der Angeklagte in diesen Grenzen gehalten, so würden nicht drei Wochen lpäter noch die Spuren der Züchtigung zu sehen gewesen lern. Daß eine solche strenge Züchl gung dre Gesundheit eine« Kinde«— wenn auch nur vorübergehend— stören mußte, liegt auf der Hand, d-S- halb mußte eine Verurtbeilung eintreten. Die Strafe sei indest milde und zwar auf 30 M. gleich 6 Tagen Gefängniß bemessen worden. Nerlommlunetzim. Eine öffentliche Maurerverfammlnng welch« am 16. d. M. in den Bürgeesälen unter dem Vorsitz der Herren Fredler, Jentsch und Keistan tagte, beschäftigte sich mit foigen- der Tagesordnung: 1. Abrechnung von der Sammlung zum Pariser Kongreß. 2. Nochmalige Besprechung über denselben. Zum 1. Punkt der Tagesordnung verlas zuerst Herr Jenllch die Abrechnung. Ve kauft find 1214 Bons& 20 Pf.— 224 80 Mark, und 2532 a 10 Pf.— 253,20 M., Summa 476 M. Dem steht eme Ausgabe von 416 M. gegenüber; es bte bl em Bestand von 60 M. Außerdem stehen aber noch für 20 M. Bons aus bei dem zur Streikzeit in der M-tzerstraste fungnen- den Filialvorfteher(cur Zeit Bauunternehmer Karl Laugsch), welcher trotz wiederholter Aufforderung nrcht abgerechnet Hai. Zum 2. Punkt der Tagesordnung sprach zunächst Herr Linke an Stelle de« Kollegen Wernau, der an ber Influenza erkra- kt ist, und führte ungefähr folgendes aus: Es baden, ieildem es eine Arbeiterbewegung giedl, schon sehr viele Kongresse getagt, aber noch niemals ein solcher, wie der in diesem I. hre in Parrs. Es waren dort sämmtlicke Gewerkschaften aus allen Ländern vertreten. DaS französische Volk hat bewiesen, dast e« keinen Host gegen andere Vö.ker hegt, denn die Aufnahme und Behanolung. ore unserm Deleg'rten dort zu Thnl wurde, hat gezeigt, dast es die Aibeiler aller Länder verstehen, sich zu ehr-n und zu achten. Als ein erfr-ulichc« Zeichen ist es zu betrachten, daß die Ar- bester aller Länder sich dahin verständigt haben, daß nur auf internationalem Wege es möglich ist, eine etwas bessere Leb nS- stellung zu erringen. Es wurde dort den Regierungen aller Länder der Vorschlag gemacht, ein gemeinsames Aibeiiersckutz. gesetz zu schaffen. E« kann niemand bestieiten wollen, dast die ganze kapitalistische Produktion international ist; wa-um wollte man den Aibestern es verwehren, nicht auch d'e Arb.it und d-ren Schutz international zu gestalten. Jabel«, ff der zweiten Resolution, welche den Regierungen sag', wie da« Arbeiter- sckutzgesetz gewünscht wird, erwähnte Redner, dast die deutsche Regierung eö abgelehnt hat, sich an der von der Schweiz vor- geschlagenen Konferenz zu betheiligen, obwohl andere Regierungen ihre Mitwirkung zugesichert hatten. Als hauptsächlichsten Beschlust des Arbeiterkongriffe« dezeichnele Redner denjenigen, der in Betreff de« Achtstundentages gefastt worden ist. Redner wies hierher auf den letzten Maurerstreik hin und besprach dre Noihwendigke t der Verkürzu-g der Ar- beitszeit. Im weiteren legie Redner klar, daß die Frauenarbeit nicht beseitigt werden könne. Im ferneren destritt Redner die Meinung welche von den Gegnern verbreitet wird, dast am 1. Mar 1890 ein allgemeiner Streik eintreten sollte; e« soll nur eine Massendemonstration stattfinden, damit die Arbeiter beweisen, daß fie eine Verkürzung der Arbeitszeit wollen. Dem Redner wurde für fein« Ausführungen zum Schluß der Beifall der Versammlung zu Theil. In der DlSku sion sprach zunächst Kollege Wernau; er gr.ff speziell nur die Frauenfrage heraus, und bedauerte dann nock, daß gerade in unserem Gewerde Uneinigkeit und Hast entstanden sei; möge deshalb der 1. Mai 1890 ein VtrsöhnvngStag der deutschen Maurer sein. ES sprachen dann noch die Kollegen Ferkel, Maciejewsky und Heinze. H erauf gelangte folgende Resoiunon einstimmig zur Annahme:„In Erwaum g, dast die Emanzipation der Ar- biiteikleffe weder ein lokales noch nationales, sondern ein foziale« Problem ist, welches alle Länder umsastt, in denen die moderne Gesellschaft existtrt, und daß dessen Lömng von der praktischen und theoretischen Mitwirkung der fortgeschrittensten Ardeiter aller Länder abhängt, dast alle auf dies große Zeel gelichteten Anstrengungen bisher an dem Mangel ver Solidarität zwischen den vielfachen Zweigen der ArdeUer jeden Orte« und an dem Nichtrorhandensein eines geistigen Bande«, der Einheit zwischen den arbeitenden Klaffen der verschiedenen Länder, gescheitert fi: d; in Erwägung, daß die Verküitung der Arbeitszeit eine Vo bedinaurg ist, olre welche alle Emanz' patiom bestrc Hungen fehlschlagen müssen, dast sie ein« Notwendigkeit ist, um die Gesuntheit und natürlich« Energie der Arbeiterklasse in ihrer geistigen und politischen Fortent Wickelung zu gewähren, beschliestt o-e heutige Veriammlung: dre deutsche Regierung aufzu- fordern, die schweizerische R. publik in ihren Schritten für eine Konferenz behufs Vereinbarung inte nationaler Verträge nachdrücklich zu unterstützen; 2. am I. Mai 1690 für obige Forderung eme Kundgebung zu veranstalten und an diesem Tage die Aibeit ruhen zu lassen; 3. da« Organ„Der Aät- stundentag" in möglichster Weise materiell zu unterstützen." Zu dieser Resolution gelangte folgender Unteranlrog einstimmig zur Annahm«:„Die h-utige Mau e Versammlung beschliestt, der Kommission des.Achtstundentag" sind 500 Mark zu üde.- weisen. B husS Zulammenbrinaen des Geldes werden die B.r- trauensleute angewiesen 2000 Marken t 25 Pf. zu verwenden und v-rpfl chten sich alle Anwesenden dafür einzutreten. Feiner gelangte e.ne Resolution gegen eine Stimme zur Annahme: „Da der 1. Mar 1890 ein internationaler Feiertag sei« wir?, so sei er auch gleichzeitig der Versöhnungstag der Berliner Maurer; die Vers..mmlung erklärt alle diejenigen für ehren- werth, welche diesem Tag und dieser Sache zum Siege v-w- helfen." Es wurde dann beschlossen, diese Resolution verviel- fälligen zu lassen und fie jedem Berliner Maurer einzu- händigen. Unter„Verschiedenes" wurde folgender Antrag an- Senammen:„Die heutig« Versammlung beschließt: Diejenigen lollzen, welche etwaige Fehler in der Abrechnung des Streiks gesunden haben, haben bis Schluß des Jahre« dem Kasfirer, eventuell den Reossvien dies anzuzeigen, um die nöthige Richtig stellung eintreten lassen zu können; spätere Angaben können nicht berücksichtigt werden. Nachdem noch H. Kerstan darauf hinge- wiesen, dast bis j.tzt so gut, wie noch aar keine Beschwerde ein. geganzen, und bedauerte, dost die Berliner Mauier sich so sehr wenig an der Slatiftik beth-iligt hätten, welche von der Ge. schäfislcitung herausgegeben ist, und dre Herren Fiedler. Heinz« und Linke noch einmal auf den Werih der Siatistik hingewiesen hatten, schloß der Vorsitzende mit einem donnernden Hoch auf die internationale Arberterbeweguna die imposante Versammlung. Es folgen die Adressen der Vertrauensleute: 1. Heinrich Schizolsky, N., Belforterstr. 3, Seiten fü 3 Tr. der Zimmermann. 2. Heinrich Röhlirg, N., Hockstr. 32b, p. 3 Tr. 3. Wilhi lm Ferkel, Moab t, Birkenstr. 12a. 4. H rmana Maciejewsky, w., Steinmetzft'. 24. 5. Wilb. Baganz, W., Bülowstr. 51, Hof parterre bei Pankow. 6. Karl Köhler, L., Schenckendmffstr. 4. v. 4 Tr. 7. Karl Wegener, SO., Admiralstr. 27, v. 3 Tr. 8. Wilhelm Kerstan, SO., Lüdbenerstr. 4, v. 3 Tr. 9. Franz Wegner, O., Blumen str. 29, Qaergeb. 4 Tr. 10. Karl Braun, O,, Lange str. 92, H. 3 Tr. 11. August F-rtsche, c.. Kleine August stiaße Nr. IIa bei Werdelow. Gin» große imposant« Nolksoersammluug der Mähtor de» dritte» Kertiner Neich»tag»-Mahlkr-ise» tagte ani Dnnstag, den 17. Dezember, im großen Socle Buggenhagen(Montzplatz). Die Tagesordnung lautete: Tie bücgerlechen Parteien unv die Sozialdemokratie. Referent Carl Wüdbir>-er. 2. Diskuston. 