801. Dienstag,>e» S4 Dezember 188». «. Jahrg. öerlimVMloil. Krgan für die Interessen der Arbeiter. GetVÄHrsmänner und Bmtacn. Wir empfinden kein besonderes Vertrauen zu der wissen- schaftlichen Jurisprudenz, denn wir vermissen an derselben, waS in unserer Zeit bei allen Faktoren von öffentlicher Be- deutung verlangt werden muß, den Geist des Fortschritts und der Aufklärung. Die Rechtswissenschaft schleppt eine Menge von veralteten KrimSkramS mit sich und ist für ein- schneidende Neuerungen nur schwer zugänglich zu machen. Wenn sich auf den Juristentagen einzelne Priester der blin- den Göttin der Gerechtigkeit mit den Fortschritten ihrer Wissenschaft zu rühmen pflegen, so haben wir unS darnach umzusehen, wie und wo diese angeblichen Fortschritte sich praktisch geltend machen. Da muß man auf die neueste Leistung unserer juristischen Autoritäten, auf den Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuchs blicken, und man wird von dem so oft gerühmten Fortschritt sehr wenig oder Nichts entdecken. Dennoch aber schließen wir unS jenen Blättern an, welche bestrebt sind, die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Juristenwelt auf die Erscheinungen im großen Geheim- bundsprozeß zu Elberfeld hinzulenken. ES sind Blätter schier aller Parteien, welche verlangen, daß die in diesem Prozesse zu Tage getretenen Mängel unserer Straf- rechtSpflege beseitigt werden. Den Prozeß als Ganzes werden wir noch eingehend be- sprechen, heute heben wir nur einen Punkt hervor. Wir meinen die„GewährSmänner"-Z e u g« n. Die Polizeikommissäre haben die Weigerung, ihre„Ge- währSmänner" zu nennen, während der Dauer des Pro- zesseS auf Anweisung ihrer vorgesetzten Behörden aufrecht erhalten, so daß einmal sogar der Präsident de» Gerichts ermahnte, man solle von dem Spruch:„Ich verweigere die Auskunft!" einen sparsameren Gebrauch machen. Es ist so ziemlich einstimmig in der Presse ver- langt worden, daß die Institution der anonymen„Gewähr»- Männer" abgeschafft werde, um so mehr, als die„Gewähr»- Männer", wo sie an der Oeffentlichkeit getreten sind, keines- Wegs das Vertrauen haben erwecken können, daß man eS Mit objektiven Berichten zu thun habe. Wir brauchen nur an den Fall Weber zu erinnern, bei dem das Gegentheil heraus kam und wobei der famose„Gewährsmann" selber eingestand, die Polizei belogen zu haben. Man bedenke einmal die Konsequenzen dieser Praxi«! Die Presse hat Recht wenn sie davon für die Zukunft fürchtet, denn wohin sollten wir kommen, wenn die anonymen „Gewährsmänner" zu einer stehenden Einrichtung werden? Sie werden bald nicht mehr bei den politischen Prozessen stehen bleiben, sondern sich in andere Formen de» Rechts- streit» eindrängen. Wenn sonach die Ueberzeuguna Platz greift, daß solche anonymen Gewährsmänner die Feststellung der Thatsachen Feuilleton. lNdchdruck verboten.! [62 vpzialer R»ma» v«««mi!e Z,la. Einzig autorifirte Uebersetznng von Ernst Ziigler. „Weißt Du wenigstens, wohin Du gehst?" ftagte er wieder,„ich kann Dich doch nicht in solch einer Nacht auf der Straße lassen!" Sie antwortete: ,,Jch geh zu Cbaval! Alles in Allem ist er mein Mann und ich kann nirgends schlafen, wie bei ihm." „Aber er wird Dich todtschlagen." Sie zuckte refignirt die Achseln: er wird sie schlage«; aber, wenn er dessen müde ist, läßt er'» sein. Ist da» nicht besser, als sich wie ein lüderlicheS Mädchen herumtreiben? Und dann gewöhnt' man sich auch an Schläge und tröstet sich mit dem Gedanken, daß unter zehn Mädchen acht es "'cht besser haben. Wenn er sie eine» TageS heirathet, wird das immerhin sehr schön von ihm sein. Sie hatten sich mechanisch nach Montsou gewendet, und ie näher sie dem Städtchen kamen, desto seltener sprachen sie. ES war, als wenn sie schon nicht mehr zu einander gehörten. Er fand keine Worte, um sie zu überreden, und doch schmerzte eS chn, daß sie wieder zu Chaval zurückkehrte. Ihm war traurig zu Muthe, denn er hätte ihr nichts bieten können, tone sichere Zuflucht, ein Leben voll Entbehrung und Noth, ohne Heimath, ohne Zukunft; wer weiß, wie bald ihm die �ugel eines Soldaten den Schädel zerschmettert?! Vielleicht 'st es besser für sie, ihr gewisse» Leid geduldig tragen, als ungewisses,, vielleicht bittereres suchen?.. Und er führte i'* Zu ihrem Liebhaber zurück. eher erschweren, so sei auch noch auf eine andere Erscheinung in diesem Prozesse aufmerksam gemacht, die der StaatSan walt in seinem Plaidoyer behandelt hat. Er meinte, die Vertheidigung habe betont, ein Theil der Zeugen habe sich durch Haß und Rachsucht zu ihren Aussagen bewegen lassen. Er gebe auch zu, daß dies bei einem Theil der Zeugen der F a l l s e i. iq Die Betrachtung, die der Staatsanwalt an diese von ihm konstatirte Thatsache knüpfte, verdient die weiteste Auf- merksamkeit. Er meinte, das komme fast in jedem Prozesse vor, man müsse bei den meisten Zeugen gleiche Motive voraus- setzen; wenn das nicht wäre, so würde die Anklagebehörde blutwenig ermitteln. Der Haß verleite zu '' eine g-• rechts i e s e n Denunziationen; aber daS sei eine Erscheinung des täglichen Lebens und die Strafrechtspflege sei thatsächlich darauf angew' DaS ist eine Beleuchtung der Strafrechtspflege, wie man Sie offenherziger von einem Staatsanwalt nicht erwarten ann. Aber Haß und Rachsucht als Motiv einer Zeugen- aussage geben der letzteren ein ganz besonderes Gepräge. Der objektiv denkende Zeuge wird vor allen Dingen bestrebt sein, die Wahrheit zu konstatiren, unbekümmert darum, ob erJemandendamit nützt oder schadet. Wo aberdie schlimmen, vielleicht schlimmsten Leidenschaften als Triebfedern vor- herrschen, da wird die Aussage immer bemüht sein, ein mög- lichst schlimmes und nachtheiliges Bild von den Handlungen dessen zu gestalten, den der Zeuge mit seinem Hasse ver- folgt. Wenn ein solcher Zeuge beeidigt wird, wird er dcS- halb noch keinen Meineid schwören; aber er soll objektiv und nicht subjektiv aussagen und die Leidenschaft schließt die Objektivität aus. Ueber Denunziationen aus Rachsucht brauchen wir unS kaum näher auszulassen; sie sind allge- mein verurtheilt nnd mit Recht messen alle Gerichte den Denunziationen, bei denen man Haß und Rachsucht als Motiv erkennt, nur ganz geringen Werth bei. Tausendmal haben in solchen Fällen schon Bestrafungen wegen wissent- lich falscher Denunziation eintreten müssen und wir sind im Gegensatz zum Elberfelder Staatsanwalt der Meinung, die Rechtspflege könnte ohne Denunziattonen aus Haß und Rachsucht nicht nur sehr gut auskommen, sondern es würde auch manches widerwärtige Vorkommniß erspart werden. Auf diese Dinge zu achten, möchten wir die offizielle Juristenwelt ersuchen. Anonyme zweifelhafte„GewährS- Männer" und eme Anzahl Zeugen, die, wie der Staats- anmalt selbst zugiebt, von Haß und Rachsucht geleitet sind — sinddas die richtigenLeute, um in einem so großen und b ed eutun gS v o l len Re ch tS- streit die Wahrheit festzustellen? Die Herren Juristen mögen uns antworten! Fünfzig Meter vor dem Caft Piquette bat sie: „Begleite mich nicht weiter! Wenn er Dich sähe, würde er wieder von vorne anfangen." ES schlug elf Uhr am Kirchthurm. DaS Cafe war schon geschlossen; aber unter der Thür blickte ein Lichtstreif hervor. „Adieu," flüsterte sie. Sie reichte ihm die Hand; er hielt dieselbe fest in der seinen; sie zog sie langsam zwischen den engumschließen- den Fingern hervor; dann, ohne sich umzublicken, ging sie auf's Haus zu, öffnete die kleine Seitenthüre mit der Klinke welche sie bei sich trug, und verschwand. erhellte sich ein Fenster, Im ersten Stock und als es sich öffnete und er die schmächtige Gestalt exfannte, welche sich auf die Straße her- ausneigte, trat er näher hinan. Er ist noch nicht zu HauS," rief sie leise herunter. „Ich leg mich nieder; bitte, geh jetzt fort!" Stephan entfernte sich. Das Thauwetter nahm zu. Es floß plätschernd von allen Dächern; von den Wänden, Mauern, Zäunen rann eS tropfend herab. Er richtete zu- erst seine Schritte nach R-'quillart, müde, traurig, von dem Verlangen gepackt, unter die Erde zu verschwinden und zu ruhen. Dann aber dachte er an die belgischen Arbeiter, welche diese Nacht einfahren sollten und an die Kameraden, welche entschlossen waren, die Fremden nicht in der Grube ,u dulden. Und von Neuem ging er längs des KanaleS «rch die Tümpel geschmolzenen Schnees. Als er sich unterhalb der Halde befand, schien wieder der Mond. Er hob die Augen und bettachtete den Himmel, an dem die Wolken vorbeijagten, von dem Sturm- wind gepeitscht, der dort oben wehte. Sie kamen schwarz und dicht heran, erbleichten, lösten sich in flockige Fasern und zogen mit blassem Schleier wie trübe» Wasser vorüber, so eilig eine die andere drängend, daß die runde glänzende pomirtfte iteltcvUrfif. „Menn es mit ungerechtfertigten polizeilichen A«f. löjnngen von Versammlungen so fortgeht," klagte die»Freis. Ztg." vor einigen Tagen,„so werdm den neuen Reichstag sehr unerquickliche Wahlprüfungen beschäftigen. In Templin ist eine Versammlung polizeilich aufgelöst worden, in der Herr Wilbrandt- Pisede sprechen sollte. Und warum? Weil ein Konservativer störte und das Publikum dem Störenfried: Raus! raus! zurief. Als die Freisinnigen noch Mit.Hammer waren, fanden sie Sc ungerechtfertigte Auflösungen sozialdemokratischer Versamm» ngen nicht nur kein Wort des Tadel«, sondern billigten sie unter allen Zeichen des Beifalls; jetzt aber, wo sie Ambos geworden, schreien sie auf bei jedem Schlage, der sie trifft. Wir wollen damit nicht sagen, daß sie Unrecht haben, sich zu wehren, wohl aber, daß sie immer eingedenk sein mögen des Umstände«, daß, wer heute im Recht ist, morgen im Unrecht fein kann. Adelige«ud Kurgeriichr. In der preußischen Vermal- tung sind zwar 74 pCt. bürgerliche und 26 pCt. adelige Assessoren. Aber je höher die Charge ist, desto mehr schwinden die Bürgerlichen und machm den Adeligen Platz, bis endlich von den Oberpräsidenten nur 8 pCt. bürgerlich, aber S2 pCt. adelig find. Man erkennt hieraus klar und deutlich, daß die Adeligen— gescheiter sind als die Bürgerlichen. Von den preußischen Landräthen find 56 pCt. adelig. Wenn man nun annimmt, daß auf etwa 500 Bürgerliche ein Adeliger kommt, so ergiebt sich aus dem vorstehenden Verhältniß eine 560fache Bevorzugung des Adels. U erschürfte Gesetze gegen die Trnnlrsucht sind in Vorbereitung. Gegen gewohnheitsmäßige Trinker soll die Maß« regel ber Entmündigung eingeführt werden.— Diese moralische» Absichten find sebr schön, werden aber in der Praxi« doch nur den armen Teufel tteffen, der vom WirthShauS durch die Sttaßen nach Haufe taumelt, während der Bemittelte sich nach wie vor in privaten Räumlichkeiten berauschen oder per Droschke nach Hause gebracht werdm wird. Fürst Bismarck hat diesfalls im Marz 1886 nn Reichstage gesagt:„Ich habe einmal einen Osfizierburschen sagen gehört: Ja, wmn eS dm Herren'mal passirt, dann heißt eS,„sie find heiter gewefm"; und trifft eS unser einen, dann heißt eS:„DaS Schwein ist be- sossm!" Die Frankfurter beschlossm in einer öffmtlichm Ver- sammlung die Gründung einer Arbeiterzeitung, die dm Ramm „Frankfurter Volksstimme" führm soll. Unser tägliches gvot wird immer gesalzmer. Wie man aus der Pfalz berichtet, habm dort die Brotpreise in jüngster Zeit fast überall in den Landortm wie in den Städten wieder eine Steigerung erfahren. Wenn wir die Brotpreise vom De- zember v. I. in Betracht ziehm, so beträgt die Preis steigemng allerwärtS durchschnittlich 12 bis 15 pCt.— Aus Karlsruhe schreibt der„Landesbote":„Die Brotpreise in unserer Stadt haben seit heute einen nicht unbedmtmden Ausschlag erhallm, her fitr hon ITotnon STD*****- crr« r-* _____••»••• w«»«v* v*(mV wwu betroffen worden, zum Theil macht e« einm,»um Thell zwei Pfmnige am Laibe aus. Was ein solcher Ausschlag bedmtet, weiß nur derjenige, welcher zahlreiche Familie besitzt. Der Scheibe in stetem Wechsel hastig verschwand und wieder hervorlugte. Dm Blick noch geblendet von der Helle, neigte Stephan das Haupt zur Halde. Die Schildwache marfchirte dort oben auf und nieder, bald fünfundzwanzig Schritt nach der Seite von MarchimneS, bald wieder zurückkehrend, das Ge- ficht Montsou zugewmdet. DaS Bajonett blitzte hell über dem schwarzm Schatten des Soldatm, der deutlich aus dem blassm Himmel hervorbrach. Doch hinter der Hütte, in welcher sich Bonnemort in Swrmnächtm versteckt hatte, bewegte sich etwas. Mit langem geschmeidigen Rücken sich windend und wendend, schien es zu lauem; Stephan erkannte Jeanlin. Die Wache konnte den Burschm nicht sehen, der ihr wahrscheinlich irgend einen Possen spielen wollte, denn er haßte das Militär, welche» mit seinen Flintm die Mmschen umbringt, wie er sagte. Wolken verdunkelten die Halde. Stephan wollte Jeanlin anrufen, der wie zum Sprunge bereit, sich zusammmgeduckt hatte' doch der Mond glitt wieder hell leuchtend hervor, und der Knabe blieb unbeweglich in seinem Versteck. Bei jedem Marsch kam der Posten bis unmittelbar an daS WachhauS, machte Kehrt und mtfemte sich wieder. Plötzlich, als Serade wieder eine Wolke dm Hügel beschattete, sprang der !nabe wie eine wilde Katze mit mächtigem Satz von hinten auf den Nacken des Soldaten, krollte sich dort fest und stürzte ihm ein Messer in die Gurgel. Der Kragm der Uniform leistete Widerstand; der Bursche hielt die Klinge mit beiden Händen und hing sich mit der ganzen Wucht seines Körpers daran; er hatte oft die Hühner so geschlachtet, welche er den Bauem stahl. Es ging schnell; nur ein erstickter Schrei; das Gewehr fiel klirrmd zu Bodm, wie altes Eism. Schon leuchtete der Mond wieder hell und weiß. Stephan hatte rufen wollen; der Schreck erstarrte dm Schrei in seiner Brust. Die Halde war leer. Er rannte größte Theil der Arbeiterschaft ist sich klar, aus weichen Gründen die Brotvertheuerung veranlaßt ist. Bei der bevorstehenden Reichstagswahlkampagne wird sich Gelegenheit geben, hierauf hinzuweisen und den Wählern zu sagen, wer die Brotver- theuerung herbeigeführt und wer dagegen angekämpft. So ungelegen kommt daher der Aufschlag nicht."— Die ultra- montanen und kartellbrüderlichen Brotvertheurer haben dem Volke allerdings stark in die Taschen gegriffen; wird es durch Schaden klug und läßt es die Brotvertheurer über die Klingt springen, so ist die Belehrung nicht zu theuer erkaust. Die Mriigelstrafe war in einem Artikel der»Kreuz- zeitung" empfohlen worden nicht bloS als Diziplinarstrafe in Zuchthäusern, sondern auch als gerichtliche Strafe für gewisse Vergehen. Der betreffende Artikel der„Kreuzzeitung" kehrte sich insbesondere gegen den Direktor de» Zuchthauses Moabit, Krahne, der in einer Schrift über das Gefängnißwesen sich auch gegen die Anwendung der Prügelstrafe als Disziplinarmittel m Zuchthäusern erklärt hatte. Krahne sendet nun der„Kreuz- zeitung" eine Entgegnung, in welcher er den Standpunkt aus- recht erhält, daß Leibesstrafen, welche lediglich darauf berechnet sind, körperliche Schmerzen zuzufügen, bei dem heutigen Stande der Kultur das Ehrgefühl der Bestraften vernichten, die Strafe zurückführen zu dem unsittlichen und unchristlichen Standpunkt der Rache, für welche im Rechtsleben der zivilifirten Völker kein Raum mehr fein darf. N««e Hinrichtungen in Deutschostafrika werden aus Sansibar gemeldet. Darnach find am Freitag vor den Haupt- anhängern Bufchiri's drei in Bagamoyo hingerichtet worden. Es ist vielleicht bei dieser Gelegenheit nicht unangebracht, an die Ausführungen zu erinnern, mit denen die Londoner„St. James Gazette" die Hinrichtung Buschiris begleitete. Das kon- fervative englische Blatt schreibt:„Deutsche wie Portugiesen halten in ihrem Verkehr mit wilden oder halbgesitteten Völkern militärische Strenge oft für staatsmännische Festigkeit. Früher find wir auch in denselben Fehler verfallen und hatten ihn zu bereuen. Wir haben uns längst bekehrt und find deshalb die einzigen europäischen Kolonisten, welche einigermaßen Erfolg haben bei den Eingeborenen Afrikas." Hamburg, den 20. Dezember. Da die Schneidergehilfen in Berlin zum bevorstehenden Frühjahre in eine Lohnbewegung zu treten beabsichtigen, ist es für diebetheiligten Kreise viellleicht von Interesse, die Meinung der Hamburger Kollegen hierüber zu ver- nehmen. In einer vor kurzem abgehaltenen Versammlung der hiesigen Filiale des deutschen Schneiderverbandes, welchem die übergroße Mehrzahl der hiesigen Schneidergehilfen angehört, wurde auch die Frage erörtert:„Wie verhalten wir uns der zum Frühjahr in Berlin geplanten Lohnbewegung gegenüber?" Sämmtliche Redner waren darin einig, daß die Hamburger Schneider moralisch verpflichtet wären, ihre Berliner Kollegen zu unterstützen. Jedoch zweifelte man an einem günstigen Ausgange einer Arbeitseinstellung in Berlin, da die dortigen Schneidergehilfen noch zu schwach organifirt seien. Es wurde nach Schluß der Debatte folgende Resolution gefaßt:„In Gr- wägung, daß die Schneider Berlins zum kommenden Frühjahr in eine Lohnbewegung eintreten wollen, die Organisation dort aber noch eine sehr schwache ist, glaubt die Filiale Hamburg(des D. Sch.-VZ.) Angesichts der beabsichtigten Lohnforderung noch nicht die völlige Reife für den Lohnkampf bei der Berliner Kollegenschaft anerkennen zu dürfen, um eventuell den Streik aufzunehmen und zu einem günstigen Ende führen zu können; die Filiale Hamburg erachtet es aber als eine Rothwendigkeit und würde es mit der größten Freude begrüßen, wenn die Berliner Kollegen sich der Mehrzahl dem D. Sch.-V. anschlössen, dann würden die Berliner Kollegen auch mit sicherem Erfolge an das Solidaritätsaefühl der Hamburger appelliren dürfen, wenn der Lohnkampf ausbrechen sollte." Der bekannte„Uffartikel", welcker aus der Berlmer„Volks- zeitung" in das„Hamburger Echo" übergegangen war, kann immer nock nicht zur Ruhe gelangen. Bekanntlich war auch gegen den verantwortlichen Redakteur des letztge- nannten Blattes, Herrn C. Stalten, eine Anklage wegen Bis- marckbeleidigung erhoben, der Angeklagte jedoch in erster Ver- Handlung vom hiesigen Landgericht freigesprochen worden. Die darauf hin von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision dieses Urtheils wurde vom Reichsgericht in Leipzig bestätigt und so fand gestern eine neue„Uff"-Verhandlung vor dem hiesigen Landgerichte statt. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 150 M. Der Gerichtshof setzte die Publika- tion des Urtheils bis Montag au«. Der Streik der Hamburger Schiffszimmerer ist noch immer im gleichen Stadium. Die Werftbesitzer versuchten auch in diesem Falle Holländer und Schweden zu importirm; auch find einige Schiffszimmerleute au« Rostock hier eingetroffen. Die Hollander waren zum Theil gar keine SchiffSzimmerleute und mußten sofort wieder entlassen werden. Die Schweden legten die Arbeit, als sie vernahmen, daß es sich hier um einen Streik handele, wieder nieder. Dennoch werden, wie schon gemeldet, die Schiffszimmerleute in ihrem Ausstande einen schweren Stand haben, wenn schon die Sympathie der Mehrzahl der Gewerkschaften auf ihrer Seite ist, da.die Kluft zwischen hinauf, fand Zeanlin auf allen Vieren neben der rücklings mit ausgestreckten Armen auf den Schnee gefallenen Schild- wache. Die rothen Hosen, die graue Mütze hoben sich grell vom Boden ab. Kein Tropfen Blut war geflossen. Das Messer stak noch bis an den Schaft in der Kehle. Mit einem Faustschlag streckte Stephan den Knaben neben sein Opfer: „Warum hast Du das gethan?" Zeanlin raffte sich auf, kroch auf Händen und Füßen heran; fein langer dürrer Leib wand sich wie ein Marder; die großen Ohren, die grün blitzenden Augen, die vorstehen- den Kinnladen, Alles fieberte an ihm. „Um Alles in der Welt, warum hast Du das ge- than?" „Ich weiß nicht, ich hatte Lust dazu." Er fand keine andere Antwort. Seit drei Tagen quälte ihn die Begierde, einen Soldaten zu tödten; er hatte Tag und Nacht nichts anderes gedacht, bis ihm der Kopf davon schmerzte. Und war denn etwas Böses dabei, wenn er einen von diesen Schurken umbrachte, welche die Kohlenleute mit ihren Gewehren bewachten? Von den heftigen Reden im Walde, von den Rufen auf der Landstraße, damals, als die Dreitausend von Grube zu Grube stürmten, waren em paar Worte in seinem Gedächtniß geblieben, die er, wie em Kmd, das Revolution spielt, wiederholte. Weiter wußte er mchts vorzubringen. Niemand hatte ihn zu der That angestlftet, das Gelüst darnach war ihm ganz natürlich gekommen, ganz von selbst; so wie ihn zuweilen daS Verlangen ergriff, auf den Feldern von Montsou Zwiebeln zu stehlen. Das Keimen des Verbrechens in diesem jungen Hirn entsetzte Stephan, und wie man ein böses Thier verjagt, welches nicht weiß, was e» thut, verscheuchte er ihn mit einem Fuß- tritt. Doch er fürchtete, daß der Posten deS Voreux den Schrei des Ermordeten gehört haben mochte, und jedes Mal, wenn der Mond leuchtete, warf er spähende Blicke nach der Grube hinüber. Aber nichts rührte sich. Er ergriff dre er- starrenden Hände des Soldaten und horchte, ob da» Herz noch schlage; e» schlug nicht mehr. AuS der Kehle starrte der knöcherne Griff deS Messer» mit der schwarzen Inschrift: „AuS Liebe". ihnen und dem Werftarbeiterverband vorläufig unüberbrückbar scheint. Die AnSsperrung der hiesigen Former, welche jetzt bereit« ins zweite Jahr sich hineinzieht, dauert unverändert fort. Die hiesigen Former hoffen immer noch, daß im nächsten Früh- jähre der Arbeitsnachweis der Eiseninduftriellen hier am Platze, ver auf die Arbeiter eine Art Terrorismus ausübt und es un« möglich macht, daß sogenannte Rädelsführer in der Gewerk- fchafts- und der Arbeiterbewegung überhaupt in Arbeit kommen, durch ein einmüthigeS Vorgehen fämmtlicher Metall- arbeiter wieder au« der Welt geschafft wird. Ob sich diese Erwartung erfüllt, muß die Zeit lehren; wenn nicht, dann find sämmtliche Former, welche bis jetzt noch unterstützt werden, entschloffen, Hamburg den Rücken zu kehren. Die Sperre über die hiesigen, den Arbeitern feindlichen Gießereien wird jedoch auch dann aufrecht erhalten und von den jetzt gut oraanisirten Formern Deutschland« auch durchgeführt werden. Diese Be- schlüsse wurden in einer kürzlich hier abgehaltenen Former- Versammlung gefaßt, wo auch zugleich auf die Opfermuthigkeit der Former Berlins hingewiesen wurde, welche bis jetzt bereits 17 000 M. an UnterstützungSgeldera hierher sandten. Großbritannie«. Der englische Nationalökonom Rod. Griffen hat am 17. Dezember vor der königlich statistischen Gesellschaft in London einen Vortrag über da« Anwachsen de« Kapitals im Vereinigten Königreich gehalten. Nach des Vortragenden An- gaben flieg das Kapital in den Jahren 1865 bis 1875 von 6 1 13 000 000 Pfd. Sterl.(122 260 000 000 M.) auf 8 543 000 000 Pfd. Sterl.(170860000000 M.). In dem folgenden Jahr- zehnt bis 1885 war die Zunahme weniger schnell, stieg aber demohngeachtet auf 10 037 000 000 Pfd. Sterl.(200 740 000 000 Mark). Nicht minder charakteristisch für unsere jetzigen Erwerbs- Verhältnisse und der au« ihnen folgenden Sichanhäufung de« Kapitals in wenigen Händen, ist die seit 1822 stetig zunehmende Summe der in den Sparkassen Englands niedergelegten Gel- der. Sie betrug in dem genannten Jahre 120 Pfd. Sterl. (2400 M.) auf den Kopf der Bevölkerung; 1845 143 Pfd. St. (2860 M.), 1865 200 Pfd. Sterl.(4000 M.), 1875 260 Pfd. Sterl.(5200 M.), 1885 270 Pfd. Sterl(5400 M.). Berechnet man die Zinsen diese« riesigen Kapitals zu 4 pCt., so ergiebt diese« 10 Pfd. Sterl.(200 M.) jährlich per Kopf der Bevöl- kerung oder 51 Pfd. Sterl.(1020 M.) für die Familie von fünf Personen. Wäre das englische Kapital gleichmäßig an alle Familien vertheilt, so hätte jede derselben eine Zinseneinnahme von 1 Pfd. Sterl.(20 M.) per Woche, d. h. es würde keine Familie in England geben, in der von emem Mangel der nöthigsten Lebensbedürfnisse die Rede fein könnte, da man in Betracht ziehen muß, daß neben dem angegebenen Zinsgenusse durch Arbeitsertrag eine noch eben so große Summe erworben werden würde. Den hier angegebenen KapitalSverhältniffen England« Bleichen so ziemlich diejenigen aller Staaten, in welchen die Industrie zu hoher Entwickelung gelangt ist. Ein allgemeiner Wohlstand würde in allen diesen Staaten herrschen, wenn die Kapital-Anhäufung hier wieder verhindert würde. Einem solchen Verlangen wird allerding» die Behauptung entgegmge- stellt werden, daß dann große Unternehmungen unmöglich seien. Das Irrige einer solchen Behauptung leuchtet sofort ein, wenn man den Antheil berechnet, den jede ein- zelne Familie Deutschlands zu zahlen haben würde, um ern Kapital von 20000000 Mark»u einem gemeinnützigen Unternehmen aufzubringen. Deutschland hat jetzt ungefähr 40 000000 Einwohner, die Familie, wie vorstehend zu 5 Personen angenommen, ergiebt 8 000 000. Es würde also jede Familie, um die Summe von 20 000 000 M. aufzubringen, eine Beisteuer von 2,50 Mark zu zahlen haben, die auf 2 Wochen vertheilt, bei allgemeinem Wohlstände ein Leichtes wäre. Wenn man solche Betrachtung und Berechnung aufstellt, so muß die Gewißheit, daß unsere sozialen Verhältnisse so ge- staltet werden können, um jedes Elend zu beseitigen, dahin führen, daß der Zeitpunkt in nicht zu weiter Ferne liege, in welchem ein so große« Reformwerk durchgeführt fein wird, zum Hrile der Menschheit. Frattkreich. Die französischen Sozialdemokraten werden zu dem halben Dutzend Wochenoraanen, welche sie bereits haben, in nächster Zeit auch ein taglich erscheinende« Blatt bekommen, dessen Redaktion JuleS GueSde über- nehmen wird. Der Boden ist jetzt in Frankreich so günstig, daß dem neuen Organ wohl auch ein den Fortdestand sichern- der Abonnentenkreis in Aussicht gestellt werden kann.— Die sozialdemokratische Kammergruppe hat GueSde, der bei der Wahl bekanntlich durchfiel, zu ihrem Sekretär ge- macht— der beste B-wei«, daß sie scharf und prinzipiengerecht vorzugehen entschlossen ist. Mehrere ftanzöfische Arbeiterorganisationen, die auf dem Pariser Kongreß nicht vertreten waren, haben zu der Frage deS Achtstundentages schon Stellung genommen und ihr Einver- Er sah dem tobten Mann ins Gesicht und erkannte ihn: es war Julius, der Rekrut, mit dem er eines MorqenS ge- plaudert. Tiefes Mitleid ergriff ihn, wie er in diese mit Sommersprosien besäeten, milden Züge schaute, darau» die blauen, weit geöffneten Augen in den Himmel schaute«, mit demselben stieren Blick, mit welchem er damals am Horizont feine ferne Heimath gesucht. Wo mochte dieses Plogof liegen, von dem der kleine Soldat gesprochen? Weit, sehr weit! DaS Meer heult vielleicht; derselbe Wind, der hier oben die Wolken jagt, mag dort über die Steppe rasen. Zwei Frauen stehen vor'm Hause, die Mutter und die Schwester; sie halten ihre Haube, die der Sturm zerrt, und blicken ins Weite, als wollten sie sehen, waS ihr Julius wohl in dieser Stunde machte? O, sie werden lange auf ihn warten!... Welch' ein entsetzliches Ding, wenn die armen Leute sich für die Reichen untereinander erwürgen. Man mußte die Leiche bei Seite schaffen. Stephan dachte zuerst daran, sie in den Kanal zu werfen; doch sie würde gefunden werden. Ihm wurde sehr bang zu Muthe; jede Minute konnte man sie entdecken. Was thun? Ihm fiel der Requillart ein; dort könnten sie den Tobten für immer verstecken! „Komm hierher!" rief er Zeanlin zu. Der Zunge fürchtete sich. „Nein, Du willst mich schlagen; auch Hab' ich keine Zeit, gute Nacht!" Er hatte Bebert und Lydia versprochen, sie bei einem Loche in den Holzvorräthen de» Voreux zu treffe«: dort wollten sie die Nacht zubringen, um am Morgen dabei zu sein, wen« die Belgier bei der Einfahrt mit Steinwürfen maffakrirt würden. „Höre," drohte Stephan,„wenn Du nicht auf der Stelle herkommst, rufe ich die Soldaten, damit sie Dir den Kopf abschneiden." Während Zeanlin sich näherte, umwickelte er den Hals der tobten Schildwache mit seinem Taschentuch, damit das Messer nicht auS der Wunde falle und kein Blut heraustropfe. Der Schnee schmolz mehr und mehr, weder Blut noch Fuß- spuren verriethen daS Verbreche«. „Nimm die Beine!" ständniß mit den Kongreßbeschlüssen erklärt. Der 1. Mai 1800 wird unzweifelhaft auch da« französische Proletariat aus dem Posten finden. Holland. Amsterdam, IS. Dezember. In der zweiten Kammer wurde die Amtsführung des Finanzministers Gobi« de Beau- fort einer sehr scharfen Kritik unterzogen, wobei sich namentlich Domela Nieuwenhui«, der einzige Sozialdemokrat in der Kammer, bemerkbar machte. Thatsache ist es, daß der Finanz- minister nicht eine einzige der auf ihn bei seinem Auftreten gesetzten Hoffnungen erfüllt hat, es bleibt beim alten Schlendrian und jdie Steuerzahler beginnen nachgrabe einzusehen, daß sie von der ultramontanen und orthodoxen Presse zum Besten gehalten worden find, als diese ihnen vor den Kammer« ahlen goldene Berge vorgespiegelt haben. Italie«. Rom, 21. Dezember. Die wegen Bombenwerfen« auf dem Colonna- Platze am 18. August d. I. Angeklagten Frattini und Pallotta wurden infolge de« von den Geschworenen ab- gegebenen Verdiktes, ersterer zu 15 I ihren Zwangsarbeit, letzterer zu 3 Jahren Gefängniß verurtheilt. Als der Staats- anwalt zwanziajährige Zwangsarbeit beantragte, rief Frattini: „Es lebe die Anarchie." Amerika. Rio de Janeiro, 22. Dezember.(Telegramm des„Reuter- schen Bureau'«.) Em gestern veröffentlichter Erlaß der provisorischen Regiemna setzt die allgemeinen Wahlen auf den 15. September l. I. und den Zusammentritt der konstituiren« den Versammlung auf den 15. Novbr. k. I. fest. Der Erlaß verhängt ferner dre Verbannung über den Kaiser Dom Pedro und seine Familie, sowie über den ehemaligen Premierminister Ouro Preto und dessen Bruder Carlos Alkonso; der Gouverneur von Rio Grande do Sul, Srlveira Martins soll deportirt werden; endlich wird die dem Kaiser gewährte Summe von 5 Millionen Milreis zurückgezogen und dessen jährliche Pension suSpmdirt. Glderfelder Elberfeld, 19. Dezember. 23. Tag der Verhandlung. Schluß der Rede des Staatsanwalts Herrn Pinoff. Nachdem der Staatsanwalt seine Ansicht über„Verbm- dung",„Partei" und„Organisation" ausgeführt, geht er zur Geschichte der Entwicklung der Arbeiterpartei über. Da« So- zialistengesetz zerstörte die vi« dahin bestehenden Organisationen. Bald darauf entstand der„Sozialdemokrat". Man hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß ein Blatt, wie e« der Partei er« wünscht war, unter der Herrschaft de« Sozialistengesetzes in Deutschland nicht würde existiren können und man hatte des« halb die Redaktion und Erpedition nach Zürich verlegt. Es ist von den Angeklagten, speziell von Seiten des Abg. Bebel, der Wunsch geltend gemacht worden, da» Verhältniß zum „Sozialdemokrat" klarzustellen, als wäre da« Blatt eint der Partei m Deutschland feindliche Macht, die sie von sich ab- schütteln möchten, die bei jeder Gelegenheit die Parteileitung zu verleumden suchte. ES ist von Bebel wiederholt gesagt worden, daß, so lange der„Sozialdemokrat" offizielle« Parteiorgan war, eine starke Gegnersdrnft zu Tage trat. Bezeichnend ist e«, wie der„Soz." sich ankündigt. Verlag und Redaktion wenden sich gleich mit einem Aufruf an die Partei- genossen aller Länder, in welchem auf die innige Verbindung mit der Parteileitung und den berufenen Vertrauensmännern der Partei Bezug genommen wird, daß das Blalt festhalte an dem Gothaer Programm, und an dem revolutionären Charakter der Partei. Das Blatt sei nicht als ein gewöhnliches Partei- unternehmen anzusehen, sondern als Zentralorgan der Partei. Das Abonnement und die weitere Verbreitung müsse von jedem Genossen gefordert werden. Wir finden sodann in der ersten Nummer des Blatte« eine Veröffentlichung de« Rechenschaft«- bericht« der sozialdemokratischen Mitglieder de« Reichstage«, in welchem es heißt, die private Organisation, die an Stelle der öffentlichen trat, stehe über dem Gesetze; da« Zusammenwirken Aller sei dringend nothwendig. Hierin ist schon die erst« schüchterne und bescheidene Andeutung, daß es zu einer geheimen Organisation kommen müßte, enthalten. Redner stützt sich bei diesen Ausführungen auf fernere« Ver« lesen einiger Artikel au« verschiedenen Nummern de«„So». und stützt dann auf diese Ausführungen die weiteren Eirbe- rufungen der Kongresse, die ebenfalls geheim abgehalten morde« seien. Die Anklage erachtet auf Grund der HeweiSausnahwe für erwiesen, da« sich innerhalb des Deutschen Reiche« eine allgemeine nach§§ 128 und 129 de« Slr.-G.-B. strafbare Verbindung nach den Kongreßbeschlüssen zu Wyden un« Kopenhagen und dem infolge der Kongreßbeschlüsse zu Wnd möglich, daß derselbe von einer oder zwei Personen wahrge- nommen werden kann. ES muß ein erheblicher VerwaltungS- apparat dazu gehören, um das Geld ordnungsmäßig an»u- legen, über die richtige Verwendung zu wachen und die richtige Rechnung und Rechenschaft zu legen. Auch dieser Um- stand zwingt zu der Annahme, daß eine Organisation zur Ver- waltung und Verwendung der Gelder, daß eine Verbindung innerhalb der sozialdemokratischen Partei besteht. Wie durch die Ausweisungsbegründung des schweizerischen Bundesraths festgestellt ist, werden die Ueberschüsse des«Soz." zu Agitation»- »wecken und zu Parteifonds nach Deutschland abgeführt, und es ist z. B. auch der Erlös de««Rothen Teufel" fozialdemo- krati'chen Wahlpropagandazwecken zugeflossen. Es besteht ein vollständiger Zirkel, ein vollständiges Jnemanderfließen beider Verbindungen, wenn man eine Verbindung, ausgehend vom «Soz." und eine solche ausgehend von de Fraktion, Heide von einander getrennt, annehmen wollte. Beide find aber m Wirk- lichkeit nur eine Verbindung. Abg. Bebel ist Kasfirer der Fraktionesonds und als solcher Vorsteher einer allgemeinen Verbindung. Die Mittel, au» denen sich seine Kasse zusammen- setzt, fließen au» den ungesetzlichen Mitteln der Verbreitung verbotener Druckschriften, der Sammlung von Geldern an allen Orten. Gerade die von der Parteileitung al» wesent- liche Mittel zur Umgehung de« Sozialistengesetzes veran- stalteten Sammlungen an jedem Orte, namentlich auch die Verbreitung verbotener Deg/schnften sind es, welche die Kasse des Angeklagten Bebel füllen, und er ist in hervorragender Weise thätig, indem er den au» ungesetzlichen Mitteln zu- fließenden Nutzen der Partei wiederum dienstbar macht. Für die allgemeine Verbindung sprechen ferner hie Uebungen der ParteidrSziplin durch die Bestellung von Schiedsgerichten»ur Schlichtung von Streitigkeiten, die Führung der schwarzen Liste und endlich die Entziehung de« Vertrauen» bezw. de» Aus- fchlusse« bei einzelnen FraktronSmitgliedern, also die Anmaßung eines Disziplinarrechts durch die Kongresse. Wo keine Organisation besteht, wo Staatsbürger, die nebeneinander, ohne sich etwas anzugehen, und ohne in irgend einer Verbindung zu einander zu stehen, hergehen, find keine Schiedsgerichte u. f. w. nöthig, und man wird fie nicht einführen. Die Einrichtung von Schiedsgerichten zwingt aber zu der Annahme, daß der Einzelne sich einem Gesammtwillen unterordnet. Staatsanwalt Pinoff berührt sodann noch diejenigen Um- stände, welche darthun, daß die von der Anklage angenommene allgemeine Verbindung staatSgefährliche Endzwecke verfolge und geht noch näher darauf ein, daß die Verbindung eine ge- Heime sei. Sodann wendet er sich zu den örtlichen Verwaltungen im Landgerichtsbezirk Elberfeld und hält das Vorhandensten einer geheimen Verbindung in Elberfeld und Barmen zur Evidenz erwiesen. Er führt im Einzelnen die für die Anklage sprechen- den Umstände und Beweise an und hebt hervor, daß die Polizei e» für richtig erachtet hat, die sozialdemokratische Bewegung einen längeren Zeitraum hindurch zu überwachen und zu beob- achten, obne einzuschreiten, um da« Beweismaterial für eine geheime Verbindung zu Stande zu bringen. Er berührt auch die Stellung der«Freien Presse" zu der behaupteten Verbm- düng. Die Veweisaufnahme habe ergeben, daß die«Freie stresse" von Anfang an ein Unternehmen der örtlich m Organi- otion Bannen-Elberfeld gewesen und geblieben sei, daß fie päter sogar aus der Unterstützung der örtlichen Organisation Kraus in diejenige der allgemeinen Verbindung hineinge- ahren. 24. Tag der Verhandlung. Nach Eröffnung der Sitzung erhält das Wort Staats- anmalt Pin off zur Forlsetzung der Begründung der Anklage. � Staatsanwalt Pin off: Ich habe gestem den Nachwe� geführt, daß eine allgemeine Verbindung innerhalb derSozial- demokratie besteht. Zu deren Zwecken geHort auch d,e Verbreitung von Druckschriften. Ich verweise auf die mossenhaste ■Versendung von Packeten au» Rendsburg, auf die Thatrgkert de« Wörlein'schen Verlags und insbesondere auf daS hin ver- lesene Schreiben Oertel», da» bei dem Prozeß Saß und Ge- "offen zum Vorschein kam. Der Abgeordnete Schumacher hat Zugegeben, eine Anzahl Kongreßprotokolle erhalten und den �'°S an Bebel abgeliefert zu haben. Bebel hat auch zuge- .....