l-Sde. tlin« Jnein 'oftno, stftud ab!»- itlnfi II MM der 'f«r vfen/ ver- ilung , er- lählt. ieder son- ' zu h eres zu ltun- tglie- : ,» Zaale Mi r. 72 NM z'zu Zeder »ern. Ar. k« Sommd-nd. de» 22. März 1890. 7. Jahrg. Organ für die Interessen der Arbeiter. liner irtell .Berliner Volksblatt" und Festtagen. MomicmentSpreiS Jnsertiousgebühr beträgt für die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlunaS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin Sw., Zimmcrstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureanr, ohne Erhöhung dcS Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nc T Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4106. ilhr Nachmittags, an NrvsKtton: Venthstvntzv S.— Expedition: �itninerüentze 44. �oioteieiti�iitldkiiD. »uf f""1 �uartalswechsel eröffnen wir ein neues Abonnement H��i�-Berliner Volksblatt" mit dem„Sonntagsblatt" als die bevorstehende Neichstagssession erlauben wir uns «ina r aufn,er�am zu machen, daß das„Berliner Volksblatt" die ��"dsten. sachlichsten und ausführlichsten Parlamentsberichte �erk? dem regen Interesse, welches allerseits den kommenden � Handlungen im Reichstage dargebracht wird, ist es für Jeden, fttukf politischen Vorgänge vom sozialdemokratischen Stand u. QuS unterrichtet sein will, geboten, das einzige, täglich er "tende Älrbeiterörgan der Neichshauptstadt zu halten. bk.. unseres Blattes ist so beinesse», daß Jeder dasselbe ™ kann. U-'s» Blatt kostet frei lttS KttUS I Surf 10 Wanii ittonat und 88 Pfennig pro Woche. Durch die Post bezogen von jetzt ab nur 3 Mark 80 Pf. Quartal(eingetragen in der Postzeitungsliste sür 1800 unter V. Nachtrag). � Unsere geehrten Postabonnenten bitten wir, das Abonnement �>tzeitig zu erneuern, damit keine Verzögerung in der Lieferung antritt. �asttio« und Erprdition>«„Krrlinrr VolKoblatt" Die Gelrhichke des Btrdeiksksges. gj.s.�e Arbeitszeit der Handarbeiterklasse hat bereits ihre (ew1**® ltn� 3Iüar bildet sie ein recht interessantes und dies Kapitel; wie ein rother Faden zieht sich durch beschichte die Tendenz der Unternehmerbestrebungen, Arbeiter die volle Zeit seines Lebens an die Werk- n.. Zu fesseln. Auf Seite der Arbeiter macht sich das .»enthdUge Bestreben geltend; sie wollen der Arbeit nur q.,! bestimmte, beschränkte Sttindenzahl des Tages und � � uicht alle Tage der Woche widmen. Sie wollen in Lob � Tagen so viel verdienen, um von dem erhaltenen Tt-l? � stanze Woche leben zu können. In dieser � aangnahme der Arbeiter gegenüber der Forderung der Iseuillekon. "u-k«erboien.Z_[14 Der Mord auf dem Salle. Aus dem Leben einer Kreisstadt. Von I. S. Panow. »lt«xT � der Angeklagte, Edelmann Nikander Jtschalow, % Zahre, schuldig... lufn, 1 dem Worte Jtschalow zuckte jemand neben mir M}e>i. Ich sah mich tlM... Anna Dmitrijewna hatte hob uut völlig verändertem Gesicht von ihrem Stuhl er- Jr unbestimmt in die Ferne und zitterte am Was? Sie beschuldigen ihn? frug sie mich. ®'e nid)t' �en®ie �ren, sagte ich Obmann der Geschworenen las die erste Frage zn d»k L""? machte dann eine Pause um zu erkennen zu geben, B Hr die Antwort folge. °rsak!� Dmitrijewna hatte mich so heftig bei der Hand � daß ich wankte. xch sah sie abermals an. %t.'• hatte das Haupt an meine Schulter gelehnt und ' wie es schien, ganz Ohr. �wörönen'" � schuldig! lautete das Verdikt der Ge- llürei,�" diesen Worten schrie.Fräulein Bobrow "''b in einem sank be- Unternehmer ist schon bei der Arbeiterschaft, bewußt oder unbewußt, die philosophische Erkenntniß wirksam,„da'' der Mensch nicht lebt, um zu arbeiten, sondern arbeiten um zn leben." Im 5kanipfe um den Arbeitstag haben sich im Laufe der Jahrhunderte zwei einander entgegengesetzte Strö mungen geltend gemacht: zuerst griff der Staat ein, um durch Dekrete den Arbeiter zu größerer Arbeitsleistung resp. längerer Arbeitszeit zu zwingen, und seit Anfang dieses Jahrhunderts sind die staatlichen Gewalten daran, die Arbeitszeit zu reduziren. Die erste Verfügung betreffs Verlängerung der Ar beitszeit, das sogenannte Arbeiter st atut, wurde 1349 vom König Eduard III. von England erlassen Anderthalb hundert Jahre später, 1496, wiederholte Heinrich VIII. den Erlaß. Nach demselben sollte der Arbeitstag für alle Handiverker und Ackerbauarbeiter vom März bis September dauern von 5 Uhr Morgens bis zwischen 7 und 8 Uhr Abends; aber die Stunden für Mahlzeiten wurden festgestellt auf 1 Stunde für Früh stück, V'i Stunden sür Mittagessen und Stunde für Vieruhrbrod. Im Winter sollte gearbeitet werden von 5 Uhr Morgens bis zum Dunkeln, mit denselben Unter: brechungen. Ein Statut der Elisabeth von 1562 für alle Arbeiter,„gedungen für Lohn per Tag oder Woche", läßt die Länge des Arbeitstages unberührt, sucht aber die Zwischenräume zu beschränken auf 2'/» Stunden für den Sommer und 9 Stunden für den Winter. Das Mittags- essen soll nur 1 Stunde dauern und der„Nachmittag! schlaf von einer halben Stunde" nur zwischen Mitte Mi und Mitte August erlaubt sein. Für jede Stunde Ab Wesenheit soll 1 d(etwa 10 Pfg.) vom Lohne abge zogen werden. Karl Marx bemerkt im„Kapital", den: wir die geschichtlichen Daten entnehmen,„daß in der Praxis jedoch das Verhältniß den Arbeitern viel günstiger war als im Statutenbuch". Noch während des größten Theiles des 18. Jahrhunderts bis zur Epoche der großen Industrie, war es dem Kapital in England nicht gelungen, durch Zahlung des wöchentlichen Werths der Arbeitskraft sich der ganzen Woche des Arbeiters— Ausnahme bilden jedoch die Agriknlturarbeiter— zu bemächtigen. Der Umstand,, daß sie eine ganze Woche mit dem Lohn von Tagen leben konnten, schien den Arbeitern kein hin- reichender Grund, auch die anderen zwei Tage für den Kapitalisten zu arbeiten. Eine Seite der englischen Oekonomen denunzirte im Dienst des Kapitals diesen Eigensinn aufs wüthendste, eine andere Seite vertheidigte die Arbeiter. Die Art und Weise, wie damals die Anwälte des Kapitals dessen Interessen vertheidigten, ist heute immer noch in praktischer Hebung. Die Landarbeiter, die zu (U — Endlich! ertönte eine klangvolle Stimme, welche alle erbeben machte. Jtschalow hatte dieses Wort gesprochen. Der Vorsitzende erklärte die Sitzung sür unterbrochen, bis die Person entfernt sei, welcher unwohl geworden. In diescin Sinne ertheilte er dem Huissier einen Befehl. Die Geschworenen hatten sich wieder in das Berathungs zimmer zurückgezogen. In diesem Augenblick erholte sich Fräulein Bobrow wieder, und von ihrem Stuhl sich erhebend, schritt sie auf die kleine Scheidewand zn, welche den Zuschauerraum vom Gerichtsraum trennte. Ihr Haar hatte sich aufgelöst und fiel in langen schwarzen Wellen ans die Schultern herab. — Um Gotteswillen halten Sie! Halten Sie ein! rief sie mit schwacher, aber vernehmlicher Stimme. Ich bin schuld, nicht er. Hören Sie mich an... ich habe Helene Rus- lanow crmördct! Und indem sie dann ans die Kniee sank und wie um Gnade flehend beide Arme erhob, sprach sie, zu Jtschalow gewendet: — Verzeihen Sie mir meinen Kleinmnth... verzeihen Sie mir meine Feigheit, Jtschalow! Ein ebensolcher Schrei wie das erste Mal schloß ihre Worte; sie stürzte auf den Boden nieder. Alles dies ging in einigen Sekunden vor sich. Der Vorsitzende ließ die Geschworenen abtreten. sFränlein Bobrow wurde auf sein Geheiß hinausgetragen; sie war bewußtlos. Man trug sie in eines der Kanzleizimmer. Ein Arzt jener Zeit bereits die sechs vollen Wochentage ar- beiteten, wurden als die Glücklichsten unter den Arbeitern gepriesen. Worin ihre Glück- lichkeit bestand, sagte derselbe Verfasser im gleichen Werke. Er erzählt nämlich darüber,„daß ihre Arbeitskräste stets auf das Aeußerste angespannt sind und sie nicht schlechter leben noch härter arbeiten können, als sie es thun." Die Manufakturarbeiter bezeichnete er in seiner Wuth als Manufakturpöbel und fügt dann weiter hinzu: „Es ist außerordentlich gefährlich, rnobs in einem kommerziellen Staat wie dem unseligen zu ermuthigen, wo vielleicht 7 Theile von den 8 der Gesanimtbevölkerung Leute mit wenig oder keinem Eigenthum sind.. Die Kur wird nicht vollständig sein, bis unsere industriellen Armen sich bescheiden, 6 Tage für dieselbe Summe zu arbeiten, die sie nun in 4 Tagen verdienen. Zu diesem Zwecke, wie zur „Ausrottung der Faullenzerei, Ausschweifung und roman- tischen Freiheitsduselei", dito„zur Minderung der Armen- taxe, Förderung des Geistes der Industrie und Herab- drückuna des Preises in den Manufakturen", schlägt unser treuer Eckart des Kapitals das probate Mittel vor, solche Arbeiter, die der öffentlichen Wohlthätigkeit anheimfallen, in einem Wort, Paupers, einzusperren in ein„ideales Arbeitshaus."„Ein solches Haus muß zu einem Hause des Schreckens gemacht werden. In diesem Hause des Schreckens, diesem Ideal von einem Werkhause, soll ge- arbeitet werden 14 Stunden täglich mit Einbegriff jedoch der passenden Mahlzeiten, so daß volle 13 Arbeitsstunden übrig bleiben." Zwölf Arbeitsstunden täglich im„Jdeal-Werkhause". im Hause des Schreckens von 1770! Dreiundsechzig Jahre später, 1833, als das englische Parlament in vier Fabrikszweigen den Arbeitstag für Kinder von 13 bis 18 Jahren auf 12 volle Arbeitsstunden herabsetzte, schien der jüngste Tag der englischen Industrie angebrochen! 1852, als L. Bonaparte bürgerlich Fuß zu fassen suchte durch Rütteln am gesetzlichen Arbeitstag, schrie das französische Arbeitervolk aus einem Munde:„Das Gesetz, das den Arbeitstag auf 12 Stunden verkürzt, ist das einzige Gut, das uns von der Gesetzgebung der Republik blieb." Das„Haus des Schreckens" für Paupers, wovon die Kapitalsseele 1770 noch träumte, erhob sich wenige Jahre später als riesiges„Arbeitshaus" sür die Manu- sakturarbeiter selbst. Es hieß Fabrik; das Ideal erblaßte diesmal vor der Wirklichkeit! Es war also den Unternehmern in kurzer Zeit ge- ungen, die Arbeitszeit ins Maßlose zu verlängern. Allein die Arbeiter ließen sich die Verschlechterung ihrer Lage nicht lange gefallen und sie begannen, dagegen Widerstand zu bieten. Sie wandten sich an das Parlament, das denn in der That von 1802 bis 1833 fünf Arbeitsakte war um sie beschäftigt, und eS gelang ihm, sie wieder zum Bewußtsein zu bringen. Durch einen seltsamen Zufall war dieser Arzt Doktor Tarchow. Das erfreute mich besonders, weil Tarchow Haus- arzt der Familie Bobrow war und über den Geisteszustand des FräuleinS Bobrow ein verläßlicheres Gutachten abgeben konnte als irgend ein anderer seiner Kollegen. Nachdem sich alle einigermaßen beruhigt hatten, beauf- tragte der Vorsitzende den Sekretär, die Aussagen des Fräu- leins Bobrow zu Protokoll zu nehmen. Dann wandte er su.—<... /yi'' -—------(J' V»» Q4*»iVl/illt-U* (ich an den Staatsanwalts mit der Bitte.>eine Meinung über Bobrow vorgebrachten �»*»»V VW K die von Fräulein Anna Dmitrijewna Aeußerungen kund zu geben. Der Staatsanwalt schlug dem Gerichtshof vor, die Verhandlung abzubrechen, da er es für unumgänglich nöthig hielt, zu erforschen, inwieweit die Aussage des Fräu- leins Bobrow richtig sein konnte. Bevor der Gerichtshof noch seinen Beschluß fassen konnte, bat Jtschalow um's Wort. Vor einigen Minuten, meine Herren Richter, sagte ... � r! f- �*- —»uuiueu, jucinc Herren Richter, sagte ich Ihnen, daß ich blos ein Wort zu sprechen brauchte, um gerechtfertigt zu sein. Dieses Wort hat statt mir eine andere Person gesprochen. Ich schätze mich glücklich, daß ich SurA«.-in----- der wahrt,- vu. WUWl VUUIUU IU kräftige die eben erst vor Ihnen gesprochenen Worte: bin unschuldig! — Angeklagter Jtschalow? bewerkte der Vorsitzende. Wenn Sie wirklich an dem Mordr unschuldig sind.,, 34 erließ, die inbefj in der Praxis kaum durchgeführt wurde» Das Gesetz von 1833 erklärt, daß der Arbeitstag um halb C Uhr Morgens beginnen und halb 9 Uhr Abends endigen solle. Innerhalb dieser Zeit dursten Kinder zwischen 13 und 18 Jahren 12 Stunden täglich beschäftigt werden, Kinder von 9 bis 13 Jahren durften täglich 8 Stunden lang abgerackert werden. Durch das Gesetz vom 10. September 1844 wurde für die Arbeiterinnen über 18 Jahre die tägliche Arbeitszeit auf 12 Stunden festgesetzt; die Arbeitszeit von Kindern unter 13 Jahren wurde auf 6-' und unter gewissen Bedingungen 7 Stunden täglich reduzirt. Durch das Gesetz vom 8. Juni 1847 wurde der Arbeitstag für junge Personen(von 13 bis 18 Jahren) und aller Arbeiterinnen auf 11 Stunden und am 1. Mai 1848 auf 10 Stunden beschränkt und die Ätachtarbeit für Arbeiterinnen verboten. Durch das Gesetz vom 5. August 1850 wurde der Arbeitstag für junge Personen und Frauenzimmer in den ersten 5 Wochentagen von 10 auf lOi/a Stunden erhöht, für den Sonnabend auf 7'/a Stunden reduzirt. Unter letzteres Gesetz wurden in den folgenden Jahren, 1860, 1861 und 1864, eine Reihe von Gewerben gestellt, die bis dahin schrankenlos betrieben werden konnten. In der Folge wurde das Gesetz auch auf die Gewerbe und bis zu einem gewissen Grade aus die Hausindustrie ausgedehnt. Durch das Gesetz vom 27. Mai 1878 ist endlich die ganze Gesetzes- arbeit vereinfacht und kodifizirt worden. In der Schweiz wurde durch das Bundesgesetz von« 23. März 1877 der 11 stündige Normal-(Maxinml-) Arbeitstag, das Verbot der Sonntagsarbeit(wie in Eng- land) und die Bestimmung eingeführt, daß Kinder unter 14 Jahren nicht in Fabriken arbeiten dürfen. In Oesterreich besteht seit dem 11. Juni 1885 der 11 st ü u d i g e N o r m a l a r b e i t s t a g für Fabriken, das Verbot der Sonntagsarbeit und die achtstündige Tages- arbeit für Kinder von 12 Jahren an. Die oben erwähnten englischen Arbeiterstatuten aus dem 14.,� 15. und 16, Jahrhundert bestanden in ziemlich gleicher Fassung in damaliger Zeit auch in Frankreich und den Niederlanden. In neuerer Zeit datirt die fr an- zösische Arbeiterschutz-Gesetzgebung von 1841 an. In diesem Jahre wurde durch Fabrikgesetz die tägliche Arbeitszeit für Kinder von 8 bis 12 Jahren auf S Stunden und für die von 12 bis IG Jahren auf zwölf Stunden pro Tag festgesetzt. Das Gesetz von 1848, das den 12 stündigen Arbeitstag für Fabrik und Werkstatt fest- setzte, blieb wie jenes auf dem Papier. Durch Gesetz von 1874 wird für gewisse Industriezweige die Arbeit von Kindern unter 12 Jahren und für Kinder unter 10 Jahren überhaupt verboten. Der Arbeitstag der Kinder von' 10 bis 12 Jahren ist mit 6 Stunden, der der jungen Per- sonen von 12 bis 16 Jahren mit 12 Stunden bestimmt. In den Vereinigten Staaten ist von den meisten Staaten ein 10 stündiger Arbeitstag für die ge- schützten Personen festgesetzt und die Kinderarbeit unter 13 resp. 12 und 10 Jahren verboten. _ In Deutschland, das nach der kapitalistischen Presse die größte Sozialreform ausweist, sind nur 5kinder von 12 bis 14 Jahren und„junge Leute"(von 14 bis 16 Jahren) geschützt. Für erste?