f Nr. 70. Sonntag, de» S3. Miirz 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt» scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin S's Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5., vonntagS- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Poltabonnement 3,30 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzeitungSpreisliste für 1800 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) wer Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutichland und Oesterreich-Ungarn L Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. W Jnsertions gebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersamnmmgS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Bureaur,' ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Fernsprecher: Amt vi vormittags geöffnet. 4106.«- Nr Kedsckkion: BeukhfivaHe S.— Expedition: MmmeeZteMe 44. Zum Quartalswechsel eröffnen wir ein neues Abonnement »s das„Berliner Volksblatt" mit dem„Sonntagsblatt" als �»tisbeilage. Der Preis unseres Blattes ist so bemessen, daß Jeder dasselbe 4(0 kann. Unser Blatt kostet fxtt MS HttUS 1 M 10 Wch »o Monat und 88 pf-nnig pro Woche. Durch die Post bezogen von jetzt ab nur 3 Mark 30 M sto Quartal(eingetragen in der Postzeitungsliste für 1890 unter � 892 V. Nachtrag). Unsere geehrten Postabonnenten bitten wir, das Zlbonnement '�tzeitig zu erneuern, damit keine Verzögerung in der Lieferung ''»tritt. Redaktion und Expedition des �Heriiner Koiksdiatt�. Unsere Expedition befindet sich vom 1. April ab Kenthstraße 3. r" S. 1886. V. (Schluß.) . Werfen wir noch einen Blick auf die Unter- �altungskosten der öffentlichen Volks- 'chulen..,. Es betrugen im Jahre 1886 bezw. im dreijährigen durchschnitte aus 1883—85: '"Ä5"«•««*» Schulunterhaltungskosten Mk. Mk. Mk. �Staate.. 116 615 648 75 845144 41370 504 Pin den Städten 50 480 790 81 229176 19 251554 'lauf dem Lande 66 184 918 44015963 22118950 115 Iseuillekon. :Z. Nachdruck verboten.)), Der Mord auf dem Kalle. Aus dem Leben einer Kreisstadt. � I Von I. S. P a n o w. v.. Als ich in seine Zelle trat, faß er auf dem hölzernen ""ftgcr, den Ellbogen auf das Kopfkissen gestützt; das kleine Mde Fenster dicht unter der Decke erhellte kaum seine Zelle; — �e Luft in derselben war sehr drückend. I' l Ich ließ mich ,iebe,l ihm aus dem Bette nieder. o L— Ich hoffe, sagte ich, Herr Jtschalow, daß Sie jetzt ~"le volle Wahrheit angeben werden. — Haben Sie Fräulein Bobrow schon verhört? !— Noch nicht. n.— Dann lehne ich jede Antwort ab. Sie soll mir erst 7'Nweisiutg crtheilen, und dann werde ich alles sagen, was weiß.• jo. So sehr ich mich bemühte, eine Antwort zu erlangen, '0 blieb doch Jtschalow bei seinem Enschluß. - L Nachdem ich den Gefängnißaufseher herbei gerufen, be- '»hl ich ihm, die Beaufsichtigung seines Gefangenen zu ver- - tMrfen, um jede Begegnung, welcher Art immer, des Ge- sl l»ngcnc>! mit fremden Personen zu verhindern. Ich kehrte nach Hause zurück. ♦ Wegen der Flucht des Fräuleins Bobrow machte\ »lir keine Sorgen. Ich war überzeugt, daß man sie ba ifolVv._____ C"*1_____. /klAAAM Slft-M-Wli «nr ich bald m Verhör vorführen werde. Gegen sieben Uhr Abends x sie jedoch noch nicht da. Also 64,52 pCt. der Ausgaben entfielen auf die persönlichen Aufwendungen(Gehälter zc.), 35,48 pCt. auf die sächlichen Kosten(Schulbauten, Miethen u. s. w.), Nicht weniger als 70,95 pCt. der gesannnten Kosten, „wurden von den Gemeinden und sonstigen Verpflichteten aufgebracht", sagt die Denkschrift.*) Das Kapital der„Verpflichteten" ist ein sehr inter- ressantes; für die ländliche Agitation unter bäuerlichen Wählern ist dasselbe von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Von Jahr zu Jahr wird immer dringender nothwendig eine Regelung der Ver- pflichtung der Gutsherren zu den Schul- laste n. Die Vorrechte der Großgrundbesitzer, der Junker und Junkergenossen, die doch wahrlich über Mangel an Vorrechten— siehe Schnapssteuer, Vieh-, Korn-, Holzzölle, Zuckerexportprämie u. s. w.— nichts zu klagen haben, find in unser„erleuchtetes Jahrhundert als sorgfältig konservirter Rückstand der feudal-patriarchalischen Periode herübergenonnnen worden. In den: Großgrundbesitzer-Paradies, in Schlesien sind die Zustände nnt am kläglichsten. Nur ein einziger Punkt sei herausgegriffen, um die krasse Ungerechtigkeit des bestehenden Zustandes zu kenn- zeichnen. Nach zwei Erkenntnissen des preußischen Ober- Verwaltungsgerichtes sind die Gutsherren nicht nur bezüglich ihres ursprünglichen Be- sitzthums, sondern auch bezüglich aller von ihnen„zugekauften" Bauerngüter von der Sck)ulunterhaltungSpflicht be- freit. Kann man wohlwollender für die„nothleidende Landwirthschaft" sorgen, soweit dieselbe sich aus den Schaaren der Großgutsbesitzer rekrutirt? Die Besitzer großer Rittergüter, Leute, die über sehr große Einkünfte verfügen und die angenehme Sitte üben, viel weniger Steuern dafür zu zahlen, als die„christliche" Moral es zuläßt, die Herren Brotvertheurer, die den» Volk so hart aufliegen, wie ihre Ahnherren dem gedrückten Landmann und den„Pseffersäcken", sie sind auch von der Pflicht, zu einer Kulturaufgabe etwas beizutragen, befreit. Freilich verträgt sich Kultur, Volksauftlärung, Bildung, Einsicht in die Natur der Dinge, nicht mit den Dunkelmänner-Be- strebungen unserer märkischen und p ommeris chenKrapülinsky's. Es wäre für sie eine Todsünde, in das Dunkel, das breite Schichten der Nation umlagert, das Licht der Erkenntniß auch nur tragen zu helfen, da die geistige Knechtschaft der Massen eine Bürgschaft für die Erhaltung des wirth- schaftlich-politischen Frohnverhältniffes ist. Aber es wäre auch der tieffte Seelenschmerz für die Junker als treffliche Rechner, wenn auch sie, die zum großen Theil als Bureau- *) A. o. O. S. 97. Ich verließ das Haus, um einen Spaziergang durch die Straßen zu unternehmen, indem ich den Befehl ertheilte, falls man sie in meiner Abwesenheit bringe, sie mit ihren Geleitern im Empfangszimmer warten zu lassen, aber kaum war ich fünfzig Schritte gegangen, so erblickte ich eine Troika, die sich im Karriere meinen: Hause näherte. In dem Schlitten saßen drei Personen: Matow, Kokorin und Anna Dmitrijewna. — Woher kommen Sie? frug ich. Ihre Pferde sind mit Schaum bedeckt. — Aus dem Dorfe Guslize. — Wie? Neunzig Werst weit? - Ja! Wir traten in das Empfangszimmer. Nur mit Mühe vermochte man die Gefangene zu er- kennen. Wohin waren ihre rothen Wangen entschwunden? In ihren: Gesicht prägte sich Erschöpfung aus; die ver- weinten schönen Augen waren geschwollen; sie hielt sich kaum aufrecht Nachdem ich sie zu einem Stuhl geleitet, frug ich sie, :e sich nicht durch irgend ettvas stärken wolle. Sie bat ob ff...._ mich, sie einige Minuten allein zu lassen. Wir gingen hinaus. Ich ließ durch Kokorin zwei Geheimpolizisten holen, welche durch den andern Flügel in mein Kabinet geführt und hinter einem Schirm postirt wurden. nzwischen erzählte mir der Polizeidirektor folgendes: — Zwei Stunden lang vermochte die Polizei ihre Spur nicht zu finden. Am Morgen war sie bei einigen ihrer Verwandten und zuletzt bei ihrem Onkel Hamelman, von wo sie mit ihrem Bruder fortfuhr, aber wohin.... kratie, als Militärs u. s. w.„dem gemeinen Wesen in die Fütterung gegeben sind", wie der alte ehrliche Justus M o e s e r sich auszudrücken pflegte, auch einmal dem Gemeinwesen ein Scherflein abgeben sollten. Es wäre entsetzlich, wenn sie, welche behaglich Grundrente und künstlich erhöhte Getreidepreise einkassiren, daß sie, welche ihre Erbitterung über die böse Sozialdemokratie unbedingt mit„Wollwasser", d. h. Champagner, ersäufen müssen, sie, die im Hoppegarten rennen und bei Kroll tanzen lassen, auf einmal zur Erfüllung emer elementaren Pflicht heran- gezogen werden. Man beachte wohl! Nicht blos für ihren ursprüng- lichen Besitzstand spricht sie das Doppel-Erkenntniß des Oberverwaltungs-Gerichts von der Schul-Unterhaltungs- Pflicht frei und ledig, auch für die„zugekauften Bauern- guter." Nun ist es eine bekannte Thatsache, daß die Herren Fendalbarone von heute das Bauernlegen so gut, ja noch besser verstehen, als ihre Vorfahren in Pommern, in der Mark und anderswo. Heute herrscht das Groß- kapital auch in der Landwirthschaft; der Großgrundbesitze wird inimer zum Großbetrieb, die moderne Maschinen- technik findet beständig mehr Eingang in den Ackerbau, und die kapitalschwache Bauernschaft, der Kleingrundbesitz geht in dem aussichtslosen Wettbewerb mit den Großen elend zu Grunde. Die Junker, unterstützt durch die Schutzzölle und die Güterschlächter, dazu die internationale Lebensmittel-Konkurrenz, machen einem Bauern nach dem anderen den Garaus. Der Großgrundbesitz saugt die kleinen Betriebe gierig auf. er schlägt zu seinem Areal, was man auch„arroudiren" nennt. Die Folge davon ist, daß mit jedem Hinzukauf einer bäuerlichen Wirthschast zu dem Hauptgute die Zahl der bäuerlichen Besitzer, auf denen die Schnlunterhaltungspflicht ruht, sich vermindert, und so für den verbleibenden Rest der Bauernguts- besitzer den Antheil an der Schullast bis zur Unerträg- lichkeit wächst. Der„gnädige Herr" sieht derweil zu, und ist wieder ein Bauer an den Bettelstab gebracht, so kann er wieder„zukaufen." Sogar unserer Landraths- und Junkerkamnier schlug das Gewissen, als am 14. Mai 1887 die Sache im Land- tage zur Sprache kam und beschloß einstimmig, auf An- trag von konservativer Seite, die Regierung auf- zufordern, die Beitragspflicht der Gutsherren zu den Schul- lasten„möglichst bald im Wege der Sonder-Gesetz- gebung zu lösen." Dieser Anfall von„Edelniuth", d. h. von Be- schämung schloß die Angelegenheit ab. Die Regierung that bis heute nichts, und der Beschluß blieb auf dem Papier. So bleibt ein krasser Mißstand bestehen, und wir empfehlen unseren Freunden bei der ländlichen Wahl- agitation diesen Gesichtspunkt zu berücksichtigen. das wußte Niemand. Vorübergehende hatten in den Straßen eine Troika gesehen, in welcher drei Personen saßen. Kokorin und einige Polizeileute stiegen zu Pferde und begaben sich auf verschiedenen Wegen auf die Verfolgung. Sie holten die Flüchtlinge bei dem Dorfe Guslize ein und brachten sie h:erher. Auf Kokorins Fragen, wohin sie fahren wollte, hatte Fräulein Bobrow erwidert, daß sie es nicht wisse, und daß sie dorthin gefahren sei, wohm sie ihr Bruder führte. Ich verabschiedete mich von dem Polizeidirektor und Kokorin und lud Anna Dmitrijewna ein, in mein Kabinet zu treten. Als sie den Sektretär erblickte, sprach sie zu mir: — Hier ist eine fremde Person,., können wir nicht allein bleiben? Auf einen Wink verließ der Sekretär das Zimmer. Daraus begann sie, nachdem sie sich ans einem Stuhl niedergelassen: — Es war nicht mein Wille, daß ich von hier fortfuhr. Ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß ich blos den Wunsch meines Bruders erfüllte... Er dachte mich da- durch zu retten.., Man brachte mich mit Gewalt in den Schlitten... Ich bitte Sie blos, meinen Bruder deshalb nicht zur Verantwortung zu ziehen. — Seien Sie unbesorgt. — Ich muß aber gestehen, daß unter dem Eindruck der raschen Fahrt, der frische:: Lust, beim Anblick der ruhigen und fröhlichen Leute, die durch die Straßen gingeir... in mir Furcht vor den: Verlust der Freiheit rege wurde. Ich wollte nicht fliehen, aber ich war froh, daß man mich entführte... Damit entschuldigte ich mich gewisserliaßen vor meinem 15 831 500 M. 29148 . 29 148 500 . 150 903 000„ daß der Staat von den 88,51 pCt. 68,32„ 23,10„ 25,11 Die„Denkschrift" giebt auch eine Uebersicht über die Kosten des g e s a n» in t e n � öffentlichen Unterrichts in Preußen im Jahre 1888. Von denselben entfallen auf Universitäten...., Höhere Lehranstalten., Eleinentarunterrichtswesen Bezeichnend ist es zunächst, Kosten trägt: der Universitäten,,,, der Fachschulen..., der höheren Lehranstalten, der Volksschulen...... ao,n Man lasse sich durch die 156 903 000 Mark nicht bleichen, man bedenke, daß es im Jahre 1886: 34016 Volksschulen mit 75 097 Klassen gab, in welchen 4 838%4V Schüler von 64 750 Lehrkräften unterrichtet werden. Die elf preußischen Hochschulen wurden 1889 von zusammen 13 400 Studirenden besucht, die über ein Lehr» personal von 1157 zu verfügen hatten. Höhere Lehranstalten zählte man im Winter 1885-86: 535 mit 8734 Lehrern und 151541 Schülern einschließlich der Vorschüler. Sonach trifft auf eine Volksschule»in Anstvand von,, 2 433 M. „ Hochschule„ 2 049 863„ höhere Lehranstalt„„.. 65 300„ Diese Zahlen sprechen für sich selbst. Wir sind am Ende. Unser Spaziergang durch die preußische Volksschulstatistik hat uns eine lange Reihe schwerer Mängel und Schäden gezeigt. Die Lehrkräfte genügen nicht dem Bedarf, sie sind ungenügend bezahlt und übermäßig angestrengt, die Schulen sind überfüllt und die Lernmöglichkeit ist aufs bedauerlichste beschränkt, die öffentlichen Mittel stießen karg für die Schulen, die das Proletariat besucht. Der Kampf für eine Reform der Volksschule ist noth- wendig im Interesse der Arbeiterklasse. Möge er mit aller Energie geführt werden! Mas soll am 1. Mai geschehen?) Nur noch eine kurze spanne Zeit trennt nns von diesem Tage. ES ist daher nothwendig, mit aller Kraft die Agitation zur Feier der Achtstundenbewegung in die Sand zu nehmen, die Massen aufzuklären, damit der Sieg der Aroeiterschaft am 1. Mai sich mit dein vom 20. Februar deckt. Die Agitation für die Verkürzung der Arbeitszeit ist jetzt um so nothwenviger, da ans den: Programm der internationalen Ar- deiterschutz-Konfercnz sich nichts findet, was die Einführung eines Marimal-ArbeitstagcS bedingt. Zeigen wir daher, daß wir die Verkürzung der Arbeitzeit wollen. Wie kann dies geschehen? In allen Industriestädten, in denen starke Organisa- tionen bestehen, ist der 1. Mai ein Feiertag. Alle Gciverke ruhen! Die Unternehmer sind hiervon rechtzeitig zu benachrichtigen. Im Laufe deZ Vormittags finden öffentliche Versammlungen statt mit der Tagesordnung:„Die Achtstunden- dewegung." Der Nachmittag gehört der Familie. Hinaus ins Freie! In allen anderen Orten, in denen keine ausgeprägt starken Arbeiterorganisationen bestehen, der Proklamirung des Feiertages Schwierigieiten in» Wege stehen, mag irgend einer der Jnler- essenten zu einer den Verhältnissen des Ortes entsprechenden Zeit ebenfalls«in« öffentliche Versammlung mit dem gleichen Thema einberufen. Also: überall, in dem kleinsten Flecken Deutschlands, am 1. Mai öffentliche Versammlungen, das gleiche Thema und die gleiche Begeisterung für die Verkürzung der Arbeitszeit l Die in den Versammlungen zu fassenden Resolutionen sind mit Angabe der Anzahl der Betheiligten an die Arbeiteroertreter im Neich-tage zu senden. Ferner: In allen Versammlungen arrangire man eine Massen- Petition, das Material kann durch die Expedition der„Berliner Volks-Tribüne" im Lause der nächsten Woche bezogen werden.'*) *) Alle Arbeiterblätter werden gebeten, diesen Aufruf abzu- drucken. Gewissen deshalb, daß ich aus's Neue Jtschalow der Will- kür deS Gerichtes überlasse... Und weshalb warf ich mich nicht unter die Hufe der Pferde, weShalb war mir um nrnn Leben leid V — Gott hat Sie beschützt. Sie haben Ihre Schuld noch nicht getilgt; Sie haben Ihre gestrigen Worte noch nicht ergänzt. Sie, nachte eine ungeduldige Bewegung, als ob sie sich wegen dieser Freimüthigkeit Vorwürfe machte, und senkte die Augen. — Bedenken Sie, daß das Schicksal eines Unschuldigen in Ihren Händen ruht, sagte ich. Sie hob den Kopf, saun ein wenig nach und frug: — Was benöthigen Sie von mir? Gestern habe ich alles gesagt. — Sie haben blos die Thatsache mitgetheilt, das Ge- richt braucht Einzelheiten. Ich bitte Sie, jetzt zu erzählen, wie Sie den Mord vollbracht haben. -Sie ließ aufs neue deu Kopf tief herabsinken, und sann nach, während sie in den Falten ihres Kleides wühlte. Ich vermochte ihr Gesicht nicht zu sehen, doch ich errielh, daß Uncntschlossenheit sie beherrschte. Nach einer Minute sah sie mich scharf an, unterdrückte einen Seufzer und sagte, oas Gesicht seitwärts wendend: — Ich konnte mich auch selbst verleumden... Was «vollen Sie von mir? schrie sie plötzlich auf und betrachtete mich mit funkelnden Blicken. — Ich bin nur ein Organ der Exekutivgewalt, Anna Dmitrijewna, sagte ich sanft. — Des Obergerichts? — Ja, des Obergerichts. — Aber erscheint_ etwa Ihren« Overgericht das, Sollten wieder Erwarten die Versammlungen verboten werden, so ist dennoch die Unterschriftensammlung vorzunehmen und die ausgefüllten Vetüionsbogen mit Angabe der Gründe des Verbots der Versammlung find an die Unterzeichneten einzusenden, li/e Millionen Stimmen am 20. Februar! 