Nr. 74. Freitag, de« 38, März 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Inierefsen der Arbeiter. Das„Berliner Volkslilatt" erscheint täglich Morgen? aubcr nach Sonn- und Festtagen. Abonnementüpreis für Berlin frei in'S Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 3 Pf. Sonntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonncmcnt 3�0 Mark pro Quartal. (Eingelragen in der PostzcitungSprcisliste für 1390 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband» täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterrcich-Ungam 3 Marie, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die S gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzelgen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstrabe 44, sowie von allen Annoncen-Bureanx, ohne Erhöhung des" Preises, angenommen. 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Daß die oppositionelle Presse allerorts gegen die Offiziösen scharf in das Zeug geht und endlich die Be- seitigung des Treibens dieser Koterie mit allem Nachdruck fordert, ist erfreulich und wird, so hoffen wir, nicht ohne Erfolg bleiben. Denn gerade in diesen Tagen hat es im offiziösen Hexenkessel wieder geschmort und rumort, daß es eine Art war. Den scheidenden Kanzler haben seine Offiziösen ein Abschiedskönzert bereitet, als ob sie sich da- mit den„kommenden Männern" empfehlen, ihre Leistungsfähigkeit zeigen wollten! Wir würden uns freuen, wenn all diese Liebesmüh' vergeblich märe, aber wer mag heute wissen, wie es kommen wird? Das Püblckum wird mit dunklen und drohenden Notizen über- schüttet; die'„Kölnische Zeitung" meldet gar von beson- deren militärischen Maßnahmen gegen„Ausschreitungen Iseuillekon. »lachdruck wdoten.] [16 Der Mord ans denr Kalle. Alls dem Leben einer Kreisstadt. Von I. S. P an o w. Ta ich mich nicht verletzt, hatte ich doch die Geistesaegen- wart, die von Fräulein Bobroiv hinausgeworfenen Gegenstände vom Boden aufzuheben. In der Hast faßte ich das Nasir- messcr bei der Schneide, da ich nicht bemerkte, daß es gc- öffnet war, und verwundete mich schwer an der rechten Haild- fläche. Ich lief zum Zaun, stieg über denselben und befand mich auf dem„Hellen Platze". Glücklicher Weise befand sich dort, niemand. Ich kam nach Hause gelaufen und legte mich, ohne mich auszukleiden, zu Bett." Hier unterbrach Jtschalow seine Erzählung; seine Brust hob sich schwer; nachdem er einige Sekunden allsgeruht, fuhr er fort: — Wie soll ich. Ihnen das Entsetzen schildern, das dieser Vorfall in mir erregte? Mein Geivissen peinigte mich. Weshalb hatte ich nicht gerufen, Anna Dmitriiewna nicht zurückgehalten? Sie hätte vor Schreck das Rasir- Messer fallen lassen und Fräulein Rnslanow wäre gerettet gewesen.' — Hatten Sie am folgenden Tage eine Zusammenkunft mit Fräulein Bobrow? — Ja. Am folgenden Morgen stand ich sehr früh auf «nd befahl dem Diener, diese und jene Sachen in einen der Sozialdemokratie"; andere offiziöse Blätter malen die Folgen des Arbeiterschutzes für die Zukunft in den schwärzesten Farben aus und behaupten, die Herabsetzung der Arbeitszeit in den Staatswerkftätten werde die„Be- g e h r l i ch k e i t" der Arbeiter steigern. Auch von den er- dichteten oder mindestens unerhört übertriebenen oder ausge- bauschten Wahlexzessen ist wieder viel die Rede; auch nach den Behauptungen dieser Blätter ist Deutschland noch niemals von so allgemeinen und schrecklichen Gefahren bedroht gewesen, als in diesem Augenblick, da der Herr. Reichskanzler aus dem Dienste scheidet. So- gar der europäische Friede ist angeblich dadurch in Frage gestellt. Seit Jahren beunruhigt nun diese offiziöse Presse 'das Publikum mit ihren Allarmnachrichten. Dieser Zu- stand ist ein unerhörter und kann auf die Dauer nicht gut thun. Er muß beseitigt werden, früher oder später. In den letzten Wochen hat die offiziöse Presse es mehr als einmal erleben müssen, offiziell dementirt zu werden. Dadurch war auch dem größeren Publikum die Gelegenheit gegeben, Einsicht zu nehmen von der Art, wie diese Presse mit der öffentlichen Meinung umspringt. Das Uebel ist von zwei Gesichtspunkten aus aufzu- fassen. Zunächst ist es freilich der offiziöse Apparat mit Welfenfond und P r e ß b u r e a u, der die ge- schilderten Wirkungen hervorbringt. Eine Anzahl Jour- nalisten, schmiegsame Leute, die für baares Geld bei Jedermann Dienst nehmen, wie einst die Landsknechte, erhalten eine Parole und melden diese Parole an die ver- schiedenen Blätter, zu denen sie in Beziehung stehen, im In- und Ausland. Ein Blatt druckt dem anderen die Aeußerungen nach, der Telegraph trägt sie, entsprechend zugestutzt, nach allen Richtungen die Windrose und die „ ö f f e n t l i ch e M e i n u n g" ist gemacht. Man kann ohne Schwierigkeit begreifen, daß die Köche am offiziösen Hexenkessel etwas voraus sehen müssen, ohne das sie ihr Gebräu nicht an den Mann bringen können, nämlich eine geradezu fabelhafte Leichtgläubigkeit des großenPublikums, Diese Leichtgläubigkeit ist vorhanden und man hat kein Recht, über die biederen Landbewohner zu sprechen, welche annehmen, eine Sache müsse wahr sein, wenn sie„nur gedruckt" im Blatte stehe. Dieser kindliche Köhler- glaube besteht in den großen und größten Städten noch im vollsten Maße. Das große Publikum läßt sich von dem Schein der „Autorität", swenn er auch noch so matt leuchtet, gleich in seinen Anschauungen bestimmen. Blätter, die zu gewissen politischen Persönlichkeiten und Parteiführern in Beziehung Koffer zu packen. Ueber Nacht war ich zu der Ueberzeugung gelangt, daß es mir unmöglich sei, in der Stadt zu bleiben. Meine Wunde konnte Anlaß zu Gerede geben.„Schließlich", dachte ich,„wonach kann man es wissen i Es ist möglich, daß mich jemand auf der Leiter herabsteigen und über den Zaun klettern sah." Eines war mir lästig: was sollte ich mit dem Rasirmesser und dem Diadem be- ginnen? Während der Diener meine Sachen einpackte, ging ich auf die Straße und begab mich zu dem Hause, in welchem Bobrow's wohnen. Der Diener wunderte sich nicht über den frühen Besuch, da ich mit dem Masor befreunoet war und oft zu verschiedenen Tageszeiten zu ihm kam. Er sagte mir, daß der Herr nicht zu Hause sei. Er befand sich auf dem Dorfe. Anna Dmitrijcwna war schon aufgestanden. Als sie meine Stimme hörte, kam sie in das Vorzimmer hin- aus und lud mich ein, in den Saal zu treten. Wer sie in diesem Augenblick gesehen hätte, der hätte auch nicht den geringsten Zweifel daran hegen können, daß ein schweres Ver- brechen aus ihrer Seele lastete. —„Wo ist das Rasirmesser?" frug sie hastig.„Geben Sie mir das Rasirmesser, sonst bemerkt mein Bruder sein Fehlen." Ich reichte ihr das Rasirmesser und das Diadem. Sie nahm das Rasirmesser, gab mir aber das Diadem zurück, indem sie sagte: —„Bewahren Sie es noch einige Zeit bei sich, und ich kaufe es Ihnen um den Preis meiner Hand ab. Thun Sie, was ich sage, es ist nöthig. Jetzt begeben Sie sich von hier fort. Mein Bruder kann jeden Augenblick zurückkommen. Es wäre nicht unmöglich, daß er Sie träfe. Ich werde Dein sein..." stehen, können sich handgreifliche und faustdicke Lügen er- lauben; man wird sie ernst nehmen. Dazu kommt daß auch die sogenannten Sensationsblätter den Geschmack des Publikums verderben und seine Ur- theilsfähigkeit schwächen. Das große Kind Publikum will immer etwas neues und Ausregendes haben und da werden entsprechende Neuigkeiten eben fabrizirt. Das Uebel kann nur dann völlig beseitigt werden, wenn das Publikum sich daran gewöhnt, die Zeitungen kritisch und kaltblütig zu lesen und nicht auf jede Ente hineinzufallen. Freilich wird Jedermann sagen: Ja ja, wir wissen alle, daß es verlogene Blätter giebt. Keiner wird zugestehen wollen, daß er der Dumme ist. Und dennoch ist die Gedankenlosigkeit, der„Unverstand der Massen", so groß, daß ein offiziöser Entenzüchter immer noch nach Belleben die größte Verwirrung anrichten kann. Von„Bildung" sprachen wir dabei nicht, denn die„ge- bildeten" Kannegießer und Weißbierphilister sind gerade diejenigen, bei deren Gedankenlosigkeit und Denkfaulheit die Lügen der verdorbenen Presse am meisten Erfolg haben. Allerdings, wo bleibt der schöne Beruf der Presse, der an derselben noch zu bemerken war zu der Zeit, da sie noch Ideale besaß, da sie ihren Stolz darin suchte, oein Volke eine Psadfinderin. eine Lehrerin, eine Hüterin seiner Rechte zu sein? Ach, welch' unnützer Plunder für das kapitalistische Zeitalter! Seitdem die Presse i n- dustrialisirt worden, ist der Idealismus aus der- selben verschwunden, die Profitwuth an dessen Stelle ge- treten. Die Arbeiterpartei, die vielgeschmähte, kann wohl stolz darauf sein, daß ihr von verständigen und ehren- haften Männern noch Ideale zugesprochen werden in dieser Zeit. Aber auf dem Boden der dem Kapitalismus dienenden Presse, können da noch Charaktere gedeihen, die des Idealismus fähig sind? So wirkt alles zusammen, um unsere Preßzustände so unheilvoll als möglich zu machen. Die Mittel zur Remedur aber liegen fim Publikum selbst. Man muß begreifen, daß man sich nicht gleich über jeden offiziösen Humbug aufzuregen braucht, und man wende sich der unabhängigen Presse zu, die von jenem Humbug unbeeinflußt bleibt. Dann wird ein er- träglicher Zustand hergestellt werden; die unaufhörlichen Beunruhigungen und Täuschungen der öffentlichen Mei- nung werden aufhören. Wir wissen sehr wohl, daß wir zu viel tauben Ohren sprechen. Aber.wir werden deshalb nicht aufhören, gegen die falschen Priester zu kämpfen, die den menschheits- befreienden Gedanken Gutenbergs zu einem Werkzeug der Unterdrückung machen wollen. Mit diesen Worten entfernte sie sich rasch und warf die Thür hinter sich zu. Auf dem Heimwege begegnete ich ihrem Bruder,' der in einer Troika vom Dorfe zurückkam; er bemerkte mich nicht. Zu Hause fand ich meine Sachen gepackt. Ich ließ eine Droschke holen und sagte den Leuten, daß ich nach dem Dorfe zum Vater fahre. In der That wußte ich nicht, wohin ich mich begeben sollte. Nachdem ich eine Strecke weit vom Hause gefahren war, befahl ich dem Droschken- kutscher, nuch zum Moskauer Bahnhof zu fahren. In Moskau angekonimen, erinnerte ich mich, daß ich keinen Paß bei mir hatte, und ich wußte nicht, wohin ich mich begeben solle. Ich scheute mich, mit der wunden Hand zu meiner Mutter und zu meinen Schwestern zu fahren; überdies war ich durch den entsetzlichen Mord so erschreckt, daß ich fürchtete, verfolgt zu werden. Auf jeder Station schien es mir, als ob mich die Gendarmen mit mißtrauischen Blicken betrachteten. Endlich entschloß ich mich, im Hotel„Mir" abzusteigen, wo ich ganz unbekannt war. Das Diadem war mir zur Last. Ich wußte nicht, wo es beständig, ob es an seinem Platze sei. Inzwischen schreckte mich die Befürchtung, daß man bei mir Durchsuchung halten und das Diadem finden könne, immer mehr und versetzte mich in einen fieberhaften Zustand. Am 22. Oktober verließ ich früh das Hotel mit dem festen Vorsatz, mich von meiner schweren Fracht zu trennen. Als ich mich mit der Absicht, das Diadem in's Wasser aS ovvespsttdenzelr. Paris, de» 23. März 1800. Die sozialistischen und Ar- beiterorgamfationeii Franlrejchs, welche auf dein internationalen Arbeitcrkongrcß der vereinigten Sozialisten zN Paris vertreten rvaren, haben ganz besonders in den letzten Monaten eine leb- hafte Agitation zu Gunsten der Manifestation des 1. Mai entfaltet. Die sozialistische Arbeiterpartetz das blanquistische Zentral- komitee, der Nationalverband der sranzösischen Gewerkschaften, der seinen Sitz in Bordeaux hat, die Mehrzahl der unabhängi- gen Gewerkschaften von Paris treten mit thätigem Eiser für das Zustandekomineu einer imposanten Kundgebung ein. In Wort und Schrift, in Versammlungen und Aufrufe», in Artikeln über die Bedeutung der Manifestation, durch Nachrichten über die diesbezügliche Bewegung unter dem Proletariat des Auslandes versuchhn sie alles, um die Idee und die Sympathie für dic Ma- nifestation aus dem Rahmen der organisirten Arbeiterschaft heraus in die breiten Massen der Bevölkerung zu tragen. Der Nationalrath der„Arbeiterpartei" hat das Monats- zirkulär voin Februar ausschließlich denk Zwecke gewidmet, die Aufmerksamkeit aller der Partei angehörenden Gruppen auf die „ausnahmsweise Bedeutung der Manifestation" zu lenken, die den Grad des Bewußtseins, des Willens, des Einvernehmens und der gemeinsamen Aktion bezeugen wird, den das Proletariat der ganzen Welt erlangt hat." Der Nationalrath beschränkt sich darauf, den Appell zu blasen und auf die Bedeutung und Wichtigkeit der Manifestation aufmerksam zu mache», aber es liegt außerhalb seiner Rolle, ent- scheiden zu wollen, unter welcher Form diese Manifestation statt- zufinden habe. Die Entscheidung in dieser wichtigen Frage solle den einzelnen Organisationen überlassen bleibe», bannt dieselben bei strengem Festhalten des allgemeinen Charakters der Kund- gebung in Erwägung der etwaigen Sonderuinstände bestimmend) In Frankreich, wo die gewerkschaftlichen Organisationen noch im Rückstände sind, ist eS sehr zweifelhaft, ob sich em 24 stund iges Berlassen der Werkstätten als durchführbar und praktisch erweise. Eine ähnliche Manifestation jedoch, wie sie im ver- gängenen Jahre in mehr als 00 Städten von den Gewerkschaften veranstaltet ivard, indem dieselben durch Delegationen ihre Reform- forderimgen bei den Behörden einreichen ließen, könne in einem Lande mit allgemeinem Stimmreckt von großem Gewicht sein. Der Nationalrath der sranzösischen Gewerkschaften hat gleich- falls Ausrufe und Rundschreiben an alle Korporativgruppen rc. erlassen, in denen er für die Manifestation Propaganda macht. Auch er hebt in denselben und ganz besonders in dem letzten Zirkular vom 4. März hervor, daß die Manifestation einen „durchaus friedlichen und gesetzlichen Charakter tragen werde, der zu keinerlei Repressivmaßregel» provozirc, es sei denn, daß der Geist des Hasses und der Ungerechtigkeit gegen die Arbeiter groß genug wäre, ihnen das Recht zu verweigern, frei ihre Forde- rungcn auszusprechen und ihre gemeinsamen Bedürfnisse darzulegen". Da der 1. Mai auf einen Wochentag, Donnerstag, fällt, so ist dem Nationalrath der französischen Gewerkschaften vielfach nahe gelegt worden, ob es nicht vorzuzichen sei, die Manifestation auf einen Sonntag zu verlegen, weil mau dann auf eine zahl- reichere und regere Bctheiligung rechnen dürfe und gleichzeitig vermeide, daß Arbeiter wegen Verlassens der Werkstätte Repressiv- maßregeln seitens ihrer Arbeitsherren ausgesetzt würden. . Der Nationalrath der Gewerkschaften erklärt sich trotz dieser Einwände gegen eine Verschiebung des Datums der Manifestation in Frankreich. Er hält an dem 1. Mai fest, damit die französische Arbeiterschaft gleichzeitig mit dem Proletariat der ganzen Welt sein Verlange» nach ge- wissrir, vom internationalen Kongreß zu Paris formulirtcn Re- formen, ganz besonders nach dem einstimmig geforderten acht- stündigen Normalarbeitstag kund thue, damit durch die Ein- müthigkeit und Gleichzeitigkeit der Forderung deutlich zur Er- scheinnng gelange,„daß die Lage der Arbeiterklasse in allen Punkten überall bei de» Nationen die nämliche ist, wo die moderne industrielle Zivilisation herrscht." Eine von dem Nationalvcrband der französischen Gewerk- schafte» in Bordeaux einberufene Völksversammlung hat schon früher durch Beschluß das Consoill« arnnicipaux der Stadt außer zu dem Eintreten für andere Reformen(Neberweisimg der Arbeitsbörse an die Gewerkschaften und Korperativgrnppen der Arbeiter— Ausarbeitung eines Reglements für dieselbe durch die städtische Verwaltung und eine Vertretung der Arbeiter- organisationen— Abschaffung des privaten StellenvermittlungS- bureauS— Erweiterung des Gewerbeschiedsgerichts) auch dazu aufgefordert, sich der Manifestation des 1. Mai anzuschließen,„um deren friedlichen und legalen Charakter zu bc- stäligcn und den Delegationen den Zutritt zu Bürgermeister und Präsekt zu erleichtern. *) Die Haltung des Natioualraths in dieser Frage führt wieder einmal— wie so viele andere Thatsachen, den possibilisti- schen Klatsch all absurdum, daß die„Marxisten"„Autoritär" seien, deren„Führer die Initiative der Gruppen vergewaltigen und diese von oben herab leiihammeln wollten. Weiter haben die in Paris wohnhaften 43 Delegirten des internationalen Kongresses einen Aufruf erlassen, der vom Nationalrath der Arbeiterpartei, vom revolutionären Zentral- komitee, den sozialistischen Gruppen der Kammer und des Stadt- raths unterzeichnet ist, und der in vielen Tausenden von Exemplaren in Werkstätten und Fabriken verbreitet werden soll. Der Ausruf lautet: Arbeitermanifestation von: Donnerstag, den 1. Mai 1890. Manifestation der Arbeiter beider Welten, beschlossen von dem internationalen Kongreß zu Paris 1689 behufs Unterstützung der Forderung einer Reduktion des Arbeits- tages auf acht Stunden, Beschränkung der Frauen-") und Kinder- arbeit, Verbot der Nachtarbeit, Abschaffung des privaten Stellen- vcrmittelungsbureau's und des Zwischen-Unternehmerthums:c. In einer Anzahl von mehreren Millionen schicken sich die Arbeiter von Belgien, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, England, Holland, Rußland, Spanien, Italien, Dänemark und der Ver- einigten Staaten lltordainerika's an, am nächsten 1. Mai cms den Werkstätten hervorzutreten, um durch Meeting's oder Delegationen von den öffentlichen Gewalten in friedlicher Weise diese unerläß- lichm Reformen zu fordern. Arbeiter Frankreichs, die Ihr Euch stets bei der Vorhut befunden habt, Ihr werdet auch diesmal Eurer Ausgabe gewachsen sein, seines Rechtes be- wüßt und der Provokation durch Verachtung antwortend, wird Jeder zum Rendezvous seiner Klaffe und der sozialistischen Partei kommen und seine Pflicht thnn. Die sozialistische Gruppe Der Nationalrath der der Kammer: Arbeiterpartei; Ferroul, Bayer, Baubin, Camescasse, Crvpin, Derenre, Lachize, Thivricr, Franconie, Guesde, Lafargur, Leuns. Cluserct. Die sozialistische Gruppe Das revolutionäre Zentral- des Stadtraths zu Paris: komitee: Daumas, Longnet, Chanviere, Baudin, Lachize, Deputirte; Humbert, Baillant. Chauviöre, Bnillant, Stadt- räthc; La ndrin, Sekretär." Dank der sozialistischen Stadträthe ist die Frage der Mani- scstation auch bereits vor den Pariser Gonscil municipal gelangt. Daumas brachte den auch von Baillant, Longuct und Humbert, denen sich später der Radikale Cattiaux zugesellte, folgenden Doppelantrag ein: „In Erwägung des Beschlusses, welchen der inter- nationale sozialistische Kongreß zu Paris 1889 bezüglich der Feier des 1. Mai als eines internationalen Arbeiter- sesttages gefaßt; in Erwägung, daß die Arbeiter aller Länder an diesem Tage � von den öffentlichen Geivalteu