Nr.«. Mittwoch, den 8. Ia««ar 1890. 7. Jahrg. MimMKMlltt. Brgan für die Interessen der Arbeiter. Eine nrilde Vetrnrhknng. Die Arbeiterbewegung hat die Köpfe revolutionirt, eine Fülle neuer, fruchtbringender Gedanken ist auf dem Kultur- acker aufgegangen, die Bourgeoisie sieht durch die Macht der Thatsachen sich gezwungen, den großartigsten Emanzi- Patronskampf, welchen die Geschichte je gesehen hat, grollend Zwar, aber trotzalledem doch anzuerkennen. Die herrschenden Klassen sind in der Zwangslage, irgendwie zur sozialen Frage und zu ihrem Erzeugmß, der sozialen Demokratie Stellung zu nehmen. Mögen sie zu den mechanischen Mitteln der Unterdrückungspolitik, zu Ba- ionnetten und Ausnahmegesetzen greifen, oder mögen sie mit Palliativen an den Schäden des Kapitalismus herumkuriren m der Hoffnung, ihre Pillen und Latwergen seien Allheil- Wittel, mögen sie den Fehdehandschuh aufnehmen, welchen die Theorettker der Arbeiterklasse ihnen hinwerfen, Eins steht unerschütterlich fest: Der Block des Sozialismus versperrt den Weg. Konservative KropatschekS und Kamillenthee-Liberale von der Oechelhäuser'fchen Richtung, ulttamontane Sozial- Politiker wie Vogelsang und die Schüler des Schulze von ?dlitzsch, sie alle machen in Sozialismus, sie deklamiren über Arbeiterschutz, über Fabrikgesetzgebung, über die soziale Reform, als ob sich dies Alles von selbst verstände. Und wie lange ist es denn her, daß die Parteigenossen der Baumbach, Richter den Bahnbrecher der deutschen Arbeiterpartei �bekämpften mit den nichtswürdigen Waffen böser Gassenbuben? Wie viele Jahre sind verflossen, seit- dem die Berliner Fortschrittler unseren Ferdinand L a s s a l l e nach der berühmten Versammlung im Eden- Theater angespien haben? Hört man die Kämpen des Deutschfreisinns, hört man c und Schlotbarone, so sollte man meinen, die für die Armen und Elenden sei ihnen in rbpacht gegeben. Und doch ist ihr Gebahren nur ein Angstprodukt. Die Fluthen der proletarischen Bewegung wachsen immer mehr, sie breitet sich aus und sie vertieft sich, den Priestern des Mammon wird um ihre Gottähnlichkeit bange und sie suchen auf diese und jene Weise mit dem Kommenden sich abzu- finden. List, Gewalt, Heuchelei, Scheinzugeständnisse, lächerliche Abschlagszahlungen, Schachern, Feilschen, ein wahrer Markt der Eitelkeiten.... Man bemüht sich, den grund- sätzlichen Gegensatz zu bemänteln, zu vertuschen und zu verwischen, der zwischen der Partei der Besitzenden und der Partei der Besitzlosen sich aufthut. Ein Fandango auf Eiern wird getanzt, um sich und die Anderen über die wahre Sachlage hinwegzutäuschen. Auf jeden Fall prositirt die Arbeiterklasse. Sie macht sich keine Illusionen über die sozialpolitische Leistungsfähigkeit der herrschenden Kreise, sie überschätzt aber auch die eigenen die Junker Fürsorge Erbvacht Feuilleton. Machtruck»rrbolm.I >72 dl Germtnsl. Sszialer»,»(iwilt Silo. Einzig antoristrte Uebers-tzung v»»«»»st Ziegle«. Der Eingang des Schachtes wurde nun von dem alten Gebälk und Schutt befreit, die Bäume wurden gefällt, die Himbeer- und Hagedorn-Sträucher ausgerissen, und nachdem die zerbrochenen Leitern ergänzt worden, stieg Ncgrel mit zehn Arbeitern hinab und ließ sie an gewissen, von ihm be- zeichneten Stellen mit ihren Hauen an die Kohlenwand klopfen. Dann legten sie das Ohr an den Fels und horchten. Aber vergeblich durchforschten sie alle passirbaren Wege der alten Grube: kein Zeichen gab Antwort. Wo sollten sie einen Einschnitt in die Kohle machen, in welcher Richtung vordringen? wie konntm sie hosten, daß ihre Mühe mit Erfolg belohnt werde, wenn kein einziger der im Voreux eingeschlossenen Kameraden ihnen durch das Roth- signal zu erkennen gab, daß er lebte und wo er sich be- fand? Sie fuhren fort, mit immer hartnäckigerem Eifer zu suchen. Seit dem ersten Tage kam die Maheude jeden Morgen zum Requillart, setzte sich vor dem Eingang des Schachtes auf einen Balken und blieb dort bis zum Abend. Sobald ein Mann hervorstieg, stand sie auf, ging ihm entgegen und blickte ihn fragend an:„Nichts?"„Nein nichts!" Wortlos nahm sie wieder ihren Platz ein und wartete; die Züge ihres Gesichtes waren hart geworden und verschlossen. Zeanlin, als er sah, daß man in sein Versteck gedrungen, schlich um die Grube mit dem ängstlichen Blick eines RaubthiereS, in Kräfte nicht. Noch weit tiefgründiger muß das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit im werkthätigen Volke sein, ehe daS Ringen nach umfassender Verbesterung der Sozial- zustände einen Erfolg aufweisen wird. Aber die Riesen- arbeit, welche noch zu thun ist im Interesse der allgemeinen Wohlthat, des Friedens, des wirthschaftlichen, geistigen, sittlichen Fortschritts, diese Riesenarbeit ist des Schweißes der Edeln werth. Unverdrossen, unverzagt fortzuschaffen ist die Losung. Die ReichStagSwahlen stehen vor der Thür. Der Kampf mit dem Stimmzettel ist ein bewundernSwertheS Mittel, die Masse« mit politischen Ideen zu erfüllen, daS Volk aus dem Traumdasein aufzurütteln, zu welchem ökonomische Unterdrückung und politisch-bureaukratische Bevormundung es verurtheilen. Nachdem der Kartell-ReichStag dem deutschen Michel die fünfjährigen Legislaturperioden befcheert hat, ist es eine um so dringendere Pflicht, die Sturmglocke zum Wahlkampf zu läuten. Fort mit den Hurrah- b rüd ern! Das ist das Zeichen, unter welchem die 1890er Wahl vor sich gehen wird. Die deutschen Wähler haben für ihre Zaghafttgkeit, für ihre Piepmeierei, für ihre Melinitbombenfurcht gebüßt. Sie müssen zeigen, ob sie endlich in sich gegangen sind, ob sie es satt haben, sich von den Brotvertheuerern und FreiheitS feinden noch länger anführen zu lassen. Sache der zielbewußten Arbeiter ist es, dafür zu sorgen. daß möglichst viele Vertreter des Proletariats in den Reichstag einziehen. Unabhängige, scharfe, thatkräftige Vor- fechter des arbeitenden Volkes brauchen wir, die den alten Parteien die ungeschminkte Wahrheit sagen, auf kein Tüpfek chen von dem ökonomischen und politischen Programm der Arbeiterpartei verzichten, und den Gegnern auf die Finger sehen, damit sie nicht im Dunkeln gegen Volksfreiheit und Volkswohl manischen und munkeln. Das Massenaufgebot der nächsten Wahl wird der Welt zeigen, wie die Sozialdemokratie in Deutschland Wurzel gefaßt hat. Die Sozialreform von Oben mit ihren VersicherungS- aesetzen, die Leistungen strebsamer Staatsanwälte, die Wirk- samkeit des Sozialistengesetzes, die Mißwirthschaft des Kar teils und die großartige Entwickelung der bürgerlichen Pro duktionSweise, die Auflösung des Kleinbetriebs und die Fort- schritte der Milliardäre, die Lohnkämpfe der Grubenarbeiter und die Geheimbünde der Monopolgesellschaften, die ener- gische Agitation der Arbeiterpartei und ihrer Gegner, welch eine Menge von Kräften thätig im Dienste der Sozialdemo kratie! ES geht vorwärts. Novrek�rrnvenzen. Zottd»«, 5. Januar 1890. Ich lese in deutschen Zeitungen von den wüsten Szenen, die sich in der Neujahrsnacht im Zentrum Berlrns abgespielt. Merkwürdig,auch hier haben Tausende und Abertausende den Anbruch des neuen Jahres auf den Straßen dessen Höhle man das geraubte Gut aufstöbert. Er dachte an den unten im Fels begrabenen kleinen Soldaten und fürchtete, daß derselbe gefunden werde. Doch dieser Theil der Grube war überschwemmt, und die Nachforschungen Negrel'S wandten sich außerdem mehr nach links in die westlich gelegenen Gallerien. Zuerst war auch Philomene gekommen, um Zacharias zu begleiten, der sich unter den mit dem Ingenieur suchenden Arbeitern befand. Dann aber wurde sie es überdrüssig, hier resultatlos zu warten und blieb im Dorfe, müde, gleichgiltig gegen Alles, hustend vom Morgen bis zum Abend. Zacharias hingegen war fieberhaft aufgeregt und hätte Alles gethan, um seine Schwester zu retten. Er rief im Schlaf, träumte, daß er sie gesehen, halbverhungert, die Kehle zerrissen von ihrem ungehörten Hilferufen. Zweimal hatte er ohne Befehl einen Gang in die Kohle hauen wollen, erklärend, dort müsse seine Schwester sein, er fühle eS. Der Ingenieur ließ ihn nicht mchr hinabsteigen; drum blieb er dicht beim Schacht; doch er setzte sich nicht neben seine Mutter, er rannte herum, war bald hier, bald dort, von einer ruhe- losen Angst zu unaufhörlicher Bewegung getrieben. ES war am dritten Tage. Nögrel hatte sich, verzweifelnd, etwas zu finden, entschlossen, am Abend die Nach- forschungen abzubrechen. Als er auf Mittag mit seinen Leuten wieder hinabsteigen wollte, um einen letzten Versuch zu wagen, kam ihm Zacharias sehr roth und aufgeregt ent- gegengelaufen, indem er rief: „Sie ist da, sie hat mir geantwortet- kommt! kommt!" Er hatte sich trotz des Verbotes hmabgeschlichen und schwor, daß man ihm im zweiten Stollen der WtlhelmSader ein Zeichen gegeben habe. „Aber wir haben schon zweimal dort versucht," entgegnete Negrel ungläubig.„Nun, wir wollen sehen!" Die Maheude war an alle« Gliedern zitternd auf- abgewartet, aber obwohl London wegen seiner„RoughS" berühmt oder berüchtigt ist, haben die Zeitungen von Belästi- gungen des Publikums, Konflikten mit der Polizei u. dergl. nichts zu berichten gehabt. Die Menschenmenge, die fich in der Nachbarschaft der St. Paulskirche ansammelte, um das Neu- jahrsgelaute der größten Glocke Englands zu hören, war dies Jahr erheblich stärker, al» je zuvor, aber sie vertrieb fich die Zeit mit dem Abfingen von Volksliedern und begrüßte die von verschiedenen Seiten aus aufsteigenden bengalischen Flammen, die die mächtige Kathedrale und ihre Umgebung zeitweise in ein magisches Licht hüllten, mit lautem Jubel. Gesang und Hurrahrufe wurden zeitweise so laut, daß fie selbst die G lecken übertönten, aber das war auch Alles. Im übrigen trennte fich die Menge schnell, nachdem fie das neue Jahr mit verschiedenen Hochs bewillkommnete. Nachdem das vergangene Jahr der Arbeiterbewegung ein Auffchwung gebracht, wie ihn selbst die kühnsten Optimisten kaum geträumt, beginnt das neue unter ziemlich ernsten Vor- zeichen. Die Gegner der Arbeiter treten wieder breister auf, und auf Seiten der Arbeiter scheint die Spannkraft etwas nachgelassen zu haben. So prinzipiell wichtig der Gasarbeiter- streik in Slld-London auch ist, so theilnahmlos steht ihm, nach dem Besuch der zu seinen Gunsten veranstalteten Meetings und den einlaufenden Unterstützungen zu schließen, die große Masse der Londoner Arbeiterschaft gegenüber— einige rühm- liche Ausnahmen abgerechnet. Woher diese Erscheinung? Ist es die Abspannung, die so oft nach größeren Aktionen sich ein« zustellen pflegt? Oder ist die Ursache in den Fehlern zu suchen, die im Laufe des Streiks auf Serien der �Streikenden, oder vielmehr von gewissen Rathgebern derselben gemacht wurden? Die Leser werden sich erinnern, daß als der' Streik aus- brach, von einzelnen Rednern in den Streikmeetings Me weitgehendsten Drohungen ausgestoßen wurden. Z.B. man wurde, um das Publikum zu zwingen, zu Gunsten der Streikenden eine Pression ausüben, ganz London in Dunkelheit vecsetzen. Daß diese Drohung bei dem bürgerlichen Publikum böses Blut machte, ist leicht erklärlich, fie scheint aber auch bei vielen Arbeitern Anstoß erregt zu haben. Der englische Ar- beiter ist jeder Bewegung abhold, die nicht auf ein bestimmtes Ziel ausgeht und dieses Ziel mit angemessenen Mitteln zu er« reichen sucht. Sind Ziel oder Mittel vager Natur, so betrachtet er das Ganze als des nöthigen Ernstes ermangelnd und wendet sich ab. Unglücklicherweise hat fich nun Alles geradezu verschworen, den Süd-Londoner Gasarbeiterstreik den Außen- stehenden in diesem Lichte erscheinen zu lassen. Auf die pomp- haftesten Erklärunzen in den Meetings, die der kapitalistischen Presse den Stoff zu den wüthendsten Ausfällen gegen die Arbeiter gaben, folgten die gemäßigsten Schritte von Seiten des Arbeiter. Streikkomitees. Daß die Ersteren nicht von diesem ausgegangen, sondern von„guten Freunden", vermochte den ungünstigen Eindruck dieses Widerspruchs nicht zu verwischen. Die SiegeSbülletinS der Direktion wurden um so gläubiger anfgenommen, und für eine verlorene Sache interesfirt fich nun einmal die Masse nicht. Erst neulich wieder wußten die Zeitungen zu berichten, daß die Streikenden auch die Arbeiter auf der Süd-Londoner Zweig- Anstalt der im Norden domizilirten Gas- und KokeS- Gesellschaft zum Austritt veranlassen wollten, um der Bewe- gung einen größeren Nachdruck zu verleihm. Daß dies ein Manöver von mehr wie zweifelhaftem Nutzen gewesen wäre, liegt auf der Hand, und das Stteik- Komitee beeilte fich denn auch, die Nachricht zu dementiren. Inzwischen hatte aber schon gesprungen, man mußte sie gewaltsam verhindern, hinabzu- steigen, sie wartete stehend neben dem Schacht, die Augen unverwandt in das schwarze Loch versenkt. Unten klopfte der Ingenieur an der von Zacharias be, zeichneten Stelle in gemessenen Zwischenräumen drei Schläge; dann befahl er Allen unbewegliche Ruhe und lehnte das Ohr an die Wand. Er vernahm nichts und schüttelte den Kopf; es schien ihm klar, Zacharias hatte geträumt. Zornig ergriff dieser die Haue und klopfte. Seine Augen blitzten, sein Körper erbebte: er hatte gehört. Jetzt wiederholten die Anderen der Reihe nach den Versuch und Alle wurden leb- hast, denn sie hatten sehr wohl die ferne Antwort vernom- men. Negrel wollte es immer noch nicht glauben; er klopfte wieder, horchte und vernahm jetzt wirklich das feine, luft- leichte Geräusch, in dem bekannten Nmhmus, das Zeichen der Bergleute in Gefahr, welches die Kohle mit kristallener Reinheit durch große Entfernungen fortpflanzt. Ein alter Aufseher erklärte, der Block, welcher sie von den Kameraden trenne, müsse mindestens fünfzig Meter tief sein. Doch es schien ibnen Allen, als reichten sie den Unglücklichen schon die Hand, und Begeisterung ergriff die kleine Schaar. Nsgrel mußte auf der Stelle die Arbeit beginnen lassen. Nachdem ZachariuS zu seiner Mutter hinaufgestiegen, umarmten sich Beide unter Thränen. Aber die Pierronne, welche auf einem Spaziergang dort vorüberkam, hatte die Grausamkeit ihnen zu sagen- „Ihr müßt Euch nichts in den Kopf setzen. Gesetzt, Katharina wäre nicht unter denen, die das Zeichen gegeben haben, würde Euch das nachher einen zu großen Schmerz machen." Gewiß, Käthchen konnte möglichenfalls in einem andern Theile der überschwemmten Grube stecken. Aber Zacharias antwortete wüthend: „Laß mich in Ruh. Sie ist da, ich fühl' es!" ■ die Direktion des genannten Werkes erklärt, daß sie auf jeden Zwischenfall gerüstet fei, und 4000 Betten bereit halte, um für den Fall eines Streiks ihre Mannschaften innerhalb der An- stalt»u kampiren. Dann mußte wieder eine ungeschickte Aeußerung eine« jungen Schriftsetzers auf einem Meeting in Hyde-Park her- halten, um die Sache der Streikenden zu diskreditiren. Derselbe, Namen« H. George Wier, sollte erklärt haben, daß ein Mann wie Livesey kein Recht zum Leben habe und daß derjenige ein Held wäre, der noch in derselben Nacht hinginge und ihn ermordete. Ein Polizist und ein Reporter der„Morning Post" wollten diele Worte gehört haben, während Wier, der in Anklagezustand versetzt worden ist, behauptet, er habe nur einen Vergleich mit Brafilien gezogen, wo man einen Kaiser um viel geringfügiger Sachen willen beseitigt habe, und hinzugefügt, in Brasilien würde ein Mensch wie Livejey keine 24 Stunden am Leben gelassen werden. Daß Wirr auf Brasilien exemplifizirte, hat auch der Vorsitzende der betreffenden Plattform, Thomas Mc. Cartby, be- fliiligt, der im übrigen schon auf dem Meeting selbst Wire'S Auslassungen zurückgewiesen hat. Aber das hat der reaktionären Presse nicht verhindert, einen erneuerten Ausfall wider die„Streikführer" zu machen. Immer mehr tritt es zu Tage, daß unter den vereinigten Tory's und Whig'« große Lust vor- herrscht, sich als Gesellschaftsretter aufzuspielen, nachdem ihre irische Politik ein so gründliches Fiasko erlitten. Der konser- vative«.Standard" und noch mehr die sich liberal nennende „Times" verlangen ganz offen Maßregeln gegen die„Tyrannei der Gewerkschaften", unter der sowohl die Unternehmer wie die „besseren Elemente unter den Arbeitern" heute schwer zu leiden haben. Ich brauche den Lesern dieses Blattes nicht erst darzulegen, daß„Maßregeln gegen die Tyrannei der Gewerkschaften nur eine Umschreibung ist für Lahmlegung dir Gewerkschaften. Ob die Leutchen mit dieser Parole gute Geschäfte machen werden, ist freilich noch sehr die Einstweilen haben sie neuen Stoff zum Lamento erhalten, nachdem es amDonnerstag und Freitag den„Pickets" derStreiken« den gelungen, die Mannschaften zweier Schiffe, die Kohlen für die Metropolitan-Gas-Gesellschaft geladen, zum Austritt zu veranlassen. Die Schiffe liegen in West-Greenwich und die Mannfchasten weigern sich, sie weiterzubefördern. Herr Livesey hat sich sofort beeilt, zu erklären, daß er unter seinen neu an- geworbenen Gatleuten genug frühere Schiffer:c. habe, um beide Schiffe vollständig mit neuer Bemannung auszurüsten, aber diese Behauptung ist noch kein Beweis. Trotz aller Prahlereien des Herrn war es um die Gasversorgung Süd- London« in der letzten Zeit jämmerlich bestellt, und eS würde noch viel jämmerlicher bestellt sein, wenn nicht ein großer Theil der bürgerlichen Konsumenten mit der Gasgesellschaft gemein- same Sache machten. Von Seiten der Streikenden wird behauptet, die Kohlen- vorräthe der Gesellschaft seien auf ein Minimum zusammen- geschmolzen, was diese ihrerseits wieder auf da« Entschiedenste bestreitet. Die Wahrheit wird wohl in der Mitte liegen, genau wie in Bezug auf die Vortrefflichkeit der neu angeworbenen GaSleute. Alle Augenblicke liest man von Erkrankungen, ja Todesfällen unter ihnen, und von denen, die fortlaufen, weil sie die Arbeit nicht aushalten können, schweigt des Sängers Höflichkeit. Mit einem Wort, noch ist der Kampf nicht ent- schieden, noch ist die Möglichkeit nickt ausgeschlossen, daß die Gesellschaft sich zu einem Kompromiß wird bequemen müssen. Wie jetzt gemeldet wird, soll das Streikkomitee alle Trabes Union« von London und Umgegend zu einer Delcgirtenver- fammlung eingeladen haben, um dieser den Streitfall vorzu- legen, ein Schritt, von dem nur zu bedauern ist, daß er nicht früher unternommen wmde. Wer weiß, ob der Streik nicht schon zu Gunsten der Arbeiter entschieden wäre, wenn ihr Komitee nicht in Ueberschätzung ihrer Aussichten Anfangs zu exklusiv verfahren wäre. Insofern bleibt der Streik auf alle Fälle eine gute Lektion. Sonst ist vom Gebiete der Arbeiterbewegung zur Zeit nicht« zu verzeichnen, wa« besonderer Erwähnung bedürfte. In der Massenbewegung ist eine Pause eingetreten, während deren die einzelnen Gruppen und Verbindungen ihre Organisationen auszubauen suchen. Dasselbe thun die sozialistischen Fraktionen. Wie verzweifelt die Sache der unionistischen, d. h. an der zwangsweisen„Union" zwischen England und Irland fest- hallenden Parteien steht, geht