-■' den Unterstutzungssond« speziell die in Barmen und in den von der Parteileitung fie Dmckschriften verbreiteten k w,_____ ff offen"' baß solche Beträge in a,, Die örtlichen Verwaltungen, soerfeld, bewegten sich genau „".gdnchneten Bahnen, indem o Sammlungen veranstalteten. j. Ich resümire: Die Beweisaufnahme hat da» Bestehen einer ?ug«neinen Verbindung ergeben. Parteistreiligkeiten werden Schiedsgerichte geschlichtet, die Disziplin durch die ffifoorze Liste gehandhabt und die Anweisung zur Verwendung okaler Mittel gegeben. Wenn ein Kassirer, wie Bebel, so n or Fond« zu verwalten hat, so muß hinter ihm eine Organisation stehen. Es ist der Beweis geführt, daß der �rio« der Druckschriften zur Füllung der Verbindungsfonds rent. Unter der Führung der Parteivertretung besteht diese jwbmdung und Bebel als Kassirer gehört zu deren Vor- Uarn. Die Erklärung der Fraktion von 1886 ist im zweiten ,, 0ou belastend, denn sie enthält eine zwingende Aufforderung ��»v eiteren Abonnement auf den«Soz." und die Broschüren- r, Ebenso charakterifiren sich die Aufforderungen zu Samm- »"ksen, zur Theilnahme am Kongreß-c. Sie zwingen zu der Zunahme, daß die Unterzeichner Vorsteher der allgemeinen Ver- �.ung find, namentlich die Angeklagten, die Mitglieder der find. Im Freiberger Prozeß ist allerding« ge- �t worden, es bestehe keine feste Organisation, sondern die ?l°"�.werde nur durch ein geistiges Band zusammengehalten. m'fi'bon einer festen Organisation ist aber hier erwiesen. oe Begriff«Vertrauensmann" ist ein fester und bedeutet erneu Funktionär der Organisation. Die örtlichen Ocgani sationen find nur Geschöpfe und Werzeuge der allgemeinen Verbindung. Die Ausübung von Funktionen innerhalb einer Organl sation, die Verbreitung von Schriften, die Vornahme von Sammlungen beweisen die Förderung der VerbindungSzwecke. Die thatkräftigste Förderung ist die durch Geld; wir würden den, der Beiträge zahlt, als Mitglied der Verbindung be- trachten müssen. Wenn an Stelle der Beitragszahlung der be- wußte Ankauf von Druckschriften tritt, so ist da« auch ein Be- weis für die Theilnahme. Der Vertrieb von Druckschriften wird nicht nur zur Agitation, sondern auch zm Füllung der Parteifonds systematisch betrieben. Die Beweisaufnahme drängt darauf hin, daß da« Strafe maß kein geringes sein kann. Die Verbindung ist eine Form der internationalen Sozialdemokratie, bestimmt zum Umsturz de« Staates. Gerade Elberfeld ist der Boden, wo der Plan zu einem teuflischen Attentat reifte. Anarchismus und Sozialdemokratie find gleiche Fäden, nur von einer an- deren Nummer. Wir haben gehört, daß der Angeklagte Gustav Finke sich über da« entsetzliche Attentat(Niederwald- Attentat) in so zynischer Weise äußerte, daß thatsächlich kein Unterschied zwischen dem Thäter und dem Beurtheiler besteht. Wenn dar- auf hingewiesen wird, daß der Zeuge Müller den Angeklagten Finke hasse, so muß ich sagen, wenn nicht Haß und Rache die Zeugen vor Gericht führten, würden wir blutwenig er- Mitteln. Ein geringe« Strafmaß kann auch nicht in Anwendung kommen, weil es Jahre lang gelungen ist, die Behörden zu täuschen. Adolph ist der Verbreitung von Druckschriften überführt und ich beantrage 1 Monat Gefängniß. Barthel war Verbreiter von Druckschriften; e« wurden mehrere Exemplare gleicher Schriften bei ihm gefunden; an ihn gelangte ein Rendsburger Packet. Er war Vorfitzender des Elberfelder Komitees, doch betrachte ich ihn nicht als Vorsteher, da örtliche Organisationen nur Glieder der allgemeinen Ver» bindung find. Ich beantrage 1 Jahr Gefängniß. Becher erhielt ebenfalls ein Rendsburger Packet. Et unterliegt keinem Zweifel, daß diese Packete von der Erpedi tion des.Sozialdemokrat" ausgehen. Ich beankage 4 Monate Gefängniß. Reichstagsabgeordneter Bebel hat sich nur für das zu verantworten, was 1886 geschah. Er ist Vorsteher der allge- meinen Verbindung und hat sich da« Freiberger Urtheil nicht zur Warnung dienen lassen. Ich beantrage 1 Jahr 3 Monate Gefängniß. Berend war Verbreiter de««Gedenkblattes" und durch Erwerb von Druckschriften Theilnehmer der Verbindung. Ich beantrage 3 Monate. Bertram ist Theilnehmer an der planmäßigen Verbrei- tung des Flugblattes„An die Wähler Deutschlands". Mein Antrag ist 3 Monate Gefängniß. Bierenfeld war Vertrauensmann der Verbindung Barmen und deren Vertreter auf dem Kongreß in St. Gallen. Er hat den«Soz." verbreitet, wie durch Zeugenaussagen erwiesen, ebenso da««Glaubensbekenntniß". Bei ihm wurden Listen ge- funden. Ich beantrage als Gesammtstrafe gegen ihn 9 Monate Gefängniß. Bleib treu ist Theilnehmer an der Verbindung: ich beantrage 6 Monate. B o l l m u ß hat Flugblätter verbreitet; ich beantrage drei Monate. BongartS war Verbreiter von Druckschriften; mein Antrag lautet auf 3 Monate Gefängniß. Breuer ist eifriger Sozialdemokrat und verbreitet ver« botene Druckschnften. Ich beantrage 6 Monate Gefängniß. Brodersen ist Vertrauensmann und Verbreiter von Druckschriften; Antrag 6 Monate Gefängniß. Bube nz er ist ein bervorragender Vertrauensmann; ich beantrage 6 Monate Gefängniß. Busch ist Verbreiter von Druckschriften; mein Antrag geht auf 3 Monate Gefängniß. Corde« hat an Versammlungen Theil genommen, auch in Blankenstein, und den«Sozialdemokrat" bezogen; ich bean- trage 3 Monate. Cramer hatte verbotene Druckschriften und ist ein Führer der Sozialdemokratie. An ihn wurde ein Rendsburger Packet gesandt. Antrag 6 Monate Gefängniß. D a st i g ist steizusprechen. v. E ck e r n ist Theilnehmer an der Verbindung; Antrag 3 Monate Gefängniß. Emil E« p l ö r hatte Druckschriften und nahm an ge- Heimen Versammlungen Theil. Bei ihm wurde der«Rothe Teufel" gesehen. Er war Theilnehmer der Verbindung. An- trag 3 Monate Gefängniß. Emil Finke ist freizusprechen. Gustav Finke hatte Druckschriften verbreitet, war her- vorragendes Mitglied der Verbindung, auch des Lokalkomi- tees. Er hat durchaus anarchistische Gesinnungen geäußert und bei sich geheime Versammlungen abgehalten. Er war Abonnent des«So,." und hat ihn verbreitet, auch da««Glaubensbe- kenntniß". Er war Emvfänger von Kisten mit Flugblättern. Femer ist er der Majestätsbeleidigung überführt. Antrag 1 Jahr und 2 Jahre Gefängniß, zusammenzuziehen in eine Gefammt- strafe von 2i Jahren. Wilhelm Finke erhielt dm«Soz." und verbreitete ihn. Antrag 3 Monate. Flach hat Druckschriftm empfangen. Er ist Theilnehmer an der Verbindung. Antrag 3 Monate. Gerstenberger hat verschiedene Dmckschriften in mehreren Exemplaren, war Verbreiter und Theilnehmer an der Verbindung. Antrag 3 Monate. G e st e r war Theilnehmer an der Verbindung; Antrag 6 Monate. G e w e h r ist freizusprechen. Reichstagsabgeordneter Grillenberger ist im Allgemeinen der gleichen Vergehen schuldig, wie Bebel. Er hat sämmtliche Aufmfe unterzeichnet und in hemorragmder Weise die VerbindungSzwecke gefördert durch massenhaften Vertrieb von Druckschriften. Er ist verantwortlich für die Ver- breitung de« St. Gallener Protokoll»; Oertel hat lediglich in feinem Auftrag gehandelt. Gerade durch diese Druckschrift find große Beträge für dm Parteifonds erzielt worden. Ich bean- trage gegen ihn als Vorsteher 1 Jahr Gefängniß. Ärimpe kam vor einem Jahr hierher. Er ist Partei- beamter ebensowohl wie sein Vorgänger Jmp; die«Fr. Presse" ist Parteiorgan. Griwpe ist e« gelungen, au« dem allgemeinen Verbindunasfond« Gelder zu erhalten. Er hat das Flug- blatt«Mahnwort" gebrückt oder für den Druck Sorge getragen. Ich bin überzeugt, daß auch das«Gedmkblatt" bei ihm ge« dmckt wurde; die Thatfachm habm die Mittheilungm der Polizei bestätigt. Auch die Aussagen des schonend und rücksichtsvoll gefragten Knaben Pfeiffer sprechen dafür. Daß es nicht in Hottingen-Zürich gedruckt wurde, ergiebt sich daraus, daß«Dt. Brandtner" ein Exemplar für da« Parteiarchiv ver- langte. Ich kann nicht dm Nachweis führen, daß Grimpe da« Flugblatt gedruckt hat, aber er kann e« m einer Nachbarofftzin oben drucken lassen. Jedenfalls hat er dm Druck besorgt. Krimpe war im Besitz vieler verbotener Dmckschriften. Er hat die VerbindungSzwecke thätig gefördert. Ich beantrage S Monate. Haase war Theilnehmer an Versammlungm. Antrag 6 Wochm. Hahn hat bei der Verbreitung von Flugblättem geholfen. Antrag 3 Monate. ReichStagSabaeordneter H a'r m ist als Mitglied der Partei- Vertretung Vorsteher der Verbindung. Die Angaben Röllmg- hoffs wegen des Abonnementsgeldes für dm«Sozialdemokrat" wurdm bestätigt. Harm hat die«Freie Presse" gegründet und an dem allgemeinm Unterstützungsfonds partizipirt. Er hat die Streichung von Mann und Lerverku« aus der«schwarzen Liste" bei der Fraktion beantragt und Deckadressen für dm «Soz." ausgegeben. Er hat dm Kongreß in St. Gallen mit einberufen und besucht. Er hat sein gesetzwidrige« Verhalten eingesehen, wie au« dem Brief an Kaltenbach hemorgeht. An- trag 1 Jahr Gefängniß. Hagedorn war Empfänger eine« RmdSburger Packet«; sein Name stand auf Schumacher« Liste. Antrag 6 Monate. Hol ist Verbreiter von Dmckschriften: Antrag 4 Monate. Hohnsbehn steht in dem gleichen Verhältniß; Antrag 4 Monate. Horeyfeck hat ein RmdSburger Packet erhaltm. Antrag 6 Wochm. Hüttenberger hatte eine Menge verbotmer Druck« fchriften; er ist Kasfirer der örtlichm Venvaliung Elberfeld und hat sich an geheimm Versammlungm betheiligt. Er will allerdings nur dem Spion Wimmers eine Falle gestellt haben. Die« ist aber unwahrscheinlich, da sonst der Polizei- beamte nicht unbehelligt gebliebm wäre. Antrag 9 Monate Gefängniß. Jeup war Angestellter der örtlichm Organisation; bei ihm wurde der«Soz." und andere Schriftm vorgefundm. Antrag 3 Monate. Jserloh ist Mitglied der allgemeinen Verbindung, da« geht aus bei ihm gefundenen Notizen und der Abfühmug von Sammelgeldem an Harm hervor. Antrag 6 Monat, da er Führer der Lüdenscheider Verbindung ist. Kaiser hatte verbotene Schriften und stand m Verbin- dung mit Ronsdorf. Er ist Führer der Sozialdemokratie in Neviges. An ihn kam der«Soz." in vier Exemplarm; sein Name wurde in einem Schreibm Wille'« an Lehmann erwähnt. Er ist Verbreiter de«„Soz." und Theilnehmer an der Ver- bindung. Antrag 3 Monate. K ö s s e r war Mitglied des Lokalkomitees und im Besitz verbotener Schriften. Antrag 6 Monate. Köster hat Gelder gesammelt und an Thielmann abge« liefert. Antrag 6 Monate. Kolbe, genannt Hülle war bis 1887 bevollmächtigter Vertrauensmann; es ist erwiesen, daß er mit Zürich korrespon« bitte und Gelder hinschickte. Antrag 6 Monate. KowakowSki ist Mitglied de« Lokalkomitees Elber- feld und hat geheimm Versammlungm angewohnt; die« wird bestätigt durch Bleckmanns Zeugniß. Er war im Befitze vieler Schriften. Antrag 6 Monate. Küpper war Kassirer in Barmen; er hat in der Vor- Untersuchung eingestandm, gesammelt zu haben. Er war be- vollmächtigter Vertrauensmann in Barmen und ist e« noch, das beweist da« Stichwort«Sperber". Mit Rückficht auf die hervorragmde Thätigkeit KLpper'S beantrage ich 1 Jahr Gefängniß. Langohr war im Besitz verbotener Druckschriftm und hat an geheimm Sitzungm Theil genommm. Antrag drei Monate. Lehrmann erhielt em RmdSburger Packet und war Theilnehmer an der allgemeinen Verbindung. Antrag vier Monate. L e m m e r war Theilnehmer an der Verbindung. Monate. Antrag Leverberg war im Besitz von Bebels«Frau", de» Kongreßberichts und stand mit Hüttmberger und Hülle in Ver- bindung. Er sandte Geld nach Zürich und war VerbindungS- mitglieo. Antrag 3 Monate. Löwenstein ist infofem m der Untersuchung wichtig, als bei einer Haussuchung bei ihm der Zettel mit der Adresse «Thekla Eisele" gesunden wurde und dadurch die Polizei auf die Spur der Verbindung kam. Er hat mit der Redaktion und Erpedition de««So»." in Korrespondenz aestandm, theil« als Abonnmt, theil« als Menschenfreund. Er war Theilnehmer her allgemeinm Verbindung. Antrag 6 Monate. L o o s e ist freizusprechen. L oze n z ist Empfänger eine« RmdSburger Packeis. Antrag 4 Monate. Marschall hielt bei sich geheime Zusammenkünfte mit ESplör und Anderen ab. Er ist Mitglied der Verbindung. Antrag 3 Monate. Meist nahm am Kongreß in St. Gallen Theil; er dürfte also Mitglied der Verbindung sein. Die sozialistischen Kongresse unterscheiden sich wesmtlich von Kongressen anderer Parteim. Die Delegirtm wurdm in ungesetzlicher, heimlicher Weise ge- wählt. Meist betreibt die sozialistische Agitation auf feinen Geschäftsreisen gewohnheitsmäßig. Antrag 4 Monate. Menzel hat das«Gedmkblatt" verbreitet. Antrag 3 Monate. Mohrhenn war 1883 und 84 bevollmächtigter Vertrauensmann in Barmen. Er erhielt einen Brief von Bebel bezüglich eine« Kongresses. Mohrhmn hat nach meiner Anficht auch«Barmen-Mi." auf die«schwarze Liste" geschrieben. Er unterhält Verbindung mit der Fraktion, bezw. Bebel. Durch dm Besitz verbotmer Druckschriften und Andere« ist er der Theilnahme an der geheimm Verbindung überführt. Antrag 6 Monate. Müller ist bevollmächtigter Vertrauensmann und Mit- glied des Lokalkomitees, femer Theilnehmer de« St. Gallmer Kongresses. Er hat an geheimm Versammlungen sich be- theiligt und ist hemorragmdeS Mitglied der Verbindung. An- trag 1 Jahr. Neumann ist Berliner Ausgewiesmer, ein HemorragmdeS Mitglied der Verbindung und Mitglied der Preßkommisfion. Antrag 9 Monate. Er hat auch bei Flugschriftmverbreiiung Hilfe geleistet. Nielsen ist Empfänger eines RmdSburger Packet«. An- trag 4 Monate. Nieß ist Verbreiter de««Sozialdemokrat" und gehört zu den Personm, die fortgesetzt Druckschriften verbreiten. Antrag Monate. Oertel fördert als Gehilfe Grillmberaer« die alli meinen Verbindungszwecke und ist hervorragend thätig. A trag 6 Monate. Pfeiffer ist Verbreiter de««Sozialdemokrat". Antrag Monate. Piepenbrink verbreitete Flugblätter. Antrag 3 Monate. Pfüller erhielt ein RmdSburger Packet. Antrag Monate. Reinsdorf ist örtlicher Korrefpondmt der Verbindung Düsseldorf und erhielt von Wind geheime Tinte, die bei ihm gesundm wurde. Er verbreitete em Flugblatt. Antrag 6 Monate. Rendel verbreitete Flugblätter und war Vertrauensmann; Antrag 6 Monate. R L l l i n ah o f f war aeständigermaßm VertraumSmann in Barmm. Er hat die Korrespondenz mit Zürich mittelst geheimer Tinte geführt und an Harm Abonnementsgelder für dm«Soz." abgeliefert. An geheimm Versammlungm hat er. Theil genommen. Da fern au« Haß und Rache hemor- gegangene« Geständnis, nicht strafmildernd wirkm kann, be- antrage ich 9 Monate. Sachse war Vertrauensmann und hat Flugblätter ver- breitet und Sammlungm veranstaltet. Antrag 6 Monate. S alzb er a hatte verbotene Druckschriften und ist ein hervorragmde« Mitglied der örtlichm Verwaltung Barmm. Bei ihm wurde eme Deckadresse nach Zürich gefunden und ist in den Abrechnungen Thielmann s mit größeren Summen gebucht. Antrag 8 Monate. (Forssetzung m der 1. Beilage.) % Theater. Am Dienstag, den 24.Dezember bleiben sämmtliche Theater ge- schlössen._ AlhambraTheater, Wallnertheater straße 15. ßrDmil& Dezember. Amorina, Die Marmorbraut. Phantastisch- komische« Zauberschauspiel in 12 Bildern von P. Wirde. Musik von Franke.| Aanarioan-Theater* 1385 tmitanrfti. SS. _ Taglich Vorstellung. Oircus üttiiz. Tarlstrahe. Heute. Dienstag, de« L4. Dezember, bleibt der Cirrn» geschlossen. Morgen Mittwoch und Donnerstag täglich 2 Vorstellungen. 4 und 7t Uhr. 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Killet» hierzu find auf allen Zahlstellen des Vereins, sowie bei folgenden Herren zu haben: Witte, Jnvalidenstr. 21; Mill a r g, Lehrterstr. 22, 2 Tr.; M a r k m a n n, Bar« nimstr. 46, 4 Tr.; Hoyer, Grüner Weg 70; Winter, Manteuffelstr. 6, 3 Tr.; Glocke, Lausitzerstraße 52, 3 Tr.; W i e d e m a n n, Wendenstraße 2, 4 Sfr.: Haberland, Reichen» bergerstr. 161, 3Tr.; Schulz, Britzerstr. 42, 4 Tr.; Manien,'«euzbergstr. 9, Ouergb. 4 Tr.! Witte, Möckernstr. 95, 3 Tr.; Elsasser, Noftizstr. 40; Apelt, Sebastianstr. 27/28(Möbel» bandlung); H.Schmidt, Elisabethufer 20, H. 2 Tr., bei OrlowSki; Ferd. Miecke, Adalbertstr. 9, 4 Tr.; Roggemann, Dresdener str. 77, 1 Tr.; H e m p, Pallssadenstr. 63, 4 Tr. An der Koutrole werden keine BilletS»erkauft. Oer Vorstand. PspiembeitmliUil md»nv. Beriifsgei. Mittwoch,>««185. Dezember(1. WeihnachtSfeiertaa), im Louiseustädtijche« Klubhause, üA. aa. 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Januar, Vormittags Punkt 10 Uhr, in Süd-Ost, Waldemarstra» Nr. 75. Bezirk de« Kaffirers Herrn Stäb«. 4. Sonntag, den 19. Januar, Vormsttags Punkt 10 Uhr, in Habel» Brauerei, BZ>, mannstraße 5/7. Bezirk de« Kaffirers Herrn Schütze.. � Das Quittungsbuch legitimirt. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Kommission�, Geffentliche Kersammtung sämmtlicher Drechsler und Keruf�' geuoste« aller Krauche« Kerlius am Freitag, den 27. Dezember 1889(dritter Feiertag), Vormittag« 11 Uhr, im KönigstSl Kasino, Hotzmarklstraße 72. Tagesordnung: 1. Der Streik der Perlmutt-Knopf-Drechsler. Wien. Referent: Herr Fritz Zub eil. 2. Diskusfion. 3. Verschiedene«. Die UntM�, neten erwarten, daß die Berliner Kollegen Mann für Mann antreten werden! Mit kolleglatil«. Gruß und Handschlag Die Vertrauensleute der Keriwer Dr«ch»ler: F. A. Rauten»� Prinzeffinnenftr. 22, v. 4 Tr. bei Keim? Ehlert, Skatitzerftr. 29-, Hof Ouergeb. 1 Tr.: 3, Bartelstr. 3; L. Kceiser, Blumenstr. 54, Hof pari.; Ernest de Jung, Schönhauser Allee � Hof 4 Tr. bei Keckstadt. Im allgemeinen Interesse ersuchen wir die Vorstande der Ben Gewerkschaften, fich an der Versammlung betheiligen zu wollen, und behufs Unterstützung entweder an Herrn F. A. Rautenberg, Prinzeffinnenftr. 22 IV bei Keim, oder direkt off Administration»des Fachblatt der Drechsler", Wien VI, Schmalhofgasse 12, wenden zu Emil Franke Nähmaschinen sämmtlicher Systeme, Wasch- und Wrinfl' Maschinen bester Sorte.(Theilzahluug. Reparaturwerkstatt� Hm, Saarbplickersfrasse 6«" neben Boetzo« 1 Brauerei Altert Auerbach, Mali- u. MchllaM- (ßraße InAtttokl In«U.Ickubeu U«d vantosseln. «roste Auswahl in Filzschuhen und Pautossel«. 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Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. Böhmisches Brauhaus. Bönhoff, Müllerstr. 142. Bötzow'S Brauerei. Bohmann, AndreaSstr. 26. Bovert, Weinstr. 11. Brauerei Tivoli, Kreuzberg. Brauerei Königstadt.% Brauerei Friednchsbain(LipS). Brauerei Frirdrichshöhe(Patzenhofer). Brauerei Pfefferberg. Konz?rt-Park Ostend, F arkfurter Allee. Deigmüller'S Salon, Alte Jakobstr. 48a, Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. Eiskeller-Etablissement, Chaussecstr. Elyfium, Landsberger Allee. Feuerstein'S Salon, Alte Jakobstr. 75. Gratweil's Bierhallen, Komm anbauten str. 77/79. Gnadt, Brunnen str. 38. Gotffchalk(früher Huth), Badstraße, Gesundbrunnen. Gründer'S Salon, Schwerinstr. 13. f el's Brauerei, Bergmann str. 5— 7. e, Lichtenbergerftr. 21. drich's Säle, Beuthstr. 18/21. \ JlgeS, WilSnackerstr. 63. uftrie-Hallen, Mariannenstr. 31/32. Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28. Kaufmanns Varieid, Königs-Kolonaden. Königshof, Bülowftraße. König stadt'Kafino, Holzmarktstr. 72. Klein's Festfäle, Oranienftr. 180. Kliem, Hasenhaide. Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117. Krüger, Hoch str. 32a. Krüger'S Salon, Wasserthorstr. 68. Kuhlmcy's GesellfchaftShauS, KöSlinerstr. 17. Marien da d(Gesundbrunnen), Badstr. 35—36. Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 58. Orschel, Sebastianstr. 39. Pohl, Müllerstr. 7. W. R�hlih, Bergstr. 12. Renz' Salon, Naunynstr. 27. Renncfahrt'g Salon, Dennewitzstr. 18. Reyer, Alte Jakobstraß« 83. Roll, Adalbertstr. 21. Sachow, Müllerstr. 136. Saeger, Grüner Weg 29. Sahm'S Klubhaus, Annenstr. 16. Sanssouci, Kottbuserstr. 4. Scheffer'S Salon, Jnselstr. 10. Schloßbrauerei Schöneberg. Schneider, Belforterstr. 15. Schröder, Müllerstr. 178(Weddingpark). Echweizergarten, Am Königs thor. Silber's Salon, Schwedterstr. 24 Süd-Ost, Walbemarstr. 