Ur. S. Freitas, den S. Januar 1890. T. Jahrg. IfriinerHolkslilöll Brgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt" Jnsertioosgebühr erscheint täali» MornenS außer nach Sonn- und Festtagen. AdonnemcntSpreiS für Berlin frei betragt für die 4gesvallene Petit�eile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlung«- in'S Haus vierteliährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer Anzergen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt* 10 Pf. Bei Abholung aus unser« Z'mmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Srvedition �immerftraße 44 1 Mark pro Monat. Postabonnemen, 4 Mark pro Quartal. D,e Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892.) Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. f5* da« Ausland: Täglich uuter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mari pro Monat.—-* F-rusprecher: Amt VI. Ur. 4106.,- Aevsktton: Veuihfirtttze— Expedikion: Jimmerstratze 44. Gin Vuckvttck unt� etn � Die deutsche Arbeiterklasse hat alle Ursache,' auf da« Jahr 1889 mit großer Befriedigung zurückzublicken. Seitdem es eine Arbeiterbewegung in Deutschland giebt, ist noch nie die Macht derselben in solcher Weise in den Vordergrund getreten, als in dem nunmehr verfloffenen Zahre. Materielle und noch mehr moralische Erfolge weist dasselbe in Hülle und Fülle auf; ei bildete einen ununterbrochenen Siegeslauf, in welchem die der Bewegung zu Grunde liegenden Ideen auch den herrschenden Klassen in einer Weise zum Bewußtsein kamen, wie nie zuvor. Die Jahrzehnte lange stille Arbeit für die im Interesse der Arbeiterklasse in die Erscheinung tretenden Ideen, sie ist endlich zum Durchbruch und zur Geltung gekommen, die Massen haben diese Ideen erfaßt, und sie werden sie trotz aller Hindernisse zu verwirklichen streben und zu verwirk- lichen wissen. Der Beweis ist wieder einmal glänzend erbracht, daß alle Geistesarbeit, so unfruchtbar sie anfangs oft erscheint, doch endlich fruchtbaren Boden findet und hundertfältige Früchte bringt, wenn die ihr zu Grunde liegenden Ideen dem Geist der Zeit entsprechen, ein in der Gesellschaft vorhandenes, wenn auch noch schlummerndes Bedürfniß befriedigen. Das aber sind die Ideen, wie sie seit vollen zweiund- einhalb Jahrzehnten die deutsche Sozialdemokratie als Bannerträgerin und Vorkämpferin der deutschen Arbeiter- llasse vertritt. Die Arbeit von der Kapitalherrschaft zu befreien, die Macht der letzteren zu brechen und an Stelle einer Gesell- schaft von Herrschenden und Unterdrückten eine Gesellschaft von Freien und Gleichen zu setzen, in der der Menschheit höchste Ziele zu fteier, bisher ungeahnter Entfaltung kommen, das ist das Ideal, das heute die Arbeitermassen ergriffen hat, das immer mehr ihre Seelen erfüllen wird, und das sie anspornt und vorwärts treibt zu kämpfen und wenn nöthig zu leiden, bis der Sieg, der ganze Sieg errungen ist. Die Gewißheit, daß es so kommen wird, so kommen muß, liegt begründet in den Zeichen der Zeit, die ringsum sich uns bemerkbar machen. Die bürgerliche Gesellschaft im Zenith ihrer Macht und ihre« Glanzes angekommen, ist in der Abwirthschaftung be- griffen. Rascher als sie emporgekommen, geht sie zu Grunde. Erzeugt sie doch mit jedem Schritte nach vorwärts immer zahlreicher die Bedingungen ihres Unterganges. Ihre Ent- Wickelung ist ihr Tod. In ihrer höchsten Blüthezeit arbeitet sie am eifrigsten an ihrer eigenen Vernichtung. Jede Prosperitätsepoche, ein Triumph ihrer selbst, bereitet ihr zugleich das Grab, das sie sich selber gräbt. DaS hat sichtbar vor aller Augen erst wieder die letzt- jährige Entwickelung gelehrt. Das Geschäft blühte wie seit Femlletmt. wtatdrnck vniolcn.]_ 03£* m i n a l« «»ziolec Rv«a» v»« Emile Z« la. Einzig«ltorifitte Uebersetzunz o«, Ernst Siegle,. Souvarine schritt gesenkten Haupte» auf dem Rasen dicht am Rande de» WasserS, mit der schwindelfreien Sicherheit eines Mondsüchtigen. Plötzlich fuhr ein Schauer durch seinen Körper, als wenn er einem Schatten be- segnet wäre; er erhob da« Auge; sein Geficht ward sehr �„Hab' ich Dir erzählt, wie sie gestorben ist?" ftagte er. „Wer?" „Meine Frau, in Rußland." Stephan war erstaunt über die zitternde Stimme seine» Freundes und über dessen plötzliches Bedürfniß sich mitzu- theilen, während er sonst so verschlossen war und so loSge» löst schien von Allem und von sich selbst. „Die Sache war mißglückt," fuhr Souvarine fort, jetzt die Augen in die bleich dahinrollende Fluth vertieft.„Wir waren zwei Wochen lang m einem unterirdischen Loch ver- steckt gewesen, um eine Mine unter dem Schienenweg der Ersenbahn zu graben... Statt de» ExtrazugeS mit dem Kaiser ging ein gewöhnlicher Personenzug in dre Luft... Da wurde Annuschka arretirt. Sie hatte unS als Bäuerin verklerdet jeden Abend Brot gebracht; sie war es auch ge- wefen, welche die Lunte angezündet, denn ein Mann wäre zu sehr aufgefallen... Ich wohnte dem Prozeß in der Menge versteckt bei; er währte sechs lange Tage..." Ein Husten unterbrach ihn, als würge es ihm den Hals:» langem nicht, es gab Dividenden, die bis dahin für märchen- Haft galten. Ein Betrieb um den andern wurde erweitert, zahlreiche neue wurden gegründet und noch ist diese Bewe- gung nicht zum Abschluß gekommen, die die Brust der Herr- schenden Klassen mit Hochgefühl erfüllt und sie wähnen läßt, daS goldene Zeitalter fei gekommen, in dem es keinen Krach, keine Ueberproduktion, keine Massennoth und kein Massen- elend mehr gebe. Aber die Kehrseite der Medaille bildet den massen- haften Zusammenbruch der mittleren und kleinen Existenzen, als Folge des kapitalistischen AufsaugungSprozesies; die Vertheuerung der Lebensmittel als Folge der kapitalistischen Ringe und Monopole. Und die Folge hiervon ist die zu- nehmende Erkenntniß in den dem ökonomischen Untergang geweihten Schichten, daß all ihr Hoffen auf Rettung ver- geblich ist, daß es für sie keine Hilfe mehr giebt. Erkennend, daß sie die Vergangenheit nicht mehr her- aufbeschwören können, die Ohnmacht derer einsehend, auf die sie in der Gegenwart gehofft, werfen sie sich als Pessimisten der Sozialdemokratie in die Arme, er- klärend: nützt es nichts, schadet eS auch nichts, besser ein Ende mit Schrecken, als etn Schrecken ohne Ende. Gar viele dieser Hoffnungslosen wurden und werden später die eifrigsten Apostel des Sozialismus, nachdem sie erkannt, daß nur er der Löscr aller Fragen ist. ES ist die alte Geschichte vom SauluS, der zu einem Paulus wird. Anders mit der Arbeiterklasse. Ein klassenbewußter Arbeiter wird mit Naturnothwendigkeit Sozialdemokrat, Senau so wie ein klassenbewußter Bourgeois Liberaler oder konservativer sein muß. Daß jeder Arbeiter gewissermaßen ein prädestinirter Sozialdemokrat ist, erkennt die Bourgeoisie selbst dadurch an, daß sie jeden selbstständig handelnden und denkenden Arbeiter als Sozialdemokraten denunzirt und be- handelt. So wurden Taufende al» Sozialdemokraten behandelt und für solche ausgegeben, die es noch nicht waren, aber eS dann logischerweise wurden. Jahrzehnte lang haben die herrschenden Klassen, Be- sitzer aller AufklärungS- und Bildungsmittel, diese ihre geistige und materielle Macht benutzt, die Sozialdemo- kratie den Arbeitern als ihre größte Feindin hinzustellen. Bis zu einem gewissen Grade mit Erfolg. Aber das Eis ist endlich gebrochen, und die Arbeiter- klaffe fängt allerwärts an, in der Sozialdemokratie ihre beste Freundin und ihre eifrigste Vorkämpferin zu erblicken. Ein Hauptverdienst fällt hier bei dem Sozialistengesetz und seiner Handhabung zu. Es heißt viel Bornirtheit bei dem Arbeiter voraus- setzen, ihm die Sozialdemokratie als seine schlimmste Feindin darzustellen, die man ausnahmegesetzlich verfolgen müsse, und dann sich hinstellen und in Thronreden, Gesetzentwurfs- motiven und Parlamentsreden eben dieser abscheulichen Sozialdemokratie einen„berechtigten Kern" zuzusprechen und das zu verwirklichen zu versuchen, wa« sie wenigstens in der Idee seit Langem verlangte. Dieser Widerspruch ist so greifbar, daß eS auch dem beschränktesten Arbeiter einleuchtet. Erkennt man die Sozial- demokratie wenigstens theilweise als berechtigt an, verwirk- licht man einen Theil ihrer Ideen, ist da nicht die Wahr- scheinlichkeit, daß sie auch im übrigen Recht hat, und ge- bietet da nicht das nächste Interesse dem Arbeiter, sich dem- jenigen anzuschließen, denen er in erster Instanz zu verdanken hat, was man ihm gewährte? Und dann haben alle diese Erörterungen seit Jahr und Tag in Zeitungen, Broschüren, Vereinen, Versammlungen und Parlamenten wiederum dem gleichgiltigsten Arbeiter am eigenen Leibe demonstrirt, daß er in einer traurigen Klassen- läge sich befinde, und daß er ein Recht habe, vom Staat die Verbesserung dieser Klassenlaae zu forder». Da« predigen jetzt jene selbst, die wegen dieser Lehren die Sozialdemokratte bekämpfen. So entstand die geistige AthmoSphäre innerhalb der Arbeiterklasse, begünstigt und unterstützt durch die unausgesetzte Arbeit der Anhänger des Sozialismus in Fabriken und Werkstätten, die im ver- flossenen Jahre in so selbstbewußter, Freund und Feind überraschender Weise überall in Deutschland sich geltend machte. Den materiellen Boden für diese Bestrebungen lieferte die ökonomische ProSperitätSepoche, die es überall den Ar- beitern zum Bewußtsein brachte, daß sie, die Haupterzeuger und Schaffer aller Werthe, ein Anrecht hätten, von dieser günstigen Konjunktur zu profittren und ihren Anwendern die alleinige Eiusackung des gesteigerten Gewinnes streittg zu machen. Wie der Same in der Natur nur aufgeht, wo er auf entsprechenden Boden fällt und günstige EntwickelunaS- bedingungen findet, so auch der Same, den eine geistige Be- wegung ausstreut. Wie die ökonomische ProsporitätSepoche der sieben- iger Jahre einen vielen unerwarteten Aufschwung der ozialistischen Bewegung zur Folge hatte, so die Prosperität?- epoche der achtziger Jahre. Jeder Kampf bedarf eines materiellen Rückenhaltes ohne den er nicht zu führen ist. Menschen in gedrückter, materieller Stellpug und abhängigster Lebenslage werden immer die größten Sklaven ihrer Unterdrücker fein, auch wenn sie noch so sehr das Bewußtsein ihrer traurigen Lage haben. Um den Kampf zu führen, bedarf es eines gewissen Gefühls der Unabhängigkeit, des Bewußtseins, in der und der Stellung absolut nothwendig, vielleicht unentbehrlich zu sein, um den moralischen Muth zum Widerstand zu stnden. Der ist für die Arbeiterklasse in Zeiten wie die gegen- wältigen und wie sie im Jahre 1889 fast überall vorlagen, gegeben. Und haben dann die Ideen sür die Emanzipation der Klasse Zeit gehabt sich auszubreiten und Boden zu fassen, so werden Erscheinungen auftrete«, wie wir sie in der Ausstandsbewegung der deutschen Bergarbeiter erlebt, und „... Zweimal wollte ich über Alle hinweg zu ihr stürzen. Aber wozu hätte eS gedient? Ein Mann weniger ist ein Kämpfer weniger. Ich las auch in ihren großen starren Augen, wenn unsere Blicke sich begegneten, daß sie mir nein sagte.. Er hustete wieder. „Am letzten Tage war ich dort auf dem Platze. ES regnete... Die Dummköpfe verloren den Kopf, weil sie naß wurden... Sie brauchten zwanzig Minuten, um vier Andere zu henken; beim Vierten riß der Strick..... Annuschka stand und wartete, bis an sie die Reihe kommen werde... Sie sah mich nicht; sie suchte mich in der Menge. Ich stieg auf einen Stein; sie erblickte mich, und uns ere Augen haben sich nicht mehr verlassen. Als sie todt war, sah sie mich immer noch an. Ich schwenkte den Hut und ging fort." Sie schwiegen von Neuem, gingen lautlosen Schrittes dahin, Jeder wieder in seine eigenen Grübeleien versunken. Der blasse Kanal strich zwischen der bläulich schimmernden Säulenflucht der hohen Pappeln gemach zum Horizont; dort schien der schmale Wasserstreif durch eine helle Oeffnung in'S Firmament zu versiegen. „Dies war unsere Strafe," fuhr Souvarine leise fort. „Wir waren sträflich, weil wir liebten... Ja eS ist gut, daß sie todt ist; es werden Helden aus ihrem Blute auf- erstehen, und ich bin nicht mehr feig... Nicht«, keine Eltern, kein Weib, keinen Freund, nichts, daS die Hand zittern macht, wenn der Tag gekommen ist, wo eS heißt, das Leben der Andern nehmen, oder daS eigene ver- lieren." Die Nacht wurde kühl. Stephan fröstelte, er blieb stehen: „Wir sind weit, wollen wir heimkehren?" Sie gingen zurück. Nach einer Weile fragte er: „Hast Du die Plakate gelesen?" Die Kompagnie hatte am selben Morgen eine neue Bekanntmachung ankleben lassen, in welcher sie sich deutlicher und versönlicher zeigte, die Arbeitsbücher zurückzunehmen versprach und all Denen, die am nächsten Morgen einfahren würden, selbst den am meisten Kompromittirtea vollständiges Vergessen zusagte. „Ja! „Und was denkst Du darüber?" „Ich denke, es ist zu Ende; die Heerde wird wieder einfahren, denn Ihr seid Alle zu feig." Stephan entschuldigte die Kameraden: „Ein Mann kann tapfer sein; ein Volk, welches vor Hunger verkommt, ist ohne Kraft!" Sie waren bis zum Voreux gelangt. Vor den schwarz- schattigen Massen der Grube Hub Stephan wieder an, schwor, er werde niemals einfahren, doch verzeihe er denen, die es thun würden. Dann fragte er, ob es wahr sei, wie man erzähle, daß die Zimmerleute nicht Zeit ge- habt, die Holzverdämmung de» Schachtes gänzlich zu repariren, so daß da» gegen die Verzimmerung drängende Wasser die Balken gebogen habe und die Förderschale sich auf einer Länge von fünf Metern an dem herausgetriebenen Holze reibe? Souvarine antwortete finster, dies sei der Fall; die f ördermaschine verdoppele an dieser Stelle bei der Aus- und infahrt die Geschwindigkeit. „Siehst Du, wie sich die Grube verdirbt!" flüsterte Stephan.„Wie leicht könnte Alles zu Grunde gehen! Welch ein Fest!" Die Augen starr auf die im Dunkel versteckte Mine ge- he fixt, entgegnete Souvarine: „Wenn das passirt, werden die Kameraden dabei sein, denn Du räthst ihnen ja, einzufahren." ES schlug neun Uhr am K»rchthurme von Montsou. wie sie in hundert und aber hundert Fällen, wenn auch auf kleinerer Stufenleiter, in fast allen Gegenden und Industrien Deutschlands sich gezeigt. Die kurzsichtigen und interefsirten Gegner dieser Be- wegungen sind dann rasch bei der Hand, die Anklage gegen eine bestimmte Partei zu erheben, die überall ihre Hänve im Spiel gehabt und mit gottähnlicher Allwisienheit und mit gottähnlicher Allgegenwärtigkeit Alles erdacht, arrangirt und geleitet habe. Daß die berufensten Führer einer solchen Partei grade so von den Dingen überrascht wurden, wie die Gegner der Bewegung, scheint den letzteren unglaublich, weil sie eben von dem Wesen der Bewegung und den Gefahren ihrer Ent- Wickelung nichts kennen und nichts verstehen. So ist, nicht durch die Arbeit und das Verdienst Ein- zelner, sondern durch die Macht der Entwickelung der Ver- hältnisie und die Macht der Entwickelung der Ideen, die in diesen Verhältnisien wurzelten und den Boden für ihre AuS- breitung hergaben, das Jahr 1889 zu einem weit sichtbaren Merk- und Werkstein in der Geschichte der deutschen Ar- beiterbewegung geworden. Und nicht vloS in der Geschichte der deutschen Arbeiter- bewegung. Dieselben Umstände, dieselben Verhältnisse und Zu- stände, welche die nothwendige Voraussetzung dieser gewaltig aufstrebenden, folgerichtig dem Sozialismus und nur dem Sozialismus zu Gute kommenden Arbeiterbewegung wurden, sie haben im gleichen Maße unter ganz ähnlichen Be- dingungen auch unter der Arbeiterklasse der übrigen Kultur- länder gewirkt. All überall machten sich die gleichen Erfahrungen geltend. In England, in Frankreich, in Belgien, in Oesterreich, in Italien und der Schweiz, in den Vereinigte« Staaten und den nordeuropäischen Ländern hat die Bewegung ein Tempo eingeschlagen und Lebenszeichen von sich gegeben, die für den oberflächlich Beobachtenden wieder nur die Wirkungen Semeinsamer Verabredung und Leitung sein konnten, in Lirklichkeit nur die Wirkung der gleichen Lebens- und Existenzbedingungen der bürgerlichen Gesellschaft und der in ihr entstandenen Arbeiterklasse sein konnten und sind. Das erfreulichste und großartigste Lebenszeichen dieser mächtig aufstrebenden, alle Kulturländer der Erde umfassenden Bewegung waren die internationalen Ar- bciterkongresse in Paris. Was immer sie geleistet oder nicht geleistet haben, ihre bloße Existenz war ein Zeichen von Lebenskrast, von Idealismus und Opfermuth, wie sie nur einer aufstrebenden, nach den Zielen der Menschheit ringen- den Bewegung innewohnen. So können wir getrosten MutheS nicht nur auf das alte Jahr zurückblicken, sondern auch voll froher Hoffnung der Zukunft entgegenmarschiren. DaS Jahr 1890 jjiebt speziell der deutschen Arbeiter- klaffe die Gelegenheit, eine Kraftprobe zu leisten, in der sie zu zeigen hat, ob die Hoffnungen, die daS Jahr 1889 für den Stand der Bewegung erweckte, sich erfüllen. Wir meinen die allgemeinen Wahlen zum Reichstag. Ihr Ausfall wird unter Umständen bestimmend für unsere ganze innere und äußere Politik sein, er kann das StaatSschiff in ganz andere bisher hartnäckig vermiedene und verweigerte Bahnen lenken. Von diesem Standpunkt betrachtet, fällt der deutschen Sozialdemokratie als klassenbewußte Vertreterin der deutschen Arbeiterklasse eine große und verantwortungsreiche Aufgabe zu. Aber wir zweifeln nicht, daß sie dieselbe würdig und zum Besten des Ganzen lösen wird. Vorwärts! war unsere Losung im alten Jahr. Vorwärts! immer vorwärts! sei auch unsere Losung im Neuen. DaS Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten, Und neues Leben blüht aus den Ruinen. NovreWltmvettzen. Urni-Uork, 20. Dez. Am gl-ichen Orte, an dem vorige Woche die Ko.wenlion der Amerck. Föderation of Lrbor statt- gefunden, Bostor, begann gestern die JahreSkonferenz der Nationalisten. Nach einem Berichte von Willard, welcher Mit- Slied des Bostoner Klubs ist, und der sich schon seit längerer !eit als Sozialist bekennt, zählen die bis jetzt gegründeten 40 Klubs, denn erster am 10. Dezember 1883 in Boston ge- gründet wurde und die über die Hälfte aller Staaten verbreitet sind, 6000 eingeschriebene Mitglieder, und die Anhängerschaft schätzt er auf eine halbe Million. Letzteres ist natürlich nicht zu kontroliren, und könnte man sich über den Einfluß der Nationalisten nur ein einigermaßen klares Bild machen, wenn sie m irgend einer Frage, bei welcher die entschiedene Gegnerschaft der kapitalistischen Parteien(sowie der Tempe- renzler und Greenbackler jc.) in Rechnung zu ziehen ist, in Aklion treten würden; wobei andrerseits das eigentlich sozialistische Element abzuziehen wäre. So lang« dazu keine Gelegenheit gegeben wird, haben derartige Schätzungen in diestm Lande keinen Werth; man thut daher am Besten, daraus nichts zu leben, sondern sich sein Urtheil nach dem zu bilden, was greif- >ar zu Tage tritt. Das ist ja in jeder Hinficht gut und be- hütet einen davor, fich später vielleicht einen Katzenjammer in- solge zerstörter Illusionen zu holen.