u. a. auch aus der Art und Weife hervor, wie sie jetzt die Scheidungsklage O'Shea gegen den Führer der Jrländer, Parnell, auszubeuten suchen. Die Sache liegt noch nicht so klar, daß man über die Rolle Parnell« m diesem Ehebruchshavdel ein Urtheil fällen kann, soviel ist aber sicher, daß die schofelste Rolle dabei der gekränkte Ehe- und Ehrenmann, der biedere Herr O'Shea selbst gespielt. Sollte übrigens der„ungekrönte König von Irland" durch diese Affäre wirklich unmöglich werden, so wird die irische Sache darum nicht an Kraft einbüßen. Ein Volk, das mit entschiedenem Willen für seine Rechte kämpft, kann noch ganz andere Verluste ertragen als den eine«„ungekrönten Königs". Die Maheude hatte sich wieder gesetzt und wartete stumm, mit unbeweglichen, wie versteinerten Zügen. Sobald die Nachricht in Montsou bekannt wurde, stürmte eine Masse Menschen herbei. Sie konnten nichts sehen; aber Alle drängten an die Schachtmündung heran; sie mußten durch Wachen au« dem Vorhof vertrieben werden. Unten wurde Tag und Nacht gearbeitet. Fürchtend, daß man einem Hinderniß begegnen könne, ließ N-igrel in absteigender Richtung drei verschiedene Wege hauen, welche nach dem Punkte zusammenliefen, in welchem man die Kameraden vermuthete. Nur ein einzelner Mann, der alle zwei Stunden abgelöst wurde, konnte in dem engen Kanal, den man sich bahnen wollte, hauen; andere hinter ihm luden die loSgeklopfte Kohle in Körbe und reichten dieselbe einander von Hand zu Hand; eS war eine Kette von Arbeitern, die sich in dem Maße verlängerte, wie das Loch sich tiefer in den Berg hinein bohrte. Es ging im Anfang sehr schnell: man machte sechs Meter in vierundzwanzig Stunden. Zacharias war die Erlaubniß geworden, mit unter den ausgewählten Häuern zu arbeiten, welche der Ingenieur zum Klopfen verwandte. Dies war ein Ehrenposten, den Einer dem andern streitig machte. Zacharias, hartnäckiger wie seine Kameraden, wollte sich nicht ablösen lassen, wenn die bestimmten zwei Stunden vorüber waren, und versuchte mit Gewalt und List länger an seinem Posten zu bleiben. Bald gewann der Gang, in welchem KäthchenS Bruder arbeitete, einen beträchtlichen Vorspmng vor den beiden andern; er Sriff die Kohle mit einer so wild verzweifelten Kraft an, aß aus dem engen Weg das Keuchen seiner Brust gleich dem Stöhnen einer unterirdischen Schmiede hervortönte. Wenn er schwarz und in Schweiß gebadet herauskam, stürzte er ohnmächtig und besinnungslos zusammen. Die Käme- raden wickelten ihn in eine Decke; doch nach kurzer Pause drängte er sich, noch wankenden KnicS, wieder hinein. Der Zweikampf mit dem Kohlenberg begann von Neuem: mäch- tige dumpfe Hiebe schallten, siegahnende Rufe unterbrachen das tolle Gemetzel. Aber die Kohle wurde härter; zweimal zerbrach Zacharias seine Haue, verzweifelt vor Ungeduld, daß es nicht mehr so schnell vorwärts ging. Die Hitze nahm mit jedem Meter, den man vorschritt, zu, wurde unerträglich dumpf und _ D« Jahresschluß giebt den verschiedenen politischen, wissen- schaftlrchen, reliqwsen-c. Körperschaften Anlaß, dem Publikum Bericht über ihre Thätigkeit, ihre numerffche und sonstige Stärke zu geben. Sehr zeitig rückt mit ihrem Bericht die Heilsarmee an, und die Zahlen, welche die Presse schon jetzt au» demselben veröffentlicht, find in der That der Beach- tung werth. Man mag über die religiösen Tendenzen dieser Sekte denken, wie man will, ihre Erfolge find ein glänzendes Beispiel, was eine mit Energie und Ausdauer geleitete Sache vermag. Vor zehn Jahren hatte die Armee nur 125„Korps" unter der Leitung von 190„Osfizieren", hmte hat sie 2767„Korps" und 8700„Offiziere". Sie gebietet im König. reich Großbritannien allein über Eigenthum im Wertbe von 400 000 Pfd. Sterl.(8 Millionen Mark) und in Kanada und Australien über Eigenthum im Werthe von 220 000 Pfd. Sterl. Allein in den Monaten August und September hat sie Land und Gebäude im Werthe von 51700 Pfd. angekauft. Allerdings genießt die Heilsarmee für ihr Bekehrungswerk vielfach einflußreiche Pro- tektion, und in Viktorialand erhält sie sogar von der Regierung einen Unterstützungsbeitrag, doch im Großen und Ganzen find es die„Bekehrten", welche dies« Mittel aufbringen. Ich habe schon früher erwähnt, daß die Heilsarmee nur aus dem eng- lischen Verhältniß heraus zu verstehen ist und thatsächlich ge« deiht sie auch nur, wo die Bevölkerung entweder ganz englisch oder stark anglistrt ist. Im Allgemeinen nicht besser und nicht schlechter als viele andere Sekten, ist sie weniger bog- matisch und mehr sozial als die meisten derselben. Hier in London genießt sie, namentlich in den ärmeren Distrikten einer ziemlich starken Popularität, auch bei Leuten, die von ihren religiösen Tendenzen nicht« wissen wollen. Man schätzt bei ihren Leuten die bis zur vollständigen Selbstaufopferung getriebene Hwgebung und Hilfsbereitschaft. Daß sich diese namentlich auch bei den verschiedenen Streiks im East-End gezeigt hat, wissen die Leser des„Volksblatt". Nicht blos beim Dockerstreik, wo es Mode wurde, für die Streikenden Partei zu nehnen, sondern auch beim Streik in Silvertown hat die Heilsarmee dm Arbeitem mit Unterstützungm zur Seite gestanden. Da« ist auch ein charakteristischer Unterschied von dem Muckerthum anderer Länder: sie ist nicht auf die Liebe« dienerei nach oben eingeschworen. Man könnte darin eine Gefahr für die sozialistische Arbeiterbewegung erblicken, doch ist auch dafür gesorgt, daß die Heilsarmee- Bäume nicht in dm Himmel wachsen. ifÄsie Mebevfrrhk. Die Nachricht, daß als Wahltermin für die nächsten Reichstagswahlen der 6. März festgesetzt sei, wird von mehreren Seitm, auch von der„Magdeb. Ztg.", bestätigt. Die „Freisinnige Ztg." findet die Meldung gleichfalls nicht unwahr- scheinlich. Sie fügt hinzu:„Um Wahlen am 6. März zu er- möglichen, müßtm behufs Jnnehaltung der vierwöchentlichen Frist schon Anfang Februar die Wählerlisten offen gelegt wer- den. Es würde demnach die Ordre zur Aufstellung der Listen alsbald zu erwarten fein." Unter dem Ausdruck de« Zweifels haben wir von dem durch die„Berl. Börsenzeitung" kolportirtm Gerüchte Notiz genommen, daß innerhalb des preußischen Ministeriums ernsthaste Differenzen wegen de« Sozialistmaesetze«, namentlich hinsichtlich der Nothwendigkeit der Ausweisung s- b e f u g n i s s e bestünden. Diese Meinungsverschiedenheiten, welche besonders zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Minister des Innern sich zugespitzt haben solltm, werden nunmehr auch von offiziöser Seite in entschiedmer Weise demmtirt:„Für Jeden, so lautet die Zurück- Weisung, welcher einigermaßen mit der Stellung und Ein- richtung des preußischen StaatSministerium« vertraut ist, kann ein Zweifel darüber nicht bestehm, daß kein Mitglied des Staatsministeriums eine von der Gesammtauffassung der preu- ßischen StaatSregierung abweichende Ansicht zur Geltung zu bringen versuchen kann oder wird, nachdem ein Votum Preußens im BundeSrathe abgegeben wordm ist. In dem vorliegmden Falle hat die preußische StaatSregierung zu der in Rede stehen- den Frage bestimmte Stellung genommen und derselbm in ihrem Votum beim BundeSrathe Ausdruck gegeben. Diese Auf. fassung bleibt für jede« Mitglied des StaatSministerium« selbst- redend so lange bindend, als letzteres selbst nicht zu einem ab- weichenden Beschlüsse gelangt. Von Meinungsverschiedenheiten innerhalb de« StaatSministerium« kann in Fragen, welche durch Beschluß desselben abgeschlossen, daher nicht die Rede sein. Jene Preßmittheilungen werden nur um so unglaubhafter, als sie zugleich hinzufügen, daß der preußische Minister de« Ja- nern in der AuSweisungSfrage einen von dem dem Reichstag vorliegenden Gesetzentwurf abweichenden Standpunkt vertrete. Man wird sich erinnern, daß gerade au« dem Ressort des Ministeriums de« Innern ein die jetzige Vorlage an Schärfe weit übertreffender Gesetzentwurf hervorgegangen ist, welcher schwül in diesem engen Kanal, wo die Luft nicht zirkuliren konnte. Es war ein Handventilator aufgestellt worden, doch derselbe genügte nicht, und dreimal zog man Arbeiter, welche die Gase niedergestreckt hatten, bewußtlos aus der Kohle hervor. Negrel blieb unausgesetzt in der Grube; man brachte ihm seine Mahlzeiten hinunter; von Zeit zu Zeit schlief er in einem Mantel gehüllt ein paar Stunden auf einem Heulager. Die fortwährenden Zeichen der Ver- unglückten feuerten die Arbeiter an; diese mahnende Bitte um Eile, welche kristallrein näher und näher aus dem Kohlenblock drang, mit einem musikalisch summenden Klang, wie vom Metallplättchen einer Harmonika, dieser Ton war es, welcher die Arbeiter führte; man eilte ihm entgegen, sowie Soldaten in der Schlacht dem Donner der Kanonen entgegen marschiren. Jedesmal, wenn ein Arbeiter abgelöst wurde, ging der Ingenieur bis an'S Ende des schwarz- glänzenden Tunnels, klopfte und horchte. Bisher waren die Antworten schnell und dringend erfolgt: eS unterlag keinem Zweifel, sie bewegten sich in der guten Richtung. Aber die Arbeit schritt entsetzlich langsam vor, und eS war zu be- fürchten, daß man zu spät ankommen werde. In den ersten beiden Tagen waren sie dreizehn Meter tief gedrungen; am dritten konnten sie nur fünf Meter weiter vorrücken, am vierten nur vier; dann aber wurde die Kohle so steinhart, daß nicht mehr al« zwei Meter täglich auSge- hauen werden konnten. Am neunten Tage hatte der enge Darm, trotz der emsigsten Mühe, erst eine Länge von zwei- unddreißig Meter erlangt, und man berechnete, daß noch zwanzig Meter zu durchstechen blieben. Für die Gefangenen war dies der zwölfte Tag, zwölfmal vierundzwanzig Stunden ohne Brot, ohne Feuer in eisiger Finsterniß! Dieser Ge- danke drängte den Männern Thränen in die Augen und lähmte ihren Arm mitten in der Arbeit. ES schien unmöglich, daß ein Mensch länger leben könne; schon am Vorabend waren die Signalschläge matter geworden; man zitterte jede Minute, daß sie ganz versiegen könnten. Regelmäßig kam die Maheude und setzte sich neben die Mündung des. Schachtes, Estelle, welche sie nicht den ganzen Tag allein lassen konnte, im Arm. Von Stunde zu Stunde wurde sie von dem Fortschritt der Arbeiten, den Hoffnungen und Befürchtungen der Rettungsmannschaften unterrichtet. aber im BundeSrathe nicht durchdrang und dort liegen geblieben ist. Kurzum nach allen Richtungen erweisen sich jene Nach- richten als freie, von Sachkenntniß nicht beirrte Erfindunaen." Z«r„Auswelsnngsfrage im abgeänderten Ans- «ahmegesefc fckreibt die„Nat.-Lib. Korr.":„Daß diese Be- fugniß in der Weise, wie sie die Regierungsvorlage verlangt, unter keinen Umständen auf eine Mehrheit im Reichstage zu rechnen hat, steht fest. Von den verschiedenen ÄuSgleichSvor- schlagen, die mehr oder weniger genau formulirt laut geworden sind, ist der Gedanke einer Bewilligung der AuSweisungSbe- fugniß auf Zeil als dem allgemein anerkannten Bedürfniß einer dauernden Regelung der Angelegenheit zuwiderlaufend aufge- geben worden. Der von den Konservativen in der Kommission gemachte Versuch der Konstruktion einer AuSweisungSbefugniß nach vorangegangener gerichtlicher V-rurtbeilung hat feiten« de» Mm'sierS Herrftwth eine auf praktische Gesichtspunkte gestützte abfällige Kritik erfahren, infolge deren die Antragsteller selbst ihren Vorschlag zurückzogen. Dagegen ist auf Grund de« Bi' rlchtS zu konstatiren, daß die von den N-tionalliberalen ange- deutete UebergangSmaßregel,„die dafür sorge, daß die Rück- kehr der auf Grund dcS seitherigen Gesetzes Ausgewiesenen nrcht sofort und auf einmal erfolge", einer weiteren Erörterung seitens des Ministers nicht unterzogen wurde. Es wird sich bald zeigen muffen, od in dieser Richtung nicht doch der Weg der Verständigung zu finden ist.— Das Gewimmer nach einer „Verständigung" mit der Regierung findet sich z. Z. in allen nationalliberalen Blattern. FSr findig- Staats«»«»»- ist der§ 110 des deutschen Strafgesetzbuches eine sehr schätzbare Fundgrube. Roch bevor das Relchsgencht dem Paragraphen eine neue Auslegung in Bezug auf d,e Aufforderung zum Kontrakibruch gegeben hat, machte dre Gottinger Staatsanwaltschaft den Versuch, bei einer Kommunalwahl in Northeim die„Göttinger-Guben- Hagener Zeitung" strafrechtlich zu verfolgen, weil sie zur Wahl- enthaltung aufgefordert halte. Nach der hannover'schen Städte- ordnung sei zeder Bürger zur Wahl verpflichtet, folglich sei eme Aufforderung zur Wah'.en'haUung eine Aufforderung zum strafbaren Ungehorsam gegen die Gesetze. Beim Gericht scheint indessen der Staatsanwalt mit dieser Auslegung nicht durchgedrungen zu sein, denn am Neujahrstag wurde den Be- schuldigten mitgetheilt, daß das eingeleitete Strafverfahren gegen sie emgeflellt worden fei. Als.«in Att-«tat auf des R-ich-s K-rrlichk-tt" bezeichnet es das nationalliberale„Leipziger Tageblatt", daß die Freifinnigen im Wahlkreise Leipsig-Land die Zähl- kandlbotur des Herrn Eugen Richter aufgestellt haben.— Da muß es doch mit der Kartellherrlichkeit in diesem Wahlkreise sehr wacklig bestellt sein. Kb-* die Nied-rm-tzlung vo«„N-r schickt-»" in Sibirien finden wir in englischen Blättern nachstehend« Notizen: Die Metzelei in Yakut« ist kein Märchen; sie wird von den russischen Behörden auf ein Mißverständniß zurück- ;efuhrt. Die russischen Soldaten-seien durch einen Revolver« chuß aus den Reihen der„Verschickten" in eine Panik ver- etzt worden, und hätten dann wieder geschossen. Diese Lesart ist eine plumpe Lüge, die am schlagendsten durch die Thatsache widerlegt wird, daß in Folge der sogenannten Panik sech« „Verschickte" getodtet und neun schwer verwundet wurden, wahrend nur ein Soldat getödtet ward, der obendrein, ehe er starb, erklarte, er sei zufällig durch einen Schuß seiner eigenen Kameraden verwundet worden. ... /Bsi*. dem immer sei, der Gouverneur Osteschin ließ die uberlebenden„Verschickten" vor ein Kriegsgericht stellen, daS drei derselben, darunter einen Schweroerwundeten, erschießen ließ und fünfzehn andere zu langjähriger Einsperrung(im Zuchthaus oder in denIBergwerken) verurtheilte. Wir haben es also ohne Zweifel mit einem Akte der Barbarei zu thun, wie er selbst in Rußland zu den Selten- Herten geHort. t Bezeichnend ist. daß nur konservative englische Blätter dieser grauenhaften Metzelei erwähnen, die von den sur„Väterchen" schwärmenden, über die„türkischen Greuel" in Kreta jammern- den liberalen englischen Blättern brav todtgeschwiegen wird. Ohne die skandalösen Sympathien für das zarische Rußland, durch die auch der alte G l a d st o n e sich arg verunziert hat, wären beiläufig die englischen Liberalen längst wieder an« Ruder gekommen. Im ob-»fchl«stsch-» Kohl-nr-vi-r beginnen die Ver- waltungen, den Fororrunaen der Bergardeiter mehr entgegen- zukommen. Nachdem auf dem Schmiedeschacht bereits am Sonnabend die Lohnforderungen zugestanden waren, hat die Verwaltung nunmehr auch die achtstündige Schicht bewilligt. Auch auf der Kleophasgrube ist, wie der„Oöerschles.Volksztg." aus Kattowitz gemeldet wird, die achtstündige Schicht feit Be- ginn des Jahres eingeführt und die Einführung der lOtägigen Löhnung angeordnet wordm. Zur Einführung der 8 Kündigen Schicht hat sich auch die Verwaltung der Wolfganggrude, bei der, wie schon gemeldet, auf dem Valentinschacht ein Ausstand ausgebrochen ist, bereit erklärt; die bisherigen Einigungs- versuche sind hier jedoch an der Forderung höherer Löhne, Und durch den ganzen Haufen der außerhalb des Vorhofe» wartete, ja bis nach Montsou theilte sich daS spannende Fieber der Erwartung mit; Aller Herzen schlugen ängstlich für die armen Leute im Innern des Voreux. Am neunten Tage antwortete Zacharias nicht, als man ihn um die Frühstücksstunde zur Ablösung rief. Er war wie rasend und tobte fluchend auf die versteinerte schwarze Wand. Negrel, der sich einen Augenblick auS der Grube entfernt hatte, konnte ihm nicht zum Gehorsam zwingen; nur ein Aufseher und drei Arbeiter befanden sich mit ihm unten. Zacha- riaS mochte, verzweifelt über das immer dunkler brennende Grubenlicht, feine Lampe geöffnet haben, trotzdem dies streng untersagt war, denn viele Gase entströmten der Kohle und lagerten schwer in dem engen Höhlengang.