M. TS. Mittwoch, de» SS. Marz 1890. ?. Jahrs. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens auhcr nach Sonn- und Festtagen. AbonncincntSpreiS für Berlin m's HauZ vierteljährlich 3.30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5, Sonntags- Stummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonncmcnt 3,80 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzeitungspreiSlistc für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Ocsterreich-Ungam L Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jusertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr NachmittaaS in der Expedition, Berlin SW., Zinnnerstrabe 44, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. 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Wir pflegen uns sonst um die Verhandlungen des vortrefflichen Herrenhauses sehr wenig zu kümmern, denn oort weht eine eigenthümlich modrige Luft und die j Herren, die dorten sitzen, gemahnen uns an die„über- dächtigen Gesichter" ihrer Ahnen auf den steinernen Grab- Malen in den verfallenen Burgkapellen. Dem entsprechend sind auch die Anschauungen, die in dieser Versammlung kundgegeben werden. Wenn es keine andere Menschen . gäbe, so könnte man glauben, sich noch in der Zeit zu s befinden, da der Mensch erst beim Edelmann anfing und : der Bauer dem Grundherrn frohnden und steuern mußte bis zur Erschöpfung. Die Herren sind meistens Vertreter jener agrarischen Richtung, welche bestrebt ist, die Gesetz- gebung so auszugestalten, daß dieselbe Vorrechte für den größeren und großen ländlichen Grundbesitz schafft, sie I Feuilleton. Nachdruck verboten.) ll? Der Mord auf dem Kalle. Aus dem Leben einer Kreisstadt. Von I. S. P a n o w. Auf Grund dessen mußte ich Anna Dmitrijewna ihren Paß abnehmen oder einen Revers von ihr ausstellen lassen, daß sie sich nicht aus der Stadt entfernen werde, oder sie ! der Polizei zur Beaufsichtigung übergeben, oder von chr i Bürgschaft oder eine Kaution verlangen, oder schließlich sie unter Hausarrest stellen oder im Gefängniß einschließen i lassen. Sich auf die erste Maßregel zu beschränken, war un- genügend._, n,, | Konnte ich denn versichert sein, daß sie nach Ans- stellung eines Reverses sich nicht verbergen werde, wo- bei ich namentlich den Antrieb ihres Bruders im Auge hatte? Um die beiden letzten Maßregeln zur Ausführung zu bringen waren vorher einige Fornialitäten zu erfüllen, welche viel Zeit erfordert hätten und bei Nacht auf jeden Fall un- erfüllbar waren. Ich entschloß mich, ihr Hausarrest zu diktiren, und Nachdem ich die Anordnung in diesem Sinne zusammenge- stellt, ging ich zu Kokorin hinaus., �„ — Wo könnte man sie nach Ihrer Meinung bis tNorgen am besten unter Hausarrest halten? srug ich. — In ihrem Hause. sind dit Träger jenes Geistes, aus dem die Kornzölle, die Branntweinsteuer und die Zuckerbesteuerung hervor- gegangen sind. Für den ländliche»Arbeiter haben die Herren nicht einmal ein tröstliches Wort übrig; wir hören sie nur immer sich beschweren über den Arbeitermangel, über „ S a ch s e n g ä n g e r e i" und über die„falsche Humani- tat", die den nach lohnendem Verdienst uniherwandernden ländlichen Arbeitern billigere Fahrpreise auf den Eisen- bahnen gewährt hat, gegen welche Maßregel die Herren Agrarier bekanntlich mit"der ganzen„Schneidigkeit" ver- gebens angekämpft haben, die sie überall zeigen, wo es sich um ihr wirthschaftliches Interesse handelt. Auch von Reform des U n t e r st ü tz u n g s w o h n s i tz e s sprechen sie; wer möchte von ihnen aber eine solche haben, da sie immer die härtesten Maßregeln empfehlen? Be- kanntlich wird bei jeder Gelegenheit die kriminelle Bestrafung des Kontraktbruchs und das Verbot der Auswa n d er u n g verlangt; selbst die noch wahrhaft mittelalterlichen Gesindeordnungen gehen den Herren noch nicht weit genug, Wer sich in den ländlichen Verhältnissen nur einiger- maßen umschauen will, der wird finden, daß dem Land- Proletarier noch in vollem Maße der Schutz des Gesetzes lenken gewußt; sie thun, als ob auf dem Laude der- gleichen nicht nothwendig wäre. Wir brauchen heute nicht von Neuem darauf hinzuweisen, wie weit ein großer, ja weitaus der größte Theil junseres länd- lichen Proletariats von einem menschenwürdigen Dasein noch entfernt ist. Zwar wird man das Uebergreifen der Abeiterschutz-Gesetzgebung in die ländlichen Gebiete nicht mehr lange verhindern können, denn die Industrie setzt sich auf dem Lande fest und bezieht einen großen Theil ihrer Arbeitskräfte von da. Vorläufig aber sieht es noch traurig aus und die Herren Agrarier stemmen sich mit aller Macht gegen jeden Versuch, die ländlichen Arbeiter dem Bann der Gesindeordnung zu entreißen; sie erklären es geradezu für gefährlich, dem Landproletarier mit gesetzlichem Schutz zu Hilfe zu kommen. Man kann daraus ersehen, wie verlogen es ist, wenn agrarische Blätter immer betonen, daß der milde Geist, der in den,„ p a t r i- archalischen" Verhältniß ans dem Lande donnnire, alle Mängel- ausgleichen könne, denn dieser „milde Geist" ist einfach ganz wenig oder gar nicht vor- Händen. Im Herrenhause hat bei VeWthung der Rentengüter Graf Brühl von den Rittergutsbesitzern gesprochen und — Das ist unmöglich. Ich muß ihren Bruder wegen deS Rasirmeffers verhören, und er darf ihre Aussage nicht kennen... Darum halte ich es für unmöglich, sie beide beisammen zu lassen. — Wird sie nicht etwa in einein solchen Falle ihre Tante Jesremow zu sich lassen? — Das ist eine andere Sache. Lassen Sie den Wagen einspannen, fahren Sie sie zu Frau Jefremow und stellen Sie eine verläßliche Wache hin. Nachdem Anna Dmitrijewna meine Entscheidung ver- nomMen, folgte sie Kokorin schweigend und ergeben. Bald vernahm ich das Rollen des fortfahrenden Wagens. Ich begab mich in mein Schlafkabinet, aber ich war launt eingeschlafen, als' mein Diener mich weckte und Nur meldete, daß Kokorin mit Anna Dmitrijeivna zurück- gekehrt sei. Ich kleidete mich an und ging zu ihnen hinaus. — Frau Jesremow läßt Fräulein Bobrow nicht in ihr Hans. Sie hat ihr gestriges Bekenntniß erfahren und wünscht nicht, sie zu sehen. Sie will außerdem nicht einmal davon hören, daß bei ihrer Hausthür Polizei stehen ivürde... Ich fuhr zu Fräulein Bobrows Onkel, zu Hamelnian, aber auch dort weigerte sich die Hausfrau, uns aufzunehmen, indem sie erklärte, daß alle Zimnier durch die Kinder und die Dienerschaft besetzt seien. Ich wußte nicht, was ich thnn sollte. Koko otorin erinnerte mich daran, daß sich bei mir im ober» Stockwerk ein leeres Zimmer befinde, in welchem mein Sekretär zw überuachteir pflegte, wenn die Arbeiten ihn bei mir bis in die Nacht zurückhielten, und das jetzt leer war. hat behauptet, viele Arbeiter seien besser daran, als diese, denn manche Rittergutsbesitzer wüßten nicht, wie sie die Zinsen ihrer Schulden be« zahlen sollten. Das Letztere, daß nämlich viele Rittergutsbesitzer ihre Zinsen nicht zahlen können, glauben wir ohne weiteres. Aber nur ein Agrarier kann es fertig bringen, die Herren Rittergutsbesitzer als die am meisten entscheidende Kategorie der Bevölkerung hinzustellen. Man möge uns doch einen ländlichen Tagelöhner zeigen, der besser als ein Rittergutsbesitzer daran ist. Das müßte ein seltenes Exemplar sein. Wenn es sich aber um jene Rittergutsbesitzer handelt, welche dem wirthschaftlichen Ruin verfallen sind, weil die Erträgnisse ihres Bodens nicht ausreichen, um ihren„standesgemäßen" Aufwand zu decken, so mögen sich die Herren nach ihrer Decke strecken. Der „standesgemäße" Aufwand besteht gewöhnlich darin, daß die Söhne der meist adeligen Rittergutsbesitzer als Offiziere, als Studenten oder sonst in irgend einer Positton, vielleicht auch in gar keiner, sich einen Luxus gestatten, den die väterliche Kasse nicht aushalten kann. Wenn dann solche Leute die Zinsen ihrer Schulden nicht mehr zahlen können, so haben sie es ihren ererbten Standesvor- urtheilen zuzuschreiben. Sie mögen dann eben büßen, was sie gesündigt; aber die Gesetzgebung hat auch nicht den mindesten Grund, solchen Existenzen zu Hilfe zu kommen. Wenn die ländlichen Tagelöhner wirklich so be- neidenslverth sind, so mögen die verschuldeten Ritterguts- besitze? doch einfach sich als Tagelöhner ver- dingen; dann können sie ja ohne Schwierigkeit all der Vortheile und Genüsse theilhaftig werden, die sie der Existenz eines ländlichen Tagelöhners zuschreiben. Das werden sie freilich nicht wollen. Was ihr Ideal ist, wissen wir schon. Sie möchten, daß der Staat ihnen ihre verschuldeten Güter abnähme und sie dafür mit einer„standesgemäßen" ewigen Rente aus- stattete, natürlich weit mehr betragend, als was die Güter abwerfen könnten. Dann wären sie ihre Schulden los und könnten auf Kosten sämmtlicher Steuerzahler„standes- gemäß" leben. Man weiß ja, daß die Herren mit ihren Ansprüchen nicht gar bescheiden sind, sondern herzhaft verlangen. Nun, dahin wird es wohl kaum konnnen. Man wird begreifen, daß die Pflicht des Staats, den Schwachen und Nothleidenden zu unterstützen, nicht' nach„standesgemäßen" Ansprüchen, die sich auf»nodrige Vorurtheile gründen, ins Leben treten kann. Da giebt es denn doch zuerst für andere Leute etwas zu thun und dann kommen die Rittergutsbesitzer immer noch lange nicht. Sie in den Polizeiarrest zu schicken, der mit Betrunke- neu angefüllt war, die hingebracht wurden, um ihren Rausch auszuschlafen, daran ivar nicht zu denken, und ich mußte auf Kokorms Vorschlag eingehen; einen anderen Ausweg gab es nicht. Dieses Zimmer wurde mit dem Empfangszimmer durch eine Wendeltreppe in Verbindung gebracht; dieselbe wurde angelegt, und mein Nachbar, der Zeuge gewesen, sandte das Kammermädchen. Während dieser ganzen Zeit saß Anna Dmitrijewna auf dem Stuhl, das Haupt gesenkt und ohne allen Vor- gangen die geringste Aufmerksamkeit zu widmen. Kokorin begleitete sie mit dem Kämmermädchen hinauf und wollte die Thür von außen verschließen, aber es war kein Schloß vorhanden. So ließ er einen Polizisten sich auf die unteren Stufen der Treppe setzen Und entfernte sich dann. Da ich mich sehr erschöpft fühlte, legte ich mich ange- kleidet in meinem Kabinet aus den Divan und sann darüber nach, was für Beweise der Schuld des Fräuleins Bobrow vorliegen konnten, wenn sie nichts eingestanden, hätte, und was für Thatsachen diese Aussage bekräftigen konnten, wenn ihre Glaubwürdigkeit in Frage kam. Ich kam zu dem Schluß, daß, wenn Jtschalow am folgenden Tage ohne die Aussagen der Anna Dmitrijewna zu kennen, über die Einzelheiten des Mordes in Ueber- einstimnulna mit ihren Worten aussagen werde, schon diese beiden Verhöre genügen würden, die Thatsache selbst außer Zweifel zu stellen. Unter solchen Gedanken schloß ich die Augen und schlief, wie mir scheint, bald ein. Plötzlich hörte ich Schritte im Empfangszimmer. Was soll am 1. Mal geschehen? Wir erhalt?» von Herrn Max Schippe! folgende Zu- schrist niit der Bitte itm Veröffentlichung: Berlin, dei«L5. März 1800. Ich bin in die Entstehungsgeschichte W von mir unterzeichneten Ausrufs einer Anzahl Berliner Genossen nicht ein- geweiht genug, um mir darüber eine Meinung bilden zu können, wieweit man vor der Abfassung Fühlung mit der Reichstags- fraktion gesucht hat. Das sind auch Dinge sehr umvesent- licher Art. Wenn es in der heute von Ihnen wiedergegebenen„Zu- schrist aus Fraktionskreisen" aber heißt, daß„das selbstständige Vorgehen eines Theiles der Berliner Genossen" in weiteren Kreisen unangenehm berührt" habe, so gilt dieselbe Thatsache in noch vi«l höherem Grade von dem Verhalten der Reichstags fraktion in der Achtstundenbewegung, und dieses Gefühl der Unbesriedigung, das sich nicht nur in engeren Parteikreisen, sondern bereits auch in Versammlungen und in Artikeln der Fachpresse deutlich zu erkennen gab, kann durch die gestrige Erklärung nur noch gesteigert werden. Seit Wochen und Monaten ist die Agitation für den Acht- stundentag in vollem Flusse— und die Fraktion schweigt sich aus über dieselbe, ja einzelne Abgeordnete haben da- zu beigetragen, daß sie in ihrer Richtung zwischen Arbeiterseiertag und bloßem Versammlungsabend planlos hin und her irrlichterirt. Doch das wußten wir längst. Jetzt hören wir gar, daß die alte Fraktion niemals Stellung genommen und alles der neuen Fraktion überlassen hat— von der man im Januar gar nicht wissen konnte, ob sie vor dem 1. Mai über- haupt sich zusammenfinden würde; der Plan einer Frühjahrs- session stand ja noch nicht einmal nach den Wahlen fest. Dazu kommt vollends, daß der Einsender aus Fraktionskreisen die Agitation für den Achtstundentag„erst am I.Mai be- ginnen lassen will und zwar„nach dem Beschluß des inter- nationalen Arbeiterkongresses in Paris". Nun beschloß unseres Wissens aber dieser Kongreß: am 1. MailOSO„in allen Nationen aller Orten eine g r o ß a r t i g c K u n d g e b u n g zu veranstalten", um dadurch„die gesetzliche Festsetzung eines achtstündigen M a x i m a l a r b e i t s t a g e s zu fordern." Und bisher war es allgemein Usus, Kundgebungen vorzubereiten— wie anders sollten sie denn sonst„großartig" werden können?— aber nicht die Agitation hinterher beginnen zu lassen. Der Aufruf der Berliner Genossen trug anfangs meine Unterschrift nicht, weil ich ihm einen großen Einfluß nicht mehr zutraute. Nach Ihrer gestrigen Erklärung aus Fraktionskreiscn erwarte ich vom 1, Mai überhaupt gar nichts mehr. Max Schippe!. PwMiMe Lteb-rstckk. Zwischen den Uationalliberalcn und den Freisinnigen vollzieht sich eine Annäherung. Die National- liberalen fühlen sich im Kartell nicht mehr wohl, besonders seit den NcichstagZwahlem Das Kartell hat arg gelitten, und im Kartell haben sie selbst am meisten verloren, während die Freisinnigen gewonnen haben. Da zieht es den Nationalliberalen, der immer von Größe und Macht und ausschlaggebender Stellung träumt, an die Seite des Freundes, den er ernst innig geliebt und daraus Jahre lang mit einem Haß verfolgt hat, der nun erlöschen soll, nachdem dieser Freund wieder vom Glücke begünstigt worden ist. So bc- zeichnend es von den Nationalliberalen ist, daß sie jetzt mit dem Freisinn Freundschaft schließen wollen, so bezeichnend ist es auch, daß der Freisinn bereit scheint, die angebotene Freundschaft herzlich zu akzeptiren. Es geht dies aber sowohl aus der Haltung der meisten „eingeweihten" sreisimngen Organe, wie aus den Reden freisinniger Führer hervor. Wenn die„Liberal. Korr."