Nr. 76. Sonntag, den 30. Marz 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die der Arbeiter. Abonnementspreis fnr Berlin frei Das..Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonneme in's Haus vierteljährlich 3,80 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf, Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement ZPO Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzeituugSpreiSliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutlchland und Oesterreich-Ungam 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versaminlnngs- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen-Burcanr, ohne'Erhöhung des Preises, angenommen. 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Die höhere Temperatur, welche das Rede- thermometer aufweist, ist eine Nachwirkung des 20. Fe- bruar. Thatsächlich ist im Abgeordnetenhause die Reichs- tags-Wahlschlacht fortgesetzt worden. Aber der Kampf der Massen wird in der Kammer zu einem Familienzwist der Bourgeoisie, aus ernsthaften Konflikten werden nör- gelnde Häkeleien, und die Opposition bemüht sich, ihre flachsten und wirkungslosesten Redner vorzuschicken, so daß die Kartellisten leichtes Spiel haben. Die Opposition ist eine bürgerliche, das sagt genug, sie ist eine deutsche Bourgeoisopposition, das sagt mehr, sie ist eine deutschfreisinnige Opposition, das sagt Alles. Nachdem irgend ein fackeltanzlüsterner Biedermann Herrn Eugen Richter durch Fraktionsstänkereien veranlaßt hat, Jfeuillekon. Nachdruck verboten.l fLI Der Mord auf dem Kalle. Aus dem Leben einer Kreisstadt. Von I. S. Panow. — Mit wem haben Sie mit solchem Eifer getanzt, daß Sie mich fast umwarfen? — Ach, Sic habe ich gestopen? Bitte, entschuldigen Sie mich! Ich tanze mit Fräulein Bobrow. — Wer ist sie? — Sie kennen sie etwa nicht? — Ich sehe sie zum ersten Mal. — Wollen Sie, so stelle ich Sie vor? — Wozu?... Uebrigens, haben Sie die Güte, mich vorzustellen!' Ä...... Jtschalow stellte Petrowski Anna Dmttriiewna und ihrer neben ihr sitzenden Mutter vor. — Sie kommen selten in Gesellschaft? frng ihn Anna Dmitrijewna. Man sieht Sie nirgends. Sie lieben gewiß die Zerstreuungen nicht? — Nein, ich liebe die Zerstreuungen, wenn sie wirklich zerstreuen. — Unsere Abende und Versammlungen scheinen Sie demnach nicht zu zerstreuen? — Sehr wenig. sich bei jeder wichtigen Frage im Landtag auszuschweigen, hat der Deutschfreisinn in der Landrathskanimer nichts mehr zu thun. So sehr Richter Bourgeois, so ist er doch einMann, der wenigstens den Schwindelanfall derRickert und anderer„Staatsmänner" nicht bekommen hat und deshalb weiß, daß die Regierungsfähigkeit des Fortschritts eine eitle Träumerei ist. Er hat denn doch die politischen Fragen mit Schärfe und Geist behandelt, so wenig erden wirthschaftlichen Problemen in seines Manchesterthums durchbohrendem Gefühle jemals gerecht zu werden ver- mochte. Ist er in allen sozialpolitischen Dingen von einer verzweifelten Beschränktheit, so ist er doch, natürlich inner- halb der Grenzen des herrschenden Systems, ein Mann, der politische Kritik zu üben versteht und übt. Die schellenlauten Thoren des Deutschfreisinns, welche bereits in Ministersesseln zu sitzen glaubten, wollen die„neueste Aera" nur mit der Demuth gutgeschulter Lakaien empfangen und beben deshalb bei jedem Wort, das etwas anderes ist als ein geredeter Bückling. So zwangen denn die Beschwichtigungshuber der Fraktion ihren Führer zum Schweigen. Daß der König im Reiche desHep? Hep?, Stöcker, darum leichtes Spiel hatte, als er unter dem johlenden Beifall der Junker die Judenfrage in seiner Art traktirte, war nicht verwunderlich. Als der Herr Hofprediger mit der unnachahmlichen Grazie, die er sich in seiner langen Laufbahn an- geeignet, sich die Bürgerkrone selber auf's Haupt setzte und glaubwürdig erzählte, daß er ein wahrheitsliebender Mann sei, da umbrauste den Helden des Bäckerprozesses jubelnder Applaus der Rechten. Und es war Niemand da, welcher das Haus zur Scham zurückrief. Wenn Herr- Creme r sich in geschmackvollen Betrachtungen über Ge- rüche erging, so hat er nur seinen bisherigen Verdiensten um die Zwerchfellerschütterung seiner Mitbürger das neue hinzugefügt, die Duftseelen-Lehre der Woll-Jäger in die Politik hineingetragen zu haben._» Den Cremer, wie gesagt, lassen wir gewähren; er ist uns stets gleichgiltig, mag er den Possenreißer aus Beruf oder den Possenreißer auf Bestellung und Rekom- pens spielen. Aber Herr von Goßler, der Kultus- minister, ging so zartfühlend auf die Stöckerei ein, und behandelte sie so ernsthaft, daß die Opposition denn doch andere Leute hätte vorschicken niüssen, als Herrn K n ö r ck e. Herr Knörcke, ein früherer Pastor, hat die salbungsvolle Manier des Predigertones sich in den Parlamentarismus hinübergerettet, und ist der Typus der politischen Bedeu- tungslosigkeit, wie sie krasser nicht gedacht werden kann. Seine Reden sind ohne Salz, sie sind öde wie die Lüne- burger Haide und langweilig wie ein deutsches Reichs- sonett von Redwitz. Und diese Null wird gegen einen Virtuosen der Demagogie losgelassen, der denn auch mit — Sie verlangen wahrscheinlich von ihnen mehr als sie zu bieten vermögen. — Ich verlange zum mindesten von ihnen nicht daS, was sie bieten. Die Unterredung stockte. Zinna Dmitrijewna hatte von dem ihr vorgestellten Kavalier mehr Liebenswürdigkeit erwartet; seine Gering- schütznng hatte sie nicht wenig verletzt. — Ja, wir Provinzbcwohncr sind überhaupt sehr langweilig, sagte sie, sichtlich ihn zu einem Lkomplinient drängend. Petrowski schwieg. Irgend jemand forderte- Fräulein Bobrow zum Tanze auf, und die Unterhaltung hatte ein Ende. Als gegen Ende des Abends Anna Dmitrijewna mit ihrem Kavalier an Petrowski vorbeikam, frng sie ihn: — Sie tanzen wohl überhaupt nicht? — Heute werde ich nicht tanzen. Am folgenden Tage frng Fräulein Bobrow den zu Bc- such zu ihr kommenden Jtschalow: — Wen haben Sie mir da gestern vorgestellt? Er scheint seinen Werth zu keimen, aber uns alle schätzt er wie es scheint, sehr niedrig. Als Jtschalow fortfuhr, sagte Fräulein Bobrow zu ihm: — Bringen Sie irgend einmal Petrowski zu uns mst. Ich will sehen, ob er stets sölch ein Truthahn ist, wie er auf dem Balle war. Dann fügte sie hinzu: — Schieben Sie es nicht ans die lange Bank> spielender Leichtigkeit die Null so abfertigte, wie sie es verdiente. Was will denn auch der Herr Stöcker? Eine Klei- nigkeit, ein Nichts, etwas was kaum der Rede werth ist, blos ein allerliebstes, niedliches Bischen Ghetto, ein modernes Judenviertel, darinnen die Fremdlinge aus dem Osten hinter Mauern und Thoren Hausen, ohne das Ger- manenthum attakiren zu können. Den Juden eigene Schulen anweisen, sie absondern von den Anderen, den Rassenhaß und Religionshader be- reits in-der Brust des Kindes entfesseln, auf daß die Böckel und Stöcker eine reichere Ernte haben, das ist gewiß ein Ziel, des Schweißes„der Edelsten und Besten werth". Der parlamentarische Antisemitismus hatte bisher nur zwei Spielarten, seit Herr L i e b e r m a n n von Sonnen- b e r g dazu gekommen ist, sind es ihrer drei, nämlich der F al sich e i d- Antisemitismus, der Alimenten- Anti- semitismus und der E h r e n s ch e i n- Antisemitismus. Daß es in den Schuldebatten sich hauptsächlich um die jüdischen Bourgeois handelte, die ihre Sprößlinge in die„höheren" Töchterschulen, auf die Gymnasien und Universitäten schicken, thut hier nichts zur Sache, wo es sich handelt, die Unduldsamkeit festzunageln, welche jetzt offener und kecker als seit Jahren in offiziellen Körperschaften ihre Stimme erhebt. Das Spaßhafte dabei ist, daß die Konservativen in ihrer Mitte getaufte und ungetanste Hebräer haben, daß der bankerotte Feudalaristokrat den verblaßten Goldglanz seines Wappen- schildes mit den Millionen wieder auffrischt, welche die Mitgift jüdischer Bankierstöchter liefert, denen dann bis- weilen das Schicksal der Tochter des Herrn v. Bleich- r ö d e r blüht, und daß ein Mann, welchem noch vor wenig Wochen die ganze Mandarinenritterschast Knechts- dienste leistete, ein sehr kräftiges Wort über den Vortheil von Mischehen zwischen Christen und Jüdinnen einmal ge- äußert haben soll. Ein gut Stück des Antisemitismus erklärt sich durch den �Konkurrenzkampf zwischen hebräischem und christlichem Kapital, zwischen christlicher und jüdischer Intelligenz in den sogenannten liberalen, in den„höheren" Berufen. Diese Konkurrenz fand ihren Ausdruck in den Kammer- debatten; die unbeschnittene Bourgeoisie fürchtet sich vor dem Andrang des beschnittenen Großkapitals. Dieser I n t e r e s s e n k o n f l i k t hat für die Arbeiter nicht blos eine reinwissenschaftliche Bedeutung. Wenn die Kapitalistengruppen aneinander gerathen über die Theilung der Beute, so ist zwar die Art der Vertheilung dem Proletariat gleichgiltig. Aber der Konflikt zeigt zugleich, daß die Zersetzung der besitzenden Klassen rasche Fortschritte macht, daß also die Lösung der sozialen Streiffragen näher heranrückt. Je schneller die großen Kapitalisten ihre Vernichtungskämpfe mit einander durch- Nach einigen Tagen erschien Petrowski bei Bobrows. Er unterhielt sich hauptsächlich mit der Mutter, und war ihr gegenüber sehr liebenswürdig. Phrasen. Gegen Ende des Besuches bedeckten sich die Wangen Anna Dmitrijewnas mit Roth und ihre Augen nahmen einen eigenthümlichcn Ausdruck an: sie war sichtlich erregt. Bei den folgenden Besuchen beobachtete Petrowski die ursprüngliche Taktik: er war stets ausgesucht höflich im Verkehr mit der Mutter und unaufmerksam gegen die Avanzen, welche ihm die Tochter machte. So verging einige Zeit. Anna Dmitrijewna war sichtlich nicht ganz ruhig ge- worden.- Um die Zeit, um welche Bobrow's Petrowski's Besuch erwarteten, wurde sie sichtlich ungeduldig; sie ging oft zum Fenster, drängte die Diener, die Thür zu öffne», wenn die äußere Glocke ertönte, wurde mürrisch, wenn Pe- trowski ausblieb. Als sie ihn einst vergebens erwartet hatte, zog sie sich in ihr Zimmer zurück und ließ jagen, daß sie zum Mittagessen nicht erscheinen werde, da sie sich unwohl fühle. >— Was fehlt Dir denn, Anjuta?. frng, die' Mutter, in ihr Zimmer tretend. — Nichts_... ich habe Kopfschmerz. — Du hast etwas ans dem Herzen, Anjnta; Tu ver- birgst es mir; Petrowski ist Dir nicht gleichgiltig. fechten, je rascher die Verdichtung der Produktionsmittel vor sich'geht, desto krasser auch der Gegensatz zwischen Riesmeichthum Weniger und Massenarmuth der großen Menge. Und die Zänkereien der Besitzendendeuten darauf hin, daß ihnen das Feuer der Entwickelung unserer Ver- Hältnisse in diesem Sinne auf die mohlgepflegten Nägel brennt. Das Gejohl der Junker i>n Landtage ist der Schmerzensschrei des in schwere Abhängigkeit gerathenen Hypothekenschuldners gegen den mächtigen Hypotheken- gläubiger, das Gejohl der Junker ist nur ein anderer Ausdruck für die durch die wirthschastsgeichichtliche Ent- Wickelung leichtverständliche Erscheinung, oaß das jüdische Kapital in raffinirter Ausnutzung aller kapitalistischen Kniffe allen anderen Exploiteurs„über" ist. Uns ist es nur angenehm, wenn die Zersetzung der ungesunden Zustände sich schnell vollzieht. Aber zugleich ist dieser Streit der beiden Gruppen keine interne Zänkerei der besitzenden Klassen allein. Wir sehen, daß die Toleranz ein leeres Wort wird, so- bald der Geldbeutel berührt wird, wir sehen, daß nur die Partei, welche die Beseitigung der Klassengegensätze an- strebt, die Toleranz grundsätzlich vertritt. Wir bekämpfen init der gleichen Rücksichtslosigkeit die Rothschild, wie die Krupp, die Stumm, wie die Bleichröder, die Börsenkönige, wie die Grubeubarone, aber der jüdische Proletarier wird in unsere Schaaren eingereiht, so gut wie der christliche, wir kennen keinen Unterschied der Rasse oder der Kon- fession. Wir wissen, daß nur die S o z i a l d e m o- kratie die Judenfrage lösen wird. Indem sie uns vom Kapitalismus befreit, führt sie die Emanzipation des Judenthums wirklich durch. Sie erlöst uns vom Drucke des christlichen und des jüdischen Kapitalismus, und in- dem sie die Gesellschaft vom Judenthum als der höchsten Potenz, der Quintessenz des Privateigenthums, befreit, emanzipirt sie die Juden von sich selbst und macht sie zum homogenen Gliede der Völkergemeinschaft. Die Arbeiter sch ntz- K o nferenz der Regierungen. Der„Reichsanzeiger" bringt in seinem nichtamtlichen Theil den Bericht über die Schlußsitzung der Konferenz: „Zu der heute(Sonnabend) um 2 Uhr Nachmittags anberaumten Schlußsitzung der Internationalen Ar- beiterschutz-Konferenz hatten sich die Delegirten vollzählig im großen Kongreßsaal des Reichskanzler- Palais ein- gefunden. Nach Verlesung des Schlußprotokolls und dessen Voll- ziehung durch die Vertreter der einzelnen an der Konferenz betheiliaten Staaten hielt der Minister für Handel und Ge- werbe Freiherr von Berlepsch in französischer Sprache nach- stehende Ansprache: Meine Herren! Unsere Arbelt ist beendet, heute noch trennen sich die Mitglieder„der internationalen Konferenz zur Regelung der Arbeit in den industriellen Etablissements und in den Bergwerken", und da liegt wohl für jeden einzelnen von uns die Frage nahe, ob die angestrengte, gewissen- haste Arbeit, der wir nnS 14 Tage lang hingegeben Häven, ob de« Austausch der Meinungen, die freundschaftlichen Be- ziehungen, die wir zu einander gewonnen haben, verloren sein oder ob sie dauernde Früchte tragen werden. Wir sind nicht in der Lage, eine bestimmte Antwort aus diese Frage zu geben, denn wir waren nicht berufen, internationale Vereinbarungen über das uns vorgelegte Programm zu treffen, sondern nur Gutachten und Wünsche zu formuliren, die der Erwägung der hohen Regierungen, ivelche ihre Delegirten hierher sandten, unierliegen werden. Wohl aber sind wir in der Lage, die Frage zu beantworten, ob wir glauben, eine Grundlage gc- sunden zu haben, auf welcher der Gedanke, der arbeitenden Klasse in den industriellen Staaten Europas einen erhöhten Schuh, eine größere Sicherung ihrer materiellen, physischen, moralischen und intellektuellen Kräfte zu gewähren, fortleben und weiter ausgestaltet werden kann. Ich scheue niich nicht, meine Herren, diese Frage in Ihrem Namen zu bejahen. So groß uns Allen zunächst die Schwierigkeiten erschienen, die Frage des Schutzes der Arbeit durch ihre Beschränkung nach Art, Zeit und Dauer auch nur von einen« einheitlichen Gesichtspunkt aus zu betrachten, so sicher sind wir zu dem Resultat gelangt, daß es einheitliche internationale Ge- sichtsplmkte giebt, nach denen die Lösung dieser Frage von den Regierungen der einzelnen Länder ins Aug« gesaßt werden kann, — Was für ein Unsinn! Und die Augen Anna Dmitrijewna's wurden feucht. Sie legte sich auf das Bett und drückte das Gesicht in das Kopfkissen. Als sie hörte, daß sie weine, schüttelte die Mutter traurig den Kopf und ging ans dem Zimmer. Wodurch konnte Petrowski Anna Dmitrijcwnas Wohl- gefallen erwecken? Seine Physiognomie war eine ganz ge- wöhnliche, eine derjenigen, denen man täglich zu Dutzenden begegnet. Er war groß, vierschrötig, hatte ein derbes Ge- ficht und unregelmäßige Züge. Seme Bildung war lange nicht derart, daß sie die Aufmerksamkeit auf sich lenken konnte; seine Gewohnheiten waren die eines Seminaristen. Es kann sein, daß er ein tüchtiger Beamte war, aber die Danien, mit denen er bei Bobrows bekannt wurde, be- merkten, indem sie ihn eingehend kritisirten, mit Recht, daß jeder Dienende verpflichtet sei, ein guter Beamte zu sein: dafür erhalte er ja seinen Gehalt. Weshalb hatte das junge Mädchen, das alle anderen verschmäht hatte, das allen unzugänglich ivar, das sich bis- her nur an seinen Erfolgen in der Welt berauschte, ihn den anderen vorgezogen? Petroivski hatte mit den: Verständniß eines erfahrenen Mannes die schivache Saite der Schönen erkannt und energisch, mit aller Kraft an diese Saite geschlagen. Er sah, daß der übermäßig entwickelte Ehrgeiz in Anna Dmitrijewua alle anderen Gefühle unterdrücke, und mit der Selbstbeherrschung, ivelche den ihm ähnlichen Cha- rakteren eigen ist, stellte er sich zur Ausgabe, durch seine Kälte ihre Eigenliebe zu erwecken und darauf seinei» Plan aufzubauen. Allmälig prägte sich das Bild dieses Menschen der Vorstellung des Mädchens ein. Anfangs glaubte sie, daß ihr sein Verstand gefalle; schließlich mußte sie sich gestehen, daß sie ihn selbst liebe. welche die eigenthümlichen Verhältnisse ihres Landes zu berück- sichtigen haben