Kr. 808. Sonnabend, de« SJ8. Dezember 1880. «.Achr». MwrMüliloll. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Abonnements- Einladung. Arbeiter, Parteigenossen! Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, d»b tu» ReichstagSwahlen dicht vor der Thür stehen. Es find das die ersten, welche für die Dauer von fünf Jahren vor« genommen werden. Kein einfichtiaer Arbeiter wird fich der hohen Wichtigkeit verschließen, welche gerade diesen Wahlen mnewohnl. Wir bitten daher unsere GefinnungSgenofsen und Freunde, Alles aufzubieten, um das„Kerliner Uolbsblatt" durch Gewinnung neuer Abonnenten in immer weitere Volkskceife hineinzusühren. Der Wahlkampf wird diesmal ein ganz be- wnders heftiger werden, alle Parteien werden die größten Anstrengungen machen, ihre Presse zu verbreiten; wir dürfen daher unter keinen Umständen zurückbleiben. Persönliche Emofehlung ist für die Verbreitung einer Zeitung am wirksamsten. Für den Monat Januar eröffnen wir ein neues Abonne- ment auf das „Derliner Nolksblatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden „Sonntagsblatt". Der Abottnetiientainrrfo beträgt fvei in» Han» für das ganze Vierteljahr 4 Mark, monatlich 1 Mark 35 Pf., wöchentlich 85 Pf. Bei Selbstabholung aus der Expedition, Zimmerstraße 44, MT* 1 Mark pro Monat. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren sowie von der Erpedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, entgegengenommen. Für außerhalb nehmen f ä m m t l i ch e Poftanstalten Be« Kellungen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 4 Mark an. Die Redaktion«nd Gepedition des„Berliner Dolksklatt". Die Mirckkehr. Die Zahl der aus der Rcichshauptstadt ausgewiesenen Sozialdemokraten beziff.rt fich auf mehrere hundert. Der kleine Belagerungszustand hat ein« Menge Opfer gefordert, eine Un» summe von Trauer und Gram, Roth und Herzeleid ist über so viele Familien hereingebrochen. Mag auch die politisch« Konjunktur augenblicklich eS mit fich bringen, daß von dem Ausweisungsrecht kein Gebrauch gemacht wird, so beseitig! diese Thatsache nicht die über dem Haupte jedes„amts- bekannten" Anhängers der Arbeiterbewegung schwelende Gefahr. Die Polizei kann, wmn es ihr gefällt, irgend einen Mißliebigen in die Verbannung, oder wie da« deutsche Mittelalter treffend sagte, in« Elend j igen. Da» ist das unbestreitbare Recht der Polizei, in deren Machdnick nntitm.] Feuilleton. tmj- Gerurinsl. !64 «»zialer R««a« v«» Emil« 3«!«. Einzig ant-rifiÄ« lledessetznng v»n Ernst Zirgl««. Dreimal erneuerte Stephan seinen Versuch, während der wachsende Haufe hinter ihm drohend grollte. ES hieß, Herr Henn ebeau sei in der Grube: Jemand rief, man müsse ihm einen Strick um den Hal« legen, ihn so hinunterlassen und sehen, ob er seine Kohle selbst klopfen werde. Doch da» Gerücht war falsch; nur N-grel und Dansaert waren an- wesend. Sie zeigten sich einen Augenblick am Fenster; der Dberaufseher, welcher seit dem Abenteuer mit der Pier- rönne die Sicherheit seines Auftretens verloren hatte, stand hinter dem Ingenieur, dessen lebhafte Augen mit dem spöttisch lächelnden Blick, den er für Alles hatte, tapfer die Menge überschauten. Hohn- und Schmähruse begrüßten lhn; die beiden Männer verschwanden und Souvarine blickte herab. Er hatte seine Maschine seit dem Beginn des Streiks uicht einen Tag verlassen; in der letzten Zeit sprach er «ust gar nicht mehr, als verarbeite er irgend eine Idee, «neu Plan. „Zurück!" wiederholte der Hauptmann sehr laut.„Ver- schont mich mit Eur.en Reden; ich habe Ordre, die Grube zu bewachen und werde es thun!... Und drängt Euch uicht an meine Leute, oder ich werde wissen, Euch fort zu treiben!" Seine Stimme war fest; aber eine steigende Besorgniß muskulöse Faust da« angstwüthige Piepmaierthum ein ganze» Rutyenbündel diskretionärer Vollmachten gedrückt hat. Wir klagen nicht die Exekutive, wir klagen die reaktionäre Reichstagsmehrheit an, die durch ihre Machenschaften das Ausnahmegesetz immer wieder verlängert hat und jetzt an der ruhmreichen Arbeit ist, dasselbe zu verewigen. Jeder ehrliche Mann jeder Partei, der nicht in blindem Fanatismus befangen ist, wird die drückende Härte der Ausweisungsmaßregeln zugeben. Und es ist männiglich bekannt, daß für die Familien der Ausgewiesenen auch au« dem Bürgerthum heraus Mancherlei geschehen ist. Man fühlt Mitleid, man fühlt fich— mitschuldig! Die Verbannung, welche als Strafe für eine bestimmte politische Gefinnung über deutsche Staatsbürger verhängt wird, trifft den Einzelrien hart, bis in« innerste Mark, fie löst zarte Fami'ienbande und richtet wirthschaftliche' Verheerungen im Einzelhaushalt an. Aber fie ist zugleich eine empfindliche Be. lastung de« sittlichen Budget« der herrschenden Ge- walten, ein Schuldposten de« öffentlichen Haushalts, dessen Tilgung die geschichtliche Entwickelung zu übernehmen haben wird. Je mißlicher die Ausfichtcn auf einen hnlsamen Fortschritt werden, um so rascher häuft fich ZinS auf ZinS, der Schmerz, die Verbitterung, die Entrüstung, welche mit dem teutfchen Pathos der Sybel und Treitfchke freilich keinerlei Verwandtschaft hat. Min möge nicht vergessen, daß es nicht immer die schlechtesten Bürger waren, welche der Staat in da» Exil geschickt hat, das Scherbengericht der Athener und die Zettelungen des Polizeistaats haben auf ihr Kerbholz erklecklich viele Fälle eingezeich net, bei denen der Strafende thatsächlich der Bestrafte, der Richter der Gerichtete war. Nun werden unsere Leser mit uns darin übereinstimmen, daß die neureichsdmlschen Spießbürger keine Athener find, sondern als kundige Thebaner ohne attisches Salz, aber mit der höchsten Potenz serviler Kläterigkeit fich darstellen, und es leuchtet ferner ein, daß Deutschland im Allgemeinen und Preußen im Besonderen Verfassungs» und Rechtsstaaten ohne auch nur den schwachen Anflug des Polizeistaatlichen find. Dem H mmel sei Dank, wir haben eine Konstitution und dürfen sogar davon reden, was Stifft, der Leibarzt Franz l von Oesterreich bekanntlich nicht durfte. Als der arme Medikus der cholerischen Majestät eines TageS sagte: �Se Maj-stöt haben eine gute Konftttution", schrie ihn der Kaiser an: Wa« schwatzen'« da, Stifft? Dies Wort lassen'« mich halt nit wieder hör'n! Eine gute Natur, sagen'« mein'thall, oder in GotteSnamen eine gute Komplexion; aber schauen'« eine gute Konstitution giebt es gar nit. Ich Hab' keine Konstiw. tion und will keine hab'n!" Wir hoben eine Konstitution, und fie gestattet es Dank den Junkern, Dank den Gentlemen und Bennigsen, Dank auch den fortschrittlichen Abkommandirten, daß überall, wo der.Kleine" besteht, der Staatsbürger den weißen Stab in die Hand nehmen und in die Fremde gehen bleichte seine Wangen beim Anblick der immer mehr und mehr anschwellenden Massen. Um zwölf sUhr mußte er ab- gelöst werden; doch da er fürchtete, sich vielleicht nicht bi» dahin halten zu können, hatte er einen Karrenjungen der Grube nach Montsou geschickt und um Verstärkung ge- bete«. Verwünschungen übertönten die Worte des Offiziers, die Bande rückte näher und näher an die Soldaten hinan, und wild schrie eS über den Hof: „Tod den Fremde«! Wir wollen die Herren bei uns sein 1" Stephan trat entmuthigt von dem Hauptmann zurück; seine letzte Hoffnung brach, ei blieb ihm nichts mehr übrig, al» zu kämpfen und zu sterben. Jetzt waren wohl an vier- hundert Männer und Weiber vor der Grube versammelt und noch immer zog es aus den benachbarten Dörfern im Sturm- schritt heran. Maheu und Levaque wandten sich an die Soldaten: „Geht nach Hau»! wir haben nichts mit Euch zu thun." Und die Maheude setzte hinzu: „Es kümmert Euch nicht», was wir hier machen, da» ist unsere Sache. Geht!" Hinter ihr aber rief die Levaque: „Müssen wir Euch erst umbringen, damit Ihr unS hineinlaßt? Ihr sollt Euch zum Teufel scheeren, haben wir gesagt!" Katharina stand abseits und lauschte entsetzt den neuen Schrecknissen, in welche das Geschick sie warf. Litt sie nicht schon genug? Welche Sünden hatte sie begangen, daß das Unglück ihr keine Ruhe ließ? Roch am vorigen Tage hatte sie nichts von Politik wissen mögen und meinte, wenn eine Frau von ihrem Manne Püffe und Schläge bekommt, kann. Welch ein Fortschritt gegen die despotischen Zeiten der heiligen Allianz! So leicht der Weg in'« Exil, so schwer die Möglichkeit der Heimkehr. Aber wir wissen jetzt, daß es ein probates Mittel für Ausgewiesene giebt, fich die Pfade zum heimischen Heerde zu ebnen. Derjenige, auf welchen wir exemplifiziren, ist zwar kein Reichsdeutscher, sondern ein Oesterreicher, er ist kein Ar- beiter, sondern ein Literat, er ist auch nicht sozialisten- gesetzlich, sondern als.lästig gefallener Fremder". ausgewiesen worden. Aber trotz alledem, der Mann war aus Berlin abgeschoben worden und hat jetzt die Erlaubniß erhalten, sein Wigwam wieder an der Spree aufschlagen zu dürfen. Dieser Mann heißt Kohut, Dr. Adolf Kohut. Mit Recht hebt der sachkundige Berliner Korrespondent der .Frankfurter Zeitung" hervor, daß.e« nie recht klar geworden ist, weshalb Kohut an« Berlin ausgewiesen worden war." Wir wissen es auch nicht und überlassen findigeren und eingeweihteren Leuten das Aufknacken dieser Nuß. Weshalb Kohut aber zurückkehren darf, das ist bekannt. Er hat dem Fürsten Bismarck feine Schrift:.Fürst Bismarck als Humorist" übersandt und dabei die Bitte ausgesprochen, der Herr Reichskanzler möge die Au«« Weisung zurücknehmen. Und so geschah es. Das genannte Buch ist eine glühende Lobschrift auf den Bismarckischen Witz, auf die Leistungen de« Kanzlers im Reiche der gesprochenen und geschriebenen Komik. Wir find uu» parteiisch genug, zuzugeben, daß Fürst Bismarck emer der witzigsten Mitarbeiter de«.Kladderadatsch" ge- wesen ist, und daß er mit Esprit zu reden versteht, freilich in den letzten Jahren mit emem deutlich hervortretendm Hang, statt der satirischen Pfeile die gröblichere Keule zu be- nützen. Herrn Kohut aber war es vorbehalten, den Reichskanzler, den die Juristen, die Philosophen und die Theologen als den Ihrigen reklamiren, in die Galerie der Humoristen einzuführen. Rabelais, Sterne, Fielding, Smollet, Dickens, Jean Paul, Fritz Reuter werden von jetzt ab nur noch in der Weltliteratur als ein« Art armer Waisenknaben geduldet werden.... Herr Kohut bekoirmt dergleichen Dinge fertig. Wer ge- zwungen ist, die Literatur, welche den Redaktionen auf den Büchertisch geschwemmt wird, durchzusehen, wird wissen, daß im Jahre 1889 derselbe Herr Kohut mindesten« noch drei andere mehr oder weniger umfangreiche Druckwerke der Oeffent- lichkeit übergeben hat, sammt und sonders Erzeugnisse patrio- tischer Strebsamkeit. „Er schmierte wie man Stiefel schmiert, verzeiht mir diese Trope. Und war ein Held an Fruchtbarkeit, wie Calderon und Lope." Es ist nicht ausgeschlossen, daß sein kürzlich erschienene« kann sie zufrieden sein und braucht sich nicht noch andern- on« deren suchen. Jetzt erfüllte Haß ihre Seele. Sie er- innerte sich dessen, was Stephan früher in den Abend- Unterhaltungen gesagt, und sie versuchte zu verstehen, wa« er jetzt zu den Soldaten sprach. Er.nannte sie Kameraden, erinnerte sie daran, daß auch sie au» dem Volk stammten und also mit dem Volk gegen seine Unterdrücker Partei nehmen müßten. Aber in der Menge gab'S ein plötzliches Drängen. Eine alte Frau wühlte sich hindurch. Es war die Brulö, zum Erschrecken abgemagert, mit nacktem Hals, nackten Armen und den Kopf von den aufgelösten grauen Haaren umflattert. Sie war außer Athem: „Herr meines Leben«, da bin ich!" rief fie.„Dieser verkaufte Schurke, der Pierron, hatte mich in dm Keller ein- gesperrt!" Und sofort fiel sie mit geiferndem Zorn über die Sol- datm her: „Hunde, Kanaillen, erbärmliches Gesindel, da« nichts versteht, als seinen Vorgesetzten die Füße leckm und nur Muth hat gegm die Armm." Die Andern machten mit ihr Chorus, eS regnete Schmäh- ungen und Schimpfworte. Zwar Einige hatten gerufm: „Es lebm die Soldatm! In dm Schacht mit dem Offizier!" Doch sie wurden überschrim und bald tobte der ganze Haufe: „Nieder mit den rothm Hosm!" Die Soldaten, welche unbeweglich und stumm die Reden von Gleichheit und Brüderlichkeit und die Aufforderung, ei mit dem Volk zu halten, angehört hattm, blieben ebenso passiv diesm Beleidigungen gegmüber. Der Hauptmann hinter ihnen hatte seinm Säbel gezogm, und alS dieMmge Machwelk über Ferdinand Lassalle den Herrn Kohut empfohlen hat. DaS kritiklose Geschreibsel sei nur deshalb eraähnt, weil es den guten Lassalle gegen den bösen Marx ausspielte und die alten faulen Flausen der Reptilien zum eintausendundachten Male wiederkäut. Spaßeshalber sei nun festgestellt, daß der„Deutsche" Vorkämpfer der Sozialreform in seinem Streit mit dem Drachen der Sozialdemokratie eine Todsünde begeht. Unter den von ihm lobend genannten Biographien Lassalle'S nennt er auch diejenige von A. Aaberg. Dieser A. Aaberg ist aber ein Pseudonym für den in Arbeiterkceisen wohlbekannten sozialdemokratischen Dichter Max Kegel, der zu Lassalle'S 25jährigem Todestage sein Buch in neuer Auf- läge unter seinem Namen bei I. H. W. D i e tz in Stuttgart kürzlich hat erscheinen lassen. Aber Herr Kohut, Herr Kohut! Möge dem Braven es in Berlin so Wohlergehen, wie seine dienstbeflissene Ergebenheit es verdient. Nur fürchten wir, daß die sozialdemokratischen Exilirten seinem Beispiel nicht folgen werden. Bei Kohut der Humor, bei den Anderen die Tragik. Die Tragik, welche„den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt." x»olitisrl,c lUelU'».'I'lltit. Di» Reichotagvwahl-Agitation, soweit sie bis j.'tzt im Gange ist, zeichnet sich bei ven K a r t e l l p a r t e i e n durch eine hervorragende Konsusion aus. Herr von Putlkamer war, als er in der Regierung faß, der einzige Minister, gegen welchen die Nationalliberalen sich getrauten, Opposition zu machen. Gerade weil sie die Reaktion in dem Regime Puttkamer sehen durften— sie sonst zu sehen war ihnen verboten—, dekämpften sie diesen Minister überaus entschieden. Es mußte doch einen Punkt geben, an dem sie zeigten, wie liberale Männer sie seien, und von der Bekämpfung PuttkamerS abgisehev, konnte da« schärfste Auge an ihnen nichts'liberales entdecken. Jetzt ist Herr von Puttkamer im Kartell willkommen geheißen. Nun macht Ehren-Stöcker noch Sorge. Herr Siöcker wünscht, daß das Kartell fortbestehe. Er hat es allerdings nicht gerichtlich beschworen, aber doch wenigstens offiziell unterschrieben. Do ist natürlich der Zweifel sehr berechtigt, ob es auch wahr ist. Die treuen Stöcker-Anhänger im fünften Reichstagswahlkreile hoben in der That dem Kartell schon erklärt, daß sie nichts mehr von ihm wissen wollen. Auch im zweiten Wahlkreise haben sie es nach der Auffassung der „Post" gebrochen. Mit Unrecht ist die„Post" und fino die Nationalliberalen wegen dieser zwiespältigen Haltung ihres alten Freundes und seiner Anhänger aus dem Häuschen. Herr Stöcker wird den Nationalliberalen nicht verwehren, in Siegen wieder für ihn zu stimmen. Mehr aber können sie nicht bean- spruchen. Wenn Herr Stöcker sagt, er sei für das Kartell, und gegen das Kartell arbeitet, und wenn hinwiederum die National- liberalen neben Stöcker nidits mitzusprechen haben, aber für ihn stimmen dürfen, dann sind wirklich die beiderseitigen Rollen des Stöcker und der Nationalliberalen aufs schönste gewahrt. Wir wollen nur an ein Beispiel erinnern. Herr von Bennigsen hatte die Stadtmrssion unterstützt und erklärt im Reichstage, daß er es gethan habe, weit Stöcker von der Stadt- Mission zurücktreten solle. Slöcker erhob sich sofort zu Antwort: „Daß Herr v. Bennigsen die Stadtmission unterstützt hat, freut mich; zu sagen hat er nicht«, zu sagen habe ich, und ich behalte die Leitung der Stadtmission", erklärte er ihm unter dem Hohn aller Parteien des Hauses, ausgenommen der National- liberalen. Uebrigen« scheint es noch nicht bestimmt, daß Siöcker wieder kanditirt. Er ist jetzt bekanntlich ein„Volksvertreter" zweiter Ordnung; denn es ist ihm verboten, außerhalb des Reichstags politisch zu reden. Am Ende hängt cS mit diesem Verbot auch zusammen, wenn er etwa eine Wiederwahl nicht „wünscht". Wenn er wirklich nicht mehr Ikandidiren„will", wird er dem Kartell ohne Zweifel noch recht viel Hindernisse fischen die Füße werfen. Und eS ist ohnehin schon ,n tausend ���Die Freisinnigen freilich helfen dem Kartell über seine Schwierigkeiten theilweise hinweg. Die politische Kurz- sichtigkeit vieler Freisinnigen ist so groß, daß sie nach der gründlichen Mrßwicthschaft des Kartells den Wählern sich noch mit ihrer Hinneigung nach rechts zu empfehlen meinen. Besonders da«„Verl. Tagebl.", welches in den Provinzen vielfach als ernsthaftes politische« Blatt betrachtet wird, sucht die Freifinnigen möglichst nahe an die Nationalliberalen zu rücken. Damit wird der Widerstand der„freisinnigen" Wähler gegen nationalliberale Stimmen- w-rbung natürlich bedeutend abgeschwächt. Die Bourgeoisie ist immer dichter an sie hinanstürmte, kommandirte er, die Ba- jonnete zu fällen. Die Mannschaften gehorchten, und eine doppelte Reihe stählerner Spitzen starrte den Andringenden entgegen. „Ah die Schufte!" heulte die Brule. f Alles drängte in fanatischer Todesverachtung heran. Die Frauen warfen sich auf die Soldaten, die Maheude und Levaque riefen:„.,. Tödtet uns doch! Tödtet uns, wir wollen nicht», w,e unser Recht!" Levaque griff mit beiden Fäusten in die Bajonette, riß daran und bog sie in der wahnsinnigen Kraft seines Zornes; während der abseits stehende Bouteloup verdrießlich zuschaute, sich mit Selbstvorwürfen überhäufend, daß er nicht zu HauS geblieben. Vorwärts doch, Ihr Halunken!" rief Maheu, dabei riß er Rock und Hemd auf und drängte sich mit der nack- ten von der Kohle tätowirten Brust an die Bajonnette, so daß die Soldaten, durch diese sinnlose Tollkühnheit erschreckt, zurückwichen. Eine Spitze hatte ferne Haut geritzt, das Blut quoll hervor, er aber stürmte immer näher heran und .'Memmen, Ihr wagt's nicht! Zehntausend stehen hinter uns; stoßt doch zu, tödtet uns; eS bleiben Euch noch zehn- tausend Andere zu tödten." �. Die Lage der Soldaten wurde krüssch. Sie hatten den strengen Befehl erhalten, sich nur im Falle der äußersten Roth ihrer Waffen zu bedienen. Wie aber sollten sie diese Wüthenden verhindern, sich selbst zu spießen? Sie konnten nicht weiter zurückweichen, sie lehnten jetzt mit dem Rücken an die Wand; doch die kleine Truppe, diese Handvoll Männer gegenüber der jede Sekunde„schwellenden Woge der Empörer gehorchte immer noch dem Befehle ihres Offi- zierS. Dieser überblickte mit hellem Auge die Menge; seine Lippen zuckten