Nr. 805 Dienstag, de« 81 Dezember 188%. AM»«»«* MiurlolbMI. Krgan für die Interessen der Arbeiter. Abonnements- Einladung. Arbeiter, P arteigen offen! Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, daß die RnchstagSwahlen dicht vor der Thür stehen. Es find das die ersten, welche für die Dauer von fünf Jahren vor» Jenommen werden. Kein einfichtiger Arbeiter wird fich der ohen Wichtigkeit verschliefen, welche gerade diesen Wahlen innewohnt. Wir bitten daher unsere GestnnungSaenossen und Freunde, Alles aufzubieten, um das„Kerlinr» NolKsdlntt" durch Gewinnung neuer Abonnenten m immer weitere Volkskreise hineinzuführen. Der Wahlkampf wird diesmal ein ganz de» sonders heftiger werden, alle Parteien werden die größten Anstrengungen machen, ihre Presse zu verbreiten; wir dürfen daher unter keinen Umständen zurückbleiben. Persönliche Empfehlung ist für die Verbreitung einer Zeitung am wirksamsten. Für den Monat Januar eröffnen wir ein neues Wonne» ment auf das „Kerlitter Uolksblatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden „Kountagsblatt". Der Abannementsprei« beträgt ftoi ins Hans für das ganze Vierteljahr 4 Mark, monatlich 1 Mark 35 Pf., wöchentlich 35 Pf. Bei Selbstabholung aus der Expedition, Zimmerstraße 44, MM" 1 Mark pro Monat."WM Bestellungen werden von sämmtlichen ZeiwngSfpediteuren sowie von der Expedition unseres Blattes, Zimmerstraße 44, entgegengenommen. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be» stellungen für d-S Vierteljahr gegen Zahlung von 4 Mark an. Die Redaktion«nd Expedition des„Derliner Dolksklatt". Vom rrfnimrzim Land. Die Bewegungen unter den Bergarbeitern kommen nur zeitweilig zum Stillstand; immer regt es sich wieder und wird der alte Kampf um die V e r k ü r z u n g der Arbeitszeit neu aufgenommen. Man stößt immer und überall auf die gleichen Forderungen. Während die Arbeiter der Bergwerke im Saargcbiet und im Ruhrkohlen- decken abwarten, wie man ihnen die gemachten Zusagen er- füllen wird, haben die schlesischen und sächsischen Bergleute ihre Forderungen neu formulirt. Eine große Bewegung herrscht in Belgien, in dem Kohlenbecken von Charleroi. Die Bergarbeiter verlangen dort den neunstündigen Ar- beitStag. Zn einer großen Versammlung rieth einer der Führer seinen Genossen dringend zur Besonnenheit, er Feuilletott. 166 WaAdruck Dttbolfn.) Gsgiolct Roma« v,» Emile Z» la. Einzig autorifirt« N-dersetzung von Ernst Zieg!«». Wer waS besonders das Land beschäftigte, waren gelbe Plakate, welche die Kompagnie in Massen auf die Mauern kleben ließ, und auf denen in großen Lettern folgendes stand:„Arbeiter von Montfou, wir wollen nicht, daß die Berirrungen, deren traurige Folgen Ihr in diesen Tagen erlebt habt, die besonnenen und vernünftigen Arbeiter ihres Brotes beraube. Darum also werden wir am Montag früh alle Gruben öffnen und sobald die Arbeit wieder aufge- nommen sein wird, wollen wir sorgfältig und von den wohlwollendsten Absichten geleitet untersuchen, waS an den bestehenden Verhältnissen verbessert werden könnte. Wir werden mit einem Worte alles, was recht und billig ist und in unseren Kräften steht, thun." Am nächsten Morgen defilirten die Zehntausend vor diesen gelben Papieren. Keiner sprach, Viele schüttelten den Kopf, Andere entfernten sich mit ihrem schürfenden Schritt, ohne daß auch nur eine Muskel in ihrem Gesicht gezuckt hätte. Bisher hatte das Dorf des Voreux hartnäckig in seinem Widerstande beharrt. ES schien, als ob das Blut der Kameraden, welches den Schmutz des VorhofeS geröthet hatte, den Andern den W«> in die Grube versperre. Kaum Zehn waren eingefahren, Pierron und seines Gleichen, welche die Uebrigen mit sinstern Blicken, doch ohne eine Drohung zur Grube aufbrechen und von der Arbeit heimkommen sahen. mahnte, man solle alle Hetzereien und Gewaltthätig- keiten vermeiden und namentlich Niemand, der anfahren wolle, mit Gewalt abhalten.„Neun Stunden unserer schweren Arbeit," meinte er,„sind genug, und es muß uns gestattet werden, auch ein wenig am Sonnenlichte zu leben. Die rührende Einfachheit dieser volkSthümlichen Logik muß alle Herzen bewegen; nur, wie eS scheint, diejenigen der belgischen Grubenbesitzer nicht, die sich hartnäckig gegen die Forderungen der Bergleute sperren. Nichts ist verständlicher, als die Forderung der Berg- leute, ihnen ein wenig mehr Zeit zum Aufenthalt am Sonnenlicht zu gewähre«. Seit Jahren dreht sich der Kampf zwischen Arbeitgebern und Arbeitem um diesen Punkt und die Hartnäckigkeit, mit welcher sich die Gruben- besitzet wehren, wäre wirklich einer besseren Sache würdig. Welche Werthe sind in diesen langwierigen Kämpfen ver- nichtet, welche Drangsale über ganze BevölkerungS- schichten verhängt worden! Wir verehren die„gute alte Zeit" nicht besonders, aber wir wollen anerkennen, daß sie manche Vorzüge hat. Auch die Herren Grubenbesitzer wollen moderne Menschen sein; sie müssen sich aber beschämt fühlen, wenn sie sehen, daß man in alter Zeit den Bergleuten das als selbstverständlich gab, waS ihnen heute mit dem Aufgebot aller Machtmittel verweigert wird. Der Habsburger Ferdinand I. war gewiß kein besonderer Arbeiterfreund, aber das Recht der Bergleute auf eine achtstündige Schicht war für ihn keine Frage. In feiner um die Mstte des sechszehnten Jahrhunderts erlassenen allgemeine» Bergordnung für Oesterreich war vorgeschrieben: „Jeder Arbeiter soll, wie von Alters Herkom- m e n, Vor- und Nachmittags jedesmal, mitAuSnahme des Sonntags und Samstag Nachmittags, eine halbe Schicht, d. h. vier Stunden, arbeiten." Hier haben wir also den vollkommenen Achtstundentag mit Sonntagsruhe und freiem Sonnabend Nachmittag. Dieser treffliche alte Brauch, den auch Ferdinand I. aus- drücklich als solchen anerkennt, ist nur verdrängt worden durch die moderne Spekulation mit ihrer freien Konkurrenz, welche gerne jede Minute ausnutzen möchte. Ueberhaupt hatte die mittelalterliche und spätere Berg- gesetzgebuog dem Bergknappen prinzipiell weit mehr Schutz eingeräumt, als die Grubenbesitzer heute zulassen wollen. Maßgebend war der Grundsatz, der in der Kutten- berger Bergordnung enthalten ist und der besagt: „Jeder soll seiner Arbeit froh werden und es soll keiner, was ein anderer mit Müh und Arbeit schuf, sich aneignen dürfen, denn der Mühe und Arbeit sollen die Gesetze Schirm und Schutz sein." Die BergwerkSeigenthümer sollten sich nicht zu „Grundherren der Arbeit" aufwerfen und Aktiv- näre gab es damals noch nicht. Interessant ist eine Anweisung an die Bergmeister in DaS an die Kirche geklebte Plakat wurde mit Mißtraum mtgegen gmommm. Es war darin nicht die Rede von den zurückgegebmm ArbeitSbüchem; hatte die Kompagnie die Ab- ficht, deren Wiederannahme zu verweigern? Und die Furcht vor Repressalien, der brüderliche Gedanke, gegm die Aus- schließung der am meisten Kompromittirten zu protestirm, ließ sie noch weiter in ihrer Auflehnung verharren. Diese Proklamation sei zweideutig, sagten sie, man werde warten und werde einfahren, sobald die Herren Regisseure deutlich erklärt haben, waS sie thun wollm. Ein todteS Schweigm lag über dem ganzen Dorf; sie warm stumpf und gleich- giltig selbst gegm den Hunger gewordm; mochten sie sterben, sie fürchtetm dm Tod nicht, seit er in ihre Reihe« gebrochen war. Doch düsterer wie alle andern war das Haus Maheu'S in dem stummen Schmerz seiner Trauer. Seit die Maheude ihren Mann auf den Kirchhof hinausgeleitet hatte, sprach sie kein Wort mehr, war sie gleichgiltig gegen Alles, waS um sie herum vorging. Sie hatte nichts dagegm ge- habt, daß Stephan am Abend des Kampfes Katharinen, welche halbtodt und mit Schmutz bedeckt war, wieder in's HauS führte, doch weder mit ihm, noch mit ihr wechselte sie eine Silbe. Aus die Gefahr hin, arretirt zu werdm, schlief Stephan wieder mit Jeanlin; dmn der Gedanke, in das Dunkel des Re'quillard zurückzukehrm, flößte ihm solchen Widerwillen ein, daß er noch das Gefängniß vorgezogen hätte. ES schauderte ihn, wenn er an die unter- irdische Höhle dachte, deren schwarze Nacht ihn mit Schreck erfüllte und mit Furcht, sobald er sich des kleinen Soldaten erinnerte, dm sie dort unter dem Felsm begrabm hattm. Auch kam ihm daS Gefängniß wie eine Zuflucht vor, wie eine Rettung vor dm Gewissmsqualen feiner Niederlage. Doch Niemand stellte ihm nach, und er schleppte sein Lebm traurig dahin, nicht wissmd, womit seinen Körper ermüden. Bezug auf die Arbeitslöhne. Es sollte keiner mehr oder weniger Lohn als der andere zahlen, dann aber heißt es; „Die Bergmeister sollen ein ehrbar christlich Äeoenkm haben, daß sie den Bergarbeitem ein ziemlich Lohn machen und o r d n e n, auf daß sie nicht aus Mangel ihres EnthaltS zu stehlen verursacht werden, und wahrlich, wo man den Arbeitern und Gesinde an Lohn und Kost abbricht, da werden HauSdiebe und Straßenräuber daraus." In die moderne Sprache übersetzt würde das heißen: sie verfallen dem Bettel und der„Vagabondage". Dmn den deutschen Bergleuten wird schon lange am Lohn ab- gebrochen; aber Straßenräuber und Diebe werden sie des- halb nicht. Die Vorschriften der alten Zeit dürften auch manches Bedmkliche aufweifm und die Kirche hielt ihre schwere Hand über die Arbeitergenossenschaften des Mittelalters. Aber die angeführten Grundsätze und Thatsachen sind an- zuerkennen und die modernen Grubenbesitzer mögen sich darin spiegeln, wie das Mittelalter die Lohnkürzung ver- urtheilte. Man könnte diese Sache noch weiter auSspinnen und zeigen, wie die alte Bergpolizei eine reine WohlfahrtS- polizei war. Doch genug. Wie kläglich erscheint jenm Thatsachen gegenüber die bornirte Behauptung, die Bewegung unter dm Berg- leutm und ihre immer wiederkehrenden Forderungen seien nur eine Folge von böswilligen Agitationen, fremden Einflüssen und systematischen Verhetzungen! Wir wissen wohl, daß so Manches, was früher möglich war, heute nicht möglich ist. Aber zu diesen Unmöglich- keiten gehört die achtstündigeSchicht durchaus nicht; sie ist heute so gut möglich, wie früher, und nur eine elende Sophisterei kann behaupten, der heutige Geschäfts- betrieb könne nicht existiren, ohne dm Arbeitern genügende Zeit zur Erholung zu geben. Möge man doch endlich die in so langen Kämpfm ge- machten Erfahrungen beherzigm und überall den Arbeitem der Bergwerke die achtstündige Schicht gewähren. Dann wird die unaufhörliche Beunruhigung bald schwinden. Nttvvef'pcmdimzen. London« 27. Dezember 1889. Ist der Streik der Süd- londoner Gasseuerleute verlorm? Nach den Berichtm der TagcSpresse wäre es leider zu fürchten, die Arbeiter selbst aber geben ihre Sache noch nicht verloren. Erstens soll es in dt« Gaswerken durchaus nicht so glänzend aussehen, wie die von der Direktion ausgehmdm Berichte glauben machen wollen, unter dm angeworbmen„Blacklegs" sollen sehr viele nur mit vieler Mühe vom Davonlaufen zurückgehalten werdm können, und zweitens soll eS mit den Kohlenvorräthen der Gesellschaft bereits sehr schlecht stehen, während die Zufuhr nicht im Eni- ferntesten dm Konsum deckt. Die Gewerkschaft der Matrosen Die Maheude warf zuweilen aber auf Stephan und Katha- rinen einen grollenden Blick, als wenn sie frage, was die Beiden eigentlich bei ihr wollten. Und wieder schlief Alles zusammen in der engm Stube. Der alte Bonnemort lag im Bett der beiden Kinder, welche jetzt bei Katharinm schliefen; nur die Mutter empfand die trostlose Leere deS Hauses; denn sie hatte jetzt ganz allein das große Ehebett inne. Vergeblich nahm sie manchesmal die kleine Estelle zu sich, um sich nicht so ver- einsamt zu fühlen, eS half ihr nichts; sie weinte stundenlang vor sich hin. Die Tage folgtm einander wie vorher, ohne Brot und ohne daß sie das Glück gehabt hätten, endlich einmal zu verhungern. ES fanden sich immer noch von Zeit zu Zeit Kleinigkeitm, zusammengebettelt, geschmkt von guten Leuten, Almosm, die den Armen den zweifelhaften Dienst leisteten, daS Elend ihrer Existenz zu verlängern. ES war nichts in ihrer Lebensweise verändert; nur der Vater fehlte. Am Nachmittag des fünften Tages verließ Stephan, dm das ewige Schweigen der Maheude zur Verzweiflung brachte, das HauS und schritt die Straße des Dorfes auf und nieder. Schon eine Zeitlang währte seine Prommade, da siel ihm auf, daß die Männer unter die Thüren traten und ihm nachschauten, während die Fraum die Vorhänge an ihren Fenstern zurückschoben. Niemand sagte ihm ein Wort; aber er las etwas wie drohendm Groll in diesen Blickm. Seit der Katastrophe im Voreux war der letzte Rest seiner Popularität geschwundm, und unter der stummen Anklage all dieser Blicke, die der Hunger und die Thränen noch starrer und noch bitterer machtm, wurde er verlegm und wußte nicht mehr, wie er gehen sollte. Immer mehr Augm schautm ihm nach, eS wurde ihm unerträglich; er fürchtete, das ganze Dorf möchte plötzlich auf die Straße stürzen und und Heizer, die an 80 000 Mitglieder zählen soll, steht zu den Streikenden und defördert kein Schiff, das mit Kohlen für die Südlondoner Gaswerke befrachtet ist. Was in Barken bisher herangefchleppt worden, ist aber nicht der Rede werth. So wenigstens wird von Seiten der Streikenden behauptet. In wie weit es richtig, entzieht sich meiner Beurtheilung, dagegen scheint mir so viel sicher, daß im gegenwärtigen Stadium nur noch die Fernhaltung der Kohlenzusuhr die Möglichkeit bietet, den Sieg der Gesellschaft abzuwenden. Zwar hat sie nicht so viel BlaklegS erhalten, als sie zum regelmäßigen Betrieb der Werke braucht, von den Eingestellten hat ein Theil wegen nicht genügender Leistungsfähigkeit wieder entlassen werden müssen und eine erhebliche Anzahl wird den bereits Entlassenen noch folgen; von denen ganz abgesehen, die freiwillig auf die „Höllenarbeit* verzichten.