(das Organ der ehemaligen Sezessionisten) sich dagegen verwahrt, daß in dem Austritt Eugen Richter's aus der Landtags- fraktion das Symptom einer Spaltung erblickt werde, so sind andere Symptome— der Spaltung oder eher der Rechtsschwenkung der ganzen Partei— viel beachtenswerther. Engen Richter selbst hat die Polemik gegen die National- liberalen so gut wie eingestellt, und andererseits fährt die „Köln. Ztg." nicht mehr auf die Freisinnigen los. Das Kartell ist zerstört und im Reichstage werden wir die Nationalliberalen und Freisinnigen verbrüdert sehen. Die Masse des Volks gewinnt bei der Aenderung nichts; denn das Zusammengehen von Nationalliberalen und Frei- sinnigen erfolgt ans der Grundlage des reinen Manchester- thums. Don drv Aebriievschlch-Nonferriu. Dem Vernehmen nach hat die internationale Arbeiterschutz-Konfercnz am Sonn- abend ihre dritte Plenarsitzung abgehalten und darin den zweiten Thcil ihres Berathungsprogramms, der von der Ausführung der vereinbarten Bestimmungen handelt und bisher noch keiner Kommission zur Vorberathllng überwiesen war, besprochen. Es soll beschlossen worden sein, diesen Theil der bisherigen Kommission für Sonntagsarbeit, welche ihre erste Aufgabe bereits völlig erledigt hat, zur Vorbe- rathung zu übertragen. Nach der Plenarsitzung traten am Sonnabend wiederum die Kommissionen in Thätigkeit. Die „Verl. Pol. Nachr." berichten hierüber: Was die Bergwerks-Kommission betrifft, so soll sie verein- bart haben, daß die Arbeit in solchen Bergwerksbetrieben, die mit besonderer Gefahr für die Gesundheit verbunden sind, ein- zuschränken sei. Es soll jedem einzelnen Lande überlassen bleiben, auf welchen: Wege es dieses Ziel erreichen will, ob auf dem der Gesetzgebung, auf dem der Verwaltung oder dem des Uebereinkoinmens zwischen Arbeitgebern und Arbeitern. Die Kommission für. die Sonntagsarbeit soll beabsichtigen, beim Plenum eine Verständigung sämmtlicher an der Konferenz be- theiligteu Staaten nach der Richtung in Vorschlag zu bringen, daß die Zulassung von Ausnahmen bei der Jnnehaltung der Sonntagsruhe nach gleichen Gesichtspunkten geregelt werde. In der Kommission für die Kinder- und Frauenarbeit soll eine Ucbcreinstimmnng dahin erzielt sein, daß jugendliche Arbeiter zwischen 14 und 16 Jahren weder bei Nacht noch am Sonntag beschäftigt werden dürften, daß die effektive Arbeitszeit dieser Arbeitcrkatcgorie die Zeit von 6 Stunden nicht überschreiten und die Arbeitspausen mindestens IVe Stunden täglich betragen sollen. Auch für die Arbeiter von 16 bis 18 Jahren soll ein bestimmter Schutz betreffs der Arbeitsdauer, der Nacht- und Sonntagsarbeit, eingeführt werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß am Dienstag in allen Kommissionen die ersten Lesungen— die Kommission für die Sonntagsarbeit hat schon ihre zweite Lesung erledigt— beendigt werden, so daß die zweite Lesung und darin die definitive Redaktion der von den Kommissionen gefaßten Be- 'chliisse in der Mitte der Woche werden stattfinden können. Dnjf zwij'chrn de» Uertveter» Frankreichs auf der Berliner Arbeiterschutz-Konferenz ein Zwiespalt ausgebrochen war, zu dem der'Arbeitervertreter Delahaye den Anlaß gegeben hatte, geht aus den aus Paris hierher gelangten osfi- ziösen Erklärungen unzweifelhaft hervor. Die Angabe, daß die Ursache des Zwiespalts in der Absicht Delahaye's zu finden war, der Konferenz eine von ihm ausgearbeitete Denkschrift zu überreichen, wird heute in der„Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, die darüber und über den Inhalt der Denkschrift folgende Mittheilungen macht: „Der Delegirte Delahaye hatte eine längere Ausarbeitung gemacht, in welcher er die Industrie- und Arbeitsverhältnisse rm Mittelalter mit denen der Neuzeit verglich, daran eine Charakteristik des Erwerbslebens, wie es der Handwerkerstand früher führte, sowie eine Schilderung des Betriebes der Klein- Industrie knüpfte, und endlich die Produktionsverhältnisse und Produktionsbedingungen der heutigen Gewerbethätigkeit, sowie die Lebensverhältnisse deö Arbeiters der Neuzeit beleuchtete. Das ExpvsS des Herrn Delahaye war so zu sagen eine wissen- schaftliche Abhqndlmig über die Entwickelung der Industrie von den Zeiten des Mittelalters bis gegen das Eude unseres Jahr- Hunderts, und gehört als solche, streng genommen, nicht in den Rahmen der Konferenzberathungen, für die sie andererseits ein literarischer Beitrag von akademischen: Werth war. Ans diesen: Grunde erklärte sich anfänglich der Füheer der französi- schen Delegation gegen die Verlesung des umfangreichen Schrift- stückes. Es ist indeß einer wohlwollenden Vernnttelung von dritter Seite gelungen, unter Betonung des wissenschaftlichen WertheS der Arbeit derselben die gebührende Berücksichtigung zu erwirken und die durch die Meinungsverschiedenheit im Schöße der Delegation entstandenen Differenzen schnell und vollständig beizulegen." Die Herren vom presibnrea» versuchen in der„Post" die Nothwendigkeit der Erhaltung des Äeptilienfonds zu be- weisen. Die Mißbräuche der Offiziösen sollten nicht dazu führen, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wenn die Es hatte etwas geknarrt. Ich blicke auf... die Thür meines Kabinets hatte sich geöffnet und in ihr erschien irgend ein Kopf. 'Das durch die Fenster dringende Mondlicht beleuchtete eine Frauengestalt. Ich blicke schärfer hin... es war Anna Dmitrijcwna. Sie blieb einige Augenblicke inmitten des Zimmers stehen, ihr weißes Gewand betrachtend; dann kam sie mit nneutschlossenen Schritten näher und setzte sich neben mich auf den Divan. Man kann sich meine Uebcrraschung vorstellen. Mein Herz pochte laut. Ich erhob mich und sagte mit nicht ganz sicherer Stimme: — Anna Dmitrijewna, was wollen Sie hier? Wieso hat der Wächter Sie durchgelassen? Mit welcher Absicht sind Sie hierher gekommen? — Ich kam, Sie um meine Befreiung zu bitten, sagte sie, mir scharf in die Augen blickend. Dort schlafen alle, und ich habe mich unbemerkt hierher geschlichen. Ich er- wartete:ücht, Sie hier zu treffen. Ich wollte blos meine 'Aussage nehmen. Wenn ich sie fand, wäre ich auf die Straße hinausgegangen, zu meinem Bruder gelaufen und mit ihm davon gefahren... Dort oben schien es mir be- ständig, daß Helene Ruslanow neben mir sei. Ich glaubte ihre Stimme zu hören. Sie stöhnte und rief mich bei meinem Vornamen.... Ich versuchte, in dem Zimmer aus und ab zu gehen, unv ich wurde ein wenig ruhiger, doch kaum hatte ich mich nieder gelegt, so war die Stimme wieder da... Ich muß fliehen... Oeffnen Sie mir die Thür, lassen Sie mich hinaus!..» Blicken Sie mich an: ich bin jung, ich will das Lebei: genießen! Soll ich mich jetzt für die Ewig- teit begraben?.., Lassen Sie mich fort! Noch ist es Zeit.'Auf der Straße ist es dunkel; alles schläft, ich werde von niemand bemerkt fortgelangen. Dauere ich Sie denn nicht? Sie sah mir scharf ins Gesicht, und mir war, als neigte sie sich zu mir herüber. Ihre Stimme zitterte; ihre Bewegungen waren schüch fuhr sie ... Der Szene lern: leise, fast unmerklich hatte sie sich meiner Hand be mächtigt und sprach in halbem Flüsterton: — Lassen Sie mich fort!... Was haben Sie für einen Vortyeil davon, wenn ein Frauenzimmer mehr auf der Anklagebank erscheint?... Wenn Sie wollen... ich bin zu allem berett!... Hören Sie?... Ich bin jung und schön... Sie preßte meine Hand. — Es ist schrecklich, wenn ich allein bin, flüsternd fort. Ich werde nicht von Ihnen gehen Mond geht unter... gleich wird es dunkel sein.. Ich bedurfte aller Geistesgegenwart, um diese auszuhalten. Ich sagte ihr, sie möge gehen, ihre Bitten seien vev gebens; ich bemühte mich, meine Hand aus ihrer Hand zu lösen. Sie ließ sie plötzlich los, senkte wie beschämt den Kopf und bedeckte das Gesicht mit den Händen. Streifen Haare hingen ihr über die Stirn herab, ihre Brust athmete schwer. Ich vernahm leises Schluchzen, und dann warf sie sich stürmisch auf den Boden nieder, umschlang meine Füße und begann mich schluchzend anzuflehen. Ich schwieg. Was sollte ich ihr sagen? Ich versuchte sie zu trösten. — Wie unbarmherzig, wie herzlos sind Sie? sagte sie in rauhem Ton... Kann man Sie denn mit nichts rühren? Sie sah mich an und sagte leise: — Mit nichts! Mit nichts! Dann erhob sie sich langsam und seufzte tief auf. — Beruhigen S:e sich, Anna Dmitrijewna! — Beruhigen Sie sich! Was für dumme Worte sprechen Sie da! Sie haben sie eingelernt!... Beruhigen Sie sich!?... Nicht der Tod, sondern tausenderlei Tode erivarten mich, und Sie sagen: Beruhigen Sie sich!... Ist dies etwa möglich?.... Ich führte sie in das Empfangszimmer hinaus und Offiziösen beseitigt würden, so finde die Beherrschung der öffentlichen Meinung behufs materieller Und. politischer Aus- beutilng des Volles keinerlei Schranken- mehr u. s. w.— Diese Futterangst erscheint uns ganz unbegründet. Keine moderne Regierung'kann ohne Reptilienfonds regieren. Da« Entlaflungogeluch des Grafen Herbert Bismarck ist, wie die„Nat.-Ztg." meldet, vom Kaiser genehmigt und die Ge- nehmigung bereits in Händen des seitherigen Staatssekretärs. Eine endgiltige Besetzung des erledigten Postens steht nicht in unmittelbarer Aussicht, vielmehr wird, wie es heißt, eine Ver- treUing eingerichtet werden.' Selbst die Lribofsiiiöle» verlassen nunmehr den Kanzler einer nach dem andern. So schreibt der„Hamburg. Corresp.": „Bei aller patriotischen Theilnahme, die das Scheiden des größten Deutschen aus dem Staatsdienste erwecken muß, darf man sich doch nicht verhehlen, daß es von guter Wirkung sein wird, wenn sich die nothwendigen Uebergänge in der Staatsleitung noch zu seinen Lebzeiten vollziehen und ihm selbst erspart ist, die An- fpammng seiner staatsmännischen Kräfte unter der Bürde eines hohen Alters fortzusetzen."— Komischer Weise bringt dasselbe Blatt noch einen LeNartikel, in dem es heißt, Fürst Bismarck möge fich'mit dem Naturgesetz trösten,„daß die scheidende Sonne freilich einen Augenblick größere und dunklere Schatten wirft, aber nur, um desto strahlender wieder aufzugehen". Dresd«». 24. März. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer standen einige Interpellationen auf der Tagesordnung, die das öffentliche Interesse in solchem Maße in Anspruch nahmen, daß lange vor Beginn der Sitzung die Zuschauertribünen zum Bersten überfüllt waren und Hun- derte wieder umkehren mußten. Die erste Interpellation, die der Abg. Klemm eingebracht hatte, lautete also: In der Reichstagssitzung vom 7. November 1889 hat der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Bebel die Be- hanptung aufgestellt: „er sei infolge eines am 13. Mai 1832 und zwar ohne Grund ausgestellten Haftbefehls, obgleich er angezeigt gehabt, daß er in der Pfingstwoche bestimmt in Dresden sein werde und obgleich er in der Woche vor Pfingsten in der Thal mehrere Tage hier und der Polizei dies bekannt gewesen sei, am Psingstsonntag, den 27. Mai, während eines Spazierganges mit seiner Familie, auf der Terrasse verhaftet worden. Man habe absichtlich den ersten Pfingstseiertag herankommen lassen, wo die Gerichte nicht in Thätigkeit waren und er keine Gelegenheit gehabt habe, sich zu beschweren, um ihn die Pfingstseier- tage voi: der Seite semer Familie zu reißen, und erst nach drei Tagen sei er gegen Kaution entlassen worden." Ist dem Herrn Justizminifter dieser Vorgang bekannt? Der Justizniimster erklärte sich sofort bereit, die Inter- pellation zu beantivorten. Er konnte nicht bestreiten, daß der Vorgang in der von dem Abg. Bebel im Reichstag an- gegebenen Weise stattgefunden hatte, nur bestritt er, daß die lolizei von der vorhergehenden Anwesenheit Bebels in )resden Kenntniß gehabt und seine Verhaftung absieht« l i ch auf die Pfingstseiertage verschoben habe. Bebel da- gegen wies nach, daß die Polizei allerdings von seiner An- Wesenheit Kenntniß gehabt und mit Absicht die Pfingstfeier- tage abgewartet habe,:m: ihn zu verhaften. Im weiteren aber wies er auch nach, daß gar kein gesetzlicher Grund vor- lag, einen Verhastsbefehl zu erlassen, da er unmöglich ddr Flucht verdächtig sein konnte und bezeichnete das Vorgehen der betreffenden Strafkamuwr des Dresdener Landgerichts als einen Mißbrauch der Amtsgewalt und einen Racheakt gegen seine Person, Angriffe, die ihm zwei Ordnungsrufe einbrachten. Weiter wies Bebel daraus hin, daß die ganze. Angelegenheit bereits im Jahre 1884 genau in derselben Weise in der zweiten Kammer zur Sprache ge- bracht worden sei, wie er seine Ausführungen am 7. November vorigen Jahres im Reichstag gemacht habe, ohne, daß damals der Justizminister in der Lage gewesen sei, die Darstellung des Vor- ganges als falsch nachzuweisen. Der Abg. Klemm habe offen- bar nicht gewußt, daß dieser Vorgang schon 1884 die Kammer beschäftigt habe, sonst sei seine Anfrage unbegreis- lich; auch wäre es richtiger gewesen, wenn er die Sache im Reichstage zur Sprache gebracht hätte, wozu er nach ihrer Anregung im November vorigen Jahres hinlänglich Zeit und Gelegenheit gehabt habe. Durch das Eingreifen Lieb- k n e ch t s in die Debatte erweiterte sich dieselbe zu einer Er- örterung über die Handhabung der gesammten Rechtspflege in politischen Prozessen in Sachsen, die Liebknecht als geleitete sie zu der Treppe, an welcher der Wach- mann schlief. — So bewachst Du die Gefangenen? sagte ich, ihn aufrüttelnd. Fräulein Bobrow sah mich vorwurfsvoll an, sü/p irgend eine zornige Bemerkung hervor und stieg dann rasch in.ihre Kammer hinauf. Diesmal setzte sich der Wachmann mit dem Rücken gegen die Thür, so daß niemand herausgehen konnte ohne ihn zu erivecken. II. DaS Verhör Jtschalows. Es war sechs Uhr Morgens. Dann und wann vernahm man bereits von der Straße her die Stimmen der Vorübergehenden. In Erwartung der baldigen Ankunft Jtschalows ging ich nicht mehr zu Bett. Genau um sieben Uhr brachte man den Gefangenen, den ich in meinem Kabinet empfing. — Ich bitte Sie, mir zu erzählen, wie die Sache sich zutrug Sprechen Sie, ohne etwas wegzulassen, oder auch nur die geringste Kleinigkeit zu verheimliche:!. Fräulein Bobrow hat alles gestanden. — Wenn dem so ist, dann habe' ich keine Veranlassung, die Wahrheit zu verbergen. Sie hat wirklich Fräulein Helene Wladimiroivna Ruslanow ermordet. Ich war blos Zeuge des Mordes. — Sie reichten ihr das Rasirmesser? — Rein, das ist nicht wahr; sie hatte daS Rasir- Messer selbst in der Tasche. — W:eso können Sie dies wissen? — Ich sah es von der Leiter aus. Durch Liebe ver- blendet, vermochte ich nicht, sie anzuzeigen, und stand ihr selbst bei, den Verdacht, von sich abzulenken, indem ich dys Diadem lmd das Rasirmesser mit mir nahm. — Sie übergab sie Ihnen selbst? — Nein, sie warf sie zum Fenster hinaus; ich hob fie auf und trug sie fort. (Fortsetzung folgt.» parteiisch und vom Parteihaß beeinflußt in schärfster Weise angriff. Der Jnstizminister vcrtheidigte sich äußerst schwach und mochte froh sein, als die Debatte ein Ende nahm. Er und die sächsische Justiz, deren Sachwalter er ist, erlitten eine schwere moralische Nied erläge. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete folgende Interpellation: Die Unterzeichneten richten an die königliche Staatregicrung folgende Anfrage: Ist es wahr, daß seit der am I.Oktober 1879 erfolgten Einführung der neuen Gerichtsverfassung kein einziger Referendar jüdischer Konfession den Richtereid erhalten hat, und daß alle Gesuche solcher Referendare, welche nach ihrer Nebergehnng beim Justizministerium um G e- Währung des Richtereides ein kamen, trotz Befürwortung durch die zustän- digenDien st vorgesetzten immer erfolglos waren, ja sogar unbeantwortet blieben? Ferner, ist es wahr, daß ein jüdischer Rcfe- r c n d a r im Gegensatz zu den christlichen Referendaren nie eine I a h r e s rje m u n e r a- t.ion erhält? Im bejahenden Falle ersuchen wir um Darlegung der Gründe, welche die königliche Staatsregicrnng im Wider- s p r n ch mit den R e i ch s g e s e tz e n und der Landesverfassung zu einer solchen Wraxis be- st i m m e n. Dresden, den 13. März 1890. Bebel. C o l d i tz. Geyer. Kaden. Liebknecht. Otto. Stolle(Gesan). Stolle(Meerane). Auf Befragen des Präsidenten erklärte der Justiz- minister, indem er sich hinter formelle Bedenken versteckte, die Beantwortung der Interpellation verweigern zu müssen. Bebel antwortete, daß ihm zwar geschästsordnungsmäßig das Recht zustehe, die Besprechung der Antwort des Ministers zu beantragen, daß er aber davon absehe, weil die Debatte nach der ablehnenden Erklärung desselben nicht den für die Sache nothwendigen Erfolg habe, und weil nunmehr die Angelegenheit im Reichstag zur Sprache komme, wo der Minister wohl anworten m ü s s e. Den dritten Gegenstand der Tagesordnung bildete die zweite Lesung des Antrags der sozialistischen Abgeordneten auf Aufhebung der Arbeitsbücher für die Bergarbeiter. Obgleich die Deputation, die den Antrag zu berathen hatte, in ihrem Bericht kon- statiren mußte, daß selbst die Werksdirektoren und Werk- besitzet auf die Beibehaltung des Arbeitsbuchs kein Gewicht legten, war sie doch dazu gelangt, die Beibehaltung zu bean- tragen, und sich nur für den Wegfall der Ausstellung der Zeugnisse über Fleiß und Ehrlichkeit der Arbeiter, sowie den Grund der Arbeitsentlassnng auszusprechen. Die Debatte, an welcher sich von sozialistischer Seite der Abg. Stolle be- theiligte, hatte kein anderes Ergebniß, als daß die Depu- tationsanträge mit großer Mehrheit angenommen wurden; nur die sozialdemokratischen Abgeordneten stimmten dagegen. Die Angelegenheit wird den Landtag in seiner nächsten Session abermals beschäftigen, und es wird Sache der sächsi- scheu Bergarbeiter sein, dafür zu sorgen, daß den Herren Landtags-Deputirten kein Zweifel bleibt, wie sie, die Berg- arbeitet selbst, über die ihnen