3. Verschiedenes. Nach Wahl der He>en Aßmann, Drmick und M yer in« Bureau, erhielt das Wort zu seinem Vortrag Herr Wildberger. Derselbe behau bei e da« Tyema in trefflicher Weise. Er slizzirt das Verbalien der emzetnen Parteien, beleuchtet das Vorgehen der konservative» Part-i, ebenso wie das der nationalliberalen Partei und unter» zieht dieselben einer scharfen Kernt, namenitich die National- liberalen kamen dabei sehr schlecht weg. Sodann ging Redner zur freifinnigen Pai tei über. Dieselbe existiere nur dem Name« nach, denn wo es sich da, um handle, für die Interessen de« arbeitenden Volkes emzutreten, da höre der„Freisinn" vuf. Ihre wahre„F.eifinnigkeit" habe fie 1887 bei der Wahl so recht bewiesen, denn überall wo e« sich um eine Stichwahl zwischen einem Karellpmt iler und einem Sozealbemokraten handelre, stimmten d« F«finnigen gegen den letzteren. Aber dessen ungeachtet wächst die Sozialdemokratie immer mehr. Es wäre Thvtheit, wenn man glaube, der Sozialdemokratie etwa dmch Ausnahmegesetze beseitigen zu können. Die Sozialdemakiatie lasse sich burey nichts beseingen. Sie wurzelt in unfern heuligen winhschast- lichen Verhältnissen, fie ist trotz de« Sozial stengesetzes zu unge- astnier Macht gelangt. Nur die Sozialoemvkratie ist diejenige Partei, weich- ehrlich und offen für die Rechte de« arbeilenden Volkes zu jeb« Zeit einiritt. Nun tbue aber auch jeder seme Pst cht und agltne energisch für die Wahl von Albeiter- kandidalen, welche die Voiktrechte nach jeder Seite hm ver- treten weiden. Auch Sie hier im 3. Berliner Wahlreis, auch Sie feien auf der Hut damit der Kiei« von einem Sozio!. d>mok aien verireien werde. Reicher Verfall lohnte den Redner für feine interessanten Aussührungen. In der Ditkussron sprach zunächst ein Herr Slö-mer. Er wunderte sich, daß man mit der feeifinnigen Partei so scharf verfahre, diefelde Hobe gewiß Alle« gethan, was in ihren Kläften stano. Ihm erwiderte» Herr Apelt und Herr W. Werner. Es sprach dann r ochmats Herr Slöcmer, welcher die E.klärung abgab, daß er nicht feerfinnig, aber auch nicht sozmtdemoleatifch wäre. Er wäre Demokrat, und alt solcher verleete er nicht allern die Interessen der A.beiter, sondern die des gefammten Votke«; man müsse eben allen gerecht werden. Es spiach sodann noch Herr Tb. Glccke, welcher dem Vor« rednee auf seine Arusühiungen die nöthigen Antwcrten gab. Unier Verschied, nem wurde bekannt gemacht, daß in Rixbetrs über da« Lolal von Troll die Sperre zu verhängen sei. Hierauf schloß der Vorsitzende die großartige Versammlung mit eenem dreimaligen, begeistert ausgenommenen Hoch auf dre internationale Sozialdemokratie. Eine Mitsliederversammlung de« Tapeziner-Fach- »ereinv la�ie am 16. Dezember bei Fcuerstem, Alte J-kod- firaß« 75. Auf der Tagesordnung stand: 1. Voltrag de« Herr» W lhelm Werner. Thema:„Tie Vertheuerung der Lebens« miilet und die Löhne der Arbeiter." 2. Diskussion. 3 Ge- werkschafilicheS. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Der erste und zweite Punkt der T.gesordnung wurde gestrichen, da der He>r Referent mcht erfckrenen war. Es wmde somit zum dritten Punk',„Gewerkschaftliches" geschritten. Wiederum wurde der Füll Utdan zu erst verhandelt und darüber Bericht durch Kollegen Feeiwa.d erstattet. Die Kollegen bei Ueban waren voiher in allen Stücken einig, d. h. sie wollten eine Ausbesserung de« Lohne« erzielen, sollt« der Herr aber eine Erhöhung de« Lohne« nicht bewilligen, dann sollte, wenn nicht ander«, die Arbeit eingestellt werden. ES hat sich auch ein Kollege au« der betreffenden Wnk« stätte bereit erklärt, die Forderungen dem Prinzipal »u unterbreiten. Der Kollege legt« es dem Prwzipal au«- führlich auseinander, dast es bei der jetzigen Th-uerung«echt mehr möglich ist, mit dem bis j tz( verdienten Lohn auszukommen. Herr Ueban sond sich auch bereit, einigen seiner Ardcner eine Ausbesserung des Lohnes zu bewilligen, aber E mgen wiederum nicht. Dieselben sollten sich mit dem bi« j warben ist und spricht den Wunsch aus, daß sich die Kollegen fleißig daran betheiligen mögen, damit das U, term hmen nicht wieder zu Wasser wrrd. Der Vorstand wurde beauftragt, fich um ein anderes Vereins- lokal umzusehen, da Herr Feuerstein den Verein in allen seinen Lokalitäten umherschickt. Feiner wurde durch Mehrheitsbeschluß der Vorstand beauftragt, das Fo mdar der Statistik der Ge- rreibedepiltation ousmfüllen und zurückzusenden. Nachdem noch mehrere wichtige F-agen erledigt worden und der Vorsitzende noch auf das WerhnachtSvergnüger, welches am 25. Dezember bei Mündt«, Köpnickerstioße 100, stat findet,(B'llelS find bei F-eigang. Schütz-nstr. 18—19, zu haben) aufmerksam gemacht hatte, schloß er die Versammlung. *** FachV»rei» der in Buchbindereien und oerm. Betrieben de- ——-—-«—»— k—«« m.. a u.v. kä a tlfc»- schaNtat,« Ard»tt»».«Rontaa, den 23 Dfj.-mter,«drr.dä 9 Uhr.«nnen. mate 16 Ceiiammluna log Soidrung I.®D trag dei H-Iin Hkiadors über: Die Bildung de«»rbewr«, wle sie itl und wie sie s.in soll, mit dlsonderer Be- rvckllchtigmig der K'ndereriiehung. 2 Verschiedene« urd?r-gtkasten. Ausnahme neuer Mitotieder. Kojiald»««!,» attfch»» g»s,klut>„z»ssti»a". Jeden Montag Abend 9 Uhr im Rcstauiant geonbardt, W-llstraie Sic 20, Vorlesung und DMnsfton. Durchreisende iiicnossm, weiche sich at« solche legilimtren. finden gastliche Aus- nähme. Fach»»»»!»*tr«tschl»». Arn 1 weihnachltseieitag. Morgen« 11 llbr In Eaniiouci: G ohe MätmSe. Am 2 Weihnaldltseieiwg: Biohe« Weih. nachliseft in beiden Elil-n der Berliner Bockdraueret<«reu>btrg) Unter Mit Iii kung de««esangvcrcin«.Sudwig'scher Mannelchor.' Theater-Aufflthrungen. Konzert Äwderbcscheeruna. Ball, villet« hierzu find aus allen Zahlstellen de« Bercin«. sowie bei soloenden Herren zu haben I Witte, I oalioenftr 2t, Millarg, Si hrter ftr 22, 2 Tr; Mar km INN, Barnimstr. es. 4 lt.; Honer, Grüner Weg 70; Winter, Wanteuffetstr s, Sir; Glocke, Sausttzerstr. 32. S Tr.; Wiede. mann, Wendenstr. 2, 4 Ii; Haderland. R-tchenbergerftr 181, 8 Tr; Schulz, Brigerftr. 42. 4 lt.; Manien. K euzber. str. 9. Ouergeb 4Tr.; Wille. Möckern- strahe 95, Sit.. Elofier, Roftizftr 40.»pell. Sebaftwnstr 27- 28 rMödel- Handlung); H Schmidt, Elilabetd.llser 10, Hos 2 lt., bct Orlomtki; Feld Miecke.«dalberistr. 9, 4 lt.; Roggemann, Dre»denerftr. 77, 1 Tr.; Hemp, Pallisadenstr. 63 4 Tr. yatqnitbPbtnlsaMr-Vmtn. Mitgliederversammlung am Montag, den 23. d. SR, Abend« 8X061, bei Herrn Feuerst, in Alte IakobNr. 75. Tagedoidnung; 1 Bergleichstellung der gegenwärtigen Preitver hältnifie mit der srüberer Jahre. 2. Verschiedene«. 8. Frageiaftm. Gäste haben Zutritt. Siiue Mttali'der werden ausgenommen. Zur Nachricht, da« die diel jährige W ei h na ch t>b esch e crung. per- bunden mit Famitt-nk ä zchen, Sonntag, den 29 Dezember, Ade d« 8 Uhr, bei Herrn Feue stein. Alte Jakob it. 75, im Vordersaal pari. staltfindet Villet« sind zu habin dei den Herren Karge, Teltowerflr. 80, Otto Arndt, Veteranen- stra«- 4 bei Geihler. An d«? tjumauistirch»» Oamttnb«, Kommandantenstrahe 79. bätt am ersten Weihnochreseiertage. Vormittag« 10 Uhr, Herr Kand. P-u« den Vortrag über die sittliche B-d-ut»ng der Heilandibcffaunom. Gäste wtllkommm. jperein Mahr»»» der Aaterelk»» der Kchuhmacher. Da« Wlihnacht« vergnügen de» Verein« sii d t am Mittwlch. den 25. Dezember, (I. Feiertag) in Hrydiich» Fesisa.en. Beutbftr 18- 2t, statt. Aorzert und Bor ;r» c. Aniana Abend« 7 Uhr; nach 12 Uhr Bill. Billiti» 80 Ps. iHerren. n elche am Tan, theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach) sind zu haben bei Gabdert, Louisennr 21, Hos 1 T.; Adawczok«uoustftr. 8» 1 Tr.;«echtaiiki, Havel- bergerslr. 38; Ku ze, Rappinerftr. 2; Rich Brginikt. Buchhandlung, DreS.ener- ftrahe 52- 58 lS.itv Baffage) Grünberg, Grüner wtg 81;«lwger u. 8 s|- mann, Waldenrarstr. 