Ar. 30% Mittwoch, de« 35. Dezember 1889. 6. Zolzrg. SerlinerVlllksdlkIt. Drgsn für die Interessen der Arbeiter. Abonnements- Einladung. Arbeiter, Parteigenosse«! Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden. daß die ReichstagSwahlen dicht vor der Thür stehen. Es sind das die ersten, welche für die Dauer von fünf Jahren vor- genommen werden. Kein einsichtiger Arbeiter wird sich der hohen Wichtigkeit verschließen, welche gerade diesen Wahlen innewohnt. Wir bitten daher unsere Gesinnungsgenossen und Freunde, Alles aufzubieten, um das„Kerliner Uolksblatt" durch Gewinnung neuer Abonnenten in immer weitere Volkskreise hineinzuführen. Der Wahlkampf wird diesmal ein ganz be- sonders heftiger werden, alle Parteien werden die größten Anstrengungen machen, ihre Presse zu verbreiten; wir dürfen daher unter keinen Umständen zurückbleiben. Persönliche Emofehlung'st für die Verbreitung einer Zertung am wirksamsten. Für den Monat Januar eröffnen wir ein neues Abonne- ment auf das „Derliner Uotkstrtatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden „Sonntagsblatt". Der Abounemeutspret« beträgt fvti In« Hau« für das ganze Vierteljahr 4 Mark, monatlich 1 Mark 85 Pf., wöchentlich 85 Pf. Bei Selbstabholung aus der Expedition, Zimmerstraße 44,> HP* 1 Mark pro Monat. Bestellungen werden von sämmtlichen ZeitungSspedileuren sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, entgegengenommen. Für außerhalb nehmen s ä m m t l i ch e Postanftalten Be- kellungen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 4 Mark an. Die Redaktion«nd Grpedition des„Kerliner Dolksdlatt". Weihtmiftksfefl. Als einst das jüdische Volk unter schweren Drangsalen seufzte und zu verzweifeln begann an der Lehre seiner Erz- väter, daß eS„das auSerwählte Volk Gottes sei", da traten seine Propheten auf, eS zu trösten mit der angeblich ihnen von Gott geoffenbarten frohen Verheißung:„Ich will wein Volk erlösen und ihm einen Messias sende u." Das Volk glaubte dieser Verheißung; eS hoffte und harrte in seiner Roth zuversichtlich auf den MessiaS und die Erlösung. Ist dieser Glaube, dieses Hoffen und Harren belohnt worden? Die christliche Theologie behauptet eS; sie lehrt Machtniit Bctbottn.] Feuilleton. [63 (Bleminol. Sozialer Roma« von«mile Zola. Sinzig antoristrte Nebersetzung von Ernst Zie gl«». Der Junge hatte früher alle Wege dieser verlassenen rube durchstöbert und wußte überall Bescheid. Als er mit rn Licht zurück kam, fragte Stephan ihn aus, in welche 'trecken die Bergleute nicht mehr drangen, und dorthin achten sie sich auf den Weg. Fast einen Kilometer weit en sie oen Körper durch das Gewirr verfallener JJIJn|l£ WM«7VV*fV* �---,.________ allerien hinter sich her; endlich gelangten sie zu einer ganz ledrigen Stelle, wo der Fels, sich fast bis auf den Boden »kend, die meisten Pfosten gebrochen hatte. Es war eine rt länglicher Kasten. Sie schoben den kleinen Soldaten rt hinein, legten ihm das Gewehr an die Seite- dann eben sie mit den Absätzen die letzten Stützen hinweg. er morsche Fels barst; sie sprangen zurück, krochen auf ■tn Vieren hervor; als Stephan sich umblickte, er» iickte die sinkende Decke den todten Mann; noch einen oment, und es blieb nichts, als eine unergründliche Stein- lffe. Sie gingen in ihre Höhle. Jeanlin warf sich todtmüde 'S Heu und erklärte er wolle schlafen, Bebert und Lydia unten warten. Stephan setzte sich, lehnte den Rücken an ' Verzimmerung und löschte das Licht, von dem nur ein Ines Stückchen übrig geblieben. Auch er war an allen >eder« gelähmt, aber er konnte nicht schlafen; schmerzte Gedanken polterten wie Hammerschläge in seinem >pf. Und besonders einer, auf den er keine Antwort ßte, ermüdete ihn mit unaufhörlicher Frage: Warum nun schon bald 1900 Jahre hindurch: Jesus von Nazareth, zu Ehren dessen Geburt das Weihnachtsfest in allen christ- lichen Landen begangen wird, sei„von Gott" als dessen „eingeborener Sohn" und Messias gesandt worden. DaS war um dieselbe Zeit, als die alte Kulturwelt, in Laster und Frevel aller Art versunken, ihrer Auflösung mit Riesenschritten entgegen eilte; als daS weltbeherrschende Rom, einst so mächtig und so glänzend, unter der Herrschaft grenzenlosester Selbstsucht nur noch groß war in Hi, muth, Unsittlichkeit und Ungerechtigkeit,— da wurde Jesus, der arme Zimmermannssohn, geboren, der dann später die Lande durchzog und verkündete:„Ermannet Euch,— denn daS Himmelreich ist herbeigekommen. Wahrlich, ich sage Euch: Ihr Alle seid Kinder eines VaterS; Ihr Alle seid Brüder; im Himmel wird es weder Große noch Kleine, weder Arme noch Reiche geben. Liebet also Euren Räch st en, wie Euch selb st." Wir wissen, daß Jesus unter seinem„Himmelreich" nicht jenes„bessere JenseitSV verstand, wie die Theologen eS uns anpreisen, sondern ein Reich deS Friedens und deS Glückes auf Erden, ein weltlich Reich unter der Herrschaft der Gerechtigkeit und Liebe. Und des- halb mußte der MessiaS als Hochverräther den Verbrecher- tod am Kreuze erleiden. Aber alsbald erklang seine Lehre über die Grenzen JudäaS hinaus in alle Welt, ein Evangelium für die Armen und Elenden. Zuerst zwar still und bescheiden, aber doch verhältnißmäßig schnell, allem Widerstand und aller Verfolgung zum Trotz, breiteten die ChristuSbekenner sich aus; ein weit verzweigter Bund erstand in jugendlicher Kraft und Frische auf den Trümmern der alten Gesellschaft. Wer will eS schildern, daS Maß von Hoffnungen, dem die Anhänger der neuen Religion in Bezug auf die Zukunft ihrer Sache sich hingaben? Sie hofften so fest, auch noch nach deS Meisters Tode, auf die baldige Erscheinung des Reiches„der tausendjährigen Herrlichkeit", wo sie hundertfältig wieder erhalten sollten, was sie in seinem Dienste eingebüßt. RastloS eilten sie von Ort zu Ort, von Land zu Lande, deS Meisters Lehre von Gleichheit und Bruderthum zu ver- künden. Dafür erlitten die meisten von ihnen mit jenem erhabenen Muthe, den daS Bewußtsein, einer guten Sache zu dienen, verleiht, einen qualvollen Märtyrertod. Aber vor dem Glanz der Scheiterhaufen, worauf ste das Leben für ihre Ueberzeugung ließen, erlosch die Glorie der Götter de« Heidenthums; ihre Statuen sanken und an deren Stelle erschien Vielen das Bild des Gekreuzigten, als das Bild der Gottheit und als Symbol der Erlösung und der hingeben- den Liebe. Ist sie gekommen, die Erlösung, und ist die Liebe zur Herrschaft gelangt? Wohl singt man in allen christlichen Kirchen dem„Erlöser" Ruhm und hohen Preis der Liebe, und jubelnd tönt es unter brausenden Orgelklängen hinaus in die feierlich stillen Lande:„Friede auf Erden und den Mensche» hatte er nicht Chaval getödtet, und warum hatte dieses Kind den Soldaten, von dem eS nichts, nicht einmal den Namen wußte, umgebracht? Dies verwirrte seine revolu- tionären Ideen- was hatte es mit dem Muth zu tödten und mit dem Recht zu tödten für eine Bewandmß? War er feig, daß er solch' einen Schrecken vor dem Blutvergießen empfand?... Jeaulin schnarchte in seinem Heu wie ein Trunkener, gleichsam al» schlafe er den Rausch seines Mordes au«. Dieses Schnarchen erfüllte Stephan mit Widerwillen und ward ihm unerträglich. Plötzlich erzitterte er: das Gespenst der Furcht war ihm erschienen. Em Geräusch, ein Schluchzen schien auS den Tiefen des Berges zu dringen; das Bild des kleinen Soldaten, den sie dort mit feinem Gewehr im Arm im Fels begraben hatten, blickte aus dem Dunkel und sträubte ihm fedeS Haar auf dem Kopfe. Die ganze Grube schien von allerhand Stimmen zu wiederhallen; er zündete das Licht an und beruhigte sich erst wieder, als er die leere Gallerte überschauen konnte. Eine Viertelstunde lang blickte Stephan auf das bren- nende Licht; dann plötzlich schrumpfte der Docht zusammen, verglimmte, und wieder umhüllte ihn schwarze Nacht. Er schauderte zusammen. Er hätte den schnarchenden Jungen prügeln mögen; es wurde unerträglich; er konnte nicht bleiben, ihn verlangte nach Luft. Er rannte den Weg ent- lang, kletterte die Fahrten hinauf, mit fiebernder Hast, wie von einem Gespenst verfolgt. Endlich, oben zwischen den Ruinen von Requillart,athmete er ftei. Und wieder begann er zu grübeln: Weil er nicht tödten konnte, so mußte er selbst also sterben? Dieser Ge- danke an den Tod befestigte sich wie eine letzte Hoffnung in seinem Hirn. Sterben, kühn sterben für die Revolution, das würde Allen ein Ziel setzen, würde seine Rechnung au»- gleichen, ob gut oder schlecht; es wäre vorüber, er brauchte nicht mehr zu sorgen. Ja, wenn die Kameraden die Belgier ein Wohlgefalle n". Aber zugleich auch ertönt all- überall der Mahnruf des Elends und derNoth, und auS so vielen, vielen matten thränenschweren Augen spricht stumm die Bitte:„Gieb unS unser täglich Brot und erlöse unS von dem Uebel". Und unS ist'S, als müßten die Thränen des Jammers, gesammelt zu einer einzigen Fluth, den hehren Weih- nachts- Lichterglanz verlöschen und als müßte da» „Ehre sei Gott in der Höhe" verstummen vor den Angst- und SchmerzenSlauten aus den Tiefen deS Elends. Erlösung, wo bist du? Friede, wo weilst du? Gerechtigkeit und Liebe, wo herrscht ihr? Ja gepredigt hat die christliche Theologie die „christliche Liebe" sattsam, aber die wahre Menschen- liebe hat nichts dabei gewonnen! Diese Theologie, die sich selbst als die„von Gott berufene" Verkündigerin und Trägerin der„christlichen Liebe" ausgiebt, hat Jahrhunderte hindurch die Vernichtung des Menschenrechts in Millionen Individuen gutgeheißen oder selbst betrieben; sie hat Jahrhunderte lang in allen menschlichen Angelegen- heiten geherrscht als eine beispiellos harte, despotische und heuchlerische Autorität, voll Fanatismus, nach Willkür be- fehlend über des Menschen Denken und Handeln, Freiheit und Leben, Gut und Blut; die Rechte der Vernunft grimmig in den Staub tretend, die ärgste Feindin der Humanität. Die„Diener Gottes" schliffen Beil und Degen Und schrieben wilde Gräuel Buch um Buch, Und tödteten voll Grimm,— und statt zum Segen, Ward so der Welt da» Christenthum zum Fluch!— Zwar ist die Nacht deS blutigen PfaffenübermutheS vernichtet. Aber, ist da die Erlösung, wo Millionen ehrlich arbeitender Menschen im unverschuldeten Joche der Roth und des Elends seufzen? Ist da der F r i e d e, wo im wilden, grausamen Daseins- und Jnteressenkampfe, hier um die LebenSnothdurft, dort um den Mammon, der Mensch dem Menschen feindlich gegenübersteht? Herrscht da Ge» r e ch t i g k e i t und Liebe, wo schnöde Gewinnsucht un- ausgesetzt frevelt am heiligsten Gute der Menschheit, an der Arbeit; wo rücksichtsloser EgoiSmuS das Glück so vieler Millionen zerstört und die Drachensaat der Zwietracht und deS Hasses ausstreut?! Nein! Wohl haben wir es zu gewaltigen Siegen der Kultur gebracht; auf allen Gebieten des menschlichen Wir- kenS entstehen großartige Werke; mehr und mehr zwingen wir die Kräfte der Natur unter unsere Botmäßigreit— an Siegen der Humanität aber, des Menschenrechts, der Menschenwürde und Menschenliebe sind wir verhältniß- mäßig noch recht weit zurück. WaS wir als Humanität in allen gesellschaftlichen Verhältnissen und Lagen wirksam sehen, da» ,st noch lange nicht die w a h r e und echte Humanität, die daS Gute um des Guten willen thut und die Gerechtig- keit um ihrer selbst willen üben heißt. Da gilt«#, noch unendlich viel zu erringen! Da gilt es, ausharren im heiligen Streite, bis jene Verheißung der Vernunft sich angreifen, wird er stch in die erste Reihe stellen, und wird den befreienden Todesstoß finden. Mit festem Schritt kehrte er zum Voreux zurück. Es war zwei Uhr; ein Stimmengewirr drang aus dem Zimmer der Aufseher, wo dii Soldaten kampirten. DaS Verschwin- den deS Posten regte die Leute auf; sie hatten den Haupt- mann geweckt; die Kohlen' öschhalde war besichtigt worden; sie fanden keine Spur eines Verbrechens und meinten, �der Mann fei desertirt. Draußen aber stand Stephan und dachte an den republikanischen Hauptmann, von dem ihm die Schildwache gesprochen. Wer weiß, ob man ihn nicht bewegen könnte, sich auf die Seite des Volkes zu schlagen? Die Soldaten würden die Kolben ihrer Gewehre emporhalten, und das Signal zur Niedermetzelung der Bürger wäre gegeben! Dieser neue Traum riß ihn hin. Er dachte nicht mehr an'» Sterben; er blieb stundenlang in dem schneeigen Schmutz- wasser stehen; vom Dache träufelte eS kalt auf seine Schultern; ihn aber erwärmte die fieberhafte Hoffnung eine« noch möglichen Sieges. Bis fünf Uhr wartete er auf die Ankunft der belgischen Arbeiter. Dann merkte er, daß die Kompagnie die Vorsicht gebraucht hatte, die Fremden im Voreux selbst übernachten zu lassen. Die Einfahrt begann, der Tag graute. Die von den Kameraden hier aufgestellten Wachen zögerten; Stephan theilte ihnen mit, was die Kompagnie gethan, und sie stürmten schnellen Lauf'S in'S Dorf, während er sich hinter der Halde versteckte. ES war sechs Uhr, der Himmel röthete sich. Der Abb« Ranvier, der jeden Montag in einem jenseits der Grube gelegenen Kloster die Frühmesse laS, ging vorbei, seine Soutane über den dürren Beinen emporraffend. „Guten Tag, mein Freund!" rief er mit starker Stimme, nachdem er Stephan mit seinen flammenden Augen fixirt hatte. erfüllt, die mit leuchtenden Lettern eingeschrieben steht auf jedem Blatte der Geschichte:„Ich will die Fackel der Humanität immer mächtiger entflammen, daß sie leuchte den Völkern aus dem Wege zur Erlösung und zum Heil." An diese Verheißung glauben; im felsenfesten Vertrauen auf ihre Erfüllung Trotz bieten jeder Widersächlichkeit, und dabei sich bemühen, s e l b st gerecht zu sein nach Vor- schrift der Vernunft und im Geiste der Liebe,— das erst heißt Mensch sein, wahrer Mensch und Menschenfreund. Wir wissen, daß nicht ein Einzelner die Welt„erlösen" kann. Die wahre Erlösung der Menschheit muß vielmehr unausgesetzt und zu jeder Zeit erfolgen, muß herbeigeführt werden durch Erkenntniß und Uebung der Wahrheit und Gerechtigkeit. Wenn wir unS so Tag für Tag nicht selbst er- lösen, so werden wir für immer u n'e r l ö st bleiben. Kommen wird sie gewiß, die bessere Zeit, die die Arbeit befreitgauS dem Joche der Noth und des Elends; die alle die schweren Wunden heilt, welche schnöde Selbstsucht, Vor- urtheil, Unverstand und Bosheit die Menschheit geschlagen haben;— kommen wird sie, wenn nicht für uns, so doch für unsere Kinder, die Zeit eines neuen, ewigen Evangeliums, die keinen Raum bietet für die Sünden der Gegenwart. Daß sie kommen möge auf dem Weg des Friedens; daß die nothwendiae, bestimmte und unaufhalt- bare Entwickelung der Dinge ihren Weg nicht nehmen möge über Leichen und durch Ströme von Blut, ist unser heißester und sehnlichster Wunsch— und wir sind über- zeugt, daß diesen Wunsch all' unsere Leser mit uns theilen. Es versetzt den Menschenfreund in die tiefste Betrübniß, denken zu müssen, daß die Menschheit immer wieder mit der alten Barbarei beginnt, wenn eine Kulturperiode sich ausgelebt hat und ein neues Zeitalter anfängt. Doch lassen wir durch den bangenden Blick in die Zukunft uns nichts rauben von der frohen Zuversicht auf den Sieg der Gerechtigkeit, auf die Erlösung! Und wenden wir uns ab von den Thoren, die da spötteln über die„Weissagungen des Genius", denn noch ist Keiner als ein falscher Prophet befunden worden, der an das Edle in der Menschheit glaubt. Ein hehreres und schöneres Erlösungsfest, als jetzt die Christenheit zur Weihnacht begeht, wird einst die Menschheit feiern, und dann wird cS jubelnd klingen allüberall: „Herl der Menschheit im beglückenden Bunde der Arbeit! Friede auf Erden— und derMensch dem Menschen einWohl- gefallen!" DslWiho MebovstHrk. Kegnadigung. Unter diesem Titel lesen wir in der „StaatSbürger-Zeitung":„Eine ganz unerwartete Weihnächte- freude ist unserem Redakteur Dr. Bachler zu Theil geworden. Derselbe erhielt nämlich vom Ersten Staatsanwalt beim Land- gericht I folgendes vom 20 d. M. dalirte Schreiben: „In der Privatklagesache Singer wider Bachler wird Ihnen hierdurch mitgetheilt, daß durch Allerhöchste KabinetSordre vom 27. November 1880 die gegen Sie wegen öffentlicher Beleidigung des Reichstagsabgeord- neten Paul Singer durch die Ürtherle des Amisgerichts I vom 9. Juni 1838 und des Landgerichts I vom 10. September 1888 erkannte Geldstrafe von 400 Mark durch Allerhöchste Gnade erlassen worden ist. Der Erste Staatsanwalt. Im Auftrage Krobitzsch." Völlig unerwartet kam unserem Redakteur dieser kaiserliche Gnadenakt, da von seiner Seite, wie schon aus dem Schrei- ben der Staatsanwaltschaft hervorgeht, um den Straferlaß nicht eingekommen, überhaupt kein Schritt acthan worden war, denselben herbeizuführen. Die Strafe, welche jetzt durch kaiser- liche Gnade erlassen worden ist, war vielmehr bereits im August d. I. eingezogen und bezahlt worden. Grade aber die Ueber- raschung, welche dieser ganz unvorhergesehene Gnadenakt unlerm Redakteur bereitete, hat ihn die Freude darüber um so höher empfinden lassen; nicht des Geldes wegen,— das war ja bereits verschmerzt,— viel höher steht ihm der Umstand, daß durch den kaiserlichen Gnadenakt eine Strafe von ihm ge- nommen worden ist, welche im Hinblick auf die begleitenden Umstände um so härter von ihm empfunden wurde, als ihm die von den Richtern angenommene dolose Absicht der Beleidigung thatsächlich nicht innegewohnt hat. Dr. Bachler hat diese Versicherung während des Prozesses zwar wiederholt abgegeben, bei den Richtern aber mit derselben leider Aber Stephan anwortete nicht; er sah in