— Plötzlich er- tönte ein Donnerschlag, eine Feuergarbe flog auS dem schwarzen Loch, wie aus dem Rachen einer Kanone; Alles brannte, die Luft entflammte wie Pulver von einem Ende der Gallerie zum andern; eS riß den Aufseher und die drei Arbeiter zu Boden und stürzte den Schacht empor, wie der Ausbruch eines feuerspeienden BergeS; Gebälk und Steine flogen in die Luft. Die Neugierigen prallten zurück. Die Maheude, Estelle an die Brust pressend, sprang auf. Als Negrel und die andern Arbeiter zurückkamen, er- packte sie ein grimmiger Zorn; sie hieben mit den Absätzen auf diesen unseligen Boden, den sie mit übermenschlicher Anstrengung versuchten, das Leben der von der„Fluth" ver- schütteten Kameraden abzuringen, und der ihnen noch mehr der Ihren nahm. Erst nach dreistündiger Mühe vermochten sie wieder in die Galerie zu dringen, um die Opfer heraus zu befördern. Weder die Aufseher, noch die drei Arbeiter waren todt; aber gräßliche Brandwunden bedeckten ihre Körper. Es roch nach geröstetem Fleisch; sie hatten daS Feuer ver- schluckt, ihr ganzer Schlund war verbrannt; sie wanden sich vor Schmerz, heulten und schrieen, man möge ihnen den Gnadenstoß versetzen. Unter den drei Häuern befand sich der Mann, welcher mit einem letzten Hieb die Pumpe von Gaston- Marie zerstört hatte; die beiden Andern trugen an den Händen noch Narben von den Ziegeln, welche sie zerbrochen und auf die Soldaten geschleudert hatten. Die Menge entblößte sich schaudernd, als man sie vorübertrug. Die Maheude stand beim Schacht. Endlich kam die welche dl« Verwaltung nicht bewilligen zu können er- klart, gescheitert; die Zahl der Streikenden beträgt hier 550 Mann. Weg»« Majestätvbrleidigung wurde der Herausgeber »er.Pasquwo- Plaudereien'', Schriftsteller Hugo Rösch und der Redakteur Thiele aus Würzen vom Landgericht zu Leipzig zu je 3 Monaten Festung verurtheilt. Frankreich. Paris, 5. Januar. Der Abgeordnete Cuneo d'Ocnano bestätigt einem Berichterstatter des„Eclair", daß er mit einigen anderen früheren Bonapntisten, wie Haustmann, Marino Martin, Robert Mitchell, Amager und Major Picot, eine neue Gruppe unter dem Namen„Republikanische Rechte der Volks- abstimmung" bilden werde. Diese Gruppe unterscheide sich vom rechten Zentrum dadurch, daß sie wohl die Republik, aber nicht die Verfassung derselben von 1875 anerkenne, sondern «ne solche auf Grundlage direkter Volksabstimmung verlange. Andererseits sei eine Verschmelzung der Gruppe mit den Boulangisten wegen der religiösen Frage unmöglich, in welcher lene meist radikal, die Anhänger der neuen Gruppe hingegm streng konservativ seien. Dah, wie ein Provinzialblatt be- hauplet, Prinz Viktor Napoleon und B o u l a n g e r die neue Parteileitung gutgeheißen hätten, ist natürlich nur ein boshafter Scherz; hingegen scheint sie sich der Billigung des Prinzen Jerom e Napoleon zu erfreuen. Die Gruppe könnte es auf 25-30 Mitglieder bringen. Der Gemeinderath Lavy war von dem Gemeinde- rath beauftragt worden, einen Bericht über die Pariser Schulen mit besonderer Berücksichtigung der Fortschritte auszuarbeiten, welche seit 1878 erzielt wurden. Eigentlich war dieser Bericht dazu bestimmt, den Kammern vor der Berathuna des Unterrichtsbudzets mitgetheilt zu werden. Allein da das Budget ausnahmsweise rechtzeitig erörtert und beschlossen wurde, so kam Herr Lavy mit seiner Arbeit, die er kürzlich vollendete, zu spät, laßt sie aber dennoch als lehrreiches Dokument im Druck er- Icheinen. Der Verfasser der Schrift führt alle Bestrebungen der dritten Republik im Schulwesen auf die Gesetze vom 3. und 4. September 1791 und zuständige Beschlüsse des Konvents zurück. Seinen statistischen Ausstellungen entnehmen wir fol- gende Angaben: Gegen Ende des Kaiserreichs besah Paris � Klernkinder-Schulen, 127 Primarschulen für Knaben und ei■ Mädchen; im Jahre 1889 beläuft sich die Zahl der iktewklnder- Schulen(Ecoles materaettes) auf 129, die der Primarschulen für Knaben auf 194, für Mädchen 176. Mit den Schulanstalten und Klassen ist selbstverständlich auch da« Personal gewachsen: die Kleinkinder- Schulen haben 129 Vor- ueherinnen und 329 Lehrerinnen, die Knabenschulen 194 Vorüber und 1332 Lehrer, die Mädchenschulen neben 176 Vor- Ittherinnen 1269 Lehrerinnen. Im Jahre 1870 gab es in Paris nur vier städtische Colleges(die Lyceen sind Staatsanstalten): die Collözes Rollin und Chaptal und die Ecole Turgot und .Volbert, welche letzteren dem Begriffe von Realschulm ent- lprechen. Seitdem sind fünf neue Mittelschulen dieser Art ge- Landet worden: 3 für Knaben und 2 für Mädchen, welchen "ch fünf weibliche Gewerbeschulen anschließen. Die Mädchen- �gceen Penelov, Racine und andere sind Staattschulen. Das ltadtische Budget weist für 1889 ordentliche Ausgaben in Höhe von 24 724 403 Franks aus, indeh 1871 für das Schulwesen Hur 9 600 896 Frank« übrig waren. Neben dieser Krediterhöhung Mn mehr als 15 Millionen für das Jahr wurden von 1871 oiä 1877 außerordentliche Ausgaben bis zu 84 Millionen dem Schulwesen gewidmet. Schweix. Ja Sachen des Buchdrucker st reikS hat eine am «I- v. MtS. in Zürich tagmde Versammlung deutscher Sozia- nsten folgende Resolution angenommen:„Die heutige Ver- lammlung deutscher? Sozialisten spricht im Hinblick auf die -�hatsache, daß der Streik der schweizerischen Buchdrucker nicht zum Mindesten deshalb verloren ging, weil es den schweize- «Ichen Prinzipalen gelang, aus Deutschland Arbeitskräfte herbei- zuziehen, ihr Bedauern darüber aus, daß deutsche Arbeiter vvzu Hand geboten haben, zum Vortheil der Kapitalisten die schweizerische Arbeiterpartei schwer zu schädigen. Sie richtet «arum an die Arbeitersckiaft in Deutschland die Bitte, die Wiederholung derartiger Vorkcmmnisse so viel in ihrer Macht steht, zu verhindern, eventuell vorherige Erkundigung über den wahren Stand bei schweizerischen Vertrauensleuten einzu- ziehen." Dänemark. D i e Legislaturpertode des Folkethings wurde am 28. Januar ihren gesetzlichen Abschluß gefunden haben, wenn die Regierung es nicht für angezeigt gehalten, 0>e widerspenstige Volkskammer aufzulösen und die Neuwahlen zum 21. d. M. auszuschreiben. Die Maßregel trifft die Opposition nicht unvorbereitet, sie hat die Wahlarbeit bereits m> vergangenen Sommer begonnen und die Vorbereitungen uberall so weit beendet, daß die Abgeordneten jetzt nur in ihre zu gehen brauchen und die letzten Ansprachen an ihre Wähler zu halten. Die Agitation wird auch dadurch verein- Leiche Zacharias' herauf. Die Kleider waren verbrannt- der Körper war nichts, wie ein verkohlter Klumpen, der Kopf Zermalmt. Man legte diese entsetzlichen Reste auf eine Trag- bahre; Männer trugen sie zum Dorf. Die Maheude folgte Mit mechanischem Schritt, brennenden AugeS, ohne Thräne; sie hielt ihr schlafendes Kind im Arm; ihre Haare zauste der Wind; Philomene war entsetzt; ihre Brust erleichterte sich in nicht versiegenden Thränen. Die Mutter aber kehrte mit demselben nervlosen Schritt nach Requillart zurück. Sie hatte ihrem Sohne das Geleit gegeben. Sie erwartete ihre Tochter. Während der nächsten drei Tage wurden unter den un- täglichsten Schwierigkeiten die Rettungsarbeiten fortgesetzt. Glücklicherweise hatte die Explosion den Durchstich nicht zu- fammengebrochen; doch die Luft war darin so verdorben, daß noch andere Ventilatoren aufgestellt und die Mannschaften lede zwanzig Minuten abgelöst werden mußten. Kaum zwei Meter blieben noch zu durchbrechen. Aber sie arbeiteten das Herz von eisiger Kälte umfangen, die Schläge der Hauen hatten einen rachewilden Klang— denn die Antwort aus dem Innern des Berges war verstummt, das helltickende Signal schwieg. ES war am zwölften Tage der Arbeit, am fünfzehnten nach der Katastrophe. Das Verunglücken der vier Rettungsarbeiter hatte die -Neugierde und Theilnahme von Montsou wieder von Neuem angefacht und schaarenweise machten die Bürger Ausflüge nach Requillart. Auch die GrögoireS entschlossen sich, diesem Verspiele zu folgen. Eine Partie wurde arrangirt, und man kam überein, daß die Familie Gregoire sich in ihrem Wagen nach dem Voreux begeben solle, während Frau Hennebeau in ihrem Landauer Lucien und Johanna abholen wollte. Herr Hennebeau hatte versprochen, der Gesellschaft die Kanalarbeiten za zeigen; dann wollte man sich nach Requillart begeben, P0" Negrel erfahren, wie weit er mit seinen RettungSver- rlr cr i! unb ob er noch Hoffnung habe zu reussiren, und speisen na�m man � am Zusammen zu v„. MtS Gregoire'S Kalesche um drei Uhr vor dem Krater Voreux hielt, fanden sie Frau Hennebeau schon dort. facht, daß in jedem Wahlkreise von rund 16 000 Wählern nur an einem Wahlorte gewählt wird, so daß sehr oft die lokale Wählerschaft— jeder 30jährige unbescholtene Mann hat das Wahlrecht— den Ausschlag giebt. Wer also die lokale Wähler- schaft für sich hat, hat meistens den Erfolg. Im Winter ist das um so wichtiger, als in den weit ausgestreckten Landkreisen doch manche Leute aus den Landdistrikten durch schlechtes Wetter und schlechte Wege abgehaltm werden, sich nach dem oft meilenweit entfernten Wahlorte zu begeben. Je mehr Bauern von der Wahl fern bleiben, desto besser gestatten sich die Aussichten für die Regierungspartei. Von 102 Sitzen hatte die Rechte in der aufgelösten Kammer 26 Sitze besetzt, im neuen Thing hofft sie aus 30 zu kommen, was aber noch sehr zweifel- Haft ist. Wenn die Linke sonst auf Seeland, in Jütland oder auf Fünen noch einen Kreis verlieren sollte, so wird das nur infolge der Reibereien möglich sein, welche im Linkenlager leider noch immer an der Tagesordnung find. Der alte Berg ver- tritt nach wie vor mit Leidenschaft den Standpunkt der reinen Negation und sein Haß richtet sich mit voller Wucht gegen die früheren Freunde, welche zu der sog. Verhandlungspolitik über- gegangen sind. Im Grunde ist es ein Streit um Worte. Keine Gruppe der Linken will die Befestigung und da« Pro- visorium, aber keine Gruppe besitzt ein Mittel, das eine oder das andere zu verhindern. Die Opposition mag„Ver- wesungs-" oder Verhandlungspolitik treiben, die Regierung bleibt bei dem Verfassungsbruch stehen, bis sie alle Festungen erbaut hat, den die dänische Militärpartei für nothwendig halt. DevlÄlttttrlutlgon. «ine öffentliche Nersammlung der Posamentier- Ardriterinne« tagte am Montag Abend in SchrfferS Salon, Jnselstr. 10. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag von Frau Post über: Die Stellung der Frau in der Industrie. Ais Vorsitzende wurde Fräulein Donath gewählt. Referentin skizzirte in kurzen Zügen die Entwickelung der Industrie vom Hand- zum Großbetrieb und hob hervor, daß von einer eigent- lichm Arbeiterbewegung erst seit ungefähr 25 Jahren in Deutsch- land die Rede sei. Mit der Zunahme des Großbetriebes habe naturgemäß auch die Arbeiterbewegung zugenommen, weil der Kleinbetrieb ins Proletariat aufging. Die Arbeiterinnen stehen aber zumeist noch völlig theilnahmlos dem öffentlichen Leben legenüber, obgleich die Statistik lehre, daß die Frauenarbeit chon längst ein bedeutsamer Faktor in der Industrie geworden ei. Die Frau stehe im Allgemeinen dem Manne an Bildung nach, das resultire aus der besonderen Erziehung des weib- lichen Geschlechts, welche nicht geeignet erscheint, den Gesichts- kreis desselben zu erweitern. Ferner hindern auch die polizei- lichen oder gesetzlichen Bestimmungen die Frau-n an der Entfaltung einer durchgreifenden Thätigkeit zur Verbesserung ihrer Lage. Die Frauenarbeit nehme immer mehr zu, weil die Maschine durch schwächere Kräfte bedient werden könne. Auch sei bie Frauenarbeit wohlfeiler, weil das weibliche Geschlecht weniger Ansprüche an das Leben mache und auch weniger widerstandsfähig gegen dm Druck des Kapitals sei. Durch die Billigkeit der Fraumarbeit wird der Lohn für männliche Ar- beitSkraft erheblich herabgedrückt, was wiederum zur Folge habe, daß der Mann nicht mehr den nothwendigen Lebensunterhalt für die Familie erschwingen könne. Die Frau müsse also wider Willm die Untergrabung der Familie fördern helfen, was doch strikte gegen ihr eigene« Interesse sei. Nun habe man den Vorschlag gemacht, die Fraumarbeit für Fabrikm zu verbieten. Das würde aber nur zu dem Resultat führen, die weibliche Arbeit ganz der Hausindustrie in die Arme zu werfen, wo noch eine viel größere Ausnutzung derselben stattfinde und jede Kontrole in Bezug auf Arbeitszeit und Lohn so gut wie ganz aufhöre. Auch könne man doch nicht dm unverheiratheten Frauen die Existenz abschneiden wollm. Wohl aber recht- fertige sich ein Verbot der Fraumarbeit in gewissen gesundheit«- «esährlichen Jndustriezweigm. Dem herrschenden Uebel- and könne sehr wohl durch eine gute Organisation gesteuert werden, diese müsse in allen Branchen vor- gmommm werdm. Die Hebung des Selbstbewußtseins der Arbeilerinnm müsse gehoben und für Aufklärung Sorge getragm werden, da» fei zur Abwehr des Kapttaldruck« noth- wendig. Mit bloßem Klagen und Nichtsthun werde nicht« erreicht, es gelte, mit frischem Muth den Kampf aufzunehmen, dmn, nur Der verdient die Freiheit und das Lebm, der täglich sie erobern muß.— Dem beifällig aufgmommenm Vortrage folgte eine lebhafte Diskussion, an der sich die Arbeiterinnen Frl. Grünberg, Frl. Stendel, Frl. Göthe, Frl. Wo.f, Frau Gubela und Frau Ludwig, außerdem die Herrm Hoffmaun, Steindorf, Ebeling und Klau betheiligten. Es wurde nammtlich von allen Seiten betont, daß vor allen Dingen gegen die Nacht- und Sonntagsarbeit Front gemacht werdm müsse. Ganz falsch sei, wenn die Kolleginnen sogar die Arbeit mit nach Hause nehmen, um sie währmd der Nacht oder Sonntags fertig zu stellen. Eine Resolution, den 1. Mai zum Feiertag zu er- klären, wurde einstimmig angenommen, ebenso der Antrag, nach Sie trug eine matrosenblaue Toilette und schützte sich mit einem kleinen Spitzenschirm gegen die bleiche Februarsonne. Der Himmel war sehr rein, die Luft frühlingslau. Hennebeau war dort mit Deneulin und hörte zerstreuten Ohres die Erklärungen, welche ihm dieser über die Schwierigkeiten machte, denen er begegnete, um den Kanal wieder in sein Bett zu zwängen. Johanna hatte ein Skizzenbuch mit- gebracht und zeichnete, hingerissen von dem dramatischen Motiv, während Lucie, neben ihr auf einem zertrümmerten Wagen saß. Der noch nicht beendete Damm deS KanaleS ließ durch zahlreiche Spalten Wasser rinnen, welche« in schaumigen Wellen in das große Loch der versunkenen Grube stürzte. Der Teich versiegte bereits, und das von dem zerrissenen Boden aufgesogene Wasser entblößte die trostlosen Trümme; das zartblaue Firmament des herrlichen Tages überwölbte eine Kloake, den Ruinen einer in Schmutz ertränkten Stadt vergleichbar. Gregoire rief enttäuscht: „Da macht man einen so weiten Weg, um so etwa» zu sehen!" Cäcilie war sehr munter, glücklich, die frische reine Luft zu athmen; währen» Frau Hennebeau mit verächtlicher Mundvewegung meinte: „In der That, da ist nichts Hübsches daran." Hennebeau und Deneulin lachten und versuchten den Besuch zu unterhalten, indem sie die Gesellschaft überall herumführten, den Damen die Arbeit der Pumpen erklärten und ihnen das Eindämmen der Pfähle zeigten. Die Dame» aber langweilten sich dabei, und als man ihnen erzählte, daß die Pumpen vielleicht sechs oder sieben Jahre arbeiten müßten, bevor an die Wiederherstellung der Grube ge- gangen werden könne, meinten sie, sie wollten lieber an etwas Anderes denken, den« solche Katastrophen hätten etwas zu Düsteres. „Nein, brechen wir auf!" sagte Frau Hennebeau, sich ihrer Kutsche nähernd. Johanna und Lucie riefe«:„Ach, so früh!" Ihre Zeichnung war noch nicht beendet und sie zogen vor, zu bleiben ihr Vater werde sie dann Abends zur Villa führen. welchem sich alle Anwesenden verpflichteten, dem Posamentier- Arbeiterinnen Verein beizutreten und für eine kräftige Organi- fation zu wirken. Der Verband deutscher Mechaniker und verwandte« K-rnf-gen-ffe« hielt am 18. Dezember 1889 eine Mitgliederversammlung in Sahm's Klubbause, Annenstr. 16, ab. In derselben hielt Herr Gerisch einen Vortraa über:„Der Soldatenhandel im Mittelalter".— Nach den Ausführungen des Referenten waren die damaligen Verhältnisse in Deutsch- land recht traurige, dmn die Willkür der Fürsten ging so weit, jedm brauchbaren Mann von seinem Beruf fortzunehmen und an fremde Länder zu verkaufen. Den Anlaß zu diesem Menschmhandel bot England. Denn die Amerikaner hatten erklärt, sich von England loszusagen und ihre Angelegenheiten selbst ordnm zu wollen. Dieses von den Amerikanern nur zu gerechtfertigte Verlangen wurde natürlich von England al« Rebellion ausgelegt, und da England wegen fernes aus- gedehnten Kolonialbesitze« nicht in der Lage war, dieser Bewegung da« nöthige Menschenmaterial entgegenstellen zu können, so verfiel die englische Regierung auf den Gedankm, Soldaten von auswärt« zu besorgen, und hierin kamen die deutschen Fürsten der englischen Regierung bereitwilligst ent- gegen. So verkaufte Sachsen im Jahre 1785 3000 Soldatm pro Mann mit 40 Thaler und nicht nm für den lebendm Mann, sondern selbst für die Gefallenen suchte man Geld zu erhandeln, so bekam der Landgraf von Hessen ein Todtmgeld für jeden gefallenen Soldatm von 51 Thalern 15 Sgr. und was da« Schlimmste ist, diese ganzen Einkünfte von so einem Handel dient m meistentheil« dazu, das üppige Leben der Fürsten und ihrer Anhänger noch üppiger zu gestalten. Frei- lich, unsere Vorfahren warm eben nur zu gute An- Hänger der Reaktion und konnten wie auch heute noch viele nicht begreifen, daß jeder Mensch auf der ganzm Welt das Recht der Glückseligkeit hat. Nach Beendigung der üblichm Pause und nachdem der Herr Referent noch einige seinen Vortrag berührende Fragen beantwortet hatte, machte der Vorsitzende die Mittheilung, daß er betreffs des Besuches der Urama bereits Schritte gethan hat und darüber in der nächsten Versammlung berichten wird. Hierauf wurde dmn noch auf den beteutendm Ueberschuß, welchm die Berliner Elektrizitätswerke im verflossenen Jahre erzielt hatten, im Ver- gleich zu dm Arbeitslöhnen, hingewiesen. Sodann wurden noch einige Fragen über die Behandlung de« Stahl's erledigt. Der Kokalverband Kerli« des Verbandes deutscher Zimmerleute hielt am Sonntag, den 5. Januar er. eine Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. In welcher Weife ist der Verlag unserer Zeitschrift für Berlin besser zu regeln. 2. Verschiedene« und Abstempelung sämmt- licher Quittungsbücher. Der Vorsitzende eröffnete die Ver- sammlung um 11 Uhr und ergriff zunächst das Wort. Er legte den Kameradm die Schwiengkeit m Betreff der Bestellung der Zeitschrift klar; da doch fortwährend Klagen und Be- schwerden von Kameraden einliefen, daß sie ihre Zeitschriften nicht regelrecht oder gar nicht bekämen, so müßten unbedingt andere Maßregeln ergriffen werden, um diesem Uebelstanve abzuhelfm, denn lediglich läge es an dm Spediteurm. Er wies die Kameraden dahin, es doch auch so zu machen, wie e« in anderen großen Städten wäre, die Bestellung der Zeitschrift durch Kameraden zu besorgm und ersuchte die Kameraden sich in dieser Sache zum Wort zu meldm. Die Kameraden Schmidt, Pagst und Cülper waren ebenfalls derselben Meinung. Kamerad Stöhr war nun wieder anderer An- ficht und befürwortete, nicht gleich darauf einzugehm, wenn sich auch Kameradm dazu finden würden. Es würde nicht lange dauern, so würden sie das Amt wieder niederlegen, weil die Sache mit großen Schwierigkeiten verknüpft wäre und so hätten wir die alte Geschichte und müßten dann schließlich wieder von Neuem ansangen. Nach längerer Debatte wurde von Kamerad Stöhr der Antrag gestellt, ein Komitee von fünf Mann zu wählen inkl. des ersten Vorfitzmdm und Kasfirer«, welches die Sache näher betrachten möchte. Diesem Antrag stimmte auch die Versammlung zu. In da« Komitee wurdm die Kameraden Wolter, Stöhr und Cülper gewählt. Die Ver- sammlung beschloß, das Abonnemmt auf die Zimmerkunst vom 1. Januar 1890 ab für Berlin aufzugebm. Femer wurde be- schloffen, die Unterstützung der Perlmuttarbeiter Wien« und die Arbeiter der Goldleistenfabrik Methlow u. Co., Köpnickerstr. 109, so weit als uns unsere Mittel erlauben, den drei Beauftragten zu überlassen. Auch wurde beschlossen, daß am 1. Mai d. I. zur Feier der Einführung de« Achtstundm-ArbeitstageS eine Dampferpartie vom„Lokalverband Berlin" veranstaltet würde. Uttevsvtsthe-s. Soeben erhalten wir Heft 14—16 als Fortsetzung de« populären illustrirten Werkes: DieGefchichte der Erde. Von R. B o m m e l i. Reich illustrirt und mit einigen Karten versehen.(Stuttgart, Dietz.) Da« ganze Werk wird in ca. 20 Lieferungen- 20 Pfennig erschienen. Hennebeau nahm allein im Wagen neben seiner Frau Platz; denn auch er wünschte, sich nach Requillart zu be- geben, um mit Paul zu sprechen, da man jeden Augenblick den Durchstich des Rettunysganges erwartete. „Nun also, fahren Sie voran!" rief Gregoire,„wir kommen nach. Wir haben noch einen kleinen Besuch von fünf Minuten im Dorf zu machen... Auf Wiedersehen; wir werden nicht später in Requillart eintreffen al« Sie." Sie bestiegen ihren Wagen, und während Hennebeau und seine Frau längs des Kanals fuhren, trabte ihre Kalesche langsam die Anhöhe hinauf. Sie hatten die Idee gehabt, mit ihrer Ausfahrt einen Besuch bei der Maheude zu verbinden; denn der Tod Zacharias' erfüllte sie mit Mitleid für diese unglückliche Familie der Maheu'S, von deren tragischem Geschick daS ganze Land sprach. Zwar war ihnen nicht leid um den Vater, diefe« Banditen, der die Soldaten mit Steinen bombardirt und den man hatte niederschießen müssen, wie einen tollen Wolf. Aber sie bedauerten die Mutter, diese arme Frau, welche jetzt ihren Sohn verlor, nachdem sie ihren Mann begrabe«, während die Tochter vielleicht ebenfalls schon lange in der „Fluth" des Voreux schlummert. Auch von einem gebrech- lichen Großvater hatte man ihnen erzählt, von einem Knaben, dem ein Erdsturz die Beine gebrochen, und einer Tochter, die während des Streiks verhungert war. Allerdings hatte die Familie wohl ihr Unglück zum Theil durch ihre abscheuliche« revolutionären Ansichten verdient; aber nichts destoweniger wollten die GregoireS ihren wohlthätigen Sinn und ihre» versöhnlichen Wunsch zu vergessen, bekunden, indem sie der armen Frau mit eigenen Händen Almosen brachten. Zwei sorgsam eingewickelte Packete lagen unter dem Sitz des Wagens. Eine alte Frau nannte dem Kutscher das HauS: Nummer sechzehn des zweiten Komplexes. Doch als die Gregoire« mit ihren Packeten aus dem Wagen gestiegen waren, klopfte« sie vergeblich. Sie hieben mit den Fäusten an die Thür; Niemand antwortete, es klang düster, leer, wie auSge- storben. (Fortsetzung folgt.) Grosse Versammlung h. ZozMmck. Wchlrmiils f. t. l.Bttl.MiWgMahlkr. m Dmerfts, l>. 