« beträgt die tägliche Arbeitszeit 6 Stunden, für letztere 10; wenn sie noch schulpflichtig sind, ebenfalls 6. Für die Kinder unter 12 Jahren ist die Arbeit in den Fabriken verboten. Die zur Zeit in allen industriellen Ländern gleich mächtig vorwärts drängende Bewegung zur möglichst tiefen Reduktion der täglichen Arbeitszeit und die gegenwärtige im Vordergrunde der Arbeiterdisknssionen stehende Forde- rung des Achtstundentages lassen erwarten, daß es in den nächsten Jahren in der Frage der Arbeitszeit für das arbeitende Volk besser werden wird. Vielleicht interessirt es einen Theil unserer Leser, wenn wir zwei Kund- gebungen für den achtstündigen Arbeitstag hierhersetzen, die aus dem Jahre 1866 herrühren. dann sind Sie jedenfalls verkettet mit dieser entsetzlichen That, welche weiter untersucht werden muß. Einige Minuten später wurde der Beschluß des Gerichts- Hofes über die Einstellung der Verhandlung auf Veran- lassung des Staatsanwalts verkündet. Am folgenden Tage erhielt ich den Auftrag, die Unter- suchung anfs neue zu veginuen. Zweiter Theil. Da» wahre Gerich». I. Das Verhör des Fräulein Bobrow. Noch einmal lag es mir ob, die verschlungenen Fäden dieses ungewöhnlichen Verbrechens zu entwirren.. War Fräulein Bobrow wirklich schuldig, und in welchem Maße, oder hatten sich für sie irgendwelche unglückliche Umstände derart vereint, daß sie sie zwangen, die Schuld aus sich zu nehmen?... Dies mußte vor Allem durch die Untersuchung klar gestellt werden. � Die Klarheit der gegen Jtschalow vorliegenden Beweise ließ keinen Zweifel daran zu, daß er sich an dein Verbrechen betheiligt hatte; darum mußte ich bei der Untersuchung von Fräulein Bobrow selbst Beweise dafür verlangen, daß nicht Jtschaloiv Fräulein Rnslanow ermordet hatte, sondern, daß sie die Mörderin war. Entgegen der gewöhnlichen Ordnung, wonach vom Angeklagten Beweise seiner Unschuld gefordert werden, handelte es sich im gegenwärtigen Falle darum, von Fräulein Bobrow den Beweis zn verlange», daß sie schuldig sei. Befand sie sich in normalem Geisteszustand, als sie ihr ungewöhnliches Bekeniltniß ablegte? Wie konnte ein junges Mädchen aus guter Familie sich zn einem solchen Verbrechen entschließen? Wie konnte sie es inmitten einer so zahl- reichen Gesellschaft ausführen und die Sache so geschickt ver- bergen, daß bis zn ihrem eigenen Bel'enntniß nicht der ge- ringst« Verdacht auf sie fallen konnte? Wird sie beim Verhör ihr Bekenntniß bestätigen? Wer den üe nicht etwa beide leugnen? Am IC. August 18CC beschloß der Mgemelne Ar- beiterkongreß zu Baltimore folgende Resolution: „Das erste und große Erheischniß der Gegenwart um die Arbeit dieses Landes von der kapitalistischen Sklaverei zu befreien, ist der Erlaß eines Gesetzes, wodurch 8 Stunden den Normalarbeitstag in allen Staaten der Union bilden sollen. Wir sind entschlossen, alle unsere Macht aufzu- bieten, bis dieses glorreiche Resultat erreicht ist". Anfang September 1866 beschloß der„Internationale Arbeiter- kongreß" zn Genf auf Vorschlag des Londoner General- raths:„Wir erklären die Beschränkung des Arbeitstags für eine vorläufige Bedingung, ohne welche alle anderen Bestrebungen nach Emanzipation scheitern müssen... Wir schlagen 8 Arbeitsstunden als legale Schranke des Arbeitstags vor." Norvelpondonzen: Nitmliurg, 19. März. Die Lohnbewegung der hiesigen Zlrbeiterkorporationen scheinl sich auch nach überstcmdenem Winter in bescheidenen Grenzen halten zu wollen. Der Streik der Schiffs- Zimmerer ging während der Wahlbewegung still zu Ende. Ein Gleiches ist von dem langdauernden Streik der hiesigen Töpfer und von dem Zlusschlnp der Former und Kernmacher ist demnächst hoffentlich gleichfalls zu melden. Die Kaiarbeiter hatten eine von nahezu 30SkI s � ,?r entlassen worden seien, weil bei der ReichStagswahl >v°riT.?,• mokratische Stimmzettel angeblich von ihnen abgegeben rnirf, 1'%». wobei er, Meister, hinzufügte, daß es wohl nicht »ickr_"L Wünschen der tstegierung sein iverde,„speziell ivoht d?m bim Wunsche des Herrn Chefs der Admiralität. bei s,,? Wohlwollen, das er den dortigen Arbeitern stets habe zu- fahr.» 1 lasten." Herr v. Caprivi antwortete darauf, das Ver- "es Oberwerft-Direktors habe seine vollkommene Billigung iirnrk?• 3m weiteren Verlauf der Debatte trat dann der Ab- SZr'k Bebel dem Chef der Admiralität heftig ent- iiorfc' worauf dieser erwiderte:„Der Arbeitgeber hat iii> seiner Uebcrzeugung die Pflicht,— und so lange vw Ehre habe, an dieser Stelle zu stehen, werde de»?. ws» Pflicht festhalten—, daß auf den Werften unter ine.,*1™' mögen sie eine Gesinnimg haben, welche sie wollen, M keine sozialdemokratische Agitation um sich greift. i>i, is» abgesehen von den allgemeinen staatlichen Interessen sind .-„„'wersten militärische Institute, wo Soldaten und Arbeiter in- s..'wer übergreisen und häusig niit einander in Berührung 3wen' ond nach dem, was ich hier im Reichstag von jenen �nöenzen gehört habe, würde ich glauben müssen, daß es für Gruppen Gift wäre, ivenn diese Tendenzen in sie eindringen. ™ habe die Pflicht, die Truppen davon zu befreien." Der Zusammentritt des neuen Reichstags soll, wie idor»Nordd. Allg. Ztg." verlautet,' für Montag, den ' April, in Aussicht genommen sein. . Unsere mackeren Magdeburger Ge«»ossen haben in cr Stachwahl, wie unsere Leser schon wissen, glänzend ge- ' stzt. Bock-Gotha ist mit einer viel größeren Majorität im (Jiw'i Anlauf gewählt worden, als am 20. Februar Wollmar ~IC Sozialdemokratie hat 1297 Stimmen mehr auf ihren Kaw 'waten vereinigt, als bei der ersten Wahl abgegeben wurden. -die vereinigten �konservativen und Nationallibcralen haben "vtz beispielloser Anstreng, mg mir 461 Stimmen mehr �rausgxholt, und daS, obwohl in letzter Stunde noch der '�rühmte Hans Blum, der einstige„Student der uuver- Äußerlichen Menscheiirechte", zu Hilfe geholt worden war und was diese Hilfe werth war, geht aus folgender Aeußc- 'ung des H. Blum-r wir zitiren nach der„Magd. Ztg." � hervor: „Boulanger habe in seinem Prozeß zu seiner Rechtfertigung ausdrücklich angeführt, daß er„deutsche Sozialdemokraten" in seine Dienste genommen und diesen jene Summen gezahlt habe, wegen welcher er der Unterschlagiing angeklagt war. Boulanger hat weiter ausgeführt, daß dies geschehen sei, damit, wenn er an Deutschland den Krieg erklärt habe, die deutsche Sozialdemokratie nach dem Abmarsch der deutschen Heere hinter deren Mücken revoltire. An wen sich aber der französische General werde gewandt haben, ließe sich leicht errathen; jedenfalls nicht an unbekannte Anhänger der Sozialdemokratie." Auf diese niederträchtige Verdächtigung gicbt daS Wahl- skgcbniß die genügende Antwort. Der kartelllüsterne Magde- ,'urger Freisinn hat nicht weniger als 1279 Stimmen ver- wren. Wenn ihn etwas über dm verdienten Stimnien- fückgang trösten kann, so ist es die Prophctengabe seines "andidaten, der sich selber einen Durchfall in Aussicht stellte. »Tu ahnungsvoller Engel, Du!" .„Ein schlechter Anfang", so betitelt der in Rom er- Icheinende„Messagero" einen Leitartikel, der die Wahl der von Seiten der italienischen Regierung abgesandten Depu- "kten zur Berliner internationalen Arbeiterkonferenz einer Insten Kritik unterzieht. Es heißt-:„Wir haben eine» Senator, �nen Abgeordneten und einen Komtbur gewählt. Der Senator Boccardo hat eine Reihe dickleibiger Bände ökoiio- üiisch-politischen Inhalts geschrieben oder vielmehr zusammen- stsstellt, in denen höchst gelehrt über die Art und Weise �'Aulirt wird, wie man die erborgten Millionen der engli- •chen und französischen Banken anlegen und verwalten soll. Aber über die Bedürfnisse und Rechte der arbeitenden fassen zu reden, ist der Senator Boccardo mit seinem sauber stistrten Haupthaar und seiner vornehmen Wohlbeleibtheit Ernst wohl nicht im Stande.— Der Abgeordnete Ellena sti eben der Abgeordnete Ellena. Die Dienste, welche er den Arbeitern erwiesen hat, als er Generaldirektor des Zollamts war, sind kaum derart, um ihn gerade als den Mann zu ''zeichnen, der insbesondere die sozialistischen Reformvorschläge Und Berathungen erfassen wiro. Schließlich der Konithur Bodio, ein Mann von guter �ildung und beachtenswerthem Verstand; er ist die leben- 'igste Repräsentation eines der größten unserer modernen klebcl, nämlich der Statistik, jene unausrottbare Krankheit, 'w alljährlich eine stattliche Anzahl Bücher drucken läßt, Natürlich auf Kosten des Staates, und die mit den Kolonnen 'on Zahlen, mit dem Heere ihrer statistischen Hilfsarbeiter dem Staate theurer zu stehen kommt, als die ganze Statistik Werth ist.— Wenn die Vertretenvahlen überall so glücklich wären, wie in Italien, so könnte man z» dem Glauben kommen, daß die Berliner Konferenz keinen anderen Zweck und kein anderes Ziel hat, als alle wortreiche VerHand- umgen über soziale Fragen und Reformen, die schließlich den Steuerzahlenden ein paar Millionen mehr aus der Tasche holen und diejenigen verhungern lassen, um deren Wohl die längsten Reden gehalten werden. Aber wir wollen vorläufig mit dieser Konferenz ernst nehmen. Es ist das klassische Land des Sozialismus, es ist das Land, wo die Arbeiterfrage in ein kritisch-gelehrteS Stadium getreten ist, fö ist Deutschland, welches diese Konserenz berufen hat.— Wenn nun unsere Deputirten über die Arbeiterverhältmsse Jtalieus reden sollen, so weiden sie von der Regierung ge- siegelte und gestempelte Berichte geben, in denen es heißt, daß das Land in Wohlhabenheit und Ucberfluß schwimmt!" — So bitter diese Kritik ist, so kann sie doch auch von den Vertretern anderer Länder auf der Berliner Konserenz gelten De« AtttiiVmittamna als Heilmittel gegen die Sozial- demokratie sucht wieder einmal die„Kreuzztg." zu empfehlen Sic schreibt: „In verschiedenen Wahlkreisen haben die Sozialdemokraten, zum Theil ivenigstens, in der Stichwahl für antisemitische Kan didateu gestimmt. Anderswo ist der sozialdemokratische Kan didat nur deshalb mit so großer Mehrheit gewählt worden weil man den Antisemiten durch alle möglichen Mittel veran laßt hatte, zurückzutreten. Wir führen dies an, weil es aufs neue varthut, daß ein großer Theil der Wähler dem Triebsande gleicht, der von dem Sturm des allgemeinen Stimmrechts bald hierhin, bald dahin getrieben wird;' dieser Triebsand läßt sich ober befestigen, wenn eine kraftvolle, zielbewußte Leitung da ist, nach der die Massen ein schreiendes Verlangen haben. Un zählige, die für eine christlich-monarchische Sozialpolitik leicht gewonnen werden könnten, haben am 20. Februar für den �Kandidaten der Unzufriedenheit" blos deshalb gestimmt, weil sie selber unzufrieden waren, sich von tiefem Mißbehagen er griffen fühlten, von einem Mißbehagen, welches vielfach über das Gefühl des Persönlichen weit hinausging." Das: die Sozialdemokraten in der Stichwahl auch nur zum Theil für antisemitische Kandidaten gestimmt haben, ist nicht ivahr. Der„Kreuzztg." dürfte es schwer fallen, aus der Wahlstatistik auch nur ein derartiges Vorrommniß heraus zu beweisen. Mehr Recht hat sie dagegen, wenn sie sagt, daß frühere antisemitische Stimmen bei der letzten Wahl zur Sozialdemokratie übergegangen seien. Für manche klein- bürgerliche Schichten mag in der That der Antisemitismus ein Durchgangspunkt zur Sozialdemokratie sein. Sind sie aber erst einmal Sozialdemokraten geworden, dann bleiben sie es auch. Sie haben erkannt, daß diejenigen, die den Kampf nur gegen die jüdische Ausbeutung richten, die christ liche damit nur schützen und verlängern wollen. Die So- zialdeniokratie ist die entschiedenste und mächtigste Gegnerin des Antisemitismus. Sie hat auch allein es vermocht, ihm in den hessischen Wahlkreisen, wo die bürgerlichen Parteien so ziemlich oie Waffen vor ihm gestreckt haben, mit Erfolg sein Terrain streitig zu machen. ?»» verirrt gemeldet.. graphischen Eingreifen Spullers gelungen zu sein, Delahaye von seiner Rücktrittsabsicht abzubringen. Im Abgrordnetenhause nahm am Donnerstag die fortgesetzte Berathung des Kultus et atS nach einer mehr- stünoigen sachlichen Debatte in der zweiten Hälfte der Sitzung ganz unerivartet einen ziemlich erregten Charakter an infolge einer Rede des Hofpredigers Stöcker, der seine Zeit wieder für gekommen hält und über die Ueberlastung der Gymnasien, höheren Töchter- und Volksschulen mit jüdischen Elementen Klage führte und die Einrichtung besonderer jüdischen Schulen wünschte. Herr Stöcker glaubte, von einer drohenden Verjndung der Schule sprechen zu dürfen und sprach den jüdischen Lehrern die Fähigkeit ab, den Geschichts- und Literaturunter- richt in christlichem und nationalem Sinne zu ertheilen. Der konservative Redner, dem seine Partetangehörigen die Zustimmung der ganzen konservativen Partei zu den Ausführungen zu er- kennen gaben, deutete im weiteren als das Ziel seiner Bestre- bungen ziemlich offen die Beseitigung der Gleickberechtigung der Juden an. Seine Äleußeruna, ohne den JubenLassalle und ohne den Juden Marx würde es in Deuts ch- land keineSozialdemokrätie geben, sei als Beweis ur die«inglaubliche sozialpolitische Unwissenheit des christlich- ozialen Führers besonders angeführt. Die freisinnigen Abae ordneten Knörcke und Rtckert wiesen dieses Vorgehen zurück, m- dem sie diese Intoleranz kennzeichneten. Sie wahrten den jndi- scheu Mitbürgern das Recht, ihrem Bildungstrieb Genüge zu leisten, und betonten die üblen Folgen, welche derartige Hetzreden aus die Behandlung der jüdischen Kinder seitens ihrer Mit- schüler haben müßten. Auch Abg. Enneccerus(nl.) wollte das wissenschaftliche Streben der Inden in keiner Weise beschränkt wiffen. Knltnsminister von Goßler hielt es zunächst nicht für nöthig, sich über die Sache z» äußerti, trotzdem die Rede des Abg. Stöcker direkt an ihn gerichtet war, und erst auf die be sondere Aufforderung des Abgeordneten Rickert verstand er sich » einer Stellungnahme, in welcher er der von Stöcker vertretenen (lnffassung im Wesentlichen beitrat und nur mit Rücksicht auf die Undnrchführbarkeit der konfessionellen Trennung wegen der Orts- Verhältnisse keinen Anlaß zu dieser Maßregel sah. Die sonstigen Erörterungen bezogen sich auf die Reform des höheren Schul- ivesens, bei welcher die bekannten Ansichten für und gegen die Gleichberechtigung der Realgymnasien und Gymnasien nochmals zum Ausdruck kamen.