— Von Bellamy's.Looking Backivard* sind bis jetzt ca. 200 000 Exemplare vertrieben worden, und vom„Nationalist", dem Organ der neuen Richtung, fest Mai 75 000. Das sind recht respaktable Zahlen, wenn man in Betracht zieht, in welch kurzer Zeil das Jnter- esse gewisser Bevö kerungsklassen an idealen Be- strebungen— und als solche muß man die der Nationalisten unbedingt auffassen, obwohl sie auch praktische Forderungen für die Gegenwart resp. innerhalb des Rahmens der kapital, stifchen Produktion haben— erwacht ist. So weit find wir bei der arbeitenden Klaffe dieses Landes noch lange nicht, wie uns ja wieder in letzter Zeit das Verhallen der Knights, wie auch der Mehrzahl der Delegaten zur Konvention der F. o. L. gezeigt hat. W-llard ist der Meinung, daß die meisten, die fich an- schließen, dies aus natürlicher Sympathie thun, daß aber die Mehrheit von ihnen bald ausfinoe, die Sache habe'hre öko- nomische und wissenschaftliche Seite; widmen fie sich dann dem Studium der Sache, so werden fie Sozialisten. Der alte General Devereur sei hierfür ein treffliches Beispiel; der- selbe sagte:„Wenn mir noch vor sechs Monaten Jemand erklärt hätte, ich sei ein Sozialist, so hätte ich ihn zu Boden geschmettert. Jetzt finde ich au», daß ich ein Sozialist gewesen bin mein ganzes Leben lang, ohne es zu wissen."— Manche, oder auch emstweilen noch reckt Viele, mögen sich freilich sonderbare Vorstellungen bei der Definition des Wortes Sozialismus machen. Em passives Mitglied des Boston« Klubs, Higginson, meinte z. B., daß „eine Art" Sozialismus nothwendig sei. Niemand könne das leugnen, aber welche Art die« sei, das wisse Niemand. Und wenn man an das Schreiben von Rabbi Schindler, dem Ueber- fetzer des Bellamy'schen Buches, aus Deutschland zurückdenkt, wo er sozusagen die nationalistischen Ideen verwirklicht gefun- den— dann wird'S Einem schwül! Indessen, das„thut der Sache kemen Abbruch". Und wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz der Elemente, welche fich in die Nationalisten- Klub» aufnehmen lassen, fich für die Sache tiefer interesfiren und dadurch in erster Linie die nüchterne Dollar- Anschauungsweise abstreifen, und in zweiter von dem dann geläutertm Gesichtspunkte aus die sozialrsttsche Literatur studiren— so ist das schon von vielem Werth. Es ist als sicher anzunehmen, daß unter den Aspiranten für den Ratio- nalismu» viele find, die fich auch direkt der sozialistischen Partei angeschlossen hätten, wenn ihnen die betr. Literatur in die Hände gekommen wäre. Man muß eben nicht aus dem Auge verlieren, daß die sozialistische Bewegung bisher eine fast nur deutsche war und die Antipathie gegen das Fremde, besonders das Deutsche, folge dessen solche Elemente, welche im Uebrigen zur Ausnahme der neuen Ideen diSponirt waren, davon abhielt, fich um den Sozialismus zu bekümmern. Somit befinden sich unter den Nationalisten viele Leute, und es werdm vorläufig auch noch mehr unter fie gehen, welche eigentlich schon für die sozialistische Idee reif find. Weiter ist anzunehmen, daß darunter ein mehr oder weniger großer Prozentsatz ist oder lein wird, die, sobald fie fich über die Sache klar geworden, rückhaltlos ihr Bekennlniß für den un- verschleinten Sozialismus ablegen und für denselben mit aller Entschiedenheit eintreten werden. Wenn man also auch an- nehmen wollte, daß das heute in den Nationalistenklubs dommirende Element, welches sich au» den verschiedensten, nicht zum eigentlichen Lohnarbeiterthum gehörenden BevölkerungS- schichten rekrutirt, der Sache den Rück-n kehren würde, sobalv die Leute sich aber die Tragweite derselben klar geworden, so ist unter allen Umständen doch anzunehmen, daß die Nationalisten« Bewegung ein gute« Stück Vorarbeit für den Sozialismus leisten wird. Und mehr ist unter den obwalten den Umständen nicht davon zu verlangen. Sollte mehr heraus kommm, sollten die derNationa isten- Bewegung beitretenden Per sonen aus jenen Bevölkerungsschichten infolge der eigenartigen Entwickelung der Dinge in diesem Lande— Erdrückung aller noch einigermaßen selbstständrgen und wohlfituiiten Existenzen durch das m den Essenbahn- und sonstigen Monopolen kon« zentrirte Riesenkapital, welche« heute schon ganze Legislaturen in der Tasche hat und den Piäfidenten der Vereinigten Staaten nach seiner Pfeife tanzen läßt— nicht davor zmückschrecken, die Wege zu beschreiten und die Mittel anzuwenden, um den in an. Stephan erklärte, er wolle schlafen gehen. Ohne ihm die Hand zu reichen, sagte Souvarine: „Also Adieu, ich gehe fort." „Du gehst fort? Wohin?" „Fort, ich weiß nicht." „Aber ich werde Dich doch noch wiedersehen?" „Rein, ich glaub' nicht." Sie blickten einen Augenblick schweigend einander „Also Adieu!" „Adieu!" Während Stephan in'S Dorf zurückkehrte, schritt Sou- varine wieder zum Kanal hinab. Dort ging er denselben Weg dahin, fast verschwindend in dem tiefen Dunkel. Zu- weilen stand er still und zählte die Glockenschläqe des fernen Kirchthurms. Um Mitternacht schlug er den Rückweg zum Voreux ein. Um diese Zeit war die Grube leer; als Souvarine ein- trat, begegnete er nur einem verschlafenen Aufseh«; erst um zwei Uhr sollte die Maschine für die Wiederaufnahme der Arbeit geheizt w«den. Er holte aus einem Schrank eine Weste, als wenn« sie dort vergessen habe; in die- selbe eingewickelt befanden sich ein Schraubenzieh«, eine kräf- tige kurze Säge, ein Hamm« und ein Meißel. Dann, statt sich ins Freie zu begeben, schritt er durch einen engen Flur, welch« bei den Fahrten mündete, und stieg dort, seine Weste unterm Arm, behutsam hinab, indem er die Leitern zählend, die Tiefe maß. Er wußte, daß die Förderschale sich in ein« Tiefe von dreihund«tvierundsiebzig Meter an der V«- zimmerung des Schachtes rieb. Als er vierundfünfzig Leit«n gezählt hatte, tastete er mit d« Hand und fühlte die Bauchung des gebogenen Holzes. Er war an Ort und Stelle. Mit der Sicherheit und Kaltblütigkeit eines Mannes, d« seinen Plan reiflich«wogen hat, machte« sich an'S Werk. Zunächst sägte« in dem Holzverschlag der Fahrten eine Oeffnung, so daß er den Förd«schacht üb«- blicken konnte; dann orientirte er sich mittelst angezündet« Streichhölz« üb« die in den letzten Tagen gemachten Re- parnturen. Zwischen Calais und Valenciennes stieß sein« Zeit die Bellamy's Buch geschilderten Zukunftsstaat herbeizuführe«, so wäre das nur zu begrüßen. Wenn auch von d« großen Masse des„ Mittelstandes" nicht zu«warte« ist, daß fie die sozialistische Idee in fich aufnehmen, so ist in jenem Falle, doch anzunehmen, daß fie zum ersten Theil ihren entwickelteren Standes renrssen Heerfolge leisten werden. Wir haben ja auch drüben Beispiele, wo infolge besonderer Umstände ein ganz bedeutender Theil des Mittelstandes für die Sozial- demokratie eintritt. Wie Willaid mittheilt, gedenkt Bellamy besondere An- strengungen zu machen, um zur praktischen Anbahnung d« Pläne und Grundsätze des Nationalismus die«sten Vorschläge zu machen. Hoffen wir, daß e« ihm nickt geht, wie Henry Geor,e, der, vor den Konsequenzen teiner Schriften und Lehren erschreckend, diese nachträglich verleugnete. Vergangenen Sonntag hat die Vereinigung der beiden 8ewerkschaftl>chen Zmtralköeper in New-Pork stattaekunden, und e hielten ihr« erste gemeinsame Sitzung ab. Ich habe über diese Vereinigung schon vor einiger Zeit, al« ,n den beiden Organisationen d,e betreffenden Beschlüsse gefaßt wurden, meine Anficht geäußert. Es ist jetzt nur abzuwarten, wie die Sache arbeitet. Da vorläufig kerne Wahlen statifiaden, bei denen die noch in der alten Zentral Labor Union befindlich ge- wesenen politischen Drahtzieher ihrer Autgabe gerecht zu wer- den haben, so wird in näibft« Z.it wohl nur Günstiges zu be- richten sein. Daß diese Elemente das„Mausen" lassen w«- den, ist nicht anzunehmen; es fragt sich nur, ob die große Masse ihrer bisherigen Anhäng« zu einer andern Anschauung gelangt, als der bisherigen, nach welcher fie es für ganz in der Ordnung hielten, daß ihre„Führer" die ist en gegebene Gelegenheit benutzten, um für den kapitalistischen Par- teien geleistete Dienste fette Pöstchen zu«halten. Die„Volks-Zeitung" krackte kürzlich die Notiz, daß Mc. Mockin, der küb«e„Manager"(Leiter) der United Labor Party im Inten sse der republikanischen Partei, der schon seit längerer Zeit seine„Belohnung" in Gestalt eines AemtchenS erhalten, nun seinem H'lserShelf« Bealin eine Stelle al« Schatzamtsagent verschafft dal, die 5 Dollar« täglich einbringt. Em anderer politischer Drahtzieher, Kearney, welch« eine b«- vorragende Rolle rm Longsboremen'S Streik im Winter 1836 spielte, hat die Stelle als MaschinenauOeher im Haup post« g-täude erhallen. Auch h-ißt es, daß Ouinn, d« ehemalige Werkmeister des Assemb y Distrikts 49 K. o. L., sowie Murray, der jetzige, von den R vublikanern fette Brocken erhalten wnden. Unter solchen Umständen ist anzunehmen, daß die noch nicht versttrgten Drahtzieher in d« Central Labor Union alle Finger darnach lecken werden, ebenfalle an die Reihe zu kommen, und man wird ihnen daher sorgsam auf diese Fing« sehen müssen!— Ueber da« Urtheil im C-onin-Prozeß find die Leier unter« richtet. Nack dem. was ich bei den verschiedenen Phasen in jenem Prozeß berichtet, wäre eS über flüssig weitere Worte zu verlieren. Das Reiulia« ist nur eine Bestätigung dessen, daß der Prozeß im Jahre 1387 lediglich eine Faice war und man da« Urtheil nur als einen Racheakt der befitzenden Klassen betrachten kann, dem man ein juristisches Mäntelchen umhmg. Die irischen Mörder find d« amerikanischen Bourgeoisie da- gegen durchaus nicht unsympathisch; die haben ihr Verbrechen ja begangen, weil d« Gemordete einem„reellen Geschäft' (Brandschatzung dir eigenen Landesgenossen unter falschen Vor- sprege>ungen) hindernd in den Weg trat. Sie muß sich als» instinktiv zu diesen Mördern hingezogen fühlen, indem auch fie Jedem, der fich ihrem„reellen Geschäft" wiednsetzte, an die Gurgel fahren würde. Abteufung d« Schachte auf immense Schwierigkeiten, in folge der großen Wassermassen, welche im Rivean der tief sten Thäler unterm Erdboden gleich unterirdischen Seen lagern und durch welche die Schachte in vertikal« Richtung geführt werden mußten. Nur die Holzverdämmung der Schachtwand, welche gleich den Dauben eines Fasses in ein- ander gefügt ist, isolirt den Schacht inmitten dieser Wasser, d«en dunkle Wellen unausgesetzt an die hölzerne Wand drängen. Als der Voreux abgeteuft worden, begegnete man in den oberen Regionen zunächst Sand und weißem, sehr porösem Thon, der wie Schwamm mit Wasser getränkt war. Tiefer, unmittelbar nach dem Kohlenlager fand man einen feinkörnigen flüssigen Sand; und darin lag die„Fluth," ein unergründbares Meer mit Stürmen und Wellen, dessen Wogen sich dreihund«t Meter unter der Erdober- fläche brechen. Gewöhnlich hält die Verkleidung der Schacht- wand diesen Wassern Stand. Doch fürchten die Bergleute das Senken der nebenliegenden Erdmassen, welche fort- dauernd durch das Einbrechen««lassen« Stollen«schütter! werden. Der Fels sinkt langsam; zuweilen bilden sich Risse, welche sich nach und nach bis zum Schacht ausdehnen, die V«zimm«ung desselben sverbiegen und aus den Fugen reißen. Ueber der Grube schwebt also eine doppelte Gefahr: die Ueberschwemmung durch den Durchbruch der „Fluth" und die Anschüttung durch die nachsickernden Sand- Massen. Souvarine setzte sich rittlings in die ausgesägte Oeff- nung und entdeckte im fünften Ringe d« V«zimmerung eine sehr erhebliche Deformation. DaS Holz hatte sich ge- bogen; wehr«e Balken waren gänzlich aus den Fugen herausgetreten und daS Wass« strömte zwischen den mit gethe«iem W«g verstopften Spalten h«vor. Von d« Zeit gedrängt, hatten sich die Zimm«leute begnügt, durch eiserne Winkelhaken die ausgetretenen Balken zu befestigen; doch war die Arbeit sehr flüchtig gemacht worden, und die Schrauben fehlten an vielen Stellen. Souvarine begann mit seinem Schraubenzieher die Winkeleisen in der Weise zu lösen, daß ein neues Andrän- gen d«„Fluth" sie mit einem Ruck losreißen konnte. Die« war eine Arbeit von wahnsinnig« Tollkühnheit. Jeden Vottttflhs A-berflchk. Daß a» der Aufrechthaltung der AuSweisungSbefitgniß im Sozia.lftengeletz ine Regcerunaen festzuhallen entschlossen find, unterliegt nach dem„Hamburgischen Korrespondenten" knaem Zweifel. Es kö'nte nur in F age kommen, ob die Beseitigung dies« Befugn ß seitens deg BundeSrathS als gleichbe« deutend mi' der Astetuuna de« G-Otzes angesehen wird. Der Ri.tenprozetz}««lberf.ld wwo sogar von d« „National Rettung' aU e n neuer Beleg für dee Schadilchkett und Unhatldark.ii deS j'tz'gen Sozialist-ngeOtz S bezeichnet. In einer Lrgr wie fie da« Sozialistengesetz von 1878 für die Sozialdemokratie geschaffen, würde jede Partei zu einer ge- Heimen Thäil�keit greifen, so jagt das Blatt. Taufende und Ab«iausende au« der Partei würden mit ganz demselben Recht angeklagt und veruriheilt werden können, wie die Personen, denen e« in Elberfeld geschehen ist. Ein solch« Stand der Dinge sei U' halibar und verd«blich. Von den häßstchen de« gleitenden Eischeinungen. wie die Ausdehnung des Spionen- wesen« zur polizeilichen Ueberwachung der geheimen Thätigkeit der Sozialdemokratie, ganz zu schweigen. Die„Rational- Zeitung" beirachtet indeß den P ozeß als ein Zeugniß nur gegen das b« st e h e n d e Soziatiftenaeietz, nicht gegen jede« Augenblick drohte er, das Gleichgewicht zu verlieren und die einhundertundachtzig Meter, welche ihn noch vom Boden de? Schachtes trennten, hinabzustürzen. Er war aus fein« Oeffnung gestiegen, hielt sich an den eichenen Leitpfosten, zwischen denen die Fahrkunst aus- und abgleitet; auf den Querbalken, welche diese Pfosten unter einander verbanden, kletterte« herum, hing sich daran, frei in der Luft schwe- bend, um mit dem Arme die Wand deS Schachtes zu«- reichen;« setzte fich knieend darauf, od« stützte sich mit Ellbogen oder Knie dagegen, den Körper zwischen diesem Balken und d« Holzbekleidung des Schachte« eingeklemmt. Ein Hauch hätte ihn hinabgeworfen. Dreimal glitt « aus und«haschte mit kaltblütig« TodeSv«ach- tung, ohne auch nur zu zittern, einen Pfosten, an dem « sich wieder emporwand. Er suchte im Dunkel die gefährdeten Stellen d« V«- zimmerung, und nur wenn« sich nicht and«S zu helfen wußte, zündete er ein Streichholz an. Nachdem die Schrauben gelöst waren, begann« das Holz selbst anzugreifen; diese Arbeit war noch schwi«iger und gefahrvoller. Er fand zunächst den„Schlüssel", d. h. den Balken, in welchen die andern sich fügten; dann zersägte« denselben, spaltete ihn mit seinem Meißel, oder machte ihn dünn«, um seine Widerstandskraft zu schwächen. Durch die neuen Löch« und Spalten spritzte da« eiskalte Wass« ihm auf Gesicht und Hände, zwei Zündhölz« verlöschten, plötzlich wurde daS ganze Packet naß; er war unvermögend, die Nacht zu«« hellen. Jetzt erfaßte ihn ein grimm« Zorn. Die Finst«niß d« von den strömmenden Wassern gepeitschten Nacht reizte seine tolle ZerstörungSwuth. Er hieb auf!S Geradewohl auf die Dauben, sägte, riß, zerrte, al« wolle er Alle« sofort über seinem Haupte zusammenbrechen lasse«. ES war, als wenn« ein lebendes Wesen mit einem Mess« angreife. «Fortsetzung folgt.) — Ausnahmegesttz überhaupt. Darin liegt die Schwäche ihrer Ausführunzen. Auch nach dem Sozialistengesetz, wie es in der Kommission des Reichstages sich gestaltet hat. würde der Elber« selber Prozeh möglich gewesen sein. Keltere» t« ernster Jett. Unter dem 15. v. M. erhielt der im Eiderfelder Riesenprozeb freigesprochene Redakteur der Elberfelder.Fr. Pr.*, Grimpe eine Vorladung zum 21. o. M.. Vormitiags 10 Uhr, um wegen Vergehens gegen§ 311 des Straf-Geletz-Buchs als Beschuldigter vernommen zu werden. Der betreffende Paragraph lautet:.Die gänzliche oder theilweise Zerstömng einer Sache durch Gebrauch von Pulver oder anderen exptobirenden Stoffen ist der Inbrandsetzung der Sache gleich Au achten." Da zu der betreffenden Stunde VerHand. lung auf dem Landgericht in Sachen des groben Prozesses anstand, ersuchte Herr Grimpe um Ver« tagung des Vernehmungstermins, konnte sich aber nicht erinnern, wie und in welcher Weise er mit explo« direnden Stoffen oder Inbrandsetzung irgend einer Sache in Verbindung zu bringen ist, diewerlen er mit solchen getähr« lichm Dingen nie etwas zu thun gehabt hat. Jetzt scheint Licht m die Sache kommen zu sollen. Zu Montag Vormittag 11 Uhr waren mehrere Personen vor dem Polizeikommissar Kammhoff geladen, die s. Z. die Spritztour nach Vohwinkel gemacht hatten, um nach dem bekannten Röllinghoff sich umzusehen. An dem beireffenden Abend soll auf den Röllinghoff zwischen Voh Vinkel und Sonnborn geschossen worden sein und die Geladenen wur- den pefragt, ob sie etwa Schüsse oder dergleichen gehört hätten. Möglich, daß der Röllinghoff, oder sonst ein Mensch, der mit moralischem Math ausgestattet ist, dem Grimpe zugemuthet hat, Pulver oder andere erplodirende Stoffe in Anwendung ge« nommen zu haben. Wenn sich diese unsere Vermuthung de« Wahrheiten sollte, so müssen wir leider gestehen, dab uns die ganze Angelegenheit keinen Schuß Pulver werth erscheint. Auf eine wettere Uertsteueruug de« tägliche« Drote» sucht die„Deultche Vo.kswirlhlchastuche Korrespondenz", em Organ der Schutzzöllner, hinzuwirken, indem er auszuführen Ersucht, dab von einer Ecmäbigunq des Kornzolles auch nicht die Rede fein könne, wenn der Roggenprei« andauernd über 180 M. für die Tonne hinausgehe. Das Organ der Schutz» zollner beruft sich darauf, dab seinerzeit im Reichstage Mit- Weder aller Parteien gegen den Antrag des freikonservativen Abg. Dr. Delbrück, welcher für diesen Fall eine Zollermäbigung um 20 M. voraussetzt, aufgetreten seien. Es wird dabei ver« Ichwiegen, dab jene Opposition nur die Art der Formulirung Gedankens in dem Antrag betraf, während der landwirth« lchaftliche Minister selbst erklarte, dab im Falle einer hohen Wlssteignung auch ohne eine solche Klausel im Tarifgesetz die Regierung in der Lage sei, nach Berufung des Reichstags eine «rmaßigung der Kornzölle herbeizuführen. Aua Karlsruh« wird berichtet: In einer zahlreich be suchten sozialdemokratischen Versammlung erklärte der Ober« landesgerichtk-Anwalt Guttenstein öffentlich seinen Beitiitt zur lozialrftiichen Partei. In der nächsten Versammlung wolle er nnen Vortrag zu Gunsten der Sozialdemokratie halten. In Folge dieser Erklärung löste der überwachende Polizeiinspektor die Versammlung auf. Das.B. T." ruft bei dieser Nachricht schreckensbleich aus:„Wie viel muß politisch und sozial in dem ehemaligen Baden gesündigt woiden sein, wenn ein Ober« lande«c>erichtsanwalt öffentlich erklärt Sozialdemokrat zu sein." Di« Erhebungen Lb«r den Umfang d«r sog«««««- Hachjrngangerri in Oberschlefv n haben ergeben, dab wahrend des nunmehr abgelaufenen Jahres 20 631 ländliche Arbeiter außerhalb des Regierungsbeziiks Oppeln Vorzugs« weise in den mittleren und westlichen LandeStherlen Arbeit ge» sucht haben. Bruchtheile unter diesen Arbeitern haben in dem benachbarten Oesterreich Arbeit gesucht, können also zu den e>genl!ichen.Sachsengängern" nicht gerechnet werden. Von ben 20 631 weggegangenen Arbeitern waren 11 125 männlich, »v08 weiblich; verheirathet waren im Ganzen 4801, unter brn männlichen Sachsengängern befanden sich 827 verhei« rathete. Au» Kachj««, den 1. Januar. Im Oktober verurtheilte baS Zwickauer Landgeriibt 2 Parteigenossen zu Gefängniß auf Grund des Sozialistengesetzes.