nervös, denn er fürchtete, daß seine Leute sich unter dem Eindruck der auf sie regnenden Schmähungen hinreißen lassen möchten. Schon zwinkerte der Sergeant, ein langer junger Mann mit borstenartigem Bart auf der Oberlippe, bedenklich mit den Augen. Ein alter Soldat, dessen Gesicht die Narben von zwanzig Feld- schon größtentheils konservativ geworden, weil sie von einer starken Regierung Schutz gegen ihre bedrängte soziale Pofition, Schutz gegen den jungen Riesen Proletariat erhofft. Wenn die steisinnige Partei selbst diesem Zuge nach rechts folgen will, so ruinirt sie sich einfach selbst. Es wird dann nicht mehr vor- kommen, daß die freisinnigen Wähler bei den Stichwahlen über- laufen. Der demokratische Theil unter dem Freisinn muß daraus die Folgerung ziehen, daß er beim Freisinn nichts zu suchen hat und wird den Anschluß an die Sozialdemokratie finden. Betreff« de» nächsten internationalen Ardeiter- kongreffev konnte auf dem Pariser Kongreß kein endgiltiger Beschluß gefaßt werden, weil die Bestimmung sowohl der Zeit al« des Orts von Bedingungen abhängt, die sich der Kontrole des Kongresses entzogen. Einig war man nur darin, daß kein zu langer Zeitraum bis zum nächsten Kongreß verstreichen dürfe. Und in Bezug auf den Ort schwankten die Meinungen zwischen einer Stadt in Belgien oder einer Stadt in der Schweiz. Als Zeitpunki sprach man sich allerdings ziemlich allgemein für das Jahr 1891 aus, aber ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Wie wir jetzt aus Amerika erfahren, ist auf einer großen Aibeiterversammlung in N e w- B o r k am 12. Dezember d. I. einstimmig beschlossen worden, auf das Jahr der internationalen Weltausstellung in Amerika— 1892— einen internationalen Arbeiterkongreß nach Amerika, und zwar nach New-Pork zu berufen. Der Be- schluß geht von der Voraussetzung aus, daß die Industrie- au'stellung in New-Vork statifinden werde, was bekannt- lichtnichts weniger als ausgemalt ist. Jndeß, wenn die Ausstellung, wie wahrscheinlich, nicht in New-Pork abgehalten wird, son- dern in Washington oder C h r k a g o, für welch' letztere Stadt man neuerdings eine sehr lebhaste Propaganda macht, so wird das jenen Beschluß nicht wesentlich alteriren. Entfernungen spielen in Amerika keine Rolle; in welcher Stadt der Kongreß stattfindet, ist ganz gleichgiltig— jedenfalls ist der Gedanke, mit der nächsten internationalen Jndustrieous- stellung, wie mit der diesjährigen einen, internationalen Ar- beiterkongreß zu verbinden, sehr praktisch, und dürfte auf all- leitige Billigung und Zustimmung zu rechnen haben. Diese Dreihundertjahrseier der Entdeckung der Reuen Welt durch Christoph Kolumbus hat also Aussicht, ebenso wie die Hundert- jahrfeier der französischen Revolution durch ein doppeltes Friedens- und Kulturfe st der Völker verherrlicht zu werden. Bekanntlich ist da« Zentrum arg zänftlerifch«nd sucht da» kleine Bandmerk durch allerlei zunstzopf- lerische Anträge im Reichstag an sich zu fesseln. Es ist daher gm, wenn das rhein. Hauptorgan dieser Partei, die „Köln. Volksztg." selbst ausführt, wie eS mit dem kleinen Handwerk bestellt ist. In einem Artikel aus Berlin vom 21. Dezember führte das Blatt aus:„Nach der von der Gewerbe- deputation des hiesigen Mapiltrats veröffmtlichten Nachweisung waren in Berlin im Jahre 1888 68 Innungen vorhanden mit zusammen 17 336 Mitgliedern, d. h. ca. 600 mehr, als im Jahre 1887. Bedenkt man nun, daß die Zahl der felbststän- digen Gewerbetreibenden in Berlin 132274 beträgt(mit rund 30 000 Gehilfen und 8000 Lchrlingen), so kann die Mitglie- derzahl der Innungen wahrlich nicht als eine große angeschen werden. 18 Innungen ist aber da« LehrlingSprioilegium au« § 100- der Gewerbeordnung und einer Innung das Privilegium aus§ 100t(Heranziehung der Nicht-Jnnungs- meister zu den Kosten der WohlfahrtS-Einrichtungen der Innungen) oerlichen worden. Ein großer Tbcil der hiesigen Gewerbetreibenden steht der Handwerker- Bewegung völlig gleichgiltig gegenüber. Die zu einem gewissen Wohlstand ge- langten Handwerker schämen sich vielfach ihre« Ursprung« und nennen sich lieber„Fabrikanten", und da« Gros der selbst- ständigen Handwerker ist vollständig den Magazinen dienstbar und oft schlechter gestellt als die Gehilfenschaft. Besonders gilt das von den in Kellerlöchern hausenden selbstständigen Schuhmachermesstern, die häufig nur Lehrlinge beschäftigen. Ein Theil dieser Kleinmeister schwört bereits zur Sozialdemokratie." Dann werden die Vermögensverhältnisse dieser Innungen besprochen. Weiter heißt e«:„So haben denn auch 19 Innungen fast gar kein Vermögen und fristen blo« ein Schattendasein. Für da» HerbergSwesen haben sämmt- liche»Innungen 7268 Mark aufgewendet. In den Herbergen haben inSgefammt 13 116 Personen übernachtet. Im Ganzen liegt das HerbergSwesen aber sehr im Argen. Am stärksten besucht sind noch die christlichen„Hcrbergm zur Heimath", welche aber, da sie vielfach lichtscheuen Burschen zum Unter- schlupf dienen, unter Polizei- Ausficht stehen, was sicher nicht nach Jedermanns Geschmack ist. Beispielsweise patrouillirt vor der„Herberge zur Heimalh" in der Oranienstraße fortgesetzt ein Schutzmann auf und ab, der die Em- und Ausgehenden mißtrauisch beobachtet. Schreiber diese« hat in der längsten Zeit einigen Berliner Handwerker-Versawmlungen beigewohnt, muß aber gestehen, daß er davon wenig erbaut gewesen ist. Den Leuten fehlt es vor allem an Einigkeit und Opferwilligkeit. In dieser Beziehung werden die selbstständigen zügen trug, war todtenblaß geworden, als Levaque's Faust sein Bajonnett wie einen Strohhalm, und' ein Dritter, ein Rekrut, wie es schien, der erst kürzlich die Feldarbeit mochte verlassen haben, erröthete bis unter die Stint, wenn ihm Einer von den Wüthenden ein Schimpfwort in's Gesicht warf. Und der Lärm nahm zu. Fäuste streckten sich ballend dm Soldaten entgegen; immer ungestümer tobte das Volk, immer heftiger schmähte eS. Es bedurste der ganzen Strenge der Disziplin, um die Soldaten noch bewegungslos und schweigsam zu halten. Eine Kollision schien unvermeidlich. Da trat plötzlich hinter der Wache der Aufseher Vater Richomme hervor; sein gutes Gmdarmengesicht unter dem weißm Haupthaar war unkmntlich vor mächtiger Erregung; er rief sehr laut: Bei Gott, das ist dumm, wa» Ihr da treibt!" Er warf sich zwischen die Bajonnette und da» Volk. „Kameradm, hört mich an! Ihr wißt, daß ich ein alter Arbeiter bin. Einer von dm Eurm; wohlan, ich ver- spreche, wenn man ungerecht ist gegm Euch, so will ich selbst zu dm Chefs gehm und ihnen die Wahrheit sagen... Aber was Ihr hier treibt, ist Wahnsinn; eS hilft Euch zu aar nichts, daß Ihr diesm braven Leuten Gemeinheiten in'S Gesicht werft und Euch die Bajonnette in dm Bauch rennt..." Man hörte ihn an, eS wurde still; doch unglücklicher- weise erschien im selbm Augmblick wieder das scharfe Profil deS kleinen Nögrel am Fmster. Er mochte fürchtm, daß man ihm vorwerfen könne er habe einm Aufseher geschickt und nicht gewagt, sich selbst zu zeigm, darum versuchte er, zu sprechm. Ein furchtbarer Lärm verschlang seine Worte, er verließ achselzuckmd daS Fmster. Jetzt war eS umsonst, daß Richomme bat, sie solltm vernünftig sein, die Sache müsse unter Kameraden ausgemacht werdm, er wolle für sie sprechm. Der Sturm war aufs Neue mtfesselt und nicht mehr zu halten; man wollte ihn nicht hören, stieß ihn zurück, schmähte und verdächtigte ihn. Aber er gab nicht nach: „So soll man mich mit Euch niederschlagm; aber ich Handwerker von ihren Gehilfen häufig tief in den Schalten aestellt. Die Gehllfenschaft ist fast durchweg sozialdemokratisch: selten findet man zwilchm Meistem und Gehilfen ein gute« Einvernehmen. Die Meister klaqm über Unbotmäßigkeit der Gehilfen, letztere über die e vige Kommandiererei" der Meister. Bei Streikes geht es in der Regel in den kleinen Werk- stälten am erbittertsten zu. Dies kommt daher, daß die Kleinmeister selbst einen schweren Kampf um« Da- sein kämpfen. In den größeren W-rkNätten ist da« Verhältniß zwischen Mastern und Gehilfen meist ein besseres. Auch hier kann man die Wahrnehmung machen, daß, ie mehr der M- ister mit den Gehilfm bei Lohn- und Welt- stälten. Streitigkeiten auf dem Fuße der Gleichberechtigung ver- kehrt, desto eher die Gehilfen V-rnunftgründen zugänglich sind und auch ein höflicheres Wesen beobachten. Von dem alten patriarchalischen Verhältniß in dm Handwerkerfamilien rft hier fast nichts mehr zu spüren. Hin und wieder findet man et wohl bei Schmieden und Bäckern, aber auch 0a ist e« im Schwinden begriffen. Die Schmiedemeister Berlins und Um- gegend machen übrigens bekannt, daß sie mit Rücksicht auf die hoben Essen, und Kohienpreise die Preise für sämmssiche Schmiede Arbeitm um 25 pCt. erhöht haben." _ N«ker die Lage der Kohleuindustrie hielt der Ge- schäflsführer des Vereins für oie bergbautichm Interessen im Ruhrreoier in der Generalversammlung am vorigen Sonnabmd einen längeren Vortrag. Wir entnehmen demselben solgenoes: Dr. Natorp meinte, daß, um der gestiegmen Nachfrage im Jahre 1889 zu genügen, eine Erhöhung de« Förderquantums um 8—10 pCl. nölhiz gewesm wäre, dies-S Förderquantum aber voraussichtlich bis Ende 1839 über 2 pCt. E höhung nicht hinauskommen werde. Es sei der Unterschied zu beachtm, wel- cher zwischen den Preisen, die die Zechen sür ihre Erzeuzvtsse erzielen, und den Marktpreism besteht. Die meisten Z chen gelangen erst im nächsten Jahre, vielfach erst mir dem 1. Juli 1890, in den Genuß der gegenwärtigen Marktpreise; e« würde also grundfalsch sein, wenn man aus den letzten od« aus den bedauerlichen übertriebenen Kurssteigerungen der Montanwerihe einen Schluß auf die Gsschäftstaae der Gruben- verwalmngen ziehen wollte. Mit dem Eintritt der finanziellen Kräftigung der Werke konnte an dre seit Jahren befürwortete Zusammenlegung mrt aller K-aft herangetreten werden, und so rft in letzter Zeit eine Ko solibation nach der anderen in rascher Folge eingetteten. Die günstigen Wirkungen dieser Ver- schmelzungen sowohl auf den Betrieb der Wake wie auf den Ver- trieb ihrer Erzeugnisse können nicht ausblecben. Der holländische Markt sei der westfälrsch.m Kohle erhallen geblieben, der Absatz nach Belgien dürfte eine Veränderung erfahren haben, doch kann e« sich hierbei nur um ein verhältnißmäßiz geringes Quantum handeln. Die Verwehrung der Einfuhr belgischen Kohlen fällt jedenfalls kaum in die Waglchale; nur in den Grenzgebieten von Luxemburg und Lothringen hat der Ablatz belgischer Koks eine Vermehrung erfahren, doch ist auch der Versandt von Kok« au« dem Ruhrrev'er nach Luxemburg und Lothüngen nicht zurückgegangen, sondern sogar gestiegen. Was den Lberseeis-ben Exporthandel in Kohlen anlangt, so ist er ja an und für sich unerheblich, soweit Westfalen in Frage kommt; der Hamburg« Markt ist un« erhalten geblieben und der Absatz dorthin weist sogar eine Vermehrung von 568 750 Tonnen od« von 13 pCt. auf. Der Geschäftsführer der Zechenverwaltungen polemrsirte alsdann gegen die Bestrebungen auf Herabsetzung der Tarife für ausländische Kohlen. Wir erfahren von ihm auch, daß d« VereinSvorftand bei dem Eisenbahnminister gegen die Anträge d« Handelskammern von Gießen Dormstadt und Stettin Einspruch erhoben hat. Nach dem Vortrage des Herrn Natorp hob Herr W. Funcke Hagen hervor, daß das Fortbestehen der gegen- wältigen Kohienxreise für 1890 und 1891 verderblich für die Großindustrie werden müsse. Die Kokspreise seien nament- lich durch die Einkäufe de« Auslandes in die Höhe geschnellt worden. Der Export in d« Eisenindustrie sei schon jetzt auf da« äußerste gefährdet. Ein bedeutendes Barmer Exporthaus klagt in einem an den Redn« gerichteten Briefe, daß mcht daran zu denken sei, für die jetziqen enormen Preise auf Schienen, Träger Zc. überseeisch eine Kompensation zu finden. Die vielen Anfragen, welche während der letzten Monate einliefen, habe« zu keinem einzigen Abschluß mit deutschen Werken geführt, die Aufträge fallen jetzt Frankreich, Belgren und Nordamerika zu. Wenn die großen Bestellungen d« Staatsverwallung auf Loko- motiven und Wagen und die neuen großen Bestellungen für die Artillerie und die Marine erledigt feien, so wird die Zeit kommen, wo die inländische Gewerbethäligkeit nicht mehr so beschäftigt ist wie jetzt, und wenn wir inzwischen uns« Exportgeschäft vollständig verloren haben, dann kommt die Reaktion, die um so schwerer fem wird, je wenig« man jetzt Maß gehalten hat. Generaldirektor Kirdorf führt unter anderem aus: Erst da« nächste Jahr bringt das Geschäft zu dm erheblich gestlegenm Preisen, und ob man da die Kohlm- ausfuhr im ganzen bisherigen Umfange anstecht erhalten könne, fei sehr zweifelhaft, ja man düsse e« nicht, dmn d« Bedarf unserer heimischen Industrie fei ein so großer und die An- foroerungm derselbm steigen fortwährmd so sehr, daß die Zechen wahrscheinlich gezwungen fein werden, auf einm Theil geh' nicht vom Fleck, ehe Ihr zur Vernunft gekomme« seid!" Er bat Stephan, ihm zu helfen; doch eS war zu spät, die Zahl der Tobenden war zu groß, mehr al« Fünfhundert erfüllten dm Platz. Auch Andere warm gekommen. Neugierige, die zuschauten und sich an dem wildm Schauspiel ergötzten; so Zacharias und Philomme, die ruhig, wie im Theat« aus einig« Entfernung dem Gang d« Dinge folg- ten, so unbesorgt, daß sie sogar ihre beiden Kind« Achilles und Desiröe mitgebracht hatten. Ebm kam wieder eine neue Bande mit Mouquet und der Mouquette. Er ge- sellte sich sofort zu seinem Freunde Zacharias, während seine Schwesi« sich in dm dichtestm Haufm d«Lärmmde« stürzte. D« Hauptmann blickte jeden Augmblick auf dm Weg von Montsou; die requirirte V«stärkung kam imm« noch nicht; unmöglich konnten seine fünfundzwanzig Man« dieser sinnlosen Rotte Stand halten. Er wollte den Empörer« Furcht einflößm und befahl seinen Soldaten, die Gewehre zu laden. Aber Spott und Hohn begrüßte die Ausführung dieses Kommandos: „Seht die Scheibenschützen!" riefe» die Weib«,„sie ziehm zum Schützmeest!" Die Mahmde, mit d« laut schreimde» Estelle auf dem Arm, drängte sich so nah an die Gewehre, daß d« S«geant sie fragte, wai sie dort mit dem Kinde wolle? „Was sche«t's Dich?" antwortete sie.„Schieß darauf» wmn Du's wagst." Niemand glaubte, daß das Militär auf die B«gleute schießm dürfe. „Sie habm gar keine Kugeln in ihrm Pastone« nes Levaque, „Sind wir Kosaken?" stagte Maheu.„Man schießt nicht auf Franzosm!" And«e«klärten, w« dm Krimkrieg mitgemacht have, fürchte daS Blei nicht; Alle drängtm in dicht« Masse a« die Soldatm h«an. Wäre in diesem Augenblick Feu« gs- gebm worden, es hätte sie nid«gemähet, wie eine Smse de Aehrm._. Die Mouquette stand jetzt in d««sten Reihe. b* Ausfuhrgeschäfte zu verzichten, um der heimischen Industrie rhren Bedarf zu sichern. Leider sei noch eine weiter« Preis« ite>qerunq zu erwarten, denn es fei fast allgemein besannt, wie großen Bedarf unsere Staate bahnen noch haben, während die Zechen zum größten Theil unter bereits abgeschlossenen Vcr» tragen stehen und noch verschwindende Mengen verfügbar sind. Kl« zaudbrlrftrSgrr an» einer Kndnftriegegend in �?i*Der westlichen Provinzen tchreibt dem„Relchsfreuno" über die Nothwendigkeit einer Gehaltserhöhung u. A-:»Seit neun Jahren bin ich bei der Post beschäftigt. Im ersten Dienstjahr ehielt ich als ständiger Postbilfsbote 1,40 M. Tagegeld, dabei mußten fämmtliche Kleider ganz bezahlt werden, welches meistens fünf Mark monatlich ausmachte. 37 Mark blieben also übrig für den ganzen Monat. Daß damit nicht auszukommen war, versteht sich von selbst. Deshalb richtete ich ein Gesuch an die Behörde und erhielt alsdann 1,80 M. Tagegeld. So blieb es 4 bis 5 Jahre; jeden Tag über 12 Stunden Dienst Auch leben Sonntag Dienst. Nun wurde ich Landbriefträger mit einer monatlichen festen Vergütung von 50 Mark. Jeden zweiten Sonntag frei. Nach längerer Zeit reichte ich wieder em Geluch ein; 4 bis 5 Monate nachher der Be- scheid:»Eine Gehaltserhöhung herbeizukühren, sei nicht mög» «ich." Das Revier vergrößerte sich immer mehr. Die Bevölkerung vermehrte sich infolge der Jidustrie um mehr als das Doppelte. Die Arbeit wuchs also auch bedeutend. Endlich waren die Arbeiten nicht mehr zu bewältigen. Ich reichte eine Besckiwerde ein. Nun wurde die Theilung des Reviers be- schlössen. Mehrere Monate nachher sagte aber die Oberpost- dirtktion: Das geht nicht, dazu find die Mittel im laufenden Etatsjahre nicht mehr vorhanden. 20 M. moralliche Mehrausgabe wäre genügend gewesen, um einen nicht voll beschäs- tigten Unterbeamten ständig in Arbeit zu haben. Also für diese Kleinigkeit fehlten die Mittel. Es sollen jetzt PosthilsS- kellen eingerichtet werden. Aber zu solchen unbesoldeten Ehren- amtern meldete sich in unserer Jndustriegegend Niemand. Also auch das nicht. Nun muß man sich noch wie immer den kanzen Tag 13 bis 14 Stunden quälen. Jetzt kommt eine kleine Gehaltserhöhung. Dafür wird aber eure Entschädigung gestrichen, so daß noch in Wirklichkeit ein Mehrverdienst von monatlich sieben Pfennigen übrig bleibt. Nich acht- bis neun« iahrig?m treuen Dienste kommt die Anstellung. Gehalt bleibt so. Ausgaben bedeutend höher. Arbeiter verdienen hier 2,50 vt« 3 M. täglich. Also eine Besserung und zwar eine baldige Und gründliche ist nöthig." Elberfeld. 23. Dezember. Die letzte Sitzung in»unserem Prozeß" vom Sonnabend endete erst nach 3 Uhr, und zwar Mit der Unterbrechung des PlaidoyerS des R.-A. Dr. Schweitzer. Die scharfen juristischen Ausführungen dieses VertbeidigerS in Bezug auf die allgemeine Verbindung, welche den Angeklagten iur Last gelegt wird, verdienen besonders Hervorgehoben zu werden. Die Rede dauerte über 3 Stunden. Hatte-Rechts- auwalt Lenzmann in großen Zügen die Anklage, sowie die Ride des Staatsanwalts behandelt, so ging Rechtsanwalt Dr. Schweitzer in wirksamster Weise auf die Details ein, nament- «ch wurde der�Zeuge" Bleckmann und dessen Treiben einer verdienten Würdigung unterzogen. Wir verweisen auf die diesbezüglichen Aussührunaen in der Rede. Heute setzt Dr. Schweizer sein Plaidoyer fort und geht auf die den einzelnen Angeklagten zur Last gelegten Beschuldigungen näher ein. Ihm folgt Rechtsanwalt Krllsemann und hieraus die schon ange- kundigte Replik des Staatsanwalts. Wahrscheinlich wird dann Bebel anworten. Knrloser Ktrstt. In Sachsen find einige sonderbare Schwärmer seit mehreren Wochen mit der Ei findung einer »nationalen Fortschrittspartei" beschäftigt, ohne vom Fleck zu kommen! Die Sache hat allerdings auch ihre Schwierigkeiten. Die»nationale" Fortschrittspartei soll nämlich wirklich liberal sein, d. h. die»Reaktion" bekämpfen, Zugleich aber auch dem Kartell beitreten, d. h. sich mit der Reaktion verbünden. Sich mit Jemand verbünden, den man bekämpfen will, da» geht allerdings noch über die Quadratur des Zirkels. Bisher ist nur ein Schädel entdeckt worden, der für das Wunder Reum und Verständniß genug hätte: der des alten Professors Karl Biedermann, wei- land der spaßigen»AnstandSdame" des Frankfurter Par- laments. Rio de Janeiro, 26. Dezember. Ein vom 23. d. M. datirler Erlaß der Regierung ordnet an, daß alle des Aufruhrs, der Bestechung des Militärs oder der Opposition gegen die Republik beschuldigten Personen vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollen.— Die Regierung hat gestern ein für die Oppo- ntion eintretendes Blatt unterdrückt. Frankreich. „ Der Streik der Kohlengrubenarbeiter in den "ohlenwerken von Mamdourg, SaciS Madame, PayS de Liege Und den Vereinigten Gruben dauert fort und hat sich auf die beiden Kohlenbecken von Monc.-au und Fontaine ausgedehnt. In Ameicoeur und Rochelle ist die Arbeit theilweise, in Boubier Und Ormont vollständig wieder aufgenommen. Die Zahl der Streikenden beträgt gegen 6700, nämlich in Charleroi 1160, in »— War die lauteste, sie schien von Sinnen. Schäumend vor Wuth, riß sie die gemeinsten Schimpfworte heraus und warf Iw den Soldaten ins Geficht; dann aber, als sie nichts mehr wußte, als sie keinen Namen mehr fand, den sie den ver- haßten rothen Hofen geben konnte, warf sie plötzlich ihre Röcke empor und machte ihre Geste größter Verachtung. DaS ist für Euch!" schrie sie, rannte die Front entlang Und bückte sich vor Allen.„Das ist für den Offizier! DaS für den Sergeanten! DaS für die Gemeinen!" Die Fensterscheiben erschütterten von dem toll brüllen» den Hohngelächter der Menge. B�bert und Lydia wälzten stch. selbst Stephan vergaß sein ernstes Sinnen und stimmte »u den Beifall ein. Alles jauchzte und johlte vor Freude über den Schimpf, welchen das Mädchen den Soldaten an- gethan; nur Katharina blieb stumm und traurig. Der Hauptmann, um seinen Leuten Genuqthuung zu geben, befahl, daß ein paar der wttthendsten Schreier fest- genommen werden. Mit einem Satze verschwand die Mou- guette im Gedränge. Levaque und zwei Andere wurden er- griffen und in das Zimmer der Aufseher gesperrt. Vom Fenster herab rief Negrel dem Offizier zu, er solle mit seiner Mannschaft inS Haus treten-dieser aber fürchtete, daß die Unverschließbare Thür im Sturm genommen, da« HauS Überschwemmt und er mit seinen Leuten entwaffnet würde, Und er blieb auf seinem Posten. Schon murrte die kleine Truppe vor Ungeduld, unmöglich konnte er ihr zumuthen, vor dieser Bande in Holzschuhen das Feld zu räumen; er «eß von Neuem die fünfundzwanzig Mann mit ihre« ge- mdenen Gewehren die Bajonnette fällen. .. Einen Augenblick schwieg die Menge verdutzt als sie bte drei Kameraden festnehmen sah. Dann plötzlich ver- £ngte Jemand die Freilassung der Gefangenen; eine andere stimme rief, sie würden dort im Hause umqebracht, und unt einemmal stürzte Alles, von dem gleichen Rachebedürfniß getrieben zu dem Haufen gebrannter Ziegel, der mitten Wi Hofe lag. Die Kinder halfen sie einzeln herbeitragen, Frauen füllten ihre Schürzen; bald hatte Jeder vor Wnen Füßen eine Munition Steine aufgehäuft; die Schlacht begann. (Fortsetzung folgt.) Dampremy 105, in Montigny 880, in Gilln 385, in LodelinS- art 520, in Jumet 740, in Rour 315, in Chatelineau 770, in FleuruS 720, in Lambußart 350, in Marchtenne 640. Die Streikenden, welche sich übrigens ruhig verhalten, verlangen 15—20 pCt. Lohnerhöhung. Charleroi, 26. Dezember. Der Streik der Kohlen- grubenacbeiter hat heute wiederum an Ausdehnung zuge« nommen. Dre Zihl der Streikenden in. dem Kohlengebiet von Charleroi beträgt jetzt 10 400. Die Rahe ist nicht gestört. Türkei. Helgrad-, 25. Dezember. Vor einigen Tagen kam«.« etwa 250 Arnauten bei Töplitz« über die serbische Grenze unter dem Vorwande, Holz holen zu wollen, und beantworteten die Auf» forderung des Kommandanten der serbischen Grenzwache zur Umkehr mit Gewehrschüssen. Bei dem darauf entstandenen Kampf« und Handgemenge wurden der Kommandant und ein Unterosfizier der serbischen Grenzwache verwundet. Die serbische Regierung hat infolge dessen bei der Pforte Vor- stellungen erhoben. Amerika. Eine Entdeckung von höchster Tragweite, welche die Elektrotechnik zu revolulioniren verspricht, ist in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gemacht wor- den. Nämlich die Verwendung artesischer Brunnen zur Herstellung von Elektrizität— insbesondere für die Zwecke elektrischer Beleuchtung. Es ist gelungen, die Kraft des Wassers, welches aus den artesischen Bohrlöchern hervorspringt, in Elektrizität umzusetzen; und für alle Orte, wo die Grund- bcdingungen für artesische Brunnen vorhanden sind, kann also hiernach an Ort und Stelle die nöthige Kraft beschafft werden. Glberselder Elberfeld, 23. Dezember. 26. Tag der Verhandlung. Das Wort erhält Dr. S ch w e i tz e r zur Fortsetzung seiner Rede. R.°A. Dr. Schweitzer: Ich habe den Nachweis ge- führt, daß durch das Beweismateiial eine geheime Verbindung in Elberfeld und Barmen nicht festgestellt ist. Ferner habe ich nachgewiesen, daß die»Freie Presse" ein Privatunter- nehmen ist. Auch die Sammlungen und die Aufrufe dazu sind keinerlei Beweis für eine geheime Verbindung. Kein einziger Fonds, der hier erwähnt worden, dient ungesetzlichen Zwecken oder ist verboten. Nur Sammlungen zur Förderung von Umsturz- bestrebungen find nach dem Gesetz zu verbieten. Wir wissen gar nicht bestimmt, ob von einer Verbindung ein oder zwei Delegirte zum Kongreß gewählt wo ben sind. Der Einzige, der dies sagte, ist Weber. Aber selbst, wenn eine Wahl vollzogen worden, so geschah dies durch ad hoc zusammengetretene Parteigenossen; das läßt nicht auf eine geheime Verbindung schließen. Der Staatsanwalt will die Verbindung durch eine Karte zu einer Festlichkeit beweisen. Diese Karte ist aber als die zu einer Festlichkeit einer Kranken- lasse bestimmte erklärt. Was die Verbreitung verbotener Schriften betrifft, so wird diese durch eine Anzahl Personen besorgt, die sich dem„Soz." im Parteiinteresse oder au« anderen Gründen zur Verfügung stellten. So weit den einzelnen hiesigen Angeklagten dies nachgewiesen wurde, werden sie bestraft werden müssen. Aber die auswärtigen Angeklagten gehören dieser Verbindung nicht an. Der Staatsanwalt hat einen ganz horrenden Ausspruch gethan, indem er sagte, drei Viertel der Zeugenaussagen vor Gericht geschähen aus Haß oder Rache. Ich habe eine bessere Meinung und die Richter haben auch stets derartige Aussagen mit Vorsicht aufgenommen. Der Weber Robert Adolph hat, wie festgestellt, einmal eine verbotene Druckschrift weitergegeben. Der Staats- anwalt hat 1 Monat beantragt; das ist viel zu hoch. Er ge- hört keiner Verbindung an. Barthel ist wegen Geheimbündelei und Verbreitung des »Gedenkblattes" angeklagt. In letzterer Beziehung ist ihm nichts nachgewiesen. Die Theilnahme an einer geheimen Ver- sammlung deswegen ist ihm auch nicht nachgewiesen. Die Zu- geHörigkeit zu einer geheimen Verbindung soll dadurch erwiesen sein, daß er nach den Polizeiberichten Mitglied des Lokal- komitees ist; das wird aber nur durch die Aussage BleckmannS bestäfigt. Er soll ferner Mitglied der„Feldpost" sein, aber es ist nicht nachgewiesen, daß in dem für ihn bestimmten Packele verbotene Sch-iften waren. Ich beantrage daher Freisprechung. Gegen Berend ist nichts bewiesen. So lange nicht nach. gewiesen, daß er die Verbreitung des„Gedenkblattes" aus- führte, muß er freigesprochen werden. Bertram ist angeklagt, der Verbindung anzugehören und das»Gedenkblatt" verbreitet zu haben. Bertram war aber nicht an der Abfassung desselben betheiligt und muß also freigesprochen werden, ebenso wegen der Verbindung, deren Theilnehmerschaft ihm nicht nach- gewiesen worden. Was ein weitere« Flugblatt»An die Wäh- er Deutschlands betrifft, so ist ihm auch nicht einmal der Ver- üch der Verbreitung nachgewiesen worden. Ich beantrage Frei- prechung. Bleibtreu soll Mitglied des Lokalkomitees gewesen und bei Voß gewählt worden sein. Wir haben auch von Voß gehört, welche Bewandtniß es mit dieser Versammlung hat. Aus dem Abonnement des»Soz." kann nicht auf die Angehörigkeit zu einer Verbindung geschlossen werden. Ich beantrage deshalb Freisprechung. Bollmuß soll an geheimen Versammlungen sich betheiligt haben; das ist aber durch nichts erwiesen. Er soll im Besitz des»Soz." gewesen sein; wenn dies auch als richtig an- genommen wird, so braucht er deshalb nicht Mitglied einer Verbindung zu sein. Ich beantrage deshalb Freisprechung. Bongarts ist angeklagt, Theilnehmer einer Verbindung zusein. Er hat allerdings das Kongreßprotokoll verkauft, aber es ist ihm nicht nachgewiesen, daß dies zu einer Zeit geschah, als es verboten war. Busch'« ganze Thätigkeit war lediglich erlaubte Partei- thätigkeit. Die Verbreitung des»Soz." kann ihm nicht nach- gewiesen werden; e« war nur eine Sendung von 4 Exemplaren de«»Soz." beschlagnahmt. Die Sendung kann aber auch eine Falle gewesen sein. Er ist freizusprechen. Cordes war Äbon- nent de«»Soz." und hat ihn aus der Schweiz direkt bezogen durch ein Schweizer Geschäftshaus. Mit einer Verbindung in Elberfeld hat er nicht« zu thun und ist daher freizusprechen. Gegen Dastig hat der Staatsanwalt selbst Freisprechung bean- tragt. Gerade bezüglich Fmke« ist nachgewiesen, welche Be- wandtniß es mit den Polizeiberichten hat. Er soll an einer geheimen Versammlung auf Mathildenblick Theil genommen haben, während er zu der Zeit in Magdeburg war. Gustav Finke wird der Theilnahme an einer geheimen Verbindung, der Verbreitung und der Majestätsbeleidigung angeklagt. Seine Aeußerungen, die der Staatsanwalt an- zieht, sind nicht ernst zu nehmen. Es wird zu erwägen sein, ob er wegen der Kiste mit Flugblättern Theil- nehmer an einer Verbindunz war. Der einzige Belastung«- zeuge gegen ihn wegen der Majestätsbeleidigung ist Robert Müller, der au« Haß und Rache handelt. Das Zrngniß dieses Mannes kann nicht beweisen, daß Finke die MajestätSbeleidi- gung begangen, zumal Niemand sonst, der bei Finke arbeitete, eine unehrerbietige Aeußerung über dm Kaiser hörte. Durch nichts' steht überhaupt fest, od die Aeußerung, wenn sie über- Haupt gefallen, sich auf den Kaiser bezieht. Der Name desselben ist mit keiner Silbe erwähnt. Sie müssen ihn dieserhalb frei- sprechen. Wenn Sie ihn wegm der Verbindung verurtheilm, so muß da« Strafmaß weit niedriger sein, als beantragt. Gegen Wilhelm Fmke ist nichts nachgewiesm, was seine Zugehörigkeit zu der Verbindung beweist. E« ist nicht fest- gestellt, daß die an ihn adresfirten Packete verbotme Schriften enthielten. Ich beantrage Freisprechung. Das gegen Flach Erwiesme ist nicht belastend. Der Besitz verbotener Druckschriften ist nicht belastend im Sinne der Anklage. Er ist freizulprechen. Gerstenberger soll gleichfalls der Verbindung angehörm. Seine Erklärung über den Besitz von Schriftm ist durch nichts umgestoßen. Ich beantrage Freisprechung. Bei Gcster sind einige Druck'christm gefunden wordm, wovon nur eine Nummer des„Soz." ver- oten war. Da« ist kein Beweis für die Theilnahme an einer Verbindung und ich beantrage deshalb Freisprechung. Gegen Gewehr hat der Staatsanwalt selbst Freisprechung beantragt. Da« gegen Gnmve Vorgebrachte kann nicht zu einer Ver- urtheilung führen. Er hat niemals an geheimen Versammlungen Theil genommm, nie verbotme Schriften verbreitet. Das»Ge« denkblatt" kann nicht bei ihm gedruckt fein; das ist technisch unmöglich. Daß auch das»Mahnwort" bei ihm nicht gedruckt wurde, ist durch Zeugenaussagen aui'S Schlagendste erwiesen. Die bei ihm gefundenen verbotenen Schriften können nicht als Beweis für ferne Theilnahme an einer Verbindung gelten. Er ist schriftstellerisch thätig und bedarf diese Schriftm zur In- formation. Daß die»Fr. Pr." Privatunternehmen ist, ist er- wiesen. Ich beantrage Freisprechung. Haase soll ein Flugblatt verbreitet haben, das aber noch nicht verboten war oder wmigstens hatte er keine Kenntniß von dem Verbot. Ich beantrage Freisprechung wegen der geheimm Verbindung. Reichstagsabgeordneter Harm hat naturgemäß eine große Parteithäiigkeit entwickelt. Eine allgemeine Verbindung besteht absolut nicht. In der Thätigkeit Harm'S liegt nichts Straf. bares, sie war durchaus öffmtlich und es kann darin nicht« ge- fundm werden, was auf eine geheime Verbindung schließen ließe. Wenn die Zusendung des»Sozialdemokrat" nicht wider fem Wissen und Willm geschah, so bezog er ihn jedmfalls zu seiner Information über Vorgänge in der Partei. Auch die Bemerkung in seinem Briefe an Kaltenbach ist nicht belastend. Bleckmann mußte zugeben, daß Harm fich aegen ein sogenanntes Preßkomitee verwahrte. Die Aussagen Röllinghoff'S, der seit Jahren Harm mit seinem Hasse und seiner Rache verfolgte, könnm nicht in s Gewicht fallen. Ich beantrage die Frei« sprechung Harm'S. Hüttenberger mag ein überzmgungStreuer Sozialdemokrat fein, für seine Theilnahme an einer geheimen Verbindung ist aber keinerlei Beweis erbracht. Die bei ihm gefundenen Schriftm können nicht gegen ihn angeführt werden, da über deren Erwerb nicht« feststeht. Eine bei ihm gefundene Liste soll sich auf eine Sammlung beziehen; die Sammlung geschah aber für eine arme Frau. Hüttenberger ist also freizusprechen. Wenn Kaiser der Führer der Sozialdemokratie in Neviges ist, so ist das nicht strafbar. Daß er verbotene Schriften verbreitete, hat kein Zeuge bekundet. Aus dem Briekwechsel zwischen Wille und Lehmann kann nicht« belastend für ihn sein. Der»Parteisäckel" hat sich als ein Fattnachtsscherz ent- puppt. Ich beantrage die Freisprechung Kaiser«. Wenn als nachgewiesen betrachtet würde, daß er den»Soz." bezog, so ist ba« kein Beweis für die Theilnahme an einer Verbinbung. Kösser soll an geheimen Versammlungen sich betheiligt haben; das ist aber du ich Nichts nachgewiesen. Er ist sreizusprechm. KowakowSki soll Mitglied des LokaikomiteeS Elberfeld fein. Der betreffende Polizeibericht ist aber durch Nichts bestätigt, als durch die Aussage Bleckmanns, der für mich un- glaubwürdig ist und es überhaupt nur vom Hörensagen wußte. KowakowSki muß deshalb freigesprochen werben. Gegen Langohr tonn der Besitz der verbotenen Schriften nicht angeführt werden. Er ist sreizusprechm, ebenso Lemmer. Loose soll ein hervorragendes Mitglied der sozialdemokratischm Partei sein; der Staatsanwalt hat aber selbst Freisprechung beantragt. Müller soll Vertrauensmann und Korrespondmt der ört- lichen Verwaltung Elberfelds und Delegirter zum Kongreß ge- wesen sein. Für erstereS hat kein Beweis erbracht werben können und zum Kongreß ging er au« freien Stücken auf eigene Kosten. Die Theilnahme am Kongreß kann als eine Strafthat nicht betrachtet werbm. Ich beantrage Freisprechung. Bezüglich Neumann» kann als erwiesen Höchstens angenommen werden, daß er sich an der Verbreitung des Flugblattes:»An die Wähler Deutschlands", betheiligte. Er kann nur wegen der Verbreitung bestraft werden, wenn da« Blatt zur Zeit der Ver- breitung verbotm war. Rieß kann als Mitglied einer Ver- bindung nicht betrachtet werden; dafür ist kein Beweis erbracht. Die bloße Zusendung von Druckichriftm kann als Beweis nicht anerkannt werben. Er ist freizusprechen. Pfeiffer soll das»Gedenkblatt" verbreitet haben; die An- klage stützt sich aber nur auf die Aussage seines achtjährigen Sohnes, der überhaupt nur von Blättern sprach. Pfeiffer ist freizusprechen, v. Schemm soll Mitglied der geheimen Ver« bindung und Kassirer bes DruckschristenfondS fein. Es ist aber durch nichts erwiesen, daß das bei ihm gefundene Geld nicht sein Eigmthum war. Ich bin der Meinung, daß v. Echemm freigesprochen werden muß. Schneider hat verbotene Schriftm nicht verbreitet, nur einmal Osenberg ein Blatt zum Lesen ge- geben. Es muß Freisprechung erfolgen. Schürmann muß ebenfalls freigesprochen werden, da nicht festgestellt, daß er da« Flugblatt„An die Wähler Deutschlands" nach dem Verbot verbreitete, R-ichStagSabgeordneter Schumacher soll Theilnehmer der allgemeinen und örtlichen Verbindungen Barmen und Elber- selb sein; das sollm Briefe erweisen. Dieselben haben aber gar nicht diesen Inhalt. Schumacher war nicht Theilnehmer an einer geheimen Verbindung. Die Kongreßberichte hat er nur verkauft, als sie noch nicht verbotm waren. Daß er den Ueberschuß an Bebel ablieferte, ist keine Strafthat. Ich bean« trage Freisprechung. Ullenbaum ist die Tbeilnahme an einer geheimen Verbindung nicht nachgewiesen. Die Aussage Bleck- mann« kann gegm ihn nicht angeführt werden. Ich beantrage Freisprechung. Was dm Anoeklagtm Wind anbelanat, so war er durch den Beschluß der Rathskammer außer Verfolgung gesetzt. Der Staatsanwatt hat die Anklage nur aufrecht erhalten auf Grund der Ausfagm ferner Frau. Letztere kann aber nur aus Haß ausgesagt haben und wurde erst durch da« Dazwischmtretm der Polizei zum Z-ugniß veranlaßt. Der Aussage der Frau, die zum Haß ausgestachelt wurde, ist kein Werth beizulegen. Ich will nicht so weit gehen wie Wind, eS ist aber auffallend, daß bei der vlötzlichen Haussuchung die geheime Tinte nicht Sefunden wurde, bei einer späteren aber frei und offm da and. Das vom Staatsanwalt beantragte Strafmaß ist viel zu hoch. Bezüglich Winklers kann angenommen werdm, daß er da«»Gedenkblatt" verbreitete; weil es noch nicht verbotm war, ist die Verbreitung nicht strafbar. Die Theilnahme an geheimen Versammlungen oder an einer geheimen Verfamm- tung ist ihm nicht nachgewiesen. Ich beantrage Freisprechung. Ich resumire mich kurz dahin: Sie könnm da« Vorhandm- sein einer allgemeinen Verbindung nicht annehmen, auch nicht das Bestehen einer Verbindung im Sinne des Freiberger Ur- theils. Nur eine Art Verbindung zur Verbreitung de«„Soz." könnten Sie annehmen. Dasür hat aber die Verhandlung keinen Beweis erbracht. Von einer Verbindung der sogenanntm örtlichm Verwaltungm Elberfelds und Barmens mit der Fraktion kann keine Rede fein. Staatsanwalt Pinoff: Die Aeußerungen wegm der Autsage out Haß und Rache beziehen sich auf Anzeigen bei der Polizei. Rechtsanwalt Krüfemann: Während der ganzen Ver- Handlungen habe ich keine Beweitanttäge gestellt, die bat Privatleben von Beamten zum Gegenstand der Ditkuffion machten.