— Freitag wurde die Berathung in dem- 'elben Stile fortgesetzt. Tftv Ämidrorath ertheilte in der am 20. d. M. unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Staats- sekretärs des Innern Dr. v. Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen, betreffend die Einrichtung von Grundbüchern, die Zustimmung. Der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen über die Kosten in Grund- buchsachen, der Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung von Bestimmungen des Strafgesehbnchs und die Vorlage, betreffend die Volkszählung von 1800, wurden den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathnng überwiesen. Endlich wurde über die geschäft- liche Behandlung mehrerer Eingaben Beschluß gefaßt. Für eine Beschränkung de« Reichotags-Wahlrechke« tritt jetzt die amtliche„Leipz. Ztg." in dem Sinne ein, daß ein mehrjähriger Ortsanfenthatt als Bedingung der Wahlberechtigung eingeführt werden möge. Irgend welche höheren Gesichtspunkte liegen dieser Forderung selbstverständlich nicht zu Grunde, das Organ der sächsischen Regierung giebt vielmehr offen zu, daß es 'ich bei diesem Antrage mir darum handelt, die Zahl der oppo- itionellen Wähler möglichst einzuschränken. Der Artikel schließt init der Bemerkung, daß man sich wohl bewußt sei, daß gegen- wärtig ein solcher Vorschlag keine Aussicht auf Erfolg habe, aber auch die Tage der jetzigen Reichstagsmajorität würden gezählt sein. Man wird gut thun, derartige offene Kundgebungen nicht zu vergessen. Ein Wurm, der nicht sterben will. Man wird sich erinnern, daß der Abgeordnete Liebknecht vorigen Sommer, als er zum Arbeiterkongreß nach Paris fuhr— also Anfangs Juli des vergangenen Jahres— in Frank- urt am Riain polizeilich angehalten wurde, obgleich er eine Ankunft brieflich angemeldet hatte. Er sollte einen Bannbruch verübt haben— das Frankfurter Belagerungsgebiet ist ihm nämlich durch Answeisung verschlossen—, und ein Prozeß wurde dem Uebelthäter in Aussicht gestellt. Einige Monate später kam auch die amtliche Mitthcilung, daß das Prozeßverfahren eröffnet sei. Dann blieb aber alles mänschenstill bis vergangenen Dienstag, wo Liebknecht für den 18. April d. I. eine Vorladung vor das Land- gericht Frankfurt erhielt. Er ist angeklagt,„am 1. Juli sich an einem Ort, an welche,» ihm der Ausenthalt versagt war, aufgehalten zu haben. Vergehen gegen§ 28 Nr. 3 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878." Aus dem Waldeubttt'set' DohIeumZev(10. Schlcsischen Wahlkreis). Noch immer finden Vernehmungen und Verurthei- lnngcn auZ Anlaß der während des vorjährigen Streiks be- gangeuen Hermsdorfcr Ausschreitungen statt. Es wird alles Mögliche aufgegriffen, was zur Vcrurthcilung von Personen führen könnte, so daß sogar von Gerichtspersonen versichert: wurde, daß dieser Eifer der Polizei Befremden erregen könnte. Wir dürsten, daß jetzt, nachdem so unendlich viel Verurtheilungen (300 Jahre Zuchthaus sind überschritten) in dieser Sache statt- gefunden, es ein Ende haben könnte. Hunderte von Familien sind dadnrch ihres Ernährers beraubt worden und bittere Roth harrt ihrer. Dem Einsender liegen weitere Anklagen ganzer Gruppen vor, welche in nächster Zeit abgeurtheilt werden. 15 Personen sind es in der Regel, welche unter Anklage kommen. — Ans Anlaß der Wahlen erfolgen auch im hiesigen Kreise Ar- beiterentlasknngen. Sogar freisinnige Geschäfte entblöden sich nicht, Arbeiter zu entlajsen, trotzdem wir dieser Partei zum Siege verholfen. Natürlich werden andere Gründe vorgeschützt— Ar- beitsmangel:c. Sollte mit weiteren Entlassungen fortgefahren iverden, dann werde ich in meinem nächsten Bericht den Namen des Geschäftes nennen. Daß natürlich auch konservative Firmen nicht zurückbleiben, ist selbstverständlich. Ein Arbeiter, welcher einen Kameraden fragte: Wie hat Dir das Websky-Bier ge- schmeckt, wurde entlassen, nachdem er sich 20 Jahre der Firma gewidmete und alt und grau geworden war. An« Zeipiig. den 20. März, wird uns geschrieben: Der mehrfach genannte Schriftsetzer Reinsdorf, welcher vergangenes Jahr seine kranke Frau zur Kur aus Amerika nach Deutschland brachte, und wegen Verbreitung verbotener Schriften(er hatte an Bekannte ein paar Kreuzbänder aus Amerika herüber geschickt) in Leipzig zu einer mehrmonat- liehen Gefängnißstrafe verurtheilt wurde, ist, obgleich seine Strafe noch nicht ganz abgelaufen, vorgestern— wie Sie bereits gemeldet haben— aus dem Leipziger Banngebiete ans- gewiesen wurden— und zwar auf Grund des Sozialisten- gesetzes. Als neulich eine Ausweisung aus Berlin er- folgte, beeilten sich die Behörden festzustellen, daß die Maß- reget nicht auf Grund des Sozialistengesetzes verhängt wor- den sei. Dieses Dementi war offenbar dem Gefühl ent- sprungen, daß die Verhängung von Ausweisungen in einem Moment, wo Alles darauf hindeutet, daß das Sozialisten- gesetz nicht wieder erneuert werden kann, unzweifelhaft als eine Härte erscheinen muß. Die sächsischen Behörden sind, trotz aller„Gemülhlichkeit" frei von solchen Sentimentali- täten— sie klammern sich an das Sozialistengesetz, so lange es noch besteht; und sie klammern sich sogar noch immer an die Hosfuiing, daß es ihnen gelingen werde, vie Vet- längernng und womöglich Verschärfung desselben zu er- wirken. Durch diesen Schimmer von Hoffnung werden sie ans ihrer Entdeckungsreise nach sozialdeniokratischen„Wahl- ausschreituugcn" gestärkt. Freilich, sie brauchen auch Stärkung. Bis dato haben sie nichts gefunden, nicht ein- mal den Verfasser der anonymen Ohrfeige, die einem Kartell-Schlepper-Stndenten in Connewitz verabreicht worden ist. Dafür hat man jedoch für ganz untergeordnete Dinge, an die unter normalen Verhältnissen kein Mensch denkt, die aber nach einem Wahldurchfall in dem Durchgefallenen peinliche Erinnerungen wecken, polizeiliche Strafmandate unter der elastischen Firma des groben Unfugs an nahezu 150 Sozialdemokraten geschickt. Strafe muß sind. Kachsett. Die Bewegung zu Gunsten der Verkürzung der Arbeitszeit beginnt auch bei uns sich kräftiger zu regen. So wird in Würzen am 1. Mai die Abhaltung eines Volksfestes ge- plant. In Dresden haben sich die Tischler mit der Frage: „Was soll am I.Mai geschehen?" besaßt. Auch wird das hiesige graphische Gewerbe zu Sonntag, den 24. d. M., im„Trianon" eine öffentliche Bersammlung abhalten, in welcher A. Schmidt- Berlin über„den Achtstundentag, sowie Stellungnahme zum I. Mai 1890" referirt. (Wir ersuchen alle Vorsteher von dm in dieser Angelegenheit abzuhaltenden öffentlichen Versammlungen, uns stets einen kurzen Bericht zu senden, dm wir dann unter einer besonderm Rubrik „Zur Achtstundm-Beivegung" veröffmtlichen werden. Red.) Gvoßbritannie». London, 20. März. Die Konferenz der Grubenbesitzer mit dm Delegirten der ausständigen Grubmarbeiter hat heute in Westminster stattgefunden. In derselbm wurde eine Einigung erzielt. Die Grubenbesitzer boten den Delegirtm eine Lohner- höhung von 5 pCt. jetzt und eine gleiche Lohnerhöhung am 1. August. Die Delegirten nahmen diesen Vorschlag an und wird die Arbeit nunmehr sofort wieder ausgenommen werden. London, 20, März. Nach einer Meldung des„Neuteckschm Bureaus" aus Alexandrien vom 20. März wird Stanley am 7. April nach Brindisi abreisen. Der Arbeitsberichterstatter des Handelsamts in Lon- don hat einen Bericht über die Vereine der gelernten(skilled) Arbeiter eingereicht. Nach dm Mittheilungen von 23 Gewerk- vereinen, welche den größten Theil dieser Arbeiter umfassen, zählten sie im Februar 221 001 Mitglieder, von denen 3190 ohne Arbeit waren. 83 Ausstände wurden während des Monats ge- zählt, 21 davon in der Textil-Jndnstrie, 21 in den verschiedenen Zweigen der Eisen-, Maschinen- und Schiffsbau-Jndustrie, 11 im Baugewerk, 4 im Kohlenhandel, 12 in Docks, der Rest in ver- fchiebenen Industrien, 18 Gewerkvcreine bezeichnen die Lage als ehr gut, 2 als gut und 3 als mäßig. Frankreich. Pari?, 20. März. Deputirtenlammer. Der Abgeordnete Turrel(Protektionist) beantragt die Regierung betreffs des fran- zösisch türkischen Handelsvertrages zu interpelliren. Deloncle (Freihändler) wünscht die Regierung betreffs der traurigen Lage Frankreichs bezüglich der alten Handelsverträge mit der Pforte zu interpelliren. Die Regierung«vird beide Interpellationen am Montag beantworten.— Die Wahlen Naquet's und Lorecm's wurden ohne Debatte für giltig erklärt. Sozialo Mtsborstchkc Die Kammmacher der Kröuer'sche» Kamurfabrik (Nachfolger Siegsried Sorauer), Küstriner Platz 9, haben ein- müthig ivegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. In ge- nannter Fabrik hat man seit zwei Monaten fünf Mal dm Lohn reduzirt, und zwar jetzt wieder um 20 pCt. Während ein Kamm- inacher früher bei 11— 12slündiger Arbeitszeit durchschnittlich 18 bis 20 M. wöchentlich verdiente, kann er bei dem jetzigen Lohn- satz nur 14—15 M. verdienen. Wer unser Gewerbe kennt, wird uns zugeben müssen, daß die Arbeit aufreibend und gesundheits- schädlich ist inid daß ferner unser Gewerbe nur ein Saison- gewerbe ist, also«vir im Sommer manchmal wöchentlich nur drei Tage arbeiten. Arbeitm, die wir für den niedrigen Akkordsatz nicht ausführen konnten, übertrug Herr Sorauer jugendlichen Ar- beitern, welchen er einen Lohn von 9— 10 M. wöchentlich giebt. Wir ersuchen nun alle Arbeiter, sich mit uns. solidarisch zu er- klären und Zuzug fernzuhalten.— Alle arbeitersreiindlichen Blätter werden um Abdruck des Borstehmden ersucht. Anfragen und Adressen sind zu richten an Karl Pruckner, Münchebergerstraße 27 vorn HI., bei Baumann Theater. Sonnabend, den W März. Gpernhauo. Keine Vorstellung. Kchaufpirlstauo. Keine Vorstellung. I Lesstng-Tstrater. Die Ehre. Krrüner Theater. Der Veilchen- � fresser. Deutsches Theater. Der Pfarrer von Kirchfeld. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Wallner- Theater. Der Jongleur. Dihtoria-Theater. Stanley in Afrika.| Ostend Theater. Der Fall Clvmen- ccau. NeNdenz-Theater. Marquife.. KeUralllanrc- Theater. Der Nautilus. Königstädtisch«» Theater. Maria Stuart. Central Theater. Ein sideles Haus.' Adolf Crnst> Theater. Der Gold- fuchs. Theater der N«ich»hallen. Speziali-, tätenvorstellung. ©eil*. Mjchter's UariStö. Spezialitäten-Vorstellung. 7mann's Uariötö. Spezialitäten- Vorstellung.____ Anierican-TIieater WD" Dresdenerstraste 55."#! Täglich Vorstellung. Circus Renz. Kail ft roste., Heute. Sonnabend, den 22. März 1890, Abend» 71/2 Uhr: 1 Gr. mijjerör&entl. VerMtW, JNW Kenefi? für den beliebten Komiker Ch. Godlewsky unter Mitwirkung von fämintlichei, Klowns. Der Benefiziant Godlewsky ,vird in 4 verschiedenen Entrees und Jnter- mezzos sich besonders auszeichnen. Debüt der Basuli, Eingeborne von Marubien, Ostafrika, hervorragendste Neger-Type, in ihren Waffentänzen ,c., sowie Austreten der vorzugl. Reltkünst- ter,nnen und»teitkünstler. 1 Die lustigen Heidelberger oder: Eis Studentenansflug mit Hindernisson. _ Greste Original-Pantoininle. Vorzügl. Tremplin-Springen, in welchem der Benefiziant sich besonders aus- zeichnen wird. Ein hippolog. Bot- pourri von 40 Freiheitspferden, vorgeführt von Herrn Franz Renz. Das Schulpferd The goM bird, engl. Vollblut, geritten von Frl. Elotilde Hager. 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Wir machen die Genossen ganz besonders auf die von uns verijfftntstch Geschäfte anstnerksam, und bitten dringend, genau darauf zu achten, da« Marke nicht erst beim kaufen eingeklebt wird. 312] Die Arbeiter-Kontrol-Kommission._ 0. Krahner, Jnvalidenstr. 105. 0- T N«.--- C. Howes, Andreasstr. 51. H. Aerisens, Prinzenstr. LS. F. Michelmann, Elsasserstr. 70. W. Kliem, Bernauerstr. 108. t. s E. Sarsch. Stralauerstr. 13—1*- L---- PW» E. Sarsch, Stralauerstr. JÄSÄKW1 0. Wirthschafter, Brunnenstr.�». Theodor Gerlach, Linienstr.»»- H. Geisler, Wilsnackerstr. 46. J. Stobey, Oranienstr. 170. 6. Knacke, Andreasstr. 24. C. Tepfer, Andreasstr. 77. E. Hunger, Badstr. 44. f,( 54, G. Schwaueberger, Greifswalderstr.» C. Schwanlkow, Jnvalidenstr. 2■ W. Hildebrandt, Schönhauser 31«« 0. Mühlberg, Biesenthalerstt. 1». L. Spiegel, Rosenthalerstr. 45. P. Grund, Brunnenstr. 135. E. Schmidt, Louisenstr. 45..na, H. Bodinius Nfg., Potsdamerstr. J. Kehr, Prinzenstr. 85. „ Dresdenerstr. 135. L. 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Theilzahlung nach Uebereinkunft. K.Pr. Lotterie. Ziehung l.Kl. 8. u. 9. April. Loose u. Antheile«mpfieh» M.Meyer's6(iiifjto(((H(, Srrlin 0., Koppenstrasse 66. Verantwortlicher Redakteur:(Gurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mae Kading in Berlin 8W„ Beuthstraße 2. fiUrju ein« Seilage. mit MM Nr. 69. Kmmabrni», de» AI. Mörz 1890. y. Jahrg. k.3 am SmittinnA q der Stadtverordneten- Uer «orberathung des Stadthaushaltsetats fii Won"" �'ttivoch Abend beendet. Der Etat der N&miot(u1-.1 Tiefbauverwaltung wurden in zweiter Lesung c"$iirdifi.„, � �rein Etat theilte der Magistrat mit, daß die �Pferarnhi! 9. Eharlottenstraße von der Stadtbahn bis zum k Puirfatt?, �"igegenstehenden Hindernisse beseitigt seien»ud mit Wonnen n,!.?9 des Katzengrabens voraussichtlich im April wird jm c n:®'e provisorische Pflasterung des StraßeuzugeS JürZ' i* des Sommers erfolgen.— Ter Etat der Hoch' astr. 9, I�verwal�""� vta«uiiim...___..W, Nöncit m 9'?"rde mit unwesentlichen Veränderungen ange " Ten er ,�trag, die für die vteubauten der 4. und ö ;n„ 9cr/c�1�e angesetzte Summe von 681 006 M. aus An Zli k!�""°dmrn, wurde abgelehnt. Man ging hierbei vo> J.-7 J1"3. daß, wenn es ohne eine größere Belastung m�..�?ch°st möglich sei, diese Summe aus de» Zachen r �'uaahmen bestritten werden solle. Genehmigt Ärio v die Einrichtung von elektrischer Beleuch- Haiion s �?thhauses im Anschluß an die Zentra- «flcitin,». y Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft und unter �IbbinfÄ b" bisherigen elektrischen Maschineneinrichtung des ku nn» r«. e Neuherstcllung des Bürgersaales, ferner der Neu on">--------- rrj,..r„_..