der Nähe eine weibliche Gestalt und lief auf sie zu, denn er hatte Katharinen erkannt. Seit Mitternacht irrte sie durch die nassen Wege. Chaval hatte sie bei seiner Heimkehr mit einem wüthenden Hieb aus dem Schlafe gerissen und hatte geschrieen, sie solle unver- züglich das Weite suchen, oder er werde sie zum Fenster hin- abwerfen. Weinend, kaum bekleidet, war sie seinen Fuß- tritten entflohen; betäubt von dieser brutalen Trennung, hatte sie sich dem Hause gegenüber auf einen Eckstein gesetzt und gewartet, ob er sie wieder zurückrufen werde. Es sei ja nicht anders möglich, hatte sie gemeint; er wird hinabblicken, wird sie dort, von aller Welt verlassen, in der feuchten Gasse frieren sehen und Erbarmen mit ihr haben. Zwei Stunden wartete sie, klappernd vor Kälte, unbeweglich das HauS an- starrend, wie ein Hund, den man auf die Straße geworfen. Dann verließ sie Montsou; kehrte wieder zurück, blickte wieder auf das schweigsame HauS, ohne zu rufen, ohne zu klopfen; und ging endlich die gerade Landstraße hinab. Sie wollte zu den Eltern zurückkehren; doch als sie vor dem kleinen Häuschen ankam, übermannte sie eine solche Scham, daß sie eiligst davonrannte, aus Angst, man könne � �Sie strich planlos herum. Bei dem geringsten Geräusch flchr sie zusammen, fürchtend, die Polizei könne sie auffangen und in jenes verrufene Haus in MarchienneS bringen, vor dem sie sich feit Monaten ängstigte. Zweimal kam sie bis zum Voreux, und floh erschreckt vor der Stimme des Postens, sich umblickend, ob sie nicht verfolgt werde. Die Gasse von Requillard war gewöhnlich von Betrunkenen unsicher gemacht; aber sie ging doch dorthin, hoffend, vielleicht den zu finden, den sie ein paar Stunden früher ausgeschlagen hatte. Bei Tagesanbruch mußte Chaval in den Voreux einfahren; dies trieb sie wieder zur Grube zurück; und doch begriff sie wohl, daß Alles zwischen ihnen aus sei, und daß eS ihr nichts helfen würde, ihn anzusprechen. Er hatte gedroht, er werde sie umbringen, wenn sie im Voreux Arbeit nähme; in Jean- Bart wurde gestreikt; also was sollte sie thun? Fortgehen? Wohin? Vielleicht irgendwo am Wege verkommen! Sie schleppte sich zwischen den Eisenbahnschienen der keinen Glauben gefunden. Jetzt nach Erlaß des kaiserlichen Gnadenaktes darf diese Versicherung, ohne einer Mißdeutung ausgesetzt zu sein, von neuem wiederholt werden. Bei der ganzen Angelegenheit hat die Person des Herrn Paul Singer nur insofern eine Rolle gespielt, als der Wider- spruch zwischen der Handlungsweise und den Grundsätzen der sozialdemokratischen Führer, oder Verführer, welcher bei dem sozialdemokratischen Abgeordneten und Arbeitgeber Paul Singer so schreiend zu Tage trat, an dessen Beispiel klar ge- legt werden sollte; Herrn Singer, den er garnicht kannte, per- sönlich beleidigen zu wollen, ist Dr. Bachler dabei nie in den Sinn gekommen. Wie er sich der Schwere des Urtheilsspruches gebeugt, so empfängt er freudig und voll Dankbarkeit die Gnade, welche ihm durch die kaiserliche Entschließung zu Theil geworden." Wir glauben es nicht nöthig zu haben, auch unsererseits ein Wort des Kommentars dieser Thatsache anzufügen. EZ gewährt unS nur eine gewisse Genugthuung, das für die „Staatsb.-Ztg." so erfreuliche Ereigniß auch unserem Leserkreis zugänglich machen zu dürfen. Ans dem Lager der Kartellparteie« kommen täglich neue Meldungen, welche auf die Einigkeit des Kartells ein seltsames Licht werfen. So wird gemeldet, daß die National- liberalen in Detmold die von den Konservativm aufgestellte Kandidatur des früheren lippe'schen StaatSministerS Rechlhofen abgelehnt haben und einen eigenen Kandidaten in der Person des GymnafiallehrerS Dr. Weerth aufstellen, während die Kon« servativen an der Kandidatur Richthofen festhalten. DaS Gegenstück zu dieser Meldung ist folgende Zuschrift, die die „Kreuzztg." aus Hannover erhält: Große Aufregung hat unter den hiesigen Konservativen die Nachtlicht der„Frkf. Ztg." hervorgerufen, daß die national- liberale Parteileitung in Bielefeld den einstimmigen Beschluß ge« saßt habe, die ReichStagSkandidatur v. Hammer stein abzulehnen. Ist man hier in den konservativen Kreisen ernstlich gewillt, jeden Kartellbruch der Nationalliberalen zu Ungunsten der söge- nannten„Extrem-Konservativen" mit Energie zurückzuweisen, so gilt das insonderheit der Person des Herrn von Hammer- stein gegenüber, da man diesen als einen der entsckredensten Vorkämpfer für ein ernstes Christenthum und als einen der unentwegtesten Vertreter der konservativen Anschauungen am wenigsten gern im Reichstage vermissm würde. Es ist das denn auch der Grund gewesen, aus dem sich der Vorstand des hannoverschen konservativen Vereins, wie von uns berichtet, veranlaßt gesehen hat, den Namm des Herrn v. Hammerstein ausdrücklich unter den Männern zu nennen, deren Zurück- Weisung durch die Nationalliberalen den sofortigen Rücktrrtt vom Kartell für die hiesigen Konservativen zur Folge haben würde. Sollte also die von uns erwähnte Mittheilung der „Franks. Ztg.", wie sich das sehr bald herausstellen wird, aus Wahrheit beruhen, so muß das nothwendigerweise den Beschluß des konservativen Vereins Hierselbst nach sich ziehen, in seinen Entschließungen nicht mehr burch die Be- stimmungen des Kartells gebunden zu sein. Haben die Hannooer- schen Konservativen stets ihren Ruhm darin gesucht, die Grund- sätze ver deutsch-konservativen Partei, unbeirrt durch irgend welche Rücksichten, treu z m Ausdruck zu bringen, so werden sie durch einen solchen Beschluß den Beweis liefern, daß sie nicht gewillt find, den Ast burchzusägen, der ihnen Halt giebt, und daher nicht ruhig zusehen mögen, wenn man die Männer aus dem Reichstage zu entfernen sucht, welche aller Beugung der wahrhaft konservativen Interessen zähen Widerstand ent- gezensetzen. Zu welchen positiven Maßnahmen der hannoversche konservative Verein dann hinsichtlich seines Verhaltens ben Wahlen gegenüber schreiten wird, steht noch dahin. Jedenfalls wird man ihn zu unberechtigten Zugeständnissen gegen die Nationalliberalen nicht bereit finden. Während auf diese Weise der Kartellbruch auf beiden Seiten zur vollendeten Thatsache geworden ist, druckt der„ReichSanz." in einer besonderen Rubrik, die er„Vorbereitungen für die Wahlen" überschreibt, folgende optimistische Auslassung des „Hamb. Korrefp." nach: „Die Parlamentsferien haben den Leitungen der ver- schiedenen Parteien die erforderliche Muße gewährt, um Um- schau wegen der Vorbereitungen zur bevorstehenden Wahl- kampagne zu halten. DaS Kartell wird sich, so weit heute die Lage beurtheilt werden kann, im Allgemeinen gut bewähren. Einzelne Fälle werden die praktische Bedeutung der Vereint- gung nicht abzuschwächen vermögen. Die Zuverficht der Männer von der äußersten Linken ist merkwürdig abgeblaßt. Nrcht wenig hat dazu die Erstarkung des nationalen Ge« danken« im fiersinnigen Lager beigetraaen, wie es sich nament- lich auf dem vielfach besprochenen Parteitag in Oldenburg gezeigt hat." Aus dem„vielfach besprochenen Parteitag in Oldenburg" wird das Kartell sicher am allerwenigsten Nutzen ziehen. Zwei provinzielle wirthsthastliche Uereinigunge«, der Verein zur Wahrung der gemernlamen wirlhschafthchen Interessen der Saarindustrie und die südwestliche Gruppe des Vereins Deutscher Eisen« und Stahlindustrieller, haben in ihrer kürzlrchen Generalversammlung eine Resolution gegen Grube dahin. Der Schnee war überall geschmolzen; bis an den Rücken bespritzt, watete sie durch das trübe Wasser, ruhelos und nicht wagend, sich irgendwo zu setzen. Es wurde Tag. Sie erkannte Chaval, welcher, vorsichtig, die Halde umschleichend, zur Grube ging; dann sah sie Bebert und Lydia aus dem Holzstoß hervorlugen, in welchem sie die Nacht zugebracht hatten. Plötzlich blies der Posten Alarm. Sie fuhr zusammen. Die Soldaten traten unters Gewehr. Stephan rannte her- bei. Die Kinder stürzten auS ihrem Persteck, und aus dem Dorfe stürmte mit drohenden ZorneSgeberden ein Haufe Männer und Weiber heran. Fünftes Kapitel. Alle Zugänge der Grube waren verbarrikadirt worden. Die fünfundzwanzig Soldaten, Gewehr beim Fuß, ver- sperrten die einzige frei gebliebene Thür, welche durch eine enge Treppe zum Schachthaus führte. Der Hauptmann hatte seine Leute in zwei Reihen dicht vor dem Hause aufgestellt, damit man sie nicht von hinten angreifen könne. Die aus dem Dorf herbeigeeilten Arbeiter, vielleicht dreißig Männer und Frauen, nahten, heftig gestikulirend und laut durcheinander redend. In einiger Entfernung von der Wache machten sie halt, die Maheude Allen voran, ihr unge- kämmtes Haar unter ein Tuch geknüpft, die schlafende Estelle im Arm; sie rief: „Niemand darf weder ein- noch ausgehen; wir müssen sie Alle in der Grube fangen I" Maheu fand das richtig. Da kam der alte Mouque von Requillard. Sie wollten ihn nicht durchlassen; aber er erklärte, seine Pferde hätten nichts mit der Revolution zu thun, er müsse ihnen Hafer geben, und außerdem habe er ein todtes Pferd auszufahren. Stephan befreite den Alten; die Soldaten ließen ihn in's Haus. Jetzt wuchs die Schaar der streikenden Arbeiter; von allen Seiten liefen sie drohend heran. Eine Viertelstunde verging Da öffnete sich ein großes Thor. Männer fuhren ein todtes Pferd heraus, luden es vor dem Gebäude ab und ließen es, noch in das Netz gebunden, in welchem es herauf- gezogen worden, mitten m einer Pfütze geschmolzenen Arbeiterausschüsse angenommen, welche mit folgendem Satze schließt: „In Erwägung dessen erklären sich die unterzeichnete« Vereme prinzipiell gegen die Errichtung von Arbeiteraus« schüssen, sehen vielmehr eine Lösung der heutigen Schmierig« leiten nur da als möglich an, wo der Arbeitgeber persönlich jedem seiner Arbeiter Gelegenheit giebt, seine Beschwerden ein- zeln oder durch ad hoc gewählte Delegirte anzubringen, und, soweit diese Beschwerden sich als billig und gerecht erweisen, Geneigtheit zu entsprechender Abhilfe belhätigt." Dieser Beschluß scheint sogar gouvernementalen Blättern ver- fehlt. Die„Natztg." z. B. schreist, daß er von einer irrthüm- lichen Voraussetzung betreffs der vorgeschlagenen ArberterauS- schüsse ausgehe. Nicht die„Schlichtung" von Streitigkeiten solle ihre wesentliche Aufgabe sein, sondern die Herbeiführung emeS Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Ardertern, wellt es das Entstehen von Streitigkeiten möglichst verhütet. Die„Soarbr. Ztg." veröffentlicht ein Schreiben des Ministeriums der öffent« lichen Arbeiten an Marken, den Vorfitzenden des bergmänn, schen Rechtsschutzvcreins, welches vom 13. Dezember datirt ist und die Absage auf sein Gesuch um Wrederanlegung enthält. ES heißt darin: „Sie sind von der königlichen Berginspektion zu Friedrichs- thal unter Jnnehallung der gesetzlichen Kündigungefrist entlassen worden, weil Sie nach Beendigung des Streikes im Juni d. I. zum Theil unter m ßbräuchlicher Berufung auf einen Kranken« schein nicht mehr regelmäßig zur Grubenarbeit gekommen sind, und weil Sie, ohne vorher den Weg der Beschwerve zu betreten, egen einen Ihrer Vorgesetzten gerichtliche Klage eingereicht aben. Ihre inzwischen gegen die Bergbehörden auSzesproche« nen maßlosen Schmähungen und Verleumdungen, welche auch zur Stellung von gerichtlichen Strafanlrägen gegen Sie geführt haben, sowie�vor Allem Ihre fiühere Therlnahme an nach eigenem Geständniß zum Schaden der Grubenverwallung be« gangenen Unredlichkeiten würden Ihre Entlassung sogar ohne Künvigung nach§ 83 des Allg. Berggesetzes vom 24. Juni 1865 haben gerechtfertigt erscheinen lassen." In Westfalen haben bekanntlich alle Arbeiterführer ohne jede Rücksicht auf ihre Vergangenheit wieder Arbeit angeboten erhalten.— Ueber die allgemeine Lage schreibt dre„St. Joh. Zertung": „Infolge der stattglhabten Saalvcrweigerungen haben un- sere Slädte sehr zu leiden. Es scheint stillschweigende Ueber- einkunst der Bergleute zu sein, dreselben möglichst zu meiden und haben wir verschiedentlich über verminderten Geschäfts- verkehr klagen hören." Ueber die Angelegenheit des nerhaftete« Dr. Mehr, des früheren LandesvireklorS der Provinz Westpreußen, bringt die„Danz. Ztg." folgende nähere Mrttheilung: Am Sonnabend Vormittag traf, von zwei Berliner Kriminalpolizeibeamten begleitet, der frühere Landes direklor Dr. Wehr hier ein, wurde sofort dem hiesigen Zentralgefängniß zugeführt und dort in Untersuchungshaft genommen. Wie wir hören, war bald nach den Verhandlungen des letzten'Provinzial- landtages über die Dr. Wehr'sche Mißwirthschaft seitens der Staatsanwaltschaft die Untersuchung erngelei-'t und brieflich an die Polizeibehörden die Aufforderung gerichtet worden, Dr. W. im BetretungStalle zu verhaften und dem hiesigen Gericht zuzuführen. Dr. W., der sich bis dahin in Berlin aufgehalten hatte, war inzwischen aber, wie es hieß, ins Ausland gegangen. Neuerdings nach Berlin zurückgekehrt, ist er auf Requisition der Staatsanwaltschaft dort verhaftet und nun hierher tranS- portirt worden. Nach einem in Prioatkreisen zirkulirenden, allerdings unverbürgten Gerücht soll Dr. Wehr zunächst in Karlsbad angetroffen und von dort nach Berlin gebracht wor« den fem. Aus Suchst«. Wie der„Voss. Ztg." aus Zwickau ge- schrieben wird, wurde in einer unlängst stattgehabten Berg- arbeiter-Versammlung, welcher auch der AmtShauplmann von Bose beiwohnte, lebhafte Klage geführt darüber, daß die früher giltige, durch die Maibeschlüsse aber abgeschaffte I2stündige Schichizeit und eben so auch die Ueberschichten vielfach wieder eingeführt worden seien. Auch wurde darauf hingewiesen, daß die Löhne immer noch unzulänglich und keineswegs im Ver« hältniß zu den jetzigen Kohlenpreisen erhöht worden seien. In Bezug auf die weitere Klage, daß die Arbeit« sperre für einzelne der früheren Ausstandslerter immer noch nicht aufgehoben fei, wurde der Versammlung von dem Amtshauptmann v. Bose die Mittheilung gemacht, daß diese Arbeitssperre nach einer be- stimmten Zusicherung deS Verein« für bergbauliche Jnl-r sseN noch im Laufe dieses Monats aufgehoben weiden solle. Weiter theilte der Vertreter der Behörde den Bergleuten bei dieser Gelegenheit mit, daß bereit« eine neue, den Wünschen der Bergarbeiter besonders Rechnung tragende Bergaibeiter-Ord- nung ausgearbeitet worden fei, welche zur Zeit dem kö-xg- lichen Bergamt zu Freiberg zur Beschlußfassung vorliegt. Ead- giltige Beschlüsse wurden infolge dessen von der Versammlung nicht gefaßt. Da»-mark. Kopenhagen, 20. Dezember. In den hiesigen politisch«!' Kreisen beschäftigt man sich ausschließlich mit den bevorstehen" Schnees liegen. Der Anblick des tobten ThiereS machte einen großen Eindruck auf die Kohlenleute; sie traten heran, und Keinem fiel eS ein, zu verhindern, daß das Thor wied<* geschlossen und verrammelt wurde. Alle hatten daS Pf#' erkannt, welches, den steifen Hals an die Seite gebunden/ dalag, und flüsternd ging eS von Mund zu Mund:„ „ES ist„Trompette"? nicht wahr, eS ist„Trompette"? Es war„Trompette". Er hatte sich nicht akklimatisiren können, war mürrisch und traurig geblieben und hatte ni" Widerwillen gearbeitet, als quäle ihn fortwährend die Sehn" sucht nach der Sonne. Vergebens hatte Bataille",*# Aelteste der Grube, ihn freundschaftlich beschnuppert, und zärtlich in den Hals gebissen, um ihm ein Wenig vo» seiner zehn Jahre alten Resignation mitzutheilen; diese Lied" kosungen vermehrten seine Melancholie. Ost, wenn»>> beiden Thiere, sich in den Stollen begegnend, einen Augenbu» neben einander stehen blieben, fuhr eS schaudernd durch s#" Glieder, wie wenn der alte Schimmel ihm Schreckliches dem nachtumhüllten Leben in der Grube zugeflüstert hav�. Dann schnaubten Beide, e» glich einer wehmüthigen KW' als trauere der Alte, daß er sich nicht mehr erinnern, Junge, daß er nicht vergessen könne. Im Stalle standen I neben einander, senkten den Hals, steckten die Köpfe zusammen/ wohl einander ihre Träume des Tages vertrauend, Trau von grünen Wiesen, weißen Wegen und einem gelben' daS sich ins Unendliche verlor. Als nun eines Morg „Trompette" auf der Streu verendete, befchnupp# „Bataille", ihn mit verzweifelter Geberde, mit kurz Schnauben, das wie Schluchzen klang. Die Grube nay ihm feine letzte Freude, diesen von oben hrrabgefaue Freund, der so frisch und so gut gerochen und ihn ss" 1 � Jugend und an die fteie Luft erinnert hatte. Und Aden wieherte„Bataille" plötzlich von Furcht und Schreck, faßt, schüttelte sich und zerriß seine Leine,.als der Fr so unbeweglich liegen blieb und kalt wurde und stets. Mouque hatte vor acht Tagen dem Oberaufseher der Krankheit des Pferdes Bericht erstattet, doch man q, � ernstere Sorgen; auch liebten die Herren nicht, die p l � zu deplaziren. Jetzt, als„Trompette" todt war, im-ß � freilich hinausgeschafft werden. Am Vorabend hatte R btn Wahlen. Die Regierungskreise zeigen sich hinsichtlich des Ergebnisses sehr zuversichtlich und in den letzten Linkenver- samm'ungen erklärten mehrere Redner, daß man wohl thäte, olle Gedanken an einen numerischen Fortschritt aufmgeben, und daß die Stärkeverhältnisse der Parteien nach den Wahlen unverändert dieselben bleiben würden, wie bisher. Dies ist auch die allgemeine Auffassung. Einige Gewinne hier und einige Verluste dort können keine wesentliche Veiänderung in der parlameniarischen und pilitischen Situation herbeiführen. Rur hinsichtlich der Frage wegen der Seebefestigung derHaupt» Kadt wird das Ergebniß der Neuwahlen von großer Bedeutung sein. Gewinnt