— Kurzum, wie ich jüngst schrieb, es hat sich gezeigt, daß e« mit der„unqualifizirten* Arbeit nicht so einfach ist, wie das Wort sich ausspricht. Aber die Gesell. schaft hat doch genug Arbeiter gefunden, um die Streikenden in Schach zu halten, und da es ihr an Geldmittel nicht fehlt, so würde das unter normalen Umständen genügen, ihr den Sieg zu sichern. Der Winter ist für alle Arbeiter eine ungünstige Jahreszeit, die die Konkurrenz der Land« k Arbeiter zu fürchten haben. Er bietet den Unternehmern eine Möglichkeit der Aus» wähl, wie sie sie fichsnicht besser wünschen können, und vielleicht nirgends in gleichem Maße wie in England mit seinen eigenartigen agrarischen Verhältnissen. Das haben die Arbeiter eben nicht bedacht, als sie dm Kampf mit der Gesellschaft aufnahmen, wie sie überhaupt ihre Position nach verschiedenen Seitm hin überschätzten. Sie rechneten mit emer Stimmung im Publikum und in der Presse, wie sie beim Dockerstreik und bei den Streiks derf„Schwitzarbeiter* in East-End sich äußerte, und sind grausam enttäuscht worden. Die Presse nahm mit wenigen Ausnahmen gegen sie Partei, und von den paar Blattern die sich ihnen freundlich zeigten, stand wiederum die Mehr« heit nur„theoretisch" auf ihrer Seite, d. h. sie be- schränktm sich aus Lammtationen, thatm aber nichts, das Publikum für die Sache der Streikenden zu er- wärmen. Dieses hat sich dmn auch von Anfang an, wo nicht direkt feindlich, so mindestens absolut ablehnend den Streikendm aegmüber verhalten, von dm Kleingewerbetreibenden derjenigm Viertel, wo die meisten Streikenden wohnen, abgesehen. Und die Polizei, die beim Dockerstreik vor aller Welt mit dm Streikmoen fraternisirte, hat den Gosarbeitem gegenüber eine Haltung beobachtet, die sie ihrm festländischen Kollegm würdig an die Seite setzt. Es sind mir Fälle mitqelheilt worden, wo Polizisten angeworbene BlackiegS, die sich auf die Seite der Streikenden schlagen wollten, mit Gewalt in die Gas- anstaltm hineintriebm, ferner find Streikende ohne jede Provo- kation ihrerseits von Polizisten mißhandelt worden, so u. A. auch W. Thome, der sehr befähigte Präsident der Gas- arbeiter- Union. Trotzdem das„Picketing", das Ausstellen von Beobachtungsposten, in England gesetzlich ist, hat die Polizei an verschieben n Stellen die ArbeiterpicketS fortgetriebm, sie verhindert, die angeworbenen BlacklegS anzusprechen. Dagegen hat man die BlacklegS in solcher Weise gegen die Streikenben aufgehetzt, daß am letzten Sonntag einer derselbm sich be- rechtigt glaubte, auf emm Streikenden ungestraft schießen zu dürfen. Woher diese Wandlung? Es lassen sich Erklärungsgründe verschiedener Art dafür anführen. Zum Theil bürsten Sie ungeschickten Drohungen, nicht der Streikenden selbst, aber einiger jener Alliirten viel böses Blut gesetzt haben. Weiter scheint die Toryregierung, die nun einmal wenig Hoffnung hat, die Stimmen der Arbeiter zu erlangen, dos Bedürfniß zu fühlen, dem Großbourgeois und dem Philisterthum wieder einmal ihren Beruf zur Staatsrettung zu dokummtiren, und ein Streik, der nicht durch die Roth, sondern lediglich durch dm Eigensinn — lies UnabhängigkeitSfinn, der Arbeiter gezeigt worden, bot dazu eine ganz passende Handhabe, und schließlich ist die Sym- pathie de« großen Publikums überbaupt ein Mode-Artikel, der mit der Jahreszeit wechselt. Wie HerrLivesey es versteht, den Biedermann zu spielen, habe ich im vorigm Brief gezeigt, auch jetzt noch läßt der Herr keine Gelegenheit vorübergehen, zu be- theuem, daß es ihm durchaus fem liegt, die Gewerkschaft der Gasarbeiter sprengen zu wollen. Daß er diese Betheuerung für nöthig hält, ist an sich ja immer noch ein ganz gutes Zeichen für die Begriffe von den Rechtm der Arbeiter hier zu Lande, aber Glauben verdimt diese Betheuemng ebenso viel oder ebenso wmig als die des Fuchse«, daß eS ihm durchaus fern gelegen Hobe, den Trauben, die übrigens abscheulich sauer seien, nachzustellen. Im Allgemeinen ist übrigens die Verhandlung in der Haltung von Publikum und Presse kein Schade für die Ar- beitersache. Sie hat viele ernüchtert, die sich bereits in einem bedenktichm Verbrüderungsrausch hatten hinein« säuseln lassen. Sie hat ihnen gezeigt, daß trotz Händedrückens von Seiten wohlmeinender Respektspersonen, trotz arbeitersteundlicher Kardinäle und demagogifirender ZukunstSminister, die Arbeiter für ihre Befreiung schließlich immer wieder auf ihre eigene Kraft bezw. die ihrer Arbeits- kameradm angewiesen sehen. Sie hat der SüßholzraSpelei ein ihm das erlittene Unglück vorwerfen. Er trat wieder in's Haus zurück. Der alte Bonnemort saß regungslos auf einem Stuhl. Seit zwei Kameraden ihn nach der Schlacht im Voreux, als Alles vorüber war, auf der Anhöhe neben feinem zerbrochenen Stock, wie einen vom Blitz gefällten Baum zusammen- gestürzt gefunden hatten, war er wie erstarrt geblieben. Auf der Erde vor ihm kauerten Leonore und Heinrich und kratzten, um ihren Hunger zu stillen, mit Blechlöffeln eine alte Kafferole aus, in welcher am vorigm Tage etwas Kohl gekocht wordm. Die Maheude aber hatte ebm Estelle auf den Tisch gesetzt und stand mit drohend erhobener Hand vor Katharinm: „Wiederhole daS noch einmal! Wag'S und wiederhol' noch einmal, was Du ebm gesagt hast!" Käthchm hatte von ihrer Absicht gesprochen, wieder in dm Voreux zu gehm. Der Gedanke, daß sie nichts verdiente, und ihrer Mutter wie ein unnützes Möbel im Wege stand, wurde ihr unerträglich und wenn nicht die Furcht, Chaval könne ihr etwas anthun, sie zurückgehalten hätte, sie wäre schon seit Dimstag wieder eingefahren. Sie antwortete stottemd: „Was willst Du.... Man kann nicht leben, ohne etwas zu thun.... Wir würden wmigstenS Brot haben.. Die Mahmde siel ihr ins Wort: „Den Ersten von Euch, der arbeitet, erdrossele ich! ... Das ist zu viel: den Vater habm sie mir getödtet und die Kinder sollten fortfahren, sich von ihnen auSbeutm zu laffm... Nein! Lieber mögen sie Euch alle hinaustragen zwischm sechs Brettem, wie ihn!" Und ihr langes Schweigm brach in einer Fluth zomiger Worte: Da hatte sie was, wmn ihr Rathanne dreißig SouS nach HauS brächte und dieser Strick, der Jeanlin, vielleicht noch zwanzig, wenn die Kompagnie so gnädig ist, ihm eine Beschäftigung außerhalb der Grube zu aeben; fünfzig SouS für sieben Esser! Dmn die Kinder verstehen natürlich noch nicht« wie essen, und der Alte muß sich bei feinem Falle etwas im Kopf zerbrochm haben, weil er so schwachsinnig Ende gemacht, die fast immer dm Arbeitern gefährlicher wird, als ihren Gegnern, ganz besonder« aber, wmn sie so wenig theoretisch geschult sind, als es das Gros der englischen Arbeiter heute noch ist. Dageam wäre es sehr bedauerlich, wmn die GaSgesellschaft schließlich doch als die Siegerin dastehen würde. Nicht nur um des vielen Elends willen, das damit für die Ausständigm verbunden wäre, sondern auch, was noch mehr in'S Gewicht fällt, wegen des Rückschlages auf die ganze Organisation«. bewegung unter den„unqualisizirtm" Arbeitem, dm„neueren Trades UnioniSmuS", wie es John BuntS seiner Zeit nannte. Von diesem ist es in der letzten Zeit recht still geworben. Seine Popularität hat erheblich gelitten. Nicht etwa wegen des Difijits in der Dockerstreik Abrechnung. Niemand macht ihn dafür verantwortlich, wohl aber werden er und Tom Mann als Mitglieder der Organisation der{Bereinigten Maschinen- bau« von sehr vielen für da« feige Verhalten der Letzterm in d« Sache des Silvertown-Stteiks verantwott- lich gemacht. Das ist sicherlich übnttiebm, ab« es ist die natürliche Folge des Aberglauben« an übernatürliche Leistungen Einzeln«. So übnmenschliches an agitatorisch« Thätigkeit Bums während de« Docker streik« geleistet, so hätten er und seine Frmnde doch jme große Bewegung nicht zu Stande gebracht, wmn eine ganze Reihe von Umständen ihnen nicht zu Hilfe gekommen wärm. Wo jene günstigen Umstände wegfallm, sind sie eben auch nicht« als Menschm wie and«e, und ihre Macht findet ihre Grenzen in dem Einfluß and«« Kräfte. Ich will nicht untersuchen, ob nicht Mann und BurnS für die Silv«town-Leule mehr hätten thun können, als sie ge- than, ab« in der Gewerkschaft find sie ebm nur zwei Personen, die sich fügen müssm, wmn sie überstimmt w«dm. UebrigenS macht sich bei BurnS auch der physische Rück- schlag nach den enormen Anstrengungm des Somm-rS bemerk- bar. Er ist sehr angegriffen und muß sich die äußerste Schonung aufnlegen. Auch materiell geht es ihm nicht be- sonders. Als er in dm G-afschaftSrath gewählt wurde, ver- anlaßte ihn d« Arbeiterwahlvnein von Battersea, der seine Wahl betrieben, seine Slelle als Mechanik« aufzugebm und sich vollständig d« Thäiigkeit im Grasschaftsralh, sowie der Agitation zu widmm, wogegen er sich verpflichtete, ihm den Betrag seines bisherigen WochmlohnS— 2 Sld. Sterling gleich 40 Mark— fortzuzahlm. Aus einem neuer- ding« v«öffmtlichten Aufruf des Wahlkomitee'S geht ab« h«vor, daß BumS, der„wöchmtlich zwilchen 150 und 200 Briefe empfängt", für Porti, Fahrten, AbonnemmtS und an- d«e unumgänglich nothwmdige Dinge, von diesen zwei Pfund mindestms die Hälfte wied« ausgeben muß, so daß« viel schlechter dasteht, als wie er noch arbeitete. Das Komitee be- zeichnet das„als einen Skandal", und fordert zu Zeichnungm für den„John BurnS Lohnfonds" auf. Weit ich oben den Silvntown« Streik erwähnte, will ich auch noch einmal auf den Zwischenfall Gray-Stopford Brooke zurück lommm. Ich schrieb in einem früheren Brief, daß Herr Direktor Gray gedroht habe, dm„Reverend" Stopford Brooke auf Grund semer Predigt üb« den Silvertown Streik wegen V«lmmdung zu verklagen. Darauf hat Stopford Brooke die Gegmerklärung abgegeben. He« Gray möge nur klagen, wenn «Lust habe, er werde ihm für jede seiner Behauptungen Zeugm stellen. Und— es ward stille über dm Wassem. Ich habe b-sh« des großen Westmd- Skandals nicht ge- dacht, der in der hiesigen Presse und d« des Auslands ge- Misses Aufsehen machte. Ich meine, die Sache lohnt nicht d« Mühe, viel Worte zu verli«en. Daß vornehme H«rm, die nicht wissen, wie sie ihr Geld todischlagen lollm,„antike" Passionen haben, daß sie Schufte von Kupplem findm, die ihnen da« Wild zuführm, und daß sich junge Burfchm dazu verführen lassen, alles das find ziemlich alte Geschichten, die sich wied«- holen w«den, so lange es übersättigte Reiche einerseits und Proletarier andererseits giebt. Gewundttt hat mich nur eins, daß die Sache hier überhaupt soviel Aufsehen erregte. Jeden- falls verspüre ich nicht den Beruf in mir, den deutschm Reichs- pharisS«n ins Handw«k zu pfufchm, und denke, jede Ration thut am besten, vor d« eigenen Thür zu kehrm. x»olitiMte UUberstihk. „Di* Nersammlungvfreiheit und die Kozkaltste«." Unter diel« Slichmarke ichrnbt die„Freis. Ztg." zu Anfang eines längerm Artikels: „Bei dem ersten Auftteten Ferdmand Lassalle's kmnzeich. nete es die Anhänger desselben, daß sie in jede politische Versammlung ohne Unterschied, mochtm sie nun nach der Ankündigung der Ansammlung dazu berechtigt sein oder nicht, eindrangen und sogleich nach der Eröffnung in tumultuarisch« Weise die Wahl deS Vorsitzmden durch die Versammlung beantragten. DaS geschah auch dort, wo die Versammlungm von VereinSvorständm einberufen waren und sogar die dreinschaut! oder vielleicht ist ihm das Blut in'S Gehirn gestiegen, als er die Soldatm auf die Kameraden schießen sah? „Nicht wahr, Alter, mit Euch ist'S auS, Euch haben sie vollends hingerichtet?" Bonnemort blickte sie mit feinm erlofchenm Augen an, ohne zu verstehen. Er blieb stundenlang so stumpf und that nichts, als von Zeit zu Zeit in einem mit Asche gefüllten Topf zu spuckm, dm man der Sauberkeit wegen neben ihn gestellt hatte. „Seine PensionS-Angelegenheit ist auch noch nicht er- ledigt; ich bin sicher, sie werden ihm nichts geben, wegen unserer Zdem. Nein, sag' ich, es ist zu viel!" „Aber," wandte Käthchm ein,„sie versprechm doch in ihrer Ankündigung..." „Willst Du mir Ruh' geben mit ihrer Ankündigung! Nichts als Vogelleim, um uns zu fangen..." „Aber Mama, wohin gehen wir also, dmn man wird unS doch gewiß nicht im Dorfe behalten?" Die Maheude machte eine verzweifelte Geberbe: Wohin? Sie wußte eS nicht und vermied, darüber nachzudenken, denn es brachte sie um dm Verstand. Jrgmdwohin!... Da» Kreischen der Kafferole wurde unerträglich, sie stürzte auf Heinrich und Leonorm und gab ihnen ein paar Ohrfeigen. Die Kind« heulten. Estelle kroch auf allen Vittm am Tisch herum, fiel h«unt« und schrie... „O, wmn sie sich dm HalS gebrochen hätte!" rief die Maheude. Ihr fiel Alzire ein, die habe das beste LooS«wählt, erklärte sie, möchten die Andern auch fo weit fein! Dann brach sie plötzlich in ein heftige» Weinm auS; lehnte da« Gesicht an die Mauer, und ihr Oberkörp« wand sich in krampfhaftem Schluchzm. Stephan hatte nicht gewagt, sich in das Gespräch zu mischm; eS kam ihm vor, als zähle« nicht mehr mit im Hause: selbst die Kind« wichm mißtrauisch vor ihm zurück. Aber die Thränm d« unglücklichm Frau brache» ihm da« H«z, und« sagte tieferschüttert: „Aber, ab«, Muth! ES wird ja AlleS bess« w«dm!" Sie schien ihn nicht zu hören, noch itnm« flössen ihre Thränm, und dazwischen sprach sie mit kläglichem To«: Lassallean« schon durch die Form d« Einladung von d« Theilnahme an d« Versammlung gänzlich ausge- schloffen waren. Ließ der Sind-ruf«, um die Ruhestör« »um Schweigm zu bringm, die Wahl des Vorsitzmden zu, so brach dn Spektakel«st recht au«, denn alsdann fochten die Lassalleaner, wmn sie auch eine noch so kleine Minorität d« Versammlung darstellten, die Entscheidung über die Wahl de« Vorfitzmdm an. Kurzum, in jeder Weise suchten die Lassallean« so viel Störung und Tumuft in der Versamm- lung zu erregm, bis d« überwachmde Polizeibeamte auf- löste. In letzterem Falle brachen sie in Jabel aus und zogm unt« dem Gesänge d« Arbeitermarseillaise ab. Sie halten ihrm Zweck erreicht und dm polttischen Gegnern die Versammlungsfreiheit oerkümmert." Mit Verlaub, liebe„freisinnige" Tante, das ist Wort für Wort unwahr. Nicht die Anhänger Lassalles bei dessen«stem Auftreten verfuhren so, wie hier geschildert, sondem gerade die Fortschrittl«, die nachmaligm„Freisinnigen" warm es, welche die Versammlungssieiheit durch ihr Gebahren unmöglich machten. Snhäng« von Schultze-Delitzsch und and«e Licht« der Fort- schritt!