65».... «rofi» Persammlun» der Schuhmacher Wer»««. Am dritten Wrihnacht» Feie; tag. Voimttla,'« 9 Uhr.»m gioh-n Saale de« tttf- k ller-Etabliffement» Chausie.str. 88. Tog-»o> dnung; Die wirklich traurig« Laor der Schnhm rcher Berlin« und wie stellen sich dieselben zu einer Sohnbewegun» im nächste' F.übjrbre N'serenl Kollege Mar Ba-;in«k>. Koitirtv-mokratil'cher Lese-«nd Pteleuttrtetud..zalsaAe", Auv v- stra«! 18 tri Ziemer, am F itlag, den 27. t>. M. Abend» 8% Uhr. Um recht zahlreiche« Erjchkti'en wild ersucht, da Vorstandiwahlen stattfinden. Gäste sind willkommen, n-ue Milgiieber w rd-n ausaenammen. Zentral Strankin-«nd St»»d»>rals» dr« Tischler u. s.»».(#. H Nr 3 Hamburg.> Verwrltung Berlin A Die Zahlstelle Manteuffilstr. 41 ist nach Naunvastr 83, bei Podlandt. verlegt und werden dort jeden Sonnabend »dei d von 8 dii 10 Uhr Beiträge entgegengenommen. Depesitieir. (Woisf'« Uelrgrapl,»»-Kar»«t.) Kaarbrücke«, den 21. Dezember. Ii den Gruben Friedrichslhal, Maybach, Koenig, Kohlwald, Sulzbach, Kreuz» graben und JägerSireude ist Alles angefahren. Ein parti. llcr Streik besteht nach in Ensdorf, Altenwald, DubweiUr,. Camvbausen, Reden, Jtzenplitz, Von der H ydt, Louiseuthal und Pultl'tz; jedoch sind aus allen diesen G-uden mehr Berg- leute angefahren als gestern. Neu in den Streik eingetreten«? Gtub« Hiinitz mit drei Vlerteln ihrer Belegschaft. Kern, 21. Dczewbe�. Die gegenwärtige Sesfian der Bur» deSversawm ung ist hmte geschlossen worden; die nächste Session beg n t am 2. Juli 1890. 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Bestellungen nach Maaß. Theilzahlungeu gestattet. Fahrgeld wird vergütet._{1301) Die Verwaltung 1 Fachvemn der Putzer. URMwoch, den LS. Dezember(1. Weihnacht« feürtaz), in Kaufmann'e Varidt� am Stadlbahnhos Al'xandeiplatz: Grosse Matinee Vorstellung und Kanzert, Auftreten de» gesammten Känftterpersonoss von Kaukmann's Varize, t«m Kesten de» Familie« kranker und arbeitsunfähiger Kollegen. Eniree vorher 30 Pf., an der Lasse 50 Pf- VivetS ä 30 Pf. find bei A. Strasse, Fnedrichsfelderstr. 10; Ä. Ärofchd, Swinemünder itrafie 139; L. Simanofeky, Ackerstr. 73; Pcochnow, Wildstr. 30; F. G.ah. Lützowstr. 101 Matzat, Schwei inkr. 12; A. Müller, Dieffendachfir. 33; W. Rehden, Marian nenfir. 21 SB. Fischer, Gö litzerstr 49; 3L Dahn«, Schvedterss'-. 229; F. Gräschke, Göllitzerstr. 70; Ä. Skmid», M.melnftr.60; L. Petrik, Lübbenerstr. 7; I U.nch, Fcanseckystr. 12; W. Bachbo!z Ackerstr. 57; H. Wolf, Bo fiafir. 27, zu haben. BiilelS zu dem am II. Januar 1890 im Böhmischen Brauhanse, Lands beeger Alle« 11—13, statlfi denden Wiener Masken Ball find ebenfalls bei obioen Herren»u Kaden. (867 UMstWOmiil der lnuret des Wchtils Berliis. Große Matinee zur U nt e r s< 0 tzu n g erkrankter Mitglieder im Kiiuigshof, Bülowftratze 87, am Donnerstag» de« L«. Dezember 1869(zweiter Meihnachts-Feiertag). Anfang 11 Uhr. Entree 30 Pf. H'»rzu ladet ergebenst ein Der Vorstand. Billets find in den mit Plakaten belegten Lokalen sowie bei folgenden Herren zu haben, H. Maciew-ty, Steinm-hstr. 24 Hol 2 Dr.; F. Wolf, St'inmetzfir. 58 Hof 4 Dr.; W. Fithltk; St-inmetzllr. 63 Hof 3 Tr.;@. Müller. Nollendorfstr. 40 v. 4 Tr.; C. Panser, Rollen Sorf- strich« 41 Hot 3 Dr.; W. Bofin, Kirchbach 4r. 12 Hof 1 Dr.; W. Wollender?, Kirchbachftr. 18 Hjf 1 Tr.; ft. Rufer, Grunewaldftr. 117 Hof 3 T--.; F C llläwe, Büwwftr. 93 Hof 1 Tr.[366 Krankeu-Unterstutzungstmnd der Schneider, Kürschner. Posamenttrer nnd Kernfsgenossen. «Utwoch, den Dezember 18 9(. WeihvachtSfetrrra,); Grosse Weihnachts-Feier in den BOrgersfilen, Dresdenerstrahe 96. Mit Jnftrumen tal. Ko n z«rt der Hauskapelle unter Leitung ihres Direktors Herrn Eampe, verbunden mt bumo ifOldini Vorträgen der Gebr. Kuhnke. Zar velnftiaung der Kinder kleine lleb-rraschungen. 277 VraetS ä 30 Pf fino zu haben im Bureau Krausenstr. 11, in den Zahlstellen Gre» nabierstr. 33 bei Se>setd, Annenstr. 9 im Restaurant und in den mit Plakaten belegten Hand Isngen. E öffnung 5 Uhr. Anfangs Uhr. u n»oblreicken Be'uch bittet_ Da» Komitee._ Der Kerem zur Wahrung der Zutereße« der Kikmerarbeiter und uerWaudter Kerufsgeuoffe« veran galtet fein WeibnachtS- Vergnügen zum Besten des Kranfcen-UnterstQtzungsfonds am Konnabeud. o n 28. Dezember, in Keqbrtch's Festjäle«, Beuthstr. 20. Vortröge n"en und b»it. reu J-rra»«; ncch diejen WM Tanzkränzchen. Billets fino bei sämmtuchen Vorftandsmüglieoern zu haben und im Arbeitsnachweis Naunnnstr. 78 bei Win her. Herren Billet 50 Pf.. Damen.B llet 25 Pf. 334 A fana 7 Üb». (Fokaloerb. Frrlin). Uerband deutscher Zimmerleute GroHev Stilrrefler'Vall am 31. Dezember» w Feuer gein's Salon» Alte Iakobstr. 75» nwjb ergebenst ernlaoet_„ 3-3 Das Uergnugnugskomitee. Billets für Herren 50 Pf., Domen 25 Pr., find vo h r zu haben bei den Herren H. Ortlan o, Stegliv�rstr. 58; I. R-u m a n n, Steinwetzstr. 28; F. But stb k«. Ruch dochitr. 3; Zipke. Eis-ndahnstr. 37; Paust. R-ichenbergerfil. 58. I. A.: Grtlaubt. WW Man. Gesperrt: I. C. Pf äff, Engelufer 1 c, Grofchku», Gollnowftr. 19. Gebr. Weinmann, ftö iMähe,ftr.81. Müller u. C o., Blüche>st'. 35. Schimmelpfenvig. An- dreasftr. 39. F r a n z, Prinzenstr. 20. Bon- nell, Stallsckireibersliahe 30. Goetschke, Alex mderstr. 29. Franke, Biandenburaftr. Rr. 33. G e h r> ck e, Höckstestr. 32. G r i e- »ahn, Bravdenburgstr. 19. Thiele, Bar- nimstr. 32 Co uturier, Lomsen-Ufer 17. Jarru«, Barnimstrahe 41. Heinrichs, Mehnerstr. 3. Och«, Reichende, gerstr. 170. Sri er, Wienerstrahe 40. Stahlheuer. KLai�sbergerstr. 4 a. Jacksch, 9hur,t)iftc. 44. Brnhn, Langeftr. 6. Mahnte, Ädmu al- ßrafi« 20. Kursig, Blandendurgstr. 55 Lü» d o l p h, Gienadierkr. 4 a. Schwarz, R ichen- dergirstrahe 124. Palis, Köpenickerftrahe III. Schmitz, Oranienftr. 147. Vater, Wasser« thorstrichc 35. Mefch et, Mantruffelftrobe 57. Söfner, gwftiistr. 16. Ulrich, Reichen- b.rgerstratze 63. G ol da, W mstratze 30. Schöning, Pollitodevstr. 14. Velkisch, Skalitzerstr. 11. Kirschner, Adaiber-str. 42. Hennig, Weinstr. 10. Thiem, Reichen. berge. sie. 24. I a n k e, Rcich-nbergeritr. 63. Pinker». Fiankfurterftr. 132a. Stahl. hener, Reichenbergerstr. 73 Arbeitslosen Kollegen machen mir eS»ur Pflicht, fich nur an de Ktelleuoermittelnng der Kilbhauer Keriin», Annenitr. 16 zu wenden; tu Ott Wo»e Adends 8—9 Uhr, Sonntags SJo untta 6 10—1 1 Uhr. Dr« Kvmmiffion ist Sonntag Vormiltag 11— 12 Uyr und in dieser Woche Montag und Sonnabend Abend von 7 U tr ab Anireaftr. 16 anwesend und find Workstatt» tiste« dasetvft abzuliefern. Briefe find zu richten an W ä ch t e r, Schinke- st atze IL o. Hl Die Kommisston. Lesekivb„Lesßng". 1.«rthnnchlsfeiertng(Nachm. 4 U ,.) Ge- müch». Zawmm.nl. im i. Veremsiokul. Wollllr. 20. Rächiter Lef.-Abend Montag, d. 6. Jan. 1890. Da« Erscheinen aller Mitglieder f. wie recht vieler Gäste erwaitet. Der Vorstand. N« rgnÄgungv-Uerein „kriesens-Kaum Am 1. W'hiacht«. Feiertag Mittags 12 Uhr, m Gotifchaik S Colon, Baoftratze 22: @r«|( intiEtf, wozu alle F euno« und Bekannten eingeladen weiden. B.llets ä 30 Pf. find zu haben bei bin Herren Peterfon, Veter anenstrabe 22, und Drescher, Rbe>nSbergerstrahe 12.(389 Klempner! Achtung! Achtung! Der Streik der Ale«pner in Isttl t. h. dauert fort; infolge dessen matten wir es unserer. Kollegen zur Pfl cht, dahin zu wirken, daß d-r Z izu> st ena fern aebalien wi'd. 1384 Der Borstllnd Urs Nneinö delklemn er. Auttbrderung! Mir rrf«chen alle Diejenigen» welche«och imKefitze p.Sammel- l'ftiu» ob leer oder gezeichnet» dieselbe» so schnell al» möglich andienvterzeichnete Kommission dehnfs Kechnnngslegnng, abzuliefern. Desgleiche« sSmmtliche Werkstattlike«, welche bis zum 7. Dezember ansgestellt stob, ebendaselbst. 