2 Millionen Unterschristen am 1. Mai. Das sei die Parole. Berlin, Ende März 1890. Th. Glocke, Tischler, M. Baginski, Schuhmacher, Lansitzerstr. 52, III. City-Passage. Alb. Schmidt, Buchdrucker, W. Schweitzer, Maler, Oranienstr. 23. Dennewitzsir. 20. Julius Wernau, Maurer, Wilhelm Werner, Buchdrucker, Zionslirchplatz 2. Mantenffelstr. 71. E. Wiedel»arm, Tischler, Oskar Wilcke, Gürtler, Wendenstr. 2, IV. Stralauer Brücke 4, Quergeb. IV. Fritz Zubcil, Tischler, Max Schippel, Redakteur, Waldemarstr. 72. Friedrichshagen. I. Hartmann, Metallarbeiter, Reichenbergerstr. 73. VoliktMs Usbvrfichk. Tngriüe««f da» allgemein-, gleiche, geheime»md direkte Mahlrecht werden von der„Kreuzztg." gegenwärtig nicht an leitender Stelle veröffentlicht, sondern als„Ein- gesandt" in eine dunkle Ecke des Blattes verwiesen. Dort machen sie sich aber spaltenlang nnt so ungenirter breit. Ein Gutes haben sie jedenfalls: Ihre plumpe Offeiiherzig- keit läßt deutlich erkennen, wohin die Wünsche mancher „Edelsten" gehen und wie sie die„kaiserliche Sozialpolitik" was ich eingestanden habe, als zu wenig? Es verlangt Einzelheiten, Erinnerungen, es will, daß ich meine Seele vor ihm bloßlege, daß ich alles nochmals durchlebe... Nein, das wird nicht geschehen!... Sie haben keine Beweise! me �Jch�ging zu dem feuerfesten Schrank, nahm die Rasir- --- U W------, g,/------» «raus und legte sie auf den Tisch. gern als Zuckerbrot benutzen möchten, um dann mit der Peitsche der Reakuon um so schärfer zuzuschlagen. So heißt es in einem Eingesandt: „Selbst in Kreisen,»vo die Wahl noch glücklich ausfällt, kann man es recht deutlich beobachten, und so muß sich meines Erachtens naturgemäß nut jeder Wahl bei den Gutgesinnten die Ansicht immer fester ausbilden, daß mit diesem Wahlsystem 'gebrochen«Verden muß, und zwar bald, wenn der Schade, der sittliche Ruin des Volkes, nicht unheilbar werden soll. Was für ein System an die Stelle treten soll, das mag eine schwere Frage fein, da die korporativen Organisationen noch nicht weit genug vorgeschritten sind, um darauf ein neues zu bauen, aber der Ver- hetzung des Volkes gegenüber sollte man sich nicht scheuen, das fetzige System offen als ein verderbliches zu bezeichnen, und kann man es nicht gleich ganz fallen lassen, so kann man doch wenigstens Einschränkungen machen, z. B. die Wahlberechtigung erst mit dem 30. Jahr und mit einer be- stimmten Steuerstufe beginnen lassen, und kann dmuit schon der Wühlerei viel Boden entziehen. Das Beste freilich wäre: nichts Halbes, sondern etwaL Ordentliches, von der Regierung wohl erwogenes Neues. Und sollte sich, um das durchzusetzen, kein Reichstag finden, so wäre hier, wo es sich um das sittliche Wohl des ganzen Volkes handelt, ei«» Uerfassniigobruch sogar berechtigt. Die Abschaffung des jetzigen Wahlsystems jetzt, wo wir ein starkes Königthum und eine noch intakte Armee haben, würde auch keine Katastrophe nach sich ziehen, höchstens würde in den Siädten eine Zeit lang darüber geschrieen werden. Das würde sich aber balo geben, zumal wenn unser theurer König seine großen, volksfrenn blichen Er- lasse alsbald in die entsprechenden Thaten umsetzt. Dann hätte das Volk, wonach es sich so vielfach sehnt, aus den» besten Wege erhalten und würde seinem Kaiser dank- bar sein, während es jetzt immer mehr nnt dem sozialen auch dem politischen Umsturz zugetrieben wird. An diesen« letzteren aber werden bei dem jetzigen System auch noch so wohlthätige Besserungen in der Lage der Arbeiter nicht all- zuviel ändern, denn Wünsche werden immer bleiben, und die Verführer werden es nieisterlich verstehen, dieselben in's wir- kungSvollste Licht zu setzen und die nöthige Stimmung der Un- Zufriedenheit zu erzeugen. Fällt aber das jetzige System, sobald wird es auch hierin anders werden, denn die politischen Ver- führer werden die Masse, die ihnen keinen politischen Vortheil mehr verschaffen kann, besonders die auf dem Lande, sehr bald in dieser Beziehimg links liegen lassen." Wir nageln diese Auslassungen an, die nach jeder Rich- tung hin werthvoll sind. Einmal werfen sie ein Helles Licht aus die Freude der„Kreuz- Zeitungs"- Männer, mit der sie die„kaiserlichen Erlasse" begrüßt haben. Dann aber ist die Leichtherzigkeit göttlich, mit oer von einem Verfassungsbruch die Rede ist. Auf einen gebrochenen Eid komnit es den Herren, die der Sozialdemokratie die Empfehlung des Mein- eides nachsagen, nicht weiter an.„Noblesse oblige!" Da» sokiatde», akratische Zentral Wahlkomitee hat in seiner Eigenschaft als gegenwärtiger Fraktionsvorstand den Be- schluß gefaßt, in der ersten Sitzung der neuen Reichstagssraktion die Einbringung eines Arbeiterschutz-Gesetzes vorzuschlagen. Es — In diesem Futteral, sagte ich, befindet sich eines der Rasirmesser Ihres Bruders, in dem versiegelten Konvolut ein vollkommen ähiiliches, das mit diesem ein Paar bildet. — Nun, was ist damit? — Mit diesem Messer wurde Fräulein Ruslanow er- mordet. — Warum gerade mit diesem? — Ihr Blut haftet daran. An ihm befinden sich Haare von ihren Augenbrauen. — Wie wollen Sie das beweisen, daß sich an dem Rasirmesser Blut befindet? — Das wird die ärztliche Besichttgung ergeben. — Wie vermag der Arzt zu erkennen, daß dies gerade Bült ist? Und wie wird man daraus, daß an dem Rasir- messtr sich Blut befindet, schließen können, daß ich die Mörderin bin? — Hier ist der zweite Beiveis, sagte ich, indem ich ihr den Zettel zeigte, welcher der Modistin Masurina war ab- genommen worden. — Ich kenne diesen Zettel nicht. — Der Zettel ist aus der Tasche ihres Kleides gefallen, welches nach dem Ball bei der Masurina... — Ich habe irgendwo gelesen, daß ein Mörder aus Grund eines Knopfes entdeckt wurde, der sich von seiner Weste losgerissen hatte. Sie müssen viel Kriminalromane gelesen haben und nehmen jeden Unsinn auf. Ich werde Ihnen nichts mehr sagen. Sie schivieg uno sah hartnäckig nach der Seite. — Ich kann Sie schließlich zum Reden nicht zwingen. Wollen Sie nicht durch Ihre Unterschrift bestätigeil, daß Sil eine Aussage verweigern? — Ich wünsche dies nicht. Ich begab mich in das Vorzimmer und verordnete die sofortige Vorführung des Gefangenen Jtschalow. Es erschien mir, daß sein Erscheinen den Aussagen des Fräu- leins Bobrow eine andere Richtung geben müsse. Wir schwiegen Beide. beschäftigt, den früher bereits vorgelegten Entwurf eine? grundlichen Umarbeitung zu unterziehen. er nI§ englischer Delegirter zur inter- | seil .5 Luge» haben ein zäh«» Zeben. Herr Hans Blum, der wert vom Stamm gefallene Sohn Robert Blums', hielt, wie wir gesteril schon erwähnten, in Magdeburg am Abend vor der Nachwahl eine nationalliberale Wählcrversammlung ab,«n welcher er dem„Leipziger Tageblatt" die Lüge nach- plapperte, Liebknecht habe in einem sächsischen Arbeiterblalt geschrieben, die sozialdemokratischen Abgeordneten seien„zu gescheidt um im Reichstag praktische Vorschläge zu machen." Das formelle DeMentt Liebknecht's, der die Urheberschaft jenes Artikels und auch die Verantwortlichkeit für den In- halt sofort ablehnte, ist für diese ordnungsparteilichen Größen mcht vorhanden. Die Lüge paßt ihnen in den Kram, und da wird dam« lustig fortgelogen.— Auch der„famose Scher»" mit dem„Dreihundertmark-Kleid", der Frau Liebknecht wird eifrigst weiterkolportirt. Nun— wir wollen nns darüber nicht ereifern. An Dornbüsche können keine wohlschmeckenden Früchte wachsen, und müssen unsere Feinde nun einmal nehmen, ivie sie sind. Ueber den neuen Reichokaufter sagt die„Franks. tg-". der Name Caprivi sei politisch ein unbeschriebenes statt: doch hofft das demokratische Blatt, daß es unter «hin mit den sotten Jahren des Reptilienthums zu Ende sem würde. In Uebereinstimmung mit der von uns bereits imtgetheilten Ansicht der„Voss. Ztg." über Caprivi schreibt auch die„Franks. Ztg.": „Der Umstand, daß von all den Programmmännern, die seither auf der Liste der Nachfolger Bismarcks figurirten, kemer berufen wurde, spricht deutlich dafür, daß der neue Reichs- kanzler die Ideen vertreten soll, die der Kaiser durchführen möchte und dazu konnte sich kaum ein Anderer so eignen, wie ein Militär, der gewohnt ist, dem Befehl des Vorgesetzten un- bedenklich Folge zu leisten. Eine politische Vergangenheit, die der Vertretung dieser Ideen hinderlich sein könnte, hat Herr Caprivi nicht." 1 wir|( v. Die„Nordd, Allg. Ztg.«, welche lang- war und jetzt aufgehört hat, es zu sem, Ein Ab/chi-d. Jahre„Kanzlerblatt"—......., nimmt nunmehr„mit ganz besonderen Empfindungen" von dem Fürsten Bismarck Abschied. Sie habe nahezu drei Jahrzehnte hindurch„in näheren Beziehungen zum Kanzler stehen" dürfen. Ihre Mitarbeit sei anders gewesen, al£ sich die Reporterphantasie und der Parteigeist ausmale; ihr« Gefolgschaft sei stets eine selbst- thätige und freiwillige gewesen. Um die Beziehungen, welche zwischen dem Fürsten Bismarck und der„Nordd. Allg. Ztg." be- Itanden haben, sich richtig auszumalen, braucht man nur nachzu- lesen, was Fürst Bismarck selbst am 9. Februar 1876 gesagt hat, daß nämlich das Blatt von seinen Eigenthümern der Regierung zur Verfügung gestellt ivurde, und daß sich die Regierung„so viel weißes Papier offen halten" ließ, als sie brauchte, um ihre Meinung zu äußern.„Die Regierung hat das Anerbieten benutzt; die Zeitung hat vielleicht auch Bortheil gehabt von dieser Anlehnung." Letzteres ist sicherlich, wenigstens in gewissem Sinne, richtig. Dank dieser Anlehnung sind die Eigenthümer der „N. Ä. Z." geadelt, ist der Herausgeber Geheimer Kommissions- rath— allerdings ein zweifelhafter Vortheil—, ist die„N. A. Z." von allen Regierungen und Diplomaten, von den deutschen Ge- sandtschaften und Konsulaten, von zahllosen Aemtern und Beamten gehalten worden. Ohne diese„Anlehnung" wäre ihr auch schwer- lich der Druck der amtlichen ReichstagSberichte übertragen ivorden. Daß dem neuen Kanzler ebenfalls eine Zeitung„nahe stehen" werde, welche ihr weißes Papier mit dem Clausewitz-Artikel be- deckt hat, dürste Zweifeln unterliegen, auch wenn das ehemalige Kanzlerblatt sich wiederum zur ganz selbstihätigen und freiwilligen „Anlehnung" erbieten sollte. Kie wollen nicht« mehr. Graf Herbert Bismarck soll um seine sofortige Entlassung gebeten und Fürst Bismarck den Herzogstitel und eine ihm angebotene Dotation abge- lehnt haben. Man hatte schon vor einigen Tagen verkündet, Graf Herbert Bismarck habe seine Eiitlassungsgesuch ein- gereicht. Nach Lage der Sache wäre dieser Schritt richtig gewesen. Er ist unabweislich geworden, nachdem in den amtlichen Veröffentlichungen über den Kanzlerivechsel gesagt ist, daß Graf Herbert Bismarck nur„einstweilen" mit der Leitung des Ministeriums des Ausivartigen beauftragt worden sei. Dieses Wort kündigte die bevorstehende Entlassung des Staatssekretärs an, ehe er noch sein Gesuch ein- ■' si, ÄÄJf a"f"nb»">»-um z-nft», bald(<»1. «»WWÄZÄK k"»'» W'"' i sagketitSschAglf W � T- Welch interessantes Tfite-i-tÖtel Ich schwieg. rffx? halbe Stunde verging. Htschaloro sah Fräulein Bobrow an. Gch«i ÄtVAli* � � - Wenn es Ihnen gefällig ist... wollte ich beginnen. — Lasten Sie ihn fortführen, um Gotteswillen! sagte alles sagen � �äul,e vom Gesicht fortzunehmen. Ich»verde —®ott ist Ihr Richter! sagte Jtschalow. -Och Wb ein Zeichen, den Gefangenen hinauszuführen' , � Der Unglückliche! Und das alles habe ich zu Stande gebracht. sagte sie, die Hände von den Augen nehmend und nach der Thür blickend, durch welche Jtschalow hinaus« ßegaugen war. Nein, es ist an Einer genug!... Zwei zu todten... Sie dachte offenbar laut, als sie diese Worte sprach. Es vergingen einige Minuten, bevor sie ihre volle Be- sinnung erlangt hatte und erklärte, daß sie Helene ermordet habe und der Zettel von ihrer Hand geschrieben sei. Sie sprach rasch nervös, und wünschte nur so schnell als möglich vom Verhör loszukommen. (Fortsetzung folgt.) gereicht hatte. Es blieb ihm daher nichts übrig, als diese Versäumniß unverzüglich nachzuholen, Graf Bismarck wird m* 1 seinen Abschied erhalten. 'eS» Um Ueröffentlichnng folgender Zuschrift wird die -r-»»Volks-Ztg." ersucht: ge U> London, 19. März 1890. m. Gestatten Sie mir, durch die Spalten Ihres Blattes igt#: weiteren Kreisen die erbauliche Thatsache mitzutheilen, dah hier es I seit einigen Monaten ein deutscher Preßring besteht, dessen hauptsächlichste Aufgabe es zusein scheint, die hiesigen deutschen Sozialisten zum Gegenstande dreist in die Welt gesandter Sensatiousenten zu machen. So wurde z. B. in der dritten Januarwoche(unmittelbar vor der entscheidenden Ab- stimmung über das Sozialistengesetz) durch die mit „Reuter's Bureau" verbundene„'Allgemeine Korrespon- denz" die Nachricht verbreitet, daß hier eine„inter- nationale Konvention anarchistischer und revolutionärer Telegirten" eröffnet worden sei. Der ganze Bericht war Wort für Wort einfach aus der Luft gegriffen. Dann wiederum sollten— englischen und von der„Allgem. Korresp." bedienten Zeitungen zufolge— in zwei hiesigen Klub- lokalen die deutschen Sozialisten Londons sich versammelt und Beschlüsse zu Gunsten der Arbeitserlasse des deutschen Kaisers gesaßt haben. Nun aber sind die betreffenden beiden Klub- lokale in bedenklichstem Rufe stehende Schlupfwinkel von Spielern, Zuhältern und Jndustrierittern aller Art, während die besagten zwei Versammlungen am besten als Massenauf- gebot der jenen drei Kategorien angehörenden ständigen Klubgäste zu bezeichnen wären. Die Leitung der ganzen Unternehmung lag ausschließlich in den Händen des gedachten Prcßrings. Die deutschen Sozialisten Londons sahen sich veranlaßt, gegen diesen dreisten Miß- brauch ihres Namens öffentlich Verivahrung einzulegen, was dann aber der Preßling in seinen Telegrammen und Berichten so darzustellen wußte, als ob es nur die„deutschen Anarchisten" und„extremen Sozialisten" gewesen wären, welche gegen jene „zwei anderen(!) Sozialistcnversammlungen" Stellung nahmen. Es ist offenbar Methode in diesen Mystifikationsversuchen, und man darf annehmen, daß dieselben fortgesetzt werden sollen. Aus diesem Grunde scheint es mir angezeigt zu sein, das Publikum dadurch zu warnen, daß man ihm sagt, mit wem es zu thun hat. Der mehr erwähnte Preß- ring besteht aus einem halben Dutzend Leuten, welche theils vorwiegend„Journalisten" und theils vorwiegend „Geschäftsmänner" sind. Als„Journalisten" entfalten sie— natürlich vornehmlich für deutsche offiziöse Blätter— eine Thätigkeit, welche in der Regel den obigen Proben entspricht. Und als„Geschäftsmänner" gehören die meisten von ihnen der hiesigen, von vielen kontinentalen Hänsern mit gutem Fug ge- fürchteten Jndustrieklasse der„Cchlütenschieber" an. An der Spitze des Ringes befinden sich zwei Männer, von denen einer, der bekannte frühere Reichsalöckner Joachim Heinrich Gehlsen, im Dienste der dortigen konservativen Presse steht, indessen der andere, ein gewisser„Dr. Gehl", Gewährsmann der Reuter- schcn„Allgemeinen Korrespondenz" ist und zugleich ein dortiges freisinniges Blatt hier vertritt. Soviel für heute. Hoffentlich wird dieser Hinweis seinen Zweck erfüllen, und es ,vird nicht nöthig werden, daß ich noch deutlicher mich ausspreche. Ferdinand Gilles. Zur Nachwahl in Krandenburg. Ein definitives Resultat ist„och nicht in unseren Händen. Nur das Wahlergebnis aus Bathcnow und Brandeliburg ist bekannt. In den beiden Städten erlangte Ferdinand Eivald 4528 Stimmen, Hermes(fteis.) 