Nr. V8. Mittwoch, den 2. April 1890. y. I-chrg. Organ für die Interessen der Arbeiter. Zum Quartalswechsel eröffnen wir ein neues Abonnement auf das„Berliner Volksblatt" mit dem.Sonntagsblatt" als Gratisbeilage. Unser Blatt kostet ß#* MS HlMS 1 Mark 10 Pfeaaig prt Monat und 88 Pfennig pro Woche. Durch die Post bezogen von jetzt ab nur 3 Mark 30 Pf. 'pro Quartal(eingetragen in der Postzeitungsliste für 1890 unter Nr. 892 V. Nachtrag). Redaktion und Expedition des „Keriiner Uoiksdiatt�. Der tmfc die englistkzen Lt�dtkslen. Als Gladstone in der Session 1885/86 seine Home- rulvorlage einbrachte, führte dies bekanntlich zu einer Spaltung in der liberalen Partei. Der rechte Flügel, die „Whigs", traten aus und bildeten unter Lord Hartington die Gruppe der liberalen Unionisten. Auch einige Radi- kale, voran der ehrgeizige I. Chamberlain, schlössen sich dieser neuen Fraktion an. Eine entsprechende Spaltung vollzog sich in der liberalen Presse, nicht nur rechts- liberale, sonderu auch einzelne bisher radikale Blätter schwenkten in das unionistische Lager ab, darunter das sehr verbreitete Londoner Halfpenny-Blatt„Echo". Eine Zeit lang hatten die Liberalen und Radikalen in London kein Organ zur Verfügung, d. h. kein tägliches Organ, das in der Arbeiterbevölkerung nennenswerthe Verbreitung hatte. •) 1 Halfpenny----- ca. W* Pf. Feuilleton. Nachdruck sndotcn.] (23 Der Mord mf dem Kalle. Ans dem Leben einer Kreisstadt. ...... Von I. S. P a n o w. ''(Fortsetzung und Schluß.)-- Wir werden sie bei uns unterbringen, hier, in unsere»! Hause. Er ist ein geschickter Manu. Er wird mir bei meinen Arbeiten beistehen, sagte der alte Rnslanow. Wir wer- den ihn unter Menschen bringen; wir werden einen Mann aus ihm machen. Einige Minuten nach seiner Ankunft bei RuSlanows küßte Petrowski bereits seiner neuen Braut die Hände; am Abend wußte es die ganze Stadt. — Dieser Mensch ist ein Glückskind, sagte man von ihm in der Stadt. Als die zu Bett liegende Anna Dmitrijewna diese Nach richt erhielt, stand sie auf. — Ich werde mich rächen! Wie eine verwundete Löwin wanderte sie in ihrem Zimmer herum. Es schien ihr, als habe Fräulein Rus- lanow ihr den Bräutigam aus Ehrgeiz und 5toketterie geraubt. Petrowski's Schuld verzehnfachte sich in ihren Augen. — Ich habe seinetwegen auf alles verzichtet, dachte sie: auf meinen Hochmuth, aus das Verlangen anderen zu gefallen, Dies wäre zu allen Zeiten ein mißlicher Zustand für eine Partei gewesen, welche die Parole ausgegeben hatte:„DieMassengegendieKlassen", nach Einführung des erweiterten Stimmrechts aber lag die UnHaltbarkeit aus der Hand. Es mußte Wandel getroffen werden, der sehr altväterlichen, für das„gebildete" Publikum geschriebenen „Daily News" mußte ein Kollege an die Seite gestellt werden, der die kleinen Leute und insbesondere die Ar- beiter zu packen verstand. Zu diesem Zwecke wurde vor zwei Jahren, nachdem die liberale Partei sich von den Schlägen etwas erholt, die sie in der 1886er Wahl erlitten, der„Star", eben- falls ein Halspenny-Blatt*), gegründet. Fast die Hälfte der Aktien zeichneten die liberalen Parlamentsmitglieder W. T. Brunner, Sohn eines eingewanderten Schwei- zers und Besitzer von großen Kaliwerken in Chessire, I s. H o l d e n, ein reicher Industrieller, der zugleich in England und in Frankreich Fabriken besitzt, B. P r i e st l e y, Garnfabrikant, und H. Schwann, ein Manchester Kaufmann. Den Vorsitz im Verwaltungsrath über- imhm, wie es heißt, als Vertreter des achtzigjährigen Holden, der Professor Stuart, liberales Parlamentsmit- glied für einen Londoner Wahlkreis, in dem das Arbeiter-- elemönt sehr stark vertreten ist. Man stellt« als Chef- redatteur den Jrlander T. P. O'C o n n o r an, einen ge- wandten Journalisten, und gleichfalls Mitglied des Parla- ments. Zweiter Redakteur wurde ein junger Landsmann O'Connor's, Namens Massingham. Während Ersterer die „große" Politik übernahm, sollte Massingham die unter- geordneten Rubriken, die Arbeiterbewegung zc. übernehmen. Anfangs ging auch Alles gut. Herr O'Connor, ge- wandt und witzig, wie die meisten der Söhne Erins, schlug im„Star" einen ähnlichen Ton an, wie er bisher vorzugsweise bei den Nankee's gepflegt wurde, und nannte das den„neuen Journalismus". An die Stelle der philisterhaften Objektivitätsheuchelei trat ein forzirter Subjektivismus, manchmal ebenso anmsant wie keck, manch- mal aber auch bis zur Albernheit affektirt. Jedenfalls war die Sache neu, und der„Star" eroberte sich bald sein Publikum. Da begann die Arbeiterbewegung, die während der großen Geschäftsstille, der Mitte dieses Jahr- zehnts, gestockt hatte, einen neuen Aufschwung zu nehmen. Die Verhandlungen vor der Kommission des Oberhauses zur Untersuchung der Mißstände in der Hausindustrie er- regten die Aufmerksamkeit des Publikums, der Streik der Zündhölzchen-Arbeiterinnen brach aus. Die Natur der Sache gebot es, daß der„Star" sich auf die Seite der und auf eine glänzende Partie, die mir bevorstand. Ich bezwang vor ihm meinen Stolz und er verspottete mich. Ich werde nicht ungerächt bleiben! Ich werde Petrowski nicht durch meinen Bruder fordern lassen... ich»verde mich selbst rächen, und grausam rächen! Er liebt die Rus- lanow... Helme wird nicht seine Frau werden! Wie sie ihren Plan zur Ausführung bringen werde, darüber legte sich Frälikeiu Bobroiv selbst keine Rechnung ab; wenigstens bemühte sie sich, das Nachdenken über die Art der Ausführung ihrer Rache bis zun» entscheidenden Augenblicke von sich fern zu halten. — Ich brauche einen Helfer, dachte sie, und sie begann gegen Jtschalow die Liebensivürdige zu spielen. Jtschalow lebte wieder aus. Er bildete sich ein, daß sie ihn liebe und deshalb Pe- troivski verabschiedet habe. Er begann sich zu putzen, sich schön zu machen, und ganze Tage brachte er bei der Familie Bobroiv zu... Wir ivisscn, wie die blutige Rache Anna Dmitrijcwna's zum Ausbruch kam. Das war die Vergangenheit der Verbrecher und ihres Opfers, welche zu enthüllen, Kokorin gelungen»rar. Nicht alles,»vas er mir mittheilte, ließ sich in die Forin der Untcrsuchuugsaktcn znn»lgen. Ich nahm übrigens die entsprechenden Verhöre vor, um die Ermittelungen durch die Untersuchung zu kontrolircn. Die Untersuchung wurde geschlossen. Ebenso»vie der Bildhauer aus der unbestimmten Mar- mormasse die Statue herausmeißelt, so klärt der Unter- Arbeiter stellte, und dies geschah um so mehr, als Massingham, der stark zu den Sozialisten hinneigt und nlit verschiedenen Sozialisten befreundet ist, nach und nach der»virkliche Chefredakteur wurde, während O'Connor sich mit dein Titel und dem Gehalt begnügte und im übrigen seine Zeit dem Parlament und den Wahlgeschäften widmete. De>n Blatt bekam die entschieden arbeiterfreund- liehe Haltung durchaus nicht schlecht, die Auflage stieg rapide und ließ bald die aller Konkurrenzblätter»veit hinter sich. Andererseits soll auch nicht geleugnet wer- den, daß der Rückhalt, den sie am„Star" fanden, die Arbeiter in ihrer Lohn- jc. Bewegung erheblich förderte. Es bildete sich eine Art Gegenseitigkeitsverhältniß aus, infolge desselben der„Star" nach und nach eine stgrk sozialistische Färbung erhielt. Wohl mochte»» manchen» Führer der Liberalen Bedenken darüber aufsteigen, ob es nicht ein gefährliches Spiel sei, im eigenen Organ eiiie Strömung in der Arbeiterbeivegung zu unterstützen, die früher oder später der Partei sehr unbequem werden konnte. Jndeß diese Bedenken»vurden durch den Hinweis auf die vortrefflichen Dienste zurückgedrängt, die der„Star" in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits de« liberalen Partei geleistet. Während dieselbe bei der 1886 er Wahl von etwa 60 Parlamentssitzen, die London zu vergeben hat, kaum den vierten Theil zu erobern, bezw. zu be- Haupte»» vermocht hatte, errang sie jetzt in der Hauptstadt Wahlerfolg über Wahlerfolg. Bei den Nachwahlen zum Parlament erzielten ihre Ka>»didaten entweder größere Minder- heiten oder nahmen sogar, wievorigesJahr inKennington und neulich in Nord St. Pancras, den Konservativen Sitze ab. Bei den Wahlen für den Londoner Schulrath wurde die bisherige reaktioi»äre Mehrheit, die im Interesse der kirchlichen Schulen die städtischen Volksschulen(Board Schools) möglichst niederzuhalten suchte, erheblich reduzirt, und die Wahlen zum Grafschaftsrath ergaben sogar eine überwiegei»de Mehrheit für die Liberalen. Diese vielver- heißende Wendung»var natürlich nicht ausschließlich aber doch im Wesentlichen mit eine Wirkung des Einflusses, dessen der„Star" sich erfreute. Jndeß man spielt nicht ungestraft mit dem Sozialis- n»us. Der neue Geist zog auch in die radikalen KlubS ein, oder richtiger, die Bestrebungen der Sozialisten, ihm dort Einzug zu verschaffen, hatten immer mehr Erfolg. So kam es, daß als vor etlichen Monaten die Delegirten der radikalen Vereine zusamn»entraten, um ein Aklions- Programm für die nächste Zeit auszuarbeiten, der Antrag, den gesetzlichen Achtstundentag auf dasselbe zu setzen, eine suchu»lgsrichter aus der Masse der von der Polizei unter seiner'Anleitung erlangten Angaben den Fall und stellt die Thatsachc in der Art her, wie das Verbrechen begangen wttrde. Sobald dieses Räthsel gelöst ist, theilt der Untersuchung?- richter alle»» bei dem Prozesse Betheiligten mit, daß die Untersuchung geschlossen»st, und übersendet das ganze Akten- Material dem Staatsamvalt oder seinem Stellvertreter. Dasselbe that auch ich. Infolge eines seltsanien Zltsaulmeutreffens»vurde die Gerichtsverhandlung sür den 2. Juni, das ist für denselben Tag bestimmt, an welchem die Hochzeit Petrolvski's und des Fräuleins Bobrow stattfinden sollte. Fräulein Bobroiv befand sich die ganze Zeit i»n Ge- fängniß. Der Vater Jtschaloivs hatte sich, nachdem er sich von dem verhältnißmäßig geringen Grade der Schuld desselben überzeugt hatte, bereit erklärt, für ihn Bürgschaft zu leisten. Die alten Bobroivs bestürmten mich ununterbrochen mit Bitten, ihnen eine Znsa»innenkl»»»ft mit ihrer Tochter zu gestatten. Anna Dinitrijewna kam»»»cht in das Empfangszimmer des Gefängnisses,»vo nach dem Gefängniß- Reglement das Wiedersehen der Arrestanten gestattet war. Der Gefängniß- direktor erzählte, daß die Gefangene auf die Arrfforderung, sich i>is Empfangszimmer zu begeben, keine A»lttvort gab, und daß sie vie ihr gebrachten Speisen kaum berühre. Wenn der Direktor in ihre Zelle kommt, findet er sie fast stets in derselben Lage. Sie liegt geivöhnlich regungs- los auf dem Bett, das Gesicht der Wand zugekehrt, ohne dem,»vas um sie herum vorgeht, Beachtung zu wid>nen. bedeutende Anzahl Unterschriften vereinigte. Für London wäre selbst das noch hingegangen, in den großen Städten paralisiren det Hgndel und eine Reihe von, nicht direkt an dem KampszmischenKapitalundArbeitbetheiligten Elementen inder bürgerlichen Klasse den Einfluß des FabritäntenthumS, in den eigentlichen Indnstriezcntren jedoch dominirt dieses, und eine bürgerliche Partei, wie die liberale, hat auf seine Sympathien nnd Antipathien Rücksicht zu nehmen, und vorläufig sind auch die englischen Fabrikanten in ihrer großen Mehrheit noch Gegner des gesetzlichen Achtstunden- tages, Unglücklicherweise haben es sich nun die vorgeschrittenen Arbeiter in den Kopf gesetzt, gerade die Achtstnndenfrage Zu ihrer„Testfrage" zu machen, zum Prüfstein ihrer Stellungnahme gegenüber den Kandidaten der bürgerlichen Parteien._ Da ist es denn sehr fatal, wenn der liberale Kandidat in die Zwangslage versetzt wird, entweder eine Anzahl bürgerlicher Wähler vor den Kopf zu stoßen oder aber sich gegen ein Programm zu erklären, das von einem verbreiteten Organ der Partei verfochten wird. Das Letztere hatte vor Monaten Herr John Morley, Vertreter für Ncwcasrle, einer" der Hauptführer der liberalen Partei, gethan, und der„Star"' hatte sich damit ans der Verlegenheit, ihn angreifen zu müssen, ge- zogen, daß er des„ehrlichen John" Ueberzeugungstreue pries, die ihn sogar eine so populäre Forderung ablehnen lasse, so lange er nicht von ihrer Nützlichkeit und Durch- führbarkeit überzeugt sei. Aber die sozialistisch gesinnten Newcastler Arbeiter, die es bereits zu einer eigenen Ver- tretung im Schulrath der Industriestadt am Tyne gebracht babcn, zeigten durchaus nicht des„Stars" Entzücken über John Morley's„Ehrlichkeit", nnd dieser wiederum fand, daß das Lob des„Star" einen recht bitteren Beigeschmack habe. Neuerdings wiederholte sich das Stück, als Herr Gladstone den Vertretern der Bergarbeiter-Föderation, die ihn über den Achtstundentag ausgefragt hatte, mit einer schönen Rede antwortete, aus der dieselben„nur das Nein" heraushörten. Herrn T. P. O. Connor wurde es nicht schwer, nachdem er monatelang, und zwar recht laut, in das Horn seines Unterredakteurs gestoßen, plötzlich um- zuschwenken und diesen zu desavouiren, wobei er die Herren Vrunner, Holden ec. zweifelsohne hinter sich wußte. Er spielte plötzlich wieder den Chef, und alles, was nach Sozialisiuns roch, flog unter den Tisch. Endlich, als die Sache zu arg wurde, verlor Massingham die Geduld und stellte die Kabinetssraze. Dieselbe würde sicher schon zu seinen Ungunsten entschieden worden sein, wenn sich erstens nicht gezeigt hätte, daß seit der Schwenkung in der Haltung des„Star" dessen Auflage stetig heruntergeht, und wenn cs zweitens möglich wäre, die Sache en petit comlte zu erledigen, ohne daß die Außenwelt davon erfährt. Daß Letzteres nicht der Fall, beweist die Thatsache, daß die von Stead, dem früheren Redakteur der„Pall Mall Gazette", gegründete„Review of Reviews" bereits in ihrer März- stummer den Fall in aller Breite auftischt— den Klatsch zu kultiviren, ist ja einer der Hauptvorzüge des — und wo die politische Mtionärinter?sse in Konflikt Entscheidung nie besonders „von dem Vertreter des Proletariers bei den Vertretern des Kapitals eingelegte Appell", wie Herr Stead die Eingabe Massinghams an das Aktionärkonutee des„Star" witzig nennt, noch heute unentschieden. Der ganze Vorfall aber zeigt, wie bereits jetzt schon der Sozialismus oder die praktische Anwendung des sozialistischen Gedankens in die alten Parteien zer- setzend eingreift. „neuen Journalismus" Ueherzeugung mit dem kommt, da ist die leicht. So ist der Viovrefpondenjen. «rtmlmv«, dm 29. März,(53 läßt den Hamburger„repu- blikanifchen" Kanfleuten keine Rnhe, sie igollen durchaus� dem verabschiedeten'Sieichekanzler, jetzigen Herzog von Lauenmirg, noch einmal ihre Devotion bezeugen, nnd zwar dadurch, dap pe ihm am Lt. d. Mls,, dem Borabende seines Geburtstages, einen Fackelzug darbriugen. Der Vorstand dcL Hamburger Reichstags- Wahlvereins erläßt heute einen dahin gehenden Aufruf, ivelcher in schwulstiger Weise zur Betheiligung daran gegen Erlegung, von 1,50 M. auffordert. In Hamburg tausend Menschen auf diese Weise zusammen zu trommeln, ist keine- Kunst, laufen doch sehr viele schon aus Neugierde mit. Die Hamburgische Bevölkerung aber hat mit dieser Ovation, welche das Geldsacks-Interesse diktirt, im Allgemeinen nichts zu thun. Die Männer der Börse allerdings verehren im Fürsten Bismarck den bisherigen mächtigen Beschützer des gegenwärtigen Erwerbslebens, der Güter- und Kapitalanhäusung auf Kosten der arbeitenden Klasse und deshalb ist es kein Wunder, wenn sie ihrem Ideal noch ein Zeichen ihrer Ehrerbietung geben wollen, das ihnen— nichts kostet. Die „Hamburgischcn Nachrichten" der Firma Heulmeyer stehen natürlich mit an der Spitze dieses Unternehmens; bat diese-Z Organ des dunkelsten Nationalliberalismus sine politische Bedeutung in den letzten Jahren doch immer nur ürekt vom Fasse des offiziösen Preßbureaus in Berlin bezogen. Sin und für sich ist dieses Blatt ganz ohne Bedeutung, da seine Auflag? 7000 kaum übersteigen dürfte. Es hcjlt sich lediglich durch"die Gewohnheit der Hamburger Bevölkenmg, in ihm zu inseriren. Jetzt macht es hauptsächlich noch in Brandartikeln gegen die Sozialdemokratie, der es natürlich auch die Köpenjcker Affäre direkt zur Last legi, wie für diese? edle Psessersacks-Organ nach wie vor so wohl Hödel wie Nobiling zur sozialdemokratischen Partei gehörten. Weiter wie diese Verleumdungen geht aber auch der Geist der„Hamb. Nachrichten" nicht, denn nun die Berliner geistige Quelle des Preßbureaus für sie versiegt scheint, machen sie politisch ein solch verdutztes Gesicht,„wie die Katze wenn's donnert", wie man im Volke zu sagen pflegt. Es heißt auch, daß tausend Arbeiter, d. h.