« warm e«, die Lassalle in öffentlicher Versamm- lung in« Geficht spieen und alle« denkbar Mögliche v«. suchtm, ihm den Bodm unt« dm Füßen zu nehmen. Wmn die AnHanger Lassalle's später, als sie erstarkt warm, dm Spieß umdrehten und Gleiches mit Gleichem vergalten, so übten sie ihr Wiedervergeltungsrecht. Das sollten die Mach« der„Freis. Ztg." wissen, und sie wissen es auch. Aber sie flunkern, wnl sie femer wissen, daß die Schriften, in welchm die damaligen Fortschrittl«, die jetzigen„Freifinnigen", und ihr Thun angenagelt find, verboten sind und die jüngere Ar« beitergeneratwn sich dab« darüber nicht unterrichten kann. Uebrigm« sollten die„Freifinnigen" von d« V«aangenheit schweigen, und zwar in ihrem eigenen Interesse. Noch leben Männer, welche die Kampfesweise der Fortschrittler bei dem ersten Auftretm Lassalle's sehr genau kmnen, und diese könnten, wmn die„Freifinnigen"«st auf's Lügen kommen, dadurch Anreiz bekommen, ihnen ihr Sündenregist« Schwarz auf Weiß unter die Nase zu haltm. Was dm Herren Machern der „freisinnigen" Zeitung die— Influenza bringm könnte. Der so sanft entschlaf-«-„D-lk»«irthschaft«rath" soll nochmals zu kurzem Erwachen gebracht werden. Wie einige Blätter zu meldm wissm, soll es„nicht ausgeschlossen" sein, daß der in dm BundeSrathSauSschüssm zur Zeit in Ä-rathung b-findliche Gesetzentwurf über Einrichtung von gew«blichm Schiedsgerichten und Einigungsämtern seitens der preußischen Regierung, ehe diese ihr Votum im Plenum des Bundesraths abgiebt, dem VolkSwirthschaftSrath zur Begutachtung vorge- legt wird. Di- K-gnadignng des K-daKt-nr» Dr. Dachler scheint doch, wie d:e„Freis. Ztg." ausführt, mit dem Gnaden- akle Kaiser Friedrichs vom 31. März 1888 zusammenzuhängen. Allerdings fallt die Beleidigung des Abg. Singer durch die „Staatsb. Ztg." nicht unt« die Kategorie der vom Gnadm- akte betroffenen Beleidigungen von Beamtm, dagegen gehört die Beleidigung, wegen deren gegm Dr. Bychl« auf Gilb« büße erkannt worden ist, zu den mittels der Presse begangenen Vergehen und Uebertretungen, welche in jmen Gnadenerlaß vom 31. März 1888 einbegriffen werden. Der damalige Gnaden«laß stellte nämlich Begnadigungm von Amtswegen in Aussicht für alle Verurtheilungen, welche nach dem 31. März 1888 wegen ein« vor demselben begangenen unt« die Kategorie dieses Gnaden«lasses fallenden ftrasbaren Hand» lung erfolgm od« welche erst nach.diesem Tage rechtskräftig werden. Der bezügliche Artikel der„Staatsb. Ztg." soll vor dem 31. März 1888 erschienen fem. Dieselbe Kabinetsordre vom 27. November 1889 hat nicht blos den Redakteur der an- tisemitischm„Staatsbürger Zeitung", Dr. Bachl«. sondem auch den Redaktmr der„Potsdamer Nachrichten" begnadigt wegm der gegm ihn zuerkanntm Strafe in d« von dem ftüh«en sozialdemokratischm Reichstagskandidaten Medailleur Krohme angestrengten Prtvatklage. D« oerurtheilte Artikel der „Potsdamer Nachrichten" war vor dem 31. März 1888 erschienen. Die Begnadigung des Dr. Bachler mtdehrt damach led« individuellm Bedeutung und ist nur eine formale Kon- tequenz ein« von dem Kaiser Friedrich«theiltm allgemeinen Zusicherung, welche auch für seinen Nachfolger auf dem Throne verbindlich war. Dr. Bachl« mußte der wirkliche Thatbestand bekannt sein. D«selbe hat offenbar nur zu antisemitischm Reklamezwecken unmittelbar vor dem neuen Quartal diese Begnadigung als eine ihm persönlich zugedachte„un«- wartete Weihnachtsfteude" dargestellt. Es ist dies all«- ding« für die Art dieser antisemitischen Agitatoren bezeichnend. Wir bedauern durch diese Darstellung mit anderen Blättem in der Beurtheilung des betreffenden Falles irre geführt worden zu fern. Unerklärlich bleibt S nur, wie e« möglich war, daß die Begnadigung aus Anlaß der schon im Sommer 1888 wegm Vergehen rechtskiäfttg gewordenen Strafen sich bis zum No- vember 1889 hat verzögern könnm, und wie es gekommen ist, daß die Behöcdm die bezürlichm Geldstrafen beigetrieben habm, obwohl e« ihnen vor allem gegenwärtig sein mußte, daß „0 Elend, ist es möglich?... Man hatte wenigsten» daS Leben! Man aß trockenes Brot: aber es waren doch Alle bei einand«... Und was ist dmn geschehen! WaS haben wir dmn gethan, daß wir jetzt gar so unglücklich find, die Einen unter der Erde und die Andern mit dem einzigen Wunsch, auch dort zu sein?... E« ist wahr, sie spannten un» ein, wie die Arbeitspferde und eS war uag«echt ver- theilt, daß wir den Reichen ihren Reichthum vergrößer« mußte», ohne je einmal selbst etwaS Gute» zu kosten.., Und wenn man keine Hoffnung hat, v«schwindet die Freude am Leben... Za eS konnte nicht so weit« gehen, man wollte einmal aufathmm; aber wmn wir alles vorher ge- wüßt hätten!... Zst eS denkbar, daß man sich so unglück- selig machen kann, wenn man doch nichts will, als Ge- rechttgkeit?" Schm«zlicheS Stöhnen schwoll ihre Brust, unsägliche Traurigkeit v«sch leierte ihre Stimme. Sie fuhr fort: „Aber an Klugschwätzern fehlt'S nicht, die v«sprechm, daß AlleS bess« werden wird, sobald man nur den Ent- schluß faßt, sich zu helfen. Sie reden Einem das Blaue vom Himmel herunt«, und man läßt sich bethöre», denn man ist ja so unglücklich!... Ich, ich faselte schon wie eine Verrückte, mein« Seel'; ich träumte von Freundschaft mit d« ganzen Welt, ich war in de» Wolken, und wenn man wied« hinunt«fällt in den Quark, zerbricht man sich da» Kreuz... Alle» war Lüge, nichts giebt es von den ver- sprochmen Herlichkeiten; was es giebt, ist Elend, noch einmal Elend und Flintenschüsse obendrein!" Die Thränen der armen Frau brannten Stephan auf d« Seele; ab«« fand kein Wort, die durch den Sturz aus ihrm Illusionen Zerschmetterte wieder aufzurichten. Sie war jetzt mitten in'S Zimm« getreten, blickte ihn an und ihn wied« duzmd, sprach sie zornig: „Und Du, willst Du auch in die Grube zurückkehrm, nachdem Du uns um Alles gebracht hast?... Ich mache Dir keinen Vorwurf; ab« ich an Deiner Stelle, ich wäre längst gestorben vor Gram üb« dm Zamm«, den ich üb« die Kam«adm h«aufbeschwore« I" (Fonfetzung folgt.) er- fte die betreffmden Vergehm unttr den Amnestieerlab von 1888 fallen. Mo« de« Negierungsbaumeister Herrn Keßler halten wir au« Magdeburg folgende« Schreiben: Durch einen Zufall kommt mir erst heute Ihre Nummer vom 22. d. M. zu Gesicht und finde ich in derselben ei Notiz betreffend einen Ausspruch über die sogenannte.sozio politische" Reichsgesetzgebung, den ich in einem Vortrage .bei Gera" gethan haben soll. Ich habe im verfloffenen Quartal freilich 31 öffentliche Vorträge gehalten, aber keinen davon.bei Gera". Gera und deffen Umgegend find mir durch Ausweisung oerschloffen. In einem Vortrage in Zeitz aber habe ich ungefähr folgendes gesagt: Sie(die Kartellparteien) mögen fich wenden wie wollen, eine.Sozialreform" muß bei den ge sunden Arbeitern beginnen. Wenn ich also auch keinen Anstand nehme anzuerkennen, dab in dm sogenannten sozialreformatorischm Gesetzm, besonders im Unfallver- ficherungszesetze(eS kam hier noch eine Anerkennung der Unparteilichkeit de« ReichsverfichemngSamte«) eine Ver besserung der Armenpflege liegt, mit einer.Sozial- reform" haben sie nichts gemein. Daraus hat der geistreiche Redakteur eines Käseblättchens den von Ihnen abaedruckten Passus gemacht. Ich bitte Sie hiervon und von dem Umstände Notiz zu nehmm, dab es Regierungsbaumeister a.D. nicht giebt. Hoch achtungsvoll Gustav Kehler, Regierungsbaumeister. Einem foutzierbare» Artikel begegnm wir in dem .Zmtralblatt für öffentliche Gesundheitspflege". Der Artikel soll die.Befürchtung" widerlegen, dab infolge der zunehmen- den hygienischen Bestrebungen die schwächerm Individuen mehr als früher am Leben erhalten würden. Hiemach mühte also das Sterbm der wmiger widerstandsfähigm Jitdividum im Interesse eine« kräftigeren Nachwuchses gewünscht, ja kon- sequent auch gefördert werdm. DaS ist doch eine barbarische Anschauung, welche man nicht einmal in einem militärischm, geschweige denn in einem ärztlichen Organe erwartet. Der Nachweis, dab jene.Befürchtung" unbegründet sei, wird ver- mittelst der Ziffem der Militärdienstpflichtigm zu führm ver- sucht: es ist glücklicherweise miblungen. Den Artikel dmckm zahlreiche liberale Blätter, wohl aus Gedankenlofigkeit, ab, ohne ein Wort der Erwidemng hinzuzusetzen. Uo« Dr. Karl Deters veröffentlicht der.Rümberger Gmeralanzeiger" einm soebm eingetroffenen, vom 8. Oktober dieses Jahres datirtm Brief an seinen in Nürnberg lebmdm Bntder. Dr. PeterS war damals jenseits der wasser losen Steppe; derselbe hatte eine befestigte Anfiedelung er richtet, befand fich mit seinen Leuten wohl, hatte die Gegen t bis zum Kenia untersucht und war im Besitz auSreichmder Lebensmitiel. Selbst die.Nationalzeitung" meint zu der obigen Nach richt, dab da« Eintreffen eine« vom 3. Oktober datirten Briefe« von Peters insofem noch nickt viel beweist, als bis» her angenommen wurde, der Ueberfall der Expedition habe in der Zeit zwischen dem 10. und 20. Oktober statt gefunden. HerussgenosseuschaMiche». Die Organisation der Unfalloerficherung«- Genossenschafim bringt e« bekanntlich mit fich, dab ia dm meisten derselben ein paar.Grobe" die Ver- waltung, und was drum und dran hängt, in Händen halten, während die übrigen Mitglieder lediglich zu zahlm babm. Daraus erklärt fich auch zum groben Theil die heillose Wirth- schaft, die in mancher dieser Gmossmschaftm henscht. Recht nette Zustände wurdm in einer kürzlich stattgehabtm Versamm- lung Berliner FuhrwerkSbefitzer au« der BerufSgmoffenschaft dieser Kategorie bekannt. In einem uns zugegangenm Bericht über die Versammlung heibt cS u. A.:.Nahezu eine Stunde dauerte der Vortrag, der mit stets wachsender Span- nmig verfolgt wurde, zumal die Zahlenangaben der Ver- waltung oft verblüffmd wirktm, weil die Anwesenden fick kaum erklärm konntm, wie beispielsweise 18 581 M. für Schreib- materialim, 10 751 M. sonstige Verwaltunglkosten, 79 949 M. Beamten-Gehälter, 8677 M. Miethen pro 1888 verausgabt werdm konnten, dmm nur 1550 M. Unfall-Verhütung« kosten gegenüber ständen, dab 13 574 M. aber an Reisekosten ver- wandt seim?c.— Herr Otto Gericke konnte sein Erstaunen nicht zurückhalten, dab solche Verhältniffe vorhandm seien und empfahl in einer Resolution ein mlschiedmeS Mibtrauen«. volum zum Ausdruck zu bringen." Es wurde denn auch eine entspreckende Resolution angenommen, in welcher dem Genoffm- schaftSvorstand, einem Herrn Scharfmbcrg, ein scharfes Mib- traumsvvtum ertheilt und beschlossen wurde,.den Vorfitz in würdigere Hände zu legen." Hamburg, dm 28. Dezember. Bekanntlich liebt unser gestrmge Polizerches, Herr Senator Dr. Hachmann, es in letz'er Zeit dem hamburgffchm Vereinsgesetze, aus dem Jahre 1851 stammend, eine ganz besondere Auslegung zu gebm dahin, daß «.'.rch Vorstands- und Kommissionssitzungen bei der Polizei vorher angemeldet werden sollen. Man ging polizeilicherseit« sogar soweit, um keiner Ungerechtigkeit fich zeihen zu lassen, diese Mabregel nicht nur auf die Fachvereine der Arbeiter, auf welche e« wobl nur abzesehm war. anzuwmdm, sondern auch auf die hiesigm sogmanntm Bürgervereine auSzudehnm. Letztere lieben fick giößtmlheils die Sache ruhig gefallm in dem Bewubtsein, dab e« sich� ihnen gegenüber nur um eine blobe Formalität handle und kein Hahn darnach krähen würde, wenn fie verabsäumten, ihre Sitzungen der Polizei vorher anzumelden. Mehrere Vor- stände von Fachvereinm und Gewerken nahmm jedoch die Sache nicht so leicht, sondem erklärten diese Verordnnng der Polizei als dem Gesetze widersprechend, folglich fie fich derselben nicht sügm würden. Infolge dessm ergingen gegen verschiedene Vorstandsmitglieder Strafmandate, welche auch von der erftm gerichtlichm Instanz bestätigt wurdm. Jetzt hat jedoch vor Kurzem die höchste Instanz für Hamburg in dieser Angelegenheit, dasHanseatischeOderlandesgericht, in einem Falle zu Gunstm der anfänglich Vemrtheilten entschieden, die Herren Legten und Brunner, Vorstandsmitglieder der ver einigten Drechsler Deutschland«, freigesprochen und die GenchtS- kosten der Staatskasse auferlegt. Durch diese« Erkmntnib de« obersten GerichtShoseS ist nun die Sache juristisch wieder rich- tiz gestellt und eine weitere Vemrtheilung anderer Vorstände von Arbeitervereinm kann wohl nicht mehr erfolgen. Dem Herm Smator Hachmann und seinm junstischm Beiräthm mag allerdings die Entscheidung de« hanseatischen Oberlandes- gerichtes mehr als unbequem fein. Auch hier find die Fachvereine unausgesetzt bemuht, für die Verkürzung de« ArvertStage« zu wükm und wur�e in mehreren Versammlungen beschlossen, den 1. Mai 1890 zu feiern, um dadurch in friedlicher Weise für die Einführung de« achtstündigen Arbeitstage« zu demonstrirm. Hoffenil, ch werdm auch die Baugewerke, als die bestorganrfirtm Gewcrkschaftm hier am Platze, fich diesem Vorgehm anschliebm, da, wenn der Dag nur vereinzelt gefeiert wird, die ganze Demonstration ihrm Zweck verfehlm würde. Ja Sachm de« Uff- Artikels ist wegen Erkrankung einiger Richter bis jetzt da« Unheil de« Landgerichte« noch nicht erfolgt. Frankreich._, Einer teuflischen Revanche habm fich unsere Erbfeinde, die ftt Franzosen, schuldig pemackt. Und wir de- nunzirm da« Verbrechen nur, damit unsere Chauvinisten das- selbe gründlich und erbarmungslos rächen. Wir hoffen das um so zuverficktlicher,«erl die Möglichkeit dazu in ihrer Hand liegt. E« handelt fich um nichts mehr und nicht« we- «iger als um einm grobartigen Vergiftung«- versuch. Der Gedanke, ein ganze« Volk zu ver giften, ist so ungeheuerlich und so diabolisch, dab er nur m dem Kopf eine« verkommmm Franzosm entstehen fo.rnte. Doch enthüllm wir da« monströse Attmtat! Wir folgm dabei einer politisch gewib ganz unverdächtigm Autorität: der— .Deutschen Weinzeitung". Wundere Dich nicht, Leser! Die Vorsehung bedient fich oft gar sonderbarer Werkzeuge, um die Plane boshafter Mmschmlist zu vereiteln. Befagles Blatt also schreibt(wundere Dich nicht, lieber Leser, über die sonderbare Aufschrift): Kognak-Schwindel. Vor uns liegt eine Preisliste, worin die Firma Demitz& Co. in Bordeaux folgende prima Marken von.Französischem Kognak" für den Konsum verzollt ab Bremm offerirt: In Gebindm In Kisten per 100 1 12 Flalchen Cognac......... 160 M. 20 M. Cognac vleux....... 220„ 24. Cognac vieux(mit Stern).. 280. 30. Cognac fine Champagne... 350. 36. Cognac vieux fine Champagne. 475. 48„ Wegen Proben sc. ist an dm Lagerhalter Heinrich Popken m Bremm verwiesen. Noch interessanter lautet eine uns gewordene Kognak. Offerte der Firma Valmont FrereS in Bordeaux, die gar.Eau de vie Cognac* verzollt ab Dranfitlager, Bremm, mit 152 M. per Hektoliter anbietet. Bekanntlich beträgt der Zoll auf ausländifchm Kognak pro 100 kg Brutto-Gewicht 125 M., also pro Liter etwa 1,40 M exkl. Fracht und Spesm nach Deutschland. Man könnte hier billigerweise nur glaubm, die Herrm Fron zosen wollten aus Liebe zum deutschen Publikum etwas ver- schenkm! Dem ist jedoch nicht so, der Offerte liegen andere Verhältnisse zu Grunde. Der als.französische" prima Marke verzollt ab Bremm angepriesme Kognak ist, wie hiermit zuverlässig behauptet wer- dm kann, nichts anderes, als ein auf dmtschem Gebiet mit deutschem Waffer und Sprit gemischte« Getränke, genannt: .Französischer Kognak prima Marke". Von dieser in Deutschland vorgmommmm Sprit- und Wassermischung giebt weder Preisliste noch Faktura dem Ab- nehmer die gesetzlich vorgeschriebene Kenntnib- Wenn auch kaum anzunehmen, dab der verständnibvolle Handel auf derartige „billige Angebote" hereinfällt, so ist e« aber ander« mit dem Konsumenten. Ihn verlockt gar häusi, das verhängnibvolle .billig". Dab damit aber dem reellm Verkehr mit französischem und vorzugsweise dem deutschm Kognak da« Geschäft erschwert wird, bedarf keines weiteren Nachweises.— Derartigen Auswüchsen entgegenzutreten, ist zunächst Aufgabe der Fachpresse und deshalb überlassm wir auch die sog..Kognak Offerten" der Firmen„Demitz& Co. in Bordeaux" und Valmont Freres ebendaselbst der Allgemeinheit zur geeigneten Bmrtheilung und Würdigung." So! Und nun ist der Leser untenichtet. Die revanchewüthigm Franzosm kaufm den preubischen FuselschnapS und verkaufen ihn uns wieder als franzöfischm Kognak. Hat man je von einem teuflischen Attentat gehört? Wie man dm Ratten das höllische Gift mit Zucker darreicht, so giebt man u n S dm prmbischm Fusel« schnapS unter der verlockenden Etiquett«: Franzöfischm Kognak! ein, und hofft auf diese Weise, die gesammte dmtjche Nation, wie Ratten zu vergiften. Wir sagtm: es ist in der Macht unserer Chauvinisten, den schändlichen Plan gründlichst zu vereiteln. Unsere patriotischen Schnapsjunker brauchen dem verwünschten Erbfeind blos ihrm Fusel nicht mehr verkausm. Oder— entsetzlicher Gedanke— solltm unsere patriotischm Schnapsjunker etwa mit dem Erb- und Landesfeinde unter einer Decke stecken? Und machen fie gar ein Kompagniegeschäft mit ihm? Ja, könnte da« Geschäft überhaupt ohne Wissen und Zustimmung mehrerer patriotischer Schnapsjunker verübt werdm? Um Antwort wird gebeten.