2761 Stimmen, Metzenthien(kons.) 1370 Stimmen. Eine Stich- wähl zwischen Ewald uiid Hermes ist wahrscheinlich. Am 20. Februar war bekanntlich ebenfalls eine Stichwahl zwischen Rickert(freis.) und Ewald(Soz.) nothwendig, in der Rickert mit 500 Stimmen Mehrheit siegte. Herreuhaua. Die gegenwärtigen Verhandlungen des Herrenhauses gaben den Vertretern des„nothleidendei»" Groß- gmndbesitzes ausgiebige Gelegenheit, ihr Herz auszuschütten. So- wohl bei der Hebers, cht über die Betriebsergebmffe der Staats- eisenbahnen wie bei der Vorlage betr. die allgemeine Einführung des Instituts der Rentengüter klagten die Herren über die Folgen der Freizügigkeit und die Beseitigung der bäuerlichen Abhängig- keit. Die niedrigen Eisenbahntarife, die es dem Arbeiter eruiög- lichen, seine Arbeitskraft da zu verwerthen, wo sie am besten be- zahlt wird, erfuhren die heftigsten Angriffe, während die Renten- güter-Vorlage mit Dank begrüßt wurde, da sie die Hoffnung auf theilweise Wiederherstellung der alten Gebundenheit des länd- lichen Arbeiters eröffnet. Ii» Abgeordnetenhaus wurde bei der weiteren Berathung des Kultusetats am Freitag die in der vorigen Sitzung von, Hofprediger Stöcker veranläßte Erörterung über das Berhältiüß der jüdischen und christlichen Bevölkerung zu einander sortgesetzt. Der Abg. Rickert sprach seine Enttäuschung aus über die Stellung- nahnie des Kultusministers und hob nochmals das Hetzerische der Ausführungen Stöckers eingehend hervor. Kultusnnnister v. G o ß l e r suchte die Schwierigkeit des für alle Konfessionen gemeinsamen Unterrichts auf den höheren Lehranstalten darzuthun. Hofprediger Stöcker wiederholte im Wesentlichen, nur in noch schärferer Form, seine früheren Ausführungen. Diesen Aus- fuhrungen'gegenüber, denen sich Abg. Cremer in bekannter Weise anschloß, betonte Abg. Dr. Virchoiv das plötzliche Hervortreten der jetzigen Bestrebungen nach jahrelangem Ruhen des Anti- semitisiniis, das hier um so auffälliger ser, als es sich um einen irgend wie praktischen Vorschlag in keiner Weise gehandelt habe, und schloß daraus auf die Befolgung einer bestimmten, wenn auch jetzt noch nicht klar erkennbaren Tendenz. München» 19. März. Nach einer Zusammenstellung des statistischen Bureaus über die Reichstagswahlcn vom 20. Februar (Hauptwahl) hat die Zahl der Wahlberechtigten in Bayern 1 166 625 bei einer Gesamuitbevölkerung von 5 420 199 Seelen be- tragen. Abgegeben wurden 728 746 Stimmzettel; es haben also 62,3 pCt. der Wahlberechtigten abgestimnit, während es 1887 71,9 pCt., 1884 56 pCt., 1831 4-1,2 pCt. waren. Die größte Wahlbetheiligung hatte die Pfalz. Auf das Zentrum sind im Ganzen 344 459(47,3 pCt.), um 68 123 weniger als ini Jahre 1887, auf die Nationalliberalen(incl. der für sie abgegebenen verwandten und Kartellsiimmen) 189 234(26 pCt.), um 84 175 weniger, auf die Deutschfreisinnigen 52 145(7,2 pCt.) um 4641 Stimmen weniger, auf die Sozialdemokraten 101 100(13,9 pCt.), um 46 326 Stimmen mehr, auf die Volkspartei 27 951(3,8 pCt.), um 8923 mehr, auf die Deutsch- und Freilonservativen 9178 chl,3 pCt.), um 6312 mehr. Grokbritannien. London» 21. März. Oberhaus. Der Premierminister Lord Salisbury beantragte die bekannte Resolution betreffend den Bericht der Parnell-Komniission und protestirte gegen die neue Lehre, daß ein Verbrechen kein Verbrechen sei, wenn es be- gangen werde, nm bestehende Institutionen umzustoßen. Es habe viele Revolutionen in Amerika und Europa gegeben, aber bisher keine, welche sich den Angriff gegen die gewöhnlichen Rechte friedlicher Bürger durch geheime Gesellschaften zum Hauptwerk- zeug gemacht habe: aber jetzt genüge der Wunsch Irlands, mittelst Verletzung der Gesetze sich von England loszureißen, um jedem zu diesem Zwecke verübten Verbrechen die Symphatten früherer Minister und selbst des Lordkanzlcrs zu sichern. Wenn ein Ver- brechen aufhöre ein Verbrechen zu fem, weil es die Revolution fördere, dann sei das ganze Gebäude der Moral selbst in ■chtigeren Angelegenheiten als der irischen Frage untergraben. Der Bericht der Kommission verpflichte England mehr als je, zu verhüten, daß die loyalen Bürger Irlands den Händen einer ver- brecherischen Verschwörung ausgeliefert würden., London, 22. März. Das Oberhaus nahm den von dem Premierminister Lord Salisbury eingebrachten Beschlußantrag be- treffend den Bericht der Parnell-Konimisston nach achtstündiger Debatte ohne Abstimmung an. Frankreich. Jiaris, 21. März. Senat. Der Präsident Leroyer verlas chreiben Naquets, in welchem dieser seine Demission als Senator giebt und sagt, er habe sich zur Annahme eines Man- dats ans Grund des beschränkten Smnmrechts nur deshalb ver- standen, um das Gesetz über die Ehescheidung durchbringen zu helfen. Er sei stets ein Gegner des Zweikammer-Systems ge- ivesen. Die weitere Verlesung des Schreibens wurde mit leb- hastem Widerspruch aufgenommen. Der Senator Foucher de Careil verlas feinen Bericht, in welchem die Ernennung einer Zollkommisston von 36 Mitgliedern beantragt wird, und ersucht um sofortige Berathung. Diese wurde aber mit 128 gegen 117 Stimmen abgelehnt. Ini Haushalt der Stadt Paris ist im Lauf der letzten Jahrzehnte kein Ausgabeposten so angewachsen, wie der- jenige des öffentlichen Unterrichts. Die Stadtverwaltung ist be- strebt gewesen, alle Zweige des Schulwesens stetig zu heben, und hat dabei namentlich auch ihr Augenmerk auf Unterstützung und Neugründung von Fortbildungsschulen für spätere Handwerker gerichtet gehalten. Dabei hat sich die Stadt nicht begnügt, nur für ihre städtischen Schulen zu sorgen; sie wendet vielmehr all- jährlich auch große Beträge auf, die übrigen freien Lehranstalten, Privatschulen aller Art, Fortbildungsschulen der Handels-Syn- dikatskammern u. s. w. zu unterstützen. Diese Unterstützungen belaufen sich der Zahl nach auf 65 und in der Höhe von 500 bis 24 000 Franks. Alles in Allem hat die Stadt seit dem Jahre 1870 nicht weniger als 84 Millionen für Schulbauzwecke verausgabt, abgesehen von den Ausgaben zu Unterrichtszwecken im ordentlichen Haushalt. Die laufenden Ausgaben haben sich in den letzten zehn Jahren um 15 Millionen gesteigert. Jin Jahre 1870 betrug die Zahl der Kleinkinder- schulen 127, im Jahre 1889 dagegen 194; die Knabenschulen haben sich im genannten Zeitraum von 127 auf 194, die Mädchenschulen von 128 auf 175 vermehrt. Die Zahl der Schulklassen beträgt nun 2925, gegen 1193 im Jahre 1870. Trotz dieser großartigen Entwickelung des Schulwesens in den letzten Jahren bleiben zur Zeit doch noch Unterrichtsräume für etwa 30 000 Schüler und Schülerinnen zu beschaffen, und es bedarf eines Auf- wandes von vielen Millionen, um die hierfür nöthigen 80 Schulen in den verschiedensten Stadttheilen ins Leben treten zu lassen. Sodann ist noch eine Menge von Privatschule» für den höhern wie den niederen Unterricht, Kinderbewahrschulen u. s. w. zu er- wähnen. Die Gesammtzahl der Zöglinge aller Pariser Schule» ist auf mehr als 800000 zu veranschlagen. lOevseiinttrluttgen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Schäftebvnnche verjammelten sich am Donnerstag Abend 8 Uhr bei Ney er. Alte Jakobstraße 83, mit folgender Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den Werkstellen, welche noch nicht bewilligt haben. 2. Dis- kussion und Verschiedenes. Kollege Krause wies auf die Erfolge, welche unsere Bewegung aufzuweisen hat, hin, indem die Mehr- zahl der Fabrikanten die Forderung-bereits bewilligt hat. Herr M o h r b a ch erklärt, die kleinen resp. die Zwischenstepper hätten ziemlich Alles errungen, nur den von ihnen beschäftigten Ärbei- tern wollen viele nichts bewilligen. Auch Leiser, Schuhfabrik, hat bewilligt, aber ein so kleines Minimum, das aar nicht der Rede werth ist. Folgende Resolutton nahm die Versammlung einstimmig an: Die heute, den 20. März, bei Reyer tagende öffentliche Versammlung der streikenden Arbeiter und Arbeite- rinnen der Schästebranche erklärt, die bekannten Forderungen zur Durchführung zu bringen und am Sonntag überall da, wo die- selben noch nicht bewilligt sind, die Sperre zu verhängen. Zum Schluß wurde eine Unterhandlungskommission gewählt, die aus den Herren Malitz, Kruse, Plath, Leszinski, Kleina« besteht. Iu Kchönebevg hielt am 19. März der hiesige Lokalverband der deutschen Zimmerer seine Versammlung mit folgender Tages- ordnung ab: 1. Stellungnahme zum Handwerkertag. 2. Verschiedenes. 8. Fragekasten. Zum ersten Punkt machte der Vorsitzende den Vorschlag, den Berliner Delegirten unsere Wünsche zu über- lassen, weil die Schöneberger Zimmerer sich zu wenig an den Ver- band betheiligen und wir doch nicht in der Lage sind, einen Dele- girten durchzubringen, da nur 48 Mitglieder sind und Küstrin 66 zählt. Es wurde aber von mehreren Kameraden darauf hinge- wiesen, daß über 200 Zimmerer in Schöneberg wohnen, daß diese doch auch wohl aus ihrem Schlafe aufwachen müssen und sich einer Organisation anschließen werden. Darauf wurde Weigt zun» Delegirten des Handwerkertages gewählt. Zum 2. Punkt wurde F. Glagow zum stellvertretenden Revisor gewählt. Nach Erledigung des Fragekastens schloß der Vorsitzende die Versamm- lung.— FacWerern der Tischler --(für den Westen und Halleschen Thor- Bezirk). Große Versammlung am Diernufaq. den 25. März, Abends 8Va Uhr, im großen Saale des KGnlgshof. Bülowstraße Nr. 37. Tagesordnung: 1. Die Stellung des Fachvereins zu einer diesjährigen Lohnbewegung. Referent Kollege Wiedeman». 2. Diskussion. 8. Vereins- angeleaenhciten und Verschiedenes.— Jeder Tischler hat Zutritt» Neue Mitglieder werden ausgenommen. t 847 Oer Bevoilmichtigte» Große öffentliche Versammlung der TildMiieiter u.-ÄrdeiteriNtll am Dienstag, den 25. März er., Abends SVa Uhr, im großen Saale der Brauerei Friedriehshain(früher Lips). Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Tabalarbeiter Berlins zur Grün- düng einer Produktiv-Assoziation gegenüber. Referent: Kollege Max Otto» Korreferent: Kollege Wilh. Bärner» 2. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen zu dieser Versammlung ersucht 352 Oer Einberufer» Gr. üntlide MlirermsamiW am Mittwoch, den 26. März, Abends 8%, Uhr, in„Sanssouci", Kottbuserftr. 4a. Tagesordnung: 1. Abrechnung des Generalfoiids vom Jahre 1889. 2. Endgilttge Beschlußfassung über die Agitation im Baujahre 1890. 8. Neuwahl der Vertrauensleute. 4. Verschiedenes. Eine recht zahlreiche Betheiligung erwartet 850 Der Einberufer» Fachoerew der Weder and verwandter Herufsgeuossen. WM" Grosse Versammlung am Montag, den 24. März, Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Heise, Lichtenbergerstraße Nr. 21, Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn A. 65eri|dj über:„Nationaler Reichthum und nationale Annuth." 2. Diskussion. 3. Aufnahme von neuen Mitgliedern. 4. Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. 370 Oer Vorstand» Schuh- und Stiefel-Waarenlager von 815 Ernst Grossmann, Ü5m IWststeutarstr. 65a(zwischen Mariannenplatz und Manteuffelstraße). Große Auswahl. Reelle Bedienung. Versammlung des„Verbandes deutscher Zimmerleute"(Sofolmkni) Berliu) am Sonntag, den 23. März, Vormittags 10'/2 Uhr, in dennefarth'a Saal, Dennewihstr. 13. Tagesordnung: 1, Vortrag des Herrn Türk. 2. Verschiedenes und Fragekasten.— Gäste willkommen. Besonders werden die arbeitslosen Zimmerer eingeladen. 343 Oer Vorstand» Große öffentliche Versammlung der MetMntlek Berlins und Umg. Dienstag, Abends 8Vs Uhr, in Feuerstein's Lokal, Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommission über die stattgehabten Verhandlungen mit der Meisterkommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreichen Besuch bittet 360 Die Lohnkommission» Bereis d. Parqsetbildesleger Berliss Anßerordentl. Generalversammlung am Montag, den 31. März, Abends 8 Uhr, bei Herrn Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung 1 Vorlage der Kommission in Betreff unsrer Lohnfrage. 2. Verschiedenes. 8. Fragekasten.— Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Ver- sammlung zu erscheinen. 889 Dar Vorstand. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher gewerblich. K Nfsardeiter am D lenatag, den 25. März, Abends 8Va Uhr, in Renz' Salon, Naunynstraße Nr. 27. Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn Th. Glocke über den Achtstundentag, 2. Diskussion. 8. Verschiedenes und Fragekasten.— Alle Arbeiter werden ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Zur Deckung der Un- kosten findet eine Tellersammlung statt. 374 Der Einberufer: A. Günther. Nur Hüte mit Arbeiter-Kontrol- Marke! in allen neuen Facons und Farben empfiehlt die Hutfabrik von G. GOTTMANN, 8t. Franlfurterstr. 180(alte Nummer ISS), zw. Koppenstr. und Ostend-Theater. Frau Günther zu ihrem heutigen (50.) Geburtstag ein vreimal donnern- des Hoch, daß der Zions-Tunnel wackelt und dw Tische und Stühle kobold schießen. 882] i. G» Dem Genoffen Fritz Bodin zu seinem heutigen Wiegenfeste ein drei- fach donnerndes Hoch, daß die ganze Skalitzerstraße wackelt.[395 Richtigstellung zur Abrechnung des Streiks der Kisten» maoher vom 19. März, j Der Ueberschuß vermindert sich um folgende Differenz: Es sind 50 M. an die streikenden Knopfmacher gegeben, 25 M. an die gemaßregelten Lücken- walder Hutmacher, und Tschernig hat nicht 7,70 M. erhalten, sonoern 3 M. 868] E» Tschernig» Verein der Berliner Hausdiener. Montag, den 24. März, Abends 9 Uhr, Neue Grunstraße 23, Geselliger Abend mit Damen. Humoristlsche Vorträge und Tanz. Ausgabe der Billets zu dem am ersten Osterfeiertag stattfinden- den Feste. Kollegen, welche dem Verein beitreten wollen, werden aufgenommen. Gäste willkommen.[861 und verwandten Berufsgenossen. Mittwoch, den 26. d., Abds. 8Va Uhr. im Könlflstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72; Grosse Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Hrn. M. Baginski über:„Die Prostttution, eine Folge der kapitalistischen Produktionsweise". 2. Diskusston.[899 8. Verschiedenes und Fragekasten. NB. Da unter Verschiedenes die Be- schlüsse der öffentlichen Kartonarbeiter- Versammlung erörtert werden sollen, ist das Erscheinen der Kartonarbeiterinnen nothwendig. frühen u. pünktlichen Besorgung des„Berliner Volksblatt" empfiehlt sich die Zeitungs-Spedition von 330 QocUt Sobildt, Wienerstr. 1, Laden. Theater. Tonn tag. den Lg.März. Opernhaus. Das Käthchen von Heil- bronn. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Ig-TI. 'iontag: Die Ehre Krrliner Theater. Der Schwaben- streich. Montag: Demetrius. Aeutscheo Theater. Der Compaanon. Montag: Die Stützen der Gesell- Lriedrich-Wilhel>nst!idt. Theater. Der arme Jonathan. Montag: Dieselbe Vorstellung. WaUner- Theater. Der Jongleur. Montag: Em toller Einfall. Uiktaria-Theater. Stanley inAsrika Montag: Dieselbe Vorstell mig. Ostend Theater. Der Fall Clomen- ceau. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kestdenz-Theater. Marauise. Montag: Dieselbe Vorstellung. Helleatiianre- Theater. Der Nau- tilus. Montag: Dieselbe Vorstellung. KöuigNadtischeo Theater. Maria Stuart. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central Theater. Ein fideles Haus. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolf Ernst- Theater. Der Gold- fuchs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater der NelchahaUeu. Speziali- tcitenvorstellung. Gebr. Richter'« yavlitt, Spezialitäten-Vorstellung. »ann's Uariott. Spezialitäten- Zorstellung._____ American-Theater MW" Dreadenerstraste 55. 1 Täglich Vorstellun O- Englischer Garten Alexanderstraße 27c. Auftreten der Chansonette Frl. Tran» zisca Normann. Auftreten des Gesangs-Humoristen Hrn. Köhler. Auftreten der Duettisten Albert und Nelly Rappmann. Austreten der Chansonette Frl. Jenny Peters, sowie der musikalischen , Clowns Toni und Jack. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 30, 60 u. 75 Pf., nn Vorverkauf 20 u. 30 Pf. Sonntags Anfang halb 6 Uhr. Sonntags Entree 50, reservirt 75 Pf., Orchester 1 Mark. Vorverkauf Entree 40 Pf._ m 81. Mut»«*(» Linde« 81. OB Im Hause der Wilhcmshallen neben der Passage. BGH- Vorführimg »glich Ali- TiuWf� 7"Ä. Bey3s: 3, 2 u. 1 M. Billets im Jnvalidendank. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Erste Reise am schönen Rhein von Mainz bis Köln. Zum ersten Male: Zehnte Reife d. die malerische feanz. Kchmeiz. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Den Genossen halte ich meine Mllsken-GMerljbe bei Bedarf best, empfohlen. Grüßte Auswahl: Kill. Preise. Vereinen Preisermäßigung. Fr. Panknin, Oranienstrasse 178, Adalbertstrasse 93. Chi*cus Renz« K a r l st r a ß e. Heute, Sonntag, den 23. März 1890: 2 große VorßellullM. Nachmittags 4 Uhr(1 Kind frei): Aschenbrödel, großes Phantast. Zaubermärchen. Abends 7Va Uhr: Die Touristen, oder: Ein Sonntag am Tegernsoe. Große equestrische Ausstattungs-Pantomime. In beiden Vor- stellungen: Auftreten der Rasuli aus Marubien von der Pfefferküste(West- Afrika) hervorrag. Negertype in ihren heiinathlichen Waffentänzen. Renonr mirte Luftkünstlerinnen Gel' Castagna. Auftreten der vorzügl. Reit- künstlerinnen und Reitkünstler, sowie Reiten und Vorführen der bestdress. Schul- und Freiheitspserde. Morgen Montag: Erstes Austreten. Kurzes Gastspieldes renommirten Elber- selber Athleten-Klubs. E. Renz, Direktor. Circns Wulff. Friedrich Carl- Ufer, Ecke Karlstraße. Sonntag, den 23. März: 4 und 7Vs Uhr, mit ganz verschiedenen vorzüglichen Programmen(4 Uhr: 1 Kind frei). In beiden Vorstellungen: Hurdle-Rennen, von Asse» geritten, höchst komisch. Die Droschke zweiter Jütc, Nr. 117, oder: Die Hochzeit mit Hindernissen, höchst komische Szene mehrerer Klowns. Abends 7Vs Uhr: Grando batonde americain, Saltomortales üb. 10 Pferde. 10 in Freiheit dreff. Trakehner Hengste, vorgeführt vom Direktor Wulff:c. je. Morgen Montag, 71/a Uhr: Bri Vorstellung. Mhelmsgarten, Tempelhof, Haltestelle der Plerdebahn. Richtung Dönboifplatz-Tempelliof. Jede» Sonntag: mm Grosser Ball. HB Wozu ergebenst einladet 453 Hellmuth Nieke. Gesellschaftssaal Landsbergerstr. 37(2 Minuten vom Alerander-Platz). Für Hochzeiten, Fest- lichkeiten, Versammlungen unentgeltlich. 1671 Emil Fenske. Allen Freunden u. Genossen empfehle�mein 147 Weiß- mlij Bairischbier-Lokal. 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. tt. Wuttke, Friedrichobergerstr. 20, pari. Max Grünbaum's weltberühmte 854 PanzeHketten prämlirt auf den Ansstellongen% in Amsterdam n. Nürnberg von echt Gold nicht zu unterscheiden mit 18kar. Gold im Feuer vergoldet. dge Garantie. Garantie-Schein. Für die bei mir fekaufte Panzerkette übernehme Jahre Garantie, d. h. ich zahle den Betrag zurück, falls die Kette innnerhalb 5 Jahren den gold. Schein verliert. Haz Orünbaum, Friedrichstr. 194. Man verlange den illustrirten Special-Catalog über Uhrketten in Gold und Nickel. Zusendung gratis. Breslauerstraße 27. 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Weiss, Grünauerstr. Nr. 10, bei Kobold, abzugeben.[400 Achtung! ÄUdhimer! In folgenden Werkstätten sind unsere Forderungen nicht bewilligt: J. C. Platt; Gebrüder Weinmann; Groschkus; Schimmelpfennig; Franz; Müller& Co.; Gotschke; Franke; Gohricke; Griewahu; Thiele; Cou- tarier; Jarius; Heinrichs; Ochs; Stahlheuer; Brnhn; Kursig; Molmke; Ltidolph; Schwarz; Jacksch; Falls; Schmitz; Tater; Meschet; Ulrich; Gosda; Schöning; Hennig; Thiom; Bitterhof; Kirschner; Fickert; Stahl; Lnckat; Rudorf; Bittmann; Brosig; Lobig; Biester; Ferd. Vogts& Co.; Michelsen. Deckadressen: Adalbert st raße 38. Köpnickerstraße 115. Köpnickerstraße 26a. Köpnickerstraße 190. Die Kontrole ist bei Kessner, Annenstraße 16, von SVe— 12 Uhr Vormittags.[404 Die Kommission. Empfehle allen Freunden und Ge nassen mein Weiss- und Bamsch-Bier-Lokal nebst Mittag und Abendtisch. Zimmer zu Zahlstelle u. Arbeitsnachweisen verg. Achtung! Tabakarbeiter! Heber folgende Fabriken ist die Sperre verhängt: Carl Martienzen(wegen Maßregelung), 1. Geschäft: Weberstr. 5, 2.„ Friedrichstr. 97, 3.„ Alexanderstt. 71, 4.„ Neu� Promenade 1, 5.„ Gertraudtenstr. 20, G.„ Belle-Allianrestr.98/99, 7.„ Dresdenerstr. 93, 8.„ Poststr. 16, 9.„ Nene Königstr. 19c, 10.„ Andreasstr. 75, 11.„ Chausseestr. 8, 12.„ Prinzenftr. 83, 13,„ Andreasstr. 59, 14.„ Friedrichstr. 204, 15.„ Spandau. Schmeisser(wegen Maßregelung). 1. Geschäft: Chausseestr. 25, 2.„ Chausseestr. 76, 3.„ Friedrichstr. 100. Naucko, vormals Schubort& Sohn (wegen Maßregelung), Michaelkirchstraße 6. 1. Geschäft: Dresdenerstr. 72/73, 2.„ Charlottenburg. Keilpflug, Elsasserstraße 8, Laden. Hübsch, Linienstraße 8, Laden. Die Ueborwachangs-Kommission 351] der Tabakarbeiter Berlins. 814 §. Sink, straße 2. WAllen Genossen empfehle mein[390 Weiß- und BairWier-LM. Emil Koepnick, Schillingstt. 30a, Ecke Magazinstraße. 5 P. 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Die Bühne ist eben dem Kapita lis- *u s unterworfen, und der Geschniack der Masse ist in !>en Gesellschaftsklassen vorwiegend durch gewisse w i r t h- gastliche Zustände korrumpirt worden. I Indessen hat sich unter deni Einflüsse redlich strebender Achter, Journalisten und Redner ein Theil unseres Volkes J0" dieser Korruption befreit. Haben doch Dichter wie Tolstoi und Dostojewski, Zola, Ibsen und Kielland, sowie Mehrere deutsche„Realisten" in dem arbeitenden Volke «erlins einen Resonanzboden gefunden. . Für diesen, zu gutem Geschmack bekehrten Theil des «elkes ist es ein Bedürfniß, Theaterstücke seiner Wahl nicht stos zu lesen, sondern auch ausgeführt zu sehen. öffentliche Aufführungen von Stücken, in denen ein Evolutionärer Geist lebt, scheitern aber gewöhnlich am Kapitalismus, deni sie sich nicht als Kassenfüller erweisen, «der an der polizeilichen Zensur. L Diese Hindernisse bestehen nicht für eine'g e s ck l o s s ene Gesellschaft. So ist es dem Verein„Freie Bühne" ge- dlNgen, Dramen der angedeuteten Richtung zur Ausführung iss bringen. Da nun aber die Mitgliedschaft der„Freien "filme" aus wirthschaftlichen Gründen dem Proletariat ver- M ist, so scheint mir die Begründung einer„Freien Wik*-Bühne" wohl angebracht zu sein. - Diese Freie Volks-Bühne denkt sich der Unterzeichnete jfiva folgendermaßen: Der Verein besteht aus einer [Stenden Gruppe und aus den Mitgliedern. Die «iter wählen die aufzuführenden Stücke sowie die Dar- sfifier aus. Die Mitglieder erwerben durch einen Viertel- Jahresbeitrag den entsprechenden Theatcrplatz für stti Vorstellungen. Jeden Monat, und zwar Sonn- a g s, findet eine Vorstellung statt. Die Beiträge be- Decken nur, die Theatermiethe und die Honorare für die Schauspieler zu decken. Sie werden so niedrig wie Möglich bemessen; hoffentlich sind die billigen Plätze für 1 Dt. 50 Pf. vierteljährlich(also für drei Vorstellungen!) erwerben._ Alle diejenigen, welche gen-ist sind, Mitglieder einer solchen„FreienVolrs-Bühne" iu werden, sind gebeten, dem Unterzeich- fieten 1) ihren Uamen nebst Adresse, 2) den Uiertelsahre-Keitrag, den s i e l e t st e n zukönnenglauben,_ auf einer Po st karte(die natürlich auch eine Reihe "on Mitgliedern enthalten kann) anzugeben. i. Diese Angaben binden nicht, sondern haben nur Jen Zweck, festzustellen, auf wieviel Mitglieder die Begründer Jer„Freien Volks-Bühne" ungefähr rechnen und wie niedrig ['e also die Beiträge bemessen können. Läuft eine genügende Mzahl von Adressen ein, so ist ein Unternehmen gesichert, welches zur geistigen Hebung des Volkes etwas bei- nagen kann. Das Ergebniß dieses Aufrtlfes(den Zeitungen und Dreine doch recht verbreiten möchten) sowie genauere Vorschläge sollen demnächst veröffentlicht weroen. Dr. Bruno Wille. Schriftsteller, Berlin N.O., Landsbergerplatz 5. Locknles. In Köpenick ist am Freitag Abend die Ruh« nicht gestört forden. Obgleich bereits 30 Gendarmen in Köpenick eintrafen, nbat sich der Landrath Stubenrauch noch weitere polizeiliche Mannschaften aus Berlin. Gegen 8 Uhr Abends langten denn "Uch noch 30 Schutzleute an; man erwartete eine zweite Kom- vognie des 8. Infanterie-Regiments. Der Tischler Biene, welcher °en Gendarmen Müller getödtet haben soll, tvurde vorgestern Nach- vfittag unter einer Eskorte von sechs Gendarmen aesesselt nach Berlin gebracht. Später folgten ebenfalls unter starker Bedeckung «vettere zehn Verhastete, die in das Gefängnip zu Moabit abge- "efert wurden. , Gegen einen Grden-«n> Titelhandler, Dr. R.. ichwebt gegenwärtig beim hiesigen Landgericht eine ausgedehnte Untersuchung. Derselbe vertrieb seit Jahren in der Berliner jkausulannswelt und auch in anderen Kreisen allerlei Rund- ichreibe», in denen er Hoflieferantentitel, Orden, Verdienst- Medaillen in Gold, Silber und Bronze, sowie ähnliche Diplome vnd„Auszeichnungen" zu festen Preisen ausbot. Agent von den Ichwindelakaoemien, die im Auslande, besonders in Italien, "Spanien zc. für Geld Medaillen und Diplome„verleihen", betrieb st das Geschäft im großartigsten Maßstabe und erwarb damit e>n Vermögen. Seinen zahlreiche» Kunden gegenüber gab er vor, Beauftragter vieler kleiner Duodezfürsten und auch eines strner auch'„Geschäfte" in Naturalisationen; er verschleppte seine ! �pfer nach einer gewissen freien Stadt, ließ sich erst tüchtige Vorschüsse bezahlen, um nachher, wenn das Gesuch abgelehnt «vurde, zu verschwinden. Viele Jahre lang hat er diesen Betrug , Ungestraft verübt. Seine„Klienten" pflegte er zum Schluß noch durch Drohbriefe zu brandschatzen. Mit mehreren exotischen Hochschulen stand er behufs Vermittelung von Doktortiteln eben- falls in Verbindung. Der Prozeß dürfte recht pikante Ent- hüllungen bringen, die geeignet sind, auf gewisse weltstädtische Geheimnisse ein grelles Licht zu werfen. Der Angeklagte ist be- reits mehrfach vorbestraft. Auch im Zoologische« Garten macht sich, wie draußen in der Natur, das allmälige Nahen des Frühlinas benierkbar. Die winterlich öde Eisfläche des„Vierwaldstätter-Sees" und der übrigen Gewässer hat wieder dem blanken Wasserspiegel Platz gemacht, dessen klare Fluthen von dem zu neuer Lebenslust er- wachten buntfarbigen und munteren Wassergeflügel anmuthig belebt werden. Unter den kürzlich eingetroffenen neuen Er- Werbungen und Ergänzungen des Thierbestandes wollen wir heute ein weißes und ein dunkelfarbiges Alpaka hervorheben, jene kleinste Art der in Amerika die Kameele der alten Welt vertre- tenden Thier«, welche an Größe ein starkes Schaf nur wenig übertrifft, aber wie ihre Verwandten durch den sehr langen auf- gerichteten Hals auffällt. Ferner ist ein neues Vikunna angekauft worden, so daß der Garten nun also wieder alle Arten der amerikanischen und der Schwielensohlen oder kameelartigen Thiere überhaupt vollständig besitzt, nämlich außer den beiden eigentlichen Kameelarten das Guanaco, das Vicunna, das Lama und. das Alpaka, letztere beiden Arten werden in ihrer Hei- math als richtige Hausthiere gehalten und gezüchtet, wie unsere Schafe der Wolle und des Fleisches wegen. Die feinste und kost- barste Wolle liefert bekanntlich das nicht domestizirt vorkommende Vicunna. Interessant sind ferner die Lamas als Hausthiere der alten Peruaner, in deren Gräbern noch jetzt nach nianchem Jahr- hundert Reste von domestizirten Lainas gesunden werden, wie inan sie beispielsweise in der zoologischen Sammlung der Landivirth- schaftlichen Hochschule aufbewahrt sieht. Gestohlen. Kurz vor Weihnachten v. Js. wurden dem Portier auf dem Stettiner Bahnhos ei» Koffer und ein Packet zur Aufbewahrung übergeben>nit dem Bemerken, daß diese Gegenstände nach einiger Zeit abgeholt werden würden. Da die Abholung dieser Sachen jedoch bis zum heutigen Tage nicht er- folgt ist, so ist eine Feststellung des Inhaltes des Koffers und des Packeis vorgenommen und es sind folgende Gegenstände vorgesunden worden, die vermuthlich aus einem Diebstahle herrühren: 1 Dutzend neue Schürzen, Ve Dutzend Hemden, 1 Dutzend Damcn- strümpfe, 3 Dutzend Taschentücher, 2 Dutzend Schlipse, Ve Dutzend Umlegekragen, 2 Dutzend Glacehandschuhe, Ve Dutzend seidene Damenstrümpse, diverse Decken, Damenkopftücher, Spitzentücher u. A. m., sämmtlich ausgezeichnet. Etwaige Rekognoscenten wollen diese Sachen in den Vormittaasstundeil auf dem Polizei- Präsidium an der Stadtbahn Portal V., Zimmer 331, besichtigen Nerhaftrte Einbrecher. Recht schwer ist der Kriminal- volizei die Ergreisimg eines der gefährlichsten und verivegensten Einbrecher Berlins, des erst vor Kurzen, aus dem Zuchthause ent- lassenen Gärtners Bumke gemacht ivorden. Derselbe hat in Ge- meinschaft mit einem gewissen Brauer in letzter Zeit eine ganze Reihe von Einbrüchen in und bei Berlin verübt, insbesondere noch am 15. März Kleidungsstücke im Wcrthe von 1200 Mark gestohlen. Da die verfolgenden Kriminalbeamten erfahren hatten, daß Bumke am Abende des 20. März d. I., bei einem Arbeiter in der Exerzierstraße Aufnahme gefunden hatte, drangen sie am 21. früh um 5 Uhr in das betreffende Haus. Bumke flüchtete, nur mit dein Hemde bekleidet, aus einem Fenster des vierten Stockwerks auf das Dach und konnte erst nach langer gefährlicher Jagd dingfest gemacht werden. Glücklicherweise hatte er bei der eiligen Flucht den geladenen Revolver, den er bei seinen Raub- zügen stets bei sich führt, in seiner Rocktasche zurückgelassen. In der verflossenen Stacht ist es auch gelungen, in der Nähe von Dalldorf den Brauer festzunehmen. Beide hatten es zur Zeit auf die Beraubung einer Kasse in Fürstenberg abgesehen. Auch die geständigen Hehler sind verhastet worden. Durch Kaub verschüttet wurde vorgestern im Lichtenberger Kietz der Knabe Wilhelm Beyer aus Rummelsburg. Der vierzehn- jährige erst ain Dienstag eingesegnete Knabe spielte dort mit einem Genossen in einer Sandgrube dicht an einer aus Sand gebildeten etwa sechs Meter hohen Wand, welche jedenfalls durch die beim Abgraben des Sandes vorher vorgenommenen Arbeiten erschüttert war. Plötzlich lösten sich von der Wand größere Massen los und begruben den Wilhelm Beyer. Dessen Spielkamerad, welcher Slücklicherweise etwas ferner gestanden hatte, suchte sofort nach nlfe; es gelang ihm jedoch erst nach geraumer Zeit, einen Trupp von Gefangenen herbeizurufen. Die Hilfe kam leider zu spät; als nian die Saildmassen entfernt hatte, war Wilhelm Beyer be- reits todt. Die Leiche eine« neugeborenen Kinde» männlichen ffchlechts wurde am Morgen des 20. d. M. bei der Bedürfniß- anstatt im Humboldtshain nahe der Brunnenstraße in emeni blau- und weißgestreiften Beutel aufgefunden. Da an dem Halse der Kindesleiche Fingerabdrücke deutlich wahrnehmbar waren, scheint ein Verbrechen vorzuliegen. Im Walliwr-Theatrr geht heute, Sonntag, die lustige Ge- sangsposse:„DerJongleur" mit Fritz Helmerding als Gast zum letzten Mal in Szene. Am Montag wird:„Ein toller Einfall" von Karl Laufs, der vor zwei Jahren das Repertoire des Wallner-Theaters so erfolgreich beherrschte, neu einstudirt aus geführt. Für Sonnabend, den 29. d. M., ist die Premiäre der Novität Franz von Schönthau's geplant, ein dem Französischen entsprossener drciaktiger Schwank:„Papa", mit den Damen Lehmann und Schramm und den Herren Gimnig und Guthery in den Hauptrollen. Doli»»ib»richt. Am 21. d. M. Morgens wurde im Land- wehrkanal', unweit der Brücke der Anhalter Eisenbahn, die bereits stark verweste Leiche eines Mannes aufgefunden und nach dem Schauhause geschafft.— Als der obdachlose Arbeiter Stachoiv Nachmittags vor dem Hause Gerichtsstr. 9 einen in der Fahrt be- findlichen Mchlwagen besteigen wollte, glitt er aus und gerieth mit dem Fuße unter das Rad, so daß er eine bedeutende Quetschung erlitt. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Abends stürzte ein Mann vor dem Hause Badstr. 8A beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen nieder und erlitt eine stark blutende Verletzung des Hinterkopses. — Zu derselben Zeit gerieth ein wohnungsloser Schtächtergeselle auf dem Grundstuck Schillingstr. 10/11 mit einem unbekannten Mann in Schlägerei und erhielt dabei inehrere Messerstiche in den Kopf, so daß seine Ueberführung nach dem Krankenhause am Friedrichshain nothwendig wurde.— Am 21. d. M. und in der Nacht zum 22. d. M. fanden in der Kommandantenstr. 35, Thurmstr. 35, Nuunynstr. 71 und Köpnickerstr. 