362. Die Kommission der Bildhauer. Die Revieoreo. Annen st ratze 16. Empfehle allen Freunden und Genossen mein Weiß- mi> BiirWier-LM. Fr. Oelzey 985i Kleine Anbreasstraße 19. Den Mitgliedern der Zentral. Kranken- und Sterbekasse der Töpfer(E. H.), örtliche Ver- waltung Berlin, hie, mit zur Renntnitz, daß unser Mitglied, der Töpfer August Lacker am 19. Dezember d. I. verstorben ist. Di« Beerdigung findet am Sonntag, den 22. Deztmber 1889, NachmittaaS 3 Uhr, vom Trauerhause, Manteuffeistratze 5, aus nach den Emmaus-Knchhof statt.[374 Um zahlreiche« Erscheinen erlmbt _ Die Verwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, datz unser Kollege, der Klavierarbeiier Gustav Jausten am Freitag früh verstorben ,st. Die Beerdi- pung findet Sonntag Nachmittag 3� Uhr vom Tboma-k>rii>hof aus statt.[370 Die Kollegen der Reufelb'fchen Pianofabrtl Todes-Auzeige. Allen Freunden und Belanmen die traurige Nachncht, datz mein lieber Mann, unser Sohn, Bruder und Schwager, her Mödelpolirer Otto N ierich am 20. Dezem! er nach langen Leiden verstorben ist. Die B erdtgung findet Mittwoch, den 25. Dezember, NachmiitagS 2 Uhr, von dem Trauer. Haus in Ririotf, Ki-chgasse 3, an« statt. Um stilles Berlrid bi tm 377]_ Die trauernden Hinterb ievene«. Donnerstag Nacht verschied nach karz m aber schwerem L iden mein lieber M mn, u»ser guter Valer, der Böuckiermeifter und Reftauraieur A. Trantmanu. Die Beerdigung' findet am Sonntaa, den 22. d. M, NachmlitagS 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Freireligiösen Kirchhofes, Pappel- illlee, us statt. Um stilles B»ilei' b tten 384] Karoline Trsutmann nebst Kmdern. In der am 15. d. M. ab eedaltenen General- »ersammlung de« unterzetch eten Genossen- fchaft hat eine B'schlutzf Ifang Uder o» aas ver Tagesordnung stehende Abänderung des SlatulS nichi ftatlfinden können, weil nicht die zur Be- I schlutzfähtgkeit ei forderliche Ai zahl von Mit- gliedern anw send war. Nach§ 37 d.S Statuts wird deshalb auf Beschlutz der Generatversamm ung eine zweite Generalversammlung«uf Conntag d-n 2«. Dezewb r, Mo arn» inUor,> aw rem Winter- garreu des Graud Hotel Alerauderplay be« rufen. Di« Genossen haben fich durch Vorzeigung des Gnihadenbuches zu legitmnren. Tagrsordnrna: Aendirung des Statuts mit Rückfichl auf da« neue Genostensckaftsgesetz. ins- delonoere Einführung der befch Lnklen Haftpflicht. Berlin, den 2 t. Dez-mber 1889 Der Ausfiijtsrath der Berliun Bltu-Geitosstnslhllft, Gingetragene Genossenschaft mit unvesiiiränkler Haslpfticht. K Schräder, Vorsitzender.(381 Für jeden Arbeiter! W'll'ommrne. Geschenk. Mebaillo« mit Ktempel«. Haubwerk»» zeiche«, komplel sonst 1,50. Bei Vorzeigung diele« Nvr 1,23» Ciempelfabrik H. Buttmann, Graveur, Kruunrnstr. 9. 175 Roch nie dagewesen! Schlittschuhe auf 8 cm zu verlängern, eigene Si findung, auch ale andere« Systeme, »m fieall vre lseWmetlhlttldlllllg D.C- Pietsch, Lwdei'straße IGT. Laterua magica und Nebelbild. Apparate eigener Fabrik, auch einzelne Bilder billig. Handke, mit#, a, Hot Im'S pari. 54 Präsent Cigarren. Allen Friunden und Genossen empfiehlt seine beliedtm Marken in Kiftche» zu 25, 50 und 100 Stück zum Weihnachisfifte.[373 Kniß Snlt, Kanarienvögel find b-llig zu verkaufen bei Ahl, Am Sw rfiich-n Ba mho? Nr. 3.(878 Amerikanisclie Verkaufs- Hallen TsUlliililltt Brölkt la. Eingang parterre. Killigste Kezugsquelle für gute«ud elegante Henen- Garderode u. Damen-Män'el. ES erhält als GratiS-Zugabe: Jeder Käufer eines Gegenstandes bis zu 20 Mark 1 eleg. Kleiderbürste. Jeder Käufer eines Gegenstandes über 20 Mark 1 eleg. Hut. Jeder Käufer eines Damen-MantelS 1 elegavte Muffe. Jämmiliche Presse etreng fest und ist jedes Stück deutlich nnt dem Preise ver- sehen. Wiederverkäufer erhalten keinen Rabalt; also Gleichheit für Jedermann ohne Unterschied. Aolgcnd- Gegenftänle heben wir ganz besonder» hervor: Herren- Winterpaletots sonst 20 Mark, für 12,50 M. Herren- Winterpaletots ' sonst 40 Mark, für 20 00 M. Herren- Winterpaletots sonst 60 Mark, für 33 M. Herreu- Winterpaletots sonst 75 Mark, für 42 M. Herren-Winter-Anzüge sonst 24 Mark, für 13,50 M. Herreu- Winter-Anzüge sonst 45 Mark, für 26,50 M. PrimaKammgarnanzüge sonst 66 Mark, für 40 M. Knaben- Kaiser- Mäntel für kleinere Knaben 5 M. fflt öftere Nummern je 50 Pfq. mehr. LinzelneLerrenhosen das Stück 5.25 M. 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Der Bädner Friedrich Pöble h»te m t feinen Rachbarn, den Bädner Fürsteoow'fchen Ehe» ienten, ß'tg auf gutem Fuße gestanden. Er hatie denselben auch erlaubt, über seinen Äcker*u gehen, um leichter zu dem B cko'en des Bmnm Zimick-, fttn'S Nachkam zur andern Seile, zu gelangen, den FL'stcnowS mit benutzten. Aber die Toae de« M.nfchen ssnd n cht olle gleich. Am 22. Dezember r. I. befand fick Pvhlein einer stark ungemüthlrchen Stimmung. 3* dieser Stimmung ging er durch seine Gartenthür aufs Feld hinan«, er trug auf der linken Sckulter mehrere Haiken »"d in der rechten Hand eine Hacke. Grade als er aus dem harten trat, begeg eten ihm die Fürstenon'schen Eheleute, die über lein Feld nach dkm Zimicki'schen Backofen gingen, um den Weihnachtskuchen zu b ck-n. Fürsten om trug ei, iaes Bock- geiöth, fei e F-au dagegen unter jedem Arme ein Blech mit JAfgeiolWm Kuchenteige. Bei ihrem Anblicke braust« Pohle »uf:»Nachbar, das leide ich nicht mehr! Ihr dürft nicht mehr »bei mein F?id gehen und wenn ich Euch kiiene, dann pfände ich Eut I" Fürftenow erwiderte ganr ruhig:»N chban. Du hast wir'« doch erlaubt und wenn Du eS nicht mehr leiden willst, dann muht Du mich verklagen!* Pohle wurde durch **n Gleichmuth feines Rachbarn nur noch mehr erbittert. Er »ig an zu schtinpfen:»NalionSbande? V.rfl. Nationsbande!" und was der lokalpat-iotilchen Jav kt ven mehr waren. Jetzt trat Frau Aurstenow auf ihn zu und rief:»Wir gehen noch zehn, und hundertmal über Denirn Acker!" Kaum hatte ste »ae g'fagt, so erhielt sie von Pohle einen Stoß an den Leib, der sie zu Boden stürzte.»Nachbar, Nachbar, wag hast Du geihon? Tu hast ja meine Fiau koput oeschlagen!" rief Fü stenow dem Pohle zu, der fem G-rälh aufnahm und fein.r Wege ging. Die verlitzte Frau Imstenoiv konnte sich nicht m hr eih den, mit Hille mehrerer Nack barn wurde ste u�ch'h er Wohnung und zu Bett gebracht, woselbst sie mehrere Stunden bewußtlos liegen blieb. Der heibngerufene Ärzt konsta'irte einen Bruch der kurzen R ppe. An der Außenseite de« Köipei« zeig'e stch ein kreisrunder Fleck in der Größe Nue« Zveima kftück S Nachdem der Rippendruch geheilt war, stellt« stch em L berleiden ein, do« bis heute noch nicht gehoben ist und vielleicht nie wieder gehoben werden wird. Da so- wobl die Fürsterowschen Eheleute wie m hrire Zeugen vordem Schöffengericht in Trcbbin eidlich bekunoeien, daß Pohle den Stoß gegen Frau Fürstenow mit Inn Stiele der H cke klefüdrt habe, und des« Bekundung mit dem ärzt 1>«b«n Befunde übereinzust mmen schien so wurde Pohle ««geu KZ p-' Verletzung ve mutelst eines gefäkrlicken Werk» beuge« zu 2 Monaten u>d 14 Ta en Gesängniß ver» «itheilt. Pohl« legte Berufung ein. Im weit-ren Verlaufe de« Prozesse« m-hrten stch d,t Z'ngni auf beiden Seit-n und die Auslagen uuiden so widersprechend, daß stch da« Gericht Pöih gt sah, eiren Lo'a Inrn n an Ort und Ttelle ab- «en und feststellen zu Irssen, wie wert ab stch die ver» schiedeneu Zeugen von dem Orte, auf dem stch der Vorfall ab- velprel», befunden halten. Gestern standen sich Parteien und Zeueen zur Schlußverhandlung vor Gericht pepenüber.»Hie Fürst«' ow!