die Regierung einen größeren Zuwachs der Stimmen, so dürfte ein eCheil der Opposition, die sogenannte �dänische Sinke", eine Verstärkung der Seebefestigung Kopen Hägens nicht länger bekämpfen, zumal es nur die Sand befestjgung war, von welcher die Opposition nichts wissen wollte. In der Hauptstadt wird die Rechte alle ihre bis- hengen Kandidaten wieder aufstellen. Von den zehn Kandi- baten, welche die sozialdemokratische Partei ausstellen will, kennt man jetzt fünf; drei in der Hauptstadt und zwei in den Provinzen. Im ersten Wahlkreise des Kopenhagener Amtes beabsichtigen die Sozialdemokraten, den Verwalter Hurop gegen den bisherigen Rkprälentanten, den Kriegsminister Bahnsen, aufzustellen. Er hat mehrere Versammlungen abgehalten und in seinen Reden besonders die Militärausgaben scharf angegriffen. In dem 9. Wahlkreise tritt der Ver- Walter Hördum wieder als Kandidat der Sozialdemokraten aus. Er erhielt bei den letzten Wahlen im Jahre 1887 975 Stimmen, während sein Gegenkandidat 1160 erhielt. Die Haupischlacht werden die Sozialdemokraten jedoch im 5. Kreise der Hauptstadt führen. Hier wurde ihr Kandidat Holm im Jahre 1887 mit einer Majorität von nur 30 Stim- wen gewählt und mehr als 5000 Wähler nahmen an der Ab» Kimmung nicht Theil. Dieser Kreis ist der einzige in Kopen- Hagen, weliter von einem Sozialdemokraten vertreten wird. Dieselben Kandidaten wie voriges Mal, Holm und Ryssel von der Reckten, werden sich wieder gegenüber stehen, und von beiden Seiten werben die größten Anstrengungen gemacht, um diesen Kreis, den größten des Landes, zu gewinnen. Ja Obense(Fünen) wird der Malermeister Jensen, der auch bei den letzten Wahlen sozialdemokratischer Kandidat war, wieder snn Glück versuchen gegen den Kapitän HedemannS und in Randers(Jütland) wird der Verwalter Kundsen gegen den Kammerherrn Lüttichau, der voriges Mal 1684 Stimmen erhielt, auftreten." Großi»rita«nUn. Sir Randolph Churchill, der einflußreichste Doryführer nach Lord Salisbury und dessen mathmaßlicher Nachfolger— er rst bekanntlich ein Nachkomme Marlborough's— hat sich in Birmingham in öffentlicher Volksversammlung f ü r den achtstündigen Normalarbeitstag erklärt. Er beweist damit, daß doch rtwas vom Geiste DrSraelrS in 'hm steckt. Frankreich. Paris, 22. Dezember. Die Spaltungen imSchooße der Rechten dauern noch immer fort. Man unterscheidet jetzt fünf theils noch in der Bildung begriffene, theils schon gebildete Gruppen: 1) die royalistische; einige ihrer Mitglieder wie Herr de Cazenove de Pradines haben sich stets dem Bou- langismus fern gehalten; andere, wie der Herzog von Dou- deauville können nicht das Gleiche von sich behaupten; 2) die unabhängige Rechte mit Cassaznae, de Mackau?c.; 3) die bonapartistlsche Rechte mit Joliboix und Prevost de Launay: 4) die verfassungstreue Rechte mir Hely d'Oissel und Viou; 5) die demokratische Rechte mit Robert Mnchel und Caneo d'Omano. Die erste Gruppe zählt gegen 80 Mitglieder, soviel als die vier andern zusammengenommen. Der„TempS" bezeichnet die Gruppenbildung der Rechten als eine Zerfetzung, die„Gazette de France" dagegen versichert, es handle sich viel- mehr um eine Gliederung und Organ, sirung, dank deren die Rechte kräftiger fein werde, als bei ihrem früheren Durch- einander. De la Ferrmnays hält, wie er einem Redakteur des „GauloiS" mittheilte, die Bildung von Gruppen in der Rechten für nölhig zur ernstlichen Erörterung aller Anträge und Vor- fälle in der Kammer, sowie zur gründlichen Prüfung geschäft- sicher Fragen. Die endgiltize Bildung der Gruppen werde erst Ende Januar erfolgen, da die Rechte sich jetzt noch mit den Wahlprüfungen zu beschäftigen habe, und da die einzelnen Mitglieder einander erst kennen lernen müßten. Italien. Die Kammerabtheilungen hatten sich gestern mit der Beantwortung der durch den Ministerpräsidenten auf An- trag des Kammervoisitzenden aufgestellten Frage,„ob der De- pmirte Sbarbaro in Freiheit zu setzen sei oder nicht", zu be- schaftigen. Fast in allenIAbtheilungen standen die Ansichten über die Auslegung des Act. 45 der Verfassung, von welcher die Beantwortung der Frage abhängt, sich schroff gegenüber, doch war überall nur eine, meist aus den radikaleren oder progressi- »ischen Abgeordneten bestehende Minderheit dafür, daß die Ver- fassungsbestimnung:„Kein Abgeordneter darf, ausgenommen ihn mit zwei Gehilfen in das Netz gebunden, heute luden sie 'hn auf einen Karren;„Bataille" wurde davor gespannt und wußte seinen todten Kameraden zum Förderschacht ziehen. Die Galerie war so eng, daß„Trompette" oft an den Seiten stecken blieb;„Bataille" mußte reißen, um ihn wieder frei zu machen, und der alte Schimmel wackelte mit dem �opse und horchte dem Geräusch des Körpers, der an den Wänden entlang schob. Beim Schacht spannten sie den Schimmel aus, und er blickte mit seinem trüben Auge auf die Borbereitungen der Ausfahrt. Der Körper wurde auf �»erschienen unter die Förderschale gezogen, daS Netz angeknüpft; das Signal ertönte.„Bataille" hob den Kopf. Erst fuhr's langsam empor, dann plötzlich verschwand es für immer in dem schwarzen Loch. Der Schimmel blickte "och mit gestrecktem Halse hinauf. Auch ihn werden sie bald wie ein Packet dort hinausziehen. Seine Beine zitterten, wie lw Rausche taumelte er in dm Stall zurück. Draußm auf dem Vorhofe der Grube' warm die »rohlenleute mit düsteren Mienm um das todte Pferd ver- suwmelt, und eine Frau sagte halblaut: „Ein Mensch hat wenigstens freim Willm, er kann ein- sohren oder nicht." Aber nme Schaarm kamen vom Dorf. Levaque mar- lchirte an ihrer Spitze, von seiner Frau und Bouteloup ge- folgt; er schrie: „Nieder mit den Belgiern! Wir wollm keine Fremdm de: uns! Nieder! Nieder!"__ c .. Sie drängten sich an'S Schachthaus. Aber Stephan hielt sie auf, näherte sich dem Offizier, einem schlankm, kaum "chtundzwanzigjährigm Mann, der verzweifelt aber entschlossen dreinschaute, und versuchte ihm die Wünsche seiner Kameradm erklärm und ihn für ihre Sache zu gewinnen: Warum sich unnöthigem Blutvergießen auSsetzm, da doch die Gerech- sigkeit auf Seite der Kohlmarbeiter ist? Alle sind ja Brüder Unter einander, drum sollten sie sich verständigen! Stephan beobachtete, welchen Eindruck seine Worte auf den Haupt- wann machtm. Als er das Wort Republik fallm ließ, mt- sich* dem Offizier eine nervöse Bewegung; aber er blieb wilitärisch steif und sagte schroff:„Zurück! Zwingt mich "'cht, meine Pflicht zu thun."(Fortsetzung folgt.) die Ergreifung auf der That, während der Tagung verhaftet oder in strafrechtliche Untersuchung gezogen werdm ohne vor- gängige Zustimmung der Kammer", auch Demjenigm zu Gute komme, welcher vor seiner Erwählung rechtskräftig verurtheilt worden fei. Ueberwiegmd wurde anerkannt, daß die Ver- fassungsbestimmung keinm anderen Zweck haben könne, als die schon erwählten Volksvertreter vor etwaiger Willkür der aus- übenden Gewalt zu schützen und ihnen die Ausübung des Man- dats zu ermöglichen. In 7 von dm 9 Abtheilungen wurden Ausschußmitglieder mit dem bestimmtm Auftrage der Ver- nemung der qestellten Frage gewählt. Nach ojsiziösm Meldungen aus Rom hat der Bericht des Finavzministers Giolitti über die Finanzlage eine überwiegend günstige Aufnahme gefunden. Ein Fehlbetrag von 74 oder selbst 81 Millionen, den die Gegner der Regiemng berechnen, sei im Hinblick auf die Hilfsquellen Italiens nicht zu groß, zumal sich der Fehlbetrag im Laufe des kommenden Finanz- jahreS auf 37 Millionen vermindern werde. Für die ungün- stige Auffassung seien wesentlich daS Nichtzustandekommen des italimisch-französischen Handelsvertrages und die besonders dem Wein- und Seidenhanvel schädliche Einführung des Gmeral- tarifs, dann aber auch die Mißemten speziell in Süditalien Ursache gewesen. Wie die„Pol. Korr." weiter aus Rom meldet, ist das der Kammer vorgelegte Grünbuch sehr umfangreich; da die Drucklegung und Korrektur dieser Dokumentensammlung län- gere Zeit in Anspruch nehmen wird und die Kammer nächstens ihre W-ihnachtsserien antritt, um sich bi« nach Neujahr zu ver- tagen, dürfte die Veröffentlichung des italienischen Grünbuchs kaum vor Mitte Januar erfolgen. Amerika. Die Nachrichten, welche die amerikanischen Zeitungen über die Revolution in Brasilien bringen, bestätigen, daß Alles sehr glatt verlaufen ist, und daß die Proklamirung der Republik nirgends auf ernsthafte Schwierig- leiten gestoßen ist. Alles, was über Erschießungen, über ge- waltthatigeS Vorgehen gegen den Kaiser und dessen Familie und Angehörigen gesagt worden ist, beruht auf Erfindung oder ist eine arge Entstellung der Thatsachen, wie z. B. die angebliche„Beraubung" der Kaiserin. Die Diamanten, welche dieselbe zurückzugeben hatte, waren Staatseigen- thum und nicht Privateigenthum.— Durch ein telegraphisches Zirkular des brasilianischen Finanzministers Ruy B a r b o z a, datirt vom 17. d. M., wird auch die Fabel wider- legt, die Revolution sei von unzufriedenen Anhängern der Sklaverei gemacht worden. Die Regierung be- steht thatsächlich aus lauter Gegnern der Sklaverei, und es heißt in dem Zirkular, die einzigen Gegner, welche die Republik habe, seien ein Theil der Großgrundbesitzer, die sich mit der Abschaffung der Sklaverei noch nicht auSge- söhnt hätten. Der eigentliche Grund der Revolution sei die Unzufriedenheit über daS langsame Tempo der vielen nothwen- digen Reformen gewesen— der Militäraufstand habe nur das Signal gegeben; die neue Regierung, in der nur zwei Militärs fitzen— der Kriegsminister und der Marineminister— habe einen durchaus bürgerlichen Charakter. In den Vereinigten Staaten ist die Freude allgemein über den Gang der Dinge in Brasilien. Man hofft auf einen starken ökonomischen Aufschwung des Landes, das unter dem Kaiserthum seine außerordentlich reichen Hilfsquellen nicht ent- falten konnte. An Ktelle der ordentlichen Sitzung, welche in dieser Wocke des Weihnacktifestes wegen ausfällt, findet am Freitag, den 27. Dezember, Nachmittags 5 Uhr, eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten- Ver- s a m m l u n g statt. Tagesordnung: Vorlage, betr. die Ver- leihung des Ferd. Menzel- Stipendiums.— Wahl der Mitglieder und der Ersatzmänner zur Einsckätzunqskommission für die klassifizirte Einkommensteuer pro 1890/91.— Berichterstattung des Ausschusses für Rechnungssachen über 10 Rechnungen, sowie über den Jahresabschluß der Haupt-Stiftungskasse pro I.April 1888/89, und die Vorlage, betr. da« Lagerbuch über das Ver- mögen der Stadtaemeinde.— Berichterstattung über die Vor- lagen, betr. die Skizzen zum Neubau einer Gemeinde-Doppel- schule und einer höheren Bürgerschule auf dem ehemalig städtischen Friedhofe an der Friedenstraße, sowie einer Gemeinde- Doppelschule in der Friedenstr. 33.— Vorlage, betr. den Verkauf de« zum Rieselgute Schenkendorf gehörigen Kruggrundstücks.— Desgl., betr. die Ueberlassung des Fest« saals im Berlinischen Rathhause an den Verein für die Ge- schichte Berlins.— Desgl., betr. die Errichtung einer besonde- ren chirurgischen Abtheilung im Krankenhause zu Moabit.— DeSgl., betr. die Verlegung städtischer Bureau« nach dem Hause Poststraße 16 und die Bewilligung von Mitteln zur Instandsetzung der betreffenden Räume daselbst.— Desgl., betr. die erfolgte Bauabnahme des umgebauten Pferdestalles auf dem Gutshofe der Irrenanstalt zu Dalldorf.— Desgl., betr. die Uebernahme der durch provisorische Errichtung einer Krankenstation im städtischen Obdach entstandenen und im laufenden EtatSjahre noch weiter entstehenden Kosten auf dem Etat des Krankenhauses am Urban.— Desgl., betreffend die Zahlung einer Entschädigung für vorzeitige Ausgabe des MiethSrecht« in dem Hause Gollnowstraße 40.— Beantwortung einer Anfrage von Mitgliedern der Versammlung, betr. den Umbau der Kottbuser Brücke.— Zwei Rechnungen.— Berichterstattung über die Vorlage, betr. den Ablauf der Wahl- zeit von drei Rathszimmermerstern.— Eine UnterstützungSsache. GerirfrkS'Betkmrg. Verdient die Vetentio»«ine« werttzlofen(Objekts als erne« bloßen PressionSmittels den Schutz des Gesetzes? Mit der Entfcheiduna dieser Frage war heute die 89. Äbthei- lung des Berliner Amtsgerichts in der Strafsache gegen die verwittwete Regierungsbaumeister Krappe wegen Betruges be- faßt. Die Angeklagte, welche eine Wittwenpenfion von 25 M. monatlich bezieht, sonst aber gänzlich vermögenslos ist und durch Krankheit häufig verhindert war, etwas zu verdienen, hatte bei Frau Neumann 3 Jahre lang ein kleine« möblrrtes Zimmerchen inne. In einem alten Reisekorbe waren ihre sämmtlichen nahezu werthlosen Habseligkeiten, zugleich aber auch die für ihr Forlkommen nothwendigen Papiere, aufbe- wahrt. Am 1. September er., als die Angeklagte aus der gedachten Wohnung auszog, war sie ihrer Wirthin noch 25 M. schuldig, und dieselbe erklärte, den Korb zurückzubehalten, wenn sie ihr nicht für diese 25 M. eine andere Sicherheit gäbe. Die Angeklagte verstand sich dazu, um ihren Korb mitnehmen zu dürfen, die PenfionSquittung für den November zu über- geben, schrieb aber, wie sie behauptet, infolge Schwachsichtigkeit, ihren Namen an eine unrichtige Stelle des Schema'«, so daß dadurch die Quittung werthlos wurde. Dies kam der Em- pfängerin später zum Bewußtsein, und wurde auf ihre Anzeige gegenwärtige Anklage erhoben, in der davon ausgegangen wurde, daß die Angeklagte absichtlich gehandelt hat. Thatläch- lich hat die Wirlhm am 1. November die 25 M. erhalten. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt 40 M. event. 8 Tage Gefängniß. Die Zeugin hatte als Grund der Zurückbehaltung des Korbes angegeben, daß die Angeklagte ohne Papiere nicht existiren könnte, diese daher haben mußte. Der Gerichts- Hof vernemte mit dem R..A. Stadthaaen die obige Frage und erkannte deshalb auf Frei fpr e chu n g der An- geklagten. I« dem Prozeß des Kerr« u. Carsten«(Lichterfelde) gegen den Reichsmiliiärfiskus hat das Kammergericht heute nach umfangreicher Beweisaufnahme dahin erkannt, daß die Klage dem Grunde nach— es werden sechs Prozent von dem Werth der Lichterfelder Schenkung als jährliche Kompetenz gefordert— gerechtfertigt sei. Es wird sich in diesem sensationellen Prozeß also nur noch um das Quantum handeln, welches der Fiskus zu leisten hat, und die Größe dieser Leistung ist abhängig von dem Werthe der geschenkten Sache. Zur Ecmittelung dieses WertheS wird noch ein be« sondereS Verfahren stattfinden. Beiläufig mag bemerkt werden, daß in dem Strafprozeß, welcher seiner Zeit gegen Herrn v. C. wegen Beleidigung von Beamten des KriegsministeriumS eingeleitet wurde, der Werih des durch die Lichterfelder Schenkung dem Fisku« ersparten Terrains am Hypo« drom durch Sachverständige auf vier Millionen Mark abgeschätzt worden war. Die Entscheidung des Kammergerichts stützt sich auf§§ 1123— 1126 des A.L.R., wonach der Geschenk- aeber in dem Falle, daß er in Armuth geräth, von dem Be- schenkten 6 Prozent von dem Werthe der geschenkten Sache al« jährliche Kompetenz zu fordern berechtigt ist. Indem nun das Kammergericht den Klageanspruch dem Grunde nach für festge- stellt erachtet und heute ein entsprechendes Zwifchenurtheil er« lassen hat, fo ist dasselbe bei dem Reichsgericht, wo die that« sächliche Feststellung de« VorderrichteiS einer Nachprüfung nicht mehr unterliegt, und da die in Rede stehende Rechtsfrage vom Reichsgericht selbst schon entschieden ist, nur noch formell mittelst des Rechtsmittels der Revision anzugreifen. Soziale Melrovstcht. Von der Firma Methlow«. Komp, erhalten wir folgendes Schreiben: Unter Bezugnahme auf§ 11 de« Preßgesetzes ersuchen wir Sie hierdurch um gefl. Aufnahme unserer nachstehenden Be- richtigung: In Ihrer Nummer 297 vom 19. d. M. veröffentlichen Sie eine Erklärung der Vergolder- Streikkommission, in welcher be- hauptet wird, daß wir unseren Leuten jährlich mindestens zirka 2000 Mark Strafgeld abziehen. Diese Behauptung beruht auf Unwahrheit. Die Strafgelder betragen nachweislich im Ganzen jährlich kaum den achten Theil obiger Summe. Ferner kommt nicht nur bei 6 Minuten, sondern auch bei i und% Stunden Verspätung das Strafgeld in Höhe von 20 Pf. zur Anwendung. Mtttstock. Seitwärts vom großen Weltverkehr, den die Berlin. Hamburger Bahn vermittelt, liegt das Städtchen Wittstock in der Ostpriegnitz. Idyllisch angelegte Philister werden mit Genugthuung vernehmen, daß, trotzdem einige hundert armer Tuchmacher dort ihr Leben fitsten, sich bei Reichstagswahlen noch keine sozialdemokratische Stimme m der Urne gefunden hat, und doch ist gerade hier der Nieder- gang de« Kleingewerbes so leicht nachzuweisen, wie selten wo ander«. Vor 50 Jahren ernährten sich zirka 100 selbstständige Meister von der Tuchmacherei, heute find es 5—6 Tuchfabriken, die allein floriren, trotzdem die Kleinmeister durch gen ossenschaft- liche Gründung einer Spinnerei und Walkerei der Konkurrenz der Großen Rechnung trugen.— Die Arbeitszeit ist eine unmenschliche zu nennen. In der größten Fabrik (P. G. Wegner) wird von Morgens 5 bis Abends 8 Uhr gearbeitet. Mittagspause 1 Stunde und Frühstück- und VeSperpause je eine halbe Stunde. Also 13 Stunden Arbeitszeit und 14 Stunden Ausenthalt in der Fabrik. Die übrigen Fabriken arbeiten etwas kürzere Zeit, aber noch immer lange genug. Und was ist der Lohn? Löhne von 9— 12 Mark für männliche Arbeiter, von 6—8 Mark für weibliche. Nur die Meister der Fabrik-Abthnlungen und die schwerer zu er- setzenden Färber erhalten mehr.