„s fit. 81 lee 4. S von ew."'e pieuyeritcllung Des-ourgeriaaies. ferner ver ocru- Nnif*,!! Gemeindedoppelschulen und die Vergrößerung des Igt Acuhn,. y-mnafiuin9 durch Errichtung einer neuen Turnhalle, >au cit Volksbadeanstalt am Stralaucrplah 28, de- eine» Nestaurationsgebäudes an Stelle des alten Eier N Viuu; V2.niu;fciniy»v.. einer Volksbadeanstalt am Stralaucrplah 28, der 2 Nestaurationsgebäudes an Stelle deL alten Eier- !.?' der Neubau eines Verwaltungs- und Beamtcn-Wohn tapitaf. Gr das Krankenhaus in Moabit ic. Der Etat der u"d Schuldenvenvaltung wurde nach dem Entwurf ge fliaer»fTln dem Etat der Steuerverivaltung wurde die Mieths- (ine iv.?, 000 M. auf 1 300 000 M. erhöht. Hierbei wurde �»Nnli,? y II gefaßt, nach welcher die Stadtverordneten-Ver- tlata"3 den Magistrat ersuchen soll, bei Aufstellung des nächsten fc»l�'*01/02 eine weitere Ermäßigung der Miethssteuer für ««10 der Miethssteuer auch für das nächste Etatsjahr ausrecht "halten. Lrröerfes. Kampf tun« Dasein wird auch in den sogenannten r en Gewerben" immer heftiger. Die Juristen wissen trotz �altszwang und Vermehrung der Nichterstellen und verschie- LJ* anecrer Aemter, zu denen eine rechtswissenschastliche Vor- im»"sthig ist, nicht mehr wohin; gelehrte Schulmeister und fllologen giebt es so viel, daß sie nächstens den Volks- Py. v".» Konkurrenz machen werden; die Mediziner, deren »och kürzlich als der am wenigsten bedrängte bezeichnet bfoe, schreien jetzt Ach und Wehe über den Zuruckgang ihrer Mahmen infolge der großartigen Organisationen des Kranken- Jnnwesens und am vergangenen Mittwoch erhob der national- t ttale Pastor Lubrccht im preußischen Abgeordnetenhause seine (JjMe und warnte vor der theologischen Lausbahn, da man L f mit der wissenschaftlichsten Frömmigkeit heutzutage wenig lyncht habe, sich anständig durch die Welt zu schlagen. Diese ljitten Wehklagen der Herren Gottesgelahrten würden nun frei- am wenigsten geeignet sein, unser sozialistisch verhärtetes Herz im Zeichen; aber, was wahr ist. bleibt wahr: Es steht heute .f. Erwerbsleben mit der Wissenschast genau so, wie mit allen ,» Zweigen menschlichen Könnens; selbst der Tüchtigste ' Mühe und" 1■■ . un» Noth, seine Fähigkeiten zu veriverthe». !&2 werden ja viele, vielleicht die meisten dieser gelehrten (ct0nl" von einem freilich nicht immer ganz klaren 'Wir» 1*"ßtsein getragen, das ja auch dann seine sozialen Vor- bflt, wenn es sich aus den nöthigen großen Geldsack gründet. lUj'.bleses„Standesbewußtsein" schrumpft sofort bis zur Lächer- Ä?..zusammen, wenn ihm der nothwendiae Mammon fehlt. bezeichnend und auch für die weiteren Kreise der Bevölkerung �.�"iisiverlh ist das Ringen der Aerzte nach Verbesserung ihrer ie" rö Sehr richtig hatten sie erkannt, daß das nach Einführung Iümj �rbesreiheit nur mühsam erworbene Einkommen erheblich ■'■- S■"•—------ f-— «(»««/«»"Ml ltlUV|U«.-------------- L'chtfifr?,!!1 ,nuHe rbei ,ber gesetzlichen Organisation der Kränken- Kiderswny � fie Atzten dieser Einrichtung so entschiedenen �üt,j�°"b eutgegen, daß selbst im Reichstage der Minister von �™er üch lebhaft darüber beklagte. Dann erhielten fsie die sich lebhaft darüber beklagte. Dann erhielten fsie die �Iru'a,i0"" ihrer Aerztekammern, die außer einer deutlich Züi�Epbägten zünstlerischen Tendenz anderweite Erfolge nicht auf- w- ft" haben. Neuerdings hat abermals Schrecken die der i�mEhfn Kreise erfaßt, denn es wird immer klarer, daß nach fcL�fganisation der Krankenkassen auch eine Ausnahme der tx."uen j» ähnliche Krankenversicherungen nur noch eine Frage Sbpii, st' lLomit geht aber den Aerzten ein ganz erheblicher «t'hrer bisherigen Einnahmen verloren. Und nun bereits bei den Krankenkassen- Verivaltungen ein bi,°bn der Aerzte begonnen, das deutlich beiveist, was >>ni9?"öe beutige ärztliche Organisation werth ist; ein Arzt b.fjbtnetet den anderen bezüglich des Honorars für die Kranken- t�udlung. Also das freie Spiel der ärztliche» Kräfte in itenl' 1 Gntwickelung! Tie Kranken könnten sich ja darüber aber schließlich dürften die Aerzte dabei— wenigstens siit», Östlich— krank werden. Wohin soll nun solches Treiben lhuiS» Es können die nachtheiligen Folgen dieses Manchester- dies. 0� nicht ausbleiben und sehr beachtenswerth sind unter W Gesichtspunkte die Klagen, die kürzlich erhoben wurden, ker.,.� den erschwerte» Existenzbedingungen der Aerzte auch enis'n'vissenschastliche Thalkraft erlahme. Es zeigt sich das in �.nauendster Weise bei den sogenannten Sammelforschungen, wo ivi»?�uf ankommt, über etne bestimmte Krankheitserscheinung— �p'elsweise kürzlich bei der Influenza— eine möglichst bütS wissenschaftlich geordnete Sammlung einzelner Fälle so A die behandelnden Aerzte zu erhalten. Diese Sammlungen, liit f■ 9 fie sind, werden immer dürstiger, weil der Arzt, um ichaunüf �'i'tenz zu sorgen, keine Zeit findet, für die wissen- der'"'ch«rundliche Erledigung solcher Dinge. An eine Erhöhung der n�iichen Gebührentaxe ist ja nach den letzten Beschlüssen t«i»h ,t¥,el(?mmttn«üch nicht zu denken. Früher gab Deutsch- gen i�dlreiche seiner Mediziner an das Ausland ab. wo sie we- hQtfl.�L�tigteit geschätzt wurden; allein auch hier ist der Be- ....>—.——,—„»..fiAnrnnn beute oder 10 #5### 'MMSW»» Eiebencn Arbeiter einen unzufriedenen gemacht." So meint nkel Fetisch. Er hat dann freilich gleich darauf einen lichten Augenblick und sagt:.„Es liegt in jedes Menschen Natur, bei möglichst weniger Arbeit möglichst viel zu verdienen"; also ist der „sozialdemokratische Geist" der Geist der menschlichen Narur. Das stimmt, lieber Freund! Deshalb ist es eben Narrheit, ihn bekäm pfen zu wollen. Nach der ganzen Auslassung der„Baugewerks Zeitung" in ihrer Nr. 20 für die Berliner Bauhandwcrker sehr ermuthigend. Der Herr Redakteur des edlen Blattes scheint ein zusehen, daß es ihm nicht mehr gelingen wird, die Bauunter nehmer gegen die berechtigten Forderungen der Arbeiter wieder aufzuhetzen. Der Hauptgrund ist die veränderte sozialpolitische Lage. Die„gesetzliche Gleichberechtigung der„Arbeiter" ist denn doch ein etwas anderes Wort als ein Puttkamer'scher Streikerlaß aus dem Jahre 1886, der da sagt, man müsse auch den gesetzlichen Bestrebungen der Arbeiter mit Energie entgegentteten.„Wir können gar nichts aus eigener Kraft!" sagte damals Herr Felisch von sich und den Jnnungsmeistern. Jetzt ist die Polizeihilfe weg, da beginnt er einzusehen:„Das Publikum und die Behörden müssen ja schließlich doch jeden Streik bezahlen!" Wir haben kein Interesse an nie- drigen Löhnen, sagte schon 1385 Herr Bückmann, jetzt begreift es auch schon Herr Felisch. Ja, die„Bildung und Kultur" machen ' ortschritte 1 Noch sucht Herr Felisch gegen den neunstündigen rbeitStag durch Schwingen des rothen Lappens zu Hetzen, wird aber wohl auch nichts helfen. Ter Spießbürger ist durch die Erlasse vor den 5kopf geschlagen, er hat etwas von„willkürlicher und schrankenloser Ausbeutung der Arbeitskraft" von einer Stelle gehört, den er unmöglich eine„sozialdemokratische Sucht" zu- schreiben kann. Armer Onkel, was bleibt Dir nun! Du wirst mit Eousin Stieß„leise ahnen dürfen", daß die JnmingShmlich feit stark im Verfall ist, daß nichts mehr zieht, daß die Mehrzahl der Meister einzusehen beginnt, wie es ihr Vortheil ist, wenn sie nicht sich aufhetzen lassen, sondern im ftiedlichen Einvernehmen mit den Arbeitern leben. Deshalb glauben auch wir mit Onkel felisch, daß es in Berlin in diesem Jahre zu keinem erheblichen lohnkampf kommen wird. Die Meister werden den neunstündigen Arbeitstag und die 60 Pf. Stundenlohn bewilligen und es wird Sache der Arbeiter sein, dafür zu sorgen, daß sie ihr Wort auch halten müssen. Mögen nur die Maurer aus den kleinen Orten in den ersten Monaten Berlin etwas mit Zuzug verschonen. Es ist dies leicht, da gerade augenblicklich au anderen Orten auch 'Arbeit genug ist. Die Bauthütigkeit wird in diesem Jahre etwas langsam in Gang kommen, wegen Geldmangel. In dem Hör/aale der städtischen Irvenanstatt zu Dalldorf wird Herr Professor Dr. Mendel zu Anfang des Sommer- Halbjahres wieder einige Vorlesungen abhalten. Bei denselben werden dann hauptsächlich diejenigen Kranken vorgestellt, die auf psychologischem Gebiete besonders Interesse erregen. Unter diesen, so wird geschrieben, befinden sich namentlich zwei Kranke, die durch die'Art ihrer Krankheitsform und durch ihre Personalien besonders interessiren und zur Zeit viel von sich reden gemacht haben. Der eine dieser Kranken ist der jetzt 20jährige Mechaniker- lehrling Otto Greincr, ein Mensch von hochgradiger Nervosität, der selbst in der Anstalt zu Gewaltakten neigt, indem er ohne jede Veranlassung plötzlich in Raserei geräth. Diese Zwangsvor- ftellungen datiren schon seit seiner frühesten Jugend und sollen nach der ktrankheitsgeschichte aus zweiter Linie vererbt sein. In diesem gefährlichen Stadium seiner Exaltion hatte er auch vor einigen Jahren seine eigene Mutter, die ihm aus der Anstalt auf Urlaub genommen hatte, mittelst eines Holz- Hammers in der Nacht erfchlagen, nur um drei neue Kronenthaler, die seine Mutter in Verwahrung hatte, in seinen Besitz zu bringen! Nach dieser That flüchtete er, wurde später aber wieder ergriffen und in die Anstalt zurückgebracht. Ein Seitenstück zu diesem Kranken bildet der in der Anstalt befindliche Weinreisende Gustav Heise, der augenblicklich im 40. Lebensjahre steht und an auf Wähnvorstellungen beruhender„Verrücktheit" leidet. In diesem Zustande, der ganz plötzlich bei ihm austrat, hatte er, ehe er nach der Anstalt kam, als Reisender für ein Frankfurter Haus seinem Kollegen, mit dem er bei einer Wittwe logirte, mitten in der Nacht mit einem sogenannten Trangirmesser den 5topf voll- ständig vom Rumpfe getrennt, denselben vor die Thüre gelegt und sich dann selbst wieder zu Bett begeben, als wenn nichts ge- schehen wäre. Als die Gerichtskommission am Morgen erschien, um ihn zu verhaften, erklärte er auf Befragen, daß ihm eine Stimme vom Himmel zugeflüstert habe, seinen Kollegen abzu- chlachten. In die Anstatt gebracht, war er zunächst gänzlich unzugänglich, bis er durch häufiges Jsoliren endlich ruhig wurde. Seine Wahnvorstellungen beeinflussen ihn jedoch weiter derartig, daß er plötzlich ausspringt, heftig gestikulirt und mit„Himmels- stimmen", wie er meint, redet. Beide Kranke sind durch ihr auf- geregtes Wesen für ihre Umgebung so gefährlich, daß ste stets unter Bewachung gehalten werden müsse». Megen einer holländischen Millionen Erbschaft fand am Montag im Hotel zum Schweizerhaus zu Nauen eine Ver- sammlung von Interessenten statt. Von iveit und breit, aus Berlin, dem Havellande, dem Oderbruche, Pommern, Mecklen- bürg, Westpreußen, aus Hannover und Westfalen waren etiva zweihundert Personen herbeigeeilt, um über Schritte zu berathen, wie man in den Besitz der von der holländischen Regierung ver- walteten Johann Jacob Brandt'schen Millionen gelangen könne. Durch Zeitungsannonzen war zn dieser Versammlung eingeladen, und so waren denn alle Gesellschaftsklassen vertreten, Kausieute, Gelehrte, Studenten, Militärs, Rentiers, Arbeiter; es erschien auch eine größere Anzahl alter Jungfern, sowie Frauen und Fräuleins aus Stadt und Land. Die meisten der vermeintlichen Erben sahen sich zum ersten Male im Leben und doch glaubten alle mit dein Erblasser verwandt resp. Nachkommen desselben zu sein; Johann Jacob Brandt hat bereits im Jahre 1791 m Amsterdam das Zeitliche gesegnet. Er war von Deutschland nach Holland ausgewandert, hatte dort viele Millionen erworben, ivelche seine Enkelin und eine Urenkelin, damals noch ein Kind, je zur Hälfte erbten. Beide Erben starben linderlos, und somit sollte die Bestimmung des Testaments, daß in diesem Falle die in Deutschland lebenden Verwandten das ganze Geld erben sollten, Platz greifen. Schon vor ettva fünzig Jahren ivurde seitens Brandt'scher Erben der Versuch gemacht, das Geld zu erlangen, doch stellten sich derartige Schwierigkeiten heraus, daß die Sache ausgegeben wurde. Seitdem hat sich die Hinter- lasfenschast riesig vermehrt. In der Versammlung der vermeint- lichen Erben, die von einem Herrn aus Berlin in parlamen- tarischer Weise geleitet wurde, wurden eine Anzahl Aktenstücke und alter Briese, sowie eine Abschrift des qu. Testaments ver- lesen. Ferner wurde mitgetheilt, daß das Auswärtige Zlmt um Nachforschung auf diplomatischem Wege gebeten sei, doch noch keine Antwort erthcilt habe; aus privatem Wege dagegen habe man erfahren, daß die Erbschaft schon im Jahre 1811 an den holländischen Staat gefallen sei. Die Hauptschwierigkeit der'Abhebung der Millionen bestehe darin, daß die Identität des Erblassers bis jetzt noch nicht genau nachzuweisen sei. Nach den Kirchenbüchern des vorigen Jahrhunderts sind nämlich drei oder vier Johann Jacob Brandt nach Holland ausgeivandert, einer aus einem Dorfe bei Göttingen, einer aus Pommern und einer aus Pewesin (Kreis Westhavelland). Schließlich wählte die Versammlung aus ihrer Mitte eine Kommission, welche weitere Schritte thun und in einer binnen sechs bis acht Wochen zu Berlin stattfindenden weiteren Versammlung Bericht erstatten soll. Bis dahin hofft man mehr Klarheit in die Angelegenheit gebracht zu haben und soll dann über das einzuleitende Verfahren cndgiltig Beschluß ge- saßt ivcrden.— Die Sache scheint einfach„Biumpitz" zu sein. Deutsche allgemeine Ansstelluug für Unfallverhütung lautete die in großen Lettern angebrachte Inschrift auf dem Maschinengebäude im Ausstellungspark. In eigenartiger Weise ist gegenwärtig ein Theil dieser Inschrift verivischt und die In- fassen der langsam bei der Station Lehrter Bahnhof ein- und ausfahrenden Stadtbahnzüge lesen mit Erstaunen und nachfolgen- der Heiterkeit„Deutsche allgemeine An". Ob das nun eine, wenn auch nur zufällige'Anspielung auf den finanziellen Mißer- folg der Ausstellung oder auf die augenblickliche, allerdings recht unfreundliche Beschaffenheit des Ausstellungsparkes sein soll, muß unentschieden bleiben. I» Köpemiii haben in den letzten Tagen Ruhestörungen stattgefunden. Der Grund hierzu ist in einem Versammlungsver- bot zn suchen, welches die Einwohnerschaft sehr erregt hat. Die Polizeibeamten schritten an den ersten Abende» gleich mit blanker Waffe ein und nahmen Verhaftungen vor. Die Zahl der Fest- genommenen belauft sich auf 80. Der Fabrikbesitzer Spindler hat bei Strafe der sofortigen Entlassung seinen Arbeitern durch An- schlag in seinem Etablissement die Theilnahme an den Straßen- aufläufen untersagt. Am Donnerstag Abend haben die Auftritte einen ernsten Charakter angenommen. Es kam zwischen Polizei und Volk zu förmlichen Kämpfen, ivobei der Gendarm Müller durch einen Schuß tödtlich verwundet und der Polizist Dienst im Handgemenge schiver verletzt worden ist.