— Jedmfall« weib jetzt ein Jeder, dem der Weihnachtspunsch au« echtem franzöfischm Kognak einen übematürlichen Katzenjammer eingebracht hat, woher die Bescheerung gekommen ist. felgie«. ezember. Der Streik der Berglmte ist, wie telegraphisch bereit« gemeldet wurde, im ganzm Becken von Charleroi ein fast allgemeiner. Nur wenige Leute find heute eingefahrm. Die Lage ist daher im hiesigm Beziike für die In- dustrie eine sehr ernste und könnte leicht verhängmbvoll werdm. In Chatelet find die Walzwerke de« Phönix, die groben städti- schen Walzwerke, die Hütte von Acoz und die Bciquett-Fabrik gar nicht mehr mit Kohlen versehen. Dasselbe ist auf den Walzwerken und Hüttm zu Montigny-sur-Sambre der Fall. Diele Werke können heute oder morgen in die Nothwmdigkeit versetzt werden, die Feuer auszublasen. So groß angesichts dieser Lage die Sorge und die Erregung in den Kreisen der Industriellen, so ruhig ist oie Stimmung unter den Arbeitem, welche zum Festhalten am Streik, wenigstens für den Augenblick, entschlossm find. Man be- merkt in dm Strabm wenig von dem allgemeinen Am stände, Hie und da ein Paar Bergleute, welchem Gmppm beieinander- stehen und fich über die Folgm ihre« Feiern« unterhaltm. Der Streik ist natürlich ein Hauptgespräch. In dem bmachbarten Dampremy war für gestern Nachmittag 3 Uhr eine allgemeine Versammlung angekündigt, an welcher die Belegschaft der Zechen von Sacrc Madame theilnehmen sollten. Ort der Zu- sammenkunft war der Salon zum Nolr Pagna. Der Salon, ein gtober Danzsaal, füllte fich bald mit 7—800 Bergleuten. Der Presse wurde auf Antrag der Zutritt gestattet, dagegen werden zwei Gendarmen auSgewfesm. Dieselbm wurdm denn ohne alle Umstände hinausgeleitet. Der Vorsitzende hielt nun eine lange Anjp ache auf wallonisch, in der er du Lage der Zechen» arbeitet von SacrS-Madame in mhiger Weise darlegte. Redner erhofft eine weitere Ausdehnung des Strecke« auf sämmtliche belgischen Bergwerke und er nannte die Ramm einiger Zechen der Umgeqend, welche fich ebm dem Streck angeschlossen hattm. .Wir erklärm also", fuhr er fort,.dab wir mit dem hmtigen Tage unser Arbeitsjahr beendigt haben. Gehm wir nach Hause, verhalten wir uns sechs Tage ruhig und der Sieg ist unser. In zwei Tagm werden die Staatsbahnen keine Kohlen mehr habm und die gekämmte Industrie wird unter der Hartköpfiz- keit unserer Zechmbefitzer leiden müssen. Gestern würbe auf der Zeche m Mambourg em Zug mit Kohlen beladen. Man hat fie aber sogleich wieder ausgeladen, weil das Bergwerk, wie wir alle wissen, sehr vom Wasser bedroht ist und man daher die Kohlen für die Wassel haltungsmaschinm»urückbehaltm mubte. Wir wollen dm Streik nicht. Im Gegenthetl, wir wollen unau«. gesetzt arbeiten, damit wir zu leben habm. Aber wir wollm, dab unser harter Arbeitstag auf 9 Stunden vermindert wird. Neun Stunden unserer schwerm Arbeit find genug und esmub un« gestattet werdm, auch ein wmig am Sonnmlicht zu leben. Wir fordern keine Lohnerhöhung, aber wir beharren bei der neun- stündigen Arbeitszeit. Die zwei Stundm Muhe, die wir ge- Winnen, können wir in unseren Familien zubringen, können un« selbst und unsere Kinder unterrichtm." Der Redner, dessm besonnene Worte in seinem klangvollm Wallonisch mit grober natürlicker Beredsamkeit vorgetragen wurdm, machte einm grobm Eindruck. Er forderte seine Kameraden zum Schlüsse nachdrücklich auf,„keinen von der Arbeit mit Gewalt abzu- halten und fall« etwa einer hmte oder morgen anfahre, keine Ausschreitungen zu begeh n, die EHef« zu respektirm und über- Haupt Hetzereim gegen die Bourgeois zu vermeiden." Nach ihm sprachen noch mehrere Berglmte, die zum Ausharren i riethen und gegen fünf Uhr wurde die Versammlung mit einer Resolution zu Gunstm de« allgemeinen Streiks geschlossen. I Amerika. Die Lügen von einer Kontrerevolution in Brasilien werden sich wiederholen. E« sei deshalb, um Täuschungen des Publikum« vorzubeugen, darauf auf« merksam gemacht, dab die neue amerikanische Republik— ganz abgesehen von dem längst offenkundigen Bankerut der Monarchie im Lande selbst, an dm Vereinigten Staaten eine mächtige Stütze hat. Und zwar denken wir hierbei gar nicht an dm— unsere« ErachtenS unmöglichen Fall eine« Angriff« von aubm— sondem wir meinen nur die private Unterstützung durch Frei- schaaren, die der revublikanischen Regierung jeder Zeit in jeder beliebigen Zahl und Stärke zur Verfügung stehm würden. Unsere Heibspome der Rückwärtselei möqm sich da« merkm. Oder hätten fie etwa Lust, erforderlichen Falls Gegenfrei- schaaren zu organifirm? Mit den Bankee« ist freilich schlecht Kirschen essen.— Wnselder W#«#* Elberfeld, 27. Dezember. 27. Tag der Verhandlung. Bebel(fortfahrend): Die.Freie Presse" hat un- streitig wesentlich dazu beigetragen, dm Einflub de«.Soz." zu brechen, und konsequenter Weise mühte der Herr Staat«- anmalt e« freudig begrübm, dab hier ein Lokalblatt besteht. Die Parteivertretung wird nicht einmal allein von Sozial- demokraten gewählt, sondem auch von deren Gegnern. Das zeigen die Stichwahlen. In Magdeburg hat sogar 1884 der Regierungspräsident, der wohl die Gefährlichkeit der Sozial demokratie auch nicht kennt, aufgefordert, für Heine zu stimme Alle andere Parteim haben schon für Sozialdemokraten ge�' stimmt. Das Parteiorgan soll nicht materiell, sondern geistig dem Einflub der Partei unterstehen. Sogar in der vorsozialistm- gesetzlichen Zeit gehörte da« Parteiorgan materiell nicht der Partei, sondem einer Genossenschaft. Gerade au« den Kongreß- berichten geht hervor, dab der.Soz." Privateigenthum ist ebenso wie fich au« den Zmgmaussagen ergab, dab die.Freie Presse" nicht Parteieigenthum ist. Bei allen Parteien giert e« sogar Blätter, die au« Parteimitteln unterstützt werden. Der Artikel.Ocganifirt Euch!" bezieht sich auf die Wahlm von 1881, wo nicht einmal Stimmzettel oder Flugblätter zu bekommen waren. Auf keinem Kongresse wurde über eine Organisation beschlossen. Wo solche Anträge gestellt, geschah e« aus Gesetzesunkmntnib: e« wurde aber darüber zur Tage«- ordnung übergegangen. Der Staatsanwalt bezieht fich auf den Artikel, unterzeichnet„Die Parteioertretung"; ich habe bereits erklärt, dah die Unterschrift„Parteioertretung" unbefugt ge- braucht ist. Der Artikel geht von einer einzelnen Person au«. In Freiberg hat man nach kurzer Erklärung dm Artikel fallen lassen. Wir hoben gar keine Zeit, neben unserer gewöhnlichen Arbeit noch eine grobe Korrespondenz zu führm. Zu jener Zeit war auch die Fraktion gar nicht zusammen. Uebrigen« ist der Artikel auch gar nicht so gefährlich. In Süddeutschland find z. 58. di» Vereinsgesetze autzerordmtlich frei, so dab die Leute gar keine Geheimorganisation brauchen würden. 1880, als der Artikel geschrieben wurde, war auch da« Abonnement, sogar das Sammelabonnemmt auf den„So,." noch nicht ver« boten. Sammlungen warm auch nicht verboten. Es ist also nirgend« zu Ungesetzlichkeiten aufgefordert worden. Direkt ist darauf hingewiesen, was erlaubt und was nicht erlaubt fei. Zur Organisation, nicht geheimer, wird unter Hinweis auf die Wahlen aufgefordert. Die Anklage zieht ferner eine Abonnementseinladung de« „Soz." an. Der„Soz." hat übertrieben; et hat nie, auch nicht w der günsttgstm Zeit, den»bonnmtmslanb erreicht, wie da« frühere Parteiorgan. 1882 war in Zürich eine Konferenz, wo die Redaktion des„Soz." gerügt wurde, weil fie Artikel mit unrichtiger Unterschrift aufnahm. Auf den Kongressen in Wydm und Kopmhagen war ein Expedient de«„Soz." zugegen, um bei dieser günstigen Gelegenheit Abonnementsgelder u. f. w. einzuziehen. War der„Vorwärts" keine Geldquelle für die Partei, so kann es noch weniger der„Soz." sein. Er ist kein Parteikassm f ü l l e r, sondern ein Parteikassm leerer, da doch die armen Teufel, die wegen de« Schmuggel« hereinfallen, unterstützt werden müssen. Kennzeichnend für da» Ver- hältnib zwischen der Fraktion und dem„Soz." find die An- griffe de« Letzteren auf Elftere. Unter den 25 FraktionSmit- gliedern gehörten 6, darunter auch ich, zur Opposition in der DampferfubomtionSfrage, und diese sollten den groben Emflub auf die Redaktion de«„Soz." gehabt habm? Die Minorität hat sich aber gefügt und der Oeffentlichkeit gegenüber war die Fraktion einstimmig. Seit dem Kopenhagener Kongreb ist der „Soz." nirgends mehr Gegenstand der Verhandlungm ge- wefen. In Freiberg sind wir nur verurtheilt wordm als Theil- nehmer an Konaressm. Nach dem Urtheil erlieben wir die Erklärung im„Sozial- demokrat"; ich habe fie angeregt, aber dm lebhaftesten Wider- sp'uch von Singer, Liebknecht und Hasenclever erfahren. Wir wollten mit der Erklärung unfern Bruch mit dem Biatt dokumentiren. Die Erklärung der Berliner Parteigenossen ist ebmfalls ein wesentliche« Moment. Die Berliner wubtm ganz genau, dab e« un« mit der Erklärung vollständig ernst war. Wie könnte die Administration de«„Soz." in solcher Weise, wie geschehen, quittirm, wenn sie nur da« Werkzeug der Fraktion wäre? Auch in dieser Beziehung ist die Auffassung de« Staatsanwalts rein willkürlich. Da wird der Zeuge Münnich vorgeführt: er erscheint aber durch die Aussagen anderer Zeugen in merkwürdigem Lichte. Der Beschlub de« schweizer BundeSrathe« wird ferner gegen uns angeführt. Ich bitte die Richter, bei der Uitheilsschöpfung nicht nur die vom Staatsanwalt angezogenen Stellen, sondem den ganzen Artikel m Betracht zu ziehen. Den fortgesetzten Reklamationen der dmtschen Regierung hat endlick, der schweizer BandeSrath nach. gegeben und wegen Mibbrauch« de« Alylrechts die Leute ausgewiesen. Der in dem Beschlub erwähnte AuSschub ist nicht weiter geschildert, auch Anderes nicht weiter erklärt. Der Verfasser de« Berichte«, der Polizei- Hauptmann Fischer, hat die beste Gelegmheit gehabt, mein Verhältnib zu Bernstein:c. kennen zu lernen; m der Haupt-Schröder-Affäre habe ick ja mit ihm verhandelt. Wmn Schlüter sagt, er habe da« Manuskript de«„Rothm Tmfel«" au« Dmtschland bezogen, wa» ist damit bewiesen? Daß die Fraktion fich zu einem derartigen Witzblatt herbeilassen würde, glaubt wohl Niemand. Ist aus dm Verhandlungm da« Geringste erwiefm war« dm, dab die Fraktion w geschäftlichen Beziehungm zum.Soz." stand? Auch nicht ein Atom davon ist erwiefm. Nie hat em vang bestanden, da« Blatt oder die Broschüren zu Hallen. licht« ist erwiesen, dab eine Verbindung zwischm der Fraktion und dem„Soz." bestand. Ich komme nun auf die Parteifond«. Ich habe bereit« erklärt, wie fie gegründet und erweitert wurdm. E« kann keinem Zweifel unterliegm, dab die Fraktion diese Fond« ver« waltet: da« beweisen die Aufrufe dafür im„Soz."; letzlerer war nur eine Sammelstelle für Gelder au« dem Auslande. Ausdrücklich wurde aufgefordert, Gelder au« Dmtschland nicht nack Zürich zu schicken. Der Siaatsanwalt will mich al» Krsfirer nur al« eine Art Zwischenperson betrachten. Auch andere Parteim mürben nicht freiwillig dm Behördm ihre Bücher vorlegen. Meine Eiklärung auf dem St. Gallmer Kongreb hat der EtaalSanwalt gar nicht w Betracht gezogen; damit wäre auch das ganze Gebäude gefallen. Ich habe hier eine Reihe von Zeitungen, in welchen unsere Abrechnungen veiöffentlicht sind; es stellt sich dabei heraus, daß in drei Tagen durchichnittlick vier Posten em kommen; dazu braucht es keinen ungeheuren Apparat. Ein Apparat, wie ihn der Staatsanwalt annimmt, würde gerade die giößte Arbeit wachen. Die Ver- waltung der Konds wacht nur geringe Mühe. Zu den Wahlen sammelt natürlich unsere Partei ebenso wie die andern Gelder. AIS ich diesbezügliche Vcrnehmungm wünschte, wurde vom Staatsanwalt erklärt, er lege keinen Werth darauf, worauf ich den Antrag zurückzog; in den PlaidoyerS wurde aber auf die Wah fonds hmgewiesen. Gegenstand der Anklage ist auch die Verbreitung erlaubter Schriften; was das mit geheimer Verbindung zu thun haben soll, ist mir unerklärlich. Grillenberger hat den Druck der ReichStagsreden übernommen und ausgeführt; er erläßt dar- über Zirkulare, handelt also öffentlich. Er druckt nicht ein- zeine Reden, sondern die ganzen ReichStagSverhandlungen; keine Partei bandelt loyaler als wir. Der Präsident hat im Laufe der Verhandlungen geäußert, wenn örtliche Organisationen beständen, so müßte auch eine allgemeine Verbindung bestehen, da die Theile zum Ganzen streben. Das erscheint mir nicht richtig. Ich verweise auf die selbftständigen lokalen Vereine anderer Parteren. Der Staats- anmalt hat zugeben müssen, daß in Solingen, Neviges, Ohligs und anderswo keine lokalen Verbindungen bestehen. Es ist unmöglich, daß uns eine Verbindung mit einer etwaigen hie- figen örtlichen Organisation nachgewiesen wird; ich begreife nicht, wie ich unter Anklage komme. Wirth hat unserer Partei beim Arrangement des St. Gallener Konaresses große Dienste geleistet; für fem Eni- gegenkommen überließen wir ihm den Druck des Protokolls; wie er dasselbe nach Deutschland brachte, war seine Sache. Be- züglich der»schwarzen Liste" ist festgestellt, daß die Fraktion mit dem Fall LeyvelkuS-Mann nichts zu thun haben wollte. Es ist klar, daß die»schwarze Liste" keine Institution der Partei war oder sein konnte. Nach meinem Briefe in Sachen Mohrhenn-Schumacher hatte die Anklage gar keinen Anlaß mehr, die Schiedsgerichte anzuführen. Ich würde dem hohen Gerichtshof zu nahe treten, wenn ich nur noch ein Wort in dieser Sache äußerte. Was das»Gedenkblatt" betrifft, so würde ich, wenn ich dazu in der Lage gewesen, mich dagegen erklärt haben, aber nicht, weil ich eine Ungesetzlichkeit in dessen Verbreitung sah. Möglich, ja wahrscheinlich wird der nächste Sozialisten- Kongreß in Deutschland sein; das Wort gebe ich dem Staats- anmalt! Ich halte es für unmöglich, daß der Gerichtshof den Anträgen des Staatsanwalts entspricht; ich beantrage Frei- sprechung! Piepenbrink: Gegen mich find drei Monate bean- tragt; ich soll Parteifühier sein. Geheime Versammlungen fanden bei mir nicht statt. Ein Flugblatt habe ich, wie ich auch zugegeben, gelegentlich weitergegeben; es war aber da« mals noch nicht verboten. Ich beantrage meine Freisprechung. Rechtsanwalt Krüse mann verliest eine Bescheinigung, wonach eine Versammlung bei Piepenbrink angemeldet war. Harm: Wenn der Staatsanwalt nicht eine politische Wahlrede gehalten, hätte ich wenig zu äußern gehabt. Gerade wir hoben die Sumpfpflanze des Anarchismus mit rauher Hand ausgerissen, der Männer anhingen, wie Röllinghoff, der Mann mit dem großen Moralisten Muth.(Redner geht sodann auf die»Fr. Presse" ein.) Mir ist nicht nachgewiesen, daß ich mich auch nur in emer geheimen Sitzung befand. Allerdings stehe ich in fortwährendem Konnex mit meinen Wählern, aber öffentlich; dazu braucht es keiner geheimen Verbindung. Kein Zeuge hat etwas Strafbares gegen mich ausgesagt, als Röllinghoff, der mich hineinlegen will aus Rache, weil ich ihn seines unsittlichen Lebenswandels wegen entließ. Auf die Aus- sage eines solchen Nichtgentlemans kann kein Gewicht gelegt werden. Er hat sich fortwährend m Widersprüche verwickelt. Weil Strafbares gegen mich nicht vorgebracht, ersuche ich um meine Freisprechung. Schumacher: Es ist auf einen Widerspruch zwischen meiner Aussage in der Voruntersuchung und in der Hauptoer- Handlung hingewiesen, hinsichtlich der Abstimmung über die »schwarze Liste". Meine erste Aussage beruhte auf Jrrthum. (Fortsetzung in der Beilage.) Theater. Dienstag, den 31. Dezember- . Das schlecht bewachte Mädchen. Turandot, Prinzessin von <>/ China. Zofst»»-Uheatr». Der Jourfix. KoietM»»» Ssttol**« Kcng im Frieden. Theater. Der Königsgardift. KorUner Theater. Dame Kobold. .MeBrüh.»Uhet»ftii»Nsch»»«heate». Prinzessin Pirouette. ßiest»««,-Theater. Schwiegerwoma. DPaNaer-Thrater. Seine Haushälterin. Vor- her: Endlich. Uthtewsta-Theate». Stanley in Afrika. P,»»a»ia»-»- Theater. Der Fleck auf der Ehr'. Festrat-Theate». B-rolina. &h»M»h Grnft-TheaSe». Flotte Weiber. ??»»»