zugemuthete Ausnahmestellung denken. Die Regierung hielt sich in der ganzen Debatte passiv; sie kann sicher sein, daß diese Kammer keine Be- schlüsse faßt, die ihr unangenehm sind. Eine lionsreuatiu-ultramontatte Wehrheitobildnng, so schreibt das Organ der Kartellparteien, die„Deutsche Bolkswirthschaftliche Korr.", anzustreben, hatte der Kaiser zwar gebilligt, er habe aber nicht gewollt,„daß darüber Herr Windthorst zu Rathe gezogen werde; nicht mit den Welsen und verkappten Demokraten, sondern mit den aristokratischen Elementen des Zentrums, v. Schorlemer, v. Hüne, v. Schalscha hätte nach Meinung des Kaisers jene Anknüpfung gesucht werden sollen." Irrwege. Der Delcgirtentag des Bergarbeiterverbandes für Rheinland und Westfalen hat bekanntlich folgende Resolution be- schlössen, g daß der zwischen den Berawerksbesitzern und den Bergleuten bestehende wirthschaftliche Widerstreit nur dann beseitigt und der soziale Friede dauernd hergestellt wird, wenn die Bergwerke in den Besitz der dieselben erst nutzbar machenden Slrbciter, Beamten und Leiter übergehen; in fernerer Erwägung, daß, wenn für gegenwärtige Besitzer Rechtsformen geschaffen worden sind, es auch Nicht schwierig ist, für die Bergleute, Beamten und Leiter der Bergwerke ebenfalls genossen- schaitliche Rechtsformen herzustellen; in endlicher Erwägung, daß die Besitziimwandlunaen zur Anpassung an die sozialen Verhältnisse schon mit mustergiltigein Erfolg gesetzlich vollzogen und Enteignungen schon seit längerer Zeit zum Allgemeinwohl vorgenommen sind, beschließt die außerordentliche General- Versammlung des Verbandes am S. März 1800, beim Reichstage dem Bundesrath und Sr. Majestät dem deutschen Kaiser darauf hinzuwirken, daß sämmtliche deutsche!! Bergwerke den aegenwärtigen Besitzern enteignet und in das Eigenthum der in den Bergwerken selbstthätigen Arbeiter, Beamten und Leiter umaeivandelt und hierfür genossenschaftliche Rechtsformen aufgestellt iverden; daß bis zum Vollzug derselben Jnterimsgesetze zur direkten Abhilfe der heutigen Mißstände zwischen Bergarbeitern und Privatkapitalisten erlasse» iverdei,. Die Versaiiimlung beauftragt den Zentralvorstand, eine Petition in diesem Sinn baldmöglichst auszuarbeiten und dieselbe zur Unterschrift in mehreren Eremplarm sowohl in Schlesien, Sachsen, Saarbrücken, dem Wurinrevier, Osnabrück und Siegen als in Rheinland und Westfalen kursiren zu lassen und dem- nächst dem deutschen Kaiser und den gesetzgebenden Körper- schaften zu unterbreiten." An diese Resolution kniipft das Leipziger Arbeiterblatt, der „Wähler", folgenve zutreffende Kritik: „Die Mehrzahl der Zeitungen fertigt diese Resolution mit der zwar unzutreffenden, aber bequemen Phrase ab, daß mit ihr die Bergarbeiter vollständig zur Sozialdemokratie übergegangen waren. In Wahrheit entstammt diese Resolution nicht dem Ideen- kreise des wirklichen Sozialismus. Von, Sozialismus ist untren»- bar der Kommunismus und die Demokratie, und wer den Sozialismus einführen will, der darf vor allem das expropriirte Eigenthuin an Grund und Boden nicht wieder einer Äbtheiluug von Gesellschaftsangehörigen besttzmnßig zuspreche»; er hat zu berücksichtigen, daß erstlich der menschlichen Koalition bereits der nationale Rahmen zu eng geworden ist und sie deshalb in Handel und Industrie, in Kunst lind Wissenschaft(langsam, aber ebenso sicher wie die Koralle arbeitet) schon letzt den internationalen Gesellschaftsorganisnius aufbaut, demnach genügt die berufsmäßige Koalition als Besitzerin von Grund und Boden k. erst recht nicht dem erweiterten Jdecnkreis der Menschheit; zweitens daß im sozialistischen Sinn die Thätigkeit in einein bestimmten Beruft nicht das Recht des ausschließlichen Eigenthums an den Revenuen des betreffenden Berufes giebt. Wenn die westfälischen Bergleute die Bergwerke nicht zum Eigenthum der Gesellschaft gemacht haben wollen,.sondern die- selben als ausschließliches Eigenthum der Bergleute selbstverständ» lich betrachten, so iväre das dasselbe, als wenn die Fischer und Schiffer alle Wasserläufe Deutschlands' in ihren thatsächliche» Besitz bringen wollten. Die Gesellschaft soivohl des heutigen als des späteren Deutsch- lands hat kein Interesse am Privatkapital, mag der Besitzer nun der Kommerzienrath Krupp oder eine westfälische Bergarbeiter- Die Gesellschaft wird erst frei, wenn sie selbst, d. h. alle Staatsangehörigen, Grund und Boden und Arbeitsinstrumente, in ihrem Besitz hat. Der einzelne Beruf kann bei aller Selbst- ständigkeit in der Art und Weise des beruflichen Wirkens immer nur ihr Verwalter, nichts weiter sein. Erst das erzeugt, nährt und erhält die soziale Tugend der Rücksichtnahme auf andere, das verhindert die Ausbeutung der Gesellschaft durch den Beruf, denn die durch Mangel an Besitz erzeugte Ohnmacht des Einzel- nen hinsichtlich der Bethätigung seiner selbstsüchtigeil Regungen, das ist zugleich die Waffe, und die einzige, aber auch genügende Waffe, welche die sozialistische Gesellschaft besitzt, um innerhalb der freien Formen, die sie den individualen Trieben gewährt, vor den Auswüchsen derselben sich zu schützen. Nach allem kann die Resolution nicht ans der sozialistischen Waffenkainmer geschöpft haben. Sie ist denn auch weiter nichts als ein Ausfluß der sogen. Deutschsozialen, bez. Antisemiten, und ihres Theoretikers, des Dr. Stolp. Wäre die Lösung der sozialen Frage so einfach, wie die west- fälischen Delegirten es sich offenbar denken, und wie sie nach den Publikationen ihrer deutsch-sozialen Lehrer es mangels eiiicr gründlicheren Kenntniß des Entivickelungsganges der Menschheit sich auch nicht wohl anders denken können, so könnte die soziale Frage von jedem beliebigen Minister und von jeder beliebigen Parlameiltsmajorität gelöst iverden. Soiveit das Theoretische. Was die praktische Seite der Sache anbelangt, so könnte jemand, ivelcher der Monarchie eine ergiebige Steuerquelle eröffnen will, die der Bewilligung des Parlaments entrückt ist, es gar nicht gescheiter anfangen� als wie es in der Resolution der Berg- arbeitet; geschehen ist. Es ist wohl kaum zu bezweifeln. daß die des Kitts der sozialistischen Idee ermangelnde, au; das Proflffi, stein begründete Genossenschaft' der Bergleute soivohl infolge der ausländischen Konkurrenz als der lmiere», nie ausbleibenden Uneinigkeit wegen sich gegenüber den einheitlich geleiteten, geschlossener operirenbeil Staatswerken nicht behaupten könnte. Uns scheint denn mich, als wäre die Bergarbeiter-Genossenschaft nur ein dem Volke mundgerecht ae- machter Uebergang in den Staatsbetrieb. Die Resolution der Bergleute, in der heutigen Zeit gestellt, asmeSKH; aber nichts weniger als Sozialisten sind, und während ihres Streiks keinen Beweis gegeben haben, daß sie Sozialisten sind, denn sie haben durch ihre Uneinigkeit den Grubenbesitzern nur zu erst recht großen Profiten verHolsen, so geht man schwerlich fehl, wenn man annimmt, daß sie die unbewußten Werkzeuge soziali- sirender Offiziösen sind. Wenn man der Neberzeugung ist, daß die Antisemiten und ihre Salonform, die Deutschsozialeil, nur die- Fuchseisen sind, ivelche der monarchische Konservatismus der Sozialdemo- kratie und dem Liberalismus in der Erwartung legt, daß man ihm den Gefallen thun wird, in das Fuchseisen zu laufen, wobei er sich wenigstens hinsichtlich der Sozialdemokratie verrechnet haben dürste— ,venn man dies« UeberzeuMng hat und die Stolp'schen Pläne kennt, so wird man in der Resolution die neuere konservative Politik unschwer iviederfinden. Das mag nnangenehm klingen, aber die Sozialdemokratie hat keine Ursache, vor irgend jemand ihre Meinung zu verhehlen. Dem Kapitalisten gegenüber ist das stets Gebrauch gewesen, noch nöthiger aber ist die Offenheit dann, wenn es sich um die Ar- beiter selbst handelt. Durch Wissen zum Sieg! Das muß auch die Parole der Bergleute seiii. Es giebt für sie wie für uns keine andere." Da» Abgeorimetettha«» erledigte am Montag von dem Kultusetat das Kapitel„Elementarunterrichtswcsen" und die die Kunst betreffenden Etatpositionen. Bei dem ersteren brachte Abg. Knörcke einen Fall zur Sprache, in welchem der Bürger- meister von Köslin einem dortigen Lehrer eine Rüge ertheilt hatte, weil' dieser sich an der Aufstellung von Reichstagswahl- listen nicht betheiligte und als der Fall eine Besprechung in der „Preußischen Lehrerzeitung" erfuhr, die Schulaufsichtsbehörde die Erklärimg von sämmtliche» Lehrern der betreffenden Schule vor- langte, daß sie nicht die Verfasser dieser Besprechuilg seien. Kultusminister v. Goßler erklärte, daß ihm der Fall unbekannt sei, gab jedoch zu, daß das Verfahren der Behörde, die Richtig- keit der Darstellung vorausgesetzt, ein inkorrektes sei. Abg. Rickert beleuchtete nochmals die kürzlich angezogene Verfügung der Magdeburger Regierung, welche die Lehrer bei feindseliger Partei- nähme gegen die Regierung mit Maßregeln bedroht, und charakterisirle das Gesetzwidrige dieser Verfügung. Der Kultus- minister erwiderte, daß er auf eine frühere Beschwerde hin die Regierung in Magdeburg angewiesen habe, durch eine nähere Deklarirung. ihrer Verfügung zu verhindern, daß dieselbe als über den Erlaß von 1882 hinausgehend angesehen werde. Die sonstigen Erörterungen betrafen Beschwerden.der katholischen Mitglieder des HallscS über Zurücksetzung der katholischen Geist- lichen in der Verwendung als Schulinspektoren gegenüber den evangelischen, die vom Kultusminister als nicht mehr begründet erklärt wurden. Der Uorschrnde de» Rochksschnhvtt'ews htv Kern- leute im Simrgo1>ieto,. Nikolaus Wapkeu, ist am Sonimbeud von der Strafkammer Saarbrücken abermals wegen Beleidigung zu drei Monaten Gosängniß verurtheilt worden. Mainz» 22. März. Zu Ehreil des Wahlsieges der sozial- demokratischen Arbeiterparte, gelegentlich der letzten Reichstags- wähl fand vor einigen Tagen in einer hiesigen Wirtbschast ein Arbeiter-Kommers statt. Auf Aliordnung des Gouver- nemellts ist nunmehr sämmtlichen Soldaten der Garuison der Besuch dieser Wirthschaft verboten worden, aber auch dem eigenen Sohn dieses Wirthes, welcher bei einem hiesigen Negiinente seiner Militärpflicht Genüge leistet, wurde bedeutet, daß er die Wirthschaft seines Vaters nicht mehr zu betreten habe. . �»rnc im MalMreisie Talbe-Alcherslcben, 24. März. Gestern, Sonntag, Nachmittags 8Vj Uhr, fand Hierselbst auf einem Slckerstück im„Schinderkuhlen! elde" eine öffentliche sozialdemokra- tische Versammlung u n t e r f r e i e m H i m m e l statt. Zu Tau- senden waren von weit und breit die Theilnehmer herbeigeströmt. Eitze kleine Bühne, aus einigen Balken und Brettern zusammen- genagelt, darauf ein Tisch und einige Stühle für den Redner und das Bureau, sowie für den die Versanimluug überwachenden Gen- darmen und Nachtwächter. Ein Tisch und zwei Stuhle für die beiden aus Schönebeck erschienenen Berichterstatter und die mit Taiineillanb und rothen Schleifen verzierte Eingangspforte, daS war der ganze Apparat. Die Theilnehmer der Versammlung, Männer, Frauen und Kinder, standen dicht gedrängt um den Redner, den Reichstags-Abgeordneten August Heine, welcher über die gegenwärtige politische Lage und die Besserung der Lage der Arbeiter sprach.— Mit einem dreifachen Hoch auf die Sozial-. demokratte und den Redner wurde die Bersammlung geschloffen. Dieselbe währte etwa eine Stunde. Es dürste dieses die erste Versammlung unter, freiem Himmel seit 1843 in dieser Gegend sein. Krandeuburg. Bei der in, Kreise Westhavelland am 22. März stattgehabten Nachwahl erhielten: Ewald(Söz.) 6320, Hermes(dfr.) 6089, Metzenthin(kons.) 4301 Stimmen. Somit ist Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten und dem Deutsch- freisinnigen erforderlich, welche am 2. April stattfinden soll. Di« Wi».#* mmi fsi#* der Pariser Arbeiter- bors« hat dem Zentral-Wahlkomitee unserer Partei folgen- des Schreiben übermittelt mit der Bitte, dasselbe zu ver- öffentlichen:•_ In der Sitzung vom 17. d. Mts. hat die Kommission folgenden Beschluß gefaßt: Die Syndikate der Kammern nehmen Kenntniß von dem Eingreifen der Regierungen in die. Beziehuugeu der Arbeiter und der Unternehmer, aber sie tadeln, daß die Re- giernngen diese Fragen auf der Berliner Konferenz ver- handeln, ohne daß von den Arbeitern gewählte Vertreter an derselben theilnehmen. Für die Exekutiv-Kommission: Die Sekretärs Bib an ier, Philippi. Gliicklvünsche an die deutsche Sozialdemokrat»«. Das Zentral-Wahlkomitee der sozialdemokratischen Arbeiterparte, hat nachstehende Zuschrift erhalten: Sozialistischer Arbeiterbund von Reggio, in der Emilia(Italien). Wir würden unsere Pflicht als Sozialisten vernachlässigen, ivenn wir den deutschen Genossen nicht, freilich etwas verspätet, zu dem großartigen Wahlsieg und glänzenden Triumph unsere herzlichsten Glückwünsche ausdrückten. Dieser Sieg, der über die vereinigte Macht des Kapitals und über den eisernen Kanzler davongetragen ward, ist eine mächtige Ailfmullteruug für die Soziallsten aller Länder. Er zeigt uns, welch ummderstehliche Gewalt in der Propaganda für unser Ideal liegt: Die Befreiung der Arbeiter aus den Ketten des Kapitalismus und die Begrün- dung der Gesellschaft auf den ewigen Grundlagen der Gleichheit und der Gerechtigkeit. Uns solidarisch mit Euch fühlend, übermitteli, wir den beut- schen Sozialdemokraten den Brudergruß aller. Sozialisten unserer Provinz..._ Der Vorstand: G. Ferrarine. G. Berevelli. Enrice Verrari. Der Sekretär: Giovanni Broglia. Addi, den 18. März 1890. lugarn._ 5 a r t e i des Wiener Gei Gesterreich- Die antisemitische. meinderathes ist jetzt 33 Mann stark. Die letzten Wahlen beweisen, daß der Antisemitismus in den mittler» Bürger- schichten große Fortschritte gemacht hat. Wien, 24. März. Gestern riefen dreitausend Stein- setzgehilfen den 1 Mai als Arbeiterfeiertag ans, wobei der Vorsitzende den Aufwand der Reichen gegenüber der Roth der Arbeiter besprach, Unter allgemeinem Beifalle sagte Redner, es werden am 1. Mai einmal die Rollen getauscht» Anstatt der Wohlhabenden werden die Arbeiter die alljähr- liche Praterfahrt abhalten. Die Arbeitgeber mögen indessen arbeiten. Auch in Lemberg erfolgte gestern eine Kund- gebung der galizischen Arbeiterschaft für die Feier des 1. Mai. Es wurde beschloffen, an diesem Tage das Grab Lassalle's zu bekränzen, Arbeiterversammlungen einzuberufen behufs Besprechung der Arbeiterfragen und der Haltung der Ar- beiterschaft zu der Agitation für die konfessionelle Schule. Die Versammlung lehnte eine Dankadresse an Kaiser Wilhelm für die Arbeitererlasse ab. Großbritannien. London, 24. März. Unterhaus. Unterstaatssekretür Fergusson gab eine eingehende Schilderung der entsetzlichen Hungersnoth, welche unter den außerhalb Suakims angesammelten Arabern herrsche; die Sterblichkeit sei eine bedeutende, müsse aber im fernen Inneren von Afrika ganz enorm sein. Das lokale Hilfskomitee vertheile unter die etwa vorhandenen 2000 Darbenden täglich Nahrung; die Vorräche seien aber wohl nicht aus- reichend. Der Konsul in Suakini habe die Hoffnung ausgedrückt, daß ihm Geldbeitrüge aus England zur Linderung der größten Noch zugehen möchten. London, 24. März. Das Unterhaus nahm die erste Lesung der irischen Pachtgüter-Ankaufsbill an. Für die Zwecke der Bill sind 33 Millionen Pfd. Sterling erforderlich, die durch eine.» Garanttefond gesichert werden. Frankreich. Paris, 24. März. Deputirteukammer. Der Minister des Aeußeren Ribot erklärte in Beantwortung der Interpellation Turrel über den�französisch-türkischen Handelsvertrag, er glaube, es würde zu Unzuträglichkeiten führen, wenn man der Türkei gegenüber schroff auftreten wolle; die anderen Mächte könnten von einer solchen Rücksichtslosigkeit Nutzen ziehen. Die Regie- rnng werde den Kammern ihre Aktionsfreiheit bis 1392 be- wahren, es dürfe aber nichts überstürzt iverden. Die Frage der trockenen Rosinen anlaugend, so ließe sich vielleicht ein anderes Mittel finden, z. V. die Einführung einer inneren Steuer auf die Fabrikation von Wein aus trockenen Rosinen.(Beifall.)