75. Neustädtischer Volksgarten, ProSkauerstraße. AnionSbrauerei Hasenhaide. Vereinsbrauerei(R xdorf). Viktoriabrauerei, Lützowstraße. Volksbrauerei(Moabit). Weddmg-Kafino, Schulstr. 29. Weimann's Volksgarten Gesundbrunnen. Wendt, DreSdenerstr. 116. Wollschläger, Blumen str. 78. Wohlhaupt, Manteuffelstr. 9. Zemter, Münzstr. 11._ �, _ Di- Kokalkommissto« von Kirdorf ersucht uns um Veröffentlichung folocnder Lokalliste: Borusfia-Brauerei, Nnder-Schönweide. Barlo, Bergstr. 120(Deutsches Wirthöhaus). Varielö-Theatcr von Maue, Hermannstr. 18. Würschmidt, Knesebcckstraße. Jrrgavp, Hermao nstroße.. D-n Mitgliedern der jokalkommissto« und einigen «deren Perionen, im ganzen 13, ist eine Anklage wegen Ver- Leitung einer verbotenen Druckschrist(Vergehen gegen das Sozialistengesetz) zugegangen. Daß denselben auch eine An- "vge wcgm Verrusseck.ärung zugegangen sei, wie andere Blatter ZiuheÜen, ist unrichtig. Die Ankiagesache ist benannt„gegen Aose und Genossen". Rose ist em vierzehnjähriger Lehrlmg> , Di-«ächste Kitzmig d-r Studw-r-rdurt-«■ N-r «Mmtung findet am Freitag, d n 27. d. M, Nachmittags j Oiir stall. .. Nach-i«-r amtliche» Zusamm-nstrltung war bei den rietjähngen Eijatzwahlen zur Sladtverordneten- Versammlung B iheckigung folgende: In der dritten Abtheilung erschienen -----.— t. rmnlil-.n 21 830 oder 29�4 pCt. die von lh->ligung folgende: In oerorn-rn.......... 3 88!) eingeschriebenen Wählern 21 830 oder 29,54 pCt. der E.gänzungswahl im Jahre 1837 haben gewählt �«.60 pCi�. In der zweiten Abtheilung erschienen von 17 336 �geschriebenen Wählem 7634 oder 44,04 pCt.(1887 wählten *7,15 pC.). In der ersten Abtheilung erschienen von 3540 '�efehrifbenen Wählern 1925 oder 54,38 pCt.(1887 wählten �♦04 pCt.). Jasg-sammt haben von 94 765 eingeschriebenen Mahlern gewählt 31 389 oder 33,12 pCt. gegen 33,18 pCt. im �»aht« 1867, so daß die Brthei.igung in beiden Jahren fast Nnau gl«,ch 4. roß gewesen ist. an»bmohl auf den Kahnhäfen noch ungezählte Schock <«e,hnachisdäume lagern, die vorauSfichtlich keme Abnehmer Men weiden, halten die Weihiachtsbaumhändler auf den �«aßcn und Plätzen Beilirs ncch inmer auf ziemlich hohe und zwar auf Preise, die zu der Güte der Waare in Verhältniß stehen, denn was in diesem Jahre von sWeihnachlsbäumen an den Markt gebracht worden ist, das ist übelwirgenttn Mehrheit außerordentlich dürstig. So aiiechle Waar« wie in diesem Jahre, sah man noch selten am ffWoikle. Alle« was an einfachen Tannen auf dem Markte ist, >0 wenig Radeln, daß die Zweige in's Wasser getauchten ...�'�lchwai zin verzweifelt ähnlich sehen. Die so überaus de- * f oder„Siliertanne" ist nur sehr spärlich ver- treten. Das Schock von dieser Art kostet nämlich im Einkauf dies Jahr 120 M.; ein mittelmäßiger Baum ist unter 3—4 M. par nicht zu haben. In den Schlagen SchlefienS, speziell des Riesengebirges, lagern Tausende von Schock der schönsten Edel- tannen, dieselben können aber wegen des starken Schnees nicht von den Bergen herab, und daher auch nicht an den Markt gebracht werden und gerade aus jener Gegend kommen die 'chönsten und meisten Edeltannen. Da es aber in Berlin stets Leute giebt, welche das Geld auf der Straße zu finden wissen, so haben sich auch jetzt findige Köpfe gefunden, welche die Konjunktur des Weihnachtsbaummarktes auszunutzen wissen. Sie fahren mit ewem Wagen zur Bahn, wo die Engrospreise für Weihnachtsbäume schon ganz kolossal gesunken find, kaufen ein oder mehrere Schock und ziehen damit durch die Straßen. Sie machen keine Füße an die Bäume, sie putzen dieselben nicht aus, sie bohren auch keine Aeste ein, wo Lücken find; sie lassen die Bäume wie sie find, sie verkaufen dieselben aber zu Spottpreisen. Wir sahen Bäume— natürlich ohne 'uß— mti 30—50 Pfennig verkaufen, die auf den festen Ständen— allerdings mit Fuß— 1,50— 2,00 M. kosteten. Die Händler auf festen Plätzen können dagegen natürlich nicht aufkommen und müssen demgemäß auch mit den Preisen her- untergehen. D-r Ae»«d«l in M-thuachtsbäum-N ist ein auffallend matter. Ganze Berge von aus Thüringen und dem Harz hier «m-etroffenen jungen Tannen liegen auf den LadungSplätzen der Bahnhöfe au'gestapelt, ohne daß sich Abnehmer für die- leiben bisher gesunden hätten. Analog ist das ganze fonst'ge ""eihrachtsgeschäft. Die Kauflust ist eine durchweg geringe. Di- Versuche mit de»«-«este« Verbesserung-« an den Gasbrenn Vorrichtungen, welche die Stadt- und Ring- Hahn Verwaltung vor einiger Zeit angestellt hat, sind beendet und haben zu dem E-gebviß geführt, daß auch die besten Gas- brenner neuester Konstruktion bei der Beleuchtung großer, freier Räume, in denen bewegte Luft entstehen kann, nicht entfernt zu vergleichen sind in ihrer Lichtwirkung mit der elektrischen Beleuchtung. In den Beamtenkreisen der genannten Behörde nimmt man es deshalb als sicher an, daß demnächst auch auf den Bahnsteigen der kleinen Haltestellen die elektrische Be- leuchtung eingeführt worden ist. A.« d-r M-tt«rsir«l- auf d-m Schloßplatz wird auch eine Uhr angebracht werden. Dieselbe soll, zur gleichzeitigen Erkennung der OrtS- und Weltzeit, mit der vom Hofuhrmacher Hoffmann konstruirten neuen Ziffcrnblatt- Emtheilung versehen weroen. Durch-tn- Differ-nz zwischen der Großen Berliner Pferdedahn-Gescllschaft und der Gemeinde Reinickendorf wird die Inbetriebsetzung der neuerbauten Pferdebahnlinie Wedding- platz Reinickendo ff auffallend verzögert. Bereits 8 Tage nach Vollendung der mit der Legung der Geleise verbundenen Neu- Pflasterung der Straßenzüge war da« Pflaster der Reinicken- dorfer Chaussee durch den starken Wagenverkehr dorlselbst der- artig niederaefahren, daß die Pferdebahngeleise streckenweise vollständig freiliegen und das Straßenpflaster verzweifelte Aednlichkeit mit einer GebirgSlanl schaft besitzt. Nun verlangt die Reinickendorfer Gemeinde von der Großen Berliner Pferde- bahngesellschaft, welche für die Instandhaltung des Pflasters zwischen den Geleisen und auf einen Fuß Entfernung von den- selben zu sorgen hat, die Reurenovirung der schadhaften Stellen, wird jedoch in ihrer Forderung von obiger Gesellschaft mit dem Bemerken zurückgewiesen, daß noch nicht ein einziger Pferde- bahnwage.a die neuerbaute Strecke pasfirt hat. Bis AuStrag dieses Streites wird wohl die Linie Weddingplatz— Reinicken- darf nicht in Betrieb gesetzt werden. Zur Umgestalwns d-s Aleranderplabes in eine Schmuckanlage ist die Genehmigung nunmehr ei folgt. Die Gesammtkosten für diese Umgestaltung find auf 337 700 M. veranschlagt, davon entfallen auf die Umgestaltung der Straße 301 700 M., auf die gärtnerischen Anlaqen 30000 M. und auf die Hecrichtung eines Springbrunnens 6000 M. Letzterer soll auf dem nördlichen Theile des Platzes in einer Größe errichtet werden, welcher den Springbrunnen auf dem Pariser Platze gleichkommt. Derselbe wird in der Form ein S Sprudels ent- quellen, wodurch vermieden werden soll, daß die Passanten allzu sehr von d'm Staubregen belästigt werden. V-» d-m Umfang d-r znr I-it h-rrjch-nd-n Ar» b-ikslostgK-U erhält man einen Begriff, wenn man Nach- mittags um 4 Uhr den Oranienplatz pasfirt. Dort warten um diese Zeit ganze Schaaren Arbeiter und Arbeiterinnen auf das Erscheinen der Abendblätter, welche den ArbeitSmarkt enthalten, und, sobald die Verkäufer mit den Blättern erschienen find, beginnt ein wilder Wettlauf nach den angezeigten Stellen, bei welchem gewöhnlich diejmigen Sieger bleiben, welche flinke Füße haben oder vom Zufall begünstigt werden. Grade um diese Jahreszeit ist die Nachfrage nach Arbeitskräften ganz be- sonders schwach und deshalb ist auch die gepriesene Weihnacht«- ,cit für viele Tausend« die Zeit des Schreckens und der bitter- en Roth. GW Triumph d-r m-d-rn-n Diagnostik. Im städtischen Krankenhause am FriedrichShain ist dieser Tage von Um Herrn Geheimrath Hahn an einem jungen Manne eine Operation vollzogen worden, welche in der medizinischen Welt großes Aussehen erregt hat. Als der Patient auf den Opera- t'.onStesch gebracht wurde, war er bereit« vollkommen apathisch und zeigte keinen Puls, so daß er als sterbend betrachtet wurde. Die Wahrscheinlichkeits-Diagnose lautete auf einen Eiterherd in der linken Hern-Hemisphäre. Nach den sich darbietenden Lähmungserscheinungen wurde der Sitz de« präsumirten Eiter- Heedes an eine ganz bestimmte Stelle tokalifirt und die Trepa- nation(die Oeffnung des Schädels) bewirkt. Als die Oder- fläche des Gehirns freigelegt war und doch sich keine Spur von Eiter zeigte, wurde auf Grund der hohen Wahrscheinlich- keit der Diagnose das Gehirn angeschnitten und es entleerte sich ungefähr ein halbes Liter Eiter. In Folge dieser Operation, welche den kühnsten Eingriffen der Gehirn. Chirurgie beizu- messen ist, fand sich der Patient bereits nach dem ersten Ver- boniswechsel besser und Hoffnung auf Wiederherstellung desselben ist vorhanden. Imttirt- India«-». Einen spekulativen Restaurateur unter den Köi.igslolonnaden haben die Erfolge„Wild-Ämerikas" auf den Gedanken gebracht, in seinem Lokale„Jndianer-Kon- zerte" zu veranstalten. Da nun aber die echten Söhne deS Urwaldes hier rar find, so hat er sich einfach„Indianer" aus dem Beiliner Voigtlande kommen lassen, welche nun allabend- lieh in braunem Trikot und mit dem üblichen Federschmuck auf- geputzt vor den Gästen konzertiren. Der Werth hat seinen Zweck erreicht, denn das Lokal ist fast immer überfüllt. Gin jng-ndlich-r Marktdi-b wurde vorgestern Abend egen 6 Uhr auf dem Weihnachtsma-.kt am Alexandeiplatz in .er Nähe des Polizeip äfidiums abgefaßt. Ein von dort kom- mender Beamter bemerkte um diese Zeit beim Pasfiren deS Platzes einm 13jährigen Burschen vor einer Bude, in welcher Leinwand und Manufakturwaaren feilgeboten wurden und vor welcher eine große Anzahl Läufer standen, wie derselbe ein ! Packet Leinwand im Werth« von 60 M. verstohlen herunter» nahm und sich unauffällig zu entfernen suchte. Der Beamte eilte dem Dieb nach und mit Hilfe eine« Schutzmannes gelang es ihm, denselben dingfest zu machen. Das gestohlene Gut konnte alsbald seinem Besitzer, der von dem Verlust desselben gar keine Ahnung hatte, zugestellt werden. U-b-r-in« wahnstnuig- Grzi-h-rin berichtet eine Lokal-Korrespondenz Folgende«: Durch Jnsrrat in den Zeitungen suchte vor etwa vier Wochen eine in der Oranien- durgersteaße wohnende Familie Z. für ihr« 6 bis 10 Jahre altensKinder eine Erzieherin, und e« meldete sich infolge dessen u.A. eine aus Hamburg stammende 23jährige Gouvernante Helene St., welche auch den Vorzug vor den anderen Bewerberinnen er- hielt und ihre neue Stellung Anfang dieses Monats antrat. Die Erzieherin, die sehr melancholisch zu sein schien, konnte sich nicht das Vertrauen de« Z.'schen Ehepaares erwerben, und am Sonnabend kam es zu einer recht energischen Aussprache, die schließlich damit endete, daß Frau Z. der Gouvernante kündigle. Nach etwa einer halben Stunde hörte die Hau«- srau ängstliches Geschrei in dem Kinderzimmer und bald darauf stürrten die Kleinen weinend m da« Wohnzimmer, der Mutter erzählend, daß da« Fräulein drinnen Alles zerbreche.— Mit ihrem Gatten und dem Hausgesinde begab sich Frau Z. nun in beregtes Zimmer und fand vier di« Gouvernante„tob- süchtig" im höchsten Grade bei der Demoliruvg des Mobiliar». Nur mit größter Anstrengung gelang eS, das wülhende Mädchen, welchem der Schaum vor den Lippen stand, zu Lbeiwälligen, und der sofort herbeigeholte Arzt konstatirte an der Bedauern«- werthen die ausgebrochene Tobsucht.— Am vorgestrigen Morgen wurde die S. auf Verlangen ihrer telcgrophisch davon unterrichteten Eltern nach Hamburg überführt. Di- U-rmnthnng, daß der flüchtig« Kommis Max Ruwpe die Defraudation der seiner Firma veruntreuten 19 300 Mark vorher geplant hat, scheint sich zu bestätigen, da derselbe die Militärpo piere eines Kollegen mitgenommen hat. Bis jetzt fehlt noch jede Svur von dem Flüchtigen. Ei« b-t-nb-nd-r Unglücksfall ereignete sich gestern auf einem Neubau in der Friesenstraße kurz vor Feierabend. Der Neubau ist soweit gediehen, daß gestern Nachmittag die für den Balkon bestimmren eisernen Trager angebracht werden sollten. Zwei hierbei beschäftigte Männer hatten das Unglück, abzustürzen. Einer von ihnen blieb sofort todt, der andere teug sehr schwere Verletzungen davon, so daß er in ein Krankenhau« gebracht wurde; an seinem Auskommen wird ge- zweifelt. En passant g-fastt. Ein Krimminalbeamter passirte, wie das„B. T." berichtet, am Sonnabend Abend die Neue Königstraße und bemerkte dort an der Ecke der Lietzmannstraße einen klemen Menschenauflauf, welcher sich um zwei streitende Personen gebildet hatte. Näher herantretend, erkannte der Beamte zu seiner Ueberraschung einen alten„Kunden", den vielfach vorbestraften August Noack, der erst kürzlich die Mauern des Zuchthauses verlassen hat. N. wurde von einer Frau be- schuldigt, ihr während eine« kurzen Aufenthalts in dem benach- karten Schlächterladen von Müller das Portemonnaie aus der Tasche eSkamotirt zu haben. Der Kriminalbeamte nahm sich sofort seines alten Bekannten liebevoll an und geleitete den- selben nach dem nächsten Polizeirevier, um ihm dort Gelegen- heil zu geben, seine Unschuld darzuthun; auch die angeblich Bestohlene folgte dem Beamten. Eine Leibesvisitation des „Unschuldigen" förderte nun nicht allein das Portemonnaie der Frau zu Tage, sondern auch noch ein zweite«, in welchem sich außer einem Gelddetrage von acht Mark noch ein goldener Trauring, gezeichnet„w. P." befand. Der Kriminalbeamte eröffnete seinem alten Bekannten, daß er unter diesen Umständen ihn noch nach dem benachbarten Alexanderplatz geleiten müsse, und Noack, einsehend, daß sein Begleiter Recht habe, folgte diesem willig dorthin. U-b-rfahr-» wurde gestern Abend gegen 6 Uhr an der Jeru'alemer Knche die 60jährige Frau des in der Oranien- straß« 123 wohnenden Schneidermeisters Thomas und zwar von eines aus der Jerusalemer Straße kommenden Equipaze, die in schneller Fahrt um die Ecke bog. Der Kutscher, in Diensten eines Rathszimmermeister« stehend, soll Schuld an dem Unglück tragen. Die Verletzungen der Frau Thomas sollen sehr gefährliche sein. Auf ihren Wunsch brachte man sie noch in ihre Wohnung, obwohl ein zusällig an der Unglücks- stelle anwesender Arzt die sosortige Ueberführung ins Kranken- hjies angezeigt hielt. Von ihrer Wohnung aus wurde aber eine Stunde später die unglückliche Frau, deren Mann sich augenblicklich auf Reisen befindet, nach Bethanien gebracht, da der herbeigerufene Arzt dir Ueberfiedelung in« Krankenhaus sofort verfugte. Ehrlichen Unfri-d-n hat den in der Königgrätzerstraße wohnenden Kaulmann August K. zu einem Selbstmordversuch getrieben und zwar ist da« Motiv zu der That recht eigen- thümlich. Der Selbstmordkandidat behauptet von seinem— Schwiegervater in den Tod getrieben worden zu sein. K., ein ziemlich vermögender Mann, hatte vor etwa 4 Jahren die Tochter eines in München wohnenden Fabrikanten geheirathet, welche er gelegentlich einer Rheinreise kennen gelernt, und die Ehe des jungen Paares war eine musterhaft glückliche, bis vor kurzer Zeit häuslicher Unfriede zwischen beid.n Ehegatten da- durch ausbrach, daß der nicht gerade in glänzenden Verhält- nissen lebende Schwiegervater von feinem Schwiegersohn erheb- liche Summen entlieh und als Letzterer mit seinem Geld schließlich nicht mehr aushelfen konnte, Wechsel und zwar eigene Akzepte in der Höhe von 25 000 M. von demselben verlangte und auch erhielt, unter dem Vorwande ihn dafür bei großariigen industriellen Unternehmungen zu betheiligen. Vor einigen Wochen gelangten die ersten dieser Wechsel zur Fällig- kert und K. erbat von seinem Schwiegervater die versprochene Deckung, die jedoch, da der zärtliche Verwandte einige Tage daraus Konkurs anmeldete, ausblieb. Infolge dessen wurde der vertrauensselige Schwiegersohn von den Wechselgläubizern verklagt, K.'S Gefchäfislokal und feme Wohnung gepfändet.— Zum Üeberfluß zog die junge Frau auf Verlangen ihrer Eltern vor, ihren Gatten am Freitag heimlich zu verlassen und zu denselben zurückzukehren und dieser letzte Umstand hat den be- dauernSwerlhen, doppelt betrogenen K. zum Selbstmordversuch getrieben.— Am Sonnabend Abend gegen 8 Uhr fand da« Dienstmädchen desselben, als sie dos Wohnzimmer ihres Herrn betrat, denselben bewußtlos dumpfstöhneno auf dem Sopha liegend vor.— Ein sofort herbeigeholter Arzt konstatirte Ver- gistung, was auch ein zurückgelassener Brief des Selbstmörders bestätigte. Der Bedauernswerthe wurde auf Anordnung des Arztes in ziemlich bedenklichem Zustande nach einem Kranken- Hause geschafft. Kchab-nf-n-r. Am Sonntag Abend um 11 Uhr entstand in dem Hause Chausseestraße 2a in dem dritten Stock durch da« unvorsichtige Ausblasen einer Petroleumlampe ein Schaden- f.uer, bei dem die Küche und ein Theil de« Korridors voll- ständig ausbrannte und außer den Kleidern des in der Köeh: schlafenden Mädchen« ein großer TheU de« Mobiliars zu Grund- ging. Die Feuerwehr war sofort zur Stelle, und gelang eä derselben, das durch den Schreck vollständig betäubte Mädchen, das inmitten des Feuers stehen geblieben war und um Hilfe rief, zu retten. Att» dem Reiche der Tonkunst. Am vergangenen Sonmag sa b in der Aula der I15./170. Gemeindesck ule, Skalitzerttr. 55/56, die vierte Konzertaufführung der Schüler und Schüler, nnen des MufikinstitulS von Ernst Pähl statt. Das sehr reichha'tige Programm enthielt eine Serie der schön- sten Solo und Ensemblevorträge, welche aber sämmtlich mit gcöbtcr Präziston durchgeführt wurden, obgleich mehrere der mitwirkenden Schüler erst einen dreimonatlichen Unterricht in dem Jnst.tut zurückgelegt hatten. Grobes Anstehen erregte der Portraz einer 1 lstähriaen blinden Schülerin Else Flögel, welche die Phantaste für Violine: Jl Trovatore, glänzend spielt«, und ebenso fesselten die Variationen über den Karneval von Venedig, welche von dem 12jährigen Schüler Hans Pcengel mit außerordentlicher Gewandtheit oer Violine entlockt wurden. Das zahlreich anwesende Publikum applaudirte lebhast und der junge Lehrer wurde von den Eltern der Schüter und Schülerinnen seines Instituts zu seinen Erfolgen herzlich beglückwünscht. polizeibericht. Am 21. d. M. Morgens stürzten auf dem N-ubau Frlesenstraße Nr. 17 die Maurer Grabarsch und Watdmann bei Herstellung eines Balkons im 3. Stock von einem Häogegerüst auf die Straße hinab. Grabarsch erlitt einen Schädelbruch und verstarb auf der Stelle,' während Waldmann schwere innerliche Verletzungen erlitt, so daß er nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werden mußte.— Abends brachte sich ein Kaufmann in seiner Wohnung in der Johanniterstraße einen Schuß in die Schläfe bei. Er wurde noch lebend nach der Chacitee gebracht.