„Angestellte" der Eisenbahn in Friedrichsruh am 1. April einen Fackelzug dar- bringen sollen. Natürlich werden die Leute dazu konunandirt, wahrscheinlich aus den Reparaturwerkstätten. Freiwillig würden die meisten auch wohl nicht mitlaufen. Vielleicht auch sollen die Arbeiter dem Hamburger Reichstags-Wahlvercin nur als Staffage und Fackelträger dienen, damit die Herren nicht in zu dünnen Reihen erscheinen und sie nicht nöthig haben mit dem Fackelzeug sich selber das Zeug zu verderben. Die Verwendung von Negern auf den deutschen Dampf- chiffen findet immer größere Ausdehnung. So hat man vor ürzenl wieder einen Trupp von 26 Schwarzen hier importirt und dann direkt an Bord von Dampfern der Kalkutta-Linie ge- acht, um den Leuten keine Gelegenheit zn geben, sich mit den hiesigen Verhältnissen in irgend welcher Weise vertraut zu machen. Sie erhalten bekanntlich fast nur den halben Lohn der deutschen Heizer. Dabei beobachten die Rheder auch noch den Kniff, oie Leute hier nicht zu entlöhnen, ihnen überhaupt Geld nicht in die öände zu geben. Aus. diesem Grunde ist von einem Wörmann- chen Dampfer schon ein ganzer Trupp desertirt. Die Leute wollten Geld haben, um hier ihre Einkäufe zu machen. Die Neger ind anerkannter Maßen. ganz genebene Geschäftsleute und sie niögen bald herausgefunden haben, daß sie die für sie begehrlichen Gegellstände hier in Hamburg bedeutend billiger haben können, als von den Faktoreien der Europäer in ihrem Erdtheile. So werden nun die armen Neger auf doppelte Weise ausgebeutet: einmal, daß man ihnen einen bedeutend geringeren Lohn zahlt, trotzdem sie nach dem eigenen Zeuzniß des Herrn Ad. Woermann sich zu der Arbeit besser qualiflziren sollen als die Deutschen und dann, daß man ihnen das, was sie bedürfen, in den Faktoreien zum doppelten Preise aufhängt. Die.Hamburger Arbeiter, welche bisher als Heizer fungirten, können sehen, wo sie bleiben. Und doch will man ihnen einreoen, ihre Interessen seien ohne einen Mann der Börse im Reichstage„nicht würdig" vertreten! Gegenüber dem Bestreben der Bauhandiverker, die neun- stündige Arbeitszeit einznftihren, haben die hiesigen Jnnungs- rneister, welche sich unter der Bezeichnung„Ballhütte" gruppiren, beschlossen: „Tie zehnstündige Arbeitszeit mit 60 Pf. Stundenlohn für Maurer und Zimmerer für das Jahr 1890 als zu Recht bestehend zu betrachten." Während sie früher die Forderung der zehnstündigen Arbeits zeit mit 60 Pf. per Stunde als unverschämt bezeichneten, besteht jetzt für die Herren von der Innung beides schon„als Reckt". Sie werden sich mit der Zeit ivohl auch noch an 9 Stunden per Tag gewöhne», nnd so kommen wir wenigstens in einigen Arbeitergruppeii dein achtstündigen Arbeitstage immer etivas näher. Die Uebrige» werden dann auch nach uizd nach dem guten Beispiele folgen. Es kommt schheßlich auch dabei auf die Gewohnheit hinaus. Zuletzt finden selbst die eingefleischtesten J'lninigsphilister die Sache ganz in der Ordnung. Nolikisihs Ueberstckk. Diplomat«,»— kein« That»n! Die Beschlüsse der Berliner Konferenz sind so ausgefallen, wie bei der Zusammensetzung dieser Versammlung zu erwarten war: sie find an sich nicht bedeutend und werden aus die industriellen Zustände wenig Einfluß haben, selbst wenn sie zum Gesetz erhoben werden, wozu in verschiedenen Jndusimstaaten keine Aus- ficht vorhanden ist. Die Vertreter von England, Belgien liild Frankreich haben den meisten Widerstand geleistet und eiiischneidendc Beschlüsse verhindert. Englische Blätter be Haupte«, die Konferenz beweise, daß in Bezug auf die Ar- deiterschutz-Gesetzgebung die anderen Staaten von England lernen könnten. Wir nehmen das nicht ernst und wollen nur hoffen, daß die englischen Arbeiter benrcvt sind, ihre Regierung bald eines Andern ztt belehr«. Da,; Belgien unter den Widerstrebenden sich befindet, wundert uns nicht; bei der Bourgeoisie dieses Landes ist alle Arbeiter- freundlichkeit eitel Heuchelei, hinter der sich die größte Profit- wuth verbirgt. Daß auch das republikanische Frankreich zn den Mächten gehört, die in der Arbeiterfrage Obstruktion machen, liefert uns die Lösung des Räthsels, warmn in Frank- reich selbst die so oft versprochenen sozialen Reformen nicht in Fluß kommen wollen. Man kann nach Trostgründen für diesen Ausgang suche» und findet auch solche. Aber die philisterhaste Weis- heit, daß kein Baum auf den ersten Hieb falle, hat für uns gar keinen Werth; der Konferesz hätte gar nichts im Wege gestanden, wenn, sie sich zu ennsthaften Beschlüssen aufge- schwungen hätte. Aber sie war beeinflußt vom Klassen- Egoismus und von dem Widerwillen des Unternehmer- thums gegen jedes ernste Zugaständniß an die Arbeiter; das prägt sich- in ihren Beschlüssen deutlich genug aus. Nicht einnial die Beseitigung der Kinderarbeit ent- schloß man sich auszusprechen; so. ängstlich nahm man auf die Unternehmer Rücksicht. Was positive Ergebnisse anbe- trifft, muß die Konferenz unbedingt als gesch e i tert bezeichnet»verden. Wenn dagegen die Konferenz nur als der Anfang einer Reihe von weiteren Kon- Frenzen betrachtet werden soll, so darf man betonen, daß die Dclegirten zu der Einsicht gekommen sind, daß man sich über eine internationale Arbeiteqchutz-Gesetzgebnna ver- ständigen kann, was viele von ihnen vorher bestritten laben. Man hat neue Berührungspunkte entdeckt und man at gesimden, daß Manches nicht so schwierig ist, wie es aussieht. � t Das Alles ist indessen von sehr untergeordneter Beden- tung»rnd bleibt ganz werthtos, wenn die ans der Konferenz eröffneten Berathungen nicht baldig fort* gesetzt»verde«. Wir»viffen nicht,»vaS. die Regierungen in dieser Bezieh»ing denken; wenn sie abvr die Frage ihrer Lösung nähet bringen wollen, so müssen sie künftighin andere Delegirte berufen, denn mit dm Elementen, die diesnial in Berlin getagt haben, wird Nichts zn Stande kommen. Was sollen Geheimräthc«»»d Bureankraten, In- dustrielle und politische SportSmä»»ner als„Vertreter der Arbeitermteresse»»" leisten? Tie Regierung mag sich das überlegen, wem sie ihre Bestrebungen. ei»c internationale Schutzgesetzgebung zu erzielen, nicht aufgxben will. Die Engländer mögen das nächste Mal ihren Herrn G o r st und die Franzosen Herrn Jules Simon zu Hause lassen. Man sendet keinen Staatssekretär zu solchen Ver- sammlunge»», denn wenn die Herren etwas von einer wck.ter- gehenden Fabrikgesetzgebung, viffen wollten, hätten sie dem englischen Parlament schon lange Vorschläge machen können. Die Franzosen aber sollen Herrn Jules Simon nicht mehr auf Reisen schicken und ihn die mrviente Ruhe des Alters genießen lassen. Herr Simon hat s«h aus semer besseren Zeit einige philantröpische Ideen herübergerettet, deren Verwirklichung in so weiter Ferne liegt, daß sie un- gefährlich smd; i,n klebrigen ist er ein Vertreter der Bour- geoisinteressen comme il faut und fanatischer Manchester« mann. Wo sollen solche Leute»md Jhresgleichsu ein Ver- ftändniß für die Arbeiterintereffen her beziehe»»? Wenn ihnen die Unternehmer in den Ohren liegen und ahnen vor- jamineri», sie könnten nicht bestehen, wenn sie die Arbeits- träfte»»»cht ganz,»«beschränkt ausbeuten dürfen, so nehmen solche Jämmerlinge ä la Jules Simon dies ernst nnd lassen lieber eine ganze Generation verkommen, als dllß einem Kohlenbaron oder einem Eisenhüstenbesitzer nur ein Tau- sendstel seines tlnternehmergeivinnes verloren gelt. Daß namentlich die Kohlenbarone einen geivissen Einfluß auf die Delegirten ausgeübt haben, sieht man an den matcherzigen BeichluiM, die flch auf den Betrieb des BergdaTes de- ziehen; die belgische Presse hat zugestanden, daß man den Delegirten bange zu machen verstanden hat. Es klebt etivas starkes Spießbürgerliches an den Be- schlüssen der Konferenz. Man ist zusammen gekommen, um nehmer gewahrt, um keine„Konflikte" herbeizuführen. Leider sieht es nicht aus. als ob mit den Beschlüssen der Konferenz die„Konflikte" ans der Welt geschafft seien, deim da man von der Berk,»rzling der Arbeitszeit für erwachsene männliche Arbeiter flat nicht gesprochen hat, so werden die Arbeiter den Kampf snr diese Erleichterung wieder auf- nehmen. Wir hoffen, daß»nit dieser Konferenz»die Regierungen die Sache mcht � für abgeschlossen, sondern erst für eingeleitet halten. Wenn nicht— nun. die Arbeiter werden den schönen und brüderlichen Gedanken des inter- — Sie schweigt hartnäckig, erzählte der Direltor, und es ist unmöglich, von ihr irgend welche Antwort zu er- langen. Sie magert von Tag zu Tag mehr ab und verliert geiviffermaßen das Bewußtsein. Zch verwendete mich beim Staatsanwalt dafür, daß den Eltern der Zutritt zur Zelle der Gefangenen gestattet wurde, »rnd erhielt die B-ivilligung. � Bei dem Besuch der Tochter begleitete»ch die beiden Alten. ,,_, Der Direktor ging, Anna Dmrtrijewna von dem bevor- stehenden Besuch benachrichtigen., �. ' Ais er in den Korridor zurückkam, sagte er»ms, daß sie ans die Frage, ob sie ihre Eltern sehen wolle, nichts erwidert habe. . Wir traten in die Zelle. Anna Tmitrijcwna befand sich m derselben Lage, welche der Alisseher beschrieben hatte. �..... � Sie lag aus dem Bette, der Wand zugekehrt, das Gesicht durch ihr wirres Haar verhüllt._ Unser Erscheinen beachtete sie nicht. Die alt- Bobrow stürzte auf die Tochter zu, umfaßte mit den Händen ihren Kopf und küßte, unter Thränen er- stickend, ihr Haar. — Anuschka, sagte sie, wir sind zn Dir gekommen,»ch und der Pava. Was ist's mit Dir? Sich uns an! Wir lieben Dich' immer noch so.... sprich' mit uns, An- juta! Wir wollen zusammen zu Gott beten... es giebt leine Sünde, welche seine Barmherzigkeit nicht vergeben würde. Weshalb grämst Du Dich also unnütz ab.. sprich mit uns, Anjuta'..„ �, Anna Dmitrijewna richtete sich m den, Bette auf, und indem sie sich an das Kisseu lehnte, bemühte sie sich, ihr Haar in Ordnung zu bringeu. Ich sah voll Entsetzen in ihr Gesicht. Das war nicht mehr das Gesicht eines lebenden Men scheu; es war kein Tropfen Bluts darin, Ihre Lippen waren bleich und trocken. Sie sab uns alle an und erkannte offenbar niemanden. Wie mechamsch wandten ihre Augen sich von dem Einen dem Andern zu und blieben ans keinem haften - Anjuta! Anjuta! schluchzte die Mutter. O Herrgott verzeiye ihr und starke sie! Ich Mg. leise in den Korridor hinaus und sandte um den Arzt, da ich annahm, daß seine Anwesenheit für sie er sprießlrcher fern werde, als die unsere. Ich erwartete Tarchoiv in dem Korridor M-!« Ä&ÄuÄ' Tarchoiv eilte zu der Kranken. Anna Dmitrijewna lag wieder wie zuvor, das Gesicht der Wand zugekehrt. Ihre alte Mutter hatte einen Anfall von Hysterie, und der Vater war um sie beschäftigt, bemüht. ihr ernige Tropfen Wasser einzuflößen. Tarchow näherte sich Anna Dmitrijeivna, fühlte ihren Puls und beugte sich über sie, indem er ihr Gesicht sich zu- zuwenden versuchte. Auf seine Frage gab sie keine Antwort. Nachdem er einige Minuten über sie gebeugt dagestan- det», trat er von' dem Bett zurück' und derlangte' Feder'und Papier, um ein Rezept zu schreiben. — Wie steht», Doktor? srna»ch. — Sehr schlecht. — Ist keine Hoffnung? — Der Arzt darf nie die Hoffnung aufgeben. Wir wollen sehen, was weiter wird. Sehr verstimmt fuhr ich nach Hause. Ein junges Leben war geschivunden, vor welchem s viele Hoffnungen lagen. Im Innersten meiner Seele sprach ich Fräulein Bc brow von Schuld frei; als den wirklichen Schuldigen i dem Drama, das sich abgespielt hatte, betrachtete ich P trowski. Am folgenden Tage fuhr ich, nachdem ich mich von d« Morgenarbeit befreit, zum Gefängnißgebäude.. ' Auf der Außentreppe begegnete ich Tarchoiv, der au dem Gcsängniß kam. — Wie steht's? — Es ist alles vorbei. — Gott verzeihe ihr! Es kam der 2. Juni. . Ich wünschte durchaus der Verhandlung des Prozei beizuwohnen, dessen Hauptschuldige bereits von Gott richtet war, doch eine Untersuchung hielt mich wieder Hause zurück und ich kam erst in das Gerichtsgcbäude, da» Urtheil schon gefällt war und das Publikum durch Korridore strömte. Jtschalow hatten die Geschworenen frei gesproch« Aron wurde»u tLef ängniß strafe verurthcilt. Wahrend ich mit Bekannten' sprach, rrat einer der al Freunde Ruslanows zu uns heran. — Alle haben ihre Srrafe erhalten, sagte er, nur je geht fr« aus, den die eigentliche Schuld an dem entsttzlic Ereigniv trifft. Petrowski kann sich jetzt ruhig zum drit Mal verloben. — Petrowski ist schon lange nicht mehr unter Lebenden, bemerkte da der uns begegnende Oberst Mat Einige Tage nach dem Tode Anna Dmitrijewna's hat Major Bobrow im Duell getödtet. nationalen Schutzes gegen Ausbeutung der Arbeuslrajb nicht einschlummern lassen. Wie sie den Gedanken gebracht und ihm Gestalt gegeben haben, so werden sie ihn auch aufrecht erhalten. Er wird verwirklicht werden mit den Arbeitern und durch die Arbeiter; die Diplomaten und Bureaukraten, die jetzt über ihn berathen haben, wollen ihn abschwachen. Aber es wird nicht gehen, denn dazu ist dieser Gedanke zu gesund. Nähere Angabe» über die Beschlüsse mehrerer Sektionen der ArbeUerschutz-Konferenz enthält der Pariser„Matin". Sie werden den Eindruck nur verstärken, den die Thätigkeit der Kon- serenz bisher schon hervorgerufen hat. Nach den Mitiheiiungen des Pariser Blattes, das die osfiziellen Aktenstücke zu besitzen be- hauptet, wurde in der Sektion für die K i n d e r a r b e i t zunächst der Versuch gemacht, eine Definition derjenigen Betriebe zu finden, auf welche die Beschlüsse sich beziehen sollen. Alle zu diesem Zwecke gestellten Anträge wurden abgelehnt und am Ende beschlossen, jedem einzelnen Lande zu überlassen, für sich zu bestimmen, was unter einem industriellen Betriebe, resv. einer Fabrik zu verstehen ist. Der von der Schweiz gestellte Antrag, wonach die Arbeit der Kinder in Fabriken erst mit dem 14. Jahre beginnen soll, wurde mit allen Stimmen gegen die der Schweiz und Oesterreichs abgelehnt. Ebenso wurde das 13. Jahr als Grenze abgelehnt, indem sich Dänemark hier der Abstimmung enthielt. Bekanntlich hat die Sektion— und demgemäß spater das Plenum— das 12. Jahr, welches in Deutschland bereits als Grenze gilt, angenommen. Hier aber enthielt England sich der Abstimmung, weil in diesem Lande die Kinder schon zu einem frühereu Alter in Fabriken be- schäckigl werden. Deutschland beantragte, daß die zugelassenen Kinder den Bestimmungen über den Bolksschul- Unterricht genügt haben müssen. Hieraus könnte man vielleicht fol- gern, das; die deutschen Vertreter im Sinne des Reichs- lagsbeschlnsses gestimmt haben, wonach bei uns künftig 13 jährige Kinder zur Fabrikarbeit nur zugelassen werden sollen, wenn sie der gesetzlichen Schulpflicht genügt haben, andernfalls erst mit 14 Jahren. Der Wortlaut des gefaßten Be- schlusses besagt aber nur, daß die Kinder, wenn sie im 12. Jahre zugelassen werden, Elementarunterricht genießen müssen, was bei uns schon Gesetz ist. Ist der Bericht des„Matin" zutreffend, so hätten die deutschen Vertreter nicht für diejenige Einschränkung der Kinderarbeit votirt, welche der Reichstag beschlossen hat. Der Beschluß, daß Kinder unter 14 Jahren nicht in der Nacht beschäftigt werden dürfen, war von Deutschland beantragt; Belgien, Holland, Ungarn, Italien stimmten dagegen. Ebenso stimmten Belgien und einige andere Staaten gegen das Verbot der Nachtarbeit jugendlicher Arbeiter. Was die Arbeit der Frauen betrifft, s/beantragte hier Deutschland— in Uebereinstimmung mit den Reichstagsbeschlüssen— und die Schweiz die Ausschließung der R»cht- und Somttagsarbeit; doch sollen Ausnahmen für einzelne Jnduiirien betreffs der Nachtarbeit gemacht werden. Der Haupt- antrag ist nur mit 7 gegen G Stimmen(Belgien, Frankreich, Ungarn, Italien, Spanien, Portugal) und einer Enthaltung(Nor- wegen) angenonnnen worden. Belgien erklärte, überhaupt keine Beschränkung der erwachsenen Arbeiterinnen annehmen zu wollen. Die Einschränkung der Frauenarbeit auf täglich 11 Stunden wurde mit 7 gegen 6 Stimmen(Belgien, Frankreich, Spanien, Italien, Pvitugal) bei drei Stimmenthaltungen(Dänemark, Schweden, Norwegen) beschlossen. So weit die Mittheilungen des„Matin". „Eile mit Meile l" Sehr zufrieden mit dem Ergeb- nin der Arbeiter-Kchutzkonferenz lst die nationalliberale„Magd. Ztg." Sie sagt: „Aber so viel lassen die bisherigen Andeutlingen... erkennen, daß man bestrebt ist, die gefaßten Beschlüsse innerhalb maßvoller Grenzen zu halten. Es ist gewissermaßen die Summe dessen gezogen, was ans dem Gebiete des lArbeiterschutzes in den einzelnen Konferenzstaaien bereits erreicht und praktisch durchgeführt ist. Das wird manchen Eiferern nicht nach Wunsch sein, aber wenn es ein Gebiet giebt, wo der alte Spruch„Eile mit Weile" am Platze ist, so ist es das Gebiet jdes Arbeiter- schutzes. Jeder Schritt nach vorwärts will hier sorgfältig er- wogen werden, im Interesse der Arbeiter nicht minder als in dem der Arbeitgeber." Jawohl—„Eile mit Weile", d. h.„reformirt möglichst wenig" soll das nationalliberale Motto für die Revision der deutschen Fabrikgesetzgebung werden. Auswärtige» K lütter« wird von hier telegraphirt, daß der dem Reichstage zu unterbreitende Slrbeite.rschutz-Gesetzentwurf soeben fertig gestellt sei; er unterliege noch einer Schluß- berathung des Ministeriums und werde dann als preußischer An- trag an den Bundesrath gehen. Heber seinen Inhalt werden in den betreffenden Depeschen nux allgemeine Redensarten gc macht. Dir tibrrale Kourgeoiste ist überall dieselbe. In der letzten Nummer des„Labor Elector".