— Aus den Darlegungen meiner Kollegen ist die Anklage in ihren wichtigsten Punkten widerlegt. Ich will mir erlauben, die juristrschen Gestchttpunkte näher in's Auge zu fassen, da e« nothwmdig ist, sich den juristischen Sinn zu de- wahren. Es wurden Zeitungsartikel, Kongreßberichte, Berichte von Polizeifpionm, dre für uns den Werlh anonymer Briefe haben, verlesen. Angesichts dieses Materials habe ich die Ver- pflichtung, auf die gesetzlichen Bestimmungen Hinzoweisen. Ich will zunächst auf die Verbreitung des„Gedenkblattes* hinweisen. Ich bin nicht der Anficht, daß dieselbe nach§ 131 strafbar sei. Verantwortlich als Verbreiter der Thaflachen ist nur der Verfasser, nicht der Verbreiter. Es muß sich ferner handeln um Verächtlichmachung von Staats- Einrichtungen. Das Flugblatt richtet sich aber nicht gegen feststehende Staatseinrichtungm, sondern nur gegen zufällige MajoritätS- aruppirungen des Reichstags. Es muß also deswegen Frei- sorechung erfolgen. � Ich komme nun zu der von der Anklage angenommenen allgemeinen Verbindung und verweise auf ein Reichsgerichts- urtheil. Hiernach kann bei der Frage der Verbindung nur in Frage kommen, daß die Verbindung den Zweck habe, den „Soz." zu verbreiten. Das Abonnement ist aber nicht strasbar. Wenn ich aber das Recht habe, es zu halten, so ist auch nicht strafbar, wenn ich Mittel und Wege suche, das Abonnement den Augen der Polizei zu verbergen, und z. B. Deck' vor abrissen anwende. Wenn ich mich einer andern Person be- diene, so ist dieselbe mir nicht behilflich zu einer strafbaren Handlung, sondern zu etwas Erlaubrem. Wenn ich mich eines Mitgliedes einer Verbindung bediene, so leiste ich nicht der Verbindung Hilfe, sondern dieselbe hiUt mir zu etwas Erlaubtem. So bediente sich ja auch Kommissar Wilfing Webers zum Bezug des„Soz". Zur strafbaren Verbreitung des Blattes ge- hört die Ueberlassung desselben an einen Dritten. Wenn ich 20 Eremplare zur Verbreitung davon habe und habe noch keinem Dritten das VerfügungSrecht darüber eingeräumt, so bin ich straflos; das ist schon durch Reichsgerichtsurlheil fest- gestellt. Wenn der Staatsanwalt die Anklage erhebt wegen allge- meiner geheimer Verbindung»ur Verbreitung des„Soz.", so kommen hier vier Punkte in Betracht: Die örtlichen Verwaltungen stehen mit der Fraktion in Verbindung, die Fraktion mit den anderen örtlichen Verbindungen: die Fraktion steht wieder unter Kontrole des Kongresses und dieser ganze ge- waltige Apparat dient zur Verbreitung des„Soz." Das hätte aber der Staatsanwalt beweisen müssen. Wo ist aber der Be- weis dafür erbracht worden? Von der großen Unzulänglich. keit unserer Polizeiorgane zur Beurtheilung dieser Frag« habe ich den größten Beweis erhalten, als Komm-ssar Kammhoff zum Schluß mit einem einfältigen Briefwechsel kam, der das Hauptbeweisstück sein sollte. Dieser Briefwechsel betrifft die Unter- stützung der Familie Schakow und bedarf gar keiner Erklärung. Gnllenberger wies einfach Harm an, für ihn die Unterstützung aus- zulegen; es sollte nachher verrechnet werden. Diese einmalige Handlung ist ein so natürlicher geschäftlicher Akt, daß ich nicht weiß, wie man daraus eine allgemein« Verbindung her- leiten will. Hunderte von ursprünglich Angeklagten wurden vernommen und von keinem ist nur daS Geringste bekundet worden, was das Bestehen einer allgemeinen Verbindung bestätigte. Fünf- hundert Zeugen find vernommen worden, Polizei spione, die in das Innerste der Partei eindrangen, wurden verhört, und in diesem Prozeß der ewzig dasteht, ist nichts von einem Zu- sammenhang der sogenannten örtlichen Verwaltungen mit der Fraktion bewiesen worden. Pfannkuch, Dr. Schönlank, Viereck haben eidlich bekundet, daß eine allgemeine Verbindung nicht existire. Glauben Sie, daß diese Personen einen Meineid schwören? Trauen Sie ihnen zu, daß sie die Verbindung leugnen würdrn, von der Zrhntausende wissen müßten? Die Führer der Sozialdemokratie haben m Deutschland Vieles zu Wege gebracht, aber einen solchen Apparat sollten sie aufbieten, um ein paar Blätter mehr in Deutschland zu ver- breiten? Sollten sie sich selbst, ihren eigenen deutschen Biättern Konkurrenz machen? Durch wenige Leute in den Haupt- zentren ist für Verbreitung des„Soz." genügend gesorgt. Wozu sollte der schwere Riesenapparat dabei dienen? Ja, ein solcher Apparat hätte Sinn, wenn wir vor der Revolution ständen und morgen die Kolonnen der Sozialdemokratie mar- schirten. Aber die ganze Verbindung besteht nur in der Phan- tafie der Staatsanwaltschaft. Aus Zeitungsartikeln will die Staatsanwaltschaft ableiten, daß der„Soz." Partcieiqenthum sei. Kann aber aus einem Zei- tungsartikel, wo von Absetzung des Redakteurs die Rede ist, der juristische Beweis erbracht werden, daß der«Soz." nicht Privateigenthum! sei. Ich erinnere an Vorgänge in anderen Parteien, z. B. die sogenannte Absetzung Mojunkes als Redakteur der«Germania" durch Windthorst. Es wird dann auf den Artikel«Organisirt Euch" hinge- wiesen. Der Artikel ist von 1880 und hat jedenfalls den Sinn, sich in Fachvereinen und dergl. zu organrsiren; es braucht doch kein Aufruf zur geheimen Organisation zu sein. Die Aufforderung zum Abonnement auf den«Soz." ist eine ganz berechtigte. So viel ich gesehen habe, find sämmtliche Artikel, die wirklich von der Fraktion ausgehen, mit den vollen Namen unterzeichnet. Die Erklärung Bebels über die Unter- schrift«Parteivertretung" ist also richtig. Die Aufforderung zur Verschwiegenheit ist natürlich bei den Verfolgungen, denen die Sozialdemokraten unterliegen. Es ist eine Mahnung an die Leute, ihr eigmes Interesse zu wahren. Pause von 20 Minuten. R.»A. Krüsemann(fortfahrend): Man hat darauf hingewiesen, daß im Januar 1887 der«Soz." zum Wahlfond 9C00 M. Ueberschüsse qmttirte. Aus nichts geht aber hervor, daß diese Summe als Ueberschuß gegeben werden mußte: die Inhaber des Blattes werden wohl die moralische Verpflichtung gefühlt haben, auch einmal finanziell für die Partei etwas zu thun. UebrigenS kann die Summe auch von Dritten gekom- men fein. Wäre»s denn auffällig, wenn der«So,.", welcher durch Verurtheilungen der Partei schon so viel Geld gekostet, einmal diese winzige Summe bezahlte? Ein wirklicher Ueber- schuß würde auch niemals gerade eine runde Summe aus- machen. Durch alles ist gerade der Beweis geführt, daß diese Gabe eine freiwillige war. Wenn man immer noch behaupten will, der«Soz." sei Eigenthum der Parteivertretung. so ver- weise ich auf die E klärungen, auf die Kongreßberickte und die eidlichen Aussagen PfannkuchS und Vierecks. Es ist der Be- weis erbracht, daß eine allgemeine Verbindung nicht eristirt und nicht existiren kann. Es kann angenommen werden, daß sich in den Haupt- zentren einige Personen zur Verbreitung des«Sozialdemokrat" zusommenthun und daß sie unterstützt werden durch den «Sozialdemokrat" in der Weise, daß er ihnen Deckadressen giebt und an Deckadrissen versendet. Es kann sich aber nur um örtliche Klubs handeln. Wenn andere Leute, die sich rein scheuen, öffentlich als Sozialdemokraten aufzutreten, derartige Deckadressen benutzen, so machen sie sich nicht der Begünstigung der Verbindung schuldig, sondern sie benutzen nur eine dritte Person zur Hilfe bei einer straflosen That. Für mich ist es ein Kapitalverbrechen, wenn der Freund dem Freunde die Treue bricht. Ich halte derjenigen, der sich in das Vertrauen Anderer einschleicht, um sie zu verrathen, für einen Schuft. Auf die Aussagen solcher Leute ist k.in Gewicht zu legen. Es ist das Hrupiprinup der Rcchtspfl ge. daß jeder Zeuge vor Gericht dem Angeklaaten gegenübergeSellt und«d- lich vernommen werden muß. Alle anderen Beweismittel find zu ignoriren. Es ist weniger daran gelegen, ob hundert Leute, wenn sie sich auch einmal eines Verstoßes gegen Gefftzesbe- stimmungen schuldig machen, ftrcflos ausgehen, als wenn das vielhundertjährige RechtSbewußlsein des Volkes erschültert wird. Der Staatsanwalt denkt sich die Partei als eine Heerde, die ohne Direktion neben einander herläuft. Eine solche Partei besteht aber nicht. Wenn irgend J-mand sich besonber« her- vorthut, so folgen Andere seiner Fühiung. DaS ist aber nicht das, was das Gesetz als eine Verbindung bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft sucht Erscheinungen des menschlichen LebcnS, die durch moralische Kraft hervorgerufen werden, als eine geheime Verbindung zu erklären. Zur Einberufung eines Kon- gresses bedarf es keiner Verbindung; dasselbe gilt von allen sogenannten Parteitagen. Hat das etwas mit einer Ver- binduvg zu thun? DaS Material hat auf mich den Eindruck gemacht, wie der Wahlspruch eines verstorbenen Lehrers:«Je mehr man Sand aufschüttet, desto weniger baut man Fundamente!" Ich komme nun auf die Strafzumessung. Es handest sich nur um Vergehen gegen ein Ausnahmegesetz, daS den Sozialdemokraten das untersagt, was andere ge- stattet ist. Ich bin kein Anhänger der Sozialdemokratie, ich bekämpfe sie. Aber wenn mir verboten würde, mich zu informiren, so würde ich mir doch die Jnformaiion zu verschaffen suchen. Unter den Angeklagten find viele lunge Leute, für die die Geheimnißthuerei einen gewissen Reiz hatte. Der hohe Gerichtshof wird bei einer ev. Veruriheilung Einzelner auch die lange Voruntersuchung, die wirth'chafllichen Nachtheile berücksichtigen und wenn Sie verurtheilen, auf ein weit niedrigeres Strafmaß erkennen, als das beantragte. Eine ganze Reihe von Angeklagten hat den«Soz." be- zogen, aber das Abonnement für straflos gehalten. Die meisten find beschuldigt nur durch Polizeiberichte. Ich beantrage für alle noch nicht speziell aufgeführten Angeklagten Freisprechung von der Anklage der Geheimbündelei. Für die Verbreitung eines Flugblattes liegt nichis Anderes vor, als die Aussoge des Wirthes Heuser, der der Polizei Berickie lieferte.— Da keiner der Ang-klagten h.ute das Wort verlangte und der Staatsanwalt Aufschub für feine Replik verlmgt, wogegen der R..A. Lenzmann jedoch Widerspruch erhebt, so ersucht der Staatsanwalt, daß Bebel vor ihm spreche, was dieser ablehnt. Der Staatsanwalt erklärt, daß er die Anklage ganz auf- recht erhalte. Es entspinnt sich nun eine längere Debatte, indem von der Vertheidigung gewünscht wird, daß die Verhandlung noch heute zu Ende geführt wird. Der Gerichtshof zieht sich zur Berathung zurück, als deren Resultat der Präsident verkündet, daß die Verhandlung auf Nachmittags 4s Uhr vertagt werde. (Fortsetzung ,n der Beilage.) Theater. Sonnabend, den 28. Dezember. Ozmmfe«»«» Die Hochzeit des Figaro. Keimrtptsthmr«. Ellen. Hierauf: Die Ge- fchwister. Zum Schluß: Die Prüfung. zsFtoS-GtzMto». Der Fall C emerceau. Ehrst»?. Der G'wissenswurm. Kroll's Theater. Der Königsgardist. #»»H*#* Theater. Hamlet. Hrtsdrtch> MUhet« ltahttsche««heates. Prinzessin Pirouette. Nsst»-«»-«h»at«». Schwiegermoma. Wattsisr-Uheater. Seine Haushälterin. Vor- her: Endlich. Kthtaria-Theate«. Stanley w Afrika. VM,«Sia»-»-«heatsr. Der Bürgermeister von Pinneberg. �»«t»«l.?h«at»». B-rolina. Ah-Wh Grnft-Theare». Flott«»eiber. 3»£»»S-Theater. Spuren im Sande. AtsretSstiidttM»»««heat»». Die Maschinen- bauer von Berlin. Gebr. Mirhtsr'« Uarickt«. Spezialitäten- Vorstellung. Urtchrha»»«- Theater. Gr. Spezialitäten- »o-stellung. Kaafman»'» Uaritte. Gr. Spezialitäten- Vorstellung. Oipcus Hmnxv Karlstraße. Heute, Sonnabend, den 28. Dezbr., Ab. Ts Uhr: I« dunklen GrdtKeU. (Einnahme»o« Kagamoya.) Große equestr. Origmal-Pantomime, arrangirt und in Szene gesetzt rom Dir. E. Renz. Großes Hurdle- Rennen, geritten v.Damen und Herren mit 24 Springpferden. 4fache Fahrschule. Ein hippol. Potpourri mit 32 FreiheitS pferden, drcss. u. voraef. v. Herrn Franz Ren». DaS Schulpferd Colmar, geritten von Frl. Clotilde Hager. Auf.reten der vorzügl. Reff künstlerinnen und Reilkünstler.— Morgen, Sonntag, 2 Vor- stellungen. 4 Uhr Natm. ein Kind frei. Auf vielseitiges Verlangen: Bacchus und GambrinuS. Abends 7j Uhr: Die lustigen Heidelberger. E. Renz, Direktor. Alhambra-Theater, Wallnerlheateistraße 15. Heute: Vt neuen Kostümen«. Dekorationen: Amorina, dieMarmorbraul Phantastisch-komische« Zauberschauspiel in 10 Bildern von P. Wied«. Musik von Theodor Franke. Entree 30 Pf. I. Balkon 30 Pf. II. Balkon 40 Pf. K. AniGrioan-Theater» tos»,»»tzn,»rstr». Täglich Vorstellung. Paffaye.4 X»._9 M.— 10 Uhr A Zum ersten Male: Zweite Reise durch da« fckiöne Epanten. Dritte Reise durch das Rteseng-birge. Erster Cyclu«: Pariser Weltausstellung. Eine Re'se 20 Pf., Kino nur 0 Pf. Abonn. Zum neuen Jahre Gratulationskarte« m« zu den feinsten Uitzkarten in g'ößter Auswahl empsiehlt ö. Ertel,(434 Bergmannstr. 14«. Lindenstr. 88(Hausflure) Cirous Busols KriedrtS-Kari-W-r Vorletzter Tag. Sonnabend, den 23. Dex-mber. Abends 7t Uhr: Croße Parade-Galll-VlirSellllllg bestehend aus 20 der großartigsten Nummern des RepertoirS. Sfache Postfahr-Schule ohne Zügel, geritten und dresfirt vom Direktor. doppelter Damen-Jock y, ausgef. von Fräulein Ma ia DorS und Margerithe. Elephant und 8 Hengste in Freiheit, vorgeführt v. Direkicr. L-tztes Mal: Eine Hubertusjagd im Grüne- wald. Auftr. d. Schulreiterin Elvira Guerra. Konkurrenz-Springen aller Clowns. Mr. Paul als Voltigeur. Ein Liebesspiel zu Pferd, ge- ritten v. Fr. Direkt. Busch und Frl. Maria Dorö. D-e Lufikünstlerin Fräulein Amalia. Morgen Sonntag: 2 große Dank- und Ab- schieds-Vor stellungen 4 u. 7t Uhr. 4 Uhr: 1 Kind frei. Die Abreise erfolgt Montag, den 30. d. M., F üh per Extra-Zua räch Warschau. Goldschmiede! Am 24. Dezember oe starb unser Kollege Hermann Haserich. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. Dezember, Nachmittag« präzife 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dom- kirchhofs, Müllersir. 72-73 aus statt. I. A: L. Henning, Rendan t. Allen Freunde« nnd Genossen zu- Nachricht, daß mein Weist- und Balrischdter- Lokal seit Weihnachten wegen Verkehrs anständig den- kender Arbeiter blos noch bis 11 Nor Abends geöffnet ist. Ich hoffe daher, daß Jrder nicht zu spät bei W. Spaet, Weinstr. 28, kommt.[429 RejiMmt H. Stramm, 123 Ritterstrasse 123, verbunden mit Fremden logiS. Herberge und Arbeitsnachweis des Vereins der Klempner. Empfehle meinen allbekann- ten vorzüglichen Frühstück-, MMag- und Abendtisch. Sonstige Speisen und Ge. tränke in bekannter Güte. Zwei Zimmer, passend zu Zahlstelle« und Arbeits- Nachweis, sieben zur Verfügung.(1440 Seit jo-, > vteino etwas jy,%%, c*"" v/t,>»aa at I' Sf ■Trinken s" fiden Sx Natur-Weine Oswald Hier %.%! 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Gegni drei Wahlen der letzten ErgänzunoS- wohl ist, wie der Magistrat mitiheilt, Widerspruch erhoben worden, und zwar gegen die Wahl im lt. Wabbez'rk 3. Ab- t Heilung(gewähü Zubeil); gegen die Wahl im 42. Wahlbezirk 3 Adtheiiung(gewählt Gründe!) und aegen die Wahl im 7. Wrhibezi'k 2. Abtheilung(gewählt Lüben). Nach der Ver- 'sügnng de« Oberpräfidenten blerben die alte Mandate bestehen, t« dte Versammlung die Proteste geprüft hat. Die alten Mandate sind in Händen der Stadtverordneten Pilzmann, Inner und Flasche.— Stadto. Jrmer nimmt daraufhin bis auf Weitere» U laub. Nach Eintritt in die Tagesordnung nimmt die Vecsamm- lung die Wahl der Mitglieder und der Ersatzmänner zur Einschätzunas« Kommission für die klassifizirte Einkommensteuer pro 1890/91 vor. Einige Rechnungen werben auf Antrag de« AnS- fchufle« für Rechnungssachen decharairt. Es folgt die Berichterstattung über die Vorlagen, betreffend die Skizzen zum Neubau») itncr Gemeir de- Doppelschule, d) einer höheren Bürgerlchule auf dem ehemaligen städtischen Friedhofe an der Fliedenstraße, c) einer Gemeinde-Doppel« schicke in der F-iedenstr. 33. Der Ausschuß beantragt: Die Versammlung genehmigt die Skizzen für den Bau der höheren Bürgerschule und der Gemeindeschule mit der Maßgabe, daß folgende Punkte be- rücksichtigt werden: 1. In der höheren Bürgerschul: soll ein Z-mmer zur Aufbewahrung der chemischer Unterrichtsmittel in der Nähe der physikalischen Klaffe emgerichtct werden. 2. Die Lechrerwohngebaude sollen neben einander gelegt werden. 3. Für die Gemeindeschule soll ein« Umlegung in der Weise ftattsinden, baß der mnere Hof fortfällt und so mehr Hofraum gewonnen wird. H crbei muß zugleich die Turnballe der Gemeindeschule umgelegt werden. Gegen die Skiz e zum Neubau einer Gemeinde-Topp lschule in der Friedenstraße 33 wurden im Ausschuß Einwendungen nicht erhoben, wohl aber wurde«ml« Reue der Antrag gestellt:»statt der pro- jektirten 38 Klassen 40 zu bauen*. Von Seiten der Srchuldehö! de, sowie von bautechnischer Sc'te wurde dieser An- trag zwar bekämpft, doch Izugegrben, daß es hier möglich fei, st.lt 38 Kleff, n 38 zu errichten. Eine vorgenommene Ab- ftimmung ergab:»d-m Plenum der Verlammlung zu empfehlen, «mf dem Grundstück.: Frredenftraße 33 eine Doppelschule mit 38 Kb-fsen einzurichten.