werden. Diese gewonnenen Gesichtspunkte lassen sich meines Er- achtens dahin zusammenfassen, daß es für dasjenige, was die Gesetzgebung oder die Sitten eines jeden Landes der arbeiten- den Klasse' gewähren sollten, nur eine Grenze giebt, nämlich die Sicherheit der Existenz und das Gedeihen der Industrie, von dem auch das Gedeihen der arbeitenden Klasse abhängig ist. Ich meine, daß wenn wir uns in der Ueberzeugung trennen können, daß dieser Satz immer mehr Wahrheit werden wird, wir mit Befriedigung auf unsere gemeinfame Arbeit zurück- blicken können. Wir werden sie mit'mit gutem Gewissen den hohen Regierungen, die uns delegirten, vorlegen, deren Er- wägungen es vorbehalten bleibt, welche Folgen sie derselben geben wollen. Zu meiner hohen Freude aber darf ich es Ihnen, meine Herren, schon heute aussprechen, daß Se. Majestät der Kaiser, mein Allergnädigster Herr, dessen Einladung zur Konferenz Ihre hohen Regierungen in so entgegenkommender Weise gefolgt sind, mich beaustragt hat, Ihnen seinen wärmsten Dank auszusprechen für die sachkundige, eingehende und erfolgreiche Arbeit, mit welcher Jeder von Ihnen an den Verhandlungen der Konferenz sich betheiligt hat. Möge Gottes Segen dazu helfen, daß die Saat, die wir init unseren schwachen Kräften in unseren Verhandlungen gesät haben, hundert- und tausendfältige Frucht trage. Die Ansprache fand den lautesten Beifall der Delegirten. Hierauf erhob sich der englische Vertreter Sir John Gorst zu einer längeren Erwiderung in englischer Sprache, deren Inhalt etwa folgender ivar: Es sei ihm von besonderer Be- dcutüng, im Namen seiner Kollegen Sr. Majestät dem Kaiser zu danken dafür, daß derselbe die Konserenz in Berlin zu- sammenberufen, deren Ergebnisse außerordentlich erfreuliche seien. Diese Konferenz werde hoffentlich nicht die letzte sein, und wenn Millionen von Kindern dem Elend entzogen und eben so viel Frauen dem häuslichen Leben wiedergegeben sein würden, so werde man sich mit Dankbarkeit der Initiative Sr. Majestät erinnern. Nachdem darauf noch der belgische Minister Jacobs seine Befriedigung über den Verlauf der Verhandlungen kundgegeben und insbesondere dem Vorsitzenden, Minister Freiherrn von Berlepsch den Dank der Delegirten für die Leitung ausgesprochen hatte, sowie die Vertreter Italiens und Spaniens, Boccardo und Decastro, sich diesem Danke angeschlossen hatten, wurde die Konferenz um 3 Uhr 25 Minuten gcfchloffen. * Im Anschluß hieran theilt der„Reichsanz." noch den Wortlaut der Toaste mit, die am Abend vorher bei dem Festmahl, das zu Ehren der Konferenz im Hotel Kaiserhof stattgefunden, gehalten worden sind. Soweit diese Toaste nur den Austausch von Höflichkeiten darstellen, entbehren sie für die Arbeiter des Interesses. Nur insoweit sie sich auf den Inhalt der Verhandlungen der Konferenz beziehen, theilen wir sie daher mit. Minister von Berlepsch sagte: „... Niemals, meine Herren, hat Sie das Gefühl ver- lassen, daß Sie berufen waren, zum ersten Male in inter- nationaler Vereinigung über Fragen zu berathen, deren Lösung nur denkbar ist, wenn Herz und Kopf, Gemürh und Verstand als gleichberechtigte Faktoren herbeigerufen werden. Und Sie haben Zeugniß davon abgelegt, daß die Bestrebungen, die auf die Besserung der Lage der arbeitenden Klassen gerichtet sind, eine so mächtige moralische Kraft besitzen, daß die Grenzen der Länder keine unüberwindlichen Hindernisse für Sie sind, wenn Sie das große Ziel im Auge behalten und nicht die Form als das Wesentliche voranstellen. Ich habe Ihnen aber, meine verehrten Herren Kollegen, noch für etwas anderes zu danken, und das bewegt mich heute, wo ich zum letzten Mal, nicht offiziell, zu Ihnen sprechen darf, an« lebhaftesten, nämlich für die Art und den Sinn, in der Sie und mit dem Sie sich an den Verhandlungen der Konserenz be- theiligt haben. Obgleich von den Herren Delegirten der verschiedenen Nationen kaum Einer dem Andern persönlich be- kannt war, obgleich wir Alle bei der Berathung der uns vor- gelegten Fragen mehr oder wenige» durch die besonderen Interessen unseres Heimathlandes, durch die bisherige Ent- Wickelung und Gestaltung unserer Gesetzgebung, durch Instruktionen unserer Regierungen gebunden waren, so ist es doch gelungen, in Einmiithigkeit einen großen Erfolg zu erziele», und kein Acißton, auch nicht einer, hat ihn im Lause unserer Verhandlungen getrübt. Ich glaube, meine verehrten Herren Kollegen, wir dürfen uns ohne Neberhebung rühmen, den Ve- weis geführt zu haben, daß es große und gewichtige Gebiete giebt, Gebiete, die sowohl materielle, wie sittliche und religiöse Interessen umfassen, auf deren die Nationen Europas sich ohne Vorurtheil und Mißtrauen brüderlich die Hand reichen könne» zur Anbahnung, Fortsetzung und Vollendung eines großen und guten Werkes... Und der Delegirte Dänemarks, der Etatsrath Tietgen, erwiderte: „... Die Lösung jeder moralischen und sittlichen Aufgabe Es erschien ihr selbst unbegreiflich. Sie hätte sich selbst wegen des Verlustes der Freiheit ihres Herzens gezürnt, aber sie kam erst zur Besinnung, als sie nicht niehr im Stande war, das Gefühl zu unterdrücken, das sie beherrschte. Sei denn wie ihm wolle, aber Anna Dmitrijewua ver- liebte sich in Petrowski, und als es noch kein anderer be- merkte, sah er es schon deutlich. Petroivski hatte seine Ausbildung auf einem Gymnasium erhalten, nachher Vorlesungen auf der Universität gehört. Er war nicht ungeschickt, zeichnete sich aber keinesivegs durch Talente auS. Bon dem, was er auf der Universität gehört hatte, war in ihm wenig haften geblieben, und auch dies war schlecht verdaut. Arm, ohne Verwandte, ohne Haus und Hof, wurden ihm die ersten Schritte im Leven mühe- voll. Schwer vergingen ihm seine ersten Dienstjahre. Er saß zu Hause, ließ sich nirgends sehen, und las gierig alles, was ihm unter die Hände kam. Nachdem er die Stellung in der Gouvernemeittsstädt erlangt hatte, fühlte er eine schwere Last von seinen Schultern fallen. Er konnte sich jetzt für gesichert halten, aber diese Sicherstellnng war nur so lange dauerhaft als er in seiner Stelle blieb. Ihm kam der Gedanke, durch eine Heirath sich ein Vermögen zu sichern, das ihn unab- hängig machen würde. Die erste Begegnung mit Anna Dinitrijewna brachte einen Eindruck aus ihn hervor. Sie gefiel ihm, und insoweit Liebe mit seiner Natur vereinbar war, liebte er sie. In aller Stille begann er Nachrichten über das Ver- mögen ihrer Eltern zu sammeln. Genaue Angabe,: ver- mochte er nicht zn erhalten, da er kaum erst mit der städtischen Gesellschaft bekannt geworden war, er wußte aber zweifellos, daß sie Gutsbesitzer waren, von ihren Ein- künften lebten und an nichts Mangel litten. Stets war hängt von den Gesinnungen ab, mit welchen man sich an die Arbeit begiebt. Die Ausführungen aber, wie es der Dichter ausdrückt: Soll das Werk den Meister loben, doch der Segen koinnit von oben, es muß in Liebe angefangen, in Hoff- nung und(jikauben fortgeführt iverden. Wollen wir uns nun aufrichtig die Frage stellen, mit welchen Gesinnimgeu wir hier- her gekommen sind, dann darf ich wohl von Allen sagen, daß wir von der Liebe zur Aufgabe beseelt waren, für die Ver- befferung unserer wenig günstig gestellten Mitoruder einzu- treten; aber wenn wir auch Alle die Hoffnung hegten, daß uns die Aufgabe gelingen sollte, ivar diese Hoffnung bei Manchen schwach, bei den Meisten eine Hoffnung gegen Hoff- nung, und bei Keinem, darf ich wohl sagen, ein fester Glaube an das Gelingen zugegen... „... Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Konferenz durch ihre Beschlüsse die Wohlfahrt von Millionen befördern ivird, daß der erste Schritt auf einer Bahn gemacht worden ist, deren in der Zuninft noch manche folgen iverden... „... Wir wollen hoffen, daß der Segen von oben nicht fehlen werde, sodaß das Werk den Meister lobet...." pulikifirfie Ttelrersirkik. Dic Arbeiterschtch Kouferen» der Regierungen ist am Souuabeud nach vierzehntägiger Thätigkeit auseinander ge- gangen. Ob sie für eine wirksame Fabrikgesetzgebung Ersprießliches geleistet hat, wird sich erst dann beurtheilen lassen, wenn ihre Verhandlungsprotokolle veröffentlicht iverden. Das ge- schieht hoffentlich recht bald, damit eine unbefangene Kritik zn Worte kommt. Auch liegt ja die schnelle Veröffentlichung der Protokolle im Interesse der Veranstalter der Konferenz selbst, wenn man sich anders von ihr überhaupt eine Beein- flllssung der öffentlichen Meinung versprochen hat. Die feierliche Schlußrede des Ministers von Berlepsch ist ebenso wie seine Eröffnungsrede viel zu allgemein gehalten, um andere als ganz allgc- meine Schlüsse über die Thätigkeit der Konferenz zuzulassen. Auch die offiziellen Toaste, die am Abend vor- her gehalteil wurden, leiden an demselben Fehler. Ter Fehler niag unvermeidlich gewesen sein; entschiedenere Rede- iven düngen, bestimmtere Formuliruiigen hätten die aufrecht erhaltene äußere Emigkeit der Konserenz in Frage gestellt. Ist doch die proletarische Bewegung in den verschiedenen Industriestaaten, die auf der Konferenz vertreten waren, an Stärke und Klassenbewußtsein noch verschieden; und nur dort, wo ihr Feuer den herrschenden Gewalten ans den Nägeln brennt, ist man geneigt, es mit Konzessionen inner- halb des Rahmens der privatkapitalistischen Wirthschaftsord- nung ernsthast zu versuchen. So blieb die wichtigste Frage der ganzen Arbeitcrschutz- Gesetzgebung, der Normalarbeitstag, von vornherein außer- halb des Programms der Konserenz, und nur die neben- sächlicheren Fragen der Sonntagsarbcit, der Frauenarbeit und der Kinderarbeit wurden in einer Form behandelt, die für die einzelucn Staaten keine Verbindlichkeit ergiebt. Die Erörterungen und Beschlüsse trugen dennoch einen rein aka- demischen Charakter. Eine endgiltige Bemessung ihres. Wcrthes ist nicht möglich, so lange das vollständige Material fehlt. Nach den allgemeinen Wendungen der Schlußrede des Ministers von Berlepsch aber zn urtheilen, scheinen sie eine wundersame und lehrreiche Mischung von Manchesterthum i»nd Sozialpolitik darzustelleu. „Diese gewonnenen Gesichtspunkte lassen sich meines Er- achtens dahin zusammenfassen, daß es für dasjenige, was die Gesetzgebung oder die Sitten eines jeden Landes der arbeiten- den Klasse gewähren sollten, nur eine Grenze giebt, nämlich die Sicherheit der Existenz und das Gedeihen der Industrie, von dem auch das Geseihe» der arbeitenden Klasse abhängig ist." Die Gesetzgebung„oder" die Sitten! Harmloser können entscheidende Gegensätze nicht zusanimengekoppelt wer- den, als es hier geschieht. Das ist ja gerade die Frage, um welche sich alles dreht: die Arbeiter haben kein Vertrauen zu den„Sitten" der Bourgeoisie und wenden sich deshalb mit ihren Forderungen au die Gesetzgebung. Herr v. Berlepsch aber schlüpft nicht nur über diesen Gegen- sätz hinweg, er gebraucht ihn sogar frischweg als Voraussetzung für seine Bestimmung der Grenze des Arbeiterschutzes. Nach dieser Probe zu«rtheileu, hat der Geist Jules Simon'» allmächtig über den Gewässern der Konferenz geschwebt. Dir MöglichKrit einer baldigen Auflöinng de« Reichstag« erwägt ein Artikel der„Nationallib. Korresp.". Es wird darin aufgefordert, alle Vorbereitungen zu treffen, „um bei etwaigen Neuwahlen, deren baldiges Eintreten man unter heutigen Verhältnissen stets als Möglichkeit ins Auge fassen muß, ganz gerüstet zu sein." Weiterhin nennt die „Nationallib. Korresp." die jetzige Zeit eine Zeit voll dunkler Gefahren und mächtiger Unter- eine Menge Gäste bei ihnen, und bei Bewirthungen sparten sie kein Geld. Er nahm an, daß der Alte Geld besitzen müsse. Wie sollte er die Hand Anna Dmitrijewnas erlangen? Rivalen hatte er in Menge, indem er aber genau aus- paßte, bemerkte er, daß sie alle gleichförmig und erfolglos operirten. Es kam darauf an, eine andere, zweckgemäßere Art des Handelns zu ersinnen. Er sah, daß Jtschalows Schönheit sie nicht verlockte; der Rcichthum eines anderen Verehrers, Elsters, führte sie nicht in Versuchung; die angesehene Stellung des Fürsten Tanischtschcw verdrehte ihr nicht den Kopf. Er gedachte ihre Eigenliebe zu reizen, indem er sich selbst ihr gegenüber als unzulänglich stellte. Seine Taktik glückte vortrefflich. Anfangs interessirte sie sich für ihn, dann verliebte sie sich in ihn. Tie Nachricht von der Verlobung Anna Dmitrijewnas mit Petrowski brachte in der Stadt eine Wirkung hervor, als ob der Blitz eingeschlagen hätte. Die Männer wunoerten sich, was sie an ihm An- ziehendes finden konnte; die jungen Damen freuten sich, weil sie nun eine Nebenbuhlerin weniger hatten, und gerade die gefährlichste; dabei dachten sie,. sie habe keinen Bock geschossen; die Mütter und Tanten hörten anst die Augenbrauen zu runzeln; im Gcgentheil begrüßten sie den Bräutigam und die Braut sehr zuvorkommend. Namentlich Petrowski hatte gewonnen: sein Sieg über die unzugängliche Schöne stellte ihn auf das Piedestat, sein Ruf wuchs bergehoch. Die Hochzeit wurde auf den 2. Juni bestimmt. Jtschalow ivar in Verzweiflung. Er ließ sich nirgends sehen, schloß sich zu Hause ein und raufte sich die Haare. (Fortsetzung folgt.) ftromuugcn.— Die Bourgeoisie fragt sich nach dem Sturze Bismarcks ängstlich:„Was will das werden?" Und eine Antwort hat sie noch nicht. Die Kefchlüsse der Ardeiterfchuh- Konferenz sollen, wie jetzt offiziös verheißen wird, veröffentlicht werden. Diese Maßregel wird nothwendig sein, wenn man auf irgend welchen Einfluß der Thätigkeit der Konserenz auf die öffent- liche Meinung rechnet. Auch die Arbeit des Mechanikers Delahaye, eines der französischen Delegirten, über den Normalarbeitstag soll als Anhang zu dem betreffenden Sitzungsprotokoll veröffentlicht werden. Eine Erhöhnng der Friedenspröfenzstärk« soll nach den„Verl. Pont. Nachr." des Herrn Schweinburg beabsichtigt sein, obwohl erst im Jahre 1887 für die Dauer von 7 Jahren eine solche Erhöhung um 42 000 Mann stattgefunden hat. Nach Herrn Schweinburg will man weder die Zahl der Dispositions- Urlauber erhöhen, noch überhaupt irgendwie eine Verkürzung der Dienstzeit eintreten lassen. Inr Gründung einer fozialisti schon Kolonie in Ärasilien trafen am 18. d. M. unter der Anführung des Italieners Rosst 45 Personen aus Brescia in Rio de Janeiro ein. Wie man aus der erstgenaiinten Stadt schreibt, ist dies aber nur die Avantgarde, der in den nächsten Monaten noch etiva 150 Personen ans Brescia und Umgegend folgen werden. Als Ort der zu gründenden Kolonie wird das Territorium Missiones im nordöstlichen Theile der Provinz Rio Grand do Sul angegeben.— Die Annahme, durch solche Kolonien die soziale Frage lösen zu können, ist utopistisch; derartige Pläne tauchten in einer jetzt längst überwundenen Periode der sozialisti- schen Bewegung häufig auf und— scheiterten. Es ist ein Glück, dajj diese Träume heute nur noch außerordentlich selten energische unv idealistisch veranlagte Arbeiter der Arbeiterbewegung ihrer Heimath entziehen. Die Ktichmaht in Westhauelland preßt dem deutschfrei- sinnigen„Berliner Tageblatt" folgenden charakteristischen Hilfe- ruf aus: In der Nachwahl im westhavelländischen Kreise an Stelle des Herrn Rickert, der für Danzig anzunehmen gezivungen war, sind siir den freisinnigen Herrn Hugo Hernies 5100, für den Kartellkandidaten Herrn Metzenthin'4300 und für den Sozial- demokraten Herrn Ewald 6300 Stimmen abgegeben worden. Die Stichwahl zwischen den Herren Hermes und Ewald findet am 2. April statt, und es ist klar, daß Herr Hermes nur siegen kann, wenn er von den Kartellparteien lebhaft unterstützt wird. Die Erfahrung lehrt, daß ein einmal verlorener Wahlkreis nur mit den größten Schwierigkeiten zurück zu ge- winnen ist. Es fällt also die ganze Verantwortung für Gegen- wart und Zukunft den Kartellparteien zu, und es ist sehr zu wünschen, daß sie sich dessen bewußt werden. Der von ihrer Seite gegen die freisinnige Partei erhobene Vorwurf, sie habe ein zur Nachwahl ihr angebotenes Kompromiß nicht ange- nommm und dadurch die jetzige Lage verschuldet, ist hin- fällig; denn dieser Kompromißvorschlag war nur von einzelnen Personen gemacht, von der Partei als solcher aber nicht bestätigt worden, trotzdem von freisinniger Seite hierzu Gelegenheit geboten war. Unter diesen Umständen war es unmöglich, durch einseitige Auf- stellung eines weiter rechts stehenden Kandidaten die Stimmen des linken Flügels zu riskiren gegen vereinzelte nationalliberale und konservative Stimmen; aller Voraussicht nach hätte dann der sozialdemokratische Kandidat gleich im ersten Wahlgange 9' Auch jetzt wird es gelingen, den Ansturm der Sozialdemo- kraten abzuschlagen, wenn die Mitglieder der freisinnigen Partei Mann für Mann ihr Wahlrecht ausüben und die Natwnal- liberalen und Konservativen sie ausreichend unterstützen, indem sie sich der Gefahr erinnern, mit denen die Sozialdemokratie die Monarchie und alles Bestehende bedroht."