-Die Kammer nahm nach weiteren unerheblichen Erörterungen eine von Meline vorgeschlagene Tagesordnung an, in welcher gesagt wird, die Kammer akzeptire die Erklärungen der Regierung. Paris, 25. März. Die boulangistischen Blätter veröffcht- kichert eirte Depesche BoUlaiigers an Laisant, in welcher derselbe erklärt, er verlange wie f. Z. von Tirard so jetzt von Freycinet vor ei,, Appellgericht«der einen Kriegsrath gestM M werden; « werde' dann linveMgkkch nach Frankreich zmückkehren.' Paris, 24, März. Depurirtenlammer. In, weiteren Bei- laufe der Sitzung brachtö der sozialistische Depuiirte Antide Boyer einen Arttrag ein, worin die Wahl einer internationalen Kom- Mission behufs Regelung der Arbeitersrage und behufs Herbei? sührung einer gleichmüßig fortschreitenden Abrüstung m Anregung gebracht wird. j Italle».. Rom, 25. März. Der Prozeß gegen die arbeitslosen Arbeiter, welche sich bei den Ruhestörungen am 8. Februar 1889 betheiligten, wurde heute beeudigt. Gnochetti wurde zu viermonatticher, Constantine zu einjähriger Eefängniß? strafe verurtheilt. Die ührige» Angeklagte» wurden frei- -gesprochen........« Türkei. Aus Ade» wird der„Boss. Ztg." untern, 10. März geschrieben. daß Reisende, welche aus Hodeida und anderen Häsen der Küste von Jemen in Aden eintreffen, übereinstimmend von einer geradezu fabelhaften Mißwirthschaft der türkischen Regierung berichten. Die Bestechlichkeit der Beamten ist unglaublich. Kein' Schiff kann, besonders in Hodeida, die söge- nannte Quarantäne passtren, wenn nicht der Arzt und der Hafen- meister ihren bedeutenden„Backschisch" erhielten. Die Einfuhr von Spirituosen und allen mögliche» anderen Dingen ist über- Haupt verboten, ganz besonders aber sind Zeitungen verpönt. Nur der„Punch", welches als„medizinisches Blatt" ausgegeben wird, findet unbeanstandet Einlaß. Fremde, besonders splche, ivelche ins Innere, nach der Hauptstadt Zana wollen, iverden trotz Regierungspaß unausgesetzt Übermacht und unterliegen zahl- losen Scherereien. Ein englischer Militärgeistlicher, welcher! in» Februar Hodeida und Zana besuchte, wurde, trotz türkischen Passes,„aus Versehen" eingesperrt und während seines ganzen Aufenthaltes von Spähern umgebe». Derselbe sah in Hodeida eine Dhau mit 120 Sklaven ankommen. Unmenschlich ist dieBe- Handlung der Gefatzgenen. Das Gefängniß ist so klein, daß bei seiner steten Ueberfüllung die Insassen' nür sitzend oder lchckcnd schlafen können. Auf einem öffentlichen Platze liegt seit 20 Jahren ein Irrsinniger angekettet, völlig nackt, ohne den geringsten Schutz gegen die Sonne. Die Stimmung der Araber in ganz Jemen gegen die türkische Regierung ist eme sehr erbitterte und nur durch drakonische Strenge werden Aufstände piedergehalten. Theater. Mittwoch, den 26. März. Gprrnhauo. Götterdämmerung. Kchauspielhau». Die zärtlichen Ver- wandten. Z-sstag- Theater. Der Fall EIS- menceau. Krrliner Theater. König Lear. Deutsch»« Theater. Der Pfarrer von Kirchfeld. Friedrich-Wilhrlmstiidt. Theater. Der arme Jonathan. Mallner-Theater. Ein toller Ein- fall. Siktoria-Theater. Stanley inAfrila stend-Theater, Der Fall Elömen- ceau. Kestdenz-Theater. Marquise. KeUeaUiaur«- Theater, Der Nau- tilus. Köuigstädtische» Theater. Die Räuber. Teutrat Theater. Ein fideles Haus. Kdalf Ernst- Theater. Der Gold- „ fuchs. Theater der Rrichshalleu. Speziali- tätenvorstellung. Gebr. Nilhter» Kariötö. Speziali- täten-Borstelluna. Kaufmann'» Karietö. Spezialitäten- Vorstellung.___ Ainerican-Theater MF" Areadenerstrahe 55."Wg Täglich Vorstellung« Circus Renz. K a r l st r a ß e. Heute, Mittwoch, den 26. März 1890, Abenb's 7V2 Uhr. Auftteten des berühmten, aus 6 Personen bestehenden Elberfelder Athleten- Klubs(die stärksten Männer der Jetzt- zeit). Zum Wettkampf hat sich bereits angemeldet Herr Theodor Heidke von der Akttenbrauerei Friedrichshain, Die Touristen, oder: EinSommertagamTegerusee Große Original-Pantomime. Vorführen der 8 arab. Schimmel- lengste(Originaldressur) von Herrn sranz Renz. Auftreten der vorzügl. >ieitkünstlerinnen und Reitkünstler. 4fache Fahrschule. Auftteten der Schul- reiterin Fräulein Clotilde Hager. Morgen große Vorstellung. E. Renz, Direktor. Circus Wulff. WW Friedrich Oarl.Ufer.*Wi Ecke Karlstraße. den 36. März 1860. Abends TV» Uhr: Moche-Parsttte-VorsiellUg. Zwei Vorstellungen in eine verwandelt, in welcher 26; sage sechs und zwanzig der vorzüglichsten Uepertoirnum- mer« zur Uorführung gelange«. Große öffentliche Bersammlnttg der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, chir. Ua anderer Instrumenienmacher Berlins am Donnerstag, den 27. März, Abends 8 Uhr, in Joel» Etablissement(früher Keller), Andreasstr. 21. Tages-Ordnung: I. Die Verkürzung der Arbeitszeit und ihre Bedeutung für die Arbeiter. Referent A. Gerisch. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zu den am 29. Novbr. v. I. gestellten Forderungen. 4. Verschiedenes.— Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen.[455] Der Einberufer. Geffentliche Dersammlung der Graveure, Ciseleure u. Verussg. am Mittwoch, den 26. März, Abends 8'I, Uhr, in Feuerstein's Salon(oberer Saal), Alte Jacobstr. 75. Tages-Ordnung: I. Der Nutzen einer gewerkschaftlichen Organisation, und welche ist für uns die zweckmäßigste? Referent Herr P. Dupont. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlr 447 eckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Der Einberufer. Oellentliche Versammlung an Helzbearbeitnngs-Maslljinen nnd in Fabriken besjastigten Arbeiter am Donnerstag, den 27. März, Abends 8'!, Uhr, im König stadt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Tages-Ordnung: 1. Beschlußfassung zur Beschickung des zu Lübeck, in den ''" 2. Wahl der Delegirten stattfindenden Kongresses. kussion und Verschiedenes. zu demselben. 3. Die Kommisstou. Große öffentliche Versammlung !>« Sattler«nl LmIilM« BnlaiS» am Donnerstag, den 27. März, Abends 8� Uhr, 456 in Jordan s Salon, Neue Grunstr. 28. T.-O.: 1. Bericht der Lohnkommission. 2. Definitive Beschlußfassung über unsere diesjährige Lohnbewegung. 8. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Ginberufer. Grabe ffentl. Tislhler-KersminlilW am Donnerstag, den 27. März, Abends 8'l, Uhr, im Böhmischen Brauhause, Landsberger Allee. Tages-Ordnung: I. Die Beschlüsse des Fachvereins zur diesjährigen Lohnbewegung und wie stellen sich die Branchen-Vereine dazu. Referent Th. Glocke. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes._ � Die Vorstände und Mitglieder sämmtlicher Tischlerverein« sind hierzu eingeladen. Der Einberufer. Englischer Garten Auftteten der Chansonette Frl. Fran zieca Normann. Austrete» des Gesangs-Humoristen Hrn. Köhler. Auftteten der Duettisten Albert und Nelly Rappmann. Auftteten der Chansonette Frl. Jenny Peters, sowie der musikalischen Clowns Toni und Jaok. Anfang Wochentags 8 Uhr. Enttee 30, 60 u. 75 Pf., ,m Vorverkauf 20 u. 30 Pf. Sonnlags Anfang halb 6 Uhr. Sonntags Enttee 60, reservirt 75 Pf., Orchester 1 Mark. Vorverkauf Enttee 40 Pf,_ Sazialbemkr. Wahlmein i). 6. Verl. ReWaaS-Wahlkreises. Donnerstag, den 27. März, Abends 8V» Uhr, 454 km Saale des Herrn Schröder(Weddingparll), Müllerstraße 178: Grosse Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Milh. Schweitzer: mr Der 1. Wai.-«58 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein D e r V o r st an d. Fachverein der Metallschrauben-, Fayonbreffer n. Kerufsgen. Sonnabend, den 29. März 1890, Abends 81, Uhr, in den Bürger-Sälen, Dresdenerstr. 96: '' loMal. I AI. Zlnter den Linde» 81« Im Haufe der Wilhemshallen 'neben der Passage. Ben- Vorführung wiüi-TÄ '"Ä. Beyrs: S, 2 u. 1 M. Billets im Jnvalidendank. Passage 1 Tr. ö Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Erste Reise am schönen Rhein von Mainz bis Köln. Zum ersten Male: Zehnt« Reise d. die malerisch» f>:a«s. Schwei,. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Wnwaaren, Wecheuge, Hans- nnb Knihengerathe E. Vogtherr, c, Landsdergerstr. 64, amAlexanderpl. Killet» find zu haben bei folgenden Herren: Albert Kirchner Görlitzerstr. 65; Rudolf Weber, Straußbergerstt. 52: Wilh. Ernst, Lausitzerstr. 14; Aug. Stötzel, Raunynstr. 79; R oth wald, Naunyn straße 23, sowie bei Herm M. Baginsti, City-Pafsage. 425_ Da» Komitee._ BekmtmchW. Der Vorstand der Ortskrankenkaffe der Maschinenbau-Arbeiter und ver- wandter Berufsgenossen zu Berlin macht hierdurch bekannt, daß das Kassenlokal Vom 1. April bis 30. September: Vormittags von 7—10 Uhr, Nachmittags von 4—6 Uhr, Vom 1. Oktober bis 31. März; Vormittags von 8—11 Uhr, Nachmittags von 4—6 Uhr geöffnet ist. Die Abfertigung in den Zahlstellen bleibt unverändert und werden die Mitglieder ersucht, ihre Beiträge soviel wie möglich daselbst einzuzahlen. 454 Der Vorstand» A. Wittig. Achtung! Former! Die Aussperrung der Berussgenofsen in der von Weeren in ormer und sengießerei dauert un- Rixdors verändert fort. Zuzug ist sttengstens fernzuhalten. Im Austrage des Fachvereins der Former n. verwandter Bernfsgenossen; R. Schmidt, Reichenbergerstr. 187. Vereinszimmer fflr 15 u. 40 Personen sind bei Flick, Boyenstt. 40, in der Restauratton.„Verl. Volksblatt" und „Volks-Tribüne" liegen aus.[5 AMshans S. Heine. lChavsseestraße14.I Die schönsten Merkleiser n.-Mantel für Mädchen jeden Alters, sowie Margenrölke, Unterröcke n. Tricattaitlen auch im Einzelverkauf sehr billig!} Massbestellungen n. Reparaturen j werden prompt erledigt I Effaujseestraße14. GesUstshans 6. Heine. Nur I Mark kostet jede Uhr zu reinigen unter Garantie. Bei allen Reparaturen wird der Preis vorher gesagt. 841 Eleser, Uhrmacher(Fachmann). Uanuynstr. 15, Ecke Mariannenftr. i Spiegel und Polsterwaaren, Gr. Lager, bill. Preise. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. 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Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin 8W„ Beuthfttaße 2. r..».V � t i il(IlT» Beilage zum Berliner Boltsblatt * Nr. Mittwoch, de« SS. Mörz 1890. y. Jahrg. Abrechnung übel die für die Agitation zu den Stadtvcrordneten-Wahlen 1889 emgelanfenen Gelder; Ginnahm«: Gesammelt auf Listen...... 3547,69 M. Tellersammlung u. sonstige Einnahmen 1170,—„ Von den Setzern des„Verl. Volksbl." 20,— ,, Vom Möbelhändler Apelt.... 10,—„ Summa 4747,69 M. Ausgabe: Für Drucksachen..,, 814,50 M. Inserate..... 189,60„ „ Säulcnanschlag,, 295,—„ „ Wählerlisten... 357,-„ „ Saalmiethe.... 46,—„ „ Kouverts.,., 102,50„ „ Verschiedenes.., 333,20„ Einnahme Ausgabe Summa 2192,80 M. ,. 4747,69 M. .. 2192,80„ Ueber-schup 2554,89 21t. Hiervon dem Reichstags-Wahlfonds überwiesen 2300,—„ Bleibt Bestand von 254,89 M. Diese Summe ist zur Bestreitung der Kosten zweier Nach- wählen in den Händen des Kassirers. Berlin, den 25. März 1890. Ter Kassirer; Otto Kräker, Wasserthorstr. 20. Die Revisoren: Otto Barth, GustavKoopmann, Friedrichsselderstr. 33. Wollinerftr. 69. PaulHeitmann» AlbcrtSchaaf, Brunnenstraße 92. Rcinickendorfcrstraße 52. Karl Prinh, Reichenbcrgerstr. 72. zstcaa'esjjondenjim. London, 22. März 1890. Schneller als irgend jemand vorausgesehen, hat der Streik der Kohlenarbeiter ein Ende ge- nommen, und erfreulicherweise sind die Arbeiter die Sieger. Angesichts ihrer entschlossenen Haltung desertirten eine große An- zahl von Besitzern kleinerer Gruben aus den Reihen der Unter- nehmerverbindung und schlössen hinter den, Rücken derselben mit den Arbeitern Frieden, während andererseits die Kohlennoth so verheerend auf eine Reihe der wichtigsten Industrien einzuwirken drohte, daß den Herren Kohlenlords vor der Verantwortung Angst wurde, die sie durch ihren Eigensinn aus sich heraufbeschworen. Während die Aussicht, die Arbeiter in wenigen Wochen zu Paaren zu treiben, zusehends schwand, sahen die Herren die äss-otliche Meinung sich immer mehr gegen sie richten, und da sie weiter sehr wohl wissen, daß unter einer allgemeinen Stockung der Fabriken auch ihr Weizen zu Schaden kommen kann, so entschloffen sie sich, ihre so pomphaft abgegebene Erklärung, unter keiner Bedingung nachgeben zu wollen,„noch einmal in Erwägung zu ziehen". Die Folge dieses Erwägens war, daß die Forderung der Arbeiter in ihrem vollen Um- sänge bewilligt wurde, und die totale Niederlage nur durch oas kleine Zugeständniß von Seiten der Arbeiter ein Anstands- mäntelchen erhielt, daß die zweiten 5 pCt. Lohnzulage statt vom 1. Juli vom 1. August ab in Kraft treten sollen. 5 pCt. Lohnzuschlag treten, gemäß der Forderung der Arbeiter, gleich bei Wiederaufnahme der Arbeit ein. Dieses Abkommen ist am Donnerstag zwischen dem Komitee der Arbeiter und dein der Unternehmer getroffen worden, mit dem Zusatz, daß„über die Grundsätze, nach denen in Zukunft die Lohnftage behandelt wer- den soll, ein Einverftändniß erzielt worden ist". Dieser Zusatz wird allgemein dahin ausgelegt, daß ein gleitender Tarif(„sliding scale") eingeführt werden soll, wie er bereits in den Kohlendistrikten von Durham und Northumberland besteht, die deshalb von der Streik- bewegung unberührt geblieben sind. Je nach dem Preis der Kohle soll der Lohn sofort entsprechend herauf- und herabgesetzt werden. Statt, wie sich vorgenommen, die Organisationen der Arbeiter zu zerschmettern, haben sich die Unternehmer im eigenen Interesse dazu bequemt, sie nicht nur anzuerkennen, sondern ihnen auch eine Machtstellung einzuräumen, aus Grund deren sie selbst das Slllcrheiligste— den Unternehmerprosit— in den Kreis ihrer profanen Berechnungen zu ziehen berechtigt find. Nicht so gut, wie den Kohlenarbeitern, ist es den Dockern von Liverpool ergangen, deren Streik— man sollte ihn lieber Lockout nennen— vor einigen Tagen zu erheblichen Tumulten führte, über welche der Telegraph bereits nach Teutschland be- richtet hat. Nicht berichtet hat derselbe aber darüber, wie diese Arbeiter provozirt worden sind. Seit Jahren jeder Organisation ermangelnd, haben die Dockarbeiter der großen Hafenstadt, durch den glücklichen Verlauf des Londoner Dockstreiks ermuthigt. sich vor etlichen Monaten wieder zu sammeln be- gönnen und eine Sektion der Nationalen Dockerunion gebildet, die stetig an Mitgliedern zunahm. Das war den Herren Rheder» aber gar nicht angenehm, und da sie sehr gut wußten, daß über kurz oder lang die Arbeiter mit Forderungen auf Aufbesserung ihrer jämmerlichen Arbeitsbedingungen an sie herantreten würden, beschlossen sie, es nicht erst dahin kommen zu lassen, sondern den Kampf vorher aufzunehmen, noch ehe die Arbeiterorgamsation genügende Kraft erlangt, nennenswerthen Wiederstand zu leisten. Eines schönen Tages ließen sie, ohne jede vorhergegangene Unter- Handlung, neue Arbeitsbedingungen anschlage», zu denen sich dw Arbeiter verpflichten sollten. Natürlich konnten diese jetzt nichts anderes thun, als den Bedingungen der Unternehmer ihre Vorschläge entgegenzusetzen. Es kam zum Streik. Darauf hatten oie Rheder gewartet. Sie zogen von allen Seiten Aushilfskräfte (..Streikratten") heran, denen sie die von den Arbeitern ver- langten Lohnsätze bewilligten— der beste Beweis für die Mäßigkeil derselben. Als von Tag zu Tag mehr„Streikratten" anlangten und unter dem Schutz der Polizei auf die Docks ge- bracht wurden, bemächtigte sich der aus ihrer— ohnehin so jammervollen— Existenz Gedrängten hohe Erbitterung, es kam iu Drohungen und schließlich zum Handgcnienge mit der Polizei, worauf die städtischen Behörden sofort Militär requirirten. Jetzt oll ein Schiedsgericht zu Stande gebracht werden, um zwischen ocn Rheder« und den Arbeitern eine Einigung herzustellen. Sie wird wohl auch unter Ach und Krach erzielt iverden, aber— so und so viel alte„Hände", und gerade die energischsten, sind durch neue ersetzt, und die Organisation der Arbeiter ist gesprengt. Db sie sobald wieder ins Leben treten wird, ist ziemlich zweifel- 'aft, jedenfalls aber ist das Selbstvertrauen einstweilen dahin. Ich will übrigens nicht verschweigen, daß der Streik von Seiten der lokalen Führer der Arbeiter in der denkbar unge- schicktesten Weise geleitet wurde, während der Zentralvorstand der Docker-Union sich auffallend passiv verhielt. Es scheint, als ob die Verbrüderung mit allen möglichen bürgerlichen