— Einladung zu einer verböte» den Versammlung— weil dieselbe nicht, obgleich sie noch die Zeit dazu gehabt hatten, eme Annonze zurückbeorderten, in wel» cher zu einer mittlerweile verbotenen Versammlung eingeladen wurde. Das Reichsgericht hob auf eingelegte Revision das urtheil auf und verwies die Angelegenheit an die Vorinftanz Awück. Am 30. Dezember halte demgemäß die Strafkammer des Zwickauer Landgerichts die Sache abermals abzuurlheilm und sprach nun auf Grund der Reichsgerichtlichen Entscheidung die Angeklagten frei. Wenn man sieht, wie häufig Gerichtshöfe in sehr einfach liegenden Dingen falsch urlheilen, so entsteht die Frage: Ist es gerechtfertigt, Laien, die läufig im besten Glauben handeln und überzeugt find, nichts Unge» f'tzliches zu thun, so hart zu bestrafen, wie es vielfach ge» schiebt? Zripzig, den 1. Januar. Der nationalliberale Reichstags» Ageoroneie für den 17. sächsischen Reichstags» Wahlkreis— Glau»au-Mecrane— Leuschner ist plötzlich gestorben; für die Kartellparteien in Sachsen ist dies ein ebenso schwerer schlag, wie der kürzlich ertolgte Tod des Abgeordneten für Chemnitz, Clauß. Beide Persönlichkeiten waren in ihrem �ah kreis sebr einflußreich und sehr beliebt; und eS wird kaum gelingen, paffenden Ersatz zu finden. In Chemnitz haben die «ortellparteien sich bis zum Heuligen Tage noch nicht über die Person eines Kandidaten zu einigen vermocht. Wer Verstand hat, aiebt sich nicht gern zu einer Durchfalls-Rolle her. Mit dem heutigen Tage hat Leipzig durch die Ein» verleib un g von acht Vorftadtoörfern mit einem Ruck *Men Bevölkerungszuwachs von 100 000 Seelen erhalten, und zählt jetzt nahezu 300000 Einwohner. Heute über em Jahr wird es durch die Einverlerbung mehrerer anderen Vor- stadtdörfer einen abermaligen Zuwachs von fast 100000 Seelen oikommen, und dann die Eyre haben, drittgröbte Stadt des Deutschen Reiches zu sein. Die Abgränzuna der Reichstag«- Wahlkreise wirb durch die Vergröberung der Stadt nicht alterirt, wre vielfach geglaubt wurde. .. Kürzlich ging eine albeme Notiz durch die Zeitungen, auf m« icb erst jetzt aufmerksam gemacht werbe und die eine Richtigstellung eiheischt. Es hieß nämlich, die sozialdemokratische LandlagSfraktion sei von ihrer früheren Praxis abgewichen und diesmal in corpore auf dem osfi,i-llen Präsidenten. Diner erschienen.— Thatsache ist, daß Oa« zu Besinn jeder Kammersesfion stattfindende Präsidenten- Diner weder einen osfisiellen noch überhaupt einen politischen Charakter hat und rein geselliger Natur ist. Thatsache ist ssrner, daß, mit Ausnahme der beiden letzten Male, wo be» sondere Gründe das Wegbleiben veranlabten, die sozialdemo- ki otischen Mitglieder der zweiten Kammer, seit solche darin sitzen, stet« sich an diesem Diner betheiligt haben. Di'Smal >ar kein G, und zum Wegbleiben vor, und es wäre eine Takt- wsigkeit gewesen, hätten die Sozialdemokraten der Einladung he«, auch von ihnen gewählten Präsidenten Haberkorn, dessen liebenswürdiges und unparteiisches Wesen von ihnen so gut wi« von den Mitgliedern der anderen Parteien geschätzt wird, Nicht Folge geleistet. Aneikannt mub werden, daß man sich auf Seiten der Moiontäisparteien der Kammer bisher der sozialdemo» »otilchen Fraktion gegenüber entgegenkommender gezeigt hat, al« in den letzten Sessionen der Fall war. Die Anträge der Sozialdemokraten werden nicht mehr einfach ab» cc nt— man diskutirt sie und verweist sie in die Kam- wllnonen; und rüpelhaftes Auftreten einzelner Heißsporne de« «artells ,st von den eigenen Fraktionskollegen gerügt worden. A« fragt sich allerdings, wie lang« diese.mildere Tonart" vor- »alten«wd. Zu leidenschaftlichem Aufemanderplatzen der Geister war noch keine Gelegenheit; an Zündstoff fehlt eS aber nicht und heftige Debatten sind zu erwarten. Zunächst aus Anlaß des Feldzugs der Behörden gegen den Vertheidigungs» Boycott der Arbeiter. Die Frage wird jetzt in Gestalt eines Antrags vor die Kammer gelangen, wo dann eine Debatte nicht verhindert werden kann. UebrigenS hat ein Amtsgericht bereits in einem Fall der Verurtheilung auf Grund des Polizei- UkaseS sein Urtheil gefällt und zwar bestätigend. Selbstver- ständlich ist sofort an die höhere Instanz appellirt worden.— Der Landtagskandidat für Chemnitz heißt nicht Geistig, wie der Druckfehlerteufel ihn taufte, sondern Robert Zeißig. Schweiz. Der Schweizer.Sozialdemokrat" in Bern ver» öffentlicht folgendes Aktenstück: Bern, 26. Juni 1889. Das Justiz- und Polizeidepartement der Schweizerischen Eidgenossenschaft an das Polizeidepartement des Kantons X. Tit.: Herr N. N., wohnhaft in B., Kanton« X., ist beim Bundesrath um Ertheilung einer Bewilligung zur Erlangung des Schweizerdürgerrechts eiagekommen. Wir ersuchen Sie, uns gefälligst mittheilen zu wollen, was über die politischen Antezedentien des Petenten, sowie über seine Beziehungen zu poli- tisch thätizen Persönlichkeiten bekannt ist und ob sonst etwas gegen denselben vorliegt, welche« ihn zur Erthei» lung der gewünschten Bewilligung al« ungeeignet er» scheinen läßt. Mit ausgezeichneter Hochschätzung! Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement, Der Departemmtssekretäc: («ig.) Dr. Trachsler." Das Blatt bemerkt hierzu, der Adressat sei die Regierung eines ostschweizerischen Kantons und es habe der Chef des Polizeidepartements derselben beigefügt:.Ein LeumundSzeugniß düifte hinreichend sein." Damit lehnte er jede Verantwortlich- k-it für die allzu polizeilichen Erkundigungen ab. Großbritannie«. Letzter Tage wurde e»ne amtliche Statistik über die b riti s ch en Ko lo ni en veröffentlicht, welcher zu ent- nehmen ist, dab sie jetzt einen Flächenraum von 8 000 000 engl. Quadratmeilen bedecken. Die Emwohrnrzahl wird auf bedeutend mehr als 300 000 000 geschätzt. Die öffentlichen Ein- nahmen der Kolonien haben sich in den letzten 15 Jahren beinahe verdoppelt und betrugen 1888 fast 124 000 000 Lstr., die Einnahmen Indiens allein stellten sich auf 78 759 900 Lstr. Entsprechend stiegen jedoch auch die Staatsschulden der Kolonien während dieser Periode, nämlich von 200 000000 Lstr. auf 444 000000 Pfd. Sterlmg. Allen voran im Schutdenmachen war Australien, dessen Schuld von 46000 000 Lstr. auf 166 000 000 Lstr. anwuchs. Ganz bedeutend hat die Schifffahrt der Kolonien zugenommen. Während die Schiffe derselben im Jahre 1874 39 000 000 Tonnengehalt besaßen, belies sich der» selbe im Jahre 1888 auf 70 000 000. Den gröbten WachSlhum zeigt auch in dieser Beziehung Australien, nämlich von 5 500 000 auf 13 000 000. Der Tonnengehalt der nord- amerikanischen Kolonien stieg dagegen in der bezeichneten Periode nur von 4 412000 Tonnen auf 5 762000 Tonnen. Der Einkubrhandel der Kolonien steigerte sich um fast 50 pCt. auf 217 000000 Lstr. Gleichen Schritt hielt damit der Aus- fuhrhandel, dessen Werth sich im letzten Jahre auf 215 000 000 Lstr. stellte. Italien. Rom, 1. Januar. Auf dem Ouirinaiplatze warf heute Nachmittag um 5� Uhr zur Zeit der Beendigung der Empfänge ein Mann von kleiner Statur in weiber Kleidung vor dem Thore des Pa'astes ein viereckiges kupferne« Gefäb nieder, welches etwa 20 Zentimeter im Quadrat groß und mit einer brennenden Lunte versehen war. Der Mann flüchtete sodann eiligst. Ein Gendarm drückle die Lunte mit der Hand au«. Das Gefäß enthielt eine Flüssigkeit, deren Zusammensetzung noch unbekannt ist und einer chemischen Untersuchung unter- zogen werden soll. Gendarmen verhafteten den Mann in der „Rue de vingt Septembre" und führten ihn zum nächsten Polizeibureau. Der Mann ist ein gewisser Tancred Vita, Sizilianer, und etwa 30 Jahre alt. Derselbe erklärt den Inhalt der Büchse für eine ungefährliche Flüssigkeit, eine Mischung von Petroleum und Firnib- Die Analyse wird morgen stattfinden. Vita war einige Monate Student in Pisa, dann Präfekt in dem In- stitut Macchiaoelli in Florenz und nennt sich Professor der Pädagogik. Helgie«. Möns, 31. Dezember. In heute Abend hier verbreiteten Plakaten werden die Grubenarbeiter aufgefordert, eine Lohn- erböhung von 15 pCt. mit einem Mindestbetrage von 4 Franks 50 Centimes pro Tag und neunstündige Arbeitszeit zu ver- langen. Ueber den Stand der Dinge im belgischen Kohlen- revier liegt folgende Meldung vom 30. v. M. vor:«Der Ausstand im Becken Charleroi wächst noch immer. Schon streiken 20000 Bergleute und heute finden in Gohissart, Dam- premy. Chklt-let und Montigny große Versammlungen statt, um über die„Greve noire" zu beralhen. Obwohl über die würdige Haltung der A-beiter nur eine Stimme herrscht, haben die Bürgermeister aller Orte, in denen der Ausstand auSgr brachen, auf Anweisung des Gouverneur« de« Hennegau jede Ansammlung von mehr al» fünf Personen verboten. Jnzwi- schen wächst der Kohlenmangel in erschceckiicher Weise. Die Kohlenzechen de« Beckens haben auf Grund der torce majfeare alle Kontrakte über Kohlenlieferungen für hinfällig erklärt; zahlreiche Metallwerke und industrielle Werke feiern— selbst schon im Becken Zentre— und müssen ihre Arbeiter beurlauben. Auch die Staatsbahnen verlangen für den JahieSschluß noch 30 000 Tonnen Kohlen— kurz, Kohlennoth überall, obwohl man in Deutschland und England Kohlen zu jedem Preise aus- zukaulen sucht. Die Kohlenzechen lehnen jede Vermiade-ung der Arbeitszeit ab; ihre Vertreter werden heute auf Veranlassung der staatlichen und städtischen Behörden über Zugeständaiffe nochmals berathen. Gelingt e« heute im Anschlüsse an die an- gekün digten Versammlungen nicht, zwischen den Bergleuten und den Kohlenzechen eine Einigung herbeizuführen. so darf man nicht nur einen allgemeinen Ausstand im Becken Charleroi er- warten, sondern auch annehmen, daß die Bergleute der benach- harten Kohlenbecken mit denen Charleroi« gemernschastliche Sache machen werden. R«ßla«d. Aus Petersburg, 28. Lezember, wird der»Voss.-Zta." geschrieben; Die regierungsseitige Maßregelung der liberalen Reoue„Westnick Jewropy" würde weit weniger Beachtung verdienen, wenn damit nicht der Name de« Philosophen Wla- dnnir Ssolovjew verknüpft wäre, dessen Auf ätze„Skizzen au« der Geschichte de« russtschen Bewußtsein«", um mit der heute veröffentlichten Verfügung de« MimsteiS Durnowo zu reoen, „gegen die Kirche und den Staat gerichtet sind und die Achtung vor ihren G undlagen und vor dem russischen Nationali äl«- Prinzip erschüttern." Wladimir Slolowjew, von dem ftüber auch d,e Slaoophilen Große« erwarteten, ging in neuester Zeit in da« liberale Lager über. N-ben seinen philosophisch religiösen Abhandlungen, die wegen ihres zensurwidrigen Charakters in Pari« erschienen, wo er nabe Beziehungen zu Jeiuiten unterhalten soll und für eme Verschmelzung der orthodoxen und katholischen Kirche wirkt, kündigt er seine politische Wandlung durch einm Aufsatz„Europa und Rußland" im„West. Jew", der einem Tode«- urtheil über die sogenannte russische Kultur gleichkam und daher besonders von slavophiler Seile mit großer Erbitterung angegriffen wurde. Damals, es war im verganoenen Sommer, schwieg die Regierung. Sein neuer Aussatz im November- und Dezemberheft des liberalen Journals weist das Abhandensein jedes selbstständigen Bewußtseins im russischen Volke nach und polemifirt gegen Slaoophilen, Katkow und seine neuesten Nach. folger, die„Obskuranten", und übt somit Kritik an der herrschenden Partei. Diese offene Sprache konnte natürlich unter den bestehenden Verhältnissen nicht ungestraft hingehen. Mit dialektischer Schärfe führt Ssolowjew den Nachweis, da« ruf- fiiche Volk habe überhaupt keine eignen nationalen Grundlagen. Die Ideale der Slaoophilen seien im Grunde tatarisch- byzantinisch, und darin eben bestehe der Kern der slaoophilen Doktrin. Die nationalen Anschauungen dieser Partei nennt er„zooloaifchen Patriotismus, die Katkows einen Islam niedriger Sorte. Der Islam der Muhom-daner bestehe in Unterwürfigkeit und Resignation vor der höchsten Macht, also vor Gott, Katkow aber beuge sich vor der absoluten Staats» gewalt." Waren die Slaoophilen in ihren Lehren reine Phan- tasten, so war Katkow ein Realist ohne Phantasie, und die neuesten Obskuranten, also die Vertreter der heutigen poli- tischen Richtung, welche sich vor nationaler Einseitigkeit und historischen Anomalien beuzen, die da« russische Volk von der zivilifirten Menschheit trennen, seien Realisten nicht nur ohne jegliche Phaitasie, sondern auch ohne jegliche« Schamgefühl. Die rücksichtslose Kritik Ssolowjew'« an den„Obskuranten", „Retrograden",„Vorkämpfern der Finsterniß" ließ das Damokles- sckwert der Zensurbehörde, das schon lange über dem Journal „West. J-w." schwebte, niedersinken. Da« Journal wird, wie man hoffen muß, neuen Maßregelungen im Interesse seiner Leser aus dem Wege gehen, denn seine Unterdrückung würde die russische Gesellschaft des einzigen Journals berauben, das eine Revue im europäischen Sinne de« Worte« ist. Kärlich wurden bei einer Generalrevision in der Vermal- tung des kaiserlichen Eisenbahn- Bataillon« große Mißbräuche aufgedeckt. Wie verlautet, sollen verschiedene mit der Verwaltung betraute Offiziere dem Gericht übergeben werden. Es heißt, in der Kasse, welche allmonatlich auf 40000 Rubel aufgefrischt wird, wären beim Ansang der Revision nur 100 Rubel gewesen, dann aber seien sofort von verschiedenen.betheiligten" Seiten 17 000 Rubel eingezahlt worden. Besonders gravirt soll ein Olfizier der Oekonomie- Verwaltung sein, der trotz seiner nur geringen Gage auf sehr großem Fuße lebte. Mit Bezug auf die jüngst gemeldeten„Unregel- Mäßigkeiten", welche in der Verwaltung der Sebastapol- Losowo-Bahn aufgedeckt wurden und die Verabschiedung vir« schiedener hoher Bahnbeamter nach sich zogen, verlautet jetzt, es feien zu Tage getreten: Mchbräuche beim Bau der Bahn« gebäude und unrechtmäßige Verkäufe von Schienen und Schwellen. Außerdem find au« der Kasse bedeutende Summen verschwunden, an deren Stelle man nur unorthoqraphisch ge- slbri ebene Quittungen von einem Kommis des Erbauers der Bahn, des bekannten Millionär« Gubonnin, vorfand. Echt russisch! Elberfelder Elberfeld, 30. Dezember. 28, Tag der Verhandlung. In Erwartung der UrtheilSverkündigung, die heute Abend bevorstand, hatte sich eine zahlreiche Zuhörerschaft im Schwur- gerichtssaal eingefunden. Die Gartenstühle, auf denen die Angeklagten bisher Platz genommen, fehlten, und so mußten die Erschienenen stehend da« Urlheil erwarten. Von den drei Vertheidigern war nur Herr Rechtsanwalt Krüsemann er- schienen. Um 5 Uhr 50 Minuten erscheint der Gerichtshof. Der Prändent läßi die Liste der Angeklagten verlesen, wo- bei sich da« Fehlen von 39 derselben ergiebt.(Die« ist wohl darauf zurückzuführen, daß Viele in dem Glauben waren, die UrtheilSverkündigung finde noch nicht statt.! Zunächst macht der Präsident daraus aufmerksam, daß sich für die Beuriheilung der Strafthaten von Adolph, Haase, Schürmann und Wilden andere Gesichtspunkte ergeben haben. Da dagegen kein Widerspruch erfolgt, so beginnt der Präsident mit Verkündigung des Urlheils und führt dabei ungefähr Fol» gendes au«: Bei Würdigung de» umfangreichen Materials hat der Ge- richtshof die Bekundungen der KommissareKammdoff und Wilfing, insofern sie von„Gewährsmännern" herrühren und nicht anderweitig bestätigt sind, als nicht beweiskräftig angesehen. Al« erwiesen wird angenommen, daß eine allgemeine Ver- bindung zur Verbreitung de«„Sozialdemokrat" in Deutschland besteht. Die planmäßige, geregelte Verbreitung de« Blattes kann nur Werk einer Verbindung sein. Das Bestehen von örtlichen Verbindungen in Barmen» Elberfeld ist erwiesen durch die Angaben der Kommissare Kammhoff und Wilsing, durch die Aussagen des Zeugen Bleck- mann und des Angeklagten Rö Onghoff, durch die beschlagnahmten Korrespondenzen rc. Diese örtlichen Verbindungen hatten zum Zweck die Verbreitung de«„Soz." und dienten ferner zur Verbreitung von Flugblättern, hielten Versamm- lungen ab, sammelten Gelder und beschickten die Kongresse. Nicht erwiesen ist dagegen da« Bestehen einer allgemeinen Verbindung in Deutsch- land, an deren Spitze dieFraktion steht. E« liegen dafür allerding« schwere Verdachtsmomente vor, doch find diese nicht zwingend genug, um eine solche Verbindung zu beweisen. Es kann sich auch um die Bethätigung einer Partei- orgarilation handeln. B-ide Verbindungen, die örtliche und die allgemeine zur Verbreitung des„Soz", haben namentlich den Zweck, Maß- regeln zur Durchführung de« Sozalistengesetze« zu ent- kräften. Das geschieht durch Verbreitung de«„Soz." Geldsammlungen, die, wenn auch an sich im Einzelnen nicht strafbar, doch dem Sozialistengesetz zuwiderlaufen— Vergehen wrder die§§ 128 und 129 des Strafgesetzbuch« in idealer Konkurrenz. Ohne Weiteres freizusprechen sind Bebel, Grillenberger, Schumacher und Oertel. Adolph ist nicht als Mitglied einer geheimen Verbindung zu betrachten, hat sich aber gegen§ 19 de« Sozialistengesetze« vergangen.