die Fixirung eines achtstündigen Normalarbeitstages zu fordern gedenken; und in Anbetracht, daß der Stadtrath von Paris stets voran gewesen ist, die gerechten Forderungen der Arbeiter zu Unterhalten; in ßlnbetracht auch, daß es dem Stadlrath zukommt, in dem Augenblick, wo sich die Delegirten verschiedener Nationen angeblich mit den Interessen der Arbeiter be- schäftigen, klar und nett seine Sympathien für alle zu er- klären, welche durch ihre Arbeit das erste und unerläßliche Element des kollektiven Reichthums bilden, beschließt der Stadtrath: die Werkstätten, Arbeitsplätze und Bureaus der Stadt Paris bleiben am 1. Mai geschlossen; spricht er den Wünsch aus: die Deputirtenkammer möge den 1. Mai als Feiertag er- klären. Der Stadtrath beschließt ferner: am 1. Mai soll aus dem Marsselde das Fest der Arbeit gefeiert werden. Der Direktor der städtischen Arbeiten wird aufgefordert, in kürzester.Frist ein Programm des Festes der Arbeit beim Conseil municipal einzureichen. Auf den Einwand,„man habe vergangenes Jahr genug Fiste gefeiert", erwiderte Daumas trefflich, daß es sich diesmal darum handle, die Arbeit zu erheben und zu seiern. Man habe genug Geld für Feste verausgabt, welche nicht ein so edles Ziel hatten, Der Dringlichkeitsantrag ward natürlich abgelehnt und der Antrag der Arbeitskommissivn behufs Prüfung überwiesen. Der sich sonst so radikal geberdende Stadtrath hatte damit wieder einmal bewiesen, daß, wenn man den Radikalen kratzt, der Bourgeois zun: Vorschein kommt. > Der„TempL" konstatirt mit hämischer Schadenfreude, daß der Antrag„eine ziemlich kalte Aufnahme gesunde», die nicht mehr dein Enthnsiasimis gleicht, den man früher im Hotel de Ville allen Vorschlägen sozialistischen oder revolutionären Charakters entgegenbrachte." ') Mit Beschränkung der Frauenarbeit ist nur die in solchen Jnduitriezweigen gcnieinr, in denen die Beschäftigung dem weib- lichen Organismus besonders schädlich ist. zu tverfeu, zum Flusse begab, fiel mir zufällig eine Lade»- aufschrift auf:„Rascher Umsatz aller Gegenstäudc. Ein- und Verkauf. Barleheu gegen Pfand."' Anfangs wurde in mir der Gedanke rege, das Diadem zu versetzen, mit der Absicht, es später durch eine Mittels- perfon auszulösen. In meiner Lage erschien mir der- artiges möglich. Ich kehrte, in das Hotel zurück, ver- schloß das Diadem in meiner Rciscschatulle und begab mich zu dem Hanse, ait dem ich die Ankündigung ge- lesen hakte. Mich empfing der Besitzer des Komtoirs, der sich jetzt als Aron herausgestellt hatte; ich setzte ihm auseinander, um was es sich handele, und ersuchte ihn, sich mit mir in das Hotel zu begeben. Zu Hause in mciueui Zimmer zeigte ich ihm das Diavem, und um die Behauptung, daß die Brillanten mein Eigenthum seien, glaubwürdiger zumachen, erzählte ich ihm eine lange Geschichte, wir ich beim Karten- spiel verloren habe und mich in Geldverlegenheit be- finde. Der Jude klammerte sich daran, daß die Einfassung des Diadems verbogen sei und ein Stein fehle, und bot für dasselbe 30Y Rubel. —„Ich will ich es nicht verkanfen, ich will es versetzen." —„Auch das ist möglich," sagte er.„Kommen Sic in mein Komtvir, ich werde Ihnen diese Summe aus- zahlen. Wenn Sie aber in einem Monat das Geld nicht bringen, wird die Sache mein seilt. Geben Sie mir des- halb eine Bescheinigung, daß Sie es mir zu vollem Eigen- thlnN verkanfc haben. Wenn Sie im Verlaufe eines Mo- nats sich nicht mit dem Gelds einfinden, behalte ich es für mich." Ich stellte mich, als sei ich einverstanden, und versprach, es ihm aiti nächsten Tage zu bringen. Den Abend und die Nacht verbrachte ich in demselben allsgcregten Znstande. Jedesmal wenn Jemand durch den Korridor ging, glaubte ich schon das Klirren der Sporen zu vernehmen, und von Minute zu Minute erivartete ich, daß ein Polizcioffizier eintreten werde, um mich zu verhaften. Die ganze Nacht brachte ich auf den Stühlen sitzend zu. Am Morgen rief ich den Hoteldiener herbei und be Offenbar kommt die beabsichtigte Manifestation— dies liest man in und zwischen den Zeilen der offiziellen und offiziösen Presse— gegenwärtig höchst ungelegen. Sie.ist ein handgreis- lichcs Tadelsvotuin gegen die in Sachen der internationalen Kon- ferenz seitens der Regierung beobachteten Haltung, sie straft die Phrase von den zu wahrenden„Nationalinteressen" Lügen und deinaskirt dieseloen vor den Augen der Masse als kapitalistische Interessen. Die Manifestation des 1. Mai wird sich ganz besonders zu einem Protest der französischen Arbeiterschaft dagegen gestalten, daß aus Reserve der Regierung die Tagesordnung der Konferenz um die Frage einer Reduzirung der Arbeitszeit amputirt wor- den ist. ..., kapitalistischen Organe fürchten weiter, die„Rädels- fuhrer der Arbeiterbewegung würden aus der Berliner Konferenz eine Berechtigung zur Veranstaltung der Manifestation herleiten und damit viele„vernünftige Und gemäßigte" Arbeiter dafür ge- Winnen. Wenn es statthaft sei, Fragen über Regelung der Ar- beiterverhältnisse. über Reformen auf einer offiziellen, von den Regierungen beschickten Konferenz zu erheben, so sei es auch er- laubt, zu Gunsten dieser Reformen zu manifestiren. Was dem Kaiser von Deutschland recht, daß sei der Arbeiterschaft der ver- schiedenen Länder billig. Aber predigen die kapitalistischen Hauspostilleii der Hebrard und tutti quanti Tagr ter,. man dürfe doch nicht vergessen, daß es sich bei der Konferenz um rein spekulative Erwägungen handle. Die Manifestationen der Arbeitet könnten zivar noch allenfalls friedlich sein, jedoch zweckten sie sicherlich auf praktische und posi- üve Resultate ab, ganz besonders in Bezug einer gesetzlichen Reduktion des Arbeitstages, dieses f t t Gottseibeiuns der Konferenz, den man mit dem kapitalistischen Weihwasser Manchester- licher Erwägungen glücklich gebannt zu haben glaubte. Die Preßkosacken winken außerdem der Regierung mit d Zauiipfahl, der Manifestation entgegen zu treten und vor Alb keine giößercn Züge von Delegationen zu gestatten. Als leuchtet des Beispiel wird dem jetzigen Minister des Innern das Vor- gehen seines Vorgängers unter die Nase gerieben, der bekanntlich Instruktionen ertheilt, die Delegationen der Gewerkschaften bei der ähnlichen Manifestation vom vorigen Jahre nicht zu empfangen. In manchen gutgesinnten Blättern wird außerdem der Regierung mit der„großen Entzündlichkeit des französischen Temperaments" bange gemacht, deretwegen man in Frankreich vieles unterdrücken und vereiteln müsse, was in New-Iork, London, Brüssel jc. ruhig von statten gehen könne. Ueberflüssig ist wohl zu bemerken, daß die Possibilisten auch in der Frage der Manifestation sich durch Helfershelferdienste Licbkind zu machen suchen und unter der Arbeiterschaft nach Kräften abwiegeln. Trotzdem steht.zu hoffen,' daß Dank der Bemühungen der übrigen sozialistischen und Arbeiterorganisationen die Manifestation in Paris und der Provinz einen stattlichen Charakter tragen und die an sie geknüpften Erwartungen erfüllen wird. Der Lärm um die eventuelle Beschickung oder Nichtbeschickung der Berliner Konserenz, die Haltung der Regierung hat in Schichten der Llrbeitermasse Interesse und Sympathie für eine Siegelung der Arbeitsverhältnisse erregt, in denen bis jetzt die sozialistische Propaganda auf unfruchtbaren Boden gefallen war. Der politisch- patriotische Popanz, den die Herrschenden bei dieser Gelegenheit hervortanzen ließen, und der die Spatzen aus dem Feld venreioen sollte, hat gerade das entgegengesetzte Resultat gezeitigt. Die Manifestation wird aus der Situation Nutzen ziehen. PolittMe Mebsvstchk. dStMf Oerbert Kismarck ist der amtlichen Bekanntmachung des„Reichsanzeigers" zufolge, aus seinem Amt„in Gnaden" entlassen worden. Möge ihm der wohlverdiente Ruhestand leicht. werden. Ms unschädliches Spielzeug wurde ihm„das Kreuz der Großkomthirte des Königlichen HauSordenS von Hohenzollern" mit auf den Weg gegeben. Er ziehe hin in Frieden! Ztitchdei» Graf Oerbert Äismarist aus dem preußische» Staatsmiiiisterium entlassen ist, wird ihm zweifelsohne zu- gleich der Rücktritt von dem Staatssekretariat des Aus- wärtigen im Reiche bcivilligt sei». Es scheint nicht, als solle die Stelle unbesetzt bleiben. Vo» verschiedenen Seiten wird, gemeldet, daß Eraf Alvensleben, der früher Botschafts- rath in Petersburg, dam» Gesandter im Haag, in Washington, und zuletzt in Brüssel war, und inzwischen hier eingetroffen ist, vorläufig mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Staatssekretariats betraut werben solle. Wovgculuft scheinen auch die Agrarier, nicht blos die Antisemiten zu ivittern. Sie haben ihren bereits mehrfach abgelehnten Antrag, die preußische Regierung möge einen Ansnahmctarif für Getreudetransporte aus den östlichen nach den westlichen Provinzen sii, führen, beim Herrenhaus sowohl austragle ihn, einen Packträger zn holen. Ich übergab diesem ein versiegeltes Packet, in dein sich das Diadem be- fand, gab ihm Aron's Adresse an und hieß ihn die Antwort überbringen. Meine Nerven waren bis zum höchsten Grad erregt. Mir fehlten die Kräfte, um die Antwort abzuwarten. Ich verlangte meine Rechnung, bezahlte und fuhr aus dem Hotel fort, um so schnell als möglich aus Moskau hinaus zn gelangen. Zwei Stunden brachte ich auf dem Bahnhof zn, den Zug erwartend. Endlich ertönte das Glockenzeicheil. Ich nahm ein Billet und reiste ab. Als ich hier ankam, begab ich mich direkt vom Bahnhof zum Stätions- gebände der Privatpost, nahm Pferde und fuhr nach dem Dorfe. Nnterlvcgs traf ich mit Afanasjew zusammen, der nach seiner Besitzung an der Wolga fuhr. Nachdem wir, während unsere Pferde ausruhten, zwei Stunden geplaudert, fuhren wir weiter, jeder in seiner Richtung. Aus der Jagd war ich nicht mit ihm, da ich aber wußte, daß Manasjeiv nicht weit von dieser Stelle eine Jägerhütte hatte, deren Wächter ich längst kannte, fuhr ich dorthin Und blieb dort die ganze Zeit, während meine Wunde heilte, wobei ich dem Wäckler sagte, daß ich mich ans der Jagd in die Hand geschnitten habe. Darauf begab ich mich zu meinem Vater, und nach- dem ich einige Zeit bei ihm verweilt, kehrte ich zugleich mit ihm in die Stadt zurück. — Obwohl Ihre Erzählung wahrscheinlich ist, so sind doch Ihre Worte allein nicht genügend, um die Geschworenen zn überzeugen, daß Sie, als Sie das Diadem forttrugen, keine räuberische Absicht hegten. — Kann man mich denn des Diebstahls verdächtigen? Meine ganze Beute bestand im Besitz der Hand des Fräu- leins Amia Dmitrijewna... — Wie? Auch nach diesem Verbrechen, dessen Zeuge Sie waren? — Ich kann nicht läugnen, daß ich auch nach Voll- bringung des Mordes nicht anfbörte, sie zu lieben. — Kam Ihnen aber nicht der Gedanke, daß sie Sie blos als Werkzeug gebraucht habe und Sie schon zur Ver antwortung herangezogen hatte, als sie Sie veraiuaßte, auf der Leiter zu warten? — Bisweilen kam mir dieser Gedanke in den Sinn, doch ich drängte ihn mit Evtsetzeii von mir zurück. Sie 'st.K° J'".g. Ist es denn möglich, in ihren Jahren so lasterhaft zu sein? � ,_ 7" Woraus schließen Sie, daß der Mensch nur im Alter lasterhast ist? K& i&r � „.,- habe mir sie gar nicht erklärt. Ich scheute mich, d# Folge berichten. Ich bachte,«3 enathm""iffe, und bemühte mich nicht, ihn P .. O' T�sen Sie hier, nach der Rückkehr aus dem Dorfe, M Franleiu Bobrow zusammen? Ich sah Sie einmal iw Klub mit ihr tanzen. Hat zwisch-en Jhncii keine Verab- redung stattgefunden, ivie Sie auf die Fragen zu autivorten yatten, falls Sie verhaftet würden? .~ Nein. Ich schwöre Ihnen, dcrß wir nicht ein Wort in Bezug ans Fräulein Nuslanow weihselten. Wir scheuten uns von dem Morde zu sprechen, Uivd erstickten i» uns selbst die Erimieruiigen daran. — Nach dem Gesetze bin ich verpflichtet, Ihnen die Aussage des Fräulein Bobrow mitzuthetteii. Würden Sie dieselbe nicht hier ünd da ergänzest? Nachdem er die Aussage durchgelesen, sagte Jkschalow, daß er es nicht für nöthig Halle, irgend welche Zusätze zu machen. — Ich bin gezwungen, sagte ich zn ihm, Sie i« Last zn behalten, so lange sich kein Bürge für Sie findet. Wissen Sie niemanden, der bereit wäre, eineKautlou für Sie zu erlegen? — Vielleicht mein Vater... doch ich zweifle, daß er es thnn würde. Ich kenne seine Grundsätze. Vor seinem Abgange ließ ich Anna Dmitvijewna rufen, um ihr Jtschalows Aussage vorzulesen. (Fortsetzung folgt.) als bei», Abgeorducteichaus ernellört.'Die vielfach offen eingeftaildcuc Absicht bei diesen,•Vorstoße ist, auf Kosten der '„oihlcideiidei, Iuiikexthuu, eiugeheiuist wird.'Der inzivischen zu trauriger Bekanntheit gelangte Abg. Dr. Wehr gestand dies in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 22. Februar 1888 ganz unumwunden mit den Worten zu:„Wir wollen blos den Zustand, der durch die Schutz- zolle geschaffen werden sollte, für uns imAuspruch nehmen." Und„ikreujzcituug" wie.„ilieichsbote" erklärten damals ebenso offen, daß es sich darum handle, den»„so sinn- losen und. verderblichen Zustande ein Ende zu machen", daß„auf dem Markte der westlichen deutscheu ' Städte das amerikanische und indische Getreide die Herrschaft hat, weil es... billiger dorthin verbracht werden kann, als das deutsche Getreide aus dem deutschen Osten." Wie gesagt, die Herren müssen Morgenluft wittern, wem, sie jetzt mit einem Antrage wieder, kommen, gegen den sich damals nicht blös der ganze Westen, sondern.auch die „Nordd. Alchen,. Ztg.", der Landes- Eisenhahnrath und die Staatsbahn- Verwaltung auf das Energischste wandten. Minister Maybach kehrte nämlich in der bereits genannten Sitzung des Abgeordnetenhauses noch einen anderen Gesichts- punkt sehr zutresfeud heraus. Er entgegnete den agrarischen Petenten:„Wir sind ein großer Staät, wir wollen die Interessen des gesannutcn Landes wahruchmen; darauf dürfen wir uns also als Regierung' nicht einlassen, von NothstandSsragcu abgesehen, den einen LanoeStheil gegen den anderen zu begünstigen." In der HochhalZung dieses uu- antastbaren Gerechtigkeitsvrinzips besteht zu eine», guten Theile das unleugbare Deroienft der bisherigen Aintsführnug des preußischen Eisellbahn Ministers. Hofft man, fragt die „Frkf. Ztg.", der wir diesen Artikel entnehmen, zum Schluß, nun etwa von agrarischer Seite bereits aus den Sturz dieses Systems, welches die preußische Staatsbahn-Verivaltung niit groß gemacht hat, und ans den Ersatz des Herrn?.. Maybach durch, den in diese», Zusammenhang bereits vielgenannten Sprößling einer send Arn Familie?... Der Uerliand deutscher Gift»- und Ktahlinduftrieller hat jüngst in Berlin seine diesjährige Generalversammlung ab- gehalten.„Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten einpfandeU die Mitglieder das lebhafteste Bebürfmß, sich mit der Arbeiterfrage zu beschäftigen, wenn mich mehr in vertraulicher Weise, da irgend welche Vorlagen nicht vdrhanden und die spe- . ziellen Pläne, welche die Regierung verfolgen wird, nicht bekannt wären. Es wurde deshalb von jeder Beschliißfassting abgesehen; doch machten sich mehr, ach Besorgnisse darüber geltend, daß die vorgeblich in Aussicht geuommene» Arbcitervertretungen gerade jetzt(bei der fast in allen Arbeiterkreisen vorhandenen Währung) weit eher»achtheilig als vortheilhast wirken konnten." Der sächsische Landtag wurde am Mittwoch durch de» Kriegsminister Graf v. Fabrice geschlossen, Am Abgeordurteuhanse wurde am Mittwoch die Ge- schäslslage. des Hauses inil Rücksicht auf die nicht rechtzeitige Fertigstellung des Etats kurz eröffnet und von dem Abg. Ricker t die Anfrage gerichtet, ob die Regierimg in dcrThat nicht gewillt sei, durch die Vorlegung eines Nothgesctzcs den rechtlichen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. Äultusminister v. Goßler erklärte zwar, über die letzten Sitzungen des Staatsministeriums nicht genau informirt zu sein, fügte- jedoch hinzu, daß nicht anzu- 'nehmen fei, daß das Staatsimmsterium Vis jetzt sich mit einer derartigen Absicht getragen Habel Von den Rednern der verschie- 'denen Partelen erklärte nur der konservative Abg. Graf Limburg- Stirum die Einbringung eines Nothgefttzes für über flüssig; alle anderen erachteten eine gesetzliche Regelung der Sache für ersor- dcrllch. Eharaktecistisch war, daß die Redner der rechten Seite des.Hauses, Frhr. von Zedlitz und- Graf Limburg- Stirum, über die Hinziehnng der Etatsbcrathung Klage führte», während deck anntlich gerade die Reden der Konservativen am meisten zur Verschleppung der EtatSberathung beigetragen haben.— Das Haus führt darauf die Berathung des Kültusetats ohne Erörte- rnngen von erheblicher Bedeutung unter Ablehnung eines vom Zentrum gestellte» Antrages auf gesetzliche Festsetzung der staat- lichen Ilnterstützungspfljcht für. die Aufbesserung der Psarrgehältcr zu Ende. Keinen ganze»»ackionallibrralen Aerger über die sozialdemokratische Wahl in Lübeck ließ der zum Senator avonzirte Reichsiagsavgeordnete Tr. Klnginann bei der VerHand- lung in der Biirgervcrsommlung über die Frage des Kaiser- Wilhelni-Denkmals ans. Gegenüber der Frage, ob nicht das Denkmal ans einem öffentlichen Platze aufzastellen sei, sagte Herr Klugmann nach der Hamburger„Reform: Wenn die üssentliche Meinung ein Denkmal aus einem freien Platz wolle, so habe das .nichts zu sagen, denn man wisse ja, wie diese öffentliche Meinung gemacht werde. Wenn gesagt werde, das Volk wolle das Dcnkmal vor Slzigen haben, dann brauche man sich nur die letzten Wahlen vor Augen-zu führe», dann habe man das Volk. Das Volk werde sich wenig ckiis einem Kaiserdenkmal machen. In der Zknterlnchnnggfnche gegen eine Anzahl Militär-- perso.uen. wegen Beleidigung von Vokksschullehrorn- bei Gelegen? Heft der im.verflossenen Herdsie stattgehabten Reserveübungen ,i»d nach ein fr Korrespondenz der-„Franks. Ztg." ans Mainz daselbst nuinnehr acht hiesige Volksschnllehrer vernommei, worden. Zwei dieser Lehrer mußten ihre Aussagen beeidigen. Sie wurden it. A. auch darüber vernommen, ob i,h>,e>, der anonyme Absender des aus Wiesbaden datirten, an das Kriegsininisterium in Berlin gerichlelen Brieses bekannt fei, durch den das Ministerium Kenntnip von der Behandlung der. Lehrer erfahren » habe. Mer thcilt? In Wilhelmshaven erregt die Verhastimg Zweier VerwaltiMgssckretäre der käiscrlichei» Werst, sowie eines dortigen Lieferanten großes Aussehen. Man spricht von Unregelmäßigkeiten beim Verkauf unbryuchbar.gen'ordener Jnventarien-. gegenscände. Bemerkt sei noch, daß der Lieferant ein naher Ver- ivandter. des Verhafteten ist.— In Rietz wurde der bayrische Lieutenant Bucher verhaftet, weil- er bei der Bataillons-Kanrine 20—30 000 M, veruntreut hat.