N». 804. Konutag,»«, SS. veiembrr INN« « Hohr«. KMerVMsblllll. Brgan für die Interessen der Ardertcr. Das„Berliaer Volksblatt"> erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreiS für Berlin frei in'S Haus vierteljährlich 4 Mar!, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt� 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerstraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemen» 4 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzeiwngSvreiSliste für 1889 unter Nr. 866.) g&r da» Ausland: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat. Jusertioasgedühr deträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlung»« Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenonimen. Die Expeditior» ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -» Fernsprecher: Amt V I. Jlr. 41.•-*- Aevakkion: VeukMraTe— Expedition: JimmeeplenTe 44. Abonnements- Einladung. Arbeiter, Parteigenosse«! Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, daß die ReichstagSwahten dicht vor der Thür stehen. Es sind das die ersten, welche für die Dauer von fünf Jahren vor- genommen werden. Kein einsichtiger Arbeiter wird sich der hohen Wichtigkeit verschließen, welche gerade diesen Wahlen innewohnt. Wir bitten daher unsere GestnnunaSaenossen und Freunde, Alles aufzubieten, um das„Kerliner Uolksblirtt" durch Gewinnung neuer Abonnenten in immer weiiere Volkskreise hineinzuführen. Der Wahtkamps wird diesmal ein ganz be- fonoerS heftiger werden, alle Parteien werden die grdßtm Anstrengungen machen, ihre Presse zu verbleiten; wir dürfen daher unter keinen Umständen zurückbleiben. Persönliche Empfehlung ist für die Verbreitung einer Zeitung am wirksamsten. Für den Monat Januar eröffnen wir ein neues Abonne« ment auf das „Kerliner UolKsblatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden „Sonntagsblatt". Der Abonn-mentsxreis beträgt frti J»» Ha«» für das ganze�Vierteljahr 4 Mark, monatlich 1 Mark 85 ijjlf., wöchentlich 35 pf. Bei Selbstabholung aus der Expedition, Zimmerstraße 44, 1 Mark pro Monat. � W-•-W Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, entgegengenommen mir außerhalb' nehmen sämmtliche Postanstalten Be« stellungen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 4 Mark an. ----*"~s-_ Die Redaktion und Expedition de»„Kerliner Dolksdiatt�» StusgeUrrpfte Artieiter. DaS Eine muß man den Nationalliberalen lassen, daß sie manchmal einen gewissen Galgenhumor haben, wenn er auch nicht ganz freiwillig ist. Dahin ge- hört der neueste Ulk, die Erfindung der„national- liberalen Arbeiterkandidaturen". Mit dieser sinnreichen Einrichtung hofft man dem Kartell einige gefährdete Wahlkreise, namentlich in den Industrie- centren von Rheinland und Westfalen, zu retten. „War' die Zdee nicht so verdammt gescheidt, man wär' versucht, sie herzlich dumm zu nennen!" Aber sie kommt auch nicht von ungefähr. Die National- liberalen haben schon lange über dem herrlichen Projekt ge- jfeuMefcw. f65 Ifta&tiuii verbotmZ • 03 c r mt u a 1. vszialer R»«a« v»» Lmi!e Z«la. Sinzig autorifirt: Uebersetznng von Ernst Ziegler. Die Brulä gab daS Signal. Auf ihren sehnigen Knien zerbrach sie einen Ziegel; dann schnellte sie mit beiden Händen die zwei Hälften auf das Militär. Die Levaque verrenkte sich fast die Schultern; ihre schwammigen, kraftlosen Muskeln vermochte die Steine nicht zu werfen, sie mußte dicht an die Soldaten herantreten. Die Mouquette aber, deren fleischiges Knie von dem Brechen der Steine zu bluten begann, schleuderte mit wilder Kraft die Steine, wie sie sie fand. Selbst die Kinder blieben nicht müßig und lernten von Bebert, wie man werfen müsse. Es hagelte polternd an daS Haus. Und plötzlich stand mitten unter den Andern auch Katharina, beide Arme er- hoben, in jeder Hand einen halben Backstein schwenkend, dem sie mit aller Kraft ihrer mageren Arme in die Luft warf. Sie wußte nicht, warum sie dies that; sie hatte ge» meint, ersticken zu müssen, und jählings war die Lust, alles zu massakriren, über sie gekommen. Wird diese verfluchte Existenz nicht bald aufhören? Sie hatte eS satt, gemißhandelt, geschlagen, von ihrem Mann auf die Straße ge- morsen zu werden, wie ein verlorener Hund durch die Pfützen zu waten und nicht einmal ihren Vater um eine Suppe anbetteln zu können, weil er selbst nichts zu essen hatte. Seit sie lebt, seit sie denken kann, geht'S immer schlechter, immer bergab. Genug! Das soll ein Ende brütet, eine besondere nationalliberale„Ar- beiterbewegung" zu schaffen. Sie haben sich das kläg- liche Fiasko der Hi rs ch-Duncker'schen Gewerkvereine nicht zum warnenden Exempel dienen lassen; vielleicht auch sind sie durch die großen Arbeiterorganisationen, die unter christlich-sozialem Banner dem Centrum folgen, zu ihrem utopischen Versuch angespornt worden, vielleicht auch durch die Versuche der Junker, konservative Arbeitervereine zu gründen. Der vielumworbene arme Mann läßt sich indessen zu solchen Experimenten nicht gerne gebrauchen, und sogar die ziemlich festgefügten Arbeiterorganisationen im Ge- folge des Centrums leisten nur noch ungerne den Befehlen der Führer dieser Partei Gehorsam. Die von den Nationalliberalen gegründete famose „Arbeiterzeitung" deutete schon an, daß man neue sozialpolitische Bahnen einschlagen wolle. Diese Zeitung bewies gleich, wie wenig Geschick die National- liberalen für solche Dinge besitzen. Sie konnte sehr wohl als ein Frühstücksblatt für national- liberale Rentiers dienen, die sich zur Beruhigung ihres Ge- Wissens, namentlich wenn sie ihr Vermögen durch Grün- düngen und Spekulationen erworben haben, gerne von ihren Lohnschreibern sagen lassen, daß der Sozialismus in jeglicher Form ein Unsinn sei. Die Arbeiter selbst mögen ein solches Blatt einmal lesen, wenn sie es gratis bekommen. Der Mißerfolg dieses Blattes, das dem allgemeinen Gespött schon nach seinen ersten Nummern verfiel, konnte die nationalliberalen Sozialpolitiker in ihrem unverwüstlichen Optimismus nicht stören. Man sah verschiedene Versuche, die Arbeiter in das nationalliberale Fahrwasser zu bringen. In Mannheim versuchte man eS mit einem nationalliberalen Arbeiterverein; in Stuttgart nehmen die Nationalliberalen bei den Kommunalwahlen einen ausgestopften Arbeiter auf den Wahlzettel, in der edlen, aber vergeblichen Absicht, dadurch die Stimmen der Arbeiter für sich zu ergattern, und nun schlägt sogar die„Kölnische Zeitung" eine Arbeiter- Reform-Partei vor, die im Gefolge des KattellS marschiren soll. Die famosen nationalliberalen Arbeiter- kandidaten sollen die Krönung des Gebäudes sein. Was die Aufgabe solcher ausgestopften Arbeiter sein würde, liegt sehr klar vor Augen. Sie hätten sich als„Arbeiterkandidaten" aufzuspielen und wenn sie gewählt würden, so hätten sie genau dasselbe zu thun, was die Herren Kartellbrüder selbst machen. Bei dieser ganzen Geschichte ist nur Eines erstaunlich, nämlich die ungeheure Naivetät— um kein anderes Wort zu gebrauchen— mit welcher die Kartellbrüder diesen neuesten Ulk inszeniren und mit welcher sie den eigentlichen Zweck dieser ganzen Mache ausplaudern. Um ein paar Wahlkreise dem Kartell zu erhalten, soll die neue „Reform-Partei" gebildet werden. Ein Zweck, fürwahr des Schweißes der Edlen werth! Die Herren mögen nur kommen und ihre ausgestopften Arbeiter präsentiren. Ein ungeheures Hohngelächter wird sich auf der ganzen Linie der Arbeiterbewegung erheben. Die Herren werden dann endlich einmal einsehen lernen, daß die Arbeiter etwas ganz haben! Und wild zerbrach sie die Steine und schleuderte sie blind von sich, ohne zu sehen wohin, nur von dem einen Gedanken beseelt, alles zu vernichten. Stephan, der neben den Soldaten stand, war von einem Stein am Kopfe getroffen worden; sein Ohr schwoll schmerzhaft an; er wandte sich um und erkannte, daß Katharina'? fiebernde Hand den Wurf gethan. Doch auf die Gefahr, getödtet zu werden, blieb er an seinem Platze und blickte auf das Mädchen. Auch andere Mädchen neben ihm schauten dem Kampfe zu, und weiter entfernt stand Mouquet und gab sein Urtheil über die Würfe ab, als wenn es sich um eine Partie Kugelwersen gehandelt habe' „Der fitzt! Gefehlt! Bravo!' Dabei lachte er und stieß Zacharias freundschaftlich in die Seite. Doch dieser stritt sich mit seiner Frau. Die Kinder hatten verlangt, er solle sie auf den Arm nehmen, damit sie zusehen könnten, er wollte nicht; sie weinten, und als er sie schließlich gezüchtigt, war Philomene auf ihn böse geworden. Hinter ihnen drängten sich andere Zuschauer bis auf die Straße, und ganz drüben auf einem Hügel überblickte der alte Bonnemort, der sich mit einem Krückstock hierhergeschleppt, unbeweglich von seinem erhöhten Platze den Kampf. Sobald die ersten Seine geflogen, hatte sich der alte Richomme von Neuem zwischen die Soldaten und die Arbeiter gestellt, unbekümmert um die Gefehr und so verzweifelt, daß große Thränen aus seinen Augen rollten. Niemand ver- stand seine Worte in dem Tumult, man sah nur, wie sein großer weißer Schnunbart sich zitternd bewegte. Doch der Steinregen wurde dichter. Jetzt begannen auch die Männer sich an dem Kampfe zu beiheiligen. Die Maheude bemerkte, daß ihr Mann im Hintergrunde blieb und mit leeren Händen zuschaute. „Was?" fragte sie,„bist Du feig? Willst Du zugeben, Anderes sind, als was sie sich unter denselben vorgestellt haben. Die Natur der modernen Arbeiterbewegung zeigt sich gerade in dem einmüthigen Bestreben aller vorgeschrittenen Elemente der Arbeiterklasse, die V o r m u n d s ch a f t der alten und abgelebten Parteien von sich abzuschütteln. Die Arbeiter wollen nicht mehr das stumme und unterthänige Gefolge irgend einer Partei bilden, bei der man sie im aller- besten Fall als Parteigenossen zweiten Ranges ansieht und wo sich die Arbeiter schon glücklich schätzen sollen, wenn irgend eine abgestandene politische„Größe" ihnen einmal herablassend die Hand drückt, oder gar ihnen die Ehre erweist, sich zu ihnen an den Biertisch zu setzen. Für solche Gnadenbezeugungen sind die Arbeiter sehr schwer zugänglich geworden, seitdem sie die sozialökonomische Stellung und Bedeutung ihrer Klasse so völlig begriffen haben, daß sie wissen, wie wichtig ihre Rolle in der Gesell- schaft ist. Wir sehen in diesen krampfhaften und lächerlichen Ver- suchen der Kartellbrüder, das 1887 errungene'Gebiet zu be- haupten, die Gewißheit, daß sie selbst fühlen, wie wenig das Kartell auf eine Zukunft rechnen kann. Die Arbeiter kennen die Sünden des Kartells sehr genau und werden sich nicht den Bären aufbinden lassen, die öffentlichen Lasten seien weniger hoch und die Lebens- mittel weniger theuer geworden, wenn die„Kölnische Ztg." sich herbeiläßt, eine Arbeiter-Reformpartei zu befürworten. Man möge die nationalliberalen Arbeiterkandidaten nur bringen; wir wollen sie dann unter die Lupe nehmen und zeigen, daß sie ausgestopft sind. Im Uebrigen ist es ganz interessant, wenn der Wahl- kämpf eine gewisse Abwechslung erhält dadurch, daß die Wählerfänger wieder in einer neuen Maske auftreten. Ob die Kartellbrüder selbst an einen Erfolg der ganzen Komödie glauben? Wir glauben an einen solchen. Die Massen der Ar- beiter werden sich mit Widerwillen von solchen Manövern abwenden und werden einen gewissen Stolz darein setzen, durch ihre Abstimmung zu beweisen, daß sie mit den Aus- gestopften absolut nichts zu schaffen haben. x>olitifls»e Ueverstrhk. Mannesseele». Der sozialdemokratischeTheil des„Ltipjiger Tageblattes", welcher den Reichs sein den schon so viel Spaß und den Reichs freu» d en so viel Ver« druß bereitet hat, ist seit einiger Zeit spurlos ver« sch wunden. Und zwar hat man ausgerechnet, daß dieses Phänomen genau von dem Augenblicke datirt, wo das fach« sische„Vatertand", das O.gan der k o n s er v a t i v en Kartell- brüder, dem„Tageblatt" ein kräftiges quos ego! zugerufen wegen der rollenwidrigen Seitensprünge in Sachen der Ge- treidezölle. Daß das„Leipziger Tageblatt" nicht so tapfer war, einem Angriffe aus konservativen, das heißt daß man die Kameraden ins Gefängniß bringt?... Ah, wenn ich nicht das Kind auf den Armen hätte, bei Gott, Du solltest mich sehen!" Estelle hatte sich heulend an ihren Hals gehängt, sie mußte sie mit beiden Händen halten; aber mit den Füßen stieß sie Steine bis zu ihrem Manne hin und rief: „Wirst Du nehmen! Soll ich Dir vor aller Welt in'« Gesicht speien, damit Du Math bekommst?" Er war roth geworden, ergriff einen Ziegel, zerbrach ihn auf seinem rechten Knie und that wie die Ändern. Seine Frau hinter ihm feuerte ihn an, schrie ihm blut- dürstige Worte ins Ohr, ihr Kind unbewußt drückend, daß ihm der Athem ausging. So trieb sie ihn weiter und weiter vor, bis er sich dicht vor den Gewehren befand. Die kleine Truppe verschwand unter dem Hagel der Steine. Glücklicherweise flogen die meisten zu hoch und prallten an die Mauer. Der Gedanke ins HauS zu flüchten, übergoß einen Augenblick das bleiche Gesicht des Haupt- mannS mit Purpurröthe; aber dies war nicht einmal mehr möglich, denn bei der geringsten Schwenkung hätte man sie von hinten massakrirt. Ein Stein brach den Schirm seines Käpti, Blut träufelte ihm von der Stirn. Auch mehrere von seinen Leuten waren verwundet; er fühlte, sie waren außer sich; der Instinkt der Selbstvertheidigung drohte dem Chef den Gehorsam zu versagen. Dem Sergeant entschlüpfte ein lauter Fluch, als ein ganzer Ziegel seine linke Schulter so heftig traf,. daß e« klatschte, wie wenn die Weiber nasse Wäsche klopften. Den Rekruten hatten schon drei Würfe gestreift, seine rechte Hand blutete, sein Knie brannte schmerzhaft. Ein von der Wand zurückprallender Stein traf den alten Soldaten; seine Wangen wurden grün vor Zorn; ein Gewehr zitterte und schob sich langsam in seinem magern Arme vor. au» Regierungskreisen, die Stirn zu bieten, das kann uns freilich weder wundern noch interessicen— wer hatte je sich gewundert, wenn Freund Lampe vor den Jagd- Hunden ausreißt, oder wer— mit Ausnahme eine» Sonntags« jägerS— hätte sich je für die Geschwindigkeit inter- essirt, mit welcher Freund Lampe seinen Drängern zu ent- fliehen sucht? Die Sache hat hier aber einen ernsthaften Hintergrund. Wie der Versuchsballon die Richtung des Windes anzeigt, so verkündigt diese Hasenfüßelei der sächsischen«.Mannesherzen'', deren vornehmste» Organ das„Leipziger Tageblatt' ist, daß sie ihre vollständige Ohnmacht begriffen haben, und den k o n» servativen Kartellbrüdern, von deren Gnaden sie existren, nicht bloS da» Opfer des Intellekts, sondern auch das Opfer der Interessen zu bringen sich resignirt haben. Und wie in S a ch s e n, so sind die„Mannesseelen' auch in dem übrigen Deutschland. Und wird der Stock des AuSweifungSparaaraphen vorgehalten, so springen sie ebenso gelehrig darüber, wie die Pudel des„Leipz. Tageblatts' soeben über die K o r n z ö l l e gesprungen sind. Di» Kegnadigung de» Dr. Kachler von der„Staats- bürger- Ztg.' wird in drr„Volks- Ztg.' irrigerweise als eine nachträgliche Wirkung de« AmnestieerlaffeS de« Kaisers Friedrich vom 1. April 1888 für die vor Erlaß desselben begangenen Veraehen zu erklären gesucht. Diese Auslegung trifft nicht zu, weil Dr. Bachler nicht aus einem derjenigen Paragraphen des Strafgesetzbuchs verurtheilt ist, hinsichtlich deren der Amnestie- erlaß«ine solche nachträglich- Wirkung mit sich bringt. Di» Gig»«schaft al» Antisemit ist in der Verhandlung gegen den Fadrikvesitzer Hemrick Kügler aus Hohenleuben wegen Belkidigung der der jüdischen Konfession angehörenden Rechtsanwälte von dem Gerichtshof als ein besonderer Straf- Milderungsgrund erachtet worden. Diese Anschauung ist inso- fern besonders bemerkenswerth, als in den zahlreichen Sozia« listenprozessen die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei, namentlich aber die Eigenschaft eines Angeklagten als eines hervorragenden Mitgliedes dieser Partei stets strafschärfend in« Gewicht fällt.