— hie Pohle!" so klang da« Feldgeschrei au« alle" Zeugenaussagen heraus. Wer zu den»Fürfttnow's" ge- störte, der mochte stch nahe oder weit entfernt vom Schauplatze befunden haben. Jeder hatte mit absoluter, jeden Zweifel aus- fchließrndeu Genauigkeit gesehen, daß Pohle die Hacke wie *in gefällte« Bajonett in den Händen gehalten und bmnit den Stoß gegen Frau Fürstenow geführt hätte,— wer b» den»Pohle«" gehörte, der hotte mit derselben tödlichen Sich« h«ii trotz geringer oder weiter Enifernung gesehen, daß ;P»hl« vorher nicht allem die Harken, sondern auch die Hackt Irin säubrrlich au« der Hand gelegt halte, bevor er der Frau Fürstenow den Stoß veretzie. Letziere erschien selbst, wie«ine wandelnde Leiche, von zwe, Frauen geführt, im SitzungSsaale. Sic behor ptete vorher nie krai k gewisen zu sein, vi« aber von enderer Seite d. Haupte« wmde, daß ste vorher stet« über »lötzlich, Ohnmacht«, und Krowpsanfölle geklagt und zu wieder- stalten Molen daran gelitten habe, da wurden ihr« B.w'gungen Z? der Hitze de« Geiecht» im Verhöllniß zu ih-er sonstigen �scherrung so ledhast, daß dem Gerichtshöfe Be» derken oul stiegen. Roch dem Gu'echlen de« KieiSphystkuS B'v'essor Dr. ftalk schien auch die Möglichkeit nicht auSge- Ist losten, daß Frau Fürstenow auf einen hortcn Gegenstand, «ufm Allg, meinen zu den Siltenheiien; denn Dichten enken pssegt stch ja bei uns weltlich in den von einer il'cheu Obrigkeit gezogenen Grenzen zu halten. Um so �er müss.n rmr fem, wenn emwal ein Autor e« wagt, f dos veipönte Gebiet zu begeben. EIrse Schweichel Wagnrß unternommen; ihr Roman schildert den Kampf um die neue tozraldemokratrlche Weltanschauung. �ld ist ein junger Mann au« dem Bourgeois stände, au« Familie, welch« in monarchischen und konservativen 'Oi eu leb!; hoben doch ihre Mi'glreder a'S Oifiziere «und Vaterland" gedient. Ku't Oettinger schlägt>chon b au« der Art, daß er dem Osstz"r«Kande e nen ge- B ruf vv'zieht, er widmet stch Den Recht»- und Staat«. chaft n; im Verlaufe de« Studium« beginnen ihm > an der Richtigkeit der bestehenden G.selllchoftsordnung oßen, und schließlich endet er damit, daß er (ten zur Sozialdemokratie dekennt. Trotzdem ,hm ' d.ssen die maßgebenden Männer der Regierung l'cher Weise nicht besonder« günstig gestnnt sind, besteht » I«v junstische« Staat«, xamen mit Glanz; er widmet 6l,ch nunmehc keiner Beamienkari ier«, sondern er de- - laurnolistrsch und agitalonfch für seine Partei thätrg - Zunächst macht er ein« größere AgitationSreise, die die Nähe ein»« adrlrgen Gute« bringt, bei deren Her alte Gutsherr tritt ein. Keinerlei Erklärung Kurt« vermag ihn zu besänfugen; in dem Groll über den politischen Gegner und Rivalen in der Liebe schtrudert er Kurt eine furchtbare Be- leidigung entgegen, und al« er Satitfaktron verweigert, schlägt ihn dieser in« Geficht. Außer fich vor Wuth ergreift Herr von Krie» einen Spaten, um Kurt niederzuschlagen, dieser zieht in der Rothwehr emen Revolver und verwundet ihn sehr gefährlich. Da cS fich um einen Akt der Rothwehr noch dagi in einem Falle, wo der Gegner den ganzen Streit pro« vozirt hatte, handelt, so kann da« Gericht nicht ander«, als Kmt sie sprechen; allein man hat ihm schon lange aufgelauert; der Gelegenheit drese« P ozesse« nrmmt man«me Haussuchung bei ihm vor, die am frck� ungefährliche«, infolge geschickter Verwendung durch den Staatsanwalt jedoch sehr kompro- wiliirendes Material zu Tage fördert. Kurt wird jetzt wegen Hochveiraih venntherlr. BaleSka kann die Aufregungen, welche die Verleumdungen mit fich führen, nicht ertragen; fie beginnt zu kränkeln und stirbt. Im Schlußkapitel zeigt die Verfasserin vann noch, wie e» Kurt nach seiner Freilassung gelingt, fich in der freien Schwerz riae fichere Existenz zu gründen, und wie auch sein Ll-besgtück wieder neue! blüht, als er die inzwischen Herangewachseue jüngere Schwester der Verstorbenen kennen lernt, die er dann al» Gattin heimführt. Anzuerkeimea ist in dem Roman vor allem die rückhalt«- lose Ehrlichkeit, mit der die Verfasserin ihre Anstchten vertntt, die ja doch so veipöat und verlästert find, und der freie Mulh, mit dem fie ein solche« Bekennmrß zu veröffentlichen wagt. Freilich erscheint da««in kierae« Lob, da« erscheint fast selbst- verständliche Pflicht; aber wenn wir unsere ganze zeitgenösfische deuische Literatur betrachten— wo finden wir emen Dichter, der dieser Pflicht ewgedenk wäre? Der ServiliSmuS und da« Loht schreibcrlhum hat jetzt überall eingerissen, und soweit ist e« gekommen, daß für eine solche Thal einfacher Pflicht, rote 26 Pf. und durch den Verband 8040 M. Die Streikenden wurden von vielen Gewerkschaften opferwillig unterstützt. Den höchsten Betrag, 1000 M., lieferten die Buchdrucker Berlin«. Von den Berliner Malern gingen 400 M. und eben so viel von den Töpfern Berlins ein. Mit einem Beitrag von 250 Mark find die Klav'erorbeiter und mit einem solchen von 135 M. die Weißgerber verzeichnet. Klei- nere Beiträg« find von verschiedenen Fachvereinen geleistet worden. Die Einnahme au« Tellertawmlungen beträgt 775 M. 63 Pf. In der Ausgabe figurirt als größter Posten natürlich die Summe, welche wäbrend des Streiks zu U-ii-rKützunoen verauS robt worden ist. Dieselbe beträgt: 13 605 M 80 Pfg. Für Gerichts- und AnwoltSkosten mußten 1502 M. 56 Pf. gezahlt werden und für D ucksachen wurden 1398 M. verausgabt. Säulenanschläge kosteten außerdem noch 1062 M— Die vorliegende Abrechnung wurde von verschiedenen Käme« raden bemängelt. Herr Lebmann veimißt die Nummern weh- rerer Listen, für welche er Quittung in Händen habe; deshalb und weil auch von anderen Kameraden ähnliche Einwendungen erhoben wurden, könne er der Deckarge- Ertheilung nicht zu- stimmen. Herr Jockel erkiä'te, daß hier wohl ein Druckfehler oder sonstiger Jrrthum vorliegen könne, was bei der umfarg- reichen Abrechnung möglich sei. E« sei ein große« Material zu prüfen oewelen; schon die Ausgaben füllen 85 Serien, zu denen ca. 3000 Beläge vorbanden find. Sollt« sich irgendwie ein Fehler herausstellen, so würde er persönlich die Verantwortung dafür übernehmen. Es entspann fich über diesen Punkt eine längcre Debatte, welche mit dem B-schluß endete, die Abrechnung noch einmal du�ch drei Revisoren prüfen zu lassen. Während der Debatte stellte fich schon heraus, daß eine der al« fehlend be- zrichneten Nummern thatlächlich in der Liste vorhanden ist. Zu R'visoren wurden die Herren: Schmidt, Petermann und Lehmann gewählt. Di« Versammlung diskutirt« hierauf die Frage, ob die Unterstützungen, welche extra an Kameraden ge- zahlt wurden, die fich während de« Streck« in einer besonderen Noth'age befunden haben, zurückge'ahlt werden sollen. Hierzu lagen drei Antröge vor. Beschlossen wurde, die Kameraden noch einmal zum Rückzahlen der Beträge aufzufordern. Ferner wmde anaeregt, ob es nicht schon j'tzt Zeit sei, da« Verhalten zum nächsten Baujahre>u besprechen. Ein Antrag, daß die drei Beaustiagten eine öffentliche V'rsammlung der Zimmer- leute Berlin« und Umgegend einberufen sollen, in welcher zum nächsten Baujahr Stillung genommen werden soll, wurde mit dem Zusatz angenommen, daß die Abiechnung nicht mit auf die Tagesordnung dieser Versammlung zu letzen ist. Auf Antrag de« H'rrn Seitz wurde weiter beschlossen, zum Fond« der»Achlstunden-Zeitung" 200 Mark zu steuern, welche durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden sollen. Diel« Summe soll vorläufig leihweise aufgenommen und dann durch Sammlungen unter den Kameraden aedeckl werden. M:t dieser Ausgabe wurde einstimmig Herr Seitz bet,aut. Den streckenden Zigarrenmachern wurden nach warmer B fürwortung de« Antrag« durch verschiedene Redner 200 Mark bewilligt. Vor Schluß der Ver'ammlung wurde noch bekannt gemacht, daß da« Sy'v stersest de« V rbande« in Feuerstein'« Lokal, Alte Jakobstr. 75, stotifindet und daß in demselben Lokal am Sonntag den 29. Dezember die Versammlung der Zentral- Kranken- und Sterb. lasse abgehalten wird. Der Nerel« zur Mahrung der Interesse» der Tischler und veno. Berussgenossen Beilin« hielt am Sann- adenv, den 14. D-zember, im Lokale de« Herrn Kloih, TreSd.nerstr. 