— In Offenbach erregt die Ver- Haftung des Stadt- resp. Spartas, engehitsen Joh. Schwarz in allen Kreisen berechtigtes Aussehen. Schwarz war ein großer Sozialistensresser, agikirte uNermydlich für' unsere Kartell- brüder und verkündete unfern kartellbrüderlichen Spießern in seinen Stammkneipen hauptsächlich, daß die„Lassaileaner" das EigenthuM aufheben wollten. Selbstverständlich fällt es uns gar nicht ein, die Nationaltiberaleu für diesen Schwarz vorantivortlich- machen zu wollen, wie sie es im umgekehrten Fast thnn. Schwarz hat es verstanden, sich das Berrrauen seiner Vorgesetzten zu erwerben und hatte neben seiner amtlichen Thätigktit noch eine nicht unbeträchtliche Einnahme als Vermalter einzelner Häuser. Die Hauptlmterschlagungen und Fälschungen sind denn auch bei dieser Privatoerivaitung vorge- koiiiiNSN; städtische Gelder kommen nicht in Beträcht.■ Eine Wittive ist am schwersten betroffen, sie ist auch die Bewnlasserin der Verhaftung. Schwarz hntte ihr Haus so gut verwaltet, daß sie selbst schließlich gar teil, Geld niehr bekam. Auf ihre Be- schiverde bei dem Vorgesetzten, von dem sie seiner Zeit den Herrn Schwarz empfohlen bekon,men hatte, bekam die Frau die Er- kiärima, daß es ibn nichts- angehe. Schwarz wurde aber straf- versetzt und kam aus der Spartasse in das Meldeamt, damit er kein Geld inehr in die Finger bekomme.. Das genügte der be- trogenen Wittwe natürlich nicht; sie erstattete vei der Staatsanwaltschaft Anzeige. Ana drm Saarrevier, 25. März. In den letzten Tagen fanden ivieder verschiedene Versammlungen der fiskalischen Grubenarbeiter statt. In denselben wurden nach der„St. Joh. Ztg." u. a. das Verlangen ausgesprochen, daß die bekannten, von oben oktroyirten Arbeiteransschnsse ans der Gesamuitheis der Beleg- schast einer Inspektion, nicht aber ans den einzelnen Steiger- abtheilungen bestimmt werden sollten und daß eine neue Wahl stattfinden müsse. Wiederholt ivurden die Verhältnifse auf Grube von der Heydt als die ungünstigsten im ganzen Saarrevicr be- zeichnet. Die Schichtdaner solle inkl. Ein- und Ausfahrt 8 Stunden, der Lohn nicht unter 4 und nicht über 6 M. betragen. Um Beschwerden über das Verfahren bezüglich der unreinen Kohlen zu beseitigen, sollten in jeder Fahrsteigerabtheilung zwei Mann ge- wählt und der eine über Tag, der andere in der Grube die denn- standeten Wagen einer Revision unterziehen; einer dieser Revisoren solle von der Grubenverwaltung, der andere von den Bergleuten honorirt werden. Es wurde auch die kürzlich vom Abg. Vopelius im Landtag geäußerte Ansicht, daß der Bergmann zwei Stunden zum Essen in der Grube Zeit haben müsse und deshalb die Schichtdaner früher so lang gewesen sei, erwähnt und auf das Ungereimte dieser Aeußermig hingewiesen. Der Bergmann sei mit seinein mehr als kärglichen Male in der Gruhe, bestehend aus einen, trockenen Stück Brot und einigen Schluck schivarzen Kafsee's in sehr kurzer Zeit fertig. In Neunkirchen theilte der Vorstand des Rechtsschutznereins mit, daß Warken im Gefängniß sei. Er könne nur gegen eine Kaution von 10 000 M. vorläufig entlassen werden. Die Anwesenden erklärten durch Zuruf, daß sie Bachmann, Warken und Berwanger niemals in. St, che lassen, sondern treu zu ihnen stehen würde». Gsss-n it. d. Ruhr. 27. März. Der„Rh.-Westf. Ztg.« zu- folge sind auf der Zeche„Konsolidation" bei Schalke bei der heutigen Morgenschicht 70 Mann von 430 mit der Schicht I, 75 Mann von 410 mit der Schicht II und 210 Mann von 470 mit der Schicht III unter Tage angefahren. Auf der Zeche „Hikernia" bei Gelsenkirchen sind heute Morgen 400 Mann von 500 der Belegschaft nicht angefahren. Die Zeche„Konsolidation" theilt ihren Abnehmern mit, daß infolge des Ausstandes die Lieferung von Kohlen unmöglich sei. Auf den Zechen„Shamrock", „Wilhelmine" und„Viktoria" arbeitet Alles. Aiinemark. Kopenhagen, 23. März. Der sozialdemokratische Ab- geordnete Holm richtete in, Folkething an den Minister des Innern die Frage, ob er eine Vorlage über die Vermehrung der Wahlkreise für die Wahlen zum Folkething nach dem Grundsätze, daß auf je 16 000 Wähler ein Folkethingswahlkreis kommen soll, einbringen wolle. Ter Minister antwortete, daß, sobald das Er- gebniß der Volkszählung vom I. Februar d. I. bekannt sein werde, eine solche Vorlage ausgearbeitet werden soll. Der Mi- nister fügte hinzu, daß die Regierung sich schon oft bemüht habe, die Zustimmung des Folkethings für eine Theilung der zu groß gewordenen Wahlkreise, darunter Holm's eigenen, zu erlangen. Wenn ein Abgeordneter für je 16 000 Einwohner gewählt iverden soll/ würde das Folkething über 20 Mitglieder mehr bekommen. Großbritannien. London, 26. März. Somervell(kons.) wurde heute mit einer Mehrheit von ISO Stimmen gegen Routledge(Glad- stonianer) züm Abgeordneten für die Ayr Boroughs(Schottland) gewählt. Der frühere Abgeordnete war Gladftvnianer. Die �konservativen haben somit den im Jahre 1888 ihnen mühsam und mit einer nur sehr geringfügigen Mehrheit entrissenen Sitz wiedergewonnen. Der unterlegene Gladstonianer ist ein Eng- länder, was vielleicht zu seiner Niederlage beigetragen hat. Italien. Rom, 26. März. Senat. Auf eine Anfrage Brtoschi's, der eine feste Negierung verlangt, erwidert der Ministerpräsident Crispi, er könne versichern, daß die letzten Ereignisse in Berlin die auswärtige Politik Italiens nicht beunruhigt hätten. Die Tripelallianz bleibe dadurch unverändert. Alsdann widerlegt Crispi die Ansicht Brioschi's, daß die Politik der Regierung dahm gehe, gru.)? Rüstungen zu veranstalten; Italien habe wohl daran gethan, in die Tripelallianz einzutreten; es hätte dies thnn müssen, wenn es dasselbe bisher nicht gethan hätte. Eine andere Politik hätte noch größere Stnsgabcn, größere Rüstungen veran- laßt, welche von den krankhasten Zuständen Europas abhingen. Italien sei nicht mächtig genug, um diese Lage zu ändern. Der Minister ist der Ansicht, die Rüstungen Italiens seien geringer, als die anderer Länder. In Anbetracht jedoch, daß andere Na- tionen mehrere Millionen Soldaten unter Wusse» stellten, könne man nicht sagen, daß Italien alles Slothivendige gelhan habe. Trotz- dem gestatte die gegenwärtige militärische Lage, gegen-alle Even- tucilitäten Front zu machen, die darauf hinzielten, den Frieden zu stören, den man mit Aufbietung- aller Kräfte, aufrecht zu er- halten suche. Er hoffe, diese Erklärungen würden Brioschi zu- frieden stellen und ihn zu der Einstcht bringen, daß die innen, wie die auswärtige Politik des Landes nur das Ziel im Auge hatte, dem Lande eine gute Verwaltung und gute Finanzen zu sicher». Alfieri gegenüber bemerkte Crispi, die auswärtige Politik lasse sich nicht aus dem Stegreif machen,'.das Bündnis sei bereits im Jahre 1882 abgeschlossen worden, er sei nur hemüht gewesen, die Wirkungen desselben noch zu verbessern, Wenn Alfieri an seiner(des Ministers) Stelle wäre, fo würde er wohl der Erste sein, dem Bündniß Achtung zu verschaffen. Eine Politik der Nelltralirär, welcher Alfieri den Vorzug gebe, wurde dem Lande bedeutendere Ausgaben und größere Rüstungen auferlegt haben. Rußtand. Odessa, 24. März. Ter zur Freiwilligen Flotte gehörige Dampfer„Petersburg" ist mit mehr als 600 ja r V Ir 6 a n- nung Verurtheilten nach der Insel Sacharin abgefahren, nachdem von der ursprünglichen Zahl derselben 10 pCt. durch ärztliches Gutachten als zur Seereise unfähig bezeich et worden , raren. Daraus mag man einen Schluß ziehen, in welch' scheuß- lichen. Zustande sich die russischen Gesängnisse befinden— trotz- dem der Generalinspektor derselben, Herr Galkin Wrasskin, Mit- glied der Howard- Assoziation ist. Wie derselbe die Aufgaben dieser zur Reform der Gefängnisse gegründeten Gesellschaft auf- faßt, geht deutlich aus de» Schilderungen der neuesten sibirsschen Greuel hervor. Vevsonttttlungen. Die Freie Vereinigung der Kartanardriter hatte sich ain Montag, den 24. d. M, bei Bolzmann,'Andreasstraße, ver- sammelt, Ivo Kollege Möglich über die letzte öffentliche Versamin- lung sprach. Obengenannter schilderte unser Vorhaben bezüglich der achtstündigen Arbeitszeit als ein durchaus gerechtfertigtes und daß sich die meisten Arbeitgeber auch damit einverstanden erklärten, aber wie er gehört hatte, wärewKollegen unter unS, die plötzlich den Plan gefaßt hätten, auf eine neunstündige Arbeits- zeit loszusteuern, trotzdem dieselben in der vorhergegangenen Ver- sammlnng betheuerten, lieber Straßen zu fege», als eine Minute abzulassen. An der Diskussion betheiligten sich zuerst die Kollegen Kriese, Mielke, Reimann und Poitz, ivelche der letzten Aus- sührung des Referenten entgegen traten. Kollege Greifenberg protestirte gegen die gewählte Kommission, es seien noch zu junge Kräfte in derselben und sei dieselbe daher zu verwerfen. Kollege Stein betonte, wie die Fabrikanten bemüht seien, Maschinen ausfindig zu machen, um Arbeitskräfte zu sparen, aber nicht dafür Sorge tragen, wie unsere alt und- schwach ge» wordenen Kollegen Brot finden. Es gelangte nachstehende Reso« lution zur Abstimmung, indem noch der Vorsitzende ermahnte, daß ein jeder nach bester Ueberzeugung' stimmen sollte.„Die hellte bei Bolzmann versammelten Kartonarbeiter erklären, an den in der öffentlichen Versammlung gefaßten Beschlüssen betreffs der achtstündigen Arbeitszeit fest zu halten. Die Abstimmung!'er- gab, daß die Resolution einstimmig angenommen wurde. Eine öffentliche Versammlung der Bürstenmacher» vom Vorsitzenden des Fachvereins der Bürsten- und Pinselmacher Berlins und Umgegend einberufen, tagte am Montag, den 24. März, bei Feuerstein. Tagesordnung: 1. Zentralisation oder Lokalorganisation. 2. Diskussion. 3. Wie stellen sich die Bürsten- und Pinselmachcr zum 1. Mai. 4. Verschiedenes. Der Referent Herr Grothmann verwarf die Zentralisation in der heutigen Richtung und trat entschieden für Lokalorganisation ein, Die Diskussion hielt sich im Sinne des Herrn Lieferenten, nur Kollege Daun spricht für Zentralisation, ohne auf die Lokalorganisation einzugehen; eine abgegebene Resolution:„Die heute hier tagende öffentliche Versammlung der Bürsten- und Pinselmacher Berlins erklärt sick Mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichten sich alle Anwesenden, dem Fach- verein beizutreten, da wir entschieden für Lokalorganisation sind," wurde mit großer Mehrheil angenommen. Zum 3. Punkt sagt Kollege Lindemann, daß wir uns doch am 1. Mai einen Feiertag machen könnten, und der Vorstand des Fachvereins solle für diesen Tag eine öffentliche Versaminlung einbernsen, Nachmittag soll ein ge- meinschaftlicher Ausflug stattfinden. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die heute bei Feuerstein's tagende öffentliche Versammliing der Bürsten- und Pinselmacher Berlins, beschließt, den 1. Mai als Feiertag zu erklären, behufs einer Kundgebung zur Verkürzung der'Arbeitszeit. Zuin vierten Punkt sagt Kollege Borowsky, daß jetzt sogar in den Arbeiterkolonien Bürsten gemacht werden, welche in Berlin abgesetzt werden sollen, und ein anwesender Meister bestätigte dies. Es wurde beschlossen, eine Versammlung einzuberufen, zu welcher die Meister auch ein- geladen iverden, um Stellung zu nehmen zu dieser Konkurrenz. Die Versammlung soll Montag, den 31. März stattfinden, und durch Säulenanschlag bekannt gemacht werden. Mit einem drei- maligcn Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung schloß die gut besuchte Versammlung. Eine Mitgtirderversilmmlung de» Verein»?«r Mahrnng der Interessen der Berliner Hnopfarbeiter tagte am Dienstag, den 25. März in Joel's Salon, Andreas- straße 21 mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Alwin Gerisch. 2. Der Streik in der Knopffabrik von C. H. Röbll. 3. Wahl der Lohntarif-Kommission für die Hornbranche. 4. Ver- schiedenes. Zum ersten Punkt der Tagesordnung hielt Herr Gerisch einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Uebervölkerung. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung referirte der Vorsitzende über den Streik, bevor er in dieselbe eintrat er- mahnte derselbe jedoch einen anwesenden Gast, welcher über die letzten öffentlichen Versammlungen sämmtlicher Arbeiter Berlins unwahre Mittheilungen in der Fabrik gemacht hatte und forderte denselben auf, wenn er über die heuttge Versammlung Bericht erstatten würde, denselben wahrheitsgemäß zu erstatten, sonst würde er das nächste Mal keinen Zutritt erhalten. Zun, Streik übergehend, erklärte der Vorsitzente, daß derselbe für die Streikenden durchaus noch nicht schlecht stände, iveun auch, wie bei jedem anderen Streik, wir hier mit den Streikbrechern zn rechnen hätten; Dank der Organisatton ist es gelungen, die Berliner Knopfarbeiter von jener Fabrik fern- zuhalten, auch würde jetzt auf einen Zuzug durchaus nicht mehr zu rechnen sein, denn sind die Knopfarbeiter der Fabrik die ersten 9 Wochen fern geblieben, trotzdem sie nur halbe und Vierteltage, ja zum Theil garnicht gearbeitet hätten, so werden sie jetzt erst recht der Fabrik fern bleiben, wo sich allerwärts die Arbeit hebt, und was die Streikenden anbetrifft, so wissen sie was sie zu thun haben, dieselben werden erst recht der Fabrik fern bleiben; na- mentlich da dieselben ja jetzt ebenfalls zum größten Theil ander- wärts untergebracht werden können. In der Fabrik sind bis jeßt nur sieben Knopfarbeiter aus Berlin und zwölf aus Böhmen, außerdem noch zirka fünfzig Lehrlinge; nun, diese Arbeiter sind durchaus nicht im Stande, den Streik illusorisch zu machen. Von den Berlinern sind nur Plattenschneider, ein Polirer und ein Fraiser in der Fabrik, letzterer wurde noch kurz vor Beginn des Streiks wegen zu großer Leistungsfähigkeit entlassen, ebenso geht es auch den böhmischen Arbeitern, dieselben müssen erst hier sich an den Maschinci, einarbeiten, sind also gewissermaßen Lehrlinge. Nun im Ganzenge- nommen liegt der Beweis ja auch klar auf der Hand, daß der Fabrikant mit diesen Arbeitern nicht leistungsfähig ist, sondern daß er dieselben nur in der Fabrik hat, um dieselbe nicht jtill- stehen zu lassen; seine Arbeit läßt der Fabrikant auperhal? fertigen. Dieselbe wird hier nur gefärbt und so weiter. Also den Stand des Streiks reell betrachtet, so kommt man zum Resultat, daß, wenn der Fabrikant durchaus nicht nachgeben will, die Arbeiter doch nie die Besiegten sind, denn dieselben iverden den Streik solange ausrecht erhalten, bis sämmtliche Ar- heiter anderwärts untergebracht sind; sind doch jetzt schon von den 114 Streikenden zirka 50 untergebracht; die nbrizen werden ebenfalls untergebracht werden, denn die Berliner Sternniißkiiopf- sabrikante» werden nicht, wenn sie Arbeiter gebrauchen, Herrn Röbll zu Gefallen, sich welche anlernen, sondern sie werden ge» lernte Arbeiter nehmen. Aber anders steht es mit dein Fabri- kanten: ist derselbe auch noch so reich, ist derselbe auch noch so «st entschlossen, nicht nachzugeben, so wird doch erstens es dem- '«Iben zu viel werden, hier Arbeitern einen Lohn zn.zählen, den sie hn nicht verdienen und zweitens wird derselbe nie Arbeiter er- halten, mit denen, er leifttingsfähig ist, er wird also für viele, viele Jahre, womöglich für immer geschädigt sein, denn wenn sämmtliche streikende Arbeiter untergebracht sind, werden wir dennoch die Fabrik nicht aus den Augen lassen. Sämmtliche darauf folgende Redner äunerten sich im selbigen Sinne und für Anfrechterhaltung• der Forderungen, Entlassung des Schlossers Müller, sowie Zurücknahme des Reverses, nach welchem kein Ar- bxiter einein Fachverein angehören darf. Der dritte Punkt der Tagesordnung mußte wegen schwache» Besuchs der Hornarbeiter von der Tagesordnung abgesetzt werden. Unter„Verschiedenes" wurde noch der Antrag gestellt, da die SW"*""*"-'- schlossen haben, am 1. 3 Versammlung abzuhaltei Familie zu veranstalten. nächsten Versammlung w Ver Verein zur V arbeitcr und verwand» 24. d. Mts., seine Mitgl ordnung ab: 1. Vortrag Poesie. 2. Vercinsmitth neuer Mitglieder. Nach Herr Türk zu seinem Bo lehrreichen und schönen~ Wahrhaftigkeit und Erbai sein. An der Diskussior In Werkstattangelegenhei Tagesordnung. Der Kol nicht erschienen. Dann n Ein Antrag, den streik 20 M. zu bewilligen, wl Kranken-Untersrützung au sammlung 12 Uhr. Eine öffentliche; verwandten Kerufsg, Salon mit der Tagesorb berger Mechamkertag uul war Kollege Bremer aus aus, daß es die Berlins Verband organistrten Gel unterrichteten, im Heide! Ä 1 17. SLpleinber v. I. abzuhalten, auf dessen Tagesordming außer wisseuschastlichcn Gegenständen, auch die Lehrlings- und Gehilsen- frage standen. Zweck dieser Verhandlungen war, Sliifbessernng der Lahn- und Arbeitsverhältnisse auf gütlichem Wege anzubahnen. Die Prinzipale haben durch diese Tages- ordnung das Zugeständniß gemacht, daß die vorhandenen Mängel dringend der Abhilfe bedürfen. Die Zahlstelle Hamburg übernahm die Führung in den Unterhandlungen und beschloß, den Prinzipälen Forderungen zur Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu unterbreiten. Diese Forderungen werden von sämmtlichen Zahlstellen anerkannt und theilweise noch erweitert. Das Resultat dieser Verhandlungen, an denen 65 Prinzipale und 5 Gehilsenvertretcr theilnahmen(aus Ham- bürg, Berlin, Stuttgart und Frankfurt a. M.) war, daß noch weitere Vertreter der Arbeiter aus Leipzig, Wetzlar und München gewählt werden sollten, die mit ebenso viel Prinzipalen aus den genannten Orten in Jena zusammentreten sollten, um für den in diesem Jahre stattfindenden zweiten Mechanikertag in Bremen Vorlagen vorzubereiten, die zur Abhilfe der Mißstände geeignet sind. Die Jenenser Konferenz, die Professor Abbo in Jena vorbereitet hatte, fand am 21. Dezember statt. Dieselbe beschloß, betr. die Lehrlingssrage, einheitliche Lehrkontrakte und Lehrzeugnisse herzustellen und Schiedsgerichte in Lehrlings-Ange- legenhciten und Gehilfensragcn, bestehend aus Prinzipalen und Arbeitern, an allen Orten zu errichten. Von den Forderungen der Gehilsen wurden anerkannt: zehnstündige Arbeitszeit, 18 M. Minimallohn und einen den Verhältnissen entsprechenden Orts- Zuschlag,. 25 pCt. Aufschlag für Sonntags- und Ueberstunden- Arbeit und der Arbeitsnachweis des Verbandes. Redner meinte, daß diese Zugeständniste nicht zu unterschätzen feien, da that- '"' in den kleineren Städten noch eine IG/l- und 11-stündige Arbeitszeit vorhanden sei und auch in Berlin die 9-stündige Arbeitszeit nur in den großen Fabriken, und zwar auch nur auf dem Papier bestände und meistens 11 Stunden, ja sogar 19 Stunden gearbeitet würden. Die Abschaffung der Akkordarbeit wurde vorläufig noch nicht für durchführbar erklärt, jedoch wurde ein Minimallohn festgesetzt, der gezahlt werden muß, wenn der Akkordpreis den Fähigkeiten des Gehilfen nicht an- gemessen erscheine. Diese Beschlüsse, betont Redner ausdrücklich, seien jedoch vorläufig nicht bindende, sondern sollten erst dem in Bremen in diesem Jahre stattfindenden Mechanikertag, auf welchem ein Verband selbstständiger Mechaniker gegründet wer- den solle, zur weiteren Beschlußfassung vorgelegt werden. Wenn auch, so schloß Redner, etwas Positives dadurch nicht erreicht sei, so dürfe man das Resultat dieser Verhandlunge», die ihre feste Gestalt in Bremen erhalten werden, nicht unterschätzen. Pflicht jedes Kollegcy sei es daher, dafür zu sorgen, daß unsere Organi- sation stark werde, damit sie den Prinzipalen Achtung einflöße.