9. 1, Abdö. 8'k Mr, in Lrschel's Snlon, CtbGanßr.Z9. TageS-Ordnung: 1. Vortraa d«S Herrn Dr. Bruno Wille über:«.Die kommunistische Gemeinde Jkaria" 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten.— Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht[623| Der Voretandi CaziMmkr. Wihlrttti« i>. K. Bnl. RtiWO-WllhlkreiseS. Donnerstag, de« 9. Iannar, Abends Uhr. im Saale der..Norddeutschen Krauerei", Chansteestr. 58: Grosse Versammlung."�0 Tage«. Ordnung: 1. Wahl de« zweiten Vorsitzenden. 2. Vortrag de« Herrn Fritz Krüger über:„Die ver. schiedenen Wahlgesetze". 3. Diskusfion. 4. Verschiedene« und Fragetasten. Gäste willkommen.— Aufnahme neuer Mitglieder.[622 Zahlreiche« Erscheinen erwünscht Oer Voretand. Fachverein der Putzer. Sonnabend, den 11. Januar, Abends 8 Uhr, im Böhmischen Brauhaus. Landsberger Allee 1113: UDtenev IVUiolicnlinU. 624 Sinlatzkarte«& 50 Pf. find bei A. Tlrafse, Friedrichsfelderstr. 10; St. Kroschel, Swine münderstr. 139; L. SimanosSly, Ackerstr. 73; Prochnow, Wal�ttr. 30; F. Grätz, Lützowstr. 101; Matzat, Schwerinstraße 12; A. Müller, Dieffenbachstr. 38; W Rehden, Mariannenstrahe 21; W. Fischer, Görlitzer str. 49; A. Tähne, Schwkdterstrahe 229; F. Gräschke, Görlitzer straß« 70; St. Schmidt, M melerstr. 60; K. Petrik, Lübbrnerstr. 7; I. Ulrich, Franseckyfir. 12; W. Buchholz. Ackerstr. 57; H. Wolf, Borfigftr. 27, zu haben. Der Voretand. Große öfeatMß Detfanuniung der Uergolder«. Fachgenossen Kerlins am Donverftag, den 9. Januar, Abends 7 Uhr, in„Scheffers Salon", Insel-Strafte Nr. 10. Tages-Ordnung: 1. Streikang« lezenheiten. 2. Bericht der Delegirten vom 1. Vergolderkongreß. 3. Grün burta der Filiale Beclm de« Verbandes der Vergolder, Goldleistenarbeiter und Berufsgenossen. 4. Wahl des Zentraloorftandes. 5. Wahl des OrtSvorstandeS. 6. Verschiedenes. Der so hochwichtigen Tagesordnung wegen ist da« Erscheinen aller Kollegen erwünscht. 627] Der Einberufer. Allgem. Metall urbeiterverein Kerlins nud Umgegend Mittwoch, den 8. Januar, Abends 8 Uhr, in Rena' Salon, Naurynstraße 27: Grosse Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Max BaginSkt über: „Sozialrcform". 621 2. DlSkusfion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Große Versamml«ng de« UnelN der WmWcii- n.W- UdeltertMi Kerlins u. ilngegtnli am Mittwoch, den 8. Jan., Abends 8t Uhr, im Königstadt- Kastuo, Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Vortrag drs Herrn Lttstn. 2. Diskusfion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Herren und Damen aus sämmtlrchen Berufs- zweigen haben Zutritt. 628 Zur Dickung der Unkosten Tellersammlung. Um recht zahlreiche« Erscheinen bittet Der Vorstand. Fr- Gubela, Friedenstr. 98. Central-Kranken-«. Sterbekaffe der Maler«. s. w. (Filiale Berlin S.(III.) Mitglieder-Versammlung am Donnerstag, den 9. d. M., Abends 8 Uhr, Alte Jakobstraße 83, irz Retzer'S Restaurant. Tagesordnung: Wahl der örtlichen Verwaltung u. f. w. 633 Der Bevollmächtigte. Grosse MilitWitidtt-LttsWiiilW heute, Mittwoch, Abends 8 Uhr, in Jordan# Salon, Neue Grünstraße 28.[619 De« Genosse« halte ich meine Masken-Garderobe be, Bedarf best, empfohlen. GrötzteNuSwahi: Bill Pr. vereiaeu PreiSermätztg. Ad albert str. 93. einer Punschertraet, Origlfl. excl. 1,25 Glühweiuextract. «rogextract Schlummervunsch. kräftig„ Burgunderpunsch, aus best. Burgunder Wein„ Nnanaspunfch, a. ft. Fr.„ Glühwetnertract, au« feinstem Bordeaux Alt. hochf. Thee-Ru« Lit.„ Jngberltkör, b. Magenheiz.. Alter RordhSufer, gar. echt. Sa?ou-Rum empfieht die Großdestillation von Leffau& Keil, 1,25 1,25 1,50 2,00 2�0 2,00 2,00 0,90 0,75 1,00 Sophimstr 13, an der Rosenthalerstr. Geschäftsschluß Abends 8 Uhr.[51 fei Jede Uhr zu repariren(aufter Kruch) kostet bei mir 1,50 Mark unter Garantie des Gut- und Richtig- gehen«. Kl. Reparaturen entspr. billig. Lager all. Arten Uhren, Sold-u.Silbtrwaareu. Garl Wunsch, Naunynßr. 38, nahe dem Oranienplatz. Nobel, eigener Fabrik. Ssiegei d. Polsterwaareii. Cr. Lager, blll. Preise. Emil Heyn, Brannenstr. 28, Hof part. Theils. nach Ueberelnkunft Aohtabak am hiesigen Platze bekanntlich[1653 Srßeete Auswahl. Garaatirt ftcho» brennend« Tab all». Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Eämmtliche im Handel befindlichen Roh- Tabake find am Lager. A. Boidsohmid«, Spautauerllrüik« 9 am Hackefchen Markt I! lüsch, Krimmer, Pelz, Sammet, Trikot zu aillen, auf Wunsch gleich zugeschnitten. Karle, Lausitzer Platz 1(Ecke Waldemarstr). EtiimWt Weiten in Uhren, InVele«, Gold, KUder» Corallen und Granatschmncksachen k« Fabrikpreisen. Masfiv goldene Ringe. Trauringe in Ducatengold (1 Ducaten)... Goldene Ohrringe... Simili-Ohrringe... Goldene Brachen... Echte Corallenketten.. Echte Corallenbrochen. Echte Corallenbänder.. Goldene Damenketten. Damen- und Herren- Medaillon«.... Größte Auswahl in allen übrigen Schmuck- und Silbergeräthsache», Alfentde-Waaren. Nickel Remontir- Uhren. von 10 M. an Silberne--.- 17»» Goldene Damen-Uhren.- 20-- Goldene Herren-Remontoir- 45«- Vernickelte Standwecker.- 3-« Reaulateure.....- 10--« ■ Garantie bis zu 5 Iahren.■ G. Wagner, Uhren- und Goldwaarenfabrik. Berlin 8, Oranienstr. 184, zwischen Adalbertstrabe und Heinrichsplatz. Prämiirt auf vielen Ausstellungen. HT Gegründet 1«7. sowie Mamsell« auf Knabenanzüge verlangt[582 Stein, Oranienftr. 183, 3 Tr. Vom 14. Januar bis 2. Februar 1890 I Haupt- und Schluss- Ziehung der Königlich[564 Prem blassen-Lotterie. Original-Loose'Ii& 240 Md.,'|, a 120 Md.,'|, ä 60 Antheil-loose* 50%'-"" Richard Schröder, x-blÄSl mlSMWW��WWWWI�S Filiale■ Rosenthalerstr. 31. Soeben erschien: Die Keschichte der Grde, Von K. Komme!!. Heft 16. 6 Kefi 89 Pfennige. Zu beziehen durch die Expedition, Zimmerstraße 44. Kronengarn Schutzmarke. ist d—»-ste Pähgarn für Land- und Nlafchw-n-Uaher-i.'�at m allen Nummern garantirt oolle» PlaaS, ist haltbarer als lebe« andere Tarn, näht infolge seiner Geschmeidigkeit auf jedem Mafchmen« softem gleich gut. Kchmarxe» Kronengarn, «rändert seine Farbe nie. WeiHe« Kroueugaru � WM" Ma»«cht» ans die nebenstehende Kchuhmark«.-MW In alle« soliden Geschäften der Brauche känflich. Teppiche, Möbelstoffe, Gardinen, zSnfer mh Mnolemn. Verkauf zu Fabrikpreisens " Laxer vorn Pertihres, Reiae- sack Tiaehdsekaii. »toahr F Rehr,*- 2 F.«###( 2 F. Lager von Rathenower Brillen und Pincenez, Bruchbänder, Leibbinden, Rabelbaudagen, SuSpen- forte«, Seradehalter, orthopädische «aschinen, Korsetts, künstliche Arme und Beine, Mastdarm- und vorfall-vandagen, Krochen, Bidets, Stechbecken, Urinhalter, Klystter- und Mutter- spritzen,«lhsopomp, Irrigator, JnhalattonS-Apparate, Luft- und Wasserkiffen, Summt« strümpse, Krankenwagen jc. zc. empfehlen z« soliden Preisen MÄller& Co.. ■■HÜ Lieferanten sämmtl. Orts- und freien Hilfe-Krankenkassen. SBÜI Kesonderer Keachtnng empfohlen: von Neujahr 1890 ab gewähren wir auch de« Familienangehörigen der Kasseumitglieder dieselben Preise für Bandagen und Brillen, die wir den»äffe« in Anrechnung bringen nud eine besondere VreiSermätzigung von 10 pkt auf alle nicht in der Verordnung liegende« optischen und chirurgischen Artikel für Kaffen-MUgltede» und deren Anaehörtge. Kleine neuer 9511 Jede Uhr zu repariren und reinigen kostet bei mir unter Garantie des GutgehenS nm 1 Mb. 50 Pfg. »araturen billiger. Lager aller Arten hren. verkauf p» Fabrikpreise«. E. Rothert, Uhrmacher. 1. Geschäft: Andrea» str. 68. 2. Geschäft:«hansseestr. 78. Bei Bedarf von: Keffer, Taschen, Mappen, Tornister für Knaben uns Mädchen. Hosenträger, Cigarren- Etuis, Portemonnaies, Schlittschuh- Riemen etc., überhaupt fämmll. Sattler- Artikel bitte d,e Genossen, sich meiner zu erinnern. Auch jede Art 631 Polsterarveit, sowie Reparaturen, werden gut u. billig auSgef. Gust. Assmann Sattler und Tapezirer., r Schlegelstraße 33(Ecke der Cbausseestraß«). , sämmtlicher Sorten. Größte Auswahl, billigste Preise.[727 G, Elkhuysen, Müngstraffe 10. 1 Schläfst, zu vermiethen. Zu erfr. Münche- bergerstr. 31, H. 3 Tr., bei Aust._ 620 Arbeitsmarkt. Einen Bandsägenschneider verlangt C. Heim, Manteuffelstr. 57. 626 Tüchtige Tischlergesellen verl. Krecklow, Maaßenstr. 19/20._ 630 Der unentgeldliche Arbeitsnachweis des 328 Jlltereßellvereins D. Berl.Kisttnmcher befindet sich nach wie vor Marbnsftr. 85, Restaurant bei Kollege Leichnitz. Der Vorstand der Berliner kiftenmacher. T odes- Anzeige. Am 6. Januar, früh 4t Uhr, verschied plötzlich am Herzschlag im 72. Lebensjahre unser guter Gatte, Vater, Schwieger- und Großvater, der ZeitungS-Spediteur August Schmidt, Elisabethkirchstr. 4. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Jan., Nachm. 2 Uhr, vom Trauerhause aus statt. 618) Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Allen Verwandten, Bekannten, Freunden und Kollegen meines verstorbenen Mannes Karl MQting, 634 insbesondere Herrn Prediger Pfundheller für die trostreichen Worte am Sarge de« Eni- schlafenen sage ich hierdurch meinen innigsten Dank. Frau Müttng nebst Kindern. Danksagung. Für bie vielfache Theilnahme bei der Be- erdtgung unsere« Sohnes und Bruder« Julius Lutz, Lacktrer, sagen allen Freunden und Kollegen, insbesondere dem Verein z. Wahrung d. Interessen d.Lackirer aller Branchen, den tiefgefühlte st-n Dank. Die trauernde Mutter nebst Seschwtftern. Berlin, den 7. Januar 1890._[625 Wo speist man gut und billig? 629 Bei Kramen Der wahre Iacov Mr. 90. Zu beziehen durch die Expedition, Zimmer- ftraße 44._ Paffaa» 1 I» 9 M.- 10 Uhr A. Kaiser-Panorama. Zum ersten Male: Eine bequeme Wanderung durch Em«-WirSbaden. Zweiter Cyclus: Pariser WeltanSfte»««,. Reise Er. Maj. Schiff Hertha. Sine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonn verantwortlicher Redakteur: Cnrt K aaste in Berlin. Druck und«erlag von Ms» Dading in Berlin SW., Bcuthstraß« 2.«Urs;»in« Keilaao. Beilage zum Berliner Voltsblali. Nr. 6. Mittwoch, den 8. Ia««ar 1890. 7. Jahrg. MHe ud«chre Gtsih!ihtsio!>le»sAst. Z).lrch das Einfickern der Daruin'ichen Ideen und Ge- danken m die verschiedenen wissensibaftlichen Gebiete haben die bhierra eine mehr oder weniger vollständige Umgestaltung und «mbildung erfahren. Namentlich waren eS die bisher sogen. -desckreib enden Nalurwissenschaften", Botanik(Pflanzenkunde) und Zaologie(Thierkunde), welche sich von dem niederen Range »wser Gedächlnihwifsenschaften zu dem höheren wahrer exakter Den!« ssensckaiteu erboben und stch dadurch in gleiche Linie &»'en mit Physik(Wissenschaft von denjenigen Äaturerschei- uuaaen, bei welchen keine wesentlichen Veränderungen der Be- standrheile de? Ding« vor sich gehen). Ciemie(Wissenschaft von denienigen Raturer'chcinunzen, bei welchen solche Veränderun- statifinden), Astronomie(Himmelskunde) und Geologie '»»trnckelungSgeschichte der Erde). Weit geringer ist bisher s�r E'nfluh der Darwin'ichm Lehren auf die Geschichtswissen- ichaft geblieben, und doch würden ste gerade h er die schönsten zeitigen und dieser edlen Wissenschaft veurS Leben ein- »ad damit auch neue begeisterte Jünger zuführen. Eine wahre GeschichtSwissenschalt baden wir bisher nicht fl«Hlbt. Was man bis jetzt als„Weltgeschichte� bezeichnete, Jaaa eigentlich auf den Namen einer wahren Wissenschaft nur t*hr geringen Anspruch erheben. Die sog.„Weltgeschichte� ist 9 va nichts als eine Auf«ählung der verschiedenen Fürsten- a-Ichlechztr, die sich im Laufe der Zeit gefolgt find, eine rohe »ahaufung von Thailachen und zwar me st von solchen, die «0 den Gang der MenschheitSentwickelung von sehr unter- georbuetem �nd unbedeutendems Einflufi gew-sen find. Die Geschichtswissenschaft hat eS fast ganz und gar ver- 74 W' nach dem ursächlichen Zusamm-nhang der geschicht- Begebenheiten und Ersch-inungen zu suchen urd zu solchen. Eine wahre G-schichtS Wissenschaft, wie fi- der Zukunft angehören muh. tat diesen ursächlichen Zusammerhanz in erster �lrne ia Betracht zu ziehen. Sie wird Sem Leben der Völker r**- Beachtung schenken müssen, als dem der Fürsten, fie wird � auch im Menschenleben und in der Menschheitsentwicklung «wUenben Ratargesttz- aufzufinden haben, fie wird mit einem wart mit der Naturwissenschaft und der Philosophie em Bünd- schliefen und sich zur GeschichtSphllosophie«ntw ckcln muss-n. •r A« Vorarbeiten zu einer solchen fehlt eS nicht ganz. Als A«zentlichec Begründer ist der grofie franzöfische Ausk LrungS- vhaasoph Voltarie anzusehen, der in seinem„Versuch über die ■gl'cn und den Geist der Rationen� den ersten Veisuch wagte, 5301 n und Geist der Nationen aus Natu bedingungen J®. trk'äten. Voltaires Schrift besteht aus zwei Tytilen:„Ge- �chttphllosoph-e" und„Naturgeschichte". Der Mensch, ist nach «aciaues Anschauung, das ErzeugnH des Erdball«. Die im �"«U'chen schlumme-nden Anlagen zur Kultur find durch Noch Mnrgel gew-ckc. Die menschliche Gesell chaft bestcht, so Mensch n exiftiren. Die Vernunft zeigte fich bei dem Jüchen zuerst in den Tugenden der Gerechtigkeit und des jjjWleias. In Bewegung wird die menschliche Gesell chaft durch -uuur«nd Gewohnheiten, die fich ändern, gehalten. Da nun °-« S«s« zu Stufe emporhoben, wie aber, als es den Gipfel !tm«r Macht erreicht und fich die W ltherrfchaft angemaßt hatte, andere entgegenpesetzte Umstände eintretcn mußten, die »eisen Untergang mit Rrlurnoth eendigknt herbeilüh ten. Die M-thode, welcher Monier q neu in den B.tcachtungen Krsaiat war, wendet er sodann in seinem„Geist der Gesetze" M sä-nmil che Kuliu Nationen an und sacht Sitten, Gesetze, Tiocal und Reiiaion au« natürlichen Bedingungen, namentlich Ku* den E nflüss n der Klima«, der Nahrung, der Boöenbe» tchoff.mhcit und geographischen Lage zu erklären. Er entfaltet »«bei«me geradezu verblüffende Kenntniß de Gesetze und Ver- sossungen aller Staaten, die er fich auf zahlreichen Reisen durch Sarrz Europa erworben hatte. Unter den G eschich te Philosophen der deutschen AufklärungS- Philosoph, e de« 18. J.hrdundertS find namentlich Lessing und Htra« zu nennen. E.stcrer giebt in seiner„Eczrehung dr» Menschengeschlecht«" eine Darstellung der religiösen Entwiche- -ungSgeschichle der Menschheit, soweit fich diesrlae in der Fo:m b-e« jöd schen und ch istlichm Offenbar anzSglaabenS vollzogen bat. Lesfing ficht in dieser Enlwickeiung einen bestimmten Fvtlschrrii der auf ein g wisse« Ziel hinwcist. Der Urheber dresee Fortschrittes ist nach rhm die Gottheit, und er betrachtet demgemäß dre Offendarung a S eine göttliche Veranstaltung zur rrligrösen und fitUichen Ausbildung der Menschheit, als eme SÄitlich« Erziehung de» Menschengeschlecht«. Wie der unmün- «ige Mensch der Erziehung, so bedarf die unmündig« Mensch« Herl de» Off.nbarungSglauben». Aber wie die Erziehung nur ei»,«llmäirae fein kann, fo kann auch die Offenbarung nur frakenwlise fortschreiten, gemäß der geistigen Fassungskraft der Völker. Die erst« Offenbarung, dir jüaifche, mußt« nothwendig eye«nvollkommere fein, da da» jüdische Volk auf einer tiefen Stufe geistiger Zivilisation stand; eine höhere Stufe bez ichnet C, istenthum, indem e« der jüdischen Lehi« den Unstcrb- l-chkertSglauben hmzufügte. Aber auch das Chrstenthum nimmt angder Unrollkvmmenheit aller posttioen Re-igionen Theil und wuß d.shalb überwundenl werden Das letzte Ziel aller retegiö en Entwickelmra ist die von allen pofiliven Dogmen be- sr«k« stulich« Bernunftreligion. Was Herder'» GeschichtSphllosophie anbetrifft, so betont dirsetbe auf da« Entschiedenste, daß in der Gelchichte, ebenso wie in der Ra'ur, alles an» gew.ssen natürlichen Bedingungen nach Mlen Gesetzen sich entwickelt. Er hebt die Abhängil-keit de« Mensch«» von der Natur, von seinem Wobnpiatze, der Erde, hervor. Der Mensch ist wie das Thier ein Naturprodukt; deshalb find auch die Thiere die älteren Brüdcr de« Menschen. Da« Fo tichnttSaesetz der Geschichte beruht auf einem Fort- schrtttkgehtz der Natur, da« schon in den Wirkungen der an- »rga.iischen Raturktäste verdorgen thätiz ist, in der aufsteigenden Reche der organischen Wesen vom Naturforscher bereits erkannt w«d«nd fich für den Geschichtsforscher zeigt in den geistigen Bestrebungen des Menschengeschlechts. Natu? und Gelchichte stehen so in innigster Verbindung. Sie arbeiten beide für Er- S'.chung de« Menschen zur Humanität. A r Bedeutung werden nu« alle diese Geschichtsphilosophen «de cragt von dem englischen Historiker Buckle, der in seiner „Geschrchle der Zivilisation in England" die Grundlinien «n.« Gkschichttwissenschafl der Zukunft in geradezu klasfischer Weise gelegt hat. I» diesem Werke machte er die Natur- wisseaschatt ffe die Geschichte nutzbar und erläutert« außerdem, wie der Zweifel an der religiösen Überlieferung und die Erschütterung der staatlichen Beooimundung der Gesellschaft den modernen Fortschritt der Zivilisation vermittelt habe. In dem Smne und Gerste Buckle'« wird die moderne Geschichtswissenschaft weiter zu arbeiten haben. Wcrrlcritterrlcrrisihes. Der Entwurf eine» Gesetze«, betreffend ein« Dost- dampfschiffsnerbindung mit Estafrilra, ist dem Reichstag zugegangen: er lautet: t l. Der Reichskanzler wird ermächtigt, die Einrichtung Nierhaltung einer regelmäßigen Postdamvfschiffsverbindung »wischen Deutschland und Ostasuka auf eine Dauer bis zu zehn Jahren an geeignete deutsche Unternehmer auf dem Wege der engeren Submission zu übertragen und in dem hierüber abzu- schl ißenden Vertrage eine Beihilfe bi« zum Höchstbetraze von jährlich Neunhunderttausend Mark au« Reichsmitteln zu bewilligen. § 2. Der im§ 1 bezeichnete Vertrag muß die in der An läge zu ammengeftellten Hauptbedingungen enthalten und bedarf zu seiner Giltigkeit der Genehmigung de« Bundesraths. Der Vertrag, so wie die auf Grund desselben geleiflet n Zahlungen find dem Reichstag bei Vorlage des nächsten RcichShauShaltS« eta!S mitjutheilen. § 3. Der nach§ 1 zahlbare Betrag ist in den Reichs- hansbaltsetat einzustellen. Die„Houptbedingunaen" besagen: 1) Die Fahrten müssen w Zeitabschnitten von längstens vier Wochen stattfinden. Die B st mmung der anzulaufenden Hafen erfolgt durch den Reichskanzler. Die Fahrgeschwin- d-gkeit ist auf mindestens 10) Knoten im Durchschnitt festzu- � 2) Die in der F?h?t einzustellenden Dampfer müssen vor ihrer Einstellung durch vom Rnchskonzler zu ernennende Sach- verständige abgenommen werden. Neue Dampfer müssen auf deutschen Werften nach den vom Reichskanzler zu gmehmigenden Plänen gebaut sein... �. 