— Aus der qu. Verhandlung ist auch noch die Angabe des Angeklagten bei seiner verantwortlichen Vernehmung nachzutragen, wie er dazu gekommen ist, den Rechtsanwalt Dr. Sello für einen Juden zu halten. Er sagt, er wäre vor einigen Jahren als Geschworener nach Gera einberufen gewesen. An einem der Sitzungstage habe Rechtsanwalt Dr. Sello aus Berlin als Vertheidiger eines jüdischen Angeklagten fungirt. Auf diese Verhandlung hatte der SchwurgerichlS-Präfident die Ge- schworenen mit dem Bemerken besonder« hingewiesen, daß der jüdische Angeklagte eS für sicherer gehalten, zu seinem Verthei- diger nicht einen Anwalt aus dem Orte, sondern einen berühm- ten jüdischen RcchtSanwa't aus Berlin zu erwählen, der sich in dem Neustettiner Synagogenbrandprozeß als Vertheidiger seiner Glaubensgenossen so bedeutend hervorgethan hätte. Die« sei der Grund sür die inkriminirte Bemerkung gewesen; denn bei seinen Anschauungen habe er sich doch mit einem solchen Manne nicht in Berbandlungen einlassen können. Di» V»rhast««g d»» früh»»»« La»d»«dir»ktor« von Westpreußen Dr. Wehr hat ein so bedeutende« Aufsehen erregt, daß«S sich wohl verlohnt, auf die Gründe, welche die- selbe veranlaßt haben, näher einzugehen. Aus Danzig schreibt man der„Tgl. Rundsch." darüber: Dr. Wehr wurde im Jahre 1378 mit geringer Mehrheit zum Landesdirektor der Provinz Weslpreußen aus 6 Jahre gewählt, nachdem der bisherige Landesdirektor Rickert erklärt hatte, eine Wiederwahl nicht annehmen zu wollen. Nach Ab- lauf seiner Wahlperiode wurde er 1884 nicht allein einstimmig wieder gewählt, sondern auch sein Gehalt wurde um 3000 M. erhöht. Diese Wiederwahl erregte allgemeines Befremden, denn es war bekannt, daß Dr. Wehr in einer Weife ver- schuldet wa-, die sich mit der Stellung de« höchsten Beamten der Selbstverwaltung der Provinz nicht vereinbaren ließ. Dr. Wehr borgte nicht allein überall Kellner an, blieb Gepäckträgern und Dienstleuten ihre Gebühren schuldig, sondern chatte e« auch dahin gebracht, daß kein Koch in Danzig sich bereit finden wollte, die von der Pro- vinz zu gebenden Gastmähler zu besorgen. Dazu kam, daß seine Geschäfts- und namentlich Kassenführung zu sehr begründeten Aussetzungen Anlaß bot. So wurde zum Beispiel bei einer Revision der Landeshauptkasse ein Fehlbetrag.von mehreren tausend Mark, man spricht von 15 000 M., vorgefunden, welche von dem Landesdirektor gegen hinterlegte Quittungen aus der Kasse entnommen worden waren. Zwar wurde da« fehlende Baargeld in kurzer Znt herbeigeschafft und eine Aenderung der Geschäftsführung vorgenommen, welche dem Herrn Dr. Wehr derartige Handlungen für die Zukunft unmöglich machen sollte, doch hatte dieses weiter keinen Erfolg, als daß Dr. Wehr nunmehr andere Wege einschlug, um die Provinz zu schädigen. Am 18. Februar 1886 richtete der Ritter- ?uisbesitzer Holtz Blumenfelde eine Eingabe an die Hüfskassen- ommisfion, in welcher derselbe unter Beifügung eines Planes der Melioration de« KcangenfeeS und der Herstellung von Riesel- wiesen sowie eines Statute« der zu diesem Zwrcke gebildeten Genossenschaft um ein Darlehen von 104 000 M. bat. Zweimal schon wollte der Offizier Feuer kommandireu. Ein Angstgefühl benahm ihm den Athem. Er kämpfte ein paar Sekunden lang einen furchtbaren Kampf zwischen Pflicht, Soldatenehre, Menschenwürde; die Steine flogen dichter. Er öffnete den Mund.--- Da gingen die Schüsse von selber loS, erst drei, dann fünf, dann knatterte eine Salve, wie Peletonfeuer; endlich ganz zuletzt knallte noch ein einzelner Schuß in das Grabesschwergen. Die Menge blieb verblüfft mit offenem Munde, als könne sie immer noch nicht glauben, daß doch geschossen worden. Dann erhoben sich entsetzliche Schreie, und während der Trompeter das Einstellen des Feuers blies, stürzte Alles in wilder Flucht durch den Schmutz des HofeS hinaus. Die ersten Schüsse hatten Bebert und Lydia hingestreckt; dem Mädchen durchbohrte eine Kugel die Stirn und sie stürzte sofort todt zu Boden; den Knaben traf das Blei in die Brust, er fiel quer über sie. Jeanlin kam in diesem Augenblick schlafttunkenen AugeS von Requillart und sah die Beiden den Geist aufgeben. �. Die fünf anderen Schüsse tödteten dre Brul« und den Vater Richomme. Den Alten traf die Kugel in den Rücken, während er seine'Kameraden beschwor, das Werfen zu lassen; er war auf die Knie gestürzt, glitt auf die Seite und lag röchelnd am Boden, die Augen noch voll der Thränen, dre ihm das wahnsinnige Treiben seiner einstigen Kameraden er- preßt. Die Bruls empfing das tödtliche Blei in die Kehle; sie war in ihrer ganzen Länge krachend auf die Erde ge- fallen, wie ein Bündel trockenen Reisigs, fluchte noch ein- mal mit blutgurgelnder Stimme und verschied. Aber mörderisch hatte die Salve gewüthet. Die hundert Schritt entfernten Zuschauer selbst wurden getroffen; Mouquet bekam eine Kugel gerade in den Mund, er stürzte zu den Füßen Zacharias, beide Kinder mit seinem Blut bespritzend. Zwei Schüsse trafen die Mouquette in den Leib. Sie hatte gesehen, wie die Soldaten plötzlich die Gewehre an die Schultern legten, war mit instinktiver Gutherzigkeit vor Ka- tharinen gesprungen, rief ihr zu, sich zu retten; dann stürzte sie rücklings zusammen. Stephan erlte herber, richtete sie auf Aber sie bedeutete, daß sie verloren sei warf einen Der Antrag wurde genehmigt und der Landesdirektor Dr. Wehr beauftragt, den Fortgang der Arbeiten speziell zu beauisiibtigen. Trotzdem nun Holtz beantragt hatte, ihm im Jahre 1886 nur 75 000 M. und den Rest von 2S000M. erst im nächsten Jahre zu zahlen, trotzdem mehrfache Gutachten der Baubeamten der Provinz festgestellt halten, daß verhältnißmäßig geringe Summen zur Entwässerung verwendet worden seien, beeilte sich Dr. Wehr mit der Anwessung der Gelder so. daß bereits im Okiober 1886 da« ganze Darlehn von 104 000 M. ausgezahlt worden war. Ein Protest des Kreisausschusses zu Berent gegen weitere Zahlungen an Holtz blieb, da die Gelder bereits verausgabt waren, erfolglos. Ja diesem Protest wurde behauptet, daß Holtz erst 24 000 M. vorschriftsmäßig verwendet hätte. Dies« beinahe unglaubliche Handlungsweise des Landesdirektors fand ihre Er- klärung durch die Aussage des Holtz, daß er genölhiat g'wefen sei, an Dr. Wehr von dem Darlehn der Provinz 32 400 M. auf werthlose Wechsel zu geben. Im Jahre 1888 kam Blumenfelde, da« Gut de« Genossenschaftsvorstehers Holtz, zur Subhastation, und die Forderungen der Provinz fielen vollständig aus. Am 16. Juni 1888 wurde schließlich festgestellt, daß der 160 Hektar große Krangensee wieder vollständig mit Wasser gefüllt und von Kulturversuchen nichts mehr zu sehen sei. Diese skanda- lösen Vorgänge bewogen endlich ben Landesdirektor Dr. Wehr dazu, fein Amt niederzulegen. Es kennzeichnet den Mann, daß er noch den Mulh halte, Monate lang in der preußischen Volksvertretung zu fitzen und kurz vor der Katastrophe von der Tribüne des Parlaments herab vor dem Lande eine feierliche Erklärung abzugeben, daß er„nicht fein Amt und überhaupt Nicht« niedergelegt habe.' Und als nun schli-ßlich im Pro- vinziallandtage seine unsauberen Handlungen öffentlich enthüllt worden waren, legte er auch dann noch sein Abgeordneten- mandat nicht nieder, sondern bezog seine Diäten bis zum Schluß des Landtages. Ob und inwieweit diese Borgänge zur Erhebung einer Anklage gegen Dr. Wehr und zu seiner Ver- Haftung Veranlassung gegeben haben, ist zur Zeit allerdings noch nicht b-kannt. A« Zöllen und Nerbrnuchvstruern, sowie anderen Ein- nahmen im Deutlchen Reiche find für dre Zeit vom 1. April 1889 bis zum Schluß des Monats November einschließlich der kredrlicten Beträge und abzüglich derAuSfuhroergülungen zur An- Khreidung gelaugt: Zölle 246 636239 M.(4- 46 658 403), Tabak- euer 6 257 465 M. 1+513 235), Zuckermatenolsteuer 18816 160 Mark(+ 47 963 543), Verbrauchsabaabe von Zucker 30 381 917 Mark(+ 23 243 028), Salzsteuer 26 901 532 M.(— 369 970), Maisck bottick- und Branntweinmaterialsteuer 4 298 133 M. (+ 2 043 585), Verbroucksabgabe von Branntwein und Zu- scklag»u derselben 76 627 885 M.(+ 7 079 411), Brauste uer 16 841 195 M.(+ 1956 267), UebergangSabgabe von Bier 2051805 M.(+ 253 545); Summe 391 180011 M. S- 129 341 047).— Spielkanenstewpel 791 677 M.(+ 34 532), echselstempelsteuer 4 940 589 M.(+ 386 750), Sirmpel- steuer für») Werthpapiere 6 956 553 M.(4- 2 337 624), b) Kauf- und sonstige Anschaffungsgeschäst« 9 527 653 M. (+ 1 596 939), c) Loose zu Privailotterien 393 226 M. (+ 51810), Staate lotterien 4 383 747 M.(+ 281481), Post. und Telegraphenverwaltung 139 455 934 M.(+ 9 635 597), Reichs- Eisenbahnverwaltung 35 921000 M.(+ 1351 100). Die zur Reichskasse gelangte Jtteinnahme abzüglich der AuSfuhrvergütung und Verwaliungskosten betrugen für den« selben Zeitraum Zölle 217 398238 M.(+ 48 965 325), Tabaksteuer 7 638 986 M.(— 601732), Z uckermaterial steuer 10 848 586 M.(— 3 840 151), VerdrauchSabgobe an Zucker 28 352 424 M.(+ 28 562 849), Salzsteuer 24 558133 M. (— 62 315), Maischbottich, und Branntweinmaleriasteuer 11 018 147 M.(— 140 062), Verbrau»soboabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 60829 355 M.(+ 16 917 311), Br austeuer und UeberganaSabgabe an Bier 1 6 063 502 M. (+ 1906 849), Summe 376 707 371 M.(+ 91708 074).— Spielkartenstrmpzl 728 558 M.(+ 33 653). I» Sachsen hat nunmehr ein Gericht erster Instanz ent« schieden, daß dre Aufforderung zum Boykott als grober Unfug zu bestrafen ist. Von der Dresdener Amtshauptmannschaft find kürzlich zwei Arbeiter, der Glas- macher Baumgarten und der Schlosser Schlenker wegen Ver- hreituna eines Flugblattes, durch welches der Boykott über einen Gasthof in dem benachbarten Cotta erklärt w-rden sollte, mit je 15 M. Geldstrafe belegt worden, indim die genannte Polizeibehörde in der Verbreitung des Flugblattes einen groben Unfug erbtickie. Die seitens der Bestrasten beim Schöffengericht eingelegte Berufung hat, wie uns aus Dresden geschrieben wird, keinen Erfolg gehabt. Das Schöffengericht war im Gegentheil der Ansicht, daß die von der Amtshauptmannschaft auSgewor- fene Geldstrafe eine zu geringe sei, weshalb nunmehr über jeden der beiden Arbeiter eine Haftstrafe in Höhe von 10 Tagen verhängt wurde. Hoffentlich wird die Sache durch alle In« stanzen verfolgt, damit eine endgiltige Entscheidung über diese Frage herbeigeführt wird. Dänemark. Kopenhagen, 25. Dezember. Die im vorigen Jahre gewählte Kommission für die ArbeiterverficherungS-Gesetzentwürfe wird bald ihre Arbeiten zum Abschluß bringen. Bisher hat die freundlichen lächenden Blick auf Stephan und Käthen, als freue sie sich, Beide bei einander zu sehen, jetzt wo sie selbst von dannen ging; ein krampfhaftes Schluchzen durch- fuhr ihren Körper; sie war todt. Alles schien vorüber; ein paar Kugeln waren bis an die Häuser des Dorfes geflogen.— Da ging der letzte einzelne Schuß los. Maheu, mitten in'S Herz getroffen, drehte sich um sich selbst und siel mit dem Gesicht voran in einen Tümpel, der schwarz war vom Staub der Kohle. Wie blödsinnig sah eS die Maheude: „He, Alter, steh' auf, es ist nichts, sag'?" Sie kniete nieder, schob daS Kind unter den Arm, und drehte ihren Mann, um ihm in'S Gesicht zu schauen. „Sprich doch, wo thut'S Dir weh?" Sein Auge blickte leer, seinen Mund füllte blutiger Schaum. Sie verstand, er war todt. Sie blieb auf den Knieen in dem schwarzen Wasser neben ihm sitzen, ihr Kind, gleich einem Packet unterm Arm, und starrte wie eine Närrin auf die Leiche. Die Grube war frei. Mit nervöser Hand hatte der Hauptmann sein zer- trümmerteS Käppi abgenommen und wieder aufgesetzt, stumpf und bleich nach dieser Katastrophe, welche für immer seine Soldatenehre befleckte. Seine Leute luden von Neuem ihre Waffe. Am Fenster erschienen die erschreckten Gesichter von Negrel und Dansaert; hinter ihnen stand Souvarine. Eine tiefe Falte schnitt durch seine Stirn, als wenn fein heim- sicher Plan sich in einem drohenden Stempel ausdrücken wolle. Drüben auf der Anhöhe verweilte noch der alte Bonnemort, eine Hand auf seinen Stock gelehnt, mit der anderen die Augen schirmend, blickte er auf das Unglück der Seinen. Die Verwundeten schrieen; die Todten in ihren gebrochenen Stellungen wurden steif und kalt; besudelt von dem auf- gethauten Schmutz de? HofeS, hier und da in die tintigen Schlammpfützen gebettet, die schwarz unter den Resten des schmelzenden SchneeS hervorquollen. Und zwischen den Kommission den Gesetzentwurf, betreffend die Versicherung der Arbeiter gegen Unfälle während der Arbeit, und den Gesetz- entwurf, betreffend die Alter« oerficherung der Arbeiter, der Re- gierung überliefert. Ueber die letzterwähnte Vorlage lautet da« Ürtheit wenig günstig. E« wird allgemein für nothwendig er- achtet, daß der Altersversorgung die Krankenversicheiung voran« gehen müsse. Zur Durchführung der Arbeitergesetze soll der Ertrag der neu eingeführten Schutzzölle dienen, es wird indeß noch lange dauern, ehe die erwäbnien Gesitze in Kraft treten werdm.— In einer der letzten Sitzungen de« Foikethings hat der Abgeordnete Thorup wieder fernen Vorschlag zur Anlage eine« Kanals zwischen der Nordsee und dem Kattegat einge« bracht. Dieser Antrag zur Anlegung eines Kanals, welcher dem deutschen Nordostseekanal Konkurrenz machen soll, wurde schon in der vorigen Sellion eingebracht, und e« würbe«in Staat«- zuschuß von 10 Millionen Kronen verlangt. Die Regierung verhielt sich damals gegenüber der Vorlage ablehnenb und sie wollte eine Konzession nicht aeben. Jetzt wird statt des Zu- schusses eine Staatsgarantie für 36 Millionen für eine bestimmte Reihe von I ihren verlangt, die Regierung beurtheilt jedoch auch diesen Vorschlag ungunstig. Die Vorlage ist«wem Ausschüsse überwiesen worden. Itali»«. In Italien haben sich in den letzten Tagen die Jrreden« tisten auffallend bemerkbar gemacht. Wegen irredentlst scher Kundgebungen war bekanntlich der Gemeinderatb von Terni aufgelöst worden. Die„Amtliche Zeitung' vkröffmittckt jetzt da« bezügliche königliche Dekret. Dem Dekret gehl em Bericht de« Mmifteipräfidenten Crispi an den König voraus, dem zu- folge die Maßregel dadurch veranlaßt wurde, daß der Ge« mernderath von Terni am 20. d. M. awoß'ich des Jahrestages� der Hinrichtung von Oberdcnk zum Zeichen der Trauer die Sitzung aufhob und dadurch eine politische und ungesctz iche Demonstration beging. In einer Re�e zur Oberdankfeier hatte in Rom ein ge- wisser Albani geäußert: Oberdank habe seiner Zeit seinen AttentatSvlan u. A. an ForNS, den gegenwä tigen UnterstaalS- sekretär CnSpi'S, mitgetbeilt; FortiS habe nickt nur den Plan gebilligt, sondern auch Oderdank zur Ausführung vei aniaßt. Diese Aeußerung ist mehrere Tage ohne Deme. ti geblieben, und man war an manchen Stellen schon geneigt, den Inhalt derselben als Wahrheit anzusehen. Ein Wolff'sches T-le- gramm vom Mittwoch meldet aber nur mehr, daß d'e Mel- dung, der jetzige Unterstaatssekretär Jortie habe ,u Oderdank und dessen Attentat in Beziehungen gestanden, vo-i maßgebender Stelle als vollständig aus der Luft gegriffen bezeichnet werde. R«tzla«d. In den Ostseeprovlnzen erfolgen, nachdem die Hauptschläge gegen da« Deutschlhum gesührt worden sind, noch einige siei iere Schläge, um das Werk der Raslifiz.rung zu glätten und zu vollerden. Die Dorpater Univeisitätsprosissoren wählten bisher den Rrktor selbst aus ihrer Mut«, soll der RcHot aber gut russisch sein, so kann das natürlich nicht so bleiben. Daher ist denn in der Gesetzsammlung am Freltag ein vom Kaiser genehmigter Reichtralhkbeichtuß veröffenilicht, wonach in Abänderung und Ergänzuug der Statuten der Dor- pater Universität der Rektor künftig vom Minister sür Volks- aufklärung aus der Zahl der ordentlichen Pivf.ssoren der Um- verfität gewählt und durch kaiserlichen Erlaß aus vier Jahre ernannt wird. Der Pcoiektor und die Dekan« werden vom Kurator des Lehrbezirks gewählt und durch den Mrnistcr