— Inder sehr lebhaften Diskussion'wurde hauptsächlich hervorge- hoben, daß auf diesem Wege schwerlich etwas nennenswerthes zu erlangen wäre, daß dies vielmehr nur durch stramme Organi- sation und striktes Ausrechterhalten der Forderungen geschehen könnte und wurde deshalb ermahnt, in Anbetracht der günstigen Konjunktur hauptfächlich in der Telegraphenbranche an den For- derungen der Berliner Kollegen, neunstündige Arbeitszeit, 21 M. Minimallohn und 25 pCt. Ausschlag für Ueberarbeit, festzuhalten. Auch seien die von den Berttetern in Jena geplanten Schieds- gerichte als unzulänglich zu bezeichnen, da nicht einmal d,e Satzungen der Gewerbeschiedsgerichte für Berlin in der neuen Fassung wesentliche Ansprüche auf Werth machen könnten. In seinem Schlußwort ermahnte der Referent zu maßvollem Vor- gehen. Er nmcht darauf ausmerssam, daß die Errungenschaften der anderen Gewerkschaften durch die Streiks von den meisten bei weitem überschätzt würden und daß unsere Mittel und unsere Organisation noch nicht derartig gekräztigt seien, einen Ausstand mit Erfolg durchzuführen und ein mißlungener Streik unsere erst im Aufblühen begriffene Vereinigung leicht zerstören könnte. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde be- schloffen, das Bureau zu beauftragen, in der nächsten Woche eine öffentliche Versammlung einzuberufen, in der eine Kommission von 9 Kollegen zu wählen sei, die mit den Einleitungsarbeiten betraut werden solle. Auch wurde ausgefordert, in alle Werk- stätten Verttauensleute zu ernennen, und diese in der nächsten Versammlung bekannt zu geben. Eine Resolution, den 1. Mai als Feiertag anzusehen, fand allseitige Annahme. Mit einem " loß der Vorsitzende die Versamm» Hoch auf die Arbeiterbewegung schl lung um 12Vs Uhr. BS Theater. vom Freitag, den 28. März. Gperuhaus. Othello. Kchauspielhano. Ein Schritt Wege. Lrsstng- Theater. Die Ehre. berliner Theater. Der Veilchen- fresser. Deutsches Theater. Krieg im Frieden. Friedrich-Wilhetmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Mallner-Theater. Ein toller Ein- fall. Uiktoria-Theater. Stanley in Afrika Ostend-Theater. Der Fall Clömen- ccau. Ursidrxk-Theatrr. Marquise. �clleaUianre-Theater. Der Rau- tilus. Köniostädtischeo Theater. Muttersegen, oder: Die neue Fanchon. Central Theater. Ein fideles HanS. Adolf Ernst- Theater. Der Gold- fuchs. Theater der Urichshalle». Spezialitätenvorstellung. Gebr. Richter s jjariötö. Spezialitäten-Vorstellung. Kaufmanns Uariötö. Spezialitäten- Vorstellung. American-Theater EWS- Dresdenerstrahe 55. Täglich Vorstellung. Enylischer Garten Alexandcrstraße 27c. Austreten der Chansonette Frl. Fran« zisca Normann. Auftreten des Gesangs-Humoristen Hrn. Köhler. Austreten der Duettisten Albert und Neiljr Rappmann. Auftreten der Chansonette Frl. Jenny Peters, sowie der musikalischen Clowns Toni und Jack. Anfang Wochentags 8 Uhr. Cntrce 30, 50 u. 75 Pf., im Vorverkauf 20 u. 30 Pf. Sonntags Anfang halb 6 Uhr. Sonntags Entree 50, reservirt 75 Pf., Orchester 1 Mark. Vorverkauf Entree 10 Pf. Donnerstag, 10. April, letzte Vorstellung in dieser Saison. CipcHS Renz. K a r l st r a ß e. Heute, Freitag, den 28. März 1890, Abends 71/2 Uhr. Komiker-Vorstellung unter Mitwirkung von sämmtlichen '------ ch.- von Klowns der Gesellsä last. oder: Salvaloro Rosa und die Banditen- Fürstin, große equestrische Balletpantomime, arrangirt vom Direktor E. Renz. Großartige Tremplinsprünge. Reiten und Vorführen der besten Schul- und Freiheitspfcrde. Auftreten der renom- mirten Luftkünstlerinncn Geschwister Castagna, sowie der vorzügl. Reitkünst- lerinnen und Reitkünstlcr. Morgen Sonnabend: Gala- Vorstellung zum Benefiz für die großartige Künstler- familie Briatore. Auftreten des renom- mirten Elberselder Athletenklub. Sonntag: 2 Vorstellungen.''" E. Renz, Direktor. BBS 31. Unter de« Linden 31. E: Im Hause der Wilhemshallen neben der Passage. Beil- Vorführung Täglich Ali- TÄ 7VÄ. Bey8s: 3, 2«. 1 M. Billets im Jnvalidendank. Circns Wulff. fiW Friedrich Carl- Ufer."SftB Ecke Karlstraße.' Freitag, den 28. März 1890, Abends 7V3 Uhr:• Auf vielseitiges Verlangen: Wieder- holung der mit so vielem Beifall auf- genommenen BWonstre■ Parforcc- Vorsiellung. Zur Vorführung gelangen KW 3(1 TWS der besten Repertoir-Nummarn. Sonnabend, den 29. März: Große Gala-Vorstellung zum Benefiz für de» beliebten Jongleur zu Pferde Mr. Georges Palmer. Hochachtungsvoll Ed. Wulff, Direktor. Dem Vertreter des 6. Verl. Wahl- kreises im Deutschen Reichstag, Schrift- steller Herrn 502 Wilhelm Liebknecht in B ors d orf bei Leipzig, statten die Parteigenossen- desselben zu seinem, am 29. d. M., stattfindenden Gl. Geburtstage ihre besten Glück- wünsche mit dem Wunsche ab, daß er ihn noch recht oft in ungeschwächter Kraft und Gesundheit erleben möge. 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Klitschmar, Fehrbellinerstr. 31. Steinbock, Fruchtstr. 72(20 pCt.), Bertram, Skalitzerstr. 101. Nicht bewilligt und gesperrt: Wolff, Vreslauerstr. 81. I Weidemann, Friedenstr. 94. Klug«. Vonzinsky, Wienersir. 17. I Krieger, Friedenstr. 44. Sommerfeld, Zionskirchstr. 51. Das Streikburean und der Arbeitsnachweis befindet sich Blumen- Strasse 38 bei Henke. Streikende haben sich täglich von 9—12 Uhr behufs Konttole zu melden. 600 sJSF" Achtung! Maurer! Will Mitglieder-Versammlung des ünterstütznngs Vereins der Maurer Berlins am Sonntag, den 30. März, Vormittags 10V, Uhr, im Saale dcö Herrn Lehmann, Schwedterstraße 23—24. 1. Allgemeine Arbeiterbewegung nnh der 1. Mai. Referent Herr Klein. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Gäste haben Zuttitt. .Der Vorstand. 498 am Ecke Linden- Strasse. Große öffentliche Versammlung «oharrber ml Zederzurtchter. lomte o«r in dieser Kranche befchaftigten Arbritrr, Sonnabend, den 29. März, Abds. 8V: Uhr. tn Kotzow« Krauerei, Vor dem Prenzlauer Thor. Tages-Ördnung: 1. Die Bedeutung des Achsstundentages und der 1. Mai 1890. Neferent Max Baginski. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiche Betheiligung ersucht____. Der Ginl» erufer: Hermann Krawnack, Schönhauser Allee 21. ßBobol-. Liebknecht-, Singer• Köpfe, als Clg.-Spltze, echt Mecrsch., i 1,50 M. Bftiill7o1 Brunnenstraße 157, ■ uunzei, am Rosenth. Thor. Schäfte-Branche. Gesperrt sind folgende: Max Met) er, Neue Friedrichstr. 39. Krautwurst, Gr. Fränkfurterstr. 57. Mathias u. Bürger, Kürassier- straße 16. Mohr, Elisabeth Ufer 20. P e r l i ch, Elisabeth Ufer 19. Vater, Kurze Straße 4. Oppenheim u. Söhne. Rath, Neue Friedrichstraße. Herzberg, Friedrichstr. 250. L o o b, Annenstrahe. Schulz, Neue Roßstr. 11. Wtttig. Fruchtstr. 47. Leiser, Kaiserstr. 38. ' r a n z i s k y, Manteuffelstr. 102. psa t e r, Eisenbahustr. 10, Ullendorf, Karlstraße. Witt, Dresdenerstr. 85. Einer?, Sebastianstraße. Bergschmidt u. Lange haben bewilligt. Diejenigen, welche an solchen Stellen arbeiten, sind als Streikbrecher zu betrachten. 490 Arbeitslose Kollegen und Kolleginnen haben sich auf dem Streikbureau Oer©chäftebronche bei N ey er. Alte Jakobstr. 83, zu melden. Dir Uohnliommifston. 452 Grosse öffentliche Versammlung aller Militanschneiden am Sonnabend, den 24. März) Abends 8V: Uhr, in Jordans Salon. Tages-Ordnung:. 1. Die Lohnbewegung und wie stellen sich die Militärschneider Berlins zu dem?lrtikel des deutschen Offrzier-Vereins im Militär-Wochem blatt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Alle Kollegen werden gebeten pünktlich zu esscheinen. tv Elnbrrufrr. 495 Fachvereiu der MetaUschrauveu-, Fayondreher u. Kerufsgeu. Sonnabend, deu 29. März 1890, Abends 8'>. Nhr, in den Bürger-Sälen, Dresdenerstr. 96: Grchr Wiener Maskenball. Killet» sind zu haben bei folgenden Herren: Albert Kirchner» Görlitzerstr. 65; Rudolf Weber. Siraußbergerstr. 52; Wilh.« r n st, Lausitzerstr. 14; Aug. Stütze l, Naunynstr. 79; Rothwald. Naunyn- sttaße 28, sowie bei Herrn M. Baginski, Eity-Passage. Da» Komitee.__ 425 Soeben erschien: Krst H(Schlußhest) Robert Blum und seine Zeit. Von Milhelm Kebimecht. 3. Anfinge. preis pro Heft 35 Pf. Wiederoerhanfer erhalte« Padatt. Einbanddecken dazu& 35 Pf. Zu beziehen durch die Expedition, Zimmerstrasse 44. rantwortlicher Redakteur: Cnrt Kaake in Verlin. Druck und Vertag von War Kadwg in Berlin SW„ Beuthstraß« 2. Hier««»i«» Heii«««' Ur. 74. Freitag, de» 38. März 1890. 7. Jahrg. VKVlk»»»ts»tksbeviÄzke. Al'grordnetenhauo. 38. Sitzung vom 27. März. TageZordnung: Interpellation v. Rauchhaupt- Gra' Luirburg-Stirum; Etat(Landtag, Finanzverivaltung): Lehrer- Relikten-Gesetz; kleinere Vorlagen. Slm Ministertische: H e r r f u r t h, Kommissare. Präsident w. Kaller eröffnet die Sitzung um 11 Vi Uhr. Es gelangt die nachstehende, von zahlreichen Mitgliedern der ronseroativen Partei unterzeichnete Interpellation der Abgg. v. Rauch Haupt und Graf Limburg-Stirum zur Verlesung: Beabsichtigt die königliche Staatsregierung für die Hinterbliebenen des bei einem Ausruhr arn 20. ö. Mts. zu K ö p e n i ckcrschossenenGendarmenMüllerin derselben Weise Fürsorge zu treffen, wie dies durch Gesetz vom 17. April 1685 für die Hinterbliebenen des zu Frankfurt am Main ermordeten Polizeikoimnissars Rumpff geschehen ist? Abg. Graf von Limburg-Stirum(kons.): Zunächst möchte ich erklären, daß ich diese Interpellation in voller Uebereinstim- mung mit meinen politischen Freunden eingebracht habe. Wenn nicht alle meine Freunde die Interpellation unterschrieben haben, so liegt dies daran, daß zur Zeit, als die Unterschriften ge- sammelt wurden, nicht alle meine Freunde hier anwesend waren. Der Hergang der Sache ist kurz folgender: In Köpenick fanden in den ersten Tagen der vorigen Woche Tu- multe statt; meist waren dieselben hervorgerufen von halbwüchsigen Burschen. Diese erhielten zedoch bald Zuzug von auswärts und die Tumulte nahmen einen immer er regieren Charakter an, bis am vierten Tage der Gendarm in scheußlicher, meuchelmörderischer Weise ums Leben kam. Am vierten Tage wurde Militär requirirt und bald darauf trat wie der Ruhe ein. Wenn wir nun für Besprechung dieser Angelegen- hcit die feierliche Form einer Interpellation gewählt haben, so geschah dies nicht, weil wir der Regierung irgend einen Bor- wurf machen wollen, sondern weil wir die Lage für eine ernste halten und hier feststellen wollen, daß in Uebereinstimmung mit der Regierung hinter den Beamten wir alle stehen. Cs ist ziemlich klar, daß in den ganzen Tumulten ein Zusammen- hang zu finden ist mit der Sozialdemokratie, wenn ich auch nicht sagen will, daß die Führer selbst die Tumulte ange- zettelt haben. Diese sind aber eine Folge der schweren Hetzereien und Agitationen, durch welche der Geist der Unbotmäßigkeit in der Bevölkerung genährt werde. Wir werden, glaube ich, noch weiter solche Dnige zu gewärtigen haben. Wir fürchten uns vor denselben nicht; wir wissen ja, daß die Staatsregierung stark genug ist, um solcher Bewegungen Herr zu werden. Aber wir dürfen keinen Zweifel lassen, daß wir alle hinter den Beamten stehen, die in unniittelbarer Berührung mit diesen Dingen den schwersten und gefahrvollsten Berns haben. Ich bin weit davon entfernt, auch nur die leiseste Kritik daran zu üben, daß das Militär nicht früher gerufen worden ist. Wir selbst haben ja in Uebereinstimmung mit der Regierung durch Be- ivilligung der Vermehrung der Gendarmen beiviesen, oaß zunächst überall versucht werden soll, mit der Polizeimacht fertig zu wer- den. Ich wundere mich aber darüber, daß die Gendarmen, wenn sie einmal einhauen, flach einHauen. Ich bin der Meinung, daß einer Bevölkerung gegenüber, die sich amüsiren will, die Polizei nicht nachsichtig und geduldig genug sein kann; wo aber die Ab- ficht, Tumulte zu erregen, offenbar ist, da scheint es nur richtig, die Waffe, wenn sie gebraucht wird, nur scharf zu gebrauchen.(Zustimmung rechts.) Wir stehen einer schweren Situation gegenüber. Tie Haltung der Be- amten war eine vortreffliche. Gegenüber den zahlreichen Provokationen hat sich die Polizeimannfchast geduldig und lang- müthig bewiesen und erst im äußersten Augenblick ist sie ein- geschritten. Was nun den ermordeten Gendarmen anbetrifft, so kann ich ihn nicht bedauern. Was kann einem Mann Besseres geschehen, als wenn er in treuer Pflichterfüllung ein Opfer seines Berufes wird? Zlllen anderen Beamten können wir den gefallenen Gendarmen Müller nur als Muster hinstellen.(Beifall rechts.) Wenn wir nun wünschen, daß der Fall ähnlich behandelt werden soll, wie die Ermoroung des Polizeiraths Rumpfs, so ver- kennen wir nicht, daß die Sachlage doch eine andere ist. Der Frankfurter Polizeirath ist durch einen von den Anarchisten gedungenen Meuchelmörder ermordet worden; den Hergang bei der Crmordung des Gendarmen Müller muß erst die Untersuchung ergeben. In beiden Fällen aber besteht doch ein Zusammenhang mit der großen Bewegung, mit der wir es zu thun haben. Ferner steht fest, daß ein treuer Beamter in seinem Berufe gefallen ist. Hierin sehe ich eine Analogie mit dem Falle Rumpff. Ich verlange nun nicht ein ausdruckliches besonderes Gesetz für diesen Fall, ich möchte aber nicht, daß die Hrnterbliebenen in Form einer Gnadenbewilligung unterstützt werden, sondern daß ihnen als ihr Recht gewahrt wird, was der Vater bei seinen Lebzeiten erhalten. In so anßerordent- lichen Dingen, bei einer so schwierigen Situation muß, meine ich, etwas besonderes geschehen; auch darin erkenne ich eine Analogie. Ich wiederhole, wir müssen der Regierung Ge- legenheit geben, mit uns gemeinschaftlich ins Land hinauszurufen, daß jeder Beamte sich au; uns verlassen kann.(Beifall.) Den Gefahren, welche uns drohen, wollen wir fest ins Auge sehen. Ich bin iiberzeugt, wir werden dann auch mit ihnen fertig werden. (Beifall.) Minister des Innern Arrrfurtst: Es ist mir erfreulich gewesen, daß der Herr Abg. Graf Limburg- Stimm bei der Begründung der Frage an die Staatsregierung doch ein klein wenig anders formulirt hat, als in der Interpellation. Ich bin überzeugt, daß. wenn auch die Antwort der Staatsregierung auf die gedruckte Interpellation in formaler Beziehung ver- neinend ausgefallen wäre, der materielle Inhalt meiner Antivort die Herren Interpellanten doch beiriedigen w,rd. (Beifall rechts.) Ich bin in Allem mit der soeben gehörten Be- gründung einverstanden und kann insbesondere das gute Zeugniß, welches der Herr Abgeordnete den bei diesen Exzesse» in Köpenick betheiligt gewesenen Erekutivbeamten ausgestellt hat, nur voll bestätigen. Ich sreue mich, daß die Beamten auch in diesem Falle ihre Pflicht ganz und mit Einsetzung ihrer Persönlichkeit gethan haben.(Beifall.) Wenn der Herr Vorredner beklagt hat. daß die Beamten flach eingehauen haben, so trifft das nach den Ernlitteluiigen nicht ganz zu. Der Zustand der Waffen der Gendarmen zeigt deutlich, daß sie zun, The>l sehr scharf eingehauen haben. Die Staatsregierung ,st gewillt, den Hinterbliebenen des Gendarmen Müller in ausrelchend- ster Weise Fürsorge zu Theil werden zu lasten(Belsall). Sie will von der Familie eines pflichttreuen und auf schmähliche Weise ermordeten Beamten die Nachtheile, welche ihr durch den Tod ihres Ernährers entstanden sind, abwenden, soweit das überhaupt durch Geldmittel möglich ist.(Beifall.) Der Wittwe ist bereits aus dem Fonds, welcher dem Ministerinm des Innern zur Verfügung steht, eine namhafte Sumnie zu Theil geworden, außerdem erhält sie bis zum 1. Juli das volle Einkommen ihres Mannes. Durch die Bewilligung einer weiteren Pension und erhöhter Erziehungsgelder werden nicht nur die Nahruiigssorgen von der Familie genommen, sondern auch für eine tüchtige Erziehung der Kinder gesorgt sein. In derselben Weise,>vie im Jahre 1885 für den in Bochum erschossenen Gendarmen Mentzel gesorgt ist, wird es auch hier geschehen. Die dazu erfordere lichen Mittel hat die Staatsregierung aus dem Gnadenpensions- fonds, sowie aus den im Kapitel 97 Titel 6 bezeichneten Fonds zur Nnterstützung der Beamten-Wittwen und-Waisen entnommen. Die Staatsregierung beabsichtigt daher, nicht im Wege eines der Landesvertretung vorzulegenden Spezialgesetzes, wie im Falle der Ermordung des Polizeiraths Rumpff, diese Fürsorge zu bewirken. Sie ist vollständig einverstanden mit den Zielen und den Motiven der Herren Interpellanten, sie glaubt aber zur Erreichung dieses Zieles einen rascheren und einfacheren Weg einschlagen zu sollen, als den in der Interpellation bezeichneten. Sie kann sich in dieser Richtung auf die Autorität des Herrn Grafen Limburg selbst beziehen, der am 25, März 1885 darauf hingewiesen hat, daß dieser ausnahmsweise eingeschlagene Weg eines Spezial- gesetzes da nicht angezeigt sein würde, wo ein Beamter nicht auf Grund eines Komplotts in vorbedachter Weise ermordet, sondern in Ausübung seiner Dienstobliegenheiten zu Schaden gekommen ist.(Beifall.) Abg. Graf z» Limburg-Stirum: Wir sind durch die Beantwortung unserer Interpellation vollkoinmen befriedigt, der Zweck, den wir damit erreichen wollten, ist erreicht, und wir ver- zichten auf jede Besprechung.