— Wie weiter berichtet wird, ist noch vorgestern Abend eine Abtheilung Militär nach Köpenick abgegangen. Unter dem Verdacht, den Schuß auf den Gendarmen abgegeben zu haben, ist der Tischler Biener verhastet ivorden. Wir nnsererfeits können die Vorkommnisse, die natürlich in den bürgerlichen Zeitungen nach jeder Richtung hin ausgeschlachtet werden, nur auf das Tiefste bedanern. Wir ermahnen unsere Parteigenossen in Köpenick, Alles, was in ihren Kräften steht, zu thun, um die erregten Gemüther zu beruhigen. Das Interesse der Gesammtpartei erfordert dringend, daß jeder Einzelne das Aeußerste aufbietet, um weiteren Ausschreitungen vorzubeugen. Hoffentlich gewinnt Ruhe und Ucberlegung heute schon wieder die Oberhand. Die Aufgeregten werden ihre Besinnung wieder erlangen, und dann werden sie einsehen, daß derartige Krawalle nur unseren Feinden in die Hände arbeiten. An« der Aer» der foziitlett Reform. Als am Donnerstag in der fünften Morgenstunde mehrere Arbeiter die Köpenicker Chaussee pastirten, hörten sie, als sie in die Gegend des Forsthauses kamen, an dem abseits gelegenen Sprceuser ein Wimmern und Stöhnen. Sie lenkten denn auch sofort ihre Schritte nach der betreffenden Stelle und fanden hier in einem Gebüsch einen jungen Menschen vor, der halb erstarrt, ausgestrcckr dalag und fortwährend jammerte, daß ihn hungere und friere und er sich das Leben nehmen wolle, bis jetzt aber noch leinen Much dazu gehabt habe. Ueber die Ursache seines Vorhabens befragt, gab er an, daß er bereits seit drei Tagen hier nächtige und in dieser Zeit nichts Warmes genossen habe.'Außerdem habe er Furcht vor dem Arbeitshause, iveil er dann Ueber- Weisung an die Landespolizei zu fürchten habe, und diese Schande, so bemerkte er,«volle er seinen Eltern nicht machen. In Betreff seiner Personalien erklärte er, daß er der Sohn eines in Berlin ivohnenden Beamten sei, er selbst habe das Giimnasium besucht, sei dann, nachdem er sich mit einer Schau- rpielerin verheirathet, Geschäftsführer eines größeren Exporiga- chäfts gewesen, aber leider durch die Verschwendungssucht seiner gefall- und genußsüchtigen Frau bald derartig heruntergekommen, daß er seine Stellung, um nicht Veruntreuungen zu begehen, aus- geben mußte und nachdem sich dann nachher noch seine Frau von ihm getrennt, habe er allen moralischen Halt verloren und auch bald zur Flasche gegriffen. So sei er nun von Stufe zu Stufe gesunken, habe gebettelt, um sein Dasein zu fristen. Als ihm aber der Richter bei der letzten Strafe die Ueberweisung androhte, da habe er sich entschlossen, sich lieber das Leben zu nehmen, als insAr- beitshaus zu kommen. Gerührt durch diese Erzählung veranstal- teten die Arbeiter eine kleine Kollekte und übergaben dem Lebens- müden die Sammlung, worauf dieser dankend von bannen ging. Die Erplosion auf der Kaifer Wilhekma-Srücke lenkt hoffentlich noch rechtzeitig die'Aufmerksamkeit der Behörden auf die große Gefahr, welche das nahe Beieinanderliegen von GaS- und Elektrizitätsleitungcn im Erdboden mit sich bringt. Es ist eine wiederholt beobachtete Erscheinung, daß sich bei starker Spannung des elektrischen Stromes auch die Leitungsdrähte er- Hitzen und Gasansammlungen, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe befinden, zur Entzündung und Explosion bringen. In ganz ähnlicher Weise wie der Unglücksfall aus der Kaiser Wilheuns- Brücke, begann jene große Reihe von Unglücksfällen in New-Aork, welche dort das energische Einschreiten des Oberbürgermeisters Grant gegen die elekttischen Leitungen zur Folge gehabt haben. An einer Straßenkreuzung in New-Aork fand eines Abends eine Explosion statt, ivodurch die Granitquadern, Pflaster und Erdreich in die Höhe geschleudert und sechs Menschen getödtet wurden. Tie Ursache ivurde in den nahe beieinanderliegenden Gas- und Elektrizitätsleitungen an ljener Stelle gefunden und da die zahlreichen und wenig geordneten Leitungsdrähte auch sonst noch vielen Schaden verursachten, so ließ der Ober- bürgenncister die meisten derselben durchsthneioen, als seine Aus- korderung an die betreffenden Elektrizitärs-Gesellschaften um Eni- ernung der Drähte fruchtlos war. Das hat nun freilich sehr üble Folgen für die Beleuchtungsverhältnisse New-Iorks gehabt. Für Berlin aber sollte der hiepge Unglücksfall im Hinblick auf die Neiv-Iorker Ersahrungen nicht unbeachtet bleiben. Die ekel- irischen Leitungen liegen so dicht an den Gasröhren der Straßen, daß ähnliche weitere Unglücksfälle, wie auf der Kaiser Wilhelms- Brücke, leicht möglich sind, wenn sich in den nicht luftdichten Kanälen der elekttischen Leitung einmal Gas aus den benachbar- ten Röhren sammelt, wenn dieje defekt werden. Daß solche De- fekte an Gasröhren lange unentdeckt bleiben und ein recht be- trächtliches Quantum Gas entweichen lassen können, ehe die Zentralapparate dies feststellen, ist ebenfalls bekannt. Hoffentlich wird in dieser Richtung von den Behörden Nichts versäumt, was zur Sicherheit des Publikums nöthig ist; aber das muß gesagt iverden: an bedenklichem Kopffchntteln bei der Legung der kleinen Zcment-Kanäle für die elektrischen Leittmgen, dicht längs der Gasleitungen, hat es bei alten Technikern nicht gefehlt. Derfiichtrr Mnttermord. Unter diesem Titel berichtet Reporter folgendes: Ueber ein versuchtes bestialisches Ver- brechen, welches nur durch einen glücklichen Umstand im letzten Augenblick vereitelt wurde, und das im benachbarten Ripdorf .roßes Aussehen hervorgerufen hat, theilt man uns folgendes mit: "n dem Hause Wanzlickstr. 21 wohnt seit längerer Zeit die jittwe Äirth, eine des besten Leumuifis sich erfreuende sechzig- jährige Frau, und bei ihr hielt sich unangemeldet der 27iährige Sohn derselben, Robert SB., auf, ein bereits mit Zuchthaus vor- bestrafter MenH, der polizeilicherseitS aus Rixdors ausgewiesen war und seit kurzem heimlich bei der Mutter wohnte. Der rohe Patron mißhandelte seine Mutter, die ihm wiederholt Vorwürfe über sein tüderlicheS Leben machte, täglich in abscheulicher Weise. Auch Mittwoch Mittag schlug W. die alte Mutter in barbarischer Art, so das, dieselbe, als W. sich für wenige Augen- blicke entfernte, die Thür verschloß und sich, als der Unhold zurückkehrte, dieselbe zu öffnen weigerte. Der Rasende wußte sich nun einen schweren eisernen Schmiedehammer zu verschaffen, sprengte damit die Thür und den Hammer schwingend, stürzte er «nf die Mutter nnt de» Worten:„Jetzt schlage ich Dich tobt, jetzt mache ich Dich kalt", und schlug nach derselben»nt dein schweren Hammer, denselben gegen ihren Kopf schwingend. Im letzten Augenblick aber gelang es dem in demselben Hause woh- nenden Arbeiter K., rücklings sich dem Wütherich zu naher» und den W. bei Seite reißend, saufte der Schlag auf de» Tisch nieder, dessen Platte zertrümmernd. Nunmehr entfloh W. und begab sich nach dem Nachbargrundstück des Fuhrmanns T., kletterte durch das Fenster in die Wohnstube und erbrach daselbst alle Kästen und Spinden. Hier wurde W. von Hausbewohnern und in- zwischen herbeigerufenen Gendarmen gefaßt und nach dem Amts- gefangniß gebracht, wo er frech erklärte, es sei heute gerade ein Jahr, daß er aus dem Zuchthause entlassen worden, und er habe dies Jubiläum durch eine ganz besondere That seiern wollen! W. befindet sich natürlich in Untersuchungshaft. Gin nteU'tichrr Leichnam, welcher mit einem Masken- Anzüge, dem einer Zigeunerin, betleidet war, wurde am Mittwoch Nachmittag in der Blähe der Kottbuserbrücke aus dein Landwehr- Kanal gezogen. Tie in den 20ct Jahren stehende ertrunkene Person kann erst ganz kurze Zeit im Wasser gelegen haben, und die sofort eingeleitete Untersuchung dürfte ergeben, ob hier Selbst- mord oder Verbrechen vorliegt. Die Leiche wurde nach dem Leichenschauhause geschafft. Voiczribmch». In der Nacht zum 20. d. M. fiel eine Frau vor dem Hanse Charlottcnstr. 44 infolge eines Krampf- Unfalles nieder und brach den linken Unterarm, so daß sie nach der Charitee gebracht werden mußte.— Am 20. d. M. Morgens wurde an der Pedürsnißan statt im Humboldthain, der Rügener- strafie gegenüber, die Leiche eines neugeborenen Kindes ausge- funven.— Zu derselben Zeit versuchte ein Mann in seiner Woh- nnng in der Fehrvellinerstraße sich mittelst eines Revolvers zu erschießen. Derselbe wurde schwer verletzt nach der Charitee ge- bracht.— Nachmittags wurde ein sechsjähriger Knabe vor dem Hause Neue Friedrichstr. 93 von einem Kohlenwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er bald daraus in der elterlichen Woh- nnng verstarb.— Abends fanden in der Oderbcrgerstr. 9, Materlys-Ufer 12 und Neue Friedrichstr. 87 tleinere Brände statt. Gevickks-Äetkwug. «-KÄ'KNi.Ä.'M'Ä«MW- ch cu Prozesse.' Aus Antrag des Rechtsanwalts Silberstein stellt der Vorsitzende aus den Akten fest, daß s. Z. der Untersuchnngs- richter, Landgerichtsrath Pochhammer, nach beendelem Vor- verfahren dem Star.tSamvalr anheirn gegeben hat, den Angeklagten wegen mangelnder Beweise aus der Untersuchungshast zu entlasten. Staatsanwalt K r o h i tz f ch laßt seinerseits feststellen, daß der Angeklagte gegen seine Verhaftung den Bcschwerveweg betreten, die\ I. Strafkammer die Beschwerde aber zurückgewiesen hat, wrn der Angeklagte, als ein schon so schwer vorbestrafter Metisch der That verdächtig erscheine. Die Zeugen, welche am Thatorte unmittelbar nach dem Brande gewesen sind, haben im Allgemeinen Wahrnehmungen gemacht, welche mit denjenigen der Beamten der Feuerwehr übereinstimmen. Der Angeklagte bleibt bei feinem Elllärungsgrnnd, daß wahrscheinlich ein brennender Cigarren- Kümmel einen in der Ecke stehenden, mit Zeitungen belegten Sack mit Tabak in Brand gesetzt, daß das Feuer"die Petroleumlampe zur Explosion gebracht und dann das brennende Petroleum durch die Ritze der Schachtklappe hindurch geflossen sei und den unteren Theil der Klappe angebrannt habe. Ein Zeuge, welcher öfter in dein Bobbe'schen Laden verkehrte, bat nie gesehen, daß auf dem qu. Sack mit Tabak Papier gelegen, hat auch einen Petroleumgeruch tvahrgeiioininen und ist mit den Beamten der Feuerivehr der Ansicht, daß die Erklärung des An- geklagten von der Entstehung des Feuers unmöglich zutreffen kann. Auch dieser Zeuge ist der Meinung, daß das Feuer von unten herauf gebrannt haben muß. Das eheliche Verhältniß der Botbe'schen Eheleute wird von den Zeugen als ein gutes ge- schildert, von besonderem Aufwand des Angeklagten haben die Zeugen nichts bemerkt.— Der Schwager des Bobbe, ein Geh. Kanzleidiencr im Justizministcrittm, bekundet, daß der Angeklagte am Morgen des Brandtages zu ihm ins Zimmer gestürzt sei und gerufen habe:„Mein Mielchen, mein Mielchen!" Ter Zeuge hat dann von dem Angeklagten, welcher die Reisetasche vei steh hatte, erfahren, daß es bei ihn, brenne, er habe ihn aufgefordert, sofort mit nach Moabit zu kommen, an der StcgesaUee habe sich aber der lllnzellagte mit der Bemerkung entfernt, daß er noch einen wichtigen Gang habe. Tie Frau des Angeklagten habe von der EntstehnngS- ursach» des Brandes lerne Ahnung gehabt. Frau Bobbe sei enie durchaus ehrsame, rechtliche Frau, welche einfach lebe. Seines Wissens hat Frau Bobbe, welche lö Jahre bei einer Frau v. K l b d« n gedient hat, bei ihrem Fortgange aus dem Dienst 3400 M. Ersparnisse gehabt. Der Zeuge hat von dem Vorleben seines angeklagten Schwagers leine Ahnung gehabt, denselben viestner immer nur als liebenswürdige!,, netten Menschen kennen gelernt.— Der Zenae Herr v. K l ö d e n bestätigt durchaus das günstige Urtheil des Norzeugen iiber die Frau Bobbe, welche er gleichfalls als treu, ehrlich und schlicht schildert. Zu ihren Er- sparnissen von 2400 M. hat Frau Bobbe noch einige Wirth- schastsfachen mit in die Ehe genommen.— Der Versichermigs- inspeklor Braun von der„Union"(der Angeklagte ist selbst Agent dieser Gesellschaft gewesen) bekundet, daß er kurz nach oem Brande auf der Brandstelle gewesen ist und es ihm gleich ver- dachtig geivesen ist, daß der Angeklagte während des Brandes vom Hause abwesend war. Die ersten Aussagen, welche der An geklagte diesem Zeugen gemacht hat, widersprechen vielfach seinen spateren Erklärungen. Damals hat er gesagt, daß er selbst am Abend vor dem Brande gegen 10 Uhr sämmt- Uchle Lichter gelöscht und dann noch einige Zeit in seinem 5t'omtoirzimmer geschrieben habe. Er habe einen Reisesack gepackt, weil er am nächsten Morgen in aller Frühe zu Aquift- lionszivecken nach Friedenau reise» wollte, habe sich halb ange- zogen aufs Bett'geworfen, um seine Frau nicht zu stören und jei um 4 Uhr Morgens nach dem Moabiter Bahnhof gegangen, der aber noch dunkel gewesen sei.'Alsdann sei er nach dem Potsdamer Bahnhof gegangen, nach Friedenau gefahren, sei dann ivieder nach Berlin zurückgekomiiien, später nochmals nach Friede- nau gefahren jc. Der Angeklagte hat dem Zeugen! gegenüber sich so aesteut, als ob«r von de», ganzen Brande erst bei seiner Rück- kehr nach Hause etwas erfahren habe und hat dem Berstcherimgs- beamten über sein Thun und Treiben während des TageS nach dem Brande zahlreiche Angaben gemacht, welche seinen späteren Darstellungen und der Wahrheit offenbar nicht entspräche». Ter 'Angeklagte giebt auch zu, daß er dem Inspektor etivas vorge- logen habe, erklärt dies aber damit, daß er demselben nicht sagen ivvllte, daß er von Hause ausgerückt war. Der Zeuge hat nach den Lügen des Angeklagten die positive Ueberzeugung gehabt, daß derselbe das Feuer angelegt; er hat ihm dies auch auf den Kops zugesagt und darauf sehr schlagfertig die Antwort erhalten: „Herr Inspektor, wie können Sie so etwas sagen!" Der Zeuge ist auch der Ansicht, daß der Angeklagte in betrügerischer Absicht das Feuer angelegt hat, da entschieden nicht so viel Vorrqthe im Laden vorhanden gewesen, als der Angesagte angegeben. Der Zeuge hat seinerseits den angerichteten Brandschaden auf 703 Mark. sestgestellt, doch hat der Angekl. sich geweigert, das betr. Protokoll zu unterschreiben— wie der Beamte behauptet, weil die Entschul- digung dem Angeklagten zu gering war, während der Angeklagte versichert, daß er ilberhaupt Ansprüche nicht erheben wollte, weil er eben iveggelaufen sei. Der Zeuge ist auch der Meinung, daß die Lampe,'als Erklärungsmoment, erst von dritter Seite hineingetragen worden. Ein auf der Brandstätte Anwesen- der habe nämlich die Frau gefragt, ob denn irgendivo eine Lampe gestanden, welche explodirt sein könnte und da sei dann bald darauf die Frau ihren Manu um den Hals gefallen und habe erklärt, daß sie wahrscheinlich mit der Lampe eine Unvorsichtigkeit begangen habe, lieber diese verhängnißvolle Lampe hat aber der Angeklagte auch noch die verschiedenartigsten Angaben gemacht. Die Thürigkeit des Versichernngsinspektors Braun endete damit, daß er der Frau Bobbe nahelegte, ihrem Manne zu sagen, daß ihm der Thatbesiand völlig klar sei und die Sache der Staats- anwaltschast übergeben werden würde, ivenn ein Entschadigungs- ansprnch überhaupt erhoben werden sollte. Der Angeklagte hat darauf Herrn Braun einen Brief geschrieben, worin er plötzlich die den Brand begleitenden Umstände und sein Thun und Tretben ganz anders, als im Anfange, darstellte und Herr Braun hat schließlich persönlich und aus eigenem Antriebe der Staatsan- wallschaft Anzeige gemacht. Ans den weiteren Zeugenvernehmungen ergiebt sich, daß der Angeklagte wiederholt in Geldverlegenheit sich befunden hat. Der Polizeilteutenanl Müller hat unterhalb des Fußbodens des Kellers noch die seitlich gelegene Grube entdeckt, welche auch mit Brettern abgegrenzt worden war und nach Ansicht des Zeugen sehr geeignet»var, um einen Menschen verschivinoen zu lassen. Der Angeklagte bestreitet, daß dieses Loch vorhanden gewesen sei und behauptet sehr naiv, daß dasselbe nachträglich von den Ar- beitern ans Befehl der Polizeibeamten hergestellt fein müsse. Polizeilieutenant Müller hat in dem Revier auch niemals fliegende Händler benierlt, von denen der Angeklagte große Posten Zigarren' gekauft haben könnte. Der Möbelhändler, der dem Angeklagten die Mobilicn geliefert hat, bekundet, daß es dem Letzteren nicht möglich gewesen ,st, seinen Versprechungen in Be- lreff der Abzahlungen nachzukommen. Es haben mehrere von ihm akzeptirte Wechsel zum Protest gegeben werden müssen. Der Zeuge hat oeu Angeklagten kurz vor seiner Ver- hastung gesprochen, als es schon durch die Zeitungen bekannt geivorden war, daß Verdacht der Brandstiftung vorliege. „Aber Mann, was machen Sie für Geschichten, das Feuer haben Sie doch bestimmt selbst angelegt", hat er zu ihn, gesagt, worauf Bobbe, sich hinter den Ohren kratzend, mit den Worten:„Dumme Geschichte! Dumme Geschichte!" davon ging.