6 kleinere Brände statt, welche von der Feuerwehr gelöscht wurden. Gsrtthks-Ieikmtg. Da« Schwurgericht hiesigen Landgericht- I hatte sich gestern schon wieder mit einer Anklage wegen versuchten Mordes zu beschäftigen. Der Angeklagte, welcher sich wegen dieses schweren Verbrechens, außerdem wegen Betruges und Unterschlagung zu verantworten hatte, ist der Kaufmannslehrling Robert Fritz Weiß, welcher auf der Anklagebank fast noch den Eindruck eines Knaben macht. Den Vorsitz des Gerichtshofes führt Landgerichtsrath Denso, die Staatsanwaltschaft vertritt Assessor Dr. K« n d l e r, als Vertheidiger steht dem Angeklagten der Rechtsanwalt Reichenbach zur Seite. Der völlig bart- lose, schlank gewachsene junge Mensch hat bei der Ausführung der ihm zur Last fallenden schweren That, welche in den Januar d. I. fällt, das 18. Lebensjahr soeben erst überschritten, da er am ß. Januar 1872 zu Berlin geboren ist. Er hat früher ein um- fassendes Geständuiß abgelegt, welches er auf die Frage des Prä- sidenten dahin einschränkt, daß er nach Beginn seiner That die- selbe bereut und freiwillig davon Abstand genommen habe. Er ist der Sohn eines Kellners in Breslau, ist daselbst kurze Zeit bei der Agentur der Versicherungsgesellschaft„Union" angestellt gewesen und alsdann am 1. Juli 1888 nach Berlin gegangen. vier fand er am 1. September 1888 eine Lehrlingsstelle bei dem hiesigen Vertreter des A. Moritz'schen Möbelgeschäfts, Herrn Günther, Luisenstraße 21, wo er 20 M. monatliche Entschädigung bekam. Er hat sich nicht die Zufriedenheit seines Chefs er- ivorben, vielmehr macht ihm dieser den Vorwurf der Unzuver- lässigkeit, Unsauberkeit und Unpünktlichkeit und gab ihm wieder- hott zu verstehen, daß er zum Kaufmann gar nicht geeignet sei. Der Angeklagte war auch lügenhaft, gab mitunter Briefe, welche ihm übertragen waren nicht ab und Herr Günther hätte ihn gern entlassen, nahm aber Rück- ficht auf die Eltern des jungen Mannes und versuchte es noch einmal, durch Sttenge und sehr ernste Behandlung ettvas aus dem Angeklagten zu niachen. Diese gute Absicht hat der Ange- klagte vollständig verkannt, er reizte seinen Chef bei einer Gelegen- heit sogar dazu, ihin eine Ohrfeige zu geben und als der Ange- klagte»nieder einmal einen eiligen Brief nicht bestellt hatte, wurde er am 20. Januar entlassen. Er bekam sein Gehalt bis zum 1. Februar ausgezahlt, außerdem ein Abgangszeugniß, in welchem ihm nachgesagt wurde, daß er sich in keiner Weise zum Kaufmann eigne. Nach dein Abgang des Angeklagten sind verschiedene Unterschlagungen desselben ans Tageslicht gekominen. Derselbe hat in 5 Fällen 444 M. unterschlagen, welche ihm von Kunden aus Rcchniiiigen bezahlt worden sind. Er hat dieses Geld mit einer Anzahl von Freunden in leichtsinnigster Weise vergeudet und als er schon nicht mehr die Befugniß hatte, Gelder für die Firma einzuziehen, ist er doch noch zu einzelnen Kunden gegangen und hat Bettäge für die Finna in Empfang genommen ,so am 22. Januar von einer Frau Karsch 50 M. und am 24. Januar voin Hofprediger Stöcker 43 M. 60 Pf. Am 25. Januar wurde er verhastet, nachdem er noch ein Attentat auf seinen Lehrherrn Günther aus- gefilhrt. Seit dem Tage seiner Entlassung und im Aerger über das schlechte Abgangszeugniß hatte er den Entschluß gefaßt, Herrn Günther uinzubringen. Er kaufte sich am 23. Januar bei Mehles einen Revolver und eine Anzahl Pattonen, ging damit in den Grunewald, um sich einzuschieben und verschoß zu diesem Zweck etwa ein Dutzend Patronen. Ain 25. Januar, gegen lO3/» Uhr, zu welcher Zeit nach der Kenntniß des Angeklagten Herr Günther sich allein im Komtoir befand, begab sich der Angeklagte nach dem Hause Louisenstr. 21 und als die beiden Angestellten das Komtoir verlassen hatten, betrat der Angeklagte das Geschäfts- lokal. Er hatte sich den geladenen Revolver in die rechte Hosentasche gesteckt und leitete ein Gespräch mit Herrn Günther mit dem Bonvand ein, daß er demselben etioas von dem unter- schlagen«» Gelde zurückzahlen wolle. Herr Günther erhob sich in- folge dessen von seinem Sessel und ttat dem Angeklagten auf der andern Seite des Ladentisches gegenüber. Im weiteren Verlaufe des ganz ruhig geführten Gespräches hat dann der Angeklagte Herrn Günther Vorhaltungen darüber gemacht, daß er ihn» ein so schlechtes Zeugniß ausgestellt und denselben um ein besseres ersucht. Herr Günther antwortete, daß er ihm noch die Unter- schlagung ins Zeugniß schreiben würde, ihm aber die Ver- sicherung gebe, daß er in seinein Leben doch kein Kaufmann werde. Der Angeklagte antwortete kurz entschlossen:„Schuster oder Schneider kann ich auch nicht werden! zog den mit sechs Patronen geladenen Revolver aus der Tasche und gab auf Günther einen Schuß ab, so daß die Kugel an dem Kopf desselben vorbeiging und in einem in der Nähe stehenden Geld- schrank drang. Herr Günther sprang uni den Ladenttsch herum, dicht auf den Angeklagten zu, packte ihn und es entstand ein lebhaftes Ringen, wobei der Angeklagte fortgesetzt den Revolver nach oem Kopse seines Lehrherrn richtete, so daß dieser alle Mühe hatte, ihn sich vom Leibe zu halten. Wiederholte Hilferufe des Herrn Günther wurden von Niemand gehört, endlich aber gelang es ihm, durch einen Druck aus den Knopf einer telegräphischen Leitung einige Leute aus den Hinteren Arbeitsräumen herbeizu- rufen, welche ihn von dem Angeklagten befreiten. Nach seiner Verhaftung hat der Angeklagte in aller Ruhe zugegeben, daß er die Absicht gehabt habe, Herrn Günther zu erschießen, und ivenn der erste Schuß fehl ginge, die übrigen Schüsse abzufeuern. Er hat sogar mündlich und schriftlich zu Protokoll sein Bedauern ausgedrückt, daß er Herrn Günther„leider" nicht getroffen habe. Der Ange- klagte bleibt dabei, daß ein gewisses Gefühl der Reue nach dem ersten Schusse über ihn gekommen und ihn von weiteren Schüssen abgehalten habe, als ihn aber der Präsident darauf hinweist, daß das fortgesetzte Zielen damit nicht übereinstimme, meint der An- geklagte, daß er sich dann das eigenchümliche Gefühl, welches ihn ergriffe», nicht erklären könne. Der Präsident meint, daß ein solches Gefühl wahrscheinlich über jeden Mörder im Augenblick der That kommen dürfte. Was das Bedauern über das Miß- lingcn seines Anschlages betrifft, so bittet der Angeklagte, diese Aeußerung nicht zu genau zu nehmen, da er sich bei Gelegen- heit des Protokolls in großer Aufregung befunden. Der Zeuge Günther, ein sehr kräftiger Mann in den besten Jahren, be- gründet das von ihm ausgestellte Zeugniß als durchaus zu- treffend, da die oben gegebene Charakteristik des Angeklagten den Thatsachen entspreche. Er habe sich redlich bemüht, aus dem jungen Mann einen ordentlichen Kaufmann zu niachen; es sei aber Alles vergeblich gewesen und die Ohrfeige, welche er dem Angeklagten verabfolgt, habe er für einen sehr angebrachten Denkzettel gehalten. Die Vorgänge im Komtoir zur Zeit des Mordanschlages schildert der Zeuge ziemlich übereinstimmend mit den übigen Mittheilungen und erläutert die Situation an einer auf einer Tafel befindlichen Zeichnung. Der Angeklagte, welcher bei dieser Gelegenheit dicht an den Zeugen herangetreten war, wirft demselben so grollende Blicke zu, daß ihm der Präsident dies nachdrücklichst untersagen muß. Nach der Bekundung des Zeugen hat sich der Angeklagte wohl eine Viertelstunde lang in dem Komtoir aufgehalten, hatte sich besonders sauber, gekleidet und war vollständig ruhig, Während des Ringens hat der Augeklagte mehrfach geäußert, daß er ein Esel sei, weil er nicht besser gezielt habe, dann hat er Herrn Günther gebeten, den Revolver loszulaffen, damit er sich selbst erschießen könne. Der Zeuge hat nicht den Eindruck gehabt, als ob der Angeklagte während des Ringens noch auf ihn gezielt habe. Richtig ist es, wie der Zeuge auf Befragen des Verthei- digers zugiebt, daß der Angeklagte schon um 7 Uhr ins Komtoir kommen mußte, hier und da das Komtoir zu heizen hatte und auch manchnial die vor den Geschäftswagen gespannten Pferde halten mußte, wenn zufällig kein Anderer zur Hand war.— Der Buchhalter Hetze! bestätigt, daß Herr Günther, welcher häufig Grund hatte, über den Angeklagten zu t lagen, denselben sehr streng behandelt habe. Schon im Dezember hat der Angeklagte dein Zeugen gegenüber wiederholt Klage über diese Behandlung geführt, Herrn Günther alles mögliche Schlechte gewünscht und gesagt, daß er denselben ruhigen Blutes verenden sehen könnte. Am Tage vor der That hat der Zeuge den Angeklagten aufgesucht und ihm Vorhaltungen über die Unterschlagungen gemacht. Er hat ihn speziell gefragt, ob er denn nacht daran dächte, welche Schande er seinen Eltern inaehe und das, dieselben Herrn Gunther den Schaden ersehen müßten, worauf der Angeklagte erwidert: Das sei das einzige, was ihn noch bekümmere, im übrigen sei ihm alles egal, er wisse nur noch nicht recht, waS er thun werde.— Dem Polizei- Wachtnieister Frädrich, welcher den»Angeklagten zuerst vernommen, hat derselbe den Eindruck großer Frechheit gemacht und direkt gesagt:„Es thut mir nur leid, daß ich nicht getroffen habe." Er hat dem Beamten auch zugegeben, daß er die That schon lange geplant und auch genau überlegt habe, waS pasfiren würde, wenn sein Plan gelänge und daß er im Grunewald sich mit 12 Patronen eingeschossen habe. Der letzte Zeuge ist der Bruder des Angeklagten, Kellner Weiß, welcher jedoch sein Zeugniß verweigert. Der Staatsanwalt bean- tragt das Schuldig cm vollen Unisniige der Anklage, der Verthei- digcr flicht oagegen auszuführen, daß der Angeklagte in dem Augenblickes der That eine Uebcrlegung nicht gehabt, sondern im Affekt gehandelt habe. Den Geschworenen werden 19 Fragen zur Beantwortuiig vorgelegt. Sie bejahten die Hauptfrage in Betreff des versuchteil Mordes und sprachen dem Angeklagten auch die erforderliche Einsicht zu. Der Staatsanwalt bean- tragte eine Gesammtstrafe von sechs Jahren neun Mo- ciaten Zuchthaus. Der Angeklagte, vom Präsidenten noch einmal befragt, ob er seine. That bereue, antwortete mit„Ja" fünfjährigen Ehrverlust und Stellung unter Polizecaufstcht. Soziktls IleberluH.t. A» alle Arbeit«? Deutschland». Der Streik in der Ncueudorfer Mtienspinnerec dauert unverändert fort; die bis- herigen Verhandlungen mit der Direktion sind ohne Erfolg ge- blieben, da oiese sich weigerte, den gemaßregelten Kollegen B a t h e cvieder anzustelleil, obgleich dieser weiter nicht? verbrochen hat, als daß er am Wahltage zivei Stunden lang in der Fabrik ge- fehlt und wahrend dieser Zeit Stimmzettel für unseren Kandidaten Werner vertheilt hat. Am Donnerstag fand eine Versammlung der streikenden Arbeiter und Arbeiterinnen in Nowawes statt, tu der Herr Mehner aus Berlin referirte. Es wurde einstimmig der Beschluß gesaßt, die Arbeit nicht früher wieder auszunehmen, vis die Wiedereinstellung des Gemaßregclten erfolgt sei. Ferner wurde eine Kominissson ge- wählt, welche nochmals mit der Direktion unterhandeln sollte, was inzwischen ge>chehen ist. Diese Kommission erhielt den Be- scheid, daß die Direktion unter keinen Umständen auf die Be- dingung eingehen werde, man werde im Gegentheil bei Wieder- aufnähme der Arbeit auch noch andere Leute nicht mehr annehmen. Da wir auf solche Zumurhungen doch unmöglich eingehen können, so bitten wir, den Zuzug fern zu halten und unS tn diesem gerechten, aber schweren Kampfe nach Kräften zu unterstützen. Briefe und Sendungen sind zu richten an G u st a v P e t s ch e in N o- w a w e Z bei Potsdam, Miihlenstr. 7. Au»(ßvvibfdj, 21. März 1890, erhalten wir folgenden Aufruf: Act die Schuh in ach er Deutschlands! Kol- legen! Der Streik in der Firma I. C. Meischke und Söhne dauert fort. Eine Aenderung ist dahin eingetreten, daß in allen anderen hiesigen Fabriken, wo die Arbeiter mit ihren Fabrikanten in Unterhandlung standen, heute sämmtlichen Arbeitern und Ar- deiterinneu gekündigt worden ist, da die Arbeitgeber ein Kartell abgeschlossen haben. Die Zahl der Ausständigen wird dann, die von I. E. Meischke und Söhne eingerechnet, über 400 Personen betragen. Kollegen! Ihr werdet begreisen, daß die Sache eine sehr ernste gecvordeu ist. Bedenkt die Folgen einer Niederlage; greift hilfreich zu, wie wir dies stets gcthan haben. Unterstützt uns nach Kräften in unserm gerechten Kampfe. Die Stimmung der Streikenden ist ausgezeichnet; wtr sind entschlossen, nicht nach- zugeben. Mit kollegialischem Gruß! DaS Komitee. Anfragen und Sendungen sind zu richten an Albin Reichelt, Groitzsch, Pegauer- straße.— Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Versa»tnttlunsen. Eine öffentliche Uolksversautmlu«», die schließlich der polizeilichen Auslösung verfiel, war seitens der inngeit Kausleute zum Freitag Abend nach Kellers Festsälen, An- dreasstraße, einberufen worden, um folgende Tagesordnung zu erledigen:„Die Bevölkerung Berlins und die Sonntagsruhe der in kncismännischen Geschäften Angestellten. Tie Versammlung war recht gut, namentlich von Arbeiterfrauen, besucht. Das leitende Bureau bildeten Herr Laske, Frl. Mack und die Herren Wilh. Schulz und Emil Schade. Katlfcnann Herr Aug. Hintze referirte. Die Frage der Schließung der kaufmännischen Geschäfte an Sonn- nnh Feiertagen beschästige die Angestellten und die Kleinkaufleute schon seit geraumer Zeit. Von der Nothcvcndigkeit der Sonntags- ruhe werde Jeder überzeugt sein, der weiß, was es heißt, die ganze Woche hindurch von VeL bis 10 Uhr ohne jegliche Pause mige- strengt zu arbeiten. Das sei eine Arbeitszeit von 10 Stunden. 9htn sollte man wenigstens meinen, daß die jugendlichen Ar- beiter in diesem Gewerbe, die Lehrlinge, so wie die gewerblichen einen Schutz genießen. Aber nein; die KaufmannsleHrlinge haben nicht wie vie gewerblichen einen Maximalarbeitstag von zehn Stunden. Im Gegentheil, sie müssen selbst am Sonntag biS spät Abends arbeiten. Die einzige Ruhezeit für die Angestellten ist der sogenannte„freie Sonntag", der alle 2—3 Wochen eintritt, aber erst um 3 Uhr Nachmittags beginnt. Um die fast von allen Seiten für so nothcvendig anerkannte Sonntagsruhe einzuführen. haben sich schon früher die Kleinkausleute zusammen gethaü, um aus dem Wege der freien Vereinbarung etwas zu erreichen. Man verpflichtete sich gegenseitig, die Geschäfte zu schließe». Diese Maßregel hatte zuerst Erfolg; nach und nach zwang aber die Konkurrenz der Grünkramhändler, die ihre Geschäfte nicht schlössen, die Kausleute. ihre Läden an Sonntagen cvieder zu öffne». Damit ivar die ganze Angelegenheit eingeschlafen, bis im Jahre 85 eine neue Bewegung behufs Einführung der Sonntags ruhe in Fluß kam. Versammlungen wurden abgehalten, Reso lutionen angenommen. Petitionen an den Reichstag geschickt, in denen für gesetzliche Einführung der Sonntagsruhe plaidirt wurde. Zur selben Zeit brachte auch die sozialdemokratische Fraktion den bekannten Arbeiterschutz-Gesetzentwurf ein, der auch die Kaufleute berücksichtigte. Der Stein kam ins Rollen. Die Petittonen wurden im Reichstage der betr. Kommission überwiesen, durch- berathen und die aufgestellten Wünsche gegen die Stimmen der Freisinnigen und Nationalliberalen sür berechtigt anerkannt. Die Freude war groß, aber die Rechnung war ohne den Wirth, dem Fürsten Bismarck, gemacht. Er ergriff, als im Plenum über die Sache verhandelt wurde, mehrere Male das Wort. Seine Beweis- sührung: Der Handel werde dadurch zu Grunde gehe», brachte c? fertig, daß beschlossen wurde, erst die Kanfleute selbst zu fragen. Referent berichtet nun eingehend über die bei den Erhebungen gepflogenen Verhandlungen. Es wurden die Meinungen der ver- fchiedenen Vertreter kaufmännischer Organisationen gehört, zu Protokoll genommen und— begraben; man hörte nichts mehr davon; der Zweck war erreicht. Doch diese Angelegenheit wird seitens der jungen Kanflente nicht begraben werden. Der neue Reichstag wird sich auch damit zu beschäftigen haben. Dock ist es immerhin fraglich, ob der Bundesrath sich mit dm eventuell im Reichstag gefaßten Beschlüssen wird einverstanden erklären. Da aber die Nothwendigkeil der Sonntagsruhe vorliegt, so seien die Kaufleute zu dem Entschluß gekommen, die Hilfe der arbei- tenden Bevölkerung anzurufen. Soweit er(Redner) die letztere kenne, wird sie die Hilfe nicht versagen, insofern, als die Arbeiter vom 1. Mai ab nicht mehr in Geschäften kaufen, welche des Sonntags noch nach 12 Uhr Mittags und an Wochentagen nach 8 Uhr Abends ihre Läden geöffnet halten.