— Hoch das Kartell.' Au» Keipzig, 29. März, wird uns geschrieben: In einer der letzten Sitzungen des Landtags wurde von den ozialdemokratischen Abgeordneten auf die Härte aufmerk- am gemacht, mit welcher sächsische Gerichte gegen Sozialdemo- raten oder mit ihnen in Beziehung zu bringenden Personen zu verfahren pflegen. Während und seit der letzten Wahl- kampagne ist es noch schlimmer geworden. Zu welchen Dimensionen ist nicht die einfache Thatsache, daß ein paar Leipziger Studenten in Konnewitz durchgeprügelt wurden— was seit etlichen 100 Jahren alljährlich ein paar Dutzend- mal vorkommt— aufgebauscht worden! Ein charakteristischer Fall spielte sich vorgestern vor der vierten Strafkammer des hiesigen Landgerichts ab. Das „Leipziger Tageblatt" berichtet darüber: „Eine nachdrückliche, aber wohlverdiente Strafe erhielt am gestrigen Tage von» königl. Landgericht einer jener rohen Gesellen, welche am Wahltag die Studenten, welche sich zur Herbeiholnng der säuniigen Wähler erboten hatten, wörtlich und thätlich beleidigten. Der Dachdeckergeselle Georg Adalbert Eugen Hentzner aus Leipzig ist ein schon vielfach wegen Eigenthumsvergehen, Bettelns und Landstreichens, darunter mit längerem Zuchthaus, vorbestrafter Mensch, der augenschein- lich jeder geregelten Thätigkeit abhold ist. Im vorigen Jahre hatte er bei Herrn U. m der Ritterstraße gearbeitet, dann hatte er die Stelle aufgegeben und zur Weihnachtszeit mit Christ- bäumen gehandelt. Im neuen Jahre hatte er noch keine feite Arbeit. Hentzner will kein Anhänger der Sozialdemokratie sein, er habe nur, um Geld zu verdienen, einer Aufforderung Folge aeleistet und fei nach dem Pantheon gegangen, um sich ein Plakat mit der Inschrift:„Wählt August Bebel!" zu holen. Er habe dasselbe bis gegen 4 Uhr in der Glocken-, Sternwarten- und Nürnberger Straße herum getragen. Dann habe ihn ein Mann aufgefordert, zum Essen zu gehen und sich ein Bischen auszuruhen. Gegen Z/sö Uhr habe er sich an der 1. Bezirksschule wieoer eingefunden, und dort sei ihm gesagt worden, daß er den Studenten, welche die Wahlaufforderungen austrügen, nachfolgen und dann die Säumigen, an welche die Briese gelangten, zur Wahl Bebels auffordern solle. Es scheint diese Behauptung aber nicht recht glaubhaft. Inder 5. Stunde ist nun Herr stuä.jur. P. zurEinholung vonWählern gegangen. Hentzner folgte ihm in einer Entfernung von 10—15 Schritten. P., welcher dies bemerkte, machte einen Kommilitonen, welcher gleichfalls Wahl- dienste leistete und den er in der Nürnbergerstraße was, darauf aufmerksam. B e i d e g i n g e n n u n z u r ü ck, P. wurde aber plötzlich von dem daherkommenden Hentzner angerempelt. P. . ließ sich das nicht gefallen und es entstand ein Wortwechsel, wobei Hentzner äußerte, er werde dem P. eine Ohrfeige geben, und auch die entsprechende Handbewegung machte. Den Stock, welchen P. zur Abwehr oder wohl auch zur Vertheidignng er- hob. ergriff Hentzner und entwand denselben dem Studenten. Nunmehr glaubte Herr stud. theol. W. seinem Kommilitonen zu Hilfe kommen zu sollen. Er führte mit seinem Stock einen leichten Schlag gegen Hentzner und suchte ihn w e g z u z i° he n. erhielt aber mtt dem P. entrissenen Stock einen starken Schlag über den Kopf, der am linken Ohr eine 1 cm breite und. iVa cm tiefe Wunde mit eingerissenen Rändern verursachte, die er, r nach 0 Tagen geheilt war. Hentzner ergriff nach der That die Flucht, ,n dem Hausflur seiner in der Nähe gelegenen Wohnung?varf er P. � Stock weg. Wegen groben Unfugs, Nöthignng und ge, ahrlicher Körperverletzung wurde Hentzner zu 10 M o na t e n G e s an g- niß und 8 Wochen Haft verurtheilt, 1 Woche Hast wurde auf die erlittene Untersuchungshaft\n Anrechnung gebracht. Der Gerichtshof bestand aus den Herren Landgerichts- direltor Lehmann(Präs.), Landgerichtsräthen Dr. v. Abendroth, Gruber, Adam, Schubarth-Engelschall. Die Anklage führte Herr Staatsanwalt Dr. Nagel." Dies der Bericht des„Tageblatts". Es ist darin deutlich ausgesprochen, daß der politische Moment eine wesent- liche Rolle spielte. Die amtliche„Leipziger Zeitung" hat in ihren Bericht des politischen Moments sogar noch schärfer betont. Daß der Berurtheilte kein Sozialdemokrat war, ändert an der Sache nichts. Die Thatsache, daß er kartell- brüderlichen Schleppern in den Weg trat, bildet nach vor- stehendem Bericht den eigentlichen straferschwerenden Umstand. Aus dem Bericht des„Tageblatts" erhellt: 1. daß Hentzner sich in einer Entfernung von 10—15 Schritten von den„Schleppern" hielt; 2. daß die Schlepper zn ihm zurückgingen, und da- durch den Konflikt provozirten; und 3. daß einer der Studenten zuerst schlug. Und dafür, daß Hentzner dem wieder schlug, zehn Mo- nate Gefängniß. Doch ein Kommentar ist überflüssig— die Thatsachen reden.— I» Dresden und Zlmgegeiid find, wie man uns schreibt, zwei Volksversammlungen, in denen Liebknecht über den achtstündigen Normalarbeitstag und die Feier des i. Mai reden wollte, polizeilich verboten worden. Da der angemeldete Redner bei verschiedenen Gelegenheiten sich gegen das allgemeine Niederlegen der Arbeit am 1. Mai erklärt hat, und es deshalb zn erwarten stand, daß er die Be- fürchtungen, welche in bürgerlichen Kreisen geflisseittlich ver- breitet werden, zerstreut[Hätte, so ist dieses Verbot sehr schwer verständlich.— Das Abgeordnetenhaus hielt am Freitag eine ganz kurze Sitzung ab, in welcher nach Regelung niehrerer kleinerer Vor- lagen die zur Berathung stehenden Anträge, darunter auch die freisinnigen Anträge auf Regelung des Beginnes und Endes der Schulpflicht und betr. die Bestrafung der Schulversäumnisse in öffentlichen Volksschulen ohne bemerkenswerthe Erörterungen an verschiedene Kommissionen veriviesen wurden. Der konservative Antrag auf Einführung eines Slusnahmetarifs für den Versand von Getreide- und Mühlenfabrikaten aus den östlichen nach den westlichen Provinzen wurde auf Wunsch der Antragsteller von der Tagesordnung abgesetzt. Darauf vertagte das Haus seine weiteren Berathungen bis zum 15. April, wo die dritte Lesung des Etats begonnen werden soll. Zur Bergarbeiter- Kemrgung. Essen a. R., 29. März. Auf den drei Schächten der Bergwerks-Gesellschaft„Konsolidation" sind gleichwie auf„Hibernia",„Wilhclmine Viktoria" der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" zufolge nur ein Theil der Ar- beiter angefahren. Auf den Schächten„Schamrock" und„Lthein- elbe" arbeiret alles. Auf dem Schacht„Alma" der Gelsenkirchener Begwerks- Gesellschaft niuß wegen eines Unfalls im Fuhrschacht die Förderung mehrere Tage ausgesetzt werden. zlrber de» neuen Staatssekretär des auswärtigen ntes, Herrn v. Marschall, schreibt die„Frkf. Ztg.":„Freiherr Adolf von Marschall-Bieberstein entstammt einem alten badischen Geschlechte, dessen Mitglieder sich durch reaktionäre Bestrebungen vielfach bemerkbar gemacht haben; der Vater, der als Kanzler des badischen Oberhofgerichts starb, hatte zu dem Konkordats- Ministerium traurigen'Andenkens gehört. Der Sohn trat schon als junger Mann in die Fußtapfen des Vaters; in der Mitte der siebziger Jahre finden wir den kaum Dreißigjährigen neben Mühlhäuher an der Spitze der feudal-orthodoxen Parei Badens. Im Jahre 1878 wurde der„schneidige" Mannheimer Staats- anmalt von dem Bezirk Karlsruhe-Bruchsal in den Reichstag gewählt, wo er sich den Deutschkonservativen anschloß und als Redner namentlich für das Sozialistengesetz eintrat; auch in der Bewegung zu Gunsten der Schutzzölle ffpielte er eine hervor- ragende Rolle und sah dabei seinen Wunsch nach einer engen Verbindung der Konservativen mit dem Zentrum auf kurze eit erfüllt. Bei den Wahlen von 1881 unterlag er in der !ttchwahl gegen den nationalen Schneider und wurde 1882, nachdem er kurze Zeit Landgerichtsrath gewesen war, zum ersten Staatsanwalt in Mannheim ernannt. Ein Jahr daraus ernannte ihn nach dem Tode des Herrn v. Türckheim der Großherzog zum Gesandten und Bundesraths-Bevollmächtigten in Berlin und aus dieser Stellung ist er jetzt an die Spitze des auswärtigen Amtes gelangt. Zu diplomatischen Missionen ist er unseres Wissens nie verwendet worden, im Reichstage vertrat er mit Vorliebe die soziale Reformpolitik vom Tisch des Bundesraths aus, was die Aufmerksamkeit des Kaisers auf ihn gelenkt haben soll. In frischer Erinnerung ist wohl noch aus der letzten Reichstagssession sein wenig glücklicher Versuch, die Handhabung des Sozialistengesetzes von Seiten der badischen Bnreaukratie gegen die Anklagen der Muser'schen Schrift zu vertheidigen; der Ausfall der Reichstags- wählen in Baden hat dieser Bertheidigung das richtige Zeugnis! ausgestellt. Das ist der Mann, der fortan unter Herrn v. Caprwi's Verantwortlichkeit und Leitung die Geschäfte des ausivärtigsn Amtes führen wird. Ohne Zweifel ist bei seiner Berufung der Gedanke vorherrschend gewesen, daß er nur der Gehilfe des Reichskanzlers sein solle, wie denn ja auch Graf Bismarck nichts Anderes gewesen ist. Diesen zu ersetzen, kann nicht schwer sein, denn der jüngere Bismarck hatte trotz der väterlichen Leitung und Autorität keine glückliche Hand und kein geringer Theil der Schuld daran, daß in den letzten Jahren Nichts mehr recht gelingen wollte, fällt ans ihn. Man denke nur an die Samoa- Angelegenheit, an die Morier-Affaire und an den Fall Wohl- gemnth; das Bestreben, nach berühmten Mustern zu arbeiten, war ja nicht zu verkennen, aber damit war auch die Aehnlichkeit'er- schöpft; von der geschickten Hand des Fürsten Bismarck konnte man keine Spnr entdecken unv ein Mißerfolg reihte sich an den andern. Fürst Bismarck mochte früher wohl die Hoffnung gehegt haben, er werde sich in dem Sohn einen Nachfolger erziehen; die Thatsache, daß dieser Sohn jetzt seine Entlassung erbeten und erhalten hat, spricht dafür, daß diese Hoffnung keinen Bestand gehabt und jedenfalls an der maßgebenden Stelle nicht getheilt worden ist." Abtreiben von Vevsamminngslokolen. Im„Siegener Volksblatt" macht ein Wirth Sonimereis bekannt, daß, weil er neben einer Stöckerversammlung auch einer sozialdemokratischen Versammlung bei den Wahlen sein Lokal überlassen hat, ihm das Abhalten des Militärkonzerts verboten sei und der königliche Landratb, Herr Keil, persönlich erklärt habe, er könne die Aus- Hebung der Militärpflichtigen in dem Lokal nicht gestatten, weil die sozialistische Versammlung bei ihm stattgefunden habe. Der beschränkte llnterthanenverstand des Wirthes vermag nun nicht zu begreifen, wie es gekommen ist, daß der Herr Landrath selbst trotz voraufgegangener sozialdemokratischen Versammlung nach einer später uattgef.mdenen Stöckerversammlung gemüthlich mit seinem Wahlkomitee in dem„infizirten" Wirthslokal zu veriveilen geruhte. Leipzig, 27. März. Der in London erscheinende„Sozial- demokrat" ist bekanntlich in Deutschland auf Grund des Sozialisten- gcsetzes verooten, und das Reichsgericht hat sogar die Entschei- dung gefällt, daß auch der Bezug einer einzigen Nummer strafbar sei, weil man darin den Thatbcstand einer Verbreitung zu suchen habe. Auf Grund dieser Auffassung sind bekanntlich Sozial- demokraten auch mehrfach bestraft worden. Neuerdings hat man nun festgestellt, daß einer der Leipziger„Ordnungsmänner", näm- lich der Kaufmann Sparig auch den„Sozialdemokrat" aus London bezogen hat und zwar nicht nur in einem Exemplar, sondern in einer größeren Anzahl. Da nun in diesem Falle trotz einer bei der Staatsanwaltschaft eingereichten Anzeige ein ae- richtliches Vorgehen nicht erfolgte, so brachten die Abgeordneten Liebknecht und Bebel diese Angelegenheit kürzlich im Landtage zur Sprache, um an diesem Beispiel die durch das Sozialisten- gesetz hervorgerufene Rechtsungleichheit zu illustriren. Der Herr Justizminister von Abelen erklärte darauf, daß auch er von der erwähnten Angelegenheit Kenntnis! erhalten, und alsbald über den Sachverhalt Erkundigungen eingezogen habe. Dabei hätte sich aber herausgestellt, daß kein Grund vorliege, gegen Sparig strafrechtlich einzuschreiten, weil der Bezug des Blattes nicht be- Hufs Verbreitung erfolgt sei. Man beabsichtigt der„Frkf. Ztg." zu Folge nunmehr, diese'Angelegenheit auch im Reichstage zur Sprache zn bringen. Lkeaniff, 29. März. Amtliches Resultat der am 25. d. M. im 6. Wahlkreise des Regierungsbezirks Liegnitz stattgehabten Reichstags-Nachwahl. Abgegeben würden insaesammt 20 840 St.; davon erhielt Stadtrath Lange(dfr.) 10 546, Regierungsrath Frank 5588 und Schneidermeister Kühn(Soz.) 4522 St. Der erste ist mithin gewählt. Dem Zentral- Mastlkvmitee uuserer Partei ging weiter folgendes Schreiben aus Dijon zu: Die Dijoner Sozialisten, versammelt am 18. März zur Feier des 19. Jahrestages der Volkserhebung vom Jahre 1871, senden den deutschen Sozialisten ein Zeugniß ihrer Genugthuung über die Erfolge, die sie bei den letzten Wahlen errungen haben. Wir beglückwünschen die deutschen Sozialisten wegen der Energie und der Ausdauer, die sie in dem Kampfe gegen den Despotismus entwickelt haben und konstatiren mit Ver- gnüaen, daß weder die Drohungen mit Flintenschüssen, noch die Ausweisung, noch das Gefängniß und die Berlenm- düngen der Presse sie haben einschüchtern können. Obgleich die Monarchen, wie die politischen und ökono- mischen Herren die sozialistische Partei verabscheuen, ntüssen sie dennoch mit ihr rechnen. Die französischen Sozialisten sehen voll Hoffnung den kommenden Ereignissen entgegen und reichen ihren deutschen Kameraden über die Grenze brüderlich die Hand. Dijon, den 20. März 1890. Das Exekutiv-Komitee der Dijoner Sozialisten. E. C h a r l o t. Gesterreich-Ungar»». Wien, 27. März. Im A bgeordneten Hause kcmi es heute zu einem erregten Zwischenfall und im Verlaufe desselben zu einem dem demokratischen Abgeordneten Kronawetter erthcilten Ordnungsrufe. Das Haus setzte die Berathung der Littienver- zehrungsstener fort, welche übrigens nach der Vorlage der Regie- rung in dritter Lesung angenommen wurde, und der Abgeordnete Pscheiden ergriff eine sich ihm darbietende Gelegenheit, der Be- hauptung Kronawetter's zu widersprechen, daß das Herrenstist Klosterneiiburg keine Abgaben zahle. Es leiste vielmehr an solchen 150 000 Gulden, trinke also seinen Wein nicht unbesteuert. Da- gegen spielte nun Kronawetter, welcher gegen jede städtische Ver- zehrungssteuer überhaupt ist, einen andern Trumpf aus. Er sagte, er könne nicht glauben, daß es den Bauern aus dein Lande so schlecht gehen solle, wie die klerikalen Abgeordneten aus den Alpenländern dies darzustellen lieben, und daß es ungerecht sei, die Städte so viel stärker zu belasten als das Land; denn die Bauern fänden noch immer Geld genug zu unnützen Ausgaben, z. B. für den Peterspfennig. Dieser sei„die dümmste'Ausgabe, die es überhaupt gebe." Darauf erhoben mehrere klerikale Abgc- ordnete großen Lärni, und aus Antrag des klerikal-antisemitischen Abg. Fiegl mußte Kronawetter zur Ordnung gerufen iv erden, denn sein Ausdruck sei eine schwere Verletzung der katholischen Gefühle. W i e n, 29. März. In der Werkstätte der Südbahn in Marburg(Steiermark) ist gestern ein Streik sämmtlicker Arbeiter ausgebrochen. Die Ursache desselben soll Unzufriedenheit mit einigen Bestimmungen des Krankenstatuts sein. Gv0ßbvita»miett. London, 28. März. Das Unterhaus nahm heute nach zweitägiger Debatte mit 239 gegen 164 St. die zweite Lesung der Zehntenbill an. Frankreich. Paris, 28. März. Deputirteniammer. Granger(Von- langist) beantragt die Bewilligung eines Kredits von 100 000 Fr. behufs Schadloshaltung der von dem Ausstand betroffenen Weiß- gerberei-Arbeiter und verlangt die Dringlichkeit für seinen Antrag. Der Minister des Innern Constans antivortete, daß die Be- willignng eines Kredits nicht erforderlich ist, denn es seien Maß- regeln getroffen, um die Arbeiter zu unterstützen. Er»verde Unterstützungen nur gewähren, wenn die angekündigten Mani- festationen unterblieben. Die Regierung werde keine Straßen- nnruhen dulden. Als sodann von vielen Seiten der Schluß der Sitzung verlangt wurde, und dagegen von den boulangimscheu Deputirten Widerspruch erhoben war, wiederholte der Minister Constans, daß 100 000 Fr. für die Arbeiter zur Verfügung ge- halten würden, daß er aber die Unterstützung nicht am Borabend der Manifestation geivühren»verde. Die Dringlichkeit»vurde hiernach mit 329 gegen 61 Stimmen abgelehnt und die Stitzung ausgehoben. Srrztole AtMerstWk. An all» Maurer Deutschland»! Wie»ms zu Ohren ge- kommen ist, versucht man von Seiten der Innung,»nöglichst viele Maurer durch Borspiegelung falscher Thatsache», nach Berlin zn lpcken. Run, Kollegen,»veshalb man das lhut, ist»vohl einer Erörterung nicht mehr werth. Ihr Alle wißt ja, daß sich die Berliner Maurer im Jahre 1889 in einem siebenwöchentlichen Streik besunden haben, um die Erreichung einer neunstündigen Ar- beitszeit und einen Lohn von 60 Pf. pro Stunde(»vozu uns der hiesige Magistrat auch sofort die Steuern angemessen hat». Es sind nun diese Forderungen theiliveise errungen, aber noch nicht bei allen Unternehmern, es sind immer etliche, die sich»nehr sträuben als die andern, obgleich auch Onkel Fettsch jetzt zu der Einsicht gekominen ist, daß ihnen durch eine Mehrfordening der Gesellen nichts verloren geht. Nun» Kollegen, die hiesigen Unter- nehincr haben uns in diesem Winter gezeigt,»veß Geistes Kinder sind, abgesehen von den skandalösen Baubude», die in der'Großstadt Berlin existiren und alle diese Schäden mehr,, welche hier herrschen, hat man uns den versprochenen Lohn nicht gezahlt»vie iin Soinmer. Kollegen, es naht nun der Frühling, ein jeder, der gezwungen ist, sich sein Brot in einer anderen Stadt zu verdienen, ist zu»»'Aufbruch bereit. Wir hegen stets den Grundsatz, ein jeder sucht sich seinen Erwerb da,»vo er an» besten zurecht kommt, und wünschen wir einein jeden Arbeiter»nöglichst hohen Lohn»»nd kurze Arbeitszeit. Es muß aber jetzt eines ledon Pflicht sein, daß er dazu beiträgt. daß wir nicht»vieder gezivungen werden, in einen Lohnkainpf einzutreten, und dies kann nur geschehen durch Fernhaltting des Zuzugs. In» Uebrigen ist die Bauthätigkeit nicht so groß, wie es in die Welt hinausgeschleudert»vird, denn es gehen die meisten Fainilicuväter schon in der siebenten Woche ohne Arbeit herum. Darum, Kollegen aller Orten, denkt an das Solidarttätsgesühl, erspart Euch und uns unnütze Gelda»lsgaben und haltet t r e n g den Zuzug fern v o>» Berlin. Alle arbeiter- reundllchen Blätter»verde» um Abdruck gebeten. Wilhelm Kerstan, Vertrauensmann, Lübbenerstr. 