* Stadto. Singer wünscht die prinzipielle Frage, die im Nusfchuß erö tert morden ist, ob 18 oder 20 Kiassen einem Rekror unterstellt werden sollen, im Plenum einer Be- sv echung zu unterziehen. Leider sei die Hallung des Magistrats in der vorliegenden Angelegenheit schwankend »«v w«ve»sr>ruch«voll aewesen. Bei der ersten Gemein beschule habe der Magistrat erklärt, daß e« nicht möglich sei, mehr als 18 Klassen einem Rektor zur Aussicht zu überlassen, hernach «der sei von ihm bei der zweiten in Frage stehenden Gemeinde- deppe. schule zugegeben worden, die Errichtung von 38 statt 38 Klassen sei angängig. Es sei dringend geboten, daß die Versammlung einmal prinz piell zu der Fraae Stellung nehme. Bisher habe er(Redner) den Ansichten d.s Magistrats in dieser Angeleaenheit zugestimmt, daß die Zahl der Klassen unter einem Rektor nicht übermäßig erhöht werden dürfe. Das sei pernd« im Interesse der Bevölkerung, aus d-r die Schüler der Gemeindeschulen hervorgehen, nothwendig. Oekonomische Rück- sichten dürsten hierbei nicht maßgebend sein. Die Schweiz mite zwar von den Offiziösen als wildes Land verschrieen, Ii« Versammlung werde aber zugeben, daß sie«in auSae- HeubnetkS Schulwesen besitze. Sie verdanke dieses Er- gebt, iß dem Umstände, daß sie nie gespart habe, wenn es Ausgaben für die Schule gast, Sparsamkeit, bei den Gemeindcichulen angewandt, trage keine guten Zinsen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 7'/« Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. »«»i Schulst cssen zu beaufsichtigen. Redner beantragt, daß die Magistraisvorlaoe betreffend der Skizzen zum Neubau einer Geweindedoppelfchule in der Frieden Itr. 33 wieder hergestellt »erde und daß der Magistrat vielleicht ersucht werde, durch «ne prinzipielle Vorlage diese Angelegenheit bündig und gründ- lich zu erledigen. Sladibcurath Blankenstein«klärt, daß'nur von bau- technischer Seite seitens de« Maaistrats zugegeben worden sei, dcß die Errichtung von 38 Klosscn möglich sei und bittet im ndrrgr», d,m Antrag Singer zuzustimmen. Stadlschulrath Bertram gi. dt zu, daß e» sich im vor- liegend«« Falle um ein Kompromiß handele. Wenn e« dcm Stadto. Singer gelingen sollte, die Versammlung dahin zu dringen, einen prinzipiellen Beschluß in dieser Angelegenheit 3« fassen, so wäre Schul- und Bauverwaitung dankbar dafür. Etodtr. Haesicke weist darauf hm, daß gerade für die Gemeindeschnlen»enorm viel Geld* ausgegeben werde und txantragt deshalb für beide Gememdedoppelschulen statt 36 und 38 de« Errichtung von 40 Klassen. Etadtv. Langerhans bestreitet die Richtigkeit der Singer'schen Voraussetzungen und wnst den Vornurf zurück, t>«ß vi« Gemeinde jemals nothwendige Ausgaben für Gemeinde- schulen zulückgewiesen habe. Etadtv. Singer erwidert, der Vorredner habe absichtlich Tein praktische Diff.renzpunkte als aktuelle Gegensatz« hmge- tiTii. In seinen(Redner«) Ausführungen sei kein Wort des Vorwurfs zu finden, daß die Stadt ihre Pflicht im Bau von Gemeindeschnlen vernachlässige. Nachdem r och einige Redner gesprochen, Stadlschulrath Bertram hieibei«. a. erklärt, daß d.n Magistrat Erfahrungen, tte er im Sullen gemacht, veranlaßt hätten, auf eine Vermin- beruna der Zahl der Klassen zu dringen, werden die Anträge be« Ausschuffe« unter Ablehnung aller Abände- �««gSan träge angenommen. Die eine Gemeindedoppel- schule wird demgemäß 38 die andere 38 Klaffen umfassen. Eine Reih« weilerer Vorlagen wird unverändert ange- nvmwm. Eine Anfrage der Sladtv. E ß m a n n und Genossen, betreffend den Umbau der Kottbuserbrücke wird vom Stadtbaurath Hobrecht dahin beantwortet, daß die Roth- «vnd'gkeit de« Umbau« anerkannt werde und daß im Etat von 1890/91 die erste Rate von 100000 M. für den Umbau ge- werde. Emigr Rechnungen«erden an den ständige« Ausschuß »erwiesru. W-ihnachtaabrud im Irrenhause. Der kurze Winter. tag nngt sich seinem Ende zu. In dem hohen schönen Ge. mach, weledeS zur Abhaltung gemeinschaftlicher Feierlichkeiten bestimmt ist, herrscht tiefe Stille. E n Anstaltsdiener hat soeben den großen Kronenleuchter angezündet, eine wohlthuende gedämpfte H-lle durckflnthet den Saal. Es ist ein länglich viereckiger, einfach edler Raum, der ficki dem Beschauer bietet. Die Hohen Bogenfenster find sein schönster Schmuck. Zwei Reihen Bänke mit hohen Lehnen th-ilen ihn in zwei gleiche Hälften. Am Ende des Saales eine Erhöhung mit einem einfachen Altar und davor ein herrlicker, mit Hunderten von Kerzen ge- schmückter Tannenbaum. Er strömt jenen eigenlhllmlichen würzigen Duft aus. den kein anderer Wohlgeruch, und sei es der kostbarste der Welt, zu ersetzen vermag. Die Flügelthüren werden«öffnet, durch die mit Matten belegten, hellen, lustigen Korridore nähern sich die Kranken der Dalldorf«: J-renanstalt. Zuerst die weiblichen Insassen. Smd da« Kranke, die in so würdiger, keineswegs überhasteter Weise den Saal betreten, welche rubrg die Plätze auf der rechten Seite einnehmen? Welcher N-ckteingeweihte soll es bemerken, daß sich unter den etwa 150 werblichen Besuchern mindesten« 20 Wärterinnen de sin den, die sich so unter die Sitzenden vertheilen, daß sie die ihrer Obhut Anvertrauten stets im Auge behalten können? Gleich darauf«scheinen die männ'i-ben Krarken. Welch' reiche Ausbeute für einen Maler von Charalt«köpsen! Da ist ein etwa 80jähriger Mann in ärmlich«, eigen« Kleidung, mit prächtigem lang herab wallendem Vollbart; ein wahr« Apostelkopf! Jungen fein. getlerdeten Männern mit aristokratischem Gesicht, wohkg pflegten Händen und in elegantester Toilette folgen wettnharte Arbeit«- gestalten, die sich beim Anblicke de« Tannenbaumes eine Thräne au« dcm Auge wischen; da kommt ein Mann, dem man den Bö sianer auf den ersten Blick ansieht und dann mied« eine hübsche jugendfrische Erscheinung. Er ist Schauspiel« gewesen. Welch' eine Menge von unoerdrenlem Unglück und unbeschreiblichem Jammer, welch' traurige Resultate von verkehrter Er- ziehnna, welch' zügellose Leidenschaften mögen diese Aermsten aller Armen an diesen Ort gebracht haben? Die Wärter, welche nur an ein« feinen weißen Schnur auf der Achsel kenntlich find, wenden kein Auge von ihren Pflegebefohlenen, kann doch der Anblick des Tannenbaums und die Mackt auf- tauchend« Erinnerungen gar leicht den schlummernden Dämon wachrufen und eine unliebsame Szene herbeiführen. Aber alles verläuft ruhig und ohne Störung, die anfängliche Aufregung legt sich bald. An der AuSgangSihür haben der Direktor der Anstalt, der Medizinalrath Dr. Sanders und der Ob«inlpektor Hagem eier Platz aenommen. Die Kranken unterhalten sich flüsternd mit ehren Nackbarn. Da— mättig braust der Gesang kräftiger, sonorer Männerstimmen durch den Saal, helle, süß klingende Frauenstimmen fallen ein und in unbeschreiblich schöner Harmonie tönt die b-kannieWeih- nachtS-Motette in dem»Und den Menschen ein Wohlgefallen* au». Geisteskranke find die Sänger, welche unt« der Leitung des Anltaltslehrns ausgebildet worden sind. Beim Beginn de« Gesanges drehen sich hunderte von Köpfen nach der Em- pore um, auf welcher d« gemischte Chor Ausstellung genommen, die Augen glänzen unruhig, die Gefichter find erregt, die Wächt« verdoppeln ibreAufmerlfamkeit. Aber auch diese Aufregung geht ohne Störung vvlüber, andächtig hören die unten Sitzenden dem Vortrage ihrer stimmbegabten Leidensgenossen zu. Dann tritt ein junges, etwa 18 jähriges Mädchen vor den Tannenbaum. Sie ist in Wnß gekleidet, eine Fülle schwarz» Locken umrahmt das feingeschnittene, hübsche Geficht. Sie deklamirt ein einfaches Wnhnachtsgedicht; sie fühlt, was sie sagt, die Zuhörer falten die Hände. Sie ist geisteskrank wie idre Nachfolgerin, eine elw, 40 jährige Frau in blauleinenem Gewände, die ein anderes Gedicht vorträgt, welches von still« Ergecunq und Entsagung predigt. Wer könnte da uno«übrt binden?—»Stille Nacht, heilige Nacht!* AIS d« gemischte Chor noch beendigt« Pr-digt einstimmig ein- setzt, fingt Alle« mit; viele lassen ihren Thränen freien Lauf. Wie viele Väter unv Mütter mögen unt« den Anwesenden sein, welche ihrer von ihnen geirennten Kinder gedenken? Run zur Beschenung. W e sie gekommen, so verlassen die Kranken die Kapelle, zuerst die Frauen, dann die Männer. An d« AusgangSthür haben derDiitk orundderOberinspektor Aufstellung aer o nmen, welche die bescheidenen, theils achtungSrollen, theil« harmlos vertraulichen Grüß« der Kranken in der freundlichsten Weise ernidnn. Mit welch' aufrichtiger Freude, mit welch' unbegrenztem Vertrauen bücken die Armen zu ihren Beschützern und Wohlthälern empor! Der Oberinspektor giebt Vielen die Hand, bejondtlS den Annen und Alien. Wie ihre Augen dann leuchten vor Stolz und Dankbarkeit! Die weiblichen Kronken wust.rn din ihnen unbekannten Gast mit unverhoblener NtUsti«de.»Alle« Fremde beunruhigt sie,* erklärt der Ober« infprltor,»wir suchen den Besuch deshalb möglichst zu de- schiärken.* In 4 aneinander stoßenden Sälen ist den Kran km aufgebaut. Jeder von ihnen ist aufgefordert wordm, seine Wünsche voiher auf einen Zettel zu schreiben und so weit es ar gängig war, find sie berücksichtigt wordm. Hier sieht man ftnlich, daß die Befcheerten sich nicht wie geistig normal ver- anlagte Mmschen benehmen. Allerdings leuchtet Freude und Zusriedenbeit auf dm meisten Gesichtern, aber wie sond«bar ist ta« Benehmen der Beschenkten. Em« versucht mit errst« Mie> e, ob die ihm zuerthcilte lange Pfeife auch Lust hat. da « lad« ab« gleichzeilig mit großem Elfer an einem Apfel kaut, so bereitet ihm da« Experiment einige Schwierig- k.itm. Ein and«er steht wies verzückt vor all' den H«rlichke«tm, die ihm aufgebaut wurden, er wagt nicht sie zu berühren und ihm muß emdringlich zugeredet werden, st- an sich zu nehmen. Em Dritter bat sich einen Sack mit- gebracht, in welchen er alle ihm zu Theil gewordmen Gegen- stände bunt durcheinander und mit fabelhafter Schnelligkeit bineivpackit, kiampshaft hält er seinen Schatz in der Rechlen fest und eilt damit nach seiner Stube, um ihn in Sicherheit zu dringm.»Hier ist Alles drin, Herr Obennlp-ktor*, meint « triuwphirmd im Vorbeigehtn. Auch den Wünschen der weiblichen Krankm ist möglichst Rechnung getragen worden. Sie«halten Tücher. Handschuhe,. Schleifen, Rüschen und Kämme oder wa« sie sich sonst gewünscht haben, außer Stollen, Acpfeln und Rüssen. D« Obennspeklor hat viele Danksagun- gm mtgegenzunehinm. Fast alle Krank« find anscheinmd glucklich und zufrieden. Rur eine ältere Dame fitzt in einer Fmsterviicht und starrt theilnahmlo« vor sich hin. Ihre Rechte wühlt krampfhaft in den ergrauenden Haaren, ihr Blick ist wirr, sie ist«u Bild der Verziveifliing. Der B.-such« will an den freundlichen Oberinspektor eine Frage richten, dies« kommt ihm zuvor und zieht ihn vorüber an der Unglücklichen. »Schonung den Kranken* steht auf seinem milden Gesicht geschrieben und»Schonung, Liebe und Geduld* sind die leitenden Grundsätze, welche in der Dalldorfer Jrren-Anstalt in«ster Linie zum Ausdruck gelangen. Auch eine Wrihnachtobescheernng. Die verflossenen WeihnachlSfeiertage haben der arbeiienden Bevölkerung Berlins wiederum gezeigt, wie ihnen jede Erleicht«ung beim Einkauf der Waaren genommen wird. Wohl in den meisten Kolonial- waarenläden prangte ein Plakat, daß Weihnachtsgeschenke nicht mehr gegeben werden. Keine Arbeiterfrau wird nun daS sonst zu Weihnachten gegebene halbe Pfund Zucker od« Kaffee al« Geschenk, sondern nur als kleinen Rabatt auf die im ganzen Jahre gekauften Waarm genommen haben. Geschenkt war nie etwas dabei, da jede Frau der sogenannten besser siluirten Klassen, welche ihren Bedarf in größeren Ouautitälen«inkauft, die Waaren weit billiger«hält, wie die arme Frau, welche nur nach Pfennigen kaufen kann. Auch auf einen Rabatt ver- zichten die Arbeiter, aber sie verlangen, daß sie die Waare nicht lheurer bezahlen wie die Bourgeoisie, denn wenn die Pro- letarierfrau auch nur in kleinsten Quantiläien einkauft, sie verbraucht, namentlich bei einer großen Familie, nicht wenig« wie die Bürgersfrau, welche den Zucker im Hut oder andere Waare ich Kilogrammen kauft. Niederträchtig ist jedoch, wmn ein Kolonialwaarenhändler im Süd-Westen einem Mädchen auf die Frage nach dem Weihnachtsgeschenk die Antwort aiedl: »Ja, einen Puckel voll Prügel kannst Du kriegen.* Mögen die Berlin« Arbeiter die Antwort nicht schuldig bleiben und die Handlungsgehilfen und Hausdiener, welche nach Neujahr einen Boykott d« jenigen Geschüste eröffnen, welche Sonntag Nachmittag und Wochentag« nach 8 Uhr Abends nicht schließen, thatkrästigst unterstützen. Di« Ne«iahrsdicht«r haben die Weihnacht«- poeten abgelöst und ihre Werke sind die gesuchtesten. Die RevjahrSdichler sind entschieden glücklich« daran, al« ihre Pfefferkachen-Kollegen, denn das Feld ihrer Thäligkeit ist ein bedeutend erweiterte«, und während die Weihnachtkpoeten ihre Hauptpointe in einer derben Komik zu suchen haben, glänzen die ReujahrSdicht« durch eine feine Salyre und strlvollen Humor. Tie Neujahrsindustrie hat einen ungeahnten Auf- schwung erhalten, die Luxus Papierfabriken find emsig bemüht, durch Engagement der tüchtigsten Kräkte das Hervorragendste zu leisten. Einige der diesjährigen Witzesfunken mögen hier Platz finden, deren Illustration man sich leicht aus den de- treffenden Versen vergegenwärtigen kavn. Den unv«mkidlichen Pantoffelhelden behandelt folgende Karte: Du bist fürwahr ein braver Mann! Zu Allem man Dich brauchen kann— Und war' es schliwmlien Falles Als Mädchen auch für Alles. D« alten Jungfer sind folgende zwei Strophen gewidmet 1. Paukst Du'S Klavier auch noch so sehr Und singst, gleich wie'ne Wachtel— In Dich verliebt sich Keiner mehr— Du bleibst'ne alte Schachtel. 2. Einst ließest Du sie alle steh'n, Heul' nimmst Du Jeden unbrfeh'n— Es komm', was will— ist's nur ein Mann, Der bietet Herz und Hand Dir an! Von den stillen Ehestandsfreuden plaudern folgende Verse: 1. Der Menschen olücklichster auf Erden Wirst mit der Zeit Du sich« werden, Da Dir ein Hausfreund mit Geschick Hilft fördern daS Familienglück. 2. Frau Storch ist doch ein liebes Thier, Sie meint das wirklich gut mit Dir! Sie bringt Dir auch in diesem Jabr Ein kreurveranügtes Zwillingspaar! Die Liebe behandeln solaende Strophen: 1. Spiele nicht mit Männerkerzen, Fürchte stets verschmäht« Liebe! Jeder läßt nicht mit sich scherzen, Schließlich setzt es— derbe Hiebe! 2. Die Männerwelt zwar nach Dir rennt Und ist von Deinem Reiz entzückt— Jedoch, wer Dich erst näher kennt— Der weiß bald, wo der Schuh Dich drückt! 3. Ein Jünalmg hier sich vor Dir stellt— Er ist, wie aus dem Ei gepellt! Kannst Dich an seinem Anblick laben— Du liebst ja solche Musterknaben! Zum Schluffe möge auch der Trinker nicht vngesscn sein, welchem folgende Verse gewidmet sind: Deine Sorgen froh ertränke In de« B eres braun« Fluih— Doch die Folpen stets bedenke— Gräßl'cki ist des Katers Wuih! Iloiti ist dl« Untersuchung gegen den jugendlichen Mörder Carlsburg nicht abgeschlossen, noch find die Thäier de« grauenvollen Morde« in der EberSwalderstraße nickt entdeckt, und abermals verbreitet sich die Kunde von einem Raubmord. Die blutige That ist in dem benachbarten Tempelhof auf dcm Gehöft des Ackerbürgers Hennia, Lankwitzerweg 2, verübt worden. Bei Hennig pflegte der Milchfuhr mann Lust, ein noch junger Mensch, welcher auf dem R-itergut Groß-Kienitz be« dienstet war, auszuspannen, wenn er von Berlin nach Temp-l- hos zurückkam. Am Montag Morgen kehrte Lust, wie gewöhn- lit und zwar um fünf Uhr, bei Hennig ein und legte sich im Stall an gewohnter Stelle zur Ruh«. Rur wenige Schritte davon entfernt schlief der Knecht Hennig's Chrrstian Groß. Mit einem Kartoffelfchälmeffcr hat dieser bei dem Schein d« recht« von dem schlafenden Lust hängenden Stolllampe demselben zwei Siiche in die Unke Schläfe versetzt. Ais Frau Hennig um secks Uhr nach dem Stalle kam, wunderte sie sich, daß nur der Knecht ihren Gruß erwiderte, während Lust nur dumpf röchelte. Freu Hennig ahnte indiß noch nichts und b«eit«te den Kaffee; als sie diesen nach dcm Stalle brachte, fand fie den Lust nicht mehr auf seiner Lagerstätte. Groß, mit dem fie darüber sprach, meinte:„Wenn dem nur nicht« vassirt ist, der hat gestern«in paar hundert Thal« geholt.* Inzwischen war es sieben Uhr geworden. Als Frau Hennig beunruhigt, ihren Schwiegersohn Herrn Hecht rufen ging, kam ihr der Knecht Groß entgeven und führte sie nach einer 200 Schritte hint« dem Grundslücke liegenden Kiesgrube, wo er ihr den in einer Blutlache liegen- den Leichnam des Lust zeiate. Nunmehr wurde der Gendarm Tänzer gerufen. Dre bei Frau Hennig gerade anwesende Frau Brerverleger Schneider hatte mittlerweile den Groß be- obachtet, wie derselbe Geld zählte, sie theilte sofort dem an der Kiesgrube stehenden Gendarm ihre Beobachtung mit. Da auch die zur Grube führenden Fußspuren mit den Pantinen des Groß übereinstimmten, sagte der Gendaim Tänz« dem Groß den Mord auf den Kopf zu. Jetzi aekand Groß die That ein. Der Mörder ist am 1. Mai 1818 zu Ä'.rfH)!»/ Kreis KotlkuS, geboren. Mährend die Leiche de» Last nach dem Tempeihofer Leichenschauhause überführt wurde, wurde Groß, an den Händcn aefcfselt, nach dem AmtSgesäng- niß überführt, wo er sich auch heute noch bl findet. Durch den Gendarm Höhne wurde am Thatorte, im Stalle die blutige Mütze des Ermordeten und eine Keule gefunden, mit der, da G. fich in seinen Mitlheilungen über die Ausführung der That in Wideisprüche verwickelt, nach der Annahme der mit der Untersuchung Beschäftigten, der Mörder das Kartoffelschal- messer in die Schläfe des Lust getrieben hat. Das in einem Dünger« Haufen verscharrte Geld des Ermordeten, 394 Mark, wurde bereits gestern Abend aufgefunden. Der Ermordete war 23 Jahre und hatte, um nach Neujahr seine Braut Heirathen zu können, sehr sparsam gelebt. Der Mörder, Christran Grob, steht etwa im gleichen Alter, wie das Opfer seiner grausamen Habgier; als sein Geburtsort wird Kackcow bei KottbuS angegeben. Groß diente seit September d. I. bei Hennig; er ist von keineswegs vertrauenerweckendem Aussehen und soll, obgleich ferst 21 Jahre alt, auch schon mehrmals wegen Diebstahls bestraft worden sein. Die tägliche Einkehr des Groß Kienitzer Milchfuhrmanns im Hennig'schen Geschäfi hatte zu einem freundlichen Verkehr des Elfteren mit dem Knechte Groß geführt, und Letzterer wußte, wie das „Kl. J." berichtet,, daß Lust seine Ersparnisse stets bei sich zu führen pflegte,„damit sie ihm nicht gestohlen würden"(wie er zu äußern pflegte). Lust war ein sehr sparsamer, fleißiger und haushälterischer Mann. An dem Tage der Katastrophe hatte er, wie schon erwähnt, in leinenem Beutel 394 M. 20 Pf. aus Berlin mitgebracht, und Groß hatte dies bemerkt. Nachdem Lust sich nach fünf Uhr Morgens zur Ruhe begeben, ist er lebendigZ nicht wieder gesehen worden. Dem Schwieger« söhn der Frau H cnnig, Herrn Hecht, gegenüber erklärte Groß, Lust habe Andeutungen gemacht, als wolle er. um noch Weihnacht-einkäufe zu besorgen, nochmals nach Berlin zurück;„vielleicht fei derselbe mit der Pferdebahn hinüber« gerutscht/' meinte der Knecht. Als auch nach 2 Uhr Nach« mittags der Milchfuhrmann noch nicht wieder zum Vorschein gekommen war, benachrichtigte Herr Hennig den Gendarmerie« wachtmerster Tänzir vom Verschwinden Lust'S. Der Wachtmeister ging mit zu dem Hennig'schen Gehöfte, traf dort den Knecht Groß, und dieser erzählte jetzt, der vermißte Milch« katscher liege in den Hennig'schen Kiesgruben; dort hätten auch einige Kinder den„betrunkenen" Menschen liegen sehen. Kurz vorher hatte Groß dieselbe Mittheilung einem Knechte aus Mariendorf gemacht, aber mit dem Unterschiede, daß er diesem gegenüber von der Leiche Lust'S ge« sprachen, welcher er(Groß) soeben in den Kiesgruben ganz nahe an der Chaussee gefunden; der Maliendorfer Knecht hatte dies sofort im Hennig'schen Haus« gemeldet. Dieser Widerspruch in Groß' Angaben fiel dem Wachtmeister sofort auf, und er veranlaßte nun den Knecht Groß, mit zu der etwa 200 Schritte entfernten Kiesgrube zu gehen; so wenig fich Groß auch Anfangs zu dieser Begleitung geneigt zeigte, fürte er sich doch der Weisung, ohne weitere Bewegung zu verrathen. Auch als Wachtmeister Tänzer nach Auffindung des Leichnams den Mörder veranlaßte, die Holzpantinen auszuziehen, und als die- selben genau in die vom Hennig'schen Hofe her zu der Fund- grübe führenden Fußspuren paßten, blieb Groß ziemlich kalt- blutig und bebauptel« bei dem an der Leiche angestellten Ver« höre, er habe den Milchkulfcher zuletzt um 6% Uhr gesehen, als er denselben weckte; er verschwieg auch nicht, daß ihm Lust früh Morgens beim Ausschirren der Pferde einen gefüllten Geldbeutel vor die Augen gehalten mit der Bemerkung, „das wäre ein ganz hübschtZ Weihnachtsgeschenk, wenn man'S nur kriegte."