— Um durchzukommen ist e« allgemein gebräuchlich, daß di« armen Tuchmacher«in Stück Feld zum Kartoffelpflanzen pachten und um die« zu bestellen muß während der Stunden nach 8 Uhr im Sommer und an den Sonntag- Vormittagen gearbeitet werden.— In gewerkschaftlicher Beziehung ist bis jetzt absolut nicht« geschehen, ein Hirsch-Dunker'scher Gewerkoerein fiistet zwar eine Existenz, aber wer diese Vereine kennt, er- wartet ja von ihnen nichts. Der Vorsitzende dieses„Orts- vereinS" erklärt übrigen« Jedem, der es hören will, daß er durchaus kein Sozialdemokrat sei.— In den Fabriken von Wegner und Paul werden Militärtuche angefertigt, deren Preis es wohl gestatten dürfte, andere Löhne zu zahlen; aber so zu« friedene, unwissende Kuli« finden an alledem nichts auszusetzen. Einzelne sehen ja das Unwürdige ihrer Lage ein, aber da sie bei der Masse ihrer Leidensgefährten durchaus kein Verständ- niß finden, so ziehen sie es vor, den Ort zu verlassen und den an die Scholle Gefesselten es zu überlassen, ihre Knochen für so billigen Preis zu Markt zu tragen.-- Möge doch endlich der Tag kommen, wo die Roth auck diesen harten Schädeln die Lehre predigt, daß der zufriedene Arbeiter eben nicht« er- hält und daß nur durch eine Organisation eine Besserstellung ihrer Lage erreicht werden wird. Mheskov. Im Nestde«»- Theater ging vorgestern zum ersten Male „Pega", Lust'p el in drei Akten von G. Meilhac und L. Ganderac in Szene. Der Erfolg war ein entschieden zweifelhafter, und zwar aus dem Grunde, weil die beiden Dichter e« wagten, das Publikum des Residenztheaters zu lanAweilen. Die Kleinigkeit Handlung war mit so endlosen Gesprächen verbrämt, in denen sich nur ganz vereinzelt jene pikanten und witzigen Be- merkungen, die der Philister so gern für Geist hält, fanden, daß sich mehrfach beim Publikum jene gefährliche Lust, mit- zuspielen, einstellte, die auch schon besseren Stücken zum Ver- derben gereichte. Das neue fianzösische Ehescheidungsgesetz hat die Ehe- scheidungSkomödie in Franfieich modern gemacht. In Deutsch- land bringt man dieser Angelegenheit wohl kaum dasselbe Interesse entgegen, und auch in Frankreich scheint die Scheidung schon gehörig vom„Reiz der Neuheit" eingebüßt zu haben. E« wurde deshalb für nöthig gehalten, einen abenteuernden Süd- amerikaner, der seinem Vaterlande die Segnungen des Belagerungszustandes verschafft und sich, nachdem man ihn wahr- scheinlich zum Teufel gejagt, zum bevollmächtigten Minister bei sämmtlichen europäischen Mächten er« nannt hatte, mit seiner Nichte auf die Bühne zu bringen. DaS Stück leidet an der Naivetät, daß jeder beim Aufgehen des Vorhangs sofort sieht, daß hier über Kreuz ge- heiralhet wird. Herrn PansaS guter Humor hielt nicht bis zu Ende vor, er karrikirte sich selbst zum Schluß. Fräulein Zipser ist immer noch ein m Blumendust gewickelter Sonnenstrahl oder so etwa« AehnlicheS, während Herr Brandt zu seinem Vortheil den Ballast von Edelsein, den er namentlich in französischer Artillerieuniform mit sich herumschleppte, einigermaßen über Bord geworfen hat. Sehr schneidig, sehr geschert und sehr chic ist Fräulein Berten«. Dem Slück ging ein Einakter vorauf, der in einer jener unmöglichen Unanständigkeiten gipfelte, an denen die fran- zösische Possenliteratur ziemlich reich ist. Herr Pagay fand Ge- legenheit einen RouS darzustellen, der sich in die Wohnung einer anständigen Frau verirrt hatte. Da« beste an dem Rouö war freilich da« rothe Hemd mit dem weißen Kragen. Theater. Mittwoch, den 25. Dezember. ###**%*##. Don Juan. Donnerstag: Aennchm von Tharau. Freitag: Der Trompeter von Säkkingen. AMospt-lha««. Wilhelm Test. Donnerstag: Die Journalisten. Freitag: Die QuitzowS. {»IftKg-CMitfev. Die Ehre. Donnerstag: Der Zaungast. Freitag: Die Ehre. A««tsch»» Uheaje». Der G'wissenSwurm. Donnerstag: Der Sohn der Wildniß. Freitag: Faust'S Tod. KnoH's Theater. Der flö'ni_ Donnerstag: Dieselbe Vorstellung� Freitag: Dieselbe Vorstellung. Oertwer Theater. Hamlet. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. fmfcvui.»ilhetarttiidtische« Theater. Prmzessin Pirouette. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. M»K»»»r-TH»at«r. Scbwregermama. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Malreer-Theater. Seine Haushälterin. Vor- her: Endlich. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Mtataria-Thrater. Stanley m Afrika. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. GackmAfo)»«- Thaata». Der Zauberlehrling. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. F«t»«t-Th»at»». B-rolina. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Gmft-Th»atrr. Flotte Weiber. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. W«»»>-Th«ater. Spuren im Sande. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. #**$$#«****** Theater. Die Maschinenbauer von Berlin. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Dieselbe Vorstellung. G»»». Kichts?'» Waricktck. Spezialitäten. Vorstellung. Neich»haNe«- Theate».»r. Spezialitäten. Vorstellung. Amifman»'» Mari�t». Gr. Spezialitäten- Vorstellung. Oipcus Renz. Tarlstraste. Heute, Mittwoch, den 25. Dezember, 1. Weih nachtsfeiertag: 2 große Norstellungen. 4 Uhr Nachmittags 1 Kind frei. Große SBor Kellung, auf vielseitiges Verlangen: Leben und Treiben«f dem Eise. Großes Ausstattunzs- stück.— Abends 7 t Uhr: Japan oder: Tie neckischen Frauen diS Mikados. Groß, chorogr. AusitatlungS-Balletdivertissement. Morgen, Donnerstag, 2 große Vorstellungen. 4 Uhr Nachm.(1 Kmd frei). Auf vielseitiges Verlangen: Aschenbrödel, oder: Der gläserne Pantoffel. Großes phantast. Zauber märchen.— Abends 7j Uhr: Im dunklen Erd� theil(Einnahme von Bagamoyo). Große equestrische Onginal-Pantomime, arrangirt und in Szene gesetzt vom Direktor E. Renz. In sämwtl. Vorstellungen: Auftreten.der vorzügl. Reitkünstlerinnen und Reitkünstler. Reiten und Vorführen der bestdress. Schul- und FreiheitS- pferde. Komische Intermezzos von 20 Clowns. Freitag: Japan, ober: Die neckischen Frauen des Mikados. Großartioe Tremplinfpringe.— Auftreten des Direktor E. Renz.— Vorführen der 6 engl. Jagdpfecde. E. Renz, Direktor. Alhambra-Theater, Wallnertheater straße 15. ErSjfmz WWW«. Amorina An den 3 Feiertagen; die Marnwrdraut. Phantastisch, komisches Zauberschauspiel mit Gesang und Tanz in 3 Akten und 12 Bil- dern, von P. Wiede. Muftk von F-anke. Mit neuen Dekorationen u. Kostümen, 100 Personen. 1. Bild. Das Urtheil der Morgana. 2. Bild: Moisasur's Zauberfluch. 3. Bild: Die Marmorbraut. 4. Bild: Die Banditen des Aetna. 5. Bild: Der Ausbruch des Kraters. S.Bild: Die Sphirx der Wüste. 7. Bild: Fata Morgana. S.Bild: In Banden der Circe. 9. Bild: Die Opfer des Brahma. 10. Bild: Der Kaiser von Cochinchina. 11. Bild: Wieder in der Heimath. 12. Bild: Lebende Rosen. GtttrccBOPf.ÄÄ Anfang des Concerts 6 Uhr, der Vor- stellung 7 Uhr. GIpoiis Busolu »riebrtch-Kmtl-stfe,. Sonntap, den 29. Dezember, unwiderruflich letzter Tag. An den 3 Weihnachtsfeiertagen täglich 3 gr. Norstellunge«. 4 Uhr: 1 Kind frei. Abends jS Uhr: Große außerordentliche Vor- stellung. Auftr. der unübertrefflichen Künstlerin Frl. Maria Dors, Schulreiterin Sign. Olga und Mlle. Elvira Guerra, Parforce-Reiterin. Mlle. Margerithe, Frl. Henriette, Frl. Amalia, Frau und Herr Direktor Buich, sowie alle vorzüz- lichsten Künstler und Künstlerinnen. Auf Ver- langen: Eine Hubertusjagd im Grunewald. Sonntag, den 29. Dezember, unwiderruflich letzter Tag. UstneHean-Theater. il«$ SveMntrstr. fi&. Täglich Vorstellung. —iL. IC 1 tf. SM.— 10 Uhr A. iser-Panopama. Zum ersten Male: Zweite Reife durch das sckiöne Spanien. Dritte Reise durch das Rtesengeblrge. Erster CycluS: Pariser Weltausstellung. Eine Reise 20 Pf., Kino nur rO Pf. Adonn. ::: 'einer Punschextract, Origlfl. excl. 1,25 Glühwetnextraet., 1,25 «rogextract.» 1,25 Gchlummervunsch, kräftig». 1,50 vnrgunderpunsch, aus best. Burgunder Wein.» 2,00 Ananaspnnsch, a. fr. Fr.„» 2,50 Glühwetnextract, aus feinstem Bordeaux.„ 2,00 Alt. Hochs. Thee-Ru« Sit... 2,00 Jngberltkör. b. Magenheiz.». 0,90 Alter«ordhäufer, gar.echt�» 0,75 Fa?on-Rum»» 1,00 empfiehl die Großdestillation von Lettau& Keil, Sophien ftr 13, an der Rosenthalerstr. Gesckäktsschluß Abends 8 Uhr.[51 Todes-Anzelge. Den Mitglie dern die traurige Nachricht, dass unser früheres Vorstandsmitglied und seitherig es Mitglied des Hauptvorstandes des Unterslütiungsvereins Deutscher Buchdrucker, der Schriftsetzer Hugo Hebel am Sonntag, Abends 6 Uhr, nach dreizehntägigem Krankenlager im vollendeten 35. Lebensjahre entschlafen ist. Wir verlieren in dem Verstorbenen nicht allein einen braven und tüchtigen Kollegen, sondern auch einen wackeren Verfechter unserer Prinzipien. Sein Andenken werden wir stets ehren! Die Beerdigung findet am 2. Feiertag, Nachmittags 3V Uhr, von der Leichenhalle des Alten Louisen-Kirchhofes(Btrg- mannstrasse) aus statt. Berlin, den 24. Dezember 1889. Der Vorstand des V er ein« der Berliner Bnchdrncker und Schriftgiesser, Todes-Anzeigr. Allen werthen Kollegen und Freunden zur Nachricht, daß am 23. Dezember mein liebtr Bruder, der Sattler 414 Wilhelm Witthahn. verstorben tst. Die Beerdigung findet den 2. Feiertag, Nach- mittag 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Domklrchhofs, Hermannstraße aus, statt. Um stilles Beileid bittet Ludwig W i t t h u h n. Steppdecken- C/ Fabrik Emil Lefeyre, 7 Berlin, Vrauienftraffe 158. Größte Auswahl! Moll-Atla»-Ktevp» decke« imit. Handarbeit! 2 Mir. lang, blau, grün, bordeaur 7,50 Mf. Einzelne schadbafte Decken 3 und 4 Mf. Illnftrirte Preisliste gr.«. fr« Wer seine Uhr sauber, gut und billig reparirt haben will, der trage fie zu einem guten Uhrmacher, ein solcher wohnt Skalitzerstraße 8. Außerdem empfehlt mtin großes Lager in Regulateuren, Wand» und Taschenuhren, sowie in fämmtlichen Goldwaaren.— Ausführung von Reparaturen in sämmtl. Goldsachen. Döbel. eigener Fabrik. Smcgoi i Polsterwaaren. Cr. Lager, bill Preise. Emil Heyn, Brunnens tr. 28, Hof pari. Theil«. nach Uebereinkunft. Sie bei Ihre« Ginkäufen streng reell 1 18 I M bedient fein, dann bemühen Sie sich zu ImMH «trzngtttq t Arbeit. Ja BdCPp BERLIN N. 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Sonnabend, hen 28 Dezdr., Abends 8� Uhr, Große öffentliche Uersammlnng in Iordan'S Salon, Neue Grünstr. 23. Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele einer Gewerkschaftsorga- nisatton. Referent: Herr Fritz Kcüger. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 415 Aufnahme neuer Mitglieder.— Es ist Pflicht eine» jeden SetfenfabrikarbeiterS in dieser Ver- sammlung zu erscheinen und dem Verein der Seifenfabrikarbeiter Berlins und Umg-gend bei- zutreten. Der Einberufer. Zur Deckung der Unkosten findet eine Teller- sammlung statt. Aoh-Habakl! Gröste Auswahl, billigste Preise von ämmtlichen im Handel befindlichen Tabaken. Heinr. Frank, Kruu«r«str.141[14Ä. lkiltral-Kranktn- iihD Sterbe-Ullttt- Mullgskiße Der Deutschea Zimmerer. (Eingeschriebene Hntskaffe 2) Ansterordentliche General- Versammln«« Sonnmg, den 29. Dezember 1889, VormlltaaS 10i Uhr, in Aeiterstetn'S Salon, Alte Jakob- straße 75, pari. Tagesordnung: 1. Wahl des Gesammt-Vorstande«, Ersatzwahl der Rkvfforen und Neuwahl der Kontroleure- 2. Stellungnahme der Mitglieder zur Regelung über zurückzuzahlende Beiträge von der Kasse an Mitglieber des Sanitätsvereins. ! 3. Verschiedenes. 409 Um recht zahlreiches und pünktliches Ei scheinen ersucht Der Vorstand. Ahm. MMlirlitittt Btttii Berlins und Umgegend. Große Nersammlung �Freitag, den 27. Detember, Vorm. 10% Uhr, tn ver Norddeutschen Brauerei, Chausseestrabe. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Werner über: .Internationale Fadrikgesetzaebung.-' 2. DiS- kusfion. 3. Aufnahm« neu»r Mitglieder. 4. Ver- schiedeneS. Fragekaften.— Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreichen Besuch bittet[413 _ Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Weiß-«li> Bairisch-BieMil, auch ist ein VereinSzimmer zu vergeben. ans Polandtf [391_ Naunynstraße 83.______ Der Unterzeichnete liefert gegen Nachnahme«J Postpacketen von 4i Kilo Inhalt, die feinm frische Meierei-Natnr-Kntter, aus der größten unv renommitteften Meierei d« Insel Alfen, zu den billigsten Preisen. 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Druck und Verlag von Ma» Dading m Berlin SW., Beuthsttaße 2. Hier,» twei ftU****' 1. Beilage zum Berliner Boltsblatt. Pr. 803 Mittwoch•«« 35. Dezember 1889. S. Hohrs. Uskales. Weihnächte«»ine» Kandn-erlisburschen. Friede auf Erden und den Mer ichen ein Wohlpefell n! Millionen von Arbeitern ist dies Wort jetzt beinahe 2000 Jahre pepredigt worden nn'» noch ist kein Anfang des Friedens, geschweige denn de« Wohlgefallens zu erblicken. Leider hat nur ein kleiner Thül der Arbeiter dies begriffen. Zu diesen gehörte zweiiellos jener junge HandwerkSburiche, de, am WeibnachtS- abend 1879 rüstig auf der Straße von Burgdorf nach C.lle im Hannöverichen zuschritt, denn ein bitteres Lächeln spielte zu- weilen um serre L'ppen, von. Zeit zu Zeit einer ge- w ssen Besorgnis Platz machend. Er wollte augerschrinlich vor Anbruch der Nacht Celle roch erreichen und die untergehende ?oine be'ruchlete nur noch spärlich die verschneiten Wige. Nun war sie ganz weg und nur in der Ferne zeigten Lrchler die Gegend an, in der die Stadt liegen mußte. Es liegt immerhin ein gew.ffcr Reiz in solch' einsamer Wanderung durch die winterliche Landschaft. Sie regt zu Träumereien und Rück- blicken an und das war es wohl auch, was den Fuß des Wanderers fick langsamer heben ließ. Gewiß, eS zogen an feinem Auge Bilder der Vergangenheit vorüber, wie er, der Sohn des Proletariers der Roth gehorchend im Anfang des nunmehr bald verflossenen Jahres seiner Heimath- stadt in Hinterpommern, die ihm Lohn und Brot nicht mehr pab,_ den Rücken gewandt, um trotz Schnee und Eis sein Glück in der F-rmde zu sacken. Nach längerem Umherirren halte er auch in Lüneburg Arbeit erhalten, um bald nachher durch eine.billigere A beitSkraft* verdrängt zu werden. Und wieder mußte er zum Wanderstabe greifen, um fem Glück anderwärts zu versuchen. Er hatte dann als Tagelöhner bei einem der Gemü'ebauern in der Umgegend Hzm- burgz gearbeitet, hatte als K ssrlschmied im Holsteinischen ge- schafft, nm endlich Winterorbcit im Westfälischen zu e- halten. T'och auch diele Hoffnung hotte fich als trügerisch erwiesen. Der Meister hatte nur die Wrnterarbeit zugesagt, um einen billigen und willigen Gesellen zu haben. Drei Wochen vor Weihnachten hatte er abeimals fein Ränzel ge- schnürt, ohne Ausficht in nächster Z U Arbeit zu erhalten. Gleich in der ersten Nacht, seitdem er von seiner l-tzten Arbeits» stelle fort war, halte er bei m»h:eren Graden Kälte'm Freien übernachtet, da ihm keiner der streng katholischen Gaitwirthe des OrteS, wo er bei Anbruch der Nacht sich befunden, Obdach geben wollte. Ja, hätte er heucheln können und mit einem: «.Gelobt sei Jesus Ch istuS" bei den Wirthen ooro- fragt, dann hatte er wohl nicht nölhiz gehabt, dee Ruze eine« Nachquartiers in der Winterlandschaft zu aeneeßen. Ja, ja, heerliche Kaltur und chnstlrche Gesittung! Ihn schauderte bei dem Gedanken, daß e» ihm noch emmal pasfiren könne, und mit Ausgebot uller seiner Kläfie beflügelte er seinen Sch»iit, um wenigstens am Weihnachtsabend, wo sogar Tausende von Proletariern für»inen Augenblick ihr Elend vergessen und der Hoffnung auf e n?,b>ffere Zukunft Raum geben, unier Dach zusein. Glücklich wurde denn auch die Stadt und nach einigen Fragen die Herberge erreicht. Die«Fremdenstube", ein Z mmer, nicht großer wie eine gewöhnliche Wohnstube, war von zirka 40 Per- soaeu belucht, die auf hölzernen Bänken saßen und rauchten. S-eben brachte der«HodergSoater- eine Tasse Kasse- und ein Stück Kucken für jeden Kunden. Nachher wurde im Saal der Weihnachtsbaum angezündet, um den die Kunden, unter denen sich Männer in den vierziger Jahren befanden, wie die Kmder tai-zten. Ein rigenartrger Anblick die vrrwUterten Gtffchter bei.alten" Kunden neben den grünen, mch! lange von Hause gewanderten Muttersöhnchen einträätig bei einander sich des Anblicks erfreuend! Hier hcrrschte Gleichheit, die draußen »'cht zu finden; sie bildeten gewissermaßen eine große Familie, wenn auch der nächste Morgen fie in alle Wind- rrchtungen auSeinandertiieb. Nachdem aus der Reihe der Kunden noch einige launige Vwt äge zum Besten gegeben, onrgen Alle zu Bett, da« ihnen für diese Nacht unentgeltlich ülxrlassen mar. Am nächsten Morgen erhielten Alle noch ein« «al eine Tasse Kaffee und ein Kuchenbrötchen umsonst und dann begann die Fremderstube sich zu leeren. Die Einen wanderten weiter, wahrend dre Andern auf die.Fahrt" stiegen, nm ein wenig Mittagbrot und emrge Pfennige Schlafgeld zu erbetteln. Unser junger Wanderer, dem wir hierbei folgen, hot>e jedoch entschieden Pech, denn bereits in einer der ersten »Winden", die er stieß, wurde er von einem Hüter der Orb- n»ng erfaßt und nur mit Rückächt auf den e-sten Weihnachten. _«JLT OToSeor Spr ttt »'f------w Heutzutage weiß wohl Zeder, der nicht gänzlich taub lir das, was die Glocke der Zeit geschlagen hat, daß WeihnachtSfcst nicht nur..heidnischen" Ursprungs ist, ern daß in demselben auch jetzt noch ein gutes Stück rmanifchen HeidenthumS lebt. Das WeihnachtSfest war .