4, 2 Tr. Der heutigen Unmme» liegt fiir unsere hiesigen Abonnenten ein Prospekt der Oerliner Kranerei-Gesell« schaft..ewoli" bei. Theater. «Sonntag, den 30. März. Gpernhaus. Die Afrikanerin. Montag: Lohengrin. SdsiUtspiclhiUls. Die Anna-Life. Montag: Feurige Kohlen. Lesstttg- Theater. Die Ehre. Montag: Juliette. Vorher: Trn- del's Ball. Kerliner Theater. Wittme Scarron. Ein Licbeszcichen. Hexenfang. Kandel's Gardinenpredigten. Montag: Der Aeilchenfresscr. Deutsches Theater. König Midas. Montag: Faust, erster Theil. Friedrich-Ulttholmstiidt. Theater. Der arme Jonathan. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mallner-Thrater. Ein toller Ein- fall. Vorher: Der dritte Kopf. Mdntag: Dieselbe Vorstellung. Uiktoria-Theater. Stanley in Afrika Montag: Dieselbe Vorstellung. Gsteud-Theater. Der Fall Clomen- ceau. Montag: Dieselbe Vorstellung. Drstdenz-Theater. Marquise. Montag: Dieselbe Vorstellung. KrUraUiattre- Theater. Der Nautilus. Montag: Dieselbe Vorstellung. Käuigstädtisches Theater. Mutter- fegen, oder: Die neue Fanchon. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central Theater. Ein fidelcs Haus. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolf Crnst- Theater. Der Gold- fuchs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater der Reichs hallen. Speziali- tätenvorstellung. Gedr. Richtrr'o Uariötö. Speziali- täten-Vorstellung. Kanfmann's Uariötö. Spezialitäten- Vorstellung. American-Theater fflW Dresdenerstraste 55,_ Täglich Vopstellu n'g Englischer Karten Alexanderstraße 27c. Auftreten der Chansonette Frl. Fran- sisca Moi mann. Auftrete» des Gesangs-Humoristen Hrn. Köhler. Auftreten der Duettisten Albert und Nelly Rappmann. Auftreten der Chansonette Frl. Jenny Peters, smme der musikalischen Clowns Toni und Jack. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 30, SO u. 7ö Pf., un Vorverkauf 20 u. 30 Pf. Sonntags Anfang halb 6 Uhr. Sonntags Entree 50, reservirt 75 Pf., Orchester 1 Mark. Vorverkauf Entree 40 Pf, OB 81. Unter de» Kinde» 81. BB Im Hause der Wilhemshallen neben der Passage. BGH- Vorführung vch Ali- TS 7"Ä. Beyt: 3, 2 u. 1 M. Billets im Jnvalidendank. T Uastage I Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Erste Reise am schönen Uhein von Mainz bis Köln. Neu! VI. Reise Italie», Uiniera und Genna. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. H CesAstsjlllls 0* Heine. sChlMffeesteaße14. 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In beiden Vor- stellungcn: Auftreten des berühmten aus sechs Personen bestehenden Elber- selber Athleten-Klubs(die stärksten Männer der Jetztzeit). Auftreten der vorzügl. Reitkünstlerinnen und Reit- künstler. gleiten und Vorführen der bestdress. Schul- und Freiheitspferde. Morgen Montag: Auftreten des be- rühmten Athleten-Klubs, sowie großer Ringkampf zwischen den'Herren Gustav Hüsselmann und Rudolf Schürr. Die lustigen Heidelberger. E. Renz, Direktor. Circns Wulff. Friedrich Carl-Ufer. Ecke Karlstraße. Sonntag, den 30. März 1890, Nachmittags 4 Uhr: Cr. Kloml- u. Kolillker-Vorß. Das Programm ist eigens lzur Be- lustigung der Jugend gewählt und be- steht aus vielen, höchst komischen Num- mern. Zu dieser Vorstellung hat jede Person das Recht, auf das von ihr gelöste Billct ein Kind frei einzuführen. BSEffl Abends 7Vs Uhr: wsesa Mollßre-Pllrsorce-VorßMllg, in welcher 86 der vorzüglichsten Re- pertoir-Rummern zur Aufführung gc- langen. Montag, den 31. März, Abends 71/2 Uhr; Gr. 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Geschäft: Dresdenerstr. 72/73, 2.„ Charlotteuburg. Keilpflug, Elsasserstraße 8, Laden. Hübsch, Linienstraße 8, Laden. Ratke, Alt-Moabit Nr. 130. Die Ueberwaohungs-Konunission 589] der Tabakarbeiter Berlins. Schäfte-Branche. Gesperrt sind folgende: lax Meyer, Neue Friedrichstr. 39. Krautwurst, Gr. Frankfurtersir. 57. Mathias u. Bürger, Kürassier- straße 16. Mohr, Elisabeth Ufer 20. " e rl i ch, Elisabeth Ufer 19. a t e r, Kurze Straße 4. Oppenheim u. Söhne. Rath, Neue Friedrichstraße. Herzberg, Friedrichstr. 250. Loob, Annenstraße. Schulz, Neue Roßstr. 11. Wittig, Fruchtstr. 47. Leiser, Kaiserstr. 38. Franzisky, Manteuffelstr. 102. S p»a t e r, Eisenbahnstr. 10. Ullendorf, Karlstraße. Witt, Dresdenerstr. 85. E l v e r s, Sebastianstraße. B e r g s ch m i d t u. Lange haben bewilligt. Diejenigen, welche an solchen Stellen arbeiten, sind als Streikbrecher zu betrachten. 587 Arbeitslose Kollegen und Kolleginnen haben sich auf dem Strelkburenu der Schästcbranche bei R e y e r, Alte Jakobstr. 83, zu melden. Die Lotzukommissto». 1 KW mm N "3 UOlt Pm Üaede�ich (Gegründet 1874)[481 1. Gesch.: Oranienslrasso No. 9 2.„ Marianncn8tr.43 EckeSlalitzerstr. Größte Ausw. in Pilz- u. Seidenhüten mit Aebeiter-Kontroimarkr». Bitte genau auf Hausnummer z. achten. AHbeater! Ifllj- und Seidenliiite m. Arbeiter- Kontrolmarle empfiehlt[1864 Franz Haupt, Hutmacher, Gr. Frankfurterstr.(alte Nr. 140, neue Nr. 145) zw. Frucht- u. Memelerstr. Empfehle mein Restaurant. Für gute Speisen und Getränke ist bestens ge- sorgt. Die Zahlstelle der Kranken- und Sterbekasse aller Arbeiter Deutschlands befindet sich bei mir. Vereinszimmer sind zu vergeben. Gstbatzntzof Nr. 3. und 9. AtiHI Ziehung erster Klasse der 342 ig!. Prems. Klassen Lotterie /s a 6V4 m.. 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Der Ausruf zur Gründung einer„Freien Volks- Bühne" hat bis jetzt den erfreulichsten Erfolg: Eine Fluth von Beitritts- erklänmgen und begeisterten Zustiinnmngen ergießt sich von Tag zu Tag. Die in Zlussicht gestellten Vierteljahrsbeiträge sind im Allgemeinen höher, als erwartet wurde. In diesen Beziehungen kann also das Unternehmen als gesichert betrachtet werden. Es dürften eher zu viel als zu wenig Bewerber um die Mitgliedschaft auftreten. Auf alle Fälle ist es nöthig, möglichst bald festzustellen, wie viel die Agitation in dieser Sache eigentlich zu leisten vermag. Deswegen sind die Freunde gebeten, eifrig zu agitiren, besonders in den Ucrrinen, woselbst sich das A u s l eg e n von Liste» zur Angabe 1) der Namen, 2) der möglichen Vierteljahrsbeiträge(nicht unter 1,50 M.) empfiehlt. Tie zahlreich eingelaufenen Schreiben zu beantworten, ist dem Unterzeichneten unmöglich. Die Fragesteller werden gebeten, sich zu gedulden, bis die weiteren Vorarbeiten zu gewissen Ab- schlüsseu gediehen sind. Alsdann soll der Plan im Einzelnen veröffentlicht werden. Denjenigen, welche sich zur Beihilfe mit Rath und That erboten haben, einstweilen herzlichen Dank! Dr. Bruno Wille, Schriftsteller. NO. Landsbergerplatz Nr. 5. VoÄQleS. Humor und Industrie de» 1. April. Es ist eine alte Nedensart:„Am 1. April schickt man den Narren, wohin man will." In der„guten, alten Zeit" begnügten sich auch die lach- lustigen Spaßvögel damit, den Narren init irgend einer unerfüll- baren Mission zu betrauen. Man ließ ihn z. B. in der Apotheke Mückenfett oder getrockneten Schnee holen und empfand ein mehr als kindliches Vergnügen, wenn der„Narr" sich närrischer stellte, als er in Wirklichkeit war. Derartige harmlose Foppereien waren am 1. April an der Tagesordnung, so sorgfältig erdachte und mit so vielein Raffinement präparirte„Reinsälle", wie man sie heute zur Feier des Tages fabrizirt, kannte man damals noch nicht. Höchstens schrieb ein Freund an den anderen einen Liebesbrief mit fingirter Handschrift und lud ihn zu einem Rendezvous ein. Das war aber schon ein sehr geistreicher Scherz, der wochenlang belacht wurde. Späterhin wurde es auch Mode, daß die Zeitungen ihren Lesern eine kleine April- Neckerei bereiteten. Im ernsthaftesten Tone wurde in der Nummer vom 1. April eine unglaubliche Geschichte aus Amerika oder Patschkau erzählt oder es wurde eine Sensationsnachricht anfgc- tischt, die verblüffend wirkte. Mitunter machten sich allerdings auch die Leser den Spaß, die Redaktion gehörig„'reinfallen" zu lasse». Einer der ergötzlichsten Späße dieser Art ereignete sich im Jahre 1882 in Breslau. Eine große politische Zeitung brachte am 1. April im lokalen Theile allen Ernstes die Mit- theilung, daß Nachmittag ein Oderdampfer ankäme, der einen kolossalen Walfisch als Fracht führe. Der Walfisch komme direkt aus dem Eismeer und sei in Eis verpackt, infolge dessen er sich auch noch vollkommen frisch erhalten habe. Am Nachmittage war die Landungsstelle an der Oder von einer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge umlagert, so daß die Polizei alle Mühe hatte, die Ordnung zu erhalten. Natürlich kam weder ein Dampfer, noch ein Walfisch; die Zuschauer aber waren wüthend über die vertrauensselige Zeitung. die sich so arg hatte in den April schicken lassen. Die Zeitung erklärte, daß sie durch eine Postkarte mit der Unterschrift„Lehrer Schiller" düpirt worden sei. Monate lang wurde das sonst sehr zuver- lässige Organ mit dem„Eis-Walfisch" gefoppt, es war sogar ein schönes Lied mit dem Schlußvers: Ein Jeder zieh' hieraus die Lehre: Der Walfisch lebt allein im Meere; Wenn er nach Breslau kommen will, Dann ist es allemal April! Der Anstifter dieses Unfuges ist nie ernnttelt worden, wie sich so überhaupt die Versenoer von Aprilscherzen und Ulkbriefcn stets in eine wohlthätige Anonymität hüllen. Es würde sonst im April mehr Beleidigungsklagen geben, als im ganzen Jahre, �n der Papierkonfektion hat sich für den scherzhaften Tag ein ganz Scmnkngsplcnrderei. R. C. Schon bevor der erste April ins Land kam, waren die Kiebitze in Jever in denselben geschickt, �zn früheren Jahren hatten sie um die jetzige Zeit man muß anständig sein— alle Hände voll;n thun, um die festgesetzte Zahl von hundert und ein Eiern zu legen; xn diesem Jahr können die Kiebitzweibchen'getrost der gedeihlichen Ent- wickelung ihrer Nachkommenschaft entgegensehen. Vrellelcht allerdings entschließen sich die„Getreuen" in Anbetracht des Umstandes, daß ihre Gegend nicht etwa ganz und gar von Kiebitzen wimmeln soll, dazu, die vielen Kiebitzeier selbst zu verzehren. Es wäre das ein selten praktischer Ausweg ans dem Dilemma, in welches sie ohne ihr Jnthun gerathen sind, nnd wenn man für die übrige, nicht kiebitzeierverzehrende Welt noch den glücklichen Zufall in Betracht zieht, daß nunmehr auch die poetische Beigabe, mit welcher die Kiebitzeier stets verschönt wurden, überflüssig ge- worden ist: so ist allen Theilcn geholfen. Die Kiebitze brauchen für ihre Nachkommenschaft nicht zu sorgen, die Eier verfehlen ihren Zweck nicht, und die plattdeutsche Stammtisch-Gesellschaft hat nicht mehr nöthig, sich die gc- ehrten Köpfe über die poetischen WidmungszeUeii zu zerbrechen. In Berlin scheinen die Kiebitze überhaupt nicht so leicht zum Eierlegen zu bewegen zu sein. Es mag das daher kommen, daß diese Bogelgattung hier hauptsächlich an Skat- tischen zu findeii ist, wo sie sich mehr durch weise Aus- sprüche als durch die Abgabe irgend welcher Naturalien auszeichnet. Dessenungeachtet haben auch die hiesigen Kiebitze ihren Zivcck, denn da an den meisten Tischen letzt mehr gekannegießert als gespielt wird, findet ein Ueberschuß gewichtiger Geisteskräfte stets glückliche Verwendung. Die Reichshauptstadt ist um eine Familie ärmer geworden, der Fürst von Bismarck hat mit seinen Söhnen unsere Stadt verlassen, um von Friedrichsruh und Varzm — fern von Geschäften— den weiteren Verlauf der Dinge eigener Fabrikationszweig gebildet. Einige große litho- graphische und Prägeanstalten arbeiten von Januar bis Ansang März einzig und allein für den I. April. Da werden Verir-Briefe, Karten, Verfügungen, Vorladungen in den ver- schiedensteu Dessins zum Zwecke des„Remsalls" ange- fertigt. Wir haben uns die Mühe und die— Kosten nicht verdrießen lassen, uns eine kleine Sammlung derartiger April- scherze anzulegen. So besitzen wir z. B. unter den„amtlichen Zustellungen" einen„Ausmusterungsschein zum Ehekrüppel", die „Ernennung zum Obmann der Pantoffelgilde unter Beifügung des Gildewappens", ein„Leumunds-Zeugniß über gewissenhafte Verwaltung des Hausschlüssels" u. s. w. Sehr bedenklich erscheint ein„Protokoll der Klagesache wegen nicht gehaltenen Ehever- sprechens", die'„Ausstellung eines Armuthszeugnisses" und ein „Strafbefehl wegen Nachlaufens hinter hübschen oder hübsch scheinenden Damen"! Recht nett sind auch die„Geschäfts- Empfehlungen" von Wey u. Mädlich, Versandgeschäft,— Storch u. Co., Effektengeschäft,— Flecht und Ablehner, Korbwaaren- fabrik,— Zwilling und Co., Ausstattungsmagazin, und eine Offerte von Eduard Ducker, Pantoffelfabrikant. Das„Gesuch der Wittwe Müller um Erhöhung der Kinderpflegegelder" bildet das Hauptstück der interessanten Kollektion. Der Zweck aller dieser naturgetreu imitirten Zuschickungen ist einzig und allein: dein Empfänger ein Lächeln abzugewinnen und die deutsche Reichspost um 10 Pf. zu bereichern! Die gescüliche Gleichberechtignng der Arbeiter ist etivas, was dem Unternehmerthum, ob Kleinmeister oder Groß- sabrikant, Schnapsbrenner oder Korn- und Viehzüchter, am aller- wenigsten in den Kopf will. Sie leben noch ganz in den Be- griffskreisen des Sklavenstandes, aus dein sie sich nur sehr lang- sarn hinaus entwickeln werden. Wo zufällig den Arbeitern ein Recht gesetzlich gewährleistet ist, da ist stets das Unternehmerthum sofort am Werke, dieses Recht wieder zu verflüchtigen. Wir sehen das in Deutschland gegenüber dem Koalitionsrechte der Arbeiter, wir sehen das in anderen Ländern; denn auch hierin ist das Unternehmerthum international. Eine ganz merkwürdige Sache, die von ungewöhnlicher Schlauheit zeugt, haben aber die Zünftler in Oesterreich auf- gefunden, um den Arbeitern ein ihnen gesetzlich zustehendes Recht zu rauben. Es ist dort den Zunftmeistern schon lange ein Dorn im Auge, daß die Gesellen die selbststüudige Verwaltung ihrer Krankenkassen haben, obgleich die Meister auch eine Kleinigkeit zu denselben zahlen müssen. Wie das aber ändern? Da fand ein Schlaukopf in dem betreffenden Gesetze einen § 12, der sagt:„Gehilfen, welche bereits durch sechs Wochen außer Arbeit stehen, können an der Gehilfenversammluug nicht theilnehmen, und werden der ihnen anvertrauten Funktionen ver- lustig." Gefunden! rief er, nun haben wir es, nun raus mit den Gesellen aus der: Kassenverwaltung.