— das Organ, der englischen Sozialisten— lesen wir, daß die„Schottische Ar lmterpartei" vor einiger Zeit mit den radikalen Gladstonianern einen Wahlkomproimß machten, dahin gehend, daß in Patrick die Arbeiter für den Radikalen, und in Greenock die Radi- kalen kür den Arbeiter stimmen sollten. Und daß die Nr< beiter dabei geprellt worden sind, indem dicHerrenBourgcoisdie Arbeiterstimmen wohl gnädigst einsackten, ihre Stimmen da- gegen dem Konservativen und nicht dem Arbeiter gaben. Ganz wie bei unseren deutschen Stichwahlen!.. Dep. fpagliche Kompromiß war aber auch eine sehr große Dummheit, und obgleich die englischen Verhältnisse sehr verschieden sind von den unsrigen, hätte unseres Erachtens dieser Ausgang doch vorausgesehen werden müssen; auch wenn wir die Prinzipien- frage ganz bei Seite lassen, so verbieten die einfachsten Regeln der Klugheit doch einen derartigen Kompromiß mit den Gegnern der Arbeitersache— gleichviel ob sie sich konser- vatw, liberal oder radikal nennen. Zur Kartellbildung geg»» die Kvsialdemollratie fordert nun auch der„Reichsanzeiger" ans, der seit dem Stn�e der Aera Pindter die Aufgabe eines Organs der Regierungspolitik mehr als bisher zu erfüllen zu haben schemt. In einer Artikelserie:„Sozialpolitik, Svzialresorm und Sozialismus", auf die wir demnächst zurückkommen, heißt es an einer Stelle: „Gegenüber dem Schrecken, mit welchem die Gesellschaft von dem Sozialismus und den Ideen der Sozialdemokratie er- füllt wird, und gegenüber den Gefahren, welche aus einem dem Sozialismus gegenüber beobachetcn Oaisso« faire(Gehenlassen) erwachsen wurden, müssen die Parteien sich fest zu- sammenschließen, die Streitart begraben, die politischen Machtsragen ruhen lassen und sich um den Hüter aller Klaffen der Gesellschaft, um den Träger der starken- und- mächtigen Krone schaareii.", Das ist deutlich genug. Die Aera Bismarck wollte dies Ziel erreichen unter Ausschluß der Deutschfreisinnigen und Hyperkonservativen. Die neue Aera heißt alle bürgerlichen Parteten willkommen zum Kampf gegen die Sozialdemokratie. Natio»»allib»rale«»> Zentrum. Die„Nat.-Lib. Corr.", einst die Trägerin des Kulturkampsos, der kein anderes Wort ge- läufiger war, als:„Nieder mit Rom und hinaus aus Deutschland mit den Röinlingen", führt jetzt eine andere Sprache. So bespricht das leitende Blatt die letzten kirchenpolitischen Berhand- lungen im Abgeordnetenhaus«, und ist glücklich, daß der katholische Klerus resp. dessen Vertreter keine„berechtigten Klagen" vorzu- bringen hatten.„Es war dem Kultusminister ein Leichtes, die Unhaltbarkeit einiger vorgebrachten Beschwerden nachzuweisen." In solchem Tone wird der Frieden mit Rom seitens der einstigen streitbaren„Kämpen fiir Geistessreiheit" eingeleitet. Es. wird nicht lange mehr dauern, und die beiden einst feindlichen Brüder haben sich in seeligster Umarmung wieder gefunden aus Furcht vor der Sozialdemokratie. Bei den Stichwahlen, wo, wie in Köln und Düsfeldorf, die Ultramontancn den Sozialdemokraten gegenüber- standen, haben Mitglieder des Freimaurerordens wie wülhend für die Kandidaten des Zentrums agitirt. Ein herrliches Bild: Logenbrüder mit Zentrumsbrüdern"Arm in Arm fordern die Sozialdemokratie in Schranken. Aus Kirchs»». 31. März. Die sächsischen Behörden scheinen Versammlungen, in welchen man sich mit dem 1. Mai beschäftigt, als staatsgefährlich betrachten zu wollen. Den beiden Verboten der Versammlungen, in welchen Lieb- knecht über den achtstündigen Arbeitstag sprechen wollte, sind weitere Verbote gefolgt. So verbot diq Dresdener Polizei eine für gestern anberaumte Versammlung der Buchdrucker, in welcher der Reichstagsabgeordnete Schmidt-Mitt- weida über das erwähnte Thema sprechen sollte, und das Gleiche wird aus Löbau gemeldet. Während nun in Dresden das Sozialistengesetz für das Verbot herhalten mußte, be- gründete der Löbauer Stadtrath dasselbe mit Hin- weis auf§ 5 des sächsischen Vereins- und Ver- Dieser famose Paragraph besagt, daß zn verbieten seien, in welchen zu Gesetzes- Übertretungen oder zn„unsittlichen Handlungen" geneigt gemacht werden könnte, und diese beiden Momente sieht der Löbauer Stadtrath in dem Bestreben, den 1. Mai zu einem Arbeiterfeiertag machen zn wollen. Es gewinnt den An- schein, als handelten die sächsischen Behörden nach einer ausgegebenen Parole. Daß diese neueste Staatsretterei erfolgreicher sein wird, wie diejenige, die man seit 12 Jahren mit so unglücklichem Erfolg in Sachsen prattizirte, ist nicht anzunehmen, aber das Maßregeln liegt unserer Behörde so im Blute, daß sie davon nicht lassen können. Fest steht, daß man die Beseitigung des Soziaiistengesetzes in keinem Staate Deutschlands mit größerem Bedanern sehen würde, als in Sachsen. In diesem Punkte begegnen sich Regierung und Bourgeoisie. Zur Ehnrallteriftik der Grduuugsparteie» sei hier, auf Grund zahlreicher Zusendungen aus den verschiedensten Theilen Deutschlands, miwetheilt, daß der„famose Scherz," be- treffend daS„300 Mark Kleid" der Frau Liebknecht und die Reudnitzer Villa der Familie Liebknecht durch die gestimmte Bourgeois- und Polizeipresse geht. Selbst ein fortschrittliches Blatt(freilich„sächsischer Fortschritt"), die„Dresdener Zeitung", hat sich den schmutzigen Blödsinn von einem„Korrespondenten aus Leipzig" extra verschrieben. Wir glauben nicht, daß es ein zweites Land giebt, in welchem die Presse eines gleichen Attentats gegen den guten Geschmack und den politischen Anstand fähig wäre. Das Vierteljahrhundert der Reptilwirthschaft und Reptil- Herrschaft hat unsere deutsche Presse so korrumpirt, daß es lange dauern wird, ehe sie das Gift wieder einigermaßen ausgeschwitzt hat und Anspruch auf Achtung erheben kann. Durch Ktimmiettel- Praktiken versuchten die National- Liberalen bei der Reichstagswahl in Goslar, vergeblich ihren Kandidaten dnrchznbringen. Die„Deutsche Volksztg." in Hau- novcr theilt mit, daß man in Clausthal nach bekanntem west- fälischen Muster fünf Mal im Lause des Tage?, die Form der Stimmzettel von nationalliberaler Seite wechselte. Etwa von anderthalb zu anderthalb Stunden sind Stimmzettel in. folgender | 8, U hoch; 5. 34 Zentimeter läng, 4Va Zentimeter hoch" {ur Pergar b»iteri>ew»guug. Gelsenkirchen, 1. April. eutigen Frühschicht sind angesahren: in Zeche„Konsolidation" 21 Bergleute, in Zeche„Rhemelbc" 811, in Zeche„Hibcrnia" 189 und in Zeche„Wilhelmine Viktoria" 159 Bergleute. Von einer weiteren Ausdehnung des Streiks auf andere Reviere ist hier bis jetzt nichts bekannt. Chemnitz, l. April. Tie Vertrauensmänner der Berg- arbeitcr im Bezirk der Bcrginspektion Chemnitz fordern in einer Petition'an die Grubenvorstände die Einführung einer acht stündigen Schichtzeit mit Einschluß der Ein- und Ausfahrt, eine Erhöhung des Schichtlohnes um 20 pCt., die Einführung eines drciklassigen Häucrstistems, freie Wahl der Aerzte, und freie Kur für die Familie. Die Petenten fordern eine Erklärung bis zum 15. April. Gi» Aerdporgop. Eckern förde, 31. März. Großes Aussehen erregt hier das Fallissement und die Verhafümg des ersten Stadtraths Jacobsen, des Vorstehers der Sparkasse, wegen Unterschlägung von Mündelgeldern. Preslau, 29. März. Von dem hiesigen sozialdemokratischen Organ,„Schlesische Nachrichten", sind, wie die„Köln. Volksztg." und„Frkf. Ztg." melden, augenblicklich der Verleger(Schneider Maxara) und die gestimmte Redaktion(Neichstoge-Abgeordneter Kun'ert und Schuhmacher Heistg) gefänglich eingezogen.— Eine Bestätigung dieser Meldung ist uns noch nicht zugegangen. Girsz»», 1. April. Bei der am 28. März im 1. hessischen Wahlkreise(Gießen) stattgehabten Reichstags-Nachwahl wurden mach amtlicher Feststellung für Pickenbach �Antisemit) 7145 St., für Dove(dfr.) 4715 St., für den nationaliibcralen Kandidaten 2100 Stimmen, den sozialdemokratischen 1335 Stimmen und fiir den konservativen 423 Stimmen abgegeben, so daß eine Stichwahl zwischen den beiden Erstgenannten erforderlich ist. Gestevreich'Uugar». Wien, 30. März. Das Organ der Fendal-Klerikalen, das „Vaterland", bringt heute unter dem charakteristischen Titel„Eine seidene Schnur" einen Artikel, der geeignet ist, sehr großes Aus- lehcn zu erregen, und der einen merkivürdigen Beitrag zur Gc- schichte der Korruption enthält. Das genannte Blatt, wie das „B. T." berichtet, erzählt folgendes: Dem Präsidenten des österreichischen Berwaltungsrathes der österreichisch-ungarischen Staatsbochn, Feldzeugmeister in Penston, k. und k. Wirklichen Geheimen Rath Freiherrn v. Studier, sei „die seidene Schnur zugeschickt" worden, d. h. man habe ihn aus gefordert, seine Entlassung zu nehmen. Das Handelsmiiiisterinm habe schon vor einiger Zeit die Be- Ziehungen mit dem Präsidenten des Berwaltungsrathes der öfter reichisch-ungaristhen Staatsbahn abgebrochen, es verkehrt mit dem selben nicht mehr, es wolle mit ihm, dem Exzellenz- Herrn und Feldzeugmeister, keinerlei Berührung haben. Als Ursache hiervon wird ein Konkursprozeß angeführt, der sich gegemvärtig in Ungarn abspielt. Im vorigen Jahre starb in Ungarn Karl v. Tatartzy, der Pächter vom Herkulesbad und ehe- inaliger Direktor des Wiener Karltheaters. Nach demTodeTatartzy's wurde über dessen hintcrlassenes Vermögen der Konkurs verhängt. Unter anderen Gläubigern meldete sich auch der pensionirte Feld zeugmeister. Wirklicher Geheimer Rath und Präsident des Ver iverwaltungsraths der österreichisch-ungarischen Staatsbahn, Anton Freiher v. Scudler, mir einer Forderung von über 100 000 Gulden. Diese bedeutende Schuldsumme war nur durch ein solch mangel- Haftes Papier sichergestellt, daß das Gericht dasselbe zurückwies und verlangte, es solle vor allem mit den nöthigen Stempeln versehen werden. Die österreichischen Finanzbehörden bestraften 'ogar Se. Exzellenz wegen Entziehung von der Stempelgebühr. "aron Seudier ersuchte daraus im Bittwege um Nachsicht der Strafe, und die Bitte wurde in der That gewährt. Die Regie rung erfuhr inzwischen von diesen Vorgängen, und dß erinnerte man sich, daß, als Tatartzy i# Herkulesbad(Mehadia in Ungarn) pachtete, Freiherr v. Seudier dort als Kommissar amtlich funktio- nirte, die Pachtbedingungen zu bestimmen und deren Beobachtung ei tens des Pächters zu kontroliren hatte.... Und nun erklarte ich die hohe und doch nicht hypothekarisch sicher gestellte, auch o mangelhaft gewährleistete Schuldforderung des Frcihcrrn voii Seudier an den Nachlaß des früh und plötzlich verstorbenen Puch- tcrS Ties�ift im Wesentlichen der Inhalt der Erzählung des „Vaterland". Das fromme Blatt bemerkt außerdem, Freiherr von Seudier werde nicht blos als Präsident des Verwaltung!- rathes der österreichisch-ungarischen Staatsbahn seine Entlassung nehmen und„die seidene Schnur küssen, die ihn endlich erreicht hat", sondern er dürfe auch die Würde eines Geheimen Rathes und den Rang eines Feldzeugmeisters nicht länger behalten. Das „Vaterland" meint ferner, die Stadt Temesvar werde sich eben- alls den geänderten Verhältnissen akkomodiren müssen; Temesvar hat nämlich dem Baron Seudier aus Dank für die Schaffung eines Parkes, für den freilich das Kriegsministerium die Kosten getragen, eine Statue errichtet. Baron Seudier hat also schon bei Lebzeiten ein Denkmal gehabt, was sich angesichts der Em- hüllungen des„Vaterland" allerdings um so eigenartiger aus- nimmt. Eine Untersuchung zur Klarstellung der Angaben dieses Blattes ist bereits eingeleitet. Großbritannien._ nvvi Keir Har d i e— nicht Harbin— läßt die Mit- theilung, daß er die Kandidatur für Süd-Westham endgiUig angenommen habe, widerrufen. Die Schwierigkeit liegt in der Beschaffung der Geldmittel fiir die offiziellen Wahl- ausgaben, die in England bekanntlich von den in die Wahl eintretenden Parteien getragen werden müssen. Die Kosten tnd in diesem, fast nur von Arbeitern bewohnten Distrikt ganz besonders hoch, sie sollen sich auf über 1000 Pfd. Sterl. belaufen, die von vornherein zu erlegen sind. Rechnet man dazu die Kosten der Wahlagitation, der Plakate, der Wagen ür Herbeischaffung dei! Wähler ic., so kommt ein Betrag )craus, den eine Arbeiterpartei unmöglich erschwingen kann. Süd-Westham ist in der Lokalverwaltung durch einen So- zialisten, der auch Beamter der Gasarbeiter-Uuion ist, vertreten, für daS Parlament wird es ivohl leider bei einem Vertreter der bürgerlichen Parteien bleiben. Die Beseitigung des Unfugs, die Parteien für dieaint- ücheu Wahlausgaben haftbar zu machen, ist eine nnerläß- liche Konsequenz der Erweiterung des Wahlrechts. Und wenn die Herren Gladstone, Morley, Randolph Churchill:c. ie für noch wichtiger erklären, als vorläufig die weitere Ausdehnung des Wahlrechts, so ist diese Auffassung nicht ganz unberechtigt. HoUaub. Die zweite Kammer hat ein Gesetz angenommen, welches das Tragen von Waffen verbietet, nur wenige, darunter Domela Nieuwenhuis, der wohl nicht mit Unrecht behauptete, daß das Gesetz auf die Sozialdemokratie gemünzt sei, stimmten da- gegen. Die zweite Kammer vertagte sich alsdann, um in einigen Monaten wieder zusammenzukommen, wo alsdann das Wehrgesetz zuerst zur Behandlung kommen wird.— In den Veenbezirken gährt es iviedcr, was übrigens seit einigen Jahren stets mit An- sang des Frühjahrs, wenn die Arbeit des Torsgrabens wieder be- ginnt, der Fall zu sein pflegt. Die Klagen sind die alten. Der sogenannte Ladenzwang ist jetzt endlich wenigstens seiner schreiendsten Mißbräuche entkleidet worden. Der Veenarbeiter kann jetzt nicht mehr gezwungen werden, seine Bedürfnisse m den von den Unternehmern gehaltenen Ladengeschästen«m- zukaufen. Äalkattliinder. Nach einer Meldung des Reuterffchen Bureaus au?(Saue« (Kreta) vom 28, v. M. wäre von den Vertretern der Türkei in Griechenland dein Gouverneur Schakir Pascha die Nachricht zu- gegangen, daß eine bewaffnete Expedition einen Einfall in Kreta plane. Die kretensischen Militärbehörden beobachteten deshalb verdoppelte Wachsamkeit. Die drohende Haltung der Flüchtlinge dürfte die weitere iilusführung des Amneftiedekretes und die Auf- Hebung der Kriegsgerichte verzögern. VersÄnrmlungen. Gin» Lffrutlich» Urrsammlung sämmtlicher Drechsler- meister Kerlin» tagte am Dienstag, den 25. März, Abends 8Va Uhr in Sahm's Klubhaus, Annenstraße 16. Die Tagesordnung bezog sich aus die Gründung einer Vereinigung sämmt- licher im Drechslergewerbe selbstftändigen Meister. Gewählt wurden in oaS Bureau die Herren Werdermann, Kaiser und Siek?.— Der Referent, Herr Mattutat, schilderte die gedrückte Lage des Gewerkes, welche es nicht zulasse, daß Meister sowohl wie Arbeiter ihres Lebens froh würden. Seit einer Reihe von Jahren sind, infolge'Mangels seglichen Zusammenhaltens, Die Verhältnisse derartig geworden, baß ein Jeder zu dem Bewußtsein gekommen sein muffe, es kann so nicht iveitergehen. Redner hofft dem Wunsche, der schon von Bielen im Stillen getragen sei, Ausdruck zu geben, daß endlich Etwas unternommen werde, um das Gewerbe, wenn auch nicht augenblicklich zu heben, so doch ein weiteres Sinke» desselben auf- zuhalten. Daß es nothwendig sei, eine Vereinigung zu gründen, ergiebt sich schon daraus, daß die.Innung, trotzdem sie die Hebung des Gewerbes aus ihre Fahne geschrieben, doch noch nichts in dieser Richtung gechan habe. Deshalb rufe er Allen zn, der neuen Ver- einigung beizutreten, um sich sowohl, ivie den Arbeitern, eine bessere Existenz zu schaffen. Der zweite Obermeister der Innung meinte, nian möge die Innung doch nicht für ganz nutzlos halten, er gab zu, daß manches nicht so wäre, wie es sein könnte; aber die Innung hatte doch ihre guten Zwecke namentlich in humani- tärer Hinsicht. Er selbst stände einer neuen Vereinigung nicht feindlich entgegen und es würde ihn freuen, von derselben das erreicht zu sehen, was die Innung bisher noch nicht erreichen konnte. Er sei nicht abgeneigt, gegebenenfalls dem Verein seine Kraft-- .»g zu stellen. Die nächsten Redner schlössen sich dem Referenten an, noch verschiedene besonders krasse Mißstände hervorhebend. Es wurde sodann eine Resolution einstimmig angenommen: Eine Vereinigung sämmtlicher Drechslermeister Berlins zu gründen, welche sich die Aufgabe stellt, das Drechslergewerbe zu heben. Hierauf erfolgten die Einzeichnungen in die ausgelegten Listen, in denen sich die Anwesenden zum größten Theil ein- trugen. Nachdem noch der provisorische Vorstand bestehend aus den elf Herren: Brunkhorst, Bieoermann, Kolberg, Mattutat, Kaiser, Oeferberg, Freese, Werder- mann, Sieke, Otto und Matthe gewählt worden waren, schloß der Vorsitzende mit der Mahnung, nach Kräften für den neuen Verein zu agitiren, die Versammlung. Achtung! Stocharbeiter! In der öffentlichen Versamm- lung der Drechsler und Stockarbeiter Berlins vom 31. März wurde beschlossen, in den Werkstätten, welche die neunstündige Arbeitszeit und den Minimallohn von 21,60 M. nicht bewilligen, die Arbeit sofort einzustellen, ferner wurde eine Kommission ge- wählt, welche jederzeit bereit ist mit den Meistern und Fabri- kanten in Unterhandlung zu treten. Die Kommission hat ihren Sitz im Zentralbureau, Dresdenerstr. 116 bei Gründe!. Theater. Mittwoch, den 2. April? Gp»r»cha«». Das Käthchen von Heil- bronn.., Schnuspielhaua. Natalie. xr/lling.Tiieater. Juliette. Vorher: Trudel's Ball. berliner Theater. Wittwe Scarron. Ein Liebeszeichen. Hexeufang. Kandes's Gardinenpredigt. Deutsches Theater. Faust's Tod. Friedrich-Wilhelmftädt. Theater. Der arme Jonathan. MaUuer-Theater. Madame Boni- vard. Borher: Die Schulreiterin. Viktoria-Theater. Stanley inAfrika Gstend-Theater. Der Fall Cleinen- ceau. Ziestdens-Theater. Marquise. Kellealliauc«- Theater. Der Nau- tilus. Königstädtisches Theater. Von Stufe zu Stufe. Centrat Theater. Ein fideles Haus. Adolf Grnst- Theater. Der Gold- fuchs. Theater der ReichshaUe». Speziali- tätenvorstellung. Gedr. Richter'« Kariöt«. Speziali- täten-Vorstellung. Kanfmann'» U aristo. Spezialitäten- Vorstellung._ American-Theater ■V Drevdenerstraste 55.__ Täglich Vorstellung. Englischer Earten Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27c. Auftreten des Gcsangshumoristen Herrn Jung. Auftreten_ der deutsch- schwedischen Chansonnctte Fräulein Tonny Peters. Auftreten der vorzüglich. Liedersängerin Frl. Margarethe Steinow. Neu 1 1 Austreten des Jnstrumental- und Gesangs-Tcrzetts(3 Damen) Geschwister Sawona. Auftreten der beliebten Duettisten Ge- schwister König. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 30, 50 u. 75 Pf., im Vorverkauf 20 u. 30 Pf. Sonntags Anfang halb 6 Uhr. Sonntags Entree 50, reservirt 75 Pf., Orchester 1 Mark. Vorverkauf Entree 40 Pf. I 81. Unter de» Linden 21. Im Hause der Wilhemsh neben der Passage. Beil- Vorführung Täglich AU. Bey egyptischer «, indischer ""Ä. Bey% 3, 2 n. 1 M. 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Mittwoch, d. 2. April, Abds. 7'/: Uhr: Besonders hervorzuheben: 2. Gast spiel der fliegenden Männer Mr. Nestor und Aerien. Vorführen des hier allgemein beliebt gewordenen, einzig in der Welt dastehenden Spring- pfevdes„Alicado" durch Direktor E. Wulff. Frl. Louise Renz in ihren oßartigen Saltomortales zu Pferde. oland, Trak. Rapphengst, in der hohen Schule geritten von Frau Anna Wulff. Auftreten des unübertrefflichen Jongleurs zu Pferde Mr. Georges "almer. The Randen, die dreifache pringfahrschule, geritten von Gisella. Frl. Rosa in ihren gra Tänzen und Sprüngen zu Pferde, iko- mische Exerzitien am Reck, ausgeführt von den Klowns Adolf und Gebrüder Cavallini jc. ic. Donnerstag: Vorstellung mit neuem Programm. Hochachtungsvoll Ed. Wulff, Direktor. Frl. iöfen (Mlfeinent Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Cr. Instrumental-Coneert, Direktion A. Rödmann. n., Wochentags 10 Flg., Mtree Sonn, und Pesttag» tM Kaisoraaal 85 Fla. 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Soeben erschien: Berliner Arbeiterbibliothek, Herausgegeben von Max Schippel. Die soziale Frage auf dem Fände. Inhalt: v erk 1. Die Lage der ländlichen Lohnarbeiter in Preußen von Paul Kampffmeyer-Genf. 2. Der Ruin des ländlichen Kleinbetriebes durch die land- wirthschaftliche Großproduktion von%*, Preis 20 Pfennige. beziehen durch die Expedition, Zimmerstraße 44. Wiederau f e r ergalten Rabatt. fi? l Lokerles. Die Zokalkommifston veröffentlicht nachstehend die Liste der Wirthe, die ihre Lorale zu Versammlungen unentgeltlich her- geben und bemerkt hierzu, daß dieselbe wöchentlich einmal mit ev. Abänderungen abgedruckt wird, ferner, daß Veröffentlichungen in Bezug auf die Lokalfrage nur von den Herren Wilhelm Werner, Eebastianstr. 72, A u g u st In sin g er, Rüders- dorserstr. 45, OttoHeindorf, Langestr. 70, auszugehen haben. Alle event. Unregelmäßigkeiten find an die genannten Herren zu berichten. Adlerbrauerei, Badstraße. Aktienbrauerei Moabit. C. Bachmann, Tresdenerstr. 45. Bergschloßbrauerei, Rixdors, Beyer, Neue Grünstr. 14. Bockbrauerei, Tempelhoser Berg, Böhmisches Brauhaus. Böhow's Brauerei. Bolzmann, Andreasstr. 26. Bovert, Weinstr. 11. Brauerei Tivoli, Kreuzberg. Brauerei Königstadt. Brauerei Friedrichshain(Lips). Brauerei Fricdrichshöhe(Patzenhoser). Brauerei Pfefferberg. Buggenhagen, Moritzplatz. Bürgersäle, Tresdenerstraße 96. Konzertpark Ostend, Frankfurter Allee. Teigmüller's Salin, Alte Jakobstr. 48a. Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. Eiskeller-Etablissement, Chauffeestraße. Elysium, Landsberger Allee. Faustmann, Jnvalrdenstr. 144. Fenske, Landsbergerstr. 37. Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. j79. Gnadt, Brunnenstr. 38. Gründe!, Tresdenerstr. 116. Gründer's Salon, Schwerinstr. 13. Habel's Brauerei, Bergmannstr. 5—7. ?eise, Lichtenbergerstr. 21. zeydrich's Säle, Beuthstr. 13/21. �ritz Jlges, Wilsnackerstr. 63. Zndustrie-Hallen, Mariannenstr. 31/32. Joel(früher Keller), Andreasstr. 21. Jordan's Salon, Sieue Grünstr. 23. Kaufmann's Variete, Königs-Kolonaden. Keller, Betgstr. 68. Königshof, Bülowstraße. Königstüdt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Klein's Festsälc, Oranienstr. 180. Kliein, Hasenhaide. Königöbank, Gr. Frankfurterstr. 117. Krieger's Salon, Wasserthorpr. 68. Kuhlmey's Gesellschastshaus, Köslinerstr. 17. A. MöweS' Gesellschastshaus, Fichtestr. 29. Neustädtischer Volksgarten, Proskauerstraße. Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 58. Orschel, Eebastianstr. 39. Reichert, Müllerstr. 7. W. Nehlitz, Bergstr. 12. Renz' Salon, Naunynstr. 27. Rennefahrt's Salon, Dennewitzstr. 13. Reyer, Alte Jakobstr. 83. Roll, Adalbcrtstr. 21. Sachow, Müllerstr. 136. Saegcr, Grüner Weg 29. Eahin's Klubhaus, Annenstr. 16. Sanssouci, Kottbuserstr. 4. Schefser's Salon, Jnselstr. 10. Schloßbrauerei Schöneberg. Schneider, Belforterstr. 15. Schröder, Müllerstr. 178(Weddingpark). Schivarzmüller, Colbergerstr. 23. Silber'» Salon, Schwedterstr. 24. Specht(Brauerei-Ausschank), Neue Jakobstr. 16. Süd-Ost, Waldemarstr. 75. Trillhose, Rosenthalcrstr. 11. Uicionsbrauerei Hasenhaide. Vcreinsbrauerei(Rixdors). Biktoriabrauerei, Lützowstraße. Viktoria-Salon, Perlebergerstr. 13. Volksbrauerei(Moabit). Wedding-Kasino, Schnlstr. 29. Weick, Alexanderftr. 31. Wcimanns Volksgarten, Gesundbrunnen. Mollschläger, Blumenstr. 78. Wohlhaupt, Manteufselstr. 9. Zelt Nr. 1. Jemter, Münzstr. 11. Di« zsokalkommissto» von Frirdrichsberg u»td Dm- grgrnd bittet uns um Veröffentlichung des Folgenden: T»e Ardeiter ivird es bei ihren Ausflügen interespren, zu wissen, welche Gastwirthe sich fortgesetzt weigern, ihren Saal zu einer Arbeiterversammlung herzugeben. Es sind dies in Friedrichsberg: 1. Herr Weftphal(Zum schivarzen Adler), der wohl eine freisinnige Versammlung anuahin, für die Arbeiter ledoch nicht zu sprechen war. 2. Herr Spitzig, Kronprinzenstraßen-Ecke. 3.„ Müller(Kronprinzen-Garten). 4.„ Snsott(Z. Friedrich den Gr.). 5.„ Paul(Reichsgarten), Runimelsburgerstraße. In Lichtenberg: 1. Herr Schwarz(Konzertgarten). 2.„ Bettin(Ballsalon). 8.„ Laue(Zum Fürsten Wolsgang). In Rummelsburg: 1. Herr Weigel, Thürschmidtstraße, der seiner Zeit eben- jalls eine freisinnige Wählerversaumilung gestattete. 2. Herr Kammler, Hanptstr. 11. 3.„ Peters(EasS Bellevue). In WilhelmSberg: I. Herr Trinkhaus. 2.„ Jänicke(Zum Paradies). 3.„ Kynast in Hohen-Schönhausen. 4.„ Kuß. In Friedrichsselde: 1. Herr Meöke, Berlinerstr. 18. 2.„ Barthold, Berlinerstr. 49. 3.„ Maikowsky, Wilhelmstr. 10. 4.„ Salzmann, Wilhelmslraße. 5.„ Friedrich, Schloßstraße. Dagegen steht den Arbeitern für ihre Versammlungen die Reischach'sche Brauerei in Stralau, sowie das Lokal des Nestau- rateurs Poddey in Rummelsburg, Lichtenberger Kietz, stets offen. Die polizeiliche« Uorschrifte» iiber die änßere Aeilig- haltung der Sonn»«nd Festtage, insoweit sie die Inhaber von Verkaufsstellen betreffen, sind vor Kurzem pon dem könig- lichen Polizeipräsidium in Erinnerung gebracht worden. Wir theilen dieselben hierdurch nochmals mit: I. Bis 10 Uhr Vormittags unterliegt der Getverbeverkehr aller dieser Gewerbetreibenden keinen Beschränkungen. II. Von 10 Uhr Vormittags bis 12 Uhr Mittags(Hauptkirchenstunden) sind die Thören aller Verkaufsstellen geschlossen (das heißt zugeschlossen. D. R.) und die Schaufenster, sowie die an den Ladenlhüren ausgestellten bezw. ausgehängten Maaren verhängt zu halten. III, Nach 12 Uhr Mittags: a. Bäcker und Schlächter unterliegen keiner Beschränkung, b. Händler mit anderen Lebensmitteln und mit Tabak müssen die Thüren der Verkaufs- stellen eingeklinkt halten. Tie Thüren und Schaufenster, an denen ausschließlich oder überiviegend andere Gegenstände als Lebensmittel und Tabak ausgestellt sind, sind verhängt zu halten, c. Alle übrigen Inhaber von Verkaufs- stellen müssen die Ladenthüren eingeklinkt halten. Laden- thüren und Schaufenster sind so zu verhängen, daß der Einblick in den Laden verhindert wird. An den Ladenthüren und Schau- fenstern dürfen keine Maaren ausgestellt sein. Tie Polizeireviere sind angewiesen worden, diese Vorschriften zu überwachen und Uebertretungen durch Nichtverschließen der Thüren der Verkaufsstellen während der Hauptkirchenstunden zur Anzeige zu bringen. Für ehva fünftausend Fabrikarbeiter i« Kpandau beginnt mit dieser Woche eine Zeit der unfreiwilligen Muße. Es findet nämlich jetzt in der Artilleriewerkstatt, der Geschützgießerei und dem Feueriverks- Laboratorium die fast in jedem Jahre wiederkehrende Inventur statt, bei welcher die gesamniten Be- stände der Institute bis aufs Einzelne ausgenommen werden. Tie Tauer der Inventur ist für die Artilleriewerkstatt auf drei bis vier Wochen angenommen, in den anderen Fabriken etwa aus vierzehn Tage. Während der Zeit ruht der Betrieb gänzlich, und die'Arbeiter haben natürlich keinen Verdienst. Die Derfone», wagen in den Zügen der Ktadt- und Ringbahn vcrstatteten bekanntlich im Vergleich zu den Per- sonenwagen in anderen Zügen ein viel bequemeres Ein- und Aus- steigen und zwar aus dem Grunde, weil der Fußboden derselben nicht so hoch wie bei den letzteren angebracht ist. Tie untere Fläche des Wagenkastens befindet sich nämlich nicht frei über Nadhöhe, sondern ist unter diese herabgesenkt, indem die Räder in Einschnitte, die im Fußboden angebracht sind und deren lleberwölbung in den KupeeS unter den Sitzen hervortritt, eingreisen. Ter HöHemmterschied ist so beträchtlich, daß das an anderen Wagen vorhandene zweite Trittbrett hat in Fortsall kommen können. Auch erfreuen sich die Fahrgäste bei dieser Bauart der Wagen einer größeren Sicherheit, weil das in der ganzen Länge der Wage» angebrachte Trittbrett die Räder fast verdeckt, so daß Niemand zu befürchten braucht, infolge eines Fehltritts unter die Wagen zu gerathen und überfahren zu werden. Obwohl gerade auf der Stadtbahn Fahrgäste, ehe sie davon zurückgehalten iverden können, häufig noch auf einen bereits in Bewegung ge- setzten Zug ausspringen, ist dadurch, soviel uns bekannt, bisher noch Niemand zu Schaden gekommen, während solche Vorkomm- nisse bei anderen Zügen leider oft zur Folge haben, daß Jemand unter die Räder geräth. Nach unseren Beobachtungen zeichnen sich die Stadtbahnwagen ferner durch ihren ruhigen Gang ans, so daß selbst im letzten Wagen eines Stadtbahnzuges eigentliche Schwankungen nicht wahrzunehmen sind. TieS wird auch darauf zurückgeführt werden können, daß der Wagenkasten nicht so hoch angebracht ist und sich daher in einer größeren Ruhelage befindet. In Anbetracht der bezeichneten Vorzuge der Stadtvahnwagen wirft sich von selbst die Frage auf, od nicht allgemein Wagen dieser Konstruktion eingeführt werden können. Ties würde einumsogrößerer Fortschritt sein, als es nicht unwahrscheinlich ist, daß auch im Falle einer Entgleisung, eines Radreifenbruches jc. die Gefahr bei nicht so hoch über den Rädern schwebenden Fahrzeugen sich vermindert und letztere im kritischen Moment von den Reisenden leichter verlassen iverden können. Im übrigen kann es unseres ErachtenS keine schwierige Ausgabe für den Techniker sein, die Wagen fraglicher Art mit denzenigen besonderen Einrichtungen zu versehen, welche für die Betriebsmittel der schnellsahrenden Züge vorgeschrieben beziehungsweise mit Rücksicht auf die Be- lrieossicherheit unerläßlich sind.'Auf die Fahrgeschwindigkeit dieser Züge dürste die veränderte Gestalt des'Radgestells schwer- lich von nachlheiligem Einfluß sein, da der Durchmesser der Räder, welcher in dieser Einsicht ivohl nur allein maßgebend ist, keine Einschränkung erfährt. Uutrrfnchuttgeir über der Zärfähiglieit der Schul- Kinder sind in jüngster Zeit an mehreren Berliner Privat- 'Anstalten von einem Arzte angestellt worden. Dabei stellte es sich heraus, daß etwa bei deni vierten Theile der untersuchten Kinder Krankheitsfälle des Ohres festzustellen waren. Auf die Entsernung von 20 bis 25 Meter hörten sehr viele Kinder nicht, die meiste,,, ohne daß sie dadurch irgendwie belästigt waren. Erst bei 12 bis 15 Meter Hörweite und von da abwärts wurde auf Befragen häufig zugegeben, daß das Gehör nicht immer genüge. Bezeichnend war das Erstaunen Vieler, auch sehr schlecht Hören- der, daß sie nicht ganz gut hören sollten. Verstanden die Kinder Jeu, and nicht, so ,var der Betreffende selbst schul- dig, er sprach eben undeutlich. In den von Kindern wohlhabender Eltern besuchten Schulen wird im Allge- meinen besser gehört, als in den von Kindern ärmerer Familien besuchten. Da die Gehörstörungen im schulpflichtigen Alter mit den Jahren steigen, so ist daraus zu folgern, daß viele Menschen durch Ohrenleiden in ihrer Gesundheit und ihrer Er- werbsfähigkeit geschädigt werden, daß die Zahl derjenigen, die wegen Ohrenleiden zum Militärdienst unbrauchbar sind, groß ist, und daß Kinder mit ungenügendem Gehör dem Lehrer viel schwerer folgen. Sie müffen sich beiin Unterricht unbedingt mehr anstrengen und werden deshalb leichter ermüden und in ihrer Aufmerksamkeit nachlassen. Gehörleidcn bleiben, besonders wenn sie noch nicht zu auffallend sind, leicht unbeachtet, und die be- treffenden Kinder werden oft verkannt, für unaufmerksam ge- halten und darnach behandelt, während sie nur schlecht hören. Abgesehen davon, daß frühzeitige Behandlung von Ohren- leiden geivöhnlich gute Resultate giebt, sind bei sehr vielen die Ursache von den Gehörstörungen verhältnißmäßig nur Kleinig- keilen. Bei vielen Kindern wird leider, auch wenn die Eltern das Leiden kennen, häufig wohl aus Scheu vor den Kosten, nie etwas geschehen. Für die Dauer de« Umzuges hat sich auch diesmal wieder, wie schon an früheren Umzugsterminen auf dem Oranien- platz ein Standort für Möbelfuhrleute ctablirt. Besitzer von Möbelfuhrwerken, die noch in der Lage waren. Fuhren über- nehmen zu können, hatten bereits am Montag hier Aufstellung genommen und nahmen nicht blos Austräge für die nächsten Tage entgegen, sondern waren auch im Moment bereit, ihre aufge- stellten Fuhrwerke in Dienst zu stellen. Die Einrichbuiza wird vonr Publikum beifällig anerkannt. Am Montag gegen vKijmd war der Platz leer, da alle Fuhriverke in Anspruch genorrarat waren, doch nahmen noch einige Anwesende Bestellungen für diey nächsten Tage entgegen.„.,, Urrbot-n c Feuerbestattung. Der Verein für Leichenbe- stattung theilt uns folgendes mit: Das siebenjährige Kind eines hiesigen bekannten Großindustriellen starb am 15. März in Berlin an den Folgen der Diphtherie. Der Vater wünschte, daß sein Kind nach Gotha überführt, um dort verbrannt zu werden; er konnte jedoch diesen Wunsch nicht zur Ausführung bringen, da von feiten der Polizei die Erlaubniß zur Ueberführung per Eisen- bahn veriveigert wurde, und auch der zuständige Physikatsarzt die polizeilichen Bedenken durch ein Attest nicht zu beseitigen ver- mochte. Die kleine Leiche ist infolge des Verbots aus dem jüdi- scheu Friedhofe beerdigt worden. In einem alten Polizeigesetz, welches bis heute noch in Kraft ist, heißt es wörtlich:„■jft der Tod im Verlauf einer der nachstehend benannten Krank- Helten: Pocken, Scharlach, Flecktyphus, Diphterie, Cholera, Gelbfieber oder Pest erfolgt, so wird die Beförderung der Leiche mittelst der Eisenbahn nur dann zugelassen, wenn mindestens ein Jahr nach dem Tode verflossen ist." Nach diesem Gesetz kann eine durch ansteckende Krankheit gestorbene Person wieder ausgegraben und nach Gotha zur Feuerbestattung überführt werden, nachdem das Leichengift unter den Lebenden durch Gase oder Grundwasser todtbringend weitere Opfer ge- fordert hat; dürste nicht bei der Oeffnung eines solchen Grabes nach einem Jahr die Gefahr eine doppelte sein? Wer kann be- weisen, daß nach dieser Zeit ansteckende Leichengifte nicht mehr vorhanden sind? Wäre es nicht besser, wenn bei einem derartigen Todesfall die Leiche in einem sofort verlötheten, hermetisch abge- schloffenen Metallsarg für jede äußere Ansteckung unmöglich gemacht würde, ivodurch eine Gefahr bcin» Transport auf der Bahn nach Gotha, da namentlich ein besonderer Waggon vorge- schrieben ist, unmöglich erscheint? Die brasilianische Regierung hat schon vor mehreren Jahren die zwangsweise Verbrennung derjenigen Leichen, welche am gelben Fieber, Cholera und so weiter sterben, eingeführt. Es wäre aus sanitären Gründen er- wünscht, wenn auch über diese Angelegenheit im Internationalen medizinischen Kongreß verhandelt würde. Außerdem wird der Vorstand des Vereins für Feuerbestattung nicht unterlassen, bei dem königlichen Polizeipräsidium um Abschaffung resp. Umände- rung dieses Gesetzes zu petitioniren._. Schornsteinbriiude. Das Berliner Polizeipräsidium sowie auch die Polizeibehörden anderer Orte haben, abgesehen von den Vorschriften bautechnischer Art, welche sich auf Fenerungsanlagen beziehen, und solchen, die sich auf die Kontrole dieser Anlagen er- strecken, in neuerer Zeit noch Vorschristen erlaffen, dahin gehend, daß Feuerwehr und Schornsteinfeger, jede für sich, verpflichtet sind, von den bei Ausübung des Berufes ihnen zu Augen kom- mendeii unvorschristsmäßigen Feuerungs- Anlagen Anzeige zu inachen. Dies wird in Berlin gewissenhaft befolgt, in der Pro- vinz soll es manchmal nicht der Fall sein. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß die Schornsteinfeger, denen natur- gemäß vorschriftswidrige Feuerungs-Anlagen zuerst auffallen müssen. in Berlin einen sehr gewissenhaften Angeber etwa geübter Vernachlässigung der Anzeigepflicht— sofern Feuer bei einer unvorschristsmäßigen Anlage auskommt— in der Feuerwehr haben. Die Schornsteinfeger iverden, wenn überführt, strafrechtlich verfolgt. Aber auch die Egenthümer von Baulich- reiten, in denen Gedachtes entdeckt bezw. passirt ist, erhalten ihre Strafe— in geeignetem Falle sogar die Miether. Somit kann Jeder regreßpflichtig sein. Um nun einigermaßen Aufklärung darüber zu verbreite», worauf man zu achten hat, wenn man den in Rede stehenden Fährlichkeitcn ausweichen ivill, geben wir fol- gcnde Mittheilungen von fachkundiger Seite wieder: Wenn schon bei uns der eiserne Ofen alter Konstruktion selten vor- kommt, verursacht derselbe doch öfters Schadenfeuer dadurch,� daß seine Aufftellung zu dicht bei leicht brennbaren Wänden, Möbeln u. s. w. erfolgt, oder daß seine Rohrleitung nicht in gehöriger Entfernung von leicht entzündlicher Nachbarschaft gehalten ist. Ferner entsteht, was die Herde(Maschinen) anlangt, meist bei solchen Feuer, die nicht in der Ecke angebracht sind, sondern vielleicht in der Mitte einer Wand stehen, Dieselben gehen infolge des Schwankens von Dielen, aus denen ihr Standpunkt ist, von der Wand ab, es entsteht eine Fuge, glühender Ruß und Funken fallen zwischen Heerd und Wand, finden einen Weg nach der Balkenlage, schweben dort weiter und, ehe man sich's versieht, hat inan ein Schadenfeuer, weil, ja weil unterlassen ist, eiserne Unter- lageplatten von den Hcerdzügen hinein in die Schornsteimvangen zu führen, sodann, weil gewöhnlich die Fugen zwischen Heerd- Rückivand und Mauer nicht richtig verschmiert sind.— Bei neuen Hecrdanlagen sorgt die neue Bauordnung schon mehr für Verhütung von alledem. Die Schornstein- Beschaffenheit endlich trägt nicht zuin wenigsten an den gerügten Vor- kommnissen Schuld. Man unterscheidet besteigbare(weite) Schornsteine und nichtbesteigbare„russische Röhren"(enge Schornsteine). Erstcre müssen mindestens 43 bis 45 Centt- meter Weite haben, letztere einen verschieden großen Querschnitt je nach ihrer Benutzung— inindestens aber 250 Quadratzentiineter; bei diesem Querschnitt darf eine russische Röhre sogar nur Rauch- röhren von 3 Zimmeröfen aufnehmen; jede weiter hinzuge- langende Rauchröhre bedingt 80 qcm Vergrößerung des Querschnitts. Die russischen Röhrenanlagen haben nicht bei der ersten Feuerungsanlage, sondern schon im Keller zu beginnen und dürfen mit anderen Rauchröhren nicht vereinigt werden. Unten muß der Reinigung ivegen eine durch eiserne Thür oder Schieber ver- schließbare Oeffnung sein. Jeder Schornstein soll feuerfest gebaut, von Grund auf fundamentirt und senkrecht gehalten sei», letzteres unbedingt immer, wenn ein Schornstein nicht ringsum massives Mauerwerk hat., Balkenlagen und Holzwerk darf weder in den Schornstein eininundcn, noch deniselben bis auf 10 cm nahekommen. Die Reinigung der besteigbare» Schornsteine hat mittelst Reisbese» und„Kratze" zu erfolgen, die der russischen Röhren mittelst maschineller Hilfe, Pumpbesen jc.(der Pumpbesen ist ein in ein Seil eingelassener und durch Zne eiserne Kugel beschiverter Sieisbesen). Zusanrmeugesekte Hilduisse. Im wissenschaftlichen Theater der„Urania" führte am Sonnabend Abend Herr Professor Dr. Bouditsch vom Haivard-Collcge in Boston, dem„Berk. Tgbl." zufolge, seine berühmten zusammengesetzten Portrait- Photo- graphien mit Hilfe des auf der Bühne aufgestellten großen elekrischen Prosektionsapparates vor. Der Gelehrte hat bekannt- lich Personen ein und derselben Berufsklaffe oder einer bestunm- ten gesellschaftlichen Gruppe derartig photographisch aufge- nommeii, daß der Reihe nach alle Einzelbilder übereinander ge- legt wurden. Aus der oft außerordentlichen Vielheit ist nun ein Einzelnportrait gewonnen. Man sollte meinen, dasselbe müßte ein ungeheuerliches Aussehen haben, wenigstens jedes individuellen Ausdrucks entbehren, indessen der Beschauer wird aus das höchste überrascht sein, zu sehen, daß die so hergestellten photo- graphischen Bildnisse, von denen verschiedene aus inehreren hundert Einzelnportraits zusainmengesetzt sein sollten, eine voll- kommen ausgeprägte Individualität spiegeln. Diese Portrait« Kompositionen warben nicht etwa um etucS launenhaften Spiels vorgenommen; sie hatten vielmehr den Zweck, ans der Vielheit von Bildnissen solcher Personen, die nach einen, de- stimmten Gesichtspunkte zu einer Gruppe vereinigt wurden, den Typus festzustellen, welcher diesen desonderen Personenkreis charakterisirt. Auch lassen sich an die überraschenden Ergebnisse dieser Methode die interessantesten Untersuchungen über Physiognomik lnüpftn. Nach den, Verfahren des Herrn Bortragenden geschieht das Uebereinanderlcgen der vielen photographischen Eindrücke in der Art, dap die Gesichtsformen, besonders die der Augen, der Mund- winkel und der Nase in eine Linie gebracht werden, die ab- weichenden Größenverhültnisse aber durch die Ttellung des Apparat? zu einer Einheitlichkeit regulirt werden. In dieser Art ist von den Eigenthümlichkeiten der zu einer Gruppe vereinigten Menge das Gemeinsame in einem Einzelbilonih veranschaulicht worden. Solche Portraits zeigten wohl einen sehr ans- geprägten Klassentypus, waren aber durchaus nicht ohne individnelten Ausdruck. Dieser Eindruck wurde im Groben und Ganzen auch durch hin und wieder vorkommende Mistbildnugen oder unrichtige Größenverhältnisse in den Formen nicht wesentlich beeinträchtigt. Die verschiedenen Formen hatten sich in solchem Falle nicht vollkommen gedeckt, und man sah dann beispielsweise zu große Ohren öder verschiedene Zeichnungen der Nasenflügel. Das gehörte indessen z» den Seltenheiten. Fast alle vorgeführten Bilder waren der amerikanischen Be- völkeru,!g entnommen und veranschaulichten so im Allgemeinen deren Nassentypus. Unter den ersten Vorführungen erhielten die Beschauer aus der Wandstäche innerhalb des Bühnenrahmens ein Gruppenbild amerikanischer Diplomaten und sodann das durch die Zusammensetzung der Einzelnporträts gewonnene Typus- Aildniß. In gleicher_ Weise waren Gruppen von Pferdebahn- Kondukteuren, von Kutschern, Aerzten, männlichen und weiblichen Studenten, 5irankenwäriern aus beiden Geschlechtern verwendet worden. Sehr interessant waren auch die Typusbilder von an der Tuberkulose oder an Melancholie leidenden Personen. Eines der Bilder war ans nicht weniger als vierhundert Porträts zu- sammei, gesetzt worden. ,..A«v. Anlas? der Grplosio!» auf der Kaiser Wilhelm- Krück» finden gegenwärtig in den Straßen der Stadt, wo elek- irische Leitungskanäle gelegt sind, eingehende Inspektionen dieser Kanäle daraus hin statt, ob in demselben Gasausammlungen statt- gesunden haben. Tie elektrischen Leitungskanäle sind viereckige Röhren, ausjZementmasse hergestellt, welche in Zwischenräumen von«tlva hundert Schritten ein an der Oberfläche des Straßen- dummes ausmündendes Lustloch enthalten, das an seiner Ober- fläche mit einem durchlöcherten Deckel verschlossen ist, so daß durch denselben allerdings angesammeltes Leuchtgas aus den Leitungs- kanälen entweichen könnte. Nun wird aber vielfach beob- achtet, daß frei angesammeltes Leuchtgas keineswegs immer in die Höhe steigt, sondern sich sogar oft in einem größeren ab- geschlostenen Raum nach unten drangt. Gegen die Gasansamm- langen in den Kanülen gewähren also diese Lustlöcher keine aus- reichende Sicherheit. Bei den Inspektionen wird nun in der Weise verfahren, daß man das Vorhandensein von Leuchtgas in den LcitungSkanälen mit der— Nase prüft. In das geöffnete Lustloch wird ein Blechrohr bis auf den Boden des Leitungs- kanalS eingeführt. Das Rohr ist an seine», unteren Ende sieb- artig eingerichtet, läßt also die Lust aus den Kanälen durch und der dem inspizirenden Techniker wohlbekannte Gasgeruch würde am oberen Ende des Rohres, das mit einer trickterartigen Erweiterung versehen ist, sofort wahrgenommen werden, wenn— das Gas so gefällig ist, im Momente der In- spektion in die Höhe zu steigen. Dies ist nun nicht immer der Fall, es dürste anch schwer sein, sich unter der wiederholten Ein- aihmung der in den Kanälen angesammelten dumpfigen Luft noch die Empfindung für das Vorhandensein geringerer Gasniengen zu erhalten. In jedem Falle erscheint es angesichts de» statt- gehableu Nngluckssalls sehr nöthig, ans eine zuverlässigere Me- lhode der Untersuchung in den Lcitungckauälen Bedacht zu nehmen. To�tfchlns»ines Wirihes durch die Rückkompagnie. Ein Micther im Hause Görlitzerstr. SL hatte in der Frühe des 2!). v.M. die Rückkompagnie in einer Stärke von 11 Mann antrete» lassen und die Leute waren bereits in der besten Arbeit, als der Haus- eigen, härner Herr Hellwig in Begleitung seines Sohnes in der Wohnung des in der Flucht begriffene» Miethers erschien, um das weitere Fortschaffen der Möbel zu verhindern. Unter den Leuten befand sich auch der Möbelhändler Jahn, Naunynstr. 71 wohnhaft, an welchen der junge Herr H. sich mit der Frage wandte. was cr dein, eigentlich hier zu suchen habe. Tie Aatwort des I., daß er nur gekommen wäre, um die ihm zum Kauf angebotenen Möbel in Augeuschein zu nehmen, daß er aber aus de» Ankauf verzichte, nachdem er die Sachen gesehen, erschien Herrn H. keine genügende Erklärung. Es entspann sich zwischen Beiden ein hef- iiges Wortgefecht, welches damit endete, daß H. einen Schrubber ergriff und gegen den Kopf des I. einen so heftigen Schlag sührte, daß der Getroffene aus einer großen Kopswnnde blutete. Jetzt nahmen die Le te, die sich übrigens trotz der Intervention des Wirthes in dem Rückgeschäsl nicht hatten stören lassen, Partei gegen den jungen H. und drangen auf ihn ein. Seine», Sohne will der Bater zu Hilst kommen, da erhebt einer der Männer einen Stuhl und läßt ihn mit solcher Wuast auf das Haupt des schon bejahrten Mannes niedersausen, daß er lautlos zusammenbricht.'Am Dienstag früh verstarb Herr Hellwig, ohne noch ein- mal das Bewußtsein wieder erlangr zu habe». Die Leiche ist Vormittags um 10 Uhr nach dem Ovduktionshause gebracht worden, da die Polizei der Staatsamvaltschast bereits Anzeige erstattet hat. Ter eigentliche Thäter, der den Stahl zum verhäng- uißvolicn Schlage erhoben, soll ein augenblicklich außer Stellung befindlicher Schlächtergeselle sein. Nlksfrrhrldr» machen die Umgegend von Moabit unsicher. An, Sonntag Abend kurz nach Eintritt der Dunkelheit lehrten mehrere Radfahrer auf der Chaussee längs des Spandauer Schiff sahrtskanals ans der Richtung von Saatwinkel her nach Berlin zurück. Ganz in die Stühe von Plötzensee gekommen, sahen sie, wie das„Kl. Journ." berichtet, eine Anzahl von Leuten vor gehen. Ter an der Spitze befindliche Radfahrer gab mit Klingel das Zeichen, daß er nahe; Keiner der Fremden machte indeß Platz, und al? der Radfahrer den Versuch wagte, seinen Weg durch die harthörigen Leute zu veriolgen, wurde er von diesen überfallen, und ehe ihm Hülfe von seinen Kameraden werden konnte, durch Messerstiche bedenklich verletzt. Ter Ver- wnndete war zusammengebrochen, und während seine Kameraden sich mit ihn» beschüstigten, zogen die Unholde unbehelligt weiter. Ein etwas später vorüberkommender Wagen nahm den Verletzten ans, um ihn nach seiner Wohnung zu bringen. Inzwischen hatte der in Plötzensce stationirte. berittene Gendarm Kunde von dem Ueberfall erhalten, und derselbe machte sich sofort auf die Ver- folgung der Uebelthäter. Hoffentlich ist es gelungen, die Messer helben festzunehmen. Patizrilirricht. Am 30. v. M. Abends wurde ein Mann mit einer Stichwunde im Unterleibe nach der Sanitätswache Pankstr. 3 a gebracht und von dort nach dem Augnsta-Hospital überführt. Nach Angabe seines Begleiters war er in Plötzensce mit«inen, unbekannten Mann in Streit gerathcn und von dem- selben durch einen Messerstich verletzt worden.— Am 31. v. M Mittags gericth ein sechsjähriger Knabe vor dem Hanse Möckern- slraße 67 beim Spielen unter einen Gcschästswagen, wurde über- fahren und am Halse und an der rechten Hand verletzt.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Straß- burgerstraße erhängt vorgefunden.— Nachmittags brachte sich ein junger Mann im Garten des Hauses Müllerstraße 78 beim Schießen nach Sperlingen aus Unvorsichtigkeit mit einem Teschin einen Schuß in den Unterleib bei, so daß er nach dem Paul- Gerhard-Stist gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde im Humboldthasen die Leiche eines Mannes aufgefunden.— Abends gerieth in der Wohnung de» Kürschners Werner, Keibel- siraße 7, 8 eine Gardine in Brand. Der allein in der Wohnung anwesende zehnjährige Sohn zerschlug bei dein von ihm ange- stellten Löschversuche eine Fensterscheibe und verletzte sich hierbei die Pulsader, so daß er nach Anlegung eines Nothverbandcs nach dem 5krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte. — Außerdem fanden an drei verschiedenen Stellen kleinere Brände statt. sich der OevirhkS�eitnttg. Eine beacksteuswerthe Gnikcheidnug fällte gestern die Berusungs-Straskammer des Landgerichts I. Der Bierverleger S., ein schon wegen Gewaltthätigkeiten mehrfach vorbestrafter Mensch, war vom Schöffengerichte wegen Widerstandes gegen die Staats- gewalt zu einem Monat Gefängniß vcrurtheilt worden und zwar auf Grund folgenden Thatbeftandes: Der Angeklagte sucht u. A. auch bei den Arbeitern auf den Aus- ladeplätzen Absah für seine Waare. Dies wird polizeilicher- seit» als das Einnehmen einer festen Handelsstelle angesehen und ist demgemäß verboten worden. Da dem Verbore nichr Ge- hör geschcnkr wurde, erhielten die Schutzleute den Befehl, jeden Händler, der in einem derartigen Falle betroffen wurde, sofort nach der Wache zu führen. Diese Maßregel sollte gegen den'An- geklagten zur Anwendung gebracht werden, als er eines Tages sich der erwähnten Ueberttetung schuldig gemacht. Er bat den Schutzmann, ihn» zu gestatten,'daß er das mitgeführte Bier erst in seinen, in der Nähe belegenen Keller absetze und dies wurde ihm gewährt. In seiner Wohnung angekommen, weigerte sich der'Angeklagte, den, Beamten zur Wache zu folgen und der Letztere mußte schließlich Gewalt anwenden um, getreu seiner Instruktion, die Verhaftung des Angeklagten durchzusetzen. Hierbei leistete S. erheblichen" Widerstand. Im Termine vor der Berufungsstraskammcr führte der Vertheidiger, Rechtsanwalt Loop. Meyer, aus, daß die Verhaftung des Auge- klagten trotz deö dem Beamten dazu ertheilten Befehls nicht eine berechtigte gewesen, denn es handelte sich nur um eine Ueber- tretung, und da der Beamte Namen und Wohnung des Kontra- venienten kannte, so sei dies genügend gewesen. Der Gerichtshof trat diesen Ausführungen bei, hob das erste Urtheil ans und er- kannte auf Freisprechung. Wrve»» eiurv„euen Spezinlitiit auf dem Gebiete des Betruges war die Schneiderin Louise F r a n e tz k i vom Schöffen- gericht z» sechs Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Die An- geklagte hatte sich ein halbe» Dutzend Trauringe von einer gold- ähnlichen Metallmasse besorgt, welche sie inwendig von einem Graveur mit den verschiedensten Buchstaben und Daten versehen ließ. Dann ging sie mit einem dieser werthlosen Ringe zu einem Geschäfts,»anne, nachdem sie bei ihn, mehrfach kleine Einkäufe gemacht, stellte sich unter falschem Namen vor und versuchte ihn, ihr mit einem Tarlehn von 0 M. aus einer angenblieflichen Klemme zu Helsen. Sie zog dabei den Trauring vom Finger und erbot sich, denselben, der den doppelten Werth des gewünschten Darlehns habe, als Pfand zu hinterlegen. In drei Fällen glückte der Schwindel, als sie 4. Ring versetzen wollte, war daS Publikum schon durch die den Zeitungen aus das betrügerische Mannöver aufmerksam gemacht und gewarnt worden und die Betrügerin wurde festgenommen. Sie legte gegen das hohe Strafmaß'der ersten Instanz Beru- 'nng ein und erzielte im gestrigen Termine vor der Straf. tammer auch, daß die Straf« mir Rücksicht auf ihre damalige Nothlage auf 3 Monate Gefängniß herabgesetzt wurde. Anlzevordentliche« Kafnuemenk auf der einen und nicht minder große Leichtgläubigkeit auf der anderen Seite traten ,n einer Verhandlung zu Tage, welche gestern vor der vierten Straf kaiilmer des Landgerichts i stattfand. Auf der Anklagebank be- 'and sich die SOjShrige geschiedene Luise Micbelsen, welcher vier Betrugsfälle zur Last gelegt wurden. Die'Angeklagte wurde im Herbste 1888 aus dem Gefängniste entlassen und hat es ver- standen, dann fast anderthalb Jahre lang ein behagliches Leben aus Kosten ihrer Mitmenschen zu führen. Sie führte sich zunächst als Mietherin bei einer Wittwe ein, der sie vorspiegelte,' daß sie demnächst ein großes in Schlesien belegenes Erbe, bestehend aus ungeheueren Ländereien und riesigen Baar- , Nittel», antreten werde. Dann würde sie sich denjenigen gegenüber, welche ihr auS einer angenblicklichen Verlegenheit Helsen würden, in großartiger Weise dankbar bezeigen. Die Wirthin glaubte ihr, schenkte ihr nicht nur Kredit, sondern borgte der nie u«i eine'Ausrede verlegenen Gaunerin nach und nach 1200 M. In ähnlicher Weise hat die Angeklagte noch drei andere Personen betröge-,. Nur dem Umstände, daß die Leichtgläubigkeit der Betrogenen ihr so sehr zn Statten gekom.men. hatte die An- geklagte es zu verdanken, daß sie nicht in's Zuchthans geschickt wurde, sondern mit zwei Jahren Gefängniß und zwei jährigem Ehrverlust davonkam. Der bekannte Prozeß»wischen einer Anzahl Potsdamer Droschkenkutscher und dem früheren dortigen Polizeipräsidenten, jetzigen sürstlich Waldeck'schen Kabinetsminister Wolffgram fand gestern vor dem Kammcrgencht ,n vierter Instanz seinen Ab- schluß. Am 8. August 1884 hatte W. als Polizeipräsident mit dem Magistrat der Stadt Potsdam ein neues Droschke, ireglenient nebst Tarif vereinbart, welches am 1. Oktober 1884 in Kraft treten sollte. An diesem Tage erließ W. an die Potsdamer Droschkenkutscher die Aufforderung, nunmehr nach dem neuen Tarif z» fahren, widrigenfalls sie Wegweisnng von den Halte- platzen, Strafe ui.d im Wiederholungsfälle