für Volksauskiäruna im Amte bestätigt. Endlich werden dem Mi- nister bei der Besitzung vakant gewordener Piofissuren um- fassendere Machtbefugnisse als bisher eingeräumt. Amerika. In Brasilien scheinen neueroing« einige Unordnungen stattgefunden zu haben, welche von der antuipublikanilche» Presse stark aufgebauscht worden find. Nach einem Wolff'smen Telegiamm find in New Park aus Mont'vldeo über Galoeston Pcioatnachrickten eingegangen, welche die Meldungen von neuer- ding« in Brasilien stattgehabten Unordnungen und Ruhe- stö ungen bestätigen und die Lage der R g'rrung als erne kritische bezeichnen. Wir missen diesen Nachrückten wenig Glauben bei. Daß nach einer so bedeutsamen Umwälzung, wie sie in Brasilien staltgefunden halte, R>.hestö ungen vor- kommen mußten, war von vornherein vorauszusetzen; daß aber diese Ruhestörungen bedeutend genug waren, um den Bestand der Re- pudlrk in Frage zu stellen, dafür siegen bish" noch keine genügende Belege vor. Eine Abtherlung Militär in Rio de Janeiro ist an- spruchsooll oufgetreten, das ist die Thatsache welche den schwarz- särberischen Daistellungen zu Grunde liegt. Das Pariser.J.um. de« DebatS' läßt sich von wiederholten mrlltäiilchen Meutereien berichten. Dieletben Berichte stellin jetock lest, daß Marschall Fonseca trotzdem der Herr der Lage ist. Man muß bedenken, daß daS Militär bei der Revolution die eiste Rolle spielte. Ganz natürlich ist eS daher, daß dosseibe im Bewußiiein seiner Wichtigkeil nunmehr mit der neuen Regierung in Kor fliki geiälh. Alle Erlasse der neuen Regierung find aber energischer Natur vom Elend ausgehungerten mageren Leichen lag der Körper „Trompette'S", ein trauriger großer Klumpen todten Fleisches. Stephan lebte. Er stand noch mitten auf dem Hofe, als eine schmetternde Stimme hinter ihm laut wurde. ES war der Abbe Ranvier, der von seiner Frühmesse zurück« kam. Er hob beide Arme gen Himmel, rief den Zorn Gottes auf die Mörder herab und verkündete mit wuth- bebendem Prophetenton, das Reich der Gerechtigkeit werde kommen, das Feuer des Himmels werde das Bürgerthum vertilgen, weil es zur Krönung seiner Greuelthaten die Ar- beiter, die Deklassirten dieser Welt, niedermetzeln lasse. Siebenter TheiU Erstes Kapitel. Die Flintenschüsse von Montsou widerhallten in einem furchtbaren Echo bis nach Paris. Seit vier Tagen brachte» die entrüsteten Opposition� Organe auf ihrer ersten Seite in umständlicher Weise die haarsträubendsten Berichte. fünfundzwanzig Verwundete, vierzehn Todte, darunter zwei inder und drei Frauen. Dann wurde weitläufig von de» drei Gefangenen gesprochen. Levaque war eine Art HeroS geworden und ihm wurden Antworten von erhabener Würde und klassischem Heldenmuth in den Mund gelegt, die er dem ZnstruktionSrichter gegeben habe. Das Kaiserthum, welches durch diese paar Kugeln in'S Fleisch getroffen worden, affektirte eine majestätische Ruhe, ohne sich über die Gefähr- lichkeit der erhaltenen Wunde recht klar zu sein. DieS sei, meinten die Regierungsblätter, nichts als eine allerdings bedauerliche Kollision dort oben in jenem schwarzen Kohlen- lande, weit von dem ASphalt von Paris, wo die öffentliche Meinung geboren wird. Die Sache wird bald dem Ver- gessen anheimfallen. Die Kompagnie erhielt den offiziösen Befehl, die Er- eignisse möglichst zu vertuschen und diesem Streik, der anfing sich gar zu sehr in die Länge zu ziehen und der schließlich eine soziale Gefahr werden könne, ein Ende zu machen. Schon am Mittwoch früh kamen denn auch i« Montsou drei Regisseure an, und da« Städtchen, welche« bisher noch nicht gewagt hatte, sich über das Blutbad im und bekunden, daß dieselbe vollständig da« Heft in Händen hält. So wird au« Rio de Janeiro unterm Donnerstag gemeldet: Ein vom 23. d. datirter Erlaß der Reaierung ordnet an, daß alle de« Aufruhr der Bestechung de« MlliiLr« oder der Oppo silion gegen die Republik beschuldigten Personen vor ein Änegfi. aericht gestellt werden lollen. Ferner: Die Reaierung hat am Mrtwoch ein für die Opposition emtretende« Blatt unterdrückt. Der Umstand, daß die Regierung die Wahlen für die konstiluirende Versammlung auf da« Ende de« nächsten Jahre« anberaumt hat, wird von aniirepublikanischer Seite ebenfall» vielfach dahin gedeutet, als ob die Regierung die bestehende Militärdiktatur vorläufig nickt entbehren könne, wenn sie die b»stehen0e Ordnung nicht gefährden wollt. Wie falsch die« ist, eroiebt sich au« einer von der brastlianischen Regierung an ihre Gesandlschaft in Berlin geiich'ete Mittheilung, welche die wahren G-ünde für den späten Termin der Wahlen entbält. Dieselbe lautet: Durch Erlaß der provisorischen Regierung sind die Wahlen für die konstiluirende Versammlung auf den 15. September und der Zusammentritt der Versammlung auf den 15. Noo.mber k. I. festgesetzt. Diele Fristen find so kurz a?« möglich bemessen worden mit Rückficht auf die Nathwendi�keit,«ir neur« Wahl'yst-m einzuführen, sowie neue Liften für die große Menge derjenigen neuen Wähler aufzu» stellen, welche durch die Verfügungen der provisorischen Regie- rung, wonach das Wahlrecht auf alle des Lesen« kundige Männer und auf die durch den großen Naturalisationserlaß Naturalificten ausgedehnt worden ist, geschaffen worden find. Auch war der Wunsch der Regierung maßgebend, die Wahlen in einer kürzeren Frist vornehmen zu lassen, als dies durch die Wahlreform von 1831 vorgeschrieben wird..— Hieraus geht deutlich h?'vor, daß bei den bestehenden Verhältnissen in Bra- filien die Wahlen unmöglich früher angesetzt werden konnten. Alle Meldungen von einem schlechten Befinden der jungen Republik scheinen mehr den Wünschen als den Thalsachen zu entspringen. Die osfiüösen.Verl. Palit. Nachr." dementiren, daß die deutsche Reg, erurg mit der Adficht umgeht, ein Krieg«schiff zum Schutze der deutschen Staatsangehörigen nach Brafilien zu ent- senden. Elberfelder Koziallbellprozeß. Elberfeld, 27. Dezember. 27. Tag der Verhandlung. Zunächst erbält das Wort Bebel: Zunächst muß ich ein« Reihe von allgemeinen B merkungen vorausschicken. Von Seilen der Staatsanwalt- fchaft wurden eine R-ihe von Artikeln des„Soz." verlesen, rne ziemlich tendeuziö» herausgesucht waren, aber mit der An- klage nichts zu thun hatten. Sie kommen insofern für die An- geklagten nickt in K age, al« der Staatsanwalt auch nickt ein- wal den Veifuch machte, zu beweisen, daß einer der Artikel von einem Ar kngten veranlaßt oder gebilligt wurde. Nach Meiner subjekiiven Ueberzeugung versuchte der Staatsanwalt da- durch auf die Richter einzuwirken. Diese Art tendenziösen Aussuchen« hat auf alle Angeklagten den ungünstigsten Ein- druck gemacht. Möglich, daß ein großer Theil der Ange- klagten die Artikel vorher gar nicht kannte. Sollte auf die öffentliche Meinung eingewirkt werden? Niemand hat ein souoeiäaere Verachtung der öffentlichen Meinung geäußert, als der Staatsanwalt. Die Staatsanwallschaft zielte darauf hin, die Sozialdemo- kcatie als eine Umsturzpartei darzustellen. Es untkrliegt keinem Zweifel, daß den allgemeinen Bemerkungen der StaatSanwalt- Waft die schärfste teadenziöke Stellung zu Grunde liegt. Der Staatsanwalt hat auf eine RcichStagSrede von mir hingewiesen. Di- mir von ihm in den Mund gelegte A-ußerung würde die größte Entrüstung de» R-lchStag« hervorgerufen und die Ver- längerung de« Sozialistengesetze« auf immer zur Folge gehabt haben. Ich habe diese Aeußerung nicht gethan und kann sie nicht gelvan haben. In einer Debatte mit Vutlkamer habe ich allerdings gesagt, daß dieSozial dem okraiie an Stelle derMonarchie dieRepublik ft llrn wollte. Die sojtaldemokraiische Lehre ist aber frei. Das „Ropilal" von Marx, in dem diese Lehre am schärfsten aus- geprägt ist, ist bis heute nicht verboten. Was die Lehre vom Aihersmu« betrifft, so steht ,m Programm. Religion ist Privat- fache. Ist denn der Atheismus eine Eigenheit der Sozialdemokratie? Ich erinnere an die groben Männer aller Zeiten, die Atheisten waren, an die großen Philosophen der Jetztzeit. E« ist grundfalsch, un« unterrustellen, wir predigten von Pa te, wegen den Atheismus. Was den Republikanismus be-' kr'fft, so haben wir ja in Deutschland zwei große Republiken. Der König Amadeo von Spanien legte infolge einer Volks- Abstimmung ruhig feine Krone nieder und einen ähnlichen Vor- gang haben wir vor kurzem in Brafilien erlebt. Der Staats- anwalt hebt hervor, wir verhöhnten die Sozialreform. Aber ohne die Sozialdemokratie hätte e« keine Sozialreform gegeben, das hat selbst Bismarck erk.ärt. Voreux zu freuen, athmete auf und jubelte über feine Er- lüfung. Das Wetter war schön geworden, die ersten lauen Tatze des Februar grünten mit freundlichem Sonnenschein die Knospen der Lilien. In der Regie wurden die Jalousien an allen Fenstern geöffnet, das große Gebäude schien wieder aufzuleben, und die erfreulichsten Gerüchte kamen daraus zum Vorschein. ES hieß, die Herren, ungemein betrübt über daS traurige Ereigniß, feien herbeigeeilt, um ihre väterlichen Arme den Bewohnern der Kolonien zu öffnen. Jetzt, wo die von ihnen gewünschte Katastrophe eingetreten war, wenn auch zweifelsohne stärker als sie eS gewünscht, spielten sie ihre Retterrolle und dekretirten, etwas spät allerdings, die weisesten Maßregeln. Zunächst verabschiedeten sie mit vielem Geräusch die fremden Arbeiter, was sie selbst das denkbar größte Ent- gegenkommen den Streikenden gegenüber nannten. Dann ließen sie die militärische Besetzung der Gruben, welchen die besiegten Arbeiter nicht mehr gefährlich waren, aufheben. Endlich waren auch sie es, welche dafür sorgten, daß das Verschwinden der Schildwache todtgeschwiegen wurde. Man hatte die ganze Gegend durchsucht, es waren weder das Gewehr noch die Leiche gefunden worden, und der Mann wurde als Deserteur erklärt, obwohl man ein Verbrechen vermuthete. So bemühten sie sich in Allem, die Ereignisse wilde zu verschleiern und ihnen ihren Ernst zu nehmen, tiberzeugt, daß es nicht ungefährlich sei, die unzähmbare Wildheit der durch das morsche Gebäude der alten Welt losgelasienen Mafien einzugestehen. Doch diese versöhnlichen Bestrebungen verhinderte die Herren nicht, sich auch rein administrativen Geschäften zu widmen. Man hatte Herrn Deneulin nach der Regie gehen sehen, wo er mit dem Direktor Hennebeau zusammentraf; bie Unterhandlungen betreff« dcS Verkaufes von Vandame wurden wieder aufgenommen, und man meinte, eS sei höchst wahrscheinlich, daß Deneulin die Bedingungen der Regisseure Angehen werde. (Fortsetzung folgt.) Alle« dies soll beweisen, daß die aanze Darstellung de« Staatsanwalts tendenziös entstellt ist. Wenn da« Sozialisten« pesetz schon beseitigt wäre, würde dieser Prozeß unmöglich sein. Ick erinnere Sie, meine Herren Richter, an die von den Kom- missaren vorgelesenen Berichte. Auf meine Frage, warum man die mitgeiheilten Versammlungen nicht inhibirt, wurde die Auksage verweigert. Andere Poliznbeamie und Gendarmen baden trotz ihrer Kenntniß auch nicht den Versuch gemacht, Ungesetzliches zu verhindern. Einer bat erklärt, sie hätten Ordre gehabt, die Dinoe gehen zu lassen. Es sollte eben etwas Großes herauskommen. Wenn die Polizei eine Diebesbande oder Brand- ftifter gewähren ließe, bis sie dieselbe bei einem größeren Ver- brechen abfassen könnte, wa« würden die Richter dazu sagen? Grnz analog ist in unserm Prozeß verfahren worden. Bei dieser Pcozeßzüchterei sollte eben die allgemnne Verbindung herauskommen. Und wie verhält es sich mit dem Zeugen Weber? Warum haben sich Staatsanwalt und Uaterluchungs- rickter keine Mühe gegeben, diesen gefährlichen Weber zu fassen? Eine Hauptrolle in der ganzen sogenannten geheimen Ver« bindung spielt der„Soz". Ich muß auf die Hauptpunkte noch einmal eingehen. Das ganze Anklagematerial soweit es sich auf die allgemeine Verbindung bezieht, hat weder in Chemnitz noch in Freiderg die geringste Rolle gespielt. Da« Blatt ist verboten und wie eS schreibt ist gleichailtig. Keinem der Staatsanwälte ist es eingefallen, den vom hiesigen Staatsanwalt hauptsächlich angeführten Artikel in Betracht zu ziehen. In diesem Artikel wie in anderen hat die Staatsanwaltschaft nur das Gravirende ge- sehen. Was sollte aus den Angeklagten und der Vertheidi- gung geworden fein, wenn ich nicht in der glücklichen Lage wäre, ein vollständiges Exemplar de«»Sozialdemokrat" zu be- fitzen? Als da« Sozialistengesetz kam, wurde die allgemeine Par- teiorganisation aufgelöst. Die 16 Druckereim wurden mit einem Schlage materiell vernichtet. Da traten Liebknecht, Viereck, Fntsche, ich und Andere zusammm und erließen einen Aufruf, worauf wir auch von andern Parteien namhafte Beiträte zu UnterstützungSzweckm erhielten. Ein Jahr darauf entstand in der Schweiz der Gedanke, ein Blatt zu gründen, wogegm wir uns zuerst sträubtm, da wir durch Blätter in Deutschland mehrere Leute unterbringen wollten. Es gelang uns aber nicht, ein Blatt in Deutschland zu halten. Da er- bot sich Höchberg, in der Schwei, den»Sozialdemokrat" zu gründm und so geschah es. Das Blatt wurde in Deutschland zu verbreiten gesucht. Damals gab Most die„Freiheit" heraus und ging in der wüthendsten Weise gegen dre Fraktion los; da« bewog uns hauptsächlich, uns für dm»Soz." zu inter- essiren. Bei allm Kongreß-Einberufungen handelte es sich für uns nur darum, diplomatische Jntervmtion zu verhindern. Wir erhielten in Kopenhagen von der Polizei dm guten Rath, so bald wie möglich uns zu mtfernen. Ich weise auf da« Wydmer Protokoll hin, worin die Streitigkeiten mit Most und Haffelmann fast die Hälfte einnehmen. Die Streichung de« WrnteS»gesetzlich" geschah aus Erbitterung über die Willkür- l'che Handhabung de« Sozialistengesetzes. In demselben Muße, wie sich die Arbeiterpresse in Deutschland hebt, in demselben Maße sinkt der Einfluß des»Soz.". Es ist daher unerklärlich, wie der Staatsanwalt so gegm die»Freie Presse" eifert. (Fortsetzung folgt.) Soziale llclictTtilil. Der Fach verein der Aldnmarbetter versendet am Jahresschlutz nachstehendes Zirkular an die Fabrikantm:»Der Vorstand de« unterzeichneten Vereins wurde in der Vereins- Versammlung am 16. Dezember d. I. beauftragt, Sie davon in Kenntniß zu setzen, daß am 2. Dezember in einer öffent- lichen Versammlung sämmtlicher Albumarbeiter Berlin» fol- gende Beschlüsse gefaßt worden find:»1. Im nächsten Jahre zu Anfang der Saison die Forderung zu stellm, die Arbeit«. zeit auf S Stunden zu reduzirm. 2. Die Besetzung der Äakanzm geschieht nur durch den Arbeitznachweis des Fach- verein« der Älbumarbeiter.— Etwaige Arbeitsinserate in der »Volks- Zeitung" zc. werden vollständig ignorirt." Wir fühlen uns um so mehr veranlaßt, unserem Auftrage schleunigst nachzukommen, damit Sie in der Lage find, bei Ihren Kalkulationen darauf Rücksicht nehmen zu können. Gleichzeitig theilen wir Ihnen mit, daß unser Arbeitsnachweis sich jetzt Adalbert st r. 4 bei H e r s ch l e b befindet. Gefällige Erklärungen hieraus, gleichviel ob bejahend oder vemeinend, bitten wir höflichst bis»um 10. Januar n. I. an den Unterzeichneten gelangen zu lassen. Hochachtungsvoll Der Fachoerein der Albumarbeiter Berlins. I. A.: F. Mielenz, Berlin SO., Oranienstr. 10. Sache der Älbumarbeiter wird es nunmehr sein, den Verein durch allgemeinen Beitritt in seinem Vorgehen zu unterstützen. Besonder« ist es Pflicht eines jeden Kolleaen, nur den Arbeits- Nachweis zu benutzen, um so eine Zentralstelle für die Arbeit«. vermittelung zu schaffen. Die nächste Vereinsversammlung findet am Montag, den 30. Dezember, Abend« 8t Uhr, Oranien- straße 180 statt. VsvfÄmmlungen. Die Mitgliederversammlung der Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Töpfer und BerufSgenossen Deutschlands,(E. H. 39), Sitz Dresden, örtliche Verwaltung Berlin, fand am 17. Dezember bei Gründet, Dresdenerstr. 