„Außer Arbeit stehen" heißt in keiner Werkstatt arbeiten. Gut! der Kassenvorsteher ist von der Kasse so in'Anspruch genommen, daß er Arbeit in der Werkstatt nicht verrichten kann. Nach sechs Wochen hat er also seine„Funktion" verloren und wird zum Tempel hinausgeworfen. Nach anderen sechs Wochen kann es einem anderen Gehilfen ebenso gehen, und so fort, bis die Gehilsen es genug habe», und einen Meister in den Posten setzen. Ter Wiener Magistrat hat sogar diese Auffassung auch angenommen und die Sache schwebt >eht in der höheren Instanz. Schließt sich anch diese der schlauen Auslegung an, dann ist in sehr einfacher'Art, ohne doppelten Boden und Apparat das den Gehilsen gewährleistete Recht, ihre Kassen selbst verwalten zu können, genommen. O, nicht nur das deutsche Reichsgericht kann Gesetze lösen. Die feit einiger Zeit eingerichtete berliner Htraken- paK hat m der kurzen Wirksamkeit, auf welche sie erst zurück- blickeu kann, um eine Beschleunigung der Briefbesrellung inner- halb Berlins doch schon erhebliche Verdienste aufzuweisen. Die großen Wagen der Straßenposten, in deren Innern die Sortirer ununterbrochen beschäftigt sind, machen stündlich ihre Runde durch die ihnen zugewiesenen Postämter; wie das Herz den Blutlauf, so regeln sie den Briefumlauf in Berlin. Von Stunde zu Stunde saugen sie, wie wir einer in der„D. Verk.-Ztg." ent- haltenen Beschreibung entnehmen, aus 800 Briefkästen 10 000 Briefe ein und führen sie unaufhaltsam den Bestellämtern zu, wo mehr als 1000 bestellende Boten zu ihrer Abtragung bereit stehen. Tie Straßenposten verbinden die 47 Bestellpostämter, welche die Einsammlung aus den Briefkästen und die Bestellung der Briefe besorgen, unter einander. DaS Gebiet des von de» Straßenposten befahrenen Kursnetzcs umfaßt ziemlich die ganze zu beobachten. Ein alter Römer, Cincinatus war sein Name, wurde einst vom Pfluge geholt, um sein Baterland zu retten, und nachdem er diese Großthat vollbracht, kehrte er stolz und gelassen zu seinem Kohl und seinen Bohnen zurück. Es ist merkwürdig, daß sich die Geschichte so häufig wiederholt: der Gras Wilhem Bismarck hat bekanntlich das Gut Varzin zur Verwaltung er- halten— sollte man vielleicht in späteren Zeiten anch in ihm wenigstens einen Varzin— cinatns bewundern können? Tie Verehrer des Fürsten Bismarck würden dann neuen Stoff erhalten, um in der künftigen Größe des Sohnes die frühere Größe des Vaters preisen zn können. Denn die weise Voraussicht ist bekanntlich eines der entschiedensten Merkmale eines genialen Staatsmannes. Doch zum ersten April zog Alles. Der Reichskanzler zog, die Arbcitcrschntz-Kouferenz hat ihr Domizil verlegt und ist infolge dessen obdachlos geworden, und selbst die Schutz- mannswache im Reichskanzlcr-Palais mußte sich nach einem anderen Unterkommen umsehen. Sie wird ein solches bald genug gesunden haben, denn aller Voraussicht nach wird man für diese Herren noch vielfache Verwendung haben. Allerdings mit einem Mobiliar, welches für eine Million Mark versichert werden muß, zieht nicht Jedermann, und es ist daher begreiflich, daß ein solcher Umzug großes Aufsehen erregt. Zu solchem Wohlstand kommt man nicht, selbst wenn niau mehrere der Hauptgewinne der Schloßfreiheit-Lotterie in die Tasche stecken könnte. Sehr leicht ist das nicht, und jeden wirklichen Vaterlandsfreund muß es mit bitterem Ingrimm erfüllen, daß der Hauptgewinn nach Paris fiel. Der Erbfeind wird sich ins Fäustchen lachen und die hiesigen Nietenbesitzer wer- den sich in die Faust weinen— aber das ist der Lauf der Welt, das Geld ist rund und Grenzpfähle haben es noch nie aufgehalten. Am Weisesten handelt man immer, wenn man überhaupt nicht spielt, dann rettet man wenigstens den Einsatz und man kommt nicht so leicht in Gefahr, den Verstand zu verlieren, wie es dem berühmten Herrn ging, der in einer Lotterieliste fand, daß sein Loos mit dem Hauptgewinn heraus- gekommen war. Der arme Mann merkte zu spät, daß er Stadt, welche einen Flächenraum von etwa sechszig Quadrat- kilometern bedeckt, mit einem Durchmesser von Norden nach Süden von neun, und einem solchen von Westen nach Osten von zehn Kilometern. Auch das Publikum beginnt bereits die Straßenposten in schleunigen Fällen zu benutzen und den an den Wagen befindlichen Briefkästen während der Fahrt Briefe zu übergebe». Bei mehr als 1200 Briefen täglich wird jetzt bereits dieser Vortheil vom Publikum wahrgenommen. Der neue RathskeUrr-Mirth. In ihrer geheimen Sitzung am Donnerstag hat die Stadtverordneten-Versammlung den An- trag des Magistrats, betreffend die Verpachtung des Berliner Rathskellers pro 1. Oktober 1890/96 an den Markthalleu-Restau- rateur Heinrich Falkenbcrg für den jährlichen Pachtzins von 46 000 M. genehmigt. Mit der Dnrchlegnng der uerläujjerte» Ziunnerstra�e im Zuge der Königgrätzerstraße ist gestern Vormittag begonnen worden. Im großen Garten des Kriegsministeriums bemerkte man mehrere Ingenieure und Arbeiter, welche damit beschäftigt ivare», die freizulegende Straße durch Pfähle abzustecken und die Bäume, welche demnächst gefällt werden sollen, mit Merkzeichen zu versehen. Der Bauzaun nach der Wilhelmstraße hin wird indeß nicht eher abgetragen werden, bis ein passirbarer Weg für Fußgänger geschaffen ist, was vor Juli nicht der Fall sein dürste. Aus dem DeichsKan, Urpalais ist seit Dienstag die Ge- heiinpolizei-Ainbulanz, welche Jahre lang dort thätig war, auf Anordnung des neuen Reichskanzlers als überflüssig zurückgezogen worden. Dieselbe bestand aus einem Wachtmeister und mehreren Beamten,.denen die Wache für die persönliche Sicherheit des Fürsten oblag. Das iitteste gedruckte Auch der Berliner Königlichen Bibliothek, zur Zeit das älteste in ganz Teutschland, ist, so schreibt man den„M. N. N.", eine alte Ausgabe des chinesischen Formen- schatzes„Po-ku-t'u-lu", die vor Kurzem mit der Sammlung des Professors Friedrich Hirth erworben wurde. Die Ausgabe wurde mit Holzblöcken gedruckt, die in den Jahren 1308 bis 1312 unserer Zeitrechnung geschnitten wurden und ist, wie sich aus der Deut- lichkeit des sehr schönen Textes, sowie der zahlreichen Abbildungen alter Kunstschätze schließen läßt, auch um diese Zeit oder doch nicht viel später abgezogen worden. Gi» blinder Skatspieler, worunter nicht etwa ein söge- nannter„Blinder" oder Strohmann zu verstehen ist, sondern ein wirklicher eiftiger Skatspieler, dem das Alter leider das Augen- licht raubte, lebt im Südosten unserer Stadt. Selbstverständlich müssen die Mitspielenden die ausgespielten Karten ausrufen, worauf der blinde Herr dann mit bewundrungswürdiger Sicher- heit sticht oder abwirst. Sämmtliche Karten sind nämlich durch ganz kleine Nadelstiche gezeichnet, die für das Auge und die Finger von Sehenden unmerklich, für das seine Tastgesühl des Blinden genügend sind, um jede Karte für ihn kenntlich zu machen. Was treibe» die Riemeudreher, welche jetzt in Elber- fcld-Barinen streike»? Diese Frage wird jetzt erörtert. Mancher behauptet, der Riemendreher stelle die Transmissionsriemen für Maschinen her. Das ist ein Jrrthum. Die Riemeudreherei besteht in der Herstellung von Schnürriemen, Litzen, Kordeln, wie sie für Schuhe, Korsette u. dergl. benutzt werden. Die Maschinen (Schnürriemenmühlen) haben Aehnlichkeit mit den Klöppel- maschinen. Wir lese» im ,, Kerlitter Körsett-Courier":„Ein uns als zuverlässig bekannter Leser unseres BlatteS machte uns vor einiger Zeit Mittheilung von einem peinlichen Vorfalle. Eine Dame hätte sich, um einen aufdringlichen Verfolger los zu wer- den, hilfesuchend an einen Schutzmann gewandt, sei aber von diesem in barschem Tone abgewiesen worden. Infolge dieser Mittheilung, welche auch in andere Blätter übergegangen ist, leitete das königl. Polizeipräsidium eine Untersuchung ein und es stellte sich nunmehr heraus, daß unser Gewährsmann das Opfer eines Mißverständnisses geworden war. Die verfolgte Dame hatte in einer Gesellschaft das ihr zugestoßene peinliche Abenteuer erzählt, und auf die Frage, warum sie sich nicht an einen Schutz- manu gewandt, erwidert, daß sie dies bereits vor längerer Zeit bei einem ähnlichen Vorfall einmal versucht, aber damals eine barsche Zurückweisung seitens des angerufenen Beamten erfahren habe. Wir fühlen uns verpflichtet, die vorstehende Klarstellung der erwähnten Angelegenheit zu veröffentlichen und ersuchen auch diejenigen Zeitungen, welche die Einsendung seiner Zeit über- nommen haben, nunmehr der Richtigstellung'Aufnahme zu ge- währen. eine sächsische Lotterieliste nachgesehen hatte, während er selbst in der preußischen Lotterie sein Glück versuchte. Man sieht, daß man beim Spielen nie vorsichtig genug sein kann. Auch dem Klügsten passireu die größten Dumm- Heitel,, und der Zufall entscheidet Alles. Herr Baumeister Fetisch erhielt beim letzten Ordensfest einen Orden— welches Ereiguiß aber keineswegs auf das blinde Walten des Zu- falls zurückgeführt werden darf. Ein garnicht geschmückter Jnnungsfrack sieht furchtbar eintönig aus, und da man einem Menschen doch nicht ohne Weiteres an der Nase an- sehen kann, daß er Redakteur der Baugewcrkszeitung ist, so hat ein solches Unterscheidungszeichen immerhin einen Werth. Jedem Verdienst seinen Kronenorden. Der eine Zeitnngsredak- tenr erhält einen gedruckten Strafantrag, dem anderen bringt der Stephansbote ein Ordensdiplom in's Haus; es kommt nur auf die Anschauung an, ob man ein Ordcnsdiplom oder einen Strafantrag höher schätzt. Auf alle Menschen aber lächelt die Frühlingssonne gleichmäßig und freundlich herab. Auch der Dickfelligste hat von seinem Wiutcrübcrziehcr Abschied genommen, beim hellen Sonnenschein sieht man leider die Bierflecke viel dent- licher, so daß der gewitzte Menschensohn die warme Winter- hülle in der Dämmerstunde irgendwo zum Aufheben giebt. Aus der Umgegend wird gemeldet, daß die Sommer- wirthe ihre Gartenstühle frisch haben streichen lassen, mit grüner Farbe natürlich, denn grün ist die Farbe der Hoff- nung.„Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle bewahrt die kindlich reine Seele"— manchem dieser Herren mag jetzt wohl das Gewissen schlagen, und es mögen keine be- sonders erhebenden Gefühle sein, wenn manche Wirthe draußen die Arbeiterschaaren bei ihren Lokalen vorüberziehen sehen: aber sie mögen sich trösten und ihre Speisen und Getränke in Gesellschaft Derer verzehre», die sie veran- laßt haben, im Winter den Arbeitern gegenüber den„Dick- näsigcn" zu spielen. So mancher Amtsvorsteher mag ja für seine Person im Trinken Erkleckliches leisten, aber die Hun- derte und Tausende ersetzt er doch nicht. Die Hauptsache ist und bleibt die Schneidigkeit, aber auch diese verliert viel von ihrem Werth, wenn es am EeldbeiUei geht.-- Zu dem bevorsteheuden Osterfest giebt das Lokalkomitee vo» Friedrichshagen den Ausflnglern unserer Parteirichtung wieder die Lokalbesiher bekannt, welche uns ihre Säle zu Ver- sainmlnngen überlassen cuent. die Arbeiterblätter auslegen: E, Schmidt, Waldhaus; G. K a li tz s ch, Gesellschaft-Haus; E. M e y, Restaurant; R. Richter, Eiskeller; (£. Conrad, Restaurant; E. Wolf, Brauerei-Ausschank; F. W u l l f, Bad Bellcvne; G. W ö l f l e r t, Restaurant; E. S ch u l tz e, Sceschlößchen; E. B a n d e l o iv, früher Magdeburg, Restaurant Lindenhof. Alle Uebrigen haben eine Verständigung mit dem Lokal- komitee bis jetzt noch nicht nachgesucht. Köpenick. Bei dem Tischler Ehrlich fand am 28. ds. Mts. eine Haussuchung statt, deren Resultat gleich Null mar. Zeugen gesucht. Am Freitag Abend fand in der Görlitzer- straße aus irgend einem Grunde ein Auflauf statt. Bei dieser Gelegenheit fand ein Renlontre zwischen zwei Arbeitern, einem Kriminalbeamten und einem uniformirten Schutzmann statt. Leute, die den Vorfall mit angesehen haben und die den Kriminal- beaMten eventuell kennen, werden ersucht, ihre Adresse an den Metall- drücker Albert Frasch, Gräfestraße 81, Hof Keller, einzusenden. Kogruänntr Kunst- Kastreboline», die durch besondere Maschinen hergestellt werde», werden seit einiger Zeit besonders unter dem Nanien„Gassen's Kunstkaffee" in den Handel gebracht, welcher den gebrannten natürlichen Kaffeebohnen so ähnlich ist, daß eine betrügerische Beimengung zu den letzteren stattfinden kann. Auch gedruckte Anweisungen zur„Fabrikation von Kunst- Kaffeebohnen in Form naturgetreuer Kaffeebohnen" werden aus- gegeben. In jenen Anweisungen wird auf die Täuschung des Publikums noch besonders hingewiesen. Die Kunstbohncn unter- scheiden sich von echten Bohnen dadurch, daß jene in Zlethcr sofort untersinken, während die echten Bohnen wegen ihres Fettgehaltes größtentheils zunächst obenauf schwimmen. Werden Kaffeebohnen in eine heiße, stark orydirende Flüssigkeit(Königswasser oder dergl.) geworfen, so werden die echten Bohnen viel schneller ent- färbt, als die künstlichen. Mit der Fabrikation und dem Ver- triebe des Gassen'schen Kunstkaffees ist also lediglich eine Täuschung und Uebervortheilung des Kaffee konsumirenden Publikums be- zweckt. Indem das Polizeipräsidium dies zur öffentlichen Kenntniß bringt, warnt es die interessirten Handel- und Gewerbetreibenden noch besonders vor dem Vertriebe jenes Kunstlaffees mit dem Hinzufügen, daß im Betretungssalle unnachsichtlich auf Grund des vtahrungsmittelgesetzes vom 14. Mai 1879 strafrechtlich ringe- schritten werden wird. Das Gerücht von einem in der Kafenhnide stattgehabte» mörderifchr» Danbanfalt versetzte am Tonnerstag Abend den der Haide benachbarten Stadttheil in nicht geringe Aufregung. Es'hieß, daß man in seinem Blute schwimmend am Wege einen Mann gefunden, der nur noch geringe Lebenszeichen von steh gegeben hätte, als man ihn fortgeschafft. Wie es glück- licher Weise sich aber herausgestellt, hat nur in der erregten Phan- taste der Leute ein mörderischer Uebcrfall stattgefunden, während es in Wahrheit sich nur um einen Unglücksfall handelte, welcher allerdings unter so eigcnthümlichcn Umständen stattgefunden und bemerkt wurde, daß das Gerücht von einein Verbrechen wohl entstehen konnte. Denn in der That war blutüberströmt inmitten der Haide ein Mann aufgefunden worden, der auf den an' ihn gerichteten Fragen keine Antwort zu geben vermochte. Nachdem der Gefundene aber auf der in der Adalberfftraße belegenen Sanitätswache wieder zu einigein Bewußtsein gelangt war, stellte sich das Folgende heraus: Der vermeintlich Ueberfallene, welcher als ein Herr S. sich legitimirte, führte ein Taschenmesser bei sich. Während seines Spazierganges durch die Haide ist das in der Tasche befindliche Messer unvermerkt aus der Scheide gesprungen, und als nun Herr S. in der bereits hereingebrochenen Dunkelheit über eine Bäumwurzel stolperte und zur Erde fiel, fuhr ihm die entblößte Klinge tief in das linke Bein. Dabei hatte oas Messer mehrere Adern durch- schnitten, so daß das Blut mit voller Gewalt hervorquoll und G. bald das Bewußtsein verlor. So lag er leblos in einer großen Blutlache, bis er bemerkt wurde, glücklicherweise noch zeitig genug, um ein gänzliches Verbluten zu verhindern. Nichts desto weniger war der Zustand des S. bereits ein so bedenklicher, daß er mittelst Krankenwagens nach einem Krankcnhanse gebracht werden inußte. Dslizribn'icht. Am 28, d. M. Morgens wurde ein Kauf- mann in einer von ihm in der Stephanstrahe gemietheten Wohnung mit einer Schußwunde in der rechten Schläge todt auf- gefunden.— Mittags wurde ein lOjähriges Mädchen an der Ecke der Waldemarstraße und des Mariamwnplatzes von einem Milch wagen überfahren und erlitt dabei einen Bruch beider Unterschenkel, so daß es nach dem Krankenhause Bethanien ge- bracht werden mußre.— Zu derselben Zeit fiel auf dem Oranien- platz ein Mann und zog sich dabei eine so bedeutende Verletzung dcS Hinterkopfes zu, daß seine Ueberführung nach der Charitee erforderlich wurde.