Philan- thropen sich für diese Körperschaft sehr verhänißvoll erwiesen hat. Nicht daß ich die Leute der Unehrlichkeit zeihen wollte, sie als „gerauft" hinstellen jc., das liegt mir durchaus fern. Ich finde überhaupt, daß mit diesem Vorwurf viel zu leichtfertig umge- warfen wird. Aber die Leute sind einerseits durch den Erfolg verwöhnt, und scheuen jede Aktion, bei der der Erfolg nicht so- zusagen von vornherein garantirt ist, andererseits möchten sie auch nicht gern die Gunst ihrer bürgerlichen ic. Gönner ver- scherzen, die sich ihnen beim großen Streik so nützlich erwiesen. Mit Rücksicht auf diese, benehmen sie sich den andern Arbeitern gegenüber mit einer Ausschließlichkeit, die ihnen eines Tages sehr verhängnißvoll werden muß. Es herrscht schon heute in weitemKreise große Mißstimmung gegen die Leitung des Dockervcrbandes. So hat dieselbe, ohne die Mitglieder zu befragen, die Betheiligung an der Achtstundendemonstration kurzerhand abgelehnt. Was die eigenen Leiter nicht thaten, das that der stets muthige Cunninghame Graha m. Er ist sofort, als die Sache kritisch wurde, nach Liverpool gegangen und hat dort für die Arbeiter gethan, was nur irgend möglich war. Schade, daß dieser Mann in anderen Dingen zu sehr„bon garcon" ist, sein Eifer und seine Uncrschrockenheit, in Verbindung mit seiner materiellen Unabhängigkeit ivürden ihn vorzüglich zum Partei- führer qualisiziren. Man mag dagegen sagen, was man will, jede käinpfcnde Partei bedarf der Führer, und dies namentlich, so lange sie noch wenig stark ist. Der Mangel eines durch Charakter, Wissen und Umsicht ausgezeichneten Führers niacht sich in der hiesigen Be- wegiing ungemein empstndlich bemerkbar. Während die sozialistische Lehre in den Maffen iminer mehr Boden faßt, bleibt die Partei, oder was sich so nennt, stationär. Dabei ist sie so zerfahren wie nur möglich. Wer eine Position errungen, niacht Politik auf eigene Hand. Gewiß sind mit der Führerschaft im Großen auch viele Uebelstände verbunden, aber in einem großen Körper iverden die Einzelinteressen immer wieder durch die Interessen des gemeinsamen Ganzen zurückgedrängt, die großen Fragen treten in den Vordergrund, während die Zersplitterung meist das genaue Gegentheil bewirkt. Wie stark der Sozialismus hier sein könnte, geht daraus hervor, welchen Einfluß er trotz der geschilderten Uebelstände bereits heute im politischen Leben ausübt. In den nächsten Tagen findet schon wieder eine Nachwahl zum Parlameut statt, im Wahlkreise Ayr Burghs(Schottland), und ivieder hat der liberale Kandidat seinem konservativen Gegner die Arbeiterstiininen abwendig zu machen, sich für die Älrbeiterforderungen im Sinne des Sozialismus(den gesetzlichen Achtstundentag jc.) verpflichtet. tome Rule allein thut es nicht mehr. Noch bezeichnender sind einige orgänge, die sich neuerdings in radikalen Vereinen Londons abgespielt haben. In Battersea will das Arbeiterkomitee, das die Wahl von John Burns in den Londoner Grafschaftsrath betrieben, diesen auch als Parlamentskandidaten ausstellen. Die Liberalen, die wohl fühlten, daß sie unter diesen Umständen auf jeden Fall geschlagen würden, schickten sich an, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, falls Burns ihnen die Konzession mache, sich unbe- schadet seiner iveitergehenden Bestrebungen, von ihnen aufstellen zu lassen. Das lehnte Burns jedoch ab. Er kandidire als So- zialist und Arbeiterkandidat, dabei bleibe es. Zögen sich die Liberalen vor seiner Kandidatur zurück, gut, ivenii nicht, nicht. (Es ist hier immer im Auge zu behalte», daß in England das relative Mehr bei der Wahl entscheidet.) Daraufhin beschloß am 17. Februar das Konntee des Liberalen lind Radikalen Vereins von Battersea in schwach besuchter Sitzung seinen Ausschuß zu beaustragen, einen eigenen Kandidaten für die Wahl ausfindig zu machen. Jndcß es erhob sich lebhafte Opposition gegen diesen Beschluß, es wurde eine neue Sitzung einberufen, und in dieser— sie fand am letzten Montag statt— wurde, obwohl die Mehrzahl der Redner die Kandidatur Burns' heftig bekämpfte"), mit 55 gegen 36 Stimmen ein Anttag angenommen, dahingehend, daß der Verein die Kandidatur Burns' billigt und seinen Ausschuß beausttagt, die Verhandlungen mit dein Arveiter- Wahlkomitee von Neuem aufzunehmen. 65 gegen 36— eine Zweidrittelsmehrheit im eigenen Komitee der Liberalen für den Sozialisten! Die Thatsache bedarf keines weiteren Kommentars. Immerhin, John Burns ist vom Dockerstreik her populär, wer aber, außer einer Anzahl Sozialisten und Gewerkschaftler, kennt Keir Harbin? Der Genannte hat bisher in Schott- land gelebt u»v unter den dortigen Bergarbeitern gewirkt. Erst vor einigen Wochen ist er ans Veranlassung seiner Freunde nach London übergesiedelt, und jetzt berichten die Zeitungen, daß der radikale Verein von Südwest-Ham einstimmig Keir Harbin als Arbeiterkandidat für die nächsten Wahlen bestimmt hat. West-Ham ist ein Vorort östlich von London. Neber einige weitere, für die Situation sehr bezeichnende Vorgänge im Lager der Liberalen in meinem nächsten Brief. Lttft&tes. rttnnmitnalcr«. Tagesardnung für die Sistung der Ktadtuerard- nete»- Uerfamml«»« am Donnerstag, den 27. März d. I., Nachmittags 5 Uhr. Ein NaturalisationSgesuch.— Vorschläge, betr. die Wahl von unbesoldeten Gemeindebeamten, sowie der Beisitzer und Beisitzer- Stellvertreter für die am 15. April d. I. stattfindenden Stadtverordnetenivahlen.— Fortsetzung der Etats- berathung, und zwar über den Etat der Markthallen-Berwaltung, die Etats der Bauverwaltung, den Etat der Kapital- und Schuldcnverwaltung, die Etats der Steuerverwaltuna und den Etat, betr. verschiedene Einnahmen und Ausgaben.— Feststellung des Stadthaushalt-Etats pro 1. April 1890/91.— Berichterstattung über die Vorlage, betr. die Erwerbung von Land zum Reichstags- Ufer.— Vorlage, betr. die Anlegung eines Bürgersteiges längs der Mauer des Parochial-Kirchhofes zwischen Kloster- und Waisen- straße auf städtische Kosten.— Desgl., betr. die Abänderung der projektirten Uferstraße zwischen der Oberbaumbrücke und der pro- jektirten Straße 6 b, sowie die Verschiebung der an beiden Ufern des Landivehrkanals, bezw. der Anschlußstrecke des Luisenstädti- schen Kanals belegenen sogenannten grünen Landstteifen.— Desgl., betr. die Verpachtung des Rathskellers pro 1. Oktober 1890/96.— Desgl., betr. die Gewährung eines Beittages für die Stiftung„Die Heiufftätte in Berlin".— Desgl., betr. die Eröff- nung eines»eilen Parallelcoctus zur 4. Klasse der zweiten höheren Bürgerschule.— Desgl., betr. die Skizze zum Neubau einer Ge- meinde- Doppelschule in der verlängerten Göbenstraße.— Eine Unterstützungssache. ♦) Unter anderem meinte Herr Livesey, viele Lieberalen wür- den eher für den Tory als für Burns stimmen. Natürlich! Di« amtliche Ermittelung der Nachwahl im ersten Ber- liner Reichstags-Wahlkreise findet am Freitag, 23. d. M., Vormittags 10 Uhr, in der Aula der Gemeindeschule Hinter der Garnifonkirche statt. Die Kerliner Drofchlrenilutfcher haben an die Haus- und Grundbesitzer beziehungsweise an deren Vereine nunmehr das Ersuchen gerichtet, allgemein darauf zu halten, daß die Haus- nummern da angebracht werden, wo sie auch Abends bequem er- kennbar sind. In erster Linie möchten sich dies zu Herzen nehmen die Besitzer von Häusern mit Vorgärten. Daß dies Verlangen ein sehr berechtigtes ist und seine Erfüllung nicht allein den Droschkenkutschern, sondern auch den Hauseigenthümern selbst, sowie deren Miethern je. zu statten kommt, liegt auf der Hand. Die stniidcstener-lUarke» für 1889/90 verlieren mit dem 31. Marz ihre Gültigkeit. Uebee die Erplosio» auf der Kaiser Willzelm-Keucke veröffentlicht der bei dein Bau der Brücke beschäftigte Regie- rungs-Baumeister Piukenburg, der„Volks-Ztg." zufolge, eine längere Darstellung. Stach derselben hat sich herausgestellt, daß bei der am Tage nach der Explosion vorgenommenen Unter- suchung sich die Undichtigkeit einer Flanschverbindung am Gas- rohr in der Nähe des nach der Burgstraße zu stehenden Obelisken ergeben hat. Es waren aus der öderen Seite fünf Schrauben- bolzen abgesprengt, und es hatte sich eine Fuge gebildet, welche ein reichliches Ausströme» von Gas gestattete. Ueber der Flanschenverbindung lag in schmiedeeiserner Zarge eine herunter- nehmbare Platte. Diese Zarge war gelockert, und von hier aus hat das Gas den Weg in den in nächster Nähe des Gasrohrs neben dem Brückengeländer befindlichen Hohlraum gesilnden, welcher den Elektrizitätswerken zur Aufnahme ihrer Straßenkabel überwiesen worden ist. Der Hohlraum war nicht verfüllt, weil die Elektrizitätswerke Werth darauf legten, jederzeit unbehindert zu ihren Kabeln gelangen zu können. Ueber dem Hohlraum liegen ebenfalls lose Platten, und je zwei solche befinden sich dicht vor den Ständern, welche die elektrischen Lampen tragen. Un- inittelbar bei einem dieser Ständer ist die Explosion allem An- schein nach erfolgt, da„hier neben der losen Platte die einzigen Schlitze»varen, aus denen das in dem Kabelkanale befindliche Gas entiveichcn konnte", und da ferner der Sockel des Ständers unmittelbar über der Platte vollständig>nit Staub beschlagen >var.„Leider ist es," sagt Herr Pinkenburg wörtlich, „unmöglich geivesen, den Thatbestand unmittelbar nach der Erplosion festzustellen, da die alarmirte Feuerwehr sofort die zer- trümmerten Platten bei Seite geschafft und außerdem noch eine größere Zahl der nur gelockerten Platten über dem Gasrohr- kanale unverständlicher Weise abgehoben hat. Im Interesse der Wissenschaft ist dieses Vorgehen sehr zu beklagen. Wie die Ent- zündung entstanden, ist ebenfalls nicht aufzuklären. Daß ein elektrischer Funke dieselbe bewirkt habe, ist zwar verinuthet wor- den, erscheint auch nicht gerade ausgeschlossen, ist aber wen�g glaublich, zumal auch der spätere Zustand der Leitungen für eins solche Annahme nicht den mindesten Anhalt bietet. Danrn. bleibt aber nur die Möglichkeit, daß ein forlgeworfenes brennendes Zündholz oder eine gliminende Zigarre den Anlaß zu der Ent- zündung gegeben hat." Die abgesprengten Schraubenbolzen haben nach Herrn Pinkenburg„nicht gerade aus dem besten Schmiede- eisen" bestanden, doch braucht hierin nicht die Ursache zu der Ab- sprengung gesucht zu werden. Da Undichtigkeiten der Rohr- leitung aus sehr verschiedenen Gründen eintreten können, die Gefahr einer neuen Explosion also iminer wieder vorhanden ist, so lange sich der Hohlraum für die Kabel neben der Gasleitung befindet, so werden die Betheiligten sich über geeignete Aenderungen verständigen müssen.— Die am ersten Tage verbreitete Meldung, daß ein Mann in die Spree geschleudert und dort umgekommen sei, scheint dadurch entstanden zu sein, daß thatsächlich ein Fuß- gänger über das Brückengeländer geschleudert wurde, aber auf die unter einem Krahne, der in nächster Nähe der Explosions- stelle noch steht, befindliche Plattform siel und dadurch gerettet wurde. Durch eine furchtbar« Erplosto« wurden die Bewohner eines ganzen Stadttheils von Spandau Montag, Morgens OV: Uhr, in große Aufregung versetzt. Um diese Zeit erfolgte plötzlich eine starke Detonation und in demselben'Augenblick stürzte aus dem Hause Feldstraße 17 ein Mann auf die Straße, welcher lichterloh brannte. Hinzukommende Personen rissen ihm schnell die Kleidung vom Körper; an demselben zeigten sich aber entsetzliche Brandwunden. Das Fleisch hing in Stücken vom Leibe. Der Schwerverletzte wurde sofort nach dem Krankenhause gebracht; an seincin Auskommen wird geziveifelt. Die Wohnung des Un- glücklichen, ivelcher Arbeiter des Feucrwerkslaboratoriums ist, bot ein Bild grauenvoller Verwüstung. Die Wände waren niedergerissen, von den Möbeln war kein Stück unversehrt geblieben. Es war in der Wohnung eine Menge Zündmaffe explodirt, welche der Arbeiter aus der Fabrik mit nach Hause gebracht hatte. Zwei internationale Taschendiebe, der Schweizer Frank und der Pole Golowezinski, wurden a>n Sonntag Vormittag in Ausübung ihres„Berufs" verhaftet. Dieselben hatten sich in das „Unter den Linden" herrschende Gewühl gemischt und wurden dabei abgefaßt, wie sie einzelnen zur Beiwohnung der feierlichen Auffahrt der zum Ordenssest Geladenen dort Spalier bildenden Provinzialen das Porte>nonnaie aus der Tasche zu ziehen ver- suchten. Bei beiden wurden ansehnliche, offenbar aus Taschen- diebstählen herrührende Geldbeträge vorgefunden. Hauafuchungen in Cöpenickr. Am Montag wurde in Cöpcnick bei dem Iigarrenhändler Franz Ungcring, Griiuauerstraße 4, eine Haussuchung nach verbotenen Druck- schriften vom Amtsrichter Boerner in Abwesenheit des Mannes und der Frau vorgenommen. Der Zugang zu dem Hause war während der Dauer der Haussuchung militärisch gesperrt. Schränke und Koffer wurden von einem Schlosser geöffnet. Beschlagnahmt wurden ein Liederbuch, ein Notizbuch und die vorgefnndenen Hefte der„Berliner Arbeiter-Bibliothek"(!). Ferner wurde noch bei Herrn Weiße, Berlinerstr. 7, gehaus- sucht. Gefunden wurde nichts. Polizeibericht. Am 24. d. M. Morgens wurde der obdachlose Pantinenmacher Hahn auf dem Steinplatz Greifs- waldcrstraße 41 aus vielen Kopswunden blutend aufgefunden und nach dem Krankenhanse am Friedrichshain gebracht. Seiner An- gäbe nach ist er in der Nacht vorher von zivei anderen Obdachlosen, welche dort nächtigten, überfallen, durch Messerstiche schwer verletzt und seiner Baarschaft beraubt worden.— Vormittags wurde im Landivehrkanal, vor dem Grundstück Kottbuser Ufer 2, die Leiche einer unbekannten, etwa 23 Jahre alten Frauensperson angeschwemmt und nach dem Schauhause geschafft.— Mittags versuchte ein Arbeiter in, Keller des Hauses Alvenslebenstr. 4 m einem Anfall von Säuferwahnsinn sich zu erhängen, wurde jedoch noch rechtzeitig loSgeschnitten und ins Leben zurückgerufen. Er wurde darauf nach der Eharitee gebracht.— Zu derselben Zeit gerieth der Kutscher Rühl auf dem Grundstück Jnvalidenstr. 5 mit dem Bein unter die Räder des von ihm geführten Arbeitswagens und erlitt so bedeutende Quetschungen, daß er nach dem Lazarus-Krankenhause gvDVimjt tv n-o eii mvUle.— Als AachimNagS ctn»jähriger Knabe mit einem Handwagen die Fennstraße entlang fuhr, stieß ein ans der Reinickendorferstraße kommender Arbeitswagen so stark gegen die Deichsel seines Wagens, daß er umgeworfen und tiberfahren wurde. Er' erlitt hierbei bedeutende Verletzungen des Ober- schenkels und des Kniegelenks.— Zu derselben Zeit vergiftete sich ein Geschäftsreisender in seiner Wohnung in der Neuen Schön- hauserstraße.— Gegen Abend siel vor dem Hause Chausseestr. 1 ein unbekannter, etwa 80 Jahre alter Mann beim Verlassen eines Omnibus nieder und erlitt eine so bedeutende Verletzung am Kopfe, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Abends wurde ein Schuhmacher von dem Arbeiter Raschke in dem Hause Blumenstraße 37a die Treppe hinuntergestoßen und brach den linken Unterschenkel. Er wurde nach dem Kranken- hause am Friedrichshain gebracht.— Zu derselben Zeit fanden in der Potsdamerslr. 85 und Koppenstr. 21 kleinere Brände statt. .. Mordprozeh Franlie. Die laufende Schivurgerichtsperiode i>t unheimlich reich an Verhandlungen über Verbrechen gegen das Leben. Auch heute am letzten Tage haben die Geschworenen wieder über ein Kapitalverbrechen zu befinden, welches die An- klage als Mord bezeichnet. Angellagt ist der Arbeiter Johann Gottfried Franke, ein schmächtiger, mittelgroßer Mann mit ziemlich scharf geschnittenem, blassen Gesicht und etwas ängstlichem Ausdruck in demselben. Er trägt die blaue Gefängnißklcidung und wirft einen scheuen Blick aus seinen kleinen Sohn und seinen Schwager, welche mit vier anderen Zeugen den Schwurgerichts- saal betreten.— Den Vorsitz des Schwurgerichtshofes führt Land- gerichtsrath Denso, die Anklage vertritt Staatsanwalt Kro- ditzsch, dem Angeklagten steht Rechtsanwalt Uckermann als Verthcidiger zur Seite. Die That des Angeklagten ist erst am l. März er. passirt usid wohl noch frisch in aller Gedächtniß. Der Angeklagte wird beschuldigt, an jenem Tage die Wittwe Charles ermordet zu haben; er giebt die That zu, bestreitet aber die Ueberlegung.