— Am 22. d. M. Abends fiel ein obdachloser Zimmermann vor dem Hause PotS« damerstraße Nr. 134 infolge eines Brustkrampfes zu Boden und erlitt dabei anscheinend bedeutende Verletzungen an der Siim und Nase, so daß er nach der Charit« gebracht werden mußte. Thceitev. Mallner-Theater. Im Wallner» Theater wurde am Sonnabend Abend wieder einmal herzlich gelacht, und zwar über die französische Posse„Seine Haushälterin". Was ein witziger Franzmann an liebenswürdigem Unsinn nur ausdenken kann, wurde hier in tollem Wirbelsturm über die Bretter ge» führt, und das herz'iche Lachen des Publikums bewies, daß man in glücklicher Wnhnachtsstimmung war, um sich über die Harm» lofigkeit zu amüsiren. Ein Chemieprofessor, der seit zwei Jahren verheirathet ist, hat, da er bereits seit zwanzig Jahren über einer E sindung brütet, keine Zeit gefunden, sich mit feiner Frau zu beschäftigen. Er betrachtet dieselbe als seine Haushälterin, die nur dazu da ist, für seine Mahlzeiten und seine Wäsche zu sorgen. Seine Erfindung glückt ihm, er entdeckt das Geheimniß, künstliche Brillanten herzustellen. Es gelingt ihm ferner feine Erfindung für drei Millionen zu verkaufen, und mit diesen drei Millionen in der Tasche sieht er sich Paris etwas näher an. Da wird denn aus dem weiberfeindlichen Gelehrten ein toller Lebemann, der auch sein Herz für seine Frau entdeckt, mit der er sich denn zum zweiten Male, aber richtig verheirathet. Herrn Grimmig gebührt die Palme, auch Fräulein Leh- mann war zu loben. Die übrigen Mitwirkenden waren recht brav. Dem Schwank ging ein Einakter vorauf, der recht albem war. Glberfelder KoMWeuprozeii. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) v. S ch e m m ist Mitglied des Lokalkomitees und Katsirer des Druckschriftenfonds. Das wird bestätigt durch das Auf» finden emer größeren Summe bei ihm, die er nicht als fein Eigenihum erweisen konnte. Antrag S Monate. Dr. Schmidt hatte ein Schreiben JeupS und hielt den „Soz.". Er war also für Verbindungszwecke thätiz. Antrag 2 Monate. Schmitz hielt bei sich geheime Versammlungen ab. Er kommt auf Thielmann'S Abrechnung vor. Antrag 8 Monate. Schneider hat ein Flugblatt verbreitet. Antrag 3 Monate. Schürmann hat ein Flugblatt verbreitet. Antrag 6 Wochen. RnchStagsabgeordneter Schumacher ist Vorsteher der allgemeinen Verbindung und hat den Kongreß in St. Gallen einberufen. Er ist Abonnent des„Sozialdemokrat" und der„Gleichheit". Er hat das Kongreßprotokoll bezogen und verbreitet, den Erlös an Bebel abgesandt; es kam also dem VerdmdungSfondS zu Gute. Er bat sich den allgemeinen Verbindungsfonds zu Nutze gemacht. Da er weniger uberführt ist als die anderen Vorsteher, beantrage ich 6 Monate. Hugo S chumache r hatte eine Liste von Empfängern des„Soz." Ferner halle er Flugblätter verbreitet, ebenso ver» botene Druckschriften. Bei Sammlungen von Geldern war er hervorragend thätig. Antrag 9 Monate. v. Schumann erhielt em Rendsburger Packet und war im Besitz des„Soz." Antrag 4 Monate. S türm er ist Mitglied der örtlichen Verwalwng Barmen und hat Gelder gesammelt. Antrag 6 Monate. Thielmann ist Hauptkasfir« der örtlichen Verwaltung Barmen, da« ergiebt sich aus den beschlagnahmten Abrechnungen. Antrag 9 Monate. Tracht hat an geheimen Versammlungen Theil ge- nommen und Geld gesammelt, das er an Thielmann ablieferte. Antrag 6 Monate. Ullenbaum ist hervorragendes Mitglied des Lokal- komiteeS Elberfeld und Schriftenvertreiber. Antrag 9 Monate. Weiß hatte viele verbotene Schriften, deren Erlös für Verbindungszwecke bestimmt war. Er war Empfäng« eines Rendsburg« Packet», was trotz der Episode mit Georgine Weiß erwiesen ist. Antrag 4 Monate. W e u st e r ist freizusprechen.„„ Wilden hat Flugblätter verbrertet. Antrag 6 Wochen. Wilken steht im Vorderarunde der Verbindung. Er schrieb an Lehmann in Düsseldorf, woraus die Verbindung her» vorgeht. Die Korrespondenzen find nicht harmlos, sondern de- weisen die geheime Verbindung. Wilken war im Besitz der „Winke" und des Kongreßprotokolls. Antrag 3 Monate. Wind war im Besitz der geheimen Tmte; er war ort- licher Vertrauensmann und Schristenvntreiber. Er war m hervorragender Weise thätig. Das Zeugniß feiner Frau ist glaubwürdig, weil es durch die Thatsachen bestätigt wird. Die Anfechtung dieses Zeugnisse» seitens d« Vertheidigung ging weit über das Ziel hinaus. Antrag 1 Jahr. Winkler war im Besitz einer großen Menge Druck- fchriften, g rade dn Art, Ideren Erlös für Verbindungszwecke brst'mmt rst. Er hat sich an der Flugblattverbreitung Wied«- holt beiheiligt. Antrag 6 Monate. Winterberg war hervorragend thätig« V«trauenS- mann der örtlichen Verwaltung ,n Barmen. Er war als Delegirt« zum Kopenhagen« Kongreß gewählt. Antrag 3 Monate. Ich beantrage die Freisprechung der Angeklagten, soweit sie noch andniv eilig beschuldigt find, ferner die Verhaftung der- jenigen Angeklagten, die zu einem Jahre Gelängniß verurtheilt find und die Einziehung der beschlagnahmten verbotenen Druckschriften. Rechtsanwalt Schweitzer beantragt die Ladung des Zeugen Schulte, der den Verkehr Röllinghvffs mit Sergeant Jockel und die Ueberreichung des Briefes sah. R.'A. Lenzmann: Wir können auf diesen wichtigen Zeugen nicht verzichten. Nach kurzer Berathung wird die Ladung der Zeugen Schulte und Jäckel beschlossen. In Sachen Mchrhenn wird behufs Beweisaufnahme die bei ihm gefundene„schwarze Liste" vorgelegt. Ullenbaum: Mohrhenn hat„Barmen-Mi." nicht ge- schrieben. Bebel: Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Wort von Motte!« geschrieben ist. Auf eine weitere Beweisaufnahme in dies« Sache wird verzichtet. Die Sitzung wird bis 4 Uhr v«tagt. Die vom Staatsanwalt beantragten Stra- fen ergeben im Ganzen, wie bereits erwähnt, 39 Jahre 2 Monate. (Abendsitzung.) Zeuge Kirchner, von Gustav Finke geladen: Robert Müll« war mit mir zusammen bei Finke. Bei lttzt«em habe ich den„Soz." nie gesehen, auch keine unehr«bietrgen Aeuße- rungen über den Kaiser gehört. Müll« erzählte mir, Finke würde schwer h«einfallen, nicht nur wegen der sozialdemokrati- schen Sache. Ich selbst weiß nichts von Aeußerungen Finke's. Müller wollte jedenfalls zusehen, ob ich da» Gleiche aussagen würde, wie er.(Der Zeuge wird vereidigt.) Auf Veranlassung Hülle'S muß S«geant Jäckel den Zeugen- räum»«lassen. Zeuge Schulte: Ich war in Vohwinkel, weil mir Frau Dambach«zählte, daß Röllinghoff und Jäckel nach Vohwinkel fuhren. Die ganze Stadt ist aufgeregt über diesen Prozeß und deshalb wollte ich die Beiden beobachten. Dambach und ich sahen Jäckel in eine Wirthschaft aeben und wieder heraus- kommen. Im Wartesaal zweit« Klasse sah ich Röllinghoff und Jäckel zusammenkommen. Da übergab Jäckel dem Röllinghoff den Brief, das habe ich gesehen. Dambach war in diesem Augenblick nicht da. Röllinghoff hat am Schalter den Brief gelesen und ging dann wied« zu Jockel, mit dem er einige Minuten sprach. Ich habe die Ueb«gabe des Briefes genau beobachtet. Röllinghoff: Da» Büffeifcäulein hat mir den Brief üb«geben. Schulte: Ich bleibe bei meiner Aussage.(Auf Befragen Lenzmann'S): Ich bin Sozialdemokrat. Röllinghoff(auf Befragen Lenzmann'S): Heute Morgen bin ich bei meiner Loziswirthin gewesen. An d« Brücke fragte ich einen Polizeisngeanten, ob heute Nach- mirtag Sitzung sei, was bejaht wurde. Deshalb bin ich ge- kommen. Zeuge Polizeisergeant Jäckel(auf seinen Eid): Rälling- hoff habe ich keinen Brief übergeben. Als ich mich umdrehte, hatte Röllinghoff einen Brief in der Hand. Ein Schutzmann wird mit der Herbeiholung des Büffet- fiäuleinS beauftragt. Jäckel: Ich habe Röllinghoff auch keinen Zettel gegeben, auch nicht durch das Buffetftäulein. Schulte: Ich habe gesehen, daß Jäckel an Rössing- hoff etwa» gab, es war ein Schriftstück. Das kann ich de- schwören. Die Aussagen von Schulte und Jäckel werden zu Protokoll genommen. Jäckel: Mit Röllinghoff habe ich keine Silbe gesprochen. Schulte: Ich habe nicht gesehen, daß Röllmg- an'S Büffet ging. Er war ziemlich entf«nt vom uffet. R-A. Dr. S ch w e i tz e r: Es ist durch drei Zeugen be- stätigt, daß Jäckel mit Röllinghoff zusammen war. Was haben sie denn zusammen gethan? Jäckel: Röllinghoff wollte mehrmals den Saal v«- lassen. R.-A. Lenzmann: Es ist auffällig, daß Kommissar Kammhoff den Gerichtssaal vnlafsen, alt die Ladung 6« Zeugen beschlossen wurde. Röllinghoff: Ich habe nur eine halbe Minute mit Jäckel gesprochen. R.-A. Lenzmann: Die Vertheidigung will nur dem Rechte zum Siege verhelfen. Wir haben kein Interesse daran, die Wahrheit zu unterdrücken od« zu fälschen. Ich rede nicht »u Geschworenen, sondern zu ernsten Berufsrichtern, tie be- strebt sind, das Recht zu finden. Ich bin überzeugt, daß e« keinem Staatsanwalt, keinem V«theidiger gelingen wird, un- aufgeklärte Punkte durch noch so lange Reden aufzuhellen, od« Bewiesenes zu verdunkeln. Ich werde rein fachlich sprechen, ohne jeden Pathos. Die Vertheidigung darf ohne Ruhmrede von sich sagen, baß sie während der 5wöchentlichen Tragödie das ihrige gethan hat, um der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Ich nehme keinen Anstand, zu erklären, daß leder Richter keinen Vorwurf fühlte, wenn auch da» Resultat des Prozesses ein negatives wäre. Als Vertheidiaer werde ich mich bemühen, rein sachlich»u vlädiren. Ich komme sofort zum Kardinalpunkt: Ist das Bestehen einer geheimen ungesetzlichen Verbindung erwiesen. Dn Vortrag wird durch die Berufung des Kommissars Kammhoff unterbrochen, der mittheilt, daß Dastig den Saal verlassen hat, um vermuthlich auf das Buffetfräulein einzu- wirken. Rechtsanwalt Lenzmann: Er wird wohl das Büffet- ftäulein vor Beeinflussung durch die Polizei zu bewahren suchen. Harm: Ich habe Dastig damit beauftragt, da die Au»- sag: JäckelS auf mich einen fonde.baren Eindruck machte. Der Präsident ordnet an, daß kein Angeklagt« den Saal verlasse. Rechtsanwalt Lenzmann(fortfahrend): Das Gesetz aiebt kerne Definition de» Begriffs der geheimen Verbindung. Ich fuße auf dem ReichSgerichtSurtheil, dem ungünstigsten für die Angeklagten. Dasselbe definirt die Verbindung als einen Personenkreis, wo der Wrlle des Einzelnen einem andern Willen untergeordnet ist. Der Kommentator Holzhau« ver- steht unter Verbindung eine dauernde Vereinigung, die sich vom Verein nur durch den innigeren Zusammenhang der Mit- glied« unterscheidet. Die» ist auch etymologisch richtig. D« Staatsanwalt versteht aber etwas viel Luckeres darunter; er be- trachtet eine organifirte Partei als eine Verbindung. Das führt zu Ungeheuerlichkeiten, wonach Jeder, der fozialdemokratislye Agitation treibt, den§§ 128 und 129 verfällt. Wenn das richtig wäre, verstehe ich nicht, warum man nicht Anklage«- bebt gegen die 8- 900000 sozialistischen Wähl«. Vielleicht findet sich noch ein Staatsanwalt, der diesen Erffelthurm de» Elberfeld« Prozesses noch üb«steigt. In Deutschland ist ja Viele« möglich. Alle Parteien find so organisirt wie die sozialdemokratische, vielleicht noch besser. Ich habe hier das Organifationtstawt der freifinnigen Partei. Dieselbe hat ein Zentralkomitee, Schatz- meist«, Geschäftsführer, Ausschußmitglieder. Sie nimmt Geld- betrüge entaegen und vertreibt Broschüren. Ganz dieselbe Oc- aanifation findet sich bei anderen Parteien. Wenn die» V«. vmdungen find und wie bei der Zennumspartel mit der Her- beirusung von JesuitenpatreS Ungcsetzllchkeiten vorkommen, warum geht man nur gegen die Sozialdemokratie vor? Der Staatsanwalt hat aus d« geheimen Tinte, den Stich- warten und d«gl. die geheime Verbindung konstruirt. Wenn alle Gcheimnißihu«« strafbar wäre, warum wird nicht d« große Freimaurerorden verfolgt? Die Kriterien liegen bei diesem Orden nickt vor. Ihr Dasein, Verfassung und Zweck ist d« Staatsbehörde nicht verborgen und deshalb find sie nicht strafbar. Wenn einige Sozialdemokraten sich in den Schlei« des Gehermnisscs hüllen, kann man dies dock nicht ein« großen Partei zur Last legen. D« Zweck der Sozial- demokratie ist der Behörde bekannt, ebenso ihre Verfassung rwd ihr Dasein, das die Leute gar nicht v«hehlen, sondern stolz darauf find. Mit Recht sagt der Staatsanwalt, daß strafbar auch die V«bindung sei, deren Zwecke ungesetzlich seien. Er hat dasür die Verherrlichung des Meineids angeführt. Wenn irgendwo d« Beweis gegen dies erbracht ist, geschah es in dieser Ver- Handlung. Wie kann der Staatsanwalt annehmen, daß der verlesene anonyme Artikel eine Aiußerung der Partei sei. Er ist vielmehr da» Produkt eines chaotischen Kopfes. Ebenso ver» hält es sich mit der B-schuldigung der Nmfturzbeftrebungen- Viele Sozialdemokraten mögen Republikaner sein oder den sozialistischen Zukunfisstart erstreben; ab« Niemand wird die« durch eine in der Jetztzeit stattfindende R.volution zu««eichen suchen. Ich verlese einen Artikel des„Soz.", der die Vnwirk- lichung de» sozialistischen Programms ohne blutige Revolution für erreichbar halt. Wie 1792 oer Druck von Oben die blutige Revoln» tion herbeiführte, so ist es möglich, daß der Unvnstand der Gegn« d« Sozialdemok.atie eine gewaltsame Revolution h«' beifiihrt. Die Anklaaebehörde wirft den Angeschuldigten die V«- breitung de»„Soz." und verboten« Schriften vor; das sind Vergehm gegen das Sozialistenges« tz. Auf dem Wydenn Kon- greß wurde aus Aerger über die RechtloSmachung der Sozial- demokraten das Wort„gesetzlich" aus dem Programm ge- strichen. E« ist ungerecht, eine Aeußerung de« Unwillen», die vor neun Jahren geschah, jetzt noch der Partei zur Last t« legen. Jedesmal, wenn PoUzeispwne zu ungesetzlichen Handlungen aufforderten, haben sich zielbewußte Sozialdemokraten, wie z. B. der Abgeordnete Schumach«, dagegen v«wahrt. Schon der Selbsterhaltungstrieb muß die Leute abhalten, Un- gesetzliches zu thun. Der Staatsanwalt konstruirt da» Reat der geheimen Ver- bindung in doppelt« Richtung, als große allgemeine und als örtliche V«bindungen, letztere nur Glieder der allgemeinen Verbindung. Dem Siaaisanwalt ist bei Konstruirung der all- gemeinen Verbindung der RechtSinthum unterlaufen, daß« «ine verbrecherische Verbindung ohne weiteres für geheim hält. Wenn der Staatsanwalt dos F.eibera« Urlheil studirt hätte, würde« gefunden haben, daß Bebel nicht weg-n geheimer Verbindung verurtheilt wurde, sond«n weil er öffentlich Un- gesetzliche« gethan haben soll. Gegen da» Bestehen ein« allgemeinen geheimen Ver« bindung spricht die Schulung der Sofialdemokraten. die weit feurig«, weit sicherer für rhre Ziele eintreten, als Angehörige and«« Partkien. Sie folgen ein« geistigen Leiluna, welche die Organisation Lbe:flü!fig macht. Da» Gleiche findet bei der Zentrumspartei statt. Es ist unmöglich, daß eine allge- meine geheime Verbindung besteht, da die Sozialdemokraten auf« Schärfste bewacht werden. Trotz dieser Aufmelksawkcit der Behörden ist das hnbcigeschaffte Material winzig. Die allgemeine Verbindung rst weiter nicht» als ein Phantom. In allen Geheimbundprozessen seit Freiberg find östliche, ab« nie eine allgemeine Verbindung angenommen. Ich verweise am den Beschluß der Elberfelder RaihSkammer, die das Bestehen d« allgemeinen Verbindung vernemt. E« ist möglich, daß der„Soz." in Zürich eine Anzahl Per- sonen in Deutschland verbunden hat, um das Blatt zu verbreiten. Gegen derartige Baqatellen kämpft aber der Staat»- anmalt nicht;« will eine Verbindung feststellen, welche die ganze Partei umfaßt. Er sagt, d«„Sozialdemokrat" fei Parleiunternehmen und seine Leiter Angestellte der Fraktion Da« wird au» verlesenen Zeitung» arlikeln hergeleitet. 3* will nun auf einige Zeitungsartikel hinweisen, worin da» Gegentheil gesagt wird. In der AbonnemcntSeinladung m«- den Korrespondenten in Pari«, Amerika und so weiter gesucht; dies beweist den Charakter de« Blatte« als inter- nationale« Organ._ Dann heißt es in einem weiteren Artikcl, daß sich 100 000 Männer der strammsten Disziplin unterwerftit t da» heißt, daß die von dcm Blatte vertretene Idee dirse Leute beseele. Ein anderer Art kel spricht davon, man solle bei Serstige Disziplin nicht erschüttern lassen. D« Staatsanwott at den Worten Bebels, daß eine Unterschrift„die Parteioer- tung" unberechtigt geführt wurde, keinen Glauben beigemessen' Wir haben ab« dafür die Aussage von v:er auf d« Anklage- dank fitzrnden und zwei gewesenen Abgeordneten. ES liegt imr daran, die Glaubwürdigkeit de« Herrn Bebel festzustellen. � muß sich als ein im öffentlichen L-ben stehender Mann sagen- daß eine Unwahrheit vor Gericht ihn kompromittircn würde- Er würde sich schämen, eine so klemliche Lüge zu sagen. All«» würde man ihm verzeihen, aber nicht die Unwahrheit. Sein'w unbeeidigten Zeugniß wurde in Düsseldorf Glauben geschenkt, trotzdem vielleicht berbigte Zeugnisse entgegenstanden. W«n» « also sagt, der Arlikei rüyre nicht von oer Parteivertretung h«, so ist ihm einfach zu glauben. Er scheut sich nicht, un-ee seine Artikel den Namen zu setzen. D« angezogene Art»' rührt also nicht von der Partciv«aa anwalt Bezug auf die Berichte üb« den Parte«»? in Kopenhagen. D.rauS soll Hervorgehen, daß die Drua« in Hottingen.Zürich zu dem Zweck gekauft worden s«',?. -Soz." eine sichere Stätte zu schaffen. Der Satz schließt daß einige Züricher Sozial vemokraten und Conzett zu d>«> Zweck da» Geschäft gegründet, als Privateigenlhum. Auch zieht sich der Staatsanwalt auf die Motioirung der AuSwt'ln Bernsteins:c. Der angezogene Satz ist nicht ander« am» fassen, als daß in Zürich wohnende Deutsche das Geschäft v. gründet und die Herausgabe d-S„Rothen Teufel" erne P"� ......._......_.«Stz daraus. Die Ourttung kann keinen and«en Zweck haben. d« Welt darzuihun, daß 90C0 M. vom„Sozialdemokrai Parte, zuflassen. Gerade drese bes'......."" weis dafür, daß der„Soz." kein die Genossen zum Abonnement zu anrmrren, ,,a � gegeben, die Fraktion mit Geld zu untnstLtzen; e« m o � gleiches Versahren, wie da» d« Theater-Direktronen m> thätigkeitSoorstellungen. Eache Schlüters sei/ Die Staatsanwallschaft will beweisen, i«„Sozialdemokrat" Parteiunternehmen— h daß Uebcrschüsse desselben in sei, die Parteikasse wir damit rechnen, folgt dann daraus, daß der„Sozialdevt� krat" Parteiunternehmen fei? Gerade das Gegenth oder das Ganze aber Abrechnung keffen wir meint, den wer Die Zwistigkeitm des«.So»." mit den Abg. Bios und Hafer cikver und der Zwiespalt wegen der Dampferfubvention, ot« der«.Soz." sich anmaßte« der Fraktion Vorschriften zu machen, führten zu großer Entrüstung in der Fraktion. Da aber ein völliger Bruch mit dem.Soz." unthunlich war, weil wir bei unseren wunderbaren Polizeiverhältnissen kein sozia listischeS Organ in Deutschland hatten, wurden Bebel und Gullen berger nach Zürich geschickt, aber schroff abgewiesen. Das konnten doch Angestellte der Fraktion nicht wagen. Die Redaktion sagte einfach:«.Wir sinv nicht Eure Diener, sucht Euch andere!" Die Leute find nicht abgesetzt worden, weil fie nicht abgesitzt werden körn en. Und das sollen die Sklaven der Fraktion sein?