— Am 28. d. M. fanden an vier verschiedenen Orten kleinere Brände statt. Gerichks.Ioituttg. Der bodenlose Leichtsinn, mit welchem mit dem Petroleum msweilen unigegangen wird, führte ain Sonnabend die Verkäuferin Fräulein Enima Königsberg aus Berlin unter der Anklage wegen fahrlässiger Brand.iftnng vor die erste Strafkammer am Land- gericht 11, Die Angeklagte war früher beim Kaufmann Knick in Steglitz als Verkäuferin engagirt. Am 22. Dezember wollte sie einem kleinen Mädchen Sauerkohl verkaufen, im Keller standen Petroleumstaschen, von denen die Verkäuferin eine umriß. Statt aber das umherfließende Petroleum auszuwischen, wie ihr vom Dienstmädchen gerathen wurde, meinte sie:„Ach was, dann stinkt eS zu sehr, ich brenne es lieber ab!" Und in der That zündete sie ein Streichholz an und setzte das Petroleum in Brand. Das Feuer wurde aber größer, als wie sie erwartet haben mochte, die Angeklagte und das Dienstmädchen warfen zwar einen Sack darüber, aber sie verinochtcn die Flammen nicht mehr zu ersticken, diese brachten im Handumdrehen auch die übrigen Petroleumstaschcn zum Zerspringen und plötzlich war der ganze Keller ein einziges Flammenmeer, so daß die Verkäuferin, das Dienstmädchen und das kleine Kind, welches Sauerkohl kaufen wollte, über Hals und Kopf den Keller verlassen mußten, um nicht zu verbrennen. Die schnell alarmirte Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die Weiterverbreitung des Feuers zu verhindern, der Laden brannte vollständig aus, so daß ein Schaden von nahezu 8000 M. entstanden ist. Der Staatsanwalt beantragte 14 Tage Gefängniß, der Vertheidiger R.-A. Dr. Fritz Friedmann bat jedoch inständig, die Angeklagte die durch Angst, Schreck, erlittene Vorwürfe und durch die Pflicht zum Schadenersatz schon schwer bestraft sei, nicht noch obendrein ins Gefängniß zu schicken, daß der Gerichtshof Milde walten ließ und nur auf 50 M. Geldstrafe oder 5 Tage Gefängniß erkannte. Gi» Krricht über eine Mißhandlung eines Gfstzirrs- b«rschrn durch seinen Lieutenant hat eine Anklage wegen Be- leidigung gezeitigt, welche die II. Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdircktors Brausewetter gestern gegen den Re- dakteur der„Berliner Zeitung" Georg Frankenberg zu verhandeln hatte. Ter Angeklagte hatte die Absicht, nach den bekannten Aeußerungen des Vorsitzenden über die Presse im Prozeß Frieden st ein einen Perhorreszirungsantrag zu stellen, als er aber dazu um das Wort bat, wurde ihm bedeutet, daß es dazu zu spät sei, da ein derartiger Antrag auf Ablehnung von Mitgliedern des Kollegiums wegen vermutbeter Befangenheit vor der Verlesung des Anklaaebeschlusses gestellt sein muß. In der Sache selbst handelt es sich um Folgendes: Der aus Kassel hier- her zur Zentralturiianstalt kommandirte Lieutenant Pawlowski hatte in einem Hause der Kommunikation am Neuen Thor einen Stall für sein Pferd gemieihet und in diesem Stalle kam es an einem Tage im Juli zu einem außerordentlich heftigen Auftritt zivischcn dem Lieutenant und seinem Burschen, dem Arbeiter Fromeyer. Der Lieutenant war furchtbar erregt und zankte den Burschen mit so lauter Stimme auS, daß die Bewohner des Hauses ans Fenster gelockt ivurden. Tie Thatsachen dieses Vorganges wurden dem Angeklagten brieflich mitgetheilt und derselbe schickte einen Rechercheur an Ort und Stelle, nach dessen Ermittelungen alsdann der Bericht für deil Lieutenant Pawlowski nicht schmeichelhaft war. Der Artikel soll mehrfach Ueber- treibungen enthalten, namentlich insoweit er behauptete, daß der Lieutenant unter dem Nkufe„Schuft, ich ersteche Dich!" auf den kläglich winselnden Burschen mit gezogenem Degen eingehauen, ihn mit blanker Waffe auch noch auf die Straße hinaus verfolgt, auf der Straße den Säbel mit einem Tuche abgewischt und den Burschen durch einen Unteroffizier habe verhaften lassen.— Der Angeklagte erklärte, daß alle diese Thatsachen von den Zeugen des Vorfalls genau so mitgetheilt worden seien.— Der Lieüte- nant Pawlowski hat dagegen bei seiner in Kassel stattgcfun- denen Vernehmung ausgesagt, daß er an jenem Tage über seinen wiederholt sinnlos betrunken gewesenen und der Unterschlagung verdächtigen Bmschen außerordentlich erregt gewesen sei. Er habe von der Direktion der Tunranstalt erwirkt, daß der Bursche durch einen anderen abgelöst werden sollte, sei an jenem Tage in den Stall gegangen und dem Burschen Vorwürfe über seine abermalige AngetruNkenhcit gemacht. Er habe ihm dann be- sohlen, den Rock anzuziehen und ihm gesagt, daß er um 2 Uhr nach Kassel abgehen werde und die Art, mit welcher der Bursche seine Vorwürfe hingenommen, hätte ihn fast noch mehr gereizt, als dessen Widcrspänstigkeit gegen den Gedanken nach Kassel abzureisen. Er habe dabei allerdings in lauter Weise den Burschen ausgezankt, es sei auch möglich, daß er in der Erregung gesagt haben könne,„Schuft, ich könnte Dich erstechen, wenn ich nicht Deine Eltern bedächte", er habe auch den Säbel aus der Scheide gezogen, als der Bursche sich weigerte, den Rock anzn- ziehen, er habe aber den Soldaten mit dem Säbel überhaupt nicht berührt. Er habe ihn auch nicht auf die Straße hinaus mit ge- zogenem Säbel verfolgt oder den letzteren gar mit einem Tuche abgewischt, und die Verhaftung des Burschen sei erst am Nach- Mittage desselben Tages erfolgt.— Der Arbeiter F r o m e y c r, jetzt in Pfalzburg, ist erst beim Militär informatorisch und dann vor deni Zivilgericht vernommen worden und hat eine für den Lieutenant noch viel günstigere Aussage gemacht, als dieser selbst. Entgegen dem Zugesländniß des Offiziers hat der Bursche be- hauptet, däß derselbe Worte wie„Hund" oder„Schuft, ich ersteche Dich," gar nicht gebraucht habe, er habe ihn vielmehr immer mit „Sie" angeredet und er habe während der ganzen Szene, auf welche er gar kein Gewicht gelegt habe, stramm vor dem Lieutenant gestanden. Dieser Widerspruch ist bei der ersten Vernehmung dem Militär- Auditeur so ausgefallen, daß dieser den Burschen darauf hingewiesen, daß ein Soldat auch zu Gunsten seines Vorgesetzten falsche Aussagen nicht machen dürfe, Fromeyer ist aber bei seiner Aussage verblieben und hat dieselbe vor dem Zivilrichter wiederholt. Er bestreitet auch mißhandelt worden zu sein oder ein klägliches Gewimmer migestimmt zu haben.— Drei als Zeuginnen vernommene Haus- bewohnerinncn, welche dem Rechercheur des Angeklagten' alle Einzelheiten genau mitgetheilt hatten, waren vor Gericht vor- sichtiger und zurückhaltender. Sie bekundeten nur, daß der Lieutenant„kolossal geschimpft", daß der furchtbare Skandal alle Hausbewohner an's Fenster gelockt habe und Worte wie„Hund verfluchter, ich steche Dich nieder! Raus! raus!" gefallen seien. Sie haben auch gesehen, daß der Lieutenant mit blanker Waffe aus dem Saale kam und den Säbel ans dem Hose in die Scheide steckte, alles weitere haben sie nicht gesehen.' Nur eine Zeugin bekundete noch, daß sie am Nachmittage den Lieutenant gefragt habe, was vorgefallen war. Darauf habe sie die Antwort er- halten:„Es thut mir leid, aber ich war so erregt, weil er mich belogen und betrogen hat; bald hätte ich ihn erstochen!"— Staatsanwalt Dich hält es für erwiesen, daß in dem Artikel stark übertrieben worden sei. Wenn die Behauptungen wahr wären, dann müßte Angesichts der Kundgebung des Kaisers über die Be- Handlung der Soldaten, der Lieutenant seine miliärifche Lausbahn ab- schließen; da sie aber nicht wahr seien, seien sie so schwer beleidigend, baß er 200 M. Geldbuße event. 20 Tage Gefängniß beantrage.— Vertheidiger Rechtsanwalt Cohn I meinte, daß, wie man auch ..ber die Presse denken möge, dieselbe gerade in solchen Dingen, welche ohne sie über den Kaserenhos nicht hinausgekommen wären, sicher ihre Verdienste habe. Die Aussagen des Lieutenants und des Burschen stimmen nicht miteinander und auch nicht ganz mit den Wahrnehmungen der Augenzeugen, jedenfalls habe sich die Szene nicht so harmlos abgespielt, wie es der Bursche dargestellt. Der Angeklagte habe jedenialls geglaubt, daß ihm der Schutz des § 193 St. G. B. zu Seite stehe, wenn er ans Grund sorgfältiger Recherchen den Vorfall mittheilte. Korrekt habe sich der Lieutenant gewiß nicht benommen, derselbe hätte vielleicht in dem Gefühl seiner Machtvollkommenheit den Burschen„erstechen" können, aber eine lange Zeit hindurch mit demselben in so lärmender Weise herumhantiren, daß die Leute an die Fenster stürzten und eine Zeugin nach ihrer Behauptung vor Erregung drei Stunden lang daS Zittern hatte, sei mindestens ungewöhnlich.— Der Gerichts- Hof ging weit über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, in- dem er auf 500 M. Geldbuße ev. 50 Tage Gefängniß erkannte. Sozinle UieberkMzk. Arbeite»', Gr»wffe»! Die Gärtner Berlins und Umgegend haben, gezwungen durch ihre Verhältnisse, die Arbeit eingestellt. Bis jetzt stellte sich unser Lohn: in der Handelsgärtnerei bei freier Station und 11— 17 stündiger Arbeitszeit 12—18 Mark monatlich, ohne Station bei derselben Arbeitszeit 30—50 M., in der Land- schastsgärtnerei bei 10— llstllndiger Arbeitszeit 2—2,50 M. pro Tag. Unsere Forderungen sind jetzt folgende: Handelsgärtnerei 11 stündige Arbeitszeit, bei freier Station 25 M. monatlich, ohne stündigen Arbeitszeit. Der Zuzug ist streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck geberen. Mir- rrchaltr» folgend? Kmchtigimg: Unterzeichneter ersucht freundlichst, folgende Berichtigung aufzunehmen: In der Nr. 74 Ihres geschätzten Blattes befindet sich der Versammlungs- bericht des„Fachvereins sämmtlicher an Holzbearbeitungs- Maschinen beschäftigten'Arbeiter". Es ist da nicht richtig, daß der Verein über die Werkstatt von Voigt u. Cremer, Alte Jakob- straße 20, die Sperre verhängt hat, sondern es ist blos einzeln der Wunsch geäußert worden, aus dem'Arbeitsnachweis keine Leute dort hinzuschicken. Achtungsvoll Fritz Koboldt, Grünanerstr. 10. Mensch dieselben ohne weiteres akzcptiren müßte; trotz alledem steht ein großer Theil der Arbeitgeber uns feindlich gegenüber Nach schiveren Mühen ist es uns gelungen, das Solidaritäts gefühl uiiter den Gärtnern wachzurufen. Wir sind fest ent- schlössen, unsere Forderungen durchzuführen»md ist unsere Einigkeit so, daß der Sieg uns sicher ist, wenn Ihr uns in diesem Kampf unterstützt. Daß wir bei obigen Löhnen nicht in der Lage waren, so viel zu sammeln, daß wir alle Streikenden unterstützen können, wird Euch klar sein. Darum richten»vir an Ench die Bitte: Unterstützt uns materiell und moralisch. Die Arbeitgeber versuchen andere Arbeiter an unserer Stelle anzunehnien, sorgt dafür, daß kein anderer Arbeiter zum Streikbrecher wird. Sollten die Arbeitgeber in diesem Kampse Sieger bleiben, so ist unsere junge Organisation gefährdet, die Bewegung unter den Gärtnern auf Jahre hinaus lahm gelegt und fehlt eine Gewerkschaft in dem Kampfe um die Rechte der Arbeit. Da die Entscheidung des Lohnkampfes in die ersten Tage des April fällt, so ist baldige Hilfe drindend erforderlich. Alte Anfragen und Sendungen sind zu richten an: Karl Born, Streikkomitee der Gärtner, Restaurant Gründel, Berlin L., Dresdenerstr. 116.— Alle Arbeiterblätter werden um sofortigen Abdruck dringend gebeten. Die Gerber»«nd Gerbereiarbeiter stehen mit den Fa brikanten in Unterhandlung betreffs Einführung einer zehn- £>e».'ftm»»»»lmlaim. I« der am.36. d. M. im Loliale Serfeld, Grenadier- straffe 33, Abends SVa Zlstr abgehaltenen öffentlichen Derfainminng der Mäj'cheznI'chneider und verwandten Bernssgenoffen referirte Herr Möhring in Bezug auf nnsere Achtstundenbewcgung mit der Anfrage an die Versammlung dahin, ob nnsere Bewegung als beendigt zu betrachten ist, da wir im >roßen Ganzen ein gutes Resultat zu verzeichnen haben. Erhob besonders hervor, daß unsere kleine Korporation die Erste ist, die die Bewegung derart zu Ende geführt hat. Die Versammlung beschloß darauf dem Antrage der Kommission gemäß, einstimmig die Bewegung für geschlossen zu erklären, jedoch sollte noch am Sonnabend, de» 29. d. M. zum letzten Mal der Beitrag zum Generalfonds bezahlt werden; sodann wurden zur Revision des Gencralsonds 6 Revisoren gewählt und beschlossen behufs Berichterstattung über den Generalfonds, sowie der ganzen Bewegung noch eine öffentliche Versammlung einzuberufen. Am 36. März, Abends 6 III)»', wurde im Saale des Herrn Lehmami, Schwedterstraße 23, eine öffentliche Kommunal- Wählerversammlung des 32. Kommunal-Wahlbezirks unter Vorsitz des Herrn Stadtverordneten Enadt abgehalten, in welcher laut Tagesordnung folgende Herren zu Vertrauensleuten gewählt wurden: 1. Adolf Adler, Kaufmann, Metzerstr. 33; 2. Karl Taufendfreund, Möbelhändler, Fehrbellinerstr. 78; 3. Paul Heitmann», Zigarrenarbeiter, Brunnenstr. 92. In»» Achtstundentag. Die am Donnerstag, den 27. im Weddingpark tagende Versammlung des sozialvemokrattschen Wahlvereins für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis erklärte nach dem Referat des Herrn Schweitzer in einer mit Ein- stimmigkeit gefaßten Resolution, den I. Mai in der Art und Weise, wie der Aufruf in der„Volkstribüne" den Genossen an- empfahl, zu feiern, ferner sich ganz energisch gegen die Stellung der Fraktion in dieser Frage, und die beiden Kundgebungen im „Volksblatt" seitens der Fraktion, auszusprechen. Gine öffentliche Schnr!de»'vr»'sa»nlnlung fand am 24. d. im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr., mit der Tagesordnung statt: „Unsere Stellung zum Streik in Hannover und Dresden." Ter Referent, Kollege Steinmar, wies an der Hand des Fachblattes nach, daß die Kollegen Hannovers und Dresdens den Streit schon lange vorbereitet, in den sie dieses Frühjahr eingetreten sind. So sind die Kollegen durch einige Firmen, welche ihre Kunden auf den Streik der Schneider aufmerksam machten und letztere daher auch bald Bestellungen machten, gezwungen worden, bei diesen Firmen bald die Arbeit einzustellen; ihnen folgte darauf die gänz- liche Arbeitseinstellung. DcS Erwähnens werth ist wieder die Innung, welche stets die Beschützerin des Handwerks sein will, bei einer Lohnbewegung aber die Forderungen der Kollegen stets als übertrieben betrachtet. Redner fordert noch alle Kollegen anf> finanziell soivie durch Fernhalten des Zuzuges nach genannten Orten die Streikenden zu unterstützen, welches die Versammlung in der Diskussion durch Annahme von Resolutionen einstimmig beschließt. Eine geolle öffentliche Uerlammlung der Seifen» Nedcv und Berufsgen offen tagte am Sonntag, den 10. Marz, in Schefser's Salon, Jnselstr. 10, mit der Tagesordnung: Aufnahme von Mitgliedern, Vorstandswahl, Vortrag über Verkürzung der Arbeitszeit mit Abschaffung der Sonntagsarbeit, Diskussion und Verschiedenes.— Es ließen sich gegen 100 Kollegen als Mitglieder aufnehmen.— Als Vorstand wurden gewählt: 1. Vorsitzender: '>err W. Hoffmann; Stellvertteter: Herr Tilliger, Schriftführer: �err E. Hoffmann, Stellvertreter: Herr Labsch; Kassirer: Herr Henschel, Stellvertteter: Herr Tilcke; Beisitzer: Herr Haberland, Herr Häsfeld; Revisoren: Herr Christian, Herr Ruhnau, Herr Borsian. Zum dritten Punkt, Arbeitsverkürzung, meinte Herr Häsfeld, daß in einigen Fabriken schon in dieser Angelegenheit vorgegangen ist und theilivetse Bewilligung von den Fabrikanten erzielt wurde. Herr Ruchnau führte aus, daß es besser wäre, dieses dem Verein zu überlassen und in geschlossener Masse vorzugehen. Von inehreren Kollegen wurden verschiedene Mißstände einzelner Fa- briken klargelegt, worauf später noch zurückzukommen ist. Hierauf wurde einstimmig angenommen, eine Delegirten- Versammlung einzuberufen, welche über die Regelung dieser Punkte zu berathen und die Unterschristen der Kollegen aus den Fabriken zur Prüfung vorzubringen hat. Eine Resolution wurde angenommen, daß nur durch Verkürzung der übermäßig langen Arbeitszeit das Wohl der Arbeiter gefördert, sowie der Arbeitslosigkeit in der Branche abgeholfen werden kann.— Der Blumberger Boykott wurde aufrechterhalten, sowie beschlossen, nur Hüte mit Arbeiter- Konttolmarken zu kaufen.— Hierauf schloß der Vorsitzende mit einem dreimaligen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung die Versammlung.— Der Kassirer des Vereins ist Paul Henschel, Sttaußbergerstt. 9, Hof 3 Tr. Gi» trauriges Zeugniß von dem Jndifferentismu« der gewerblichen Hilfsarbeiter im Westen der Stadt legte eine von oem Arbeiter H. Borchert zum Donnerstag, den 27. März, nach Gründer's Salon, Schwerinstt. 18, einberufene öffentliche Versammlung sämmtlicher gewerblicher Hilfsarbeiter ab. Die- selbe war von 24 Mann, die überwachenden Polizeibeamten mit eingerechnet, besucht. Darunter waren noch 8 Mann aus dem Osten und Südosten.