— Krimi, ial-Schutz- mann Ganter hat dem Geschäfte des Bobbe sowie ihm selbst eine besondere Ausmerksamkeit geschenkt, da derselbe unter Polizei- aufsicht stand. Der Zeuge ,vill niemals einen„fliegenden Händ- lcr" zum Angeklagten haben ein- oder austreten sehen.— Der Zeuge.Reimers, welcher vereideter Sachverständiger für Tabak und Cigarren ist, begutachtet, daß die Wiederverkäufer von einem fliegenden Händler Cigarren nicht zu kaufen pflegen, da ein Vor- theil dadurch nicht zn erzielen ist. Die sogenannten fliegenden Händler seien in der Regel Cigarrenarbeiter, welche einige hundert Cigarren anfertigen und dieselben dann an rivate abzusetzen suchen. Der dreizehnjährige Knabe Bock, ein ausgenosse des Angeklagten, bekundet, daß die Ehefrau Bobbe ihn am Tage vor dem Brande mit einer Kanne fortgeschickt habe, um 2 Liter Petroleum zu holen. Früher hat der Knabe gesagt, der Ehemann Bobbe sei der Auftraggeber gewesen. Als letzte Zeugin wird die Ehefrau des Angeklagten vernommen. Die tief- schwarz gekleidete, verktunniert aussehende Frau macht einen Mitleid erregenden Eindruck. Sie giebt auf Befragen des Präsi- deuten ihrer Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß ihr Mann sie nur ihrer Persönlichkeit und nicht ihres Geldes wegen geheirathet hat. Ihr eingebrachtes Vermögen hat sie ihrem Manne zur freien Verfügung gestellt, ihr Geld sei jetzt verbraucht, jedoch glaubt sie ihrem Manne, der auch ihr gesagt hat, daß er 900 M. an einem versteckten Orte ausbewahrt hat, damit sie später nicht von allen Mitteln entblößt sei. Ihr Zusaminenlcben sei stets etil gutes gewesen und habe der Angeklagte sich stets als ein treu sorgender Gatte gezeigt. Am Abende vor dem Brande hätten sie beide gemeinschaftlich den Laden geschloffen. Sie glaubt, zuletzt im Laden geivesen zn sein, da sie die Gewohnheit hatte, sich davon zu überzeugen, ob ihr Mann auch die Gashähne gehörig aus- gedreht. Sie sei um lOVe Uhr zu Bett gegangen, ihr Mann habe sich noch nnt Aorbereitungen zur Reise beschäftigt und müsse die im Nebenzimmer befindliche Hängelampe brennen gelassen haben.'Als sie durch den Rauch geiveckt ivurde, habe sie sofort nach ihren, Manne gerufen und als sie ihn vermißte, habe sie angenommen, daß ihr Mann sich ohne Abschied entfernt habe, um sie nicht zu stören. Als sie später ihren. Manne Vorivlirse gemacht, habe derselbe sich damit entschuldigt, daß er völlig kopflos geivorden, weil er sich sagen mußte, baß der Verdacht der Brandstistnng auf ihn fallen und er bei seiner Vergangenheit sofortige Verhaftung befürchien müsse. Von dem Vorhandensein des Schachtes hat Frau Bobbe keine Ahnung gehabt. Einer der Geschworenen macht darauf aufmerksam, daß der Angeklagte gestern behauptet hat, er wolle seine Frau im Geschäft anlernea, damit er seinen Agenturen nachgehen könne. Während der An- geklagte nun im Keller mit der'Anfertigung des Schachtes be- schüstigt war, dicke Balken durchsägen und sonstige geräuschvolle Arbeiten vornehmen mußte, hätte Frau Bobbe den Laden versehen müssen und es sei doch im hohen Grade auffallend, daß sie nichts von den Hantirungen ihres Ehemannes gewußt haben will. Die Zeugin bleibt auf Vorhalten dabei, daß jene Einrichtung ihr völlig unbekannt geblieben, trotzdem der Präsident sie aus das Bedenkliche ihrer Behauptung aufmerksam macht. Die Zeiigm ist bereit, den Eid zu leisten, der Gerichtshof nimmt aber von der Vereidigung Abstand. Hiermit wird die Beweisaufnahme ge- schloffen. Die den Geschworenen vorgelegte Frage lautet nur auf vorsätzliche Brandsttstung zum Zwecke des Betruges, mit der Unterfrage, ob milderne Umstände vorhanden. Sodann nimmt Staatsanwalt Krobitzsch das Wort zu seinem Plaidoyer. Er weift aus die Geinemgefahrlichkeit des in Rede stehenden Verbrechens und ferner darauf hin, daß es nur in den seltensten Fällen gelinge, den Thäter zu überführen. Der Prozeß Bobbe»verde hoffentlich nicht zu diesen gerechnet werden müssen, er gebe der Hoffnung Ausdruck, daß derselbe mit der Verurthei- lung des Augeklagten enden werde. Der Staatsanwalt beleuchtet sodann alle durch die Beweisaufnahme zu Tage getretenen Be- lastnngsinomente, welche m unwiderlegbarer Weise für die Schuld des Angeklagten sprechen und weist auf die Haltlosigkeit und Un- glaubw'ürdigleit derjenigen Angaben hin, wodurch der Angeklagte die Ursache des Brandes zurückführ»» will. Es sei eine böse Vergangenheit, auf die der Angeklagte zurückblicke.'Aller- Vings habe derselbe es beliebt, über seinen Aufenthalt in Italien einen Schleier zu ziehen, indem er jede Ausrunst über seine dortigen Erlebnisse verweigerte, etwas'Angenehmes werde er von dort aber sicher nicht zu erzählen gehabt haben. Zu dem geheimnißvollcn Schacht übergehend, meint der Staatsanwalt, daß es wohl eigentlich keinem derjenigen Personen, welche ihn in Augenschein nahmen, gelungen ist, fich ein klares Bild von dem Zwecke Desselben zu verschaffen. Aber das Gefühl des UnHeim- Uchen werde wohl jeden beschlichen haben, der den sonderbaren Bau besichtigte. Die Presse habe ursprünglich der im Publikum vielfach verbreiteten Meinung Ausdruck gegeben, es handele sich um eine Menschenfalle und wahrlich, durchaus von der Hand zu weisen sei die Annahme nicht. Aber es müsse allerdings festgestellt werden, daß ein Beweis in dieser Beziehung nicht gegen ihn er- bracht sei.— Welchen Zweck giebt nun der Angeklagte für den Bau an, den er durch monatelange ge- heimnißvolle Arbeit hergestellt hat? Er will ihn als Ausbewah- rungsort für Holz und Kohlen benutzen, trotzdem er unter seinem ##### m# zn Zwecken der Hehlerei wollte er Werkzeuge darin benutzen wollen'■ verbergen, �ne VW Niemals WWW ### «WWW« stellen des Schachtes keiner Schuld bewußt sei. MS' Das Urtheil lautete auf 8 Jahr Zuchthaus ISOOM�* strafe eo. noch 100 Tage Zuchthaus und die üblichen Nebenf Soziale Mebeestillkz Achtiing! Schrauben- und Faqoudreher. In der Fabr> 3* ♦«»»» y r---.v«i..... V.- von Mix u. Genest, Neuenburgerftr., haben die Kollegen» wiederholter Lohnabzüge die Arbeit niedergelegt. Wir ers»jj£j die Kollege», den Zuzug nach dort' in der am Sonntag Vormittag stattfindenden Versamniluiig. Achtung! Ter Streik der Firma Friedr. Siemens«•~- ÖI, "■--'----- vb" n HÄKLS iN p.%» V»»» fa» r*/v*> WV'.VVV WW....... V* dauert unverändert fort und ist Zuzug streng fernzuhaoci, � Schlossern, Eisendrehern, Metalldrehern, Formern, Kerum � Klempnern, Packern, Modelltischlern, sowie sämmtlicheu.%lini ardeitern. Listen zu smwilligen Beiträgen sind zu haben bei � Ritterstr. 15, Joseph Hartmann, Retchenbergersir. 73, Paul � Reichenbergerstr. 23, Emil Bauer, Reinickendorferstr. 4 Lenzner, Will). Bredow, Ritterstr. 112 bei Schmidt._ f„ort ckolgrndrs geht uns fu: In der Kammfabru„g, R. Krönert Nachf., Inhaber Siegfried Sorauer, Kustriner t. haben wir heute einmüthig aus folgenden Gründen die ,.# niedergelegt. Es sind uns, seitdem die Firma aus den NlMl jz Siegfried Sorauer übergegangen ist, innerhalb zweier � w fünf Lohnabzüge gemacht worden und wurde uns gestern � durch Ankleben eines Zettels in der Werkstatt ohne Vereinv. � ein Lohnabzug von 20 pCt. angekündigt. Da wir als ge. Kammmacher einsehen, daß, wenn die Abzüge in der Wesse � Fortgang nehmen, eine sogenannte Schmutzkonkurrenz � stehen würde und wir, wenn wir darauf eingehen, KwO. � Hanvwcrk�.intergraben helfen, erklärten wir, dagegen.�lve machen. Wer niiser Gewerbe kennt, wird wissen, daß nur Saisongewerbe ist und wir nur 30— 40 Gesellen sind. dem gestern zwei Gesellen um Arbeit angefragt, stellte-V„ Sorauer jugendliche, nicht fachmännische Arbeirer, ivelchen er e> Lohn von 9— 10 M. giebt, ein, um uns so die Arbeit ziehen, so daß, wenn dieselben angelernt, die Gesellen nicht mj. nöthig sind.— Wir bitten nun die Kollegen, sich mit uns!.. darisch zu erklären, den Zuzug fernzuhalten und»nS thatlraL. durch Beiträge zu unterstützen, da die Fabrik keine fachmänPk Kraft besitzt. JKdreffen und Anfragen an Karl Pruckner, � bergerstr. 27 III bei Baumann. Fabrik von R. Krönert Nachf. Franks, irl n. M.. 20. März. Gestern fand hier e>ne Die streikenden Slammmackst1 m gemeine Buchdrncker-Äersamnilung statt. Es wurde be' den 1. Mai nichlt zu feiern; der Beschluß des Kongresses-„v srüht, die Arbeiter feien noch nicht reif dazu. Auch Hab« � Beschluß bei den Arbeitern keinen Anklang gefunden.% öffentliche Bolksrrrsammlung wird den Herren ein Mißtrau� votnm ertheilen. ,, Achtnno Urrgoldet'! Es wird den Kollegen bekannt S. geben, daß der Zuzug nach Düsseldorf für Vergolder nach Wesseling bei Köln für Grundirer, Verzierer u Vergolder fern zu holten ist, da dort wegen Lohnabzug die � beit niedergelegt worden ist. VevPontnrluttgeit. Eine LffentUche. stark besuchte UersammlunS% Kartonarbeiter fand am Donnerstag, den 20. d. M1--'., � Feuersteins. Alte Jakabstraße, statt. Auf der Tagesorvu stand: I. Unsere Achtstumden-Bewegung, Referent Kollege � 2. Diskussion und 3. Perschiedcnes. Zu dieser VersamMstjA waren alle hiesigen Kartonfabrikanten per Brief, sowie öffen eingeladen. Dieselben, eventuell deren Vertreter, ivaren zahlreich erschienen. Der Referent, Herr Tamm, begründet- beifällig aufgenommenen Ausführungen die Forderung der J1 � stundenarbeit. In der Diskussion ergriff zuerst Frau Greiften.. das Wort. Auch die Arbeiterinnen haben ihre Lage erms' � auch sie haben Forderung«» aufgestellt im Papierarbeiteriiw�l Verein, nämlich acht- resp. neunstündige Arbeitszeit, 15 y uf Minimallohn, 33Va pCt. Eri.tohung der Alkordpreise, SSVs pCt. � höhung für Ueberstunden- und«30 pCt. Erhöhung für Sonntagsat»j! An den Kollegen werde eS liogen, die noch fernstehenden terinnen dort hin zu schicken, wo sie hin gehören: in den Ve' v — Laut Beschluß der Versa.vniluna kam nun abwechselnd Arbeiter und ein Arbeitgeber Zum Wort. Herr Möglich „Dem Fabrikanten liege daran„ seine Waare so theuer wie mWJ zu verlaufen; dein Arbeiter,'für sein einziges Eigenthuin, � Arbeitskraft, möglichst viel zu erhalten. Die Fabrikanten möge»> � vereinigen, um die herrschenden Schleuderpreise zu beseitigen. Grabe(Fabrik.):„Die Begründung der Forderung sei eine schnei Durch achtstündige Arbeitszeit:»erden Schmutzionkurrenten t!" lief) neu ein wie am» cht- eine )ten »U mnichlneSk EiNRchWiS � wiwfirie ermöglicht. An Maschine? WMWWs % eine c-"--"■ (n eine /Kfc*fct'vv wj v�,.y «inziq mliffi?. kur den Achtstundentag einzutreten; weil es l'ieüüm' uur auf diesem Meae eine ricktiae Besser- ??1 Arbeiter zu schaffe»; M@obIe diesem Wege eine richtige Besser i; zum Wahle ihrer selbst, sowie Wenn nur der gute Wille da sei. !» iönnmTs' Gesellschaft. Wenn nur oer gnie autue oa jei ftilliaen u iltabritanten die kürzere Arbeitszeit ganz gut be *4" 3U Grunde zu gehe». Herr Aohn(Firnia 6ittiff»nf,.,.�, Ianbc� versucht, einige Aeußerungen der Frau iArbeit-�. ��effs seiner Fabrik, zurückzuweisen. Herr Stein Ntal fcpBo." Arbeiter habe keine Zlussicht dazu, daß es ihm balle fr;,* 0' n'a® Cl" vor vielen Jahren auLohn erhalten, er- t'üj..» ietzt noch. Darum seien die Forderungen gerecht. Herr der as�-, 5� � Kurfunkelstein Aachs.):„Seine Firma stehe tlin sympathisch gegenüber. Herr Tamm Qaltnp« Ausführungen des Herrn Grabe entgegen. Herr An gieß berieiho J Gr sei prinzipiell nicht gegen den Zlchtstundentag, Ti> tf, öohe aber nicht so mir.nichts, dir nichts einzuführen. fotdc? v'S ,en. biaben auch zu kämpscn.— Fabrikant Iah» die ftZ-i Arbeitgeber auf, sich zusanmien zu schließen, um über bin �A�rungeu der Arbeiter zu berathen. Auf einen Antrag «cuiJm? fme Ulis neun Arbeitnehmern bestehende Kommission s-iz. s t welche die Agitation in die Hand zu nehmen hat. Die- dl>„n, s«A)t aus den Kollegen Mille, Busse, Stein, Schüler, Schlo- Till-!'., r�ese, Reimann und den Kolleginnen Greiffenberg und nnr-l m"'. Nachdem noch die Herren Ärabe, Schramm, Feld- Geritz und Angieß gesprochen, wurde folgende Resolntion s,-,.°z�tnmen:„Die versammelten Kartonarbeiter verpflichten sich, zirbeitstag, welcher, am öS. April zu be- tllns?'labe, einzutrete»; keine Ueberstunden, resp. in dringenden tnii«„II"1 Segen 50 pCt. Erhöhung des Lohnes zu machen und dem» i? Sanz für evcnt. Gemaßregeltwerdeiide einzulreten. Nach (cnfJ. Skopein Beifall aufgenommenen Schlußwort des Refe- i-,m,'vilrden noch einige Werkstuben- Angelegeuheiteu erörtert, " schloß der Borsiheiide die Versammlung. Ik fln-' Militärschneider Urrcin hielt am Sonntag, den mö\% tu Jordan's Salon, eine Mitgliederversammlung ab ? Tagesordilung: l. Vortrag des Herrn R- Baginski über ;i m'�chÖ der Organisation in Gewertschasten. 2. Diskussion. ...