(Beifall rechts.) Da auch von anderer Seite eine Besprechung nicht beantragt wird, so ist der Gegenstand hiermit erledigt. MorreLzrcindenzen. Ztew-Uorb, 14. März. Eine Anzahl großer amerikanischer Zeitungen brachten vor kurzen, gleichzeitig einen Aufsatz von E. Bellamy, dem Verfasser von:„Looking Backward", in welchem derselbe eine gedrängte Tarstellung der Bestrebungen giebt, welche der Ztationalisten-Bewegung zu Grunde liegen. Es heißt darin: „Wir befürworten nicht gewaltsame oder hastige.Maßnahmen, oder solche, welche industrielle Störungen hervorrufen oder un- nöthige Härte für einzelne Individuen herbeiführen müssen. Wir wollen das Gefetz durch das Gesetz, und die Konstitntion, wenn nöthig, durch die Konstitution ändern. Die Nationalisi- rung der Industrien soll den Anfang bei den- jenigen machen, welche mit großen Kapitalmassen operiren und der öffentlichen Gewalt gefährlich werden, welche das Publikun, besonders ausbeuten oder die Arbeiter unterdrücken; welche bereits stark snstematisirt und zentralisirt und welche leicht den bestehenden Regierungsfunktionen beigefügt werden können." In dieser Richtung scheine das Land für sol gende Maßnahmen bereit zu sein: 1. Rationalisirung der Eisenbahnen, und zwar in der Weise, indem die Vereinigten Staaten entweder als beständige Massen- verivalter ernannt werden, um sie im öffentlichen Interesse zu betreiben und den gegenwärtigen Aktionären angemessene Dividenden auf den wirklichen Werth des Besitzthums zu zahlen, bis der Nationalismus vollständig etablirt ist; oder auf sonstige Weise, wobei einzelnen Personen nicht mit Härte zu nahe getreten wird. Da bei Begründung dieser Maßnahme Momente in Betracht kommen, welche von besonderem Interesse sind, so sei dieselbe gedrängt wiedergegeben. B. sagt, die Nationalisirung der Eisen- bahnen sei, ganz abgesehen vom Standpunkte der Nationali st en, rathsam: I. weil die Bahnkompagnien ver- möge ihres großen Reichthums und der korrupten Verwendung deffclben den mächtigsten und gefährlichsten Einfluß zur Verderbung der Regierung bilden; 2. weil die Gewalt, die sie über die ivirthschastlichen Verhältnisse ganzer Landestheile, Staaten und Städte auszuüben im Stande sind, nur der Regierung zustehen sollte; 3. wegen der verzweifelten Rivalität der Kompagnien, welche durch unnöthige Ausdehnungen, Parallel- Linien und Kriege seit langem die hauptsächlichste Verwüstung des Nationalreich- thums und die Ursache von periodischen Geschäftskrisen bildet; 4. weil die Finanzgebahrung eines großen Theiles der Eisen- bahn-Kompagnien den größten Schwindel hervorgerufen, der je- weils irgendwo dagewesen ist; 5, weil der Komfort und die Sicherheit des reisenden Publikums ein gleichmäßiges und har- monisches Eisenbahn-System im ganzen Lande verlangt, und weil es nicht denkbar ist, daß die grausame Abschlächterei von Eisen- bahn-Arbeitern zu Ende gebracht werden kann, so lange die Bahnen sich im Privatbesitz befinden. 2. Die Nationalisirung des telegraphischen und telephonischen Verkehrs. 3. Verbindung der Packetbefördcrung mit dem Postdeparte- ment. 4. Nationalisirung des Kohlenbergbaues, welcher jetzt dem Publikum gegenüber in höchst räuberischer, den Arbeitern gegen- über in bedrückendster Weise betrieben wird. 5. Uebernahme der Beleuchtung, der Straßenbahnen u. s. w. eitens der betreffenden Gemeinden. Die Nationalisirung dieser großen Ziveige öffentlicher Dienst- leistungen und der Produktion würde nach der Meinung B.'s direkt zur Hebung der Verhältnisse von anderhalb Millionen Arbeitern bei- tragen. Es würde ein Bollwerk gegen Kapitalisten, Usurpation der Korporationen und gegen ökonomische Unterdrückung sein. Es würde ein geivaltiger Kern für die künstige industrielle Armee geschaffen werden. Selbst ivenn nur eine Industrie in olcher Weife organisirt und den Arbeitern Sicherheit, Gesund- heit, Wohlfahrt und Gerechtigkeit gesichert wäre, ivürde sie un- z weifelhaft zur allgemeinen Einführung des Systems anreizen. Die Nationalisirung des Landes in einer Weise, welche die größte Härte ausschließt, gehört zu dem Programm der Ratio- nalisten. Während sie nun alle praktischen Mittel zur Verhindc- rung von Landmonopolen unterstützen, geben sie nicht zu, daß lediglich auf den Boden bezügliche Maßnahmen(dies be- zieht sich auf den George'schen Vorschlag) eine genügende Abhilfe für die bestehenden industriellen und sozialen Mißverhält- niste sind.— Zum Schluß heißt es: Wir sympathisire» mit allen Bestrebungen der Arbeiter, sofortige Verbesserungen ihrer Lage zn erkämpfen. Aber wir geben ihnen zu bedenken, daß bei dem jetzigen industriellen System keine großen Verbesserungen möglich sind und daß der einzige wirksame und friedliche Weg, dieses Sy st em durch ein besseres zu ersetzen, im Nationalismus besteht.— Das sozialistische„Philadelph. Tagebl." bemerkt dazu:„Wir haben diesem Aktionsprogramm sehr wenig hinzu zu fügen; aus dem einfachen Grunde, daß es unseren An- chauungen vollkommen entspricht und wir es auch für vorerst vollkommen genügend halten. Jedenfalls ist es viel umfassender, als der Lassalle'sche Vorschlag. Aus ein solches Programm hin könnten alle die verschiedenen Richtungen rn der Arbeiterbewegung und die Farmerverbindungen geeinigt werden. Die Sozialisten, die Arbeitsritter und die Farmer verlangen die Nattonalisirung der Verkehrsmittel; die Georgianer haben in ihrer Plattform den Satz, daß die Natton und die Gemeinde besorgen sollen, was sie besser als Privatkorporationen besorgen können. In der Forde- rung der Nationalisirung des Bergwerks haben sich die Arbeits- ritter den Sozialisten und Nationalisten genähert. Die Stellung Bellamy's hinsichtlich Einwanderung, Mäßigkeit, Frauen- rechte und so weiter wird von allen diesen Richtungen gethent. Es fehlt blos, daß eingeborene Amerikaner von unzweisel- haftcr Rechtschaffenheit und politischem Verständniß den An- stoß zur Vereinigung aller dieser Elemente geben. Nur auf diese Weise wird eine große amerikanische Arbeiterpartei geschaffen werden. Hoffen wir, daß es bald ge- * �.Bald" wird sich nun freilich diese Hoffnung nicht erfüllen; es liegen da Umstände vor, welche die Erfüllung behindern, die allgemein bekannt sind, die man aber— eben infolge der heißen Hoffnung, daß eine Wendung zum Besseren eintrete— zuweilen übersieht. Das Haupthinderniß ist, daß sich die großen Massen der Arbeiter noch vollständig im Schlepptau der beiden kapitalistischen Parteien befinden, für welche Leute aus der arbeitenden Klasse selbst in den diversen Organisationen der- selben Handlangerdienste verrichten. Wie groß der Einfluß dieser letzteren Elemente noch ist, haben wir vor Kurzem wieder einmal in New- Jork erfahren. Von den Knights, deren Organisationen hier thatsächlich auf Null zusammen ge- schmolzen sind, war eine Volksversaminlung einberufen worden zwecks Unterstützung der in der Legislatur zur Berathung stehenden Wahlreformbill, die von dem Republikaner Sexton eingereicht worden. Der Zudrang zu dieser Versammlung war so Massen- Haft, daß der große Saal des Cooper-Jnstitutes nicht ausreichte uno eine zweite Versammlung(wie kürzlich bei der Weltausstellungs- frage) auf dem Platze vor dem Gebäude abgehalten wurde. Keine Seele ist in Zweifel darüber, daß das Interesse für die Wahl- reform diese Massen nicht auf die Beine gebracht hat. Aber An- gesichts des Uinstandes, daß der Orden der Knights, wie bemerkt, hier nur noch eine verschwindend kleine Mitgliederzahl hat, muß es einem Uneingeweihten wunderbar vorkommen, daß es den an- scheinend truppenlosen Führern dennoch gelungen ist, eine solche Menschenmasse auf die Beine zu bringen. Und doch ist die Sache im Grunde genommen sehr einfach und fußte lediglich auf dem eben angeführten Umstände, daß die Massen noch immer hinter den kapitalistischen Parteien herlaufen, und somit hinter den für dieselben thätigen„politischenDrahtziehern" aus ihren eignen Reihen. Dies ist ja auch der Grund der ekelhaften Geschichten, welche sich in der Zentralorganisation der New-Jorker Arbeiter ab- spielten, wo diese selben politischen Drahtzieher zur Ab- wechslung auch sür einzelne Kapitalisten oder Verbindungen solcher„arbeiten". Und dieselben Zustände sind in den ganzen Vereinigten Staaten überall dieselben, nur daß einmal hier, einmal da die fortgeschrittenen Elemente sich zeit- weilig aufraffen und den Versuch der Reinigung des Augias- stalles machen. Freilich, noch kaum irgendwo aus die Dauer, venu sehr bald verzweifelten sie an dem„Unverstand. der Massen", der hier so„schwarz und dicht" ist, daß der Äudorfsche vor einem Vierteljahrhundert in Deutschland als Morgendänime- rung erscheint!— Was weiter in Betracht kommt, ist der Umstand, daß jeder dieser Arbeiter, die mit einem wahren Fanatismus sür „ihre" Partei eintteten, die Hoffnung hegt, durch dieselbe irgend einmal ein„Aenttchen" zu erlangen, und wenn es auch nur ein Straßenreimgungs-Departement ist, sie sind also von einer ähnlichen Hoffnung erfüllt, wie die nun in Deutschland wohl so ziemlich ausgestorbene Spezies der Schulze-Delitzschianer, die es durch„Fleiß und Sparsamkeit" zu etwas zu bringen denken. Alle diese Momente hat man also bei seinen„Hoffnungen" in Bettacht zu ziehen!" Mcmmumnles. Stadtverordnete»- Versammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 27. März. Der Stadtverordneten-Vorsteher, Stadto. D r. S t r y ck, er- öffnet die Sitzung nach 5Ve Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilungen. Ein Ausschuß ist von den Abtheilungen gewählt worden. Der Vorsitzende des Gastwirths-Gehilfenvereins ersucht die Versammlung, bei der Verpachtung des Rathskellers dafür zu sorgen, daß dieses Restaurant auch mustergiltig hinsichtlich des Lohnes der Kellner werde.(Gelächter.) Der Lohn der Kellner habe dort früher monatlich 30—86 M. betragen und sei jetzt auf 15 M, gefallen. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird in der Etatsberathung fortgefahren. Der Markthallen-Etat wird genehmigt, ebenso der Etat der Vauverwaltung. Bei dem Kapitel„ M i e t h s st e u c r" des Etats Steuer- Verwaltung beantragen Stadtv. Zubeil und Genoffen: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, eine fernere stufen- weise Herabsetzung der Miethssteuer herbeizuführen und fordert ihn auf, Schritte zu thun, um für die spätere gänzliche Abschaffung der Miethssteuer Sorge zu tragen." Der Referent, Stadtv. K a l i s ch, bittet, diese Resolution ab- zulehnen. Eine Beseitigung der Miethssteuer sei unmöglich, so lange nicht gesagt werde, auf welch' anderem Wege die noch- wendigen Gelder ausgebracht werden sollten. Was den ersten Theil des Antrages Zubeil anbetteffe, so beantrage auch der Aus- chuß, den Magistrat zu ersuchen, er möge im nächsten Etat eine weitere stufenweise Herabsetzung der Miethssteuer herbeizuführen. Stadtv. Zubeil: Wir sind zwar mit dem Antrage des Ausschusses einverstanden, wenn nicht mehr durchzusetzen ist, wünschen aber prinzipiell die gänzliche Beseitigung der Mieths- 'teuer, derjenigen Steuer, die am drückendsten vom arbeitenden Volke empsuncen wird. Es wird gesagt, erst solle ein anderer Weg gewiesen werden, wie die Gelder aufzubringen seien. Nun, der Stadtv. Singer hat vor einem Jahre diesen Weg gezeigt. Man ist aber nicht darauf eingegangen. Progressiv yabe der Magistrat bei der letzten Einschätzung nur die direkten Steuern der Arbeiter erhöht. Wir sehe», wie große Gemeinwesen ohne Atiethssteuer auskommen, wenn nur der gute Wille vorhanden ist. An die Stelle der Miethssteuer muß eine progressive Einkommen- 'teuer treten. Sie, m. H., würden dann allerdings die Steuer- schraube mehr spüren, die Arbeiter würden aber entlastet werden. Als wir für die städtischen Arbeiter höhere Löhne forderten, lehnten Sie es ab. Raffen Sie sich jetzt wenigstens auf und geben Sie Ihre Bereitwilligkeit zu erkennen, wenigstens in Zukunft auf die Miethssteuer zu verzichten.(Unruhe.) Stadtv. Langerhans bekämpft den Antrag Zubeil. Der Berichterstatter Stadtv. K a l i s ch weist den Vorivurf zurück, als wäre die Majorität der Versammlung nicht arbeiter- freundlich: Wir haben Herdts herzlich viel für die Arbeiter gethan; Sie haben bisher für sie nur herzlich viel geredet. (Beifall und oho!) Nach einigen persönlichen Bemerkungen wird der Antrag Zubeil abgelehnt und die Resolution des Ausschusses ange- nommen. Der Etat wird bewilligt. Die Miethssteuer wird nach dem- selben Prozentsatz wie im Borjahr erhoben. s Voi der Abtheilung 4 der Ste»erver>valttt»g„Gemeinde-Ein ksminensteucr" bemerkt Swdtm H c i» d o r f: Es ist eine ausfallende Thaisache, die bereits Kollege Zubcil erwähnt hat, dast gerade in diesem Jahre die kleinen Gewerbetreibenden und Arbeiter i» ihrer direkten Be- stenernng außerordentlich erhöht worden sind. So ist z. B. ein Tischlergcselle von der zweiten sofort in die fünfte Stenerstufe eingeschätzt worden. Sncht ein Mll, hunderte derartiger Fälle sind uns z l Ohren gekommen. Es ist durchaus falsch, daß die Einnahmen der Arbeiter in der letzten Zeit durchgängig gestiegen sind. Und die Arbeiter, die schon unter den indirckren Steuern schwer zu leiden haben, sollen noch direkt geschraubt werden? Ttadtkänunerer At a n si und Stadtrath Hagen heben hervor, daß der Magistrat an Steuer- Erhöhungen ganz urbelheiligt sei. Sie würden vorgenommen von den aus der Bürgerschaft hervorgegangenen Kommissionen, ivelche die Vorein- schätzungcn zu besorge» hätten. Der einzige Weg gegen zu hohe Einschätzung sei die Reklamation. Einige kleinere Etats werden genehmigt. Vor der Abstimmung über den Gesammtetat erklärt Stadtv. Vogtherr: Ten Gesammtetat anzunehmen sind wir nicht in der klage. Wir haben zwar für eine Reihe der wich- tigstcn Einnahmen und Ausgaben gestimmt; unsere Stellung war nicht direkt verneinend, wir sind eingetreten für alles, was für die gesunde und fortschreitende Ennvickelung der Gemeinde- Verwaltung erforderlich war. Da aber der Etat nicht eine bloße Aufstellung von Zahlensummen ist, sondern auch ein Gesammtbild der Prinzipien ist, nach denen die Gemeinde verwaltet wird, so Utiißen wir, die wir mit nicht wenigen dieser Prinzipien nicht einverstanden sind, gegen den Gesammtetat stimmen. Was die Einnahmen betrifft, so richten sich unsere Bedenken hauptsächlich gegen die MiethSsieuer. Tie Btiethsstcuer ist fehlerhaft und schlecht, und hoffentlich werden Sie, die Sie fortwährend an ihr resormiren, sie bald zu Grunde resormirt haben. Was die Ausgaben betrifft, so sind die Ans- gaben für Bildungszwecke uns nicht zu hock', eher nicht hoch gc- nug. Sie«nüsfen im Einklang mir dein Zeitgeist blcrbcn. Wir sind nicht ivtllens, die Verwaltung zu hemmen; das haben wir schon dadurch bewiesen, daß wir, ohne mit der Wimper zu zucken, für die neue 55 Millionen-Anleihe gestimmt haben. Wir müssen die Anforderung stellen, daß unsere Stellungnahme so ernst genommen wird, wre sie gemeint ist. Wir sind zur Mitarbeit entschlossen, behalten uns avcr unsere Kritik vor, die aus grundsätzlichen Bedenken fußt. An unseren Grundsätzen halten wir fest. Nach einer kurzen Erwiderung de? Stadtv. Kaiisch wird der Gesamint-Etat in Einnahme und Ausgabe genehmigt. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung entbehren des öffentliche» Interesse?. Schluß 7b. Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. UoltQles. Für nusrre »»»er unseres der heutigen betreffend die als besondere hirsigcn Aboniunle» liegt Blattes die Bekanntmachung, und Jnvaliditätsversichcrnng der Arbeiter, Beilage bei. Die snnitiiren Devlsältuisse Drviino nahmen in der Woche vom 9. bis 15. März wieder eine etwas günstigere Gestalt a» und auch die Stcrblichteit zeigte eine erheblichere Abnahme «ich sank ans 21,0(pro Mille und Jahr). Insbesondere kamen akute Entzünoungen der Athmungsorgane in erheblich geringerer Zahl zum Vorschein, wiewohl die Zahl der durch sie vedingten Sterbesälle noch immer«ine größere als sonst um diese Zeit ist. Auch Erkrankungen an Grippe waren selten und wurde aus der der Berichtswoche vorhergegangenen Woche nur noch 1 Todesfall an Grippe gemeldet. Darmkatarrhe und Brechdurchfälle der Kinoer zeigten sich ebenfalls nur in wenigen Fällen und endeten seltener tödtlich. Die Theiluahme des Säuglingsalters an der Sterblich- keit war eine geringere als in der Vorwoche. Dagegen haben die Jnsektionslranlheiten Masern und Diphtherie größere Ausdehnung gewonnen und erstere besonders in der Friedrichstadt, der Schöne- berger und Tempelhoser Vorstadt, im Stralaner Viertel und in der diesseitigen Luisenstadt, letztere in der Schöneberger und Tempelhoser Vorstadt, in Moabit und in der jenseitigen Luisen- stadt die meisten Erkrankungen hervorgerufen. Erkrankungen an Scharlach, die sich in Moabit häufiger zeigten, haben etwas abge- nomrnen, Erkrankungen an Untcrleivs-Typhus sind nur zwei zur Meldung gekomme». Auch zwei Erkrankungen an Pocken kamen zur Anzeige. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut, sowie Erkrankungen im Kindbettsieber waren wieder zahl- reicher, auch Erkrankungen an.Keuchhusten waren häufiger, die Zahl der durch ihn beoingten Todessülle etwas größer(17) als in ter Vorwoche. Tagegen kamen rheumatische Beschwerden aller Art erheblich weniger als in der Vorwoche zur ärztlichen Beobachtung. Kerlin und der Häringohandel. Deutschlands Bedarf an Häringen, von dessen Deckung ein großer Theil Verlin zu passiren hat, wurde früher fast ausschließlich von Norwegen, Schottland und Bornholm gedeckt. Aus dem Nachbarlande Holland bezog man merkwürdiger Weise nur Sardellen, während holländische Häringe, abgesehen von einem kleinen Theil, den Westfalen ausnahm, nach Frankreich verkaust wurden, welches Landes Bedarf durch die eigene Fischerei nicht befriedigt werden kann. Einige Jahre nach dem dcutsch-sranzösischen Feldzuge von 1870—71 begann der holländische Höring in größeren Maffen nach Deutschland zu kommen. Seines seinen Fleisches sowie der angenehmen Salzung wegen gelangle der holländische Häring bei uns schnell zu großer Beliebtheit und die Folge davon war, daß die deutschen Abnehmer, zumal ihnen die Reellität der holländische» Salzer gefiel, Holland zu der Bedeutung als deutsche Härings-Bezugsquelle brachte», welche einst Norwegen und Schottland gehabt hatten. Die gute Bedienung seitens der Holländer führte sogar dahin, daß von denselben ans vorherige Bestellung per Kasse bezogen wurde, während die Salzer anderer Häringslauder ihre Waare nur durch Konsignation in Teutschland abzusetzen vermochten. In wirisame Konkurrenz mit dem holländischen Häring, dessen Zartheit des Fleisches und leichte Verdau- lichkeit der Konsument schätzen aelernt hat. vermag nur der norwegische Hering zu treten; beide Sorten gleichen sich auch im angenehmen Geschmack. Schotiische Häringe haben ein scstes Fleisch und müssen sich ihre» Absatz mehr landeinwärts von der Küste suchen. Bornholmer Häringe sind direkt hart und von slrichigem Fleisch; sie vermochten sich ein Hauptabsatzgebict nur in Süd-Galizicn,! Kroation und Steiermark zu verschaffen. Was nun den sogenannten„MatjeS- Häring" anlangt, so Wirdes interessiren über seine Herstammung:c. zuverlässig unterrichict zu werden, da das Publikum hierüber meist falsche Vorstellungen hat. Aiatjes-Hä ringe werden, mit wenigen Ausnahmen an der Ostküste von England und Schottland gesangen und sie sind nicht im Monat Mai am besten, sondern mir am theuersten, weck der Fang dann noch gering ist. Im Monat Mai sind„Mastes" noch„grün" und schmecken fischig. Im Juni ist der Hauptfang, gegen Ende Juni beginnt die Schinaelhastigkeit der Mastes und Anfangs Juli kann man demnach auf beste Qualität rechnen. Berlin hat nun im Häringshandel eine zweifache Bedeutung, die- jenige als Handelsplay und diejenige als Konsuvient. Abgesehen von einer ganzen Reihe Handlungshäusern zweiten und dritten Range?, deren Artikel Häringe sind, hat Berlin 5 Hauptgroßhandlungcn für Häringe. Man findet hier jede Art Maare: schottische, norwegische, holländische und bornholmer Häringe. Im Ganzen giebt e? etiua 30 Handelssorten, deren Benennung zum Theck ,n wirklichen Namen, wie z. V.