3) Für ungerechtfertigte Vrnogerungen bei der Fahrtaut- sührung werden entsprechende Abzüge von der Jahresbeihiife gemacht. 4) Die Dampfer führen die deutsch« Postflazge und befördern die Post nebst den etwaigen Begleitern ohne besondere Bezablung._, 5) Der Zeilpunkt für den Begrnn der Fahrten wird vom Ri'chekanzler mit den Unternehmern vereinbart. Insofern e« sich nach seinem Ermessen zur Beschleunigung des Beginn« enpfi-hlt, vorlärfig Fahrten auch in anderen als vierwöchent- lichen Zeitabschnitten statlfinden zu lassen, ist den Urrternebmern hierfür Zahlung nach dem Verhältniß der verttagSmäßigm JahreSbeihilfe zu leisten. 6) Zur Sicher stellung der Erfüllung der Vertrags oerbmd- lichkeiten ist, soweit erforderlich, den Unternehmern die Be« stellung einer Kaution aufzuerlegen. Der Begründung entnehmen wir folgendes: Zunächst wird erwähnt, daß der Verkehr Deutschlands mit Ostafrrka, soweit er stch nicht gelegentlicher Fahrten von Segelschiffen und Frachtdampfern beorent, was die allgemeinen laufenden Be- »'Hungen betrifft, nocd auf die Fahrten der Britiih Jndia« Linie von Aden bi« Mozamb'qae und der Castle Mail-Linie Mozambique bis Crpstadt angewiesen ist. In diesem Veihält- nisse rst neuerdings insofern eine, bis jetzt indeß noch nicht ganz zum Abschluß gelangte, Aenderung eingetreten, al» im Laufe des November vorigen Jahres an Stille der bis« berigen britischen Postdampserlinie Bombay Aden-Sanfibar« Mozambiqae ein direkte britische Postdampser- Linie zwischen London und Sansibar, über Neapel, Aden, Lamu und Bombas, einaerichtet worden, und al« die portugiefische Regierung da>u ubergegangi« ist, unter Kündigung de« Subom- tionSvertrage« mit der Castle Mail Packet Company, eme portugiesische PostdampsschrffSserbindung, als Fortsetzung der berei s bestehenden eigenen Postlinie nach ihren Befitzunaen an der W.ftküste AfnkaS, bis zu ihren Besitzungen an der Ostküst; herzustellen. Der erweiterte Dienst ist jedcch wegen der UnvoVftändigkeit des Schiffspaik« erst thetlwei« aufgenommen. Die Castle Mail Pccket Company fitzt ihren bisherigen Dienst nach Mozambique zwar fort, jedoch ohne Post- vertrag und ohne Verbindlichkeit der Jnnehaltung der fahlp'.anmäßizen Fahrten. Für die deutschen Verkehr«. beziehungen wird das Verhältniß durch jene Aenderung nicht günstiaer gestaltet, im Gegeatheil tritt da« Bedürfiüß einer unabhängigen deutschen, direkten Postdampfschiffsverbindung mit Oftasrika nur noch bestimmter hervor. Es ist nicht ander« zu erwarten, als daß durch jene Umstände der auf die englische Vermtttelung angewiesene deutsche Warenumsatz mit Oitafiika gelähmt und zurückgehalten wird. Die Konkurrenz- fäbigkeit de« deutschen Handel« und der Antrieb»ur An- knüpfung von Handelsbezrehungen wird hierdurch gefchwöcht. Der Kaufmann ist Ostafrika, selbst in verschiedenen Be- ziehungen der dortige deutsche Kaufmann, ist bei der Sachlage oft genölhigt, fich an den englischen oder den in- dischen Markt, statt an den deutschen, zu wenden. Durch die ungünstige Rückwirkung des Verhältnisses werden die ge- fammten Hmdels- und Schiffsahrtsbeziehungen zwischen Deutschland und Ostasiika in Mitleidenschaft gezogen. Die E.fahrung lehrt, daß, wo regelmäßig« direkte Verbindungen fehlen, die gewöhnliche Kauffahrteischifffahrt fich nicht zu der Lcbendigkeit zu entwickeln vermag, welche da herrscht, wo durch regelmäßige Postdampfschifffahrten die Verkehrsbezie- Hungen belebt werden. Daher ist auch der Anthetl der deutschen Rh derei an der ostaftikanischen Handelsschiff- fuhrt verhaitaißmäßig schwach. Zu den vorgedachten besonderen Erschwernissen de« dentsch-ostafrikanischen Ver» kehr« tritt als allgemeiner Nebelstand hinzu, daß der Dienst der die Verbindung längs der Küste von Aden bi« zu den britischen Besitzungen am Kap jetzt aufrecht erhaltenden Dampfer- Knien für die Befriedigung de« VerkehrSbedmsnisses Mancherlei zu wünschen läßt. Die sraniöfische Regierung hat seit Juli 1888 eine direkte Postdampfsch ff mie von Marseille nach Sansibar und weiter nach Madagaskar und den Maskaienen eingerichtet. Auch die poctu- giefisch: Regierung beabsichtigt, ihre mit MossamedeS bestehende regekmößiaePostdampfschiffoeibindungbi« zu ihren Besitzungen out der Oftküste von Afrika auszudehnen. Deutschland wird, wenn e« sich nicht überflügeln und den nach seiner Handelsbedeutung ihm zukommenden Antheil an dem ostasrikanischen Handel fich nicht entziehen lassen will, nicht länger mit der Einrichtung einer eigenen Sch fffahrtslinie nach den oftafiikansschen Küstenländern säumen düifen. Ein Stillstand in dieser Beziehung würde gegenüber dem Vorgehen der kor.kurrirenden Länder gleich sein mit einem Zurück oeichm der d:utschen Jnteress.n. An derEntwicktlungSsähigkeit der ausgedehnten Küstengebiet« und ihrer Hinterländer, deren W.ith die neueren Forschungen immer mehr in« Licht stellen, ist nicht zu zweifeln. Auf die Ab- ficht der portugiesischen Regierung, ihre Dampfschiff«. Verbin- düngen mit den ostafrikanischen Besitzungen neu zu gestalten, ist schon hingewiesen. Die Delagoa- Bai erlangt durch den Bau der Eisenbahn nach Prcioria, welche die Südafrikanische Republik in die nächste Verbindung mit der See setzt, eine außerordentliche HandelSdedeutung. Bekannt ist der Auf« fchwung, welchen die wirthichafiliche Entwickelung des Boeren« lande« genommen hat. Seine reichen Natur- und Bodenschätze sichern ihm weitere» Gedeihen. Die Ausbeutung der Gold- selber belebt den Verkehr und erhöht den Bedarf an In« dustrie- Erzeugnissen. Wegen der vortheilhaften Loge der Delagoa- Bai für die Erreichung der See legt die Südafrikanische Republik auf die Verbindung dahin Werth. Der daselbst belegene portunesische Hafen Lourenyo- Marque« verspricht unter diesen Umstanden ein hervorragender Brennpunkt de« Handel« zu werden. Mannigfache wirthschast« liche Verbindungen bestehen seit Langem zwschen Deutschland und dem Boerenland. Deutsches Kapital, deutsche Unternehmer und Ingenieure find an den neueren Handels-, Eisenbahn-, Wege« u. s. w. Unternehmungen in Transvaal be- theinzt. Von den am Handel mit Transvaal interesfirten «reisen find bereit« Schntte geschehen, um in Erwartung de« fich der Delagoa-Bai bald zuwendenden Aussuhr« und Emfuhr-Verkehr« daselbst Fuß zu fassen. Der Handels- vtrkehr de« Hafens von Lourer po- Marques ist van 1885 bis 1887 um da« Vierfache gestiegen. Deutschland mit seinen merkanttlen Interessen im Boerenland wird nicht geaen andere Länder zurückstehen dürfen, sondern Anstalten treffen müssen, durch eine bis zur Delagoa-Bai reichende Dampf- �chiff.verbindung seinen Antheil am Verkehr fich rechtzeitig zu Es werden nach Ostafrika die verschiedenartigsten Erzeug» nisse der deutschen Industrie ausgeführt. Die Ausfuhr bezieht sich auf Gegenstände, bei welchen eine Erweiterung des Absatzes der deutschen Industrie förderlich wäre. Die Einfuhr umfaßt tro- pische Erzeugnisse, für welche Deutschland einen geeigneten Markt von großer Aufnahmefähigkeit bildet. Die staiisttschen Zahlen lassen den Umfang des deutschen Antheils an der ostasrikanischen Ein- und Ausfuhr nur in unvollkommener Weise erkennen, doch ergeben die DurchschnittSziffern der Jahre 1834 bis 1887 da« günstige Verhältniß, d. ß Deutschland an Werth doppelt so viel nach Ostafrika ousgesührt, als von da bei fich eingeführt hat. Mit dem Umstände, daß wegen Mangels einer regelmäßigen deutschen Dompsschiffelir.ie nach Ostafrika die Waaren des deutschen Antheil« zu einem gro'en Prozentsatz erst durch dm mglischen und indischen Markt grhen, beziehungew-ise indirekt über England oder Indien, sowie auch über Holland und Belgien verlch fft werden, hängt «< zusammen, daß der Waarmumsatz der in Ostasiika ! um Theil schon seit langm Jahren aMfigen deutschen HanvelS- iäuser wesmtlich umfangreicher ist, als der direkte Waa>en« austausch zwischen Deutschland und Oitafrika. In Sansibar ist der Waarmumsatz der dmtschen Häuser sogar dem der eng- lischm Häuser übrrlegm, obwohl der direkte Woarknumsotz zwischen England und Sansibar mehr al« doppelt so groß ist, wie derjenige zwischen Deutschland und Sansibar. Indem bei Einrichtung einer direkten Post- Dampfschifffahrt »wischm Dmlschland und Ostafrika der deutsche Waarenverk hr fich von erhealichm Unkosten der fremden Sp- ditioa beziehungS- weise de« englischen und indischen Zwischenhandels mt- lastet sähe, würde die Konkiirrenzfähigkeit der deutschen Waaren gewinnen. Di« Erleichterung de« Verkehr« durch die regelmäßige Verbindung würde ferner zur C weiterung der be« stehmdm und zur Anknüpfung neuer Handelsbeziehungen sührm. In dieser Hinficht wird namentlich die Verbesserung de« Postverkehr«, de« unentbehrlichen und beftm Hilfsmittels für die Belebung der gelchäftlichm Beziehungen, von Bedeutung sein. Die letzige einmalige Verbindung im Monat für die ausgedehnte Küste ist, zumal bei der lancen Dauer der Fahrt,«ngmügend. Noch andere Voitbe-le würdm aut der Einrichtung der dmtschen Poftdampfeil nie folgen. Der deuischm Rbederei werden künitig die Mittel zufließen, welche der dmische Handel und Verkehr jetzt zur Unterhaltung der fremdm Dampfschiffslinien beisteuert. Da« Ansehen der deutschen Schissfahrt und überhaupt da« deutsche Anseym wird durch da« Bestehen einer deutschen Postdampser« linie gehoben werdm. Die« wird»um Auffchwunge der in den ostafrikantschm Gewässem jetzt in den Hintergrund gedrängten dmtschen Handelsschiffiahrt beitragen. Stellt schon nach diesen Erwägungm und im Hinblick auf die zu erwartende Entwickelung OstafcikaS vi« Einrichtung einer deutschen Postvampferlinie dorthin fich al« ein« durch die deutschen Interessen und die Vorausficht ge- botme Maßnahme dar, so erscheint dieselbe auch au« dem Ge- stchtSpunkte de« Schutzes der deutschen Handels- und Kolonial« unternehmungm in Ostafrika wohl begründet. Der Schutz dieser Untemehmungm hatschon seitJahrm dieStatianirnng von Kriegs« schiffen in den ostasrikanischen Gewässem bedingt. Da« Bi« dürfniß einer sicheren unabhängigen Postveibindung mit den- selben, beziehungsweise einer regelmäßigen BefördemngSgelegen- bei! für die Zufühmng militärischer Bedarfsgegenstände, von Ablösungm rn liegt zu Tage. Feiner haben die deutschen Kolnnia'« untemehmungm in Ostafnka die Eastenduiig einer Anzahl R ichS« angestoriger zu dauerndem Aufenthalte daselbst mit stch geblacht. Die Thätigkeit der in Ostasiika befi idlichen Vertreter der Reich«- regienmg ist an« Anlaß der Untemehmungm vorgedachter Art in umfassmbeem Maße in Aripcnch genommen worden. Es find bierdurch neue B.ziehnngm amt« licher, geschäftlicher und privater Eigenschaft zwischen Deutsch- land und Ostafrika entstanden, wie sich beispletsweise barin ausdrückt, daß der Bciifoerkehr mit Sanfi ar feit 1885 von 5300 Sendungen jetzt bis auf 31 300 Sendungen angewachlm ist, in welchm Zahlen indeß die amtlichen n d privaten Briessendimgm nach und von dm Schiffen der Kaiserstchen Marine nicht inbegriffm stad. Für die Sicherstellung U.ier Beziehungen durch eine eigene, unabhängige Poftdampsschiff«« Verbindung zu sorgen, stellt fich als eine Pfl cht des Reiche« dar. AtokteUeS. Di« Aok«Uu»mmijsto» veröffentlicht nachstehend die Liste der Wirthe, die ihr« Lokale zu Versammlungen unmtgelllich her- gebm und bemerkt hierzu, daß dieselbe wöchentlich einmal mit ev. Abändemnam abgedmckt wird, femer, daß Verössmtlichunpm in Bezug auf die Lokalfrage nur von dm Herrm Wilhum Werner, Sebastianstr. 72, August Jnfinger, RüoerSdorfcr. 45, Otto Hemdorf, Langestr. 70, auszugehen haben. Alle mentuellm Unregelmäßigkeiten find an die gmanntm Herrm zu benchien. Adler-Brauerei, Gesundbrunnen. Aktienbrauerei Moabit. Bergschlobbrauerei, Rixdorf. Beyer, Neue Grünstr. 14. Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. Böhmisches Brauhaus. Bönhoff, Müllerstr. 142. Bötzow'S Brauerei. Bolzmann, Andreasstr. 26. Bovert, Weinstr. 11. Brauerei Tivoli, Kreuzberg. Brauerei Königstadt. Brauerei Friednchsbain(LipS). Brauerei Friedrichshöhe(Patzenhofer). Brauerei Pfefferberg. Konzert-Park Ottend, Frankfurter Allee. Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a. Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. Eiskeller-Etablifsement, Chaussee str. Elyttum, Landsberger Allee. Feuerstein'S Salon, Alte Jakobstr. 75. Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77,19, Gnadt, Brunnenstr. 38. Gottschalk(früher Huth), Badstraße, Gesundbrunnen. Gründcr'S Salon, Schwerinstr. 13. Habel'S Brauerei, Bergmann str. 5—7. Heise, Lichtenbergerftr. 21. Heydrich'S Sale, Beuthstr. 18/21. Fritz JlgeS, WilSnackerstr. 63. Industrie-Hallen, Mariannen str. 31/32. Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28. Kaufmanü» Variete, KönigS-Kolonaden. Keller, Berpstr. 63. KönigShof, Bülowstraße. Königstadt-Kastno, Holzmarktstr. 72. Klein'S Festsälc, Oranienstr. 180. Klicm, Hasenhaidt. KönigSbank, Gr. Frankfurterstr. 117. Krüger'S Salon, Wasserthorstr. 68. Kuhlmey's GesellschaftShauS, Köslinerstr. 17. Martenbad(Gesundbrunnen), Bad str. 35—36. Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 58. Orschel, Sebastianstr. 39. Pohl, Müllerstr. 7. SB. R-Hlitz, Bergstr. 12. Renz' Salon, Naunynstr. 27. Rennefahrt's Salon, Dennewitzstr. 13. Reyer, Alte Jakobstraße 83. Roll, Adalbertstr. 21. Sachow, Müllerstr. 136. Saeger, Grüner Weg 29. Sahm's Klubhaus, Annen str. 16. Sanssouci, Kottbuserstr. 4. Schcffer'S Salon, Jnselstr. 10. Schloßbrauerei Schöneberg. Schneider, Belforterstr. 15. Schröder, Müllerstr. 178 �Weddingpark). Schmeizergarten, Am Könrgsthor. Silber's Salon, Schwedterstr. 24 Süd-Ost, Waldemarstr. 75. Trillbose, Rosenthalerstr. 11. Neustödtischer Volksgarten, ProSkauerstraße. Unionsbrauerci Halenhaide. Vereinsbrauerei(Rixdorf). Viktoriabrauerei, Lützowstraße. Viktoria-Salon, Prrlcbergerstr. Volksbrauerei(Moabit). W-dding-Kastno, Schulstr. 29. SBeimann'S Volksgarten Gesundbrunnen. Mendt, Dresdenerstr. 116. Wollschläger, Blumenstr. 78. Wohlhaupt, Manteuffelstr. v. Zemter, Münzstr. 11. IM« Lokalkommtjsto« fL».. MUm«r«dorf ersucht un« um Aufnahme des Folgenden: Der Restaurateur Herr Pieloth im Volksgarten zu Deutsch. Wilmersdorf hat stch bereit erklärt, seinen Saal zu jeder öffent- lechen Volksversammlung hergeben zu wollen. Auch liegt da- selbst da«»Berl. Valksvl." au«. Hleb-r dl» Anlag« der neue« Mass»rstraße für die Rüdcrsdorfer Kaltberguerke macht der vorliegende Bericht der städtischen GmndeigenthumS-Deputation einige Mittheilungen. Bekanntlich fiadet der Absatz der Produkte des Steinbruchs »um weitaus größten Th-il auf dem Wasserwege statt, welcher es ermöglicht, namentlich die zum Kalkbrennen benutzten Stein- sorten über den größten Thnl de« nördlich von Berlin be- legenen Flachlandes zu ve senden. Der weitaus größte Theil der auf dem Wasserwege zur Versendung gelangenden Steine »ird in dem Alornslebenbruche gewonnen, welcher durch ein« kurze Unterführung mit d m„Redenbruch" und von hier durch den im ersten Viertel diese» Jahrhundert« auSgefühUen, schiffbaren„Redentunnel' mit dem zum Kalksee führenden Kanal bei Alterzrund verbunden ist. Westlich von dieser Wasserverbindung ist nun seit mehreren Jahrzehnten der söge- nannte„Tiefbau� im Betriebe. Dieser Bau nähert sich mit semem östlichen Flügel dcm Redentunnel mit jedem Jahre mehr und mebr, und S ist wahrscheinlich, daß sich schon in einigen Jahren bedeutende Wasserzuflüsse au« dem jetzigen Kanal durch die Klüfte des Gestein« in den Tiefbau er- gießen und schließlich kaum noch werden ausgepumpt werden können. E« erschien deshalb geboten, rechtzeitig Vor kehrungen zu tr>ffen, um den Weiterbetrieb der Brüche für einen solchen Fall sicher zu Vellen. Zu diesem Zweckt ist auch schon s it Jahren unter Benutzung riner früher von Seiten der Stadt Berlin angelegten Wassnstevßt nach dem Kriensee eine Verbindung zwischen dem Alomslebenbruche und dem Kalksee hergestellt, um bei einem etwa plötz'ich eintretenden Wasserdurchbruch als Nothweg dienen zu können. Diese schmale Kanalvrrbindung ist aber nicht geeignet, den ganzen bedeutenden Schff.verkchc zu bewältiaen. Es wird deshalb beadfichligt, die nördliche Wasserstraße in ihrer ganzen Er- streckuna angem ssm zu erweitern und in der Nähe der Tief- bruchhalde derart noch Nordosten zu verlegen, daß genügender Raum zu weiteren Ausschüttungen frei bleibt. Da« von allen Instanzen genehmigte Projekt, welchem auch der Magistrat zugestimmt hat, schließt mit einem Kostenanschlag von 450 000 Mark ab. Die Kosten sollen aul m hrere Jrhre vertheilt werden. Gel den Kaggerarbeiteu am Wühlendamm wurden diestr Tag« imeressante Funve zu Tage gefördert. Hauptsächlich ist e« ein dem 13. bi« 14 Jahrhundert entstammendes Musik- inftrument, das das Interesse der Musikfreunde wachrufen würde. Dasselbe ähnelt sehr dem Tam-Tam der Indianer und versetzt un« in die damalig' Zeit zmück, wo man eben mit der tabnkation solcher Gegenstände noch sehr nuit zurück war. ußeidem wurden noch verschiedene alte Geweihe, die wohl ichon Jahrhundert« lang in dem Koth und Schlamm gelegen aben und schon theilweise inVerfteineiuig übergegangen find, aufgefunden, ebenso wie alte» Geschirr und alte Kacheln, auf welchen sich Kronen und Bildnisse drandenbuigisi b'finoen. Ueber wichtige daselbst g-machle Funde 13. Kchöa-lrsrs und aus �esunven, evenru w.| � v...... welchen sich Kronen und Bildnisse dran denbu.gischer Kurfürsten b-finden. Ueber wichtige daselbst g-machie Funde wird dem Mimsterium für öffentliche Arbeiten berichtet, das die Ange- legenheit dem Kultus Ministerium übergieb», dasselbe hat dann ''*----'■1-•■'"'--rJ.— Werth darüber zu entscheiden, welchem Museum die besitzenden Gegenstände einverleibr werden sollen.- Ueber ein weitere« hochinteressante« Fundokj kt, da« dieser Tage in den Torflöchern eines de» Lrebenwald«(Kr. Niederbarniw) bssegenen Rittergutes entdeckt ist, wird uns weiter berichtet: Bei dem Rittergutsbesitzer Böllert daselbst wmd« durch Zufall ein ziem- lich große« Horn eine« Auerochsen, die wohl in uralter Zeit daselbst gehaust haben mögen, aufzefundm und man ist äugen- blick!