-ün glich das Fest der Wintersonnenwende, welches der Zergeburt des siech gewordenen Sonnengottes geweiht Die alten Germanen und Kelten feierten am Dezember das Julfest oder das Fest der Wintersonnen- >k. Dabei richteten sie einen Tannenbaum auf und eckten ihn mit brennenden Lichtern auS. Dieser Jul- « ist später zum„Christbaum" geivorden. Der BaumkultuS war ein wichtiger Bestandtheil des omanischen HeidenthumS und eS hat den Vertretern des ftenthumS viel Mühe und Opfer gekostet, diesen Kultus arotten oder wenigstens eine andere Bedeutung zu geben. Germane hing mit Zähigkeit an seinen alten religiösen Suchen fest. Kirchliche Erlasse und weltliche Strafen achten deshalb, den widerstrebenden Sinn des Germanen zig zu machen. Als dies Nichts fruchtete, mußte man ßlich wohl oder übel daran denken, mit diesem Ueber- sel einer uralten Naturreligion sich auf freundlichen zu stellen. DaS hat die Kirche stets gethan, wenn sie daß eine Lehre des neuen Glaubens mit der An- ung der germanischen Bevölkerung absolut nicht in lang zu brinaen war. So wurde der Baumkult denn »falls in das Christenthum verpflanzt und schlug bald in elben tiefere Wurzeln. Zuerst allerdings nicht allein als fluck der Weihnachten, sondern auch anderer bedeutungS- r Tage im Jahre. Vor allem im Mai als Pfingstbaum am Johannistage. Karl der Große beging noch mitsammt n Großen daS Maifest in jener altgermanischen Weise, >e voll war von Anklängen an die eben abgethane Religion r Vorfahren. Und Ludwig der Fromme, der in seinem ' für die neue Lehre so vandalisch gegen die Erinne- en an die Götter Walballs v erfuhr, �dast er die schrift- » Aufzeichnungen zu Ehren derselbin cigcns sammelte, Feiertag wieder entlassen, jedoch mit der Mah- nung, nicht bi« zum dritten Feiertag zu warten, da er sonst unbedingt von der Herberge aus ver- haftet werde. Roch ehren Tag blieb unser Wandrer dort, um dann völlig mittellos, wie er Celle erreicht, dasselbe wieder zu verlassen. Von denjenigen, die rurückblieben, wurden am dritten Feiertage verschiedene wegen Beiteln» und Lindstreichens verhaftet, um im A'.bcitShause ihre.Arbeitsscheu" zu verlernen. Unser Freund erfuhr die« von denjenigen, die in Eilmärschen Celle verivssen. Wie lange unser F-eund noch frei blieb, wer kann'S sagen? Und dennoch zieht die Industrie auS diesen verachteten Kunden ihre Kraft, sie find es, die die Reserve- Aimrc für die Unternehmer stellen und die Kunst und Ge- schicküch.k«it von Ort zu Ort tragen. Aber fie find es auch, die die Nldeiter unter einander näher brmgen und fie lehren, daß alle Menschen Brüder find und daß eS ein Unrecht sei, dem Eine» alle Lebensgenüsse zu entziehen und für seinen unver- schuldeten Mangel noch ir.S Arbeitshaus zu ft.cken. Schon rückt die Zeit näher, wo die Proletarier aller Länder ihre Weihnacht feiern werden und der Einzelne nicht mehr zu betteln braucht. Gin« Wrihnachtsgabe Hot die populäre Anstalt„Urania" dem Publikum durch ein neues wissenschaftliches Schaustück dargeboten, zu welchem gestern vor einem geladenen Publikem die Generalprobe statlfand. Die.Urania" blickt, wie Herr Dr. M. Wilh. Meyer verkünden konnte, auf Monate ernster Albeit und ermunternder Erfolge zurück. Das„Wissenschaft- liche Theater" hat in der kurzen Zeit seines Bestehens nicht weniger als 20 Premieren gehabt. Es blickt auf einen CycluS von 187 Bbentvo-trägen zurück, zu welchen fich noch 503 kleine halbstündige Lorträge gesellten, welche die Anstalt recht en! entlich zu einer populäi ea Akademie stempeln. Viele Schwierigkeiten waren zu überwinden, ehe das große Fernrohr, ein Meisterwert der Präüfions- Mechanik und da« Beste im Lande, welches die Welt mit klarem Auge durchbringt, nunmrhr dem Gebrauche übergeben werden kann. Di- Vocurtheile, ebenso der Geiebrtenwelt, wie auch des LaienpublikuwS sind besiegt und über S0000 Personen find bis jetzt zu der Stätte der Belehrung gepilgert, so baß jede Bbendoorftellung etwa 320 Besucher hatte. Auch jenseits des Ozean« hat die Idee der.Urania" bereit« zur Nacheiferung angespornt und so hat dieselbe in dem nun abgelaufenen halben Jahre vollauf rhr Ziel erfüllt:.Licht, Wissen, helle Freude an der Natur m empfängliche Gemülher zu pflanzen!"— Der neue, von Dr. SR. Wilh. Meyer außerordentlich lehrreich und interreffant gestaltete Anschauungsvortrag behandelt:.Die Geschichte der Urwelt", und ladet zu einer Wände« rung durch vorsündflutbliche Landschaften ein. Alle Errungen- schatten der neueren Lichteffekte und Maschinerien werden dabei in Anwendung gebracht, um auch den dekorativen Theil des Vertrages überraschend schö.r zu gestalten. Der Zuschauer wird mitten hineingeführt in die rastlose Arbeitsstätte der Mutter Naiur, welche langsam all' das Glück erzeugt hat, dessen wir Menschenkinder uns heutzutage erfreuen. Millionen Jahre macht man in Slebenmeilenstiefeln durch, verweilt bei der Sturm- und Drangzeit der irdischen Natur, sieht, wie aus den Rebelmaffen,«eich« fich zur Kugel zusammenballen, die Erde geboren wird, bewundert die elementaren Kämpf« der unter- irdischen Kräfte und verfolgt staunend die Wandlungen, die unser Plan-t bis zu seiner beuligen Entwickelunq durchzumachen halte. Tie Vorstelluug zerfallt in drei Abtheilungen: Die Pcunäip:riode, die Sikundärperiode, die Teriiärperiode und Gegenwart. In 10 Szenen weiden dargestellt: Das Chaos und dos erste Land, ein Vulkanausbruch zur Devonzeit, ein Steinkohlenwald, die Bildung der Steinkohle, eine Landschaft au« der Permzeit, die Zeit der Riesen- Eidechsen, m den Tiefen de« Kreidemeeres, Zürich in der Morgenrölhe der Urzeit, die Eiszeit, ein Pfahl» dauerdorf cm Zünchsee und an den Gestaden de« MUtel- meeres. Die packenden Dekorationen sind nach den Oel- gemälden de« Landschaftsmaler« Olaf W i n k l e r in Dresden von den Herren Harber und Lawig ausgeführt, vom Maler Wilhelm Kranz inszenirt. Der außerordentlich lebendige Vortrag wird van Herrn Bergmann vnständnißvoll g:» sprachen und übt eine nachhaltige Wirkung au«. Es ist kein Zweifel, daß die.Urania" um eine Darstellung von ergiebigster Zugk ait rercher ist. Sttßntni«. Der Geh. Medizinalrath Prof. August Hirsch veröffentlicht in der jüngsten Nummer der Wochenschrist„Die Nation" einen Artikel über Influenza. Prof. Husch, aus dim um sie zu vernichten— er machte gleichwohl den ihm unter- aebenen Stämmen die Konzcssion, daß er seine mächtigen Reichsversammlungen vom Jahre 824 und 831 auf einen Sonnenwendtag verlegte und mit altgermanischer A-t dem Baumkult dabei huldigte. Auch daS gesammte Mittelalter ist noch mit den Erinnerungen daran erfüllt. Dieser Baum- kult, wie er in den Sonnenwendtagen zum Ausdruck zu kommen pflegte, durchwuchert das deutsche Volksleben derart, daß sich nicht nur die Kirche, sondern auch die weltlichen Machthaber mit ihm besreunven müssen. Zur Zeit der Wintersonnenwende spielte bei unseren altheidnischen Vorfahren nicht nur die Tanne, sondern auch der Apfelbaum eine große Rolle. Der Apfel war nämlich die Frucht, mit welcher an dem altgermanischen Winter- sonnenwendfeste der HauSvater die Seinen vorzugsweise be- schenkte. Daß man dann später den Tannenbaum mit Aepfeln ebenso wie mit kleinen brennenden Lichtern aufputzte, war doch nur ei» einziger, durch die Symbolik beinahe gebotener Schritt. So hat also die sinnigste Symbolik des WeihnachtS- festeS ihre Wurzeln in dem Baumkult unserer altgermanischen Vorsahren. Zm Weihnachtsbaum lebt ein Stück des ur- alten heidnischen Baumkult sott. Aber auch in dem Umstände, daß das Wintersonnen- wendsest unseren germanischen Vorfabren ein Fest des Lichtes, ein Fest der wiedererwachenden Lebenshoffnung war, liegt eine tiefe Bedeutung So mächtig ist nicht der Reichste und Vornchmste, so unglücklich nicht der Aermste und Ver- lassenste, daß er nicht dem Zauber dieses aus den germanischen Vorzeiten frisch und flimmernd in die Gegen- wart hineinragende« Feste« sich gern und freudig hingäbe. Welche andere Idee liegt dem Glockenklavg dieses Feste« zu Grunde, als die der Hoffnung— Hoffnung auf den Frühling nach der eisigen Winterszeit, Hoffnung aus Er- lösung von Uebeln, welche die Menschen selbst, ach nur zu bereitwillig, zunächst in dem Kampfe um'S Dasein, weit mehr aber noch in dem Kampfe, der durch die bösen Leiden- schaften und durch„die Bestie im Menschen" entsteht, sich gegenseing zufügen! bezüglichen Krankheitsgebiete eine anerkannte Autoriiät, äußert sich in diesem Artikel unter anderem folgendermaßen:„Die Jnfluerna ist in allen Breiten der Erdoberfläche, unter allen klimatischm Berbältmssen vorgekommen; od die Entwicklung einer Influenza Epidemie von W-tterungSeinflüffen abhängig ifl, erscheint sehr fraglich. Von 125 Epidemien, die in keinem Zusammenhange mit einander standen, haben, meinen Er- mitielnngen zufolae, 50 im Winter, 35 im Frühling, 16 im Sommer, 24 im Herbst ihren Anfang genommen, so daß kalte Witterung da« Vorkommen der Krankheit zu fördern scheint, allein man wird diesem Momente keine zu große Bedeutung beilegen dürfen, wenn man berücksichtigt, daß die einmal ent- wickelte Epidemie bezw. Pandemie in ihrem Fortschreiten von Land zu Land durch alle Jahreszeiten gleichmäßig fortgedauert hat, einzelne Epidemien imSommer bei hohem Thermometcrstan de und großer Trockenheit der Luft aufgetreten find, und mch ere Berichterstatter aus tropischen Gegenden, wie u. a. von der JnduS- Ebene, von den Antillen, erklären, daß gerade duhüße Jahreszeit hier die Jnfluenzasaison bildet; in der That haben von vierundzwanzig in tropischen Breiten beobachteten Grippe« Epidemien neun in der heißen Jahreszeit ihren Anfang ge« nommen. In gleicher Weise erscheint die Krankheitsentstehung ganz unabhängig von Boden«, alimentären und anderen, finv- lich nachw-iLdarcn Einflüssen, und eben dieser Umstand zwingt bei gleichzeitiger Berücksichtigung der eigenihümlichcn Krank- heiisgestauung in der Annahme, daß der Influenza eine sp'- z'. fische Ulsache, eine wahrscheinlich in der Luft lukpendirtc, die« selbe„verunreinigende"(miasmatische) Schädlichkeit, ein Krank« heitSgist zu Grunde liegt, über dessen Natur fich vorläufig allerdings gar nicht urtheilen läßt.— Schon im vorigen Jadr« hundert Halle fich den ärztlichen Beobachtern die Vermuthmig aufgedrängt, daß die Krankzeit einem in der Luft verbreiieten, organischen(thierischen oder pflanzlichen.) Stoffe ihre Entstehung verdanke, dieselbe Anficht findet sich heute modernifiri, in der Annahme eines„Jafl-ienzabakterionS" ausgesprochen— Hypothesen, welche mit der supvonirten Krankheitsursache das ge- mein haben, daß fie, vorläufi, wenigstens, in der Luft schweben. Für die Beantwortung der Frage, wo und wie dieses Krank» heitspist zu Stande kommt, fehlt jeder Anhaltspunkt, nur so viel läßt fich mit einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit behaupten, daß eS fich überall da, wo die Krankbeil austritt, ursprünglich entwickelt hat, daß es weder durch den Lusistrcm, noch durch den persönlichen Verkehr von Ort zu O.-t gelangt. Gegen die Annahme einer Verbreitung disselben durch die be- wegie Luft spricht die Thatlache, daß das Forlschreiien der Epidemie häufig gegen die Windrichtung erfolgt ist, gegen die Uebertragurg durch den persönlichen Verkehr, d. h. gegen den kontagiösen Charakter der Influenza ist vor allem der Umstand geltend zu machen, daß die Krankheit in den Epidemien der neuesten Zeit trotz der vervielfachten und vervollkommneten VerkehrSm.tiel nicht schneller fortgeschritten ist, als in denen früherer Dezennien oder Jahrhunderte, und daß sie sehr häufig auf einzelne Orte oder selbst Oitkquarticre beschränkt ge- blieben ist, die ganze, mit denselben im offenen Verkehr stehende Nachbarschaft aber vollkommen verschont hat. Der Schluß, den man aus gehäuften ErkrankungssLllen in einem Hause oder in einer Familir aus den contaglösen Charakter ge- »ogen hat. erscheint vollkommen hinfällig, wenn man berück- fichiigt, daß alle erkrankten Individuen gleichzeitig unter dem Einflüsse der Krankheitsursache gestanden haben." Professor Hirsch schließt seinen Artikel mit der Bemerkung:„Die mehr- fach geäußerte Ansicht, daß zwischen J.-ifluenza und anderen Volkskcankherten, wie namentlich Cholera, gewiss« innere Be« ziehungen bestehen, beruht auf einem irrthümlidien Schlüsse, der aus dem zufälligen zeitlichen Zusammen treffen beider Krank- heiten gezogen worden ist.— Ebensowenig hat Influenza, wie hehaupiet worden ist, mit der neuerlichst vielfach genannten Denguekcavlheit irgend etwa« gemein.— Dagegen steht unzweifelhaft fest, daß zur Zeit des epidemischen Vorherrschen« von Influenza dieselbe Krankheit auch Threre befallen hat, so namentlich auch Hunde, Katzen, vornehmlich aber Pferde, unier welchen sich wiederholt eine sehr bedeulende Verbreituug ge. funden hat. Die Thatsache ist um so interessanier, als von den zahlreichen bei Menschen vorkommenden Jnfektionskrankh.iten Influenza die einzige ist, welche auch in einzelnen Thierklasse« beobachtet worden ist." Ueder die„Tabngi««" in und um Berlin in den zwanziger und dreißiger Jahren diese« Jahrhundert« erzählt Dr. Äug. Schmidt in der neuesten Nummer de«„Bär":„Die DaS rastlose Leben von Jahrhunderten hat unend' viel in den Gewohnheiten und Daseinsbedingungen-, Menschen verändert. Der heute lebt, würde sich kaum die einfachen Verhältnisse unserer Vorfahren, hinwieder: diese nicht in das tosende, hämmernde, ruhelose Getriebe!- Jetztzeit finden können. Als Benjamin Franklin vor ein:. Jahrhundert durch seine Erfindung die Gefahr des aus d■ Wolken fahrenden Blitzes für die Menschen und ihre Woh- nungen milderte, da hatte noch Niemand eine Ahnung, daß wir diese furchtbare Naiurkraft einem gelehrigen HauSthiere gleich noch gänzlich in unfern Dienst zwingen würden. Der elektrische Strom, einst nur ein Zerstörungsmittel, verbindet heute die Menschen auf tausende von Meilen; er erleuchtet des Nachts taghell unsere öffentlichen Plätze, und wird bald genug, in den Städten wenigstens, die Studierlampe dcS Gelehrten wie das Lämpchen des armen Mannes verdrängt haben. Schon vertrauen wir ihm auch die Beförderung unseres lieben Jch'S von Ort zu Ort an, ohne uns vor der gefesselten dienstwilligen Himmelskraft zu fürchten. Der Sklave AndrocluS, welcher seinen Löwen an einem Seilchen in den Straßen von Rom spazieren führte, würde sich doch vor dem Experiment entsetzt haben, sein Leben der„elektrischen Bahn" anzuvertrauen. Und so wie auf diesem Gebiete ist tausendfältig auch auf den meisten anderen das gesellschaftliche und ökonomische Leben der Menschen gegen ehemals verändert worden; es wird nach höchster Wahrscheinlichkeit noch ganz anders ver'- ändert werden, denn unermeßlich und für unS vorläufig unfaßbar ist das Feld künftiger bahnbrechender und die Lebensverhältnisse der Einzelnen wie der Völker umwälzender Erfindungen. Hoffen wir, daß die Früchte dieser umwälzenden Erfin- düngen der ganzen Menschheit zu Gute kommen und daß die frohe Botschaft deS heutigen Weihnachtsfestes endlich zur beglückenden Wahrheit werde:„F r i e d e a u f Erden und dem Menschen ein Wohlgc- fallen!" Tabsg'en, von melden es in und um Berlin eine überaus große Menge gab, je>fulen in zwei Klassen, in Bürgertabagien und Volkstabagien. In den Bürgertabagien fehlten die rauschen« den Vergnügungen völlig. Alle Tage versammelten sich da- selbst zu abendlicher Swnde ältere Bürger und Beamte, die nach des Tages Arbeit gesellig am Stammtische zusammen« kamen, um bei einem Glase wohlschmeckenden Bi'res und einer dampfenden Pfeife Tabak sich über alles Merkwürdige und Wissenswerlhe zu unt rhalten. In diesen Kreisen, aus welchen alles üdersprudelnoe Wesen verbannt war, waltete ein bedächtiger Sinn vor. Man las die Tagesblätter und schwatzte über Polit'k. Der beleibte Wirth mischte sich vertraulich in dos Gelpräch seiner Stammgäste, und der leise hineinfchlüpfende Kellner in einem aus dem Trödlerladen erhandelten Frack setzte mit aufloderndem Fidibus den frisch gestopften Pseifenkopf eines Rauchers in Brand oder brachte die bestellten Ge- tränke den Gästen herbei. Auch wurde zur Unterhaltung das Kartenspiel gepflegt. Es fanden sich namentlich zur minier« lichm Jahreszeit, während ein rauer Nordostwind seine Schnee» flockenwirbel durch die Straßen peitschte, in dem wohlgeheuten Gastzimmer kleine Spieloescllsch asten zusammen, deren Mit- glieüer, welche sich gegenseitig genau kannten, die Motive der Gewinnsucht bei dem Spiele fern lagen. Beim gastlichen Lampenschimmer um kleine Tische gruppirt, spielte man ge. wöhnlich Whist, Solo, Boston und seltener l'Hombre. Die gleichsörmig wiederkehrende Eintönigkeit dieser Abendunter- Haltungen wurde zuweilen durch Picknicks oder gemeinsame Abendessen unterbrochen, welche jedoch nur bei festlichen Ver- anlassungen stattfanden und einen bescheidenen Aufwand er- heischten. Zur Sommerzeit wurden die Gartentabagien vor den Thoren der Stadt von den Besuchern bevorzugt; und es trat an die Stelle des Kartenspiels im Tabaksdampfe des KneipzimmerS die geräuschvollere Uebung des Kegel- spiels auf luftigen Kegelbahnen, welche sich zumeist an der Längs» ite des Flieder« und Jasmin duft ausströmen« den Gartens hindehnten. Mit abgezogenen Röcken und in Hemds- Ärmeln standen die behäbigen Spieler in der Bahnlaube und schleuderten, zuweilen im Schwünge die abenteuerlichsten Stellungen annehmend, die schweren Holzkugeln von sich, welche auf dem Laufbrett der Bahn hastig fortrollend am Ende derselben unter lautem Geprassel in der Gruppe der aufge- stellten K-gel ihre Verheerungen anrichteten, worauf der Ruf der Kegeljungen weiihallend das