(Fluqblattverbreitung.) Bartel ist Mitglied de« Lokalkomitees, also der geheimen Verbindung. Daß Becher ein Packet mit verbotenen Schriften au« Rendsburg erhalten,«st nicht genügend nachgewiesen. Berend ist nicht überführt, Mitglied der geheimen Verbindung zu sein. Bertram hat sich an einer Flugdlattoerbreitung be- theiligt. Bierenfeld hat den„Soz." und da« Glauben«- dekenntniß verbreitet(»och wird, da ihm genügende Kenntniß o)er V-rständniß de« Inhalts de« letzteren mangelte. Vergehen aegen§ 166 des Strafgesetzbuch« nicht angenommen), ferner sich an Sammlungen bethmigi und als D'legirter den Kongreß besucht. Bleibtreu war Mitglied de« Lokalkomitees und be- suchte geheime Versammlungen. Bollmu« ist freizusprechen. Bongaris«st Mitglied der geheimen Verbindung. Breuer und B-ode>sen sind fteizuiprechen. Bubenzer war Mitglied der ört- lichen, Busch Mitglied der allgemeinen Verbindung. Corde« ist freizusprechen. C.amer ist Mitglied der allge- meinen Verbindung. Als nicht genügend belastet find sreizu« sprechen Dastig, Emil ESplör, Ernst Esplör, Emil Finke, v. Eckern, Wilhelm Fmke, Flach, Gerstenberger. Gustav Finke ist Mitglitd der Verbindung und hat auhndrm zwei Majestät«- beleidigungtn begangen. G-ster war Mitglied der örtlichen Verbindung. Gewehr und Grimpe find freizusprechen. Haast hat mit Kenntnis, de« Verbots ein Flugblatt verbreitet. (Vergehen gegen§ 19 de« Sozialistengesetz'«.) Hahn hat sich de« gleichen Vergehen« schuldig gemacht und war Mitglied der Verbindung. Harm war hervorragende« Mitglied der örtlichen Verbin» düng; da« wird bewiesen durch die Aussagen Röllinghoff'«, der zwar nicht vollen Glauben verdient, da er au« Hab und Rache spricht. Doch werden seine Angaben bestätigt durch die Verweigerung der Aussage feiten« Kaltenbach'« und durch auf- gefundene Briese. Hagedorn ist Mitglied der allgemeinen Verbindung, er empfing aus Rendsburg e,n Packet und fein Name stand auf Schumacher« Liste. Hof ist freizusprechen. HohnSbehn und Horeyscck find Mitglieder der allgemeinen Verbindung und empfingen au« Rendsburg Packete Hüttenberger ist hervorragendes Mitglied der örtlichen Verbindung, dagegen von der Verbreitung der „Londoner Ardeiterztg/' treimspiechen. Jeup und Jserloh find freizusprechen. Kaiser ist Miigtied der allgemeinen, Krösser der Elberfelder Verdendung. Köster ist freizusprechen. Kolbe, genannt Hülle, war Vertrauensmann der ärt- lichen Verbindung Barmen und D-legirter zum Kongreß in Kopenhagen. KowakowSki ist freizusprechen. Küpper ist Verbindungsmitglied. Langohr, Lehrmann, Lemmer, Leverberg, Löwenstein, Loose Lorenz, Marschall und Meist find freizusprechen. Menael hat ein Flgublatt verbreitet; Vergehen gegen§ 131 ist ihm nicht noch- zuweisen. Mohrhenn ist freizusprechen, da ihm nicht nachgewiesen, dab er in den lrtzten fünf Jahren Mitglied der geheimen Verbindung war. Emil Müller belastet durch die Aussagen Kammhoff'S, Bleckmann's undWimmer'S, war Mitglied der Verbindung und Delegirter zum Kongreb in St. Gallen. Neumann hat sich an einer Flugblattverbreilung beiheiligt und war Komitee« Mitglied. Nielsen ist freizusp'echen, während Rieß Mit- glied der allgemeinen Verbindung ist. O e r t e l und Pfeiffer find freizusprechen. P s ü l l e r, Empfänger eine« Rendsburger Packeis, war Mitglied der allgemeinen Verbindung. Piepen- brink ist freizusprechen. Reinsdorfs hat in Düsseldorf den„Soz." verbreitet und ist Mitglied der allgemeinen Verbindung. Rendel ist Mitglied der örtlichenVerdin dung, dagegen von der An klag« wegen de«„Gedenkbtattes" freizuspr chen. Röllinghoff ist nach eigenem Gtständniß Vertrauensmann der Verbindung in Barmen gewesen. Sachse undSalzberg sammelten für Zwecke der örtlichenVerdindung. v. S ck e m m warKalfirer derDruckschriften- fand« der Verbindung; belastmd find für ihn die Äussagen Kammhvss's und Bleckmann's, sowie da« Aulfinden von 380 M. Dr. S ch m i>o t w rd freigesprochen. Schmitz ist Mitglied der örilichen Verbindung Barmen. Schneider ist Mitglied der örtlichen Verbindung und hat das„Gedenkblatt" verbreitet, doch ist ihm Vergehen gegen§ 131 nicht rorzuweifen. Schürmann hat ein Flugblatt mit Kenntniß des Verbot« verdrertet(Vergehen gegen§ 19 des Sozialistengesetze«), war dagegen nicht Mitglied der örtlichen Verbindung. Hugo Schumacher hat Flugblätter verbreitet, ist Mitglied der etlichen V rbindung, hat aber nicht gegen§ 131 gesehlt. v. Schumann ist freizusprechen. Stürmer war Vertrauensmann der örtlichen Verbindung, T h i e l m a n n Kasfirer der örilichen Verbindung Barmen, wie die bei ihm gefundene Abrechnung beweist. Tracht betheiligte sich durch Sanmlungenan der örtlichen Verbindung. Ullenbaumistdie Theilnahme an der geheimen Verbindung nachgewiesen durch die Auslagen K a m m h o f f und Röllinghoff. Weiß und W e u st e r sind freizusprechen. Wilder ist nicht Mitglied der örilichen Verbindung, hat sich aber durch Verbreitung eines Flugblattes geg n§ 19 de« Sozialistengesetzes vergangen. Wilke ist freizusprechen. Wind, be- lasset durch das Zeugnrß seiner Frau und durch die auf- gefundene geheime Tinte, ist Mitglied der allgemeinen Ver- bindung. Winkler hat sich der Flugblattverbreitung und der Theilnahme an der geheimen Verbindung schuldig gemacht. Win t erder g ist die Theilnahme an der geheimen Veibm- dung in den letzten fünf Jahren nachgewiesen. Bei Ausmessung der Strafen ist die Gemeingefährlichkeit der Vergehen der Angeklagien m Betracht gezogen, welche ge- eignet sind, die Grundlagen des Staates und der Religion zu erichüttern, welche auch die Wabrh.itsliebe und den Glauben an die Heiligkeit des Eides g,fl>ssenttich zerstören. Da« Urtheil gegen die einzelnen Angeklagten lautet: Adolf Bartel Bebel Becher Berend Bertram Bierenseld Bleibtreu Bollmu« Bongart« Breuer Brodersen Buben zer Busch Cordes Cramer Dastig v. Eckern ESp'ör, Emil Finke, Emil Finke, Gustav Finke, Wilhelm Flach Gerstenberger Gester Gewehr Grrllenberger Grrmpe Haase Hahn Harm Hagedorn Hof HohnSbehn Soreyseck üttenberger Jeup J'erloh Kaiser Kösser Köster Kolbe-Hülle KowakowSki Küpper 14 Tage 4 Monate S 6 Wochen 5 Monate 2 Monat frei 1 Monat firi 6 Wochen 2 Monate frei 2 Monate frei 1 I. 6 Monate 6 Wochen h 14 Tage 2 Monat« 6 Monate 6 Wochen frei 6 Wochen 6 Wochen 4 Monate frei 2 Monate 3 Monate r™ fr" 4 Monate frei Monate Langohr Lehmann Lemmer Leverberg Löwenstein Loose Lorenz Marschall Meist Menget Mohrhenn Müller Neumann Nielsen Rieb Oertel Pfeiffer Pfüller Piepenbrink Rendel ReinSdorff Röllinghoff Sachse Sahberg v. Schemm Dr. Schmidt Schneiver Schürmann G. Schumacher H. Schumacher v. Schumann Stürmer Thielmann Tracht Ullenbaum Weib Weuster Wilden Wilke Wind Winkler Winterberg rn cei rei rei rei rei rei rei rei 6 Monate frei 5 Monate 5 Monate frei 2 Monate P 6 Wochen frei 6 Wochen 3 Monate 5 Monate 6 Wochen 3 Monate 3 Monate m frei 2 Monate 2 Monate 14 Tage _ frei 5 Monate frei 6 Wochen 4 Monate 6 Wochen 2 Monate frei frei 14 Tage _ frei 4 Monate Mon. 14 T. frei Ferner erkennt der Gerichtehof auf die Einziehung der zur Verbreitung bestimmten verbotenen Druckschriften. Adolxh, Haase, Schürmann und Wilden wird •Vo, den übrigen Verurtheilten'/» der erstandenen baaren Kosten(unter jeweiliger sämmtlicher verbindlicher Haftbarkeit), der Staatskasse der Rest auferlegt. An erlittener Untersuchungshaft werden in Anrechnung gebracht bei Neumann, Bartel, Bierenfeld, Hüttenberger, Kösfer und Küpper je 5 Wochen, de, Schmitz und W i n k l e r je 1 Monat und bei Tracht 3 Wochen. Soziale Melrevstchk. Ate tolle Kpekulatiorr des letzten Jahre«, der Vor- läufer de« Krachs, zeigt sich u. a. darin, daß in Berlin voriges Jahr bis Oktober etwa i Hundert Gründungen in„Gang ge- setzt" worden ist. Die„B.-H.-Ztg." stellt 30 zusammen, welche einen Grundstock von 46 Millionen haben und im Durchschnitt bereit« 17 pCt. niedriger stehen, als zu Beginn. Die Großen schöpfen den Rahm ad, und wenn der vermeintliche Zusammen. bruch kommt, sind sie längst in Sicherheit, und der biedere Spießer, der auf den Leim gegangen ist, geht zu Grunde. Aber die Sozialdemokratie„zerstört da« Privateigenthum", so sagen die Soldknechte der Befitzenden in der Presse und auf den Tribünen der Parlamente und Versammlungen. Ueber schlestsche Meberlössne hat kürzlich der Bres- lauer Arbeitervertieter August Kühn im Reichstage packende, unwiderlegt gebliebene, werl unwiderlegliche Thalsachen mitge- theilt. In ein Helles Licht werden durch die Kühn'jchen Daten die— guten Ergebnisse der schlefischen Textilindustrie gerück'. So beträgt der Bruttogewinn der Aktiengesellschaft für schlesische Lei.nenindustrie vorm. Kramsta, nach Abzug aller Unkosten und nachdem sämmtliche Reparaturen eu« dem Betriebe gedeckt find, 9� pCr. de« Aktienkap'tal«. Ein erheblicher Theil de« Gewinns, 155 240 M. oder 16'/, find zu Werthabschreibungen auf die Immobilien verwendet worden, so daß die Ausficht auf später höheren Gewinn noch verstärst wird. Die Betriebsergednisse der letzten drei Jahre stellten fw wie folgt: 1886/87 1887/88 1888/89 Mark Mark Mark Bruttogewinn 563 108 811499 951 365 Abschreibung_ 136 295 130 260 155 240� Reingewinn 426813 681239 796125 Dividenden 4)? pCt. 6� pCt. 7� pEt. Die Hungerlöhne der schlefischen Leinenweber, 3, 4, 5,6, 8 M., welche den Hungertyphus periodisch wiederkehren machen, bilden die klägliche Begleitung zu der tür die Geldmenschen so wohllautenden Mufik der Goldstücke, 4h, 6s, 7-, pCt. Ale K-nfrkttou-branche und Wäschefabrikati-« ist am bedeutendsten im Deutschen Reich ve.treten. Na« den MittheUungen des Industriellen Klub«'« Wien betrug die Ausfuhr an Kleidern, Wäsche und P«� waaren 1887 Millio-ien Mark Deutsches Reich. Oesterreich-Ungarn Frankreich... Großbritannien. Belgien... Schweiz... Vereinigte Staaten 113 14 98 94.7 8.2 4.6 2.7 Prozent 33.9 4.1 29.1 28.2 2.5 1.4 03 Durch die auf Veranlassung des Reichstags vom Reiche amt de« Innern angestellten Erhebungen ist hinlänglich de- kannt geworden, welche Unsummen von Hunger und AuS« beutuna, sittlichem und leiblichem Elend die berauschenden hohe« Ausfuhrziffern dieses Erwerbszweiges für Deutschland bedeuten. Wir haben s.Z. eine eingehende quellenmäßige Darstellung de« Sachverbaltes aus sachkundiger Jeder veröffentlicht. Jammerlöhne, Prostitution, schauerliche Ausnützung der Weiberarbeit, das waren die Hauplmomente, die sich auf Grund der amtlichen Mittheilungen mit unwiderleglicher Sicherheit feststellt« ließen. Die Erquete ist gemacht worden, aber bis heut« i st n i ch t« g es ch eh en für die Proletarierinnen der Nadel. Schöne Worte, aher auch nichts sonst! Dafür begeistert b" große Export die Handelsbläiter zu feurigen Lobgelängen a- unsere Zustände. Mit dem Blut und Glück zehntausend' armer Mädchen und Frauen bezahlt Deutschland dos un schab' bare Vergnügen, den Reigen auf diesem Felde der Industrie triumphirend anzuführen. Gl»««»« U erfahre« zur Herstellung vo« Form' «ud Kernsanb, Das der bekannte Techniker I. Patrick« in den Metallgießereien«ingeführt hat, wird in d« t achpresse mit Recht als ein wichtiger Fortschritt bezeichne! ber die moderne WirthschaftSweife bringt es mit sich, daß jeder Erfolg der Technik ein gegen die Aibeiterklaffe gesührter Schlag ist, insofern Hände freigesetzt und die industriellen R«' serveiruppen vermehrt werden. Nach der neuen Patrick'sche« Methode geht die Herstellung der Kerne jetzt um 25 pC'. rasch«! vor sich, und der Arbeiter kann jetzt 150 Gußstück« putzen i« derselben Zeit in welcher er bisher 100 Stück geputzt hat. D« gegenwärtige Lage der Arbeiter wird dadurch verschlimmert- Aber man darf deshalb nicht verzagen. Je gewaltiger da« Meer des Elends anschwillt, desto näher rückt auch die Stunde der durchgreifenden gesellschaftlichen Reform. Trotzalledem und alledem! Kuß« Divideub«« vertheilen die Zuckerfabriken- Wir haben vor ewiger Zeil in einem«ingehenden Artikel die gesundheitSgesährliche Arbeit der Zuckermacher geschildert und daraus hingewiesen, wie schonungslos die Ausbeutung dieser Prolrtariergruppe betrieben wird. Diese Thatsache rückt die kapitalistischen Erfolge der Zuckerfabrikanten in« richtige List' D,e Zuckerraffinerie H a l 1 e o. S. hat einen Gewinn vo» 750000 M. erzielt, so daß nach reichlichen Abschreibunge« 12 pCt. Dividende vertheilt werden konnten. Ebenso viel giebt die Zuckerrasfinerie Brunonia in Braunschweig. Ktetti«. In der Stettiner Chamottefabrik(Aktiengesell- schasr vorm. Didier) streiken 350 Mann wegen Maßregelung mehrerer Arbeiter, die für den Hutmacherstreik in Luckenwalde gesammelt hatten. Nähere Auskunft ertheilt Karl Prutz, Stettin, Bellevuestr. 12a, 2 Tr. Theater. Freitag, den 3. Januar. Der Troubadour. Tilli. Lssst»«-Uh»atmr. D,e Ehre. ßernWAa*-thertt»*. Krirg im Frieden. Kroll'« Theater. Der Konigsgardist. Herttner Theater. Haml-t. Meldrich• WUtzalm städtische» Theater. Prinzessin Pirouette. -zesioeaz-Uhiater. Die arme Löwin. WaRasr-Theat««. Geschossen. AtKtoria-Theate». Staniev in Virita Hgdeallta«-» Theater. Der Fleck auf der Ehr'. s,«t»ali-TH»«t»». Berolina. Kdoifch Graft-Theate». Flav» Weibe». Nstead- Theater. Kabale und Liebe. MtNitzstädttsche»«tzeate». Der jüngste Lieutenant. Grd». Utchte»'» Wart««. Spezialitäten. Verstellung. Motch» Halle»-«tzeater. Vorstellung. Maasman»'» Mariätä. Vorstellung. Tr. Spezialitäten« Gr. Spezialitäten» Alhambra-Theater, Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: «it neuen Dekorationen«. Kostümen: Amorina, dieMarmorbraut Phantastisch.komische« Zauberschauspiel in 12 Bildern von P. Wied«. Musik von Theodor Franke. Entree 30 Pf. I. valko« 5« Pf Ii. Volt»« 40 Pf. je. UumTrioaii-ThMtar* 116» Kresdrnrrst» 56. Täglich Vorstellung. t litmm&v Karlstraße. Heute, Freitaa. den 3. Januar, Abends 7i Uhr: Aschevbrödr!, oder: Der gläserne Pantoffel. Großes phantost. Ziudermärch.n in 4 Abtheil. m. Aufzügen, Tänzen u. Gruppirungen. arrang. und in Szene gesetzt vom Drrekior E- Renz. Kostüme und Requisiten, sowie die verschiedenen Equipagen find vollständig neu und auf das Brillanteste ausgestaltet. Prinz Karneval n»d sein Gefolge. Komische rquestrrsche Vorführung von 20 arabischen Schimmelhenpsten von Herrn Franz Renz. Da« Schulpferd Colmar, geritten von Frl. Clotilde Hager. Auftreten der vor- züglichen Reitkünstler. Fami ie Briatore, sowie der hervorragenden Reitkllnstlerinnen. Große« Hurdle-Rrnnen, geritten von Damen und Herren Mit 24 der besten engl. Vollblut- Springpferde. Morgen Vorstellung. Sonn-ag 3 Vorstellungen. 16. Renz, Direktor. Pastagr 1 Xt. 9 M.— 10 Uhr A. Kaiser-Panorama. Zum ersten Male: OberttaltenS maler. Alpen. Dritte Reise durch das Rtefengebirge. Erster Cyclu«: Pariser WeltanSftellnng. Eine Reife 20 Pf., Kind nur iO Pf. Abonn. Aufforderung an die Zimmerleute DerUns und Umgegend. Laut Beschluß der Generalversammlung vom 19. Dezember 1889 find die Unterzeichnete« al« Revisoren der Streikabrechnung gewählt und fordern infolge dessen die Kameraden, welch« Momta« gegen die von den drei Beauftragten herausgegebenen Abrechnungen haben auf, ihre Einwendungen spätestens bis zum 10. Januar 1890 an die Unterzeichneten, Abends von 7 bi« 9 Uhr, gelangen zu lassen. 432 Joseph Kchmidt, Laufitzerstraße 3. Hugo Zehma««, Stettinerstraße 9, 1 Treppe. Ewald Peterma««, Rtüllersiraße 173, Seiten fl. 3 Tr. NB. Wir fordern die Kameraden ganz besonders auf, darauf zu achten, ob die Listen, auf welche fie gezeichnet, auch auf der Abrechnung verzeichnet stehen. Gedruckte Abrechnungen sind bei den oben Verzeichneten zu haben. porzellau-, Glas- v. KtelugMaaren. Tisch- und Hängelampen empfiehlt billigst C. Hahmlow, Lothringer straße 53, am Raseathaln Thor. miobel, eigener Fabrik. SWBgBl o. Folsterwaareo. Cr. Lager, bill Preise, Emil Heyn, Brunnens tr. 28, Hof pari. Theili. nach Ueberelnkunft Grosse Uolks Uersammlung des 3. Berliner Ueichstagswahlkreises. Montag, de« 6. Jannar, Abends S'j. Uhr, w Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Tages-Ordnunq: 1. Die Sozialreform und die Arbeiter. Reserent Herr M. Schippel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 547 Um zahlreiches E scheinen ersucht Der Ginderufrr. Versammlungen her Wltanlenfalt her Tischler and Piaaoforte-Arbeiter Berlins. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung über die verflossene Delegirten-Periode. Referent: Emil Röhn. 2. Diskussion. 3. Aufstellung von Kandidaten zu Delegirten. 1. Sonntag, den 5. Januar, Vormittag« Punkt 10 Uhr, in der Königsbai t, Groß« Franksurterstraße 117. Bezirk des KasfirerS Herrn Schulz. 2. Sonntag den 13 Januar, Vormittags Punkt 10 Uhr, in Süd-Ost, Waldemarstraße Nr. 75. Be.uk des Koficers Herrn Stäbs. 3. Sonntag, den 10. Januar, Vormittags Punkt 10 Uhr, in Habel» Brauerei, Berg» mannftraße 5/7. Bezirk des Kasfirer« Herrn Schütze.[293 Das Quittungsbuch legitimirt. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Kommission. Empfehle mein Bierlokal sowie Arbeiter- Lesezimmer; sämmtliche Gewerkschalt«> Organe liegen auS. Emil Böhl, 548] Frankfurter Allee 74. Preuß. Lotterie- Loose offer. zur Haupz. 4. Klasse 181. Lotterie vom 14. Januar bis 1. F-bruar 1890. Hauptgewinne 600000 M., 2 X 300000 M. u. f. w. Antheilloose Vs 24 M.. Vi, 12 M., Vw 6 M., 3 M. 8. Lahandter, 527 älteste« Lotterie. G-schäsi(geur. 1860) Berlin, Johannisftr. 5 part. Soeben erschien: Der wahre Jacob Mr. 90. Zu beziehen durch die Expedition, Zimmer- straße 44. »erantmortlich« Redakteur: C«rt Kaall« in Berlw. Druck und Verlag von Ms» Oading in Berlin SV., Bcuthstratze 2. At»»»« eine Keilag«. Beilage zum Berliner Bolksblalt Nr. S. Freitag, de« S. Iaaaar 1890. y. Jahrg. ilommunnlct'. Ktadt»er-rdnete«-Nersammwng. Eihun g vom Donner st ag, den 2. Januar. Dec st-Uvei tretende Vorsteher, Stadto. Dr. Langer» hang, eröffnet die ausnahmsweise um«ine Stunde sväler *1# gewöhnlich angesetzte Sitzung um Uhr. Die Tribünen and üdersüllt und der Zugang»u ihnen wird gesperrt. Zunä-tst werden die wieder-, beziehungsweise neu ge- Rahütw Mitglieder eingeführt und in der üblichen Weile �durch Hmbschlag vom Oberdurgermeist-r verflichtet. Der Overbürger. feister fordert die Gewählten auf, die Slädteordnurig gewissen- Vrft tv beobachten und all« ihre Kcäsle einzusetzen zum Wohle der Bürgerschaft. Der stellvertretende Vorsitzende he.ßi die Gewählten willkommen. Nach den he-hen Wahlkämpfen sei zu b ffen, daß die Bürgerschaft ihren Wunsch und Willen zum Äugdruck gebracht habe. Der Auifall der Wahlen beweise, dotz die Bürgerschaft im Großen und Ganzen mit der bis» derigen Verwaltung zufrieden fei. Neues Blut und frische Kräfte 9ie» n» die Versammlung gekommen, von denen er annehme, daß ste in der Abficht hierher gekommen wären, fich mit voller Hwarbung dem Wobl der Gemeinde zu widmen, sonst wurden »« fich de« besli en Wehlkämpfcn nicht ausgesetzt haben. Er fordere die Gewählten auf, an der gemeinsamen Arbeit theil- zunehmen, dabei aber auch dem Gegner die Achtuna nicht zu «Ktfager. Alle hätten ja nur das eine Ziel, das Wohl der «T iu fördern und dieses gemeinsame Ziel einige und lehre Maß hallen. Dt: Gewählten nehmen darauf ihre Plätze ein. Es find: A. wiedergewählt: von der m. Abtheilung: im 2. Wahlbezirk Herr Stadt». Bergemann, - S.»«- Baumaarten, »7.-»- Dr. Virchow, - 15.»» Tu Hauer, • 17.•-• Richter, • 30.••» Alt, - 33.»»- Langenbucher, «39.»-» Tropske. von der U. Abtheilung: im 4. Wahlbejirk Herr Siadtv. Dr. Leo, » K.»-- Winkler, «8.--» Vorst. Dr. Stryck, » 10.»•» Fürst, . 11.««« Mi-lenz, >13.-»- Heller, • 14.•«» Wieck. von der l. Abtheilung: im 1. Wahlbezirk Herr Stadto. Bauke. - 3.--» Meibauer, »4.««« Michelet, • 5.»»» Franke, • 6.»*» Moses, - 7.--- Meyer l, - 8.--- Dr. Meyer H, "■»9.»»» Esmann, «10.»»- Nicolai, « 12,««» Gerih, «IS.»»- Heitmann, « 14.-»» Sachs 1. B.» eugewählt: von der Hl. Abtheilung: 13. Wahlbezirk Herr Zigarrenhä-rdler Klein, Ritterstraße 15, »14. � w Rechtsanwalt Sladthazen, Lands- dergerftraße 62, für den ausgeschiedenen Etadtoeroi dneten Zigarrer Händler Kunert, welcher bis Ende 1891 ge- «ätilt war, im 24. Wahlbezirk Herr Gastwirth Tempel, Breslauerstr. 27, • 27.»« Schankwnth Hemdoef, Langestr. 70, • 35.-* Expedient Herzfeldt, Fü brmgerstr. 17, » 4L«« Kaufmann Vogtherr, Prinzenstr. 46, für den verstorbenen Stobtoerordneten Rentier Schultz, welcher bis Ende 1893 gewählt war; von der O. Abtheilung: im 1. Wahlbezirk Herr Kaufmann J„cobi, Burgstr. 1, • 2.»» Rentier Templtn, Kronenstr. 2, -« Fabrikant V richke, Schwerin str. 16/17, 5. 9. 12. sabnkan- Wentel, N ue Roßftr. 9, « Bildhauer Kleefeld, Joachimstr. 4; von der l. Abtbeilunn: i« 2. Wahlbezirk Herr Apothckerbefitzer Gltse, Unter den Linden 53, « 11.«« Buchhändler Borstell, Ritter str. 50. Die ErgönzungSwahten find bis Ende 1895, öte Ersatz» Wahlen, wir vor stehend an entsprechender Stelle bemerkt, b»s Ende 1891 und 1893 erfolgt. Die Einführung der Herren: Zubeil, gewählt im 11. Wahlbezirk,»>. Abtheilung, Grandel,-»42.» UI.» Lüden,-» 7.» II.» oegon deren Wahl rechtzeitiger Einspruch erhoben ist, bleibt bis nach Erledig»«« der betriff-»den Vroteste vorbehalten. Der im 3. Wahlbezirk, U. Abtheilung, wtedeigiwählte Stadt». Jacobs ist rnzwisckcn verstorben. Slado. Reich fordert die Versammlung auf. ihr- Aner- kennung für die unparteiische Leitunz drm bisherigen Vor» stinde durch Erheben von den Plätzen auszudrücken.