(Bravo.) Wir, so schließt Redner unter lebhaftem Beifall, sind an Organisation, an Mitteln zu schwach, zu viele Brotlose stehen ans der Straße, als daß wir durch andere Mittel zu etwas gelangen könnten. Des- halb sehen wir uns nach Hilfe um. Die Bevölkerung Berlins möge beweisen, was sie kann. Sie kann viel, wenn sie will. Der Sieg ist errungen, wenn Sie imsere Sache zu der ihrigen machen. — Herr Hausdiener Lamprecht behandelt, als zweiter Referent, speziell die Lage des Hansdieners, die ex als eine äußerst trau- rige bezeichnet. Ein tägliche Arbeitszeit von Vs7 Uhr früh bis 10 Uhr Abends, eine einstündige unregelmäßige Mittagspause, Sonntagsarbeit von früh 0 oder 7 Uhr an und dann ein Lohn von 15 bis 17 M.! Redner fordert in seinen Schluß- aussührungen die absolute Sonntagsruhe. Die Diskussion er- öffnet Herr Adler, der recht eigenthümliche, verworreneAnsichtenvor- bringt. So sagte er: Man müsse beschließen, nur bei Genossen zu kaufen.(Wiedersprnch; Rnse: Unsinn.) Das Volksblatt müsse die Namen derselben veröffentlichen!(Rufe: Schluß. Unruhe.) Er sei auch sür Sonntagsruhe; er als Genosse könne aber nicht schließen. Für Genossen, die Geschäfte haben, müsse eine Aus- nähme gemacht werden, da sie mit geringem Kapital arbeiten. (Widerspruch; Zischen; Rufe: Einschätzungskommission.) Herr Schade glaubt, daß der Vorredner nur Reklame machen wollte. Rebner begrüßt das Vorgehen der Kaufleute mit Freuden und hofft, daß die Kanflente anderer Städte dem Beispiel der Berliner nachfolgen werden. Herr»Auerbach hält die Forderungen für solche der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. Werden dieselben fort und fort gestellt, dann wird man dem Drucke nach- geben, das Gesetz wird eintreten müssen und nur das Gesetz kann den kaufmännischen Angestellten Helsen. Ihrer sind zu wenige, die die Verhältnisse klar begriffen haben. Würden sie, die Wenigen, vor die Inhaber hin treten, dann würde ihnen ein Hohngelächter antworten. Deshalb wendet sich der An- gestellte an das Proletariat, das so viel Kämpfe siegreich be- endete. Gern würden wir die absolute Sonntagsruhe fordern, wäre sie unter den heutigen Verhältnissen durchführbar. Deshalb müsse er auch dem zweiten Referenten widersprechen. Bei der heutigen Art der Lohnzahlung am Sonnabend sei die Arbeiter- srau gezwungen, am Sonntag Vormittag einzukaufen, sie habe am Sonnabend keine Zeit mehr dazu. Dem tragen wir Rechnung, indem wir den Schluß des Geschäftes erst um 12 Uhr Mittags fordern. Dafür können die»Arbeiter eintreten. Kausen die Arbeiter trotzdem in den Geschäften, die gemieden werden sollen, ver- läuft die Bewegung im Sande, dann haben nicht die Kauf- lenke, sondern die Arbeiter eine Niederlage erlitten. Deshalb mögen die»Arbeiter das ihrige thun; sie mögen ihre Kollegen in den Fabriken aufklären, daß sie die Verpflichtung haben, für die An- -eftellten, für diese weißen Sklaven einzutreten, inoein sie den Schindern dieser Gedrückten die Geibelruthe aus der Hand winden...... Bei diesen Worten erhob sich der überwachende Beamte und löste die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes auf. Unter Hochrufen auf Auerbach und die Sozialdemokratie und dem dröhnenden Gesänge der Arbeiter- Marseillaise entfernten sich langsam die Anwesenden.— Infolge der Auflösung konnte über folgende Resolutionen nicht abgestimmt werden, die sicher angenommen worden cvären:„Die Versam- melten erkennen die nützliche Lage der kaufmännischen Angestellten an und beabsichtigen, nur in den Geschäften zu kaufen, deren Inhaber sich verpflichten, ihre Geschäfts vom 3. Mai des Sonn- tags mindestens um 12 Uhr, Wochentags um 8 Uhr zu schließen. — Ferner:„Die heute in Joöl's Salon tagende öffent- liche Volksversammlung spricht die bestimmte Erwartung aus, daß die Berliner»Arbeiterpresse zur wirksamen Unterstützung der beschlossenen Maßnahmen für die Herbeiführung der Sonn- tagsruhc, in Zukunft keinerlei Anzeigen von solchen Geschäfts- inhabern mehr aufnehmen wird, die sich in ihren»Ancrbictungen noch damit brüsten, daß sie ihr Geschäft den ganzen Sonntag ge- öffnet hätten.(»Also auch ihr Personal bis Abends spät be- schäftigen.) Die Versammlung hofft, daß dadurch die arbeitende Bevölkerung Berlins nicht fernerhin verleitet werden wird, solchen „arbeitersreundlichen" Geschäftsinhabern ihr Geld hinzutragen." Der ssslaldrmaltratifche Utithwerein für den zweiten Berliner Keichviago-Wahlbreto hielt am Sonntag, den 16. März in der„Viktoria-Brauerei" eine Versammlung ab, welche zahlreich besucht war. Auf der Tagesordnung stand: 1.„Stach der Reichstagswahl"; 2. Lokalfrage; 3. Verschiedenes und Frage- kästen. Da der Referent nicht anwesend war, wurde der zweite Punkt zuerst zur Verhandlung gestellt. Der Vorsitzende, Herr i l s ch k e, unterbreitete der Versammlung den auf Tivoli ge- faßten Beschluß hinsichtlich des Keller'schen„Hosjäger"(Hasen- hacde) und bemerkte, daß man diesen Beschluß hochhalten und das Lokal meiden müsse, obgleich das Schiedsgericht der Lokal- kommifsion keine genügenden Gründe gegen Keller gefunden und deshalb die Sache dem zweiten Wahlkreise überlassen habe. Es liege mithin an der Versammlung, wie sie sich zu der Angelegenheit stellen wolle. Herr Merkel trat ganz entschieden gegen Keller auf, da derselbe noch nie arbeiterireundlich gewesen sei. Jetzt gehe es zum Sommer und deshalb denke Herr Keller vielleicht, daß die Arbeiter auch gut genug sür sein Lokal seien. Er könne sich nur für strikte Ausrechterhaltung der Beschlüsse von„Tivoli" und der„Bockbrauerei" aussprechen. Herr Grube, Mitglied der Lokalkommisston, war derselben»An- ficht, ebenso auch die Herren Retzerau, Knak und andere Redner. Einige Mitglieder vertraten die entgegengesetzte Ansicht, drangen mit dieser aber nicht durch, weil die Mehrheit der»An- wesenden mit Keller nichts zu thun haben wollte. Das Ergebniß der Diskussion tvar die»Annahme folgenden Antrages: Die heutige Versammlung des Wahlvereins hält die auf Tivoli ge- saßtcic Beschlüsse bezüglich des Keller'schen Lokals ausrecht und wird nach jeder Seite hin Gerechtigkeit gegen diejenigen Wirthe üben, welche ihr Lokal vor der Wahl sreigegehen haben. Ferner wurde beschlossen, den 1.»Punkt der Tagesordnung bis zur nächsten Ver- sammlung zu vertage». Hieraus wurve der Borstand beaustragt, beim Polizeipräsidium Beschcverde gegen die Jnhibirung der Eut- gegennahme von Mitglcederbeiträgen durch den überwachenden Beamten einzureichen und einen Kranz auf die Gräber der März- gefallenen im Friedrichshain niederzulegen. Nach bezüglicher »Aufforderung durch den Vorsitzenden erhoben sich die Mitglieder zu Ehren zwei verstorbener Genossen von den Sitzen.»Alsdann wurden die Namen der Mitglieder bekannt gemacht, welche gelesene»Arbeiterblätter entgegennehmen und weiter befördern. Es sind dies die Herren: K l e t, Belleallcancestr. 78; Rabe, Schön leinstr. 11; Rindermann, Schwerinstr. 8; Hanschke, Hagelsbergerstr. 66 und Lohmann, Friesenstr. 18. Former. Am Montag, den 14. März, fand im Lokale des Herrn Krieger, Wasserthorstr. 68 eine stark besuchte Bersammlum der Forinex und verwandten Berufsgenossen unter Vorsitz de! Herrn A. Körsten statt, mit der Tagesordnung: 1. Der Streik der Eisengießerei von Weeren, Rixdorf. 2. Der Streik der Metallgießerei von Friedr. Siemens und Komp. 3. Verschiedenes. Bevor in die Tagesordnung eingetreten wurde, überbrachte der Vorntzeude Grüße von den Kollegen aus Hannover und schilderte die dorttgen Verhältnisse in Betreff des Streiks als sehr gute für uus- Zum ersten Punkt der Tagesordnung nahm Kollege Schnarchendorf das Wort und theilte mit, daß die BerhäÜ- msse in der Gießerei von Weeren, in der Akkordarbeit sebr trait� rige waren, und sahen sich darum die Kollegen genöthigt, Lohn zu fordern, die Kollegen gehören alle den Fachverein an und sah sich der Fabrikant durch das feste Zusammenhalten derselben genöthigt, den Minimallohn von 24 M. zu bewilligen; 14 Tage später erklärte Weeren, daß er einen festen Lohn nie zahlen werde, vielmehr den Lohnakkord einführen wollte. Diese Zumuthung scheiterte wiederum an dem festen Znsammenhalt der Kollegen, und er- klärte nun Herr Weeren, dann lieber seine Fabrik zu schließen, und wurden fämmtliche Kollegen sofort entlasten. Hieraus ersieht man wieder so recht, wie die Fabrikanten bemüht sind. Versuchen der Arbeiter, sich bessere Bedcngnngen zu verschaffen, entgegen ,u treten. Mit dem Schließen der Fabrik scheint es doch dem Fabrikanten nicht sehr ernst gewesen zu sein, denn am anderen Tage stand in den Zeitungen:„Former, die nicht dem Fachverein angehören, finden dauernde Beschäftigung." Zum 2. Punkt er- hielt Kollege Tausche! das Wort. Redner siihrte an, wie sich der Streik bei der Firma Siemens u. Co. durch Abzug entsponnen Hütte, und da die ganze Fabrik die Arbeit darum nieder- gelegt hätte, hielt es auch die Gießerei für ihre Pflicht, sich solidarisch mit den anderen Arbeitern zu erklären, und legten die Former darauf hin auch bis auf einen Former die Arbeit nieder; auch diese waren bis auf den Dagebliebenen alle organisirt. ES ist bedauerlich, daß es noch Elemente giebt, die ihre Kollegen da- durch schädigen, daß sie in der Fabrik ansangen, wie wir leider schon drei Former zu verzeichnen haben; mit diesen Streik- brechern haben wir aber bei jedem Streik zu rechnen; das sind unorganisirte Leute, die nirgends mehr»Arbeit erhalten und sich auf diele Art tum Sckaden ihrer Kollegen suchen nun aus diese Art zum Schaden.M......„J.» eine Existenz zu gründen. Der Fabrikant stellt sie als Roth- knechte ein, um zu zeigen, daß er Leute erhält, um uns dadurch eher zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Redner führte noch an, daü das Arbeitsinden für die Streikenden erschwert würde; ein Fall der Art ist in der Berliner Maschinenfabrik vorm. Schwartzkopf pasnrt; nachdem der Meister einen Kollegen eingestellt hatte, wurde derselbe acht Tage später mit der Mottvirung von, Ingenieur Leide entlassen, daß er ein Streikender wäre und dem Fachverein angehöre. Mit der Bitte, uns in diesem Kampfe gegen die internationalen Kapitalisten zu unterstützen und möglichst den Zuzug fern zu halten, schloß der Redner. Folgende Reso- lution wurde einstimmig angenommen:„Wir heute in Krieger's Salon versammelten Former und verwandten Berufsgenossen er- klären uns mit dem Vorgehen der Kollegen von Weeren und Siemens einverstanden und verpflichten uns, dieselben nach beste» Kräften zu unterstützen." Mit einem Hoch auf die Arbeiter- becvegung schloß der Vorsitzende der vorgerilckten Zeit wegen die Versammlung. *• » ZrbtiUvimtett der SchSpte-Kvanch-. Versammlung am Sonntag, den 23. Marz, Vormittags 10 Uhr, bei Hendrich's, Beuthstr. 22. Tagesordnung: >. Vorlrag des Heren Albert Auerbach über Sireiiaiigelegenhetten. e. Dib- luMon. 3. verschiedene?. Zur Declung der Unkosten stndei Tellersammlung statt. Herren haben Zutrttt. Abend» der Vohow'schen Braueret? Tellersammlung statt. Pereinigung»er Drechsler Zur Teckung mrnmmes Mitglieder. am «ins «MSANSSYDWkSA Versammlnnq ab. Tagesordnun rattonskomttees. stattstlk und DlSkusstoii. RescreM ZullnS _ Uiv-y UVCUvwtdv«.- «. Verschiedenes und Franekaslen. Es ist Pstlcht eines jeden 5roll?gen»u erscheinen. Auch werden die rückständigen Miigiieder ersucht, im Smeteffe der Vereinigung ihren Aerpslichiungen nachzukommen, da sie sonst gestrichen werden. Per»',« luv zpnhruxg der Znterels«»»er Schuhinacher und verw. Beruissrnostcn Berltn«.«ersaininiung am Dienstag, den an. März, Abende Asi Ubr, in Scheffer'S Salon, Hnselslr. 10. Tagesordnung: Vortrag von Herrn Bonche Uber Geist und Gehirn. Die Mitglieder werden gebeten, ihre D e>. träge z u entrichten.— Da am Dienstag die Vereinsversammlung statt- findet, werden die frelwllligeu Beitrage am Mittwoch Abend in den bekannten den U. März, Abends Lokalen enlgegea genommen. eimSBmflM I. Dortrag des Stadtv. ..... 2. DiSlusston. der losten findet Tellersammlung statt. Um zahlreiches Gricheincn wir» dringend ersucht. Zörrsainminns de»««»«!»» zur zpahrung»er Znl-reN-n»er Sin- vierurboiter und verw. Berufsgenolsen am Montag, den 24. März, in Deig- müllcr'S Salon, Alte Jakodstr.-w». Wrtohranhmlcoirc der Klempner. General oersammlung der Vertreter der Arbritgeber und Arbettnehmer am Sonnlag, den so. März, Vormittags 10% Uhr, bei Mündt, Köpnickerstr. 100. Nie pers'nu«nt»»g»er xicrirnnensmännev des Kachper»!«»»er zi»ri»rr un» Kerns»«, findet erst Sonnlag, den so. März, statt. Uersamnilnna der Äapierarbriteeiiinr» und verwandten Berussgenossen im«öntgitodt.. Sajluo, Holzmarktstr. 73. Mittwoch, den 26. März. Tagesordnung: I. Bortrag des Herrn M. Baginski Uber:„Die Prostitution, eine Folg« der kapitalistischen Produktionsweise." 2. D.skasston. s. Berschied-nes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist vollzähliges Gr- scheinen unbedtnat nolhwendig. öffentlich»«enrralversammlnng sämmtlicher Kols- Sreiieririiger Kerlin»«»» zlmg. findet am AltNwoch, den März, Abend Uhr, AndreaSslr. 21 lfrüher Keller) mit solgender Tag-sordnun, statt- t. Stellungnahme zn dem am 6. April d. I, in Lübeck tagenden f arbeiter-Donareb, Zleserent Siadlverordneier F. Zubeil. 2. Wahl eineS De» girten. s. Verschiedene». Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. . freie»»«Inigttng der Kartonnrdeiter. Versammlung am Montag, den 24. Marz, Abend? s\ Uhr, bei Bolzmann, AndreaSstr. 20, Tagesordnung- t. Erbet erung der lehten vfientlichen Versammlung. 2. Diskussion. B,»«- schledenes und Fragekaste». l»r Mahrun«»er Interessen sämmtticher Zackirer" halt am Montag, Abend« 8); Uhr. tn Wollschlägers Salon, Vlumenftr. �'-----'—-'?-— L-—.-.hm�tnnbcniß tSSTSS ÄS'w'-» SSSrä-ST«" Zutritt. Gr WPWW �orinittag�i�üh�'n �Renz Salon, Rawwnstr. 27, lang statt. Frei» Uerelnign Versammlung am M »aat; mnnmgww,,, "WWW". --------------- März, ÖCifammlimq. 91..."'I><„nhr,r»olleaeu.— Männer- straße«o-«i.- Berliner Turngenofienschast(7.«M' «bsnd»« Uhr in der städtisch«!» Turnhalle, Briherstr. 17-1» r " Wal. e. MäiiNttablhellung Absud? s urn; in bit städtischen iumboUe, Silbenerstrahs 61.— Lubeck'scher Turnverein(Männer- «dchetiu.igl Abends s Uhr Ellsabethstr. 67— ag.— Verein ehemaliger Schüler der 7. Gemelndcschule Abends 9 Uhr im Resiaurant Poppe, LIndenstrahe]««. —„Frledrichs-Acrein"(ehemalige Zöglinge des groben Friedrlchs-Waisen- Hauses der Stadl Berlin i Abends 8% Uhr bei Bormann, Dhmgasfc 3.— Unter- haltungSklub Schiller Abends s Ubr im Sikstaurani Giesel, Trlfiftrabe«I.— Verein Berliner Theaterfreunde illbends SZI Uhr bei Liilom, Admiralfir. 33.— VergnügungSreretn„Zick-Zaei" AbendS n Uhr in AlSwe'S iSesellschaftShauS, Stchiefirabe so.— Verein„Luftig" Abends o Uhr bei Thamm, Schönhauser ll-e es.— Verein„Liatibor" Abends Uhr im Königstadt-itaNno, Holz- tncrlistr. 72.— AbendS'scher Stenographenverein„Axollobund" Abends 8% Uhr Murmstrabe 31(Moabit).— Wihenschastlicher Verein für Noller'sche Steno- graphie Abends Sil Uhr im Münchener Vräuhaus, Neue Friedrichstr. 1, Unter- richtS- und U-bungSstunde.— Rauchklub„Nordsiern" in Snsat'S Lokal Frank- -.......— Rauchtlub„Hellblau" Abends o Uhr Ska- surter Allee 174, Friedrichsberg. «hersir. 143.— Verein chemalik » Uhr bei Kloth, TreSdenerstr. 10.— Zitherllub„Waldrose" AbendS%» Uhr. tlebungsstunde bei Schneider, Albertgr. s. Dirigent: Wegener. Aufnahme «euer Mitglieder. Gaste wtlltommsn.