10, eme außerordentliche Generalversammlung mit der Tagesordnung: Auflösung de« Verein« ab. In zwei vo-aufgeganpenen Versammlungen war schon über dt« Auf- lösung zu Gunsten de« Verdanve« verhandelt worden und in dieser sollte endgiltiger Beschluß gefaßt werden. Die Sache nahm jedoch eine ganz andere Wendung dmch die Mitlheilung de« Vorsitzenden, daß dem früheren Bevollmächtigten der hiesigen Filiale, Herrn Zubeil, ein« neue Klage wegen wissentlich falscher Statuteneinreichuna zug-schickt worden ist. Es ist nun nicht abzusehen, wann der Prozeß gegen den Verband sein Ende erreichen wird, und deshalb gelangte man in Anbetracht der bevorstehknden Lohnbewegung zu der Einficht, daßiall« kleinen Vereine der Tischler Berlin« bis dahin verschwunden sein müßten.(Solche Vereine giebt es hier bekanntlich sechs zehn). E« kamen hierauf verschiedene Anträge zur Ab- stimmung; ein Antrag, dahingehend, den Verein die zum 1. April k. I. bestehen zu lassen, wurde abgelehnt. Folgende von Herrn Schräger gestillte Resolution fand mit allen gegen eine Stimme Annahme: Dre heutig« Generalversammlung de« Verein« zur Wahrung der Interessen u. s. w. erklärt: In Erwägung, daß dem Verein durch den Jridifferenlismu« der Berliner Tischler emerseit«, und die gehässige Streit- und Ver- läumdungssucht feindlich gefinnter Elemente anoereiseit« e« derzeit unmöglich gemacht wurde, seine Mission nach§ 1 de« Statut» zu erfüllen; in fernerer Erwägung, daß die Macht fie Elise Schweichel geleistet hat, da« höchste Lob gespendet werden muß. E« herrscht jetzt in Deutschland allgemein die Anficht, die Dichtung, und namentlich dre Romandrchtunq sei zum Ver« anügen da; fie sei dazu da, damit der gute Spießbürger de« Mittag«, wenn er aegkssen hat, fich auf da« Sopba legen und behaglich mit der Pferse und einem Buche einschlafen kann. Ja d>n Znten, wo wir literarisch etwa« geleistet haben, hatte man die Ansichten nicht; da betrachtete man die Poesie al« ein Mittel zur Erbauung, zur Erhebung und Begeisterung; und Schiller'« Räuber find sicher nicht für den damaiigen Spießbürger geschrreden gewesen. Darüber kann gar kern Zweifel herrschen, daß unsere litera. iiche Pcodukion gegenwärtig fast völlig werthlos ist; unsere Literatur ist da« Gespött der fremden Rationen. Und eh« wird da« nicht ander« werden, bis nicht die Anschauungen über den Zweck der Dichtung andere werden, ehe man nicht von der Dichtung Erhiduug und Beaeisterung verlangt. Daß man die aber nicht der unseren UnterhallungSschriflstellern finden kann, ist unzwerselhast sicher; und eben so sicher ist, daß nicht eher ein Wandel geschaffen wird, eh« nicht die Schnftfteller ehrliche und treu« Manschen werden, die auch den Muth haben, ihre An- sichten offen heraus zu bekennen. Der Muth der Wahrhett ist der Anfang zu allem Großen. Man kann vielleicht, vom rein ästhetischen Standpunkte, der Verfasserin einige Vorwürfe machen; daß ihr« Charakte- ristik etwas zu idealrst sch ist, daß ste ihre Handlung nicht ge- nüaend geschlossen und gerundet hat, und jo fori. Aber da» find Kleinigktiien gegenüber dem einen: dem sittlichen Muth der Drchtenn, der da« ganze Buch wie ein wärmender und glänzender Sonnenstrahl durchleuchtet. de« Äoptlol« durch intcinotioriaUn Verband eine ellrs be- herrschende Weltmacht geworden, gegen weicht der Schutz des § 152 der Gewerbe Ordnung auch ohne neuere politische Be« schränkung ohnmächtig, der Arbeiter vielmehr der Willkür des kopitalrstüchen Industriellen unterworfen ist, erklärt die Ver» sammlung: Daß nur durch Gewährleistung derselben pol, tischen Freiheiten,'weiche den Jnnungz-Vcrbänden gestattet finv, die Arbeiter sich vor Vergewaltigungen der Aapitalisten schützen und ihre Existenz als Staatsbürger sickern können; die Versammlung beschließt daher, den Verband möglichst zu jördern, demselben beizutreten(als Einzelmit« «viever) und den Verein zur Wahrung der Interessen der Ttt'chler in einen gesellschaftlichen, Bildung und Aufklärung fördernd n Verein zu verwandeln. Hierauf wurde beschlossen «ine Kommission von 7 Mitgliedern zu wählen zur Regelung der Veremsgeschäfle und Vorberathung der neuen Statuten. Nach Konsti'uirung des neu'n Vereins soll der Verein zur Wahrung der Interessen der Tischler sich auslösen. Zu'etzt wurden den streikenden Hutmachern Luckenwaldes 50 M. Unterstützung aus der Vereinskasse bewilliqt. Der Fachverei« für Kchlosser hielt am Montag, den 16. d. M., rm Feuerstein'schen Lokal eine Versammlung, die letzte in diesem Jahre, ab. Der 1. Punkt der Tagesordnung enthielt: Vorlesung über das Koalitionsrecht der deutschen Ar» beiter im Liebte der Thatsachen, aus der Denkschrift, welche die Agitatianskommi sion der Maurer Deutschlands an den Reichs- tag, an den Bundesrath, sowie an alle Regierungen der Bun» desstaaten gerichtet hat. Der erste Abschnitt behandelt die allgemeine, sittliche und rechtliche Bedeutung der Arbeiter» koalitton und beginnt mit dem Hinweis auf das Soli- dariläiSpeiühl, indem darin auSgeiührt wird, daß das Soli» darttä Sgefühl schon in allen Zeiten bei allen Klassen, be» Sondeis aber bei den Arbeitern zu finden ist, und zwar, weil i« infolge der Nichtachtung und Unterdrückung ihrer berechtig« ten Interessen, sich zu koaliren gezwungen sahen, um so vereint das zu erringen, was dem einzelnen unmöglich ist. Also das Eolidaritätsgefühl der Arbeiter entspringt aus wirthschaftlich« sozialen Motiven, und zwar ist dasselbe nicht etwa gerade bei den am lchlechtest gestellten Arbeiter zu finden. Nur so lange sich der Arbeiter seiwS MenschenrechtS und Menschenwürde be- wüßt rst, muß ihm die Ungunst und Unstcherheit seiner Lage zur solidarischen Einigung treiben. Der Arbeiter ist aber auch gezwungen sich zu koaliren, zu organisiren, denn sonst isterein ld lauer bereits einen ständigen Arbeitsnachweis hätten und m-n habe bei letzteren gesehen, wie zweckentsprechend er bei einer Lohnbewegung sei. Den Gastwirthen und der„Volks- zeitvng" würde der ArbeitSmarkt mehr abgenommen werden; ei» jeder arbeitslose Kollege würde dann wissen, wohin er zu gehen hätte, um sich rechtmäßige Arbeit verlchaffen zu können. Folgender Antrag wurde angenommen: Die heutige außer- ordentlrcht Generalversammlung erk.ärt sich im Prinzip mit der Einrichtung eine« ständigen Arbeits- Nach- «eiSbureauS einverstanden und beschließt den Antrag an eine Kommrjsion von fünf Mitgliedern zu «Ä- ÄÄfÄ statistischen Fragebogen berichtet Kollege Wiedemann, daß dre Gewerbedeputation an den Fachverern einen solchen ernpeiandt habe. Es wurde b.lch.rssen, die Fragebogen or� zu füllen, jedoch mit der Mottvirung, daß sich nur dre besseren Wer kslellen an der Statistik des Fachvereins betheilrot batten, den» sonst könnte ein DurchschmtlS-Vrdicnst von 20,75 M�mcht heraus- kommen. Nach einer Aufforderung, daß dre Mitglieder des fachvereins unermüdlich für denselben agitiren mog'N und an den ielen, welche der Ve, an verfolgt, festzuhalten, schloß der Vorsitzen oe dre Versammlung. 25 neue Mitglieder traten dem Ver- Die Verewigung der Drechsler Deutschlands, Orts- verwauung il., Stockoranchc, hr-lt am 17. d. M. ihre reget- mäßige Mitglredervertammlung ab. Die Tagesordnuny lautete: 1. Gelchöftliches. 2. GewerkichaftlicheS. 3. Vortrag über„das KoalitionSi echt". 