— Auf Verlangen zeigte Groß auch dem Wachtmeister ganz ruhig sein Taschenmesser. Die Fe-ßtopfen und die Karrenspur von Hennig's Hof bis zu dem Platze, wo Lust'S Leiche lag, dazu die Unsicherheit m Groß' Angaben waren verdächtig genug, und als nun auch die That- fache, daß Groß in der Waschküche eine ziemliche Summe Geldes gezählt, den bei den Kiesgruben verfammcltcn Leuten und Herrn Tänzer gemeldet wurde, sagte dieser dem Groß die Mordthat auf den Kopf zu. und der Mörder leugnete nicht länger. Rasch wurden ihm Handschellen angelegt, und gefesselt mußte er den Rückweg antreten. Bei der Untersuchung der Stelle, wo die Lerche lag und ebenso auf dem Wege dorthin wie auf dem Riick oege hatte übcigens der Beamte Sorge getragen, daß dre Fußspuren vollkommen unberührt blieben. Be- vor Groß den Weg zu den Kiesgruben mit dem Wachtmeister antreten mußt-, hatte sich dieser noch von dem Knechte die Stelle, wo Luft sich gewöhnlich niederlegte, zeigen lassen; hierbei waren dem Auge des Beamten einige, freilich nur ganz geringfügige Blutsvuren an der Lagerstätte nicht ent- gangen. Auf dem Rückwege nach Hennigs Hos hatte sich schon eine ziemlich zahlreiche Begleitung dem Zuge angeschlossen, aus welcher Drohungen gegen den Mordgesellen laut wurden. Der Gefangene wurde daher zunächst in Hennigs Scheune gebracht und so den Blicken der empörten Menge entzogen. Anfangs hatte er seine Unlhat al« eine That zorniger Uebereilung zu entschuldigen versucht; Lust habe ihn durch allerlei Redensarten gereizt, so daß er schlreßlrch in rasender Wuth mit dem Messe: auf denselben eingedrungen sei. Jetzt in der Scheune ließ fich Groß zu dem weiteren G-stäudmß herbei, daß nicht der Jähzorn, daß nur Habgier den Ar trieb zu der kaltblütigen Ab!chlach!ung des schlafenden MilchsuhrmannS gegeben heb:. Er beschrieb nun auch den blutigen Vorgang im Einzelnen: Das Gel- habe ihn gereizt; als Lust schlief, sei er demselben, die Slallloterne in der Hand, ans der Leiter nachgestiegen, und als er dem Schlafenden mrt voller Gewalt ein paar Mal das Messer in die Schläfe gestoßen, habe derselbe sich kaum noch geregt, auch keinen Laur mehr von sich gegeben. Dann habe er den Tobten in den Hof hinabgestürzt und aus der Karre in die Kiesgrube ge- fahren. Mit dem geraubten Gelds habe er eme WeihnachtS- resse nach seiner Heimath antreten wollen.— Damit war es nun nich Z; vielmehr mußte der Minder nun gefesselr den Weg in das Tempelhofer AmlSgesängnrß antreten. Dort hat er sich auch bequemt, das Versteck semer Beute anzugeben. Daß man die gerauvre Summe vollständig an drm von dem Mörder be- zeichneten Otte autgefunden, ist unfern Lesern bemis bekannt. Am Donnerstag Vormittag hat die Obduklion der Leiche des Ermordete» im Tempelhofer Leichenschauhause, wohin dieselbe von der Kiesgrube aus gebrait worden war, stattgefunden; Groß mußt- dem grausigen Akte beiwohnen und that dies, ohne irgend weiche tiefere Gimüthsbeweanng zu verrathen. Groß sieht seiner Ueberführung in das Moalit-r Gefängniß entgegen, nachdem er gestem Vormittag noch m Tempilhof von Serien der Kommission, welche den Thatort und die Fundstelle d-r Leiche einer genauen Besichtigung unterzog, ernem weiteren Verhör unterzogen worden ist. f tv Raubmörder des Zigarrenhändlrro Lehmann hartstteitbnrg i!t ermuteit. Im Geichäflslvkal des Vernnnlückien war ein Seitens eines Schlosser Behrcnd an demselben gerichteter Brief vorgefunden worden. In dem- selben benachrichtigt B. dem L., daß er ihn am Abend(der That) zum Z-veck- des gemeinschaftlichen Besuches einer Dirne abholen weroe. Bchrend, der bei Verwandten wohnt und, gleich anderen Verdächtigen, obfervirt wurde, hatte so bedenk- liche Aeußerungkn gelhan, daß die Polizei am Sonntag Mor- gen zu seiner Vcrhastung zu schreiten sich veranlaßt sah. B. hat den Mordversuch sowie den Raub eingestanden. Der Weihnachtsabeud ist vergangen, ohne daß einer der Tausende von Werdnachtsbäumen ein Brandunzlück ver- anlaßt hat. Am ersten Feiertag früh hatte dagegen die Feuer- wehr recht anstrengend zu thun. In früher Morgenstunde brannte ein Preßkohlenlager am Görlitz«? Bahi plotz, dann war in vlerstündtger Löscharbeit in der Essasserstraße 20 ein Dach- stuhlbrand zu bekämpfen. Urania. Es werden die Sonterrorstrllungrn für Arbeiter fortab jeden Sonntag früh von 8 Uhr an in der Urania statt« finden. Es wird um pünktliches Erscheinen zur Vermeidung von Störungen des von dem Direktor der Sternwarte, Prof. Förster, gehaltenen Vortrages ersucht. Die Veieinsvor stände wollen fich behufs Vorzeichnungen und Empfangnahme von Billets(a 20 Pf.) schleunigst an Rechti'anwalt Arthur Stadt« Hagen LandSbergerstr. 82, wenden. Die ueue» Straßenposte», über welch« wir bei ihrer Einführung eine kurze baibamtlrche Nachricht brachten, finden jetzt eine ausführliche Darstellung in dem„Archiv für Post und Telegraphre", die interessante Einzelheiten enthält. Die Einsammlung und Bestellung der Stadtdriefe heißt s dort, wird von 47 Postämtern besorgt, welche über das 60 Quadratkilometer große Stadtgebiet in ziemlich gleichen Abständen ver« theilt find. Die täglich« Durchschnittszahl der Berliner Stadt- briefe(nur aus der Stadt für die Stadt) beträgt rund 150 000 Siück. Zu ihrer Einlieferung find 750 Briefkasten auf.estrllt, btren Leerung von Morgens 4 Uhr bis Abends 10 Uhr täglich 15 Mal erfolgt. Die Stadlbriefe werden ge« meinschaftlieb mit den von auswärts eingegangenen Brief- fendungen täglich von Ii Uhr früh bis 8 Uhr Abends 12 Mal an die Empfänger bestellt. B-Sher wurden die Stadtbriefe stündlich durch Briefkariole fämmtlich auf das Stadt-Postamt geschafft, dort vertheilt und ebenfall» stündlich an die Bestellpostanstalt gebracht. Diese» Verfahren hatte jedoch den Nachtherl,>0aß die B.i.-fe, namentlich aber solche, deren Empfänger ganz in der Nähe der Aufgabe. Poßanstalt wohnten, zunächst zum Sladt-Postcmt geschafft, dort sortirt und dann erst, oft auf demselben Wege zurück, nach der Bestell- Postanstalt gebracht wurden. Dies verursachte einen Zeitauf« wand von durchschnittlich Itz Stunden. Deshalb wurden die Kariolpost-Wögelchen in fahrende Postämter verwandelt(das heißt für die Stunden der eigentlichen Geschästszeit von 10 Uhr Vormittags bis 7 Uhr Abends. Während der übrigen Zeit, sowie Sonn- und Feiertags verkehren die asten Kariolposten). In diesen Straßcnpostwaoen werden die Briefe während der Fahrt nach den 47 Bestrll-Postömt.rn sortirt, gestempelt und die unfrankirten„auStoxirt". Je von Amt zu Amt muß die Behandlung vollendet fein. Auf dem Stadt.Postamte treffen die Wagen zusammen, um die Briefe au- zu- tauschen und nach den Endpunk.en zurückwfübren. Folgende Linien führen nach dem Stadtpostamt: 1) ,I.W..@trcßnipoii" von der Steinmetzstraß«(Postamt 57) über Postamt 35. (PotSdamerstraße), 9.(Potsdamer Bahnhof), 41, und 8, 2)„II. W.-Straßenpost" von der Kurfm stenstraße(Postamt 62) über Postamt 10., 9.(Potsdamer Bahnhof), 64.(Unter den Linden) und 56. 3)„t. LlV.-Straßenpost" von Amt 61.(Belle« allianceplatz) über Amt 13., 68.(Aste Jakobstraße) und 19. 4)„ll. SVV.-Straßerpnit" von Amt 47.(Hagelkbergerstraße) über Amt 29., 61.(Belleallianeeplatz), 48., II.(Anhalter Bahnhof). 5)„L.-Straßenpost" von der Grimmstraße(Amt 59.) über 42(Prinzesfinnenstraßt), 26. und 14.(Neue Roß. straße). 6)„LO.-Straßenpost" vom Görlitzer Bahnhof(Amt 36.) über 33. und 16.(Köpnickerstraße). 7)„O.-Straßenpost" vom Schiefischen Bahnhof(Amt 17.) über 27.(Wallner- tdeaterstraße). 8)„NO-Straßenpost" vm der Frankfurter Allee(Amt 34.) über 18, 43. und 25.(Königsgraben) 9)„ll. N.-Straßenpost" von der Danzige, straße(Amt 58.) über 37., 54.(Lothringerstraße) und 22. 10)„I. N.-Straßenpost" von der Schulstraße(Amt 65.) über 39.(Wedding), 4.(Stettiner Bahnhof) und 24. 1 1).NlV.-Straßenvost" von Moabit(Amt 21.) über 52., 40.(Lehrter Bahnhof), 6.(M nienstraße) und 7. Die II. N.-Linre hat eine Abzweigung vom Gesundbrunnen(Amt 20.) und von der Husfitenstraße(Amt 31.) über Amt 28. M hrere der Wagen berühren auf dem Rückwege Aemter, die fie auf dem Wege nach dem Mittelpunkte der Stadt übergehen. Dre Länge ler KurSlmien und die Geschwindigkeit der auf den- selben verkehrenden Wogen find so bemessen, daß dur-Mchnitt- lich jeder KurS in 22 M, nuten befahren werden kann. Meistens 10 Minuten nach jeder vollen Stunde fetzen fich die Wagen von den an der Grenze des Stadtaebiets gelegenen Abgangs- punkten der Kurse in Bewegung; sie treffen 35 Minuten nach der vollen Stunde beim Stadlpostamt ein, halten dort 10 M-.- nuten und kommen meist 5 Mmuten nach der vollen Stunde auf dem Abgang? punkte wieder an. Die Wagen befördern natürlich die auch nach auswärts bestimmten Briefe, und zwar in geschlossenen Beuteln. Die 840 verschiedenen Straßen und Plätze BirstnS, von denen mehr als 100 zu verschiedenen oft zu 3, 4, 5, selbst 6 und 7 Bestell-Postämtcrn gehören, de- reiten den Beamten große Schwierigkeiten. Die Beamien haben 1500, ja selbst 2000 Sendungen in der Stunde zu fortiren, und dabei dürfen nur höchstens 3 Fehlleitungen vorkommen. Diese Straßenposten haben im Durchschnitt käolich 70 000 Briefe ordnungsmäßig bearbeitet. Davon sollen 47 000 infolge der kürzeren Schtußz-it und der rascheren Beförderung geaen früher um 1 Stunde schneller befördert werden. Bei 15 OiX� Briefen soll die Beschleunigung 2 Stunden betreoen; 6000 Briefe endlich sollen 12 Stunden früher, d. h. noch an dem- selben Abend, statt am anderen Morgen bestellt werden. Durch die an den Wagen angebrachten BriesLsten fi'd im Durchschnitt täglich 1000 Briese eingeliefert worden. Es besteht dcr Plan, die Briefe von einzelnen Bahr zögen ebenfalls unmistel- bar den Straßenposten zu übergeben. Die Mehrkosten drS Betriebes betragen rund 50000 M. jährlich, off.ntac kerne Summe, weiche da» Festhalten an dem hohrn Stadtpcrto recht- fertigen könnte. Pottkri-Kericht. Am 24. d. M. Vormittogs fiel ein 13iLhrrger Knabe beim Hinouflragen eines SückeS mit Feuerungsmaterial durch dos schadhafte Treppenaeländer im zweiten Sock des Hauses Landsberger Allee Nr. 134 in den ersten Stock hinab und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er nach dem Krankenhause am Friedriashain gebrncht w-rden mußte.— In der Nacht zum 25. d. M. erhängte fich eine Frau in ihrer Wohnung in der Drcsdemerstraße, vermuihtrch rn ernem Anfall von Geistesstö'runa.— Am 25. d. M. Vormittags wurde hinter dem Grundstück Mühlen stroße 80 die Leiche einer unbe« kannten, e!wa 60jährrgen Frauensperson au« der Spree gezogen, und zu derselben Z-it auf dem Anhalter Außen. Babnbof unter einem Schuppen die Lerche eines unbekannten, etwa 35jährigen Mann s aufaesunden. Beide Leichen wurden nach dem Schauhause geschafft.— Ain24.und25.d.M. fanden an 9 verschiedenen Stellen kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. — Am 26. d. MiS. Nachmittags sprang� ein unbekannter, etwa 30jähriger Mann von der SchillingSdrücke in die Spree und ertrank.— Abends fiel ein Hoipitalrt vor dem Hause Brunnen« straße 32 infolge eines Fehltritts zu Boden und brach die linke Kniescheibe, so daß er nach dem Lazarus-Krankendause gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 27. d. Ml«. versuchte cin Mäochen in der Wohnung emrS Arztes sich mittelst Morphium zu vergiften. Nach Anwendung von Gegen- Mitteln wurde es nach der Charitee gebracht.— Im Laufe des 26. d. MtS. fanden an drei verschiedenen Stellen kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. Gerirhbs-I3eikung. Da« Flugblatt, welches in der Nacht zum 30. Mai d. I. in allen größeren Städten und Flecken des Nieder- Barnim r Kreises verbreitet wurde und weiches dem Minister des Innern, Herrn Herrfurth, gelegentlich der Debatten über das Sozialisten- oeletz im Reichstage cls„Beweismittel" für die„revolutionären" Bestrebungen der deutschen Sozialdemokratie diente, hat nun- mehr zu einer Anklage gegen mehrere Arbeiter aesüqrt, welche theil« bei dcr Verbreriunz des Flugblattes ver hastet wurtea, tbeilS als Milverbreiter bezichtigt werden. Es sind die Former Gustav Beiße zu Reinickendorf, der Zmimerman« Eduard Hausotter zu Bali», der Buchdrucker Max Ehrlich zu Reinickendorf, d.rArbeiter Robert Wilhelm und der DachStcker Auaust Schulze zu Oranienburg und der Jnstrumentenbruer Rich. Hamm zu F iedrÄsIerg. Die Angeklagten sollen durch Verbreitung des Flugblattes, tal mit den Worten:„Wäbler, macht die Augen auf l" beginnt, m Beziehung auf den Reichskanzler, als verantwortlichen Leiter der Regierung, sowie das preußilche Staats, ninistmum wider befflivs Söffen unwahre Thatsachen behauptet und vcrbreitet haben, welche geeignet sind, dieselben verächtlich zu mache« oder in dcr össintlrchen Meinung herabzuwürdigen: ferner ent« stellte und erdichrrte Thoisachen, dies wissend, öffentlich behauptet und verbreitet habe»', um dadurch StaotSeinrichwngeu und Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen. Weiter sollen fie durch dieselbe Handlung in einer, den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise v.'ischiedene B.välkerungSkiaffen öffentlich gegen einander mrigeirizi haben, endlich ohne po'izri- lia-e Erlaul niß an öffentlichen Orten Drrckichr.ftcn verbrettit hoben. Hamm ist außerdem noch angeklagt, eine verbotene Druckschrift verir.itct zu haben.(H. ist augenblicklich, als Oestei reicher, au« Friedrichsberg auf Grund des Freizügigkeiis« Gefltzes auegewiejen worden, weil er fich„lästig" ocinacht h t) Die Anpeklapien sollen sich mithin gegen die§§ 185—187, 200, 130, 131, 47, 73, 40-42 des Strafftesetzbuche«, §§ 6, 23, 24 des PreßzesetzeS,§§ 28 10, 11, 12 de« soziallstengesctzes, sowie gegen§ 94 ff. der Straf-Proz ß- Ordnung vergangen haben. Bezüglich des eisten Punktes der Anklage:„Bckeisigung des Reichskanzlers u. s. w." hat tec Reichskanzler und das StaatSminrfterium Strafantrag gestellt. * WnMr WWeMozeß. Abendsitzung. Staatsanwalt Pinoff: Ich werde auf die Bertheidi- gunxs-den eingehen, fowe t sie Rechisirrthümer enthalten. Von allen drei Verteidigern wird angefühlt, daß eine Verbn'- dung etwas festeres fei, als ein Verein. Wenn man diese Definition annimmt, kann man allerdings zu dm Schlüssen der Veriheiviger kommen. Der Begriff Verbindung ist ober durch die Entscheidung im Prozesse Vollmar und Genossen festgestellt. Als sicher muß angenommm werden, daß, wenn eine Organisation zur Partei komme, diese zur Verbindung werde. Es ist mir entzcgen pehaltm worden, daß auch andere Pur- trien Organrsationm haben; das find meines Erachtens dann Verbinlungen. Ja der Natur der Sache lieat es, daß, jemchr Aziiation aetrieben wird, je intensiver dieselbe ist, man desto mehr zur Verbindung getriebm wird. Ich gehe noch weiter und sage, daß alle Paiteiorganisationm Verrinscharakter an- nehmen. Es würde mich nicht wundern, wenn die Sozia- demokratie die Organisationen anderer Parteien sich zum Muster genommen hätte. Die Organisation der Sozialdewolrotie vor dem So- zialistmges.tz war eine streng zentralifirte. Als sie zer- stört wurde, suchte man die Trümmer wieder zu ver- einigen. Die örtlichen Verwaltungen sind nur die früheren Mitgliedschaften der Arbeiterpartei. Die Organisationen anderer Parteien unter st-hm nickt dm§§ 123 und 12», weil fie nicht geheim oder ungesetzlich find. Ber der vorlieaenden Or- ganisation ist aber der Zweck, Gesetze, namentlich das Sozialisten- gesetz. zu umgehen. Es ist exemplifi.i-t worden auf den Freimourerbund; das ist aber keine Verbindung, die vor der StaatSregierung geheim gehalten werden soll. ES ist gesagt worden, die Verbreitung des.Soz." fei der einzige Zwcck dcr Verbindung; das ist aber nur tirt Funktion derselben, allerdings ein« bedeutende. Der Angeklagte Bebel ist taktisch richtiger vorgegangen al« die Ve, theidiger, indem er sagte, die Kundgebung„Organ isirl Euch!" im„Soz." sei nicht von der Parteioertretung ausgegangen, während die Vv- theidiger behaupten, die Kundgebung enthalte nicht« Unerlaubtes, es könnte ja die Gründung von Lied«-- und Fachver einen gemeint sein. Warum wird dann aber zur Verschwiegenheit und Vorficht gemahnt? In L'edervereinen oiedt cs doch keire Volizeilpicne. Ick bin der Meinung, daß ni r eine geheime Organisation beübsichtigt war. Es wird ferner die Verbreiter g von Parte'brofcküren empfohlen, sowie das Sammeln für Parteizwecke. Ferner wird die größte Vorsicht angerathen. Auch die E ki'ärung des Abgeordneten Bebel, daß die Kund- gebung nicht von der Parteioertretung ausgehe, wird meine« Erachtens widerlegt durch das Wydeuer Protokoll. Dmm-Ä nun de dort den Paririvertretern vorgeworfen, fie hätten nrchl* für eine Organi'ation getlan. Die Kundgebung ist die Aul- wort daraufl dos Rssultat dcr Wydener Verhandlungen. Aus dem Lauf« dieser Verhandlungen zu Wyden geht hervor, daß der„Soz." von den Palleigcrtretern geaiünder wurde. El wurde den Letzteren vorgeworfen, daß sie da» Partriorgan so spät gegründet hätten. Dort hat auch der Vertreter des„Soz." bereits erklärt, auf welche Art und Weife es gemacht werden müsse, um den „Soz." in Deutschland so viel a's mö.lich zu verbreit«-. (Redner verliest eine Steve des Protokolls) Es kann ein- gewendet werden, daß die Fraktion keine Kenntniß von der Llrt der Ve breitung deS„Soz" habe. Wenn gesagt nmrd«, die Reboklion und Expedition des„Soz." renommire häefig mit ihren Geschäftsüberschüssen, so ist doch kein Widerspruch zwischen dem Konpreßdericht und anderen Erklärunaen. Es wurde gesagt, die Organisation sei unnöthig wegen der politischen Schulung der Sozialdemokratie. Auf den Kor- greffen wurden aber Anträge auf Organisation gestellt. Rur um den Behörden keine Gelegenheit zum Einschreiten, keinen Einblick zu geben, wurde darüber hinweggegangen. Erst in diesem Piozeß haben wir Einblick bekommen in die Fäden, welche die lokalen Verwaltungen mit dem„Soz." und mit der Fraktion verbinden. Der Abgeordnete Bebel ist in diese» Prozeß hineingezogen, weil er Kajfircr der allgemeinen Ver« bindung ist, wie sich aus dem bei ihm vorgefundenen Material ergiebt. Allerdings haben Streitigkeiten zwischen dem„SoFak- demolrat und dcr Fraktion staltgefunden; der Ausgang dicflr Scharmützel ergiebt, daß der„Sozialdemokrat" in der Fraktion eine Majorität, zum Wenigsten aber eine staike Minorität hatte, zu welcher auch Bebel gehörte. Wenn man zwischen den Zellen zu Wen versteht, ergiebt fich dies auch aus der Aus- sage Viereck'«. Auch der Artikel, worin von der Absetzung dcr Redaktion gesprochen wird, ist inspirirt. Aug der Sammlung und Verwaltung von Parteifonds wird auf eine V rbindung geschlossen. Diese Verbindung ist dieselbe, die auch die ungesetzlichen Zwecke der Verbreitung des„Sozial- demokrat" 2C. hat.. Der StaaiZanwaltschast ist ein Recht« irrthum vorgeworfen worden. Ich virweise auf das Urtherl des Düsseldoifer Ge- richts, wonach ung-fetzliche Zwecke und Milttl auch zum T Holbestand deS§ 129 gehören. Wenn unvirbotene Schriften in Massen auf den Markt geworfen werden, so liegt darin die Absicht, dem Verbot zuvorzukommen. Die aller- wirksamste Umgehung dcS Sozialistengesetz, s ist es, wenn dcr Apparat so präzis arbeitet, daß ein Verbot umgangen werden kann. Es widerstrebt mir, über den Ratht kammerbeschluß zn sprechen. Hier ist aber unzweifelhaft schon festgestkllt, daß allgi meine Verbindung zur Veibrcitur-g de«„Soz." besteht- Da- zwingt zu d.m weiteren Schluß, daß die allgemeine Ver- bindung auch noch andere Zwecke dat. Der Beschluß niwwt nur örtliche Organisationeir zum Zweck der Verbreitung de» „So*." an. Diese Organisoiionen befofTcn sich aber nicht allein damit; ich erinnere an das Altoncer Statut und die Thätiqkeit der hiesigen Organisationen welche sich mit allen einem öffmt» l-chen Verein zuktlhenden Thätigkeiten defcßten. Wir habm gehört, wie die Maadeduraer sich an die Fraktion wendeten und Hasenc'ever kam. Wir haben gehört, was das Altonaer Statut für Aufgaben bezeichnet. Ich habe darauf hinzuweisen, daß die„schwarze Siße" «üb die Schiedsgerichte die Unterordnung des Einzel« wrllens unter den Gesammtwillen bezwecken. Es kann keine schärfere Strafe geben, als die Eintragung in die »schwarze Lille". Man hat die Parteikongresse mit anderen Kongressen ver- vlichen. Bei den Letzteren ist man froh, wenn möglichst viele Theilnehmer kommen, während zu den Parlcikongrefsen bczirks- wer!