� Die so ausnahmsweise ttaurig besuchte Versanimlung trat infolge dessen nicht erst in die Tagesordnung ei». Herr Schmidt, Borsitzender des Vereins gewerblicher Hilfs- arbeite?, forderte die Anwesenden ans, sich im genannten Verein ausnehmen zu lassen, der nach zehniuonatlicheni Bestehen schon eine Mitgliederzahl von 1500 ausweist. Da sich niemand hierzu meldete, wurde die Versammlung vom Einberufer geschlossen. Mögen sich die gewerblichen Hilfsarbeiter im Westen und Norden der Stadt ein Vorbild an ihren Kollegen im Osten und Südosten nehmen und endlich aufwachen, um sich zu orgauisiren. Der Verein gewerblicher Hilfsarbeiter bietet ihnen die beste Gelegen- heit dazu. Mögen sie daran denken, daß die Arbeiter geschlossen eine Macht, der einzelne dagegen nichts ist. Der Pachoerri» der----- und Berufsgenosseu Berlins ' ev«------- svvztj» n»w,;«.v«,». MetnUschrnnben- Farondrelier uuu hielt am Donnerstag, den 27. d.M.» eine außerordentliche Generalversammlung mit folgender Tages- ordnnng ab: 1. Wahl eines ersten Vorsitzenden, 2. der Streik bei der Firma Mix und Genest, 3. Diskussion, 4. Verschiedenes. Zu Punkt eins der Tagesordnung entspann sich eine lebhafte Debatte, da sämintliche Mitglieder das Vorgehen des Kollegen Jakobs nicht billigen konnten, indem derselbe kurz vor der Bewegung die Flinte ins Korn geworfen hat. Gewählt wurde Kollege Hirsch mit 182 Stimmen gegen Kollegen Stabernack, welcher 84 erhielt. Bei Punkt 2 wurde das Verhalten der Kollegen von Revier und Weiße scharf getadelt, da dieselben sich nicht entblödeten, unsere streikenden Kollegen von Mix und Genest dadurch zu schädigen, daß sie Arbeiten für die betreffende Firma angefertigt haben. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die heutige Versammlung beschließt, in keiner Werkstatt die Arbeiten für die Firma Mix und Genest anzufertige», solange sich die dortigen Kollegen im Streik befinden." Dieses wird sämmtlichen Fabri- kaute» am Freitag durch die Vertrauensmänner unterbreitet, Unter„Vermischtes" wurde ein Antrag der Kollege» Koopmann und Neugebauer, bei vorkommenden Streiks die ersten drei Tage keine Unterstützung zu zahlen, angenommen. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenheiten erledigt, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem dreifachen Hoch ans die internationale Arbeiterbewegung. <- Stv lozialdi!!»«!!» ntifchc{tft-»!>d Ziokluitir- KI»K„�ioeiviir!«" hält ain Sonntag, den s. April, Vorin. 10% Uhr, in Renz' Salon, Narniyn- Nraße 27, eine Versammlung ad. Tagesordnnug: Vortrag des Herrn Bölsche über Hypnotismus und SpirUisinus. Dislussion. Arirlihner. Montag, de» 31. März, Abendk Uhr, Fachvercins- Verl sainmlung der Berliner itürfchnor und Berulsgenolsen. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Abrechnung vom Stiftungsfest. 3. Verschiedenes. Keohe öffentliche ztersainnilung fiimmtlicher- Kilfsardeiler Berlins am Dienstag, den 1. April, Abends 8 Uhr, in Joel'- Salon, Andreasstr. 21. Tagesordnung: 1. Die Lage der Färbcreiarbciter Berlins und das Verhalten der Färbereibefltzer denselben gegenüber. Referent: Herr Stadtverordneter Otto Hcindorf. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Um zahlreiches und pünkt- liches Erscheinen wird ersucht. Untcrffiichnngo-Hniid der Hausdiener Kerlins. Ter gesellige Abend findet am s. April ca., Abends 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstrahe 75, sowie die nächste Generalversammlung a>n 22. April er. ebendaselbst statt. Freie r!>:ri»ig»»g der Graveure und Ziseleur». Auberordentliche Mitgliederversammlung am Montag, den 31. März er., Abends% Uhr, Dre-Senerslrahe 45. Tagesordnung: I. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn SuNntann: Unsere Stellung zur„Theorie, des Eparens". 3. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gast willkommen. Arbeits- Nachweis bei Kollege Müller, Erimmstr. 37. Fachverrin der Albumarbeiter. Montag, den 31. März, Abends 2 Ubr. Oranienstr. 180: Versammlung. Freie Krank«»-»nd Kegräbuihkaffe der Schuhmacher»nd Berufs- genossen Berlin-?. sE. H. Nr. 27.) Montag, den 14. April, Abends S Uhr, Fifcherstr. 25: Generalversammlung. Tcutral- Kranken- und Kterbekaffe der Tischler»r. s, n>. Die Verwaltung Bertin G macht de» Mitgliedern folgendes bekannt: Vom i- April sind die Zahlstellen Oranienburgerstr. 62 und Miillerstr. 184 verlegt nach der Boyenstrahe<0 bei Herrn Flick, Parterrc-Lokal. Die Beiträge werden dort alle Sonnabende von 8—10 Uhr Abends entgegen genommen. Grahe öffentliche Strinmrb-, sowie Marmor- und Granitschleiset- ztersammlung an: Montag, den 31. März, AbendL 8 Uhr, in Deigmiiller's Salon, Alte Jalobstr. 48 a. Fachverein der Tischler. Montag, den 31. März, Abends 8% Uhr, in Jordan s Salon, Neue Grllnstr. 28, Versammlung. Uergniiguugsverein Lonndenlia. Montag 3'5 Uhr Restaurant„Zur guten Quelle", Landsbergcrstr. 50, Besprechung über Landpartie. »licht genehmigt wurde die zweite öffentliche Versammlung aller in der Tchäsiebranche beschäftigien Arbeiter und Arbeiterinnen mit der Tagesordnung: Zweck und Nutzen unserer Lohnbewegung. Der Derein der in der KchästetadriKatro» beschäftigten Arbeite- »innen hält am Montag, de» 31. März er.. Abends 8 Uhr, in Reper's Lokal, Alte Jalobitrah- 83, Versammlung ab mit der Tagesordnung:».«ortrag des Herr» Krause über:„Tie Stellung der Frau". 2/ DiSlusivn. 8. Verschiedenes X' � i'evsili jnr Wahrung der Anteressen der Schuhmacher Serlin». Sonntag, den 0. illpril er.(,1. Osterfetertag), große Festltchleit, bestehend ans Konzert und Vall. Ansang 7 Uhr. Kntree 26 Psg.«illets sind bei fotgenden Mitgliedern zu haben: Artelt, V-teranenstr. 10, r. Eilig, v. 4 Tr.: Adamczack, Auguststr. da, 1 Tr.;«roßmann, Waldemarstr. d.'a. im Schuhwaaren-Ladcn; ° wer afasusf->,»«« Große Versammlung am Montag, den si. März, AbendS 8% Uhr, in Barta s ��"Grohe öffenUiche' Dol i�oversamm!»»/ am Mittwochs den 2. April er., Res.: Herr Bogtherr. 2. Dislussion. g. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Turn- und gesellig« perein» am Sonntag: Lnbeck'scher Turnverein (2. Lehrlingsabthetlung) Abends s Uhr Esisabethstraß? 67-68.— Turnverein . Weddtna"(2. Lehrlingsabtheilung) NachniMags 4 Uhr Panlstr. 9. Turnverein »roh und Frei"(Lehrlingsabtheilung) Nachmittags 4 Uhr Bergstraße 67.— Vergnügnngsverein„Fröhlichleit"(gcgr.isao) Nachmittags 5 Uhr Griiner Weg Sir. 20 Versammlung.__. Gesang-, T»v»- und gesellige Deveine etc. am Montag: Gelang- verein„Sängerlust" Abends e Uhr im Restaurant Landsberegstraße so.— Liedertafel der Maler und verwandten Bernfsgenossen, Restaurant Berg, Kaiser- Franz-Grenadier-Platz Nr. 7. Aufnahme stimmbegabler Kollegen.— Männer- gesangverein„Weiße Rose" Abends o Uhr im Restaurant Kleine Gerichts- straße 10,— Männergesangverein„Eintracht l" Abends o Uhr Köpntcker- straße 08 im Restaurant.— w-sangv-retn„Echo 1872" Abend 9 Uhr Oranten- straße 190.—„Deutsckie Liedertafel" Olbends 0 Uhr, Oranlenstraße ISO.— Gesangverein„Myrthenblätter" Uebungsst Sitte SchSnhauferstr. 42 b. Mattahn.- Turnverein„Hasenhaide"(LehrlingSabih.) Avends s Uhr Dieffenbach- siraße«o— Ol.— Berliner Turngenossenschast(7. Lehrlingsabtheilung) AdendS 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Britzerstr. 17-18 — desgl. 6. Männerablheilung AbendS s Uhr in der städtischen Turnhalle, Gnbenerstraße°i.- Lnbeck'scher Turnverein(Mann-r- abtbeilnnq) Abends 8 Uhr Elisabetbstr. 67-68.- Verein ehemaliger Schuler der?. Gemeindeschule Abends o Uhr im Restaurant Poppe, Lindenstraßo ,os. -„Fricdrichs-Verein"(ehemalige Zöglinge des großen FriedrichS-Waisen- Hauses der Sladt Berlin)'Abends«X Uhr bei Borninnn. Ohnigaste 2.— Nnter- hallungsllub Schiller Abends s Uhr im Restaurant Giesel, Trifistraße 41.— Verein Berliner Theaterfreunde AbendS 8% Uhr bei Lülow, Admirasstr.«8.— Vergnügungsverein„Zicl-Zack" Abends 9 Uhr in Mowe'S Gesellschastshans, FIchlestraße 29.- Verein„Lustig" Abends 9 Uhr bei Thamm, Schonhanscr Allee 28.-«crein„Ratibor" Abends s% Uhr im Königstadt-Kaimo, Holz- marltstr. 72.— Abends'schcr Stenographenverein„Apollobund" Abends a% Uhr Tlmrmstraße 31(Moabit).— Wissenschaftlicher Verein für Mvller'sche Steno- graphie SlvendS% Uhr im Mnnchener Bräuhaus, Neue Friedrichstr. i. Unter- richts- und Uebungsstunde.— Raiiclstlnb„Nordstern" in Susat's Lokal Franl- ftirter Allee 174, Friedrichsberg.— Ranchllub„Hellblau" Abends-i Uhr Ska- litzerstr. 143.— Verein ehemaliger Schüler der 42. Gemeindeschule Abends n Uhr bei Kloth, Tresdenerstr. 10.— Zitherkllib„Waldrose" Abends N Uhr. Uebungsstunde bei Schneider, Albertstr. s. Dirigent; Wegcner. Änftiahme neuer Äiitglieder. Gäste willtommen.— Bandonion- und JNsirumentalverein „Aielodia" Montags von o bis il Uhr Abends, Neichonbergerstraße 149 be Otto._ Vevnristhkes. Die geheimnißvolle Kchlnftirnnklseik» die Nona, tritt setzt auch in Württemberg auf und zwar in den Städten und Ortschaften Balingen, Frankenhofen, Ludwigsbnrg. Besonders auffällig ist der Fall in Ludwigsburg. Dort wurde ei» Bürgers- söhn, der zur Zeit als Einjähriger bei der Artillerie dient, am 14. März während eines Tanzkränzchens plötzlich unwohl und mußte nach Hause gebracht werden. Kaum zu Bette gebracht, verfiel er in einen tiefen Schlaf, welcher jetzt mit ganz kurzen Unterbrechungen bereits zehn Tage andauert. Drei Militär- Aerzte haben die Beobachtung des Kranken übernommen. Die Aerzte sind völlig rathlos, da es nicht gelingen will, dem Schlafenden feste Nahrung in irgend einer Form beizu- bringen und der Kranke sich bereits in einem Schwächezustand befindet, der baldigen Tod erwarten läßt,— Uebrigens scheint eine ähnliche Epidemie bereits früher in Deutschland' ausgetreten zu sein. Da? Archiv des„Vereins für die Eefchichie Svraus" enthält nämlich, wie das„Sorauer Wochenblatt" berichtet, sol- gende Mittheilung:„Anno 1529 regierte anitzo in der Lausitz und also auch in Sorau, Siidor Ang-licus, dadurch viel Leute in einen tiefen Schlaf fielen und endlich darin gar starben; wer sich, ober des Schlaffs 24 Stunden enthnlten kirnte, war meistenlheil wieder gesund, daher liessen sich bei uns viel Leute rittet», schitteln, hin und her tragen oder auch wohl gar fahren. Der Pfarr zu Friedeberg in der Neumark gab solches der neuen Lutherischen Lehre schuld; allein auch er selbst mußte au dieser Krankheit ganz plötzlich sterben, da Er doch dieser seligmachenden Lehre nicht zugethan war!" Marsch»», 19. Marz. Wegen Masseukiudsmordes wurde vor dem Bezirksgericht zu Petrokow gegen die Czenstochowcr Kleinbürgerin Stysinski verhandelt. Dieselbe hatte wiederholt gegen Bezahlung von 3 bis 5 Rubeln neugeborene Kinder auf- genommen, welche nach ein paar Tagen starben. Nach Aussagen der Nachbarn ließ die Stlffinski die Kinder, die sie oft mehrere auf einmal in Pflege nahm, hungern, nährte sie selten mit Schwarzbrotzulpen und bettete sie unter einer Bank auf faulem Stroh; einige Tage nach der Aufnahme starben gewöhnlich die Kinder. Die Stlffinski ließ ungern andere Personen ihr Quartier betreten. Beim Tode der Kinder äußerte die Stysinski nicht selten:„Es ist lein Unglück, für einen verstorbenen Bastard werden Hunderte neuer sein!" Ein anderes Mal sagte sie:„Mein Gewerbe ist ein vortheilhasteZ, in drei, vier Tagen verdiene ich mehr, als ein anderer in drei, vier Monaten!" Die Mutter tröstete sie, indem sie sagte:„Bei mir geht es so: zwei, drei Tage, und es stirbt, dann bist Du frei. Wenn Du willst, stirbt's auch in einem Tage, nun ja, das kostet aber mehr, ca. 20 Rubel." Einem Kinde, das nicht aushörte zu schreien, riß sie mehr als die Hälfte deS Ohres ab. Die kleinen Leichname der Kinder lagen nackt, schmutzig mehrere Tage unter der Bank, bis die Engel- macherin sich endlich die Zeit nahm, sie irgendwo auf einen Hinterhof zu verscharren. Und mit diesem Gewerbe beschäftigte sich die Stysinski mehrere Jahre. Nicht ein Kind verließ lebend ihre Krippe. Das Bezirksgericht verurtheilte die Stysinski zu drei Jahren Gefängniß. Du» Telephon in» Dienste der Tnncher. John Staat, einem Beamten der französtschen Gesellschaft l'Unique Telephone, ist es neuerdings nach verschiedenen erfolglosen Versuchen ge- lungen, den Fernsprecher für den Dienst der Taucher zu ver- werthen. Ter Erfinder änderte die ursprüngliche Form des Apparats, indem er den Uebertrager an einer Tauchcrkappe gegen- über dem Munde des Tauchers anbringt und den Empfänger an einer Art Mütze befestigt, welche gegenüber dem Ohre angebracht wird. Die Leitungsdrähte sind gegen die Berührung des Wassers isolirt und gehen längs der Luftröhre bis zur Batterie des Fern- sprechers, welche sich auf der Oberfläche befindet. Der lieber- trager und der Empfänger haben ganz kleine Abmessungen, so daß man sie an jeder Taucherkappe anbringen kann; die Batterie ist in einer Büchse von 20 Zentimeter Seitentange untergebracht. Die bei einer Tiefe von 9 Meter gemachten Versuche sollen voll- ständig gelungen sein. Die Vortheile dieser Erfindung sind ganz hervorragende, da es von großer Wichtigkeit ist, daß sich der Taucher mit den über dem Wasser befindlichen Leuten jederzeit schnell und sicher verständigen kann. Ziteravisches. Dir Grfrtzr»der das Drhebrr- und Verlagsrecht, nebst den Literaturanträgen aller Länder.— Von dieser Sammlung erscheint demnächst im Verlage von G. Hedeler in Leipzig die erste Abtheilimg(2 M.) mit den Gesetzen der Lüh Oer Deutschland, Oesterreich, Schweiz, England, Frankreich, Italien, Ver- einigte Staaten. Ein'Auszug aus den Gesetzen dieser Länder war bereits, mit dem Jahre 1887 beginnend, in den ersten drei Jahrgängen des Exportjournals abgedruckt. Die Sonderausgabe wird nunmehr den vollen Wortlaut enthalten. Vepefil»e»». (Molfi*« Telrgraphen-Ktirra».) Dnrls, 20. März. Heute Mittag versammelten sich etwa 2000 Arbeiter in La Vilette und zogen unter Führung einer Deputation von 15 Mitgliedern durch die Faubourg Saint Martin nach dem Hotel de Vitle. Die Polizei suchte die Menge zu zerstreuen, was ihr aber nicht gelang. Die Deputation wurde vom Bureau des Münizipalraths empfangen und verlangte, der Mlinizipalrath solle dem Ackerbauminister ausfordern, die Einfuhr lebenden Viehes zu gestatten, welches in den Schlacht- Häusern zu La Vilette zur Observation gestellt werde. Das Bureau des Munizipalraths versprach am Montag diesbezügliche Schritte zu thllll. Von hier setzte sich die Menge nach der Deputirteu- fmimier in Bewegung. An der Brücke daselbst wurde der Zug aber von der Polizei mit Erfolg aufgehalten und durften nur die Deputirteu passiren. In der Kammer besprachen sich dieselben mit mehreren A eordneten. Die Wied, ufnahme der Arbeit in den Schlachthäusern wird in den nächsten Tagen erwartet. Paris, 29. März. Devutirtenkammer. Ferro»! richtete an den Minister des Innern Constans die Frage, ob er die staat- lichen Arbeiter ermächtigen werde, sich a:n l. Mai an der sried- liehen Kundgebung zu Gunsten der achtstündigen Arbeit zu be- theiligcn. Constans erwiderte, die staatlichen Arbeiter seien überhaupt nur 7 Stunden in Thätigkeit, es sei also auch kein Grund vorhanden, ihnen am 1. Mai stir etwas Urlaub zu geben, das sie gar nicht wünschen. Der Minister betonte seine Fürsorge für die Arbeiter, deren Besonnenheit er vertraue, dagegen miß- traue er den Parteilenten, welche sich an ihre Spitze stellten; schließlich gab er die Erklärung ab, seine Meinung in dieser Sache habe sich nicht geändert, er werde die Manifestation am 1. Mai nicht dulden, pari«. 29. März. Die Manifestation der Arbeiter aus La Vilette ist bis zu Ende ohne ernsten Zwischenfall verlausen. Als die Deputation das Palais Vourbon wieder verließ, beabsichtig- tcn die zurückgehaltenen Manifestanten, welche auf der Place de la Concorde inzwischen gewartet hatten, ihr zu folgen. Die Polizei zerstreute jedoch die Menge ohne Widerstand. VvivfkÄZken dev NvdakkLmt. M. ö., Midervdorfrrstr. 57. Ihre Sprechsaalnotiz ist des überaus großen Stoffandranges von uns nur für einige Tage zurückgestellt worden. Dieselbe erscheint in den ersten Tagen der nächsten Woche. Also Geduld. Ärankrukasso der Hchlvlfrr. Uns scheint die Angelegen- heit genugsam vor der Oeffentlichkeit diskulirt zu sein. Wir müssen daher von weiteren Veröffentlichungen Abstand nehmen. Sieinmrststrastr. Ihr Mann muß beim Amtsgericht I, Neue Friedrichstr. 13, das Testament entweder fertig geschrieben und verschlossen einreichen oder zu Protokoll diktiren. Er muß sich dort rekognosziren lassen durch Jemand, der dem Gerichte belannt ist. M.es Fllchiierciils iler in BWiMeien n. verniandten Bttrieden btslhiistigten Arbeiter am Montag, den Öl. März, Abends 9 Uhr, im Louisenstädtischen Klubhause, Annenstraße Nr. 16. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Julius Dolinski über: „Zeit- und Stücklohn". 2. Verschiedenes und Fragekasten. Unsere Kolleginnen werden zu dieser Versammlung höflichst eingeladen. 