Entziehung des Fahr- sehe ins zu gewärtigen hätten. Ein großer Theil der Kutscher, welcher die betr. Verordnung wegen nicht gehöriger Publikation für nicht rechtsverbindlich erachtete, stellte zur Vermeidung der angedrohten Zwangsmaßrcgeln den Fährbetrieb vom ö. bis 13. Oktober, wo eine Verständigung mtt den betr. Behörden er- zielt wurde, ein, einem anderen Theile, welcher von derselben ülechtsansicht am ging und unter Nichtachtung der neuen Vor- schnsten den Fahrbetried fortsehte, wurde der Fahrschein entzogen, und beide Theile klagten nun gegen W. ans Entschädi- gung wegen der ihnen durch das uurechlinäßige Eingreift,, der Polizei im Gewerbebetrieb ver rsachten Nachtheile. In drei In- stanzen, bis zum Reichsgericht hinauf, wurde nun im Wesentlichen dahin erkannt, daß die betreffende Verordnung nicht vörschrisls- mäßig publizirt und am 4. Dktober 1884 nicpt rechtsverbindlich gewesen war. Es war— so wurde ausgeführt— den Klägern nicht zuznmuthen, nach dem neuen Tarif zu fahre», so lange ver- selbe keine rechtliche Geltung erlangt hatte, und dap ihnen nicht mni Nachtheil gereichen könne, wenn sie sich unter einander zur Nichtannahme deS neuen Tarifs, sowie zur Einstellung deS Fahrbetriebes verpflichteten. Denn erst dura, das rechtswidrige und schuldhafte Eingreifen des W. sei die Einstellung des Gewerbe- betriebes veranlaßt worden. Nachdem das.Kammergericht wegen der versäumten Fristen in den einzelnen Fällen Beweisaufnahme vorgenommen hatte, wurde die Summe der Entschädigungen 8 Mark pro Tag— auf über 1200 Mark bemessen. Dazu treten noch die großen Kosten des Verfahrens, welche W. zu tragen hat. Ende Januar d. Z. machten recht viele Leute, welche Wohnungen in Hinterhäusern der Königgrätzer- und Großbeeren- ftraße inne hatten, die Entdeckung, daß ihnen das Frühstück so- wohl wie die Milch, die ihnen von ihren Lieferanten vor die Thür gestellt wurde, gestohlen worden war.'Als der Unfug sich immer wiederholte, stellte man Wachen ans und endlich gelang es auch, des Diebes habhaft zu werden. Es war das I3jähriqe Schulmädchen Emma Görs che, anständiger Leute Kind, welche die Milch austrank und die Backwaare mit sich nahm. Sie wurde des Morgens zum Bäcker ge schickt und machte bei dieser Gelegenheit Abstecher ,n fremde Hänser, um die Diebstähle auszuführen. Gestern stand sie dieserhalb vor der 88. Abtheilung des Schöffengerichts. Ihre Ve- j hanptung, daß sie sämmtliche Backwaare auf der Stelle verzehrt j habe, klang wenig wahrscheinlich, außerdem wurde ihr nachge-| wiesen, daß sie in einigen Fällen auch die Brotbeutel und Milch- s gefäße mitgenommen hatte mid konnte schon deshalb von den, leichteren Vergehen des Mundraubes nicht die Rede sein. Der i Gerichtshof war auch der'Ansicht, daß der jugendlichen Diebin ein empfindlicher Denkzettel ertheilt werden müsse und erkannte, deshalb auf eine W o che Gefängniß. Wegen eines iinßerk frechen Diebstahls hatten sich gestern die Frau Luise Schuring und die unverehelichte: Amalie Brandl vor der III. Slraskammer hiesigen Landgerichts I zu verantworten. In der Bartelstraße wohnt eine: Friseurin Th., welche sich durch ihrer Hände Arbeit einige Noch- j groschen zusammengespart hat und auch sonst in guten Verhält- l nisten lebt. Als dieselbe am 18. Februar ihre Wohnung ver- 1 lassen hatte, statteten die beiden Angeklagten, welche die Verhält- nisse der Frau Th. ziemlich genau kannten, ihrer Behausung einen Besuch ab und erzwangen sich den Eingang durch die verschlossene> Th-r' auf eine äußerst einfache Weise. Die zweite Angeklagte: nchle einen Schlosser auf und klagte demselben, daß sie mit ihrer Mutter j rathlos vor ihrer Wohnung ständen, in welche sie nicht hinein könnten, da sie unvorsichtiger Weise das Drückerschloß der Thür zugeworfen j hätten, ohne den Schlüssel zn sich gesteckt zu haben. Auf ihr Verlangen wurde ihr ein Schlosserlchrling mitgegeben, welcher mit. Hilfe eines Dietrichs den beiden Frauen die Wohnungsthür öffnete, j Das erwartete Geld haben die beiden kühnen Frauen aber zu- ihrer Betrübniß nicht vorgefunden und sie begnügten sich deshalb j mit einigen Gold- und Werthsachen, welche sie tn einem Pfand- j geschäft versetzten. Frau Th. war natürlich auf's Höchste über- rascht, bei ihrer Heimkehr zu sehen, welcher Besuch ihr während ihrer Abwesenheit abgestattet worden war. Mit Hilfe der von dem Schlosierlehrling gegebenen Personalbeschreibung gelang es,; die beiden Angeklagten zu ermitteln und der Gerichtshof ver- urtheilte nun die Schuring zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus j und 2 Jahren Ehrverlust, die Angeklagte Brandt zu 1 Jahr Gefängniß und 1 Jahr Ehrverlust. 1 Unter den hier nnkässtgei» Italienern, welche dieFabn- 1 kation von Gypsstguren betreiben, herrscht eine so starke Kon- j kurrenz, daß sie häufig das Maß des Erlaubten üoerschreitet. j Gestern wurde vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I j eine Anklage wegen unbefugter Nachbilvung gegen den Fabri- j kanten Giovanni Ba rtoli verhandelt. Der Figurensabri- 1 kant Carigioli hatte sich Modelle in Büstenform von Mars| und Achill anfertigen lassen und fanden die darnach hergestellten j Figuren guten Absatz bis Carigioli erfuhr, daß Nachbildungen derselben, aus dem Atelier des Angeklagten stammend, für zwanzig 1 Pfennige auf der Straße feilgehalten wurden. Er stellte den I Strafantrag und trat, eine Geldentschädigung von dreihundert» Mark beanspruchend, im gestrigen Termine als Neben- f klüger auf. Er begründete seinen Antrag mit der? Behauptung, daß keines seiner Modelle vor Nachahmung sicher« ei und ihm ein großer Schaden dadurch erwachse. Ter Ge-n richtshof billigte dein Nebenkläger die verlangte Entschädigung in* Höhe von 300 Mark zu und verurtheilte den Angeklagten außer- s dem zu einer Geldstrafe von 150 Mark. Siazinle Meberstckzk. Aufruf an alle Arbeiter Deutschlands! Seit Sonn- 1 abend, den 22. März, befinden sich die Mödelpolirer Berlms und; Unigegend im Streik. Mißstände aller Art im Polirergewerbe gestatten es nicht, den'Anforderungen von Staat und Gesell« schaft gerecht zu werden. Wir sind deshalb an unsere Arbeit« geber mit folgende» Forderungen herangetreten: Neunstündig* 'Arbeitszeit bei 27 M. Minimallohn, ev. entsprechende Erhöhung des Akkordtarifs. Ein großer Theil der Arbeitgeber hat unsere Forderungen als berechtigt mannt und demgemäß bewilligt._ Ein, bedeutender Theil unserer Kollegen befindet sich noch im Ausstand. Dieselben allein zu unterhalten, fällt uns zu schwer. Wir appeliren deshalb an Euer Solidaritätsgefühl, welches wir Euch gegen- 1 über stets in großem Maßstäbe beivicsen-haben. Stets haben j wir in den vordersten Reihen ver modernen Arbeiterbewegung! gestanden und offene Hand für unsere kämpfende Brüder gehabr.I Daß Ihr dies anerkennt, be,peist jetzt dadurch, daß Ihr uns soff viel wie möglich unterstützt. Sendungen und Briefe sind schnellstens zu richten an: W. Lindner, Blumenstr. 88, bei Henke im Streik« burcau. f Sämmtliche arbeitersrenndliche Blätter werden um gefl. Auf« nähme dieses gebeten. Lomcr. Da in der Gießerei von Michaelis u. KaZpariu»- die Former ausgeschlossen sind, bitten wir, auch hier den Zuzug fern zu halten. Achtung, Fopituv. Die Aussperrung der Former und; ilssarbeiter bei F. Werner in Nixdorf dauert unverändert fort. uzug ist strengstens fem zu halten. Achtung! Wirker! Koltegen! Am Montag, den 31. März- � legten die Kettenscheerer von Ostheim, Blumenstr. 35b, wegen Lohndifferenzen die Arbeit nieder. Zuzug ist strengstens ftrn'i zuhalten. Achtung! Arbeiter t« de» Lilzfchnhfabriken! D'« «rbelter der Lamprecht'schcn Filzschuhfabnk m Stettin haben ein-l müthig d,e Arbeit niedergelegt. Der Werkführer genannter Firm» Ist nun nach Berlin gekommen, um Arbeiter nach Stettin anz»' weroen. Daß kein Arbeiter hingeht, ist wohl selbstverständlich und Ehrensache. Zur Zohnbewrqnng. In einer von mehr als tausend Per- sonen besuchten öffentüchen Versammlung der Tischler� gesellen Breslaus wurde, wie wir der„Schief. Ztg." ent- nefluen, rolgende Resolution angenommen:„Tie Versammlung beschNeßt, falls die Arbeitgeber auf die Forderungen der Tischler- gesellen nicht eingehen, am 1. April d. I. zu kündigen und aM mm m Spezialisirung der Branchen der Kleuipner nicht viel mehr sei als einfach der Bediener der Maschine, die ihn verdrängt. Trotz des Massenangebots von iinnierdar vorhandenen feiernden Arbeitskräften herrsche noch immer die Ueberarbeit im Gewerk und werde anstatt 0 oft 13 und 14 Stunden lang und, was das Schlimmste, bei wahren Hungerlohncn gearbeitet. Mit 7 und 8 Mark wöchentlich gingeis die Klempner oftmals nach Hause. Was solle damit bestritten iverden'? Tie Kinder müßten oft ins Waisenhaus, die Frau hinaus auf die Straße. Dies seien menschenunwürdige Zustände. Dieselben zu bessern, werde und müsse jeder Einsichtige die Hand bieten. Daneben beschlossen, wie dies noch jüngst geschehen, große Emaillirwcrke, die Divi- denden um 20 und mehr Prozent zu erhöhen.— Neber die Frage, ob man in diesem Jahre noch in eine Lohnbewegung eintreten wolle oder nicht? herrschte große Meinungsverschiedenheit. Man war einerseits von der dringenden Nothwendigkeit einer solchen Bewegung noch in diesem Jahre und von deren glänzenden, Erfolg fest überzeugt. Es ward von dieser Seite aus betont, daß so viele Bauten in diesem Jahre ange- meldet worden, daß Arbeit die Fülle und die etwa ans 24 Mark Minimallohn bei neunstündiger Arbeitszeit festzusetzenden For- derungen gut und gern bewilligt werden würden. Von anderer Seite wird dagegen geltend gemacht, daß die etwa 1400 Mitglieder des erst seit einem Jahre bestehenden Jachvereins der Klempner noch nicht im Stande seien, einem Streik zum Siege zu verhelfen. Bevor nicht mindestens zwei Tritttheile der Berliner Jachgenossen organistrt, sei an einen Erfolg der Bewegung nicht zu denken. Es ward schließlich eine fünfgliedrige Kommission mit Berathung der Sache betraut und in dieselbe folgende Herren gewählt: Mischer, Köhler, Förster, Gimptrlein und' Abraham. Ueber die Krdeutnng de« Friertngv am 1. Mai rese- rirte Herr S ch w e i ü e r am 27. d. M. in einer Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins des 0. Berliner Reichstags- Wahlkreises, welche im Wedding-Park in der Müllerstraße statt- fand. Redner wies besonders ans die Bedeutung des Tages hin; der Vorschlag, den 1. Mai als Feiertag zu begehen, finde bei den Arbeitern der ganzen Welt Beifall. Dies zeigt deutlich, daß die Arbeiter verstehen, international zu sein. Das Ziel der damit zu begründenden Bewegung ist die Verkürzung der Arbeitszeit, und die Befreiung der Arbeit vom kapitalistischen Joch. Redner gedachte besonders der Arbeitskraft als käuflichen Waare, welche durch die Maschine erseht, Frau und Kinder zu Sklaven machte und unbeschreibliche Roth und Elend unter den Arbeitern verbreitete. Jedoch der Arbeiter hat eingesehen, daß er unter dem herrschen- den System unrettbar zu Grunde geht. In verschiedenen Staaten sah man die Nnhaltbarkeit der bestehenden Verhältnisse ein und führte den Normal-Arbeilstag ein. Das haben auch die deutschen Arbeiter eingesehen und treten ein füt einen gesetzlich geregelten Arbeitstag; die Bourgeoisie soll sehen, daß die deutschen Aroeiter nicht blos im Stande sind, IVe Millionen Stimmen abzugeben, sondern auch den 1. Mai als einen Feiertag zu begehen. Wenn auch einige Führer anderer Meinung sind, so sind auch diese nicht unfehlbar, halten wir uns strikte an den Aufruf der Berliner Genossen. Es gilt durch den Massenschritt der Arbeiterbataillone der Bourgeoisie zu zeigen, daß wir gewillt sind, einzutreten für unser Recht, für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Es wurde noch beschlossen, keine Zigarren in einzelnen bestimmten vom„Berliner Voltsblatt" bekannt gemachten Geschäften zu kaufen und besonders die 15 Geschäfte von Martienzen zu meiden, sowie die Forderungen der kaufmännisch Angestellten dadurch zu unterstützen, daß man vom 3. Mai ab nur noch in solche» Ge- schäften kauft, welche an Sonn- und Feiertagen spätestens um 12 Uhr Mittags geschlossen werden. Ciur grostr öffentlich» Uerj'ammlnng, fämiutlicher in den Glace- und Karton- Pupierfabrilie» Herlin» nnd Hlmgegend beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen tagte am Dienstag, den 23. v. M., im Lokale Königsbank, Große Frank surterstr. 117. Die Tagesordnung lautete: 1. Die Maßregelung der Arbeiter bei der Firma Friedheim u. Sohn. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Jn's Bureau wurden die Kollegen Beyer, Jahn und Pictert gewählt. Als Referent nahm zunächst Kollege Beyer das Wort. Er geißelte mit scharfen Worten das Verhalten des Herrn Arthur Friedheim gegen seine Arbeiter. Zur Diskussion sprachen zunächst die Herren Lilsin, Zobel und Magdeleit sowie Frau Habicht. Von den anwesenden Fabrikanten sprachen in der Diskussion die Herren Sachs und Heß. Herr Sachs bestritt, daß bei ihm für Mädchen Huugerlohnc von 7,50 M. gezahlt werden, er zahle 8 bis S. M. Ter Fabrikant Herr Heß nannte die Forderung der Arbeiter sehr mäßige und erklärte er sich bereit, die Lohne, welche von der höchst zahlenden Firma an die Arbeiter gegeben werden, auch in seiner Fabrik zu zahlen. Zum Schluß wurden noch 5 Personen Zwecks Verhandlung mit Herrn Friedheim gewählt. ES wurden gewählt die Herren Hannemann, Unger, Leopold, Glockmann und Fräulein Auguste Krüger. Es wurde noch beschlossen, nicht früher die Arbeit aufzunehmen, bis alle Forderungen bewilligt sind. Mit einem dreifachen Hoch ans die Arbeiterbewegung wurde die Bersammlung geschlosten. Eine Verfammlnug de» Utrbaud-es der Möbel polirer Herlins und ilmgegeud tagte am Montag, den 31. März, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Metzner, Lands- bergerstraße 37, mit der Tagesordnung: Regelung der Streikunterstützung, Bericht über die Werkstelleii, die unsere Forderungen bewilligt haben. Verschiedenes. Zum ersten Punkt der Tages- Ordnung, Regelung der Streikunterstützung, wurde beschlossen, den streikenden Kollegen, die vcrheirathet sind, 13 M. und den un- verheiratheten Kollegen 10 M. Unterstützung pro Woche zu go währen. Hierauf wurden die Werkstellen, die unsere Forderling bewilligt haben, verlesen; es ergab sich daraus, daß bis jetzt 150 Werkstellen bewilligt haben. Zum dritten Punkt der Tagesord- nung. Verschiedenes, wurde die Polierwerkstatt von Bock in der Genossenschaft Selbsthilfe, Fruchtsttaste 65, einer scharfen Kritik unterzogen und das Gebahren des Herrn Bock in das gehörige Licht gestellt. Ferner wurde beschlossen, an die Tischlergesollen in der Genossenschaft Selbsthilfe dahingehend zu appelliren, daß dieselben ihren Einfluß dahin geltend machen, nm derartige Mißstände in dieser Werkstelle zu beseitigen. Ferner wurde vom Vorsitzenden ein Brief verlesen, in welchem die Mißstände in der Pollerwerkstelle von Haak in der Weberstraße grell beleuchtet wurden uno der Wunsch ausgesprochen, entweder dieselben an1 gütlichem Wege zu regeln, oder vermöge eines Boykotts der Arbeiterschaft Berlins demselben gehörigen Nachdruck zu ver- leihen. Eine gut besuchte öffeutlicheUeesauimluitg derModeU- v"Uf* Hfrlino und Almgegeud tagte am Mittwoch, den Lb. Marz, im Restaurant„Wevding-Park", Müllerstraße Nr, 178, Die Tagesordnung lautete: 1. Organisation der Modelltischler. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Vertrauens-Kommission. 4. Ver schiedenes und Werkstatt-Angelegenheiten. Nachdem die Versamm lung um 9 Uhr durch den Einbcruser eröffnet und die Herren Gleincrt, Hauiop und Abraham ins Bureau gewählt waren, er- theilte der Vorsitzende Herrn Pietsch das Wort ziini Referat zum ersten Punkt der Tagesordnung. Derselbe besprach zunächst den Verein der Modelltischler Berlins und Umgegend seit seinem Be- stehen, den vorjährigen Streik und dessen Sieg durch die feste Organisation, ohne große anderweitige materielle Unterstützung. ivogegen andere Gewerkschaften im vorigen Jahre zum größten Theil beim Streik unterlegen sind. Ob wir uns anderen Drga nisationen anschließen können? beantwortet Redner mit„Ja' denn der Modelltischler sei nicht mehr und nicht weniger wie jeder andere Arbeiter. Bon einer Seite wird derselbe als Ar bester erster Klasse betrachtet, und von der anderen wird ihm eine erbärmliche Fabrikordnung zur Unterschrift vorgelegt, mit welcher sich ein freier Arbeiter nicht elnverstaiiden erklären kann, aber es heißt unterschreiben— oder raus auf die Straße. Redner schlägt nun vor, eine Vertrauenskommission zu wählen, welche fürs erste(um die Kollegen vor Maßregelungen zu schützen) den Fabrikanten mstzutheilen hat, daß der 1. Mai ein Feiertag sei und daß an diesem Tage nicht gearbeitet wird. Die Fabrikanten glaube» z>var die von ihnen verbreiteten Lügen betreffs des Ii Mai elbst nicht, aber Furcht Häven dieselben vor den Arbeitern, und je größer jene Furcht, desto fester unser Much. Redner fordert auf zum Bestritt zum Verein, da der Einzelne nichts, die Ge- sammtheit aber alles ist und nur durch ein geschlossenes Ganze etwas Dauerndes erzielt werden kann. In der hierauf folgenden Diskussion schloffen sich sämmtliche Redner im Prinzip den Aus- uhrnngen des Referenten an, doch die Wege zum Ziele waren ge- theilt, indem ein Theil für selbstständiges Vorgehen eintrat und ein anderer das Hand in Hand gehen mit den Tischlern empfahl; jedoch gewann ersteres die Oberhand. Recht interessante Sachen käme» noch zur Sprache, z. B. wie Arbeitgeber einzelne Arbeiter zu einer Konferenz einladen und— im Verstauen— fragen: Sind Sie im Verein resp. Fachverein? Sind Sozialdemokraten im Verein? Wie stellen Sie resp. der Verein sich zum 1. Mai? s. io. Die Antwort aus zene Fragen lautete: Die Mitglied- chaft des Vereins sei die Ehre des Arbeiters! Hierauf wurden olgende Resolutionen: 1. Die heute, am 26. März, im Wedding-Park versammelten Modelltischler verpstichte» sich, nur wiche Hüte zu kaufen, welche mit der Konstolmarke der Arbeiter- Konstouommission deutscher Hutmacher versehen sind; ein- timmig. 