(Gr- ��Die Versammlun« nimmt hierruf die Wahl des Vorstehers nor. Es erhalten: Stadto. St-xck 78, Siadtv. Mcyer Ii 13, C-adtv. Singer 8, Stadto. Virchow 2, Stadto. Langel hanö 2, E adiv. Tutzauer l; elf Stimmzettel find unbesch- leben. Ge« wählt t» Stadto. Stryck. Derselbe nimmt die Wohl dankend an, versvricht, die bisyerige Unparteilichkeit wallen zu lassen »nd bittet um die Unt.rstützung der Versammlung. Zum Stelloertlkter wiro Stadto- Dr. Lang erhanS mit 81 Sl»m»»>> genählt- 8 Stimmen fallen auf stadto. Singer; übrigen ze, splittern fich. 22 Stimmzettel waren unbeschneben. Kr Beisitzern werden durch Akklamation die bisherigen Etadtv. Eeibert, Siedmann und Gericke und zu ihren Stell» veriMter» die bisherigm Stadto. Solon, Bolle und Weiß ge» raeihlt. Di« Einfühlung der zu unbesoldeten Stadträ'hen ge» wählten Heiren Dr. med. Straß mann und Dr. jur. Krause ssn vet hierauf in der üblichen Weise statt. Die Mitglieder werden sodann in die fünf Abtheilungen »erlooft. Ali Tag der Sitzungen wird wie herkömmlich der Donner«» tag bestimmt. Die Neuwahl einer Anzahl ständiger Ausschüsse wirb durch dt« Abtheilungen vollzogen werden. Diejenigen Ausschüsse, welche, im Jahr« 1889 zur Vorberalhang einzelner Gegenstände ernannt, den ihnen er» theilien Auftrag noch nicht erledigt haben,«erden neu de» stätigt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß 8 Uhr. Der Am» schütz der Stadlverordnelen-Versammlung zur Voiberalhung oes Antrages des Magistrat« wegen Er. Weiterung der Zuführungsgeleise zm Zentral» Markthalle hat am Monlag beschlossen, der Veisammung die Annahme des Magistratsantrage« mit einer geringfügigen Aenderung zu empfehlen. Demgemäß wird derselbe beantragen: L Die Veisaivmmng möge beschließen, daß a) zum Zwecke der Erweiterung der ZuführungSgeleise zur Zmtral-Markthalle von dem Grundstücke Neu« Friedrichstraße 36 vorbehaltlich difini» twer F ächenmoßfiststellung eine Parzelle von 107 Qaadiot- meter für den Preis von 320 M. p:o Quadratmeter, also für 34 240 M.; b) behufs besserer Ausnutzung der Viadukte der Markthallenbabn hinter dem Grundstücke Neue Friedrichstr. 36 von diesem Grundstücke ebtnfall« volbchaltt'ch definiüver F ächenmaßfebstellung eme weitere Panelle von 224 Quadratmeter für den Preis von 320 M. pro Quadratmeter, also für 71 680 M freihändig angekauft wird, c) die zur Ausführung der B-schlüsse ad a und b erforderlichen Geldmittel au« An» leihemilteln 4 conto der Markthallen- Verwaltung entnommen werden, d) dem Eigenthümcr de« Grundstück« Neue Friedrich. straße 36— gegen Löschung dkS für denselben im Grundbuch eingetragenen DurchfabrtSrechtS b-züg!ich der an den Stadt- bahr.bogen Nr. 136 u»b 137 anschließenden Bogen der Markt» ballen»'ahn— das Durch fahrts echt durch den an Bogen Nr. 139 der Stadtbahn anschließenden Bozen der Markihallen- badn gewährt und durch Einiragung tu das Grun buch sicher» gestellt wir», und ermächtigt dre Stadtverordneten Versammlung den Magistrat, ein diesbezügliche« Abkommen mit dem Eigen- lhümer zu treffen. II. Die Sta�toerordneten. Versammlung sieht der Vorlegung des speziellen P ojekt« für die Erweiterung der ZuführungSgeleise zur Zentral-Markihalle nebst Kostenanschlägen entgegen. Loluiler-. Neuerbiugs treten immer«ehr Mediziner für da» Sonnen- und Fnstdad»In, und immer neue Kur» anftaiien nehmen es in ldren Kurplan auf. Gleichwie das Umlpülen»es Körper« mit Wasser, also da« Wasserdad, eine mächtige Wi kung ausübt, lo vermag auch da» Aussetzen de« unverhülllen Körpers der Sonne und der Lust Heilwirkungen hervorzubringen. Wer zum ersten Male von einem Sonnenbodc hört und nicht weiß, wie die Ausführung desselben erfolgt, wirb keine große Neigung verspüren,»in der Sonne zu baden". Mancher wird es komisch, ja sogar thörickt finden, daß man im heißen Sommer nicht nur nicht nach Kühlung suchen, sondern sogar noch feinen Köiper der Sonne auesetzen soll. Warum aber sucht z. B. der Hund im Hochsommer nicht den Schatten auf, sondern wählt sich gerade ein sonnige» P ätzchen für seinen Mittag«sch>ummer? Es ist eben etwa» anderes, ob wir de» kleidet, ohne genüaende Ab dunstung, oder entkleidet, mit und«» hinderter Ausdünstung von der Sonne beschienen werden. Die physiologische Einwirkung der Sonne auf den Orga» nismus in dessen gesunden und kranken Tagen ist unbestritten und olldtkinnl. Wir wissen z. B., daß bestimmte, epidemisch austretende Krarkzeilen an den Stand der Sonne gebunden find, daß Rheumatiker an sonnigen Tagen von ihrem schmerz» basten Leiden viel weniger gequä t wenden, wie b'i trübem Himmel. Wie frisch un» ivth fi d die Wangen von Personen, die viel im Freien sich bewegen, im G gensatz zu denen, die viel in geschlossenen Räumen fich aufhallen müssen? Verbrecher hinter düsteren Keikerma ern bekommen ihr fahles Aussehen weniger durch die Ernährung als durch den Mangel an Licht. Das wachSartiae Aussehen der Bergarbeiter ist gleichfalls nur die Folgt des langen Aufenthalt« in Räumen die des Sonnen» lichte« entbehren. Bekannt ist auch, als ein Beweis der Ein» Wirkung der Sonne auf das Auge, die Thatfache, daß Pferde, die ständig in einem Bergwerke thätig find, durch die Eni» ziehung des Sonnenlichte« der Blindheit verfallen. Wer weiß nicht, vaß sonnendurchschienene Räume viel gesünder find als Räume, die der Sonne entbehren, und>n der letzten Zeit ist von Autoritäten sogar auch nachgewiesen worden, daß durch lebhaftere Oxydationsprozesse in sonnigen Räumen da« Wachs» thum und dre Foripflanzung der Bakterien und Bazillen eine vermindeite und herabsetzte ist. Aber nicht nur der thierische Organismus, sondern auch die Lebensprozesse der Pflanzen werden durch da« Sonnenlicht stark beeinflußt. Wir wissen, daß Pflanzen, mit Ausnahme einiger weniger, die des Lichte« nicht bedürfen, m dunklen Räumen weit weniger gedeihen, oft untergehen. Wir wissen, daß das Chlorophyll(Biottzrün) überhaupt nur unter dem Einflüsse de» Sonnenlichtes ent» und bestehen kann. Ja, e« rst togar für ihre feinste Struktur nickt gleichgiltig, von welcher Seile die Sonven strahlen auf» treten, und es dürste bekannt lein, daß die Geigenbauer das Holz von der Südseite der betreffenden Bäume vorziehen. Wir wissen ferner, daß sich viele Pflanzen der Sonn« zu» neigen, daß andere gcgm Sonnenuntergang ihre B üthen und Blätter schließen und erst bei Sonnenaufoang wieder off ien. Verdanken endlich nicht die F ächte ihre Reife und Süßigkeit nur allein den Strahlen der Sonne? Zahlreich find dre Einwirkungen der Sonne auf das Zu- standckommen chemischer Prozesse, und mannigfaltig dieselben in Bezug auf ihre Anw-"'dung in der Industrie. Die Ver- änderungcn, welche dt- Sonnenstrahlen auf da« ChlorgaS aus- üben, sind dem Che« ker wohl bekannt; d«e Zersetzungen, welche ste b'i den Jod- und Bromverdindungen bedingen, bilden doS Wesen der heutigen Photogre phie; weder C?lor und Schwefel vermögen derartig zu bleichen, wie die Sonne. Aber wie diese auf ver einen Seite, wie wir«S bei den Psl inzen gesehen haben, Järberdier fte versteht, so ruft sie den Ingrimm mancher Hausfrau hervo-, wenn der himmelblaue oder pmpurrolhe UederMg ihrer Möbel oder ihre Tapeten er» blassen. Hinsichtlich der physikalischen Eigenschaften des Sonnen» l'chteS lehrt die Wissersschafl, daß in ihm zweierlei Arten von Sirahlen enthalten find, diejenigen, welche wir in die Farben de« Sp kirums zerleg«« können, die sogenannten physikalischen, und diejenigen, welche jenseits de« SpektiumS liegen, dt« chemischen Strahlen. Beim Sonnendade nun wukt die Sonne sowohl durch ihre Wärme als auch durch die ihr innewohnende chemische Kraft. Der Raum für da« Sonnenbad stellt in den Kur» anstaltin, die e« einführen, einen Pfahlbau auf Brettern vor, der unaefähr i Meter über dem Erdboden errichtet ist und dessen Wände zwei Meter hoch aufgeführt find; um es bild- lich aus.»drücken, man s tzt eine große, mit einer Thür ver« sehen« K'ste auf einige Pfähle auf. Der Badende legt sich, so führt Dr. med. Böhm in dem von ihm herauSgea-benen »Hygienischen Vo-kskalender" für 1890(Verlag von Tetzner u. Zimmer, Chemnitz) aus, entkleidet auf eine Matratze und nur fein Gesicht wird durch einen Schirm oder durch eine bankartige Vorrichtung vor der direkten Ein« Wirkung der Sonne geschützt. Darauf läßt der Badende je fünf Minuten B-nst, Rücken, rechte und linke Seite direkt von den Sonnenstrahlen treffen. Diele Art von Sonnenbad nennt man das st«'« Sonnenbad. Erfordert es die Art de» Leidens, stärkere Schweißabsonderungen zu erzielen, so wird der Patient noch in eine wollene Deck« aehüllt; will man da» gegen auch schwächlichen Patienten die Wohiihit de« Sonnen- abes zu Theil werden lassen, so wendet man das sogenannte Lakensonnenbad an, wobei der Patient in ein in 22 Grad Wasser eingetauchtes, ausgerungenes Tuch eingeschlagen w'rd, bevor er seinen Köiper der Sonne aussetzt. Einzelnen Pa» tienten legt man, um Kopsschmerzen zu vermeiden, kühlende Kompressen um die Stirn. Unmittelbar nach dem Sonnenbade kommt der Patient in ein 26 G od auf 24 Grad sinkende» Halbbad, in welchem er zum Schlüsse desselben mit etwas küh« lerem Wasser Übergossen wird, um den Körper zur Normal« temperatur zurückzuführen. Im Anschlüsse an das Sonnenbad wird meist dos Luftbad genommen, welches so auegeführt wird, daß der Patient in entkleidetem, oder nur wenig bedecktem Zustande direkt von der Luit angefäch-It wnd— ebenfalls in einem erhöhten, noch oben offenen, breiten Zelte. Die Dauer des Lustdade« ist abbängig von der In ividualilät de« Vatienten und von der Außentemperatur.� Je kräftiger die erstere und je milder die letztere, um so länger läßt stch dasselbe ausdehnen. Um den Polierten Zerstreuung und Anregung der Muskelthätigkeit zu verschaffen, verlegt man in da« Luftbad einige Turnapparate. Die Temperatur, welche im Hochsommer im Sonnevtade er- reicht wirb, delrägt oft bis zu 40 Grad, wird ober für die Atbmung trotzdem nicht hinderlich, weil wir ja den weiten Luftraum über uns Koben und durch einige Lücken an zwei gegenüberliegenden Wänden noch überdies für ständige Venti- lation gesorgt ist. Mit GlaS überdachte Sonnenbäder sind weniger empfehlens» werlh, weil durch das Glasdach die Sonne»war durch ihre wärmenden aber nicht durch ihre chemischen Strahlen wirken kann Es ist selbstverständlich, daß man das Sonnenbad, wie jeden anderen Faktor der Heilkunde nickt fchablonenmäßig an- wenden darf, denn oft schwächt e«, schadet also mehr als e« nützt; oft wird es von Patienten mit zarter Haut gar nicht er- Kagei». Die Anwendung der Sonnenbäder soll vor Allem in Be» tracht zu ziehen sein bei Gicht, Rheumatismus, Reuralgien (Nervenschmerzen), Oedemen(wassersüchtige Anschwellungen) «"d bei einer großen Anzahl von kon>titutionellen Leiden, Bleichsucht und Zuckerkrankheit, Skrophulofis der Kinder, und soll oft überraschende Erfolge liefern. Zur Grsttndhellapflege der Schulkinder. Soll die Gesundheitepflege in wen« Volk« fresse dringen, fo haben nicht nur die äußern und invern Emr'chtunoen der Schule den Ge» setzen der Gesundheitspfl-ge zu entsprechen, sondern d-e Ledrer müssen durch gelegentliche und lystematssche Belehrunq mehr als bisher das Nachdenken der Schüler über gesundheitliche Fragen anregen. Die Hygiene-Settion des Berliner Lehrer» verein« hat feit einigen Jahren Verwche nach der R-chlung gemacht, Belehrungen aus diesem Gebiete auf die inneren Deckelse'ten der Schreibhefte, Diori-n zc. drucken zu lassen und auf diese Weise die Hygiene im Volke zu nn breiten. Geh-im» rath R. Koch in Berlin, Professor Cohn in Breslau, Dr. Hartmann in Berlin, Direktor Scholz in B-emen und Professor Tobold in Berlin unterflützten die Sektion bei ihren Arbiten. Wir geben im Folgenden die betreffenden Vorschläge und wünschen, daß fich überall Fadri« kanten finden mögen, welche solche Belehrungen den von ihnen gefertigten Heften Vordrucken: I. Pflege des Kö per«. 1. Frische Luft und Sonnenlicht find unentbehrlich für die E hallung der Gesundheit; deshalb ist ihnen freiester ZaHlt zu den Wohnräumen und namentlich auch zu den Schlastäumen zu gf ahren. 2. Härte dich dadurch ab, daß du täglich den ganzen Körper kalt wäschst, naßkalt ad» reibst oder ein Brausebad nimmft. Möglichst alle 8—14 Tage nimm ein lauwarmes ReinigunaSbad. 3. Während der warmen Jahreszeit bade fleißig ,n offenem W.sser, am besten dann, wenn die Badestelle von der Sonne beschienen wird. Dehne da« Bad auf höchstens 10 M nuten aus, reibe nach demselben die Haut mit dem Handiuche, und er» wärme dich hierauf durch einen Spaziergang in nicht zu fest geschlossener Kleidung. W nn mözlrch, fo setze an fonniq n, windstillen Tagen den unbekleideten Kö per noch dem B ide der Luft und den Sonnenstrahlen au«. 4. Reinige Morgen« nach d-m Autstehen und womöglich nach jeder Mablze't Mund und Zähne und gurgle früh und Abends mit fri'Acrn Wasser. 5 Be oege dich viel und lebhaft im Freien(Spielen, Laufen, Springen. Turnen, Schwimmen, Eislaufen, Arbeiten im Garten). 6. Kleide dich nicht zu wa-m. Trage den Kopf nur leicht, den H�ls unbedecki. Vermeide gesteifte Vorhemdehen, sowie da« übermäßige Emeugen einzelner Theil« de« Kö per«(Krrsett, Leib- oder enge Slrumpfgürtil). 7. Di- Sohle de« Schuhwerkes entspreche genau der Form de« Fuße«. Da« Oberleder sei an der inneren Fußseite höher als an der äußeren. Die Absätze fordere drei und niedrig. 8. Feucht gewordene Kleider, namentlich auch Strümpfe und Schuhe ersetze baldmöglichst durch ttockene. 9. Sei mäßig im Essen und Tmken. Vermeide verdorbene, unverdauliche Speisen und L>ckercien; ge» wöhne dick dagegen an einfache Kolt und mo Jichtt früh an nur drei Mahlzeiten täglich. Genieße Speisen und Gettänke weder mehr als burwarm noch e'Skalt. Iß langsam u d kaue gut. Meide staike Reizmittel(Kaffee, Thee, scharte Gewürze, viel Salz, Tadak, alkoholhaltige Getränke). Flessch genieße nicht in rohem Zustande. 10. Hüte dich vor geistiger An- strcngung unmittelbar nach der Hauptmahlzeit und nach über- standener Krankheit. LteS nicht während de« Cssf«. lt. Gehe früh zu B-tt und stehe früh auf. Störe deine Nachtruhe nicht durch körpeiliche Anstrengung und geistige Aufregung unmtttel» bar vor dem Zubettgehen. n. Pflege der Athmungswerkzeuge. 1. Alhme mit ge» schlossenem Munde. 2. Hüte dich vor dem Emathmen von staudiger oder üMriechencer Luft. Vermeide da« Aufwirbeln von Staub im Zimmer und im Freien. 3. Spucke weder auf den Fußboden Oes Zimmer» noch in« Tatchentuch aus. 4. Gebe in jeder Pause auf den Schulhof und de« weg« dich dort soviel als irgend möglich ist. 5. Ar» bette im Sommer thunlichst bei offenen Fenstern. Bei günstiger Witterung und im Winter ernrnere die Zimmcrlust mehrmals läqlich durch gltichzeitigrS O�ffnen der Thücen und Fentter. Setze dich nicht dem Zuge aus,»u- mal wenn du erhitzt bist. Schlafe in einem Räume. d>sse» Fenster je nach der Jahreszeit mehr oder weniger geöffnet find und in welchem während des Winter« auch durch madige« Heizen die Luft erneuert wird. 6. Gurgle früh und Abend« und reinige nach jeder Mahlzeit den Mund mit frischem Waffer. 7. Vermeide eS, beim Arbeiten die Brust anzulehnen und den Unterleib zu pressen. 8. Nütze deine freie Zeit zu lebhafter Bewegung in frischer Luft au« und stärke besonder« die Mu-keln de« Brustkorbes und der Unterleibes durch körper- liche Thät-gk-it(Laufen, Springen, Spielen, Turnen, Schwim- men. Eislaufen, Arbeiten im Garten.) m. Pflege der Augen. 1. Lies und schreibe nie in der Dämmerung; fertige auch feine Handarbeiten nie im Zwielicht an. 2. Bei Tag» wähle deinen Platz möglichst so, daß du von ihm au» ein Siück Himmel sehen kannst und das Fenster fich zur linken Hand d. findet. Die Sonnenstrahlen dürfen nie auf deine Arbeit fallen. 3. Bedecke die Lampe nicht mit einem dunkeln Schirme; stelle sie höchsten« einen halben Meter weit vor dich hm und schiebe sie dabei etwa« zur Linken. Da« Arbeiten bei flackerndem Lichte, sowie da» Lesen während de« Fahren« und beim Liegen ist den Augen schädlich. Zylinder und Milchglasglocke muffen stet« auf der ArbeiUlampe fein. 4. Beim Schreiben halte den Oberkörper aufrecht. lege die Brust nicht an die Tischkante und neige den Kopf nur wenig nach vorn. Das„Kreuzt lehne an ein der Stuhllehne vorgelegtes Kiffen(Ranzen). 5. Die Schreib« feite lege so fchräg vor die Mrtte der B ust, daß die Abstriche senkrecht zur Tischkante stehen. 6. Beim Lesen lehne den Rücken an und halte das Buch mit beiden Händen schräg auf dem Tische fest, so daß die Entlernung zwischen Auge und Schrift mindestens 35 Zentimeter beträgt. 7. Schreibe nur mit liisschwarzer Tinte auf scharfe, tiefblaue oder schwarze Linien. Benutze kein Linienblalt und gewöhne dich frühzeitig daran, ohne Linien zu schreiben. 8. Wenn du Ermüsung der Augen spürst, so ruhe ein wenig au« und steh während der Zeit in'S Weite(Freie). 9. Nach schwerer Krankheit schone die Augen mehrere Wochen. 10 Dringt Staub oder dergleichen in ein Auge, so reibe daffelbe nicht, höchsten« streiche mit einem Finger sanft auf d«m oberen Lid von der Schläfe noch der Nase zu; gelingt e« nicht, den Gegenstand auf drese Weise zu entfernen, dann gehe bald zum Arzt. 11. Bei eintretenden Sehstörungen und Augenleiden wende dich an einen Arzt; ein so cher kann auch nur ent« scheiden, ob du eine Brille nöthig hast, ob die Augengläser dauernd, ob sie beim Schreiben oder heim Blick in die Ferne (an die Tafel) getragen werden sollen und welche Nummer der Gläser zu wählen ist. IV. Pflege der Ohren. 1: Bewahre die Ohren vor starken Erschütterungen.(Schlage nicht dagegen! Schreie nicht hinein!) 2. Bohre nie mit einem spitzen Gegenstände, wie Feder, Strick« nadel, Zahnstocher u. s. w. in den Ohren, und stecke keinen festen Kö per(Bohne u. s. w) hinein. 3. In das Ohr ge« drunqene Fremdkörper dürfen nur durch Ausspritzen mit lauem Waffer entfernt werden. Am besten ist e« jedoch, in diesem F�lle zum Arzt zu gehen. 4. Dringt ein Infekt tn da« Odr, so neige den Kopf nach der entgegengesetzten Seite und träufle so lange Oel in den betreffenden Hörgang, bi« da« Thierchen getödtel ist. V. Wie Lesen setzen? zur linken sollst du dich zu Hause zum Schreiben und 1. Setze dich so, daß du die Fenster(die Lampe) Seite hast. 2. Schiebe beim Schreiben den Stubl soweit unter den Tisch, daß die vordere Stuhlkante etwa 2-5 Zentimeter unter die Tischplatte reicht. Bei gerader Haltung de« Oberkö per« darf die Brust die Tischkante nicht berühren. 3. Der Stuhl sei so hoch, daß bei herabhängenden Armen die Tischplatte'n Höhe der Ellenbogen fich befindet. Da die gewöhnlichen Stühle zu niedrig find, so lege ein Kissen auf. 4. Die Fütze setz« mit der ganzen Sohle auf den Boden; erreichst da dense ben mcht, so stelle eine Fußbank unter. 5. Setze dich so auf den Siuh', daß die Brust parallel mit der Tisch« kante ist, und lehne den unleren Theil de« Rücken« (da«„Kreuz*) während de« Schreiben« fest an, womöglich an ein der Stuhllehne vorgelegte« Kissen(Ranzen). S. Schlage d'e Beine nicht übereinander, weoer am Knie noch an den Knöcheln, und ziehe vre Füße nicht unter den Stuhl zurück. 7. Lege dre Unterarme in der Nähe der Ellenbogen auf den Tisch, halte m>t der linken Hand das Heft fest und schiebe dasselbe mährend de« Schreibens weniger oder mehr aut den Tisch, je nachdem du den oberen oder unteren Theil beschreibst. 8. Lege dos Heft so schräg vor die Mute de« Körper«, daß die G unditriche der Schrift send recht zur Tischkante stehen. 