Ergebniß des Wurfes verkündigte. Z imeist um die zehnte Stunde machte man sich auf den Heimweg, um der Nachtruhe zu pflegen, welche zu den Geschäften des folgenden Tages neue Kraft verlieh. Manche Züge in dieser Schilderung erinnern lebhaft auch an das heu- tige Treiben vornehmlich in der Hasenhaide. In den Volks- tabagien ging es ungleich lebhafter zu. Die bunt gemischte Gesellschaft, welche daselbst verkehrte, entbehrte in ihrer vielge« staltigen Zusammenstellung nicht eines eigenartigen Reizes. Gesellen und Handwerksburschen in SonntagSröcken und Werk- tags anzögen, wettergebräunte Fuhrleute, die kurze Pfeife im Munde haltend. Schisser, in hohen Juchten« stiefeln einhe, schreitend, sogenannte„Eckensteher" Hausdiener, Fabrikarbeiter und Fabrikarbeiterinnen, Näh- mädchen, Handarbeiterinnen aller Art, Apfelsinenveikäuferinnen bewegten sich daselbst durcheinander. An Sonn« und Fest« tagen, wenn die Tanzmusik polizeilich nicht verboten war, ge- fernen sich auch Dienstmädchen im Sonntagsputze hinzu, welche sich mit Soldaten der Garnison den Tanzvergnügungen bin- gaben. Es fehlte weder im Sommer noch im Wmter an Ver- anlassungen zu allerlei Vergnügungen und Festveranstaltungen, w-lche die verschiedenartigsten Namen führten, und wobei Essen und Trinken die Hauptrolle spielte. So gab es Ernte-, Wein-, Kirschen- und Rosenfeste, Picknicks aller Art, hierzu ge- feilte sich das„Evtengreifen", der„Hahnenfchlaa" und der „Wurst-" und„Pfannkuchentanz". Neben diesen Festen wurden noch große Abendessen mit Haimonie- oder Schlachtmusik, chinesische und indianische Feuerwerke, groteske Tänze und Kegelquadrillen arrangirt. Ferner erfreute man sich nament« lieh zur Winterszeit an den mimischen Darstellungen der Marionettentheater, deren burleske Spähe eine ungezügelte Heiterkeit heivorrrefen, und an Maskenbällen und Mummereien, welche nicht selten bis zum Anbruche des Tages dauerten. Pünktlich al» Weihnachtsgeschenk sür ganz Berlin ist das Aorehdach für 1890 eingetroffen. Wie schon seit Jahrzehnten, hat auch diese neueste Ausgabe eine Vergrößerung am Umfong und Inhalt erfahren, und bei dem Anblick des dick- leibigen Buches muß man sich unwillkürlich fragen: Wie wird das Berliner Adreßbuch nach fünfzig Jahren aussehen, wenn die Erweitemng von Jahr zu Jahr so vorwärts geht, wie bisher? Diese Frage kann nur die Zukunft beantworten; aber eine andere, nicht minder interessante Frage: Wie sah das Berliner Adreßbuch früher aus? möge mit einem Rück- blick auf die Vergangenheit Beaniwortung finden. Vor uns liegt der„Adreß- Kalender der Königlich Preußischen Haupt« mro Residenzstadt Berlin auf das Jahr 1804." Es ist ein Okiav-Buch von 323 Seiten Umfang, das man bequem in die Tasrde stecken kann. Der ganze erste Theil des damaligen Adreßbuches qlich also dem heutigen Theil IV, und das Ver- zeichniß der Namen befand sich erst in emem Anhang, während ein Verzeichniß nach Straßen überhaupt nicht existirie. Um nur einige wenige Vergleiche der Zahlen von sonst und jetzt anzu- führen, so sei erwähnt, daß die Zahl der Aerzte in Berlin 63 betrug, während das heute erschienene Adreßbuch deren mehr als 1500 aufweist. Eine besondere Eigenthümlichkeit des alten A oreß-Kalen oerSiwar eS auch, daß eine besondere Rubrik ein« gerichtet war für die„opprobirten Aerzte jüdischer Nation". Pnvliegirte Apotheker wurden im Jahre 1804 24 angegeben; heute beträgt ihre Zahl 110. Vereidete Schornstein fegetmelster führt das alte Adußbuch 11, das neue hingegen 100 auf, und von ZeitungS Spediteuren gab es damals nur einen einzigen, während im heutigen Adreßkalender 174 genannt werden. Ein „Register der Rubriken" und ein„Reaister der Namen" beschließen den Adreß-Kalender auf das Jahr 1804. Wie unvoll- standig er gew-sen, gebt schon daraus hervor, daß das letzt- genannte Register nur 5380 Namen aufweist. Nachdem Dr. Adolph K-Hot durch Ueberfendung feiner Seynft„Fürst Bismarck als Humorist" an den Reichs- kanzler feine guie Gesinnung bekundet, ist, wie die„Nordd. Allgemeine Zeitung" mitihe,lt, die Ausweisung dieses öster- reich ifchen SiaatSangehörigen zurückgenommen worden. Wir haben diese Ausweisung niemals begriffen Herr Kohut ist in früheren Zeiten schon wiederholt m der offiziösen Presse thatig gewefem entfaltet sich jetzt ein Stück Ameri- (amtchen UmatoiebenS. Es ist auf dem Terram der künftigen Berliner Wasserwerke. Die hohen, schonen Fichten krachen unter der Art und donnern zu Boden. Man spaltet sie und legt die Scheite in Haufen. Die Wurzeln werden gerodet und mit Keilen auseinandergetrieben. Dampfmaschinen fauchen und pfeifen und Dampfdagger heben den Grund aus. Mitten in dieser Wildniß aber erheben sich Blockhauschen für die Arbeiter, als ob im kernen W'sten von Amerika ein neuer Ort im Ent- stehen begriffen wäre.. In der oorgeschichtliche« Abthellnng de» Aluleum» für Kölkerknnde hellen ictzt, wie die„N. A. Z." meldei, btet auß>rordeullich wichtige und werthoolle Grabfunde ihre Aufstellung gefunden, welche wohl berufen sein dürsten, das allgemeinste Inten sse auf sich zu ziehen, als Repräsentanten der ältesten Ureinwohner Norddeutschlands. Es find d,eS drei Skeletlaräber aus dem der jüngeren Steinzeit(neolithischen Ze,tl an gehörigen Gräberfeld bei Klein- Rössen, unweit Werse- durg. Es mögen hier einige kurze Bemerkungen über die ver. schiedenen BestottungSweisen vorg. chichllrcher Zeit vorangeschickt sein. In der für unsere Gegenden al.esten nachgewiesenen Epoche menschlicher Ansiedelung, der neolithischen, wurden d,e Tobten unverbrannt als ganze Leichname, wie bei uns, der Erde über« liefert. In späterer Zeit kommt dann nrben Leichenbestattung auch Verbrennung vor, welche später ganz allgemein wird, so daß die Leichenbestattung ganz verschwindet. Doch schon zur Römerzeit, in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, kommen wieder neben Brandbrstattungen solche von unver- biannten L ichen vor, bis mit der Einführung des Christen- thumS die Verbrennung gänzlich der Leichenbestattung den Platz räumt. In der östlichen Hälfte Deutschlands, soweit sie von Slaoen bewohnt war, bi wellen die Funde, daß auch die Slaven beide Bestattungsweisen übten. Die im Museum für Völkerkundeneu aufgestellten drei Skelettoräber derEteinzeit bilden den Ansang einer größeren Reihe solcher Gräber, die sich gegenwärtig noch in der Bearbeitung befinden. Diese Skelette find für das Museum von dem Ingenieur A. Nagel nach eigen- artiger Methode ausgegraben worden. Sobald man auf ein Skelett stößt, wird es oben in feiner ganzen Länge frei gemacht. wobei alle Theile und Beigaben, bis auf des kleinste Stück, an ihrer ursprünglichen Stelle belassen werden. Rings um das Skelett wird nun ein etwa k Meter tiefer, rechteckiger Graben gezogen, so daß das Skelett gewissermaßen auf einem abgesonderten Erdkiotz ruht, was in dem festen Lößboden leicht zu bewerkstelligen ist. Nun wird der Erdklotz von der Seite her uvtergiaben, und je nach dem Vordringen Brester unter- geschoben, die den Boden der nun um das Skelett herzustellenden Kiste bilden, in der das Grab wohl verpackt in das Museum gelangt. Hier werden die Gräber für die Ausstellung wester präparirt. Dies besteht zunächst in einer Tränkung derselben mit heißem Lehmwasser, dann Ausspülen der Erde zwischen den einzelne» Knochen mittelst Wasserstrahlen bis zu gewünschter Tiefe, Zu- sammenkleben der zerbrochenen Knochen und schließlich Tränken mit Lock ö'ung. Es ist dies eine mühselige und zeitraubende Arbeit. Von den drei ausgestellten Skeletten scheinen nach den Beigaben zwei weiblichen Personen anzugehören, das dritte einem Manne. Alle drei liegen mit etwas angezogenen Knieen, sind also, um mit einem terminus iechnlcus zu reden,„liegende Hocker", zum Unterschied von in hockender Stellung aufrecht beigesetzten Leichen(wie zum Beispiel die Peruanischen Mumien des hiesigen Museums) so genannt. DoS Geficht ist nach der rechten Seite gewendet. Das männliche Skelett hat vor dem Geficht eine durchbohrte Steinaxt aus Kiesel- schiefer liegen, die von häufigem Gebrauch zeugt; den reckten Oberarm ziert ein breiter Armring aus Knochen. Das zweite Skelett, wahrscheinlich einer Frau in mittleren Jahren, hat zwei Oderarnninge, die in kunstvoller Weise aus Marmor geschliffen find. In der Nähe der Knie steht eine größere Schale, vor dem Gesickt ein kleiner Topf aufrecht; über dem Kopf liegen zwei Rindrippen. Demnach ist aneu- nehmen, daß Oer Tobten Speise und Trank für die Reise ins Jenseits mitgegeben wurde. Das dritte Skelett, das einem jungen Mädchen oder einer sehr zart gebauten jungen Frau angehört, hat ebenfalls zwei Oberarmringe aus Marmor, auch eine größere Schale an den Knien, sowie einen Topf vor dem Gesicht; über den Kopf weg liegen wieder Thierrippen, wahr- scheinlich von einem Schaf, eben solche an den Nnterschenkeln. Hals-, Hand- und Fußknöchel des Skelettes sind mit Perl- ketten geziert, deren Perlen ebenfalls aus Marmor geschissen find. Merkwürdig ist die ungleiche Weite beider Armringe, deren einer bedeutend enger ist, als der andere, so daß die Verwuihung nahe liegt, daß die Besitzerin den einen bereits als Kind anaelegt, den anderen erst später. Die Zustände auf der stskalische« Abdeckeret hatten wir, so schreibt die„Allg. Fleischer-Ztg.", unS erlaubt, wiederholt als nicht sehr erfreulich zu erklären und gleichzeitig be- hauplet, daß mehrfach Diebstähle auf der Abdeckerei vor- kommen, daß auf der Tegeler Landstraße wohnende Arbeiter entlassen worden, daß konfiszirteS, von der Abdeckerei ge- stohleneS Fleisch in den Handel gekommen sei. Darauf geht uns von der Abdeckerei durch Vermittelung eines Rechtsanwalts mit der auf das Preßgesetz sich stutzenden Aufforderung um Abdruck folgende Berichtigung zu:„In der Rr. 62 dieser Zei- tung vom 5. d. M. befindet sich an dieser Stelle eine Notiz über den Verkauf von beschlagnahmtem Fleisch aus der fiskalischen Abdeckerei, welche, wie folgt, berichtigt wird: Es ist nur ein einziger versuchter Diebstahl von Fleisch auf der fiskalischen Abdeckerei festgestellt, es ist kein auf der Tegeler Landstraße wohnender Arbeiter entlassen worden, es ist auch bisher m keinem Falle festgestellt worden, daß Fleisch, welches von der fiskalischen Abdeckerei herrührt, in den Handel gebracht worden ist."— Diese„Berichtigung" behauptet also, es ist kein Arbeiter auf der Tegeler Landstraße entlassen worden— wir erklären dagegen, daß die vier Angestellten Müller, Leben, Scheuer und Siegfrredt ent- lassen und von den auf der Tegeler Landstraße wohnenden Arbeitern nur noch zwei, Z mmermann und Geier, beschäftigt find.— Die„Bericktigung" behauptet ferner, daß„nur ein einziger versuchter Diebstahl von Fleisch auf der fiskalischen Abdeckerei festgestellt ist" wohl möglich, daß der Versuch eines Diebstahls nur einmal festgestellt ist, that- sächlich vorgekommene und gerichtlich bestrast« Dieb- stähle find aber wiederholt vorgekommen und es ist daher unbegreiflich, ja im höchsten Maße erstaunlich, wie die „Berichtigung" von einem einzigen TietstablSversuch sprechen kann. Es ist nämlich, wie wir bestimmt versickern können, von der Abdeckerei wieverholt Fleisch aestohlen worden, so z. B. ein Faß mit etwa sechzig Pfund Pökelfleisch von dem Handelsmann Scheuer und der verehelichten P-ietzel, beide damals zusammm wohnhaft in Reinickendorf, Antorienstr. 52, beide baben mit diesem Fleisch auch Handel betrieben. Beweis: Die Ver- Uitheüung Scheuer's zu drei und der Prietzel zu zwei Monaten Gesängniß. Es hat ferner von der Abdeckerei Fleisch und Wurst aestohlen und ist dafür mit 14 Tagen Gesängniß bestraft erne Frau Köhler, damals in Reinickendorf wohnhaft. Es haben ferner und zwar im Januar 1889 verschiedene Sorten Fleisch, darunter Pökelfleisch, sowie mehrere Töpfe voll Fett und Talg gestohlen Siegfriedt und Leben. Im Februar 1889 haben Emanuel Müller und die separirte Pauline Schinmeister, beide Hum- boldtstraße 8 wohnhaft, verschiedene Sorten Fleisch, Schmalz und Talg gestohlen— Müller hat sich seiner Strafversolgung durch die Flucht nach Amerika entzogen. All diesen amtlich beglaubigten Thatsachen gegenüber erklärt die„Berichtigung" der Abdeckerei- Verwaltung, es sei nur ein Diebstahls- Versuch festgestellt worden. Nun, vielleicht hat sie die vorerwähnten Fälle vergessen, trotzdem das immerhin überraschend wäre. Vielleicht aber erinnert sie sich dann wenigstens einiger anderer Fälle, so beispielsweise, daß Fleisch, Schmalz zc. gestohlen, m den Handel gebracht und Bestrafung erhalten haben Karl Lehrte(29. September 1880), August Sock, Karl und Marie Prietzel(10 März 18861 und Karoline Köhler (16. Juni 1888; in einem anderen Falle bereits oben erwähnt). Vielleicht erinnert sie sich auch, daß im vorigen Jahre sechs halbe t-ichinöse Schweine von der Abdeckerei gestohlen worden find. Nnn— find all diese zahlieichen Fälle wirklich nur, wie die„Berichtigung" b hauptet, ein einziger Diebstahls- verluch? Die„Berichtigung" stellt ferner die Behauptung auf, es fei„bisher in keinem Falle festgestellt worden, daß Fleisch, welches von der fitkali'chen Abdeckerei herrührte, in den Handel gebracht worden ist." Diese Behauptung des Besitzers der fiskalischen Abdeckerei ist nicht stichhaltiger, als die übrigen Behauptungen der„Berichtigung". Erstlich ist in den von uns vorerwähnten Fällen bereits wiederholt ausdrücklich festgestellt, daß das gestohlene Fleisch in den Handel gebrocht worden ist, und dann— zu welch' anderen Zwecken wäre denn das Fleisch sonst gestohlen worden? Glaubt der Besitzer der fiskalischen Abdeckerei etwa, die bisher unentdeckt gebliebenen Diebe, welche im vorigen Jahre sechs halbe trichinöse Schweine gestohlen haben, hätten dies gcthan, um das kranke Fleisch zur eigenen Nahrung zu ver- wenden? Wir glauben, unsere Darleaungen werden m vollst' m Maße e wiesen haben, daß unsere frühereu Behauptunaen in allen Punkten richtig waren, daß die Abdeckerei. Berichtigung aber in allen Punkten falsch ist. An unzutr,ffende„Berich- liaunxen" ist jede Redaktion schließlich gewöhnt, aber selten dürfie es wohl vorgekemmen sein daß Jemand unter Berufung auf des P eßgeletz, unter dem Vorwand einer Berichtigung fo balilose Behauptungen aufgestellt, deren objektive Unwahrheit Wort für Wort zu erweisen ist. In Charlokteuburg herrscht gewa'lize Aufie�ung ü�r den ichweren Raubantoll, welchem der Zigarren- und Wein- Händler Lehmann daselbst, in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend zum Opfer gefallen ist. Derselbe verließ gegen 11 Ur,r sein in der Berliner Straße an der Ecke des Wilhelms- plctzeS belegenes Gefckä t, um sich nach der Wohnuna seines Vaters, Bismarckstr. 45 zu begeben und ist an der Ecke der WilmerSdorfer- und Verlängerten Wallstraße überfallen und schwer ver letzt worden. AIS der durch Hilferufe herbeigelockte Wächter des RevieiS an dem Thatorte anlangte, sah er eine dunkle Gestalt über einen der benachbarten Zäune verschwinde« und Herrn Lelmann in einer groß m Blutlache regungslos erm Boden lieaen. Er mußte nach dem Krankenhause lranSportirt werden. Die Thäter sind, wie die„N. Z." annimmt, wahr- scheinlich durch das Erscheinen des Wächte? S g-stöit worden, denn bei dem Ueberfallenen hat sich eine Summe von 500 33?., die er in feinem Laden zu sich gesteckt, urverfehrt vorgefunden, ebenso seine goldene Uhr, welche aber aus der Talche heraus- hing. Ob der Uedersallene am L-ben wird erhalten werde« können, erscheint noch zweifelhaft; derselbe ist übel zugerichtet und Hot 12 augenscheinlich mit einem stumpfen Instrument beigebrachte Wunden am Kopfe erhalten. Die Recherchen der Polizei nach den Thälein find in vollem Gange. Die„Neue Zeit" berichtet noch, daß der Zustand des Verletzten ein im höchsten Grade besorgnißerregender ist. Es h-t sich ein sehr starkes Fieber eingestellt, und der Verwundete liegt in völliger Tb- ilnamlofizkeit da, ohne auch nur im Geringst«* ein Zeichen von Bewußtsein zu geben.— Die Krimrnolpoliz'i ist in angestrengter Thätigkeit, um die Thäter zu ermitteln. Man ist überzeugt, daß nicht Einer, sondern Mehrere die That verübthaben. Die Polizeidirektion in Charlottenburq ersuckt zur Vervollständigung der Ermittelungen bezüglich der Thäler um Veröffentlichung nachfolgender Mitth.tlung: Am Sonntag ist von einer unbekannter' F.-au in der Wohnung des Vaters des Ueber- fallen en des letzteren goldene Brille, welche die Ucberbr'Ngeri» an dem Thatorte gefunden hat, abgegeben werden; es ist a'xr leider versäumt worden, die Identität dieser Frau festzusteller. Da aber das Z ugn ß derselben für die Untersuchung von hohem Interesse ist, so wäre eS sehr ei wünscht, wenn die de- tr ffende Frau selbst oder solche, die dieseibe kennen oder von dem Funde Kenn tu iß haben, sich möglichst schleunig auf dem K iminalkomm-ssariat im Zimmer 4 der Charlottenburger Polize- di ekt'on melden. Die dritte Klnttfiat innerhalb vier Wochen. Nach ist das Verbrechen des zugendlichen Taugenichts an ver Wutwe Slehl nicht gesühnt, noch sucht die Kriminalpolizei nach de« Mördern deS alten Meißner und schon wieder ist ein Opfer unter den wuchtigen Streichen eines brutalen Menschen gefallen. Vorgestern Abend gegen 6 Uhr kam der etwa Z5jährue Pferden ärter Wilhelm Schmidt in die Bäckerei d-r Frau Lindner, Beußelstr. 