2. Die heutige öffentliche Versammlung der Modell- äschler Berlins beschließt, den I. Mai als Feiertag zu erklären, und an diesem Tage Vormittags eine öffentliche Versamm- lung einziiberufen zur Manifestation einer internationalen Arbeiterschutz- Gesetzgebung; mit allen gegen 3 Sttmmen. 3. Die heute, Mittwoch, den 28. März 1890, tagende öffentliche Versammlung der Modelltischler beschließt, stimmt und sonders dem Verein der Berliner Modelltischler bei- zutreten, weil wir nur dadurch im Stande sind, den Arbeitgebern energisch entgegen treten zu können, einstimmig angenommen. Punkt 3 der Tagesorduung wurde durch die Wahl der Herren Pietsch, Hautop und Tech als Vertrauenskommission erledigt. Wegen vorgerückter Zeit wurde Punkt 4 vertagt..Nachdem noch zum-Beitritt zum Verein und zum Besuch der Versammlung der Tischler am 27. März im„Böhmischen Brauhanse" aufgefordert, wurde die Versamnilung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegiing um Ii Uhr 45 Minuten geschlossen. Eine Generat- Nersamiuiung der Schlosser und Masthinrnbauarbeiter fanv am Montag Avend unter dem Vorsitz des Herrn Müller im Konzerthaus Sanssouci, Kott- buscrsiraße 4 n, statt. Auf der Tagesordnung stand: Wie stellen [ich die Schlosser und Masthiuenbauarbeiter Berlins zur Einfüh- rung der ueilnstündigen Arbeitszeit und eines Stundenlohns von 13 Pf.? Hierüber referirte Herr S ch n i r p e l. Derselbe sprach [ich in längerer Rede für diese Forderungen aus, die als sehr lescheidene den heutigen wirthschastlichen Verhältnissen gegenüber bezeichnet werde» mußten. Redner schilderte ferner das moderne Kolonnensystem, welches die Ausbeutung des Arbeiters durch den Arbeiter zur Folge habe, die Akkordarbeit und das Lehrlings� wesen. Auch in Bezug auf die in diesen Punkten vorhandenen Uevelstäiide werde man Wandel zu schaffen haben. Wenn e? auch zur Zeit noch nicht möglich sei, mit einem Streik porzugehen, so ei es mindestens doch uothwendig, daß man sich über die For derungen klar werde und Stellung zu denselben nehme. Die sehr ausgedehiite Diskussion bewegte sich hauptsächlich um die Frage, ob man schon jetzt mit der Lohnbewegung beginnen ivolle. Herr Schröder machte den Vorschlag, sofort eine Lohnkoinmission zu wählen und dieser die weiteren Schritte zu überlassen. Stadtv. Klein war der Meinung, daß man vor dem I.Mai nach dieser Richtung hin nichts unternehinen solle, sondern erst das Resultat dieses Tages abwarten müsse. Dieser Ansicht waren auch verschiedene andere Redner. Eine Resolution, welche verlangte, daß von dem Einstitt in die Lohnbewegung Abstand genommen werde, weil die Kollegen noch nicht genügend aus geklärt und organisirt seien, wurde aber abgelehnt, und eine andere ähnlich lautende wurde gleichfalls verworfen. Dagegen wurde der Antrag, eine aus 9 Personen bestehende Lohnkommission zu wählen und diese mit der weiteren Agitation zu betrauen, angenommen. Gewählt wurden die Herren Schröder,.Dom- browsky,Strupp, Bold t, Megow, Hütt er, Busch, Pflaum und B a r t u s ch. lieber die Stellung der Metallarbeiter gegenüber der ür den I.Mai geplanten Arbeiterkundgebung sprach am Donnerstag, den 27. März, im Allgemeinen Metallarbeiter- verein Berlins und Umgegend Herr G. Link. Derselbe gab in kurzen Umrissen die Entstehungsgeschichte der Agitation für den 1. Mai wieder und sprach die Hoffnung aus, daß die Berliner Arbeiter getreu den Beschlüssen des internationalen Arbeite kongrefscs zu Paris am 1. Mai eine Kundgebung veranstalten werden. Er geißelte dann das Gebahren der hiergegen oppo- nirenden Presse, namentlich derjenigen fortschrittlichen Blätter. welche sich besonders als arbeiterfreundlich ausspielen, und for derle die Versammlung auf, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß die Kundgebung am 1. Mai eine großartige werde, um da- durch den festen Entschluß auf Einführung deS achtstündigen Arbeitstages zu dokumentiren. Folgende Resolution gelangte cinslimmig zur Annahme:„Die heutige Versammlung erklart ich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und beschließt, den 1. Mai in der voin„Berliner Volksblatt" nnd der„Berliner Bolks-Tribüne" bisher verstetenen Weise zu eiern."— Ein anderer Punkt der Tagesordnung, Siemens'scher Streik, rief eine lebhafte Debatte hervor, an der sich die Kollegen B r e d o iv, H a r t m a n n, Tauschet, Mummendey n. a. betheiligten. Im Verlauf derselben zeigte sich in bestübender Weise, welch kraffer Jndifferenlismiis noch theilweise unter den Metallarbeitern herrscht. Obwohl in Betreff des Streiks noch kein Grund zu pessimistischen Auschailimgen vorhanden ist, da die meisten noch thätigen Arbeiter leistungsunsähige Elemente sind, so ist doch leider zu konstatiren, daß auch einzelne von den an- fangs Streikenden bei der genannten Firma wieder angefangen haben, trotzdem ihnen anderweitig lohnende Arbeit nachgewiesen wurde. Man müsse sich bei diesen Erörterungen sehr vorsehen, daß man sich keiner Verrnfserklärung schuldig macht. Wir wer- de» in nächster Zeit wohl dahin kommen, daß wir uns nach dem Muster der Fabrikanten schwarze Listen anschaffen, um überall au' wortbrüchige Kollegen einwirken zu können. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die heutige Versammlung erachtet es als ihre Pflicht, die noch ausständigen Kollegen mit allen Mitteln zu unterstützen- sie mißbilligt die Handlungsweise der Streik- brecher und beschließt, die Sperre so lange über die Fabrik zu verhängen, bis der Sieg unser ist." Hieraus unterzog Kollege Megener den jetzt in der Löwe'styen Fabrik ins Leben tretenden Arbeiterrath einer abfälligen Kritik. DaL Statut desselben ent- hält mehrere bedenkliche Paragraphen. Dieser Arbsiterath werde nur Zwietracht unter die Arbeiter bringen. Kollege Hartniann macht hierauf auf die Statistik und den Arbeitsnachweis, der am 1. April, Wallstr. 7—8, eröffnet wird, besonders aufmerksam. Schluß der Versauimlung 1IV2 Uhr. Der Verein»er Sattler und Fachgenoffen hielt am Dienstag, den 25. März, seine regelmäßige Versammlung in Teig müller's Salon, Alte Jakobstr. 43. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Max Baginskt über Kapital und Arbeit. 2. Tis- kussion. 3. Verschiedenes und Fragetasten. Herr Max Baginskt erntete für seinen IVistfmdigen Vorstag lebhaften Beifall. Eine Diskussion wurde nicht beliebt, vielmehr sofort In den dritten Punkt der Tagesordnung eingetreten. Hierbei wurde liber die geringen Wochenlöhne und die traurige Lage unseres Handwerks nn Allgemeinen gesprochen und ersucht, von den Legitimations- karten über eine freiwillige Steuer zur Regelung der gewerblichen Verhältnisse der Sattler und Berufsgenossen Berlins und Um gegend weitgehendsten Gebrauch zu machen. Ferner ivurde mit getheilt, daß der Beschlußfassung des Pariser internationalen ArbeiterkongresseS gemäß am 1. Mai, Vormittags OV« Uhr, eine Versammlung bei Buggenhagen stattfindet, in welcher Herr Ba ginsky über den Achtstunden-Arbeitstag referirt. Hieran knüpft sich um 12 Uhr ein Ausflug nach Johannis- thal. Ferner wurde aufgefordert, in Zukunft nur solche Hüte zu kaufen, welche mit der Arbeiter- Konstol- marke versehen sind. Ferner sollen von den Arbeitern nur igarren aus den Handlungen gekaust werden, die im Berliner olksblatt" verzeichnet stehen. Die Produkte der Blumberger Bauern sollen nicht gekauft, dagegen das„Berliner Volksblatt"» die„Berliner Volks-Tribüne" und die Arbeiterbibliothek zum Abonnement empfohlen werden. Besonders sollen diejenigen Ge- chäfte berücksichtigt werden, wo die Handlungsgehilfen spätestens Abends nach 8 Uhr und Sonntag Nachmittags keinen Dienst haben. Der Vorsitzende machte noch bekannt, daß sich iin Arbeits- Nachweis, Dresdenerstr. 116, Telephonanschluß befindet. Am 12. April wird das Stiftungsfest des Vereins bei Deigmüller ge- 'eiert werden und am 2. Osterfeiertag ein Ausflug mit Damen tattsinden; Sammelplatz: Potsdamerplatz, an der Normaluhr, 9V: Uhr. abrikantett-Ideen. Die Kartonfabrikanten hatten sich am Montag Abend im Hotel Alexanderplatz zahlreich versammelt, um über die Forderung der achtstündigen Arbeitszeit von Seiten der Arbeiter und Arbeiterinnen feste Beschlüsse zu fassen. Das Referat hatte Herr Angres übernommen und führte darin aus, daß die' Fabrikanten dieser Bewegung energisch entgegensteten müßten. Er führte an, daß er als alter Buchbinder vierzehn Stunden täglich gearbeitet habe und glaube, die Arbeite konnten heute mit der zehn- ftündigen Arbeitszeit zufrieden sein.(Daß die technische Ent- Wickelung der Maschinen diese 4 Stunden Verkürzung herbei- geführt'haben und infolge der Erfindungen von neuen Hilfs- Maschinen eine immer kürzere Arbeitszeit eingeführt werden muß, iet deni Herrn nicht ein anzuführen.)— Redner verwahrte sich namentlich dagegen, auf diese Streikvereine etwas zu geben, denn im wahren Sinne des Wortes seien es nur einzelne Personen, welche sich einen Namen machen wollen und nur die zufriedenen Arbeiter aufwiegeln und aufhetzen.(Komische Ansicht von einer Organisation!) Herr Jacobsohn sprach sich dahin aus, daß er ür seine Arbeiter eine neunstündige Arbeitszeit bewilligen würde, 'ür die Arbeiterinnen jedoch könne er dieses nicht, dieselben müßten bei der alten zehnstündigen bleiben. Herr Grave wider- legte dieses und führte an, daß die Mädchen infolge der Hetzereien auchschonsohelle geworden seien, daß, sobald siesehen, derZuschneider arbeite blos neun Stunden, dieselben auch nicht eine Minute länger arbeiten, da jederzeit ein Mangel an Arbeiterinnen vor- Hanben ist, während die Arbeiter leichter zu ersetzen seien. Dieser Herr beliebte aSch noch über die Schwindsucht zu sprechen. Er arbeite schon 17 Jahre(natürlich als Fabrikant) und hätte die- 'elbe noch nicht, und die Arbeiter bekämen sie jedenfalls von——— was anderem, als von der Arbeit. Herr Sonnenburg meint, man müsse mit allen Mitteln diese Bewegung unterdrücken und will, daß zu diesem "weck sogar eine Petition an den„Kaiser" eingereicht werde. jie Fabrikanten müßten einig werden und nicht mehr in der „Volks-Zeitung" und dem„Verl. Volksblatt" nach Arbeitskräften annonziren. Man müsse durch diese Maßnahmen die Arbeiter zwingen, nur gute Blätter zu lesen, z. B.„Berliner Tageblatt", „Deutsches Blatt" u. a., damit vie Arbeiter auch durch Lesen dieser Blätter von ihren revolutionären Ideen abgebracht würden. Ein Herr Lilie ist gar zu schon in seinen Ausführungen, derselbe verlangte, die Fabrikanten müßten einig sein, am Soim- abend sämmtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen kündigen, aber allen, dann wollte man mal sehen, wer es länger aushält, die Arbeiter oder Fabrikanten. Herr Sonnenburg ergriff diesen Vorschlag niit Freuden und spricht dafür, sämmtliche Bestiebe einzustellen und so die Arbeiter auszuhungern.(Wie dieses mög- (ich, kann ein Arbeiter natürlich nicht begreifen, denn wie sogar ein Fabrikant anführte, seien die Kartonarbeiter meistens Buch- binder oder Arbeiter. Nun, jedenfalls haben sich die Herren nicht überlegt, daß ein Buchbinder jeder Zeit zu seiner Branche zurück- kehren kann und ein Arbeiter sich nicht genirt, in einem anderen Industriezweig Arbeit zu nehmen. Also ivird es wohl mit dem Aushungern nichts iverden). Eine Resolution, daß die Fabrikanten gegen eine achtstündige Arbeitszeit sind, jedoch eine neunstündige einführen würden, wurde mit allen gegen eine Stimme, welche sich für acht Stunden erklärte, angenommen. Außerdem wurde noch eine Kommission, bestehend aus den Herren Angres, Ehlert, Wolff, Jakobsohn, Steinberg, Wunderlich, Hellriegel, Sonnenburg, Grunoiv und Alexander gewählt. Dieselben wurden beauftragt, sich über die Forderungen der Arbeiter zu informiren und in einer nächsten Versammlung Bericht erstatten. Geffentliche Volkouersammlnug in Tivoli. Herr Max Schippe! schreibt uns: Zu meinem nicht geringen Erstaunen lese ich soeben im„Berliner Volksblatt", daß ich am Donnerstag in einer öffentlichen Volksversammlung in Berlin referiren würde. Ich wußte bis zu diesem Augenblicke weder etwas von dieser Versammlung noch von meiner Absicht dort zu sprechen. Ich bin auch nicht in der Lage dazu, da ich am Donnerstag in einer sehr dringenden Prozeßangelegenheit nach Sachsen reisen muß. Ich theile das[sofort mit, damit nicht wieder, wie seinerzeit im Böhmischen Brauhaus— wo die Sache ebenso lag— Mißdeutungen und Mißstimmungen entstehen. -i--i- * ficrtucr. Mittwoch, den?. Aprtl er., Nbends 8% Uhr, im Eeand Hotel Alexanderplav stndel eine Versammlung der gesammlen Brauergescllen Berlmo statt. tu welcher die ArbsttSverhällnisse der Berliner Brauergesellen in den Brauereien besprochen werden. Zrntrnlvcrei» drutsiher Hättcher. Donnerstag, den 8. April, Abends 8" Uhr, bei Heise, Lichlenberaerstr. 21, Versammlung. Tagesordnung: l. Der gegenwärtige Stand unserer Lohnbewegung. 2. Berschiedoncs. Achtung! Heilte Abend findet eine große öffentliche Bersammlung der Karlönarbeuer und-Arbeiterinnen in Jordan's Salon, Nene Srünstraße 26, statt. Die Beschlüsse der Fabrttanten-Bersammtnng vom Montag kommen»ur Sprache. Vollzähliges Srschetnen unbedtngt nothwendtg, da.(Segenbeschlüsse gefaßt werden müssen. Achtung! Kaiicgcn! Am Mittwoch, den 2. April, Abends?% Uhr, findet im„Konzerthaus Sanssouci"(tm großen Saale) eine Versammlung sämmt- Ucher Arbeiter der Ludw. Löwe'schen Fabrik tn betreff des Arbetterralhes statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommtsston. 2. Stellungnahme zu diesem Be- richt. 8. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten sindet ewe Tellersammlung statt. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, tn dieser Bersammlung zu er- scheinen. Achtung! Schuhmacher! Da das Vergnügen am I. Osterfeiertag von der Polizei nicht genehmigt wurde, so findet dasselbe am 2. Feiertag tn denselben Räumlichkeiten statt. Dieselben Billets find giltig. Kraitlmt-»»d üegräbnihkall» de» zierein» sammtlicher Kerns«- hin Yen(Verwaltungsstelle Berlin III). Mitglieder- Verfammlimg am Sonn- abend, den 0. April er., Abends 8 Uhr, tm Lokale Brnnnenstr. osa.(Säste sind wtUlvmmen. Große öffentlich» Uersainittlnng der Arbeiter und Arbeiterinnru der Hch-iftebranche am Mittwoch, den 2. April, Abends 8 Uhr, tn Reqer'S Lolat, Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung; Vortrag über:„Zweck und Ruhen deS Streits". Gesang-,©um- und gesellige hierein» am Mittwoch. Männer- gesangvcrein„Jugendlnst" Abends 8% Uhr Im Restaurant Passod, Garten stratze 162.— Männeraesangverein„6'äcitia" Abends 9 Uhr im Restaurant ftöpenickerstr. 127».— Gesangverein„Männerchor Linde" Abend« 8% Uhr im Restaurant Haller, Raunynslraße 70.— Männergesangverein„EangeSfreude" Abends 0 Uhr tm Restaurant Musehold, Landsbergerstr. 81.— Gesangverein „Freya" AbendS 3% Uhr tm Restauranr Benecks, Große Hambnrgcrstr. 18.— ------------'eben Mittwoch nach dem Ersten tm Monat, Huppert'fche Sängervereinigung jedei____________............... Abends« Uhr tm Restaurant Heise, Lichlenbergerstr. 21.—„Teeger'scher Gesangverein" AbendS 9 Uhr tm Reüauranl Schulz, Prcnzlauerstr. 41.— Gesang verein„Schwungrad" Abends 8% Uhr im Restaurant Sahm, Annenstr. 18.— Männeraesangverein„Lorbeerkranz" Abend» 9 Uhr im Restaurant Karfch. Oranicnstr. 190.— Gesangverein„Rard-Jubal" Abends 9 Uhr tn Bettin's --'"■MkMhAsHB Bierhaus, Beteranenstr. 10.— Gesangverein„Unverzagt" Abends» Uhr fföp- nickerstr. 127a bei Greving.— Männergesaiigvercin„Schneeglöckchen" Abends o Uhr tm Restaurant Toberstein, Mariannenstr.»i— 32.— Gesangverein „Sängerrunde" Abends 8% Uhr Buckowcrstr. 0.— Verein„Sanaestreue" im Restaurant Henlel, Brüdersir. 28 l. Uebungsstnnde von Ws— n Uhr Abends. — Gesangverein„Bruderbund" Abends 9 Uhr bei Päholdt, Reichenberstr. 18. — Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abend« a Uhr Sitzung im Restan- rant Stehmann, Melchiorftr. 15.— Gesangverein„Sud-Ost" Abends 9 Uhr bei Ziemer, Guvrqstr. 18. Gäste willkomme».— Lübeck'scher Turnverein(I. Lehr- ltngs-Ablheilung) Abends 8 Uhr Elisabelhftr. 57—69.— Turnverein„Weddtng", Panlftr. s. Mäunerabthetluug von 64—10% Uhr Abends; desgleichen 1. Lehr- ltngsablheilung von 8—10 Uhr Abends.—„Mehr lischt", Verein für Scherz und Ernst, Abends 6% Uhr im Restaurant Held, Fruchtstr. 860.— Schlesischer Berein„Hottet" AbendS 0 Uhr tm Restaurant Gehet, Prinzen- ftraße 10s.— BergnügungSverstn„Fröhlichkeit" AbendS» Uhr im vieftaurant Säger. Grüner Weg 20.— Wissenschaftlicher Verein für Roller�scher Steno- nrciphie AbendS Uhr im Restaurant Besse. Alte Schünhauserstrabe es Unterricht und NebungSstunde.— Rvller'scher Slenographenveretn Stid-Berltn Abends Uhr im Restaurant Prinzenstr. 97, Styung und Uebungsstunde.— ArendS'scher Stenographen-Verein„Amicitia" Abends 8% Uhr im Restaurant AehrendS. Schönebergerstr.