« Vertreter gewählt wurden. Ob die Wähler zusammen- getreten find oder der Kandidat bei den Einzelnen he! umgeht, ist gleichgültig. Die Begriffe der Herren Sozialdemokraten sind sehr oft anders, als die anderer Leute.(Bebel: Sehr richtig!) Ort und Zeit der Kongresse find geheim gehalten worden. Mehr oder weniger wurden von dm Vertheidigern die örtlichen Verwaltungen zugegeben; immerhin aber hat man das Beweü malerial bemängelt. Es ist von den Polizei- beamten gesagt worden, des Meineids wolle man Niemand nicht bezichtigen, aber man glaube ihnen nicht. Nicht die geringste Unwahrheit ist den Beamten nachgewiesen und ein auaenblickicher J�rthum kann Jedem possiren. Es heißt den Thatfachm Zwang anlegen, aus einem _ augenbl cklichen Jrrthum eines Beamten Vorwürfe her- zuleiten. Ich halte mich veipflichtet, dies« Beamten in Schutz zu nehmen. Es ist dann der größte Vorwurf gegm diejmiaen Zntgm erhoben worden, die hier direkt aussagten. Ohne Weiteres kann ich nicht zugeben, daß Mitlheilungen an die Polizei die Betreffenden verächtlich machen, so w:nig als ich die Gewährsmänner durchweg als Ehrenmänner betrachte. Die Angeklagten und Vcrtheidiger bezeichnen ohne Weiteres jeden Zeugen, der belastend gegen sie auesagt, als Polizei- spwn. Der Derrorismus der Sozialdemokraten ist ein Roth- stand; cS wird immer weniger Leute geben, die den großen moralischen Math haben, vor Gericht die Wahrheit zu sagen. Die Sch u, vor Gericht als Zeuge zu erscheinen, ergreift immer weitere Kreise. Bezüglich der öffmtlichen Meinung habe ich eine kurze Bemerkung zu machen. Wenn ich amtlich thätiz bin, kenne ich keine öffentliche Meirung und kümmere mich nicht darum. Wir wissen, wie sie gemacht wird, von einem auf Abwegen b>findlichen Theil der Presse. Von den Vertheidigern haben wir dreimal das Nämliche Horm müssen. Es war mir angenehm, daß der Herr Verthei- oizer den Artikel„Zur Beachtung" anzog. Darin ist aller- bingS vor fichtig vorgegangen; die Parteivcrtrctung suchte das Bestehen einer allgemeinen Org».'.isa!i/>n zu verhüllen. Die Aufrufe, die nichts Ungesetzliches enthietlen, sind allerdings mit den Namen der Abgeordneten unterzeichnet, gefährliche nicht. Das ist nicht Zufall, sondern Absicht. In der Erklä- rung, unterz-ichnet„Deutschland im Juli", ist das Bestehen von Vertrauensmännern zugegeben, und deshalb fehlen die Namen darunter. Bezüglich des St. Gallener Kongresses hat man auf die Aussage zweier Angeklagten hingewiesen. Ich komme nun auf den Zwischenfall mit der Zeugin Scherer. Es ist fest- gestellt, daß Bierenfeld in St. Gallen war und das Protokoll Wilsina« ist mir sicherer als die Aussage d r Zeugin Scherer. Wir haben ja während des Prozesses ein Uebenwachungssystem der Sozialdemokraten bemerkt, das allein ein Beweis für die ausgezeichnete Organisation derselben ist. Wenn die Sozialdemokratie etwas bemessen will, so kann sie es beweisen. Wenn gesaat wurde, Bleckmann sei der einzige Gewährs- mann Kammhvss'S, so ist nach meiner Meinung der Wunsch der Vater des Gedankens. Blcckmann ist der bedeutendste Z:uge. Es ist kein Grund vorhanden, die Glaubwürdigkeit f:tncr Angaben zu bezweifeln. Wer es wagt, sich selbst zu velasten, steht auf einem ziemlich, hohen moralischen Stand- punkt. Es steht für mich fest, daß das„Gedenkblait" in der„Fr. Presse" gedruckt wurde, zum mindesten gelagert hat. Die Be- dien steten des Herrn Grimpe haben allerdings das Gcgentheil bekundet, aber darauf ist wohl wenig zu geben. Es ist möglich, daß sich der Angeklagte Grimpe eines auswärtigen Druckers bedient hat. Ich bin nun auf die Polizeiberickite gekommen, die durch die Thatfachen unterstützt werden. Die„Fr. Pr." wird als ein Privatunternehmen hingestellt; wir haben aber dagegen zwei Kundgebungen aus dem Herzen der hiesigen O-ganisvtion. Dem Abgeordneten Harm ist allerdings die U-derwackung durch die Organisation lästig gewesen; das ändert aber nickt« daran, daß von der Organisation ein Preß- komitee gewählt wurde. Die„Fr. Pr." wurde big vor kurzem Don der Partei subventionirt, aus lokalen, und als diese nicht reichten, aus allgemeinen Mitteln. Ich will allerdings nicht behaupten, daß sie ganz im Sinne des„Soz." Parteiunter- nehmen ist.,, Es ist gesagt worden, in der sreifinnigen Partei sei auch ein Kassirer. Das gebe ich zu. Es muß aber doch hinter ihm eine Verbindung stehen und die hat die freisinnige Parin. Keine Panei hat aber ein so vrrwickclteS Kassenmesen wie die sozialdemokratische. Wenn van lokalen Mitteln gesvrochen wird, so muß ein lokaler Funktionär oder eine lokale Organi- salion bestehen. Den Schriftwechsel zwischen der Fraktion und Schakow muß ich als sehr wichtig betrachten, weil sich darin die Disziplin, der Jnstanzenzug bemerkbar macht. Ferner ist gesagt worden, den Sozialdemokrasen werde nur dcS vorgeworfen, was Andern erlaubt sei. Wenn wir auch ein Reckt haben, anzunehmen, daß das Sozialistengesetz Gewaltthätiakeiten verhinderte, so hat cS doch den Nachthnl, daß es die Brstrcbungen dieser internationalen Gesellschaft in Dunkel hullle. Mit welchem Hohne wurde die Sozialreform von dieser Partei empfangen! Wer Veranlassung hat, die Sprache des„Soz." zu studrren, der weiß sehr genau, um was es sich handelt. Sogar dem Abgeordneten Bebel ist es doch nicht gelungen, die wahren Ziele der Sozialvrmokiatie zu ver« hüllen. Er hat auf dem Kongreß gesagt, wenn es nicht mög- «ich sei, die Broschüren auf gesetzlichem Wege zu� verbreiten, Wirde die Agitation ins Austand verlegt. Die Gründung des „Soz." im Auslände, die Verlegung der Kongresse ins Aus- lanb sind nichts weiter, als eine Umgehung des Gesetzes. Die Abgeordneten Bracke, Hafer. clever und Liebknecht haben rrk.Lrt, das Sozialistengesetz umgehen zu wollen. Die Gründer des„Sozialdemokrat" waren Delegirle, die das Blatt ms Leben rirfcn, damit cS um so sicherer seine vcrgistitcn Pfeile : nck Deutschland abschießen konnte. LllcS, waS unS theuer und heilig ist, wild in den Spalten diescs Blattes begeifert und dem deutschen Arbeiter die Ideale, die er von Schule und Küche her hat, vernichtet. Die Sozialdemokratle zielt auf die Rcvolutionirung der Massen, oder des VolkSgeifteS, wie sie sagt. Diese Agitation nennt Alles, was wer unter Staat ver- stehen, die.Oidnungsbestie". Es ist nicht angebracht, eine solche Partei mit andern in Vergleich zu bringen. Das Sozialistengesetz hatte den Nachtheil, die Bestrebungen der Sozialdemokratie zu verhüllen, so daß eS sogar zu Wahlbündnissen derselben mit anderen Parteien kam. Der Sozial« demokratie gegenüber giedt es nur ein Mittel, das Zusammen- schaaren aller staatserhaltenden Elemente und daS Aufgeben Politischen und konfessionellen HaderS. Es ist daraus zu sehen, roh der Staat nicht großen Schaden leide. Ich halte meine Anträge aufrccht. Rechtsanwalt L e n z m a n n: Abgesehen von ihrem letzten politischen Theil habe ich in den Ausführungen de« Staats anmalt« nichts Neue« gefunden. Wenn meiner Partei der Vorwurf gemacht wird, sie pflege Wahlbündnisse mit den Sozialdemokraten, so muß ich sagen, daß e« der Sozial- demokratie gelungen ist, drei Götzen zu stürzen, den Servilismus, das Strederthum und die Charakterlosigkeit, in welchem Kampfe wir sie gern unterstützen.— Die Anficht des Staatsanwalts über den Begriff„Verein" und„Ver- bindung" steht im Widerspruch mit den Reichsgerichts- entscheidungen. Auch der Kommentator Holzhauer führt aus, daß, wenn ein Unterschied zwischen Verein und Verbindung be- stehe, diese darin liege, daß die Verbindung inniger sei. Die Deduktion des Staatsanwalts wegen der andern Partei- organisation traf die mein ige nicht. Weshalb verfolgen die Staatsanwälte denn nicht sammtliche sozialistischen Parteimit- alieder? E« muß doch ein Unterschied zwischen diesen und den Angeklagten, also zwischen Partei und Verbindung sein. Auch die Fortschrittspartei hatte einen Unterstützungsfonds, den Diätenfond», der ja nach Annahme der Zivilrichter gesetzwidrig war. E« halten also sammtliche fortschrittliche Parteimitglieder von den Staatsanwälten verfolgt werden müssen, wenn eine organifirte Partei eine Verbindung wäre. Wenn nach dem Sozialistengesetz du Organisation als Fortsetzung des Arbeitervereins bestanden hätte, so hätten wir schon früher eine Reihe von GeheimbundSprozessen gehabt. Wir wissen, daß in Berlin von den Christlichsozialen der Klossenhaß gepredigt wurde, und doch hat kem Staatsanwalt diese organitwte Partei verfolgt, als Verbindung mit einem un- gesetzlichen Zweck. Bezüglich der Kundgebung, die der Staatsanwalt als Fundament der Anklage bezeichnet, ist dem Abgeordneten Bebel zu glauben, daß sie nicht von der Parteivertretung herrühre. Der Artikel„Organisirt Euch!" ist keine Aufforderung zur un- gesetzlichen Organisation. Den Nachsatz, worin die Mahnung zur Vorficht ist, hat der Staatsanwalt zwar verlesen, aber im Plaidoyer nicht erwähnt. Es wird darin nicht vor Gerichten, aber vor Staatsanwälten gewarnt. Der Staatsanwalt er» wähnte die Zwistigkeiten zwischen„Soz." und Fraktion. Das wäre eine wunderbare Verbindung, wo die Minorität mächtiger ist als die Majorität. Das Ängesührte spricht gerade gegen da« Bestehen der Verbindung. Der Staatsanwalt wirft mir Rechtsirrthum vor in Bezug auf ungesetzliche oder strafbare Mittel. Er findet aber eine Strafthat dann, wenn unverbokene Schriften in Masse auf den Markt geworfen werden, um ein Verbot zu umgehen. DaS ist ein RechtSierthum. Allerdings wenn die Schrift selbst einen verbrecherischen Charakter trägt, wäre die Verbreitung strafbar, aber auch schon vor dem Sozialistengesetz. Der Staatsanwalt wundert sich, daß wir den Beschluß der Raths- kammer so oft angezogen: es wäre wunderbar, wenn wir diese vortretfl'che Arbeit nicht benutzt hätten. Der Kölner Beschluß enthält keine Spur der Widerlegung des Raths kammerbeschlusses. Bei Abfassung des Beschlusses hatte die Rathskammer noch ein gewisses Zutrauen auf die Polizeiberichte. Es kann möglich sein, daß die Agenten des„Soz." unter sich eine Verbindung hoben':' aber da« haben wir keineswegs zugegeben, so wenig wie die örtüchmOrganiiutionen. Wir haben nur mit der Möglich- keit gerechnet, daß solche exiftir«!. Bezüglich der Kongnsse hat der Staatsanwalt unrichtige Ansichten. Auf VkN ssongrissen wird nicht Kreti und Pleti zugetassen und so werden es auch die So jisl- demokraten hallen. Was die Wahl betrifft, so bin ich selbst bei einem forsschrittlichen Kongreß gewesen, war aber nicht gewählt, sondern ging nach Rücksprache mit einigen Leuten hin. Ich bin nicht in der Lage, die beiden Kommissare des Meineids zu bezichtigen, sonst würde ich es thun, aber ich glaube ihnen nicht. Ich erinnere daran, daß ein untergcord- neter Polizeibeamter von einer Gaunersprache der Sozialdemo- kraten sprach, daß«in höherer Polizeibeamter im Zuhörerraum von Lumperpack sprach. Das kennzeichnet die Auffassung der Polizeibeamten. Kammhvff hat aus meiner Frage fedr wohl herausgefühlt, daß es mir darum zu thun war, einen Wnths« hauSoerkehr zwischen ihm und WimmerS festzustellen. Aber er dachte, für die Anklage wäre es besser, wenn die Zusammenkunft nicht im WirthihauS war. Er hat nach zwölf Stunden Alles vergessen gehabt, sich aber nachher plötzlich wieder der wohlpräparirten Zusammenkunft erinnert. Wer giebt dem Staatsanwalt daSs Recht, eine einwandfreie Zeugin, die zu Gunsten der Angeklagten aussagt, zu verdäch- traen? Es ist ja sehr leicht, die EntlastungSzeuaen als un- glaubwürdig, die Belastungi zeugen aber als Muster von Wahrheitsliebe darzustellen. Daß wir Leute aussandten um die Zeugen zu überwachen, daß sie von der Polizei nicht be- einflußt würden, dazu hatten wir alle Ursache, nach der nd« lichten Angabe Kammhoffs, er verkehre noch während der Ver- Handlungen mit den Gewährsmännern. Rechtsanwalt Dr. Schweitzer: Der Staatsanwalt be- zeichnet jede organisirte politische Partei als Verbindung. Was er aber gegen matte Erklärung anführte, ist vollständig ver- fehlt.(Redner geht näher aus die bete. Gesetzesbestimmungen ein.) Dm Artikel.Oganisirt Euch" bezeichnet der Staatsanwalt als Fundament der Anklage. Er hat aber wieder einen Satz übersehen, nämlich die Erklärung, daß das Abonnement des„Sozialdemokrat" nicht strafbar sei. In dem Artikel ist keine Auffordenmg zu einer strafbaren That. In der Nachschrift hieß es:„Tretet zusammen lind wählt den Kongreßdeugirten!" Das ist doch der beste Beweis, daß eine Organisation nicht bestand. Es kann sein, daß die Sozialdemokraten öfter Schiedsge- richte anwenden, als andere Leute, es kommt dies wohl daher, daß sie in Folge des Sozianstengesetzes nicht gerne vor ein ordentliches Gericht gehen. Nichts ist bewiesen von einem Verkehr der Organisationen mit der Fraktion. Nur der Zeuge Münnich wußte etwas davon und ein Magdeburger Polizei- beamter hatte davon gehört, hatte aber keine Thatfachen. (Redner geht dann näher auf den Zeugen Bleckmann ein.) Der Staatsanwalt spricht von einem Spionirsystem der Angeklagten und nennt es eine vortreffliche Maschine. Nun, der Hauptmaschmemneister war Kollege Lenzmann. Ich habe nichts davon gehört, daß bewiesen sei, das „Mahnwort" und„Gedenkblatt" seien bei Grimpe gedruckt; gerade daS Gegentheil habe ich gehört. Wenn diese eidlichen Drpofitionen der Zeugen nicht beweiskräftig sind, wo* in aller Welt hält der Staatsanwalt für beweiskräftig? Bei Ausmessung der etwaigen Strafen muß in Betracht aezog'.n werden, daß die meisten Angeklagten in Unter- juchungshaft gesessen haben. Ich muß auch auf den Kost-n- punkt hinweisen. Das Gesetz sagt, daß die wegen derselben That Äerurtheilten die Kosten als Gesammtjchuldner tragen. Kommen Sie aber zu dem Beschlüsse, daß der Eine oder Andere nicht an einer Verbindung, sondern nur an einer Flugblattverbreitung belheiligt war, so werden Sie auf eine verständige Theilung der Kosten bedacht sein. Rechtsanwalt Krüsemann: Ich weise darauf hin, daß verbotene Schriften nur eingezogen werden dürfen, wenn sie iur Verbreitung bestimmt warm, also nicht aus Privat- oihliothekm. Der Staatsanwalt hat zugeben müssen, daß die Sozialdemokratie eine Partei wie jede andere fei. Wer giebt dem Staatsanwalt das Recht, dieser großen Partei die Thalig- keit von vielleicht 20 Männern, die den„Soz." verbreiten, zu- zuschieben. Der Staatsanwalt hat meines Erachtens den Haupt- punkt seiner Anklage fallen lassm. Der Präsident vertagt die Verhandlung auf Freitag, Morgen» 10 Uhr. Grillenberger giebt noch eine Erklärung ab. Die ..... lagebehörde hat mir oder meinem Geschäft gar nicht de- wiesen, daß wir Schristm auf den Markt warfen, um ein Ver« bot zu umgehen. Wir geben aber nur die stenographischen Reich«tag«berichte als sog. Werthzeichm Henau», und dies« wer- dm korrekt im duchhändlerischen Wege vertrikben. Gar»ich!« ist m dieser Richtung, wa« der Staatsanwalt behauptet, be- wiesen wordm. Dos Flugblatt, da« in Massm herausgegeben worden, wurde nicht von einer Verbindung, sondern asn dem Zmtral-Wahlkomitee herausgegeben. Wegm dieieS Flugblattes wurde ich bere is bestraft, weil kurz vor dem Eintreffen des Verbotes noch einige Packet« auf die Post kämm, die ich nicht zu'ückrref. Die Herausgabe unserer Schristm geschieht ganz offmt'ich. Wenn es in Deutschland Usus wird, jeden Tag eine andere Gesetzesauslegung zu geben, wie sollen wir Laren dann noch wssfm, wie wir uns zu verhaltm haben? Als ich mit Bebel die Wmachung wegen der Broschüren, deren Ueberschuß für die Familien der Gcmaßreaelten oder Ausgewiesenen sein sollte, hätte ich nie gedacht, daß eine solche Anklage von einem Staatsanwalt gegm mich erhoben würde! Wenn der Staatsanwalt annimmt, daß ein gewisser Turnus in der Ausgabe der Werthzeichen war, so erkläre ich, daß die Pausen in der Herausgabe nur gemacht wurden, um die Leute nicht zu überlastm. Die Parteisteuer konnte dm Ertrag dies« Broschürmnicht ersetzm. Den Schakow'schen Briefwechlel betrachte ich als einen Beweis gegm die Existenz einer geheimen Verbindung. Ich, als Verleger der Druckjchrislen, verlange, daß hier die Leule au« dem Erlös die Unterstützung auslegen und mir M- rechnung senden sollten. Wenn von dem Staatsanwalt d-r Schriftenvertrieb als eine Thätigkeit der gebeimm Verbindung angesehen wird, so würde e» in Zukunft unmöglich sein, Schriften für Arbeiterkreise herauszugeben. Der Staatsanwalt geht schablonenhaft mit uns um; so versetzte er mich unver- oieniermaßm unter die Stifter der Verbindung, obaleich ich 1880 der Parteivertretung noch gar nicht angehörte. Wmn wir Schristm kaufen, so find wir Theilnehmer einer geheimm Ber- bindung; stecken wir da« Geld in einen Spartopf, so sammelu wir geheime Fonds an. Sprechen wir leise, so halten wir eine geheime Versammlung ab; sprechen wir laut, so haften w* Reden. Was sollen nun wir Soziald«mokratm thun, ohne uns strafbar zu machen? Meine Herren Richter, wir haben, dessen man un« beschuldigt, nicht begangm und ich bfttr um meine Freisprechung. D,e Sitzung wird hierauf geschlossen. Vevserrrrrnluttgen. Der sozialdemoftratischeMahwerew für de«»Utttn Kerliner Retchstagvrvattlkrei« hreu am Frertag, den 20. Dezember, im Königstadt-Kastno, Holzmarktstraße 72, eine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Die bürger« l'.chen Parteien und die Sozialdemokratie. 