— Bandonion- und Jusirumentalveretn „Melodta" Montags von s biS li Uhr Abends, RetchendergerstraKe lti> be vilo. VovmiMkes. . Eiu Eiseitbalslnug schreibt: Da oben in Billa den wohlklingenden m---- tu iJnrtplie«. Der„Arg. Bot." Ocainpo existirt eine Eisenbahn, die Namen„Priiner Ferro Carril de Chaco" führt. Vergegelllvartigen wir uns einwal, wie es bei der Abfahrt eines Zuges auf der Zentralstation in Villa Ocampo zugehen kann. Wenn die hohe Bahnvcrwalwng die Abfahrtszeit Scherzes mner hat, geht ihr doch und nicht früher erscheinen die ersten halber auf 7 Uhr Morgens angesetzt auf den Leim; um 8 Uhr und nicht Passagiere, Zutrauen erweckende Correntiner, malerisch in ihre Ponchos gehüllt, jeder mit einem mindestens 50 cm langen Messer in der Leibbinde, und rauchende Correntinerinnen mit obligatem Kindersegen. Um« Uhr Anfang der Billetausgabe. Mit vielem Spektakel konimt eine lendenlahme Lokomotive angerasselt und wird von den Correntinern gebührend bestaunt. Der Maschinist schaut bedenklich drei». Um 10 Uhr erscheint jemand von der Administration der Kolonie und bedeutet dem Zugführer, er solle noch ein wenig warten, der Herr Direktor wolle mitfahren; der- selbe würde gleich aufstehen und sich fertig machen. Die Loko- »totive pfeift ivohinüthig und die Passagiere warten. Uin 11 Uhr kommt der Maschinist, grinst und meldet, daß die Maschine un- tauglich geworden sei. Reparatur dauert unbedingt eine Stunde. Die Lokomotive pfeift nochmals, so gut sie kann, und das Publikum zerstreut sich einstweilen. Man munkelt bereits von Verspätung. Um 12 Uhr ist wieder Alles versammelt. Der Zug hält zur Abfahrt bereit und die Lokomotive pfeift wieder. Wer ein Billet erster Klasse gelöst, darf ein Vehikel besteigen, welches fast so schön wie eine alte Tramwaykutsche aussieht. Tie mit Holz- schwellen beladenen Kastenwagen sind sämmtlich zweiter Klasss und werden von den Correntinern, welche sich vorher erwartungs- voll bekreuzen, erklettert. Um 1 Uhr eAcheint auch der Herr Direktor und nimmt würdevoll in erster Klasse Platz. Die Loko- motive pfeift triumphirend und der Zug rast mit einer Geschwin- digkeit von 4 Kilometern in der Stunde seinem Bestimmungsort, San Vincente am Parana Mini, entgegen. Um 2 Uhr kommt der Zug langsam zurückgefahren: der Kessel der Lokomotive hält nicht genügend Dampf, und es ist auch sonst nicht alles, wie es sein sollte— enfln— es ginge wohl aber es geht nicht. Man vereinbart die Abfahrtszeit auf den folgenden Tag 8 Uhr Morgens, und Vahnpersonal sowie Passagiere gehen im Gefühle treuester Pflichterfüllung Einen nehmen, wobei sie Gott danken, daß die Geschichte noch mal so gut abgelaufen ist, denn man kann doch nicht wissen, was auf der nächsten Brücke passirt wäre i Wer es aber ganz eilig hat, der nimmt sich einen Extrazug, be- stehend aus einer Zorra mit einem Pferde davor. Und ein sol- cher ist noch nicht einmal so arg theuer, für 5— 6 Pesos(von der Emission der Herren Ocampo, Arana y Cia. natürlich, denn das Geld der anderen nimmt kein Mensch) kann man ihn haben. Die Passagiere zweiter Klasse aber, denen das Leben lieb ist, schnüren ihr Bündel und suchen durch die altbewährte und ungefährliche Art des Zufußwanderns ihr Ziel zu erreichen, und wohl ihnen, denn sie haben das bessere Theil gewählt. Cchsste- MW Folgende Wcrlsiellen sind von heute bis auf weiteres gesperrt: Mai Meyor, Neue Friedrichstr. 30. Krantrrarst, Gr. Franksurterst. 57. Mathias& Bürger, Kürassiersir. 16. Bergschmidt& Lange, Jnvaliden- straße 10. Mohr, Elisabeth-Ufer 20. Die Kollegen werde» ersucht, bei den Genannten keine Arbeit zu nehmen. Tie Versammlung findet am Sonntag, den 23. März, Vormittags 10 Uhr, bei Heydrich, Beuthstr. 22, statt. 368 siinUtlichtr in KchbeaMnngs-MMim beMigttt Arbeiter. Ve b* s a mrerfusicg am Montag, den 24. März, Abends eVs Uhr, in Säger# Lokal, Grüner Weg Nr. 29. Tagesordnung: I. Vortrag. 2. Disknssion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheineil ersucht 821] Oer Vorstand« Ganverein der Kerliner Kildhauer. Dienstag, den 25. März, Abends LVeUhr, ¥eB*sammiyng bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: Vortrag des Herrn HofschauspielerS Gerber:„Ut de Franzosentid." Von Fritz Reuter. Auch sind an dein Abend Billets zu der am 2. Osterfeiertag statt- stndenden Matinee zu haben. 408] Der Vorstand. Ailg. Stuhiarfaeiter- Vss sinigung Berlins. Montag, de» 24. Marz d. I., Abends BVa Uhr, in Fcindt'a Lokal, Weinstraße 11, CenM-BersiMlnug. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Verschiedenes. 401 Der Eiuberuser: O. Losch, Schriftführer. Sf|(«tli|t Bnsumlms der Feilenhaucr Berlins am Montag, den 24. März, Abends 8 Uhr, bei Meißner, Gartenstr. 162. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 875 Der Einberufer. i Albumardeiter. In, Arbeitsnachweis, Adalbertstr. 4, werden Vereinsbeiträge Sonnabends und Montags von 8—9 Uhr Abends, Sonntags von 10—11 Uhr Vormittags in Empjang genommen.— Wir ersuchen die Kollegen, den Arbeitsuachivei» zu benutzen, da sortivährend Arbeit zu vergeben ist. D«v Vorstand. Der Arbeitsnachweis der Klavierarbeiter befindet sich Uaunyustrnße 78 bei Vkinaer. Die Adressenau-gabe findet jeden Abend von 8— SVa Uhr und Sonntags Vormittags von 10— UVa Uhr, sowohl an Mitglieder wie an NichtMitglieder unentgeltlich statt. 384 Zu gleicher Zeit machen wir die Vereinsrollegen daraus aufmerksam, daß jeden Montag und Donnerstag im Bibliothekzimmer Lescabende abgehalten werden. Recht rege Betheiligung er- wünscht. Dl« ArbeitBvermittelanflg-Kommlsälon. U Empfehle allen Männern der Arbeit meine M?" Zigarre«-Fabrik und Zigaretten-Import. 410 Achtungsvoll J. Jans, Jannowitzorücke 1. liJr.Mme. Ziehung 1. Kl. 8.«. 9. April. Loose ü. Antlieile empfiehlt Fritz Frühss, Bank- and Lotterie-Geschäft Berlin S., Dresdenerstr. 82:83. Zebmmimachung. Die billigste Einkaufsquelle Berlins für moderne, gut sitzende Herren- Garderoben in neu«ud wenig getragen sind die Schönhauser- Leihhaus-Verkaufs-Hallen, 182 Schönhauser-Attee. Omnibus-Haltest. Schünh.-Thor. 10 000 Glea. Frühs.-Anzuae von 8. 10. 15. 20. 25-33 Mk. 4800 Hochf. 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Nachwahl im J. ?.?____-___ /T(____ Pf___ f f_...... v Diejenigen Genossen, welche am Tage der Wahl thätig sein wollen, Feske, Georgenstraße 23, Voigt, Klopstockstraßr 38, Heller, Petriplak, Roll, Schiihenftrnke 50, Restaurant Riedel, Zleustiidtifch« Kirchstraß» 15, Salawredel, Klosterstrnßr 83. [371 Große öffentliche Versammlung der Lackänes* snmmtlichev Branchen am Montag, den 24. März, Abends SV» Uhr. in Scheffer'a Salon, Jnselstraße 10. Tages-Ordnung: 869 1. Vortrag über:„Kapital und Arbeit". Referent Stadtverordn. Otto Klein. 2. Unsere diesjährige Lohnbewegung. 3. Verschiedenes.— Das Er- scheinen ist Pflicht eines jeden Lackirers. Oer Einberufer. Fachverein der Tischler(Berlin Nord). WU" Versammlung"MU am Montag, den 24. März, Abends SV» Uhr, im Moabitcr Kasino, Wilsnackerstraße 63. Tagesordnung: 1. Vortrag über den Werth der Verkürzung der Arbeits- zeit. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Werkstattverhältnisse(alle Werkstellen in Moabit sind eingeladen). 4. Ver- schiedenes. 886 Der Bevollmächtigte: A. Mertens. A. öffeiltliche SAeidemchmmlllllg am Montag, beit 24. März, Abends S'ja Uhr, im„König Stadt- Kas In o", Holzmarktstraße 72. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Streik in Hannover und Dresden. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. 394 Die Agitationskommission d. deutsch. Schneiderverbandes. A. Fafforke, Friedrichstrahe 39. Allgemeiner Ardeiterinnen-Verein sammtl. Herusszweige Herlins n. Umg. Dienstag, den 25. März, Abends 8N» Uhr, im Konzert-Park Ostend, Frankstirter Allee 72— 73: WV" Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Theodor Glocke über die moderne Arbeiterbewegung und die Stellung der Frau zu derselben. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 8. Diskussion. 4. Verschiedenes. Herren und Damen als Gäste haben Zutritt. Ganz besonders sind die Rundstuhl- und Trikotagen-Arbeiterinnen zu dieser Versammlung eingeladen. Zur Deckung der Unkosten eine Tellersammlung. Gleichzeitig werden diejenigen Mitglieder, welche ihre Wohnung zum 1. April wechseln, ersucht, es bei der Kasstrerin, Fräulein L a n g i s ch, Strausbergerstr. 15 vorn 4 Tr., anzumelden. Ebenfalls werden die Mitglieder auf§ 3 unseres Statuts aufmerksam gemacht. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet 834] Der Dorstaud. Frau Guhela, Friedenstr. 78 II. Freie Vereinigung d. Damenmäntel-Schneider u. Arbeiterinnen d. Bekleidungs-Jndustrie. Dienstag, den 25. März: UV" Vereins-Versaminluug. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Türck: Die Lage der ländlichen Arbeiter. 2. Dis- kussion. S. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Um rege Vetheiligung ersucht Der Darstand. 866 Steinborn. AllMng Bildhauer! Gr. öffentliche Versammlung am Mittwoch, den 26. März, Abends SV» Uhr, in Mündt". Etablissement, Köpnickerstr. 100. es ist die heiligste Pfll 402 3 t eines jeden, zu erscheinen. Oer Einberufer. Verein der Klempner Kerlino «nd Umgegend. Grosse Versammlung am Dienstag, d. 25. März, Abends 8 Uhr, im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Mehner:„Der achtstündige Arbeitstag." 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Beiträge werden in jeder Versammlung entgegengenommen.— Die Zahlstellen besinven sich im Sud- Bstrn: Ritterstraße 123 bei Stramm; im Westen: Ziethen- und Schwerin- strahen- Ecke im Lokal; im(Dstrn: Laudsbergerstr. 105 bei Görmer; im Uorden: Granscerstr.4 im Lokal, und werden Beiträge daselbst jeden Sonn- abend Abend und Sonnta; entgegengenommen. öonntag Vormittag 349 Der Vor st and. Fachverein für Schlosser und Maschinenbau-Arbeiter Berlins und Umgegend. Grosso Mitglied er-Versamml. am 24. März, Abends 8V» Uhr, im Wedding- Park, Müllerstraße 178. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Kampf um's Dasein." 2. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erschemen ersucht 333 Der Vorstand. Große öffentl. Versammlung der Filzschuffarveiter Oerlin» und Umgegend am Montag, d. 24. März, Abends 8 Uhr, bei Z e m t e r, Münzstr. 11. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Stadtv. Fritz Zu bei! über:„Entstehung, Ruhen und Werth der Streiks." 2. Wahl einer Streikkommission. 3. Verschiedenes. Der Arbeitsnachweis befindet sich bei K u h 1 mey, Rosenstr. 80, an der Reuen Friedrichstraße. 388 Der Einberufer. Große öffentliche Weber- Versammlung für Rixdorf it. Umgeg. am Montag, d. 24. März, Abends 8 Uhr, in Kummers Salon, Berlinerstraße 136. Tages-Ordnung: 1. Die Arbeiterbewegung innerhalb der Weberei gegenüber derjenigen in den anderen Branchen und die sich hieraus ergebenden Folgen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 377 Der Einberuser. Böhm. Brauhaus, Landsberger Allee 11— 13. Sonntag, den 6. April 1890(i. Osterfeiertag), Vormittags von 12—2 Uhr: Grche WoWWeits-MatMe zum Besten verunglückter und erkrankter Mitglieder, arrangirt von der Freien Vereinigung der Maurer Berlins unter Mitwirkung des Gesangvereins„Lorbeerkranz", sowie des Presti- gateurs Herrn Oskar Alberti. Eröffnung II Uhr. Anfang 12 Uhr. Entree 30 Pf. Programms sind bei folgenden Vorstandsmitgliedern zu haben: Julius Wernau, Zionskirchplatz 2, 3 Tr.; E. Hanisch, Nostizstr. 40; W. Schulz, Posenerstr. 23, 3 Tr.; Schmalowsky, Elisabethstr. 46a; Legeler, Kreuzbergstraße Rr. 77; Grahlow, Kulmstr. 20, 2. HofJ2 Tr.; Nedmann, Stephanstr. 4, 3 Tr.; C. Tasch, Gr. Franksurterstr. 78—79; Schigolsky, Belforterstr. 3; G. Heinze, Fvrsterstr. 10; Raschle, Kottbuser Damm 1; H. Metzle, Oderbergerstraße 10. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 891 Der Vorstand. 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Am Donnerstag, den 20. d.M., fand eine öffentliche Versammlung sämmtlicher in den Glace- und Kartonpapier sabriken Berlins und Umgegend be- schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt. Dieselbe beschloß, nachdem von allen Seiten die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit einer Organisation hervorgehoben worden war, einen Fachverein Zu gründen. Von ungefähr 400 Anwesenden ließen sich an demselben Abend SSO bis 260 Personen sofort ausnehmen. i Arbeiter! Arbeiterinnen! Ein Fabrikant, die Firma Fried- . heim u. Sohn, Holzmarktstraße 53, haben ihrem gesummten Arbeitcrpersonal gekündigt mit dem Zusatz: Wer gehen will, kann l es sofort thun! Die Arbeiter haben für die Vereinigung ge- stimmt, sie glaubten aber auch in Eurem Sinne zu handeln, wenn : ste die Kündigung mit stimmt dem Zusatz annehmen. Wir haben ''eine Forderung an den Fabrikanten gestellt, trotzdem derselbe als ' derjenige bekannt ist, welcher seinen'Arbeitern die niedrigsten Löhne zu Theil werden läßt. Arbeiter, Arbeiterinnen! Der Fabrikant hat sich erlaubt, die persönliche Freiheit der Arbeiter anzugreifen. Wir bieten ihm Widerstand; viele Familien- väter sind brotlos geworden. Wir werden für unsere Bereinigung kämpfen, aber unterstützt uns! Wir appel- »iren an Euer Solidaritätsgefühl. Haltet den Zuzug fern, dann werden und müssen wir siegen. Es findet zur Besprechung dieser Maßregelung am Dienstag, den 25, d., Abends bVg Uhr, im Lokale Königsbank, Gr. Frankfurterstraße 117, eine Versammlung statt, zu welchem Zweck die Vorstände sämmtlicher Qiewerkschasten eingeladen sind. Mit Gruß und Handschlag: Roberl B-per, Friedrichsbergerstr, 13.— Alle arbeiterireundlichen Blätter werden um Aboruck dieses Aufrufs gebeten. Au aUr Tischler, Drechsler. Bildhauer. Tapchire» Lraiser und alle fjoU- resp. Möbelarbeiter! Berufs- dinosstn! Der Streik der Mövelpolirer ist proklamirt! Wir vufen allen Berufsgenossen zu: Macht keine von Möbelpolirern angefangene Arbeit fertig! Schließt Euch der Resolution vom 1 10. März, welche in Joel'Z Ballsalon gefaßt wurde, an, welche dahin ging, daß die Tischler, Drechsln-, Bildhauer u. s. w. die Forderungen der Möbelpol, rer für gerechtfertigt erklärten und sich verpflichteten, dieselben moralisch und materiell zu unter- stützen. Bemfsgenossen! speziell Tischler, sorgt dafür, daß in Euren Werkstätten keine Streikbrecher auskommen, »nd daß aus Euren Reihen Keiner ,n die Bresche tritt. Sorgt auch dafür, daß Euer Polirer nicht wie bisher bis in die Nacht arbeitet, sondern nur 9 Stunden; helft uns auch dadurch zum Sieg, daß Ihr Euch mit den Polirern solidarisch erklärt und Eure gewichtige Stimme den sich weigernden Arbeit- ----------- an— f-i-r- ist es mög- nicht, die W>U der Tischlerdewe- gung mit als ausschlaggebender Faktor gelten kann. Also Be- 1 rufsgenossen, haltet aus Euren Werkstätten die Streikbrecher fern, sorgt, daß Euer Polirer nur bei neunstündiger Arbeitszeit seinen ' Lohn(27 M.) verdient und wenn an Euch«ine Sammel- «st» kommt, zeichnet Euer Schärslein» denn ein Streik kostet Geld und der Erste, sowie die Feiertage sind vor der Thür. Darum, Beruftgenosseu, die Polirer arveiten schon vor : Zur Tischler-Lohnbewegung, nun helft ihnen, Ihr wißt, die Polirer haben stets Hand und Herz auf dem richtigen Fleck gehabt. Die weiteren Beschlüsse der heutigen Versammln� im Königstadt- Kasino, Holzmarktstraße 72, werden in der Dienstagsnummer des «Berliner Volksblattes" bekannt gemacht. Also, Berufsgenossen, °n Euch liegt es mit, den Polirern zum Siege zu Helsen! Darum auf! Denn nur vereinte Kräfte führen zum Ziel. Mit kollegialischem Gruß! Der Vorstand des Verbandes der Möbel- polirer. I. A.: Robert Weder, NO„ Fliederstraße 6. Vevirnninlnttgen. Arbeitslose Maurer und Jimmerleute. Am Montag, den 24. März, findet in der Lips'schen Brauerei, Friedrichshain, am Königsthor, Nachmittags um 2 Uhr, eine Versammlung der arbeitslosen Maurer und Zimmerleute statt. Tagesordnung: I. Der Werth der Verkürzung der Arbeitszeit. 2. Organfrage. 