- Theater. Spuren im Sande. Theate». Die Maschinenbauer von Berlin. 9ü>9.»trhte»'» Uaricktt. Spezialitäten. Vorstellung. Ketchaha»»«- Theater. Gr. Spezlalitätea. Vorstellung. K-rnfmann'» Kartete. Gr. Spezialitäten« Vorstelluno Alhambra-Theater, Wallnerlheater straße 15. Heute und folgende Taae: Mit neuen Dekorattonen u. Kostümen: Amorina, die Maraiorbraul Phantastisch, komisches Zauberschauspiel in 12 Bildern von P. Wiede. Musik von Theodor Franke. Entree 30 Pf. I. valkon 50 Pf. II. Balkon 40 Pf. ic. ÜmGcmmn-Theator. 1M5 tbreSdr» erste 86, V X* I?*?t.est»lluna Crispcus UanZu Karlstraße. Heute, Dienstag, den 31. Dezember, Abends 7t Uhr: Kacchus«nd Gambrwn», oder: Der Sieg des Champagners. Große komische Pantomime mit Tänzen und inter- nationalen Charakterbildern arrangirt und in Szene gesetzt vom Direktor E. Renz. Großes gomnast. Potpourri, ausgeführt v. d. renomm. Künstlerfamilte Briatore. I-u de la Rose, von Frl. Clotilde Hager und Miß Lillie. Auftreten der Schulreiterm Frl. Mary. Auftreten d. vor- zügl. Reitkünstlerinnen und Reitkünstler. Jiagar (Blumenpferd) vorgeführt von Herrn Oscar Ren,. Morgen Mittwoch(Neujahrsfest) 2 gr. Vorstellungen, 4 Uhr Nachm.(1 Kind frei): Leben und Treiben auf dem Eis«. GioßeS Ausstattungsstück. Abends 7t Uhr: Im dunklen Erdtheil. E. Renz, Direktor. '"v: m 1 ,« VM.— ISUHrA. lateetp-Panopama. Zum ersten Male: vberttaltens mal«. Alpen. Dritte Reife durch das«tesengebtrge. Erst« Cyclus: Pariser Weltausstellung. -ine Reise 20 Pf., Kino nur.0 Pf. Abonn. U! !ein« Punschertract, Origlfl. excl. 1,25 Glühwemertract»» 1,25 » Grogextract»» 1,25 Pchlunnuerpunsch, kräftig»» 1,50 Burgunderpunsch, aus best. Burgund« Wein»» 2,00 UnanaSpunsch, a. fr. Fr.»» 2,50 GlShwetuerrraet, aus feinstem Bordeaux»» 2,00 Alt. Hochs. Thee-Ru« Sit.»» 2,00 Jngberlttör. b. Magenheiz.»» 0,90 «tter RordhSuser, gar. echt»» 0,75 -tacov-Num»» 1,00 empfiehl die Großdestillation von Lettau& Keil, Arn 27. Dezember, Abends, verschied nach kurzem Krankenlrger der Restanr. Jnlius Wegenei im 56. Lebensjahre. Allen Freurden und Bekannten diese traurige Nachricht. Berlin, Borsigstr. 26, den 29./12. 89. Die tranernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Dienstag, Nachmittags 2 Uhr, auf dem Elisabethkirchhofe, Prinzen- Allee, statt. 470 Freie Vereinigung der Kohgerder und Kedermrichter. Den Kollegen zur Nachricht, daß das Mitglied unser« Verewigung 490 M. Schady. plötzlich gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. Januar, Nachmittags 2 Uhr, vom St.Georgen- Kirchhof m Weißensee, aus, statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet Der Vorstand. T odesanzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nach- richt, daß mein Sohn Karl am 30. d. Mts. gestorben ist. Um stille Theilnahme bittet[489 Wilhelm Preuas, Putzer. Pankstr. 48. Die Beerdigung findet am 1. Januar 1890, Mittags 1 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Lrts-Krilnkeokajse dttStmdrvcker wii Lithographen zv Berlin. ,479 Am 29 d. MlS. verstarb unter Mitglied, Steindrucker Herr Heinrich Burgdorff. Die Beeidigung findet statt am 1. Jan. 1890, Nachmittags Illhr von der Wohnung, Schwedt«- straße 35 aus, statt. UmZzahlreiche Betheiligung bittet D« Vorstand. A. Schütz, Vors. Danksagung. Allen geehrten Kollegen, Freunden und Ver- wandten, sowie dem Gisangverein Typographia für die rege Theilnahme und die reichen Blumenspenden meines so früh Heimgegangenen Sohnes, des Schriftsetzers Hugo Hebel, fege ich im Namen der Hinterbliebenen meinen herzlichsten Dank.[487 Berlin, den 30. Dezember 1889. Aug. Hebel. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere seinen Kollegen d« Blciberg scheu Fabrik und dem Schäfer'schen Gesangverein der Eifer, für die liebevolle Theilnahme bei der Beerdigung meines geliebten, unvergeßlichen Gatten, des Schloff«« Rudolf Preuea, meinen tiefgefühlten innigsten Dank. Di« tiefbetrübte Wittwe. 482] Anna Preuas, geb. Dorn. | Danksagung. Allen Kollegen meines Mannes Auguaf Fiedler, welche demselben die letzte Ehre er- mieten Häven, und dem Fachverein der Metall- schrauben- FaoondreH« und Berufsgenossen zu Berlw, sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. 483] Die trauernde Wittwe. Achtung HUtchnuer! Wir machen die Kollegen darauf aufmerksam, daß jedes Anfragen auf Inserate hin, wie üb«- Haupt alles Anfragen in den Werkstätten unmidertuflich die Entziehung b« Unterstützung auch in Zukunft nach sich zieht. Die Kolleaen haben sich nur an tzte Ltelenvermittelung der Btldtzauer zu wenden. Ueberstunden dürfen aus keinen Fall geleistet werden. Die Kontrole ist wieder bei Keßner, Annenstr. 16, Vormittag« von 9—12 Uhr. Wir machen noch auf folgende Deckadreste« oufmerksam: Köpnickerstr. 115, Qaerge- bäude IN; Adalbertftrabe38: Pückler- straße 6; Köpnickerstraße 26a; Köp- nicker straße 190. 430 Dle Kommijston. Kammtliche Gisen-«nd Sttchltvaare», sowie Hans- »nd Küchengeriithe%%%%» ferner: Kchlittschnhe, la»i>lAgc-!>te»IUiei> u. f. w. empfiehlt billigst[59 E. Vogtherr; [1637 Billigste Quelle für deutsche u. englische[1 eiserne Bettstell en! ml Ettgaee Köputckerftraste 32, ■ JlllPreiS-Kour. gratis u. franko von Kranken-«. Kegräbuitzkasse für die im Kerl. Gürtler-«. Krsn- zeurgewerbe beschäft. Personen. «Eingeschriebene Hilfskasse Nr. 60.) Sonntag, den 5. Januar, Vormittags 10i Uhr, AuhtrorheMje Ctnmlversonlnllilkg m Klein'» Frftsälen, Oranienstr. 182. Tagesordnung: Abänderung des revidirten Statuts. Ter vorstaud. 486 Otto Klem, Ritterstr. 15. 462 Ortskrankenkasse der Tischler«. P ianoforte-Arkeiter. Den Kassenmitgliedern sowie den Arbeitgebern, welche Kassenmilglieder beschäftigen hiermit zur Kennwiß, daß der, von der Generalversamm» lung am 14. November beschlossene Nachtrag zum Statut unterm 18. Dezember er. feiten« de« Bezirksausschusses genehmigt ist. Demnach erhält d«§ 26 des Statuts folgende Fassung: Die wöchentlichen Kassevbeiträge betragen: 1. für erwachsene Kassenmitglied«, ausschließlich der Lehrlinge»36 Pfeuutg". 2. für Kassen» mitglied« unt« 16 Jahren und für Lehrlinge »15 Pfennig". Diese Bestimmung tritt mit dem 1. Januar 1890 in Kraft. Der Vorstand. Kolstndak V.aÄT am hiesigen Platze bekanntlich[1653 GrSssto Auawahl. Somnttttrl ftckrr brennend» Tabak«. Streng reelle Bedimung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindlichen Roh« Tabake find am Lag«. A. Goldsohmidt, PpanbaNerbrÄcke C am Hackeschen Markt. Alle« Freunde««nd Genosse« zur Nachricht, bat; am Sylvesterabend eine Mufikalislhe Abeudllnterhltltllllg stotlfindet. Wozu«gebenft einladet 476 W. Haugk, Meinstr. as. Jede Uhr zu repariren und zu reinigen(auß« Bruch) kostet bei mir unt« Garantie des Gutgehens 1,50 HH. _ Lag« aller Arten Uhren und Goldwaaren zu den billigsten Preisen. 142 Kolenthalerftraß« aa ;(an d« Gipsstraße). lilellleserydesUolksblMesS gewähre» mir gggr 5 pCt. Rabatt.'MD Wir««kaufen für AFd fhftt eleg. Winter-Paletots M. mit Wollfutter. elegante Herren- Jaquet-AnzQge. gediegene Winter- Stoffhasen. Knaben- Stoff- AnzQge. Knaben- Winter- Paletots. elegante Kammgarn- Anzüge. elegante Joppen. Mmtansth gestattet, flach austerhalb 973] gegen Nachnahme. Gebe. Äeuflailt, ZeulstiellerSilift a. Geschatt: Charlottenburg, B«lin«ftraße 103 Glll8-ll.KtelMMallreil. 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Tranheim m B«lm. Druck und V«lag von Mar Kadtng in B«Iin SW., Beuchstraße 2. fltnrm ein« Keila«»- Vellage zum Berliner Volksblatt. Kr. 805 Dienstag km 81. Dezember 1889. $. Lokales. * KokalkommWon veröffentlicht nachstehend die Liste derWrrthe. die chre Lokale»u Versammlungen unentgeltlich her- gebe» und bemerkt hierzu, daß dieselbe wöchentlich einmal mit m Abänderungen abgedruckt wird, ferner, daß Veröffentlichungen i» Bezug auf die Lokalftage nur von den Herren Wilhelm Werner, Sebastianstr. 72, Arno Winter, Köpenickersft. 126, Otto Heiudorf. Lanqestr. TO, auszugehen haben. Alle eventuellen Unregelmäßigkeiten sind an die genannten Herren zu berichten. Adler-Brauerei, Gesundbrunnen. Aktienbrauerei Moabit. Bcrgschloßbrauerei, Rixdorf. Beyer, Neue Grünstr. 14. Bock-Brauerei, Tcmpelhofer Berg. Böhmische« Brauhaus. Bönhoff, Miillersft. 142. Bötzow's Brauerei. Bolzmann, AndreaSstr. 26. Bovert, Weinstr. IL Brauerei Tivoli, Kreuzberg. Brauerei Kömgstadt. Brauerei Friedrichshain(LipS). Brauerei Fricdrichshöhe(Patzenhofer). Brauerei Pjeffcrberg. Konzert-Park Oftend, Frankfurter Allee. Deigmüller'S Salon, Alte Jakobstr. 48-. Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. Eiskeller-Etabliffement, Chausseestr. Elystum, Landsberger Allee. Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Gratweil's Bierhallen, Kommandanten str. TT.TO. Gnadt, Brunnen ftr. 38. Sottschalk(früher Huth), Badstraße, Gesundbrunnen. Gründer'S Salon, Schwerinstr. 13. Habel's Brauerei, Bergmannsft. 5— 7. Heise, Lichtenbergerstr. 21. Heydrich'S Säle, Beuthstr. 18/21. Fritz Jlge«, WilSnackerstr. 63. Industrie-Hallen, Mariannen str. 31/32. Jordan'« Salon, Neue Grünstr. 28. Kaufmanns Varielö, Könige-Kolonaden. Keller, Bergstraße. Königshof, Bülowfftaße. Königstadt-Kafino, Holzmarktstr. 72. Klein'« Festsäle, Oranienstr. 180. Klient, Hatenhaide. Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117. Krüger's Salon, Wafferthorstr. 68. Kuhlmey's Geftllschaftshau«, Köslinerstr. 17. Manendad(Gesundbiunnen), Bad str. 35-36. Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 58. Orschel, Sebastianstr. 39. Pohl, Müllerstr. 7. W. Rihlitz, Bergstr. 12 Renz' Salon, Naunynstr. 27. Nennefahrt's Salon, Dennewitzstr. 13. Reyer, Alte Jakobstraße 83. Roll, Adalbertstr. 21. Sachow, Müllerstr. 136. Saeger, Grüner Weg 29. Sahm'S Klubhaus, Annen str. 16. Sanssouci, Kottbuserstr. 4. Scheffer's Salon, Insel str. 10. Schloßbrauerei Schöncberg. Schneider, Belforterstr. 15. Schröder, Müllerstr. 178(Wcddingpary. Schweizergarten, Am Königsihor. Silber'S Salon, Schwedlerstr. 24 Süd-Ost, Waldemarstr. 75. Reustädtischer Volksgarten, Proskauerstraße. llnionsbrauerei Hatenhaide. Vereinsbrauerei(Rrrdorf). Vrktoriabrauerei, Lützowstraße. Bikioiia Salon, Perlebergerstr. 13. Volksbrauerei(Moabit). Wedding-Kastno, Schulstr. 29. Weimann's Volksgarten Gesundbrunnen. Wendt, DreSdenerstr- 116. Wollschläger, Blumen ftr. 78. Wohlhaupt, Manteuffelstr. 0. Zemter, Münzstr. 11. Zl»» dem feiubliche» Zager. Wenn au« dem Lager der Jnnunaihelden ein I euvengeheul ertöet, so kann man Scher sein, daß wieder erfolgreich em Schlag gegen die Ar» Ketter bezw. gegen die moderne Arbeiterbewegung geführt war- den ist. In ein solches Freudengewieher bricht nun in seiner neuesten Nummer da« Organ der in letzter Zeit vielgenannten B-rlmer Gaftwirthe-Jnnung aus und der Grund hierfür ist ihatsächlich a> ch für die Arbeiterschaft wichtig genug, um dem Jnnungsorgave in seinen Ausführungen zu folgen- Nach § 100 6 der Reichsgewerbeor dnung, betieffend die Schieds- uericht« zwischen JnnungSmeistern und Gehilfen(Gesellen) baden lrtzter« die Hälfte der Beisitz-r zu stellen. Ueber die Berpflichtuna zur Theilnahme und Mitwirkung hierzu, sowie in hm Ausschüss-n für L h lingS- und HerbergSwesen und Arbeits» u-chweis von S ilrn der Gehilfen herrschen nun, wie das Jnnungs- orga»»eint, recht unklare und widersprechende Meinungen, da die Ansteht vielfach verlreten ist. daß ein Zwang zur Theil- nabme an den betrrffenden Gc'chäften auf die betreffcnden Gedilfen(Gesellen) nicht ausgeübt werden könne, obwohl § 104, Absatz 2 der ReichSgewerbeordnung das Gegenthcil tagt. W nn der Gesetzgeber, so fährt doS Innung« dlart fort, den Schilfen(Gesellen) dre Mitwiikung an den Geschäften der Innung, welche fich aus da« Gehilfen-(Gesellen), sowie tt» LehrlinflSwesrn und endlich auf gcwerbliche Schiedsgericht beziehen, vorbehalten hat, und in Anbetracht der richtig aufgefaßten V-upflich'ung der Innung; ein möglichst ge- drihlrchcs Verhäuniß zwischen Me stern und Gehilfen herzustellen(?).«uck diesbezügliche Bestimmungen in die Reiichsgtw'rbeordnung eufnobm, wenn die Behörden derartige Statuten- Paragraphen glrn okz ptiren und deren Genehmigung «»«kpreittn,— wenn di krankten.— Die Ziwmergesellen zeigten in diesem Monate die ersten An- sänge zu ihrer künstigen Lohnbewegung.— Auch in diesem Monate waren nicht weniger, als 48 Selbstmorde und Selbstmordversuche zu verzeichnen.— Im Uebrigen dauerte bis Ende März die Epoche des Schnee«. Der April beschenkte einen Theil der Berliner Steuer- zahler zunächst mit der staatlichen Genehmigung der beschlösse- nen Steuerreform(Slryck'iche Anträge).— Am 3. April wurde der russische Hochftavler Nicolaus de Savine ver- haftet.— Auf allen Gedreten des gewerblichen Lebens kam in diesem Monate eine nachoröckliche Lohnbewegung zum Durch» bruch und zeiiigte eine Unzahl von Versammlungen. Am 13. stand der politrsche Hochstapler S i d n e y O' D a n n e vor dem Strasrichter und wurde zu 4 Jahren 6 Monaten Gesang- niß verurtheilt.— Ende de« Monats verschwand langsam cm Stück vom Alten-Berlin: die Herkule«brLcke, welche gänzlich abgetragen wurde.— Der achte Geograph ntag trat am 24. hierselbst zusammen.— Am letzten Tage des Monats April fand die Eröffnung der Ausstellung für Un- fallverhütung statt. Am 2. Mai wurde der Hausverwalter Wendtland zu 2f Jahren Gefängniß verurtbeilt, am 6. begann der Auestand der Maurer.— Die Kunde von dem Verschwinden de« Bankier« Rudolph Jhrke mußte viele kleine Leute stark erschüttern, welche demselben ih e Ersparnisse anvertraut hatten. Auf dem Gebiete der Lohnbewegung wurden immer weitere Kreise in den Strudel gezogen: Außer den Maurern und Zimmerern die Modelltischler, die Kupferschmiede, die Brauergesellen, Bäcker, Pferdebahnkutscher zc. zc. Am 20. und 21. wurden die General Kreils der Maurrr- und Zimmrrlcute verkündet. Am 25. Mar stand de, Redakteur Dr. Oldenburg in dem vielbesprochenen MojessälSbrleidi- gungSprozesse der ,, V o l k s- Z e i t u n g" vor Gericht und er- zielte feine Freisprechung. Die mordsmäßige Gluth, welche während des Monats Mai die Berliner fast in gleichem Maße wie der Durst quälte und dieselben die schönen Benchle»Aus Bädern und Sommerfrischen" nur mit stillem Ingrimm lesen ließ, ver- anlaßte einen wahren Freudenschrei, als am 4. Juni nach langer Zeit die ersten Regentropfen fielen.— Am 13. starb der allbekannte Untersuchungsrichter LandgericklSralh Holl« mann.— Milte Juni erhielt Berlin den berübmtm Em- wohner, welcher die lt Millionen vollmachte.— Am 20. befchäftiate der Spuk von Resau auch noch die ehr- würdigen Richter de» Kammergerichts, am 24. er kämpfte Krauts, der weitbekannte Scharftrchter von Berlin, vor dim Schwurgericht seine Freisprechung und an demselben Tage de- gann der Rftsenprozeß gegen die Armeeli.fcranten Hage- mann und Wollank, welcher am 3. Juli m>t der Verur- lheilung Hagemann« zu 5 Jahren und Wollank« zu Iß Jahren Gefängniß endete.