116, statt. Die Tagesordnung lautete: 1. JahreSb richi. Herr Wmdschlaa berichtete über die Kranken- und Sterbestatistik. Hierzu wurde ein Antrag ange- nommen, daß, wenn«in Mitglied stirbt, es durch ein Inserat bekannt zu machen ist, damit den Mitgliedern Gelegenheit ge- geben ist, die Leiche zu begleiten. Hierauf erstattete Herr Wendschlag den Kassenbericht und theilte mit, daß der örtlichen Verwaltung zur Zeit 770 Mitglieder angehören, und daß im laufenden Jahr 106 Mitglieber theil« abgereist find, theils ausgeschlossen wurden. Die Kasse hat in Deutschland 75 örtliche Verwaltungen mit 3916 Mitgliedern und besitzt ein Verwögen von 48 460.02 M. und einen lieber« fchuß von 6033,18 M. im 3. Quartal. Eine rege Diskussion schloß sich an, da angeregt wurde, den Mitgliedern der 2. Klasse aufzugeben, soviel wie möglich in die 1. Klosse überzutreten, da in der 2. Klasse da« Krankengeld nur 12 M. beträgt, die Kasse mithin, wenn die Mitglieder eine Heilanstait benutzen, der 1. Klasse gegenüber zu viel leistet. Be, der Er- gänzungSwahl der örtlichen Verwaltung wurden Herr K. Habantz, Kesselstr. 20, zum Bevollmächtigten und Herr L. Piesow, Grimm- straße 40, zum Schriftführer wiedergewählt. Neugewählt wur- den Herr MaikS als Revisor, Herr Hahnhold als still oertre- tender Bevollmächtigter, Herr Reuschel als stellvertretender Kasfirer. Herr Habantz besprach die Petition der Magde- burger Verwaltung bitreffend da« Naturhellverfahren. Auch wurde ein Antrag, von 1890 an in jedem Quartal eine Mitgliederversammlung abzuhalten, angenommen. Der Antrag, eine Kommission von 5 Mitgliedem zur Revidirung be« Statut» zu wählen, wurde abgelehnt. Ein weiterer An. trag, die Zah stellen für den Noiden und Osten nach anderen Lokalen zu verlegen, wurde dem Vorstand und den betreffenden Mitgliedern überlassen. Der Kasfirer, Herr Wendschlag, wohnt Straße 7 b Nr. 2 an der Gubenerstraße. Die Hauptzahlstelle befindet sich Rosen- und Neue Friedrichstraßen-Ecke im Nestau- rant Kuhlmey, Sonnabend« von 6 bis 8 Uhr. Zahlstellen find in jedem Viertel vorbanden. Giue Versammlung mit Ainderuissen von Seiten der Polizei mugte der Verein der Nähmaschinen- und Hand- arbeiterinnen Berlin« und Umaegend zum dritten Male am Dienstag, den 17. d. M., in Moabit in Arendt« Brauerei er- leben. Die erste Vorsitzende, Frau Gubela, welche sich um 7t Uhr nach dem Lokal mit noch etlichen Vorstandsdamen hin« beaeben hatte, um alles zu ordnen, mußte um 9 Uhr zu ihrem größten Erstaunen hören, daß die draußen anwachsende Menschenmenge nickt in den Saal hinein durfte. Die Ein- beruferin wandte sich nun an den überwachenden Beamten mit der Frage, mit welchem Recht die Polizei diese Maßregel erareife: die Versammlung sei mit Zulassung der Männer und Arbeiterinnen au« allen Berufszweigen polizeilich 24 Stunden vorher genebmigt, und wenn man die Versammlung nicht stattfinden lassen wollte, hätte man doch lieber die Genehmigung versagen sollen, al« in Moabit solche Auflegung in die Massen zu bringen. Der Beamte erwiberte, die Versammlung sei nur eine Vereinsversammlung; eS hatten nur Mitglieder, welche sich durch Karten legitimiren könnten, Zutritt zu derselben. Er müsse seiner Jnstmktion Folge leisten, die noch mit einem besonderen Strich in seinen Akten verseben war. Frau Gubela könnte jedoch von dem draußenstehendm Revier- Lieutenant verlangen, daß die« jenigen, welche Frau Gubela für Bekannte hielte, hinein ge- lassen würden und sie sollte bei künftigen Anmeldungen be- merken, daß in den Saal so viel Herren hinein könnten, wie sie als Vorsitzende für gut befinde. Hierauf erwiderte Frau Gubela, daß ihr wohl laut Gesetz das Recht zustehe, den an- wesenden Kriminalbeamten da« Lokal zu verweisen, daß sie sich aber niemals für berechtigt halten würbe, den anwesenden Ar- heitern und Arbeiterinnen, welche sich im Interesse der Sache hin bemühen, da« Lokal zu verweisen. Nunmehr begab sich Frau Gubela zu dem Revierbeamten, welcher vor dem Lokal eine Kontrole ausübte, die jeder Beschreibung spottet. Kein Zureden half. Vergebens war es, daß der Wirth, Herr Wedekrnd, darum bat, doch sein Restaurationslokal flei zu lassen, da er sonst einen zu großen Schaden erlitte, weil alle Eingänge besetzt waren. Selbst die Vorstandsdamen und der Referent, welche bereits eine Stunde vergebens gewartet hatten, wurden nicht hineingelassen. Der Referent mußte» versuchen, irgend wo über den Zaun zu klettern, um"ch wenigstens so den drinnen harrenden Gästen zeigen zu können. Als nun die Nachricht nach dem Saale kam, baß sich daußen Hunderte von Menschen angesammelt hätten, lief Frau Gubela nochmals mit der Genehmigung in der Hand nach vorn, um irgend einem Bekannten den Auftrag zu geben, nach dem Polizeipräsidium telegrophiren zu lassen und anzuflagen, was hier denn eigentlich geschehen solle, da doch die Mitglieder nicht auf der Straße aufgenommen werden können. Der Beamte rief ihr entgegen, daß sie, wenn sie sich»raus scheerte", nicht wieder hinein dürfte. Es wurden nun, um endlich den Zweck zu erreichen, die Mitgliedsbücher, soweit dieselben vor- Händen waren, über den Zaun gegeben, damit wenigsten« die Arbeiterinnen hinein konnten, die darauf ein Anrecht hatten. Es konnte so mit vieler Mühe die Versammlung denn doch noch den Hauptpunkt erledigen und eine Filiale gründen. Da nun selbst die von den Mitgliedern anaenommene Bevollmäck- tigte unter der draußen stehenden Menschenmenge war, so mußte schnell eine andere Dame gewählt werden, und die Wahl für die Bevollmächtigte fiel auf Frau Nauen, Gerichtsstr. 25, als Kassiierin wurde Frau Hirse, Bandelstr. 15, als Schriftführerin Frau Pfarr, Birkenstr. 46, gewählt. Eingetragen wurden 31 Mitglieder. Da der 2. Punkt, Vortrag des Herrn Z ab eil, nicht erledigt werden konnte, weil derselbe noch draußen stand, so mußte man den Punkt fallenlassen und zu Verschiedenem schreiten. Herr Feldmann ergriff da« Wort und wie« auf da« Thema hin, welche« Herr Zubeil in der Versammlung behandeln sollte. Endlich war es dem Referenten möglich ge- worden, sich Einlaß zu verschaffen. Er konnte sich noch unter »Verschiedenes" zum Wort melden. Er bedauerte die Maß- regeln, die von Seiten der Polizei ergriffen worden. Frau Gubela ging mit den Kellnern des Lokals zu Gericht und wie« entschieden die Verleumdung zurück, welche sich dieselben nach der ersten Versammlung erlaubt hätten. Kein Mitglied des Vereins hätte die Abficht gehabt, nach dem Beamten zu werfen und die Glocke zu zerschlagen, wie die Kellner behauptet hatten. Folgende Resolution wurde angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit dem Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichtet sich, dahin zu wirken, den 1. Mai als einen Feiertag zu betrachten und alle Hände ruhen zu lassen. Ferner machte Frau Gubela noch auf da« bevorstehende Weihnacht«- vergnügen aufmerksam und hat um recht rege Betheiligung. Sie ermahnte den neuen Vorstand nochmals, die Filiale so zu verwalten, daß in kürzester Zeit der große Saal in der Brauerei zu klein für d,e Versammlung wäre, und reckt einig zuarbeiten. Eine Resolution, von»Klingel- Bolle" keine Milch mehr und von Loeser und Wolff keine Zigarren mehr zu nehmen, wurde an- genommen. Beschwerde wegen de« Verhalten« der Polizei ist eingereicht. Der Derew zur Regelung der gewerblichen Juter- esse» der Töpfer Kerlina hielt am Sonntag, den 22. De« z�mder, in Jordan s Salon, Grünstraße, seine vierwöchentliche Mitgliederversammlung ab, die sehr schwach besucht war. Da« veranlaßte Herrn Münzerpost zu beantragen, die Versammlung nicht tagen(pi lassen. Der Antrag wurde aber abgelehnt. Da der Schriftführer, Herr Heere, erkrankt war, wurde Herr Topf »um Stellvertreter desselben ernannt. Als erster Punkt stand der Antrag Topf auf Erhöhung der Wanderunterftützung auf der Tagesordnung, welcher lautete: In Erwägung, daß die Lebensmittelpreise gestiegen sind und der Wrrth de« Arbeits- nachweise« nickt im Stande ist, die Preise für Logis den fremden zugereisten Töpfern zu ermäßigen, sondern eher noch sie zu erhöhen gezwungen ist, beantrage ich für wandernde Töpfer, welche einer Organisation angehört haben, eine Unterstützung von 2 M., für solche, welche keiner Organisation angehört, ob fie Gelegenheit dazu hatten oder nickt, 1 M. Wanderunterstützung zu gewähren. Herr Krauie wollte, daß die sogenannten Wilden nicht« bekommen; Herr Thieme sprach für den Antrag, da die Verkältnisse in Berlin anders liegen wie in einer kleinen Stadt. Schließlich wurde der Antrag vertagt. Sodann wur- den für das nächste Vierteljahr die Herren Hahnhold, Bengsch, Kliesche und Schulz gewählt, die den Arbeitsnachweis zu führe« haben. Zu Punkt 3 referirte der Vorfitzende vom Sanitätsverein für Arbeiter beiderlei Geschlecht«, Herr Hundt. Redner schilderte, in welcher Weise der SanitälS oerein im Stande ist, den Mit- gliedern der freien Kassen zum Segen und Vortheil zu ge- reichen. Es wäre Pflicht eines jeden Arbeiters, dem SanitätS- verein beizutreten. In Verschiedenem wurde ein von Herrn Thieme gestelller Antrag a, gekommen, wonach während der Feiertage jeder zugereiste einer Organisation angehörige Töpfer das Doppelte, also 2,50 M, uns die sogenannten Wilden wie bisher 0,75. M. erhalten sollen. Glnr Verlammlung der Ktepperlnue«(Schaft- brancke) war für den dritten Wechnacklsfelertag nach dem Schiff r'schen Saale anberaumt worden. In derselben wollte Herr Krause einen Vortrag über die Bedeutung de« achtstündigen Arbeitstage« halten. Die Versamm- lung konnte indessen infolge Versagung der polizeilichen Ge- nehmigung nicht staiifi<,den. Der heutigen Kummer liegt für unser» Abonuente» N». 52 de»»Kouutag»-Klatt bei. Theater. Sonntag, den 29. Dezembe». Die Afrikanerm. Montag: Lohengrin. Die Räuber. Montag: Gaudeamus. D-e Ehre. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wmitsch«» CtyMinr, Der Sohn der Wildniß. Montaa: Der Pfarrer von Kirchfeld. Kroll'» Theater. Der Königsgardist. Montag: Dieselbe Vorstellung. Oertwer Theater. Hamlet. Urievrich.»Uh«l«>tii»tische» Theater. Prinzessin Pirouette. Montag: Dieselbe Vorstellung. M«I»»e»k-TH»ater. Sckwiegermama. Montag: Dieselbe Vorstellung. M«»«»>TH»at»r. Seine HauShälterm. Vor- her: Endlich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mtaeorta-Theater.«tanter m Afrika. Montag: Dieselbe Vorstellung. O»»»a>ta«r». Theater. Der Bürgermeister von Pinneberg. Montag: Dieselbe Vorstellung. AN»t»a»-TH»a»»». B-rolina. Montag: Dieselbe Vorstellung. K»ol»h Gralt-Theater. Kwtte Weiber. Montag: Dieselbe Vorstellung. Oo»»»-Th«at»r. Spuren im Sande. Montag: Dieselbe Vorstellung. K»«,,fta»tiia,»»«hoato». Die Maschinen- bauer von Berlin. Montag: Dieselbe Vorstellung. G»»r. Atchte»'« Kart«»». Spezialitäten. Vorstellung. MrUhOha»««- Theater. Gr. Spezialitäten. Vorstellung Gr. Spezialitäten. Vorstellung Ka»fma«»'« Kart««. Vorstellung. Alhambra-Theater, Wallnertheater strasie 15. Heute: Mit«tuen Kost>i«cn u Dekorationen: Amorina, die Marmorbraut Phantastisch. komische« Zauberschauspiel in 10 Bildern von P. Wicde. Musik von Theodor Franke. Entrce 30 Pf. I. Balkon 50 Pf. II. Balkon 40 Pf. je. s I. G Ein gutes Herz, einen freien Sinn, tat unser Kegelbmder P i n s ch k e; >rum wollen wir auch fernerhin, Daß er treu bleibt unsre Wünsche. . F.P. C.W. A.H. W.G. C.B. E.K. Freunden und Kollegen zur Nachricht, daß mein Freund 449 Hermann Dnstrrhoff, verstorben ist. C. Drogge. Tode»-Knz»ige. Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser Gatte und Vater Hermann Dusterhoff, im Alter von 35 Jahren am 27. d. M., Vormittags 10 Uhr, sanft evtlchlafen ist. Ottilie Dnsterhoff. Die Beerdigung findet Sonniag, Nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Zionskirchstrabe 34 aus, statt. 448 En gros. Kranzbinderei En detail. S* Lanstherplatz Nr. 10, voyr 1. Ottober: Hauptgeschäft: Kkalitzerstraße 38. Guirlanden Meter von 15 Pf. an. Doppel- büglige Lorbeerkränze von 60 Pf. an. Große Auswahl an Kränzen und BouquetS tc.[1706 Neu eröffnet!!! 50 2. Geschäft Smitchch 159 (vis-ä-ris der Luckauerstraße). Cigarrcn- und fottcrie-iBeföjaft. - 7 IL KREBS -ouisen-Ufer»2 -TtseatTi*. iKi treMnsevfhr. 55. «Sglich Vorstellung. Cipcus Karlstraße. Heute, Sonntag, den 29. Dezember, 2 große Porftellungeu 4 Uhr Nachm. ein Kind frei, große Extra- Vorstellung mit einem auserwählten Programm. Auf vielleurges Verlangen: Bacchus und Gam« brinus. oder der Sieg des Champagners. Gr. komische Pantomi-re. Abends 7t Uhr: Die lustigen Heidelberger, oder ein Studenten- Aus- flug mit Hindernissen. Große Origmal-Panto- mime. In beiden Vorstellungen Auftreten der vorzüglichsten Reitkünstlertnnei und R-nkünstler, Reiten und Vor»üyren der best dressirien Schul- und Freihenspferde. Komische Jntermezzo'S von 20 GownS. Morgen, Montag: Aschenbrödel. E. Renz, Direktor. Bus&ü» KriainnV-K'-rt-Sker. Heute, Sonntag, den 29. Dezember: 2 gr.DM- MMschiedsvljrjttllWea. Anfang Nachmittag 4 Uhr(1 Kmd free) und Abends 7t Uhr. In beiden Vorstellungen werden fammliche Mitglieder mit ihren besten Nummern sich von dem bochgeehrten Publikum verabschieden. F. T Der große Erfolg, der mir hier in meiner Vaterstadt geworden, ist mir der beste Beweis dafür, daß es mir vollkommen gelungen ist, mein Ziel, welches ich mir gestellt Halle, erreicht zu haben. Den betreffenden Behörden für das freund- liche Entgegenkommen, dem hochgeehrten Publi- kum für dm unverhofft zahlreichen Besuch, sowie der verehrlichen Presse, sage ich hiermit meinen innigsten Dank. Ich bitte mir für die Zukunft em freundliches Andenken bewahren zu wollen. Hochachtungsvoll Paul Busch, Direktor. Die Abreise erfolgt Montag früh per Extra- Zug räch Wm schau._ _»«Oase IX». 9M.-10 Uhr A. Kaissp-Pai»orama. Zum ersten Male: "" OberttalienS maler. Alpen. 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ArckÄles. Grsnndhrit und Mode. Man sollte es kaum für mög« Wh galten, daß es dtt>etben Menschen find, welche auf der «ine» Seite für Hygiene, für eine rationelle Lebensweise schwärmen und aus der anderen Seite gegen die eigene lieber- »eugung auf das ärgste sich versündigen— als Sklaven der bmfchrnden Mode. Die Mode steht häufig auf dem ge- fprnnlesten K iegsfub« mit den ersten Anforderungen der Hygiene, dennoch nrmmt Niemand Anstoß daran— es ist ja Mode! Eine immer weiter um fich greifende Modcnarrheit find j. B. die Butzenscheiben, jene bunten Fcnsterverglasungen in Bteieinfasfung, welche die Weltgeschichte auch äußerlich um einige Ja« hunderte zurückgeschraubt erscheinen lassen. Damals, o!