-- Auf dem Kooenhazener Kongreß hat man sich ver- anlaßt gesehen, durch Mahnungen pädagogisch ruf den „Soz." einzuwirken. Die Zugehörigkeit des»Soz." zur Fraktion ist also nur ein Phantom. Wenn auf dem Kongreß in Kopen Hagen beschlossen worden wäre, die Bücher des„Sozialdem." einzusehen, so wäre daran nichts Bedenkliches, da ja deutsche Genossen Antheilscheine hatten, aber das ist nicht einmal ge- schehen. Die Staatsanwaltschaft sagt, die PartcifondS seien so be deutend, daß ein Einzelner fie nicht verwalten könne. Damit beweist der Staatsanwalt, daß er das Parteileben nicht kennt; wo sollte er es auch kennen gelernt haben. Auch die Fonds der freisinnigen Partei verwaltet ein Einzelner. Allerdings find Parteien bei der Verwaltung von Fonds nicht so bureaukra tisch, wie der Staat. Aug dem Fall Schackow will der Staats anwalt herleiten, daß Grillenberger Abweisung zur Verwen dung lokaler Fonds gegeben. Die Erklärung Grillen bergers ist aber ganz plausibel und glaubhaft. Er ver- ssügte über den Buchhändlcrgewinn zu Unterstützungs- zwecken und wies die Leute an, ernen Theil für lokale Unterstützung zu verwenden, ihm zu liefern, damit er es buchen könne. Bezüglich des Vertrirbs von Schriften Staatsanwalt bei einem Rechtsirrthum. Schriften herausgebe, die verboten werden könnten, betheilige sich an einer Verbindung und begehe ein Zukunftsdelikt. Das ist ganz unrichtig. Vom Verbot sollen nur auf den Umsturz hinzielende Schriften betroffen werden. Die Polizei geht aber viel weiter und verbietet alles, was aus Holtingen-Zürich kommt. Der Buchhändler Dietz hat einmal die Polizei kolossal herein- fallen lassen, indem er Broschüren über Mäusefraß in Um. schlägt binden ließ, die denjenigen eines verbotenen Kalenders glichen. Die Polizei verbot diese Schrift, ohne den Inhalt zu p.'üfen. Mit der Verbieitung unverbotener Schriften handeln die Sozialdemokraten gesetzlich, um sich gegen Ungesetzlichkeiten zu schützen. Die Verlagsanstalt von Woerlein u. Ko. soll die dienende Magd der Partei sein. Die Firma ist aber älter als das Sozialistengesetz und da man den Herren Grillenberger und Woerlcin nicht befehlen kann. Steine zu klopfen, so muß man ihnen den NahrungSzweig der Verlagsbuchhandlung lassen. Da er den hohen Adel nicht zu Kunden haben wird, so muß er die Arbeiterliteratur pflegen. Es ist aber vollkommen falsch, den Verlag zu belchuldigen, er befasse sich mit der Herstellung von verbotenen Schriften. HerrOertcl wird den Ausdruck.Werth zeichen" wohl einmal gelesen und ihn im vermeintlichen In« tercss« der Firma Woerlein angewendet haben. Es ist erwiesen, daß die Fraktion mit der»schwarzen Liste" nichts zu thun hat; fie ist Privatunternehmen des „Soz.". Den Zielen der deutschen Partei kann fie nicht dienen, weil auch Ausländer darauf verzeichnet seien. Einzelne FraktionSmitglieder haben aus Gerechtigkeitsgefühl die Streichung einzelner Namen befürwortet. Fest steht die Thalfoche, daß die Fraktion mit der»schwarzen Liste" nichts zu thun hat. Die Erklärung des Abg. Schumacker in der Voruntersuchung wurde von ihm selbst als nebensächlich be- firichnet und er hat erklärt, daß seine Aussage auf falscher Auf. assuna beruhe. Die Schiedsgerichte haben nur den Zweck, Zwistigkeiten auszugleichen, darin müssen die Fraktionsmitglieder ein Intel esse haben. Es ist weiter nichts, als ein Vergleichsgericht im gewöhnlichen Leben. Ebenso wie Viereck aus der sozial- d.mokratischcn, wurde GilleS aus der demokratischen und der »schwarze Cremer" aus der Zentrumspartei ausgeschlossen, weil deren politisches Gebahren der Partei nicht mehr paßte. Daß Legitimationskarten von den hervorragendsten Führern, also den Abgeordneten, auSaestellt werden, ist doch nur natürlich. Alle auswärtigen Polizeibeamten haben erklärt, daß fie von einem Verkehr der örtlichen Verbindungen mit der Fraktion nichts wüßten. Von dem naturgemäßen Verkehr der Genossen mit einzelnen FraktionSmitgliedern kann man doch nicht auf eine geheime Verbindung schließen. WoS die Kongresse betrifft, so sind diejenigen von Wyden und Kopenhagen für diesen Prozeß verjährt. Alle drei Kon- «risse halte ich für harmlos und durchaus unerheblich für diesen Prozeß. Im Auslände wurden fie abgehalten, weil fie in Deutschland nicht statifinden konnten, und Ort und Zeit wurden verheimlickt, um diplcmatische Intervention zu verhüten. heimlicht konnte von den Verhandlungen nichts werden, weil die Kon griffe von Spitzeln überwacht wurden. Ich erinnere an die Vorfälle nach dem Kopenhazencr Kongreß, wo Reichs- tagsabgeoidnele verhaftet wurden wegen angeblich dort ge- thaner Aeußerungen, die sofort den deutschen BeHorden über- Mittelt wurden._.._„ Der Wydencr Kongreß wurde allerdings vom»Soz." einberufen, aber die Redaktion hatte nur die Funktionen, wie der unbekannte Einberufer irgend einer sozialistischen Versammlung. Zu späteren Kongressen geschah die Einberufung durch die deutsche Presse. Wenn die Partei ein offizielles Organ haben muß, so war es natürlich, daß auf dem Wyden.er Kongreß erne Lanze dafür gebrochen wurde. Daraus geht aber nicht hervor, daß es Varteiunternehmen ist oder in Verbindung mit der Fraktion steht. Es ist Parteiorgan in dem Sinne, wre die»Kreuz- Zeitung" für die konservative Partei. Be, Letzterer hat sich »in ganz ähnlicher Fall abgespielt, wie zwischen dem»Sozial- demokrat" und FrakiionSmitgliedern; es hat ober Niemand angenommen, daß Herr v. Hammerstein Berather der konser- vativen Partei ist._ u u. Auf dem Kopenhagen«! Kongreß ist man über OcganisationS- uorschläge zur Tagesordnung übergegangen, well eine allze- meine Verbindung undurchführbar, weil ungefitzlich sei. DaS 'st entlastend für die Angeklagten. Auf dem St. Gallener Kongreß wurde die Diskussion über den»So»." nicht gestattet, weil fie nicht hingehörte. Die Anregung Wo dersk, s wegen des»Soz." wurde sofort abgewiesen, das steht fest. Alle Kon- greßtheilnehmer, Angeklagte wie Zeugen, haben erklärt, daß m St. Gallen nichts verhandelt worden sei, was mcht im Pro- tokoll stehe, und darin findet sich kein Wort, daß auf allgemeine Verbindung schließen ließe. Die Erklärung nach dem Fre, berger Urtheil, daß I-de Be- ; zu dem»Soz." abgebrochen sei, ist als wahr unbedingt Ziehung zu Einzunehmen. Ich wende mich nun zu den örtlichen Verbindungen. Das �eweismaterial ist ein sehr zweifelhaftes. Ich neige zu der An- »ahm?, daß nicht nur auf Seiten der Entlastunpszeuaen Meineide Aefchworen wurden, nein, auch aus Seite der Belastungszeugen. *>as Belastungsmaterial gipfelt im Wefintlicken in den Polizei- Berichten, die charakteristischer Weise nie aus Beobachtungen der Polizeibeomten beruhen. Dieselben haben die Angeklagten ge- fahren lassen, statt ungesetzliche Handlungen zu verhindern. m.'.? Polizeiberichte geben nur das wieder, mos uns unbekannte im icner i?" Polizei berichtet. Die Krmmissare Kammhoff und Aufing find keineswegs einwandssreie Z.Upen. Ich will fit nicht de« Meineids bezichtigen, aber Kammhvff, im Gefühl als Unterstützung der Anklage, hat stärker aufgetragen, als richtig war. Tie Aussagen Kammhoff'S und W-lfing's müssen mit der Reserve aufgefaßt werden, als die von Polizeibeamten, die die Anklage unterstützen wollen. In der That und Wahr- heit hat Kammhoff im Prozeß Bennrath ein Thatsoche eidlich geleugnet, die Saffel als wahr bezeichnete. Er hat hier vergessen gehabt, daß er 12 Stunden vorher mit Wimmers im Wirlhshau« zusammen war. Kollege Schweizer ist Zeuge, daß Kammhoff nur als Zuhörer einer Gerichttver. Handlung anwohnte. Des Meineids will ich Kommhoff nicht bezichtigen, aber ich glaube ihn nicht. Als der Präftdent die Verweigerung der Aussage wegen de« Zusammensein« mit Röllinghoss rügte, machte er eine falsche Zeitangabe. Auf die Frage, ob er seine Gewährtmänner bezahle, verweigerte er die Aussage, als er gefiagt wurde, ob er sonst Jemand Geld für Aussagen geboten, sagte er nein. Als Osenberg da« Gegen- theil bekundete, gab er eine geschraubte Erklärung. Wenn Wilfing sagt, er habe fich bei den Polizeiberichten keine Gedanken ge- macht, so erscheinen die ganzen Polizeiberichte gedankenlos. Aber ganz so harmlos ist Wilfing nicht. Die Kostfiau Bierenfelds wußte über die Zeit der Reise Bierenfelds nicht« zu sagen; Kom- wissar Wilfing bat aber gesagt:»Nun, dann woden wir Oktober schreiben!' Da« macht die ganze Amtsthätigkeit Wil- sing« für mich werthlos. Wenn der Staatsanwalt sagte, Weber habe die ganze Polizei blamirt, so unterschreibe ich diesen Ausspruch. Dc-S Verfahren der Kommissare Kammhoff und Wilfing wird fich schwer rächen. Präsident: Das wollen wir nicht hoffen. Nie hat die Polizei aus so schmutzigen Quellen geschöpft, wie hier. Das Gesetz verlangt solche Denunziationen nicht. Wenn man den Denunziant, der zum Polizeispion wird, als Ehrenmann bezeichnet, so lassen wir auch Inda« Jschaiioth zum Heiligen werden.»Der größte Lun p im gcnzcn Land, dos ist und bleibt der Denunz-am", aber noch schlimmer ist der Polizei spitze!! Staatsanwalt: Es ist mir nie eingefallm, die Ge- wöhrSmänner als Ehrenmänner zu bezeichnen. Rechtsanwalt Lenzmann: Dann freut es mich umsomehr, daß der Staatsanwalt mit mir die Polizeispione für Lumpen hält. Dann wird er auf da« Zcugniß von Lumpen kein Ge- wicht legen. Kammhoff hat uns die Nennung von Namen der Gewährsmänner verweigert; Jeder wird der Ueberzeugung sein, daß es bezahlte Polizeispione seien. Kammhoff kann nicht an die Zuverläsfigkeit seiner Gewähremänner glauben, denn es ist klar, daß man Lumpen kein Vertrauen schenkt. Staatsanwalt: Ich habe die Gewährsmänner weder als Ehrenmänner noch als Lumpen bezeichnet. Die hier ver- nommenen Zeugen dürfen nicht als Lumpen bezeichnet werden. Präsident: Es darf hier kein Schimpfwort gebraucht werden. R.-A. L e n z m a n n: Ich will mich nicht über das System der Aussageverweigerung auslassen. Wenn man aber das System anwendet, hat man keine Berechtigung, Schlüsse zu ziehen, wie fie die Anklage zieht. Von Berliner Richtern ist wiederholt ausgeführt, daß den Gewährsmännern kein Glauben zu schenken sei, wenn sie nicht genannt werden. Die Polizei mag ja Ursache haben, ihre Gewährsmänner zu verschweigen; aber es ist eine ungeheuerliche Zumuthung an da« Gericht, nach Berichten, die aus so trüber Quelle stammen, zu urtheilen. Es wurde uns nicht einmal gesagt, ob die Berichte mündlich oder schriftlich erstattet wurden. Ich komme nun zu den ein- zelnen Gewährsmännern. Zuerst muß ich ein« Erklärung des Staatsanwalts richtig stellen. Der Zeuge Weber hat uns selbst gesagt, daß er in die Arme der Polizei gelrieben wurde, weil er wegen seine« Schwager« Gefälligkeilen erwartete. Ich habe keine Ursache, die Selbstcharakteristik Weber'S anzu- greifen; er ist der Schlechteste noch nicht. Auf Befragen hat er zugestanden, die Polizei belogen und Biertisch aesvräche als Verhandlungen g-heimer Versammlungen berichtet zu haben. Entweder glaubt man dem Weber, dann find seine Berichte werthlo«, oder er bat einen Meineid geschworen. Und nun der verehrte Herr Wimmer».' Weber hat seine Schlechtigkeit eingesehen; WrmmerS dagegen hat fich hier noch gerühmt, seinen besten Freund Bleibtreu verrathen zu haben. Wir haben Wimmers auf Unrichtigkeiten ertappt. Der Zeuge Voß sagte bezüglich der angeblichen geheimen Ver- sammlung da« gerade Gegentheil. Wenn WimmerS die Polizei nicht belogen hat, so hat er eine rege Phantasie! Dann haben wir den Zeugen Münnich. Der Mann ist entweder ein alte« Weib, oder er ist psychologisch undenkbar. Ganz unmöglich ist seine Schilderung der Züricher Versammlung. Sein Zeugniß ist ganz weithloS. Dann haben wir noch den Herrn Röllinghoss, der ja auf der Anklagebank fitzt. Röllinghoss v rdient kein Ver- trauen. Er war Anarchist oder ist es noch. Er verdient den- selben Tadel, mit dem der Staatsanwalt einen anderen Ange- klagten belegt«. Wir haben Röllinghoss den Besitz einer be- deutenden Summe nachgewiesen; eine Wartefrau kann so viel Geld ihrem Mann nicht geben. Wir haben da« Gefühl, daß Röllinghoss bezahlter Polizeispion ist. Wir haben Röllinghoss Unwahiheiten nachgewiesen, so bezüglich des Ausflugs nach Vohwinkel. Hier hat der Staat kein Interesse an der Verheim- lichung, und wenn Jockel die Aussage verweigert, ob er in Sachen Röllinghoss« in Vohwinkel war, so ist das eine Bestä- tigung. Es bedarf kaum des Hinweifis, drß er nach Bekun- dung eines Zeugen sich in cynischer Weise über den Eid äußerte. Und dem Mann wollen Sie glauben, der au« Haß gegen Harm aussagt? Bei jedem objektiven Gericht ist die Glaubwürdigkeit de« haßerfüllten Zeugen erschüttert. Frau Röllinghoss glaube ich so wenig wie ihrem Mann. Sie war Sozialrcvolutionärin und geht j-tzt wieder in die Kirche. Ich freue mich auch über jeden Sünder der Buße lhut. Aber Frau Röllinghoss ist mit einer Lüge vor Gericht getreten. Ich glaube, daß ihr der Brief diklirt wurde, von wem weiß ich nicht, ich will auch keine Ver- muthung aussprechen. Trotz de« Versprechen« Röllinahoffs hat er mit seiner Frau gesprochen und hier ihr noch zugeflüstert. Die Frau hat den Eid nicht geleistet.--- Die geladene Büffetdame ist erschienen und wird ver- nommen. Zeugin Frau Gürtzemacher aus Vohwinkel(vereidigt): Es wurde an mich ein Brief abgegeben, ob ich ihn an Rölling- hoff abgegeben weiß ich nicht. Ein Herr fragte nach dem Briefe und bekam ihn; die Adr.sse weiß ich nicht mehr. Ob der mir vorgestellte Herr(Röllinghoss) mit Jäckel sprach, weiß ich nicht. Ich gab den Brief an den Kellner und dieser an den Herrn. Zeuge Schulte: Daß Röllinghoss einen Brief am Büffet erhielt, habe ich nicht gesehen. Es war in der neunten Stunde. Zeuge Jäckel: Ich bin mit dem Zug um 8 Uhr 41 Min. abgefahren. Schult«: In der Stunde kann ich mich getäuscht haben. Ich habe aesehen. daß Röllinghrss von Jäckel ein Schriftstück erhielt.(Nach längerem Befragen): Es ist möglich, daß ich mich geirrt habe. Es kann fein, daß Röllinghoss den Brief von einem Andern gehabt und bei der Unterredung mit Jäckel in der Hand hatte.(Der Zeuge wird vereidigt.) Rechtsanmalt Dr. Schweitzer: Hat der Mann, in dem Sie Röllinghoss erkennen, öfter dort verkehrt? Zeugin Gürtzemeyer: Das weiß ich nicht. Vevlammlungeu. Die Militiirfchueider hielten vor kurzem eine öffentliche Versammlung in Jordan'« Saal, Neue Grünstroße, unter Vorfitz de« Herrn Rolvff ab, um zunächst den von der Lohn- kommisfion ausgearbeiteten Lrhntarif durchzuberathen. Derselbe wurde nach lebhafter Debatte mit geringen Aenderungen an» genommen. Die Akkordpreise erfahren räch demselben ein« Er- höhung ron rtva 25—30 pC>. Der Stundenlohn ist auf 50 Pf.(früher wurden 35 Pf. gezahlt), die täglich« ArbeitSzerr auf 10 Stunden festpesetzt worden. Für Sonntage und Nacht- arbeit soll nach dem Tarif, gleichviel, wie lang die AibeitSzat ist, eine Vergütiaurig von 6 Mark gefordert werden, während bis jetzt nur 3 Mark gezahlt wurden. Die Lohnkommisfion wurde beauftragt, diesen neuen Tarif baldmöglichst den Meistern vorzulegen, sowie gleichzeitig den Aushang des angenommenen Tarife« m der Werkstelle zu fordern. Wenn auch ein Streik nicht sonderlich bc- fürchtet wurde— seit 1873 ist keine Lohnerhöhung einae- treten— so wurden doch alle Vo bereitungen getroffen. So wurde die Lohnkommisfion beauftragt, die Agitation auch ruf Spandau auszudehnen, dort Versammlungen einzuberufen, sc- wie überhaupt durch ein Flugblatt die Kollegen in anderen deutschen Städten, namentlich m Hannover auf die Sachlage aufmerksam zu machen, damit dieselben nicht während eine« eventuellen Streiks Arbeiten für Berliner Werlstätten anfertigen. Die Anwesenden wurden ermahnt, kcire »Schweine zu treiben", das heißt kurz, bevor e« ent- schieden ist, od ein Streik emtreten wird oder nicht, Arbeit aus den Geschäften zu entnehmen und fich zu gleicher Zeit, also bezahlen zu lassen, noch ehe die Bestellung ausgeführt ist. Nachdem noch einstimmig beschlossen worden, daß die Kollegen einer Weikstatt sofort die Arbeit niederlegen, wenn ein Mitkollege gemaßregelt wird, und die die A beit nicht eher wieder aufnehmen, bis der Gcmaßregelte wieder eingestellt ist, wurde eine ErgänzuncSwahl zur Lohnkommisfion vorgenommen. Die Wahl fiel auf die Herren Höhne und Herzfeld. Nunmehr wurde in die Frage der G ür-dung eines Vereins eingetreten. Herr Täterow wies auf die Roth wer- big» keit eines solchen hin, eine« Theil«, um etwa errungene Vortheile festzuhalten und den Boden zu weiteren Verbesserungen in Bezug auf die ArbcitSrerbältnisse zu haben, andern Theil« um die unter den Militär- schneidern in ihrer großen Masse noch sehr notwendige Auf- klämng zu verbreiten und das Gefühl der Solioarität zu an» deren Arbeitern zu wecken. Bis jetzt kenne die Mehrzahl der Kollegen diese« Gefühl noch nicht. Sie sollten tüchtig unter einander agitiren und auch versuchen, die Konfektionsschnerder in die Reihcn ihre« Vereins zu ziehen.(Lebhafter Beifall.) Nachdem noch mrhrere Redner im gleichrn Sinne gesprochen, wurde einstimmig die Gründung dcS Verein» beschlossen und die Herren Schulz Roloff, Jerwin, Weigelt, Heime«, Z esmer und Kufemann in den Vorstand gewählt. Gegen 100 Kollegen ließen sich sofort als Mitglieder aufnehmen.— E.n put.» Zeichen für die aufblühende Bewegung unter den Milirär» schneidern Berlin«! *»* Möbelpolirer! Lm ersten ffeicrtae stndet im Echweijeraarten awSö!?ikSibor eine Matinee, vom Verband veranstalte!, für einen lranlen Kollegen statt P o» aramm lehr rcichballiti und abwechselnd Billett» 80 Ps find noch»u haben b,i Gräber, Grüner Weg SS, Vau, Briinnenftn 9t, Buck, Eorauerstr 5, Weber, gliederftr, 6, ist-Itter, g tedenftr, 52; Lederdause, Otaniinftr 169; Bansee, R-ichenbergerstr, 29; Asch, Wärtberstr, 61, sowie in den Zahlstellen, bei Site, Zihdenickeistr, 2; Hinke,«lumcnstr, 88, MoriS. Mant-ustetstr. 27. Alle Kollegen und Bekannte werden aebete» d-i guten Zwecke wegen zu ,r- schcii en. Am 2. n eiertag Abend» 6 Uhr bei Henke, Blumenftr 88. geu ü htitrt Veisammenlein mit Tanz, Vorträgen und Kinderbescheerung, Die Kollegen mir ihren Farni.ien find willkommen, Aozialdimokrattrchine Koseklud„L»s|ms". 