�Miedenes. Der Referent schilderte in l'/astündigem Vor- b>--n heutigen wirthschaftlichcn Verhältnisse, folgerte daraus LlAvshwendigleit von Arbeiterorganisationen zur Wahrung der K->>..Ssen Interessen der Arbeiter gegenüber den Interessen der W m?''ten' und führte die Strcbeziele der Ardeiterorganisation r,J Weiteren vor Augen in Bezug auf die Ervingimg einer sali Besserstellung. Die geiverkschaftlichcn Slrbeiterorgaiij- '"imen stünde» auf dem heutigen Gesehesbodcn, erstreben eine «Mschaslliche Umgeftaltiing auf gesetzlichem Wege in einer 'vie sie voii allen aiifgeklärten Bolkswirthen für noth- am anerkannt werde», suchen immer weitere Kreise izuklären und den Organisationen zuzuführeii. Co ,ssG den Militärschneider- Verein zu wirken, forderte ..Nefercnl die Mitglieder auf. Sln der Diskussion be- heiligten sich die Herren Kroll, Jerwin, Schulze, Birkner und »Mr'S' sänuntlich im Sinne deS Referenten, worauf folgende »»>. ution einstimmig angenomnieu wurde: Die Versammlung eniän sich mit den Ausführungen deS Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichtet sich, mit allen Kräften zu agitiren, »m die Interessen der Organisation in Gewerkschaften zu verleiten. Unter Verschiedenes wurde noch für unwahr erklärt, lst der Militärschneider-Streik ins Wasser gefallen sei, wie es Zeitungen berichteten, denn wir haben einen Zuschlag von -u~2ä pCt. erfochten, natürlich nach sechswöchentlichem Kampfe. Dagegen ist im Deutschen Osfizierverein noch kein Ende zn sehen, �e>l das Direktorium den Arbeitern noch keine» Lohntarif unter- dreitet hat; ob sie überhaupt eine Besserstellung ihren Arbeitern werden zukommen lassen. Zum Schluß fordeite der Vorsitzende «Je Anwesenden auf, nur auf Arbeilerzeitungen(„Berliner Volks- Aalt" und„Berliner Volks-Tribüne") zu abonniren. Mit einei» dreifachen Hoch auf den nengegründeten Militärschneider-Verein Ichlvß der Vorsitzende die Versammlung. Die KöttchergrseUeu Derlinv«nd Umgegend waren v>n Donnerstag Abend zahlreich unter dem Vorsitz des Herrn Neu mann in Heise'S Lokal, Lichtenbergerstraße, versammelt, um >>ver den neuen Lohntarif zu beschließen,» ivclcher von der in einer sruheren Versammlung gewählte» ilomniission vorgelegt wurde. Herr Holtmann erläuterte die einzelneu Bestimmungen dieses Afs, welcher für die Akkordarbeiten in der Bier-, Sprit- und -Pacisaß-Branche höhere Preise festseht und für Lohnarbeit in diesen Betrieben, sowie in den Brauereien einen Mindestlohn von r8 M. und 50 Pf. wöchentlich verlangt. Neberstunden sollen mit !e 00 Pf. bezahlt werden. Bei den Kleinmeiftern soll der Wochen- 'vhn mindestens 24—25 M. betragen. Außerdem soll daran soft- Jkhalten werde», daß die Brauereien den üblichen„Trunk" nach wie vor gewähren und daß den Kollegen, welche mit sem Verpechen der Fässer beschäftigt sind, eine Extra- öulnge in Höhe von 25 Pfg. täglich zu Xheil wird. Auch den„Tejouristen" sollen die Ueberstunden mit 60 Pfg. bezahlt werden. In Bezug aus die Arbeitszeit, welche von der Kommission auf 0', a Stunden normirt war, fand eine lebhaste Diskussion statt, die mit dem Beschluß endigte, überall die neun- siündige Arbeitszeit einfuhren. De» Kollegen bleibt es überlassen, mit ihren Arbeiigebern Beginn und Ende derselben zu vereinbaren; doch soll vor 6 Uhr nicht angefangen werden. Im uebrigen wurde der Tarif mit einigen kleinen Aenderungen ein- stimmig angenommen. Derselbe wird den Arbeitgebern schon in den nächsten Tagen zugesandt werde». Mit der lpurchsührung "nd Ueberwachnng der Bestimmungen wurde die Tarifkonimission betraut, welche versuchen wird, möglichst auf gütlichem Wege die Forderungen zur Geltung zu bringen. Wo dies nicht gelingen sollte, wird als letztes Mittel die Arbeitsei, istellung erfolgen � Gine Nersammluug der streikende» Knopfarbriier der(T. Ä Uöhll sche» Fabrik tagte am Donnerstag, den 20. Märzs bei Bolzmann, Andreassiraße 20. Der Vorsitzende veserirte über die gegenwärtige Lage des Streiks. Nach deni Referat sieht der Streik durchaus»och nicht schlecht, eS sind bis jetzt nur 8 von den Streikenden zu Streikbrechern geworden, diese sowie fernere Knopfarbeiter, ivelche aus anderen Fabriken dort Arbeit genonimen, sind durchaus nicht im Stande, den Streik illusorisch zu machen. Ferner sind in der Fabrik noch 12 böhmische Arbeiter, welche jedoch hoffentlich, ebenso wie sechs frühere Kollegen, Berlin wieder verlasse» werden. Diese böhmische,, Arbeiter sind jetzt bereits ans ihrer Abgeschloffenheit bervorgetreten. dieselben bewegte» sich am Mitiwoch Abend- ohne Aussicht auf der Straße; Redner halte dieselben sofort begrüßt, Jedoch hätte das Gespräch noch zu keinem Resultat geführt, aber es wäre ja noch nicht aller Tage Abend. Daraus theilte der Vorsitzende noch mit, daß einer der Streikbrecher zu ,hm geäußert hätte, er möge die Streikende» frei geben, damit sie Arbeit in der Fabrik nehme» könnten; dieser Ansspruch wurde vom Vorsitzenden sowie von sämmtlichen Rednern sehr schar, zurückgewiesen; sämmtliche Redner äußerten sich dahlil, daß nicht der Vorsitzende eines Streikkomitees, sondern die streikenden selbst den Streik für beendet erklären könnten. Daraus wurde von den streikenden Arbeitern einstimmig der Beschluß gefaßt, den Streik solange aufrecht zu erhalten, bis die Bedingungen, Entlassung des Schlossers Müller, sowie Fortfall des Reverses, nach welchem lein Arbeiter der Nöhll'schen Fabrik einem 8*% verein angehören darf, erfüllt sind. Ferner wurde beschlosten, daß terrn Röhll über den 1. Mai eine Auiklärnng zukommen soll. ie Knopfarbeiter Berlins haben beschlossen, zu Gunsten des acht- stündigen Arbeitstages am 1. Mai 1890 nicht zu arbeiten und dicht um in einen Generalstreik zn Gimst-n des Lohntanfs em- ' leMn jh wM'm, bn? dchaktm wsik nrt§ füt ewr fPSke?e Zekk vor. Darauf Schluß der Versammlung. Dir Schrauben» Faoondrrher kamen am Donnerstag Abend äußerst zahlreich in Deigmüller's Salon, Ällte Jakobstraße, unter Vorsitz des Herrn Jacobs zusammen, um zu berathen, welche Forderungen sie in diesem Frühjahr stellen. Herr Jützow referirte. Redner schildert eingehend die wirthschaftlichen Verhältnisse der Kollegen und kommt zu dem Schluß, daß auf Grund dieser Ver- HÜltmsse eine Verkürzung der Arbeitszeit nothwendig ist. Um den durch eine Verkürzung des Arbeitstages eintretenden Lohnausfall wieder ivett zu machen, müsse ein Zuschlag von 10 pCt. auf die Akkordlöhne gefordert werden. Den früher errungenen Minimal Wochenlohn von 24 M. möge man festhalten. Daß dieser er runaen wurde, habe man nur der Organisation zu verdanken Wolle man weiter kommen in wirthschaftlicher Beziehung, dann müßten die Kollegen sich dem Fachverein anschließen.(Beifall.) Herr Stabernak wirft einen Blick ans die Verhältnisse. Auch die Arbeiter könnten mit Recht fordern, daß ihnen mehr Zeit zur Erholung gegönnt werde. Die Arbeiterschutz-Konferenz, die in Berlin tagt, werde nicht viel zn Wege bringen, da in ihr keine Arbeiter, also keine Leiite sitzen, die die einschlägigen Verhältnisse genau kennen und wissen, wo den Arbeitern der Schuh drückt. Deshalb müssen die Arbeiter selbst eine Besserstellung zu erreichen suchen. Die Arbeitgeber werden die neunstündige Arbeitszeit be- willigen. Ein Theil von ihnen hat schon zugesagt. Auch die Er- höhung der Akkordpreise können die Fabrikanten ganz gut tragen. Sie werden alle nach und nach reiche Leute. Herr Jacobs hält es für besser, den Lohnaufschlaa fallen zu lassen, dagegen an dein Minimallohn und der neunstündigen Arbeitszeit festzuhalten. Das bedeute schon eine, auch pekuniäre Bester- stellung. Die Nachredner widerspreche» diesem Vorschlag ganz entschieden, indem sie darauf hinweisen, daß bei kürzerer Arbeits- zeit die Kollegen angestrengter arbeiten würde», um den alten Verdienst zu erzielen. Damit wäre aber der Zweck einer Ver kurzung der Arbeitszeit, die Produktion einzuschränkeil und so Mehreinstellung von Arbeitern, Verminderung der Reservearmee herbeizuführen, illusorisch gemacht. Nach längerer Debatte wird beschlossen, den Fabrikanten folgende Forderungen zu unterbreiten, die auch für die Hilfsarbeiter maßgebend sind: Neiinstündige Arbeitszeit, Montag und Sonnabend eine Stunde srüher Feierabend; einen Zuschlag von 10 pCt. auf die Akkordlöhne. Diese Forderungen haben am 15. April in Kraft zn treten. Zwei An- träge, die Benutzung deS Arbeitsnachweises des FachvereinS als obligatorisch für die Prinzipale zu machen, sowie eine Agitations- kommission zu wählen, werden wegen der vorgerückten Zeit zurück- gestellt. Diese Anträge sollen in einer neuen öffentlichen Ver- sammlung durchberaüu'n werden. Unter Verschiedenem wird über einen wegen Lohnstreitigkciten bei Mix und Genest ausgebrochenen Streik berichtet. 5 Kollegen baden die Arbeit niedergelegt. Die Anwesenden erklärten sich mit den Streikenden solidarisch und verpflichteten sich, dieselben zu unterstützen. Westrerr Dr»nli>>vr» sannulungc» der Freien Der- »iniguug der Manrer»lerlins und Umgegend wurden am 20. d. M. mit der gleichlautenden Tagesordnung:„Unsere Agitation zur Durchs(ihr»uz; des neunstündigen Arbeitstages" abgehalten und zivar für den Stadtthcil Süd-West im Saale der Habel'schen Brauerei, Bergmann- straße 5—7, und für den Norden im Lehmann'schen Lokale, Schwedtcrstr. 29. Tie letztere Versammlung fand unter Vorsitz des Herrn Wernau statt. Auf Wunsch vieler der Anwesenden unterblieb ein cinleitenoes Referat über die Tagesordnung, indem es für zweckdienlicher erachtet wurde, zunächst einen freien Meimingsaustausch stattfinden zn lassen. Der erste Redner, Herr S ch i g o l s k i, nahm Bezug auf den im„Berliner Polksblatt" erlassenen Appell der Freien Vereinigung, gerichtet an die ortsansässigen Familienväter und Steuerzahler, darlegend, daß nicht diese es sind, welche beschäftigt werden, sondern die von außerhalb herangezogenen Kräfte. Diese sollen ivilllommen sein, sosern sie sich der bestehenden Orga- msation anschließen, wie es vor Allem Pflicht wäre der hier orts- ansässigen Maurer., Redner richtete demzufolge an jeden Maurer den dringende» Appell, sich der Freien Vereinigung anzuschließen und gemeinsam für die Interessen der Allgenieinheit zu wirken. Herr Wernau erinnerte sodann daran, daß bisher für die Agi- tation zur Durchführung des neunstündigen Arbeitstages noch nichts geschehen sei und daß unbedingt etwas geschehen müsse. Der Zuzug werde immer größer, die Kräfte von außerhalb iviir- den durch die Bosheitspolitik des Unternehmerthums beschäftigt, während die ortsansässigen Familienväter und Steuerzahler ans dein Pflaster liegen. An der Freien Vereinigung wäre es, ganz energisch hiergegen zn proteftiren und sich nicht der Muthlosigkeit hinzugeben. Die bisherige Agitation sei eine ungenügende gewesen. Der Verein als solcher müsse als selbstständigcr Faktor fortab die Agitation in die Hand nehmen und wünschte Redner den Vorstand der Freien Vereinigung hiermit beauftragt, die Versicherung abgebend, daß derselbe voll und ganz seine Schuldigkeit thun werde. Herr Görlitz schilderte im Anschluße hieran ans eigener Ersahrung die gegenwärtigen überaus traurigen Arbeitsverhältnisse im Maurergewerbe, speziell in Berlin, während Herr Scheel direkt auf die Tagesordnung zu sprechen kam. Auch er war der Ueber- zeugung, daß unbedingt eine Aenderung eintreten müsse. Das bisher mühsam Aufgebaute sei völlig zusammengestürzt, heute herrsche bereits dnrchgehends zehnstündige Arbeitszeit uns 55 Pf. Durchschnittslohn pro Stunde. Tie Unternehmer wüßten die gegenwärtige Kalamität der Maurer wohlweislich auszu- nutzen. Die Kollegen trachteten jetzt nur darnach, unter eder Bedinaung Arbeit zu erhalten, um anderes küm- incni sie sich nicht. In erster Linie verlangte auch er Beschäftigung für die ortsansässigen Familienväter und hielt e? für angebracht, eine Versammlung arbeitsloser Maurer einzuberufen, uin der Oeffentlichkeit zu zeigen, wieviel Familien- väter brotlos seien, während junge Kräfte von Außerhalb in Ar- beit stehen. Hier sei ein Ende kaum abzusehen. Mit dem Vor- schlage des Herrn Wernau, dem Vorstände der Freien Vereini- gung entsprechende Vollmacht zu erthcilen, erklärte Redner sein Einverständniß und ermahnte zur fleißigen Mitarbeit. Herr Fiedler hielt die Maurer gegenwärtig für unfähig, eine wirk- saiiie Agitation zu entfalten, aus dem einfachen Grunde, weil die erprobien Kräfte auf der Straße liegen. Nach Lage der Verhält- nisse hätten die Vertrauensmänner eine genügende'Agitation ent- fallet. Würden erst alle Maurer in Arbeit stehen, dann würde auch mehr geleistet werden. Entschieden sprach sich Redner dagegen aus, dem Vorstände der Freien Vereinigung die Agitation in die Hände zu legen und die Kommission der Vertrauensmänner außer Fnnklion zu setzen. Er war der Ueber- zeugung, daß, wenn erst wieder Arbeit vorhanden wäre, auch eine wirksame Agitation entfaltet werden und die Organisation wachsen würde. Herr Witt verwies daraus, daß jedem Maurer Berlins die Hand geboten sei, sich der Freien Vereiniglma an- Zuschließen und nahm die Vertrauensmänner in Schutz, denselben eine volle Achtung bezeugend. Herr Behns erklärte sich für den Vorschlag deS Herrn Wernau, unter Absehung aller Ver- traueiismanner. Nur durch eine geschloffeue Organisation sei etwas zu erreichen. Er bezweifelte nicht, daß dieses Bewußtsein unter den Berliner Maurern Wurzel gefaßt habe, doch dürfe man nicht erwarte», daß schon in kurzer Zeit große Resultate erzrelt werden können.— Angesichts der tiestraurigen Verhällnisse der Berliner Maurer nehmen sich die zur Sprache gebrachten höheren Steuer- Einschätzungen des Magistrats recht sonderbar aus. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß ein in der Versammlung anwesender Putzer laut amtlichen'Ausweises in die z e h n t e Steuerstufe eingeschätzt worden ist. Nach Schluß der Diskussion gelangte fol- gende Resolution zur einstimmigen Annahme:„In Erwä- ung, daß die schwindelhasten Bauunternehmungen von Jahr zu !ahr immer mehr um sich greifen und daß die Existenzbedin- gunge» unter diesem Schivindelsystem dadurch für den Maurer immer mehr in Frage aesieUi werden; in fernerer Erwägung. daß nur durch eine straffe und dauernde Organisation der Aus- beutungssucht des Unternehmerthums erfolgreich entgegentreten werden kann nnd es deshalb nothwendig ist, zu einer beständigen Organisation alle Kollegen heranzuziehen, welche unter dem Drucke der heutigen tranrigen wirthschaftlichen Verhältnisse leiden, be- schließt die Versammlung: 1. Die Leitung der Agitation zur Durchführung der neun- stiindigen Arbeitszeit dem Vorstande der Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Unigegend in die Hand zn geben. 