„Matties",„JHIen",„Mixed", „Tornbellies",„Holländisch Jhlen"«. zum Theck em Zeichen. ivie K, KK, K"K besteht und auf den Tonnen ersichtlich ist. Schottische gangbare Handelssorten finden wir mindestens neun, norwegische ach'., hrliandische fünf, bornholmer zwei. Berlins und seiner Vororte Bedeutung im Häringskousuin, möge folgendes erhellen: eS skil.A jährlich durchschnittlich ein: 40 000 Tonnen ä 650 Stück. Tie Teime wiegt bis zu 8 Zentner und kostet bis zu 30 M. Die? käme gleich einein Verbranch von 260 Millionen Häringen und einem Umsatz von 1 200 000 M. Daß der Härings- verbrauch bei thcuren Fleischpreiscn ganz bedeutend steigst können wir in diesem Jahre sehen. Obgleich erst ein Vierteljahr zur Neige geht, schätzt man den Umsatz schon auf 4,io der Jahrcs- zifser. .Eine CiiischrättlumjZ des Gebrauchs der Dampl'pfeifr der Follomotive» ist vom Minister der öfsentlichen Arbeiten angeordnet worden. In der betreffenden Verfügung heißt es: Es erscheint geboten, die stärkeren Töne einzuschränken, soweit als es mit der Sicherhett des Betriebes irgend verträglich ist. Streng soll darauf geachtet werden, daß bei den einzelnen Sig- nalen nicht mehr Töne mit der Tamdfpfeise hervorgebracht wer- den, als die Signalordnung dies vorschreibt. Langgezogene AchtungSsignalc bei der Vorbeifahrt an den die Einfahrt frei- gebenden Bahnhofe-Anschlußsignalen sind verboten. Lokomotiven, welche nur kurze Zeit befördern, wie die der Berliner Stadtbahn, bedürfen nur kleiner Dainpfpseifen mit einem wenig starken Ton. Ter Minister ordnet dann namentlich eine Verringerung des lästigen Picifeus beim Rangirdienste an, wogegen sich die meisten Klagen richteten. In nichrrrett Jeitnitge» hat die Nachricht gestanden, daß die Firma Ludwig Löwe u. 5iomp. ihren Arbeitern angekündigt habe, daß jeder, der den l. Mai als Feiertag begehen würde, entlassen würde. Ten Arbeitern genannter Firma ist von einer solchen Ankündigung bisher nichts bekannt geworden. Geh UNS sucht wurde am 26. d. M. in Charlottenburg sbei dein Glasmacher Herrn Karl Neinartz ohne Erfolg und bei dem Glasn'.achergehilfen Herrn Gustav Lcupold. Hier wurde gesunden und beschlagnahmt: 1. Namensverzeichniß zur Durchficht der Wählerlisten von vergangener Rcichstagswahl. 2. Eine Legiti- mationskarte vom Zentrcck-Wahlkomitee und eine Nummer vom „Wahren Jakob" 1890— das Kartellbegräbniß! Mrgcu Kchmindels mit Kchlofifr-ihritioosr» ist gestern, dem„Kl. I." zufolge, ein gcwiffcr Wieland, in der Wilhelmstraßc wohnhaft, verhaftet worden. Tcrselbe erließ Annonzcn in den Blättern, in denen er Loose zur Schloßfreiheitlottme anbot. In einigen fünfzehn Fällen haben Leute darauf Loose bestellt und die geforderten Geldbeträge eingesandt. Da die bestellten Loose nicht eingingen, haben die„Spieler" den W.— meist kurz vor der ersten Ziehung und zwar telegraphisch— gedrängt— worauf bei denselben dann eine Depesche des Inhalts einlief:„Loose sind bereits abgeschickt", oder„Loose gehen heute ab" je. W. nannte sich seinen„Kunden" gegenüber in Zirkularen, die er ver- trieb, Bankier; der Herr„Bankier" hat aber in keinem der zur Anzeige gelangten Fälle Loose eingesandt, er hat solche überhaupt nie besefien, vielmehr das Geld in seinem Nutzen verwendet. Festgestellt ist, daß W. sich Direktor einer„Allgemeinen Serien- loosgcsellschast" nannte, über deren Existenz wenig bekannt ist. In einem hiesigen Kotrl wurde am 24. Februar die Leiche eines unbekannten, anscheinend dem Kaufmannssiande an- gehörenden zirka 80 Jahre alten Mannes erhängt aufgefunden. Derselbe war l,63 Meter groß, hatte dunkelblondes krauses Haar, blaugraue'Augen, hellblonden Schnurrbart, defekte Zähne, rundes Gesicht und war untersetzter Gestalt. Besondere Kennzeichen: zwei Narben in den Leistengegenden. Bekleidung: rehsardiger brauner Ueberzieher, dunkler Rock mit dem Zeichen: I. Voigt in Leipzig, dunkle Hose und Weste, braungesircifte Hose, weißgewirkle Unterhose, weißes Hemd, grauwollenes Unterhemd, graue Strümpfe, steifer, schwarzer runder Hut, Schnürschuhe; 8 weiße Taschentücher gez. A. B., eines desgl. J. B.; außerdem wurden bei der Leiche gesunden: eine gelblederne Zigarrentasche, 1 Taschenmesser mit schwarzer Schale, 6 Schlüssel, 1 Paar Stulpen unt dunklen, viereckigen Perlinuttknöpfen und 1 Paar brcmnledcrne Handschuhe. Relognoszenten wollen sich melden im Bureau des Leichen- kommissariats, Kommunikation am Neuen Thor 19, woselbst auch die Sachen aufbewahrt werden. Kn einem hiesigen Trödler bot vor einigen Tagen eine bisher nicht ermittelte Frauensperson eine Schwarzwälder Uhr zum Kauf an. Nach einer Legitimation befragt, ent. ernte sich die Unbekannte unter Zurücklassung der Uhr und hat sich seitdem nicht wieder sehen lassen. Es wird vcrmuthct, daß die Uhr aus einem Diebstahl herrührt. Tie Uhr hat kleines weißes Zifferblatt, auf welchem sich ans Holzrahmen in Messingblech gepreßte Figuren befinden. Der Eigcnthüwer wird ersucht, die Uhr in den Vormittagsstunden auf dem Polizeipräsidium Portal V Zimmer 381 besichtigen zu wollen. Ans drei Agenten, welche für die MassenauZwanderung nach der Insel Haway(Polynesien) Propaganda mache», wird von den Polizeibehörden eifrig gefahndet. Sie schildern in Prospekten das Land in den verlockendsten Farben, obwohl es viel- leicht der ungünstigste Platz für Auswanderer ist. Im Annonzrnthril unserer Nummer vom 19. März war ein Tischler G. Wickert erwähnt. Herr Tischler Franz Wichert, Grimmstr. 38, ersucht uns mitzutheilen, daß er mit dem erstge- nannten Herrn nicht identisch ist. Der Drrsirhr auf de» Masierstrasie» Kerlina hat sich im Jahre 1889 auf der Höhe der Ziffern vorn Vorjahre gehalten. Die amtlichen Erhebungen verzeichnen 3083 durchgehende, 44 737 angekommene und 44 310 abgegangene Schiffe. Dagegen zeigt das Gesammtgewicht der angekommenen Güter eine Zunahme von 122 010 Tonnen gegenüber dem Vorjahre, während betreffs der durchgehenden und abgegangenen Güter kleine Verminderun- en zu verzeichnen sind. Das Gesammtgewicht betrug nämlich ei durchgehenden Schiffen 283 667 Tonnen, bei angetonunenen 4 851 550 Tonnen, bei abgegangenen 327 538 Tonnen. Unter den angekommenen Schiffen befanden sich 4367 Personen-Dampf schisse, 1S50 Schleppdampfer, 368 Tau- bezw. Kettenschiffe, 549 Güter-Daurpsschrffe, 37 603 Segelschiffe. Unter den abgegangenen Schissen waren 4365 Personenoainpfer, 1826 Schleppdampfer, 368 Tauschiffe, 582 Giiterdampscr und 37 199 Segelschiffe. Unter den durchgehenden Schiffen endlich waren 1 Schleppdampfer, 10 Güter- Dampfschiffe und 3072 Segelschiffe. Bezüglich der Güter- dampfer ist seit dem Jahre 1888 eine Zunahe von einem Zehntel der Schiffe eingetreten. Was die Flöße betrifft, so sind 15-1 mit 10 903 Tonnengehalt durchgefahren und 149 mit 11 533 Tounen- gehalt angekommen. Die nllgrinei» verbreitete Ansicht, daß Kahlköpsigkeit entweder eines jener Zeichen sei, durch welche das Greisenalter in unangenehmer Weise sein Herannahmen verkünde, oder aber zu jenen Symptomen gehöre. Die auf eine etwas„bewegte" Ver- gangcnheit des Individuums hindeuten, dürste durchweinen Fall seine Niederlegung finden, der, dem„Verl. Tagebl." zufolge, in der Klinik des Herrn Tr. Lassar jüngst zur Vorstellung gelangte. Eine Tarne, die dem Aussehen nach iui Anfang der zwanziger Jahre stehen mochte, trat ins Auditorium. Ihre Frisur, die nach der neuesten Mode sich dem Kopf dicht anlegte, hätte die Be- wundernng eines Jeden erregen müssen, wenn sie sich nicht bald als eine aus der Kunstwerkstatt eines vortrefflichen Haarkünstlers stammende„falsche" Behauptung entpuppt hätte. Auf Ersuchen des Vortragenden nahm die Dame die„Frisur" ab, und in wundervoller Kahlheit repräsentirte sich der Kopf der Dame, und zwar hatte die Kahlheit in solchem Umfange sich ausgedehnt, daß nicht einmal an der Stelle der früheren Haargrenze eine Linie darauf hingedeutet hätte, daß sich die Dame früher eines natürlichen Haarschmuckes zu erfreuen gehabt hätte. Und doch war das der Fall; aber lang, lang ist's her. In ihrem frühesten Kindesalter bildeten sich die ersten Keime des Leidens, denn um ein solches handelt es sich; in der Mitte des Kopfes wurden die Haare loser, sie sielen aus, und es entstand ein kahler, kreisförmiger Fleck. An anderen Stellen des Kopfes traten ähnliche durch Zerstörung der Haarwurzel hervorgerufene Kreise ans, die sich schließlich vereinigten und jene große kahle Fläche bildeten, welche die Patientin schon in der Kindheit zum Tragen einer Perrücke nöthigte. Dieses Leiden, das als Alopecia areata bezeichnet wird, galt bis in die neueste Zeit hinein als unheilbar: erst als man, wie bei den meisten Krankheiten, auch hier als die Krankheit hervorrufende Ursache Bakterien annahm und diese Voraussetzung durch die Beobachtung eine Stütze er- hielt, daß nämlich in mehreren Fällen eine Ansteckung erfolgt war, richtete man die Hauptaufmerksamkeit daran;, durch Anwendung von Mitteln, welche die schab« liehen Einflüsse zu beseitigen geeignet waren, eine Heilung hereizufuhren, und diese Therapie war vom schönsten Erfolge ocgleitet. Mit ungläubigem Erstaunen hatte unsere Patientin dein bezüglichen Vortrage zugehört; denn sie schien den Gedanken gar nicht fassen zu können, daß sie es nicht mehr nöthig haben sollte, stets und ständig eine Perrücke zu ttagen. Um auch ihre letzten Zweifel zu zerstreuen, wurden ihr die Photographien von Patienten vorgelegt, welche mit demselben Leiden behaftet ge- wcsen waren, und von denen namentlich Einer die besondere Auf- merksanlkeit erregte, weil bei ihm die tückische Bazillenmuttrr sich gerade diejenige Stelle als Wohnsitz ausgesuckt hatte, wo die Tonsur angebracht zu werden pflegt. Das Bild vor der Be- Handlung zeigte oen jungen Mann mit einer Leichenbittermiene, wohl hervorgerufen durch eine hypochondrische Stimmung, die sich des jungen Mannes mit der Tonsur infolge der niannigsachsten Neckereien seiner Bekannten bemächtigt hatte,— und das Bild nach der Behandlung: da schaute er wieder sroh und munter in die Welt hinaus, als ob er dem Leben wiedergegeben sei. Mit herzlichen Dankeswortcn wegen der schönen Aussicht, die sich ihr eröffnete, entfernte sich die Patientin. Miir»nsta«b bringt Gras und Kaub— diese alte land- wirthfchastliche Erfahrung bestätigt sich mal wieder so recht in diesem Fruhiahr. Durch das warme und trockene Wetter der letzten Tage ist die Pflanzenwelt aus ihrem Winterschlaf erwacht, za die Sonnenstrahlen haben unglaubliche Wunder bewirkt. Einige Spireen und Fliedcrarten zeigen bereits grüne Blätter, die KnoSpen vieler anderer Sträucher und Bäume werden in den nächsten Tagen aufbrechen. Auch die Rasenplätze sind schon grün geworden; allen Gräsern voran sprießt wie immer das einjährige Rispengras(poa annua), gefolgt von dem englischen Raygras (lolium perpune). In den Vorgärten der nicislen Villen blühen Schneeglöckchen, Krokus und Skyllcn; einen hübschen Anblick ge- währt übrigens daselbst auch der Seydelbast(daphne merzereum), dessen blätterlose Zweige über und über mit rothen Blüthen be- deckt sind. Aus diesen hübschen rothen Blüthen entwickeln sich später nicht»linder hübsche rothe Beeren, die aber leider giftig und schon für manches Kind verhängnißvoll geworden sind. In Bliithe steht zur Zeit auch schon der Haselnußstrauch(corylus avellana), welcher bekanntlich an demselben Strauch, jedoch an verschiedenen Stellen, männliche und weibliche Blüthen trägt. Erstere sind die bekannlen Kätzchen, die letzteren sind unscheinbarer und sehen wie rothe Fäden aus. Am Haselnußstrauch läßt sich für Lehrzwecke manches dernonstriren, aber auch der Pflanzen» Physiologe selbst macht in jedem Jahr neue Entdeckungen an den Gebilden der Pflanzenwelt. Dir Kindt- und Ringbahn-Ktatloi» Dnlrusre ist seit neuerer Zeit mehr und mehr durch das Publikum bevorzugt. Die neuen Vergnügungslokale, die sich an die Station reihen und die voraussichtlich noch weiter anwachsen werden, lassen für den Sommer eine Steigerung des Verkehrs im großen Maßstabe voraussehen. Auch ist deni Vernehmen nach, um dem dringenden Bedürfniß zu genügen, eine Einschiebung einer Reihe weiterer Züge zu erwarten. Um so dringender ist es, schreibt die„Rat.- Ztg.", die unglücklichen Verhältnisse der gegenwärtigen Haltestelle ins Auge zu fassen, die noch um vieles ungünstiger sind, als es die weiland in Steglitz vorwaltenden waren. Man darf fest hoffen, daß es nicht einer so erschütternden Katastrophe bedürfen wird, wie an jenem Platz, um Abhilfe zu bringen, wir wollen aber nicht unterlassen, wiederholt auf die Verantivoriung hinzu- weisen, ivelche eine Verzögerung eines energischen Eingreisens notywendig mit sich bringen müßte. Eine heftige Gasexplosion, bei der ein junger Mann beinahe uins Leben gekommen wäre, ereignete sich am Mittivoch Vormittag gelegentlich der Anbringung einer Gaslrone in einem Hause in Moabit. Tie dabei beschäftigten Arbeiter waren mit der Anbringung bereits fertig, als sich ein Gasgeruch bemerkbar machte. Um die Stelle nun ausfindig zu machen, wo- selbst das Gas ausströmte, leuchtete der junge Mann mit einem Zündhölzchen am Rohr entlang. Plötzlich gab es einen hellen Schein, dem eine furchtbare Detonation folgte. Ter junge Mann stürzte von der Leiter herab und blieb im ersten Augenblick besinnungslos liegen. Ein in der Thür der Stube stehender junger Mann wurde durch den Lust- druck in den Korridor geschleudert, während sämmtliche Scheiben platzten und allerlei Gegennände im Zimmer umherflogen. Ter Kronleuchter ging zum größten Theil in Stücke. Der von- der Leiter herabgestürzte junge Mann, welcher auf der einen Gesichts- seit« schwere Brandwunben erhalten hatte, wurde in ärztliche Behandlung gegeben. Zuerst schien es, als sei das Auge ver- loren; es hat sich aber zum Glück noch herausgestellt, daß dasselbe nur verletzt ist und seine Sehkraft dadurch nicht beeinttächtigt werden wird.' Aust'ovdctnng. Am Mittwoch, den 2. April, findet im Kreise Vrandenburg-Westhavclland zwischen Ewald und dem Frei- sinnigen HermeS Stichwahl statt. Alle diejenigen, die gewilit sind, am Tage der Stichwahl zu helfen, wollen sich am Sonntag, den 30. d. M., Vormittags 10 Uhr, bei Gründet, Dresdener stt�lw, einfinden» namentlich werden diejenigen ersucht, die am 21. Marz dort thätig waren, uns auch diesmal zu unterstützen. Weitere Meldungen nehmen entgegen folgende Personen: A. Täterow, Mauerstr, 9 III. Ernst Wilschke, Junkerstr. 1, Laden. C. Dimmick, Sebastianstr. 72, H. HI. Doliznbmcht. Am 26. d. 3)1. Morgens wurde ein Man" m seiner Wohnung in der Chausscestraße an der Thürklinke erhängt aufgesunden.— Als ein 4jähriger Knabe an der Ecke der Tegeler- und Triststraße den Straßendamm überschreiten rvoule- wurde er von einem Milchwagen überfahren und erlitt einen Schädelbruch. Der Knabe wurde nach der elterlichen Wohnung gebracht.— Zu derselben Zeit versuchte ein Mann in der Nahe des Bahnhofes Thiergarten sich mittelst Revolvers zu erschießen. Er wurde noch lebend nach der Charitee gebracht.— Nachmittag-- gerieth ein Arbeiter, während er vor dem Hause Leipzigerstraße Nr. 34 auf einem ihm zur Beaufsichtigung übergebenen Spedi- tionswagen stand, in Folge Anziehens der Pferde niit dem rechten Fuß zwischen die Brücke und das Wagengestell. Er erlitt hierbei Zu derselben Zeit wurde in den i? � ein Mann aus einer Bank sitzend Tcrselbe hatte in selbstmörderischer Absicht Ä o k>enomnien und verstarb bereits auf den, Transport SÄÄÄlÄ S« t X. d. M. Morgens Alexanderstr. Nr. 87 kleinere Brände statt. Gevichks-Deikuirg. In dem Elberfelder Drozefi hat die Staatsanwaltschaft die eingelegte Revision zurückgezogen; auch die in dem Prozeß Verurtheilten haben ihrerseits die Revision zurückgezogen, so daß »nunmehr die ergangenen Urtheile rechtskräftig geworden sind. _«i» ar-b-- Zlitfug ist in der Ausschmückung einer�'M Sentenz fällte gestern die 06. Abtheilung des Berliner Schöffen- gerichts in der Strafsache gegen den Zcitnngsbcrichterstatter Ostcrm ann. In der Frühe des 6. November v. I. entdeckte eine Fran Schneidermeister 3i ö h l k e beim Betreten der Woh- nung des Maschinenschlossers I u l i u s H a r t n> a n n, Wolgastcr- straße 10, die Frau H. vor dein Bette ain Boden kauern. Der Ehemann lag im andern Bette; da er aber auf die Fragen der Fran R. keine Antivort gab, trat dieselbe näher heran und fand den Hartmann als Leiche vor. Der herbeigeholte Arzt Dr. W o r ms verweigerte die Ausstellung eines Todtenscheins und veranlaßt- dadurch das Einschreiten der Polizeibcyorde und die Ein- leitnvg eines Verfahrens auf Ermittelung der Todes- Ursache. Da nun am Abend vor seinem Tode der Verstorbene eine auf sein bevorstehendes Ableben hin- zielende Aeußeruna gethan hatte, in der letzten Zeit auch Streitigkeiten zwischen den H.'scheu Eheleuten stattgesunden hatten, so bemächtigte sich die Fama dieses interessanten Stoffes, und der Angeklagte verfaßte aus Grund der angestellten Ermittc- lungen einen ausführlichen Bericht, der». A. in Nr. 212 der „Volks-Zcitnng" unter der Spiymarke„Mord oder Selbst- mord" Aufnahme gefunden hat. In der Notiz war mitgctheilt, daß Nachbarsleute ein Stöhnen des Verstorbenen in der Nacht gehört hätte», daß der Arzt erklärt habe, der Tod könne auch durch dritte Hand erfolgt sein, daß die Polizei das Zimmer ver- siegelt und einen Posten vor die Thür gestellt habe. Durch die Untersuchung und Sektion wurde alsdann festgestellt, daß H. sich durch Einatymen von Kohlenoxydgas daS Leben genommen hat. Der Staatsanwalt beantragte wegen der Uebertreibungen das Schuldig und eine Strafe von 20 M. Der Gerichtshof erkannte aber aus oben mitgctheiltem Grunde auf Freisprechung des An- geklagten. Eine G Jahre In der Kchivebe befindliche Anklage wegen Zluterfchlagnug ist gestern endlich zu den Tobten ge- schrieben worden. Im Jahre 1WS3 wurde ein Werkslihrer Hanse mit einen» Genossen wegen Diebstahls angellagt, von dieser An- klage aber freigesprochen. Daraus entwickelte sich gegen beide Angeschuldigte eine neue Anklage wegen Unterschlagung, welche jedoch nicht voin Flecke kam und nun sechs Jahre lang in der Schwebe ist. Der eine der beiden Angeklagten ist nämlich in- zwischen nach Amerika ausgewandert und alle Bemühungen der Staatsanwalischast, seiner habhaft zu werden sind erfolglos ge- blieben. Seit 5 Jahren ist nun gegen den jetzigen Angeklagten eine gerichtliche Handlung nicht unternommen worden und so inußte denn gestern der Gerichtshof nach dem Antrage des Staats- anwaltschaft auf Einstellung des Verfahrens er- kennen. Ter Antrag des Verlheidigers, der Staatskasse auch die dem Angeklagt?» entstandenen nothwcndige» Auslagen zur Last zu legen, wurde jedoch abgelehnt. Aua der feinen GrseUfchaft. In der Nuklagcsache gegen die Frau Oberamtmann Heuser steht am nächsten Montag wiederum vor der I. Strafkammer hiesigen Landgerichts I Termin zur Hauptverhandlung an. Tie noch immer in Untersuchungs- hast sitzende Frau ist jene vielbesprochene Dame, welche in der Friedrichstraße ein hocheligantes Quartier zur Vergnügungsstätte für Lebemänner hergerichtet und ihren abendlichen Festen einen seltsamen Glanz zu verleihen gewußt hatte. Sie ist seiner Zeit unter Preisgabe einer für sie von einem Gönner gestellten Kaution verschivunden gewesen, dann aber der Polizei wieder in die Hände gefallen und sitzt nun schon geraume Zeit im Gcfängniß. Der vor einiger Zeit angesetzt gewesene Termin, bei welchem es sich um schwere Kuppele» handelte, inußte vertagt»verden, weil die Hauptzeugin und Tochter der Angeklagten eS vorgezogen hatte, nicht an Gerichtsstelle zu erscheinen. Da der Gerichtshof damals beschlossen hatte, die Zeugin zu sistiren, dürste diesmal die Ver- Handlung zu Ei»de kommen, doch findet dieselbe,»vie es sich für feine Leute schickt, unter AuSschliiß der Oefsentlichkeit statt. Da» Mrficr spielte wiederuin eine Hmlptrolle in einer Verhandlung»vegen schwerer Körperverletzung, die gestern vor der zweiten Straskanuner des Landgerichts I. gegen einen gewissen Ernst Philipp Fischer verhandelt»vurdc. Am Morgen des 8. November ging der Angeklagte an dein Laden des Schlächter- meisters Hagedorn in der Straußbergcrstraße vorüber, als die Thür geöffnet wurde und ein kleiner maulkorbloscr Hund auf die Straße sprang. Der Angeklagte ergriff das Thier und nahm es eine Strecke mit sich fort, bis er von dein nacheilenden Besitzer eingeholt und zur Herausgabe des Hilndes genöthigt wurde. Es kam bei dieser Gelegenheit zu einen» Wortwechsel, da Fischer bc- zichtigt wurde, daß er den Hund habe stehlen»vollen,»vährend er behauptete, daß er ihn nur ans Mitleid an sich genommen habe. Plötzlich zog der Llngeklngte ein Messer hervor und brachte dem Schlächtermeister Hagedorn mehrere tiefe Stiche in Kopf und der linken Hand bei. Tie Verletziingen sind noch nicht vollständig geheilt. Der Gerichtshof»var mit dein Staatsanivalte der A»»- ficht, daß gegen das leidige Mcsserstechen n»it aller Strenge ein- geschritten»verden»nüsse und»vurde deshalb den, Antrage geinäß ans ein Jahr Gesang»iß erkannt. Soziole Aevsestlszk. Air alle Arbeiter Dentsthlanda. Wir Arbeiter und Ar- beiterinnen der Fabrik von Nichard Riedel, Köpnickerstr. 