— Präs.: Sie sind 43 Jahre alt und unbestraft?— A n g e k l.: Ja.— Präs.: Sie sind verheirathet gewesen?— A n g e k l.: Ja, bis 1881, wo meine Frau starb.— P r ä s.: Hatten Sie Kinder aus dieser Ehe?— A n g e k l.: Ja wohl, zehn Stück, von denen fünf ge- storben sind.— Präs.: Was ist mit den anderen geschehen?— A n g e k l.: Die sind ins Waisenhaus gekommen.— Präs.: Stach dem Tode der Frau sind Sie zu der Frau Charles gezogen, welche mit ihrem eigenen Manne in Scheidung lag und haben mit ihr wie Mann und Frau gelebt?— A n g e k l.: Sie hatte mir die Ehe versprochen, die Sache verzögerte sich aber, weil die Papiere nicht beizubringen waren.— Präs.: Wovon lebte denn die Frau Charles?— A n g e k l.: Sie verdiente sich ihr Geld mit Plätten.— P r ä s i d e nt: Was verdienten Sie denn selbst, so lange Sie in der Weinhandlung von Peter Becker als Arbeiter thätig waren?— A n g e k l.: Ich verdiente 10 M. 50 Pf. wöchentlich und unser Geld wurde zusammengelegt und davon der Unterhalt bestritten.— Präs.: Das scheint der Frau aber zu wenig gewesen zu sein.—?l n g e k l.: Als im Jahre 1888 Frau Charles nach Reinickendorf gezogen war, wurden- mir meine Kinder aus dem Waisenhause zugeschickt und da wurde es etwas knapp.— Präs.: Sie scheinen aber doch in Reinickendorf noch ganz friedlich gelebt zu haben, denn Sie sind beschuldigt, den Mord aus Eifersucht vollbracht zu haben.— Angekl.: Jcki wußte, daß Frau Charles früher zu einem gewissen Grothe gehalten hatte und sie machte manchmal die Bemerkung, daß sie mit dem Grothe viel besser leben könnte, als mit mir.— Präs.: Sie zogen dann nach der Winterfeldstr. 3 und da ist die Frau Charles plötzlich heimlich von Ihnen fortgezogen. Welcher Grund hat dafür obgewaltet?— Angekl.: Das weiß ich nicht. Als ich Abends von der Arbeit nach Hause kam, standen die Kinder weinend vor der Thür und sagten, Mutter sei ausgerückt. — Prüf.: Sie haben aber doch wieder die Frau aufgesucht und sind nach der Pankstraße 31 b abermals zu ihr gezogen?— Angekl.: Ich habe mich mit ihr ivieder vereinigt, schickte meine Kinder nach außerhalb und behielt blos den kleinen Paul bei mir.— Präs.: Sie zogen dann gemeinschaftlich nach der Pank- straße 21 und da ist es schon einmal zu einer bösen Szene ge- kommen.— An gel l.: Ich arbeitete damals im Eiskelleretablissement und da ich ihr einmal nicht genug Geld mit nach Hause brachte, hat es furchtbaren Spektakel gegeben und Frau Charles hat mich nicht mehr in die Wohnung gelassen.— Präs.: Trotzdem haben Sie sich wieder vereinigt und sind am 1. Oktober 1889 nach der Adolfstraße 12 gezogen. Dort scheint Ihre Eifersucht starr an- gefacht worden zu sein, denn mm erschien Grothe öfter auf der Bildfläche.— Angekl.: Der kleine Paul erzählte mir, daß Grothe immer da sei, wenn ich auf Arbeit bin.— Präs.: Wo arbeiteten Sie denn damals?— Angekl.: Ich ivar Bauarbeiter >lnd verdiente 30 Pf. pro Stunde.— P ras.: Sie haben ja wohl Ihren ganze» Verdienst der Frau Charles abgegeben und von derselben täglich 30 Pf. Taschengeld erhalten?— Angekl.: Ja wohl; außerdem hat sie von meinem Gelde auch die Möbel an- geschafft.— Präs.: Eines Tages, wie Sie aus der Arbeit von außerhalb nach Hause kamen, hat man Sie nicht mehr in die Wohnung hineingelassen?— Angekl.: Ja wohl, das war alles Grothe's Werk. Als ich sagte, daß ich die Thür einschlagen würde, wenn man mich nicht hineinläßt, ist die Polizei Herbeigeholt worden und ich habe eine Nacht auf der Wache zubringe>» müssen.— Präs.: Sie sind nach der Boyen- straße 14 gezogen, haben sich dann aber wieder mit der Charles vereinigt?— Angekl.: Ich bin zu ihr gegangen und habe sie um Verzeihung gebeten und da hat sie mich wieder aufgenommen. — Präs.: Inzwischen haben Sie aber wohl erfahren, daß Grothe häufig bei der Charles war und von dort Butterbrote, Schnaps u. dergl. mit nach Hanse nahm.— Angekl.: Mein Sohn Paul hat mir erzählt, oaß Grothe, während ich außerhalb arbeitete, 0 Tage und 6 Nächte bei Frau Charles gewesen war. Sie hit den Jungen darauf hin noch ordentlich geschlagen.— Präs.: Wir kommen nun nahe an den kritischen Tag, Sonn- abend, 1. März, heran. Wie haben sich da die Dinge ent- wickelt?— Angekl.: Drei Tage vorher hat mir Frau Charles gekündigt. Sie meinte, ich müßte zum 1. März ausziehen. Sie ivollte, wie sie sagte, mit den Kerls über- Haupt nichts mehr zu thun haben und nach Fürstenwalde über siedeln.— P r ä s.: Was haben Sie dabei empfunden, als Ihnen diese Nachricht wurde?— Angekl.: Ich war sehr nieder- geschlagen.— Präs.: Sie haben früher gesagt, daß Sie von dem Augenblick den Plan gefaßt haben, der Frau einen Denk zettel zu geben. Sie haben ihr also von diesem Augenblick an nach dem Leben getrachtet?— Angekl.: Das nicht, ich wollte ihr blos einen Denkzettel geben.— P r ä s.: Haben Sie in den letzten Tagen vor der That wiederholt mit Frau Charles Rück spräche genommen?— Angekl.: Ich habe mit ihr blos wegen meiner Sachen Rücksprache genommen und gefragt, was mit dem Jungen werden soll. Ich wollte den Knaben zu meinem Bruder bringen.— Präs.: An» Abend vor der That sind Sie schon vor der Charles schlafen gegangen, denn dieselbe ha noch ziemlich spät Wäsche geplättet.— Angekl.: Ich vi bald eingeschlafen und hatte die Weckuhr aus 5 Uhr Morgens gestellt.— Präs.: Hatten Sie denn die Absicht, am nächsten Tage zu arbeiten?— Angekl.: Ja wohl, ich hatte Arbeit aus einem Bau in der Friedrichstraße.— Präs.: Nun erzählen Sie mal ganz genau, was am nächsten Morgen passirte.— Angeklagter: Als ich ausgewacht war, blieb ich noch eine Weile im Bett liegen und da kam mir plötzlich der Gedanke an Grothe und ich wurde sehr aufgeregt.—Präs.: Wo schlief denn der kleine Paul?— Angekl.: Der schlief in dem Bett der Frau CharleS, an dem Fußende derselben.---Präs.: Sie sind dann aufgestanden, um Kaffee zu kochen?— Angekl.: Ich ging in die Küche, da sah ich plötzlich den Plättbolzen. Ich nahm denselben, ging an das Bett der schlafenden Frau und da kam es über mich und ich schlug mit dem Bolzen auf den Kopf der Frau. Erst als der Paul dariiber wach geworden war und mich groß anglotzte, bin ich mir klar darüber geworden, was ich gethan habe.— Präs.: Was haben Sie dann zu Ihrem Sohne gesagt? A ngekl.: Ich habe zu ihm gesagt, er solle ruhig weiter schlafen oder aber aufstehen und Kaffee lochen.— Präs.: Der Zeuge ist dann auch in die Küche gegangen. Wann haben Sie nun den zweiten und dritten Schlag gegen die Frau verübt?— Angekl.: Das weiß ich gar nicht.— Präs.: Sie scheinen sich nach der That nochmals in's Bett gelegt zu haben, denn als nach mehr als zwei Stunden die Günther kam, hat es auf dieselbe den Ein- druck gemacht, als ob Sie eben erst aufgestanden wären.— Angekl.: Nein, ich bin aufgeblieben und habe noch etwas Schnaps getrunken.— Präs.: Dann haben Sie auch zweimal versucht, sich auszuhängen. Sie behaupten, daß Sie sich das erste Mal an der Thürklinke, dann aber an einem Nagel aufgehängt haben, daß aber beide Male die Schnur gerissen ist.— Angekl.: Ich habe ja auch noch die Strangulations- marke am Halse gehabt.— Präs.: Ihr Verhalten nach der That zeugt aber dafür, daß Sie auch nach der That durchaus kaltblütig gewesen sind. Dafür sprechen die zwei Zettel, die Sic geschrieben haben.— Angekl.: Dieselben habe ich in der größten Aufregung geschrieben.— Präs.: Im Gegentheil, dieselben sind sehr verständig geschrieben. In dem ersten Zettel haben Sie Ihrem Sohn Paul die Adressen ihres Bruders und Ihres Schwagers aufgeschrieben, weil Sie wohl hofften, daß die- selben sich Ihres Sohnes annehmen würden. Außerdem haben Sie nach der That den Knaben fortgeschickt und ihm gesagt, er solle die Waschftan holen und ihr sagen, Mutter sei krank.— Angekl.: Ich wußte nicht, was ich machen sollte.— Präs.: Sie haben sehr ruhig sich überlegt, was mit dem Knaben geschehen solle, nachdem Sie die scheußliche That vollbracht und für Ihre vollständig ruhige Gemüthsverfassung spricht auch ein Zettel, auf welchen Sie mit ganz klarer, fester Schrift Folgendes geschrieben haben:„V e r s ch in ä h t e Liebe. Ich war ausrichtig, wie alle meine Bekannten wissen. Ich bin aber verachtet worden und nun habe ich's ein Ende gemacht. Achtungs- voll mit bestem Gruß an alle Bekannte und auf Wiedersehen im Jenseits. Albert Franke."— Präs.: Das deutet doch darauf hin, daß Sie die That ganz ruhig geplant haben.— Angekl.: Ich war ganz verwirrt, als ich das geschrieben habe. — Präs.: Nach der That sind Sie dann aus der Wohnung gegangen und haben das Trückerschloß zugeworfen. Es scheint, als ob Sie mm von Ihrem Gewissen gepeinigt worden sind und Sie nun sich gedrungen fühlten, Ihre Verwandte aufzusuchen. Wohin sind Sie zuerst gegangen?— Angekl.: Zu meinem Schwager Hübner in der Hedemannstraße.— Präs.: Tort sind Sie mit den Worten eingetreten:„Schivager, denke Dir, ich bin ein Mörder und habe die Frau mit dem Plättbolzen todt geschlagen!" Ihr Schwager wollte so etwas gar nicht glauben. — Angekl.: Mein Schwager sagte:„Ach, Papperlapapp, rede keine Dummheiten!"— Präs.: Schließlich scheint ihm doch der Gedanke gekommen zu sein, daß Sie vielleicht nicht Unsinn sprächen und da hat er Ihnen gesagt:„Gehe nach der Hasenhaide, da sind Bäume genug, um Dich auszuhängen."— Angekl.: Ja, er hat mich fortgewiesen.— Präs.: Sie scheinen durch diese Worte Ihres Schwagers zu der Erkenntniß gekommen zu sein, daß derselbe Sie nach solcher That für ein verabscheuungs- würdiges Subjekt hielt. Wohin sind Sie dann gegangen?— Angekl.: Zu meiner Mutter nach Tempelhof.— Präs.: Auch Ihrer Mutter haben Sie sofort gesagt:„Mutter, ich bin ein Mörder!" Was hat Ihre Mutter darauf erwidert?— Angekl.: Sie sagte blos:„Du bist verrückt, mache, daß Du hinaus kommst!"— Präs.: Sie sind dann wieder zu Ihrem Schwager nach der Hedemannstraße zurückgekehrt. Ihr Schwager hatte aber inzivischcn schon zur Polizei geschickt und Sie sind dann dort verhaftet worden. Der Polizei haben Sie den Eindruck eines übermüdeten Mannes gemacht, so daß Sie nicht gleich vernommen worden sind. Man schließt daraus, daß Sie während der ganzen Nacht überhaupt nicht geschlafen haben, sondern sich wahrscheinlich ruhelos umher gewälzt und de» Mordplan überdacht haben.— Angekl.: Das ist nicht der Fall.— Präs.: Wie wolleil Sie es denn erklären, daß Sie auf dem Transport zur Polizei eingeschlafen sind?— Angekl.: Ich kann nur das blos damit erklären, daß ich Schnaps getrunken hatte.— Präs.: Hatten Sie denn überhaupt an jenem Morgen Geld, um sich Schnaps zu holen?— A n g e k l.: Als ich aus der Wohnung fortging, habe ich auf dem Küchenspinde Geld gefunden, habe mir davon 30 Pf. genommen und Schnaps gekaust.— Präs.: Sie sollen aber auch manchmal Aeußerungen gemacht haben, so daß die Frau sich vor Ihnen ängstigte. Die Frau soll wiederholt erzählt haben, daß Sie sich geäußert:„Sie würden sie doch noch um die Ecke bringen", außerdem sollen Sie dieselbe öfter geschlagen, kurz, die Frau hatte Angst vor Ihnen.— Angekl.: Davon ist mir gar nichts bekannt. Damit ist das Verhör des Angeklagten beendet und es be- ginnt die Zeugenvernehmung._. Der gerichtliche Sachverständige, Sanitätsrath Dr. Mitten- zweig, begutachtet, daß der 50 Jahre alte Verstorbene zwei tödtliche Verletzungen erlitten hat, die zweifellos durch Schläge mit dem Plättbolzen herbeigeführt waren. Eine tiefe Wunde be- fand sich dicht über der rechten Augenbraue, die- zweite an der rechten Schlafe. Das Gehirn zeigte sich infolge der Quetschung vollständig Bluwnterlaufe». Der Plättbolzen paßte genau in die Wunden. Der Sachverständige schließt aus dem ruhigen und be- sonnenen Benehmen, welches ver Angeklagte gleich nach der Thal zeigte, daß derselbe auch kurz vor uno während derselben keines- wegs von Sinnen gewesen ist, wie der Angeklagte behauptet. Als erste Zeugin wird die unverehelichte Günther ver- nommen, welche als Plätterin vielfach in der Wohnung der Frau Charles verkehrt ist und deren Lebenswandel genall kennt. Sie schildert Frau Charles als eine leicht reizbare, heftige Person, welche dem weit ruhigeren Angeklagten häufig Vorwürfe machte, weil er so wenig verdiente und nicht fleißig genug war. Es sei zwischen beiden häuflg zu Zank und Streit gekommen, bisweilen kam es auch zu Thätlichkeiten. Frau Charles habe häufig auch den» Maurer Grothe ihre Zuneigung geschenkt und denselben bei sich aufgenommen. Während dieser Zeit mußte der Angeklagte die Wohnung meide», bis er nach einiger Zeit wieder aufgenommen wurde. Sie hat aber auch mit dem Grothe vielfach Streit gehabt und auch diesen mitunter hinausgeworfen. Frau Charles habe wiederholt ihre Befürchtung ausgesprochen, daß Frauke ihr mal etivas Ernstliches anthun könne. Der Zeuge Grothe giebt zu, daß er seit vielen Jahren mit der Frau Charles in intimem Verkehr gestanden, er hat auch in den» Ehescheidungsprozesse, den der Ehemann Charles gegen seine Frau angestrengt hat, eine Hauptrolle gespielt. Gegen Weihnachten hatte er keine Arbeit, er hat damals bei der Frau Charles Aufnahme gesunden und für die ihm gewährte Kost kleine Handreichungen»m Haushalte geleistet. Eine Hausbewohnerin, Frau Marienfeld, welche die beiden Männer, die bei Frau Charles verkehrten, nur als„Onkel" und Schivagcr derselben kannte, bekundet, daß sie von dein Knaben Paul darauf aufmerksam gemacht worden sei, daß Frau Charles in der verschlossenen Wohnung krank liege. Der Knabe habe wiederholt gesagt, daß er die„Mutter" deutlich habe röcheln hören. Darauf hin haben Hausbeivohner dann einen Schlosser geholt und den in die Wohnung Eintretenden hat sich dann das grausige Mordsbild gezeigt. Der kleine Sohn des Angeklagten, ebenso dessen Bruder und Schwager, verweigern ihre Aussage. Der Polizeilieutenant P o d d i ck, welcher kurz nach der That mit dem Angeklagten in Berührung gekommen ist, vermag Nichts von Bedeutting zu bekunden. Kriminalkomniissarius Kühne erinnert sich, daß der Ange- klagte nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständniß cbgelegt Ä."5Tc���batke er zugegeben. daß in dem Augenblick, wo w?».■ r'J? definitiv den Abschied gegeben, bei ihm feststano, daß dieselbe uul die Ecke gebracht, Verden müsse. Er habe sich - 8eal'9?rh daß die Frau init dem Grothe hielt und ihn !n 1. Bnauswerfen wolle und die That mit Ueberlegung und Vorsatz vollbracht. Der Beamte bestreitet, daß der Angeklagte be- trunleil gewesen sei. Ann-n�i-���ltück ist das gerichtliche Geständniß des UM» .in. WWWWW""t«»1,1 nur U«V IrLfrffp gewesen mit seiner That und habe nun zur KMSSWS .l"tt dem Ausdrucke der Erwartung, daß die Geschworenen durch ihren Soruch dafür eintreten würden, daß der Angeklagte £nV L£ di? einzig richtige Strafe erhalte, nämlich den „ Der Bertheidiger suchte auszuführen, daß der erschwerende t v Ueberlegung keineswegs erwiesen sei, trotzdem der liigetlagte dies bei seinem ersten Geständniß selbst zugegeben -Sanje Verhalten des Angeklagten während und nach � �ie Annahme zu, daß derselbe von einer plötz- u etj e» tv e i f te-) t o v u n g befallen worden sei. Er bitte die Geschworenen ceshalb, die auf Mord lautende Schuldsrage zu verneinen.— Staatsanwalt K r o b i tz s ch erwiderte, daß die Frage ob der Angeklagte geisteskrank sei oder nicht, erst jetzt aufgeworfen wor- d?" ift» Da er nicht wissen könne, wie die Geschworenen dar- über denken, so stelle er den Antrag, wieder in die Beweisauf- nähme einzutreten und werde er dann einen zweiten Antrag da- hin stellen, daß der Angeklagte auf sechs Wochen in der Charitee einer Beobachtung unterworfen werde. Der Bertheidiger machte geltend, daß nach Schluß der Plaidoyers eine nochmalige Be- iveiserheoung nicht zulässig sei, der Gerichtshof stützte sich aber auf den§ 81 der St.-Pr.-O. und ordnete eine nochmalige Ver- des Sanitätsraths Dr. Mittenziveig, der'•— its°T,t- nehmung des Sanitätsraths Dr. Biirrenziveig, w« bereits entlassen worden war, an. Die Verhandlung mußte somit bis zur Herbeiholung des Sachverständigen auf unbestimmte Zeit vertagt 'verdenk Ter per Telephon berufene Sachverständige Sanitätsrath — Stelle, ivorauf die Ver- Dr. Mittenziveig beant- nOfct. vir J Zy----' Dr. Mittenzweig war sehr schnell zur In der nächsten April beginnt, wird der ist.,.»