(Schluß folgt) Der Kchifffahrts- Derlrehr auf Havel und Spree hatte bisher fast ohne Unterbrechung fortgevaucrt. AlleivmgS hatte die Mehtzabl der Schiffer, wie der»A. f. d. H." meldet, schon Anfang« Dezember Winterquartier bezogen, aber die Schleppdampfer waren noch unausgesetzt in Thätigkeit, um Fcachikähne, von denen die meisten mit Petroleum beladen waren, von Hamburg nach Berlin zu schleppen. Wenn die eingetretene Kälte andauert, dürfte sie der Schrfffahrt wohl für längere Zeit ein Ende machen. Da« altcAuvstcUrmgsgebäude amCantianplatz wftd trotz seiner Bausällrgkeit noch tmmer wieder auSgl bessert. In den letzten Tagen hat dasselbe eine neue Oberlichtkugcl erhalten die allerding« nur dürftig au« rohen Brettern zusammengeschlagen ist und stch in der hellen Farbe auf dem Ichwarzen Pappdach wunderbar genug ausnimmt. Das Aeußere de« alten Baues scheint auch noch nach einer anderen Richtung hin gepflegt zu werden. Wie erzählt wird, hätte sich kürzlich ein R klame- Unternehmer darum bemüht, da« schwarze Dach de« Gebäudes zur Anbringung großer farbiger Anpreisungen benutzen zu dürfen, doch sei die« Gesuch trotz de« Angebots einer nicht unbeträchtlichen Entschädigung au«»ästhetischen Gründen" ab« gelehnt worden. Ausweisung. Der österreichische Staatsbürger Hamm, Jnstrumentenmacher und verheirath-t, wurde hier kurz vor dem Weihnachtsfeste wegen sozialistischer Agitation ausgewi-ft-r. Hamm ist mit mehreren anderen Personen dabei betroffen worden, ol« sie ein nicht genehmigtes Flugblatt verbreitelen. Von den Veibreitern ist nur Hamm ausgewiesen worden. Und »war durchaus nicht, weil er stärker belasteMst als die übrigen, sondern weil er österreichischer Nationalilät ist. Die Ami- weisung'ist nämlich Nicht auf Grund de« SozialistengcsercS, fondern auf Grund de« FreizügiakeitSgefttze« erfolgt. Das Verfahren zeigt deutlich, daß die Regierung, bezw. der gegen- wärtige Chef des Ministeriums de« Innern, die Soziclifren- ausweisung grundsätzlich auf Angehönge anderer Nationalitäten beschränkt. Gine angenehme und«ine unangenehme Weih- «achtsüberraschung ist den Schaffnern der Giotz.n B«. mer Pferdeeisenbahn zu Theil geworden.— Am 2L und 22. dies.« Monat« erhielten dieftniaen Schaffner, gegen welche gravircnde Meldungen seitens der Kontrole und Fahrgäste im Laufe des vn flössen en Jahre« nicht vorlagen, WechnachtSgraufikatton-n — je nack der Dauer der Dienstzeit— in der Höhe von 20 bis 75 M. pro Mann.— Gleichzeitig aber wurde de« Schaffnern der obengenannten Gesellschaft, welchen bekanntlich infolge der im vorigen Frühjahr drohenden Streik« im Sommer für da» Fahren von Einsatzwagen an ihren freien Tagen selbst bei einer einmaligen Tour 1,50 M. zugesichert war, die Mit- thcilung gemocht, daß sie von nun ab bei solchen Ausnahme» Iuljtltn nur no4 50 Pfg. pro Stunde erhalten, was einen lisfall von 1 M. bedeutet. Die Schaffner hätten es lieber gesehe, wem es bei der ersteien B itrmmung geblieben wäre. Was verjährt am 31. d. M. Gewisse Forderungen »erjähien bekanntlich am 31. Dezemoer des dritten Jahres, in mein em fie zahlbar b-zw. klagbar waren; also am 31. Dezember 1889 Forderungen aus Geschäften, welche im Jahre 1886 ab« geschloffen. Dm Bestimmungen unterliegen: 1. Forderungen der Fabrikanten, Rauf und Handelsleute, Apotheker, Klämer und Händler jeder Art, der Künstler und Handwerker für Waareu und Arbeiten ihres Geschäfts; 2. die Forderur gen der Wtrlhe und Kostieicher für Beherdung, für abgegebene Speisen and Gelränke und sonstige für ihre Gäste bestrittene Bedürf- Nisse und Auslagen; 3. Forderungen der Dienstboten, Fabrik« ardeiter, Handwerksgesellen, Tagelöhner und anderer Hand- arbeiter, desgl. der HauS« und Wirthschaftsbeamten, der Handlungsgehilfen und überhaupt aller in Privat Verhältnissen stehenden ober gestandenen Personen wegen rückständiger Gehälter oder Pensionen, sowie wegen ihrer Emolumente und etwaiger Auslagen für die Dienstherrschaft und die Forde- rangen der Drenstherren wegen der an die in Ziffer 3 ge. nannten Personen geleisteten Vorschüsse; 4. Postporto, Brief« trägerlohn, Frachtgeld, Fuhrlohn, Pferdemiethe und Botenlohn; 5. die Foideruagen der öffentlichen und Privatlehr-, Er- ziehung«- oder Veipfleguna« Anstalten für Unterricht und Untetbalt, Lehrgeld, Vorschüsse und Auslagen für Zöglinge U'b Lehrlinge; 6. Gebühren« und Auslage-Forderungen der öffentlichen Anwälte und Notare, Aerzte, Wundärzte, Hebammen, Müller. Feldmesser rc; 7. Honorar-Fordernngen für Beiträge in Zeitschriften und Zeitungen; 8. rückständige Mielhund P ichtae oer und dedun iene Zinsen. Gs steht nuamehr fest» bah der in Zürich vor einigen Monaten oerhaftete Abenleuiec und Schwindler kein«.falscher", sondern ein durchaus waschechter Savine ist, derselbe Savine, der durch seinen Prozeß in Berlin und seine später mit so grob» Kühnheit bewerkstelligte Fluchi viel von sich reden ge« macht hat. Die Züricher Gerichte find dermaben von der Echt- heit Savme'S überzeugt, daß fie seine Auslieferung an Ruß- land beschlossen haben. Zu ich« Blättern entnehmen wir über das neueste Kopiiel der Saciniade folgendes:„Das schweizerische BundeSuericht hat die J ientiiät de« in Zürich in Sicher- heitiverhaft befinslichen angeblichen Comte Lnnoert aus Doure- powika, Ruzland, mit dem Hochstapler Nikolaus Savine aus Seredinsk, dessen Auslieferung von den russischen Behörden wegen Betrügereien und Unter chlazungen verlangt wurde, festgestellt. Emma! wurden die hier aufgenommenen Photographien in Berlin, Dresden, Petersburg u.f.ro. als diejenigen de» Savine erkannt, sodann war in den Schristzügen und dem Siile de» Verhafteten mit demjenigen Savine'» die volle Uebeiem« stimmung und im Besonderen war ein Muttermal am linken Arm als spezielles Kennzeichen vorhanden und es war die Be- hauplung des Angeschuldigten, es sei dies eine im Duell er- haltene Verletzung, nicht stichhaltig. Das BundeSgnicht be- sch ob gleichzerng die Auslieferung des Verhafteten an Rubland, weil die in Rub>and auf die eingeklagten Vergehen gesetzten Strafen der Verbannung nach Sibirien oder die Deportation der im Auslieferungsvertrag festgesetzten Gesängnibstrase zum Mrndeften gleichkommen, wenn nicht erschwerend» seien. Zu Zürich war Savine des einfachen Betruges im Betrage von 4t Franc» und dcs Versuchs von Betrug in drei Fällen im Gesammlbetrage von 278 Frank», begangen in züricherischen Ladengeschäften, ang> klagt. Da« Bezirksgericht Zürich hatte ihn dieser Vergehen Ickuldig befunden und zu seqs Wochen Ge- fängnisi und fünf Jahren V»Weisung verurtheilt. Das zücich» O oergericht fand dagegen, daß ,n sämmtlichen Fällen die Requisite des Betrugs nicht zutreffend und»kannte am 27. Dezember auf Freisprechung des Angeklagten..." Wir haben da« volle Zutrauen zu Savme, daß» auf dem Transport nach Ruhla" d auf« Neue glücklich entspringen wird. Abgefaßt. In dem in der Steinstrabe an d» Ecke der Alten Schöayauserstrabe belegenen Restaurant waren seit dem Sommer fchoa mehrfache Paletotdiebstähle vorgekommen, ohne daß es gelungen war, dcs ThäierS habhaft zu werden. Am Sonnabend Abend hörten die Gälte au» dem letzten.f immer, welches unbesetzt war, ein v»dächtiges Geräusch. Der Wirth eilte in da« betreffende Zimmn und kam noch rechtzeitig genug, um»neu Mann zu bemerken, der eben in der Thür der daran- stoßenden Herrentoileit« verschwand. Der Wirih eilte sofort nach dem Hof und kam noch zu recht« Zeit an, um dem Ein- dringling beim Herausklettern aus dem nach dem Hofe gehenden Fenster der Toilette»was behi stich zu sein. Als Beutestück fahrte der kühne Turner einen prächtigen Regenschirm mit sich, den ein» der Gäste in der Ecke jenes letzten Z.mmerS hatte stehen lassen. Nach dem in der Dragonerstraße belegenen Polizeirevicr geführt, räumte der F-stgenommene dem ihn ver- hö. enden Beamten sogleich ein, auch die übrigen Diebstähle in dem erwähnten Lokale ausgeführt zu haben, und zwar immer in der nämlichen Weise, indem er vom Hof aus in das offen- stehende Fenster der Toilette geklettert und von dieser aus beq aem in dos Restaurant gelangt wäre. Den Rückweg habe er m tfammt dem gestohlenen Gut steiS ebenfo angetreten. Der Dieb, ein in den Zwanzigern stehend» Barsche, wurde nach diesem Geiländniß darauf sogleich unter sicher» Eskorte vom Revier aus nach dem Polizeipräsidium am Alexand»platz ab- God l« den Flamme«. In d« Sonnabend Nacht brach in d m Haufe Nauener Kommunikalion Nr. 12 zu Vots- dam eine FeueiSbrunst aus, welche nach 2 Uhr vom Nacht- Wächter Klole zuerst bemerkt, alsbald von d» schnell herbei- 8t Ilten städtischen Feueewehr belämpft wurde. Noch vor dem ; nitiffen der letzteren auf dem Brandplatze war es zwei Männern gelungen, eine Frau und em Kind aus dem»sten St ckwerk de« Hauses Mittelst einer Leiter zu retten. Die Feuerwehr vermochte das Feuer auf seinen Heerd zu beschrän- ken. Bei den AufräumungSaibeiten fand man in emem Z mm» de» in Asche gelegien Gebäudes die vnkohlten Usber- reste eines Manne», des 78jährigen Zeichenlehrers und MalerS A. Moore«. Niemand hait« vorher von der Anwesenheit des Unguck-ichen in dem Immer eine Ahnung. Moore«, früher lai ae Zeit L-Hrer am Potsdamer Realgymnasium und noch «ichl lange in de« Ruhestand getreten, hatte im ersten Stock- werk eine Wohnung mne, und gerade in seinem Zimmer ,st da« Steuer zum Ausbruch gekommen. Wie das Unglück geschehen, wird sich mit Sicherheit kaum feststellen lassen. Moor.s, ein alter Junggesell, pfl-gt sonst immer die Abende beim Schach- spiel zuzuvnugen; nn Anfall der Influenza zwang ihn, daheim zu»leiden. Die Vennuihung liegt nahe, daß der beiahrle Mann b-im L sen vielleicht nngenickl war und durch»ne Be- weaung die Petroleumlampe umgeworfen hat. Dem dadurch entstanoenen Feuer boten die Mal»geralhschaften im Zimmer reichliche Nahrung, und als man die Flammen au« dem Fenster herausschlagen sah, war es ohne Zweifel bereits zu spat, Moore« wahrscheinlich schon eistickt od» verbrannt. Allgemein wird da« Laos des lehr deliebfn L hcerS schmerzlich bedauert. AlS die städtische Berufsfeuetwehr auf der Brandstatte an- langte, stand auch bereit« die zweite Etage in Flammen, und nur mit Mühe gelang e», die dort wohnenden und im tiefen Schlafe ltegeaden Leute, den Kutscher Wem» mit Frau und Kmd, mit Hute de« Reltungssackes dem Untergange zu ent- rti&M. Die Treppe zum zweiten Stockwerk stand b»eitS in hellen Frammen. Von dcm Gebäude ist wenig mehr als die �(ßia � gr öss Kchadenfcaer hat in der Nacht zum Sonntaa auf oern Giunöiiuck«to'tcrftr. 91, Ecke der KalandS- ern, während wiederum ein Öue.gedäude den Abschluß.de« Grundstücks nach der Reuen Friedrichstraße bildet. In dem nach der Kalandsgasse zu belegenen zweistöckigen Seitenflügel befindet sich die Schiimfabrik von Wissel, in welcher eine große Anzahl von Arbeilerinnen beschäftigt ist. Gegen 1.2 Uhr Nacht« vom Sonnabend zum Sonntag bemerkte d« Revierwächter au« den Räumen bezeichnet» Fabrik hnvordringende Rauchwolken, und, den Ausbruch eines Schadenfeuers vermutbend, veranlaßte er die sofortige Alannirnng der Feuerwehr. Auf da« Signal „Mittelsiuer" trafen alsbald die Löschmannschaften d» meisten Depots ein und fanden säMmtliche Räumlichkeiten genannten Etablissements in vollen Flammen stehend vor. Mit einer Dampf- und drei Handdruckspritzen wurde d» Kampf gegen das entfesselte Element, dem enorme Waarenvorräthe reichliche Nahrung boten, aufgenommen. Wenn es auch nicht möglich war, die Waaren und Fabrikseinrichtung der Firma Wissel zu retten, so gelang e« unser« Feuerwehr doch nach angestrengtem zweistündigen Bemühen, jede Gefahr von der einerseits an- grenzenden Fleisch»» von Breslau», andererseits von den zahl- reichen Pcivatwohnungen des Quergebäudes abzuwenden, trotz- dem der Angriff gegen das verheerende Feuer, sowohl von der schmalen Kalandsgasse, wie auch von dem beengten Hose ein sehr schwinig» war. Gegen 5 Uhr Morgens konnten die ersten Spritzen abrücken, die Adlöschung und Aufräumungsarbeiten zogen sich bis Sonntag Vormittag hin. Der Schaden, welchen dag Feuer in dem W.'ichen Etablissement angerichtet, ist ein sehr beträchtlicher, d» von VetsichecungSgesellschaften gedeckt wi>d. Die Fabrik selbst ist total ausgebrannt. Krlbstmordaersach eines dreizehnjährige« Knabe«. Weil» keme Weihnachtsgeschenke«hallen, hat sich am Sonn- abend Abend der Illzährig: Paul K. da« Leben zu nebmen vnsucht. D» Knabe, Sohn«neS in d» Schönhauser Allee wohnenden Schneidermeister« und Schül» einer höh«en Bürgerschule, hatte zu Weihnachten eine schlechte Zensur nach Hause gebracht, und um den auch sonst verlogenen und faulen Burschen einmal empfindlich zu bestrafen, beschlossen die Eitern, ihn von der Weihnachtsbu örtlichen Verbindungen aufgefordert wurde. Die fremden Polizeibeamten haben bekundet, daß an verschiedenen Orten Organisationen bestehen. Der jetzige Prozeß hat aber weiter blicken lassen. Ausgehend von dem Beweismaterial ist keine andere That- fache erwiesen, als daß der„Soz." Parteiunternehmen ist und von der Partei ausgenutzt wird. Je mehr der„Soz" pro- sperirt, desto mehr werden sich die Verbindungtkassen füllen. Es kann nicht eingewendet werden, daß die Fondsverwaltung mit den übrigen Zwecken der Verbindung nichts zu thun habe; der Eitrag der Schriften fällt ja in die Fond«. Wenn gesagt wird, daß die Erklärung im Oktober 1886 das Verhältniß zwischen„Soz." und Fraktion löste, so weise ich auf den Schluß der Erklärung hin, sowie auf die Erklärung der Redaktion. Entweder ist eine Aenderung de« ZustandeS nicht gewollt oder nicht vollbracht. Ich bin der Anficht, daß die Anklage in allen Punkten durch die Beweisaufnahme bestätigt worden, und halte alle Anträge aufrecht. Bebel: Ich würde es als eine Beleidigung des Gericht«. Hofes betrachten, noch einmal auf die Rede des Staatsanwalts einzugehen. Durch Wiederholung derselben Anklage wird nichts bestätigt. Glauben Sie, meine Herren Richter, daß die vom Staatsanwalt angezogenen Artikel von 1880 Alle« da« geschaffen, wa« heute ist? Unter Tausenden hat kaum Einer den Artikel gelesen. Wenn ich mich aus dem Wydener Kongreß als Feldherr hingestellt hätte, wäre ich ausgelacht worden. Was die ReichStogtrede anbetrifft, so sagte ich blo«, wenn uns unsere Litteratur verboten würde, so würden wir uns die au«. ISndische— auf gesetzlichem Wege— zugänglich machen. Die Rede richtete sich gegen da« Sozialistengesetz und wird jetzt zu einem Motiv der Anklage gemacht. Als wir uns mit der Gründung des„Soz." einverstanden erklärten, verlangten wir, daß das Blatt fich in den strafgesetz- lichen Schranken hielt. Ta verlangten aber die Leser, da« Blvtt müsse schärfer schreiben. DaS habe ich im Reichstag als eine Folge des verbitternden Sozialistengesetzes erklärt. Man denkt doch nicht, daß aus jeder Redewendung ein Staat«' anwalt uns den Stiick dreht. Ich erinnere an das WortFoucher«, de« PolizeiministerS Napoleon« L:„Gebt mir drei Zeilen von Jemand in die Hand und ich bringe ihn an den Galgen!" Das versteht der Staatsanwalt, die Worte zu verdrehen. Nie wurde in der Fraktion über den„Soz." verhandelt, das haben die Zeugen bekundet. Daß der„Soz." nach Deutschland eingeschmuggelt wird und dort Agenten hat, be- streite rch nicht. Daß derartige Agenten als Mitglieder eines Geheimbundes, der in Zürich seinen Sitz hat, bestraft wurden, ist gerichtskundig. Heber die Quittung von 9000 Mark verliere ich weiter kein Wort mehr. Wenn ich in St. Gallen warnte, Gelder nach Zürich zu schicken, so war die« auf Grund meiner Erfahrungen natürlich. Schließlich werden auch noch die Freundschaftsverhältnisse zum Gegenstand der An- klage. Der Staatsanwalt hat ja schon einmal gesagt, die Freundschaft mache die Sache noch verdächtiger. Was die Revifion in Zürich betrifft, so hätte ich doch nicht geglaubt, so viele Worte um eine so einfache Sache verlieren zu müssen. Daß die Revifion mehrere Tage in Anspruch nahm, ist selbstverständlich. Schiedsgerichte, deren Spruch öffentlich bekannt gemacht wurde, sollen Merkmale einer geheimen Ver- bindung sein. Die Aussagen der Polizeibeamten aus den G oßstädten halte ich für entlastend. Wenn in allen Prozessen nicht« für das Bestehen der allgemeinen Verbindung erbracht werden konnte, so kommt da« den Angeklagten zu Gute. Die Sitzung wird auf Montag, Nachmittag 5 Hhr vertagt. Elberfeld, de« 30. Dezember 1889,(Privat- depefche) Freigesprochen 43, darunter K»bel, Grillenb erger, Schumacher und Gertel. Verurtheilt K a r m 0 Monat, Finiee 18, andere 14 Sage bi» 5 Monat. Chefs selbst in der Fabrik. Wir ballen e« für überflüssig, noch mehr Fälle anzuführen und wir können noch bemerken, daß die Ches's, als Sie gefragt wurden, wo da« Strafgeld geblieben, geantwortet haben, daß dies unsere Sache nicht sei. Da« Streik- Komitee der Vergolder. Achtung, KUdhaner! Kollegen! Die Zeit ist da, auf die unsere Gegner ihre Hlffnungen setzen. Da rst es doppelt unsere Pflicht, auf dem Posten zu sein und strengsten« über alle Maßnahmen zu wachen, die wir, al« in uuserm Interesse liegend, treffen. Die arbeitslosen Kollegen w reden weiter unter- stützt; die tägliche Kontrole ist wieder im Restaurant Keßner, Annenstr. 