50, haben unter heutigem Datmn einhellig die Arbeit niedergelegt, da unsere Forderung enie sehr geringe war, nämlich Verkürzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden, Lohnerhöhung pro Tag um 25 Pfennige. Ueberstmiden für die Arbeiter 10 Pf. Aufschlag, für die Arbeiterinnen 5 Pf. Wir fordern alle Kollegen»nid Kollegiimcn auf, unS in unferetn gerechten Kampfe beizustehen, und bitten, uns nach 5trästen zu unterstützen, da wir uns gegenseitig ver- pflichtet haben, die Arbeit nicht eher aufznnehuien, bis unsere Forderungen bewilligt sind. Wir bitten, den Zuzug fern zu halten. Mit kollegialischem Gruß. Die Koinntlsfio»,. Sen- düngen sind zu richten an den Arbeitsnachweis des gewerblichen Hiljsarbeitervereins S k a l i tz e r st r a p e IS bei Niemetscheck. VevsÄtttmlTNtAen. Die Tabakarbritee und»Ardeitrrinuen hielten am Dienstag Abend eine Versammlung in„Lips' Brauerei" an» Friedrichshain unter Vorsitz der Herreu G.-Schröder, Reut und Hesse ab,»»»;» Stellung zu einer eventuellen Gründung einer Produktiv- Assoziation zu nehmen. Für diese Gründung sprach Herr Otto, indem er folgendes ansstihrte: Die jüngst verflossene Lohnbewegung habe einige,»venu auch nur geringe Vortheile für die Tabakarbciter gehabt. Noch»vährend der Be- wegung seien Maßregelungen vorgekommen, so bei Schmeißer, Nauke und Martienzen. Doch daini» nicht genug, siiliicn'die Fabri- kanten ans Mittel, die„Stören riebe" völlig unschädlich zu machen. Die Fabrikanten hielten zivci Versammlungen ab und beschlossen, eine schivarze Liste anzulegen, ans der schon die Mitglieder der alte», soivic der neuen Lohnkommissto» eingetragen sind. Man will ihnen keine Arbeit mehr geben. Diese Maßregelungen wer- den später noch in verschärfte»» Maße stattfinden, außerdem wollen große Fabrikanten»hre Fabrilen nach außerhalb verlegen. Dieses Borgehen Seitens der Arbeitgeber habe in den Köpfen mehrerer Kollegen den Plan reifet» lassen,■ eine Genossenschafts- sabrik zu gründen. Damit sollten nicht die Ideen eines Schulze- Delitzsch verivirklicht»verden, die Genossetischaft bedeute nichts als eine Nothivehr gegen den Uebernuith der Fabrikanten. Wohl »risse er(Redner), daß cine solche Afsoziatton nicht mit dem Großkapital konkurriren könne; er wolle das auch Niemandem weißmachen. Ueberhaupt möge man die ganze Angelegenheit »icht als cine Frage des Prinzips, sondern als eine solche der Taktik auffassen»nid diskutiren. Anderen Geiverken, i. B. den Schlossern u. s. w.»verde er nie rathen, eine solche Afsoziatton zu gründen, da diese schiver einen Abnehtner- kreis für ihre Arbeiten finden»vürden; and.ers liege es hier. Das Kapital brauche mir ein geringes zu seilt; es sei leicht aufzubringen. Werde die Sache in kleinem Schle angefangen und gut geleitet, dann»verde die Fabrik auch prosperiren. Auch der nöthiae Kredit»verde sich finden. Mit einer Assoziation sollten den Kollegen nicht goldene Berge versprochen werden, der Ge- danke einer solchen solle aber stets den Fabrikanten als Schreck- gespenst vor Augen schtveben. Man brauche den Beschluß nicht zu übereilen; Ueberlegung sei geboten. Die Gründung der Assoziation bedeute keine Verletzung unserer Prinzipien, da»na», nicht im Auge habe, die dort Arbeitenden nach und nach selbst- ständig z» machen, im Gcgcntheil sollten die etwaigen Ueber- schüfst zu anderen Zwecken verivendet»verde»»; die Genossen- schast solle nur den Opfern des Uebermuthes der Fabrikanten eine Freistatt gcivähren.(Beifall.) Ter ztvcite Referent, Herr Börner erklärt sich von vornherein als einen striktsn Gegner jeder Arbciter-Genosstnsthast. Man habe 1868 traurige Erfahrungen gemacht. Tiefe hielten ihn»och heute davon ab, für solche Ein- richtungen z»» fchivärmen. Erstens sei nicht genug Geld zur Gründung vorhanden. Weiter: Wie sollten Kollegen eingestellt »verden, die später gemaßregelt»verden, wenn kein Platz für sie in der Genossenschaft vorhanden sei? Wollte man die alten Ar- beiter alifs Pflaster setzen? Dam»»verde, so wie 1868, der Assoziation der Kredit unterbunden werden und das Geschäft mache pleite. Heute»verde eine Genossenschaft noch schlechteres Bestehen und Durchkommen haben,»vie vor 22 Jähren, da dcr Konkurrcnzkampf ein viel»vuthenderer geworden sei. Wo wolle man das Absatzgebiet hernehmen; die Arbeiter kausten, soiveit sie solidarisch denken, schon jetzt von Kollegen, die sich selbstständig machten,»vcil sie keine Arbeit mehr bekamen. Der Fall Rödel bei der Assoziation der Berliner Tischler- habe ge- zeigt, daß die Leute, die solche Sachen leiten, stets eigennützig »verde», wem» sie vorher auch„och so ehrlich»vare». Redner warnt zum Schluß davor, in denselben Fehler zu verfallen, in den man 1868 verfiel. Es beginnt NU» eine heftige, sich bis nach Mitternacht hinziehende Diskussion,»vährend der sich der Saal mehr und mehr leert. Herr Otto ergreist wiederum das Wort, um seine Ansichten nochmals zu entwickeln und den Korrestrente» zu»viderlegen, Er sei durchaus nicht so verbissen darauf, eine Assoziation zu gründe»,»venn man ihn» ein Mittel angeben könnte, die durch den Streik geschaffene junge Organisation vor dem Untergang, den ihr die Fabrikanten bereiten wollen, zu bc- »Vahren. Die Kollegen, die sich hervorthaten und die Bemeglmg leiteten, müsse man ausrecht halten. Redner hält seine Idee noch für besser, als die, ihnen ein Geschäft zu gründen: das sei noch gefährlicher. Mann kann diese Kollegen auch nicht auf eivige Unterstützung hinweisen oder ihnen einen Fuß- tritt geben. Herr Heitmann macht den Vorschlag, Kontrolmarkc» einzuführen,»vie es die Hutmacher thaten. Herr Witzle weist n. A. darauf hin, daß durch die Assoziation ein schmutziger Kon- kurrenzkamps geschaffen»verde» würde. Tie Assoziation»verde nicht so billig liefern können, als Großfabrikanteu, da sie nur mit geringem Kapital arbeiten könne und gute Löhne zahlen müsse. Rachdein eine ganze Reihe von Rednern gesprochen, wird die Diskussion geschlossen. Es wird schließlich zur Weiter- berathung der Angelegenheit eine Kommission gewählt, der die Herren Otto, Herholz, Dechent, Mothes, H. Schröder, G. Schröder, Werner, Hampel, Hintze und Buttry angehören. Nach einem weiteren Beschluß soll die Frage einer Volksversammlung vor- gelegt werden, bevor fernere Schritte in dieser Sache gethan »verocn. Der Fachverri» sämmtlicher an Holfbearksitungv- Maschinen beschäftigten Arbeiter hielt seine zahlreich besuchte Mitglieder-Versanlinlung am Montag, den 24. März, bei Säger, Grüner Weg 29, mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dolinski über:„Zeitlohn und Stücklohn". 2. Diskussion. S. Ver- schiedenes und Fragekasten ab. Der Vortrag war für den Verein »nsofcrn ein sehr»nichtiger, weil ein Theil der Kollegen nur auf Stücklohn und der andere Theil nur auf Zeitlohn arbeitet und infolge dessen stets Differenzen zivischon den Kollegen herrschen. Es sprachen sich infolge dessen verschiedene Redner zur Diskusfion im Sinne des Referenten anS»»nd die Versammlung stiimnte dem voll und ganz bei. Zuin 3. Punkt der Tagesordnung wurden einem kranken Kollegen 30 M. ans der Vereinskasse be>villigt. Ferner beschloß die Versammlung, keine Produkte der Blumbcrger Bauern soivie keine Zigarren von Karl Martienzen und Loeser u. Wolff und keine Hüte, die nicht mit der Arbeiter-Kontrolmarke versehen sind, zu käufen. Ferner beschloß die Versammlung, über die Firma von Vogt n. Cremer, Alte Jakobstraße 20, die Sperre zu verhängen wegen Maßregelung eines Kollegen. Nachdem noch verschiedene Anträge erledigt»nid der Vorsitzende die nächste Ver- sammlung bekannt gen, acht hatte,»velche am 14. April bei Lehmann, Schwedterstr. 24, stattfindet, wurde die Versaniinlung ge- schloistn. Sie Ktnckatcnre Kerlins«n> Uingegend hielten an» 19. März eine von ca. 200 Personen besuchte öffentliche Ver- sammlung ab. Der Einbcrufer, Herr W. Schulz, eröffnete dieselbe um 83/4 Uhr und werden in das Bureau Herr W. Schulz als 1. Vorsitzender, Herr Marker als 2. Vorsitzender und Herr Jänicke als Schriftführer gewählt. Der 1. Vorsitzende verliest die Tagesordnung, welche lautet: 1. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Znbeit über den Nutzen der Gewerkschäftsorganisatton. 2. Diskussion. 3. Mittheilung der Vertrauensleute. 4. Verschiedenes. Da Referent nicht erschienen war, so wird zu Punkt 3, Mittheilungen der Vertrauensleute, übergegangen. Herr Montag(Vertrauens»»»»») theilt mit, daß von dein Lolalbesiyer, Herrn Lammers, die 30 M. zurückerstattet worden seien. Kollege Scherbing, ebenfalls Vertrauensmann, spricht über den statt- gefundenen Kongreß deutscher Stuckateure und die auf demselben gefaßten Beschlüsse. Er theilt mit, daß an die Agitations- kominission 50 M. geschickt worden seien, welche Summe für Berlin anderen Städten gegenüber, lächerlich sei und feuerte er des- halb die Berliner Kollegen an, sich rege an diese Sache zu bethoilgen. Kollege F. Gräncnbcrg ist mit diesem Bericht nicht zufrieden und meint, er hätte etwas Besseres, Vollkommeneres erwartet. Hier- gegen ergreift Kollege Schulz das Wort und sagt, daß dieses nicht an den Vertrauensleuteii liege, sondern lediglich an den Kollegen selber. Er verliest einen'Artikel aus dem Vereinsblatt über die Leipziger Stuckateure und belobt dieselben»vegen ihres Vorgehens. Auch verliest er die Städte, in welchen eine Organi- sation vorhanden ist. und sind nach dieser Aufstellung Berlin und Magdeburg die am schlechtesten organisirten. Redner führt nun »veiter aus, daß auch Berlin seiner Zeit gut organisirt geivescn »väre; die Kollegen hätten es aber nicht verstanden, die durch die Organisation errungenen Vortheile festzuhalten. In Dresden, Leipzig und Chemnitz sei eL gelungen, die Lichtarbcit, soivie den Rüstungsbau zu beseitigen. In Hamburg ist die Organisation eine stramme. Alan kommt nun zu Punkt„Verschiedenes". Hierzu nimmt Kollege Meißner das Wort und führt aus, daß es in unserem Geschäft schlechter sei, sich zu orgamsircn,»vie in allen anderen Branchen, da sich bei uns zuviel fremde Elemente ein- schleichen, und die Meister trügen ebenfalls einen großen Theil der Schuld. Nach längeren Diskussionen, in denen nur interne Angelegenheiten besprochen werden, wird die Versammlung ge- schlosstm hatten zum Dienstag Vor- mittag eine Versammlung nach den» kleinen Börsensaal in der Wolsgangsttaße einberufen, um zu dem Lohntarif der Holz- und Bretterträger, der ain 1. April in Geltung treten soll, Stellung z»» nehmen. Es waren 50 bis 60 Personen anwesend. Die Ver- sammlung wurde vom Holzhändler Schramm eröffnet und übernahm derselbe auch die Leitung der Verandlungen. Er verlas zunächst das Schreiben,»velches die Holz- und Bretterträger an »hre Arbeitgeber gerichtet haben und stellte dann den darin e»t- haltenen Lohntaris zur Diskussion. Derselbe sei entschieden zu hoch, habe aber trotzdcin jetzt schon in einzelnen Punkten von mehreren Kollegen bewilligt werden müssen, weil die Arbeiter ittcht billiger arbeiten wollten und die Kähne doch geleert werden mußten, da man andernfalls noch Standgeld und Lagergeld zu entrichten gehabt hätte. Da sich Niemand zun, Wort meldete, erbat sich Herr Gefrois im Interesse der Holz- und Bretter- träger dasselbe; ihn» wurde aber der Bescheid zu Theil, daß sich die Versaniinlung erst über den Tarif aussprechen»verde. Nun stand Einer nach dem Anderen auf, uin den Tarif zu kritisiren, der natürlich zu hoch befunden wurde und von dein man be- hauptete, daß er nicht be>villigt»verde» könne. Ihren Namen nannten die Herren Redner gar nicht. Zwei von den Herren meinten, der Tarif sei von Leuten aufgestellt, die mit den Bretter- träger» nichts zu thnn hätten und von dem Geschäft auch nichts verständen. Herr Fischer, Kottbuserdainm, erklärte, er bezahle seinen Arbeitern deshalb»nehr, weil die Arbeit mit Umständen und Schwierigkeiten verknüpft sei. Ein anderer behauptete, d>e Beivcgnng der Holz- und Brctterträger gehe nicht aus diesen selbst hervor, soiwern sei das Werk von Leuten, die in dem heutigen Strom ständen, und diese'Arbeiter nur mit hineinziehen wollten. Damit»var die Diskussion geschlossen und der Vor- sitzende fragte nun, ob man den Vertreter der Arbeiter hören »volle. Dies wurde bejaht. Herr Gesrois trat nun vor, bat zu- nächst uni Entschuldigung, weil er,»»eingeladen erschienen fei und erklärte, daß er eine friedliche Verständigung versuchen wolle. Einer der Herren unterbrach hier den Redner und ersuchte den Vorsitzenden, ihn(den Redner) zu fragen, ob er auch Holzträger sei. Der Redner komme ihm sehr schwach und jung vor. Herr Gefrois erklärte hierauf, daß er bereit sei, mit jedem der Anwesenden die Arbeit aufzunehmen.(Große Unruhe und Ruf: Das wollen»vir ja gar nicht!) Herr Gefrois wurde nun gefragt, bei wem er arbeite, und als er die Antwort iin Hinblick auf eine etwaige Maßregelung verweigerte, fragte der Vorsitzende die Versainm- lung, ob sie dennoch geneigt sei, den Redner zu hören. D»es wurde unter großer Unruhe verneint. Ein Holzhändlcr erhob sich und verlangte sogar, daß der Arbeiter den Saal verlassen solle. Dieser Aufforderung stimmte die Versainmlung zu und Herr Gefrois mußte thatsächlich hinausgehen. Die Herren konnten nun natürlich ganz unter sich bleiben, sie haben»nieder einmal»hre Arbeitersreundlichkeit gezeigt und bewiesen, daß sie nicht einmal die Gründe der Arbeiter hören wollen. Eine Lfi'entliche Versammlung der Lackirer aller Kranchen fand am Montag, den 24. d. M., in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10, statt, mit der Tagesordnung:„Kapital und Arbeit." Referent: Herr Stadtv. Otto Klein. 2. Diskussion. 3. Unsere Lohnbewegung und Verschiedenes. Herr Klein»vurde während des Vortrages mehrinals durch lebhaften Beifall unterbrochen. Eine sehr lebhafte Diskussion entspann sich, als Herr Rautenhaus folgende Resolution einbrachte:„Die heute, am 24. März d. I., in Scheffer's Salon, tagende öffentliche Versammlung dcr Lackirer sämmtlicher Branchen Berlins und Umgegend, erklärt sich mit den 'Ausführiingen des Referenten vollständig einverstanden) sie er- klärt daher, daß nur durch eine Verkürzung der Arbeitszeit unsere »virthschafttiche Lage gebessert werden kann und beschließt, eine neun- stündige'Arbeitszeit in diesem Jahre zu fordern; in fernerer Erwä- gung, daß nur durch eine geschlossene Organisation dieses erreicht werden kann, beschließt die heutige Versainmlung, sich Mann für Mann dein Verein der Lackirer, Filiale IV, der Vereinigung der deutschen Maler, Lackirer, Anstreicher und verwandten Berufs- genossen anzuschließen. Diese Resolution wurde mit allen gegen eine Stiinine angenommen. Alsdann»vurde einstimmig beschlossen, auf Antrag des Herrn Hoffmann, den 1. Mai als Feiertag zu halten. Nun»vurde beschlossen eine Lohnkomimssion von sieben Mann zu wählen. Gewählt»vurden die Kollegen: Schüßler, Arndt, Franz Müller, Rautenhaus, Stoeckel, Hoffinann und Hohmann. Kollege Krumbach wurde als Reservemann gewählt. Rautenhaus machte dann noch auf den Arbeitsnachweis der Lackirer, Nene Grünstraße 14 bei Bener, aufmerksam und schloß dann um 1 Uhr der Vorsitzende die Versam,nlung mit einem dreifachen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung. Eine überaus zahlreich besuchte üffeuttiche Kchuh- macheruersammlung tagte am Montag, den 24. März, in den „Bürgersälen". Dresdenerstraße 96, mit der Tagesordnung: Wie stellt sich die Versammlung zu dem in Bötzow's Brauerei gefaßten Beschluß, durch welchen die Lohnkommission beauftragt wurde, die nöthigen Vorarbeiten zu einem event. Streik auszuführen. Referent: M. Baginski. Redner erklärt, daß es nicht seine Absicht sei, der Bersaininlung zu einem Streik zu rathen, ebensowenig, dieselbe von einem solchen abzuhalten. Er stelle sich zur Ausgabe, die Verhältnisse zu schildern wie sie liegen, und die Versammlung möge dann ,, ach ihrer eignen Ueberzeugung stimmen.