2. VereinSangeleoen« betten. 3. Veischiedenes und Fragekasten. Der erste Vo- sitzende, Herr Otto Handorf, eröffnet die Versammlung mit der Bikanntmachuilg, daß der Refermt, Herr G W tddergen, verhindert sei. den Vortrag zu halten, und an seiner Stelle der Genosse M. Baginski das Referat zu halten bereit sei. Bevor der Vortragende da« Wort erhielt, las der Schriftführer Herr Bader den Bader den Bericht der letzten Vasammlung vor und legte hiernach sein Amt nieder; das führte zu einer sosorl-gen Neuwahl eine« Schriftführers, aus welcher Herr Fatz Oeize berporging. Der Vortragende erledigte nun seine Aufgab« zur vollsten Zufriedeöh'it der Anwesenden. Er führte aus, daß alle Mißstände, welche m heutigen Z-it hervortrete:-, in den materiellen Verhältnissen des ganzen Volke« wurzeln. Er geißelte scharf die Angst de« Bürger thitt?'? rar dem aus- strebmden Proletariat und wie« nach, wie eS möglich geworden, daß das einst für Freiheit, Gleichheit und Brüderlich'eck schwärmende Bürgerthum sich jetzt ganz dem System BtSiSckrck geopfert habe. Er drückte allen Parteien, welche heute on t«. Knechtung de« arbeitendm Volkes mitwirken, den richtige.: Stempel auf und wies nach, daß dieselben im Gegensatz zum Proleiariat eine einzige reoctionäre Masse bnden. Er schloß seinen Vortrag mrt dem Hinweis auf die prinzipiellrn Forderungen der Sozialdemokratie und zeigte den Zuhörern, daß wir Sozialisten mit dem Lauf der Dinge vollkommen zufrieden sein können. Ihm lohnte reicher Berfall. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Schmidt, Stein und Neuhaus. Beim zweiten Punkt der Tagesordnung«klärte Herr Bader feine AmtSniedertegung, was zu einer unliebsamen. Debatte führte, da Genosse Bader die Handlungen des Vv• standes als eine Pafchawirthschaft bezeichnete und erklärt hafte, daß er bei dieser als«htlicher Sozialdemokrat nicht mitzu'pielrn gedenke. Ein Antrag, welcher die nächste Versammlung zu einer Generalversammlung bestimmte, wurde angenommene Zu Revisoren wurden die Genossen Dietrich und Mai« ge- wählt. Mit einem dreifachen Hoch auf das gute Gedeihen unserer edlen Sache im kommenden neuen Jahre schloß dcr Vorsitzende die Versammlung. dhlnt Versammlung des Fachvereins der KLrsten� und Pinsrtmacher Berlins und Umgegend fand am Sonniog, den 22. d. M., in Zemter's Salon, Münzstr. 11, statt. Uslur die Verkürzung der Aibeitszeit sprach Hnr Pirch und löste seine Aufgabe mit Geschick. An der Diskussion betheUigten sich mehrt re Kollegen. Die eingelaufene Resoluiian:„Ten Fachverein der Bürsten« und Pnselmacher Berlins und Um» gcaend beschließt, mit allen ihm gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln auf eine Verkürzung der Arbeitszeit hinzustreden, m d gleichzeitig den 1. Mai 1890 als einen Feiertag für dx ge- sammte Arbeiterschaft zu betrachten", wurde ein stimmig angenommen.— Unter„Verschiedenes" kam man auf den Luckenwalder Streik zu sprechen, und die Versammlung fand e« nicht schön, daß man die Kinder der streikenden Arbeiter von der WeihnachtSbescheerung ausgeschlossen halte. Dekhaib fand eine Tellersammlung statt, deren Ergebniß dem Kollegen Sicgmund zur Weiterbesorgung nach Luckenwalde übergeben wurde, damit es zur WeihnachtSbescheerung dcr Kinder zur Verwendung kommt. *» ♦ Serie z?rr,inigu„g vre Zufchnrldre. Vorrlchtrr unk glrpyrr, litutc, Sonr.nfctnh, dm 28. Stjfmbit,«bttibe 9 vhr, ffiiitalltbeiDeUcitmlma bei Neim, 8Ut( Jalobslr. 83 Taaeboibnuna, Die Sebtirer und die ferjlti. Sfitfo'in. BMeiem: Mar Bagintki Um zablreichei Erlcheinen w> d ulackl K» f-immtllch» K»lf,nsabrikarl>»«t»r Krrtt»» u«k Zimg-vanv. Sonncberb den 28. Dezember. Bbenbs 8% Ndr. grabe äffiNlllcke Deiiammlmi! in Jorban't Ealon. Nene Griinfte. 28 Sagtfoibruiig; 1. Zimck>» b Z dt liner Grweikilbasliorganisalion. Nlfe-erl: Herr Kiib Kiiioer. 2.®l;taiüor. 3 Veischiibemi. Ausnahme neuer Alitaliebcr. E» Ist Pflicht iweb p;". E.iseniabttkaibliter« t» bietet Veisau mlung zu erichelnen ui>b bem Serrt» b x Eeisensabritarbciler Berlin« imb Umgegenb beizutrelen. Zur DlSur.g ber U v kosten findet eine Tellerlanimluug statt. Der Peerin zur Mastrung vre Inirerssru vre KlavirreedrÄ»» und«rervandtre Preuseornoss»,» vnanftailel sein W.ihnach!»v!tg>, Btilen btS».aick-mUnterststbungSfonb« am Sonimbei b bm 28. Dfim v ... v.iibitdi'S Rebfflltn, öeuthftt. 20. Bo-ttSge ernsten ui b hckleren Juli. nach diesen Tanzkrünzchen. Billeil find bei ISmmilichen Borstrnblmilgtier/ n in b im AibeilimichweiS. Slauimnte. 78. bei Winzer, zu haben. Htiren-Bia-r 50 Ps, Damen-Billet 2S Ps. Ansang 7 Mr. Anirersseuvrerw vre Preliure Kistrnmachre. Der urentgeilli»- ArbeUdnachweiS befindet sich nach wie vor MarkuSstr. 25, Restaurant bttßcbi«: Leichnig Perrin rtirwicklare Kchütre dre 23.«rmrind» Hiiiul». H!» Lbenb, 0Mr, im Äbnigftcdt Kastno. Gladhalle, polzmaikistr 72 W ihnackül■ scheeiung humoristische Baitiiae und Tanz Gäste, buich Milaliiber»ine», führt, willkommen. Bönner und Kieunbe deS Vereins werden eigedei.si cingo laden. Zrntea» Kranken- unk Ktrrbr Unlrrstiiieunoekessr krr kmt- fchrn Zimmreee.(Eingeschriebene Hiisdiasse 2)«ubc>0i»«i>nichi«ei.e.m Versammlung Sonntag, den 2«. Dezember 1889, Barmiitag« K-XtUr. in geuii- stein'« Salon, Alte Zatobstr 75, part. Zageioidnungi I Wahl bei Gelamn i. Vorstände«, Eisatzwahl der Revlsorenunb N.uwadl der Koiittoleure. 2 Slrtluiv nähme der Milglteder zur Regelung über zu: lickzuzahlende Belli ä«e van brx Kasse an Mitglieder des Eantläibvereins. 8. Verschtedenei. Um recht zMulchea ui d vllnktliche« Erscheinen ersacht der Vaistand Kerlrrltslös»«rnuindr, Rosevthalelstr. 88. Sanntag, dtnis Dtjiu- ber, Bormiltagl 10 Uhr, Vortrag bid Penn Dr. Bölkel übet„alle m b neue Anklagen gegen Vernunft und Wissenschast." Am 1 Januar ijfiit fcm. E. Vaglherr den Fefivoiiicg. Den S. Zaum findet die Bar wohl statt. «tfatuMH'«'°ße«tbrflet-Bttfommluna SKonlao, bfn 30. t)( Jftnbtt,«ach- -mtho-lttUbt im Bttion(aal bei B-rliner Ralhhauil». SttgtloibnimB; l«o tiaj bt» Hrnn©r Cbrifteller ÖUt«olttbäbtt unb btten Nutzen unb »ctb. i©ibfufflbn. 3.«ecfdiUbmel. �..._. »na*aut Kt.rb. Kals»>»»?«»*•■ Uv U. r». s. H«f. H6, Hamburg. ö.IÜche Ve!waltungftille Beilin B Den «»»iiebcrn nur«ach idjt, bntz bie K anlen- u"b Mibiiinsch-ine vom 1. Januar 1*90 ab tri grau, Hoch. Rcichendergei ftr. 43. Quer,eb. pari, link«,»glich, mit »ntznabrne bt« Sonntag», ton 12-1 Uhr Mittag» ausgestellt werben. «»sang-,«uro- unb gtseUig« v»r«in» am Sonnabenb i»riang. »errin.Harmonia'»benb»« llbr im Restaurant,«lte Zakobstr. 38.- Manneracsangvcrein.Treue'«benb« 9 Übt im Reftaurant»nbrealftratzi».- wtünnertzesangvcrrin..lsralo"«benb»% Übt bei Schlilwicke. Kleine fturstr. 1 -««nnertzesangperrin„Seneseibcr«rotze Hamburgerstraße 4. um 9 Ubr. vebungsstunbe.«uwabme neuer Mitglieder.—«tlangoerein..Harmonia «bntb» 9 Uhr im Restaurant Lehmann. Kursürstcnstr.»l. G-sangftunde.- Silbeck-scher Turnperein(I. L-hriingi AbtheUung)«benb» 8 Uhr Elisabethstraße «r 67-58. Turnverein„Webbina", Pankstr 9. Manner Sbthciluna von W MI K* Uhr«benb»; btlgl. 1. SehrUngdablheilung von 8 bt» 10 Uhr Abend» —«rrnb» sche Ctenographenklasse bt»„Berliner HanbweriervereinS"«benb» 8% Uhr Eophienstr. 15.- Theater, unb BcrgnllaungSvercin Sarila»"«benb» 8 Uhr im Louisenstabttschen Bierhause. Abmimlftt 88.— Theater- unb Ler «nilgungSaesellichast.Freue"«benb» 8% Uhr in Bobert»»alllalon.«einstr. 11 — Plivat-Theaiergesellschast„SchneeglSckchen",«benb« 9 Uhr in Bettin» Bier hau». Beteranenstr. 19.-«eselligkeitSklud..Lustig"«btnbl 9% Uhr im«tftaucanl «richrit. Taubenftr. 45.- Verein bei Taudensreunbe»benb» 8% Uhr im «evaurant Hillmann, Manteusselstraße 08.-©»nischer Verein„Krcva'«btnbl 9 Uhr im Restaurant Poppe. Linbenstr 100.- Verein bei WllrUemberaer «benb« 8% Uhr bei Vaihinger.©orotheen.str. 84.- Verein ehem. Echlller bei 84 Gemrinbetchuie«benb« 9 Uhr im Restaurant. Koppenftr. 68.- Verein ehern. M». Lulder lchcr Schüler«denb» 9% Uhr im Restaurant Bormmn. Ohmgaffe 2.-«auchklub„Portorico"«benb» 9 Uhr bt» 11 Uhr«»pnicker- «raße 157 bei Schulz.- Rauchklub„Qualm"»bcnd» 8 Uhr im Restaurant Zarnm. Schönhauser«llee 28.- Bcrgnügunglverein.Lustige 18"»benb« 9 Uhr tm Restaurant«lbrecht,«nnenstr. 9.— Tambourverein„Eeban" Sitzung«bmb» 9 Uhr,«rüner Weg 9-10. Aufnahme neuer Mitglieder— Tambourverein herz Znnig",»benb» 8 Uhr, Ei�ui g im Restaurant Etraßbur�erftraße i, [tm unb Vorsttzender Fritz Laust Tainbourverrin„Ewigkeit macht stark", gegründet 1888, Dirigent zur Zeit H. Kämling, Aufnahme neuer Riitglieder«bmb» 9 Uhr im Restaurant Hahn, Elsasserstraße 57.— Tambour Verrin„Felsmseft", Sitzung 8% Uhr. Wcißenburgcrstraße 54. Dirigmt und Vor Ntzenber.« Friese. Ausnahme neuer Mitaliebcr.— Bcrgnügunglverein„Lustige Seelen" Abend» 9 Uhr im Reftaurant Schuster, Oranicnstr. 8.— Vergnügung». verrin Holpiria Kleine«uguftftraße 14 Abend» 9 Uhr. Msueste Der„Reich« a«keigrr" enthält solgende Bekanntmachung: Auf Grund der§§ II und 12 des Reichsgefetzes gegen die aemeingelädrlichen Bestrebunxen der Sojtaldemokratie vom 21. Oktober 1878 wird der im Verlage von Philivp Abel in Wetzlar erschienene und bei Georg Schilling in Marburg ge- druckie Wahlausruf, überschrieben:„An die Wähler des ReichStagSwahlkreifesWetzlar-Altenkirchen" und beginnend mit den Worten:„Zur bevorstehenden Reichs« tagSwahl werden hiermit die Wähler der arbeitenden Volks- klaffen darauf hingewiesen k.", von der unterzeichneten Lande«» polijeibehörde hiermit verboten. Koblenz, den 23. Dezember 1389. Der RegierungS-P.äfident. v. Puttkamer. Vcpcfltiett. (Wolff'« Uelegriq»steu-H»rr»au.) Glbe»f«td, 27. Dezember. Die Verhandlungen in dem hier geführten Sozialister prozeß find heule geschlossen worden. Die Angeklagten wurden angewiesen, fich Montag Nachmittag im Gerichtssaal wieder einzufinden, wo wahrscheinlich die Vor« kündigung des Urtheils erfolgen dürfte. VvtefbtQsten. Bei Anfragen bitten wir bie Aboimementl-Ouittung beizusllgen. Briefliche Antwort wirb nicht ertbcili Für die Kinder der Lnckenwalder. Beim Früh« schoppen der Saitlec 6,25 M. Eine Verlassene. Der Wirth kann, auch nachdem Ihr Ehemann Sie verlassen hat, die Jnnehaltung de« Kontrakte« für die ganze MielhSzeit verlangen und fich an Ihre und Ihres Mannes Sachen halten. Suchen Sie mit ihm mr Guten fich zu einige». C. F. L3. Käckerdnnd. 1. Wenn Jemand rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurtheilt ist, so muh er die Strafe sofort antreten, d. h. er hat keinen Rechtsanspruch auf«ine Frist. Gewöhnlich erhält er aber erst nach etwa 8 Tagen eine Aufforderung zum Strafantritt mit achttägiger Fnst. Wenn er desondere Gründe geltend und glaubhaft macht, weshalb ein Strafaufschub erbeten wird, so kann die StaatSanwalischast einen solchen von 4 Wochen gewähren. 2. E» ist nicht nöthig, daß der Einberufer einer Versammlung an dem Orte wohnt, an welchem die Versammlung stattfinden soll. 3. Allgemeine Vorschriften, wieviel Raum für jede ein Zimmer bewohnende Person erforderlich sei, besteht nicht. Etwa für Ihren Ort er- lassene pol'zeiliche Vorschriften sind uns unbekannt. 4. Vor- ausfichllich ia. Bestimmtes darüber wissen wir noch nicht. Die öffentliche Parquewußbodenleger- Versammlung Kerlins und Umgegend firoet am Montag, den 13.Jinuar, AbeidS 3 llhr, bei F euer ste in, Aste Jakobstr. 75, statt. Rayeres Sonntag, den 12. Januar durch Annonze und Säulenanschlag. 43g Der Einberufer. Versammlungen Jet TrMtlnkuW der Tischler u) Pmosorte-Arbeiter Bellivs. TageS-Ordnung: L Berichterstattung über die verflossene Delegirtm-Periode. Referent: Emil Röhn. Drskuifion. 3. Aufstellung von Kandidaten zu Delegirten. � � 1. Gonatag, den 29- Dez-mber, Vormittag« Punkt 10 Uhr, tn der Norddeutschen Brauerei, Chausseestratz- 58. Bezirk des Kasstrers Herrn Schrepfer. In diesem Bezirk wähl-n sämmtliche Selbstzahler, die ihre.Beiträge direkt im Kassenlokal zahlen. 2. Sonntag, de« 5. Januar, Vorminaa« Punkt 10 Uhr, in der KöalgSbauk, Grotze Frankfurterstratze 117. B-zrrk d«S KasfirerS Herrn Schul,. s. Sonntag de« 12. Januar, Vormittag« Punkt 10 Uhr, m Süd-Ost, Waldemarstrabe Nr. 75. Beri.k des Kai sirer« Herrn Stäb«.__ 4. Souurag. deu 19. Januar, Vormsttags Punkt 10 Uhr, tn Habel ö Brauerei, Berg- nannftratze 5/7. Bezirk des KasfirerS Herrn Schütze. I293 Da« OuittungSbuch legitnnirt. Um zahlreichen Besuch ersucht vi« Kommiaaion. Kufforderung an die an vit Zimmerieute Kerlins«nd Umgegend. 仫ää a«? Zsson'ta« gegen die von den drei Beauftragten herausgegebenen Abrechnungen haben auf, ihre Einwendungen spätestens bis zvm 10. Januar 1890 an die Unterzeichneten, Abend« von 7 bt* » Uhr, aelangfn wjQ�en��ufifeerf)ra|e z Lehman», Stettinerstraße 9, 1 Treppe. «mald Pihmaun, MullerUraße 173, Seitenfl. 3 Tr. KB. Wir fordern bie Kameraden ganz besonders auf, darauf zu achten, ob die Listen, auf«eiche sie gezeichnet, auch auf der Abrechnung verzeichnet stehen. Gedruckte Avrechnungen Fnd bei den oben Berzeilbneten»u baben._ Gr. öffentliche Volksversammlung für Rixdorf, Britz und Umgegend am Kountag. den 29. Dezember, Uormittags 10% Uhr, im Neuen Saale des Herrn Wierschmidt, Knesebeckstr. 15. Die Lage der arbeitenden Klasse. Ref..: W.Werner Dilkulfion. Um�-ch,'zahlreichen Besuch bittet_ N--«inbrrufer. 430 Teppiche, Möbelstoffe, Gardinen, Käufer und Kuoleum._ Verkauf zai Fabrikpreisen« CbwMM yon Porti ire», Reise- med Tiechdeeke*. Stoehr A Behr« B«ru> i f. tyisfeeltiUe t F. Hambupq- Amerikaniselie ____ ff.'i h i* t' Hamburg-NewYorK Pos 1 damip'hscjlniffali Sontaampton anlaufend Oceanfahrt«- 7 Tage. Ausserdem regelmässige Postdampfer-Verbinduug zwischen H&Tre— Ncwyort. 1 Hamburg— Wostlndlen. Stettin— Newyork. II am bürg— Ilavana. Hamburg— Baltimore.) Hamburg— Mexico. Nähere Auskunft er, hellt; Wilh. Mahler, Berlin N., InvaHdenotrasce 121, 287 bj und August Langer, Berlin, Plaiz vor dem Neuen Thor 3. sSmmtiicher Sorten. 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Allen Freunden und Bekannten zur Nach- richt, daß meine liebe Frau Warte Bterbgch geb. Putzmann am 25. Dezember, Vormittag« 10J Udr verstorben ist. 445- Dte Beerdigung findet Sonntag, d. 29. d. M., Mittags 1 Uhr, vom Trauerhau'e Grüner Weg 114 aus statt, nach dem St. Georgenktrch« Hof, Landsberger Allee. Um still-s Beileid bittet_ Gustav Kierbach, T-schler. All smUtlilbe Srisensabnkarbeittr Berlins und Umgegend. Sonnabend, den 28. Dczdr.. Abends 8& Uhr, Große öffentliche Uersammtung in Jordan'S Salo«, Neue Grünstr. 28. Tagesordnung: 1. Zveck und Z ele einer GemerkschaftSorga- nifation. Referent: Herr Fritz Krüger. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 415 Aufnahme neuer Mitglieder.— Es ist Pflicht eine» jeden SeifenfabrikarbeiterS in dieser Ver- sammlung zu erscheinen und dem Verein der Seifenfabrikarbeiter Berlins und Umgegend bei- zutreten. Der Einberufer. Zur Deckung der Unkosten findet eine Teller- sammlung statt. Zur Beachtung! Diejenigen Mitglieder des Fchiimiis der UUer, melld- Mitglieder der Grtslrrankenkasse der Tischler find, werd-n erfi cht. im Laufe de« heutige« Tage» ihren Namen und Woh- nung, Kuchnnmmer ihre» Kraukeukassen- buche« und den Bezirk resp. den Namen des- jemgen KasfirerS, der welchem Beiträge gezahlt weiden, der folgenden Herren persönlich oder per Kart« abzugeben: Für de« Uorde«: Millarg, Lehrterstr. 22, Witte, Jnvalidenstr. 2t; für de« Weste«: Manien, Kreuzbergstr. 9, Ouergeb. IV; für Süd-Gst: Haberiand, Reichen. bergerstratze 16 i II, I. Schulz, Britzerstr. 42 IV; für de« Oiste»: Schade. Gubenerstr. 61, Hoffmann, Strautzbergerstr. 36.|440 Am Sonnabend, den 21. d. M. früh, sind auf dem Wege von der Schwedterstratze bis zur Bcrnauer- und Ackerstratzen Ecke zirka 8500 Stück OuntungSmarken dcr.Töpfer Kerlins" ver- lvrcn gegangen. Der eyrirrie Finver wird gc- beien dieselben bei Herrn A. Karthu«, Palli- sadenstr. 99. 3 Tr., oder Ruppinerstr. 3, 1 Tr., bei ffi. Thiem», abzugeben. 436 Jede Uhr zu repariren und zu reinigen(außer Bruch) kostet bei mir unter Garantie des GutgehenS 1,50 Hl. Lager aller Arten Uhren und Goldwaaren zu den billiasten Preisen. 142 ®. Mist»fÄtÄr Empfehle mein [218 Weiß- n. Wolliimm-KMSft. Normal- und Barchend-Hemden, Strick- Jacken, BST sowie jeden Artikel für Arbeiter."Wtz ÄS5Ä 1-«erdard. M«|I»MIW. SSÄ'S.IS» Morgenkleidern, Regen- und Winter-Manteln Plüsch, Krimmer, Pelz, Sammet, Trikot»r Taillen, auf Wunsch gleich zugeschnitten. 1111 Karle, Lausttzer Blatz t CEdfe Woldein arst> Falhvtrein Her Metallschreubell-, FllconHrtherv.BerHgenosseil Berlins- Die Beeroigung unsere« am 25. v. M. verstorbenen Mrtgliede« August Fiedler findet am Sonnabend Nachmittag 3 Uhr vom kalho« Irschen Krankmhause, Grobe Hamburgerstratze, au» r.im) Wersense« statt. Um recht rege Betheiligung ersucht Der Vorftaud. NB. Werk statlbekann tmachungen können nicht stattfinden, wir bitten demnach die Kollegen, die Nachricht so viel wie thunlich zu verbcerren. 43 is_ D. O. Grts-Kranlrenkasse der Ktei«dr«ck»r und Ltthographen zu Kerlin. Am 26. o. M. verst-r d u fei M tgiied. Lithograph Herr Friedrich Münch» Rendant ber Ortskrankenkasse o. Slrrndrucker u. Lithograpden. Die Beerdigung findet am 29. d. M., Bor- mittags 11% Uhr, von der L-ichenhalle de« EmmauS-KirchhofeS in Britz au« statt. Um zahlreiche Belheiligung bittet 441 D-r Vo'sto''d. A Stbütz, Vors. BcerdigungS-Auzetge. Die Beerdrgung mem-s B uoerS Friedrich Grabarsch findet Sonntag, den 29. d. M.. Nachmittag« 1 Uhr vor; der Leichenhalle des EmmauS-Kück- Hofes aus statt. 442 __ Ernst Graborsch Danksagung. Allen Freunden und Bekann- ten, besonoerS den Kollegen der Demuth'fchen Fabrik, dem Verein der Sattler und Fachge- nassen, sowie dem Verein der Württemdergcr meinen herzlichsten Dank für die liedeoolle Thnl- nähme an der Beerdigung meines lieben Mannes. 446] Ww. Anna Roth nebst Söhne. Danksaguvg. Für vre rege Belhtiligung der der Beerdigung meines unvergetzlroen Mann-S und Vat.rS, des KistenmacherS Albert Buchbach, sagen allen Freunden und Bekannten, insdeiondere den Herren Kistenmachem, für die reichliche Unterstützung unseren aufrichtigen Dank.[435 Ww. Buchbach und Sohn. Altert Auerbach, Berlin S., Kottbuser Damm 7, an der Kottbuser Brücke.[953 Schuh und Stiefel-Lager für Herren, Damen und Kinder. Reelle Bedienung. Feste Preise. Punsch-Gssevz pro Ktr. 1,50 M. Glühwein- Gff.„„ 1,50„ Thee-Kum, Origfl. 1,30 ,, Franz Beyer, Vri«k'sstnnrnstr. 15(Am Moritzplatz.) 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