« noch die prhverbrömten Hauben, das Barett, das geschlitzte Wams und dieSchn adelschuhe getragen wurden, stand dieKunst der ze Tod und andere Seuchen reiche Ernten i« den Wohnungen, die, wie wir j tzl immer mehr erkennen, keineswegs dm Ges tzen der Hygiene, den Geboten der Ge- fundheitslebre entsprachen, da fie weder Licht noch Luft in ge- «üzmdcm Maße einließen. Dennoch werden dieseiben heule wieder hergestellt—«modern"' ist daS Zauberwort, welches das Alt«, Ueberlebte aus wohlverbimter Ruhe und Ver- «effmhert zu einem neuen Scheindasein hcrvorzerrt. Dm Bntzknscheiben cntsp:echcnd, das heißt ebenso gesurd- h itSwidng wie di-se find zumeist auch die inneren Emrichlungm der«hochberrschasil!chen"' Wohnungen, meist schwer bewegliche, m>l Ecken und Kanten, Vossprünaen, K.h. tmegen und Schnitzwerk versehme E.zeugnisse der Tischlerei. Alle diese Eck-n und Erhabenheiten find im wahrm Sinne des Wo teS Staubfänger. Ebenfalls find die Winkel ur ter kurzbemigm Schrankm, SophaS:c. Siaabsänger, in denen fich leicht ein staubiges G-wölk, das eine beliebte Herberge für die ltdenszähen Krankheitskerme von Diphihentis und ähnlichen anstecken dm Krankheiten abgiebt. Der gleichen baust fich ein solches Gewöik außer unter den Decken, wie Cocasläufen rc., gern auf dm Guri-n der Polsteimösel an, weil dem Staube und den kleinen Fasern, die von jedem Gewebe abgestoßen werden, der Zutnlt in die Polsterungen vom Fußbooen her offen steht. Um die aus fotckm Schädlichkeilen ent- jycrngmdkn Gefahren für die Gesundheit zu vermeidm oder wenigsten« zu verringern, empfiehlt es fich, die Polstenröbel mit einer dichten Leinwand gegen das Eindringen kennheg enden Staude« zu schützen, und di anderen Möb.l Tmail zu konftruirm, daß fie teicht obzumischm find und nicht durch unnütze» Geschnö kel oder du'ch stilvolle Anbriegung von Zimroth zu geradezu bösartigm Slaubiäegem werden. Die Bein« der schweibeweglichen Möbel müssen so hoch und so lang gemocht werden, daß fie eine btqu me uno gründliche Aeinigung auch de« FußdoderS und der kleinsten Winkel mit V-VV-vv-v �.. E. C. Die Weihnachtsfeiertage sind glücklich genossen. Räch dem allgemeinen Fefstiubel ist eine gewisse Erschlaffung rrngetreten, und Zeder, der vom WeihnachtSfcst einige Mark- siücke übrig behalten hat, rührt sich, dieselben am Sylvester- abend den Weg allen Mammons gehen zu lassen. In dieser schönen Welt ist bekanntlich nichts so schwer zu ertragen, als eine Woche von vierzehn Tagen— aber eine Fülle von "Festtagen wird dem AibeitSmenfchcn von heute beinahe «denso lästig. Zm Laufe der Jahrhunderte hat man sich daran gewöhnt, daS Weihnachttfest als etwas ausgezeichnet Schönes zu be- trachte». Gewiß hat auch in dieser Beziehung der Besitzende da« Vorrecht, dem Besitzlosen aber wird der Schmachtriemen goade an Tagen allgemeiner Freude um so unangenehmer und fühlbarer. Man darf sich nicht durch die Berichte in den Zeitungen täuschen lassen, die von eitel Glück und Glückseligkeit überschäumen — wer die heutige GerichtSrubrik unsere» Blattes aufmerk- sam verfolgt, der wird einsehen, daß in manchen ZeitungS- belichten häufig ein bitterer Kern steckt. Die Wahrheit ist bekanntlich auch bitter, noch bitterer wie Galle— und es giebt»ur wenig Herrschaften— und hätten sie noch so schöne Pelzkragen— welche dieselbe zu hören vermögen. Eine Beleidigung schreit nach Rache, sie stinkt zum -Himmel, und es ,st nicht mehr wie recht nnd billig, daß Zemand, der einem Unternehmer etwas BöscS nachsagt, da- für Zahre lang im Kerker schmachten sollte. Zst es nicht unerhört, daß man für Missethäter genannter Sorte die Folter bereits abgeschafft hat? Man sollte Jede«, der e»»ragt, de« holden Frieden und die süße Eintracht, die Unternehmer und Arbeiter mit Rosenbanden verknüpfen, zu zerfiören, in einen finsteren Thurm werfen, wo faules Stroh und Ungeziefer— vom Floh bis zur Ratte— das ein- /ig« Mobiliar bilde». In Schillers Räubern findet sich auch die Speisekarte, in welcher ein solcher Verbrecher sei« tägliche« Menue zusammenzustellen hat; dann würde eS Besen und feuchtem Lappen zulassen. Do* was stirbt die Mode nach den Anforderungen der Hygiene? Wie hier, so stehen fich noch auf vielen anderen Gebieten die Interessen von Mode und Gesundheit gegenüber und überall sehen wir die Mode h-rrslben, selbst auf Kosten der Gesundheit. Der Meihnachts-packereivrrkehr bei dm hiesigen Posta'. stalun iy auch in vielem Jahre von außerordentlich großem Umfange gewesen und hat den vom vorigen Jahre de- deutend überstiegen. So sind in der Zeit vom 18. bis 25. Dezember der bei dm hiesigen 6 Bahnhofs- Postav stalten im Gaozm 1 732 731 Packete zu bearbeiten gewesen, was eine Steigeiung von 252 475 Stück gegen die gleiche Zeit des vorigen Jahres eraiedt. Am stärksten zeigte sich der Päckerei- verkehr aus dem Schlefischm Bahnhofe, bei welchem allein am 22. Dezember 86019 Stück zu behandeln waren. Bestellt wurden durch das Pocket' Postamt in der Weihnachtszeit 227 32 t Stück, am 22. Dezember all« in 48 592 Stück. Ueuf ahrsbriefd» stellnug der Packrtfahrt- Aktie«- GrseUfchaft. Em Adonmnt schreibt uns:„Wie im oonaen Juyre, so kündigt auch in diesem die Direktion der P«ckct- fahrt-Aktien-G.sellschaft dm Verkauf von kunstvoll auSge- statteten NeujahrSbriefm an. Früher verkaufte die Gesellschaft di>se Briefe mit 5 Pf. pro Stück, während dieselben jetzt (wahrscheinlich infolge des kolossalen Umsatzes, den die Gesell- schuft damit erzielte) 10 Pf. pro Stück kosten sollm. Schreiber dieses übergab im vorigen Jahr dieser Gesellschaft die Zahl von zwölf mit ganz genauen Adressen versehenen Briefen zur Bestellung, machte jedoch die bittere Erfahrung, daß nur die Häifte am Neujahrstage thc Ziel erreichten: drei weitere kamen nach eimgen Tagen an, und die übrigm blieben verschwundm. Ä hnlich wird es wohl vielen Anderen ergangen sein. Ich möchte deshalb die Leser dieses BlatieS ersuchen, ihre Neujahrs- G alulationen durch die ReichSpost bestellm zu lassen, denn nur diese bietet einigermaßen die Garantie für pünktliche und richtiae B-ftellung. Der scharfe Frost hat in dm verflossmm Nachtm alle stehenden Wasser mit einer dicken Eisschicht bedeckt und selbst im fließenden Wasser, wie im Spreelauf treiben große Eis- Massen, welche, wenn der Frost anhält, fich>n kurzer Zeit zu einer vollständigen Eisdecke verdichten und piächtige Eisbahnen bilden werden. Der Humboldihafm ist fest zugefroren und der Spandaucr Schiffahrtskanal wird den Berlinern in kurzer Zeit die prächtigste Distanzbahn nach Saatwinkel und Spandau bietm. Die stiegende« Flurhäudler, jene regelmäßig zwischen Weihnachten und Neujobr erschelnenden„Saisonhanoler" von Neujahrskarten, haben sich sert Freitag wieder in den HauS- flann etadlnt, und hat die Zahl derselbm in diesem Jahre dedeutend zugenommen. Das Hauptgeschäft in diesem Artikel entwickelt fich im Noidm und Ostm der Stadt. Einen erhcb« lichm Rückgang hat in diesem Jahre erfreulicher Weise der Handel in jenen„scherzhaften" Ka.ten genommen, welche die Polizei zu beschlagnahmen pflegt. Der Umlatz in Neujahr»- kartm nimmt übrigens von Jahr zu Jahr zu und beträgt der- lelbe innerhalb Berlin» allein zirka\ Millionen Mark. Mit der Herstellung der Kartm belchäftigen sich zirka 40 größere und kl.inere Berliner Fabrikm, denen nur Münchm Kon- luirmz macht, und die ihre Waaren über ganz Deutschland, CMt-ireich, Schweden, sowie Nord- und Süd-Amerrka ver- breitm. KonKeeKare Meihnachtogrschenke. Zwei junge Mädchen in der Oramenftraße, Töchier einer Beamtenwittwe, die für KonfeklionSgeschäfie arbeiten, haben einm im Alter von 20 Jahren stehenden geistesgestörten Bruder zu ernähren, der bei rhnm lebt. Derselbe wird scharf beobachtet, kommt höchst selten allein aus dim Hause und wenn er fortkommt, nur bis zur Nachbarschaft. Auf bisher unerklärliche Wesse hat fich der lange Mann nun Geld zu verschaffen gewußt, und mit diesem Gelbe seinen An«, Höngen, nach dem„Deutschen Tgbl." ein ganz sonderbares Weihnachtsgeschenk gemacht. Am Heiligabend, während die jungen Mädchen noch in bester Arbeit saßen und der Bruder bereits zu Belle war, kamen nacheinander drei Bolen. Der erste brachte 10 Flaschen Getceidekümmel, der zweite einen ganzen Korb Pecleberger Glanzwichse und der drute eine Molle dampfender Eisbeine. Nach cen mit der richt aen Adresse ve.s.h-nm und qait'irten Rechnungen hatte der Bruder dafür im Gamm 25 M. 60 Pf. auSgegiben. Ferner halte jeder Bote im Voraus 1 M Tunkgeld erhatten uno der Ueberbringer der EiSbeme, wie er sagte, lozar für den ersten Feiertag Vormittag noch Bestellung auf 12 Pfund B�wurft. Als man den Bruder weckte, schrie er:„Ist Alles bald zu Ende sein mit der lustigen Zeitungsschreiberei, und jeder Unternehmer könnte ruhig sein müdeS Haupt spät Abends niederlegen, um eS Morgens nicht allzufrüh wieder zu erheben. Unsere Zeit ist von einer geradezu schwächlichen Milde. Nicht einmal die Influenza verläuft tödtlich, die Krankheit ist schon mehr Modesache gewordm, und mit einer Kleinigkeit von Antifebrin hilft man sich heute über die größten Schwierigkeiten hinweg. Es sollen die Taschentücher bedeutmd im Kurse gestiegm sein, weil alle Nasen so furchtbar geschwollm waren; die meisten Leute, die sich von der Jnflumza hatten beeinflussen lassen, sahen schon von Weitem aus, als wären sie Ehrenmitglieder deS Kupferrings. Unter diesen Umständen konnte es nicht aus- bleiben, daß sich der Berliner Witz deS neuen Wortes be- machtigte und aus der Influenza eine Jnsolvmza machte. Um letztere Krankheit nun zu einer epidemieartigen zu machen, dazu bedurfte eS allerdings kaum der- jenigen Ursachen, die unS das körperliche Unbehagen verursachte. Wmn die Influenza längst zu dem Uebrigm gelegt sein wird, wird die Jnsolvmza wahrscheinlich immer noch ihre Orgie» feiern, und gegen dieses Uebel hilft aller- dingS lein Antipyrin oder Antefebrin, die Krankheit kann nur durch metallhaltige Arzneimittel beseitigt werden. Das weiß übrigmS jedes Kind, und eS würde schwer sein, das Gegeniheil zu beweisen. Husten wir unS also ruhig in die fieberftcie Zeit hinein, und harrm wir in Geduld, was uns das Schicksal bringt— wir stehm ja so wie so an einem bedeutsamen Zeitabschnitt, am Ende eine» Jahre» und am Ende eine» Jahrzehnt». Entschiedm fordert ei« solcher Zeitabschnitt zu ernsterm Betrachtungen heran», da für heitere kaum genügender Stoff vorhanden sei» dürste. Im nächstm Jahre sehen wir allerdings dm neum Reichstag, und an seiner Spitze wird eine Größe au» dem vergangme» Jahrzehnt marschirw, die Bartkotelette« de» Herrn von Puttkamer werdm dm Ulttakonservativm al» leuchtende» Banner vorbezahlt, glatt wie'« Aal!" drehte sich auf die andere Seite und schlief weiter. Die Diebe und Gauner haben vor dem WeihnachtS- feste mit erhöhiem Eifer gearbeitet. Em Hausdiener der Fuma Letzr u. Sohn fuhr mit einem Handwagen, der mit Woll- waare.? voll gepackt war, nach der Brunnmstraße, wo er bei einem Kaissmann, einem Kunden des Geschäfts, anhielt. Als er nach kurzer Zeit zu seinem Wagen zurückkehren wollte, war derselbe verschwunden. Der Werth der noch auf dem Gefährt befindlichm Waaren betrug über 200 Mark. In der nächsten Nacht fand ein Wäche-r den Wagen, der natürlich seines In- halt« entledigt war, rn.'er Chanteestraße. Plumper angelegt war ein Schwindel, dem ti-, Schlächiermeifter in der Koppm- straße zum Opfer gefallen tff. Bei demselben e> schien ein junger Mann, der fich als Hausd>'r.er eines großen Restaurants in der Andreaistraße aukgad und fiT- dasselbe vier fette Gänse und einen Schinkm bestellte. Der Schlächter wunderte fich zwar über diese Bestellung, denn er Wie früher für das Restaurant geliefert, dieses hatte aber infolge vm Differenzen die Beziebungen mit ihm abgebrochen, in».-.ssm führte er den Auftrag aus und sandte die bestellte Waare durch seinen Gesellm nach dem Restaurant. Vor der Thür desselben tauchte plötzlich der Hausdiener wieder auf, der den Ges.'llm anfuhr, warum er so lange ausbleibe. Dabei nahm er b'r.ni Schlächtergesellm die Gänse und dm Schinken ab, und schickte denselben mit dem Austrage zu seinem Meister zurück, schleunigst noch einm Kalbsbraten zu holen. Als derselbe mit diesem im Restaurant anlangte, wußte man von der ganzen Bestellung nichts. Ein Schwindler hatte demnach zu einem recht alten und abgenutzten Manöver gegriffen, das ihm aber überaus gut gelungen ist. I« den Tempelhofen Mordaffäre hat fich am zweittn WeihnachtSteterlage Vormittags eme Gerichts kommisiinn. be- stehend au« dem Staatsanwalt, dem stellvertretenden Unter- suchungtrichter und einem Gerichtsschreiber de« Landgerichts II nach dem Thatorte begeben, nachdem man zuvor den Mörder Groß mit seinem Opfer konfromirt halte. Die im Laufe des Lokaltermins festaestelltm Thatsachen decken sich vollständig mit unserer Darstellung de« entsctzlichen Falles. Auf dem Hmnigschm Grundstücke, woselbst der Mord vollbracht wurde, erläuterte der Mörder der Gerichtskommission kaltblütig alle Details seiner grausigen That, wie er den im Stalle schlafen- dm Knecht Lust mittelst eine» KüchenmesserS die beiden tödt- lichen Stiche m die linke Schläfe beigebracht, wie er fich dessen Uhr und Geldbeutel angeeignet und vorläufir oerborgen, und wie er dann die Leiche in eine Pferdedecke gehüllt, auf die Schub- karre Hennigs geladen und nach der KieSarude tranSportirt habe. Wahrhaft grauenerregend war das Geständniß des verthierten Mmschm, daß er mit dem zum Morde gebrauchten Küchen« m-sser, nachdem er die Klinge desselben im Stroh oberflächlich vom Blute semes Opfer» gereinigt, wenige Stunden nach der Blutthat sein F ühstück zerlegt bade. Bei Gioß wurde übrigens noch eine fildeme Zylinderuhr vorgefunden, welche er von seiner Braut, einer in Mariendorf dienmden Maad, erhalten habm will; diese bestätigte seine Angabe bei ihrer Vernehmung mit dem Hinzufügen, daß sie die Uhr in Berlm gefunden habe. Zweifelsohne rührt die Uhr au» einem Diebstahle her. Von den Angehörigen des Ermordeten, welche, wie berichtet, in Groß-Kienitz wohnm, nahmen die Mutter, ein Bruder und die Braut des Lust, mit welcher fich derselbe zu Neujahr verheirathm wollte, die Leiche des durch Möroerhand aus dem L den Ge« schiedmen in Augmschein. Der Ermordete soll heute. Sonn- tag, nach erfolgter Obduktion auf dem Kirchhofe zu Groß-Kienitz beerdigt werdm. Zwei Mutige Strahenftenen werben au« der Nacht vom ersten zum zweiten Weihnachtsfeiertag gemeldet. Gegm 1 Uhr Nachts aerieth der in der Gartenstrabe wohnende Schlosser R. einiger Mädchen wegen in dem Cafö Victoria in der Jnvalidenstraß« mit einer Anzahl Zuhälter in Streit und verließ, um sich vor Mißhandlungen zu schützen, dag Lokal; kaum jedoch betrat R. die Straße, als er sich plötzlich von etwa sechs ferner frazwürdigm Gegner umringt sah, die nun mit S öcken und Schlagringen auf dm Wehrlosen einhiebm, bi« er schließlich, über und über mit Wundm bedeckt, zusammen- brach, während die Strolche, durch herannahende Polizeibeamte verscheucht, die Flucht ergriffen und mtkamm.— Fast zu derselben Znt pasfirte der Körnerstraße wohnende Kaufmann L-, von einer Gesellschaft kommend, dm Karlsp atz, als er plötzlich von zwei ihm entgeamkommendm Individuen angerempelt wurde, und ehe er noch eine Aeußerung machen konnte, erhielt er von dm Strolchen mittelst stumpfer Gegenstände— an« aufflattern, und wahrscheinlich soll wohl jene Zeit wieder- aufleben, wo Jhring-Biahlow und Naporra sich eklatante Genugthuungen verdienten. Es ist nur natürlich, wenn ein so wichtiges Ereigniß feine Schattm vorauswrrft und ei ist ebenso natürlich, daß ei sich jeder hinterpommerfche Wahlkreis zur Ehre gemacht hätte, Herrn von Puttkamer als geeigneten Vertreter in den Reichstag zu schicken. In Stolpe wird das welterschütternde Faktum vor sich gehen; es braucht deshalb aber nicht gesagt zu werden, daß Herr von Putt- kamer in dm Reichstag hineinstolpern wird. Ganz Gegen- theil, er wird mit Glanz durchkommen, und feine unveraleichlichm Posen werden leider nicht den Regierungs- tisch, sondern einen Sessel der äußersten Rechten zieren. Nur zu, ei wird immerhin erfreulich sein, auch die Privatmeinungen des ehemaligen Staatsmannes kennen zu lernen, und es ist immer lehrreich, zu erfahren, wie groß veranlagte Männer über die diffizilsten Punkte unserer Politik dmken. Daher freuen wir uns auf den Augen- blick, wo eS unS vergönnt fein wird, die erleuchtete Weis- heit allem Volk zugänglich zu machen, und alles Volk wird sich mit un» freuen, aus diesem unergründlichen Brunnen schöpfm zu dürfm. Der mmschlichm Natur ist eS leider versagt, in die Zukunft zu sehm, und so können wir Un- glücklicher Weise noch nicht voraussagen, wann die elegantm Stiefel des Herrn von Puttkamer wieder in den Wandelgängm des Reichstages blinkm werden. Aber kommen wird der Tag ohne Zweifel, und die nationalen Parteim werden stolzer als je da» Haupt erheben. Eine würdelose Muße ziemt sich allerdings auch nicht für den that kräftigen Mann; e» wäre in der That ein unersetzlichcr Verlust, wmn da» Vaterland immer auf eine so hervorragende Kraft hätte verzichten müssen. Doch der Bann ist gebrochen — ein neuer Kämpfer tritt in die Arena.