3. Verschiedenes. Pflicht eine? jeden Arbeitslosen ist es, pünktlich zu erscheinen. Der Lrhrstursus der Berliner Arbeiter«ud Arbeiterinneu zur ersten Hilfe bei Unglücksfällen hielt am 11. d. Mts. eine gemeinschaftliche Versammlung ab, in welcher der leitende Arzt Dr. Bernstein einen Vortrag über den Blutkreislauf des menschlichen Körpers, sowie über die Hand- habung von Verbandsmaterial bei Blutungen:c. hielt, welcher von den anwestnden Damen und Herren mit großem Beifall an- gehört wurde, so daß Herr Dr. Bernstein längere Zeit zu thun hatte, die Menge der mündlich gestellten Fragen zu beantworten. Hierauf wurde das von der Kommission ausgearbeitete Statut, da der Lehrkursus auch für die Arbeiterinnen Berlins eingerichtet werden soll, berathen, welches nach Verlesung der einzelnen Paragraphen einstimmig angenommen wurde. Hiernach kann jeder Arbeiter und jede Arbeiterin Theilnehmer werden, ganz gleich, welcher Branche man angehört. Der Kursus ist in zwei-Ab- theilungcn getheilt, die niännliche Abtheilung hat jeden ersten und dritten Montag, die weibliche Abtheilung jeden zweiten und vierten Montag im Monat Lehrstunde, Alte Jakobstraße 75 im Tunnel und zahlt jeder Theilnehmer ein Eintrittsgeld von 25 Pf., sowie einen monatlichen Beitrag männliche Arbeiter 25 Pf., weibliche Arbeiter 10 Pf. In den Vorstand der weiblichen Abtheilnng wurde Frau Ihrer zur Vorsitzenden, Frau von Hoffstetten zur Stellvertreterin, Fräulein Chaym zur Schriftführerin, Frau Berater zur Stcllvertreterin, Fräulein Berger zur Kassirerin gewühlt. Aufgenommen sind bis jetzt 80 Damen. Die nächste Lehrstmide oer weiblichen Abtheilung findet am 24. März, Abends ÖV3 Uhr, statt._. Die Müller uud Mühleuarbeiter Berlin» und Umgegend hatten sich am Freitag Abend zahlreich im Lokale des Herrn Jlgcs, Wilsnackerstraße, versamnielt. um einen Vortrag des Stadtverordneten Z u b e i l über die Organisation und ihren Nutzen zu hören und die Mißstände im Müllerge,verbe zu be- sprechen. Zur Leitunq der Verhandlungen wurden die Herren Grünau, Nielsch und Wittmann gewählt. Der Referent wies in seinem eingehenden Vortrage darauf hin, daß auch im Müllergewerbe der Großbetrieb emen bedeutenden Umfang angenommen habe. Die Dampf- krafr gelange mehr und mehr zur Anwendung. Leider sei nicht in Erfüllung gegangen, was ein Dichter des Alterthums be, Erfindung der Wassermühle freudig verkündet habe, nämlich, daß nunmehr eine Schonung menschlicher Arbeitskraft eintreten werde; im Gegentheil, wohl habe der Dampf menschliche Arbeitsirast überflüssig gemacht, aber nur, um diese auf die Straße zu Werfen, um eine Armee der Arbeitslosen zu schaffen, welche durch ihr Angebot die Erzielung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen unmöglich niache. Redner ging dann zu einer scharfen Krittk der Zustände im Müllergewerbe über, schilderte die traurigen Folgen der außerordentlich langen Arbeitszeit, welche meistens noch 18 Stunden beträgt, bemerkte, daß es wohl kein anderes Geiverbe gäbe, in welchem die Arbeiter einer derartigen Ausbeutung ausgesetzt seien, die erklärlicher Weise Körper und Geist rniniren müssen und ein geregeltes Familienleben unmöglich mache, berührte serner die infolge der langen Arbeitszeit entstehenden Krankheirs- und Unglücksfälle und gelangte schließlich zu der Folgerung, daß nur durch eine gute Organisation, durch ein geschlossenes Vorgehen, die_ Macht des Kapitals gebrochen werden könne. Von diesem Gedanken ausgehend, gab Redner einen historischen Ruch blick der modernen Arbeiterbewegung, welche weder durch das Vorgehen eines Teffendorff, noch durch den Erlaß eines Putt- kamer gehemmt werben konnte; auf diese Arbeiterbewegung müßten auch die Mühlenarbeiter ihr Augenmerk richten, mit dieser müßte,» sie eintreten für bessere Verhältnisse und gegen die Aus- beutuncz menschlicher Arbeitskraft. Die gewerkschaftliche Organisation sei noth-.vendig zur Abstellung der trau- rigen Zustände in der Gegenwart, sie sei aber auch die Vorbedingung zur Bessergestaltung der Zukunft. Pflicht eines jeden Mühlenarbeiters sei eS mithin, sich der bestehenden Vereinigung, dem Verband Deutscher Mühlenarbeiter anzuschließen.(Lebhafter Beifall.) In der Dis- kussion ergänzte Herr Grünau die Ausführungen des Vor tragenden durch Anführung von Thatsachen, welche ein grelles Licht auf die jämmerlichen Arbeitsverhältnisse der Müller und Berufsgenossen werfen. Nicht nur 18, sondern sogar 24 Stunden müsse oft ohne Unterbrechung gearbeitet werden imd von einer Sonntagsruhe sei gar keine Rede. Schlaftrunken verrichte der Müller- geselle seineArbeit und in diesem Zustande gerathe er schließlich in das Getriebe, um dann den Tod zu finden, oder doch auf Levenszeit ein Krüppel zu bleiben. Und trotz alledem sei die Arbeitslosigkeit so groß, daß ,vohl ein Drittel der Kollegen beständig auf der Landstraße liege. Angesichts dieser Zustände sei die Forderung einer zwölffttindigen Arbeitszeit gewiß gerechtfertigt und ebenso ein Stundenlohn von 40 Pf., da man mit einem Tagelohn von 2 M. oder 2M. 50 Pf. doch unmöglich existiren könne. Auch die Herren W a ch 0 l d, Wilke, Wiitmann und Nielsch sprachen sich in diesem Sinne aus. Herr Wittmann betonte namentlich, daß man vornehmlich die nothwendige Sonntagsruhe zu erreichen suchen müsse und Herr Wilke wies besonders auf die hohen Dividenden der Stettiner Walzmühle und anderer gleichartiger Werke hin, welche den Beweis lieferten, daß die Mühlenbesitzer ihren Arbeitern reckt gut bessere Bedingungen ge- währen könnten. Hierauf wurde folgende Resolutton einstimmig angenommen: Die heutige Versammlung der Müller und Berussgenoffen erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten voll und ga einverstanden und verpflichten sich die Anwesenden, Mann für Mann der Organisation, dem Verband deutscher Mühlen arbeiter beizutreten und vereint dahin zu wirken, daß die 24 Stundeilschicht, sowie die ISstündige Arbeitszeit und Sonntags- arbeit beseitigt und eine ISstündige Arbeitszeit, sowie ein aus- lömmlicher Lohn von mindestens 40 Pf. pro Stunde erziett wer- den kann. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung schloß der Vorsitzende die Versammlung. 1. WahUtvei». Eine öffentliche Wählerversammlung fand am Freitag, den 21. März, bei Feuerstein. Alte Jakobstraße, statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. ein Referat des Stadtverordneten Vogtherr: Zu den Nackwahlen, 2. Diskussion und 3. Verschie- denes. Der Referent griff das jetzige Wirthschafts- und Regie- rungssystem an. Daß Fürst Bismarck jetzt gegangen ist, sei ein Zeichen dafür, daß es mit diesem System abwärts gehe. Aller- dings gehe mit ihm blos der äußerliche Ausdruck desselben; darum, sind wir bis jetzt oppositionell gewesen, so müssen wir von jetzt ab noch oppositioneller werden. Nachdem»vir das „Regentschastssystem" Bismarck übersehen können, sehen wir, daß niemals unvernünftiger gewirthschastet wurde, als unter ihm. Die Fragen, welche bezweckten, dem Volke auf dem Wege der Stcuereintreibung das Geld aus den Taschen zu ziehen, sie ließen an künstlerischer Vollendung nichts zu wünschen übrig. Fürst Bismarck gehe jetzt, weil die maßgebende Person im Reiche eingesehen habe, daß so nicht weiter gewirthschastet , vcrden dürfe. Nachdem kurz vor den Wahlen die kaiserlichen Erlasse herausgegeben wurden, ist jetzt deren Folge, die inter- nattonale Konferenz, zusammengetreten. In ihr, die über Ber- Hältnisse, die nur die Arbeiterschaft angehen, berathen soll, ist auf die Meinung derselben gar kein Werth gelegt. Ihre Zusammen- setzung ist em Vorzeichen dafür, in welcher Weise sich die Ver- Handlungen gestalten würden. Leute, wie„König Stumm", einer der„schneidigsten" Unterdrücker jedweder berechtigter Opposition in Arbeiterkreisen, sind im Staatsrath vertreten,— das bischen Sozialreform, was uns jetzt wieder geboten wird, haben wir nur unserem Drängen zu verdanken; nur unserer Ausdauer, wenn ettvas gethan oder versucht wird. Wir wollen auch das nicht als Geschenk erhalten, was uns den wirthschastlichen Verhältnissen nach zu Recht zukommt, um uns über das jetzige Niveau zu erheben.(Beifall.) Es werde oft von unseren Gegnern so hingestellt, als ob die Sozialdemo- kratte nur in der nnzusriedenen und„unvernünftigen" Arbeiter- schast ihren Nährboden l)abe. Dem sei nicht so. Der innere Halt, die Wahrheit der sozialistischen Ideen, sie bewirken, daß aus allen Gesellschaftstlassen sich Leute der Sozialdemokratie an- schließen; es ist der große Zug einer großen Zeit. Sehen wir unL die Stützen des System's Bismarck an, so sehen wir, daß zu ihnen nicht nur die Kartellparteien gehören, sondern auch die freisinnige Partei. Sie hat sich die Ehre nicht nehmen lassen, ihm manchmal Folge zu leisten. So bei der bekannten Verlängerung des Sozialistengesetzes, wie bei der Krondotation. Bei letzterer Ab- stimmung habe sich die ganzeHaltlosigkeit derPrinzipien dieser Partei gezeigt. Ein Theil habe für, ein anderer garnicht, und der dritte gegen dieselbe gestimmt. Solche Partei könne die Interessen des großen Volkes nicht vertreten. Wir Sozialdemokraten halten uns an das, was die Zeit uns lehrt, sowie an das, was unsere Prinzipien vorschreiben. Wer einsieht, daß das jetzige Wirth- schastSsystem unhaltbar ist, wähle am 24. März einen Sozialdemokraten im 1. Wahlkreise.(Großer Beifall.) In der Diskussion sprach zuerst ein Demokrat, Herr Wagner. Er behauvtete, daß, wie sich alle anderen Parteien gespalten haben, auch die Sozial- demokratie sich mal spalten werde, ja jetzt schon gespalten sei. Wir müßten uns an die Gegenwart halten, die Zukunft nutze uns nichts. Herr Metzner erwiderte hierauf:„Wir haben die Pflicht, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen, die Gegmvart zu begreifen, und die Konsequenzen hier- aus auf!die Zukunft anzuwende». Eine Spaltung im Prinzip könne nicht bei uns eintreten, wohl halte aber einer den einen, der andere einen anderen Weg zur Erreichung unseres Zieles für geboten. Hierauf schilderte Redner den Rückschritt, welchen die einstige demokratische Partei gemacht, in ergiebiger Weise. Die besseren Elemente hätten sich deshalb auch ausgesondert und wären zur Sozialdemokratie übergegangen; so Johann Jacoby. Nachdem der Redner einige„Blüthen" geistiger Produkte aus aus- wärtigen undhiesigenBlättem konservativer undfreisinniger Richtung in richtiger Meise gewürdigt, schloß er mit der Mahnung, recht rege für die Wahl des Kandidaten Gottfr. Schulz einzutreten. (Beifall.) Weiter betheiligten an der Diskussion sich noch Herr Täterow und der Kandidat, Herr Gottfr. Schulz, deren Aus- fiihrungen mit großem Beifall aufgenommen wurden. Es wurde eine Resolution einstimmig angenommen, welche besagt, nur für die Wahl des Sozialdemokraten, Herrn Gottfr. Schulz, einzu- treten, sowie von den Blumberger Bauern keine Waaren zu ent- nehmen. Dann wurde, nachdem die Anwesenden ermahnt, recht zahlreich am Tage der Wahl zu helfen, die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Eine Versammlung de« sozialdemokratische« Mahl- oercin» des 6. Berliner Reichstags-Wahlkreises tagte am 17. März in der Aktien-Brauerei Moabit. Auf der Tagesordnung stand Bortrag des Herrn Fritz Krüger, Diskussion, Verschiedenes und Fragekasten. Da der Referent nicht erschienen war, wurde ein Antrag, zum dritten Punkt der Tagesordnung überzugehen, anae- nommen. Hierauf machte der Vorsitzende bekannt, daß die Be- Sh werden von den Auflösungen der Versammlungen, der ersten in er Schönhauser-Allee(Ref.: Theodor Glocke) für gerechtfertigt, der zweiten in Slhrens Brauerei Moabit, für nicht gerechtfertigt vom Polizeipräsideitten erachtet sei. Sodann erhiett Herr Held das Wort und schilderte eine antisemitische Versammlung in der Ton- halle, in welcher Stöcker sich rühmte, die neueste Arbeiterbewegung hinter sich zu haben; ebenso spielte das Hetzen in der Versammlung eine Rolle. Da jedoch Professor Wagner auftrat und diesem widersprach, und den Bekenner Christi, Herrn Herzog, auch nicht ein Jota besser als einen Juden darstellte, hatte er in ein Pulver- saß Feuer geworfen, und wurde überschrien. Herr Heilentopf stellte das Gebahren der Stöcker und Konsorten so darf als wenn man einen Hund verjagt, der an zu bellen fängt, wenn er ein gutes Stück ausgerückt ist. Er erörterte die Wahlbewegung � und erachtete die Zentnmispartei als die für die Jetztzeit gefährlichste. Denn wenn in einem Staat die Kirche die Oberhand hat, so ist die Wahrheit so gut als daraus verschwunden. Nicht befriedigen uns jene Erlasse, die vorläufig nur Versprechungen sind; seien wir aber auf der Hut und warten ab, was da kommt, benutzen wir die 6 Jahre zur Agitation und Aufklärung.— Herr Zachau forderte ebenfalls zur Agitatton auf, denn wir stehen am Abschluß eines großen Ereignisses, in politischer wie in wirchschastlicher Beziehung; dies sei ein Spiegelbild oer Jetztzeit und die Wahl- bewegung sollte zurückerinnern, wie vor 42 Jahren das Volk sich befreien wollte. Ebenso treten auch wir nun ein für die Zukunft, so wird der Sieg unser sein. Redner warf auch einen Blick auf die Stadtvertretimg, welche nicht einmal einem Arbeiter den noth- wendigsten Lohn zubillige, wogegen Unsummen für Denksteine ausgegeben werden, die dem Arbeiter nicht impornren, denn mit aller Entschiedenheit werden 126 000 Arbeiter gegen ein Schulze- Delitzsch-Deukmal protestiren.— Herr Heidinann hob besonders die verbliebenen Rechte von 1848 hervor, schilderte den 18. März, wie die ersten Schüsse vom Schloßhofe fielen und die Bürger Verrat!) schrien;.. wie am. IS. die Todten von ihren Brüdern vor das Schloß getragen wurden und der König die Rechte des Volkes an- erkennen mußte. Herr Peels hob noch hervor, daß unsere Gegner stets sagten, unsere sAgitakoren seien unsere Verführer, jedoch zeige unsere heuttge Versammlung, wo lein Führer erschienen ist, daß wir ebenso unsere Forderungen verlangen, als wie unsere Führer. Ebenso wie 1848 das Volk erdrückt ward, erwiderte es Gegen- druck; nicht sind diejenigen Schuld daran, die wir im Friedrichs» Hain verehren, sondern die Reaktion. Jedoch setzen wir Jenen einen ewigen Denkstein. Weichen wir nicht ab von unserer Bahn, mögen Erlaffe und sonst was gemacht werden; stehen wir fest, wie einst die Märzgefallenen, so setzen wir ihnen einen ewigen Denkstein. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„In An- bewacht, da die Presse und andere Opportunisten sich gegen die Kundgebung des 1. Mai ausgelassen haben, so spricht der sozial- demokrattsche Wahlvereinsich entschieden gegen solche Aeußerungen aus, und erklärt den 1. Mai als wahren und ersten Feiertag der Arbeiterbewegung zu proklamiren." Sodann wurden folgende An- träge einstimmig.-ingenommen: Der sozialdemokratische Wahlverein des 6. Berliner Reichstags-Wahlkreises spricht die bestimmte Erwartung aus, daß Berlin von einem Schulze-Delitzsch-Denkmal verschont bleiben möge. 2. Auf die Gräber der Märzgefallenen einen Kranz niederzulegen. Hierauf schloß der Vorsitzende mit warmen Worten für die Märzgefallenen und ebenso'für die zum Tode durch das Aus- nahmegesetz dahingerafften Genossen mit einem Hoch auf die internationale völkerbesreiende Sozialdemokratte die Versamm- lung. VovttrtfAzkss. Der Fastenkünstler Surri begann im Bijou-Theater des Royal Aquarium in Westminster(London) eine vierzigtägige Fastenprobe. Während der am 18. Januar beendeten dreipig- tägigen Fastenprobe in Brüssel verlor er 26 Pfund und die jetzt begonnene dürfte sein Körpergewicht um weitere 30 Pfund verringern. Vor dem Beginn des Fastens nahm er ein gutes Mahl ein, bestehend aus Lachs, Hammel- und Rinderbraten, Kaffee und Kognak. Während der Fastenprobe wird er nur Wasser und ein Elixir eigener Fabrikation, welches analysirt werden soll, zu sich nehmen. Zivei Journalisten haben es übernommen, ihn zu über- wachen. Außerdem sind sechs andere unabhängige Personen mit seiner Ueberwachnng betraut. Statt wie Dr. Tanner die Fasten- probe zu verschlafen, will Succi die Zeit sich mit körperlichen Uebungen, Schwimmen, Laufen it. s. w. vertreiben. Der große Verlust an Menl'chenlebe» bei dem Brande einer Buchhandlung in Indianapolis erklärt sich dadurch, daß man glaubte, das Feuer schon bezwungen zu haben, und daß keine Gefahr mehr bestände. Die Menschenmenge zerstreute sich schon uno die Feuerwehr setzte die Leitern an du Mauern, um die Wasserstrahlen auf die rauchenden Trümmer zu richten. Alle Leitern waren mit Feuerivehrleuten besetzt, als plötzlich unter furchtbarem Gekrache das ganze Gebäude mit Ausnahme der Voroermauer einstürzte. Die Unglücklichen wurden mitten unter die brennenden Trümmer geschleudert. ES wurde alles Erdenk- liche sofort gethan, um die Leute zu retten und 15 Mitglieder der Feuerwehr wurden auch wirklich lebend herausgebracht. Nach den letzten Nachrichten sind 13 Feuerleute bei dem Brande ums Leben gekommen und 19 schwer verletzt. Alle waren verheirathet. Wahrscheinlich ist damit jedoch die Liste der Verunglückten noch nicht vollständig. Die niedergebrannte Buchhandlung war die größte des Westens. Der Geldschaden beträgt 125000 Doll. Dviefkspten der Vvdaktion« fachom»«»»r Tap-zir-r. Ihr Wunsch wird berück« sichngt. i £ Feste Preise! Adiei«& Bapuchy 143 Lrameußr. 143, (zwischen Moritzplnt; u. 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