16, Vormittags 9—12 Hhr. Wir machen aber auch darauf aufmerksam, daß Jeder, welcher auf ein bez. Inserat hin oder überhaupt unaufgefordert in einer Werkstatt anfrägt, jeder Hnterstützung auch in Zukunft verlustig geht. DieKollegen briien wir, uns Zuwiderhandlungen sofort zu melden. Einzig und allein die Siellenoermittelung der Bildhauer Berlins ist in Anfp-uch zu nehmen. Ferner dürfen Heberstunden jetzt unter k.inen Hm- ständen gemacht werden. Kollegen! Handeln wir strikt dar- nach, so haben wir nicht! zu befürchten. Die Komnisfion der Bildhauer. Kuckenwalbe, 27. Dezember. Der Streik der Hut- arbeiler dauert unverändert fort; es ist von verschiedenen Fabrikanten versucht worden, eine Einigung mit den Arbeitern anzubahnen, was aber bis jetzt zu keinem Resultat gefuhrt h>t. Es wird aber den Fabrikanten nichts anderes übrig bleiben, als gleich nach dem Fest eine Einigung mit dem Zentral- Komitee anzustreben, da die Fabrikanten sonst ihre ganze Kun"- schaft einbüßen müssen. Es kehren läglich Streikbrecher zu den Streikenden zurück. Nähere« durch W. Tiniu«(Schwarzer Adler). VersÄiirntlungen. Gl«« große Arbeiter-Nerfammlung fand gestern Abend im Bürgersaale des Beniner Rolhdause« statt. Diese Versammlung darf insofern ein historische« Interesse bean- spruchen, als es das erste Mal ist, daß die Berliner Arbeiter eine Massenversammlung im rothen Hause abgehalten haben. Schon lanoe vor der festgesetzten Zeit strömten dichte Schaaren nach dem Raihhause und kaum waren die Thören geöffnet, so drängte die Menge sich Kops an Kops die Treppen hinauf und im Augenblick waren die Räume bis auf den letzten Platz ge- füllt. Außer vielen bekannteren Sozialdemokraten waren auch die neugewählten Stadtverordneten: Zubeil, Klein, Tempel, Voglherr und Heindorf anwesend. Ferner waren auch mehrere Frauen, unter anderen die aus der Arbeiterinnenbewegung bekannte Frau Stegemann erschienen. Hm(6 Hhr eröffnete der Ernberufer, Tischler Halfter, die Versammlung, welche die Herren Klein, Zubeil, Halfter und Tempel in'« Bureau wählte. Hierauf erhielt Herr Dr. Chrifteller zu einem Vortrage über„Nutzen und Werth der Volksbäder- das Wort. Referent sprach sich über da« Thema folgendermaßen aus: Theoretisch find Nutzen und Werth der Volsbäder längst an- erkannt und es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man heute noch deren Werth klarlegen. Dennoch ist in der Praxis bisher wenig für solche Anstalten geleistet worden. Ebenso wie man den Kulturgrad eine« Volke« nach dem Verbrauch von Seife schätzen kann, läßt sich derselbe auch beurtheilen nach dem Gebrauch von Bädnn. Redner schilderte nun die Bade- einrichtungen älterer Kulturvölker. Im Mittelaller wurden die vorhandenen Badeanstalten von Aerzten und der Gtistlickkeit bekämpft, weil dieselben als Stätten zur Förderung d>s L.strrS angesehen wurden. Erst im 19. Jahrhundert kamen öffentliche Bäder wieder zur Geltung. Heute unterscheide man Halb- und Gar zbäder, sowie kalie und warme Bäder. Da« kalte Bad ist namentlich für gesunde Personen bestimmt. Die Blutgesöße der Haut werden zusammengezogen und nach dem Innern ge- trieben. Nach Beendigung de« Bades tritt da« Gegentheil ein und diese Reaktion wirkt stärkend und wohlthätig auf den Körper ein. Die lauen Bäder üben eine mildere Wirkung auf den Körper auS. Hauptsächlich diene da« warme Bad zurRei- n'gung, aber auch zur Beseitigung von Krankheiten sei eS im Gebrauch. Verschiedene andere Formen von Bädern haben eine geringere Bedeutung, obgleich dieselben in mannig. faltiger Wesse benutzt werden. Eine gute Bade-Anstalt muß große, gut ventilirle Räume enthalten, es müssen fich ein stets zu benutzendes Schwimmbassin, Brausen- und warme Bäder in derselben brfi-iden. Es aiebt»war bei uns praktisch eingerichtete Anstalten, aber sie sind in Privathänden und auch in genügendem Maße find fie nicht vorhanden. Die Kommune, speziell die Berliner Stadtverwaltung, kann sehr wohl nach dieser Richtung hin etwas thun und ich würde mich freuen, wenn diese Versammlung dazu den Anlaß geben sollte. (Lebhafter Beifall.) In der nun folgenden Diskussion sprach sich Herr Bader gegen Püvatanstallen, wie sie unter dem Namen „Berliner Volksbäder" hier existiren, aus. Wenn der Magistrat etwas schaffen wolle, dürfe er sich derartige ganz unzureichende Anstalten nicht zum Muster nehmen.— Herr Schmitz macht darauf aufmerksam, daß die Acrzte nur sparsam mit der Ver- ordnung kosttpieliger Bäder umgehen, und da der Arbeiter nicht die Mittel habe, müßten ihm in Krank heil« fällen solche Bäder feiten« der Stadt zur Verfügung stehen. Sache der Stadt- verordneten werde es sein, für die Errichtung dernothwrndige» Badeanstalten einzutreten. Herr Gottfried Schulz legte e« ebenfalls den Stadtverordneten ans Herz, nach dieser Richtung hin für Wohlfahrtseinrichtungen Sorge zu tragen. Herr Bade- anstaltsbefitzer Borchard hob hervor, daß die auf der letzten Ausstellung zur Schau gestellten Brausebäder, die als so vor- llfrtTiA frtrtrt»« Ctf--- A—— r Necylsanwau T..* J' Bebel: Ich erkläre, daß mene heutigen Ausführungen genau mit meinen früheren übereinstimmen, wenigstens dem Bebels von der Tridüne de« Reichstag« herab wichtig, weil sie übereinstimmt mit den Kundgebungen deS„Soz." und mir wcht wehr entgegengeholten werden kann, diese seien Renommage. Den Abgeordneten ist die Art und Weise de« Bei triebe« de«„Soz." gencu bekannt. 1886 sagte Bebel, der ?Soz." habe bedeutend an Austage gewonnen und e« konnte lede« beliebige Quantum verbotener Diuckschriften ungehindert M Deutschland eingeführt werden. Die Auffassung des Abgeordneten Bebel vom Freiberger Uttheil weicht von der de«„So»." bedeutend ob. Im Reichs- wg bot er zugegeben, daß ihalföchlich eine Organisation zur Verbreitung des„Soz." besteht. Nun müssen wir einen Schritt weiter gehen und sogen, an der Spitze dieser Qganssation "eht neben der Reduktion und Expedition de«„Soz."� die Vart> ivertrelung, denn c« handelt fich um Parteibroschüren. Wenn Bebel sagt, der„Soz." sei Purteikassenleeier, so ist er Neverstchk. Wir werden um Aufnahme de« Folgende« erfacht: Die Firma Methlow& Co. bringt in Nr. 302 de« „Berliner VotksblatteS" eine angebliche Berichtigung, in welcher sie behauptet, daß die vom Streikkomitee angegebene Summe(c i. 2000 M. Strafgeld jährlich) noch nicht den achten Theil betrage, und stellt e« so dar, als od die hierdurch ver- säumte Zeit noch mehr ausmache, wa« geradzu lacherlich ist, auch schweigt die Firma vollständig von den Straf. geldern der Lehrlinge und der Akkordarbeiter, sowie von allen übrigen Strafgeldern. Wir führen nun einige Fälle an, in welcher Weise da« Strafgeld abgenommen worden ist, und überlassen es den Lesern, abzuschätzen, wie hoch die Summe wohl in einem Jahre sein kann, wenn 40 Streckende von der Firma al« der vierte Theil ihre« Personals geschätzt werden, mithin 150 bis 160 Personen dort be- schäfligt sein müssen.— Daß den Lehrlingen Strafgelder abgenommen werden, halten wir für gesetzwidrig, und wollen weiter auf diesen Punkt nicht eingehen. Es tft vorgekommen, daß Akkordardeitern in einer Woche 1 M. 20 Pf. Strafgeloer abgenommen worden find für Zuspätkommen. So besagt ein Paragraph der Fabrikordnung, daß der, welcher Mittags 1 Hhr 5 Minuten noch schlafend angetroffen wird, 50 Pf. Strafgeld zu zahlen hat. So etwa« kann doch leicht vorkommen, da es den meisten Arbeitern nicht möglich ist, nach Hause essen»u gehen und da diese Arbeiter während der Mittagspause in der Fabrik verbleiben, so ist es passirt, daß an einem Mittag vier Mann schlafend angetroffen wurden, und mit je 50 Pf. bestraft worden sind. Das Rauchen ist verboten, ledoch wird das Strafgeld verschieden abgenommen. So bestraft man den Emen mit 3 Mark, wa« man ,edoch noch halbstündigem handeln auf 1,50 M. reduzrrte. Nebenbei bemerkt, rauchen d:e „„„— ,„„vpvwiu iurnuiecooer, vre al« so vor- i züglich sogar von Aerzten gepriesen wurden, ganz unzulänglich gewesen seien. Die Arbeiter habe man nicht aufgefordert, ihr irlheil abzugeben. Herr Apelt: Die Ardeiter müssen selbst mit aller Kraft für die Lösung dieser Frage eintreten, sie dürfen fich nicht auf die sogenannte Humanität einzelner Personen, die fich mit der Errichtung von Anstalten einen Namen machen wollen, verlassen. Hauptsache sei auch, daß den Arbeitern die nöthige Zeit zu Theil werde, andernfalls würden auch die besten Badeanstalten keinen Zweck haben. Stadlv. Vogtherr: Gerade in den ärmeren Stadtgegenden fehlen uns die noth- wendigen WohlfabrSeinrichtungen. Leider haben wir selbst er- leben müssen, daß der sonst so berühmte Dr. Virchow ge- äußert habe, die große Masse habe für derartige Einrichtungen noch kein Verständniß. Fall« der Herr Virchow Recht habe, wäre es doch feine Pflicht gewesen, mit seinen leinflußreichen Freunden für Aufklärung Sorge zu tragen. Für Kirchen, in die Niemand gehe, habe man Millionen aber für wirkliche Wohl- sahrlseinrichlungen sei nicht« übrig und werde auch fast nicht« gelhan.— Herr Sedade sprach fich in längeren Ausführungen im Sinne der Vorredner au«.— Stadlv rordneter Zubeil: Die neugewählten Stadtverordneten werden, sich ihrer Pflicht bewußt, entsprechende Anträge stellen, aber damit find dieselben noch nicht durchgeführt. Solche Forderungen müssen eist er« kämpft werden und e« ist daher nothwendig, daß sie stet» wieder von den Massen gestellt werden.— Herr Schwitz bemerkte noch, daß man die Errichtungen von Baderäumen in den Schulen wohl au« dem Grunde unterlassen habe, um nicht konstatiren zu müssen, daß die armen Kinder nicht einmal ein Hemd zum Anziehen haben. Man solle da« Lotteriegeld für die Schloß- fceiheit lieber für Badeanstalten anlegen.(Lebhafte« Bravo.) — Herr Krüger bemerkte, daß der Wissenschaft 6 er Vorwurf nicht erspart bleiben könne, daß sie nicht in genügendem Maße für die weniger bemittelte Bevölkerung eingetreten sei. Der ReichStagSabgeordnete Baumbach habe einmal gesagt, dir Krankheiten der Arbeiterkinder resultnten aus der Schmutzigkeit b«r Mütter. Der Herr hat augenscheinlich keine Ahnung von der Lage, in«elcher sich die Arbeiterfrauen befinden, andernfalls hält« er sicher aus Schamgefühl eine derartige Acußerung unterlassen.— Frau Strgemann schildert dre traurigen Verhältmsse der Arbe-terfrauen, welche unter den ob« waltenden Verhältnissen nicht einmal Zeit zum Reinigen ihrer Kinder haben. Der genannte Herr ReichStagSabgeordirete würde gut thun, sich erst einmal über die Wohnungen und sonstigen Verhältnisse der Arberterfrauen zu informiren, bevor er zu solchen beleidigenden Redensarten über dieselben schreUe. — Sin Antrag, den Uberschuß der Tellersammlung den streikenden Luckrnwalder Arbeitern zu überweisen, wurde ein- stimmig angenommen, ebenso wurde beschlossen, den 1. Mai 1890 zu einem allgemeinen F i-rtag zu erklären. Dt« Freie Vereinigung der Lohgerber und Feder- Zurichter h elt am Sonnlag, den 22. d. M-, eine Verlamm- lung ad. Die Tagesordnung war: VereinSangelegenheiten. Da mehrere UnterstritzungSgesuche eingegangen waren, wurden dieselben zuerst erlediot. Kollege Keßler ersucht, den Kollegen Rennefahrt zu unterst üben, da derselbe krank und voraussichtlich längere Zeit arbeitSuntähig ist. Der Antrag wurde abgelehnt, da R. schon lange nicht mehr Vereinsmitglied ist nur zur Zeit de» Streiks beigetreten und dann nach kurzer Zeit wieder aus- getreten ist. Sodann verliest der Vorsitzende zwei Schreiben der Wiener Kollegen, eins an die Berliner Kollegen und eins an dw Meisterschaft. Die Wiener Kollegen haben«inen Gesangverein gegründel und wünschen, t a sie sich eine Fahne anschaffen wollen, und nicht allem die Mittel dazu aufbringen können, daß die Bertiner ihr Scherflein dazu bertragen. Diesem Wunsche wmde nicht staltgegeben, da die Berliner für solche Sachen sich nicht erwärmen können. Im anderen Falle, wenn es sich um Ge- werkschastliches handelt, sind sie zu jeder Zeit brreit, zu unter- stützen. Den streikenden Hutmachern in Luckenwalde wurden 50 M. aus der Vereinskasse, außerdem eine Sammlung m den Werkstätten bewilligt. Den streikenden Leder färdern in der Fabrrk von Mey?r wurde eine Listensawm ung bewilligt. Dm noch im Ausstände befindlichen Ziaarrenmachern Berlins wurden, fall« sich dieselben an dm Verein wmden, 30 Mark zur Verfügung gestellt. Em Antrag, am 22. Februar einen Maskenball im Schweizergartm zu arrangirm, wurde angmommm und em VergrüzungSkomitee gewählt. Zum Schluß wünscht der Vorfitzende den Kollegen ein frohe« neue» Jahr und ersucht die Kollegm, auch im neum Jahr für dm Verein zu agitirm. GW« Uersammlirng de» Allgemeinen Metall- aedetteenerew* Flerltns und Umgegend fand am Freilag, dm 27. Derember, Vormiuag« 11 Uhr, in der Norddeutschen Brauerei statt, in welcher Herr W. Werner Übet: Internationale Fabrikgesetzgebung einen Vo, trag hielt. Redner sprach sei« Bedauern darüber aus, daß sich die meistm Regierungm der Aaffordeiurg der Schwei, gegenüber, sich