4. Verschiedenes und Fragekast.n..Unter Gewrrk'chafllichtM wurde auf die Lohnbewegung im nächsten Fahre hlv gewiesen. Der Vorsitzende»heilt mit, daß er ern Ver- zeichniß von 60 Schurn- und Spazierstockfabrikanten besitzt. In einigen Weckstellen, in welchen noch keine Mitglieder der Vereinigung vertreten find, wurden von den versammelten Kollegen genannt, so daß der Vorstand weiß, an wen er sich zu wenden hat. Bemerkt wurde noch vom Vor- fitzenden, daß in der Grunewald'tchen, j-tzi R.'utcr'tchen, Werk- statt, ca. 30 Kollegen aibeiten und nm 4 Kollegen seit längerer Zeit de? Vereinigung angehören; um so auffäll g er sei es, da die Löbne dieser Werkstatt geringere seien, als die Löhne grö- ßerer W-lkstellen. Ferner wurde mitzetheilt, daß die Streik- karten von den Vertrauensleuten einzuziehen find, und das Strerklistensystcm von Neujahr ab in Kraft treten wird. Der dritte Punkt der Tagesordnung wurde fallen gelassen wegen zu schwachen Besuchs der Versammlung. Unter Verschiedenes wurde der Wiener Streik besprochen, das Woiff'sche T-legraphen- burcau soll demnach wieder einmal einen unwahren Bericht ge« bracht hoben. Nach genauen Eimittlungen befinden sich die dortigen Kollegen in großer Roth. waS daraus schon hervorgeht, daß dieselben als Unterstützung nur ein Brot alle zwei Tage erhalten. Da nichts weiter vorlog, wurde die Verfamm- lung geschlossen. Gwe Mitglieder- Versammlung der Filiale des deutsche« Kchnrider- Verd««des Kerlw tagte am 17. d. in Det�müllcis Salon, Atte Jrkodstraße 48. Aus der TageS- ordnung stand: 1. Fachwissenichaftllcher Vortrag. 2. Diskussion und Aufnahme zum Zuschneidekursus. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Zahlung der Beiträge. 4. Verichiedmes. Zum ersten Punkt der Tagesordnung enheilt der Vorsitzende dem Herrn Zuschneid' lehrer Jürgens da» Wort zu seinem Vortrag. Ncch Beendigung desselben erhielt Herr Zuschneide- lehrer Faust das Wort zu einem Vortrag. Hierauf dankt Kollege Jeschorek im Nam?n dcr Fachschulkommitsion den Mit- gliedern der Filiale für Ueberweisung des U-berschusseS vom Stiftungsfest, wovon wir jetzt eine Fachschule ein- richten können. Die Fachschule soll beginnen am 15. Januar nächsten Jahres. Mitglieder, welche dieselbe benutzen wollen, baden 15 M. zu entrichten; müssen jedoch schon drei Monat Mitglied sein. Kollege Schulz verllest die Abrechnung vom V rgvug.n und bemerkt, daß noch 4 Herren- und 4 Damer.billcts ausstehen. Es wurde noch beschlossen,»um Frühjahr ein Vergnügen mit Konzert in Hiydrich'S Sälen, Beuthstraße, abzuhalien. Ter Vorfitzende verliest ein Schreiben von den streikenden Vergoldern, und es wurde für dieselben eine Tellersammlung vorgenommen. Es wurde aufmerksam gemacht auf dre Velsammiungm und wissenschaftlichen Vorträge der„Gesellschaft für Veibreiwng von Volksbildung". Nachdem dem Krllegen Kickisch, welcher in nächster Zeit von Ber in abreist, ein„Hoch" ausgebracht war, schloß der Vor- fitzende die Versammlung. Die Kranken-««> Kegralmisskasse des Verein» jämmtlicher Kernfsklassrn iE. H.) hat nach dem letzren MonaiS'idfchluß einen Vermögensbestand von 16 861,09 M. Die Kasse nimmt Personen ohne Unterschied des Berufs und Geschlechts im Alter von 14—45 Jahren auf, und es bestehen verschiedene VersicherunoSklassen. Für die geleisteten Wochen- beiliäge von 18-60 Pf. wird bei ErkrankungSfällen eine Unterstützung von 4,50 M. bis zu l5M. gewährt, bei etwaigem Todesfall den Hint-rbliebenen ein Begröbmßgeld von 45 bis 150 M. gezahlt. Für Berlin sind 5 örtliche Verwaltungsstellen, wo jederzeit Beilrittseikiärungen entgegengenommen werden, und zwar Berlin I: Kasfirer E. Schill ng. Kippen- straße 43; Berlin II: Ka'sirer I. Schumacher, Mariannen stc. 3; Berlin III: Kaisirer H. Rudolph, Koloniestr. 150»; Berlin IV: Kasfirer O. W tzel, Hollmannftr. 23; Berlin V: Kasfirer E. Hundt, Pr'tzvalkerstr. 17; Charlottenburg: Kassicer Fe. Z-elecke, Berrinerstr. 147. Ferner beim Haupikassirer Ed. Kühneit, Telrowerstr. 13», wo auch jede gewünschte Auskunft erlheilt wird. »* • Rurn- und grpellig» U»r«in» am Eonntaa: Sübeck'scher Turnverein (2. LedrlingSabtbettung! Abends 6 Uhr EMabethftraße 57- 58.— Turnverein „Wcdding"(2. LehrlingSablbeUnnal Nachmittags 4 Uhr Pankstr. 9. Turnverein „grob und Frei" iLchrlinaSadlheilungl NachmiitaaS 4 Uhr Bergft. 57.— Bei- gnüaungSvcrein„gröhlichtetl"(fltgt. 1880) Nachmittags 5 Uhr Grüner Weg 29 Versammlung. «»lang-, Turn- und gestUIg» Piritu» rtr. am Montag. Gesangverein„Sangerlusi" Abend» 9 Uhr im mcftaurant, Landibergerstrahe 80.— Liedertafel der Maler und verwandten Berusigenossen. Reslaurant Berg. Kaiser- Frai z G enad'.er Plag Nr 7. Ausnahme sttinmbegadter Kolligen— Männer- gesangverein„Weihe Roie" AbendS 9 Uhr im Reftaurani Kleine GerichlS- strahe 10.— Männergesangverein.Eintracht I" AbendS 9 Uhr KSonicker. strahe 68, im Nesiaurant.— Gesangverein„Echo 1872" AbendS 9 Uhr, Oranienslrahe 190.—„Deutsche Liederlasel" Abend» 9 Uhr. Oranien- strahe 190.— Gesangverein„Mvrthenblätter" Uebungistundl Alte Schön» hausersirahe 42 bei Malzahn.- Liebe. Illicl der Maler und derw. Berus«- genoffen Abend» 8% Uhr Kaiser Franz> Grenadier. Platz Nr. 7, R-ftaurant Bero. Ausnahme sltmmbeaabler Kodegen.— Turnverein„basenhaide" sLehilingi- abthcilung) Abend» 8 Uhr Dieffenbachslrahc 60—81.—„Berliner Turngenoffenschaft(7. LehrlingSadtheilung) Abend« 8 Uhr in der städtischen Turn- Halle. Briherstr. 17—18;— deSgl. 6. Männerabtheitung Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Gubenerstrahe 51.— Lübelkscher Turnverein sMänncr» abihettung) AbendS 8 Uhr Elisabelhftrahe 57-58,— Verein ehemaliger Schüler der VII. Gemcwdeschule AbendS 9 Uhr im Restaurant Poppe, Lindenftrahe 108. —„FriedrichS-Verein" iehemalige Zöglinge de» grohcn Friedrichi-Waisenhause» dcr Stadt Berlin) AbendS 8% Uhr bei Bormann, Ohmgaffe 2.— Unterhaltung»- klub Schiller AbendS 8 Uhr nn Restaurant Giesel, Tnststiahe 41— Verein Berliner Theaterfreunde AbendS 8% Uhr bei Lüloro, Admsrasstrahe 88.— VergnllgungSverein„Zick-Zack" Abends 9 Uhr in Möwe'» Gesellschasishaui, Fichtestrahe 29.— Verein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm, Schönhauser Allee 28.— Verein„Rattbor" Abend» 8% Uhr im König Itadl-Kastno, Holz- marktstrahe 72.— ArendS'scher Stenographenverein.Ipollodund" Abend» f; Uhr Thurm strahe 81(Moabit.).— Wiffenschastlicher Verein sür Roller schi- tenographie AbendS 8% Uhr im Münchener BräuhauS, Neue FnedrichSstrohe Nr. 1, UnlerrtchrS» und lledungiftunde— Rauchtlub„Nordstern" in Susoi» Lokal Frankfurter Allee 174, FriedrichSderg.— Rauchklub„Hellblau" Abend» V9 Uhr Skalitzerftrahe 143.— Verein ehemaliger Schüler der 42 Gemeinde- schule Abend» 9 Uhr bei Kloth, Dresdenerstrahc 10,— Zitherklub„Waldrose', Abend« 9 Uhr, UebungSslundc des Schneider,«daibertftr. 8 Dirigent: Wegener Ausnahme neuer Mlolieder. Bälle willkommen.— Bandonion- und Instru» mental-Verein„M-Iodia" Montag» poa 9 dt» 11 Uhr Abends, Retchcnderger. strahe 149 bei Otto. Vermipihres. Einen derbe« Ulk leistete sich einst der in England feiner Zeit einer unglauvrichen Belnbihcit silh erfreuende Komiker Sothern. Derselbe bestellte einmal bei ernem Unternehmer von Leichenbegängnissen alle« für ein Begiäbniß rm vornebmsten Stile Nothwendige. Nachdem er im Verlauf des nächstrn Taxe« zweimal sich nach dem Fortgonge der Vorbereitungen erkundigt hatte, erschien er Abends abermals und fraate den Unternehmer, wann er in den Besitz des Leichnams kommen könnte.„Des Leichnam»?" fragte der Unternehmer bestürzt. —„Nun ja doch", erwiderte Sothern.„Besorgen Sie den nicht auch?"