«.— ArendS'scher Stenographenvcrein„Philia" Abends 9 Uhr tm Restaurant„WiIhel>nsgarlen".Kochstr. 7.— Stenographische rsesellschaft Arcnds tm Restaurant Bürgcrgarten. Lindenslr.>vs. Unenlgeit- licher Unterricht und Uebung.— Berliner Rauchllub„Wraugel" Abends n Uhr im Resiauraur Foge, stopniekerstr. 101.— Rauchllub„Havanna SO" Abends e's Uhr im Reitaura»! Paeholdt, Reichenbergersir. lS.— Rauchllub „Gemüthlichlcit" Abends» Uhr tm Restaurant Achsel, äköpniUerstr. 101.— Rauchllub„Columbia" Abends Uhr im Restaurant Beyer. Prinzenstr. 90. — Rauchllub„Frisch gewagt" Abends osl Uhr tm Restanrant Tempel, BreS- lauerstr. S7.— Rauchllub„Vulkan" Abends 8 Uhr im Restaurant Schulz, Gräfestr. 82.— Friedrtchsberg. Rauchllub„Nordstern", Lippe's Restaurant, Friedrich-Karlftr. Ii.— Vergnügungsverein„Fröhlichkeit", gegründet isso, Abends 9 Uhr, Grüner Weg so.—„Pollalk-Aub-Ltnlracht", jeden Mittwoch, Abends Sil Uhr bei G. Thiel, Wtenerslraße es.— Gesangverein der Tapezirer Berlins, jeden Mittwoch Restaurant Schdclstr. 30, von 9— Ii Uhr Abends.— Unterhaltungsverein„Harmoute". Sitzung Abends o Uhr Dresdencrstr. iig bei Mendt.— Tambourverein„Grelsior", 8% Uhr. Uebungsstunde bei Böhl. SiüderSdorfsrstr. 8. Aufnahme neuer Mitglieder.— Mannergesangverein »Lledessteiheil". Abends 8% Uhr tm Restaurant Henke, Blumenstr. SZ. Vermisthkss. Chinestsche Justif. Unter der jetzigen Dynastie soll in China, tvie der„Ostas. Lloyd" versichert, die Anivendung der Folter verhältnipmäßig selten und Körperverstümmlung ganz un- bekannt sein. Die Verbrecher werden allerdings für gewöhnlich in schmutzige Kerker geworfen, die jeder Beschreibung spotten und an Ketten gelegt, aber mit Ausnahme sehr schwerer Verbrechen gehören das Fmgerquetschen, das Knieen auf Ketten und das Hängen an den Ohren mehr der Vergangenheit als der Gegen- tvari an. Die Familie eines Rebellens ührers kann ihre Tage in Ruhe und Frieden beschließen. Ein wegen eines Verbrechens— mit Ausnahme der Empörung— zum Tode verurtheiltcr Ver- brecher kann oftmals sein Leben retten und sich vor weiterer Strafe sichern, wenn er nachweisen kann, daß er be- tagte Eltern zu unterstützen hat. Der schwere Bambus, unter dessen Anwendung der Leidende nicht selten seinen Geist aushauchte, hat einem leichteren Strasinsttument Platz gemacht, das sich praktisch zwar noch schwer genug vertverthen läßt, aber das Leben nicht gefährdet. Der Kaiser 5tulng Hsi, dessen Name mit einem der werthvollsten Wörterbücher verknüpft ist, die je zusammengestellt sind, verbot das Bambuoschlagen über den oberen Theil des Rückens und der Schultern. Das herrschende Be- stechnngssystem hat dem Bambus die wenigen ihm noch anhaftenden Schrecken für diejenigen genommen, welche durch Geld die Hand des Liktoren zu beeinflussen vermögen, der ihn schwingt. Kleinere Vergehen werden allgemein>nit eincin ge- ringen Geldgeschenk au den Stockmeister gesühnt, der den strafenden Bambus verhältnißmäßig ganz leicht niederfallen läßt oder dem Verbrecher die Erniedrigung und die Schmerzen einer Woche Kank(ein schwerer hölzerner Kragen, der nur bei langer Strafe oder bei Bestechung Nachts abgenommen wird) nach Kräften lindern hilft. Diese beiden sind die einzigen Sttasen, von denen man viel hört; die eigentliche Folter ist zwar unter bestimmten Verhältnissen gestattet, wird aber ver- hältnißmäßig selten angewandt. Die Bambusstrafe kann aber leicht geinißbraucht werben. So können z. V. die Knoten im Holze nicht geglättet sein, die Schläge in die Gelenke, statt ober- halb der Knie gegeben, das spitze, statt des flachen EndeS des Bambus gebraucht werden, der Schlag kann auch auf dieselbe Stelle versetzt werden, nachdem diese schon verwundet ist, wodurch die Schmerzen selbstverständlich ungemein größer iverden. Das chinesische Strafgesetzbuch bestimmt, daß fünf Klassen der Angeklagten von der Bambusstrafe ausgeschlossen werden sollen, näm- lich Greise, Kinder, die Kranken, Hungrige und Nackte, und fünftens Personen, welche schon geschlagen sind— sei es in einem Streit oder von einem anderen Beamten. Außerdem gievt es fünf Klassen von Menschen, die nicht übereilt ohne Weiteres zur Bastonade verurtheilt werden dürfen, näm- lich: Mitglieder der kaiserlichen Familie, Beamte(denn wie niedrig ihr Rang auch sein mag, sie bilden einen Theil der Majestät der Regierung und ihr guter Name würde durch eine solche Strafe für alle Zeit beschimpft sein), Gradnirte� die Aintsdiener der Borgesetzten(weil die Würde der Letzteren dadurch bloßgestellt werden könnte), und letztens Frauen. Das Strafgesetzbuch zählt ferner fünf Fälle auf, in denen eine Ver- schiebung der Bambusstrafe nothivendig ist, nämlich: wenn der Beschuldigte unter dem Einflüsse der Erregung oder der Angst steht(ma>t ist nämlich der Ansicht, daß Schläge die Gefangenen nur in ihrem Trotz bestärken, so daß sie eher sterben, als nach- geben würden); wenn der Angeklagte betrunken ist, wozu der Chinesische Kodex die kaustische Bemerkung macht, daß ein be- trunkener Mensch den Himmel nicht von der Erde unterscheiden kann, wie darf man daher von ihm erwarten, daß er Recht von .Unrecht unterscheidet, auch fühlt er den Schmerz nicht und es steht zu fürchten, daß er den Beamten beleidigt; wenn ein Mann grade von der Reise zurückgekehrt ist, und fünftens, wenn er sich außer Athem gelaufen hat. Ergebnisse des Zonentarifs in Ungarn. Das als amtliches Organ des Handelsministeriums ausgegebene ungarische „Eisenbahnblatt" bespricht den Kreuzertarif der österreichischen Staatsbahnen in ebenso abfälligein, wie gehässigen Tone und behauptet, derselbe sei nichts Anderes, als eine schlechte Nach- ahmung des ungarischen Zonentarifs, zu dessen Diskreditirung von österreichischer Seite alles Erdenkliche geschehen sei, ohne daß dadurch an den glänzenden Ergebnissen desselben etwas hätte geändert werden können. Zugleich veröffentlicht dasselbe Blatt die Ergebnisse des Zonentarises während der ersten sieben Monate seines Bestandes, nämlich voin 1. August 1889 bis Ende Februar 1890, wobei für die Zeit von August bis Ende November die definitive» Abrechungen, von No- vember bis Ende Februar die provisorischen Einnahmeausweise zur Grundlage dienten. Danach ist der Personenverkehr in diesen sieben Monaten, verglichen mit derselben Periode des vor- ausgegangenen Jahres, in'runder Summe von 2,5 Millionen Reisende auf 6,8 Millionen Reisende gestiegen. Ter Zuwachs beträgt daher 4,3 Millionen oder 170 pEt. Das finanzielle Er- gebniß des Personentransportes stieg von 3,2 Millionen Gulden aus 6,1 Millionen Gutben; die Steigerung beträgt daher 0,9 Millionen Gulden oder 17 pCt. Dabei ist zu bemerken, daß in den Monaten Januar und Februar des verflossenen Jahres beiläufig 360 000 Gulden für Jahresabonnements eingeflossen sind, welcher Umstand bei den obigen Aufstellungen berücksichtigt tvurde. Die Gesammteinnahmen der ungarischen Staatsbahnen im Jahre 1889 bis einschließlich November bettagen rund 40 Millionen Gulden gegen 39,6 Millionen Gulden im Vorjahre und sind daher um 0,4 Millionen Gulden trotz der schlechten Ernte gestiegen. Dieses Plus sei ausschließlich auf die finanziellen Resultate des Zonentarifs zurückzuftihren. Kchauspielkunst mit Dampf betriebe». Aus New-Dork wird geschrieben: In Amerika ebenso wie in England treten die Schauspieler für gewöhnlich nicht nur jeden Abend ans, sondern häufig auch noch in einer Nachmittagsvorstellung, die dann nicht selten noch obendrein in einer anderen Stadt gegeben wird. Das ist allerdings nur möglich bei dem in diesen Ländern herrschen- den mehr oder weniger handwerksmäßigen Systeme, Monate, ja Jahre lang immer nur ein und dasselbe Stück herunter zu spielen — eine Einseitigkeit, die dann allerdings oftmals eine ortliche Vielseitigkeit wird, in der die einzelnen Gesellschaften sich fort- während einander zu überbieten suchen. In Amerika, wo alles einen riesenhaften Maßstab annimmt, hat dieser Unternehmungsgeist letzthin eine außerordentliche Höhe erreicht. Die Gesellschaft des Madison Square-Theaters in Neiv-Iork hat an ein und demselben TageinWashington nndNew-Vork gespielt! DerExttazug,inwelchem die Schauspieler reisten, war denn auch der"schnellste, der je zwischen den beiden Städten gefahren ist. Die Entfernung be- trägt 227 englische Meilen. Nachdem die Gesellschaft Morgens früh von New-Aork aufgebrochen, traf sie in Washington früh- zeitig genug ein, um dort um 1 Uhr ihre Vorstellung zu beginnen. Um 3 Uhr 16 Minuten ging der Zug wieder ab und legte nun die Entfernung in 4 Stunden 18 Minuten wieder zurück, so daß die Schnelligkeit 53 Meilen oder mehr als 84 Kilometer die Stunde betrug. Um halb 9 Uhr begann die Aufführung in New-Iork, und es wurde besonders bemerkt, daß alle Mitwirken- den, trotzdem daß sie Nachmittags schon einmal gespielt und im Laufe des Tages nahezu 800 Kilometer zurückgelegt hatten, mit ungewöhnlicher Frische und Lebendigkeit ihren Obliegenheiten nachkamen, und zugleich, daß diesen Abend— die Kasseneinnahme 8600 M. bettug. Freilich, ivelcher Amerikaner wird nicht in das Theater eilen, Küiuiler zu sehen, die so etwas vermögen! Ein neuer Motor zum Treiben der Schiffe erregt Ans- sehen in den Fachkreisen. Das Schiff„Enreka" wird nach einer Methode von Secour vermittelst„Gasexplosionen" durch das Waffer gettieben. Das Fahrzeug ist 10 Fuß lang. Unter Wasser befinden sich an seinem Hinteren Ende zivei Rohre, welche hori- zontal, parallel mit dem Kiel liegen und 21 Zoll Durchmesser haben. Diese Rohre sind an einem, dem nach vorne liegenden, Ende geschlossen; sie sehen also Kanonenröhren ähnlich, welche in der Kielrichtung unter Waffer nach hinten gerichtet sind. In diese Rohre wird durch eine automatisch arbeitende Maschine zerstäubtes Petroleum und komprimirte Luft eingeführt und durch Elektrizität, ebenfalls automatisch, zur Explosion gebracht. Durch diese Explosionen wird natürlich ein Druck durch das offene Ende der Rohre ans das Waffer ausgeübt und dadurch das Schiff vor- ivärts gedrängt. Es liegt auf der Hand, daß die Bewegung des Fahrzeuges um so schneller und stetiger wird, je häusiger und regelmäßiger die Explosionen erfolgen. Dieselben geschahen ab wechselnd in dem einen, dann in dem anderen Rohre. Die Er- gedniffe sollen zufriedenstellend sein» und soll der„Enreka" bei 60 Explosionen in der Minute in jedem Rohre, also bei im Ganzen 120 Erplosionen per Minute einen gleichmäßigen Gang erreicht haben. Es handelt sich hier um ein neues, inter- essantes Treibsystein. Wenn dasselbe wohl auch nicht geeignet erscheint, den Kampf mit Dampf oder Elektrizität erfolgreich aufnehmen zu können, so zeigt doch der Versuch die Möglichkeit, durch regelmäßige Explosionen ein Fahrzeug ourch das Wasser zu treiben.._, V«»kie fette Mntder. Man kann kaum etwas Groß- artigeres von Versteinerungen sehen, als die verkieselten Wälder. Ganze Waldungen, Stamm am Stamm statt ans Holz, nur aus Kieselmaffe bestehend! Eine riesengroße Petrefaltensammlung, über ganze Ländersttiche ausgebreitet, nichts als Baumleichen, theils liegend, theils ausrechtstehend, und nun in Achat, Chalcedon, Jaspis, Bergkristall uns Amethyst verwandelt! Da ist vor allem zu nennen der Achatwald bei Kairo, der kleine und der große am Djebel Mokattam, der sich von hier durch die libysche Wüste bis Abessinien verfolgen läßt. Ebenso fand Lioingstone am Sambesi einen versteinerten Wald, Dr. Welwiffch einen bei Angola. Besonders häusig sind solche Waldungen in Tunis und Algerien. Auf diese machte Feliche auf- merksam, der neuerdings verkieselte Hölzer aus Algerien von Laghonat und Ainra sowie aus Oran von Franchhettl und Dje- nien bou Roesk in der Nähe der Dase Figuig erhielt. Besonders großartig ist der verkieselte Wald von Arizona, 8 Meilen sudlich von Corriza, Station der Atlantic und Pacific Eisenbahn m Abache County. Auf 1000 Acres findet man über 1 Million Tonnen verkieselter Bäume, hauptsächlich Araukarien und Wach- holder(Junipeius vifginianus). Die Bäume stecken in viilka- nischer Asche und Lava, die bis zn 10 Metern mit Sandstein be- deckt sind, manche sind 48 bis 50 Meter lang und haben bis zu Meter Durchmesser. Zu diesen Waldungen kommen nun die in keiner Petrefektensammlung fehlenden Kieselhölzer, so vom Lough Neagh in Irland, von der Insel Arran im Westen von Schottland in vulkanischer Asche, von Java und anderen Orten. Zluch unser Schwabenland hat seine verkieselten Hölzer in den Löwensteiner Bergen, bei Crailsheim(Goldbach und Schönebürg) und an anderen Stellen. Aber wie hat man sich den Vorgang der Versteinerung vorzustellen? Es ist bekannt, daß Kieselsäure sich in den Pflanzen nicht so sehr selten vorsindet. za man fand sogar auf Trinidad lebende Bäume, deren Rinde in höherem Alter so weit verkieselt war, daß die Wandungen ihrer Zellen nach Ausfüllung des Innern durch Kieselsäure ersetzt wurden. Man könnte auch an die Kieselsäureausscheidungen von Bambus- arten(z. B. anmckinacea) erinnern, den Tabaschir, der durch- Ichtig wird wie der Hydrophan, wenn er Waffer aufsaugt. Allein ja§ sind doch immer nur geringe Mengen von Kieselsäure, die noch nicht die Versteinerung eines Waldes herbeiführen können. Dazu gehören größere Mengen von Kieselsäure, wie sie z. B. die Geisir an ihrem Rande absetzen, und es ist das Verdienst von Otto Kuntze(Ausland 1880), auf diese Springquellen als Er- zeuger des Kieselholzes hingewiesen zu haben. Der Wald von Arizona dürfte sicherlich ebenfalls ans heißen, alkalischen Wassern. worin Kieselsäure gelöst wurde, dieses sein Versteinerungsmittel erhalten haben, ebenso die Stämme auf der Insel Arran. Es ist aber fraglich, ob überall, wo immer Holz verkieselt wurde, Geisir mitgewirkt haben. Die Kieselhölzer von Dava sollen ihre Versteinerung dir Eimvirlung eines Baches verdanken. Und so könnte man auch bei unserem Randecker Maar, worin unsere Dysodilkohle die schönsten verkieselten Zinuntbäume aufweist, ein- 'ach die Ursache der Berkieselung in den Waffern suchen, die aus em vulkanischen Gestein jenes Kraters ihren Gehalt an Kiesel- säure bezogen. Immerhin, so schreibt der„Schiv. M.", haben wir in jenem Maar bei Ochsenwangen eine geologisch hoch interessante Partie unserer Alb. nicht so großartig wie der Achat- wald bei Kairo, aber doch interessant genug und sür den Geologen wohl ebenso schwer oder so leicht zu erklären, wie die Quarz- bäume des Mokattam. Depefchctt. (Molffv Telegraphen-Kureau.) Dortmund. I.April. Wie die„Rhein.-Wtstf- Ztg-" meldet. wurden heute Nachmittag die von der Morgenschicht heimkehren- den Bergleute von Zeche„Rhein-Elbe" von streikenden Arbeitern thätlich angegriffen und mit Steinen beivorsen. Die Gendarmerie schritt ein und verhaftete mehrere Exzedenten. Auf den Zechen„Krone",„Pluto".„Königsgrube",„Hau- nover" und„Bollmond" wird ruhig weiter gearbeitet. Kriefkaste» der Redaktion. Bei Anfrazen bitten wir die AbonnementZ-Quiitnng betzufüzen. Briefliche Antwort wird nicht«nhetlr.. Zimmerer Ich— f. Ackrrstraße. Ein Bericht von Ihnen ist hier überhaupt noch niemals eingegangen. E. K. Sie haben sich die Verzögerung selbst zuzuschreiben. Hätten Sie Ihren Bericht ans zwei Seiten geschrieben, wäre derselbe sofort erschienen. So kommt er erst heute. am Mittwoch, den 2. April, Abends 8 Uhr, im gr. Saale des Böhm. Brauhauses, Landsberger Allee 11—13. Tages-Ordnung: 1. Neber die Gewerbeschiedsgerichte. Referent: Herr Vogtherr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 635 Der Eiuberuler. Große öffentliche Versammlung her MoW# u.-Ackltecklleil am Mittwoch, den 2. April, Abends 8 Uhr, in Jordan s Salon, Neue Grünstr. 28. Tages-Ordnung: 1. Umgestaltung event. Neuwahl der Kommission. 2. Sind die Forde- rnngen der Arbeiterinnen berechtigt. Referent Herr Greifenberg. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Es ist Pflicht jedes Kartonarbeiters und jeder Arbeiterin, in der Versammlung pünktlich zn erscheinen. 643 Oer Einberufer. Moni) devtscher Mchauiker uni) üermMer Bervssgesch« (Zahlstelle Berlin). Mittwoch, den 2. April, Abends 8V2 Uhr, Annenstr. 16: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht für das 1. Quartal. 2. Vorstandsbericht. 3. Vortrag. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Referent wird in der Versammlung bekannt ge- macht.— Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 631 Oer Vorstand. Große öffentliche Versammlung für Männer und Kranen Mittwoch, den 2. April, Abends 8'!, Uhr, 129(in Rixdorf) am raittwocn, oen z. ripru, aum in„Niesegk's Salon", Bergstraße Nr. Tages-Ordnung: 628 Rixdorf. ergebenst ein Itages-iStuuu»«: Bericht der Kommission über Gründung einer„Freien Gemelnde" in 2 Diskussion. 3. Verschiedenes.— Zu dieser Versammlung ladet Oie Kommission. Umstände halber bin ich gezwungen, mein Weiß- viijLcklsß-Bitt-LM zu verkaufen. Genossen, die darauf reflektiren, erhalten den Borzug. W. Hawgk, 632 Weinstraße 22. EOBnBBBBBBSnnBaBBBi Hiermit zur Nachricht, daß der Arbeitsilchvieis d. Aavierlirb. der Feiertage wegen vom Freitag, den 4. bis Dienstag, den 8. Apnt geschloffen bleibt. Die Arbeitsvcmittlnugs• Kommission. TiilB> Gardinen, Fenster 2, 3, 5, 8 Mk. Stores 1 Mk. Fabrikverkauf Iimmrrstr. Ur. 86, äof part. 855 Control-Markeu-Me, ganz besonders meine selbst fabrizirten Cylinderhüte, empfiehlt z. soliden Preisen Hermann Haase, 221 Iuvalid««str. 189. 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