59, um Brot zu kaufen. Hier traf Schmidt mit einem unbekannten Mann zusammen und bald waren die Beiden in Streitigkeiten gerothen. Der Unbekannte wurde schließlich von einer solchen Wuth ergriffen, daß er eine» Hammer erhob und damit dem ahnungslosen und wehrlosen Schmidt einen solchen wuchtigen Hieb quer über den Kopf versetzte, daß Schmidt blutübei st.ömt und bewußtlos zusammen- brach. Dem unbekannten Thäter gelang es, in der entstehenden allgemeinen Auflegung das Weite zu suchen. Ein schteuniast hinzugeruser.er Arzt leitete dem Schwerverwundct:n alle mö- liche Hilfe, doch ist Schmidt gestern Vormittag an den er- ha'tenen Kopfveiletzungen verschieden. Zum Glück gelang eS, wie die„Post" berichtet, der Polizei, in Erfahrung zu bringe«, daß ter Thäter in dem Geschäft von Leuschner in der Leipziger- straße beschäftigt ist, und so dürfte es bald gelingen, denseld.a zu verhaften. Zwei schwere Duhtttmfail« waren uns vom gestrigen Tage rom Rangirdahnhof Rummelsburg gemelbe«. Der Rangirarbeiter Schulz mar geftein Morgen mit terZulcmmiN« stellung verschiedener Waggons beschäftigt und halte zu diese« Zwick das Trittbrett einer Lokomotive bestiegen, auf welchrui er a'.ch während der Fahrt verblieb. Um einen besseren Ueber- blick zu gewinnen, bog sich Sch. dabei nach fliiswärts über hinaus, bemerkte jedoch nicht, biß auf dcm Nebengeleife ein Waggon stand und im nächsten Auaenbbck wurde der Rangfler durck den nunmehr erfolgenden furchtbaren Anprall feines OberköiperS gegen die Loevrie vom Trittbrett herabgeschleudert und blieb bewußtlos mit schweren äußeren und inneren Vcr« letzungen liegen. In fast hiffnungSlosem Zustand wmdc der Bedauerntweilhe nach einem Berliner Krankenhause gebrach'- Gestern Abend war der Hilfsbremser Tietz ebendaselbst beschäs- tigt, an dem letzten Wagen eines NordringzugeS die sogenannte Echlußlaterne anzubringen, als er plötzlich durch eine unvorsichtige Bewegung vom Dick drs Wages so unglückli« hinunterstmzte, daß er mit'gebrochenen Beinen, zahlreichen Kops- verlitzurgen, sowie innere Schäden vom Platze getragen uro nachdem ihm ein Nolhvcraand angelegt worden, nach dS zu holen und verließ gegen 10 U(r Vo> mittags wieder.d*" Güterperron, als plötzlich die beiden vor dem Wagen besi?°* lichen jungen Pferve scheuten und bei Seite sprangen.— 3*,' folge dessen stürzte G., der noch auf dem Wagen stand, kopfl über herunter und fiel so unglücklich, daß das rechte Äord«' rad, obwohl die Pferde sofort von Augenzeugen des eutfitz' lichen Vorfalls aufg halten wurden, der Länge nach über 0'? rechten Arm und dre Hand des Kutschers hinweg ging, so die Knochen des Ober- und Unterarmes total zersplittert den. Der Unglückliche mußte sofort nach dem Augustaho'p'� pebracht werden, woselbst heute noch eine Amputation C:C Arm-s vorgenommen werden wird., Nerbreche« oder Unglücksfall l Am gestrigen mittag gegen 11 Uhr bemerkten mehrere die Köllnischen in der Nahe der Hasenhaide passirende Männer auf dem Nr. 25 eine Droschke stehend, von der weder Kutscher«»« Pferd zu bem.-.ken waren. Dies fiel natürlich auf, man nohck� sich dem vellassenen Fuhrwerk und nun bot sich den Nah'l tretenden ein entsetzlicher Anblick dar.— Vor allem befand M der Führer der Trolchke in einer enssetzlichen Situation l selbe hing mit dem Kopf nach dem Erdboden zu, während» Unterleib und die Füße sich noch auf dem Kulscheibock* fanden; sofort wurde festgestellt, daß der Droschkenkuischer to sei und dre Leiche desselben nach dem Leichenschauhause,» schafft.— Das Pferd selbst lag zitternd, blutend und vou n erstarrt am Boden, während beide Scheerläame 0 GelährteS zerbrochen waren; das Thier war derr>r3 verletzt, daß es sofort durch Abdlckereigehitfen getödtet wer, mußte. Die Untersuchung ergab nun, daß der Gestorben«. Fahrkarte des königl. Polizerprasidii's Wilhelm Graf He-He» UIO lut'igi.-+>üiijCiptoiiuu» imuycu» v-"„ in der Solms straße wohne.— Bei dem 65 jährigen 3*. wurde ein Portemonnaie mit 2 65 33?. Inhalt aufgssu" � G. stand bei dag wegen Beleidigung. Die An- lebehörde weigerte sich gegen Kügler vorzugehen, da ein etliches Interesse nicht vorliege, sie verwies den Antrag- er auf den Weg der Piivatklage. Dr. Sello wandte sich hwerdeführend an die OdcrstaatSanwaltfchaft und, als auch c ablehnend befchicd, an den Justizminister. Dies hatte olg, die StaatSanwmtschasl wurde angewiesen, die Anklage m Kügler zu erheben. In dem Schriftwechsel mit der Staats- lallschast hatte die letztere u. A. auch geltend gemacht, daß der htsanwalt Dr. Sello als Richtjude durch die beanstandeten ißerungen nicht berührt werde und um unter allen Um- den die Bestrafung KüalerS zu erzielen, hatte Dr. Sello n jüdischen Kollegen, den Rechtsanwalt Mechelsohn beten, für die Gesaw.m heit der jüdischen Mitglieder des An- tstandes Strafantraz zu stellen. Diesem Antrage mußte ge gegeben werden und so wurden beide gegen Kügler er- ene Anklagen miteinander verbunden. Der Letztere war wegen weiter Entfernung vom persönlichen Erscheinen entbunden. ' bereit« wegen B-leidigung mit 500 M. vorbestrafte An- agte hat die Erklärung abgegebrn, daß er Dr. Sello sür m Juden gehalten habe und die denselben betreffende Be- kung nicht gemacht hätte, wenn er fich nicht iu diesem Irr- me befunden. Im Uebrigm halte er seine Behauptungen r die Juden aufrecht und berufe fich hierbei auf gewisse likel in der Talmud. Ausgabe, welche auch von der taatSbürger-Zeilung� des Näheren erläutert worden feien. r Staatsanwalt hielt den Angeklagten in beiden Fällen der leioigung für schuldig. Daß derselbe sich in Betreff Belrgion des Dr. Sello in eirnm Jrrlhume beben, könne ihn nicht entlasten. Es seien geßen jüdischen Mitglieder des AnwalistandiS schwere Vorwürfe oben worden, die stch durch nichts rechtfertigen ließen und ntrage er nur deshalb keine Freiheitsstrafe, weil der An- iogte ein kickt erregbarer Mensch zu sein scheine. Eine ldstrafe von 150 M. oder 10 Tag« Gefängniß halte er da- en für angemessen. Der Gericht! Hof erkannte in Betreff der Beleidigung d-ö Dr. Sello auf Freisprechung, denn durch die nachträaliche Erklärung des Angeklagten, er wurde die Belei» diguna nicht ausgeführt haben, wenn er Dr. Sello's Glauben ge- kannt hätte, werde die Annahme einer beleidigenden Abfickt wider- legt. Dagegen sei eS zweifellos, daß der Angeklagte die Kollektiv- Bezeichnung gewählt habe, um sämmtliche jüdische Anwälte zu treffen, nach den Reichsgerichts- Entscheidungen genüge es, wenn ein einziges Mitglied der beleidigten Korporation den Straf- anttag stelle und der Angeklagte mußte in diesem Falle bestcaft werden. Mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung sei für diesen einen Fall das vom Staatsanwalt für beide Fälle beantragte Strafmaß für angemessen gehalten und demgemäß erkannt worden. � NderMr Elberfeld, 23. Dezember. 26. Tag der Verhandlung. Heute Vormittag setzte Rechtsanwalt Dr. Schweitzer seine gestern abgebrochene VertheidigungSrede fort und führte aus, daß das Sammeln von Betträgen für die ver- schiedenen Fonds durch das Sozialistengesetz nicht verboten ist, die Staateanwaltschaft habe den Nachweis des Gegentheils nicht lrbracht. Weiter ficht er die Glaubwürdigkeit der Be» lastungSzeugen an: In dieser B ziehung hat der Herr Staats- anmalt hier einen Satz aufgestellt, welcher memes Er- achtens nicht nur ganz neu, sondern geradezu ein Horrend um ist. Er hat gesagt, daß zwei Drittel oder gar drei Viertel der sämmtl'chen Zeugen in Strafsachm aus Haß und Rache zu ihrer Aussage berozen würden, und daß ohne diese Triebfedern blutwenig in Erfahiung gebracht werden könnte. Bi« jetzt ist eS umgekehrt gewesen, die Richter haben denjenigen Zeugen, welche aus Haß und Rache oder aus ähnlichen Motiven handelten, entweder gar keinen Glauben bei- gemessen oder doch ihre Aussagen mit der größten Vol ficht auf- genommen. Diese Gerichtspraxis wird wohl auch hier Geltung behaltin. Der Vertheidiger faßte seine Ausführungen schließlich dahin zusammen: Nach der Beweisaufnahme lasse sich eine Verbindung im Sinne der Anklage und des Freiberger Urtheils nicht konstruiren; eS könne vielmehr nur— und das sei auch schon von mehreren Gerichtshöfen angenommen— von einer Veranstaltung zum Zw! ck der Einführung und Ver- breitung des„Soz." gesprochen werden. Die Verurtheilung der Angeklagten sei ausgeschlossen, wenn eine allgemeine ungefitz- lich« Verbindung nicht bestehe, und die könne nicht bestehen. Der Verlheidiger beantragt durchweg die Freisprechung der Angeklagten bezüglich dieses Punktes, bezüglich der ar- deren eventuell erwiesenen Vergehen aber bitte er, eine weit geringere Strafe festzusetzen, als die königliche Staats« anwaltschaft sie beantragt habe. Rechtsanwalt Crüjemann I-Barmm führt noch einige juristische Gesichtspunkte an. Zunächst widerlegte er die An- Wendung des§131 de« Strafgesetzbuchs bezüglich der Ver» dreifir von Flugblättern. Der§ 131 besage: Wer erdichtete oder entstellte Thatsachen öffentlich behauptet und ver- breitet jc., ist zu bestrafen. Damit sei gemeint die mündliche Verbreitung, nrcht aber diejenige durch Flugblätter. Für solche sei nur der Verfasser verantwortlich zu machen, und höcksten« könne es sich fragen, ob der Ko'parteur fich der Beihilfe verdächtig gemacht habe. Betreffs der allgemeinen Verbindung, deren Hauptzweck«s sein solle, den«Sozialdemo- krat" zu verbreiten, führte der Vertheidiger aus, erwiesener- maßen sei das Halten einer verbotenen Druckschrift zu eigener Information nicht strasbar; strafbar könnten also auch die« jmizen Personen sich nicht gemacht haben dadurch, daß sie den „Sozialdemokrat* durch eine Deckadresse bezogen haben, nur um sich so der unangenehmen Beobachtung der Polizri zu ent- ziehen. Od der benutzte Deckadressat etwa Mitglied einer ge- Heimen Verbindung sei oder nicht, sei gleichgiltig. Beweise, daß ein« geheime Verbindung bestehe, sei der Staatsanwalt bi» jetzt schuldig geblieben. Im Weiteren wendet fich der Ver- theidiger gegen die Glaubwürdigkeit der Polizeispione und bezweifelt vie Beweiskraft der von den Poltzeibeamten ver« lesenen Berichte ihrer Gewährsmänner. Die Strafprozeß- ordnung wolle, daß der Zeuge, dem Angeklagten gegenüber- g stellt, seine Aussage mache, und er sei überzeugt, daß dcr hohe Gcrich'Shof auch bei diesem Piozeffe an dem Prinzip dcr Straspiozeßordnung festhalten und ignoriren werde, was nicht von Person zu Person aufrecht erhalten und auch er» wiesen ist. Nach Schluß des Plaidoyers äußerte Bebel, er wolle, wenn der Staatsanwalt, wie er annehme,' die An- klage in mehreren Punkten fallen lasse, vor diesem, im anderen Falle aber nach den Replik sprechen. Der Staatsanwalt erklärte, er halte die Anklage in allen Punkten aufreckt. Es folgte noch eine Abendfitzung. die um j5 Uhr begann. Nach einer längeren Replik des Staatsanwalts und den Du- picken der drei Vertheidiger erklärte der Ptöfident gegen*9 Uhr Abends, daß die Luft im Sitzungssaal« es unmöglich mache, den Rednern zu folgen, und daß er sich au« diesem Grunde zu seinem Bedauern veranlaßt sehe, die Verhandlung auf Freitag Voimillag 10 Uhr zu vertagen. Alsdann wird Bebel sprechen. (Einen ausführlichen Bericht bringen wir in der nächsten Nummer.) Soztolo itclunftdif. An die Arbeiter des Käcker-Kernfs, sowie alle Freunde der Arbeitersache! Nach soeben mir zageganaener Nachricht beadsichnaen unsere Kollegen in Amsterdam amMitt- woch, den 25. d. M., wenn ihre Forderungen auf Verbesserung ihrer Lage nicht bewilligt werben sollten, die Arbeit einzustellen. Da icdenfalls dcr Versuch gemacht werden wird, die Streiken- den durch Arbeitskiäfte aus Deutschland zu ersetzen, so warne ich hiermit die Kollegen dahin zu gehen»esp. sich hinschicken zu lassen. Die Vorstände der Mitgliedschaften des Verbandes, sowie der Lokal-Vereine werden gut thun, die Arbeits-Rech- wesse-Bureaus der Innungen im Aug- zu behalten, damit nicht etwaige Indifferente duich dieselben dahin spedirt werden. Also noch einmal: haltet den Zuzug nach Amsterdam fern. Mit kollegialischem Gruß die GeschäftSleitung der Bäcker-Arbeiler- schaft Deutschlands. Hamburg, den 23. Dezember 1889. I.A.: E.H. K.etsch. mw. Alle arbeilerlreundl ch.m Blätter werden um Abdruck gebeten. Devserrntulrrirgerr. As» Verein der Klempner Kerüno nnd Umgegend hielt am 19. Dezember eine große Versammlung m Oclchet's Salon, Sebastianstraße 39, wit folgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag des Herrn A. Gerisch über: Em lehrreiches Kapitel aus der Nationalökonomie*. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragrkasten. Herr Gerisch erhielt zu seinem Vortrage das Wort. Der Redner hob unter anderem hervor, wie heute die H:rren Millionäre und Groß- kapitalisten Vereinigungen und R«nge schließen, um den Ar- heiter besser ausnützen und ihr Kapital immer mehr und mehr vergrößern zu können. Sie machen fich kein Gewissen daraus, daß dabei das ganz« Volk zu Grunde geht und Tausende von tüchtigen Arbeitern als Vagadonden auf der Landstraße umhrrirrcn. Um dem einen Damm entaegenzusetznr, müssen fich alle Arderter einer Organisation anschließen und ganz energisch Front gegen dieses moderne Raubrrtterthum wachen, dann werden Zeiten kommen, in denen der Wohlstand Jedem lacht und aus Geist- und Leibeskrüppel lebensfrohe Menschen macht. Stürmischer Bs» fall lohnte dem Redner tür seinen Vortrag. In der Di?» kusfion sprachen die Kollegen Köhler, Kliche, Sclchom, Lippich und Delcour im gleichen Sinne. Es nmrd« folgende Rrsolution einstimmig anoenomwen: Die heutige Orschels Ealon tagende öffentliche Versammlung des Vereins der Klempner Berlins und Umgegend er-- klärt fich mit den Ausführungen des Referenten vollständig einverstanden, und verpflichtet fich, d'm Jdeengang de» Vortrage«, da derselbe ausktärend euk die g�oße Masse der Arbeiter wnkt, soviel in ihrer Macht steht, die weiteste Verbreitung zu verfichern. P. Abraham Unter Verschiedenem wurden folgende Unterstützungen bewilligt: den streckenden Hutmachcrn in Luck-nwald« 75 M.; d-n streikenden Vergol- dern Hierselbst 50 M.; den streikenden Tabakaideitern h eis-ldst 50 M.; den streikenden Kollegen in Thale wurden auch 50 M. bewilligt, aber vorläufig dem Vorstand eS überlassen, darüber »u verfügen, da die Sache noch einer Aufklärung bc- darf. Darauf wurde noch folgende R-soluüon ange- genommen: Die heute in Orschels Saln tagende Klempner- veisammlung beschließt hiermit, keine VergnügungSpmtieen nach Friedrichshagen mehr zu veranstalten, da fich sämmtliche dort wohnende Wirthe weigern, ihre Säle zu Aideitir» Versammlung?« herzugeben. Kollege Delcoar ersucht die Kollegen, in den Lokalen, wo da«„Berliner VolksblatN' oder die„Berliner VolkStridLne* nicht auslieaen, nicht mehr z« verkehren; zu gleicher Zeit Machi er d't Kollegen aufmnkkam auf die Arbeiter» Bibrochek von Max Schippet, welche fich sehr gut zu Fcftgeschenken eigmt. Nachdem noch mehrere innere Angeleg« heilen besptochrn waren, und den Kollegen nochmals der 1. Mai 1890 ins Gedäcktniß gerufen war, wün'cht Kolleg» Selchow im Namen des Vereins den Kollegen ein siöh'iches neues Jahr, und ersucht die Kollegen, auch im neuen Jahre treu zur Fahne zu kalten und energisch einzre- treten für die Jnteressea deS Vereins. Damit schloß d« imposante Versammlung. Magdebnrg. Am Donnerstag, den 19. d. M., fand iw Bremer'« Konzert, und Ballhaus eine von ca. 4000 Petfcnts besuchte Volksversammlung statt. Als Referent war der Reichs» tagsabgeordnete Paul Singer erschienen. Des R:dnerS aus- gezeichnete Ausführungen über das Handwerk m der Ten- gangenheit, Gegenwart und Zukunft riefen enthuftaftischen Beifall hiuor. Folgende Resolutionen wurden angenommen: 1. Die heutige, von Tausendm besuchte V.rsammlung«k ä t fich mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz ein« verstanden und verpflichtet sich in diesem Sinne weiter zu agi» tuen. 2. Ja klarer Auffassung der gegenwärtigen Lage der Arbetter, welche durch Herrn Singer so treffend geschildert, find wir entschlossen, auch ferner für die sozialdemo- kralische Partei thalkräftig einzutreten, weil wir nrw von dieser Seite Abhilfe der Nothlage der Arbeiter erwarten.— H erauf erstattete die Lokalkommisroa Bericht. Folgende Wirthe haben fich bereit erklärt, ihr» Lckole zu öffentlichen Versammlungen h-rzupeden: Bremer'» Kouzeit- und Ballhaus. Noak's P.inz Karl- Salon. Heinet'« Garten. Schröder'« Garten. Schloßaartrn. Freddiick's Konzert- und B-.ll- haus. Hofjögm. Dälle's Lokal, Sudenburg. Thalia- Sa rl, Buckau. DeutscheFahne,Reustadt.Hiin«mann'sSa'on,Neustadt. Folgend» Wirthe g;den ihr Lokal nicht zu Versammlungen her: Stadl Köln. Werner« Konzert- und Ballhaus. Tiara-Park. Neid'« S-lon(Jnh. Klickermann). Eiskeller. Sudenburg. Brandt'« Salon, Buckau Zentralhalle, Friedrichstadt. Floio, Neustadt. Wilhelms, Neustadt.— D>e Versammlung nah« darauf folgende Resolution an: Die Versammlung erklärt fich mit dem Vorgehen der Lokalkommiision einverstanden und er- Hört eS als Pflicht eine« jeden A.beiter«, nur solche Lokal« bü Vergnügungen»u besuchen, welche auch zu öffentlichen Ver» sammlungen zur Verfügung stehen, dahingegen solche Lckale zu meiden, deren Säle zu öffentlichen Versammlungen nicht zur Verfügung stehen. zne pn-a»«m jmelten WNhn'ch e. taue(26. Dertrnbtr), Bormtlta«» 10% Ufjr, Nieder wallstr. 20,«orttag tei tiettn Dr. Eonrad Echmidl übet: GotlciMudc und Moral. Kreter Zilt.ttl für Stalle(Herren und Damen). N»rl>and d-utsU,»? lAiUl«rg«I»U»n, Mlizlledlibast Berti», halt am Donnerfta», den 26 d. M, VocmtOagS 10 Uhr, In Stehlid Salar. Ber». tlraßr 12, eine Versammlung ad, wozu die Kollegen sreunollchst eingeladen werden, W «roS» Versammlung der Ki»pp«rin»»n und aller w der Echtlsiedranche deiUSfiigien Ardeue-tanea und errdetler am 6 Fete tag (Freitog, den 27 1 Vorinlttaat 10 lldr, ln Scheffel« Sri»», Znielttr. 