--- scheinend Todtfchläuer— derartige Hiebe ine Gesicht, daß ihm das Blut aus mehreren Wunden hervorströmte. Bei dem Herannohen etnes durch die Hilferufe des Ueberfallenen h'rbei- gelockren Schutzmannes ergriffen die rohen Patrone die Flucht und entkamen ebenfalls in dem Dunkel der Nacht. Beide Ver« fetzte muhten nach den niichftgelegenen Sonitätswachen gebracht werden; dem R. war ein S'.uck aus der Nase förmlich heraus- geschlagen, die Unterlippe war gespalten und ouherdem wies er noch zahlrerche andere W-nden auf, L. war durch einen einzigen Hieb an der Stirn eine Arterie ge- p'otzt. Beide Verletzte erhielten Nothverbände und wurden sodann nach ihren resp. Wohnungen gebracht. Schliehlich wurde noch ein Berliner Gastwirth, a>S er sich auf dem Wege von Kd'p'nick befand, nachdem er den letzten nach Berlin fah» renden Zug versäumt, in der Köpenicker Haide überfallen und derartig zugerichtet, daß er nur noch kriechend sich sortdew'gen konnte und schliehlich von einem Fuhrwerk aufgenommen wer- den muhte. Anscheinend liegt in diesem Falle rin Racheakt vor. Das Kefrnden des Zisarrenhändlen» Lehma«« m Charloltendurg hat sich nacd Miilheriung der ,9t. Z." derart gebessert, bah gegründete Hoffnung vorhanden ist, den Verletzten am Leben zu erhalten. Das Fieber hat sich bedeutend ver- mindert, auch die Geschwulst ist g»iallen und wenn der Krankt auch noch nicht vernehmungSföVg ist und noch sehr geschont werden mutr, so zeigt sein s/unzeS Verhalten doch, daß er völlig bei Bewuhllein ist.. m„r. t t Ein Zlickrl W«rehlkopf. Von einem Arzte wrrd der ,D. Medizi, al�g" Folgenve« geschriebm: Em 27jähriger Hauzdiener kam heute m groher Eile zu mir mit vollständig erloschener, besserer Stimm: und gab an, dah vor einer halben Stunde 5- oder 10. Pfennigstück ihm in den Hals gekommen wäre, als er im Scherz mehrere Geldstücke in den Mund ge- no-.men hatte. Er war augendlicklcck heiser gewocden und Vühtte bald heftige Athembeschwerden. Ich bat ihn dringend, ruhig zu bleiben und leicht ein- und auSzuathmen. Nach einigen Versuchen konnte ich dos Gelostück mit dem Kehlkopsspiegel sehen; es lag quer und flach auf den Stimmbändern, am zu- «cspitzlen Theil der Ocffaung nach hinten zu. Ich lieh den Arbeiier auf den llntersuchungsstuhl sich legen und dann den Kopf und Rumpf senkrecht nach unten richten. In dieser Lage lieh ich ihn vorsichtig tief einathmen und dann hettig aushusten. Leim zweiten M>le fiel das 5 Pfennigstück auf den Boden. Der Arbeiter, welcher sofort wieder mit lauter Stimme sprechen konnte, stand freudig auf und versprach feierlich, kein Geldstück mehr in d n Mund zu nehmen. Sistirnng. Als die Schuhmacher, die Herren G.Lö'hrke und F. Schütz die schuhmacherversammlung verliehen, die am Freitag im Eiskeller tagte, wurden sie auf der Strahe von einem Kriminal. beamten für verhaftet erklärt und nach der nächsten Polizei- wache geführt. Wie sie bort erfuhren, hatte der Krimnalbeamte beobachtet, daß der eine von ihnen Bons(für die Familien der Ausgewiesenen und Jnhaftirter.) verkauft und der andere auf einer Liste Gelder für die Bestreitung der Wahlkosten der nächsten Re,chstagSwahl gesammelt habe. In der That erkannte auch Herr Löh ke in dem Kriminalbeamten selber den Käufer eines solchen BonS wieder. Auf der Wache wurden die beid-n Verhaftelen zunächst einer körperlichen Durchsuchung unterworfen und ihnen einige Sammellisten abgenommen; dann wurden sie nach ihren Wohnungen geführt und dort gehaussucht. Die HauS- fuchung förderte bei Herrn Schütz nicht das Geringste zu Tage, und für ihn hatte das ErMnih damit fein Ende erreicht: er durfte zu Haufe bleiben. Schlimmer erging es seinem Gefährten. Bei rhm wurden in der Wohnung zwei verschiedene Nummern des, Sozialdemokrat", ein sozialdemokratisches Liederbuch, eine Broschüre: Flieoen und Spinnen und einige Flugblätter ge- funden. Daraushm wußte er die Reise nach dem Molkenmarkt antreten, wo er einem V-rhöc unterworfen wurde. Von da ging es nach dem neuen Polize-palast am Alexanderplatz, und dort muhte Herr Löhrke die Nacht vom Freitag zum Sonn- abend verweilen. Am Sonnabend wurde ein erneutes Verhör auf dem Molkenmarkt mit ihm angestellt und dann— es war 2 Uhr NachmittaaS geworden— wurde er entlassen. Polisri-Kericht. Am 27. d. M. Mittags siel der Ar- beiter Tcebe vor dem Hause Prinzenstr. 68 von seinem Arbeits- wagen herab und zog eine so bedeutende Verletzung der Stirn zu, daß er nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werden muhte.— Kurze Zeit darauf fiel ein Mann vor dem Hause Molkenma kt 1 beim Ablpingen von einem in der Fahrt be- ff 1 blichen Pferdebahnwagen zu Boden und gerieth mit dem linken Arm unter da« Rad eines gerade vorüberfahi enden Rollwagens, so dah er anscheinend eine schwere Quetschung er- litt.— Abend« wurde ein Mann auf dem Hole de« Grund- stück« Schulstr. 45 erhä gt vorgefunden.— Im Laufe de« Tages fanden an drei verschiedenen O ten kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. Der verantwortliche Kedakteur unsere« Klattes, Herr R- Crouhetm, hatte sich gestern wieder einmal wegen Beleidigung vor der 08. Abtherlung des Schöffenge' ichtS zu verantworten. Diesmal war es ein einzige« B üderpaar, das sich in ferner Ehre durch«inen Artikel des„Berliner Volksblatl" tief gekränkl fühlte und deshalb von dem Strafrichtcr Genug- thuung für dre erlittene Schmach verlangte. Der in Rede stehende Artikel ist ein Bericht von einer Versammlung der Veieinigung der Drechsler Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin l, welcher sich in Nr. 211 vom 10. September d. I. befindet. In dieser Versammlung, welche am 2. September im Lokale Annenstr. 16 tagte, wurden die Löhne verschiedener We,{statten streng krrtifict und euch die Verhältnisse in der Werk- statt der Gebrüder Schüler wurden erörtert. Der bezügliche Bericht lautet wörtlich folgendermaßen:.Im Weiteren wurde die Weikstati von Gebr. Schüler, Wrongelstr. 60a, richtig gewürdigt; oort werden ebenfalls solche niedrige Preise gezahlt, so daß man sich wundern muh, wie es möglich'st, daß sich Jemand ff det, der die Arbeit mit hungerndem Magen fertig stellt, denn zumSattrssen reicht dir Lohn, den diese Wohl- thäter der Menschheit ihren Arbeitern zahl,n, nicht aus." Dm Vorsitz der Schöff-nabiheilung führte Amtkrichter B o i S l n, al« Verihndiger war Rechtsanwalt Dr. F l a t a u u;d als Rcchtsbeistand der Kläger Rechtsanwalt Apolant erschienen. Angeklagter Grönheim gab seine Verantwortlich- ke.t für diesen Artikel zu, bestrilt aber entschieden, dah derselbe für die beiden K.äger b-lerdigend sei. Bor s.: Der Artikel ist «der ganz böhniich aehaltm und es ist darin von Hunger- löhnen oie Rebe!— An g e kl.: Der Ausdruck„Hungerlohne" ist heute allgemein gebräuchlich; man bezeichnet damit Lohne, welche ganz unzureichend zur Aufeechthaltung der Existenz sind.— Dr. Fla tau: Der Ausdruck Hungerlohne ist n'cht in dem Artikel vorhanden; es heißt dort nur, dah man sich wundem müsse, wie Jemand sich finden könne, der die Ar- beit mit hungerndem Magen verrichte.— Als erster Ent- laftungSzeuge betritt D>-echslergeselle Paul K a s p r z a k o w den Zeugenstand Aus Befragen erklärt derselbe, er sei damals zu den Gedr. Schüler gekommen, um sich Arbeit zu suchen. Da diese Herren einen Gesellen brauchten, sei er auch angenommm worden. Man habe ihm aber nur 20 Pf. für zweizöllige Traillen geboten und obmew schlechtes Material zur Veiiügung gestellt, das er sich auch noch heraus- suchen sollte. Hiermit sei er nicht zufiieden gewesm, und da die Gebr. Schüler keine 25 Pf. für d,e Traillen geben woll- ten, so habe er erklärt, dah er lieber obne Arbeit als be, voller Arbeit hungern wolle. Auf weiteres Befragm g,ebt Zeuge die Möglichkeit zu, in der beregtm Vrrsovimlung über die Ver« hällnisse in der Schülerschm Werkstätte gesprochm und ähn- liche Ausdrucke als die von der»nkloge bezeichneten gebraucht zu haben. Von seiner Vereidigung w>rd� deshalb Abstand genommen, weil er im Verdacht der M'tthäterschaft stehe. Der zweite EntlostungSuuge Drechsler Paul Hübscher wird au« dem gleichen Gr»ade nicht vereidigt. Er habe ungefähr sieben Wochen im vorigen Jabre in der genannten Werkstatt gearbeitet und zirka 15 M. durchschnittlich pro Woche verdient. In anderen Werkstätten, wo die Arbeit besser bezahlt werde, habe er einen viel höberen Verdienst erzielt- Das Holz fei in der Schüler'schen Weikstatt schlecht zugerichtet und auch nicht possend zugeschnitten gewesen, außerdem habe er sich daS Holz vom Hos hcrausholen müssen. Bei anderen Meistern, so z. B. bei S t a h l, R o s e I i u S und auch bei T ö r m e r werde das Material paffend vorgerichtet und sei schon aus diesem Grunde ein höherer Verdienst zu er« reichen.— Drechslergeselle Otto S t ö b b ei war seitens der Kläger als Zeuge vorgeschlagen worden, bei denen er noch in Arbeit steht. Er habe bei Schüler dmchschnittlich 25—26 M. wöchentlich verdient. Hübscher sei etwas largsamer gewesen. Seit Juli gebe es für zweizöllige Traillen 23 Pf., früher wurden 20 Pf. für dieselbe Albert gezahlt. Aul die Frage des klägerischen Anwalts erwidert Zeuge, dah er nichts von einer Aufhetzung der übriaea Gefillen jener Werkstätte durch Hübscher wisse.— Sachvei ständiger Drechsler» meister T ö r m e r bezeichnete den derzeitigen Preis von 20 Pf. für zweizöllige Traillen als„durchaus nicht auffallend niedrig". Heute werde für die Arbeit durchschnittlich 22t Pf. bezahlt. Mit dem Vorrichten des Holzes fei es nicht überall gleich, und ebensowenig mit dem Herbeischassen des Materials. Wenn kein Hausknecht da ist und der Geselle thut'S, dann thut er«. Dafür etwas Besonderes zu vergüten, ist nicht üblich. Zwei« zöllige Traillen werden wohl in allen Werkstätten von zuge- fchnittenem Holze gemacht.— Zeuge Hübscher: Bei Gebr. Schüler habe ich mir das Material aber zurecht schneiden unb auch heraustragen müssen.— Zeuge Stöbbel: Der Länge nach mar das Holz zugeschnitten.— Rechtsanwalt Apolant hielt nach der Beweisaufnahme die Beleidigung der Gebrüder Schüler für erwiesen. In dem Bericht sei von der Arbeit mit hungerndem Magen die Rede und die Kläger seien in demselben höhnisch altWohlthäter derMenfch« heil bezeichnet worden. Die Vernehmung der Sachverstän« digen habe ergeben, dah von der Firma keine außergewöhnlich niedrige Löhne gezahlt werden und Thatfache fei auch» daß ein Arbeiter viel, der andere bei dem Preis wenig verdient habe. Es rechtfertige sich somit die Bestrafung des Angeklagten.— Rechtsanwalt Flatau: Es handelt sich hier nicht um einen Artikel, der von der Redaktion veriaht worden ist, sondern um einen ganz objektiven Ver- sammlungibcricht von der Vereinigung der Drechsler Deutschland«. In derselben wuide über die Lohnverhältnisse verschiedener Weikstätten genau so gesprochen, wie es in dem Bericht wiedergegeben ist. Das.Volksblatt" konnte doch nicht schreiben: Die Sckiüler'sche Werkstatt ist gelobt worden, oder, die Löhne dieser Werkstatt sind sehr hohe, sondern eS mxhte wahrheitsgetreu berichten. Es wird aber auch in dem Artikel nur denen ein Vo wurf gemacht, die bei so niedrigen Löhnen mit hungerndem Magen in der Werkstatt aibeiten. DaS find ober nicht die Priovlkläger, sondern ihre Arbeiter; nur die Letzteren könnten sich dadurch beleidigt fühlen. Die Kläger werden nur als Wohlthäter dcrM-nschheit bezeichnet, das mag höhnisch sein, es ist aber nicht ehrverletzend und also auch nicht beleidigend. ES sollte damit nur gesagt werden, daß die Kläger keine Leute sind, welche sich ihrer Arbeiter be- sondeiS annehmen. Es wird Ihnen gesagt: Ihr seid Menschen, die eben die Sache gehen lassen, wie sie geht; aber darin liegt immer noch keine Beleidigung und ich beantrage aus den an« pefühiten Gründen die Freisprechung de« Angeklagten.— Nach einer Replik des klägerrschen Anwalts und einer Duplik des VcrtbeidigerS zog der Gerichtshof sich zur Berathung zurück, um beim Wiedererschcinen fol- gendeS Urtheil zu verkünden: Wenn in der de- züglichen Versammlung der Drechsler gesagt worden wäre: In der Werkstatt von Gebr. Schüler werden solche Löhne ge- zahlt und wir halten diele Löhne für zu niedrig, so hätte d-r Ar ge klagte sich bei der Wiedergabe des Berichtes auf§ 193 — Wahrung berech ttgter Interessen stützen können. In der Versammlung wurden ober ganz andere Mittheilungen gemacht. Mittheilungen, welche Beleidigungen der beiden Kläger ent- hielten. Es wird ausdrücklich von Wohltbötein der Mensch« heit gesprochen, welche einen Lohn zahlen, der zum Sattessen nicht ausreiche. Die Befugnisse der Presse gehen nicht so weit, Beleidigungen mitzutheilen und der Angeklagte durfte Mithin den Bericht nicht in der vorliegenden Form aufnehmen. ES dürfe nickt gestattet werden, dah vielleicht i aend ein Faullenzer in solchen Versammlunoen über niedrige Löhne sich beklage und ordentliche Leute müssen sicher sein, daß sie nicht in dieser Weise an den Pranger gestellt werden dürfen; e« empfehle sich also eine Nachdruck iche Strafe, welche der Ge- richtsbof auf 100 M. event. für je 5 M.' aul l Tag Gefängnih bemessen habe. F.rner sei den K ägcen das Reckt zuzefpiochen, den Tenor des Erkenntnisses aus Kosten de« Angeklagten je einmal im„Berliner Voltsblatl" und im„Lokal-Änzeiger" zu veröffenilicken. Al» öffentliche« Ausschreibe» einer Kollekte von Drrjo« zu Perfo« ist die Mittheilung rn en.er Z-itscknft, daß an bestimmten Slellen Beiträge für einen bestimmten Zweck angenommen werden, anzusehen, und der verontn ortliche Redakteur ist für die Aufnahme der qu. Mrltherluna strafbar, sofern für die Kollekte nicht die Genehmigung des Oberpräfi- dcnten nachgesucht worden ist. Diesen Rechtssatz stellte die Strafkammer Via de« Berliner Landgericht« 1 in der Strafsache gegen den Redakteur dieses Blattes, Reinhold C r o n« beim, den Eisendreher Richard Wendler, die Scklosser Reinecke, Fahre nwald und d>n Korbwacher Karl Fuchs auf. In den Nummern unleres Blattes vom 1. Juni und vom 23. Juni er. waren die Metallarbeiter zur Leistung von Beiträgen an die Angeklagten 2-4 behufs Bestreitung der Kosten für einen Vertreter zum Arbeitnkongreh in Poris, in der letztem Nummer auch der Korbmacher zur Unterstützung der Lohnbewegung und Einsendung von Beitiäaen an den Angeklagten zu 5 aufgefordert worden. Da« Schöffengericht hatte sämmtliche Angeklagte frei- gesprochen, weil ein Kollektiren seitens der 4 letzten An. geklagten nicht nachgewiesen sei und weil bezügl ch de« Aus- fchreibens nur die Veranstaltung von Hauskollekten strafbar fei. Gegen dieses Urtheil hat die ÄmtSanwallfchaf« Berufung ein- gelegt, weil auch das Au«schreiben von Kollekten von Person zu Person unter die Strafbestimmung falle. Die Angeklagten 2-5 stellten in Abrede, dah fie die inkliminirten Notizen an uns eingesandt haben. Da ihnen dies nicht nachgewiesen wer« den konnte, wurde betriff« ihrer die Freisprechung be- stätigt: dahingegen wurde betreffs des Angeklaaten C onbeim dos erste Urtheil aufgehoben und derselbe zu 20 M. ev. 4 Tagen Haft verurtbeilt. G» hat mal Jemand gewettet, dah es Leute gäbe, die auf folgende Ai-nonze„hineinlallen" würden:„Wer von dem von mir erfundenen Pulver Abends einen Theelöffel voll einnimmt, hat den ganzen folgenden Tag gew'chste Sl'efel." Er soll die Wette gewonnen haben. Auf die Dummheit der- jcnigen,„die nicht alle werden", hat auch der Kaufmann Gustav Levi spekulirt, sich aber durch seine Spekulation eine Anklage wegen Betruges zugezogen, die gestern vor der 90. Abtheilnng des Schöffengerichts gegen ihn verhandelt wurde. Levi erließ in verschiedenen Provinzialbläitern, u. A. im„Graudenzer Geselligen" folgende« Inserat:„5000 Uhren verschenkt! Wer eine von meinen echten �Oboide-Uhrketteu" für 7 TL 50 Pf. kauft, eihält eine Porte d ar-Hernn-Remontoir» Toschenuhr nebst Garantieschein umsonst zu. Gustav Levi, Berlin, Friedrichstr. 