9. Beim Lesen und Lernen schiebe den Stuhl etwa« zurück, lehne dich hinten an und halte da« Back schräg mit beroen Händen auf dem Tische fest. 10. MädchiN haben dafür zu sorgen, daß die Kleider gleich mäßig auf der S tzfläche vertheilt find. 11. Sowohl beim Lesen wie beim Schreiben muß das Auge mindestens 35 Zentrmeter von der Schrifi en'fernt sein. Illustrlrte Kerlwer Uenjahrvwünschr au« dem vorigen Jahih.niieri ger,ö.en zu den g>öslen S-ttenheiten. E« liegt der.Voss. Ztg.* ein solcher nebst sollender Ankündigung ,n der„V. ff. Ztg.* vom 27. Dezember 1798 vor:„Der Guck kastenmann-, em in Kupier gestochener Neujahr«wunsch, der mit ungterch mehr Verstand entworfen, von Herrn Boll mit ungleich größe er Ka st gezeichnet und mit mehr So gsalt kolorirt ist, als ähnüwe Produkte bisher je gezeigt haben, der zugleich einem unserer besse.en Dichter zu einer finnreichen St-ophe Anlaß ge« geben hat und der rn Gla« und Rahmen getaßt, al» eme sehr gefällige Verzierung im Wohnzimmer eine Stelle verdiente und an dieser Stelle Jahr au« Jahr em vergnügen und nützen kann, ist ,n der Haude- und Spen«r'schen, ungleichen in der Maurerschen Buchhandluna, desgleichen bei Herrn Schropp und Kompagnie in Gla« und Rahmen gefaßt für 16 Gr. ungefaßt tür 8 Gr. zu bekommen.* Der vorzüglich kolorirle Stich zeigt Kinder uno b>jahrie schlichte Männer um einen Guckkasten wuppirt, während dessen B.fitzer in der Rechten eine entw ckelt» Papierrolle mit der„finnreichen*, als Erklärung de« GuckkafteNl bitoe« drenenden Slropde hält: „Zum neuen Jjhr schau Jedermann Em lehrreich Bild au« meinem Kasten, Da« Bild von unserm Leben an! Der Leidenlchast ganz hingegeben Trabt alle Weit, dort linker Hand N-ich Aemtern, Titel, Stern und Band, Nach Geld, nach Putz und anderm Tand: Ihr ganzes Thun rst ein unfeet'ge« Streben! Nur Wen'ge recht«, verstehn das L-ben Zu brauchen, wie man'« brauchen muß, Zur Freundschaft, zum N 4urgenuß Und zu der Lust, die W>ssenschaften geben! Wer von den Letztern ist, fürwahr, Dem wird gewiß ein frohe« Leben, Oha' allen Wunsch, zum neuen Jahr!* Am di- Reinheit de» Keeliner Lett«nt»mass-r» ,u u'»e.suaen, find im vergangenen Sommer erngeh-nde fein könnte, dachte man um so wemger, al« uberall b.» Meinung verbreitet man um so war, daß wemger, als die Sandfiltration die de« Berliner Leiiungswasser« dasselbe von Ansteckunasstoffen «der Art, namentlich auch von den gefürchteten Typhus- und Milzbrandbazillen befreie. Es galt als ausgemacht, baß durch die fich auf der Ob« fläche de« Filtermaterials dum Betriebe erzeugende oder absetzende Schiiyt organischer oder anor- ganischer Kö'perchen, eine richtige Fütergeschwindigkeit voraus« zesetzt. die Bakterien fast ausnahmslo« zurückgehalten würden. Im Widerspruch mit dieser Anschauung haben nun die im letzten Sommer stattgehabten Ermittelungen und Wissenschaft« lichen Versuche dargelhan, daß gegen K-arkheitsstnffe wie Typhus, Milzbrand u. f. w. die gewöhnliche Sanbfi.tration de« Wasser« keinen Schutz zu gewähren vermag. Damit ist die Zrage nach einer besseren und zuverläsfigecen Art der Reini- gung de« Leitungswassers in ein neues und bedeutungsvolles Stadium gerückt, und es gewinnt bereits die Meinung Brach« lung. baß man weitere FutrationSarten nicht in den Sammel« baffin« des Leitungswasser« werde anbringen können, sondern derartige Einrichtungen den einzelnen HauShal ungen werde überlassen müssen. N«rschied««en Kparkassen-Uorständen ist von der vorgesetzten Verwaltungsbehörde eine genchrlicte Entscheidung mitgetherlt worden, wonach da« von einem Ehegatten dem anderen fortgenommene Sparkassenbuch, sobald der Sparkasse von dieser Entwendung Mitlheilung gemacht ist, ebenso wie ein verlorene» Sparkass-nduch behandelt werden soll. In dem ge« gebenen Falle hatte eine Ehefrau, die ihren Mann verlassen, ein diesem gehörige« Sparkassenbuch mitgenommen und den Betraa auch von der Sparkasse auebezahlt erhalten, trotzdem der Ehemann vorher der Sparkasse Mitlheilung von der En!« wendung gemacht und gebeten hatte, das Buch vorkommenden Falle« anzuhalten. Auf die gerichtliche Klage gegen die Spar- lasse erstritt der Ehemann in letzter Instanz, b« dem zustän« digen Oberlandesgericht, ein obfiegendes Urtheil, wonach die Kasse zur Zahlung de« Sparbetrages verurtheilt wurde. Der„KtaatsbLrger-Dtg.* lassen die Boykott« keine Ruhe. Dt« Antisemiten haben zwar in Deutschland den Boykott zuerst eingeführt: aber seitdem er fich nicht mehr bloß gegen die Juden richtet, steht ihn die„Staattb. Ztg* auf ein- mal al« einen Mißbrauch an, ober fie verdreht tue Umstände o, daß er al« ein Mißbrauch erscheinen muß. Außer der un« wahren Behaup'ung, daß dem Befitzer de«„E.yfiums* von den Sozialdemokraten mit dem Boykott gedroht worden sei, weil er seinen Saa> zu antisemitischen Versammlungen her« äbe, führt fie in ihrer letzten Nummer noch einen zweiten fall an, au« welchem der T-rrorismu« der Sozialdemokraten Moorgehenüsoll. Dem Wirthe Herrmann in der Barnimstraße, der durch Inserat im„Reich«. Herold* antilemitrsche Gäste uchte, ist dre Lohnkommtsfion der Steindrucker ausgeblieben, und der Arbeitsnachweis ist ihm entzogen worden. Ein be» zrenzter Krri« von Personen hat also von seinem Rechte Ge« brauch gemacht, fich ein Lokal zu wählen, welche« ihm genehm ist. Worin soll da der Terrorikmus liegen? E« bleibt also dabei: Die A, bester denken nicht daran, den gegen sie so viel ge« übten Terroriimu« auf Andere anzuwenden. Die am 1. April 1>88 vorhanden gewesenen Dferdedahngrleise h.ben sich auch ,m Eratsjayie 1888/89 w,eser vermehrt; es find 6171,05 laufende M.ter eingleisige Ettecken und 3151,79 Meter zweigleifige Slicck-n neugebaut worden. Nach dm zwischm den Pferdedahn.Gelellschaften und der Stadtgemeinde abge>chlossmm Verträzm baden dieselben a) gegen Erlaß der Ve pflichtung während der Vertragszeit dm Bahnkörper in den Strazen, in welchen Pferdebahnm herge- stellt find, mit besserem Material und neuer Unterbettung neu- bezw. umzupflastern, eine nach dem Fiächeninhalie de« von den Pferdebahn. Anlagen eingenommenen Swaßmkörper« fich ber-chnmde Rmte in baarem Gelde, d) für die Benutzung der Straßen, Plätze und Chausseen der Stadt zum Beiriebe der Pferdebahnen eine nach dem Brutto. Ertrage fich richtende Ab- tabe zu entrichten. Die Rente zu a) betrug l) bei der Großen )erl»ner Pferdebahn« Gesellschaft 218 993,73 M., 2) bei der Neuen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft 42 692 77 M, 3) bei der Charlottenburger Pferdebahn-Gesellschaft 17 499,05 M., so haß im Ganzm 279 145,55 M. an Renten für tue Unterhaltung de« Straßenkö per», soweit er von den Pferdebahnm be« nutzt worden ist, gezahlt worden find. Die Abgaben zu b)auS dem Bruttoerträge Hai ergeben: 1. bri der Großen Berliner Pferdeerfmbohn-Gesellschafl 829480,22 M., 2 bei der Neuen B»rlin-r Pferdebahn- Gesellschaft 49 224,42 M., in Summa also 878 704,74 M., während die Abgabe der Berlin«Char« lotrmburger Pf« debahn- Gesellschaft bei Schluß de« Etat«« jähre« noch nicht feststand. Di« kritisch«« Tag« de« Jahre« 1890. Auch für da« neue Jahr hat der Wetterprophet seine kritischen Bedenken bereit« ausgesprochen, und wmn er die kommenden 365 Tage auch im Allgemeinm zur„schwächeren Klasse* der kritischen Periodm rechnet, so find fie doch keineswegs von drohenden Momenten frei. Falb'« Kalender weist für da« Jahr 1890 nicht weniger al« 25„kritische Tage* auf, welche sich folgender« maßen verlheilen: Erster Ordnung, alio in ihrer Gefahr am ftärkftm und droh ndsten. find der 20. Januar, 19. F-bruar, 20. Mär», 31. Juli, 30. August, 28 September und 27. Ok« lober. Z veiter Ocdnungfind 9 Tage, und zwar der 6. März, 5. und 19. Aprrl, 4. Mai, 3. Juni, 2. Juli, 13. Oktober, 12. Novnnber und 12. Dezember. Dritter Ordnung, d. h. am wenigsten g-fährltch, tretm der 6. Januar, 5. Februar, 18. Mai, 17. Juni, 17. Juli, 15. August, 14. September 26. November und 16. Dezember auf. Unter den beiden letzten Rubnkm find der 12. Dezember der Tage zweiter Ordnung und der 17. Juni und 26. November dcrimigm dritter Orb nung insofern zweifelhaft, al« fie auch al« Tage höherer Ord nuna auftreten können. Im Allgemeinen sieht e« also wiederum 25 Mal im nmen Jahre stark„windig* für un« au«! Hoffen wir, daß un« da« Schicksal gnädig bleibe! Iw«i Koutuafinsterniss« und«w« Mondfinsternis bringt un« da« Jahr 1890. Bei un« wird hiervon nur vre erste Sonnenfinsterniß fichlbar sein. Dieselbe ist eine rinx» förmige und ereignet fich am 17. Juni Vormittag«. Jhrm Anfang nimmt fie gegm 8 Uhr im Atlant, scheu O,ean, nahe dem Ärquator, südwestlich von Kap Palma», zieht über die nördliche Hälfte Afrikas über Europa und Asien ausschließlich seiner nordöstlichen Spitze und endet um 1,49 Uhr auf der Höhe von Madras. Für Deutschland erscheint diese Finsterniß nur al« partielle. Die zweite Sonnenfinsterniß, welche fich hauptsächlich auf die südlichen Polargegenden erstreckt, findet am 12. Dezember Morgens statt. Sie ist eine lingfönnige bezw. �totale und nimmt m t gerinqen Abweichungen einen Lauf ähnlich der vorigen. D«e Mondfinstrrniß ist eine partielle, sie dauert 18 Minuten und findet am 26. November Nach mittag« statt. Di««««« prtußijch« Arznetta»« für das Jahr 1890 ist nunmehr ei schienen. Die Piesse der Heilmittel find mcht wesentlich geändert worden, me st handelt e« fich um Preis- erhöhungen oder Ermäßigungen von nur fünf Pfennigen. Die neueren Arzneimittel Äntifedrin und Anlipyrin haben ih en Preis erhalten. Sulfonal ist dagegen auf 15 Pf.(bisher 25 1 für da« G-ninm heradaefetzt worden. D«r Polik«lprLstd«nt warnt öffentlich vor der Feuer- gefährlrchkeil de« sog. Celluloid, d. i. eine hornartige Masse, welche fich je nach ihrer meist sehr gut ausgeführten Färbung al« eine Nachahmung von Schildpatt, Elfenbein, Berufte n, Horn u s.w. zur Herstellung der verschiedevaitigsten Gebrauch«« gegenstände, al«: Kämme, namentlich Einsteckkämme und Schmuckhaarnadeln für Damen, Armbänder, Broschen und der« gleichen eignet. Die Sachen finden ihrer verhältnißmößig großen Billigkeit wegen einen fich fortschreitend steigernden Absatz. Das Celluloid ist aus außerordemlich leicht brennbaren Stoffen zusammengesetzt und mcht allein bei unmitteldaier Be« rührung mit einer offenen Flamme, sondern sogar schon durch Erwärmung bis ju einem gewissen Grad: in der Nähe einer olchen leicht entzündlich. Es verbrennt mit so lebhafier. stetiger Flamme, daß die Erstickung de« Feuer« nur mit besonderer Schmie, ipkeii bevvrki werden kann. Die Nenjahrvnacht wurde in Berlin in der übliche» Wri?« begamer. Radau und Rvbeit n wurden nach überein« timm-nden Belichten verschiedene, Reporter in den sogenannten vornehmen Stadiheilen aueschlnßlich von Repräsentanten der gebildeten* Stände begonoen. ®i»e eigenartige Sqloestrrindufiri« herrschte während der lrtzien Tage rn den velichieveniten Gesibäfiebranchen, welche alle dazu dienen, den Aberglauben in der Syloesternacht zu unterstützen. Vor Allem find«s die Klempner, die den Massenansturm der Käufer fast nicht genügendes Veikaufs«| Material an alten Dachrinnen und Gußblei entgegenbringen können und deren Blei dazu dienen soll, in der Syloesternacht' bei dampfender Punschbowle die Zukunft zu verkünden. Auch j die„Häringskrller* erfreuen fich eines ganz besonderen Zu« i PiucheS mancher Hausfrauen am letzten Abend de« Jahre«. welche„Rogenhärmge* für die Sylveiternacht kau'en, um au« dem Rogen der Häringe die sicher eintreffende Piophezerung zu erhalten, ob und wieviel Geld im nächsten Jahre je nach Größe de« Rogen« de« Herings in« Haus kommt. Ja den Mark.hallen waren am Syl, estertage die Karpfen sehr knapp, weil die„guten* Kreise nach altem Brauch für den Sylvester« abend stet« ein„Ka�ptencssen* veranstalten. Die Schuppen diese« Fische» in der NeujchrSnacht in« Portemonnaie gesteckt und während oes neuen Jahres getrogen, bringt gleichfall» Geld und Glück in da« Haus. Auch Stearinkerzen werden sehr stark zur Neujahrknacht gekauft; zwei Lichte, zu beiden Seiten de« Spiegels hingestellt und angezündet, zeigen in dem onst verdunkelten Zimmer den über die-iger.e Schu ler m das Spiegelglas fchau-nden jungen Mädchen dos Bildnis de« B.äutigamS, welchen fie im kommenden Jabre erhalten. Schließlich waren die SanitälSwachea den Tag über in voller Thätigkeit, um Vorbereitungen für die N ujrhrsnacht zu treffen, da es bisweilen ohne blutige Schläqereien nicht abgeht. In der Artilleriewerkstatt in Spandau haben jetzt der„Kreis. Ztg.* zufolge mehrere Abtheilungen wieder rerch« tich Arbeit, so daß Uederstunden eingeführt werden mußten. Für die Sattlerw-rkstatt finden Neueinftellungen von Gr- sellm statt. Die Ard«iteri«ne» d<« Fenerwerkslaboratorinm» in Spand-u, weiche Ende des Monat« S.ptember infolge einer Zündhütchen- Explosion mehr oder minder schwer vnbtzt wurden, haben zum gi ößien Th-il inzwischen die Arbeit wieder aufgenommen. Die Beschädigungen waren bei der Mehrzahl bekanntlich nur leichter Ra'ur. Bei sieben schien es anfangs, als ob Lebensgefahr vrrbanien wäre. Auch bei diesen besserte fich der Zustand wider Erwarten, und die Hoffnung, daß die Katastrophe Menschenleben mcht kosten werde, wurde nach mehreren Tagen zur Gew ßheit. Einiae Verunglückte haben jedoch geraume Zeit im K ankenhause ärztlich behandelt werden müssen; jetzt b findet sich aber keine von den Verunglückten mehr in vemkelben. Die am schweiften vernetzt gewesenen fin» nun in der Rekonvaleszenz begriffen, und auch fie werden die Arbeit auf dem Institut wohl m nicht zu ferner Zeit wieder aufnehmen können. Mit«in«m Mord«, so schreibt un« em Berichterstattrr, wenn nicht einem Doppelmorde, ist die Verdrichen«« chronik de« reu n Jahre« eröffnet morden. Diesmal»st es ein«echt mysteriöser Mord, welcher die Bewohner de« Nordwest n», sp ziell Moabit», am bemigen Tage in die furchtba st- Ausr-gunq versetzt bat. Ja dem Hause Hivelbergeistr-ß« Nr. 3 k» findet fich ein kleiner Budiker'eller, swelcher früher dem Gastwirtb Hüffner gehörte. Da« Geschäft ging sehr schlecht und da die Gläubiger drängten, ließ er dasselbe auf den Namen seiner Tochter schreiben und schli.ßlich gelang es ,hm, da« Lokal, welches etwa einen Werth von 600 Mark haue, an die feparirte 33 jährige Frau Teichert, geborene Auguste Hennig, au« Ost-rburg zum Preise von 1800 Mark zu verkaufen.— Am 7. Nooemder vorigen Jahres fand die Uebergabe de« Geschältes still und die Teichert, welche bi« dahin in ihrer Heimaih geweilt und dort mit einem Bouerssohn vorll Jahren ein unehelickeS Kitid�ein Mädchen, gehabt, ließ ihre Tochter dort noch zurück und übernahm das unre-tadle, wenig von Gästm besucht» Lokal, welches kaum den nölhigsten LedenSunterhalr einbrachte. Die T. scheint durch ein HeicatvSversprechen, welches ihr ein gewisser Biefur gab, zum Kauf de« Geschäftes animirt worden zu fein und ließ nun auch ihr K nd hierherkommen, weiibeS am vorgestrigen Abend bei der Mutter eintraf. Die T. hattzfich auch Richbarn gegenüber ausgesprochen, daß fie an Atrmen« talionSgetdern noch 600 Thaler vom Rechtsanwait für ihr Kind zu erhalten habe und wohl auf dieses Geld hm kaufte fie auch noch ein Pianino. Am geftri-en Morgen um£8 Uhr hatte das Töchterchen der T. von oem Milchhändler Jllge Kohlen geholt und feit dieser Zeit wurde da« Kind nicht mehr gesehen. — Um 10 Uhr Moroen« begab fich die in demselben Hause wohnende Grünkiamhändlerin Bischuieck in den offenstehende« Keller der T., um dersclben einen Brief abmzeben.— In dem dunklen Koiridor jedoch, welcher gleichzeitig al« Zimmer benutzt wird, sto peite die B. übir einen Körper und sofort die Thür zum Gastzimmer off.-.end erblickte die entsetzie Frau die T. am Boden in einer großen Blutlache auf dem Rücken mit ausgestreckten Armen und Beinen liegend, tobt und anscheinend ermordet.— Sosort alarmirte die Frau B- nun die Nachbarschaft und nun fand man denn auch da« Kind auf dem Korridor im Bett liegend ebenfalls todt und entkle det vor.— Da« Hemde de« Mädchen« war von emer ätzenoen Flüifigkeit total zerfressen, auf einem Stuhl stand eine T�sse mit einer klaren Fiüsfigkert, und neben de» selben lag eine kleine Düte mit weißem Pu!ver. Die in- zwischen eingetroffene Kriminalpolizei stellte nunmehr fest, daß der T. der Hai« durchschnitten sei und ebenso wie« die Leiche einen tiesen Stich in der rechten Schläfe auf.— Ausgeführt war die That anscheinend mit einem KüchenMisser, welche« in der Gaststub? aus einem Teller mit Butter lngino vorgefunden wurde. Die T. hatte vor einigen Wochen fwon mit ihrem Bräuti- gam gebrochen und sich einen neuen Liebhaber in Gestalt de» etwa 25tahr,gen Sattler« Franz Malchow angeschafft, welch« am gestligen Abend noch bei seiner Braut gewesen ist.— Im Laufe de« gestrigen Tage« hat die T. dreimal bei der oben« erwähnten Jllge Schutz gegen Mißhandlungen gesucht, welche sie feiten« mchr-rer Gäste, nach ihrer Angabe Freunde und Bekannte d>« ehemaligen GeschäfltinloberS Hüffner, zu erdulde« g habt hätte.— Die StaatSanwatlschafl traf gegen 2 Uhr Nachmittag« ein uno die aufgenommenen Erhebungen derselben ergaben zunächst: daß die in der Wohnung der T. befinvlichen Ge enstände vor etwa 10 Tagen gerichtlich versiegelt worden find auf Antrag der Gläubiger de« Hüff'e,«; letzterer wachte für dre T. eine Eingabe auf F eigabe der Sachen, welch« jedoch, da sie falich gefaßt, erfolglos blieb; ferner wurde ein Steinträger ststrrt. welcher nach Angabe der Grünkramhäadleria B.schurek, einer Freundin und Landsmännin der Tooren, am Sonntag einen Regulator aus bim Gastzimmer mitgenommen hat; weiter ist eimittelt worden, voß ein Sparkassenbuch, der T. gehörig und über 800 M. lautend, von dieser verpsändet worden war, und daß ein größerer Betrag davon abgehoben worden war. Darnach ist e« leicht möglich, daß die T., welche durch den Kauf des Budikerkellers den«roßten Theil ihre« Vermögen« verloren, in verzweifelter Stimmung erst ihr Töchlerchen, welche« fie über alle« geliebt, vergifiet und fich dann selbst den Tod gegeben habe. Von anderer Seile wird da« Verbrechen in folgender Weise daroestellt: Die Kunde von einem Doppelmord verbreitete fich gestern Mittag im Nordwesten der Stadt. Draußen in Moabit, an litr Weickibildgrenze Berlins, zweigt sich die Haoelbergerstraße von der Bilkenstrabe ab; die linke Seite der Stieße ist nahezu veebaut auf der reckten Seite stehen aber nur die drei Häuser Rr. 1. 2 und 3. In dem letzten Hause Nr. 3, reckts vom Thoreingang, betreibt seit einiger Zeit die etwa 35jLhrige Schankwirlhm Tegmcyer ein Schankgeschaft, welches früher der Besitzer des Hauses inne hatte. Frau Teg- Meyer ist bei Osterburg zu Hause; sie ist Witiwe und kam nach Berlin, um hier ihi cn Lebens unterhalt H verdienen. Sie glaubte am besten vorwärts zu lommen, wenn sie einen Schankkeller ausmachen würde, und da in der Havelbergerstraße eine Landsmännin von ihr rr ahnte, so kam es, daß sie das Geschäft in Nr. 3 kaufte. So lange der Hauswirth Besitzer des Geschäftes gewesen war, so lange ging dass lbe einigermaßen, da dessen großer Bekannten- kreis bei ihm verkehrte. AIS aber die unerfahrene Frau vom Lande Besitzerin wurde, war eS aus mit drm Verdienst. Die bedauernSwerthc Frau sah Tage lang keinen einzigen Gast, und bald ward ihr klar, daß sie ihrem Rum entgegengeht. In den letzten Tagen hatte sie denn auch ihrer LandSmännnin ihr Leid geklagt, und vor« gestern Abend reiste sie nach Osterburg, um ihr dort bei Angehörigen weilendes Töchterchen im Alter von 11 Jahren räch Berlin zu holen. Gestern Abend kehrte Frau Tegmeyer Mit dem Kinde nach ihrer Behausung zurück und nachdem sie das Kind zu Bett gelegt, ging sie hinüber zu ihrer Lands« männin, verblieb dort mit noch anderen Bekannten bis gegen 11 llhr und ging dann mit ihren Nachbarn, den Grünkrom« Händler BorewSksschen Eheleuten, in ihr Schankgeschäst. Hier sing die bedauernswerthe Frau wieder an zu klagen, daß es ihr so schlecht gehe; dabei weinte sie bitterlich. Die B scken Eheleute trösteten die arme Frau, so gut es gehen wollte, und begaben sich gegen 412 Uhr zu Bett.