— Als der Unternehmer ihn hierauf hilflos an. starite, zog Soihecn eine Empfehlungskarte des Geschäfts hervor, h-elt sie ihm hin und fazre:„Hier steht doch deuitich: Alle zu L- chenbegängnissen erforverlichen Ding« werden gut und promp! besorgt. Ist nicht die Lerche da« Erst- aller er« forderlichen Dinge?" Vor dem oberste« Gerichtshof i« Genna wird demnächst em hötilt sonderbarer SlrersaU vnhandelr rr erden. Vor längerer Zeit fand, wie man der„Franks. Zeitung" meldet, ein Bauer in Siurla eines Morgen«, als er auf das Feld gino, auf einem Heuschober ein in Tücher sorgfältig emge- wickUteS mehrere Monate olles Kmd. Em ebentalls in den Tüchern vorgefundenes Packet enthielt eine ansrhnl'che Summe Geldes. Der Bauer trug das Kind noch Hause, zeigte e» seiner Frau, und da die Beiden kinderlos waren, so de- trachteten sie den Fund als einen Fingerzeig Gottes, be- hielten das Kindchen bei sich und benützun das vorgefundene Geld zur sorgfälligen Pflege desselben. Die Nachricht von d>m Funde verbreitete sich jedoch und machte die Runde durch die G-nueser Z-ilungcn. So kam sie auch einem in Scftn Ponente wohnenden jungen Ehepaare, Nam.nS Zarrino, zu Ohrcn, welchem zu jener Zeit ein mehrere Monate alte« Kind auf unerklärliche Weise aus der Wohnung entwendet worden war, worüber die v-izw.ifelte Mutter beinahe den Ver- stand verloren hatte. Die jungen Eheleute begaben sich schnür- stracks nach Sturla— erkannten ihr Knd nretf— oter glaubten, es wieder zu erkinnen u,b t-ugcn es glückstiahlend r.ack Haufe. Kurz nackher aber meldete sich' bei dem Lantmrnn in Siurla ein fein gekleideter Herr, der den jungen Bauersleuten miitherlte, daß er fern Kind hvlrn wolle, nachdem er au« den Zeitungen erfahren, daß sich dasselbe bei ihnen b.fi de. Die erstaunten Bauersleute emhtun nun dem angeblichen Vater des Kindes, daß sich dasschbe in den Händen der Ehe- leute Zarrino befinde, weiche es als ihr Kino eikannt hätten. Der junge Herr erklärte jedoch auf dos Entschiedenste, daß das Kmd fein Kind wäre und daß er es in der Hoffaung auSfp fetzt h-.be, daß es ein mitleidiger Bauer finden und zu sich nehmen werde. Die Eheleute Zarriro dagegen wollen beweilen, daß das Kind ihnen gehöre, während der junge Mann steif und fest auf seiner Aussage desteht. AoS diesem Streitfall h t sich nun ein Prozeß enilponnen, der am 11. Dezember begann und vorausfichllich lange dauern wird, da von beiden Seiten eine oroßr Aniabl von H?u en vorgeladen ist. In der Mette« Hälftekde» vnrige« Jahrhundert» — schreibt die„Jllustr. Sonntagszeilung"— leate tat masurischen Ostpreußen der durch seinen volksthümliche« derben Humor dekannte Rektor, spätere Pfarrer Pogarßelski. Seine naturwüchfigen Aeußerurgen, zu denen sich noch ein eigenthümliches Deutlch gesellte, haben zahllose Anekdoten zu Wege gebracht, welche zum Theil noch heute im Volks- munde leben. Aus Verwendung des ihm oünstig gesinnten Landhofmeisters von Gäben sollte er d:e Psarrerstelle in Kalirowen bei Oletz'o erhalten, jedoch mußle er sich zuvor noch einer P üfung u-iterweifen. Nach seiner Kenntmß nn Hebräischen befragt, erk.ärte Pogarßelski offm:„Diesen Sprock kenn' ich nicht". Als der Examinator meinte, ein Geistlicher müsse doch die heilige Schnft in d>r Ursprache lesen können, erwiderte Pozarßelsk!:„Herr Rath, können Sie bolick (polnisch)?"—„Rein," exwide te der Gefragte.„Seh dal Emen kann diesen Spwck, Andern kann jenen. Werden ich nicht predigen auf edräisch, werden ich predi en auf bolsck!" — Seine Art zu predigen zeigen folgende B uchflücke, die wortgetreu überliefert find. Aus einer Begräbnißrede, die Pogarßelski als Rektor«'halten: O weh' Dir, Orlelsbwg's Gemein? Du hast verlor'« den Pfarrer Dein? Maul zu, was hat gelehret Gott, Geschlossen ist das Auge tot*. So blüht im Garten Rosen stock, Springt zu, frißt ab der Ziegenbock: So fraß auch milt'n im Lebenslauf Der Tott den fel'gen P'arrer auf. Nu liegt er da auf Gottesacker, Pfui, Tott— Du Racker! Kreuz, Jammer und Hellend find die drei Windhunde mensch- lichen Lebens, mit was wird Mensch geätzet und gejaget aii Asen auf BartolomäuS Jagd. Quid est vita human»; Was ist me- schlich Leb'en? Menschlich Lebben ist Th er- paudel am Wagen: scklicker und schlicker, schlicker und schlack«'' BumS! liegt auf der Erd. I'em quid est vita humana? W s ist menschlich Ledben? Menschlich Lebben ist baufällig Stroh- dach, kommt Wmd, bordaucks, sälll's um! Lenken wir unlere Gedanken zu selig Verstorbenen, woS Wunder, wenn wir!asseit halb Baitaljon Seufzer marschiren aus Corps de Card unseres Herzen«. War er gle chiam Wegweis-r auf K euzgana dcS LedbenS schmalen Wea zeigend, und sein puipur'LrbigeS Antl'ß glänzte wie Pamuchelskopf im Mondschein. War er gleichsaht LusthauS von unsre Gemein, darin« wir sich kunnlen na« Herzenslust verluftieren. War er gleichsam Brotpfanne, dorein dcS feine Mehl wahren Glaubers gebacken wurde; seine StiwnlC war wie ein Drummel, und seine Woite tönten wie ausgespielt� B-ummbaß. Nun lassen wir unfern selig Verstorbene« in seinem hölzernen Schlafrock so lange ruhen, bis heiliger XaverruS ihn wwd reißen mit Zangen des Verdienstes aus seinem düstera Gewölbe. Amen."— Eine gemisse Berühmiheit erlangt« der folgende Ansang einer seiner Kanzelreden: Lieb« Geweino- Jch will auch heute predigen von Nuß— aber nicht von Hast'' nuß, auch nicht von Wallm-ß. auch nicht von Betrüdnuß»«= Aergernuß und Kummecnuß, sondern vom heiligen Johann»"• — Bei alledem üble er eine große Henschafl über die Ge- müther. Seine polnischen Bauern verehrten ihn wie et»0' Vater. VrtefkQflen. Bei Anfragen bitten wir die AbonnelnenIS-Ouittung dcijufügen. Briefllckr Antwort wird nicht ertheUI., P. p. Si« können bei der Gewerbe- Deputation am Aufhebung de« LehroerhältvisseS klagen, wenn Sie nachweist"' daß sankt die Gesundh-il Ihres Sohnes gefährdet ist._, I. H. KöpnickrrSr. Ein Vater kann seine K nder Ebe nuht ohne best.mmten gesetzlichen Grund enterben, c' Testament kann immer erst nach dem Tode de« Erblassers gesockten werdm.. F. M. Der Pächter eines Stande» auf demWechnaoo' markt kann sich für dre Weiterverpachtung sooul zahlen lo"'' als Emer g'ebt. Eine Taxe giebt es nicht., R. H. pankstr. Der Arbeiter hat keinen Anspruch" Ueberstunven, leibst dann nicht, wenn er sich verpflichtet."■/ auf Erfordern Ueber stunden zu leisten, oder wenn die F?."L ordnung solches vorschreibt. Die gesetzliche 14tägrge Kun gvnzSfrist gilt nur, so weit nicht etwas Anderes 0°° redet'st...„z Intel Wettende. Sobald die Steuer festgesetzt rst". das vetreffenoe Quartal begonnen hat, kann der Sleueccryt die Steuer verlangen. Wird bei seinem Erscheinen ntgLlL zahlt und die Steuer auch innerhalb der von ihm ge»*" Frist nicht zu ihm hingebracht, so kann er Mahngebühr oder p'änden. cy Haftpflicht. 1. Auf eine nur mit einem Gehilfe" trieben« Buckvmderei fi-rdet weder das Unfallverfichtru"� noch das Hafipflrchtgejetz Anwendung. 2. Doch ist eS".j, auSgesch offen, daß der Verunglückte auf Grund deS. ichen Land.echtS eine Entschädigung von seinem vaier»"' Arbeitgeber erlangen könnte. 3. Er möge sich vom-ö" 9� m. ister ein ArmuthSatte't beschaffen und dasselbe berin i' � gerickt zu Frankfurt a. O. mit dem Antrage aus BewlU'ff�, drS AcmenrrchtS und der Beiordnung eines Anwaltes reichen.__ M flu" ©. it., Kchwedterstr. Die O.tSkrankenkasse.(""«Oßche den Beirag des ruckilänoigen BeilrageS für die erne � � vom Sterbegelde abziehen. Die Klage ist an die Gew dkputrtion de« Magistrats zu richten.«cklast K. p. 100. Em Schlafwirth braucht dre dem burscken� entweNbiten Sacken nur dann zu ersetzen,%«" ein V-richutdeir an dem Diebstahl nachaewies n werden F. S. 1. Zur Verheiralhung bedürfen Männer der � nehmrgung des VaierS, oder falls dieser verstorben, Matter bis zu seinem voll-ndeten 25. LebenSjihre, dr 1*�, de« Vormunds bi« zum 21. Jahre. 2. In Ihrem v*'" ort brauckt das Aufgebot nicht bekannt gemacht tu wer � C. St. 1. Wir reihen Ihnen unbedingt, sich �....cheff- wall za nehmen. Dersetds würde etwa 30 Mark bean p 2. Ob der Landtag Sachsen-Attenburg gegenwaciig tag''.,.,. wir nicht; e« fitzen mehrere Sozialdemokraten rn deMN Cigarrsn. Cigarren. Cigairen. G ößres Lager von GelegenheMänfen ans div. Konkursmassen für die Hälfte des Werths. Marke Marke Marke Marke Marke Marke Marke Marke Marke Marke Neu! 24. 32. 44. 46. 56. 58. 62. 100. 74. 66. Java mit_ Sumatra m. Sumatra m. Sumatra m. Al» besonders rmpfehlenswerth: ml gem. Eml., fein in Gefchmcck und Brand, 100 - /E T«. c*_____ 100 Stck... 2 M. 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