>ch eifrig bemüht, auch das andere Horn, sowie das ganze Skelett, das ebenfalls hier vermuthet wird, an das Tigeslicht zu befördern, und da« hiesige Märkische Pcovinzia>-Museum bewirbt sich um Einverleibung dieser hochwichtigen alterthüm- lichen Gegenstände in ihre Sawmlurgen. Mit»«lch«« Zahl«» dl« Kerlwer Kevölkemmg«. statistik zu rechnen hat, zeigt ein Blick in die jetzt vom städtischen Statistischen Amt veröffrntlichtm Tabellen über das Jahr 1888. Darnach find in diesem Jahre in Berlin überhaupt 49 796 Kinder— darunter 1756 todtzeborene— geboren worden, während 29 29t Prrsonen, und zwar 15 523 männliche und 13 771 weibliche, starben. Unter den Gestorbenen befanden sich 12404 Kinder unter 5 Jahren, auf der anderen Seite aber 2323 P rfonen, die über 70 Jahre alt waren; unter ihnen wieder 457 im Alter von 80-85 Jahren, 211 von 85—90 Jahren, 56 von 90—95, 3 von 95, 1 von 96, 1 von 97, 1 von 98 und 1 im Alter von 102 Jahren. Es zogen im Laufe de» Ich es 157 607 Selbstthälige(97 641 männliche und 59 966 weibliche) nebst 22 832 Angehörige zu, dagegen zogen 112 508 Seldstthä.ize nebst 17 233 Angehörigen ab.— Die Zahl der im Laufe de« Iah e« in Berlin ficb aufhaltenden Fremden betrug 418 442, davon logirten 296 778 in Gasthöfen, 41315 in Hotelgarnis und CbambreoarniS und 80 349 in anderen Anstalten. Kl««efammtfläch« des ln Kerli» vorhandene» Ktrastenpflaster» betrug am 31. März 1889 rund 4 701 500 Om., wovon auf besseres Steinpflaster 1 445 300 Dm., auf Asphalt 574 000 Dm. und auf Holz 63 300 Dm. entfielen, so daß zu diesem Zeitpunkie 44 30 Prozent der gesammlen Pflasterfläche mit besserem Material gepflastert waren. Im Jahre 1888/89 find wieder Versuche mit neuen ASphaltsorten angestellt worden, über welche aber ein feste» Urtheil sich bis- her noch nicht bat bilden lassen. Das jetzt einen Flächenraum von 63 300 Dm. einnehmende Holzpflaster scheint sich nicht in dem Maße zu bewähren, als man er« wartet hatte, wenigstens hat die Große Bwlinec Pferdebahn- Gesellschaft dasselbe an mehreren Stellen, wo dasselbe zwischen den Geleisen lag, wieder entfernt und durch Asphalt ersetzt Ueber da« neuerdings gelegte Pflaster au« Buchenholzk ötzen liegen Etfahrungen noch nicht vor. Der größte Theil der Stcaßcn ist immer noch mit Steinpflaster versehen, auch wird dieses Material trotz mancher Vorzüge de« Asphalt« auch für die Zukunft wohl die größte Verbreitung behalten, da seine Vorzüge, die e« anderen Pflastermatnialien gegenüber hat, die Nachtheile dieses letzteren, sowie seine eigenen bei Weitem überwiegen. Der Bedarf an Pflastersteinen ist daher immer noch ein außerordentlicher und hat in den letzten drei Jahren an Kosten durchschnittlich die Summe von 2 555 980 Mark ersordeit. Kelbstmord«in«» Soldat««. In der Nacht vom Sonniaa zum Montag bemerkte, wie da«„J.�Bl." meldet, der Führer de« gegen 2 Uhr von Tempeihof kommenden Güter zügeS Nr. 2776, in der Nähe de« Bahnüberganges in der Hermannstraße auf dem Gecesse der Ringbah i einen Menschen. welchen er für den Streckenwärter hielt. Beim Näherkommen de« Zuges lief die Peison demselben entgegen, warf sich auf die Schienen und ehe der Lokomotivführer noch den Train zum Stehen bringen konnte, wahren die Räder desselben bereit» über den Setbstmordkandidatcn fortgegangen. Der Leben« müde, ein Soldat vom 25. Infanterieregiment(Rastatt in Baden) Namen« Große, war sofort tobt; Kopf und Füße wiesen entsetzliche Verstümmelungen auf. G. war aus seiner Garnison zu Weihnachten zu seiner in Britz wohnenden Braut zu Besuch gekommen, hatte flott gelebt und war über die Ur- laubszeit von seinem Regiment fortgeblieben. Wahrscheinlich, weil er befürchten mußte, als Deserteur gesaßt zu werden und strenge Strafe zu eihatten, hat G. den S lbstmord ausgeführt: die Leicht desselben wurde Montag Vormittag nach dem Gmnisonlazareth zu Tempelhof gebracht. Die gegenwärtig««, mondhelle» Nächte werden von den Katzen zu ihren dekannten musikalischen Uebungen in umfangreichster Weise benutzt und wem diese Tbiere sich emmal an einer bestimmten Sielle des Dache« ein Stelldichein ge> eben haben, so kann man mit Sich« heit darauf rechnen, daß .ich dort allnächtlich genau um dieselbe Stunde dieselbe ruhe störende Mulik wiederholt. Um sich Rahe zu schaffen hat nun ein in der Mariannenstraße wohnender Kaufmann einige Male mit einem Teschin auZ seinem Fenster unter die Katzen ge- schössen; aber diese kamen wieder und setzten ihre musikalischen Uebungen fort, und der Schütze hat eine Einladung zur Polizei erhalten um sich über die Berechtigung zum Führen von Schieß- waffen auszuweisen. Dt« a« Asthma Leidend«« hat sich ein Dresdener Heil- künstl.r, Namens Paul Wndhaa« zu Opfern erkoren, indem er eine unfehlbare Kur zur gänzlichen Beseitigung diese« Leidens in Zeitungen und Broschüren ankündigt. Da die von diesem Uebel'befallenen Personen große Dualen auszustehen haben und vielfach von Aerzten erfolglos behandelt werden, so wen- den sich solche Leidende sehr oft an derartige Heilkünstler. Wie es mit dem Werihe der angepriesenen H.i.mittel steht, darüber ist von süddeutschen Behörden folgende« ermittelt worden. Der w. WeidhaaS, ein ehemaliger Kaufmann in derGarnbranche, osserirt Sinen Patienten zurächst einen JnhalationSapparat, und zum erdampfen und Einaihmen eine Flüssigkeit, welche aus einer schwachen Lösung von übermangansaurem Kali besteht; ferner wird ein Respirator angeboten, der einen Watiefilter enthält, durch welchen angeblich die Luft desinfizirt eingealhmet wird. Dieser Apparat, für welchen W. 16,80 M. fordert, ist voll- ständig werthloS und kann nicht den mindesten mildernden Einfluß geaen asthmatische Beschwerden üben. Außerdem rmpsuhlt W. al« ferneres Mittel gegen Asthma seinen .Siern-Thee*; dieser hat sich bei der amtlichen Unter suchung al« gewöhnlicher Brustlhee erwiesen und das Duanlum, wüches W.(iL 1 M. verkauft, kann in jeder Apolheke für 50 Pf. bezogen werden. Bnafthmai-fchen L-iden ist es überhaupt unmöglich, ein allgemeine«, gegen die Krankheit wirkende« Mittel anzugeben, da diese auf einer Störung der verschiedenen Umlaufsorgane beiuht und in jedem Krankheitsfälle zunächst durch eine arzt- liche Untersuchung sestzestellt werden muß, welche« Organ von der Störung ergriffen tst. Eist nach dieser Feststellung kann die Behandlung de« kranken Organ« erfolgen, die nach der Versch-edenheit der Fälle auch eine ganz verschiedene sein kann Da der tc. Weidhar« sich auch bei seinen Anpreisungen gc sälschter Zeugnisse seiner Patienten bedient hat, so ist dihörd licherleitt argen ihn eingeschntten worden. K«lbftm»rdftattftik. Im vergangenen Monat Dezember war dre Zahl der amtlich gemeldeten Selbstmord« und Selbst- woidvetsache eine ungewöhnlich hohe. Während der Dezember des Jahre« 1887 nur 23, der de« Jahre« 1889 24 derartige täfle aufweift, sind vom Dezember 1839 nicht weniger als 33 Selbstmorde u d derartig« Versuche zu melden, von denen 23 mit tödtlichem Ausgange endeten. Von 26 männlichen Lebens- müden wurden 9, von 12 weiblichen(F.auen und Mädchen) 6 am Leben erhallen. Al« die wirksamste TodeSait erwies sich für die freiwillig au« der Welt Scheidenden der Strick; von 9 Personen, tie sich dam t erhängten, wurde nur 1 gerittet. Von 6 Personen, die Gift nahmen, n u den 4 gerettet, durch Sturz au» dem Fenster endeten 4 Selbstmordkandidaten, wäh- rend 3 weitere im Krankenhaus« dahinsiechen. Zum R volver griffen 8 Personen, 4 derselben starben bald, der Rest sieht seiner Genesung entgegen. Zwei Lebensmüde, die Messer und Strick zugleich anwendeten, um sich in« Jenseits zu befördern, wmden gerittet, ein Dritter, der mittelst Reooloeis, Gift und Sturz aus dem Fenster semcm Leben ein Ende machen wellte, starb erst nach langen qualvollen Leiden im K ankenhause. Das ; Motiv zur That der L»bentmllden, die sich im Alter von 17 bis 64 Jahren befanden, sind hauptsächlich Krankheit, L«d«4- gram und ungünstige vekuniär« Verhältnisse. Gl«« Kleine Uam-nftudi« im»««»«#«tHM» Adrrstbuch hat seltsame Ergebnisse gebracht. Mit einer ge' wissen Beruhigung wird man hören, daß e« trotz aller Vo." kommnisse der letzlen Zeit nur 1„Mörder* hier giebt, für«j1 gleich 3„Kerker* vorhanden find. Ueber den„Schwindel, der zweimal vorkommt, können etwa tausend„Richter* abur' thellen.— Unter den Thierarten, für die 150„Jäger* bestelll sind, finden sich ungefähr 1000„Wölfe*, nicht weniger„Fuchsig und 13„Hasen*. Für gewisse Kleinigkeiten sorgen in Verl» 16„Störche*, die in einem„Storchnest* Hauken. 3* 2„Sümpfen* fristen 12„Frösche* ihr Dasein. Trotz de» Winters sind uns noch 22„Schwalben* gedlieben. Für Fisit*" ist hier reichlich gesorgt, wir erwähnen hier nur 100„Hechtes 32„Schleie*, 117„Zander*. Auch unsere HauSlhiere sind häufig anzutreffen: Die„Katz* ist 57, die„Ziege* 13 M«* vertreten; dazu flattern 22„Tauben* herum und belle» 2. Hürde*. In dem intelligenten Berlin giebt es kern einzig«» Schaf*, dafür ober auch nur 3 Personen, die sich„Mensch nennen dürfen. In der That, eine merkwürdige Etat ist». Zahl der Zeitungen«nd Zeitschrift««,»»lche i» Berlin da« L cht der Wcll erblicken. NaD dem Ausweis de» Mosse'jchen Znlunaskatilogs für 1890 erscheinen gegenwärtig in Berlin 588 Zeitschrift»«. 36 davon gehören zur eiger.tlrche» politischen TageSprcsse, 61 gehören zu den Wochen« und Be- »irkSblättern, 491 vertreten Fachinteressen und zwar 31 die der Architektur, Maschinen- und Eisenbahnkunde, 9 Bibliogrcphie, Buchdruck rrkun st und Buchhandel, 33 Belletristik und Literatur, 16 find Frauen- urd Modezeitungen, 12 vertreten die Jnterrssen von Chemie, Pharmazie und Physik, 4 Geschichte und Geographie, 91 die verschiedenen Zweige von Gewerbe und Industrie, 31 H rndel, Verkehr und Sch fffahrt, v Mr» ficherungSwesen und Volkswirtschaft, 18 Land- und Hau«« wirthschaft, 15 Forst- und Jazdwissenschast, Sport 4 Garten- und O oftbau, 18 Kunst, Kunstgewerbe, Musik uud Theater, 3 Mathemilik und Astronomie, 41 sind medizinische Fachblätter, 14 M litär-Zeilschriften, 11 vertreten Raturunsse»» schalten, 18 find pädagogische Zeitungen, 14 behandeln da» Gebiet der Philologie, Philosophie und Alterihumtkund«, 28 sind rechts- und staatswissenfchaftliche, sowie Beamten ergänz 10 theologisch« Bläiter, 9 Reiscjournale und Badeblätter,«ad» lich 47 vermischte Zitschriften. Eine in Tokio lebende Kerlinerl« will sich dort«it einem Eingeborenen vorheuathen. Der„Japan Herald*«r- öffentlicht nämlich nachstehende amtliche Bekanntmachung:„Auf» gebot. ES wird hiermit bekannt gemacht, daß der Maurer» meister Sensuke Saito, geboren in Osaka, 34 Jahre alt. wohnhaft in Tokio, Sohn des verstorbenen Kaufmanns Sensuke Saito und dessen gleichfalls verstorbenen Ehefrau Mit, uad Anna Krug, geboren in Berlin, 26 Jahre alt, wohnhaft i» Tokio, Tochter des Botenmeisters Ernst Krug in Berim uad dessen verstorbenen Ehefrau Emilie, geborene Müller, bead- sichtigen, sich m» einander zu verheirathen und dies« Ehe i» Gemäßheit des Gesetze« vom 4. Mai 1870 vor dem unterzeichneten Beamten abzuschließen. Pokohama, de» 14. November 1889. Der karserliche Generalkonsul. Dr. Schmidt» Leda* Die Genesung de« in Charlotter.burg überfalle»«« O- garrenhändlri« Ledmann schreitet langsam vorwärts, doch kann derselbe sich, der„Cbarl. N. Z.* zufolge, merkwürdwer Weise noch immer nicht entsinnen, daß er von Beo üderfaW» und ge'chlagen worden ist. Unter diesen Umstände« ist die Vernehmung des Verletzien noch ausgesetzt worden. Dagege» ist der Nachtwächter Julius Schimon, ohne dessen recht- zeitige Daiwifchinkunft Nicht allem der Raub, sondern auch ei« Mord vollendet worden wäre, bereit« wiederholt vernommen worden. Eine an fzerord entlich freche Ladenbiedi» war tS, welche am Montag, Abend« zwischen 5 und 6 Uhr, da« Schnitt* waaren- Geschäft von F, Linienstraß« 223�, betrat und sich so« der Verkäuferin Kmderhandfchuhe zur Auswahl vorlegen ließ. Während die Letzlere, die sich allein im Laden befand, sich nach dem Regal um vcndcte, um den gewünschten Gegenstand ha* vorzuholen, ergriff die Käuferin, eine etwa 30jähnge,}'" anständig gekreidete Person ein Pocket auf dem La liegender Schürzen und suchte damit da» Weite. Eh« die stürzt« Verkäuferin sich von ihrem ersten Schrecken«hole» konnte, war es der fachen Diebin gelungen, in der um icu Zeit außerordentrich frequentirten Linienftraße zu entkvmmen und auch die sofort aufgenommene Verfolgung blieb ohne Resultat. fever rinru neuen räuberifchen Uebersall, der sich onntog Abend, kurz vor Mitternacht, in Ciarlvttenbmg zugetragen, wird uns berichtet; Ein vam Dienst nach seiner am sogenannten Tegeler Weg belegenen Wohnung heimkesiren- der Eisenbahnschaffner F. wurde in der Nähe de« Hamburger Elsenbahndammes plötzlich thätlich angegriffen, zu Bode« ge- warfen, woraus sich d,e Wegelagerer anschickten, ihr Opfer z» berauben. F. wehrte sich nacy Kräften, und obgleich die Räuder versuchten, ihm den Mund zumhalten, gelang e« ihm doch, m.hrere laute Hilferufe auszustoßen. Diese Hilferuf« waren von einigen Schiffern gehö t worden und eilten dieselben ge- leitet durch den hellen Mondschein, der Stelle de« Ueberfalls zu. Beim Anblick der»ur Hilfe herbeieilenden Männer keße» die Räuber von ihrem Opfer ab und veischwanden, wie sie ge- kommen, in der Richtung de« sogenannten Pfeffer-Luche«. F. war noch ziemlich glimpflich davon gekomme». Außer einigen Beulen und Schrammen, von Knüttelschläzen herrührend, hat er keine Verletzungen davongetragen. Eine interessant« Entdeckung hat die königl. Staat«- anwatlfchasi am Landgericht II in Bezug auf die Periäulichkrit de« DienstknechlS Groß au« Tempelhof. der den Mrichsichrer Lust ermordet und beraubt hat, gemacht. Der Mörder heißt nämlich gar nicht„Groß*, er heißt vielmehr Komisch genannt Richter, ist m Coswig geboren und fchemt schon Ber- schiedeneS auf dem Kerbholz zu haben. Borläufm sieht fest, daß der Mörder bereit« von einer Staats- anwaltfchaft in der Provinz steckbrieflich verfolgt wird. Diese Wendung der Sache erfordert neue Recherche» und macht es unmö.lich, die Sache bere t« in der am 15 Jan. beginnenden ersten Schwurgerichtsperiode zur Aburtheilnng z» brmgen, obwohl ein anschnnend erschöpfende« Geständniß fei» tens de« Mörder« vorliegt. Ab-r auch die Sachen gegen b« Schneider Kiausiu wegen doppelten Raubmordes und mtber de» Sattler sBeo wegen v.'»suchten Rautmorde« sind noch nicht spruchreif. Tie bevorstehende SchwurgerichtSperiode, m welcher Londgerichtsdirektor Gartz den Vorsitz führen wird, hat«war eme Menge Sachen, wird aber tiotzdem keine einzige Fercha» tionelle* zu erledigen haben. Z« einer Karambolage der Dampfstraheubatzn mit einem ArdeitSwagen kam e«, dem„J Bl.* zufolge, am So«»- tag Mittag zwischen Schöneberg und Friedenau. Die fche» gewordenen Pferde des Mit Sand belavenen Arbeitsfuhiwerk» jagten mit so cher Gewalt gegen die Lokcmotive der Straße»- dayn, daß von dem Vorderiheil der Maschine da« Eifendtech eingedrückr und theilweise heradgeriflm wurde. Bei dem An- p all zertrümmerte dtt ÄrteitSwagrn und der Kutscher deffelveu fl,g vim Bock auf da« Straßenpflaster, woselbst er bewußtlos liegen blieb. Dre Puffagiere de« glücklicher Weife nur schwach befttzten D'.mosbahnwagenS kamen wie durch ein Wunder ohne Verletzungen davon, näh end der Kuffcher erhebliche Kontusion«» am Kopf erlitten hatte. Die beschädigte Lokomotive mußte außer Betrieb geletzt werden. Dt« Nntrrfachnug gegen den wegen Einbruch« und Diebstahl« in Haft befindlichen Hautboisten de» 1. Garde» Regiments zu Fuß liefert, wie da« JB. T." berichtet, imwia »och«tut Fallt, die von dtm SBetttfftnbtn unumwunden tingträumt werden. Dem Thäter dieser seit über zwei Jadren ausgeführten Diet stähle vermochte die Polizei trotz aller Be- mühungen nicht auf die Spur zu kommen, und nur durch«inen Zufall ist die Festnahme de« Verbrecher« gelungen. Derselbe suchte sich meist Läden au«, zu denen er durch Eindrücken einer Schaufensterschtlbe sich Eingang verschaffte, um sodann die Kasse auszuräumen. Als da« Patrouilliren und Versteckthalten der Keiminalbeamten fich als erfolglos erwies, kam die Polizei auf die Idee, mit Genehmigung der Geschäftsinhaber Nachts über Beamte in den dunkeln Läden Wache hatten zu lassen. : Aber in diesen ist niemals eingebrochen worden. Wes- l halb dieselben verschont blieben, ergiebt sich, wie ein s Korrespondent mittheilt, aui folgendem: Die Kriminalbeamten r haben ein besonderes Lokal, in welchem sie des Abends ver» kehren und dort bei einem Glase Bier ihre Erlebnisse besprechen. Hier fanden fich aber auch mehrere Hautboisten dcS I. Garde- l regiment», und unter diesen der Einbrecher ein, der mit den Beamten in freundschaftlicher Weise verkehrte und von ihnen manche Polizeimahnahme erfuhr. So ist das Gespräch denn auch öfter auf die einzelnen Diebstähle gekommen und von den l Beamten ihr Beobachtungsposten für die einzelnen Nachte ver- > ralhen worden. Hierdurch war der Einbrecher gewarnt, der ( nunmehr nur unbewachten Läden feine Besuche abstattete. I Man machte der Polizei ichließlich schon gar keine Mittheilung� > mehr von den einzelnen Fällen, weil man allgemein daran zu zweifeln begann, de« Sp tzbuben habhaft zu werden. Die Frechheit de« Diebe« ging sogar so weit, in Schlaf- zimmern von Frauen einzusteigen oder fich vor dem Zubettgehen derselben einzuschleichen und diese an Annen und Händen nach Gold- und Schmucksachen zu betasten. Der endliche Fang gelang auf folgende, bisher noch nicht bekannt gewordene A: t: Als er eines Nacht« bei einem Bäcker gerade die Kasse l?erte, erwachten die neben dem Laden schlafende Frau und Schwester durch das Geräusch; sie zozen fich noth- durstig an und eilten auf die Straße, um Laim zu machen. im selben Moment herankommender Polizeibeamter fragte «ach der Ursache de« LSrmS, und als er die Antwort erhrelt, daß der Dieb eben erst das Haus verlassen haben könne, ent- vegnet« er, Nirmanden gesehen zu haben, al« einen auf dem gegenüberliegenden Trottoir langsam gehenden Herrn. D>eS war eben der Dieb. Wäre er ruhig weiter gegangen, so wurde ißm gar keine Beachtung geschenkt hiben: jedoch, als er dw Worte des Beamten hörte, nahm er Reißaus, und damit veranlaßt« er seine Verfolgung. Als man seiner habhaft ge- worden und ihn fistirt hatte, forderte er seine sofortige Fcer- wssung und legilimirt« sich durch sein Soldbuch als Hautboist. Er habe Abends bei einer Festlichkeit gespielt und trag« die Zwilkteidung mit Eclaubniß feiner Vorgesetzten. Da det feiner Durchsuchung sich aber das gestohlene Geld vorfand, so behielt man da« Soldbuch auf der Polizei, wo er et am nächsten Sage wieder abholen könne. Al« er dann auch in voller Uni- form erschien, war aber inzwischen bereits Anzeige bei dem vteaiments-Kammandeur gemacht, der persönlich auf der Polizei rrlchien und den Hautboisten durch mitgebrachte Soldaten in Untersuchungsarrest abführen ließ. Bei Durchsuchung seiner Wohnung fand man in den Taschen oller K eidungSstücke eine Menge Gold- und Silbcrsachen und Pfandscheine. Da er er- fahren, daß die Polizei die ganzen Jahre hindurch bei den Psondleihern Nachfrage nach den gestohlenen Sachen Aehalten, 'o hat'e er nur die au« den ersten Diebstählen Herruhrenden �egenstä->de verpfändet. �. Zchiffsbeuregurrs der postdampfschiffe der Ham- b«rg. Amerikanische« Packetfahrt- Aktiengesellschaft. -.Itatia", am 31. Dezember von Hamburg nach New-Bork ab- Beganaen;.Skandia", am 31. Dezember von Hamburg nach New-Nuk abgegangen;„Rulsia", von New- Bork, am 3. Jan. Hambmg angekommen;„Dania", am 4. Januar von New« Bork nach Hamburg abgegangen;„Gochia*, von Baltimore, mn 4. Januar in Hamburg angekommen:„Polaria', von Rew-Baik, am 5. Januar in Stettin angekommen;.Rhaetia'*, am 5. Januar von Hamburg nach New-Uoik abgegangen; -Dania", von Hamburg, am 30. Dezember in New. Bork ange- kommen;„Marsala*, von Hamburg, am 1. Januar in New- Tork anoekommen;„Po'ynefia", von Stettin, am 2. Januar in New-York angekommen.