10. taaed- ordnung e Die Bedeutung de« achlftitndigen ardetlslagel, Reseient. H nji. Krause, (O-fftnilidi* Vrrsammlung siinemtlichrr z>r»ch»l»r nnd tfreuf*- grnoss«» aller Grairiye» MerUn» am Freitag, den 27. Dezember 1868 (dritter Keiertag), Vormillagi 11 Uhr. im Köaigftadt Kasino. Holimarttftr. 72. Tagesordnung: 1. Der Stielt der Perlmutts ops vrechiler in Wien. Referent r Herr Frig Zudeii. 2. Dtekusffon. 6. Veischicdcnc» Die Uotcrz-ichaelen er- warten, daß die Kollegen Mann sllr Mann aiUrelcn werden! Mit koilegsa tische-» Gruß und Handschlag dte Vertrauensleute der B.rltner Drech'ler. F.>. Rau- tendcrg P.tnzelftnncnstr 22 o 4 Tr. bei Krtui; Edl-rt, Sfaliß'tstr. 29», Hof Ouerged. I Tr.; Zelte. Bartelllr, 8; 9. Kieiser, Blumenttr. 5% Hos oril.; Ernest de Jana, Echönhouser Sllee 167. Hos 4 Tr, btl Keckstadt, In all e- meinen Interesse ersuchen wir dl« Borsttindc der Berliner Geweikichattem stch an der Versanunlung teld Uizen zu wollen, und dehasl Unl-rsillßung stch»>t- weder an Herrn F. il. mautenderg, Prinzesstanensti 22 IV der Keim, od r direkt an dte Zldmtntftilltion„deS Fachdtalt oer Drechsler", Wjen VI,, Echuu l- hosgaffe 12, wenden zu wollen, Wit»tt»d»e-V»rsa»,m»u»o der Freien Vereinigung de» pauf- leut, am Kceiiap, den 27. d. M. btl Feuer stet', Site Jrlodstr. 75 la.e*- ordr.ung. Die Preffe und die Hon dlurigS.ehtlsen. Bewegung. Dldkulstor-� Veielndanaelegencheilen. Versammt«»»»» der«»tekrankenkass» der SischU»«•» Pt»n«>s>»rt»-Ztrd»tt»r Aeriin». Tagesordnung- l Beiichr-rstattun, stoer dte ve.stoffene Delegtrten-Periode. Rrserent: Em» Röhn. 2 DUkulfton 8. Susstellung von Kai dldale» zu Delegi.ien. 1, Sonntag, den 29 Dezember, Vormittags Pank! 10 Uhr, in der Norddcutlchen Braueret Ehuuff-estr. 56. Bezt k de» Kalstrer» Herrn Echrevser. In diesem Bezirk wählen 1(1 nu türw Eeldftzahler, die ihre Beli.äae direkt im, Kaffenlrkal zahlen. 2. Sonntaa. de» 5 Jrnuae, Vo, mittag» Punkt 10 Uhr, in der Kö ügSdank Große Franklu kec- straße 117 Bezirk des Kalstrer» Herrn Schulz. 8 Sonntag, den 12 Januar. Vormittag« Punkl 10 Uhr, In Sstd-Off, Waldemarstr 75 Bezii k de» Kai st. ei- Herrn Stäb«. 4 Sonntag, den 19 Jrnuar. Vormittag« Punkt 10 Uhr, tu Habel» Brauerei, Beramannftr, 5 7 B ztik de« Katsirer» Herrn Schlich'. Da» QuittungSduch legirimlrt. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Depesrlic». tW-W»«»Iroraphon-Knrogn.) Charl«roi, Dienstag, 24. Dezember. Der Streik der Kohlengrubenardeitcr in den Kohlenwerken von Mambour?. Sacre Madame, Pay« de Lröge und den Vereinigten Grudrn dauert fort und hat sich aus die beiden Kohlenbecken v:n Mar c?au und Fontaine ausgedehnt. In Amercaeur vx'ü Rochelle ist die Arbeit lheilwetfe, in Baubier und Ormont vcll» ständig wieder aufgenommen. Die Zahl der Streckenden le» trägt gegen 6700, nämlich in C Harleroi 1160, in Darrpre» y 195, in Montiany 830, in Grlly 385, in Lodelrnsa t 520, in Jamlt 740, in Rour 315, in Chatelineau 770, in Fleuru« 720, in Limbussart 350, m Marchienne 640. Tia Streikenden, welche sich übrigens ruh'g verhalten, Verlar g» 15 bis 20 pCt. Lohnerhöhung. Drieflretsten. »ei«nsragen bitten wir die SdonnementS.Ouitwng betzusstge». BrtesUche Sntwort wird nicht ertheilt, Mehr«»« KiiU von Siemens und Halske Kr die Kiak er der streckenden Hutmacher in Luckenwalde 34,85 M. z.«harlvttenbnrg. Der Wiener Krach war«* Jahre 1873, Der Kerem zur Wahrung der Zuterrssen der Klauierardeiter und verwandter Kerufsgenaffe« veranRaltet M* Weibnachts- Vergnügen zum Besten des Kranken-UntepstQtzungsfonds am Konnavesd, Qm 28. Dezember, m Heydrich's Festläle«, Beuthstr. 20. Vorträge«rnftt« und beiteren JndaliS; noch diesen cht flW Tanzkränzchen.__ BilletS find bei lämmtlichen VorstandSmilgliedern zu haben und im Arbeitsnachweis Mmuynstr. 78 bei Wintzer. Herren-Billet 50 Pf., Damen-B.llet 25 Pf. 334 __ Anfang 7 Uhr.___ Senil zur Wmg der Zitenjsci der Cchtzmalhee. Weihnachts-Vergnügen am Mittwoch, den 25. Dezember(L�cteriag), in Heydrich's Festsälen, Beuth flrohe 18—21, Konzert und Vorträge. Anfang Abende 7 Uhr. Nach 12 Uhr: Ball. BilletS A 30 Pf. iH-rren. welche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach) find zu haben bei Gabbert, Louisenfir. 21; Adamezak, Augustfir. 6a; Rechtaleki, Havelbergerstr. 36; Kunze, Ruppinerftr. 2; Rich. Bagmeti, Buchb. Dreedenerktr. 52/53(City Passage); Grünberg, Grüner Weg 31; Niinger u. Grobmann, Waldemarftr 65a._[411 Berein zur Wahrung der Interessen der Miether des Norden Gerlins. mmmmm Eiskeller-Etablissement. D»««e»stag. de« 26. Dezember(2. Meibnachtsfeiertag), Uormtttags 11 Uhr: Grosse Matinee. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Nm»llhlrerchen R-such bittet Das Komitee. vt>etS zu 30 Pf. find bei folgenden Herren zu haben: 1. Dachau, Bergttr. 59, 3 Tr.; ?. Lützow, Bcke- Itr. 57; 3. Habanz, Kcsselstr. 20; 4. Raichke, Wiesenstr. 8, Hof 3 Tr.; 5. Mar Eckoyer, Acker» und J�vaiidrnkro�er-Ecke; 6. Tiebe, Fennstr. 8; 7. Frank, Köilmerstr. 2; 8. Herl mann, Brunnenfir. 92. Hof 3 Tr.; 9. Glemert, Dalldorferstr. 19, Hof geradezu 2 Tr.; 10. Marlen, Lirsenstr. 4, H-f 4 Tr.; 11. G-schewSky, Müllerstr. 162, Ourrgeb. 2 Tr; 12. Adenbroih, Freienwalveritr. 17, 2 Tr.; 13. Steuber, Gericht Nr. 17. 4 Tr._ Versammlungen tot Lrtskrllllktllkajse der Tischler vnd Pillllosorte-Arbeiter Berlivs. TageS-Ordnung: 1. Berichterkattung über die v.'rflofsene Delegirten» Periode. Referent: Emil Röhn. DiSkajfion. 3. Aufhellung von Kandidaten zu Delegirten. 1. Sonntag, d u 29. Dez mbee, Vormittags Punkt 10 Uhr, in der Norddeutschen Brauerei, Cyausseefirah« 58. Bezirk des KasfirerS Herrn Schrepfer. In diesem 58«, uk wählen sämmtfiche Selbitzahler, die ihre Beiträge direkt im Kassenlokal zahlen. 2. Sonntag, den 5. Januar, Vormittag« Punkt 10 Uhr, in der SöaigSba«!, Grobe Frankturtelsteahe 117. Beznk des Kasfircrs Her:» Schulz. 3. Sonntag den 12 Januar, Vormittag« Punkt 10 Uhr, in Siid-Oft, Waldemarstrabe Nc 75. Be i k des KusicerS Herrn Stäb«. 4 Sonntag, den 19. Januar, Vormittag« Punkt 10 Uhr, in Habet'* Brauerei, Berg. Bezirk des Kajfirers H. maunstrube 5/7. Da« Ouiuungsbuch legitimnt. )errn Schütze. Um zahlreichen Besuch ersucht [293 Die Kommission. Acht«»«! Große Arbeiter-Versammlung Movtag, de« 80. Dezember, Rachmittags 4� Uhr, im Bürgersaal des Berliner Rathhauses. Tagei-Ordnuna: 1. Vortrag dcS Herrn Dr. Christ e ll er über Volksiader und deren Nutzen und Werth. 2 Diskussion. 3. MthW«. a �. R_ Große öffentliche Schneider Versammlung »«».Freitag, den 27. D-tem�er 13. Feiertag), Vormittags 10% Uhr, in der Brauerei Königstadt, �chä.chaufer Allee 10/11. Tagesordnung: I. Die Zukuufl oe« Handwerks, G ro b p ro d u k ti o n oder Kleinbetrieb? Referent H-rr Täterow. 2. Das Resultat der Verhandlungin der Siebenelkommiifion mit den Inhabern der Konsrk.ionsfirmen, und die in Aussicht gestellte Lohn- �Ä'Erscheinen aller Kollegen, namentlich der Konfekiiansbranche, erwartet #21 Die Kiebenerkommifston. Achtung, Metallarbeiter! Am Freitag, den 27. Dezember(3. Weihnachtsfeier««»), findet in der Brauerei Fcidechläaschen, Müller strabe 142, ttn von Metallarbeitern des Nordens aiangirtcS AttWZßltt mit sich anschliebendem statt. Anlang vr« Konzerts 6 Uhr. Herren die am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pfg. nach. BilletS ä SO Pfg find be, folgenden Herren zu haben: * r\..... Od• d h..&. A O A Iksi fSi A, 1. bei Lenzner, R-rnickendorfastrabe 48, 2., N n g e r, K-ssaSrabe 20, 3.„ Klein. Ritter itrabe 15, 4. bei S ch a y e r, Bmnnenstrabe 40, 420 5.„ Wolff, Genchlstrabe 44, 6.. D ill en b era, Rnn'ck ndo'ferstr. 54. KsMkMdrMsiher W-hliimiii fit den 5. NeWlWmWrels. 419 Tag Sordnung: 1. Dre polltische Lag'. Referent: Herr sen 5. W-dlkreis). 2. Diskussion. 3. Verschieden S und Fragekasten. Reu« Mitglieder werden aufgenommen. All« Wähler de« 5. WrhlkceiseS find hiermit eingeladen. Der Dorstand. W Möb-l und Pslste 43. Alexan rwaaren. Rlexandrinen-Strasse 43, IB. Krdrnnchte Möbel werden Z« Große Auswahl in Uußbamnw�� Diverse pnljogontincinf. vermicthet eleg. gewesene Möbel, tung� als: Garnituren, Spinde, ---------- Schreibtische, Paneelsopha, noch gut erhalten, zu jedem annehmbaren Gebot. Treppe(Ecke Kommandanten-Strasse). angrwessenen Preisen in Iahlnng genommen. Ä SeHln S.-0. 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Nachricht, dab am Montag, oen 23. d. M., Morgens 2 Uhr, unser langjähriger Kollege der Sattler Franz Roth, am Blutsturz plötzlich verstorben rst. 412 Die Beerdigung findet am 26. d. M.(2. Feiertag) Nachmittags 3 Uhr, von der L ichenholle der Friirelrgiö.en Gemeinde, Pappel-Allee, ans, statt. Um recht rege Betheil'gung ertlichen Ti; KoScgen der Temuth'schen Werkstatt. Uerei« z»r Wahrung der Interesten d.Klauterarbeiter und verwandte» Kerufsgenoffe». Drn Mttgliedetn zur Nachttcht, bob unser Kollege 410 Carl Rieger, am Sorntag gesto-ben ist. Die B-erSiiUrg findet am 25. Dezember. Nachmittags 2 Uhr von der Leichenhalle des G orgenk rchhofs(Weibense«) statt. Um zahlreiche Betheiliguna ersucht Der Vorstand. üexm RohTabak! Sumatra tu jeder Preislage, Blitar. J,va-Umblott 115-120 P?., Do»tngo 95-115 Pf., Brasil. Java- Etnlage, kowie olle im Handel befind- Uchen Sort u. zu dtlltgsten Preiien bei reeller Bedienung.[327 H. Herholz, 14a BmütiißkilN 145. 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Einer der ersten Pfadfinder, welcher die Augensprache auf eine wissenschaftliche Grundlage zmuckfüdrte. ifi der große Physiologe Johanne« Müller, und wa« man letzt über die Augensprache, eigentlich ub,r den Blrck, weiß, find die Krüchte dieser Forschungen. Es find nämlich die Nerven der Augenmuskeln, wie auch der GcfichtSnerv(aerviis facialis). welche, in unmittelbarer Nähe de« Geistesorgans ent- springend, leicht durch Geisteserregungen beeinflußt und zu Bewegungen veranlaßt werden. Duchenne hat in seinem Werke: Mecanisme de la Physiognomie nachgewiesen, daß der Verkörperung aller Seelenaffekte der Augapfel so gut wie gar nicht sich an den phyfiognomischen Vorgängen betheilizt. mag wenig berührt wie eme Glasperle, in deren Wölbung ein Licht aufblitzt: der seelische Ausdruck entsteht lediglich durch die da« Auge umgebenden Weichtheile. Da« Thierauge ist mindesten« ebenso glänzend, aber all' die feinen Abstufungen de« Geistes« und Gemüthsleben«, welche dem Menschen allein gehören, finden ihren Ausdruck nur in den Bewegungen des Geficht« und in derm wechselndem Spiel. Je höher der Mensch an Geist und edler Bildung steht, um so charakteristsscher und individuell auSdruckifähiger wird sein Geficht, und erst durch diese Mienensprache erhält da« Auge seinen oft bewunderten Ausdruck. Wenn man eine Anzahl der an Cbarakter und Bildung verschiedensten Menschen hinter eme Wand treten läßt, in weicher ein schmaler Emschniit oben nur die durch den- selben hervorblickenden Augen sehen läßt, so wird eS fast Niemand gelingen, auch selbst die einem nächststrhenden, bekannten Per- jonen herausfinden; man sieht eben nur eine Rech» ganz ähnlich, ja fast gleich erscheinender Augen; der beste Beweis, daß da« Auge nicht das Unterscheidende und Bestimmende in dem menschlichen Gesichte rst. Besonders strahlend sind die Augen rm jugendlichen Alter, wenn der Organismus empor- blüht in üppigster Lebenskraft, und die Leichtigkeit, mit welcher GersteSzuflände auf den Glanz des Auae« einwirken, ist der Grund, daß lebhafte und geistreiche Menschen sich durch den stärkeren Glanz ihrer Augen au»zeichnen. Je stumpfsinniger em Mensch ist, desto glanzloser find auch die Äugen. Der ver- änderliche Glanz des Augapfels ist auch abhängig von der größeren oder geringeren Meng» der Tbränenfeuchtigkeit und, wie bereits erwähnt, von der Farbe der Iris. Feuchtglänzende Augen findet man vorzugsweise bei erregbaren leidenschaftlichen Menschen, bei sogenannten GemüthSmenschen, während man bei kälteren Naturen, also bei Verstandesmenschen, einen mehr trockenen Glanz der Augen beobachtet. Aus demselben Gmnde haben Kinder und Frauen im Allgemeinen feuchtere Augen als Männer und daher mag es auch wohl kommen, daß es im schönen Geschlecht wahre Virtuofinnen giebt, welche durch Talent und fleißige Neben im Weinen eine merkwürdige Geschicklichkeit erlangt haben und solche als Angriffs- und Ver« theidiqungSwaffe meisterlich in Anwendung zu bringen wissen. Das Augenfeuer ist also«in« r«in physikalisch« Erscheinung, das, zumeist von der oberen Lidbewegung abhängend, zur CHarakieri- firung aller stärkeren Affekte, wie Freude, Begeisterung, Kampflust, Zorn, Wutb wesentlich beiträgt. Dre Redensart:„Die Freude ver- klärt das Auge", und der von Aristophanes gebrauchte Vergleich, der die Augen de« zürnenden AeschyluS„Stieraugen" nennt, sind sehr zutreffend. Alle Affekle dagegen, welche die Seele zu sanften, erhebenden oder druckenden Gefühlen stimmen, wie Wohlgefallen, Bewunderung, Liebe, getäuschte Hoffnung, Kummer, Gram, Schmerz zeigen sich mehr oder weniger in der Senkung des «iern Lides, wodurch der Lichtspiegel, das Augenfeuer ver- mindert wird.„Der Gram umflort das Auge." Die Senkung des oberen Lides kennzeichnet auch die Scham. So steht das Kind, wenn es für feine kleinen Sünden gescholten wird, nut gesenkten Lidern da; eS liegt hierin der letzie adgeschwächteste Ausdruck der Meinung, wie die« beim Strauß vorkommen soll, daß, wenn e« selbst nicht sehe, e« auch nicht gesehen werde. Auch die Demuth äußert sich in dieser Augenhaltung; wenn aber dieser Blick dauernd von Personen beibehalten wird, so sind wir geneigt, Heuchelei dahinter zu ver- rnuthen, denn schwerlich kann Jemand beständig im Zustande der Scham oder Demuth verharren.— Reben der Bewegung der Lider sind für den Ausdruck der Augen auch die Brauen von giößter Bedeutung; sie bilden die Grenze zwischen Augen und Stirn und eine der beweglichsten und beredtsten Partien der palhognomischen Theile der Physiognomie. Die Augenbrauen geben dem Gesicht und besonders dem Auge sein größere« oder geringeres Relief, und bei Menschen, in denen die Leidenschaften noch schlummern oder nur selten in die Erscheinung treten, beim Kinde, dem Jüngling und auch beim Weibe, bilden die Augen- brauen im Allgemeinen einen schönen, reinpezeichneten Bogen, der, nach den Schläfen hinaufsteiaend, das Gepräge der Kind- lichkeit, der Weiblichkeit und der Unmittelbarkeit trägt. Flachere, mehr über das tiefliegende Auge herabgezogene und auch eckige Brauen find mehr dem scharfen Denker, dem gefestigten Streiter >m Kampfe des Leben« eigen, Menschen von Klarheit und Schnelligkeit der Auffassung. Sind die Brauen nach der Rasenwurzel zusammen gezogen und biloen dort scharfe, senk« rechte Falten, so zeugen diese für eine angestrengte Denkthatig- teil, auch für Gram und Kummer, ja selbst für ernen Aus- »ruck des Trotzes.— Das Hm- und Herrollen der Augen, wenn auch in einem milderen Sinne, zeigen die Aengstlichen, Ästigen und Neugierigen und für Letztere heißt es dann: „Einem Augen machen", wa« man in Thüringen »on einem Mädchen sagt, wenn es mit einem Manne zusammengeführt wird; denn dann„schielt" e«, das heißt, es thut, als ob eS sich gar nicht um ihn kümmere, blickt aber ver- Sohlen unter den Wimpern nach ihm hin. um zu sehen, was !r für ein Gesell ist. Gefällt nun der Mann dem Madchen so von außen, dann macht eS ihm„Ohren", d. h. eS hört auf leine Rede, und gefällt ihm diese, dann„macht e« ihm Augen", d. h.«s blickt ihn dann plötzlich mit großen Augen an, um sich zu überzeugen, ob er's so meint, wie er spricht. Ist diese lleber- zeugung nicht zu Gunsten des Liebhaber«, so geht es„ihm aus den Augen", im anderen Falle aber ist der Schatz„eine Augenweide. Anter solchen Umslänoen tritt eine mäßige Dämpfung des Horn- hautspiegel« ein.welche dem Auge etwa« ungemein Sanftes, Weiches Siebt, das„Schmachtende", da« eng verwandt ist mit dem Ausdruck sinnlicher Liebe, der in der antiken Kunst m den Augen der Venus mit gesenktem Lid und verkieinerter Lid» spalte dargestellt wurde und das charakteristische Merkmal der Augen aller antiken Venusstatuen ist. Beim Verliebtsem nchie« sich die Augen nicht auf das geliebte Mmlchenkind, sndern gehen, gleichsam die Abstrakt-on von dem Nahen, das »vlle Aufgegangensein in den süßen Wahn ausdrückend, mehr *r die Höhe, die leicht sich schließenden Lider decken da« Auge »nd machen es feucht. Daneben zeigen sich oft kleine seitliche, gleich- !v» tanzende Bewegungen, das Augentanzen der Venus, von dem ApulejuS bei der Beschreibung emer pantomimischen Darstellung de« Göttinnenstreitet um den Apfel der Schönheit so erwärmend berichtet. Und die sanften, tanzenden, wellenartigen Bewe- gungen der Augen, mit leichterem Neigen des Kopfes verbünd«, sind zweifellos ein Ausdruck angenehmer Gefühlsempfindungen, wie denn überhaupt der sanfte, weibliche Blick sich durch Wellen� linien, durch seine wellenförmige Richtung charakterisirt, aber auch leicht durch eine kleine Abweichung als Zeichen der Koketterie aufgefaßt werden kann, wenn die Augen einer Schönen unter dem Deckmäntelchen des etwas gesenkten oberen Lide« von einem Manne zum anderen emsig wandern, und wenn die« sogar schnell und schlagartig geschieht, so daß man fast em Geräusch zu hören glaubt, so giebt eS wirklich böse Zung