an der inter- nationalen R-geluvg der Arbeiteischutzgcfltzgebung zu betheiligen, ablehnend verha'tm hätten. Er hält e« doch für fraglich, ob das §ia«ko in der Wohlgewuth-Affaire für die dmt'che Regierung rund genug gewesen, dieser wichtigen Angeleger hnt ihre Ml- Wirkung zu versagen. Die Diplomat, e vergißt es, daß auch sie dem Kapitel gegenüber machtlos ist. Das Kapital entscheide schon Wer Krieg und Flieden, und alle noch so vortheilhastm diplo- matischm Autklügelungm verlieren ihren Werth, wmn die Rochschilde und BleichiöderS dm fast bau ke» ölten Staaten das «eld ve weigern würden. Das immer größere Anwachsen des Kapital« in einzelnm Händen habe die große Unsicherheit der Existmz zur Folge, unter der am meisten der Arbeiter leid«. Da« Kapital habe durch die Dienstbarmachung der Ma chine dieselbe anstatt zur Kulturträgerin zum Feinde de» Arberters gemacht, indem sie ar« Lohndrückerin und als Ver- drängerin de« Arbeiter« auftritt. Redner führt hierauf einige Beispiele au« der Textilindustrie an, wie im Laufe weniger Jahr«»tele Tausende von Arbeitem durch die Maschine brotlos wurdm. Solche Zustände f-,en nicht die Schuld em, einer Kapitalistm, sondern der gesammten kapital, stischm Produktion»- weise. Wenn auch dieser oder jener Fabrikant ein größerer Ausbeuter semer Arbeiter sei, so sei jedoch auch selbst der humanste Arbeitgeber nicht im Stande, Rrmedur zu schaffen, wmn er nicht selbst zu Grunde gehm will. Es ist daher Pfl cht der Gesammlheit, durch eine Fabrikgesetzgebung die Ausbeutung d« Arbeiter durch das Kopital zu beschränken. Da jedoch die Regierungen sich dem gegenüber ablehnend verhalten, ist es Pflicht der gesamten Aiberterschaft, immer dringender dazu aufzufordern. Diese Fabrikgesetzgebung müsse vor allm Dingm die Brschrä- kung der Arbeitszeit auf da« möglichst niedrigste Maß als erste Bedingung anerkennen. Es werde zwar durch die- feibr nicht erreicht werden, daß die Arbeiierklasse sich ganz wohl fühlt, dies werde erst der Fall fein, wmn sie von der Aui- bmtung durch da« Kapital befreit ist; jedoch wäre sie eine wichtige Errungenschaft, wozu sich die A-beiiec aller Länder die Hand reichen müßtm, da von dem künstlich aeschürtm Bruder- haß der Völker untrr einander bei der Ardeiterktasse keine Spur tu finden sei. Redner schließt mit dm Wortm:„Lassm wir also den Firlefanz der Nalionaütät und stehen und fallen «it mil dm Bestrebungen zur Erlösung der Meuschheil."(Leb- hast-r Beifall.) Koll. Klein sprach im Sinne des Refermtm, worauf derselbe in fernem Schlußwort noch b-sondei« auf dm 1. Mai n. I. hinwies. Hierauf oertagte der Vorsitzerde die Verfamm« lung dedufa Aufnahm« neuer Mitglieder um 5 Minuten. Zu Verfchlrdmem theilt Kollege Lufin mit, daß durch Erkrankung zweier FachtommilsionZmitglieder dieler Kommission einige Kräfte fehlen. Da dieselben in der am 12. Januar stallfindmdm Generalversammlung gewählt werden sollen, wäre eS envünfcht, wmn sich 2 Mitglieder frerwilllg zur Uebemahme der b uresfei dm Funktionm meldm würben. Ferner macht Koll-ge Lufin darauf aufmerksam, daß heute der Jahre»- tag der t sten Versammlung im Norden ist. Der Verein habe sich in diesem ersten Jahre kräftig entwickelt und werde sich auch femerhm als eine zielbewußte und thatkräftige Organisa- tioa b thatigen. M t einem bezestert aufgenommenen Hoch auf Eine große öffentliche Versammlung der in der Kelfenfadrillatio» beschäftigt«« Arbeiter tagte am Sonn- abend, dm 28. Dezember, m Joe 6 an'S Salon, Neue Grün- straße28.'Die Tagesordnung lautete: 1.„Werth und Nutzen der Gewerkschaft� Organisation". Refer.: Herr F. Krüger. 2. DiS- kusfion. 3. Berschiedme«. Zu Leitern der Versammlung wur- dm die Herrm Hopp, Christian und Hoffmann gewählt. Da der Referent verhindert war, zu erscheinm, so sprach an seiner Steve Herr P. L ifin. Derselbe behandelte zunächst die Orga- nisationen im Mittelalter, die sogenannten Zünfte, und wreS nach, daß dieselben auch nicht im Entsemtestm mil dm heutigen Arbeiterorganisationen zu vergleichen warm. Redner wie« auf die einzelnen Stadien hin, welche die Arbeit durch« Semacht habe. Die feudale Gesellschaft mußte ver- hwindm, e« kam die bürgerliche Gesellschaft, deren Kennzeichm die kapitalistische Produktionsweise ist, die« selbe nicht mehr mit dem Sklavm oder Leibeigmen auskommen konnte, fondem einen vollständig unabhängigen Aibnter haben mußte. Man machte den Arbeiter in politischer Hinsicht unab- HSng'g, in wirthschaftlicher Hinsicht war er dem Unternehmer wiederum preisgegeben, weil die Arbeit ohne den Besitz an Produklronsmi'.tel nicht vollzogen werden kann. Es ist mcht möglich, daß es so weiter geht; der Arbeiter müsse aufwachen aus seinem Schlafe, er müsse sich organifuen, denn nur so ist es dem Arbeiter möglich, dem Kapital sich gegenüber zu stellen und gegen dasselbe an-ukän'p'en. Orgarjsirt sind wir alles, vereinzelt machtlos. Beifall lohnte den Rcdner für seine Aus- führungm. Eine Dislusion fand nicht statt. Dagegen rief der 3. Punkt der Tagesordnung:«Aufnahme neuer Mitglieder m den Verein der Seifmfabritarbeiter", eine ungemein lebhafte Diskulsion hervor. Man machte geltmd, daß der Verein nicht in der Oeffmtlichkeit gegründet ist; womöglich rieche das Statut gar nach Innung u. f. w. Hier>u fprachm die Herren Tilger, Christian, Lodsch, Lambrechl, Wermann, Lufin und Hossmann. E« wurde geltend gemacht, solle es ein Ärbciler« verein sein, so brauche derselbe die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen. Man möge heute eine StatutmberathungZ-Kommission wählen; dieselbe möge dann eine Versammlung einberufen, und ist das Statut annehmbar, dann könne der Verein sich konstituiren. Dementsprechend wurde eine Fünfer-Kommrsfion, bestehend aus den Herren Hoffmann, Tilget, Hopp, Lodsch und Köpler, gewählt. Ferner wurde einstimmig beschlossen, den 1. Mai als Fiiertag zu prok amiren. Von Henn Pusch wurde der Anttag gestellt, nur in solchen Lokalen zu verkehren, wo die �Berliner Volts- Tribüne" und das„Berliner Volksblatt" arslieaen. Derselbe nurde einstimmig angenommen. Hierauf schloß oer Votsitzende die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf die Bwegung der Seifenfadrikarberttr und die inter- nationale Arbeiterbewegung. Zwei Millionen Patronentasche«, sowie eine größere Anzadt Ausrüstungsgegenstände, da« war am dritten Feiertage das Thema, mit welchem die Jnnungsmeister der Sattler-, R-emer- und Täschnerinnung sich beschäftigten und darüber Beschluß zu fassen beabsichtigten, wie viel sie von dieser Summe übernehmen wollten. Der Schlußtermin hierzu ist auf den 4. Januar festgesetzt. Die ganz« Angelegenheit war, trotzdem in den großen Fabriken schon seit längerer Zeit für obige Gegenstände Proben gemacht wurden, sehr verschwiegen betrüben, damit die Gehilfen nicht vorzeitig hiervon Kennwiß erhielten, um etwa hierzu Stellung zu nehmen. Hoffentlich wnd letzteres dennoch nothwendig sein, da die Atkordpreise in den Mil>tär- werkstellen derartig gesunken sind, daß nach Mitthetlung von glaubwürdigen Kollegen ein tüchtiger Arbeiter auf 2 M. täglich kommt. Hoffentlich dienen diese Zeilen dazu, um die Kollegen, w lche in der Bewegung stehen, zu veranlassen, dafür zu wnken, daß es im neuen Jahre mit unseren Löhnen uud Aktordpreisen, sowie mit der Regeluno der ArbeitSzeii� besser wird. eaAvmin»-» in tinb nnm. trieb» b»- sch iiftipt,« Arb,tt»r. Heute«d-rb 9 Uhr im Verein! ioiol Srnenfin 16, Emvetlei seier, desteterd in muslkalitcd dlliomatoriichen Bontigen und Tarz, Fiernide de« Veieini tä-tien dmch Mitglieder eingiWel weiden und hoben 80 Pf zu enf'ickien Um zaHIeeiibe Tdeilnabme wild ersucht Di» Wltr.lUdrr t>,» deutsch»» Och»»i»-r v»»ba«d»«, sowie alle Kollegen, mit Damen werden gebeten, am 2, Neujzh«lag zur aemlltdlichen Adendunterdoltung, K üozch'N, Weidnachribeichcerung u. s, w, bei Hofsmann, Zeniralseftsai». Oranier.slr, 180, zu erscheinen, VsrmiyHkes. Der kürzlich«erstorbene Dr. Hermann Krehmer ist auck politisch eine Z-it lang hervoigeirelen. Am 14. August 1876 zu Kurisch in Pr. Schlissen geboren, studirtr er zuerst in Breslau Naturwissenschaft, dann in Berlin Medizin, und de« therligte sich aktiv an dcm 48 er Aufstande; er ist einer von denen, welche dama'S mit auf den Barrikaden gekämpft haben. Er wurde kriegsgerichtlich verurlheilt, und nur einem ganz besonderen Zufall verdankte er eS, daß er mit dem Leben davon kam. 1854 promovirte er zum Dr. med., und schon in seiner PromotionSschrift beschäftigte er sich mit der Frage der Lungenschwindsucht. Er begründete dre Höhentherapie für diese Krankheit, denn er wie« nach, daß die Schmindsuckt. die da- mals noch allgemein für unheilbar galt, unter dem Einfluß des Höhenklimas geheilt werden könne. 1856 gründete er nach seinen Prinzipien die erste Heilanstalt für Schwindsüchtige in Görbersdorf; die Regierung versagte zwar anfangs dem an- rüchigen Demokraten die Genehm,«ung; allein auf besonderes Andringen Professor SchönleinS gab man endlich nach. Eine eizenthümliche Fügung des Schick- sa s wollte, daß vor einigen Jahren die Tochter des da- maligei M nisters, der Bcehmer so feindlich gesinnt war, Breh« me S Anstalt besuchte, und zwar mit gutem Erfolge. Seine Erfahrungen und Theorien hat Brehmer in zwei Weiten nieder- gelegt: der„Aciiologie der Lungenschwindsuchi", 1885, und der „Therapie der Lungenschwindsucht", 2. Auflage, 1889. Seiner Heilanstalt, die sich aus den bescheidensten Anläaaen von Jrhr zu Jahr vergrößerte bis zu ihrem j tz'gen bedeutenden Umfang, stand Brehmer bis zuletzt vor, und dieselbe soll auch jetzt in seinem Geiste weiter verwaltet werden.— Besonders hervorzuh-ben ist der außerordentliche Eharakter des Mannes; während so viele von denen, die früher dasselbe erstrebten, sich in den Dienst der Reakiion begaben, war er einer der Wenigen, welche fest an ihren alten demokratischen Idealen hielte», trotz- dem er infolge dessen mit sehr großen Schwierigkeiten in seinem Beruf- zu kämpfen halte, die ihm von allen Seiten in den Weg geleat wur'en. Gin lebendes Mahrzeich««»o« München ist dieser Tage verschwunden! In der Nähe der weltberühmten Mün- ckener Bierquelle, des königlichen Hosbrauhauses Am Plötz?, befand sich ein kleiner Uhrmacherladen, welcher tagtä Och das Ziel von Hunderten war, die sich dort Rath über das Wetter und— das Bier holten. In dem kleinen Laden saß näm- lich ein Mürchener Original, der Uhrmacher Falk, dessen behäbiges, jov ales Aeußere zahlieiche Verwerthunq in der cr von dem Münchener Publikum als eine Autorität betrachtet wurde, so daß seine Werterprophezeihunam mit den Vorher- sagungen der königlich boyerischen meteorologischen Wetter-- Prognose erfolgreich tonkmriren konnten. Das andere Bulletin behandelte die Frage der„guten Biete", von welcher Wissenschaft unser Falk sehr viel verstand. Es war gesunder Naturhumor in diesen„Publikationen" und offenbar hat dieser Bier- prcphet ferne Berw ssmichalt mit dem Tode bezahlt; er ist jetzt, erst achtundsünf.ig Jahre alt, gestorben. Die Zeitun.zen des Münchener kleinen Mannes besprechen den Tod dieses Volksmannes, wie etwa andere jenen der größten Männer der W ssenichaft. Hatton-garde«, das Quartier der Diamante«- händter Londons, war am Dtenflag vir Szene eines kühlen RaubaltentatS auf einen Briefträger. Als der Briefträger Smalb y, der eine 20j..hrige Dienstzeit hinter sich hat, ferne erste Morgenstunde machte, halte er in dem Hause Nr. 10 genannter Straße tiren eingeschriebenen Blies an einen ge- wissen James C-oSby abzuliefern, der im zweiten Srock verk «in kleines nur ipörlich möblirteS Komtoir rnne halte, Der Brief trug den Poststempel„Calais". Wahrend Cwsby das Rezeipisse unterschrieb, wurde Smalley rücklings hon zwei Männern überfallen, die rhm vir Kehle zuschnürien, bis er die Besinnung verlor. A-S der B iefnäger wieder zum Bewußisein gelangte, fand er sich in dem Zimmer allein und eingeschlossen. CroSby und seine Hesser-helfer waren verschwunden und mit ihnen der Briefbemel Smollry's, in welchem sich außer einer «reißen Anmhl von Briefen 47«ingesch'iebene Brieft und Packele befanden, welche Geld sowie Diamanten aus Kapstadt und, wie später ermittelt wurde, auch«in D amanter Halsband im Werthe van 5000 Pfd. St. aus Frankreich enthielten. Smallry zerbrach vre Glasscheiben der Tyüre, befreite sich und schlug Lärm, ober die Räuber maren mit ihrer Beute entkommen. Dre Polizei fahndet auf Cro by, dessen Sig- alement oeröffent- licht ist. G ückucherweise war der giößere Thal der Kuppost schon am Abend vorher ausgegeben worden, sonst wäre die Beute der Räuber noch reicher gewesen. Dre Höhe des Ver» lusteS ist noch N'chi genau festgestellt. Die im Sommer v. I. durch furchtbare Ueber- fchmemmungrn fast gänzlich zerstörte Kt»dt Iobusto»»« in Penniyloa ren war om Dienstag Ave. d ve Schonplatz einer neuen Kalast ophe, worüber eine New- Dorker Kabet- d'pesche des N'Utei'ichen Bureaus Nachstehendes berichtet: „Eine von enlsitzlichen Fo gm begleitete Panik ereignete sich g-ftern(Dienstao) Abend rm hiesigen Park> Theater. Gegen Schluß der Vo-stellung— es wurve das SmsottonS- Drama„Onkel Tom'« Hütte" gegeben— erscholl plötz- l'ck der Ruf„Jeuer!" und das ganze aus etwa 800 Personen bestehende Publikum strömte dem Ausgange zu. In den engen Korridoren, sowie auf der schmalen Treppe, welche den� HauptouSgang bildet, entstand ein surcU» dareS G. dränge, welches noch dadurch verschlimmert wurde, daß zahlreiche Personen von außerhalb in das Theater hin- ein wollien, um womöglich ihre Ängebörigcn zu retten. Zwölf Personen wurden auf dec Stelle buchstäblich erdrückt und fünf sind sritd-m an den erbalimen Verletzungen gestorben. Die Zahl der Verletztm beläuft sich auf nahezu hundert. Augenzeugen schildern d,e S,men als fürchterlich. In die Hilferufe der V-rietz.'m mischte sich das Gekreisch der von Entsetzen erfüllten F oaen' und Kinder, wie denn überhaupt dos Publikum zumeist aus Weibern und Kindern zusammengesetzt war. Das Gebäude war vor 12 Jahren wegen seiner G-fäh lichkeit im Falle einer Panik geschlossen, aber jüngst an Stelle des von dm F'uihen im Juni d. I. wegge issmea neuen Theaters wieder eröffnet wm dm. Der Fmerlärm wurde durch dm Umstand veranlaßt, daß in einem an das Tyeater anstoßmdm Pferdestalle Jeuer ausgebrochen war." Dextsfchsn. (Motff'e Setegrapheu-Kurenn.) GlberfeU», 30. Dezember. In dem hier verhandelten Sojialinmpio»tsse ist heute die Verkündigung des Urtheils erfolgi. Von den Angeklagtm wurden der Konditor Fmke zu U Jahren, Harm zu 6 Monat, Röllinghof, Bierenfeld, Neu- mann zu je fünf, Hüttenderger und Bartel zu j- vier Monat Gefängniß verui theilt, eine andere Anzahl Angeklagter eihieli kürzere Ge'angnitfltraferi bis zu 14 Tagen hrrunter. 43 Angeklagte darunter Bebel, Grillenberger und Schumacher wurden freigeftrockea. Canrteroi, Montag, 30. Dezember. Der Streik der KobOn�lubenardeiter hat weiter zugenommm, die Zahl der Streikenden beträft gegmwärtig gegen 17 000. Die Ruhe wuroe nirgends gestört. Der Gouvcm.ur von Hmnegau ver« hon elte-heute mit Delepirtm der Arbeiter und der Arbeit« gebe.- zum Zwecke einer Verständigung.