__ v. votizeibericht. Am 6. d. M. VorwrttogS wurde ein Mann in feiner Wohnung in der Ritterstraße erhängt vorae- sundcn.— Nachmittags wurde eine Frau an der Ecke der Friedrichsgiacht und der Roßstroße von einer Droschke über- fahren und erlitt dabei bedeutende Quetschungen.— Auf dem Flur des HaufcS Univerfitätsstraße 4 wurde Abend« die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden und nach dem Schau- hause geschafft.— Am 6. b. M. fanden in der Friedrichstr. 126, und Wadzeckstr. 20, und in der Nacht zum 7. d. M. in der Mühlhausenerstr. 5 und Prinzessinnen str. 16 kleinere Brände statt, welche von der Jeuerwehr gelöscht wurden. .«ttoteune d»r ö»»aiK*r«»«0O»r glaM««rUn. Inder«-»- vom 15. bis 21, D-z mber 1889 fanden 252 Ehefchll-iungen statt, s-dendge- boren wurden 921 Kinder, darunier 102 auierehetl», todtgeboren waren 83 mit « auterebelichen. Die Sebendgeborenen find 81,4, die Zodtgeborenen 1,1 uro Mille der Bevölleruiig, die außkrehelich(geborenen find bei den Lebendaeborenen 11,1, bei den Zodtgeborenen 18.2 oCI, Die Zahl der gemeideten Sterbe stille be- trug 927. die stch auf die Wochentage wie folgt vertheilen, Sonntag 108, •Ronlog 184, Dienstag 120, Mittwoch ISO, DonnerstagNSi. Freitag 180, Sonn- »bend 149«on den Gestorbenen erlogen an Malern 8, Scharlach 9, Rote 1, Diphtherie 41, Bräune 8, Keuchhusten 15, Kindbettlieber 8. T°vhu»8, 3 stuensa 10, Gripp- 0, SvphittS 2,«lterSfchwSche 37, Gehirnfchlag 22, SUngenentjllnbung 126, Lungenfchwindiucht 181, Diarrhoe 21, Brechdurchfall 18, Magendarinlatarrh 8. Durch Vergiftung tarn 1 Perlon um, und zwar durch«tlobolvergiftung(Delirium tremeim). Sine» gewaltsamen� Tode« norden 18 Pertonen, und zwar durch Verb enrurg ober Berdillhung I, ?rhSngen 8, Uebei fahren 8, Stur, oder Schlag 5 und Operalion 1, fbterunler sind 2 Zodeistllle durch Selbstmord herbeigefllhrt worden, Dem Alter nach sind die Gestorbenen unter 1 Jahre alt 243(26,2 pgt, der iSefommtftetblichteit), 1-6 Jahre 118, 5-15 Jahre 40, 16-20 Jahre 11. *0-80 Jahre 67, 80-40 Zabre.ii«, 40-60 Jahre 185, 60-80 Jahre 140 ßbet 80 Jahre 80 Personen, In hiesigen Krankenhäusern starben 201, ein« Ichliehlich 20 Auswärtige, welche jut Bebandlung hierher gebracht waren, «uf die StandeSämterV vertbeilen sich die Todesfälle folgenbetmafien; Berlin- «älln-Dorotheenftadt(1.) 36, Frledrichstadt(II.) 29, Friedrich- und Echäne. derger Vorstadt(HI) 53, Friedrich, und Zempelbofer Vorstadt(IV.) 74, Louisen- ßodt jenseit, westlich(Vu.) 66, Luisenstadt lenfelt, äftlich OJ) 81, Auifenftadl di-sieit und Ncu-Källn(VI.) 71, Stralauer Viertel, westlich(VII.l 74, Straiauer Viertel, ästlich(VHb) 50, Känigstadt(VlU.) 68, Spandauer Blertel 54, Molenthaler«orftobt, südlich II»,) 68, Mosentbaler Vorstadt, närdlich W») 48, Oranienburger Vorstadt(XI.) 88, Friedrtch-Wtldelmftadt und Moabit HU) 58, Wedding(XIII.) 61. Die Eterbefälle sind 81.8 pro Miste der fort- Jeichriebenen BevälterungSzahl(1 528 118). Die SterblichkeitSzifier in folgendm Etädten des Deutfchen m eiche« mit mehr all bunderttaufend Einwohnern de- «ug in Aachen 31,8. Altona 28,4, Barmen 2ft7, Bremen 24,2 Breslau 24,1, Khemni« 19,2, Danzig 47,5, Dresden 19,8, Düsseldorf 22,1, Elberfeld 184 Frankfurt o. M, 19,6, Hamburg mit Vororten 26,7, Hannover 21,9, Köln 246. «änigSberg 27,2, Krefeld 18,8, Leipzig 17,8, Magdeburg 27,2,«tünchen 265 «ürnderg 228. Stettin 348, Etrahdurg l«. 18,2, Stuttgart 15,7 aus Zausend An anderen Grohftädten Europa« mit mebr all dreihunderttausend Einwohnern den 1874 Zugezogene, 2004 Weggezogene gemeldet, fo bah sich die Bevälterung mit Einrechnung der nachnäglich gemeldeten Geborenen und de« Zuschlage«, der den Weggezogenen erfahrunaSmähtg zugerechnet werden mufj. um 814 ver- «rfranrunaafänf onlnnhufi lö. Bocken Malern 61. Scharlach 53, Diphtherie öl, Kindbettsteber 8. Gevickks der Nummer 206 der.Valkszeitung- vom 27. September v. I erschieuen ist. Der Artikel debandelte den kurz zuvor in Frankfurt a. M. stattgebabtm Schriftttellertag und der Ver- saffer knüpfte an die Festreden des Oberburgermeister M'qael und de« Polizeipräsibenten v, Müffling kritifirende Bemerkungen, indem besonders die Stellungnahme der Regierung zur Presse als eine solche hingestellt wurde, welche mit den freund- Ilchen BeqiüßungSworlen feiten« deren Veitreter im Widerspruche stehe. ES wurv« behauptet, daß die Regierung seit etwa 25 Jahren bemüht sei, da« freie Wort, lhnl« durch Geld zu beeinflußen, thei« durch äußerste Strenge zu vernichten und auf Giund dieser Behauptung stellte da« Staatsministerium den Strafantrag wegen Beleidigung. Der Anaeklagte bestritt, daß die Spitze des Artikels fich gegen die Regierung richte; er Hobe nur den deutschen Schrislstellerverband treffen wollen. Außerdem stellte er in Abrede, daß die beanstandeten Behauptungen beleibigender Natur seien, denn dieselben seien einfach wahr undsschließlichb ab« er in Wahrung berechligter In- teressen gehandelt, denn das von ihm redigirte Blatt sei be- kanntlich wie kein anderes gemaßregelt und fast an den Rand des Abgrundes gebracht worden.— Staatsanwalt S.'achvw führte aus, daß der beanstandete Artikel keine Thatfachen, fon- dem nur Urtheile und völlig unbegründete allaemeine Be- hauptungm enlhalte. Der Regierun? werde der Vorwurf ge- macht, daß fit auf dem Wege der Bestechung oder durch Gewalt die Presse zu beeinflussen oder zu kaebetn trachte und diese Vorwürfe seien so schwer beleidigender Natur, daß er gegen den Angeklagten, trotzdem derselbe bisher nicht vorbestraft sei, eine G esängnißstrafe von drei Monaten beantrage. Rechtsanwalt Kauffmann bestritt, daß in dem Artikel eine Beleioigung des Staatsministerium« enthalten fei. That- sächlich bestehe ein vollständige« System zur Beeinflussung der Presse. Letztere erfolge aus die mannigfachste Weise, theil« durch Baarunterstützung einzelner Schriftsteller und Zeitungen, theil« durch Zuwendung amtlicher Inserate, theils durch Versorgung der Provinzialblätter mit Artikeln au« dem Berliner Preßbureau, für die Seiten« der betreffenden Blätter ein Honorar nicht gezahlt werde. Auch fei es einer erheblichen materiellen Unterstützung gleich zu achten, wenn beispie?Sweise GesetzeSvorlaaen an einzelne oifij'öse Literaten früher abgegeben al« veröffentlicht werden. Die Geldmittel zur systematischen Beeinflussung der Presse fließen theils aus den etatsmäßigen geheimen Fond« des Ministeriums, theils aus dem WelfenfondS. Obgleich von feindlichen Bestrebungen de« König« Georg längst nicht mehr die Rede sei, werden demnach die Ueberfchüsse de« WelfenfondS ohne jede Rechnungslegung verwendet, zum Theil zur Beeinflussung der Presse. Wenn femer in dem Artikel ge- sagt werde, die Regiemng Hobe die Freiheit der Presse durch „Eisen'" zu vernichten gesucht, so sei auf die verfassungswidrige P.eßordonnanz vom 1. Juni 1863 zu verweisen, femer auf die zahllosen Strafprozesse gegen die Presse, die fast täglich die Gerichte beschäftigen, aus da« Sozialistengesetz, welches mit einem Schlage hunderte von Preßorgane unterbrückt habe:c. E« fei fem er zu erinnem an die bekannten zahlreichen Maß- regeln gegen die„Volks-Zeitung'", die wiederholten Beschlag. nahmen und Haussuchungen, da« rechtswidrige Verbot der Vol'S- zeitung", das Verbot der nach dem Verbot erschienenen völlig färb« losen Blätter, mdlich an da» ZeugnißzwangSverfabren gegen die Redakteure. Endlich, wenn man speziell von der„Volkszeitung'" absieht, brauche man Mos an die vergitterten Mauern zu erinnem, welch« in der nächsten Nachdarskrei» war zum Moniag Abend nach dem Konzerthause„Sanssouci"", Kottbuserstr. 4a, angekündigt worden, in welcher Herr Max Sebippel über:„Di- Sozialreform und die Arbeitir"" sprechen sollte. Von 8 Uhr an drängten fich die Menschenmassen in den Saal, so daß der- selbe in kurzer Zeit vollständig überfüllt war und die Polizei die Eingang« hüren schloß. Ueber 2500 Personen füllten den gewaltigen Raum; mehr denn 500 Menschen standen die Kott- buserftraße entlang, hoffend, doch noch in den Saal zu ge- langen. An Stelle des Herrn Schippel, der, wie au« einem vom Vorfitzenden der Versammlung, Herrn Aßmann, verlesenen Briefe hervorgmg, an das Bett geftssrlt ist und deshalb nicht erscheinen konnte, hielt Herr Buchdrucker Albert Schmidt den Vortrag au« dem Stegreif. Da« Wort Sozialreform, so führte der Referent aus, erwecke den Glauben, als sei die staatliche Sozialreform nutzbringend für die Arbeiter Ob dieselbe irgend welchen Nutzen gebracht habe, wolle er untersuchen. Die bür- gerlichen Parteien faßten das Wort„Sozialreform""— die Art der Autsührung derselben spricht(dafür— in einem ganz anderen Sinne auf, al« die Arbeiterschaft. Diese sei mit der Definition des Wortes und der Ü bersetzung in die Praxis� wie sie von Seiten der Bourgeoisie beliebt wird, nicht einv.r- standen. Die ungezählten Pioteste der Arbeiter gegen dieselbe deweisen dies. Die Ardeiter beobachteten genau alle Maß- nahmen und Forderungen der bürgerlichen Parteien, die zugleich mit der Einführung der staatlichen Sozialreform, getrcffen unö gestellt werden. Die Eihöbung der Kornzölle und die Forde- rung der Beschränkung der Freizügigkeit seitens der Großgrund- b-fitzer, dieForderung derJnnungShelden inB treff derEinführung de« Befähigungsnachweises und der ArbeitSbüch-r machen den ge- ringenAnklang, den die staatlicheSozialreform noch gefunden halte, ganz verschwinden. Dageaen zeige die Arbeiterbewegung sich in einem fortwährenden Wachitham begriffen. Ander« könne es auch nicht fein! Obgleich die bürgerlichen Parteien bei den Wahlen durch die gewaltige Reklame für die Sozialreform jeden anderen Gedanken zu ersticken suchen, vergessen die Ar- beiter nicht, wo« unter den Fitligen der Sozialrefoim alle« für sie nützliche zerstört worden. Sie denken stets an die Folgen, die das Ausnahmegesetz für sie gehobt hat! Vergleichen fie mit diesen den„Nutzen"", den die Sozialreform ihnen gebracht hat, so stellt sich die Waage zu Ungunsten der l-tzteren. Wo« bat da« Krankenv-rficherunoSgesetz den Arbeitern gebracht? Rechts, als ein penialtiges Beawtenheer, deren Gehälter einen nicht unbedeutenden Theil der Beiträge absorbiren. und da» ein willige« Volk für die Regierung bei den Wahlen obgiedt. WaS wird das AlterSverficherungsgesetz ihnen bieten? Recht«, denn d» Altersgrenze ist so hoch gestellt, daß sehr selten ein Arbeiler in den„Genuß"" der Rente kam- wtn wird. Nur Seelsorger und Lehrer werde. 70 Jihre alt, der Arbeiter nicht.(Sehr richtig.) Und wenn auch die nächste Wahlparole.Sozialreform"" lautrn wird, die Arbeiterpartei kann der Wahlschlacht getrost entgegensehen, denn die Bestrebung der Regierung, die Koalilion-fteiheit der Arbeiter illusorisch zu machen, ist zu augenlcheinle». Denn »ras hi'ßttS ander«, wenn das Reichsgericht dem§ 110 de« ?!r\«. � vetreffend den Widerstand gegen Anoidnungen der Obngkert. so auslegt, daß ein Auffordern zum Ernstellen der A-bert vor Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist al» ei» Auffordern zum Verstoß gegen das Gesetz, a-gen Anordnungen der Obrigkeit, angesehen wird; wenn die Forderung der«r- berter an die Fabrikanten zum Wiedereinstellen von gemäß- regelten A'bertern als eine Erpressung zur Erlangung wider- rechtlicher VermozenSvortheile im Sinne des Strafgesetzbuch«« angesehen wird. Wenn neben der Sozialreform da«»««- nahmegesetz dazu gebraucht wird, gewerbliche Organisationen der Arberter aufzulösen, wenn man in der einen Hand dem Arberter dre Zuckerdute hindält, während in der anderen die Ruthe wrnkt, dann ist ein Mißtrauen der Arbeiter gegen de» oft betonten Willen der Regierung, die Lage der ar- de, tenden»lasse zu heben, nur zu gerechtfertigt. Wa« bedeute dre Sozralreform, wenn es Unternehmern gestattet bleibt, durch Rmge, Trusts u. f. w. die Preise der Lebens- bedurfnisse willkürlich in du Höhe zu schrauben und da« Bolt auszusaugen? Hier muß eine andere Sozialreform geschaffen werden, die alledem vorbeugt, und dies« besteht m der ersten Forderung der Sozialdemokratie: Abschaffung der privatkaofta- "st'schen Produktionsweise und U-berführung in die genossen- schastliche. Doch hiervon wollten die herrschenden Klassen nicht« wissen, da« sei Umsturz. Dies fei neben der Sozialreform da» Feldgeschrei der bürgerlichen Parteien während der Wahl- bewegung. Vielleicht werden wieder kurz vor der Wahl einige blinde Schusse abgegeben, um dem deutschen Michel Angst»» machen. Der nächste W ihlkampf werde ein schwerer werden 7 Unser« Partei lieg« nicht so sehr daran, die Zahl der sozial- demokratischen Sitz- im Reichstage zu vermehren. U-S liegt nur an der Aufklärung der Massen über ihre Klassenkage. Wir müssen deshalb stet« betonen, daß die Sozialreform von oben ohne Nutzen für dl« Allgemeinheit ist, daß nur eine solche von unte» B. sserung bringen kann, die ein System abschafft, welche« eine« kleinen Theil heivorbrmgt, der nicht arbeitet und alle« besitzt, einen größeren, der nicht arbeiten kann, weil er keine»rdeit findet, und der nichts hat, und eine übergroße Zahl, die ihr Leben lang arbeitet und kaum genug Hot, um sich satt zu esse». Auch unsere Gegner werden noch einsehen, daß ein Staat aar bestehen kann, wenn die Masse de« Volke« körperlich und geistig etftmb ist, sie ererben noch die Berechtigung unserer Forderung nusebm: Abschoffung der Abnutzung der Arbeitt krast durch da« Kvpiial! Fallen bis zur Verwirklichung dieses unsere« Ziele«, so schloß Redner unter brausendem Beifall, noch viel« «Kenosseu, so treten doch Hunderte kawpsbereite Männer, die oeru ihr Gut und Blut sür ihre Idee einsehen, an ihre Stlle. Rur die Personen, nicht die Gedanken find zu beseitigen. Smd mir Alle Agitatoren, begeistern wir immer weitere Volk«- mosten sür unsere Ziele, dann ist auch die Znt nicht mehr fem. die der gesammlen Menschheit zum Wohlstand ve, Hilst. Wir müssen und werden siegen unter der Devile: Erlösung der Arbeit au« den Banden de« Kapital«.— In der Diskussion betont der Buchbinder John u. a. die Roth- wendig keit der Agitation in den Werkstellen j h', da e« nicht mehr möglich ist, wie vor 1878, die Broschürenliteratur zu »« breiten. Herr Peter« führt au«, daß man die Kleinmeister darüber ausklären müsse, daß nicht die Sozialdemokratie es ist, welche ihr Vermögen konfisziren will, sondern der Groß- kapimlist. Immer mehr kleinere Betriebe gehen in den großen «ad größten unter. Es wird eine Zeit kommen, wo man nur noch einige Riesenkapitalisten und eine große Masse von Ar« heitern kennen wird. Diese werden einst 05 pCt. der Gesellschaft bilden, dann werden diese selbst eine Reform einführen, die ihnen wirklich zu Gute kommt. Nachdem noch Herr Engler zum Lesen der Arbeiterbläiter ausgefordert und Herr Schmidt sein Echlußnort gehalien, in welchem er an die Anwesenden den Appell richtet, bei der Wahl dem Genossen Wildberger als Protest gegen da« b-utrge Wirthschafttsystem die Stimme zu geben, beschließt die Versammlung nach kmzer Debatte� die Beschlüsse de« Pariser Nrbiiterkonqi'sse« zu den ihrigen zu machen und am 1. Mit d. I. die Arbeit ruhen zu lassen, sowie den nächsten Wahltag »1« Keiertag zu halten, um auf die Regierung einen Druck auszuüben, den Wahltag auf einen Feiertag zu verlegen. Mehrere Redner erklärten sich gen l tzicren Passus; et fei besser im Reichstage eine dies« zLgliche Arnderung de« Wahlgesetze« vorzuschlagen. Nach« dem»och eme Frage, ob Ausficht volhandea sei, daß de« „B ertiner VolkSblatt� billiger wird, dahin de- «ntwortit norden, daß die» nicht geschehen könne, bi« noch 2000 Abonnentin mehr vorhanden sind, und daß deshalb k-äitia für die Verbreitung der Arbeiterpusse zu aaitiren sei, ichlußt die imposante Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Attlt», 7. Jan. Gestern Abend sprach hier im„Hosjäger" der R-rcht taz« Abgeordnete Paul Singer unier stürmischrm Beifall vor einer von 3 bis 4000 Arbeitern besuchten Volksversammlung über die Bedeutung der bevorstehenden Reichs« tagSwahler. Zum Schluß wurde eine Resulution einstimmig attgettomme', in welcher sich die Anwesenden verpfl chten, «ach Kräften sür die Wahl des sozialcemokratischen Kandi« baten, des Herrn Fritz Kunert, emzulrcten. jim Hqloester ist die Gesellschaft„Zukunft" zu Rcinicken- darf wegen Vergehen gegen da« Vereinsgesetz durch eine Ver« sügung drS AmtSvorstehec» Wilke geschlossen worden.— Am Sl. Dezember fand eme Ve.sammlurg der Ge'ellschast statt, in »elcher eine Vorlesung au» Bernstein'« naturwisseuschastüchen Volksbüchern adg> hallen wurde. In der Diskulston äoß-rte em Milgtud, daß die kräfligen NahrungSmittcl, welche der Berfasser für den kräftig arbeitenden Mann verlangt, dies.m schwer zu ä' gllch sind, weil die Nah ungemittel durch die Zölle, dre Ausgaben für das Heeres mesen, Schweine-Einsuhr- verbot und dergleichen ganz erheblich vcrrheuert wür» de«. Ein andere« Mitglied äußerte im Anschluß an die Forderung de« Verfassers, die Hauptmahl- «eit in der Milte des Tages zu genießen, daß für einen großen Theil der Arbeiter diese« nicht möglich sei, indem die« selbru oft Stunden wei» von der Arbeit«stätte wohnen und sich infoloe dessen des Mittag« mit Brot und Kaffee beHelsen und die Hauptmahlzeit de« Abend« aenikßen, daß es daher von großer Bedeutung wäre, wenn die 8 stündige Arbeitszeit eingeführt würde,«eil alsdann der Arbeiter zeitiger nach Hause käme und nicht mit beladenem Magen seine Lagerstä te aussuchen braucht. In diesen harmlosen Aeußerungen sieht «an nun politische Erörterungen und, da auch Frauen der Gesellschasl aü Mitglieder angehö en, ein Begehen gegen ha« Bereinsgefttz. Ran, hcff-ntlich haben die vorgesrtzten Behörden ein« andere Auffassung in betreff„politischer Erörle« rangen". »» Vmin»»» zigh», aschinen- und Kandarbeiterinnen Berlin« und Umyei r d Mmwcch den 8 Januar, Vvend« 8% ltdr,(SJ ofet üleriumm- Ul-e im Ä8ni ftadi■ Äcflno, boliwarkulr ir 72. 1. Bortrog bc8 Herrn MMN. S. BUfulfion. 8 Aufnadmr neuer Mttgliedir 4 Verlrbiedene«, Herren »nd Damen cu« iamn-tiilden Berusizwetgcn Kaden Zunilt Zar Deckung der vnlosten ftadet eine Telletlaminluug flalt. Um rrchi zahlreicheZ Srlchetuen rd ertucht. Mtetndrnrieer, Lttl,«graplie» und Atthoarophte-Ktelnschieiser. .rage SfieNIIiide Vertäu wlung am Vtitwo», de» 8. Januar, Adeud» 8 lldr, tat Klbruetiier-Garten, am Krtedttchihaw, lag lorbnuna 1. Kongretzdertcht, 2©Ululflon. 