— Gestern Vormittag um 11 Uhr wollte Frau B. Briefe, welche� für dre Tegmeyer angekommen waren, und die der Briefträger ab- gegeben, weil Frau Tegmeyer das Geschäft noch nicht geöffnet hatte, hinüber bringen. Zu ihrem größten Erstaunen fand Frau B. das Ge chätt noch immer geschlossen, und da ihr auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet wurde, ging sie nach dem Hofe, um durch die Hinterlhür in die Wohnung zu ge- langm. Die Hintrrthür war auch unverschlossen; als die Frau B. aber den K-llttflar betrat, st'eß sie an emen Gegenstand und erkannt« zu ihrem Schrecken bei ge- "auerem Hinsehen in dem in einer Blutlache liegenden Koip-r die leblose Fron Tegmeyer. Eiligst lief nun Frau B. auf das nahegelegene Polizei-Revier-Bureau und machte Mel- dung von dem Gesehenen. Polizeilieutenant Müller erschien iofort und nahm die erste Btsichtigimz vor.— Der Schcnk- rellec der Tegmeyer besteht aus einer einfenstiigen Stube, in welche die Kellertreppe von vorne direkt hineinfuhrt. Neben der Gaststube liegt die Schlafstube und hinter der Gast- stube die Küche. Der Leichnam der Frau Tegmeyer lag lang ausgestreckt auf dem dunklen Korridor neben der Küche; cm Hasse sah man«incStranguiationsmarke, und aus mehrerenStich' wunden am Halse sickerte das Blut. Das reckte Auge war wie von einem Hieb blau unterlaufen. Das 11jährige Töchter« chen wurde, ohne äußerliche Verletzungen, todl im Bette auf- gefunden. Auf die von Polizei- Lieutenant Müller erstattete Dipesche langten gegen 2 Uhr Nachmittags der Chef der Kri« winalpolizei, Graf Pückler, Kriminaikomm ssarius Feige und mehrere Kriminalbeamten ein, und die Recherchen nahmen so- f°-t ihren Anfang. ES dürfte mit ziemlicher Sicherheit fest- stehen, daß die unglückliche Frau in ihrer Verzweiflung zu- nächst ihr Töchterchen vergiftet und dann den Versuch gt« wacht hat, sich zu erhängen. Als ihr das mißglückt ist, wirs sie mit emem Messer sich die tödtlichen Stiche beigebracht haben. Die junge Witiwe Tegmcyer war verlobt mit einem Sattlergesellen. Mit diesem war sie eben- wlls gestern Abend noch zusammen; ihr Bräutigam hatte das ■Berhällniß aber gelöst, weil dre Braut in dem Schankgeschäst .�lles zugesetzt hatte. Derselbe hatte gestern Mittag gleich ein lang res Verhör zu bestehen, doch liegt gegen den gutfiluirten und sich de« besten Rufe« erfreuenden Mann nichts Belastendes vor.— Da« Töchterchen hatte die T. in ihre erst« Eh« mit- gebrockt; der Vater de« unehelichen Kinde« hatte für das Kind 1800 M. ausgesetzt, welche für den Sterbefall des Kindes der Mutter zufallen sollten. Ob die ve, zweifelte Frau ihr Kind nur deshalb von der Heimath nach Berlin geholt hat, um es zu ermorden und so in den Besitz de« Geldes zu kommen, war drs zur Stunde noch nicht aufgktlärt. Vor Jahre» wurden verschiedene Personen dadurch em- psindtich geschavigt, daß sie Goldstaub, der von russischen Händlern angeboren war. kaufien, welcher sich bei näherer Prüfung als nn werthloses Gemisch von Kupfer- und Messing« staub erwie«. Auch mußte kürzlich erst wieder vor diesen rusfi« scheu Gaunern gewarnt werden. Nicht überflüssig erscheint eS deshalb, ein autz Riga unterm 22. Dezember an einen pcmmerschen Gioßgrundbefitzer gerichtetes, nichtuntersch iebenes, sondern nur mit e»ntm Etempelaufdruck versehenes Schreiben zu ve> öffentlichen, dessen Inhalt und mysteriöse Fassung keinem Zweifel Raum lassen, daß es sich um eme„Goldstaub-'-Kauf- vff:rtt handelt. Das Schreiben lautet wie folgt:„sehr geehrter Herr! Ihr weriher Name wurde mir besten« als der eines unternehmenden, diskreten und oermögenden Geschäfts- Mannes genannt, und«n Vertrauen hierauf erlaube ich mrr dre höfliche Anfrage an Sie zu richten, ob sie geneigt wären, wegen eines kolossal lukrativen Unternehmens mit mir in Korrespondenz zu treten. Meine Stellung in Sibirien ließ mich die nähere Bekanntschaft eine« Russen machen, und dieser schlug mir ein Unternehmen vor, worauf einzugehen mir leider, trotz der verlockenden Aue sichten, Stellung sowohl ai« Verhältnisse nicht gestotlen. Der Russe vroduzirt einen Artikel, dessen Handel in Rußland Pnvat- Personen nicht gestattet ist, und dieser Artikel muß daher in diskretester Weise unter der Hand noch auswärt« gehandelt werden. Das Unternehmen ist für einen Ausländer ohne Ge- fahr und ohne jedes Risiko. Woarentenntmsse sind durchaus nicht nöthig und Vertrauen wird ,n keiner Werse beansprucht. Die Einfuhr de« ArtrkelS ist überall hin zollfrei und d»e Waor« wird im Auslande an jeder Börse notrrt und gehandelt. DaS Unternehmen kann jährlich über 120 000 M. Reingewinn abwerfen. Der Abschluß kann nur in Rußland(Warschau, Wilna, Kowno) stattfinden, und müßten See eventuell zu einer kurzen Reite nach dort bereit sein. Strengste Diskretion dringend ge- boten! Weitere Auskünfte bereitwilligst, doch nur gegen vor- herige Reloucnirung dieses Briefes. Erfuche Sie um baldigste Antwort. Hochachtungsvoll.- Ueberfahrr» und getödtet! Der Vorfitzende der Berlm-Göu tz.r Eifendagn, Ober- Regierungsrath Wagemann, ist am Drenftag Abend auf dem Bahnhofe Kottbus von einem Ranptrzuge erfaßt, niedergerissen und durch Ueberfahren auf der St-lle aetö let worden. Mittelst Cwbruch» ist in der Nacht vom 31. v. zum 1 d. Mrs. der d-m Goldwaarenhändler Figdor, Holzmarkt- straße 72 wohnhaft, ein Diebstahl ausgeführt worden, bei wel- chem folgende Gegenstände gestohlen wurden: 32 Armbander von 8 und 14 karr, und Doublegold mit verschiedenfarbigen Steinen, 8 silberne Armbänder mit vergoldeten Stellen, 112 Herren- und Damenringe, 8- und 14 karr, mit verschiedenfarbigen Sternen, 12 filderveraoldete Trauringe, 25 K avattennadeln, theils Süder, theils Gold, mit verschiedenen Sternen, Perlen und Granaten, 2 Paar Oh'nnge mit WachSperlen, 16 Paar Doublü. Ohrringe, 3 Double-Garnituren. 3 Fantasie- Garnituren, 3 goldene Kreuze, 2 großeKorallen kreuze, 3 Korallen- Collier«, zwer- und dreireihig, 1 Tutafeuerzeug, 1 Tulamesser mit biv. Klingen und Scheeren, 1 lchwarzlederne« Bügelporiemonnaie mit divecken �«stcrreichischen Suber- und Kupfermünzen, 42 diverse N ckel, Herren- und Damen-Uhrketten, theilS vergoldet, 4 goldene Brechen, 14 karr., 9 do. 8 karr., 15 Doubl-brochen, 3 silberne Brocken, 1 silb. vergoldete Brocke mit Gemmen, 1 silberne Brocke mit Halbmond mit Gimilistein, 1 silberne Broch« mit Amethyst und Perlen, 25 Paar Ohrringe 8 und 14 kanätig, tbeil« m't Steinen, theils mit Perlen; ferner 21 Herren- und Damen Medaillon« von Double, 2 Gcanatmedaillons in Herz- form, 1 Granaikollier, 5 Granalbrochen ä jour gefaßt, 18 Gra- natohninge.4goldeneHerrenuhrketten, 6 Douols. Herrenuhrketten, 4 Double. Herren-Ehatelaineketten. 11 �Double- Damenuhrketten, thnl« mit Quasten, 8 silberne Herrenuh-ketten und 2 silberne Damevuhrketlen, darunter 1 mit kleiner Börse. Der Gesammt« werlh dürkte fit> auf 4000 M. belaufen. Seldstmord a«f dem Tempethofe» Feld«. Am 1. d. Ml»., Vormittags gegen 8 llhr, würbe auf dem Tempel- hofer Felde, füvlrch de» Koionnenwege«, etwa 150 Meter von der Chaussee, die Leiche eines zirka 25 6t« 30 Jahre alten Mannes mit Schußwunden am rechten Ohr aufgefunden. Derselbe war von schlanker Statur, länglichem Gesicht und hatte einen spärlichen blonden Backenbart. An der rechten Hand befanden sich 3 Goldringe mit Steinen und Mono- gramm, während an der linken Hand der Leiche drei Finger fehlen. Bekleidet war der Todte mit schwarzroth gestreiftem Stoffanzug, schwarzem Fil«but, Chemisette, weißer geblümter Kravatte, Handschuhe mit Meffingknöpsen und brounwollener Unterjacke. Außerdem wurde ein weiße« Taschentuch, O. J. 8 gezeichnet, vorgefunden. Selbstmord durch Revolverschüsse ist unzweifelhaft. Die Leiche ist nach dem Ltichenschauhause ge- schafft word-n. Da» Lokalkomitee»»« Friedrichshage» ersucht uns um Aufnahme des Folgenden: Nach fechswöckentticher Sperre überlassen un« vom 30. Dezember vorigen Jahres ab wieder ihre Räumlichkeiten zu Ver- fammlungen die solaenden Gastwirthe: G. Kautzsch, Gekellschaftshaus. Th. Schmidt, Waldhau«. E. Moy, Restaurant. R. Richter, Eiskeller. C. Conrad, Restaurant. Th. Wolf, Braueret-AuSschank Friedrichshagen. E. Wulf, Bad Bellevue. A. Witre, Fischerhütte. E. Schulze, Seeschlößchen. G. Wöhlert, Restaurant Germania. Polileidericht. In der Nacht zum 31. v. M. sprang ein Mann von der Jnnvowitzbrück« au» in die Spree und er- trank.— Am 31. v. M. Nachmittag« erschoß sich ein Schank- wirth in seiner Wohnung rn der Friedenftraße.— Alt zu der- felben Zeit die Arbeiter Kudek und Engler auf dem Steinert» schen Lagerplatz am Görlitz-r Ufer mit dem Verladen von Brettern beschäftigt waren, fiel plötzlich ein Stoß aufgestillter Bretter um und auf die beiden Arbeiter. Dreselben erlirten dadurch schwere Verletzungen, so daß sie nach Bethanien ge- bracht werden mußten.— Im Lause de« 31. v. M. fanden an vier veifchiedenm Stellen kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden.— Am 1. d. M. Morgens wurde ein Mann in feiver Wohnung in der Ritterftraße und zu der- selben Zeit ein unbekannter, etwa 30 Jahr alter Mann aus dem Tempelhofer Felde, südlich de« Kolonnenweg.S, nschossen auf- gesunden.— Nachmittag« versuchte ein junger Mann auf dem Flur des Hauses Beusselstraße Nr. 76 noch einem Streit mit seiner Mutler semem Leben durch den Genuß von Schwefel- säure ein Ende zu machen. Er wurde noch lebend nach dem Kcankenhause in Moalit gebracht.— Abends fanden an vier verschiedenen Stellen klemere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. Gertihks-Isikttng. Der erste Angeklagte, welcher im neuen Jahre vor der 92. Avthertung des Schöffengerichts zu erscheinen halt«, war ein Heiralhsschwindler. Die Hintergangene, eine 42jährige Köchin, erklärte bei ihrer Vernehmung unter Thränen, vaß der Angeklagte, der um etwa 10 J ihre jüngere Adolf Niemeyer, ihr Alles geraubt habe, was sie besessen. Derselbe hatte eine« Tages an der Gaslet'ung in der Wohnung, wo die Zeugin bedienstet war, eine Reparaturarbeit vorzunehmen gehabt und bei dieser Gelegenheit da« Herz d-S heiraths- lustigen Mädchens im Sturm erobert. Bald hieß es „Bräutigam und Braut-. Die Dienstmagd nannte dn Sparkassenbuch über 430 M. ihr«igen, sie fand es ganz natürlich, daß der Angeklagte es sich überantworten ließ, um mit Hilfe de« Geldes die Grundlage für dre gemeinschaftliche däusliche Einrichtung zu legen. Da« Mädchen kündigte zum 1. Oktober den Dienst. Die« sollte der Termin sein, an welchem her Gang zum SlandcZamle angetreten werden sollte. Eines Tages, etwa vier Wochen vorher, erklärte der Angeklagte ihr, daß da» Aufoebot erfolgt sei. es könne sich jeder davon übet- sühren, der sich nach dem Rathhause begeben wolle, woselbst die Ramen der aufgebotenen Paare in bestimmten AuShän gekästen verzeichnet seien. Die„Braut- wollte sich an diesem Anblick erfreuen und scheute den weiten Weg nicht. Trotz allen Euchens fand sie da« Aufgc- bot nicht und b.gab sich deshalb nach der Wohnung ihre« Zu- künftigen. Hier erfuhr sie vom Portier, daß der Nachgefragte verherrathet sei und 2 Kinder befitze. Sie war da« Opfer eine« Betrüger« geworden, der ihr nur ihre Eisparnrsse ab>chwindeln wollte. Der Angeklagte suchte sich damit zu entschuldigen, daß die Zeugrn ihn nie gefragt habe, ob er verherrathet(er, sonst ww de er ihr reinen Wein eingeschenkt haben. Der Gerichtshof hielt bei dem häufigen Vorkommen von Heirathsschwindeleien eine empfindliche Strafe— 3 Monate Gesängmß— für angemessen. Sozisls llebersrckrk. Die Keschäftignnst und Lebensweise der weidliche« Arbeiter har der jungst erschienene Beircht oe« obersten Arbeit«- decmten in den Vereinigten Staaten(Commisstoner of Labour) zum Gegenstande und enthält derselbe viel« interessante Ernzel- ! leiten, wie denn auch englische Zeitungen eingehend über den- elben berichten. Bei un» in Deutschland konnten sich die Ver- hältmsse nicht entfernt in ähnlichem Maßstab« entwickeln, da bei uns die Frauenarbeit eigentlich mehr den Charakter einer ge- duldeten, als den einer freien, felbstständigen und organisirten hat, wie in jenen Ländern(Amerika und England), m denen es große Arbeiierinnen. Vereine mit eigenen Zentralstellen, Ge- fellschastshäufern und Wohlfahrtseinrichtungen gtebt. Der nord« amerikanische Beamte hat, wie berichtet wrrd, da« Material zu semem Berichte in der Weise aufgebracht, daß er an viele Tausende von Arbeiterinnen da« Ersuchen richtete, ihm über die einschtägigen Verhältnisse Auskunft zu eriherlen. Diesem Aniuchen haben nicht weniger als 17 427 Frauen entsprochen, beten Berichte 343 Industrien in 22 großen Städten zum Gegenstände haben. Daß m dem Lande, wo die Freiheit de» Individuums über olles geht, da« werbliche Geschlecht sehr viele arbeilende Hände stellt, läßt sich ohne weiteres annehmen und wird auch durch den Bericht bestätigt. In den Vereinigten Staaten giebt es Arbeiterinnen in allen Erwerbszweigen; Ar- beiterinnen, die nur beabsichtigen, ihr Taschengeld zu erhöhen und solche, die lediglich auf ihre Hände angewiesen find, um da« Leben zu fristen; Arbeiterinnen, die im elterlichen Hause leben und dort auf Stück arbeiten, andere, die da« Elternhaus nur Tag« über verlassen, um an die Arbeit zu gehen rmd endlich solche, die ganz alleinstehen und entweder in der Fabrik oder im Logirhause oder im Gesell'chaftshause wohnen. In Staate«, wo noch bis vor kurzem die Arbeit, selbst die Hausarbett, den weißen Frauen verboten oder doch nicht üblich war und nur Sklavinnen, in nemster Zeit Chinesen, die Arbeiterklasse au«- machten— so in San Francisco— sehen wir heute weiß« Frauen einen großen Theil der Arbeiteibevölkerung ausmachen. lieber die Kopftahl der letzteren überhaupt giebt der Bericht Auskunft, insofern die 17 427 Frauen, welcke die Berichte au« 22 Städten lieferten, 7 pCt. der dortigen Arbeiterinnen über- Haupt ausmachen, wonach also die Zahl der letzteren überhangt sich auf 250 000 herausstellt. Daß die Löhne je nach den all- ( gemeinen Vei Hältnissen der verschiedenen Städte und der Be- onderhert der Arbeit schwanken, versteht sich von selbst und ist es in dieser Hinsicht in Amerika nicht ander«, als überall. Durchweg wird aber LobenSwerthe« über das gute freund- lrche Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitmnnen berichtet. So heißt es über die Veihältnisse in New» Park 7 „Wirkliche schlechte Behandlung der Arbeiterinnen durch die Arbeitgeber scheint ungewöhnlich zu sein. Höflichkeit, Gerechtigkeit und freundliche(kardiale) Bez» Hungen find die allgemeine Regel. Die Versuchs- und Schutzmaßregeln zur Wahrung der Gesundheit und des p?rlö üichen freien Willens der Arbeiterinnen haben Annehmlichkeiten geschaffen, die bis dahin unerhört waren. B sondere Arbeitsftübl« für Frauen und Kinder werden immer allgemeiner angeschafft und bessere Arbeitsräume werden gebaut.- Was die sittlichen Ber- hältnisse der nordamerikanischen A beitermnenwelt betrifft, so giebt der Bericht sehr günstige Aufschlüsse. Zunächst bilde« die verheiratheten Frauen nur einen verschwindenden Bruch» theil der weibl chin Arbeiterschaft. Von 17 160 Arbeiterinnen. deren Stand in dieser Hinsicht festgestellt wurde, waren 15 367 unverheirathet und 1038 Wlttwen. Nicht minder auffallend ist die Thatsache, daß in dem Lande, wo die Ehescheidung leichter ist, als iraendwo in der Welt, nur ein ganz verschwindender Bruchtheil der Arbeiterinnen gesetzlich geschieden od-r freiwillig vom Ehemann getrennt ist. So waren unter 2934 Arbeiterinnen, deren Verhältnisse untersuch! wurden, nur 25 von ihren Ehemännern freiwillig getrennt und gar nur 3 gesitzlich geschieden. Was die Sittlichkeit im engeren Sinne betrifft, so geht au» dem Bericht hervor, daß die amen- konischen Arbeiterinnen in dieser Beziihung auf einer sehr hohen Stufe stehen. Wenn auch die Verhältnisse in den einzelnen Städten verschiedene sind, so gilt doch im allgemeinen, daß aus den Reiben der Arbeiterinnen da» Laster sich nicht rekrutirt. Zffernmäßige Zusammenstellungen de. weisen dies. Von 3866 zweideutigen ftrauen wurde der Lebentlauf untersucht. Die überwiegende Mehrzahl derselben arbeitete nicht und hatte auch niemals gearbeitet im eigentlichen Sinne des Worte«; vielmehr waren nicht weniger als H55 von der Hausarbeit oder au« dem Gasthofdienst zum Last-r übergetreten, 505 waren Putzmacherinnen gewesen, volle 1233 waren stracks aus dem Elternhaus« in's Sündenleben gegangen und 52 waren in ihrem Vorleben Schauspielerinnen, Ballet- mädchen, Kunstreiterinnen, Saalsängerinnen und dergl. ge» wssen.— Von den Arbeiterinnen- Gesellschaflshausern ist da« vollendetste„Boardtog-Home- in Boston mit Kostgeldsätzen von 12 Schillmg bis zu 1 Pfund Sterling(12—20 Mk.) pr. Woche, also recht theuer. Ein andere« sehr bekanntes und ausgedeiw- tes ist der Arbeiterinnen- Schutzverein(Worktng Womens Pco- teettve Union) in New-Pork. Selbstmorde, welche auf den T'Uvk zurückzuführen waren, hat sich von 137 im Jahre 1836 auf 868, im Jahr« 1885, tro die Zahl der durch Alkoholmißbrauch vkrurfachten Unglücksfälle von 2.6 auf 538 vermehrt. In derselben 3«rt wuchs der Ber- brauch reinen Alkohols von 42 COO auf 145 000 Hektoliter, er beträgt jetzt zwei Millionen Hektoliter. Aber durch Mäßig- keitsvereinsfpielerei, durch p'äsfi'che Heuchelei und anderen Hum- bua bekämpft man den Alkoholismus nicht. Wer mit dem Pvl zeissKeß gegen diese« Hebel zu Felde zieht, ist entweder be- schränkt oder böswillig. Die vornehmen Säufer, die Bourgeoistrinker trifft man mit den polizistifchen Kniffen nicht, und man hat eben nur ein neues Mittel, dir Massen zu drücken und zu erbittern. Wer bessere Zustände schaffen will, gebe dem Volke Freiheit, Bildung, Brot, sorge für gute Ernährung, für eine menschen- würdige Lebenshaltung der arbeitenden Klassen. Soll man immer und immer wieder da« treffliche Wort ve« großen Justus von Liebig wiederholen: Die Trunk» sucht ist nicht dieUrsache, sondern dieWirknug der sozialen Notb! Die mechanische Schuhmacherei blüht am üppigsten in den Vereinrgten Staaten. Eine Schuhzwickmaschine, welch« täglich 600 Paar Schuhe aufzwickt, wird auch in Demsch- land eingeführt werden. In Frar klurt a. M. ist eine Gesell- schaft mit einem Grundstock von 100 000 M. zu diesem Zwecke gegründet worden. Die menschliche Arbeitikraft wird rmmer mehr aus dem Betrieb entfernt, die von Handlangem bediente Maschine ersetzt die gelernten Schuhmacher. In Prenstr« sind im Ith» 1887 nicht weniger al» 12 955 Personen, 2580 weibliche und 10 375 männliche verunglückt. Und zwar bei Ausübung ihre« Beruf«, vor- nehmlich im Bergbau, in der chemischen Industrie und in der Industrie der Heiz- und Leuchtstoffe nicht weniger al« 46,76 pCt. Ein trefflicher Belag für da« Rrfcko der Arbeit! Der'inmmlrmgcrr. M« Uorsammlnng des Lederarbetter- Fachverein» borte am Montag, den 30. Dez-mber, einen dedruiungsoolle.-. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Der Kampf um'-! Dasein in der VolkSwirthschaft-, dem wohlverdienten Bersust zu Theil wurde. Den Kampf um's Dasein in der Ranrr schildernd, wie ihn Darwin, dieser Riese der Wissenschaft, dar- gelegt hat. ging der Vortragende in trefflichen Ausführungen auf vre Bedeutung de« wüthenden Konkurrenzkampft« in der VolkSwirthschaft ein. Er legte dar, daß eine Ausgleichung der Interessengegensätze zwischen Kapital und Proletariat nie möqlich sei, und vaß er einer späteren Znt— dre hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten läßt— oo. behalten sei, statt der ausbeutenden, privatwirihschaftlichar Produktion, die gesellschaftliche einzuführen. Ei bedarf da,- nur d«S GefammtwillenS des Volkes, um endlich dem Volke ein« Zeit des Friedens, eine Z it des Glückes zu verschaff«'. In der sich hieran knüpfenden längeren Diskussion«mde auf die leider noch immer so häufige Zwietracht der Arbeiter hm« gewiesen, wie sie sich namentlich im Werkstattleben bemertvor macht, und wie diese immer nur dazu anaelhan ist, dm Profü» machern Waffen in die Hände zu geben. Durch dre beschlossene Errichtung emer Bibliothek ist den Kollegen Gelegenheit ge» teben, sich durch Leihen oder Schenken von Biichem um den lerem verdient zu machen. Emigen eingegangenen llnirc- stützungSgesuchm konnte, trotz größler Geneig heit, nicht ftart- geaeben werden, da der Kassenbestand in I-tzlerer Zeit dur« größere Ausgaben sehr geschwächt warben ist. Es soll jedoch, wie zum Beispiel für die Baseler Baa;» drucket und die Methlow'schen Vergolder, anderweitig Rrut, geschafft werden. E« wurde auch vom Vorfitzenden auf bto Vertrauensmänner-Versammlung am 8. Januar, im Berem«. lokal, Oranienstr. 180 statlfindend, aufmerksam gemacht, sower auf die öffentliche Hausarbeiter- Versammlung— Referent Her.«: Wilh. Werner— am Mittwoch, den 22. Januar, hingewief«,, welche bei Renz, Raunynftr. 27, abgehalten wird.— Ri stiren! e Nutrase kämen itn Arbeitsnachweis, Orani-n platz bei Herm Sperling, abgeliefert werden, wo auch neue MitgUeder aufge- nommen werden. Flugblätter zur Agimlion für die Hau«- «rbetter-Verfammlung werden von nächster Woche ab dort aus- lttgeu.— Zu der General-Versammlung am 13. Januar, in welcher Herr Metzuer sprechen wird, find hiermit all« Mitglieder eingeladen. Eine große öffentliche Uolfisoerfammlnng für Rixdorf, Bc>< und Umgegend fand am LS. Dezember, Vor« rrnttog« II Udr, im neuen Saale de« Herrn F. Wmschmidt, Äaesrbeckilr. 15, statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Die Lage der arbeitenden Klasse. Referent W. Werner. 2. DrSkusfion. S. Verschieden e«. In« Bureau wurden gewählt: Niemelscheck, Senglpiel, Böttcher. Da Herr Werner nicht in der Versamm- lrmg erscheinen konnte, to übernahm Hcrr F. Krüger da« Referat. Nach seiner vorzüglichen Rede beschlotz die Versamm- lnmg, dafc sie vollständig mit den Ausführungen de« Referenten einverstanden ist und bei der Wahl nur dafür einzutrrtm, daß der Kandidat der Sozialdemokratie, W. Werner, gewählt wird. Ferner wurde der Antrag angenommen, und einstimmig be« schlössen, den 1. Mai und den Tag, an welchem die Reich«. tagewahl stallfindet, al« Feiertage zu erklären und dafür zu vgttirrn, daß an diesen Taaen die Arbeit ruht. Hieraus fand eine rege Debatte statt, in Betriff der Gastwirthe von Rixdorf und Umgeaend. Es wurde der Änlrag gestell', das Lokat de« Herme A. Hoffmann zu fR xdorf, Bergstr. 133, für immer zu m».den und auf die Bewilligung des Saales zu verzichten. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Li» wurde dann beschlossen, dali die Lokalkommisfion fich nicht «rhr NM dos Lrk.l des Herrn N-efick zu bemühen hätte, fon- deen nur schriftliche Erklärungen anzunehmen hätte. Der An- lrag, die Gastwirlhe die da«„Betitret Volksblatt" aufzuliegen haben, zu veröffenllichen, ist �anaenommen. Es waren zur Zeit 25 Gastwirthe, die da«„Berliner Volks- Matt" halten. Dann wurde noch ein Lok lkommisfion«- Mitglied gewählt, w-il ein Mitglied sein Amt nieder« legte. Der Neugewähtte ist Herr Schütze, Rixdorf. Da ftch N-emand mehr zum Worie meldete, schloß der Vorsitzende um 1% Uhr mit einem dreijachen Hoch auf die Sozialdemok-atie die Versammlung. Zentral- Kranken-«nd Kterbrkaffe der Schuhmacher nud verwandte« Kernfagenoffe» Deutschland»(E. H. 32) örtliche VerwaliunoSstelle Bettin: Den Mitgliedern zur Nach- «cht, dak am 1. Januar 1890 wieder Zahlstellen emgerrchlet wurden, so daß die Beiträge nicht mehr abzeholi. sondern nm «u folgenden Zahlstellen Moniag« Abend« von 8—9% Uhr erhoben werden: l. Naunynftraße 83 im Restau'ant Polandt; 2. vlumeastr. 38, nahe der Andrea« straße, im Restaur. Henke; 3. Bergstr. 10 nahe der Elsasserstr., Möwe's Parkdefiillalion; 4. S'idelstr. 16 im Restaurant Seidel. In kü zester Zeit wer- den im Westen und rn Moabit ebenfall« Zahlstellen eingerichtet. So wett noch restrrende Beiträge vorhanden sind, müss n die- selben in kürzester Zeit begtichen werden. Die K ankmeldungen sind in der Wohvurg de» Bevollmächtigten, Wilhelm Papke» Waldemarstr. 61, Hof r. 2 Tr., Abends von 8-9 llnr, anzudringen. Dos Krankengeld wird jeden Sonntag VormitlagS von 9—12 Udr im Kassenlokal, N UN yn straße 83, a> Sgezahlt. Gin« Kersammlung de» Kerriu« zur Wahrung der Interessen der Kchuhmacher und verw. Kernfagenoffe« Kerlin» ragte om Montag 0er> 16. Dezembe, Oranienst.. 180. Äuf«er Tagesordnung stand erstens: Vortrag des He rn Max Baginski über Sozial-Reformen und welchen Nutzen breteu uns dieselben. 2. Distulsion. 3. Verschiedene«. 4. Fragekasten. Nachdem der Vortragende unter großem Beifall ge« endet hatte, trat mm in die Diskusston ein. Kollege Kinger äußerte, daß wa.r im R-ichstag bei Gelegenheit der Sozialisten- debatte darauf hingewiesen, d>'ß man dim Volk mehr Relrgton bribrmgen muffe, um e« zuf iedemr zu mach n. Redner meint, daß gerade bei den Aibettun die Leib- und Magenftage die wichtigste ist. Im Pur kl Verschiedene» wurde aur die nächste BerkinSverlammlung am 13. Januar Jnselstraße 10 aufmerksam gemacht Der Fragtkasten war schnell erledigt. Kraudeudnrg a d. H. Am 27. d. M. sond in Bran- denburg a. d. H.«ine öffentliche Arbeiterinnenversawm ung statt, in welcher Fräulein Sttma Chaym aus Berlin über die Stellung der Frau in der I iftustrie refernte. Die Versamm. lung war sehr gut, hatiprächlich von Frauen, besurdt. viele der Männer mußten wegen Raummangels den Saal ver- lassen.— Es wurden Resolutionen dahingehend angenommen: 1. Daß fich die Versammlung mit den Aussüh'ungen des Refe- rentin eivoerstandenseiklärie und beauftragt dieselbe das Bureau, in nächster Zeit eine Versammlung mit ähnlicher Tagesordnung einzuberufen. 2. Daß die Frauen durch Kundoebungen für die Achtstunderbemegung eintreten und den l. Mai als Feierlag betrachten. 3. Die Lokale derjenigen Wirthe zu meiden, die ihre Säle nicht zu Versammlungen herg ben. K-!iaId»mokratts«ti«r Sif»* Knh 9i«bntir$Iub Kassall». «eretaloeifamrluno, gnltag dm» d M. Uberd» Udr, guorufic l(i bei Ziemer. Da Eia uterdi bmirg und Borllm.ddwzhl(taltfiiibet, ift 16 Pfl cht elnel jeden MUgllede» zu ettchelnm. Gaste rannen durch Milglieder ewae- sllhit weiden. »»«i« mr MastMing d»r Int«rests-n b»r Kt.lnträg.r und ver. wandten Bemllamost n MeilW. iNeibirachi»de>cheeru»g am Eonriadend den 4. Ia> uar 1890 In Edj ffn'z Ealon, I selstroß' 10. verdui den mit»ovjert und Ta, zkianzchen unler Mtlwlilung der Ltederlos l de» Ver, in». Mite durch Mltl>Iieder einaefübtt haben Zuirili Miigliediduch IfjUlmltt. Dle Wlitnen ui d Wallen derjentaen Veretntmilgliedec. welche ln den Jahren 1888 und 1689 aecstotben sind, werden hierzu de, ander« etna> laden, w sang ildend» 8 Uhr SUt»t» 4 b«,»lln.ni.in»« Arnnle»«- und»t,rb,b-ss» btr {«IrtnUarbriUr 8, fb 29 Hamburg, aoi tit; g den 5. Januar cc.«ovir.iltoo U Udr Miigltedei Versammlung Andreaistr IS bei«oljmann. ZageSordnuno 1. Äajftnbertdit 2. Jndreiderlcht 3 Beischledene«. . ff«* nnen»»»lbll4)« 3ltb»lt«nadgn>ri« b»» I»t»MssenvrMtn» bn K»rttn»*»tft,>>mach»r befli.bet sich nach wie vor SHar(uäUtaSc 25 Restauranl bei Kollege Selch>tz. «»sm,»-, tmu- unb»»fcUta» ff«Min» am Sonnabend; Gesang- «rein.Harrnonw«dend«« Uhr Im«estauront.«Ue Jalodstr 88.- Mannergelangvereln.Treue' Abend« 9 Uhr im Restauranl«ndreaistraze 9- Männergelangverein„Srato" Abend«% Uhr bei Echlawicke. Kleine Kursk 1 - Mannergesangverein„Ecnefelbet Große Hamdurgerstraße«, um 9 Uhr llehunggstunhe. Ausnahme neuer Mitglleder.—«esongoeretn..Harmonia' »dend» 0 Uhr hn Restauranl Lehmann. Kurfstrstenslr. 31, Gesangstunde.- svdeä�ä Är-Sff -«rend« sche Etenogravhensiasse bei„Berliner HandwerkervereinS"»dend» gnügunglgelellschasl Treue"«dend» Uhr In Boherf« Ballsalon. Wetnstr. 11 - Pri-al-The-tergeMchaft EchneeglSckchen",«hendg 9 Uhr in Bettin« Bterhau« «eleranenfti. 19-«eselllgtetlsklud„Lustig" Abend« 9% Udr Im Restauram Wetchell. TlNldenstr. 45— Verein der Tandeusreunde«dend« 8% Uhr im «eftourant Hillmann. Manleuffelstraße 68.- Dänischer Verein„giega" Abend« iL. S teMMÄÄ:» M«nneinbesthule Abend« 9 Uhr im Restaurant. Konvenslr. 58,- L er ein ehern M ft. Luther scher Schüler Abend« 9% Uhr Im Restaurant Sonnamt, Ohmgaffe 2- Rauchtluh„Portorico" Abend« 9 Uhr M« 11 Uhr Kdvntcker. straffe 167 hct Schul,.- Rauchtluh„Qualm" Adendd 8 Uhr im SJtestauian lamm Sichänhttufet Allee 28.- Vergullguiiglverein.aiustige 13" Ahenh» 9 Uhr lm Restaurant«lhrecht.«nnenftr. 9.- Tambourverew„Eedan" Sigung«dend« » tthr. Grilner Weg 9-10, Ausnahme neuer Mstglieder- Tambourverew Mn Innig. Abend« 8 Uhr. Elaung lm Restaurant Straff burgerftraffe 5 Clvtgent und Vorsitzender griff Lauiant.- Tamdourvereln„Glnlgieit mochi «»«!. n, verein„gelsenjeft. Sitzung 8% Uhr. WelffenduigerftraffeS4 Dtrigml und Bor toSÄnS1E±SÄeÄ!tt'-'K:Ä.' verein Hotzgicta Kleine Auguftstraffe 14 Abend« 9 Udr Meueste Anchrtchken. Der preußische Zandtag ist aus den 15. Januar zu- samm nbervi-n. Der„Nelchaanzelper" veröffentlicht die Inkraftsetzung der§§ 18 u> d 140 tts G.fttzeS, dttrrffend die Javalidilät«- und AilerSoerficherung. Krrvlan, 2. Januar. Der RegierungSpräfident weist die Ort»dehörocn out dre Reicht geriitts Enticheivung hin, wonach die Aufforderung zum Streiken strafbar ist. Dcpestticir. (Wolff» Kelepraphen-Kn»»««.) Kreslau» 2. Januar. Aus dem von der Oberschlefischen Eisendahnbevars> Aknengeftllschaft gepachielen Kog,enfetde „Schmieorsmochl" h i die Belegsriaft heule Morgen die Arbeit eingest.lll; über die Forderungrn der Arbeiler, ochtstündige Ar- derlszeit. trete« ILldriquanium und die destlirmte Zusiib-rung einer Lolnerdögung find Verhu dlungen im Gange. Ruhe. störurn-n sind nigerds voraekommen. Zürich, 2. Januar. G itern Abend 10 Uhr brach im Foyer des Theater« Feuer aus, durch welche« das ganze Ge- daude zerstör! wurde; vom Publikum ist niemand verunglückt, von den Dekorationen nichts gerettet. Das anstoßende Slavts« archrv und da« RegierungSaebaude blieben unverfebrt. r Zürich, 2. Januar. Das gestrige Feuer im Theater ent- stand rm Foyer durch die Unvorfichtigkett zweier Mägde. AI« der Regisseur auf der Bühne davon unlernchtet wurde, erklärte derselbe sofort dem Pubtrkum, die Vorstellung könne nicht zu Ende geführt werden wegen Erkrankung eines Schauipieler«. Der Zuschauer, aum leerte fich infolge dessen ganz ruhrg, wäh« rend bereits die hellen Flammen emporstiegen. Luttich, 2. Januar. In dem Kohlenbecken von Seraing »st m den Gruben Cockerills und der Gesell'chaft Marih.ye der Strerk erklärt worden. Gegenwärtig haben 1200 P-r» fönen die Arbeit eingestellt; dieselben verlangen eine Lohn- erhohung, verhalten sich jedoch ruhig. In den Kohlengruben am linken Ufer der Maas wird weiter gearbeitet. In Charleroi ist die Lage unveiäadert. Nrtsfftaffen. vel Anfragen bitten wir die«bonnemenll-Ouillung belzusügen. Briefliche Antwort wird nicht erlheilt. Gruße» Streit 12. Wir können Ihre Frage nicht bemrw ir n. W. S. in St. Es ist zwar richlig, daß die Krankenkasse fich wegen der einem Mädchen gezahlten EnttindunxS« und Sechiwochenknfteti an den Vater des unehelichen Kindes halte» kann. Das Mädchen ist aber nicht verpflichtet, der Kasse über die P-rton de» Vtte-s Auskanfl zu erlheilen. M. K., InvalideuSraße. Beschwerden übcr RechtSan- wälte find zu richten an Hr.rn Geh. Jultizrath v. Welwowski, hier, C �arlotlenstr. 35 a. KammergerirdlSp äfident tfi der W'tkl. Geb. Ober.Jastrzralh Drenkmann, Oberstaatsanwalt der Geh. Oger-Jastizrnch von Luck. Namenlos. Sie könnten sehr wohl wegen Beihilfe zur Nahreinoami f ivelfälschung bestraft werden. g. D. 28. Für Schulden, welche die Frau vor der Ehe gemami aal, baftei der Eyemann nicht. H S. Ihre Anficht ist mchl richtig; die Kündigung ist in der Thai verspätet. Btträgt dre KündigungSfnst 3 Monate, so. muß die Kündigung tpüiestens am 31. Dezember in den Händen des VermietheiS sein. Nach ihrem Konlrakie muß ober noch 3 Tare srühcr gekündigt werden, spätestens am 28. Wen» der B.ief au? die Post gegeben worden ist, darauf kommt rS nicht an. Die vorstehe.'. den Grundsätze werden von dem hiesigen Gericht stelS angewendet, Sre würden also den Prozeß vertieren. ©. G. 49, Der schriftliche Kontrakt ist durch die recht» »ttiige Kündigung aus der Welt g, schafft, jetzt haben Sie die Wohnung auf Grund der münvi'chen Äbtede inne, daß 85 Thlr. jäh lich zu zahlen find. Jhee Annahme, daß S'« auf«in Jahr das Recht haben, wohnen zu bleiben, und daß die i tzt erfolgte Kündigung unzulä fig war, ist daher durchaus nchitg. Theilen Sie dem Wnth umgehend mit, daß Sie die Kündigung nicht anerkennen. Am 1. Okiober müsse« Sie ober ohne zuvorig« Kündigung ausziehen. A. St. Die Liahnge Verjährung beginnt nicht schon mit dem Tage, da die Schuld fällig worden ist, sondern erst mit dem 31. Dezember des belr-ffenden Jahres. @-9- 1. Ihre erste Frage ist nicht recht klar. Die üb- lichen Gelegenheiteg. schenke, welche Erben z. B. bei der Br« erdrgung an Trinkgetdern gegeben haben, können als Nachlaß- schulden in Rechnung gestellt we-den. 2. Den Betrag voa Versicheiun-»Prämien, welche ein Eibe verauslagt hat, kann er vorw-a als N ickloßschulo ersetz! verlangen. KUer Abonnent. Sie können nichts dagegen thun. Ihr Sohn ist nun ei» mal getauft, das können Sie nicht ungeschehen machen. G. K. Lassen S'e fich ruh'g verklagen. Es ist gar kein, auch nur mündlicher Mi'thSoertraa geschlossen wordrn. K. 1. W nn die jährliche Miethe 150 Mark üb rsteipt, so ift Ott mündt-che MietqSae-üag ungitt'g, foiern die Woh- nung noch nicht übergeben worden ist. 2. Da« Draufgeld Lr.tt aaet nicht zuruckaerlangt werden. GrosseöfrenU.Former-Versammluii� Kluhllerck der Piidcr Bcrliiid. U Sonntag, ftn 5 Jan., Vormittags 11 Uhr, Drcodeiternratze"" 524 am So««abend. de« 4. Iannar 1�90, Abeads 8 Uhr, im Eiskeller, Gifansteestr. 88. Tages-Ordnung:. 1. Di« L-ge der bisherigen Sireiks. R-jerent Theodor Sch vartz au« Lübeck. 2. Ditzkmfioit. 3. Verschiedene«. 349 Der Ginberufer. Mttgl.-Versamml«ng. Heute starb unftr Sohn Hermann Krimpe, Die Beerdigung findet von der Wohnung Waldernai str.3, am 3. Januar, Nachm. 3 Uhr, statt. Berlin, den 1. Januar 1890. Fritz Grimpe nebst Frau und Kind. Lager von Rathen', wer Lallen und Pincenez. Bruchbänder, Leibbinden. Ntrbe'bandagen, Lnspen- z surren. Geradehalte«, onhopäd sche '«taschinen. Korvette, künaliche Arme und Beine Waftdorm-«»d Morttzttl-Banbaaea. KrOoken, BldetS«techb'cken Nrrnha tee.«lytter- und«U'ter- »»rttre«. Kttnopomp. Ärr»»ator, Jnea'ations-«v»arate Luft- und Wuffertrffen, Gummi- strümpfe Krar-keuwag n ic ic empfehlen k« soliden pretse« 51% All A itft Berlin 8., Vrinze„str, 42, part. L t% Vp Vi'"*» sag' Lür Damen: Damen-Kedlennng.' ewmwm Lieferanten sämmtl. Orte- und freien Hilfe- Krankenkaeeen. BOBB Besonderer Keachwng empfohlen: von Reui dr 1890 ob gewädren wir au» den Familiemamoehörigcn der Saüemntta teöer er.- bef ndere Vre Sermäst'guna von 10 pSt. und dehnen diese Seaondere VeraOnstiguna drS ti'HcXta auch auf aUc nicht M der«crorötiu« stle»enben optischen und chnurgtschrn Ariitel für Kaffen-Atrtgtteder nutz deren Ange- pstr-ae auü Tagesordnung: I. Neujabrsgruß de« Gesangverein«„Gemüth. ftchkeu". 2. Abrechnung de« KassirerS vom 4 Ouartal 1889. 3. Abrechnung der Unter- fiützunx«- Kommission. 4. Abrechnung von der Matinee. 5. Bereinsangelegenheiten, Verschic- den-« und Fragebeanttvvilung. K3. D'e Billett zu dem am II. Jan. in der „Böhm. Brauern� stai fiadenoen MaSkeubal werden in der Ve-sammiung ausae-eden. 546_ Der Vorstand. Fachvrrei» der Stemdracker «vd Kithographeu KerLivs. Vom 1. Janaor dg Js ad befindet fich der unentg-ltliche Arbeitsnachweis im Restaurant„Kuhlmey", Roseustr.ft 30, an der Neuen Friedrlchstraße. Dre Ad ess-nauS.abe findet jeden Abend von 8-9 unh Sonntags Vorm. von 10— 1 1 Uhr statt. An oemielben Tage ift auch die Bibliothek nach * m Verei>«totol,|528 Jordan s Salon, v-rlezi worden und findet die Ausgabe oer Bücher an jedem VersammrungSabend statt. Der Vorstand. U>«' I citi F mt'O und taNgj tpr.ges Mrt- alied Carl Lange, verschied nach kurz-m K ankemager am 30. Dezembet, Abend« 9z Uhr, im 49. Lcb-nSjuh r. Sem rechtlicher Cha- aller, seil.« aufopfernde Liebe und Treue zum Verein, sichern ihm ein ehrendes Andenken. 5ZS Die Beerdigung findet am Freitag, de« 3. Januar, 3% Uhr, von der Le'chenhalle de« Georgenkirit hofts. Landsberger Alle-, aus, stall. Der Manne g. fangoerem Eichenkranz I. Allen greunoen und Bekannten die tramige Nach'icht, daß rn m- gute, liebe Frau Bertha Slupinaki geb. R'tter, Udch langen, fdimeu« Leiden om 31. Dezember 1889, Abend« 7 Uhr, sanft entschlafen ist. Dt« Beerdigung fi-dei am 3. Januar ct., Nackm. 3% Uhr, von der Leichenhalle de« allr« ThomaskirchhoieS aus stasr. Um stille» Betteid dltten Die tiGuetnftrn Hinterbliebenen Stephan Slupinski, Fuhrherr nedn Kittoe n. Mutier uno sckw st.rn. WKÄ A«eldeonmidB, ##**#***«#««• «en Matze bekanntlich 1165 ÄoLaete Auamahl. | lim* hsmueun» Gutrok». Äw-ng reelle �evienung, billigste Pias Säuntullche im Handel befindlichen Roh- Tabake find am Lager. A» Gaedaahmidl.«liMliwertf st«»« am Hockeschev Mtnrft Em Gürrl* auf chirur-ilche 3'�/umerte verl. Mi)«. Luncth-c«. Alte Jakobftr. 116. Drechsler�Äi��S-d, Gttschn.erstr. 75. Bildhauer««.Spiegel verl. Ztemann, Wienerst'. 50. Den Geuoste» Balte ich m ine MMeu-Garderobt Bedarf b-st. emvfvhl-n. GiöstteAuSWah k Brll Pr. Berettreu PreiSermäst'g Adaiberlftr. 03. Puusch-Gssrr, pro Ktr. 1,50 M. Gluhmew-Gst.„ ,» 1,50„ Thee-R««. Origst. 1 50„ Franz Beyer« Vrtnzefstunenstr. 15(Am Moritzplatz.) Zar Beachtung! Den Mitgliedern der Wllken-«.Kteibekasse desPerelns „Kerlwer Former-KaNd" zur Nav'icht daß wrr das Vereinslokal von vergfttvft« 08 nach[541 Silber» Salon, Szedier straße Nr. 23/24 ocrleql haben. v®Mf»ttiiila«B findet am Sonntag, den 12. Januar cc., statt. Der Vorstand. tein Der BaimMger Lerlms.! Mittwoch, b. 1. Jinuac, Nicht« 12% Uh,| starb plötz. ich nach längerer K ankheil unser langjähri>er V�rem-kollege Herr H. fiCilnger im 60 L den« jähre. Dre Beerdigung findet Sonntag Nach Mittag 3 Uh von der Leichenh.lle d