„Greis hinein in's volle Menschenleben", das mag der Text gewesen sein. den der Referent seinem einstündigen Vortrag zu Grunde gelegt. Derselbe schilderte in klarer Weise die traurigen Verhältnisse im Schnhmachcrgewerbe als auch die erbärmliche Lage der Schuh- »nachergesellen. Er führt auS, daß es den meiste» derselben nicht möglich sei, wie andere Arbeiter eme anständige Nahrung zu sich zu nehmen, sondern daß dieselben angewiesen seien, die Volts- küchen und Suppenanstalten zu benützen, u,n sich kümmerlich ihr Dasein zu fristen. Weiter bemerkt der Redner, daß uns unsere Gegner vorwerfen, wir seien Sozialdemokraten und möchten gerne theilen, das letztere sei aber heutzutage Sache der Arbeitgeber und Unternehmer, denn dieselben theilen den Ertrag unserer Arbeit so mit»»ns, daß uns dabei die Augen übergehen. Auf die Ar- beitsräume näher eingehend, bemerkt dersclve unter allseittger Ziistiinmung der Versammlung, daß in Berlin eine Menge Werk- slellen seien, bei welche», sich»vohl mancher Thierarzt bedenken würde, ob er einem Stück Vieh den Aufenthalt in einein solch dunkeln feuchten und modrigen Rannte gestatten solle, und doch müssen viele unserer Kollegen 12—15 Stunden in solchen» Raum zubringen, und sei es deshalb kein Wunder, daß bei sehr vielen Schuhmachergesellen ein gewisser Stumpfsinn eingetreten sei, denn eine solche Atmosphäre untergrabe nicht allein die körperliche Ge- sundheit, sondern auch der Geist wird vollständig gelähmt. Er fordert alle Anwesenden auf, sich dem Verein zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher anzuschließen und durch besonnenes und mannhaftes Auftreten zu zeigen, daß sie nicht länger genullt sind, die armen Lazarusse der„»enschlichen Gesellschaft abzugeben. Anhaltender Beifall wurde dem Lieserenten von der begeisterten Versaniinlung zu Theil. An der Diskussion bethciligten sich zahlreiche Redner, welche sich meistens im Sinne des Referenten aus- sprachen und wurde a,n Schluß folgende Resolution einstimmig angcnonmiei»:„Die heutige öfseutliche Schuhmacher- Versamm- lung bestätigt den Beschluß in Bötzow's Brauerei. Sie verpflichtet sich serner, Mann für Mann hinter der von der Oefsentlichkeit gewählten Lohnkommission zu stehen und so viel wie möglich zum Stteikfond beizutragen. Auch ver- pflichten sich die Anwesenden, in den Verein zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher einzutreten, nm so auch die Er- rungenschaften fest halten zu können. Ferner beschließt die Ver- sammlung, womöglich ar dritten Ostertage entgiltig darüber zu beschließen, ob in diesem Frühjahr in eme Lohnbe>vegung ein- getreten»verden soll."— Auch wurden den streikenden Aorrichtern 50 M. ans dem Streikfonds ve,villigt. Schluß der Versa, nmlung um 123/4 Uhr. Möge ver Geist, der in dieser Versammlung ge- herrscht, sich unter die ganze Berliner Kollegenschaft ausbreiten, dann werden»vir, wenn wir in«inen Kamps eintreten, auch den Sieg davontragen. Gin« öffentlich« Genepalvevsammlung der Nlaurev Kerliuv nnd Umgegend tagte am 26. d. M. im Konzerthause „Sanssouci" linter Borsitz der Herren Kerstan, Wagner und Schigolski. Der erste Pilnkt der Tagesordnung lautete: „Abrechnung der Vertrauensmänner der Ma,lrer Berlins und Umgegend vom Jahre 1889 bis 1890." Die Abrechnung umfaßt die Zeit vom 15. Februar 1389 bis zum 1. Februar 1890. Die später eingelaufenen Gelder werden in der nächstjährigen Abrechnung eingestellt werden. Die Abrechnung weist eine Gesammtein,»ahnte von 20 034 Ml. 39 Pf., eine Gesammtausgabe von 19 425 Mk. 81 Pf., einen viestbestcmd von 1258 Mk. 58 Pf. auf. �ur Jnfonnation über die Abrech- nung wurde den Kollegen Zeit gelassen bis zur nächsten öffent- lichen Gencrnlvcrsaminlung, in welcher etwaige Einwendungen gegen die Abrechnung erhoben und entgegengenonnnen werden sollen! Etwaige Ungenauigkeiten sollen laut Beschluß der Ver- sammlunA nicht nur im„Grundstein" sondern auch im Vereins- dlatt berichtigt werden. Tie Revisionskommission der Abrechnung voin Streik 1839 löste sich nunmehr auf, da keine Einwendungen erhoben worden sind und wurde derselben Decharge ertheilt.— Räch Erledigung dieser Angelegenheit nahm Herr Ferkel das Wort zum zweiten Punkte der Tagesordnung:„Endgiltige Be- s ch l u ß f a s s u n g über die Agitation im Bau- zahre 1890." Derselbe erklärte es für nothwendig. dahin hinzuwirken, daß die auswärtigen Maurer in ge- nügendcr Weise aufgeklärt und organisirt werden, um den ungeheuren indifferenten Zuzug nach Berlin zu vermindern und hielt gleichfalls eine energische Agitation in Wort und Schrift in Berlin selber am Platze, um die hiesigen Kollegen zur Orga- nisation heranzuziehen und mit vereinter Kraft dem Kapitale die Spitze zu bieten. Der geringe Ausfall der Sammlungen zum Generalfonds veranlaßte den Redner nochmals, eine Aenderung des Sammclsystcms eintreten lassen zu wollen und zwar unter Beseitigung des bisherigen Listcnsammelns durch Einführung des Markensystems, welches sich bei anderen Gewerkschaften gut be- währt habe. Das Markensystem würde die Einnahmen nicht nur direkt, sondern auch indirekt erhöhen durch Verminderung der Ausgaben, in erster Linie für Prozeßkoste». Wenn diese An- regung momentan auch noch aus Widerspruch stoßen sollte, so würde man in kurzer Zeit doch dieser Frage näher zu treten ge- zwungen sein. Ueber diese Angelegenheit fand eine lebhafte Aus- spräche statt, in welcher verschiedene Vorschläge betreffs der Handhabung des Sammelns gemacht wurden. Herr Wernau legte das Hauptgewicht auf die Agitationssrage, die Sammlungs- frage in die ziveite Linie stellend. Er>var der Ansicht, daß die Maurer nur dann etivaS unternehmen können, wenn sie sich ivicdcr der Organisation zuwenden würden. Er empfahl demzu- folge allgemeinen Beitritt zur Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Umgegend; ferner, da die Neuwahl der Vertrauens- männer aus der Tagesordnung stand, denselben einen anderen Namen, nämlich„Kontrolkominission zu geben. Die Versammlung beschloß schließlich, das bisherige Sammelsystem beizubehalten, da- neben aber auch Marken zu verausgaben für die freiwilligen Sanun- langen zum Generalfonds durch die Vertrauensmänner bezw. Ltontrolkvininission. Derselben wurde auch überlassen, nähere Be- ftimmungen über die Handhabung des Sammelns zu treffen. Der dritte Punkt der Tagesordnung laute:„Neuwahl der V e r- traucnsleut e". Gewählt wurden folgende Herren: für den Osten: Gröpler, Krautstraße 42, vorn 4 Tr.; Karl Schulz, Nüdersdorferstr. 82, v. 1 Tr.; für den Norden: Schigolski, Belforterstr. 8; Markowsky, Boyenstraße; für Moabit: Hermer- fffnniM 9R* fnv hem$IU o r»• 3, für den Süden: den Südosten: Raschle, Kottbuser Damm I; Kerstan, Lübbenerstr. 4; zu Revisoren wurden gewählt die Herren Heinze, Forsterstr. 10; Ferkel, Birkenstr. 12a, und Maciejewski, Stcinmetzstr. 24. Zum Schlüsse gelangten noch zwei Anträge zur Annahme, dahin gehend, Blum- berger Produkte überhaupt nicht, und Hüte nur mit Kontrolmarken zu kaufen. Eine imposiiute Urrsammluxg des Fachverrino der Papierarbrite rinnen und venvandten Berassgenossrnnen fand am Mittwoch, den 26. d. Mts., statt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung sprach Herr Mar Baginski über:„Die Prostitution eine Folge der kapitalistischen Produktionsweise." Redner führte an, daß bei den Arbeiterinnen zu allen Schäden als größter Krebsschaden die Prostitution besiehe. Wie die Arbeiterinnen durch Lohndrückerei zu geringem Verdienstimmer mehr der Prostitution anHeim fallen. Es wurde geschildert, wie zur Abwehr von Seiten des Staates alles mögliche Falsche gethan würde, um diesem Elend ein Ende zu machen. Ein ivirkliches Ende könne man erst erwarten, wenn die Gesellschafts- und Produktions- Verhältnisse in andere Bahnen gelenkt seien. Weiter führte Redner a>ls, daß die meisten Frauen sich ihrer Lage noch gar- nicht klar seien. Dies sei jedoch auf eine jahrhunderte- lange sklavische Unterdrückung seitens des Mannes zurückzuführen; der Mann sei bis jetzt jeder Zeit der Vormund der Frau ge- wesen. Die Frau wurde bisher stets als untergeordnetes Wesen angesehen. Es sei nothwendig, daß die Frau ihre Lage erkennt und energisch gegen sänimtliche schlechten Verhältnisse Front macht. Unter Anderem schilderte Redner die Verhältnisse der Familie. Ob man es auch noch Familienleben nennen könne, wenn die heute existirende Produktionsweise den Mann Morgens in die eine, die Frau in eine andere und die Kinder in eine dritte Fabrik schicke. Wo bleibt da der heilige Stand der Ehe, wo bleibt da ein milienleben. Zum Schluß fordert Redner die Damen auf, sich mehr um öffentliche Angelegenheiten zu kümmern, denn nur dadurch seien sie im Stande, ihre allgeineine Lage zu verde, fern. bahn-Hauptiverkstatt statt. Es ivurde einstimmig beschlossen, den 1. Mai als Feiertag festzuhalten. »» «lieder eingeführt haben Zutritt. " nd,. Die Jugendweihe findet am Sonntag, den ~-—--"-»■* ein Antrag eingegangen, keine Diskussion stattfinden zu lassen, da Redner so ausführlich gesprochen hatte, daß nichts mehr zu erläutern nöthig war. Da sich auch niemand zum Wort meldete, wurde zum 3. Punkt„Verschiedenes" geschritten und namentlich die Stelliingnahme der Arbeiterinnen zur Bewegung der Karton- arbeiter klargelegt. An der Debatte betheiligten sich Frauen Winkel, Volkmann, Kuhlmann, Greifenberg und mehrere Damen und Herren. Folgende Resolution von Fräulein Marie Fein wurde einstimmig angenommen:„Die heute, den 26. März, tagende Versammlung des Fachvereins der Päpierarbeiterinnen und verwandten Berufsgenossen beschließt, den I. Mai zu feiern, und zwar in der Weise, wie es eine An- zahl Berliner Genossen beantragt haben, eine Versammlung mit der Tagesordnung„Der achtstündige Arbeitstag" und Nachmittags einen Ausflug zu machen. Außerdem wurde noch eine Reso- lution, die Sache der Verkürzung der Arbeitszeit der Kausleute mit allen Kräften zu unterstützen, damit der Sieg auf allen Seiten den Arbeitern sicher sei, an- genommen. Die Vorsitzende schloß die Versammlung um 12V2 Uhr.— NB. Die nächste Versammlung findet am Sonntag Vormittag 10 Uhr, sowie die am 1. Mai in demselben Saal des Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72, statt. Eine große öffentliche Versammlung der Kerliner Kürschner und Kerufogenoffen tagte am Montag, den , März, unter dem Vorsitz des Herrn Stolz. Tagesordnung: Wie stellen sich die Berliner 5türschner zu dem in Hamburg stattfindenden Kongreß deutscher Kürschner? 2. Wahl der Delegirten. 3. Verschiedenes. Zum 1. Punkt referirte Kollege Wedemeier und legte klar, wie nothwendig eine Zentralisation der deutschen Kürschner unter den heutigen Verhältnissen sei.— Als Delcairte wurden die Herren Reinecke und Grünwald ge- wählt. Eine Resolution, den 1. Mai als Feiertag zu feiern, nur Hüte mit Älrbeiter-Kontrolmarken zu kaufen, wurde einstimmig an- genonunen. Der Kongreß findet an den Osterfeiertagen in Hamburg statt. Gin- öffentliche Uersainmlnng der FUsschnharbetter und Kerufsgenolsen Serlino und Umgegend fand am Montag, den 24. März, Abends kst/e Uhr, in Zenter's Lokal, Münzstr. 11, statt. In das Bureau wurden folgende Kollegen gewählt: Köhler als erster und Opitz als zweiter Vorsitzender, und Dieckmann als Schriftführer. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Stadtv. Herrn Fritz Zubeil über: Entstehung, Nutzen und Werth der Streiks. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Streikkommisston. 4. Verschiedenes. Nach Erledigung der ersten beiden Punkte wurde zur Wahl einer Streikkommission von rnm rv V»• 1 �' t—..>» mm mm—mm» 7 Mitgliedern geschritten, in welche folgende Kollegen gewählt wurden: Habben, Opitz, Pötzsch, Rothenburg, Schmolling, Vale- rins und Westerburg. Es wurde sodann gegen die bekannten Zigarrengeschüfte und die Blumberger Bauern resolvirt. Gin« öffentliche Gärtnerversammlung tagte am 25. d. M. im Restaurant Königshof, Bülowstr. 38, unter dem Vorsitze der Herren Bore, Michler und Wetzel.» Tagesordnung: 1. Ter Stand. unserer Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Referent Herr Büchner führte etwa folgendes aus: Wir stehen am Vorabend des Streiks, die Kunzunktur ist unS sehr günstig, überall, wohin wir blicken. Mangelt es an Arbeitskräften, dgrum sind wir auf der Hut. Die Prinzipale erkennen die be- scheiden« Forderung von lOstündiger Arbeitszeit und 3 M. 50 Pf. vollständig berechtigt an. Sie wollen jedoch nicht nachgeben. Kollege Abroineit macht Mittheilungen über den Gartenbau- verein. Die meisten dieser Herren lehnten es rund ab, mit uns zu verhandeln. Ein Paar erkannten die Forderungen an unter dem Vorbehalt, daß sie den ReverS nicht unterschreiben. Also die Konsequenz war, wir erkennen Euch durchaus nicht an.. Es lief eine Resolution ein: Tie heutige, im Königshof tagende Gärtnerversammlung beschließt, die Forderungen in Betreff des Lohnes und der Arbeitszeit ausrecht zu erhalten und mit allen Kräften für die Bewilligung derselben einzutreten. Die Versamm- lnng beschloß für die Landschaftsgärtner den Streik zu Mittwoch, den 26: März.— Herr Büchner richtet noch einen warmen Appell aN die Versammlung und macht bekannt, daß am 1. April bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, Mittags 2 Uhr, eine Versainm lung stattfindet. KuMau. Am 18. März d. I. fand im Choreum zu Buckau eine sehr stark besuchte Versammlung der Arbeiter der kgl. Eisen- »tuiiini . März, Vorrnillaq 10 Uhr 30..>» reit hält Oer Reltgionilehrer Dr. sehr willloinmen. Iro Sonzerlhause, Bruno lertir-« statt. Die gest- ästi, Damen und Herren «»ffentNch» ziersaniminnu der Kammmacher uiid SerufOfleuafTen JvrcitQfi, den 29. März. Abends, 8% Uhr, in Feuerstein'»«attensalou, Freitag, den 28. März, Abends Alte Jatobstr. iö. Kerliner Arbeiter Kildnnoaverein. Uhr, in Orschel'S Salon, Sebastianstr. 39. ter Arbeit«, rachwei» der Klavierarbeiter befindet sich Naunqnstr. 78 Zinzer. Die AdrestenauSgabe findet jeden Abend von 8—9% Uhr und Sonntag« Vormittag« 10— 11% Uhr, sowohl an Mitglieder wie an Nicht- Mitglieder unentgeltlich statt. Zu gleicher Zeit machen wir die Vereins- Kollegen daraus ausmerksam. bah jeden Montag und Donnerstag im Btbliother- zimmer Leseabende abgehalten werden. Recht rege Betheiligung erwünscht. tSrsang-, Surtt- und gesellig» Urrrinr am Freitag. Kaiser'scher Männergesanaverein Abends S Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 29.— Gesangverein„Pausebeutel" Abends 8 Uhr im Restaurant Hensel, Alexandrtnenstr. 10.—„Liedertafel der Maler und oerwandler Berufsgenossen Abends 9 Uhr tm Restaurant Kleine, Brandenbnrgslr. 60.— Buchbinder- Männerchor Abend« 8% Uhr bei Feuerstein, Alte ZalabSslr. 75.—«efangperein „Floter'scheS Doppelquartett" Abend« 9 Uhr tm Reslanrant Musehoib, Lands- bergerstr. 31.— Äesangveretn„Fortschritt" Abend« 9 Uhr im vlestaurant Blumenstr. eo.— wesangverein„Echo 1872" Abend« 0 Uhr Orantenslrahe 3«; Neue Mitglieder werben ausgenommen.— Sesangverein„Osfian" Abend« 9 Uhr, Dresdenerstr. 85 bei Öuftaou«.— Huppert'sche Sänger-Bereintgun- „Harmonie" Abend« 9 Uhr bei Niest, Weberslr. 17.— tSesangverein„Sänger. hatn" Abend« 9 Uhr Adalbertstr. 21.— Liederlasel de« Fachvereins der Stem träger Berlin« Abend« 8 Uhr Qtohe Hamburgerstr.* Uebunasstunbe.—®»- sängoerein„Ohnesorge" Abend« 9 Uhr, Restaurant Reyer, Alte Zalobstr. 82 rein„Widerhall" Abend» 9 Uhr bei Herrn«oge,«opnickerstr. I9i. rein„Lorbeerlranz" 8% Uhr Restaurant W.'tnstr: lt.— Arbeitet- Gesangverein„Nord" UebunaSstunde Abend« 8% Uhr tm Restauranl Gnadt, Brunnenstr. 38. Slimmbegabte auch passive Mitglieder werde» ausgenommen. — Gesangverein„(lollegta" Abend« von 9— u Uhr bei Schuster, Oranienstr. 8. — Botgt'scher Dilettanten-Orchesterverein, Uebungsstunde von 8%— n Uhr Abend« im Louisenstädtischen lrludbau«, Annenslr. i«, 1 Tr.— Berliner Turngenossenschasl(5. Männerabtheilnngj Abend« 8% Uhr in der städtischen ..............— Turnverein„Hasenhaide"(Männerablheilung) 81.— Turnverein„Froh u. Frei" tMänneradth.l Abends 8% Uhr Bergstrahe 52.— Wissenschastlicher«drein für Roller'sche Stenographie Abend« 8% Uhr s n Restauranl Ziethen, Dorotheenstr. 31. Unterricht und Uebungistunde.— Allgemeiner Lrends'scher Stenographeuverein, Abthetlung„Borwärt«". Abend« 8% Uhr tm Restaurant»oll, Mariannen- play Ii.— ArendS'scher Stencgraphenverel»„Apollobund" Adend«» Uhr tm Restaurant Seqdelstr. 30.— Betein ehemaliger Tr. Doebdelinscher Schüler Abend« 9 Uhr tm Restaur. Kred«, Fried.chstr. 208.- Zilherverein„Alpenveilchen" Abend« l Uhr tm Restaurant„Wahlstatt" Belleallianeestr. 89.- Rauchllud„Westend dend« 9 Uhr Im Hohenzoll rngarten Sleglttzerstr. 27.— Nauchllub„Weichsei- blatt" Abends 8% Uhr im Restauranl Skaltyerftr. I67-.- Rauchllud„Ohne Zwang" Abend« 8% Uhr im Restaurant W. Späth Wetnslr. 28.- Berein ehemaliger Schüler der 22.«.emeindeschule Abend« 9 Uhr tm Restaurant Schröder Slegliyerstr. 18.— Lese- und Dislutirllub Henvegh Abend» 8 Uhr tm Lolale de« Herrn Otto Linie. Forsterstr. 45. Gäste, Herren und Dame», durch Mit- gUeder eingeführt, habe» Zutritt.- Sozialdemolrattscher Lese- und Disiunr- llub Lasialle Abend« 8% Uhr Cnvrystr. 16 bei Ziemer. Gaste durch Mitglieder tonnen eingeführt werden.— Sozialdemolrattscher Lese- und DiSkutlrllu» Borwärl« Abend« 8% Uhr sn Poland'» Lolal, Naunqnstr. 88. Siyung. Gaste lünnen durch Mitglteder eingeführt werden.— Ardetlergesangverein„Hosi- nung" Friedrtchsberg bei Reusch, Franlfiirler Chaussee- und Torsstraßen- Uebungsstunde. Aufnahme neuer Müglleder.— Männerchor der„Set Mechaniler"'Abend« 9 Uhr im Restaurant»rüger, Franzstr. 8.— Bereut ehemaliger Schulet der 23. Geinetndeschule Abend« 9% Uhr Konigstadt-Kafino, Holzmarllstr. 72. Ausnahme neuer Mitglieder. Gäste willlommen.— LeseNud — m �.. � Q---—»» 44«--- tmml Ummtmt*» 01»«•«•t M4 S Vitt* X 0« w*• Berliner „"«otl Marx" Abend« von 9-1 1 Uhr bei Schünseld, Mariendorferstr. w. —■--■- Deutschlands" Adend« 8% Uhr. Zum Schultheiß .Musterzeichner- Verband LandSbergersir. 78. Ocpefirhcn. (|Ut>lff« Tetegraphen-Kuren«.) Grlsentlirche», den 27. März. Auf der Zeche„Wilhelmine Victoria" ist heute Mittag ebenfalls die Arbeit niedergelegt worden. Chmnih, 27. März. Die aus Anlaß der Lohnbewegung gebildete Vereruigung von Webwaaren-Fabrikanten soll beschloffen haben, von einer Kündigungsfrist gegenüber den Arbeitern ab- zusehen und ihre Fabriken ohne Weiteres zu schließen, sofern die Arbeiter durch plötzliche Arbeitseinstellung in der Fabrik eines zu der Vereinigung gehörigen Fabrikanten das Arbeits- verhültniß ohne vorherige Kündigung lösen und, wenn die eigens hierfür einzusetzende Kommission die Grundlosigkeit des Streiks dargethan hat, die Wiederaufnahme der Arbeit trotzdem verweigert wird. Zu der betreffenden Kommission follsn außer Vertretern aus Fabrikantenkreiseu auch solche der Arbeiter heran- gezogen werden, und zwar sollen aus jeder Fabrik je ein Ar- beiterdelegirter durch die Fabrikanten und je zwei dergleichen durch die Arbeiter ernannt werden. Vviefknfiken vor Medakkion. Ktei« III. Wir sind zur mündlichen Auskunft bereit.