1. Weihnachtii-ieetoq tNachwittogt 4 Uhr); Bemüthliche» Zusammenrein im V- rein»lokal,»all. strafte 20. Nächster Lese Abend Montag, den 6 Januar 1890 Da» Gl schrill«! aller Mitglieder sowie recht vieler Gäste ist sehr irwllnlcht Ken Mitglt»v»rn d,» O«rtin»r Aeb,i»»r-Kilt>««>a«o»r,t«« wird hterrnit zur Kenntniz gebracht, bat Billett zu c mäitiglen Preisen unk zwar statt I M, sllr 20 Ps, zu d-n Vorstellunaen der llranta tAuiftillung« Pa.r> bei dem B-bltothetar de» Verein» am ersten WeidnachtSseiertag, Vormittag von 10-Ii Udr im Gnadtschen Lokale, Brunnenstr, 88, zu haben st ad. Der Vor. stand I, A,, Hvao Lehmann, Slellirerstr, S, l Tr, «roste öffentlich» Kchneiderversameninng am 27, Dizemder <8, geiertaa) in der Brauerei KöniaftaM, Schönhauser Allee 10/11, Vormittag» 11 Uhr, Tagesordnung; 1 Die Zukunft de» Hai-dwerk«,»rohpeoduktion od-r Ktelnbetrleb rew tw-idn-tiMdenie»? liteseient Kollege A. Zülerow, 3 D,». kusfton, 8 Da« Resultat der Verdandtungen der Etebeneikommisllon mit den Gelchäsl»tnhabcrn der Konsektsonlnrrnen und die in Auistcht gestellte Lada. ausdesterung, lÄ'ÄfliSÄ'Mfaä1«"" erwä'zigten Preisen statt 1 M, für Iln» und Umgegend zur Äächiii der Urania zu erwäzi im Gnadrschen Letale,"«lünnenstr, 88, haben sind, der Zimmerer Ber- ... zu den Vorstellungen de DetztefAfisn. Wie«, 23. Dezember. Wie eine Privatdepesche des»Berk. Börsen. Courier" ars Wien meldet, ist Doktor Heimann Bnhmer, der Besitzer der berühmten Görbertdo ser HeilanstaU für Lungenkranke, am Soni tag gisso den. (M-lff'« eelegraphsu-Kn-ra«.) Dan/ig, 23. Dezember. Der frühere Landesdirektor Dr. Wehr hatie am Sonnabend Nachmittag dato nach seiner E n» lieferung hierseldst eine zweistündige Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter, Landgerichtsralh Thun, und btreb alsdann in Untersuchunashaft. Saaebriicken, Montag, 23. Dizemder. Die grstcrn im Schnappachcr Walde stattgehabte Versommlung von BcrownkS- arb eitern beschloß, die Arbeit wieder oufzunehmcn und die zrm 1. Februar k. I. die Erledigung der Wünsche der Arbeiter ad» zuwarten. Saart>riicke«» 23. Dezember. ES istbeute Allrs angefahren auf den Gruben Kohlwald, König, Reden, Jtzcnplitz, Schwaldaeb, Camphausen, Maybach, FriediichSlhal, Goetteibo.n, v. d. Heyb, Sulzbach, Dudweiler und Lou>senthal. Die Giude« Heinitz und Dechen werden auf behördliche Anordnung erst cm Freitag die Arbeit wieder aufnehmen. Kol», 23. Dezember. Nack eine Meldung der»Köini» scheu Zeitung" au« Saarbrücken haben die vsruriherlten Vorsteher des Rechtsschutz. Verein«, Warken, Bachmann und Müller die Bewilligung erhalten, am 2. Januar wieder an» zufahren. Wie», 23. Dezember. Der Direktor des HofburgtheaterS Dr. Förster ist gestorben. Wie«, 23. Dezember. Nach weiteren Mittheilungen über Tod vis Dr. August Förster wurde dessen Lache«ms dem Hochreitkogel aufgesunden. Dr. Förster, welcher seine freien Tage mit Vorliebe im Semmering-Hotel verlebte, hatte gestern Nachmittag einen Spaziergang unternommen, vom welchem er nicht zurückkehrte. Charleroi, 23. Dezember. Der Streik der Kohlengruben» arbciter hat heute früh eine bedeutende Ausdehnung angei omwen. In den Kohlengruben von Mcmbourg, Rochelle, Fleurrs, Lambussart ruht die Arbeit vollständig, in denjenigen von Ann» coeur, sowie in den vereinigten Gruben von ScerS Matawe, PoyS de Lräge� Trien-Karfm, Baycmont, Ormont und Bour» bier Iheilweise. Die Zahl der Streikenden wird aus ca. 5600 geschätzt, für morgen wird eine weitere Ausdehnung de« Streik« erwartet. Die Ruhe ist nirgend« gestört. NeW-No»k, 23. Dezember. Nach einer Depesche au« Rio " v gegen den Kaiser Dom Pedro erlassene Vir ordnei da« Bod«r Brafilien« zu betreten. «-K.MKW ää Dollars geschätzt. Q Weg«n Umwandlung in eine O Genossenschafis-Bank O fallen fabelhaft billigen Preisen--mz-ln-m-. w verkauft werden: S Teppiche ,,.>»» Mebefehlern O CO(tt* dl II Cll«inj, In» zurüilgifrtzl«!il II Ii e e& 8 sowie das ganze Lager von ev Kleiberstoffen, Herren- n. Damen-Masche| O_ im Eckladen Alexandervtravve 20a, gj» ßnlrmar�Rri�*._? i h n a c h t 1889. G. Scharnow's Bngros Uhren- Fabrik ExPort BerllD S.J am liloritjjjlalj, Ecke Oranienftraße 152. besteht seit 1860. Anerkannt beste Bezugsquelle. Nickel-Remontoir-Uhren...... Silberne Cylinder-Uhren...... do. Ancre-Uhren, 15 Steine... Goldene Damen-Ühren, 14-kar.... do. Ancre-Herrm-Remontoir-Uhren do.,„ mit 2 Goldkapseln do.*»* �_* (Schutzdeckel)... Regulateure, 14 Tage gehend, ca. 1 m lang do. in polirtem Nußbaumgehäuse Wecker-Uhren.......... Garantie bis zu 5 Jahren.'S ZUnstrirte Preisverkeichnisse gratis«. franko. Z 90-250 Mk. 10 Mk. an 14., 3�0.. •tfSJ ..s®. 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Meinstr. 28 395(Ecke Oer Höchstenstraße). BMige Reste zu großen u kleinen Hosen, zu Anfügen Morgenkleidern, Regen- und Winter-Manteln Plüsch, Krimmer, Pelz, Sammet, Trikot z» Taillen, auf Wunsch gleich zugeschnitten. 1111 Karle, Laufitzer Platz 1(Ecke Waldemar str Allen Freunden und Bekannten theile ich i hierdurch mit, daß ich meine Kchankwieth- fchaft» G bürg waren. Herr Kammhoff setzte fich allerdings elegant darüber hinweg, indem er sagte:„Nun dann hat sich eben mein Gewährsmann geirrt!" Das kontrastirt'aber auffallend mit der behaupteten„Zuverlässigkeit der Gewährsmänner". Unrichtig find ferner die Berichte, daß Ullenbaum sen. bei Simons Erben gearbeitet habe und das Gedenkblatt bei Grimpe gedruckt sei. Letzteres wird von mehreren Zeugen bestimmt und mit Recht bestritten. Auch mit der Broschüre„Unschuldig zum Tode verurtheilt" verhält es sich so. Da ist ferner da« von der An» klage angezogene Sparkassenbuch ThielmannS, da«,.wie nach» gewiesen, gar nicht dem Angeklagten Thielmann gehört, son» dern einem Thielmann, der der Anklage ganz fern steht. Auch über die sogenannten Parteitage ist falsch berichtet. Wenn so ein Gewährsmann zwei bis drei Mann zusammensah, so ent- wickelte fich die« in seiner polizeilich erregten Phantasie zu einer kompletten geheimen Versammlung. Den Berichten der Ge- währSmänner ist also kein Glauben beizumessen. Ein Münchener Urtheil hat auch die Berichte von Gewährsmännern, die nicht vor Gericht erscheinen, als für unglaubwürdig erklärt. Es fragt fich also, ob wir außer den Polizeiberichten noch anderes Beweismaterial für die geheime örtliche Verbindung hab«n. In den Augen der Gewährsmänner wurden Wirths» Hausgespräche zu geheimen Verhandlungen aufgebauscht. Die Wirthe haben aber bekundet, nichts Auffallen» des und keine G.-Heimnißkrämerei bemerkte zu haben, nur ein Gespräch zwischen politischen Freunden. Das Gesetz verbietet aber solche Gespräche nicht, auch nicht Spaziergänge. Die Leute haben einfach statt unerlaubter Versammlungm den gesetzlichen Weg der Privatbesprechung gewählt. Es ist viel Aufhebens gemacht worden von den Versamm- lunzen wegen der„Fr. Pr." und deren Verhältniß zur Fraktion. Harm hatte fich jedesmal dagegen gewehrt, wenn man fein Privatunternehmen expropriiren und zum Partei- eigenthum machen wollte. Eine Preßkommission kann ja be- standen haben, wenn man Bleckmann Glauben schenken will, aber weder Harm noch Grimpe wollten etwa« davon wissen. Zu den Besprechungen wurden auch Leute von der demokra» tischen Partei zugezogen, die« beweist, daß es keine Patei-Be- sprechungen, sondern Verhandlunden über ein Privat-Unter- nehmen waren. Wenn Wimmers über die Versammlung bei Voß be- richtete, hat er entweder fich oder die Polizei getauscht. ES kann ja über eine beliebige Person in Zürich ge- sprachen worden sein, ohne daß dies den„Sozialdemokrat" betraf. Was den Parteitag m Blankenstein betrifft, so haben wir b'er bi« zum Ueberdruß davon gehört. Aber alle vierzig Z.'ugen haben die Polizeiberichte n r ch t bestätigt. Eine Rede wurde allerdings zu halten versucht, nämlich von dem Zeugen Hoppe, dem„Eifinder der Schloßfabrikation", wie er fich nennt. Aber Hoppe ist, wie ihn ein Zeuge richtig bezeichnete, ein „Ouaffelkopf". Der Ausflug nach Langenhau« war ein verbotener Aufzug, wie er ja durch gerichtliches Urtheil festgestellt worden, aber keine politische Versammlung. Ueber die sogenannte Ver- sammlung in der Beek ist unrichtig oder übertrieben berichtet worden. Der Staatsanwalt ist nicht Gedankenleser und kann also nicht behaupten, daß im Neanderthal ein« Versammlung stattgefunden hätte, wenn die Polizei nicht eingeschritten wäre. Ingo er Dechenhöhle bei Iserlohn kann kein Parteitag gewesen sein, da nur einige Personen da waren, aber nicht einmal die Führer der dortigen Sozialdemokraten. Da nach dem Ausspruch Montecucculis zum Kriegführen Geld gehört, so sammeln auch die Sozialdemokraten Geld, gerade wie ander« Parteien. Wenn aber eine straffe„Ver- bindung" bestände, so würde man feste Beiträge erheben und fich nicht auf so unzuverlässige Geldquellen stützen, wie Ertrag von Konzerten, Festen u. dgl._ � Der Verkehr mit Abgeordneten war nichts Anderes als der Verkehr zwischen Person und Person. Wenn ein anderer eristirte, so würden die Berliner, Magdeburger und andere Polizeibeamten mehr davon zu bekunden wissen._ Der Staatsanwalt zieht das Abonnement auf den„Sozial- demokcat" an. Dies geschah aber nicht, um da« Unternehmen zu stützen, sondern der pikanten Lektüre wegen. Wir wissen, daß viele Personen den„Sozialdemokrat" direkt au« der Schweiz bezogen. Ändere haben wohl AbonnementSgelder hier entgegen- genommen. Da« Abonnement ist ein vielgestaltige« und eine allgemeine Verbindung zur Verbreitung des„Sozialdemokrat" Was die Flugblätter betrifft, so ist hier durch zwei Zeugen bekundet, daß solch, auch von wenigen Personen herauSpegeben worden. Daß sich zu einer Flugblattverbreitung eine Menge freiwilliger Kolporteure melden, kommt daher, daß die Leute glauben, dadurch die Interessen ihrer Partei zu fördern. Eine Verbindung braucht e« dazu nicht. Wir haben gar nichts gehört, wie die Klub« fich rekrutiren. Der von Röllinghoff angegebene häufige Wechsel der sogenannten Vorsitzenden deweist, daß da« Ganze nur eine sehr ephemere Sache war und man gewöhnlichen Zusammenkünften den hoch- trabenden Namen„Klub" beilegte. Alle« das wissen wir nur von Röllinghoff, den ich gestern als unglaubwürdig genügend kennzeichnete. Da« Darlehen Kamhoff» an Bleckmann bedarf auch noch der Ausklämng, da Polizeibeamte sonst wenig geneigt sein dürften, an Sozialdemokraten Darlehen zu geben. Ueber da« Elberfeldcr Komitee ist gar nichts Bestimmtes bekundet. Wenn dasselbe Vergnügen veranstaltet haben soll, so weise ich auf das Verfahren von Komitees anderer Parteien hin, die noch mehr thun. Die Mitgliedschaft an der Verbindung ist noch nicht er- wiesen durch da« Halten des„Soz." Wenn dies wäre, mußten fämmtliche Abonnenten des„Soz." unter Anklage gestellt werden und wir bekomm einen„Emelthurm-Prozeß" in zweiter Auflage. Auch die Betheiligung an Sammlungm beweist keines- vegs die Zugehörigkeit zu einer Verbindung. Viele Mmschm- freunde, die nicht Sozialdemokraten find, gaben z. B. für den Hafm clever fonds. E« bleibt noch die Verbreitung verbotmer Druckschriftm. E« hieße aber das Kind mit dem Bade ausschütten, wmn man au« dem Bezug oder Besitz verbotener Druckschristen die Ver- breitung herleiten wollte. Kammhoff, Puttkamer, auch ich hiel« tm dm„Sozialdemokrat"; so werden Viele sein, die ihn zur Information hielten. Alle diese würdm autscheidm; einige würden ja wegm Verbreitung de«„Soziald." bestraft werdm können. Ich komme nun zu dm auswärtigen Angeklagten. Als der -„------.ti. r.1�„ � C. �''-— c.-- _____ hat die Sozialdemokratie das Aufkommen des Anarchismus verhindert, der nur in einzel- nen unklaren Köpfen, wie Röllinghoff, spukt. Da« Argument des Staatsanwalts paßt nicht, um die exorbitant hohm Strafan träge zu begründen. E« wäre bedauerlich, wmn Herr Bebel wegen seiner öffentlichen Thätigkeit, woran» er gar kein Hehl macht, ver« urlheilt würde al« Vorsteher einer geheimen Verbindung. Was sollte denn Herr Bebel noch thun? Der Staatsanwalt meinte allerdings, er hätte die Verbreitung de«„Soz'" verhindern sollen. Wer aber glaubt, Bebel wurde sich zum Handlanger der Polizei machen, der kennt August Bebel nicht. Die Zu- muthung, daß er sich al« Sozialdemokrat a. D. penfionirm lassen und auf öffmtliche Thätigkeit vernchten sollte, kann man an Bebel nicht stellen. E« ist zu berücksichtigen, daß der Brief von ihm an Schumacher, vom 9. April 1888, zur Evidenz dar« thut, daß Bebel von dm Vorkommnissen im Wupperthal nicht« wußte. Dieser Brief ist nicht gemacht, er war ja nicht de- stimmt, in die Hände der Polizei zu fallen. Es wäre eine Be- leidiguna für Bebel, wenn ich noch weiter feine Unschuld dar- thun sollte. Die Unschuld Grillenberger'« liegt auf der Hand; seine Wahrheitsliede steht außer Zweifel und man muß dem Glau- den schenken, was er über seine Person sagt. Der Woerlein« sche Verlag ist nicht«, al« ein Parteiunternehmm. Seine Reise nach Elberfeld ist genügend erklärt; er sprach geschäftlich mit seinem Freund Harm und mit Grimpe. Ist denn die Freundschaft dm Sozialdemokraten verboten? Auf den omi« nösm Brief aus Ohligs legt da« Gericht keinen Werth und ich auch nicht. Wenn es noch eine Potenz der Unschuld giebt, so laborirt daran der junge Herr Oertel, der nicht« andere« gethan, als die Aufträge seines Prinzipals auszuführen. Mit dem gleichen Recht hätte auch das gesammte Druckereipersonal hierher ge- laden werden müssen. Eine ganze Anzahl anderer Angeklagten laboriren daran, daß ihnen au» Rendsburg Packete zugesandt wurden. Der RathSkammerbeschluß nimmt mit Recht an, daß gar kein Be- weis dafür da sei, daß diese Packete verbotme Schriften mt- hielten. Wenn bei einem Mann verbotene Schriftm gefunden werdm, so soll er nach der Anklage die Verbreitung beab» sichtigen, und wenn keine bei ihm gefunden werden, soll er sie bereits verbreitet haben. Es ist erwiesen, daß die Packete an Leute kamen, die gar nicht Svzialdemokratm waren; da« be- weist, daß die Packete nicht auf Bestellung kamen. Was Breuer betrifft, so kann da« Packet nur an Drüge aekommm sein. In diesem Falle soll man e« also mit einer Deckadresse zu thun habm, während die andem Angeklagten es direkt er« hielten. Cramer, der bekannte Darmstädter Sozialdemokrat, sollte so unvorsichtia gewesm sein, fich die verbotene Waare direkt kommen zu lassen?— Bezüglich Hagedorn« liegt nur eine Packetadresse vor. Da« Packet soll an seine Frau ge- kommen fem, obgleich er keine hat. Da« beweist die Unzuver« läsfigkeit der Bescheinigungen von Postbeamten. E« ist bloße Vermuthung, daß der Name Hagedorn auf der Schumacher- schm Liste ihn al« Empfänger de«„Soz." bezeichnet. Gegen Nielsm liegt nur ein Kassiber vor, dm ich für ganz harmlos, ja entlastend halte. Balduin Weiß hat da« Glück, daß noch eine Dame Georgine Weiß existirt, die ebenfalls Konsumsvereinsoorstand ist. Nun kommt ein Packet an G. Weiß, daß der Postbote an Balduin Weiß abgegeben habm will. Da« beweist wieder, daß der Rendsburger Absender nicht auf Bestellung oder systematisch verschickte, sondem auf gut Glück. Gegen Herm Jserloh liegt gar kein Grund zur Verurtheilung vor. Er hat au« gutem Herzen 50 M. für dm Hasenclever- fond« gegeben und ich frme mich jedesmal, wenn ich von gutm Menschen in meinem Wahlkreise höre. Er hat der Polizei einm knabmhaften Streich gespielt, worüber er fich sehr fteute.- Die Adressen hat er fich aufgeschriebm, weil er al« sehr jung sich noch über die Sozialdemokratie be« lehren will. Gegen Herm Meist liegt weiter nicht« vor, al« daß er Reich«tag«kandidat ist und sich auf feinen Geschäftsreism über Politik unterhält. Da« ist aber sein gute« Nicht. Gegen Rein«- dorff spricht nur da« Zeugniß der Frau Wind. Dieselbe bat aber selbst fich an der Verbreitung de«„Soz." betheiligt. Sie ist verdächtig in den Augen jede« Unbefangenen, von der Wahrheit abgewichen zu sein. Ich bedauere, daß sie zum Zeug- niß veranlaßt wurde, nicht gerichtSseitig, sondem polizei« seilig. Durch entstellte Hinterbringung einer Aeußerung ihre« ManeS ist sie von Kammhoff zum Zeugniß veranlaßt morden, eine Handlung, die ich für ebenso unschön halte, wie die Vor- führung de« achtjährigen Knaben Pfeiffer. Ein hoher Gerichtsbeamter soll gesagt habm, e« wäre besser gewesen, au« diesem Prozeß zehn bi» zwölf Schöffm- oerichts-Verhandlungen zu machen. Der Prozeß wird bedauer- licht und unerfreuliche Folgen habm. Die Angeklagten find in ihrem Erwerbsleben auf Wochen gestört morden; da es wackere Leute sind, werden sie zu ihrer Arbeit zurückkehren. Aber der Prozeß wird die Folge haben, daß die Sozial- demokratie fich in noch weitere Kreise ausbreitet. Das Recht«- bewußtsein de« Volkes würde durch eine Freisprechung ge- stärkt: überall, in den Salon« wie in der Bürgerstube, ist die Sympathie auf Seiten der Angeklagten. Ich schließe mit dem Wunsche, daß man überall sagen möge: E« giebt noch Richter in Elberfeld! Möge die Freisprechung trotz aller Polizeimachinationm erfolgen. Do* wünsche ich dm Angeklagten. Hier tritt eine Pause ein. da R.-A. Dr. Schweizer vor- zieht, sein Plaidoyer ohne Unterbrechung zu haltm. Bei der Wieoereröffnung ist R.-A. Lenzmann abwefmd. Präsident: Von R.-A. Lenzmann wurde behauptet, Kommissar Kammhoff hätte fich eine Unrichtigkeit zu Schuldm kommen laffm, indem er bei einer Vemehmung sagte, er käme von einer Untersuchung, wo er 15 Zeugen gehabt hätte. R-A. Dr. Schweitzer: An demselbm Tage, wo Kamm- hoff vernommen wurde, hatte ich eine Verhandlung vor der Strafkammer, in welcher Kommissar Kammhoff al« Letzter von 15 Zeugen war. Ich glaube, daß die Sitzung am 13. war, da« kann leicht festgestellt werden. Der Präsident erklärt, daß diese Vemehmung Kamm- hoff« am 5. Dezember stattfand. R.