33" Der Kutscher und der Ges.lle eines Gtaudenzer Schlächurmeisters waren wirklich der Mnoung, fie erhielten für 7.50 M. Uhr nebst Kette und liehen fich die Kleinodien kommen. Ueber unp-omple Bedienung konnten die Besteller nicht klagen, umgehend traf die Sendung gegen Nach- nähme ein. Als die Adressaten die Hüll- gelöst halten und fich die Werthsachen besahen, fanden fie fich arg geläu'cht. Die Kette war blank und sah gelb aus, das war aber auch das Einzige, was sie mit einer poldeaen gemein halte. Daran hing allerdings ein G> genstand, den Kurz- sichtige von weit-.m für eine Uhr hallen konnten, denn er bestand au« einem ebenfalls gelben und blanken Gehäuie und einem Zifferblatt. Nur das Werk fehlle. Dle Käaler halten dergleichen Kmderuhren fckon in Graudenz gesehen. Auch eincn Garantieschein erhielten sie. Der Verkäufer erkiSile in dem- selben, dah er die Kette zurücknähme; wenn sie rnnerhalb fünf Jahre schwarz würde. Die Besteller hatten dagegen geglaubt, daß der Garantieschein auf dre Uhr Bezug haben sollte. Dieser Auffassung war auch ein Danzrger Koni, mann gewesen, welcher die Annonze las und Uhr nebst Kette bestellte. Dieser war höchst empört, al« er anstatt einer Herren Remontoir-Uhr nebst Kette r.ur die letzlere und eine uhrähnliche Schachtel empfing. Er schrieb dem Angeklagten, dah er einen richtigen Zeitmesser beavspr, che. Levr antwortete ibm, dah er da« erhalten habe, wo« er bestellt habe, em fest ab eschlossenc« Geschäft könne nicht rückgängig gemacht werden. Der Danziger Kaufmann zttgt« ihn wegen Betruges an und nun war Levi allerdings bereit, ihn zu ent« fchätizm. Es war zu kpät, auch der Graudenzer Fall war schon zur Kenntnih der Behörde gelangt. Der Angeklagte be- stritt im Termine dah er eine bltrügerische Absicht gehabt habe. Wenn ein Leser dcn versprochenen Garantieschein auf die Uhr anstatt auf die Kette bezogen habe, so müsse dies an einer unglücklichen Fassung der Ännonze lregm, die er wörtlich nach einer gleichlaulenden aus den„Jllvstrated London« New«" Übersetzt habe. Jeder vernünfiige Mensch müsse sich doch sagen, dah er bei dem Einkaufe einer Kette für 7,50 M. nicht roch eine gangbare Uhr dazu bekommen könne. Die er« wähnten Schachteln habe er aus Paris bezogen, die'elben kosteten ihm 1 Feanc das Siück und wurden>hm als„Porta ci'or" laklunrt. Die Ketten beziehe er aus Pforzheim für 2.50 M. pro' Stück. Der Sachve-ständige, Goldwaarenbändler Han« Knecht, begutachtete, dah weder die sogenannte Uhr noch Kette eine Spur von Gold enthielten. Das Material fei eine Art Bronze und werde die daraus hergestellte Waare in fachmän- nifchen Kreisen a'S„abgebrannt" bezeichnet Der Veitdeidegkr hatte dagegen als S-tintzzeugen den Kaufmann Max G-ün« bäum laden lassen Dieser gab an, dah er die Uhr'chachteln für etwa 15 Franks pro Dutzend inkl. Frackt und Steuer aus Frankreich beziehe und fie für 2 M. bis 2 M 50 Pf. wieder- verkaufe.— Der G-iichlShof hielt es für zweifellos, dah des Gebahren de« Anaekloalen auf eine Täuschung des Publikums berechnet fei, mit Rücksicht auf feine bisherige Unbelcholtendeit wucde aber nur aut eine Geldstrafe von 50 M. erkannt, nährend der Sianv'It 120 M. beantragt halte. Ei« glücklicher Erbe stand am Sonnabend in der Per- fon de« Kellners Friedlich Raab vor der ersten Strafkammer am Landgericht II. Die wider denselben erhobene Anklage lau« tele auf Betrug und Unterschlagung. Der 24jShrige Snge- klagte ist in Zachau m Oesterreich geboren, kam nach Berlin und fand von hier aus beim Reftamateur Altenburg in Cäar« loitcnlurg Kondition. Dort hat er zunächst einen Herrn Jung um einen erh.'blichcn Belrag betrogen, wofür er am 25. Okt. vom Amtsgericht l zu 3 Monaten Gelängnih v-ru theilt wu de. Miitlerweile schwebte bereit« beim Landgericht II die Unte suchung in der gezenwärligen Ankiogesoche«,der ehn. Er dmfte auf B-schiuh der zuständigen Strafka-rmer diese Strafe nicht antreten, sondern blieb in Unter suchungshafi, die er bereit« am 16. August angeireten hatte. In der gest ixen Verhandlung gestand er zu, dah er im Moral August plötzlich sein- Stellung aufgegeben hatte, doch ohne vorder mii fernem Chef abzurechnen. Er hat demselben gegen 70 Mark Geld untnschlaxen. Einige Zeit früher— am 24. Juli— sah er, daß der Kaufmann Ztch«— ein G st scires Herrn— beim Begleichen der Zeche«in österreichisches Gulbenstück aus der Tasche zog. Der Angeklagte fiug, ob Herr Ziche nicht mehr von ditsen Münzen besitze, e- wolle sich di selben ein« wechseln. Herr Ziche bändigte ihm 94 Gulden au«; der Ar- geklagte enischuldigte sich, daß er das deutsche Geld dafür erst am nächsten Tage zchlen könne weil er dasselbe erst bei seinem Rechtsanwälte abbeten müsse. Er hatte aber nichts abzuheben, und Herr Ziche hat noch hrnte keinen Pfennig ei hallen. Vor Gericht ent'chuidiate fich der Angeklagie damit, daß er auf eine reiche E bfchaft hoffen durfte und ,m Vertrauen darauf das Versprechen gegeben habe, dah er den Beirag für die 94 Gulden zahlen werde. Thafiächach sei auch beim Unte-suchungSrichter die Rrckricht einge« gangen, dah fein Oh um gestorben fei und dah er denselben beeice. Aus den Alien wurde aber konstatirt, dch die E d« fchaft noch lange nick, flüfstg ist. Der verstorbene Oheim hat zwar ein bedeutendes V rmögen hinterlassen, davon gehen oder reiche Legate ob urd det Rcfi zeriällt unier zahlreiche Erben. So erbt der Angeklagte in Verbindung mit zwei Geschwistern nur ein V.erundzvanzixstel des hintcrlassenen Vermögens. Wieviel der auf idn frllende Theil beträgt, ist noch gar nicht festgestellt. Der Gcrichtsrof erkannte wegen beider Delikte— der Staatsanwalt horte nur eine Zusatzstrafe von 5 Wochen beantragt— auf 3 Monate Gefängnih, itchneie tiefe Strafe aber auf die Uniersuchungzt.ast an, so dah der Angeklagte nur noch die ersten drer Mannte zu verbüßen bot Durch eine« unerlaubt,» Akt der Selbsthilfe hat sich der Troschkenkulfcher Friedlich L a n g e eine Auk og- wegen Be- teupe« zugezogen, die o ftern vor der 90. Adldettung de» Schoff-ngeiichlZ gegen ihn verhandelt wurde. D-r Angeklagte war an einem August tag« vom Grasen Schmettau und mehreren anderen Ulanen Olfificren nach der Charlotten' urger Rennbahn bestellt worden, um die Herren nach beendeiem Rennen nach Hause zu fahren. Der Angeklagte will dem Auf« trage nachgekommen sein und lehnt jedes Verschulden daran, daß die Herren ihn nicht fanden, ab. Er stellte fich deshalb auch am folgenden Morgen in der Wchnung de« Grafen Schmcltiu ein und verlanote den Fchr« preis von 10 Mark. Nach längerem Hin- und Her« dispuliren, bei welchem die Köchin die Mittelspirfon spielte, erklärte fich Graf Schmettau bereit, 5 M. zu zahlen, die der Arrgek agte sich von emcm näher bezeichneten W-chtmeifter in der Ulanenkoserne aukz hlen lassen sollte. Der Angeklagte er- klärte, dah er fich bei der Kommandantur bcschveren werde, ging aber zum Wachtmeister und lreh sick, als vom Grafen Schmettau dazu beaufnaxt, 10 M. anstatt 5 M. aushönd'gm. Der Staatsanwalt wollte di.fen Betrug mit einer ach tägigen Gefängmhstruft t eahndet wissen der GerichisHof eikannte aber nur unter Berück kichiil ung oet Nebenumstände auf 20 M. ter sprtrntirrudc„Haussohu". Der Kaufmann Al« chiomm zu Kiuschwi« yaiu sich in Ze tgeschäfte an der Berliner Produktentöis« eingelassen und unter anderem auch durch den Agenten Preuh an die hiesig« Fwma Auerbach und Benor laut Schiuhe ote 1000 Ztr. Roggen p-r Ottober 1887 verkauft. Aus diesem Geschäft refuilirte schliehlich für©ch. eine Sckuld von 1145 M., wogegen au« einem anoeren Fix« geschält 373 M. zu fernen Gunsten standen. Die Dssf renz von 772 M. wollte Sck. aber nicht zahlen, da»r. wie t: auf die ei hoben« Klage vor d>m Handelsiichter ausführte, roch in väterlicher Gewalt fei, stets im Hautstande feines Vater« lebe, bei demselben wohne, von demselben unterhalten werde und nur in dcm Geschäfte desselben helfe. Auch liege hier ein nicht klagbarkS Diffsrenzzeschäft vor, denn in dem B.nfe an den Geschäft» oermittler$. habe er mitgelheilt, daß die wirkliche Liefe» rang des Get eidcS ausgeschlossen fei und daß er überhaupt »nur sein Glück probiren wolle''. Die klagende Firma wandte dmue�erüber ein, daß der Beklagte schon seit 1883 mit P. Grschaste aemacht und mit Kenntmß seines Vaters Getreide an der Börse ge- und ankauft habe, aber die erste Z'vilkammer für Handelssachen(Berlin I) erkannte trotzdem unter folgender Ausführung auf Abweisung der Klage. Die Frage, ob unter den Parieien ein unklagbares Differenzgeschäft geschlossen ist, kann uneiörtert bleiben, weil der Einwand des Beklagten, daß er unter väterlicher Gemalt stände, also ohne Genehmigung des Vaters nicht verpflichtungsfähig sei, durchgreift. Der Vrter hat zeugeneidlich bekundet, daß derSobn von ihm unterhalten wird und daß er von den betreffenden Geschäften nichts gewußt hat. Es ist also erwiesen, daß der Beklagte «in HauSsohn ist, und muß Klägerin die dem HauSlohn zur Seite stehenden gesetzlichen Bestimmungen gegen sich gelten lassen, da es ihre Pflicht war, sich den an« zufehen, mit dem sie sich in Geschäfte einließ. Nach§§ 12t, 125 des A. L.- R. können Haus'inder wohl Vermögen ohne Beilritt des Vaters erwerben, wenn aber mit dergleichen Vor» theilen zugleich Laflen und Verbindlichkeiten übernommen wer- den sollen, so hängt die Rechtsbeständigkeit der Handlung des Kindes von der vorhergehenden oder hinzukommenden Einwtll'gung des Vaters ab, welche hier nicht ertbeilt ist, und weshalb auch die vom Verklagten eingegangene Verpflichtung nicht rechtSbesiändig ist.— Hiergegen legte die klagende Fama Berufung bei dem Kammergericht ein, wo ihr Mandatar, Rechtsanwalt Fektin, in dem dieser Tage stattgehabten Audienz- termin ausführte, daß schon die eigenen Feststellungen des Vorder- richt-rS für die Annahme genügen, daß der Beklagte, welcher über 30 Jahre alt, verheirathet und seit drei Jahren Besitzer eines Sperchergrundflücks sei, das Geschäft des Vaters felbstständig betrieb und dessen Kasse unter sich halte, als großjähriger Sohn und für das fragltche Geschäft auch als verantwortlich anzu- sehen sei. Das Kammergericht verurtheilte hierauf den Be- klagten im vollen Klageumfange zur Zahlung der betr. 772 M. nebst Zinsen und Kosten, indem es zunächst ein klagbares Lieferungsgeschäft als vorliegend erachtete und dann annahm, daß ein Sohn, welcher, wie hier, in dem väterlichen Geschält länger Ze t thätig ist und den Vater vertritt, eine selbst- ständige Stellung einnimmt und al« aus der väterlichen Ge- walt entlassen anzusehen ist. Di-se Entscheidung ist, weil nicht mehr revisibel, endgiltig. Gtttfcheidattgr« des Reichsgerichts.(Nachdruck vcr- boten.) Leip, tg, 23. Dezember.vurde noch bekannt gemacht, daß Gelder für Wien ent- gegengenommen werden Sonnabends und Sonntag« bei Gründe!. Dresdenerstraße 116; Schulz, Admiralstraße 40a, und Gnatl, Brunn», str. 38. Gwe öffentilch» Schnhmacherversammlnng tagte am 27. d. M. im großen Saale de« Eiskeller(Chiusseestraße). Dieselbe war emderusen zur E lrd gung folgender TageS- ordnung:„Die Lohnverhältnisse der Berliner Schuhmacher und wie stellen sich dieselben»u einer unbedingt nothwendig werdenden Auf- besserung im nächsten Frühjahre? Nachdem die zahlreich besuchte Versammlung Herrn Kling er den ersten Vorfitz übertragen hatte, nahm Hrr MaxBagiutki da« Wort zum ersten Punkt der Tagesordnung. Referent legte zunächst dar, daß es durchaus nicht genüge, yrnss d mein Ve sammlurgen zu besuchen, und sich im Uebrige:, � zu kümmern. Die heutige Gesellschaft befinde sich..!'im EntwicklungSstadium zu neuen Formen, sie beginne die Formen abzustreifen und die Arbeiter feien die Bausteine den Bau der Zukunft. Deshalb müsse jeder Pro«tarier seireu Platz voll und ganz ausfüllen. Das Schuhmuchergewerb« si, im völligen Niedergange begriffen, das Kleinmeifterthum vermöge sich nur noch zu halten durch Drückung der Arbe ts- löhne und Verlängerung der Arbeitszeit. Wochenlöhne von 9 bis 15 Mark bei endloser Arbeitszeit seien demzufolge an lux Tagesordnung. Die sogenannte Sozialreform treffe da« Hebel nicht an der Wurzel, durch sie werde die Lage der Arbeiter, der Schuhmacher, nicht gebessert. Um dies zu ermöglichen, fei eine Umgestaltung der Produktionsweise nothwendig, eine Ver- Hinderung der schrankenlosen Ausbeutung der Proletarier durch das ollmächtige Kapital. Da von der heutigen herrschenden Gesellschaft noch dieser Richtung hin nicht« zu erwarten sei. so sei e« Ausgabe der Arbeiter, selber Hand anzulegen zur Ver- besserung ihrer Lage und da! Mittel zum Zwecke sei die Or- ganisalion. Der Einzelne sei machtlos. mit vereinten Kräften sei dagegen Viele« zu erreichen. Bezüglich einer Lohnbewegung im Frühjahre enthiell sich der Vortragende einer endailtigen Mcinur g�außerung, den diesbezüglichen Beschluß der Versammlung nach reiflicher Ueberlegung überlassend. Jedoch hielt Referent diese Frage noch nicht für spruchreif, war vielmehr der Ansicht, daß zuvor noch eine umfassende Agitaticn entfaltet und Massenversammlungen in allen Stadtgegenden abgehalten werden müssen. Nachdem Redner noch die Innung»- bestcebungen triffend beleuchtet hatte, empfahl er zum Schlosse nochmals die Organisation mit dem Hinweise darauf, daß die Prinzipien der Arbeiterbewegung schließlich doch zum Durch- bruch gelangen würden und daß die Proletarier siegen würden, wenn sie nur wollten. Vor Eintritt in die Diskussion wurde, einem gestellten Dringlichkeit«- Antrage entsprechend, eine Er- gänzungSwahl der Lohnkommission vorgenommen. Gcwäbkt wurden die Herren Wartenberg, Schröder, Prieß, Maaß, Artelt Ii und Hanke. Nach vollzogener Wahl wurde dann in die Diskussion eingetreten. Auf wiederholte Aufforderung hin, daß sich von den ein» geladenen Jnnungsmeistern Jemand zum Worte melden möge, meldete sich Niemand. Zur einstimmigen Annahme gelangten folgende beiden Resolutionen: 1. Die heutige im E'Skeller- Etablissement tagende öffentliche Schuhmacherverfamm'unq erklärt, die Agitation für den achtstündigen Arbeitstag noch Kräften unterstützen und dahin wirken zu wollen, daß em 1. Mai 1890 die Arbeit zu Gunsten desselben überall ruht. 2. Die heutige, den 27. Dezember 1889 im Eiskeller- Etablissements tagende öffentliche Schuhmacherversammlung erklärt: In Erwägung, daß eine dauernde Besserung unserer Lage nur durch Beseitigung der privatkapitalistischen P:o, duktionSweise herbeigeführt werden kann; in fernerer Erwägung, daß die Mehrzahl der Kollegen dieses noch nicht erkannt hat, dahrn wirken zu wollen, daß dies,-: geschieht. Zu diesem Zwecke bedarf es einer starken, in die weitesten Kresse dringenden Agitation. Außerdem ver- pflichten sich die Versammelten zum Eintritt in den„Ve ein zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher und Berufs- genossen", welcher für genügende Aufklärung nack dieser Rrch- tung hin sorgen wird. Nach Beendigung einer Pause b-hufs Emzeichnung in den Verein wurden die Verhandlungen ni.-der aufgenommen. Dieselben nahmen durch da» Eina> eisen mehrerer JnnungSmeister des Weiteren ein lebhaftere« Tempo an. Auch hatte die Innung sich erlaubt, ein F ugblatt in d:e Versammlung einzuschmuggeln, doch nicht den Much, dasselbe öffentlich zu vertreten. Unterzeichnet war da« Flugblatt auch von den Ortevereinen und von dcm von den Berliner Schuhmacher- gesellen nicht gewählten Altgesellen. Unter großem Beifall unter- zog Herr Mcr BaginSki das Flugblatt einer vernichtenden Kritik, ebenso Herr Krause. Die weitere Diskussion, in welcher zahlreiche Redner sprachen, umfaßte sowohl die gewerk'chafllichen Verhältnisse im engeren Sinne, sowie die sozialen und politischen Verhältnisse im Allgemeinen. Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Aibeiterbewegung schloß der Vorsitzende schließ- lich die Vrrsammlung. In d«r Sch»eid«»v»rsamml«ns, die am dritten Feiertag in der Brauerei Köoigltadl unter Vorsitz des Herrn Pfaff-r stattfand, sprach Herr Täterow unter lebhaftem Beifall über die Lage des Handwerks. Referent schilderte in ausführlicher Werse die moderne Produktionsweise und die durch die Maschinen- technik der Großproduktion sich vollziehende Vernichtung des Kleinhandwerk«. Zum zweiten Punft der Tagesordnung sprach Herr Pfeiffer über die Sitzung der Siebener- Kommission mit den Konfektionären und erklärte, alle Konfektionäre se,en der Ansicht gewesen, daß den Arbeitern ein besserer Lohn gezahlt werden müsse. Hieran knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, in welcher sich alle Redner damit einverstanden erklärten, an In« Unternehmerthum Forderungen zu stellen. Kollege Gä t-ur legte in ausführlicher Weise die Verhältnisse klar und fordnle auf, treu zur Sache zu halten. Herr Radnitz hob hervor, daß gerade die Fachblätler es wären, welche die Unzufriedenheit in die Bewegung hineinbrächten. Auch Herr Jeschoaeck erklärte, sich nicht in Uebereinstimmung zu befinden mit den Beschlüssen anderer Städte, welche die Berliner bevormundeten. Zum Schlüsse wurde die Slebener-Kommisfion beauflragt, auch mir den Innungen in Verhandlung zu treten und ferner dafür zu sorgen, daß auch Arbeiterinnen die Versammlungen besuchten. Nachdem der 1. Mai 1890 als Feiertag anerkannt und der Schneiderbewegung ein Hoch ausgebracht, wurde die zahlreich besuchte Versammlung geschlossen. Potsdam. Am Freitag, den 20. d. M., tagte in Heinricis Saal eine öffentliche Volksveisammlung, welche sehr zahlreich besucht war und in der Herr Julius Wernau aus Berlin einen Vortrag über die bevorstehende ReichstavSwahl hielt. Redner legte in klaren Worten die Bedeutung derRerchi- tagSwahlen, den Gebrauch de« Wahlrecht« und die Roth- wendigkeit reger Agitation für Arbeiterkandidaten der Ve- sammlung ans Herz, feuerte dieselben an, sich nicht mehr aü Stimmvnh gebtauchen zu lassen, sondern selbstständig denke» cnien und bemzufolze auch frei zu wählen. Nach diesem mit mohem Beifall aufgenommenen Vo' trage wurde Herr Julius Wernau einftimmrg für den Wahrkreis PotSdam-Oft« hw.Itand als Reich'tagskandidat der sozialdemokratrschen Pa ter prokiamirt. Hiernach wurde gleich ein Wahikom'lee von 7 Perwnen gewählt, welchem aufgegeben wurde, mit ollen Mttlrn für die Agiianon für den Kandidaten zu sorgrn. In der DiSkulfion sprechen noch einige Herten, da auch einige Freisinnige anwesend waren, werden sie aufgefordert, sich an der Diskussion zu betheiligm. Die Herren hatten aber nicht den Much dazu. Zwei Re'olulionen betreffend die energische Bitheiligung am Tage der Wahl für den Kandidaten Herrn Wernau und den 1. Mai 1890 als Feiertag zu proklamiren wurden von der Versammlung angenommen. Nachdem.der Vorsitzende noch in warmen Worten der Versammlung ans Herz gelegt, das, was sie heute Abend hier gelobt haben, auch »u halten und das Wahlkomrtee mit allen Mitteln zu unter« stützen, schloß derselbe die Versammlung. y«rraMtKlmie*n der WtJ»• gUronbenboiT» b*r nischler«ob Piaxosort» Zirb«tt»r Rettin*. T->i>e»oidi>img 1. cht-iftallung fmcr btt Dt flofftne Dflrcl- ttn�Pt lebe, giift««». ftmi! Röhn. 2.®Ulu(fion. S.»ufntll, n» don Ji«' didaltn ju Dtltgt itn. 1. Sonn ho, dtn 59 Dtztinbtr, Born Ittoo« P r.lt 10 Uhr, In ber Slotbbeutfdim Brrutrti. Chaussttsiraht 58. Btzilk brft Si, Hilft» Heim Echrrpfti. I bitsim Btzirt wöhltr sammilicht btrdsljihitr, bit ihre Ktit>Si>t birtti im Kalstnlotal zahltn. 2. Sonniao. btn 5. Januar. BothtUflo» Parkt 10 Uhr, in btt ÄönMbatik, Grote gtanlfuritt. ftioht 117. Pejl f beb Kasst tri Herrn Schulz, 8 Sonniaa, ben 12. Januar, WotmiNao» Pur kl 10 Uhr. in Süd Eft, Waldemar str. 75. Bezir k beb jlaistier» Herrn SlSd». 4. Sonniao, ben 19 Januar, SäOTi'ltlag» Punkt 10 Uhr in Haders Brau-rli, lveigmannilr 617. Lezi t be» Aalst er» Herrn Schütze. Da» Duülnnt Sbich l.oUlinltt Um zahlreichen Besuch w> b ersucht. Mroft« iiff.nttich» K»tk»»»»sam«tu»g für Niedre/, Britz«nd U«0»»»xd am feon i,-q. den 19. Dezember, g-oimtlior» 10)j tlbr, itn neuen Saale be» Her' Wie, libl Aeelebcckftr, 15, TagetO! b, una: Die Latze ber ordetterden nastc lstercrert W, Werner, Ditkulston, Peilchiebenei. Um recht »ihlietid'' �.mch«i b e'lnch' K n d,r jfiltfchulior beittr und jt»ruf#B»»o|T«n Montag, btn BT-.einbet, 8bti b» 8 Uhr. bei ffinobt, Brunn, nstr 88, Bersammluna. ,o. bn.una: 1 Vornag bei Herrn Richard Bagintki üter' Petkürzung .' be heNtzelt. 2. Ditkutlion. 8. Veischirbenei. Neue Mitgtieber werben auf. «atoimnai O»ai>>»r»t« der Lederarbeiter. Versamnluntz Montag Llenbi OK U.I, C ar itnftr>80 Tageborbnung„Der Kampf utn'b Dasein In ber a>o MmUilld). ft stielet er i Heil Dt Bruno Wille r Veriinbblbilothrk. Aus. «ahme neuer Mitolieber, Gäste willkommen Mittwoch btn 22. Januar 1890: jDist nt iche Verl m-nluno sü die Haubarb, iter, Sratzer Sytuefter Kail de» Verbandes deutscher Zintmerleut» (Ook loabanb«, Ii) cm 81 D,z mber, in stku,rftei>'b Snlo., binfanp ater.bi V Uhr Billet» st, d oo her zu hooen bei H Jäckel, Blumenste. Ist: H. Oltlanb, Steglttzerftr 58: I Ra mann, Ctctnmntzne 58 4Tr,:8 Butlchte, Kirchdach- sliaße 3 part,: Zipke. Sisenbahnftr, 87, 4 T'; Patzst, R.ichrnbligerftr, 58, Hof 4 Ir und am Bbenb beb 81. b. M an der Koste, Lese Klüt, LalsaU». Freitag, btn 3 Jtmiar, Hter.bb 8% Uhr, findet Gu» ulir lö eine«lneraloersaminlung statt, Pflicht ,>ne» leben Mtltzlir bei ist el, zu erscheinen, da Statuten deraihui tz und Vo.ftanbbwahl ftattstnbet, Gäste tonnen durch Mitgiiedei eintzisühlt werden, Kr anbin-«nd Begeübnistkass» der Bau- und Fabrikarbeiter Oentn» Mitolieber am Eom tag, den 5 Januar 1890, Voimiltatz» 10% Ulli, Im Lokale b,» Herrn Cäoer Glüner Weg 59 logeboibrung: Kr st-ndeitcht: innere Kr sftnanoelegenheit: Ber. W v e* Da» Kasienduch legrtimirt Um zahlreiche» Grlchrtnin der Mlt» vHAer wird ersucht fit* Sfsenttich»' parqnetfustd»de»leo»r-Persa««l«ns Berlin» und llmoeoend stnbit am Montag, den 13. Januar, Nbenbl 8 Uhr, bei Feuer- ft'in,«lie Jakolstr. 75, statt. Nähere» Sonntag, den 12. Januar durch Hunonze und Eäutenanichlatz, Nsfeubachir Frauenkais». Großer Wiemr Mattenboll am Sonntag. den 19 Januar 1990»nfang«lberdt 7 Uhr, im..König stadt-Kastno", Holz- mar I. strotze 72 neransiaitlt VON Mitgltebern ber Cei ttal.Kranken- und Be- aräbnitzkaste für Frauen und Mädchen Deulschlanbi, ß H. Nr. 56 wozu alle Freunde und Gönner ber Kaste eiirgelaben Wirben, villet»» 50 Pf sind bei allen Borstonbtzmirgliebern Urb Zahlstelleninhaderinnen zu haben. W. Popke, Walb-marftr, 64 H. 2 Ir; P labet. Kochstr. 20; Dolz Beitzftr, 80; grau Lutz, Putlkamerstr, 7: Wasewitz Palltsabenstr, 22. Ouergedäube 1 Dr.; gröber, ittitchenberoerstr 65, Hof 1 Tr,; Lrn. Karge, Neue Jakobftr. 26: Frau Günther, Waffeithorstr, 49: F. au Meier, Skalttzeifti. 58 UNO im Kusseniotal, Naunpn- strat 88. mtlglieber unenltzelbilch statt. Die Atdeitioeimiuelungb-Kommisston. Veuefle Die Verständigung Aber de« Answels'nngvpaea- graphe« rst anscheniertd noch nicht erzim. Striae naironal« uberaie Blätter führen eine sebr enlschudene Sprache und wollen glauben machen, daß die Natronallrberalen sich diesmal als ganze Männer zeigen würden, welche allen Drohungen der Regierung gegenüber fest auf ihrem Standpunkt verharrten. Ran, cs hat schon oft so geheißen, aber die»ganzm Männer" find noch nie gesehen worden. Osfiziös werden sie drnn auch nicht wie unerschütterliche Charaktere, fondern wie ungehorsame Kinder bebandelt, die infoige ihur Nnfotgsamkeit und ihres Btsser« wiffenwollenS in»ine arge Roth gekommen find.„Ihr habt euch mit eurem Wtoerspruch gegen die Ausweisung m eine Scckzasse verrannt, nun seht zu, wie ihr wieder herauskommt!* rufen ihnen die Osfiuosen zu. Die armen Tröpfe müssm sich ein:„Sackgasse! Weg verboten!" zurufen lassen, sobald fie um die Erlaubniß der Wegbetretung zu bitten vergessen haben; und damit der Spaß, den man mit ihnen treibt, ein vollständiger sei, wird alles dies in einem Blatte gesagt, da« selbst unter nationallrberaler Flagge segelt. Einigt der nationalliberaltn Musterknaben kehren dann auch schon am Ende der Sackstasse reuig um. Zu ihnen g hört der nationalliberaie RerchStagSabgeordncte für Königsberg, Hoffmann. Derselbe hat dieser Doge m einer Rede über die Resoim des Zvllian'S und andere aroße Fragen schließlich auch die kleine, weil fast nur die Proletaner be- treffende Frage des SoziilistengisetzeS behandelt und den neuen Entwurf als höchst werfe und von dem allen Gesetz wesentlich verschieden bezeichnet.„Das Gesetz," meinte er, „trifft durchaus nicht die So-ialdemokraten, sondern allein die gewissenlosen Umstürzler.(Zwischenrufe.) Sollte c« ober ande>S gehondhabt werden, so ist daS nur ein Jrrthum." Den„Jrrthum" verzeiht der rationalliberaie Gefetzoeber als Mn» schuldiger natürlich gern. Und das Opfer des JrrthumS soll sich gleichfalls an dem tröstlichen Bewußlsein genügen lassen, d°B» ia nur einem Jrrthum zum Opfer gefallen ist. «-Die 6 uhier", fuhr Herr Hoffmann fort, sollen nicht mehr ihrem- Gewerbe, ihrem Berufe entrissen werden." Wir hören tS, aber da Herr Hvffmann dem AuSwersungkparagrophen w- st'mmt, so fehlt uns der Glaube, ja wir müssen es für dmstru Betrug oder zum mindesten für taare Gedankenlofigkrit er« k.aren.„Nicht die sozialdemokratische Gesinnung soll verfolgt werden, sondern nur die sozialdemokratische Agrtation." Darauf haben selbst nationalltberale, die Ausweitung bekämpfende Blätter die zutreffende Antwort gegeben: Die Ge- sinnung tritt überhaupt nur durch Agitation(nn weitesten Sinne) in die äußere Erscheinung; das Verfolge» und Bestrafen emer Gesinnung wäre nrcht nur eine Ungehörig» keit, sondern ist einfach eine U>- Möglichkeit. Die Ausführungen des Herrn Hoffmann halten seidstverstöndlich vor der Krrtrk nicht stand, aber was thut das? Es soll ja nur über de» Stock ge prungen werden. Und springen werden fie—, zum mrndesten, wenn Fürst Bismarck kommt und Gehorsam verlangt. Nerbote« auf Grund des Sozialisteugesetze» wird durch den Putrzei-Präfidenten von Bertin 1, das Flugblatts „Arbeitslos!*, beginnend mit dm Wortm:„Wre schreck» sich stallt Dir dos Wort in die Obren" und schließend mit dm Wollen:„Gerechtigkeit für Alle!", ohne Angab« des Druckers und Verlegers— und 2. das in deutscher und czechi» scher Sprache gediuckte Flugblatt mit der Ueberschrrst� „11. November!!!"„Proletariat!", beginnend mit dm Wo t-n:„Dieses Flugblatt, welches Du in Deiner Hand ha lst- u-.d schließen o mit den Worten:„Aug' um Au»'. Zahn. um Z hn! Hoch die Anarchie!", ohne Angabe des Druckers und Verlegers._ VviefkQsten. Bei Anfragen bitten wir bit«donnementb-Oultwng beizufügen. Briestliüe Antwort wirb nicht erlheilt, ... K>$• Friedrichsderg. 1. Em Klub, der ein Zimmer für bestimmte Adenve fest mrelhet, kann dort auch über die Polizeistunde hinaus tagen. 2. Die Forderung des Achtstundentages besagt, daß die Arbeit selbst täglich nur 8 Stunde» dauern soll; davon sollm jedoch die Frühstücks«, Mittag», und Vesperpaule nicht abgerechnet werden. Namenlos. R-me gesellige Vereine, wie Rauchklub« oder Gesangvereine bedürfen überhaupt kemer polizeilichen An» Meldung. Traurig. Inwieweit Ihr Kousin durch die Erzählung Ihrer Jamit, er Verhältnisse oder Ihre Kollegen durch Sticheleien eme strafbare Beleidigung begangen hadm, hängt lediglich von der Fo>m ihrer Aeußeiungen und den näheren Umständm ab. A s Ihrer allgemein gehaltenen Schilderung kann man dar- über kem klares Urtheil gewinnen. Zu näherer mündlicher Auskunft find wir bereit. Gr. öffentliche Volksversammlung lur Rixdorf, Britz und Umgegend am Sonntag, den 39- Dezember, Dormittags 10 1» Dhr, im neuen Saale des Herrn Wierschmibt, Knesebcckstr. 15. Die Lage der arbeitenden Klasse. Ref..: W.Werner. Drskuifion. Verschiedenes. Um reckt zahlreichen Besuch bittet Der Gtnberufer. Allslittig Mm. Dm Kolleoen zur besonderen Kenntniß, daß i» folgenden Werkstätten unsere Forderungen noch nickt bewilligt find: I. C P f a f f, Engel- »ferle. G ros ck kuL, Gollnonsir. 19. Gebr. Wernmann, KöniagrLtzerstr. 81. Müller ».Eo., Blückeistr. 35. Schimmelpfennig, AndreaSstr. 39, Fr an z, Prinzen ftr. 20. Bon- «eil, Stallschreiberstraße 30. Goetschke, Ntexmderftr. 29. Franke, Brandenburgstr. 9k. 33. Gehricke, Höckstestr. 32. Grie« wab», Brandenburgstr. 19. Thiele, Bar« nimstr. 32. Couturier, Louisen Ufer 17. Isar,»«, Barmmstraße 41. Heinrichs, Vkhnerstr. 3. Och«, Reichenbergerstr. 170. Srier, Wienerstraße 40. Stahlheuer, KönigSbergerstr. 4 a. Ja cksch. Naunynstr. 44. Br u h n, Langestr. 6. M o h n ke, Ädmn al- »re;« 20. Rurs ig, Brandenburgstr. 55 Lü- dolph, Grenadiersir. 4a. Schwarz, Reichen. Itergerst' atze 124. Pali«, KöpiNickerstraß« III. Schmitz. Oronienstr. 147. Vater, Wasser- tbmstraße 35. Meschet, Manteuffelstraße 57. Söfner, Fü.sterstr. IS. Ulrich. Reichen- dergeritraße 63. Goida, Wemsiraße 30. Scköning, Pavitadenstr. 14. Velkisch, Ekatrtzerstr. 11. Ktrschner, Adatber-str. 42. Hennrg, Weinstr. 10. Thi em, Reichen. berget st r. 24. I a n k e, Reick nbergerttr. 63. Prnkert. Frankfurter ftr. 132 a. Stahl- h euer, Reichenbergerstlaße 73. C. Stahl, P inzenstr. 19,. Ardellslosen Kollegen macken wrr es»ur Pflicht. sick nur ar v-e KteUenvermittelung der DUdhaue» KerUn«, Annenftr. l6 zu wenden; in um Wol>e Ävends 8—9 Uhr, Sonntag« Vo-AlMa« 10— 11 Uhr. Dr» Komm.ssion ,st Sonnt ag Vormittag 11—12 Uyr und in dieser Woche Montag unv Sonnabend Abend von 7 Nzr ad Unaenstr. 16 an-n-tnid; d a l e l b st werden wieder WerkstattttSe« für die ersten Wochen oe« neuen Jahres verau«. gabt Die anderen Loien find fammliich »» ückzulreiern., «i.efe find»u richten anWachter, Schmke« straße 11, o. in 455] Kranke«-«ttö Sterbelasse der Berliner Hausdiener» (E. V. 61.1 I. ordentliche Generalversammlung am Mltiwock 15. Januar 1890, Abende 9 Uhr, bei Jordan, Reue Grünstr. 28. Tagesordnung: 1. Mittheiiungen. 2. Jahresbericht. 3. Antrag P ckert, bettrffend Grat fikation für der Kilsirer. 4. Antrag be« Vorstandes behuiS Er- höhung der Kassenle'stunaen. 5. Wahl des Voi- stanbes laut§ 11 de« Statuts. 6. Wahl de« Ausschusses(§ 17). 7. Verschiedenes, Auflna« und Fragekastm. Ouittungsbuch legitimirt. Um pürkttiches und zahlreiche« Erscheinen ersucht 460] Der Vorstand. A. Ziegler, WeinbergSweg 7. Die Kommission. KzAimiil ö Ledttlikbtiter u. ilto itaa, dm 30 Dezember, AbmdS 8] Uyr, O anienst.aße 180. Tagesordnung: Der K nrof uwS Dasein in der Volkewirth- schofl." St srrenl Herr Dr. Bruno Wille. Vt-remsbistlrochrk. Aufnahme n.uer Mitgnedee Gö-le willkommen. Mmwoo, den 22 Januar 1890; O.ffemliche Bttiammlung für vre Hautarbeitet- A-htung! Alle Dtejmigen, die noch im Besitz vor Billet« der vom Verband der Möbelpolirer ver- anstalteten Matinee find, werden ersucht, die. selben bis spätesten« am Sonnabend, der 4 Januar, au folgende Herren zurück zu erstatten w,orioenfalls sie als veitauft betrachtet werden: A. Gräber, Grüner Weg 65. Hans B u ck Soiauerstroße 5. G. Rau, Brunnen- ttraße 94, und an Herrn R. Weber, Jtieder- flraße 6. 456] Das Komitee. Gr. Sylvesterleier der Kerttner Schneider am Dicnstag, den 3�. Dezember» tn Kncher's Salon, Wozu Freunde und Kollegen mit ihrer Familien h-»urd!'chst eina'Ioden sind. 468 Mtlhelmgllllev. Tmpelhttf. Halteftelle der Pf rdebohn. Richtung Dönh ffplatz Ten pe dos— Jever Sonntag' «y Großer Kall. („.k, Alien Freunden unn Bekannten empfehle mein Weiß-»vd Mirlslh-Mer-Sokilt. C. J. Peterson, 118] veterinenttratze 22. Beklii»ltmch«ig. In allen die Arbeiterversichemng und da« JnaungSwesen belriffenden Angelegen hciien wird dem betheiliglen Publikum, so weil als möglich, in unserem Gewerbebureau, Breite- ttraße 20a(Köllnische« RalhhauS), Z-mmer 15, bezw. Zimmer 1, während der Stunden von 9 br« 1 Uhr mündlich Auskunft erihcilt; auch werden daselbst Anträge und Beschwerden, so weit fie die unserer Aussicht unterstellten Kranken- lassen und Innungen betreffen, zu Protokoll genommen. Bon 10— 12 Uhr Vormittags ist in er Regel einer der Herren Dezernenten, Magistrais-Assessoren Mugdan und Dr. Freund, daselbst anwesend und, so weit erforderlich, zur AuSkunfteriheilung bereit.[467 Berlin, dm 29. Dezember 1889. Gewerbedeputatzion des Magistrats» E b e r t y. 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