„" w- �4 uy cvtuuw qv**.— iflZ ,0CICelftt fei, dahin, daß für diese Annahme durchaus keine Anhaltspunkte vorlägen. Wenn der Angeklagte sich zur Zeit der «mrc I» eniem Zustande befunden hätte, wodurch seine freie Ailllensbestimmung ausgeschlossen worden wäre, so würde er sich spater nicht aller Einzelheiten mit der Genauigkeit erinnern tonnen, wie er es gethan. Der Staatsanwalt wiederholte seinen Antrag, den Slugeltagten nunmehr im vollen Umfange der An- ttage schuldig zu sprecheil, während der Verlheidiger aus feinem Antrag, den Angeklagten erst untersuchen zu Msen, beharrte. Der Gerichtshof hielt bei dem wohl- Mr WlWciI des Sachverständigen eine Untersuchung L ü'10 Ehnte deshalb den Antrag des Vertheidlgers ,,,,7.,??• Angeklagte, der das Recht des letzten Wortes hatte, be- UeLl%au%chT� er die That ohne ZWZMMW Urtheil wütete dem Antrage gemäß. -chmurarvichtspeviod-, die Mitte Sozinlo Iteberstchk. mi h J- o.'(U en' v � Sein Gutachten über alle ihm von h.n fi-*VOn? Leitung der Gesellschaft festzustellen- .� �.Erenzeil cm der Leitung, Ueberwachung und Begründung der zu Gunsten der Arbeitnehmer oder ihrer Familien etwa zu .i. soieil zu nehmen, e) An- trefsendeii Wohlfahrtseinrichtungen Theil zn nehmen. träge, Wünsche und etwaige Beschwerden bei der Leitung der Ge- sellschaft anzubringen und sich in den Sitzungen über dieselben gutachtlich zu äußer», t) Streitigkeiten der Arbeitnehmer unter einander zn vermitteln und thunlichst beizulegen, g) Im Verein mit den Mitgliedern des Krankenkassen- Vorstandes sich von Un- glücks- und Nothfällen in der Arbeiterschaft oder ihren Familien Kenntniß zu verschaffen und ihnen zu deren Abhilfe oder Linde- rung Beistand zu leisten, auch erforderlichen Falls Sln- träge zn stellen." Wie sich der„Arbeiterrath" zum Beispiel über etwaige Beschwerden der Arbeitnehmer gutachtlich äußern wird, kam, man sich denken, wesin man in Betracht zieht, daß wählbar in den Ausschuß mir solche Arbeiter sind, die mindestens drei ..... drei Diese Leute, agen werden, ..... en keine drei MMM-WW die Jahrein der Fabrik. Was'kann da dieser Die Kutscher der Firma C. F.|Uitte, Kopuicher pi'rtfjc 124, sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie erhielten am Sonntag Abend von dem Verein der Roll- und Last- kutscher zn Berlin ihre Unterstützung ausgezahlt. Die Lohnkom- Mission hatte Montag Vormittag nnt der Firma zu unterhandeln versucht; der Versuch ist aber als gescheitert zu betrachten, weil der Inhaber der Firma sich weigerte, die geforderten Löhne zu bezahlen. Von der Bestimmung, daß der Kutscher mit seiner ganzen Wirthschast für jeden Schaden, den sein Fuhrwerk eventuell anrichtet, haftbar sei, hatte er vielleicht Abstand genommen. Er hat auch die Absicht ausgesprochen, mcht alle Kutscher roicbVr einstellen zu wollen. Herr Witte hat ferner eine schwarze Liste zu den anderen hiesigen Speditionsfirmen geschickt, so daß keiner seiner früheren Kutscher in einem anderen Geschäft Arbeit erhält. Die Lohnkommission beruft zu nächstem Sonntag eine Versamm- lung sämmtlicher Roll- und Lastkutscher Berlins nach der Brauerei Friedrichshain ein. Es soll dort Beschluß gefaßt werden, was weiter anzufangen ist. Vorläufig ist Zuzug nach dem Witte'schen Geschäft fern zu halten. KoUrgrn! Wie Ihr ja schon aus den Zeitungen und Auf- ruf wißt, liegen wir, die Arbeiter der Firma Friedrich Siemens u. Co., Neuenburgerstraße Nr. 24, bereits jetzt 6 volle Wochen im Streik. Kollegen! Es ist ein schwerer Kampf, welchen wir zu bestehen haben, deshalb unterstützt uns in diesem gerechten Kampf, in pekuniärer, sowie in moralischer Hinsicht, und sucht den Zuzug strengstens fern zu halten von Schlossern, Drehern, Klempnern, Gießern, Formern, Kernmachern, Modelltischlern, Packern und sämmtlichen Hilfsarbeitern. Von Herr» I». Kröner! Uachf., Horn- und Kammwaaren- Fabrik, erhalten wir folgende Berichtigung:„Es ist unrichtig, daß ein Abzug am Lohne von 20 pCt. angekündigt worden ist; die Nothwendigkeit hat mich vielmehr gezwungen, lediglich bei einem einzigen Artikel den Arbeitslohn um 20 pCt. zu kürzen, was aus den Arbeiter höchstens einen Minderverdienst von 1 Mark per Woche ausgeübt haben würde. Die Arbeiter wären gleichwohl bequem in der Lage, 25— 30 Mark wöchentlich bei mir zu verdienen. Es haben auch thatsächlich, wie die Lohnbücher, die ich Jedem vorzulegen bereit bin, ergeben, die Arbeiter in den Vorjahren durchschnittlich 20—30 Mark in der Woche ver- dient und gerade die Streikenden haben seit dem 1. Januar d. I. durchschnittlich pro Woche verdient: a. in 4 Wochen lll,22 M., durchschn. pro Woche 27,80 M. b. c, tl. e. f. S- 10 5 10 10 10 10 267,14 119,95 239,08 220,51 206,18 160,96 26,71 23,99 23,90 22,05 20,61 16,10 pierbei ist zu berücksichtigen, daß Am Montag, zuweilen auch am Dienstag, nur sehr spärlich gearbeitet wurde, so daß bei regel- mäßiger Arbeit noch mehr verdient worden wäre.— Der Grund der Arbeitsniederlegung war nicht der angekündigte Abzug, denn darüber wäre eine Verständigung zu erzielen gewesen, sondern die an mich Seitens der Streikenden ergangene Aufforderung, meinen Werkführer, der bereits mehrere Jahre dem Geschäfte vor- sieht und der mein volles Vertrauen genießt, zu entlassen. Eine Ausforderung, der ich mich, als durchaus unberechtigt, natürlich nicht gefügt habe. Hochachtungsvoll K. Krönert Rachf., Jnh. März. Gestern Abend ist auf Schacht„Neu- Staßsurt", heute Morgen auf Schacht„Ludwig II" der allgemeine Streik ausgebrochen. Auf den beiden staatlichen Schachten ist die Lohnsrage dadurch gelöst worden, daß die Arbeiter 40 Pf. und die Handwerker 60 Pf. täglichen Förderungszuschuß erhalten._ VersÄttttnlungetr. Knn»u»mach«r. In der am Sonntag, den 28. dieses Monats, im Siemund'schen Lokale Linienstr. 8, stattgefundenen Versammlung der Kammnlacher Berlins in Bezug auf den Streik der Kammfabrik R. Krönert Nachf., Inhaber Siegfried Sorauer, Kästriner Platz 9, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: I. Von allen Anwesenden wurde der Streik als vollkommen berechtigt befunden, uns soll von allen Seiten durch alle zu Gebote stehenden Mittel unterstützt werden. 2. Es wurde eine Kommission gewählt(von nicht Streikenden), welche eine Einigung mit Herrn S. Sorauer herbeizuführen suchen soll, rm Fall einer Nichteinigung soll der Streik fortgesetzt werden. 3. Es wurde einstimmig angenommen, sich der Vereinigung der Drechsler Deutschlands anzuschließen und ,vird diesbezüglich am Freitag, den 28. März. Abends 8V2 Uhr, im Gartensaale des Herrn Feuerstein. Alte Jakobstr. 75, eine öffentliche Versammlung der Kammmacher und verwandten Berufsgenossen stattfinden. Eine Versammlung de» Fachvereins der Tischler fand am Montag, den 24. März, im Saale des Herrn Jlgre, Wilsnackerstr. 63, unter dem Vorfitz des Herrn Mertens statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Ter Werth der Verkürzung der Arbeitszeit. 2. Diskussion. 3. Werkstellenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zum ersten ledi'"'''' gehen,' daß, wenn sich bis zum 1. Mai IO OOO Kollegen dem Fach verein angeschlossen, wir in eine Lohlibewegung eintreten »vollen mit der Forderung: 8>/sstündige Arbeitszeit und 20 Mark Minimallohn." Es sei also Pflicht eines jeden Tischlers, sich unverzüglich der Organisation anzuschließen. In der Diskussion sprach zunächst H. Mertens und führt aus, daß sich das Interesse für eine Lohnbewegung jetzt ganz besonders zeige, indem in letzter Woche ungefähr tausend Mann ausge- nommen seien. Er wendet sich dann ganz besonders gegen die lange Arbeitszeit und fordert zur Organisation auf.— H. Mocko wendet sich gegen den Versaminlilngsbeschlnß, welcher besagt, daß 8V2 stündige Arbeitszeit und 20 Mark Minimal-Lohn gefordert werden sollen, er will 21 Mark und 8 stündige Arbeitszeit durch- geführt wissen.— H. Vaumann ist mit dem Beschluß einver- standen und hält es bei der jetzigen Organisatiou nicht für möglich, mehr durchzuführen, es mögen sich nur mehr der Organisation anschließe», dann würden wir auch mehr gewinnen und vielleicht ohne Streik.— Bei Werkftellen- Angelegenheiten macht H. Schulz auf die Löwesche Fabrik aufmerksam, wo bis a. 8. Werkstellenangelegenheiten. Punkt sprach Herr Millarg» zu 12 Stunden gearbeitet wird. Da aber aus der Löwe'schen Fabrik Niemand anwesend ist, kann es nicht festgestellt werben. Es würben dann die Herren Fleischer und Baumann als Werkstattkontroleure in Vorschlag gebracht, welche sich auch bereit erklärten, die Werkstellenverhältnisse zu untersuchen. In seinem Schlußivort glaubt Herr Millarg an den Beschlüssen festhalten zu müssen, da mehr wohl nicht zu er- reichen ist, denn wir hätten auf keine große Hilfe von Außerhalb zii rechnen, es seien schon 32 Städte für den Streik in diesem Jahre angemeldet und unsere Organisation verspreche uns durch- aus nicht mehr. Er ermahnt darum dringend, sich dem Fach- verein anzuschließen, wenn wir erst gut organisirt sind, werden wir nicht mehr das zweischneidige Schwert des Streiks anzu- wenden brauchen, um unsere gerechten Forderungen zur Durchführung zu bringen, sondern wir werden es auf friedlichem Wege erreichen. Da weiter nichts vorlag, schloß der Vorsitzende um II Uhr die Versammlung. Di« Freie Verriniguttg der Harkouarbriter hielt am Montag, den 24. März ihre regelmäßige Versammlnng ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Diskussion über die Beschlüsse der öffentlichen Versammlung. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Den ersten Punkt der Tagesordnung leitete Kollege Möglich ein. Er, sowie die sich zahlreich an der Debatte betheiligenden Kollegen sprachen sich dahin aus, daß unbedingt an der Forderung der achtstündigen Arbeitszeit festgehalten werben müsse. Einige der Redner sprachen sich gegen eine Vetheiligung der Arbeiterinnen aus; die Zeit bis zum 28. April sei zu kurz, nm die große indifferente Masse aufzurütteln; wenn die Arbeiter ihre Forde- rung durchgebracht, sei es ein leichtes, auch die der Arbeiterinnen durchzubringen; jetzt könnte es ein Hemmschuh sein. Andere Redner sprachen sich dagegen für eine Betheiligung der Arbeiterinnen schon an der jetzigen Bewegung aus. Ein Antrag, an den in der öffentlichen Versammlung gestellten Forderungen, vor- nehmlich der Achtstundenarbeit, festzuhalten, ivurde einstimmig angenommen. Es wurde angeregt, sich niöglichst zahlreich an der Zeichnung in den Listen für den Achtstundentag zu betheiligen, und dieselben auch im größeren Maßstabe den Arbeiterinnen zu- gänglich zu machen. Ebenso wurde ein Antrag angenommen, den Vorstand zu beauftragen, in Gemeinschaft mit dem Vorstand des Papierarbeiterinnen-Bereins an die Prinzipale ein Zirkular zu senden, in dem gesagt ist, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen der Kartonbranche am 1. Mai nicht arbeiten. Unter Verschiedenem ivurde auf den Ausruf des Herrn Bruno Wille im„Ber- liner Volksblatt" aufmerksam gemacht, welcher die Gründung einer„Freien Volks-Bühne" empfiehlt. Nachdem der Fragekasten erledigt, schloß die Versammlung. Fachverein der Tapezirer. Nm 18. März fand die regel- mäßige Mitgliederversammlung des Fachvereins der Tapezirer bei Feuerstein statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Tolinsli über Zeit- und Stücklohn. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Bevor zur Tages- ordnung über gegangen wurde, gedachte der Vorsitzende des ver- siorbenen Kollegen Hagenschneider, dessen Angedenken die An- wesenden durch Erheben von den Plätzen ehrten. Hierauf erledigte sich Herr Dolinski seines Vortrages, welcher großen Beifall fand. Die hierauf folgende Diskussion war eine sehr leb- hafte, im Sinne des Referats. Unter Vereinsangelegenheiten ivurde ein Schreiben vom Vorstande verlesen über Gewerbe- Schiedsgerichte, welches durch Herrn Zubeil der Stadtverordneten- Versammlung unterbreitet werden solle. Ferner kam man auf die verschiedenen Arbeitsnachweise im Tapezirer-Gewerbe zu sprechen, ein diesbezüglicher Antrag vom Vorstande,„das Ar- beitsnachweis-Viireau vom Fachverein bezw. alle anderen ein- gehen zu lassen, zu Gunsten eines neuen, von einer öffentlichen Versammlung zu wählenden, der Oeffentlichkeit gehörigen Bureaus, um dadurch die Einigkeit unter den Kollegen wieder herzustellen", wurde vorläufig vertagt.— Folgende Anträge wur- den einstimmig angenommen:„In Zukunft nur solche Hüte zu kaufen, welche mit Arbeiter-Kontrolmarke deutscher Hnttnacher versehen sind. Ferner: Bon Blnmberger Bauern keine Produkte zu kaufen, ebenfalls die Zigarren-Geschäste von Martienzen zu meiden, wegen Maßregelung." Zwei KezirZlsvrrsammluugeir der freien Vereinisung der Maurer Kerlins nud Zlmgrgend fanden am Sonntag, den 23. d. M. statt. Die erste tagte im Lokale„Südost", Waldemarstr. 75, die zweite im Westen, Königshof, Bülowstr. 37. Den Vorsitz der letzteren Versammlung führte Herr Hanisch. Die Tagesordnung in beiden Versamnilungen war gleichlautend. Auf der Tagesordnung stand: 1. Unsere Agitation zur Durch- führung der neunstündigen Arbeitszeit. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. Zunächst ergriff Herr Hanisch das Work und schilderte unsere heutige Lage, daß durch die maschinelle Ent- Wickelung, welche immer mehr um sich greift, die Mehrzahl der Arbeiters sich einem Beruf zuwendet, welcher von der Konkurrenz der Maschine ausgeschlossen ist, daher das ungeheure Ueberangebot von Arbeitskrästen im Maurergewerbe. Deshalb ist es dringend nöthig, die Arbeitszeit zu verkürzen, damit der Arbeiter, welchem Pflichten von Seiten des Staates auferlegt werden, auch Brot für sich und seine Familie hat, denn gerade der hierorts ansässige Kollege liege auf dem Pflaster, wohingegen junge Kräfte von außerhalb importirt werden, und hier angekommen, sofort in Arbeit treten; Redner ist der Meinung, daß hier eine Aenderung geschaffen, verden muß, wozu aber eine straffe Organisation, welcher sich alle Kollegen anzuschließen haben, nöthig ist, ebenso daß jeder Maurer, welcher in Berlin arbeitet, moralisch ver- pflichtet ist, sich der bestehenden Organisation anzuschließen, um geschlossen bessere Lohn- und Arbeitsbedingiliigen zu erreichen. In der Diskussion sprachen die Herren Ferkel, Maeiejewski, Freidank und Engelmann, welche sämmtlich der Ansicht waren, daß in den Zuständen des Maurergewerbes eine Aenderuna Platz greifen müsse, daß der Arbeiter, welchem Pflichten gegen Staat und Kommune auferlegt werden, ebenfalls ein Recht auf Arbeit hat. Die Resolution, welche in den beiden vorhergehenden Bezirksver- sammlnngen angenommen wurde, gelangte ebenfalls einstimmig zur Annahme. Unter„Verschiedenes" verlas Herr Schigolski einen Artikel der„Berliner Grundeigenthums- Zeitung(des Organs der Bauinteressenten) worin von Seiten des Nnternehmerthums zugestanden wird, daß man sich für den Fall eines Streiks vorgesehen hat, den üblichen Lohn und Arbeitszeit(60 Pfg., 9 Std.) zu bewilligen, jedoch man de- strebt ist, den lOstündigen Arbeitstag schon jetzt einzuführen, und welche Maßnahme die Befürwortung dieser Herren findet. Hier- auf machte der Vorsitzende noch bekannt, daß am 1. Osterfeiertag im„Böhmischen Brauhause" eine Matino stattfindet und Billets bei dem Vorstand zu haben sind, und schloß nach Erledigung einiger gewerkschaftlichen Fachverein der§ rufogenojfe» Kerlins. sammlung fand am Sonntag, den 23. d. Mts., in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstraße 43a, statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Wie verhält sich der Fachverein zu den Beschlüssen der öffent- lichen Versammlung? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zu Punkt 1 entspann sich eine lebhafte Debatte, da verschiedene Red- ner mit den Beschlüssen nicht einverstanden waren, doch endigte dieselbe damit, daß sämmtliche Beschlüsse, welche in der öffent- lichen Versammlung gefaßt wurden, von der Generalversamnilung anerkannt wurden, und treten demnach am 15, April 1890 folgende Forderungen in Kraft: Neunstündige Arbeitszeit täglich, Montags und Sonnabends eine Stunde weniger, und um den dadurch entstehenden Minderverdienst zn decken, einen Zuschlag von 10 pCt. Unter Verschiedenem wurde über die Werkstatt von Mix n. G e n e st, Neuenburgerstraße, die Sperre verhängt. Sodann legte Kollege Jakobs sein Amt als Vorsitzender nieder mit der Motivirung, daß er nicht im Stande sei, vorstehende Forderungen zur Durchführung zu bringen. Schluß 1 Uhr 10 Minuten. ««OUtnb Seine in Uiedsef. Yisr. Herrmannstr. er. _......|.. Jeden Donnerstaz Abend o Uhr Restaurant Vatiler. Herrmannstr. sc. Gäste durch Mitglieder eingeführt, haben Zutrilt. Fachorrrin der Piapierardeitrrinnen»»td»erw. Krrnsszeiiosten. Mittwoch, den es. März. Versammlung im Königstadt Kasino. Tagesord- nung: 1. Vortrag des Herrn Baginski über die Prostitution, eine Folge der lapitalistischen Produkti0"swetse. s. Dislusflon. 3. Verschiedenes und Fragelasten. Gäste, Tainen und Herren, haben Zutrilt. Grosse öffentliche ztrrfominlung aller in der Wirkerei beschäftigten Ar- beiter und Arbeiterinnen. Donnerstag, AbendS 8% Uhr, im llcinen Eaale des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Allee 11—13. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Max Vaginski. Dtstusston. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Wirlerinncn ist dringend erwünscht. Grofie öffentliche Kou»»»nal-Uäl»lerver>a»unlung dm Mittwoch, den 2S. März, Abends 8 Uhr, ln Lehmanns Salon, Schwedterstrahs rs. Große öffentliche Nerfaunninng der Freie» Gemeinde für Uirdorf nnd zr»>oesc»d an, Mittwoch, den 28. März, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Riesegl, Bergstraße I2S, Fese- und Diskntirlilud Internationale hält seine Sitzung am Mitt- woch, den 27. Alärz, Abends 8 Uhr, Kieine AndrcaSstr. is, ab. Große öffentliche Nersa»»»l»»g der Wechantleer, Gptilrer, Zlhr- »lacher, chirurg. nnd anderer Instrumcntenmacher-lerlino am Don- nerstag, den 27. März er., AbendS 8 Uhr, t» JoevS Etablissement(fr. Keller), Andreasstr. 21. Tagesordnung: l. Die Verkürzung der Arbeilszcit und ihre Bedeutung für dte Arbeiter. Referent A. Gerisch. 2. Dtskussion. 8. Stellungnahme zu den am 20. Norember vorigen Jahres gestellten Forderungen. 4. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Psticht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. Sie Kranken- und Krgräbnihkaffe de» zterein» sämmtlicher Ke» rnfoklaffe», Verwaltungostelle Berlin I, hält Sonnabend, den 28. März er., Abends 8 Uhr, bei Wollschlüger, Blumenstraße 78, eine Versammlung ab. Tagesordnung: Kassenbericht. Gcschästltches. Mtttheilungen. Modelltischler Kerlin» nnd Umgegend. Große öffentliche Versamm- lung am Mittwoch, den 20. März, Abends 8 Uhr, im Restaurant Weddingpark, Müllerstr. 178. Lachverein der Wetallschraube»-, Larondreher und Kernfegenossen Sonnabend, den 29. März, Abend« 8% Uhr, in den Bürgersälen, Dresdener- straße 90: Großer Wiener Maskenball. Baginski über Streik. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. ist Psticht eines jeden Kollegen z» erscheinen. Da» Arbettonachwriseblirean drs Drrbandeo der Dergolder, Gold- Dte und ist für >. Die Aus- Sonntags von Sergolder find gehalten, nur den ArbettSnach- leistenard.»»d Mitglieder und gäbe der Adrcffl 10 bis 12 Uhr Morgens. weis zu benutzen. Achtung MetaUarlieiter! Der Zentral-ArbeitSnachweis des Allgemeinen Metallarbeiter-Beretns Berlins und Umgegend befindet fich vom l. April Wallstr. 7—8, nnd ist derselbe an Wochentagen geöffnet von Morgens 8 bis 12 und Nachmittag« von 2 bis« Uhr. Die Adressenausgabe ist für stimmt- ltche Branchen unentgeltlich. Gesang-, Turn- nnd gesellige Dereine am Mittwoch. Männer- acsangvcretn„Jugendlust" Abends 8% Uhr im Restaurant Passov, Garten- straße 102.— Männergesangverein„Eäcilta" AbendS s Uhr im Restaurant Köpenilkerstr. 127a.— Gesangverein„Männerchor Linde" AbendS 8% Nhr im Rsstaurant Haller, Raunhnslr. 70.— Männergesangverein„Sangesfrcude" AbendS 0 Uhr im Restaurant Musehold Landsberäorstr. ai.— Gesangverein „Freya" Abends a\ Uhr im Restaurant Bcnccke, Große Hamburgerstr. 10.— Huppert'fche Sängsrvcreintguna jeden Mittwoch nach dem Ersten im Monat, Abends 9 Uhr im Restaurant Heise, Lichtenbergerstr. 21.—„Seeger'scher Gesangverein" AbendS 9 Uhr im Restaurant Schulz, Prenzlauerslr. 41.— Gesangverein„Schwungrad" Abends 8% Uhr im Restaurant Sahm. Slnncnstr. 10.— Münnergcsangverctn„Lorbeerkranz" Abends» Nhr im Restaurant Karsch. Oranienstr. 100.— Gesangverein„Nord-Jubal" Abends s Nor in Wettiins BierhauS, Beteranenstr. is.— Gesangverein„Unverzagt" Abend« s Uhr Köp- niclcrstr. 127a bei Greving.— Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Doberstein, Mariannenstr. 31—32.— Gesangverein �Sängerrunde" Abends 8% Uhr Buckowcrstr. 9.— Verein„Sanqestrene" im Restaurant Henkel, Brüderstr. 20 l. Nebungsftunde von 8�—11 Uhr Abends. — Gesangverein„Bruderbund" Abends 0 Uhr bei Piitzoldt, Reichenberstr. 10. — Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr Sitzung im Nestau- rant Stehmann, Aielchiorstr. 18.— Lübeck'scher Turnverein(1. Lehrlings- Abthetlnng) Abends 8 Uhr Elisabethstr, 57—68.— Turnverein„Wedding". Pankstr. 9. Männerabtheilung von 8%— 10% Uhr Abends; desgleichen 1. Lchr- lingSabtheilung von 8—10 Uhr Abends,—„Mehr Licht", Berein für Scherz und Ernst, Abends 8% Uhr im Restaurant Held, Fruchtstr. 80a.— graphie Abend? 8jj Uhr im Restaurant Beese, Alte Schönhaüse'rstraße 42 Unterricht und Uebungsftunde.— Roller'scher Slcnographenverein Süd-Berlin AbendS 8% Uhr im Restaurant Prtnzenstr. 87, Sitzung und UcbungSstunde,— ArendS'scher Stenographen-Verein„Amicitia" Abends 82 Uhr im jRestanranr Bchrends, Schönebergerstr. 8.— Arends'scher Stenographenverein„Philia" Abends 8 Uhr im Restaurant„Wilhelinsgartsn",Kochltr. 7.— Stenographische Gesellschaft ArendS im Restaurant Bürgergarten. Ltndenstr. 105. Unenlgelt- ltcher Unterricht und Uebnng.— Berliner Rauchklub„Wrangel" Abend« 9 Uhr im Restaurant Foge, Köpnickerktr. isi.— Slauchtlub„Havanna SO" Abends 8% Uhr im Restaurant Paitzoldt, Reichenbergerslr. 10.— Rauchllud „Gemüthitchleit" Abend« 9 Uhr>m Restaurant Achsel, Köpnickerftr. 101.— Rauchklub„Columbia" Abends Uhr im Restaurant Beyer. Prtnzenstr. so, — Rauchtlub„Frisch gewagt" Abends 8% Uhr im Restaurant Tempel, Are«- lauerstr. 27.— Rauchtlub„Vulkan" AbendS s Uhr im Restaurant Schulz, Gräfestr. 62.— Frledrtchsberg. Rauchllub„Nordstern", Lippe'« Rcstauraui. Friedrich-Karlstr. 11.— Vergnügungsverein„Fröhlichkeit", gegründet isso, Abends 9 Uhr, Grüner Weg 29.—„Pollack-Club-Eintracht", jeden Mittwoch» Abends 8% Uhr bei®. Thiel, Wtenerstraße 83.— Gesangoeretu der Tapezlrer BerllnS, jeden Mittwoch Restaurant Seydelftr. 80, von 9—11 Uhr Abends.— Unterhaltungsverein„Harmonie", Sitzung Abends» Uhr Dresdeuerstr. II!» bei Mendt.— Tambourverein„Exelstor", 8% Uhr. UebungSstunde bei Böhl. RüderLdorferstr. 8. Ausnahme neuer Mitglieder.— Mannergesangveriln „LtedeSsreiheil", Abends 8% Uhr im Restaurant Henke, Blumenstt. ss. (Molffs Trlegraphrir-Knrran.) Hrpslau, Dienstag 25. März. Der Redakteur des hiesigen sozialdemokratischen Organs nnd Reichstagsabgeordnete für Halle, Kunert ist, wie die„Schlesische Zeitung" erfährt, wegen MajeMs- beleidigung gestern verhaftet worden. Soeben erschien: Host 5 Robert Rlum und seine Zeit. Von Wilhelm Liebknecht. Vvt\t pro Heft 25 Pf. �Medrrurrliimf«?«rlfalten Naßatt. Zu beziehen durch die EipetUtion, Ziinmerstrasse 44. Das gr. Lager Berlins. I St. u. K. 33 Thl., Reichenbergerstr. 66, it. Andreasstr. 23.|8 Tr. Müller. 438 Zur frühen«. pünktlichen Besorgung des„Berliner Volksblatt" empfiehlt sich die Zeitungs-Spedition von 330 Gustav Scdildt, Wteuerstr. 1, Laden Filz- und Seidenhute für Herreu und Knaben, sämitltlich mitKontrolmapke, empfiehlt zu billigsten Preisen die Hut- Fabrik von A. Rossdentscher, Maldemarstr. 68, am Mariannenpl. Wo giebt's eine gute Weisse» sowie guten alten Nordbänser? 227 Bei Wa Haugkf Welnstr. 22. Zwei Herren können bei einem Parteigenossen zum 1. April freundl. Schlafstelle miethen. Gr. 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'Thiel, Fruchtstr. 59. Mündt u. Ko., Fruchtstr. 36. Steinbock, Fruchtstr. 72. Rüskler.„ 32. Bach,„ 31. Barth,„ 8, Ziethen, Fricdenstr. 94, Wolter,, 44. Salzniann,„ 48. Gramer, Fehrbellinerstr. 31. Bretnitz,„ 31. Equitz, Frankfurterstr. 106. Schüler, Friedrichsbergerstr. 15. Krassel,„ 15, ......- 4 12. .— o•*».,») 44. Kasten u. Ko., Gubencrstr. 59. Apel, Gartenstr. 158.'s Hübner, Grüner Weg 19.-K Arnold, Gesundbrunnen, Sttaße 76. Walter, Krautstr. 33. Apelt,.. 52. Wanderer,„ 52. Doppert,, Sa. Ehrlich,„ 48b, Toppert u. Engel, Koppenstr. 21. K. Paschlow, Köpnickerstr. 134. —-"ff -./- r~~ T~—"»»|. 169. pobrecht, Karlstr. 37. �»nze, Kastanicnallce 19«. 20, Lipke, Kochstr. 8. Püschel, Koppenstr. 39. Brachnitz, Luisen-Ufer 9. Spohn, Lausitzerplatz 4. Mertenz, Lausitzcrstr. 14. Mayer, Langestt. 58. Mester, Manteuffelstr. 5, Arndt.„ 113, Netz. Mauerstr. 83. Philipp, Manteuffelstr. 113. Treue, Skalitzerstr. 101. Fischer, Reichenbergerstr. 134. schön u. Jurk, Schlesischestr. 6. Rosinsky«. Haß. Reichert u. Ko., Rheinsbergerstr. 69, Büchler, Pallisadenstr. 47. Freimuth, Rüdersdorserstr. 26, jefchle, Alexanderstr. 29, Türk, Veteranenstt. 25. Esch. Skalitzerstr. 18. Kinow, Pappel-Allee 109. Rose, Manteuffelstr. 57. Heinrich, Oranienstr. 23. iloch, Pallisadenstr. 2. Nothmann, Neue Hochstr. 20. Rohwer, Ritterstr. 11. Lange u. Ko., Rüdersdorserstr. 26. Lück, ZtheinSbergerstr. 32. Völker, Reichenbergerstr. 142. Gursch, Steglitzerstr. 17. Schieber, Swinemündcrstr. 124. Steht, Weberstr. 15. tilner, Posenerftr. 14. ethke,„ 14. zöhne, Reichenbergerstr. 142. vabbert Nachs., Ritterstt. 49. Großmann, Wasserthorstt. 17. Otto, Schönhauser Allee 33. Rogge, Sellerstr. 5. Kleiber, Mariannenplatz 13. Gully, Wasserthorstr. 63. Restle, Stettinerstt. 24. Kastner, Pallisadenstr. 32. Reißner,„ 32. Lindner, Wasserthorstt. 36. Misch, Wafferthorstr. 11 u. 12. Kroll, Friedrichsberg, Friedrich- Karl- straße 83. Kießling, Waldemarftr. 59. Lindemann. M iJUIgern. IMeialBaHbeitei«- Verein und Umgegend. Grosse Versammlung am Donnerstag, den 27. März, Abends 8� Uhr, . Lehmann's Salon, Schwedterstraße 23— 24. Tages-Ordnung: ,!. Vortrag des Herrn Wilhelm Schweizer: Wie verhalten sich die I Metallarbeiter am 1. Mai. 2. Diskussion. 8. Der Streik der Arbeiter von der Firma Friedrich Siemens u. Komp. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Verschiedenes, Fragekasten. I Jn dieser Versammlung sind Fragebogen zur Statistik der Metallarbeiter entgegenzunehmen und ausgefüllte abzuliefern. Der Vor st and. Reinhold Unger, Kesselstt. 20. Durch die Geburt eines kräftigen Jungen wurden hocherfreut 450 W. Marquardt nebst Frau, Ritterstr. 124. Unserm Kollegen und Genossen Alb. Scharnow zu seinem heutigen Ge- burtstag ein dreimal donnerndes Hoch! daß die ganze Prägerei wackelt. Die Nachffchieber von Litthauer u. Boysen. Große öffentliche Versammlung smmtlicher im Farbereigemerve besGjt.HWttbeiter am Mittwoch, 26. März, Abends 8 Uhr, in Renz' Salon, Naunynstr. 27. Tages-Ordnung: .. Der Stteik in der Färberei G. Barnewitz und wie verhalten sich die I Kollegen anderer Färbereien hierzu. Referent Herr Emil Schade. 2. Ver- I schiedenes.— Um recht zahlreiche Betheiligung ersucht I 468 ttr Ginbrrnfer. Große öffentliche Versammlung i sammtlilher gmerblicher Kiljsarbeiter Berlias rnö ' NM Donnerstag, den 27. März, Abends 8 Uhr, in Gründer s Salon, Schwerinstraße Nr. 13. Tages-Ordnung: 1. Vorttag des Herrn Th. M e tz n e r über: Der Achtstundentag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasien. Alle Arbeiter werden ersucht in dieser Versammlung zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der Ginvrrufer. H. Borchert. Hubner,„ 8. Räbinger. Oranienstr. 23. 14. /---- r"""1— Kurth, Bernauerstr. 108. Aktiengesellschaft vormals Pietschmann, Brunnen stt. 28. Ehring, Blumenstr. 38. Krause, Barnimstr. 41. Weber, Bernauerstr. 98. Sucker, Fruchtstr. 72. Jäkhel, Friedenstt. 35. Steinbock, Fruchtstr. 72. iöS'; n. Kleist, Grüner Weg. Groschkuh, Gollnowstr. 19. Lebuwski, Georgenkirchstt. 64. Wetzet, Giffchinerstr. 63. Lehmert, Große Hamburgerstr. Prächtel, Krausensttaße. Schubert, Kastanien-Allee 10. Oestmann, Koppenstr. 71. Neukirch, Krautstr. 87. granz Müller, Krautstr. 37. bel u. Neumann, Krautstr. 39. Meißner, Langestt. 63. Riehl, Memelerstt. 8. Abend 8 Uhr, findet im. berger Allee 11—18, eine Nerjautmlung des Berlins statt. Tagesordnung: Weitere Berichte Forderungen bewilligt worden sind. sink,' Reinickendorf, Provinzstr. 43. „ttug, Prenzlauerstr. 52. Lehmann, Pallisadenstr. 84. Mahserer,„ 82. Suhs.„ 76. Richter.„ 20. Schwazbach„ 75. Winter, Rückerstt. 6. Pietsch, Rosenstr. 21. Unruh, Ruppinerstr. 44. Stengel,„ Sa. Möbelfabrik von Müller, Ruppinerstr. 5. Roll. Schillingstt. 33. iiiiehle, Schwedterstr. 5. Neumann, Stettinerstt. 27. Hampel, Weberstt. 41. Graupe, Wolgasterstr. 1. L. Arnold, Waldemarstt. 55. Kurzner, Reichenbergerstr. 57. Steffe bei Janke, Reichenbergerstr. 63. Burggraf, Rüdersdorserstr. 47. rnischen Dranhaus. Lands- Verbandes der Möbelpolirer über Werkstellen, wo unsere [458 Achtung! Grosse öffentliche Versammlung aller in der Gold- und Silberwaaren-Branche beschäftigten Arbeiter. Donnerstag, 27. März, Abends 8V2 Uhr, in Orschel's Salon, Sebastianstr. 39. Tages- Ordnung: 1. Ueber die Verkürzung der Arbeitszeit und den achtstündigen Arbeits- tag. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 457 Zur Deckung der Unkosten findet Tellersamnilung statt. Der Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufe r. DanKfrtgmtj*. Allen, welche meinem lieben, mir unvergeßlich bleibenden Mann, dem Schankwirth Aug. Rochlitz die letzte Ehre er- wiesen haben, besonders Herrn Prediger Grauenhorst für die mir.so trostreichen Worte, den Verwandten und Freunden für die in reichem Maße gespendeten Kränze und Blumen, dem Ver- ein der Berliner Gastwirthe, der Weißbierbrauerei von I. Böhm, der Unionsbrauerei, dem Herrn Carl Radicke, dem Herrn Winkler und den Herren Musi- kern, sowie Herrn Meißner und den Sängern sagen ich und die Hinterbliebenen unfern aufrich- tigsten Dank. 466 Berlin, den 25. März 1890. Reichenbergerstr. 107. Frau Louise Rochlitz, geb. Hitschfeld. Danksagung« Allen Bekannten und Freunden hier« mit herzlichen Dank für die Theilnahme beim Begräbnis; meines Mannes, tti»« besondere den Herren Chefs und dem Personal der Firma Förster u. Jtunger, Siwie den Kollegen und Arbeitern der irma Geisler u. Kanoiv, und dem Prediger Herrn Krüger für seine trost- reichen Worte. 462 ittwe Drcock nebst Kindern. El Möbel, Spiegel und Polsterwaaren, reelle IWaare, solide Preise. Game Ausstattungen in Mahagoni und Nußbauni. Kücheunrobet in gr. Schäfte-Branche. Gesperrt sind folgende: Max M e y er, Neue Friedrichstr. 39. K r a u t>v u r st, Gr. Frankfurterstr. 57. Mathias u. Bürger, Kürassier- straße 16. Mohr, Elisabeth Ufer 20. Perlich, Elisabeth Ufer 19. Vater, Kurze Sttaße 4. Oppenheim u. Söhne. 3! a t h, Neue Friedrichsttaße. Herzberg, Friedrichstr. 250. L o o b, Annenstraße. I Schulz. Neue Roßstr. 11. Wittig, Fruchtstt. 47. Leiser, Kaiserstt. 38. Franzisky, Manteuffelstt. 102. Bergschmidt u. Lange haben ' bewilligt. Diejenigen, welche an solchen Stellen arbeiten, sind als Sttoikbrecher zn betaachten. 464 Arbeitslose Kollegen und Kolleginnen haben sich auf dem Streikbureau der Schästebranche bei Reger, Alte Jakobstr. 83, zu melden. Die Lohnkommissto«. Mell-ilMlidlilemiiMDbrik Georg Sichläng_.----- 29 Große Franllfnrtrrstr. 39 8 v»!l! Sramlc n. Wmw. WM« stmmMch, Neuheiten der Frhhiahre.S.i...■_L'»»d I J.okeuT WW�dJaen�-'jpe'eto�" osn*- 1 feinere mit Griechen-Aermel von 15 Mk.. gedieg. Frauen-Mäntel i kr SP Möbel,% Alexandrinenstr. 43, Ckminnnl»Mil Verliehen gewesene Garnituren, Paneel-Sophas, OUIcUcI UuU Bniieta, Schreibtische in mahagoni und Nußbaum Polsterwaaren" Gasmotore empfiehlt die Dresdener Gasmotoren-Fabrik MorMz Hille. 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