8 Aorechnuag ro'o Diiiensonds, 4. Ve tchl der Lad tom miWvn 6.«»> schtedene» Zur Deckung der Ut kosten fli.d.i ltne Tille, lamm lang Nett Um recht zabl-etcheg Enchitnen wird ersucht, ««chneretn de« Papierardertertnneu und uerne. Kerusegen. Am MUtiroch, dm 8 Januar, Abendg 8% Ndr. iln, eaftraie!g: Versammlung lagflotbrmi.g: 1 Vortrag de« Herrn Dr, Aolwtg 2 Didtusslon 8. Ver, scht.deue» und% a, tfifien. Gaste Damen und Herren, dabin Zatilti, Irutral Branle»»- und AtrrdaKass» d»r deutschen Ulaginbauar. MtNwochr Versammlung sümm'.Iichlc MIlgltede, Verltr», Inselftrade 10, ld» 8 Udr Tagetor dnueg. 1. Esaiulenberaihung, 2.«affenangeiegene fojtfll Ardtitr» Kasr Kind„KchiUar". Die Ettlingen linden jeden Mtttwoch «srei d« 8% Udr. im Lokal«mit Bödl, gtanlfutter Allre 74, flau. Gaste Hoden ZÜttUt O»ch»»r,z» d»r Crbnrentlwitt««it. Lberdd 9 Übe, Dtanienftt. 180; gkrtiann Imlnrtf«nsammlung Verbrestung der RlugdWUec zu der am «tUtmoch. drn 22. Jar uat, slattftndenden Sffemlschcn Vrrsamurlung der Hau». padulnirven der L-derarbitter. Erscheinen aller Verirauentmänner Ist unbedingt «nd fUthkalft b*r ztlaltr«. s. m Etliale verUn W(IV.) General. Veisammluna am Donnerstag, den 8 Januar, «dtnbl 6« Uhr. im»(eftaii ant Appell, Lllgowftr. 7 lageiordnung: 1 Rechen. schaslgdeiiitt 2 Berich, 0(4 Vorstande«. 8 VorftrndZwabI 4. Wahl von Itrae keud-suchern und Veriroueugarzt 5 Verschiedene«. «,»7»»«Itch» v»> suninrinng dir giftftr Bariin« und zlara»a»nd an, Donr.erftng, den 9 Jn unr Aoend» 5j( Udr, im Saale der Brauerei .BriediichShatn'(sc 01p«) am gried!>»der lcht de« Ver trauen«, noniu«. 8 Giwnkschaft. itche» Zur Deckung der Unkastm findet eine Tellersammlung ftalt. Um zahl- crichm Berück der Uallegm wird gebeten, «strn-rn'.n-rsan-mtung der sreie« Vereinigung der Kauedien»» Berti»» am S,»nerstag, den 9 Januar. Abend« Ö Udc, b i Jo dan. Neue GrUristioHe 28 Tagesordnung r 1 Milth ilungen. 2. Vlerlilj.rhieibeitckt und Musiradme neuer 4)>>IaI<-der. 8 Unsere wirlbschaslliche Lage, lsteferenir Herr «. Schweltz r. 4 Dldkusston 6. Verschledene« Verdaad dentscher Mechaniker und ver wm dien BerufSgenossm. sZehi'r.ge Beiiin). Mwwoch den Iii Januar, Sbe, d« 8% Uhr, im„Louisen, Ük.llfften Älubbaui", S ner.slraie IS, Generalversammlung, Tagesordnung, 1.9 st über Ich»um 4 Quartal 18b9. 2 Beitcki de« Vorstand'« und der 9om- mirsta. e». 8 N uwchl de» Varstaade« u"d drr lKommisstonei. 4 Ve schte- dme» w d krage? 9m Susnahr-e neuer Vittglieder Mitglirdibuch legitimiri. Um«ndlr eichet Erscheinen der Milgii-der wi d ersucht. Anrn- NN» geseUig» Verein« am Wittmoch. Männer. aagnereii,.Jugmbluft"«dendt& übt im iliestauranl Paff ad, Gartm- 182— stii»Miergesangverein.ESrllta'«bmb« 9 Uhr im Restaurant rstrahe 1270- Gelangverein.Männerchor Linde' lädend« 8% Uhr ta nl Hallcr, Waummslrafit 70.- Männergesangverein.Eanaedsrennde' 9 Uhr im Restaurant Musehold, LandSbergerstrage Kr. 81.— ______ nein.Frepa'«bind» 8% Uhr im(Restaurant Benecke,«rote tj-anrdnrgrrstrahe 9k. 18- Hupper fische Sängervereinigung leben stlliit. nach nach dem ersten im Monat. Abend« 0 Uhr im Reslauiant Heile fietchremdergerstraste 21—.Eeeaerstcher Besangverein' Abend» 9 Uhr im Restanreul Schutz Prentilauerkrahc 41— Gesangverein.Schwungrad Abend« MV Uhr im Restaurant Sabm,«nnenstraie 18- Männergesangverein Lot- txertrma" Abenb« 9 Uhr im Restaurant Karsch, Oranimstrasse 190.— Gesang. wrtin Itztorb-Jubal' Abendg 9 Uhr in«titln« Bicrbau«, Veteranenstraie 19.— Gr aagverein„OjiMQMt" Abend« 9 Uhr Köpntckerftr. 127» bei Grevings— lingtabtheilrm- von 8-10 Uhr Abend«.—.Mehr Licht',«eretn für Scher, lu, Restaurant Heid, gruchiftr-ze 88».- Echlefficher«erew.Holtet' Abend» 9 Uhr im Restaurant Sehrt. Ptln»tn- ftraie 106.- BergnügungSverein.RtäbllchWf«bmd» 9 Uhr im Restaurant Käger«rstner Wea 29- wiffenschaftlicher Verein wr Rollerstcke Steno- ophie»dmd» 8% Uhr tat Restaurant Beese. Alle kchätihauseistrabe 42 nterrichi und llebungtstunde.— Rollerstcher Etenographenverein Estd-Berlta Abend« 8X Uhr im«eftauront Primenstraße 97, Sitzung und Hebung«. stunde.— Arend« scher Etmographm-Beresn.Amiritia' Abmb« Ä Udr tat Restaurant»ehrend», Echänebergerftraße Kr. 8- ArendS scher Hteno- gravhenverein PHUla' Abend» 9 Udr tat Restaurant.«tldelm, garten'. .% Ktenographlsche Gesellschasl Armd« im Restaurant Bstrgergartm Ltadmftr 106. Unentgeltlicher Unterrschi und Urbnng.- Berliner Rauchklul .«rangel' Adend» 9 Uhr tat Restaurant Roge,«ävnickerftr 191.- Rauchklui .Hratratma 80 Admd»« Uhr tat Restaurant Paetzoldt, Reichmtzergerstr. 18- Rauchklub.«emstthllchkrlf Abend» 9 Uhr tat Restaurant Achsel,«dvnickerstr 181 - Rauchklub.Eolumbia' Abend« 8% Uhr im Restaurant Beper, Prinzenstr, 98 — Rauchklub.Frisch gewagt' Abend» SX llbr tat Restaurant Tempel. Beel- lauerftraße 27-«auchklub.Vulkan' Abend» 9 Uhr tat Restaurant Schulz. «räsestraze 82.- R tedrsch»berg. Rauchklub„Kotbftem", Lippe««eftaurani. toUbtith«orltagle 11.- Vergnvgungtperein.Srählichtett'. gegründet 1880. Abend» 9 Uhr Grüner Weg 29.-.Pollack-Etab-Etattacht'. sehen Mittwoch,«bmd» bis Uhr de! G. Thiel. Wimerstraße 68.— Gesangperesn der Taprzlier Berlin«, leben Mittwoch Restaurant Seyhrlstratzi 80. von 9-11 Uhr«dmd»- Unterhaltungtoerein.Harmonie'. Sitzung Abend« 9 Mr Dretdmerftr 118 bei Wendt.- Tambourverein.«relstor�, W Uhr. llebung, stunde dei Bühl Rüdertdorserftr 8, Ausnahme neuer Mitglieder. !?eta.»total strofa 98, l'llebungdstünde Vön töi bi«' li Uhr' Abend«'- Gesangverein »nrtertimd' Abend» 9 Uhr bei Pätzoldt. Reichmberoeiftratze 18- Männer. BKkKrK«. NdntM 8 Uhr Elisadethstraie 67-58.-�Turnverein.Wedding'. Pank- Trabe* MänneradlheUung von 8% MI 10% Uhi Abend», desgleichen 1 Lebe Verinisihkes. Krüssel, 7. Januar. Das Theater de U Bourse ill in der vergangenen Nacht vollständig durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Das Feuer bi ach»wsschen 2tz und 3 Uhr Morgens in dem Maschinensaale aus. Das Hau« ist bi« auf die Außen« mauern zerstört. Alle Löschmannschaften von Brüssel und den Vorstädten� find zur Stelle. Da« Zentralhotel, das an das Theater stößt, sowie die übrigen, an da« Gebäude angrenzenden Häuser standen ebenfalls m großer Gefahr, konnten aber erhalten werden. Nur ein Fenftergesim« de« Hotels wurde vom Feuer ergiiffen. Die Rettung der Einwohner der gefährdeten Hauser erfolgte ohne Unglücksfälle, jedoch mit großer Schwierigkeit. Der Brand ist lokalifirt und desteht keine Gefahr mehr für die großen Magaz'ne in der Nähe. E« ist Niemand zu Schaden gekommen. Uettr-Uarlr, 3. Januar. Die Influenza greift in den Uniontstaaun immer weiter um sich. Besonders zahlreiche Er« krankungen kommen in den Schulen und den Gefängnissen vor. Neuerdings werden auch mchrere duich die Krankhri! berdeigefühite TodeSsälle gemeldet. Nach hier vorliegenden Melduagen grasfirt die Krankheit auch in Mexiko und Kanada; hauptsächlich find die Städte Oukbrck und Montreal von der- selben heimgesucht; die Krankheit tritt dort indessen in ziemlich milder Form auf. In CHUrngo ist eben ein Gebäude vollendet worden, das sich nach semen Dimensionen füglich das„größte Theater der Welt" nennen darf. Dasselbe bedeckt der„Nem-Hotker Staats- »eilung" zufolge fast zwei Acker und hat 170 Fuß Straßenfront. Sein Wrrth beträgt einschließlich de« Grundstücks vier Millionen Dollars. Was dm Theattrfaal besonder« bemerken«- werth macht, ist die große Anzabl seiner Sitze, 4500, die hohe Decke, die auf riesigm Bogm nrht, welche, immer kleiner wer- dend, im Proszenium ausle.uken. Das Vestibüle faßt mit Be- quemlichkeit 500 Personen. Mächtige Säulen tiazm die Decke und dienen zur Stütze für die 15 000 Tonne?. Eisen u*b Steinwerk des darüber befindlichen in sewer ganzen Höhe 240 Fuß messenden Thurm««. Reiche Dekorationen in BaSreliessorm bilden die Zierde diese« Baue«. Wenn man doS Vestibül verläßt, kommt man in die Haupihalle de« Th-aterS. Eine große Mitteltnppe mit breiten Stufen, alles Marmor und Bronze, führt nach dem großen Foyir hinauf. Erst von hier au« sieht man durch die Bogenöffnungen einen Theil der Bühne, doch wird hier da« Auge durch den Glanz über die Entfernung derfrlbm sehr getäuscht. Erst wenn man da« Foyer durchschreitet und einm Blick über die 1800 Sitze hinabwirft, die sich im Parterre bi« zum Orchester hin- dehnen, ist man im Stande, die Entfernung bis zur Bühne annähernd zu bem-ssm. Längs dem Parterre vefindm sich zwei Doppelreihen Logm, doch hat da» H u« keine Profc nmms- lozen. Auf der Bühne, welche bei Versammlungen u. f. w. als Plattform dient, können 900 Personen sitzen. Für das Foyer wurde arabischer Marmor verwendet; seine Farbe varürt von ooldig bi« tiefroth. Do« Tamenzimmer und da« Rauchzimmer sind auf's Luxuriöseste au«. gestattet. Die Marmorirepp« zu«sterem und da« Säulen. Po-tal find nach den Mustern von Eingängen zu budhifttschen Tempeln gebaut. Die Dekorationen in diesem Raum, in dem reiche Dinars und elegante Spiegel angebracht sind, wurden maurischen Mustern entnommen. Das Ranch- »immer ist von derselben Größe und komfortabel eingerichtet. Die marmorne und reich m-t Go'.d verzierte Treppe, welche nach dem Balkon führt, ist von blendender P.acht. Der Balkon eathäit 1500 Sitze, und dieselben find so arranpüt, daß jede Person direkt auf die Bühne sehen kann. Der Theater. räum bietet von hier au« einen wundervollen Anblick; das fast verschwenderisch angebrachte Gold im ganzen Hause, auf der Decke, an den Säulen, Logenbrüstungen u. s. w. wird durch den hellen S.rahl der Tavsende von Lichtern überraschen v effektvoll hervorgehoben. 60000 Ouadratsuß sind mit Gold bedeckt, und um den Elsenbeinton an dm Wänden hervorzu bringen, wurdm 27 000 Psund Weißblei verbraucht. Die Ver setzung der Bühnenstück- u. s. w. geschieht mittelst hydraulischem Aieckaniemu«. Et« orktttturttger Stnrrn herrschte im Tbale bei Schmieoeberg seit vorigem Frniag. Die Wuth des Siurmes legte sich erst am Sonntag Vormittag gegm 10 Uhr. Der Verkehr auf den Straßen von Schmied-b-rg und seiner Um gcbung war lebensgefährlich, zumal die Wege spiegelglatt mit Eis bedeckt warm. Ein Arzt, welcher auf die nahe bei der Stadl belegene Pefchel'tche Bleiche gerufen wurde, konnte ein Fuhrwerk nicht erlangen, weil sich niemand mit dem Gespann in dm Sturm hinaus wagte. Die Post, welche früh nach Krummhübel fahrm wollte, kam nur bis Buschvorwerk. Ja Stcinseiffm wurde ein beladen er Mühlschlittcn vom Winde erfaßt und umgeworfen. Dasselbe Schicksal hatim drei hoch mit Scheitholz beladme Schlitten; dieselben mußten sammt dem Holze im Frcim liegen bleiben, da e« un- möglich war, sie fortzubringen. Der Zug, welcher von Hirsch- berg Vo> mittags 11 llbr in Schmiedeberg eintnfft, ksnnie in dur Gegend der Kramsto'schm Änlagm nicht m-hr vorwärts; es mußte eine auf dem hiesigm Bahnhofe befindliche Lokomotive ihm cntgegm gefch ckt werdm, um ihn vollends auf Ben Bahnhof zu bringen. Groß ist der Schadm, welch>n der Smrm an Häusern und im Walde angerichtet hat. Während des Sonnabends war das Hochgebirge von fo mächtiam schwärz- lichm Wolkmmassm bcdt cki, Baß da« Gebirge noch einmal so hoch erschien als gewöhnlich. Die Temperatur ist wäkrend dt« Sturme« gestiegen. In dem benachbarten Dorfe Dirnl war von dem h-fiigen Stunn nur wenig zu merken. Eige« artige Reform er» hat die provisorische Rcgiemng in Bcasuim eingeführt. Wie über Lissabon gemeldet wird, Hot dieselbe neue Ramm für dte Tage der Woche und für die Monate angeordnet. Der Sonntag soll künftig hcißen: Humanidi, Tag de» Menschen, im Gegensatz zu der bisherigen Bezeichnung, die in allen romanischen Sprachen„Tag des Herrn" lautet. Die übrigen Tage sollm heißm: Maridi(Tag des Gatim), Patridi(Tag de« Vater«), Ftlidi(Tag des Sohne«), Fratridi(Tag de» Bruder«), Dcmidi(Tag des Hause«), Matridi(Tag der Mutter). Die neuen Namen der Monate lautm: Moses, Homer, Aristoteles, Archimede«, Cäsar, Apostel Paulu«, Karl der Große, Dante. Gutmberg, Shakespeare, Descarte« und Fiiedrich der Große. Die französische Revolution scheint den Anhäaaem bei General« Fo->krc» wesentlich zum Vorbild zu dienen.— BemerkmSwerih ist auch eine Meldung, welche dem biasilianischm#8- sandten in Lissabon telegraphisch zugegangm ist. Darn«ch sind für Argentiri n, Uruguay und die Vereiniatm Staaten von Nordamerika, welche sämmtiich die brasilianische Rrp�blck anerkannt haben, neue Virtre.er ernannt, und zwar ein bis» beriger Advokat und zwci Aerzte, welche sämmtlich noch nicht 30 Jahre alt find, aber sich als Mitarbeiter republikanisch« Zeitungen in R o heroorgethan haben. In einer weite«» amtlichen Depesche an dm Gesandten in Lissabon wird nulae# theilt, daß Silveira Martins, der Präsident der Provinz Ri» Grande da Sei und Führer der lib-ralm Partei im Sude» des Reiches, nach der Acquatorialprovinz Pars„deportirl" war» dm sei. Vortheil aus der im vorigen Monat vollzogene» StaatSumwälzung in Brasilien haben auch die Abiturirrt» des großm StaitSlyceumS in Rio de Janeiro davongetraa«. Der neue Nnterrichisminister Brasiliens hat nämlich ein Dekret erlassen, nach welchem zur Feier der glücklichen Umwandlung der Monarchie in«ine Republik sänimtlichen diesjährig» Abiturienten dicser Anstalt die Maturitätsprüfung erlassm M-d das Zeugniß der Reife für die Umve.fität ohne Examen aus» gestellt wird. Glue gsn? absonderlich« Art der zeichettverbre»� liung ist j-tzl ta einem uralten Schachtgrabe w Ostaltika entdeckt worden. Dort bei dem Oertchen Velanideza bei einm» Vulva genannte» Punkt« wurde ein großer Grabhügel au«- gegraben, in welchem sich ein Brandgrab mit einem groß» sarkopha.fäcmizen Denkmal darüber vorfand. In der Trese eine« Meters, vom früheren Niveau abgerechnet, fand man da« Grab, in weist em der Leichnam beizesetzt und verbrannt ward» war. Za dem Zwecke muß eine große Menge Holz aufgehäuft worden sein, denn ein beträchtliches Quantum Kohlen wurd« bcrauSzcfordert. In der Milte de« Grabe» befand sich b« Länge nach ein Kanal, welcher wahrscheinlich dm Zutritt d« atmosphörlschen Luft vermittelte, die zur Vollmdung de« Ver- brennungcprozesseS nothvmdig war. In die so zugerichtet« Grube wurden zunächst trockene Ranken de« WeinstockeS i» legt, wie ou« der Beschaffenheit der Kohlen hei vorgeht, damit der Schiiieihmfm leicht Feuer sauge, darauf wurdm Lest« und Zweige großer Bäume gebreitet; hattm doch einige der verkohlten Stücke einm Durchmesser bi« zu 25 Zmtimetcitt. Aus dm so aufgeschichteten Scheiterhaufm wurde der Leichnam gelegt, welcher nach der Verbrmnung mit Evde überschüttet wurde. So wurde auch da« Grab zum Schlüsse ausgefüllt. Aus diesim Grabe wmde das erwähnte Grobdenkmal«r- richtet in Form eines Sarkophaze« mit flachem Deckel; e« iß aus getrockneten, quadratischen Lehmnegeln zusammengesetzt. Mah-scheiitlich um dem Ganzen Festigkeit zu geben, ward» im Innern, zwischen dm beiden LängSwändm zwei Quer- mauern gezoam, so daß es der Länge nach in 3 Räume zer« fällt. Da« Grab ist vielleicht nicht älter al« die Schlachten- gräbervon Mykenä; das geht daraus hervor, daß in demselbes Grabhügel, aber 2 Meter weiter oben, ein zweite« Brundarab ar öffnet wurde, welche« als Beigadm zwei kleine mykmäische Vasen enthielt, und somit der chrono'ogischm Bestimmung einen festen Anhaltspunkt bot. Die sehr thätige griechische aichäo'ozische Gesellschaft hat dm Plan, alle Grabhügel, und es sind deren trotz aller schon begangenen P ünderungen, noch sehr viele, systematisch auSzu- graben. Da ist aas eine reiche,»usammmhängmde Belehrung über die älteste Geschichte des Lande« mit Bestimmtheit zu rechnen. Eine ApothekerprSfung w Ameelka. In bi« Apo'.heke einer Landstadt de« amerikanischm Westen«, w» neben anderen guten Sachm auch„Sodawaffer" ausgeschänkt wird, kam ein junger Mann und erkundigte sich, ob ntcht eme Stelle für einen Apotheker offm fei.„Haben Sie die röibigr« Kenntnisse und längere Erfahrung?" ftagte der Eigmlhümrr, indem er den Applikantm bei Seile zog.„Ich glaube mit .Ja" antworten zu können," gab der Jüngling leise zurück. „Wie lange im Geschäfte?"—„Drei Jahre."—„Wo?"— „In Miiwaukee".—„Hm— was wurdm Sie thuu, wenn Jemand mit cincm einfachen Wink an die Sodafontaine trit:?" —„Güten alten Korn und Soda."—„ Zwei kurze Wink« und Schnalzen mit der Zange?"—„Wird das Glas halbvoll mit Jamaika-R-im gefüllt."—„Wenn Jemand nach Banar a- Sy-up fragt und Hai Zeigefinger und Daumen in der linken Westentasche?"—„Der meirt Kognak mit Ingwer.— Drei Winke und ein Zeichen mit dem Daumen über die linke Schulter?"—„Alten holländischen Wachholder und ta« Nämliche für die nachkommenden Freunde."—„Wmn Jemand „Hudson" sagt und link« ausspuckt?"—„Alten Ko-n mit Ps-ff-'.münz vnd W-rmut."—„Dm Kautabak aus dem Mund und in die linke Hand?"—„Hand made socr mash."— »Gut, sehr gut, dos thul's. Sie können sich morgen früh ein- stellm� Sollte etwas Außerordentliches verlangt werdm— diese Sachen sind im Keller auf Liger. Schm Sie, wir müssm mit der Anfertigung unserer Rezepte sehr vorsichtig sein, da Menschenl'ben dabei auf dem Spiele stehen. Ein Streik der RechtaauWälte ist in dem allen •Sis atu« cuägebcochcn. Ja Folge Differenzen mit dem Tribunal- Präsidenten und der Staatsanwaltschaft haben sämmtlick« »mralt« und Prokuratorm, bis auf Weiteres die Arbeit emg-- » forensische Apparat liegt dort vorläufig unter dies» Umstanden fast ollig brach. Neueste Nolstletihken. Die Kailerin-zvittur- A-gusta ist gestern Nachmittag 4$ Uhr an der Influenza gestorben. DoLTLsthstztz. (Kftolff'» Nelegrapheft-Kttrean.) Kreala«, 7. Januar. Der„Sch'.esisch» Ztg." zufolge ist ein Sechstel der Belegschaft de« Valentinschachie« emnefah-m,. ohne daß die Forderung sofortiger Einführung der achtstündiae« Schicht bewilligt wurde. Der Rest der Belegschaft dürft« allmälia gl-ichsfalls ei-.fahrm. Elberfeld, 7. Januar. In dem hier verhandelten So- tirlisten- Prozeß haben der Staatsanwalt, sowie die verurtheilten Angeklagter! die Revision angemeldet. Kopeuhage«, 7. Januar. Die Influenza hat in der vergangenen Woci'e erheblich abgenommen. Kern, 7. Januar. Die Berner Regierung hat wegen der infolge des Setzeistreiks eingetretenen Unordnungen, Bedrohungen und Mißhandlungen(?) die gesammte staatlich« und stäottsche Polizei in der Stadl Bern unter ein und dasselbe Kommando gestellt und dm Oberst-Brigadier Scherz zum Plotzkoinmandanten ernannt. Ferner ist für zwei Kompagnie« M.u ichdereitschaft angeordnet worden. Parts, 7. Januar. Das Kabel, welche» Frankreich m't DL-r-mirk und Rußland verbindet, ist in der Nordsee gebrechen. Vrtepmsten. Bei Anfragen bltten wir die SdonnemenIS-Outttana drtzufBgeee vrteiüch» Antwort wird ntckr ertheilfi Krandenbnrg. Ihre Stretkadrechnuug kann nur«lg etöff"'I'ftlf fimr. verantwortltcher Redakteur: Em» Laake m»erlm Druck und Verlag von Mar Afdlttg w Ber m. bW., BeuaHslras« X.