599__ Der Vorstand. Am I. Osterfeiertag veranstaltet der obige Verein eine Grosse Matinee im Konzerthanse Sanssouci, Kottbnserstrasse No. 4a. Billets ä 30 Pf. sind in unserem Arbeitsnachweis, Dresdenerstraße 116, den Zahlstellen der Zentral-Krankenkasse, sowie in der am Montag stattfinden- den Versammlung zu haben. Der Vorstand. Wr öWtliche Kenernl-Verstmlnlnng der Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins am Montag, den 81. März, Abends 8va Uhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstraße Nr. 4a. Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Schlosser Berlins zur Einführung der neun- stündigen Arbeitszeit und 45 Pf. Lohn? Referent: Aug. Schnirpel. 2. Dis- kusston. 3. Verschiedenes. Die Versammlung ist genehmigt. 673 Große öffentliche General-Vers ammlung smmtlichtr Zmlilerleute von Kirdorf, Kritz und Umgegend am Montag, den 31. März, Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Kummer, B e r l i n e r st r a ß e Nr. 136. Tagesordnung: 1. Vortrag über Gewerkschaftsorganisation. 2. Grün- dung eines Lokalverbandes. 3. Wahl des Vorstandes und Verschiedenes. 592 Der Einberufen. bes Fchvermis Oeffentliche Versammlung ki in BlOinbettien nnii mmMen Betrieben beslhiistigten Arbeiter Montag, den 31. März, Abends 9 Uhr, Annenstraße 16. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Julius Dolinski über Stück- und Zeitlohn. 2. Verschiedenes und Fragekasten. 591 Zu dieser Versammlung laden wir unsere Arbeiterinnen ganz besonders ein. JoeiPs SaBon (früher Keller) Andreas-Strasse Mo. 21.(früher Keller) Sonntag, 6. April: Grosse Matinee,(l. Osterfeiertag) veranstaltet von der Liedortafel der Steinträger und verwandter Berufs gen. tttm Srsten hilfsbedürftiger Mitglieder des Drreiuo unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins ,, Unverzagt", ferner eines gemischten Chores und des Konzertsängers Herrn Bertram. Auftreten des Charakter- Komikers Herrn Franz Mähr, der Kostüm-Soubrette Fräulein Wald, des 6jährigen Komikers Hans Mähr, sowie der Liliputaner Duo, Hans und Grete Rauch. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen und bei folgen- den Herren zu haben: P. Schröder, Prinzen-Slllee 22; H. Zoschke, Bernburger- straße 11; K. Bandekow, Müllerstr. 33a; A. Püschen, Gipsstr. 16a; F. Schröder, Amalienstr. 5; H. Netter, Wrangelstr. 132; H. Vernhöst, Rügenerstraße 29; E. Gutsch, Oppelnerstraße 24. Anfang Vormittags 12 Uhr. Entree 39 Pf. Um recht zahlreichen Besuch ersucht freundlichst Das Festkomitee. e b* I Achtung S S c h I o s s Die Mitglieder'- Ver fammlnng des Fachvereins für Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins u. Umg. am Montag, den 81. März, fällt aus, da an dieseni Tage eine 553 öfcntlitfjc Berslminlnng der Kchlojfer«nd Mafchinenban- arbeitee Kevlins im KonzerthauS Sanssouci, Kottbuser- traße 4a, stattfindet. Der Vorstand. Große öffentliche Steinmetz-, sowie Marmor- u. Granitschleifer-Versammlg. am Montag, den 31. März, Abends 8 Uhr, in Deigmüller'si Salon, Alte Jakobstr. 48a. Tages-Ordnung: 1. Besprechung der Bunzlauer Angelegenheit. 2. Weitere Besprechung über die Marmor- und Granitschleiser. 3. Verschiedenes. 751 Der Einberufer. Große öjs'entliche Vttsnmnlnng kl ÜClempffieB« am Montag, 31. März, Abds. 6>/e Uhr, inden Siivger'-Sälrn, Dresdcncrstr. 96. Tagesordnung: 552 1. Die heutige moderne Arbeiter- bewegung. Referent C. Pirch. 2. Wie stellen sich die Klempner zu einer dies- jährigen Lohnbewegung. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 552 Pflicht ist es eines jeden Kollegen zu erscheinen. Der Ginbernfer. Fachverein der Tapezirer Berlins und Umgegend am Dienstag, den 1. April, bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Fritz Krüger. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegen- heiten. 4. Fragekasten. Kollegen, welche noch im Besitz von statistischen Fragebogen sind, werden gebeten, selbige in dieser Versammlung initzubringen. 554 Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Betten u. Bettfedern. Allrrbilligstr Henlsequelle! Jf- AUrrgrösttc» Lager!-M. in dem ältesten Geschäft Berlins C. H. Schäker. L. D p a» d a n r r Drücke 3. in dem bekannten kleinen Laden. Bitte genau auf Firma und Hausnummer zu achten. Gegründet 1826. Bei Besicht, m. Lagers stehe gern zu Dienste», auch ive'nn nichts gekauft wird. Prob. vers. nach Ausserhalb gratis. Bei Kassakäufen gewähre 4 e/o. Bei Brautbetten eine nützliche Zu- gäbe im Werthe von 4 M. HB Auch auf Theilzahlung! fW Betten sin 0 M. ä. Ttnnb in derselben Qual., d. m. Konkurrenz als Betten(?) für 7 Mark verkauft. Federn für 10 Pfennig in derselben Qual., die m. Konkurrenz mit 15 Pfg. als Bettsedern verkauft) Reelle Betten ä Stand zu 12, 15, 18, 20, 25 M. u. s. iv. bis zu den feinsten Herrschaftsbetten. 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Da die Tagesordnung von großer Wichtigkeit, so ist es Pflicht aller Kollegen zahlreich und pünktlich zu er yot-frut». Verein der Modelltischler Berlins und Umgegend. Versa mmlung am Montag, 31. März, Abds. 8 Uhr, Restaurant Wedding, Atüllerstraße 178, Tages-Ordnung: I. Vortrag: Die Verkürzung der Arbeitszeit und ihre Bedeutung für die Arbeiter. Referent Herr P. Litfin. 2. Abrechnung vom Maskenball. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 582 Der Vorstand. Achtung! Der Streik der Firma Friedr. Siemens& Comp., Neuenburger straße 24, dauert unverändert fort und ist Zuzug streng fernzuhalten von Schlossern, Eisendrehern, Klempnern, Metalldrehcrn, Formern, Kernmachern. Bestoßern, Packern sowie sämmtlichen Hilfsarbeiten. Kollegen, wenn von Denjenigen, welche in der Fabrik Arbeit genommen, verbreitet wird, der Streik sei beendet, so ist dieses eine Unwahrheit, und ist durch dieselben der Kampf ein bc- deutend härterer geworden. 594 Schankgeschäft, volle Konzession, wegen Krankheit meiner Frau verkauft Templinerstr. 12. 492 l&wW lacht. SW Nur um d. Konkurrenz fort- gesetzt die Spitze z. bieten, müssen im I Gr. Wnssru-Ausurrkanf lüey-äO.OOO elegante schneidige Dachet- n. Äoch-Anzüge, Mode 1890, deren Werth das Dreifache. für 10, 12, 15, 18, 20, 21, 24, 27, 30 M. ausverkauft werden. MT riO.OOO liochf.FrüIijahrs-I Patetoto n. Schuwaloffo, fetzt unterm halben Werth nur 8, 10, 12, 15, 18, 20, 21, 24 M. Prima 13,000 Kosen nnd Westen, einzelne Jacheto«nd Röcke SOSST jetzt halb umsonst."«E SWF"8000 Einsegnnngs-An- züge, Mode 1890, zu halb. Preisen, nur 10, 12, 15, 18, 20, 21, 24, 27 M. Prima. SW 0000 Knaben- Anzüge im Ausverkauf spottbillig. Keiiler-Plislhll. Warnung! 558 Jede ähnlich klingende Firma ist nur auf Täuschung des Publikums berechnet, der richtige Kleider- Pascha ist, wie bisher, nur allein 32 RoseMerßrasje 32. KckrKopIfienltrasze, Eckladen. Man achte genau auf 32 u. Eckladen, Eckladen. Auf Abzahlung! Herren- und Einseguungs- Anzüge, Paletots, sowie Damenkleider etc. im Tuch-Geschäft[588 Prinzenstr. 53, g gegenüber der Turnhalle. Achtung!! In Glbing(Neufeld'scho Fabrik) Streik ausgebrochen wegen Maßrege- lung. Kollegen, wir appelliren an Euer Solidaritätsgefühl, macht nicht nach Elbing, laßt Erich nicht verleiten durch Annoncen. Der Dorstand 593 des Vereins der Klempner. Ortskrankenkasse d. Korbmacher Geueral-Versammlung am 10. April 1890, Abends 8 Uhr, Adalbertstraße 21. Tagesordnung: 1, Jahresbericht. 2. Bericht der Prüfungskommission. 3. Erhöhung der Beiträge,§ 28. 4. Verschiedenes. 548 Der Vorstand. Vereinszimmer für 15 u. 40 Personen sind bei Flick, Boyenstr. 40, in der Restauration.„Berk. Volksblatt" und „Volks-Tribüne" liegen aus.[5 Allen Genossen zur gefälligen Nach- richt, daß ich seit dem 1. April ein Schuhwaaren- Geschäft Skalifzersirassc 125 eröffnet habe. Große Auswahl von Herren-, Damen- und Kinderstiefeln zu den solidesten aber festen Preisen. Ersuche werthe Genossen, mich mit ihrem Bedarf gütigst beehren zu wollen. 568 A. Heinemann, Schuh m a ch e r m e i st e r.. Stempel- ll. Tßllbloüen-Fllbrik von E. Wünsche, Jnvalidenstr. 126, vis-ä-vis Stettiner Bahnhof empfiehlt Stempel jeder Art, Medaillen- Stempel m. Bildniß Lassalle's, Bebel's und Liebknecht's. 560 Unzerreissbare Unzerreissbave Unzerreissbare Unzerreissbare � � | Unzerreissbare v" Ji TT_______.____ s» I Unzerreissbare � � Unzerreissbare Unzerreissbare �.s Unzerreissbare � Unzerreissbare � Unzerreissbare Unzerreissbare BoSi-Talsak. Mein Rohtabak-Lager befindet sich sttzt 38. Prinzenstraße 38. Beste Auswahl. Billigste Bedienung. Eberhard Herz, 38, Prinzenstraße 33, am Moritzplatz. Geschäfts- Uea�Segung. Hierdurch mache ich die ergebene Mittheilung, daß ich Anfang April ds. Js. meine Geschäftsräume für das Engrosgeschäft nach Unckaner- Strasse 15 pt. und für das Detailgeschäft nach Oranien- Strasse 159 verlege. CaH Krebs, Wnen-FM null Import. Tawk Größte Auswahl, billigste Preise. 727 0. Elkhuyaon, Miinzstr. 10. Bekanntmachung. Die billigsteEinkaufsquelleBerlins für moderne, gut sitzende Herren- Garderoben in neu und wenig getragen sind die Schönhauser- Leihhaus-Verkaufs-Hallen, Schönhauser Allee. Omnibus-Haltest. Schönh.-Thor. 10 000 Gleg. Frühj.-Anküge von 8, 10, 15, 20, 25-33 Mk. 4800 Kuiijf. Kommer-palet. von 7, 9. 12, 15, 20-27 Mk. 4000 Ulod. Damen-Mäntel. Knaben- und Bnrschen-Anzüge, Uhren, Ringe, Hüte, Koffer w. Auch für corpülente Personen passende Sachen. 961 Die Leihhaus-Verwaltung. Empfehle mein Lokal zum Arbeitsnachweis und für Zahlstellen. Zimmer mit Pianino für Vereine. 579 Arthur Ziemer, Cuvrystr. IG. Verantwortlicher Redakteur: Enrt Vaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Berliner Bolksblatt. Kr. 7S. Sonntag, den 30. März 1890. ?. Jahrg. Vrrfattttnluttge». Am 86. März tagte eine öffentliche Uersammlnitg der streikenden Arbeiter der Barnewiffschcn Färberei in Renz' Salon) Naunynstr. 27, mit der Tagesordnung: 1. Die Lage der Färberei-Arbeiter und wie stellen wir uns dazu. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zum 1. Punkt der Tagesordnung rcferirte Herr Schade. In seinem Bortrage unterzog Referent dasZ Gebähten des Herrn Barnewitz seinen Arbeitern gegenüber einer scharfen Kritik, weil sich Herr Barnewitz erlaubte, das von seinen Ar- beitern ihm unterbreitete Schriftstück den Arbeitern vor die Füße zu werken. Dann sprach er über den Lohn, den die Firma zahle. Zwar hatte man es versucht, darüber falsche Angaben zu vor- breiten, indem man den Arbeitern 10 ganze Pfennige pro Tag zulegte, um auf diese Weise sie von neuem auszunutzen. Nun- mehr ging Redner auf die Forderungen der Barnewitz'schen Ar- beiter ein; die Unternehmer sollten doch selbst.einmal mit dem Lohn von 13,50 bis 14,50 M. ihre häuslichen Bedürfnisse be- friedigen— was würden sie wohl sagen? In seinem Schluß forderte Herr Schade auf, festzuhalten an der Forderung: 10,50 Mark für jüngere und 18 M. für ältere Arbeiter, weil die Lebensmittel von Tag zu Tag theurer werden. An der Dis- knssion beiheiligten sich die Herren Günther, Lieber, Läppte, Rosenow. Stadto. Heindorf bedauert, daß die Leute in den Färbereien nicht schon längst zu der Ansicht gekommen sind. ihre Lage zu verbessern; den Grund findet Redner darin, daß sie zu wenig organisirt sind. Hierauf gelangten zwei Resolutionen zur Annahme: Die heute in Renz' Salon tagende össentliche Versammlung erklärt sich mit den streikenden Arbeitern der Färberei von Gustav Barnewitz einverstanden und fordert dieselben auf, in ihrem gerechten Kampfe auszuharren, um den Ausstand siegreich ztl Ende zn führen. Die Versammlung verpflichtet sich, dahin zu wirken, daß, wo Wolle für Barnewitz gefärbt wird, die Arbeit' niedergelegt wird, und beschließt gleichzeitig, die Streikenden' nach allen Kräften zu unterstützen, damit sie nicht wieder für solchen Lohn die Arbeit aiifzunehmen brauchen.— Die zweite Resolution lautete: Die heute in Renz' Salon tagende öffentliche Vcrsammlnug sämmtlicher im Färbcreigewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter erklärt sich mit den streikenden Tabak- arbeitern solidarisch und beschließt, so lange die Sperre über die Zigarrenfabrik von Karl Marticnzcn verhängt ist, aus den 16 Geschäften genannter Finna keine Zigarren zu kaufen. Nunmehr schloß der Vorsitzende um 12 Uhr die von 600 Mann besuchte Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die zielbewußte Ar- beiterschaft. Von dop Holzleistett-«nd Inkousie- Fabrik Uoigt«. Cremer, Kerli» SW., Alte Jakobstr. 20, erhalten wir folgendes Schreiben:„In der Str. 74 Ihrer Zeitung finden wir in der ersten Beilage vom Fachverein sämmtlicher an Holzbearbeitungs- Maschinen beschäftigter Arbeiter u. A. wörtlich: „Ferner beschloß die Versammlung, über die Firma Voigt u. Cremer, Alte Jakobstraße 20, die Sperre zu ver- hängen wegen Maßregelung eines Kollegen." Hierzu müssen wir bemerken, daß wir nicht glauben können, daß ein Vorstand Etivas beschließen wird, ehe er sich von der Wahrheit desselben überzeugt hat. Uns ist weder von einer Maß- regelung noch von einer Sperre etwas bewußt.— Wir werden den Vorstand dieses Fachvcreins ersuchen, uns doch hierüber Auf- schluß zu geben resp. persönlich m,t uns diese Angelegenheit zu besprechen. Cuie öffentliche Uerjammlnna der Kistenmacher tagte an: 24. März im Lokale Feuerstein. Alte Jakonstr. 75, mit der Tagesordnung: 1. Wahl eines Delegirten zum Kongreß der an Holzbearbeitungs- Maschinen beschäftigten Arbeiter zu Lübeck. 2. Wahl eines Kassirers und zweier Vertrauensleute zum Streik- sonds.— Kollege Tschernig referirte über den ersten Punkt, hob dabei die Bedeutung der Kongresse hervor, erklärte aber den be- vorstehenden Kongreß für verfrüht wegen zu später Stellungnahme zu demselben und pläoirte dafür, einen Kongreß der Kistenmacher einzuberufen. Mehrere Kollegen sprachen noch für und gegen den Besuch dieses Kongresses. Die Versammlung beschloß, einen Tele- girlen nach Lübeck zu senden, und dieses den Kistenmachern aller größeren Städte Deutschlands bekannt zu machen. Als Delegirter wurde der.Kollege Strenbel gewählr. Ferner wurde eine Kommission von 0 Mann gewählt, welche die nöthigen Vorarbeiten macht, und durch"Sammlungen in den Werkstellen die Kosten aufbringt.— Ferner wurde noch aus den l. Mai als Arbeitcrfeiertag aufmerksam gemacht, und die Schiedskommission beaustragt, mit dem Verein der Kistenfabrikanten Rücksprache zu nehmen, damit alle Kistenmacher an diesem Tage die Arbeit ruhen lassen. Ten streikenden Weißgerbcrn wurden 25 M. aus dem Streikfond bewilligt. Der zweite Punkt der Tagesordnung ivurde ivegen zu vorgerückter Zeit vertagt. Hierauf Schluß der Versammlung. Wir rrhalten folgendes Schreiben: In Ihrem Bericht über unsere Kupscrschmiedevcrsammlung ist es falsch aufgenommen in betreff der Akkordarbeiten. Sie berichten, da, wo Akkord- arbeiten nicht abzuschaffen sind, ist 25 pCt. zu Ucbcrstunden ExtraZuschlag, dieses ist falsch. Es muß heißen: Die Akkordarbeit ist überall abzuschaffen, wo dieses nicht bewilligt wird, ist 25 pCt. Aufschlag zu beivilligen. Das heißt, falls ein Kupferschmied einen Akkord abschließt und würde event. nicht damit zurecht kommen, so hat er zu verlangen seinen bedingten Lohn und dazu pro Stunde 25 pCt. Aufschlag; mithin beziehen sich die Prozente nicht auf Ucberstnnden sondern auf gewöhnliche Lohnstunden. H. Wittmar, Schriftführer, Metzerstr. 17. Citte Serfammlung der Voll- und Lastfuhrwerks- Kutscher findet am Sonntag, den 30. d. M.. iin Saale des Herrn Jordan, Neue Grünstr. 23 statt, mit der Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommission über das Verhalten der Spediteure. 2. Der Streik in der Firma C. F. Witte und wie Verhalten wir uns zu demselben? 3. Welche Schritte sind zur Durchführung unserer Lohnforderungen einzuschlagen? Der Wichtigkeit der Tages- ordnung halber ist das Erscheinen sämmtlicher Kollegen durchaus nothwendig. Am Schluß findet eine Tellersammlung statt. lollen Sie: bei Ihren Einkaufen streng reell bedient sein, so bemühen Sie sich;« aer, Feste Preise! D erlin N., Gesundbrunnen, Sadstraße 18, Ecke der Stettinerstraße, n Haltestelle d. f (Reelle Be» Pferdebahn. Kj Allerbill. dienung.»Siestndenda-I Preise. selbst in überraschender Auswahl: von 15 Mk. an. I'MA-NWZr 87. BOT 86-40 M. Eleg. IMt-AlWe Eleg. Smmr-PMck�zzM.' Eleg. Stoßhstil«. 7. 8-13 M. ...... äußerst dauerhaft gearbeitet, änßet'st billig J Reizende Knaben-Anzüge für jeiles Alter 4äu.Q m' Grosses Stoffflager | zu Bestellungen nach Maß. 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