-A. Dr. Schweitzer: Nach dm AuSfühmngm> Lenzmann» könnte tl mir leicht fem, mich ihm anzuschließen. Aber ich werde mir erlaubm, da« vorgekommene Material noch einmal sachlich zu behandeln. Der Staat«- anmalt hat auf eine Reihe von Artikeln de«„Soz." hin- gewiesen und ausgeführt, daß die Sozialdemokratie revolutionär fei. Er ist weiter gegrngen, als nothwendig war zur Prüfung der hier vorliegenden Slrafthaten. Die Sozialdemokratie als solche arbeitet nicht auf dm Umsturz hin: da« Sozialistengesetz bekämpft auch nicht die Sozialdemokratie als solche, sondem nur umstürzlerische Bestrebungen. Darauf wurde auch bei Be- rathung des Sozialistengesetzes hingewiesen, wie fich auch au« einer nationalliberalen Broschüre über diese Verhandlungen er- giebt. Man kann den Satz aufstellen, daß die Theorie der Sozialdemokratie revolutionär sei; daß hat sie aber gemein mit vielen Theorien. Das heutige Staatswesen ist nicht mehr da«, wie vor einigen Jahrhunderten. Damals warm die Be- strebungen zur Aufhebung der Leibeigenschaft auch revolutionäre. Ich will nicht untersuchen, ob die Ziele der Sozialdemokratie Utopim oder in absehbarer Zeit zu verwirklichen find. Ich will aber die Angeklagten dagegen in Schutz nehmen, daß sie als Sozialdemokraten ipso facto auch Revolutionäre feien. Auf den Kongressm haben fich die Sozialdemokraten entschieden gegen den Anarchismus erklärt. Am 20. Mai 1888 hat Bebel, als er von der Anklage gegen ihn noch nicht» wußte, sich im Reichstage dahin ausgesprochen, daß im Pcogiamm der Sozialdemokratie nicht« enthalten sei von dem, was die Lock- spitze! behaupten. Eine Aenderung der Gesellschaftsform strebe die Sozialdemokratie an, über da« Wie fei aber die Partei nicht einig. Gerade da» unterscheide die Sozialdemokratie von früheren Bestrebunaen, daß sie auf dem Boden der Entwicke- lung stehe. Das Revolutionsmachen überlasse sie den königlich preußischen Lockspitzeln. Da« ist der Gedankengang Bebel« und e« ist ihnwvoller Glauben zu schenken. Den Angeklagten wird Vergehen gegen die§ 128 und 129 vorgeworfen. Welches ist die Definition von Verbindung? Da« ist in Reichsgerichtsentscheidungen festgestellt. Die„Ver- bindung" verlangt einen Personenverband, einen dauemden Zweck und die Unterordnung des Einzelwillens unter den Gesammtwillm. Wenn allein die Vereinigung mehrerer Per« sonen die Verbindung ausmacht, so müßte jede organifirte Partei als Verbindung aufgefaßt werden, und organisirt sind alle Parteien. Sie könnten also, wenn sie ungesetzliche Ver- bindungen wären, auf Grund de« preußischen Vereinsgesetze« bestraft werden. Da» ist bis jetzt Niemanden eingefallen: alle diese Organisationen bestehen unangefochtm unter den Augm der Behörden. Den Angeklagten wird nun vorgeworfen, sie seien Theil- nehmer an einer allgemeinen geheimen Verbindung, die gesetz« widrige Zwecke verfolge. An deren Spitze soll Bebel stehen. Ich habe bereits gesagt, daß et unmöglich ist, au« der allge- meinen Parteiorganisation auf eine allgemeine Verbindung zu schließen. Die Anklage geht davon aus, daß der„Sozial- demokrat" Zmtralorgan der Partei sei und im Zusammmhana mit der Verbindung stehe. E« ist hinreichend aufgeklärt, daß der„Soz." einzig und allein eine Privatunternehmung einzelner Leute ist. In dem von der Anklage angezogenen ersten Artikel ist lediglich eine Aussorderung zum Abonnement»ntbalten. Die Anklage geht weiter und sagt, der„Soz." sei offizielle« Parteiorgan. Die Schlüsse, welche die Anklageschrift zieht, find unzuläsfig. Ein späterer Artikel geht nur von der Rcdak- tion au«. Der Artikel in Nr. 11 sagt, daß der„Soz." den Zweck habe, der Partei eine fichere Einnahmequelle zu bieten; das schließt aber nicht au«, daß das Blntt nach wie vor Privat- unternehmen bleibt. Warum soll der„Soz", wenn er gute Geschäfte macht, nicht der Partei etwas zukommen lassen? Auf dem Wy bener Kongreß wurde gesagt, daß die sogenanntm Lokatbläiter der Partei reine Privatunternebmen seien, in die der Kongreß nichts hineinzureden habe. Die Blätter werden in Gegensatz gesetzt zu dem Zentralorgan, dem„Soz." Der Staatsanwalt hat Bezug genommen auf den Aufruf, welcher unterzeichnet ist:„Deutschland, Ende Juni 1882." Daraus will die Anklagt den Schluß ziehen, daß da« Blatt Partei- unternehmen sei. Der Aufruf ist aber nur eine buchhänd- lerische Reklame und Renommisterei. Aus dem Aufrufe zum Wydener Kongreß will die An- klage auch die geheime Organisation herleiten. Es ergiebt fich aber daran«, daß eine Organisation nicht bestand. E« heißt, man solle zusammentreten und berathen, wen man als Vertrauensmann schicken solle und wie die Mittel beschafft werden sollen. Au« der Nachschrift geht da« von mir Gesagte hervor. Es heißt, daß etwa bestehende Organisationen nur lokaler Natur und der Redaktion unbekannt seien. Die Anklage mußte auch die Nachschrift zu einem Theil ihre« Gefüge« machen; damit fällt aber da« ganze Gefüge auseinander. Au« der Notiz geht gerade hervor, daß einzelne Genossen fich an den„Soz." um Rath wandten, und es wurde hervorgehoben, daß eine Organisation nicht besteht, daß örtliche Organisationen die Redaktion gar nicht kenne. Das widerlegt schlagend die An- nähme der Anklage. Mit dieser Nachricht stimmt vollständig Lberein, wa« später auf dem Kopenhagener Kongreß vorkam. Die Leute, die e« am bellen wissen müßten, wissen nicht« von einer Organisation. E« ist nicht gelungen, den Nachweis zu führen, daß auf den Kongressen noch Anderes verhandelt wurde, als was in den Protokollen steht. In Kopenhagen wurde über mehrere Organisationsvorschläge, mit der Eintheilung Deutsch- lande in Korrespondenzbezirke, zur Tagesordnung übergegangen, da über kurz oder lang eine solche Organisation der Polizei bekannt würde. Sei die Partei bisher ohne Organisation au«- gekommen, so würde sie e« auch ferner können, da der Geist der Zusammengehörigkeit noch stärker sei. Wenn man nicht annehmen will, daß die Männer, die in Kopenhagen waren, die bornirtesten Männer von der Welt waren, so kann man nicht glauben, daß sie 24 Stunden nachher eine große Ver- bindung über ganz Deutschland gründen würden. Da« wäre ja geradezu ein Wahnsinn. Davon, daß die Kongreßtheilnehmer ein Mandat von ört- lichen Organisationen haben mußten, steht nichts im Protokoll. Die im Protokoll erwähnten Bezirke find nicht die ört- lichen Organisationen, sondern die Bezirke, wo die Partei Anhänger bat, und, wie an anderer Stelle es klar heißt, die deutschen Wahlbezirke. In dem Leitartikel vom 1. April 1888 ist darauf hingewiesen, daß nur da« geistige Band die Genossen verbinde und eine eigentliche Organisation überflüssig sei. Die al« Zeugen vernommenen früheren ReichStaa«-Abge- ordneten wußien nichts davon, daß der„Soz." Geschäftsüber- schüsse an die Fraktion ablieferte. Wenn e« aber der Fall wäre, so wäre es natürlich; viel zu weitgehend wäre e* daraus zu schließen, daß der„Soz." Parteiunternehmen sei. Um fich zu entlasten, mag Schlüter, dem die Gefahr der Verfolgung in der Schweiz drohte, gesagt haben, er habe da« Manuskript zu» .Rothen Teufel" au« Deutschland bezogen und den Ueber- schub für die sozialistische Wahlpropaaani.a gebucht. Auch lußerhalb DeuischlandS kommen sozialistische Agitationen vor and die 1425 Franks können auch anderswohin, j. B. nach Oesterreich, gezahlt sein... Es wird behauptet, daß d,e Zentralverwaltung der Fonds in Zürich sei und das Geld nur durch Bebel'« Hand laufe. Da« Gegentheil wird klipp und klar durch die Verhandlungen in St. Gallen erwiesen. Es wird berichtet, daß Bebel rügte, daß noch häufig Gelder zu UnterstützungSzwecken nach dem Ausland geschickt würden, statt an die bekannten Leute in Deutichland, was reckinerische Schwierigkeiten mache und zu vermeiden sei, da die Partei in Deutschland ihre Angelegenheit selbst verwalte. Das ist ein klassischer Beweis dafür, daß die Partei ihre Angelegenheiten selbst verwaltet und der„Soz." kein Theil der allgemeinen Verbindung sein kann. Im St. Gallener Protokoll findet man die Abrechnung über die seit 1883 eingegangenen Geld.r, auch über solche, die von den im Auslande lebenden Deutschen eingegangen find. Die Unter- stützungen find für alles Mögliche gewährt worden, nicht nur für Parteizwecke, sondern auch für die Rhein-Ueberschwemmten. Wenn in einzelnen Orten für Unterstützungen gesammelt wor- den ist, so geschah dies absolut nicht für die allgemeine Ver- bindung. Au» den Erklärungen Pfannkuch'S und Anderen geht hervor, daß der„Soz* sich oft im Widerspruch mit der Fraktion steht. Wären, wie die Anklage nimmt, die Redakteure Angestellte der Parteileitung, so wären fie einfach abgesetzt worden oder sie gingen. Das ist aber nicht geschehen. Die Fraktion stand dem Vorgehen des„Soz." mit gebundenen Händen gegenüber. Die Summe von 9000 M. hat die Redaktion einsach als in den Wahlfonds abgeliefert bezeichnet, um sich dem Wohlwollen ihrer Leser zu empfehlen. Es bestehen allerdings Parteifonds, die aber nach ihrer ganzen Gestaltung nicht darauf hinweisen, daß fie einer ge- tieimen Verbindung angehören. Gelder wurden zu Unter- stützungen von Personen verwendet, von denen absolut nicht behauptet werden kann, daß fie einer geheimen Verbindung an- gehören. Es wird aber keine Verbindung Fonds ansammeln, um Leuten wohlzuthun, die ihr nicht angehören. Die Fonds find ganz allgemein, fie find nicht beschränkt auf einen be- stimmten PcrsonenkreiS, sondern dienen allgemeinen Zweckm. Gerade in dieser Beweisaufnahme ist erwiesen, wer die „schwarze Liste" führt. Es läßt die„schwarze Liste" als ein Institut ersckeinen, das mit der Fraktion nichts zu thun hat. der großen Partei dient, um ihr nichtpassende Leute vom Halse zu hallen, und von Zürich aus geführt wurde. Ganz so verhält es sich mit den Schiedsgericbten. Wenn noch so viele Schiedsgerichte zusammentreten, und die Streiken« den unterwerfen sich ihm nicht, so spricht das gegen eine Ver« bindung. Im Interesse der Partei, nicht im Verbindungs- interesse, wurde das Schiedsgericht zwischen Schumacher und Mohrhenn angeregt. Die Naiurgeschichte der Kongresse hat un» Bebel ganz ge« nau erklärt. Ich bin überzeugt, wenn die Kongresse im Inland« wären, daß am Ende doch der Eine oder der Andere kommen würde und würde den Kongreß verbieten. Es ist ja männiglich bekannt, daß manche Versammlungen aufgehoben wurden, bei denen keine Spur von umstürzlerischen Bestrebungen zu Tage trat. Ich verweise auf Vorkommnisse in jüngster Zeit, auf die Ver- fügung der Polizei in Karlsruhe, wonach eine Versammlung verboten wurde, weil der als Sozialdemokrat bekannte Geck über Blicke in das vorige Jahrhundert sprechen wollte, obgleich er den nämlichen Vortrag vorher schon unbeanstandet gehalten halte. Es gilt hier da» Nämliche wie von dem Verbot von Schriften. Es wäre besser, wenn solche Schriften auch denen zugänglich. wären, die sie widerlegen könnten. Alles, was hier wegen der allgemeinen Verbindung vor- gekommen ist, war dem Freiberger Gericht und dem Reichzge- richt bekannt. Skb werden doch nicht sagen können, trotz des ungeheuerlichen Material», daß eine andere allgemeine Organi- sation besteht, als die anderer Parteien. Wenn aber� diese gr« eigneten Pokizeibeamten Ihnen nichts sage» kunntr» über einen Verkehr der Organisation mit der Fraktion, dann ist einfach dem, wa« der Staatsanwalt in der Anklage sagt, der Kopf ab- geschlagen. Es würde sich fragen, von welchem Gesichtspunkt au» hat das Freiberger Gericht eine Verbindung ange- nommen? Es nahm eine straftare Verbindung zur Verbreitung de«„Soz." an und verurtheilte die angeklagten Reichstage ... Fraktion. I.. dem Freiberger Urtheil die FraktionSgenossen ihr Verhältniß zum„Soz." lösten. Sie gaben ihre Vollmachten zurück und waren verschiedene Leute nicht einv-rstanden; ich verweise auf die Gegenerklärung der Berliner Parteigenossen. Sie haben die Erklärung ernst genommen und ich glaube nicht, daß die Anklogebehörde berechtigt ist zu der Erklärung, die FraktionS« erklärung sei nicht ernst zu nehmen. Die Vollmachten der Fraktion, die fie früher hatten, bestanden darin, daß fie«inen gewissen Einfluß auf das Blatt hatte und haben mußte, um ihre Intentionen zu verfolgen. Dieser Erklärung der Fraktion gemäß wurde auf dem St. Gallener Kongreß der„Sozialdemokrat" ganz anders behandelt, als auf früheren Kongressen; dafür haben wir die Aussagen eidlich vernommener Zeugen, die bekunden, daß über den„Sozialvemokrat" nicht gesprochen werden durste. Wenn die Anklage von geheimen Abmachungen spricht, so muß dafür der Beweis erbracht werden. Durch keine Handlung haben Bebel oder Grillenberger ihre Zustimmung gegeben, daß nach dem Freiberger Urtheil der „Sozialdemokral" noch von einer geheimen Verbindung ver« Durch die Beweisaufnahme ist festgestellt, daß der Woer« lein'sche Schriftenvertrieb ein Privatunternehmen ist.'Nicht er- wiesen aber ist, daß die Firma Woerlein u. Co. verbotene Schriften vertreibt. So lange eme Schrift nicht verboten ist, ist ihr Vertrieb auch nicht ungesetzlich. Daß der Ueberschuß einzelner Schriften in die Unterstützungskasse fließt, ist nicht« Wunderbares. Damit hat die Firma Woerlein u. Co. gar nichts Neue» erfunden; fie war nur die gelehrige Schülerin der Fortschrittspartei, die auch Schriften verkauft, deren Buch« händlergewinn in die Parteikasse fließt. Was daraus für eine geheime Verbindung gefolgert werden soll, ist mir unerfindlich. Die Angelegenheit der Werthzeichen ist somit klar als nichtsbe- deutend dargestellt. � Eine allgemeine Verbindung können Sie also nicht an- nehmen. Es bleibt die Frage der örtlichen Verbindungen zur Verbreitung de«„Sozialdemokrat", denn andere Ver- bin düngen können doch nicht angenommen werden. Ich bin der Meinung, daß eine Verbindung im Sinne der An- klagefchrift in Barmen und Elberfeld nicht besteht. Nur um eine Verbindung zur Verbreitung de«„Sozialdemokrat" könnte es sich handeln. Man muß zunächst davon ausgehen, daß alle Polizeiberichte, die nicht durch andere Beweise unterstützt werden, für die Beurtheilung nicht existiren. Da» sagte auch der Staatsanwalt, hat aber trotzdem die Anklage gegen Ein- zelne noch aufrecht erhalten. Man kann nicht auf die Er« klärung eine« Manne« hin, daß er den Gewährsmann für zu- verlässig halte, da« vom Gewährsmann Hinterbrackte für richtig halten. Im Prozesse gegm Ferkel und Genossen in Berlin haben die gewiegtesten Polizeideamten fungirt und nicht da« bekundet, was hier nur von Männern bekundet wurde, wie die beiden hiesigen Beamten. Ersteren steht in weit höherem Maße ein richtige« Urlheil zu als den letzteren. Der Bildunas- grab der Berliner Beamten ist em weit höherer als der hiesigen. Und trotzdem hat das Berliner Landgericht gesagt: „Wenn Eure Beobachtungen nicht durch andere Beweise unter- stützt werden, so können wir es doch nicht glauben!" Die Berliner Beamten haben erklärt, daß sie ihre Wissenschaft theil- weise au« vertraulichen Mittheilungen von Gewährsmännern hatten. Aber da war der Gerichtshof nicht in der Lage, diese Angaben als beweiskräftig anzunehmen. Da« angewendet auf unfern Prozeß, ergiebt, daß auch Sie, meine Herren, eine Nachprüfung vornehmen müssen. Ich will nicht hinweisen auf die klägliche Roll« Webers, wenn auch der Staats- anmalt jagt, er hätte da nicht gelogen, wo er zu Gunsten der Polizei sprach. Weber hat uns erklärt, er habe die Polizei belogen, uns auch da» Motiv dafür angegeben. Der einmal übernommenen Aufgab« wollte er gerecht werden und es liegt in der Natur der Polizeispione, daß ihre Angaben sich nicht kontroliren lassen. Ich verweise auf die Charakterifirung der Pvlizei'pionr durch Bismarck, als er noch Bundestagsgesandter war. Ein zweiter Gewährsmann ist der eidlich vernommene Bleckmann. Ich spreche die Ueberzeugung au«, daß dieser neben Wimmers und Röllinghoff der einzige Gewährsmann Kammhoff's war. Um so mehr ist Vorficht bei Prüfung der Aussagen Bleckmann'S nothwendig. Vor der Strafkammer bei der Anklage gegen Harm hat Bleckmann zugegeben, die De- nunziation gegen Harm veranlaßt, geschrieben und im Namen Kaltenbach'« unterschrieben zu haben. Dazu kommt, daß er unter Eid erklärt hat, er sei von vornherein von der Un- richtigkeit der Denunziafion überzeugt gewesen. Das unter- steht dem§ 164 der Strafprozeßordnung und der Staats« anmalt wird das Nöthige thun. Bei seiner Vernehmung über sein Verhältniß zu Kammhoff hat er abweichende Angaben ge- macht. In einer Strafsache gegen Busch und Genossen wurde Bleckmann wiederholt in der Voruntersuchung vernommen und wußte Viele« zu berichten, meldete sich auch freiwillig. Er ver- dächtigte auch Harm, schwieg aber über seine Quelle. In der mündlichen Verhandlung wurde er zunächst unter Aussetzung des Eides vernommen und verweigerte die Aussage darüber, ob er selbst einen Theil des gestohlenen Nessel erhalten. Er wurde, als der Theilnehmerschaft verdächtigt, unvereidigt ent- lassen. Der Zeuge Wimmer« interessirt mich weiter nicht. Bezüg« lich RöllinghoffS verweise ich auf die Aussagen Kuckelsbergs. Im Prozesse gegen Harm hat Röllinghoff unter Eid erklärt, er habe mit der Denunziation gegen Harm nicht« zu thun ge- habt. Und nun bekundet Bleckmann, daß Rölling- hoff ihn zu einer Versammlung— das wird wohl eine ge- Heime gewesen sein— abgeholt, wo die Denunziation ge- schrieben worden sei. Da« Geständniß eines solchen Manne« kann zu seiner Verurtheilung, aber nicht zur Verurtheilung seiner Mitangeklagten in Betracht kommen. Damit fällt aber auch die größte Masse der Posizeiberichte, denn sie beruhen zum größten Thül auf den Mittheilungen RöllingShoffs. Wo« die Parteitage anbelangt, so ist hinreichend nachge- wiesen, daß die große Masse derselben sich in Wohlgefallen auf- gelöst hat. ES sind keme Bekundungen gemacht worden, die auf eine Versammlung hindeuten. Die Beschickung der Kongresse von Barmen und Elberfeld aus wird durch Röllinghoff bekundet. In den Polizeiberichten steht ausdrück- lich, Bierenfeld habe erklärt, er gehe auf eigene Kosten. So viel und so häufig auch von der Wahl von Delegirten .esprochen ist, kann man daraus doch nicht auf eine Verbindung ' ließen. Die Polizeiberichte sprechen ferner von„Vertrauen«- männern". Daß diese aber im Sinne der Anklage aufzufassen seien, glaubte ich nie und nimmer. Es ist hervorgehoben worden, daß hier Flugblätter verbreitet worden seien, so das„Ge- denkblatl", da« in der„Fr. Presse" gedruckt worden sei. Daß das„Mahnwort" nicht dort gedruckt worden, ist erwiesen. Die Anklage spielt nur mit Vermuthungen, aber Vermuthungen können für ein Urtheil nicht in Betracht kommen. Durch die Erklärungen der Setzer ist erwiesen, daß da*„Gedenkblatt" in der„Fr. Presse" gar nicht gedruckt sein kann; es ist eine technische Unmöglichkeit. Ich komme nun zu der„Fr. Presse", welche von der An- klage al« ein Parteiunternehmen bezeichnet wird, lieber die Entstehung der„Fr. Presse" hat man sich vor Gericht bereits zwei Mal ausgesprochen. Es wurde uuzweifelhast festgestellt, daß die„Fr. Presse" ein reine« Privatunternehmen Harm«, bezw. Grimpe'« war. Sogar Röllinghoff und Bleck- mann haben die« bekundet. Ueberall ist in der Anklage von geheimen Versammlungen die Rede. Von vielen Herren wurde hier bekundet, daß sie an nicht« weniger als an geheime Ver- sammlungen oder an ein Unternehmen der sozialdemokratischen Partei dachten. Am Besten werden diese Versammlungen charakterifirt durch die sogenannte bei Marian, wo auch ein Liebes- paar dabei war. Weber, der am Besten Auskunft geben konnte, erklärte, e« seien harmlose Biertischgespräche zu geheimen Ver- sammlungen aufgebauscht worden. Was wir von dem sogenannten Preßkomitee zu halten haben, hat sich aus den ganzen Verhand- langen ererben und es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man weiter darauf eingehen. Die ganze Thätigkeit des Komitees war, daß einmal Bleckmann's Bücher untersucht wurden, wiil das Gerücht ging, er habe Gelder unterschlagen. Das ging von dem Exp.'dientm aus. der den Verdacht nicht auf sich ruhen lassen wollte, als hätte er Gelder nicht ab- geliefert. Die drei Leute können ja au« eigener Initiative hin- gegangen sein. Daß die„Freie Presse" ein Privatunter- nehmen Grimpe'S ist, ergiebt sich aus dem Beweismittel, auf da« der Herr Staatsanwalt verrichtet hat, nämlich daran«, daß Herr Lechleilner in Wien an Grimpe 16 000 oder 12 000 M- geliehen hat. Ich verstehe nicht, wie der Staatsanwalt die „Fr. Pr." mit der Verbindung in Zusammenhang bringen will. Konsequenter Weise müßte er ja da« Gedeihen der„Fr. Pr." mit Freuden begrüßen, weil dadurch dem„Soz." Abonnenten entzogen werden. Ändere Parteien haben auch Parteiblätter. Ich habe h,er ein Exemplar der„Westdeutscken Ztg.", worin ebenfalls ein Aufruf zur Unterstützung des Blattes enthalten ist. unterzeichnet„Das Komitee". Hier hätten Sie auch ein „Preßkomilee". Die Sitzung wird hierauf auf Montag Vormittag vertagt._ ZU den Feiertagen empfehlen wir unser anerkanni gute« Münchener(Unions-) Bier 25 gr. oder 30 kl. Flaschen für 3 Mk. Zu beziehen in allen besseren Delikateß- und Cofirnial- en. 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