2. Sämmtliche Maurer(Akkord-Maurer, Putzer, Fliesenleger».) aufzufordern, der Freien Vereiniginig beizutreten. L. Jedwede Reibung unter den Kollegen zu unterlassen, viel- mehr Mann für Mann dafür einzutreten, die gestellten Forderungen, nämlich 9stündige Arbeitszeit und 00 Pfennige Stundenlohn, voll und ganz aufrecht zu erhalten."— Ein gestellter Antrag, das„Vereinsblatt" durch em Massenabon- neinent zu unterstützen, wurde nach längerer Debatte einer ordent- lichen Mitgliederversammlung überwiesen. Auch erklärte sich die Versammliing damit einverstanden, daß zu gelegener Zeit eine Versammlung arbeitsloser Maurer einberufen werde. 12 neue Mitglieder traten der Freien Vereinigung bei. Zum Schlüsse fand eine längere gewerkschaftliche Debatte statt. Mit der an die Vereinsmitglieder gerichteten Ailfforderiing, mit Fleiß und Nachdruck für die Organisation, für die Vereinigung zu agitiren, schloß der Vorsitzende die Versammlung. *« * fariivmin snmwtiichee nn K»l!bearl>»tt»mg»-!U>ttchii»>' be (chüttivten Arbeiter. Bersammlung am Moniag, den 24. März, in Sägers Lokal, Grüner Weg 29. Tagesordnung: Bortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Diskusfio». BerschiedencS. Fragekaslen. lim zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Slischteruerein heul« Abend 9 Nhr, isotlbnserslr. 4. lung. Tagesordnung: i.~ i. Beretnsangelegcnh Frei» Vereinig 12. März, im DreSde W.. Mitglicderversaimn- Borlrag des Herrn Bölsche über„TarwtnismuL" eilen. »>g»»g der vraneur» und Ziseleure. Sonnabend, den 22. März, in> Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45, gemüthltche» Beisammensein mit Damen,(innre frei. Anfang 8 Uhr, Gäste willkommen, veffentlich,«irchl«r-N»rsa»»»i»na am Sonntag, den 23. März, in der Gämbrtmis-Brauerei, Wallslrahe 48, tu Charlottenburg, Vormittags Ii Uhr. Große öffentlich» Versammlung der Bauarbeiter von Neinillendorf > Umgegend am Sonuiag, den 23. März, SiachintttagS 2 Uhr, im Lokale des Herrn Lüdicke, Ainendeslr. l. Lachverein der h'.ohrlrger. Sonntag, den 23. März,' vormittags 11 Uhr, in Feuer slein'S Talon, Alte Jakobstr. 75. AUgemriner deutscher Sattleroerein(Mitgliedschaft Berlin). Versammlung am Sonnabend, de» 22.März, Abends 8% Uhr, bei Reger, Alis ~ nio'oitratic 83. Verein gewerblicher Liiifsarbeiter für A«l,a»»isti>al«nd|(mg. Versammlung am Sonnabend, den 22. März, Abends 0% Uhr, im Lausischen Lokal zu Neu-Trevtow. Lachverein der in K»chbi»derri»n«nd verw. Betriebe» beschäl- tigten Arbeiter. Montag, den 24. März, Abends u Uhr, Annenstrage ic, Bereinsversammiung. �........._. Herr über Gewei' die Vorarbeiten. I....... lasten. Die Kollegen werben crsnchi, zur besseren Betreibung der Agitation, den Vertrauensmännern resp. dem Vorstand Adressen von Kollegen und Werl- sinken, ivelckc unserer Organisation fern stehe», mitzutheilen. am istraße �WWWWWWW____■HUI Retchihum»nd nationale Armuth. glieder. 4. Verschiedene?. Sir Vereinigung der Nrccholrr Zientschland», vrsSverwalwna«er- lin Iii, hält am Sonntag, de» 23. März, Vomtttäg» 11 Uhr, AndreäSsW. 2« bei Bolzinann eine Versammlung ab. Tagesordnung: 1. VorsiandSwahl. Wie Helle» sich die Mitglteder zur diesjährige» Lohnbewegung, ob Lohn oder Akkordarbeit. 3. VerscniedeneS und Fragekaslen. Zrntral-v.ranlien-«nd Strrbrkaffr dcrSöpfrr. Mitgliederversammr lung am Sonnlag, de» 23. März, Varmittäg» 11 Uhr, im Konigstadt-Kasino, Holimarttslr.»2. Lnäivrrrin der Tischler. Heute, Sonnabend, den 22. März, Abends 9 Uhr, VorsiandSsitzung mit Zuziehung der beiden Kommissionen. Verein der Sattler»nd Lachgenoffe». Versammlung am Dienstag, den 25. März, Abend« aj; Nhr. In(tcigmiUlcv's Salon, Alle Jakobstr. 48-. 2. Dtskusflon. 8. Ausnahme neuer Mtl- Fachverein der Puder Berlin». Miialtederversammlung am Sonntag, den 23. März, VormMags>l Uhr, in den B:irg«rsälcn, Dresdenerstr. 98. Kesang-, Turn nnd gesellige Vereine am Sonnabend: Gesang- verein„Harnionia" AbendS 8 Uhr im Restaurant, Alte Jakobstr. 38.— Männergesangverein„Treue" Abend« 9 Ubr im Restaurant Andreasstrcrtze 9.— Männergesangverein„Eralo" AbendS bL Uhr bei Echiäwiike, Kleine Kurstr. 1. — Männergesangverein„Seneselder", Große Haniburgerstrasie«, um» Uhr Uibungsslur.de, Aufnahme neuer Mitglieder.— Gesangverein„Harmonia" Abends 0 Nhr im Restaurant Lebmann. Kursürstenstr. 31. Gesangftunde.— Liibecl'scher Turnverein(i. Lehrlings-Abih-Nung) Abends 8 Nhr Eitsadetd- straste 57—5«. Turnverein„Wedding-, Panksir. 9, Männer-Ablheiluna van 8% bis lo, ij Uhr Abends; desgl. l. LchrlingSabtheilzmg von 8 bis 10 Uhr Abend« — ArcndS'sche EtenograpbenNasse des„Berliner HandwerkervereinS" Abend« 8% Uhr Sophien, lr. I«.— Theater- und BergnügungSvereinS„Caritas" Abend» s Uhr im Louisenstädltsche» Bterhause, Sldmtraistr.»8.— Theater- und Ber- gniiNnngSgcscllsSiast„Treue" Abend»«ls ilhr in Bobert-s Ballsalon, Weinstr. n. — Privat-Theatergesellschast„Schneeglöckchen", Abends 9 Uhr in Vctttns Bierhou« Vcleraneiistr. 19.— Geselligteitsklub„Lustig" Abends b-j Uhr im Restaurant Weichelt, Taubenstr. 45.— Verein der Taubenfreunde Abends 8% Uhr im Restaurant Hillmann, Manteufselstraste«8.— Dänischer Verein„Freya" Abend« 9 Uhr im Restaurant Poppe, Lindenstr. 100.— Berein der Würliemberger Abends%% Uhr bei vaihinger, Toroiheenftr. 84.— Verein ehem. Schüler der 81. Gemeindcsihnle Abend» 9 Uhr im Restaurant, Koppensir. 58.— Verein ei) cm. M. G. Lulher'scher Schüler Abends Uhr im Restaurant Bormann Ohmgässe 2.— Rauchklub„Portortco" Abend« n Uhr bis Ii Uhr Köpnicker- straiie 157 bei Schulz.— Rauchiiub„Qualm" Abends 8 Uhr im Restaurank Tamm, Schönhauser Allee 28.— Vergnügungsveretn„Lustige 13" Abends»Uhr im Restaurant Aldrechi, Annenstr. 9.— Tainbourverein„Sedan" Sihnng Abends " Uhr, Grüner Weg 9— in, Aufnahme neuer Mitglieder.— Tainbourverein Herz Innig", Abends 8 Nhr, Slhung im Restaurant Slrastburgcrsrratze 5, Dirigent und Porflgender Frih Laugant.— Tainbourverein„Sinigkeil macht stark", gegründet 1888, Dirigent zur Zeit H. Känilina, Aufnahme neuer Mitglieder Abends o Uhr im Restaurant Hahn, Elsasserstr. 67.— Tambour- Verein„Felsenfest", Slhung 8% Uhr, Weistenburgersir. 54, Dirigent und Bor- sthender: A. Friese. Ausnahme neuer Milftiieder.— Vergnügungsverein„Lustige Seelen" Abends 9 Uhr im Restaurant Schuster, Oranienstr. 8.— Be. Mugung«- verein Hospicia Kleine Augustraße 14 AbendS o Uhr. Turn- nnd grsriligr Vereine am S o n n I a g: Lübecl'schkr Turnverein (2. LehrlingSablhcilung) Abend« c Uhr Csisabelhstrabe 57—58.— Turnverein „Wedding"(2. Lebrlingsabiheilung) NachmtliagS 4 Nhr Panlsir. 9. Turnverein „Froh und Frei" ivebrlingsabiheiiungi Nachmittags 4 Uhr Wergstrabe 57.— ~ ,»ügunasverein„FröhlichkeU"(gegr lbSb) RachintNägs o Uhr Grüner Weg 29 Versammlung. Rr. \ Dcpcsrlien. (Wolffsis Telegraplsrn-Sureau.) Pom, Freitag, 21. März. Die Deputirtenkauuner beendete heute die seit drei Tagen dauernde Berathuug über die Eeneh- nligung der Kammer ziir Verhaftung des sozialistischen Deputirten Costa. Der Justizmiuister erklärte, das Urtheil des Gerichts müsse ungehindert seinen Lauf nehmen. Ministerpräsident Crispi erklärte, er lehne jeden Antrag auf Verweigerung der Verhaftung ab und bitte die Kammer, einen Beschluß entsprechend dem An- trage der Kolmnission auf Verhaftung Cofta's zu fassen. Vor der Abstimmung ilahni Eosta noch daS Wort und führte aus, er habe schon früher 5 Jahre Gesängniß durchgemacht und er werde auch jetzt die 3 Jahre uberstehen, zu denen er verurthcilt sei; er könne aber versichern, daß er der ihin zur Last gelegten That nicht schlildig sei. Bei der Abstimmung wurden alle Anträge gegen die Verhaftung Costa's mit 181 gegen 104 Stimmen abgelehnt, dagegen der Antrag der Koulmissioil auf Verhaftung mit großer Majorität genehmigt. Soest, Freitag 21. März. Bei der am 17. März stattgehabten Reichstags-Nachwahl für den Wahlkreis.Yamm-Soest wurden insgesammt 22 186 Stimmen abgegeben. Hiervon er- hielten Landgerichtsrath Schneider(mtl.) 9458, Racke(Zentrum) 8886 und Prof. Osthoff(dfr.) 3303 Stimme». Es ist somit Stichwahl zwischen Schneider und Racke erforderlich. Briefliche Kriefltasten der Kedalttiolr. Bei Ansrogin diiien wir die AboniiemenlS-Quiiiung beizusügen. Anlworl wird nicht crlheilt. Fachuerein der Tapeiirer. Ihr Wunsch wird berück- '§1. f. Wer zur Tragung der Prozeßkosten verurtheilt ist muß stets dem Gegner die Kosten für dessen Rechtsanwalt er- statten. Fchv. I in BllPiliiittckll u. vW. Betrieben beslh. Arbeiter. Montag, den 24. März, Abends 9 Uhr, Annenstr. 16: Vereins- Versammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Herrn Stadtverordneten Vogtherr, über: Gewerbeschieds aerichte. 2. Bericht der Vertrauensmänner über die Vorarbeiten, behufs An samnilung eines Fonds. 3. Verschiedenes und Fragekasten. 293 Die Kollegen werden ersucht, zur besseren Betreibung der Agitation, den Vertrauensmännern resp. den» Vorstand, Adressen von Kollegen und Werk- stuben, welche unserer Organisation fernstehen, mitzutheilen. _ 293_ Der Uorstand. Große öffentliche Versammlung sammtUch. Arveiter der Ueuen Kerliner Messingwerke(Firma W. Borchert) am Sonntag, den 23. März 1890, Vormittags 11 Uhr, in Renz' Salon, 105 Nauminstrasze 27. Tagesordnung: 1. Berichterstattung der Kommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Jeder Arbeiter der Neuen Berliner Messingwerke ist dazu eingeladen. Jeder Arbeiter ist willkommen. Zur Deckung der Unkosten findet ine Tellersaminlung statt.__ Ter Einberufer: W. Bredow. Große öffentliche Versammlung der Lurns-Papierpräger n.-Klägerinnen am Montan, den 24. d. M., Abends SVe Uhr, ,m Lokale des Herrn R, Trillhosc, Rosenthalerstrasie Nr. 11. Tages-Ordnung: 1. WaS erwarte» die Luxus-Papierpräger und-Prägerinnen von einer Organisation in der Zukunft? Referent Cteindruckcr Herr Albert Schulz. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt.— Um recht zahlreichen Besuch bittet 908 Der Einbcrufer: Ernst Seidel. UllteMmO. deiltslher Hiitlilcher. Montag, den 24. März, Abends 8 Uhr, im Schützenhause, Linienstr. 4/5: Mitglieder- Uersammlg. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1889. 2. Wahl des Ortsvorstandes. 3. Verschiedenes.— Das Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht dringend Oer Vorstand. Grosse öffentliche Versammlung aller in der Kistenbpanche beschäftigt. Arbeiter Olli Montag, den 24. März, Abends SV» Uhr, bei Feuerstein,' Jakobstraste Nr. 75. Tagesordnung: I. Wie verhalten die Berliner Kisteumacher sich der Zentralisation gegenüber? 2. Wahl eines Kassirers resp. der Vertrauensleute betreffs der Uuterstützungsform. 3. Diskussion und Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 813 Der Einberufer: Paul Schröder, _ Große Frankfurterstr. 15. Alte WiltHe AWtt-MrslM!llW am Sonntag, deu 23. März,"WW in d. Gambrinus-Brauerei, Wallstr. 46, in Charlottenburg, Morgens ll Uhr. Tages-Ordnungs Die bevorstehenden Streiks im Tischlergewerbe. Referent: Herr Schade. Diskussion und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 291 Der Einbcrufer. Achmeiu iler Lithogruphie- Steiilschleisel! imii Verilssgen. Am Donnerstag, den 20. d. Mts., Vormittags, entschlief nach mehrmonat- lichem Krankenlager unser Mitglied, der Kassirer F. Winkelmann, an der Proletarierkrankheit. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. ds., Nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause Feldstr. 12, 3 Tr., statt. Ehre seinem Andenken![318 Um recht rege Betheilignng an der Beerdigung ersucht Der Vorstand. Die Versammlung der Vertrauensmänner des Flchv. kl Former ll.Verussg. findet erst Sonntag, den 30. März, statt. 200 Näheres durch Karten. T. Müller, Vorsitzender. Mglieber-Versmiillliilg 1 des Vereins d. Ginsetzer (Tischler) am Sonntag, 23. dS., Vorm. IOV2 Uhr, im Vereinslokale, Neue Friedrich- straße 44. Tages-Ordnung: 1. Innere Vereinsangelegenheitcn. 2. Fragekasten.[319 Der Vorstand. Vereinigung der Drechsler Deutschlands (Ortsverwaltung Berlin I). Gencral-Versainmlnng am Sonntag, den 23. d. Mts., Vormittags lOVa Uhr, Annenstrahe Nr. 10 324](Siehe redakt. Theil.) Versammlung des Vereins z. Wahr. d.Jnter. der Klavierarbeiter «nd verwandte» Kerusagenoss'»» am Montag, den 24. März 1890, in„Deigmuller's Salon", Alte Jakob- straße 48 a. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk(Thema über„Moderne Poesie"). 2. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedenes. Den Kollegen zur Nachricht, daß jeden Donnerstag ein Leseabend stattfindet bei Winzer, Naunynstr. 78, und werden die Kollegen ersucht, sich recht rege daran zu betheiligen.[320 Cr. öjseiitl. Vechinrnlung ki SanWulMicher Berlins am Sonntag, den 23. März d. I., Vormittags 11 Uhr, im Saale des Herrn Fr. Zrmter, Münzstr 11. Tages-Ordnung: I. kStellungnahme über Verkürzung der Arbeitszeit. Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Diskussion. 293 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersaminlung statt. _ Der Einberufer. ose He�pen-Kleidep-Fabrik der Deutschen Compagnie 40141 Oranienstrasse 40141(am Oranienplatz) empfiehlt ihr großes Lager der geschmackvollsten Neuheiten in Nock- und Jaquet-Anzügen, Paletots 2C. bei elegantester Ausführung zu en gros-Preifen. 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L. die 325] Unserem Kollegen und Genossen ZMK 297 Von seinen Kql|_Jj—-- unserw Die herzlichste Gratulation Freund Anton Chrichanofski in Krtreff seines Geburtstages«nd so der Verein„Friedensbaum". 82? SitlmmitHM von Carl Pietzner, W 18. Insrfstratze 13,'WI Täglich Frei-Konzert der Damen-Kapelle H o f m a n n. VVL*/UUlV»i'0vv.rv—--ar. und Ge- Enipfehle allen Freunden Nossen mein Weiss- niul Bairiscli-Bier-Lokal nebst Mittag und Abendtisch. ZW Zu Zahlstelle u. Arbeitsnachweis zu verg. ö. Gldc.sZ? 314 e* j- Sflilatu» Ml W'S M. Beradt, A, KowaM RI: empfiehlt seinen vorzuglichen Volksblatt".„Volkszeitung, Tribüne jc. liegen aus. Empfehle allen Freunden und Be- kannten meine Destillation, Wch- n, Vereinszimmer für Arbeitsnachwe'- und Zahlstelle steht zur Verfügung- Car>> UBräck, Mrangelstr. 84. Ifl Allen Freunden, Bckannt�.�. Parteigenossen empfehle mein —- Bairisch-Bier-Lokal und Alb. Nemitz Große Frankfurterstraße 27, Ecke rech Andreasstraße. Echten MMilser Mw ä Fl. excl. 75 Pf. 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Druck und Verlag von Ma» Sabina in Berlin SW.. Beuthstraß«?.